Morgenausgabe Nr. 612 A311 44. Jahrgang Wöchentlich /O Pfennig, monatlich S.— Reichsmart, nn voraus zahlbar. Unter Streifband nn In- und Aus« land SL0 Reichsmart pro Monat. ♦ Der„Sonrirls* mit der illustrier« ten Sonntagsbeilage.Volt und Zeit* sowie den Beilagen«Unterhaltung und Wissen*«Aus der Filmwelt". «Stadtbeilage'«Frauenstimme". «Der Kinderfreund'.«Iugend-Dor« wärts'«Blick in die Bücherwelt'. «Kulturarbeit' und.Technik" erscheint wochevtäglich zweimal, Sonntag» und Montag» einmal. Berliner VoMblatt M«wcch 23. Dezember 1922 Groß-ÄerlinIT ps. Auswärts IZ pf. Dle e t n i p a t t t g e NonparetllezestO Kv) Pfennig. Retlämezeile 5.— Reichs« mark.«Kleine Anzeigen" das settge« druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig Stellengesuche das erüe Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort lö Pfennig Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig Fnmilianzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Linden« straßell. wochcntägl. von S�/, bis 1? Utzr. Äentralorgan der Gozialdemoßvattschen Kartei Neutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fntisprcch«: Dönhoss 292—297 Telegramm-Adr: Sozialdemokrat Berlin Donvarts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 53G.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angeftellicn und Beamten Wallftr. 63. Diskonto-Gesellschafi, Depositenkasse Lindenstr 3 Abschied von HermannMolkenbuhr i Das Begräbnis in Kriedrichsselbe. Neben den anderen Vorkämpfern der Partei, mitten imicr den Kröbern Wilhelm Liebknechts,' Jgnoz Auers. Pav.l Singers,.s)ugo chaafcs, Tarl Legiens, Luise Zietz', Friy Zubeiis und anderer ruht nun auch Hermann Moltenbuhr. Viele Tauscnde haben ihm gestern nachmittag das letzte Geleit gegeben. Eine dünne Schnee- decke lag ans dem weiten Zentralfriedhoi, als noch im Sonnenschcin des klaren Wintertages die Abteilungen der Partei mit ihren schwarz umflorten roten Bannern und die Stameradschasten des Reichsbanners mit den Fahnen der Republik heranrückten. Der gcsemtc Partei oon'tand, zahlreiche Mitglieder der Reichstagssraktioii, darunter der greife Eduard B e r n st e i n, der Rcichstagspräsident P a u l L ö b e und der preuhische Ministerpräsident Otto Braun, Führer der freien Gcwerkjchoftcn, wie Lei pari und Graß« in a n n, und so ziemlich alle üücrcn führenden Genossen der Berliner Parteibewegung. scharten sich um die Hinterbliebenen. Unsere Brudcrpartei in Deutschösicrreich hatte den Genossen Abg. Ferdinand Starrt aus Wien entsendet, um auch bei diesem traurigen: Anlaß ihre unauflösliche Verbundenheit mit der reichs- deutschen Partei zu bekunden.— Hunderte Kränze wurden nieder- gelegt, hon der Familie, der Partei, den Gewerkschosten und Genoflenschasten. dem„Vorwärts", dem Reichsbanner, den früheren Wastlkrc'se» Molkenbuhrs und von Berliner Betrieben, wie Schwartzkopff u. v. a. rn. Die glotze Anzahl der Trauergässc machte et unmöglich, die Feier in der Halle abzuhalten. So wurde der braune!)olzIarg mit den roten und weihen Rosen vor der Halle aufgebahrt, auf derselben Stelle, wo wir vor vielen Iahren von Wilhelm Liebknecht, nan Paul Singer, später von Carl Legten und so manchem anderen haben Abschied nehmen müssen Ergreisend tönte der Irauersang des Sängerchores„Fichte- Georgwia" über die grohe Gemeinde hin. Dann trat Otto Wels an den Sorg und sprach: „Die untergehende Sonne wirst ihre letzten Strahlen auf einen prächtigen Wintcriag. Bald wird Nacht über der Erde liegen. So ssrohlt das Licht der Liebe zu dir aus den Augen aller derer, die I.ierhergekommcn sind, dir die letzte Ehre zu erweisen. Freund Her- mann Moltenbuhr!• Die Reihen der Alten lichten sich, dir einst die Fundamente zu der heute so mächtigen deusschen Arbeiterbewegung gelegt haben. Hermann Molkenbuhr war ihnen ollen in Treue und Freundschast verbunden. Er ist gestorben wte er es sich immer gewünscht bat, ohne Siechtum, ohne lange Kraut« lieit. Bis in seine letzten Tage hat er mit stärkster Anteilnahme olles verfolgt, was die Arbeiterbewegung und den aussteigenden Sozialismus bstrifst. Wenn auch unser letzter Parteitag in Kiel im Mai d. I. seinem hohen Alter und seinem Ruhebcdürsnis Rech- nung trug, indem er ihn aus dem Parteivorstand scheiden lieh, so hat er ihn doch gleichzeitig gebeten, ehrenamtlich mit uns noch zu wirken. Wir riefen ihm damals zu, doh es ja kein Abschied für immer sei,— wir ahnten nicht, doh er uns so bald entrissen werden wird. Und doch freuen wir uns. dah ihm erspart geblieben ist, was cr uns nach der letzten Sitzung der Parteileitung, an der er noch teilgenommen, ängstlich ankündigte: doh er sein Augenlicht ver- lieren und dann weiterleben mühtel Für ihn, dem Lesen von Jugend auf ein unentbehrliches Bedürfnis war, der an der Schön- heil der Natur wie an den Schöpfungen der Kunst mit ganzem Sein Anteil nahm, wäre ein Weiterleben in ewiger Finsternis das Schlimmste gewesen. Gedenken wir Hermann Molkenbuhrs, so steigen vor uns die Gestalten Bebels, Liebknechts, Singers auf. Damals, vor fünfzig Iahren, als unsere Bewegung noch klein war, da glaubte man sie noch ausrotten zu können, indem man ihre Vorkämpfer des Landes verwies und aus der Heimat vertrieb. Unier denen, die die Massen erweckten und die Arbeiterbewegung gnindelen, war Hermann Moltenbuhr einer der ersten. Geboren in einer kleinen Stadt Halsteins als der Sohn eines Arbeiters, der in einer Zucker- fabrik kärglichen Lohn erwarb, war stierniann Molkenbuhr schon als panz junger Mensch für alles Geistige empsänglich. Ein Hamburger Dichter hat in seinem besten Wert, dem Roman„A s m u s Sempers Iugcndland" diesen jungen Zigarrenarbeiter in die Mitte seiner Dichtung gestellt, wie er unbeschadet aller Tagcsnot sich zum Goethe-Kenner entwickelt und wie er seine kargen Groschen lieber für eine Theaterausführung eines Goetheschen Werkes aus- gibt als für des Tages Notdurst. In seinem Kops brennt dos reinste Feuer, das die Kunst jemals entzündet hat. sagt Otto Ernst von Hermann Molkenbuhr. Und er schildert auch, wie sein.Held sich in die politische Arbeit, in den Kamps für seine Klasse stürzt. Die Kunst war Hermann Moltenbuhr das herrlichste, sie war ihm etwas Festliches, das sein ganzes Leben umsponnen Hot. So schillert Otto Ernst seinen„Heinrich Moldenhuber". Die Güte seines Herzens liebte die Kinder, in denen er unsere Zutiinsi sah, sie lieh Ihn aber auch die Vismarckfche Aus- Weisung mit einem Lächeln hinnehmen: wußte er doch, dah«r anderswo ebenso put für die Arbelierbewemmg kämpfen könne, anch wenn er seine Heimal verlassen mußte. Er war eine der fehl- sinnigsten Naturen, die die deutsche Arbeiterschaft jemals hervor- gebracht hat. Wir denken noch daran, wie er das Wesen der Kunst uns nahe- bringen konnte und wie er z. B. den Leipziger Parteitag in das Werden unserer Partei mit aus dem Schassen Liszts und Wagners «ingeführt und uns die Wunderwelt der Sinfonien Beethovens nahegebracht hat,.als wir seinen Worten gebannt lauschten. Seine besondere Sorgfalt hat er von dem Augenblick an, wo er in den Reichstag gewählt wurde, der Arbeitersürsorge und Arbeilerversicherung zugewendet. Seine Lebensarbeit ist unlöslich verknüpft mit der deutschen Sozialpolitik. Den Aermsten der Armen galt seine Tätigkeit, als anerkannter Fachmann auf diesem Gebiet ist er auf den Parteitagen und Gewerkschaft-kongressei, Deutschlands, auf intcr- nationalen Kongressen, in der Presse und im Parlament stets unter ollgemeiner Beachtung ausgetreten und es gab nirgendwo jcman- den, in keinem Lager, der Molkenbuhrs Autorität bestritten hätte. In seiner Person ist die Besreümg der Persönlichkeit durch den Sozialismus zur Wahrheit geworden, seine Hingabe sür inisere großen Ideale ist sür uns alle beispielgebend, als unser Bor- b i l d sehen wir Hermann Molkenbuhr an. Seine Volkswirtschaft- lichen Kenntnisse gereichten der ganzen Arbeiterbewegung z»m höchsten Nutzen und wie wußte er die trockenen Zahlen durch seine Menschenliebe zu beleben! Der Partcivorstand beklagt in ihm seinen Senior. Sein Name verband uns noch stärker mit denen, in deren Reihen er nun auch bald liegen wird. Seine Berdienste um die Partei auszuzählen, hiehe di? Geschichte der Partei schildern. Es gab keine Sorge der Arbeiterbemeguiig, gegen die kämpieick» er nicht mitten unter uns gewesen wäre. Er hat an dem Einigungsprogramm von 187» wie an dem neuen Einigungsprogromm von Heidelberg mitgewirkt. ? i« ihm verkörpert« sich di« deutsche Sozialdemotrotiel . Ngn ist er von uns gegangen. Und wir können ihm nur Donk sagen im Namen der Partei, der Gewerkschasten, der Ge- nossenschaiten, auch im lldzmen der Berliner Organisation� in der er kommunalpolitisch lo erfolgreich gearbeitet hat, wir können ihm auch nur Dank sagen im Namen des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold, dem« mit der Arbeiterbewegung beklagt auch dte Rcp.u- blit in Hermann Molkenbuhr einen ihrer besten Borkämpfer, ein Vorbild für die Jugend. Dos bist du, Hermann Moltenbuhr, und das bleibst du uns.. Und min senkt euch, ihr roten Fahnen, denen er sein Leben long gefolgt ist und auch ihr, Fahnen der Rcpu- bllk, über seinem Sargel Um ihn trauern die Millionen Arbeiter, mit denen cr gelitten und für die er getämpft hat,«in ganzes langes Leben lang.' Bewegten Herzens, aber entschlossen, dein Werk sort- zuführen, nehmen wir Abschied von dir, Hermann Molkenbuhr! Ich hatt' einen Kameraden, einen besseren sind'st du nicht!" Nach dieser ergreisenden Rede stinimten dte Sänger„Ueber allen Wipfeln ist Ruh" an. Dann ertönt« aus der Halle Beethovens Trauermarsch auf den Tod eines Helden, und nun wurde der Sarg durch das Spalier der roteu und schwarzrotgoldenen Fahnen zur Gruft getragen. Die Tausende schritten hinterher, und als der Schrein hinabgesenkt wurde, ertönte der Kampfchor„Tord Foleson". Jeder warf' drei Hände voll Erde Ins Grab hinunter und so nahmen wir Abschied von diesem Unvergeßlichen, der bis vor wenigen Tage» als ein lebendes Stück Heldengeschichre der deut- schcn Arbeiterbewegung noch leibhaftig unter uns gewandelt ist. Die Familie des Genossen Molkenbuhr bittet uns uin Abdruck dieser Danksagung: Zum Tod« Hermann Molkenbuhrs sind uns so zahlreich« Trauerkundgebungen übermittelt worden, daß es uns nn- möglich erscheint, jedem einzelnen für die dem Verstorbenen zuteil geworden« tiefe Verehrung zu danken. Wir bitten deshalb, aus diesem Wege unseren innigen Dank entgegenzunehmen. SchWaiaflwphe im Mamarameer. 40 Menschen ertrunken. G a l a t a, 27. Dezember.(XU.) Im Marmarameer sind aus bisher«och unaufge- klärter Ursache zwei Dampfer zusammenge» stoßen. Der Dampfer„S e w i n b s ch" würbe so schwer beschädigt, daß er sank. Nach den bisherigen Feststelinn» gen sind etwa 7 st Personen ertrunken. Die Schuld- frage ist im Augenblick«och ungeklärt. konflantinopel. 27. Dezember. Der Schisfsunfall im Marmarameer stellt sich nach weiteren Rachrichte« al» eine ernste Katastrophe dar. Der Dampfer „Sewindsch". der 130 Passagiere an Dord hatte, sank In wenigen Minuten. Die Relhmg«arbeltrn wurden durch den dichten Redcl sehr erschwert. Man nimmt an, dah etwa 40 Menschen er- t r u» k e o sind. Unter den Dermihlen befinden sich ein« englische und«ine Schweizer Lehrerin der amerikanische» Schul« in Pruss«. Ein Versuch zur Klärung. Von Wilhelm Sollmann. Wenn man hüben und drüben wüßte, was Kapita! in Wahrheit ist, was in Wahrheit M o r r und die Kirche lehren, so wäre eine Verständigimg leicht möglich, ia geboten. So aber führt man vielleicht noch lange einen Kamps ans Leben und Tod gegeneinander ans Unwissen» heil und Mißverständnis. Wilhelm H o h o i s, katholischer Pfarrer und Marr-Forschcr. In der berühmten Strettschrift, die der junge Abgevrd- nete August Bebel an den jungen Kaplan Ho hoff ge- richtet hat, steht der scheinbar so klare und jedenfalls etnpräg- same Satz, daß Christentum und SoziaiiLmus sich gegenüber- stehen wie Feuer und Wasser. Wer weder vom Christentum noch vom Sozialismus etwas kennt, diesen Satz weiß und begreift er sicher. Er gehört zu den leicht erwerblichen Schlagworien, die ihre zufriedenen Nachbeter von der Pflicht weiteren Nachdenkens entheben. Hohoff und Bebel freilich blieben in der Gedankenwelt ihrer Jugend nicht ganz stehen. Zwar blieb Pfarrer Hohofs immer gläubiger Katholik, aber nach jahrzehntelangem Marxstudium verglich er den Künder des wissenschaftlichen Sozialismus mit Kopernitus, dein Entdecker des Systems der Welten. Zwar blieb August Bebel immer philosophischer Ma- terialist, radikaler Atheist, unbeugsamer Kirchenfeind, aber wir hörten den greisen sozialistischen Propheten in den kathv- lischen Städten des Westens leidenschaftlich um die Seelen der christlichen Arbeiter werben. Wir hörten, wie er feine per- söiiliche Religionslosigkeit unterschied von dem Willen der Partei zur Neutralität gegenüber religiösen Gewissensfragen. wie er, der Atheist, mit feurigen Worten die gleichzeitige Zu- geHörigkeit zur Kirche und zur Sozialdemokratie verteidigte. Aus diese These, die, wenn wir von dem Eingcinger Hohoff absehen, niemals von einem katholischen Priester öffentlich angenommen worden ist, war ein halbes Jahr- hundert lang unsere sozialistische Werbung in den katholischen Gebieten abgestimmt, und sie ist es heute mehr denn je. Die katholijche Kirche gab und gibt sich die erdenklichste Mühe, dem Sozialismus die Kampffront aufzudrängen:„Hie C h r i st e n t u m— hie H c i d e n t u rn!" Wir verharren in der Antwort:„Nein! Hier Kapitalismus und hie Arbeitsvolk! Und in unsere Front der Sozialisten ge- hören alle Ausgebeuteten, gehören Gläubige usid Frei- denker gemeinsam." Wenn die Sozialdemokratie viele hunderttausende Katholiken zu ihren Wählern und noch zur folgerichtigen Ablehnung der kapitalistischen Wirtschafts- ordnung bringen konnte, so durch die Befreiung der sozialisti- schen Botschaft von religtonsfeindlicher Propaganda, ia gerade durch das Wachrufen der mammonsfeindlichen Worte im Evangelium und bei den Kirchenvätern gegen die vielen dem mammonistischen Zeitalter verfallenen Priester. Nach fünfzigjährigem Streit ist die katholische Kirche un- erschüttert, aber sie hat das Heranwachsen der großen geisti- gen und organtsatorischen Macht des Sozialismus nicht hin- vern können. Und diese ist, trotz allem Zlbleugnen, auf die katholische Geisteswelt nicht ohne Einfluß geblieben. Zluch wenn wir anerkennen, daß die katholische Sozialethit bis auf Ketteler zurückgeht, fügen wir hinzu, daß die modernen katholischen Sozialethiker ökonomische Maßstäbe und Er- kenntnisse gewinnen, die ohne die marxistische Kapitalkritik nicht möglich wären. Nicht aus überlegener Kraft, sondern aus Unsicherheit und ein wenig auch aus mangelndem Mut zur Wahrheit kommen die sonderbaren Versuche, zu unter- scheiden zwischen Kapitalismus und Mommonismus und mit der Aerlegenheitswendung Solidarismus das solange als Teufelswerk verlästerte Wort Sozialismus zu vermeiden. Nicht die weltumspannenden kirchlichen Organisationen, die Menschen aller'Rassen, aller Klassen und der verschieden- sten Entwicklungsstufen in sich bergen, sind krisenhaft bewegt. aber in Millionen proletarisierten Katholiken wühlen die Zweifel, ob ihre Kirche die harte ausbeuterische Geselllchafts- ordnung des Kapitalismus dulden oder gar segnend schützen dürfe. Alles, was an vorsichtigem Wandel der sozialen An- schauung und des sozialen Ausdrucks in den oberchristlichen Kundgebungen der jüngsten Iahren zu leben beginnt, kommt aus einer einzigen Ursache: aus den schweren seeli- schen Konflikten der katholischen Arbeiter und der christlichsten Priester, die auf der ganzen Skala von religiöser Unruhe bis zum zornigen katholischen Revolutionismus den sozialen Ethos und die soziale Tat ihrer Kirche gegen den Kapitalismus verlangen. . Große Massen der katholischen Arbeiter, zahlreiche iunge Intellektuelle, vereinzelte Priester des katholischen Vrole- tariats führen aus sozialer Bedrängnis und aus gläubigem Gewissen positisch eine radikal sozialistische Sprache. Während die Kirchenfsirsten hoch übe? dem Laien den„gottlosen" Sozialismus noch oer« fluchen, breitet sich tief unten im tatholi- schen Kirchengebäude ei» religiöser Sozia- tksmv s aus. Gr weiß, daß er nie diese universale, mit kemer Klasse, mit keinem Volke allein verbundene Kirche ganz erobern kann, aber er ringt um sein Bürgerrecht in"dem Weltreiche des Katholizismus. Diese katholischen Sozialradikalen und Sozialisten sehen wirtschaftlich und sozial keine Kluft mchr zwischen sich und den marxistischen Sozialdemokraten. Sie fühlen sich jedoch weltanschaulich in unüberbrückbarem Gegensatz zum philo- sophischen Materialismus, den man ihnen fälschlich als die geistige Grundlage der Sozialdemokratie ausgibt. Sie scheuen nicht den Sozialismus, sondern den Atheismus. Für sie gehört es zu den stärksten ihre Hoffnungen beflügelnden Erlebnissen, daß Gegner des philo- sophischen Materialismus, Kritiker eines mechanisierten histo- rischen Materialismus, irrationale Kräfte, ja sogar religiöse Stimmen aus der Sozialdemokratie laut werden und die Legende zerstören, daß Sozialdemokratie und Religion?