Nr. S56. Erscheint täglich auöer MontagS. Preis pränumerando: Vierteljährlich Z.so Mark, monatlich l,io Mr.. wöchentlich 28 Psg. frei tn's HauS. Einzelne Nummer 8 Pfg. Sonntags-Numnicr mit illuftr. Sonntags-Beilago„Neue Well" iv Psg. Post-Abonnement: 8,30 Mk. pro Quartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 M., für das übrige Ausland 8 Ml. pr. Monat,«ingclr. in der Post-Zeitung«-Preisliste für 1886 unter Nr. 7128. II. Jahrg. Jnferlions-Sebühr beträgt für die fünfgespaltsne Petitzetls oder deren Raum«o Pf,, für Verein?- und Veriammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächüe Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Erpediiion abgegeben wr den. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtage» bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Ur. 1298. Telegraiiini-Adress«: „Solialbemokrat Kcrlin". Verllner VolKsbkalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. AedaKtion: 8V. 19. Weuth-Straße 2. Freitag, den 1. November 1893. Spedition: 8V. 19. Weuty-Straße 3� Abommentg-Emlaiimg. Mit dem 1. November eröffnen»vir ein neues Abonne- meiit auf den „VormÄvks" mit der illnstrirten Sonntags-Beilage „Die Nene Welt". Die Weltlage ist so bewegt, daß sie mehr und mehr das Juteresse jedes denkenden Menschen in Anspruch nehmen muß. Die Umsturzvorlage ist zwar gefallen, allein der Umsturz von oben wird eifrigst fortgesetzt. Namentlich richten die Anstrengungen der reaktionären Parteien sich gegen das allgemeine Wahlrecht und das gleiche Recht der proletarischen und besitzenden Staatsbürger. Das deutsche Volk, die deutsche Arbeiterklasse soll politisch entrechtet werden. Und der Kampf um das allgemeine Wahlrecht, um die Rechte des Volkes muß vor allem in der Presse geführt werden. Die Presse i st die m ä ch t i g st e Waffe des Volkes— und diese Waffe zu stärken, ist Pflicht des Volkes. Wir fordern die Genoffen ans, nach Kräften für die Verbreitung des„Vorwärts" thätig zu sein. In unserem Feuilleton veröffentlichen wir einen in der Gegenwart spielenden, hochinteressanten Roman:„Der Verrückte", welcher die Vernichtung eines hoffnungsvollen Menschenlebens durch kirchlichen Fanatismus dar- stellt und ähnliche Zustände beleuchtet, wie sie jüngst durch einen sensationellen Prozeß aufgedeckt worden sind. Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitnngsspeditenre, so- wie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen ent- gegen zum monatlichen Preise von I Mark 10 Pfennige frei ins Haus. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonne- ments zum Preise von S,S0 M. für die Monate November und Dezember entgegen.(Eingetragen in der Post-Zeitungsliste für 1895 unter Nummer 7123.) Redaktion und Expedition des„ Vorwärts". 14 Ein Vevvückkov. lNachdr. verb°l-n. Kampf und Ende eines Lehrers. Roman von Joseph Ruederer. „Herrrein", rief der Assessor. „Jetzt ist auch der Poiten mit dem Kreittmayer ge- kommen." Der Herr Assessor setzte sich an den Tisch und wühlte in den Akten. „Ich habe noch zu thun, sollen nur warten." Er nahm die Feder und zeichnete Fresken auf ein leeres Blättchen Papier, das er dann wieder zerriß und in den Papierkorb schleuderte. Trotzdem es inzwischen elf Uhr geschlagen hatte, ließ er noch zehn Minuten, die ihm selbst entsetzlich langweilig vorkamen, verstreichen, ehe er wieder zur Glocke griff. Diesmal befahl er, die Leute eintreten zu lassen. Die Thüre ging auf und Gattl trat zuerst in das timmer. Nach ihm kamen die Bauern stolpernd über die chwelle und stellten sich verlegen vor den Tisch, wo der Beamte, ohne aufzusehen, eifrig schrieb. Nur Kreitt- mayer machte ein linkisches Kompliment, dann sah er mit den anderen athemlos zu dem Pulte herab und nahm sich in acht, die feierliche Stille zn unterbrechen. Endlich warf der Beamte die Feder weg und überflog die Anwesenden, indem er sich iveit in den Stuhl zurücklehnte. „Sie sind der Hilfslehrer Gattl?" fragte er. „Und ihr", er nahm einen Zettel zur Hand und las die Namen ab.„Alle von der Gemeinde Oberkarbach?" „Alle von Oberkarbach, Herr Bezirksamtsasscssor", sagte Kreittmayer für die anderen, die kein Lebenszeichen gaben. „Sie sind wohl der Wirth Mathias Kreittmayer?" „Zu dienen, Herr Bezirksamtsassessor, ich bin der Wirth vom weißen Roß." „Hm." Der Assessor drehte die Spitze seines Vollbarts hervor und sagte mit eindringlicher Stimme zu den Ver- sammelten: „Das königliche Bezirksamt hat Euch alle vorgeladen, Die VlilttÄrdienopflichk der Dolkssrhullehvev. Von dem letzten großen Krieg von 1870 erhofften die deutschen, besonders aber die preußischen Bolksschullehrer eine weseniliche Besserung ihrer Lage. Es war bis dahin und ist bezeichnenderweise auch noch bis heute eine jedermann bekannte Thatsache, daß der Bolksschullehrer zu den lraurigst besoldelcn Beamten gehört, mit dem mancher Lohnarbeiter nicht tausche» möchte, dabei sei noch ganz abgesehen von der sozialen Werthung des Volksschullehrers seitens gewisser Kreise, deren Hanplsprecher, Herr von Treiischke, den Lehrer auf das Niveau des aus- gedienten Unterosstziers herumdrücken möchte. Wird nun allerdings ein jeder von der Würde seines Berufes durchdrungene Lehrer über solche flegelhafte Anzapfungen ohne weiteres zur Tagesordnung übergehen, so ist sich dennoch die deutsche Lehrerschaft über das Unwürdige ihrer sozialen Lage seit langem klar und sie macht die vcrziveisellsten Anstrengungen, i»n aus ihrer eigenthümlichen Pariastellung sich herauszuarbeiten. Gerade den 70er Krieg mm hielt sie hierfür als ganz be- sonders geeignel. War doch schon nach dem Bruderkrieg von 1866 die ebenso alberne wie verlogene Phrase aufget ucht, daß dem preußischen Schulmeister der Sieg von Königgrätz zn- zuschreiben sei; umsomehr mußte man der durch den preußi- s ch e n L e h r e r in de» preußischen Schulen ertheilten Volksbildung den Sieg über den französischen„Erbfeind" zu gute halte», und um so näher lag die scheinbar bc- gründete Annahme, daß diese großen Verdiensio der Lehrerschaft eine Belohnung seitens des dankbaren Vater- landes eintragen würden, bestehe sie in einer klingenden Cnt- schädigung, bestehe sie in dem sehr nolhwendigen Ausbau des Schulwesens. Es war der alte, ehrliche Demokrat, Eduard Sack, ein früherer Volksschullcbrer und Mitunterzeichner der damals von Johann Jacoby begiündeten Königsberger Resolution gegen die Annexion Elsaß-Lothringens, der in seiner pädagogischen Zeit- schrift„Der Wegweiser" damals gleich in ebenso überzeugender wie scharfer Weise diesen gefährlichen und grundfalschenHoffnungs- taumel der Lehrerschaft zu zerstören sich bemühte. Er wies nach, wie gerade das Gegentheil von dem Erhofften eintreten werde, wie die errungenen Siege nur ein Grund sein würden, alles bei dem„bewährten Alten" zu lassen, wie die kriegerischen Errungenschaften unerhörte Mehrausgabe» für unaufhörliche Rüstungen und Armeeverbesserungen nothwendig machen würden, daß aber auf keine» Fall die Stellung des Lehrers weder moralisch noch materiell Vortheil aus dem Kriege ziehen werde. Die fünfundzwanzig Jahre, während welcher Zeit und Ge- legenheit genug gewesen wäre, einige, wenn auch nur minimale Forderungen der Lehrer zu erfüllen, haben Eduard Sock in hin- reichender Weise Recht gegeben, und die deutschen Volksschul- lehrer, die in den letzten Wochen und Monaten der hochgehenden patriotischen Jnbiläumsbegeisterung als die ganz besonders dazu Berufenen erachtet wurden, das Lod des„neugegründeten,geei»len Deutschlands in allen Tonarten zu singen, mögen mit bitteren Ge- weil Ihr in einer Sache aussagen sollt, die von höchster Wichtigkeit ist. Wenn ivir nun heute auch keine gericht- liche Vernehnntng auf Eid, sondern nur