Morgenausgabe Nr. 616 A313 44. Jahrgang Wöchentlich m Pfennig«ownfflch 3/— Reichsmark, im voraus zahlbar Unter Streifband im In- und Aus«- kand SL0 Reichsmark pro Monat. » Ter.vorwärts� mit der tBufWer» ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit� sowie den Deilaoen»Unterhaltung und Dissen-»Aus der Filmwelt-. �Stadtbeilage-.»Frauenstimme- »Der Kinderfreund-.»Iugend-Vov- märts- w die Bücherwelt-. Kulturarbeit- und»Technik- erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags und Montag» einmal. Berliner VottsblaN Freitag 30. Dezember 1927 Gxoß�Äerlin �0 pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezelle W Pfennig. Reklamezeile 5.— Reichs« mark.»Kleine Anzeigen" das feitge« druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei kettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erst, Wort 15 Pfennig. iedes weitere Wort 10 Pfennig Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeitsmarki ,fjeile 60 Pfennig. Fomilianzeigen fü? Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen« annahm» im Hauptgeschäft Linden« straßeZ. wochentägl. von L�/z bis 17 Uhr Zenteawvgan der Sozialdemokratischen Oaetei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin HW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 232— 237. Teiegramm-Adru Sozialdemokrat Berlin Vorwarts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Ankesiellien und Beamten Wallstr. 65. DiSkonlo-Gesellschast, Depositenkasse Lindenstr. 3 Oer Milliardär als Präsident. Mellon soll Coolidges Nachfolger werden. London. 29. Dezember. lEIgenbericht.) 211s ansflchlsretcher Sandidol s ä r die tüasiige Prä- fldealschasl wird jetzt der Schohmeisker Mellon bezeichnet. Mellon ist 72 Söhre all und im übrigen als Mitinhaber eines führen. den Rew-porker Dankhauses einer der reichste» Männer der Welt. Angeblich sollen auch Eoolidge nnd hoover seine Kandidatur unterstützen. Eine kalte Dusche aus Amerika. , Washington. 23. Dezember. Die Morgenblätter berichten aus Berlin Paris> dah die gestrig« Meldung der.�Tribüne" aus Washington, in der be- hauptet wurde, hiesige Kreise seien geneigt zu einer gemein- iame» Prüfung des Reparat ions- und de» Kriegsschuldenproblems, dort großes Aussehen erregt 3>abe und als Umschwung in der bisherigen hiesigen Stellungnahme .ruf gefaßt werde. Demgegenüber kmm nicht deutlich genug betoM werden, daß weder die Regierung noch dt« Politiker ihre passiv« Haltung in diesen Fragen auf- gegeben haben und keinesfalls beabsichtigen, dies« Angelegen- heit über dos Stadium Bffcttilicher Diskussion hinauswachsen zu lasten. Auch diese Diskussion sollte nach hiesiger Auffassung sich aus einen inoffiziellen Meinungsaustausch privater Sack»- verständiger beschränken und jedenfalls im gegenwärtigen Zeitpunkt die interessierten Regierungen nickst«inbegreisen. Der langjährige politische Korrespondent der New Dork Times bestätigt den oben dargelegten Sachverhalt in einer heutigen Meldung aus Washington, in der er da:auf hinweist, daß Mellon ausdrücklich die Reparativnsfrag« als von der Schul- denfrage durchaus getrennt bezeichnet hat. Der Korre- spondent erklärt weiter, daß er t.-otz sorgfältiger Erkundigungen bei allen irgendwie in Frage kommenden Stellen auch nicht die leiseste Andeutung für«in« Sinnesänderung ge- sunt«» habe. Hingewiesen sei in diesem Zusammenhang auf einen Leitartikel in der PSeihnachtsnumm�r der Mellon nahestehenden Sowrdoy Evcningpost, der wiederum sehr scha.'f sich gegen die euro- päische und amerikanische Propaganda für«ine Ermäßigung der Kriegsschulden wendet. Solange Amerika an seiner eigenen Kriegsschuldenlast noch schwer zu tragen habe, dürste weder Regie rung noch Kongreß zu weiterem Nach- geben gegenüber den alliierten Schuldnern geneigt sein. Oeutsch-lettischer Premierminister? Dr. Schiemann vom Siaaispräsidenten beauftragt. Riga, 29. Dezember.(C<£.) Zeit bem Rücktritt der sozialdemokratischen Regie» *nng Skajeneck stad in Lettland mehrere Versuche zur Bildung einer neue» Regierung ergebnislos geblieben. Nunmehr hat der Staatspräsident dem Leiter der deutschen Fraktion im lettische» Parlament Dr. Schiemauu de» Auftrag zur Regierungsbildung erteilt. Die deutsche Fraktion will versuchen, eine bürgerliche Regierung z« bilden. Im lettischen Parlament haben die Deutschen nur 4 Abgeordnete. Dr. Schieman» ist Chefredakteur der„Rigaschen Rundschau". des Organ« der lettische« Deutschen. Schiemanns Bemühungen. Riga. 23. Dezember.(TU.) ' Die Verhandlungen des deutschen Abgeordneten Dr. Schiemann über die Bildung einer bürgerlichen Regierung haben noch zu keinem greisbaren Ergebnis geführt. Dennoch werden die klussichten der deutschen Fraktion heute in der Presse g ü n- st i g« r al» gestern beurteilt, da die Haltipig des demokrati» scheu Zentrums nachgiebiger erscheint. Diese Nachricht wirkt geradezu sensationell. Sic beweist zwar, mit welchen fast unlösbaren Schwierigkeiten die Neubildung der Regierung in Lettland verbunden ist; sie bedeutet aber zugleich ein ehrenvolles Zeugnis für den wahrhaft demokratischen Geist, mit dem das kleine Lettland regiert wird. Und nicht zuletzt stellt diese Betrauung eines Vertreters der deutschen Minderheit mit der Kabinettsbildung eine glänzende persönliche Anerkennung der parlamentarischen Fähigkeiten des Füh- rers der deutschen Fraktion, Dr. Schiemann, dar. Ein solcher Vorgang wäre in keinem anderen Lande denkbar und wirkt angesichts der Bedrückungen, denen die deutschen und sonstigen Mmderheiten in anderen Staaten Europas ausgesetzt sind, geradezu wohltuend. Welch eine schal- lende Ohrfeige erteilt damit dcks kleine demokratische Lett- land z. B. dem Italien Mussolinis, in dem Deutsche und Slowenen mit den brutalsten und hinterhältigsten Mitteln dranglaliert und entrechtet iperden! An diesem Vergleich läht sich allein der zwilisatorifche Abgrund messen, der die Demokratie von dem Faschismus trennt. Ob Dr. Schiemann den vom Staatspräsidenten Professor I a h n i s T s ch a k st e erteilten Auftrag mit Erfolg wird durchführen können, steht angesichts der schwierigen parla- meutarischen Verhältnisse in dem Saeima, der lettlandischen Deputiertenkammer, noch.dahin. Diese besteht aus 100 Mit- gliedern und zwar 37 Sozialdemokraten, l2 Linksbürger- lichen, 27 Bauernbündlern. 9 Rechtsparteilern und 13 Ver- tretern der nationalen Minderheiten, darunter 4 Deutschen. Letztere bildeten zwar schon unrer der früheren Linsregierung das Zünglein an der Wage, aber es ist nicht durchaus fonkhs"', daß es ihnen nicht gelingen wird, jenes Kabinett der bürgerlichen Mitte zustande zu bringen, das nach dem Aus- scheiden der Sozialdemokraten allein in Frage käme. Es ist daher leicht möglich, daß die Betrauung Dr. Schie- manns keine praktischen Folgen haben, also nur eine Geste gewesen sein wird. Aber gleichviel: es ist eine schöne Geste, die in der ganzen Welt starkes Aufsehen und� vielleicht auch nützliche Wirkungen für die Behandlung der Minderheiten auslösen wird. G- Der Monarchist als GM.- Mann. Sine sensationelle Verhaftung in Oanzig. In Danzig ist vor wenigen Togen dos Mitglied der manorchisti- schen„Brüderschaft der Russischen Wahrheit" ver- haitet worden. Seinem Pasi« nach hieß er A d a m o w i t s ch: als Mitarbeiter der„Russischen Wahrheit" nannte er sich Zl t a m a n n Dergotsch, als Gebeimer Agent der GPU. hörte er aus den Namen Benedikta w. Er erfüllte die monarchistische Presse des Auslandes mit Falschmeldungen über Bandenübersälle auf das Sowjetterritorium, über Zerstörung von GPU.-Abteilungcn, Ber- mchtung von bolschewistischen Kommissaren und dergleichen mehr. Das olles soll er aus Befehl der GPU. getan hoben. In der Pariser monarchistischen Presse war gegen ihn bereits seit langem Verdacht geäußert worden. In Verbindung mit der Ausdeckung der mon- archistischen Spißelorganisation„Trust", über die wir seinerzeit aussührlich berichtet haben, kam man auch der sogenanrnen„Brüderschaft der Russischen Wahrheit" auf die Spur. Sie fand aber auch eifrige Derreidiger, ja selbst Gelder wurden für sie gesammelt. Nun stellte sich heraus, daß sie gewissermaßen nur ein« AHiale des „Trusts" zwecks Jrresührung der russischen Monarchisten darstellt«. Angesichts dieser Tatsache hat man allen Grund, auch die Echthest der drei monarchistischen Gruppen zu bezweifeln, deren Aufdeckung soeben offiziell in der Sowjetpresie mitgeteilt wird. Zwei von dielen Gruppen sollen in Odessa, eine m Kiew gegenrevolutio- närc Umtriebe begangen haben. Oer Sieg des Gouverneurs. Oer Stoatssenoi von Oklahoma gegeo das Unterhaus. Oklahoma(City). 23. Dezember. Die als Gerichtshof tagenden Mitglieder des Staalsfenal» wiesen dl« Beschuldigungen gegen den Gouverneur und zwei andere Staatsbeomle ab und nahmen mit 22 gegen 16 Stimmen einen Antrag an. in dem es heißt, das ljnierhaiis sei nicht befugt, selbständig«!»« Sitzung abzuhalten und Veschuldi- guugen zv erheben. Knight, einer der Führer im Unterhaus, erklärte, der Senats- beschluß bedeute eine Beendigung der Bemühungen, dos Staats. Parlament gegen Entscheidungen der Stoalsgerichte und den Wider- stand des Gouverneurs einzubervfen. Die Luxemburger Resolution. Bäumuugsfrage und Abrüstungsproblem. Dom Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands wird uns geschrieben: Nach übereinstimmenden Presseberichten hat in der Sitzung des außerordentlichen französischen Parteitages vom 27. Dezember Genosse Pau.l Boncour folgendes ausge- führt: Die Forderung der sofortigen und bedingungslosen Räumung des Rheinlandes lasse sich nicht mit früheren internationalen Beschlüssen vereinbaren. Es sei zwar richtig, daß keine wirkliche Verständigung zwischen zwei Völkern möglich sei» von denen das eine Gebiete des anderen besetzt halte, jedoch hätte die Luxemburger Konferenz im Einoernehmen mit den deutschen Sozialdemokraten die Räumung von der Schaffung einer S i ch e r h e i t s b e d i ng u n g, nämlich der internationalen Kontrolle, abhängig gemacht. Da eine solche Auslegung der Luxemburger Beschlüsse vom 21. November 1926 geeignet sein tönnte, Mißverständ- nrsse über das Zustandekommen und den Sinn der damals zwischen den Vertretern der deutschen, der französischen, der belgischen und der englischen Sozialdemokratie vereinbar- ten Resolution aufkommen zu lassen, sei zunächst der Wortlaut der Abschnitte III und IV dieser Resolution wiedergegeben, die sich auf die Räumung und die Abrüstung beziehen: III. Di« wirtliche und dauernde deutsch-französifche An- n ä h r u n g, die für die Festigung des Friedens unerläßlich ist, schließt notwendig dos Ende der militärischen Besetzung deutschen Bodens ein. Schon auf der Frankfurter Konserenz vom Februar 1922 hatten die in Luxemburg vertretenen Parteien erklärt: „Solche Okkupationen verletzen die Gefühle der Bevölkerung der besetzlen Gebiete und verschlingen die von Deusschland für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete ausgebrachten Mittel, er- zeugen immer von neuem haß gegenüber den Besetzenden und bergen in sich die Gesahr neuer Konflikte." Eine der wesentlichsten Aufgaben der sozialistischen Parteien besteht also darin, eine s ch n e l l« L ö s u n g des Problems, der. Rheinlandräumung zu bewirken. Die Ausführung des. Dames-Plones durch Deutschland, Deutschlands Eintritt in den Völkerbund und das Inkrafttreten der V er träge von La corno gestatten den Regierungen eine schnelle Lösung dieser Frage ins Auge zu fassen. Es ist die Aufgabe der bekbiligten sozialistischen Parteien, diese Lösung der Frage zu beschleunigen und die Schwierigkeiten aller Art zu beseitigen, die sich ihr entgegenstellen könnten. Es muh insbesondere vermieden werden, daß finanzielle Schwierigkeiten, deren Ueberwindung vielfach vom Kapitastsmus anderer Länder abhängt, ein Hindernis stir die baldig« R ä u mung bilden, die der internationale Sozialismus für uner läßlich hält. IV. Hingegen haben die sozialistischen Parteien stets anerkannt, daß die Räumung des Rheinlandes mit einer befriedigenden Lösung der Abrüstungs- und Sicherheitsfragc praktisch verbunden ist. Deutsch- land hat sich verpflichtet, abzurüsten,„um die Einleitung einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung aller Nationen zu ermöglichen". Die in Versailles vertretenen Regierungen, sowie alle Regierungen, die dem Völkerbund beigetreten sind, haben die feierliche Verpflichtung über- nommen, dies« Rüstungsbeschränkung zu verwirklichen. Die organi- sierte Arbeiterschaft aller Länder muß die Erfüllung dieses Ver- sprechen? mit Entschiedenheit fordern. Die Luxemburger Konferenz stellt fest, daß nach Abschluß der technischen Vorarbeiten die Einberufung der allgemeinen Ab- rüstunzskonferenz nur noch von dem Willen der Regierungen abhängt. Di« Konserenz erklärt, daß jede ungerechtfertigte Verzögerung dieser Einberufung die schlimmsten Folgen haben würde. Ein Versvgen des Völkerbundes auf diesem Gebiete müßte zu einer Krise des Völkerbundes führen. Der BSlkerbuvd muß die allgemeine Abrüstung entschlossen und schleunigst In Angriff nehmen und damit die Kontrolle der Abrüstung für alle Völker durchführen. Die Arbeiter Deutschlands und Frankreichs müssen auf ihre Regierungen einen Druck ausüben, damit diese den nötigen guten Willen zeigen, die einen, um die letzten von Deutschland ver- sprochenen Abrüstungsmaßnahmen bald durchzuführen, die ander««, um zu verhindern, daß durch schikanöse Forderungen die notwendige Ausführung der tnt«rallii«rte» Militürtontroll« hinausgezögert wird. Die Kontrolle der deutschen Abrüstung kann in Zukunft nur im Rahmen einer allgemeinen Konvention gedacht werden, die allen Staav» gleiche Rechte gewährt und gleiche Pflichten auferlegt, wie übrigens die Abrüstung Deutschlands auch nur denk- bar ist im Hinblick auf die weltabrüsinng. Bis zu dem Zeitpunkt, wo diese Gesamtorganisarion aufgebaut sein wird, und umdteRäumungder rheimschen Gebiete nickt hinauszuzögern, würde es sich empfehlen, daß der Völkerbund eilt« aus Vertretern von Luitdesmitgliedern bestehend« zwtlc Kommission bildet, in der Deutschland oertreten ist. Diese Kommission hätte zu prüfen, ob.das Statut der entmilitan- ssertsn Gebiete respektiert wird.» Es darf kein« Anstrengung gescheut werbt«, inn zu erreich««, baß in btr benfÄpr kürzesten Frist Mtfes Regime durch ein andere» ersetzt werde, das /dien rein vertrag» l i ch e n Charakter hätte und das auf der Grundlage strikter Gegen. seit'.gkeit da» System von Feststellungen organisieren würde, die not- wendig sind, um die Verträge von Locarno aiv wirksamsten zur Anwendung zu dringen. Zur Erläuterung dieser Resolution sei zunächst festgestellt, daß das gemeinsam vereinbarte ZUk der Luxemburger Konferenz darin bestand, die in eine Sackgasse ge- ratenen, mit so großen Hoffnungen verknüpften De/handlun- gen von T h o i r y durch praktische Borschläge wieder in Gang zu bringen. Die in Thoiry erörterte„Gesamtlösung" auf der Grundlage einer sofortigen Mobilisierung der deutschen Re- parationsschuld hatte sich bereits als undurchführbar erwiesen, weil die Vereinigten Staaten ihre finanziell� Mit» Wirkung von einer vorherigen Regelung des französisch- amerikanischen Schuldenproblems abhängig machen wallten, und weil eine solche Regelung, auf die Deutschland kewen Einfluß nehmen konnte, auf absehbare Zeit unmöglich schreit» Die Befreiung der Bewohner des besetzten Gebietes von einer finanziellen Regelung abhängig zu machen, die nicht einmal' in der Hand der deutschen Regierung lag. wurde als vom sozialistischen Standpunkt unmoralisch verworfen. Diesen Gedanken entwickelte als Vertreter der deutschen Delegation, die die Initiative zur Einberufung der Konferenz ergriffen hatte, Genosse O t t o W e l s in seiner einleitenden Rede. Die übrigen Teilnehmer, insbesondere die französischen De- legierten stimmten diesem Gedankengang sehr lebhaft zu, der üorigens in dem Schlußsatz des' Abschnitts 3 der Resolution zum Ausdruck gebracht wurde. Da sich nun der Weg von Thoiry als ungangbar er- wiesen hatte, mußte von den sozialistischen Parteien den Re- gierungen ein neuer Weg für die Lösung der Räumungs- frage aufgezeigt werden. Uever die Forderung der b a l d i- gen Beendigung der militärischen Besetzung bestand seit jeher zwischen den beteiligten sozialistischen Parteien volle Einmütigkeit. Das wurde sowohl auf der Konferenz selbst, wie auch in der Resolution zum Ausdruck gebracht. die ausdrücklich Bezug nimmt auf die Beschlüsse, die nahezu fünf Jahre vorher bereits auf der Frankfurter Fünfländer- konferenz zu diesem Punkt gefaßt worden waren. Andererseits waren sich alle Beteiligten darüber im klaren, daß eine bloße Wiederholung dieser grundsätzlichen �«rderung keine praktischen Ergebnisse ausläsen würde, und daß, so une die Dinge nun einmal lägen, ein Verzicht Frank- reirf� auf die ihm vertraglich zugestandenen Besetzungsrechte ohne jegliche deutsche Gegenleistung kaum zu erreichen sein würde. Diese.Gegenleistung sollte jedoch nicht auf finanziellem Gebiete, sondern sozusagen auf psychologischem Gebiete gefunden wenden, nämlich in einer Vereinbarung in der Frage der Sicherheit. Die im Friedensvertrag fest- gelegte Entmilvarisierung des linken Rheinufers und deren Neutralisierung sollte durch eine zivile Völkerbund- k o n t r o l l e, an der Deutschland beteiligt sein sollte, von Fall zu Fall nachgeprüft werden. Es wurde in der Debatte insbesondere von de Brouckdre, der den Vorsitz führte, mit Zustimmung der übrigen Delegationen ausgeführt, daß man zum Beispiel die im Rheinland, also in Köln ansässigen Konsuln der Dölkerbundsmächte unter Zuziehungeines Vertreters der Reichsregierung als Kontroll- kommission des Völkerbundes konstituieren könnte. Diese Kommission hätte auf Anweisung von Fall zu Fall eine Kontrollhandlung vorzunehmen, die sich sowohl auf eine be- bauptete Verletzung der Entmilitarisierungsbestimmungen des Verfailler Vertrages durch Deutschland wie auch auf eine be- hauptete Verletzung der Neutralisierungsvorschriften des Rheinpaktes durch eine Locarnomacht bezichen könnte. Von den Vertretern der deutschen Sozialdemokratie, ins- besondere vom Genossen He rmannMüller- Franken, wurde mit aller Ent chiedenheit und wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß die deutsche Partei einem solchen Sonder- regime.für das Rheinland nur als freiwillige Gegen- leistung für den freiwilligen Verzicht Fr a n t r e i ch s auf die volle Ausnützung seines Besetzung?- rechts zustimmen könnte. Infolgedessen müßte diese Sonder- kontrolle für das Rheinland späte st ens mit Ablauf der fünfzehnjährigen Besetzungsfrist, die im Verfailler Vertrag für die dritte Zone vorgesehen sei, ihr Ende finden. Genosse Paul Boncour vertrat die Auffassung, daß ein solches Regime durch den Völkerbund verallgemeinert und auf andere Grenzen in Europa ausgedehnt werden.müßte, die sich in der Vergangenheit als besondere Gefahrenherde gezeigt hätten. Genosse de Brouckdre stimmte diesem Gedanken grundsätzlich zu. betonte aber unter Zustimmung der deutschen Delegierten mit aller Entschiedejihsit, daß ein Fortbestehen der Kontrolle für das Rheinland über das Jahr 193 3 hinaus nur dann in Frage käme, wenn diese Kontrolle auf die strategischen Gebiete westlich der deutschen Reichegrenze ausgedehnt würde. B o n c o u r bekannte sich in diesem Zusammenhang zu dem Gedanken der i n t e r n a t i o n a l en Bölkerbundskontrolle für alle Staaten, die die 5konvention über die Rüstungseinschränkungen unterzeichnen würden, die das Werk der kommenden Abrüstungskonferenz fein müßte. Er betonte, daß es gelungen sei, die französische Generalität für den Gedanken der allgemeinen Ueberwachung der Rüstungsbeschränkungen durch den Völkerbund zu ge- Winnen. Dies wäre ein wesentlicher Fortschritt in der Ab- rüstungsfrage. Genosse de Broucköre, der damals Vor- sitzender der vorbereitenden Abrüstungskommission war, äußerte sich zum Unterschied von Boncour viel skeptischer über den Stand der Arbeiten der vorbereitenden Kommission und über die Aussichten einer baldigen Einberufung der all- gemeinen Abrüstungskonferenz. Darüber, daß auf die Re- gierungen der stärkste Druck im Sinne einer baldigen Einbe- rufung der Konferenz ausgeübt werden müßte, bestand unter den Konferenzteilnehmern volle Einmütigkeit, ebenso darüber, daß die von Boncour angestrebte internationale Kontrolle der Durchführung übernommener Abrüstungsvervflichtungen ein Ziel bilde, das von der internationalen Sozialdemokratie unbedingt gefördert werden müßte. Diese Gesichtspunkt« wurden m der Resolution aufgenommen, wobei von»allen Delegationen gleichermaßen Wert darauf gelegt wurde, zu be- tonen, daß nach dem Friedensvertrag die deutsche Abrüstung nur das V o r s p i e l zu der allgemeinen Abrüstung sein sollte. und infolgedessen eine ausdrückliche Verpflichtung der noch nickt abgerüsteten Staaten vorliege, aus der deutschen Ab- rüstung die Konsequenzen zu ziehen. In der Zeit der Luxemburger Konferevz bestand die Interalliierte Militärkontrolltommission in Deutschland noch fort. Die Verhandlungen über Äe Erledigung der sogenann- ten„Restpunkte" und über die Zurückziehung der Jnter- Wilhelms Flucht. Jltnt Tatsachen über den 9. November 191&.- Wilhelm ließ sich vom englischen König„retten"! In dem kürzlich erschienenen Buch„Revolution von oben. Umsturz von unten" von Oberstleutnant a. D. N i e m a n n, der als Generalstabsoffizier und Vertreter der Obersten Heeresleitung dem Exkaiser im persönlichen Gefolge zugeteilt war, findet sich ein beachtenswerter Bericht des Oberleutnants Grafen von Schwerin, des Adjutanten des Sturm- bataillons Rohr, das in den krkttschen Tagen des November 1913 den Dienst in Spa versah. Man erfährt aus dem Bericht des Grafen Schwerin, daß ganz wie in Berlin auch in Spa am 9. November vormittags ein Schießverbot für diese zum Schutze des Kaisers nach Spa gezogene Truppe ergangen war. bis der Kaiser tatsächlich an- gegriffen werde. Graf Schwerin erzählt weiter, daß das Bataillon am frühen Vormittag des 9. November auf Grund eiues in der Nacht erteilten Befehls einem nieder- ländifchen Generoladjutonten eine mehrstündige Uebung der modernen Angriffstaktik vorführen mußte. Schwerin meint, daß die Offiziere diese Vorführung gerade in diesem Moment als wenig paffend empfunden haben. und fügt hinzu: man habe in oenbisherigen Schilde. r u n g e n des v. November von der Anwesenheit dieses Herrn in Spa n i ch t s g e l e f e n. Er fei sich im Zweifel, ob alle verantwortlichen Stellen damals von ihr ge- wüßt hätten. Zu diesem Bericht schreibt Ludwig Herz, der Sach- verstäiünge beim Untersuchungsausschuß des Reichstags, in der„Frankfurter Zeitung": „Nach einer privaten Information, die hier wiederzugeben ich mich verpflichtet sühle, ist dieser Generaladjutant der Königin der Niederlande späte st ens am 6. November in Spa ein- getroffen, ohne daß selbst einer der höchsten Offiziere, der»ach seiner Stellung jede Aufklärung fordern durfte, erfahren konnte, wie jener ins deutsche Hauptquartier kam und was er da wollte. Vielleicht erklärt eine au» England stammende Mitteilung den fragwürdigen Dorf all: König Georg, dem es bekannt gewesen sei. daß die Entente die Auslieferung des Kaisers verlangen würde, habe die Königin der Niederlande gebeten, dem Kaiser ein Asyl anzubieten, um die Erfüllung dieser Bedingung zu hintertreiben und seiner Regierung aus einer Sackgaste heraus- zuhelfen." Diese Mitteilung läßt erkennen, daß Wilhelms Flucht nach Holland von langer Hand vorbereitet worden ist, sie ist geeignet, die bisherigen Darstellungen der Vorgänge von Spa in den wichtigsten Punkten zu entwerten. Die Flucht nach Holland erscheint hier i» ganz beson- derem Lichte: für Wilhelm die monarchische Soli- d a r i t ä t des Ententekönigs, für das d e u t s ch e Volk erdrückende Waffenstillstands- und Friedensbedingungenl Rarrenspiegel des Partikularismus. Oer„Segen" mitteldeutscher Eigenstaatlichkeit. Aus der Denkschrift des Landeshauptmanns der Provinz Sachsen Dr. H ü b n e r„Mitteldeutschland aus dem Wege zur Einheit" ver- össentlicht der Amlliche Preußisch« Pressedienst nachstehend einiges Zahlenmaterial zur mitteldeutschen Frage. Ein interessanter indirekter Dewsl» für die Schwierigkeiten, die durch die Staatsgrenzen in Mitteldeutschland von jeher entstanden flnd, liegt in der Aufzählung der mitteldeutschen Staats- o e r t r ä g e seit ISIS, die bei engem Druck zehn großeSeiten der Denkschrift füllen. Allein über IVOEisenbahnverträge mußten geschlossen werden, um das preußisch-hestische Eisenbahnnetz über da» mitteldeutsch« Gebiet hinwegspannen zu können. UederZOOSGesetze und Verordnungen wurden in Mittel- deutschland erlassen, die als überzählig gelten können, wenn man auf dem Standpunkt steht, daß Rechtseinheit anzustreben ist. Allein Thüringen hat seit 1920 1670 Gesetze usw. erlassen, von denen nur noch 952 gelten. Braunschweig hat über 1400, Anhalt Über Z80 Gesetze geschaffen. Die Gesetzsammlungen der mitteldeutschen Staaten seit 1900 füllen mit 250 schweren Bänden eine Bibliothek. 