Avendausgave Ax A Diensiag MfeA-.■■.. a A A TF. U 23. Oetembcr 1922 12:___ Tl i MG«» MG OchA �'««<-» 3.— Reichsmark, im mirous zahlbar. sW SSm WM Li MM Mn MH fojjw fcq! Km f/ BM Cle etnlpalitge Ranpaeeillezell, linier Streifband im In» und Aus--gragS Bö Kn IN» B« HU WW RjdH HB HB L-, BS[ f/®0 Pktnnig. Reklamezeile ä— Reichs. land 5,50 Reichsmark pro Monat.«NMll K��Kp«W B88(Ks WM EE[ MBw jyB HS HR W» Eg| I � mark„fttetne Anzeigen" das fettze- � MZ«Ä W» jAA WD K|i Wz wm oBl WI druckte Won 25 Pfennig(zulässig zwei Der.Sonnäri«- N.U de, Mustri»'rWS MB W H WLV LM x Mi». Hl M �WB�Bh/ fettgedruckt. Worte,, fedes weitere War, ten S-nntag-b-ilagc.Poik und Lei,» HD HM MMi. DMV �HM>> ou Mi«MMM JSSkV HS �r/ MSI 12 Pfennig. Stellengesuche das.rite sowie den BeUogen.Unterhaüunz WM ilai�'y 4� yy Wort 15 Pfennig, jcbcs weitere Wort und Wisien»..Au- der Silmroelt�. WWMd. yr/' S~/ H�kV // �H 10 Pfennig Wone übe, 15 Buchstoben .Stabtbeüage*. Frauurstimme- fm* r* 1 zählen für zwei Worte Arbeit-mark, A. V Snle«. Pfennig. Samiiienanzeigen für �Mntaüuir und' Abonnent«, Z.U. 40 Pfennig. Anzeigen» erschein, mochenrägllch zweimal. IB HK �1 tk. H B Bi MAjMa Hm 81■ IUI H II annahm» im Hauptgeschäft Linden» Konntazn und Montag, eitunal, Vv V�v' Ar ▼▼Vv V ftratze Z. wochentägi.oon«,/, dw 17 Uhr. Jentraßsesan dev GszialdemeSvattschen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Verlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhofs 292—227. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Die Herren Newersdorf? und Schultz«, betonnt aus dem Rothardt-Pnozest, sind im Diszipliiiarverfahren sehr milde be- handelt worden. Dazu schreibt Genosse Landsberg im letzten 5)eft der.Justiz": „Das rechtrfräftig« Urteil des Disziplinargerichts kommt nach Grörtenmg der einzelnen Bewersdoläs zur Last gelegten Punkte zu dem Ergebnis, es liege auch nicht der gering sie Anlaß dasür vor, daß Bewersdarsf in dem Rothardt-Prozeh durch politische V o r c i ii g e n o m m e n h e i t gegen den Reichspräsidenten auch nur irgendwie beeinflusil genasen wäre. Nach den Urteilsseststellungen seien die dem Landgcrichtsdircttor Bewersdorsf zum Deweise seiner Boreingeirommenheit gegen den Reichspräsidcnien Eberl gemachten Einzelvorwürse tatsächlich unbegründet: De Wersdorfs habe ledig- lich wegen einer Aeußerung aus dem Jahre 1921, von der das Disziplinargericht festgestellt habe, daß sie mit dein erst IllZ-t verhandelten Rothcrdt-Pro.-eß in keinem Zusammenhang stehe, ein« Warnung erhalten. Im übrigen sei er freigk- sprachen worden. Ick, kenne die Akten des Disziplinarprozesses und die Gesamt- heit seiner Ergebnisse nicht. Aber es ist mir bekomu. daß zwei besonders gravierende von den in meinem Aufsatz be- haupbeien Tatsa che n, die von den beiden angeschuldigten Richtern nicht zugestanden worden waren, erwiesen worden sind, und sowohl sie, wie auch die Würdigung, die ihnen das Disziplinar- gericht hat zuteil werden lassen, finde ich h ö ch st ch a r a t t e- r i st i s ch. In meinem Aufsatz hatte ich behauptet, daß die cherren V<>wers- darf und Schnitze während der Berl)andlung des Prozesses Rothardt in zweiter Instanz eines Tages als Zuhörer im Gerichtssaal er- schienen seien, daß Herr Bcwcrsdorff beim Anblick des Zeugen Scheidcmann gesagt habe:„Da ist ja Philipp,"»nd daß darauf cherr Schultz? mit Nachdruck geäußert habe:„Dieses Schwein." Im Disziplinarverfahren ist die Aenßsrung durch das beschworene Zeugnis eines jungen Juristen, der dem Vor- fall beigewohnt hat. bewiesen worden und bat zur B e- st r a f u n g S ch u l tz e s mit einem Verweise geführt. Herrn Bewersdorff hatte ich u. a. nachgesagt, daß er, einige Monate bevor er den Vorsitz im Prozeß Nothardt führt«, ssch in politischen Gesprächen dahin geäußert habe, die Hauptsache sei, daß„derSattlergeselleda ob e n" bald verschwinde. Im Disziplinarverfahren ilt durch ein« eidliche Zei-genauisan« b e- wiesen worden, daß Herr Bewersdorff jene Worte tatsächlich gebraucht hat, mir sind st« nickt eim'ge Monate vor dem Prozeß Rocharbt, sondern im Jahre 1921 gefallen. Ob auch der Beweis dafür erbracht ist, daß sie begleitet waren von dem Ausdruck der Ileberzeugung, es habe keinen Sinn, politisch in der Mitte zu bleiben, es müsse ganz scharf rechts regiert > werden, der einzige Mann, der Präsident des Deusscken Reiches werden tonne, sei LiKiendorff, weiß ich nickt Die vom Disziplinar- gericht festgestellte Aeußerung des Herrn Dewersdorss hat zu einer Bestrafung mit einor Warnung, also der nledrigsten zu- lässigen Strafe, geführt. Ich kann die Ausführung des Disziplinargerichts nicht ver- flehen, daß die Worte Bewersdorffs mit dem Rothardt-Prozeß in keinem Zusammenhang ständen. War denn das Ziel dieses Pro- Vorwäris-Verlag G. m. b. H. zessss nickst die Eistfernung des ersten Reichspräsidenten aus seinem Amte, die Herr Bewersdorff im Jahre 1921 als höchst erwünscht, ja sogar als notwendig bezeichnet hatte? Ich kann nur dabei bleiben, daß seine Prozcßleitung im Falle Rothardt seine auf pokui- schen Gründen beruhende Boreingenommenheit gegen den Reichspräsidenten genau so ossenbart hat wie die Aeußerung des Herrn Schnitze die auf der gleisten Giundlage erwachsene Antipathie gegen Scheidemann erkennen läßt. Herr Bewersdorff ist mit dem gegen ihn ergangenen Difziplinor- urteil zu frieden. Er darf es sein. Di« Richter im Talar sind, wie die beiden von mir besprochenen Tatsachen und die Art ihrer Würdigung durch sie erkennen läßt, bestrebt gewesen, die Augen der Richter aus der Anklagebank zu schonen. Athens Bindung an Nom. Gegen Südsiawiene! Ansprüche auf Saloniki. Mailand. 27. Dezember. Der griechische Außenminister Michalokopulos weill seit mehreren Tagen in Rom. Er hak Mussolini mehrfach ausgesuchl. Der „Popola d'Ztalio" schreibt über seinen Besuch jehl: Der griechische Außenminister habe den lebhasien Wunsch, zwischen Zialien und Griechenland die sreundschasllichen Beziehungen wieder anzuknüpfen, die vor dem Balkankrieg bestanden hätten. Der Minister habe erklärt, daß die griechische Regierung eine fscstschung Südslawiens im Hafen von Saloniki nicht dulden könne. S'ädflawien habe nur das Recht aus Transitverkehr. Die Bestrebungen, ein valkanlocarna zu schassen, seien von dem Minister in Abrede gestellt worden. Kapitaleriragssteuer in Frankreich. Vorschlag an den sozialistischen Parteitag. Paris, 27. Dezember.(Eigerrbericht.) Der sozialistische Parteitag beschloß am Montagnachmiltag, das umstrittene Problem der Aapitalausgabe zunächst nicht in der öffentlichen Sitzung anzuschneiden, sondern einem sachoerstän- digen Komitee zur Vorprüfung zu übergeben. Diesem Komitee ge- hörten u. a. an: Blum, Auriol und Renauld. Das Komitee rrat noch am Montagabend zu einer Sitzung zusammen. Nach kurzer Diskussion einigten sie sich«instimmig auf folgenden Vorschlag: Sofortige Stabilisierung des Franken, und zwar zu dem Kurse, der am Tage der Stabilisierung an der Börse notiert wird: Konsolidierung der gesamten schwebenden Schuld, wenn nicht anders möglich, auf dem Wege des Zwanges: an Stelle der Kapitalabgabe, die einen Eingriff in die Substanz des Ver- mögeiis darstellt, eine fortlaufende Kapitalertrags- st e u e r, die die unberechtigten, viel zu hohen indirekten Steuern ersetzen soll. Diese Vorschläge sollen heute die Vollversammlung des Kongresses beschäftigen. Poftscheckkomo: Berlin 37 SLg— Banlkonto: Bank der Ardcilcr. Angestellten und Beannen Wallstr. 65. Tiskonlo-Gelelllchali. Teposstenkasse Lmdenldr. L Wendepunkt in Rußland. Seine Bedeutung für die internationale Arbeiierschafi. Von peter Garwy. Der 13. Parteitag der KPdSU, hat selbstverständlich „einstimmig" die Erledigung der Parteiopposilion beschlossen. Umsonst hatte die Opposition in ihrer Erklärung, die sie dem Parteitag überreicht hatte, ihre Bereitschaft, zu kapitulieren, ausgesprochen. Umsonst hatte K a m e n e w erklärt, daß die Opposition nicht gewillt sei,„den Weg der zweiten Partei zu betreten", daß sie sich verpflichte, den Fraktionskampf und ' die illegale fraktionelle Organisation aufzugeben. R y k o m und Stalin brandmarkten dieses erniedrigende Friedens- angebot als ein heuchlerisches Manöver. Der Parteitag forderte die bedingslofc„echtbolschewistische" Unterwerfung der Opposition, ihre nicht nur organisatorische, sondern auch ideologische Abrüstung, d. h. die völlige Lossagung von ihren Meinungen. Die ist bekanntlich von einem Teil der Opposition auch vollzogen worden, während ein anderer in seisv.r Kampf- stellung verharrt. Was nun? Massenauss6)liehungen, Massenverhaftr-ngen, vielleicht sogar Erschießungen der Oppositionellen.