Morgenausgabe Nr. 609 A 309 44. Iahrgang Wöchentlich /V Pfnmtg. monatlich S,— Reichsmark, un voraus zahlbar. Unter Streifband im 0n* und Ausland 6.50 Reichsmark pro Monat. * Der„SSortDörts* mit De« iSuftrler» len Sonntagsbeilage»Volk und Zeif sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissen".Aus der Zilmwelt, .Stadtbeilage".Frauenstimme* .Der Kindersreund".Iugend-Dor- wärts".Blick in die Bücherwelt*. Kulturarbeit" und.Technik* erscheint wochentäglich zweimal, Sanntags und Montags einmal. r* Berliner voltsblall Sonniag 25. Dezember 1922 Groß-Äerlin 15 Pt- Auswärts 20 pf. Die c t b 1 p a 1 1 1 g e NonparetvezeN« 80 Pfennig. Reklomezeile 5.— Reichsmark.Kleine Anzeigen" das fettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Hort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig,(edes weitere Wort 10 Pfennig Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig. Fomilianzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen- annahm? im Hauptgeschäft Linden- Kratze 3. wochentägl. von 8�/, bis 17 Uhr. Isntrawrgan der GozialdemoLvatischen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhost 292— 297 Telegrarnm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwäris-Verlag« wngrn treffen, um dies« Verzögerung zu vcrrtnoen■* dem fflegner keinen großen Borsprung zu lassen. Und solang« man mU der Möglichkeit solcher Vorbereitungen bei den Rachdarstoaten rechnen muß, wird man immer geneigt sein, selber vorstchtomaß- nahmen zu treffen..Vorsichtsmaßnahmen' gegen«inen ftrteg find aber nicht selten Lorbereitungen eines Kriege», lktne technische Abriiswng genügt nicht, wenn sie nicht mit einer polllischen Abrüstung verbunden ist. Wir meinen damit ein weit ausgebautes System von Nichtangriffs- und Schiedsverträgen, vor allem aber den Aus. bau des Völkerbundes, der sich aus einer LerHandlungsinstanz der Regierungen zu einem wirklichen Bund der Völker«ntwiekeln muß. Cps ist nicht zu leugnen, daß in den letzten Iahren der Völkerbund bestimmte Dienste der Menschheit geleistet hat, auch die neuliche Bei» lcgung des polnisch-litauischen Konfliktes muß auf sein Konto ge bucht werden. Der stolze, vielversprechende Name.Völkerbund' verlangt aber ganz andere Leistungen, nämlich eine Politik, die mit der alten Geheimdiplomatie bricht, sich an die Völker wendet, sie zur Versöhnung, zur Einigung, zur geistigen Abrüstung auffordert. Liese Politik, zu der.Locarno* nur den ersten zag- haften Schritt darstellt, kann sich nur dann durchsetzen, wenn die Verfassung des Völkerbundes in demokratischem Sinne revidiert wird. Können aber die internationalen Verträge und die Statuten Aus Horihys Gefängnissen. Grauenhaste Enthüllungen. des Völkerbundes als Garantie des Friedens gelten? vermögen dt« Regierungen nicht, die ihnen unbequem gewordenen Verträge als einen Fetzen Papier zu behandeln? Die letzte Garantie des Frieden» besteht Im tätigen Friedeoswillen der volksmasten. In ihrer wochsamen Kontrolle über die innere und äußere Politik der Staaten. Solang« die Macht in den Händen der von militaristi» schen Banden emporgehobenen Diktatoren liegt, solange die großen und kleinen Musiolinis, Primo de Riveras, HoNys, Pilsudskis, Woldeinaras über das Schicksal der Staaten verfügen, ist der Friede ein Spielball des Aufalls. Nur durch die politisch« Macht der arbei- tenden Mehrheit der Völker kann der Friede gesichert werden. Wir müssen dessen im kommenden Jahre eingedenk sein, da» protze politisch« Entscheidungen bringen wird. In den wichtigsten Ländern Europas steht das Proletariat an der Schwelle der Macht. Es hat aber einen doppelten Kamps gegen die Reaktion und gegen die Spaltung in den eigenen Reihen— zu führen. Im kommenden Jahre werden sich an dieser doppelten Front bedeutsame Schlachten abspielen, und von ihrem Ausgang wird die wetten» Entwicklung der Weltgeschlchte abhängen. Bei den Reichstagswahlen im Jahr« lS2< ist es der Soztolden» kratischen Partei nicht gelungen, alle Kräfte de» Proletariat, zu vereinigen: sie hat rund 7L Millionen Stimmen erhalleiv aber weitere 2,7 Millionen proletarisch« Stimmen, die für die Kommu- nisten abgegeben wurden, gingen für die Sache der Arbeiterklasse und des Frieden« verloren. Roch größer war aber die Zahl jener Proletarier, die blindlings ihre Stimmen Ihren klass enselade» abgegebe» haben. Di« Jahre, die seitdem oergange» find, hoben jedoch vielen politisch« Aufklärung gebracht. Di« letzten Wahlen— in Hamburg. Altona, Königsberg, Anhalt, Braunschweig, in den beiden Mecklenburg— zeugen von einem gewaltigen Aufschwung der Sozialdemokratie. Dieser Aufschwung muß bei den kommenden Reichstagswahlen in der Weise gesteigert werden, daß die Arbeiter- sraktion imstande sei, eine feste Mehrheit im Reichstag zu bilden und den aufrichtig friedensfreundlichen Kräften des Auslande» die Hand zu reichen. In England hat die Srbeit«rportei bei den Wahle» Im Jahre 1923 rund 4,4 Millionen, im Jahre lS24 schon 5,5 Millionen Stimmen erobert. Die Konsolidierung der bürgerlichen Element» um die Konservativen hat aber diesen bei den letzten Dahlen 5 Millionen Stimmen und die Macht über da» Weltreich gebracht. Auch viele englische Arbeiter haben dabei, der Tradition folgend, für die Konser. vativen gestimmt. Die Regierung Boldwin» hat aber alle» mögliche getan, um rhren arbeiterfeindlichen Charakter zu enthüllen, um dem Volke zu beweisen, daß die Kräfte der Vergangenheit unfähig sind, mit den neuen Forderungen des Lebens Schritt zu halten: der Kohlen. urbciterstreik. die gewerkschaftsfelndlich« Gesetzgebung, da» versagen der Regierung bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, dieses alle» und vieles andere hat auch die rückständigsten Schichten der Arbeit- uehmer politisch zu denken gelehrt. Die neuen Parlamentswahlen werdcn di« Resultate dieser »agewoklle» Aufklärung«rbetl dir XeakNo» an den Tag bringen. Der letz» Kongreß der dettischen Arbeiter- Partei hat gezeigt, daß die Partei die kommenden Dohlen al» einen entscheidenden Kampf um die Macht betrachtet. Gelingt e» ihr. den Sieg davonzutragen, so wird da» auch den Sieg de» Frieden» für die ganze Welt bedeuten. Dieser Sieg wird nicht nur eine Entspannung der englisch- französischen veziehungen mit sich bringen, sondern auch die kriegerischen Stimmungen In Italien drosseln, di« politische Krise in Indien mildern, die Wiederherstellung de» Frieden» in China fördern, den Reaktionären und Faschisten aller Länder die mächtige Unterstützung Londons entziehen. Auch in Frankreich, Polen. Belgien werden bald Parlament»» wählen stattfinden, auch hier rüsten die Arbeiter zum Kampf. In jedem Land hat die Arbeiterbewegung mit besonderen Problemen zu rechnen, mit besonderen Schwierigkeiten zu ringen. Und trotzdem weichen die im Jahre 1928 in den einzelnen Ländern bevorstehenden Wahlen nichts anderes al» einzelne Vorgänge auf der einheitlichen Front de» Klassenkampfes bedeuten: es wird sich nicht nur um bessere Lebensbedingungen der Völker, nicht nur um die Entwick- lung der Gesellschaft zu höheren Formen, zum Sozialismus handeln, sondern auch um den Schutz des Friedens gegen die immer drohende Kriegsgefahr. Noch fehlt zur Sicherung de» Frieden» dem Prole- tariat di« polltische Macht in den wichtigsten Ländern. Um diese Macht wird im kommenden Jahre gekämpft werden! In der Sitzung des Budapester Gemetnderat» machte der Chefarzt und Gemeinderat Dr. Aoltan Klar, der eine sechsmonatige Gesängnisstrafe abgebüßt hat(er hatte verschieden« Streitigkeiten mit den„Erwachenden Ungarn"), aufsehenerrogend« Enthüllungen üb«? die barbarischen Zustünde in den Gesängnissen. Dr. Klar, der nicht Sozialdemokrat ist. erklärte, daß es für ihn ein« Gewissensloch« fei. die öffentlich« Aufmerksamkeit aus diese Zustände zu lenken, unter denen Hunderte Menschen seelisch und körperlich zugrunde gehe» müssen. Dabei befinden sich unschuldig« Menschen monatelang In Untersuchungshast, di« dann freigesprochen oder mit tletnen Strafen entlassen werden. So würbe während der Host Klar» est» Fr«, stnd kletae» Stade sech. MMlgshafl gehakten, die dann Z» zwei Wache» Gefängnisstrafe verurteilt wurde I Es kommt fast wöchentlich vor. daß zwei oder drei Transport» von Häftlingen aneinandergekettet von einem Gesangenenhau» in das andere geführt werden, unter ihnen befinden sich o u ch R e- dakteure und Journalisten, die wegen Preßvevgehen oerurteilt wurden. Die Gefängnisoorschriften bestimmen, daß alle Gefangenen einmal tn der Woche ein Bad bekommen sollen. Tat« sächlich istesonmöglich. auch nur»in« Kanne Wasser zu bekommen, und die» Ist besonders bei den weiblichen Gefangenen, die in gewissen Zeiten des wannen Wassers dringend bedürfen, ein unerträglicher Mißstand. Wanze» und Ratte«. Sloe berichtete, daß er in der ersten Rocht seiner Gefangenschaft eine« aussichtslosen Kamps mit den Wanzen begonnen hatte. AI» da» elektrisch« Licht abgedreht wurde, war sein ganzer Körper von Wanzen buchstäblich bedeckt. Er wollt« einen verläßlichen Zeugen für diese Zustände haben und ließ den Defängnisarzt rufen. Sie begannen rarn den Kampf gegen die Wanzen: er in seiner Zelle, der Gesöngnisarzt in der benachbarten. Innerhalb einer Viertel- stunde vertilgte jeder von ihnen je sechshundert Wanzen: im Laufe der Roch, hatte er allein noch andarthalbtaasend Wanzen erlegtl Strich er mit der flachen Hand Über irgendeinen Gegenstand seiner Zelle, so war sie im Nu mit Wanzen voll. Das Gefängnis befiehl seit dreiundoi erzig Iahren und seit dieser Zell hat man nicht ein einziges Mal ein« Wanzenoertil- g u n g vorgenommen I Im Gefängnis wimmelt es auch von Ratten: es gibt unter ihnen solche von einem halben Meter Größe. Es kommt oft vor, daß sie Gefangene, ja auch Iustizsoldaten beißen. Unerträglich ist auch der Gestank, der den in den Zellen untergebrachten Bedürfnisstellen entströmt, die überhaupt nicht oder nur in sehr großen Zwischenräumen gereinigt werden Jemand machte den Zwischenruf: Das ist jetzt schon besser geworden! Klar: Rur in der Zelle von R a d o s s y(Landespolizeiches und Franlensälscher) ist die Wasserspülung eingeführt worden Srinttonffer»ad den» Kanal. Klar erzählte, daß tm Srfängnt» theoretisch eine Zon- tralhelzung besteht, aber die Heizkörper stnd beschädigt, so daß in einzelnen Zellen eine unerträgliche Hitze herrscht, in den andern aber eine sibirische Kälte. Im Sommer ist der tägliche Spaziergong wegen des unerträglichen Kanolge stank» mehr eine Strafe als eine Ersrischung. Täglich werden bei dem Rundgang im Hose viele Sträflinge ohnmächtig. Vor etwa anderchatb Monaten sind plötzlich fast alle Gefangenen an einem Darmkatarrh erkrankt. Es stellte sich heraus, daß die Wasserleitung mit dem Kanal kommuniziert, und bet einem gewissen Druck ergießt sich der Inhalt de» Kanal» in die Röhren der Wasserleitung, so daß die Gefangenen da» mit Unrat lnfizterte Wasser trinken müssen! Schließlich berichtet« Klar über die Lusdeotang der Ge- sangenen. Die gewöhnlichen Gefangenen müssen drei Monat«, die Rücksälligen sechs Monate unentgeltlich arbeiten: der Tagelohn beträgt später für dl« gelernten Ardeiter sechs, für die ungelernten vier Pfennige! Klar schilderte auch noch andere Details des Gefängnisledens und verlangte die Einsetzung eines gemeinderätlichen Ausschusse» zur Untersuchung und Abstellung dieser schändlichen Verhältnisse. Sinter den Knliffen der teltifchen Krise. Regierungssehnsucht der Bauernpartei, um einen Bankskandat zu vertuscheu. Tausend Tage Reichskanzler. Wilhelm Marx ist heute 1900 Tage Reichskanzler. Wandlungsreiche 1909 Tage! Ein Palriot. Die Deutschnotional« Volkspartei in Stellin veranstaltet« eine Weihnachtefeier. Ein Generalmajor a. D.. namens Thelemonn, feiert« die Besetzung de» Rhein, lande» durch die interalliierten Truppen. E r st dadurch sei In Deutschland da» deutschnationale Empfinden aufgewacht und deshalb wäre die Besatzung gut gewesen. Auch in Stettin würde eine„geringe" Besetzung durch die Franzosen der nationalen Sache nur förderlich gewesen sein Raiionoler Betrüger. Aus dem Bahnhof Jüchen(Rheinland) wurden große Frachtbetrügereien der, Moikereigenossen- schaft aufgedeckt. Der lür die Betrügereien veranuvortlichc Molkerei- direktor ist Vorsitzender der D c u t sch n a t i o n a l c n B o l k s o a r! c i in Jüchen. Bei allen nationalen Festtagen läßt er auf den Moltereigcbäuden eine riesige fchwarzwelßrote Fahne aufziehen, Riga. 24. Dezember.(Europa pretz-i Der freiwillig« Rücktritt de» Ltnkstabinev» Stujeneet- Zielen» ist«tn Kuriosum. Gegen da» Kabinett wurden hinterein- ander drel Mitztrauensantröge eingebracht, di« der Land- tag all« ablehnt«, weil di« Abstimmung geheim war. Während in anderen Ländern meist der Fall eintritt, daß die Loge einer Regierung bei der geheimen Abstimmung ungünstiger ist als bei einem öffentlichen Votum, fanden sich hier bei jeder oppositio- nellen Partei stets einige Abgeordnet«, die ihre Stimmzettel htat« dem Rücke» Ihrer Parteileitung fit M« sozial! stssche Regteraog abgaben. Die Press« sprach»an einen, �rarntappenspiel". E» zeugt von den demotrattschen Grundsätzen der Regierung, daß sie dieser Komödie durch«inen freiwilligen Abgang ein Ende bereitet«. Die Mitztrauensanträg« gingen letzten Ende» alle aus den polensreund- lichen Bauernbund zurück, der au» finanziellen Gründen wieder zur Regierung kommen möchte. Der Bauernbund und das söge- nannte demokratische Zentrum, die beide sehr nationalistisch sind. spielen«in« Überaus zweifelhaste Rolle und stno die Ursache jener periodischen Krisen, zwischen denen sich da» Ausland niemals zurechtfindet. Der Lauerabond besitzt mehrere Sanken, die groß« Schulden an die Regierung z» begleiche» Hab«». BereN, bet An» nahm« der Verträge mtt Rußland wurde ein« finanzielle Lev> ständigung erwartet. Run veröffentlicht der„SozialbemOtrat" peinliche Enthüllungen. Die russisch« Handelsvertretung hob«, am di« An- nahm« der Rußlandoerträge zu erleichtern, von Unternehmungen, die dem Bauenibund nahestehen, 29 Waggons Kleesalz getauft und auch einen größeren Vorschuß gezahlt. Jetzt dränge die Handels» Vertretung auf eine Lieferung, aber die Unternehmungen des Bauernbundes, die mittlerweile über dl« eingegangen«» AllMon«» besitzen»och gar letn« Ware». vah«r wollt» der KaurrntnmJ) die Regierung unter allen Umständen stürze«, da mtt er dann al» neu« RegierungspaNei seinen Unternehmungen staatliche Subventionen zuführen könne, um dle russischen Lieserungsoertrög« zu erfüllen und«inen Skandal zu oermeiden Die JRigasche Rundschau" erwartet« vom Bauernbund eine Erwiderung. Bisher ist jedock) kein Dementi erfolgt. Die Neubildung der Regierung ist außenpolitisch de« deutungsooll, weil«in« Rückkehr des pylonophllen Dauern- bundes der deutsch-russischen Orientierung der letzten Zell ein Ende bereiten müßte. Beileidstundgebungeu für Molkenbuhr. Zum Tod« Hermanit Molkenvuhr, stnd sowohl beim Panetom- stand« wie auch bei der Familie zahlreiche Beileidskundgedungen «ingetroffen Wir tragen zu den bisher schon veröffentlichten noch die folgenden nach: Di« Nachricht ootn Tode Hermann Molteubuhr» hat un» mtt tiefer Trauer erfüllt. Wir wisien, einen wie schweren Lerlusi für die Panel da» Hinscheiden dieses Manne» bedeutel, der sich in der politischen Arbeiterbewegung nach mehr als einer Richtung den Namen eines Führers oerdient hat. Ein Förderer und Führer ist aber auch un» mit Hermann Molkenbuhr verloren gegangen: ge- hörte er doch zu denjenigen, di« die Grundlage legten zum Gebäude der deutschen Sozialoer- s i ch e r u n g, und die damit zu einer wesentlichen Festigung der Stellung des Arbeiter» im Wirtschaftsleben beigetragen hat. Seinem weitschauenden Blick war es«geben, schon sehr frühzeitig die gewaltige Bedeutung sozialer Versicherungen für die Arbeiter- schaft zu erkennen. Ihm ist e» nicht zuletzt zu oerdanken, wenn dle Arbeiterschaft sich zu positiver Mitarbeit am Ausbau dieser Versicherungen bereit fand und sich zur Selbst- Verwaltung auf diesen Gebieten HIndurchkämpste. Darüber hinaus gab es keinen Zweig der Soziotpolitik, auf dem Hermann Molkenbuhr nicht als vorzüglicher Sachkenner und parlo- mentarischer Vorkämpfer gewirkt hätte. So ist er uns voran- geschritten auf dem Wege zum sozialen Staat, und mit uns hat er noch«rieben dürfen den Sieg der Arbeiter- beweguny über Unterdrückungen und Verfolgungen, und die verfassungsmäßige und tatsächliche Anerkennung der Arbeiterorganisation. Den Verlust dieses alten Freundes und Kämpfers betrauern wir mit Ihnen. Unser herzliches Mitgesühl gehört auch seinen An- gehörigen, denen wir unser Beileid durch Sie bitten aussprechen zu dürfen. Der Vorstand de» Allgemeinen Deutschen Gewerkschoftsbundes. L e i p a r t. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen Mann, der sich viele Jahre seines Leben» hindurch mit allen Kräften für die Förderung der Sozialpolitik eingesetzt hat. Seine Verdienste insbesondere um die deutsche Sozialoersicherung werden unvergessen vielben. In Vertretung de? beurlaubten Reichsorlieiteininistera: Dr. Gcib, Staalcsekrctör. Der Name Hermann Molkenbuhr wird nicht vergessen werden, solange wir leben. Gehört« er doch jener Generation von tapferen Vorkämpfer» an. dle die erste» Wege für dle heutig« Wuchtstellung der Arbeiterklasse gebahm haben. Neben den in die Geschichte«In- gegangenen ehrwürdigen Gestalten wird da» Proletariat auch Her- mann Molkenbuhr ein dankbares Andenken bewahren. Lobe. Die traurige Nachricht von dem Tode des braven, greisen Kämpfers Molkenbuhr hat auch da» ungarische Proletariat tief betrauert. Wir senden euch unser innigstes Beileid. Ungarische Sozialdemokratie. Parteisekretär Fortas. Wir betrauern mit euch den Heimgang Hermann Molkenbuhr», de» großen Vorkämpfer» der deutschen ArbeiterNass«, dessen jähr- zohntelange» Wirken im Dienste des Sozialismus ihm«in unocr- gängliche» Andenken auch in unserer Partei sichert. Diese» Leben voll Hlngabe an die große Sache wird Vorbild und Bei» spiel fem für Immer! Der Potteivorstand der Sozialdemokratie Deutschösterreichs. Seitz. Danneb erg. Ferner sind Beileidsbezeugungen eingetroffen vom preußischen Minister de» Innern, von der Berliner Gruppe der georgischen Sozialdemokratie und von zahlreichen Parteiorganisatiane.t aus dem Reich«. Entscheidung des(Staatsgefichtshofs. Baden prüft fein Wahlgeseh nach. 2>i« badisch« Regierung ist. nachden, der Staat». gerichtshos in LeipAig die Landtagswahlbestimmungen oer- schieden«? Länder als mit der Rcichsoersassung nicht in Einklang bezeichnet hat, in eine Prüfung darüber eingetreten, ob aus diesem Urteil auch Folgerungen für das btdische L a n dt a g s w a h l- g« f e tz vom 1. I u l i 1927 zu ziehen stich. Kfage in Meckienburg-tAchwenn. Die mecklenburg-schwerinschen N a t i o n a l s o ,t a l t st» n [»ben nach einer Mitteilung ihres Führers Hildebrandt den Rechts- anmalt Dr. Frank-München osfiziell beaustragt, beim Staatsgerichts- frrf für 2J( ccfrcnburg'SchiiKrin die itfogc gegen den Freistaat Meckienburg-Schwciin meze» der vcrjasiu naswidrigen V? a h 1 1- c ch t s u n d c r u n g e n einzureichen und erst dann, tveim diese hier abgewiesen werden sollte, den Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich zu? Entscheidung anzurufen. Justiz von Schneidemühl. �Schulmeister« ist ZSeleidigoag.- Ziepecklilfewde siad strafftet. Kürzlich konnten wir mitteilen, daß ein Republikaner in Deutschkrone zu 20 M. Geldstrafe verurteilt worden ist. weil er gegenüber einem schwarzweißroten Rektor erklärt hat, die S ch u l m e i st e r sollten der Republik dankbar sein, daß sie so hoch gekommen sind. In dem Ausdruck„Schulmeister" sah der Staatsanwalt die Beleidigung. Der Beklagte, Ge- nasse S t u d t, hat nun gegen das Urteil Berufung eingelegt. Er erhielt nun folgendes Schreiben: Der Oberstaatsanwalt. 2 I. 13235/27. Schneidemühl, IS. Dezember 1927. In der Strafsache gegen Studt leg» ich hiermit Berufung gegen das Urteil des EchSffengericht» Deutschtrone vom 21. November ein. Die Berufung wird auf da» Strafmaß beschränkt. Die erkannte Strafe erscheint mit Rücksicht auf die Schwere d« r T o t und aus den Umstand, daß der Angeklagte wegen Betrüge» vor- bestraft ist. zu gering. gez.: Parchwitz. Die Behauptung, daß Genosse Studt wegen Betrug«» vorbestraft sei, trifft n i ch t z u. W o h e r sie der Oberstaats- anmalt hat, würde zweifelhaft erscheinen, wenn nicht Herr Parchwitz bereits bei früherem Anlaß eine überaus traurige Rolle in der Justiz gespielt hätte. Noch dem Ableben des Reichspräsidenten Ebert hat nämlich Parchwitz eine Klage abgewiesen, die sich gegen einen Post- s ch a f f n e r richtete, weil dieser neben anderen schmähenden Aeußerungen gegen die Republik über Eberl gesagt hatte: ..Gott sei Tank, daß der Hand krepiert ist.« Formaljuri st ische Vorwände mußten dazu herhalten, um die Erhebung der Klage abzulehnen. Der Preußische Richterverein, den Parchwitz zu seiner Ehren- rettung anrief, hat, wie nicht anders zu erwarten war, sich hinter den Oberstaatsanwalt gestellt, der«ine so üble Schmähung des verstorbenen Reichspräsidenten nicht ahnden zu können'glaubte. Es gehört wenig Phantasie dazu, um herauszufinden, daß das politische V o r u r t e i l des Oberstaatsanwalts bei der Unterlassung der Klage gegen den Schmäher des Reichspräsidenten und bei seinem fanatischen Eintreten für den Ehrenschutz eines monarchistischen Rektors eine ent- scheidende Rolle gespielt hat. Für das Wort„Schulmeister" gegen einen Monarchisten sind 20 M. Strafe zu wenig. Für den„verreckten Hund" gegenüber dem verstorbenen Reichs- Präsidenten existiett kein Republikschutzgesetz... Das sind die Leute, die in Deutschland die Rechtsprechung ausüben und dann furchtbar e n t r ü st e t sind, wenn von einer Vertrauenskrise in der Justiz die Red« ist. Wenn irgendwo, so hätte hier das Justizministerium nach dem Rechten zu sehen und dafür zu sorgen, daß gleiches Recht für alle Deutschen wird. Vescherung der Gtandesherren. Reichskabinett wünscht Aufwertung der Staatsrenten. Die Liquidationsgeschädigten warten drin- gend auf eine glückliche Regelung ihrer Ansprüche. Aber das Bürgerblockkabinett hat es damit nicht eilig. Erst knapp vor den Weihnachtsserien konnte sich der Reichstag zum ersten Male mit der Regierungsvorlage befassen. Auch die Renten der Standesherren bedürfen einer gesetzlichen Neuregelung. Diese Herren verlangen die Aufwertung von staatlichen Renten, die das heutige Rechts- empfinden als unsittlich empfindet. Preußen vor allem hatte unter der Aufdringlichkeit der erlauchten Herren zu leiden. Die preußische Regierung wurde deshalb wiederholt bei der R e i ch s r e g i e r u n g vorstellig, um auf ein« reichs- gesetzliche Zurückweisung der Standesherren zu drängen. Vergeblich. Am Weihnachtsabend rückt die Reichsregierung nun plötzlich mit folgender Mitteilung heraus: Wie in der Presse teilweise bereit» mitgeteilt worden ist, hat sich da» ReichskabineU in seiner letzten Sitzung vor Weihnachten mit dem Gesetzentwurf über Auswertung und Ablösung älterer Staatsrenten und ähnlicher Renten(Standesherrenrenten) abschließend befaßt. Der Gesetzentwurf lehnt sich an die Grundsätze der Aufwertungsgefetzgebung an und wahrt nach Auf- fasiung der Reichsregiervag in besonderer Weis« auch die Interessen des Staate». Renten, deren Inhalt nach den Anschauungen der heutigen Zeit als unsittlich angesehen werden inuß. gelten als«r- loschen. Der Gesehentwurs ist zuvor In allen Einzelheilen mit der preußischen Slaotsregierung deutschgcsprochen worden, wenngleich hierbei eine restlose llebereinslimmung nicht hat erzielt werde« können, glaubte die Reichsregierung in Anbetracht der dringenden Notwendigkeit einer baldigen gesetzlichen Regelung dieser Materie den Gesetzentwurs numnehr beim Rcichsrat al» Regierungsvorlage einbringen zu sollen. Nach diesen Eröffnungen darf man ermatten, daß die Porlage mehr ein Weihnachtsgeschenk für die Standesherren wie für die preußische Regierung ist. Krupp hat kein Geld für Arbeiter. Trost der Riesengewinne.- Bereicherung auf Kosten alter Arbeiter. Essen. 24. Dezember. Bor der 10. Zivilkammer de» Essener Landgericht» wurde heute mittag das U r t» i l in dem Prozeß, den die Kruppschen Beamten- und A r b e i t e r p e n s i o n ä r e gegen die Firma Krupp auf Weiterzahlung der Penstonen angestrengt hatten, verkündet. Der Prozeß ist für die Klägerpartei verloren- gegangen. In der Begründung wird betont, daß die in Frage kommende Satzungsbcstimmung gesetzesgemäß dem Willen und dem Sinne nach auszulegen ist. Daß aber der Will» der Firma Krupp daraus ge- richtet war. bei der Uebcrnahme der Pensionskasie keine persönlichen Verbindlichkeiten über die BermögensverhSltnisie der Kaste hinaus zu übernehmen, gehe auch au» der Vernehmung der Zeugen klar her. vor. Nach Lage der Dinge mußte daher die Klage der Pensionäre iostenpslichtig abgewiesen werden. versonalreform in der Justiz. Die Pcrsonalresorm in der Justizverwaltung in Preußen ist abgeschlossen. Ihr Wesen besteht darin daß das Personal nach modernen und kouimönnischen Grund- ägeu umgeschichtet worden ist. Eine Denkschrift über die Reform wird demnächst erscheinen. Geschichte einer Weihnachtsgratifikation. »Ra, diesmal wird das personal mit seiner Gratifikastov»Zreilich, 0,e Seiten sind schlecht, man muß sparen...« zufrieden sein...« .Außerdem- was tun die Leute mit dem vielen Geld? Sie versaufen's doch nur.. »Die Direktion hat beschlossen, jedem über zehn Lahre im Wert befchästigten Arbeiter ein Weihnachtsgeld von einer Mark fünfzig Pfennig auszuzahlen!« Die deutsch-polnischen Verhandlungen. Die bisherigen Ergebnisse. In den Ho»rdelsoettragsoerhondlungen mit Polen ist au» Anlaß dcr Feiertage eine Pause eingetreten. Die deutsche Delegation ist nach Berlin zurückgekehrt. An die Besprechungen Streseinann-Iockowiki hatten sich bekanntlich zunächst Verhandlungen zwischen den beiden Delegationsführern angeschlossen mit dem Ziele, zunächst da» Der- Handlungsfeld abzustecken. Man hat sich dabei darüber geeinigt, nicht nur die beiderseitigen Kampfmaßnahmen aufzuheben und daneben gegenseitig einige Kontingent« auszutauschen, sondern einen kleinen Handelsvertrag abzuschließen. An diese Besprechungen der Delegationsführer haben sich dann die eigentlichen Delegationsoerhandlungen angeschlossen. Gegenstand der bisherigen Dclegationsverhondlungen war. sestzustellcn, welch« Gegenleistungen Polen für die deutschen Angebote auf dem Gebiete der Einsuhr von Schweinefleisch und Kohlen zu machen -bereit ist. In dieser Frage kann ein gewisser Fortschritt scstgestclU werden: jedoch tonnte ein« völlige Einigung darüber so- wohl in einem grundsätzlichen Punkte als auch In Einzelheiten noch nicht erzielt werden. Bei der Wiederaufnahm« der Delegation»- Verhandlungen zu Beginn des nächsten Jahre» wird zunächst darüber eine völlige Klärung herbeigeführt werden müssen. Die bisherigen Berhandlungen haben erkennen lasten, von ivelch grundsätzlicher Bedeutung für beide Teile die weiteren Absichten der polnischen Regierung hinsichtlich der Dalorisierung der pvl- nischenZolltarifsätze sind. E, liegt auf der Hand, daß jede Diskussion über die Höhe der polnischen Zollsätze solange in der Lust hängt und zu festen Abmachungen nicht führen kann, als man sich auf der polnischen Seite selbst über diese grundlegend« Frage noch nicht schlüssig geworden ist. Amnestie in Preußen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, ist die Zahl der Gnadenerweise in Preußen anläßlich de» 80. Geburtstages des Reichspräsidenten inzwischen auf über 12000 g« st legen. Dabei ist in zahlreichen Fällen der Entlasiungstermin so bestimmt worden, daß die Begnadigten das W e i h n a ch t» f e st in Freiheit verbringen können. Verhandlungen mit Trohki? Bedingungen für feine Wiederaufnahme. Wie aus Moskau verlautet, sollen durch Vermittlung Kalmin» zwischen Trotzt, und Stalin Berhandlungen im Gange sein. Trotzt! wird angeblich die Bedingung gestellt, dahersichoonder Frattionsbildung lossage, sich dem Zentralkomitee unter- werfe, sich noch dem Süden Ruhlands begebe, und die Beziehungen zu den ausländischen Opposttionsgruppen auflöse. Unter diesen Bedingungen könnte er sogar wieder in die Partei aufgenommen werden._ Das Paradies der pogromiste«. Geringe Strafen für die Pogromhelden von Großwardeln. Bukarest. 24. Dezember. Am Freitag abend wurde das U r t e i l Im Prozeß gegen neun Studenten wegen der Ausschreitungen in Großwardeln gesällt. Vier Studenten wurden zu je 10 Tagen Gefängnis, drei Studenten zu jc eine»i und zwei Studenien zu je zwei Mo- Baten Kerker verurteilt. Das Militärgericht hat dieses Urteil auf Grund der Zeugenaussagen und der vorgelegten Dokumente gefällt. au» denen hervorging, daß die Angeklagten an den Demonstrationen teilgenommen und au» den Synagogen Parament« gestohlen haben. Bei Bemessung de, Strafausmaßes wurde das jugendliche Alter der Angeklagten und ihre bisherige Unbescholtenheit in Betracht gezogen. Die Studenten erklärten noch einmal, daß sie provoziert(!) worden seien. Um 7 Uhr abend» zog sich da» Gericht zur Beratung zurück und verkündet« nach einstündlgcr Beratung da» Urteil. Au Kundgebungen Ist es noch der Urteilsverkündung nicht ge- kommen. Militärstreik in persien. Widerstand gegen Heeresdienst. Teheran, im Dezember.(Eigenbericht.) Der Widerstand gegen dt« allgemein« Wehr- Pflicht dauert trotz aller Bemühungen der Regierung an. Die Einziehimg der Dienstpflichtigen geht mir unter großen Schwierigkeiten vor sich. In Ispahan haben die Ausgehobenen Widerstand gegen ihre Einziehung geleistet. Die Basare waren zum Zeichen de» Prot« st es geschlossen. Auch in Teheran ist da» Wzrt- schoftsleben au» den gleichen Gründen für einige Zeit stillgelegt worden, verschiedene andere große Städte Persiens sind dem Bei- spiele der Hauptstadt gefolgt. Mord unterm Weihnachtsbaum. Oer Täter stellt sich der Polizei. Der kriegsbeschödigte Arbeiter Otomy stellte sich gestern der Polizei und gab an. seine Frau getötet zu haben. Es habe sich zwischen ihnen plötzlich«in Streit entsponnen, die Frau habe in der Küche ein Messer geholt und ihn bedroht, er habe ihr da» Mesier entwunden und sie im Zorn gewürgt. Zu seinem Schrecken habe er plötzlich entdeckt, daß sie tot sei. Beamte des Reviers Oudenarder Straße eilten in die Wohnung des Otomy und fanden die Frau unter dem Weihnacht»- bäum tot daliegen. Reben der Leiche lag ein langes Küchen- mesier. Di» Angaben de» Täters werden nachgeprüft. Ozeanflugzeug verloren. Selbstmörderische Rekordsucht. hearst Eontevt(Neufundland). 24. Dezember. Die Western Unionstation meldet: Das Flugzeug„vawn" ist bisher von keiner kllstenstoklon gesichtet, wie der Meteorologe fcimball einem verlreler der Associated Preß erklärt, hat das Weiler- bureau vergeblich versuch«. Frau Groyson von dem Plane eine» wlnierozeaasluges abzubringen. Nombenexplosion in Buenos Aires. Vueav» Ale«,. 24. Dezember. Durch eine Vombenexplosiou in dem vierstöckigen Ge- bände der Filiale der National Eltybonk os New Port wurden zwöls bis fünfzehn Personen zum Teil schwer verletzt. Der Sachschoden ist beträchtlich. Nach einer ergänzenden Meldung des Nenter-Burcau» ist in Buenos Aires auch in dcr Filiale dcr First Nalionalbank«f Boston eine Bombe explodiert. Niederlagenstrategie. Wo Kommunisten als Gewerfschastsführer auftreten. tlcBer die Niederlaaenstrategie der Ü�IZD. braucht kaum noch etwas gelagt zu werden. Immerhin ist dieser Strategie in Deutsch- le.nd durch die starken Organisationen der Gewerkschaften eine Grenze gezogen. Es gibt aber ein Land, in dem kommunistische G.'werk- jchaftsstrategen ihr« Kunst erproben durften: die Tschechoslo- wakei. Vor kurzem hat der Porteivorstand der deutschen Sozialdemo. kratischen Arbeiterpartei in der tschechoswwakischm Republik eine Schrift herausgegeben„Kommunistische Theorie und Praxis", die man nicht ohne tiefe Erschütterung liest. Mr er- fahren daraus die folgenden Tatsachen: In der Tschechoslowakei haben die Kommunisten den freien Gewerkschaften rund eine halbe Million Mitglieder abgenommen, davon konnten sie aber für chre eiegnen Organisa- tionen nur 76 000 Mitglieder gewinnen. Der organi- satorische„Erfolg" der kommunistischen Gcwwkschastsarbest zeigt sich besonders in ihren Hochburgen. Im Gebiet von Mährisch- O st r a u sind von 40 000 beschäftigten Bergarbeitern kaum noch 1 6 00 0, in K l a d n o von 13 000 imr noch 3600 organisiert.