Abendausgabe Nr.60S B3QJ 44. Iahrgang Wöchentlich 70 yfenvts. menatSch 3.— Reichsmorf. im voraus zahllior. Uuttt Streifband im In- mib Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. * T-tz.Vorwärts� oril der ifluftner» teu SonalagslKjilotjc„Volk und Zeit- fowie den Beilagen.�lnterhalNuig und VifleN- �Äus de? FilmVelt", �Stadtdeilage-.Frauenstimme", .Der Kinderfreund"..Jugend� Dar» wärts".L!itk w die Büchenvelt". .Kulturarbeit" und.Technik- erscheint wochetttäglich zweimal. Sonntags und Momags einmal. |PG> m AerUner Vowsblatt Sonnabend 24. Dezember 1.927 1V Pfennig )Xt e I■ 1 p« I• I g• Rlnipanlil-z-il. 80 PKnntg ReNoinrzell» 5.— Sicidi». nmrt»ftlcln. Anzeige»" Dos teuge. Druckte®on 25 Pienni,(zuIäNig)'»(> leugedrnckl» ffiorte),(«Des mcUere tSurt 12 Pfennig. Slellengeluche Dos«Ii« Wort 15 Mennig|cbM weitere Sinti 10 Mennig üüon« üb« 15 BiichftoDen sädlen für zwei ssone Ardeitsmarkl Zell» 80 Mennig. Fomllienonzeigen sin iilbonaenlea Zelle 40 Mennig. Alizeigei» »ninchm» im tionplg-lchöst Kindel,« stroßeZ, wochenlägl vli» L'/z bis 17 Uhr. Ientealovgan der Sozialdemowattschen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernspiechcr: Dönhoss 232—29? Telegravun-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Ponlchecklonio: Berlin 37 VZS— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Nngestellleii mib Beamten Wallstr. iL. Diskonto-Gesell Ichasi. Dcposiicnkasle Lindensir. 3 pomcarö will 432 Milliarden. Die Reparaiionskommission darf das Londoner Mimaium nicht ändern! V a r t s. 2L Dezember.(Eigenbericht.) Zu der Ilachtsihung der Kammer kam es zu einer kurzen be. deutungsnollen Debatte über den Bericht des Reparationsagenten Parker Gilberl. Der Abgeordnete Dubais, der ehemalige langjährige Vorsitzende der Beparotionskommisston, erklärte, der vorjchlag Gilberts, die Gcsomthöhc der deutschen Verpflichtungen festzusetzen, sei u n z u l ä s s i g. denn die Reparalionskom. Mission habe diese Schulden bereits am Zt. April ISZI auf tZZ Milliarden festgesetzt. Der Vowes-Pla» habe diese Entscheidung in keiner Meise ausgehoben. Der Antrag Gilberls könne aber zu Mihoersläudnlssen und Mihbcäuchen Anlah geben, eine klare Stellungnahme der sranzösischen Regierung sei daher notwendig. Poincare erklärte darauf kurz and bündig:„Die höhe der denlscheu Verpflichtungen ist in der Tot von der Reporationskom- Mission endgültig sestgeseht worden. Die Kommission hat jetzt nicht mehr das Recht, diese Ziffern zu ändern, sie kann die kzöhe der Annuitäten oder den Zahlungsplan abändern, nicht aber den Gesamtbetrag." Die Erklärung Poincorts rief bei dem gröhten Teil der Sammer augenscheinlich grotze Verblüffung hervor und wurde von der Rechten mit demonstrativem Beifall ausge- nommen. Poiucare fügte jedoch hinzu: Die Regierungen können in gemeinsamer Verständigung den Betrag der deutschen Reparatlonsschuld ändern. Die Erklärung Poincaräs über die deutsche Gesamtschuld an Reparationen betrifft zwar nur juristische Formalitäten, dahinter stecken aber politisch und finanzielle Fragen aller- ersten Ranges. Es trifft zu und es muß immer wieder daran erinnert werden, daß der Dawes-Plan nur eine vorläufige Lösung des Reparationsproblems darstellt. 1V24 war die Zeit weder reif, den Gesamtbetrag der deutschen Reparations- schulden, noch auch für die Dauer die Zahlungen fest- zusetzen. Dazu hängt die von Deutschland zu tragende Ge- samtschuld zu sehr von der Größe der damals noch erst zum kleinsten Teile vereinbarten Schuldverpflichtungen der euro- päischen Alliierten untereinander und an Amerika ab. Diese sind nun inzwischen festgelegt worden: von dieser e n d g ü Gesamtschuld nichts mehr im Wege. Seite steht einer endgültigen Feststellung der deutschen Hingegen ist es richtig, daß die deutsch« Gesamtschuld be- reils einmal festgesetzt worden ist. Das geschah auf der Londoner Konferenz 1S21, wo die Regierung Fehren- bach-Simons unter dem Druck eines Ultimatums gezwungen wurde, eine deutsche Gesamtschuld in Höhe von 132 Milliarden Goldmark anzuerkennen. Diese„Vereinbarung" ist f o r- mell bisher nicht aufgehoben worden: formell besteht sie noch. Aber selbst Poincare wagt nicht zu bestreiten, daß sie revisionsfähig ist. In der Debatte" mit dem früheren Vorsitzenden der Re- parationskommission Dubais erklärte Poincarö also, daß diese Summe von 132 Milliarden durch eine Vereinbarung der Regierungen geändert werden kann. Er erklärt nur, daß die Re parationskommission dazu nicht zuständig sei: diese habe nur die Befugnis, eventuell mit Deutschland über die Art der Tilgung dieser Summe zu ver- handeln, diese Summe selbst zu ändern hätte nicht sie das Recht, sondern das sei Aufgabe der Regierungen selber. Es handelt sich also in der gestrigen Kammersitzung um eine Debatte über eine bloße Zuständigkeitsfrage. Wer mit ihr hat sich Poincar� einen oratorischen Triumph verschafft. Dieser wohl bewußt herbeigeführte rednerische Erfolg entstand daher, daß die Rechte aus seiner Erklärung über die Unzuständigkeit der Reparationskommission, an den 1.32 Milliarden etwas zu ändern, heraushörte, daß an dieser Summe überhaupt nichts geändert werden dürfe. In dem Orkan des Beifalls ging der dann folgende Satz, daß„nur" die Regierungen dazu das Recht hätten, unter: auch in den meisten nach Deutschland gelangten Kammerberichten fehlt dieser Satz. Politisch gefährlich ist an diesem parlamentarischen Zwischenfall, daß die französische Rechte von neuem in dem Glauben bestätigt wird, daß es über die Gesamtschuld keine Verhandlungen geben dürfe. Tatsächlich aber bestätigt die gestrige Kammer- debatte von neuem, worum es sich bei zukünftigen Reparationsverhandlungen dreht: um die Revision der Londoner Schuldsumme aus ein wirtschaftlich erträgliches Maß. also um die Neufestsetzung von Deutsch- lands Gesamtschuld, oder mit anderen Worten, um die Umwandlung des Dawes-Planes von einer v o r l ä u f i- g e n in eine endgültige Regelung. Bwckfreundschasten. Aus Aerger über das Zentrum wählen Neutschnationale einen- Sozialdemokraten. In Oppeln ist kürzlich der Oberbürgermeister neu gewählt worden. Die Walzl siel auf den Sozial- demokraten Dr. B c r g e r, bisher Vizepräsident im oberschlcsischen Overpräsidium. Dcutschnationale und sämt- liche Linksparteien halfen ihm zum Siege, während der Zentrumstandidat durchfiel. Darauf macht die Zentrums- presse den deutschnationalen Blockgenossen Vorwürfe. Aber die Deutschnationale Parteikorrespondenz (TDNZ.) antwortet ihr: In der Gesamteinstellimg aller anderen Parteien gegenüber dem Zentrum sprechen konsessionelle Gründe überhaup: nicht mit. Man Hai eben den Versuch der Zentrirmepartei vereitelt, ihre init aller Rücksichtslosig- teil ausgebaute Machtstellung in Obersnlesien nach zu er« we'tcrn, zumal das Zentrum unoorsichtigerireisc durchblicken ließ, daß es die Ausschreibung des Bürgermeistervostens als eine Ueber- ftüsstzkeit zu behandeln entschlossen war. Wenn jetzt der Versuch gemacht wird, die Deutschnationalcn als die che'eingef.illeuen zu be- zeichnen, weil Dr. Bcrger, der Sozialdemokrat ist, an- geblich Bindungen eingegangen sei. denen