ein einfaches Ver- hör zur Aufklärung gewisser Umstäitde haben, müßt Ihr doch alle ans Pflicht und Gewissen die volle Wahrheit sagen, da Ihr vielleicht später, wenn ein gerichtliches Nach- spiel folgen sollte, jederzeit zum Eide herangezogen werden könntet und dort selbstredend nicht in Widerspruch mit Euren heutigen Aussagen stehen dürft. Verstanden?" Der Wirth nickte eifrig, die Bauern aber rührten sich nicht und glotzten im Zimmer herum. Nun wendete sich der Assessor zum Lehrer: „Also Sie haben geglaubt, sich über Ihren Lokalschnl- inspektor, den Herrn Benefiziatcn Kleiscr, beschweren zu müssen?" „Gewiß", sagte Gattl und trat näher heran. „Ehe ich nun..." Der Assessor hielt im Sprechen ein und sprang auf, denn an der Thür erschien Göpsert mit dem Geistlichen. Lebhaft eilte ihnen der junge Mann entgegen und bot den Nachzüglern, die sich entschuldigten, die Hand. Dann zog er zwei Stühle zu seinem Tische heran und lud die beiden höflich ein, Platz zu nehmen. Mit strengem Blicke drehte er sich dann wieder zn den, Lehrer: „Ich fange also nochmals an. Der Hilfslehrer Gattl hat sich ans eine von dem Herrn Bcnesizialen über ihn. er- gangene Beschwerde an das königliche Bezirksamt gewendet und zwar mit der Bemerkung, daß er in der Lage sei, zu be- weisen, die ihm zur Last gelegten gotteslästcrnden Aenße- rungen gar nicht gemacht zu haben. Ehe nun das könig- liche Bezirksamt die Angelegenheit der königlichen Staats- regierung zur Entscheidung unterbreitet, soll recherchirt werden, wie sich die betreffenden Vorgänge abgespielt haben." Er machte eine Pause in der Rede, die e(', wie aus- wendig gelernt, heruntersagte. „Aus diesem Grunde sind Sie alle zur exakten Ernirung der effektiven Thatsachcn vorgeladen und gebeten. Wir werden ja hören, was die vom Hilfslehrer Gattl vor- geschlagenen Zeugen auszusagen haben. Vorerst aber bitte fühlen die Särge ihrer zu Grabe getragenen Hoffnungen betrachtet haben. Anstatt daßman den Lehrern die ihnen dringend nothwendige und wohl zu gönnende Aufbesserung ihrer materiellen Stellung durch eine durchgreifende Gehaftserhöhung zukomme» läßt, zieht man sie schon viele Jahre herauf, herab und quer und krumm Mit einem Lehrerbesolduugs-Gesetz an der Nase herum." Mit glänzenden Augen sahen die Bolksschullehrer oft den saftige» Speck eines Besoldungsgesetzes ihrem lechzenden Gaumen näher kommen, aber so oft sie gierig zu- schnappen wollten, da war der Speck wieder entschwunden in unerreichbare Höhen„ und die enttäuschten Lehrer hatten außer dem Schaden auch noch den Spott für ihre Leichtgläubigkeit zu tragen. So geht es bis auf die allerneusti Zeit! Und was die innere Organssation und den Forischrilt des heutigen Schulwesens anbelangt, so steht es auch in dieser Hin- ficht mehr als faul. Die noch überaus lückenhaften und un- genügenden„Allgemeinen Bestimmungen" Fall's sind mehrfach zurückrevidirt, der Zcdlitz'sche Entwurf ist zwar zurückgewiesen, aber daß er überhaupt auskommen konnte, ist bezeichnend genug. Heute steht ein Knltiisminister an der Spitze des Schulwesens, der seiner ganzen Vergangenheit und Gesinnung nach weit davon entfernt ist, die freiheitlichen Zwecke der Schule zu fördern, der im Gegentheil ans ebenso geschickte wie unheilvolle Weise die Volksschule noch mehr als bisher dem Klerikalismus ausliefern will, wie die kürzlich ergangene Verfügung, die Berliner Schul» inspektoren belreffend, wie die unanshörliche Maßregelung der „freie» Gemeinden" zur genüge beweist. Nur in eine in Puickte hat man den Wünschen und Bitten der Lehrerschaft gtechnung getragen. Im vorigen Jahre erhob sich mit einem Male unter den Volksschullehrern ein Petitionssturm und Demonstrationsschwindel, durch den nichts GeringereL erreicht werden sollte als— die Umwandlung der bisherigen zehnwöcheutlichcn militärischen Dienstleistung der Lehrer in eine einjährige, um auf diese Weise die soziale Stel- l u n g der Lehrerschaft z n heben. Es ist seinerzeit von uns dieser klägliche Verrath der„freisinnigen" Volksschul- lehrer an dem letzten iltest freiheitlicher Denknngsart gebührend gebrandmarkt worden, denn es heißt doch wirkiech den Militär- fanatismus auf die Spitze treiben, wenn sich ein Wissenschaft- sicher Stand von einer längeren militärischen Dienstzeit eine „Hebung seiner sozialen Stellung" verspricht, es bedeutet aber geradezu Wahnsinn, in den sich nur diejenigen hineinzudenken vermögen, die weder die überaus feine, komplizirte Arbeit der Kiudererziehung, noch dierobuste, häufigrohe und allen pädagogischen Gesetzen hohnlachende Art des Kasernenhofdrills kennen, wenn man sich durch die verlängerte Dienstzeit eine günstigere Rück- Wirkung auf Schule oder Kaserne verspricht. Die Lehrer waren zu kurzsichtig, um zu erkenne», daß sie durch ihre Forderung nicht etwa die Empfangenden, sondern im Gegentheil die Gebenden waren, und so jubelten sie Anfang dieses Jahres hoch auf, als ihnen ihre scheinbare Bitte gnädigst gewährt wurde. Nur e i n Werimithstropsen fiel in den Becher der Freude: durch die einjährige Dienstzeil sollten die Lehrer nur bis zu„brauchbaren Unteroffizieren der Reserve" ich den Herrn Förster Göpsert, den Hergang des eigentlichen Streites zu erzählen. Ungelenk erhob sich der Gerufene. „Es is leicht erzählt, Herr Bezirksamts-Assessor. Der terr Lehrer is dcnselbigen Tag furchtbar anfg'rcgt inS lirthshaus kommen und hat auf a ganz hnrmlose Be- inerkung von mir'n Skandal ang'sangt." „Wen betraf diese Bemerkung?" „Mich und meine Verlobte, die Tochter vom Förster Balder," warf der Lehrer ein. „Ich habe Sie nicht gefragt," fuhr ihn der Assessor ans„Bitte, Herr Förster." „Es war, wie g'sagt, ganz harmlos g'meint, aber der Herr Gattl is glei rabiat ivor'n..., er hat st absolut uet beruhigt, so daß i eahrn schlißli g'sagt Hab, daß i mir so was als königlicher Beamter verbitten mußt." Ter Assessor machte eine beistimmende Bewegung zu dem Sprechenden. „Ja," lachte der Förster,„i bin aber schlecht g'fahr'n mit meiner Verthcidigung. „So?" sagte der Assessor in tiefem Brustton nnd blickte ernst auf den Lehrer. Göpsert lachte wieder: „Ja, ja, des hat er scho g'sagt, inid außerdem— i niuß halt jetzt bei der Wahrheit bleib'n— hat er von seiner freien Ueberzcngnng g'redt, von de verfluchten, schivarzen Brüder, nnd so weiter halt, bis's mir gar zu dumm wor'n is. Da Hab' i die Unterhaltung abbrochrn und bin zum Herrn Benefiziatcn'nauf gangen, dem i de Sach verzählt Hab', weil der Kreittmayer g'moant hat, daß solche Gotteslästerungen a Schand für's ganze Dorf wären. Mir thnat's leid, wie g'sagt, daß de G'schicht vorkemma is, denn i sag net gern gegen jemand ans, wenn er mi a no so beleidigt hat." Nun kam der Wirth an die Reihe, der sich jetzt be- rufen glaubte, eine wichtige Rolle zu spielen. Umständlich erzählte er den Hergang und setzte die irreligiösen Reden des Lehrers genauer auseinander, indem er einige passende Arabesken, die ihm zur Ansschniücknng geeignet erschienen, in seine Rede einflocht.