Morgenausgabe Nr. 603 A 306 44. Iahrgang SSödjentltd) /0 VfemrtA.«onaMch 3/— Aeichsm»� nn voran» zadlbar. Lnt« Streifband nn In» axb Aus» land 5�50 Reichsmark pro Monat. # Da„Sonwihts* mö da tttuftrtee» ten Sonntagsbeilage.Do!k und Zeit� Sowie den Beilagen»Unterhaltung vnd Wisfen�»Aus da Filmwelt-. .Stodtbeilage-»Frauenstimme-. »Da Kinderfreund"»Iugend-Vor- wäNs-»Blick in die Bücherwelt-. »K»!tt»rarbeif und»Technikerscheint wochentäglich zweimal Sonntags und Montags einmal. Aertiner Volksblatt Donusrsiag 22. Dezember 1922 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Ne e t r t p o 1 1 1 g e Ronpareillezekw 60 Pfennig. Reklamezeil? S.— Ru'.chs» mark»Aletne Anzeigen" das keüge» druckte Wort 25 Pfennig(zuiälsto zwei fettgedruckte Wanef ,edes weitere Asrt 12 Pfennig. Etellengeluche das erst? Wort 15 Pfennig, ledes weitere Wort 10 Pfennig Worte üver 15 Buchstiben zählen für zwei Worte Arbeitsmarkt �.-ile 60 Pfennig Familianzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen» annähme im chauptgelchäft Linvsn» Krabe 2. wochemä�l von SVj bU 17 Uhc. Jentsawrgan der Sozialdemokratische« Partei Veutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhofs A2— 2S7 Telegramm-Zldr: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheikkonto: Berlin 37536— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Lnxesielli«« und Beamten Dallsir. 65. DtSkonlo-Gesellschast. Depositeniasse Lindenstr S Schuh dem Mittelatter! preußische Justiz für Alexander Borgia und für Verbrennung Giordano Brunos. Die gerichtliche Beschlagnahme des Fricdrich-Wendelfchcn Werkes.�v i e S i r ch e in der Karikatur", die wir im gestrigen Abendblatt meldeten, stellt wohl dos tollste Stück dar, das stch die Justiz in legier Zeit im Kampf gegen Wissenschaft und Kunst geleistet hat. Wir brachten inzwischen die Abbildungen und Text- pellen, auf Grund deren der Derfaster w-'gen Gotteslästerung und Beschimpfung einer Re l i g i o n s g e s e l l i cha s l zur Verantwortung gezogen werden soll, in Erfahrung. Und da kann man nur mit Shakespeare ausrufen: Wer hier den Verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren! Da? Wendelschc Buch ist eine wissenschasjlich-kritische Uebersicht und scgt die karikaturistische Forschungsarbeit fort, die der Verfasser mit seinen früheren Werken..Das 19. Jahrhundert in der Karikatur� und„Der Bürger in de? Karikatur" begonnen hat. Entsprechend bewegt es stch auf der Linie der historischen Dar- ftellung und beginnt mit der karikaturistischen Auswirkung der Maudenskämpfe, die die Reformationszeit gezeitigt hat. Bekanntlich war Luther selber in seinen Ausdrücken gegen die katholische Kirche ulljes andere als wählerisch. Aber wie der Untersuchungsrichter dem lgcnosscn Wendel auf diesen Vorhalt erwiderte, würde die Zufli; auch denjenigen zur Verantwortung zieheu. der heute die Lutherschcn Schrisiea nazensurier« drucken ließet Dieser Äurspru'ch läßt erahnen, was dem gestrengen Herrn in dem Wcndelschen Buche anstößig erschienen ist. Da ist zum Beispiel eine antitkerikale Karikatur, entstanden um 1525. die zeigt, wie schlengnende Mönch« zur Strafe für ihren Lebenswandel in der Hölle von Teufeln gefoltert werden(ein häufig wieder- kehrendes Molio dieser Zeit). Im Vordergrunds unterliegt bcion- deren Martern ein uackur Mann mit aufgedunsenem Bauche, der die päpstliche Tiara auf dem Kopfe trägt. Jeder Kenner der Ee- schichte weiß, daß derartige Abbildungen hauptsächlich auf' Päpste vom Schlage des verbrecherischen Alexander Borgta (1482— 1503) gemünzt waren, besten zügellose Ausschweifungen, graufmve Gewalt- kalen. Gift- und Meuchelmorde das Euifehen der damaligen Zeit bildeten und auch von der katholischen Kirch« heute restlos preisgegeben werden! Die preußische Justiz aber meint, diesem E'oßverbrecher auf dem päpstlichen Stuhle noch 425 Jahre nach seinem Ableben— er starb an vergiftetem Wein, der für seine Gäste bestimmt war!— den Schuß der Staatsanwaltschaft widmen zu müssen! Die zweite beschlagnahmte 5tarikatur Ist holländischen Ur- sprungs und stammt aus dem Ende des 16. Jahrhunderts. Sic Ist betitelt„Die papistische Pyramide" und zeigt einen Pyramiden- ähnlichen Ausbau, aus Schlangen gewunden. Die Umrahmung bilden Bibelstellen aus der Apokalypse in lateinischer und hollän- bischer Sprache. Auch dieses Dokument aus der Zeit des Kampfes der prolestanllschen Mederlande gegen das katholische Spanien erscheint der Staatsanwaltschaft und dem Untersuchungsrichter als eine Beschimpstmg---der heutigen katholischen Äirchel Osfenbar fühlt die preußisch« Staatsanwallschast sich genötigt, die Hinrichtung Egmonts durch den Herzog Alba noch heute verteidigen zu müssen, was allerdings etwas seltsam gegen die Tatsache kontrastiert, daß die niederländischen Kampfes- und Danteslieder dieser Zeit noch heute in allen protestantischen Kirchen Deutsch- lands gesungen werden. Ganz toll wird es bei der dritten Verbotsstelle. Sie betrifft kein Bild, sondern einen Text. Der Verfasser schildert die Kegerver- brennungen, die Hinrichtung des humanistischen Buchdruckers Dolet, die Pariser Lluihochzeit von 1372, und kommt alsdann zur Der- brennung des kühnen Forschers G i o r d a n o Bruno, der wegen Kcgerci(lies: wissenichaftlicher Tätigkeit) im Jahre 1600 nach sürchterllchcn Merlern den Scheilcrhaosen besteigen mußte. In diesem Zusammenhang Ichreibt Wendel die Worte:„Die Bestie holt« zu einem ihrer grausigste� Schläge aus." Die Bestie— halt, denkt der Herr Staatsanwalt, das kann doch nur die katholische k'.Tdv sein, woblgemerkt, die katholische Kirche in ihrer heutigen Form! Denn offenbar seht der Herr Slaaisanwalt voraus, daß die kakho- tische Kirche heal? noch für keherverbrennungcn eintritt und einen Forscher vom Range Giordano Brunos auch heute den Flammen überliefern würde. Das nächste Verbot betrifft wiederum ein« holländische Karikatur auf die O h r« n d e t ch t«, entstauben um 1600: Ein Lamm betchrct dem Wolf in der Pnesterkuti« Auch dieses Bild ist dem nieder- ländlichen Freiheitekampf und der durch ihn verursachten antikleri- kaken Vswegung enlivruugeu. Doch, wir wollen gerecl» sein: während alle sonst beschlag- nahmteu Karikaturen auf da« ehrwürdige Aiter von 390 bis 400 Jahren zurückblicken, hat die Anklagebehörde auch einen— freilich nur einen— Griff in die Moderne geian: beiehlagnahmt und zum Gegenstand der Zlnkioge gemacht wurde auch eine Zeichnung des bekannten Karikaturisten Olaf GulbranssvN, die im Jahre 190S— also in der K a i s« r z« t t!— unbeanstandet im „Simplizisstmus" erscheinen durfte! Die Zeichnung zeigt eine leidend und würdig dargestellte Christusgestalt, gegen die ein tleiner Knabe Steine wir»'!, angefeuert von zwei muckerischen, paslorenähnlirhen Gestalten mit den Worten: „Triff nur gut, Gollliebchent Er hat die Ehebrecherin in Schuh genommen." Hier erreicht wohl die Groteske ihren Höhepunkt, denn in diesem Bilde und fewer Ifnterlchrlit sieht die Anklagebehörde den Dalbcsland der Golteelästcrung verwirklicht. Trauriger kann wirklich keine Anklagebehörde Ihre eigene Verstand- nislosigkeit an der. Pranger stellen. Sie hat nicht einmal b.'grisse», daß Bild und Tex! eine Verteidigung der bülischcn Gestalt Ehrtsli gegen jene Heuchler bildet, die heute seine Lehre ii, das Gegenteil verfälichen. Dem beabsichtigte» Gottes- und Kirchenlästerungsprazeß kann man mit heiterer Cnvarttina entgegeufeben. Wir sind wirklich gespannt, wie die prenstilchr.luitiz die Frag? bemmvorten wird, ob die Keßerverbrennulig und die Renaissancepäpste staatlich g e- schützte Rechtsgüter der Republik von 1927 sind. 5 4 verloren! Proveneetown, 21. Dezember. Ter Leiter der Arbeiten zur Bergung des gesunkenen Tauchbootes. Admiral Brumby, teilte mit, daß während des TtwrmeS das Verbindungstau gerissen und das ge» suakene Boot unauffindbar sei. Zwei Taucher suchten«ach ihm, doch seien ihre Bemühungen bis jetzt vergeblich gewesen. Deutschland schuht Sowjetbürger. Moslaus Bitte wegen Südchina selbstverständlich erfüllt. Die Sowjetregierung hat die Reichsregicrung um ltebernahme dies Schutzes ihrer Interessen in Südchina ersucht. Wegen der llngeklärtheü der Verhältnisse in China hat die Reichsregierung diesem Ersuchen in der Form entsprochen, daß sie ihr« Konsuln tn Südchina angewiesen hat, im Rohmen ihrer faktischen Befugnisse und der gegebenen Wirkung»- Möglichkeiten sich der Sowjetinteressen und der Sowietbürger anzunehmen. Der größte Teil des Personal, des Vowjetkonsulat» in Schanghai, einschließlich 19 Frauen und 7 Kinder, ist auf dem Dampfer„Zosma" direkt nach Wladiwostok abgefahren. Sie verließen das Konsulat tn aller Frühe, unbemerkt von der Bc- »ölkerung.— Gleichzeitig sind 1? Russen aus Hankau eingetroffen, die heute, Mittwoch,«eitertran&portiat werden. Auch der Sowjet- konsul von Hantau wird nach Wladiwostok abfahren. Alle Russen In Schanghai find verständigt worden, daß sie stch zur s o f o r t l g e n Abreise bereit zu halten heben. Schanghai, 21. Dezember. Der Außcnkoinmsssar der Nankingregierung ließ dem Korrespon- deuten der„Taß" den Paß aushändigen. Vis zu feiner Abreise ist ihm gestaltet worden, die Tätigkeit sorkzusetzen, er muß jedoch Durchschlage seiner Meldungen dem Außenkommissariat zur Prüfung vorlegen. Weiße Hinnchiungen. H a n k a o. 21. Dezember. Die verhaskongea und hinrichlungen chinesischer Kommunisten dauern an. Gestern nachmittag wurden zwei Männer und zwei Frauen hingrrickiict. Die zuschauende Volksmenge> begleitete die Hinrichtung mii Rufen:„lötet alte K o m m u- nisten!" Der Kommandant der Garnison hat sich beim französischen Generalkonsal wegen der Zwischenfälle entschuldigt, die bei de» Haussuchungen nach Kommunisten in der franzäflschcn Konzessions- zove vorgekommen sind. Amerikanische» Vaktaugebot an Frankreich. Staatssekretär Kellog hat dem franzöfifchen Batschofier den Entwarf ei»es Ab- kommens für ewigen Frieden übergeben. Dieses Adkommen iöll vier Hauptpunkte enthalten. Punkt 1 Verzicht aus den Krieg, Punkt Z und 3 Schiedsgerichtsverfahren, Punkt 4 Vor- behalt gewisser Recht« der Bereinigten Staaten besonders bo- treffend die Einwanderung und die Monroe-Doltrin. Oer ewig fremde Kontinent. Englands Kampf um das Gebetbuch. E. W. London, 20. Dezember. Das Unterhaus hat in der vergangenen Woche die Revision des Gebetbuches von 1662 v e r- warfen. An dieser Frage hatte sich eine Debatte ent» zündet, die die öffentliche Meinung des Landes überein- stimmend als eine der bedeutendsten ihrer neueren Geschichte bezeichnet. Diese Tatsache allein berechtigt, der Angelegenheit eine Aufmerksamkeit zu schenken, die sie vielleicht über Großbritannien hinaus aus eigenem Verdienste nicht be- anspruchen dürfte. Seit vielen Jahrzehnten wurde in den der englischen anglikanischen Kirche nahestehenden Kreisen das herrschende liturgische Chaos als medr und mehr unerträg- sich empfunden. Die Kirchensatzung, im„Gebetbuch" nieder- gelegt, entsprach der tatsächlichen liturgischen Praxis nicht mehr. Die lebendigen religiösen Kräfte im Schöße der Staatskirche hatten längst die alte Form gesprengt. Während der eine Flüge! der Kirche sich immer mehr in die Richtung streng protestantischen„N onkonformisnius entwickelte und seinen Gottesdienst entsprechend sonnt«. neigte ein anderer— nicht minder einflußreicher— Flügel dem römischen Zeremoniell zu. Das Chaos war um die Jahrhundertwende vollständig geworden und die Uebertretung der gültigen liturgischen Rorm zur Regel geworden. Der Ruf nach einer Anpassung des„Gebetbuches", als des Inbegriffs der kirchlichen Satzung, an die veränderten Verhältnisse, war schließlich um die Jahrhundertwende so stark geworden, daß das Unterhaus eine Reform befahl. Die letzten zwanzig Jahre und insbesondere die letzten zwölf Munaie waren mit schweren kirchlichen Kämpfen über den Charakter dieser Reform ausgefüllt. Dieses Ringen hatte schließlich derartige Formen angenommen, daß sie Presse und Oeffentlichkest zeitweise nachdrücklicher beschästig- ten als irgendwelche andere Frage, nicht nur kultureller. sondern auch wirtschaftlicher und sozialer Natur. Schließlich schien dieses innere Ringen ausgekämpft zu sein: die revidierte Fassung des Gebelbuches wurde von ewer Konklave der Bischöfe der Staatskirche, von dem aus Laien und Klerikern zusammengesetzten„Parlament der Kirche" gebilligt und zuletzt auch vom Haufe der Lords, diesem konservativsten aller konservativen Körperschaften genehmigt. Die Zustimmung des Unierhaujes schien eine ausgemachte Sache. Aber gerade das Unterhaus hat die Reform in einer an plötzlichen Sümmungsumschwüngen überreichen Sitzung, für die sämtliche Parteien ihren Mitgliedern die Abstimmung freigegeben hatten, unter allen Anzeichen leiden- schasilicher Erregung verworfen. Aus der das Problem überwuchernden Rhetorik heraus- geschalt, kommt die Auseinandersetzung auf ein Ringen zwischen puritanischem P r o t e st a n t i s ni>: s und Anglo-Kathollzi s m u s hinaus. Alle anderen Fragen treten daneben zurück. Mochte auch ein kleiner Teil der Gegnerschaft gegen das revidierte„Gebetbuch" von anglo- katholischer Seite kommen, die ihr an die römisch-kochottsche Liturgie angenähertes Messezeremoniell nicht beschnitten und „puritanisierl" haben wollte, die entscheidende Opposition kam jedoch nicht von dieser, sondern von der entgegengesetzten Seite: von denen, die im neuen Gebet- buche eine dogmatische Annäherung an Rom zu sehen glaubten und in der Revision einen Schritt aus die verhaßt« Wiedervereinigung mit Rom sah. Auf die einfache Forme! gebracht bedeutet die Verwerfung der Gebetbuch- > evision ein Bekenntnis zu Reformation und Protestantismus und ein« Erklärung gegen Rom. Die Idee der Annäherung an Rom mit dem Endziel der Wiedervereinigung mit Rom, ha: in der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember im Unterhaus eine e n l- scheidende Niederlage erlitten. Die Umstände, unter denen sich diese Entscheidung ab- gespielt hat, bieten eines der merkwürdigsten Phänomene, das im ganzen Umkreis der europäischen Politik beobachtet werden kann: völliger Fortfall der Pnrteischrankcn, religiöser Eifer, ja F a n n t i s m u s, der gleicherweise von konser- va'.iven. sozialistischen und libcralep Adg«ordneteu cnrsalrcl wird, teidenschastlich« Mitbeteiiigung von Abgeorb- nelen. die der Scaatskirche nicht angehören und, allgemein gesprochen, die Tatsttche, daß überhaupt die Entscheidung über Lebensfragen der Kirche von England durch eine Mehr- bcit von Abgeordneten gefällt wird, die der„Kirche von Schottland"— keineswegs identisch mit der Kirche von England!—, den verschiedenen Dissonterkirchen usw. zu- gehören, also, kirchlich gesehen, Außenseiter darstellen! Es ist wohl in keinem anderen europäischen Parlamente denkbar, daß sozialistische Abgeordnete mitten im religiösen Ringen stehest und-- weit davon entfernt, da» Parlament a'x rn'ijustijndig zu erklären und ein« Trennung von Staat und Kirch« zu fordern— mit der Leidenschaft von mittekalterlichen Slaubenskämpfern für und gegen eine Gebetbuch- Gchnorrmethoden der Reaktion. Oer �eichsverband" spuki vor den Wahlen.