49 Exklaven liegen in Mitteldeutschland. Ihr« Grenzlänge beträgt weit über 1000 Kilometer, die Grenzlänge der Pro- vi», Sachsen beträgt 346S Kilometer. Durch Auslöschung der Ex. klaoen wird diese Grenzlänge ungefähr um ein Drittel vermindert werden können. Die Größe der Exklaven umfaßt 80 000 Hektar, die kleinste etwa 10 Hektar: die größte hat 70 000, die kleinste keinen Einwohner. In dem einen wie in dem andern Falle handelt es sich um fest abgegrenzte Hoheitsgebiete. 2 0 Jahre zwischenstaatliche Verhandlungen waren notwendig, um über die Umschulung von zehn Dorfkindern au» dem Kischlitzer Ländchen zu einem— negativen Resultate zu konunen. E» wird weiter verhandelt. Jeder größere W a s s e r l a u f wechselt in Mitteldeutschland mehrfach du Landesgrenze. Der Steuersachmann für den Braunkohlenberg« bau muß 12 preußische, 22 anhaltische. 13 thüringische. 5 sächsisch«, 6 braunschweigische, zusammen 61 Gesetz« und Verordnungen beherrschen, wenn er die steuerliche Belastung der mittel- deutschen Bergwerlsindustrie wirklich beurteilen will. Der Verkehrsfachmann, der in ganz Mitte tdeutsch» la nd das Wegerecht beherrschen will, muß das verschiedene Gebiets» recht der acht früheren thüringischen Staaten, die verschiedenen Wege- ordnungen dex. drei preußischen Provinzen Sachsen. Hannover, Hessen-Nastau und dazu die Wegerechte der Freistaaten Sachsen. Braunschweig und Anhalt kennen. Es gibt niemanden, der diese Aufgabe bewältigst Für den Bezirk der Provinz Sachsen wurden 146 Wege- strecken als Durchgangsstraßen bestimmt. 80 davon sind mehrstaatlich. In Thüringen gibt es eine 8 Kilometer lange Wegestrecke, auf der die Landeshoheit vierzehnmal wechselst 181S gab es in Mitteldeutschland noch 17. 1866 noch 12. 1920 nur noch 5 Staaten. alliierten MUitärtontrollkommission standen in Parts und in Genf bevor. Darayf nimmt die Stelle der Resolution Bezug. in der von der Notwendigkeit einer beschleunigten Erledigung der deutschen Abrüstungsmaßnahmen und der Aufhebung der MUitärkontrolle die Rede ist. Zusammenfassend läßt sich nach tzem Vorangegan- genen feststellen: Die ideelle, grundsätzliche Forderung der Sozialisten Belgiens, Deutschlands, Englands-und Frank- reichs ist bereits im Februar 1922 auf der Frankfurter Konferenz erhoben worden und lautete schon damals: Schluß mit der militärischen Besetzungl Diese ideelle Forderung ist in Luxemburg nochmals- unterstrichen worden, doch sind sich die beteiligten Parteien, die feit jeher ihre Aufgabe darin erblickt haben, die Wiederherstellung nor- maler Friedenezustände durch realpolitische Vor- f ch l ä g e und Forderungen zu erleichtern, darüber klar ge> wesen. daß praktisch bestimmte Anregungen hinsichtlich des Abrüstungs- und S'cherheitsproblems im Zusammen- hange mit der Räumungsforderung ausgearbeitet werden müßten. Die deutsche ebenso wie die französische Sozialdemo- kratie sind sich bewußt gewesen, daß bei dem gegenwärtigen politischen Kräfteverhältnis in beiden Ländern eine völlig bedingungslose vorzeitige Räumung nicht zu erzielen war. Aber es muß nach wie vor zwischen ihren praktischen Bor- schlagen im Interesse einer schnellen und vollständigen deutsch- französischen Annäherung und ihren grundsätzlichen, idealen außenpotitischen Forderungen untersckiieden werden. Die deutsche Sozialdemokratie ist trotz der Presseberichte über die Ausführungen Boncour», die zu Mißdeutungen Anlaß geben könnten, der festen Ueberzeugung. daß sowohl hinsichtlich der idealen Forderungen, wie auch der praktischen Vorschläge völlige Uetrereinstimmung zwischen derPar- »eileitung der französischen und der beut- schen Sozialdemokratie besteht. Kirche und Putschistenwaffen. Ein interessantes völkisches Geständnis. Der„Völkische Beobachter" hat der Bayerischen Volks- parte! und ihrer Presse böse in die Suppe gespuckst Zu den Versuchen, da» Waffenlager in der Michaels- k i r ch e in München als bedeutungslos und legal hinzustellen, schreibt en „Gott sei Dank hat es eine Zeit gegeben, in der nicht nur ein. sonde-n mehrere Klosteräbte und kirchliche Würdentröger in Bayern sich In echt vaterländischer Ge- stnnung bereit erklärten, die Dassen der Payenschs» Einwohne''- wehr an geeigneten Orten e i n- u I a g e r n, um sie der Schnüsselei und dem Verrat der Helfershelfer und'Agenten der feindlichen Militärkontrolle zu entziehen. U. W. fragten sie dabei nicht lange danach, ob e» sich um legal«»der illegale Waffen handle. Im Interesse dieser prächtigen Leute unter den katholischen Geistlichen muß diese Feststellung gegenüber der unrühmlichen Darstellung des bayerischen Volksparteiblattes mit aller Deutlichkeit gemacht werden." Das ist ein interessantes Geständnis! Die Veröffenllichun- Sen der Vergangenheit über Waffenläger in bayerlichen irchen und Klöstern werden damit von zuständiger Stelle bestätigt. Es wird interessant fein, ob die Staatsanwälte, die solche Veröffentlichungen von links her für Landesverrat hielten, auch in dieser Veröffentlichung des„Völkischen Beob- achter" das Delikt des Landesverrats erblicken werden! Oiepferdehaare des Wehrministen'ums ' Militärbureaukrateü an der Arbeit. Beim StudWß, des neuen Neichshaushaltsplane» ergibt sich, dcß das Wehrministenum nicht nur Ausgaben hat,--wie man gemeinhin anyimmt, sondern es sind auch sogar Einnahmen zu ver- zeichnen, und zwar waren 9 0 0 Mark besonders ausgeführt als Erlös für Pserdehaare. Der neue Haushalteplay enthält nun folgende Mitteilung: Die bisherige Ziffer l der Zweckbesttm- mung„der Anteil des Reiches an den Erlösen für die beim Verschneiden der Mähnen und Schweif« derDlenst- pserde gewonnenen Pferdehaare" fällt sorst Die Einnahmen sollen den Truppen überlassen werden. Bisher bestand zur Berteilung der 900 M. ein besonder» kompliziertes Verfahren. das in der Sprache des Haushaltsplanes iolgendermaßen gesiiidert wurde:„Von derartigen Einnahmen fließen zwei Drittel der Reichskaste zu. ein Drittel verbleibt der betr�iienden Dienststelle zur Bereinnahmung bei den bei Titel 8 in Ziffer 2 bezeichneten Selbstbewirtschoftuneslends als Entgelt für die entstehenden lln- kosten." Uick» nun soll noch einer kommen und sagen, der Reich»- wchretat sei kein Musterbild von Klorhett und Genauigkeit! Spaliung in der KPO. Oer llnterbezirk Suhl in offener Rebellion. Ein« Versammlung der Mitglieder d-r Ortsgruope Suhl der KPD. hat beschlossen, den Ausschtt-ß von sechs Mitgli-dern der Unterbezirksleitung Suhl nicht anzuerkennen. Die Aus, geschlossenen werden nach wie vor als o r d n u n g»m ä ß I g e Unterbezirksleitung betrachte? und üben Ihre Funktionen weiter au».' Zugleich ist der ausgeschlossene Führer der Opposition in Suhl, Guido Heym, aufgefordert worden, sein Landtags- Mandat nicht nieder,-uirgn,. Zur Ortsgruppe Suhl stehen die übrigen 12 Ortsgruppen im Suhler Be'irk und im Bezirk Hildburghausen. Diese Besckll'sse bedeuten die vifen« Spaltung, da die Zentrale der KPD. schwerlich vor Suhl kapitulieren wild. Eichung auf dem pariser parteiiag. Hauptziel: Die Reaktion muß besiegt werden! pari». Zg. Dezember.(Eigenbericht.) Um 6�4 Uhr abend» trat da» Plenum des französischen Partei- tazcs wiederum zusammen, um den Bericht der Resolu- tionskommission entgegenzunehmen. Nachdem es einen außerordentlichen Beitrag von 50 Centimes monatlich für den „Populaire" genehmigt und der Uebertragung der endgültigen For« nmlierung im Wahlprogramm an«ine 22glledrige Kommission, die nach dem Kongreß w Paris zusammentreten wird, zugestimmt hatte, teilte Blum mit, daß die Kommission w der Frage der wahltaktik zu einem einhclligco Beschluß gekommen sei. Die Einigung ist aus der Grundlage der vom Zentrum der Partei eingebrachten Resolution«rsolgt. Es fei gleich gesagt, daß der Kongreß dieselbe Einmütigkeit gezeigt und den von Auw ver> trelenen Antrag ebenfall, e i n st i m m i g zum Beschluß erhoben hat. Die sraozSsischen Sozialisten werden daher in allen Wahlkreisen eigme Sandidalev nach Möglichkeil ausstellen, während sie in der Stichwahl die Anstrengungen daraus richten werden, den reak- lionärev Gegenkandidat zu schlagen. Die lokalen Bezirksverbände werden darüber entscheiden. welcher Kandidat ohne Rücksicht aus seine ParleizugehSrigteit die Unterstützung der Sozialisten zu diesem entscheidenden Zweck er» balten soll. Die Kommiision hat die Meinungsverschiedenheiten zwischen der Rechten und Linken nicht durch eine starr« und im Augenblick unkluge Regel lösen wollen und Hot den Ortsverbänden tzandlungssreiheit gegeben. Im übrigen hat sie— so erklärt« Blum— die frechen Forderungen der Kam- m u n i st e n zurückzuweisen für unnötig erachtet, es sei aber nicht klar, daß kein sozialistischer Kandidat eine„Antibolschewistische Kon» zentration". den„Rationalen Block' von gestern, die„Nationale Union' von morgen, unterstützen würde. Compere-Morel schloß den Kongreß, indem er seiner Freude darüber Ausdruck gab, daß der Parteitag so vorzügliche und einmütige Arbeit geleistet Hobe. Oer Kampf in der Kommission. Paris, 29. Dezember.(Eigenbericht.) Der Außerordentlich« Kongreß der französischen Sozialisten hielt am Donnerstag zunächst t»»«-... 38«. Schellfische..k-iun-, isr>k. flunljernree„«ck.42«. 53«. �ottsne?. Käse � 78p». fä' Iis Steinbuscher 92, 1.10 Margarine«und 50, 58«. Tilsiter voiueit.Pd. 95« 1.10 Kokosfett i-Phmd-rafei 55« Schweizer� 93 Payr. 1.45 Schweineschmalz�- 78«. Emmenthaler�l�o�e1.30 Molkereibutter.«und 1.82 Tüsiter voiit, o. Rinde, ptd. 1.30 Tafelbutter Piund 1.92 1.93 Frische Ananas p'-nd 90 p».«* Amorettenbirnen � 25Pf. Jägeräpfel■ Kranzfeigen .Piund 28 Pf- Am Silvester Pfannkuchen mit verschiedenen Füllungen, Dutzend Im leo 2 20 Musäpfel Pfund 10 o. 18 Pt Mandarinen..Pkmid 30«. Tafeläpfel...«und 20p«. Apfelsinen 40, 55, 95 Pt Weißkohl..... p«ond Evt. Hund 28 Pf. Rot-u Wirsingkohl«t 15«. Blumenkohl. Kopt von 18� •n Schinkenpolnische"»««» Iso Ländleberwurst«und 1.20 Bierwurst.....«und 1,70 Dampfwurst•. Pfund 1.20 Schinkenspeck.«»»d 1.70 fstletwurst.... Pfund 1.50 Nußschinken" 8 jJJUJJd 1 85 Zervelatu.SalamiPfo 1.70 Gänsebrust 3-60 Leberwurst tetne. Hund 1.70 Lachsschinken 3.60 Frisches Fleisch Schweinebauch sfgS«—« 75«. Schweineschinken«um«,«d. 85« Kalbskamm Brut n. Rftckea. Pfnxd 78« Schmorfleisch 90« Hammelvorderfleisch«md 88« Kavier, Speer u. Kamm«„d 95« Liesen pm. 80« Gehacktes«<■. 70« Prima Ochsenffieisch gefroren Kamm u. Brust........««d 58« Schmorfleisch■>«*..«-.d 70« Wild u. Geflügel Hasen settrem«.«ugevarleB, Pfand 1 0S 1 2S Gänse gefror ra.... Pfand 68, 83, 95« Brat- u. Fettgänse____«»d lao«. Fasanenhähne—.'.sm*38s 4ss Italienisch. Salat«'*££ Jg. Brach höhnen hd. 58 PL Erdbeeren£ 85«£ 155 Junge Erbsen ViDom 72« Schattenmorellen j�l.35 Junge Erbsen 1.30 Birnen halbe rmcht.■ a d. 95Pt Ananas H""* 120 Johannisbeer-��; 1.20 Gebrannt. Kaffee ää",s. 2,- Haushalt-Misch.Piund 2.60 Globus-Misch. Piund 3.80 Sonder-Misch. Pfand 3 m Residenz-Misch.«und 4.20 Olympia-Misch. Pfand 3,40 Elite-Mischung Pfand 4.60 Abt. Frische Blumen nur leipziger Straße Neujahrs-Spenden Ar. 616* 44. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Freitag, 30. Dezember 1921 ierschich und Tierrecht. Ein ungenügendes Girafgeseh. Es berührt Luderst peinlich, daß das deutsche Strafgesetz in emem wichtigen Punkt schmählich versagt: seine Bestimmungen über die Tierquälerei und den Tierschutz sind völlig Unzuläng- lich. Das Glück will es nun, daß wir vor einer ölrasgesetzreform stehen. Der»Entwurf eines Allgemeinen Deutschen Slraszesehes" ist. nachdem er den Rcichsrat passiert«, dem Reichstag vorgelegt worden. Der Strafgesetzausschuß des letzteren beschäftigt sich gegen- wärtig mit der Beratung des Entwurfs. Noch besteht also die Mög- lichteit, da» große Versäumnis bezüglich der Bestrafung der Tier- quälerei gutzumachen. Allerdings: es ist höchste Zettl § 360 Absatz lZ des alten, noch gellenden Strafgesetzes bestraft die schändlichste Tierquälerei als«Aebertretung" nur mit Höchstenz 6 Wochen ch aft(kein Gefängnis!) oder mit einer Geldstrafe bis zu ISO Mark. Und das nur unter der Voraussetzung, daß die Tier- quälerei eine„öffentliche* oder.Llergernis erregende* ist. Nicht weniger Strafe erhall nach diesem Gesetz z. V. derjenige, der auf der Straße„unbefugt mit einer Uniform* herumläuft. Vor dem Gesetz wiegt also diese„Uebertretung* nicht schwerer als jene. Es wirft ein trübes Licht auf unseren.Lulturstaat*. Der neue Strafgesetz. entwarf zeigt gegenüber dem allen leine wesentliche Verbesserung. Sein§ 366 sieht für Tierquälerei eine Höchststrafe von 6 Monaten Gefängnis vor. Auf das Moment der Erregung eines„Aerger- nisies* und der„Oeffentlichkeit* verzichtet er zwar, verlangt aber. daß die Tierquälerei eine„absichtliche* sein müsse oder sich als„rohe Mißhandlung* darstelle. Das ist eine Klausel, die die Rechtsfmdunz sehr erschwert und die— falls der Entwurf in dieser Fassung Geseg wird— zur unausbleiblichen Folge hat, daß die meisten Tierquäle- reien nach wie vor ungefühut bleiben. Die Unbrouchbarteit dieses Paragraphen wird durch die Tatsache erhöht, daß er leine Bestim« mungen enthäll, die rückfälligen Tlerquälera das Recht zur Tier- Haltung entzieht. Noch schlimmer aber ist, daß der neu« Gesetz- eMwurf, der die Erlassung von Vorschriften für den Tierschutz (§ 41?) dem Ermessen der Verwaltungsbehörden der Länder über- läßt, Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften nicht zu den„Ber- gehen*, sondern lediglich zu den„Uebcrtretungen* rechnet, die nur mit einer Geldstrafe geahndet werden können. Der Reichsral hat das so gewollt. Des weiteren sieht der Entwurf den Tatbestand der Tierquälerei als nicht gegeben an ,chei einer Behandlung des Tieres. die nur aus wisseuschastlichen und religiösen Beweggründen geschieht*. Damit ist der Viviselliou(der Operation am lebenden Tier), deren Grausamkell feststeht, deren Nutzen aber selbst von medizinischen Kapazlläten mit guten Argumenten bestritten wird, ein erneuter Freibrief ausgestellt. Das Gesetz steht mit seiner ganzen Macht hinter der Biviseltion, eine der größten Abscheulichteiten unseres Lahr- Hunderts. Vor uns liegt also der Entwurf eines Sttafgesetzes, das ebenso wie das alte für einen wirklichen Tierschuh unbrauchbar ist. Tierquälereien und praktischer Tierschutz. Die Z-chl der Tierquälereien ist nicht gering, wenn Such die Oeffentllchkell durch die Presse üur über die krassesten Fälle unter- richtet wird. Und fast immer werden— eben auf Grund des gellen- den Strafgesetzes— die Tlörquäler freigesprochen oder nur zu lächerlich geringen Geldstrafen verurteilt. Em Beispiel, der jüngsten Zeit ent. nommen, soll dos illustrieren. Ein Aussteller schickt auf«in« öffentliche GsilllgAausstellung Hahne. Er hatte den armen Tieren Radeln in die Schwanzsetidrüsen gefleckt, um sie zu nötigen, au» Schmerz die Schwanzfedern unnatürlich hoch zu tragen. Das wird später ent- deckt, aber das Oberlandesgericht verneint, daß ein« öffentliche Tierquälerei vorgelegen habe. Zwar feien die Tiere öffentlich aus- gestellt gewesen, ober das Publilum habe ja nichts davon gemerkt, daß sie durch Nadeln gepeinigt waren! Diese Gesetzgebung, die typisch für die kapitalistische Welt ist. in der das Profitinteresse«ine olles überragend« Rolle spielt, sieht das Tier als ein« bloße„Sache* an. mit der«in jeder machen kann, was er will— vorausgesetzt, daß er dabei seinen Nach- barn nicht stört. Noch dem Entwurf, der dem Reichstag vorlieat, soll«ine Tierquälerei nur dann strafbar sein, wenn sie eine„absicht- lichc* war. Was werden da für Urteile herauskommen??? Oer praktische Tierschutz. Das Gebiet des praktischen Tierschutzes ist groß und fast un- übersehbar: ein« ausführlich« Darstellung würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Den Großstädter interessieren vor allem di« Tier«, mll denen er täglich in Berührung kommt: Pferd«, Hunde, Katzen und Bogel. Zwei Organisationen, die auf dem Gebiete des Pferdeschutzes«ine besonders fruchtbare Tätigkeit ent- wickeln, sind die„Pferdeschutzvereinigung über ganz Deutschland" und der„Verband deutscher Fahrschulen*. Diese sind bemuht, Fahrschulen zu schaffen, in denen die Kutscher für ihren Beruf ein« sachgemäße Ausbildung erhallen. Vor dem Kriege gab es eine Fahrschule in Berlin, gegenwärtig besteht eine in Trier. Die Be- mühungen gehen dahin, daß der Beruf des Kutschers aus der Reihe der„ungelernten* herausgehoben wird—«in Ziel, das sich auch der „Deutsche Verkehrsbund* zu eigen gemacht hat. Daß die Zahl der Pferde trotz der ungeheuren Zunahme der Automobile und Trat- toren sich ulchl verringert hat, beweist eine Angabe des Preußischen Statistischen Landesamtes, dessen Zählung im ganzen Reich am 1. Dezember 1926 3 868 623 Pferd« ergab: am 1. Dezember 1913 wurden 3 866766 Pferde gezähll.— Hunde und Sahen spielen in der Großstadt eine nicht minder wichtige Rolle. Wenn die zuletzt genannten Tiere sich oft störend bemerkbar machen(durch Verun- reinigungen und Lärm), so ist die Schuld den Tierhaltern zu geben, die zur Erziehung eines Tieres unfähig sind. Die Zahl der Tier- schütz oereine ist im Reich eine verhältnismäßig gering«. Vor dem Kriege gab es über 406 Tierschutzvereine. Die Hälfte dieser Vereine haben ihre Tätigkeit eingestellt, so daß Im Jahre 1923 nur 234 Tierschutzvereine gezähll wurden. In Berlin gibt es etwa 7 Tierschutzvercine, von denen die„Pferdeschutzvereinigung über ganz Deutschland* und die„Deutsche Gesellschaft sür Tierrecht*(De- gründer und Barsitzender der der Arbeiterschaft aus politischen Pro- zeflen bekannte Iustizrat Viktor Frönkl).ein« besonders fruchtbare Arbeit leisten. Wenn auch di« Wirkungsmöglichkeit der Tierschutzvereine, denen ja über ihre Mitgliedschaften hinaus ungezählte Helfer zuzurechnen sind, nicht unterschätzt werden darf, so ist es doch einleuchtend, daß ihre ganze Arbeit eine Kraftvergeudung bedeutet, wenn nicht auch der Staat mit einem ausreichenden Straf- geseß das TZer schützt. Sein« tiesste Wurzel hat der Tcepschutz ln der Erkenntnis vop dfer Leidens- und Dsnkiähuzkeit des Tieres; die letzter« ist öon der de? Menschen nur graduell verschieden. Der Mensch, der dos Tier wehrlos und(etnen Zwecken gefügig gemacht hat, darf es nicht miß- brauchen, d. y., er darf nichts tun, was das Tier quält. So wird der Tierschutz zum Tierrecht. Es handelt sich nie und nimmer um einen von Sentimentalität durchtränkten Tierschutz, sondern um ein« Ethik, die Menschenschutz und Tierschutz als unzertrennliche Bestand- teile betrachtet. Das ist. so verwunderlich es manchen auf den ersten Blick erscheinen mag, die Ethik des Klassenkampfes. Es gill«ine Well zu befreien— und zu dieser Well gehört auch das gequälte und mißhandelle Tier! Die Zeitschrist„Koks". Ami dem leben eines jugendlichen Entgleifien. Zu Weihnachten 1926 sollte die Leserwell mit einer neuen Zeitschrift beglückt werden, die den ebenso kurzen wie bezeichnenden Titel„Koks* tragen jollle. Als Nervenberuhigungsmittel für die heutige Well pries ihr Verleger B. sie an. Alis dem ganzen Profekt aber wurde nichts, uild zwar aus folgenden Gründeil. Bei der Inhaberin des Dy onisos- Berlages, Frau T.. erschien eines Tages mit einer guten Empfehlung ein junger Mensch: er wolle eine Zeitschrist herausgeben. 5606 M. wäre er bereit, sofort in das Unternehmen hmelnzustecken. weiter« 7000— 16 666 M. würden snlgen. Der Vertrag wurde geschlossen. Frau T. bestellte bei einein Maler das Titelbild, legte auch den Inhalt der Zeitschrift fest, und begab sich zur verabredeten Zeit auf die Bank, um dort die 1366 M. in Empfang zu nehmen, die uir Herausgabe der ersten 9iuminer der Zeitschrift erforderlich waren. Herr B. kam ober nicht. Am nächsten Tage fand er plausible Ent- schuldigungen für sein Nichterscheinen: Das Geld würde er noch im Lause des Tages bringen. Er nahm auch gleich drei Regen- Mäntel mit— die Inhaberin des Dyonifoe-Berloges war be: eits vor kurzem mit einer Regenmäntel-Ver tretung hineingefallen— und kehrte nicht wieder. Einige Monate später wurde er verhaftet. Herr B. entpuppte sich als alter Bs- konnter der Polizei. Sein Lebenswus verdient, in Kurz» «rzähll zu werden. Schon seine Geburt stand unter schlechten Zeichen. Uneheliche? Kind einer 17johrigen Mutter, die vor den Prügeln der Eltern da- vongelaufen war und bei ihrem Geliebten Zuflucht gefunden hatte. wurde er später als Pfiegekmd hin und her gestoßen. Die Mutter war hysterisch, der Bater Trinker, der Juno« wurde Phontost. Als er 12 Jahr? all war, traf ihn die Für- sorgerin beim Basteln eines großen Segelschisfes und bei aufgeschlagener englischer und chinesischer Grammatik. Aus seinen Bücherregalen standen verschiedene geog-ophiscki« Bücher. Der Iüng« sah sich schon als Abenteurer und Weltrsisenden. Was wunder, daß er als Sechzehnjähriger zu den Baitikumtruppen ging, später in Oberschlesien den Freikorps angehörte und im Jahre 1926 sich in di« Fremdenlegion anwerben ließ: er beliauptet, ver�hlsppt worden zu sein. Im Jahre 1921 gelang es leinen Eltern, seine Auslieferung durchzusetzen. Jetzt begannen seine kleinen B e- trügerei c n, die ihn mehr als eiimial vor das Gericht brachten. Er betätigte sich als Journalist, beging Inseratenschwindeleien, hei- ratete auch zwischendurch, um sich gleich hinterher scheiden zu lassen, geriet in schlechte Gesellschaft, und ließ sich trotz aller Fürsorge, die ihm zuteil wurde, nicht auf der geraden Bahn der bürgerlichen Existenz halten Vor dem Schösfengerichl Schöneberg eg'tattete Dr. Leppmann über den Angeklagten, den er bereits ftit 1924 kennt, ci» ausführ- liches Gutachten. Auch die Fürsorgerin, die B. seit seinein 12. Jahre betreut, war anwesend. Der jung« Mensch, nicht un- syinpaihifch in seinem Aeußeren und seiner Art. sich z» geben, schien tief bedrückt. Das Gericht übte Nachsicht. Es verur- teille ihn zu vier Monaten Gefängnis. Es war wohl die letz:« Gerichtsverhaudlung. di« der L a n d g e r i ch t s d i r c k t o r Ha r- tung vor seinem Tode zu leiten hatte. Lm Korridor erhängt. Rätselhafter Selbstmord eines Sechzehnjährigen. Das furchtbore Kapitel des Freitodes Jugendlicher ist abermals um einen rätselhaften Fall bereichert worden. Als gestern nachmittag die Frcku des Drehers P. in ihre im 4. Stockwerk des Hause? Perstus- straße JS gelegen« Wohnung zurückkehrt«, fand sie zu ihrem Entsetzen l» der Ecke des dunklen Korridors ihren sechzehn- jöhrigenSohnHermann erhängt aus. Der hinzugerusen- Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Der junge Mensch war als G r a v e u r l e h r l i n g in einem Berliner Betrieb beschäftigt und hat zu irgendwelchen Klagen keinen Anlaß gegeben. Die Eltern stehen gleichfalls vor einem Rätsel und können sich den Lerzwcislungs- schrill ihres Kindes nicht erklären. Nachforschungen nach irgend- welchen schristlichcn Hinterlassenschaften, die über das Motiv hätten Aufschluß geben können, waren ergebnislos. 