(Fortsetzung folgt.) »ncht ali» z» schneidigen, säbelrosselnden„Reserve- Offizieren" ansgebildet werden. Doch hvffc man in Lehrerlreisen noch sehr vereinzelt, daß der AiiUtansnins sich bei einein erneuten Vorstoü mich noch dazu herabläßt, die zwar etwas stark nach Proletarierthum duftenden, aber doch so auöerordentlich»nlitnrfrouimeu Schulmeister mit Portepee und Schärpe zu bekleide». So hat der kreißende Berg von Unzufriedenheit, Stürmen nnd Drängen, Streben nach Freiheil und Besiermerdung bei den Lebrcrn schließlich ei» klrines. erbärmlichcs Mäuschen gebore», das außerdem jetzt, nachdem es unter schweren Wehen glücklich entbunden ist, von scincil eigenen Erzeugern mit Fußtritten rcgalirt wird. Denn das ist jedenfalls eine köstliche Ironie, die ihresgleichen sucht, daß zum 1. Oktober, w o zum ersten Male die dienstlich eingezogenen jungen Bolksschnllehrer fakultaliv von der neuen Errungenschaft des„Einjährigdienens"' Ge- brauch machen konnten, s i ch fast nirgend auch nur ein einziger S e m i n a r- A b i t u r i e n t zur?lbl»istung der einjährigen Dienstzeit an» statt der bisherigen zehn wöchentlichen ge- meldet hat. Mag sein, daß ausschließlich die ungünslig« niaterielle Stellung der Lehrer dies verschuldet hat; aber in dieser Hinsicht wird es in B Jahren, wenn die einjährige Dienstzeit obligatorisch eingeführt werden soll, uni kein Haar breit besser sein. Oder sind die Lehrer nach allem Vorhergegangenen roch naiv genug, bis zum Jahre 1900 auf das Zustandekommen des Besoldungsgesetzes zu rechnen? Sie würden abermals bitler enttäuscht werden. Sollten aber die jüngeren Lehrer deshalb au den neuen Vvrtheil verzichtet haben, weil sie weniger servil sind als die ältere» Kollegen, weil sie sich keine„Hebung" von der längeren Dienstzeit versprechen, so wäre dies freudig zu begrüßen dennes zeigte, daß auch unter den Bolksschnl lehrern, rvenigstens unter den jüngeren Ele m e n t e n, ein f r e i h e i t l i ch e r e r G e i st e r w a ch t, der d e n F o r t s ch r i t t n i ch t m e h r in d e r S t ä r k u n g v o n Institutionen wie den Militarismus w. erblickt� sondern der ihn dort sucht, wo er einzig nnd allein auch für die Lehrerschaft zu finde» ist: auf d e r S e i t e des u m s e i n e Befreiung ringenden klassenbervußtenProle- t a r i a t s. Denn wollten sich die Lehrer doch nicht in den ge- sährlichen Jrrthnin einwiegen, daß sie sich eine Hebung ihres Standes nnd damit der Volksbildung von der herrschenden Gesellschaft, bestehend aus Agrarierthum und Großkapital, versprechen; letztere kann es gar nicht, da sie da durch ihre Grundvesten nur noch mehr untergraben würde, als sie es ohnehin tagtäglich thut. Die plan mäßige Ucberwindung des Kapitalismus durch die zielbewußt arbeitende nnd deshalb von Sieg zu Sieg schreitende Sozial demokralie garautirt auch auf diesem Gebiete einzig sichere» Erfolg. Wollen wir nur,'wünschen, daß die vorläufig noch kleine Zahl von Lehrern, die zu dieser Erkenntniß gelangt ist, von Tag zu Tag größer werde, theils durch die harte Schule �hrer eigenen jämmerlichen Lage, theils durch Studium der sozu\sli- sehen Grundwahrheitcu. Die Geundpitze dev Sterslksan wnlksrhaft I zu Vevlitt und ihre Draxis. Herr Oberstaatsanwalt Drescher setzte'in der Verhandlung gegen unsere Redakteure sehr schön auseinander, nach welchen unabänderlichen Prinzipien die ihm unijerstellte Behörde die Benennung für Strassachen mit mehrerchi geklagten wählte. Er behauptete, daß der w i ch t i g st geklagte stets vorangestellt würde, und daß nur, n nicht entscheiden lasse, wer dies sei, die alphabetische Reihe! gewählt würde. Vor allem aber erklärte er, es käme n i e daß eine Sache nach Erhebung der Anklage u' genannt würde, und der Herr Oberstaatsanwalt fand sa sehr scharfe Worte, um zu betonen, daß er sich schämen wenn man ihm mit recht so etwas nachsagen könnte. Wir zweifeln nicht, daß der Herr Oberstaatsanwalt diele Grunds ätze zur Beobachtung für sein Ressort aufgestellt hat wenn wir ihm auch nach wie vor das Recht bestreiten, auf grund dieser Prinzipien die Sache„gegen Pfund" in„gegen Dierl" umzunennen. Wir sind aber heute in der Lage, ihm be weisen zn können, daß die Staalsanwaltschaft beim Landgericht I diese Grundsätze durchaus nicht immer befolgt. Im Jahre 1894 leitete sie ein Versahren gegen mehrere Ofsizierswucherer ein. Die Sache wurde genannt„gegen Scholen, und Genossen" und erhielt bei der Staats- anwallschaft das Slktenzeichen ,1. V D 1074/94, beim Untersuchungsrichter U E II 427/94. Diese Benennung würde den von dem Herrn Oberstaatsanwälte aufgestellten Grund sähen entsprochen haben, denn Scholen, war in der That die Hauptperson in der Untersuchung, er war nach den Angaben der Ätnklageschrifl der Mann, in dessen Hand die Fäden des ganzen wucherischen Treibens zusammenliefen, der die Opfer herangeholt und den Verkehr mit ihnen geführt und der sehr viele der Geschäfte, zu denen er das Geld erst von den anderen Angeklagten erhielt, auf seine» Name» geschlossen hatte. Mit dieser Benennung würde die Sache vor der 7. Straf- kamnier verhandelt ivorden sein. Die Staatsanwaltschaft schlug nun aber ei» Verfahren ein, wodurch sie von da weg und vor die erste Kammer kam. Sie nannte eines Tages die Sache nach einem der untergeordneten Mitangeschuldigten„gegen Fleher und Gen." und gab ihr ein neues Aktenzeichen J. f. F. 129/95. Das Alphabel war hier nicht der Grund, denn nach der alphabetische» Reihenfolge der Angeklagten hätte die Sache„gegen Arndt und Genossen" heißen und vor die Siraskammer Brausewetlers komme» müssen. Welche Gründe die Stnatsanivalischast dazu gehabt hat, kann man natürlich nicht wissen. Vielleicht gab es den Ausschlag, daß der Direktor R i e et als sehr scharfer Vorsitzender bekannt ist, der namentlich mich das Talent besitzt, ein nmfangreiches Thatsacheu- Material n ie es dieser Wncherprozeß bot, zu beherrschen, was nicht jeder gleich gut versteht. Vielleicht lagen andere Gründe vor. Thalsache bleibt, daß in diesem Falle die Angeklagten dem R i ch t e r e n t z o g e n wurden, der nach der ursprünglichen Benennung hätte entscheiden müssen, und daß die Sache umgenannt wurde, obgleich die neue Benennung i n direktem Widerspruche zu den Grundsätzen des Oberstaatsanwalts stand, während die alle ihnen entsprochen hätte. Aber weiter ist daran noch wichtig, daß die Staatsanwalt- schaft diese Umnennung vornahm«ach Erhebung der Au- klage. Tie öffentliche Klage war in diese», Falle erhoben worden durch den Antrag auf gerichtliche Vor- Untersuchung, der i» dieser Beziehung der Einreichnng einer Anklageschrist völlig gleichsteht. Der Fall ist also wirklich vorgekommen, den der Herr Oberstaatsanwalt für so völlig unmöglich erklärt hatte. W'r erwähnen diesen Rechlsfall, der an sich ja kein politmsches Interesse hat, weil die Rechtsfrage, um die es sich bei unserer gegenwärtige» Erörterung handelt, von höchster Wichtigkeit ist und hier klar zu tage tritt. Es ist jetzt Sache des Herrn Oberstaatsanwalts zur Auf- klärung das Wort zu nehmen. Ten Blättern aber, die sich mit den Erklärungen des Herrn Oberstaatsanwalts sofort befriedigt gekühlt hatten, möchten wir doch bemerken, daß Prinzipien, die nicht immer gehalten wer- de», im einzelne» Falle nicht überzeugend wirken können. Prin- zipie» anfstellen und halten ist eben zweierlei. politische Tlebeestcht. Berlin, 31. Oktober. Tie satte Tngciid der Tante Voft hat sich in einem Artikel über den„Prozeß Tierl und Genossen" zu folgender Aenßerung verstiegen: „Der Angeklagte Dierl büßt den Umstand, daß er die Sedaii-Nummer des„Vorwärts" verantwortlich gezeichnet hat mit sechs Monaten Gefängniß. Wenn er erklärt, daß er mit ter Politik in,„Vorwärts" nichts z» lhun gehabt und daß er Monate lang überhaupt nicht redigirt habe, so lriffl dieser Vor ivurf schwer die Leiter des Zentralorgans der Sozialdemokratie. Gerade der„Vorwärts" ist doch von Vertrauensseligkeit gegen über der Rechtsprechung so weit entfernt wie möglich. Gleich wohl müssen Personen für den Inhalt der Zeitung hasten, die über diesen Inhalt gar keine Bestimmung haben. Daß solche Thatsacheu öffentlich festgestellt werden, gereicht sicherlich dem Ansehen der Parteileitung nicht zum Vortheile. Also die„Vossische Zeitung", deren Redakteure sicher sind vor dem Staatsanwalt, und deren Eigenthiimer es sich sogar erlauben können, unter ihrem Eid das Gegenthei! dessen auszusagen, was das Gericht als thatsächlich fest- stehend annimmt.