(Rykow ..prophezeit" schon jetzt die bevorstehende„Vermehrung der Bevölkerung in den Gefängnissen".) Auf der anderen Seite Zersetzung. Massenverrot der einen, Erbitterung der anderen, die noch tiefer ins„Unterirdische" sich verbergen und den Weg des Verschwörertums einschlagen werden. Die Ovpo- sition ist erledigt, aber die Krise bleibt. Sie ist nur in eine viel ernsthaftere und viel gefährlichere Phase einqetreten. Denn auf dem Parteitag wurde keine rrotzkistische„Ab- weichung", sondern der A l t b o l s ch e w i s m u s selbst, die Oktoberführung und die Oktoberillusion, erledigt. Man darf sich dadurch nicht täuschen lassen, daß der Parteitag unter Stalins Führung ans rein demagogischen Gründen das Pro- stramm der Opposition übernommen und sowohl in den außen- wie in den innenpolitischen Fragen einen linken Kurs eingeschlagen hat. Der wirkliche politische Sinn der Erledigung der linkskomm"nistischen Opvysition ist die Frei- machunq des abschüssigen Weges zu der fortschreitenden Ver- bürgerlichling dör bolschewistischen Diktatur.... Die neue Phase der russilchen Krise ist für die i n t e r- nationale Arbeiterschaft von größter Ledeutung. Die Erledigung der Opposition wird den büra»rlick?n Um- Wandlungsprozeß in der Richtung einer bonapartistifchen oder sasck-ychen Umwälzung beschleunigen. Die linken Kom- munisten im Auslande begreifen das zwar ganz gut. sie begreifen aber nicht, daß damit ihre ganze SockiV dm Bolschewismus nicht nur in Rußland, sondern auch im Auslände. zugrunde gebt. Noch weniger begreifen das die gehorsamen ..Mehrheiten" in allen Sektionen der K'-p''ntern, die die Erledigung der Onn'-lN',-� e.ntlimmig" billigen»nd dem Sieg-r Stalin mit untertäniaer Vegeist?'''ing kuEdchen. Das Erwachen wird schrecklich sein! Der russische Ther- midor, d. h. das Ende der„kommnnistiscfisn" Maskerads in Rußland, wird in ungeheurem Maße die Z e r s e k n n g d e s Kommunismus in Westeuropa belcbleunigen. Dann werden die kommunistiscb-'n Arbeiter überall vor die Wahl gestellt: entweder in die, Reihen der Sozialdemokratie zurückzukehren oder sich in unbedeutende aiiarcho-si)ndikali- stische Sekten zu verlieren. Ganz anders steht die Frage für die sozialistische Arbeiter- scbaft, die den weitaus größeren Teil des Weltoroictariats bildet. Auch für sie ist die russische Krise von größter Be- deutung. Aber für sie bedeutet das Ende der kommunistischen Maskerade in Rußland alles andere als das Ende der sozialen Revolution und des Sozialismus. Sie hat solche Entwicklungen vorausgesehen und ist daher im Gegensatz zu den kommuni- stischen Arbeitern aar einer katastrophalen Enttäuschung und ihren unheilvollen Folgen gesichert. Das jedoch muß offen gesagt werden. Auch in den Reihen der sozialistischen Arbeitersthast Wcsteurovas sind nocli un- krittstfie. ja illusionistische Vorstellungen über Sowjetrußland ziemlicb stark verbreitet. Manche glauben noch an das „sozialistilche Experiment" in Rußland. Manche glauben, daß für Rußland, das eigentlich„zu Asien gehört", der Weg zum Sozialismus vielleicht durch eine Mindsrheitsdiktatnr führe. Insofern bedeutet das bevorstehende bürgerlich- bonapartistische Finale der bolschewistischen Diktatur auch für e'nen Teil der iozialiststchen Arbeiterschaft Westeurovas eine Enttäuschung. Gerade deshalb ist es aber höchst wichtig, eine klare Stellung zum russischen Bollch-wisnins einzunehmen und den wirklichen Charakter des in Rußland vor sich gehen- den wirtschostlichen, sozialen und politischen Nrozesses vor den Augen des Weltoroletariats aufzudecken.?i?de Vernackstäsli- gung der Aufgabe,..auszusprechen, was ist", m?ßte sich in der Zukunft grausam rächen. Für die sozialistische Arbeiterschaft Westeuropas ist es nicht gleichgültig, wie sich die Ereignisse in Rußland weiter entwickeln. Die internationale Arbeiterschaft muß nach wie vor mit aller Kraft die imperialistische Intervention, auch in der verhüllten Forin einer Wirtschafts- und Finanzblockade bekämpfen. Nicht aus SympalHie für die bolschewistische Diktatur, sondern dem Weltfrieden zuliebe. Wer die sozia- Eine zweite Partei in Rußland. Die extreme Opposition für eigene Parteibildung. Charkow. 26. Dezember.(Ost-Expreß.) Die Eharkower Sowjetprefje bringt Enthüllungen über eine extreme Richtung innerhalb der Opposition, die sich„Gruppe der demokratischen Zentralisation" nennt. Von der Trotzki-Opposition unterscheidet sich die Gruppe hauptsächlich dadurch, daß sie unzweideutig und mit Entschiedenheit für die Schaffung einer neuen Partei eintritt. Der geistige Führer dieser Richtiing ist der bekannte Oppositionelle S a p r o n o w, der nach Mitteilungen der Sowjetpresie neuerdings in einer illegalen Oppositionsversamm- lung in Eharkow erklärt haben soll, Lenins Schriften seien„kein Talmud", die Kommunistische Partei befinde sich gegenwärtig aus einem falschen Gleis und die bei vielen Trotzkisten beliebte Methode, durch„Reuebekenntnisse" Zeit zu gewinnen, sei zu verwerfen. Man müsse im Gegenteil die illegalen Organisationssormen mit allen Kräften ausbauen und ganz besonders unter der parteilosen Arbeiterschaft eine energische Propaganda für die Ideen der Opposition entsallen. Nach den Vcrsöhnungsversuchen der Kamenew und Genossen auf dem Moskauer Parteikongreß soll sich diese extreme Gruppe der demokratischen Zentralisation besonders ver- stärkt haben. In Moskau ist vor einigen Tagen eine Konferenz abgehastcn worden, die im geheimen stattfand und von Vertretern der erwähnten Gruppe aus allen Teilen der Sowjetunion besticht war. Hingerichtet, nicht gefallen! Oer Tod des Sowjetkonsuls in Kanton. Hongkong, 27. Dezember.' Was mit den Russen in Kanton geschehen ist, steht noch immer nicht fest. Eine amtliche Erklärung, die Nervosität verrät, besagt, zehn Russen seien während des Kampfes getötet worden. Aus- löndische Zeugen aber geben an, daß fünf Russen hingerichtet worden seien, darunter zwei, die im Konsulat verhaftet wurden. Im ganzen sollen nach ausländischen Angaben acht Russen hinge- richtet worden sein, darunter der Vizekonsul und ein K'onsnlals- beamter-, nur zwei seien im Kampf gefallen. Richter der Republik! Was Herr Bewersdorff sich leisten darf. fistische Arbeiterschaft kann und darf sich- nicht im Bereich der A r b e-i t,p r?, e in e g u n g auf den Boden der„gegenseitigen Nichteinmischung" stellen. Das� ist überhaupt kein realer Boden. Demi wie vor kurzem B u ch a r i n in seiner groben Antwort an Paul L ö b e und Otto Bauer bestätigt hat, ist die russische Kommunistenpartei gar nicht imstande, ihre Einmischung in die Angelegenheiten der westeuropäischen Arbeiterbewegung wirklich einzustellen. Zumal die russische Partei die Sektionen der Komintern, wie R j a s a n o w erklärt hat, als„Kriegsreserve im Rücken der Feinde" betrachtet. Auch aus rein innerpolitischen Gründen können die Bolschewiki sich von ihren weltrevolutionaren„Aufgaben" nicht lossagen, wenn sie nicht die bolschewistischen Arbeiter Rußlands in die Arme der Parteiopposition treiben wollen. Die sozialistische Arbeiterschaft Westeuropas kann und darf sich aber auch nicht auf den Standpunkt der„gegen- feitigen Nichteinmischung" stelle», wenn sie nicht gewillt ist, das unterdrückte russische Proletariat in schwerster Zeit im Stich zu lassen. Nur die demokratische Ueberwindung der terrori- stischen Bolschewistendiktatur kann ihre bonapartistische Ent- Wicklung mit allen ihren friedensgefährlichen Folgen vereiteln. Zu passiv, zu schwach, zu verirrt sind nach zehn Jahren der Gewaltherrschaft der russischen Arbeiter, um ohne die aktivste Unterstützung der gesamten sozialistischen Arbeiterschaft ihren Kampf für Koalitionsfreiheit, Bürgerrechte, demokra- tische Republik aufnehinen zu können. Bleibt diese Unter- stützung aus, dann entsteht die Gefahr, daß die durch den Zusannnenbruch der Oktoberillusionen verzweifelten russischen Arbeiter zum Opfer des Faschismus werden und für lange Zeit für die Befreiungsbewegung des Weltproletariats ver- lorcn gehen. Die russische Krise mahnt das gesamte Proletariat West- europas an seine Pflicht der internationalen Solidarität gegenüber der russischen Arbeiterklasse, die, geistig und orga- nifatorisch entwaffnet, einer schweren Krise entgegengeht.... „DKücksichtssose Inieressen-politik"— ireiben die Oeuffchnationolen nach dem Zeugnis der Volks- Partei? Infolge des Urteils des Staotsgerichtshofs ist der Landtag von M eck l e n b u r g- S t r c l i Ii aufgelöst worden Die Reu- ivahlcn sollen am 29. Januar stattfinden. Das stellt sämtliche bis- herigen Parteien vor neue Wahlaufgaben. Die D e u t s ch e V o l k s- Partei, bisher ein Anhängsel der Deutschnationalen, hat nun auf ihrem Bertretertage plötzlich entdeckt, dah sie von dem großen Koal:- tionsbrudcr völlig an die Wand gequetscht werde. Deshalb ver- öffentlicht sie eine Erklärung, das; sie nicht mehr wie bisher das fünft? Rad am Wogen der Deutschnationalen sein wolle. Denn die Politik der Deutschnationalen in Mecklenburg sei die gerade uud folgerichtige Jortsthiing der?olttit der Rilterschast in den ständischen Landtogen, die sie dort durch Jahrhunderte geführt liaben. Ei« sei nichts anderes als krasie und rücksichtslose Zntereiiea. Politik, die schon im alten Staate eine Gefahr gewesen und die jetzt nur insoweit geändert wurde, als die Deutschnationalen gegen steuerliche und wirtschaftliche Vorteile die Der- waltung des Landes den— Demokraten auslieferten! Die Valkspartei kündigt an, daß sie n a ch den Wahlen„im Vcdarssjallc" eine Koalition mit der Linken eingehen werde, wie sie bisher mit der Rechte» ging. Rur wird nicht ganz kln'-. ob dies? Wandlung wegen der„k r a s s c n und r ü ck s i ch t s. losen I n t e r e s s e ii p o I i t i k der Deutschnationalen" oder wegen der Bcrwaltung durch die Demokraten vor sich gegangen ist. Das letztere scheint wenig wahrscheinlich, denn an Interessenpolitik hat ea die Dolkspartci doch auch nirgends fehlen lassen. Die Verschickungszeil Dr. Itoldins— wegen Veranstaltung einer Weihnachtsfeier für deutschslldtirolcr Kinder!