— Großer Beikel, aber:„Streng vertraulich!" Vor einigen Tagen berichteten wir über die katastrophal gedrückte Stimmung bei den„Vaterländischen Verbänden", die bei leeren Kassen dem kommenden Wahlkampf mit Vibbern und Zagen entgegensehen. Jetzt können wir weiteres Material veröffentlichen, das beweist, wie man im Lager der bürgerlichen Parteien mit Mitteln der Verzweif- luna um die Seele des Volkes und um die Wahl» gelder der Besitzenden wirbt. In München besteht eine„Bürgerliche Mugblattzeirtralc". Sie gibt sich nach dem Rezept der Propaganda Hugenbergs „national, antimarxistisch und arbeitsfriedlich"» ohne irgend- wie Parteipolitik zu treiben. Es kennzeichnet den Geist des Unternehmens, daß ihr ehrenamtlicher Leiter der völkische Hetzgeneral E. v. Liebert ist, der seinerzeit den berüchtigten. im Volke als„R e i ch s l ü g e n v e r b a n d" bekannten, „Reichsverband gegen die Sozialdemokratie"„führte". Für die M e t h o d e n dieser Gesellschaft aber mögen die folgenden Auszüge aus Aufnisen sprechen. In dem einen heiht es: Im Hinblick aus den nahenden Wahlkampf des Jahres 1326 nehmen wir nunmehr unsere langjährige Tätigkeit beizeiten wieder aus und rusen zum Sammeln. Sic alle werden darüber nicht im unklaren sein, daß die kommenden Wahlen— Gemeinde-, Landtags- und Reichs- tagswahlcn—, wenn es so fortgeht, einen ausgesprochenen A b- morsch der Masse nach links bringen werden. Schon rüsten die marxistischen Parteien aller Schattierungen, gestützt aus ihre mächtige Organisation— 72 000 besoldete Gewcrkschosts- sekretäre— und aus den ständigen Zufluß gewaltiger Geldmittel aus den Kassen in- und ausländischer Hinter- männer, zu einer weit ausholenden Aufpeitschung der urteilslosen Menge der Handarbeiter, kleinen Angestellten, Beamten usw., um mit ihrer blinden Unterstützung den kümmerlichen Resten unseres ehemaligen Ordnungsstaates den Gnaden stoß zu geben und zu eigener skrupelloser und brutaler Gc- walthcrrschaft zu gelangen. Und es wird ihnen gelingen, wenn sich unsere bürger- lichen Kreise aller Stande und Beruse, alle die noch gut deutsch denken und fühlen, denen noch ihr altes deutsches Baterland wert und heilig ist, nicht in letzter Stunde auf stch selbst besinnen und ohne Rücksicht auf leidige Parteizersplitterung ge- schlössen zusammenfinden zum gemeinsamen Kampfe gegen den ge- melnsamen inneren Feind, gegen die Staat und Kirche, Freiheit und Recht, Treue und Glaubet� Handel und Wandel gleichermaßen bedrohende ROTE FLUT, gegen die oötterfrestendr Seuche der marxistischen Irr- und Hetzlehren. Denken Sie an Rußlandl... an Wien. Diesem gemeinsamen Abwehrkampf ohne Unterschied der Partei dient die Vürgecliche Flugblaltzenkrale seit ihrer Gründung im Lahre 1310. Die Angst vor der„ROTER FLUT" must in der Tat so groß sein, dost man sich bereits schämt, sie öffelitlich auszusprechen. Daher ist das Rundschreiben„vertraulich". Nicht einmal mit den Namen der verantwortlichen Teile wogt man hervorzutreten. Heistt es doch in dem dam Bettelbrief beigegebenen Flugblatt: 1. Unser« Flugblätter erscheinen im eigenen, zuverlässigen Druck und Verlag. 2. Die äußer« Aufmachung der Flugblatt« ist streng neutral, ohne jede« Herkunflsnermerk. Der Text ist der seelischen Ein- stellung der breiten Masse angepaßt und frei von jeder Partei- politischen Färbung und Propaganda. A. Die Verbreitung der Flugblätter erfolgt: a> durch Bestellung aus Lieferung in beliebigen Mengen an die Herren Austraggeber zur Sclbstvorteilunz. b) durch unmittelbaren E i nz e l v e r s a n d mit der Post ab München(Drucksache oder Brief) ins Haus, noch den uns vorliegenden Anschrlsteiwerzeichnisien, Lohnlisten- ouszügen, Mitgliederlisten und d«gl. 4. Jede freundliche Mitteilung von Anschriften zu- Werbung für unseren Kampfsthatz einerseits, zur direkten Zustellung der Flugblätter an Arbeiter. Angesteljste usw. Lohnlistcnauszüge und dergl. andererseits, ist noch wiHkominen. Werben, sammeln Sie bitte für uns in Öhren Freundes- und Ge- stnnungskreisenl S. Bei festen Lieferungsausttägen, wie bei sretwiMgen Spem den und Förderungen bitten wir immer wieder, hie Tragweite unserer Aufgabe und die mtt ihrer wirksamen Durchführung ver- bundenen Unkosten, allein an Porto, zu berücksichtigen und uns danach einen Ihrem Können wie der Zeitlage angemesse»en B e- trag zu überweisen. Wir können Auflage und Preis der einzelnen Flugblätter des Näheren erst nach Ueberblick über die vorhandenen Geldmittel und vorliegenden Aufträge bestimmen. Aber bedenken Sie stets: Es gill, den Sampf um die Seele des Volke»! Ohne Opf« gehl so nicht. Und auch viele wenig machen ein viel. In einem anderen Sammalruf„An Alle, die es angeht" heißt es u. a.: Für die Aufklärung der breiten Mast« ist neben dem lebendigen Wort der Volksversammlung das Flugblatt das wirksamste Mittel. Freilich ist eine planmäßige Masienverbreitung von Flugblättern, schon im Hinblick auf die hohen Portoläge, mit Kosten verknüpft. vor denen der leider minder ausgeprägte Opfers»»» bürgerlicher Kreise meist zurückschreckt. Hier heißt es eben immer wieder: Vom Feinde lernen! Aber ohne geldliche Opfer gehl es nicht! Di- im Jahre 1319 gegründete Bürgerliche Nugblattzentrale hat es stch nun zur Ausgabe gemacht, wirkungsvolle Flugblätter zur Abwehr der marxistischen Seuche� vor allew in Arbeitnehmer- kreisen, zur Massenverbreitung zu bringen. Es kommt gundsätzlich darauf an, lieber wenige, aber zugkrästige Flugblätter in Millionen Stückzahl zu verbreiten, deren widerhallende Schlag- und Stich» worte erfahrungsgemäß suggestiv auf die sogenaonte Bolksseele wirken, wie eine Unzahl verschiedener Flugblätter f») nur kleinen Auflagen herauszubringen. Und dieses Mafsenflugblatt muß dem Arbeiter usw. unmittelbar In das Haus fliegen. Zu dem ollen gehört— man denke nur an die nötigen Portospcscn!— Geld! Geld! Geld! Die Bürgerliche Flugblattzentrale wendet sich an alle, die guten Willens sind, mit der dringenden Bitte, auch ihrerseits, ein jeder nach seinen Kräften, einen Bau st ein zum Deichbau wider die Rote Flut des Marxismus beizusteuern. Ein jeder Groschen ist willkommen; jede noch sp kleine Spende dient dem Ganzen! Die Verbreitung dieser Flugblätter usw.«folgt entweder auf Bestellung einer gewissen beliebigen Stückzahl zur Auflieferung und Selbstverteilung durch den Auftraggeber. Selbstredend wirden solche Bestellungen, wie die Herkunst der uns zur Verfügung gestellten Beiträge zu unserem Kampsschatz« stets.streng vertraulich behandelt. Wir rechnen aber mit dem Intelligenten B erstand». njs(!) weitester nationolgesinnter, deutschbürgerlich« Kreis«, aller Gutgesinnten deutschen Frauen und Männer, die mit offenem Auge für die drohende Gefahr der nächsten Zukunft auch die nötige ofs»ne Hand zu verbinden wisse» und hoffen gern. daß uns insbesondere die meistint«essterten Herren Arbeitgeber der Industrie, des Handel«, der Dandwirlschaft, behärdlicher und privater Ualernshmongeu aller Art nicht im Stiche lasten. Das„intelligente Verständnis"— welch ein Deutsch! der Arbeitgeber ist zu bedauern, wenn es auf diesen Phrasenschwall hereinfällt. Unseren Freunden aber raten wir, ihnen zugesandte Flugblattsendunaen der famosen Zentrale sorgsam aufzuheben, sich den Jichall genau an- dann enthaltenen Schlagworten überall Es geht um die Seele des Volkes, sie wird sich nicht gegen Arbeit- an die Reaktion oertaufeu zusehen und den entgegenzutreten. jawohl!— aber �ebergelder 'assen. raviston kämpfen zu sehen. In keinem anderen europäischen Parlamente ist es vorstellbar, daß ein sozialistischer Abgeordneter, wie der Schotte Mitchell, der Mann, der bei den letzten Wahlen Asquith(Lord Oxford) geschlagen hat, die politischen Gegner in einer religiösen, nein in einer dogmatischen Frage buchstäblich zu Tränen hinreißt und eine Rede, die das Schicksal der Kirchenreform für die nächste Zeit besiegelte, mit einem„So wahr mir Gott helfe!" schließen könnte. Die tiefe, innere Aufwühlung eines europäischen Par- laments von 1928 an einer religiösen Frage, die Jdentisizie- rung von Abgeordneten aller Parteien mit religiösen Fragen, das Fehlen auch nur einer einzigen Stimme antikirchlicher Natur, das Fehlen des Problems der Trennung von Staat und Kirchs.— das alles zeigt auf eine symbolische Weise die entscheidende Art- und Wesensverschiedenheit des g r o stb r i t a n n i j ch e n Menschen von seinen kontinentalen Nachbarn. Schlagwortartigc Formeln, wie „religiöse Heuchelei",„canf usw. kommen dem Phänomen dieser parlamentarischen Auseinandersetzung nicht bei. Nie- mand, der ratlos dieser erregten, in Psychose ausschwin- genden Debatte gelauscht hat, wird solchen Vorwurf wagen können. Wohl wird er im tiefften von der Fremdartig- keit der großbritannischen Welt betroffen worden sein; mehr als je davon überzeugt, daß hier eine seelische Sprache gesprochen wird, die er nie, nie, nie verstehen wird. Mag ihm selbst der Kampf um Dogmen und religiöse Entscheidun- gen näher stehen als den meisten seiner kontinentalen Partei- freunde, so wird er doch mit ihnen die Ungeheuerlichkeit der Tatsache fühlen, daß ein heutiges Parlament, in einer Welt der Arbeitslosigkeit, der Klassen- und Machtkämpfe seine Leidenschaft an liturgischen Fragen entzündet. Millionen stehen fassungslos der Not des Winters gegenüber, der Friede der Welt ist neuerlich durch Militansnius und Imperialismus gefährdet, in den Kolonien und im Fernen Osten bahnen sich Entwicklungen an, die das britische Welt- reich vor die Schicksalsfrage stellen— die„Mutter der Par- lomcnte" aber verfällt in Hysterien, weil es den Priestern der Hochkirche in Zukunft gestattet werden soll, den Gottes- dienst i» einein, dem römisch-katholischen ähnlichen Ornate zu zelebrieren! Und weit über die Bezirke hinaus, wird Millionen und aber Millionen, darunter Hunderttausenden von sozialistischen Proletariern, die in die internationale sozialistische Arbeiterbewegung eingegliedert sind, eine solche, beileibe nicht dogmalische, sondern tirchenpolitischc Ausein- anderjetzung zu einem tiefaufwühlenden, als h i st o r i s ch empfundenen Erlebnis. Mögen die gleichen wirtschaftlichen Probleme England und den Kontinent beschäftigen, Klasienkämpfe dies Land. wie die anderen europäischen erschüttern, Not und Elend an die Häuser der Reichen, wie anderswo pochen— plötzlich ereignet sich hier etwas Unerwartetes, schon wenige Meilen über dem Kanal völlig Undenkbares, das beweist, wie un- endlich nah hje kontinentalen Nationen seelisch und geistig zueinander stehen, verglichen mtt England, dem ewig fremden Kontinent. Die gespaltenen Fraktionen. Der von unserem London« Korrespondenten geschilderte Riß, der durch all« Fraktionen bei der Abstimmung über das Gebetbuch ging, geht an, d eullichsten aus foigender Abstimmungs- » ab«ll« hervor. Aon 618 Abgeordneten gaben 447 ihre Stimme ab, was für englische parlamentarische Verhältnisse einen recht hohen Prozentsatz bedeutet. Davon stimmten: Für Gegen- das neuä Gebetbuch Arbeiterpartei«... 35 5-3 Konfsrvattve..... 167 161 Liberale 2 23 Unabhängige..... 3 3 WS 245 Am geschaffensten haben demnach die Liberalen als Gegner der Reform gestimmt. l5s hat sich allerdings nur etwa die Hälft« der liberalen Fraktion an d« Abstimmung beteiligt, eben falls nur etwa die Halft« der Arbeite, fraktion, während fast vier Fünftel der Kon- servaliven anwesend waren, allerdings fast in zwei gleiche Teile gespalten. Die meisten Minister, z. B. Baldwin, Austen undNeville Echawberlain, haben für das neue Gebetbuch gestimmt, während dar Önnemränister Öoynsan-Hicks. ebenso Churchill, zu den enischiodensten Gegnern der Reform gehörten. Zentrum und Arbeiierschast. Em Klagesthrei aus Württemberg. Die Vorbereitungen der für das nächste Jahr bevor- stehenden Wahlen scheinen im Zentrum zu lebhaften Auseinandersetzungen der einzelnen Berufsschichten führen zu sollen. Man Hot den Eindruck, daß sich die Arbeiter heftig zur Wehr setzen müssen, um nicht von den Interessenten der bürgerlichen Berufskreise vollständig an die Wand gedrückt zu werden. Das kann man wenigstens einem Artikel der „Schwäbischen Arbeiterzettun g", dem Blatt der katholischen Arbeitervereine Württembergs entnehmen, dem u. a. der Reichstagsabgeordnetc A n d r 6 nahesteht. Es heißt in diesem Artikel: An migen Bezirken der Zentrumspart« wurde schon über die Kwndidatenaufstellung gesprochen, teils unverbindlich, teils bereit» in konkreteren Formen. Bs» diesen Besprechungen fallen uns zwei Punkte auf. In die Sitzungen, die über die Kandidatenaufstellung verhandeln, kommen Zentrumsleute, die man in den Partei- fitzungen, die sich mit Beitrags- und Agitationsfrogen befaßten, n i« sieht, die sich nach den Wahlen vi« Jahre wieder in kelner Parteisitzung sehen ließen und lediglich wieder erscheinen, wenn es gilt, den Vertreter fürs Parlament zu bestimmen. Bei der mühevollen, opferreichen Kleinarbeit glänzen sie mtt Abwesenhett— bei Kan- dldatenaufstellungen sind sie aber vorne dran und wollen kräftig mitbestimmen. Das ist das eine. Wetter fällt uns auf, daß jeder Stand und jede Berussschicht peinlich darauf achten, daß sie auch eine feiner Stärke entsprechende Zahl von Mandatsträgern erhalten. Die Landwirtschaft rechnet haargenau aus, wieviel Ver- treier sie in den Landtag zu entsend«, hat. Der Mittelstand meldet seine Ansprüche bei d« Zentrumspartei an. Die a k a d«- misch gebildeten Lehrer bekommen ihren Vertreter, die BolksfchuNehrer ihren Abgeordneten: die Akademiker sind gut ver- treten. Wer denkt bei der Kandidatenaufstellung auch daran, daß die württemb«gische kattzolische Arbeilerschost eine ihr« Llärke und Arbeit für die Partei entsprechende Zahl von Abgeordneten«hall? Welch« Bezirk hat auch schon daran gedacht, daß er einen weiteren * Arbetterkondidaten ausstellen könnte?" Der Verfasser dieser Zeilen scheint sehr unangenehme Erfahrungen m den für die Kandidatenaufstellung mahgeben- den Sitzungen der Zentrumspartet gemacht zu haben. Es ist jedoch sehr fraglich, ob er mit seinem Rotschrei den Arbeitern viel nützen tpird. Im katholischen Oberland, wo Zentrums- Mandate zahlreich zu vergeben sind, gibt der katholische Adel den Ton an und die Arbeiterschaft kann lediglich die Wahlarbett für ihn machen. Bis jetzt ist wenigstens dort noch niemals ein Arbeiter aufgestellt worden. Aehnlich liegen die Verhältnisse in Schlesien und anderen Hochburgen des Zentrums. Hemmnisse der Verwaltungsreform. Enklaven ohne Einwohner.— Winzige Verwaltungsbezirke. Alle möglichen Stellen wollen jetzt durch«ine Reform der Verwaltung Ersparnisse am Staatsapparat«zielen Eine Un- zahl von Dorschlägen wird ständig erörtert. Wo ab« die wirk- lichen Hemmnisse ein« B«wattungsresorm Legen, das zeigt eine Abhandlung der Zettschrtst des Statistischen Reichsamts„W I r t- schaft und Statistik". Den wenigsten ist bewußt, daß von den achtzehn deutschen Ländern nicht weniger als sieben«ine Einwohnerzahl haben, die der einer mittleren Großstadt entspricht. Sie haben noch nicht eine halbe Million Bewohner, wett«« drei entsprechen chrer Bevölkerung nach einer Großstadt mtt einer halben bis einer Mil- lwn Einwohnern. Rur acht, also noch nicht die Holste, hat eine größere Einwohnerzahl als eine Million. Durch diese Einteilung der Länder ergibt sich ein durchaus bunt> scheckiges Bild der einzelnen Organe in der Verwaltung. In Preußen stellt sich die Einwohnerzahl eines Landkreises im Durch- schnttt auf 53 382, eines Stadtkreises sogar auf 123 515; dagegen finden wir in d« Ordnungszelle Bayern Lerwaltungsbezirke mtt einer durchschnittlichen Einwohnerzahl von 33 544. in Schaum- burg-Lipp« solche mit 12 012, in Mecklenburg-Strelitz 7876 und in Lippe sogar mit 7115 Einwohnern. Man kann sich danach ein Bild machen, wie gerade in den kleineren Ländern unnötige Lerwcltungskosten vergeudet werden infolge der winzigen Größe der Bezirke und der von den einzeln«, Stellen betreuten Bevölkerung. Einen ebenso gewaltigen wie überflüssigen Kostenaufwand ver» ursacht die Verwaltung solcher Gebiete, die zwar zu einem bestimm- ten Lande gehören, aber vollständig von Gebietsteilen eines anderen Landes umgeben sind. Entstanden sind diese Enklaven durch die Geschichte der Herrscherhäuser mtt ihrem Fomttienbesitz. Man sollte es nicht für möglich halten, daß in der deutschen Republik noch 196 solcher Enklaven bestehen, die— etwa wie Hohen» zollern— zum Teil wett von ihrem„Matterland" entfernt liegen, ob« alle Berwottungsarbett in Uebereinstimmung mtt dar so weit abliegenden Regierung treffen müsien. Selbst wenn diese Enklaven nicht bewohnt sind, erford«n sie ein erhebliches Maß von Derwol» wngsarbeit. Totsächlich sind 53 dieser Enklaven überhaupt nicht bewohnt, weit«« 53 mit einem Flächeninhatt von wemger al» 100 Hektar sind die Heimat von ganzen 2153 Einwohnern, wettere 33 Enklaven sind mit insgesamt 8871 Einwohnern bevölkert. Hi« wäre in der Tot eine Arbett zu leisten, die nicht viel Mähe kostet, aus die Dauer aber eine Berbilligung der Veiwal- t u n g bringen würde. Allerdings gehört dazu die Abkehr von überalterten Vorstellungen, als ob jedes Land und jede« Ländchen seinen Besitzstand für ewige Zeiten wahren müßte. Bon einer Re. gierung. die im Grund« für den Einheitsstaat nichts übrig hat, wird man freilich wesentliche Schritte zu einer solchen„Flurbereinigung", die mtt einer Korrektur der recht willkürlichen Lcndesgrenzen zu» sommenfollen müßt«, kaum erwarten dürfen. Denn zum Sparen sind ja— wenn es nach dem Rechtsblock und seinen Beratern geht— nur die sozialen Ausgaben da. Ltniersuchung gegen Cfrohne. OerIustizministerfordertÄerichtuberdeaZieichswehrpfvzeß Ans die Vorwürfe, die in der Oeffentllchkeit gegen den Land» gerichtsdirektor C r o h n e als den Dorsitzerrden in der Haupt- oerhandlung gegen die.Wellbühne" wegen Beleidigung von Oifi. zieren der Reichswehr erhoben worden sind. Hot wie d« Amtliche Preußische Pvesiedienst mitteilt, d« preußische Justiz» minister alsbald Berich, von dem Kammergcrichtsprä- s i d e n t« n eingeforderi; dies« ist bereit? seinerseits in«ine Nach- Prüfung der Angelegenheit eingetreten.