76s Zement. üKoman vo» Fjodor Gladtoro. Das Werk stand staubig und verwüstet wie in der Der- gangenheit. Aber überall fühlte man schon seinen Atem und das erste Beben seiner Maschinen. In der mechanischen Abteilung stöhnten und heulten schon ununterbrochen, Tag und Nacyt, die Dieselmotore. Und jeden Tag kontrollierte Ingenieure Kleist streng und sachlich alle Arbeiten. Er war ganz weiß gekleidet (Rock, Hose und Hut), und zum ersten Male zuckte sein Gesicht von einem zurückgehaltenen Lächeln, das seine innere Er- regung verriet. Ebenso wie früher wimmelten alte Techniker nno Arbeitsaufseher um ihn herum, und ebenso wie früher gab er ihnen nachlässig und leise seine Befehle, mlt dem Kopfe im Takt seiner Worte zuckend. Aber zu den Arbeitern war er schweigsam und trocken wie früher und ging an ihnen gleich- gültig, fremd und blind vorbei. Gljeb war für eine Woche verreist und blieb einen ganzen Monat weg. Schon in der zweiten Woche seiner Abwesenheit ging die Arbeit nur mit Unterbrechungen vor sick), und zum b-chluß stockte sie vollständig. Die Fabrikleituug härte auf, die schon bewilligten Pläne zu unterstutzen und die materiellen Anspruchs zu befriedigen. Im Bolkswirtschaftsrate tonnte man nichts mehr erreichen. Immer wieder hieß es— Industrisbureau. Zementzentralo. Staatsplan.... In der Fabrittsitung sprachen die eleganten, sauberen Spezialisten offen zu Ingenieur Kleist. „Lassen Sie, German Germanowitsch, dies Phantasieren. Das Werk kann nicht in Betrieb gesetzt werden, wissen Sie denn das nickt. Wozu braucht man denn eigentlich das Werk? Es ist doch lächerlich, German Germanowitsch. Nehmen wir an: das Werk geht und der Zement ist w die Magazine gelangt. Was dann? Wo sind die Märkte, d?r Absatz? Die existieren doch nicht. Früher belieferten wir hauptsächlich den ausländischen Markt. Aber jetzt? Bau, tätigkeit? Es wird dock nichts gebaut und kann auch nicht gebaut werden— weil es weder Kapital noch produktive Kräfte gibt. Man hat hier einen Riefenlärm geschlagen,— das muß man zugeben. Wer Kräfte haben Sie keine, Cr- fahrungen fehlen, Mittel für schöpferische Arbeit gibt es nicht. Und kann es auch nicht geben, weil es kein Privattapital gibt und keine Privatunternehmungen. Auf einem nattona- llsierten Gaul kann man nicht weit kommen. Ob man will oder nicht, man muß sich an die Fremden wenden." Ingenieure Klelst härte kalt und ernst zu, rauchte seine Zigarette, ließ sich in keine Diskussion ein. fondern sagte kurz und mit Nachdruck:„Ich bin nicht hergekommen, um hier tragen der politischen Oekonomie und des allgemeinen taats- und Wirtschaftssystems Rußlands zu lösen. Ich habe eine bescheidene Aufgabe: bei der Fabrikleitung die Aus- führung des Produktionsplanes für die allernächste Zeit zu fordern. Die Renovierungsarbeiten sind durch Schuld der Fabrikleitung unterbrochen worden.* Die Spezialisten sahen ihre Hände an und versteckten ihr Lächeln hirster einer höflichen Zuvorkommenheit Ingenieur Kleist gegenüber. „Die Fabrikleitung kann nichts dafür, German Genna- nowitsch: sie bekommt ihre Instruktionen vom Dolkswirt- schaftsrat. Wenden Sie sich direkt an diese Behörde.* Das waren neue Menschen, die vom Bolkswirtschaftsrat geschickt waren. Aber diese Menschen trugen fest und sicher ihre Vergangenheit unter der Hülle der Loyalität in sich. Auch er trug die Vergangenheit in sich, aber sie war fern und tot: die Dergangenhsit war im Feuer der Gegenwart ver- brannt, und es war nur Asche von ihr zurückgeblieben. Zwischen ihm und diesen Menschen war keine Verständigung möglich. Und er sah, wie ihre Augen unter seinen unerwar- teten Worten erloschen und daß in ihrem Lächeln ein ver» steckte? Spott. Mißtrauen und Feigheit war. Dieser merk- würdige Sonderling ist entweder zu schlau oder er ist in panischer Angst vor den Bolschewiken verrückt geworden. Ingenieur Kleist ging in den Volkswirtschaftsrat und dort empfing man ihn voll Ehrerbietung und Liebenswürdig- teit, als ob er zu ihnen gehörte, und lächelte ebenso wie in ber Fabrikleitung, rätselhast, vieldeutig, mit goldenen Zähnen und scharfen Anspielungen in den Augen. Ebenso ernst und kalt trug er kurz und deutlich den Zweck seines Kommens vor. und auch hier hörte er— ebenso wie in der Fabrikleitung— hoflich-offizielle Antworten unter dem Schleier eines versteckt-spöttifchen Lächelns. „Ja. die Herausgabe ihres Budgets hat sich verzögert. Wahrscheinlich wird es noch einmal durchstudiert. Wissen Sie wir können nicht gegen das Industriebureau und die Zement» zentral«.... Vorläufig fehlen die notwendigen Vedingun» gen.... Der Vorsitzende des Dolkswirtschaftsrates ist als umsichtiger und oerstehender Mensch(und w den Augen war ein schändli6)ea Lachen) mit unserem Bericht einverstanden. ... Hier ist alles überstürzt worden.... Was wird die Zementzentralc sagen.... Es gibt Gründe, die annehmen lassen, daß das Induftriebureau und vor allem die Zement- zentral« mit diesem Einfall, das Werk in Betrieb zu setzen. absolut nicht einverstanden sein werden. Wir erwarten autoritative Weisungen." Ingenieur Kleist ging nun ohne Techniker und Arbeits- aufseher— allein zwischen den Bergbauten, über die Schienen. Sah lange die verödeten Plasze und Bauarbeiten, die aus- einandergenommenen Maschinen, die zurückgebliebenen Schutthaufen der unterbrochenen Arbeit an, dachte nach und schlug düster mit seinem Stock über die Steine, über die Scherben, über das verlassene Material. Und nur einen Menschen traf er während dieser einsam-schweigsamen Spaziergänge— das war der Wächter Kljopta, dessen Brauen und Bart wie Zementflocken aussahen. * Gljeb kam schmutzig, den Helm auf den Hinterkopf geschoben, von der Reise zurück, aber mit durchsichtigen, wie ausgewaschenen Augen. Er ging nicht nach Hause- sondern direkt ins Werk. Blieb kurze Zseit dort und rannte dann. blaß vor Erregung, blind vor Wut. fluchend und schimpfend zum Bremsberg. Ueberall Leere, Mist, Verwüstung, wie in den ersten Tagen seiner Ankunft von der Armee. Keuchend vor Wut lief er in die Fabrikleitung. Die eleganten Spezialisten, in idren Smokings und Krawatten, betäubt durch das plötzliche Getöse seines Fluchens und Schreiens, erstarrten überrascht auf ihren Platzen: wer ging— blieb stehen, wer saß— stand auf. wer schrieb— hob seinen Kopf nicht von dem in der Hand erstarrten Federstiel. Gljeb tobte schon an der Schwelle vor Wut, und seine Worte kamen aus tiefinnerster Seele. „Welch Gesindel, sagt es mir nur. hat diese niederträchtig« Sache hier fertiggebracht? Ich werde allen die Fresse zer- schlagen für diesen teuflischen Verrat.... Wo ist der Direktor? Ich werde sofort all diese Hunde in die Tscheka schicken wegen Sabotage und Gegenrevolution.... Ihr habt geglaubt— weil ich nicht hier bin— könnt ihr ruh'g eure alte Taktik führen?... Ihr habt geglaubt, daß ihr ohne mich euer verfluchtes Spiel durchsetzen werdet?... Hunde, ich werde euch alle an den Galgen bringen!* (Fortsetzung folgt.) 1 Das Abenteuer im Absteigequartier. Der Malergehilse P. hatte für eine Malerarbeit 80 M. ausgezahlt erhalten. Mit dem Geld unternahm»r ein« Vierreise. Er ecriel in� ein Lokal in der Linienstraße und machte dort die Be- kaimtschaft einer ZZjähriflen„Dame". P gab eine Stubenlage nach der anderen und hatte in kurzer Zeit etwa 50 M. auf diese "-Seife verausgabt. An dem Zechgelage beteiligten sich auch drei junge Leute, die am Nebentisch saßen, und die zu dem Anhang der neuen Bekanntschaft des Gastes gehörten. Offenbar vermutete das Mädchen bei dem spendierfreudigen Herrn noch sehr viel Geld. Sie mußt« ihn zu überreden, mit ihr in ein Hotel zu gehen. Beim Verlassen des Lokales rief sie in ausfällig lauter Weise:„Wir fafjren jetzt nach dem Hotel in der Mün.zstraß«."' Damit wußten rhre Freunde Bescheid, und sie folgten auch alsbald nach. Um ihnen aber Zeit zu lassen, veranlahte das Dämchen ihren Begleiter, mit :hr noch in der Münzstraße einzukehren. Als P. dann mit ihr den Flur des Absteigequartiers an der Ecke der Rochstraße betrat, wurde er von den drei Burschen überfallen, gewürgt und seines Restgeldes in Höhe von 28 M. beraubt. Die Schöne war inzwischen ausgerissen. Das Kleeblast, bestehend aus Elisabeth Prenzlau, die schon wegen eines ähnlichen Abenteuers bestraft worden ist, dem Arbeiter Karl Zeinke und dem Bäcker Emil Maruhn, beide eben- falls vorbestraft, hatte sich vor dem Großen Sckösfengericht wegen gemeinschaftlichen Raubes zu verantworten. Alle drei Angeklagten wurde zu je IJahr Gefängnis verurteilt. Paul Diebel im Wintergarten. Bor einigen Wochen berichteten wir bereits über die außer- gewöhnliche Fähigkett des schlefischen Bergmannes Paul Diebel. Blutungen unter völliger Ausschaltung jedweder eksta- tischen Zustände an seinem Körper entstehen zu lassen. Paul Diebel wird nun seine„Kunst- in den Dienst der Artistik stellen und tritt im Januar n. I. im Wintergarten teilweise im Film, zum Teil persönlich damit vor das Publikum. In einer Sondervorstellung vor geladenen Gästen sührte der jetzige Artist Paul Diebel an der künftigen Stalte seines Wirkens, im Wintergarten, seine interessanten Experimente vor. Eine Varietenummer im wahrsten Sinne des Wortes, die mit einer geradezu verblüffenden Sachlichkeit auf dem Boden der Wirklichkeit steht. Der Körper und seine Funktionen sind das notwendige Requisit. Nichts Uebersinnliches, nichts wahrnehm- bar Pathologisches! die Lorführung einer prompt funktionierenden körperlichen Leistung, über deren eigentlichen Ursprung selbst die Wissenschaft heute noch völlig im unklaren ist. Die an verschiedenen Körperstellen, an den Augen, dem Ober- schenket usw. erzeugten Blutungen, zugefügte Verletzungen, die wiederum nickt die geringst« Blutspur hinterlasien, führt Paul Diebel bei vollkommen normalem Bewußtsein aus. Cr tut sogar noch ein Uebriges, indem er sich während all dieser Prozeduren angeregt mit seiner ihn scharf kontrollierenden Um- g e b u n g unterhält. Er fungiert dann noch als l e b e n d e Ziel- scheide, gestuckt mit Federgeschossen aus einer Luftbüchse, als Gehängter, dessen eine Hand am Breit festgenagelt ist usw. Man werkt weder Schmerz noch Ermattung, keinerlei organische Verände- nmgm, und auch der Pulsschtag— 60 Schläge in der Minute Die Mark in Schnee und Eis. Eine ganze Reihe märkischer Gemeinden haben in diesem Jahre, in der Hoffnung, daß es viel Schnee und Eis geben wird, besondere Borkehrungen für Wintergäste getroffen. Bad Freienwalde verfügt über eine 1000 Meter lange Rodelbahn und über eine ganze Anzahl von Naturbahnen im bergigen Wald- gelände der Umgegend, wo auch für die Ausübung des Skisports ein ideales Gelände vorhanden ist. Die nach Lerbandsvorfchriften gebaute Skisprungschanze gilt als eine der vollkommensten Anlagen in Norddeulschlond. Nach Angaben des deutschen Meisters Dr. Baader. Berlin, können hier bei guter Schneelage Sprünge bis zu 35 Meter ausgeführt werden. Hier soll auch in diesem Winter der dritte märkische Wintersporltag stattfinden. Auch die Umgebung von Buckow in der Märkischen Schweiz stellt ein ideales Ski- gelände dar. Am Schloßberg unweit der Stadt bat der Magistrat mit dem Verkehrsverein eine Schanze gebaut, die Sprünge bis über 20 Meter gestattet. 2lin Schwarzen See befindet sich eine 500 Meter lange Rodelbahn, die ein Gefälle von 50 Meter auf- weift. Am Botzelberg ioll demnächst eine weitere Sprungschanze hergestellt werden. Die Stadl Rheinsberg bietet bei au- haltendem Frostwetter besonders zum.-chlittschuhlaufen die beste Gelegenheit. Die angrenzenden Seen sind hierzu sehr geeignet. Außerdem bieten sich auch hier dem Fußgänger durch den Schloß- platz mit dem anschließenden Boberow nach Warenthin bis Zechliner Hütte, oder über Nenglobsow die schönsten Spaziergänge. Auch die kleinere» Gemeinden wie Altenhof haben sich auf den Wintersport eingestellt. Die bergigen Ufer des Werhellinsees ge- statten hier jeden Wintersport, und Spaziergänge sind von hier aus wie auch von Joachimsthal aus insolge des ouherordent- lich starken Wildbeftandes in den dortigen. Wäldern besonders lcizooll. B i e s e n t h a l bietet durch den großen Wukensee eine vorzügliche Gelegenheit zum Eislauf und auch der Rodelsport wird auf den Wukuhlenbergen ausgeübt. Der gute Uferweg am Hellsee ermöglicht Spaziergänge bis zu der Berliner städtischen Herrschaft Lanke und eine große Anzahl von Waldwegen- führt nach anderen, besonders im Winter reizvollen Plätzen. Das am Scharmützelsee gelegene Bad Saarow bietet mit Vieskow ideale Berhällmsse zur Ausübung jeder Art Eissport, weil Jnfolge der geschützten Lage von«aarpw die nördliche Bucht des Sees sehr schnell zufriert. Die Abhänge der Rauener Berge, an deren Fuß Saarow liegt, geben ein gutes Skigelände und auch eine Rodelbahn ist dorr vorhanden. Aehnlich liegen die Berhäll- nifse in Storkow, wo die städtische Badeanstalt am See eine >2 Meter lange und 6 Meter tiefe Veranda aufweist, für die Dampfheizung vorhanden ist, so daß Wintersportler hier einen angenehmen Aufenthaltsort Hadem Teupitz mit feiner wasser- reichen Umgebung ist noch besonders zu erwähnen und von den nahe au Berlin gelegenen Orten Erkner mit großen, für den Eis- lauf besonders geeigneten Wiesen, sowie dem Dämeritz. und dem Flakensee, an dem auch Wölkersdorf liegt, dessen waldige Umgebung infolge des hügeligen Geländes lür den Skilauf sehr geeignet ist. Ein sauberes Werwölflein. Geht mit der Vereinsfasse durch. Wenig Lorsicht hatte eine Berliner Ortsgruppe des W erwolfs gezeigt, als sie den kurz vorher auf die Empfehlung eines Käme- raden in die Mitgliedschaft aufgenommenen Klavierspieler und Zeichner Willi Fechner, der sich als Ingenieur ausgab, zum .Kafsiercr bestellt hatte, als dieser Posten gerade frei wurde. Inner- Ka.b von sechs Wochen hat Fechner ine gesamten Mitglied«- 0« i t r ä g e von 72 Mark für sich verbiaucht. Bon mehreren Kameraden hatte er außerdem Fahrräder unter dem Vorgeben, daß er sie für Werwolszwecke bkauche, entliehen und sofort zu Geld gemacht, Dami war er verschwunden. Später hat er auch in Kiel und anderen Orten weitere Betrügereien oerübt, die roch Gegenstand eine- gerichtlichen Verfahrens sind. Nach dem Verschwinden Fechners stellte sich heraus, daß er erst kurz vor lemem Eintritt in den Wermoli eine 2j�jähriae Gefängnisstraf« verbüßt hatte und schon oft vorbestraft war. Sein eigener Vater. «in Beainter, hatte sich von dem ungeratenen Sohn gelrennt. , rechne r war vom Amtsgericht zu 2 Jahren Gefängnis und .'»Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Der Staatsanwalt chatte sogar wegen seines Vorlebens vier Jahre Zuchthaus be- onircagt, dennoch hatte Fechner die Strafe zu hoch befunden und Berufung eingelegt. Die Strafkammer sah sich gestern jedoch keines- weg? bewogen, das Strafmaß herabzusetzen, sondern verwarf die Berufung des Angeklagten auf dessen Kosten. kann nicht als stark anormal bezeichnet werden. Für zarte Ge- m ü t e r dürsten dies« Produktionen allerdings nichts sein. Immerhin haben sie natürlich vor allem für die medizinische Wissenschaft den ideellen, dann aber als Kuriosuni für die große Allgemeinheit den materiellen Wert. Wie lange Paul Diebel die absolut« Her- schaft über seinen Organismus besitz«» wird, kann ihm natürlich nie- mand garantieren. Hoffentlich nützt er di« Konjunktur seines jetzigen Berufs, ohne dabei zu vergessen, daß ein gesunder Körper das einzige, ständige Gut des arbeitenden Menschen ist. I Kranz Merkowski � Nach langem Leiden ist unser Gcnoste Franz Merkowski im Virchow-Krankenhause im 7 5. Lebensjahre gestorben. Sein Name bringt«rnste Tage aus der Zeit des Sozialistengesetzes in Erinnerung. Als in den achtziger Iahren unsere Bewegung trotz aller Verfolgungen wieder einen starken Anlauf nahm, gingen Bismarck und fein würdiger Gefährte Puttkamer ihr bald mit neuen Verordnungen zu Leibe, wobei das niederträchtigste Spionen- und Lockfpitzeltum eine Rolle spielte. In Berlin war ein Unterstützungsburch'für die politisch verfolgten Polen entstanden, der meist von polnischen Sozialisten gebildet wurde. Zu ihnen gehörte Merkowski. Ihr ehrliches Ein- treten für die unglücklichen Verfolgten hotte denn bald auch das Eingreifen von Spionen zur Folge, die geflissentlich provokatorisch wirkten. In diesem Sinne waren namentlich die Kriminalbeamten I h r i n g genannt Mahlow, der bald mit großem Eklat entlarvt wurde, und N a p orr a tätig. Letzterer schloß sich unter der Maske der Freundschaft den polnisch-sozialtstischen Kreisen an und zettelte Prozesse an. In einen solchen Prozeh wurde auch Merkowski ver- wickelt. Er gehörte zu den Angeklagten in dem großen Polen- Prozeß gegen wlawinsti und Genossen wog«n geheimer Verbindung und ähnlichem und erhielt 2% Jahre Gefängnis. Durch die bösen Erfahrungen ließ er sich in keiner Weise von seiner politi- schen Tätigkeit abschrecken, gehörte vielmehr nach wie vor zu den rührigsten Agitatoren in der poinisch-sozialistischen Bewegung, namentlich feit dem Erlöschen des Sozialistengesetzes, und durfte in dieser Eigenschaft als Vorstandsmitglied unserer Polnischen Partei wirken, wurde auch wiederHoll zu Parteitagen delegiert. Am Ende der neuNzigek Jahre übernahm er ein« Gastwirtschaft in der Wallner- Theater-Straße und später eine in der Andreasstraße, die zu den Hauptsommelpunkten seiner Landsleute gehörten. Jetzt hat ihn der Tld von seinen Qualen erlöst. Die Genosten. Deutsche wie Polen, werden sein Andenken zu ehren wissen. Strassenbahnzusammenstoß in Berlin N. An der Ecke Müller- und Luxemburger Straße im Norden Berlins ereignete sich in den gestrigen Nachmittagsstunden «in schwerer Straßenbahnzusamme n st oß. Infolge falscher Weichenstellung fuhr eine von Tegel kommend« Straßenbahn der Linie 27 einer aus entgegengesetzter Richtung kom- Menden Stiaßenbahn der Linie 21 in die Flanke. Durch die Wucht des Zusammenpralls gingen zahlreiche Scheiben in Trümmer. Ueber die erschreckten Fahrgäste, die zum großen Teil von ihren Sitzen geschleudert wurden, ergoß sich ein Hagel von Glassplittern. Während mehrere Personen, die über leichte Schmerzen klagten, ihren Weg aber fortsetzen konnten, erlitt der Töpserlehrling Paul T r g o ß aus Tegel schwere Kopsverl e.tzungen. Der Verunglückte mußte in das nahe- liegende Virchow- Krankenhaus gebracht werven. Durch den Zusammenstoß wurde eine längere Verkehrsstörung ver- ursacht, die sich in der Hauptverkehrsstraße unangenehm bemerkbar machte. * Verheerende Folgen hatte ein Mass errohrbruch, der sich gestern nachmittag vor dem Haus« Frucht st raße 70 ereignete. Gegen 16 Uhr sackt« der Fahrdamm an mehreren Stellen plötzlich weg und ein Wasserstrahl schoß hervor. Die Polizei sperrte die Fruchtstraße im Abschnitt Lange und Madai- siraße sofort für den gesamten Fuhrwerksoerkehr und benachrichtigte gleichzeitig die Wasserwerke. In den späten Abendstunden war der Schaden, wahrscheinlich«ine Folge des starten Frostes, noch nicht wieder behoben. Durch den Rohrbruch waren mehrere Häuser ohne Wasser. Gegen rücksichtslose Kraftsahrzeugführer. Eine ollgemeine Klage des Publikums geht dahin, daß im Straßenverkehr die Kraftfahrzeugführer häufig nicht die eriovderliche Rücksicht auf andere Fahrzeug« und auf Fußgänger nehmen. Bei einem großen Teil der Kraftfahrer hat sich die Gewohnheit heraus- gebildet, vor Straßenkreuzungen die Geschwindigkeit nicht zu vermindern, dafür aber desto anhaltender War- n u n g s z e i ch e n mit der Hupe zu geben. Dies ist besonders in den späten Abendstunden, des Nachts und in verkehrsarmen Gegen- den sowie allgemein an Sonntagen zu beobachten. Gegen diese Un- sitte im Kraftfahrzeugverkehr muß mit allen Mitteln eingeschritten werden. Es muß verlangt werden, daß Kraftfahrzeugführer vor allen Straßenkreuzungen und vor unübersichtlichen Stellen grund- sätzlich die Geschwindigkeit in einer Weise verringern, daß sie in der Lage sind, das Fahrzeug erforderlichenfalls rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Es darf erst wieder schneller gefahren werden, wenn volle Uebersicht besteht. Der Polizeipräsident Hot deshalb nicht nur die Berkehrsstreifen, sondern alle Sttaßenaufsichtsbeomten angewiesen, in vermehrter Weise auf derartige rücksichtslose Kraft- fahrzeugsahrer zu achten. Stellen, an denen die rücksichtslose Fahr- weise häufiger beobachtet wird, werden mit besonders geeigneten Beamten besetzt. Auch werden Beamte in bürgerlicher Kleidung nebst uniformierten Beamten zusammenarbeiten. Diese Beamten Die Zusammenstellung des Unterhaltungsprogramms am Nach- mittag war wieder recht willkürlich. Ein geschmackvolles Solisten- konzert bot keine künftlerischen Gipselleistungen, aber sauberes, kultiviertes Musizieren. Man hörte gute, klassische Musik. Dann aber folgten Darbietungen des Quintetts Nico Buico. Das Quintett besitzt wohl technischen, aber recht mäßigen künstlerischen Ehrgeiz. Man darf fordern, daß die Berliner Funkieitung so viel Geschmack besitzt, zwei so grundverschiedene Musikdarbietungen nicht in einem Programm zu vereinigen.— Am Abend wurde ijerwartf) Waldens Einakter„Glaube- gesandt. Weshalb diese unbedeutende Tragi- komödie vor das Mikrophon gebracht wurde, war nickst einzusehen. Vorher wurde Theodor Fontanes Geburtstag(am 30. Dezember) durch eine Feier begangen, die mit einem Aufsatz von Paul Schienther über Fontane würdig eingelettet wurde. Hans Mühlhoser las Balladen Fontanes mit der behaglichen Brette, die der bürgerliche Stil vieler dieser Dichtungen gut oertrogen kann. Einen zeitgemäßen Dortrag hielt Reichsbahnoberrat Dr. Hand A. Marten:„Unfallverhütung— eine Volksausgabe." Der Redner gab— besonders für das Großstadtpublikum— wertvoll« Ratschläge und Hinweise, Unfälle, vor allem Verkehrsunfälle zu oermeiden Wie wichtig solche Beratungen sind, zeigte eine Zahl. die der Vortragende nannte: 70 bis 80 Prozent aller Unfälle beruhen nachweislich auf eigenes Berschulden der Berunglückten.— Dr. Friedrich Lucher behandelte„Praktisch« Fragen der Iugendtunde" mit riesem Verständnis für die komplizierteste Emwicklungsphase der Jugendlichen, den Uebergang aus der West der Jugend in die der Erwachsenen.—„Das Leben und Dichten eines Vergessenen", nämlich August Friedrich Langbein, ist für uns heute bedeutungslos. C. H. Köhns Vortrag über dieses Thema war also überflüssig.___ Ten, sollen auch darauf achten, daß beim Verbeifa ssre» an hat� tender Straßenbahn die erforderliche Rücksicht genommen wird. Berstöße gegen die bestehenden Borschriften werden unnachsichtlich entsprechend bestraft. Es sei hierbei aber auch darauf hingewiesen, daß sich in den letzten Jahren die Selbstfahrer stark oermehrt haben und daß diese Herren und Damen, oft allzu ängstlich und nervös, weit mehq Hupenlärm machen als nötig ist. Neuem Verkehrsfortschntt entgegen. Regelung der Wochen- und Monatstarten erwünscht. Am 1. Januar des kommenden Jehres wird die Dereinheit- lichung im Größ-Berliner Verkehrswesen einen wetteren Schritt vorwärts machen, und zwar einen gewattigen Schritt. Nicht nur. daß man endlich auch von anderen Verkehrsmitteln zum Omnibus übersteigen kann, sondern daß auch der Staats- bzw. Rcichsverkehr, die Eisenbahn, in diese kommunale Berkehrsgemeinschaft ein- getreten ist ein Erfolg, den noch vor kurzer Zett selbst die verwegen- sten Optimisten ittcht für möglich gehalten hätten. Bor dem Krieg wäre überhaupt nicht daran zu denken gewesen. Nur mit Schau- dern kann man an diese Zeit zurückdenken, in der jede Gemeinde ihre eigenen Verkehrsmittel ausbaute und sich nicht um die der anderen Gemeinde kümmerte. Die Leidtragenden waren die Kon- sumenten des Verkehrs, die Fahrgäste. Immerhin bleibt auch jetzt noch manches zu tun übrig. Und zwar müßte zunächst recht bald da» Wochen- und Monatskarten wesen geregelt werden. Nach der neuesten Regelung ist es in der Tat zweifelhast, ob man gut tut, sich Monais- karten zu nehmen. Eine Monatskarte auf der Dorortbahn kostet 8 M.. eine Straßenbahnkarte 7,50 M.. zusammen 15,50 M. Eine Uebnsteigkarte von der Vorortbahn zur Straßenbahn und zurück kostet je 30 Pf. Rechnet man den Monat zu 26 Arbeits- tagen je 60 Pf. Fohrgeld, so kommen dabei auch nur 15,60 M. heraus. Denn die meisten Vorortzugbenutzer fahren am Tage nur einmal hin und einmal zurück! sie haben also von der Monatskarte gar keinen Borteil, oder mir dann, wenn sie auch mal Sonntags nach Berlin hineinfahren. Für Untergrundbahn und Straßenbahn(eine Linie) gibt es bereits Monatskarten, die je! och 15 Mk. kosten. Der Autobus kann aber noch nicht mit Monats. karten befahren werden. Es sollte wohl möglich sein. kür eine Monatskarte zum Preise von lO Mark Autobus+ Untergrund oder Straßenbahn 4- Autobus oder -»lonhnhn Umcrarundbalm benutzen zu lasten. Da man durch Umsteigefahrschein« heute schon für 40 Pf. pro Tag hin zu- Arbeits- stelle und zurück kommt, bei 26 Arbeitstagen also nur 10.40 ins» gesamt aufwendet, während man auch nach dem 1. Januar nach wie vor für die Monatskarte auf der Untergrundbahn allein 10 M. zahlen muß, so ist es nicht zuviel verlangt, wenn auch bis Monatska'te ohne Preiserhöhung für zwei Berkehrsgelegenheilen gilt. Die Monatskarten bieten den Gesellschaften den Vorteil, s o- fort M nrnsersten größere Summen in den Kasten zu sehen. Dies«? Entgegenkommen ist auch aus anderen Gründen sehr erwünscht. Es gibt heut« schon eine große Anzahl von Fahraästen, die, aus den Vororten kommend, drei De-kehrsmittel b e« nutzen müssen, z. B. Straßenbahn— Vorortbahn— Straßen» bahn oder Autobus— Untergrundbahn— Straßenbahn. Diese� Be. dauernswerten sind gezwungen, täglich 80 Pf. bzw. 1 M. für geld auszugeben, und es wäre zu überlegen, ob man nicht auch eine Art billiges Generalabonnement, und iiwar so- wohl Wochenabonnement wie Monatsabonnement für den Be» rufsv erkehr einführt, das innerhalb bestimmter Tageszeiten zur Benutzung aller vorhandenen allgemeinen Berkehrsnntdel bo- rcchtigt._ Ein falscher Wächter und Markthelfer« Einen argen Mißgriff machten die Weihnachtshändler, dl« ihre Buken aus dem Dönhoff platz aufschlugen, als Ü« einen 39 Jahre allen Alfred Hintze. der sich chnen anbot, als Wächter annahmen. Hintze war auch auf dem Posten und leistet« sogar am Tage noch Handreichungen. Bei seiner Beschäftigung erfuhr er aber, daß mehrere Händler aus der �omnz noch Warenvorräte bei Gastwirten und sonstwo untergestellt hatten. Ueber dies« machte er sich beizten her. wenn er dm Buden nicht zu bewachen hatte. Er holt« sie als an��r Z�uk- tragter ab und schafste sie nach der Derwahrungsstelle des Anhalte. Bahnhofes, wo sie zunächst verschwunden waren, stta-wem mit der Räumung des Weihnachtsmarktes feine Dlenftzett abgeschlolien war. holte er sich von den Borräten vom Anhalter Bahnhof und machte nun selbst«inen Handel in der Leipzig« Straße aus. Dabei«tappte ihn ein Bestohlen« und ließ ihn festnehmen. Kriminalbezirkssekretär Neumann und seine Beamten �stideckten außer den gefüllten Korben, Kisten und Paketen auf dem Bahnhox einen Zettel, aus dem he.