„Es hat sich im Laufe der Zest bewiesen," so heißt es in der Schrift,„daß jeder kommunistische Sieg, ganz gleich, ob bei öffent- lichen Wahlen, ob bei Wahlen in die Betriebsausschüsse oder ob bei Wahlen in die Gewerkschaftsgruppen, zu einer schweren Nie- derloge der Arbeiterschaft geworden ist. Vieterofts unterscheidet sich die Tätigkeit der kommunistischen Funktionäre durchaus nicht von den Gelben." Besonders schlimm haben die Kommunisten in den Berg- orbeitcrreviercn gehaust. Dos Organ der freien Gewerk- fchast stellt darüber folgendes fest: Am 8. August 1923 wurde in Mährisch-Ostrau mit den Unternehmern ohne jeden Kamps ein ISprozentiger Lohnabbau vereinbart. Im Januar 1924 verzichteten die Führer der kominu- nistischen Bergarbeiterorganisation in Kladno ohne jeden Kampf und gegen den Willen der Mehrheit der Arbeiter zu- gunsten der Grubenkapitalisten, Sonnabends eine oerkürzte Schicht von 6 Stunden zu verfahren. Im September daraus bewillig- t« n die Kommunisten des gleichen Reviers den Umernchmern einen Lohnabbau im Ausmaß von 40 Vrozenk. Im April 1926 hegten die Kommunisten unter der Führung ihres Sekretärs Franz Trlik die Bergarbeiter dieses Reviers in� einen aussichtslosen Streit, der mit einer vollständigen Niederlage endete und den Unternehmern endlich die erwünschte Ge- legenheit gab, 6000 Bergarbeiter zu entlassen. Der konununistische Führer Trlik ging noch dem Streik zu dm kapitaNslm über. Auch aus einer Reihe anderer Berufe werden Beispiele dafür erbracht, wie von den Kommunisten gewerkschaftliche Kämpfe ge- führt werden. Im Reichenberger Vertragsgebiet der Textilar- beiter, das gleichfalls zu den kommunistischen Hochburgen gehört, hatten die Kommunisten am 1. Dezember 1926, ohne die anderen Organisationen zu fragen, den Lohnvertrag gekündigt. Die freie Gewerkschaft schloß sich der Kündigung an und überreichte gleich- zeitig die Forderung nach einer 16prpzentig«n Lohnerhöhung. Die Unternehmer aber lehnten jede Lohnerhöhung ob und verlangten, daß der Vertrag einfach verlängert werden solle. Während die frei« Gewerkschaft den Kamps aufnehmen wollte, wurde das D i k- tat der Unternehmer gemeinschofllich von Sommunistm und Christlichen unterschrieben. Im April 1926 würbe von dm Kommunisten in der Spiroschen Papierfabrik in Krummau ein Streik inszeniert. Nach mehreren Wochm mußte die Arbeit wieder ausgenommen werden, zwischen dem kommunistischen Derbond und der Fabrikleitung wurde ein Protokoll vereinbatt, in dem folgende Bedingungen enthalten sind: Di« Arbeit wird ohne das gering st e Äugest änd- n i s wieder ausgenommen, alle Arbeiter, die wegen dieses Streiks gerichtlich abgeurteilt werden, werden entlassen: mit der Wie- bercmssiahme der Arbeit beginnt für alle ein neues Arbeits- Verhältnis: die Streikbrecher werben nicht entlassen. die kommunistisch« Streikleitung verp stichlet sich, die Streikbrecher ,v schuhen! Noch ein Beispiel von kommunistischer Kampfführung aus der jüngsten Zeit. In Prag haben die Bauarbeiter, die unter kommunistischer Leitung stehm, einen siebenwöchigen Streik geführt, dm sie Ende September bedingungslos abbrechen muß- tm. Das„Politbüro" der Kommunistischen Partei hatte d i e Streikparole ausgegeben: die Arbetter sind vorher gar nicht erst um ihre Meinung befragt worden. Ießt hat man sie wieder an ihre Arbeitsplätze geschickt, ohne daß der geringste Er- folg errungen warben wäre. Genug dieser Beispiele. Nach einem verunglücktm Streik in Ostrau, bei dem 48 Proz. der Belegschaften ihren Urlaub ver- loren haben, 10 Proz. der Belegschaft a b g e b a u t wurden und es der freien Gewerkschaft nur mit Mühe gelang, den alten Tarifvertrag zum Schutze gegey wettere Verschlechteningen zu er- halten, trat der Vorsitzende des kommunistischen Verbandes Konopa aus seiner Partei aus und in einer öffentlichen Erklärung rief er den irregeführten Arbeitern zu:„In eurem eigenen Interesse rechnet mit jenen ab, die die starke Arbeiterbewe- gung, die einheitlichen Gewerkschastsorganisa- tionen zerstört haben und die euch nichts anderes als f a n a- tische Parteidemagogie brachten. Rechnet mtt jenen ab, denen euer Elend gleichgültig ist und die aus ihm den Gegmstand politischer und wirtschaftlicher Experi- m e n t e machen, hinter die sie ihre moralische u n d s i t t l i ch e Versumpfung und organisatorische Untahigkett v e r st e ck e n." Saisonarbeiter und Arbeitslosigkeit. Oer Kampf um die Wartezeit. Gegen die Perordnung, die der Verwaltungsrat der Reichsanstalt unter dem 2. Dezember über die Wartezeit für Arbeits- los« erlassen hat, wird der Protest in der Arbeiterschaft und vor allem bei den von der Verordnung besonders hart getroffenen Saisonarbeitern von Tag zu Tag stärker undjchärfer. Die vyn uns bereits mitgeteitte Verordnung bestimmt: Sowett es sich um Arbeitslose aus Betrieben handelt, die in unmittelbarer Folge von Witterungsverhältnissen alljährlich in der Regel eingeschränkt oder zeitweilig eingestellt werden, beträgt für sie die Wartezeit zwei Wochen, wenn sie mindestens insgesamt sechs Monate in den letzte» zwölf Monaten vor der Arbeitslos- Meldung in solchen Betrieben tätig waren, und d r e.i W o ch e n. wenn die Beschäftigung entsprechend acht Monate gedauert hat. Diese Bestimmung ist für alle Gewerbe mit saisonmäßiger Ar- beitslosigkest, wie Land- und Forstwirtschaft, Gärtner. Baugewerbe und Ziegeleien von einschneidender Bedeutung und verdient dabei die größte Beachtung. Der Verwaltungsrat der Reichsanstalt für Ärbeitslosenpersicherung und Arbeitsvermittlung ging bei seiner Ver- ordnung davon aus, daß es Saisonarbeiter gibt, die während der stillen Zeit gewohnheitsmäßig nicht in Arbeit stehen. Man dachte vor allem an landwirtschaftliche Gebiete, aus denen die arbeitsfähigen Personen im Sommer zum Baugewerbe oder zu den Ziegeleien abwandern und in den Frostzeiten nach Hause zurückkehren. Nur derartige Fälle sollten unter die Ausnahmebe- stimmung fallen. Dogegen soll für Arbeitslose, die in der Zeit des Beschäftigungsrückganges oder Stillstandes anderweitig Er- satzarbeiten zu übernehmen pflegen, eine solche aber wegen der Ungunst des Arbeitsmarktes nicht finden können, die Wartezett durch den Verwaltungsausschutz des Landesarbetts- amtes bis auf eine Woche oerkürzt werden. Eine Verlängerung der Wartezeit, aber kein« gesetzliche, kommt ferner in Betracht für Arbeitslose aus Betrieben, die in nur mittelbarer Folge von Witterungsverhältnissen oder aus anderen Gründen eingeschränkt oder zeitweilig eingestellt werden. Als mögliche Beispiel« werden von den Erläuterungen genannt: Tonröhrenwerke, Zementwerke und Betriebe der Kunststein- Industrie. Hier tritt kein« automatische Verlängerung der Wartezeit ein, sondern der Verwaltungsausschuß des Londesorbeitsamtes kann die Wartezeit bis aus drei Wochen ver- längern. aber auch nur dann, wenn die Arbeitslosen in der stillen Zeit aewohnheitsgemäß keine andere Arbeit anzunehmen pflegen. Für Angehörige der Schiffsbesatzung eines deutschen See- fahrzeuges die noch einer seemännischen Beschäftigung von sechs Wochen arbeitslos werden, beträgt die Wartezeit eine Woche. Zu beachten ist ferner, daß die verlängerte Wartezeit nicht in Frage kommt in den Fällen, in welchen sie beim Inkrafttreten der Verordnung bereits llef. Keine Anwendung finden die neuen Be- ftimmungen dort, wo(nach§ 110, Absatz 2 des Gesetzes) überhaupt keine Wartezeit auferlegt werden darf. Verlängerte Wartezeit auf Grund der gleichen Beschästigungszeit darf nur einmal angewandt werden. Kommt der Arbeitslose vor Ablauf der verlängerten Wartezeit neu in Arbeit und wird er rasch wieder arbeitslos, dann verlängert sich sein« neue Wartezeit nur um den noch fehlen- den Rest der verlängerten Wartezeit. Alle diese Bestimmungen müssen genau beachtet werden. Bei einer sozialen Handhabung der Verordnung können die Landes- arbeitsämter, gestützt auf die Erläuterungen, viele Härten gegenüber den Saisonarbeitern vermeiden. Und das ist für den Augenblick das Wichtigste. Darüber müssen die Arbeiterbeisitzer in den Au-schüssen der Landesarbeitsämter wachen. Im übrigen bedürfen die Bestimmungen ver Revision. Zpo.-eksndsknsrZ «m vonner«t> Schinkels Fests- dem 29. Oez. 1927, abends 7(19 Uhr), findet in i. Verlin SO, Druckenstr. 2(a. d. Iannowitzbrücke) eine Gitzung aller im Einheitsverband der Eisen- bahner Deutschlands organisierten GpD.-Genossen statt.— Das Erscheinen oller Parteigenossen sowie rege Pro- paganda für diese Sitzung ist Pflicht eines jeden.— Partei- und Mitgliedsbuch legitimiert. Der Werbeausschuß. Vankewtterklärung. »Heute ist die Situation leider noch nicht so.� „Kampf um den Achtstundentag trotz alledem"— schrett die „Rote Fahne" nochmals. In Wirklichkeit gibt sie zu. daß die KPD. unfähig ist, selbst«inen Kampf zu führen. In Erkenntnis ihrer Unfähigkeit will sie die Gewerkschaften„einsetzen". Sie be- hauptet täglich, die Mafien verlangen stürmisch den Kampf. Was- aber muß sie jetzt, von uns gezwungen, Farbe bekennen, eingestehen? „Mit dem Augenblick, wenn die in Frage kommende Ar- beiterschaft in ihrer großen Mehrhett dies erkannt hat, und be- reit ist. wenn es fein muh, auch gegen die reformistische Gewerk- schaftssührung den Kamps aufzunehmen und durchzu- führen, wird die Kommunistische Partei keinen Augenblick zögern, diesen Kampf zu führen, heule ist die Situation leider noch nicht so, bis heute hat es leider die reformistische Bureaukratie durch ihre Täuschungsmanöver verstanden, einen großen Teil der Ar- beitermassen hinter sich herzuschleppen oder passiv zu machen. Sic mag sich defien rühmen, aber dafür trägt s i e auch die oolle� Per- antwortung für all das, was jetzt im Ruhrgcbiet geschieht." Also heut« ist die Situation n o ch n i ch t s o, daß die Massen zum Kampf bereit sind. Daß ein großer Teil der Arbeiterschaft zu den Gewerkschaften steht und auf die Parolen der KPD. pfeift, stimmt.' Der andere, leider noch größere Teil, wo steht aber der? Er steht im Lager der Indifferenten und zu einem kleineren Teil, der Christlichen. Sehr viele dieser Indisfcrenten sind einmal der KPD. nachgelaufen. Die KPD. hat im Ruhrgebiet eigen« Gewerkschaften aufgezogen. Ueber dieses allerdings heikle Thema schweigt sich das Stalin-Blatt wohlweislich aus. Es erklärt nur. daß die KPD. jede Verantwortung ablehnt und von den Gewerkschaften oerlangt, einen Kampf zu führen, den die KPD. zu führen unfähig ist. Dieses verantwortungslose Gerede ist eine unverhüllt« Bankrotterklärung. Wie der russische Arbeiier lebt. Er ist nicht zu beneiden. Die„Stattstika Truda" brachte in ihrer Nr. 6/6 S. 36 eine Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben eines oerheirateten Industriearbeiters in den Provinzstädten der Sowjetunion, die mit unoerhüllter Deutlichkett zeigt, wie es in Wirklichkeit mit dem so oft gepriesenen Wohlstand des russischen Arbeiters bestellt ist. Der Sta- tfitik, d« kür die Monate Oktober, November und Dezember des Jahres 1926 aufgestew ist. liegen Umfragen in 132 Haushaltungen mtt 537 Personen zugrunde. Es betrug danach dos Arbeitseinkommen — Arbeitslohn»es Familienhavpws und der Familienangehörigen— im Oktober 1926 insgesamt 66,75 Rubel, im November 67,54 Rudel und im Dezember 71,28 Rubel. Rechnet man zu diesem reinen Arbeitslohn noch die sonstigen Einnahmen hinzu, wie z. B. Sozialversicherungsrenlen, Einnahmen aus der Eigenwirtschaft, Der- Wendung von Ersparnissen usw., so ergibt sich ein Gesamteinkommen von 86,71 Rubel, 90,64 Rubel und 86,92 Rubel. Hierzu sei gleich be- merkt, daß der russisch« Rubel etwa der Kaufkraft einer Mark ent- spricht. Die Gesamtausgaben betrugen in den gleichen Monaten 82,86 bzw. 90,54 bzw. 84,79 Rubel. Interessante Aufschlüsse über die Lebenshaltung gibt die Statistik durch die detaillierten Angaben über die Art der Ausgaben. Für Wohnung, Heizung und Licht wurden verausgabt im Oktober 10,48 Rubel, November 11,62 Rubel, Dezember 10,61 Rubel. Die Ausgaben für Ernährung betrugen in den gleichen Monaten 34,96 Rubel, 36,75 Rubel und 37.15 Rubel, die für alkoholische Getränke 2,66 Rubel, 2,67 Rubel und 3,82 Rubel, für Bekleidung 22,71 Rubel, 28,99 Rubel und 21,43 Rubel. Die Ausgaben für kulturelle Zwecke bcliefen sich aus 0,95 bzw. 1,03 bzw. 1,19 Rubel. Hierzu kommen noch ver- schiedene kleinere Ausgaben, so daß es dem Arbetter nicht möglich ist, irgendwelche Rücklagen für Notfälle und dergleichen zu machen. Entgegen den Erklärungen der sogenannten Opposition wird von den amtlichen Stellen der Sowjetunion behauptet, daß der Reallohn des russischen Arbeiters ungefähr den Vorkriegsstand wieder erreicht habe. Die Regierungsstellen weisen besonders darauf hin, daß die für Ernährung verbrauchten Kalorien jetzt bedeutend höher seien als in der Vorkriegszeit, obwohl über den Kalorienverbrauch der Vor- kriegszeit gar kein« genauen Unterlagen vorhanden sind. Wenn schließlich in den letzten Jahren wirklich eine gering« Besserung in der Lebenshaltung des russischen Arbeiters eingetreten sein sollte, so ergibt sich doch aus der unbestreitbaren Tatsache, daß die Lebens- Haltung des nissischen Arbetters in der Borkriegszeit hundsmiserabel war, daß die russischen Arbeiter heute noch weit davon entfernt sind. mit ihren Lebensbedingungen den Neid der deutschen Arbeiter zu erwecken. Internationale Aktion der Kraftfahrer. Am 19. und 20. Dezember tagt« tn Amsterdam der Kraft- fahrerbeirat der Internationalen Transport- arbeiterföderation. Vertreten waren Frankreich, Groß. britannien, Deutschland, Oesterreich, Schweiz und Holland. Die Organisationen von Dänemark, Schweden und Fftintaid entschuldigten ihr Fernbleiben. Sekretär Nathans skizzierte die künstigen Aufgaben des Kroftfahrerbeirats und schlug als dessen Vorsitzenden Forstner (Oesterreich) vor, der auch einstimmig gewählt wurde. „Die Pariser Beschlüsse der Kraftfahrer und deren verwirk- lichung" bildeten den Gegenstand ausführlicher Besprechungen, die zur einmütigen Annahme eines inkernatiooalen Programmes für die Verufskrafkfahra führten. Dieses Programm enthält Mindestforderungen über das Dienst- und Arbeitsverhältnis der Berufskroftsahrer. Das Programm wird den behördlichen und gewerkschaftlichen Stellen, außerdem auch den nicht angeschlossenen Ärastsohrer- verbänden zugeschickt, mtt der Aufforderung, sich für dessen Verwirklichung einzusetzen. Um die Kraftfahrer aller Länder mit seinem Inhalt vertraut zu machen und sie für die gemeinsame Aktion zu gewinnen, soll das Protokoll zunächst in sechs Sprachen übersetzt, in Broschürenform herausgegeben werden. Zum Punkt 4:„Die Internationale Arbeitskonferenz in Genf vom Jahre 1928 und die Kraftfahrer" beschloß der Beirat, einen Be- richt über die Unsallgesahren für Berufskraftfahrer ausarbeiten zu lassen und genannter Konferenz zu unterbreiten. Darin sollen ins- besondere behandelt werden: 1. Vergiftungen durch Kohlenoxyd- gase: 2. Verletzungen durch Andrehkurbeln: 3. sehlende Bremsen auf Anhängewagen: 4. Nervenerkrankungen infolge Ueberanstrengung. Schließlich wurde noch beschlossen, daß die der ITF. onge- hörigen Organisationen verpslichtet werden sollen, den in ihrem Lande zum vorübergehenden Aufenthalt befindlichen Mitgliedern einer der ITF. angeschlossenen Organisation Rat und werktätige Hilfe, Rechtsschutz und Unterstützung im Rahmen der gesetzlichen Be- ftimmungen nach den in chren Satzungen festgefetzten Grundsätzen m demselben Ausmaß wie den Mitgliedern der eigenen Organisation angodeihen zu lassen. Zu diesem Zwecke werden u. a. besondere. von der ITF. auszugebende Marken in die Mitgliedsbücher oder -karten der Betreffenden eingeklebt. Ferner wird dem nächsten Bolltongreß der ITF. ein Antrag unterbreitet, daß die Interessen der Berufskrafttahrer nur dann wirkungsvoll vertreten werden können, wenn die Berufskraftfahrer ohne Ünterfchied der Kategorie in jedem Lande der zuständigen Organisation angeschlossen find, d. h. der Landeszentrale der Ge- werkschaften des betreffenden Landes und der ITF. angehören. Die britischen Gewerkschaften. Für die Ratifizierung der S-Stundentag-Konvenfion. (IGB.) Eine Abordnung des Generalrates des Britischen Gewerkschastsbundes(TUE.) sprach beim Arbeitsmini st er vor, um sich für eine definitive Erklärung der Regierung in bezug aus ihre Absichten in Sachen der Ratifizierung der Washingtoner Achtstundenkonvention einzusetzen. Die Delegation wies auf die vom letzten Gewerkschaftskongreß in Ed in- bürg einstimmig angenommene Resolutson hin und stellte mit Nachdruck fest, daß die Regierung immer noch nicht dazu übergegangen sei, durch die Ratifizierung der Kon- v e n t i o n die Unterschriften ihrer Vertreter der Washingtoner Konferenz zu ehren. Hingegen führte sie Gesetze ein, die Groß- britannien unter den Nationen der West immer mehr in Mißkredit bringen. In der Tot ist Großbritannien das einzige Land. das an der Londoner Ministerkonferenz des Jahres 1926 teilnahm und seither keinen einzigen Schritt zur Ratisi- zierung der Konvention gemacht hat, während Belgien ohne Vorbedingungen und Frankreich sowie Italien mir Borbedin- gungen ratifizierten und Deutschland, wenn auch zögernd, sich in der Richtung der Ratifizierung bewegt. Der Delegation, die vom Präsidenten des TUE., Ben T u r» n e r. geführt wurde, gehörten wester an: G. H i ck s, E. L- P o u l- ton, Miß Julia B a r l e y und der Sekretär W. M. C i t r i n e. _ Morgen, am 2. ffriertag, foTttrr.b« BeranstalUing: Nord, ntd Wcstdrr.s: llnt ISVj Uhr äBt U);'.ad,t3'C irr im Bagcnd- fjeirn vchonftcdtstr. 1 tLedigenhc.m)." BtramtMttIttf) für Politik Dt Gntl»euer; Bin fftaf;:®. Rliiigcftäferj Sewerklchaftobewcgung: Hr. Cgiorn; Reu. tief Ott; S. S. Döld.cr- üotalei .""5«attfodl! iln«tocn. Tg(SUxfc;(aratlid) in ittlrn Sftlaa. l'oriDatls.$frio9(6 rn b£> Berlin Itucf: Botroutts-Budibtuilrt«! uni f-ftlaaeanftal' Paul Sinaei n tto Berlin S® So ü S. »1«W t Beilagen.„Unte o-ltuns und«issea-,«n, her gUmweltt a»d„ikranensfimmr". is-langfhsf'iger Kred'ii-auch ohne Anzahtum *r. 609 ♦ 44. Jahrgang l. Beilage des Vorwärts Sonntag, 15. Oezember 1927 Mag die Sitte der Weihnachtsfeiern in ihrer heutigen Form auch noch verhältnismäßig jung sein, darin sind sich wohl alle einigr Ohne Weihnachtsbaum gibt es kein ordentliches Weihnachtsfest. Selbst die Berliner, die doch noch vor hundert Iahren fest auf die„Per- jamite' oder die ölpapierne Krone schworen, sind jetzt restlos zum Weihnachtsbaum bekehrt. Und wenn von irgendeinem Menschen zu befürchten steht, daß er das Fest ohne eigenen Weihnachtsbaum ver- leben müßte, dann wird er sicher von irgendeiner Seile zur Weihnachtsfeier eingeladen. Jeder Junggeselle kriegt, wenn er'nicht Krankheit oder Verreistsein vorschützt, seine Einladung, die frellich nicht immer bloß von christlicher Nächstenliebe diktiert wird: denn niemals kann man das Familicnglück so in bengalischer Beleuchtung zeigen, wie unterm Weihnachtsbaum, und die vorschriftsmäßige Pfefferkuchensentimentalität macht auch hartgesottene Junggesellen- herzm butterweich: wenn dann im richtigen Augenblick eine Cousine aus Pillkallen oder Finster wald« zur Hand ist, dann kann es leicht die mit Recht so beliebte Derlobung unter dem Weihnachtsbaum geben! Die„armen Leute" kriegen von unzähligen Vereinen und Verein- chen beschert, und unter denen,„die darauf zu laufen wissen", soll es Bescherungsspezialisten geben, die Weihnachten vollauf zu hin haben, um olle Bescherungseiilladungeir zu erledigen. Eo richtige. dekorative Armut ist zu Weihnachten durchaus ein gefragter Artikel, man kann sich mit ihrer Hilf» so schön„sozial" und wohltätig dra« Pieren, und dieser Mantel deckt manchen anderen Fehler zu. Di« Heilsarmee mit ihren bewährten Instinkten für billige und zug» kräftige Propaganda weih das ganz genau, darum sorgt sie dafür. daß ihre Weihnachtsbcschcrungen, ihre Weihnachtsspeisungen und der„Weihnachtsbaum für alle" möglichst weiten Kreisen bekannt werden: das Nochrechnen von Zahlen ist immer, und besonders zu Weihnachten eine recht unbellebte Beschäftigung, und so kommt wohl niemand darauf, daß die Zahl von hundertzehn beim Wcihnachts» mahl gespeisten alten Leuten, von Hmidert-ivanzig bescherten Kindern auch dann in keinem richtigen Verhältnis zu der aufgewendeten Propaganda steht, wenn man noch die anderen, die nur Lebensmittel empfangen, dazu rechnet. Ueberhoupt sollte endlich Schluß mit dieser Ausstellung eigner Wohltätigkeit und fremden Elends gemacht werden. Wie tot, wie fühllos uirtcr den harten Griffen der Rot muß die Seele des� Armen ge- worden sein, der ohne Scham mib Zorn sein Elend unter fremdem Weihnachtsbaum zur Schau gestellt sieht. Weihnacht der erlösten Kinder. Außer der Heilsarmee haben das freilich auch die Wohlfahrts» institulionen zumeist begriffen, ver„Verein zum Schuhe der Sinder vor Ausnutzung und Mißhandlung" verzichtet für den größten Teil der von ihm Betreuten aus jede„vereinsbescheruug". Hochgestapelt liegen in den primitiven Räumen des Vereins allerlei Pakete. Hier holen Eltern und Pflegeeltern sich die Gaben ab, um sie zu Hause unter dem eigenen Weihnachtsbaum wieder aufzubauen. Kein Kind darf die Weihnochtsstiib« betreten. Muß einem Kind der Mantel ober ein Kleid anprobiert werden, dann gibt es ein lustiges Spiel: Die Augen werden verbunden und die Hände festgehalten, damit ja nichts von der Weihnachtsüberraschung verloren geht. Gewiß sind viele der Sachen alt, das Spielzeug ist gebraucht, aber alles ist sauber hergerichtet, mliwestens ein neues Stück liegt bei jedem Paket. Die Spenden kommen hier nicht immer von den„wirklich reichen Leuten": die stehen der Rot zu fern, um derart persönliche Gaben zu finden, wie die kleine, sorgsältig gehaltene Puppenstube, die hier aus einem kleinen Wäschestopel ihrer neuen Besitzerin entgegen- träumt. Kommt aber mal aus diesen Kreisen eine Gabe, dann muß sie hier vielen Kindern Glück und Freude bringen: So die große elektrische Eisenbahn, die Weihaachtsstolz und-entzücken eines ganzer. Kinderheims sein wird. Eine Feier aber gibt«s doch, die sich keine drr Damen des Vorstandes entgehen läßt: Das ist die Feier iw Kinderheim Groß-Besten, dem unscheinbaren kleinen kinderparadirs des Vereins. Ungefähr zwanzig Kinder stehen hier unter der Obhut Klein-Muttchens, der Schwester Elisabeth, und alle diese Kinder hoben Furchtbarstes erlebt, jedes trägt, körperlich oder seelisch, die Spuren entsetzlicher Mißhandlungen. Nie haben diese Kinder Elternliebe. nie Veihnachtssreud« unter dem„eigenen Weihnachtsbaum" kennen gelernt. Die verschneite Landstraße sührt zu der kleinen Villa, die die Wilmersdorf«? Ortskrankenkaste dem Derein überlasten hat. Nichts ist auf„Glanz", nichts auf Reklame, nichts auf.Stimmung" her- gerichtet� in drangvoll fürchterlicher Enge sitzen und stehen die Be- such er in dem kleinen Spetiesaal, die leitenden Herren des Heimes der Willersdorf« Ortskrankenkaffs und die Vorstandsmitglieder des Vereins. Kinder und Gäste singen gemeinsam die alten Weih- nachtsliedcr: es gibt keine Aufführung und keine Ansprache mit Ermahnungen zur Dankbarkeit— man ist hier der sehr vernünftigen Meinung,„das Moralische versteht sich immer von selbst". Dann kommt die Bescherung, und die glücklichen Ktnderaugen strahlen Heller unter diesem„fremden" Weihnachtsbaum, als die Kerzen an irgendeinem„eigenen" leuchten können.... und wenn es die elek- irischen Kerzen an Neureichs garantiert echter Silber-Edeltanne sind. Am Heiligen Abend aber ist die Familie ganz unter sich, die Kinder bringen ihrem Klein-Muttchen all die rührenden, oft jo ungeschickten Äindergeschenke. denen nur die Liebe Wert verlecht, eng rückt alles zusammen, und wenn die Schwester ihrer großen Familie auch nur Kleinigkeiten bescheren kann, die Kinder wissen es alle: Ein größerer Schatz kann ihnen nicht mehr geschenkt werden, als Klein-Muttchens großes, goldene» Herz. £u unterm Weihnachtsbaum. Also: Ganz ordentliche und gebildete Leute pflegen so ein Lokal wie das meines Freundes Fredy eine Kaschemme zu benennen. Und die meisten seiner Stammgäste haben so auch eine ganze Reihe von Vorstrafen aufzuweisen. Aber davoi soll gar nicht so viel geredet werden: wer weiß, wie sie zu der-rsten gekommen sind, und im großen und ganzen ist unsere Iustitia überl>aupt kein so sympathisches Frauenzimmer, daß man immer und unter allen Umständen für sie Partei nehmen müßte. Aber davon soll gesagt werden: Alljährlich steht im Hinterzimmer dieser Kaschemme ein kleiner Weihnacht». bäum, nicht ärmer und nicht reicher, als er aus dem Tisch mancher Proletarierwohnung steht. Fredy putzt ihn für seine Gäste, für diese Gentlemen mit unklarem, für diese Mädel mit nur zu klarem Beruf. Eine merkwürdige Kraft haben die dünnen Lichter dieses armen Weihnachtsbäumchens. Wenn sie angezündet werden, taucht in der Hinterstube der Kaschemme plötzlich eine versunkene und längst verlorene Welt aus, still werden die Slamingästc. kaum getraut sich einer flüsternd zu reden, und jedern steckt ein großer Kloß in der Kehle. Irgendeine der Frauen versucht einige Töne eines Weih- nachtslicdes herouszubriirgen, und plötzlich füllt eine schöne, aber „ Armenbescherung" Im Bexlrksvereia. ungeschult« Altstimm« den kleineu Raum:.Still« Nacht, heilige Nacht.. und neben dem kleinen Weihnachtsbaum sitzt 2u, die große, elegante Lu, den Kops an die Wand gelehnt, und singt, trotz- dem ihr die dicken Tränen über das gepuderte Gesicht laufen, olle Weihnachtslieder, die sie mal als kleines Mädchen, gelernt und ge- jungen hat, als sie noch nicht Lu. sondern ganz schlicht Lucie Müller hieß und Mutter mit ihr im Umschlagetuch unter vielem Handeln aus die Jagd nach einem kleinen und billigen Bäumchen ging. Und so lange die dünnen Kerzen des Bäumchens brennen, hören die Lieder nicht aus: wenn der Vorrat an Weihnachtsliedern ausgebraucht ist. kommen andere Volkslieder dran,„Sah ein Knab ein Röslein stehn" und der„Gindenbaum". Es ist, als hätten alle Angst, wieder in ihre wirkliche, schmutzige Well zurückkehren zu müssen— aus dem Kinderparadies, in das sie für eine kurze halbe Stunde heimkehren dursten.— Natürlich, man weiß es: Morgen wird Lu wieder an der Ecke stehen und wird den nächsten„Freier", der dumm genug ist, erbarmungslos neppen, und die Gentlemen. die jetzt mit so ver- lcgm feierlichen Gesichtern an den Wänden herumstehen, werden wieder ihre eigenen und immer etwas dunklen Geschäfte hoben. Aber heute, heute sind sie Kinder, unglückliche Kinder unter dem fremden Weihnachtsbaum in der Kaschemme. Und mein Freund Fredy soll bedankt sein, well er seine Leute kennt und ein Herz für sie hat. Weihnachten im Ochsenkopp. Draußen im„Ochsenkopp" weihuachtet es auch, hier haufea die verstoßenen, deren niemand gedenkt. Die Korrigenden, die Znsassen des eigentlichen Arbeitshauses sowohl wie die alten Hospitaliten. sie haben zumeist niemand mehr, der sich um sie kümmert. Sie alle sind Strandgut des Lebens, Deute jede- bösen und guten Windes. Sie haben sonst wahrlich nicht über ein zu großes Maß persönlichen Anteil- nebmens auch der vorpeoidneten Kirchenbeamten zu klagen, es gibt ab und an ein paar Traktätchen.. und damit ist die Geschichte abgetan. Zu Weihnachten gibt's freilich auch in der Kirche eine Feier, und der Herr Pfarrer verkündet ihnen mal wieder das Weih- nachtsevangelium. Der Chor der Korrigenden singt Weihnochis- lieber und der Herr Pastor predigt zum Jammer des Direktors und der alten Leute viel zu sänge. Denn in christlichen Kirchen gibt es ja nicht irgendwelche Räumlichkeiten, in denen die bresthofteN alten Leute sich auch mal erleichtern können, und darum sieht die Kirche nach so langem Gottesdienst durchaus nicht mehr feiertäglich aus. Damit hat die Kirche das ihr« getan. Doch dann beschert die Stadt Berlin. Die schickt nicht Leute, die preisend mit viel schönen Reden Ihre Verdienste feiern, aber die schickt jedem Korrigenden und jedem hospllalllen einen Weihnachlsleller mit einer Stolle und Aepfeln und«in bisset Tabak. Und jedem Hosprtaliren schickt sie dazu S M., damit er wenigsten» an den Feiertagen«in bißchen„Fettlebe" machen kann. Den Korrigenden wird in choem Speisesaal beschert, aber die Hospitaliten haben es bester: Da kriegt jede Station ihren eigenen Weihnachtsbaum, und auf jeder Station finden sich kunstfertige Hände, die für diesen städtischen Weihnachtsbaum alle möglichen Dinge basteln, die nett und bunt aussehen und nichts kosten. Papier- taten und Körbchen und Sterne. Und ein Alt« hat alle Jungen- erlnnerungen zusammengeholt und hat aus zwei' runden Papp- schachteln zwei bunte, runde„Dalddeidel" geklebt, die lustig brummen, beinah schön« wie die, mit denen er einst als Junge aus dem Berliner Weihnachtsmarkt handelte. Und so leuchten die Licht« de» kleinen Hospitalbaume« den armen Alten viel wärmer und schön«, als die feierlichen Kerzen an de» Herrn Psarnts groß« Weilmachtstanne. Wi« steht es in dem alten, schwarzen Buch? „Und w« mtt Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte d« Liebe nicht, so wäre« ein tönendes Erz und eine klingend? Schelle" Weihnachten hinter Mauern.' Die Berliner lieben es, wie in allen anderen Angelogenheiten, den Dingen immer einen möglichst eleganten Anstrich zu geben, und so heißt es besonders von denen, die noch nicht in der„Plötze" oder in sonst einer Strafanstalt ihre Strafe verbüßen, sondern die noch in Untersuchungshaft sind, sie wären„hinter schwedischen Gardinen". llnl«suchungshast! Wenn man heute auch oft als Trost hört:„D?t is noch>ar nischtl Zu'ne Anklage kann heut« der anständiäzste Mensch komm'n," dann ist da» doch nur ein recht fragwürdig« Trost, besonders für den, der da drin sitzt und wirklich nicht weiß, wie er zu der Anklage gekommen ist. Was ist unter diesen Umständen ei.r wirklich« Seelsorger, kein Traktätchcnpsarrer wert! Was bedeutet die stimmungsvollste Weihnachtssei«, wenn damit alle Seeljorgs er- ledigt ist!— Do ist es ein Glück, wenn ein so großes Gefängnis wi- das Untersuchungsgefängnis Moabit gleich drei Männer besitzt, die ihre Aufgabe richtig ersaßt haben, und die darum auch olle drei in schönster Harmonie miteinander leben und arbeiten: Der evangelische Geistliche, d« katholische Psarr« und der jüdische Rabbiner. Auch die Juden?— Ach sa. gewiß ist Chanukah, das jüdisch« Mattalnier. fest, ja gewiß etwas anderes, als unser Weihnachtssest, aber ein Lichtersest ist es auch, und der Gefängnisrabbiner wird wohl wissen, wie viel Licht'md Freude ein Gefangener gebrauchen kann; und ja erhalten auch die jüdischen Gesaugenen zu Weihnachten jeder seinen Weihnachtsteller mll der Stolle und den Weihnachtsäpseln uich den. zwanzig Zigaretten, für die da? Geld mühsam zusammengebettelt wurde. Um drei Uhr am Heiligen Abend ist freiwilliger Gottesdienst, getrennt für die beiden christlichen Konfessionen. Aber um fünf spielt ein Bläserchor in d« Fenlralhalle des Gefängnisses Weihnachtslieder. und die Musik spricht eine Sprache, die alle Konfessionen oerstehen. Ein paar Tage vorh« aber gibt es eine Bescherung für die Frauen und Kinder der Gefangenen, eine gemeinsame Feier, an der die Angehörigen aller Religionsbekenntnisse teilnehmen. Es gibt lebende Bilder und Rezitationen und eine Bescherung aus dem. was die drei Seelsorger auf ihren Aufnis bekommen habca. Ach, leider ist es nicht gar zu viel geworden, und ein Teil der lieben Milmenschen, die hierzu beigesteuert haben, scheinen von den Be- dürfnisjen od« der Bedürfnislosigkeit der Angehörigen von Unter- suchungsgejangeuen eine eigentümliche Meinung zu habe». Ein „sinnig" mit Weihnachtskarte und noch einem Extrabibelspruch aufgemachtes Paket birgt nichts als Traktätchen, es wird wahrhaftig Wäsche noch in den letzten Tagen vor der Bescherung in» n g e- waschenem Z u st a n d e eingeliefert, Kiyderwäsche manchmal in einem schlechterdings unbeschreiblichen... Auch«Lektüre gibt man reichlich, und da sei hier gleich einer Bitte Raum gegeben: Es fehlt In der Bücherei des Unlersuchungsgesängnisses an sozialistisch«. überhaupt an„link«" Lektüre, während an Hindenburg-Biographien und Kalsergedcnkbüchern mehr Angebot als Nachfrage herrscht. Wer von den Genossen hi« Duplikate irgendwoher Bücher, auch von Broschüren, in sein« Büch«el hat, mag an die Untersuchung?