die Dcutjchiiolicmalen niemals.zustimmen könnten, die aber dazu gedient halten, die Kam- mun'sien dazu zu veranlassen, gleichfalls Dr. Berger zu wählen, so ist deingexenüber sestzusiellen, daß Dr. Berger ohne sede. auch nur d'e gennglle Bindana komm'-nalpal i s' er oder sonstiger Art sein Amt antreten wird. Gegen seine Persönlichkeit vermag auch das Zrntrvm nicht das geringste einzuwenden... Die Wahl eines Sozialdemokraten zum Oberbürgermeister In Oppeln freut uns. auch wenn sie mit dcutschnationalen Stimmen erfolgte. Sie freut uns um so mehr, alz jetzt das offizielle deutschnationale Organ zugestehen muß. daß gegen die Person dieses Sozialdemokraten weder das Zentrum, noch die Deutsch nationalen etwas einzuwenden haben. Aber wir zählen die Tage, bis dieses Zugeständnis vergessen sein und die Hetze gegen den „unfähigen roten Oberbürgermeister" wieder begonnen haben wird! Oer Lleberfall im Vorortzug. Oer Räuber verhaftet und geständig. Noch est« das Opfer des Uetze rfalls 1«! Friedrichs- Hagener Zug das Bewußtsein wiedererlangt hat. ist es der Polizei gelungen, den Täter zu ermitteln und zu ver» haften. Ter Schuldige ist in vollem Umfange geständig. Ten Bericht über sein« Vernehmung finde« unsere Leser auf der dritten Seile des Blattes. Der Tod im Bergwerk. Schlagwetterexplosion bei Oortmund.— Fünf Tote, mehrere Verletzte. Dortmund, Ä4. Dezember. In der letzten Stacht entstand auf der Schachtanlage II der zum Harpener Bergbau gehörenden Zeche Reu- Iserlohn in Lütgendortmund eine örtliche Schlag- wetterexplofion. Sie ereignete sich auf der dritte» Sohle in der Nähe des Kühlortes im Wetterschacht. Die Jrühi'chicht war des Weihnachtsfettes halber bereits gestern abend um IN Uhr eingefahren. Durch die Cx> plosion wurde« fünf Arbeiter getötet, außerdem ein Mann schwer und einer leicht verletzt. Den vereinte» Bemühungen der Rettungsmannschaft gelang es. alle Berunglückteu, die sämtlich in Lütgen-Dortmund wohne». zu bergen. Tie Mittagöschicht fuhr heute früh 6 Uhr ei«. Die zuständige Bergbehörde hat die Untersuchung eingc» leitet. Kein Gowjeiverireter in Gens. Der Schroeizeiislhe Bundesrat hat es abgeichni, seine Genehmigung dazu zu erteilen, daß die Sowjclregierung la Senf assiziell oder offiziös ein Bureau mit einem Beobachter für den Völker- band errichtet. Man besürchtel, daß dieses Bureau Ichtea Eudes nichts anderes sein würde, als eine bolschcwlsilschc!l g i t a l i o n s- zentrale. Von der Weisheit des Gesetzes. Ein Fall aus der Wirklichkeit. Unser bürgerliches Recht, in seiner allumfassenden Weis- heil und Menschlichkeit, trifft bekanntlich Vorsorge für alle schwierigen Lebenslagen. Nicht zuletzt nimmt es sich des unehelichen Säuglings an und legt dessen Erzeuger die Unterhaltspflicht auf. Was in der Praxis folgendermaßen aussieht: In dem Oertchen Gustors(Rheinland) genas vor einigen Jahren die Dienstmagd X. eines Kindes. Vor das Varmundschnstsgericht geladen, bezeichnete sie als ihren Schwängcrcr den Sahn des Fabri- kanten Josef Br. Vr. jun. leugnete den Verkehr mit der Kindes- mutier nicht, aber er erhob den Einwand der mehreren Beischläfer, bei dessen Gelingen das Gesetz in seiner allumfassenden Weisheit jegliche Verpslichtung des Erzeugers dem Kinde gegenüber aushebt. Br. brachte zum Termin einen Zeugen mit, den im Haus« des Br. scn. zur Miete wahnenden Arbeiter O, der beschwor, beobachtet zu haben, wie die Dicnstmagd sich einem Soldaten der sranzä- fischen Besotzungsarmec hingegeben habe. Infolgedesien wurde die Alimentenklage gegen Br. jun. abgewiesen. Einige Jahre später aber kam es zu Streitigkeiten zwischen dein Fabrikanten Br. und seinem Mieter O., well dieser von Br. aus der Wohnung exmittiert werden sollte. Da ging O. zum Gericht und bezichtigte sich selber des Meinrides, den er auf Anstiste» des Fabrikanten geleistet habe, wofür dieser ihm das dauernde Wohnrcch! in seinem 5)ause als Belohnung verheißen hätte. Das Gericht, weise wie das Gesetz, verurteilte de» O. aus Grund seines glaubhaften Geständnisses wegen Meineides zu eine in Jahre Zuchthaus. Dagegen wurde das Bersahren gegen den Fabrikanten Br. wegen Verleitung zum Meineide rechtskräftig eingestellt, well gegen fein Leugnen das Zeugnis des. O. dem Gericht u i ch i a l s ausreichendes Beweis in iitel erschien. Offenbar hielt es dos Gericht für wahrscheinlicher, daß O. aus purer Lust und Liebe z um Meineide in einer ihn gar nichts angehen- den Sache falsch geschworen hättel Doch damit nicht genug: Auch die D i e n st m a g d erhielt c i n Jahr Zuchthaus ux-gen Meineides, well sie ihrerseits be- schworen hatte, sich nicht mit einem Soldaten der französischen Br- satzungsarmce eingelassen zu habe».— Wie, wird der geneigte Leser fragen, dos ist wohl«in Scherzi' O. erhält eine Melneidsstraie, weil er eine angebliche Tatsache beschwört, die Dicnstmagd wird bestraft, weil sie die gleiche Tatsache unter Eid abstreitet?— lind doch ist es so. Der Tatbestand war nämlich folgender: Die Dienstmagd hatte sich tatsächlich einmal mit eincin sranzösischen Vesatzungssoldalen eingelassen, aber O. hatte nicht, wie er das beschworen hotte, diese Szene selber gesehen, sondern sie sich aus Erzählungen Dritter zu- sammenkomponicrt. Aber wir wollten eigentlich davon reden, wie das Ge- setz in seiner erhabenen Weisheit für den Unterhalt eines un- schuldigen, neugeborenen Wurmes sorgt, dos von seiner cige- neu Herkunst nicht die geringste Vorstellung hat. Run. genügt es denn nicht? Wegen dieses Kindes sind zwei Per- sonen wegen Meineides verurteilt worden: die Mutter hat man ins Zucbthaus gesteckt, den Vater aber, der nach jeder menichlichen Wahrscheinlichkeit den Meineid des Zeugen wenigstens moralisch mitverschuldet haben dürste, nicht nur außer Verfolgung gesetzt, sondern auch von jeder Ver- pflichtung dem Kinde gegenüber befreit. Dank unserer herrlichen Gesetzgebung in Meineid- und Alimentensachen hat das Kind nun weder Vater noch Mutter. Aber dem Recht ist Genüge geschehen, mag das Wurm auch zugrunde gehen. Wer zweifelt noch an der Weisheit unserer Gesetze? * Dieser Fall wurde am 13. Dezember im Rechtsausschnß des Preußischen Landtages verhandelt, der sich trotz all- gemeiner menschlicher Empörung der Unabhängigkeit der Gerichte gegenüber für machtlos erklären mußte. Gin wildgewordener Verleumder. Schüsse auf Polizeibeamte. Leipzig. 24. Dezember.