• Die Landlagswahlen In Württemberg finden voraussichtlich a» Sonntag, dem 29. April 1628, statt. Hoffnung auf Linkswahlen. Ja Krankreich!— Und in Deutschland? Wir berichteten kürzlich aus Genf über Besprechungen, die saarländische Delegierte aus allen Parteien, einschließlich zweier Vertreter der Sozialdemokratie, während der Ratstagung mit verschiedenen Stellen, insbesondere mit der deutschen Delegation, über die aktuellen Fragen de? Saar- uebiet� hatten. Ein uns zugekommener Bericht aus Saar- b;-ik er s n hebt u. a. die von uns bereits betonte Tatsache Wvor, daß die deutsche Delegation den Saarvertretern gegen- über zum Ausdruck brachte, daß sie es nicht für zweck- mäßig hielt, im gegeruvartigsn Augenblick mit den dafür »ii ständigen RatsmÄchsen über gewisse Fragen zu verhandeln, die der Saarbeoölkerung besonders am Herzen liegen. Be- a n n hat am vorlebten T?ge seines eine fast anderthalbstündige Aussprache kanntlich ist der saarländische Landesrat nur die Kaub tatur eines Parlaments. Er kann sich bestenfalls im gut- amtlichen Sinne äußern, doch ist die vom Völkerbund ein- g.'lsg'e Regierungskommission in keiner Weise an seine Ve- Schlüsse gebunden, ja der Landesrat besitzt nicht einmal das Recht, über die Verwendung der von der Bevölkemna auf« g brachten Stenern in Höhe von jährlich 400 Millionen Franken zu bestimmen. Was tut nun die Relchsregierung, um dem saarländischen Landesrat zu einem E t a t s r e ch t zu verhelfen? Nichts! Stresemann scheint wieder guter Dinge zu sein. Wie schon einmal in den Tagen von Thoiry hält man es in der Wilhelm- straße für überflüssig, sich mit„Detailfragen" zu beschäftigen, da man wieder einmal auf eine„G e s a m t lö s u n g" in absehbarer Zeit rechnet, die neben der Frage der Räumung des besetzten Gebietes auch das Problem des Saargebietes im Si"ne der deutschen Wünsche liquidieren wird. Worauf stützen die amtlichen Stellen diesen Optimismus? Sie machen gar kein Hehl daraus, daß sie mit einem überwältigenden Sieg; der Verständigungspolitik Briands, also mit einem großen Erfolg der Linksparteien bei den nächsten franmülchen Wahlen rechnen. Dieses Vertrauen in den Verständigungswillen Briands und in den Erfolg der französischen Demokratie ist auch nach unserer Ueberzeugung durchaus berechtigt. Aber zu einer Verständigungs- und Annäherungspolitik gehören zwei. Wenn man in der Wilhelmstraße mit Recht den Sieg der französischen Linken als die Voraussetzung für eine baldige „GesamtlösiinF* betrachtet, dann muß man auch die Konse- guenz und den Mut aufbringen, den Sieg der deutschen Linken bei den kommenden Reichstagswahlen als die andere unerläßliche Vorbedingung zu erstreben. Von einem solchen Streben war jedoch im vergangenen Jahre in der Wilhelmstraße nicht viel zu verspüren, man regierte zu- sammen mit den deutschen Nationalisten, man bestritt hart- näckig, daß die Bildung des Rechtsblocks eine außenpolitische Belastung bedeute, man leugnete den offenkundigen Zusam- menhang zwischen dem Rückschlag nach Thoiry und der Rechtsschwenkung in der Reichspolitit— und sogar heute noch enthält man sich sorgfältig jeder klaren Stellungnahme zu der schicksalsschweren Frage: Was ist im Interesse der deutschen Außenpolitik bei den kommen- den Reichstagswahlen zu er st reden? Herr S t r e s e m GsnfZr Aufenthaltes eine mit Briand gehabt. Der„Vorwärts" hat damals aus Genf gemeldet, daß das Gespräch zwischen den beiden 2lußen- ministern sich ganz besonders um die Bedeutung der kommenden Neuwahlen in Frankreich und in Deutschland fiir die Zukunft d« deutsm-ftanzösischen Der- stand igungspolitlk gedreht hat. Diese Mitteilung ist nicht dementiert worden, die tonnte gar nicht bestritten werden— weil sie stimmt. Wir verlangen nicht von dem Reichs- außenminister, daß er der Oeffentlichkeit Einzelheiten über seine vertrauliche Aussprache mit Briand preisgibt. Man dürfte aber von ihm erwarten, daß er öffentlich die Konse- quenzen aus seinen Genfer Eindrücken ziehen werde, wenn er nicht zugleich Thef der Volkspartei wäre. Heute gibt es sozusagen zwei Stresemänner: einen, der als Außenmini- ster Linkswahlen auch in Deutschland wünschen muß. und einen, der sich fragt, was dabei aus seiner Partei wird. Lautet aber nicht der alte— leider selten befolgte— Grundsatz der Nationalliberalen: Das Vaterland über die Partei!?" Verwaliungsskandal im Rheinland. Schwermdostnelle Sabotage der Kommunalwirtschaft.- privatkapitalistische Sonderiateressea. In Düsseldorf«st e, zu einem Derrvaltungsstandal gekommen, der aus oerschiedenen Eriinben ein sofortiges Eingreifen der preußischen Staatsbehörden erfordert. Zentrum. Sozialdemokraten und Kommunisten hatten gegen die Stimmen der übrigen Parteien die Erhöhung der Lohnsummensteuer auf ein Ausmaß beschlossen, das gegenüber anderen rheinischen Städten noch zurückbleibt. Rötig mar dies« Erhöhung zur Deckung von Mehrausgaben für Wohlfahrtszwecke und Besoldungen. Jetzt hat der aus von der Regierung und vom Provinzialausschuh bestellten Mitgliedern bestehend» Bezirksausschuß die Erhöhung abge- lehnt, obwohl er früher selbst die bisherigen Steuersätze als zu niedriz bezeichnet hatte. Insoweit bestände für die Oeffentlichkeit noch kein Grund zur Ausregung: dte Stadtverwaltung Düsseldorf hat überdies gegen den Lusschußbeschluß Bejchwerde beim Provinzialrat erhoben. Skandalös stnd aber die näheren Umstände. Sie erklären sich als ein Ausfluß de» Kesseltretben» gegen die Städte über» Haupt und der Schwerindustrie gegen die Stadt Düsseldorf insbe. sondere, der unter allen Umständen ihr Aktienbesitz am R heinisch. We st fällschen Elektrizitätswerk ab- gejagt werden soll. Damit soll die beginnende kommunale Oppo- snion gegen die privatkapitalistische Interessenpolitik im Rheinisch- Westfälischen Elektrizitätswerk erdrosselt werden. Vertreter der Düsseldorfer Industrie sind nach zuverlässigen Mit- teilunzen um die Auffichtsin stanzen in ihrem Inter- ,sse zu beeinflussen, noch Berlin und nach Koblenz gefahren und haben Mitglieder de» Bezirksausschusses bearbeitet. Der Be- schluß des Bezirksausschusses wurde noch einer noch nicht dag«- wesenen und sorgfältig ausgeklügelten Methode bereit» innerhalb einer Stund« der Stadt Düsseldorf offiziell mitgeteilt, um d«m sozialdemokkatifchen Regierungspräsidenten, der den Beschluß kaum gedeckt hätte, das ihm nur vor der Zustellung zu« stehende Einspruchsrecht zu nehmen. Ebenso schnell wurde der Beschluß aber mich einer am gleichen lag« stattfindenden Protest- versommlung der Industriellenbeitet wird, um den neuen Bestimmungen der Reichsbesoldungs- , o r d n u n g entsprechende neue Geholtsabkommen. vorzu- > bereiten, während jeder verantwoltungsbewusste Arbeitnehmerver- band, insbesondere auch der Zentralverband der Angestellten, ver- > sucht, das möglichst Günstige für seine Angestelltengruppe festzulegen, oerrät dieser Bund die ihm richtig erscheinend« Gruppierung, obschon die amtliche Bekanntmachung des Reichsbesoldungsgesetzes am 17. Dezember 1927 noch nicht da war. Leider ist es uns jetzt nicht möglich, die ganz unzureichenden Fordeningen des Bundes h.kanntzugcben. Da sie durch den Versand des Bundes nur einem kleinen Teil der Interessenten bekannt werden, ist der Schaden hoffentlich nicht allzu gross. Wenn aber bei den kommenden schwierigen Verhandlungen das Machwerk des B rndes eine verhängnisvolle Rolle spielen wird, wenn Ausstchtsbehö''den den weitergehenden Forderungen des Zentralverbandes der Ange- stellten unter Berufung auf den Bund Widerstand entgegensetzen werden, dann wissen die Kollegen, wem sie dies zu verdanken haben. Seine Rolle werden wir zu gegebener Zeit' ausführlich schildern. Einstweilen raten wir, das Zirkular des Bundes lehr sorofältig aus- zubewahren, es aber unter allen Umständen nicht in der Oeffcntlich- keit zu verwenden._ Ahnungslose Ltnorganisiefte. Eine Po st Helferin, die zwölf Jahre beim Fern- s p r e ch a m t SW. beschäftigt war, wurde gekündigt. Sie, eine Witwe in den besten Jahren, hatte eine Fehlgeburt gehabt Das war für den Dienststellenleider der„Beweis eines un- sittlichen Verhaltens". Deshalb verfügte er die K ü n d i- g u n g.« Die Gekündigte erhob Einspruch bei der Vorsitzenden des Be- triebe- und des Angestelltenrates, einem Fräulein Sch. Diese nahm den Einspruch entgegen, verhandelte ohne Erfolg mtt dem Dienst- stellenletter, und die Gekündigte erhob Klage beim Arbeits- g e r i ch t. Hier erfuhr sie nun, dass sie sich mit ihrem Einspruch an die falsch« Adresse gewandt und infolgedessen i h r Klagerecht verwirkt hatte. Die Klägerin wurde durch den Richter belehrt, dass sie sich an de» A r b e i t e r r a t hätte wenden müssen, und Fräulein Sch. als Vorsitzende des Angestelltenrates und des Betriebsrates nicht zuständig ist für den Einspruch einer Arbeiterin. Fräulein Sch. wurde vom Richter befragt, warum sie den Einspruch der Klägerin nicht dem Arbeiterrat über- wiesen habe Fräulein Sch. hatte keine Ahnung Sie kannte den Unterschied zwischen Arbeiter-, Angestellten- und Betriebsrat gar nicht uttd meinte, das se> doch olles eins, alle Angelegenheiten würden ja mi Betriebsrat er'edigl. Fräulein Sch. wusste auch nicht, ob es an ihrer Dienststelle überhaupt einen Arbeiterrat ßivt. Erst der Dertreter der Roichspost teilte mtt, dass der Betriebsrat aus sechs Ange st eilten und einem Arbeiter besteht. Das Gericht entschied: Da der Arbeiteroertreter im Betriebsrat die Funktionen des Arbeiterrats auszuüben hat, hätte der Einspruch bei diesem eingelegt Verden -müssen.' Da die Klägerin das nicht getan hat, Legt ern rechtsgültig« Einspruch nicht vor. Die Klage rst deshalb, weil die F o r m» Vorschrift des BRG. nicht erfüllt ist, abzuweisen. Di« K.ägcrin hat 3 9 M k. G e r i ch t s k o st e n zu zahlen. Der Richter hielt Fräulein Sch. vor, wenn sie ein verantwor- tungsoolles Amt übernehme, dann müsse sie sich auch über die damit verbundenen Ausgaben unterrichten. Durch ihre Unwissenheit Hobe sie die Klägerin verhindert, ihren Anspruch vor Gericht geltend machen. Möglichenfalls könne Fräulein Sch. von der Klägerin schadenersatzpflichtig gemacht werden. Die hier zutage getretene bodenlos« Unwissenheit erklärt sich dadurch, dass weder die Klägerin noch die Bor- sitzende des Betriebs- und des Angestelltenrats einer Gewerkschaft angehören. Dasselbe«ist wahrscheinlich auch für die übrigen Bctnebsratsmitglieddr und wohl auch für die Belegschaft, denn sonst hätte sich, da ja die Gewerkschaften sich die Ausklärung der Betriebsräte besonders angelegen sein lassen, jemand gefunden, der der Klägerin den richtigen Weg gewiesen hätte. Es zoigt sich hier wieder einmal, wie die Gleichgültigkett der Unorgam- sierten sich gegen sie selber kehrt. Rückwanderung polnischer Landarbeiter. Der Polizeipräsident teilt mtt: Die v o r dem I.Januar 1919 nach Deutschlaich gekommenen und in Deutschland verbliebenen polnischen Loudarbener haben das Reckt, als landwirtsckM!! 1 e Ar- beiier in Deutschland zu verbleiben, inüssen aber für diese Tötig- keit einen Befreiungsschein bei dem für ihren Wohnsig zuständigen Polizeirevier beantragen. Mit dem Antrage ist der Pass oder Passersatz vorzulegen. Gleichzettig sind die Kosten in Höh« von 1,59 TO..beizufügen. Die in der Zeit vom 1. Januar 1919 bis 31. Dezember 1925 nach Deutschland gekommenen und hier verbliebenen polnischen Landarbeiter werden im Winter 1927 Ä behördlich nicht zur R, ck- Wanderung nach Polen veranlasst weiden. Wollen sie freiw.Utg zurückwandern, so wird ihnen die polnische Regierung kein« Schwierigkeiten bereiten. Die in den Iahren 1 926 und 1927 in das Inland ge- kommenen polnischen Landarbeiter uitterliegen dem Rückkehr- zwange, d. h., sie müssen nach Beendigung der Saisonarbeit, spätestens am 15. Dezember jeden Jahres, im Jahre 1927 ausnahms- weife spätestens am 29. Dezember, in ihre Heimat zurückkehren. Ä>re etwaige Weiterbeschästigung kommt nicht in Frage. Für Einsetzer und Tischler gesperrt wegen Lohndifferenzen ist der Bau Haupttclegraphenamt in Tempelhos, Ring- bahnstraße Ausführender Tischlermeister Naumann aus Käthen. Deutscher Holzarbeiteroerband, Ortsverwaltung Beilin. F«te Scw«rkt»aft»I>>g«nd»roß-ZIerti». Heute, Tonnerstag, t»iH Uhr, tagen die Gruppen: granlfurte- Allee: Ttäd!. Iugcndhcwi Litauer Str. 18. ?>mu>cr Z. Aussprach ratend Gewcrlschastlicke Sprechstunde.-- Landsberger Plai» Iugendte in des Ostens, Große tzrantinrtcr Err. 18, Quergeb. pari., «immer 2. Ueihn»«»»?i.er.- S-den. Südwesten- Etiidt. Zugenddeim B-nt. strafte 11(faSr lgebLudc). Wechnachtsfeier.— Te-peNitt- Gruppen he or LNicunt Gcrma-.ioflt. 4—8. Seihnachissel« r.— G-'dzsteu: Gruppcnheim '------—'»---------------— SSpeuick» sonncnwendc."— Moabit: Etiidt. Jugendheim Lehrter Str. 18— 19. Einen Abend unter un».— Ehaelstteaburg: Jugendheim Sprecstr. 80. Wir feiern Weihnachten.— Nordkreisturlns II: Jugendheim See-, Ecke Turiner Straße. »Sewerlschaftliche Jugendarbeit.— Gewerlschaftliche Iugendbewegimg.* Inger dzrnnpc de» rdA. Leute, Ton.nerstag. 18 tb Uhr, findet folgend» Bcranstalwng statt: 9t\.xi«idöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15 tHofgebaude), 1 I:., Zhilringenzimmer. Unterhaltungeadend._ Beran»wörtlich für Politik Dr Cart«(<)"; Wirtschaft: 8.«IiageftBlert Gewcrklchaitsbeweguna: I». Eglot»; stenilleton:*. L. Döscher; Lokale» und Eonftigcs: Zrig Sarstadi: Anzeigen: Th. Glocke: icimtlüh>» Berlin Beriag: Aorwärts-Veriag GmbH.. Serlin Druck: Liorwärts-BuchdruckereZ und Veriagsanstal- Pani Singer v Co Berlin SW 88 Lindenftraß»& Litiu 1 Btilaae» und.ttluterbalwno und Wiste»' Halpaus- Olympia-Karten «- Uhr ver- wandelt sich die Gaststube in«inen Schlafraum: der Mann bezieht das winzige Sofa, das gerade dem Längenmaß eines größeren Kindes entspricht und die Frau packt sich ihre Betten auf das Billard', hier oersorgt sie ihr Kind, hier hat sie es auch zur Welt gebracht. Die Kinderwäfch« wascht sie in einer kleinen, durch schad- Haftes Mauerwerk eiskalten Küche, wo sie außerdem für ihr« Gäste Kaffee. Grog und Essen bereiten muß. Borne am O eichen muß sie Stück für Mück des Gewaschenen rasch zu trocknen veriuchen. Sie stillt ihr Kind selbst, schnell, schnell, um nur ja keine Zeit zu ver- lieren. Badegelegenheit für da, Kind gibt es so gut wie keine, denn überall ist es eiskalt und vorn«, am Oefchen an der Türe, kann sie dies der ein- und ausgehenden Besucher wegen, die außerdem einen kalten Lufrstrom mitbringen, auch nur stanz sesien besorgen Die Leute kauften vor mehreren Iahren die Gastwirtschaft und ver- cinbarten mit dem früheren Besitzer, daß er chnen die im Hause be- findliche dazugehörige Wohnung, sobald er eine andere gesunden hätte, überlassen müsse. Der Vorgänger wollte sich seiner Angab« nach ein Zigarrengeschäft kaufen und vertröstete die Käufer, daß dies in absehbarer Zeit der Fall sein würde, er möge sie nur noch kurze Zeit in ihrer Wohnung belassen. Aber dieZeit verging und die Leute blieben: nun steht man sich schon seit zwei Iahren vor dem Richter gegenüber,«in Termin löst den anderen ab und da man keine rechtliche Handhabe hat, die Leute zur Räumung zu zwingen, so muß man natürlich dem endlosen Klageweg seinen Lauf lassen. Das Wohnungsamt weiß keinen Rat, die Wohlfahrt plädiert für Abgabe des Kindes ins Waisenhaus und die Fürsorge rät zu einem Heim, dessen Kosten Leute, die sich ein Geickäst kauien können, natürlich ebenfalls zu bestreiten in der Lage wären.