— ist von fünf auf zwei x>ohre herabgesetzt worden. Die Katastrophe. Der schwarze Tod holt sich seine WeihnachtSopfer. Aus Dortmund wird uns geschrieben: Dos frohe Weiß b«r letzten Wochen wich plötzlich einer dumpfen Karfreitagsstimmung. Dumpf und grau hing der niedrige tstinmel über dem dunklen Revier nn der Ruhr. Regen rann aus schweren Wolken. Auf den Werken und Gruben des Reviers rüstete man sich zur letzten Schicht vor dem Fest. Stunden noch, und der„Heilige Abend", der als des Festes schönster Mittelpunkt gilt, brach an. Da bäumte sich schmerzvoll das dunkle Revier. Gerüchte sprangen auf von einem schweren Unglück. Die Rettungswagen der Zechen donnerten durch die in nächtiichem Schweigen liegenden Zechen. kaloniei� Erregt? Stimmen sprangen auf. Frauen, die schon ihre Männer von der bald beendeten Rocht- schickst zurückerwarteten, sprangen von ihrem Lager. Rannten hinaus in den rinnenden Regen, in den sprühenden Gischt.„Wo ist es?" sprang eine Frage auf.„Wo?" „Ich weis; es nicht," ist die Amwort. Der Retliiugsimgen von Dorstfeld ist durch. „Mein Mann ist aus Dorstfeld" „Rein, auf Dorstfeld ist es nicht. Der Wagen fuhr nach Lütgen- - dortmnnd." „Dann ist es auf R e u< I s e r l o h n!" sprang plötzlich ein Schrei an den Wänden der niederen Häuser hoch, und eine Frau ronnle wie von Furien gejagt in die dunkle, schweigende Nacht. Immer noch rann der Regen. Von den nahen Kokereien flammten die Ocscn wie riesige Totenfackeln. • Dann rotierte wieder der Rettungswagen durch die Nacht. Cr kam zurück von der Stätte des Unglücks.„Was war?" fragen die Wartenden und sind schon freier In Ihrem Fragen. „Was war?" fragt es dringlicher. „Eine örtliche Kohlenstanberplosion ans Neu-Jserlohn. Die Leute sinZ» schon oben." � „Tote?" „Sechs, und zwei Verletzte." Sechs Männer fielen in dieser Nacht, die die letzt« ist vor dem Fest. In sechs Häusern sollien am Abend stast der Wcihnachts- kurzen die Totenlampen brennen. Sechs Frauen sind, Gattinnen oder Mütter, in deren Augen dieser Abend keine Freude, sondern kiesen, unauslöschlichen Schmerz fand. Sechs Männer sind nicht mehr. Menschen, die tagaus, tagein km Dunkel der Grube sich duckten, die, auf kleinen Lokomotiven sitzend, durch die Nächte der Grube fuhren, um Kohlen herauf- zuschaiien in das Licht der Herren, atmen nickst mehr. Dumpf und höht kam der Morgen Die Zcilungcn berichteten noch nichts. Aber die Gerüchte kreisen und schwellen ins Ungeheure. Verwünschungen werde» laut gegen die Sinnlosigkeit eines Schick- Oer Giurm auf Suhl. Die KPO.-Zentrale schließt aus. Die Zentrale der KPD. unternimint einen Swrmangriff auf die Stellung de? kommunistischen Opposition in Suhl im Thüringer- wald. Sie will die Opposition in der Organisation zerschlagen und den opposinonellen Suhler„V o l k s w i l l e" wieder in die Hand bekommen. Am 24. Dezember hat sie sechs Oppositionelle in Suhl ausge- schlössen: Guido H e y m, M. d. L.. politischer Leiter des Unter- bezirks, Ernst Greiner, Oskar Weiß, Fritz A n s ch ü tz. Karl Heym, Organisationslciter, Fritz Beyersdörfer, alles Mit- glieder der Unterbezirksleitung. Damit hat die Zentrale die Mehr- Heck in der Unterbezirksleitung. lieber den Zeitungskampf unterrichtet ein Brief aus G l e i wi tz an den Suhlcr„Aolkswillen": «„Werter Genosse! Zu Deiner Information möchte ich Dir folgendes gehörte Gespräch auf dem hiesigen Partei- b n r e a u zwischen den Genossen Wyichka und S m o l k a, der meines Wissens in der B.-L. in Jena, Gew.-Abt., sitzt, übermitteln. Auf die Frage van W., was es Neues in Suhl gibt, sagte S.: In Suhl haben sie uns den„Volkswille" geklaut, aber bis zum IZ. Januar werden wir es geschafft hoben, bis jetzt haben wir durch unsere zwei Zeckungen, die wir reinschmeißen, bereits 2000 Abonnenten dem„Volks wille" abgejagt, der muß pleite gehen, nächstens wird Guido Heym rausgeschmissen. Auf die Frage von W., wieviel Mitglieder in , Suhl sind, solgende Antwort: 4nO Mitglieder, aber nur Pro- loten. Der Unterbezirk ist für uns sehr wichtig." Das ist der„proletarische Befreiungskamps" der Kommunisten, die Einheit der Arbeiterklasse, wie sie sie auffassen! Deutsche Propaganda. Deaffche(Schisssgesellschasten boykottieren ein deutsches Blatt Wie dos„Berliner Tageblatt" mitteilt, haben im Jahre 1923 die deutschen Schiffahrtsgescllschaften dem deutschen r g e n t i n i- schen Tageblati" die Inserate entzagen, weil es republikanisch ist und über dir Derhältnisse im Ausland objcktio berichtet. Ein früherer kaiserlicher Offizier, sitzt Angestellter des Nord- deutschen Lloyd, sucht jetzt im Austrag(einer Generalagentur fremde Schiffahrtsgesellschaften zu bewegen, sich deni Boykott anzuschließen. In einem Falle hat er Erfolg gehabt, der „Holländische Lloyd" ist dem Verlangen nachgekommen. Das ist die Auslandspropaganda der deutschen Schiffohrts- gesillschafien für das Deutschtum! Sparsamkeit in der Marine. Oder der schadenersatzpflichtige Maschinist. Man schreibt uns: Wer mit Sorge die Verschwendung beobachtet hat, die im M a r i n e e t a t die Ziffern von Jahr zu Jahr anschwellen läßt und uns insbesondere eine für die kleine dcuffche Flotte kaum glaubliche Anzahl von A d m i r a l« n und sonstigen gut bezahlten, aber nicht gerade mit Arbeit überhäuften Kommandostellen beschert, wird mit großer Freude einen kleinen Ansatz zur Sparsamkeit de- merken. Leider ist aber das Opfer dieser Sparsamkeit nicht einer der hohen Herren, sondern ein Maschinist der Mari»«wer st Wilhelmshaven geworden. Diesem, einem Familienvater, war es passiert, daß während seiner Diensistunden ein Kessel einen Schaden erlitt. Den Schaden verlangte die Werstleitung in Höhe von 7000 Mark von dem Maschinisten ersetzt, obwohl der Betriebsrat sich einmüng für ihn aussprach. Ein anderer Arbeitgeber würde wahrscheinlich einen Angestellten in derart schlecht bezahlter Stellung überhaupt nicht ersatzpflichtig machen oder ihn zunächst einmal verklagen und so«ine Fest- stellung der Schadcnserjatzpslicht herbeiführen. Anders die sals, dos dem ewig leidenden Menschen noch die kargen Freuden des Weihnachtsfestes vergällt. Denn es ist nicht das erstemal. daß der Tod sein« Opfer am Weihnachtstage sich holt. Auch er will sein Opfer an diesem Tage, an dem allsz sich opfert und schenkt. Unb sei es auch nur, daß er hinweisen will aus das große Opfer, das die Mäimer der Arbeit an jedem Tage bringen und das die Herren so leicht vergessen bei ihrem Lamentieren über die Unrenta- bilität ihrer Werke. Sei es, um in einem Augenblick, wo de? Druck der drohenden Aussperrung vom Revier genommen wurde, zu zeigen, daß diese dunklen Männer, die der Hunger bedroht«, jeden Tag ihr Leben, ihre Gesundheit und das Glück ihrer Familien aufs Spiel setzen. Und das sind Werte, die nickst wie das Geld ihrer Gegenspieler ersetz bor sind. Werte, die auch dann, wenn die, die sie einsetzen, das Spiel gewinnen, nicht ins Unendliche wachsen, wie dos Geld und die Macht der Herren. Aber es wirb eine Zeit kommen, die dies« Opser nicht mehr braucht, die diese Werte, die den Herren von heute nicht oder wenig gelten, höher bewerten wird als alles Gold dieser Erde. Und wo das Spiel des Lessens, in dem heute noch die Armen all« Opfer bringen, gleich auf gleich gespielt wird, und die Gewinne des Spiels unbefleckt sind vom Blut und Elend der Schaffenden. E. K. „Motte". persönliche Erinnerungen an Hermann Molkenbuhr. Von Philipp Scheidemann. ... Ich habe ihn aufrichtig verehrt und geliebt. Cr war«in Mensch ganz besonderer Art. Er hatte— für die erste Stunde der