(Eigenbericht.) Am Freitag sollt« der wegen fortgesetzter Beleidigung von republikanischen Ministern zu acht Monaten Gefängnis oerurkille Verleumder Dr. Julius Wernsdorf verhaftet werden, um seine Strafe anzuirctrn. Wernsdorf setzte sich dabei jedoch zur Wehr und gab mit einem Armeerevolver mehrere Schüsse ab. Einer der Kriminalbeamten schlug die Waste im letzten Augenblick zur Seite, so daß die Kugeln ihr Ziel verfehlten und Wernsdorf überwältigt werden konnte Man fand bei ihm noch einen zweiten geladenen Revolver und drei Dutzend Patronen. Die Reichswehr verkaust Phöbus-Anteile. Wie verlautet, hat das Reichswehrministerium Bei Handlungen zum Verkauf seiner An- teile an der P h ö b u s> Filmgesellschaft eingeleitet. Der Reichs- tagsausschuh soll über die ganz« dunkle Affäre erst später Auskunst erhallen. Verschwendung Dieser Tae« endete in Erlangen ein Prozeß, der 27 Tilge lang dauerte und der tief in die Denk- und Wirtschaftsrucise unseres Unternehmertums hineinleuchtete. Es war die Lerufungsoerhandlung gegen den Generaldirektor der elekiromedizinischcn Firma Reiniger, Gebbert u. Schall, Dr.!,. c. Z i tz m a n n. Sic schloß mit der Der- urteilung dieses Herrn zu sechs Wochen Gefängnis und 80 0 00 Mark Geldftrase, nachdem ihm die erste Instanz 0 Monate Gefängnis und 200 000 M. Geldstrafe zugedacht hatte. Der Mitangeklagte Freiherr v. Michel-Raulino wurde iu beiden Instanzen freigesprochen. Weniger das Urteil als die im Prozeß zutage geförderten Zusainnicnhöng« verdienen das Interesse der Arbeiterschaft, die bei den geringsten Lohn- oder Arbeitszeit- sorderungen auf den hartnäckigen Widerstand der angeblich not- leidenden Industrie stößt. Die Antlage lautete aus aktten rechtliche Untreue, die man in den hohen Bezügen und anderen Geschäftspraktiken der leitenden Herren des Konzerns sah. Aitzmann bezog ein Zahresgehalt von 400 000 2R.. nahm aber noch in vielen Fällen besondere Zuwendungen in Anspruch, die er in den Iahren 1021 bis, Z0Z4 aus 700 000 Gakdmark berechnete. Bon einein angegliedertsn Schweizer Konzern ließ er sich einen Disposiiionssonds von 2.50 000 Schweizer Franken bewilligen, in denen Reisekosten ent- b Uten sein sollten. Trotzdem berechnete er darüber hinaus bei zwei Gesellschaften einmal 60000, einmal 50 000 Franken für Reise- zweäc. Das genügte aber dem Generaldirekwr noch nicht. Er pumpte vielmehr seine Gesellschosten gründlich an, und zwar natürlich besonders in der Inflation, um Geldentwertungsgewinne zu machen. So hatte er es beim Beginn der Stabilisierung auf 180 00 0 Gold mark Schulden gebracht. Dabei ist immer noch zu berücksichtigen, daß er außer seinem Gcneraldirektorengeholt von den ihm unterstellten 40 Gesellschaften noch erhebliche Bezüge und Tantiemen einsteckte. Der Mitangeklagte Freiherr' von Miäiel-Raullno soll den Zitz- mann begünstigt haben. Dafür hatte er mit ihm einen Beirats- vertrag geschlossen, der ihm für die Dauer van 10 Jahren jährlich etwa 70 000 M. einbringen sollte. Seinen Freispruch oerdankt«r lediglich der Talsache, daß man eine absichtliche Schädigung der Gesellschaft nicht als erwiesen aiisah. Unglaubliche Summen wurden auch an die Unter- direktoren der Gesellschast verschwendet. Besonders drastisch ist der Fall des Oberregicrungsrats Glaser, der bei seinem Aus- »che! den aus dem Konzern vertraglich die Summe von 450 000 G o l d m a r k zugebilligt erhielt, die ihm innerhalb zehn Jahren aus- zuzahlen wären. Auch Zitzmann machte bei feinem Ausscheiden noch ein ähnliches Geschäft, das ihm zehn Jahre lang eine Rente von je 50000 Mark bringen sollte. _ Hatten schon in der ersten Instanz die Beklagten und einige Sachverständige dir hier genannten Gehälter sogar noch als m ä ß i g bezeichnet, so erklärten in der zweiten Instanz die Herren Professor Gailer sHeidelbcrg) und Kommerzienrat Sichler(Lingenrr Werke), daß i j k ü Ilahreenehälter von 300 000 und 400 000 Mark auch heute bei der rheinischen Schwerindustrie, bei den Farbwerken, in der Kunstseiden- und der Kaliinduftrie sowie vornehmlich in den mitteldeutschen Gronbe- trieben üblich seien. erreichi'ch- Teutlck-n VolkSbnndeS,«erden im.Neuen Theater sin Zoo' allmonatlich«n einem Sonnabend Nachtvor- fle.D1r.13fn veianbe.IIet. bei denen in der-dauvttache öilerreiibUch« Auroren zu Wo te lammen sollen. Tic erbe Boi'tellung findet cm S?. Dezember »«-At Ubr Natt. Zuil'iuistihruiig gelang! Nestroy't Posse»Ter Tali« mann" na: Musik oon Lehar. Münchhausen. Theater de» Westens. „Münchhausen"— oder: Das Letzte an Schondagewesenheit. Es lohnt nicht, viel zu reden von dieser Sorte Operette, es hat nie gelohnt. Ob der Held Münchhausen heißt oder Danilo, ob er die Frau, die er selbstverständlich li«-bi— denn selbstverständlich ist sie das schönste Weib aus Erden, das war schon immer so und selbst- verjiändlich hat er, der Unwiderstehlichs, es ihr sofort angetan— ob er olfo schließlich sie kriegt oder nickst,«z ist immer und immer dasselbe. Diesmal kriegt er sie nichi, die bezaubernde junge Gräfin. die am den Namen Aurora hört, aber auch der polnische Gras Kodzibrodski kriegt sie nickst, weil sie inzwischen den Grasen Üldnlar von Gafsron genommen hat. dafür heiratet er das Kammermädchen der Gräfin, denn das Soziale, das„Ueberbrücken der Klassen- oorurroile" ist, jo lesen wir im Progrommheft. ist von je eins Spezialität der deutschen Operette gewesen. Eine andere(das steht nicht drin): Das Langweilig«. Und dies in einem Genre, das angeblich der Ihtterhaliung dient. Nicht, daß das alles mit„Kunst" nichts zu tun hat, sst ihm vorzuwerfen: sondern, daß es so unsagbar arm- selig ist, so verlassen von allen Lebensgeister n, so ohne Leickstigkcit, so ganz ohne Witz, Geist, Anmut gemacht: fabrikmäßig hergestellt noch den bewährten Rezepten, nach denen, Jahr für Jahr, das Publikum— aus Lein Theater gclangweilt wird. Ein halbes Dutzend Opercttenpreinieren ergießt sich über Berlin in diesen Tagen: es ist das liebe Weihnachkoiest, dem wir so reichen Segen verdanken. Der geplagte, gehetzte Großstädter vdn heute» der den ganzen Tag, das ganze Jahr, im Beruf, im Geschäft nichts zu lachen hat, soll nun etwas für seine Feiertag« haben. Sie werden hiiigehcii, sie werden lache» und sich köstlich amüsieren: die Armen. Jede Gesellschaft lxat die Operette, die sie verdient. Klaus Pringsheim. * Druckfeh lerberichtimi ng. In dem Referat über die Aufführung der Oper.Fra Diavolo"(Abendblatt vom 23. Dezember) ist ein sinnstörendcr Druckfeh'er nnteraelausen In der ersten Zeile sollte es nicht heißen:.scheint den Besitzenden", sondern:.Feind der Besitzenden..."_ Eine zarie französische Komödie. Ztevaiffame-Theater. Dos.Fhenolsianra-Theatsr" macht uns mit einen, liebens- würdiggn und liebenswerten jungen Talent bekannt, dem Pariser Jogues Ncuanson Wenn sich der Vorhang über dem ersten Bild seiner Komödie„Eoeur-Bube" hebt, glaubt man, es würde sich einer der üblichen Lettschwänk« begeben. Rechts auf der Bühne sieht man einen Kavalier in der Telephonzelle, links ein junges Mädchen im Bett, das sein Telephonat entgegsnulmmt. Die Beiden kennen sich gar nicht, aber der Anschluß ist hergestellt: im nächsten Bild sitzt dsr Kavalier in ihrem Schlafzimmer aus der Betttonte. Dies nachtliche Beieinander stört der ältliche zahlend- Liebhaber, der an der un- wandelbaren Treue seiner Simone schon lange zweifelt. Kavalier im Schrank. Durchsuchung, Revolver, Aufregung. Das ist nicht sonderlich originell, es fällt nur die flotte und witzige Linienführung des Dialogs auf. Jetzt aber klingt in die mit leichicr Hand hinge- worfene Komödie eine leise und zarie Tragik hinein. Di« spielenden Figuren sind bei all ihrer Heiterkeit ein wenig vom Leben enterbt. Am bedauernswertesten ist der alternde Michel.' Er ficht seine Freundin langsam entgleiten, und kann sich doch ein Leben ohne sie nicht vorstellen. Do faßt er den Entschluß, ihr zu den