- gefangenen denken. Ein Weihnachtszweig, ein paar Zigaretten... es ist nicht viel, und es langt sicher nicht, das harte Gesicht der Dame Justiz wesent- Kascbemnteawethnacbt Im„engsten Kreise". lich zu verschönern: aber für den Gefangenen bedeutet es unsagbar viel, und noch mehr die Zuversicht, daß auch derer gedacht wird, die er da draußen unoerjorgl zurücklasien mußte. Eine kleine Bürgschaft der einstigen Verwirklichung der Weihnachtsbolschaft. des„Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen", bringt der kleine Weihnachtszweig doch: nur daß es noch viel Späne geben wird. bis wir diesen Spruch aus die Spitze uissercs eigenen Weihnachts- bamties werden stecken können... denn dieser Weihnachtsbaum wird ein Freiheitsbaum sein müsse».... R. E* � „Friede auf Erden?" Wir Sozialisten, mögen wir nun Dissidenten sein oder einer der Zicligionsgemeinschaften angehören, stehen dem Weihnachtssest, wie es gefeiert wird, mit einem gewissen Unbehagen gegenüber. Ist doch dos Weihnachten von heul« im wesentlichen ein Fest der reichen Leute, die ihre 5dnder überreichlich beschenken und unter dem riesigen Tannenbaum in höchster Gemütlichkeit beim Weihnachtsbraten sitzen, ohne dabei an den sittlichen Gehalt der Lehre des Mannes von Bethlehem zu gedenken, dessen Geburt sie zu seiern vorgeben. „Friede aus Erden", so berichtet uns die Sage von der Ver- kundigung der Engel am Tage der Geburt Christi. Das ist nicht nur für glaubige Christen eine k ö st l i ch e Botschaft.„Friede ans Erden"— das ist in unserer Zeit vor allem«in Evangelium und eine feste, auf Willen und Kraft gegründete Zuversicht der prole- rorischen Millionen aller Länder, die iür diesen(St danken ihre ganze Kraft einsetzen! Müßte man nicht um so mehr folgern, daß die Vertreter der Kirchen, die sich christlich nennen, dieses Wort von dem„Frieden auf Erden" besonders zur Weihnachts- zeit in den Mittelpunkt ihres Denkens und Redens stellen? An einem Adventssonntage hielt in der Christophorus-Kirche in F r i e d r i ch s h a g e n der Oberkonsiftorialrat Doniprediger D. Richter eine Predigt, über die in der mit dem Fridericuskopf gezierten„N iederbarnimcr Zeitung" berichtet wird. Der Domprediger sagte unter anderem am Schluß seiner Rede:„Gotr hat die Seelb unseres Volkes zur kriegerischen Haltung ge- schaffen." Zur kriegerischen Hältung! Im Matthäus Kap. 26, Vers öl und 52, leien wir bei der Festnahme Christi im Garten Gethsemane:„Und siehe, einer aus denen, die mit Jesu waren, reckte die Hand aus und zog fein SchweA ans und schlug des Hohenpriesters Knechr und hieb ihm ein Ohr ab. Da sprach Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert an seinen Ort: denn wer das Schwert�iiimmt. der soll durchs Schwert um. rammen." Weiter sagte der Domprediger:„Nicht daraus kommt es ein, daß wir kleine Bismarcks werden, sondern daß' wir begreifen, wie jene Menschen im Kampfe standen und woher sie ihre Kräfte nahmen. Nun, der Ehrgeiz, kleine Bismarcks zu werden, ist viellicht bei den völkischen und deutschnationalen Jung. bisiparckbündlern verbreitet. Selbst ein sogenannter„großer Br s ma r.if zu werden, ist ein Ziel, das sich mit den Lehren Christi schwer vereinbareil läßt,«o sagte Herr v. Bismarck beispielsweise in her Frage des staatlichen Mordes der Todesstrafe, daß er„damit einverstanden wäre, mit der Todesstrafe aufzuhören, wenn die Herren Mörder damit aufhörten". Christus, in dessen Dienst der m- Domprediger zu stehen vorgibt, dachte anders. Lucas, Kap. 23, Vers 39 bis 43; lesen wir:„Ader der Nebeltäter einer, die da gehenkt waren, lästerte ihn und sprach: Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns." Da antwortete der andere, straft« ihn und sprach:„Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Ver. dommnis bist. Und zwar sind w�r billig drinnen: denn wir empfin- gen, was unsere Taten wert sind: dieser aber hat nichts Unrechtes getan. lind sprach zu Jesu:„Herr, gedenk-e an mich, Venn du in dem Reich kommest." Und Jesus sprach zu ihm:„Wahrlich, ich sage ctr:„Heute wirst d u mit mir i ni Paradiese sein." Da aber handelte es sich um einen Mörder!' � Di« Botschaft:„Friede auf Erden" ist aufgenommen worden vom Sozialismus, und diese Weihnachtsverkündigung ist unser geworden. Wechnachtspredigten aber von Dompredigern. OberkonststorialrSten und anderen höfischen, hohenzollerisch eingestellten offiziellen Ver. tretern der Kirche lehnen wir ab. Es erscheint uns widersinnig, gerade in der Weihnachtszeit von der„kriegerischen Haltung unserer Volks-eele" und von„Bismarckischer Gesinnung" sprechen zu hören. Da glauben wir denn doch, daß wir die Lehre des großen Philo- 'vphen von Bethlehem besser oerstanden haben! Den Domprediger Richter aber erinnern wir gerade am Weih- nachtstage an das Wort aus Lucas, Kap. 17. Vers 1:.Er sprach aber zu seinen Jüngern: Co ist unmöglich, daß nicht Aergernisse kommen: weh aber dem, durch welchen sie kommen!" aMCa fand noch am Mittwoch, dem TL Dezember, für eine Klasse her 98. Volksschule statt, cm der sich insgesamt 79 Personen beteiligten. In feiner Ansprache betonte der Klassenlehrer Genosse Trappe die Notwendigkeit des innigen Zusammenarbeitens zwischen Schule und Elternhaus, zu der gerade das Weihnachtsfest besonderen Anlaß gebe. Erfreulichen Eindruck machte der vom Klassenlehrer in wem- gen Tagen vorgebildete Äeigenchor der.Knaben des dritten Schuljahres. Es beteiligte sich daran ungefähr die Hülst« der Klassen- fchüler. Die Kinder trugen schöne Weihnachtslieder vor, woran sich noch ein freundliches Wcihnachtsfpiel auf der Jugendbühne anschloß. Ein Mitglied des Elternbeirats sprach dem Klassenlehrer das Ver- tränen der Elternschaft aus.__ Oora perske ihren Wunden erlegen. Da» beklagenswerte Opfer des am Sonnabend festgenommenen und überführten Raubmörder» Horst Siebock. Dora perske. ist in den Nachmittagstunden des heiligen Abend» trotz der Bemühungen der Aerzie ihren schweren Verletzungen erlegen. Sie Hai da» Bewußtsein nicht mehr wiedererlangt. Die letzten Weihnachtsfeiern. :-3Me Wshlfahrts. und Jugendkommisfion 29 iL*. Bezirksamts Charlottenburg. Moabiter Ortstcil. yatte die Alten und Aermsteu ihres Bezirks am vergangenen Sonn- tag. zu einer Weihnachtsbescherung in das Lokal Reuchlinstr. S ge- laden. Die Gaste wurden hier reichlich mit Kaffee und Kuchen be- mrrtet und vergaßen so beim Glänze des Weihnachtsbaumes für cm paar Stunden ihre wirtjchaitlichen Nöte. Reich beschenkt ver- ließen sie am späten Abend die gastliche Stätte. Tätige Mitlsilfe einiger Großsirmen und der Mitbürger des Bezirks hatte diese schöne Feie? ermöglicht. Eine wohlgelungene Klassenweihnachtsfeier als Beweis für die Täglich über-1100000 Telephongespräche. 418000(Sprechstellen in Berlin. Eine Großstadt von der Einwohnerzalil und den Ausmaßen Berlins ohne das weg. und zeitsparende Telephon ist undenkbar. Welch ungeheure Entwicklung das Fernsprechwefen seit Einführung des ersten Telephons in Deutichland vor nunmehr S9 Jahren(12. No- vember) durchgemacht hat, geht crm deutlichsten aus der Zunahme des Fernsprechers in der Reichshanptstadt selbst hervor. Während am 1. Januar 1899 insgesamt 11 8? 4 Fern- sprechstellen in Berlin vorhanden waren, stieg deren Zahl im Laufe der nächsten 19 Jahre auf 47 S86, unter denen sich 159 öfient- liche befanden. Di« Teilnehmerzahl betrug S4 236: die im Laufe des Jahres 1999 geführten Gespräche beliefen sich auf 19S Millio- neu. Die Folgezeit brachte einen ungeahnten, fast an amerikanische Verhältnisse erlnncmdeii Aufschwung des Berliner Fernfprechver- kehrs, der durch die rieienhafte Ausdehnung der infolge einer regen Bautätigkeit schnell wachsenden Großstadt bedingt wurde. Bis zum Jahre 1919 hatte sich die Zahl der vorhandenen Sprechstellen ver- vierfacht und betrug insgesamt 174 372. unter. denen 122 558 in Berlin und 52914 in den Vororten vorhanden waren. Die Zahl der öffentlichen Fernspvechstellen war auf 599 gestiegen, die der Fernfprschteilnehmer belief sich auf 99 899. Der Höhepunkt der Entwicklung wurde im Jahre 1913 mit 233594 Sprechstellen erreicht. Die K r i eg s- und Nachkriegszeit, vor allen Dingen aber die Inflation, brachten einen gewissen Stillstand. Erst m den letzten Jahren machte sich ein neuer Aufschwung bemerkbar. Die neuesten Zahlen verzeichnen für Berlin insgesamt 417 7 61 Sprech st cllen, darunter 1854 öffentliche. Die Zahl der im Laufe des vergangenen Jahres m Berlin geführten Gespräche belief sich auf rund 499 Millionen, d. h. durchschnittlich werden in Berlin täglich über 1 199 999 Telephon- gefpröche geführt._ Eine neue Wohlsahrtsküchc. In dem zum Verwaltungsbezirk Wedding ge- hörenden nördlichen Teil der Rofenchaler Vorstadt wurde am Sonn- abend eine Wohtfabrtstüche eröffnet. Sie ist im Haufe Swine- münder Str. 96 untergebracht, mitten in einem der dichtest- bevölkerten Stadtteile. Eingerichtet hat sie der Verein Wohl- sa h rtssp e i sung zu Berlin, der in engster VsrbivöiunZ mit der Stadt seine Arbeit treibt. Sradträtin Frau Kaueler. die Vorsitzende des Vereins. konnte in den freundlich ausgestatteten Speiferäumen der neuen Wohlfahrtsküche mehrere Miigliöder des Bezirksamtes Wedding be- grüßen, den Bürgern, eisterstcllvertreter Genossen Kran k, die Stadt- räte Genossen Fabiunke und Dr. Ries, auch den Stadt- ältesten Stadtrat o. d. Genossen Hintze urtb andere in der Wohlsahrtspflege tälige Personen, die zu der schsichten Eröff- nungsseier gekmmnen waren. Sie übergab die neue Wohl- fcchrtsküche dem Bezirksamt Wedding. Genosse Frank, der sie im Namen des Bezirksamts übernahm, erinnerte cm die üblen Zu- stände der früheren„Armenküchen", über die wir allmählich doch hinausgekommen feien. Die Küche wird Dedürftigen ein einfaches, aber ncchr- und schmackhaftes Mittagsmahl zum Preise von 25 Pfennigen geben, während die Selbstkosten 38 Pfennige betragen. Sozialrentnern und Erwerbslosen will »ran«ine weitere Ermäßigung gewähren, und die Bedürftigsten sollen Freikarten zu ganz unentgeltlicher Benutzung vom Wohl- von 2 Uhr ab können die SpeiserSiune auch äks Wtnnstudeu benutzt werden. Der Verein betreibt nunmehr 13 Küchen, zw« davon im Bezirk Wedding, eine in der Amsterdamer Straße und fetzt die neue in der Swinemünder Straße. Die Verwaltung liegt in den Händen des Vereins, dessen Mitglieder ehrenamtlich arbeiten, während das Wirtschoftspeefonal selbstverständlich tarifmäßig entlohnt wird. Die notwendigen und beträchtlichen Zuschüsse übernimmt die S t a d t. Der Traum, solche Einrichtungen auf der Grundlage der Zuschuß- losen„Selbstcrhalttmg" aufbauen zu können, wie es Frau Lina Morgenstern vor 69 Jahren mit ihren Berliner Volksküchen ver- suchte, ist längst ausgeträumt. Ohne Zuschüsse der Stadt lassen der- artige Ünternehmrurgen sich heute nicht mehr halten. Tonderzuschläge zu de« Reute«. Nach der Verabschiedung des Bsfoldungsgefetzes für die Reichs- beamren wurden die bisherigen örtlichen Sonder, zu ichläge mit Wirkung vom 1. Oktober 1927 ab verändert. Wie der R e i ch s b u n d der Kriegsbeschädigten mitteilt, ändern sich auch die bisher zu den Renten im befeßten und im Randgebiet und in Berlin. Hamburg, Altona, Wandsbek und Finkenwerder gezahlten Sonder- Zuschläge... In den oben genannten Orten tm inneren Deutschland beträgt der Sonderzuschlag nur noch 2 Proz. für Be- schädigte und Hinterbliebene. Dagegen wird im besetzten Gebiet und in den Randgebieten in den Orten, für die bisher 15 Proz. ort- sicher SonderzufcAag zustand, künftig den Hinterbliebenen ein sol- cher von 19 Proz., den Beschädigten ein solcher von 6 Proz. zu den Versorgungsgebührniiien(auch der Zusatzrente) gezahlt. Für Orte, in denen bisher ein örtlicher Sonderzuschlag von 19 Proz. für die Kriegsbeschädigten«nd Hinterbliebenen gezahlt wurde, beträgt die, er 5 Pro-, für die Hinterbliebenen. 2 Proz. für die Befchädiqten. Rentenempfänger an Orten, in denen bisher 15 Proz. und 19 Proz. örtlicher Sonderzuschlag gezahlt wurde, erhasien im Januar 1928 eine Abfindung. Diese beträgt die Hälft« der für Cep. tember 1927 ohne örtlichen Sonderzuschlag zustehenden Rente und. soweit Znsatzrente gezahlt wurde, die Hälfte der für September 1927 bezogenen Zufatzrente. Die Hälfte dieser Abfindung kommt im Januar 1928 an die gleichen Empfänger.zur Aus- Zahlung. Damit ist die Herabsetzung des örtlichen Sonderzuschlags. die erstmals bei der Zahlung der Rente Ende Jcrmtar für Februar 1928 in Erscheinung tritt, abgegolten. Tondcrbewilligung von Kohlen. Mit Rücksicht auf die strenge Kälte der letzten Tage und den dadurch verursachten großen Verbrauch an Brennstossen hat der Magistrat vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordneten beschlossen, an die zum Bezüge von Kohlenkartcn Berechtigten zusätzlich eine M o irv t s r a t c von jeeinemZentnerBraun- kohlenbrikctts zur Verteilung zu bringen. Die Verausgabung der Karlen erfolgt in der üblichen Weise durch die Dienststellen der Bezirksämter, und zwar wird mit der Verteilung voraussichtlich alsbald nach Neujahr begonnen werben. Für die Fall, daß noch- mals strenge Kälte eintreten sollte, ist in Aussicht genommen, alsdann an bedürftige Personen mit eigenem Haushalte zusätzlich noch einen weiteren Zentner Kohlen zu verteilen. Die Polizei in der Silvesternacht. Die Polizei, die schon in der vorjährigen Siloesternachi der Lebensfreude der Berliner Bevölkerung weitesten Spielraum gc- lassen hat, wird diese erfreuliche Praxis auch in der diesjährigeu Siloesternacht beibchalieii. Wie wir erfahren, hat Polizei' Präsident Zörgiebel nach den guten Erfahrungen des letzten Jahres der Schutzpolizei Anweisung gegeben, auch in diesem Jahre den Dienst in der Silvesternacht mit m ög- tichster Zurückhaltung auszuüben und die Bersiner Bc- völkerung ohne polizeiliche Bevormundung Silvester feiern zu lassen. Es sind jedoch selbstverständlich alle er, orderlichen Vorkehrungen getroffen worden, um gegebenenfalls Auswüchse mit der noiwe-�igen Schärfe sofort unterdrücken zu können. Der Polizeipräsident hofft aber, daß die bisher bewiesene Disziplin der Bersiner Bevölkerung es verhindern wird, daß diese Borsichtsmaßnahmen in Wirksamkeit treten müssen. 73j �Zement. üXsmem von Fjodor Gladkorv. „Nun gut, ich habe eine Sorge, Genossin Mjechowa.... Wozu brauchst du aber zu wissen, was das für eine Sorge ist? Das geht niemand was an." „Ja, das ist es eben, Dafcha. Wir sind gut organisiert, fest zusammengeschweißt— und schrecklich fremd einander im persönlichen Leben. Und wir kümmern uns nicht darum, wie jeder von uns lebt und atmet. Ja, das ist es... das ist das Schreckliche.... Doch du hast es nicht gern, wenn man darüber spricht." Und sie schwiegen beide, fremd und verschlossen. Njurka schmilzt wie«ine Kerze— die einzige, einzige Njurta. Und niemand kann sagen, wgrum sie schmilzt. Wozu sind die Aerzte, wenn sie nicht einmal imstande sind, auch nur ein einziges klares Wort zu sagen, wenn sie diese Krankheit, die an dem Kinde nagt, nicht bewältigen können. Dieses kleine Wurm braucht doch so wenig Hilfe von den Erwachsenen. Ja, das ist wahr: die Aerzte können hier nicht helfen. Sie, Dascha, weiß es besser als alle Aerzte der Welt, warum Njurka wie ein Sternlein im Morgenhimmel erlischt. Ein Kind braucht nicht nur Muttermilch: ein Kind ernährt sich durch das Herz und die Zärtlichkeit der Mutter. Ein Kind welkt und erstarrt, wenn die Mutter nicht sein Köpfchen anatmet, es nicht mit ihrem Blute wärmt und fein Bettchen nicht mit ihrer Seele, mit ihrem Dufte füllt. Ein Kind ist wie eine Frühlingsblüte des Apfelbaumes: Njurta ist vom Ast abgerissen und auf den Weg geworfen worden. Die Schuld trägt nur sie, Dascha. Und diese Schuld kann sie niemals verwinden. Und diese Schuld lag nicht in ihrem Willen, sie kam von irgendwo, von außen, vom L�ben. von jener Kraft, in deren Macht sie sich selber befand und die sie mit keinem passenden Worte nennen konnte. Und die Worte — Revolution, Kampf, Arbeit, Partei— klangen wie ein hohles Faß..Aber der Inhalt dieser Worte war das Un- ermeßliche, das Unabwendbare, was sie in sich selber trug, — alles war das, darin war kein Tod, und sie selber war darin nur ein unsichtbares Stäubchen. Nur eines war: Njurka schmilzt, Njurka erlischt wie ein Füntchen. Njurka mar— und wird nicht mehr sein. Sie zappelte ernst mit den Beinchen auf ihrem Arm«, an der Brust, kroch herum, lernte gehen und Worte schwatzen. Lief umher und spielte. Wuchs. Und einmal war es: da konnte sie, als der Tod sie schon gepackt hatte, nicht über Njurka hinwegkommen. Und noch einmal war es: da löste sich Njurka in ihrem Blute zusammen mit der Bergangenheit auf, und als sie, Dascha, unter die Schlinge ging, dachte sie nicht an Njurka, und Njurka war in ihrem letzten Augenblicke nur ein fernes Gespenst. Und jetzt, jetzt sah sie Njurka lebendig vor sich, mit dem Gesichtchen einer welken Greisin und mit uferlosen Augen, die durch den Stempel des Todes traurig waren— und wieder, wie damals, fühlte sie, sie kann nicht über ihre kleine Leiche hinwegschreiten. Und sie fühlte: Njurka— ist das Opfer ihres Lebens und dieses Opfer ist— unerträglich für ihr Herz. Und einmal, an einem frühen Morgen, führte sie ein Gespräch mit Njurka. „Njurotschka, tut dir was weh. Töchterchen?". Njurka schüttelte den Kopf:„Nein." „Und was möchtest du denn, sag?" „Ich will nichts." „Willst du vielleicht den Vater sehen?" „Ich will Trauben. Mütterchen." „Es ist noch zu früh, mein Täubchen, die Trauben sind noch nicht reif." „Ich will bei dir sein, ich will, daß du nicht weggehen sollst... und daß— du nah sein sollst... und Trauben ... ich will dich und Trauben." Sie saß auf Daschas Schoß und löste sich— ganz warm, wie sie war— in ihrer. Daschas, Wärme auf. Und als Dascha sie in ihr Bettchen legte, sah sie Dascha lange mit ihren tiefen Augen an. war ganz in sich selber vertieft und sagte, als Antwort auf den schweigenden, tränen- feuchten Blick Daschas: „Mütterchen!... Mütterchen!" „Was, mein Kind?" '„Nichts, Mütterchen... Mütterchen." Dascha ging aus dem Kinderheim und schritt nicht wie aewöhnlich zur Landstraße hinunter, in die Frauengruppe. sondern tauchte ins Gebüsch unter und legte sich ijis Gras, wo es einsam und stumm war, wo es nach Erde und Grün roch und die Sonne in kleinen Kugeln herunterkroch, und weinte lange und zerriß mit ihren Fingern das Gras. Einmal, in der Nacht, in Gljebs Abwesenheit, kam Badjin zu Ihr im Automobil. Sie hörte, wie der Motor schnaubte, und kam aus dem Zimmer. Stieß auf der Treppe Brust gegen Brust mit Badjin zusammen. Er wollte sie hier gleich umarmen, aber sie stieß ihn streng von sich. „Genosse Badjin, das wird nie mehr sein." Badjin ließ seine Arme fallen, wurde schwer und starr. „Dascha... ich wollte allein mit dir sein.... Ich habe erwartet, daß du mich etwas wärmer empfangen wirst." „Genosse Badjin, fahr sofort weg und schwatz hier nicht vergebens." Und ging fort, machte die Tür fest zu und schob laut den Riegel vor. 3. Alpdruck. In der Frühe, wenn Polja in die Frauengruppe ging, und nach vier, wenn sie nach Hause zurückkehrte, lief sie wie ein Windrad durch die Straßen. Mit großen Schritten rannte sie über die Trottoirs, über das Ufer, schaute nicht auf und sah die Menschen nur undeutlich vor sich. Sie kamen ihr entgegen, gingen neben ihr, hinter ihr, holten sie ein, spiegelten sich wie verwaschene Schatten in ihren Augen. Aber sie sah keine Gesichter, sie sah nur Füße, Fuße in ivtiefeln. in Fetzen, ohne Schuhe, in Hosen, in Röcken. in herunterfallenden Frauenstrümpfcn. Viele Füße sah sie hin- und hergehen, unermüdlich und verstaubt. Sie schaute nicht auf— sah nur auf die Füße, auf ihre und auf frenide. Sie tonnte ihren Kopf nicht heben, um fest und ruhig die Auslagen anzusehen, die offenen Türen, die Menschen, die anders aussahen als früher. Sie schaute nicht und sah trotz- nicht solche Frauen wie früher, noch vor kurzem, im Frühling, zu sehen waren: elegante Kleider blühten auf, Hute mit Blumen, durchsichtiger Batist, moderne französische Absätze.... Und auch die Männer waren anders: steife Hemden und Krawatten und Chevreauschuhe. Und wieder strömte ein Parfümduft durch die Straßen und die Stimmen tonten laut, freudig, vogelartig. Gespenster drängten sich durch offene Türen in dem vom Tabakrauch grauen Dunste der Kaffeehäuser, und in dem fernen Stimmengetöse klang das Klirren von Geschirr, das Aufklopfen der Würfel beim Hasardspiel, und aus der Tiefe des rauchigen Loches flössen, unbekannt woher, kaum hörbare Laute eines Streichorchesters. Woher kam das alles? Und warum kam das so rasch, so frech und fett? Und warum ging das alles über sie, Polja. hinweg und setzte sich als quälende Unruhe und als Schmerz m ihren Gedanken fest? (Fortsetzung folgt.) Vkcke£nff in der Grube. Btfiötigtmg eines alten Aergmannswartes. Vochum, 24. Dezember.(Eigenbericht. Die Grubenkalastroph« aus Zeche ZIeu-Zserlohu II hat ihr sechste? Tode sopser gefordert. Der Sergmann Lesse l. mann ist am heiligen Abend im Bochumer Bergmannshelm seinen schweren Verletzungen erlegen. Lesselmann war ledig. Bisher haben die Untersuchungsarbeiten de» Oberbergamtcs Dortmund noch keiner- lci Aufschlüsse über die Ursachen der Explofion ergeben. Das Unglück auf Zeche Neu-Jserlohn II bestätigt das alte Berg- mann smart, daß vor den Feiertagen in der Grube dicke Lust ist. Die schwere Grubenkatastraphe vergrößert die Zahl der großen Un- fälle in Ruhrberabau, die sich am Vorabend der hohen Feiertage er- eignet haben. Zu der Explosionskaiastrophe erfährt unser Mit- vrbciter an Ort und Stelle: Die Entstehung der Grubenexplosion liegt voll- kommen im Dunkeln. Entgegen anderslautenden Meldungen ist festzustellen, daß nicht geschossen worden ist. Die Gesteins- staul'sicherungen haben hervorragend funktioniert. Die Explosion ist lokaler Art. Der entstandene Schaden ist unbc- deutend, die Förderung erleidet keine Veeinlrächligung. Di« Rettungs- kolonne der Zeche griff sofort nach Bekanntwerden des Unglücks ein. Nach unermüdlicher angestrengtester Arbeit gelang es, einen Leichtverletzten sofort zu bergen. Fünf Tote wurden bis 8 Uhr vormittags geborgen, davon ist einer verheiratet, vier sind ledig. Der Leichtverletzte konnte sich nach chaufe begeben. Die sechs Toten liegen in der � Leichenkammer aus dem Zechcnplatz auf- gebahrt._ Schwarzrotgold im„T rutsch cn Auto-Club". Der vor kirrzem neugegründete„Deutsche Auto-Club", der be- rcits eine stattliche Mitgli'ederzahl und zahlreiche pronnnenten Per- sönlichkeiten aufweist, hat seine vorläufige Geschästsstelle am Krön- prinzenufer 19(Telephonanschluß: Moabit 684) eingerichtet. Die Organisalionearbeiten sind soweit fortgeschritten, daß zu Beginn des kommenden Jahres die erste Hauptversammlung stattfinden i'.nrd, bei der das endgültige Präsidium gewählt werden soll. Das von Künstlerhand gesclfaifcn« Wappen des neuen Klubs ist nach einem Entwurf des Rcichskunftwarts Redslob von dem Architekten Zweigenthal angefertigt worden. Es stellt einen neuartig geformten Adler(schwarzrot gerahmter Adler auf goldenem Grund, dar. Der„Deutsche Auto-Club" bietet in einem Rundschreiben seinen Mitgliedern bedeutende wirtschaftliche Vorteile, so vor allem eine kostenlose Unfallversicherung in höhe von östiX» M., billigen Betriebs st offbezug, Fahr- Unterricht in eigener Fahrschule zu halbem Preis des üblichen Tarifs, Triptikbeschaffung zu niedrigsten Sätzen und kostenlose Veratungen in allen mit dem Automobil, dem Sport und der Reise zusammenhängenden Fragend usw. Dem Klub sind von führenden Persönlichkeiten Zustimmunaserklärungcn zugegangen, so u. o. vom preußischen Innenminister G r z e s i n s k i, vom Polizei- Präsidenten von Berlin Zörgiebel und vom Oberbürgermeister Dr. B ö ß. ZLintcrverkehr i« die österreichischen Alpen. Bereits vom 15. Dezember ab besteht eine tadsllose direkt« Zug- Verbindung von Berlin über Nürnberg, Augsburg nach Vorarlberg. Durch diese Verbindung ist es möglich, die Win- tersportplätze in den herrlichen Alpen, wie das Vödele bei Dorn- Hirn, das Rhätikon- und Silvrettagebiet mit den Orten Bazora, Tschengla, Schruns. Gargellcn und Gafchurn, den stillen Brcgenzer- Wold(Egg. Hittisau. Be.zau und Schröcken) oder gar das Winter- sportdarado am Arlberg(Stuben, Zürs und Lech) in leichter Weise zu erreichen. Der Zug, der in seinem ganzen Laus direkte Wagen bis Bregenz führt, verläßt Berlin um 26.17 Uhr, Nürnberg um S Uhr, Augsburg um 8 Uhr und trisst in Bregenz lim l"£3j Uhr ein, wo er günstigen Anschluß nach allen Richtungen erhält. Man erreicht die meisten der vorgenannten Wintersport- Plätze schon in den ersten Nachmittogstunden und kann mithin noch am Ankunftstage die vielgepriesenen Winterfrendcn genießen. In der Gegenrichtung fährt der Zug um 16.30 Uhr von Bregenz ab, ist in Augsburg um 20.55 Uhr, in Nürnberg um 0.35 Uhr und er« reicht Berlin um 9.27 Uhr. Nähere Auskunft und Prosekte durch den Landesverband jür Frenrdenverkehr in Vorarlberg, Bregenz. Männer chor.Alchte-Gcorgioia". Der Partcivorstand hat uns den Auftrog übermittelt, den Trauergesang bei der B e sto t t u n g des Genossen Molke nbuhr zu übernehmen. Es ist Ehren- psiicht eines jeden Mitgliedes, diesem Rufe Folge zu leisten und am Dienstag, dem 27. Dezember. 15 Uhr(3 Uhr nachmittags) auf dem Zcntrcklfriedhos in Friedrichsfeld«, Platz vor der großen Halle, zur Stelle zu fein. Nbheres wird bei der Morgenfeier des 8. Bezirks am zweiten Feiertag bekanntgegeben. Der Vorstand. Genosie Ferdinand Rühl, Berlin-Köpenick, Garlenstr. 17, begeht mit seiner Frau, die ebenso wie er selbst seit langen Jahren Mitglied der Partei ist, am zweiten Feiertag das Fest der Goldenen Hochzeit. Nühl der Maurer von Beruf ist, kam schon in jungen Iahren nach Berlin und war hier bald in der Arbeiterbewegung tätig. 1889 ging er aus die Walze, kam aber schon nach kurzer Zeit wieder nach Berlin zurück. Genosse und Genossin Ruhl waren stets in der Klein- arbeit für die Partei zu finden. Noch heute fehlen sie selten in den Veranstaltungen der Partei. Die Ziehung der Arbeiter wohlsahrls-Weihnachis-Lotierie findet «znz bestimmt am 29. und 30. Dezember 1927 in Berlin W9. Köthener Straße 38. im„Meister-Saal" statt. Das Reichsbanner bei der Beerdigung Molkenbuhrs. Zur Be- erdiouna Molkenbuhrs treten alle ardeitsfreien Kameiaden Dienstag, den 27. Dezember, um 14,30 Uhr am Bahnhof Lichtenberg-Friedrichs- selbe an. Musik und Fahnen müssen zur Stelle sein. Rückmarsch erjolgt geschlossen bis zur Wcverwiese. De? Arbeiler- Samarilerbund teilt mit: Die Geschästsstelle be- findet sich ab heute 3724, Groß« Hamburger Straße 20, 2. Ouergebäilde. partkrre. Geöffnet ist Montag, Mittwoch, Donners- lag von 9 bis 5 Uhr; Dienstag, Freitag von 9 bis 1 Uhr und 4 bis � Uhr: Sonnabend von 9 bis 1 Uhr und 6 bis 9 Uhr. Telephon: ?iordcit 3340. Bei Dienslonfordcrungen usw. bitten wir, sich an die oben angegeben« Adresse zu wenden. Tie nächste Nummer des„Vorwärts" erscheint am Ticustagmorgen. Weihnachten an der See. Der Reichtum will sich eine neue Verbindung mit der Natur schassen, und zwar zu jener Jahreszeit, die man als die„rauhe" be- zeichnet. Sie hat freilich diesen Schreckenstitel schon bei denen ein- gebüßt, die hoch oben in den Bergen, inmitten von Eis- und Schnee, ein paar Tage verbringen,. die oft der Gesundheit dienlicher sind als die sommerliche Ferienzeit. Die neueste Parole ist aber: Weih- nachlen an der Nordsee, wa die Wogen anders als im Sommer auf den feinsandigen Strand schlagen. Wenn man an das Meer,„die See", denkt, so steigen vor unseren Augen die Sommerszenen auf, die lustigen Kämpfe, die jung und alt mit den bald vordringenden, bald zurückweichenden Wellen ausfechten, wir sehen die mehr oder minder nackten Jüngsten ihre Sandburgen bauen, während die Frau Mama in dem Strand- korb den Romanband malträliert und der Gatte feine Zeit zwischen flanieren und frühstücken teilt. Und so etwas sollte im Winter mög- lich sein? Undenkbar. Diesem Vernunftprediger wird � man recht geben müssen: die Wiederholung des sommerlichen Paradieses ist ausgeschlossen, selbst wenn, wie üblich, es„grüne" Weihnachten gibt. Aber es läßt sich nicht leugnen, daß der Winter an nn- serer Zlordseeküste meist einen milderen Cha- rakter aufweist, als im Fe st lande, zumal in unserem norddeutschen Flachgebiet, wo der Ostwind, alles Leben vernichtend, daherbraust. Man hat daher schon Kinderheilstätten an der See errichtet, die das ganze Jahr geöffnet find und man hat gute Rc- fultate mit solchen Winterkuren erziell. Daß der G o l f st r o m unserer Küste ein klein wenig Wärme zuführt, kann wohl mit in Rechnung gestellt werden, wenn wir auch nicht so glücklich daran sind, wie die Engländer, die in ihren Kanal- inseln und der Südküste ein Wintersanatorium ersten Ranges haben. Es ist denn auch schon seit langem Sitte, die Weihnachtstage an der See zuzubringen, um dort ohne Mantel spazieren gehen zu können. Eine große Zahl von Hotels und Pensionen hat dann auch Winters über auf. Unseren Weihnachtskolumbussen, die ausziehen, um zum ersten- mal ein Weihnachts-3ceujahrs-Wocheneiide am'Mecresslrande zu etablieren, steht eine schwere Ausgabe bevor. In den Schnee- und Eisregionen sorgen Naturereignisse und Sportlcben für Amüsement: anders am kahlen Meercsstrande, wo Gelegenheit zu Spiel und Sport im Freien sich mir bei sehr günstigem Welter einstellen wird und dauernde Promenaden auch bald ihren Reiz verlieren. Also her mit dem Vergnügungsanzeiger! Da liegt die Gefahr nahe, daß Berliner oder Hamburger Kultur auf den Inselbaden übcrlragcn wird, daß die Späh« des Kabaretts auf die Gäste losgelassen werden — mit einem Wort: Betrieb.» Die Entfernung unserer Küste von den Zentren, wo die am meisten lufthungrige Bevölkerung sich vorfindet, ist zu�groß, als daß andere denn reiche Wocheneiidler dem Gedanken„Weihnachten am Meere" Leben verleihen können: in England ist die kurze, billige Bahnfahrt ein Hauptreiz, das Ungewohnte einmal kennen- zulernen. Eins Wintersaison, selbst«ine kurze, einfach zu kreditieren, dürste vergeblich sein, andererseits wäre es gut, wenn die anfangs genannten Heilsaktoren der Seeluft größeren Kreisen auch im Winter zugute kommen könnten. Aber das bedarf einer sorgsamen Grundlage, einer sachgemäßen Leitung und systematischen Entwicklung, soll es nicht eist Eintags- bluff sein. Nicht der Vergnügungsrat, sondern der Sanitätsrat muß das Szepter schwingen, daß seine Herrschaft sich auf steche Herzen und frische Geister erstrecke, wäre natürlich zu wünschen. Aber wer könnte sich dem Zauber der See entziehen? Gilt doch für sie auch das, was Storm von seiner Stadt gesungen hat: „Doch hängt mein ganzes Herz an dir____* Vezirksausschuß für sozialistische Bildungsarbeit Am 2. Weihnachtsfeiertag, Montag, den 26. Dezember 4927, vormiftags 44 Ahr, im Großen Schauspielhaus, Karlstraße ifche Feierstunde Kulturpoliiisch- satirische Szene«, dargestellt von Mitgliedern des Staatecheaters- Stadtmusikanten- Ansprache— Eintritt 4 M. Die juristische Sprechstunde fällt am Dienstag, dem 27. De- zember, au°. Der Wcilmaästsreiseverkehr ist am Freitag sowohl wie am Sonn- abend sehr lebhaft gewesen. Am 23. Dezember wurden 4 4 Vorzüge abgelassen, und zwar von Berlin. Stcttiner Bahnhos 6 Bor- züge, von der Stadtbahn nach dem Osten 12» von der Stadtbahn nach dem Westen 4: vom Görlitzer Bahtthos 4; vom Lehrter Bahnhof 4: vom Potsdamer Dahnhof 4 und vom Anhalter Bahnhof 10 Borzügc. Außer den Vorzügen wurde von der Stadtbahn nach Königs- berg ein Sonderzug mit ermäßigten Fahrpreisen abgelassen, der voll besetzt war. Die Vorzüge wiesen«in« Besetzung von 80 Ptoz. aus, die planmäßigen Züge dagegen eine solche von 90 bis 100 Proz. Der Verkehr ist daher als sehr lebhaft zu bezeichnen, wenn er auch nicht ganz den gestellten Erwartungen entspricht. Der Weihnachts- verkehr am Sonnabend entwickelte sich gut und dürste bis zu den Abendstunden lebhaft bleiben. Frische Milch aus den Vahuhöscn. Wrc wir hören, werden demnächst in den Bahnwirtschasten und auf.Bahnsteigen der größeren Bahnhöfe, auf denen Ali Ich zum Verzehr cm das reifende Publicum bereitgehalten wird. Plakate mit der Ausschrist:„Frische Milch hier zu haben", angebracht werden. Es liegt jetzt einzig und allein an der reisenden Bevölkerung, besonders an den Frauen und der Jugend, diese dankenswerte Einrichtung durch Benutzung zu fördern. Die Gesangsgemeinschasl Rosebery d'Arcufto veranstaltet am ersten Feiertag im Spreegartcn. Treptow, 19 Uhr,«ine künstlerische und Gemeinschaftsseier. Unairfsührung proletarischer Gesänge. Pro- fesior Rosebery d'Arguto wird trotz des Unfalls den künstlerischen Teil dirigieren. Karten an der Abendkasse. Weihnachtsfeier der Schwerhörigen. Die Ortsgruppe Verlin des Reichsschiitzverbcmdes der Schwerhörige» hält am Dienstag, den 27. Dezember, beginnend 18 Uhr, ihre diesjährige Weihnachtsfeier im Dresdener Garten, Dresdener Straße 4ä, ab. Alle Schwer- hörigen mit ihren Familienangehörigen und Freunden sind zu dieser Feier herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei. Der elektrische große Vielhörer zur Ucbennsttlung der musikalischen Darbietungen und Rezitationen wird aufgestellt. Jeder Schwerhörige ist will- kommen. Ein gemütliches� Gefängnis. Im Gefängnis in T r o y e s in Frankreich hatte ein gewissei»iCharles Hubert, ein SOjähriger Mann, der wegen Betruges ein Jcchr Gefängnis abzusitzen hat, das Ge- fängnisleben aber zu langweilig iand, mit zwei Gefängniswärter» «in Abkommen getroffen, daß er sich abends um 9 Uhr nach Hause begeben dürfe, um gegen Mitleruacht wieder in das Gefängnis zurückzukehren. Alles ging gut, bis die Präfektur Wind von der Sache bekam, dem Idyll ein Ende bereitete und die beiden Gefängnis- .wärter verhaften ließ. Von„Weihnachtsbaum und Weihnachtsbrauch" erzählte Ober- sttidicndirektor Dr. Lessson in einem recht für den Weihnachtsabend geeigneten Vortrag. Er berichtete von seltsamen Weihnachtssitten und-gebräuchen in den verschiedenen Gegenden Deutschlands, und gab auch eine kurze Geschichte des Weihnachtsbaumes, der seit 1603 etannt ist. In diesem Jahre wurde in Stroßburg ein Tannen- bäum geschmückt. Die Welt aber hpt er sich erst in den letzten hundert Jahren erobert.