Morgenausgabe Nr. 614 A 312 44. Iohrgang Wochenttta»*0 Pfenmg. monatlich A.— Reichsmart im voraus zahlbar. Unke, Streifband im In- und Aus» land Reichsmark oro Monat. De».Vorwärts' mit der illustrier» ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit� sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissen".Aus det fjilmwelt" .Stadlbeilage-.Frauenstimme�. .Det Kinderfreund-.Iugend-Dor» wärts-.Blick«n die Bucherwelt*. .Kulturarbeit- und.Technik* erscheint wochenräglich zwe.mal, Sonntags und Montags einmal. |PG>» Berliner Volksblatt Donnerstag 29. Dezember 192? Groß-ÄerlinlO Pf. Auswärts 15 pf. Die et n l P a l I tge Ronpare, Newell» K0 Pfennig. Retlame�eile 5.— Reichs» mark.Kleine Anzeigen" das settge» druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Wortes. ,edes weitere Wort 12 Pfennig Stellengeluche das erst« Wort 15 Pfennig, icdes weitere Wort 10 Pfennig Worte über 15 Buchstaben zahlen für zwe» Worte Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig Familianzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeiget»» annahm« im Hauptgeschäft Linden» llraße3. wochentags von L�/, di» 17 Uhr. Jsntralorgan der«Sozialdemokratischen Partei Neutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Felnsprcchkr: Tönhosj 292— M Teltgramm-Adr: Sozialdemokrat Berit» Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postlcheikkonto: Berlin 37 S2g— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestelliea und Beamten Walllir. KS. Diikonto-Gelellschos». Tepositenlasie Lindenstr S Durch Selbsthilfe zur Gemeinwirlschast. Konserenz der Funkkionare gemeinnütziger Ltnternehmungen. Gestern. Mittwoch, tagte in Berlin eine vom Bezirkesekretariat des Allgemeinen Deutschen Gcwerkschastsbundes einberufene K o n> fereuz der gemeinwirtschastlichen U n t e r n e h m u n- gen von Berlin und der Provinz Brandenburg. Rund 2 3 6 Vcr- t r et e>r, Funktionäre und Angestellte der Gewerkschaften aus den verschiedensten Orten des Berbreitungsbezirks hatten sich eingefunden, um Berichte und Referate entgegenzunehmen, wie es um die von der Arbeiterschaft gegründeten gemeinwirlschast- lichen Unternehmungen steht und wie sie aufgebaut sind. Die Konferenz stand unter Leitung des Bezirkssckretärs Kollegen Dollmerhaus. Eingeleitet wurde die Tagung durch ein großzügiges Referat des Genossen Eggert vom ADGB. Der Redner begann mit einem Rück- blick auf das Wirtschaft: jähr 1927. Das jetzt zur Neige gehende Jahr konnte wie keines in der Nachkriegszeit eine Glanzkonjunktur verzeichnen Die gewerkschaftliche Aussassung über den Wirtschafts- verlauf nach der Rationalisierung hat sich als durchaus richtig erwiesen. Die deutsche wi: tschast vermag sich nur voll zu behaupten, wenn sie sich den modernsten Produktion-bedingungen anpaßt und in jeder Beziehung konkurrenzfähig wird. Zu klagen hat die Wirtschaft. soweit das K o n j u n k t u r b i l d in Frage kommt, keinen Anlaß. Di« Produktionsergebnisie der Rohstofsindustrien waren noch nie so glänzend wie im abgelaufenen Jahre. Wenn nickt äußere Einflisile. wie beispielsweise die Angriss« Schacht» gegen die Kreditpolitik der Gemeinden, dazwischen treten, so werden wir bis weit in das neue Jahr hinein noch mit einer günstigen Konjunktur rechnen können. Die Schwarzmalerei der Unternehmer muß deshalb entschieden zurückgewiesen werden. In glänzender Weise legte der Kollege Eggert am Schlüsse seines Bottrogts dar, wie notwendig für den Verlauf der deutschen Wirtschaft die Aufnahmefähigkeit des deutschen Inlandsmarktes ist, die sich aus eine starte Kaufkraft der breiten arbeitenden Masten stützen muß. Die Stellung der Ar- beiterschaft in den gemeinnützigen Betrieben, die selbst mitten in der Wirtschastsprari» stehen, wird diese Erkenntnis verbreiten helfen: sie wird die Gewerkschaftsbewegung befruchten und den Weg zur Gemeinwirtschaft ebnen, die wir herbei- wünschen. Gottfurcht pom AfA-Bund ging in kurzer Rede aus das Verhältnis zwischen den Arbeiter- und Angestelltengewerkschaften ein und betonte die Notwendigkeit einer einträchtigen Zusammenarbeit der beiden Gewerkschaftszweige. Das weite Gebiet der Sonfumgenosienschasten und der volkssürsorge behandelte der Genoste hildebrondk in einer auf durchschlagendes Material gestützten Rede. Ausgehend von der geschichtlichen Eni- Wicklung der Konsumgenostenschaftsbewegung verwies der Redner auf die breite Ausdehnung der Berbrauchergenoffen- schalten in der Nachkriegszeit. Trotz Krisen und Inflation haben sich die Genostenschasten vorwärts zu entwickeln vermocht. Sie haben sich in jener Zeit, wo alles daniederlag, als das gesundeste Glied der Wirtschaft erwiesen. Besonders ist im Bereiche des Ber- bandes ostdeutscher Konsumvereine eine zufrieden- stellende Entw-cklung zu verzeichnen. Innerbalb der Provinz Brandenburg bestehen zurzeit 51 Genossenschaften mit ins- gesamt 252 633 Mitgliedern. Im Iabrx 1926 wurde ein Warenerlös von 53.2 Millionen Mark erzielt. Eigenprodukte wurden für 13,6 Millionen Mark hergestellt. 2604 Personen sind in Eine Million unterstützte Arbeitslose. Die Auswirkungen des Zrostwetters. Die Arbeitrlosigkcit hat in der ersten Hälfte des Monats Dezember welter zugenommen, wobei d°e starke kälte und die dadurch bedingte Unterbrechung fast jeglicher Außenarbeit eine große Bolle spielte. Die Zahl der hauptunierstähuag». empsänger in der Arbeitrlosenve'sichervng stieg von rund e�S 000 am 30. November aus 8 31 0 0 0 am 15. Dezember. also um 226 000 oder 37,4 v. h. Der Zuwachs entsällt ia der Hauptsache ans die m ä u n l i ch e n Arbeitslosen, deren Zahl von rund 507 000 aus 709 000. also um 202 000 zunahm. Bei den wribstchea Arbestriosen betrug die Stelgerung nur 24,4 v. h. Die Zahl der Sriseaunlerstühten nahm im gleichen Ze'I'aum um rvad 24 000 ivoa 147 000 aus 171 0001 oder um 16.6 v. h. zu. Die Gesamtzahl der unterstützieu ArbeiHosm ist somit von 750 000 auf rund 1 000 000 gestiegen(davon 150 000 grauen), vi« Zunahme beträgt also insgesamt rund 250 000 oder 33,3 o. h. « Wenn auch die sprunghafte Zunahme der unter- st fl tz t e n Erwerbslosen um rund eine Viertelmillion auf Ins- gesamt eine Million— wozu noch die nicht unter- st ü tz t e n kommen auf die Einstellung der Außenarbclten und ihren weiteren Auswirkungen zurückzuführen ist. so ist doch die Zahl der Arbeitslosen, die gezenwärtig über fünf der Warenverteilung und 396 in der Eigenproduktion belchästigt. In ISO Gemeinden sind 502 Vertellungsstellen vorhanden. Das ist ein glänzendes Ergebnis: dennoch ist die Bewegung noch stark entwick- wngsfähig, wenn man die Bewohnerzahl oder die Zahl der gewerk- schaftlich organisierten Arbeiter, Angestellten und Beamten damit vergleicht. Die von Gewerkschaften und Genostenschasten begründete gemein- nützige Versicherungsgesellsckiast Bolkssürsorge behandelte Bruno Btüller. Er konnte aus den guten Fortschritt dieses gewerk- schastUch-gei'.aiienschtistlichcn Instituts hinweisen. Das Ausdehnung»- gebiet der Bolkssürsorge ist jedoch noch lange nicht erfaßt. Ein großer Krebsschaden sind die sogenaniUen Bolksversicherun- gen und die Zeitschriften mit Abonnentenoersicherung. hier bestehen 60 verschiedene Zellschristen, die ihre Abonnenten zum allergrößten Teil aus den Reihen der Arbeiter und Angestellten holen, ohne daß diese sich bewußt sind, wie sie mit der Aufnahme solcher Versicherungen gegen ihre eigenen Jntcrcstcn handeln. Aufstieg der gemeinnützigen Nauwirtschast. Das Gebiet der wirtschaftlichen Unternehmungen der Arbeiterschaft ini Bauwesen behandelten die Kol- legen Sim m ermacher vom Verband sozialer Baubetriebe, G u t- schmidt von der Gehag und Fromm vom Märkischen Woh- nungsbau G. m. b. h. Slmmermacher zeigt« in seinem Referat den Ausbau, die Entwicklung der sozialen Baubetrieb« und deren Spitzen- orgaiiisationen Gegenwärtig, bestehen in Berlin folgend« Unter- nehinüngcn: Bauhütte Berlin G. m. b. h., die Deutsche Bauhütte G. m. b. h., die M a l e r h ü t t e Berlin, die Ber- l i n e r T ö p f e r h ü t t e G. in. b. h., die h a w a g, heiz- und Wasseronlage- Gesellschaft m. d. h., die Steinmetz- Hütte, Gemeinnützig« G. m. b. h., und als jüngstes Unternehmen die G l a j.e r h ü t t e. Trotz aller Schwierigkeiten entwickeln sich alle diese Uiitemehmungen in durchaus zufriedenstellender Weise. Sie tragen zu ihrem Teil dazu bei, daß an di« Stelle der sozialen Woh- nungsnot die soziale Wohnungskultur tritt. Recht interessant waren die Ausführungen, die der Kollege Gut- schmidt von der Entwicklung der Gehag machen konme. Die Gehag vermochte in den knapp vier Jahren ihres Bestehens ins- gesamt i» 2119 Mehrfamilienhäusern und 1476 Einzelhäusern zusammen 3595 Wohnungen zu errichten. Der Umsah, den die Gehag in den einzelnen Geschastsjahren erreichie, betrug im Jahre 1924 300 000 Mark, 1925 rund 3 Millionen Mark, 1926 rund 14 Millionen und 1927 wird er rund 18 Millionen betragen. Nicht ungetrübt sieht das Bild der Zukunft aus, namentlich wenn man di« F i n a n z i e- rnng des Wohnungsbaues betrachtet. Dennoch wird die Gehag ihre kulturpolitisch wie wirtschastlich gleich wertvolle Tätigkeit fortsetzen. Kollege Fromm vom Märkischen Wohnungsbau konnte zum Schluß ein intercstanles Bild von der Entwicklung dieses jüngsten in der Hauptsache für die Provinz gegründeten Unternehmens geben In verschiedenen Stadt- und Landkreisen wurden in den letzten IX Iahren, seitdem die Märkische Wohnungsbau G. m. b. H. ge- gründet ist, 800 Wohnungen erstellt oder in Angriff genommen. Die Konserenz verfolgte die interessanten Darlegungen aus den verschiedensten Gebieten der gemeinwirtschastlichen Unternehmungen der Arbeiterschaft mit großem Interesse. Die Beratungen werden heute sortgesetzt. Viertelmillionen insgesamt beträgt, so gewaltig, daß mehr als je von den Behörden alles getan werden muß, um Beschäfti- gungsmöglichkeiten zu schaffen. Jetzt ist der Augenblick zur Erteilung von AuftrSgenI Kuliurfriede in Indien. Der indische Ttationalkongreß für die Toleranz. London. 28. Dezember.(Elgenberichi.) Der in Madras kagmde„Indische Rationalkongreß" nahm einstimmig und unter beg i"erten Beifallskundgebungen des Kongresses eine Resolution an, in welcher die inkcrkommunale Einheit, d. h. ein Massen stillstand zwischen den sich be- kämpfenden moslemitischen und Hindu! st ischen Beli- gionsgemeinschasten in den einzelnen Gemeinden befürwortet wird. Moslem und Hindus werden zu einer gegcnseiligrn Achtung vor ihren Glaubensbekenntnissen aufgefordert. Der prästden» des Kongresse» hob die große historische Bedeutung dieser Entschrcßung hervor. mU der Indien nicht nur die Grundlage seiner Freihell lege, sondern bereits den Weg zur Freiheit beschrillen habe. Belgien» heereskon'Ingent. Die belgische Kammer hat gestern den Gesetzentwurs über das h e e r e s k o n t i n g e n t mit 91 gegen 80 Stimmen der Sozialisten, Kommunisten und flämischen Ratio- nalislen angenommen. Des Volkes Schule. Die Aussichten des Reichsschulgesehes. Von Kurt Löwenstein. Der Reichsschulgesetzentwurf war nach den Fanfaren- tönen, mit denen er in der Bürgerblockpresse angekündigt worden war, eine allgemeine Enttäuschung. Roch größer war jedoch die Enttäuschung über die„große" Rede, mit der der verantwortliche Minister von Keudcll die Be- ratung des Gesetzentwurfs im Reichstag einleitete. Man konnte nach der Stellungnahme der Regierungsparteien für die Weiterbehandlung im Bildungsausschuß auf allerhand gefaßt fein. Die für die letzte Form entscheidend ver- antwortliche Volkspartei hatte so zahlreiche und wesentliche Vorbehalte gemacht, daß man mit einiger Span- nung den Moment erwarten konnte, wo der Entwurf an den grundsätzlichen Widerständen der Volkspartei scheitern würde oder wann— wie es in dieser Bürgerblockregierung zur Regierungsgewohnheit gehört— Grundsätze für Regierungs- deteiligung geopfert würden. Zwei Monaie lang— und in jeder Woche vier» bis fünfmal vier Stunden ist der Reichs- schulgesetzentwurf mehr weitergeschleppt als gefördert worden. Noch nicht einmal die erste Lesung des Ausschusses ist beendet, und die durchberatenen Paragraphen, etwa 12 von 20, sind mit wechselnden Mehrheiten und an wesentlichen Punkten mit Vorbehalten für die zweite Lesung angenommen. Die Materie ist gewiß nicht einfach, aber bei der v ö l l i- gen Hilflosigkeit der Regierung und ihrer Par- teien wird die Sache nicht einfacher. Noch heute wissen die Regierungsparteien nicht, ob sie das Gesetz überhaupt zu- stände bringen wollen, noch welche Minimal- und Maximal- bedingungen sie für sein Zustandekommen stellen. Der Mi- nister von Keudell trägt nicht'wenig zur Verwirrung bei. Es ist ihm geraten worden, sich einen Wanderaewerbsschein zu be- sorgen, da er sein Regierungsgeschäst im Umherziehen zu be- treiben scheint. Im Bildungsausschuß erscheint er selten, immer nur für ein paar Minuten, gibt kurze, nicht immer verständliche, meist nicht sachkundige Erklärungen ab und verschwindet wieder zum deutlich merkbaren Mißvergnügen selbst seiner Parteien. Sogar seine engsten Parteifreunde werden nicht widersprechen können, wenn man feststellt, daß selten ein Minister für diese Aufgabe so ungeeignet war wie Herr von Keudell. Es ist daher nicht verwunderlich, daß das Schwergewicht der Führung im Bildungsausschuß von der Reichsregierung fast vollständig auf die preußische Regierung überging, deren klare, sichere und sachkundige Haltung der ruhende Pol der Verhandlungen geworden ist. Das Zentrum ist vorläufig sehr zurückhaltend gewesen. Das ist sicher angesichts der Lage diplomatisch klug. Es weiß« daß der Entwurf und seine Forderungen weit, von der To- leranzlinie der Weimarer Verfassung abführen. Die An- klagen, die wir Sozialdemokraten gegen das Zentrum er- hoben haben, waren berechtigt und wirksam, und seine Ver» teidigung war lendenlahm und innerlich unwabr. Die Deutschnationalcn fühlen sich durch die Verfassung nicht gebunden. Ihre Schulpolitik ist aufgepeitschte reaktio- näre„Mummerei". Daß sie taktisch tollpatschig und un» selbständig vorgehen, liegt an ihrer Geistesverfassung. Nur einmal sind sie lebendig und führend gewesen. Aber auch in diesem Fall war die treibende Kraft nicht politische Klug» heit, sondern eine besondere Feindseligkeit gegen die hervor- ragend fortschrittliche Schulentwicklung in Sachsen. Auf ihre Initiative hin ist der§ 18a, die Lex Sachsen, entstanden. Unter sozialistischer Führung ist noch vor Jnkrafttrelen der Reichsverfassung in Sachsen an Stelle der Bekenntnisschule die Gemeinschaftsschule getreten. Das war durch- aus keine revolutionäre Entwicklung, denn schon längst war in Sachsen durch eine kulturell hochentwickelte Lehrerschaft die Gemeinschaftsschule tatsächlich und allgemein durchgeführt. Mit juristischen Scheingründen hatte die sächsische Reaktion behauptet, daß die Gemeinschaftsschulgesetzgebung rechtsun- gültig sei und mit dem Anrufen des Staatsgerichtshofes zwar gedroht, aber diese Anrufung aus„Bescheidenheit" unter- lassen. Durch den Z 18a soll nunmehr der Rechtszustand vor dem 1. Oktober 1S18 gewaltsam wieder herbeigeführt werden. Dieser§ 18a ist schlimm st erTerrorismus und schafft einen völlig verfassungswidrigen Zustand. Nicht nur die preußische und sächsische, sondern auch die bayerische und thüringische Regierung haben vor diesem Terrorismus ge- warnt. Dieser§ 18a schafft eine katastrophale Verwirrung. Das weiß selbst die Reichsregierung, aber sie wagte nicht, diesem Treiben Einhalt zu gebieten. Deutschnationale, Zentrum und Volkspartei beschlossen den ominösen§ 18a, die Volkspartei unter dem Druck des sächsischen Abgeordneten Dr. Heinze. Die Bolkspartei hat mit Hilfe der Opposition einen Sieg gegenüber Zentrum und Deutschnationale erkämpft. Der „geordnete Schul betrieb" ist in einer Weise fest- gelegt worden, daß dadurch der größten Zersplitterung vorgebeugt werden kann. Aus der anderen Seite ober hat sie in wesentlichen Punkten gegenüber den Koalition»- brüdern nachgegeben. Die verfassungsmäßige Vorzugs- ffeffitng her Gemeinschaftsschule ist von ihr preisgegeben wor- den. Die Bekenntsnisschule hat mit ihrer Zustim- inung einen völlig kirchlichen Charakter be- kommen. Es ist sogar auf Veranlassung der Volkspartei noch eine Verschlechterung in bezug auf die technischen Lehrkräfte gegenüber dem Regierungsentwurf angenommen morden. Der Versuch, die Gemeinschaftsschule zu einer christlichen Ähule zu machen, ist vorläufig an dem Widerstand der Deutschnationalen gescheitert, die in der christ- lichcn Gemeinschaftsschule eine gefährliche Konkurrenz gegen die evangelische Bekenntnisschule sehen. Nur mit Mühe, infolge der scharfen Opposition der Sozialdemokratie, ist es gelungen, die weltliche Schule davor zu bewahren, daß sie zu einer Dissidentenschule ge- stempelt wurde. Aber die Beschränkung ihres Charakters und ihrer Entwicklung, wie sie der Keudellfche Eutwurf vor- sah, ist geblieben. Die Hauptschwierigkeiten des Entwurfs find jedoch noch unerledigt. Vorläufig weigert sich die Volks- partei wegen ihrer„liberalen Tradition" und