(S. den Prozeß des Redakteurs Marx gegen die„Freisinnige Zeitung".) Tie Redaktion des„Vorwärts" bedarf nicht der „Vossischen Zeitung", uin zu erfahren, was sich schickt. Eine Redaktion, die so heftig und so fortwährend verfolgt ist, wie die uuserige, die seit Jahren nicht ein einziges Mal vollzählig zusanimen war, weil stets das eine oder andere Mitglied oder mehrere Mitglieder im Ge- fäuguiß sind— eine solche Redaktion muß selbstverständlich mit den verantwortlichen Redakteuren öfters wechseln. „Sitzredakteure" hat der„Vorwärts" niemals gehabt. Er hat zu verantwortlichen Redakteuren stets nur redaktionell thätige bewährte Parteigenossen gehabt. Und daß der ver- antwortliche Redakteur die Gelegenheit haben nmß, den ganzen Inhalt des Blettcs vor dem Druck zu lesen; nnd daß er das Recht hat, de» Druck ihm verfänglich erscheinender Artikel, Notizen oder Wendungen zu verhindern, das versteht sich von selbst; und solch' Selbst- verständliches in Zweifel zu ziehen, ist unanständig. Dierl- Roland ist ein alter Genosse, seit Ende der KV er Jahre schon in der Partei, nnd in einer Zeit, wo es nöthig war, einen anderen verantwortlichen Redakteur zu ernennen, weil der bisherige verurtheilt war, bot Dierl-Roland, der schon Jahre lang auf der Redaktion beschäftigt war, sich frei- willig für die gefährliche Stelle an. Und unter dem Zwange der Verhältnisse wurde das Anerbieten angenommen Daß unser braver Genosse so schwer hat leiden müssen, das haben wir wahrlich tief und bitter empfunden; allein w i r sind doch nicht schuld an der Behandlung, die ihm zn theil geworden ist. Daß die„Vossische Zeitung" ihre sitll liche Entrüstung gegen uns richtet, statt gegen ein S y st e m, welches ermöglicht, einen unbescholtenen Mann in den Jahren Dierl-Roland's Kiiallümd FalU in Untersuchungshaft zu werfen niw.ihn Wösten Uuigäfcie Folter der Untersuchungshaft erdi>l»iiW InsselL— i>as Ht einfach charakterlos nnd erbärmlich.? U>H wennvies�e„Bossische Zeitung", in dem Hochgefühl.ihre! satten«.ngeich und ihrer staatsanwaltfesten Moral denÄedckAeuren del�Vorwärts", die ohne Ausnahme, wo es galt, iWt�hrer Herson für ihre Sache eingetreten sind und die zusamme» ein schönes Sümmchen von Jahren Gefängniß hinter nnd vor sich haben, gewissermaßen Feigheit vorwirft, weil sie Dierl- Roland auf einige Zeit als verantwortlichen Redakteur an genommen haben, so wissen wir nicht, ob das mehr lache' lich ist oder mehr verächtlich.— Wer hat geflunkert? Zur Begründung der vermeint- licheu Rechtmäßigkeit der Umtaufuug des Prozeß, ubrums wider Pfund n. Ge». i» das Rubrum wider Dierl u. Gen. führte der Oberstaatsanwalt au, die„Kölnische Zeitung" habe in einem die Umtaufung mißbilligenden Artikel ausgeführt,„der Slaats- auwallschast stehe es frei, b e i Erhebung der Anklage zu ent- scheiden, welchen Angeklagten sie an die Spitze stellen will, nach Erhebung der Anklage stehe ihr dies Recht nicht mehr zu." Diese Ausführungen unterschreibe er Wort sür Wort und komme dadurch z» dem Schluß, daß er recht gehandelt habe. Der„Vorwärts" habe aber dadurch„geflunkert", daß er die Mülheilimg der Thatsache, daß nach Einreichnng der Anklage- schrist nicht mehr umgelaust sei, verschwiegen habe Ei, ei, Herr Oberstaatsanwalt! Sie haben selbst erklärt, daß Sie den„Vor- wärls" lesen. Ist Ihre Behanplmig wahr— wie wollen Sie dann die mehrfache Differenz zwischen Ihre» Angaben und der Wahrheil erklären? Erstens: Tie Mittheilung des Artikels der„Kölnischen Zeitung" ist in,„Vorwärts" vom 20. Oktober 1395(Rr. 246) enthalten. Die Mittheilung darüber, daß b i S zur Einreichung der Anklageschrift die Sache Pfund und Genossen hieß, daß sie aber seitdem Dierl nnd Genossen heißt, ist bereit- in der Nummer des„Vorwärts" vom 3. Oktober 1895(Nr. 231) enthalten. Wer hat geflnnkert? Zweitens: Der Artikel der„Kölnischen Zeitung" enthält nicht das von Ihnen Mit- getheilte. Er konzedirt in keiner Zeile der Staats- anwaltschnst das Recht, ein Aktenriibrun, umzutaufen. Er legt ihr nur daS von niemand bestrittene Reckt zu, eine Sache zu b e nennen, nirgends sie n m zunennen. Weder vor„och nach Einreichnng der Anklageschrisl gesteht die Köln. Ztg." oder das Gesetz der Staalsanwaltschaft ein solches Recht zu. Lese» Sie nach, Herr Oberstaatsanwalt/ nnd beant- worlen Sie dann die Frage: wer hat geflnnkert? Drittens Es kann keinen, Juristen unbekannt sei», daß nach Einreichung der Anklageichrist die Staatsanwaltschaft keinerlei Eiiifluß aus die Aktenbenennung hat: von Einreichung der Anklageschrift ab hat allein das Gericht zu bestimme,,. Technisch etwas vollkommen von „Einreichnng der Slnklageschrist" Verschiedenes ist die.Erhebnng der öffentlichen Klage", wie es die Strafprozeß-Ordnung.„Erhebung der Anklage", wie es die„Kölnische Zeilnng" nannte. Die„Er- Hebung der öffentlichen Klage" ist die Handlung der Staats- anwallschaft, welche irgend einer gerichtlichen Handlung in einen, Strafversahren vorangehen muß. Wünscht die Stanlsanwallschast zum Beispiel die gerichtliche Beschlagnahme einer Zeilnng oder die Verhaftung eines Cozialdcuiokraten, so muß sie zunächst die Beschuldigung der„öffentliche» Klage" gegen, den Misse, häter z. B. dahm erheben: ich klage den Misselhäter N. 91. dahin an, den Thatdestand des Z 95 des Sirafgesetzbuchs begange» zu haben und beantrage desbalb Verhaslung, Beschlag- »ahme u. s. w. Als diele„öffentliche Klage" erhoben wurde, hieß das Aktenrnbrnm Pfund und Genosse». In einen, viel späteren Stadium hat die Staatsanwaltschaft das Rubrum in Dierl und Genossen umgetauft. Siimmls, Herr Ober- staatsanwalt? Nicht wahr, ja? Und doch sollen wir geflunkert haben?— Um die Mainlinie streitet sich die deutsche und die freisinnige Votkspartei. Trennt der Main beide Parteien? Oder hat jede von beiden das Recht, auf den Jagdgründen der anderen zn pürschen? Das ist die große Frage, welche die großen Seelen der Eugen Richter und Leopold Sonne- mann jetzt bewegt. Wir dächten, es wäre gescheidter, die zwei Voiksparteien eroberten sich erst das Bärenfell, ehe sie es verlheilen oder um die Fetzen sich zanken. Der Bär scheint sehr wenig geneigt, sich von den Herren sangen oder Var erlegen zu lassen.— \ TaS Mülhanser Attentat verliert allgemach auch dcX letzte« Schein eines politischen Komplotts, den der Eifsr der Polizei- Organe darauf geworfen hatte. Ans Mülhausen wird uns nämlich geschrieben: „In der Untersuchungssache betreffend die Ermordung des Fabriklinten Schwartz sind von den verhastelen L Personen bis jetzt 4 wieder aus freie» Fuß gesetzt. Es bandelt sich um die berüchiiglen„ s e ch s Genossen des Mörders", bei deren Verhaftung die„Straßbnrger Post" das bekannte Schauer« telegramm in die Welt sandte. Mit ihrer tendenziösen Ans- schlachtnng der Affäre haben die Staalsstntzen wirklich lein Glück; jeder Tag des Untersuchungsversahrens bringt ihnen neue Enttäuschungen."