— Am Abend wurde eine stimmungsvolle Weihnachtsfeier übermittelt. tes. Seslerreichische Sendervorslellungen. Unter d-tst Proteltorat der österreichischen Gciandsckast und des lllcichztagSprüsidcnten Löbe als Bmsilzendkr deS Oesterreichisch-Dcutichen VolkSbundeS, werden im„?t euen Theater am Zoo" allmonatlich an einem Sonnabend Nachlvorstcllnngcn vcran- italtel, bei denen in der Hauptsache österreichliche Autoren zu Worte kommen sollen.(r3 wirken mit: Franziska Kinz, Mari» Paudler, Karl Etttiiiger, Rudolf Förster, Oskar Homolla, Paul Hörbiger und Oskar Karlweis. Regie: Rudolf Eger. Tie erste Vorstellung findet am 25. Dezember um II Uhr abends statt. Zur Ausführung gelangt Ncstroy'S Posse„Der T a I i S�ni a n', mit Musik von Franz Lehar. Den TituS Fcueriuchs ivielt Paul Hörbiger. Die Voistellungcn enden um 6,45 Uhr. io daß die Be- Nutzung der allgemeinen Verkehrsmittel nach Theaterschluß gewährleistet ist. Bestellungen aus Billette, sowie auf Abonnements sür alle sechs Vorstellungen, nimmt die Kasse des„Reuen Theater am Zoo' entgegen. Die Reederei Nobiling läßt an den drei W e i h n a ch t S f c i e r t a g e n ihre geschlossenen und geheizten Salondampscr der Winter- viärchcnklasse nach dem Müggelsee verkehren. Die Abfahrt erfolgt vor- mittags um 16 Ubr, nachmitlazs um 1, l'/j, 2 und 2ss« Uhr von der Lannowitzbrücke aus. Voriräge, Vereine und Versammlungen. G Reichsbanner»Schwär,-Rot-Gold-. E e I ch ä f t s st e l l e: Berlin E. 14. Lebastianftr. üifiiZ, Hoi 2 Tr. nick, Wassersportabteiluna.__________________„_____________..._____ radschast Andreas: Bersammlung mir Weihnachtsfeier IS Ilhr bei Heinrich, Lang». Ecke Strautstrafte. Steglitz,»omcrodschaft Lichierfelde-Lonkwitz::» Ilbr Weihnachtsfeier in Lehmanns Festsälcn, Lankwth, Loisrr-Wilhclni.Str. 30—31. Karten i 50 Pf. an> Saalcingang. Lichtenberg, Kameradschaft Boxhagen: 19 Uhr Weihnachtsfeier mit AngehSrigen bei Lohann. Jung.-. ENe Odcrstratze. Lichlraberg nebst Kameradschaften: Der gesamte Srtsvcrei» steht mit umflorten Fahnen ohne Tambourkorpe pünktlich W/, Uhr am Eingang Zentrolfried- bof Friedrichssclde. Ordncrdienst für die Beisetzungsfcicr des Kameraden Aivllcnbuhr. Der 20» Sänger zählend« Urbeitcr.»esaag»cr«i»„Ramenlootz Ehormelficr Drorg Cotar Schumann, hat«ine Acnderuny seines Namens vorgenommen. Er heißt jetzt„Berliner L e n d v a i. E h o r", genannt nach dem Äom. poniste» Erwin Lendvai in Koblenz. Landemannschaft der Schteewig-Solsteincr z« Berlin. 1892. Dienstag, 27. Dezember. 18 Uhr, im Dresdener Kasino, Dresdener Str. 28, Weihnachts- frier. Landsleute und Gäste sind sehr willkommen. Gemischter Chor Narben. Die Ucbungostunde Donnerslog, 29. Dezemlier, fällt aus. Nächste Ucbungsstundc Donnerstag, 5. Januar, im Erfrischnngo. räum, Grstnthaler Str. 5. Neue Mitglieder und Gäste herzlich willkommen. Generalversammlung Eonnabend, 7. Januar, 20 Uhr, bei Sachse, Lindower Strohe 26. Vereinig»»,! ehemaliger«riegsgrsaagrne» Grvh. Berlin, e. B. 2. Zeiertag. 17 Uhr, Weihnachtsfeirr im Saalbau Feicdrichshain, Gartensaal. Kinder. beschcrung. Gäste willlommcn._ Der Weihnachtsmann bringt warme(Sachen. Im Primus-Palast, Potsdam er Straße, bescherte die Firma Grumach A.-G. 100 bedürftige Kinder mit einer netten Weihnachtsgabe. Jedes der 5iindcr bekam eiuen Karton, darin log, unter einer Deck« von süßen Leckerbissen, ein warmes Klei- dungsstück, ein Pullover, Handschuhe, Mützen, warme Unterwäsche. Im Anschluß an die Bescherung lief ein Film„Das Recht der Mutter", der den seelischen Kampf einer armen Mutter gegen die verlockende Pracht des Reichtums schildert. Die Vernunft rät ihr zur Tremiung von ihrem Kinde, das bei der kinderlosen Reichen «in weit schöneres Heim finden würde: die Mutterliebe aber trägt zum Schluß den Sieg über sie und die andere davon, die, bezwungen von diesem edelsten aller Gesühie. selbst das Kind in die Arme seiner Mutter zurückführt. Das Ganze ist ein bißchen stark von Sentimcn- talität durchtränkt und nicht naturgemäß wie immer, wenn des Guten zuviel getan wird, oft etwas kitschig. Aber Weihnachten niag ent- schuldigen._ Z» Saalban Ariedrichshai» veranstaltet der Arbeiter-Turnverein„Fichte" am ersten Wcihnachtsfeiertag wieder seine diesjährige Vcrcinsfcier. verbunden mit turnerischen Vorführungen der Musterklasscn des Sportvereins. Das be- kannte Fichte. Trio mit seinen humorlstisch.satirsschen Vorträgen sorgt fite Humor und Stimmung. An das sorgfältig gewählte Programm schlicht sich ein Festboll an.— Am zweiten Feiertag werden vom NeulWner Artistenverein „Einigkeit" Spezialitäten erster Kräfte hiesiger Biihnen und Barietäs vorgeführt, von denen die Besucher sagen werden, das hat Berlin noch nie gesehen. Also auf zum Saalbau Friedrichohain! Behaglichkeit, Frcnbc und Zufriedenheit herrscht gewiß überall dort, wo der Weihnachtsmann ein Paar stiller, wchuhc unter den Baum gelegt hat. Trotz der gewaltigen Bresche, die der Weihnachtsbedarf in die Riesenvorrate der Firma Stiller gerissen hat, sind die Bestände in allen Artikeln noch sehr groß, und in allen den Fällen, wo irgendein Weihnachtswunsch noch übersehen worden ist, kann das Bcrsäumie zwischen den Feiertagen bequem nachgeholt werden. Ldergtl________________ Deutschen Musikerverdandeo. Berlin, Kom- mandanlenftr 63j6t Dönhoff 2271—73. Deschästszet» S— S. Sonntag» tO— 3 Uhr. Aul Wunsch- Bertretcrbeluch (hemedeodor In der richtigen Auswahl und richtigen Anwendung der Hautpflegenjiltel liegt das Geheimnis der schönen Frau. Eine jede Dame trachte» mit allem Recht nach Erlangung eines zarten, frischen, nicht fettigen Gesichtsteints und achtet auf die sammetweiche, geschmeidige und angenehm trockene Beschaffenheit der Hände. Bei täglichem Gebrauch von Creme Leodor kann jede Dame die großen persönlichen Vorzüge genießen, welche man kurz das Geheimnis der schönen Frau nennt. Audi für Herren hat .. Rasieren Creme Leodor eine wohltätige Wirkung für die Haut Das Brennen und Ziehen der Haut nach dem Rasieren verschwindet sofort. Creme Leodor verleiht dem glatt- Irrten Gesicht die auch bei Herren beliebte jugendliche Frische und Geschmeidigkeit. Besonders bewährt hat sich Creme Leodor, dick aufgestrichen, bei ludereiz der Haut Röte und Aufspringen a Hände, des Gesichts als sofort kühlendes und reizmilderndes unschädliches Kosmetikum. Alle unsere Chlorodont-Freunde sollten nicht versäumen, diese hochwertige, herrlich duftende Creme "�Uipßlt'cfa zu verwenden. In allen Chloj-odont-Verkautssiellen erhältlich. Yube 60 Ffg. und 1 Mk. Für den Weihnachtstisch eleganter Geschenkkarton, enthaltend: 1 Tube Creme Leodor-Haut- CTeffleTaStück Creme Leodor-Seifc, überfettete, reizlose Fefcseifc mit elegantem Blütenduft für empfindliche Haut besonders empfohlen. Preis 2 Mk. Leo-Werke A.-Q, Dresden-N. 6 Wirtschastsaufschwung und Kämpfe Lahresschau von Fritz Naphtali. Wirtschafwbetrachwngi» iMnett immer»och dte Jett vor de» Kriege als da» Ziel aller Seh Much» vorfchmetot, werden Dem JVahr* 1927 wohl nie eine recht gute State geben. Die Annäherung der Wirtschaftsdewegung an das Stormalbild der Zeit vor 1914 hat in dein Aufschwung der deutschen Wirtschaft im vergangenen Lahre chne Zweifel einen in der Nachkriegszeit vorher nicht gekannten Grad erreicht. Nach der Zerrüttung des Krieges, nach der trügen- schon Scheinblüte der Inflation und der durch schnelle Zuckungen unterbrochenen mehrjährigen Stabilisierungskrise hat das Jahr 1927, angeschlossen,»nenn auch nicht ohne Ilnterbrechung, an die 1926 von auften durch den englischen Lergarbeiterstreik entfachte Aufwärtsbe- wegung.�mn ersten Male wieder die Kennzeichen eines echten Aufschwunges in der deutschen Wirtschaft gebracht. Diese Kennzeichen sinid in den Konjunkturdebatten der letzten Zeit so ausgiebig erörtert worden, daß wir uns hier mit wenigen kurzen Hinweisen begnügen können. Die Arbeitslosigkeit sank vom März bis zum Oktober »on über 2 Millionen auf rund 500 000.(Vom November ab trat ein jahreszeitlicher Rückschlag ein, von dem bisher noch nicht klar erkennbar ist, inwieweit seine Heftigkeit von den besonderen Witte» rungserscheinungen dieses Jahres bedingt war, oder auch schon ein Nachlassen der Konjunktur spiegelt.) Diese Aufsaugung von 114 Millionen Arbeitslosen in der besten Zeit hat oll« Theorien von einer auf Grund der Nachkriegslage chronischen oder gar unvermeidbaren Massenarbeitslosigkeit als Phantasiegebilde enthüllt, wenngleich das Heer der Arbeitslosen in dieser Konjunktur noch nicht bis zu dem Grade wieder eingeschaltet worden ist, der in Hochkonjunkturpcrioden der Vorkriegszeit erreicht wurde. Der Anstieg öer Produktion. Der P r o d u k t i o n s i n d e x des„Instituts für Konjunktur» forschung" zeigt seit 1924 folgeird« Entwicklung: 1924. 1925. 1928. 1927. I. Vierteljahr 2» 3. 4. 1. Vierteljahr 2. 3. 4. 1. Vierteljahr 2. 3. m 4. I. Viertestahr 2. 3. Diese Zahlenreihe ist besonders deshalb interessant, weil sie zeigt, wie erheblich die Produktionsmenge von 1927 bei ungefähr gleichem Beschäftigungsgrad der Arbeiterschaft über der Praduttions» menge des guten ersten Halbjahres von 192S liegt. Verglichen mit 1913 hat der Produktionsindex insgesamt den Stand von etwa 107 erreicht(Gmndstosse 113,6, verarbeitende Industrien 94,1), d. h. die Produktion ist auch nach diesem Maßstab über das Borkriegsniveau gestiegen. Erganzen wir diesen Index durch die Betrachtung von einigen einzelnen Produktionsreihen: Produftwii Steinkohle Braunkohle Kokk Roheiten Rohstahl Walzwerk- (fm Monatsdurchschnitt)(in Millionen Tonnen) erzcugnifs« 1913(tchizes Sebtel) 11,73 7,27 2,64 0,91 1,01 0.91 1924...... 9,90 10,36 1,97 0,65 0,82 0,68 1925...... 11,06 11,65 2,23 0,85 1,02 0,85 1926...... 12,11 11,66 2,19 0,80 1,03 0,86 1927(10 Monate).. 12,75 12,32 2.65 1,08 1,35 1,07 Berücksichtigen wir besonders beim Kohlenoerbrauch den Rück- gang der Ausfuhr von 1926 auf 1927 nach dem Ende des englischen Streiks, so zeigt die Zunahme des Inlandsverbrauchs an diesem Grundstoff der Krafterzeugung sehr deutlich die Erhöhung der wirt- schaftlichen Aktivität im Jahre 1927; Im Vergleich mit 1913 erkcnnni mir aber aus der Gefanitheit dieser Zahlen klar die über den Vor- kriegsstond längst hinausgewachsene industrielle Entwicklungsstufe. Fügen wir diesen Produktionszahlen noch eine für den Waren- Umschlag kennzeichnende Zahl hinzu: Wagengestellung der Reichsbahn ' Slrbeitstäglich in 1006 Stück 1913.hwah»»,,», 133,5 1925........... 122,6 1926........... 129,7 1927(10 Monate)...... 145,9 Der Anstieg der Produktion und die Belebung der Umsätze waren erheblich. Schon allein die Einschaltung von rund 2 Mkl° lionen bisher arbeitslosen Kräften entspricht einer Erhöhung der Iahresgefamtproduktion um schätzungsweise mindestens 6 Milliarden Mark, zu denen noch etliche Milliarden an Mehrproduktion der auch früher beschäftigten Kräfte hinzukommen. Diese Ausweitung er- forderte Kapitalinvestition, sie erforderte es um so mehr, als aus vielen Gebieten Erhaltung und Ausdehnung der Absatzmöglichkeiten abhängig sind von der Modernisierung der Produktionsanlagen. Während wir in der Produktion die stark« Bewegung zum Vor- kriegsnormalen sehen, ist aus dem Gebiete der Kapitalversorgung ein entscheidender Wandel unentwegt sichtbar. Die Bedeutung dieses Wandels ist ein Streitpunkt in der Diskussion über Segen oder Un- fegen der'A u s l a n d s k r« d i te, der Kapitaleinfuhr. Versuchen wir uns ein Bild von den Vorgängen der Kopitalversorgung zu machen. Der Wandel der Kapitalversorgung. Der folgend« Versuch eines Zahlenoergleichs zwischen 1913 und 1927 hat nur den Sinn, eine Vorstellung von der Größenord- nung zu verschossen: alle diese Zahlen sind ganz unsichere Schätzungen und mit größter Vorsicht zu verwerten. Aber trotz aller Vor- behalte dürsten sie veranschaulichen, welche Rolle dos Auslands- kapital im Gesamtkapitaloersorgungsprozeß der deutschen Wirt- schaft spielt. Helfferich schätzte 1913 das Volkseinkommen auf 40 Milliarden Mark. Davon wurden nach seiner Schätzung 25 Milliarden privat verbraucht, 7 Milliarden wurden für öffentliche Zwecke auf- gewendet und 8 bis 814 Milliarden stellten den jährlichen Ver- mögenszuwachs dar. wovon vielleicht eine halbe Milliarde im Aus- land Anlage fand, während der Rest im wesentlichen die Kapitalver- sorming der deutsche» Wirtschaft darstellte. Helfferich nimmt on, daß von diesem Kapitalzuwachs etwa die Hälfte in den Emissionen von Wertpapieren, in der Zunahme von Sparkasleneinlagen, Bantdepo- fiten und Sozio werfichei uwgsiwnuggeii sichtbar wird, während die ander» Hätsle in nach außen nicht sichtbarer Form besonder» in den Unternehmungen al» Kapital unmittelbar zuwächst. Versuchen wir noch diesem Schema da, Bild für 1927 gu entwerfen. Wir schätzen einmal aus Grund der für 1925 errechneten Schätzungen, die zwischen 50 und 55 Milliarden schwankten und zum zweiten durch Vergleich der Produkttonshöhe, die über 1913 hinausgeht, unter Berücksichtigung des Fortfalls an Bezügen aus Auslandsanlagen und Verpflichtung zur Zahlung von Zinslasten an dos Ausland, das Volkseinkommen von 1927 auf etwa 60 Milliarden Mark(das entspräche dem Einkommen von 1913 mal Lebenslzal- tungsindex). Den persönlichen Verbrauch nehmen wir mit der Vor- kriegshöhe mal Lebenshaltungsindex an, das ergibt 37,5 Milliarden (wahrscheinlich etwas überschätzt), die Auswendungen für öfsenttiche Zwecke berechnen wir aus Grund des Gesamtzuschußbedarfs von Reich, Ländern und Geineinden, der nach der Reichssinanzstatistik 1925/26 rund 11,8 Milliarden betrug, für 1927 auf rund 13,5 Mit- liarden. Es verbleibt dann ein Vermögenszuwochs von rund neun Milliarden Mark. Für die ersten drei Vierteljahre 1927 ergibt sich ein Zuwachs an Sparkasseneinlagen von 1262 Millionen, ine inlän- dischen Emissionen betrugen an Attten 950 Millionen, an festvexzins- lichen Werten rund 2500 Millionen. Bankdepositen schalten wir aus, well sich in ihnen gegenwärtig kaum eine Kapttalblliduiig spiegelt: Sozialversicherungsvermögen mangels Zahlen desgleichen. Trotzdem kommen wir für diese drei Vierteljahre auf 4712 Mll- liarden an sichtbarem Kapitalzuwachs. Das würoe unter Annahme der Kriegsverhältniszahl von 50 Proz. Sichtbarkeit, den Iahreszu- wachs etwas höher, als die oben errechneten 9 Milliarden schätzen lassen. Für diese Annahme spricht im besonderen, daß heute wohl der Anteil der inneren Kapitalblldung bei den Unternehmungen im Durchschnitt gewachsen ist. Wir brauchen auch nur ein wenig die Konsumzahl überschätzt zu haben, um«inen Kapitalzuwachs von rund 10 Milliarden für wahrscheinlich zu hallen Mit dieser Zahl des inneren K'apitalzuwachses muß man nun zusammen- hatten die Summe der von Januar bis Oktober 1927 ausgenom- menen Ausländsanleihen von 1,3 Milliarden Mark, die sich noch durch andere Formen der Kapitaleinfuhr auf rund 2 Milliarden Mark erhöhen mag. Wir kämen bei dieser Rechnung aus eine Kapi- tatoersorgung der deutschen Wirtschast von insgesamt 12 Milliarden, was unter Berücksichtigung der Geldentwertung den rund 8 Milliar- den von 1913 entsprechen würde. Wozu dienen nun dies« rohen Zahleiwergleiche? Es scheint uns wichttg, die Vorstellung.zu zer- stören, als lebe die deutsche Wirtschaft in der Kapitalversorgung im wesentlichen vom Pump im Ausland. Fünf Sechstel des Kapitalbedarfs von 1927 sind nach dieser Schätzung i m Innern durch Kapitalbildung gedeckt worden, ein Sech st el ist vom Ausland geborgt worden. Vorläufig braucht die deutsche Wirtschaft diesen Zuschuß an Kopttaleinfuhr, um ihren Apparat auszubauen, zu modernisieren und ausnutzen zu können. Die Tatsache des unr einig« Prozent in Deutschland höheren Zinssatzes als in den Kapital ausleihenden Ländern ist der beste Anzeiger dieses Bedarfs. Gelingt es aber, die Produkttonskräfte weiter zu entwickeln ohne gleichzeittge Steigerung des Öffentlichen Bedarfs, gelingt es. Rückschläge zu verhüten und salsche Kapttal- inoestttionen zu unterbinden(ob die Mitel dabei im einzelnen ans dem Inlands- oder Auslmrdsreservoir stammen, spielt für die Schädlichkeit von Verschwendungen gar kein« Rolle), so kann es auch ge- lingen, bei steigendem Massenverbrauch zu steigender Kapitalbildung zu kommen und damit allmählich der weiteren Aufnahme von Aus- landskapital den Boden zu entziehen. Aber noch sind wir nicht an diesem Punkt angelangt.' Deshab sehen wir in der unsachlichen Motiven entspringenden Politik der künstlichen Hern- mung der Kapitaleinfuhr eine schwere Gefahr für die Aufwärtsentwicklung der deutschen Wirt- s ch a s t. Einflußreiche Kreise der Industrie, die sich mit dem Reichs- bankpräfidenten Dr. Schacht begegnet sind in der Zuspitzung des Kampfes um die Auslandsanleihen zu einem Kampf gegen die Unternehmungen der öffentlichen Hand, begehen den schweren Fehler, daß sie glauben, diese gehaßten Konkurrenten und Fremdkörper im kapitalistischen Fleisch aushungern zu können. ohne sich selbst den Kapitalmarkt und den Zlbsatzmarkt zu ruinieren. Polllische Verblendung, die unter dem Schlagwort„gegen die kalte Sozialisierung" ein« Schädigung des deutschen Kredits hervorrief und die in ihren Wirkungen die deutsche Konjunktur schwer bedroht, die Arbeitslosigkeit heraufbeschwören kann, die bei normalem Gang der Kapitalzufuhr vermeidlich wäre, diese polittsche Verblendung muß um der Wirtschast willen mit politischen Mitteln bekämpft werden. Arbeiierfchast un5 Konjunktur. An der Erhaltung einer guten Konjunktur, an der Schafsiing der Voraussetzungen für«inen möglichst langen Aufstieg hat die Arbeiterklasse ein unmilbelbares Interesse. Gewiß, wir wissen, daß, so lange die planlose kapitalistische Wirtschaft vorherrscht, der Wechsel der Konjunkturlagen nicht verschwinden kann. Wir glauben aber, daß eine immer stärkere Durchdringung des Kapitalismus mit ordnenden Elementen, vor allem auf dem Gebiete der Preis- und Lohnpolitik, aber mich auf dem Gebiete der Kckedltvertellung und schließlich durch das wachsende Gewicht der Diepositionen der nicht rein nach dem Profitstreben orientierten öffentlichen Unternehmun- gen auch zur Milderung der schlimmsten Krisenerscheinungen führen kann. Bei guter Konjunktur vermindert sich selbsttätig die Arbeits- losigkeit, das schlimmste Gespenst im Leben des Proletariers. Eine Geißel, die abzuwehren jede Anstrengung rechtfertigt, auch wenn die Wunden, die sie schlägt, ein wenig durch die Arbeitslosenversicherung gemildert sind. Di« Einstellung des Arbeit»« aus der Reservearmee in den aktiven Dienst ist ein unmttetbares Interesse des Kapitals bei gutem Geschäftsgang. Das ist aber auch fast die einzige Teilnahme der Arbeiterschaft on der guten Konjunktur, die au t o in a t i s ch eintritt. Die Verdienste steigen bei flottem Geschäftsgang, wo im Akkord gearbeitet wird, aber sie steigen nicht mehr, als die An- fpannung des Arbeiters wächst. Die Löhne pro Stück oder pro Stunde steigen nicht von selbst parallel der Konjunrwr. Im Gegenteil, es besteht die Tendenz, die Preis« schneller zu steigern al, die Löhne und damit den Realwert der Löhne zu drücken. Der einzeln« Unternehmer oder die einzelne Gruppe strebt so zu höherem Profit: daß dabei in der Gesamtheit durch Untergrabung der Massenkaufkraft und Devengung des Ab- satzmarktes die Eesamtkoiijunktur gefährdet und schließlich vernichtet wird, das kann den individualistisch eingestellten Unternehmer nicht von seinem Streben abholten. Jede Teilnahme der Arbeiterschaft am Segen der guten Konjunktur, sei es durch Verkürzung der 2(7- beitszeit, fei es durch Erhöhung der Löhne, muß erkämpft werden. Das Jahr 1927 war ein Jahr dauernder Kämpfe um den Anteil der Arbeiterschaft am Aufschwung, um den Anteil am Ratto. nalijlerungsgewinn. den dl« Arbeiterschaft erst durch oorwegge- ftunpf um Ardeilszettgejetz und ttederswndendezohwng. teer bin großen Kämpf« um Arbettszett und Arbettsiohn im Vraunkohtea- bergbau, über die Kämpfe in der Metallindustrie, dem Textiigc, werde, der Zigarrenindustrie u. a. bi» zu der harten Auseinander» setzung In der Eisenindustrie, hat das Jahr 1927 täglich gezeigt, wie sehr es auf die gewerkschaftliche Kraft ankommt, nm auch nur den kleinsten Varl eil für dte Arbetterschoft bei steigend« Km»- jmrktur durchzusetzen, und mehr al» einmal ist in diesem Lahre demonstriert worden, wie tief politische Aachlgepallung unmittelbar in da» Schicksal der Ardettskämpfe eingreift. Rtrgendä deutlicher als in der Eisenindustrie! So muß die Ardeile rklass« zCKNig-täufig um die Sonftmktur und in der Konjunktur um ihre Ledensgeftattung kämpfen. Vi« braucht für diese Kämos« keine andere Begründung al» ihr de- rechttgtes Interesse. Sie kann aber gleichzeitig feststellen, daß der Druck ihrer Kämpfe auch eine wichtig« wirtschaftliche Funk» tion erfüllt. Gerade in Zeiten, in denen die Kapitalbeschaffung oft schwierig ist. bedarf es de» Drucke, vom Lohnkonto her. um den Unternehmer zu Höchstleistungen, zu einer ständig ft>rtschreiten- den technischen und organisotorrschen Rattonalisierung. in der Pr»- duktton, wie im Handel, zu zwingen. Steigende Reallöhn« aber sind wiederum Voraussetzung für einen breiten inneren Markt, der seinerseits Voraussetzung für rationelle Massensabrikatton und Steige- rung der Exporlfähigkett bildet. Der Lohnkampf zwingt sich als Notwendigkett au» dem täglichen Leben dem Arbeiter auf. Um feine Frücht« aber wttd der Arbetter betrogen, wenn nicht politisch« Machtbildung seinen Einfluß auch auf die Sphäre der Preisgestaltmtg ausdehnt Mehr und mehr diktieren monopolistische Unternehmungen oder Unternehmungsgruppen die Preise. Der regierende Bürgerblock ist taub gegenüber dem Der- langen der Arbeiterschaft nach wirksamer Kontroll« der Kar- teile und Trusts, er hütet sich auch ernsthaft durch Zoll- senkungen eine» Druck auf überhöht« Preise auszuüben. Man hat zwar das ganze Jahr 1927 hindurch im Zeichen der Wellwirt- schaftskonferenz viel vom Abbau der Zölle geredet, aber von ein paar späten und unzulänglichen Erfolgen bei Handelsverträgen abgesehen, hat man praktssch Lebensmittotzölle erhöht. In dem Augenblick, in dem es möglich war, gewisse Lohnerhöhungen durch- zusetzen, ist ihre Bedeutung oermindert worden durch die M i e t- erhöh unge ii, die der Bürgerblock, nicht etwa, um ein großes soziales Wohnungsbauprogramm durchzuführen, das wir bitter nötig haben, sondern um den Hausbesitzern erhöhte Renten zu verschaffen, zweimal im Jahre 1927 vornahm. Und jetzt? Was sagt eine Re- gierungsdenkschrist zu den rund 700 000 dringlich sehlenden Woh- nungen? Man könne kein Programm ausstellen. Man miisse ständig überlegen, wann eine neue Mictenheraussetzung möglich wäre der dergleichen verheißungsvoll«� Einstreuungen in einen rückfchauen- dcn Bericht. Selbst das gesetzlich festgelegte Versprechen der Lohn- steuersenkung ist zum besonderen Schaden der untersten Stufen der Steuerzahler umgebogen worden. Die Lehre, die der Rückblick auf Wirtschaftsverlauf und Wirt» schaftspolitik im Jahre 1927 gibt, ist eindeutig. Nur im ständigen Kampf um ihre Arbeitsbedingungen kann die Arbeiterschaft einen Anteil erringen an dem Segen eines wirtschaftlichen Ausschwunges. Der gewerkschaftliche Kampf berührt sich an allen Ecken und Ende» mit dem politischen Kampf, weil der Kamps um Lohn und Preis in letzter Linie nur auf dem Wege einer zielklaren Wirtschaftspolitik ausgefochten werden kann. Beide Kampsformen haben es gemein» sam, daß sie, ausgehend von den Gcgenwartsbedürsnissen der Ar- bciter und Angestellten, zwangsläufig hineintreiben in die Umgc- stallung des Wirtschaftssystems. Dar tägliche Kampf dient der Ver- wirklichung des sozialistischen Zieles, wie die weitschaue ade Zielsetzung den Togeskampf belebt. Wie das Jahr 1928 in seinem wirtschaftlichen Verlaus sein wird, vermögen wir nicht zu prophezeien. Das Gespenst der Arbeitslosigkeit taucht auf. Wir glauben, daß es gebanitt werde» könnte, aber wir wisse» nicht, ob es gebannt werden wird. Wirt- schaftspolitik! Eines wissen wir vom Jahre 1928: es ist ein Wahl- fahr ersten Ranges, ein Kampsjahr für sozialistische Wirtschasts- Politik. Aeue Arbeitslosigkeit zu Weihnachten. Fast 9000 Erwerbslose mehr in Verlin. Der Arbeitsmarkt weist wieder rechterheblicheZugäuge auf. Dir Steigerung beträgt in der letzten Woche rund 8809 Personen, woran die weiblichen mll ungefähr einem Drittel bcteUigt sind. Auch bei den Jugendlichen macht sich eine nicht uner- hebliche Zunahme bemerkbir. Am fühlbarsten trägt zu der Ver- schlecbterung die Behinderung der Außen- und Bauarbeiten durch den anhaltenden Frost bei. Andererseits boten die starken Schnee- fälle einer ganzen Anzahl ungelernter Ardeiter kurzfristige Beschästigungs Möglichkeiten. Die Zugänge im Bekleidungs» gewerbe halten zwar noch an. jedoch beginnt der Umjang derjeloen allmählich abzuflauen. Auch im Spinnstofsgewerve machen sich in der Stickerei wieder Anzeichen einer Belebung bemerkbar. Der Bc- darf an Handels- und Bureauangestellten war verhältnismäßig gut, doch sind aus dem männlichen Stellenmarkt wieder größere Bewerber- Zugänge vorherrschend. Das Weihnachtsgeschäft führte zu einem stärkeren Abgang von Handeishilfs- und Transportarbeitern. Infolge teilweis er Vereisung der Wasserstraßen wurden auch die Zlrbeitsmöglichkeiten für Schiffer und Transportarbeiter stark unter- Kunden. Bemerkenswert ist. daß sich in der M e t a l l i n d u st r i e die Steigerung der Arbeitslosigkeit um 600 Personen fortgesetzt hat, die hauptsächlich aus männliche Kräfte entfällt, während weibliche geeignete Kräfte nicht immer sofort nachgewiesen werden können. Es waren 178 204 Personen bei den Arbeitsnachweisfen ein- getragen gegen 169 409 der Vorwoche, Darunter befanden sich 116 201(110 456) männliche und 62 063(58 953) weibliche Personen. Unterstützung bezogen 112412(102817). davon Arbeits- losen Unterstützung 61 397(55 185) männlichx und 31 294(28878) weibliche, zusammen 92 691(84 063), Krisen Unterstützung 14090 (13412) männliche und 5625(5342) weibliche, zusammen 19 721 (18 754) Personen. Außerdem wurden noch 24 380(24 064) Personen �urch die �rwerbslosenhilfe der Stadtgemeinoe Berlin unterstutzt. Bei Notstandsarbeiten wurden 2029(2526) Personen beschäftigt. Ver Großhandelsinder. Di« auf den Sttchtag des 21. Dezem- der berechnete Grohhandelsindextzisfer des Statistischen Reichsamts Ist um('„5 Proz. gegenüber der Vorwoche, von 139.3 aus 14ü,0, g e st i e g e n. Von den Hauptgruppen haben die Indexziffern nie „ß m0 1'''■ um 1,1 �r03- aus 136,7, für K o l o u i a lwaren um 0,1 Proz. aus 129 9 und für die industriellen Rohstoffe und Halb- 2!?�• Urß' Proz. aus 133V angezogen. Die Indexzrsser der industriellen Fertigwaren war mit 155.6 unverändert. .. �fue Kprozcntige Goldvsandbriese. Im Inseratenteil der vor- liegenu.n Zeitung verdfsentlichen wir einen Prospekt über eine ZeiH» nung aus neue 8 proz. Eecklral-Goldpfandbrisse vorn Lahr« 1927 der Preußischen Central- Bodenkredit- Pfandbriese sind ausgefertigt in Abschnitten von 5000, 2000, 1000, 500, 200 und 100 Goldmork. Die Zeichnung auf einen .iio ro8 vou 6 000 000 Goldmark findet statt bis zum 10. Januar "urfe von 98,20 Proz. Bei einem Grundkapital von 1° A» 000 Reichsmark waren von der Preußischen C-ntral Boden. kredit-A.-G. am 30. November 1927 in Verkehr 203 072 537 Xt. GrtjfrobPtanbDrlefe, denen als Deckung 217129 462 Mk. hypoth«. tartsche Darlehnsforderungen gegenüberstanden. Hr. 609» 44. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonntag, 2S. Vezember 1927 Aus der Partei. Sechzig Iahre Sozialdemokrat. TroK der proßen Zahl alter Parteimitali eder wird eine iechziß fahrige Mitgliedschaft in der Sozialdemokratischen Partei eine Selten- heit sehr Karl F rühme, der jetzt Achtundsiebzigjährige, tan» am ersten W e i h n a ch t st a g auf 60 Jahre Parteimitgliedschaft Zurückblicken- Am 25. Dezember 1867 trat er bei einer Weihnachtsfeier des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins in Hannover der Organisation bei. Der alte Kämpe hat in den sechs Jahrzehnten Außerordentliches für die Partei geleistet. In Bremen, in Hessen, Baden und Württemberg war er bis 1874 tätig. Nachdem er seinen Wobnsttz in Frankfurt a. M. genommen hatte, veranlaßte er dort die Gründung eines Parteiorgans, besten Redaktion er führte, bis das Sozialistengesetz dem Blatt ein Ende machte. Bereits 1881 wurde Karl Frohme Reichstagsabgeordneter. Er vertrat zunächst den Wahlkreis Hanau, von 1884 bis 1924 war er ununterbrochen der Vertreter des Allonaer Wahlkreises. 1890 siedelte Frohm« noch Hamburg über und war(bis er 1924 in den Ruhestand trat) Mit- glied der Redaktion des„Hamburger Echo" Reben seiner journa- listischen Arbeit war der Jubilar auch schriftstellerisch außerordent- Iich stark tätig. Es ist selbstverständlich, daß er bei seinem unermüd- lichen Wirken für die Partei häusig mit den Gesetzen in Konflikt kam. 15 Prozeste wurden gegen ihn angestrengt, aus denen er mehr als 4 Jahre„S t a a t s p e n s i o n" bezog, bei welcher Gelegen- heit er 6 Gefängnisse des deutschen Vaterlandes kennenlernte. Zu seinem Ehrentag am 25. Dezember bringt ihm die gesamte Parteiorganisation Glückwünsche dar. Die Pro, est reihe gegen die.Repszava". unser Budapester Bruderblatt, wird unaufhörlich fortgesetzt, um das Arbeiterblatt um- zubringen, zumal das Kolportageverbot diesen Erfolg noch nicht ge- habt hat. Jetzt ist Genosse Ludwig Szöke wegen seiner Flug- schrift„Kote Ratten, in der er die Ausnahmegesetz« und den Galgenkurs kennzeichnete, und wegen ihres Abdruckes in der „Repfzaoa" in zwei Prozessen zu insgesamt 20 Monaten Kerker und 2999 Pengö Geldstrafe, sowie den Kosten ver« urteilt worden I EWIk»t»ma«n für diese Rubrik sind Berti» SB«. Liudeustrab« 3. parieinachnchten fürGroß-Berlin stet» a» da» B«»irr»fetee»ariat Z. H»s. 2 Trep. reiht», zu richte»., Die Genossinnen und Genossen beteiligen sich an der Trauer- scier für den verstorbenen Genossen ZNolkenbnhr am Dienstag, dem 27. Dezember. 15 Vi Uhr. auf dem städtischen Friedhos in Friedrichs- selde. Fahnen und Banner mitbringen. Dt» Parleisekrelariol wird Dienstag, den 27. Dezember, vm 1 Uhr geschlossen. ff«rbritrrwohlf-hrt.«cht»»g, Lo«»«rkä»trr! Losabrnb»»»»»Ich »o» Dirnrtag, 27. Dczrmbrr, auf Z>a-»rr»ta«,!S. Dezcmder,»erlrgt. Der L»»verianf ist möglichst zu steizcr». ü". Jttcls Schöneberg-Friedeuau. Die Send fsii, neu liud Denolsen tielfen f!H ,ue"Besrdigung de» Genossen Riollenduhr am �Dienstag, Deiemder, - iUti.UbT, vor der. Leichenhalle in flriedrichskclde.