- feindschaft eins wären. Ueber die hohen Mauern der Tra- ditionen und Organisationen hinüber drängen aus gleicher Not Menschen verschiedener Weltanschauungen zu gemein- samer sozialistischer Arbeit zusammen. Hüben und drüben sehen nur wenige diese Entwicklung und nach weniger haben den Mut, sie zu bejahen. Nun liegt ein erster sozialdemokratischer Versuch vor, diese Probleme darzustellen, sie zu klären. Gemeinsames aufzuzeigen und Grenzen zu ziehen: das soeben im D i e tz- Verlag erschienene Buch von Georg Beyer„Katholizismus und Sozialismus". Genosse Beyer ist mein vieljähriger Freund und mit mir Leiter der„Rheinischen Zeitung". Es verbietet sich daher, daß ich sein Buch lobe. Nur die eine Bemerkung, daß es zu den wenigen sprachlich edlen Arbeiten der deutschen politischen Literatur gehört, kann ich nicht unterdrücken. Diesseits.des Walles die allzu bequeme und selbstsichere Meinung, daß der Katholizimus„verdummt" und jenseits des Grabens die bösartige und gedankenlose Lehre, daß die Sozialdemokratie„verroht"— wer so daherredet, ahnt nicht, wie sehr er sich bloßstellen kann. Es geht hier um Großes und Größtes, um Zeitliches und Ewiges. Geistige Weltmächte ringen miteinander und die beiden weitaus stärksten sozialen und sittlichen Kraftzentren, die zur Lösung der sozialen Spannungen des Zeitalters ernstlich in Betracht kommen: Katholizismus und Sozialismus. „Niemals wird eine katholisch-sozialistische Synthese möglich sein, weil es zwischen verschiedenen Elementen keine mittlere Mischung gibt." Die ins Ueberweltliche reichende Kirche kann nicht im Sozialismus aufgehen, und die nur mit den Wirklichkeiten einer bestimmten Epoche der Menschheits- geschichte rechnende Sozialdemokratie, die nur an diesseitige Kräfte.sich wendet, kann weder einer Kirche, noch einem sonstigen weltanschaulichen System eingegliedert werden. Möglich sind nur katholische Sozialdemokraten, sozialdemo- kratische Katholiken. Und notwendig ist das Zusammenwirken hit'>..- und Welt sich erneuern 1oll. Katholiken und Sozialisten lagen sich ein Menschenalter feindlich in Schützengräben gegenüber. Mindestens d i e Proletarier in beiden Heeren erheben allmählich die Köpfe über Wälle und Drahtverhau, senken die Waffen und suchen den Blick der Brüder.' Die gläubigsten Sozialisten und die gläubigsten Katholiken ahnen über allem Trennen- den' Gemeinsames km Ewigteitszuge des Menschengeschlechts. Sie lauschen und folgen dem seherischen Rufe des katholischen Revolutionärs Heinrich Lersch: Bahnt mit Gesängen den Weg! Marschiert! Tausend Jahre Zukunft staunen auf uns hernieder, Tausend Jahre Vergangenheit beten zu uns herauf. sozialistischen Kräfte in allen Lagern, aus Wissenschaft Weltanschauung, aus Interesse' und Gesinnung, wenn die Vorschläge zur Verwaltuugsreform. Sachsens Regierung auf Reisen. In den Amtsstuben der Länderregierungen hat im Hinblick aus die bevorstehende Konferenz über die Vermaltungsresorm eine ersieulich« Geschäftigkeit eingesetzt. Nach den bisher vor- liegenden Denkschriften Sachsens und Bremens will man sogar sehr erhebliche Ersparnismöglichkeiten entdeckt haben. So plant Bremen die Einschränkung seiner Abgeordnetenzahl von 120 auf 80. Gründlicher ist man in Sachsen. Dort will man außer einer Beschröiitung der Abgeordnetenzahl auch den Abbau des Ar- bcits- und des Wirts chafts Ministeriums durch- führen, um den Aufgabenkreis dieser Aemler dem Innenministerium anzugliedern. Unwillkürlich wird man dabei an die Pläne der Industriellen erinnert, die zugleich am Reichssäckel und am Lohn sparen möchten, indem sie das Reich-xrrbeitsmimsterium kassieren wollen. Der Vorschlag des Präsidenten Schieck geht aber auch darauf hinaus, die sächsische Verwaltung durch Be- seitigung von zwei Ministerien, von vier Amtshauptmannschaften und 27 Amtsgerichten von Leerlaufarbeit zu bereinigen, Staats- aufgaben in weitgehendem Maße auf die Gemeinden zu über- tragen und eine Reihe von Behörden und Kassenoerwaltungen zusammenzulegen— Vorschläge, über die sich im einzelnen wohl wird reden lasien. Einen Vorteil haben jedoch diese Studien bereits gehabt. Sic zeigen, welche grotesken Verhältnisse der Ver- kehr zwischen Reich und Freistaaten mit sich bringt. Im Rechnungs- jähr 1028 ist.t ä g l i ch m i n d« st e n s ein sächsischer Mini- st e rsa l b c am t e r ,n a ch Berlin gefahren. Daneben bei steht aber noch eine sächsische Gesandtschaft in Berlin, und ebenso muß Sachsen— Gott weiß warum— nach ein« Gesandtschost in München unterholten! Man stelle sich vor. wenn dt« vreuhischen Provinze», die zum Teil nicht kleiner als der Frei- staot Sachsen sind, aus so kostspielige Weis« mit der Regierungs. zentrale verkehren würden! Man sieht, es gibt sch o n Arbeit für eine Verwallungs- refarm. Wünschen möchte man. daß sie frei von politischen Neben- absichten geleistet wird. Denn dann zwingt sich ganz von selbst die Pflicht auf. die Lösung im Einheitsstaat zu suchen, während sörtst die pomphaft angekündigte„Aktion" in kleineren Reformen zu versanden droht. kohenzollero verstehen Geld zu machen. Der verstorbene Rumä- nien-Hohenzoller Ferdinand hat ein Vermögen von 38 7 Mil» l in n e n Lei hinterlassen, dos aus fünf Erben verteill wird. König sein ist ein einträglicher Berus, solange das Geschäft geht. Fünf Touloner Alatrosen standen vor Gericht, weil sie nach der Gfsängnisme>.-erei zwei Ingenieuroisizlere iätlich beleidigt hotten. Zwei wurden freigesprochen, einer zu einem Iabre Gefängnis und die beiden anderen zu j« fünf Iahren Zwangsarbeit verutttiit.'. Joffes Abschiedsbrief. Vorkämpfer des Bolschewismus von Bolfchewisten zu Tode gequält. Der schon mehrfach erwähnte Abschiedsbriefdesfrühe- ren Sowjetbotschafters Joffe ist jetzt in dem Pariser Organ der russischen Opposition im Wortlaut abgedruckt worden. Der Brief ist an Leo T r o tz k i gerichtet. Er ist im Original von der GPU. beschlagnahmt, aber eine Abschrist davon ist augenschein. lich gegen den Willen der Stalinisten ins Ausland gelangt. Das Schreiben des Mannes, der in den Tod gehen will, weil er an seiner Partei verzweifelt, ist so erschütternd in seinen Einzel- heilen, daß wir es hier nur mit geringen Kürzungen wiedergeben: Teurer Lew Dawydowitschk Mein Leben lang war ich der Anschauung, daß ein Politiker verstehen muß, zeitig aus dem Leben abzutreten, wie ein Schauspieler von der Bühne, und daß ein Zufrüh besser ist als«in Zufpät... Vor mehr als 30 Iahren mochte ich mir die philosophische Anschau- ung zu eigen, das menschliche Leben sei nur msofern und bis zu dem Augenblick sinnvoll, als es der Unendlichkeit dient, die die Menschheit uns bedeutet. Aui mein vergangenes Leben zurückblickend, davon'ch 27 Jahre in den Reihen der Partei verbracht habe, habe ich, dünkt mich, das Recht zu sagen, daß me,n ganzes bewußtes Leben meiner Philosophie treugeblieben ist, d. h. daß ich es sinnvoll gelebt habe, in Arbeit und Kampf zum Wohle der Menschheit. Doch nun rückt sichtlich der Augenblick heran, da mein Leben seine» Sinn verliert und' augenscheinlich für mich die Pflicht ersteht, es zu verlassen und den Tod zu suchen. Im-Einklang mit der allgemein dnrchgeführlcn Linie, oppositionellen Elementen keinerlei Arbelt zo geben, überträgt die jetzige führende Leitung unserer Partei mir bereits seit mehreren Jahren weder Partei- noch Sowjetorbeit von einem Ümfanq und Charakter, die es mir ermöglichen, das Maximum der Leistungen zu vollbringen, die meinen Fähigkeiten entsprächen. Im letzten Jahre hat, wie Ihnen bekannt, das Politbureau mich, als einen Oppo- sitionellen, vollständig von jeder Partei- und Sowjetorbeit aus- geschlossen. Andererseits habe ich— zum Teil wohl infolge meiner Krank- heit, zum Teil wohl ans Gründen, die für Sie sichtbarer sein mögen, als für mich— dieses Jahr an Oppositionsarbeit und-kämpf praktisch nicht teilgenommen. Unter großen inneren Kämpfen und mit äußerstem anfänglichen Widerstreben ging ich zu der Arbeit über, die ich erst ergreisen zu müssen hofft«, wenn ich ein vollkommener Invalide sein würde, und ich vertieft« mich ganz und gar in pädagogisch-Uterarische Arbeit. Doch mein Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends. Um den 20. September herum wurde ich, aus mir unbekannten' Gründen, von der ärztlichen Kommission der ZK zu einer Konsultation fpezialistischer Professoren oefohlen. und diese stellten bei mir einen a kt i v e n � T u b er ku l o s e p r oz e ß in beiden Lungen, Herzfehler, chronische Entzündung der Gallenblase, chronische Nieren- und Nervenentzündung fest. Die untersuchenden Aerzte erklärten kategorisch, daß mein Gesundheitszustand bedeutend schlechter sei. als ich mir vorstelle, ich dürste nicht hoffen, meine Vorträge in den höheren Schuten zu Ende zu führen. ich müßte unverzüglich ins Ausland, in ein entsprechendes Sanatorium. Fast zwei Monate lang unter- nahm die ärztliche Kommission der A.K. keinerlei Schritte. Im Gegen- teil, seit einiger Zeit erh-ell die Sreml-Apelheke, die mir bis dahin auf meiae Rezepte Medikamente verabjolgt halte, das Verbal, dieses zu tun. und ich war tatsächlich der unentgeltlichen Medikament- Versorgung beraubt, die mir vorher zuteil geworden war. Ich glaube, um diese Zeit ging die leitende Gruppe unserer Partei auch hin» sichtlich der anderen Kameraden der Opprsition zu der Erfüllung der Drohung über, die Opposition„auf den Magen zu treffen". Indem er Trotzki im weiteren Verlauf des Schreibens sein und seiner Frau Martyrium in dem ZK. bei N. A. Semaschko persönlich berichtet, teilt Joffe mit, daß er„fett zehn Tagen endgültig das Bett hüte": „Ich habe tatsächlich während dieser zehn Tage keinerlei ärzttiche hisse und die Frage meiner Auslandsfahrt wird nicht berührt. Don den Aerzten des ZK. hat sich k« i n e r auch nur ein einziges Mal gezeigt. Die Professoren Dooidenko und Dr. Lewin, die mich besuchten, vcr- schrieben mir irgendwelche harmlose Dinge, doch gaben sie zu. daß sie nichts machen könnten, daß«in« schleunige Abreise ins Ausland notwendig wäre. Dr. Lewin sagte einmal meiner Frau, daß die Frage hinausgeschoben werde, weil man in der ärztlichen Kommission wohl glaube, meine Frau würde mit mir fahren, und dos sei sehr kostspielig."(Wenn nicht oppositionelle Genossen er- kranken, so werden sie und oft auch ihre Frauen bekanntlich ms Aus- land geschickt in.Begleitung unserer Aerzte und Professoren. Als ich zum ersten Male an derselben Polmeuritis erkrankte, wurde ich ins Ausland geschickt in Begleitung memer gesamten Familie, meiner Frau und meines Kindes, wie des Professors Äanabich.) Meine Frau entgegnete darauf, so schwer auch mein Zustand sei. erhebe sie doch keinen Anspruch daraus, daß sie oder jemand anders mich begleite. Daraufhin versicherte Dr. Lewin. daß in solchem Falle die Erlaubnis leichter zu erwirken sein werde. Mein Zustand verschlechterte sich dauernd. Dr. Lewin, der heut« bei mir war, versicherte mir aufs neue, daß sie nichts tun könnten. Die einzige Rettung läge in einer schleunigen Abreise ins Ausland. Und abends teilte der Arzt des ZK., Genosse P o t e m k i n, meiner Frau mit, die ärzttiche Kommission des ZK. hätte beschlossen, mich nicht ins Ausland zu schicken. sondern mich in Rußland zu behandeln. Das ZK. sei bereit, für meine'Behandlung 1000 Dollar bereitzustellen, halte es aber nicht für möglich, mir mehr zu gewähren. Ich habe, wie Ihnen wohl bekamtt, in der Dergangenheit mehr als eintausend Rubel der Partei gegeben, jedenfalls mehr, als ich die Partei kostete, seitdem die R e- volution mich meines Vermögens beraubt hat und ich mich nicht mehr für eigene Rechnung behandeln lasien kann. Mehr als einmal haben englisch-amerikanische Verleger mir für Fragmente aus meinen„Erinnerungen"(nach meiner eigenen Auswahl, mit der einzigen Bedingung, daß die Periode der Ver- Handlungen in Brest-Lltowsk eingeschlossen würde) die Summe von 20 000 Dollar geboten. Dos Politbureau weiß vorzüglich, daß ich sowohl als Journalist wie auch als Diplomat genügend Erfahrung besitze, um nichts zu drucken, was unserer Partei oder dem Staate schaden könnte, und daß ich wiederholt Zensor des Dolkskommisioriats für auswärtige Angelegenheiten gewesen bin. Vor einigen Jahren bat ich das Politbureau um Erlaubnis, meine Pemoiren Herausaeben zu dürfen, indem ich mich verpflichtete. dos gesamte Honorar der Partei zu übergeben: denn es war für mich bedrückend, von der Partei das Geld für meine ärztliche Behandlung zu ncbmen. Als Antwort hierauf erhielt ich die direkte Verfügung des ZK., daß es den„Diplomaten und Genossen, die der diplomatischen Arbeit nahe sieben, kategorisch verboten sei. Im Auelande ihre Erinuerungeu oder Fragmente von Erinnerungen zu drucken, ohne daß die Alanuskripte vorher vom Kol- legium des Auswärtigen Amtes und des Politbureau des ZK. kon- trollierk würden". Da ich gut wußte, welche Verzögerung und UnpünMichkeit statthaben würde bei solch doppelter Zensur, die es selbst unmöglich machen würde, mit ausländischen Verlagen in Beziehungen zu treten, lehnte ich damals� im Jahre 1624, diesen Vorschlag ab. Als ich jetzt im Auslande war. erhielt ich«inen neuen An- trog unter direkter Garantierung eines Honorars von 20 000 Dollar. Doch ich lehnte ab, da ich nun wußte, daß sowohl die Geschichte der Revolution wie auch die Geschicksse der Partei verfälscht wird, und keine Zweifel darüber hegend, daß die ganze Zensur des Politbureau darauf hinauslaufen würde, die richtige Beleuchtung der Persönlichkeiten und Politiker, der wahren Führer der Re- volution. wie der jetzt zu diesem Rang emporgestiegenen Führer. zu verhindern... In dem Zustande, in dem ich mich eben befinde, entbehre ich natürlich jeder Möglichkeit, irgendeine Arbeit zu unternehmen. Wenn ich trotz der hüllischen Schmerzen imstande gewesen wäre, meine Vorträge fortzusetzen, so würde dieser Zustand doch eine ernstl'che Pflege erfordern, der Beförderung auf einer Tragbahre usw. �Bei meiner früheren Krankheit gleicher Art stand der gesamte Stab der politischen Vertretung zu meiner Verfügung. Doch jetzt habe ich„dem Rang« nach" nicht einmal den Anspruch auf einen Privat- sekretär, dank dem Mangel an Aufmerksamkeit mir gegenüber während all meiner Erkrankungen in letzter Zeit. Auch jetzt bin ich. wie oben gesagt. seit neun Tagen ohne jegliche Hisse, und selbst die mir von Professor Daoidenko verschriebene elektrische. Wäcmslasche konnte ich bisher nicht erwirken..." Aus diesem Grunde sage ich, es ist der Augenblick ge» kommen, dieses Leben zu beenden. Ich kenne die nega- tioe Einstellung der Partei dem Selbstmorde gegenüber im Prinzip: jedoch ich glaube, daß kaum jemand, der sich meine Lage klar machte, mich für diesen Schritt verurteilen könnte. Außerdem nimmt Professor Davidenko an. daß die Ursachen des Rückfalles meiner schweren Erkrankung an Polineuritis in den Aufregungen der letzten Zeil zu suchen sind, wäre ich gesund, ich fände genug krasi in mir, um gegen die in der Partei geschassene Lage anzukämpfen. Doch in meiner jetzigen Lage betrachte ich einen Zustand der Partei für unerträglich, der schweigend Ihre Aus» jchließung aus ihren Reihen hinnimmt.. Obgleich ich nicht zweifle. daß über kurz oder lang eine Wendung in der Partei eintreten wird, die sie zwingen wird, jene ab, zustoßen, die diese Schande über sie gebracht haben. In diesem Sinne wird mein Tod zum Protest eines Kämpfers, der in einen Zustand gebracht worden ist, in dem erlauf solche Schmach nicht anders reagieren kann. Wenn es erlaubt Ist, das Große mit dem Kleinen zu vergleichen, so möchte ich sagen, daß Ihre und Sinowsews' Aus- schließung aus der Partei als historisches Ereignis von größter Wichtigkeit unvermeidlich zum Ansang der Epoche des Thermldor unserer Revolution werden muß, wie die Tatsache, daß man mich nach 27jShriger reooluiionärer Arbeil auf verantwortlichen Parte, posteu in eine Lage verseht, in der mir nichts übrig bleibt, als mir eine Kugel durch den Kopf zu jagen. bezeugen das gleiche Regime in der Partei und vielleicht At. es beiden Ereignissen, sowohl dem kleinen wie dem großen belchixden. den Stoß zu gebsn. der die Partei zum Erwachen bringen, wird unö sie aufhalten wird auf dem Weg« des Hinabrollens gegen den Thermidor. Ich wäre alückssch, könnte ich glauben, daß es so kommen wird, denn dann wüßte ich, daß ich nicht vergebens gestorben bin. Lbleich ich zuvcrsichlssch weiß, daß der Augenblick des E-r» wachen? der Partei kommen wird, kann ich doch nicht gewiß sein, daß es jetzt geschehen wird. Doch zweifle ich nicht daran, daß wein Tod jetzt mehr nützen kann, al» mein welkeres Leben. Uns, teurer Lew Dawidowitsch, verbinden zehn Jahr« gemein- ferner Arbeit und, ich wage es zu hoffen, auch persönlicher Freund- schajt... Und dos gibt mir das Recht, Ihnen das ,nt sagen, was mir in Ihnen irrig erscheint. Ich habe nie gezweifelt an der Richtigkeit des von Ihnen oorgezeichneten Weges, und Sie wisien. dag ich mchr als 20 Jahre, feit den Zeiten der„permanenten Repa» lution", mit Ihnen gehe. Doch ich war stets der Meinung, daß Sie der Leninschen Unbeugsamkeit, U n n a chg i eh i g k eit wie seiner Bereitschaft entbehren, selbst als einziger auf dem von ihm als richtig erkannten Wege zu verharren, in der Bor- aussicht der Mehrheit auf seiner Seite für die Zukunft, in Boraus- ficht zukünftiger Anerkennung der Richtigkeit seiner Wege durch all«. Politisch hatten Sie immer recht seit 1005. und wiederholt habe ich erklärt, daß ich mit eigenen Ohren gehört habe. wie Lenin bekannte, im Jahre 1005 hätte nicht er recht gehabt. so»ch«rn Sie! Man lügt nicht vor dem Tode. Ich wieder» hole es Ihnen jetzt, doch Sie haben sich häufig von der eigenen Folgerichtigkeit losgesagt zugunsten eines von Ihnen überschätzten Kompromisses. Das war— ein Fehler. Ich wiederhole, politisch hatten Sie immer recht, und jetzt haben Sie mehr recht, denn ie. Einst wird die Partei es oerstehen, und die Geschichte wird es ohne Zweifel würdigen. Noch zwei Worte in persönlicher Angelegenheit. Ich hinter» lasse eine dem Leben wenig angepaßte Frau, einen kleinen Sohn und ein« erwachsene Tochter. Ich weiß, daß Sie jetzt nichts für sie tun können. Und aus die jetzige Leitung der Partei rechne ich in dieser Hinsicht keineswegs. Doch ich zweifle nicht, daß der Augenblick nicht weit ist, da Sie wieder den Ihnen gebührenden Platz in der Partei einnehmen werden. Bergesien Sie dann die Meinigen nicht. Ich wünsche Ihnen dann nicht weniger Energie und Mut zu besitzen, als Sie bisher bewiesen haben und möglichst baldigen Sieg. Ich umarm« Sie fest. Leben Sie wohl. Ihr A. Josse. Moskau, den 15. November 1027. Der Brief ist beglesset""N einer Zuschritt, in der Joffe mit» teill. daß die ärzttiche Kommission des ZK. ihm.selbst eine kurzfristige Kur im Auslande abgeschlagen habe". Er bedauert, daß es ihm nicht möglich gewesen sei.