Bekanntschaft— ganz gewiß nichts gerade Bestechendes. Seine Körperhaltung war schlecht, sein Gong direkt antimilckaristtsch. Das Reden fiel ihm nicht leicht, er brauchte mitunter drei und mehr An- fätze, bis das erste Wort heraus war. Aber wem das Wesen dieses seltenen Mannes sich einmal erichlosien hotte, der sah durch die Pelle hindurch in ein kindlich Gemüt und ein mutiges Herz, das in inniger und zu allen Opfern bereiter Liebe schlug für das schaffend« Volk, aus dem er sich heraus- und hinaufgearbecket hatte, um desto besser für„unten" wirkenzu können. Wer diesem Menschen näher gestanden Hai, der weiß, daß er ein Gedächt"i?phänomen unoevgleichlichrr Art gewesen ist. Wenn da« Gedächtnis aller anderen versagte und wenn kein Lexikon Auskunft zu geben vermochte, dann war Hermann die letzte Rettung. Hatte man ihn erst am Rockschoß, dann hatte man auch die Antwort, die sonst niemand zu gehen vermocht«. Wann wurde die erste Novelle zum Gesetz b«tr die Kranken- kassen eingebracht? Wann erschien„Onkel Toms Hütte" zuerst in deutscher Sprache? Wo hat Bebel gesogt, daß er bereit sei, die Flinte noch aus den Buckel nehmen zu wollen, wenn uns das zaristische Ruhland bedroht? Wieosil landwirtschaflliche Be- triebe gibt es in Deutschland? Wann haben Sie die„Fledermaus" zum ersten Male gehört? Wieviel Kilometer ist dre Sonne von der Marinewerft. Ohne Urteil zieht sie einfach wachen- lang dem Maschinisten den pfändbaren Teil seines Lohnes ab. Das wäre so zwanzig Jahre lang vor sich gegangen, bis der Schaden bezahl: gewesen wäre, wenn der Maschinist nicht seinerseits das Landesarbeitsgericht Osnabrück angerufen hätte, das feststellte, daß den Maschinisten keinerlei Verschulden träfe und die Marinewerst kein Recht gehabt hätte, den Lohn ein- zubehalten. Dos Verhalten der Marinewerft aber ist so rigoros und unsozial, daß es verdient, auch an dieser Stelle angeprangert zu werden. Wenn schon Sparsamkeit, dann an der richtigen Stelle! Borah treibt Eoolidge. Für einen allgemeinen Friedenspalt. Paris, 27. Dezember. Der„Matin" erhielt Erklärungen des Senators Borah über den Dorschlag des Abschlusses eines französisch-amerikanischen Frie- denspaktes. Borah sühn aus, es erscheine ihm vollkommen klar, daß man niemals wirkliche Fortschritte zum Frieden hin machen könne, solange man anerkenne, daß der Krieg berechtigt sei und solang« man ihn mit dem Mantel des Ruhme» decke. Der größte Teil der Menschheck sei gegen den Krieg und vertrete die Ansicht. daß er eine verbrecherische Handlung sei. Was man brauche, sei ein Gesetz und die Organisation, die es erlaubte, die wenigen Männer, die Kriege hervorriefen, verantwortlich zu machen. Selbst- verständlich könnten zwei Nationen allein den Krieg nicht verfeinen, aber zwei mächtige Nationen wie die Vereinigten Staaten und Frankreich könMen den Ruhm erwerben, Wegbereiter zu sein. Oer Oollar beglückwünscht die Lira. Morgaa freut sich, Mussolini saniert zu haben. Pierpont Morgan sprach Mussolini zu seiner Lira-Stabili- sierung seine Glückwünsche aus. Das New-Porksr und Londoner Bankhaus Morgan sei erfreut, hierbei helfen zu können. Vermögensbeschlagnahme im Krieg. London. 26. Dezember. Nach dem 7. Jahresbericht des englischen Clearing Office für beschlagnahmtes feindliches Eigentum sind bisher 91 SOo 821 Pfund an Engländer gezahtt worden aus Ansprüchen gegen Reichs- deutsche. Oesterreicher, Ungarn und Bulgaren, hiervon 84 473 971 au« deickschem Eigentum. Von 424 757 Ansprüchen sind 279 645 zurückgelassen, 138 973 zurückgezogen oder abgelehnt worden. 6 139 Ansprüche stehen noch aus. Die Zahl der Angestellten bei den betreffenden Behörden wurde von 626 auf 658 verringert. Anwartschast und Wartezeit. Ihre Erhaltung und Erfüllung in der Angestellten- und Invalidenversicherung. Usber die Erhaltung und Erfüllung der Anwartschaft und Wartezeit in der Sozialoersicherung bestellen nach er- hebliche Unklarheiten. Es seien dcslzalb die wichtigsten Bestimmungen hier angeführt: Unter Anwortschast versteht man die Aussicht auf Er- Werbung des Anspruchs auf Versicherungsleistungen. Um die An- wartschaft in der A n g e st e l l t e n v e r j i ch e r u u g ausrecht zu er- halten, muß nn Jahre des Eiickritts in die Versicherung mindestens ein Beitragsmonat, in den darauf folgenden zehn Kalenderjahren. also bis einschließlich des elften Kalenderjahres, müssen in i n- destcns je acht Beitragsmonate, vom zwölften Kalenderjahr ab nur noch mindestens je vier Beitrogsmonate nachgewiesen werden. Als Beitragsmonat sür die Erhaltung der An- Erde entfernt? Wie war der deutsche Außenhandel 1913 und 1923? Wieviel Steinkohle wurde in Deutschland 1914 gefördert?. i. So konnte man diesem Mann Fragen vorlegen, so viel man wollte, man tonnte Hab und Gut daraus setzen, dag er sofort die Antwort gab. Ich habe vor vielen Jahren einmal die B-crnnckung ausqeiprochen, daß da. wo ondeie Menschen das Gedächrm» haben. bei Molke, d:m wandelnden Lexikon, Millionen kleiner Beißzangen hingen, die alles festhiellen, was«r ihnen einmal anvertraut hat. Jn�„Statistischen Jahrbuch für dos Deutsche Reich" kannte er sich aus wie kein anderek. Wir sagten ihm nach, daß er damit zu Bett ginge, um es auswendig zu lernen. Dann lächelte er. �iß sich«in Stuck von einer Zigarre ab und nahm den trockenen Stummel in den Mund. Gelegentlich einer deutsch-sronzösischen Derständignngs- konscrenz, die 1913 in Bern stattfand, standen Ianres, Molkenbuhr, Ludwig Frank und icki in der Ecke eines kleinen Bibliothekzimmers des Gewerkschaftshauses, um etwas zu besprechen. Da war der Blick Mo'.kcs auf einen Schrank gefollen. in dem sein heißgebliebtes „Statistisches Jahrbuch" stand. Ein« Minute späier hacke er sich von uns qadrückt und stand mit dem grünen Buch in der chand oni Fenster und las Zahl um Zahl. Wir lachten alle von Herzen laut auf und mußten Iaures dann unsere Heiterkeit erklären, in die er fröhlich einstimmte. 1917 gehörte Molke mit zu der deutschen Delegation, die sür Stockholm bestimmt war, inn in Gemeinschaft mit den Sozialisten aus den Cntenteländern den Frieden zu suchen. In Kopen- hagcn machten wir Halt, um am nächsten Vormittag weiter zu reisen. Unsere Ankunfl war sür die engeren Freunde in Kopen- Hägen na'.ückich kein Geheimnis geblieben. Wir wurden von ihnen um Abendbrot eingeladen, damit wir uns einmal satt essen onnten. Der Tisch war mit köstlichen Vorgerichten reich besetz:. Die Jüngeren und Mittelalterlichen von uns stürzten sich überhunqrig— wir hatten unglücklicherweise aus einer deutschen Fähre von Warne- münde nach Gjedscr fahren müssen— aus die leckeren Sachen, so daß sie von den warmen Gerichten nur noch recht wenig genießen konnten Richard Fischer war sehr vorsichtig bei den Vorgerichten ge- wescn, so daß er wenigstens noch einen Teller Suppe essen konnte. Molke, dessen tiessiegende Augen schaurige, bisher ungeschriebene Kohlrübengeschichten erzählten, hatte sich an die kalten Platten gor nicht herangewagt. Er wartete geduldig, bis erst die Supoe, dann der Bisten aufg«ragen wurden— dann aber aß er bedächtig seinen Teller leer, so wie er es seit seiner Kindheit gewahnt war Fischer hatte sich längst still m eine Ecke gesetzt; er hatte Angst, daß ihm die ungewohnte Nahrung nicht bekommen werde. Er überwand die ihn anschleichende Seekrankheit, nachdem er einen— sagen wir ehr- sich: drei— Aquaock getrunken hatte. Molk« wurde von dem bißchen Fleisch, das in normaler Zeit em Kind hätte verzehren und selbstverständlich auch hält» vertragen können sofort trank. Speiseröhr«. Magen und Gedärme waren bei ihm seit Jahr und Tag derart an da« Hungern, an Kohl- ruben, Wassersuppen, Brot mit Zusatz von Hülsenfrüchten und Säge- mehl gewohnt, daß sie dos hochwertige Ochsenfleifch ablehnten. Unserem braven Molke erging es buchstäblich, wie dem von Gerhart Hauptmann geschilderten schlessschcn Weber, der wohl das Hungern erlernt hatte, der aber auf den Hof flüchten mußte, als er einen Happen Fleisch genossen hatte. Ein feines„Kabarett". Harmloser Scherz und beispiellose Roheii. Es gibt in Hamburg gewiss« Straßen, in denen man gut tut, abends nicht allein spazieren zu gechen. Wenigsten» nicht, wenn man Wen darauf legt, seine Uhr oder Brieftasche wieder mit nach Hause zu nehmen. Selbst die Polizisten, die dort patrouillieren, zeigen sich nicht einzeln, man sieht sie nur in Fama von Doppel- posten mit entsichertem Revolver herumgehen. Für ein Jf a b a- rett" in einer dieser Straßen war ein Ballett engagiert. In welche Klasse das„Kdborvtt' gehört, kann man daran erkennen, daß den Tänzerinnen ausdrürflich vorgeschrieben war, sich von abend» 8 Uhr bis morgens 4 Uhr im Lokal aufzuhalten. Sie dursten nicht nach Hause gehen, wenn ihre Arbeit beendet war. Das Kabarett