-vorging, daß der„tüchtige- Wächter einen Reisekorb mit Strumpfwaren, Jumpern und dergleichen im tberxe von über 1000 M. bahnlagernd nach Dresden gesandt hatte. Die Dresdener Kriminalpolizei wurde benachrichtigt und stellte auch dies« Sachen für die Bestohlenen sicher. Warnung vor einem Bersiclierungssebwindler. Ein Schwindler treibt bei Kraftdroschkenbesitzern tn Groß. Berlin sein Unwesen. Er sucht Mitglieder der Beru?sgetwstenschaft für gew«bsmäbiqe Fahrzeughaltungen(früher izuhrwerks-BerutS- aenossenschait) auf. zeigt den Quiitungsvordruck einer privaten Ver- sicherunqsgesellschast vor und versucht, Beiträge für die erst am 1. Januar 1928 beginnend« Zwangsversicherungzu kassieren. In einigen Fällen ist dieser Betrug gelungen. Die Bentisgenossenschast für gewerbsmäßige Fahrzeughaltungen gibt bekannt, daß Betträge für die erst in Vorbereitung befindlich« Zwangsversicherung noch gar nicht fällig sind und daß eine � Ab- holung der berussgenostenschastlichen Beiträge durch Kassierer über- Haupt nicht erfolgt. Fahrpreisermässiqnnq für Blinde. Eine für alle Blinden wichtige Neuerung wird am 1. Januar bei der Reichsbahn zur Durchführung kommen. Bon diesem Tage ab wird sämtlichen Blinden bei Fahrteg. die sie auf der Deutschen Reichsbahn— auch auf der Berliner Stadt-, Ring- und Vorort- bahn— in Ausübung ihres Berufs unternehmen, eine 50prozentiqe Fahrpreisermäßigung für die 3. und 4. Klasse gewährt. Bei Schnell- zügen tritt der tarifmäßige Zuschlag hinzu. Die gleiche Er- Mäßigung wird einem Begleit« gewährt, wenn er mit dem Blinden gemeinsam reist. Der Führerhund des Blinden wird frei befördert, wenn keine Begleitperson vorhanden ist. Die Fahrkarten zu er- mäßigten Preisen werden gegen Vorlegung von Ausweisen nach vor- geschriebenem Muster ausgegeben. Der Ausweis'wird auf Antrag des Erbsindeten von der für seinen Wohnbezirk zuständigen Eisen- bahnoerwaltung ausgestellt. Ein- und Ausbrecher Kirsch vor deu Richtern. Aus dem Potsdamer Schöffengericht wird er- am 10. Januar«ine interessante Verhandlung geben. Der berüchtigte Ein- und Ausbrecher Franz Kirsch, der in der Nacht zum 16. Na- vember dieses Jahres die S t o t i o n s k a ss e in B e l z i g zu be- rauben versucht hat und von einem Oberlandjäger festgenommen worden ist, wird sich wegen Diebstahls und Urkundenfälschung zu verantworten haben. Mtt ihm angeklagt ist sein Komplice,' der Heizer Otto Wiese aus Berlin. Kirsch, der 47 Jahre alt ist, hat 21 Jahre davon hinter schwedischen Gardinen verbrachL. Er wird von Hamburg gesucht und hat noch 12 Jahre Zuchthau» abzumachen. Cr sitzt zurzeit unter allen erdenklichen Vorsichtsmaß. regeln im Potsdamer Untersuchungsgefängnis. Ais Verteidiger tritt Rechtsanwalt Gic'''n-Poisdam auf. Zu der Verhandlung wird der Angeklagte unter Polizeischutz vorgeführt, und der Gerlchissaat wrrd an allen Au», und Eingängen gesichert, � �>. J Zur Cefhrafl der kommende» Kaner Vamnmftellimu de, so- l!lml>en deulschen Bauwesens in Berlin ist Dr. F' i tz C o e r p e r iifls Köln derrijen worden. Ter neue Leiter der großen Berliner Ausstellung ist«in Bruder des Wlner Beigeordneten Coerper und ist durch feine rege Mitarbeit an der Deutschen Werkbund- Ausstellung in Köln im Jahre 191 4 bekanntgeworden. Ein mutmaßlicher Kindesmord beschäftigt die Kriminalpofaei. Aus der Damcntoitette des Bahnhofes Beussei- st r a ß e sand man einen Karton aus grauem Packpapier, der mit Tintenstift die Ausschrift„cherrn Becker" trug. Es scheint hiernach, daß er ursprünglich bei einem Mairn« dieses Namens abgegeben werden sollte. Der Karton enthielt die Leiche eines neugeborenen Knaben. Das Kind ist allem Anschein noch eines gewaltsamen Todes gestorben. Die kleine Leiche, die zur Obduktion nach dem Schauhaus gebracht wurde, war in einen blauen Schlüpfer und eine Zeitung vom iV>. Oktober eingewickelr und dann in den Karton gelegt worden. Mitteilungen zur Auf- tlärung an Kriminalkommissar Lipik im Polizeipräsidiuni. Zum Silvrsteroerkehr. Zur Bewältigung des SUvestervcrkchrs wird in der Nacht vom.31. Dezember zum 1. Januar auf der Barertftrecke zwischen Strausberg und Kaulsdorf noch ein Zugpaar mit Anschlüssen von und nach der Stadlbahn gefahren. Der Fahr- plan dieser Züge ist folgender: Strausberg ab 1.34 Uhr, Kaulsdorf an 2.24 Uhr, Stadlbahnzug ab 2 3l) Uhr(Anschluhzugs und Stadt- bohnzuq Kaulsdorf an 2.46 Uhr, der eingelegte Zug Kaulsdorf ab S.52 Uhr, Strausberg an 3.29 Uhr. Arbeiler-Abstinenlen zu Silvester. Wie in den Vorjahren, ver- anstaltet auch in diesem Jahr« der Arbeiter-Abstinenten-Bund«ine Silvesterseier. In den traulichen und gemütlichen Räumen des Jugendheimes Turiner- Ecke Seestraße, erreichbar mit der U-Bahn und Straßenbahn, Linien 25, 27, 28, 29, 35, 68, 99 und 128, treffen sich Mitarbeiter und Freunde der Arbeiter-Abstinentenbcwegung, um im Kreise gleichgesinnt«? Genossen die letzten Stunden des alten Jahres bei Scherz. Spiel. Sang und Tanz, bei Pfannkuchen, Kaffee und alkoholfreien Getränken in zwar heiterer, aber doch eines Sozialisten würdigen Weif« zu begehen. Neuregelung der Lohnsteuer-Abzüge. De? Reichstag hat de- schlössen, die Lohnsteuer ab 1. Januar 1928 zu ermäßigen. Damit ändern sich alle bisher gültigen Berechnungen, die jeder Arbeitgeber einer Tabelle entnahm. Die neuen Abzüge bringt die soeben er- schienene Kühns Lohnsteuer. Tabelle, die es gestattet. mit Leichtigkeit abzulesen, welcher Steuerbetrag für den einzelnen Arbeitnehmer abzuziehen ist. Kuhns Lohnsteuer-Tabelle Nr. 1 ist für wöchentliche, Nr. 2 für vierzehntägliche und Nr. 3 für monatliche Auszahlungen eingerichtet und zum Preise von je 1,50 M. zu haben. Verlag Reinhold Kühn A.-G., Berkin SW. 68. Tanzstundcu im Gefängnis. Aus Genua wird folgendes Iustizkuriofum berichtet: In einem Gefängnis hatten sich in einer Abteilung die Insassen zusammengetan, um unter dem Vorwand, rhythmische Uebunoen abzuhalten, eine klein« Tanzstunde einzuführen. Die Wörter hotten demgegenüber beide Augen zugedrückt. Die Sache ging mehrere Wckchen lang gut, als auf einmal die i m p r o v i l i e r» t e n.Tanzlehrer" den Einsall bekamen, alle Mitinsasl-'N zu zwingen, diese Tanz Übungen mitzumachen. Als sich nun verschiedene der Insassen weigerten, den Shimmy und Charleston zu tanzen, und sich über Tänze und die Tanzlehrer ab- fällig äußerten, wu-den sie derart verprügelt, daß dem einen bei- nahe ein Aug« ausgeschlagen wurde. Daraus kam die Sache zur Anzeige und das Gericht verurteille jetzt drei dieser Tanzlehrer zu fünf weiteren Monaten Gefängnis. Llnfklärunst eines Mordes«ach 7 Jahren. In einer Gastwirtschost in Münch berg in Oberfranten kam ein Arbeiter mit einem anderen Gast in Streitigkeiten. Dabei behauptete er, daß er von dem Bruder seine» Widersachers einmal 'Menschen fleisch gekaust Hobe. Dieser soll km Iah« 1920 in der Nähe von Münchberg ein« Frau ermordet baden, von der dos Fieisch stamme. Tatsächlich wurde im Februar 1920 in der Röhe von Münchberg eine Frau aus bestialische Weise ermordet. Die Staatsanwaitschast hat sich bereits des Falles angenommen. Der Arbeiter Höst seine Behauptungen auch vor dem Staatsanwalt aufrecht. Großbritannien im Schnee. London von Lebensmittelknappheit bedroht. London, 29. Dezember. Die Beseitigung der großen Schneeverwehungen, die Insbesondere den Verkehr auf dem Lande in einzelnen Gegenden völlig stillgelegt haben, stößt auf neue Schwierigkeiten, da die Schncemassen durch den scharfen Frost in Eis ver- wandelt sind. Von allen Seiten wird gemeldet, daß die Bewohner isoliert liegender Wohnungen auf dem Lande meilenweit Wege zu Fuß oder zu Pferde zurücklegen, um die notwendigen Lebensmittel herbehzuschafsen. Selbst London war vorübergehend vom Mangel an Brennstoff und Lebensmitteln be- droht. Obwohl es dem Kohlenhandel inzwischen gelungen ist, ge- nügend Brennstoff aus der Eisenbahn heranzuziehen, war es infolge des Zustandcs der Straßen unmöglich, die Borräte den Abnehmern zuzuleiten. Auch in der Versorgung mit pflanzlichen Lebensmitteln war Knappheit eingetreten, da diese meistens auf den Landstraßen nach London transportiert werden. Die teilweise Einstellung des Verkehrs über den Kanal hat viel« Fremde genötigt, sti England zu bleiben. Der Cunard Dampfer„Aguitania", der gestern auf der Ausreise nach New Uork Eherbourg anlaufen sollte. Hot bi» heut« früh um neun Uhr vor dem Hafen kreuzen müssen, da Sturm und hoher Seegang ein Einlaufen oerhinderten. Das Schiff hat Infolge- dessen zwölf Stunden Verspätung. Die Behörden in London sandten am Donnerstag Flugzeug« aus, um Westerham und die benachbarten Dörfer in der Graf- schast Kent, die durch Schneemassen von der Außenwelt abgeschnitten sind, mit Lebensmitteln zu versehen. Da die Flugzeug« im Schnee nicht landen konnten, warf mau die Lebens- mittel in Säcken ab, die an Fallschirmen befestigt waren. St»t«»du»g»» tür dies« RudrU sind\i rtr' Verli»®®68, Lwdeustroh« Z. parieinachn'chien /Ml fürGroß-Verlm stet»»>> da» B«ztrr»t«trrtart« 2. Hol, 2 See«, recht», zu richte». Peftratten ans einem norwegische« Dampfer. Auf dem norwegischen Dampfer.Modemi", der am 10. De- zember mit Korn au» Südamerika in den Hafen von Göte- borg einlief, sind P c st r a t t e n s e st g e st e l l t worden. Es sind umfassende Absperrungsmaßnahmen eingeleitet worden, um das Verbveiten der Seuche zu verhindern. Das Schiff ist unter schärfste Desinfektion und die Besatzung unter schärlste Beobachtung genommen worden. Kein Mensch der Besatzung darf sich aus der Internierung entfernen. Selbstmord ans wirtschaftlicher Not. Am Mittwochabend hat sich aus wirtschostlicher Not aus dem mecklenburgischen Gut« Klein-Lanftow der in den fünfziger Iahren stehende Gutspächter Lüthke durch einen Schuß mit einem mit Wasser gefüllten Jagdgewehr in den Mund getötet. Die Wirkung dieses eigenartigen Selbstmordes war derart, daß durch den starken Wasserdruck dem Unglücklichen der Kopf vollständig zerrissen wurde. Der Tod trat auf der Stelle ein. Vorträge, Vereine und Versammsungen. Keichsdanner.Schrvarr Bot lvold" erfAarttttrll»:«rrlw«. 14. SedatNanftr r/S», frf 2 St 9tca{flB-29ri|: ffonnafcfn#, Sl. SVambet, StloeflftboD be» Tom» bsuetorps in Becker» Desellsitofl»!»»». ftrik. ghougeeltr. 97. Eintritt Inkl. Steuer 1 M«De gteunbe find lteezlickitt emoeloben.- Sonntoj, 1. Januar. Stiebrlrf>th«iai 14—15 Uhr Plaklonzrrt auf dem �nbieasplofe. Ordnerdienst.4. MorlHkoMeradCchgit. Spartpla» griedeich»tell»e: Sämtliche de. triligten' Ortsveretne llden ohne desondere-teiteinteilüna von»—16 tlhr. Zich4e»brro nrtst ttmerods»ok!en: Uhr Sniretrn. de» aesomten. Tambour. kor«? in BunfccefieibuNfl mit Instrumenten tri Sodann, Jung-, Ecke DberftroRe. — Relnickrnbors.Wrst! Sonnobrnb.»L SVjtmdet, 30 ikhr, Silvestcrfeier in Hartmann, Brauerei. Ardeitadienst 17 Uhr. Laborlotat Ida unlona Inlcrnacion». Qropo Berlin. Venerdlo re 30- a deeembre eventos ye 18kl. che kdo. Kurt Linde, tre Importen le funcioner— kunsido. NI komencos akurate.— Grupo»(Kreutheri'l. Lundio ye Z-atsatmara ye 19,30 kl. even'os en yunarhemo Yorkstrado 11 kurso pei �rogresatl. Temo: ,N'ia proxlma taskl".— Grupo 17( Lichtenberg). Lunhio ye 2-a januaro ye 1930 kl. eventos en yunarhemo Schamweberstrado kurso por lernanti. Achtung, LoSvcrkäufer! Die Gesamtabrechnung muß unbedingt bis allerspätestens Sonnabend, dem 31. De- zember, 12 Uhr mittags, restlos erfolgt sein.— Nicht ab- gerechnete Lose gelten als verkauft!!! ist 20. fttti» Ztelnickenborf. Montag, 2. Januar, pünktlich 1»ZZ Uhr. im kleinen Sitzungssaal des Ziathauses ZU Wittenau, Sitzung de» erweiterten greis- vorsiandrs. Erscheinen unbedingt erforderlich. heule. Freitag, Z0. Dezember: 11. Abt. Dir Bezirlsführcr haben umgehend die Markendrstände beim stasstercr CKNoisen Tschirne abzurechnen.— Bchtnug! Die Genossinnen nnb Genossen treffen sich am Silocstcrabenb zu einem geselligen Beiiammenseia im Paeteilolal Berger, Lroetzow-, Ecke Zogowstratze. 71. Abt. gehIendorL 10 Uhr im Waldhaus. Spanbauet Straße, wichtige Sitzung. Erscheinen unbedingt erforderlich. Zungsozialisten, heute, Freitag, 30. Dezember: Gruppe Mitte: 20 Uhr im Jugendheim Iekidcnicker, Ecke Gormannstraß». gemeinsamer Gruppenabend mit der SAI. Abfahrt zur Oleujahrswanderung am Sonnabend, 01. Dezember, 18-20 Uhr, Bahnhoi Airranderplatz noch Nlldrrs- darf lfZernbahnsteig).— Gruppe Wedding-Gesundbrunnen: Pllnltlich 20 Uhr im Jugendheim des Ledigenheims Orthstr. 10, Laben, fium Jahresschluß: Brei:» spielabcnb, Spiele Milbringen. Außerdem sZabrlbesprechung. Das Heim wird geheizt. Gäste sind willkommen.— Gruppe Süden: Dct Gruppenabend fällt heute aus. Ziddisle Brranstaliung am 6. Januar im Jugendheim Aorckstr. 11. 140. Abt. Borsigwalde. Am Dienstag, 27. Dezember, verstarb unser laug» lähriger Genosse Emil Eh eck im Alier von 57 Jahren. Ehre seinem A»- denken! Die Einäscherung findet Sonnabend, 31. Dezember, 14ZH Uhr, im strrmatorium Gerichtstraß« statt. Die Genossen und Genossinnen treffen sich lOst; Uhr bei ffloltfchocf._________ Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin. heute. Freitag, 30. Dezember,\9'A Uhr: Moabit I: Schule Waldrnferstr. 20. Ausspracheabend— Moabit U: Heim Lehrter Str. 18—19. Ausspracheabend.— Wedding: Heim See-, Ecke Turincr Straße. Funktionarsitzung.— ssallplatz N: Ucbungsabend der Tambourkapcllr im Leim Danziger S!r. 62.— Rofcnthalcr Borstadt: Heim tzehdenicker Str. V. „Rückblick— Ausblick."— Wcißenfec: Heim Barkstr. 06. Seiteter Abend.— tzentrnm: Heim Landsberger Str. 50.„llnlere Oiruppentdtisikeii im Jahre 1927."— Anbreasplatz: Iahreswonbseirr— Baltenplatz: Heim Tilsiter Str. 4—5. Unterhaltungsabcnd.— Hohenschönhausen: Heim ssreienwalder Str. 5— 6. »Unser stampf gegen den Alkohol."- Stralauce Wctrtcl: Leim Soßlcrstr. 6t. »Rückbl/ch auf 1927."— Warschauer Bieriel: He m Litauer Str. 10.»Rückblick." — stottbusser Tor: Heim Rcichenbcrger Str. 66. Bunter Ab-nd.— Westen 7: Leim Hauptstr. 115. Bericht:»Rückbl'ck— Ausblick."— SUbcn: Leim?orlk- straßr II. Alt.Berlinrr Lnmor.— Britz: Heim Ehaussrestr. 48. Lcimabenb.— Bobnsborf: Keim Wachtelstr. I sZahrtbefprechung.— stöpenick: k>eim Grünauer Straße 5. Heimabend.— R'eberschöucweibe: Schule Berliner Str. 01.„Beruf und Schuir."— Frirbrich, selbe: He-m Berliner, Ecke Schloßstraße. Bunter Abend.— Lichtenberg-Rorb: Leim Dossestr. 22. Heiterer Abend.— Lichten- berg-West: Keim Scharnwederstr. 29. Heimabend.— B-intow-Nort»: Leim GSrlchstr. 14. Heimabend.— Renkölln UI: Heim Wanzlikstr. 7. Wichtige fsunktionärverfammlung.— Neukölln VI: Heim Kanner Straße. 19 Uhr 3»- iammeniunft der Silvesterfahrtteilnehmer. 20 Uhr ssunkLondrsitzmtg. Morgen, Sonnabend, 31. Dezember: Schöneberg I: Silveftrriahrt Raurnsche Berge. Treffpunkt 188J Uhr stWB>. Fahrtunkoftrn und Essen 2,50 M.— Neukölln lV: Silvesterfahrt. Trefipunkt !9-v Bhf. Neukölln. Teller. Trinkl'echer und MuNkinstrum-nte sind mitzu- bringen.— Neukölln vi: Silvesterfahrt. Treffpunkt lOZZ Uhr Bhf. sta ser- Trirbrich-Straße.— Westen I und II: Silvesteriahrt Eroß-Schönebeck. Trefi» Punkt 1754 Uhr Bhf Bülowstraßr.— Eefnr.bbrunrrn: Iahresendiahrt Urft. darf. Treffpunkt IS'Z Uhr Bhf. Sefnnbbrnnnrn(SaSgassr).— Tempelhof: Nachtfahrt Drrnan— Uetzborf. Trefipnnkt 19Z4 Uhr Bhf. Tempelhof. Montag Heim Eetman'afir. 4— />; fZunkllondrsiwmg. Werbebezirk Lichter bera: Iahrrsrndfahrt Buckow. Treffpunkt 19)4 Uhr am Schlrsifchrn ssernbahnhof. Unkosten etwa 230 M. fsZahrgcld, Schlafen, Kaffee). Musikinstrumente m'ibrlngen. Liebe geht durch den Maizrn, sagt ein altes Sprichwort, welches die mensch. liche Seele besser charakterisiert als mancher Bfnchologr. Dir kluge Gattin fesselt den Mann an ihr Seim, wenn Sir-ibm ein-n ihrer selbst bereiteten Liköre vorfetzt und fo nach des Tages Müde eine frohe Stunde bereitet. Dir Selbstbereitung mit Rrichel-Essenzen fetzt Sie in die Lage, sich für wenig Geld auch den teuersten Likör zu leisten. Jeder kann die Probe darauf machen, der sich belehren vnd über, rügen will. Wohlgemerkt, aber nur Reichrl-Essenzen, .die altderühmle Marke, die alloin vollwertige Lualitiit und sicheres Gelingen n-rbürgt.' ErhakUich in Drogerien und Apotheken. Dr. Reichel» 9>r,rptbttchiein mit erprobten Reeepten ba'elbst umsonst, wenn vergriffen, kostenfrei durch Otto 'Rclchrks" Berlin SO. 00. EisenbaHnstr. 4. ®bb;e Polo, der Unübertroffene, der Milliondrsfobn, der in feinen Aden» teurerfilmen als Gentlrmanverbrrcher so. oft sein eigenes Loben auf» Spiel fetzt, ,nn den Bebtiingten zu helfen, hat wieder einen großen Schlager unter Hein Titel.Der Seheimtrefor" herausgebracht.— Dieses Me'sterwert läuft ab sZreitag, 00. Dezember, in den Senefelder. Licht spielen, Scnefeldrr. platz, Ecke Metzer Straß«, deren erstklassige, glänzend zufammengenrlltc Pro- grainm« übt.gen,' stets in der Kinotafel des„Borwärtst' zu finden sind. HC / 0 Auch Sie sollen unser werden. Wir wollen mal ein vernünftiges Wort miteinander reden. Sie halten von einer 4-Pfg.-Zigarette nicht viel? Wir können Ihnen Zuschriften von Rauchern vorlegen, die, zunächst ebenso skeptisch wie Sie, Massary-Privat probierten und uns nun, aufs angenehmste überrascht, spontan Anerkennung und Beifall spenden. Sie werden ebenso feststellen können, wie wohltuend Massary-Privat, die neue 4-Pfg.- Zigarette, vom Alltäglichen abrückt. Probieren Sie mal eine— wir werden uns dadurch bestimmt näherkommen. ohne Mundstück- und mit Ootdmundstüctz @as /st(7a ß-o hif L Aller Länder Fahnen liegen denMassary-Marken bei. Wer sie nicht selber sammelt, erfreue ein Kinderherz damit! Gchieles Bluffpolitik im Rundfunk. Oer Weri der landwirischastlichen Vuchführuugsergebmsse. Im.Vorwärts" vom 24. Dezember hatten wir eine Rede des Neichsministers Schiele Im Rundfunk kritisiert, betitelt: ..Die Landwirtschaft an der Jahreswende." Schiele hatte in dieser Rede aus die.erschreckende große Anzahl" der landwirtschaftlichen Betriebe hingewiesen, die mit Defizit arbeiteten und bezog sich dabei auf Material, das vom Enqueteausschuß veröffentlicht wurde. Der entscheidende Satz lautete:.Das Verhältnis der Be- triebsehmahmen zu den Betriebsausgaben ist in den feit der Stabil,- sierung verflossenen Jahren durchweg so ungünstig gewesen, daß der Lebensunterhalt, sowie die gegenüber früher um«in Vielfaches vermehrten Steuern und sonstigen Losten und die wachsenden Schuld- Zinsen aus dem Betriebsergsbnis nicht gedeckt werden konnten." Wir haben darauf hingewiesen, daß diese Behauptung grundfalsch sei, weil der Lebensunterhalt des Besitzers und seiner Familie schon eingerechnet ist. ebenso alle Realsteuern und sonstigen Lasten, worunter auch die sozialen Steuern enthalten sind. In dieser Form werden zum Beispiel bei einer Betriebsgröße von 800 Hektar 16 000 Mark für Lebensunterhalt des Besitzers verrechnet, sowie weitere 16 0OO Mark zur Deckung der Realsteuern. In einer Erwiderung des Reichsernährungs- Ministeriums wird gesagt, wir hätten die Ausführung des Ministers entstellt, weil wir davon ausgegangen seien, der Minister hätte die Möalichkeit bestritten, aus dem landwirtschaftlichen Ein- kommen die Unterhaltungskosten zu bestreiten. Der Mimster habe lediglich behauptet, es sei unmöglich, aus den Einnahmen die Unter- Haltungskosten zusammen mit den Steuern, sozialen Losten und Zinsen zu bezahlen. Von Unterhaltungskosten haben wir nun überhaupt nicht ge- sprachen, sondern sind der Verallgemeinerung des Ministers entgegengetreten und bleiben voll und ganz bet unserer Feststellung. Es ist sattsam bekannt, daß dauernd von der Rot der Landwirte geredet wird. Ebenso ist bekannt, daß angeblich jedes Jahr in den landwirtschaftlichen Betrieben zugesetzt wird. Diese Be- hauptungen, die ständig vorgebracht werden, werden lebhaft kritisiert. Die veröffenkllchung der Vuchführungsergebnlsse durch den Enqueteausschuß ist in der Aufmachung, wie sie erfolgt ist, sehr wertvoll. Nun bekommt man erst einigermaßen einen Einblick, wie Reinertrag oder Verlust in den landwirtschaftlichen Betriaben errechnet wird. Wir geben die in den Buchführungsergebnissen enthaltenen Zahlen für das Wirtschaftsjahr 1S2S/26 aus zusammen 286 Getreide- wirtschaften auf mittlerem Boden wieder. Unter Berücksichtigung der verschiedenartigen Bodenklassen und Wintschaftsart ergibt dies ein gutes Durckschnittsergebnis aus dem Material Die Zahlen find in jedem Falle Reichsmark je Hektar der landwirtschaftlich ge- nutzten Fläche. Di« Betriebsgrößen gelten für olle vier Gebiete. Betriebsgröße in Hektar: |. Ostpreußen. 17 Betriebe Besitzer hat erhallen... Zuzüglich Reinertrag... Abzüglich Verlust.... Ist- Ei n kommen.,, Z. Schleilen, 45 Betriebe Besitzer hat erhalten.,, Zuzüglich Reinertrag... Abzüglich Verlust.... Ist-Einkommen... Ist-Verlust..... 3. Rorddeutichlond. 144 Beiriebe Besitzer hat erhalten 50-100 100-200 200-400 sMark je Hektar) 47 15 32 57 42 25— 7— 18— 35 35 28 —— 41 99 53 Zuzüglich Reinertrag...... 9 Abzüglich Verlust.......