„den teuern Lew Dawidowitsch persönlich zu sehen" und befürchtet für seinen Brief:„ein solcher Brief darf nicht subjekfiv sein... und irgendein falsch klingender Satz kann den ganzen Eindruck des Brieses ver» derben. Indes rechne ich darauf, daß Sie diesen Brief ausnützen. denn nur in solchem Falle kann mein Schritt nutzbringend werden." Oer französische parieiiag. Einigung über das Iinanzprogramm. Paris, 27. Dezember. �Eigenbericht.) Dem Finanzsachverständigen Genossen A u r i o l ist es gelungen, die verschiedenen Weinungen über die Kapitatabgabe durch eine Kompromißsonnel zum Ausgleich zu bringen, die in der Diens- tagvormtttagssitzung des Parteitages einstimmig a n g e n o m- m e n wurde. Darin wird die Forderung einer Abgabe vom Der- mögen ersetzt.durch das Verlangen nach systematischer Reor« gonisatio� der Finanzen aus Grund der Stabllisicrungch'er Währung und der Konsolidierung' der schwebenden Schuld. Mai?' Nachweihnachten. «.Ach, diese selige Festtagsstimmung. Wenn man so unterm Weihnachtsbaum sitzt, spürt man erst, wie gleichgültig die Krage«.Republik oderMonarchie' ist!" Kastengeist in der Reichswehr. Die neuen Beförderungen. Einer der wenigen demokratischen Gedanken, die in der Reichswehr Eingang gefunden hatten, war die Beförderung tüchtiger Persönlichkeiten aus dem Unteroffizierskorps zu Offizieren. Theoretisch besteht diese Möglichkeit auch heute noch, praktisch aber beliebt das Reichswehrministerium, keinen Gebrauch mehr davon zu machen. Von 87 am 1. Dezember neuernannten Leutnants gehören zwar nicht weniger als fünfundzwanzig dem Adel an, dafür ist aus dem Unteroffiziersstand hervorgegangen—> keiner! In der preußischen Schutzpolizei gibt es eine ganze Reihe von Oberbeamten, die aus den Unterbeamten hervorgegangen find, darunter befindet sich zum Beispiel der Kommandeur der Berliner Schutzpolizei. In der Reichswehr dagegen hat man systematisch alle von früher her aus der Mannschaft emporgedienten Offiziere an der Majorsecke scheitern lassen und neue läßt man seit Jahr und Tag überhaupt nicht mehr zu. Wie das Beispiel der Schutzpolizei zeigt, liegt das nicht etwa am Mangel ge- eignete? Bewerber, sondern ganz bewußt kehrt die Reichswehr zur kastenmäßigen Absonde- rung der Offiziere und Mannschaften von- einander zurück, wie sie in der alten Armee oberstes Prinzip war. Man widmet sich ja dort der Pflege der „Traditionen"— nämlich des monarchistischen Obrigkeits- staate». Licht im phöbus-Gkandal? Voraussichtlich 5 bis 10 Millionen Mark verloren. Der«Reichsdienst der deutschen Preste" weiß zu melden, daß der Bericht des Reichrsparkommissar» über die PHSbus- Affäre Anfang Januar den Mit gliedern d.es Reich». lag» vorgelegt werden wird. Ehe da» geschieht, soll jedoch die seht dem Reichskabinett vorliegende Fassung de» Berichte» noch einmal redigiert werden. Wenn die Veröffentlichung erfolgen sollte, so geschieht das unter dem verstärkten Druck der öffentlichen Meinung, die erst aus die Aufklärung des Skandals hingearbeitet hat. Das Rcichskobinett selbst hat bisher nichts getan, um die Affäre vor dem Dock zu vertreten, die erst nach und nach in ihren Einzelcheiten bekannt geworden ist, für die sie aber die volle Verantwortung trägt. So Hof erst dieser Tage dos„Berliner Tageblatt" festgestellt, daß nicht nur sechs bis sieben Millionen, wie es ursprünglich h�ß. sondern ins» gesamt mehr als 10 Millionen Mark der Phobus- FilmLesellschaft vom Reichswehrministerlum zugeflossen sind. Zum Teil handelt es sich dabei nur um Vürgschaftan. Doch ist nach d«» finanziellen Stand des llntsrnchmens damit zu rechnen, daß da» Reich mit den Mitteln der Steuerzahler diese Pürgfchasten auslösen muß. Die letzten 4'ch Millionen Mark erhielt die Phöbus Ansang dieses Jahres von der D i s to n t o-Ge s eil s cha f t und dem Bankhaus Mendelssohn und Co. gegen Wechsel, die die Unten, schrist„Reichswehrministerium L Zl. Öohmonn* trugen. Obgleich die Form dieser Wechsel juristisch angreifbar ist. muh man doch annehmen, daß die genannten Banken das Geld nicht gegeben hätten, wenn sie nicht der Zustimmung des Reichswehrministeriums zu dem Geschäft des jetzt zur Disposition gestellten Abteilungsleiierq sicher gewesen wären. Jedenfalls besteht die Gefahr, daß die Steuerzahler die R bis 10 Millionen Mark aufbringen müssen, die das Reichswehr- Ministerium in Filmff?schäften verwirtschaftet hat. Selbstverständlich kann sich der Reichstag mit einer regierungsoffiziösen Dar- stellung nicht zufrieden geben, und er wird an der Finanzgebarung des Wehrministeriums scharfe Kritik zu üben haben. Belastend ist es jedenfalls schon jetzt für das Reichswehrministerium und für da» Reichskabinett, daß man solange gezögert hat, die Angelegen» heit aufzuhellen, die bei einer ordentlichen Finanzgebarung über» Haupt nicht hätte vorkommen dürfen. Die Llnbelehrbaren. Aufreizung zu neuen Bluttaten. Der mörderische Ueberfall von verhetzten Stahlhelm- Leuten auf ein Reichsbanner-Auto in A r e n s d o r f hat zwei Tote und sieben Verletzte zur Folge gehabt. Dazu für den Stahlhelm-Schützen fünf Jahre Zuchthaus, für femen land- bündlerifchen Bater mit der Heugabel anderthalb I ä h r e Z uch t ftv u s und, wie das Gericht, die Milde dieses Strafmaßes begründend, hinzufügte, feine wirtschaftliche Vernichtung. Man sollte meinen, daß die Folgen dieses ländlichen Putsche? gegen die Reichsfarben, die das Auto des Reichsbanners führte, auch die robustesten Gemüter zum Nachdenken veranlasien würden. Aber man ist mit solcher Meinung im Irrtum. Es gibt einflußreiche Leute und Or» ganifationen, die aus ihnen nur Swff zu neuer Verhetzung suchen. Da ist zum Beispiel in der offiziellen Zeitschrist des Reichslandbuitdes, Nummer vom 24 Dezember 1917, folgende weihnachtsfriedliche Würdigung des Frankfurter Urteils: Man erschauert vor den furchtbaren Folgen einer dieser nach- gerade zur Landplage gewordenen herausfordernden Reichs- banberf ahrtcn auf das flache Land, einer Fahrt, durch die in ihren letzten Folgen eine arbeitsame, ehrenwerte und alteingcfestene Bauernjamilie„erledigt" worden ist— wie es mit grauser Deutlichkeit in der Urteilsbegründung heißt. In den Kreisen aber, die für die Verhätschelung und damit für die Ausschreitungen des Reichs- banners verantwortlich sind, sollte das Arensdorfer Urteil endlich als Mahnung und Warnung dienen, die Vauernpfyche zu be- achten und nicht länger mehr herauszufordern. Auch die friedfertigste Bauerugeduld hat schließlich eiu Ende.... Wer lesen kann, der lese:„Auch die friedfertigste Bauern- geduld hat schließlich ein Ende!" Der Bauer, der den.Meichs- londbund", die offizielle Wochenschrift des Bundes gleichen Namens, zu lesen gewohnt ist, wird wisien, wie er die Schmähung der friedlichen Bannerfahrt als.Landplage", als „herausfordernd" zu würdigen hat. Er wird auch wissen, daß er die moralische Unterstützung seiner Agrariergenossen findet. wenn er wieder mit Heugabeln und Sensen, mit Knüppeln und Schießprügeln den als„Landplage" geschmähten Farben de» Reiches und ihren Trägern auf den Leib rückt. Was der„Reichslandbund" in seiner Weihnachtsnummer beginnt, das fetzt die.Lreuz-Zeitung", das Blatt des Führers der größten gegenwärtigen Regierungspartei, fort. Sie läßt den General C r a m o n über das Arensdorfer Urteil sich verbreiten. Dieser Eramon benutzt den Arensdorf-Prozeß zu lauten Schmähungen des Reichsbanners. Zwar den R e i ch s f a r b e n will er nach seinem Zugeständnis die Achtung uicht versagen,„eben weil sie auch die Farben der gegenwärtigen Regierung sind". Aber da sie aüch vott der Organisation geführt werden, die den Reichs- färben erst Achtung im Lande verschafft hat, sind sie„schwarz- rotaelb" und die Farben des— Landesverrats. Und mit solcher Organisation und solchen Farben können„wir allen Soldaten" nichts zu tun haben: Wir allen Soll>aten— Offiziere ode? Mannschaften— wir haben gerade im Arleben gemeinsamer Kämpfe und Strapazen, im lieb erwinden gemeinsamer Gefahren und' in treuem Zusammenwirken, wo und wann es auch fei, den Kitt gefunden, der uns unabirrbor zusammenhält, und wir werden auch zusammenhalten rn allen Fragen, die die Sich«- hell und die Ehr« uns««» Vaterland«» betreffen. Das scheint uns mehr K i t s ch zu sein, als der.Litt" ver- tragen kann. Denn dieser Ekamon wird vergeblich gefragt werden, wo er denn.gemeinsame Strapazen" und„gemein- same Gefahren" mit den schlichten Feldgrauen bestanden habe. Bon 1909 bis 1912 war er Kommandeur des Garde- Küraffier-Regiments in Berlin, dann Generalstabs- chef beim 8. Armeekorps in Koblenz. Als der Krieg ausbrach, war er zunächst im Großen Hauptquartier tätig, weit hinter der Front! Später aber wurde er dem österreichischen Oberbefehlshaber als Verbindungs- offizier zuaeteill und schließlich dem alten Franz Josef und dessen Nachfolger Karl unmittelbar ,. attackiert". Im Haupt- quartier der beiden Monarchen und schließlich am österreichi- schen Kalserhofe selbst hat dieser Eramon«gemeinsame Stra- pazen" und„gemeinsame Gefahren" mit den Muschkoten er- lebt, die ihn für den Stahlhelm ebenso wertvoll machen» wie den Redakteur des Stahlhelm-Bundesblattes, der während des Weltkrieges in Deutschland kriegerische Lorbeeren erntete. Der Eramon bricht eine Lanze für die Arensdorfer und gegen das Reichsbanner und seine Farben. Das Reichsbanner würde nicht sehr erbaut sein, wenn der Hof-General seine Stellungnahme ins GegenteL verkehren wollte! „Kriegshetzer." Die inländischen und die ausländischen. Der verstorbene Sasanofi war ein Kriegshetzer. Niemand be- tont das lauter als unsere Rechtspresse und am lautesten der Hugen- bergsche„Tag". Denn dort, wo man jahrelang vom..Stahlbad des Krieges" geschwärmt und die Stund« der Kriegserklärung herbei- gesehnt hat, ist man natürlich moralisch vollberechtigt und sittlich legitimiert, über da» Ebenbild auf der Gegenseite herzufallen.„Kriegs- Hetzer Sasanoff tpt" jubelt der„Tag", und erinnert: Sasanoff hat dem Zaren den Befehl zur zweiten Mobil- machung abgerungen,« hat den Anstoß zu den milttörischen Operationen gegeben und damit am meisten mit zum Ausbruch des Weltkrieges bei» getragen. Bravo, sehr gut! Rur«in« ganze Klciragketi hat der„Tag" zu erwähnen vergessen: Just während Sasanoff mit dem Zaren um die Anordnung der russischen Mobilmachung rang, erschien iu den Straßen verlins ein Extrablakl, da» die deutsche Mobilmachung bereits als besohlen verkündete. Dieses Extrablatt eilte zwar den Tatsachen voraus und wurde alsbald dementiert, aber sein Inhalt war bereits nach Petersburg au den Zaren gedrahtet worden.... Und wer hatte dieses Extrablatt herausgegeben, dessen Zweck nur fein tonnte, den Kriegsausbruch zu erzwingen durch die Lüge der erfolgten deutschen Mobilmachung die noch zögernden Regierungen der Mächte zur unwiderruflichen Maßnahme zu veranlassen? Di« Hintermänner dieses verbrecherischen Manövers sind bis heute noch nicht mit Sicherheit entlarvt:— um so besser ober kennen wir ihr w i l l ig« s Werkzeug: als Drucker und Verleger des Extra- blatt«? zeichnet« der gleiche Verlag, der heute den„Tag" erscheine» läßt, der Verlag August Scherl S.«. b. H.... Auch eine deuischnationale Tarnkappe. Die Volksrechtspartei in Bayern. München. 27. Dezember.(Eigenbericht.) Der wahr« politische Charakter der„Partei für Volts- recht und Aufwertung", die in Bayern zum ersten Male für die Wahlen 1S28 kandidiert, ergibt sich klar und eindeutig aus der Totjache, daß sie als Spitzenkandidat für den Relchstagswahlkreis Franken ein« führende Persönlichkeit des Boye- rischen Heimat- und Königsbundes nominiert hat. Es ist der Nürnberger Amtsrichter Schneider, der erste Vorsitzende der vaterländischen Verbände Nürnbergs, die bisher die Haupt- stütze der Deutschnationalen in Bayern gewesen sind. Ungarisches aus Güdflawien. Wie man Sozialdemokraten behandelt. Im Banat scheinen auch unter südslawischer Herrschaft noch ungansth« Palizeisttten zu herrschen. Beweis folgender Bericht unser» Parteipresse in Südflawien: Genosse Universitätsprosessor D i v a t s ch. Generalsekretär der Sozialdemcckratischen Partei Südslowiens, hat am 11. Dezember im Austrage der Arbeitcrkammerexpositur in Zemun(Semlin) vor den Arbeitern der Zementfabrck in Beotschin einen populär-wissenschaftlichen Vortrag gehalten. Bevor noch der Dortrag begonnen hatte, war es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Genossen Dioatsch und dem Gemeindenotar(Ortsvorsteher) Jlija Gajdoscheoitsch gekommen, der den Vortrag überhaupt verhmdern wollte und erst nach länger» Aussprache seine Einwilligung gab. Während des Dortroges machte der Gendarmerietoplat Stanislaus Gl» matsch mehrere Zwischen- rufe. Auch versuchte er, dem Redner Vorschriften zu machen, wie dieser vortragen sollte und worüber er nicht sprechen dürfte. Zum Schluß verlangt« dies» Gendarmeriekaplar, aufgehetzt vom Ge- memdenotar, daß der Bortrag abgebrochen werde. Genosse Dioatsch ab» setzte den Bortrag bis zum Schluß fort. Ohne Zwischenfall»er» ließen hierauf die Zuhörer den Saal. Aus der Straße wurde dann Genosse Divatsch vom Gemeinde- notar, dem Gemeindekaplar und noch zwei Gendarmen ver ha stet. Aus dem Benehmen der Gendarmen ging hervor, daß sie auch die Absicht hotten, den Genossen Dwatsch zu mißhandeln. Auf sein Drängen, ihn sofort der Kreishauptmannschoft in Jlok zu überstellen. mochten sich die Gendarmen mit dem Verhafteten aus den Weg dort- hin. Dort wurde er Montag, den 12. Dezember, um 6 Uhr abends, auf Grund der Entscheidung des Bezirksgerichte» freigelassen. Tags daraus wurde in Veoffchin Genosse Mark» Marko» witsch verhaftet, d» die Genossen in Beogrod von der Ver- Haftung des Genossen Dwatsch telegrophisch benachrichtigt hatte. Gegen diesen Gewaltakt hat der einzig« Sozialdemokrat in der Skupschtina, Genosse P e t e j a n. eine Interpellation eingebracht, die auch von mehr»en Abgeordneten der übrigen Opposition srlub» unter- schrieben wurde. Was Woldemaras erwartet. polen soll eine Initiative in der Wilnasrago ergreifen! Warschau. 27. Dezember.