war also nichts airderes als eine Animiertneipe übler Sorte, wie wir sie in verschiedenen Hafenstädten finden. Das Ballett aber bestand aus Tänzerinnen und nicht aus Animierdamen. Di? Tänzerinnen hatten sich wohl verpflichtet, bis 4 Ubr früh im Lokal anwesend.zu sein. Aber si« hatten sich nicht verpflichtet, zu animieren. Die jungen Mädcken blieben nach Be- endigung ihrer Tänze zusammen mit der Ballettmeisterin sißen, unterhielten sich miteinander, kümmerten sich aber im übrigen nicht um die anderen Gäsie des Lokals, insbesondere nicht um die Herren Kavaliere, die derartige.Kabaretts" besuchen. Das war natürlich dem Äabarettdirektor oder, um im Hamburger Jargon zu reden, dem Boost, ein Dorn nn Auge Er suchte einen chrund. das Ballett srist- los entlassen zu können. Und der fand sich auch. Sdachdem das Ballett schon Ii) Tag« lang gearbeitet hatte, beteiligte sich die Ballett- Meisterin und eine Tänzerin am Rundtanz. Als beide bei der Ka- pelle vorbeikamen, erlaubten sie sich einen in Künsrlertreisen häufig angewandten Scher, V Sie steckten sich vor den Augen des Saxophon- bläsers ein« Zitrone in den Mund. Die beabsichtigte Wir- trat auch sofort ein, denn bei dem Musiker zogen sich unwillkürlich die Gesichtsinuskeln zusammen, und er vergaß, �sein Instrument zu blasen. Einen Augenblick wurde über diesen Scherz gelacht, dann ging alles wieder seinen gewohnten Gang Rur der Boost beruhigte sich nicht, sondern glaubte, seist den geeigneten Grund zur sristtssen Entlassung gesunden zu haben. Mn den Worten:.Euch geht'» ipohl zu gut!" verteilte er unter den Mädchen Rippenstöße. Die Battettmeistcriu verbat sich diese Unverschämtheit und erhielt darsui- hin ebenfalls einen Stoß. Jetzt holte die junge Dame ihrerseits sus und verabfolgte dem.Direktor" ein paar Ohrfeigen. Dos war eine große Dummheit. Denn der.Direktor", ein baumlanger, stiernackiger Athlet, versetzte der kleinen.zwanzigjährigen Ballett- leiterin«inen wohlgeziclten Kinnhaken. Di« junge Dame flog zunächst gegen eine Säule und blieb dann besinnungslos in «inerEcke liegen Der Boost kümmerte sich nicht im geringsten um sein Opfer. Die Mitglieder de» Balletts bemühten sich um die Bewußtlos« und veranlassten deren Ucbersührung in dos Kranken- Haus, wo man außer einer Gehirirerfchütierung noch einen Knöchel- bruch feststellte. Jetzt klagte die Ballettmeisterin gegen den rohen Hamburger Direktor vor dem Arbeitsgericht aus Zahlung der Gag» für sich Utid ihr Ballett für die Zell des Vertragsmonais und weiterhin auf Schadenersatz für die Zeit, m der sie nicht arbeiten konnte. Die Tänzerin geht noch heute mn Stock und wird voraussichtlich noch drei bis vier Monate in Behandlung bleiben müsten,«he si« dopqn denken kann, ihren Beruf wieder auszuüben. Das Arbeits- gericht hat der Klogeforderung voll entsprochen. In dar Urteilsbegründung wird ausdrücklich festgestellt, daß die Handlungsweise des Beklagten eine beispielosc Roheit darstellt. «a rischoit gilt jeder Monat, für den ein Beitrag entrichtet ist, einerlei, ob es sich um einen Pflicht- oder freiwilligen Beitrog handelt. Kalcndcrmonate, in denen der Bersichcrte zum Beispiel durch Krank- heit zeitweise arbeitsunfähig und nachweislich in seiner Berufstätig- kcit verhindert ist und kein Entgcld erhält, oder zur berutlichen Fort- bstdung eine staatlich anerkannte Lehranstalt besucht, gelten als Bei- tvagsmonate für die Erhaltung der Anwartschost. Bei Wandcrversicherten, das sind solche Bersichcrien, die infolge wechselnder Berutsiäiigkcit entweder in der Angestellten- Versicherung oder in der Invalidenversicherung pilicht- versichert sind, werden je vier Beitrogswochen in der Inoalidenver- sichern»g als ein Beitrogsmonot der Augestelltenversicherung ge- rechnet. Weniger als vier Beitragswochen rechnen nicht. Die An- rechming gilt nicht für solche Deitragswochcn in der Inoalidenver- sicheruug, die mit den in der Angestelltcnversicherunz zurückgelegten Bcitragsmonaten zeitlich zusammenfallen. Die Wartezeit ist der Zeitraum, den ein Versicherter zurück- gelegt und mit Beiträgen belegt haben muß, um eine Leistung zu erhalten. In der Angestelltenversichcrung dauert die Wartezeit beim Ruhegeld für männliche Versicherte 120 Beitrags- monatc, wenn mindestens 60 Beitragsmonate auf Grund der Der- sicheruirgspflicht zurückgelegt sind. Sonst I.K) Beitragsmonate: für weibliche Versicherte beträgt die Wartezeit 60 Beitrageinonate, wenn diese auf Grund der Bersicherungspflicht zurückgelegt sind, sonst 90 Beitragsmonate: bei den Hinterbliebenenrenten beträgt die Warte- zeit ahne Rücksicht auf das Geschlecht des Bersicherten 120 Beitrags- monate, wenn davon mindestens 60 Bcitrogsmonote auf Grund der Dersicherungspilicht nachgewiesen sind, sonst lZO Bestragsmonate. In der Invalidenversicherung erlischt die Anwart- schaft, wenn während zweier Jahre nach dem aus der Ouittungs- karte verzeichneten Ausstellungstage weniger als zwanzig Wochen- beitröge auf Grund der Bersicherungspflicht oder der Weiterverstchc- rung entrichtet worden sind. Die Antwartschast gilt nicht als er- loschen, wenn die zwischen dem erstmaligen Eintritt in die Dersichc- rung und dem Bersicherungsfalle liegende Zeit zumindcstens dreiviertel durch ordnungsmäßig verwendete Beitragsmarken belegt ist. Dabei stehen den Beitragsmarken solche vollen Kalenderwochen gleich, die durch entrichtet« Beiträge zur AngestcMenversicherung gedeckt sind. Als Wochenbeitröge zur Erhaltung der Anwartschaft zählen unter anderem auch K rankhkitszeiten, serner Zeiten, in denen Beiträge zur Augestelltenversicherung entrichtet sind, soweit die Zellen nicht durch Beitragswochen zur Invalidenversicherung gedeckt sind. Die Wartezeit dauert bei der Iiivalideiirente, wenn für den Der- sicherten aus Grund der Dersicherungspslicht mindestens hundert Beiträge geleistet worden sind, zweihundert, andernfalls fünfhundert Veitragswochen. Bei der sreiwilligen Weitervcrsicherung istbe- sonders zu beachten, daß sie in der Angestellteiivcrsichcrung nicht unter derjenigen Gehaltsklosse zulässig ist, die dem Durchschnitt der letzten vier Pflichtbeiträge entspricht oder am nächsten kommt. Sind weniger al» vier Pflichtbeiträge gezahlt, so wird der Durchschnitt aus den totsächlich entrichteten Pflichtbeiträgen gezogen. In einer niedrigeren GehaltsNosse ist die freiwillige Weiter- Versicherung dann zulässig, wenn der Versicherte nachweist, daß diese Gchaltsklosse seinem Einkommen entspricht. Für Ehefrauen. die sich freiwillig weiteroersichern und kein eigenes Einkommen haben, genügt stets die niedrigste Gehallsklaise. Bei der Invalidenversicherung inüsien Beiträge mindestens in der Klasse 2 entrichtet werden. Von Vedeuiuug ist noch für die Arbeitslosen- Hauptunter- stützungscmpsänger, daß aus Mitteln der Reichsonstalt nicht mir dre erforderlichen Beitröge zur Erhaltung der Anwartschaft durch de-s zuständige Arbeitsamt zu entrichten sind: in Fällen besonderer Härte, besonders'.venu zur Erfüllung der Wartezeit nur noch eine geringe Zahl von Beiträgen erforderlich ist. ist dos Arbeitsamt verpflichict. auf Alttrag die erforderlichen Beiträg» zu leisten. In diesem Fall« stehen die Zeiten der Arbeitslosigkeit den Zeiten eines ocrstcherungs- Pflichtigen Beschäftiglingsverhältnisieg gleich. Damit soll erreicht werden, daß der Anspruch auf die Leistungen der Angestellten- und Iiivalidenverstcherung rechtzeitig erworben werden kann. Ilonsen i» der Serliner«kadewle. vi« die Preußsiche Akademie der jgiiienrcha'leii mtiieilt. wird Fttdsiet Acuffv, der im Iii Ii dlclej fohre« i-m ÄUzlleo bei Äludcuiic yeitäctt warben i(!. in dem cjscntMcii Borlraa t n er«w 15. Rrdrunr in der llninfttiiät dält. über:..Die iwnali'chca vcu!?L«Ugen der Erdtmjte und die Oberslächeu de: Koulinentc" sprechen Sein letzter Ausgang. Oer Tod auf der Treppe. Ein unaufgeklärter To de»soll gab in der vergangenen Nacht Veronlasiung, die Mordtommission nach dem Hause R i t t e r st r. 22 zu rufen. Hier wohnte im zweiten Stock der 60 Jahre alte Gärtner Friedrich K e t t e r u k a t. der oerheiratet und Vater eines Sohnes und mehrerer Töchter ist. Jt ging gestern abend aus, um ein Kino zu besuchen. Er ist seit längerer Zeit leberkrank und mußte daher jeden Altoholgenuß ver- meiden. Entgegen seiner Gewohnheit muß er jedoch gestern abend noch dem Besuch noch ein Lokal und vielleicht auch mehrere ausgesucht haben. Gegen 2� Uhr hörte ein Mieter«inen schweren Falk. Ein« Viertelstunde später kam der Portier nach Hause und fand Ketterukat ein« halbe Treppe unterhalb seiner Wohnung auf dem Podest in einer Blutlache tot daliegen. Er alarmierte andere Hausgenossen und das l06. Revier, das die Mordkommission herbeirief. Die Kriminalkommissare Werne burg und L i p i k erschienen alsbald mit mehreren Beamten und Medizinalrat Dr. S t ö r m« r, der die Leiche vorläufig besichtigte. Er stellte fest, daß das Blut aus Mund und Nase geflossen war. Aeußare Verletzungen waren nicht zu sehen. Die Feststellungen eines leichten Alkoholgeruches bestätigt d>e aus den Zeitangaben geschlossene Vermutung, daß der Mann ganz entgegen seiner Ge- psiogenheit«in Lokal aufgesucht hat. Die Todesursache konnte durch Besichtigung nicht erkannt werden. Die Leiche w»rde deshalb zur Obduktion beschlagnahmt und nach dem Schauhouse gebracht. Ver- mutlich ist Ketterukat einem Herzschlage erlegen. Beim Hin- fallen mag er sich auch einen Schädelbruch zugezogen gaben, der die Bliilungen zur Folge hott«. Da ihm noch der Angab« seiner Frau nichts geraubt worden ist, so ist ein Verbrechen wohl aus» geschlossen.