ihrer„grund- sätzlichen Zluffassung", irgendeine indirekte geistliche Schulauf- ficht anzuerkennen. Vor allem lehnt sie den„Beauftragten der Religionsgesellschaften" ab. Das hat sie allerdings nicht ae- hindert, die Konsessionalisierung der Schulaufsichtsbezirke zuzugestehen. Aber der Beauftragte der Religionsgesellschaften findet in der Wählerschaft durch die Volkspartei außerordent- lich starken Widerstand und wird vorläufig von ihr so hart- näckig bekämpft, wie er vom Zentrum gefordert wird. Es scheint auch, als ob die zahlreichen Verhandlungen der Re- gierungsparteien über diesen Punkt bislang ergebnislos ver- laufen sind. Eine weitere wesentliche Schwierigkeit liegt bei den Simultanländern. Die Volkspartei wird durch ihre Wählerschaft in diesen Ländern gezwungen, den Art. 174 der Verfassung nicht nur als Schonfrist, sondern als S ch u tz- f r i st zu betrachten und dem Zentrum die Zulasiung der Be- kenntnisschule in den Simultanländern abzulehnen. Wie stark gerade die Volkspartei an dieser Ablehnung interessiert ist, zeigt die Stellungnahme der volksparteilichen Minister, die sich in diesem Punkte bei der Beratung im Kabinett ihre Stellung vorbehalten haben und diesen Vorbehalt ostentativ bekannt gegeben haben. Es scheint jedoch, als ob dieser Streitpunkt sich dadurch lösen wird, daß man die Regelung in den Simultanländern der Landesgesetzgebung überläßt. Ein außerordentlich schwieriges Problem ist die K o st e n f r a g e. Diese Frage ist von der Reichsregierung geflissentlich gemieden worden. Um so stärker haben die Länder und der Städtetag auf die unerträgliche Be- l a st u n g hingewiesen, auf die Hunderte von Millionen an Unkosten, die durch dieses Gesetz entstehen werden. Die wirt- schaftlickien Kreise der Deutschen Volkspartei haben in den letzten Wochen ziemlich energisch in der Oeffentlichkeit diese Mehrbelastung als unerträglich bezeichnet. Diese Kreise üben einen starken Einfluß auf die Volkspartei aus. Angesichts solcher Schwierigkeiten ist die Stellung der Volkspartei noch unentschieden. In ihrer Presse wird der Gedanke, daß dieser Gesetzentwurf zum Scheitern käme, auffällig stark betont. Die Führung der Opposition liegt bei der sozialdemokrati- schen Fraktion. Die Kommunisten reden zwar recht viel, in der Hauvtsache besteht jedoch ihre Tätigkeit in der„Entlarvung" her Sozialdemokratie. Das ist zwar keine neue Taktik, aber sie- wird bei der Wiederholung nicht geschmackvoller und lähmt die Wirkung der Opposition. Immerhin sind die K 0 m m u- nisten opportunistisch genug, um. nachdem ihre un- sinnigen Anträge abgelehnt sind, die sozialdemokratischen An- träge zu unterstützen. Die demokratische Opposition bewegt sich im wesentlichen auf der gleichen Linie wie die sozialdemokratische. Man hat in bürgerlichen Kreisen unserer Opposition nachgesagt, daß sie sachlich und zähe sei. Wir Sozialdemokraten wünschen, daß endlich ein Reichsschulqesetz zustande kommt. Aber wir wünschen es nur in Uebereinstimmung mit der Reichsverfassung. Man soll sich nicht darüber täuschen, daß wir noch starke Reserven in unserer Opposition Haben, und manche Erfahrungen im Bildungsausschuß sollten die bürgerlichen Parteien davon überzeugt haben, daß wir entschlossen sind, unsere Opposition zur größten Schärfe zu steigern, wenn die Regierungsparteien ihre längst nicht mehr berechtigte Mehrheit mißbrauchen wollen. Wir haben außer in unserer parlamentarischen Stellung noch in der gesamten kulturellen Oeffentlichkeit Deutschlands starke Reserven. Die letzten Wahlen haben deutlich gezeigt, wie stark der Bürger- block abgewirtschaftet hat. In dem Kampfe um ein freiheitliches soziales einheitliches und weltliches Volksschul- m e s e n wird die Sozialdemokratische Partei die übergroße Mehrheit des deutschen Volkes unter ihrer Führung vereinen. Eine skandalöse Verordnung. Oer Heeresersah der Reichswehr.— Alles bleibt beim altea. Vor mehr als einem Jahre, am 1k. Dezember 1326, hat Reichskanzler Dr. M a r x in Erwiderung auf eine Rede des Genossen Scheidemann im Reichstag eine Erklärung über das Ersatzwesen im Heere abgegeben. In ihr hieß es u. a., daß„zurzeit geprüft wird, ob und inwieweit Veranlassung vorliegt", Aenderungen der für das Ersatz- wesen geltenden Bestimmungen vorzunehmen. Ein ganzes Jahr lang hat man dann„geprüft", bis jetzt endlich die Der- ordnung über die Heeresergänzungsbestimmungen das Licht der Welt erblickt hat. Skd ist auch danach. Sachlich ändert die Derord- nung an dem bestehenden Zustand nichts. Werbestellen bleiben die Truppenteile, die„unpolitische Vereine" imd andere gemeinnützige Einrichtungen benutzen dürfen. Bekanntlich ist jeder Rechtsreattionär unpolitisch, jeder rechtsgerichtete Verein gemeinnützig. Politik und Eigennutz be- ginnen für die Reichswehr erst bei den Linksparteien und ihren Organisationen. Eine verschwommene Bestimmung soll Leute vom Heere ausschließen, die„auf eine Aenderung der ver- f a s s ungsmäßigen Zustände mit unerlaubten Mitteln" hinarbeiten. Großartig!— Aber die Hstler-Freunde in der bayerischen Reichswehr vom Schlage des Nachrichtenchefs Baumann avancieren zu hohen und höchsten Kommando- stellen. Was f t e als verfassungsfeindliche Bestrebungen an- sehen, kann sich jeder ausmalen. Das ganze ist ein Skandal. An den unerträglichen Verhältnissen bei den Einstellungen in die Reichswehr wird nicht das mindeste geändert. Mit einer Republikani- sjerung des Heerwesens hat die Verordnung nichts zu tug. Das wird Herrn Geßler im Reichstag deutlich gesagt werden müssen. Aas Kontobuch des Wehministenums. Enorme Geldfordenmgen der Reichswehr und der Marine für das Lahr In der großen Debatte, die End« März um die Gestaltung des Wehretats für 1927 im Reichstag geführt wurde, erklärte der Reichs- wehrminister Dr. Geßler, daß man Deutschland in Versailles „auf ein S y st e m festgelegt hat, das uns einen längeren Kamps mit unseren Nachbarn im Verteidigungskrieg völlig aussichtslos macht... Das, was wir mit unserem töeer zur- zeit schaffen können, ist nur ein ganz bescheidener Grenz- schütz." Auf dem Voden dieser Erklärung könnte die Sozialdemokralle sich mit dem Wehrminister zusammenfinden, denn noch nie haben wir bestritten, daß Deutschland bei seiner politischen und geographischen Lage eine gewisse Wehrmacht unterhalten müsse. um im Notsall die Grenzen schützen und die Exekutive ausüben zu können. Die Ziffern des vorjährigen ebenso wie des neuen, soeben dem Reichstag zugeleiteten Haushaltsanschlag» zeigen aber, daß für die Aufstellung des Etats ein anderes Wort des Wehrministsrs aus der gleichen Debatte maßgebend gewesen ist: .zlks hat sich eben nichts obstreichen lassen, und e» läßt sich n i ch t.s obstreichen." Bei der Beratung des Wehrewts 1927 hatte die Sozial- demokratie eine Ermäßigung der Ausgaben beim Heer von S4,2, bei der Marine von 38,3 Millionen beantragt, und niemand wagte damals zu behaupten, daß bei Annahme dieser Anträge die Ausbildung und Wehrfähigkeit der Reichswehr geschwächt worden wäre. Der Bürgerblock hat fic trotzdem sämtlich abgelehnt. Dieser leichte und glatte Sieg des Militärs über dos Parlament hat die Ansprüche des Wehrministeriums naturgemäß nicht eingedämmt. wie die folgenden Zahlen zeigen. Die Reichswehr. Der neue Heeresetat 1928 schließt nach der Reichstags- vorläge in den sorllauscnden und einmaligen Ausgaben des Ordent- lichen Hausholls ab mit 493,6 Millionen Mark. Im Jahr« 1927 wurden 476,7, in 1926 455,7. m 1925 438, in 1924 358,1 Millionen Mark oerlangt. 1928 ist also der OrdentlicheHaus- h a l t gegen 1927 um 169 Millionen angewachsen. Durch die Beamtenbesoldungserhöhung sind nun in allen Einzel- haushalten zwangsläufig Mehrausgaben entstanden. Sie betragen für den Bereich des Heeres 22,2 Millionen. Setzt man zur Ver- gleichung diese Zahl von der Endsumme für 1928 ab, so verbleibt im Ordentlichen Haushalt der Heeresabteilung gegen 1927 eine Minderausgabe von 5,3 M i l l i o n en. Selbst Herr Dr. Geßler wird nicht behaupten wollen, daß ein solcher Abstrich auch nur den denkbar bescheidensten Ansprüchen genügt. Die Durchsicht des Etats zeigt denn auch, daß gerade in den Abschnitten, die wie, Pionier- wesen, Waffen, Munition und Hecresgerät, Kraftfahrwesen usw., das vorige Mal wegen ihrer üppigen Ausgestaltung und der hohen angeforderten Summen am schärfsten angegrisfen wurden, nichts oder so gut wie nichts eingespart worden ist. Gerade bei diesen Kaplleln konnte unsere Kritik zum Vergleich die«nt- sprechenden Ausgaben des Vorkriegsheeres heranziehen. Und diese Dergleiche, die in den Verhandlungen des Reichstags dann noch auf das englische Rahmenheer von 1SOOOO Mann erstreckt wurden. ergaben trotz Fortfalls all« schweren'Artillerie bei der Reichswehr ein so krasses Mehr, daß alle Erklärung� und Beschönigung-. versuche hoffnungslos bleiben mußten, wenn irgendwo, dann Hölle Herr Dr. Geßler hier zeigen können, daß er gewillt ist. sich den finanziellen Nolwendlgkeiken Deukschland» anzupassen. Aber jes läßt sich alchts abstreichen!" Kostspieliger Reitsport. Für den Reitsport und die Reitausbildung mSbs- sondere der Offiziere werden anscheinend enorme Summen auf- gewendet. Bei vier verschiedenen Titeln mtt zusammen 12,8 Millionen sind Geld« in nicht festzustellender Höhe für llebungs-. Geländeritte und dergleichen vorgesehen. Auch findet sich in der Anlage eine Nachweisung der 32 Kategorien von Offizieren und Bs- amten d« Reichswehr, die Anspruch auf ein bzw. zwei Dienstrett- pferde haben.(Sine Anführung der Kategorien, die keinen An- spruch haben, wäre kürz« und einfach« gewesen. Sondergeschente an die Waffenlndustne. Will der Steuerzahler genau wissen, was die Reichswehr ihn kostet, so muß er zur obigen Endsumme von 493,6 Millionen noch 19 Millionen hinzurechnen. Diese sind ausgebracht im Etat für diy Kriegslasten und dienen zur Gewährung einmaliger Beihilfen an die für die Anfertigung von Waffen. Munition usw. zugelassenen Fabriken zu den Kosten der Umstellung dieser Betriebe. Aus Geheiß der Entente mußten die bestehenden Waffenfabriken zerstört werden: die benötigte Munition usw. darf nur in bestimmten, vorgeschriebenen Fabriken hergestellt werden. Da seit 1924 ab« an solchen Beihilfen nicht wenig« als 62 Millionen gewöhrt sind, wird der Reichstag sich die Verwendung dies« ungeheuren Summen und die betreffenden Verträge genauer ansehen müssen. Die Marlne. Bei der M ar i v e liegen die Verhältnisse nicht bess«. sondsn noch schlechter als beim He«. Je angespannt« die finanzielle Lage Deutschlands sich gestallet, um so schw«er und üb«flüsstg« wird die Last der Hunderte von Millionen, die die deuffche Marine verschlingt. Schisiahren ist nötig. Leben nicht. Dieses altbekannte Wort kann für Deutschland auch ohne Kriegsmanie Geltung be- hallen. Wie die deutsche Handelsflotte vor dem Kriege aus kleinsten Anfängen sich zur zweitgrößten Handelsflotte der Well enttvickell hat, lange bevor Wilhelm II. mtt sein« o«hängnisvollen Warine- spielerei beginnen konnte. so bedarfdiedeutscheSchiffahrt auch nach d« Katastrophe des Wellkrieges keiner Kriegs- flotte. Abbau, nicht Vergrößerung dieser in fast allen Abteilungen maßlos übersetzten Luxusflotille mit ihrem Haufen von Admirälen, höchsten und hohen Offizieren ist die Forderung d« Stunde. Der Ordenkllche haushall d« Marine schließt für 1928 nach der Reichstagsvorlage in den fortdauernden und einmaligen Ausgaben ab mtt 212 Millionen Mark, gegen 163V m 1927: 161V in 1926: 129,5 in 1925: 99,6 in 1924. Um den Steuerzahlern diese Aufwen- düngen gering««scheinen zu lassen als fie waren, halle man in den Vorjahren unt« Verletzung all« gesunden Etatsgrundsätze regelmäßig Dutzende von Millionen für Schrffsbauten aus den außerordentlichen Etat, d. h. auf Anleihen, übernommen. Unser langer Kampf gegen diesen Täuschungsversuch hat setzt zu dem Er- folg geführt, daß für 1928 zum erstenmal mtt diesem Brauch ge- brachen und der außerordentliche Haushall in' Fortfall gekommen ist. Setzt man mm, um v«gleichbare Maßstäbe zu erhallen, von d« Endsumme für 1928(212 Millionen Mark) die Kosten der«höhten Beamtenbesoldung mit 6,2 Millionen ob. und addiert man zpr End- summe für 1927(rund 164 Millionen) die in 1927 auf den außer- ordentlichen Haushall übertragenen 57 Millionen hinzu, so ergeben sich Endsummen für 1928 von 205,8 Millionen, für 1927 von 221 Millionen Mark. 15,2 Millionen ist also alles, was die Marine- abteilung selbst abgestrichen hat. Sehrvielmehrnachdieser Richtung zu tun. wird dringlichste Ausgabe des Reichstags werden. Denn am Aufbau, an der Organisation dieses kostspieligsten aller Aemter hat sich nichts geändert. Alle früheren Vergleiche mit der kaiserlichen Marine, die sämtlich zuungunsten des neuen Systems sprechen, behalten volle Gültigkeit. Das überflüssige Panzerschiff. Unter den Neuanforderungen ragt als größte und überflüssigste die Forderung einer ersten Rate von 9V Millionen für den Bau eines neuen Panzerschiffes hervor. Dieses ist zunächst auf 80 Millionen veranschlagt. Wir möchten aber bei diesem An- schlag an das von uns ausgedeckte, von der Marineleitung befolgte Verfahren erinnern, bei der Einstellung erster Schiffsbauraten die Gesamtkosten gering zu bemessen, um die Abgeordneten leichter zur Bewilligung der ersten Rate zu gewinnen. War der Bau begonnen und konnte der Reichstag nicht mehr zurück, so stieg mit jeder folgenden Rate die Veranschlagung stell an. So steht, um statt viel« nur ein Beispiel zu geben, der in 1926 auf 28V Millionen veranschlagte Kreuzer.Karlsruhe" jetzt bereits auf 40,5 M i l- livnen! Auch bei dem im vorigen Jahr begonnenen kleinen Kreuzer„E* werden die Abgeordneten jetzt bei der zweiten Rate schonend darauf vorbereitet, daß er mehr als veranschlagt kosten wird, wie hoch also das jehi angeforderte neue Panzerschiff sich schließlich stellen würde, kann niemand sagen. Nachdem der R e i ch s r a t mit der Streichung dieser ersten Rate in so erfreu- sicher Weise vorangegangen ist. wird hoffentlich eine Mehrheit des Reichstags diesem Beispiel folgen. Die Sozialdemokratie wird es an Bemühungen nach dieser Richtung nicht schien lassen und nicht in Verlegenheit sein, wenn die bürgerlichen Parteien jammttn sollten, daß den Arbeitern dadurch Arbeit und Brot entzogen werde, and«e p r o d u k t i o e A r b e i t s m ö g l i ch ke i t e n nachzuweisen. Oer Phoebus-Gkandas. Der Phoebus-Skandal wird durch den Etat in keiner Weise aufgehellt. Es ist nicht anzunehmen, daß die vielen hier in Betracht kommenden Millionen aus den großen Sammelfonds ge- nommen sind. Das hätte man vielleicht dem Reichstag, aber nicht dem Rechnungshof zu bieten gewagt. Auch aus den Betriebsmitteln der dem Kapitän Lohmann unterstellt gewesenen Seetransport- abteilung können die Summen nicht geflossen sein. Es ist dah« das wahrscheinliche— die angekündigte Denkschrift muh ja darüber endlich Klarheit bringen—. daß, wie bei den Sowjetgranaten so auch hier, ein besonderer, gar nicht etatisicrt« Fonds tu Betracht kommt, aus. dem die Herren Wiliiärs ungchenmit von irgendwelcher Kontrolle des Pgr.lgmeHs. od« des RechiÄstg�höss wieder«ibmäl aus eig ene Faust h'ohs Po litt k b-eibev könnten. Bürgerblock endlich die Kraft ausbringen, mit solchen Skandalen gründlich aufzuräumen? Die Verdunkelungen des Etats. Schließlich noch ein Wart zur formalen Gestaltung des Wehr» etat». Wir haben ihn stets als den undurchsichtigsten und verschlungen st«n aller Cinzelhaushalt« bezeichnen müssen. Mit sehr groß« Kunst und Geschicklichkeit sind in ihm alle Möglichkeiten, die die Reichshaushaltsordnung bietet, ausgenutzt, um das Etatsbild zu oerschleiern. Daria hak sich im Etat 1928 uichls ge- ändert. Unsere Kritik hat nur den Erfolg gezelligt, daß die Kurve der beantragten„E r rn ä ch tigungen" nicht mehr so stell wie in den v«gangenen Jahren ansteigt, und daß man etwas mitteilsam« geworden ist. Das Wehrministerium übergibt als einziges Ministerium nach- geordneten Behörden od« Truppenteilen aus den ihm zur B«- fügung stehenden Fonds„Mittel zur Selbstbewlrlschaflung" und entzieht diese dadurch der Konttolle de� Parlaments und bis zu einem gewissen Grade auch der des Rechnungshofs. Wie hoch diese Mittel waren, wurde bish« niemals angegeben. Au» dem neuen Etat kann mau nun endlich errechnen, daß auf solche Weise Beträge voo 42 Millionen beim He«, von einer Million bei der Marine fortgegeben werden.— Des wetteren fließen beim Heer E i n n a h- m e n. die nicht etatisiert werden, aus Fonds in Höhe von 102 Mil» sionen, bei der Marine aus 2, 6 Millionen an die bettefsenden Fonds wieder zurück. Die Beträge dieser mutmaßlichen Einnahmen werden auch nicht schätzungsweise angegeben, obwohl solche Schätzung nicht die g«ingsten Schwierigkellen machen könnte, da es sich seit Jahren .a»" i uie gieir en ifontte handelt. Die„gegenseitige Deckungsfähigkeit" von Etats» ansähen, die nicht nur nach sozialdemokratischer, sondern auch nach Ansicht des Rechnungshofes jede Möglichkeit einer Ueber- ficht und Kontrolle für den Reichstag ausschließt, wird im He« bei 13 Titeln im Gesamtbetrage von 30,2 Millionen, bei der Marine bei 32 Titeln im Gesamtbetrage von 96,3 Millionen, zusammen bei 126V Millionen nachgesucht. Da der Gesamtbetrag des Wehretots 7 05 Millionen betragen soll, sind durch diese eine Ermächtigung allein IS Proz. de» gesamten Etats jeder Kontrolle entzogen! b e r t>- a o b a r" v"-! 