— Ein Soldat, der sein Ehristenthnm ernst nimWt. Einem Lokalblatte zufolge wurde kürzlich bei der zweii?n Kompagnie des Infanterie- Bataillons zu Jnsterburg ein Rekrut namens Trott, Sohn eines Besitzers aus dem Goldaper Kreise, eingestellt, der sich zunächst alle Mühe gab, seine dienstlichen Pflichten gewissenhaft zu er- füllen. Am letzten Sonnabend aber weigerte er sich entschieden, Dienst zu thun, indem er erklärte, er sei„Adventist vom siebenten Tage", feiere also nicht den Sonntag, sondern den Sonnabend von Sonnen- aufgang bis Sonnenuntergang und wolle lieber sterben, als am Ruhetage des Herrn arbeiten; serner verweigert Trott die Leistung des Fahneneides, indem er sich auf die Bibelstelle beruft:„Eure Rede sei ja, ja, nein, nein ec." Da alle Belehrungen seitens seiner Vorgesetzte» nichts fruchteten, wurde Trott in Untersuchungshast genommen nnd die höhere Militärbehörde von dem Vorfall in Kennt- niß gesetzt. Mm: kann darauf gespannt sein, welchen Ausweg die Militärbehörde suchen wird. Wahrscheinlich wird's auch hier kommen, daß der christliche Topf zertrümmert wird, der »üt dem eisernen des Militarismus zusammenstößt. Zur französischen Ministerkrifis. Nach den Telc- grammcn vom heutigen Tage ist die Ministerkrise noch nicht beendigt. Eine Einigung ist aber zwischen den in Frage kom men- den Politikern dahin erzielt worden, daß die Progressiv- ' i n k o m m e n st e u e r erst vom Jahre 1897 an ein- geführt und daß Ressegnier, der Pascha von Carmaux, zur Annahme eines Schieds- gerichts gezwungen werde>t soll. Einer unserer Pariser Korrespondenten schreibt: Paris, 29. Okiober.(Eig. Bericht.) Di« Presse und d e r S t u r z d e s M i n i st e r i u m s. So verschieden auch das gestrige Kanimervotnm von der Presse au'gesaßt und beurtheilt wird, so ist doch kein einziges Blatt, daS dem Kabinet Ribot auch nur eine Thräne nachweinen würd«. Einzelne, wie z. B. der„Rappel", sagen dies ganz direkt heraus. So schreibt dieses Blatt:„Das Ministerium Ribot existirt nicht mehr. Das ist recht. Man kann sich übrigens frage», ivarnn, es so lange gedauert hat, denn es ist nur dank der Stütze der Rechten aus- lecht gestanden. Vorgestern noch ist es durch sie gereliet worden. Ich glaube, daß niemand es bedanern wird. Dieses Stabinet hat alles herunlergesetzl: die Würde des Parlaments, die Erhaben- heit der Justiz, die Kraft des Gesetzes. Sein Oberhaupt hatte keine» Willcn, keine Politik. Seine Mitglieder sahen in der Ausübung der Gewalt nichts als eine gute Gelegenheit, das Leben zu genießen(was namentlich von Lengues gilt, der leichter bei Ballettänzerinnen als in seinem Ministerium zu stnden war. An- merk. d. Korresp.) oder ehemalige Freunde zu belohnen. Für sie war die Republik nicht die Republik, sondern irgend ei» Regime, das sie a» Händen nnd Füßen fgebunden seinen Gegnern über« lieferte». Das Ministerium Ribot verdient keine andere Leichen- redigt als diese da." Was das Votum, welches das Kabinet Ribot hinwcgjjefegt, nd für sich anbelangt, steht ei» Theil der Presse hierin einzig und all�n eine» Sieg der öffeniliche» Moral, während der andere, nanienllich radikale nnd sozialistische Theil hierin hauptsächlich eine Folge der Jauröv'schen Interpellation, einen Rückschlag des Votums vom Sonnabend sieht. So schreibt Caniille Pelletan im „Eclair":„Für diejenige», welche die Kammer» in der Rahe sehe»— und ich habe dieses nicht immer ergötzliche Schauspiel seit 25 Jabren— giebt es eines, das besonders frappirt, d. i. daß die Rückschläge die gefährlichsten für eine Regierung sind. Jeder eskomplirt den Sturz des Ministeriunrs über eine Frage, in der es sichtlich»nhallbar ist. Das Miivsterum läßt alle seine Akiionsinittel spielen. Man sagt sich:„Es ist gerettet!"— lllein, es ist verloren. Diejenige», die ihm die Majorität gegeben habe», verzeihen ihm nicht das Votinn, das es ihnen entriffen hat. Sie bezeugen ihm ihre» Groll bei der ersten Gelegenheit. Es giebt im Parlament eine Anzahl von tödtlicke» Siegen. Es war daher klar, daß das Kabinet nicht lange das über die Vorgänge von Carmaux erlangte Votum überleben werde. In Wirklichkeit war die ungebeure Majorität der Kammer durch die vorgebrachten Enthüllimge» entrüstet. Sie wagt« nicht, eine Krise wegen einer Streikfrage herbeizuführen. Das war nur eine aufgeschobene Partie."— Die„Lauter ne" schreibt:„Sich schämend, daß sie sich ein Volum abnölbigen ließ, durch das sie die Arbeiter-Demokralie der Ausbeulung der Reaktion nberlieferle, bat die Kammer sich wieber gcfaßr und das Ministerin», in einer Frage öffentlicher Rechtlichkeit seinen vorgestrigen verdächtigen Sieg zahlen lassen."— Ter „XIX. Siäcle" schreibt:„Der Einrz des Kabinets beweist, daß es in der Kammer eine Majoriiät giebt, welche Reformen baden will, eine wirklich republikanische Majorität. Mil dieser Majorität hat der Präsident der Republik z» rechnen."— Der „Voltaire" schreibt:„Mit allen politischen Frei» beutern, welche die Republik entehrten und den schlimmsten Abenteuern aussetzte», ist es nun, hoffen wir. sür immer aus."— Im„Jntransigeant" schreibt Herr Rocheiort: „Durch eine jener Mißlichkeilen, die den Jammer in die Familie» bringen, ist das Minifteri»,», schon geschlagen in der letzten Soiinabendsilinng von dem Sozialisten Jaurvs, gestern endgiltig von dem Sozialisten Rouanel niedergeworfen worden. Ich erkläre nur jetzt den Haß der verschiedene» Kabinette gegen die sozialistische Partei: sie ist es, die sie immer nimvirst.— Tie„Peliie Röpublique" schreibt:„Das ist schnell gegangen! Da liegen sie, die in ihrem kotdigen Siege gestrauchelten Zuhälter Reffsguier's! Ja, sie bringe» Unglück, diese über die Arbeiter davongeiragenen Siege, diese Triumphe über daS ansgehuugerte Volk, dieses Niederstnmpsen der Opfer. DaS Kabinet Ribot liegt am Boden!" Wüthend sind nur die großkapitalislischen Blätter, die wie der„Teiiips" nnd Konsorten, den Sturz des Blnüsteriums der .»„onnrösen Koalition der Rechten mit der äußersten Linken" zn- chreiben, obwohl, selbst wenn man die Elimme» der Rechten, inbegriffen die der Ralliirlen, von der samstügigen Kammermajorität abzieht, die Negierung, trotzdem auch mit ihr 17 Mitglieder der Rechren stimmten, noch immer mit 33 Stimmen in der Minorität bleibt, während sie ihren Sieg vom Sonnabend einzig und allein den Mitgliedern der Rechten zu danken halte. » ch- Deutsches Reich. — Der Bundesrath beschloß in seiner heutige» Sitznng, die Resolution des Reichstages zu Petitionen vo» Geuieinden, betreffend die Heranziebung des Reichsfiskiis zu den Gemeinde- lasten dem Reichskanzler zu überweisen. Der Antrag belressend fcie Feststellung deZ Ruhegehalts von Reickisbeaniten wurde an- geuammvi. Ten Anträge» der zuständigen Ausschüsse zu den Ent- würfe» eines amtlichen Waarcnverzeichnisses zum Zolltarif, eines statistischen Waarenverzeichnisses und eines Massen-Güter- Verzeichnisses nebst darauf bezüglichen Vorlagen, Berichten der Reichsbevollmächligten undEingaben wurde die Zustimmung er- theilr.— — In Sachen Stumm gegen ch r i st l i ch e n S o z i as- l i? m» s wird dem„Voll" aus Saarbrücken geschrieben: „Am letzten Donnerstag hat Pfarrer Naumann einen Vortrag im Sanrdrückcr Handwerkerverein gehalten über„Auflösung und Ausbau des Familienlebens". Es ist das derselbe Verein, in dem Prof. Adolf Wagner bei seiner letzten Rundreise gesprochen hat. Für die Art, wie man im Saargebiet mit Gegnern fertig zu werden sucht, haben die Herren von„Bildung und Besitz" auch bei dieser Gelegenheit recht bezeichnende Belege gegeben. In Neunkirchen erscheint die„Neunkirchener Volks- Z e i t n n g." Dieses Ungeheuer wagte die Mittheilung zu bringen, daß Naumann in Saarbrücken sprechen werde. Man �enke sich: im geheiligten Nennkirchen wagt ein Blatt Naumann's Vortrag anzuzeigen und Naumann's Namen zu nennen, ohne die offiziellen bissigen Bezeichnungen dranzudängen. Schon die bloße Anzeige war ei» Verbrechen. Sofort wurde dem Blatte von Frhrn. v. Stumm kurz angezeigt, wenn es noch einmal etwas von Naumann brächte, werde er, der Frhr. v. Slumm, S t e l- l u n g gegen es nehmen.