— Ist-Einkommen...,,, 62 AUt eldeutschland, 97 Betriebe Besitzer hat erhalten.,., Zuzüglich Reinertrag.... Abzüglich Verlust'..... Ist-Einkommen.,., 62 21 83 70 38 15 53 37 4 33 13 25 8 17 29 18 11 De? Lsbensvnkerhalt für die VesitzerfamiUe. Aus dem von uns pro Hektar festgestellten Ist-Einkommen hat mithin der Besitzer zu bestreiten: den Lebens unterhall für sich und feine Familie, ferner die Zinsen für aufgenommene Kredite und Verzinsung des Eigenkapitals, sowie die auf der Person lastende Einkommensteuer(vorausgesetzt, daß der Besitzer hierzu veranlagt wurde, weil bei der Steuererrechnung nur der sogenannte Reinertrog zugrunde gelegt wird). Alk-Rcalstcueni, sozialen Lasten, Sachversicherung usw. sind nämlich im Barvcrkehr des Betriebes schon ver- rechnet Dabei lassen wir es in diesem Zusammenhang ganz dahin- pestellt, wie die einzelnen Posten des Barvcrkehrs bei Einnahme und Ausgabe verrechnet wurden. Man muß beachten, daß jeder land- wirtschaftliche Betrieb eine Naturalwirtschaft in sich ist. Bei der Berechnung der Leistungen und des Aufwandes in dieser Natural- Wirtschaft des Betriebes, die dann zusammen mit dem Barverkehr das Detriebsergebnis darstellten, passieren sehr viel irr tum- liche Berechnungen. Wir wollen es bei dem gelinden Ausdruck„irrtümliche Berechnungen" bewenden lassen, weil böse Zungen behaupten, daß aus steuertechnischen Gründen viele solcher Irr- tümer unterlaufen. Haben doch in den letzten Iahren die so- genannten Buchstellen der landwirtschaftlichen Betriebe erheblich zu. genommen und werden in diesen Buchführungsstellen die Steuer- erklärungen bearbeitet Me Herr Schiele rechnete. Die Summen, die der Besitzer aus den Betriebsergebnissen ent- nommen hat, setzen sich zusammen aus den unbaren(naturalen) Leistungen an den Besitzer, dem M i« t w e r t seiner Wohnung und dem„fiohnanspruch" des Besitzers(Barentnahme). Der zu- gerechnete Reinertog oder abgezogene Verlust find die Zahlen, auf die allein sich die Ausführungen von Schiele in seiner Rundfunk- rede stützen. Daher sprach Schiele rein rechnerisch von 42 Proz. Ver- lustbetrieben im Jahre 1925/26. Aber Schiele erwähnte nicht, daß bei diesen Schlußzohlen schon das verrechnet ist, was der Ve- sitzer für sich und seine Familie aus dem Betriebe bezogen l>at, wie ebenso die Realsteuern. Bei den von ims dem Material ent- nomiwnen 286 Betrieben— unmöglich können die etwa 2500 erfaßten Betriebe olle so geschildert werden— sind aber nur 7 Proz. sogenannte Verlustbetriebe. Belm Einkommen nicht berücksichtcr Vermögen»gewinn. Es ist auch zu beachten, daß zur Errechnung des Reinertrages oder des Verlustes auch die Vermehrung bzw. Vermin- derung des Inventars eine große Rolle spielt. Im land- wirtschaftlichen Buchführungswesen wird nun zum Inventar ge- rechnet: der Viehbestand, ferner die Vorräte an Getreide. Hülsen. fruchten und Kartoffeln sowie Maschinen und Handwerkszeug. All- gemein versteht man unter Inventar nicht solche Wertobiekte wie das Vieh, aus dem 30 bis 50 Proz. der baren Wirtschoftseinnahmcn fließen. Dies gill jedenfalls auch für die Moschinen und Vorräte an Getreide usw. Uebrigens ist der Well der Vorräte an Getreide, Hülsenfrüchten und Kartoffeln am Schluß des landwirtschaftlichen Wirtschaftsjahres, das Ende Juni abschließt, auf 20 bis 40 Mark je Hektar beziffert. Wohl zu beachten in einer Zell kurz vor der neuen Ernte, wo nach allgemeinem Sprachgebrauch des Herrn Schiele und seines Anhanges die Landwirtschaft leergepumpt ist. In den Buchführungsergebnissen ist, wie oben bezeichnet, alles unter der Rubrik„Inventar" zusammengefaßt. Trotzdem ergibt sich in den bezeichneten Betrieben eine durchschnittliche./Inven- tar"vermehrung von 20 Mark je Hektar. Ferner wurden durchschnittlich je Hektar 21 Mark abgeschrieben, was jedenfalls auch beachtlich ist. Unzuverlässige Berechnungen. Minister Schiele benulft das Zahlenmaterial aus den Buch- führungsergebnissen in seinen Reden so, daß der Unbefangene an- nehmen muß, es handle sich dabei um Ergebnisse aus hieb- und stichfesten Buchfühnmgsobschlüsien. Das ist gar nicht der Fall Minister Schiele weiß, daß die Buchführungsergebnisse auf Angaben der Landwirte an die sogenannten Buchstellen aufgebaut werden. Herr Schiele war bis zu seiner Berufung als Reichsminister sogar Vorsitzender des Unterausschusses für Landwirtschaft, der im Rahmen des Enqueteausschusses gebildet wurde. Er mußte daher wissen, daß� Verallgemeinerungen nicht ange- bracht sinll Ferner muß Herr Schiele wissen, daß selbst unter Zugrundelegung des Zahlenmaterials aus den Buchführungsergeb- nissen sich ergibt, daß von Jahr zu Jahr die Betriebsergebnisse in der Landwirtschaft sich immer günstiger gestalten. „Der Landwirt stellt die Geschäfts- und Betriebsvorfälle laufend xu Berichten zusammen, während die Buchstelle diese Berichte in das Hauptbuch überträgt und den Jahresabschluß ausstellt. Die eigent- lich laufende Buchführung liegt also beim Landwirt selbst." So Dr. F e n s ch vom Deutschen Landwirtschostsrat, der auch die neueste Veröffentlichung des Enqueteau:schusses in erster Linie be- arbeitet hat. Dr. Hans Zörner, Privatdozent an der Land- wirtschaftlichen Hochschule in Berlin, spricht mit Recht von dem in der Landwirtschast oerbreiteten System von Fernbuchführun- gen und sagt:„Die große Gefahr der Produktionskostenrech- nungen im Rahmen der Buchführung liegt darin, daß diese Rech- nungen mehr oder minder schematisch von Leuten ausgeführt werden müssen, die erstens den Betrieb gar nicht oder doch nur sehr flüchtig kennen, zum anderen auch nicht die lcmdwirt- schaftlichen Vorkenntnisse haben, die zur Durchführung aller landwirt- schaftlichen Kalkulationen unbedingt erforderlich sind." So, Herr Reichslondwirsschaftsminister Schiele, steht es mit den Duchführungsergebnissen. Nachzulesen in den vom Reichslandwirt- schaftsministerwm herausgegebenen Heften:„Berichte über Land- Wirtschaft", Band V Heft 2 und Band VI Heft 4.— Auch ein deutschnotionaler Reichsmini st er für Ernährung und Landwirtschaft hat die Pflicht, objektiv zu sein, und nicht be- liebige. ihm für seine Porteieinstellung passende Zahlen heraus- zugreifen und diese der Oeffentlichkeit vorzutragen. Ganz besonders ist«r verpflichtet, im Rundfunk objektiv zu sein. Aber schließ- lich war es ja wohl der Wille von Schiele, zu blusfen, weil er genau weiß, daß es unmöglich ist. seine durchaus fehlerhafte Darstellung allen Kreisen gegenüber wieder zu berichtigen. Georg Schmidt, M. d. R. Außenseiter von Kartellen. Zwei lehrreiche Kartellgeschichten. Der deutsche Roheisenvcrband wird ab 1. Januar 1928 seine Roheisenpreise um 4—6 Mk. pro Tom« erhöhen. Diese Preis- erhöhung hat eine interessante Vorgeschichte. Sie wirb nämlich vor- genommen, weil der R ö ch l i n g» K o n z e r n für die Elsenerzeu- gung seiner Maxlmilianhütte den bisherigen Konkurrenzkampf auf dem Eisenmarkl als Außenseiter gegen den Roheisenverband aus- geben wird. Der Röchling- Konzern war zu seiner Auhenseiterstellung dadurch gekommen, daß ihm die Eisenquoten, die der Verband für die Maximilianhütte festgesetzt Halle, zu niedrig waren, er deshalb aus dem Verband ausschied und mit niedrigeren Preisen auf dem offenen Markte gegen die vom Roheisenvcrband kontrollierten Eisen- Handelsgesellschaften auftrat. Lehrreich ist schon, daß daraufhin der Roheisenverband sich gezwungen sah, die Preis« entsprecheiK» her- abzusetzen und die Derbraucherschaft durch diese Außenseiier- konkyrrenz des RochUng-Konzerns in ganz Deutschland sich ent- sprechend billiger eindecken konnte. Das zweite Kapitel der Ge- schichte ist jetzt die Wiedererhöhung der Eisenpreije durch den Verband, nachdem zwischen ihm und dem Rochling-Konzern ein Ab- kommen getroffen wurde, das den letzteren zufriedenstellte. Die Eisenoerbraucher werden in Zukunft also höhere Preise zahlen, weil der Roheisenverband, das heißt natürlich die einzelnen Mitglieds- werke gemerkt haben, daß es rentabler ist, einem Außenseiter eine höhere Quote zu geben, als sich mit einem Erlös begnügen, der auch höher sein könnt?. Ein zweiter Außenseiterfall, der die Oeffentlichkeit schon reich- lich beschäftigt hat. ist ebenfalls jetzt durch einen Frieden beglichen worden. Es Handell sich dabei um den bekannten Kampf des Röhrenverbandes gegen die Stahlwerke Nieder- r h e i n A.> G., die sich bewußt als Außenseiter ausgemacht hat, nachdem der Röhrenoerband offenbar die geforderte Quote für die Produktion mit einem neuen Röhrenherstellungsocrsahren ver- weigert hatte. Die Absicht des Röhrenverbandes war, 61 Prozent der Niederrhein-Aktien oufzukausen, um nach dem Erwerb der Ma- jorität das neue Rührenwalzwert einfach stillzulegen. Eine besondere Pikantem dabei ist, daß die Gründer der Stahlwerk Nioderrhcin A.-G. Aufsichtsratsmitglieder der Dereinigten Stahl- werke waren. Jetzt wird der Röhrenverband tatsächlich zwar nicht 51 Prozent, aber 50 Prozent der Aktien erwerben und weiterhin, nachdem die Gefahr der Stillegung der Werke oder der Zluslassung der Gesellschaft nicht mehr besteht, sich verpflichten, das patentierte Erzeugungsverfahren durch Mitgliederwerke des Verbandes aus- nutzen zu lassen. Ausgerechnet die Vereinigten Stahlwerke, von denen berichtet wird, daß sse früher die Ausnutzung und den An- kauf des Verfahrens schon einmal abgelehnt haben, sollen setzt die Produktion noch dem neuen Verfahren übernehmen. Offen- bar hat erst die Wahrscheinlichkeit, daß die Stahlwerk Niederrhein A.-G. die Produktion tatsächlich als Außenseiter ausnehmen wirk» die Vereinigten Stahlwerke dazu veranlaßt, ihren früheren Ent- schluß umzustoßen. Auch hier zeigt sich deutlich, wie die Furcht vor dem drohenden Preisdruck, bei dem den Röhrcnkäuiern wohl und nur den Röhrenproduzenten wehe wäre, die Kartellfürsten zu einem Frieden mit einem Außenseiter veranlaßt hat. Beide Fälle sind ein lehrreiches Kapitel zu der viel erörterten Frage vom Nutzen der Kariell«. Auf der letzt« Lagun>g des Reichsverbandes der Deutschen Industrie in Frankfurt wurda des langen und breiten davon geredet, wie sehr die Kartelle zu einer wahrhaft aufbauenden und keineswegs ausbeutet r i s ch e n oder monopolitistischen Macht geworden seien. Hier zeigt sich in klassischer Weise— und das Präsidium des Reichsoerbandes der Deutschen Industrie möge sich diese beiden Fälle merken— daß die Erzielung von Monopolpreisen und die Ausdeutung der Verbraucher in der Tat das entscheidende Ziel aller Kartellbildung war und geblieben ist._ Verzehnfachung des Kapitals. Vei(L& 21. Vrenninkmeyer. Die erst 1922 gegründete Allgemeine TeMfabrikations- und Handels-A-'G. E. um> A. Brenninrmeyer, Berlin, die hier und in einem halben Dutzend anderer Städte groß« Lerkaufsfilialen unter- hält, gehört zu den erfolgreichsten Gründungen auf dam Textii- Handelsgebiet. Sie hatte bisher nur das minimale Aktienkapital von 500 000 M. Daß dieses Kapital minimal ist, zeigt die Tatsache, daß die letzte Bilanz von Ende 1926 mit 1,52 Millionen Reingewinn das dreifache Aktienkapital als Nettoverdienst ausweist. Natürlich war das Aktienkapital nur nominell, wie sich aus den zweifellos riesigen Warenbeständen, dem großen Grund- besitz und auch der zuletzt fast 10 Millionen Mark betragenden Bilanzsumme ergibt. Eine.Kapitalerhöhung war offenbar bisher nicht notwendig, weil di« Gesellschaft ein Familienunter- nehmen ist, da? innerhalb der Familie die Gewinne ansammeln konnte. Sind doch unter den acht Vorstands- und Aussichtsrais- Mitgliedern nicht weniger als sieben, die den Nopien Brenwnk- mener tragen. Jetzt wird mitgeteilt, daß das Kapital der Gefell- ichoft von 0,5 auf 5,0 Millionen Mark erhöht, also verzehnfacht wird. Und zwar erfolgt di« Kapitalserhöhung wiederum unter Aufnahme der jungen Aktien durch die Firma, das heißt die Familie selbst. Wie leicht das möglich ist. zeig« di« offenen Re- s-rven der Gesellschaft, die in der Bilanz für 1926 mit nicht weniger als drei Millionen, also dem s-chssach« Aktienkapital, ausAewiesen tvurben.____ (Ein Vreisausschreib« für die Erhöhung der Sicherheit im Bergbau. Das Gnibensicherheiteamt im preußisch« Mirnstenum für Handel und Gewerbe gibt im deutschen.Reichsanzeiger" ein P.'eisousjchreiben zur.Unschädlichmachung des bei der Bohrarbeit in Bergwerken unter Tage entstehenden Staubes" bekannt. Der Wettbewerb, für den ein Preis von 20000 M. ausgeletzt ist. ist vom preußischen Handelsminister gemeinsam mit der Reichs- knappschaft ausgeschrieben. Jedermann kann sich an chm beteiligen. Letzter Zeitpunkt für die Einreichung der Arbeiten ist der 31. De- zember 1928. Starke Steigerung der deutsch« Einsuhr noch Volen. Die deutsche Einfuhr nach Polen hat sich in den erst« dm Vierteljahren 1927 auf 300,4 Millionen Mark gegenüber 260,8 Millionen Mark im ganzen Jahr 1926 erhöht. Sie ist damit st ö r k e r als die Einfuhr aus d«, polnischen �Zollgebiet nach Deutschlaird gestiege», die im Jahre 1926— 304,5 Millionen Mark und den ersten drei Bierteljahren 1927— 267,4 Millionen Mark betragen hat. Bei der Beurteilung dieser Zahl« ist zu berück- sichtige,,, daß der deutsch-polnisch« Handelsverkehr stark unter den beiderseitigen Kompsmaßnahmen gelitten hat. Kommen wir mit Polen auf handelspolitisch«, Gebiet zu einer � Verständigung, so dürste der Warenverkehr bald noch erheblich stärker steigen. warum Amerika ACG.-Akti« liebt. In den letzten Monaten haben amerikanssckie Kapitalisten viele Millionen Aktien der deutsch« AEG. erworben. Die AEG. hatte im Jahr« 1925 ein« zweite Zehn- Millionen-Dollaranleth« aufgenommen, die den ameritaniichen Zeichnern das Recht gab, für«inen Teil der Anleihe AEG.-Akticn, einzutauschen. Zum Umtausch sollten insgesamt für 17,83 Millionen (nominell) AEG.-Aktien zur Verfügung stehen, die. bis zum 1. Dezember 1930 umgetauscht wenden konnten. Jetzt wird berichtet, daß der Umtausch bereits mit vollen neun Zöhnteln durchgeführt worden ist. Der Grund dafür ist em sehr einlacher. Die Amerikaner zahlen nämlich bei dem Umtausch im Durchschnitt nur 120 Pro.z. der Nominalkosten, also 1200 Ä. für 1000 M-. während der tatsächliche Börsenkurs der AEG.-Aktie gegenwärtig noch um 50 Proz., vor einigen Monaten aber noch erheblich höher lag. Das glänzende Gervinngeschäft ist es also, das die amerikanischen Geldgeber zu diesem raschen Umtausch veranlaßt hat. Zweifellos hat sich in diesem Falle der Anreiz, den die AEG bei der Anleiheaufnahme den Amerikanern zur Zeichnung geben wollte, voll bewährt. Aber dieser Anreiz kommt dem AEG.-Konzern doch recht teuer, denn der Konzern erzielt durch die geringen amerikanischen Zuzahlungen doch erheblich weniger, als er nach dem deiuschen Börsenkurs bei einer Kapitalerhöhung hätte erwartm können. Immer noch Spuren der S linnespleite. Obwohl der Zu- sammenbruch des St inn eschen Inflationsgebäudes jetzt über zwei Jahr« zurückliegt, sind Stmnes Spuren auch heut« noch nicht oer- wischr. Auf der Generaloersommwng des Baroper Walz- wertes wurde man durch Aktionärsprotest ,'ogor wieder mitten in diese Glanzzeit deutschen Unternehmertums versetzt Dieses gut- fundiert« Unternebmen wurde durch ein raffiniertes Geschäft der Direktion dem Stumes-Konzern in die Hände gespielt und sodann durch leichtsertigstes Wechselzielen— etwa 1,5 Million« unaedeck!« „Gesälligkeitswechsel" wurden Stinnes gegeben— in den Strudel hineingerissen. Sehr bezeichnend für die geschäftliche Moral war es, daß nach der Katastrophe wohl die betreffenden Direktoren flogen, die Gebrüder Stinnes aber, die als Aufsichtsrats- Mitglieder dieses Spiel gefördert hatten, nicht zur Derantwortung gezogen wurden. Di« weitere Entwicklung des Werkes war ein Trauerspiel für di« Belegschaften. Das Walzwerk wurde sechs Monat« bis zum Februar 1926 und das Stahlwerk sogar neun Monate bis zum Mai 1926 still gelegt. Der jetzt veröffentlichte Abschluß für 1926/27 zeigt, daß die Eisenkonjunktur das Werk wieder hochgebracht hat. Daß keine Dividend« gezahlt wird, w'll nichts besagen, da die Gewinn« in die erneuerten Anlagen gesteckt wurden. Gegen das Vorjahr sind die Betriebs gewinne von 0,38 auf 0,66 Mill. Mk. gestiegen, die durch Unkosten und Zinsen von 0,45 Mill. Mk. und verdoppelte Avichreibun- gen von 0,21 Mill. M. aufgebraucht werden. Die Mittel, die aus der Kapitalerhöhung von 2,1 auf 3,0 Mill. JOL der Gesellschaft zuflössen. wurden leils zu illeuonlagen, teils zur Echuldenabzohlung verwandt. die von 2,85 auf 2,3 Mill. M. sanken. Da Forderungen und Aorräte insgesamt nicht mehr als 1,4 Mll. M. betragen, ist di- Bilanz noch sehr gespannt. Daß die Berwalnma, der« Vorgänger durch unglaublich leichtfertiges Verhalten 500 Arbeiter für 6 bis 9 Monate auf die Straße"warfen, in besonders scharfer Tonart gegen die Forderungen der Gewerkschaft« Stellung nimmt, ist bei der Einstellung der Ruhrunternehmer nicht weiter verwunderlich. Frachlermäßiguugen für NIederschlejien hat di« Deutsche Reichs- bahn beschlossen. Um die Wettbewerosfähigkeit der niederschlesischen Kohle fördern, wird ab 1. Januar 1928 eine ZOproztntige Ermäßigung der deutschen Kohlen srachten nach der Tscheche und eine fünf- bis elf�rozenti ge Ermäßiguno nach dem Stettiner Wirtschaftsgebiet durchgeführt. Es dürfte sich hierbei nicht zuletzt auch um«in« Beitrag der Reichsbahn zur Durchführung der niederschlesischen Montanfusion handeln. Ermäßigler Bankdiskont in Baris. Die Bank von Frankreich hat den Wechseldiskont auf 4 Pro.z� ermäßigt, nachdem seit dem 14. April d. I.«in fünsprozentiger Wechseldiskont in Geltung war. Man wird auch diese Maßnahme als eine Förderimgsmatznahme für die s r a n �ö f i f ch c Wirtschaft betrachten müssen, die seit der faktischen«tabiluät des Frank« in einer ziemlich heftigen Krise sich befindet,_ Frettag 30. Dezember 192T Unterhaltung unö AAissen Vellage des Vorwärts Macht der Gewohnheit. Von Jl. Karpow. Max schlug mir gönnerhaft auf die Schulter und rief lachend: „Du bist arbeitslos? Ja, warum schweigst du denn, du tomischer Kauz? Du hättest mich doch anrufen können, die Sache wäre in einem Augenblick erledigt gewesen! Es ist noch gut, daß ich dich zu- fällig getroffen habe. Wenn du willst, so rufe ich gleich Semjonow oder Petrow an. Uebrigens, du beanspruchst ja nur einen bescheide- nen Posten als Buchhaltergehilfe? Wegen solcher Kleinigkeiten lohnt es sich nicht, sie zu belästigen. Weißt du was? Ich gebe dir«ine Empfehlung an Mischutnitow mit. Er ist Direktor des Fußmatten- trusts. Ein guter Freund von mir. Er wird für mich alles tun." Wir gingen in die nächste Kneipe. Mar nahm seinen Füllfeder- balter und«in hübsches Notizbuch aus der Tasche und schrieb einige Worie auf einem Zettel: „Sieber Genosse Mischutnitow. Der Vorzeiger dieses ist ein alter Freund von mir. Stelle ihn doch bitte als Buchhaltergehilsen in Deinem Bureau an. Er ist ein ausgezeichneter Arbeiter und nur infolge von Intrigen abgebaut. Mit sreundschaitlichem Gruß Dein Dich liebender Mo;.' Von Hoffnungen beseelt, begab ich mich im Eilschritt nach dem sfußmattentrust. Der Direktor Mischutnitow empfing mich sehr liebenswürdig, las den Zettel, runzelte die Stirne, als ob er sich an etwas erinnern wollte und bestürmte mich mit Fragen: „Wo haben Sie früher gearbeitet? Sie waren Buchhalter- gehilfe? Ausgezeichnet! Haben Sie Empfehlungen? Ausgezeichnet! Besuchten Sie die Börse? Sehr gut. Gehen Sie zum Sekretär." Er oersah mein Gesuch mit einer kurzen Anweisung und ich erhielt sine» Posten. Alles ging wie am Schnürchen. Der Direktor grüßte, mich stets sehr liebenswürdig, scherzte freundschaftlich mit mir und bezeugte mir auf jede Weife sein Wohlwollen. Dank dieser offen zur Syau getragenen Gunst des Direktors behandelten mich die Kollegen mit außerordentlicher Achtung und ich träumte schon von dem kßzhen Posten eines Oberbuchhalters. Nach etwa zwei Monaten kam plötzlich Max ganz unerwartet zu mfr ins Bureau. Der arme Kerl sah schlecht aus. Sein««inst so glänzenden Jimmyfchuhe waren brüchig geworden. Der Mantel sah "echt? abgetragen aus, seine Beinkleider waren unten mit langen Frcmsen verziert und von der früheren Bügelsalte war kein« Spur meSr vorhanden. Sein Gesicht war grau und unrasiert. „Was ist geschehen?" fragte ich besorgt. „Abgebaut erwiderte Max düster und fetzte sich an meinen Tiksch.„Alles durch Intrigen. Bin schon seit zwei Monaten arbeitslos." „Ja. ab« wieso denn? Bei deinen Verbindungen?" staunte ich. „Verbindungen?� lächelte er bitter.„Ja, was Hab' ich denn haooni Ich kann mich nicht erniedrigen? Für andere kann ich wohl Jen Rücken krümmen, aber für mich selbst.. Ich Hab« einen ver- eufelten Charakter. Irgendeinen se6)z«hniährigen Burschen kann .ich zum Fabrikdirektor machen, irgendeinem Boten, der kaum lesen ?ind schreiben kann, kann ich jeden Augenblick den Posten eines Abtei- lungsleiters des Kommissariats für Bolksaufklärung verschossen, aber jür mich selbst kann ich keinen Finger rühren!" Er schwieg, rückte näher zu mir heran und flüsterte mir ins Ohr: .Hör' mal. habt Ihr nicht irgendeinen Posten frei? Ich stelle ja keine, hohen Ansprüche. Ich wäre ja für den Anfang auch mit dem Posten eines Rechnungsgehilsen oder Kontoristen zufrieden..." Ich öffnete schon den Mund, um ihm den Rat zu geben, sich doch persönlich an seinen alten Freund, meinen Direktor, zu wenden, als die Tür zu dessen Arbeitszimmer sich öffnete und er selber auf mich zutrat: „Bitte, Genosse, wollen Sie so sreundlich sein, mir Auskunft über die Vorschüsse zu geben, die unsere Mitarbeiter im lausenden Jahre erhalten haben.. Anstatt aufzuspringen, wie e» sich gehört«, blieb ich wie ver- steinert auf meinem Stuhl sitzen und starrte abwechselnd Max und den Direktor an. Ich hatte erwartet, daß sie sich freudig begrüßen würden— aber nichts desgleichen geschah. Max verbeugte sich schweigend und der Direktor begnügte sich mit einem leichten Kopf- nicken. Schließlich gab ich ihm die gewünschte Auskunft und der Direktor verschwand in seinen, Zimmer. „Max!" begann ich, während ich mißtrauisch zu Ihm hinblickt«. „Max, was soll dos bedeuten?" „Gar nichts soll das bedeuten!" erwiderte Max kaltblütig. „Deinen Posten hast du doch auf meine Empfehlung hin erhallen? Genügt dir das nicht?" ..Ja. aber du mußt doch zugeben, daß dies olles sehr szltsam ist," stotterte ich verwundert. »Es ist keineswegs seltsam. Es hängt nur mit der Macht der Gewohnheit und der Kenntnis d« menschlichen Psychologie zu- stimmen", lächelte Max herablassend.„Du warst arbeitslos und ich wollte dir helfen. Ich schrieb einige Worte an einen mir völlig unbe- kannten Menschen, da ich mit Recht annahm, daß er mindestens zwei Dutzend auter Freunde hat. deren Namen er zum Teil ggr nicht kennt. Wenn er meinen Brief erhall, runzelt er die Stirn und glaubt, daß ihm einer dieser Freunde aeschrieben hat und wie soll man die Bitte eines Freundes niclit erfüllen? Macht der Gewohn- heit! Da ist nichts zu machen? Hast du mich verstanden?" Ich hörte schweigend zu und starrt« ihn verdutzt an. Plötzlich beugte er sich zu mir herükker und flüsterte: „Paß mal auf, der Direktor des Kohlentrusis heißt, glaube ich, Pnketow? Wrirte mal. Ich habe in meinem Notizbuch die Adressen oller höheren Beamten vermerkt. Ja, es stimmt, er heißt Buk«tow. Sei so mst. schreib ihm einiae Zeilen, er möge mir den Posten eines Kontoristen geben. Melleicht klappt die Sache." tAus btm Rllfstiche» von Ztina Stein.) Die wunderbare Zahl. Loa Haus Sauer. „Fabelhaft, xote das Mysterium der Zahl oft ins Sehen hrnein- spielt. Ich beschäftige mich viel mit solchen Dingen, wissen Sie. Sie sind Musiker und da mödste ich beispielsweise an den Daten Wagners ein Exempel statuieren. Wagner ist 1813 geboren., „Wahrhaftig, da hat er vorn und in der Mitte eine 1 und die Summe aus 8 und 3 gibt 11. Sauter Einser also, die sein Seben beherrschen!" „Nicht so. Darauf wollte ich nicht hinaus. Aber die Oyer« summe gibt 13 und die beiden letzten Ziffern..." j„Geben, als Quersumme 4..." „Schön, aber darauf kommt«s mir hier nun wieder nicht an, sondern darauf, daß auch sie die Zahl 13 darstellen. Gestorben wiederum ist er..." „Warten Sie mal, jetzt weiß ich's allein: 1883... Quersumme daraus ist... Augenblick: 1 plus 8 Ms 8..." „Da kämen Sie ja auf 20. Nein, hier ist nicht das Todesjahr. sondern der Todestag zugrunde zu legen: Der 13. Februar näm. ßch. Seine Verbannung aus Deutschland.. „Aha, die Zahlen sind mir nicht gleich gegenwärtig, aber ich ahne, daß sie an einem 13. begann.. „Das zwar nicht.. „Daim wird die Rückkehr nach Deutschland auf ein« 13. gefallen seiw Hab' ichs erraten?" „Nicht doch, indessen währte die Verbannung 13 Jahre. Des weiteren bitte ich, die Luchstaben feines Namens zu zählen." „Warten Sie mäl: 6." „Die des ganzen Namens meine ich.. „Moment. Mlhelm Richard Wagner, eins, zwei.. „So natürlich auch nicht. Die in Richard Wagner sind ge» meint. Sie werden feststellen, daß Sie wieder auf 13 kommen." „Allerdings nur, wenn man eh für zwei Buchstaben zähll." „Das erste Aufdämmern seiner musikalischen Sendung überkam ihn bei einer Vorstellung des„Freischütz"." „Freisch.. „Was machen Sie denn da?" „Ich zähle die Buchstaben nach" „Sie verstehen mich strisch Ich wollt« sagen, daß diese Vor- stellunz an einem 13. Oktober stattfand. Auch w Wagners Opern spukt die 13 herum." „Ich bin schon neugierig. Der„Parsifal" zum Beispiel,„Bohen- grin",„Der fliegende Holländer",„Die Meistersinger"... Was ist's damit?" „Nichts ist damit, aber„Tonnhäuser"...