1928 aus die folgenden Jahre werden beim He« 178, bei der Marine 122 Millionen angefordert. Bei einer Gesamtausgabe des Wehretats von 7 06 Millionen sind also 42 Proz. der Gesamt mittel ,V b e r t r a g b a r"l Außerdem hat das Wehrministerium aus dem Etatsjahr 1926 aus Übertrag» baren Fonds Reste in Höhe von 94 Millionen nach 1927 über- nommen. Wie viele von diesen noch in 1928 vorhanden sein werden. ist noch nicht sestzustellen. Angesichts solcher verschlungenen Verhältnisse, auf die wir im Zusammenhang noch eingchen werden, schreibt das Reichsflnanz- Ministerium selbstzufrieden im Ueberblick:. „So sind in d« formellen Behandlung des Haushalts de» Deutschen Reichs die Grundsotze einer gesunden Ctatspraris fort» entwickelt, und eine immer orößereKlarheitundUeber. sichtlichkeit des Reichshaushasts durchgeführt." J. Noch den Neuwahlen des nächsten Jahres wird hoffentlich nicht nur mtt dieser Denügsamkett des Finan,jminist«riums, sondern viele» and«e, vor allem auch die Verschwendung im Wehr etat ihr Ende finden. Drei Könige kommen! Schwere Sorgen des Sesihbörgerblocks. Di« Bürgerblockregierung hat aus dem Sozialetat für 1928 die Summen zur Bekämpfung des Alkoholismus, zur Hilfe für Kinder Kriegsbeschädigter und Sozialversicherter und zur Hilfe für Grenzgebiete ge- strichen. Die Bürgerblockpresse schwieg. Sie meldete sich erst wieder, als der Reichsrat die Summen wieder in den Etat einsetzte, um sich darüber zu entrüsten, daß der Reichsrat die erste Rate für den Bau eines neuen Panzerschiffes ablehnte. Jetzt hat der Bürgerblock eine neue Sorge. Im nächsten Jahr bekommt das Reich den Besuch drerer„gekrön- t e r Häupter". Das veranlaßt die„Deutsche Allgemeine Zeitung" zu folgendem Notschrei: Berlin hat eine umfangreiche Propaganda zur Hebung des Iremdenoerrchrs, es hat Hotels mit ollem Luxus und Komfort, oder es hat kein Palais für gekrönte Gäste, die der Hauptstadt des wieder- aufstrebenden Reiches ihren Besuch abstatten wollen. Im nächsten Jahre sind mehrer« derartige Staatsbesuche zu erwarten. Das ist. als Zeichen der Wiederanerkennung und der Achtung, nach den Zeiten unseres Unglücks und der Dereinsamung warm zu begrüßen. Auch dos republikanische Berlin wird sich den fremden Monarchen nicht versagen. Man wird es sich gewiß gern gefallen lassen, wenn auf diele Weise etwas Glanz in unser— über den Ernst der Arbeit hinaus— reichlich nüchternes Dosein getragen wird. Und es wird dafür gesorgt werden, daß dies« Gäste die Aufnahme finden, die sie erwarten. Die Verhandlungen der zuständigen amtlichen Stellea turübtr. welche Gebäude für Staatsbesuche in Frage kommen, find noch nicht abgeschlossen. Es wird sich i n e r st e r L i n i e um eins der alten Schlösser handeln, die gegenwärtig entweder ganz leer- flehen oder behelfsmäßig« Dsrwsndung zu Ausstellur, gszwccken finden. Schloß B e l l« v u e wäre durchaus geeignet. G!elchzeitig mit diesen Erwägungen ist auch die Frage der Reichspräsidenten- resident wiederum erörtert worden. Da» gegenwärtige kleine Palais in der Dilhelmstroße versagt nicht nur den Raum für die Gäste mit Gefolg?�— es wird aus die Dauer selbst seineu engeren Zwecken nicht genügen. Und noch ein weiteres Moment tritt in den Bereich der Sorgen um die Ausnahme offizieller Gäste Deutschlands: die Verleihung von Orden undAuszeichnungen. Es wird Zeit, daß hier etwas geschieht, oder wir machen uns mtt der Angst vor-dem Lächerlichen selber lächerlich. Berlin braucht Palais für Könige, Hindenburg fühlt sich in feiner Residenz beengt— ob sich der Reichstag angesichts dieser erdrückenden Tatsachen nicht davon überzeugen wird, daß. für Kriegsbeschädigten? in der und ähnlichen Kleinkram kein Geld vorhanden ist? Gegen die geistliche Gchulaufflcht. .3145 westfälische Lehrer drohen, den Religionsunterricht aiederzolegen. Der Hauptausschuß des Westfälischen Lehrervereins hat«in« Urabstimmung unter feinen Mttgliedern vorgenommen, deren Ergebnis«ine scharfe Ablehnung der im 8 16 des Reichsschulgesetzcntwurses vorgesehenen Ueberwachung des ,stte'ii gto n sunterrichte durchs die kirchlichen Behörden de» deiiaet. 74.04 Proz. der Abstimmenden Helden«Närt, däß Religionsunterricht niederlegen werdev. wenn diese Lestunnrung de» Reichsschulgesetzentwurfe, Gesetz wird. Di« Abstimmung ist bisher in 9 4 Per einen mit 5SLS Mitgliedern, von denen 5D56 stimm- berechtigt waren, durchgeführt worden. Es beteiligten sich daran 424S Mitglieder--- S4 Proz. der Stimmberechtigten. Den Mtt- gliedern wurden folgende Fragen vorgelegt: 1. Sind Sie bereit, gemäß Art. 149 Abs. 1 der Reichs- Verfassung Religionsunterricht zu erteilen, wenn die Kirche auf die Ueberwachung(Einsichtnahme) verzichtet? 2, Sind Sie bereit, auf Grund de» Art. 149 Abf. 2 der Reichs- Verfassung den Religionsunterricht niederzulegen, wenn die in ß 16 des Reichsschulgefetzentwurfss unter»Einsichtnahme in den Religionsunterricht" vorgesehene Ueberwachung seitens der kirchlichen Behörden Gesetzeekrast erlangt? Beantwortet wurde: Frage 1 mtt»s a" von 4174(-- 96.26 Proz.). mit.nein" von 64 Mitgliedern(--- Ul Proz.). nicht beantwortet haben 19 Mitglieder(— 0,24 Proz.) die Frag«: Frage 2 mtt.ja" von A4S(= 74,04 Proz.), mtt.nein" von 873 Mitgliedern(--- 20,55 Proz.), nicht beantwortet haben 230 Mitglieder(--- 5,41 Proz.) diese Frage. Das ganze ist ein beachtliches Symptom für die Stimmung der deutschen Lehrerschaft gegenüber den reaktionären Absichten des Schulgesetzes mtt Bezug auf de« Religionsunterricht. Ob der Rechts- block dieser Kundgebung die Beachtung schenken wird, die ihr gebührt. möchten wir allerdings bezweifeln. Gin Soldatenschinder. Mildes Urteil. Der Oderwochtineister bei de« schweren Reitern tu H o f>« i»- mar, Gustav Engelhardt, hatte sich unmittelbar vor den Wech- nachtsfeiertagen vor dem hiesigen erweiterten Schöffengericht wegen geradezu unglaublicher Mißhandlungen eines ihm unterstellten Reiter« K. zu verantworten. K. trat kurz vor Weih- nachlen 1924 in die Schwadron des Oberwachtmeisters Engelhardt ein. Als Engelhardt K. zufällig in der Regimentskanttne traf, fragt« er ihn, ob er Urlaub wünsch«. Als K. das bejahte, schlug der Ober- Wachtmeister chm wiederhoit mit der Reitpeitsche ins Gesicht. Aehnliche Borfälle spielten sich später des österen ad. Als der famose Oberwochtmeister z. B. am Sonntag, dem 4. Oktobett 1926 in betrunkenem Zustande in die Kaserne zurückkam, verlangte er von K,, daß er sich auf den Boden lege. K. wies daraus hin, daß er seine eigen« Uniform trage. Der Oberwacht- meister bestand trotzdem aus die geforderte Unoerschämthett und drückte ihn zu Boden. Dabei sagte er:.Ich trete Dir Deine Lungenflügel kaputt und wenn ich in» Zuchthoue komme!" Der Reiter K. erstattet« damals Meldung, worauf SL drei Tage Stubenarrest erhielt. Als K. dann nach einiger Zell wegen Dienst. untauglichkett eittlassen wurde und hestia« Beschwerden an der Lunge verspürte, kam«» zu einer ärzllichen Untersuchung. Das Militär. gericht weigert« sich wochenlang, die Untersuchung durch einen Zivil« arzt vornehmen zu lasien. Ebenso lehnt« die Staatsanwaltschaft jedes Berfahren gegen den Oberwachtmeister a». Es bedurfte erst des Nachdrucks der öffentlichen Meinung, ehe dos Verfahren«ingeleUet wurde. Das Urteil lautre auf 3 Monat« 2 Wochen Gefängnis. Di« von dem Staats- anwall beantragte Degradation lehnte das Gericht trotz der ge. »eine» HaudUngsweis« des Lberwachtmeijiers ab. Merliche Freude. Tl � Papa Marx zu Mama Stresemann:»Solch gescheites Kind! Es hatte sich ganz hineinverwickelt, aber sieh nur, wie geschickt es sich wieder heraus-windelt!" Oer Parteitag in Frankreich. Außenpolitische Debatte.— Die Frage der Wahltaktik. ■*' Paris, 28. Dezember.(Eigenbericht.) Die beiden Hauptredner in der Debatte über.auswärtige Politik auf dem französischen Parteitag' waren Zyromsti und Paul Boncour. Zyromski. der einer der Wortführer des linken Flügels ist,?«tönte, dvh sofortige Toten auf dem Gebiete der auswärtigen Politik notwendig seien. Dies sei die Aufgabe der sozialistischen Inter- n a t i on a l e, die eine großzügiM Polttik für die Organisierung und Sicherung des Friedens entwickeln müsse. Es müßten im Parteiprogramm bestimmte außenpolttische Grundsätze aufgestellt werden, die im Gegensatz ständen zu gewissen Anschauungen, wie sie zum Teil sogar innerhalb der sozialisttschen Partei vertreten seien. Die sozialistische Außenpolitik müsse im Gegensatz zu der Außenpolitik der Regierung, die aus dem Borurtctt beruhe, daß der Friede nur.durch die Ausrechtcrhattung der bestehenden Friadensoartäge gesichert. werdeNj kchrM�chie. ZöpdxrztW �jner Re- vision der Friedensverträge aufstellen. Allerdings, fo betonte der Redner, oerlange auch bie sozialistische Partei keineswegs eine überstürzte Reviston der Bertrage. Aber st« müsse den Aberglauben ihrer UnantastbarkÄt bekämpfen, ebenso wie die von der Regierung betriebene Polttik der Bündnisse, denn die Der- gangenhett habe die Gefährsichkett dieser Allianzen zur Genüge be- wiesen. Schließlich fordert Zyromsti die Partei auf, in der Jnter- nationale dasür zu wirken, daß der Völkerbund demotrat i- s i e r t werde, anstatt, wie bisher, ein Instrument für die Aufrecht- erhallung der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung zu bilden. Paul Boncour machte gewisse Darbehalt« gegenüber dem vorliegenden Eni- wurf eines Wahlprograrnmes der sozialistischen Partei. Er sprach die B e s ü r ch t yng aus, daß die Formel einer sofortigen und bedingungslosen Räumung des Rhcinlaudes m einem ge- wissen Gegensatz zu früheren internationalen Beschlüssen stehen könnte. Er gab zwar zu, daß eine wirkliche Verständigung zwischen zwei Völkern unmöglich sei. solange eines dieser beiden Völker Ge- biete des anderen Volkes militärisch beseht halte. Indessen sei auf der Luxemburger Konferenz im Einoernehmen mtt der dem- schen Sozialdemokratie die Räumung von einer internatio- nalen Sicherheitskontrolle abhängig gemacht worden.(Anm. d. Red.: Das ist zwar richtig, doch ist in Luxem- bürg diese Kontrolle nur als ein realpolitisches Zugeständnis für «ine vorzeitige Räumung in Aussicht genommen worden, und zwar nur für die Zett bis zum Ablauf des im Vertrag vorgesehenen äußersten Räumungstermines. Darüber hinaus sollte diese inter- nationale Sicherheitstontrolle nur bestehen bleiben, wenn sie bis dahin durch eine internationale, also nicht mehr ein- seit ige Abrüstungskontrolle ergänzt werden würde.) Paul Voncour äußerte einige Besorgnisse, daß das Problem der Revision der Friedensverträge in dieser brutalen Form in die Debatte geworfen worden sei. Diese Forderung bedeute in der Hand der Sozialisten eine Handgranate, deren Sprengkraft man selbst gar nicht abschätzen könne. Uebrigens sei der Begriff der Revision der Friedensverträge in diesen Verträgen selbst ausdrück- lich enthalten. Zweifellos seien in diesen Vertrögen manche Ungerechtigkeiten entHallen. Aber gerade die immer wieder- kehrende Betonung dieser Ungerechtigkeiten schasse eine Geistesver- sossung. die schließlich dazu führe, daß man die jetzige internationale Lage vielfach noch als gefährlicher hinstell«, als sie rm Jahre 1914 war. Boncour bekannt« sich schließlich gleichfalls zu der Forderung einer Demokratisierung de« Bölkerbundes. aber Boraussetzung dafür sei zunächst die vemokrallsierung der Regie- rungeo. die im Dölkerbund vertreten sind, und dos sei in der Tat die nächste außenpolitische Aufgabe der Sozialdemokratischen Partei. Boncours Rede erntete lebhaften Beifall, jedoch wohl mehr als ein« rhetorische Glanzleistung denn Ihr« Inhaltes wegen, der von vielen Delegierten in manchen Punkten keineswegs restlos gebilligt wird. Das Sewerkschastsprogramm abgelehnt. Pari». 28. Dezember.(Eigenbericht.) Der zweite Tag des außerordentlichen Parteitages der französischen Sozialisten war mit der Diskussion de» Programms ausgefüllt. Reben leidenschaftlichen Auseinandersetzungen über die a u h« n p alrlis ch e n Forderungen der Partei goll sie vor allem dem Problem des Derhältnisses von Partsi und Gewerkschaften. In Frankreich, der Heimat des reoolutioaSrc» Eyudi« kolismus, herrschte bis in die jüngste Zeit ein« fast ungetrübt« Zusammenarbeit zwischen dem GewerkschoftSdund und der Sozialistischen Parteil Man wird das darauf zurückführen dürfen, daß die eigentlich« Gewerkschaftsarbeit m Vergleich zu den Leistungen der mitteleuropäischen oder der englisä/en Organisationen g e» ring er e Erfolge aufzuweisen hatten äls die politisch« Propaganda. Die von den Kommunisten herbeigeführte Spaltung der Partei und des Gewerlfchaftsbundes hat nun in dieser Hinsicht eine be- merkenswerte Folge gehabt. Während die Sozialistische Partei durch die Spallimg stark geschwächt wurde, hat der französische Gewerkschastsbund alle jene syndikalistischen oder anarchistisch ge- sinnten Elemente an die kommunistischen Gewerkschaft verbände verloren, wobei er zwar zahlenmäßig geschwächt, aber i n seiner Aktions kraft gestärkt wurd«- Heute hat die EGT. ihr« Stellung so well befestigt, daß sie, ohne auf Widerstand zu stoßen, eine gewiss« Unabhängigkeit von der ihr weiterhin nahestehenden Sozialistischen Pqrtei manisestieven kann. Sie hat da? prit großer D»u/tlichkeit in ihrem ynlHngst veiM«tt1icht«n Prygromm getan, das neben rein gewerkschaftlichen auch wirtschaftliche u>ü> politi- sche Forderungen allgemeiner Natur enthält. Die Raditale Partei Frankreichs hat dieses Programm ohne Einschränkung für die koch- Menden Wahlen akzeptiert, während die Sozialisten es(da Kundgebung der Arbeitergewerkschafte» nur rsgistrierterr, Die Distufston über diese Fragen ergab nun. daß die Mehr hell der Sozialistischen Partei es ablehnt, das von der EGT. auf- gestellte Programm zu übernehmen, weil sie— wie Zyromski aus- führte— nicht zulassen kann, daß der revolutionär« Sozialismus in Frankreich durch eine Bewegung ersetzt wird, die den Gewerkschofts- gedanken im bürgerlichen Staat verwirklichen will. Oie innerpoütische Debatte. In der Mittwoch-Nachmittagsitzung fand die zum TeL lebhafte Debatte über die wahllockttk der parle! statt. Es standen sich drei Thesen gegenübet. Die eine wurd« von Renaudel entwickelt, der sich für das Zusammengeh«, mtt der bürgerlichen Linken im zweiten Wahlgong aussprach und die Niederlage der Reaktion als da» wichtigste Ziel des Wahl- kampse« bezeichnete. Renaudel bedauerte dabei, daß das pro- gramm des Allgemeinen Gewerkjchaftsbundes abgelehnt worden sei. Cr würde es vorziehen, wenn die Partei sich schon jetzt grundsätzlich bereit erklären würde, im Fall« des er- warteten Sieges der Linksparteien an der Regierung teilzunehmen. Cr könne auch nicht die Vernichtung der radikalen Partei wünschen: denn eine Linksmehrheit werde nach den Wahlen nur gemein» s a m von den Sozialisten und den Radikalen gebildet werden können. Al» Hauptredner des linken Flügels sprach wiederum Zyromski. der für«in« gegenseitig» Unterstützung der sozialistischen und der kommunistischen Kandidaten beim zweiten Wahlgang eintrat. Andere Rodner, die die stark« Mehrhett des Parteitages vertreten. sprachen sich dasür aus, daß man den einzelnen Bezirksver» bänden die größtmögliche Bewegungsfreiheit für ihre taktischen Entschlüsse im zweiten Wahlgang gewähr«. Leon Blum, der der Wortführer dieser Richtung sein sollte,»erzichtet« zunächst auf das Wort. Di« Sitzung würde mtt einem Appell von Paul Faure zur Einigkeit geschlossen. Es trat sodann eine Kommission zusammen, die die R« s 0- lu t i o n des Parteitages in der Nacht ausarbetten und in der Donnerstagsitzung dem Plenum vorlegen soll Man glaubt bestimmt. daß es gelingen wird, die in der Debatte hervorgetretenen Meinungsverschiedenheiten über di« Taktik durch eine gemein, same Formulierung zu überbrücken, die vor allem auf der von Läon Blum vertretenen Anschauung beruhen wird, daß man di« einzelnen Bezrrksoerbäirde über die zweckmäßigst« Taktik s e l b st entscheiden lassen niüss«. Giudenien-pogromisten freigelassen! Bukarest, 28. Dezember. Der Vorsitzende des rumänischen Studentenoerbandes hat in einer Unterredung mit dem Unterstootssskretär Tartarescu auf die„n ach- t« i l i j e n Folgen" des Urteils im Studentenprozeß hingewiesen. Tartarescu„drohte", die ganze Studenterrbewegung gewaltsam zu unterdrücken, falls neue Unruhen entstehen sollten. Die vierzig noch in Haft befindlichen Studenten wurden auf Bitten des Studenten- jührers j reize lassen. Beendete Lohnbewegung. OasAngebot des VBMI. vsn den Funktionären der Metall- transportarbeiter angenommen. Die Junffionätc der Iranspotlarbeifet der Berliner ZNelall- Industrie, die de» zum Melallkarlell gehörenden Organ jalionen angeschlossen sind, bes'äst'gken sich gestern abend Im-De edener ftafino" mit dem Ergebnis der Lohnverhandlnngen, die in der vorigen Woche mil dem Verband Berliner Metallindustrieller gesüh'l worden sind. Genosse r o m k e vom Verkeh'ebr'nd aob rnnächl einen ein- gehenden Berich! von den Verhandlungen, die, wie wir bereils mil- geleill haben, nach länge. er Dauer zu einem Angebol de» VBM3. gefüh| haben, das ab 2. 