— Mit all den guten Rotschlägen aber ist dem armen Säug- sing und auch seinen Ellern nicht geholfen. Was an dem kleinen Kinde gesündigt wird, ist vielleicht nie wieder gut zu machen. *' lieber die Zwangsräumung in der Rheinstraße erfahren wir noch folgendes: Ein Klavierstimmer, dessen Frau und Kind kranf sind, war auf die Straße gesetzt worden, weil er lein«'Miete nicht pünktlich gezahlt hatte. Der Dorfall hat mit Rechr Empörung in der Nachbarschaft hervorgerufen. Der betreffende Mieter hatte im September 1925 Mietschulden in der Höhe von 257 M., die er unter großer Aufopferung vollständig abzahlte. Obwohl damals das Gericht Monatsraten von 20 M festsetzte, hat er in einem Falle sogar 65 M. abge.zahll. Durch ein Versehen war die Uttellsaus- sertigung des Mieters um etwa 27 M. zu hoch angegeben worden, so daß nach Abbezahlung aller Schulden der Mieter 2 7 M. zu- viel gezahlt hatte. Er setzte sich mit seinem Hauswirt in Ver- bindung und verabredete mit diesem, daß dieser Betrag auf die Miete für den Monat Oktober angerechnet würde. Der betreffende Mieter bezahlte gemäß dieser Vereinbarung im Oktober nur die Differenz in Höhe von 30 M. Der Hauswirt verklagt« jetzt den Mieter auf Zwangsrämung. Vergebens versuchte der Beklagte das Gericht, die mit dem Hauswirt getroffen« Verein- barung anzuerkennen und die Räumung abzulehnen Am Sonn- abend erhielt er vom Kammergericht den Beschluß, daß die Zivanas- räumuna sofort aufzubeben sei Trojzdem kümmerte sich der Ge- richtsvoll, zieher um diesen Aufhebungsbeschluß nicht und ließ am Sonnabend sämtliche Möbel aus der Wohnung schassen und nach einem Keller In der Nollendorfstraße fahren Es muß verlangt werden, daß sich die zuständigen Behöichcn mit diesem Vorfall ein- gehend beschästigen l Das Verbrechen im Vorortzug. Die lleberfallene in Lebensgefahr. Wie wir bereite im gestrigen Abendblatt berichten konnten, hat sich in den Dormittagstunden des Mittwoch wieder ein Raubüberfaa im Vorortzug auf«nen weiblichen Fahrgast ereignet. Die lieber- fallen«, eine Mjährige Dora P e r s t e aus der Bayerischen Str. 30, llegt in sehr bedenklichem Z.ustande im Kövenicker Kreis- trankenhaus noch immer bewußtlos danieder. Zu. diesem noch rätselhaften Vorfall erfahren wir folgende Einzelheiten: . Fräulein Pereke. die ihren Onkel in Hessenwinkel besuchen wollte, verließ am Mittwochvormittag um S'-l Uhr die elterlich« Wohnung und fuhr zum Babnhof Zoo. Hier bestieg sie den Vor- o r t z u g 32 60, der um L Uhr 44 den Dohnhof Stahnsdort ver- lassen hatte, kurz nach SX Uhr den Zoo passiert und um 10 Uhr 27 in Friedrichshagen eintrifft. Das sung« Mädchen Halle in einem Abteil 2. Klasse des Wagens Nr. 64 120 gleich hinter der Maschine Platz genommen. Der Zug sies fahrplanmäßig in Friedrichs- Hagen ein, wurde dort umrangiert und zur Rückiahrt nach Stahns- darf, die um 11 Uhr 55 angetreten werden sollte, fertiggemacht. Eine Frau aus Friedrichshagen ösfneie zufällig die Tür de» Abteils 2. Klasse und fuhr entsetzt zurück. Auf dem Fußboden des Eouv-is sah sie ein« weibliche Person regungslo» und schwer röchelnd daliegen. Die Reisend« alarmierte sofort das Bahnhofspersonal und dieses wieder die Kriminalpolizei. Dora Perske, die noch Lebens- zeichen von sich gab, wurde in das Krankenhaus gebracht. Hier stellten die Aerzte klaffende Wunden an der linken S ch ä d e i s e i t e fest, die von einem Schlag herrühren müssen. In dem Abteil, in dem die Verletzte gefunden wurde, lagen, zum Teil auf dem Sitzpolster, zum Teil auf dem Fußboden verstreut einige Pakete und eine Handtasche. Da das Mädchen noch ohne Besinnung liegt und nicht vernommen werden kann,?o tu es noch nicht möglich gewesen, zu erfahren, woher sie die furchtbaren Per- letzungen hat. Die Möglichkeit eines Unfalls ist natürlich bei der ganzen rätselhaften Angelegenheit nicht von der Hand zu weisen. Spaziergang am Siahlhelmiag. Ein Polizeibeamter, der Unschuldige fesselt. Trotz des Stahlhclmrummele war der 8. Mai ein schöner srüh- lingswarmer Sonntag. Die Familie des Postassiftenten K., eines Republikaners, rüstete sieb zum Spaziergang in den Tiergarten. Für den Stahlhelmrummel hatte sie wenig übrig. Als sie aber von ihrer Wohnung über die Königstraße dem Schloßplatz zustrebte, wurde sie von der Marschmusik angelockt. Der Postasflstcnt K., seine Frau, der 16jährige Hans, dle löjährlge Liesbeth und der IZjährlge Karl begleiteten den Zug und blieben schließlich an der Ecke der Hirten- und Kleinen Alexanderstraße stehen. Die Stimmnng, die hier herrschte, war nicht gerade die friedlichste. Die Stahlhelmleut« sangen:„Siegreich woll'n wir Frankreich schlagen." Eine'Anzahl junger Gänse schrie sich mit Heilrnfen dle Hälse heiser. Trupps von Roten Frontkämpfern brüllten ihr„Rot FronII" Die wenigen Polizeibeamten hatim all« Hflnde voll zu tun, um die Absperrung der Straße aufrechtzuhalten. An der Seite der Straße, an der sich der Posiassistent K. mit dem Ifijähripen Sohn postiert hatte, tat der 51jährige Hauptwacht- meister S. seine mühevolle Arbeit. Anscheinend von der früheren blauen Polizei kommend, hotte er seit der Revolution bis zum Ja- »uar dieses Jahres Bureaudienste im Revier getan und war nun seiner Ausgabe auf de- Straße nichi ganz g« wachsen. Er zeigte sich sehr ousgeregt, ligf die Reihen aui und ad, fuchtelte mit seinem Seitengewebr, verjetzl« einem Besoffenen einen Sclssng, einen andere» Schlag einem Nürbicrnrn. Der Postassistent K.. der die ganze Zeit über ruhlg dagestanden holt«, wendete sich min an den Hauptwachtmeisler mit den Worten:„Wenn dort geschrien wird, ist es richtig und wenn hier genifen wird, nicht!" Im nächsten Augen- blick erhielt er aber einen Stoß, daß er anderthalb Meter zurück- taumelte. Er blieb nun hinter den Reihen stehen: als der Zug vor- bei war, ging er an den Beamten heran, lüftete höflich seinen Hut und bat ihn, seinen Namen zu nennen. Kaum hatte er aber seinen Wunsch geäußert, als er von dem Beamten an die Brust gepackt:„?l h a, da bist du. der Schreier!" und auigefordert wurde, mit zur Wache zu kommen. Ale die Frau des K. ihren Mann mit den Worten:„Er Hot ja gar nichts getan!" von dem Beamten fortziehen wollte, legte der Hauptwachtmekster S dem PostassisteiUen Handfesseln an, ohne daß dieser Widerstand peleistet hätte. Einige Tage später erhielt er einen Strafbesehl in Hohe von 10 M. wegen Störens össentlichcr Ordnung und einen zweiten in Höhe von 20 M. wegen Widerstandes gegen die Staats- gswalt. Ä.. der sich vollständig unschuldig und sich durch die brutale Behandlung, die ihm durch den Polizeibeamten zuteil ge- worden war, aufs tieiste verletzt fühlte— Hauptmachtmeister soll ihm aus dem Weae zur Wach« durch Drehbewegungen der Feste- lungstette starke Schmerzen zugefügt haben—. weigerte sich, dem Strafbesehl nachzukommen und ries die E n t! ch e i d u n g des Amtsgerichts an. In der gestrigen Gcrichtsverbandlung be- stätigt- sich die Darstellung K.s über den Hergang de�Zwnchensalls an der Hirtenstrahe. Der Staatsanwalt beantragte»z r e M p r y ch und das Gericht entschied de m g e m ä ß. Eine Anregung soll aber bei dieser Gelegenheii wiederHoll wer- den: nämlich die, daß bei solchen Prozessen stets ein Vertreter des Polizeipräsidiums anwesend ist. Denn wenn Irgendwo, so»crade im Gerichtssaal erhält man die lehrreichsten Einblicke in die Tätig- kett der Polizeibeamten und ihren Umgang mit dem Publikum. �Zement. öiomau von Ffodor©labforo. TD] HchidNj nahm ihn wieder unter den Arm. führte ihn zum Tisch und setzte chn auf einen Stuhl. Er selber aber letzte sich nicht, stellte sich vor ihn, ein wenig erstaunt, mit blassen Nasenflügeln und zuckenden Brauen und einem ver- steckten Lächeln. Zcheladse sah ihn mit einem Flehen, mit einer Wut in den Augen an. Er seufzte und seine Augen füllten sich mit Tränen. Vom schwachen, elektrischen Licht schienen die Löcher auf seinen Wangen unter den Backen- knochen noch tiefer, wie die schwarzen Höhlen eines Toten- kopfes sahen sie aus. Er schlug voll Wut mit der Faust auf sein Knie, stand auf und sah Schidkij wieder aufmerksam, durch Tränen, verzweifelt an und setzte sich wieder. „Genosse Schidkij... schiehen. ganz erschießen, Genosse Schidkij... dich schießen, mich schießen... sag mir. was Leben für Richtung genommen?... Sag mir, wie man Arbeitersache machen muß?... Ich Blut vergossen— zehn Wunden hatte.... Und wo Blut mein? Wo Hunger? Wo Verwüstung? Wo Partei? Genosse Sch.dkij? Was für Sachen sie machen? Was machen? Schande machen sie, Luder diese.... Schieß mich. Genosse Schidkij, ich kann diesen Schmutz, diese Niedertracht nicht ertragen.� Schidkij ging schweigend an Zcheladse vorbei, sein Gesicht war unruhig, abgemagert, seine Augen etwas ermüdet vom Denken. Er hob seine Hand wiederHoll zum Kopf und wühlte nervös in seinem Haar. Trat ganz nah auf Zcheladse zu und legte die Hand auf seine Schulter: er wollte herzlich sein, chn ohne Worte beruhigen, tonnte aber seine Freundlichkeit nicht ausdrücken, und wegen dieser seiner ungewohnten Zärt- lichkeit brach er schüchtern und verschämt in Lachen aus. „Bist ein komischer Kauz. Zchladsel... Warum heulst du wegen jeder Kleinigkeit? Hol sie der Teufel!... Tu deine Sache und denk daran, daß du der Republik mehr wert bist als sie alle zusammen.... Spuck auf sie. wenn du sie nicht selber an der Brust packen tonnst, oder schlag sie mit der Linie der Partei, ohne deine Kräfte dabei zu schonen." Zcheladse sah Schidkij wieder verzweifelt und flehend an. wandte sicb weg und ließ seinen Kopf auf die Hände fallen. L Schidkij ging im Zimmer auf und ab und sah Zcheladse nicht an. Er dachte und nagte an seinen Nägeln, bald an einer, bald an der anderen Hand. „ijter ist was anderes, Zcheladse: nicht nur deins. Das ist zu winzig...- Hier ist ein schrecklicher Strudel. Es naht ein noch furchtbareres Leid als der Bürgerkrieg, als die Verwüstung, als der Hunger und die Blockade.... Vor uns ist der versteckte Feind, der uns nicht mit dem Gewehr be- droht, sondern mit allen Schönheiten und Verfübruntzen des kapitalistischen Händlertums. In unseren Händen ist das ganze System der Volkswirtschaft. Das ist entscheidend. Aber aus dem Innern kriecht der Spießer hervor. Er beginnt Fett anzusetzen und nimmt alle möglichen Formen an. Er baut sich auch schon in unseren Reihen ein Nest und ver- barrikadiert sich fest und sicher hinter revolutionärer Phrase und hinter allen möglichen roten Attributen des bolschewi- stischen Heldentums. Märkte, Kaffeehäuser. Auslagen, gemüt- liche Einrichtung. Alkohol.... Die Menschen reißen sich nach der langen Kriegsalmosphäre von der Kette los. Das kann einen schon einen Schrecken einjagen.... Das schafft Panik, Revolle, äußerste Ueberspannung.... Nicht aus Müdigkeit, nein: aus einem gesunden revolutionären Protest heraus, aus zu stark entwickeltem Klasseninstinkt, aus der Kriegsromantik heraus. Aber gerade hier sind die �alten Methoden des Kampfes— keine Waffen mehr. Der Feind ist niederträchtigt, schlau, nicht zu fangen. Man muß neue Waffen zur neuen Strategie schmieden. Hier kann man mit bloßer Entrüstung und Rebellion nichts tun: das wäre schon Reaktion und Hysterie. Da muß man sich von Grund aus ändern, eine neue Haut bekommen, den Bolschewiken in sich umscbmieden für eine Festungsbelagerung von langer Dauer. Die Romantik der stürmischen Fronten ist tot. Jetzt braucht man keine Romantik: jetzt braucbt man nur ruhige, kalte, geschickte Geschäftsleute, hartnäckige Arbeiter, mit festen Zähnen, Stiermuskeln und gesunden Nerven Man muß Bolscbewik bis zum Schluß bleiben. Zcheladse. Beruhige dich, Genosse, wollen wir zusammen über diese vielen Fragen nachdenken. Sie fordern eine angestrengte Hirnarbeit." Zcheladse sah ihn mit hervorquellenden roten Augen an und hörte ihm gespannt zu. Er zog die niedrige Stirn unter seinem Roßhaar, das ihm tief ins Gesicht fiel, in dicke schwitzende Falten und strengte sich an, um Schidkiss Worte zu verstehen, sie sich anzueignen, sie zu verdauen und sie mit seinem Blute zu sättigen. Verzweifelt riß er seine nassen Haarbüschel und schüttelle den Kopf. „Nichts versteh, nichts versteh.... Was du faselst? Ich einfache' Seele Hab, und einfache Worte.... Sag, was drehst du mir den Kopf? Wie wirst mir antworten— Hab gelitten ich, ja? War Partisan, Grüner, ja? Weihgardlsteu Hab geschlagen, ja? Hab Wort mein, Arbeiterblut mein, Hab ich, ja?... Und wo Blut mein?... Hunde gefressen.... Sag nein, ja? Ist niederträchtiger Mensch gekommen.... Verstehst du? Nichts ist da.... Schluß!.. Er stand auf und ging rasch aus dem Zimmer. Und Schidkij hörte, wie in seinem Halse Tränen glucksten. Schidkij lauschte noch lange Zcheladses Schritten und ging in seinem Zimmer wieder aus und ab. hörte nicht auf. die Nägel zu beißen, bald an der einen, bald an der anderen Hand. ... Er konnte, was geschah, nicht überwinden. Und doch war dem äußerlichen Gange der Ereignisse nach etwas, was auch früher schon gewesen war. Auch in der Vergangen- hell kamen plötzlich Genossen aus dem Kreisbureau de» ZK. und auch in der Vergangenheit war schärfste Kritik der Arbeit durch das Partetkoinitee geübt worden. Das ist natürlich und notwendig. Unverändert wie früher herrschte ein kon- zentriertes Schweigen und eine ehrfurchtsvolle Wachsamkeit der verantwortlichen Arbeiter— den kalten und offiziellen Genossen der Kreiszentrale gegenüber. Und ebeiuo unver- ändert und seelenlos begann das Ritual der Sitzungen: „Werte Genossen!" Aber das, was unlängst unter der schablonenhasken Form des sachlichen Anstandes geschah, war so unverhofft ynd qualvoll. Das vertrackte Problem der Sicherungen.... Darüber sprach man am wenigsten.... In jeder Sitzung in Gegen- wart des weißblonden Intellektuellen vom Kreisbureau gab es Ausbrüche wilder Diskussionen zwischen ihm(Luchawa war auch dabei) und Badsin. Eine vernichtende Kritik des weißblonden Genossen an der Arbeit des Parteikomitees... der Kreiskontrollkommission... Anspielungen auf Ver- setzung zu einer Hilfsarbett.... Ist das nur Ouerulantentum und Unsinn oder ein Kampf verschiedener Kräfte? Der Genosse vom Bureau des ZK. nannte es Querulantentum und Unsinn und alle nannten es so. Das ist so einfach und alle sitzen tn ihren Ecken und ver- folgen den Ausgang dieses Kampfes. Klatschen über ein- ander, teilen sich in feindliche Lager. (Fortsetzung folgt.) Raubübersall auf ein Postamt. Zwei Beamte niedergeschossen. Ohligs(Khdntanb), 2L Dezember. Als heute abend gegen 6 Uhr die Beamten des hiesigen Postamtes nach Schalterschluß mit der Abrechnung belchästigt waren, drangen plöhlich z w e i Männer in den Schalterraum ein. sprangen über die ziemlich hohe Schranke, hielten mit dem Ruse .Hände hoch!" den Beamten Revolver vor und verlangten das ausliegende Geld. Die beiden zunächstsihendea Beamten Schmidt und Müller suchten sich zur Mehr zu sehen, wurden jedoch von den beiden Räubern niedergeschossen. Velde Beamte sind schwcrverlehl. Die Räuber rassten einen Teil des Geldes zusammen und sind, da der Borgang sich sehr rasch abspielte, unerkannt entkommen. Das Verschwinden der Glli Reinfeldt. 