— ffabrqardinduu-,:� Ctiagenbahnlinie so oder Stadlbahn Llcktcnberg.ssiiedrichsfeida. >t. strei» Reulällu. Das Parteibtireau bleibt in der gut vom 24. Dezember bin I. Januar g- f ch f° f f- n. � 17. strei» Lichtenberg, stur. Trouerfeirr für den verstorbene««enosseu Möllen- bubr treffen iich die Abteiiunaen mit ihren ftahnen am Dienstag, Z7. De. -ewder, pünktlich 15 Uhr. vor der Leichenhalle In gniedrichsfelV. Die 115 Abteilickg stellt da- strei-bann-r. v» ttrel» Weif>cn!«e. Sämtliche Genossen nehmen an der Beerdigung de» Genossen Molkenbudr tril.— Treffpunkt: Dienstag, 27. Dezember tZZH Uhr. bei Gallas.— Abfahrt 14 Uhr vom Bahnhof Weißenfee.— Di- Aoh-nfchön, baufener Genossen treffe» ssch mit den Weiß-nfeer Genossen 14� Ubr auf dem Bahnhof griedrichsfelde. heule. Sonnlag, 25. Dezember: 4. Abt. Die Bezirisführer, melche die Mitglieder kasssert haben, rechnen am Mittwoch, 25. Dezember, mit dem stafsserer ab. 21. A b t.?n den Sälen der Sl.chfchuldrauerel, Amrumer Straß«, Weihnacht»- feier. Alle.Torwärts-'.Lefer sowie Sympathifiereud« ssud herzlichst eluge» fadeu.- Jede» stir» erhält einen bunten Teller.— Tombola.— Kassen. eröffuung 16 Uhr. Beginn 17 Uhr. Um 20 Uhr Tanz in beid-u Sälen.— starte»» l s>H. find Bei den Knnktisnären, in der Sefchäft,stclle und a» der kkafie erhältlich,— Di« arbeitolofcn Mitglieder haben foeisu eintritt. 22. Abt. � Die Bezirke 750,..760,. 761, 76j und 766 rechnen am Mittwoch, 28. Dezember: die Bezirke 762, 763,'765. 767, 765 am Donnerstag, 29. Dezember bestimmt ab. 25. A b t. 15 Uhr I« Werneucheuer Schloß, aemütNchco Beifammenfei« aller Mitglieder. Wer daran teilnimmt, bringt ein kleine» Bräfent unter t Ml. mit. ZRorgea, Montag. 25. Dezember: 3. Abt. Groß« Vekhnacht,feier im Saal l, 2, 3 dr» Gewerkt chaftehanie», Engclnfer 24 25. Musik, Gcfang, Rezitationen und Darbietungen der Kinder- gruppe Gngelnfer. Anfchließend Tanz. Beoinn 15 Uhr. Eiutrftr 50 Pf.— S-str herzlichst willkommen.— Zahlreicher Besuch wird erwartet. 16. A b t. Pünktlich 15 Uhr Weihnachtsfeier bei Krüger. Snffiten-,«che Scherlngstraße. 30. Abt. Die Bezirksffllhrer rechnen am 2. fz-icrtag mit dem Genossen Dreier ab. 05.»bt.»aleule«. 15 Uhr des Sandmann,«estfälifchr Str. 42. Weih. uachtefeier mit Kiuderbefcheeuug.— Alle Genossinnen und Genossen find herzlichst eingeladen. 74. Abt. Z e h l e n d o r f. Pünktlich 17 llhr. Deihu»cht»feier für die Kinder fa.Liudcnpark". Berliner Str. 5, unter Mitwirkung de» Tnrnnerein» .Vorwärts" der Sozialfftifcheu Arbelterivqend und der Kiuderfrennde.— Anschließend Tanz. Abt. Neukölln. Die Lofe der Arbeiterwohlfahrt müssen unbedingt abge- rechnet werden.— Montag. 014 Uhr vormittag», Morgenfprache bei Grieger, Lefssngstr. l�— Die Bezirksfllhrer fadui ein. Dienskag. 27. Dezember: 10. A b t. 16 llhr Brihnachtofeier in den Moabiter Bierhalle», Kirchstr. 16. Alle G«»offi»nea und Genossen find herzlichst«ingeladen.— Eintritt frei 16. Abt. TZeihuachlsfeier um 18 Uhr im Lokal Artuohof, Perleberger Str. 20. Eintritt einschließlich Tanz 40 Pf.— Arbeitslose haben mit stamilien- angehärigen freien Gintritt.— Gäste herzlichst willkommen. 14. A b t. 10 llhr pünktlich in Büttner» sscstiäle«, Schwedtcr Str. 23, Winter- fonnenweudfeier, unter Mitwirkung der SAZ. und der Solokräfte de» Gemischten Chore Norden.— Alle Geuoffiunen und Genossen sowie Säfte find herzlichst willkommen.— Festanfprachc: Erich ssraenkel. 20. A b t. lg Uhr, Weihnachtifeirr im Altersheim, Dan, ig« Str. 02— Alle Genoifinne» und Genossru sowie Säst« find herzlichst willkommen.— Die Zahlabeud« am Mittwoch fallen au», 36. Abt. 1? Uhr in den Comeniusfälen, Memefer Str. 67, Weihuacht-feier. starte»• 50 Pf. find noch bei den Brzirk»führer» und au der stass« zu babrn.— Wir bitten um recht zahlreichen Belnch.— Gäste willkommen. 30. A b t. 15H Uhr Seihuachtifri« im Zugendhei», Lindeuftr. 3, unter freundlich« Mitwirkung de» Arbeitergefananerrin»„Solidarität".— Alle Mitglied« find herzlichst eingeladen.— Gäste willkommen. 60. Abt. Charlottenbnrg. 20 Uhr bei Lirpfch, Kantftr. 62, wichtige isunktionär» fißung. 76. Abt. Tchönebeeg. Die Genossen beteiligen sich restlo» an der Trauerkeicr für den Genossen Molkenbudr.(Siebe Sinweis de» 11. Streifes.) Banner mitbringen. 64. A b t. Lankwitz. Die Genossen werden mit ihren Augehäriaeu gebeten, die um 1« Uhr in Lehmann» ss-stsälen, staifer-WUHeim-Str. 20,31, statt. findende Weihnachtsfeier des Reichsbanner, recht zablreich zu besuchen.— Eintrittskarten» 50 Pf. inkl. Tanz an der Abendkasse. 55. Abt. Z« m V« l h o i. IS Uhr präzise, Ritgfiederverfammlung im Lokal Ptngrr, Darfftr. 50. Lichtbildervortrag: Da» neue Wien. Die stinderfrrnnd« werden einen Sprechchoc vortragen. Nachdem gemütliche»»eiiammenseln. 101.« d t. T r e p t» w. 10 Uhr bei Ritlchkr, Am Treptower Park 26, Weih- uacht»f«ier„israhe Stunden"", mit Vorträgen und Ton».— Eintritt im Porverkani 50 Pf., au der Abendkasse 60 Pf.— Alle Scnoffinneu. nnd Genossru sowie.»orwört»".S«f« sind herzlichst eingeladen. Mittwoch, 28. Dezember: 5. Abt. Weihnochtssei« mit Sinderbcfcheruug, Verlosungen und Tau, im Nofeuthalrr Hof. Nofeutbaler Str. 11.13, unter Mitwirkung de» Gesang- verein».Lerche-Einiglciri.— Anfang der. stfnderbefchcrnng f5 Uhr. Tanz ab 3t Uhr.— Einlrittstarten ä 50 Pf. find bei den Zuuttionären nnd an der Abendkasse zu haben, stindee frei.— Die Parteimitglieder und freunde »nferar«eweguag find herzlichst eingeladen. 13.. Abt.: DOZ� Uhr.br: SdinrteM; Binetoolatz Z Ziiilgfiederverfammbtng. !.•* IU. Sturkadahoadz Deuifckä Neich: ieiue'Bcriassung unh fu»e Partrien". i Miee:.!7rönz>...�twmer�:-GöIch.:md. ,V.o.rwurls".xefcr..ssnd willkomtli.in,s 32. Abt. D»"M:thf:ed>rverIa.>nmtungttällt"in diesem Monat aus, 36. Abt. Isis, lkh»v V-zirk-iilhrer undl RerisoreN bei Bartu�h.'lsRedenÜr. 55. Abrechnung sämtlicher Marken und Listen. Mitgkiedertqrte» mitbringen st-der Bezrrk muß unbedingt vertrete» feiiv 44. Acht. 16 ih Uhr bei Ewald. Skalitzer Str. 12S, Weihnachtsfeier. Alle Ge» nofstnnen und Genossen find mit ihren stindern freundlichst«inaelad«». 46. Abi. Gruppe Nichter. t0M> Uhr bei Wienzier» acmütllchcs Bei- iammensein. Borträge und Rnstt. Die Genoifinnen und Genossen find herz- lichst«ingeladen. 06. Abt. N-ntillu. Alle Genossen, die Mitglied et der 15. Berkaufsstev« der Konsumg-noss-nschaft. Ems« Straß«, find, und die Mitglieder der 07. Ab. teilung. die dazu gebären, werden gebeten, an der Pefprechung um 101z Uhr im Lokal Bodestr. 1 teilzunehmen. 127. Abt. Aohcnfchönhauscn, Kolonie Weiße T-»be, lS'-z Uhr. Berbenan-. fammlung im Lokal Ru�p, Dingelstädter Straße, ES» Landtbena« Chaussee.— Bortrag:„Das Wahljahr 1028". Referent Ernst sslalck.— „Vormärt»".Lefer und Mit UN» Snmpathifierendr find besonders eingeladen. Alle Mitglieder müssen zur Stelle fein. Donnerstag. 29. Dezember: 41. Abi. 10 Uhr, Weihnachtsfeier mit Bescherung nnd anfchließend«» gemütlichen Beisammensein im Schnltheiß-Ansfchank«Tivoli). Lichterfelb« Straße U. SiatriU»t«rten» 40 Ps. find bei de» Aunktisnire» erhältlich. Festansprache: Stodtveeordnet» Kerwoun Lewpert Araueaveranstaltvngen: »rei, Krenzberg. Boranzeigel Filmvorführung �treuzzüg des Weibes' Di« für Montag, Ii. Deaemder., angesetzie "" mußt« umstäudehaib« auBassen. ,,>. r llZZ_____..,___.--. Di« Kreisleitung macht hierduech bekannt, daß dafür der ff'lm noch einznak '. Ficht» str. 20. läuft.— R» dieser am Montag, 0. Januar 1028, bei Rabe. Veranstaltung wird kein Eintrittsgeld erhöben. Keeis Sharlsttenburg. Donnerstag, 20. Dezember, 20 Uhr, im JugendheMl Rofinenftr. 4, Funktionärinnenkonfercnz, Tagesordnung: 1. Neuwahlen. 2. siortfetzung der Wfnterarbeit. 1. Abi. Achtung, Genoifinnen! Der ssrauenabend in diese» Monat fällt«US. 22. Abt. Achtung, Genosssnnenl Der Frauenabend in diesem Monat fällt aus. 45. Abt., Der für Dienstag, 27. Dezember, angefetzt« Frauenabend fällt infslg« Beerdigung unseres Genossen Mokkenduhn aus. Arauenveranstattungen am Dienstag. 27. Dezember: 20. Abt, 10 Uhr Frauenabend def Bontke, Schulstr. 74. Vortragender Genosse Heinz Bartels. Anschließend genrüfliches Beisammensein. D:e«Senosssunrn find alle herzlichst eingeladen. Gäste willkomnren. III. Abt. Bohnodors. 15 Ubr Frauennochmitiag. Bortrag der Genossin Else Scheibenhuber über„Proletarische Fesitultur." Die Genossinnen werd--: gebeten, sich recht zahlreich zu beieiligen.«Söst« willkommen. Frauevveranstaltungen am Mittwoch. 28. Dezember: 43. Aßt. lOK Uhr bei Höhlt«, Bergmannstr. 60, Weihnachtsfeier. Die Genossinnen sind all» herzüch eingeladen. Ol. Abt. Neukölln. lO'j llhr bei Ballewski, Boddin», Sät Zfarstraße, Feou-n. abend. Thema:„Berliner Humor van Glaßbrenner bis Zille" mit Liedern zur Laute. Vortragender Genosse Erich Fraenkel. Um zahlreiche Beteiii- gung wird gebeten. Gäste willkommen. 103. Abt. Oberfchöneweid«. 15 Uhr bei Imberg, Bilhelminenhofftr. 34. Weihnachtsfeier. Die Genofsibnen sind olle herzlichst eingeladen.«Höfte willkommen. 137. Abt. Reinickendorf-West. 10'-, Uhr Frauenwerbeabend im Volkshaus Scharnweberftr.>14. Vortrag der Genossin Hartig über „Weihnacht der Zukunft." Außerdem Lieder zur Laute. Vortragende Genossin Lisa Albrecht. Um rege Beteiligung wird gebeten. Gäste will. kommen. t35. Abt. Heemsdorf. 16 Uhr im Jugendheim Turnhall« Roonstraße Weihnacht»- feier. Die„Kinderfreunde" haben ihre Mitwirkung zugesagt. Für Kaffee ist gesorgt. Kuchen ist bitte mitzubringen,«»äste willkommen. Arauenveranstallungen am Donnerstag. 29. Dezember: 7. Abt. 10ie Uhr in Eornis Frstsälen,(Sartenstr. 6, Weihnachtsfeier. Gemütliches Beisammensein. Vortrag der Genossin Adele Sehreider-Skrieger. Gäste willkommen. 41. Abt. Iflli Uhr in der Schultheiß-Brauere!, Lichterfelder Sit. 11, Weil,- nachfsfrier. Ansprache de» ffienossu: Lempert. Um zahlreich« Beteiligung wird aebrien. Gäste willkommen.-. 66. Abt. Halenfee. 10>4 Uhr de: Sandmann, Westfälische Skr, 42; Frauen- abend. Bortrag der Grnosstn Else Schribrnhuber über„Die Frau im Eherecht." Gäste willkommen. Sinderfreunde Groh-Berlin: Sitzung de» enge«» Vorstände, am Freitag, 20. Dezember, 20 Uhr. in der' Deschästsstelle, Wir bitten die Genossen, sich an den Tag einzuzeichnen, Krei» Steglitz. 62. Abt. Das Heim bleibt am Dienskag, 27. Dezember, ge. schloffen. Bezirksausschuh für Arbeiterwohlfahrt: 5. Irei» Wedding. Donnerstag, 22. Dezember. 141h Uhr. Besichtigung des' Arbeitshauses Aumuulsburg., L:chtcist>erg,,. Hauptste. 5. Um zahlreie�e DA»» ' ieiligung wird gebeten. - 5. Kreis griedrichshain. Die Arbelterwohifahrts-Lofe müffen bis spätesseus Dtenstog, 27. Dezember, endgültig obgerrchnei werden. 1 9. Krei,«""----|""" ! Hafenk« und„Ki:. willkommen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei« Organisation 0«. Abi. Neukölln. 66. Bezirk. Am Donnerstag, dem 22. Dezember, neiv' starb unser«Genosse Aunuft G l ü g«. Weises«. 46.— Ehre feinem Andenken. Sinäfcherung am Dienstag, dem 27. Dezember, 16 Uhr, im Kremaivrium Baum- fchulrnweg.— Wir bitten um reg«.Beteiligung. &/**&£ nuic/iefiJeft Manner unter sich meinen, die Frau verstelle nicht allzuviel vom Tabak. Wir glauben aber, daß die Geschmacksrichtung der Gegenwartszigarette, die nicht mild genug sein kann, mitbestimmt worden ist von dem empfindlichen Frauenmunde. Ganz gewiß darf sich jede Dame getrost als Kennerin ansprechen, die unsere neue 4-Pfg.- ZigaretteMassary-Privatraucht.Hieristder Preis Ausdruck erstaunlicher Leistungsfähigkeit: auch für 4 Pfennige läßt sich eine vollwertige, aromatische Zigarette herstellen. Dürfen wir um Ihre Gunst und Ihre wohlwollende Empfehlung bitten? ohne Munclstück-und mit GotdmundstücJz Oos dsf �TcLÖ-aßzI Aller Länder Fahnen liegen denMassary-MarkenheL Wer sie nicht selber sammelt, erfreue ein Kinderherz damit! Wodienprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntae. den 25. Dezember: *: Mortcnfeicr. U,30: U»terli*ltw(isniniik.>«,«: Wabaacktea ia devUcb*« Didtnnr. IS JO: Fankhcinzclmmn. 16.30: Unter bat Rntzsnosik. 19.05: Blicke in die Welt der Mystik. 19.30: Bilder aas der Berliner Wohlfahrtspflete. 30: Znm 90. Qebnrtstat von Coslma Waxaer. 30.10; Watner-Abend. Moutaz, den 26. Dezember: 9: Morgenfeier. 11�0: Advents-, Weihnacbts- nd Nealahrsmaslkstmde. 13.13: Zweck nnd Bcdentong von Briebnarkea-Aaktionea. 13.63: Uebcrtragnng von der Trabrennbahn Berlin-Ruhleben. 15-30: Das Flngzeng Im Weltverkehr. 16.30: Novellen. 17: Unterhaltungsmusik. 19 J0: Sendespiele:„Wenn Liebe erwacht". Operette von KOnnecke. 22.30: Tannmasik. Dienstag, den 27. Dezember: II: Konzert. 12.30: Dio Viertelstunde för des Ltudwlrt 15.30: Stande mit Büchern. 16: Ski-Touristik. 16-50; UntcrhaUunfsmuslk. 19.05; Die Berliner Museen. 19.30; Der Staat und seine Verwaltnnr. 20; Die Außenpolitik des 19. Jahrhunderts. 20.30: 50 Jahre Fernsprecher in Deutschland. 21:„Dritter Feiertag44. 22 J0: Tanzmusik. .Mlttwocli, den 28. Dezember: 15.30: Bahnbrechende Frauen. 16; Der Ei&laui. 16J0: Jnceadbflhne. 17: Unterhaltungsmusik. 19.05: Die internationale Beamtenbewegung. 19 J0: Die Macht der Qcwohnhcit. 19.55; Die moderne Industriewirtschaft 20 J0: Ais deutschen Opern. 22 J0: Tanzmusik. Donnerstag, den 29. Dezember: 12J0: Die Viertelstande für des Laadwirt 15 J0: Der Blcberaurkt 16 J0: Vortrag und Rezitationen. 17; Konzert. 19.05: UolallverbOtung— eine Volksauigabe. 19.30: Technischer Rückblick auf das Jahr 1927. 19155: Das Seelenleben des Jugendlichen. 20,30: Theodor Fontane zum Geburtstag am 30. Dezember. 22.30: Tanzmusik. Freitag, den 30. Dezember; 15.30; Die geistige Entwicklung des Weibes. 16: Die Olympischen Spiele. 16 J0: Unterhaltungsmusik. 19J0; Uebertragung aus der Staatsoper„Laisa Miller". Tragische Oper von Verdi. 22 J0: Unterhaltungsmusik. Sonnabend, den 31. Dezember: 12J0: Die Viertelstunde für den Landwirt. 15.30: Frauenfragen und Prauensorgen. 16; Silvestertreiben im alten Berlin. 16 J0: Unterhaltungsmusik. 19.05: Was ist Kritik? 20J0; Otto Reuttcr singt. 22.30; Tanzmusik. 23.45: Nachdenkliches zum Jahreswechsel. 24: Begrüßung des neuen Jahres. Anschließend Tanzmusik bis 2 Uhr nachts. Königswusterhausen. Sonntag, den 25. Dezember: Ab 9: Uebertragung ans Berlin. Montag, den 26. Dezember: Ab 9s Uebertragung aus Berlin. Utentat den 27. M: Moderne Qedulcai Iba, Cnletes M Plttoe. lUti Vo im Unterricht. 17: Wu Ist QUs. 17.30: Koaua aad POm. 10- ICootinectilaa Wechsel- und Scheckrecht. 1SJ0: Soulsch Hr Anfäncer. 13-35: SchnM resehichteo von Pistorins. 19-20; Wilhelm Baabe. Ab 26: Uebertncaas aas MSnchen. Ab 22.13: Uebertraennt ans Berka. Mittwoch, den 28. Dezember: 16; Amerika im Spletel seiner Schalet. 16J6: fraasMadl(KatortasdUcbl literarische Stunde). 17: Die Gesellschaftswissenschaft der Ge seewart. 17J0: Jünsstc deutsche Lyriker-Rezitation. 18: Technischer Lehr tanz t#r Facharbeiter. IS..3Ü Französisch für Anfäuter. 18.35: Die Standorte der deutsche» Industrie. I9J0: Wissenschaftlicher Vortrat für Tierlrzte. Ah 20-96; Ucber- tratunt ans Berlin. Donnerstag, den 29. Dezember: 16: Erziehuntsberatant. 16-30: Ans dem Zeetraftesthst fbr Ertfehrmt nnd Unterricht. 17: Uebertratnnt ans Berlin. 18; Deutsche Masikpflete du Baltikum. 18.30: Spanisch für Fortteschrltteae. 18-33: Die Praxis des Bolz- verkaufswesens. 19.20: Das landwirtschaftliche Volkslied. Ab 20: Uebertragung aus Stuttgart, Ab 22: Uebertragung ans Berlin. Freitag, den 30. Dezember: 16: Kasperletheater. 16.30: Spreehtecbnik. IT; Semenflecke and ktHsehe Unwetter. 17.30; Die Bedentant der Kiemstadtpreise, 18: Formen»nd Glehen. 18.30; Englisch für Anfänger. 18-33: Der Bericht des Reparatioas- ageeten. 19.20: Wissenschaftlicher Vortrag fbr Aernt*. Ab 20: Uebertragung uns Leipzig. Ab 22: Uebertragung aas Berlin. Sonnabend, den 31. Dezember: Ab 16: Uebertragung au Berlin. Ab 6,M: Hrfcnli aimg ans Brest*». Anschließend: Tanzmusik bis 2 Uhr ans Berlin. 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Herr Otto Jäckel Der Verstorbene hat mährend sein« langjährigen Tätigfeit tm Borstande stets die Interessen der Versicherten tpahrqenominen und auch die ihm übertragenen Arbeiten mit pielern sozialen Verständnis erledigt Wir meiden daher sein Andenfen stets in Ehren hallen. verVorstand und dieAngczIeilfen der Ortskrankcnknsse d.GQrtler z.Berlio Die Einäscherung findet am Diens- tag. dem 27. Dezembrr, 18V, Uhr, im Krematorium Bnnmschulenmeg ittaft Nach(djrocrcm Leiden und mit Seduid ertragen« Kranfheib verschied an> 22. Dezember, sriih 8 Uhr. ment lieber Mann, guter Vater, Schmieg er» und Großvater. Schmag« und Brud« U/iikeim Aieidilk im 34. Lebrnsjahre. Dies zeigt tief- betrübt an krau dohannc MIethke sebst Tochter und Angehörige. Einäscherung Dienstag. 27. Dezember, 16 Uhr, Krematorium Saum schul Arn Dienstag, dem 20. Dezember, morgen« 4 Uhr, oerschted nach langem schm«en Seiben unser lieber Vater, Echtviegervai« und Großvater Oskar Unruh tat TS. Lebensjahre. Unt stwe« Beileid bitten via tranernden Kinder. Berlin SM,«rSsestraße 78, L Die«ecrdignng findet am Dienstag, dem 27. De- rn» d« Halle des Alten zember, nachmiuag. Vi, Uhr. von Lufsen-Kirchhose», Bergmannstraße. aus statt. kslliii Wlmzrlseli auf Kredit dl» 12 Monate SPBZI ALITXTi Absolnt tonreine Lantspr.- Anlagen UnTcrbindl. Vorführung od. kostenloser Vertreierbcsueh Lorenz& Sdrneider Telephon: Kartünt 242 Vorführung auch: AlexandrinenslraSe 42.1 Am 13. Dezember verschied die Fron unseres lieben Genossen Paul Lull, Pattsadensir 33 Frau Berta Lull Ehre ihrem Andeulenl Die Einäscherung Hai b«rits statt- gefunden. SPD.?S. AblK. Bez. 159. P läßlich und un«wartet»erschied am 22. Dezember meine«ehe. gute Frau, unsere treusorgende Mutter Berfa ThfiHng im 58. Lebenssahre. In lief« Trauer «Uhrlm Sharing«. Tochter Frieda Willi Slohlosf, al» Schmirgersohn. V«Ita.Fnedenan. Varziner Str. 28. Die Einäscherung findet am Dien,- tag. dem 27. Dezember, nachm. I Uhr. im Krematorium Berlin-Wilmerodori, Berliner Straß! 181/183. statt. Für dir vielen Beweise herzlicher Teilnahme und dle zahlreichen Kranzipenden bei her Beiseßung meines lieben Mannes läge ich hier- mit allen BeieUigten, insbesondere H«tn Werner sür seine trostreichen Worte, meinen herzlichsten DanL Witwe Anna Tledke, Dilhelm-Stol>e-Str 30. Eisu-fen-Betten, Kinderbetten, Stahlmatr.. an Priv. Kat2O49fr.6ise0tti5belfab.SuiiS(Thür.) Uonkunenzlosü! itetaDbenen..... mit PouteraniiaSen. Kla........ Uat-Chatscfonstnes ClMtHeionftoe-ueCUcn WoiuUietvSatle.... Paiemm alr atzen... 10.50 an ._------- 20.—. Sota......... sc.—. saUai-ClialfeioBOiM». 24., Ii- I . Freisendong! Ratenzablungl Göhr, Berlin, Pappelallee 12 Pankow, Schmidtstr�l� Bettfedern anerkannt billig und reell. Bsd grau S8Ps..gesch>.S8Pj. Rups l 75. Halbdaune 2.75.4. rnelß volldaunige b, Daune 4. 7. rneiß 8— 18. Schleißdaune 358—5, Oberbell la dichtes Inlett 8 Pfd schrn. 12. 13. Kissen 3 Pid. 3.58 5.58 au w. gegen Ziachn. 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Charlottenburg Heute u.morgen 8 Uhr Peer Gynt 8 Uhr: Weh dem der lüi 'AUtNTIIEN PALÄS' nsA/Iö v�lo: aioi Volks büh n fnnta m Nlmiitt Tu. SiiffbHtrtiBi Heute und morgen Heute und morgen 7V, Uhr S Uhr Schieber des Böhms Theater am Kottbosser Tor KettbDMer SiraSe*. FH glich s U- u. Sonntagnehm. 3 U. Elite- Sänger Das kolot*. WeUmacnttprogr.: Beide Feiertage nachm. 3 Uhr(IS) firo»« ramllleo-Torttellnng SO Pf,!-. Vorrerk I (ungekürzt) Volkspreise SO PI, l 1�5,1�0.1.90.120. 8 Tage Vo pfÄ Mummt mumm ' mu NACH DEM ROMAN DER BERLI NER JLLUSTRIRTEN ZEITUNG VON LUDWIG WOLFF REOIE» DR.JOH. GUTER. oA�lr Silvester Funkhaus zum JesiVall«tlöftlich der Gröffiumg ____ der ElnssteUmtG Deutscher Deutscher Rhein � Wein RmifiaussteNung im» Sein- Serbe. Sochen vom Sri. Vezember 1927 bis 21. Zebruae 192» Premiere der AnSstellongsrevue: „Vom ZThein zur Spree" Sine Schon in zehn Bildern mit Gesang und Tanz von Paula Vufch »0 Mitwirkende- 400 Kostüme- Künstlerisch« Sesamtleitung: vr. Mari in Zickel Kapelle Melnhardt und drei weitere Orchester.— 12 Uhr nacht«: Großer Pfannkuchen> Regen AOOOOOOOA»OOOOnKMMJRmMMMM»orw wm \ Teilnehmerkarte: 5.50 Mark i platz resewienuig 1- Mk. stein(Sedeckzwang). Z Dorn erkauf im»erkehrskiosk Unter de« finden, J Ecke lhriednchstraß«, sowie in der Auskunstg. » stelle Sharlollenburg, Königi»-Elisabeth-Str.22 sTelephon: Westend 5243, Sauptkasse) X w********«***********-****** I* Silvester itw Funkhaus! S« gibt keinen befferen Z Sntschluh an der Schwelle de« neue« Jahre« l 8 S Ravchrn stattet! Ii heidn Ftiertapeo je 2 Vorstellongen Rodin*. 530 kleine Preise PODRECCAS kOmitlfcbc Menschen 1 wad die<> KroBew Spcelalltgten| Vorverkaut für Uta-Palast am Zoo. Gloria- Palast» Ufa-Pavllloa und U. T. Kurfflrstao* dämm ab 12 Uhr tisunterbroehetv Mozartsad von 12-2 Uhr. rlt Reichshaiien.Theater 8 Uhr a beiil ei Feiertags nadim Jühr Stettiner Sänger „Bültes Aoeheoende" Lebende Welhn.-Lieder Oönhetf- ärettM: Cabaret.Tanz. Carl Braun i RrnsiWalter Reichs ßal ■ ■ ZÜ.UIHnjTTCT* Feiertagen 715 915 An beiden 3" 515 Casanova mit Iwan Mosjukin/ Jenny Jugo Diana Karenne/ R. Klein-Rogge Zentrum 0622 Vorverknuf 12—2 Uhr Nollendorf 7360. DrCi(Original) frilellini | and andere wcllberühmie, | zum ersten Male in Berlin aal- trelende internationale Stare | An beiden feierfagen Je 2 VorslellnGöen J30 n. 8 Uhr— 3 30 zu ermäßigten Preisen das ganze Programm. CIRCDS BOSCH WeUmadKen 4 Feiertage 25.-28. Dezember nachmittags 3 Uhr haloe kreise die 20 fiardieiirevne. Ponyreltcn— Geacbenkvortell« abends 7l:2 „Der bayrische Hiesel" Zn allen Vorstelluiigen«tf � groBeCircus-Programm Renaissance- Theater Heute 3»/, Uhr: Die Scbule?on Uznacb. «JJhr- Coeur Bube. Piscatorbühnc Ihat i. flollendortplati Kurfürs« 2091/93 Anf.«, Ende nach II Dispnlin, die Romaninrs, der Krieg imd da; Volk. das gegen sie aofstand von Alexey Tolstoi und Schtschegolew insc. Erwin Pliceior /lose-theater lUhr Ooldhärchens Himmelfahrt 7J0 Uhr Orpheus LlOuterwelt 11.15 Uhr Oiespapisdiefliefle Ih. im IdDiiraispalasi HALLER REVUE An beiden ie2pveo,Ä 3 Uhru.8'.,Uhr limüo. frt wnt tn- «ttilnq ni hall Pna BerHour Hieafer Direktion Kuhneit, Ciarlotlenstr.SO 91.DSnt.l70 räglich x Uhr „Der Herr von...* Lnstsp. r. Frisämann-Frederidi 1. u. 2. Feiertag« U. Valbert ead Landa in �Müller»- Preise 1—6 M. Ssltai'wiri-Böhnen Dt?» KHnstler-Th � Uhr- „Evclyne" preußischeLeniral-Vodenkredii-MiengeseWast Centralbode/v Zeichnung auf .esslne-Theater - Uhr Sdiinösriianiies Walhalla-TU. U'einbe? gsweg 19/20 An allen 3 Feiertag, �nends 8', Uhr die.große Operette Vor?. lXtrk. Statt 4,— such«ienag nur Pt. An allen Feiertag. nachm. y Uhr Knecht Rn\ prechl Sdineewihyhen Fi Sil Ho\ c von 30 Pfg.V- Ata I. F e t e r iv« g nachts II Uhr UMMWt GM. 6000000 Ceniral'Gvldpfaudbriefe vom Lahre-1927 (1 Solvmark gleich>/«»> kg Fewaotdl Kündigung frühestens zum t. April 1935 zulässig auagegetat auf Snmd des Privilegiums vom 2± JlSrz ISZO. | Lustspielaaas 8J>4 Uhr Guido Thielscher „llntsr uesdiiffsaufsichr 6000000 Goldmart bis zum 10. Laauar 1925 zum Surfe van 93,20 Prozent abzüglich der laufenden StUckzinsen vom Tage der«bnahnte bis zmn l. Ar>rU INS bei der Preußische» Central-Bodenfredit-Aktiengesell schalt, »„ Directio» der Dtseonto-Gesellschast uud deren Zweiganstaiten, „ S. Bleichröder, Berlin, „ Tal. Oppenheim jr.& Sie., ftÄIn. bei der Allgemeinen Deutsche» Credit-Aupalt und deren Zmeiganstatten, Marddentf chen Beut in Hamb«rg, 9L EchaaffHanfen'scher Benin eretn S�Ou«S M. M. Werburg& Ss» chembntg, : der geichner Neue» Theater am Z,oo Heute T/, Uhr; Premiere Heule HaLbl-eventeeü Aiusikv.W. Bromme Mieiiies liieater Aa beid. Feiertagen s Uhr Eiae Kleine ohne Cedeiiiang Erika-lässner, Eujcen Sinx, Max Landa. Thalla-TUeäter An beid. Feiertagen sühnaarraleaaliD 4 Uhr: nartaund loseob lau! und den tonftlgea 3eitf>aaug»ftettea während der üblichen SeschSftestunden— früherer Schlug norbehalte»— zur geichnunq aufgelegt, Bei der Zeichnung ift caent, eine Kaution von fünf Prozent de« gejeichneten Betrage» in bar oder M solchen EffeSen zu Hinterlogen, welche die Zeichnungeltell» als zuläffig erachten wird. Di- Zuteilung bleibt dem Ermessen der einzelnen Z-tchnung«fteIIo» überlassen Bbrf emims atzstempel hat nicht zu entrichten Die Abnahme der zugeteilten definitiven Stücke hat bi, zum Zi. Januar 1928 zu geschehen. Die Control-P anddrtefe sind ausgefertigt in Abschnitten zu 5009, 9000, 1000, 500, 200 und 100 Mar? und mit April. fttober-zmsldtem«!. deren erster am 1 Otiober iSSg'älhß wird, veriehen. Die gwsscheine werden nach Wahl der Inhaber ayher an der Kasse der Sesellschaii in Berlin auch bei den obengenannten BanlhSusern und bei den sonstiaen Stellen eingeli Die«iniasnng dar Zinoscheine sowie der ausgelosten oder gekündiaien Stücke erfolgt in deutscher Reichswähru na.h dem Werte des Jcingolbe», der gemäss der Verordnung vom 29. Juni 1938 für den 16. Tag des dem Fälliafeitsu oorD.'rgehendoit Monats massgebend ist. Die Umrechnung findet nach den gesetzlichen Bestimmungen statt. Ergibt stch au» bieser Umrechnung lür das Kiloqtamm Feingold«in Preis von nicht mehr als 28Z0 RM und nicht weniger ai» 2760 RM. so tst966 deendet fein Klasse A deliehen. Die Beleihdarteit dieser nrueu da» eingezahlte Grundkapital................ RM der Bestand an erworbenen Hypotheken............ GM. sanddriesen.........., 18 200 000 217 120462 203072 587 Die durch einen der Umlauf von Sentral.Pfan reuhische Cenleal.Bodeniredtt.Akliengescllschast uniersteht der Aufficht der Preutzischen«taetseenieruug, welch. ....... übet die Hypolhekenforderungen unter Milverschluss der r ufi!,�.------_.,., Staat* kommiffot ausgeübt wi'd. Er hat die Urkunden Gesellschaft z» oertv>thren lind darf diele Urftinden nur gemäss der Borschrsft de» Reichshyvoihekendantgesetze» herausäeden Die als Sichttbeli für die Eenlral-Goldpfanddrieie dienenden Soldhyvotdekm werden in ein besonderes Goldhyvolheken- reoister eingeiraaen. v.»' welches die Bestimmungen des Gesetzes über wertbeständige Svpoiheken vom 28 Juni 1928 Anwendung finden Kein Ceinral/sSoidv anddriei darf von der Gesellsebafi ausgegeben werden, der nicht zuvor durch eine ihr zustehende, in da« Doidhyoolhekent egifter eingetragene GoldHyootHekenlorderunq gedeckt ist. Der Siaaistommissar versteht ieden Pfandbrief vor seiner Ausg rne mch der Bescheinigung über da» Borhandendensein der vorschriftsmäßigen Deckung und über die Ein- iragung in das Doldhypolhekenregistcr. Berlin, im Sezember 1927. preußische Central-Voöenkreöit-Attiengesettschast. Schwärst Qndemann Oefierlin» Wrede. trhält Oirt btsonäert Weiht bei dtu Klängen vom Od@on*9 ParSophon', Columbia» Musikapparaten u. Musikplatten Erhäliüeh in allen offiziellen Verkaaftsiellen des Lindxtrim• Konsems t Odeon- Musik- Haas G.m.b.H., Berlin WS, Leipziger Strasse 110� Parlophon- Haus, Berlin NW 7, Friedrichsirasse 91, Columbia- Musik-Baus, Berlin W15, Kurfürst enaamm 29, Columbia- Musik- Haus. Frankfurt a. M., Cocthestrasse 19, Odeon-Musik-Haus, Breslau, Schweidnitzer Strasse 42 a, femer In allen Odeon-, Parlophon- und Columbia-Spexialhänsero sowie in den besseren Fachgeschäften. CARL LINDSTRÖM A.-G., BERLIN fOSd SComäsche 8-. 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Dezember 1927 Großer Silvesterball hei gut besetzt. Orchester.— Anfang 81/, Uhr. Ende> Tischbestellunfrwerden jederzeit entgegengenornmen Uhr On Smutionurftlg I Sdißn sehn wir ans 30 lustige Bilder mit Henry Bender An L a. 2. Feiert»<■ nachm. Zh, Uhr die ganze Vorsteilg. zu halben Preisen. rbomdtsWBiess Täglich 6 Uhr; IIMILIIM Oper. v. E- Steffan Rosa Ader, Erik Wirt, Fritz Scholz, della KQrty, Ruth Alka,»traata, Wahlgcnntk Vorvk onunterbr. Metropol-TL (Uhr Dii sdiiu Btleu" r. y. Offenbach - r„- Schilling. Uebersetzg. Fulda. Ausst Kainer. inPtiiatoi. vniimz UntU. Upch Satch -K PUliuraonle P/» Uhr t. Pelertag KONZERT des Philharm. Oreh. Dirig. Prot. J- PrOmer 2.Palart«g7>i,Ubr Wiener-Abend y\ctrOfi0/ ' �»oVantFr» Prot Vlesenlbil Klara Karry citin Waldoff PUatUrin» Zoo 'RUM. kzßiBiltsln Snb Noll. 1578 ia Itlebt itr MlUcrnuUsssBiie Vorführungen id>i» 18, IP/fc 21 Uhi Eintritt I M. Iliht est IS IZni SAD 1. Neue Welt araold kbou Hasenheide 108/14 Montag, den 26. Dezember am Z. 