* „Fabelhaft, Sie haben am Ende festgestellt, daß das fein« 13. Tondichtung gewesen ist!" „Daran wäre sa nichts. Nein, ober„Tannhäufer" endete am 13. März 1681 in Paris mit einem Theaterkrach." „Sehen Sie, eins Unglückszahl, die 13." „Auch wieder nicht, denn andererseits kam„Tannhäuser" am 13. Mai 1895 in Paris wieder zu Ehren. Wagners Tod fijfll ins 13. Jahr noch der Kaiserausrufung." „Na, na, Napoleon wurde doch.. „Nach der deutschen Kaiserausrufung natürlich." „Sckade. daß ich mich jetzt von Ihnen verabschieden mutz. Aber dort fährt mein« Elektrische. Ein« 13 natürlich Wenn das der selige Wagner noch hätt' erleben können!" „Es ist das Tetephon und nicht_ die Lerche." Zwei Pariser Ingenieure haben die Idee ausgearbeitet, das durch dos Geklingel der Telephon« zerrüttete Gehirn der Großstädter dadurch ins Gleichgewicht zu bringen, daß sie das Läutewerk der Telephone durch den Gesang eines Vogels ersetzen, ähnlich wie der Schlag der Uhren durch den Kuckucksruf ersetzt wird. E- sst allerdings anzu- nehmen, daß auch diese Erfindung sich ebensowenig allgemein cm- führen wird. Die Gefahre« des Benzins. Die Tänzerin Lucy Kieselhausen ist bekanntlich durch«ine Venzinexplosion so schwer veAetzt worden, daß sie wenige Stunden noch dem Unglücksfall starb. Dieses Vorkommnis ist sine neu« Mähnung, insbesondere für die Hausfrauen, bei der Benutzung von Benzin größte Vorsicht walten zu lassen. Es sei daraus hmgewiesen. daß nicht nur die Benzinflüssigkeit selbst größte Feuergefährlichteü aufweist, sondern daß auch die Benzingase stark explosiv, und f-mcr- gefährlich sind. Es genügt darum nicht nur, daß die Reinigunos- arbeit mst Venzin nickst in der Nähe von Feuer vorgenommen wird, sondern es ist auch notwendig, daß in dem ganzen Raum, in dem mst Benzin gearbeitet wird, kein offenes Feuer vorhanden ist, ia sogar nicht einmal eine glimmende Kohle, denn auch diese ist be- reits imstande, die sich im Raum ausbreitenden Benzingajs zu en:- zünden und dadurch die gefährlichsten Explosionen hervorzurufen. Erst jüngst verunglückten wieder mehrere Arbeiter, die in ein altes leeres Benzinfaß stiegen und sich dorguf verließen, daß der Auf- enthalt m dem Faß ungefährlich sei, weil dos Benzin aus dem Faß schon fest vielen Wochen entfernt war. Um die Fehler zu sehen, die in dem Faß auszubessern waren, zündeten sie ein Streich- holz an, worauf eine furchtbare Explosion entstand, durch die die Arbeiter aufs schwerste verletzt wurden. Es waren nämlich in dem alten Benzinfaß Gase zurückgeblieben, die noch genug Exploswne- kxaft besaßen. Daraus ergibt sich, daß man dem Benzin gegen- über gor nicht vorsichtig genug sein kann. Um furchtbarstes Unglück zu vermeiden, beachic man folgend« Vorschriften: In einen Liquin, in dem mst Benzni gearbeitet wird, darf man weder ein Sicht b:in- gen noch darf man hier ein Streichholz anzünde n. Es darf hier kein Herdfeuer vorhanden sein, auch all« Gasflammen müssen ver- löscht werden. Unter keinen Umständen darf man den Raum nnt einer brennenden Zigarette oder Zigarre betreten. Roch der Ler- wendu-ng des Benzins öffne m o» die Fenster, eine Vor- sichtsmaßnohmc, die man unter keinen Umständen außer acht lassen darf. Bei der Arbeit mst Benzin haben sich nomlich in dem Zimmer Gase gebildet, die meist nicht beachtet werden. Man stellt nur fest, wenn man in das Zimmer tritt, daß es hier nach Benzin riecht, weiß aber nicht, daß dieser Benzinge ruck» mit größter Lebens-. gefahr verbunden ist, sobald man sich auch nur eine Zigarette an- zündet.____ Die lebend- Ubr. Dem„lebenden Barometer", d. h. den Meulchen, die das Wetter norhersagen können, gesellt sich nun t-ie „lebende Uhr", d. h. ein männliches oder weibliches Wesen, das die Zeit angeben kann, ohne erst die Uhr zu Rate zu ziehen. Der englische Pchchologe Dr. Bernard Hollander, der sich eingehend mit dem Studium des Zeitsinnes beschäftigt hat, hält die Uebung dieser Fähigkeit für sehr nützlich und hat sie bei sich selbst ausgebildet. „Es ist durchaus möglich," erklärte er.„das Unterbewußtsein s» zu koistrollieren, daß man sich dazu erzieht, mit ziemlicher Ge- nauigkeit eine Zeitangabe zu machen. Die einfochstc Form-ist die. daß man sich nomiramt, zu einer bestimmten Zeit auizuwachen, und dies gelingt leicht bei genügender Konzentration des Willens. Aber man kann auch den Zeitsinn in sich ausbilden, der im-Unter- bewußtsein jedes Menschen vorhanden ist. Manche Leiste sind imstande, die genaue Zeit anzugeben, auch wenn sie viel« Stunden lang nicht aui die Uhr gesehen haben. Bisher sind das Ausnahmen, ober diese Eigenschait. die zur Pünktlichkeit und Selbstdisziplin erzieht, läßt sich bei allen Menschen entwickeln." Dr. Hollander hat durch die Entwicklung des Zeitsinns bei seinem Patienten eine bc- deutende Besserung nervöser Zustände erzielt. Amerikas Abschied vom Mover. Von H. Hesse, New ijork. Amerika nimmt Abschied vom„.Flivver". Der Mohr hat keine Schuldigkeit getan.... in Amerika kann er schneller gehen denn anderswo. Er war zweifellos ein Instrument des Fortschritts, der Flivoer, das Auto des kleinen Mannes. Er bracht« die Landbevölkerung der Stadt und ihrem bildenden Einfluß näher, mag er auch noch so gering sein. Er ermöglichte es dem Großstädter, an freien Tagen mit seiner Familie aufs Land zu flüchten, die frische Luft zu genießen. Der Fliover brachte ihn ein wenig»zurück zur Nmur". Und nun ist auch die Zeit des Fliovers erfüllet! Obwohl selbst ein Kind der neuen Zeit, nimmt er doch schon Abschied— ein Opfer der stürmischen Gegenwart. Zwanziglausend Mann sind noch mst der Herstellung von Ersatzteilen beschäftigt. In fünf Iahren wird auch diese eingestellt. Dann wird auch der letzte Flwver bald das Zeitliche segnen. Wo sind die Zeiten, da sein Kommen mit Jubel begrüßt wurde! So ganz ein Kind des Volkes war er, wie nie zuvor ein Gegen- stand— der Fliover des kleinen Mannes. Ford brachte das Wunder zustande, den Krostwagen des Reichen zu einem täglichen Gebrauchs- gegenständ des kleinen Mannes zu Machest. Er diente dem Der- gnügen, doch als leichter und billiger Schnellostwogen auch dem Handel und Gewerbe. So war er ein Wohltäler der Pferdewelt, der in reichem Maß« der Tierquälerei«in Ende macht«, da er weit leistungsfähiger und im Gebrauch billiger war als das Pferd. Er flitzt« durch die Straßen der Großswdt und knatterte auf einsanier Landstraße dahin, wenn er die leichwcrderdlichen Erzeugnisse des Farmers in die Großstadt beförderte— aus Entfernungen, deren Ueberwindung bis dahin Millionen Farmern unmöglich war. Dabei war der Ford die Bescheidenheit selbst. Die Rolls- Royce-Wagen, die 15000 Dollar kosten, haben nicht einen, sondern mehrere Pfleger, haben ein warmes Heim und werden behütet wie ein Kind. Was ober hatte der arme Ford? Ost kein Dach über dem Kopf«. Der kümmerte sich um ihn? Keine Mcnschenseele. Regen und Sonnenschein nahm er hin. wie«s der Himmel gerade fügte. Fiel er in den Graben, so wurde er aufgerichieit— und fuhr weitgr. nur zu oft querfeldein. Asphaltstraßen, die seine vornehmen Brüder gar nicht verlassen, bekqm er oft sein Lebtag nicht zu sehen. Für ihn galt nur„des pienstes«wig gleichgestellte Uhr" Woher nun trotz aller seiner Tugenden das Todesurteil d«s Fliovers in so überraschend kurzer Zeit? Seit Beginn des Krieges hat der Reichtum Amerikas riesig zu- genommen. Der Luxus ist in weite Kreise eingedrungen. Und nicht nur der glänzende Luxus, sondern auch sein heuchlerischer Schatten, hie Großtuerei— sein Ersatz, der Bluff. Don wirklich guten Der- hältnisicn kann bei der großen Masse in Amerika auch heute nicht die RÄe sein. Die große Mehrzahl hat keine entsprechenden Gut- haben auf der Sparkasse, sondern lebt von der Hand in den Mund. Der vorgetäuschte Reichtum ist nur Windmacherei. Aus dem Besitz des Autos darf man noch nicht schließen, die Familie befände sich in guten Verhältnissen. Nur zu oft ist das Auto der einzige Besitz einer Familie überhaupt. Sie hat weder«in Haus, noch sine Wohnung oder Möbel, sondern hockt in einem einzigen'möblierten Zimmer. Dazu werden achtzig Prozent aller Autos auf Abzahlung gekauft. Ost genug komm: es vor, daß der„Besitzer" cines wert- vollen, unbezahlten Wagens nicht die nötigen Mittel Hrn. ihn in einer Garage unterzustellen, so daß er Tag und Nacht in Wind und Wetter aus der Straße steht. Drei Viertel aller Zluroläuse werden wieder rückgängig gemacht, da die Einlagsmillionäre nicht einmal die Raten dauernd erschwingen konnten. Allein was mt's— der Ford gilt nun einmal als Armeleutefahrzeug, als Proletarier unter den Kraftwagen. So muß es denn ein protziges Ungetüm fein, mst einem Benzintank wie ein Heidelberger Faß. Eindruck kann man nämlich in Amerika mir mit dem Auto machen. Für Kulturgüter hat das geidverrückte Amerika— keine Zeit, keine Zeil! Dollar- macherei ist Zweck und Iichall des Leben, und— Dollar- Verschwendung. Der Flivoer stirbt. Er war«in Bertrautcr, ein Familien- gegenständ. Wie kamn eine andere Maschin« trat er zum Volke in ein Verhältnis— besaß er etwas Persönliches. Sein Name Ford wurde wenig gebraucht. Er war ein Henry, eine Lljzie, eine Straßenlaus, ein Flivver. Ein Cadillac mag im VoU-munde ein Ead werden, ein Chevrelet, ein Chevvy. Spitznamen hat allein der Ford. Alle anderen Marten wechselten dos Aeußere in bunter Reihen« folge. Man kannte sie oft nicht wieder. Ewig tteu blieb sich der Ford, wenn er auch ganz zuletzt so etwas wie einen Anflug von Würde annahm. Seine Geschichte ist voll romantischer Episoden. In welche. Einöden der weiße Mann nur immer eingedrungen ist— der Ford war sein treuer, sein nimmermüder Begleiter. Die höchsten Berg« hat er erklettert. Durch die Wüsten Asiens und die Dschungel Afrikas trug er den weißen Mann und seine Kultur. So wartet denn ganz Amerika aus den neuen Ford. Di« Käufer mit Neugier— die Westbewerber mit beklemmenden Gefühlen, Was wird nun kommen? Nachdem die Umstellung und Neuein- richtyng der Ford-Werke hundert Millionen Dollar verschlungen, werden sie fähig sein, täglich bis zu 15 000 Wagen herzustellen. Wie wird dies Abenteuer der Indusstiegizanten enden...? Ford wird wahrscheinlich den besten Wagen herausbringen, der je für seinen Preis angeboten wurde. Im Zestalter des Luxus wird er luxuriöser sein. Doch nie wird«r die Rolle d«s alten Fliovers spielen, denn dieser war ein Dahnbrecher— ein Pionier. Henry Ford vollbrachte eine Lebensaufgabe. Sein Werk war der Fliover, vom ersten bis zum letzten Teilchen. Aus dem bescheidenen Nivver erwuchs eines der größten Indusstieunternehmen der Welt, Er brachte seinem Schöpfer ein Vermögen von schier unfaßbarer Größe. Niemand weih e-z besser als.Henry Ford: mit dem Flivoer geht ein Stück des allen Amerika. Und darum wird ihm der Abschied schwer, „Wartezeiten" der Erwerbslosen. Angeheizte und zugige Warieräume. Don einem Arbeitslosen wird uns geschrieben: Die Art der Abfertigung der Erwerbslosen bei einzelnen Aemtern Groß-Derlins ist in hohem Maße geeignet, den Unwillen der Arbeitslosen zu erregen. Ich meldete mich am 19. No- vember in der Vergmannstraße arbeitslos. Einige Hundert Er- werbslose hielten die Düren der Räume belagert, in denen ihre Abfertigung stattfinden sollte. Nach mehrstündigem Warten erhielt ich den Bescheid:„Morgen wioderkommen!" Das wiederholte sich am zweiten und am drillen Tage Am vierten Tag« sprach ich den Leller meiner Abteilung und empfahl ihm. den sich anmeldenden Erwerbslosen irgendeinen minderwichtigen Ausweis abzunehmen; dadurch würde man einen Uebcrblick gewinnen und imstande sein, den Erwerbslosen zu einem bestimmten Tage, ja vielleicht zu einer bestimmten Stunde zur Abfertigung zu bestellen. Resultat: meine «tempelkarle blieb dort. Am anderen Tage erfolgte nach mehrstündigem Warten endlich die Anmeldung. Die erste Unterstützung erhielt ich am 28. November in der Bergmannstraße nach einer Wartezeit von 4M Stunden, die nachfolgende am S. Dezember bei gleicher Wartezeit in der Wranqel- straße, am 12. Dezember im„Neuen Hosjäger", Hosenheide. Hier war ich auch für den 19. Dezember hinbestellt, doch war mein Zahl- bogen nicht zu finden. Diesen entdeckte man am darauffolgenden Dienstag in der Expedition in der Bergmannstraße: Wartezeit bis zur Seldauszahlung nahezu 5 Stunden. Die nächste Unterstützung sollt« ich auf ausdrückliche Ansage wieder im.�Hofjäger", und zwar am 22. Dezember, abheben. Einige Hundert Menschen warteten hier in langen Reihen v o r der Tür des Lokals. Welchen Gefahren für ihre stfefundheit die Er- gverbslcsei, mit ihrem häufig defekten Schuhzeug hier ausgesetzt waren wird der begreifen, der nicht jeden sozialen Empfindens bar ist, was man von dem Oberleiter des Amtes Bergmannstraße an- nehmen kann, denn aus meinen Hinweis auf diesen Mangel an Rücksicht auf die Arbeitslesen, die ja schließlich auch Menschen seien, zeigte er nur die kalte Schulter:„Was ist schon dabei, wenn Sie mal vier bis fünf Stunden da warten müssen!" Nachdem ich nahezu 5 Stunden vorm„Hofjäger" gewartet hatte, stellte sich wiederum heraus, daß mein Zahlbcgen nicht dort war. Mit einer Unter- brechung von ZM Stunden, während welcher Zeit ich»ach Hause ging, um etwas zu essen, wartete ich am anderen Tage lFreitag) von morgens 9.1ü Uhr bis nachmittags S.1S Uhr, um endlich meine Unier- stützung zu erhalten. Wer glaubt daß es sich um Einzelfäll« oder gar um Uebertreibungcn handelt, der frage einen beliebigen Ar- beitslosen des Bezirks Kreuzberg. Kann hier keine Abhilf«'geschossen werden und begreift man den» nicht, daß in den öden, kalten Korri- doren, in denen die Erwerbslosen täglich eine stumpfsinnig machende unendliche Wartezeit zubringen müssen, die Brutstätten trüber und nicht immer der besten Gedanken liegen. Auf der Abfertigungsstelle Aergmannstraße. Wir haben einen Berichterstatter beauftragt, die vorstehenden Angaben nachzuprüfen. Während einer mehrstündigen Beobachtung aus der Fürsorgestelle Bergmannstraße hat unser Berichterstatter solgendes festgestellt: Die Abfertigung der lausend Unterstützten erfolgt in der gut geheizten Aula des ehemaligen Schulgebäudes und nimmt etwa«ine halbe Stunde in Anspruch. Pas heißt, zwischen der A b- gab« der Stempelkart«, der Unterschrift unter den Zahlbogen. dessen Ferttgstellung durch die betreffenden Beamten und der Aus- Zahlung der Unterstützung liegt eine halbe Stunde. Bon übermäßig langem Warten kann also hier nicht gesprochen werden. Die Arbeitslosen jedoch, die sich erst e i n t r a g e n lassen wollen. müssen auf den Korridoren etwa 1� Stunden warten, bis sie in die für ihren Anfangsbuchstaben zuständigen Zimmer hineingerufen werden. Daß hier die Abfertigung ziemlich langsam geht, liegt, wie ja bekannt ist. daran, daß bei der Neu- aumeldung ein sehr umsangreicher Fragebogen auszu- füllen ist und etwa ein Dutzend Ausweise und Bescheinigungen zu prüfen sind Die Beamten ttüfft dafür keine Schuld, da sie ja entsprechend ihren Diensworschriften arbeiten müssen. Wenn hier vernünftige Aufenthaltsräume vorhanden wären, könnte man auch diese Wartezett noch als nicht zu lange bezeichnen. Die Arbeitslosen. Männer sowohl wie Frauen, müsien sich während der Wartezeit auf den Korridoren aufhalten, die hundsmiserabel aus- sehen und aus denen es kalt und zugig ist Di« Menschen sitzen da zusammengekauert wie auf der Anklagebank. Soweit festzustellen war, sind die Beamten zuvorkommend und kein« zugeknöpften Attenmenschen. Der in der Zuschrift geschilderte Sachverhalt ist nur so erklärlich, daß bei Eintritt des Frostes viele Bauarbeiter abzufertigen waren und daß es wegen des Andranges zu Stockungen kam. Das kann aber kaum als Entschuldigungsgrund gelten. Die Absertigungs- stellen der Erwerbslosen müsien so eingerichtet sein, daß sie jedem Massenansturm gewachsen sind und nicht bei plötzlich einsetzender starker Arbeitslosigkeit zu körperlichen und seelischen Marterstätten der Erwerbslosen werden. Ist das Los der Erwerbslosen schon nicht beneidenswert, so soll man es nicht»och durch eine ungenügende Organisation aus den Absertigungsstellen verschlimmern. Eine Abhilfe ist also hier dringend notwendig. lim die Besoldung der Neichsangesteltten. Im Reichsfinanzmlnlsterium wurde gestern mit den Spitzen- organisalionen über die Neuordnung der Besoldung für die Ange- stellten der Reichsbehörden verhandelt. Bon der Regierung wurden den Vertretern der Angstelltenorganisationen neue Vorschläge unter- breitet, zu denen diese morgen Sonnabend eine Erklärung abgeben werden._ Leibeigenschast auf ltsedom? Oer staatliche Förster hält an ihr fest. Än Camminke auf Usedom wohnt der staalliche Förster L o a r. der zugleich Besitzer einer großen Landwirtschast ist. Er hat ständig Schwierigkeiten, Landorbeiter für seine Landwirtschaft zu erhalten. Als Förster ist er zugleich Aufseher über die Holz- fäller. Eines Tages befahl er einem Holzfäller, dieser solle seinen Sohn zur Leistung von Hand- und Spanndiensten schicken: versteht sich in der privaten Wirtschaft des Försters. Der Arbeiter weigert« sich, der Forderung des Försters nachzukom- men, dieser behauptete aber, er habe ein gesetzliches Recht zu seiner Forderung. Der Arbeiter blieb bei seiner Weigerung und wurde deshalb entlassen. Ebenso ein Arbeitskollege von ihm, der sich mit ihm solidarisch erklärte. Seit hundert Jahren ist die L e i b e l g e n s ch a f t in Preußen aufgehoben worden. Ein staattich preußischer Förster pfeift darauf. Wie mag dieser staatlich« Beamte, der heute noch die Leib- elgenschaft für gesetzmäßig hält, der Republik gegenüber stehen. die ihn beschäftigt und bezahlt! Eine Oberfchleflen Kommisflon. An zuständiger Berliner Stelle wird— nach TU.— die bevorstehende Reise des Direktors des Internationalen Arbeitsamtes zu- sammen mit Ministerialdirektor S i tz l e r nach Oberschlesien im all- gemeinen bestätigt. Es handelt sich jedoch, wie hinzugefügt wird. um eine Vereinbarung, die Mitte Oktober zwischen dem Di- rektor Thomas, Ministerialdirektor S i tz l« r für Deutschland und Minister S o k o l für Polen getroffen worden ist. wonach eine aus diesen Herren bestehende Oberschlesien-Kommission Mitte Januar ihre erste Sitzung abhalten sollte. Jnfolqedesien müßte die Einladung zur Einberusung dieser Sitzung vom Direktor des Internationalen Arbeitsamtes selbst ausgehen. Mese Ein, l a d u n g ist aber bis jetzt noch nicht ersolgt. Einigungsversuch in Schweden. Das neue Jahr beginnt in Schweden mit einer Reihe von Ai> beitskonflikten. Reben der Aussperrung von 17 000 Arbeitern in der Papiermasie-Jndustrie sind Aussperrungen in der Grubenindu- strie und in den chemisch-technischen Fabriken in Stock. Holm proklamiert worden. Die schwedische Regierung wird sich nicht in die Arbeitskonflikte«inmischen, doch werden d i« Schlichter Ende dieser Woche noch einen letzten Versuch zur friedlichen Regelung unternehmen. Moskau und dis schwedischen Nergarbetter. Da für Anfang Januar die Aussperrung der Bergarbeiter im mittelschwedischen Grubengebiet geplant ist, hat sich— offenbar auf eine enl-'prechende Einladung— ein Vertreter der schwedischen Ber�- arbeitet* nack) Moskau begeben, um eine finanzielle Unterstützung für den Fall der Aussperrung zu sichern. Bereits am 31. Oktober ist zwischen Vertretern der söwjetrussischen und der schwedischen Berg- arbeiter ein Ver rag abnejchlosien worden, den das Plenum des Zentralkomitees des russischen Vergarbeiterverbandes gebilligt hat. Nach der Meldung der„Prowda"(Nr. 290) sieht dieser Ver- trag die„Bildung eines Komitees der Brüderschaft und Freundschaft" zwischen den Vertragspartnern vor. Nachdem das anglorussische Gewerkschaftskomitee sich im ver- tzangenen Sommer aufgelöst hat, wollen die Rusien anscheinend letzt den Versuckf machen, über d e schwedischen Bergarbeiter eine internationale, von ihnen beeinflußte Organisation zu schaffen. Das Bsrgarbeiterkomitee der„Brüderschaft und Freundschait" soll einmal den russischen Einfluß In Norwegen verstärken und ihn in ganz Skandinavien befestigen, zugleich aber die Bergattbeiter- verbände näher an Moskau bringen. Begeben sich die schwedischen Bergarbeiter unter die Fittich« Moskaus, dann werden sie am eigenen Leibe die Geltung des Satzes erfahren müssen: Wer vom Papste ißt, stirbt daran. Wer von Moskau Geld nimmt, unterwirst sich seinem Diktat. Stillegung von Textilbetrieben in Mexiko? Mexlko-Cily, 29. Dezember.(Eigenbericht.) Ein schwerer Arbeitskonflikt droht tm Textilgebiet Orr- aba-Veracruz. Die Textilbetriebe haben unter dem Hinweis, st« an Überproduktion und Absatzmangel leiden, um die nach der Verfassung notwendige Erlaubnis zur Stillegung der Werke ab Januar nachgesucht. Durch die Stillegung würden 6000 Arbeiter brotlos werden. Mit großer Spannung wird die Entscheidung des Wirtschaftsministers über den Stillegung�. ontrag erwartet. & ilbttflibt man trat trm SMöia*» Des ®,utfdKn SRunVrwtbanbM. a,rl:n. Äom- manbanteufU 65,81 DLrchoff 8277- 7«. ««lchälrszeU 8—6. Sonntags 10—2 Uhr. «tili Wunsch, SemetetMuä. Sei SW.! Ischias. I Rhimma. I Snppe. I EMKmgzbmlche&a («ton ffch(agal-Sablfttfa btrsarngroä bau Art- ßa übrjrugc! Em guter Z)unsch erhöht die fröhliche Stimmung, mit der man im Kreise der Familie und Freunde das neue Jahr begrüßt. Sie können sich ohne große Ausgaben, mit 1 Flasche Reichers RumverjehniU- Ellenz, Va-Ltr. 9ü"/a Weingeist und Va Ptr. Wasser einen ca. 52% Rumverschnitt Marke„Dreifren' oder »Fünftron" herstellen, aus dein mit Zucker und heißem Waster(nach Geschmack noch Zitrone) ein kräftigerpunsch bereitet wird, der voll duftigenArom as ist und vor allem sehr gut bekommt. Ebenfalls sind alle anderen Sorten wie Ananas-, Glühpunsch-, Schlummerpunschgeschmack etc., herstellbar, wie auch bekanntlich i amtliche£i!cri unb Äranntwrine. Wohlgemerkt, aber nur die echten Reichel-Essenzen mit der»Ächtherzmarke", die in allen Drogerien trhälll sind, oao«öllLgl. BEfllüSO, LÄlliläuM. 4 Gutevorsätze für192S. Manche nehmen sich für üas neue �ahr große Talen vor. vaZu müssen sie sich siärken. Andere entschließen sich, ein neuer Mensch zu werüen. Dieser neue Mensch trinkt ebenfalls gern einen guten Tropfen. Wieder Andere sagen sich, wenn sie nur gesund bleiben, dann wollen sie schon Hilles recht machen. Nichts isi gesunder als �fllte Rcfecoe', der feine Weinbrand der Vinkelhausen-Werke, ein ausgereiftes, volles, weinduftiges Eüelprodukt, blumig, rossig und süffig, der richtige Weinbrand für Kenner! De- sorgen Sie sich lhn noch lm Jahre 1927, denn was man in einem Jahre tun kann, das soll man nicht auf das nächste verschieben und was wäre übrigens die Silvesternacht ohne ,�lte Reserve"! Tun Sie es gleich! �u-i-ik-lournaie Obersichllidi u. handlich 7,8.9.10 W 11.12.13 14,15,17*3�* 19 Spall. Uiergens Alexanderpi. ROWTOBÜCM»« FAB» I» i Inhaber: Eugen Fluß Gegründet 1866 Telephon: Morltz- platz 1197 und 9850 am Oranienplatz Silvester- Pfannkuchen mit verschiedenen Füllungen Weißer ynd! blauer Mohn stets vorrätig Lieferung frei Haus Lieferung frei Haus Feurige spanische Rotweine% n 1.-, 1.29, 1.50 1322er ChSL Villambie Cissao... ViFisocii« 2.00 1920er Chit Port Aubin....... 2.E0 1922er ChSt. Ballegraves de Poujeeux, 3.00 1321er Seuternee, vnesi sorduiix. s 2.50 1924ar Mesenleher Königsberg 1325er Edesheimer....... 1922er Starkenburger Gelspfad 1313er Erdaner Herrenberg.., 1918er Piesparter Teubenfaerg 1.20 1.40 1.60 2.00 2.40 Meine wnnmen nnr ersiUass. Qnaliiaien: Echter iamaika-Rum Verscboitt. t2"s..>/, lki 2.35 Echter lern.»Rum Vsrschnitt(Tesrum).. m 5.25 Feinster Richtenherger Branntwein.., 2.75 Pe. Weinbrand Vn.sonnrn BT.......» 3.03 Pa. Deutscher Weinbrand, e tteros...» 5.00 Pe. Rurnpunech............... 4.50 Pa. Schwadanpuneoh...........» 4.75 Feinster milder Apfelwein»ar Baris... Utsi 0.50 Erstkl. johannisbaerwein, sse......, 1.05 Feinster Erdbeer- und Kirschwein, sfie.. 1.46 Echter Tsrragona, sU.......... Ut« 1.35 Echter Malaga,«dei............. 1.60 Echter Douro-Portwein, f.ane....... 2.80 FrueSBtfsd«' Carte d'Ur.. Kiscube 1.70 Tr€BU»«nwsel«««e: Cablnet. 4.oo Saar Ricsllnc. 5.30 Beroharil Tiedmann LiböiialirUi o tNngrofiMDog. Zentrale: 0 17, Friichtstr.5-6, Hin Bsriln 0, Unlgseerger so t tck« Büisi-durtei Str. Ble 0, Fnicetst sBs It eck. laase Blisüs Bls 0, Andrea sstraB« 4 Gvke Brecaum StraSe Bln. SO. KUpcnlck-r StraBa BZ Kck« MI>-h»Hklri'lis(iali« Bin C, Fianktuner Alias 27t Am Kingbahnhol Bis. 10. ertnausr»traB« t B s. M. BruananslraBa Iva Bckt Kam i.rM. Bln. 1, SwlntmOnder Str u E< kn u>'talt g.irab« Bln. n, Aastanlenailae 4a Senn Ziuijbkiichs.r. MeuKSII», Hermannst: SS-BS Koke WarthnstinBe Benin W. Oll ewitraBe 4B Ecke Torckatraile. Tiieater llditfpiele ocw. «»»>»>>»»«>»,», Ceüüttiesltieaiei Norden 10334—37 8 U Ende>1 U. Silvestenrtane 7 ü. Cerolliea Än�Braann v.Gerh. Hauotmann fe? s: Max Reinhardt Karamerspiele Norden 10334—37 «»'. Uhr Ende nach 10 Uhr.; £i Testcran ang 7 U Dronx-Eaprelrl Die Komödie Bismarck 2414/7510 ruU, Ende 10'/, U Lilr-sierankanx 7 v. Mvsn Kell Eerlioei TDoaiei Direktion Kuhncit Cu.'/alcvfr.!] 9l.0Mh.I7C Täglich 8 Uhr Sinester 7 Uhr: Plax Malbert als Der Herr top»,. Plscatorböi>inel| Iheat. d. tioileRdortpisti\ Kurtürsi 2091/■—•;'Vf.* Fieitag.JO. 12 27 Staats-Opsr AmHI.dJaepubl. VI» Uhr Laisa Miller /lastl. Stospielk. An Cuajmtisirhl T1/. Uhr Fra Diavoio Fieitag, 30. 12.27 Städtisdie Oper Bismarc kstr. «h-IvH-N. lit.ehx MsistersiDSsr vgii NZkudeiZ Staatl. Sdiilletth. Charlottenburg 8 Uhr Web dem der IQgt V o i k s b ü h n e TceatH im aciosrplati TV, Uhr Tk. am Sdiiffliaiienlainin 8 Uhr Schieber des Rnhms 6toBcs Schauspielhaus Worden 2951/53 Tiglich 8 Uhr Gada 11 übr 8�omi§aie«ver»h Neuortige» Bevae-Stück nl Alles Nackt! (Nach d. glelchn. Paris. Rcvuel .Tout nu'i. 200 Mitwirkende" Örlginal• Pariser KomGme Sonntag 3'» U.: Vol.s ändlgi » orsiellonr ru' leinen Preisen Parkett 8.50 Mk. Theaterkasse ununterhr.geatfn| B_ C ASINO-THE ATER« uh. Lothringer Str. 37. Nur noch wenige AuifOhningen! Klein» Kleckersdorf Aaudutetden l Qutsehem. I— 4 Pers. Fameuil nur 1.10 M.. Sessel nurl.ftOM HMM Nollcndon rieu. jDrCl(Ordinal)! fraieliiiiii 1 emd andere wcllbcrGhtnlc, I zam ersten Male in Berlin ani-fl ireiende iniern alionale Stars I j Silvester und l. Januars le 2 vorsteUungen J80 u. 8 Uhr— S�0 zu ermäßigten Preisen das qanzo Programm. Renaissance» Theater Stcinplatz 001.