500 Mark Belohnung. Das Berschwinden der Schülerin Clli Reinfeldt ist trotz aller Nachforschungen der Kriminalpolizei auch heute noch nicht auf. ae klärt. Für die Ermittlung des Mädchrns hat der Polizeipräsident nunmehr'eine Belohnung von SÜO Mark ausgesetzt. Gestern wurden bis in die Nacht hinein von den Kriminalkommissaren viele Angehörige und Verwandte des Mädchens noch einmal eingehend gehört, während die Beamten der Mordkommission anderweitige Er- mittlungen vornahmen. Ein Anhalt über den Verbleib der Ver- mißten wurde auch hierbei nicht gefunden. Als letzter Aufenthalt ist immer noch nur der Papierladen in der Regensburger Straße iOa festgestellt. Die Kriminalpolizei wird heute weiter versuchen, die Begleiterin des Mädchens zu ermitteln. Die Ver- mutung, daß der Bater bei dem Verschwinden der Kleinen seine Hand im Spiel gehabt haben könme, hat sich als irrig erwiesen. Die gestrigen Vernehmungen haben festgestellt, daß in der kritischen Zeit der Vater im Friseurgeschäft tätig war. Daß die Kleine von einem Manne verschleppt worden sei, glaubt die Mutter nicht. Wie sie sagt, hat sie das Kind wiederholt sehr eindringlich erinoynt, sich von keinem Manne anlocken zu lassen. Elli Reinfeldt ist am 4. April Will in Wilmersdorf geboren. Sie ist l,Z0 Meter groß, hat«inen dunkelblonden glatten, links gescheitelten Bubenkopf, ein bleiches Ge- stcht, dunkle Augen, einen etwas breiten Mund mit wulstigen Lippen, schwarze, lückenhafte Zähne und ein spitzes Kinn und trug zuletzt«ine � blaue Wollmütze, einen blauen Faltenrock, einen grauweiß gespren- gelten Pullover, einen roten Flanellunterrock, einen weißen gestrickten Mantel, einen Schlüpfer und ein Hemd, die E. R. gezeichnet sind, schwarze Halbschuhe.und schwarze Strümpfe. Wieder angefunden hat sich die 12 Jahre alte Gerda Goldbeck, die ebenfalls seit dem 12. dieses Monats verschwunden war. Sie ist bei Verwandten in Köpenick ermittelt worden. Künstlerische Morgenfeier. Am Sonntag vormittag gab der jüdische Arbeiterverein P a o 1 e Z i o n anläßlich seines 2r>iährigen Bestehens im Meistersaal eine künstlerische Morgenseier. Diese sozialistische Bewegung jüdische? Proletarier ist für den Westeuropäer schwer verständlich, weil man Juden selten in proletarischen Berufen vorfindet, trotzdem sind uns die Genossen dieser Sektion natürlich gerade so lieb wie die der an- deren Nationen, die der Zweiten Internationale angeschlosien sind. Als erster Redner würdigte der greise Eduard Bern st ein die Verdienste der Paole Zion. Daraus führte Genosse Rudel m Jiddisch aus, auf welche Erfolge die Paole Zion nach 20jähriger Tytigkeit zurückblicken könne. Er. gedachte auch noch des großen Theoretikers der Bewegung, Borochow, besten Werke es aber nur in Jiddisch gibt. Genosse B e r g e r, der auch die Versammlung leitete, crmahnte zum Ausharren und erklärte nochmals, wie gut die Idee des Zionismus und der Anschluß an die Internationale nebeneinander bestehen können. In'Amerika hat die Paole Zion die Anregung ur Gründung der ersten Gewerkschaft gegeben. In Rußland wird ie Bewegung sehr gehemmt, jetzt schmachten schon 2000 Anhänger ind den Gesängnissen oder auf den Verbannungsinseln. Genosse Berger gedachte in dieser Feierstunde derer, die durch die Hilfe der Tschcka im Elend und doch stolz ausharren, und derer, die in Palästina der jetzigen Generation die Möglichkeit zur Weiterarbeit geschaffen haben. Nach eindrucksvollen Gesängen von Nahel Kauf- mann und Rezitationen von Granach schloß die Morgenseier. Zwei tödliche Unfälle. Der 40jährige Arbeiter Hermann Struck aus der Kirch- st r a ß e 1 6 zu Charloitenburg wurde gestern das Opfer eines eigen- artigen Unglücksfalles. St. wollte auf einem Kohlenplatz in der Quedlinburger Straße seinen Wagen besteigen, glitt infolge der Glätte aber aus und schlug mit dem Kopfe so unglücklich aus den gefrorenen Boden, daß er einen schweren«chädel- v r-u ch davontrug. Der Verunglückte wurde in das Moabiter Kran- kenhous gebracht, wo er nach seiner Einlieserung st a r b.— Ein schwerer Straßenunfall mit tödlichem Ausgong er- Eignete sich gestern um 16.30 Uhr vor dem Hause Warschauer « t r a ß e 7 2. Beim Ueberschreiten der Stroßenbahngleise wurde der öZjährige Tischler Fritz Kiel aus der Selchower Str. 13 in N e u k ö l l n von einem Triebwagen der Linie 4 umgefahren. K. geriet unter den Schutzrahmen des Wagens und erlitt schwere Verletzungen. Bevor es gelang, den Unglücklichen aus seiner qualvollen Lage zu befreien, war der Tod eingetreten. % Immer noch„königlichst Uns wird eine vom Stationsvorstand des Anhalter Bahnhofs ausgestellte Bescheinigung über ver- svätetc Ankunft eines Zuges vorgelegt. Der aufgedrückte Dienst- stempel trägt noch immer die Bezeichnung„Königliche Eisen- bahnstation Berlin, Anhalter Bahnhof." Datiert ist die Bescheinigung vom 20. Dezember 1027 Nach neun Iahreu Republik hat es die Eisenbahndirektion Berlin bzw. der Stationsvorstand de? Anhalter Bahnhofs noch nicht übers Herz bringen können, die an den davongelaufenen König er« innernde Bezeichnung endlich in die Versenkung verschwinden zu lassen. Neben der Eisenbahndirektion Berlin müssen wir heute auch die Berliner Polizei im Nachglanz der„k ö n ig l i ch e n" Ver- g a n g e n h c i t zeigen. Man legt uns einen Briefumschlag vor, der im O! tober 1927 vom Polizeiamt Charlottenburg zur Pest gegeben worden ist. Aufgedruckt ist die Angabe.König- liches Polizeipräsidium Charloitenburg" und daneben steht der gleichfalls gedruckte Stempel mit derselben Angabe. Ein paar flüchtige dünne Bleistiftstriche, die den Stempelaufdruck durchkreuzen, lasten vermuten, daß der Absender die Vergangenheit auszutilgen wünschte. Ist ihm aber nicht klar gewesen, daß deiarrige Briefumschläge heute überhaupt nicht mehr benutzt werden sollten? Es ist höchste Zeit, dieses Zeug nun endlich einzustampfen. „Rechisnachfolger." Anmaßung Berliner„Waffenstudenten". Infolge der Ablehnung der Verordnung des preußischen Kultusministers über die Bildung von Sludentenschasten durch die Studentenabstlmmung werden, wie auch an den anderen preußischen Hochschulen, an der Berliner Universität die Einrich- tungen der studentischen Selb st Verwaltung mit Aus- nähme der sozialen und wirtschaftlichen Stellen, also alle sogenannten „Aemter" und„Fachschoften", nach und nach im Lause dieses Monats aufgelöst. Ter Rektor der Berliner Universität hat den bis- herigen Leiter der studentischen Selbstverwaltung mit der Liqui- dation der gesamten Selbstverwaltung betraut. Der Liquidator lieh alle bisherigen Mitarbeiter brieflich zur Rückgabe aller in ihrem Besitz befindlichen Schlüssel, Bücher, Akten auffordern. Daraufhin verweigerten die Vertreter der Berliner Waffen st uden- len die Rückgabe dieser Dinge, insbesondere der Schlüssel, ja, noch mehr, sie verlangten sogar die Herausgabe jämt- l i cy e r Akten und des Inventars an die Waffenstudentenschaft, die sich als R e ch t s n a ch f o l g e r i n der Deutschen Studentenschaft bezeichnete! Offenbar versuchen die völkischen Herren mit diesem Theatercoup ihre Pöstchen, die sie bisher in der Studentenschaft innehatten, für sich zu retten, was ihnen aber sicher danebengelingen dürfte._ Zeugen... Der Eid eines Eidesunfähigen. Der Segen der Berufungsinstanz wurde dem Kassenbeamten H. zuteil. Er war seit 18 Iahren bei den Städtischen Wasserwerken beschäftigt und genoß das vollste Vertrauen, daher wollte man auch nicht daran glauben, daß er sich einer Unterschlagung schuldig gemacht habe. H. war in eine eigenartige Lage geraten. Er hatte bei einem Hausbesitzer S. das fällige Wassergeld einzukassieren und legte diesem die Rechnung vor. S. will ihm auch den Betrag bezahlt haben. Die Wasserwerke dagegen verlangten später diese Zahlung, da der Ouittungsabschnitt abgerissen war und demnach die Rechnung nicht quittiert worden sei. Das stimmte auch insoweit, als dem Haus- bcsitzer der Abschnitt fehlte. Dieser behauptete trotzdem, daß er die Rechnung bezahlt habe und seine Portierfrau bestätigte das. Der Beamte müsse aus Versehen oder absichtlich den Abschnitt abgerissen hoben. Da der Hausbesitzer und die Portiersrau an diesen Angaben festhielten, blieb nur die Annahme übrig, daß der Beamte das Geld unterschlagen habe. Zur Klärung des Sachverhalts erstatteten die Wasserwerke Anzeige wegen Unterschlcgung. Bor dem Schöffen, gericht blieben der Hausbesitzer und die Portiersrau fest bei ihren Angaben und bekräftigten das auch durch ihren Eid: die Rechnung sei bezahlt. Infolgedessen wurde H. zu sechs Wochen Ge- s ä n g n i s verurteilt. Die Wasserwerke gaben sich mit diesem Urteil nicht zufrieden, da es sich um«inen seit so vielen Iahren bewährten Beamten handele. Sie' beauftragten daher die Rechtsanwälte Dr. Arthur Brandt und L e f f m a n n, die Angelegenheit weiter zu verfolgen und Berufung«inzulegen. In der neuen Verhand- lung vor dem Landgericht ergab sich auch ein wesentlich an- de res Bild, denn auf Veranlassung der Verteidiger sah sich das Gericht etwas näher die Persönlichkeiten der beiden Be- l a st u n g s z« u g e n an. Die herbeigezogenen Strafregister wiesen nach, daß der H a u s b e f i tz e rS.. schon dreimal wegen schwerer U r k'u n d e n f ä l s ch u n g und einmal sogar wegen Meineides verurteilt worden war. Er war daher e i d e s u nf ä h i g, hätte gar keinen Cid leisten dürfen und dieser war auch ungültig. Die P o r t i e r f r a u ist nicht weniger als siebenmal wegen Diebstahls vorbestraft, und es schweben gegen sie gegen- wärtig drei Meineidsoersahren. Auf Grund dieser Tat- suchen hielt die Strafkammer das Zeugnis dieser beiden Leute für so zweifelhast, daß es daraus ollein«ine Verurteilung des Angeklagten nicht stützen konnte. Unter Aufhebung des ersten Urteils wurde H. auf Kosten der Staatskasse freigesprochen. Eigene Landwirtschast für den Konsum. Mit Sorgsalt und klarem Blick baut die Großeinkaufsgenossen- schast des Zentraloerbandes Deutscher Konsumvereine ihre Eigen- Produktion weiter aus. Sie hat am l3. Dezember den Zuschlag für das in der Altmark gelegene 2700 Morgen große Ritter- gut Osterholz erhalten, von dem 400 Morgen Wald, 500 Morgen Wiesen und Weiden sind und 1800 Morgen als Acker- land bestellt werden. Für die bereits vorhandene eigene Gemüse- konservensabrik in S t e n d a l soll dieses nur 18 Kilometer entfernt liegende Großgut insbesondere Erbsen, Bohnen, Karotten und Blumenkohl liefern, wobei, durch Fruchtwechselfolge bedingt, natür- lich auch Körner und Hackfrüchte milgebaut werden Lösch- und Lude- platze an der Clbe ermöglichen den billigen Abtransport der Eigen- erzeugnisse. sofern sie in Stendal nicht gebraucht werten, und für Stendal selbst ist direkter Lastautooerkehr möglich. Für 120 Rinder ist in den Weideflächen Nahrung enthalten; übernommen werden 60 Pferde und etwa 500 Schafe. Man darf Vertrauen in unsere GEG.-Leute haben, daß das früher hochstehende, jetzt aber ver- lotterte Rittergut zu einem Mustergut umgestaltet werden wird. Der R e, ch s f i n a n z h o f hat neuerdings bestätigt, daß die Erübrigungen der Konsumvereine in vollem Umfang st euer- frei sind, entgegen dem unverständlichen, aber sicher nicht absichts- losen Ansinnen einiger Finanzämter, daß Konsumvereine 10 Prozent arenrückveraütung als S t e u e r a b z u g vom ..... ähr von der jährlichen Kapitalertrag s!) abzuführen hätten. In der Entscheidung wird gesagt, daß der auf gemeinschaftliches Sparen gerichtete Wille der Genossen ebenso erfüllt werde, wenn gleich entsprechend ver- billigte Waren abgegeben werden, oder wenn am Jahresschluß eine Rückvergütung gezahlt wird. Für die Konsumvereine ist diese Entscheidung natürlich nichts Neues. Alle Mitglieder müssen sie sich aber merken gegenüber den nicht aushSrendcn Denunziatio- n e n, die die öffentliche Meinung zu vergiften und die Konsum- vereinsbewegung zu schädigen trachten. Auch hier sollten die Kon- sumoereine durch größte Propaganda die wahre Sachlage in der Oeffentlichkeit verbreiten, denn anders als durch Aufklärung der Oeffentlichkeit ist den giftigen Massen der Konkurrenten und der Bureaukratie nicht belzukommen. Eine Mar? 50 Pfennig Weihnachtsgeld. Will man Vi« Arbeiter verhöhnen? Di« Direktion der Gasbetriebsgesellschaft A.-G. hat in chren im Berliner Westen gelegenen Revieren folgend«. Rundoersügung für ihr« Arbeiter zum Aushang gebracht: Weihnachtsgeld. Bei der Auszahlung des Lohnes für die 51. Lohnwoche vom 11. bis 17. Dezember 1927 erhalten alle Arbeitnehmer, die zehn Jahre und darüber hinaus ununterbrochen in unseren Diensten stehen, 1,50 3JL Weihnachtsgeld. Zehn Jahre muß man also als Arbeiter in den Diensten der Gasbe.riebsgesellschast A.-G.(der ehemaligen sogenannten Englischen) gestanden haben, um im Jahr des Heils 1927«in Weihnachtsgeld von 1,50 M. zu bekommen, während die An- gestellten der Gesellschaft, wie man uns mitteilt, etwa 100 Mk. Weihnachtsgeld bekommen haben. Sehen diese 1,50 Mark nichtwieeineBerhöhnungderArbeiterschastous? Die Direktion hat es wohlweislich pemieden, diesen unglaublichen Ukas namentlich zu zeichnen. Es wäre aber interessant zu erfahren, welche Gehälter und Gratifikationen die Herren Direktoren be- kommen._ Die Verteilnnq der �indenburq-Spcvde". Unter Dorsitz des Reichspräsidenten hielt das Kuratorium der .Lindenburg- Spende" eine Sitzung ab. Noch den Be- fchlüffen sollen diefürKriegsbeschädigte. Kriegerhinter- blieben« und die ihnen Gleichgest eilten bestimmten M'ttel so verwandt werden, daß jährlich zum April und zum 2. Oktober Ausschüttungen erfolgen; die Ausschüttung vom 1. April soll vorzugsweise besonders bedürftigen kinderreichen Kriegerwitwen zugute kommen. Es werden jährlich ms» gesamt 1 000 000 Mark zur Perteilung in Einzelbetrögen von durchweg 200 Mark gelangen. Anträge sollen lediglich von den Hauptsürsorge st eklen der Kriegsbeschädigten, und Krieger- Hinterbliebenenfürsorge entgegengenommen werden. Unmittelbare Anträge sind somil unzweckmäßig Ein vom Kuratorium jährlich zu bestimmender Betrag wird dem Reichspräsidenten zur unmittelbaren Verteilung in b«> sonderen Notsällen zur freien Bersügung gestellt; ebenso hat die Geschäftsstelle der.Lindenburg-Spende" zur Befriedigung besonders dringender, außerterminlicher Fäll««inen jährlich festgesetzten Betrag zur Verfügung. Von dem aus den Wohlfahrtsmarken ausgekommenen Erlös wurden der Deutschen Nothilse 800 000 Mark zwecks alsbaldiger Verwendung zur Unterstützung von Sozial- und Kleinrentnern durch ihr« nachgeordneten Stellen freigegeben. Die Feuerwehr wurde gestern nachmittag noch der P r e n z- lauer Promenade 189 gerufen, wo in dem Lagerkeller de? Fabrikgebäudes Feuer ausgebrochen war. Die Flammen fanden an Polster waren und Wergeballen reiche Nahrung. Durch starkes Wasiergoben konnte der Brand aul seinen Herd beschrünkr werden. Während die Feuerwehrbeamten noch mit dem Heraus- werfen der glimmenden und angekohlten Wergeballen aus dem Keller beschäftigt waren, drangen aus den Fenstern der im dritten Stockwerk gelegenen Pianosabrik von Schulz plötzlich dicke Rauchschwaden hervor. Ein Teil des Fabrikraumes brannte bereits lichterloh. Auch hier gelana es. das Feuer nach kurzer Zeir zu lokalisieren. Obgleich Zlnhaltspunkte für ein« vorsätzliche Brand st i f t u n g nicht gefunden wurden, gibt das gleichzeitige Enisteheu des Feuers an zwei ganz getrennten Stellen zu der Vermutung Anlaß, daß vielleicht doch verbrecherische Hände am Werke waren.