(Eigenbericht.) Der.Lurjer Warszawski" veröffentlichte am Dienstag«in« Unterredung mit dem litauischen Ministerpräsidenten Wolde- m a r a s. Der Diktator bezeichnet sich darin zwar als Optimist und spricht von dem Zwang« der natürlichen Entwick- lung zur Verständigung, erklärt dann ab» gleichzeitig, daß die vollständige Bereinigung der litamsch-polnische» Streitsrogen viel Zeit in Anspruch nehmen werde. Litauen müsse zunächst die polnische Initiative in bezug auf die Regelung der wilnasroge abwarten. Fall? aber Polen Verhandlungen zur Revision des heutigen Zustaiches in Wilna ablehne» würde, dürfte der gesamte Komplex der polnisch-litauischen Streitfragen noch nicht zu regeln sein. Die Verhandlungen würden dann nur eine sehr schmal« Grundlage habe». Hastvarkeit der Gewerkfchasten. EKe reichsgerichtliche Entscheidung. Der bergbauliche Berein in Awickan bzw. die Firma Stein- kohlenwerke Kaestner u Co. in Reinsdorf, klagke Segen den Vergarbei erocrband. den Metollarbeilerverband, den ientraloerband der Maschinisten und Heizer, den christlichen Bergarbeiter verband sowie gegen sechs Sewerkschoflsannestellle, auf Schadenersalz, der der Firma Kaestner während des Bergarbeiter« streiks entstanden ist. Die Klägerin ist Mitglied des bergbaulichen Vereins in Awllkau und Umhegend. Dieser auf der einen und die beklagten Gewerk- fchaiten sind" Vertragsparteien des Tarifvertrages vom l August 1921. Der Tarifvertrag bestimmt in feinem 8 2 für die Arbeit unter Tage die sieben stündige und über Tage die achtstündige Arbeitszeil. Am 13. Dezember 1923 fchlrsten die genannten Verbände für den Bereich des söchfischen Steinkohlenbergbaues ein sogenanntes Mehrarbeits- abkommen, wonach die Gesamtschichtdauer für die Arbeit unterTage acht Stunden betragen sollte. Die Dereinbarung wurde aus die Zeit bis zum 39. April getroffen. Am 2. Februar 1924 wurde zwischen den gleichen Bertroqs- Parteien für die Uebertagsarbeit vereinbart, daß die Arbeitszeit neun Stunden täglich über Tage dauern sollte Die Geltung dieser Vereiniborung sollte ihr Ende finden am 20. Avril 1924. Am 24. April 1924 erging ein Schiedsspruch vom Schlichter des Reichsarbeitsministeriums dahin, dost die nach dem ge- nannten Abkommen zu leistende Mehrarbeit unkündbar bis zum 31. Juli 1924 lause. Der Schiedsspruch wurde von den Bergarbeiter- und anderen beteiligten Verbänden abgelehnt. Am 1. Mai 1924 wurde der Schieds- spruch für verbindlich erklärt. Die Klägerin behauptet nun, die Arbeiter hätten sich geweigert, länger als sieben Stunden unter Tag »nd acht Stunden über Tag zu arbeiten. Well die Arbcster die neuangesctzte Arbeitszeit verweigerten, wurden sie e n t- lassen. Die Arbeiter der Nachmittagsschicht seien gar nicht erst eingefahren. Als ihnen die Zusage� zur siebcnstündigen Schicht nicht gegeben wurde, traten sie in den Streit. Die Firma sowie auch der bergbaulich« Derein nehmen„wilden Streik"' an und die Verbände und ihre Gewerkschaftsführer hätten diesen unter st üstt. Weiter hätten die Gewerkschaftsange- stellten in Versammlungen zum Ausharren im Streik mifgefordert, auch hätten sie Flugblätter, die zur Der- längerung des Streiks aufforderten, verteilen lassen. Das Verhalten der Gewerkschaften und ihrer Angestellten habe gegen die guten Sitten ver- tosten. Deshalb feien die Verbände und ihre Gewerkschaftsführer ür den während des Streiks bei der Firma Sacstner entstandenen Schaden In höhe von 19 333 Mark nebst 2 Proz. Verzugszinsen hastbar zu machen. Die viert« Zivilkammer des Landgerichts in Zwickau verurteilte auch die Verbände und ihre Angestellten, für den während des Streiks bei der Firma Kaestner entstandenen Schaden zu haften. Gegen das unverständliche und rückständige Urteil legten die beteiligten Verbände und die Gewcrkschafisange- stellten B e r u f u n g ein.» Das Oberlandesgericht in Dresden hob ain 12. De- »ernber 1925 das Urteil der Vorinstanz auf und wies die Firma kostenpflichtig ab. Aus fclgenden Gründen: Mit dem Ablauf des 30. April 1924 fei zunächst die im Tarif- vertrage vom 1. August 1921 festgesetzte sieben, bzw. acht- stündigeArbeitSzeitwiederinGeltunggekommen. Bei Aenderung eines bestehenden Tarifvertrages oder bei Neuab- schluß eines solchen müssen sich die neuen Normen automatisch in olle Verträge einschieben. Di« Gewerkschaftsvertreter können nicht belangt werden, denn«in derartiger An- spruch ist auch nicht nach Z 82« DGB.«ms unerlaubt» Handlung, be« gongen durch Verstoß gegen die guten Sitten, herzuieiten. Gewiß verursache jeder Streik volkswirtschaftliche Sch ä d e n: aber entsprechend der Anschauung, die sich jetzt fast all- gemein durchgesetzt hat. kann gleichwohl die Führung solcher Ärbeitskämpfe an sich nicht als unsittlich gelten. Denn er st als dek Streik im Gange war, haben die Beklagten sich den Standvunkt der Arbeiterschaft zu eigen gemacht. Ein Streik und auch die Förderung eines solchen ist a n s> ch n o ch nicht ein Verstoß gegen die guten Sitten In diesem Falle handelte es sich um einen A b w e h r st r e i k, den die Ge- werklchaftslührer und die beteiligten Verbände nicht gewollt hätten. Aus dem Verhalten der Eewertschastsangcstellten bei diesem Streik könne ein Verstoß gegen die guten Sitten nicht hergeleftet werden. Somit konnten die Verbände und ihr« Gewerkschaftsführer nicht für die Streikschäden haften und die klage der Firma k. sowie die des bergbaulichen Vereins war kostenpflich ig abzuweisen. Nunmehr legte die Firma Revision ein. Der 3. Zivilsenat des Reichsgerichts, der sich jetzt nochmals mit dieser Sache beschäftigte, verwarf die Revision und legte dem Kläger die nicht unerhebifthen Kosten auf. Der Senat habe sich ganz der Eni- scheidung des 3. Z'oillenats des Oberlandesgerichts in Dresden an- schließen müssen und habe die Klage der Firma gegen die Verbände und ihre Gewertschaftssührcr auf Schadenersatz, der ihr während eines Streiks entstanden ist. a b l e h ne n müssen. Die Lohnfrage in der Landwirifchast. Liebesgaben und Hungerlöhne. Der Reichsverband der deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgebervereinigungen ha' in seiner letzten Vorstandssitzuiig zur Frage der L o h n p o l t t i k in der Landwirtschaft eine Entschließung gefaßt, in der es zum Schluß wörtlich heißt: „Sollte das Retchsarbettsministeoium aber weiter eine auf untragbare mechanische Lohnerhöhungen gerichtete Gewerkschosts- Politik unterstützen, dann wird es dazu beitragen, daß unter Abbau der Arbciterbelcgs-Haften zur Extenstoierung geschritten wird. Der land- und sorstwirtjchoitliche Reichsarbeitgeberverband hat unter diesen Umständen beschlossen, seinen Verbänden unbedingte Ab- lchnung jeder weiteren Tarislohnerhöhung zu empfehlen." � In der Entschließung wird zunächst wieder die Behauptung von der„katastrophalen Notlage der Landwirtschast" aufgewärmt. Dar- aus näher einzugehe», erscheint uns nach den unzähligen und un- widerlegt gebliebenen Gegenbeweisen überflüssig. Dann wird in der Entschließung davon gesprochen, daß im letzten Jahre durch nichtbegründete zahlreiche Schiedssprüche Zeitlohn. erhöhungen vorgenommen wurden, die unter den heutigen Verhält- nissen„untragbar" und auch schon deshalb unberechtigt sind, weil die Verteuerung der Lehensholtuug in der Hauptsache denjenigen Lebens- bedarf betrifft, welchen der Landarbeiter in seinem Deputat erhält. Dieser Erklöning gegenüber stellen wir folgendes fest: Die Stundenborlöhne der landwirtschaftlichen Dcputat- arbeiter sind gegenüber Beginn 1925 gestiegen: Provinz Ostpreußen (Kreis Königsberg) um 9 Pf., Provinz Pommern(Kreis Randow) Brandenburg(Kreis Teltow, Riederbarnim) um 1 Pf., Provinzen ZPV.-LSsEndsKnsrt Am Vonnerstag. dem 29. Bez. 4927, abends 2(19 Ahr), findet in Schinkels Festsälen, Berlin SO, Brückenstr. 2(a.d. Zannowißbrucke) eine Sitzung aller im Einheitsverband der Eisen- bahner Deutschlands organisierten SpD.-Genossen statt. Da» Erscheine» aller Parteigenossen sowie rege Pro- paganba für diese Sitzung ist Pflicht eines jeden.— Partei- und Mitgliedsbuch legitimiert. Oer Kerbeausschuß. um 2 Pf., Freistaat Mecklenburg-Schwerin um 0 Pf., Provinz Ober- und Nieder schlesien um 1� Ps., Provinz Hannover(Kreise Haimooer, Linden, Springe) um 2 Pf., Provinz Schleswig-Holstein um 1 Pf. Die Reichsindexziffer n� für die Lebenshaltungskosten vom Beginn 1925 mit denen vom September 1927 in Vergleich ge- stellt, ergibt folgendes Bild: � Haftung"� Ernährung Bekleidung Januar 1925.. 124,9 139,6- 148,3 November 1927. 159,2 152,9 164,2 Aus diesen Feststellungen geht hervor: L Die Steigerung der Landorbeiterlöhne gegenüber Beginn 1923 ist gleich Null. 2. Die R e i ch s i n de x z i f f e r n für die Lebenshaltungskosten haben sich gegenüber Beginn 1925 durchweg, und zwar sehr bedeutend er- höht. Entgegen der Meinung der landwirtschastlichen Unternehmer muß auch die Verteuerung der Lebensmittel in Betracht gezogen werden, weil das Gros der Landarbeiter mit dem gegebenen Deputat nicht auskommt bzw. jo gut wie kein Deputat erhält. Das letztere trifft besonders auf die in der süddeutschen Landwirtschast bc- schästigten Landarbeiter zu. In Betracht zu ziehen sind auch die an das Reichsarbeitsmini- sterium gerichteten Zeilen der Entschließung. Sie erwecken den Ein- druck, als wenn dieses Ministerium den Lohnforderungen der Land- arbeiter stets in weitestgehendem Maße emgcgengekommen wäre. In Wirklichkeit kann davon keine Rede sein. Zusammenfassend möchten wir von den Behauptungen des Reichsverbandes land- und forstwirtschaftlicher Arbeitgeberoereinigungen erklären, daß sie absolut hinfällig sind. Trotzdem glaubt die Organisation, sämtlichen angeschlossenen Verbänden unbedingte Ablehnung jeder weiteren Tariflohn erhöhung empfehlen zu müssen. Man soll dann aber gefälligst den Mut aufbringen, die Folgen, die sich aus dieser weltfremden Einstellung ergeben, allein zu tragen. Aus der einen Seite Hasardspieler zu sein und aus der anderen Seite die Hilfe des Staates zu erbetteln, sind Manieren, die nicht in Einklang zu bringen sind._ Zahlen vom Arbeitsgericht Berlin. Im November sind am Arbeitsgericht Berlin 5178 Klagen ne» anhängig gemacht worden, so daß sich die Gesamtzahl der Klagen seit dem Bestehen des Arbeilsgerichts auf 25 699 erhöht hat. 7391 Termine haben im November in 596 Sitzungen stattgesunden, in denen 4262 Stunden gearbeitet worden ist, so daß durchschnittlich auf jede Sitzung soft fünf Stunden entfallen. Am meisten machen dem Arbeftsgericht die Hausangestellten zu schaffen. Mehr als die Hälfte aller neuen Klagen entfällt auf die Kammer für Hausonvestellte. Diese erhielten im Noveniber 2793 neue Klagen. die in 993 Terminen verhandelt mürben. Erst in weitem Abstand folgt die Kammer für künstlerische und artistische An- gestellte im Bühnen- und Filmgewerbe mit 295 Terminen, dann kommen die Kainmcr der Arbeitnehmer im Nahrungsmittel- gewerb« mit 267 und einige Fachkammern mit 215 bis 269 ver- handelten Klagen._ Frei«n«?r» So Berlin EW 68 L'�hrnftaf« i» Lierzu 3 Beilagen..Unterhaltung und Wissen" und Engend. Vorwärts». send Nicheiwaren• U ßnÄser«Pf.! Liüröröläsers 40, 45p..! Bowlea6iaser;uTtn.k,38-t. m �S g-a-sl S.-.) � o£cT..*ec*.r.| Wo™. Z«9« � Böllen Wasscrßlfiser 1A � Pf{ gepressr.»nro-ft 1 � 5 I 8pf IP m firoÄer« ij€>| KlSul* geschl ffm loliWisS�TsOfllllSSS«. 28, 35p, j übeiDHeinglfiser ikSSn. RoiweinUläser. 28 üü Portwsingi&scr�M. 45pf üektfceidie.. 43 p, BoWOilelief. kiMdMer mit Etneatz und Deckel, 6" 9- ■ ja 20 ymitimiminininimnimmmininJHnnijiininTiivs i*.— OÄ Ananas.......... viDowl 0 Mannannen..�30� imbecren...... j Pfond«|oo| Aplelslnen..sptandJOpt !.li?SlC!l8........-l, Dass 1 ömmnninnnfmmiimammnnnmmimmmnniss Bananen....... Pkuod 3 8 Pf. �ebessbs GNZegeWaVpfstt tn btlligsjen Tagessresien iir Weine und Spirituosen ) Flascb«» 1924er Där!uielffl.F8UErli8r4i, 125'� MonlaSna-RniWBin.......... w.I ir 1926er Weherer Allenlorst Preise ohne Flasche «isWPI. 1924 r MitteDieiffierBoDieiicrg 773 7�00 het vomvende l.uctngiacr Ar:.. L Lv 1924er WinkEler Hsseosrrcafi qöo wso 1 rtlor Wein Mononol ons HauMS 1924er CiialeaüLarose....... BevcbBTelle St. Idübd........ mSerEhat.TranünnvLalanile 1922er tl)a'i(cr!.D'ArinaiihE[Q 1922.: Cbat. EBl-AirlßBalllaii 1923c, Chat. PeatelCaaBt... 1924-rSaBterB8SÄ5r5r 85 1 n.■ rl?50 le-anier licblirh« r Danvn-We 1921er Uaätenb.Oalgeoli.PIatlB qss Na in rc*«■&••• k< ehr. K»• nnaucr Leip. iger Siri-.3e, Aiexar.derp.'atz, F. ankfu; iarAi.es, öe.ic v...-ncc-dtraise, Brunnenstr., Kotibuser Damm, WHmersdorier Str., Chausseestr., Andreasstr. W # M 3" ion.2 750 -.,rl. loci. 1926 r PlEsporlBr OoBiplchlEr#<'27;0 W M 55°° Ir. S42» 44. Jahrgang Mittwoch, 28. OezemVer 1927 Im Walde bei Zeesen, vier Kilometer südlich von Königswusterhausen liegt das Gebäude des neuen größten deutschen Senders, inmitten der Einöde des märkischen Kiefernwaldes. Das Waldstück rund um die Sendeanlagen mußte, um größte Strahlungsmöglichkeiten zu gewährleisten, abgt holzt werden. Oer Tod der Tänzerin. £iid( Kieselhausen ihren Verletzungen erlegen. Lude kl?selhaus«n. die bekannte Tänzerin, Ist gestern nachmittag an den Folgen der schweren Verbrennungen, die sie. wie berichtet. bei der Benzinexplosion in itirer Wohnung. Kaiserin-Augusta- Straße 74. erlitten hotte, im Elisabelhkrankenhaus g c st o r b e n. Bereits in den Vormittagsstunden holten die Zlerzte. die unter Teilung»an Prosessor Landois um sie bemüht waren, jede hossnung ausgegeben, da insolge Verbrennung des größten Teiles der Liärperhaut die Atmung immer schwächer und unzureichender wurde. 3n den Mittagsstunden trat die Agonie ei» und gegen S Uhr erlöste der Tod die Unglückliche von ihren schweren Leiden. Heb« die Ursache der Explosion mit ihren außerordentlich schweren Aolgen war von der Polizei sofort eine Untersuchung eingeleitet wordea Demnach ist die Verunglückte da? Opfer eigener U n v o r s> ch t i g k e i t geworden. Sie war in dem Badezimmer vermutlich mir dem Neinigen van Handschuhen de- schäftigt. wozu sie Benzin verwendete. Die aufsteigenden äußerst gefährlichen Benzindämple. die in dem geschlosienen Raum keinen Abzug fanden, wurden durch das Feuer unter dem geheizte» Bade- ofen entzündet, die Künstlerin erlitt durch eine Stichrlainme am ganzen Körper schwere Brandwunden Der durch die Ex- plosion hervorgerufene Lustdruck war so stark, daß der mit heißem Wasser angefüllte Ofen a u s e i n a n d c r b a r st uird eine niassive Wand zum Einsturz gebracht wurde. Nach den ersten ziemlich beruhigenden Meldungen über den Zustand d« zwar schwer, aber scheinbar nicht lebensgefährlich vcr- letzten Tänzerin berührt die Nachricht von ihrem plötzlichen Ableben um so erschütt«ndcr. » Lucie Kieselhausen gehörte zu den beliebtesten Tänze- rinnen unserer Zeit. Sie war ein Sproß nom Stamme der Wiesen- thals. Aus der Ballettechnik bildete sich ihr«.Kunst heraus zu neuen Formen. Aus dem Volks- und Gesellschaftstanz gewann sie ihre �Zement. Roraall von Fsodor Gladkow. Es war so. als ob sie sich in einem fremden Lande befände und sich verirrt hätte und aus ihrer Seele etwas Kostbares, Unwiederbringliches, ohne das man nicht leben kann, ver- schwunden wäre. Und noch etwas— Schmach, Schande und eine uneingestandene Angst. Sie fürchtete— jemand von den Arbeitern oder von jenen Zerlumpten, vom Hunger Zerfressenen, mit eitrigen Augen, würde an sie herantreten und sie plötzlich fragen:„Nun? Das also haben wir erlebt? Das wolltet ihr also? Haut sie nieder, diese Niederträchtigen, diese Betrüger!" Und diese ständige Angst füllte ihren Kopf mit Hallu- zinationen. Einmal. Anfang August, sah sie auf dem Ufer, auf den Schienen und im Kohlenstaube des Hafendammes eine große Masse von zerlumpten, haarigen, wild aussehenden Menschen. Sie lagen in Haufen, saßen, wälzten sich herum. Männer, Frauen, Kinder, Säuglinge quietschten, verschluckten sich, weinten laut, und jemand stöhnte dumpf. Die Frauen suchten einander die Läuse ab. die Männer entlausten ihre Hemden und Hosengurte, und die Gesichter von all den Menschen waren aufgedunsen von Wassersucht. Besonders bei den Männern. Borübergehende, beschäftigte Menschen blieben neugierig und erstaunt stehen und rochen die Luft. Was ist das? Hungernde? Und aus dem stinkenden, staubigen, zerlumpten Haufen brüllte es heiser:.�Huuunger, Huuunger!... Gott hat uns gestraft in unserem Unglück. ... Vielleicht werden wir uns erholen, vielleicht wird man uns helfen.... Von der Wolga kommen wir... vom Hungerlande... Huuunger!" Und bis zum Parteikomitee verfolgte Polja schmerzlich, bis zum Grausen, diese zitternde, heisere Stimme, die sich im Stöhnen und in diesen stinkenden Körpern verlor... dieser klägliche Schrei des Säuglings. „Huuunger!" Und später wankten diese hungernden Bauern mit den Schafsgesichtern, in grobes Gewebe gekleidet, mit Sandalen j an da» Füßen, in ganzen Familien und einzeln, mit Kindern> Anregungen. Sie tanzte in BolleUröckchen und im Eharokterkostüin. Spitzentanz wie moderne Fußführung vxiren ihr geläufig. Ihr Temperament hatte oft etwa- Domenhaftes, das von weitem an die Art der Sohoret erinnerte. Den„Sterbenden Schwan" Fokins Hot sie wiederholt nochgestoltet. ohne freilich die Ausdruckskraft der Pawlowa zu erreichen. Ihre Glanzleistungen ober waren die Wiener Walzer, in denen das Beste ihres Wesens und ihres Könnens zur Geltung kam. Sic gehörte nicht zu den Großen, die neue Wege weifen, war ober eine vornchnie und liebenswürdige Künstlerin. deren Scheiden«ine Lücke hinterläßt. Alle Freunde der Tanzkunst werden ihr ein ehrendes Andenke» bewahren.