__ Kirchenaustntt und Kirchensteuer. Vor Jahresschluß soll noch ausdrücklich darauf hingewiesen «erden, daß das Kirchen st«uerjahr vom Kalenderjahr abweicht und vom 1. April bis zum ZI. März läuft. Dies ist wichtig, weil derienig«. der aus der Kirche austritt, für das laufende Steuerjahr noch Kirchensteuer zahlen muß, mindestens aber noch drei Monate nach dem Austritt. Wer alio vor dem Lt. Dezember austritt, hat noch bis zum 31. Mörz Kirchensteuer zu zahlen, wer dagegen nach dem 1. Januar 1928. aber vor dem 1. April 1926 austritt, zahlt noch drei Monat«, und, wer erst nach dem 31. März 1928 austritt, noch b's zum 31. Mörz �929 Kirchensteuer. Die Kirckienausirittserklörung muß gegenüber dem Amtsgericht des Wohnortes mck» zwar vom jedem Erwachsenen per- ö n l i ch abgegeben wenden. In Preußen müssen auch Kinder der 14 Jahre die Austrttiserklärung persönlich abgebe». Für jüngere Kinder erfolgt die Ertlörung durch die Eltern, nicht durch den Dater allein. Die Austrittsertlärung kann kosten- l o s auf dem Amtsgericht in den Gelchäftsstunden gewöhnlich bis lZ Uhr mündlich abgegeben werden. Da» Eriordernis persönlicher Abgabe der Erklärung bedeutet, daß Bevollmächtigt« ausgeschlossen sjird. Auch der Ehemann kann nicht den Austritt seiner Frau er- klären. Auch schriitliche Einsendung an das Amisgericht ist zu- lässig. Aber die schriftlich« Erklärung erfordert, daß die Unierlchriit von einem Not« beglaubigt wird. Eine Beglaubigung kann aber von einem Notar nur vorgenommen werden, wenn die Unterschrift in seiner Gegenwart vorgenommen oder anerkannt wird. Wer also seine Kirchenaustrittserklörung schriftlich dem Gericht einreichen will, muh sich z» diesem Zweck« zu einem Notar in dessen Sprechstund«. die gewöhnlich nachmittags stattfindet, begeben, und dazu einen Per- sonaiauswcis mitbrinaen. der ihn zweiselssrei legitimiert. Die ffr. (iürunfl muß die KIrchrngemcinde bezeichnen, aus welch«r der Aus- tritt er folgt und Geburtstag. Geburtsort und Sldresie enthalten. Auf Wunsch wird«ine sachgemäße Erklärung auch von dem amtierenden Nolar entworten und dem Amtsgericht eingereicht Di» Kosten sind verhältiiimnäßig gering. -te i Oer„Verband für Freidentertum und Feuer- b« st a t t u u g ff. V.". Sitz Berlin, teilt uns dazu mit, daß in seinen Geschäftsstellen an folgenden Abenden regelmäßig ein Notar zur Annahme von Kirchenaustrittserklärungen gegen die Mindestgebühr von 2 M. anwesend ist: Gneisenoustraße 41, Montags m>d Donnerstag von 19 bis 20 Uhr. und Frieden st raße 60. Dienstags und Freitags von 19 bis 20 Uhr. Personalausweis ist mitzubringen.__ Mordprozeß tu Potsdam. Das«nffetzliche Verbrechen an der Ajählngen.stousongesteMen Martha John au» Großbeeren, da» von dem Mechaniker Albert Schweizer aus Laputh auf dein Grundstück seiner Eltern«r- würgt und im Garten vergraben wurde, wird jetzt im Januar vor dem Polstwmer Sctnvuraericht sein« Sühne sinden. Schweizer Hot die Anklage auf Mord zugestellt«rholwn. Zu der Ver- Handlung sich über 30 Zeugen und 3 Tachverjtündige geladen. Di« Lnvag« wird der Oberstaatsanwalt Psass« vertreten, die Verteidigung hat Iuftizrat R. Iossphfohn übernmmnen. Verletzter, bei einem Fabritfeuer. In der Bloiiiabrikotion der chemiliben Fabrik von K u h n- Heini in Oberschüneweide entstand heule vormittag unter recht eigenartigen Umstanden Feuer, wobei ein Arbeiter schwere' Verbrennungen erlitt. Im Treppenhaus lagerten vier Fässer mit larsourem Kali. Der Arbeiter Wilhelm Schulz ans aumschulenweg hantierte gerade mit der Schaufel an einem ge- süllten Faß. als plötzlich eine meterhohe Stichflqmme ?« r v o r I ch o ß. Sch. wurde von der Flamme ersaßt und erlitt chwere Brandwunden. Durch den Lustdruck wurden zahl- reiche Scheiben zertrümmert. Das Feuer sprang sofort aus die übrigen Fässer über, deren Inhalt explosionsartig aufloderte. Der Verunglückte wurde durch die Obcrschöucweider Feuerwehr in das Elisabeth-Hospital gebracht. Btuiiai eines Siahlhetmers. Das Opfer ein Arbeiter. Stettin, 27. Dezember.(Eigenbericht.) Zu einer schwere» Schlägerei, in deren Verlaus der Arbeiter Blum von dem Stahlhelmer Voll brecht durch einen Bauch- schuß schwer verletzt wurde, kam es am heiligen Abend in K o l l i c s in Pommcen. Der Arbeiter Blum mar mit zwei Arbeitskollegen in ein Cafe eingekehrt, um zu musteren Dabei kam es aus noch nicht aufgeklärter Ursache zu AuscinanÄerseßungen mit einem Stahlhelmer. Als Blum und feine beiden Freunde kurz daraus im Begriff waren, dos Cafe zu verlassen, brachen die Siohl- hclnrer vor dem Lokal ohne crsichllick)«» Anlaß exueut einen Streit vom Zaun. Es entwickelte sich ein Handgemenge, In besten Verlauf der junge Siahlhclmer Dollbrecht derart in Wut gexie., daß«r einen Revolver zog imd blindlings auf die Arbeiter schoß. Eine Kugel drang Blum in den Bauch tznd verletzte ihn schwer. Der Getroffene brach blutüberströmt zu- sammen und wurde sterbend in das Dramburger Kreiskronken- us eingeliefert. Der Täter behauptet, in Notwehr gehandelt zu den. er sei mit einem Mester bedroh« worden. Dem widersprjcht. daß er vielfach Gewaittätigkeiten begangen Hai und daß der Verletz««, als er schon wehrlos am Boden lag. noch geradezu viehisch behandelt worden ist. Lleberfall aus einen Geldiranspori. Die Täter verhastet. Leipzig, 27. Dezember. Am zweite» WcihuachisfoierlaA. morgeus aegcn 147 Uhr, wurde aus der Straße von Alt- Dösen»ach Probstheida das Äeldlransportouto der Leipziger Straßenbahn von zwei m o s k i e r i c n Räubern a>> g e q a i t e n. Einer dgr Per- hrechcr erbat sich zunächst Benzin Als dos abgelehnt wurde, eies er„Hönde ho ch". Der Bel'obrer des Überfallenen Äiita? schaß sosart auf ibn Trotz seiner Verletzungen geriet der Ak?»-schc>l'ens mit dem Beitahrer ins Handgemenge, während der zweite Verbrecher nilf seinen Gegner, den Ehouffeiir des Keldtransporls, mit einem Gummikiiüppel losging. Injolge des Mißlinaens des Neberfalis und aus Angst vor hinzukommender Polizei fluchteten die R Inder mit einer Kraftdroschke. Das sofort olarmierte Uebersallkommgndo konnte jedoch bald die beiden Verbrecher resinehmen. Ozeanfliegenn Grayson verloren? Kaum eine Hoffnung mehr. Aus New York kommt die Meldurrg, daß auch der von der Nichte Wilsons versuchte Transozeonslug«ndgiillig gescheitert ist und die Aliegerln samt ihrem Begleiter da» Wagnis mit ihrem Leben bezahlen mußten. Miß Graqjon hätte dir erste Etappe ihres Fluges bereits oin Sonnabend vorniittag beenden und in Neufund- larrd landen müsteu. Sic ist dor« bisher nicht eingeuvssen. Das amerikanische Marineamt Hot sofort einige Zerstörer zur Nachforschung entsandt. Außerdem hat ein sofort gegründetes Graysdu- Hl l f s k o m i t e c bereits die erforderlich erscheinend««« Nachforschungen angestellt. Eine bisher unbeftättgte Meldung von Neufundland besagt, daß das Wrack des Flugzeugs in der Nähe von Cap Race an den Strand gespült, worden jei. Starkes Erdbeben bei Rom. Rom, 27. Dezember. Ein starkes Erdbeben ereignete sich baut« umveit Roms. Der Mittelpunkt de? Bebens ist 30 Kilometer von Rom entfernt. Di« seismogrophischen Apparate zeigten vier Minuten lang Schmon- kungen. In Belletr« und Rem! sollen Gebäui»« be« schädigt worden sein. Eine englische Tüdpolarexpedition. London. 