— Gegen 21 Uhr kam vori derselben Brandstelle wieder Feueralarm. Die auf dem Hof liegenden Polster- und Wergcrcste waren abermals in Brand gera'.en. Die Feuerwehr konnte jedoch nach kurzer Zeit wieder abrücken.: Unser..Vorwärls'-Salender 1928. In diesen Tagen- chgt unserem Blatte wieder, wie alljährlich um diese Zeit, ein geschmeck- voller Wandkalender bei, der unseren Lesern sicher will- kommen sein wird. Der Kalender ist umgeben von einem künstlerischen Rahmen in den Farben Schwarzrolgald. Zwei Bilder van Sa s i s. in der Weise der allen Holzschnllte durchgeführt, schmücken die beiden Kalenderseiten. Das eine zeigt einen Wald im Winterschnee mit einem Bauernhaus im Hintergrund, das andere eine Mühle, die sich uns aus einem Hügel rm Glanz« des Sommer» darbietet. Die M o n d z e i t e n sind angegeben, und neben den amtlichen Feier- lagen und den Sonntagen sind der Tag der Maifeier, der Der- fasiungstag und der Reoolutionsgedenktag durch rot« Markierung gekennzeichnet. Alles in allem darf man sagen, daß die Ausführung besonders gut gelungen ist. Bei dieser Gelegenhell sei daraus hinge- wiesen, daß 1928 ein S ch a l t s a h r ist. Der Männerchor Harmonie Charlollenburg hat sich durch die Verbindung mit dem Voskschor Frohsinn zu einem Volkschor umge, stellt und wird in Zukunft eine Kinder-, Jugend-'. Frauen-, Männer- und Gemischte-Chorabteilung unterhalten, die von zwei tüchtigen Chormeistern geleitet werden. Die Uebungsstunden finden noch Neujahr Montags und Freitags in den bekannten Aulen statt.— Am ersten Weihnachtsfeier- tag findet auf dem Spandauer Bock eine Weihnachtsseier statt. Beginn 18 Uhr. Das hauplzollaml VerNn-Rord wird in der Zelt vom 27. bis 30. Dezember 1927 nach Neue Königstr. 65/66 oerlegt. Näheres ist aus dem Anzeigeitteil der heutigen Nummer zu ersehen. e i e r t a g um'/.II Uhr der Friedrich-vegar-Cbor lMUal. des DZlLv.> unier Milwirtimg des Sibuberl-O»artelts in Neiiiölln im„MercedeS-P ilaii*(-Jermamifti. ei4— 219i. Di« Leitung hat Chormeifler Studienrat Rohrbach. Der EinlriU loslet 50 Pf. Die Bcrgunqsaktiou snr 5. 4 wieder anfhenommen. Nachdem sich das Wetter bedeutend gebessert hat, Ist di« B e r- gungsaktion für das gesunkene U-Boot L 4 nach zweitägiger Pause wieder ausgenommen worden. In Fachkreisen Hot man jedoch keine Hoffnung, die sechs Matrosen Im Fall eines günstigen Perlaufs der Bergungsarbeiten noch lebend ans Tageslicht bringen zu können._ wellerderichl der öffentlichen wellcrdienflstelle Berlin und Umgegcnd cNachdr. vcib i Eintrübung mit gelingen Schneciälleii und ansteigende» Trmvelalu'kn.— Zur veulichlan»: Bis zur Weier Täuiveller mil Regen- , allen, in, fonfilgen Reiche überall Tempecaluljunahme, strichweise leichte Schneeiälle. Oer Kampf der westdeutschen Kanalschiffer. Ihre Vefchwerde als berechtigt erwiesen. Tnjtz bcs Frostes scheinen die westdeutschen Kanal- reeder bedenklich im Druck zu sein, denn täglich überschütten sie das ausgesperrte Personal mit Zuschriften, in denen sie ihre Friedensbereitschast betonen und die Arbeit- nehmer ersuchen, zum Zweck einer Einigung sich mit den Vertretern der Firmen zu einer Aussprache herbeizulassen. Wozu dies« um- ständlichen Zuschristen. wozu diese Umwege? Wenn die Kanalreeder wirklich eine Verständigung wollen, dann brauchen sie sich nur mit dem Deutschen Verkehrsbund in Verbindung zu fegen. sollten sie das bisher noch nicht gewußt haben, dann sind sie i n den Antworten, die das ausgesperrte Personal aus die Zu- ichristen den Firmen gegeben hat, nochmals daraus aufmerksam gemacht worden. Die um Frieden angeflehten einzelnen Arbeit- nehmer haben ihren Firmen ausdrücklich erklärt, daß für sie als Berhandlungsführer der Deutsche Verkehrsbund in Frage kommt. Dl« Kanalreeder müssen sich also, wenn es ihnen ernsthaft um die Beilegung der Aussperrung in der wcst- deutschen Kanallchiffahrt zu tun ist. mit dem Verkehrsbund in Verbindung setzen. Die Versuche, über den Kopf der Organisation hinweg Sondcrabmachungen mit den einzelnen Arbeit- nehmern zu treffen, sind zwecklos. Bei allen diesen Versuchen >oben sich die Kanalreeder bis jetzt nur Körbe geholt. Den Firmen gelang es nicht, das ausgesperrte Personal zu bewegen, von seinen Bedingungen für die Wiederaufnahme der Arbeit herunterzugehen. Di« Firmen sind also über den Willen des ausgesperrten Personals genau im Bilde: wenn sie mit ihrem Personal Frieden macken wollen, dann müssen sie auch den Weg, der zu diesem Frieden führt, nämlich den Weg über den Derkehrsbund, gehen.— * Bei der Besprechung über die Beschwerden der Ausgesperrten gegen den Wohnungsterror und die massenhoste Verwendung von Polizei zugunsten der Äanalreeder, die dieser Tage bei der Wasserbaudirektion M ü n st er stattfand, haben die Arbeitgeber zunächst oersucht, die Berechtigung der Klagen des Personals abzustreiten. Sie haben sich dann aber bereit erklärt, noch einmal die von den Personal. Vertretern vorgebrachten einzelnen Fälle nachzuprüfen. In keinem einzelnen Fall« gelang es den Behörden oder den Arbeitgebern, die Beschwerden der Personalvertreter zu entkräften. Die Aussprache bei der Wasserbaudirektion wurde vom Reichsoertehrsministerium veranlaßt, nachdem der Deutsche Verkehrsbund den Derkehrsminister auf die unhaltbaren Z u st ä n d e in der Aussperrung aus den west- deutschen Kanälen aufmerksam gemacht hatte. Wie bei der Riedel A.G. in Britz rationalisiert wird. Bei der chemischen Großfirmo I. D. Riedel A.-G. in Britz wird eine Zusammenlegung der Verkaufsabteilung mit den Firmen C. W. B a r e n t h i n G. m. b. H. und Grund, Breslau, vor- bereitet. Diese Umorganisotion wird anscheinend dazu benutzt, um etwa 50 Angestellten der Firma Riedel, die von dieser Betriebs- Umstellung betroffen werden, geradezu ungeheuerliche Ge- baltsabzllge abzupressen. So ist an einen Angestellten, der fast 20 Jahre Dienste bei der Firma I. D. Riedel geleistet hat, die Zumutung gerichtet worden, er solle anstatt seines bisherigen Gc- Haltes von etwa 300 M.. das in Anbetracht der langen Dienstzeit bei der Firma doch wirklich nicht hoch ist, bei der neuen Verkaufs- abtellung mil einem Gehalt von l7l> M. weiter arbeiten! Diese Vorgänge bei der Firma I. D. Riedel sind um so be- merkenswerter, als der Direkwr dieses Betriebes, Herr Dr. Stau- dach, der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes der chemischen Industi«. Sektion la ist. Ferner ist in diesem Betriebe als Auge- stclltenrat tätig der ehrenamtliche Fachgruppenletter der chemischen Industrie des Gewerkschaftsbundes der Angestellten(die allen Mit- gliedern bekannte„Funkstation"). Diese Vorgänge werfen ein grelles Licht auf die Zustände, die sich, in der chemischen Industrie herausgebildet haben, seitdem der Arbcitgebervcrband der chemischen Industrie,.Sektion 1-, lediglich mit dem GdA. in tarisoeriraglichem Verhältnis steht. An die Ange- stellten der chemischen Industrie muß immer wieder die Frage gc- richtet werden, wie lange werden sie sich noch dieses„loyale" Zu- sammcnarbciten des Arbeitgeberverbaitdes mit dem GdA. gefallen lassen wollen. Keine Verschmelzung der Hutarbeiter. Der Anschluß des Deutschen Hutarbeiterverbandes an den Deutschen Bekleidungsarbeiterverband scheint noch nicht zustande zu kommen. Das Ergebnis der Urabstimmung liegt zwar noch nicht vollständig vor, doch auch die noch ausstehenden Abstimmungs- ergebnisse werden an der Tatsache nichts mehr ändern können, daß die erforderliche Zweidrittelmehrheit von 5L00 Stimmen für die Verschmelzung nicht erreicht wird. Bis jetzt sind für die Verschmelzung 4005 Stimmen und gegen die VerschmelAmg 3037 Stimmen zu verzeichnen. Roch nicht die Hälfte der Mitglieder hat sich an der Urabstimmung beteiligt. Unter diesen Umständen ergibt sich die Frage, ob es nicht richtiger ist, den nächsten Verbandstag über die Frage der Derschmelzung entscheiden zu lassen._ Verbindlich erklärte Textilschiedssprüche. Der Schiedsspruch für die b a d i s ch e Textilindustrie ist am Mittwoch vom Reichsarbeitsminister für verbindlich er- klärt worden. Die Unternehmer haben sich vor allem gegen die Friedensklausel gewandt, d. h. dagegen, daß alle Textilarbci- ter wieder eingestellt werden. Ebenso ist ihnen die Rege- lunq der Akkordstücklähne, wie sie der Schiedsspruch vorsieht, be- sonders unangenehm. Die DerbindlichkeitserklSrung war von den beiden Tertilarbeiterverbänden beantragt worden. Im Tarifstreit des Tcrtilbezirks Hamburg-Riederelbe ist der Schiedsspruch zum M a n t e l t a r> s vom Reichsarbeitsmini- ster ebenfalls für verbindlich erklärt worden. Ueber die Rege- lung der L o h n s r o g e soll nochmals vor dem Schlichter verhandelt werden. Adel« Schreiber schilderte im Rahmen ihres Zyklus „Bahnbrechende Frauen" das Leben und Wirken der Engländerin Mary Wollstonecrost. Der Lebensgang dieser Frau mutet wie ein tragischer Roman an. Sie wuchs in elenden Verhältnissen auf und mußte schon in jungen Iahren mit für den Familienunterhalt sorgen. Spät erst erlebte sie das Glück einer großen Leidenschaft, die aber in Enttäuschungen endete. Eine zweite Liebe endlich sch'en Erfüllung zu bringen. Da starb Mary Wollstonecraft nach der Geburt ihres Kindes. Doch ihr Leben, das vorzeitig.auf seiner Höhe enden mußt«, war für den Kamps der Frauen um Freiheit und Gleichbereckitigung von größter Bedeutung. Mary Wollstonecrost, Zeitgenossin der Olnmpe de Gouges, brachte in grundlegenden wissenschaftlichen Arbeiten die Begründung jener Ideen, für die Olympe auf dem Schasott starb. In einem Vortrag„Die Asthenie" wies vr. meck. Muskat darauf hin, daß schlechte Haltung der Kmder ost nickt aus Nachlässigkeit, sondern aus Schwäche des Gewebes beruhe. Durch geeignete, rechtzeitig« Behandlung läßt sich hier stets mindestens soweit Besserung erzielen, daß der Fehler ausgeglichen wird und keine Schädigung für das ganze Leben entsteht.— Dr. Rudolf W e g n e r sprach über„Vogelschutz im Winter". E» ist erfreulich, wenn der Rundfunk Ratschläge für«ine verständnisvolle Pflege der in unserem Klima überwinternden Vögel oerbreitet.— Eine hübsche Jugendveranstaltung bot der Nachmittag, der in geschmackvoller Zu- sommenstellung Weihnachtliches in Wort und Lied brachte. Rur leider der Ansager, der die verbindenden Worte sprach, klebte am kitschioen Fomilienblattstil. Im Abendprogramm hatte inan die ziemlich unwahrscheinliche Fiktion einer sckon jetzt vorhandenen„W eihnachtsstube" aus- gestellt, die ja iür weite Kreise der Bevölkerung nicht zutrifft. In diese Weihnachtsstube wollte der Rundfunk die rechte Weihnachts- stimmung h'neintragen. Am Harmonium spielte Hermann Protze sehr sckön die ollen Weihnachtsweisen, das Frouenguartett des Funk- chors sang klangvoll einige Lieder, und Frieda Weber-Fleß- bürg gab zum Teil wertvoll« Stück« von Cornelius, Hans Herr- mann und anderen. Man verlas eine Weibnachtsbetrachtung aus de�Iugendperiode von Otto Ernst, d'e zuweilen die bekannte Ueber- heHichkeit des allzu gern Belehrenden hindurchschimmern ließ, und das wirkungsvoll« Winterwaldstück von Agnes Günther. Die ganze Idee dieser Veranstaltung war etwas schief, und so wirkte ihre Durchführung trotz schöner Einzelheiten im großen ermüdend. Tes. Gescheiterte Lohnverhandlungen. Siel. 21. Dezember. Die unter dem Vorsitz des Schlichtere Dr. Volkers geführten Verhandlungen über die von der Arbeiterschaft der Marine» werft Wilhelmshoven und des Marinearsenals Ki«l gestellten Lohnforderungen sind ergebnislos verlausen. Streikerfolg französischer Hafenarbeiter. Varia, 21. Dezember.(Eigenbericht.) Der lltägig« Streik der Hafenarbeiter von St. Ra- z a i r e hat am Dienstag mit dem vollen Erfolg der Ausständigen geendet Die Arbeitgeber haben ihr« Forderung nach einem Stunden- lohn von 3,60 Frcs. ausgegeben und der Aufrechterhaltung des Togeslohns von 3Z Franken zustimmt. Das einzige Zu- aeständnis der Arbeiterschaft besteht in der Annahme einer Lohn- Herabsetzung aus 31 Frcs. ab März 1928, sofern die Lebenshaltungz- tosten bis dahin weiter gesunken sein sollten. Ein amerikanischer Lohnschiedsspruch. Ehikogo, 21. Dezember. Das Bundesschiedsgericht hat einen Schiedsspruch gefällt, wo- nach den Lokomotivführern und den Heizern der Welsren Railways «ine Lobnzulage gewährt wird, die im Durchschnitt 30 C«nts (1,28 M.) täglich beträgt. Von der Neuregelung weroen 53000 Mann betroffen._ Die Sparkasse der Lank der Arbeiter. Angestelllea und Beamte» A.-G„ Verlin. wallstr. 65. ist täolich mit Ausnahme von Sonnabend von 9— 3 Uhr und 4— 6 Uhr. Sonnabend» von 9—1 Uhr geöffnet. Sozialistische Arveiterjugend Grofi-Serliu. ttnb Freitag 15—20 Uhr Ist unsere Weihnachtsaussttllung»»Ä grSsfnct im Heim EilUwnstr. 8. nicht heute, sondern erst am Donnerstag, 5. Zanuar 1028, Heule, Donnerstag, 22. Dezember. 19% Uhr. Sorben; Heim Lortzing., Ecke Eraunstraße. Bunter Adeni».— Fallvlatz t: Schule Eberswalder Str. 10..Mein« Arocit."— Sötlnische, Part; Helni Sngrlufer 24—25.„Das gut» und das schlcchl» Buch."— Schöuhause» Bor- stabt: Schule Driefcnrr ctr. 22. Politisch-satirischer Übend.— stöpenicker Viertel: Schule Wrangelstr. 128. Weihnachtsfeier.— Wllmersdori: Helm Wilheimsaue 123.„Warum seiern wir W-.h, lachten?"— L-nlwi»;(ucme.nde. schule Schulstrahe. Weihnachtsfeier.— Wittenau; Heim 9 osenthaler Str. 1,1 „Die Bedeutung des Wintersonnenwendfestes."— Paulow-Sstb: Heim Kissingen- strasie 48, Ecke Sranitzstrasie.„Weihnachten und sein« Bebeulung ssir UNS." * Hermebors! Freitag, 23. Dezember, 19V4 Uhr, im„Allen Fsrsthaus". Augustc-Vittoria-Slrasie. Weihnachtefeier mit den Kindersreunden und Ellern. Parteigenossen willkommen. Seschevle erhalte» die Frennbschast. Welcher Herr wUnschte sich nicht auf dem Gabentisch eine flotte Krawatte, ein gutsitzendes Oderhemd, tadellos halt- bare Hosenträger oder gar einen der selchen, modernen Pullvwer? Das alle» und noch viele andere begehrentwertc Eaben linden Sie noch in reicher Aus- wähl bei Erumach. Versäumen Sie also nicht, svlort noch zu Drumach zu gehe«.(Brumach wohnt seit Uber SO Jahren Konigftr. 59, schrägüber dem Berliner Rathaus. Füt eilige Käufer habe ich liebevoll vorbereitete Gc/chenk- Packungen«« M. 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In den Jahren 1917 bis 1921. in der Zeit der Militarisierung der Arbeit und des allgemeinen wirtschaftlichen Verfalls, haben die russischen Arbeiter im buchstäb- lichen Sinne des Wortes Hungerlöhne bezogen, die kaum e i n S e ch st e l des realen Dorkriegslohns ausmachten. Neben den äußerst niedrigen Naturallöhnen war für diese Periode die weitestgehende Angleichung und Gleichheit der Löhne charakteristisch. Zu Beginn des Jahres 1921, als die Löhne ihren Tiefstand, ihre Nivellierung den Höchststand erreicht hatten, betrug der Unterschied zwischen dem Lohne des gelernten und ungelernten Arbiters nur 2 P r o z., während die Spanne zu Beginn des Jahres 1917 noch durchschnittlich 132 Proz. ausmachte. Die neue Lohnpolilik der VEP. In der zweiten Hälfte des Jahres 1921 trat ein Wandel in der Lohnpolitik der SowjetreHierung«in. In diese Zeit iällt der lieber- gang zur neuen Wirtschaftspolitik(NEP.), die den Naturalcharakter des Sowjctkommunismus abstreiste und die Sowjetwirtschaft in eine ausgesprochene Waren- und Geldwirt- s ch a f t zurückoerwandelte. Jetzt, wo die staatliche Industrie Ge» winne anstrebt und nach kavitalistischer Art organisiert und geleitet wird, ericheint im Gegensatz zur vorhergehenden Periode die Steigerung der Arbeitel«! st ung als dos Hauptziel. >echstverstSndlich mit Anwendung auch der in den kapitalistischen Ländern üblichen Lohnmethoden. Infolge der technischen Ruck- ständigkeit d«r Industrie und der großen, die Modernisierung ver- hindernden Kapitalnot, muß aus der Arbeits traft immer mehr herausgeholt werden, um die Arbeitsleistung zu steigern. Zu diesem Zweck hat man die Akkoldarbeit immer stä.ker in Anwendung ge- bracht und durch die weitgehende Ausdehnung der U e b e r- stundenarbeit den Arbeitern die Möglichkeit gegeben, ihren Aerdienjt durch starke Anspannung der Arbeitsintensität etwas zu vergrößern. In der Tat weist die Arbeitsleistung in den letzten Iahren eine stete und erhebliche Zunahme aus, wobei sie, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in den Iahren 1922 bis 192? durchschnittlich derLohnsteigerungvorausgeeiltist. Nach den Angaben des letzten Berichtes des Zentrolrates der russischen Gewerkschaften ist die Arbeitsleistung im Wirtschaftsjahr 1925/26(dos Wirtschafts- jähr beginnt am 1. Oktober) im Vergleich zum Wirtschaftsjahr 1923/24 um SS, 4 Proz. gestiegen, bei einer gleichzeitigen Eieigerung des Reallohnes um nur 36 Proz. An Stelle der weit- gehenden Lohnnivellierung in den Iahren 1917 bis I92l ist in den