— Täglich 8"/« Uhr: Coeur Bube. mit Massanf Die ntue Charell Inszenierung HeideinanD Bendow Jarkuhn Werkmeister Westermder Picha Ruth Walker Billie Coliins Snowball Wlnkcistern Sunshlne Girls Aontattang: fttt. Ernst Stern du Ernst Hauke iirgnüT-SOhur rh.Kftnle?rSti. St. Bergm. 21 Kl 8'/, Uhr Silvcsicr 7 Uhr Sdiloss Wetterslein von Wedekind Mi Tirtti lamiiüi KomOdlcBham Norden n3N4. 8 15— 10 40 Uhr Silvester 7 Uhr Muspokus von Curt OOtz Neues Theater am Zoo Tägl.« Uhr ütüieHaiM- eventuell Musik v.W. Bromme Uia-Film de- Parufamet Ein lustiger Skifilm mit aportllohan HSchttltlitungen aus dam Hochgebltga Ragla und Manuskript voa Dr. Amol«! Fanck dem Schöpfer das crlolgraiohen Sportfltms.Dar halliga Barg", mit dan Hauptdarstellern Lenl RZefenstahi, dem bekannten Alpinisten Louln Trenknr, ( em österreichischen Skimeistcr Hans Schneeberger und dam beilebten Kom.kar Paul Graetz/ Wochon'aga: d] Ö Ufa-PaiastamZoe jugenillche haben Zutiitti Beginn: Montag, den 2. Januar Berlin W9,Linkstr.11 Charl. Wilmersdorfer5tr. 117 5panclau, Breifestrasse 22 Qrohe Silvesterfeicr Pcftcrrasflningcn Stlmmang/Croßcs Tanzparken �2 Kapellen /Bar Nenn 5 N. oder ft la carte TkchbetteUannea beim Qesch&nifahrer Tneater am Kotfbusser Tor Kottbassar SlraB* 6. Täglich 6 U- u. Sonntagnehm. 3 U. Elite- Sänger Wundervolles I Weihnachtsprogramm. Volkspreise von 50 PI. dl» 2�0 M. Slgs. nehm. 3 U. Grone FamUlen-Torttenmn Volles Progrsmih.— Kleine Preise. KieiDei Tneater Täglich«S Uhrt Silvester 7 Uhr Eine Kleine ohnt Bedeuiung Erika«.lästoer, Bugen Bing, Max Lands. Doucbc.. geetattett !i>o(SrecGa's Tneater kanstacher Aenstncn nna Corttni, der Mnitn mU den 10« OSO Dol nrs BelchshaUen-lhea er g Uhr, Sonntg. nachm. 3 Uhr. Stettiner Sänger „Ko'tes•Voehenendi" Oönhoff-Breti'i: VARIETE- TANZ 51, Deiember: Groke t iv. tter- Feier HALLERi lÄBEVBE TägUdi 8'/« Oh: , Wann und wo' THEKTtl M kDUHUlSPtliST I Silvester 1 im Anschluß a. d. Vorstellung Großer Ball Im Beiseln des gesamten Ensembles l Vorverkauf ununterbrochen. Neujahr- Sonntag 2 Vorstellungen 3 u. SV. Uht Nachm. die ganze Vorst zu halben Preisen Oer Vorverkauf haf begonnen Sslhasiin-SOUMI Ots. Künstler- fl> 8 Uhr: �veiync" cetting-Thcaier 8 Uhr idilnderliann« Resideiu-Theater TftgL•'/. Uhr; Silvester TV, Uhr Oh StiutieniHfilg l SdiOn sehn wir aus 30Iustlge Bilder mit Henry Bender Stg. nachm 3'/, Uhr die ganze Vorstellg. halben Preisen Lustspieiaaos 8% Uhr- Uoldo Thielscher „Unter üesdiättsaufsidit" NEUE HÄSENHEIOEIOft Neujahr, den 1. Januar 1928 GROSSER ALPENBALL Bln'aQ 4 Uhr Einkrltt 1.- H. Böhmisches Brauhaus /Landsberger-Allee 1 1 Silvester Eine SIlYesterfeier int Börner Oberiand 5 Kapellan 5 Kapallan In festlich dekorierten Sälen Orlglnal-Aipan-Oakor allen Großer Ball BaNmusik wird von sämtl. Kapellen ausgeführt Um 12 Uhr BegrfiOung des neuen Jahres Beginn 8 Uhr Beginn. 8 Uhr TfsdMelliiigsii vtnleii entgejiBüHramm Fernsprecher: Alexander 4029 Walhalla-Tb. Welnbergsweg IW20 S'/rUhr; Silvester 7>-, üfcr die große Operelte Wie Do küßt keine Vorz. Park, statt 4,— auch Feiertag nur 00 PL Sonntag, nchm.4 Uhr Dornröschen Silvester nach der Vorstellung Gr.fliTBstef-BaH' Thalia-Theater 1 0.: Das Kamel geht daidi das Nadelöhr iheater des Westeis Täglich 8 Uhr: Oper.*. E. Stelfan Ader. Wlrl, Schult, Kürty, PlanetariuiD an Zoo btliig. Jmdilntluln Uni« Noll. 1578 Im Relebe der Uitternaebtssonnc Vorführungen: I6'/„ 18, 19' /» 21 Uht eintritt I M. Kinla«Bt. tS lihimlt.W». "Rose-Theater 8"/. Uhr Ih. im Admiralspalast Tägl. 8'.. Uhr HALLER- REVOE Jannoodwor Sümieri Im Anschluß an die Vorstellung GR. BALL Neujahr- Sonntag 2 Vor- Stellungen 3Uhru.g'r4Uhr Ihdin. di< Vat- iltllm n halb. Pttu Metropol-Th. Täglich S'i, Uhr; Silvester 7 Uhr Oper. v. Offenbach Dir.; Schillings luPallubng, Vialattadi Üroiii. Aagard Oatiriz G Die Letzten I G Frisch geichlachtcie Junre, prachtvolle ßänse 1.20 12 b. IS Pfd. schwer, einzig!. Geschmack Wegner, Berlin SO Mariannenstraße 34 Im(iänsekeller. SAALBAU ALPENDOQF Invalidenstraße 63 Lehrter Stadtbahnhof Sonnabend. d.3I. OezttBber, die populäre beliebte große = Siivesterfeier= Pcenhatle Dekoration• Grolle Ucbcrraschongen Prämiierungen mit wertvollen Preisen Stimmungsvolle Bnllmoslk Btgin• Übt/ tlitrtit 1,511 M./ TUrbbalillua,, nur Riati Uli abatta Es ladet ergebenst ein; Die Direktion � Germania- Pracht-Säle ChaustoestraBe 110 Sonnabend, den 31. Dezember 1927 -Großer Silvesterball bei gut besetztem Orchester.— Anlang 8'/, Uhr. Tlschbestellungen werden noch entgegengenommen Silvester-Scherze! Rlesenbombe mit 80 Scherzartikeln l— M, Funkturm SOPf. Blltzanienne 30 Pf. Spiegel. Schokolade 20 PL Revoiver.ZIgaraU ■cnetut 50 PI. Rlesenbrille SO PL ISnckt- tänze 50 Pf. GleBblel Dz.30 Pf. an. BBbare HjUxer 10 Pf. Jazzitompete und Klapper ie 30 PL Oebick mit Stimme 35 Pf. Knallboabon. Mützen, Feuerwerk, Jtaduuar. tlkel sehr billig. Grolie Auswahl. Markgrafcnstraftc 84 '. Vd.LindeBtlr, Gegr. 1990 leipziger Str./ Alexanderplatt/ Frankfurter Allee/ Belle- Alllance- Str. Frisches Fleisch PoJdiveinesiiiliikBB oi-Blitt nud SS?-. Ps. fcbveinebaotli S4pt Ps. Si�vfiinBkoteIiltadJbMM>.B«ii�ni>�«.68Ft. Ps. PfikelkatüM mild gMalz«a...Ftnd 98 Pf. KBlbskamm.r................... nud 78?.. Kaibsolerenbralen............... r-v-d 8t?.. Ps. SsWieifsrvrlleiuk______ nud 88?.. PdEammelrückt»............... nud 98?,. Pa, SdunorQelsdi«.»»««», na. 1,18 PuBonlade.................. nud 1L8 Ps. Schabefleisch__________ �»d 1,20 Ps. Talk seltatan»!.! liwiin....... Paad 58pt Gefrierfleisch Ps. 0diseiisduniidieiS(lKtmu.p(d.98p(. PtLdchseokooIsscii°!-°--»<>«i»,nud74?� Ps. Odisen-SopceDfleisdi.... nud tu 54» Pa.HoiimieIforderflelscb........ nud 78?.. Ps. Eammelrfickeii............... nud 88?.. Pa. Kuheuter.............. pn»»« 26?!, PiLfliiderluBke«r.««» ,......�..p»ud82?i Pa. Rinderherzen Muh_______ nud 52?.. PiSchveinenienii....... ptudSS?,. Ps-SölveinskSpluMEsits..... pw°d54?. ..... Ois Kaffee �2- / Belle- Aiuance- str./ Brunnenstr./ Kottbuser Damm/ Andreassir./ Chausseestr. Hugeubgabe«orbakaltu— Obst tai Oemtse»lad rtm Ter sind sugssehlsssu— Terkuif SbTiü Vom. Hausm.-Leberw.nd. 1,00 Fieisthwursl.... Pfud 1,20 Jagdwursf....... Pfand 1,20 MellWUrSfi-gnnMbJtrtJ»!! 1,30 fl. Leberwursl...?.ud 1.60 Sdiinkenwursl..pnmdl.70 Teewurst.........pnmd 1,70 Zervelaf-*. saismi«�?.«! 1 ,70 Sdiinkenspedt.. Pfand 1 ,65 Nusssdiinken...Pfand 1,95 «Settügel und Mild GätlSe ee.rcTcn..................... Pfand Ten C8p..sn Suppenh&hner................ Pfand T°n1,vv« Hasen gestreift and sugeworfu............Pfand 1)20 Hirschblatter....................... pfannSSpt. m Romatour...... ßttok 25tl Ällg. Stangenkäse tdi 58pt Edamer ToUfafa..Pnuui 98?-. Tilsiter Toiifa«....Pfand96pi. Holländer Toiifattnd. 1,14 'h Do&8 Brechspargel»t«k...2.75 Gem. Gemüse>«fa... 1,49 Gem. Gemüse mitte«. 1,1 2 Erbsen lein mit Esrotten 1,30 ig. Erbsen eeta toin... 1,50 Ig. Erbsen isin........ 1,30 tf.Dose Kürbis.77............. SOpl Sellerie in Bdj«iij«n.....95Pi. Äpfelmus.............. 65pt Pf'aumen mit stein.... 66Pf. Pflaumen ohne Stein... 80pt Mirabellen............ 1,20 RoteRüben...........48?-.! Preisseibeeren....... 1,10 Sur Bowle | Ananas..Vi Bote 1,20 Erdbeeren Vi«. 1,55 Pfirsiche v°.e1 ,65 Apfelsinen...s pfud 65pf. Mandarinen...Pfand 30?,. Traubenrosinen pm. 95pt Krachmandeln ptud 1,30 Hase'nusskeme Pfd. 1,00 Haselnüsse.....Pfand 62Pt Walnüsse....... Pfand 35pi Bananen...... 3 Pfand 1,00 Essäpfel rote..,. Pfand 20pc Ananas Meche...Pfand 90p,. Kokosfell i-PM.-Pitet 55pi Rohschmaiz.... Pfand 82?t Margarine p«.50,56,62pi. Molkereibuller Pfand 1,82 Tafelbutter...... Pfand 1,96 Dan. Butler..... Pfand 2, 1 6 SUvestep-fveive und-Svirttuose« ?»>»» ohn« Plnsoh» 19U er Därkhelmer Feuerberg Montaj/. Fi. 4,75 io Fi 42,50 Preise einsohl Flascne 'labliau ohne Zopi, im gsnzen, Pfand 20?..; 'Zchsflflzch...................... Pfand 18?L I Bflcklinke..............— Pfand 40. 50?l Sprollen Pfand 35?'. LaChS!n Stachen................. Pfand 2,30 VÜor L«lp!ig»rar..»!eatii«r�. pruKort»»IlM.lfatüxutr Dtran PeSItofcffen Portnk.OBlsardüiei! ve« 30, 43,50, 55, 65?,. i POllDg. OelSardlilU]] inToaatu..Dose73?l| Portng.Oelsarilioen ohn« Griten..vos<>85?t. EoiländischuSardellfin. gus 1.20,1�0,1,90 Kordsefikrahhen........ dos« 45, 75?i. 1,45 SalM(gekocht«, Lsebs)............. Jlose 1,2 J j LnnfinstBn......................... v«- 2,10 Huimnerersalz(un>gknhs«)______ Dose 2.23 ROllniOPS In Semonlade..... Dose 90 PI 1,50 FilethBTlOge In Xernonlsde.. Dose 90?l 1,50 j Bismarc![hi!rIi!geiLBralheringe..Do� 8Z?i GaheMssen................... dos® 45. 80?i Appelilsüd.................... Dose 40, 65?: SenfgnrkeaGufi,00,'i3Dos«701>i,H1Dos«l,25 ZsckcrgiirkenGil110.!:1Doie88p(..!!lDo!el,55 Essiggnrken........................ gu« 1,05 Mliedpickles..................... giu95pi. i Bcrtle-SUber Prnchtscb omweln............. Ä.if, Filsch« 1,70 Den, sdrer'"Weinbrand unseieSpezl liu,'', PI 4, CO i FL 18,75 ................ Vi Kl. 3,00 5 FL 18, 7S Jam.-RsMU-Versclmltt erste Qualiat.tOVo, Vi PL 4,00 6 FI. 18,79 argt—"—-----**—"'' ippol -, Jiupfei Schönberger Cabine, l',KL5T50 5, L 76,21■ Vix Bara„Carte u'or" ViPL 6�X> 5FL 27. GC« Elmer ca. 2 Pfund �»«Ktüve Dmerca. Z Plund 1 Clnb-Star„Hsasmarke"_______________________,____________________..._______, Moussierender Frflbbnrgunder.......'j KL 5,00 5 PL 23,75 KantorowieaUnr-nndfrn.Kchlummerpnnsch,.F13(3'>;,FL6,bO Kloss A Förster„Rotkäppchen".........>7 PI. 6,00 s KL 27, LG Br-Bncbhole-Weinbrand.................. VjPl.5',Ol V,KL6,75 Söbnleln Rheingold.Ki.pfetbers Gold",„Math. MOIIer",''i Kl 8,E0 Valencia-Dessertwein rot. vol'süss........ L. Fl. 1,25 5 PI 6,' O 9rig.InselMedetra,e«pae'(;teüuaLV PLZ, 75 irij-BUsseldar,. Puoeth-Ertr. j,P! 3,50;;FL6,25 rar aiQh weinzwacke: 10 Fl. Dfirkbetmer Fnerbtrt t FL lanalkB-Son-ranclniitt Zur Bowle: 10 FL kSModw«- Brcblafi 2 Fl. FrocIilscbsimiTgiii. 1 lk»8 iiasas rn Cehetben.. zusammen iiim■im i—iiii■■■■■■■■■■■■hhh II! n i IT50 lApfelgeleell25! B M| mitfruchtgesehoiack.d-Pfd-Einrer 63_ Orangen und Pfflsumen...'IfCS i lohannesbeersn..........%| AvnkoMzn••#•••••••#••••••• 1 � Kirschen••••••«••••••••••••• Ifhi?< Erdbeeren.........*........ � Ananas..................... 1|65| .... : A MMZMMM* Am Montag, den T. Januar 19M9 beginnt unser Grosser Inventur- AUSVERKAUF Preise teilweise herabgesetzt bis zur HälSte Beaimi unittrot qroßen INVENTUR, AUSVERKAUFS MONTAG 2. Jan. Der Vorbereihungs-Arbeifen wegen bleiben unsere Verkaufsräume am SONNABEND d 31. OEZ. geschlossen! %m$khwsi Verkauf nur Spandauer SIt.32 HEUTE ZIEHUNG ArbettemcrfiMährt 607500 &£Ü6&6hi4<4lC&3£tl S/Hk Sömti Gowtnno im We/covan 9»M uno mobf werden agf WUDMB mit BD�MMOKenu Einheitsverkehr— Einheitstarif. Em Musterbeispiel sozialdemokratischer Kommunalpolitik. Nur noch zwei Taoe trennen uns von dem Termin, an dem zum ersten Mate in Berlin sämtliche Vertehrsunter- nehmunaen als sine Verkehrs- und Tarifgemeinschaft in die Erscheinung treten werden. Wenn jemand vor drei Jahnen etwa davon gesprochen hätte, daß ein solcher Zusammenschluß, diktiert lediglich von dem Interesse der auf die öffentlichen Verkehrs- mittel angewiesenen Bevölkerung, in ollernächster Zukunft Wirklichkeit werden würde, so hätte man ihn für einen l! t o p! st e n oder Phantasten erklärt. War doch eben erst der Kampf um die Erhaltung der Straßenbahn in dm Händen der Stadt gegen die geschlossen« Phalanx aller bürgerlichen Par- t e i e n, einschliefillch, ja unter Führung der Demokraten, mit knapper Not zu Ende gekämpft. War es doch nur dem entschiedensten Widerstand der sozialdemokratischen Fraktion zu ver- danken, daß die Entkommunalisierungsbestrebungen während der Inflationszeit schließlich zum Scheitern gebracht wurden. Aber noch bestand die Konkurrenz Mischen dm privaten Unternehmungen der Hoch- und Untergrundbahn und des Omnibus neben der städtischen Straßenbahn Noch konnte es der Berliner Bürger, der Berliner Arbeiter tagtäglich an seinem eigenen Leibe verspüren, daß dieser Konkurrenzkampf letzten Endes aufseinemRücken ausgefochten wurde. Schwierig« 'Uebergangs. und Umsteigemöglichkeiten, vertrackte Linienführungen zeigten es ihm immer wieder, daß hier die Inter» essen privaten Prosits, aber nicht die Interessen der All- g e m e i n h e i t ausschlaggebend waren. Heute mutet uns das alles fast wie ein Traum an. Nur ab und zu noch, etwa, weim wir den endlosen, sinnlosen Tunnels6)lauch am Untergrundbahnhof Friedrich- sradt im Laufschritt durchmessen, werden wir an die traurigen Reste jener traurigen Zeit erinnert. Heute haben wir es fast schon vergessen, daß noch vor kaum einem Jahre die Vereinheitlichung des Verkehrs in Berlin als ein« Utopie erschien. Daß sich die den sich nationalen Katastrophenpolitiker n»t den komm»- nislischeu wieder einmal zusammenfanden, um den großzügigen Plan des eben gewählten neuen s o z! a l d«- in akratischen Verkehrs st adtrats, des Gen. Reuter, zu durchkreuzen.„Verschwendung" schrien die«inen,„Arbeiter- verrat" die anderen. Lohnt es sich nicht, heute daran zu erinnern? Kurzsichtigste Demagogie glaubte damals, in der Ver- wirklichung dieses Planes ein bequemes Agitationsmittel gegen die dreimal verflucht« Sozialdemokratie und ihr« kommunalpolitischen Vertreter gefunden zu haben. Und heute? .Heute stellt man die„Argumente" von damals verschämt in den Winkel. Denn heute weih jedes Kind in Berlin, was dies« Vereinheitlichung des Verkehrs gerade für die arbeitende Be- völkerung zu bedeuten hat. Heute sehen auch die damaligen Vor- kämpser gegen den Einheitstarif em, daß die ffierschmelzung zwischen Straßenbahn, Hochbahn und Aboag— alle drei in den Händen der Stadt— und unbeschränkte Umstc igeberechtigung von der einen zur anderen einen gewaltigen Fortschritt für den Der- kehr der Reichshauptstadt bedeutet. Heute spricht man kein Wort mehr davon, daß es allein dem entschiedenen Willen der sozialdemokratischen Rathausfraktion zu verdanken ist, daß auch der Omnibus in die Verkehrseinheit und Tarifeinheit einbezogen worden ist. Die Demagogen von»inst waren sehr klein- laut geworden, als der sozialdemokratische Verkehrs- st a d t r a t ihnen in diesem Herbst den sertlgeu Plan, sa die serkigen Abmachungen der Einbeziehung auch der Reichsbaha. der Stadt- und Vorortstreckeu, unterbreiten konnte. Kein Wort mehr von Verschwendung, kein Wort melw von Arbeiterverrat! Praktische kommunale Politik hatte über Agitationsphrasen und politisch« Hilflosigkeit restlos gesiegt. Jeder Berliner Bürger, jeder Arbeiter, jede? Angestellte, jeder Beamte, der täglich den Weg von seiner Wohnung zur Arbeits- stätle mindestens zweimal zurückzulegen hat, der den Wert des ichnellsten Verkehrsweges in der Großstadt für seine Freizeit aus ureigenster Erfahrung kennengelernt hat, weiß, was die Ver- kehrsoereinheitlichung, was die T a r i f g« m e i n- f ch a f t für ihn zu bedeuten hat. Weiß er auch, daß er diese grund- legenden Verbesserungen ausschließlich der Sozial de mo- kratie, ihrer Rathausfraktion, ihren Magistratsmiigliedern und ihrem Berkehrsstadtrat zu verdanken Hot? Wenn nicht— wie wär's, wenn die bürgerlichen Parteien und die Kommunisten in einer letzte» Erinnerung an ihre einstig« Stellungnahme die Frage der Verkehrs Vereinheitlichung zur Wahl- parole in Berlin machten? Sie konnten doch einst so groß« Worte darüber finden— warum sind sie aus einmal so stille ge- worden? Der Erfolg entscheidet doch— wie war's also: Einheits- verkehr— Einheitstarif— die Wahlparole in Berlin für das Jahr 1S2«?! Die Sozialdemokratie ist bereit. Sie hat nichts zu verbergen und zu vertuschen. Sie hat gekämpft für Einheitsverkehr und Ein- heitstarif vom ersten Augenblick an. Sie hat ihn durchgefetzt gegen alleWiderständeder bürgerlichen Parteien und der Kommunisten. Sie wird ihren Kamps und ihren Erfolg vor den Berliner Arbeitern. Angestellten und Beamten ver treten. Also w'e wär's mit der Wahlparole: Eirrheits- verkehr und Einheitstarif? Berlins Wohnungsneubau. Der„Vorwärts" bracht« vor 14 Tagen ein« Darstellung über den Berliner Wohnungsneubau mit Hilfe der Hauszins- steuer-Darl'ehen. Von amtlicher Seit« werden jetzt weitere Ziffern bekanntgegeben. Danach hat die mit Hilfe der Hauszins- fteuer-Darlehen ermöglichte Neubautätigkeit m den letzten Jahren erheblich zugenommen. Bevorzugt wurden vor allein die Bauten, in denen viele Kleinwohnungen lagen. 65 Proz. aller Wohnungen, die im Jahre 1927 Hauszins- fteuer-Darlehen erhalten haben, haben nicht mehr als Stube, Kam- mer. Küche, oder zwei Stuben und Küche, oder zwei Stuben, Kammer und Küche. Bedingung be! der Beleihung war, daß jede Wohnung mit Badeeinrichtung, sämtlichen modernen Versorgung?- keitungen, Wirtschastskellern und Bodenkammern ausgestattet wurde. Die genauen Ziffern der Wohnbautätigkeit mit Hilfe der Hauszins- steuer ergaben für das Jahr 1924 10 OSO Wohnungen, für 1925 9307, für 1926 14 900 und für 1927 21 085 Wohnungen. Seit dem Jahre 1924 bis einschließlich 1027 wurden insgesamt 55 342 Woh- nungen mit Hilfe der Hauszinssteuer erbaut. Von diesen sind rund 37 000 Wohnungen bereits sertiggcftellt und bezogen, 17 000 sind zurzeit im Bau. so daß nach der Frostperiode noch weitere rund 1300 Wohnungen zu bauen bleiben. Mit den noch verfüg- baren Mitteln aus dem Hauszinssteuer-Auskommen des Jahres 1927, d. h. mit den der Wohnungsfürforgegesellschaft»och bis zum 01. März des Jahres 1928 zustehenden Hauszinssteuermüteln können noch weitere 5000 Wohnungen beliehen werden, so daß sich mit der Gesamtleistung des Etatsjahres 1927 eine Gesamt- zahl von über 60000 Wohnungen ergibt, welch« mit össent- lichen Mitteln nach den Lorschristen der Wohnungsfürsorgegescll- schaft finanziert wurden. Mit dem Bau der restlichen 5000 Woh- nungen konnte bisher nicht begonnen werden, weil die Beschaffung der vorstelligen Hypotheken auf Schwierigkeiten stieß. Erst in letzter Zei: konnten auch diese Hypotheken beschafft werden. Bon den bis zum 1. Oktober 1927 beliehenen Wohnungen haben 13622 Zuiatzhypotheken erhalten. Von den aus dem Hausz!nssteuer-Auf- kommen des Jahres 1927 finanzierten Wohnungen werden winde- stens 10 000 Mietzuschüsse erhalten, so daß eine Gesamtleistung von rund 24 000 Wohnungen vorhanden ist, welch« zu oerbilligten Mietsätzen durch die Wohnungsämter vergeben wurden oder in nächster Zeit vergeben werden. Dabei ist dafür gesorgt, daß die einzelnen Wohnungsämter der Bezirk« nach ihrer Bevölkerungs- »isfer und dem Lestande an Kleinwohnungen schlüsselmößig eine entsprechend« Anzahl von Wohnungen zur Besetzung.zugewiesen erhalten. Diese Ziffern beweisen eindeutig, daß, soweit Mittel aus der Hanszinssteuerhypothek zur Lerfügung standen, die Behebung der Wohnungsnot durch den Berliner Magistrat eine«rnschafte Förde- rung erfahren hat. Es ist zu hoffen, daß es dem Magistrat der Stadt Berlin gelingt, km nächsten Jahre größere Mittel aus der Hauszinssteuer zu erhalten, um die Neubautätigkeit entsprechend den Anforderungen de: Riesenstadt fördern zu können. Mehr Schuh den städtischen Antaste«. Achtun«! aller öffentlich m, dem Gemeinwohl dienenden Ein- richtungen ist erste Pflicht jedes Staatsbürgers. Dos gilt für alle kommunalen Einrichtungen. Von einzelnen Auswüchsen, die hier und dort austauchen, abgesehen, wird man insbesondere auch in den Proletariervierteln immer wieder derartige Achtung öffentlichen Eigentums antreffen können. Die»venigen Spielplätze und Park- anlagen in den proletarischen Bezirken werden gern voa alt und fung aufgesucht und die mit der Pflege beauftragten Personen vom Publikum unterstützt. Daß sich doch noch nicht alle Bevölkerungs- kreise diese selbstverständliche Pflicht zu eigen gemacht haben, be. weist neuerdings ein Vorfall im Friedrichshaiit.'Eine Dame der sogenannten„besseren" Gesellschaftsschichten,«ine Frau Dr. E. aus der Landsberger Allee, war mit bekannten Damen, deren wie ihren Kindern ständig« Besucherin des Neuen Hains. Im Spiel kam es natürlich vor. daß die Kinder auch die Rasenflächen betraten. Die Damen kümmerten sich darum wenig. Mehrmals mußten sie von den Parkwächtern aufmerksam gemacht werden, daß zum Schutze des Rasens den Kindern das Betreten verboten werden müsse. Aber auch dies nützt« nichts. Die Kinder spielten weiter aus dem Rasen und pflückten Zweige von den Ligustersträuchern ab. Frau Dr. E. verbot ihren Kindern diese Ungehörigkeit nicht, sondern half sogar noch. Bei Feststellung der Personalten durch einen Parkwächter glaubte sie feststellen zu dürfen, daß sie„sich nicht das Geringste von einem Subalter nbeamten verbieten lassen brauche" Und ihr Jung« wurde aufgefordert, noch mehr Zweige abzureißen. Wer die Freude, vor allem unserer Alten, am Grünschmuck kennt, der wird mit uns wünschen, daß die zuständigen Behörden hier einmal durchgreifen und den Fall nicht auf sich beruhen lassen. Sind Kleingärtner vogelfrei? Nachstehendes wird uns vom Bezirksverband der Kleingärtner Berlin-Lichtenberg mitgeteilt: „Am 11. November erschien eine Arbeitskolonne der Tiefbau- firma H a l l e r t, die im Auftrage des Eisenbahn-Neubauamts Ring die Kabellegung für die Ringbahn und den Umbau des Ringbahnhofes Viehhof ausführt, auf dem Gelände der angrenzenden Kleingartenkolonien, um dort E r d- arbeiten auszuführen. Ohne die Pächter zu fragen oder zu benachrichtigen, wurde der das Gelände abgrenzende Bahnzaun auf etwa 200 Meter Länge abgerissen und Erdarbeiten ausgeführt. Bei diesen Arbeiten wurden auf Geheiß des die Ar- bellen überwachenden Bahningcnieurs in einer Breite von etwa 8 bis 10 Meter alle Kulturen vernichtet Damit nicht genug, ging man sogar so weit, und unterwühlle mehrere, ihnen im Wege stehende Lauben, so daß durck Einsturz usw. großer Schaden angerichtet wurde. In einer solchen wohnt, in Ermangelung einer Stadt- wohnung, eine Familie mit zwei kleinen Kindern. Erst nach An- drohung einer Klage auf Besstzstörung durch den Bezirksverband(dem Hauptpächter des Geländes) bequemte sich die Bahnbehörde zu der Erklärung, noch Beendigung der Frollperiodcn das Gelände in feinen alten Stand zu versetzen. Von der Gewährung einer Entschädigung ist bis heute keine Spur, im Gegenteil, jetzt streiten sich die Eigen- türnerin des Geländes(die Viehhofsverwalwng) und die Bahn- behörde, wer die Schuld trägt. Es ist ein Skandal, wie die Beauftragten dieser Behörden arbeiten. Erst wird der Schaden angerichtet, dann zankt man sich darum, wer die Schuld Hot. Aus dem Schriftwechsel geht hervor, daß keiner gewillt ist, den Schaden zu ersetzen. Wir verlangen von der Aufsichtsbehörde, daß ein« Untersuchung eingeleitet wird, und daß den geschädigten Kleingärtnern, die sich doed aus den ärmeren Schichten der Beoölle- rung zusammensetzen, zu ihrem Rechte verholfen wird. Das Gelände muß auch wieder umzäunt werden, und zwar sofort, damit nicht erst ein Unglück dadurch entsteht, daß die Kinder beim Spielen dem Bahnkörper zu nahe kommen. Außerdem muh von den Aussichts- bchörden oerlangt werden, daß sie ihre ausführenden Organe dazu anhalten, das Eigentum des kleinen Mannes zu achten und nicht kaltschnäuzig darüber hinwegzuschreiten. Wenn aiich allseitig anerkannt werden muß, daß die Arbelten im Jnteresie der Besserung des Verkehrs n-twendig sind, darf doch nicht so ver- fahren werden wie hier, daß alles, was noch Meinung der Behörde im Wege steht, rücksichtslos beseitigt wird, ohne es für nötig zu hallen, vorher den Besitzer zu benachrichtigen. Dir erlauben uns eine Frage an die beteiligten Behörden: Geht man gegen«inen kapitalkräftigen Unternehmer oder Eigentümer auch so rigoros vor. wie hier gegen die Kleingärtner?"- Aus den Bezirken. 3. Bezirk— Wedding. Die Bezirksverordnetenversammlung beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit einsm Antrage der demokratischen Fraktion, der fordert, daß am Straßenrand vor den Berliner Schulgrundstücken Verkehrstaseln angebracht werden, durch die die Wagenführer zum .Langsam fahren vor dem Schulgrundstück" aufgefordert werdet». Der Antrag fand allseitige Zustimmung. Darüber hinaus forderte der Redner der sozialdemokratischen Fraktion. daß die Kinder In sämtlichen Berliner Schulen eindringlich aus ivc Gefahren aufmerksam gemacht werden, die ihnen beim Ueberschreiten verkehrsreicher Straßen drohen. Sodann beschäjtigts sich die Versammlung mit einem Antrage, der die Aufhebung der Hirt- sieser-Lcrordnung vom 7. Oktober 1927 und die Teilung der größeren Wohnungen fordert. Genosse P a t t l o ch als Redner der sozialdemokratischen Fraktion wies darauf hin, daß die Sozialdemokratie schon immer gefordert habe, daß die gesamte Haus- zinssteuer für den Wohnungsbau Verwendung finde. Die sozialdemokratische Partei, die Verfechterin der Inter- essen der arbeitenden Bevölkerung, habe ihre For- derung leider bisher nicht durchsetzen können, das sei zum Teil daraus zurückzuführen, daß die K o m m u n! st e n sich einer verantwortlichen Mitarbeit bei der Gesetzgebung entzögen. Natürlich quittierten die Kommunisten mit starkem Lärm. Die Haltung der KPD., die nur dann falsche Behauptungen zurücknehmen wollte, weim der„Vorwärts" darüber nicht berichtet, wurde bereits im gestrigen Abendblatt gekennzeichnet. 