vielen anderen ein heroisches Gescheni zu machen Er schenkt ihr in stiller Resig- Nation den jungen Henri. Sie soll mü ihm glücklich sein. Er will sich diskret im Hintergrund hasten und sich mit einem Rest von Lied« zufrieden geben. lieber dem leicht und charmant dahinpcrlenden Stück schwebt eine Wolke von Zartheit und Grazie. Hinter der scheinbar lockeren Moral verbirgt sich menschliches Verstehen. Güte und Herzenswärme. Leoni'neSogan läßt als Regisseurin die Komödie mit so viel Diskretion spielen, wie sie ihr angemessen sst. Keiner der Darsteller wird verleitet, einen possenljasten Zug in das Spiel.zu bringen, dos viele lustige Stellen enthält. Carola Reher sst ein versöhntes, kokettes, um den Wert des Geldes sich reißendes Frauchen, das aber ihre Lieb? immer noch für etwas Heiliges hält. Man' glaubt ihr, daß sich�Männer»m si« ruinieren. Franz Lederer spiest den jungen Studenten Henri stürmisch, jungenhaft und wohlerzogen,»ine sympathische Figur. Max Gülstorfs ist der nobelste Liebhaber, den man sich denken kann und Oskar Sima zwingt mit seinem trockenen Humor die entzückte Zuschanerschaft zu lautem Gelächter. ___ Ernst D e g n e r. Alfred fietr, der Dichter und Kritiker, begeht morgen seinen 60. Geöiuisiag. Ein Künstler, des eigenen Könnens froh bewußt. besitzt er die jestene Kraft, auch das Können anderer zu verstehen und mit neidlcscr Liebe zu preisen. Diese ungewöhnlich« Begabung hat ihn zum Bahnbrecher heranstürmender Generationen gemocht. Mancher später allgemein Anerkannte verdankt ihm entscheidende erst« Förderung. Aber auch in politischen und sozialen Fragen steht Kerr seinem ganzen Temperament nach bei denen, die in die Zukunft hinein wollen. Zur Feier des Tages ist bei S. Fischer ein Buch erschienen, das unter dein Titel„Es sei wie es wolle— es war doch so schön" Veiträze von Freunden Kerr» mit seinen eigenen oereinigt. Erilansiuhnmge» de« Woche Die»»'«#: Thalia. Zbeater:«Taä Snmel gebt durch bai Saielöhf.— Sonnabend: Soltsbubn«: Wann tfi Mann': Schauspielhaus:.OlhfleS van Fthaka: vp-ater in der»lofterftratze:.Tech VllhetmlI.. Getzler". 9 Zu der in der Polfsbübn«. lacaitr am Bülawplah. itatlfiiidenden Eni- auuübrunR von Brecht s»Mann ist Äautck hat Edmund Meilet die musita- llsche Ausgestaltung übernommen. D-, volksdiidangsa«,»es Sezlrk,-'«-, Zt'edf ich.hmn veianslalle, am 25. Januar JO Uhr. in der®Ie von der Polizei und den anderen 'us-ändiger, Behörden anläßlich dieier beiden Tndceiälle angestellten Ermittlungen nicht du, geringsten Anholt dafür ergeben haben, d.ttz jjjt eingangs gedachte Religionzgeselljchast. deren Oberhaupt Herr Der Vorortzug- Räuber verhastet. Sein Geständnis. Die Mordkommission der Kriminalpolizei hol bei der Aufklärung des Verbrechens im Vorortzug rasche Arbeil geleistet. Es gelang ihr. in der Person des Präparators Horst Kieback den Manu zu fassen, der die 20 Zahre alle Dora Perske, die heule noch bemüht. l 0 s daniederliegt, im Vorortzug zwischen hirschgarle» und Fricdrichghogen niederschlug und beraubte. Die Kriminalpolizei stand in diesem Falle vor einer sehr schwie- rlgen Aufgabe, weil die Ueberfallenc, Dora Perske, auch heute noch besinnungslos im Kronkcnhaufe liegt. Ein Heer. von Beamten war ständig unterwegs, um diele Leute zu finden und aus ihren Bekanntenkreisen und durch Beobachtungen irgendetwas zu er- fahren. So kam man auch auf einen am 1. Januar 1907 in Berlin geborenett Präparator Horst Kieback, der bei seinen Eltern in der Pappelallee 89 wohnte. Der alte Kieback� betreibt hier ein Präparator�efchäst. Sein Sahn, der darin mitarbeitete, hat einmal schon als Eiienbahndicb«mc kleine Rolle gespielt, und so kam auch er für die Nachforschungen in Betrocht. Diese ergaben, datz er in der letzten Zeit nicht mehr in der elterlichen Wohnung gewesen war. Es wurde festgestellt, dah er mit einem jungen Mädchen ein Berböltnis angeknüpft hatte. Bevor aber das Mädchen noch ermittelt war, wurde Kieback gestern abend selbst entdeckt. Sie«rkannten ihn nach der Perionalbeichreibutrg, nahmen ,hn fest und brachten ihn noch Ueberwindung seines heftigen Widerstandes noch dem Polizei- Präsidium, wo er sofort ins Gebet genommen wurde. Das D« r h ö r zog sich bis heute in die frühen Morgenstunden hin Mm verlangte von Kieback vor allem zunächst«inen Al'btbeweis für die kritische Zeit. Er tonnte ihn nickt führen, bestritt aber jede Beteiligung an dem Verbrechen. Da sank» man bei der Durchsuchung seiner Kleidung eine sooevannte Ell«, ein dreikantiges, etwa 40 Zentimeter langes eisernes Lineal, dos wohl einmal als Schneidelineol benutzt worden ist. In früher Morgenstunde bequemte sich Kieback denn auch endlich zu einem Geständnis, well es kein Entrinnen mehr gab. Kieback war mit feiner Schwester uick seiner Mutter als Zeug« in dem grossen Mcineidsprozctz gegen Mittendors und Genossen verwickelt, der kürzlich vor dem Schwurgericht unter Vorsitz des Londgerichtsdirektors Schul.ze verhandelt wurde. Er fürchtete, dah er durch die Vertvickelung in diese Dinge seine Braut verlieren werde und erklärte ihr, dah er mit den Meineide» nichts zu tun habe. Um sie weiter an sich zu sessein, erzählte er ihr, dah er Geld genug bc- sitze, weil er in seiner Branche gute Geschäfte gemocht habe. Des- halb versprach er de, Braut zu Weihnachten grosse Kelchentc. Weil er aber in Wirklichkeit nichts bejah, so sann er aus Mittel und Wege, sich irgendwie Geld zu verschaffen, um Weihnachten nicht mit leeren Händen zu der Brmck zu kommen und vor ihr als Lügner erscheinen zu müssen. Seit üher acht Tagen arbeitet Kiebe»� nicht mehr. Er ging umher und dachte darüber nach, wie er zu Geld kommen könnte. Am Mittwoch cntschloh er sich, zur Tat zu schrecken. Nachdem er längere Zeit hin- und hergegangen war. bestieg er einen A p r 0 r!- zug nach Grünau. Im Abtei! wurde er, wie er behauptet, wieder unschlüssig. Deshalb stieg er aus dem Schiesischen Bsbnhsf aus und zunächst in den Zug nach Fricdrichshagen«in. Diesen wollte er auf der Station Stralau-Rmninelsburq verlassen, um mit dem„Verbinder' nach der«chönhaisser Allee zu fahren und nach Haus« zu gehen. Da sah er in dem Abteil das junge Mädchen sitzen, dos ihm unbekannt war und kam wieder qus den Gedanken. diese zu übersollen und zu berauben. Zunäck>st kam er nicht dazu, weil an der Tstarfchaurr Strasse noch ein junger Mann einstieq. Sobald dieier in Karlshorst ausg«stirgcn war, stand sein Plan sest. Er nahm fein E! s e n l i n e a l heraus. Bestärkt wurde er in dein Vorhaben noch, als das Mädchen in der Näh« von Hirichgarten das Portemonnaie aus der Tasche nahm. Jetzt war jeder innere Widerstand gebrochen, zumal da er, wie er sagt, Hung«r und Durst hotte. Zwischen Hirsckgortcn und Fricdrichshagen nahm fr da, Ciaeal und schlug ans fein Opfer ein. DW Uebersallene lies schreiend in das Nebenabteil, wie er glaubte, um die Ratlein« zu ziehen Dazu kam sie aber nicht mehr. Er schkng weiter aus sie«in. vi, das Tiiäfcchen zusammenbrach. Als sie ganz ruhig geworden war. ging Kieback in dos erste Abteil zurück, nahm dir Geldbörse 01,5 der Handtasche und steckte sie ein. Jetzt lies der Zug schon in Friedrichs- Hägen«im Der Räuber stieg rasch aus und sprang in einen anderen Zug, der auf dem Gleise zur Fahrt nach Berlin bereckstand As?