• Sie bereitete lich jetzt gerade vor, zur Operette zu gehen, nach- dem sie bereits in diesem Herbst bis kurz vor Weihnachten!m Metropol-Theater in„Paganini" getanzt hatte. Lucie Kieselhousen hatte vor dem Kriege einen Morineofsizier, Baron Pritzelwitz. ge- heiratet, die Ehe war jedoch nicht glücklich und wurde bald wieder geschieden. Die richtige Adresse. Mängel in der?lufsch"ift der Postsendungen(wie unvollständige, ungenaue oder undeutliche Bezeichnung des Empfängers, Fehlen der Angabe von Straße und.Hausnummer, Gebäudeteil, Stockwerk usw.Z wirken besonders nachteilig für Absender und Empfänger. G:- n a u i g k e i t. V 0 l l st ä n d i g k e i t und Deutlichkeit de? Aufschrift sind unerläßliche Voraussetzungen für richtige und schnelle Bestellung. Dies gilt namentlich für Postsendungen an Empfänger in Berlin, wo Straßen mit gleich- oder ähn- lich lautenden Namen mehrfach vertreten sind und viele S'raßenzüge aus einem Poftort in den anderen übergehen. Bei Sendungen nach dem Postorl Berlin mit seinen zahlreichen Bestell- Postämtern muß außerdem hinter der Ortsbezeichnung der Postbezirk (W, NW, N, S usw.) und die Nummer der B e st c l l p 0 st- a n st 0 l t angegeben werden(z B. Berlin W b). Ebenso ist es dringend erwünscht, daß der Absender von Postsendungen auf deren Außenseite seinen Namen, Stand und Wahnort nebst Woh- auf den Armen und an der Hand, auf der Straße herum und sangen mit schwachen, stotternden Stimmen— „Heist den Huuungernden... Brüder... Hununger!" In der Nacht schlief Polja unter Alpdruck, quälte sich stundenlang in Säilaflosigkeit, und in diesen Stunden hörte sie, was sie tagsüber hörte, hörte deutlich, aufdringlich, qual- voll: ein Streichorchester spielte ferp und lockend, Spielwürfel klopften, und unter den Fenstern, auf der Straße weinten kläglich-trübe Stimmen, „Helft... Brüder... Huuunger!" Sie sprang aus dem Bett, lief mit nackten Füßen und klopfendem Herzen und einem bohrenden Schmerz im Kopfe zum Fenster und sah in die Nacht hinaus. Stille, schwarzer Nebel, Menschenleere im weiten Umkreise. Sie lauschte und kehrte wieder in das schwüle Bett zurück. Schlief ein. Wachte wieder von seltsamen, sie erschütternden Stößen auf. Und wieder die fernen Geigen, das Klopfen der Würfel, das Lachen und das durchs Mark gehende Flehen der weinenden Säuglinge. Und in einer dieser schwülen, schlaflosen Nächte geschah, — was sie schon längst als unvermeidlich erwartete. Irgendwo im Gange wurde eine Tür aufgerissen und man hörte plötzlich Stimmen und Gelächter. Und �diese Stimmen und Schritte versanken in der nächtlichen Stille. In der Ferne fielen singende Tropfen und aus dem Dunkel strömte gespenstisches Geiqenspiel. Sie begriff: Telephon- drahte sangen unter dem Fenster ihr trauriges Lied. „... üüder, liebe... helfet... Huunger!" Sie konnte nicht schlafen. .. Die Lieder der arbeitenden Massen. Masten im Wasterwirbel und-strömen, rote Gesichter, rote Fahnen, Note Garde im brennenden Regen der Bajonette.... Genosse Lenin auf dem Roten Platz. Von weitem sieht man seine Zähne blitzen, sein Kinn sich bewegen, und seine Hand mit den ausgestreckten Fingern hebt sich und ruft, und unter seiner Mütze sieht man feine Wangen und Backenknochen sich runzeln. Und es scheint, als ob er lache. Und sonst blieb nichts im Gedächtnis als diese einladende Handbewegung, der weiße Glanz der Zähne und die Runzeln auf den Wangen. Wie lange ist das her.... Wie ein Traum, wie Bilder der frühen Kindheit.... Der Nordost feate den Staub auf der Straße... Staub und Asche.... Warum gab es früber keinen Staub, warum ersticken die schwülen Tage und Nächte jetzt in grauer Asche?... Luch in Sergeij» Zimmer herrschte Schwerge«, nnb i» nung angibt. Dos Publikum handelt im eigenen Interesse und erspart gleichzeitig mit geringer eigener Mühe, besonders jetzt wied« zum N eu j a h r s f e st, den Bestellern unnöngcs Treppensteigen uiw.. wenn es diesen Dingen die erforderliche Beachtung schenkt. Den in Berlin wohnenden Bricsempiongern ist weiter dringend zu empfehlen, daß sie auf Verwandte, Bekannte und Geschäftsfreunde wegen Vollständigkeit und Genauigkeit der Aufschriften einVl.'ken, indem sie in ihren Briefen unter der Ortsangabe stets die eigen« Anschrift vollständig aufführen. Für die zweckmäßige Fertigung der Ausschristen bei den noch Berlin gerichteten Sendungen gibt ein Aushang in den Scholtcrvorräumcn der Postämter An- leitung. Ilmgctehrt mästen die Berliner Absender von Postsachen jetzt mehr als früher daraus achten, daß in den größeren Städten des Reiches die Postämter ebenso wie in Berlin ihre eigenen Nummern haben. Ilcberall dort, wo diese Postamtsnummern nicht auf der Anschrist angegeben sind, erleiden diese Briessäiaste» «ine Verzögerung der Bestellung. Verbrechen der Aot. Beim Sinzelrichter um Weihnachten herum. Weihnachtsverbrechen. Verbrechen der Not. Aber auch Strafen der Milde? Warenhausdiebstähle, Ladcndiebinne». Ladendiebe. Nr. I. Eine mehrfach vorbestrafte, noch junge Frau. Sie weint: die zwü Paar Handschuhe, die sie im Warenhaus Werth im gestohlen hat, sollten dazu dienen, ihrem Kinde zu W e 1 h- nachlen eine kleine Freude zu bereiten. Diesmal will sie auch nicht von sich aus den Anstoß zum Diebstahl erhalten haben, sondern von«inem jungen Menschen, der mit ihr ziiiamni-ngeweseu iei. Da- Gericht verurteilte sie zu sechs Monaten Gesang- n i?. Draußen wartet aber ihr Bräutigam, ein braver Sachse und Schuhmachergesellc, der für seine Braut ei» großes Paket mit- gebracht Hot...Ja," sagt er,„ich hatte keine Ahnung, daß sie schon mehrfach vorbestroit ist, aber trotzdem habe ich sie gern." Nr. 2. Ein Madchen. Während und nach dem Krieg Kranken- ichwester. In Bremen zu Hause und kort wegen Betruges m drei Fällen vorbestraft. Seit einiger Zeit in Berlin. Mittellos. Woh- niincsslvs. Um sich leibst zu Weihnachten eine kleine Freude zu berelte», hat sie b«i Wertheim zwei kleine Portemonnaies ge- .nommcn und wurde gefaßt. Vierzehn Tage Gefängnis. Nr. lZ. Zwei Männer: der eine wegen Rückiallsdiebstahis be- reits mit Zuchthaus vorbestroit. Sie haben bei Tietz sechs Paar Handschuhe genommen. Der inehrfoch Vorbestrafte tegt eine Bescheinigung vom Standesamt vor: schon in den nächsten Tmen soll sein« Hochzeit stottsinde». Sein« Brau« ist in anderen Um- ständen. Muß er sviort die Strafe verbüßen, so wird aus der Heirat nichts. Er bittet um Strosaustchiib. Dos Urteil lautet auf vier Monate Gefängnis für ihn und aus zwei Wochen für seinen Komplieen. Beide werde» aus der Hait entlaste». Nr. 4. Das Verbrechen der?3jäbr,gen K. bef nzit Weibnachten nichts zu tun. Der Fall ist ober interessant. Das junge Mädchen ist bereits einmal wegen Unterschlagung und ei» anderes Msl wegen Diebsiabi best rast worden— sie hatte ihre in Vater 4stb Mark entwendet. Am 12. Dezember erhielt sie in Oranienburg, wo sie in Stellung war, ganz unerwartet den Bescheid, ihre«träfe anzutreten. Statt dem Straibetehi Folge zu leisten, nahm sie ihrer Kollegin, der Köchin. Mark ab und verschwand. Der Staatsanwalt beontraot drei Wochen Gefängnis. Jetzt erst. »«such» der Nichter, etwas Klarheit über die Perivnlichkcii der An- geklagten- zu erhalten. Nachdem sie die Volksichillc ncrlriien battc, arbeitete sie in eä n e in k a i h v I i s ck e N Kloster Tie Est rn nahmen sie aber von dort tvrt»nd gaben sie in«ine Büchdruck«ei. „Dann kam ich in ichlechte Gesellschaft und aus die schiefe Belm" „Tut es Ihnen gar nicht leid, daß Sie die Köchin«m die Zb Mark gebracht haben Die Angeklagt« zuckt mit den Achseln.„Wa�en Sie denn wirklich!m Gefängnis und in-Zuchthäusern enden? Gibt es denn nichts Schöneres auf der Welt?" Die Angeklagie schweigt. — Ein Objekt für die Fürsorge. Eine aanze Familie bei einem Fvsommensioß verunaiück». An der Ecke Krinürsten-»nd Maaßenstraß« stießen gestern abend kurz nach 1t llhr zwei Krasidroschten zusammen. Durch im Anprall wurde ein« ganze Familie, und zwar der 49 Jahre ab« Polizeihauptmann Paul Kowalski au? der Lübeck« Straße 14, feine 39 Jahre alte Ehefrau Eharlntte und sein« 17 Jahre alte Tochter Dorothea zum Teil schwer verletzt. In einer Kl>'iik erhieltet» die Verletzten die ersten Notverbände. Sie konnten sich aber in ihre Wohnung begeben. dem Schweigen hört man Papier rascheln. Manchmal tönen nachdenklich-langsame Schritte. Lieder Sergeij. auch er schläft nicht. Er mißt seine Schlaflosigkeit mit den gelesenen Seiten. Ein leises Klopfen an der Türe— man kann nicht unterscheiden, woher das Klopfen kommt. „Nun? Wer ist dort?" Badjins Stimme und der Stimme nach erkennt man, daß er— lächelt. „Poljatschok, schläfst du? Zieh dich an und komm für einen Moment heraus— es ist eine Arbeit da." „Ich kann nicht. Dadjin, morgen." „Nein, Poljatschok, steh auf und komm." Die Stimme bittet zudringlich und wird plötzlich st ll. Die Türklinke knarrte, die Tür geht auf. Ei» trübes L'cht ergießt sich aus der Leere des Ganges. Was ist das? Wie kommt es, daß sie in dieser Nacht vergesien hatte, die Tür zu schließen? Sie sah Badjin an, er sah seltsam aus: die eine Hälfte— weih, die andere— schwarz. „Ja, so ist es besser. Du bist ein wenig schwerfällig." Er schloß die Tür und drehte den Schlüssel um. Die Wände erloschen wieder im Dunkel. Und mit dem Dunkel, das Dunkel verdichtend, selber schwarz und dunkel, kam er in seiner unerträglichen Schwere zu ihr,—- er, der unver- weidlich hat kommen müssen. Und ihr unverständlich, warum, streckte sie voller Schrecken die Anne aus und erstickte fast im Flüstern:„Was willst du. Badjin?... Was willst du?" Sie hatte die Arme noch nicht fallen lasten... als er mit seiner ganzen Schwere sich auf ihr Bett fallen lieh und sie auf die Kisten drückte. „Schweig. Poljatschok.... Schweig, schweig!" Sie keuchte unter seiner unerträglichen Last... und erstickte fast vom Schweiß- und Alkoholgeruch, den er ans- strömte. Sie kämpfte nicht, durch die Finsternis erdrückt, konnte nicht kämpfen.... Wozu, wenn es doch unvermeid- lich und unabwendbar war? Wann Badjin weggegangen war, wußte sie nicht. Grund- lose Finsternis ballte sich zusammen und stöhnte. Irgendwo in der Ferne heulte eine Menschenmasse und ein Donner erdröhnte: Das ist der Nordost. Der Himmel ist jetzt trocken und durchsichtig und die Sterne schimmeln grell und deutlich in blendenden regenbogenfarbenen Bündeln. (Fortsetzung folgt) Reichsfarben und Reichsflagge. Juristische Haarspaltereien in Wilmersdorf. Die letzt« Bezirksversammlung In Wilmersdorf im alten Jahre stand nicht unter dem Stern des nahen Weihnachtsfeftes— als Fest des Friedens, sondern unsere Rechtsparteiler waren im Gegenteil recht streitlustig. Es handelte stch um die Entscheidung der Frag« schwarzweißrot oder schwarzrotgold in unseren Schulen. Die sozialdemokratisiche Fraktion hatte be- antragt, daß die Schulen bei allen sestlichen Gelegenheiten mit der Reichsilagge ausgeschmückt wenden sollen. Der Antrag sand natürlich die stärkste Gegnerschaft der Rechts» parte!«». Ihr Jurist verstieg sich in der Polemik sogar zu der Le. hauptung, daß die Weimarer Verfassung zwar über die Reichs f a r» den, nicht aber über die Reichs flagge Bestimniung getroffen habe und schloß mit der Versicherung, daß die Deutschnationalen be- züglich des Fahnensymbols die Schlußoerse des Lindner» scheu Flaggenliedes sich zur Devise erwählt ha b e n. Die juristischen Haarspaltereien wunden von unserem Redner Genossen Dr. W i e p r e ch t durch den Hinweis auf die Ausfühnungsbestimmungen der Reichsregierung über die Stau- darte des Reichspräsidenten, die Rriegs», Handels», Postflagg« uiw. ins rechte Licht gerückt. Ferner wurde von einem unserer Redner darauf hingewiesen, daß angesichts d«s Uinstandes, daß Schülerinnen und Schüler unserer höheren Lehranstalten ostentativ am Mützen- rande die Farben der verflossenen Monarchie tragen und daß diese Farben in den Standern der ver- schi«d«nen Schülersportver«inigungen vorHerr- s ch e n. Der Schule der deutschen Republik erwachse die gebieterische Pflicht, die Schuljugend im Geiste wirklicher staatsbürgerlicher Gesinnung zu«rziehen und hierzu biete unser Antrag ein gewichtiges Mittel! Deutschnationale und Dolksparteiler, die In Wilmersdorf die Mehrheit haben, lehnten unseren Antrag, der eigentlich nur Selbstverständliches foitdert, ab. Di« Pc Ausnahmen recht mäßig. Franz von Spänowski mit der Flinkkapelle bot in Programm und Ausführung weitaus das beste. Künstlerisch hochwertig war der Wagner-Abrnd, der vom Funkchor und Funkorchester unter Bruno Seidler-Winkiers Leitung bestritten wurde— besonders neuartig war die Idee zu dieser Veranstaltung jedoch nicht. Die Operette „W enn Liebe erwacht'— Darbietung vom Montagabend— tonnte trotz Kllnnekes flotter Musik und einer im ganzen genommen stimmlich recht guten Besetzung nicht über das unendlich sad« Text- buch hinwegtäuschen. Die Äienstag-Abendveranstaltung„Dritter Feiertag" war ein ziemlich anspruchsloser bunter Abend, von einer ganz netten Rahmenoeranstaltung umschlossen. Auch in der Aus- wohl der Vorträge merkte man nichts von irgendwelchem Streben, die Weihnachtetage im Rundfunk besonders festlich auszugestalten. Glücklicherweise war Theodor K a p p st e i n, der stets recht an- regende Sprecher, in seinem Zyklus„Blicke in die Weit der Mystik' bei einem besonders wichtig-m Kapitel„Bernhard von Clairvaux und Franz von Assisi' angelangt, das wohl einem größeren Hörer- kreis interessieren konnte. Aber wenn man noch die beiden, ihrem InHast nach allerdings recht verschiedenen Jubiläumsvorträge, Max Marschalls Ausführungen ,Lum 00. Geburtetage von Cosima Wagner' und Staatssekretär Dr. E. Fcyerabends Ueberblick„Fünfzig Jahre Fernsprecher in Deutschland' sowie Dr. Alfred Kuhns kiinst- wissenschaftliche Führungen„Eine Stunde im R?mbrandtsaal des Kaiser-Friedrich-Mufeums' hinzunimmt, so ist das populäre Bor- trogsprogramm der drei Feiertage ziemlich erschöpft. Gewiß gab e« noch einige ander« härenswerte Borträge, darunter Richard Paul Franks„Bilder-cu» der Berliner Wohlfahrtspflege'. Nach einer recht verwaschenen Einleitung, in der der Redner reichlich ausführlich laute negative Eigenschaften seines beginnenden Zyklus hervorhob, schilderte er anschaulicher und warmherziger, als nian es auf Grund der Einleitung erwartet hätte, den Wirkungskreis einiger Stellen, die sich der gefährdeten, aufsichtslosen Jugend annehmen. Auch der Vortrag von Oberregierungsrat Dr. Hans E. H i r s ch f e I d über den ..Staatebürger und die Verwaltung' bracht« wichtige Belehningen, ebenso die Darlegung von Magistraterat Dr. Walter K r o t o s ch i- ner über„Verpflichtungen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus dem Arbeitsverträge'. Eine Beinühung der Berliner Funkstunde, ein besonders geeignetes Programm für die Hörerschaft der Weih- nachtstage zu schaffen, war aus dieser Vortragsfolge aber ebenso- wenig zu erkennen wie aus dem Unierhaltuugsteil. Hassen wir, daß uns das neue Jahr Erfüllung aller bisher unerfüllten Funk- wünsch« bringt! Te». ganz« Reich vorgeschriebenen yai Sellen der Schule in einer gewissen Entierntmg ausgestellt, mit dem Vermerk versehen:„Schulen!' Dies« Tafeln können aber nur an wenigen Punkten verwendet werden, damit nicht überhaupt bei den vielen Schulen, die Berlin besitzt, der Verkehr zu sehr unter dauerndem Abstoppenmüssen leidet. Es handelt sich dabei auch meist noch um Pätze und Straßen, bei denen, auch im Interesse des Verkehrs selbst, ein« Herabmindming der Geschwindigkeit zweckmäßig erscheint._ Kamiliendrama in München. Selbstmord einer ganzen Familie. München, 27. Dezember. In dem Münchener Vorort Obermenzing wurden am Weihnachtesonntag in ihrer Villa die 48jährig« Gattin des ehe- nmliqen Rechtsanwatts und Syndikus Franz Geiß und ihre beiden 22- und ZZjährigen Töchter bewußtlos in den Betten auf- gefunden. Frau Geiß und eine der Töchter sind in einem Münchener Krankenhaus gestorben Die jüngere Tochter befindet sich in Lebensgefahr. Mutter und Töchter hatten Veronol genommen. Ueber die Ursache z» dem Drama wird bekannt, daß der ehemalige Rechtsanwalt Geiß am Sonntag vor acht Togen in München Weihnacktseinkäufe machen wollte, und in einem Geschäft unter dem Verdacht der Banknotenfälschung verhaftet wurde, da man in seiner Brieftasche für 2200 Mark falsche Geldscheine gefunden hatte. Am Weihnachtstag morgens fand man Geiß im Untersuchungsgefängnis in feiner Zelle ver- giftet vor. Kurz nachdem die Familie von dem Selbstmord be- nachrichtigt wenden war. enischlossen sich auch die Frau und die Töchter, aus dem Leben zu scheiden. Inwieweit der Rechtsanwalt cm Geldfälschungen beteiligt war, steht noch nicht fest. Tachftuhlbrand in Ehorlottenburq. Im Haus« Leibnizstraße 108 in Charlottenburg geriet gestern gegen 23 Uhr der D a ch st u h l de» Vorderhauses in Brand. Bei Schluß des Blattes waren noch drei Löschzüge mit der Bekämpfung des Feuers beschäftigt. Bei der Arbeit tödlich verunglückt. Im Kreiskrastwerwerk Hakenfelde bei Spandau ereignete sich gestern ein soigenschwerer Unfall. Bei Reimgungs- arbeiten kam der 32jöhrig« Elektromonteur Alfons Palwizat mit der k000-VoU-Hoilis!li>vcn Wcndcn.