17. Bezirk— Lichtenberg. In der letzten Bezirksversammlung griff der Kommunist Gäbet den Bürgermeister Genossen Dr. S i g g e l scharf an, weil disser gegen den in Lichtenberg abgebauten Magistratsbaurat Bauer wegen Fälschung der alademischon Zeugnisse Sirasantrag gestellt hat. Genosse Dr. S i g g e l führte den Nachweis, daß er nicht anders handeln konnte. Beim Bericht des Rechnungsausschusses für das Jahr 1926 stellte Genosse Becker fest, daß Beanstandungen nickst erfolgt sind. Es wurde nur gewünscht, daß beim Obdach ratio- neller gewirtschafiet wird. Becker wandte sich dann gegen die Be- richte der bürgerlichen Presse und der„Roten Fahne" über angebliche Mißstände im Bezirk Lichtenberg, die zum Teil frei erfunden, zum anderen Teil völlig entstellt sind. Auch Bürgermeister Dr. S i g g e l verurteill scharf diese gewissenlose Berichterstattung. Der„Vorwärts" hat seinerzeit über diese Angeleqenhell eingehend berichtet. Einen helleren Zwischenfall gab es, als Bezirksverordnetcr Befecke von der Wirtschaftspartei behauptete, der Bürgermeister habe gesagt, die Privatwirtschaft arbeite billiger als kommunale Betriebe. Die Genossen Dr. Siggcl, Becker und Schubert berichtigten ihn und gaben ihm die rechten Antworten. Für Schulen wurden noch 10000 Mark bewilligt. Eine lebhafte Deballc entspann sich bei einer Vorloge über 13 000 Mark für das Kinderheim in M ü r i tz. Die Borlage wurde schließlich einstimmig angenommen. Sin neues Jugendheim im Knedrichshain. In den Proletariervierteln der Großstadt mit ihrer großen Wohnungsnot ist eins der wichtigsten Erfordernisse praktischer Jugendarbell die Schaffung guter Heimstätten. In allen Bezirken Berlins stehen Räum« für die Zusammenkünfte der Jugendlichen zur Verfügung. Bei der Ausbreitung des GesevigkeitSbodürfnIsses gerade in diesen Kreisen wurde damll oft in vorbildlicher Weise für die UnzutrSglichkeiten in den eigenen Wohnräumen auf einige Stunden zumindest Abhilfe geschaffen. Wer durch die Räume der- artiger Jugendheime geht, wird in den Abendstunden dort überall lebendiges Treiben sindei». Unter anderem Hot auch das Jugend- amt F r i e d r i ch s h o i n es in den letzten Iahren verstanden, durch lste Schaffung solcher Heimräume die Jugendarbeit in den Jugendoereinen tatkräftig zu fördern. Fünf gute Heime wurden im Verlauf von drei Iahren eröffnet. Vor kurzem aber konnte ein sechstes der Oeffentlichkell übergeben weiden. Im fünften Stock des Iugendomtsgebäudes in der B r o m m y st r. 1 hat man frühere Bodenräum« durch Abteilung und geschmackvolle Ausgestaltung in ein prächtiges Jugeirdheim verwandelt. Die Schräge des Daches wurde durch Wände an der Außenseite unter- brachen. An den Fenstern schuf man dadurch tiefe Nischen, die mit Blumen reich ausgestattet sind. Später sollen dort auch noch Aquarien und Terrarien untergebracht werden. Den Be- suchen, wird es dadurch ermöglicht, bei einschlägigen Vorträgen praktische naturwissenschaftlich« Studien zu betreiben. Besonders wirkungsvoll sind die Farben, In denen die Räume ausgemalt wurden. Dieses Heim dient nicht den Zwecken der Iugendverein«. Am Tage werden hier tuberkulosoverVöchtige Kin- der gespeist werden. An jedem Abend werden unter Aufsicht von Iugendhelfern die unter Schutzaufsicht stehenden Jugendlichen be- schäftigt. Handsertigkeitsarbeiten für die Mädel, ernste Unterhal- tungen für die Jungen: Spiele, Singstunden und bunte Abende werden veranstaltet. In den vorhandenen Iugendwerkstätten können auch Tischlerei-, Schlosser- und Bastelarbellen durchgeführt werden. wärmetechnische Kurse. Aehnlich dem im letzten Winter ab�c- holten«« Kursus wird die Arbeitsgemeinschaft für B r e n n st o s f e r s p a r n! s e. V. in den Räumen der Staatlichen Baugewerksschule in Neukölln, Leinestr. 38/39, im Januar 1928 zwei wärmetechnische Kurse veranstallen, deren einer für Archllekten und Bauführer, der andere für die Heizberater des Magistrats gedockst ist. Jeder Kursus wird 8 bis S zweistündige Vorträge und ein« Führung durch die wärmetechnische Abteilung des Verkehrs- und Baumuseums umfassen. Die Teilnehmerkarten können von der Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft für Brennftoffersparnis e. B., Berlin W. 8, Leipziger Straße 3(Zimmer 205) bezogen werden. Die Vorträge werden von den Landesoberingenieuren Tilly und Studienrat Rc- gisrungsbaumeister Kopfermann geholten. FOt den Verkauf wegen Inventur-Aufnahme geschlossen! Mein Inventur- Ausverkauf deginnt Montag. 2. Januar, früh 0 Uhr Ii ßcrliga W 8, Leipziger Straße 20-22 Sonnabend 31 Deze m be r Jubiläen deutscher Städte. Im Jahre �S2S. v>Lir Unterstützung der für das kommende Jcchr aufzustellenden Roisepläne hört man sä>on jetzt von einer Auslese der für das neue Jahr vorgesehenen wichtigsten Derkehrsveranstaltungen. Den Beginn bildet eine Uebersicht der Jubiläen deutscher Städte, die in dem neuesten Deutschen Derkehrsbuch»Sonnner 1928 in Deutsch- land" enthalten ist. Im Mittelpunkt der großen kulturellen Beranstaltungen des neuen Jahres stehen die anläßlich des 40 0. Todestage« Albrecht Dürer's In Nürnberg vorgesehenen Deranstal- tungen. Am 9. April 1528 schloß dieser bedeutendste aller deutschen Maler des Mittelalters in dem Haus« am Tiergärtner Tor zu Nürnberg seine Augen. Die all« Reichsstadt, die, wie wenige Städte Deutschlands, in der Architektonik ihres Stadtbildes noch ganz den mittelalterlichen Charakter bewahrt hat, lenkt die Auf- merksamkeit der ganzen Welt aus das»Dürer-Iahr 1928". Hier wird in einer Ausstellung zum erstenmal eine große Zahl seiner weltbekannten Gemälde an einer Stelle vereinigt sein und so einen geschlossenen Ueberblich über das Schaffen Albrecht Dürers gestatten. In den Straßen der Stadt aber wird das mittelalterliche Nürnberg in Gestalt historischer Festzüge und anderer volkstümlicher Der- anstaltungen, wie zum Beispiel Schönbartlaufen, Gesellentänze usw. zu neuem Leben erstehen. Auch die originellen Hons-Sochs-Spiele wirb man sehen können: Aufführungen der»Meistersinger von Nürnberg- nicht nur in Gestalt der Wognerschen Oper im Städti- schen Theater, sondern auch geii-ru so wie der Meistergesang im 13. und 16. Jahrhundert, aus den öffentlichen Plätzen und in den Kirchen üblich war. Die Stadt, der der Mark Brandenburg den Namen gegeben hat, Brandenburg a. H., das alle Brennabor der wendischen Ureinwohner, besteht zwar 1928 tausend Jahre, hat aber die Feier dieses Ereignisses auf dos Jahr 1929 verlegt: auch Dinkels- b ü h l, das entzückende, noch ganz mittelalterliche Städtchen in Bayern, einst freie Reichsstadt wie Nördlingen und Rothenburg, kann vom 25. bis 27. August sein tausendjähriges Bestehen seiern. Naumburg a. d. Saal« mit seinem herrlichen Dom begeht vom 22. bis 24. Juni fein 900jähriges Stadtfubtläum mit einer Reihe festlicher Deranstaltungen. Dom 24. Juni bis 1. Juli wird die«tadt Prostau in Oberschlesien den Tag ihres 700jährigen Bestehens festlich begehen: verbunden mit dieser Feier wird das sechzigjnhrige Jubelfest der Höberen Lehrenstall für Obst- und Gartenbau, der einzigen derartigen Fachanstalt im deutschen Osten. In Nordostbayern begeht im Juli die Iean-Paul-Stadt W u n- f i e d e l die 600iährige Wiederkehr mit zahlreichen Deranstaltungen. Der am Niederrhein gelegenen Gemeinde Straelen wurden vor 500 Iahren Stadtrechle verliehen, die ober später wieder verloren gingen. Anläßlich der Fünfhuiibertjahrseier beabsichtigt Straelen, die Verleihung der Stadtrechte wieder zu beantragen. In Stralsund jährt sich zum 300. Male der Tag, an dem Wallenstein durch die Stadt abgewehrt wurde. Von 22. bis 25. Juli wird man die Erinnerung an diesen Tag nnt einem großen bist arischen Festzug begehen, der die Tat der Stralsunder Bürger von anno 1628 darstellt und würdigt. Silberberg in Schlesien. romantisch im Eulcngebirge gelegen, feiert am 8. Juni das löOjährigc Besteben seiner Festung. Fritz Mcuter oerlebt« hier seine»Festtmgs- tid-. Im Juni feiert das Herzbad Alt hei de sein hundertjähriges Bestehen. Man wird«inen historischen Festzug, verbunden mit einer großen Trachienschau, veranstalten. Die Straßenbahn am Hennannplah. Vor einem Jahr kritisiert« der..Vorwärts- die Verkehrs- Verhältnisse am Hermannplatz in Neukölln. Seitdem ober sind die Zustände nicht verbessert, sondern oerschlechtert worden. lieber den Hermannplotz verkehren in der Richtung nach dem Halle- schen Tor von drei verschiedenen Seiten Stroßeirbähnlinien, aus der chermannstraße, der Kaiser-Friedrich uird der Weserstraße. In den eben genannten Straßen befinden sich kurz vor dem Hermannplatz Hastestellen. Direkt aus dein Hermannplatz hallen— verständlich—, um Stockungen des Verkehrs zu oermudeu, keine Wagen. Alle Wagen fahren über den Hermannplatz in die Ürbanstraße und hallen in dieser erst an der erwa 7 Minuten entfernten Jahnstraße. Wer also nicht märchenhaft Zeit hgt, ist genötigt mitten aus dem Hermann- plctz zu warten, bis aus irgendeiner der drei Richtwigen ein« Straßen- bahn kommt, und dann muß er sein Heil im Aufspringen versuchen. Wenn die Straßenbahndirektion ein« Haltestelle in der Urban st raße hinter dem Hermannplatz errichten würd� könnte jeder Fahrgast dort abwarten, bis aus einer der Richtungen ein Wagen kommt. Das lebcnsgetährliche Aufspringen auf einem ver- kehrsreichen Platz, dos man jetzt täglich beobachten kann, würde dann erheblich eingeschränkt werden. Die Sprechstunden in der Schwangerenfürsorge werden in der Fürsorgestell« Niederschöneweid«, Grünauer Straße 1«, für die Ortsteile Oberschöneweid«, N.e-derschöneweid« und Johannisthal, Montag von 1 1— 1 3 U h r und Donners- tag von 15—17 Uhr und in der Fürsorgestelle Adlers hos. Hackenberg st raßc 14. für die Ortsteile Adler» hos und Altglienicke von 1 2— 1 4 II h.r abgeholten. Leiterin ist die Aerztin Frau Dr Prager-.Heinrich. Der„Vorwärts" ist das Blatt der Kopf« und Handarbeiter! Abonniert den„Vorwärts"! Ich abonniere den»Vorwärts- mit der illustrierten> Sonntagsbeilage»Volk und Zell- sowie den Beilagen»Unter»> Haltung und Wissen-, Aue der Filmwelt-,»Stadtbeilage-,< »Frauenstimme-,»Der Kindersreund-,.Iugend-Borwärts".:: „Blick in die Bücherwell",.Kulturarbeit- und„Technik"< in Groß-Berlin täglich zweimal frei ins Haus � (Monatlich 3 Mark, wöchentlich 70 Pfennig)<> Straße Nr. Hos— Ouergeböude— Seitenflügel Treppen links— rechts Ausgefüll! einzusenden an die Expedition des„Vorwärts", Berlin EW. 6b, Ändenstraß« S. i... Sie ärziliche Versorgung der Schulkinder. Eine sozialistische Forderung. In den letzten Wochen mußten mehrere Schulklossen wegen des gehäuften Auftretens ansteckender Krankheiten geschlossen werden. In ungesunden Zeiten gill als erste Vorsichtsmaßregel, den Aufentt hall in überfüllten, geschlossenen Räumen zu oermeiden. Dieser Rat läßt ssch in bezug auf Kinos, Gasthäuser usw. wohl durchführen, nicht aber ohne weiteres in bezug auf Schulen. Das Schließen einer Schule ist eine Maßnahme, die man nur ergreifen wird, wenn sie notwendig ist. Nicht nur aus erzieherischen, sondern auch aus gesund» heitlichen Gründen wird man sich nur schwer dazu entschließen, denn die Kinder spielen in der schulfreien Zeit meist unbeaufsichtigt herum und haben gerode dadurch reichlich Gelegenheit, sich Erkättungskrank» hellen und Ansteckungen zu holen. Luxusausgaben, sagt die Reaktion! Andererseits sind die Mehrzahl unserer Schulzimmer überfüllte Räume, in denen die Kinder einen großen T«U des Tages ver- bringen. Beim Schließen einer Schule muß das Für und Wider sehr genau erwogen werden. Die Entscheidung kann nicht vom grünen Tisch aus erfolgen. Es ist erforderlich, daß ein Arzt in engstem Einvernehmen mll der Schule arbeitet, der die besonderen Berhältnisse der einzelnen Schulen und das häusliche Milieu der Kinder ganz genau kennt und beurteilen kann. Aus der Erkenntnis heraus, wie wichtig eine hygienische lleberwachung der Schulen ist, hat sich die Stadwerordnetenoersammlung bereits 1921 dafür aus- gesprochen, eine allmähliche Umwandlung des nebenamtlichen in ein hauptomlllches Schularzlsystem einzuführen. Aber noch im vorigen Lahre, als auf dos Drängen unserer Fraktion die Frag« aktuell wurde, zeigte es sich, wie stark die widerstände bei den bürgerlichen Parteien waren. Gegen den Plan konnte man natürlich nicht viel anführen, aber für ihn waren die Rechtsparteien auch nicht mit ganzem Herzen. Die kommunalen Ausgaben für vorbeugende Ge- sundheitspflege gehören nach ihrer Ansicht zu den»Luxusausgaben", bei denen auf Gedeih und Verderb gespart werden muß. Diesen Widerständen ist es zu danken, daß die Regelung der schulärztlich-n Deiforgung nicht so ausgefallen ist, wie wir es angestrebt haben und wie es im Interesse der Volksgesundhell erforderlich wäre. Die Aufgaben des Schularztes. Di« Aufgaben de« Schularztes sind mannigfach und sehr be» deutungsvoll. Er hat in regelmäßigen Abständen We Ihm anoer. trauten Kinder zu untersuchen, zuerst bei der Einschulung und dann in zweijährlich wiederkehrenden Reihenuntersuchungen. Schon bei der Einschulung werden die Kinder ausgesiebt, die körperlich l>&«r geistig zurückgeblieben sind und für die Schule ewe zu schwer« Be- lostung bieten würden. Für jedes Kind wird ein« Gefundheitskarte angelegt, die durch die ganze Schulzeit, auch bei Umschulungen, da» Kind begleitet. Aus dieser Karte ist sofort ersichtl ch, ob das Kind in bezug auf irgendeine Gesundheitsstörung oder Bedrohung einer besonderen Beobachtung bedarf. Wenn sich eine Krankheit heraus- bildet, wird das Kind der zuständigen besonderen Fürsorge ober ärzt. licher Behandlung zugeführt. Der Schularzt hält serner regelmäßig Sprechstunden ab, in denen er den Eltern, wenn sie irgendeine Sorge in bezug auf die körperliche oder geistig« Entwicklung des Kindes haben, mit seinem Rate zur Verfügung steht. Der Schularzt braucht aber nicht, wie die srej praktizierenden Aerzte, darauf zu warten. daß die Eltern aus eigenem Antriebe zu ihm kommen. Scheint ein Kind durch die häuslichen Derhältniss« gefährdet oder bestehen Zweifel daran, daß die schulärztlichen Anordnungen durchgeführt werden, so sucht die Fürsorgerin die Familien auf und belehrt sie über die Rotivendigkeit einer besseren gesundheitlichen Betreuung der Kinder. Was die Schulgesundheitspflege so besonders wertvcÄ macht, ist der Umstand, daß alle Kinder von ihr ersaßt werden. Di« oft erhobene Forderung, daß die gesamte Bevölkerung in bestimmten Intervallen tmrchuntersuchl wird, ist also für dos wichttge Entwick- lungsaltcr, das ja in die Schuljahre fällt, durchgeführt. Dem Schul- arzt untersteht ferner die Ueherwochung der Schulräume und Ein- richlungen in hygienischer Beziehung. Er hat bei Epidemiegefahr beim Schulleller die notwendigen Maßnahmen, evtl. Schließung der Schule, zu beantragen. Er Hot ferner darüber zu befinden, wann ein Kind, da» ein« ansteckende Krankheit durchgemacht hat, oder das ansteckungsverdächtig ist, wieder zum Schulbesuch zuzulassen ist. Er hat serner zu befinden über die Vefreiung von einzelnen Ualerrichts» stunden, besonders im Turnen, und wo es notwendig ist, die Kinder den Sonder- und Heilturnkursen zuzuweisen. Auch die hygienische Belehrung und die sexuelle Ausllörung ist eine Ausgab« des Schularztes. ltnfere Forderung? Bei diesem großen Aufgabenkrei» war unsere Forberrmü, für 3000 Sinder einen hauptamllichen Schularzt und zwei Fürsorgerinocu zu stellen, gewiß nicht übertrieben. Trotz unsere» Wid-'r»/ s p r u ch e» wurde aber die Zahl der von einem Arzt und ,>oe1 Fürsorgerinnen zu betreuenden Kinder aus 6000 heraufgesetzt. Ohne Zweifel sind die Aerzte hierdurch so überlastet, daß es ihnen nich, möglich ist, jedem Kind« so gerecht zu werden wie es e» notwendf- wäre. In bezug aus die Behandlung ist es uns gelungen, den Satz einzufügen, daß Behandlung durch den Schularzt stattfinden darf. wenn diese anderweitig nicht sichergestellt ist. Die Behandlung in der Fürsorge wird von der frei praktizierenden Lerzt«schast und von den bürgerlichen Parteien im Interesse der praktizierenden Aerzte so stark bekämpft, daß schon diese Bestimmung als ein Erfolg zu buchen ist. vi« schulärzllichc Versorgung der Fach, und Fortbildungsschulen, auf die wir besonderes Gewicht legen, ist arundsiltzlich beschlossen, aber wegen der finanziellen Schwierigkeiten der Stadt noch nicht durchgeführt. • Di« Bedeutung der Schulgesundheitspflege ist durch die jetzig« Regelung, besonder» die Einführung des hauptamtlichen Schularzt- syftems, anerkannt. Für den weiteren Ausbau bleibt aber noch manche Aufgabe zu lösen und mancher Widerstand zu brechen. Dr. med. Kärh« F rankent hat. Oer Wille zur Macht. Di« Bezirks« nitfvaktton der Beamten, Angestellten und Arbeiter de» 10. Kreises(Pankow) hielt zusammen mit dem Beamtemoerbe- ausschuß am S. Dezember eine gut besuchte Versammlung ab, in der Polizeioderft a. v. Genosse Dr. E-bützinger über das Thema »Unser Wille zur Macht- sprach. In eindrucksvollen Worten legt« er die Notwendigkeit de» Kampfes um den Staat dar. Im Staat selbst müssen wir um die Aiviigewalt ringen. Er behairdeste dann die Stellung des Reichspräsidenten, der sich nach Artikel 48 der Rcichsversassung entweder der Militärmacht(Reichswehr) oder der Polizei zur Durchführung seiner Anordnungen bedienen kann. Um hier Willkür und Diktaturmöglichkest auszuschließen, sei ein Aus» führungsgefetz zum Artikel 48 unbedingt ersordertich. Genosse Schützinger geißelt« den allen Geist der„Hände an die Hosennaht-, t�r auch heute leider noch überall zu finden sei. Sozia- ltsttsches Ideal sei Förderung aller Tüchtigen, �eichwi« welcher Abstammung, frei von jeder»Abstempelung- durch Studienzeugnisse usw. Man müsse ober auch LrbeiterstudeMen aus Kosten des Staates die Möglichkeit zu akademischer Dorbikdung geben. Mll einem Appell an die Beamtenschast, in den nächsten Wahlen dem imperialistischen Block die wohlverdieirte Quittung zu geben, be- endete der Redner seine mll Beifall ausgenommenen Ausführungen. Ein« lebhost« Aussprache zeigte das Interesse der Versammlung Arbeitersport. „Mutter Fürsorge." Die Ärbeiterwohlsohnssürsorge ist gleich den wirtschaftlichen und politischen Organisationen der Arbeiterschaft in den letzten Jahren mächtig gewachsen, zur größten Seibslhilseorgonisation ge- worden. All den kranken Kindern, den gebrechlichen Menschen und der erholiiiigsbedürktigen Jugend oersucht die Arbeiterwohlfahrt zu Helsen. Zahlreiche Heime sind in den letzten Jahren entstanden. Andere werden im nächsten Jahre ihre Pforten eröffnen. Das Werk der Arbeiterwohlsahrt wird nun in einem Film, der unter dem Namen.,M utter Fürsorg«- am Dienstag seine Uraufführung erlebte, gezeigt. In fünf Aktien wandern wir mll dem Ausnahme» operateur durch die verschiedensten Heime in Groß-Sedlitz, Gohrisch. Naumburg, Nürnberg, Mannheim usw. In Schlössern, in denen vor dem Kriege nur wenige Bevorzugte wohnien, erholen sich beute Hunderte von Kindern. Aus großen Rasenflächen tummeln ssch die durch Krieg und Wirtschaftsnai in der Entwicklung zurückgebliebenen Jungen und Mädel. Der Film gewährt einen ttesen Einblick in die Arbeit der Arbeiterwohlfahrt. Er wird sicherlich den Beifall der arbeitenden Bevölkerung finden. Die Bilder sind ausgezeichnet und abwechslungsreich. Leider fehlen Anfangs- und Schliißfiiel zu den einzelnen Akten. Zum Abschluß der Veranstaltung sprach Genossin Todenhagen über die Arbeit der Arbeiterwohlsahrt. Ihre ein» gehenden Ausführungen waren eine werlvolle Ergänzung des neuen Films.__ Das vermögen der Stadl Verlin. Der Börsenprospekt der Stadt V e r l i n für die Goldanleihe von 1926 enthäll interessante Ziffern über das Vermögen der Reichshauplstadt. So betrug am 1. Januar der Wert des gesamten Gebäude- und Grund- b e s i tz e s 667 Millionen Mark. Von diesen Anlagen werden 333 Millionen als werbend und 334 Millionen als nicht werbend bezeichnet. Die in den st ä d t i s ch e n E l e k t r i z i l ä t s-, Gas- und Wasserwerken sowie den Straßenbahnen sestgeleaten Werte werden mit 651 Millionen Mark ongesührt. Nur 59 Mil- lionen Mark sind hier als nicht werbende Anlagen bezeichnet. Außerdem führt der Prospekt Beteiligungen mit 204 Millionen. Forderungen mit 18 Millionen und Hypotheken mit 27 Millionen Mark an. Das gesamt« Vermögen der Stadt Berlin stellt« sich also aus rund anderthalb Milliarden Mark, von denen 1.1 Milliarden als werbend bezeichnet werden. Demgegen- über stehen außer 75 Millionen Hypotheken, und sonstiger Schulden rund 404 Mivionen Anleiheschulden.— Dies« Ziffern sprechen deurlicher als alles andere für die Kreditfähigkeit Berlins, die von den ausländischen Finanzkreisen bisher auch immer richtig eingeschätzt wurde. Tourisienvereill„Die Naturfreunde-, Neutrale Wie». «H. C�AtUttrtt batfl: Rrtitaa, 80. D-zemb-r,» Uhr, Sprrrftr. 8»,.Ubrnt. «nd-chr".— Abt. 688»«: ffteilafl, 80.» Uhr. Neichrnbr-a� Straße I«.—>bt.»«I»»dbr»ail«ni tzrr-tag, 30. Drz-mbrr. 20 Uhr. Wrfcms- straßr 1».— Übt. Sbbaxft, Iugenbabt.: ffrritag, 80. Erzembet, 20 Uhr. yetd- straze 11.— Abt. Treptow' Freitag, 80. Dezember, S> Uhr. Elsenftr. 8.-- Abt. ArutAl»! Freitag, 80. Dezember. 20 Uhr, Äbpiitc. öS.— Abt. Tempelhof: Scnnabenb, 31. Dezember. 20 Uhr, Sermaniastr. 4— 5.— Gemischter tthor: Freitag, 30. Dezember, 20 Uhr, AUcrsheim Da»»iger Str. 82, Baracke HI.-■ Photogemeinschost: Montag, 2. Januar, IStb Uhr. Tbertnstr. 12.— Abt. Schopeberg: Montag, 2. Januar, 20 Uhr, Hauptsir. 18.— F»Itb«ot-Sbt.: Sonn- abend, 31. Dezember, Rrujahrafahrt nach Ragöser MUHle. Abfabri 17.38 Mr Stettiner Bäbnhos hauddollsplele am Neujahrslag. Di« Heebstrunbe neigt sich seht ihrem Snbc zu, m sinhen darum nur noch wenig« Spiele siatt. In der 8. Gruppe spielt Groß.Berliiuffrieden«, gegen Lichtenbergs- pvrtler um l« Uhr in Friedenau, Oisenbacher Str. b».®tog. Berlin-Oftrn I bat In bei 7. Gruppe ein abgebrochene, Spiel gegen Ficht- 2. Abt. um 14 Uhr in Hohenschönhausen, Sommerstraße, zu wieberbolen. In Marienbors,«n der Siennbahn, spielen Fichte�- ich n»ich Gharlottenburk- Schwiinmer 1 um 18 Uhr. An Iugrnbspielen finden statt: Ablershof gegen stöpenick um 14 Uhr in Adlrrshof, verlängert» Hrldiaftraßr: Obersprre gegen Fichte 7 um 14 Uhr in Oberschöneweibe sFreihad)! Fichte i. Abt. aegen Kroß- Berlin.Webbing um 14 llhr m Sseinickenborf, Schäfersee. Im Desellschast?» spiel stehen sich nur Fichte.>-Ich und Schäneberg.Spbrt.er um 15 Uhr in Marien. dbrf gegenstner. Verschiedene». JMHJ. Freihe.t, r.«.«»»„hau» Berlind tralan,«wunrNtr.«-». Sißun« 80. Dezember fällt aus. silvestrrleier im Bootohau». Gäste herzlichst «ingelabrn. Arbeiter.AobUhrrrorr»!» Groß-Berlin Sonntag, 1. Januar, 8 Uhr, Tour wird am Start bekanntgegeben. 131$ Uhr Hirschgarten iWeltrcstaurant). Moiorsahrer 1 ötb. später. Start ZZalbemarstraße, Eck- Mariannenpia». Säst« willlbmmen. Ardeiter.Sport. nn»«nltnriortel»»zaeberg. Friedenau. Dienstag, 8. Ja» nuar,« Uhr. bei Lehman», Friß-Sleuter-, ecke Marstraße. Kartrllsttmnq mit Bortrag»Di,«vltsfilriorgr". West erb«richl der äffen ttzchen Nieilerdieuststetle Berlin rak Nmgegrnh lZtachvr. p«ib.). Ziemlich heiter, kalt und Niederschlag»!»«.— Für vevlschlanb: Jstn Roi dosten Temperaturen um Rull und zumeist dewötlt. Im übrigen Deutschland keine wesenUichen Aenderungen. Et sind neu er schiene*: Derillustrierte sozialdemokratische Abreißkalender für 1928 Jede Seife bringt Illustrationen. Der Kalender kann in Jeder Hinsicht als Quelle und Hills. mittel dienen. Er bringt Zitate aus soilalisfischen Werken, eine Fülle von Sentenzen In Poetie und Prosa. Nahezu 100 Verbände geben hier authentischen- Bericht. Der Kalender kostet Mark 2.- Kinderland 1928 Ein proletarisches Jahrbuch für die Buben und Mädels des arbeitenden Volkes. An dem Kalender haben auch dieses Mal die Kinder selbst tüchtig milgearbeitet. Das.Kinderland' kostet Mark 1.50 Beide Neuerscheinungen sind zu haben in allen Ab- gabesiellen d-s»Vorwärts- und Parteibuchband ungen oder direkt von der»VorwSrls'-Budidruckerel und Verlagsanstalt, Berlin SW68, Lindenstr. S