3annar sür die I'ansporfa* beller der Klasse V e'ne Zulage von S P s. pro Stunde und sür die der Klasse IV und die Frauen von 4 P s. vorsieht. Das Lohnabkommen s'll bis zum Zt. Zr-ti 1328 gelten und kann erstmalig zu diesem Termin mit vierwöchiger Frist gekünd'gt werden. Fromke empfahl den Funktionären entsprechend dem Beschtuh des.ZNelallka teils die Zlnnahme dlrses Angebotes. 3n der Dirk' s'ion fand ilch sast kein Bedne", der für die An- nabme sprich. Bo-her' l-bend war die Wonnig de'- R�dne', an Stelle dieser Lohnerhöhung den tarislosen Zustand sls treten zu lassen. Dieser abweg'gen Avssalsung trat besonders Genosie llrich vom Metalla'bstterve band scha-s entaegen. der die Funktionäre warnte, den BietallindiistrKlen den Ball zu'uwerfen, auf den sie schon lange warten. Er liest o'>ch keinen Zweifel da-ube-, dost sich das Melastka tell ni�t für d'e Annahme dieses Angebotes einsehen wü de. wenn das �rgon'sntlonsverhältnis der T'ans- portarbe'ler ein besseres wäre. Bach der z'eml ch ausgiebigen Debatte beschlosten die Funktionär In geheimer Abslimmi ng die Annahme des Angebots de- Berliner Metallindustriellen. Damit Ist die Lohnbewegung erfolgreich beendet. Ein deutschnationaler Minister. Er pfeift auf das Ge�eh. Der deutschnationole Reich-verkehrsminister Dr. b. c. K o ch Hot am 21 Dezember 1927 eine Verordnung zur Abänderung der Betriebsräteverordnung tm Bereich der Deut« scheu Reichsbabn-Kesellschait erlassen, die in verschiede- nen Punkten u n g c s e sz I i ch ist. Co will er z. B. unter Berufung rnst§ 61 des Vetneberätegssestss die Wahlzeit der Betriebs- Vertretungen bei der Reichsbahn vom IS. Mai auf den 15. Februar verlegen und damit die Amtepenode der auf ein Jahr gewählten Betriebsvertretungen um drei Monate o e r- k ü r e n. Das Bornchen des Reichsverkehreministers ist auf Anträge der Christlichen Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner und des chirsch- Dunckerschen Allgemeinen Eisenbnhnervcrbandes zurückuiführen. D'e Vertreter des Einhcitsverbandes haben bereits bei den Berhand- lungcn über diese Antrüge auf ihre Uiigesesilichkeit hin- gewiesen. Der Einheii''vsrband der Eisenbahner dürfte dem Relchevcrkchrsminister deshalb Gelegenheit geben, feine in mehreren Punkten ungesest'iche Verordnung vor den Arbeitsgerichten zu oertreten. Der deutsbnationale Reichsvertehr-minister war früher Bor- standcmitglied der Christlichen Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner. Während des Ruhrkompses hätte Herr Koch genug Gelegenheit ge- habt, den gesetzlichen Weg. zur Acnderung der Wahlperiode der Betricbsvertretungen. kennen zu lernen Aber damals muhte er Bettelbriefe zugunsten der Gewerkschaf» Deutscher Eisenbahner an Arbeitgebervcrbände schreiben. Mindestens hätte sich Herr Koch bei seinem Ministerkollegen Dr. Brauns erkundigen können. Er bätte dort erfahren, dost der Reichstag, dem er selbst seit Jahren angehört, ein sogenanntes R o t g e s e tz beschlosien hat, auf Grund dessen der Arbeitcminister eine besondere Verordnung erließ, durch die die Amtsdavcr der BeViebsoertretungen des besetzten Hebieies vorübergehend verlängert wurde Auf Grund dieser Verordnung unterblieb seinerzeit auch die Neuwahl des Haupt- betriebsrates bei der Reichsbahn. Es wird allmählich höchste Zeit, daß Herr Dr. Koch, dieser merk- würdige Arbeitervertreter auf dem Ministersessel, aus Amt und Würden verschwindet. Gelegenheit, dies zu bewirken, haben die Eisenbahner bei den kammenden Reichstagewahlen. Vetriebsratswahlen in der Knorr-Bremse. An der Wahl des Arbeiterrats haben sich 3165 von 3547 Stimmberechtigten, das sind 89.2 Proz., beteiligt. Auf die Liste der s-elen Gewe ks Hasten entfielen 2082 Stimmen, dos sind 6 5,8 P r a z.; auf die Liste der-nationalen' Arbeiter 665 Stim- mrn, das sind 21 Proz: auf die Liste der-Rotgemeinschäst' 232 Stimmen, das sind 7,3 Proz. der abgegebenen Stimmen. Uu- gültm waren 186 Stimmen. Bei den Angestelltenlvahlen mit 894 Wählern wurden nur 468 Stimmen, das sind 58,2 Proz., abgegeben: 336 Angestellte haben überhaupt nicht gewählt i Die AsA-Liste erhielt 123 Stimmen, das sind 26,4 Proz.; die Liste der Deutschnationalen 138 Stimmen, das sind 29,5 Pro.z., und die Liste der-Vater- landts-ben" 145 Stimmen, das sind 39 Proz. Ungültig waren 62 Stimmen. . Unter der Arbeiterschaft der Knorr-Bremse ist also die Gelb- sucht bei weitem nicht mehr so stark verbreitet wie bei den Am gestellten. Bedauerlich ist, daß nahezu die Hälft« der Angestellten sich dazwischen nicht mehr zurechtfindet und anstatt die Gelegenheit zu benutzen, u»n den Einfluß der gelben Schmarotzer zu verdrängen, sich entweder nicht getraut, von Ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen, oder aber so sehr der fatalistischen Wurstigkeit verfallen ist. daß sie die Wahl für überflüssig und nutzlas häU. Gelbe waren es sicher nicht, die sich der Wahl enthielten. Diesen-Wahi- müden' müßte daher klargemacht werden, daß sie sich indirekt zu Helfern der Gelben degradierten, indem sie sich von der Aus- Übung ihres Wahlrechts drückten. Mehr als 399 Angestellte der Knorr-Bremse wissen immer noch nicht, wo sie hingehören oder scheuen sich wenigstens, es bei der Wahl zu bekunden. Ein schlechtes Zeichen! Oeutfchnationale auf dem Al-beiterfang. Ein Manöver des pommerfchen Landbondes. Vor eininen Tagen fand in S t o I p eine Landbunbtagung für Ostpamme-n statt. Es sprach dort u. a. der Vorsitzende des Pomme-scheu Larrdbundes, der deuti+nationoke Landtagsni-neord- nete R'ttergutsbesitier v. Rohr- Demmin über das Thema: -Unie- Krmps um.sV-'vt"nh Scho"e.' Jn dieser Rede sind nach dem Bericht, der in Nr. 289 der-Pommerfchen Tagespost' ver- öffentlickt wird, folgende Sätze zu finden: -Immer tiner sinkt dos L'ndo-lk oller Berufe in S�ulden- not. und die Löhne in der Lairdw rtscbrrt haben«inen Ab» st and von den Löbnen der Industriearbeiter ge» lunden. der unerträolich ist Unser Kamps geht also ouck um die Löhne der Landarbeiter... Für die Beützer liegt die NoHvendir'sit sehr nahe, ihre Notlage dnrcb Berrinnerurrg der Arbeitelöhn«?u vermindern. Aber wir dürfen den Landarbeiter nicht zum Proletarier werden lassen.' Das Ernebnis der Londbundtaarinn bildete aber eine Eni- s ch l i e b ii n a in der unter vn�e-em folnendes gesagt wird: -Wir fordern beoor'iiv'e SenVä-Hiauna der du-ch Kons. lind.6» nndarbeit We-t? schassenden Kräfte und freie Bahn für den Tüchtwen... Wir fo-dern Wahruno der londwirt» schaftlichen Interessen bei Abschluß des polni�cken Handelsvertranes. Schutz der Klein'-miern i'nd Lnnd- arbeiier vor dem Absinken auf polnisch« Kulturstufe infolge polnücher Breis«. Was wir fordern, entspricht dem Bewußtsein der Schicksals- verbundenhci' aller G-uppen des Landorlkes. Wir lebnen ab, den uns treffenden l'nnerecht-n. sur�tbaren Druck aiiselrtartder abzur-nl,en nnd kämpfen deebalb gegen eine Herabsetzung der Lohn« oder eine Beseitiguno des Devutats, aus dem der Arbeiter seelischen und wirllch-' frühen N"tzen ziebt' Wie es mit dem-seelischen und mirtschaftischen N'chen' des Deputat? b-stellt ist. darü'-er wollen mir für be"te nicht weüer reden. D-ß aber die mä-t immer schön na-�-chselten Wo-te des Herrn v. Rohr nur deutsch nationale Flunkereien sind, das geht ziemlich deutlich au? der Entschließung hervor. Da wird nur mehr gegen eine Herabsetzung der elenden Land- arb«iierlö5ne gelv-ochen. Können d-ese Löi'ne. V:e die Arbeiter aus der Landwirtschaft geradezu vert-eiben. denn noch heralmesetzt werden. Gerade die im Bommerschen Landb'-nd organisierten i'nternebmer haben sich birbc� immer den Bcmübungcn des Deuif'den Landarbeiterverbandes' um zeitgemäße und ge-echte Entlohnung der Landarbeiter entschieden widersetzt. Es sei in diesem Zusammenhange an die leiten Lvhnvcr Handlungen für die vier vornammerschen Kreise erinnert. Als Entgelt für diesen Be'nig will man die Landarborter vor den Wagen der deutschnat'aiKilen Agrarier svcmnen. Man will den Londg-berte-n zu den kommenden Reichstonswahlen d-e Deutsch- nationale Belksparte! m empfehlende Erinnenina bringen und da- nahen enreichen, daß llch die Arbeiter in nach stärkerem Maße zu Mitsprechern für die Wünsch« und Interessen deS-Pommerfchen Landhunger,' machen. B. Ruhr-Demmin saute dann am Schluß seiner Rede nach dem bereits erwähnten Bericht der-Bommerschen Toverpost': -Aber auch der Landarbeiter muß Kömnser wer- den für die Befreiung unseres Stander, um die Arbeiterschaft Deutsebtond? aus den Ketten des Ma-rismus z u b e- freien. Durch solchen Kampf gewinnt sie ein Recht auf den Staat." Wie sich die Junker den Lanvarbeiter als Kämvfer gegen den Marxismus vorstellen, Hot man in Anensdarf gesehen. Was aber von der Einstedung des-Bo�nipuschen Landbundes' zu halten ist, läßt auch die Stelle der Entschließung erkennen, wo von dem A b- sanken der Kleinbauern und Landarbeiter auf die polnische Kulturstufe infolge der von Bolen bei den Handels- vertragsverhandlungcn geäußerten Würriche die Rede ist. Um die Bauern und Landarbeiter auf die polnisch« Knlturftnäe absinken zu lassen. baNii-fte es rnän erst der Wünsche Bolen?. Dazu haben bereits in stärkster Weis« die deutschnationalen Graßgrund- b e s i tz e r beigetragen, die die polnischen Landarbeiter auch in Pommern mit Vorliebe in den landwirtschaftlichen Produktionsprozeß einspannen._ 3« der eigenen Schlinge gefangen. Vergebens sucht die„Rote Fahne' die K1>ZD. durch immer dicker aufgetragene Lügen aus der peinlichen Lage herauszureden. wohl von den Gewerkschaften und den Arbeitern im Ruhrgediet einen Generalstreik am 1. Januar.zu forde.m, s e l b st aber zu feige zu sein, irgendeine Aktion zu unternehmen. Denn die KPD. w� t ß ganz genau, daß durch ihre Schuld im Ruhr- gebiet-die Situation noch nicht so' ist, daß ein solcher Streck irgendwelche Aussichten hätte, auch um große ce Arbeitermassen mitzureißen, geschweige denn ersolgreich zu sein. Bei dieser bewußten Falschspielerpolitik kann es nicht über- raschen, daß die-Rote Fahne' zu unserem Nachweis der Fälschung eines angeblichen Zitats ans dem-Vorwärts' seelenruhig sagt. wir könnten die Richtigkeit des Zitats nicht bestreiten. Wenn Stalin schon kein« Redakteure brauchen kann, die in der Wahl ihrer Mittel wählerisch sind, so findet er ober offenbar auch niemanden, der dies« Politik wenigstens mit etwas Verstand verteidigt. In dem Artikel werden nicht nur oll« Tatsachen der kommunistischen Spaltung zunächst abgeleugnet, dann glatt zugegeben, es wird die Schuld an dieser Spaltung den sozial- demokratischen Gewerkschaftsführern zugeschoben, die durch ihre Per- rätereien die Arbeiter aus den Gewerkschaften hinausgeekelt hätten. Wenn es jetzt wieder aufwärts gehe in den Gswerkschaflen, in denen die Kommunisten freilich nichts zu bestellen haben, so sei das „ausschließlich das Werk der Kommunisten'. Also die sozialdemokratische Gewerkschaftsbureaukratie hat die Arbeiter verraten. Sie hat dies« aus den Gewerkschaften hinousge- ekelt. Nur zu den Kommunisten haben die Arbeite- Ver- trauen. Und zu. welcher Schlußfolgerung kommt die„Rate Fahne'? , Allgemein in allen Betrieben war die Stimmung so, daß, wenn der Metallarbeiterverband zum Kamps aufruft, die Ar- betterschaft freudig und geschlossen diesem Ruf folgen wird.' Die Kommunisten? Ja, die haben eben nicht das Vertrauen der Arbeiter. Wenn schon gelogen und geschwind ell werden muß, dann bitte etwas weniger dumm!_ Kein freigewerkschastlicher Weihnachiögotiesdienst. Dom Hauptvorstand des Zentralverbandes der Hrtel-, Restaurant- und Cafeangestelltcn wird uns unter Bezugnahme auf unsere Notiz In der Abendausgabe vom Dienstag mitgeteilt, daß der Weihnachtsapttesdierst im Dom auch nicht von dem Redakteur Richter, sondern vom-Christlichen Bund für Gasthausanoestollte' veranstaltet wurde. Diese angeblich rein religiöse und aewerkschaitlich neutrale Vereinigung hat die Redaktion der„Gastwirisgehilfen- Zeitung' ebenso wie die übriaen in Betracht kommenden Fachblätter ersucht, ihre Weihnachtsveranstaltunq bekanntzugeben. Danach hat alla R'chter cs unterlassen— wenn er es sch-n für nötig hielt, diese Mitteilung sezusaoen als unentgeltliches Inserat aufzunehmen—, die Mitteilung nach ihrem Ursprung kenntlich zu machen Damit ist seine Bersehlung auf der einen Seite geringer, aus der anderen aber um so schwerer. Ein gewerkschaftlicher Abreißkalender. Eine interessante Neuerscheinung auf dem Gebiete der gewerk» schaftlichen Propaganda ist der vom Vorstand des E i n h e i t s- Verbandes der Eisenbahner Deutschlands heraus- gerel'.ene Abreißkalender für das Jahr 1928. Dieser druck- technisch bervorragende Kalender bringt für die Verband ean'eftellteu, Funktionäre und Mitglieder bei Beginn eines jeden Quartals Hinweise aus die turnusmäßig zu erledigenden Arbeiten, wie es die Aufstellung und Absendung der bezirklichen Tätia'eüs- berichte, die Meldung der im Quartal neu aufaenammenen und von anderen Organisationen übergetretenen M'tgliedeni usw. sind. In den einentticken Kalenderspalten werden die Anaelleliten an den betreffenden Tagen dann nochmals an ihre wichtigsten Bureau- arbeiten erinnert, wie ,z. B. an die Fertiastell'ing der Quartals- abrechnunaen. die Aufstellung der Mitgliederstatistik, die Absendung der monat'ichen Abschlags- und Rest.zablungen an die Verbandskasse. die Revision der Ortskasse, die Anforderung von Beitrags- marken usw. Daneben zeigt jede Seite des Kalenders eine gute pho'a- graphische Aufnahme von Eewerks-H'aftrbäusern, Siedlurras- oder anderen Bauten der Institutionen Aibeiterschast. sowie ftatiftis+« Angaben über die Stärke und Leistungen der Gewerkschaften im allgemeinen und des Einheitsve-bandes und seiner einzelnen Orts- verwa'tunaen im besonderen. Des ireite-en cnrhält der Kalender eine große Zahl von wirtunpsvoll"!, Bildern aus dem Berufsleben der Eisenbahner. Gesckickt verstreut findet man in dieser mannirfalttoen KiOerre-i-e die Losungen d?? Verbandes und den immer wiederkehrenden Appell atz die Unorgani- s i« r t e n, nicht mebr länoer von ihren vorwärtsftrebenden Arbe�stomeraden abseits zu stehen. Der Berbandsvorftand dürste ritzt di-üer Ne»schöii'"ng einem seit lonoem bestebenben Bed'-rrnis feiner Mitgsteder und Funk'ioncire Rechnung getrauen hrherr. die durch diesen Kosender einmal zu jeder Zeit an ihre Bslichten erinnert, zum anderen aber auch schlaowortattig zur steten Werbung neuer Mitglieder angespornt werden._ Die Löhne in der amerikanischen Schuhindustrie. Im Jahre 1926 betrug in der amerikanischen Schuhindustrie der durchschnittliche Stundenlohn eines Arbeiters 52,8 Cents(nrnd 2,22 M). Das bedeutet gegenüber den 1922 gezahlten Rekordlöhnen eine Abnahme um 5,6 Pro.z. gegen 1913 dagegen ein« Steige- rung um 12 Proz. Der durchichnittliche Wochen- verdienst belies sich im vergangenen Jahr- auf 2 5,8 7 Dollar 1198,65 M.) und weist im Vergleich zu 1929 einen Rückgang um 4 Proz., gegenüber 1913 jedoch ein« Zunahme um 9 5 Proz. aus._ S«D..M-taI!arbe>tcr bei 21. Bezirli. Morgen, ffrediag, 1« Uhr, bei Imberg, Oberschiincwe:de, Wiihclminenhofslr. 34, wichtige frrati onofiftung der SVD. Dee Arattlonsoorstonb. Freie Sewerllchaftijugerb Seoß. Berlin. Heute,?onnerslag, IStj Uhr, tagen die(Truppen; Franlsurter Lllee: etäbt. Iuger.dhc.m üitouet etc. in. Zimmer 3. Jahre oendnimmung.— Lar. biberger?lag! Iugenbhe m bcs Ost ns, ffirostc Frank'urtcr ftr. 16, Quergeb. pari., Zimmer 2. Ein Äbend mnst scher rZunl».— Süden, Tüdwesten: Slädt. Jugendheim Borckstr. 11(Fabrikgebaudei. Unsere tileintunslbiihne produrierl sich im Ltegreifspiel.— Tcmpelbos: Gruppenheim Lnjeum German'astr. 4—6. Heiterer Jahresabschluß.— Südosten! Gruppaiheim Neichenderger Str. 66 ssseuerwehrhaus) Silvcstcrsput.— tlöpeaick! Jugendheim Grünauer Etr. 6. iTUickblid— Ausschau.— Humboldt: Jugend- Keim(s raun-, Ecke Lortzingstraß«. Sp'es. und Bo.'kstantabend.— Sesu-d» brunren: Jugendheim? aie Cchute, Gotenburger Straße. Frohsinn am Iohres-nde.— Moabit! Etädt. Zusrndhe'm Lehrter Str. 1b— tg. Heiteres aus d-n Büchern pon Plaut und Seüf George.— Sharlottenbaeg: Zug— dhe m Spreesie. 30. s.üchdlick— Ausblick.—«eißenlee: Jugendheim Parkstr. 36. Chorprobe._ Verantwortlich für Politik: Gr. C-rt Geyer! W'.rtkchafi:«.«lingelbafer! Gewerkschaftsbewegung: Fr. Cgknrn: Feu lleton: Ä. H. DSs�er: Lokales und Soustiae«: Friy Jtotstäbt: An»eioen; Tb Glocke, sömilich in Berlin Derlag: Porwärts-Per'ag G. m. b. H., Perlin. Druck: Porwürts-PuZ dr-ckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u Co., Berlin SB 63 Lindenstraße 3. vier»! Beilnae» nnd.Unteibalwno»ad ViNea- EtziVk« BEYCOU» NlektB&ftsckitelettSßfielelame- sondern die Qualität ist es, die den Raucher veranlaßt, ENVEK BEY- Zigaretten zu rauchen, Verlangen Sie diese und Sie werden finden, daß es keine besseren 5-Pf.