«F sich in einem Abteil 3. Klasse allein sah, öffnete er die Börse» n d sonh darin 5 5 Mark und etwas Kleingeld, ausserdem einige kleine Bilder der Ueberfallcnen.«tne Outttung und einen Inlandspass oder ähnlichen Ausweis. Diele Sachen zerriss er sofort in kleine Fetzen und warf sie weg. In K a r l s h 0 r st stieg er aus. An den, Ausschank auf dem Bahnsteig kaufie cr sich riv paar Zigaretten. dann ging cr hinunter, trank in einem Restaurant eine Tasse Fletsch- brühe, ging hieraus die Treskow-Allee hinunter und fuhr endlich mit der Straßenbahn nach Friedrichsfelde. Der VerHaftel« wurd? nach dem Geständnis porläusig in dos Polizeigewahrsam gebracht. Wie weiter sestgestellt wurde, hat er sich zu Psingsteu 1921 bereit? an einem Mädchen vergangen, ausser- dem ist?r Handtaschen- und Eis? nbahnräuver und Schankwirt- schoftsdicb. Weissenberg ist, mit den beiden Tadessällei, irgend etwas.zu tun hat oder dieselben gor verschuldet hätte.' Die Weissenberger nehmen mir Bezug aus die beiden im „Vorwärts' kritisch behandelten Fälle der an Diphtherie ver- storbenen.Kinder des Steuersekrelärs Paul in Werder. Bon der misslungenen„Totenerweckung" an dem Potsdamer Grün- kramhändler Rode, dessen Leiche ein Weissenbrrgiünger durch Umschläge wieder erwärmen und i 1, s L e b e n zurück- rufen wollte, erwähnt die Berichtigung vorfichtigerweise nichts. Die Feststellungen der Polizei können eben auch durch Bericht!- gungen nicht aus der Well geschaiit werden. Im übrigen wehren sich die Weissenberger fear nicht dagegen, den Umug des Gesund- bctcns zu betreiben.__ Wieder Krostwetter? Nach der Erwärmung der letzten Tage ist heute plötzlich eine Abkühlung der Temperaturen eingetreten. In Nordwest- dcutschland wurden heute ein bis drei, in Nordostdcutschlatid zwei bis vier und in Mütcl-Deutschland sünf bis sieben Grad Wörme gemessen. In Beilin selbst betrug die Temperatur heute morgen sieben Grad Wärme, wahrend am frühen Bormiitog nur noch sünf lirad gemessen wurden. Nach?lngab«n des Berliner W-tt-rdienstes ist damit zu rechnen, dass die Abkühlung sich weiter fortsetzen und dass es eventuell bereits morgen wieder zu Schnecschauern, von allem in Norddeutschland, kommen wird._ Republikaner nicht erwünscht. Am Sonistag, dem 18. Dezember 1927, wollten, so teilt man uns mit. etwa 25 Kameraden der W i n t e r s p 0 r t a b t e i l u n g des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold gelegctckbch einer Skiühungsiohrt gegen Mittag im R e st a u r e. v 1 des Kaiser-Wilhekm-Turn, s im Grunewald einkehren. Während draußen verschiedene Kameraden noch mit ihnen Geräten beschäftigt' waren, juchten andere Kameraden im Lokal Plag. In einem fast leeren Zimmer rückten sie mehrere Tische zusammen. Der Kellner, der sich vorher nicht sehen liest, kam angestürzt, und sortterie unter nichtigsten Borwändrn in unhöflichster Weise aus. die Tisch? aukeinandcrzurücken, da sonst angeblich niemand paisiertn könne. Aus die Entgegnung, dah wir ja selbst den ganzen Raum füllen werden, gab er zu verstehen, dost wir ihm nicht er« wünscht wären. Eine dahingehende direkt« Frage be- saht« er und rief trotz wiederholter Bitte nicht den Gefchäst?- sührer. Als er schliesslich in roher Weise uns die Zisch«, vor denen wir saßen, wegzog, verließen wir dieses tut» gastliche Haus. Jeder Republikaner sollte eine derartige Gaststätte meiden. Im gegenüberliegenden Waldhaus de- I O K T. fanden wir sodann freundlichste Ausnahme. Wenn ein Fnhrherr detrnokcu ist. Der jstzhlenhäudler Paul Krüger kam am 22. Otivber mit seinem beladeuen Pserdesuhrwerk am K ü st r i n e r Play vorbei. Auf dem Wagen sahen noch drei Persoven, und man war sehr lustig, denn man hatte unmittelbar vorher II? Stunde» lang gefrühstückt. Plötzlich scheute das Pferd nach rechts und überfuhr zwei Kinder,«inen achtjährigen Knaben, der sofort getötet wurde, und seinen 2% Jahre alten Bruder, der so schwer verletzt wurde, datz ihm ein Bein am Obers-t-enkel amputiert werden mußt«. Der Angeklagte wollte keine Schuld hoben und schob alles aus dos Pferd, ein früheres Reitpierd, das er erst seit drei Tagen gefahren habe. Durch die Beweis- ausnähme wurde aber sestgestellt, daß der Angellogtc sich unmittelbar vor dem Unsall umgedreht hatte, um einen der hinter ihm sitzenden Mitsahrenden in der Pose des Betrunkenen zu umarmen Dabei hatte er am Zügel gerissen, so dass das Pferd seitwärt? sprang. Dadurch kam es zu dem Unglück. Mit Rücksicht aitf die höchst bedauerlichen Folgen ging das Gericht über den An- trag des Staatsanwalt« hinaus und verurteilte Paill Krüger wegen fahrlässiger Tötung und fohrlösiiger Körperverletzung zu zehn Mo- nuten Gefängnis. Prrtilsionq von Ranpen. Laut Polizeioerordnung vom 13. April 1891(Amtsblatt Seite 157) und 22. Juli 1926(Amtsblatt Seite 183) sind in allen Gärten, Daumschulen, Hofräumen und Alleen während der Zeit vom 15. November bis 1. Februar sämtliche Bäume und Sträucher, und zwar die Bäume mindestens bis zur Höhe von 6 Metern über dem Erdboden, durch die Eigentümer, Pächter, Nutznießer und Verwalter von Raupennestern sowie Schmetterlings- puppen und-eiern zu befreien. Da» gleich« gilt von den Einfriedi- gungen bepflanzter Grundstücke(Mauern, Laitenwändcn, Zäunen, necken). Die Raupennester,-puppen und-eier der schädlichen «chmetterlingsarren sind durch Verbrennen oder Zerdrücken zu v?r- nichlen. Die noch in sogenannten„Spiegeln" beisammensttzenden jungen Raupen des Schwommspinners(I.iparis eji.-par), des Gold- öfters(Lupiortkü; ehrz-!,crrhe>Trm) und des Ringelspinners(öiaia- cesoma neustriurrv) sowie die Eigelege der beid>n erstgenannten Arten sind durch Zerdrücken zu zerstören. Das Aufsuchen und Zerdrücken der jungen Raupen bat möglichst in den Morgenstunden zu crfoloen. Zuwiderhandlungen werden befttatt. Zeiern für enverbSlose Zugend. Es war immer schon das Bestreben der proletarischen Kreis?, alten Festen neuen Inhalt zu verleihen. In überaus glücklicher Weise scheint uns jetzt das Jugendamt Friedrichs- Hain in dieser Fragt vorwärts gebracht zu haben. Don wandt? man Hilfe für die Feiertage>11 erster Linie der erwerbslosen Jugend und de» unter Schutzaufsicht stehenden Jugendlichen zu. An vier ZGeni�tt wurden in den prächtigen Jugendheimen in der Ebertystrasse und in der Brommustratz? 50 Mädel und 125 Jungen zusammengeholt. Feine nrusikalische. gesangliche und rezitotorijche Darbietungen gab-n den ernsten Hintergnind. In voller Isrsprünglichkeit der Darbte- t u n g zeigte Arbeiterjugend aus �dem„Jungen Ehor", aus dem „Berliner Voltschor", aus der„Spielgemeinlchttst Wedding" und aus„Fichte" ihr Können.'Arbeiterjugend lebte für Ar- beiterjugend, und die Verbundenheit war schnell hergestellt. Das tvahve Erlebnis blieb nickst aus. Stadtrot Genosse K l 0 d t zeichnete in feinen Worten den wirklichen Sinn der Weihnacht»- feiern, den Sinn der gegenseitigen Hilie und des Miteinonderarbeitene. Der Zweck der Feiern, Freude trotz cigTnem sozialen Elend zu perbreiten, wurde vollkommen cr- reicht. Kleine Geschenke, Teller mit Kuchen und Rüssen, sowii je nach Wahl Bücher oder Spiele(vor allem Schachspiele wurden ae° wünscht), hoben die trohe Stimmung. De» Bebürstig"«» unler der Schar hatte man ielbstverjiändlich vorher schon in Kleiduna und Schuhwerk oder in kleinen Geldbeträaen Hilst zuteil werden lassen. In froher Geselligkeit verbrachten Mädel und Jungen gern die!