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Dezember 1927 Unterhaltung unö ÄVissen Vellage des Vorwärts Drachenzeit und Bernsteinwald Don Willy Ley. Um die Weihnachtszeit pflegen einem von Leuten, die onschei- ncnd wirklich nichts Besseres zu tu» haben, immer wieder Christ- baumgeschichten erzählt zu werden. Poetische und prosaische. Ein« Bariarion der gewöhnlichen Weihnachlsbaumgeschichten siird die mehr historischen Inhalts, daß der erste Weihnachtsbaum 1663 in Straß- bürg errichtet woriden fei, daß also das hübsch« Bild der Familie Luther unter dem Weihnachtsbaum auf einen, historischen Irrtum beruhe, daß er erst in neuester Zeit auch im Auslande Verbreitung gefunden habe, was unsere großen Dichter über den Weihnochts- bäum gesagt haben und was die allen Germanen für eine ähnliche Sitte gehabt haben, jedensalls, ob, wieso, wie lange, wcslialb usw. Ich sehe nun nicht ein, daß nicht auch der Naturwifseitschastler einmal sein Christbaummärchen erzählen soll. Da muß nun gleich zu Ansang wieder ins Lehrhaste gegangen werden. Der Begriss �Weihnachtsbäume" muß zunächst aus alle Nadelhölzer(der Fachbotaniker sagt Koniseren, zu deutsch Zapfen- träger) ausgedehnt werden. Man ist ja In Deutschland nicht sehr wählerisch mit der Bezeichnung der einheimischen Loniferen, der Weihnachtsbaum ist eine.Tanne", in Wirklichkeit gewöhnlich eine Fichte, und die Vegetation des Grunewalds bei Berlin, den jeder echte Berliner mit„Fichten" bevölkert, besteht aus Kiefern. Die wirkliche Tanne wird entweder Blau- oder Doppcltaone genannt oder überhaupt für eine künstliche Züchtung aimesehen. Für uns hier gehören min zu den Weihnachtsbäumen außer diesen drei De- wüchsen noch die Araukarien(Zimmertannen). Die Araukarien sind nun aus unserer Erde ein uraltes Ge- schlecht. Ihre gegen die heutigen Formen recht wenig verschiedenen Vorfahren reichen weit zurück in der Erdgeschichte, rückwärts über die große Eiszeit und die davokliegende warme Tertiärzeit, von der cs heißt, daß ihr Tropenklima langsam zurückkommt(im nördlichen Eismeer bei Nowaja Semlja hat man Tiere gefangen, die sich sonst so weit nördlich nicht vorianden. ein erstes Anzeichen), hinaus bis in die Drachentage der Kreide- und der Iurazeit. Die großen Saurier vom Geschlecht der Raubdrache» lauerten in Araukarien. dickichtcn aus Ihre Beute, und der sagenhaste Urvogel, der Archaeo- pteryx, machte in den Gipfeln großer Araukarien seine Jlcllterver- suche. Das ist aber immer noch nicht der Höhepunkt des Araukarien- alters. Archaeopteryx und die Drachen lebten im Jura, davor kam die Trias, die dreigeteille Erdepoche mll ihren drei Untevabteilungen Keuper, Muschelkalk und Buntsandstern, vor dem BuntsaNdstein end- lich die Permperiode, die schon einmal eine Eiszeit konnte. In dieser Permperiode unterscheidet man wieder noch zwei Epochen, eine jüngere(Zcchstein) und eine allere. Von dieser alleren Abteilung der Permzeit haben wir bei Cheimriß größer« Ablagerungen ausgefunden und in diesen Schich- icn des sogenannten Ropieg enden groß« Mengen von Araukarien- rcsten. die.Walchien". So alt sind also unser«.Weihnachtsbäume" schon. Menschen gab es noch nicht im Zechst« inwold von Chemniß, die ersten Säuge- licrc überhaupt entstanden damals gerade aus der Südhalbkugel der Erde im verklungcnen Weltteil GondwonalaNd. Auch Reptile kennt man nicht aus der Gegend, nur einige allerdings krokodilgroßc und gewiß weit bissigere Amphibien, darunter diejn allen Abhandlungen itber die vor der Permperiode grünenden Steinkohlenwälder viel- bekägten Archegosaurier. Biel mehr misten wir aber von den ur- allen Walchien nicht. In der Frage ihrer Abstammung tippt man auf gewisse Gewächse des Steinkohlen waldes, aber ohne rechte Sicherheit. Eine Araukarie(A. imhrieata, die Engländer nennen sie wegen der dicken Stacheln sehr hübsch Asfenverdrußbaum) sieht den allen Bärlappgcwächsen recht ähnlich, andere Weihnachtsbaum- verwandte, die seltsamen, nur noch in einer Art lebenden, aber ehemals weitverbreiteten Gingkos, die schon Goethe besungen hat. scheinen an die Farne anzuschließen, trotzdem sie äußerlich Laub- bäumen am ähnlichsten seilen. Don den neueren Typen dieses Stanmies wären m erster Linie die Sumpfzypresten zu nennen, die berühmten Charakterbäume der tZpre-'k-svomp� in den United States. Jetzt auf die neue Well beschränkt, wuchs sie in der Tertiärzeit auch bei uns und beteiligte sich stark au der Bildung der Braunkohlen. Sie war damals über- Haupt wellweit verbreitet, konnte sie es doch wagen, in dem warmen Tertiärklimo bis nach Grinnelland zu gehen. Nahe verwandt mit den Sumpfzypressen ist übrigens ein eigen- artiges Pslanzenwesen(Glyptostrohus) im östlichen China— von den Söhnen des Himmels„Wasierfichte" genannt—, die Weihnachtsbäume müssen sich schon einige Namensvcrdrehungen gefallen lasten. Alle diese Gewächse haben mit unserem gewöhnlichen Weih- nachtsboum schon nur noch sehr schwache Aehnlichkeit. die vollends in die Brüche geht bei einem ebenfalls hierhergehörigcn Gewächs, das auch in Amerika seine letzte Heimstätte aus unserem Planeten gesunden hat. Diese letzte Heimstätte könnte nun wirklich nicht mit anderswo sein, als eben in Amerika, dem Lande des.tlie biggest in tbc varl-i". Ich spreche von den Sequoien, den Marnmutbäumen. Wenn wir sie hier auch als Weihnachtsbäume bezeichnen, die Wesen, die wirklich einen Weihnachtsbaum daraus machen könnten, dürften bestimmt keine Menschen sein, ich vermag noch nicht einmal zu sagen, ob es Eddariesen sein könnten, denn ich weiß nicht, ob die groß genug wären. Die Monimutbäumc schlagen selbst amerikanische Wolkenkratzerrekorde mit Höhen von IM und mehr Metern, nur der australische Eukalyptus, eine Myrtacee, übertrumpft sie noch. Echt amerikanisch klingt der Bericht, den ich hier vor mir liegen habe, daß aus dem aboesägten Stumpf solchen Baumes eine Tanz- lapelle und vierzehn Paare sehr reichlich Platz hatten. Doch die Tage des Ma»im»thaincs in Kalifornien sind gezählt. Die Indianer haben schon zur Zeit des Kolumbus die Stämme der Sequoien(auch das Wort Sequoien ist indianisch) ausgebrannt und als Wigwam benutzt. Trotzdem leben sie noch. 2ll>er wie lang« noch? Ich glaube, der Großteil meiner Leser hatte noch nichts gehört von den Walchien des Perm, den Araukarien der Drachenzeit und den Taxodien unserer Braunkohle. Aber von einem anderen ur- weltlichen Verwandten unserer Weihnachtsbäume hat er bestimmt sogar schon etwas gesehen. Die Bäume, von denen jetzt gesprochen wird, würden, sollten sie jetzt noch.irgendwo grünen, kaum jemand oussallen. Sie wuchsen in der schon ost genannten warmen Tertiär- zeit aus deutschem Boden und lieferten uns den— Bernstein. Auch das Weihnachtsbaumverwandte I Sogar ganz echte Nadelhölzer aus der engsten Verwandtschaft. Ob nun gerade die Bernsteinerzeuger echte Kiefern oder echte Fichten waren, ist neuerdings wieder mmol Streitsrage geworden, jedensalls waren es Kiefern oder Fichten. Nach der Tertiärzeit kam die groß« Eiszeit des Diluviums und noch dem Abzug Ihrer Gletscher die heutige Periode, in der wir aus ein entschieden wärmeres Klima zumarschieren. Wir sind wieder daheim, lieber die Zeiten des Wolchieirwaldes, der Drachenzelt, des Bernstcinwalbes und des Braunkvhlenmoores wieder in unserer Epoche angekommen, lind von den Walchien über Gingkos, Sumpfzypressen wieder zu unserem Weihnachtsbaum. So endet auch da? Weihnachtsmärchen de? Naturforschers wie olle an- deren Märchen in der Gegenwart mit der behaglichen Ruhe der jchääbar« augenblicklichen Stille in» Fluß der steten Entwicklima. Zwei Studien. Don Kaloddrichkeit. Kleine Tänzertn. Im Prvletenviertel unserer gebenedetten, schier in den Himmel protzenden Stadt, in unserem Proletenviertel, das so gänzlich jeder Romantik entbehrt, wo das Stückchen Papier auf dem Fahrdamm sofort von berufs- und gewohnheitsmäßigen Anstoßnehmern bean- standet wird, in diesem unseren Viertel der blitzeblonken Straßen- fronten und der erbärmlichen vor Mist erstarrenden Hinterhöfe, dort liegt ein Kabarett. Die Tänzerinnen, die aus der kleinen Bühne mnherhüpsten, sitzen jetzt an einem kleinen, runden Tische und liebäugeln mit den Talnnkavalieren. mit Arbeitern, jungen Burschen und einigen Rcichswehrsoldaten. Denn es ist schon recht spät, die letzten Straßen- bahnen bimmeln draußen vorbei und von der Gage können sie nicht leb«n. Jene unschönen, unkeuschen Mädel, die hier hocken, mll den schlanken Waden, jene Tänzerinnen-- junge Geschöpfe, die nun nicht mehr(haha) Gefahr laufen,„stttchcn" zu müssen, da sa die Prostitution aufgehoben ist, aus— gc— ho— den!-- aber früher oder später mit syphilittschen, vermaledeiten, weißhäutigen Körpern die Krankenosyle überfüllen, jene so unglaublich bemitleidenswerten Tänzerinnen sind kein wanderndes Völkchen, das tingelnd und tan- gelnb von Ort zu Ort, von Loka! zu Lokal sein armseliges doch lustige» Vagantenleben führt. Nein, diese jungen Weiber— die wahrhastig keine blasse Ahnung von der göttlichen Eingebung de» Tanzes haben-- rekrutieren sich aus arbeitslosen Stenotypistin- neu, weggelaufenen Lehrmädchen und so wellcr. Da sitzt solch ein Mädel mll häßlichen, gekniffenen Angen, mit lüsternem, grillem Mund«, mll einem sehr, sehr kurzen Kleid« und trinkt«in Glas Bier. Sie trinkt es mit hostigen, eiligen Schlucken. als ob die vertterte Menschheit ihr nicht einmal dies gönne. Da tritt durch die offene Tür ein altes, verhärmtes Deib mll einem geflickten Mantel herein, geht auf jenes eben definierte Mädel zu, küßt es auf die Stirn und sagt: „Na, mein Kind, haste schon deine Tasche?" „Nee Mulla," sogt da» blasse Mädel ziemllch laut und schamlos, .du weest doch, der Direktor will doch wat ham for seiu Ield. Unn ick kann doch heute nich, de weest doch..." „Ra jut mein Kind, dann wer' Ick man jchn, die Kellatreppen scheuern...." »Adjeh, Mutta..." .Adjeh, mein Kind, unn komm ma nich zu spät nach Hause." Dann rückt da» Mädel zu mir Haan und sagt, die wabbeligen Schenkel an die meinen stellend: �vet i» nu da» Leben. Herr..." Di« Bordame. In jenem Viertel der lüsternen, hündischen, gotterfülllen, gigan- tischen Stadt, in jenem Viertel, in dem die Grenze liegt zwischen offenbarer Tierheit und übertünchter Gemeinheit, zwischen. Brillan- ten und Sittenpolizei, zwischen HoHimbin und Gonorrhoe, in jenem Viertel, wo das Weib aufhört, Dame zu sein, wo es beginnt. Hur« zu werden, wo die Zuhälter mit Monokel und Lockschuhen einher- lotschen, dort liegt eine Bor. Eine Frau sitzt hier zwischen dem Tosen der Iazzbonden, zwischen Lüsttingen. Nutten, Negern, Bohemiens und Berussspielern, ein« Frau, deren Beruf es ist, zu lachen. Sie locht während die lesbischen Frauen sich kmitschcn, während die homosexuellen Herrchen sich Koseworte zuraunen, während die Nutten aus den Knien der Herren der Gesellschaft ihr sinnetrübendes Dosein fristen, während der Opapa mit dem schütteren Bort mit Life sich amüsiert. Mtt Lise, die mir vor zwei Jahren Modell gestanden hat. Sie lacht... Und der dicke Koirnnerzienrat, da sie dauernd unterm Kinn kitzell, dos besoffene Schwein gröll den neuesten Schlaga:„Wer hat den nackten Neger in die Sommetspross« hineingepiekt...?" Sie ist blond und heißt Helga, sie ist schön und unsagbar verwahrlost. Sie ist eine Prolctin, denn sie kennt unsere Gesellschaft, da wo sie ihre wahren, ihre tierischen Instinkte offenbart, kennt diese Herrchen, diese näselnden Referendare mit der unbefleckten Ehre, die so manche Lise Kolomak aus dem Gewissen haben. Kennt diese feine, aristokra-, tische, antisemitische, antiplcbejische, Bildung strotzende Gesellschaft. Deshalb ist sie eine Proletin, weil sie diese, unsere Gesellschaft haßt. Haßt mit aller wilden Wollust ihrer Seele. Sie lacht.. Und dieses ihr Lachen ist frech und gemein: aber bei all' ihren« unbändigen Lachen blicken ihre Augen trübe und trauernd in das Chaos der Seidenbeine, des Saxaphongeplärre, der entblösten Lüste und Brüste. Sie ist traurig, denn das ist ihr Gefühl, traurig zu sei«« in der Well der körperlichen und moralischen Seuche, in dieser Well, die sie bis zum Erbrechen kennt. Sie lacht, denn das ist ihr Beruf, zu lachen und sie bekommt von jedem Drink Prozente. Und dieses Lochen gehört doch zum Geschäft, nicht wahr? Da tritt ein junger Mann mit suchenden Augen, nnt einer fiebernden Seele in die Bar. Da erstirbt ihr Lachen. .Wat i»'n w», Puppchen?" fragt da» b�offene Schwein. .Nicht», Süßer, gar nicht»..." „Komm näher. Kleiner!"«»ersucht sie zu lachen. Ihre Augen verschlingen den Jungen. Da tritt er heran, ganz nahe. So nah«, daß die Spitzen ihrer Brust seine Hände berühren. Da sogt er ganz leise— und seine schönen, unergründliche» Augen senken sich in ihren Blick— da sagt er: .Liebe Mutter..." Da wird sie gai«z bleich unter der Schmink«. Da sagt sie zu dem Besoffenen:.So, siebzehn Mark fünfzich, bitte",_ OaS verschmähte Geschenk. Von O. Qischnat. „Bon Tott au» betrachtet, ist der Mensch«ine Krankheit. Aber was ist Göll vom Menschen aus betrachtet? Eine Notwendigkeit? Ein Feind? Oder«in Nahrungsmittel?— Der Mensch kommt sich selbst mit unerinüdlicher Zärtlichkeit entgegen, als sei das Wettoll in ihm vollkommen geworden. Seinen Gott liebt er fast ebenso sehr wie sich selbst. Meist aber ettvas weniger. Und wenn er sich auch mtt ganzer Inbrunst ihm zuwendet, so will er immer noch etwas dafür haben. Belohnung oder mindestens Lob für seine außergewöhnliche Zuneigung.— Ist es aber möglich, daß Gott seine eigene Krankheit labt? Bei diesem Satz hört« der langbärtiae Weisheitsfreund auf zu schreiben. Es schien ihm, als ob dos vielleicht der Fall sein könne, aber er mochte da nicht weiter vordringen. Er wickelte seine Hände, die kalt waren van« Schreiben, in den Bort und schloß die Augen. Da sah er im Halbtraum jemand, der etrvas in der Hand hiell, das er ihn« geben wollte.„Du bist stets ein guter Soldat gewesen," hörte er,„hast dich mit allerlei Geistern herumgeschlagen. Weil du tapfer«oarst uird nie bequeme Wege suchtest, will ich dir etwas schenken." Noch einer Weile hört« er wieder:„Du fragst gar nicht, was ich dir schenken will? Bist du nicht neugierig?" Wieder nach einer Weile:„Ich will dir Gott schenken! Nimm!" Der Weisheitssreund schüttelte den Kopf:„od) nehme nichts geschenkt. Wer weiß, woher du den Gatt da gestohlen Host." Der brave Soldat Schwejk spricht: Lieber militärische Weihnachtsfeiern. „Weihnachten", erzählte Schwejk,„Hab' ich beim Militär mehr- fach gefeiert. Und es ist sehr erhebend gewesen. Das erstemal, wie ich noch Rekrut gewesen bin, hat«s in der Früh geheißen:.Antreten zum Gottesdienst! Katholiken links raus, Protestanten rechts raus!" Bin ich allein in der Mitte stehen geblieben. „Du Idiot." Hot mich mein Feldwebel angebrüllt,.du Schwein, willst du vielleicht nicht die Geburt deines göttlichen Er- lösers feiernl"—„Melde gehorsamst, ich bin Dissident." Hab' ich erwidert.—„So," hat er gefeixt,„dann kannst du mal während der Kirchzeit die Latrine fegen."— Hab' ich mich schnell unter die Protestartte«, gemischt und bin zur Kirche gegangen. Aber der Feld- webel hat einen Verdacht geschöpft und ist revidieren gekommen und hat gebrüllt wie ein Unsinniger:„Wo steckt das Schwein, der Schwejk?"— Wie er mich nachher hat gesehen, hat er mich an- gefahren:„Wo hast du Halunke dich rumgetrieben?"—„Melde gehorsamst. Herr Feldwebel," hob' ich gesagt, daß ich mich Hab' im Gottesdienst rumgetriebcn, vor Schreck bin ich protestantisch geworden: aber es ist ein Irrtum gewesen, denn vorher war ich Katholik. Aber sie haben auch bei den Protestanten eine sebr schöne Religion. Der Herr Pfarrer hat so angenehm gesäuselt. «nährend daß unser Feldkurat immer laut gebrüllt hat, und man hat gut bei dem Herrn Pfarrer scklasen könne««." Das andere Mal aber Hab' id) die Predigt wohl gehört, denn das ist schon im Krieg gewesen, wie ich im Lazarett gelegen Hab' Da haben sie klugerweise die Bescherung gleich beim Gottesdienst mll aufgebaut, und wer nicht zum Gottesdienst gekommen ist. hat auch keine Bescherung gehabt unh nichts von den Puls«värmern abbekommen, We der Doterländische Frauenverein aus Wolle-Ersatz für die Schiverbeschädigten gestrickt hat. Es hat ober nicht gereicht auf die große Zahl, und so haben nur die bekommen, die arm- amputtert gewesen sind. Aber dafür haben die anderen jeder ein Tascheittuch bekommen, mit dem Bildnis Seiner Majestät des Kaisers in der Mitte, und wenn«nan sich hineingeschneuzt hat, so ist es ihm im Schnurrbart hängengeblieben. Etlichen aber hat n«an „deutfchei« Heldcnkanaster" beschert, und einer hat ihn noch beim Gottesdienst geschnupft ui«d er hat sich sofort erbrechen müssen, grab «nie der Lazarettiirspektor dem Vaterländische» Fraucnverein gedankt hat, für seine wari««hcrzigen Spenden. Später haben wir den Kanaster auf die Fußböden In unseren Zimmern gestreut, und«r ist gill gewesen gegen das viele Ungeziefer, das cs im Lazarett hat gegeben. Am Schlich aber sind Damen herumgegangen mll schwarz» weißroten Schärpen und haben jedem noch eine Ansichtskarte ge- schenkt, darauf hat ein Gedicht gcsta««den von dem großen vater- ländischen Dichter Pcutt Warncke und es hat angejangen: Mein deutsches Volk, beachte dies, Was ich dir sagen möchte: Der Gott, der Eisen«vachsen ließ. Der wollte keine Knechte. Doch hat er's Eisen gut versteckt In Longwy— Briey's Spalten Da haben wir es nun entdeckt, Das müssen wir behalten. Und wir haben also gewußt, daß wir bis zum siegreichen Ende aus- harren müssen, damit daß der Paul Wari«cke das Eiserne kriegt, und er hat es sich wohl oerdieill, denn er ist hübsch daheiingeblieben und har Gedichte gemacht auf den Heldentod der anderen. Aber zu mir hat eine feine Dame gesagt, und sie hat gelächell, daß ihr syst die falschen Zähi«e ausgefallen sind:„Ihr lieben Feldgrauen, dies Gedicht bekommt ihr für den Wein, der leider nur für die Herren Offiziere gereicht hat." Aber der Pastor hat sehr schön gepredigt und er hat gesagt: „Ihr Lieben, nehmet euch ein Beispiel an der Flamme der Weih- nachtskerze. Zum Ersten, sehet, wie die Flamme stets nach oben zeiget, so soll der Soldat stets noch oben blicken und Vertrauen haben zu seinen Vorgesetzten. Zun, Zweiten aber nehmet euch ein Beispiel an der Flannne der Weihnachtsterze.. Und wie er das gesprochen hat, ist ein Unglück geschehen. Es hat nämlich eine Kerzenflamme nach oben geleckt und eine von den schönen Papiergirlanden angezündet, die die Damen vom Vater- ländischen Frauenverein für unseren Weihnachtsbaum aus schwarz» weißrotem Glanzpapier geschnitten hatten. Und im Nu hat der ganze Daum in Flammen gestanden, und die Damen vom Vaterländischen Frauenoerein hoben geschrien und sind in Ohnmacht gefallen und der Herr Pfarrer hat totenbleich gestanden und nur geröchelt. Wie aber der Brand ist gelöscht worden, ist der Herr Pfarrer noch ganz verwirrt geivesen und hat gestammelt:„Wo war ich doch stehengeblieben?" Bin ich vorgetreten. hob' salutiert und gesagt:„Melde gehorsamst, Herr Pfarrer, daß wir Soldaten uns werden ein Beispiel nehmen, an dem, was Kerzenflamm« gemacht hat." Jonathan. Bunte Kugeln und Lametta. Von Richard Germershaufk«. Ms das Symbol der demichen Weihnacht gilt mr» der Uchtüber. strahlte, geschmuckle Tonnenbaum. Erst die silbernen oder bunten Glaskugeln, die goldenen Sterne, die gtigerud« Lametta geben ihm da» rechte festlich-trauliche Gepräge. Die Eiszapfen, die Sterne, der ganze schillernde Gloestand, niit dem der Tonnenbaum behängt ist, spiegeln dos Licht der Wcihnachtsterzen vielfach wider— ein Anblick. der jung und alt erfreut Aber wieviele denken im Zauber einer Stunde unter dem Christbaum daran, wie schwer es ist, diesen Schmuck des Tannenbaums zu verfertigen! Die Heimat des Christbaumschmucks, der fast nur von Heim- arbeitern hergestellt wird, ist das Thüringer Land, dos Dorf Lauscha einer der Hauptproduktionsorte. In ihren engen und heißen Stuben arbeiten ganze Familien während des ganzen Jahres, liauptfächlich aber in der„Saison*, das heißt von Juni bis Anfang November, an der Herstellung der Glassachen. Mehr als füni- tausend Menschen verdienen ihren kärglichen Lebensunterhalt mit vieler Beschäftigung, die nicht gerade zu den gesündesten gehört. Das Ursprungsland der Boumschmuckindustrie ist Böhmen, das ja auch maieich eine ausgedehnte Glasindustrie besigt. Dar mehr als ZOÖ Iahren wanderte ein Mann namens Christian Müller aus der böhmischen Stadt Gablonz aus, ließ sich in Thüringen nieder und errichtete an der Stelle, wo heute das Dorf Lauscha liegt, eine Glas- fabrik, die nur kleine Glaskugeln herstellte. Einige Zeit darauf gesellte sich sein Landsmann Böhm zu ihm, und diesen beiden Männern oerdankt das Dorf feine Entstehung. Heute gibt es in Lauscha viele Familien, die Müller oder Böhm heißen, und die tn den Glasfabriken arbeiten. Da sich unter allen diesen Müllers und Böhms sonst niemand auskennen würde, hat man ihnen Nummern gegeben, und wer einen Brief an den Inhaber eines so verbreiteten Namens in Lauscha richtet, muß auspasien, daß er nicht versehentlich cm Böhm lö statt an Böhm 12 schreibt. Jeder einzelne Arbeiter, der Baumschmuck anfertigt, Ist ein Künstler in seiner Art, denn die Fertigkeit bei der Herstellung aller dieser kunstvollen Dinge hat sich durch Generationen vererbt und ist heute bis zur Vollkommenheit gediehen. Eine besonder« schwierige Kunst ist die des Glasblasens. In einer Grube, die mit Chamotte- steinen ausgemauert ist, brodelt die Glasmasse, die glühend und rot- flüssig ist. Der Glasbläser taucht«in Metallrohr so in diese Mass«, daß nur die Rohrfpiße mit ihr in Berührung kommt. An der Spitze des Rohres bleibt dann ein kleines Glasklumpelchen hängen. Der Bläser richtet das Rohr mit rascher Bewegung senkrecht in die Höhe und bläst mit ganzer Kraft hinein. Man darf sich dieses Blasen nicht so einfach vorstellen, denn wenn der Arbeiter nicht schnell genug ist, so fließt die Masse in das Rohr, wenn er dagegen zu heftig oder zu lange bläst, so platzt die Kugel, zu der sein Atem das Glas- klümpchen geformt hat. Dieses Glasblasen ist nicht nur eine sehr schwierige, sondern auch eine äußerst ungesunde Tätigkeit. Der Glas- bläser muß wegen der furchtbaren Hitze, die die glühenden Glas- Massen ausströmen, mit nacktem Oberkörper bei offenem Fenster arbeiten. Man kann sich vorstellen, daß dieses Zusammenwirken von Hitze und Luftzug äußerst gesundheitschSdigend wirken muß. Ganz besondere Kunstfertigkeit im Glasblasen besitzen die„Künstler von Lauscha*. Sie blasen das Glas nicht zu großen Kugeln, sondern zu langen Röhren, denen sie durch stoßweises Blasen das Aussehen von aneinandergereihten Kugeln geben. Erst diese Röhren werden dann in einzelne Teile zerlegt. Besondere Sorgfalt erfordert die Herstellung von kleinen Kügelchen, au» denen die Ketten für den Christbaum hergestellt werden. Alle diese Kugeln haben noch ein» Oeffnung, durch die eine Gold- oder Silbcrmosse eingefüllt und gleich wieder ausgegossen wird. Auf dies« Weise— durch Berspiegelung, wie man es nennt— erhält man dann Gold- oder Silberkugeln. Dieses Verfpiegelungsverfahrcn ist noch nicht alt: erst im Jahre 1857 führte es ein Arzt. Dr. Weißkopf. im Gablonzer Bezirk ein. und einige Jahre daraus brachten zwei Männer, ein Apotheker Engel- Hardt und ein gewisser Greiner. das Verfahren nach Thüringen. Mit der Berspiegelung ist die Arbeit der 5)eimarbeiter am Christbaumschmuck beendet, erst in Berliner Fabriken erhält er die letzte äußere Vollendung. Da sitzen Mädchen an langen Tischen und bespinnen die Kugeln mit Blumendraht. Außer Kugeln aber schicken die Heimarbeiter die verschiedensten Glassachen, wie Früchte, Vögel, Fische, Pilze, Rehe, Glöckchen und Weihnachtsmänner, aber nur die Rohformen. und erst in Berlin erhalten die Vögel Schwänze und Flügel aus gesponnenem Glas, auch die Weihnachtsmänner erhalten erst dann ihre Därte. Cofima Wagner. Von JDr. Kranz W. Dcidler. Der Rame Cofima Wagner erinnert so sehr an fast legendäre Kämpfe und Gestalten, er ist so sehr Geschichte geworden, daß es der Generation der heute Lebenden nur schwer begreiflich ist, tn dieser Frau eine Zeitgenossin zu sehen. Und doch lebt sie noch heute an der Stätte ihres Wirkens, im Hause Wahnfried zu Bayreuth, und begeht heute chrcn 90. Geburstag. Am Weihnachtstage des Jahres 1837 kam sie als zweite» der drei Kinder, die dem Bunde Franz L i s z t» mit der Gräfin Marie d'Agoult entsprosien, am Ufer des Comerfees zur Welt. Die Mutter, die von Daterseite her der französischen Adels- familie der Flavigny entstammte, war ein« hochkultivierte und universal gebildete Frau. Liberal ja beinahe demokratisch gesinnt. spielte sie in den politischen Salons der Pariser Gesellschaft eine hervorragende Rolle und schrieb(unter dem Pseudonym Daniel Stern) neben literarischen auch sehr bedeutende historisch« Werke, so vor allem eine Geschichte der französischen Revolution von 1848, die noch heute von Wert ist. Nicht nur in der äußeren Erscheinung wurde Cofima der Mutter weit mehr als dem Vater ähnlich: dje Kunst der Menschenbehandlung, die Schärfe des Denkens, der sehr eigenartige, formvollendete, diplomatisch gewandte Briefstil, aber auch die herbe, beinahe männliche, ein wenig kalte Art und vor allem die eiserne Energie gingen von der Mutter auf die Tochter über. Rur tn einem unterschied sich Cosima: die freien, fortschrittlichen Anschauungen der Mutter blieben ihr fremd, im Gegenteil: die feudolaristokratischen Traditionen ihrer Abstammung erwachten in ihr zu neuem Leben, und die strenge französische Erziehung, die sie in Paris genoß, mag wesentlich dazu beigetragen haben, ihren Hang zu einem höfischen Zeremoniell zu verstärken. Im Jahr« 1855 verlieh sie Frankreich und kam für immer noch Deutschland. Dem Kreise von Freunden und Schülern ihres Vater« nähergekommen, wurde sie bald daraus Hans o. Bülows Frau. Di« erschütternde Tragödie, in der diese Ehe zerbrach, und Cosimas Vereinigung mit Richard Wagner sind allbekannt. Die Zeit ihrer eigentlichen Wirksamkeit, die ihren Namen der Geschichte einverleibte, begann erst nach Wagners Tod(1883). Wagner hatte den künstlerischen Tiefstand, den widerlichen Geschäftsgeist und den kapitalistischen, nur aus ein zahlungsfähiges Publikum zuge- 'chnittenen Charakter de» Theaterbetriebs seiner Zeit sehr früh kennen gelernt und bald den Glauben an die Möglichkeit einer Reform der gegebenen Berhältnisie verloren. Um einer von allen Nebeninter- csien befreiten Kunstübung den Weg zu bahnen mußte etwas Neues geschasten werden. So hatte er die Idee gefaßt, selbst eine Stätte. ein.Rationaltheater', zu schaffen, an der in„Festspielen* dem Volke„olle guten dramatischen Werke vorzüglich deutscher Meister* in vorbildlicher Wiedergabe dargeboten werden sollten. Nach langen Kämpfen und Irrwegen war es ihm endlich gelungen, in Bay- reath et» Festspielhaus zu errichten, und er hatte nun damit be� vis»»««»«t» f» U»Nnist>iw dt« In verschiedenen Qualitäten hergestellt wird, vi« feinsten Korten werden au» Glos gesponnen, die billigeren Sorten bestehen au» Aluminium oder Stanniol. Noch nicht alUulang»— erst feil etwa 40 Iahren— kennt man die Lamettaherstellung. Der glückliche Er- finder verkauft« sein Patent an ein« groß« Breslauer Aktiengesell- schaft, setzte sich bald al» reicher Mann zur Ruh« und erbaute sich in der Nabe von Breslau ein« prächtige Villa, die«r„Billo Lametta* nannte. Seit einigen Jahren stellt man bunte Lametta für D«ko- rationszwecke her, doch ersreut sich die Silberlametto weit größerer Beliebtheit. Auch dos Ausland kauft diese» deutsche Erzeugnis in großen Mengen. Hauptabnehmer der deutschen Lametta ist Indien. Auch Nordamerika war früher für die deutsche Lametta ein großes Absatzgebiet, doch haben die Dereinigten Staaten jetzt eigene Fabriken, so daß sie auf die deutsche Produktion nicht mehr ange- wiesen sind. «—■—i«—i. ii— �«i i—■ i»»■— �> Ä-rbeit. Do« Trttz DDtnch», HR tta tlarb ettee. Arbeit! Acuiberwort anb'Werde. ILIevschbezroangene Schöpftl»g»trast, Arrrllch blüht die freie Erde, Wo dein heiliger®t»em sGafft. Arbeit soll den Tag erwerkeo, Brüder, faGt die Fever an, Laßt die Jlammert avfvoärts lecken, Sonaeulicht auf unserer Bahn! Sonnenlicht auf allen'Wegen, Ardett, Arbeit seder 5>tot, Jeder Arbeit reicher Segen, Friede sedem Schritt nrn Brot. Arbeit soll die Stunden krönen, AZTenschenwille, Veifteosing. fKädersansen, Härnrn erdröhne» Sei 5Änsit bei nnserern �ng! �Menschheit, Ipriestervolt der Erde, Stolz erkenne deine LMacht! 3i.»ter deinern heiligen.'Werde' Oft die Schöpfnng vev erwacht. »> �ii i«......— M■»■- i%■■>1 j> Es verbrannten drei kleine Kinder! Oos Unglück in der Friedensgosse zu Weimar. Man rühmt so beweglich und um die Fremden heranzuziehen die Geistesstätte der Dichterfürsten Goethe und Schiller, treibt Kutte um sie herum und meint, nun sei der ewig« Richm Weimars als Kulturstodt gesichert. Man baut Paläste für die Staatsbank und Kinos, denkt an den kommenden Ausbau des Reichsehrenmals und hat tausend Pläne im Kopf mit Stadthallenbau und Stadion und all solchem repräsentativen Kram, aber danoben grinst das Woh- nunaselend dem ins Gesicht, der in die Armenlcute-Quartiere geht. die dicht bei dem noblen Zentrum der Goethestadt sich breit hin- lagern, viel zu breit für«ine Geistesstadt, die einen mächtigen Furstenpalazzo in sich birgt, gebaut zu einer Zeit, als das Woh- nungselend in den Häusern um die Friedensgasse herum auch schon gen Himmel schrie und stantl Aber was kümmerte es die Hoheiten, wer zwang sie, in Sie Tiefen der muffigen Proletenhäuser zu schauen? Proleten waren gut zum Hurraschreien und Spalier- bilden und Kanonenfutter und wenn sie sich zu mausig machten, gab's was raus von der Polizei. Vor einigen Tagen verbrannten in einem elenden Hüttchen drei kleine Kinder, die auf dem Dachboden schliefen. Auf dem Dach- boden bei 14 Grad Kälte, und damit«» nicht zu eisig war in dem gönnen, zunächst einmal sein« eigenen Werte, zu deren stilgemäßer Wiedergabe die anderen Bühnen der damaligen Zeit fast ausnahms- los unfähig waren, zur Aufführung zu bringen. Frettich, seine Absicht, den Eintritt allen Volksgenossen unentgeltlich zu ermöglichen, ließ sich aus finanziellen Gründen nicht verwirtlichcn. Da ihm aber die Teilnahm« derer besonders am Herzen lag,„denen mit der Dllrs- tigkeit das Los der meisten und oft tüchtigsten unter Germaniens Söhnen zugefallen ist*, rief er eine Stipendienstiftung ins Leben. durch die Mittellosen freier Eintritt, Reise und Ausenthall ermöglicht werden sollte. Der Gedanke einer sozialen Kunst pflege, der sich erst heute allmählich durchzusetzen beginnt, war von Ansang an mtt Wagners Festspielidee aufs engste oerknüpft. Mitten in der Arbeit an der Festigung und am Ausbau seiner jungen Schöpfung starb Wagner, und die ihm feindlich gesinnte Well glaubte, mit seinem Tode sei auch das Ende der Bayreuther Festspiele gekommen. Da übernahm Cosima Wagner selbst die Leitung der Fest- spiel«. Es gelang ihr. im Berein mll einer Schar Getreuer, die sich um sie sammelte, das Wert unter unsäglichen Schwierigkeiten zu retten: Jetzt kam es natürlich in erster Linie auf die Erhaltung dessen an, was Wagner bisher geschaffen hatte, und da» Fortschrellen zu den weiteren Zielen mußte zunächst unterbleiben. Man darf nicht vergessen, daß Wagners eigen» Werk« sich bei seinem Tode noch keineswegs durchgesetzt hatten. Die Aufführungen, die an an- deren deutschen und auswärtigen Bühnen zustandetamen, ließen noch immer so gut wie alle Sttlreinbeit vermissen und fanden obendrein beim Publikum wenig Verständnis Mit großer Sicherheit erkannte da Cosima Wagner sofort die doppelte Ausgabe, die Bayreuth vor allem anderen zu lösen hatte: kür Wagners Werke zu werben und durch ihre vorbildliche Darbietung den Maßstab stilreiner Wieder- gäbe für die anderen Bühnen zu schassen Nach und nach brachte sie alle Werk« des Meisters(außer einigen Frühwerken) muster- gültig zur Aufführung. In verhältnismäßig kurzer Zeit ist es der Führung Cosima Wagners gelungen, diese Mission glänzend zu erfüllen: als die große Frau im Jahre 1906 die Leitung niederlegte und ihrem Sohne Siegfried übergab, konnte sie auf einen Triumph ohnegleichen zurück- blicken. Wagners Werke hatten sich von Bayreuth ausgehend die ganze Welt erobert, die FestspiSle waren zum großen Lehrmeister des Wagner-Stils für alle anderen Bühnen geworden. Aber war damll dos„R a t i o n a l t h e a t e r* geschaffen, das Wagners Ideen entsprach? Was anfänglich Zwang der Berhältnisie war. wurde zur geheiligten und behüteten Tradition: man blleb in Bayreuth dabei, nur Wagnersche Werte, keine anderen aufzuführen. Die sozialen Gedanken, die in Wagners Idee lagen, blieben unausgeführt: lediglich der Stipendienfonds wurde vermehrt und schuf Gutes. Allerdings, es war schwer, ja wohl unmöglich, im wilhelminischen Zeitalter«ine Stätte sozialer Kunstpflege aufzubauen: die wichtigste Voraussetzung: Verständnis und Förderung von feiten des Staates, war ganz und gar nicht gegeben. Wollte Bayreuth bestehen und sich durchsetzen, so mußte es zum Treffpunkt der inter- nationalen„großen Gesellschoii* werden. Aber es bleibt eine bittere Ircnie des Schicksals, daß die Großen aller Länder, Kaiset «ehnfech enter de» hetz»» Me MnAee frtMa ö» Proletenoullerosen ein. dag er knalltel Sir meinte e»«cu, die brave, verhärmte Frau und der Vater, der sich em Paar Psennige als Aufseher bei einer Ausstellung oerdient« und für kurze Zeit wie die Mutter das Elendsquartier verlassen hatte. Feueralarm! Lichterloh leckten die Flammen zum Dachboden hinaus! Di« Eiter» stürzen herbei, die Mutter bricht zusammen, der Laler rast über die brennende Holztreppe, eine Hühnerstiege empor, aber di« Flammen sind Herr und drinnen sind die Kinder erstickt! Verkohtt! Der Mann wird durch Wasierbespritzcn von weiterem Vordringen ab- gehalten und wird bei 14 Grad Käll« zur Eissäulei Er bricht zu- sammcn und wird mit der Frau in» Krankenhaus«ingeliesertl Da liegen sie nun! Heute begrub man die Kinder! An der Pforte der Leichenhalle steht mit Kreide geschrieben:„Soeben Leichenfeier für di« drei Gc- schwister Gcorgy!" Der Pfarrer spricht von Wohnungsnot, er klagt die A l l g e m e i n h c i t an! Wir klagen die Gemeinheit an. die es fertig bekommt, bei Raumüberfluß der Großwohnungcn nicht eine warme Stube den Aermsten der Armen, den Wohnungslosen abzugeben! Der Pfarrer spricht vom guten Vater im Himmel, der den Kindern ein weihnachtlich Fest beretten werde! Was soll er sonst denn sagen? Wenn er nicht„im Amt* wäre, würde er schreien: Wir klagen an die Plutokratie, die Ausbeuter, die Spekulanten. die Schieber, die Geldgeber für groß« Wohnungen, die sie allem« zu zweien bewohnen, während die„Brüder in Christo* darben und verkommen in muffig engen Elendslöchern, die mit menschlichen Wohnungen nichts gemein haben! Der gute Pfarrer meinte es ,0 herzlich gut, ihm standen die Tranen im Auge, er weinte innerlich noch viel heißere Mitleidstränen und vielleicht Tränen der innere» Empörung gegen diese Weitunordnungl— Man sang dazu einen �"Äe armselige Tvaueraemeinde war klein! Man dachte, halb Weimar wäre dabei, den drei Kleinen da» letzte Geleit zu geben! Man täuschte sich eben. Fünfzig armselige Proleten begleiteten den Dater. dem die Stadt erst noch abgelegte Kleider stiften mußte, weil er nichts vom Brand« gerettet, während andere mit Bränden sich gesund machen. Als die drei Elendssärglein zum Hallentor heraus waren, löschte der Friedhossbeamte die Kreideinschrift auf der Tafel: „Soeben Leichenfeier für di« drei Geschwister Gcorgy* aus, aus mit einem alten Lappen! Ausgelöscht! Es waren drei Anne- leutekinderl Ging's um Prinzentinder, war's ander» und ist's noch so!