„Stellung nehmen" heißt natürlich vorgehen, wie in den achtziger Jahren gegen ein anderes Blatt, heißt das Blalt verbieten und boykottiren. Wenn man sich erinnert, miit welchem Aufgebot von moralischer Entrüstung seinerzeit durch den Freiherrn und seine Blätter der Berliner Bierboykott verdammt wurde, so möchte man lachen, wenn es nicht so traurig wäre, daß die M o r a l sich ändert, wenn die Standesinteressen beginnen. „Ja, Bauer, das ist ganz was anderes," das ist und bleibt die Hcrrenmoral, die auch den Boykott höchst moralisch findet, wenn er von Unternehmern geübt wird, und höchst verwerflich, wenn er gegen sie angewendet wird." Herr v. Stumm ist ein unbezahlbarer Förderer sozialistischer Propaganda. Er paukt den indifferenten Proletariern die Lehre vom Klassenkampf ein.— — Der Entwurf eines Börse ngesetzes wird, nach der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", dem Reichstage sofort nach Eröffnung der Session zugehen. Der badische L a n d t a g ist auf den 12. November «iuberufen.— — D i e Mittheilungen des Rechtsanwalts Feige in Breslau über Herrn v. H a m m e r st e i n wurden durch die Berichtigung eines Herrn M a a ß angefochten. Diese Bcricblignng stellt nunmehr die„Brcslaucr Zeitung" mit den Aussagen des Rechtsanwalts Feige in Vergleich und bemerkt dazu: „Schon ein oberflächlicher Vergleich läßt erkennen, daß in der „Berichtigung" lediglich Behauptungen bestritten werden, die Rechtsanwalt Feige gar nicht gemacht hat. Daß Herr v. Hammer- stein mit Genehmigung der Direktoren ein Darlrhn von 15 ovo M. aus der Kasse entnoninien hat, wird in unserem Be- richte ausdrücklich gesagt, ebenso daß dieses Darlehn später ersetzt worden ist. Daß bei diesem Geschäft Provisionen ge- z''lt worden sind, ist vom Rechtsauwalt Feige überhaupt nicht gesagt worden, ebenso wenig hat er behauptet, daß bei diesem Geschäft falsche Bilanzen aufgestellt worden seien. In unserem Berichte heißt es ausdrücklich, daß der Fall mit den IbtXXl M. nicht vereinzelt geblieben sei und daß bei anderen Unregelmäßigkeiten die gegenseitige Provi- sionsbewilligung und die Aufstellung falscher Bilanzen vorge- nonuneu worden ist. Und diese Behauptungen werden in der „Berichtigung" seltsamerweise nicht berichtigt, sondern m i t Stillschweigen übergangen. Nur in einem einzigen Punkte weicht die„Berichtigung" von der Darstellung des Rechts- anwalts Feige ab. In der„Berichtigung" wird gesagt, daß die Untersuchung die Grundlosigkeit der angebrachten Denunziation ergab, während Rechtsanwall Feige behauptet, daß die Unter- f> chuug zur Feststellung der milgclheilten Angaben geführt habe. Daß keine Bestrafung stattgefunden hat, ist vom Rechtsanwalt Feige ausdrücklich betont worden. Aber auch über diesen einzige» streitigen Punkt hoffen wir noch Klarheit schaffen zu können."— — Zum Finanzetat hielt in der bayerischen Abgeordnetenkammer Genosse Grillenberger die folgende Rede: „Gelegentlich der Fuchsmühl-Debatte vom 4. Oktober hat der Herr Finanzniinister gemeint, daß das Finanzministerium kein Vorwurf treffen könne, und daß ich deshalb mein ihm gegenüber ausgedrücktes Mißsallen wohl zurücknehmen oder für mich behalten werde. Aus der nachfolgenden Debatte habe ich jedoch nicht den Eindruck gewonnen, als ob die Finanz- und Verwaltungspraxis sich derart bewährt hätte, daß ich in der Lage wäre, den ausgesprochenen Vorwurf zurückzunehmen. Die ganz« Steuer- und Finanzpolitik gefällt uns nicht. Stach unserer Ansicht ist die Stellung des bayerischen Finanz- Ministeriums zur Reichs-Sleuerfrage eine solche gewesen, daß sie zum Nnchtheile des Volkes und zum Schaden der Interessen des Volkes ausgeschlagen hat nnd noch ausschlägt. Das bekundet nach unserer Ansicht eine Uuterthäuigkeit und Unterwürfigkeit unseres Finanzministeriums gegen Berlin. Präsident v. Walter: Diese Acußerung kann ich nicht zulassen. Abg. Grillenberger: Wenn diese Aeußernngen nicht zulässig sind, dann kann man dem Ministerium gegenüber seine Meinung überhaupt nicht mehr aussprechen. Präsident v. Waller: Was der Herr Abg. Grillenberger sagen will, kann wohl auch mit zulässige» Ausdrücken bezeichnet n erden. Abg. Grillenberger: Es kommt eben ans den Grad des Vertrauens oder Mißlraneiis an, das man aussprechen will. Ich bin der Ueberzengung, daß ich nicht zu weit gegangen bin, doch muß ich mich ter augenblicklichen Anordmiiig des Herrn Präsidenten fügen. Die Elellungnahme seitens der Vertreter der bayerischen Regierung gegenüber der Zentrale in Berlin, diesem Sammelpunkt aller wiridschastlichen und poli- tische» Reaktion, ist nicht diejenige, welche das Volk verlangt. Die Regierung leistet da dem kapitalistischen Standpunkt Vorschub. Insbesondere beklagen wir das Ver- hallen des bayerischen Finanzminisiers an der Seite Miquei's und P� f'adowsky's hinsichtlich Tabak- und Weinsteucr. Ich zweifle auch nicht, daß eS bei der geplanlen Zuckersteuer-Novelle auch wieder so gehen und den finanzpolitischen Plänen der Zentrale nicht entgegengetreten wird. Wo ist das selbständige Austreten Bayerns geblieben, als es sich uin die Reform der Brantweinfteuer handelte? Ter württem- bergische Minister von Mittnacht dagegen hat sich der Jntercsien seines Landes energisch angcnonunen. Seitens unseres Ministers bat nimi gegen die gemeinschädlichen Pläne der Reichsfinanz- Herren nichts gehört. Das ganze System des Finanzministers muß von unserer Seite bekämpft werden. Wenn der Finanz- niinister dem Kultusminister nicht einen Pfennig zuwenden kann zur Aufbesserung des Gehaltes der Hchullehrer, so ist das «in Zustand, der nicht genug gegeißelt'werden kann. Ich will mich nicht in weitere Einzelheiten einlassen, um nicht die Ge- lchäste des Hause? aufzuhalten. Aber Material haben wir noch sattsam, um eventuell dem Herrn Minister damit auf- zuwarten. Das kann übrigens bei Gelegenheit der Berathung des Ei-neretatS, fei es der direkten oder der indirekten Steuern, ge- schehen. g eilte haben wir nur unserem Mißtrauen gegen die Finanz- zolüil des Ministers Ausdruck geben wollen. Ein Mittel, um das zu thun, ist die Nichtbewilligung des Gehalies des Finanz- Ministers. Wenn wir eine Erklärung dieses Inhalts abgeben, so sind wir gewohnt, daß im Hause darüber gelacht wird, oder daß, wie es gestern dem Kollegen Seyboth passirte, gesagt wird, eine Ablehnung des Ministergehaltes sei verfassungswidrig. Wenn aber das Bewilligungsrecht der Kammer einen «nn haben soll, so muß es auch ein Ablehnungsrecht geben. WlN�en in dem Etat Positionen sein, die unter allen Umständen bewilttgt werden müssen, so wäre die Kammer zu einer Be- willigungsmaschine degradirt. Weil wir ans diesem Standpunkt stehen, werden wir gegen das Gehalt des Ministers und über- Haupt gegen den Etat stimmen. Finanzniinister v. Riedel antwortete, daß er, wenn ihm sein Gehalt verweigert würde, einfach den Fiskus gerichtlich ver- klagen würde.(Zuruf Grillenberger's: Davon sind wir überzeugt!) Wenn Grillenberger nur sein Mißtrauen zum Ausdruck bringen wolle, so könne er darüber nur sehr unglücklich sein.(Heiterkeit.) Er nehme für sich auch das Recht ans Bethätigung seiner Ueber- zcugung in Anspruch.(Zuruf Grillenberger's: Dafür spricht man sich aus.) In der Fuchsmühler Angelegenheit könne die Forstverwaltung deshalb kein Vorwurf treffen, weil sie nach Lage der Gesetze kein Recht hatte, irgendwie einzugreifen. Er habe im Bundesrathe die Interessen Bayerns jederzeit mit aller Entschiedenheil zu wahren gesucht und durch seine Zähigkeit schon manchen Voriheil für Bayern herausgeschlagen. Der Minister vertheidigt sodann seinen Standpunkt, den er in beziig ans die Reichsstenerprojekte ein« genommen hat und versichert, er werde nach wie vor bestrebt sein, bei seiner Verwaltiiiig die Interessen des gesaminten bayerischen Volkes zu wahren und namentlich die minder kräftigen Schultern vor neue» Lasten zu beivahren. Abg. Wagner(l i b.) will öffentlich konstatiren, daß die Ablehnung des Etats gegen die Verfassung und den Abgeordneten-Eid verstößt. Abg. M a i s o n(freis.) wünscht dringend, daß die Regulirung etwas rascher gefördert werde. Redner bestreitet, daß das Finanzministerium sich vom kapitalistischen Slandpunkt leiten lasse. Er vertheidigt auch die T a b a k st e u e r, die den kleinen Mann nicht belastet nnd de» Großen nichts schadet. Er ist ferner der Ansicht, daß die Börsensteuer dem Geschäfte nicht schadet. Der Gedanke der Reichssteuerreform ist dem Redner sehr sympathisch. Abg. Dr. P i ch l e r(Z.) ist damit einverstanden, daß der- jenige, der mehr hat, auch mehr Lasten tragen soll. Miinche«, 31. Oktober.