« Stunden. Und ein Nachhall für die künstige gemeinsame 2l r b? I t am eigenen Schicksal ist allen sicher geblieben. Der Aeichsbund der strieqsbefchädlgten, Gau Berlin, hielt eji�e I Funktionärversammlunq im Palais des Zentrums ab, in der der I Gauleiter Paul Mendt über die Neuwahl der Bsiräto sprach und in eingehender Weise die da-ür ii, Frage kämmenden gesetzlichen Besiimmungen onseinandersetzte. Er forderte die Orts- gruppe» auf, in die Beiräte der Kriegsdeichödigtrn- und Hinter- bliebenenfürfurge überall die betähigstcn Kameraden hinriitzuwäh- ten. D?r Bundesvorsitzende, Kamerad Richard Marvke, teilte zur H i n d? n b i! r g> p e n d e mit, dass ein Kuratorium eingesetzt wurde, in dem lriher die Vertreter der Kriegsbelchädigle»- und Hinterbliebensuvnpmilattoren sowie andere sachkundige P« son-n nicht berücksichtigt worden sind. Auch die beabsichtigt« Verleitung»- wriie der HIndrnburgspende dürft« kaum der zweckmäßigste Weg sein, um die Beträge in die richtigen Hände gckatigcti zu lassen. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen!„Die am 20. Dezember 1927 versammelten Funktionäre des Gaues Ber- (in des Reick sbund es der Kriegsbeschädigten. Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen stehen trotz de» vom beutschnation-'len Ab- geordneten Echmidt-Hannooer gegen ihren Kameraden Rotzmnim gesührten persönlichen Angriss lest hinter demselben und sprechen ihm ihr volles Vertrauen aus.' Gknvsi« Ludwig Ssoplack bittet UNS ntn die Aiisnabme be« WIpendent „■Aus Änln« irtlre« 70. GebutiSiages find mir lg viele herzllche Gluck- wüniche und Spenden ztigegangin, daß ich aus dieser,! Sege ulseri mewe» herzlichsten Sank ausspreche Schloßbrand in Polen. In der Ortschaft Wisla in Schlesisch-Teichen ist heute nacht das Schloß des ehemaligen Erzherzogs Friedrich von Habsburg, gegenwärtig Eigentum der polnischen Regierung vollständig niedergebrannt. In dem Schloh sollte der Prä st- dent der Republik wohnen, der am 3. Januar zu einem drei- tägigen Jogdcurenthalt dort eintreffen wollt?. Di? Ursach« des Brandes ist unbekannt. Trotz energischer Rettungsaktion wurde das Schloß vollkommen emiptäscheri. Der Materialschaden ist sebr Sroß. Konferenz der Wasserstraßenarbeiier. Die von der Bezirksleitung Nordwest des Verbandes der (Gemeinde- und Stoalsorbeiter einberusenc Konferenz der an den See- und Binncnwasserstrohcn im Wirtschoftsbezirk Nordwest be- ichätlialen Berbandsmitglicdcr faßte nach einem trefflichen inftruk- tioen Referat des Vcrbandsfckretars Schutt einmütig dle folgende Entschließung! „Die am 18. Dezember 1027 Im Hamburger Gewerkschofts- !>aus tagende Konferenz der im Verband der Gemeinde, und Staatsarbeiter organisierten Arbeitnehmer an der Elbe und den Elbrnebcnwafferstraßen, am Elbe�Trane-Kanal, an der Weser und den Wesernebcnwasferstroßen. am Nordostseekanal, an der Ems, an der Ost und Rordsceküstc sowie an den Mecklenburgischen und Otdcnburgischen Binnenwasserstraßen stellt mit Bedauern fest. daß den Arbeitnehmern der Reichswasierstraßcnverwollung bei der Uebersührunaaus dem Dienstedcr Länder in den Dien st des Reiches schwere Schädigungen zugefügt wurden. Die Konferenz fordert deshalb olle Iitteressierten auf, die Macht der Arbeitnehmerschoft gegenüber dem Reichsverkehrs- Ministerium in jeder Hinsicht zu stärken. Trotz der erlittenen Schäden hält die Konferenz die Durchführung der Ver- reichlich u» g des gesamten Wasser st raßennetzes für unbedingt erforderlich. Sie steht aus dem Boden einer Neugliederung des Reiches nach Wirtschaftsprovinzen und sieht in der restlosen Verreichlichung des Wosserstraßennetzes einen Hebel zur Durchführung der immer notwendiger werdenben Neu- gliederung des Reiches. Gleichzeitig ersucht die Konferenz den Verbandsvorstand, sich für die Gesamiorganisation auf den gleichen Boden zu stellen und diese Stellungnahine den der Gewerkschaftsbewegung nahestehen- den Fraktionen aller Landesparlamente zu übermitteln." Im weiteren Verlauf der Konferenz berichtete Behrens vom Hauptbetriebsrat über die Tätigkeit der B e t r> e b s- . ä t e im Wasserstraßenwesen. S t e t t e r vom Derbandsvorstand >.'ierierte über die Lohn- und T o r i s p o l i t i k für die Waffcr- ltraßenarbeiter. Kollege B e g e r von der Bezirksleitung Nordwest behandelte Organisation ssrogen. Die Konferenz darf als äußerst gelungen bezeichnet werden. Für die Rcichswasserstraßen-Arbeiterbewcgung war sie von großer 'edkutung. Noch einige Jahre strasser Oraanisationsarbeit und der '.achteil, der sich aus der Organisationszersplittcrung einerseits und ■er in den letzten Jahren bemerkbaren arbeiterfeindlichen Einstellung iics Reichsvertchrsininftcriuins ergebe» hat. ist ausgeglichen. Was die Iieichsbahnverwaltung sagt. Die Reichsbahndirektion Berlin ersucht uns um Aufnahme folgender Erwiderung: „Zu dein Artikel„Das Explosionsun glück im O e l- t a s w< r k P i n t f ch. Was sagt die Reichsbahlwerwallung?" in .!r. 603 der Morgenausgabe des„Vorwärts" vom 22. Dezember bemerken mir ergebenst, daß wir nach Beginn des Streiks die B e- tri�ebsverhältnifse in dem Oelgaswerk eingehend ge- prüft und die Letricbsführung durch die Firma Pintsch als ein- mondfrei befunden haben. Die Untersuchung über die Ursache der Explosion ist noch nicht abgeschlossen." Wir werden ja sehen, was bei der amtlichen Untersuchung her- auskommt. Die von uns geäußerte naheliegende Annahme, daß die Beschäftigung bettiebsunkundigen Personals nicht ohne Einfluß auf sie Explosion ist. bleibt zunächst bestehen. Aus die in unserem Artikel ausgeworfene grundsätzlich« Frage. ob Privat- oder Eigenbetrieb� geht die Erwiderung nicht ein. Nach der ganzen Politik der Reichsbahngescllschast zugrinsten der Prioatwirlichasi, die ganz in der Richtung liegt, die Reichsbahnen dem Prioalkopitalismus auszuliefern, ist dies allerdings auch über- I'üssiz.__ Die Berliner Kommunalbeamten. Llnd ihre �E>tande6"«Bereinigoogen. Man schreibt uns: Bei der Neuregelung der Besoldung der Berliner Kommunalbeomten wurde auch eine gerechte Eingruppicrung der Sozkplbeomtcn angestrebt. Durch die enge Verbindung der R e i ch»g e w e r k j ch a s t Deut- scher Kommunalbeamten mit den Vertretern der SPD.