— Zur veol'chlaa»- Nur noch im Zabe, sy sagte sich der Agent: Hält der Makler dicht, so werde Ich dem Kramhäniler mich ein Mundschloß anlegen. Eine Sünde ist es, so ein schönes Stück Geld dem Bettelvolk In den Rachen zu werfen. Er händigte Süßmilch fünfundzwanzig Mark aus, mit dem Auftrag, sie seinem Schützling zu schicken, damit er sich einen Esel dafür kaufen solle. Sollte er aber ein paar Mark mehr kosten, so könne er ja den Rest In Raten zahlen. Der Kramhändler war auch nicht auf den Kopf gefallen und dachte: Wenn der Korbflechter durch den Agenten vom Pferd auf den Esel kommt, so kann er durch mich auf den Hund kommen. Für fünf Mark gibt ihm mein Schwager gern seinen alten Köter ab. Ein Esel ist ein störrisches Tier und geht oft nicht von der Stelle. Ein Hund aber ist immer willig und folgsam. Und wenn sich der Korbmacher daneben spannt, dann kommt er, ohne sich son- derlich anzustrengen, leicht durch die Welt. Da er aber ein gutes Herz hatte, so beschloß er, ein Uebriges zu tun. damit der arme Kerl bald zu seinem Hund? käme, und schickte da» Geld telegrapbisch. Inzwischen waren aber, bi» dl« Wohltättgkeit die Kette der Freunde auf- und abgelaufen war, ein paar Wochen verstrichen, und Arnold hatte, da ihm die Gegend keinen Verdienst mehr bot. den Standort ein paar Stunden welter in« Land hinein gewechselt. Al» ihn endlich die telegrapbisch« Postanweisung über fünf Mark erreichte, mußte er von dem Postbo'en erfahren, daß die angelause- nen Gebühren infolge der hohen Kilometergelder auf 2,7» Mark angewachsen seien. Da der Postbot« nicht wechseln konnte, er aber keinen Pfennig in der Tasche hatte, 2,70 Mark herauszuzahlen, so schenkte er dem Postboten das Geld, um endlich vor dessen Jammer über den weiten Weg und den großen Durst, der ihn plage, Stühe zu bekommen. Llm die Berliner Eportwoche. Das Stabtamt für Leike-übunßiu hat an die beteiligten Verbände eine Zinndfrage gerichtet, ob fie ge. wW find, an einer von der Stadt zu veranstaltenden allgemeinen Sportwcrbewoche teilzunehmen. Diese Anfrage hat eine lange Vorgeschichte. In vielen Kreisen war tnan unzufrieden mit der bisher vom Berliner Ober- bürgermeister veranstalteten Sportwoche, andernurdiebürger- liehen Sportverbände teilnahmen. Aus den Kreisen sozialdemokratischer Bezirksstadträte kam die Anregung, offiziell von der Stadt eine Sportwoche zu veranstalten, an der die Vereine aller Richtungen— zeitlich oder räumlich voneinander ge- trennt, wie das die Richtlinien der Arbeitersportzentralen verlangen — mitwirken können. Es wurde vorgeschlagen, die drei ersten Tage mit dem ersten Sonntag der einen Richtung, die letzten drei Tage mit dem folgenden Sonntag der anderen Richtung zu reservieren. Die dazwischen liegenden Tage Mittwoch und Donnerstag sollten den Schulen ver- bleiben. Diese Vorschläge fanden zunächst die Zustimmung der Arbeitersportler. Ehe aber weitere Verhandlungen statt- fanden, bekamen es einige Leute im Kortelloerband mit der Angst, die Kommunisten erblickten in einer Beteiligung des Kartelloer- bandes pflichtschuldigst eine Gefahr für die revolutionäre Seele der Arbeitersportler, und so wurde zurückgepfiffen. Run steht die Frage erneuk zur Deballe und es wird vom hiesigen Kartelloerband ein großer Apparat aus- gebaten, um die Meinung der Vereine festzustellen. Der ge- schäftsfiihrende Ausschuß des KV. hat sich nämlich zu einer entscheidenden abschließenden Stellung nicht aufschwingen können, er wagte weder Ja noch Rein zu sagen. Er hat sich auf den salomonischen Beschluß zurückgezogen, die Frage der Beteiligung den einzelnen Arbeitersportvereinen zur Diskussion zu unterbreiten. Viel dürfte dabei nicht herauskommen. Äst es schon fast unmöglich, in den Dereinssitzungen das Für und Gegen zu behandeln, weil den einzelnen Mitgliedern eine erschöpfende Kennt- nis des Sachverhalts fehlt, so ist andererseits mit Bestimmtheit da- mit zu rechnen, daß die Referenten in der Mehrzahl die von der kommunistischen Parteizentrale gegebenen Anweisungen zur Grund- läge ihrer Stellungnahme nehmen werden. Was dabei herauskommt. haben wir im Berliner Arbeitersport oft genug erlebt: der Arbeiter- spart Hot dabei selten profitiert. Es wäre schon besser ge- wesen, der geschäftsführendc Ausschuß hätte den Mut aufgebracht, die Frage selbst zu entscheiden. Dazu wäre er sehr wohl in der Lage gewesen, denn feine Delegierten sitzen im Stadtamt für Leibesübungen. Es handelt sich erstmalig um einen versuch und eine Probe aufs Exempel. Erst wenn dos Ergebnis eines solchen Versuches klar vor aller Augen liegt, kann eine Entscheidung darüber fallen, ob eine dauernde Einrichtung daraus werden kann. Der Kartellousschuh hat nicht den Mut zu einem solchen Versuch, und deshalb wirft er den Vereinen den Ball zu. Ganz zweifellos leiten ihn dabei Partei- politische Rücksichten, obwohl im Kartellausschuß eine Anzahl Kommunisten für die Beteiligung gesprochen haben. Die Frage der Beteiligung ist keine prinzipielle, sondern eine reine Zweckmäßigkeilsfrage! Man muß sich darüber klar werden, was� wird, wenn sich die Arbeitersportler wieder von der Berliner Sportwebewoche ausschließen. Das letztere angenommen, wird trotzdem die„Böß-Woche� unter ausschließlicher Beteiligung der bürgerlichen Verbände aus- gebaut werden. Das zu verhindern haben die Arbeitersportler keinerlei Machtmittel in Händen, sie treiben aber die zu ge- winnende Bevölkerung direkt den bürgerlichen Vereinen ins Netz. Unsere Arbeitervereine bilden demgegen- über eine schweigende Opposition und stellten ihr Licht bewußt unter den Scheffel Das dürste nicht der Größe und der Bedeutung des Berliner Arbeitersports entsprechen. Sollte es den Berliner Verhältnisien im Arbeitersport nicht dien- licher sein, wenn alle Kräfte einmal zu einem Großkampstag zusammengefaßt werden im Angesicht des bürgerlichen Sports? Die Arbeiterfportler sollten sich doch einmal ernstlich die Frage vorlegen, ob die Taktik des Ausweichens vor dem bürgerlichen Sport richtig gewesen ist. Zeitgemäß ist sie bestimmt nicht mehr. Man soll den Gegner angreifen, wo er sich stellt. Wer dabei glaubt, van seinen Grund- sätzcn einzubüßen, dem ist nicht zu helfen, jedenfalls Hot er keine» Plag im Abeitersport, mindestens Hot er nicht begrisfen, weshalb den bürgerlichen Sportverbänden überhaupt eine Arbeiterorgani- sation gegenübergestellt wurde. Die Berliner Arbcitersportler müssen und werdensichanderBerlinerTurn-undSportwoche beteiligen, wollen sie sich anders nicht einer Werbenwglichkeit begeben, die in ihrer Großartigkeit und Großzügigkeit alles sonst Arrangierte übcrtrosfen hat und auch im kommenden Jahr wieder übertreffen wird. Von der Wasserwacht. Die Arbeiten der Wasserwacht haben durch die Mitte Dezember abgehaltene Vertrauens männerversammlung wesent- liche Förderung erhalten. Die Wasserwocht hatte die Vertrauens- leute der ihr angeschlossenen Vereinigungen zusammenberufen, um ihnen ihre Ausweise auszuhändigen. Regierungspräsident Pauli, der erste Vorsitzende der Wasserwacht, berichtete über die bisherige Tätigkeit der Wasierwacht. Dos geschäftsführende Vorstandsmitglied Lambordino gab in längerem Vortrag die nötigen Anweifun- gen für die praktische Tätigkeit der Vertrauensmänner. Ebenso wie die Verkehrswacht wird die Wasserwacht durch ein Merkblatt Aufklärung über die einschlägigen Bestimmungen des Wasserstraßen- verkehr? den Wafserstrohenbenutzern vermitteln. Die Wasserwacht, deren Geschäftsstelle sich Berlin S. 61, Planus er 61, Fernsprecher: F6 Bärwanld 8154, befindet, umfaßt heute alle be- deutenden Vereine, Organisationen und Gemeinschaften des Wasser- sportes und der gewerblichen Schiffahrt. Die Vertrauensmänner werden von jetzt ab monatlich zwecks weiterer Instruktionen zu- sommenberufen werden, damit sie im Frühjahr ihre Tätigkeit auf den Berliner Wasserstraßen aufnehmen können. Äm Januar 1928 findet die Hauptversammlung der Wasserwacht statt. Der erste Schülerringkampf. Der S.C.Lurich veranstaltete letzten Dienstag erstmalig einen Schülerringkampf, der großes Änteresie erweckte. Die Kleinen konnten kaum die Zeit erwarten, um ckuf die Matte zu gehen. Man konnte mit den Leistungen zufrieden sein, wenn man bedenkt,.daß sie erst einige Wochen in der Uebung sind. Die Schüler von„Lichtenberg-Friedrichsfelde" zeichneten sich durch flotten Angriff aus, während die Lurich-Schülcr bessere Technik zeigten. Nachstehend die Resultate: Greulich, 53 Psund lU.»g.>, kämpf: mit Schultz, 50 Pfd.(8.), im ersten Gang 5 Minuten unentschieden, watzrend er Im zweite» Treffen Schultz nach 1,85 Minuten auf beide Schultern legt. Ring, 0« Pd. lL.-F.I, siegt zweimal Uber Schäneich, 62 Pfd.(£.)■ Binder, 71 Pfd.(C�ff.), kann ebenfalls Walter, 70 Pfd.. Auch Artz, 86 Pfd. 1300. Meter-Staffel. A. Offen für alle. B. Mannschaften anderer Sparten. Frauen Zxl500-Meter.Stafkel. A. Offen für alle. 0. Mannschaften anderer Sparten. Startgeld: Einzelläufer 20 Pf., jede Staffel 50 Pf. Tie Meldungen müsien bis zum 18. Februar 1028 an Hans Darkow, Berlin-Schäneberg, Lclziger Stratze 8, abgegeben werde». Nachmcldungcn koste» das doppelte Starigcld. Die weihnachksspiele der Fuhball-'r. Jnterefiant ist es, festzustellen, daß von den an de».icriagen zu Gast in Berlin weilenden Mannschaften es keiner gelang, d:n Berlinern«ine Niederlage beizubringen. Lichtenberg IN schlug 5 t. Z o h a n n i s- Nürnberg mit 6:2, doch keinesfalls waren die Gäste fo viel schlechter, nur ließ es ihr Sturm vor den, Tor an der nötigen Entschlußkraft fehlen. Lichtenberg HI dagegen zeigte gegenüber de» Meisterschaftsspielen eine ganz bedeutend bessere Spiefwcise. Besonders stach der linke Innenstürmer hervor. der energisch durchriß und auch so den Hauptteil an dem Erfolg hat. Alt. Glienicke fertigte Steindoch.Hallenberg mit 6: l ob. Hier war der Sturm der Berliner besonders fchußfrcudig aufgelegt, die Gäste hatten zudem noch einen Ersatztormann. Lindenhof/ erwies sich Wolfen, Bittcrfeld mit 8:1 überlegen und Schöneberg, die am 2. Feiertag gegen Wolfen spielten, konnten sogar 5: 0 gewinnen. Ein Selbsttor und eine Umstellung der Mannschaft schwächte die Gäste sehr. Hamburg gz-Iugend spielte gegen Sparta unentschieden 1: 1. Handball an den Feierlagen. An dr» Feiertagen herrschte wenig Betrieb bei den Sandballern. Groß. Berlin-Wedding hatte noch in der letzten Woche ihre Spiele gegen Ztowaweo abgeschrieben, so daß sich nur untere Mannschafte» gegenüberstanden. Aul Reisen befand sich nur die Schönebergcr Jugend, die die Magdeburger Gegend besuchte. In Nicdcrdodclelu'N hatten sie einen leichten Gegner, den sie 2: 0<6: 0) schlugen. Ztxlcdc» sonnte das Spiel bis zur Pause bei einem schweren, körperliche» Spiel torlos halten, mußte sich ober kurz vor Schluß doch ein Tor gefallen lasten.___ Touristellvereia„Sie Naturfreunde", Zentrale Wien. Abt. Norden: Heim. abend fällt aus.— Abt. Friedrichshaia, Iugcndgruppe: Mittwoch, 28. Dezem- ber, 18 Uhr, Heimabend.— Abt. Südost, Zugendgruppe: Mittwoch. 28. Bezem. der, 20 Uhr, Reichcnberger Str. 66, Bunter Abend.— Bewequagschor: Milt» woch, 28. Dezember. 20 Uhr. Elfaster Str. 26.— Abt. Steglitz: Mittwoch, 28. Dezember, 20 Uhr, Albrechtftr. 43.— Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstag, 29. Dezember, 20 Uhr, Altersheim Danzigcr Str. 62. Baracke 7,„Bilanz." Abt. Rciaickendorf: Donnerstag, 29. Dezember, 20 Uhr, Reinickendorf-Oft, Seebad.— Abt. Tiergarten: Donnerstag, 29. Dezember, 20 Uhr, Lehrter Straße 18719.— Abt. Lichtenberg: Dannersiag, 20. Dezember, 20 Uhr, Park» aue 10, Lustiges Kehraus.— Abt. Südwest: Donnerstag, 29. Dezember, 20 Uhr, Porckftr. II— Naturwistenfibaftliche Abt.: Donnerstag, 29. Dezember, 20 Uhr, Zohannisstr. 15,„Sternenfagen", 2. Teil. SV. Moabit. Kallenbeteieb ruht zwischen Weihnachten und Neujahr. Wald- laufabend Mittwoch 19'� Uhr ad Dornbusch. Seestraße: anschließend Gruppen» sitzung der Wäldlästfer._ Spork. Handball im Reichsbanner. Die Schutzsportabteilung der Kameradschaft Wedding des Reichsbanners hatte sich am ersten Feiertag die Schutzsport- abteilung des Ortsvereins Dessau zu einem Freundschafts- spiel eingeladen. Mit dem Anwurf Dessaus begann ein Spiel, das den Werbeabsichten nicht voll gerecht wurde. In etwas langsamem Tempo wechselte der Ball die Spielhälften. Bei Dessau war eine kleine Ueberlegenheit und etwas mehr Fixigkeit festzustellen: leider fehlte der Stürmerreih« die Schußfrendigkeit und Berechnungsmög- lichkeit. Der einzig gute Mann war der Halblinke, der trotz seiner Körpersülle flink und mit Ueberlegung handelte. Die Weddinger Hintermannschaft war nicht gut, doch zeigte der Sturm große Ent- schlußkrast. So konnte er bis zur Pause zwei Tore buchen. In der zweiten Halbzeit konnte Wedding noch zum dritten Male einsenden. Eine Minute vor dem Schlußpfiff gelang es Dessau, durch gute Abgabe eines Freiwurfes das Ehrentor zu retten. Bei Wedding konnte der linke Verteidiger nicht gefallen, der so_körperlich spielte, daß er öfter seine eigenen Leute umrannte: der Schiedsrichter konnte nicht gefallen. Sportlich»n zulässig ist es auch, irgendwelche Talismen in den Torräumen zu stellen oder an das Tor zu hängen. Wedding tat das mit einem Teddybären in den Aereinsjarben. Rennen zo Svhleben am Dlenstag. de« Tf. Dezember. 1. Rennen, t. i-Miftral(Kozall. 1.-fEifenlönigw(Leulzer), 3. ZA«, Halle(Heckerl). Toto: 36(Mistral), 30(Eljentönigin): 10. Platz: 16, 17, 33:10. 2. R e» n« n. 1. Sultan 5.(Eberl), 2. Johannisseuer(Lautenberger� 3, Luftfchister(Frömmmgl. Toto: 23: 10. Platz: 13, 16, 24:10. 3. Rennen. 1. Langemann(Weidner|tn.), 2. Ehrenberg(ZZchaaer� 3. Komtesse Mizzi(Elias». Toto: 176: 10. Platz: 34. 20. 16: 10. 4. Renne n. 1, Trotteur(Reiter), 2. Pcchsackel(Knöpnadel jmt.), 3. Francisco i.-duth). Toto: 9t: 10. Platz: 3l, 18, 2t: 10. 5. Rennen. 1. Hellina(Czerjon), 2. Isarwelle(Iautz jun.), 3. Armenier(Knöpnadel jun.). Toto: 43:10. Platz: 13, 16, 13:10. 6. Rennen. 1. Gelbftern(Müller), 2. Holstein(Heese), 3. Dichtung (Höhne). Toto: 37: 10. Platz: 35. 28. 26: 10. 7. Rennen. 1. Lockung(Iauß jun.), 2. Peter Harvester(I. MillS), 2. Colonel Dtllou(Weidmüller). Tow: 4t: 10. Platz: 22, 40. 73; 10. 8. Rennen. 1. Linsco(Besitzer), 2. CrasiuS(Lemzer), 3. Charles Worthy(Kozal). Toto: 122: 10. Platz: 60. 13. 43: 10. Eiufendunge» für diese Rubrik find Berti» S D 68, Liudeultratze 3. parieinachn'chien/M�fürGroß-Nerlin stet,«» du Brzirtefekretärta« 2. Hos. i Trep. recht», zu richte». 18. ftni» ZSeißenfec. Heute, Mittwoch. 28. Dezember, 18 Uhr. im»iudlbrS». Ausschaut, Berliner Alle« 211, Weihuachtsseier. AS« Geuosfiuuen»üb Seuosse» famic Freuub« unser«» Beweguug Pub herzlichst eiuuelaben. heute. Mittwoch. 28. Dezember: 5. Abt. Weihnachtsfeier in Rafeuthaler Hof, Nofeuthaler Str. 11—12, uatn RUwirknag he» Hefangoceri»».Lerche.Einigkeit". Aufaug her stiadce. befchrrung 18 Uhr. Tanz ab 21 tlbr. Eiutrcttslarte» zu 50 Pf. fiab bei ben Funktianärco urd au ber Abeubkaffe zu habe». Siabee freit» Eiu. tritt. Di« Parteimitglieder tuife Freunde uuferee- Bewegung fiad herzlichst eingeladen. 7. Abt. 19>4 Ilhr Zahlobcnde in folgenden Lokalen: Dams, Echlegelstr. 9; Däll. Brrgstr. 71; Neuser, Boyenstr. 19; Beirau, Pstugftr. 1;«übe, Strclitzrr Str. 55. 15. Abt. lOst. Uhr Mitgliederversammlung bei Scbmiebl, Binetaplatz 7. 3. stursusobend:„Das Deutsche Reich, seine Berfastung und seine Par. trien." Leiter: Franz«on Putttamer. Gäste und„Borwärts"-Leser sind willkommen. 23. Abt. Dir Bezirksführer mllsten spätestens bis heute. Mittwach, beim Nassiercr Lllck abgerechnet haben. 38, Abt. 19 VI- Uhr Bezirksführer und Revisoren bei Bartusch. Friedenstr. 88, Abrechnung sämtlicher Marten und Listen. Mitgliederkarten mitbringen. Jeder Bezirk muß unbedingt»crtretcn sein. 43. Abt. Die Bezirksführer rechnen heute bestimmt um 20 Uhr bei Bruhns, Graefeftr. 41, ab. 55. kharlottcnburq. 8., 9., 10. Gruppe: Der Zahlabend fällt am Mittwoch aus. 194. Abt. Niederfchäneweide. Auf Beschluß des Borftandes finden die Bor. standssitziingen am letzten Mittwoch des Monats statt. Diesmal also heute. Mittwoch, 28. Dezember. 19'-- Uhr. bei Thiele. Berliner Str. 38. Zn ber Zeit von 19 bis 20 Uhr findet daselbst Ausgabe und Umtausch ber Bibliotheksbücher statt. 117. Abt. Lichtenberg..SPD., Mitglieder der Konfumgenassenschast, 29. Ab. gabcstelle. um 19)4 Uhr bei Siewert, stant-. Ecke Schillerftroße. Ber- sanunlung.__ 127. Abt. Sobenlchöndauleu.«al-nie»«iß« Zunb«. 1»H Uhr im Lokal Rutzky. Dingelftäbter Straße. Ecke Lanbsberger Ehaufle«, Derbeverfainwlunq Pottrag:„Das kämmend« Wahliahr 1108.' Referent Ernst Falck. Alle Mitglied«« sowie Freunde und.Vorw-tt«".Leie- sind herzlichst eiugrlabea. 131. Abt. RieberfchSubousen. 19 Uhr weihnachtsfei-r Im Lokal Sauslouei. Ei». tritt 36 Pf. einschl. Tanz. Alle Mitglieder fswi« Feen» de»useee, Bewegung sind herzlichst eingeladen, Morgen, Donnerstag. 