-Zigaretten gibt Ttr. 614* 44. Lahrgang -1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 29. Dezember 1927 Das Musterhaus einer Volksschule. Die neue Schule in Schlachtensee. In bm zum 10. Berliner Derwoltungsbezirk eitliörenden Ortsteil Schlochtensee ist vor einiger Zeit eine neue Volksschule in Benutzung genommen worden, die rrohl wert ist, einer Besichtigung unterzogen zu werden. Nähert r.mn sich, vom Bahnhof Schlachtenfcc kommend, der Dinge unkundig, dem Haus, so kommt man ins Raten, was es wohl für einen Zweck hoben könne: schmale, dicht beieinander liehende Fenster in einer nur zwei Stockwerk hohen Front Darüber ein nettes Ziegeldach. An der Breitseite schieben sich aus dem Doch zwei Man- forden heraus, unter denen ein fast stilwidriges, aber doch sehr nettes Erkerchen wie eine beträchtliche Nase hervorspringt. Diese trkernaje hat den Zweck, den lieb ergang von der zwei- zur drei- stockigen Bauweise des nebenan gelegenen Traktes zu verdecken. Es ist die neue Bolksichule, die Schlochtensee sich seit niesen Vahren gewünscht und nun endlich bekommen hat. Davor las Rektorengebäude mit der von bunten Sgraiiito gerahmten l'hr. Im ganzen ein trotz der Benutzung überkommener Bau- formen doch ungewöhnlicher Bau. Eine Volksschule, die aber doch nicht mit jenen Schülermasien rechnet, wie sie im dichtbevölkerte� Berlin üblich sind. Ob man daran wohlgetan Hot. mutz sich bald zeigen, denn von den IS vorhandenen Schulklossen sind jetzt bereits ,'le bis auf zwei deseht, und der Ortsteil Schlachtensee ist noch sehr ausdehnungssähig. Trotzdem bekommt es ein absolut ohnungs- loser Zeitgenosse mit Namen Klatt und seines Zeichens Studienral i. R. fertig, der Mitwelt gedruckt mitzuteilen, daß er sich nicht.erklären sänne, wie die Klassen jemals gefüllt werden können. Es ist selbst« verständlich, daß derartige Ahnungswsigkeiten nur den alles gläubigen t'eferit des Hilgenbergs che» �Lokal-Anzeiger" vorgesetzt werden können. " Und nun das Innere des neuen Hauses. Ein ganz schlichter, gor nicht repräsentativer Eingang. Oer Maler Hase malte darüber ein blaues Himmelszelt mit dem Tiertreis. Dann teilen sich die Kor- ridore, während eine schlichte Treppe nach oben leitet. Die Korridore find von sparsamer Breite. Sie empfangen dos Licht durch die schmalen Fenster, die man von der Strohe aus sieht. Die Klassen liegen nach dem Hof, um volle Ruhe zu haben. Sie sind hell, freundlich und zweckmäßig! viele haben eigene lvaschgelegenheil. Dann ober sind drei Räume von allen übrigen besonders beachtenswert. Die Aula, der Tirrnsaal und die Schulküche. Selbstverständlich ver- züchtet die Aula aus jeden Schmuck und Ausputz. Sie ist ein ganz einfach gehaltener Raum. Braune Bänke, gelb getönte Wände, an denen durch die ringsherum laufenden Reliefbänder das Horizontole Moment betont wird. Oben an der Decke hinter opalisierendem Glas die Beleuchtung. Alles ist dazu angetan, die Aufmerksamkeit lediglich aus die Bühne zu lenken, die hinter einem in schönen Falten fallenden Vorhang verborgen ist. Mit ihr Hot es eine eigene Be- wandtnis. Hinter dem Borhang schließen Schiebetüren die Aula vollkommen ab. Werden sie geöffnet, so kann man in einen neuen langgestreckten Raum schreiten, den Zeichensaal. Es sind aber Vorkehrungen getroffen, hier Kulissen aufzubauen, so daß man sehr schnell aus dem Zeichensaal den Raum für die BühNe gewinnen kann. Da nun ober der ganze Ortsteil keinen eigenen Versammlungsraum hat. so hat diese Schulaula auch diesen wichtigen und wertvollen Zweck zu erfüllen. Und sämtliche Einwohner Schlachtensees sirid froh darüber, doh sie endlich eine solche Stätte hoben, die ihnen jetzt von evangelischer Seite mißgönnt wird. Die Turnhalle als Stätte körperlicher Ertüchtigung ist nicht minder wertvoll. Sie ist ausgelegt mit roten und grauen Gummiplatten, und wenn dos ein Luxus sein soll, so können die Turnlehrer als Fachleute ein Wörtchen mit- reden. Eine Längsseite ist ganz eingenommen von schwedischen Ribstols. Kein Beck zerreißt die schöne Fläche des vaales; sie find versenkbar und tauchen bei Bedarf gehorsam aus der Tiefe auf. Der dritte Clou aber, das Entzücken der Mädels der ersten Klasse, ist die Schulküche. Da bilden nun je vier Mädel eine Familie. Jede Fa- milie hat einen Tisch mit vier Schemeln, einen Küchenschrank mit allem notwendigen Geschirr und einen Anteil an dem Riesenherd. Dazu Spülbänke und sonstiges Zubehör. In den dafür angesetzten Stunden wird mit einem Eifer und einer Hingabe Probe gekocht und gewirtschastet, daß die zukünftigen Ehemänner ganz beruhigt sein können. Mit großer Befriedigung stellt man dann hei einem weiteren Gang durch die Schule fest, daß man in guter Verteilung für körperliche und geistige Ausbildung zu sorgen bemüht ist. Der Physiksaal ist ein richtiger kleiner Hörsaal mit aussteigenden Bänken. Im Vorführungsraum find selbstverständlich Epidiaskop und Kino vorhanden. Die Bibliokhek, ganz in blau gehalten, ist noch im Auf- bau begriffen. Im Kartenzimmer können bequem dreihundert Karten, gerollt und sofort zur Hand, ausbewahrt werden. Eine große Terrasse dient dem Zeichenunterricht. Der Gesundheitspflege dient neben dem Turnen ein prächtiges und sehr bequemes Brausebad. Ein Rlilchkrinkraum gewährt für 10 Pf. einen Viertelliter Milch- Außerdem sind Räume für den Schularzt und den Schulzahnarz» da. Merkwürdigerweise soll dem letzteren nicht dos Inventar bewilligt worden sein. Während die Mädchen außer ihrer vielgeliebten Küche noch einen Platt- und Rollraum, eine Waschküche und einen Räh- räum mit 6 Nähmaschinen haben, haben die Jungen zwei Hand- sertigkeitsräumr, einen für Papierarbeiten und einen für Tischler-. arbeiten mit Hobelbänken und allen Geräten. Die Zimmer für die Lehrer und die Lehrerinnen scheinen uns aber, so freundlich sie attl sich sind, doch allzu einfach ausgestattet zu fein. Der Geistesarbeiter muß noch einigen Stunden konzentrierten Denkens die Möglichkeit haben, sich geistig und körperlich zu entspannen. Also bequeme Liege- stühle. wie sie die Amerikaner längst haben. Dafür hätten aber die Räume größer sein müssen. Lehrküche für die Mädchea der ersten Klasse. Im SchuUBrausebad. Diese Schule, die in Schlachtensee von dem Zehlendorfer Ma- gistratsbaurat Schwiertz in Gemeinschaft mit dem Architekten Engel- brecht und dem Kunstmaler Hase erstellt worden ist, ist ein in jeder Beziehung ehrenvoller, dem Zweck würdiger und in der Erscheinung schlicht-schöner Baut er rühmt nicht nur die Baukünstler, sondern er ist auch ein rühmenswertes Zeugnis von einem Aufbauwillen der hetztigen Generation, der durchaus und in jeder Beziehung in den eng gezogenen Grenzen das Bestmögliche zur Befriedigung moderner Schulbedürfnisse erreicht hat. Das Merkwürdige daran ist nur, daß dieser würdige schlicht« Zweckbau in evangelischen Kreisen Eni- rüstung erregt hat und daß ein Herr Dr. D i b c bi u s in kirchlichen Gemeindeblätlern schreckensblah die fassungslose Frag« auswirft: „Kann ein Volk, das eben einen Krieg verloren hat, sich solche Gc- l>äude leisten?" Auf Herrn Dibclius und seine Volksschulfeindlichkeit werden wir demnächst noch einmal zu sprechen kommen. Hundertjahrfeier der Technischen Hochschule Dresden. Am 4. bis 6. Juni J028 soll in Dresden die Hundertjahrfeier der Technischen Hochschule stattfinoen. Die ehemaligen Studenten der Technischen Hochschule der Stadt Dresden werden gebeten, Anschriften und Wünsche dem� Ausschuß für die Jahrhundertfeier, Drcsden-A. 24, George-Bähr-Straße 1, Zimmer 77, zu übennitteln. 7öj �Zement. 5Xorllarl von Fjodor Gladtow. Ist Dadjin dagewesen— oder nicht? Vielleicht war das der gewohnte Alpdruck? Alpdrucke sind doch immer so realistisch— wie das Leben. Sind sie nicht deshalb so schrecklich und erschüttern sie nicht deshalb die Seele? War Vadjin da— oder nicht da? Sie lag unbeweglich, ganz nackt und zerschlagen. Das chemd war wie ein nasser Fetzen über der Brust zusammen- gedrückt und roch nach Schweiß und nach noch etwas Ekel- staftem, das sie früher nicht gekannt hatte. Lange fühlte sie ihren Körper nicht: als ob sie nur einen Kopf hätte— und keinen Körper. Ueberall ist Leere und Unendlichkeit: ein schwarzer Abgrund. Und sie ist nicht da— nur ihr Kopf, und der Kopf schwimmt gewichthos in diesem uferlosen Wasserwirbel. Und dort, im Dunkeln und hinter dem Dunkel — ist ein erschütternder Donner und ein furchtbares Sturm- geheul. Es ist so gut und so ruhig, nichts existiert mehr und auch die Zeit— existiert nicht mehr. Sergeijs Schritte ertönten vor ihrer Tür. er blieb stehen. Warum kam Sergejs an ihre Tür? Polja hörte diese Schritte, ihr Herz zog sich zusammen, ihr Körper füllte sich plötzlich mit Blut und erzitterte in wilden Krämpfen. In den Beinen, am Bauch— ein dumpfer Schmerz. Badjin... ja, seine Tür ist nebenan, neben ihrem Kopfe. Er war da— und ist wetzgegangen. Und es war kein Grauen— es war nichts. Und tief innen im Herzen schlägt und zittert und plätschert in heißem Strome und würgt im Hals ein brennender, schreck- licher Schmerz. Die Zähne klappern und finden nicht aneinander. Und das Herz und der Hals brennt und tut weh.... ..Ach!... Ach!"--- Sie krümmte sich im Bett zusammen, kroch auf den Boden und verstummte plötzlich in tödlickem Schreck.... Wieder verdichtet sich die Dunkelheit und fällt mit schrecklicher Schwere auf sie. Jetzt kriecht sie auf sie herauf, erdrückt sie wie ein Felsen und klammert sich mit Krallen in sie hinein____ Halb bewußtlos lief sie. barfuß, im Hemd, auf den Gang Packte die Türklinke an Serg'iis Tür. ichlug um sitsi und konnte, blind vor Angst, ihre Augen nicht von der offenen Tür ihres Zimmers wenden. Schnell bitte! „Sergejs! Sergeij!.. Sergejs!" Sie kratzte an der Tür, kroch an ihr hinauf und fühlte wie im Traum, daß die Tür nicht aufzubringen war. Und als sie sich öffnete, umfaßte Polja Sergeijs Hals und erstickte im Schluchzen und Weinen, klein, hilflos, mit den zarten Rippen eines Kindes. Auch Sergeijs Hände und Füße zitterten und sein Herz schlug vor Erregung. Er führte sie zum Bett und deckte sie zu. Goß ein Glas Wasser ein und ihre Zähne klapperten am Glas und das Wasser floß ihr am Kinn hinunter. „Das ist schrecklich, Sergeij... das ist ekelhaft.... Ich weiß nicht, was geschehen ist— aber es ist etwas ge- schehen, was nicht gutzumachen ist, Sergeij." Er setzte sich auf einen Stuhl neben sie und richtete ihr schüchtern und zart ihre Kissen, ihre Decke, streichelte ihre Hände, ihr Haar, ihre Wangen. „Nun, nicht doch.... Beruhige dich, Polja.«.. Ich weiß... wenn du geschrien hättest— so hätte ich die Tür eingeschlagen und hätte ihn erwürgt." „Du weißt nicht, Serjoscha... du weißt nicht... man kann mit ihm nicht kämpfen... man kann sich vor ihm nicht retten." „Wollen wir nicht sprechen, Polja. Trink noch ein bißchen Wasier. Ich werde hei dir hier sitzenbleiben und du schlaf nur ruhig. Du mußt unbedingt schlafen. Das ist der Nord- oft.... Lange schon hat kein Nordost geblasen.... Mvrgen wird es frisch und kühl sein." „Sergeij... Serjoscha... du bist mir so nah und lieb. ... Ich wußte, daß das so kommen wird, Serjoscha.... Und ich konnte nicht.... Ich weiß nicht, was noch sein wird. Serjoscha." Er saß neben ihr und zitterte mit inneren, unaufhalt- samen Stößen. Und zum ersten Male erzitterte er in dem Augenblick, als er Badjins Stimme hörte. Und er fühlte den Boden unter sich wanken, und alle Sachen oerließen seit diesem Augenblick und mit dem ersten Dröhnen des Nordosts ihren Platz und flatterten wie Vögel im Zimmer herum. „Ich wußte, Serjoscha, daß das nicht so einfach ausgehen wird.... Hast du diese Gesichter tzejehen, diese Stimmen gehört?... Brüder, helft. Huungerl... Und die Würfel, und die Geigen, und das Kaffeehaus... und die Auslagen, und die in Händlertum verwandelte Revolution.... Und dieses.. das ist alles dasselbe, Serjoscha." „Ja, das ist dasselbe, Polja.... Man muß diese schreck- liche Zeit überwinden.... Wir müssen sie durchleben.. � wir müssen es, koste es, was es wolle." Sie schlief ein, seine Hand in ihrer, und er laß neben ihr, rührte sich nicht und sah sie aufmerksam, mit trauriger Liebe, bis zum Sonnenaufgang an. 4. Sabotage. Im Werk ging nach Gljebs Abreise eine fieberhafte Renovierungstätigkeit vor sich. Die zerschlagenen Scheiben der Fenster und die Dächer der Bauten waren noch nicht erneuert und in den Betonwänden klafften noch Löcher zwischen den herausgerissenen rostigen Eisengittern, aber im dämmrigen Innern, unter den Sternen der elektrischen Lampen, stöhnte und trommelte schon das Echo von Hämmern und Bohrern, vom Knirschen, Klingen und Schmatzen des Metalls. Es arbeiteten alle Arbeitskräfte, die im Unikreis auf- zutreiben waren— zweihundert Menschen. Die Instand- setzung des rotierenden Ofens verlangte besondere Aufmerk- samkeit. Man mußte die Stahlverkleidung umnieten und die innere feuerfeste Schicht erneuern. Man mußte neue kleine Metallteile für die Stampfmaschinen, für die Mühle, für die Hebel, für die komplizierten Verbindungsmaschinen gießen. Die Reservoirs für den flüssigen Teig waren sehr beschädigt. dort mußten neue rotierende Rührhölzer hineingegeben und ganze Systeme von Röhren, phantastische, zylindrische Siebe und andere Bestandteile, graziös in Linie und Zeichnung, aus Holz und Metall, umgetauscht und geändert werden. Am wenigsten gab es im elektro-mechanischen Werk in der Moschinenabteilung zu tun. Dort war Brynsa. Dort lebte Brynsa, dort lebten auch die Maschinen. Menschen, blau vor Staub, arbeiteten emsig, krochen neben den Oefen herum, sprangen über verflochtene Rohr- netze, über das Spitzengeriesel der Querbalken, über Treppen, Geländer, wie Spinnen, nagten wie Ratten den hartgewor- denen Schmutz in den Höhlen und Löchern ab, bohrten, schnitten, sägten Eisen und Kupfer, verwickelten sich in Drähten, schimpften, fluchten, lachten, spuckten Schmutz und erstickten vor Staub, vor Hitze, vor der plötzlichen, stürmischen Erschütterung iiurch die Arbeit. Auf dem zweiten Verbindungswege ging die Arbeit ruhiger und stiller vor sich. Die Schienen wurden an ver- schiedenen Stellen ausgewechselt, die Viadukte wurden ge- richtet und die Wege von Steinen und Schutt gereinigt. (Fortsetzung folgt.) > Oer Verkehr in der Siwesternachi. Di« Reichsbahn wirb— wie bereits mitgeteilt wurde— in der Siloesternacht auf der Berliner Stadt- und Ringbahn und den meisten Vorortstrecken einen Sonderzugverkehr einrichten. Außerdem werden die Züge auf der Stadtbahn in Abständen von 10 und die aus der Ringbahn in Abständen von 20 Minuten verkehren. Die Hoch- und Untergritndbahn hält in der Silvester- nacht während der ganzen Rächt den Betrieb in gewissem Umsangc ausrecht, ähnlich, wie das auch im Vorjahre der Fall war. Die Züge verkehren— wie wir hören— auf den Strecken der inneren Stadt in Abständen von 5 Minuten, aus den Außenstrecken in Abständen von 10 Minuten. Auch die Flachbahn Warschauer Brück«— Lichten- berg fährt die ganze Nacht hindurch, und zwar alle 10 Minuten ein Wagen. Die A b o a g teilt mit. daß auf d«n Nachtomnibuslinien der Verkehr verdichtet und bi» in die Morgenstunden des 1. Januar ausgedehnt wird. Die letzten Wagen oerkehren von den Endpunkten im allgemeinen zwischen S.00 und 6.40 Uhr. und zwar: Linie 1: letzter Wagen ar Zeughaus 6.l0 Uhr, letzter Wagen ab Halensee. Rmgbahnhof, 6.10 Uhr: Linie 4: letzter Wagen ab Nettelbeckplatz 6.30 Uhr, letzter Wagen ab Hermannplatz 6.40 Uhr: Linie S: letzter Wagen ab Stettiner Bahnhof 5.30 Uhr, letzter Wagen ab Steglitz, Rothaus, 6.33 Uhr: Linie 8: letzter Wagen ab Weißensee, Anton- platz, 3.10 Uhr, letzter Wagen ab.Wilmersdorf, Ka Zerplatz, 5.55 Uhr; Linie 9: letzter Wagen ab Pankow, Kirche, 5.40 Uhr, letzter Wagen ab Reichskanzlerplatz 6.10 Uhr: Linie II: letzter Wagen ab Turm- straße 4.55 Uhr, letzter Wagen ab Hermannplatz 4.55 Uhr; L i ni e 19: letzter Wagen ob Bahnhof Lichtenberg 5.24 Uhr, letzter Wagen ab Stephanplatz. 5.24 Uhr: Linie 20: letzter Ästigen ab Westend 5.00 Uhr, letzter Wagen ab Zehlendorf 5.55 Uhr: Linie 29: letzter Wagen ab Pankow. Kirch«, 5.35 Uhr, letzter Wagen ab Hermannplatz 5.35 Uhr.. Der S trotz endo hnb«tri eb in der Slwesternocht wird durchgehend aufrechterhalten durch die Linien 1. 69, 74. 76 und 100, während die Linien 4. 15. 23. 27. 32. 36. 41. 44. 43, 54. 55. 60, 66, 177, 87, 187,.99 nur einen Nachtbetrieb auf gewissen Teil- strecken unterhalten. Auch die übrigen Linien lassen ihre Wagen im verlängerten Nachtverkehr fahren. Am 1. Januar um 5 Uhr früh wird mit der Ausgabe der U e b e rst e i q ef a h rs ch e i n e zur Reitbsbahn begonnen. Bis 6 Uhr(ausschließlich) wird zu diesen Fahrscheinen gemäß Nachttarif auf den Nachtomnibussen der übliche 20-Pf.