- Fraktion im Berliner Stadtparlament gelaug es. alle von der Fachgruppe„S o z i o l b c a m t e" aufgestellten Forderungen zu verwirklichen. Dieser in die Augen springende Erfolg gc- w e r k s ch a f t l i ch e r Arbeit ist den fogenanttten Standes- vereinen recht unbegnem. Ilm die Mitglieder nicht an die Ge- wcrkfchajt zu verlieren, scheuen sie sich nicht, die Lüge.zu verbreiten, daß der Erfolg ihrer Tätigkeit zu verdanken sei. Noch vor einigen Togen inußten sie in einer öffentlichen Kund- gebung zugeben, daß sie von den städtischen Instanzen überhaupt nicht angehört worden sind. Tatsache ist, daß die Reichs- gcwerkschast, Fachgruppe Sozialbeomt«, sofort nach Dorliegen des betreffenden Entwurfs die Forderungen formulierte und durch ihre Vertreter im Magistrat und bei den Stadtverordneten �begrün- den ließ. Durch die Unterstützung der sozialdemokratischen Fraktion wurde denn in unserem Sinne bejchlosfen. Hoffentlich hoben die S o z i o l b e a m tc u aus dem Verlauf de,r Bewegung nun endlich den Schluß gezogen, daß nicht Pflege des„Beruf sei hos", nicht„Stondeshewußtlein", foirdcn, nur d> c Solidarität mit allen übrigen Arbeitnehmern geeignet ist. ihnen eine gerechte Wertung zu sichern. Die Fachgruppe der Sozial- bemnten kn der ReichsMverkschaft ist die einzige gcwerkschast- lichc O r ga u i s a t i o n, die den Kollegen eine energische In- tereffenvertretung sichert und für die dauernde llnterrichtung ihrer Mitglieder über alle Berufsangelegenheiten Sorge trägt. Weihnachtsfeier der Maler. Eine eindrucksvolle Weihnachisieier für feine erwerbslosen Mitglieder veranstattete am Freitag nachmittag im Gewerkfchoftshous die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Maler und Lackierer. Der große Saal, mit roten Fahnen und Tonnengrün für eine echte proletarische Weihnachtsfeier hergerichtet, konnte die Erschienenen kaum fassen. Für den Geilt der organisierten arbeitslosen Maler und Lackierer ein gutes Zeichen, ein schlechtes Zeichen aber für ihr« Lage auf dem Arbeitsmorkt. Eine Kapelle des Deutsche» Musiker- Verbandes sorgte für die Unterhaltung dieser unfreiwillig Feiernden und fand mtt ihren guten Darbietungen eine ausnierksame Zuhörer- fchast. Der Bevollmächtigte Genosfe S ch i e m a n n ermahnte die arbeitslosen Mitglieder, die Fahne der Organisation hochzuhalten und auch serner treue Kämpfer für den Sozialismus zu bleiben, dainit einer späteren Generation einmal wirklicher Frieden auf Erden de- schieden werde.« Neben einer Crtraunierstützung von 8 bis lä Mark(je noch der Dauer der Mitgliedschaft) bekam noch jeder Arbeitslose ein Paket mit Lebensmitteln. Auch die Kinder wurden nicht vergesle». Zuviel gezahltes Gehalt. Keine unrechtmäßige Bereicherung. Einige Angestellte des Magistrats hatten fett längerer Zeit bei jeder Gehaltszahlung ein wenig mehr erhalten, als ihnen nach dem Tarif zustand. Das war die Folge eines Irrtums des Beamten, der die Gehälter berechnen �atte. Ebenfo-n-nla wie dieser Beamte sind die betressenden Gehalisempiänger sich bewußt geworden, daß hier«in Irrtum vorlag. Sie haben sich aus die Be- rechnung der dafür zuständigen Stelle verlassen Und ohne selbst an Hand der verschiedenen Torispasuimren nachzurechnen, was ihnen zustand, genommen, was sie bekamen. In letzter Zett ist nun gelegenttich einer Revision der Irr- tum entdeckt worden und der Magistrat läßt sich die zuviel ge- zahlten Betröge durch ratenweise Abzüge vom Gehalt der betressenden Angestellten zurückerstatten. Da die Ueberbe- Zahlungen zum Teil seit dem Jahre lOZ�t laufen, so sind die kleinen Einzelbeträge zu Summen angewachsen, die für einen Angestellten recht erheblich sind. Drei weibliche Angestellte, denen Abzüge dieser Art gemacht worden sind, klagten beim Arbeitsgericht auf Rückzahlung der Abzüge. Zwei Klägerinnen, die e n t- lassen sind, hat man von ihrem Abkehrgeld 13S bzw. 1 4 0 M. auf einmal abgezaaen. Die dritte Klägerin, die noch in Stellung ist. hatte bisher einen Abzug von 20 M. zu erleiden. Der Vertreter des Magistrats erklärte die Abzüge des- halb für berechtigt, weil den Klägerinnen durch die Ueberbe- Zahlung eine unberechtigte Bereicherung zugeflossen sei. die nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs zurück- gefordert werden könne. Das Gericht teilte diesen Standpunkt nicht. Das Urteil erging dahin: Bei Lohn- und Gehaltszahlungen kann unter den heutigen A erhält nissen eine un berech- tigte Bereicherung nicht geltend gemacht werden. Löhne und GeHölter werden zur Bestreitung des Lebensunterhalts gezahlt und reichen auch nicht weiter. Ersparnisse können heutzutage von Lohn und Gehalt nicht gemacht werden. Wer nichts er- spart, bereichert sich nicht. Hier liegt also keine Bereicherung, am wenigsten eine unbe- rechtigte vor. Die Klägerinnen haben ja gar nicht gewußt, daß sie zuviel erhielten.— Aus diesem Grunde wurde der Magistrat zur Rückzahlung der Abzüge verurteilt. Arbeitskämpfe in Schweden. In der schwedischen Papierindustrie steht ein g»oßer Zlrbeitskonflikt bevor. Die feit Tagen geführten Torisverhandlungen wurden— wie uns aus Kopenhagen gemeldet wird— am Frei lag ergebnislos abgebrochen. Die Arbeitgeber haben daraufhin für den 2. Januar die Aussperrung des gesamten Personals angekündigt. Davon dürsten mehr als 20 000 Arbeiter be- trösten werden.— Den Ausfperrungsbeschluß der Unternehmer im mittelschwedifchen Grubengebiet, der ebenfalls mit dem 2. Januar wirksam werden und die Bergarbeiter aufs Pflaster werfen soll, haben wir gestern bereits erwähnt. Amerikanisches Kulturbild. (JGB.) Einer amerikanischen Gewerkschoftzzeitung entnehmen wir nachstehende, kürzlich veröffentlichle Meldung:„Im Potts- ville-Kohlenbecken konnte man vergangenen«cmntag ein seltsames Schauspiel verfolgen, indem Hunderte von Geist- l i ch e n Gebete für die Wiederbelebung der Änlhrazitlndustrie aus- sprachen. Protestanten wie Katholiken Holsen dabei mit, während dir jüdischen Priester in ihren Synagogen entsprechend: Gebete sprachen." Den in den letzten Wochen in Amerika cingciretenen Kältewellen nach zu schließen, scheinen die Götter die Gebete ihrer Diener erhört zu Hadem lUcfallfatlcll! Die zu Mittwoch, den 28. Dezember 1927. nach dem Dresdener Kasino, Dresdener Straß« 96. einberufene Persomm. lung gilt nur für die Funktionäre der Metalltronsport- orbeiter und den dem Metallkartell angelcklossenen Organisationen. Zutritt nur bei Vorzeigung des Mitgliedsbuches und der Funklionärkorte. Die Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten W-G.. Berlin, Wallftr. 63, bleibt am Dienstag, dem 27. Dezember, g e- schloffen. Für die Einlösung von Wechseln ist ein Schalter von 9 bis 1 Uhr geöffnet. porzeltanindustrie und Handelsverträge Erklärungen im Hoffcheareniher-Konzern.— Wieder 4 proz. Dividende. Die deustche Porzellanindustrie ist eine typische Export» Industrie. Führte sie schon vor dem Kriege, als ihr im Ausland keine einzige gleichwertige Konkurrenz entgegentreten konnte, etwa die Hälfie ihrer Iahrespreditttion von 65 000 Tonnen aus, so war sic nach dem Äricgc durch die auf 100 000 Tonnen gestiegene Jahresleistung unh die gesunkene Inlondskauskrost Zwangs- weise in verstärktem Maße aus den Export angewiesen. Allerdings hoben sich im Laufe des letzten Jahrzehnts die Aus- fuhroerhältmsf« erheblich verschlechtert, da im Ausland, besonders den Vereinigten Staaten, eigene leistungsfähige Industrien gegründet und durch hohe Zollmouern geschützt wurden. Ilm so bedeutungsvoller ist die Erklärung des Vorsitzenden aus der Ge- neralversammlung der Porzcllanfobrik Hutschen- r c u l h c r A.