29. Dezember: 41. Abi. weihnachtrfeiee und Bescherung mit«»schließendem gemütliche» Beisammenlei» 19 Übe im Schulthttß.Ausfchank. Lichterfelder Str. 11 . Eintrittslatten zu 40 Pf. sind«ach bei de« Funktiaaä««» er- bältli». Festansprache! Stadtuerordnetee Kermaan Lrmpert. »2. Abt. Renkölla. Alle Funktionäre der Abteilung, die dem Freidenkerver. band angcbörcn. treffen sich zu einer sehr wichtigen Besprechung 20 Ubr bei Simon, Berthelsbarfer Str. 10. Andere Freidenkergenosien sind gleichfalls eingeladen. Frauenneranstaltungea. 7. steel» Eharlatteaburg. Donnerstag, 20. Dezember. 50 Uhr. im Jugend- beim Nosinenstr. 4, �unttionärinnenkonferenz. ZQgesordnunq: I. Neu» nwMen. 2. Fortsetzung der Dinterorbeit. Frauenveranslaltungen am Mittwach. 28. Dezember: 42. Abt. lOtz Uhe bei Söblle, Beegmaunstr, 00, Weihnachtsfrie«. Di« ä«. »olftunen sind alle herzlich eingeladen.---- Ol: Abt. Reulölla. 4«>i Uhr bei Bollewski» Bobbin.. Ecke Zsarstraß«, Frauen. abend. Thema:„Berliner Humor von Glaßbrenner bi» Zille" mit Liedern zur Laute. Vortragender: Genosse Erich Fraenkc!. Um zahlreiche Be» teiligung wirb gebeten. Gäste willkommen. 103. Abt. Oberichöneweibc. 18 Uhr bei Imberg. Silhelmineahafft«. 34,«eil,. »achtsfeicr. Die Geuoffinnen fiab alle herzlichst eingrloben. Gäste will» kommen. 137. Abt. Relnickenborf-Weft. 19', tlbr Feanenwerbeaben» im£1 Di Volkshaus, Schätuweberstr. 114. Vortrag der Genossin Hartig über m„Weihnacht ber Zukunft." Außerdem Lieber zur Laute. Bortragenbe:- i n Genossin Lisa Albrecht. Um rege Beteiligung wird gebeten. Gäste(.i U willkommen. Ep 138. Abt. Heemsbors. 16 Uhr im Zugendheim Turnhalle»oaafteaße Weib- naidtsfcier. Die.stinderfeeunde" haben ihr« Ritmietnng»uaefagt. Für »äffe« ist gefargt. Suchen ist bitte mitzubringen,»äst« willkamme». Frauenveranstaltungen am Donnerstag. 29. Dezember: 1. Abt. 20 Uhr in der Nulturabteilung des Metollarbeiterverbondes, Linien. straße 197, Zilmuarführuug:„Die Werdung des Menschen." Ü 7. Abt. 10' Übe in Earni» Festtälen.«nttenftr. 0.«eihnacht«. � H feie«.— GemLtliche» Beisammensein,«atteag»ee»«»»sfi» Abel« es Schreiber. II ricger. Gäste willkommen. 41. Abt. 19'� Uhe in bee Schultheiß-Branerri. Lichtertelber St«. 11,«eih. u-Gtsfeier.«nfveackc de, G-u-sie» Lempett. Um zahleeiche Beteiligung wirb gebeten. Gäste willkommen. 68. Abt. Kalenfee. I9'z Uhr bei Sandmann, Westfälische Str. 42, Frauenabend. Borlrag der Genossin Else Scheibcnhuber über„Die Frau im Ehcrecht." Gäste willkommen. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt und Kinderschuh. 3. Treis Wcdding. Donnerstag. 29. Dezember. IkVi Uhr, Besichtigung des Arbeitshauses Rummclsburg, Lichtenberg, Hauptftr. 8. Um zahlreiche B«. teiligung wird gebeten. Treffpunkl litt Uhr vor dem Arbeitshaus.— Abrechnung der Lose am Mittwoch, 28. Dezember, von 17 bis 20 Uhr. Die nicht verkauften Lose müssen zurückgegeben werden. l?». Kreis Wilmersbors. Mittwoch. 28. Dezember. 18 u»«, in den W W Flora-Sälen. Zobana-Geora-Str. 10, We>b»acht»i«iee»an Arbeiterwobl. W fahtt»rb„T'rberfreurbcn." Festansprache de» Genossea Bastae Franck«. ■ Um recht zahlreiche Beteiliguag wird gebeten,«äste willkamme». a Kinderfrennde Groh-Verlin. Achtung, Barstanbsw'tgliedrr! Freitag. 80. Dezember, pünktlich 20 Uhr, Sitzung des engeren Borstandes in der Geschäftsstelle, Llndenstr. Z. Besonder« Einfadi'Ng rrfolat nicht. Kreis Prenzlauer Berg, Gn-npe Raedost: Donnerstag.- 29. Dezember, um 19' s Uhr,'inder im Altersheim Danz'aer Str. 62 unsere Welhnachtsseier statt. Alle Eltern»nd Freunde sind her-lichst eingeladen. Krei» Fr-cdrichsbain, Gruppe Stealaue« Biettel! Die Weihnachtsfeier Nndet am M'iiwo». 28. Dezember, schon um 17 Uhr im Zugendheim Gotzler» straße 61 statt. Briefkasten der Redaktion. Z. 423. Un» nicht bekannt, war auch nirgend» zu erfahren. /bltloowriittnt bei Arterienverkalkung und erhöhtem Blutdruck Fachinger Veroandotollo, Berlin SW II SchäBebergor Str. Iba. T.LBUoou<260161 ?lr. 612* 44. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 26. Dezember 1927 Rund ums Auto. 22,7 Millionen Autos in der Welt!— 115000 deutsche Berufsfahrer. Ende der 9 Oer Jahre des vorigen Jahrhunderts gelang es. die ersten leistungsfähigen Personen- und Lastkraftwagen herzustellen. Seitdem hat das Kraftsahrwesen einen derartigen Aus- schwung genommen, daß(nach den jüngsten Statistiken) zu Beginn 1927 ein Weltbestand von 27,7 Millionen Auto- mobilen zu verzeichnen war. Eine erstaunliche Entwicklung für die kurze Spanne von drei Jahrzehnten! Dabei ist noch zu bedenken. daß die Periode des stärksten Anwachsens in die Kriegs- und Nach- kriegszeit fällt. Zweifellos haben die militärischen Bedürfnisse des Weltkrieges den Ausbau des Krastwagenparkes aufs stärkste ge- fördert und auch zu technischen Erfindungen und Verbesterungen an- geregt. Heute haben wir in der Entwicklung längst den Punkt über- schritten, wo das Auto aufhörte,„Luxusgut" zu sein, und„Ge- brauchsgut" wurde. Der Kraftwagen leistet heute wertvolle volkswirtschaftliche Dienste. Er trägt— wie jedes gute Verkehrs- mittel— dazu bei, die Produktivität der Wirtschaft zu heben: er stt aus dem modernen Verkehrsleben überhaupt nicht mehr wegzudenken, er ist unentbehrlich geworden. Nordamerika hat allein SO Pro;.— Wenn Deutschland Amerika wäre. Den Weg zum Gemeingut hat das Automobil vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika gemacht: von den 27,7 Millionen Kraftwagen, ditz es Ansang 1927 in der Well gab, kamen auf die USA. 22,1 Millionen oder rund 80 Proz. Das ist auf jeden fünften Bürger der Vereinigten Staaten ein Auto. Die Ursachen dieses riesigen Autogebrauchs liegen im Wohlstand des Landes, aber auch— was nie zu vergestcn— in den v e r- kehrstechnischen Besonderheiten: in dem wenig dichten Eisenbahnnetz(Zubringerdienste), in den ungeheuren Entfernungen, in deu speziellen Bedürfnisten der Farmer! Trotzdem bleibt be- stehen: günstige(oerhällnismäßig günstige!) Einkommensverteilung — daher Nordamerika das Land, wo das„Auto des kleinen Mannes" herrscht. In weitem Wstand hinter den Bereinigten Staaten folgt Eng- fand mit 1 024 000 Stück, dann Frankreich mit 891 000, Kanada mit 820000, Australien mit 375 000 Kraftwagen. An fünfter Stelle steht Deutschland, das am 1. Juki 1927 359 000 Personen- und Lastautos zählle. Dom Weltbestand macht das nur 1,3 Proz. aus, und auf einen Kraftwagen entfallen 171 Einwohner. Gegenüber den gewaltigen Zahlen der Vereinigten Staaten sieht das lläglich aus. und mancher Freund des Krastfahrwesens hat schon geseufzt:„Ja. wenn Deutschland Amerika wäre...!" Ja. wenn Deutschland Amerika wäre, wie dieses 22,1 Millionen Autos besäße, wie sähe es dann bei uns aus? Dann könnte man für jeden dritten Deutschen ein Automobil errechnen! Auf jeden Kilometer Straße hier in Deutschland würden sich dann 105 Kraftwagen drängen, während heut« drüben in Amerika nur SA Autos aus einen Kilometer kommen. Mit dieser Fest- stellung ist wohl jener fromme Wunsch erledigt. Und selbst, wenn er sich bescheiden würde und nur daran dächte, daß in Deutschland ebenso wie in Amerika jeder fünfte Einwohner ein Auto besähe, so müßte er sich überlegen, daß dann 62 Kraftwagen auf einen Kilo- meter entfielen!— Mit anderen Worten: Deutschland kann die Ent- Wicklung Nordamerikas nicht n a ch a h m e n-, für solche Wagenfülle ist kein Raum bei uns! Das heißt nicht, daß das Kraftsahrwesen in Deutschland schon am Ende seiner Ausdehnungsmöglichkellen steht und keine Zukunfts- aussichten hat. Im Gegenteil befinden wir uns erst am Anfang der Entwicklung. Rapide erobert sich auch bei uns in Deutsch- fand der Kraftwagen seinen Platz. Man überlege: Mitte 1927 wurden in Deutschland 369 000 Personen- und Lastkraftwagen ge- zählt! Mille 1926 waren es erst 297 000. Das bedeutet einen Zuwachs in einem einzigen Jahr von 72 000 Stück oder von 24,2 Proz. 1926 entfiel auf 211 Einwohner ein Kraftwagen, 1927 auf 171 Einwohner. Interessant, bestimmte Tendenzen der Entwicklung fest- stellen zu können. Von den 72 000 Autos, um die sich der deutsche Bestand vermehrt hat, waren rund 43 000 Kleintraft- wagen unter 6 Steuer-Pserdestärten. IIOOOLastkrastwagen. Dieses Vordringen des Kleinautos erfolgt in Deutschland unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Zweckmäßigkeit. Das Kl e i n a u t o ist der Wagen des„Reisenden", ja. es bildet sich immer mehr ein neuer Gewerbezwcig heraus: der gehobene, autofahrende Hausierhandel. In einer scharfen Ertlä- rung haben sich schon die„ansässigen" Gewerbetreibenden an die Reichsregierung gewandt mit der Forderung, den Hausierhandel mit Autobcnutzung zu verbieten. Erfolg wird diese Forderung kaum haben. Aber sie ist beachtenswert als Zeichen eines neu auskommen- den Handelszweiges, dem sich das in Süddeutschland schon in Be- trieb befindliche„W arenhaus auf vier Rädern" anschließt. Chauffeur— ein wachsender verufszwelg. Es ist selbstverständlich, daß mit dem Aufstieg des deutschen Krastfahrwesens sich auch ein neuer Berufszweig immer stärker entwickelt: der des Berufskraftfahrers. Man kann heute mit einer Zahl von rund 115 000 Berufs'rastsahrern in Deutschland rechnen. Sie wird sich mll dem zu erwartenden An- wachsen der Automobile in den kommenden Iahren weiter ver- mehren. Allerdings nicht in demselben Verhältnis. Die Kleinkraft- wagen, die am lebhaftesten sich entwickeln, werden von den Besitzen: selbst gefahren! Diese Tendenz wird sich noch verstärken, wenn wir zu einer„Demokratisierung" des Autos kommen. Schon 1920 betrug in den Vereinigten Staaten die Zahl der Chauffeure bei 9L Millionen Kraftwagen nur 285 000! Nur ein Wagen von 32 hatte.also einen Berufskraftfahrer! Immerhin: die Bedeutung der Berufskraftfahrer wird sich trotz dieser Tendenz noch außerordentlich steigern. Das vermehrt die gewerkschaftlichen Organisationsausgaben, die nicht einfach zu lösen sind. Es ist nicht leicht, an die Berufskraft- fahrer— soweit sie nicht in einem großen Betriebe arbeiten— organisatorisch heranzukommen. Aber der D e u t s ch e D e r k e h r s- bund hat diese Schwierigkeiten zu überwinden gewußt und ver- zeichnet ständig wachsende Erfolge. Er ist in der Tat für die Berufs- kraftfahrer die einzige Organisation, die sich ernsthast und erfolg- reich der Vertretung ihrer wirtschaftlichen, sozialpolitischen und rechtlichen Interessen annimmt und darum besorgt ist. daß auch hier sich der Verkehrsfortschritt nicht gegen die wendet, die ihm dienen. F. H- Gchiffahrtskampf Europa— Amerika. Das nordatlantische Schiffahrtskartell fällt auseinander. Der offene Kampf zwischen Europa und Amerika um die Vorherrschaft in der Nordatlantic- Passagefahrt, der seine Schatten schon längere Zeit vorausaeworfen hatte, Hot begonnen. Alle den Frieden gewährleistende Vereinbarungen, die bis- her zwischen den beteiligten maßgebenden europäischen und amerika- Nischen Grohreedcreicn durch bindende Konferenzbeschlüsse getroffen und jahrelang innegehalten worden waren, können als erledigt be- trachtet werden. Die Canadian Pacisic-Lin«. eine der Houptkonserenz- teilnehmerinnen, hat ihren Austritt aus der Vereinigung der in Frage kommenden deutschen, englischen, französischen, holländischen, belgischen, norwegischen, schwebischeir und nordamcrikanischen Verbandsreedereien angemeldet und damit das Signal zu einem K a m p f auf Biegen oder Brechen zwischen den führenden Schifsahrts- gesellschaften beider Erdteile gegeben. Allerdings muß gesagt werden, daß schon vorher verschiedene andere Kontrahenten, wenn auch in verhüllter Form, gegen die gcmeinsavi gefaßten Beschlüsse verstoßen haben: sie haben zum Beispiel eigenmächtig und ohne Rücksicht auf die Abmachungen, mit wenig glaubhaften Ausslüchten Herabsetzungen der Passagegebühren vorgenommen, deren Innehaltung«in inte- grierender Bestandteil der ganzen Vereinbarungen bildete. Hierdurch war der bis dahin gewahrte Burgfriede praktisch lxreits ge- brachen, bevor die Canadian Pacific-Line durch ihre Austrittserklä- rung reinen Tisch gemacht hat. Bekanntlich genießen in Konada die Reedereien staatliche S u b- ventionen in erheblichem Ilmsange, die sicher in diesen: Streite noch eine Erhöhung erfahren und der Kampsreedcrei einen guten Rückhalt bieten dürfte. Auch in den Bereinigten Staaten von Nord- amerika arbeiten die Reedereien mit staallicher finanzieller � Unter- stützung. Man darf als feststehend annehmen, daß dem Austritt des großen kanadischen Schiffahrtsunternehmens in Kürze andere Ab- Meldungen folgen werden, was dann zu einer allgemeinen Aus- lösung der Vereinigung führen, zum mindesten ober die Bildung verschiedener Gruppen zur Folge haben wird, die den Kamps untereinander ausfechten werden. Die Nutznießer des dann nach wesentlich verschärften Konkurrenzstreites werden vorläufig die Fahrgäste sein. Schon jetzt hat, nachdem die Com- pagrtie General Transotlantic in Frankreich mit einem ihrer neuen Schiffe den Reigen eröffnet hatte, die Cunard-Ltnie beisplels- weife für Passagiere l. Klasse zum April nächsten Jahres eine 6 r- Mäßigung des Fahrpreises im New-Dnrk-Dienst von H5 auf 62 Pfund Sterling angezeigt, während in: Konada-Dienst der Preis sogar von 62 Pfund auf 36J4 Pfund herabgesetzt worden ist. Diesen Vorgehen hat sich ein Teil der übrigen Konferenzreedcreien angeschlossen, und ihnen werden die übrigen nolens volens folgen müssen. Aus den vorstehenden wenigen Angaben wird sich jeder ein Bild machen können von der Schärfe des beginnenden Kampfes. Sicher wird mehr als eines der in Frage kommenden Schiffohrtsunter- nehmunaen hüben nud drüben zum Erliegen kommen, wenn der Streit bis zum bitteren End« durchgefochten werden sollte. Auf deutscher Seite sind in erster Linie die H a p a g und der Nord- deutsche Lloyd interessiert. Beide Reedereien haben aber seit langem ihre Borbereitungen für den Ausbruch des Kampfes getroffen und gehen ihm gut gerüstet entgegen. Internationale Linoleumherrschast. Der deutsche Delmenhorster Linoleumtrust dehnt seine Markt- Herrschaft, die nach der Einflußnahme auf die rheinischen Bedburger Werke in Deutschland vollständig ist, nunmehr auch international systematisch aus. Sein Zlnteil am schwedischen Import und sein Einsluß auf den schwedischen Markt ist ohnehin schon groß. Jetzt versucht der Trust durch die Beherrschung des einzigen bcdcuwngs- vollen schwedischen Linoleumsabrikanten sein Markt Monopol u. c& cJTe/ Auch Sie sollen unser werden. Wir wollen mal ein vernünftiges Wort miteinander reden. Sie halten von einer 4-Pfg.-Zigarette nicht viel? Wir können Ihnen Zuschriften von Rauchern vorlegen, die, zunächst ebenso skeptisch wie Sie, Massary-Privat probierten und uns nun, aufs angenehmste überrascht, spontan Anerkennung und Beifall spenden, Sie werden ebenso feststellen können, wie wohltuend Massary-Privat, die neue 4-Pfg.