„. Draußen war die Natur weihnachtlich,«isig, schneeprongeiid, schneeweiß, wie die unschuldigen Kindlein in ihren Armutssärgcn, hinter denen die Leidtragenden frierend trotteten! Fünfzig arm- Leute, kaum warm genug angezogen bei der Kälte, armes Volk der Küchenwohnungen, der Schlafstellen, der armseligen Wohn- löcher! Mutter Erde stand bereit, die drei armseligen Särge au,- zunehmen! Der Vater schreit gell aus! Er suchtell vor Verzweiflung mit den Armen umher! Ein Prolet stützt ihn! Er redet chm gut zu! Dann geht er fort, weinend und seufzend, der arme Mann aus der Friedensgasse und— empfängt aewiß ein paar Wochen Almosen vo» der Stadt oder sonstwem und steht heute vor dem Schutthaufen von Hoffnungen, vor seinem Wohnloch und sucht mit Vateraugen seine drei lieben Kleinen, die der Teufel Mammon haltender dicke Zinsen und 30 Proz. Dividenden für Bieraktien ausschüttet und nicht zuläßt, daß Wohnungen für Arm« gebaut werden! Das waren die Gedanken der Leidtragenden und mancher sprach's aus, ohne alle Wut, schicksalsergeben ins Elend de» deutschen und sonstigen Weltproleten! Drei Kinder verbrannten! Und für jedes sollte die Stadt und das Land und da, Reich ein Hau» er- bauen in Weimar für die Armen! Das wäre eine Tat! Ein chinesischer Schwur in Condon. Eft» ZivMannner de, Londoner Kings-Bench-Gerichts verhandelt« kürzlich in einem Prozeß, den der Chinese On Lee gegen seinen Landsmann Wang wegen Zahlung einer Schuldsumme von 17l Pfund Sterling ange« strengt hatte. Kläger und Beklagter, die beide in London Wäsche- relen beireiben, waren Stvckchincsen, die nicht ein Wort Englisch oer- stehen. Di« mit Hilfe von Dolmetschern geführte Verhandlung erhieft ihr besonderes Gepräge durcb dos Austreten des chinesischen Zeugen Law San Lee. der seine Aussage unter Beobachtung des chinesischen Schwurzeremoni clls machte. Zu diesem Zweck war auf dem Tisch vor der Zeugenbank unter dem Sitz des Richter» eine brennende Kerze ausgestellt, die der Zeug« ausblies, nachdem er zweimal die Formel wiederholt hatte:„Wenn ich nicht di« Wahrheit spreche, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit, so möge mein Leben ausgelöscht werden, wie ich jetzt dies« Kerze ausblase.' und Könige, Herzöge und Fürsten di« Stätte bevölkerten, dt« einst von ihrem Schöpser zum Kunsttempel für da» v o l k bestimmt war. Da» Bayreuth Cosima Wogner, wurde so zwangsläufig zur fürst- lichen Hofhaltung der Dynastie Wogner. zum privaten Familien- besitz, nicht aber zum Gemeingut der Nation. Immerhin: Konnte Cosima Wagner uns auch nicht da» erträumte Nationaltheater schenken, so bleibt e» doch ihr Verdienst— aad b», sei der Gedanke, mtt dem wir ihren Grvurtstag begehe»—. m Bayreuth die Fundameme eines Baues erhalten zu habe», den auf- zuführen und auszugestalten Sache unserer Zett sein muß. Denn auch heute noch harrt die Idee ihrer BerwirNichung: ein« Kunftstätt« zu schaffen, die abseits vom Getriebe de» Alltag» durch vorbildliche Wiedergabe der Meisterwerke dramatischer Kunst alter und neuester Zeit den kunstbegeisterten Kreisen des Volkes zum Mittelpunkt ge- meinschastlichen Erlebens wird. Bethlehem. Weihnachisobend: Das ganze Städtchen ist auf den Beinen, denn heute ist der Tag des Bethlehemtten, des Gastwirts, des Souvenir- Händlers, des Geschäftsmannes. Der von Jerusalem kommende Patriarch entsteigt seiner Limou- sine. Andächtiges Volk sinkt zur Erde, wird weihwasserbesprengt und gesegnet. Säbelrasselnd« Gardisten blähen ordenbesäte Brüste. Dann tominen die Konsuln aller katholischen Staaten mtt ihren von allen Seiten goldbetreßten Dienern und katzbuckeln durch das niedrige Pförtchen der Bcsslika. Rauchgeschwärzt ist das Innere derselben, haben sie sich doch schon mit Mord und Brand um dies« heilige Stätte geschlagen. Die Säulen sind bis zur Manneshöhe glatt- geküßt, ebenso die Stufen, die zur Kryvta führen. Alles andere ist schwarz in schwarz. Weihrauchschwaden. Mönchsböife, und da- -wischen Kinderchär«:„Friede aus Erden und den Menschen«in Wohlgefallen.* In der Krypta staut sich die internationale Menschen- menge. Eine Vertiefung in den Felsen, davor ein siebeneckiger goldener Stern. Poliert von Küssen unzähliner Pilaer, beleuchtet von eifersüchtig behüteten goldenen Lampen fast aller Religiono- gemeinschaften. Und was mg hier?? Ein armer, armer Menscheir- wurm auf Stroh in einer Krippe! Eine Stunde von Bethlehem ist das sogenannte Hlrtcnfeld, ein« Steinöde von Olivenbäumen durchsetzt. Einige deutsche Landsleut« sitzen hier in andächtiger Stimmung und blicken durch den taghell milchigen Mondschein nach dem Berg, aus dessen Gipfel Bethlehem thront, wo rötlicher Schein aus den Fenster der Geburtskirch« dringt... Zu Haufe stapfen sie durch tiefen Schnee, Ei-klümpcben im Bart, steisgefrorene Arme, die kaum die Wucht der Weihnacht»- pakete umfassen können. Da rattert ein Fordauto über die Stein«! Aallo(au). Hier U. S. A. y. M. E. A.(Christlicher Verein junger Männer). Schon haben sse an einer Stange einen elektrischen Stern aufgehängt, der vom Lichtmotor des Autos gespeist wird. Ein Grammovhon kreischt ein amerikanisches Weihnachtslied durch die entheiligte Nacht. Einer von ihnen erklimmt einen Olioenbaum, bewaffnet mit einer Vasaun« und plärrt einen Choral in die Nacht hinaus. Und eine Gruppe, Shagpfcifc rauchend. Hände bis über die Ellenbogen in der Tasche, meint:„Ott rery nice indeedl" H. Sch. Die SchaMefel. Ein Rechtsfall aus der russischen Revolutüm. Von Clara Michels oa. Em Mann ging zwischen Leichenhügeln. Saig««. Resten von Schützengräben irnd ähnlichen schönen menschlichen Einrichtungen seines Weges daher, als er an einem Gerüst ein Bauerlei n hängen sah. und ach welche Freude! An den Füßen hatte es funkelnagel- neue glänzende Schaftstiesel. Der Mann, dem sämtliche Aehen au» den Löchern hervorguckten, dachte:„Dos Bäuerlein hängt. Dazu braucht man kein« Stiefel. Im Gegenteil, sie sind nur ein« Last. In der Hölle braucht man auch kein«, und bei der Auferstehung der Seitgen wird Gottvater sorgen." Und flugs machte er sich daran, dem Bäuerlein die Stiefel auszuziehen. Das war keine leichte Arbeit, da der Körper frei in der Luft hing und hin und her baumelte. Aber der Mann ließ nicht nach. Er mußt« die schönen Schaftstiefel haben und rüttelte und zerrte, bis er schließlich einen abgezogen hatte. Wie er nun daran ging, auch den zweiten Stiefel dem Bäuerlein abzunehmen. da o Schreck! gab es einen lauten Knacks, und der Gehängte fiel samt dem Galgenstrick herab. Iin ersten Augenblick stand der Mann verdutzt da. Was mm beginnen? Dann sagte er sich:„Es ist nicht meine Schuld, wenn der Henker faule Galgenstricke verwendet." Und er begann am zweiten Stiesel zu ziehen. Aber plötzlich, o graust schlug dos Bäuerlein die Augen auf, guckre um sich und fragt« mit schwacher Stimme:„Wo bin ich?" Dem Mann« stand das Herz still. Er hielt in semer Arbeit nm«. schaute das Bäuerlein an, dann den Stiefel, der noch immer fest am Fuß« saß und sagte mit wiederkehrender Geistesgegenwart: „Ich habe dir das Leben gereitet. Dafür nehme ich deine Stiefel." Und er zog mit solcher Kraft am zweiten Stiesel, daß dieser herunterging. „Laß mir meine Stiefel," rief da, Bäuerlein. „Ich habe dir das Leben gerettet," wiederholte der andere. „Mach keinen Lärm, steig lieber schnell In mein« alten Scknch« und scher dich davon, damU man dich nicht zum zweiten Male hängt." „Ich will meine Stiefel haben." schrie das Bäuerlein. Es mochte ohne seine Stiesel gar nicht ms Leben zurückkehren. Doch der Mann nahm kern« Notiz von ihm, stellte ihm sein« alten durch- löcherten Schuhe zur Seite und ging in den funkelnagelneuen Schaststtesein zwischen Leichenhügeln. Galgen, Resten von Schützen- gräben und ähnlichen schönen menschlichen Einrichtungen seines Weges weiter. Kam eine Schar Soldaten am Bäuerlein vorüber, härte fein Wehklagen, vi« Soldaten hatten eben gut gegessen und getrunken, waren satt und hatten es warm. Dorum waren sie gutmütig und hatten Mitleid mit dem Bäuerlein.„Warum Nagst du, Bäuerlein?" fragten sie. „Ging«w Mann vorüder«rd hat mich meiner Stiefel beraubt." JD der bäffe Mannt Wir wolle« es ihm schon»eigen. Wo ging er hm?" „Dorthin," zeigte das Bäuerlein mit dem Finger. Ein großer stämmiger Bursche lud sich da» Läuerleln auf den Blicken, und sie eilten dem Manne noch. Bald hatten sie ihn erwischt. „Gib die gestohlenen Stiefel her," sagten die Soldaten. .Ick) habe die Stiefel nicht gestohlen," erwiderte der Mann. „Sie gehörten niemand. Sie hingen frei in der Luft. Das Bauer- lein ist kein Mensch. Es ist nichts. Es ist vom Galgen herab- gefallen." Die Soldaten erschraken furchtbar, als sie härten, das Bäuer- lein hätte am Galgen gehangen. Der groß« stämmige Soldat ließ es sofort von seinem Rücken herabgleiten, und sie beratschlagten, was mm zu tun sei. „Bors Feldgericht beide," rief der Aelteste. **-nr- lyrfhn».„l fr j n>■*- Und st- nahmen den Mann und da, vünerletn m chre Mitte, und ttsebe» st» mit Schimpstv orten und Lotbenstöhen, tri« es üblich war Gefangeue jn treiben. In» nächst« Vors. wo da, Feldgericht tagte. vi« fünf Feld richte, waren gerade deisinnun». -■Hier bringen wir euch zwei. Wir habe« st«»ui»w«g» fest. genommen," sagten die Soldaten. „Was ist das?" fragten die Feldrichter. „Wir wissen es selbst nicht," erwiderten jene.„Wir sind nicht klug daraus geworden Ein Dieb. Kein Dieb? Ein Bäuerlein. Kein Bäuerlein?" Die Feldrichter vernahmen die beiden Gefangene». „Wer bist du?" fragten st« da» yäueriein. JSr hat mir meine Stiefel gestohlen," antwortete es und zeigte. auf den Mann. „Wer bist du?" fragten die Richter den Mann. Iru Log. Vo» A. A. SreSru«. 3m 3nS durch roelftbctelft*« tanb, kalte Sonne darüber, vor dunklen Fichten dann und rvan» ein branner Farbenklerks. Dieben mit Tente Im lauten Skat» zieht einer immer die licht, stöhnt durch Stunden nach einem 3iel und mischt verdrossen die karten. Von 3iel zu Ziel, da» Ist da» Teben, dazwischen tote Stunden, Ich aber kenne nicht mein Ziel und seder Ängenblirk lebt. „Früher war ich etwas. Jetzt bin ich nichts," sogt« ber Mann. „Aber die Stiesel Hab« ich nicht gestohlen. Ei« hotten keine» Eigen- tümer. Es war mein gutes Recht sie zu nehmen." „Das ist nicht wahr," schrie dos Bäuerlein.„SR ein« Stiefel sind es. Ich hatte sie an den Füßen." Als du am Galgen hingst, jawohl, vu bist ket» Mensch/ rief da der Mann entgegen. Bei dem Worte Galgen erschraken auch die Feidrichter. „Wer hat dich denn vom Galgen befreit?" fragte» ste gespannt. „Und warum hat man dich gehängt?" „Man war gerade beim Hängen, da hat man mich auch mit gehängt. Warum? Das weiß ich bei allen Heiligen nicht. Aber Gott hat mir das Leben wiedergoschenkt. Gott ist gerecht. Und meine Stiesel muß ich auch wiederhaben," behauptete das BSu«erlein. „Wie kam er vom Galgen herunter?" fragten die Feldrichter drohend den Mann. „Wie? Das kann ich euch mit Sicherheit nicht sogen. Augen- scheinlich hatte der Henker zuviel zu tun und ihn deshalb schlecht gehängt. Ich sah Ihn hängen, als ich vorüber ging, und wie ich schon ein gutes Stück fort war, hörte ich plötzlich«inen Krach. Ich wandte mich um, und da lag er am Boden," antwortete der Mann nnd machte das Zeichen des Kreuzes zur Bekräftigung seiner Wort«. „Daß ich dann seine Stiefel nahm, darin sah ich kein Unrecht. Das hätte jeder getan." Die Feldrichter zogen sich zur Beratung pnück. Der erst«, der an übernatürlich« Einflüsse glaubte, sagte:„Gott hat dem Bauer das Leben wiedergegeben. Lassen wir Ihn mit den Stiefeln lausen, und hängen wir den Dieb." .Nein, mein Tmtr.' ste« Ihm der zwest» In» Wort..6a geht es nicht Wer»lnmat am Gatgen war, gehSrt wieder an den Galgen. Lalle» u»tr den Man» ortt de» Sttefel» laufen, und hängen wir den Bauern.", „So einfach ist dt« Sache nicht," ereifert« pch der dritte.„Der eine Ist ein Berräter und der ander« ist ei» Dieb. An den Galgen mit beiden!" „Soviel Lärm mn nichts." ärgerte sich der viert«. Er hatte aus Prinzip immer eine andere Meinung als fein« Kollegen.„Weder Ist der eine ein Dieb, noch Ist es erwiesen, daß der andere ein Ber- - räter ist. Lassen wir beide laufen!" Da kraute sich der fünfte den Kopf und sagte:„Um keinem von beiden ein Unrecht zu tun, wird es wohl das Beste sein, daß wir sie losen lassen: schuldig oder unschuldig. Dapn können wir sicher sein, das Rechte getan zu haben." Als es nun zur Abstimmung kam, da blieb i«der strikt bei seiner Meinung. Keiner wollte auch nur um ein Jota nachgeben. Jeder behauptete recht zu haben. Dabei ereiferten sie sich immer mehr und mehr, wurden Immer lauter, fuchtelten wild mit den Armen umher und schrien so, daß sie ihr eigenes Wort nicht hören konnten. Und womit das geendet hätte, wäre gar nicht abzusehen gewesen, wenn nicht plötzlich draußen ein gewaltiges„Tra— la— ra— ra ertönt wäre. Di« Feldrichter wurden still, horchten hin. E!« begriffen, was es bÄxutete: der Gegner war da! Plötzlich, unerwartet war er hereingebrochen. Sie kannten das aus Erfahrung. Jetzt galt es, seine Haut zu retten. Sie stoben, ohne eine Sekunde zu verlieren, auseinander. In dem Tumult ergriff das Bäuerlein den einen Stiefel und der Mann den zweiten, und sie rannten auch davon. So entschied in höchster Weisheit die Dorf ehung selber. Blattgrün und Arterienverkalkung. Nicht ans vegeiabiiischer Nahrung, auch nicht auf der Werkung der Vitamine sind die neue- sten Ergebnisse ausgebaut, die Prof. Dr. Emil Aürgi mit dem in ■~ Organismus des Menschen aufgenommenen Chlorophyll er- zteft Hot. Schon vor einem Jahrzehnt hat dieser Forscher auf die Heilkraft des Chlorophylls hingewiesen und— wie man früher ' Eisen als blutbildendes Mittel anwandle— bei schwerer Blutarmut und zur Kräftigung der Herztätigkeit schon damals ein Chlorophill- Präparat gegeben. Nun bahnte der Börner Gelehrte durch weite- ren Ausbau seiner Untersuchungen über die Biattgrüii'-ehandlung der Heilkunst wieder einen neuen Weg. Die hcrzkrästigende Eigen- schalt des Chlorophylls bewährt sich nämlich bei sämtlichen Er- ' müdungszuständen des Herzens. Selbst Lähmungen können wieder behoben, mindestens wieder hinausgeschoben werden:»nd eben durch diese mir mit Hilf« des Chlorophylls herbeigeführte Kräftigung des Herzens ist auch ein neues Heilmittel gefunden worden, der gefürch- teten Adcrnverkalkung, vor allem dem mit ihr verbundenen almor- inen Blutdruck entgegenzuwirken, und ihn ebenso wie mich alle die andern hierbei auftretenden Herzbeschwerden aufzul>alten. Die neuen Heilpräparaie enthalten das Blattgrün ohne jede Bei- mengung ganz rein, jedoch in so geringer Quantität, daß sich die Heilkraft des Chlorophylls vorläufig noch nicht aus seiner chemi- sehen Berwandtschaft. zum Blutfarbstoff, die allerdings den ersten Anstoß zu Bürgis Forschungen gegeben hatte, erklären ließe. Edelsteine als Slraßenpftasler. Rußland verfügt über einen solchen Reichtiim an Naturschätzen, daß es sich den Liisus erlauben kann, Straßen mit Edelsteinen, allerdings nur sibirischen Halbedek- steinen, zu pflastern. Die Moskauer Zeitung„Wirtschaftliches Leben" berichtet folgenden Vorfall. Im Ural wurde kürzlich«in staatlicher Trust für die Verarbeitung sibirischer Edelsteine gegründet. Nun hat sich herausgestellt, daß die Werte noch vor kurzem IM Kilogramm eines wertvollen sibirischen Halbedelsteins einem Dorffowjet zum Preise von IKZ Rubel für Pslasterwerke verkauft haben. Als' der entsetzte Vertreter der Akademie der Künste, unter deren Aufsicht der erwähnte Trust steht. Maßnahmen ergreifen wollte, um die Steine znrückzuerlMen, mußte er erfahren, daß sie längst als Straßenpflaster renvandt worden waren. Es gibt in Rußland nicht genug Absatzmöglichkeiten für 5)albedelsteine, deren Export überdies nickst richtig organisiert ist. So kommt es oft vor, daß wertvolle Steine, wie Topas und Nephrit, einfach auf den Müllhaufsn geworfen werden. der„CAnarchie Journal de l'Ordre", Most mit seiner„Freiheit" und astdere Götter kleiner Leute. Allerheiligstes dieser soziologischen Kathedrale ist das Marx- Engels-Ka binett, wo alles ist, was von den beiden Dios- kuren herrührt: Erstausgaben ihrer Arbeiten, die in Amerika und in der Schweiz erschienenen Auflagen des Kölner Kommunisten- Prozesses, die.Jrittk der politischen Oekonomie" in jenem Exemplar, m das Lasalle seine polemischen Bemerkungen an den Rand schrieb, die„Rheinische Zeitung" von 1842 bis 1843, der Pariser„Vorwärts", die„Deutsche Brüsseler Zeitung", die Londoner„Kommunistische Zeitschrift" von 1847 und die„Reue Rheinische" in ihrer vollständigen Form— die sehlenden Seiten sind nach den in anderen Zlrchivm liegenden Originalen photographisch ergänzt, ebenso all« Manuskripte von Marx und Engels, und die von ihnen geschriebenen oder an sie gerichteten Briefe, soweit sie nicht original vorhanden. Nicht weniger als LSVlX) Aufnahmen von Druckseiten und Schriftstücken hat das Institut herstellen lassen, zumeist im SPD.-Archiv in Benin, im Historischen Archiv der Stadt Köln, im Engelsschen Familienarchiv in Engelskirchen, im Geheimen Staatsarchiv Berlin und in der New Borker Public Library, so daß man im Haus an der Moskwa das ganze Werk der beiden deutschen Gelehrten, ihrer philosophischen, politischen, literarischen und ökonomischen Freunde und Feinde studieren und zur Publikation einer monumentalen Marx-Tngele- Ausgabe schreiten kann: die bisherigen VeröfsenllichuyAfn litten ieils an der Lückenhaftigkeit des Materials, teils an der physischen Iknzn- löngkichkeit von Einzelpersonen, alles wissenschaftlich durchzuarbeiten, und teils an Streichungen, die aus Platzmangel oder aus Gründen der aktuellen Politik vorgenommen worden sind. Jetzt vergleicht man mit philologischer Akribie jede handschrifiliche und gedruckt« Zeile, prüft jedes Zitat und jede statistische Angabe»ach, und be- schafft Erklärungen zu den Werken, dem Briefwechsel nud den Akten. Welch seltsame Dinge sah ich hier: die Aufgabe de» S ch ii- l e r s Marx,„Betrachtungen eines Jünglings bei der Wahl feines Berufes" mitsamt dem Zeugnis, woM der Lehrer tadelt, daß„sein Aufsatz... häufig mit Ungehörigkeiierrbeladeri" ist. Komische andere Briefe aus der Tschechoslowakei, wie das Schreiben aus Brünn vom 21. März 1872, worin der Absender Jos. A. Fiedler sich in einer Familienangelegenheit an den emigrierten Marx nach England wendet: der 5)«rr Doktor möchte doch so liebenswürdig sein, sich nach einer Verwandten Fiedlers zu erkundigen, die sich in London der Prostitution ergeben hat. Engels antwortet seiner Mutter(sie wollt« ihren Fritz von dem Verkehr mit Marx abhalten) in einem Brief, in dem er seine Empörung darüber äußert, daß die Pariser Kommune wegen der Erschießung einiger Geiseln überall wütend beschimpft wird, während sich gegen die Versailler Armee, die 40000 Menschen ermordete und �brandschatzt«, nirgends ein Wort der Anklage erhebt. Die Verleum- "düngen. Lügen und Haßgesänge gegen jeden Versuch der Wettver- besserung gehen jahrhundertelang durch die Literatkir, Marat ist ein Bluthund und Napoleon ein Gott die Räteregicrungen der intelli- gcnten Arbeiter und arbeitenden Intellektuellen sind„Slutregiine", und die Metzeleien der jagdlüsternen Aristokraten und sadistischen Feldwebel heißen: Restauration der Ordnung. Das Heim einer verleumdeten und verfolgten Wissenschaft, zur Heilung der Gesellschaft begründet, steht dort, wo ihre Schöpfer gelebt und ihr Grab gefunden haben: in der Fremde. Ein Archiv im Exil. tMit Erlaubnis des Verfassers dem Buche„Der rasende Reporter in Ruß- land" von Egon Erwin Atsch im Auszug euwommcn. Erich-Reib-Berlag. Das Marx-Engess-Znstiiui in Moskau. Bon Egon Erwin Kisch. Nun hinabgehend zum Moskwafluß, male ich mir den Kontrast aus zwischen diesem schicksalsschweren St com und der idylliMen Ilm, an deren Ufer ich nach dem Besuch des Goelhe-Schiller-Archios rastete in Weimar, dem Naturschutzpark ver�geuer deutscher Geistiakeit. Auch das Haus, von dem ich michWxn trennte, gilt dem Werk« zweier deutscher Denker— aber Fürstcngunst umsvnnte sie nicht, und der Jubel des Theaterpublikums umtobte sie nicht, nie schritten sie würdii aus eigenem Polazzo am Frouenplao. niemals konnten sie sich in Leidenschaften der Liebe süß verzehren, sie bekamen keine Denkmäler, apollinisch verklärt, und ihre Werke sind nicht Erb- gut und Möbel des deutschen Heims, ihre Namen spricht der Ober- lehrer nicht mit verzücktem Schauer aus und ihre Biographie hat der Schüler nicht ehrfurchtsvoll auswendig zu lernen. Gehetzt von Polizei und Verleumdung irrten sie von Stadt zu Stadt, von Land Zu Land. sie. die mit wissenschaftlichem Geschütz und intellektuellem Kleinkalibcr gegen eine internationale Front der Mächtigen kämpften und im Exil starben. Da sitze ich am schrägen Kairand, noch voll von Eindrücken, noch erregt über Dersolgung, MißHelligkeit, Verleumdung und Not zweier Sozialisten und über die Unzerbrechbarkeit ihrer Riesenkraft, zu meinen Füßen fließt die Moskwa— anders plätscherte die Ilm. Wie konnte mir Weimar auch nur einsallen. Es muß doch Der- gleichmöglicheres geben in meiner Erinnerung? Was sah ich nicht schon für sonderbare Wallfahrtsorte. Ruhmestempel und Gedächtnis- statten in aller Welt. Zeigte man mir nicht gegen Eintrittsgeld ein Bauernhaus, in dem sich ein Kaiser gefangen gab. Sah ich nicht von Staats wegen ein Auto ausgestellt, in dem e-n Thronfolger er- schössen wurl>e. Sah ich nicht im chatel bes Invalides einen ge- wöhnlichen Eisenbahiuvaggon anstaunen, nur ungewöhnlich dadurch, daß darin ein Begeyren um Waftenslillstand überreickt wurde. Sah ich nicht Fomiliengrüst« und Airnengalerien, nicht Prunkbetten, in denen diese Fürstin mit ihren Liebhabern oder jener Oiurst mit seinen Mätressen sür Wohl und Weh« ihrer Untertanen sorgten unqehcure Gebäude voll alter Uniformen und Ordenskollekttonen. Welch teure Votivkirchen sind aufgerichtet, wo«in erlauchter Herr einer vermeintlichen Gefahr entging, pompejanisch konserviert die Häuser, in denen ein schlauer Staatsmann oder wenigstens«in Dichter geboren ward, Moden, Theaterdekorationen, Ballett und Schmuck lzaben Museen.. nie aber gab es ein großes Jnstttut. bestimmt zur Ehre und Lehre jener, die die Ungerechtigkeit der Gesellschaftsfarm erkannten, und physisch dafür leiden mußten, daß sie ihrem Leid darüber Ausdruck liehen, in Studicrstuben oder aus der Varrikade ihr Streben zur Aen- derung menschlicher Nöte bezeugten. Nein, niemals wurden An- stalten gemacht, ihr Wirken dem Vergessen zu entreißen, in das Monarchen. Polittker und Beamte sie stürzen wollten. Sonst hätte ich nicht heute im Marx-Engels-Institut in Maeta» dos zu sehen vermocht, was ich vergeblich in meinem Kopf und meinem Herzen zu ordnen versuche, dieweil ich bewegt und erschöpft am Userbord der Moskwa sitze. Sonst wäre nicht binnen fünf Jahren eine Spezialliteratur in 200 000 Bänden zusammengebracht worden, einst aktuell gewesene Broschüren und längst vergriffen« Bücher, darunter Unikate, Originalfolianten aus dem 16. Jahrhundert und viele hundert handgeschriebene Dokumente. Wie wäre das möglich gewesen, wenn se vorher ein öffentliches Jnstttut in der Welt Intcr- olle au dergleichen bekundet hätte? "-4"--> n.-.\r"~.....-vv— Da fand Ich mich denn, seit Monaten fern von Deutschland, im Hause an der Moskwabiegimg, im einstigen PalaisdesFürsten Dolgorutow, vor Schränke gestellt, deren Reihen deutscher Bücher sich mit nichts befassen als mit der Rheinfrage und dem Mosolstrom und der Stadtgeschichte Kölns, weil dort die.Rheinische Zeitung" und die„Neue Rheinische Zeitung" ihre Kämpfe ausfochten, als ausgedienter Oesterreichcr staunte ich, in Bänden und Broschüren und Flugblättern die Revolution, von 1848 chronologisch geordnet, und über alle soziolisttschen Begebenheiten hinaus bis zum Weltkrieg« und zur Gründung der Roten Garde m Wien fortgeführt, zu er- blicken: die lückenlose Serie des„Vorwärts" und sogar die seines Vorgängers, des„Berliner V o l k s b l o t t e s", und alle preußifch-revolutionären Reminiszenzen des Sturmjahres, die mir in Berlin nur unter großen Schwierigkeiten zugänglich geworden waren, stehen zur Benutzung. In dieser Abteilung kommt mancher Schriftsteller zu den revo- lutionären Ehren, auf die er im späteren Mannesalter verzichtet hatte, so Joseph Görres oder Richard Wagner, der in den Dresdener„Dolksblätlern" August Röckeis in wahren Siegsriedsrusen zu Haß und Verachtung gegen die Gesellschaft ausreizte. Di« D em agogen v e r f olg u n g« n stehen hier am Pron- ger, die Darstellungen der Todesmißhandlunq Pastor Weldigs, der Kerderhaft Sylvester Jordans, wenn auch die Bücher des Haupt- dcnunzianten Witt von Doering nur dürstig vertreten sind. Die bibliophile Hingab« an einzelne Objekte muß man sich gleich- falls aus Zeitmangel versagen, so schwer es auch fällt, angesichts von Büchern, die noch vor Erscheinen beschlagnahmt wurden, von Werken. die nur handschriftlich existieren, wie Bruno Bauers Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, angesichts einer Marat gewidmeten Sammiung mit den vollständigen Nummern des„Ami de Peuple", der Seltenheiten von und über Danton. Robespierre, Saint Just, Cloots und Baboeuf. 1500 Nummern, darunter Manuskripte von Louise Michel. Blanqui, Saures. Photographien und Zeitungsbände umfaßt das Archiv der Pariser Kommune von 1871, aus England sind Erstausgaben von Godwin. Riccardo, Adam Smith. Morus und Millda. Pamphlete und Flugschriften aus den Zeiten ökonomischer Aufstände und Organisationsoertuche Es wird angestrebt, die von Marx zitierten Ausgaben zu sammeln und olle ihn beeinflußt habenden Werk«. Streitschristen um Kant, Fichte. Schelling und Hegel und vor allem um den historischen Materialismus sind in der Philosophischen Abteilung ver- treten, und die ganze Bibliothek, die Fichte besaß und die von ihm an Windelbond überging. Den Saal der Politischen Oekonomie hat Marx selbst in Fachgruppe» eingeteilt: die Bestände brauchten bloß noch den Kapitelüberschriften des.Kaoital" angeordnet zu werden, Wert, Mehrwert, Prosit. Preis-, Geld- und Kreditverkehr und so weiter, doch sind die Bücher teils recht vormarxistisch, teils nach« marxistisch und viele äntimarxisttsch. Was es je an Systemen der Gesellschaftsoerbesscrung, des Sozialismus, de« Kommunismus und des Anarchismus gab. wurde in der Abteilung für �»zialiemus zu vereinigen versucht, dl« Uwpisttca, der Sointsimonismus, die Pholan- störe, Proudhon und Owen mit ihren Schriften und Zeitungen, und von Abbö Meslier, der aus dem Obelisk im Alexanderpark am Kreml unter den Vätern des Kommunismus eingereiht ward, ist ein Hand- geschriebenes Exemplar des Testaments vorhanden, aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammend: auch die Anarchisten haben hier ihr Pantheon gefunden, Batunin, Kropptkin, Rcclus, Bcllegarrigue mit Kindertheater. Von Heinrich Man«. Theater für Kinder gibt es nur in der Weihnachtszeit, den Rest des Jahres leben die Kinder ganz gut ohne fremdes Theater. Sie haben nämlich selbst Phantasie genug und sind sämtlich Komödianten. In der Kinderstube ist fast jedes Spiel auch Komödienspiel. Die Kinder wechseln täglich mehrmals Alter, Beruf und Lebensverhält- nisic. Jedes belauschte Gespräch Erwachsener gewährt einen neuen Ausschnitt Wirklichkeit, der alsbald dramatisiert wird. Das Kind ist abwechselnd„in Stellung". Herrschaft", Kaufmann. König und sogar„Kind". Es redet Valuta, Börse, schwere Zeit, wohnt geistig in einem Puppenhaus, dessen Zimmer nur so groß sind wie sein Kops, und reist doch in blaue Weiten, wo immer sie blau sind. Die Erwachsenen brauchen das Theater der anderen, sie selbst spielen schon längst nicht mehr. Sie haben sich spezialisiert, ihr ücbcn vergeht mit einer einzigen Rolle. Vom ganzen Leben würden sie nichts anderes kennen, außer durch Hörensagen. Berinnerlichte Anschauung, Miterleben fremder Lebensrollen erlaubt ihnen gc. möhnlich nur das Theater. Die Erwachsenen wären sicherlich einander noch fremder, würden vielleicht noch weniger Nachsicht haben miteinander ohne die hervorragende soziale Einrichtung des Theaters. Aber Glanz des Glückes liegt breit um dos Theater der Kinder. Es ist so weit von einer Weihnacht zur anderen. Zu Hause im Zimmer flimmerte der Lichtbaum betörend, und auch das Theater läßt im Gedächtnis nur verwirrenden Zauber. Jetzt soll es wieder kehren.„Morgen ist der schöne Tag", sagt das Kind und geht hin, sich beglücken zu lassen. Allein von allen Theatergästen bringt das Kind ein ganz geöstnetes, empfängnisseliges Herz mit. Gespielt wird diesmal„Das Rumpelstilzchen", eine den Kindern bekannte Figur, durch Bericht und Zeugnis am wirklichen Leben beteiligt, zun; mindesten so existent und bewiesen wie denen, die keine Kinder mehr sind, ein Cäsar,«in Lasialle. Immerhin war manches über dos Rumpelstilzchen noch unbekannt, schon gleich das Haus, in dem es wohnt. Ein Haus mit Säulenhalle, engen Gängen und einem großen, großen Zimmer, an dessen Wänden, bis unter die bunte Decke, noch Leute kleben. Wie sind sie dort hinauf- gekommen? Erstens Problem. Im Parkett sagt eine Sechsjährige: „Zuerst niuß ich mir das Zimmer ansehen." Denn sie ist die Tochter des Malers. Ihre gleichaltrige Freundin, Tochter des Schriftstellers, sieht sich um, sie fragt:„Wo sangen sie an." Diese denkt doch schon an Schauspieler, die sich irgendwo versteckt halten, um uns dann weiszumachen, sie kämen aus dem Märchen. Das Parkett scheint leer, denn es ist voll kleiner Leute. Aber man hört ihr wohlgelauntes Getöse: Musik, die gemacht wird, stört es nicht. Da bricht es ob: vor dein Vorhang, der mit feierlichen Sinnbildern der Operette bemalt ist, erscheint Knecht Rupp- recht. Kein anderer als er, ganz hell beleuchtet, indes wir selbst aus einmal im Dunkel sitzen. Wie sollten wir ihn nicht wieder- erkennen! Vor wenigen Tagen war er bei uns zu Besuch. Da e« nochgewiesenermohen in der Stadt weilt, ist es begreiflich, daß er auch hier erscheint.„Ist er echt?" fragt sogar das Kind des Schrift- Kellers. Alle lauschen seinem Prolog mit voller Achtung, denn ihm ist Macht gegeben, die Rute ist eine Tatsache. Dann rollt sich der Vorhang yus. Sichtbar wird eine Bauernstube mit den Leuten, die hinein- gehören. Es wäre schon aufregend genug, wenn sie nur, wie sonst die Leute aus dem Land, vom Heu, vom Vieh oder von den Knödeln sprächen. In dem durch Licht begrenzten, von uns geschiedenen Raum dort oben wird das Einfachste sonderbar und erregend. Die Menschen bekommen jeden Augenblick einen Ton, der nicht wie immer ist. Auch versallen sie manchmal in Gesang und wie ge- rufen spielt dann gleich Musik. Die Kiicher dort oben hüpfen wie Kinder, aber wenn sie ihre frommen Mienen aussetzen, hinknien und singen, sind es Kinder wie sonst keine. Dies alles würde genügen, daß man vor Zuhören den Mund offen behält. Aber das Spannende, das Natürliche und gerade darum so Spannende ist etwas anderes. Die Familie dort oben, Kinder, derbe Bäuerin, stämmiger Bauer, hat nur einen einzigen Gedanken: das Rumpelstilzchen. Sie fürchten das Rumpelstilzchen. Die Lage ist die, daß der bewußte Kobold, der sein Wesen im Walde treibt, vor zwölf Jahren zu Weihnacht der Bäuerin ein kleines Kind gebracht hat. Er hat es in Pflege gegeben und hat versprochen, nach zwölf Iahren, wieder zu Weihnacht, werde er es abholen. Jetzt aber ist Weihnacht, und die zwölf Jahre sind herum. Das Rumpelstilzchen wird kommen, noch heute abend wird es kommen, und unsere Annemarie holen, unser Kind, schon längst unser liebes Kind! Da darf man wohl klagen und beten bei einer so surchtbaren Gefahr. Der Vater in seiner Angst denkt an gewast- samen Widerstand. Die Mutter hofft den Unhold zu erweichen. Darum bleibt doch die Stimmung überaus drohend. Niemand empfindet es bester als die Zuschauer. Eine Bewegung geht durch die Zuschauer, hier und dort wird Protest laut. Eins der sechs- jährigen Mädchen, die so wohlgemut herkamen, bricht in Rufe der Angst aus. Es ist die Tochter des Malers, Kata: sie verhüllt ihre Augen und meint wohl, so gehe die Gefahr vorbei. Die Tochter des Schriftstellers, Goschilein, tröstet sie.„Warum brüllst du, Kata. Es sind nur Schauspieler." Zur Sicherheit erkundigt sie sich an zuver- lässiger Stelle:„Nicht wahr, Mama, es sind Schauspieler?"— wendet dann ober, selbst entmutigt, den Kops weg. In der Tat, was wäre bewiese», wenn es Schauspieler wären? Könnten nicht etwa auch Schauspieler es mit dem echten Rumpelstilzchen zu tun be- kommen? Erste Pause. Ist es aus? Geht der Vorhang nie wieder hin- auf? Man litt Furcht und Mitleid, solange man hinsah. Aber man möchte immer weiter hinsehen. Inzwischen stärkt die Schokolade. Lutschend bekennt Kata:„Es ist schrecklich, wenn der Vorhang wieder Gtrindbergs Weihnachtsbaum. Erinnemngen von Krida Llhl. Ein stimmungsvolles Weihnachtsfest, dos August Strindberg im ersten Jahr seiner Che mit Frida U h l beging, wird von der Gattin des Dichters in der„Deutschen Rundschau" geschildert. Die beiden waren im November 1893 auf das Gut der Großeltern der Frau an der Donau zwischen Mauthausen und Grein gekommen. Hier, in dieser märchenhaften Abgeschiedenheit, wollte der große Schwede seine Riesenausgaben ausführen, die tiefste Stille und Sammlung erforderten.