-Zuschione des Formalen vollzogen hat Diese Künstler in Berlin, rn Poris, oder wo sonst in Europa sie ihren Exotismus trieben, lebte» ein Leben in europäischer Zivilisat'vnt lediglich im Künst- lerischen waren sie dem exotischen Vorbild angepaßt. Es ist klar: wo das Derhäl'nis zum Exotischen, zum Wilden sich derart ledig- lich in der�Spbäre des Formalen abspielt, da ist es eben in der Tat ein„Spiel", dos sich„abspielt": es erreicht nicht die Voraus- sestung der Existenz selbst: es gehört nicht dem Ganzen des Lebens an: es ist ein abgezogenes, troß aller Heftigkeit doch nur „ästhetisches" Verhältnis. Ein Blick mrf die Bildwerke genügt, um dies einzusehen. Eine europäische Malerei oder Schnitzerei, die sich— man dors beinah« saoen: programmatisch— barbarisiert, kann unmöglich die gleiche Wirkung üben wie ein bildnerischer Ba"bari?mus, der die Kraft des Naiven und Ursvrünglichen, des in Wahrheit Ausdrucksvollen hat, da er die Sprache eines bis in die letzten Fasern erotischen Lebens ist. Der europäische Exotismus wußte gerade in seinen programmatischen Tarbarismen etwas Unglaubwürdiges haben, denn er gehörte nicht den vollen Tatsachen eines errtifcken Lebens, sondern den dünnen Tatsachen eines späten europäischen Lebens an." „Bor den echten Dingen der Wilden," fährt Hausenstein fort, „stehen wir Europäer mit gebundenen Händen: voll von dem melancholischen Bewußtsein, daß wir diese Ding« vielleicht einiger- maßen nachahmen können, aber niemals die Fülle, die Wahrheit, die ungeheure Macht des Ausdrucks vermögen w«rd«n, der auch diese furchtbaren Dokumente in das herrliche Gesamtrdch des Schönen erhebt. Wir können es unternehmen, ebenjo primitiv zu sein wie die Wilden: wir können versu6>en, den Cbarakter der europäischen Kunst, die ja freilich in den Tagen des Cäzonne bis zum letzten Grad einer großartigen Verseineruna vorgedrungen ist, abzustoßen. Wir werden damit vielleicht Menschen täuschen, Menschen erregen, ober nicht das Auge Gottes, das unsere Der- legenheit oerwirst oder über sie läckelt. Um so zu modellieren oder zu schnitzen, wie die Wilden tun, muß man so sein, wie sie sind. Da man aber nicht sein kann, wie sie sind, wird man auch niemals ihre Mittel faden: oder sollte man sie dennoch faberr, so wird man mit ihnen nie die von den ursprünglichen Säften des Lebens ge- schwellten Formen erreichen, die einer Negerplastik ihr« überlegene Einfachheit, Gewalt und Größe geben. Wer nicht in den vrimitioen Notwendigkeiten der Wilden lebt, wer nicht die primitive Sättigung, die ihren Antrieben vom Geschick gegeben ist, auf eine wahrhast ielbstverständliche Weise erfahren muß, der vermag weder die Nundhett. noch die Stärke, weder die..bezminaeiüde��chauerlichk«»,'. nsch den mächtigen Humor der Form der Wichen. Bielleicht, daß auch Europa einmal die Form gefabt� hak. die wir beute mit dsnch Neid der von 2000 oder 2500 Sohren abendländischer Gescklchte müden Ohnmacht der Spätling« sehen: damals, als längst ver- schüttle Geschlechter der Boraeschicht« Dina« vom Tyvus der Specksteinfiaur aus Ment-'ne bildeten— Dinge von einer anl- malischen Urbrunst der bildnerischen Hand: oder noch damals, als unsere Ahnen rot und blond in den Bereich der römischen Zivili- sation einbrackzen. die zugleich raffiniert und erschöpft und freilich auch bereit war, zähmend die Kräfte der Barbaren auszunehmen— äbn'ich wie wir heute bereit sind, Ne Kräfte der N«ae, in unsere bstdncrische Form oder, mit mehr Glück, in den RHntbmus unserer Musik.zu übertragen. Damals entstand als ein« Milchung bar- bariscker Antriebe und lateimicki-griechischer Ueberlieferuna der roman'fche Stil. Das formal« Wcien einer snibromartischen Bronze und einer Bronze aus dem von den Briten 1837 siinfae'lich zer- störten Negerreich Benin, das forma'« Wesen einer Steinsigur aus Meriko und eines frühroinanischen Kapitäis. die Erscheinung einer peruanischen Töpferei und einer Ehimäre des frühen Mittelalters ist ungefähr daeselbe. Aber: unsere„exotische" Kunst liegt hinter uns, nicht"vor uns!"___ Arabisches Kaffee-Zeremoniell. Die heiligen Bräuche, die bei der Bereitung und Darreichung des Tees in Japan üblich sind, haben durch die Schilderung japani- scher Dichter mid die Schönheit der dabei verwandten Gefäße Be> rühmtheit erlangt. Weniger bekannt Ist das Kaffeezeremoniell der Araber: und doch steht der arabische Kosfeemeister in der Würde und Feinheit feiner Kultur nicht hinter dem japanischen Teemeisler zu- rück. Dtefe» Kaffeezeremoniell der Beduinen schildert M. D. Ben- Gavriel in einem Aussatz der bei Hugo Bermühler in Berlin er- scheinenden Monatsschrift„Der Erdball", in dem er von einem Besuch bei den Beduinen der Hulesümpse in Palästina berichtet. Er kam zu diesen Sumpsbeduinen, um die Malariakranken zu unter- suchen und zu heilen. Ader zunächst wurde er im Lager der Almanijebeduinen von dem Scheit empfangen und mit den uralten Zeremonien des Kaffeetrinkens begrüßt. „Frauen bringen mit edelster Anmut der Bewegungen getrock- netes Wurzelholz und getrockneten Kamel- und Büsfelmist und machen in einer Grube am Eingang des Zeltes Feuer an. Woraus sie sich sofort zurückziehen," so schildert der Verfasser dle Zeremonie.„Der Echeik— sein Platz ist stets dort, wo der Kaffee gebraut wird,— (ireist würdevoll in einen Lederbeutel und reicht den neben ihni itzenden Unterführer des Stammes etwa zwei Handvoll ungebrann- ten Kaffees, die dieser auf einer großen kupfernen Pfanne über dem Feuer röstet. Wir verteilen indessen unseren. Zigarettenvörrot und bringen langsam unser Gespräch aus die Schäden der Malaria. Feiner Dust des gebrannten Kaffees beginnt das Zelt zu durchziehen. Der Unterfcheik schüttet den gebrannten Kaffee in seiner Handfiöcke und reicht ihm einen Mann von herkulischem Körperbau nitt mächtigen, bis an die Schultern reichenden Schläfeniocken, der ihn in einen schön geschnitzten Mörser wirft und mit einem schweren, gleichfalls geschnitzten Stössel nach dem Takt eines Liedes zerstößt. Der Schelk hat indesien einige Körner Hei(Kardamon) einem anderen Säckchen entnommen, die gleickfall» geröstet werden, um dann an den Mann mit dem Mörser weitergegeben zu werden, der sie nach dem Takt «ine» anderen Liedes zerstößt. Dieser Hel, der dem beduinischen Kasse« den spezifischen, unvergleichlichen Geschmack gibt, wird dann der Kaffeebrühe, die indessen in komplizierter Mischtechnik bereitet wurde, beigegeben. Nachdem der Kaffee dreimal aufgekocht ist. kostet der Scheik ob er für die Gäste gut genug sei. Noch wiederholtem. überlegenem Kosten ist er zufrieden, und nun werden die kleinen Schalen mit Wasser aus einem Tonkrug, besten Oeffnung durch Pfefserminzkröuter oerschlosien ist(wodurch das Wasier einen an- genehm erfrischenden Geschmack bekommt) ausgewaschen, und-hie Ääste erhalten die erste Schale des bitteren, starten und heißen Ge- tränkes. d. h. da sie geehrt sind,-ine Schale, die nur zum Achtel gefüllt ist. Unter genau festgelegten Zeremonien, wlederhottem Wintersturm in der Biscaya. Von Richard Huelfenbeck. Ich bin oft in meinem Leben durch die Biscaya gefahren, fast inuner hat sie ihrem schlechten Ruf Ehre gemaäst, aber niemals habe ich so schlechtes Wetter in der Biscaya erlebt, wie das erste- mal, als ich mich in ihrem wilden Kessel befand. Wir kamen mit einem kleinen Frachtdampser von Rotterbam» und hatten Stückgut für Ostasien geladen. Auf dem Kohlsingel in Rotterdam standen in langer vereister Reihe die Tannenbäume für das nahe Weihnachtsfest. Es war ein melancholischer Nachmittag, als wir die Stadt ver- ließei?, von irgendeinem Kirchturm der Stadt hörten wir deutlich Wilheimus von Naffauen spielen. Wir alle lvuhten, was für ein Tag es war, aber niemand wagte daran zu rühren, zu Hause putzten sie jetzt den Weihnachtsbaum. Wir fuhren auf eine un- bestimmte Zeit hinaus, mit jeher Seemeile entfernten wir uns mehr von der Heimat. Ein schreckliches Gefühl der Ohnmacht und der Niedergeschlageichett ergriff uns, als die Schlepper angeschossen kamen uitd sich vor unser Schiss spannten, das langsam von dem Schlick des Hofens in die breite Fahrtrirmc der Scheid« glitt. Als wir ausfuhren, brannte auf einem der großen Rheinleichter, von denen man hier Dutzende sieht, schon ein Christbaum, ini Borbet- fahren sahen wir durch das winzige Fensterchcn den Schiffer, ein« wetterhorte bärtige Type, der vor dem Lichtcrglanzc verlegen dle Mütze in den Fäusten drehte. Der Kapitän hall: die Honoratioren" des Schiffes, den ersten Ingenieiir, den ersten Offizier und mich in den Salon zu einem feierlichen Abendessen gebeten. Der Salonsteward hatte ein Bäum- chen in Hamburg getaust und war dabei/ ihm die letzten silbernen Kugeln in die Zweige zu hängen. Wir saßen lange schweigend zusammen. Der Kapitän war ein großer blonder Pommer, der im Rufe«nes„zarten Riesen" stand. Trotz seiner körperlichen Stärke war er seelisch ein Kind, er sah mit kleinen unschuldigen Aeuglein in die Welt, er war unfähig, seinen Gefühlen einen Zwang anzutun. Er fuhr seit dreißig Iahren als Kapitän auf Frachtschiffen, das Meer und seine Gefahren hatten einen merkwürdigen Philosophen aus ihm gemacht. Wenn ihm die Well nicht mehr paßte, zog er sich in seine Kabine zurück, legt« Patiencen, beschäftigte sich mit seiner Briefmarkensammlung und trank Schnaps. Er trank so viel, wie er kriegen konnte, er ver- trug eine ungeheure Menge, und niemand konnte sich entsinnen, ihn jemals wirtlich betrunken gesehen zu hoben. Es war so, als hätte er den Spiritus nicht in seinen Magen, sondern in sein« Seele gegossen, die wie ein unergründlich melancholisches schwarzes Loch war. Einen ganz anderen Charakter hatte der erste Ingenieur, ein weltfreudiger dicker Fünfziger, dessen einzige wirkliche Leidenschaft da« Esten war'Schon eine-Stunde vor den Mahlzeiten ging er mit unruhigen- Schritten vor der Kombüse auf und ab Und suchte von dem nicht sehr zugänglichen Smuttje etwas über das„Diner� zu erfahren. Da dos Esten auf unserem Frachtschlorren primitiver als primitiv war, befand er sich in einem ständigen Zustand der Erregung, er beschimpfte die Kompagnie, die schlecht für ihre An- gestellten sorge, et sagte dem Koch nach, daß er kein Koch, sondern ein Gefangenenwärter sei, er kalkulierte und kombinierte, wie man das asten verbessern könnte, und redete ununterbrochen auf den Kapitän ein, der ihm mit melancholischem Ricken beipflichtete. Zwischen Kapitän und erstem Ingenieur bestand eine Art Ehe, in der der erst« Ingenieur, der dem Kapitän täglich mit neuen Wünschen im Ohr lag, dle Rolle der Frau spielt«. Und wie es oft ist, gegen di: Frau konnte der„Olle" nicht auskommen. Was der erste Ingenieur wollte, setzt« sich durch, und wenn jemand etwas vom Kapitän wollte, mußte er sich an den ersten Ingenieur wenden. Der erste Offizier war ein todkranker Mann, er litt an einer unheilbaren Schwindsucht, die er ab:r selbst für einen unwichtigen Husten hiell. Auf seinen Backen branitte ein verdächtiges Feuer, er hustete ununterbrochen und war so mager, daß die Matrosen de- haupteten, wenn er aus dem Brückendcck stehe, könne man die Sonne durchscheinen s?hen. Wir saßen friedlich zusammen und sprachen von der Heimat, als plötzlich der Schiffsrumpf von einem gcwottigen Stoß getroffen wurde.„Aha," sagte der Kapitän,„wir sind aus der Scheide raus. Das ist die offene See!" Er trank auf einen Zug ein riesiges Grogglas aus und oerschwand, indem er sagte, er müsse mal auf der Brücke nach dem Rechten sehen. Als er nach einer Viertelstunde zurückkam, pfiff er durch die Zähne:„Nettes Wetter haben wir da am Weihnachtsabend erwischt." Auf der offenen See tobt« ein Südweststurm, der uns unbarmherzig durcheinanderfchüttelte. Die Funkstatton von Ouestant mel- bete aus der Biscaya:„Tempete Sud-Ouest!" Am Abend des ersten Feiertags saß ich in der„Funkbude". von allen Seiten hagelte es Sturmmcldungen und Warnungen. Die Matrosen liefen an den Leitetauen, die quer über dos Schiff ge- spannt waren, so schnell, wie die langen Oelmäntel es zuliehen. Sie sagten bitter:„So sieht unsere Bescherung aus." An Bord war alles festgczurrt und angebunden, Gegenstände, die die See erreichen konnte, waren unter Deck verstaut. Ich saß, wie gesagt, in der Funkbud«, wir hörten Daventry, es ivar ein merkwürdiges Gefühl, sich auf einem tobenden Ozean zu befinden und dabei der Jazzmusik, dem Geräusch eines elegan- ten Publikums zu lauschen. Uns:r Funker war ein frommer Mann, er gehörte der Sekte der Christian Science an, immer wenn er. Zeit hatte, sah er für einen Moment in ein dickes bibelortiges Buch, das neben ihm auf dem Tisch lag. Plötzlich gab es rinen schrecklichen Schlag, der von einem split- ternden Krache» gefolgt war, dann hörte ich einen Matrosen rufen. Wir stürzten aus der Funkbud« heraus und sahen gerade noch, wie ein ungeheurer Brecher das ganze Hinterdeck Überflutet hatte. Der Funker sagte nichts, der erste Ingenieur, der aus seiner Ko- bine herausgetreten war, meinte trocken:„Jetzt sind wir ein Unter- seeboot." Unser Schweinestall war dabei Über Bord gegangen, die Wasser- wncht hatte ihn zu Brennholzstückchen zerschlagen. Ionny, das Schwein, das wir auf der Heimreise zu einem Braten verarbeiten wollten, war von Rosmuß(wie der Matrose die See nennt) geholt worden. Der erste Ingenieur sprach einige Worte über sein nasses Grab. � Jetzt folgte ein schwerer Brecher dem anderen, e» war mittltr- weile stockdunkle Nacht geworden, man sah das Meer nicht mehr. man hörte nur noch ein wildes Brausen und Zischen, das sich hin und wieder zu donnerähnlichem Krachen verstärkte. Der Kapital? und der erste Offizier hatten sich auf der Brück« festgebunden, das Schiff rollte so stark, daß man glaubte, es müßte jeden Augenblick koppheister gehen. Ein schwerer Brecher schlug in den ftohleirbunker und schleuderte riesige Kohlenstücke in den Maschinenraum. Die Maschinisten standen bis an die halb« Wade im Wasser. Durch den Gang der Ruderkett« quoll ein Wasierstrom, der sich unaufhörlich in die Ma.» schine ergoß. Das Wasier stieg von unten und oben, die Situatton wurde von Stunde zu Stunde ungemütlicher. Das Wetter wurde so heftig, daß es unmöglich war. sich mittschists. auf den Laufgängen zu beroegeri, Mo».fonntf jedeu Moment von her See mitgenommen werden. Ich saß'in der'Funkbudc und. konnte mich nicht rühren. Wir konnten weder essen noch schlafen, die Küche stand unier > Wasser und der Koch traute sich nicht aus seiner K'oje heraus. Der Funker bot mir ein Stück Schokolade an, das er in der Tiefe seines | Instrumentenschrankes verwahrte. Es schmeckte deutlich nach Ma- jchinenöl. Zwischen Tag und Macht gab es keinen Unterschied mehr, man tonnte nicht weiter als einige hundert Meter auf das Meer hinaus- sehen, von dem ununterbrochen wie' breite Elefantenrücken die Wogen angerollt kamen. Das Schisi stöhnte in seinen Grundfesten, der zweite Offizier sammerte um seine Ladung, er fürchtete, es könnte sich in den Ladeluken etwas lösen. Wir hörten im Innern ein dumpfes Bol- lern, es beruhigte sich aber wieder. Am zweiten Abend stieg die Not aufs höchste, als die Bilge- pumpen sich verstopften und das Wasier im Schiff so sehr stieg, daß die Maschinisten nur mit äußerster Mühe ihrer Arbeit nach- gehen konnten! Dann fanden sich zwei beherzte Heizer, die In die Kohlenbrühe tauchten und mit d«n Händen die Kohlenstücke aus den Pumpen-' Zylindern holten. Da ging es wieder etwas besser. Am dritten Tage flaute der Sturm ab, aber die Wellen rvaren noch so hoch, daß man von der Brücke keine Seemeile weit schen konnte. Hinter Kap Bincent schien die Sonne, der Wind hörte plötzlich auf. wir sahen eine Herde Delphine. Ganz In der Ferne an der Küste traute sich ein rostbraunes Segel heraus. Ich war wie neugeboren. Es waren Weihnachtstage, die man nicht leicht vergessen kann. dankenden Greifen der Hand an Stiri? und Brust und ebensolchem Erwidern des Dankes, werden die Schalen zurückgestellt, woraus die Männer des Stammes trinken. Dies wiederholt sich in genau gleichem Rhythmus, woraus die schalen zum crftenmal voll gefüllt werden, und dann Schale auf Schale gereicht wird Dieser Kaffee ist mehr als ein Kassee: er ist ein Gedicht, ein sehnsüchtig-s und doch heldische» Gedicht, das die Nerven anspannt und uns froh macht, das wie wahrhaftiger Göttertrank in uns dringt, aus dem wir fernes Flötenlied vernehmen, das Liebeslied des einsamen Beduinen, sein Schlachtlied, das Epos eines harten und doch romantisch schönen Lebens. Dieser Kossee, oh ihr Gläubigen, er ist das Sinnbild seines Lebens: bitter wie der Zug durch die Wüste zuerst, und süß dann wie der erste Blick auf die Brunnenoase..." Das Gewohnheitsräuspern. Mit dem Tauwetter beginnt wieder die Zeit der Erkälwngen und Katarrhs, Krankheiten, die seder plötzliche und Heftige Wiiterungs- umschlaa mit sich bringt, und die besonders bei feuchtem Wetter oft epidemisch auftreten Aber nicht alle Srmptcm«, die der Laie aus Erkältungen zurückführt, lassen auf solche Erkrankungen schließen. Ein« häßliche Gewohnheit, die man bei vielen Menschen beobachten kann, ist ein häufiges Räuspern, das von dem Betreiienden oft auf einen bestehenden Rachenkatarrh zurückgeführt, so selbst vom Arzt häufig als solcher behandelt wird, obgleich der echte