(Privattelegranini.) Die „Müuchener Post" erhält aus Metz die Nachricht, daß am 27. Oktober beim 2. Bataillon des 8. bayerischen Jiifanterie-Lie- giments zahlreiche Soldaten plötzlich erkrankten. Die Krankheit äußert sich durch heftiges Unwohlsein und starkes Er- brechen. Bei der 7. Koinpagnie sollen allein 5 7 Mann er- krankt sein. Einem in Metz kursirenden Gerüchte zufolge sollen die Erkrankungen in der Mittagsmenage ihre Ursache haben. Ausklärung wird wohl bald erfolgen. — Eine Nachwahl zu in Reichstage wird im 13. reichsländischen Wahlkreise Volchen-Diedenhofen infolge des Ablebens des bisherigen Reichstags- Abgeordnete» Pfarrer Neumann erforderlich. Der Verstorbene war P r o t e st l e r und wurde mit 15 033 gegen 3979 freikonservalive nnd ö()4 sozial- demokratische Stimmen gewählt.— Oesterdeich. — Wien, LI. Oktober. Das Abgeordnetenhaus nahm in zweiler und dritter Lesung das Lebensmittel- Gesetz an, ebenso das Gesetz betr. die Aushebung der Ergreifer- antheile bei Gesällsübertrelungen.— England. London, 30. Oktober. Der Premiermini st er Lord S a l i s b u r y hielt heule in Walford eine Rede, in der er aus- führte, die gegenwärtige Regierung sei der Erbe, nicht der Urheber der auswärtigen Politik, welche sie aber im Interesse der Kon- tinuilät gegenüber den auswärtigen Nationen am besten thun werde, in loyaler Weise durchzuführen. Der Redner bedauerte die Aeußeriingen eines hervorragenden Mannes(G l a d st o n e's), welche die Schwierigkeiten vermehrten, mit denen die europäischen Stationen in der Türkei zn kämpfen hätten und deren Lösung allein durch Geduld möglich sei.— Die hauptsächlichste innere Frage, vor der die Regierung gestellt sei, sei die Besserung der sozialen Zustände, und die Lage der Land- wirthscbaft das erste Interesse, dem die Ansinerksamkeit gebühre. Das Sinken der Preise sei die Folge des Freihandels; es habe dieLandwirthschast in mehreren Grafschaften nahezu vernichtet.— Serbien. — Innere Kämpfe. Wie die„Kölnische Zeitung" ans Belgrad meldet, sollen anläßlich der Ausführung des Haiducke»- gcsetzes durch Uedersiedelung von Gemeinden im Kreise Ujice sörmliche Kämpfe zwischen der Bevölkerung und de» Gendariiien stattfinden. In Tekia an der Donau wurden demselben Blatte zufolge drei Bomben geivorfen, von denen zwei vor dem Gemeindehause explodirten. Türkei. — Die Lage auf der Balkanhalbinsel wird allgemein als gefährlich angesehen. Tie„Neue Freie Presse" meldet aus Bukarest, daß der Minister des Innern, Fleva, die Präseklen der unteren Donau zu sorgfältiger Uebenvachung einer eveniuellen Bewegung unter der russischen und bulgarischen Bevölkerung ihrer Disttikie auf- forderte. Ter Krieasininister Budisteano verfügte die Ver- iiiehrung der den Polizeidienst zwischen Galatz und Sulina ver- sehende» Scbiffe. Aus Konstantinopel wird zu den armenischen Unruhen ge- meldet: Armenischen Berichten zufolge sind bei den jüngsten Unruhen in Bitlis ö Armenier gelödtet worden. Der Verlust der Türke» sei nnbedentend. Nach einerMeldung aus Trapezunt wurden drei angesehene Slrmenier, darunter ein Geistlicher, wegen Theil- nahnie an den Unruhen summarisch verurtheilt. Die Regierung soll beabsichligen, sie sofort hinrichten zu lassen. Diese Nachricht rief in Konstanlinopel sehr große Bewegung hervor. Die infolge der Besorgniß, daß die Nizams(reguläre Truppe») in Kleinasien weitere» Ausstände» gegenüber nicht ausreichen könnten, verfügten Einberufungen umfassen 50 ovo Reservisten inid 16 Bataillone Rebifs, welche rund 20 000 Mann betragen. Da die Linientruppen des vierten Korps, bestehend aus 31 Bataillonen, 3V Eskadrons und 39 Batterien, mit Eiurechnung der Speziallruppen bei- läufig 23 000 Mann zählen, so erfährt die milttärische Besatzung Kleinasien nahezu eine Verdoppelung, sodaß dieselbe iiuiiniehr auch größere» Aufständen gewachscn sein dürile. Die Regier»>i gskreise halten die Vehauplung ent- schieden aufrecht, daß bei allen jüngst vorgekommenen Metzeleien in Kleinasiens die Armenier der angreisende Theil gewesen seien, und daß es den Trupve» in Erzinghia», Bulis, Müsch, Charput, Baiburl und anderen Orten gelungen sei, die Unruhen zu»Itter- drücken. Die Zahl der Opfer scheine allerdings«ine beträcht- lich« zu sein.— Ostasicn. Die Situation wird durch folgendes Telegramm aus St. Petersburg, dessen Quelle freilich verdächiig ist, beleuchtet: Nach einer Meldung der„Nowoje Wremja" räumen die Japaner Liaolong und ziehen ihre Truppen in großen Abthei- lungen von dort zurück(?).— Die Stadt Lantschen. die Residenz der Provinz Kansu(Nordchina), ist von den niuhanredanischen Insurgenten erebert worden. Die Insurgenten schlagen überall die chinesischen Regierungstruppen; sie beabsichtigen«in unab- hängiges Königreich zn bilden. Ans Kaschgar und den anderen Provinzen sollen Truppen gegen die Jnsiirgenten ausrücken. Die geheimen Gesellschasle» in Zentralchina vereinigen sich mit den Muhamedanern. Afrika. — Krieg zwischen England und Aschanti in Sicht. Aus Accra wird gemeldet, der englische Kommissar Steward und seine Begleitung seien heute aus Kumassi, der Hauptstadt der Aschanti. zurückgekehrt; der König Prempeh habe das englische Ultimatum verivorfen und ziehe den Krieg vor, aus welchen er vorbereitet sei.— Vommunstles. Stadtverordneten-Versammluttg. OeffentlicheSitzung vomDonnerst a g, 31. Oktober, nachmittags 5 Uhr. In die gemischte Deputation zur Vorbereitung der Neu- wählen zum Bezirksausschuß sind seitens der Versammlung auch die Stadtvv. G i e s b o i t und Henke gewählt worden. Zum zweiten und dritten Stellvertreter für die Abgeordneten der Stadt Berlin zum Kvmmunallandtage wählt die Versammlung die Stadtvv. H e r b i g und E s m a n n. Der Petitionsansschuß hat sich mit einer Petition de? Bezirksvorstehers Menzel, Kastanien-Allee 43, und Genossen zu beschäftigen gehabt, welche die Herbeiführung von Maßnahmen befürworlet, durch die die gewissenhafte Veitheilung von Brennmaterial seitens der von der Sladt fubvenlionirten „Deutschen Gesellschaft zur Versorgung verschämter Armen mit freiem Brennmaterial" gewährleistet wird. Die Petenten sind der Meinung, daß aus Anlaß der am 5. März 1893 stattgehabten Kirchenwahl in der Zionsgemeinde Kohlenliefernngen jenes . Vereins mißbräuchlich zum Zwecke der unbefugten Wahlagitation verwerthet worden seien. Es wird angeführt, daß die in dieser Beziehung entfaltete Thätigkcit des Vertrauensmannes des Vereins für die bezügliche Stadtgegend, des Fabrik- besitzers(und jetzt als Nachfolger des Dr. Heutig wieder der Versammlung angehörigcn) Herrn P r e tz e l vor Gericht in scharfen Worten verurtheilt worden sei. Die zwischen den Posi- tiven nnd Liberalen in jener Kirchengemeinde geführten Kämpfe führten aus obigem Anlaß zu einer Beleidigungsklage des Herrn Pretzel wider den Rektor Schumacher, welche indeß in zweiter Instanz mit einem Vergleich geendet hat, nachdem der Verklagte die gegen Pretzel in einem Flugblatt gebrauchten beleidigenden Ausdrücke unter Uebernahme sämmtlicher Kosten bedauernd zurück- »ahm. Der Ausschuß beschränkt sich hiernach aus den Vorschlag, mit Rücksicht auf die Zeugenaussagen und weil er der Meinung ist, daß in solchen