Iahren 1922 bis 1927«in« weitgehende Lohndifferen- zierttng eingetreten. Eine speziell« Erhebung des statistischen Zen- tralamtes stellte im März 1926 fest, daß in den untersuchten Metall- werken etwa 2ö Proz. der Former und Gießer üb«r 1S0 Rubel monatlich verdienten, während der monatliche Lohnoerdienst bei einem erheblichen Teil der ungelernten Arbeiter in denselben Betrieben weniger als 3V Rubel ausmochte. Aehnlich lagen die Dinge im Maschinenbau, in d«r Glasindustrie, in der Textilindustrie. INonalslohu 60 Rubel ober 66 Mark reale Kaufkraft. Bei der Betrachtung des gegenwärtigen Standes der Löhne in Rußland, namentlich der Angaben über die Durchschnittslöhne, muß man sich die erwähnten Lohnunterschiede vor Augen halten Nach den letzten amtlichen Angaben betrug der durchschnittliche N o m i- n a II o h n vom 1. Oktober 1926 bis zum 1. Juni 1927 in der ganzen Iildustrie monatlich 5 7,2 Rubel, während der durchschnittlich- Reallohn gleichzeitig 99 Proz. des Vorkriegslohnes er- reicht haben soll. Im September diese- Jahres soll die nomwelle Lohnsteigerüng 4.4 Proz. und der durchschnittliche monalliche Geld- lohn sür die ganze Industrie 62.1 Rubel betragen habeil. Die Steigerung des Reallohns betrug noch diesen amtlichen Angaben im September dieses Jahres 6,3 Proz. gegenüber dem Monat August. Auf da» ganze Wirtschoftsjohl rom 1. Oktober 1926 bis 1. Oktobew 1927 bezogen betrug der durchschnittliche monatliche Eeidlohn in der ganzen Industrie etwa 6 9 Rubel, gleich rund 132 M. zum nominellen Rubelturs. Da aber die tatsächlich« Kanstraft des Rubels in der Sowjetunion nur etwas über 59 Proz. seines Nennwertes beträgt, kommt die reale Kauskrast des monatlichen Durchschnitts- lohnes in Ruhland im laufenden Jahr der Kaufkraft von etwa 66 bis 79 deutscher Reichsmark gleich. Will man sich deutlich machen, was der russische Arbeiter bei einem durchschnittlichen Monatsverdienst van 66—79 deutscher Mark in Rußland kaufen kann, so muß man bedenken, daß die Lebens- mittelpreise in Rußland zwar niedriger, die Preise sür Industrie- waren aber unveigleichlich höher liegen als in Deutschland, So waren die Großhandelspreise für Getreide, Kartoffeln, Produkte der Viehzucht und für agrarisch« Rohstosse am 1. Juli 1927 in Rußland nach den Berechnungen des Moskauer Konstinktnr- Institutes um 41 Proz. niedriger als in Deutschland: die Großhandelspreise für Koh'c, Metalle, Textilerzeugnisse und Ko- lonialworen waren gleichzeitig in Rußland dreimal so hoch. Es kommt aber noch hinzu, daß der Unterschied zwischen den deutlchen und russischen Kleinhondelspreisen noch viel größer ist, da die Ausschläge im staatlichen und genossenschaftlichen Kleinhandel in Rußland sehr hoch sind und das Doppelte bis Dreifache der Auf- schlage im Privathandel vor dem Kriegs betragen. Ferner ist die Qualität der russischen Industrieerzeugnisse erheblich schlechter, und die Klagen über die schlechte Beschaffenheit der russischen In- dustriewaren füllen die Spalten der Sowjctpresse. Ein drittes Mo- ment, das auf die Lebenshaltung der ruisischen Arbeiter ungünstig einwirkt, ist der chron'sche Warenhunger, der in den letzten Monaten noch eine Zuspitzung eriahrcn Hut, Gegenwärtig empiindet die Ar- beiterschait Mangel nicht nur an Industriewaren, sondern selbst an den unentbehrlichsten Lebensmitteln, wie Mehl, Zucker und Fette, und die Regierung erwägt Maßnahmen, um die Arbeiterschaft der Industriegebiete rechtzeitig mit den unentbehrlichsten Konsumgüter» zu versorgen, was vorläufig aber nicht der Fall zu sein scheint. Wenn die Sowjetregierung anläßlich ihres zehnjährigen Jubi- läums mit Genugtuung feststellte, daß der reale Vorkriegslohn er- reicht bzw. um ein paar Prozent überjchriiten sei, was die kommu- nisiifche Opposition ihrerseits in Abrede stellt, so muß man bedenken, daß die Vorkriegslöhne elende Löhne waren Generationen russi- scher Arbeiter unter dem Zarismus kämpften deshalb sür politische Freiheit und menschenwürdige Löhn«. Heute, zebu Zahre nach der Revolution gewährt der Staats- tapilalismus den Arbeitern an Debeasgütern nicht mehr als der reaktionäre russische Kapitalismus der vorkriegs- zeit. Gleichzeitig sieht die Sowjetregierung in den Wirtschastsplönen für die nächsten Jahre eine erheblich stärkere Steigerung der Arbeitslei st ung als des Arbeitslohnes vor. Im Jahre 1927 28 ist eine Steigerung der Arbeitsleistung um 12,9 Proz. bei einer nominellen lohnsteigerüng von 6 Proz. vor- gesehen. Immer wieder forderte die Regierung von den Arbeitern die unausgesetzte Steigerung der Arbeitsleistung. Bei der technischen Rückständigkeit der russischen Industrie und dem akuten Kapital- nmngel kann aber eine dauernd« Steigerung der Arbeitsleistung hauptsäcisiich auf Kosten der Arbeitsintensität vor sich gehen, die aber schon äußerst angespannt zu sein scheint, wie mehrere Diskussionsredner auf dem letzten Gewerkschafts- k o n g r e ß betont haben, während die Produktionsbedingungen in den Betrieben schleck�er sind als vor dem Kriege, Trotzdem hat die Arbeitsleistung, bei elneni qualitativ schlechtm« Produktionsapparat, den Vorkriegsstand erreichr Wahrend nun der Lohnanteil an den Produktionskosten in der ersten Hälfte des Wirtschaftsjahre? 1926 27 um 5 Proz. gegenüber der entsprechenden Zeit des Vorjahres zurückgegangen ist, weil die Arbeitsleistung in diesem Zeit- abschnitt in stärkerem Tempo gestiegen ist als der Arbeitslohn, sind die Produktionskosten der staatlichen Industrie gleichzeitig gestiegen. Diese Tatsache beweist leider, daß die von den Arbeitern gebrachten Opfer der Industrie nicht zugute kommen, und daß die Leistungssähigkeit der staatlichen Industrie- Verwaltung viel zu wünschen übrig läßt. Sicher würde eine selbständige Lohnpolilik unabhängiger Gewerkschaften die staatliche Industrie auf den Weg der Wirtschaftlichkeit und Ratio- nalisierung drängen können,„Glücklich der' Kapitalismus, der«ine kämpf b er e i t e A rtreri e rkl»s s� hat. die ihn znm technischen Fortschritt drängt." rief einmal der betannte französische Syndikalist Logardelle aus. Dieses Glück wurde dem russischen Kapitallsmus zum Nachteil des Landes nie zuteil, da der Zarismus den Kampf um bester« Löhne nach Kräften unterdrückte. Heute liegen die Dinge so, daß die Sowjetregierung als der größte Arbeitgeber gleichzeitig selbst die Löhne regelt, während die Gewerkschaften es als ihre vornehmlichste Pflicht betrachten, die Lohnparolen der Regierung zu befolgen und streikende Arbeiter, so wie in der zaristi- sehen Epoche des russischen Kapitalismus, von der Regierung als Staatsverbrecher verfolgen zu lasten. Es ist sehr.bezeichnend, daß die T a r> f s ä tz« in den staatlichen Betrieben nie- d r i g e r sind als in den Privatbetrieben, und zwar betrug im Jahre 1926 nach dem Zeugnis des Sowjctwirtschaftlcrs Ginsburg dieser Unterschied durchschnittlich 34 Proz. Unter derartigen Verhältnissen und angesichts der geringen Leistungssähigkeit der staatlichen Industrie erscheinen die Slnssichten für die dringend erforderliche Hebung der Lebenshaltung der russischen Arbeiter weit über das elende Dorkriegsniveau hinaus, recht gering, und aus der B'trachtung der russischen Lohnverhältnisse und Lohnpolitik ergibt sich für den westeuropäischen Arbeiter nur eine tiefe« n d schwereEnttäuschung. I. G— d. Danaergeschenk der Freigabedevisen. Was gedenkt Herr Schacht dagegm zu tun? Wie bereits berichtet, hat das amerikanische Repräsentantenhaus ein Geieg angenommen, das den deutschen Besitzern des in Amerika beschlagnahmten Vermögens den größten Teil ihrer Werte in baren Dollars zurückzuzahlen verspricht. Der Senat, der bereits im Februar sich mit der Vorlag« besaßen wird, braucht nur noch zuzustimmen und die Sache ist perfekt. Es ist jetzt also mit Sicherheit daraus zu rechnen, daß etwa vom Februar kommenden Jahres ab große Summen von a m e r i t a- nifchen Devisen den deutschen Entschädigung? berech- t i g t e n zufließen werden. Diese werden auch über die seit langem erwartete Etellunxnahnie dc- Repräsentantenhauses erfreut sein. Anders, die Reichsbank. Sie lehnt bekanntlich die Ausnahme ausländischer Anleihen durch die Kommunen mit der Begründung ob, daß dadurch die liebmragung von Reparationszahlungen an die Entente künstlich erleichtert wird. Dasselbe Bedenken trifft aber auch aus die Devisenzahlungen aus der Freiciabebill zu. Beharrt die Reichsbant auf ihrem Standpunkt, so müßte sie also beim Reparationsagenten dagegen Einspruch erheben, daß die Amerikaner das deutsche Eigentum zurückerstatten. Erfreulicherweise ist die Anleiheberatungsstelle für diese Frage nicht zuständig, sonst würde sie fraglos im Sinne des ReichsbankpräsideMen entsckeiden. Immerhin wäre es wichtig, zu erfahren, was die Reichsbank gegen die neue drohende Durchkreuzung ihrer Devisen- und Reparationspolitik durch das amerika- msche Repräsentantenhaus zu unternehmen gedenkt. November hoher Einfuhrüberschuß. Von 2S4 auf 312 Millionen gestiegen.— 2,2 Milliarden Gesamtaußenhandel. Im Monat November Ist die gesamte Waren einfuhr gegen- über Oktober um 46 Millionen gestiegen, die gesamte Waren- ausfuhr ist um 47 Millionen zurückgegangen. Daraus ergibt sich gegenüber dem Monat Oktober eine Zunahme des Ein- fuhrüberschusses von 284 um 93 auf 377 Millionen Mark. Seit Juni und Juli d. I., wo der Einfuhrüberschuß 499 bzw. 439 Mil- sionen betrug, ist das Nooemberergebnis das höchste, bleibt aber noch mit ruird 70 Millionen hinter dem Iuniüberschuß zurück. Die 1291 Millionen Gesamteinfuhr stich ein Rekord für alle Monats- einfuhren feit der Stabilisierung. Aber auch die Gesamtausfuhr mit 914 Millionen wurde seit 1924 nur dreimal übcrtroffen. Trotz des Ausfuhrrückganges im November ergibt sich für den g e s a m t e n Umfang des deutschen Auslandshandcls eb-nso wie im Oktober mit rund 2294 Millionen Mark eine Rekordziffer. Angesichts der Tatsache, daß der Monat November noch die stärkstc Hochkonjunktur halle, sind die scheinbar ungünstigen Verschiebungen keineswegs ein ungünstiges Zeichen für die gesamte Wirtschoftscnt- wicklung. und die Rechtsblätter Echielescher Prägung tun Unrecht, unter Hinweis auf das wachieiche Außenhaichcls-„Dcfizit" von eii:er gefährlichen Entwicklung zu sprechen. Einfuhr 1927 Aussuhr 1927 Barmzruspm Nov Ott Jim-No». Nov Ott gan-Noo. in Millionen ü>'arr nat\©cfitTUDO'.'ic.nwrtta 17,0 17,7 165,9 1,2 1,3 9,8 379,2 3 981,1 43,9 43.4 378,9 Lebende Tiere.. Lebensmittel und Getränke.... 391,8 Robstoffe u. halbfett. Waren.... 648,9 594,6 6 487,7 185.5 192,9 2 046.5 Fertige Waren.. 233,0?53,3 2 253,6 683,0 718,2 6 840,9 Keiner w irevve lehr 1299 7 1 244 S 12ZSöZ 913 5 960 3 9 2701 Eold und Silber,. 13,9 19,4 329,4 2,2 2,3 20,1 ..... Zusammen 1 303,7 1 266,2 13115,7 915,8 963,1 9 290,3 In Wahrheit ist tue Außenhandelsbilanz nur für Lebens- mittel ungünstig. Während in früheren Jahren von August bis November ein starker Rückgang der Lebensinittelau-fuhren ein- trat, und zugleich eine Steigerung der Le''cnsrnjttelexporte. ist im Jahre 1927 die Entwicklung umgekehrti Die Lebcnsmittsleinfuhr ist auch Oktober /November weiter auf 391,8 Millionen gcÄcgen (gegen 337,1 Millionen November 1926 und 246,7 Millionen November 1925), während die Lebcnsmittelaussuhr mit 43,9 Mil- liönen nicht unerheblich geringer ist als in den entsprechenden Monaten früherer Jahre. Roggen nnd E.rste wurden im Novem» ber allein für über 29 Millionen mehr eingeführt als im Oiloöer. Die Rohstoffeinfuhr hat um rund 54 auf 648.9 Millionen zugenommen, während die Ausfuhr von 192,9 auf 185,6 Mil- lionen zurückging. An der Mchrsinfuhr sind am stärkjien beteiligt — ein Zeichen für die Zuversicht in der Konjunklurbeurtciiung— die Einfuhr von Wolle und Baun.wolle(um 13, bzw. 21 Millionen Mark), Beachtlich ist immerhin, daß die Eisenerz- und Kupfereinfuhr um 3 bzw. 7 Millionen zurück gegangen ist. die Einsuhr einmal seit der Stabilisierung, und zwar im Januar 1955 war die Eir.suhrzifscr sür Rohstosse uin 18 Millionen höher als im letzten November. Auf der anderen Seite ist die Nohstosfaussuhr im November seil dem Monat Juli d� J. die geringste gewesen. Ihre Senkung gegenüber Oktober fällt mit rund 7,1 Millionen fast voll aus die verringerte Steinkohlenalsssuhr. Die Fertigwarenbilonz blieb günstig Die Aus- fuhrzisfcr mit 683,3 Millionen ist seit 1924 nur dreimal übertrof>en worden Dem Aussuhrruckgang gegen Oktober mit rund 35 Millionen entspricht ein Einfuhrrückgang von rund 29 Millionen. Der Vergleich mit früheren Jahren zcigt. daß die Novcmberen Wicklung in der äußeren Fertigivarenbilanz eine regel- und saijonmäßige ist. Eitz R ü ck g a n g der Fertigwarenausfuhr zeig: sich bei Seiden-, Wall- und Baumwollgewebcn, bei Leder, Pelzen und Cbcmie- orvdutten, während für Terttl-, Werkzeug- und sonstige Maschinen sowie für elektrotechnische Erzeugnisse eine nicht unerhebliche Per- besserung der Aussuhrzisfern zu oerzeichnen ist. So liegt keinerlei Anlaß vor. die Außenhandelsbilanz vom November ungünstig zu nennen. Soweit Rückgänge vor- liegen, erklären sie sich aus der günstigen Konjunktur oder aus der NkktBtzttkmmBefeeieiamS' sondern die Qualität ist es, die den Raucher ver» anlaßt, ENVER BEY■ Zigaretten ru rauchen. Verlangen Sie diese und Sie werden{Inden, daß es keine besseren 5-Pf.-Zigaretten gibt. ENVER BEYCOU» 5, verspäteten Ernte. Eine hohe Passivität ist selbstverständlich w einem Lande, das bewußt die Intensität der Wirtschaft durch Aus- landZanleihcn stärkt. Bedenken können sich höchsten» in dem Punkte ergeben, daß unser künstlich hochgehaltenes Preisniveau im Inland das Eindringen ausländischer Waren in einem stärkeren Maße«leichtert als das Vordringen deutscher Waren auf den Welt- markten mit Kampspreisen gefördert werden tonn, deren Ermög- l-chung den Inlandskonsum unnötig belastet. Ficht die Halste der Schätzung... ... soll die kurzfristige Verschuldung der Städte betrogen. Wenn man den Angaben der„Berliner Borsenzeitung", eines gewiß nicht städtefreundlichen Blattes, glauben darf, so erweisen sich schon jetst die Behauptungen von der großen kurzfristigen Der- schuldung der Städte alz eine unverantwortliche lieber« t r e! b u n g. Nach den Informationen dieses Blattes steht fest, daß die kurzfristige Verschuldung der deutschen Kommunen auch noch nicht halb so groß ist. wie fie von verschiedeneu Selten beziffert wurde. Eine direkte kurzfristige Auslandsverschuldung komme so gut wie gar nicht in Frage. Das Ergebnis der Umfrage, die bis zum 20. Dezember beantwortet sein sollte, werde für die kommunalen Finanzen keineswegs ungünstig sein. Es ist uns willkommen, daß es die„Börsenzettung" ist, die der Oesfentlichkeit eine solche Information geben muß. Sic wird ge- prüft haben, was sie veröffentlicht. Sicher wäre es auch Volkswirt- schasllich in hohem Maße ersrpulich, wenn die kurzfristige Derschul- dung der Städte sich al? gering erweist, chöchst unerfreulich ober ist es, daß durch diese Feststellung enthüllt wird, wie sehr der Kampf gegen die Städte eine Kampagne war, bei der ein unheiligor Zweck niedrige Mittel heiligte. Sollte das Ergebnis der Umfrage wirklich die Angaben der„Berliner Börsenzeitung* bestätigen, so werden her Reichsbankpräsident Schacht(und sein« schwerkapita- listischcn Hintermänner) zu fragen und dafür zur Verantwortung zu ziehen sein, warum In so unverantwortlicher und leichtfertiger Weise mjt der Behauptung unwahrer Totsachen nicht nur der Kredit der Gemeinden, sondern der deutsche Kredit überhaupt gefährdet wurde. Wir hoffen zuversichtlich, daß der Reichstag und die ihm verantwortliche Rcichsregierung nicht vergeben und vergessen werden, was hier zum Rußen von Sonder- intmssenten an der deutschen Gesamtwlrtschast gesündigt wurde. Endgültig zurückgehender Güterverkehr? In der Woche zum 10. Dezember ist die orbeitstäglich« Wagen- gestcllung der Reichsbahn von 164 200 auf 157 600 zurückgegangen. Der Rückgang ist erheblich. Die Ziffer der zweiten Dezein- bernwche ist die niedrigste seit mehreren Monaten. Tabellarische ll Woche ebersicht seit September(in IlXX) Stück) wöchentlich ÄÄ 1927 1926 1927 1926 25. 