„Hatte er sich doch damals," erzählt seine Frau,„vom Studium der Mcnschenseel« der Ergründung des Welträtsels zuge- wandt und geschworen, der tiefen Weisheit der alten Inder— das alles nur ein und dasselbe in vorschiedenen Formen sei— zur Geltung zu verhelfen. Dazu gehörte ja„nur" ein Umsturz der ge- samten, zurzeit heilig gehaltenen Wistenschaft,„nur" eine völlige Umschafsung aller bisherigen Werte der Chemie und der anderen Naturwistenschaften... Wir hatten das große zweifenstrige Zimmer links im zweiten Stock in eine richtige Teufelsküche umgewandelt, da glühten selbst des Nachts Tiegel und Gläser rot über den Lampen, und ein wahrhaft höllischer Qualm erfüllt« die Lust. Denn in „Untersuchung" befand sich damals gerade der Schwefel, der sich zwar vielleicht nicht so sehr sträubte, als Element angesehen zu werden, nichtsdestoweniger aber darauf bestand, auch als Element ebenso lieb- lich weiter zu duften wie bisher... Wir erlebten Abend«, da glühten die fernen Steirer Alpen beim Sonnenuntergang schier un- heimlich m leuchtendem Lupferglanz, und der metallene Schein fiel ganz weit in die Landschaft bis zu uns und färbte das nahe eiserne Kreuz der Ardagger Kirch« blutrot. Dies« kleine Kirche gehört heute der schwedischen Literatur an. Sie ist die Kapelle, in welcher der „Unbekannte" im dritten Teil von„Nach Damaskus" klöster- lichen Frieden sucht. Denn auf dem Gut« Dornach und in den um- liegenden Ortschaften sind die meisten Freudens- und Leidens- stationen unserer gemeinsamen Damaskuswanderung zu suchen." In dieser Umgebung feierte nun Strindberg mU seiner jungen Frau das Weihnachtsfest, und die beiden beschlosten, es nach der ollge- meinen Feier noch allein für sich zu feiern. Ein Weihnachtsbaum war bei den Großeltern nicht üblich, aber Strindberg bestand darauf, und so holten sie denn heinilich wie zwei Räuber einen Tonnenbaum herein, verbargen ihn in einem riesigen altvaterischen Eichenschrank' und holten ihn erst am Weihnachtsabend hervor. Während er noch mit dem Großvater Schach spielen muhte, schmückte die junge Frau den Baum:„Kerzengerade stand er vor dem Fenster und hob sich feierlich von den weißen Vorhängen ab. Ums Fußende hatte ich Schnee gehäuft, und das herrliche Grün war durch keinen Schmuck entweiht. Nur schlanke weiße Wachskerzen schimmerten zwischen den Zweigen, und ein kleines Wachsengelchen saß auf der äußersten Spitze und lächelte himmlich. Ich hatte Mama, die eine große Sammlerin von Kirchenspitzen war, ein feines Meßtuch mit gotischer Leinenspitze abgebettelt, und darauf breitete ich nun die Geschenke aus. Da war ein« Riesenflasche Antoinekopi«rtinte,«ine prunkvoll« Adlerfeder als Federhalter, da waren Retorten und Tiegel für die Schwefelküche, da waren zwei schwarze Bildorahmen und Tuben mit Oelsorbe aus Wien, da war eine Flasche Schwedenpunsch und ein Paar weiche Pantoffel, auf die ich symbolisch, ober recht schlecht, eine rote Rose gestickt hatte. Das war alles, und ich stand daneben und schämte mich, daß ich nicht mehr geben konnte Aber nachdem er endlich Großvater entschlüpft war und ins Zimmer trat und ich sein Auge ausleuchten sah, kam ich mir plötzlich reich wie ein Krösus vor. Er ging ganz leise zu seinem Schreibtifch und nahm eine kleine Bleistiftzeichnung heraus, sein Bild mit 13 Iahren, von ihm selbst gezeichnet. Er wußte, daß ich es liebte—«Da hast du mich auch als Ä1nd... aber gib ja acht... Kinder leiden mehr als Er» wachsen«..." Er schritt ans Fenster und zog die Vorhänge zurück. Da war es, als träten plötzlich der Mond und die Nacht ins Zimmer. Hinter dem Baume schimmerte zouberhell die Flußlondschaft durch die Scheiben, und tiesblau wölbte sich das Firmament. Die kleinen Kerzenflämmcheu glitzerten mit den Sternen um die Wette, bis sie erloschen und uns im Dunkel zurückließen nur mit dem Mond, den Sternen und dem schimmernden Strom. An diesem Abend erzählte er mir ein Märchen: den Menschen aus der Erde ging es recht, recht schlecht, und besonders eine arme Frau weinte und sehnt« sich nach etwas, dos sie hier nirgends finden konnte. Das aber sahen die kleinen Engel Gottes, und da liefen sie vom Throne Gottes sort in die finstern Wolken hinein, die den Menschen den Himmel oerbergen, und sie stampften mit ihren kleinen Füßen solange, bis sie Löcher in. die Wolken gestampft hatten— die nennen die Menschen jetzt die „Sterne", und durch sie können sie in den Himmel sehen. aufgeht." Sie hat Augen, die gut ein Viertel des Gesichts aus- machen. Sie ist dunkel, trüumerisch, empfindsam. Ihre blonde Freundin Goschilein steht immer auf den Füßen vor leidenschaft- licher Teilnahme. Der Borhang würde sie nicht beunruhigen, ober sie hat in ihm ein Loch entdeckt. Was geschieht hinter dem Loch? Wöhrend sie nicht zusieht! Als gerade niemand daran denkt, ist das Rumpelstilzchen da. Es ist das echte! Ein großer Wald hat sich aufgetan dort hinten, und das rote Männchen tanzt umher. Es ist ganz rot angezogen, hat ein langes Gesicht, dos immer ernst bleibt, und spricht gleich- müßig laut und deuttich. Es erweist sich als boshaft, sein Ruf be- hält recht. Foppen ist sein liebstes. Einem Holzhacker verdirbt es fein Gerät, den Postboten bringt es zu Fall mit allen seinen Paketen. Da muß man lochen. Bosheit ist lustig, wenn wir selbst aus sicherem Stühlchen sitzen. Noch ein« andere Ueberlegenheit genießen wir Zuschauer, weil wir da» Rumpelstilzchen nämlich sehen. Der Postbote und der Holzhacker sehen es nicht, sie sind dumm und wir sind klug. Das Rumpelstilzchen ist hungrig geworden von seiner Bosheit. aus Tannenzapfen will es sich etwas Gutes bereiten. Ein Wort von ihm, der Fels wird zum glühenden Kochofen. Das ist zuviel! Kata heult auf, sie wirft sich der Tante mit dem Gesicht in den Schoß. Auch anderswo eutsteht Panik: ein Kind, das aufgestanden war, fällt auf den Sesiel und klemmt einem anderen den Finger ein. Das blonde Goschilein flüstert:„ZUcht wahr, Mama, er zaubert auf elektrisch?" Was aber eine durchaus nichtige Erklärung ist und die Aussichten nicht friedlicher macht. Tatsächlich ruft das Rumpcl- stilzchen gleich darauf zu seiner Unterhaltung einen Freund herbei, der seiner würdig ist.„Es ist mein Freund, der Uhuhu, der klappt die Flügel auf und zu." Und dies tat er auch, der Uhuhu, hat übrigens einen Kopf von fürchterlicher Dicke mit Funkelaugen darin und ist nur geeignet, im Publikum die Besorgnisse zu steigern. Goschilein plappert sinnlos vor Schrecken:„Ist er ein Gewachsener, oder ein Kind oder ein Mensch?"—„Er ist kostümiert," sogt die Mutter.„Hat er auch am Kopf ein Kostüm?" sragt dos aufgeklärte Kind des Schriftstellers, das den Kopf verloren hat. Hierüber freut sich Kata. Sie selbst heult nicht mehr, sie richtet Fragen an die Well- Ordnung.„Warum ist das Rumpelstilzchen so schön angezogen, wenn es doch so böse ist? Und warum muh man im Theater so schön angezogen sein?" Zu ergänzen:„wenn es doch so schrecklich ist." Dos Rumpelstilzchen fühlt wohl selbst, daß es zu weit gegangen ist, es zieht mildere Saiten auf. Ein Grillenmännlein geigt ihm Lieder, es wird von allen Kindern, die Musikunterricht nehmen, als Kollege empfunden und reich beklatscht. Dann kommen die Tiere des Woldes und tanzen zur Musik, Hofen, Füchse, Vögel und leider auch wieder der Uhu. Der ganze Wald bis hinauf zu den Bergen ist voll tanzender Tiere, die aber aufrecht tanzen wie Menschen. Ein wunderbarer, begeisternder Anblick! Er kann nicht dauern. Wie alle sort sind, wer tritt hervor? Die Bauernkinder aus dem ersten Akt. Man dachte nicht mehr an sie. Sie müssen den Namen des Rumpelstilzchen erfahren, den niemand kennt, deshalb kommen sie. Gegen das Rumpelstilzchen gibt es nur dies eine Mittel, wie aus Grimms Märchen jedes Kind weiß. Nun, das Rumpelstilzchen ist dvlnm genug, sich zu verraten. So wäre all?» auf bestem Wege, wenn nicht schon wieder der vor- hang fiel«. Diesmal ist wirklich die Befürchtung nicht von der Hand zu weisen, es könnt« aus sein. Nein, chie Herrlichkeit soll immer noch weitergehen, nur wir haben schon brennend« Gesichter, sind erregt und wirr. So kommt der dritte Akt, worin bei den Bauersleuten von Rumpelstilzchen geredet wird. Nur. jetzt wissen wir mehr als sie, wir erwarten die Kinder aus dem Wald zurück. Sie kommen auch. Sogt nur nichts! Nein, sie behalten ihr Geheimnis für sich. bis das Rumpelstilzchen unter Donner und Finsternis im Zimmer erscheint und das Zwölfjährige fordert. Da sagen sie es und das Rumpelstilzchen ruft richtig wie im Märchen: �vas hat dir der Teufel gesagt!" und fährt wohin? In«in Loch im Fußboden, das vorher bestimmt nicht da war und aus dem noch dazu die hellen Flammen schlagen! Ehristbaum, Dankeslieder und obendrein eine überwältigend wirrschöne Angelegenheit mit einer Krippe und mit fremden Gestatten unter hohen, fremden Bäumen, beim Schein großer Sterne, beim Singen von Engeln in violettem Licht: „Stille Nacht!" Jetzt aber ist es aus. Ja wirklich, man muß fort- gehen, dies war für dieses Jahr das Theater. Auf dem Heimweg erklärte Kata. daß es schön war.„Du hattest doch Angst?" Ja, denn wie leicht konnte dos Rumpelstilzchen einen großen Schritt machen und war drunten bei uns! Aber schön war es, und Kata n rächte es wieder erleben, so ist die menschliche lln- oerwüstlichkeit. Ihre Freundin Goschilein sagt inzwischen wie dos Rumpelstilzchen:„Das ist mein Freund, der Uhuhu, er Nappt die Flügel auf und zu," und mit den Armen macht sie den Uhu. Er war schreckenerrcgend, und die Frag« nach seiner Echtheit ist nicht restlos geklärt. Aber selbst dos Schlimmste wird vertraut, wenn wir es spielen.__ » Man lernt nie aus. Daß man aus Glas Fäden herstellen kann, ist weniger bekannt. Das Verfahren Weh: darin, daß bei mäßiger Hitze das Glas zu Fäden ausgezogenmird. Dadurch wird erreicht, daß man aus einem Kilogramm Glas einen Faden bis zur Länge von SR» Kilometer erhält. » Die Erfindung des Abhaspeins der Seide wird einer Frau zu- geschrieben, nomlich der chinesischen Kaiserin Si-Iong-ihi, die 2700 v. Chr. lebte. Sie wurde aus diesem Grunde nach ihrem Tode unter die Gottheiten aufgenommen. s- Obwohl in der amtlichen Statistik Deutschlands die Grenze zwischen Stadt und Dorf bei einer Einwohnerzahl von 2000 gezogen wird, gibt es Städte, die weniger Einwohner haben, während andererseits Wohnort«, die über 2000 Einwohner haben, nicht immer als Stadt zu betrachten sind. Berücksichtigt man die geschichtliche Entwicklung, dann gibt es Orte, die weniger als 2000 Einwohner haben und früher doch Stodtrechte besaßen, so das nur 200 Ein- wohner zählende Hauenstein in Baden. Dies ist die kleinst« Stadt Deutschlands überhaupt. Man hat berechnet, daß die Zerstörung der Werte im Weltkrieg so groß war, daß etwa der 50. Teil aller in der Well vorhandencn Kohlen notwendig wäre, um seine materiellen Berlustc wieder gut zu machen. KENNER fCHENKT man Sonntag 26. Dezember 4927 usöer Die Filme der Woche. ,Oie Apachen von Paris/' (Gloria-Palasi.) Paris als Stadt des Amüsements und des Verbrechens ist für den Durchschnittsfilm immer ein gutes Thema. Der normale Bürger kommt hierbei immer auf feine Kosten, zu Punkt eins sowieso, zu Kummer zwei wegen des angenehmen Gruselns, das ihm ein Besuch in Apachenkellern und dunklen Gassen, wo das Verbrechen angeblich lauert, angenehm bereitet. Robert Reinert hat zudem dem Manuskript noch ein« ulkige Wendung gegeben, indem er Paris von einer amerikanischen Gesellschast bereisen läßt, die darauf aus ist, den Alkohol und andere Laster(die es in Amerika natürlich gar nickst gibt) zu entdecken und zu bekämpfen. Eine würdig« Dame, die vollständig moralfest ist, ihr männlicher Begleiter, der insge- heim den Alkohol auf die direkteste Weise bekämpft, d. h. durch Einverleibung, und ihre Nichte, das süße amerikanische Mädchen, das brennend nach allen Sensationen von Paris verlangt, bilden das Trio, das aus Paris losgelassen wird. Im Moulin Rouge, der bekannten Vergnügungsstätte, fallen sie richtig einer Apachenbande in die chände: aber der Edelverbrecher, genannt Mylord, der bessere Tage gesehen hat, verliebt sich in die blond« Amerikanerin, bringt ihr das gestohlene Armband zurück, entzweit sich und kämpft chret- wegen mit seiner Bande in dem berüchtigten Apachenkeller, den die Amerikaner natürlich kennen lernen müssen. Zum Schluß gibt es noch ein« richtige Äriminalgefchichte im Hause der Amerikaner, bei dessen Ausplünderung ein Nigger den Apachen zuvorkommt. Der schöne Mylord gerät dabei in den Verdacht, doch ein gemeiner Dieb zu sein, wird aber glänzend rehabilitiert und soll durch eine Verlobung mit seiner Amerikanerin wieder auf bessere Weg« ge- bracht werden. So endet die Geschichte hübsch moralisch. Inzwischen aber hat der Regisseur K. Malikofs, der diese» deutsch-franzö» fischen Gemeiuschaftssilin zum Teil mit französischen Darstellern gedreht hat. Gelegenheit, schön« Bilder von Paris, von feinem Luxustreiben und seinen aufgeschminkten Lasterhöhlen auszubreiten und durch ein flottes Tempo einen gangbaren Film mit allerlei Rasfineinent herzurichten. Der junge Franzose Jacques C a t e l a i n zeigt sich in allen Sätteln gerecht: er hat etwas von dem interessanten Geruch des Verbrechers, ist hübsch genug, um die Amerikanerin zu bestechen und gleichzeitig Gentleman im Sinne eines ameritanischen Mädchens der höheren Klasse. Seine Apachengesellen— übrigens ausgezeichnete Typen, die das Gruseln besorgen— werden über seinen Verrat freilich anders denken. Lia E i b e n s ch ü ß ist die blonde Amerika» nenn, die neben aller Forsche die typische amerikanische Fadheit mimt. Ihre Konkurrentin aus dem Apachenkeller wird von Ruth Weyher mit starker Uebertreibung und reichlicher Sentimentalität dargestellt. Malikofs selbst, der ausgezeichnete filmisch« Ein- fälle ins Spiel fetzt, gibt mit guter Mimik den alkoholoertilgenden Amerikaner. Tiedtke endlich liefert einen Detektiv, der angenehm vom Durchfchnsttsthcma absticht. D. ,Oer fröhlicheWemberg.� (Mannorhaus.) Ein gutes Lustspiel mst der notwendigen Reklame für rheinisch« Fröhlichkeit, aber kaum die ins Filmsche übertragene Komödie Zuck» maycrs. Aus Mangel an geeigneten Sujets, die irgendeinen Erfolg versprechen, greist man nach Bühnenstücken, die volle Häuser machten vnd fragt überhaupt nicht danach, ob dos Wirksame, das Einzig- artige der Komödie ins Bildhafte übertragen werden kann. Zuck- mayer schrieb ein Werk, dessen Erfolg hauptsächlich auf dem Dialog beruht. Die Menschen entschleiern sich in ihren Reden, die Handlung ist nicht besonders originell. Sie bringt im Grund- das übliche Schema. Zwei Liebende, sie Tochter eines reichen Wein- bergsbcsitzers, er Rheinschiffer, bekommen sich zuerst inckst: ein dritter tritt auf. ein verschuldeter Assessor, der den Goldfisch fangen will. Am Schluß nach einer großen Besäufnis die richtig rangierten Paare in Umarmung auf der Bühne. Das bedeutet an sich wenig. ?lber das Milieu, die Reden wirken bei Zuckmayer bodenständig echt. Der Dialog kann nicht filmisch ausgenutzt, er muß durch irgend- ein anderes Mittel wirksam gemacht werden. Diese findet die Regte der beiden Flecks nicht. Es bleibt das Milieu, das bereits in vielen Filmen ausgemünzt worden ist. Der Schauplatz kann im Film ständig wechseln, also zeigt man die Traubenlese, zeigt Mainz. Holland, Rheindampfer und ähnliche wirksame Dinge. Dazivischen bewegen sich die Menschen mit betonter Harmlosigkeit. Die Menschen erscheinen auf eine Schablone festgelegt zu sein, es fehlt ihnen an Fülle und Sasstgkeit. Was in dem Bühnenlustspicl tatsächlich innerlich begründet ist, erscheint hier als Aufopsening, trotzdem sich die Schauspieler um Wahrheit und Echtheit bemühen. R i t t n e r ist ein vollsaftiger, humorvoller Gunderloch, Camilla 5)orn, die Tochter, von' faszinierender Bodenständigkeit, Lotte Neu mann. die nicht mit Rührungstränen wie ehemals aufwarten muß, ein Mensch aus einem Guß �»id Karl de Bogt«in urwüchsiger Kerl. doz» gibt Fritz O d e m a r vom Franksurter Schauspielhaus den Assessor Kunzius ohne Uebertrcibung mit einem prachtvollen Ge- stoltnngsvcrmögen. Und trotzdem fehlt dem Film das Mitreißende, das Beschwingte. So ist ein sehr guter Durchschnittsfilm entstanden, mehr leider nicht._ F. S. ,Oie Jugend der Königin Luise.'' (Aeba-palasi„Atrinnt") Die kleinen Geschichten, die in Lesebüchern für höhere Mädchen- schulen über die Königin berichtet werden, ersahren hier durch Lud- wig Berg er eine filmische Illustration. Anekdote reiht sich an Anekdote, und der Film ist fertig. Erst der zweite Teil wird ein abschließendes Urteil ermöglichen, denn bei den Gestalten Napoleons und des Prinzen Louis Ferdinand wird es sich zeigen, ob Berger tatsächlich nur traditionelle Anekdote tjeben oder auch an die histo- rische Wahrheit lkonzejsionen machen will. Darüber hinaus ist jedoch die Frage bercchtitg, warum verfilmt man ausgerechnet das Leben der Königin Luise, das außer dem Napoleonintermezzo kaum dramatische Höhepunkte ausweist? Was bleibt übrig, wenn man die Namen ändert? Sehr wenig Unterhaltsames. Ansätze sind vorhanden, die junge, lebenslustige und ungezwungene Prinzessin an dein verknöcherten preußischen Hos, doch es kommt hier kaum zu ausgesprochenen Konflikten. Berger dämpst, gibt nur Andeutungen statt scharfe Herausarbeitung, alle haben recht, olle erscheinen in sympathischer Gloriole, selbst der verlotterte Friedrich Wilhelm II., dem M i e r e n d o r f f die Allüren eines hausväterlichen Bieder» wannes gibt. Nur die Bürgerliche, die Geliebte des Königs, bekommt eins ausgewischt. Das hat sie davon, daß sie durchaus Gräfin werden will. Im übrigen brauchen wir keine Filinreklame für die edlen Hohenzollsrn und ähnliche Fürstlichkeiten, gibt es keine anderen Sto fe' Selbst wenn Berger das ungeschminkte Porträt der Königin zeichnen wollte, wäre diese Uebung überflüssig, wieviel mehr eine Idealisierung. Man spekuliert mit diesem Film allein auf die In- stinkte derenigen. die als schwarzweißrot Gefärbt« durch das Leben lauien Durch das Proletariat wird der Film die Ablehnung er- fahren, die er feiner Gesinnung nach verdient. Wir sind heute zu sehr in politischen Auseinandersetzungen verhaftet, um einen Film vdcr ein Drama nur künstlerisch werten zu können, denn künstlerisch in reqietcchnischcr und darstellerischer Beziehung hat dieser Film Niveau. Der Stoff ist unsilmisch und undramntisch, deshalb legt der Rcg'ffeur Karl Grüne den.Hauptakzent auf die Ausgestaltung des Wstieus, au, reu» Bildwirkuug. Wie immer jchajjt Gruse Nachtbilder von feinstem, malerischen Netz, stellt prachtvolle Interieuraufnohmen und fügt die Menschen unaufdringlich diesem Rohmen ein. Mady Christians spielt dl« Königin, ohne süß lieblich oder madonnenhaft zu werden, ein ausgelassenes, liebens- wertes Kind. W i e m a n n, der Kronprinz, herb, eckig, ungelenk, mit dem goldenen Herzen in der rauhen Schale, steif wie ein Lade- stock und bereits die spätere Hilflosigkeit des Königs andeutend. Sehr eindringlich sind die Nebenrollen gestaltet, nur Prinz Louis Ferdi- nand wirkt posiert und unglaubwürdig. F. S. -.Rur zur probe." (Lfa-Theater Kurfürstendamm.) In der Uebersülle von Filmen, meist amerikanischen Ursprungs, die uns in den Wochen vor Weihnachten vorgesetzt worden sind, hat man manchmal das Gefühl, es soll noch schnell mit dem Vorrat im alten Jahr aufgeräumt werden, ehe man im neuen Jahr mit hoffentlich besseren Stücken das Nennen fortsetzt. Dieser Amerikaner hat große Strecken, wo er an die deutsche Posie erinnert, d. h. e» wird tranrpffyaft der Lachmuskel gekitzett, durch einen Unsinn, der manchmal so blöd wird, daß man sich nur durch eigene Witze aus der Situation retten kann. Es scheint, daß diese ganze Sache Raymond G r i f f i t h zu Ehren veranstaltet wird, der ja eine Nummer für sich ist und besonders durch die ungeheure Gelassen- heit imponiert, mit der er die weiften Sachen verkehrt macht oder durcheinander wirft. Er hat da natürlich auch Gelegenheit, durch seine Tricks die verfahrene Situation wieder einzurenken, und vor allem kann der Regitz eur Ken ton dann zum Schluß ein fabel- Haftes Endspiel loslassen, in dem mit dem üblichen amerikanischen Autohetzmcthodcn und einer wahnsinnigen Kletterei an einem Wolkenkratzer Effekt gemacht wird.(Freilich hat man das schon bei Harold Lloyd gesehen.) Es werden Trauungen veranstaltet, zum Teil zur Probe und mit allen Mitteln Situationskomitcn herbeigc- führt. Eine Hauptrolle spielt ein besonderer Apparat, aus dein ein zcaar Tauben losgelassen werden, die aus dem Höhepunkt der Situation ein Kollier entführen, um dessen Wiedererlangung sich das Ganze dreht. Die Verfolgung dieser Tauben mit ihren haarsträuben- den Zwischenfällen bildet dann den tumulwösen Ausgang. Der ulkig« Kerl, den Griffith darstellt, und der sonst alles nur zur Probe machte, verlobt sich bei dieser Gelegenheit schließlich noch richtig. Voran ging außer einer witzlosen amerikanischen Groteske ein ebenso unterhaltsamer wie belehrender Kulturfilm der Ufa über „Verkehrsregelung in der Nordsee". Man sieht darin die vielfachen Einrichtungen, die an der Küste getroffen sind, um durch Leuchttürme, Leuchtbosen und Lotscnbetrieb die Sicherheit der Schiffahrt zu gewährleisten. --Gustav Mond, du gehst so stille". (Mozark-Saal.) E» kst kein Film, der überwältigend lustig ist, aber es ist ein typischer Reinhold- S ch ü n z e l- Film, der den Freunden des be- langlofcn Spielfilms wieder sehr gefallen wird, denn er ist nett gemacht. Gustav Mond ist«in ruhiger, unbedeutender Mensch, doch möchte die Angebetete feines Herzens einen Mann, der Rekorde bricht. Schließlich wird Gustav auch interessant und zwar zuerst durch eine ungerechtfertigt« Verhaftung und hernach durch eine etwas seltsame Rolle, die ihm Frl. Wilma Duoal diktiert. Für dieses Fräulein hebt er nur Pakete auf, aber er wird unverzüglich zu ihrem Gatten er- klärt, als der reiche Onkel aus Afrika, der feine Nicht« für ver- heiratet und Mutter hält, unversehens auf der Bildfläche erscheint. Dieser gutmütige Filmoukel zahlt nämlich unentwegt die Schulden, die der leichtsinnig« Mann seiner Nichte macht. Wie nun Gustav Mond sich mit Frau, Kind und Onkel abfindet, ist«ine Sache für sich. Zum Schluß findet er auf jeden Fall zu der Dame feines Herzens zurück, von der er in Gnaden angenommen wird. Die größte Sorge des Regisseurs Schänzel war es, den Schauspieler Schänzel in den Bordergrund zu rücken. Die Szenen mit Schünzel werden oft zu sehr ausgespielt, man hat unwillkürlich das Gefühl, das Tempo des Films hätte hierunter gelitten. Es kommt eben zu viel Pomadigkeit hinein, es mangelt mitunter die Frische. Daß manckjer ulkige Einfall gut verwandt wurde, soll auch nicht einen'Augenblick bestritten werden. Für die übrigen Darsteller gab es keine schroietigen Aufgaben zu losen, obwohl man Schauspieler von Ruf bemühte.— e. d. Seitage des Vorwärts ,Oer große Sprung." (Ufa-palast am Zoo.) Cin Werk von Dr. A r» o l.d F a n ck berechtigt von vornherein zu den höchsten Erwartungen und ein Film von diesem Meister der Bergsilms wird mit besonderem Maße gemessen. Darum darf man wahrhast erfreut sein, daß man auch die neue Arbeit von Dr. Arnold Fanck so restlos bejahen kann. Diesmal ist der Regisseur auch für das Manuskript verantwart. lich, das mit viel Humor eine Liebcsgeschichte erzählt. Es handelt von einem Stadtherrn, der sich, wenn auch nach mancherlei Miß- gefchick, eine Nein«, wilde Ziegenhirtin«infängt. Die Handlung wurde natürlich nur ersonnen, um Landschaften und sportliche Höchstleistungen zu zeigen. Die Hauptrolle spielt L« n i R i e f e n st a h l, Dr. Fancks große Entdeckung für den Film. Ihr Gesicht ist photogrophisch so gut zu erfassen, wie kaum ein zweites, hinzu kommt ihr geschmeidiger. wunderbar durchtrainierter Körper. Und ein solches Menschenkind kann man in eine solch« Berglandschaft stellen. Louis Trcnter spielt den biederen, bodenständigcn Baucrnburschen. Hans ischneeberger, der Melsterlauser, führt die ulkige Figur des Michael Treuhcrz zum Siege, da er. indem er sie spielt, Leistung an Leistung reiht. Paul Graetz stellt wieder eine seiner bc- rühmten Berliner Typen hin. Sepp Allgeiers Photographie ist über alles Lob erhaben. Der ganze Film ist technisch vollendet. Alles ist gleich vorzüglich erfaßt, die Landschajt(die Fensterltürme, die Gebirgsnadeln in den Dolomiten), in ihrem Stimmungszauber und der Skisport, der hier wirtlich mit frohbewcatcm Leben gleich- bedeutend ist. Zudem hat man, was für dielen Film von erhöhter Wichtigkeit ist. dem Rhythmus der Einzelperson volle Wertung ab- gewonnen. Dr. Fanck versteht es. aus sich heraus lustig zu sein. So kommt es in diesem Film zu köstlichen, unvergeßlichen Szenen. Der Regisseur schlägt die Zuschauer in seinen Bann, er kann sich alles erlauben, sogar so gründlich ausgenutzte Aufnahmen, die bei jedem anderen die Langeweil« der Wiederholung ausgelöst hätten. Aber hier bleibt man schaulustig und fröhlich bis zum Schluß, e. b. „Fairbanks als Gaucho." (Eapitol.) E» ist kein richtiger Gaucho, der harmlos mst den Lossos seine Rinderherde behütet, sondern der Chef einer himdertkdpftgen Bande, die ausgleichende Gercchtiakeit übt, indem sie den Reiche» das Geld wegnimmt und es teils den Armen gibt, teils für sich behält. Und dieser Gaucho befreit einen heiligen Wallfahrtsort von den Truppen eines finsteren Diktators, der gern die Goldschätze sein eigen nennen möchte. Dazwischen geschehen allerlei abenteuerliche Dinge. Ein junges Mäd- chen fällt einen steilen Abhang herunter, meibt-bei dieser immerhin gefährlichen Uebung völlig unverletzt, wird daraus heilig und heilt mit amerikanischem Girllöcheln Kranke. Aussätzig« bevölkern den Film, erscheinen und verschwinden, bis der prachtvoll- Douglas eben- falls den Aussatz batommt und durch Gebete geheilt wird. Dann gibt es noch Jungfrauen mit Carmenollüren. den Dolch im Brust- tuch, rasend« Leidenschaft im Herzen: Mönche mit Gebetbüchern und oerzeihendem Lächeln spenden Sogen. Eine Rinderherde wird gegen die Mauern der Stadt getrieben, die sie auch pflichtschuldigst ein- trommelt. Alles ist vorhanden, was«in echter Fairbanks-Film an Romantik und Abenteuer verlangt und dann Douglas selbst, Äavo- lier und Desperado, der am Schluß fromm wird. Virtuose im Älet- tern. Springen, Lassowcrsen und Reiten. Held der Mädchen und Iugendträume, elegant, geschmeidig wie«in edler Panter und immer lachend, wie es sich für«inen anstandigen Amerikaner geziemt. Jeder Fairbanks-Film ist mir ein Märch-ki,«in Stück Romantik im Maschinenzeitalter, farbig, spannend, abenteuerlich, aber hier in „Gaucho" erscheinen die Farben etwas motter, das Tempo ist be- ruhigter, die Abenteuer häufen sich nicht. Es fehlt das große Finale. Dieser Film erreicht nicht den„Dieb von Bagdad" oder den„Mann mit der Peitsche", auch wenn er dank Fairbonks immerhin unterhält und besser unterhält als eine ernstausaezogene gesellschaftliche Affäre. _ F.<3. „Ratur und Liebe." silsa-pavtllon Rollendorfplatz.) Dieser Film, der den Weg vom Urtier zum Menschen zu zeigen versucht, ist von einer Zwiespältigkeit, die stärkstes Befremden her- vorrufen muß. Dr. N i ch o l a s Kaufmann schrieb das Mo- nuskript und Dr. Ulrich K. T. Schulz führte die Regie, unter- stützt durch vorzügliche Pholographen und beraten durch erste Wissen- schaftler. Im ersten Teil des Films wendet man sich an ein Pub- likum, das Belehrungen zugängig ist. lind man übermittelt ihm in leicht faßlicher, eindrucksstarker Fonn so viel Wissen, daß man für diesen Teil des Films dankbar sein muß. Der Film zeigt die Entwicklung der Tiere und Menschen von den primitivsten Ansängen bis zur Gegenwart. Wir sehen die heute noch aus Erden lebenden mutmaßlichen Vertreter unserer Vorstufen. Hunger und Liebe rc- gierten und regieren die Welt. Wir gewahren der Lieb« Freud' und Leid bei Tier und Mensch. Die körperliche Verwandtschast zwischen Tier und Mensch wird durch Bilder dokumentiert. Das Kapitel Affe und Mensch wird durch zahlreiche Ausnahmen von Menschenaffen— darunter solche von einem Gorilla, diesem großen Menschenhasser— erläutert. So weit ist alles vortrefflich, dann aber läßt man plötzlich Menschen von heute ihre Urvorfahren spielen. Im selben Augen- blick setzt die Maskerade«in. Man spürt nun nur noch Anordnungen eines Filmregisseurs, der für«in Publikum amerikanischer Geschjnacksrichtung arbeitet. Man sieht nichts wie gestellte Bilder allerorts; darin swd die Menschen zur Steinzeit derartig sentimental verliebt, wie es nur irgend deutsche Filmprinzessinnen und amerika- nische Filmmillionärinnen von heute zu sein belieben. Und wenn dann noch ein Bär. der, falls«r«in tierisches Wesen sein sollte, sicher aus Wandergewerbeschei» von Jahrmarkt zu Iohrmarti reist, als Urbar auftritt und von einem waffenlosen mageren Filmstatisten be- siegt wird, so wirken dlese Vorgänge einfach lächerlich. Man sollte diese menschlichen— allzumenschlichen Szenen frischen Mutes aus dem Film herausschneiden und man hätte ein Prachtwert, dos doch nicht durchaus abendfüllend zu fein braucht.— g. -/.Oer Bettelstudent." (primuS'paläst.) Es ist nicht einzusehen, warum man den Detteistudenten in einen Frack steckte und aus modern frisierte. Dadurch entstehen Widersprüche. Warum sind beispielsweise dle Soldaten die Ordnungserhalter in der Stadt und nicht die Polizei,«in Vorgang, der im Krakau des Barocks verständlich ist aber Nicht in einer modernen Stadt. Sonst ist der Film gut aufgebaut und inlzeniert. Die beiden Fleck«, die Regisieure. bemühen sich um heiter« Auf» lichtung des Manuskripts, sie weichen dem Sentimenialen aus. Dies bleibt ein Verdienst Andererseits wird zu viel Text gegeben und der szenische Ausbau leidet manchmal unter Unklarheiten, vor allem stört die zu oft angewandte JTialbbeleuchtung des Bildes. Die Szene braucht volles Licht, besondere da hier das Dunkel nicht als Stimmungsfaktor verwandt wird. Ausgezeichnet sind die Schau. spieler. An erster Stelle Liedtke, der ganz unseytimental und lcbenesprühend ist. Selten war er so frisch und natürlich. In den- selben Bahnen wandelt Maria P a u d I c r. während Junker- mann und Ida Wüst mit wirtlicher Komik den Oberst Ollendors und die Gräsin Nowalska gestalten. Im ganzen, ein gut gearbeiteter Durckückultttsstlm.» BT" Der Wethnachtzfeiertaa« wegen findet die SGsna der Engeren Orts. nerwaltnng am Dienstag, 2i. Dezember. nicht statt. Wontag, 26. Dejembn CS. Weihnächte feiertag). Dorm. 10»Hr. im fugend- Helm- de»»erdandshaufs», Linien. strafte SZ-SS(Portat l. 2 Treppen) SV Konferenz"WS der oa»warIs aus Moataoe arbeileadea Kohrleger und Heiser. Tagesordnung: I?IbSndernitsen de» Tartfvertragev. 2.. Dcrbands» und Dranchenangetegenheilen. ?» ist unbedingt notwendig, dah die beteiligten Kollegen zu dieser Konferenz, in der wichtige Mitteilungen gemacht werden, erscheinen Mr! WeWMeme Mg! Montag, 20. vezemder(2. Weihnachts- feiertag), vormittags 10 Uhr, in den Sophien-Sälen(„SSngerfaai-), Sophienstr. 12 10 Versammlung aller ausserhalb auf Alontage befindlichen Kollegen der AlelaUiaduslrie mil Ausnahme der Rohrleger u. Heizungsmonteure. Die Tagesordnung wirch in der Lerfammlung bokanittgegcbe». Mitgliedsbuch legitimiert. Da,(Erscheinen oller Zlionteure wird erwartet. v!e Ortsaermaltnng. Am llienstsg, öem 27. Dezember bleiben unsere Schalter und Bureaus fQr den Bank- und Sparkassenverkehr geschlossen. Lediglich für die Einlösung von Wechseln ist ein Schalter während der Zeitvon 9—1 Uhr geöffnet. Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, A.-G. Berlin S. 14, Wallstrasse 65. Schlafchaisclongne» ZS.—. Thaiselongue. deiten 6,—. WandbebSng« 8,—. Pa. tentmatraken S,— Polstcrauflagen. Wochenabzalilung 8�-. Göhr. Pappel- allce.>2: P-nlow Schmidtstrafie 1__• Moebei-Bsedel, Moritzplotz, Fabrikgc- bäude. Kein Laden, augerst billige Preise für gediegene Schlafzimmer. 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