- Zigarette, vom Alltäglichen abrückt. Probieren Sie mal eine— wir werden uns dadurch bestimmt näherkommen. CU� ohne Mundsiuch-unc/ mit Go/c/mands/üch. Qas j'sh(7a 6- Aller Länder Fahnen liegen denMassary-Marken bei Wer sie nicht selber sammelt, erfreue ein Kinderberz damit! in Schweden ebenso volkkommen Zll machen, wie in Deutschland Es handelt sich dabei um die schwedische Linoleuin- sabrik Forssiaga, deren Kapital vom Deutschen Linoleumtrust min- bestens ,;it? Hälfte übernommen werden soll Dabei geht der Lino- leumtrust derart vor, daß er eine van ihm gegründete Schweizer Holdinggesellschaft das schwedische Aktienpaket erwerben lägt. Ein i n t e r c s s a n t« r Z u g bei dieser Expansion ist die Ab- ficht, das schwedische Werk nicht etwa stillzulegen, sondern derart auszubauen, daß es allein in der Lage ist, den schwedischen Lino- leumbedars zu decken. Der Vortell dieser Ausdehnung beruht darin, daß es auf diese Weise gelingt, den schwedischen Einfuhrzoll auch tür den bisherigen deutschen Import nach Schweden zu sparen. Die Kehrseite davon ist natürlich, daß für den schwedischen Inlands- verkauf die in Schweden produzierten Waren voll um den Zoll verteuert werden, wobei die ganz« Gewinndifferenz(Aufschlag und Zoll) an die Beherrscher des Marktes geht. Die neuen Autosteuern. Vom l. April l928 ab gelten für die Besteuerung von Kraftfahrzeugen folgende Bestimmungen: Krafträder und Personenkraftwagen mit Antrieb durch Derbrennungsmaschiire werden künftig nicht mehr noch Pferdestärlen, sondern nach dem Hub- räum(— Inhalt der Kolbenzylinder) besteuert: die verjchiedsne Be- wertung von Zlveitokt- und Biertaktmotoren fällt fort. Eine Steuer-I'b entspricht einem Huboaum beim Zweitaktmotor von etwa 174,5 Kubikzentimetern und beim Viertaktmotor von etwa 261,8 Kubikzentimetern. Für Krafträder beträgt dt« Jahres- fteüer 8 M., für Personenkraftwagen mit Antrieb durch Verbrcnnungsmoschiire 12 M. mr je 10) Kubikzentimeter Hubraum. Für. Kraftomnibusse und Lastkraftwagen mit Antrieb durch V«r. bvennungsmoschine betrogt die Steuer 30 M. für je 200 Kilo Eigen- gewicht. Der Steuersatz erhöht sich um ein Zehntel, wenn das. Fahrzeug nicht auf allen TSxm mit Lustberekfung versehen Ist. Die Iahressteuer für elektrisch oder mit Dampf angetriebene Kraft. fahrzeuge(also auch für Elektro-Personcnwagen) sowie Zug. Maschinen ohne Süterladeraum beträgt 15 M. für je 200 Kilo Eigen- gewicht. Zu diesen Säßen tritt ein Zuschlag zur Abgeltung der landesrechtlichen Beiträge für außergewöhnliche W e g e a b- Nutzung hinzu, der gegenüber bisher 25 Proz. für das Rechnungs- jähr 1928 20 Pro.z. und für dos Rechnungsjahr 1929 15 Proz. beträgt. Steuerkarten, die vor dem 1. April 1928 gelöst find, bleiben bis.zu ihrem Ablauf, auch über den 1. April 1928, gültig. Wer noch vor dein 1. April 1928 ein« neue Steuerkarte lösen muß, kann von der Lösung einer kurzfristigen Karte absehen. da für solche Karten gegenwäriig noch ein erhebliches Auigeld zu zahlen ist. Die Lösung kurzfristiger Karten wird nur in den Fällen zulässig(ein, wo die zukünftige Steuer erheblich geringer ist als die gegenwärtig«._ Die Bauhüllenbewegung, ihr Wesen, ihr Ziel und ihre Eatwick- luug. Die Stillegungsandrohungen der rheinisch- westfälischen S ch w e r i n du st.r i« n e n haben der OeffeM- lichkeit klargemacht, daß ein solcher Mißbrauch des Besitzes der Produktionsmittel unmöglich sein würde, wenn sie der Aluzemein- heit gehörten und an die Stelle der Privatwirtschaft eine den oll- gemeinen Bedürfnissen des ganzen Lölkes gerecht werdende Be- darfswirtschaft treten würde. Den ersten Schritt aus diesem Weg« haben neben den Ka n s u m v« r« i n e n die bangewerblichen Ge- werkschafte» durch die Gründung des Berban'des sozialer Baubetriebe getan, der nach dem politischen Zusammenbruch 1918 die sich aller Orten bildenden Hauptproduktivbetriebe zu- fanmienfaßte und einheitlich organisierte, lieber die Entwicklung dieser, nun seit sieben Jahren bestehenden Bewegung, ihr Wesen und ihre Ziele, unterrichtet eine Schrift von A. Ellinger(»Die Bau- Hüttenbewegung chre Wesen, chr Ziel und ihre Entwicklung". Ber- lagsgesellschaft des ADGB.. Berlin S. 14, Preis 50 Pf.) in ein. drucksvoller Weife. Sie zeigt die Ursachen der Entstehung der Lau- hüttenbewegung und die zu überwindenden und zu einem großen Teil bereits überwundenen Widerstäirde, zeigt, daß es gelang, die Bauhüttcnbewegung innerlich so zu festigen, daß sie heute einen Wirtschaftsfaktor darstellt, mit dem auch die Gegner rechnen müssen. Diese streng sachliche Darstellung wird allen Gewerkschaftern, Gc- werkschajts- und Parteifunktionären willkommen sein, weil sie ihnen in allerknappster Form alles Wissenswerte über die Baichüttenbe- wegung vermittelt, deren Endziel die Gemeinwirtschaft an Stelle der kapitalistischen Profitwirlschast ist. Der billige Preis erleichtert die Anschaffung des kleinen Büchleins, das in"keiner Arbeiter- b ü che re i fehlen sollte. Zu sechs Jahren 30114 neue Laudarbetlermohnunnen. das ist das Ergebnis, das kür Preußen im..Zentralblatt der Bauverwal- tung" für die Zeit seit 1921 festgestellt wird. Davon entfallen auf Werkswohnungen 19.505 und auf Eigenheime 10 609 Wohnungen. An sich erfreulich ist der ständig wachsende Anteil der Eigenheimbauten an der Gesamtzister. Gegenüber 1921/1923, wo er nur 3 Pro.z. betrug, hat er sich 1926 aus rund 60 P.o.z. ge- steigen. Bedauerlich bleibt immer noch die geringe Zahl von neuen Londarbeitermohnungeiu Im Jahre 1926 war sogar die Gesamtzahl von 5380 auf 5050 Wohnungen zurückgegangen. Im ersten Vierteljahr 1927 wurden insgesamt 2157 Londarbeiterwo.h- nungen errichtet, wonach also für dos ganze Jahr eine nicht un- erhebliche Steigerung zu ermarren ist. Erweiterte Reklame mit billigen Lebensmitteln bei Karstadl. Der K'arstadt-Warenhauskonzern hat die Braunschwcigcr Wurst- und Fleisch war enfabrik von B. Struck ab 1928 out zehn Jahre gemietet. Den möchentlichen Berbrauch von tausend bis zweitausend Schweinen und mehreren hundert S'ück Großvieh und Zälbcvn dieser Fabrik will die Karstadt-A.-G. zur Erweiterung ihres Fleisch- und Wurstverkauts einschalten. In allen Städten mit Karstodt-Fllialen soll der Frischfleischverkaus aufgr- nommen werden, bekanntlich eine Methode, die nicht zuletzt die Werbekrast der großen Warenhäuser auch für andere Waren erhobt. MNtv.. 2S. 12 27 Staats-Oper Arn Pl.d.Republ. 7i/a Uhr » Staat!. Sdiansiiielh. km EjsdjraniMr'tl • 8 Uhr: Die JouniaMei! Mittw., 28. 12. 27 Slädtisdie Oper Bisrnarckstr. te.-Tora. IL tut.?>/, Staati. Sdiillertii. Charlottenburg 8 Uhr Holiert GDlskard Deutsdiesltieatei Morden 10324—37 8 U. Ende 11 U. Dorothea AngerniaRO v. Gerh. Hauptmann tegle: Max Reinhardt Kammerspielc Morden 10334— 37 81', Uhr; Ende nach 10 Uhr. Bronx-Expreft Volks bühne Tluatu an Bülivplati 8 Uh r: TD. an SduttesriiOT 8 Uhr Schieber des Ruhms [S�KomlsdieOperS� Neuartiges Revue-Stück I Alles Nacktil [(Mach d. gleich n. Paris. Revuel I„Tout nuu). 200Mit«'irkeiide f I Original- Pariser Kostüme Parkett 3, SO Mfc. [Theaterkasse unutiterbr.gefiffn| Die Komödie Bismarck 2414,731« 8V4U, EndelOVjU Die ae von Weit Berliner Theater Direktion Kuhnert. thjtlshOütr.SO 91.Mnh.l70 Täglich 8 Uhr: Mai Adalbert in �Snadttoof" Plscatorbfiline Unat a. Kallenderialai; KurtOrst 2091/93 Ani. 8, Ende nach il Rasputii, di» Braanots, der Krieg nnd das Volk, das gegen sie aufstand von Alexey Tolstoi und Schtschegolew Insc. Erwin Plscator irei (Original) IFratelllni 1 und andere weltberühmte, I \; am ersten Male in Berlin ant-J tretende internationale Stars{ CASINO-THEATER» ohr Lothringer Str. 37. Nur noch wenige Auiführuagenr Klein» Kleckersdorf Aoudineiden 1 Gutschein I— 4 Pcrs. Faütenil nur 1,10 M.. Sessel nur 1.60 M. OeMnMIWteMeM' Metallkartell Grote. tNiflmodr ben 2t. Eejcmber, abenb« 6'/, Ahr, im„Ocesbenec ftafino". firesbenee S kratze 96 SV Versammlung'no aller Metall-, Iran spocfarfceitrr ans bem verband Berliner Melalliadnslriellev- Selrlebea. Tagesordnung: 1. Stellungnahme tu dem Ergebnis der Lohnver haut) Hinge» mit dem VBMZ 2. Dtslulston. Zutritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches einer dem Metallkartell angeschlossenen Sewerkschast, Oos NletallkartaN. aerremh-Selii«» Ib. Kdnll-eräti, Zt. Bergm.2110. 8-,/ Uhr: Seilte Wetterstein von Wedekind Rigia?ittm Baroowsky Kom fidienb aus Norden 6304. 8.15—10 40 Uhr. Hokuspokus von Clin Götz Nene« Theater am Zoo Tägl. 8 Uhr Woltadll-eveotsBll Musik v.W. Bromme üieater des Westens Täglich 8 Uhr: Oper. v. E. Steffan Ader, Wirl, Schulz, Kürty, Rauchen gestattet! iPadrecca't Theater büiutaaier! itiemdien ona cortinl. der| Mann mtl den 100 000 Doi, Renaissance» Theater Steinplatz 901.— Täglich 8>,« Uhr: Coeur Buba. ReichshallenOhea'.er Abends 8 Uhr und Sanntag oachmlt ags z Uhr Stettiner Sänger „Hpites.rochencnde" Lebende Welhn-Lieder Dönhoff• Bretk'l: Cabaret.Tanz. Carl Braun g ErnstW« Iter Residenz-Theatei v, Uhr- Der Sensatlcnserfolgl SfliCn sehn wir ans 30 lustige Bilder mit Henry Bender Lnstspielbaos S'/4 Uhr Guido Thielscher Jnter Oesdiättsaatsidit'' ThaUa-Theater i Uhr: OasKaiel gebt dutdi das Hadeldbi Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Slraite 6. A Täglich 4 U. u. Sonntagnehm. 3 U- Ah Elite- Sänger TSfeS Wundervolles > Welhaachtsprogramm. Dls! Voikspreise vör SO Pf. bis 2,60 M. Stgs. nehm. 31}. erotze PsnilUen-TortieUiutf Volles PiogTtBM.— Kleine Preise. yhtskt . chsrz- Artikel inuuerrelehterjlnstDahl ?ohl& Weber jYachJ. Berlin SW19lSpitteIinarkt4/5 1 Preisliste Nr. 5 umsonst und portofre'. Großes Maospielfiaos. Morden 2931-53 Tigl. 8 Ulir. Erde 1(0. 1 Walhalla-Tb. Weinbetgsweg 19,20 8 /, Uhr: die große Operette mit Vorz, Park, statt 4,— auch Feiertag nur Sonntag, nclini.4 Uhr DonurAscfaen MASSARY Die neue CH A RE LL Inszenierung Hefdemann Bentfow Jankobn Werkmeister Vestermeler Pieha Ru'h Talker stille Collins Snow Ball Vinrelslem Sonshine Gills Ausst: Prof Ernstster n Dir.: Ernst Hauke Kleines Tliealer Täglich SV. Uhr Silvester TV- Uhr Eine Kleine obne Bedeutung Erika clSssner, Eugen Bing, Max Landa. Planetariüin am Zoo Virliog. Joadiinsthaler Stuäc Noll 1578 Der Sicrnbimmel der Heimat Vorldhr. 16,/au,19'/s Reise z. Aequator Vorfflhr. 18 u. 21 Uhr Eintritt 0,50 M. Hiader out. IS Jibno 0,25 II. SallEoboro-BIIhmi Ots. KQnstler-Th. Heule 7V, Uhr: ProssGvcrsteliaog Lessing-rbeater 8 Uhr SdilDdetaes Hose-Theater SV, Uhr Brphzos Ld.lMerycll Ib. im Admiralspalas Tägl.SV, Uhr SAUER REVUE Heule nachm. 3V,Uhr Märchen-Revue ,A*d>enbrSdeI' Metropol-Th. Täglich 8Vj Uhr: Silvester Tu Uhr „Die sdiöne Helena" Oper. v. Offenbach Dir.: Schillings Iei Palltrierg. Vitlrru dt Stranl. Aagrdtelrti ■Wospelsi! Uni i Am 24. Dezember ssard plötzlich und unerwartet am Her, schlag meto lieber, guter Satte, unler treu- sorgenber Bater. Schwiegervater lind Srotzvater, Bruder, Schwager und Qniei, der Gastwirt kritsck im 82. Lebenslahr«. Zu tiefer Trauer An»» Frtlidi, geb. Wanke nebst Kindern nnd Enkelkinden. Die Sinifchernng findet am Freitag, dem 30. Dezember. 18'/, Uhr, Im.Ärematartum Serichtstr. 37/38 statt. Wir bitten herzlich, von Kranzspenden Abstand zu nehmen. Amerikjournale ubersidillrtfi u. handlltfi 7,8,9.10,3 11.12, 1 3 14,15,17*5� 19 Spat». luergens Älexanderpl. � k O S T O B e C R X R r AB K I K SAALBAU ALPENDOBF Invalidenstraße 63 Lehrter Stadtbahnhof Sonnabeod. d.31. Oezember.dle ponuiire beliebte große = Silvesterfeier= Feenhafte Dekoration• Grolle Ueberraschnngen PrSmllerungen mit wertvollen Preisen Silmmungsvolle Ballrauslk B>gioe I Übt/ tmbi.t t,5J M. s Tiahbeslnlao)■ er et Hiou 19(9 nbetco Es ladet ergehenst ein: Die Direktion Silvester-Scherze! Riesenbombe mit.50 Scherzartikeln 1.— M Punkturm SO Pf. Blitzantenne 30 Pf. Spie. Sei* Schokolade 20 PI Revolver-ZlRarct» tenetul 50 Pf, Riesenbrille 50 Pf. Nackt» tanze 50 Pf. Gleßblel Dz. 30 Pf. an. Eßbare Hölzer 10 Pf. Jazztrompete und Klapper je 30 Pf. Gebäck mit Stimme 35 Pf. Knall« bonbon. Mützen, Feuerwerk, Radttuar» tlkel sehr billig. GroBc Auswahl. Markgrafenstraße 84 a.d.Lindenstr. Gegr. 1890 A. Maas& Co. MORGEN ZIEHUNG ArbelterwohUalirt �£üsMrkf~tiC&Mn 5m iMMVEfl SÄmti Gewinne Im Wert« von 3 RM. und menr werden euf «wunKti mit 90*i«ua9«MAIt Am 16©Cientfiet starb nach langem schwerem Leiden, im 74 Lebensiadre, mein lieber Mann, unser Dater und Großvater Mra Merkowski Di« trauernden Hinterbliebenen Linn Merkowski, Berlin Familie Neumann, Nürnberg Familie Horlitz, CbmTnttfnbnrg MeGIvSscheruna findet amFreitag, dem 30. Dezember, um 14,13 Uhr s2> ,) im stremalortum Gerichistratze statt. Nacbrnf Un erwartet verschied am 24. De- zember. srüh b � Uhr. unser lieber Freund n Alndbrnder. der Gastwirt Paul Pritscb Wir alle werden ihn nie vergessen. ftaudikltib„Freie AUUbcc*' ( Polierte Schlafzimmer in Birke. Eiche, iZiutzdauw, Mahagoni 630,—, eichene Etz- szimmer. 230 breit, zerlegbar, ganz erst- lllalstge Verarbeitung, 643,—. Möoel- l Magazin. Znvalidonstratze 131. Hollestelle Stettiner Bahnhof._____ ' Gelegenheit. Büf-A 73—. Umbauten 38,—, lllutzbaun-Sdireibtische mit Autsatz' S5,—, Kleiderschrank 18,—, Berliko 13�-, Stichen 24,—, Bettstellen 13.— Waschtoüetten mit Marmor L4.—. Möbel-Magazin. Invalidenstraße 131. Soltestelle Stettin« Bahnhol.__ � ASnfnndiitnfzig Herrenzimmer. Leder» lofa-, Ledersessel. Slnbtische. herabgesetzte Preis,. Zahlungserleichterung. Samer- ling stastanienalle« 38__* Ebaiselongne». Metollbetten, Auslege. matratz-n, Patentmatratzen. Walter, Stargarderstratze achtzehn, Kpeziai» gesch-ft.' tzdiLttiitinxtrunaemt» Zahlung noch Wunsch. Pianas neu und gebraucht, mit herrlicher ToufWIc, ohne Bnzahluno. kleine Baten, s-br preiswert. Langjährige Garantie. Piano. baus,».öniggratzerltnaß« 81." Verkäufe Siloesterscherz- etibel. Papier-Sopfb«. bedungen, Luttschlangen, Popier-Gir. landen, Feuerwerk, Lbrcitzkalcnder, Neujahrskarten kaufen WiedernerkSufcr am billigsten bei Alfred Mokrauer, An der Spandouerbrilcke Id.- Beachtenswert! Deutsche» Tcppichbaus Emil Lefopze Kit 1882 nur Dramen strotze 138. keinerlei Beziehungen zur ssirma gleichen Namens Potsdamer. ftratze• isarbiehjer, 5X4, 69,—. ssarbfehler, 3X4, 85�-. ftätnet, Potsdamerstratze Nr. 26i.» Rcnjahrsstee», GlUckspilz«, Gros 0,43, Ballblnmen. starnepalblnmen. Wein- ranken, Wollblnmcn— Laubstiele, ssuchsschwanz, Dekorations-Moffenartikel. Engrosserkonf: Blumcnfabrik, Groß» ssrankfurtcrstratze 137. Scklkiduazßlllücice. tzfßtzcste mtr Wen!» getraaene Navalieraarderobe von Millionären Aerzten-Anwälicn ssabelhaft billige Preise. Empfehle Taillenmäntel Paletots, ssracks Smo- kinas. Gehrockanziige. Hosen Sport.. Gehpelze Gelegenheitskäufe In neuer Garderobe. Weitester Weg lohnend Lothringerstraße 36. 1 Trepp«. Rosen. tboler Platz» Boa«evalicre» wenig-efr-g-ne fo. wie neue S-rrenanzllge, Ulster. Pale. lots, jede irigur passend. Soort pelze fflcbPfUe. Damenpelzmantel. Pelzjacken, Pelzkragen p-rk-uit lpottbillig Leihhaus nr.kdrichstratz. 2. Delle.Alliance.PIatz stein« Lombardware. L-ihhan» Spiegel. Ehausseestratzs. 7. Gtleflenkik'lfslaufe wenig getragene?« auch neuer Herrengarderoben. Pelz- waren«eine Lombardware« Liutpianos. llberaus preiswert. Piano» labrik Link. Brunnonstratz« 33' ZU.— monatlich, ohne Anzahlung, nur �.Mrmenpianos, langjährige Garantie, keine Phantasiepreis-. Adam. Rollen. doriplatz 7 fPianv-Abam)._* Bahrtviau»«, Prachtinftrup-ent«, Teil» Zahlung, teilweise Mietanrechunng. Piano labrik, Hauptstratze t, Ecke©tun». waldstratze.____ Alle, staunt. Steine Ladenpreise, ab Lager fabrikneue Pianos, Eiche, 489,—, schwarz 539.- bis 639.—. Langlährige Garantie, öahlung-erleichtorung. Rur Schünleinstraße 6. Piano-Beriandhaus Voigt, noru 2 Treppen, am gottbusseu Damm._______ � Bandonion«. Lange. Uhlig. weltbe. rühmt. Fabriklager. Isabrilprezse. Teil. Zahlungen, kleine Anzahlung. Musik- wcigel, Adalbcrtstratze 91. ffahreäder. ersikl-ss-ge Markenräder. Teilzahlung. ssahrradhous Ecntrum, Linienftratzc neunzehn. KsukgezucKe Zahngebisse. Silberfachen. ginn. Blei. Oueasilber. G-Idschm-lz-, Ehrlftionat, Käpenickerstr 39 snahe Adalbertstratze). ' Pistole», Stmeefotmatr, Iagdg-w-hre saust Preußner, Zteukölln, Aaiscr-Frtcd- rLch.(-trokL 244. Untsrricbt Snrzschrift. Waschineschr-ib-n. Buch. fsihrung, Rechnen, storrrespond nz, Deutsch, Schönschreiben, Büchcrrev sor Aulich. Ecndclstratze 1 �sSpittcIm.'-l!>. Tanzschul« Friedrich-Tonath, Michael» kirchstratze 39. Januar begwntn Cn.t.i. tags- und Wochentngskurse nir Anfänger, Vorgeschrittene und Ehepaare.' Wenig getragene Iackettanzüge. teil, auf Seide. Ich—, Smokinganzstqe. Bauch- -nzüg-, TaUlenmäntel. Paletot,, stau- nend billig. Gelegenheitskäufe in neuer S-rrengarderobe. Leihhaus Z'oscnthaler Tor, Linienstratze 203—204. Ecke Rosen. thalerstratze.«eine Lombardware. Littaner- Rähmaschjneu. Anzahlung 13.—. wöchentlich Z.—. Landsberger- strafte 28.«önigftadt 9533._* Rähmaschluen, alle Svftcme. Versend Maschinen, neueste Modelle, billig. 5ie. paraturen prompt,«astory.«ottbusser- dämm 6.» »getd«»! w Verschieden Saalbau Alpcndorl. Invalid'nstr 63, Lehrter Bahnhot Jeden M.limoch. Donnerslag. Sonnabend. So iniag: Erotzcr Ball Trrflpunll der Slroh- witwer. Erstklassige Stimmunaskapelle Grotze Silvcstcrfeier, Toppciorchcstcr. Tischbestollungen rechtzeitig erbeten.» Eolibrisäle, Martin-Luther-Stratze 69. Mittwochs, Donnerstags, Sonnabend» und Sonntags Eliteball der reiferen Zugend.' iü Eo sschstbeteibung aller Dertgeg nst de. old-, Sifocrfachen. Aktien.. r!. pap.ere. Pfändcrpcrkaus Pia d Lange. Moritzplatz, Aschingerhaus nnMuaame-nugepstil zu tatfächiich aiinstmen Preifen nur Möbel.liüagazin, Invalldenstratze I3l. S-IIestelle Slelliner Bahnhof. Stammhaus Allaenerftratze 13 Schlafzimmer. 160 breit, dreitsirlg. schioer» Ausführung, m:t echfcm illlar- mar und Spiegel 363,—, Eoeifezimmer, Herrenzimmer, komplett, ech! Eiche. 313.—, AnriditekÜchen, sicbentcilig, mit Linoleum, lasiert und lackiert. 93,-. Möbel-Magazin, Jnpalidenstratz« 131. Haltestelle Stettiner Bahnhof._ Arbeitsma j AnNecheschrhuk«. Nutzdaum fourniert, 139 breit, ans Pianodank, dreitsirig, extra Wäsche-Abtellung und Spiegel, 128.—. Englische Bettstellen, komplett. 53,—. Waschkommoden mit Marmor und Spiegel 78.—. Nachttische mit Avothcken»7�.. Moleitesvfa 63�- Cbaifefongu? 18�. Standuhren 68.—. Diplomateu 32,-. Lieezuatnche 78,-. Riescnauswahl in Einzekmöde!. kom» pleite Etnrichtungen. Renaissancemöbel. ?ahlungs«rloichtcrung. Mobel.Maqazin, Invalidenstratze 131. Sallestellr«tettl- ncr Bahnhai.» Lamxap'.cr. Gesucht unvcr!)cira.vi:r Manu tot Erfahrung im Piatt n» pressen. Oifcrtrn unter 6. 5 Haupt ctzne» b'.tion des..?srwurts".* Für grotzere Auslandsmo ua ,jcu suchen wir k:uc griltzer« Anzahl Mäh. n. launiantcurr, nur persekte ojr a er, sowie zwei selbständige Mühlen. Monteure al» Montagemeistcr zur>'e.. hing grätzcrer Montagen. Sdir st! h« Bewerbungen mit Ausbrüchen an nnse- ccn Meister, Herrn?ohann Tenschel, Berlin N. 29. Soldinerstratze 17. Mühlen» dauanstalt Simon A.-G., Nossen. Inserate im A vorwärts sichern Erfolg! Geübte OratittüuJitieftermeii an d-Brehmerschen Hoftmaschlne sucht Wäbhen» Co., Koch str. 6CC61.