chronische Rachen- katarrh eigentlich nur selten auftritt. Heber dieses„Gewolmheits- räufpern" wie es m der Fachpresse heißt, Hai nun der Forscher Radoleczny in letzter Zeit sehr bemerkenswerte Feststellungen gemacht. Nach seinem Bericht in der„Münchener Medizinischen Wochenschrift" ist schon die Vorgeschichte des Leidens bedeutsam. Häufig wird von dem Patienten angegeben, daß zuerst ein« Erkältung aufgetreten tei: gleichzeitig, so behauptet der Leidend«, habe er seine Stimme über- anstrengt. Eine Gefährdung der Stimme bedeutet für viele Personen eine schwere Beeintröchttgung in der Ausübung ihres Berufs und damit schwere Sorgen für die Zukunft. In anderen Fällen treten nun Geldtorgen, seelische Erregungen, Angst vor Krankheit und ähn- liche psychische Störungen zugleich mit den örtlichen Beschwerde» auf. Das ständige Gefühl, das„im Hälfe etwas nicht in Ordnung" sei, beunruhigt immer mehr, und schließlich versucht man, sich durch Räuspern Erleichterung zu oerschaffen, meist mit dem Erfolg, daß die unangenehme Empfindung nur noch zunimmt. Während min der Patient hofft, durch sein Gewohnheitsräuspern ein« Besserung des Katarrhs zu erzieleu. tritt gewöhnlich das Geqen- teil ein nämlich eine merkliche Berstärkung der Reizungen im Hals. Zunächst bedingt die durch dos Räuspern hervorgerufene beständige Reibung der Schleimdrüsen«ine Anregung zu stärkerer Schleim- bildung, in der Folge stellen sich sogar zuweilen Schmerzen ein, die von einer gereizten Stelle ausgehen. Das Räuspern erzeugt aber nun immer wieder einen neuen Reiz an der empfindlichen Stelle, und da man diesen eben wiederum durch Räuspern zu beseitigen sucht, entsteht allmählich das echte„Gewohnheitsräuspern", das dem Kranken zuletzt gar nicht mehr zum Bewußtsein kommt Daß sich aber eines Tages wirtliche Veränderungen bestimmter Teile des Halses zeigen, liegt auf der Hand. Die Heilbehandlung des echten Gewohnheitsräufperns ist nun keineswegs immer(eicht. Auf alle Fälle muß ein« gründliche Untersuchung dem Kranken beweisen, daß er wirklich kein schweres Leiden hat: dann muß ihm, das ist das Wichtigst«, streng untersagt werden, das Räuspern fortzusetzen. In zahlreichen Fällen sind dadurch, daß das Räuspern endlich eingestellt wurde, die örttichen unangenehmen Empfindungen vollständig oer- schwunden. Selbstoerftändlich muß aber auch noch der Grundursache des Leidens geforscht werden, di« übrigens oft nur in einer fehler- haften Stimmbildung liegt, etwa in zu hoher Siimmlage. gepreßtem «timmeinsatz und ähnlichen kleinen Uebeln. Es handelt sich also beim Gewohnheitsräuspern durchaus nicht immer um die Begleit- erfcheinung eines wirklichen Katarrhs, sondern häufig nur um eine „falsche Funktion", durch die jedoch Veränderungen heroorgerufen werden können, die echten Entzündungszuständen ganz ähnlich sind. v.Qerh. Hauptmann RH«: Max Reinhardt Kaimenpiele Norden 1033+-�37 »i, Uhr Knde nach 10 Uhr. Bronx-Expreft Die Komödie Bismarck 2414,7516 SVtO, Ende 101/, U Die Ehe von Weit Berliner Theater Direktion Kuhnert airlgtetr.U Sl.Uik.ill) Täglich» Uhr Max Adalbert In JKaock�ool** Plscatorbötine Thiit«. RolltgilirfRltti Kurlürst 2091/03 Anf. Ende nach 11 Morgen 8 Uhr SO. Vorstellnng »«Dilti».<1» Ronauvs. dar Xrieg nd das filk. das gain alt aMaid von Alexey Tolstoi und Schtschegolew In sc. Erwin Plscator LflCfca Rgsideiz-Theata TSgL I. Uhr: Silvester T»/, Uhr: Oer SagsafiSDurfolgl SdiOnselui wir ans 30 lustige Bilder mit Henry Bender Stg. nachm 3>|, vhr die gante Vorstellg. ru halben Preisen Ougebst sor stille! Kegio und Hauptdarstoller Reinhold Schünzel Wochentass[7] j»»! UPA-THCA f ER MOZARTSAAL Am Noitttndorlp'ats s» INVENTUR bleibt das Kaafhans Freitag, 30. Dezember bis 1 Uhr geschlossen FREITAG, AB 1 CHR. UND SONNABEND' BERLIN C■ SPANDAUER-KÖNIS-STRASSE. GEGR.1815 Don nst, 29. 12.27 Staah-Oper AmPl.d.Republ. 7 Uhr Boris Godnnoff rtaatl. Sduaspialh. »b CndimegaarU 7>/, Uhr Volks Tkaalai an lilavplati 8 Uhn Donnst,29. 12.27 Stidtisd» Oper Blsmarckstr U.-Tm. 0. Ist. 8 StaatL Sdiillertti. Charlottenburg 8 Uhr Oro&es idiaoiplelhaoL Norden 2951-53 TlgLSmu. Eidalf D. fttlh ne ib. an Sdu'ffkuardaDii» 8 Uhr- Schieber des Rnbrns S�KomtsdieOper 8«| I Neuartiges Revue-Stück I Alles Nacktll |(Nach d. gleichn. Paris. Revue) I.Tout nu�t 200 Mitwirkende) I Original» Pariser Kostüme Parkett 3.50 Mk. I Theaterkasse ununterbr.gefiffn| iHALLER ssÄlmST . Wann und wo" THEATER na ADRIIUISPAUST I Silvester I im Anschluß a. d. Vorstellung Großer Ball im Beisein des gesamten Ensembles I Vorverkauf ununterbrochen. NeuJahrvSonntag 2 Vorstellungen 3 u. 8'/, Uhr Nachm. die gante Vorst tu halben Preisen Der Vorverkauf hat begon MASSARY Die neue CHARELL Inszenierung Heldemann lendov Jankohn Werkmeister Weslermeier Pieba Roib Walker Billie Collins Snov Ball WiBkelslern Sonshine Girls Ausst; Prof. Ernst Stein Dir.: Ernst Hanke Nene« Theater am Zoo TägL M Uhr RfDleHadit- eventuell Musik v.W. Bromme ötnweür-ßfihur fh. Kinieerätz. St Bergm.21ia RV. 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Dos Jahr, dos j«tzt zur Neige geht, sah die vom Völkerbund angeregte W elt w i r t sch o f t sk on f er e n z. Die handelspoliti- -chen Resolutionen der Konferenz mit ihren dringenden Empfehlungen eines entscheidenden Zollabbau» Hütten, wenn sie befolgt worden waren, die heute stärker als je zerklüfteten wirtschaftlichen Ve- Rehungen der Volker«inen großen Schritt weiter führen können. ?m übrigen hat die Konferenz große weltwirtschaftliche Problem- kreise, wie die Frage der kapitalistischen Durchdringung der Kolonien und Mandatsgebiete und die Wanderungsfroge überhaupt nicht Gehandelt. Für die immer vordringlichere Frage der internationalen Kartelle wurden ebenfalls kein« praktifchen Empfehlungen gegeben, non der Einführung einer internationalen Kartell- k o n t r o l l e ganz zu schweigen. Für die Arbeiter und Bauern erfreulich ist, daß die internationale Gewerbschasts- und Genossen- -chaftsbewegung auch bereits in Genf als wichtiges Glied des Wirtschaftslebens onerkarmt wurde. Es bleibt bei des hochfchuhzölleo. Aus dem von der Weltwirtschaftskonferenz so warm empfohlenen Zollabbau wurde, wie gesagt, im laufenden Jahr nichts. Nur "ür die so unzeitgemäßen Ein. und Ausfuhrverbot« und nir die formelle Vereinheitlichung der Zolltarife sollte der Versuch ,u einer internationalen Regelung gemacht werden. Das geschah in der kürzlich abqefchlossenen internationale� Diplomatenkonferenz mit bekanntlich verhältnismäßig Seinen Erfolgen. Deutschland er- Köhte seine Kartoffel-, Fleisch, und Maiszölle. In Italien und Spanien wurden Zölle wiederholt erhöht. Frankreich de- reitet«inen neuen autonomen Zolltarif mit stark erhöhten Zoll- sitzen vor. In England, wo die Abkehr vom Freihandel bereits seit mehreren Iahren ollmählich vor sich geht, hat der chandelsminister erst vor einigen Tagen«ine weitere' Verschärfung der Schutzzoll- gesetzgebunq angekündigt. Für die Verworrenheit der Verhältnisie zeugt, daß selbst ein Land, dos infolge seiner Lage stark aus Frei- Handel angewiesen wäre, wie Oesterreich, auf den Weg ver- schärfter Schutzzollpolitik gedrängt wurde. Der französisch- amerikanische Z o l l k o n f l i k.t hat, obwohl er mit einigen Zugeständnisten zugunsten Frankreichs endet«, die brutale Handels- Politik der Dereinigten Staaten, die ihren handelspolitischen Willen den anderen Ländern aufzwingen, ohne ihrerseits Zugeständniste .zu machen, in helle» Licht gerüikt. In den letzten Wochen wurden di« Zölle in Australien erhöht. Hier wie in anderen industriell wenig entwickelten Ländern begründet man die Hochschutzzöll« mit der Notwendigkeit des Schutzes der jungen Industrien. In den entwickelten Industrieländern will man die Schutzzölle angeblich als Waffe bei Handelsvertrogs- Verhandlungen anwenden, um vom Vertragspartner Zugestand- n i f f e zu erpresien: im Hintergrund stehen aber mächtige Sonder- interesten des Industriekapitals und der Großagrarier. Das Monopolkapital will auf die Schutzzölle auch dann nicht verzichten, raenn«s bereit» in internationalen Kartellen die Landesgrenzen«ür sich beseitigt hat. Selbst in diesem Fall« wünscht es die Schtltzzölle alz Waffe im Ouotenkampf. Für eine Zollabrüstung will kein Land da» Beispiel geben. Der deutsche Reichswixtschaftsminister hat«ine feierliche Zu- sage für den Zollabbou gegeben: allem Anschein wird aber die mit großen Worten angekündigte Aktion bei dem großen politischen Einfluß der Nutznießer der hohen Zölle im Sande oerlaufen. In dem einzigen Land, dessen sozial dlemokratis che Regie- r u n g kürzlich mit dem Zollabbou Ernst machen wollte, in F i n n- land. konnte sie die Mehrheit dazu nicht erhalten und mußte zurücktreten. Auch beim Abschluß von Handelsverträgen läßt der Geist und Wille der Hochfchugzöllner keine echte weltwirtschaftliche Annäherung Zustandekommen. Die inlernakionale Solidarilöl hat in der Zollpolitik versagt. Es könnte aber fo scheinen, als ob st« stch beim internationalen Zusammenschluß in großen Karlellen und Trusts um so mehr be- währt hätte. Große internationale Kartelle und Snndikote sind zu- standegekommen, während die bereits früher geschaffenen in ihrem Bestand befestigt wurden: Ausbau der internationalen Rohstohl- gemeinfchaft, Befestigung des internationalen Kupfer kartells, Fortschritte bei der internationalen Kartellierung der K u n st s e i d e- industrie, weiteres Vordringen des Zündholz trufts, vor allen Dingen aber internationale Vereinbarungen der chemischen Industrie. Aber diese Fortschritte dienen kaum den Völkern, sind kein Ausdruck der wirtschaftlichen Völkersolidarität. Sie dienen mehr und mehr der Monopolisierung und monopolistischen Aus- beutung der Inneren Märkte und deren Absperrung von der ausländischen Konkurrenz. Der Kartellprotektionis- m u», wo internationale Kartell« die Funktion der Hochschutzzölle erfüllen sollen, steht bei diesen Bestrebungen im Vordergrund. Das Interesse der Verbraucher würde«ine nationale und internationale Kontrolle jener großen Organisationen voraussetzen: diesem Ge- danken gang wurde aber weder aus der Weltwirtschaftskonferenz, noch in der Praxis der einzelnen Länder Geltung verschafft. Im Kampf um diese Kontrolle stehen die Organisationen der Arbeiterschaft ollein. Ihre wachsende Macht allein garantiert auch hier«ine bessere Zukunft der weltwirtschaftlichen Beziehungen: früher oder später muß es zu einer vernünftigen internationalen Regelung kommen, wenn der Wirtschaftsfriede erhallen und der Ausbeutung der Völker ein Ende gefetzt werden soll. Die Mhr- und Rohstoffversorgung der Völker steht vor großen internationasen Neubildungen, deren Ansänge ober neue Probleme und Gefahren sichtbar machen. Die Ausfuhrländer für Getreide bereiten mächtige Getreidekartelle vor, nachdem sich das kanadische Riesengetreidekartell vom Standpunkt der Erzeuger gut bewährt hat. Die Zuckerproduzenten sind im Begriff, eine internationale Einschränkung der Produktion durchzuführen Auch beim Oel, wo im laufenden Jahr«ine groß« Ueberproduktion herrschte, haben sich die Tendenzen zur organisatorische» Produktions- einschränkung sehr verstärkt. Auf der anderen Seit« sehen wir in Vcrbrauchevländern D e- strebungen gegen die Allmacht der großen Rohstoff- Monopole: das englische Gummimonopol wird bedroht von neuen Gummiplantagen,� die ameritanische Kapitalisten, darunter Ford, in Afrika und Südamerika zu errichten im Begriff stehen, ja, es droht ihm auch in nicht ferner Zukunft die Konkurrenz des künstlichen Gummis. Reue K a l i l a g e r wurden entdeck: und sollen in Betrieb genommen werden, um dos dsutsch-französische Kali- Monopol zu brechen. Gehellke währuagca— Suboeulioassümpfe— neuer Imperialismus. Für den Außenhandel der Völker spielen die Valutaver Haltnisse eine entscheidende Rolle. Eine Anzahl von Währungen, darunter der polnische Zloty, in den letzten Togen auch die italienische Lira, wurden im abgelaufenen Jahre stabilisiert,' andere, wie der französisch« Franken, bleiben— wenn auch nicht rechtlich, so totsächlich— be- ständig. Es wird aber noch Jahre dauern, bis alle Störungen der Weltwirffchast von dieser Celle her ausgeschaltet sein werden. Bor- läufig bestehen noch in einer Anzahl von Ländern infolge der Valuta« stabilisierung Wirtschaftskrisen mit erheblichen Rückwirtunäen auf den Außenhandel. Ein anderes Mittel zur Beeinflussung disr internationalen Konkurrenzverhältnisse, die staatlichen Subvsn- tionen, die in verfchiedenfter Form gewährt werden, wurden im laufenden Jahr viel mehr als früher in Anwendung gebracht: Italien. Spanien und Japan sind die Länder, wo das SubventiotlS- fystem am stärksten ausgebildet wurde. Daß staatliche Eingriff« für den Schutz der Mit imperialistischen Gewaltmitteln erworbenen Macht- Positionen und für die Erwerbung von neuen auch in diesem Jahr nicht unterblieben sind, dafür genügt ein Hinweis auf die vsb- fchiodcnen Interventionen in China, auf die gewalffome Unter- drückung der Massenaufftänd« in H ol l ä ndi f ch- I n d i« n und Bolwien und das imperialistische Vordringen der Vereinigten Staaten in Nikaragua. Das neue Wirtschaftsjahr 1328 hat große Aufgaben. Damll die weltwirtschaftlichen Beziehungen enger getpüpft werden können, dazu sind folgende Doraussetzungen nötig: gesteigert« Produktion und Abschaffung der Hindernisse des internationalen Warenaustauschs, Steigerung der Käufkräft der ver- brauchenden Massen, und zwar besonders auch durch die Abschaffung der kolonialen Ausbeutung.- D»»u gehört freilich auch, daß Ihrer Ausbeutung durch den außerordentlich erstarkten Monopolkapitalismus Schranken gesetzt wevden.» Die erste Voraussetzung ist infolge des technischen Fortschritts und der Steigerung der Arbeitsintensität in vielen Ländern weit- gehend gegeben. Kein Zweifel, daß der Ausbau des Produktions- apparotes in den letzten Jahren überall große Fortschritte gemacht hat. Di« Leistungsfähigkeit der Betriebe ist größer geworden, und dadurch ist die Möglichkeit der Herstellung eines größeren Gel cm»- Produkts gegeben. Was nun die anderen Voraussetzung«: der well- wirtschaftlichen Annäherung betrifft— Abschaffung der künstlichen Hindernisse der internationalen Warenbewegung, der kolönioMe Ausbeutung, vernünftige Regelung der Rohstoffversorgung ilird Kontrolle der Monopolorganisationen—, so handelt es sich dabei unf Ziel«, die erst allmählich verwirklicht werden können, weil sie von der Entwicklung der politischen Machtverhältnisse abhängig sind. Dos Jahr 1328 wird nun ein Wahljahr fein./ Ein Wahl- erfolg für die Linksparteien in den großen Walwötkern, welche Träger sowohl des Weltfriedensgedankens wie auch des weltwiri- schaftlichen Zusammenschlusses sind, müßte auch die oben angedeuteten Ziele der Verwirklichung näher bringen. AH. Die Reichsdant vor Zahresschluß. In der Lage der Reichsbank sind für die dritte Dezemberwoche, der letzten Woche vor- dein Jahre«- ultimo, schon deutliche Anzeichen der Anspannung zu verspüren. Die W« ch s e l b e st ä n d e sind um UM auf 5416,9 Millionen a N- gewachsen, womit der höchste Wechselbestond der dritten Monate- wachen dieses Jahres vom Oktober mit 2434,8 Millionetz fqst erreicht ist. Die Lombarddarlehen haben sich dagegen um rntr 14,5 auf 44,1 Millionen verringert. Die Kundlchoftsgeidetz auf G>bv- konjo sind nur um 42,3 auf 367,4 Millionen erhöht, der absolut niedrigste Stand dieser Gelder für alle entsprechenden Wochen dieses Jahres. Anspannung auf dem Geldmarkt- und Vorsorge für den Jahresschluß scheinen noch gegeneinandcrzuwiirten. Der N d t e n. umlauf vermehrte sich um 114,3 auf den hohsn-Betrag tzon 4346,4 Millionen, wahrend der Umlauf an Renteübankfchsinen um 14,8 auf 709,9 Millionen a b genommen hat. Di.? Goidtzestände find mit 1863,6 Millionen geringfügig verändert, der.-Bestänts der deckungssähigen Devisen hat um 6,8 aus 279,4 Millionen abgenommen. Durch die Vermcbrung der Wechselbdstänht und der uinlausenden Noten, sowie durch Verringerung dek Deckung ist die Notendeckung durch Gold gegen die Vorwoche von 47,3 auf 46,0, diejenige durch Golddevisen von 54,6 auf 52,0 Proz. gesunken. ucn cJie: Auch Sie sollen unser werden. Wir wollen mal ein vernunftiges Wort miteinander reden. Sie halten von einer 4-Pfg.-Zigarette nicht viel? Wir können Ihnen Zuschriften von Rauchern vorlegen, die, zunächst ebenso skeptisch wie Sie, Massary-Privat probierten und uns nun, aufs angenehmste überrascht, spontan Anerkennung und Beifall spenden. Sie werden ebenso feststellen können, wie wohltuend Massary-Privat, die neue 4-Pfg.