- G.. Hohenberg in Bayern, einer der größten deutschen Porzellonkonzerne, der di« Aussuhr 1926 mit 40 000 Tonnen, den Inlandsabsatz dagegen nur mit 19 000 Tonnen beziffert. Beträgt danach die Ausnutzung der Leistungssähigkest in der Porzellomndu- sttie nur knapp 60 Proz., so zeigt das Äusfuhrcrgebnis doch, daß bi« deutschen Werk« sich entweder aut den verlorenen Märkten w.eder festgesetzt oder sich neue Absatzgebiet« erschlossen hoben, denn die absoluten Ausfuhrzistern übertreffen die Borkriegsexporie um mehr als 15 Proz. Trotzdem fühlt sich die Porzellanindustrie in den bisher abgeschlossenen Handelsverträgen benachteiligt und weist b«� sonders auf die Abkommen mit Italien, Spanten und der Schweiz hin, durch die ihr« Ausfuhrmöglichkeiten beschnitten seien. Geschäftsbericht und Jahresabschluß der Hutschenreuther-Ge- scllschost lassen die rasche Erholung der Porzellonindustrie nach der Krise von 1925 erkennen. Die Betriebsgewinne h.?den sich von 0,4 auf 0,6 Millionen Mark erhöht und von dem auf 139 000 Mark g e- stiegen«» Reingewinn wird nach den letzten dioidendcn- losen Iahreu erstmalig wieder eine Dividende von 4 Proz. ausgezahlt._ Theater der Woche. Aom 25. Dezember bis 2. Januar. «ollsbü»»«. Dxoi"«« S.. Sb., 27.-Jlcer 6mtf. 2S.. Hlnlcmaun,?.l., 1-,'J. Mann ist Mann.— O?«»» W«* 25. Macht des Schicksals. Ai.?er 5.>>l.''>k-vali». 71. u. 30- SJuifa äKiEtr,>. Carmen. 29. Zoris Cotuiuuv, 31. jslriiermous, 1. Zannhausci,_ 3« bu« Nachtigall. Set SeuttDOgri. 3". 3L Sie luft.gtn We.bar von-Binblor, 1.«ibo, 2. lietlonb- Sch--,i»cll»a>>. am eenbotmenmarttt 25., 29. u. 29. Set Slanhnonn von ficneb.S- 27, u. v<- Ovctnabtnb; Zra Diavvlo, 38. Sic ZoutnaliNcn. 31.. 1. n. 2. OWle» v�n Jlbato.-Schillcr.Thc.ier! 25., 26., 30. u. 2. Weh' dem, bet Ii'gi. 37. m». Nobcct Cjuisfarb, BoawU». u. 1. Peer©nr.t, 3). C.5«tlcrio Tante.— Ttzeeuec am ütbilfbouctiKimm: Schieber bes Ruhms.— Ibal-a-r5eatcrt->. N. rote Hahn, ad 27. Das Kamel qeht durch das Nadelöhr.— Tcutschcs Taeater. Dorothea 91nflCtinann.— Äommctifi«!«: Brour-Eroreh.— Die-»e Ehe uoit Welt.— Theater am Rollen dorfplaj,: Ra�putw.— Theater t» der Ztöniggritzer Straße- Schloß SeiicrIIein.-«»midienhan»! S�-volus.- Großes Schanspiclha»»! Mobame Lomrabonr. � TbcaZer tz» W»ftra»>AUnannc». — Tßeator am«urftisienbamm! 25—31. Bei uns um bie Sebachinisrnchc rum. 25.-30.©aftloiel brs Blauen Vogels.— Trianan-Tdealtr- ReUon-Zienne— Ztefiben?� Theater.- Schön seh'n mir aus.— Theater in»er*ammaatanicn- straße: cufif ttorncool.— Retropal.Theater: Ä>e schöne Helena.—«rliner Theater: V« Herr von...- Di« Tribüne: Soiel im schloß.—«leine» Theater: Sine«leine ohne Bebeutung.- Renaiflanee-THeater: Coeur.Vube- —«alhalla.Theatee: Wie bu küßt keine! 23�0 Uhr Rachtoory.:?>c Sacht bet ssraurn.— Seie-Ibcater: Crphtui in bet Unterwelt, 28. 2t, 15 Uhr. �ie spanische sssiege.— easino Thcater.-«Icin-fllechersborf— Ih"»«*« «losterstraße: 25.. 26.. 29., 30. u. I. Der fröhliche Weinberg. 27... 2S."rr. am' brr Sabinerinnen, 31. Teil. Wilhelm U.. Eeßler uiw.— Senloßparl-Theatee eteflliß: Die Keisha.— Theater im«bmiralapalaft: Vtann unh Wo. Wiktergarten: Barletki.— Seala: 5nterna!''onale Variet«'-. Reick-ahallen. Theatee: Steltincr Sänger.— Theater am Kotthuffee Tor: Elite-Sanaer. Nochmi ttagsvorstellunaev. Lolisbiihae. Theater am Bö low- vlak: l. Kabale und Liebe.— Städtische Oper Charlvttenlmvg: 28. U. 31.- te Püppenfee. Drr Nußknacker.— Schill er. Theatee: 25. u. Äi. Peer Snnt. Theater am Gchifsbtuirrdamm:?. George Dandin.— Thalia-Th«ter: Maria und Joseph Plaut. L Der mutige Seefahrer.- Theater am xnt' ffirficcbamw: N. Sans im©TÖrf.— Refideaz Theatee: 25.. 26. Schon seh n mir aus.- Theater s« der«ommaNdaateNstraße: 2V., l. Liedfrauenm�o,. — Berliner Theater: 25., 2fi. Müllers.- Di« Tribüne: 2«. iV'o Uhr Matinee: Stachelschweine unter sich.—«leine« Theater: 35., 2ft~.51 naiffanee-Theater: N., Ä., l. Die Schule von Ilznacki.— Walhalla-Theatcr. 25. Knecht Rupprecht. 36. Schneew ttchen. 27. Trau Lalle oder �oldma�e und Pechmarie.— Roie.Theater: 26.. 3l., 1. Eoldhärchens Himmelfahrt-- Thea«? in der fllofietftraßr:«, 26, Hijnlel unb Gretel. 27.. 28.. 31. VottSm-ch-n. 1. Schneemiitchen.- Schloßpart-Theater Steglitz-».. Si gn ber Johann s. nacht. 37.. 31., 1. Das.apfen Schneiberl.in.- T»«.t.r im«b»uml.palest. 25.. 1. Dann UN» Wo, 28. Aschcnbrebel.- Stola: 2'.. 38.. 1 Internanv. nales Sariete.-«eichshallen. Theatee: 25., 26.. 1- Stettiner Sänger.— Theater am«otthnfler Tat; 25.. 28.. 1. ENtcSanger. ?erantw»r!I:ch für Volilif: D: Enrt Hetzer: Wirilchoft: 9.«lingelhiler: Gcwerl'schaftsbcDegunL: Fe. Khkarv: sseuÄcton: Zll. H. Döscher» Lokales und Sonstiges: Fritz ftarstadt: Ä meinen: Th. Glocke: sämtlich in Berl'n Verlag: Bormarts-Berlaa S m b H.,'Serlin Druck: Borwärts-Bumdeuckeret und Verlagsanstal� Paul Singe* ü Co. Berlin SD 68. Lindenstrake Z WELT-KINO �iTmber* frauffOhrun': Das vierte Gebot ferner: Kaufhau« Pleite mit Rej�lnalü Denny Neueröffnet! Sdirellers PelzwarenliaDS KunfcKtion(cin.Pclzwaren! Empfehle für das Weihnachtsfest Pelzwarcn- Oarnituren In eleganter, preiswerter n. fachmännisch. Ausführung. OroBes Lager in sämtlichen Besatzfellen und Feilen aller Art— Gewähre Parteigenossen u. Reichshannerkameraden heim Einkauf 10 Prozent. Qotttrlcd Schreiter, Kürschner, öerlin C2& Eaadstzerrer Str. 84, Minuten vom Alcxanderplatz. Küchen ncdi zum aittn Preis » nijilltf ...riii'-- gabesteilen des.Vorwärts" und Parteibuchhandlungen oder direkt von der„Vorwärts"-Buchdruck er ei und VerUgsanstali, Berlin SW08, Undmstr. 3 Korbmöbel! Sonderangebot! An Private zu Engrospreisen. Eigene Fabrikate in gedie-enen Ausiührungen kaufen Sie in gro-er Auswahl und billig be« Wilhelm Sehulzs Bonbijoup*iz i2. Hol pari. .Ahe Hackeschet Mai Zablungscrlclclitcrtiiir reicoho A exantler 4' 1/ Schauffenster-Tapate! Alle Eigenmuster ohne Zwischen handeL sadisisdie TapeicB-lnduslrie, erlin»jinelmsir.<4. zwischen Leipziger u. Zimmcrsu Vitamine— äonnen-Energie enthält Karl Saschin's Medizinal-Lehertran »eil labnehnieti als bester leberira-t bebann. Durch nid))» u ersetzen hei rachitischen und skrofulösen Kindern, bei L'nteremährren und Lungenkranken. Haupt- Niederlage: Itzwen-aootOehe, Ber.bl C,.(encsalemer StraBe 30. letzt b este Zelt. iBBBmBBamBHBBBSaMBBSaBaBBBMHmBUT lieh empfehle: I Dannige üflnsefedern zum SelbatrelSm M. I M-3.{ i Kleine Ruptfedera. füllfcrtig.......... M. 4�0-5. | Weiche Halbdanaen, wanderbar füllend M. SJO-6. (Elite 3«-Daunen........................ M.»SO-7.C I Gerissene Federn, gnt füllend, M.3J0, 4.00, 4Ö0. 5.1 ISchneewelBe, daunige.................. M. 6.50-7. I Wunderbar« Daunen.................... M. 9.00-1' (Vor Ka I verlangen Sie Cralismuster unter Angai «nb ge- oder mgerissene. VersanJ per Nachnahm- ■ Nichtgef tiKndes nehme aut mei-e Kosten zur c Ernst Weinberg, Nei> Trebbin r. | Erste Oderbracher Be'.ifeGem- Uampfwllscbere und Reinigung anstatt. Sie stannen über die billigen Preise meiner Armbaad-ufasdienuhrenl Großes Lager in allen Qualitäten u.Pie.slagen Horm WIPCO Berlin N, Artilleriestr. 30 { alvl III» ff Ivuüy Nabe Oranienburger Tor Garantie ittr fede bei mir tfckaolie Uhr s«nitu rt« 3-f CBr;