9.- 2. 10.- l». 10.- 16. 10.- 23. 10.- 30. 10.- 6. 11.- 13. 11., 20. 11.- 27. 11.- 4. 12.- - 1. 10. . 8.10, -15. 10. -22. 10. -LS. 10. - 5. IL -12. 11. •19. 11. •26. IL - 3. 12. -10. 12. 960,0 962,8 1007,8 99�5 1034,9 9703 997,4 889,5 9673 985.4 9453 8593 8803 901,9 931,4 950,0 9003 943,2 848,4 9393 007,2 8813 1603 1603 1683 166,4 1723 1613 166,2 177,9 161,2 164,2 1573 143,2 146,7 1503 155,2 1583 150,0 157,2 169,7 1563 1513 1463 Natürlich ist es mozlich, daß sich in diese? vergleichsweise niedrigen Leschaftigungszisfer der Reichsbahn zum erstenmal das Tdrommelfeuer auswirkt, das in cen letzten Monaten gegen den Bestand der deutschen Konjunktur von den verschiedensten Seiten eröffnet wurde. Dennpch muß man abwarten, welch« sich in den nächsten Wochen ergeben werden, denn gerade der Monat Dezember bringt ganz regelmäßig, weil keine Baustoff-. Dünger- und Erntetronzporte mehr statt sin den und auch die Eindeckung mit Winterkohlen in der Hauptsache vorüber ist. einen starken Rückgang des Güterverkehrs._ Neues Kapital für dl« von Preußen beherrschte Zukunft JL-G-, Velswetler. Da? Elektrizttätcwert Braunkohleinduftrie A.-T. »Zukunft* in Weleweiler, desiep Aktienkapital sich noch im Be- sitz de, preußischen Staates bcfurdet, wird Im Jahr« 1928 Ausdehnungsprogromm durchführen. In Frei ein__ W>...... � kommt eine Erweiterung der"Kohlenbasis und der Bau einer neu, Hochdruckanlage. Di« ersord«rlichen Mittel sollen durch Ausgabe einer Obligationsanleihe in Höhe von 6 bis 8 Millionen Mark aufgebracht werden. Außerdem wird der Aussichtsrat der End« Januar 1928 in Berlin zusammentretenden Generalversammlung die Er- höhung des Aktienkapitals von rund 133 auf 16 Millionen Mark Vorschlag«». Die neuen Aktien werden zum größten Teil in Ken Besitz des Eschw«iler Bergwerksvereins übergehen, der dafür die von der„Zukunft* benötigten Braunkohlenselder zur Verfügung stellt. Starker Wohnungsbau im dritten Vierteljahr 1S27. Mit 25 217 Wohnungen in 6600 jertiggestellten Wohngebäuden hat da» dritte Vierteljahr 1927 die entsprechende Zett des Vorjahres um 43 bzw. 36 Proz. übertroffen. Dagegen siru» vergleichsweise die Baugenehmigungen mit 9593 Wohngebäuden und 24 679 Wohnungen gegenüber der gleichen Zett des Borjahres zwar noch absolut erheblich höher, gegenüber dem zweiten Bierteljahr d«» Jahre« 1927 ist aber ein R ü ck g o n g um 700 Häuser und 2600 Wohnungen eingetreten— wohl dos erst« deutlich ungünstig« Zeichen sürdleverschlechtertenAussichtendestommend«» Baujahres. Die Konkurse nehmen welter zu. Di« Zahl der Konkurse im November beträgt nach dem„Reichsanzeiaer* 574 gegenüber 445 im Oktober und 360 im September. Die Zahl der Vergleichs- vorfahren hat von 35 im Monat Oktober auf 109 Im November zugenommen. Die Steigerung beträgt bei den Konkursen 29 Proz. und nur b«i den Berglcichsvrrsohren 211 Proz. Trotz der Vermehrung der Konkurse li«gt die Zahl der Konkurse noch erheblich unter dem Borkricgsdurch schnitt. Jür Aendernng des Reichsvoftsinauzgesches. Auf Grund von Beschlüssen der letzten Präsidialsitzung des Hansa-Bundes hat der Hansa-Bund in diesen Tagen der Reichsregierung und dem Reichstag eine Eingabe übermittell, die eine Aenderung des Reichspostfinanzgcsetzes in Richtung auf eine Wiederher- ftellung des Bestimmungsrechtes des Reichs- rates und des Rctchetagcs empfiehlt. »wteiidmg«, Mr diese Subtil sind »etil«««88, eiabcnitufc 3, pariemachrichien�M�fürGrvß-Berlm stet« an da,««jltCsetreiartal 2. Hot. 2 Step, rechts, zu richten. 13. ftttt» Tempelhos. tzüt die Proletarische ffeUtshmbt(mit dem Seit- atolin.Au» dem«>haus, Karlstroße Proletarische Feierstunde »Aus dem Guckkasten der Jahrhunderte" Kulturpolitisch- laitrische Szenen, dargestellt von Mitgliedern des Siaatstheaters- Stadlmusikanten- Ansprache- Eintritt 4 M. Karten sind zn haben im Türe an de»«ezIrl»dUbnngsau»schusse,. Linden- ftrasse 8. 2. Kos>1, Zimmer n» Bnchhandinnz Borwärt», Linden raste?» ~ rren eschätt Harsch,«ngrlnser 24 25» ara vertrieä SEK., Zu' ct. « 8» Berband der graph. vilssordeiter, Ritteritr. I»..Vorwar!»". bei den Bi1dun�»odleuten der kreise nnd Abteiii .taugen. nachtspaket am Freitag, LS. Dezember, von 14 bis IS leitcrin abzuholen. »ret, Kreuzberg, Zugendheim Neichrnberger sind dazu herzlichst eingeladen. it oon der Kreis- Uhr. im und Eltern 21. Abt. Sonntag, 25. Dezember, in den grdstten Sälen der Koch- lchnld-aucrei. Amrnmer Str. II. Weihnachtsfeier. Zede» Kind erhält einen dnaien Seilet. Tombola. Kasseneröfiunng 18 Uhr. Beginn 17 Uhr. Tarz int gelben Saal ab 18 Uhr. Um 28 Uhr Tan» In beiden Sälen, e-fcct«arten s 1 35. sind bei den Znaltionären erb an d-r Kasse erhölllich..Sormärte'-Leser, Parteimitglieder sowie ssernnde unterer Vewcgnng find herzlichst eingeladen. Der vorstand. Vorträge, Vereine und Versammlungen. « Reichsbanner.Sckiwar, Hol Gold* Seschäitsstelle: Berlin S. 14.«ebasiiansir 57/88. Ho' 2 Tr. Wintersportabteilung: Treffpunkte fstr die We-hnachtssk' fahrten nach Tanne Eonnnabend, 24. Dezember, lZ>4 Uhr, Potsdamer Ferndahnhof, greitroppe rechts oben,- nach Tirol Sonnabend, 24. Dezember, 18 Uhr, Anhalter Bahnhof, drei Treppen oben recht». Typographische» vrchestee. Zeden Freitag, 30 Uhr, in NeukMn, Hermann. straße IN, 3 cstaurant Sängerhe m, Uebungsstunde. Zwischen Leihnachirn und Neujahr fällt dir Uebungsstunde aus. &rri G p>« © Willst� jo!«m S®JIETTI m i'«', Mtischeln. Wide ließ ihn andere Gegenstände befühlen. sagte ihm, was sie seien und beobachtete ihn scharf. „Das Schiff ist am Horizont schon fast verschwunden," erklärte plötzlich Davidson, ohne jeden Anlaß. „Achten Säe nicht auf das Schiff." entgegnete Wide, �iören Sie mir an, Davidson. Wissen Sie, was Halluzinationen sind?" „Gewiß." „Run: alles, was Sie sehen, sind Halluzinationen." „Schopenhauer Well als Wille und Vorstellung." „Verstehen Sie mich recht." versetzte Wide.„Sie leben und sind In Boyces Zinvner. Irgend etwas ist mit Ihren Augen ge- schehen. Sie können nicht sehen, Sic können fühlen und hören, aber nicht sehen. BkAreisen Sie das?" „Mir scheint vielmehr, daß-ich zuviel sehe," erwiderte Davidson und rieb sich die Augen mit den Knöcheln.„Run?" „Das ist alles. Lassen Sie sich nicht davon oerwirren. Dellows hier und ich werden Sie in einem Wogen heimbringen." „Einen Augenblick!" Davidson dachte nach, helfen Sie mir. mich niederzusetzen," sagte er plötzlich.„Und jetzt, entschuldigen Sie bitte— würden Sie mif das alles noch einmal erklären?" Wide wiederholte gedlüidig seine Worte. Davidson schloß die Augen und preßte die Härche gegen die Stirn.„Ja," sagte er,„so Ist es. Wenn ich die Augen Zumache, weiß ich, daß Sie recht haben. Das bist du, Bellows. hier mti>'en mir aus dein Sofa. Ich bin wie- der In England und wir sitzcM im Dunkel." Dann ösfnete er seine Au gast-.Und dort Ist gerade Sonnenauf- gang, und ich sehe die Brüstung des Schiffes und die rollende See und eine Schar fliegender Böget, Nie sah ich etwas so deutlich. Und ich fitze bis an den Hals Sand." Er neigte sich vor und verlchrg sein Gesicht in den Händen. Dann ösfnete er die Augen wieder.„Dunkles Meer und Sonnen- aufgang! Und doch sitze ich aus dem Sofa in Boyces Zimmer.... Gott sei mir gnädig!"(Schluß folgt.) L aullose Alarmpfeisen. Di» französische Polizei ist jetzt mit lautlosen Alarmpfeisen in den Großstödö-n ausgerüstet woiden Diese merkwürdigen Signale bringen noch eifern Bericht der„Umschau" Schwingungen zimand», die jenseits der. Grenzen liegen, in denen das menschlich« Gehör Töne anfnehmech kpnn. Air verschiedenen Punkten der Stadt sind verdeckre Dikroptßooe ausgehängt. Bemerkt ein Pollzerbeantter etwas Lerdächriges. so pfeift er in der Nähe des Mikrophons, das den Schall so verstärkt, daß er telephomsch in der Zentrale gehört werden kann. Die in der Nähe arbeitenden Einbrecher vernehmen aber nicht das Geringste. Heine in Linterhosen. Bon Erich Gottgetreu. Sonntag in Lüneburg. Die biederen Häuserzeilen sind in Brotenduft getaucht. Die Menschen hier lieben Beefsteak mit Zwiebel, und oft sehen sie zum Fenster hinaus. Was gib» c« denn da? Na, uns zum Beispiel. Es regnet, und wir sind heut« wohl so ziemlich die einzigen Fremden in Lüneburg. Da steh ich nun mit Lori aus dem Marktplatz, um uns Leere, Nässe und blanker Glanz aus taufend kleinen Fensterscheiben, bei dem Wetter sollen wir in die Heide lausen? Wir trauen und trauen uns nicht heraus. Diese entzückende Stadt oerdient das auch. Dem Rathaus gegenüber liegt mit viel Giebclgebälk das Heinehaus, aber da ist, wie die Leute erzählen, nicht» zu.besichtigen". Doch was längt man an bei dem Regen? Mal rcingucken? Mal klingeln? So lernen wir beide Frau Wahl- stab kennen, die Witwe des Buchhändlers Wablstab, Patrizier von Lüneburg. Bei ihr gibt es auch Beefsteaks. Und dann«ine wichtige Frage:„Sind Sie verheiratet?" Ich Dummkops sage„Nein". Da fleht sie Loci mißtrauisch an. Lori, du solltest ins Kloster Lüne gehen. Frau Wahlstab, heute zweiundneunzig Jahre all, aber noch sehr rüstig, ist für die Ehe, iür die Ordnung überhaupt, und deshalb auch nicht gut auf den jungen Herrn Heine zu sprechen. Der wohnte hier, zwei Jahre lang. In seinem Bett schläft jetzt ein Untermieter. Heines Eltern halten in dem vornehmen Haus einige Zimmer gemietet, aber Frau Wahlstabs Schwiegermutter, der Ver-* Mieterin, hat das hintciher leid getan. Haben die trotz der Der- waisdtjäraft mit dem reichen Hamburger Salomon Heine notorisch armen Ellern also nicht pünktlich gezahlt?„Bon gesellschaftlichem Berkehr konnte bei meiner Schwiegerniutter keine Rede sein. Die Heines standen doch tief unter ihnen!" Wenn es das wenigstens allein gewesen wäre! Aber Hein« — Frau Wahlstab, der dos Spiechen sonst leicht fällt, rückt hier nur ungern mit der Sprache heraus, ihre Haushälterin wird deut- licher— Heine lief in Unterhosen durch das ganze große Haus. Das stille Oertchen war im. Hof gelegen, gewiß, aber hätte der jung« Mann sich nicht richtig anziehen können, da sieben junge heiratsfähig« Töchter im Hause waren? Sieben junge Damen! Frau Wahlstab ist ehrlich entrüstet. Da» Weltbild und die H�ul>« wackelt. Die Sache ist zwar hundert Jahre alt, aber ei» Hein« f käme ihr heute nicht ins Haus, in i h r Haus nicht, o nein!„Die Schwiegermutter hat dem jungen Herrn Hein« öfters Vorhaltungen gemacht, ihr Mmin, der Buchhändler, der Herr Generalsu perinten- dem— Gott. Sie wissen ja. diese Jugend, das will nichts hören. weiß olles besser. Er ist ja allerdings trotzdem ein guter Dichter gewoiden." Och ja, das ist er. Merkwürdig, wie das manchmal so zu- geht. Die feinen Lüneburger wollten freilich von d«m uner- zogenen, schlampigen, vernachlässigten jungen Mann nicht viel wissen. Uno Hein«?--„Was kein Mensch weiß, und was ich bloß Ihnen sage— und was Sie keinem Menschen wiedersagen dürfen—: Das ist mein Plan, mein wtedergefaßker Plan, Deutsch» land auf immer zu verlcsseu, sachtem ich diesen Winter noch einio« Zeit in Hamburg verweilt, wo ich den zwelleo Teil der „Rersebtlder" alsdann drücken lasse. Bon da fall es zur See nach Amsterdam, gehen, und von da»ach Paris"— so heißt' e« im Brief vom 14. Ottober 1826 an Jmmermann. Als Heine abreiste, trauerte wohl nur das arme kleine Iudenmadchen, dos er emet Tcges an der Rachausccke kemrengelernt und liebend besungen hatte:„Du bist wie eine Blume...", Hausfrieden. Von Bernhard Dengisen. Mittwochs feiere ich Sonntag. Das ist meine Peligwn. Eine« Mittwochs hatte ich mich— nach chncm längeren Spaziergang und einem soliden Frühstück— auf die Chaiselongue gelegt, um ein bildende» Buch zu genießen. Ich war allein zu Hause, meine Frau war auf Jagd nach einem neuen Heybsthut— ich erwartete sie nicht vor 18 Uhr zurück. Da klingelte es an der Entreetür. Das sst Magnus, der herkommt, um zu sehen, ob.ich Kognak im Hause habe. Aber er war es nicht. Es war ein Mann, der Tanyenzweige verkaufen wollt«. „Es duftet so schön," sogt« er. „Ich finde, es duftet nach Wacholderschnaps." sagte ich und machte die Tür zu. Ich bttte die Majestät des Waldes um Verzeihung. Es war natürlich der Mann, der duftet«. Ich kehrte wieder zu meinem bildenden Buch zurück. Nach fünf Minuten klingelle es wiedar. Jetzt ist es aber Magnus, dachie ich. und beschloß ihm zu sagen. daß ich keinen Kognak im Hause habe. Magnus trinkt sowieso zu viel. Aber jetzt war e» ein« allere Dame mtt spitzer Nase, die nur ein gelbes Heft entgegenstreckte und sagte: „Kausen Sie doch den„Göttlichen Plan". 25 Pfennige." „Wie sind Sie denn zu dem gekommen?" fragte ich. „Er ist von Rulhersord geschrieben. Es Handell sich um Gottes Plan betreffs.. „Ueber Gottes Pläne wissen weder ich. noch Sie, noch Ruth«. ford etwas." „So.— Sie scheinen so ein Freidenker zu sein. Aber„Die Rache ist mein", sagt.. „Und diese Tür ist mein! Tag!" Zehn Minuten oergingen, und dann kllngelle es wieder. Es ist bestimmt Magpus, dachte ich. er bekommt eine Flasche Pilsencr. wenn er nüchtern ist. Aber vor der Tür stand jetzt eine junge, gutgekleidete Dame mtt einem Füllfederhaller in der emen und einem Block in der anderen Hand. „Verzeihung, ist die gnädige Frau zu sprechen?" „Nein." ..Entschuldigen 2je, aber darf ich ein paar Fragen stellen?" „Bitte sehr. Ist gs etwas Reiigioses?" „Ch nein. Wirb tu Ihrem Hausholl das Waschpulver„Waschil" benutzt?" „Ja, ich glaube. Ist irgendetwas damit?" „v nein, gm Segenteil. Ich bin Bertreteria für die Fabrik. und wir sind im Begriff, eine kleine Statistik als Grundlage für unsere Reklame aufzustellen." „Sehr interessantk" „Wieviele Kinder haben Sie?" „Wieviele haben Sie denn selber?" „Ach Verzeihung, aber Sie haben doch versprochen.. „Bitte sehr, fahren Sie nur fort." „Welche Zeitungen lesen Sie? Sehen Sie. es ist wegen unserer Reklame..* „Schön. Also ich lese sämtliche täglichen Zeitungen der Hauptstadt." Die Dam« schrieb. „Nebst dem �Meichsanzeiger". Ferner.Leipziger Allgemeine Zeitung".„Münchener Tägliches Morgenblatt...." Die Dame fing an zu stenographieren� „Dortmunder Neueste Nachrichten". Schlesischer Kurier".. Die Dame fing an. in Schweiß zu geraten, schrieb aber un- verdrossen. „Buxtehudrr Allgemeine Tageszeitung",„Frankfurter Tage- blatt".„Kölner Generalanzeiger"..." Die Dam« sah mich flehend an. „Sie hallen mich doch wohl nicht zum besten?" Jfccin, auf Ehrenwort! Soll ich fortfahren?" „Danke sehr, das reicht. Und Wockfenschristen?" „Die.Lustige Woche"" „Dante. Und Monoksschriften?" „Der Klammeraffe". Glänzendes Annovcenorgan! Uebrigens habe ich darin„Waschil" entdeckt." Die Dame schrieb. Dann sagte sie: „Dielen Dank, mein Herr! Wenn alle so entgegenkommend wären wie Sie, dann würde die Arbell nicht so schwer sein. Wollen Sie vielleicht ein Zeugnis über„Waschil schreiben?" „Nein, das kann ich nicht. Wir geben ja unsere Wäsche aus dem Haufe." „Aber Sie haben doch gesagt, daß Sie es benutzen..." „Jawohl, als Backpuloer. Wenn Sie wüßten, was für wunder- volle Eierkuchen man damit backen kann!" Di« Dame verschwand, und ich kehrte zu meinem Buch zurück. Dann kam den ganzen Tag niemand mehr. Nicht mal Magnus. Ich babe iodesien einen Zettel mit folgendem Text, unter meinem Türschild befestigt: Bureauzeit nur Montags zwijcheu 1ö und 22- Etnmal Klingeln. Um diese Zell sind wir nämlich gewöhnlich im Kino. (Vitt dem Tchliedifchen von Age Vsutftru« und Elisaletb Stellet)( Hochelegante Herrenkragen Nur neueste ko rreki- moderne Formen In allen Groden von 36—46 SlchuiiücgckragenfSS%/rÄ a för Cu} und Smoking, mit aiClIÄI CS|£ C il kleinen und groben Klappen. Nur allerbeste, blendend vethe Qualitälcn(4 u. Starb). Jedes Dutzend elegant kartoniert. Abgabe nur dutzendweise(nicht an Viederverkfiufer) Pas ganze Pufzentfl Mohhsfr* SOrM 1*StocK Spezialhaus für grpfje Weiten Seidene Nadimlifagsldeider Vcloutine— Cr6pe de Chine nur ganz vorzügliche Qualitäten, mit langen Acrmcln. 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