27. Dezemtzer. Da» Forschjingsschiss„Scbrejfbn* hat Pörk»moi/tft zu einer Fahr» nacb den südlichen Poiargewassern verlosten. Es wird zunächst St. Pincent onlaiiscn, tick, dann nach Rio de Janeiro begeben und von dopt nach den Faitlandsiujcln jähren. Ter Kapitän des Schlfieo ist D e l a m o t t». Die sonst so freundlithen Augen Mostes lagen tiefer als je zuvor. Sie schaulen noch ernster drein, als sonst, sie waren dabei noch größer geworden. Sein Gcstch! und die spindeldürre» Finger wurden schiieeweiß. Am nächsten Tage tonnte er trotzdem mit uns rcifcn. In«tockholni gowöhnten wir uns erst ganz allmählich wieder au Speis und Trank. Bielleicht war es gut, daß NaWols von den Ententcsozialisten keiner noch Stockholm gekommen ist. Wenn sie uns gesehen und dann daheim geschildert hätten, daß wir alle halb verhungert waren, wer hätte dann jenseits der Bogesen und des Kanals für den Frieden gewonnen werden sollen? Alle die werden Hermann Molkenbuhr am besten im Gedächtnis behalten. die des Glückes teilhttfiig wurden, chn näher kennen zu lernen und mit ihm schaffen zu dürfen. ' Die Löckiin-Ausslcllunq der National-Galerie ist am l. Januar geschlossen, an den übrigen Tagen von 10 bis 3 Uhr geöffnet. Eintritt 1 M., jur Künstler, Stubiereirdc urkd Schüler 50 Pt. Eine Eisenbahn durch die Pariser Salakomben. Ein Schienenweg. der mitten durch ein schreckliches Lager menschlicher Schädel führen soll, wi-d zurzeit unter dem Straßenniveau von Paris ge- baut. Hacken und Schausel» sind bei der Arbeit, um durch die be- rühmten Katakomben von Paris eine neue Eisenbahnlinie anzu- lege», die bestimmt ist, dem überlasteten Verkehr im Südteil der Stadt eine Erleichterung zu schassen. Seit Jahrhunderten sind hier die Knochen der Toten zu Bergen getürmt, und seit undenklichen Zeiten versammeln sich an dein düsteren Ort'.Verschwörer und Verbrecher, um ihre geheime» Zusamrnenkiinste abzuhalten. Die Katakomben waren ursprünglich als Steinbrüche angelegt, die das Mate- rial für den Häuserbau lieferten. Später dienten st« dann als Ablagestätte für Stelelte, die aus den aufgelassenen und der Be- bauung erschlossenen AirchhVfen abtransportiert wurden. Eine Mil- lio» Schädel wurde zu Pyramiden ausgebaut, während die Knochen der Skelette zu Wänden aufgeschichtet worden siird. Zur Geschichte dcr Aialhematil. Von der„Eremitage" in Lenin- grad wird demnächst«in bemerkenswerte» Schriststück herausgegeben werden, ein? alte ägypnsche Papyrusrolls, d« von.zwei ruisischen Gelehrten, Iiirajcff und Striiwe, entziffert worden ist. Es stellt fest, daß das Problem, den Flächeninhalt des Kreises und der Kugel zu berechnen, bereits 1800 Jahre v. Chr. von den Aegypten« gelöst uwrden war. wahrend man bisher glaubte, daß die Lösung erst im dritten Jahrhundert v. Chr. von Archimedcs gesunden worden sei. V«»<-slö»s«ft»er dar, frei»,, da» e r l> n i s ch e.,„Die Inlernatio- ale Gewerklkiioftsbeivegiing'', gibt in seiner Dezembcrnummer die Mitgliederzahlen der angeschlossenen Landeszentralen und internatio- nnlen Berusssekretariate per 31. Dezember 1925 und 192fi bekannt. wobei auch aus die Ursachen der Schwankungen in den Mitglieder- zahlen hingewiesen wird. Aus den Zahlen geht hervor, dah der IGB. per 31. Dezember 1923 13 366 387 Mitglieder zählte. Diese Ziffer verminderte sich im Jahre 1926 um 527 213 oder 3,9 Proz., so daß sich die Mitglieder�zahl am 31. Dezember 1926 aus 12839171 stellte. Die Anzahl der angeschlvsiencn Organisationen betrug an den beiden Daten 21(in 23 Ländern) rcsp. 26(in 25 Ländern). Daß der Mitgliederräckgang nur eine vorübergehende, durch die Arbeits- lasigkcit in Deutschland(Rückgang von 218.580 oder 5,9 Proz.) und den großen Streit in England(201 623 oder 4,6 Proz.) verursachte Erscheinung ist, geht schon daraus hervor, dah die Mitgliaderzohlen in Deutschland auf der ganzen Front wieder stark im Steigen be- griffen sind, so daß die Mitgliederzahl für Ende 1927 wahrscheinlich iene des Jahres 1925 bedeutend übertreffen wird. Ferner muh der in Dänemark infolge eines Streitfalles mit der Londes.zcntrale er- 'olgte Austritt des„Arbejdsmandsforbund"(ungelernte Arbeiter) in Rechnung gezogen werden(83 127 Mitglieder rcsp. 31,8 Proz.), wobei beigefügt werden kann, dah sich der Konflikt binnen nickt allzulanger Zeit wahrscheinlich lösen losien wird und damit der Wiederonschluh erfolgen kann. Gegenüber diesen Derlusten stehen erfreuliche Gewinne. Im Jahre 1926 traten dem IGB. zwei neue Landeszentralen bei: Litauen mit 18186 Mitgliedern und Südafrika(farbige Arbeiter) mit 60 650 Mitgliedern. Durch die Fusion der Reichen- b« r g e r Zentrale mit der bereits angeschlossenen P r o g e r Zen- trgle stieg die Mitgliederzohl in der Tschechoslowakei um 191 815 von 356 386 aus 548 231. Ferner können noch Gewinne in Polen. Palästina und Schwede» gebucht werden(19 960 oder 8,9 Proz., 3669 oder 19,7 Proz. und 30242 oder 7,9 Proz.). Die Anzahl der. Internationalen Berufssekre- loriate blieb im Jahre 1926 die gleiche, d. h. 26. Die gesamte M i t g l i e d e r z a h l, die per 31. Dezember 1925 13 021 754 betrug, 0 i e g im Jahre 1926 auf 13 322 062 oder um 300 308(2,3 Proz.). Dieser Gewinn entfällt hauptsächlich auf einig« amerikanische Organisationen. Die Mitgliederznhl der chol.zorbeiter-Jnternationale bieg von 637 19? auf 999 668 oder»m 362171(56,9 Proz.), und .war hauptsächlich durch den Anschluß des Amerikanischen Holz- arbeitervcrbandes niit 101 391 Mitgliedern. Die Bergarbeiter-Inter- nationale verzeichnet einen Mitgliedergewinn von 190 209(11,3 Proz.), was hauptsächlich auf das Anwachsen der Mitgliederzahl der amerita- nischen Organisation um 200 000 zurückzuführen ist. Die Internatio- nale zählte Ende 1926 1 878 706 Mitglieder, gegen 1688197 im Jahre 1925. Weitere Gewinne melden die Internationale der kera- nischen Arbeiter(49 Proz.) und die Internationale der'Arbeiter in öffentlichen Diensten(11 Proz.). Größere Dcrlust« erlitten die Leder- arbeitcr(19,3 Proz.), die Landarbeiter(15,8 Proz.) und die chut- mächer(15,3 Proz.). Oer Kampf in der westdeutschen Kanalschiffahrt Die Unternehmer wollen diktieren. Wie uns aus Duisburg berichtet wird, hat die Westfälische Transporl-Aktien-Gesellschast an das Schisfahrtspcrjonal, das seit dem 12. November im Streik bzw. seit dem 18. November aus- gesperrt ist, ein umfangreiches Schreiben versandt, in dem es u. a. he'stt:...-...... ..Wir bedauern nach Lage der Sack', auf eine Abänderung ler Euch mitgeteiOen Arbeits- und Lohnbedingrmgen, die das ent- ballen, was wir nach den Verhältnisten unseres Gebietes zu ge- währen vermögen, nicht eingehen zu können. V e r h a n d- lungen, die Ihr angehaten habt, haben demnach keinen Zweck. Wir wüsten es sedem einzelnen überlasten, unsere Be- d i n g u n g e n zu prüfen und uns mitzuieilcn, ob er zu diesen wiedereingestellt werden will oder ob«r weiter völlig mißlos im Streik verharren will. Zu erreichen ist dadurch nichts, da iricht Will- kür unser Verhalten bestimmt: die horte Wirklichkeit diktiert uns unsere Stellungnahme. Wiederein siellungen erfolgen in der Reihenfolge der Melidiingen, aber erst von dem Zeitpunkt ab, in dem wir den Betrieb wieder ausnehmen, und unter der Vorausstjzung, daß der Antrag auf di? Wiedereiirftellunq van uns ausdrücklich angenom- ni« n wird. Inzwischen verlangen wir, daß unsere Fahrzeuge, wie wir es bereits in unseren Ci7klassungssck>re?ben gefordert Haiden, non sänkt- lichen Leuken der Besogungen geräumt werden." Weiter wird in dem Schreiben mit Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruch gedroht, falls die Räumung nicht frei- willig erfolgt, sowie mit der Erwirkung einstweiliger Ver- f ü g u n g e n und der gewaltsamen Räumung. Gegen die iin Kamps stch befindenden Schiffssührer, die noch nicht abgerechnet haben, wird mit einer Anzeige wegen Unterschlagung(!) gedroht. Am 1. Januar soll vor dem Schlichter ein Eimgungsversuch gemacht werden. Wohl um ihre Friedensliebe zu bekunden, hat die Westfälische Transport A.-G., die«ine Tochtergesellschaft des Kohlen- syndikats ist, der ausgesperrten Besaßung am Vorabend des Weih- nachtsfestes dos zitierte Schreiben Zugeschickt. Man muß auf der einen Seite die Riesengewinne der Ruhrindirstriellen berücksichtigen, um die elenden Löhne des Schiffsperfonols richtig zu würdigen. Der Wochenlohn eines verheirateten Känalmakrosev mit doppeltem Haushalt beträgt bei 60 stündiger Arbeitszeit 35,31 M.! Diese Elendslöhne sollten durch Schiedsspruch erhöht werden. Die Arbeiter haben den Schiedsspruch a n g e n o in m« n, die Unternehnier lehnten ihn ab. Obwohl der Schiedsspruch wirtlich der Billigkeit entsprach und zweifellas auch ein öffentliches Interesse vorlag, hat der Reichs- arbeitsmtnister es abgelehnt, die Berbindlichkeits- e r k l ä r u n g auszusprechur. Das Schreiben der Westfälischen Transport A.-G. zeigt, mit welchen Mitteln di« Unternehmer den Kampf führen, der durch das Versagen des Rcichsarbeitsminifters ausgebrochen ist. Das Schiffs- personal, das bereits die siebente Woche im Kampf ist. wird wie bisher geschloffen im Kampfe verharren—insgesamt haben sich bei etwa 2000 Streikenden 34 Streikbrecher gefunden—, bis die Unter- nehmer das Recht des Personals anerkennen, ein menschenwürdiges Leben zu führen.__ Cin Nachtbackermeifier. Er„berichtigt" Totsachen. Von den, Bäckermeister B r y s ch. Berlin-Wittenou. Hauptstraße 19/20, erhalten wir unter Berufung aus§ 11 des Pressegesetzes nachstehende Berichtigung: „Die angeblich von einem Kontrolleur in der Bäckerei des Bäckermeisters Brysch in Wittenau. Hauptstr. 