- Zigarette, vom Alltäglichen abrückt. Probieren Sie mal eine— wir werden uns dadurch bestimmt näherkommen, ohne Mundstück- und mrf(yo/d/rtunds/ückz ffiers j s/ Aller Lander Fahnen liegen denMassary-Marken bei. Wer sie nicht selber sammelt, erfreue ein Kinderherz damit! Kür Konjunkturrückgang kein Grund. ... sagt die Berliner Industrie- und Handelskammer. Schacht und Bechtsblockpolitik scharf kritisiert. Die deutschen Industrie- und Handelskammern sind staatliche ?lnteresienkörpe.'schaft«n des Prioattapitals. Wenn ihr« Jahres- kericht, stch gegen wesentlich« Teile der offiziellen Politik der gegen- wärtigen Rechtsblockregierung und des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht wenden, wii der anderen Seite aber lw Ergebnis die Wirtschaftspolitik der Arbeiterschaft rechtfertigen, dann sind diese Jahresberichte auch für die arbeitenden Massen beocht- l i ch. Das tut in vielen Punkten der Jahresbericht der Industrie- und �andelskamnier zu Berlin, der diesmal, wahrscheinlich mit Rücksicht auf die gespannte und zugleich ungeklärte Wirtschafis- lage.�nvch vor Ablaus des Jahres veröfsentlicht wurde. Für das Jahr 1927 wird sestgestellt, dah alle im Bericht be- trachteten Merkmale mit einer seltenen Einhelligkeit ein kräftiges Ansteigen der Beschäftigung in der deutschen Lolkewirt- fchoft«.kennen lassen. Di« Boraussestung für diesen Erfolg sei die Verfügung über ausreichendes Kapital gewesen, die durch innere Kapitalbildung in den Banken und Sparkassen sowie der Privat- Wirtschaft selbst und durch den Zustrom von Auslandskapital gesichert war. Auch für die Privatwirtschaft sei die ausländische Äapilaldeschafsung de: össentltchen Hand wichtig gc- wesen, die. je länger, desto mehr, selbst als wirtschasrlicher(Brost- iint�mchmer auftrete uird große A u s t ä g e zu vergeben habe. Mil Recht wirb turrauf hiiigewiesen, daß schon die durchaus rege Wachsamkeit der ausländischen(gläubige.- über die Kreditwürdigkeit deutscher Schuldner vor Uebertrctbungen in der ausländischen K�ehilaufnahm« genügenden Schutz biete. Als schwere Hemmungen der günstigen Eni» Wicklung werden die Schnchtsch« Diskontpolitik, die Tätigkeit der Anleiheberorungs stelle und die Erhebung der Kapitalrentensteue.' auch von ausländischen Kapita- Wen bezeichnet, die stch in der Prlvatwirtschast in Unsicherheit und Furcht- vor etwa noch weiter kommenden Maßnahmen auswirkten. Di» Kritik findet ihren Höhepunkt in folgenden Worten:„Die wirtschaftlichen Kreise hoben sich von de.' Rot- wendigkeit der hier geschilderten behördlichen Beeinflussung des Kapitalmarktes nicht über- zeugen können, sondern sind der Meinung, dost eine r u h i- g e r e Handhabung dieses Teiles der Wirtschaftspolitik, geleitet von größerem Ae.üraiien in die innere Vernunft und Selbstregu- lie�ung des Wirtschaftslebens, der Wirtschaft schwere Schädi- gungen erspart hatte." Räch dieser scharfen Berwahrung gegen die offizielle, von der Reichsrlgftkerung im ganzen voll gedeckte Politik des Reichsdank- V iiyirttmteii wird auch die von der vrgamsierwn Arbeiter- a f t und der Sozialdemokratischen Partei ver- folgte Politik der inländischen Kaufkraftstärkung im Ergebnis voll gerechtfertigt. Da„die Bäume des Hochschutzzolles einst- weilen nach wie vor in aller Welt unerschüttert" stehen, da die kapitalkräftigen Länder fü.' Warenlieferungen grösteren und länge- rcn Kredit geben konnten, da die Länder mit neustabilisierten Währungen vorläufig noch dillige Lebensmittel und niedrige Löhne baden, war die Steigerung des Exportes nur möglich in hartem Kampf gegen schwere Hindernisse. Weite.' heistt es:„Während vom Aueland besondere Impulse zur Auswärtsbewegung nicht jamen, erwies sich da? Inland als der eigentliche -dräger der Beschäftigungskonjunktur, welch« dos Jahr 1927 gebracht hat." Die Folgen de» englischen Bergarbeiter» st.-eiks haben die vom deutschen Bergbau abhängige Bevölkerung kaufkräftig gemacht, die Dergrösterung des Betriebskapitals durch Auslandsanleihen zog die Arbeitslosen in die Betriebe und schuf damit neue Kaufkraft.„Es vollzog sich der Kreislauf wechselseitiger Stützung und Hebung zwischen Konsumkraft und Produkttonskraft. den man bei aussteigender allgemein«.' Konjunktur regelmästig beob. achtet", den aber die deutschen Unternehmer— das fügen wir hinzu— verhindert hätten, wenn es allein in ihre Macht gestellt gewesen wäre. Wenn die Berliner Industrie- und Handelskammer feststellt. dast das Jahr 1927 trotz der guten Sonjunktu.' tcrneswcgs ein Iah: hoher Gewinne gewesen sei. und nur eine bescheidene Kapital. bildung gestattet habe, so ist das sicher zum grasten Teil nicht richtig. Soweit es aber richtig sein könnt«, wäre es nur natürlich: denn es wäre in hohem Moste unbescheiden, von wirtschafllichen S o n i e r u n g s j a h« n, für die 1927 nicht das letzt« war, er- warten zu wollen, dost sie zugleich auch fette Gcwinnjahre sind Denn SaniemngsjaHre. wenn sie noch wie 1927 ein« große Steuerung der Umsätze bringen, tosten auch etwas, und es ist durch- aus unkaufmännisch gedacht, wenn die vergrößerten Umsätze voll als Gewinn zu Bücke schlagen sollen. Eine bedauerliche Leistung der Berliner Industrie- und Handelskammer, die die deutsche O«sfenllichtett scharf a b z u- lehnen hat, ist die Gleichstellung der äußeren Revara- tionslasten mit den inneren Steuerlasten, die auch die Industrie zu tragen hat. Es mutz den Berliner Kausleuten und Industriellen ins Gedächtnis gerufen we.'den, daß sie— im Gegensatz zu den Reparationslasten— mit den Steuern nur d>» Dienst« be- zahlen, die Reich, Länder und Gemeinden Industrie, Handel und Berkehr geleistet haben. Auch die Polemik gegen die Erhöhung der Beamtengehälter ist ungerecht und inkonsequent, denn auch bei der Erhöhung der Beamtengehälter e.'folgt nur«in» Ver- s ch i e b u n g von Kaufkraft vom Steuerkonto auf das Umsatzkonto von Handel und Industrie. Natürlich wendet sich der Jahresbericht. da es einmal Mode Ist, auch gegen die öffentlichen Unter- nehmungen. Aber entgegen den Tatfachen wird bebaupiet, daß aus Steuermitteln eine Erweite rnng der öffentlichen Betriebe im Jahre 1927 erfolgt sei, das bekanntlich zwar eine Hochflut des Kampfes gegen die öffentlichen Werke brachte, kaum aber Anhalts» punkte für deren besondere Ausdehnung. Der Ausblick für das kommende Wirtschaft»- fahr ist in hohem Maße zuversichtlich. Nachdem de: U eberschwang der Hoffnungen vom Anfang 1927 stark ernüchtert worden sei, liegen heute„noch keine tatsächlichen Gründe vor, welche ein Abgleiten van der erreichten Höhe als bereits einsetzend oder notwendig beoorstehenid erkennen ließen". Neben gtößter Sparsam- keit in der öffentlichen Verwaltung, neben einer Reform d« Ver- fasiung wird dann auch für die Privatwirtschaft strengst« Spar- iamkeit gefordert, vnd der Bericht befleitzigt stch einer gewissen Ge- rechtigkeit mit dem Hinweis, daß nicht nur der Arbeiter, sondern auch der Unternehmer und der Kapitalist in ihren persönlichen Bezügen Maß halten müßten. Die Beratungsstelle sabotiert weiter. Alz nach der großen Auseinandersetzung zwsschsn Schacht und den deutschen Städten über die Bochumer Rede gemeldet wurde, daß der Reichsbankprösident mit führenden Oberbürgermeistern verhandle und Sammelanleihen zur Befriedigung des Kapitalbedarfs der Städt« versprochen habe, haben wir diese Dorgöng« al, ein taktisches Manöver de» Reichsbankprästdenten bezeichnet. Obwvhl kürzlich für den 6. Januar eine Sitzung der Beratungsstelle angekündigt wurde, in der über die Zulassung einer Serie von Aus- landsanleihen beschlossen werden sollte, werden alle Erwartungen über die baldige Aufnahme der Tätigkeit der Beratungsstelle fetzt wieder dementiert. Es fei weder für den 6. Januar eine Sitzung anberaumt, noch fei es beabsichtigt, vor der Hand«Ine Sitzung«inzuberufen. AiÄmehr wflrtx noch Immer das Material bearbeitet, das von dem größten Teil der Städte bereits eingegangen fei. Auch für die gemeldete Aufziehung von Auslaubsanleihsn In Serienform liegen bei der Beratungestelle noch keine Anhaltspunkte vor. Vielmehr werde sich die Beratungs» stelle erst auf Grund der Ergebnisse der Verschuldungsenquete der neuen Richtlinien und der einzelnen noch festzusetzenden Durch. führungsenethoden Ihr Programm zu bilden haben. Ein« weitere Meldung besagt, daß die Beratungsstelle nicht oor End« Februar in Funktion trete. Rücksichtsloser kann mit den öffentlichen Interessen wahr» lich nicht gespielt werden, als es hier durch die Beratungsstelle und die sie beherrschenden Hintermänner geschieht. Wir scheinen in der Tat in Deutschland schon so weit zu sein, daß dasselbe Privat« kapital, zu dessen Gunsten letztlich die ganz« Aktion gegen die Städte unternommen schien, und das als erstes einen Konsunktur« rückschlag fürchten muß, wird Sturm laufen müssen, um die Beratungsstelle und ihre Hintermänner zur Raison zu bringen. Eaisonverschlechterung des Güterverkehrs. Seit Mitte November ist der Güterverkehr der Reichsbahn fast ununterbrochen zurückgegangen. Auch in der Woche zum 17. Dezember ging die Wagengestellung arbeitstägiich von 157 609 auf 104 300 zurück. Tabellarische Woche Uebersicht seit Oktober(in 1000 Stück) wöchentlich 1927 1926 1927 1926 2. 10.- 9. 10.- 16. 10.- 23. 10.- 30. 10,- 6. 11.- 13. 11.- 20. 11.- 27. 11.- 4. 12.- 11. 12- . 8. 10. -15. 10. -22. 10. -29. 10. - 5.11. -12. 11. -19. 11. -26. 11. - 8. 12- -10. 12. -17. 12. 962,8 1007,8 998,5 1034,9 970,8 997,4 889,5 967,5 985,4 9453 926.0 880,3 901,9 931,4 950,0 900,3 943.2 848,4 9393 907,2 881,0 8723 160,5 168,0 166,4 172,5 1613 166,2 1773 161,2 164,2 157,6 1543 146,7 150,3 155,2 1583 150,0 157,2 169,7 156,6 1513 146,8 143,4 Ein Vergleich mit dem Vorsah? zeigt deutlich, daß Saison- inomente entscheidend sind. Der Rückgang in den zu vergleichenden vier letzten Wochen der beiden Jahre ist fast derselbe. Ein Porträt von Flora Tristan, der Vorkämpserin der Arbeiterbewegung, entwarf Adele Schreiber im Rahmen ihres Vortragszyklus„Bahnbrechende Frauen". Flora Tristan, die vierzigfähriy 1848 in Bordeaux starb, stellte schon Jahr« vor Karl Marx den Leitsatz auf. daß die Befreiung der Arbeiterklasse nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein könne und gab die Parol« .Arbeiter aller Länder, vereinigt euch!" De? emene Dal-in». aus:„'Arbeiter aller ttanocr. vereimgl eucy:' Der eigene Daseins« kämpf führte diese Frau zu der Erkenntnis fremder Not und fremder Leiden, für deren Beseittgung sie sich schließlich mit all ihren geistigen und körperlichen Kräften einsetzte, und gegen die sie in lraftvouen Streitschriften und auf Propogandoreisen kämpft«. Ihre Verdienst» wurden aber wenige Jahre nach ihrem Tode fast vergessen. Erst unsere Zeit hat ihnen wieder Gerechtigkeit widerfahren-assen.— lieber„Die international« Beamtenbewegung, ihr» Entwicklung und ihre Aufgaben" berichtete Albert Falten- berg, Vorsitzender de» Allgemeinen Deutsch«» Beamtenbundes. Die Bewegung zum internationalen Zusammenschluß der Beamten hatte bereit» oor dem Kriege einen recht bemerkenswerten Umfang angenommen. Seit Friedensschluß sind die Beamten in den meisten Ländern wieder erfolgreich bemüht,«inen internationalen Zu- sammenschluß ihrer Kreise zu fördern aus der Erkenntnis der Ge- meinsamkeit ihrer Interessen in allen Ländern. Erst durch den inter« .. fmjlm mt»MW nationalen Zusammenschluß qcdonkens und der Kampf für ein " ist die Berbrestunq des Völkerbund« erechteres Wirtschosts« kann sozial.W._.. ystcm von der Beamtenschaft crsolgreich gefördert werden. � Di« Jugcndbühne brachte in ihrer Unterhaltungsstund« eine lchin« Auswahl geschmackvoller und nicht allzu bekannter Märchen. Ger« trud Nube als Funkprinzessin fand sich bald in die schlicht«, unauf- dringliche Dortraaswerse hinein, die für solch» Kindergeschichten die richttge ist.— Die Unterhaltungsmusik der Kapell« Emil Rooß beweist fast stets zweierlei: recht anständiges technisches und muslka« lisches Können, dabei aber eine auffallende Ungeschicklichkeit In der Programmzusammenstellung. T«s. Siittesdwlge» silr diele R»brik st»d V«rll» SS«. Lwoesstrage 3. parieinachrichien furGroß-Berlln stet» ea da» Beriet»! creetaetat i. Hos, I Zrep. recht», zu richte». Dezirksvorstand. Freilag, den Z0. Dezember. 18 Uhr. Sitzung de» erwetterken Vezlrksvorskavde» im Jugendsekrelariat. Lindenstraße Z. Heute, Donaerstag. 29. Dezember: n. im.«»tun,. Sksirfsfühtet! Bis zum 30. Sezembtt find Warkndestijnd« sowie da» Bezirksfllhrcrbuch in der Geschäftsstelle, Straße 21. abzugeben.__ fll. Bot. Genossinnen und Genossen der 25. bis 28.«bteilun«, die zur 1«. Ab. aabeftelle der Nonsumgenossenschoit. Etrahdurgcr Str. 29, gebären, werde» gebeten, an einer Sitzung deute um t9Z» Uhr bei HeUca, Meßer Straße» Ecke Prenzlauer Alle«, tellzunehme».„... � 33. Atzt.®!» Abrechnung mit den Bezlrksführern findet heute von 17 Uhr ob tn der Wohnung des Kassierers Paul Be», Goßlerlir. 1, statt. Ab- rcchnungsbuch und Marken mitbringen. Morgen, Freilag. 30. Dezember: 1914 Uhr Versammlung aller parte, grnässischen Nonfumgenossen- nltglleder der 1«. und UZ. Verkaufsstellen de, Borkowttl. __ �relnerstr. 83. Stellungnahme zur Delegiertrnwahl. Dl« G-nosien werden um reg« Veteiliaung gebeten.......... 7«, Atzt. Bilmmborf. 20 Uhr bei reichmann. Holsteinisch« Str. 12,«biet- lungsvorstandssttzung mit sämtlichen Funktionären. Grichcinen ist unbe- Mnot rrforbftliffi Atzt. 1,4. RahI-tz-rs.Sü». 20 Uhr bei Dietz, Uhlanbstr. u, wichtige Funk- tionirsitzung. Erscheinen ist unbedingt ertorderlich. » U. AM. Sonnabend.«.«ejmtzet,«refsen stch U« So»?«»««««d®f ■»•<•»ei iBeeget, Le«»»wstr. 21, ,» tium«emStlichea«eisommenstin. Frauenveranstaltungen. «9. tnt. iL Atzt. Heute, Dexa «eisamweasci»»et MÜS« sind bcrzlichst eingeladen stttenbe. iä i«,»»»»««ta, 2»«ezemde».>»14 Ah»-«'se»g— W Zs'üllee, User««. IL AS« G<»ossi>»e,-»d Genosse- -lade»!»«»gleichen.Darwärt,'. Leser und Sympath».. Bezirksausschuß für Arbeilerwohifahrl und stindcrschuh. t. Ares« V«e»zl,u«r Berg. Di« Losobrechnung muß unbedingt am Freitag. 20. Dezember, abends, bei Klug, Danziger Str. 71. ersolgen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei« Organisation 2L Atzt. Am 24. Dezember verstarb na» kurzem Leiden unser langsähriger Genosse Paul Fritsch im Alter von 81 Jahren. 1896 trat er der P-rtri bei und bi» zur letzten Stunde war et ihr ein treuer«ämpser. Ehr, seinem Andenken! Einäsäi.runa am Freitag. 80. Dezember, ISVs Uhr, im Rrtnia- torwm Gerichtsrrasie. Wir bitten um rege Beteiligung 4». Atzt. Unser Genosse Wilhelm M, e t h k«. Mittenwalder Str. 42. ist am 23. Dezember verstorben. Ehrr seinem Andenken! Di, Einäscherung hat Unserem bewährten«ezlrksiassierer zum Verluste seines !iche Teilnahme. Die Genossen«erden um reo« Beteiii- �'~~'et. u» 18 Uhr im «TÜK»«»l»d»>f�SÜL Äm Sonnabend, 24. Dezember,-erstarb unser lang- "'"""——•• � Ehre s einzigen«indes herzliche Teilnahme. Die Genossen«erden um reo« gung an der Trauerfeier heute, Donnerstag. 29. Dezember, um 18 Krematorium Baumschulenweg gebetrn. Att. 128» staul»dors.Süb. Am Sonnabend, 24. Dezemder,-erstarb UN I ähriger Genosse Paul Heinrich im»4. Lebensiahre. Ehre seinem An- denken! Einäscherung heute. Donnerstag. 22. Dezember. 1814 Uhr, im«rema- torium Baumfchulcnwrg. Um regr Beteillguilg wirb gebeten. wetkerberlcht der äffen NIchen Wetterdienststelle Serltv vnb Umgegend kstiachdr.»erb I. Veiterbin kalt und meist beller, schwach« ävliche Vmde. keine«i-derichläge.— Zür veotschlan», Ueberall fortbestand de» Frost- wetter», vietsach Heller, nirgend» wesenltiche Schnee fälle. [Allen Parteigenossen u.»envsswnea. Freuaden und Pek-nnl-alstr du vielen Au'mertsomlellen. du IU uns d. wiesen baden dei unserer ooidenen Howzell, sagen wir uuieren hetzUchlleu Daal. rerckinanck kküttl ned-t kran. EBBäirä Kärplcniclch Treptower Parh Tlgllch Kofiwrt. Bis 11 t'dr«Ml(eäffnet Oeblitz« Stdellmderger Str. 9! ,»«*>!»•*••• jalt dt» Mkcn«Stück-» iwsche. L A tuest., Be» 801 »»»» -B(laiche.& I oni«02, jfc rmmwmmmmw DüfltldlEr MliUllM-WIIMSj Todeiameisen. Den MUgludna zur Rachrlch«. haß unser Kollege, der He>zuag»montnir widert Prot- am 25 Dezember gestorden Ist. Die Einäscherung finde« am Sonn. abend, dem II D-z-mder 15 Uhr. im Krematorium Baumlchulenweg stau. Ferner verstard uns« Kollege, der Surtier vaucko am 2S. Dezember Di« Einäscherung findet am Freilag. dem 80. De-ember. vorm.>0 Uhr, im Krematorium Gerichtstratz« statt Ehre Ihrem A»devtenl Reg- Beteiligung»rwaUet vi« 0rt»o«rwalwng. «MWWM-IMl! UN! Venvliiki-llgsmttg leder! Am Freitag dem 80. D, ember. sinder lein, Sisiung der MUUeren Orl»»«rwaltuaa statt. Vi« OttaDCCtvallung. Wir freuen uns, folgende Gewinner bezeichnen zu können: Prebanf gäbe für Hansfranen t t. Barpreis 500.- Mk.: Fran SchOpke, Beröa, Sfcphansfratze 10. 2. Barpreis 300.- Mk.: Fran Lls Faber, Berlln- Zchlcndorf, WUhelmstratze 17. 3. Barpreis 200.- Mk.: Frau Anna Fischer, Berlin- Treptow, Baunucbulenstraize 93 b. Htodlerw-etibewerbt 1. frds 900.- Mk-: Herr Randt, Berlin, Rathenower Strafe 37. 2. Preis 200.- Mk.: Herr W. Bosse. 9. Preis 100.- Mk«: Herr Julius M arg o nin s ky, Berlin-Treptow, Baunuchnlenstratze 93 b. Außerdem erhalten 200 T eünchmerlnnco Trostpreise In Natura Im Werte ron S.- Mk. An die 20 000 Lösungen dingen insgesamt ein. Wir danken den verehrten Teilnehmerinnen für das bekundete rege Interesse und für die vielen spontanen Anerkennungen, die bei diesem Anlaft unserem Putzmittel VIM gezollt worden sind. S UNLICHT GESELLSCHAFT A.G. MANNHEIM- BERLIN- HAMBURG I