19/20, getroffene Feststellung, daß früh um Iis Uhr die Bäckerei bereits im vollen Gonge gewesen sei, entspricht nicht den Tatsachen. Die Kontrolle wurde überhaupt erst wenige Minuten vor 5 Uhr ausgeübt. Hierauf ist der Kontrolleur auch ausdrücklich hingewiesen worden. Zu dieser Zeit hotte sich in der Backstube erst e i n G e s e l l e e i n- gefunden, während die anderen später erschienen. Gcar- beitet ist vor 5 Uhr früh überhaupt nicht worden, so daß Anlaß zum Einschreiten nicht gegeben war. Erst, nachdem der unverständige Kontrolleur gegen den Bäckermeister eine drohende Hallung«ingenommen hatte, war letzterer in Notwehr gezwungen, den Kontrolleur aus der Back- stube zu weisen. Eine Drohung, wie in der Notiz vom 20. November 1927 wiedergegeben, hat der Bäckermeister Brysch nicht ausgestoßen." Die Kontrolle wurde im Auftrage der Innung und des Ver- bandes der Nahrungs- und Genußmittelarbeiter ausgeübt. Die Tat- fachen, die Brysch nach fünfwöchenllicher Ueberlegung zu berichtigen sucht, sind nicht wegzuleugnen. Wir holten unsere Behauptungen im vollen Umfange aufrecht.___ »Kreigewerkschastlicher WeihnachtSgotteSdiensk". In großer Aufmachung berichtet die„Rote Fahne" über einen Weihnachtsgottesdienst, der angeblich vom Hauptoorstond des Zentroloerbandes der Hotel-, Restaurant- und Cafeangestellten im Berliner Dom veranstaltet worden Ist. Schon in Nr. 51 vom 22. Dezember veröffentlichte die„Gastwirtsgehilfen-Zeitung" sol- gende Notiz: „Die in der letzten Nummer der„Gasüvirtsgchilfen-Zeitung" veröffentlichte Notiz über einen Weihnachtsgottesdienst im Berliner Dom geht nicht vom Berliner Zweigverein aus: er hat auch damit n i ch t s z u t u n. Der Zweigverein billigt diese Beröffent- liehung nicht und hat wegen derselben Protest bei der Haupt-' Verwaltung erhoben." Auch die Hauptverwaltung hat stch auf Grund dieses Protestes mit jener Notiz beschäftigt, die zwischen Versominlungsanzeigen und Inseraten in Nr. SO der„Gastwirtsgehilfen-Zeitung" auf der vierten Seite erschienen ist. Wie wir dazu erfahren, hat der Hauptvorstand des Verbandes weder von jener Anzeige, geschweige denn von der V e r a n st a l- tun g im Dom vorherlrgendwekche Kenntnis geHabk. Es kann also keine Rede davon sein, daß jene Veranstaltung irgendwie ein„sreigewerkschofttichcr Weihnachtsgottesdienst" ist. Es handelt sich um eine private Veranstaltung, die der persönlichen Initiative des Redakteurs Richter entspringt. von allen anderen Mitgliedern des Hauptoorstandcs, die davon erst n a ch t r ä g l i 6> Kenntnis bekamen, nicht gebilligt wird. Es ist selbstverständlich dos gute Recht jedes Mitgliedes einer beliebigen Gewerkschaft, in einer Kirche oder zu Hause kirchliche Weihnachtslieder zu singen. Ungewöhnlich und daher nicht zu billigen wird der Borgang erst mit dem Augenblick, wo scheinbar ofsiziell von Verbands wegen ein Mitglied einer Organisation für alle anderen Mitglieder eine solche Feier ver- anstallet. Die sreien Gewerkschaften Deutschlands lehnen es nach wie vor ab, sich irgendwie mit religiösen Dingen zu beschästigen. Oas faschistische Jugoslawien. Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen ist eines der vielen Länder, welche sich für fortschrittlich und demokratisch aus- geben. Es besitzt eine bewunderswcrte soziale Gesetzgebung auf dem Papier, und die Zahl der Abkommen der internatio- nalen Arbcitskonserenzen, die es ratifiziert hat, flöht Ehrfurcht ein. Das alles ober ist Schein, hinter dem Rückständigkeit, Konferva- tismus und Reaktion versteckt find, während die Arbeiterbe- w e g u n g, die einzige Macht, welche diese ausgezeichnete Gesetz- gebung zu praktischer Auswirkung bringen könnte, von den Bs- Hörden verfolgt und in ihrer Entwicklung aus olle mögliche Weise gehemmt wird. Angeblich richtet stch die Verfolgung gegen die„K o m m u- nisten", doch in Wirklichkeit ist dies nur ein Vorwand, um die Arbeiterbewegungals Ganzes zu bekämpfen. In der Schrift, welche die Internationale Transport- arbeiter-Föderation anläßlich der Besprechung des Koa- lllionsrechts auf der letzten Internationalen Arbeitskonserenz in Genf herausgegeben hat, wurde aufgezeigt, was für ein glatter Schwindel dos verfassungsmäßig« Koalitionsrecht der jugoslawischen Eisenbahner ist. Unter Berufung auf eine Vorschrift in einem allen, ousdemIahrel8K7 datierenden österreichischen Gesetz, das sonst nicht in seinem ganzen Umfange in Kraft ist, hat die Regierung die Genehmigung der Satzungen der jugoslawischen Eisenbahnerorganisation versagt und dieser die Fortführung der Verbau dsgeschäftc ver- boten Dieses Verbot wurde noch den von der ITF. in Belgrad und Genf erhobenen Protesten und den Vorstellungen der ange- schlosscnen Organisationen bei den jugoslawischen Gcsandtschasten in den verschiedenen Ländern formell ausgehoben. Das sah demokratisch und vernünftig aus. in Wirklichkeit bedeutete dies ober nur. daß das offene Verbot durch Verfolgung in der Form von Maßregelung des ersten Verbandsangestellten ersetzt werden sollte, Versetzungen, Entlassungen und Strafmaß» nahmen aller'Art waren an der Tagesordnung. Das ITF.-Sckretariat erhielt nun die Nachricht, daß der Sekretär desHauptvorstandes der jugoslawischen Eisen- bahncrgewerkschaft nach einer Versetzung nun ohne jeglichen Grund aus dem Eisenbahndienst entlassen worden ist. Die Regierung hofft nun wahrscheinlich, den Verband, der sie so sehr an ihrer vorsintflutlichen Cinsparungspolitik und ihren mit der Kommer- zialisierung der Eisenbahnen in Zusammenhang stehenden Intrigen gehindert hat, los zu sein. Wir können aber heute schon prophezeien, daß sie wenig Grund haben wird, sich darüber zu freuen. Die ITF. und ihre angeschlosse- nen Organisationen werden ihre jugoslawischen Kameraden nicht im Stiche lasten und der entlasten« Sekretär wird jetzt wohl mehr denn je für di« Organisation arbeiten können. Der Arbeiterklasse der ganzen Welt ist es klar, daß die Schein- demokratie und der Scheinsortschritt Jugoslawiens um kein Haar bester ist als die Politik des reaktionärsten und rückschritllichsteu Staates."_ Die englischen Gewerlschasten zählien, nach einer TIT-Meldung aus London, Ende 1926 577 Organisationen mit 1190117 Mit- gliedern. Um eine„bedeutende S.ch w ä ch u n g" zu fern- struieren, wird diese Mitgliedszifser mit der des Jahres 1920 in Vergleich gezogen. Di« Gesamteinnahmen der Gewerkichaftcn be- trugen 13 944 001 Pfund, die'Ausgaben 11 933 613 Pfund, darunter 5 6 16 883 Pfund an Streikunterstützung. Die ver- fügbaren Fond; fielen von 12 717 099 Pfund Ansang des Jahres aus 8 650 156 Piund Ende des Jahres. Besonders stark beansprucht wurden die Bcrgarbellorsonds, die von 1,1 Millionen auf 225 000 Pfund zurückgingen._ Vlravtwertlich für Unliiit.- T: fiari Statt: Sirtfiftaft: 5» KUMgelhilerz Gcwcrrschaftsbewcgunxu Fr. Gstforii! Feuilleton' tt. K. Discher- �okatea und Tonstigeo: Fil««arstödi: Anzeigen: Td. Stock«! sämtlich IN»"Iii,. Bei lag: KormärZo.Verlog S m d H., iretlin. Druck: Lormärto-Buchdruckeret und verlägsanstalt Vau! Einser u Co. Berlin ED SS. Lindcnltrake z. PROGRAMM fflr die Zeit vom 27. bis 29. Dezember U---- RTL Potsdamer Str. 38 Casanova mit Iwan Mosjukin' Rhelnstr. 14 Um Himmelswiilen mit Harold Lloyd Dazu: Frftuleio Laura— seine Witwe KINO- TAFEL Odeon, Potsdamer Str. TS faniilientas in Hause Prellstein Dazu: Seidene Strümpfe Turmslr. 1 2 Um Himmelswillen mit Harold Uoyd Darti; Ihr Spie reu« m Laura La Piame Alexandcrslr.39-40,Pasfagc Stare iBogen- leimte MMtlun Ein heiterer Zillelilm Osten Viktoria-Lichtbildtheater Praakforter Allee 48 Funkzauber Ftntr: BSkneudtn. Jigcetflid»« habia Zilritt Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Stare Mm- leimte MMmen Ferner: Bühnenschou. Concordia=Palast Andrcniatr. 64. Casanova Femer. Beiprogramn). Bühnenschau. Noroen Senefelder Lichtspiele Am Senefelder PI., Ecke Metccr Str. Buffalo Bills Abenteuer Das große lustige Beiprogramm Südwesten Film-Palast Rammersäie Teltower Str. 1.4. tare Jörnen- leimte Mädctien (Zille-Film) und das grolle Beiprogramm Passage-Lichtspiele Ncuklllln. Bcrgotr. ISI.'Z. Sonnenaufgang Ferner; Bühnenschau. Gesundbi unnen KristalUPalast Prinxenallcc 1—6 Casanova „AlhambraM Badotr.*8 Der heitere Zillelilm; smwere ionoeo- leimte MiMdieii PROGRAM M für die Zeit vom 27. bis 29. Dezember ffumboldt«Theater Badotr. 19 Das vierte Gebot Kaufbaas Praktisch MarienbadrPalast Badotr. 35—36 Orientexpreß Der Kampf gegen Berlin PrinzemPalast P« inzenallee 42—43 Kaufhaus Pleite Ihr Spielzeug ■ Pankow Tivoli-Llchtspiel-Th. 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