Sachen auch der Schein gemieden werden müsse, den Magistrat zu ersuchen, die Akten dem Vereins« Vorsitzenden, Reichsbank-Präsidenten Koch, zur Kenntnißnahme zu übersenden. Vorsteher Dr. L a n g e r h a n s theilt mit, daß ihm der Stadtv. Pretzel, der in der Sitzung nicht anwesend sein kann, den Wunsch ausgesprochen hat, es möge der Gegenstand von der Tagesordnung entfernt werden. Er habe Herrn Pretzel eröffnet, daß er dazu garnicht berechtigt sei, worauf denn Herr Pretzel gebeten habe, den Gegenstand ans Ende der Tagesordrnmg zu setzen; er hoffe, sich bis dahin frei machen zn können. Der Grund der Verhinderung ist, wie der Vorsteher mittheilt, ein Familienfest. Sadtv. Singer beantragt die Absetzung des Gegenstandes von der Tagesordnung, da man soviel Rücksicht, wie in diesem Falle gewünscht werde, jedem Milgliede der Versammlung schuldig sei. Stadtv. V o r t m a n n ist gegen die Vertagung, da Herr Pretzel wisse, daß eine wichtige, ihn persönlich angehende Sache zur Verhandlung stehe, spricht sich aber dafür aus, die An« gelegenheit am Ende der Tagesordnung zu erörtern. In letzlcrcm Sinne wird nach Ablehnung des Antrags Singer beschlossen. Der Architekt W ernicke wurde seinerzeit von der städtischen Bauverivaltung mit der Leitung des Umbaues der Dammmühlen und des Erweiterungsbaues Poststr. 16 diätarisch beschäftigt. Er petitionirt bei der Versammlung um Anerkennung seines Anspruches auf besondere Vergütung für die Bauleitung Poststr. 16 und Zahlung einer Entschädignng hierfür von 2420 M. Der Petent ist durch den von dem Stadkbaurath Blankenstein gegen ihn wegen Beleidigung angestrengten Prozeß weiteren Kreisen bekannt gewordeii, in welchem er zu der ganz außerordentlich milden Strafe von 20 M. Geldbuße ver- nriheilt wurde und aus welchem, wie er in seiner Petition an» führt, als erwiesen hervorgehe, daß er seine Pflicht eifrig und sorgfältig erfüllt habe, daß seine Arbeitskraft schon an den Dammmühlen voll und ganz in Anspruch genommen nnd er be- rechtigt war, eine Aufbesserung seiner Diäten(von 8, später 9 M.) ivsolge der durch Poststr. 16 bedeutend vermehrten Arbeitslast zu erwarten u. s. w. DieBaudeputation hatte sein Ansprüche ans höhere Diäten schon am 6. Juni 1393 als unbegründet zurückgewiesen, dagegen die Gewährung eines Diätenzuschlags(einer Baupräini«) von 1800 M. für rechtzeitige Beendignng der Abrechnungs- arbeiten in Aussicht genommen. Diesen Zuschlag hat der Petent nicht erhalten, weil er vor Beendignng des Baues seine Stellung kündigte. Der Ausschuß hat Veranlassung geiiomme», an der Hand des milvorgeleglen gerichtlichen Erkenntnisses die Damm- mühlen-Angelegcnheit nochmals zu erörtern und hält dafür, daß Billigkeitsgründe für eine wenigstens theilweise Berücksichtigung des Petitums sprechen. Es wird beantragt, die Sache in geheimer Sitzung zu ver- handeln. Ueber diese» Antrag ninß in geheimer Sitzung Beschluß gefaßt werden. Nach längerer Weigerung hat sich der Magistrat nun doch entschlossen, dem Berlangen der Regierung nachzugeben, im Interesse der Verhütung der Ausbreitung der Maul- und Klauen- seuche u. a. auch die Verbreiterung der Schweine-Aus- laderampe auf dem Viehhose von 3,73 auf 8 Meter aus- führen zu lassen, und beantragt bei der Versaminlung die Bewillnng der anschlagsmäßige» Kosten von 31000 M. aus dem Reservefonds des Viehmarktes. Die Regierung hatte ge- droht, für den Fall der definitiven Ablehnung ihrer Forderung den Viehhos zu sperre» rcsp. auf grund einer Gesetzesänderung das Verfahren ans Konzessionsentziehung gegen die Stadt einzuleiten. Um diese Folgen zu vermeiden und„unsere Bereilwilligkeit darziithnn, die nach den Vehauptuiigen von den Landwirlhen der deutschen Landwirthschaft durch den hiesigen Viehbof erwachsende, von uns allerdings bestrittene Gefahr ohne Rücksicht auf Geld- opfcr zu beseitigen", hat Magistrat die Vorlage ausarbeiten lassen. Ohne Debatte wird dieselbe angenommen. Ans die von den Stadtvv. Tolksdorf und Genossen am 3. Okiober er. an den Magistrat gerichtete Anfrage, wieweit die laut Beschluß vom 5. April 1894 geführten Verhandlungen wegen Veseiligiing des Vorgartens vor dem Grundstück Görlitzer- straße 49 vorgeschritten sind, ist vom Magistrat unterm 18. Oktober schriftlich ausführlich erwidert worden, daß die Angelegenheil wegen einer zeitraubenden Erbauseinandersetziing der Eigenthümer des Grundstücks verzögert worden, inzwischen aber die Entschädigung für die AbtreUing des Vorgartens auf 2442 M. vom Polizei- Präsidium festgesetzt und von demselben die Enteignung für dringlich erklärt worden sei. Die Hinterlegung der Summe sei am 14. Oktober erfolgt und der Antrag auf Vollziehung� der Enteignung beim Polizeipräsidium gestellt. Der betreffende Entcignungsbeschluß werde binneii längstens 14 Tagen erwartet und lodann sofort die Beseitigung des Vorgartens veranlaßt werden. Stadlv. Tolksdorf weist darauf hin, daß das Vorhanden- sei» des Vorgartens den Bei kehr nach der unmittelbar in der Nähe befindlichen Toppelschnle sehr stark beeinträchtigt nnd auch sonst die Passage bmdnt Aus diesem Grunde habe er die Anfrage gestellt. Mit der Antwort des Magistrats erklärt er sich befriedigt. Da die von allen betheiligten Jnstanjen für absolut noth- wendig erklärte Verlegung des als völlig ungenügend erkannten R u m in e l s b u r g e r M a g e r v i e h m a r k t e s noch nicht durchgeführt werden kann, so sollen in Rummelsburg die bestehenden Einrichtungen provisorische VerKesseruugen erfahren. Zunächst soll ein 8 Meier breiler Uebergang von der Viehrampe nach dem städtischen Marktterrain in Rummelsburg kergeslelll und mit undurchlässigem Pflaster versehen werden. Die Kosten im Betrage von 1400 M. werden ohne Diskussion bewilligt. Das vom Magistrat vorgelegte O r t s st a t u t betreffend die R a t h s m a u r e r- und R a t h s � i mm e r m e i st e r wird mit der vom Stadtv. W o h l g e m u l h beantragten Aenderung ge- nehmigt, daß die qualifizirten Persönlichkeiten entweder noch im Berufe stehen oder aus demselben seit höchstens 3(nicht, wie die Vorlage wollte, 10) Jahren ans demselben ausgeschieden sein solle». Vom Stadtv. B o r g m a n n ist mit Unterstützung sämmt- licher sozialdemokratischer Mitglieder folgender Antrag ein- gebracht: „Da eine Anzahl Klassen der 81. und 1l>S. Geineindes6 ulc für Schüler der 12. Realschule in Anspruch genommen ist, da ferner hierdurch ein Theil der zum Bezirk der 81. und 109. Gemeindeschule gehörigen Schüler nicht in ihren Bezirken Aufnahme finden konnte, da ferner ein anderer Theil der zur 81. und 199. Gemeindeschule gehörigen Ge- meinde-Schulkinder noch heute in sogenannten„fliegenden" Klasse» Unterricht nehmen muß, da ferner diese fliegenden Klassen überfüllt, theilweise mir gegen 79 Schulkindern belegt sind, da ferner die fliegenden Klassen weder gehörig ge- lüftet noch gehörig gereinigt werden können, und da endlich durch diese Zustände die Erziehung und die Gesundheit vieler Geuieindeschulkinder schwer geschädigt wird, ersucht die Versammlung den Magistrat, schleunigst Vor- kehrungen zu treffen, durch welche eine o r d» u n g s- mäßige Einschulung der zum Bezirk der 81. u u d 199. Gemeindeschule gehörigen Kinder eorel cht. die„fliegenden" Klassen abgeschafft, die Ueberfüllung der Klassen und die Beeinträchtigung der Erziehung und der Gesundheit v»eler Gemeinde- schulkinder beseitigt werden." Stadtv. Wernau: Seit U/s Jahren sind in den Schulen vor dem Frankfurter Thore fliegende Klassen nöthig geivorden; dieselben sind zu Ostern 189S aus 7 gestiegen. Es ist das ein schwerer Uebelstand nicht blos für die Kinder, sondern auch für die Lehrer. Schüler und Lehrer müssen warten, bis die Schul- klaffen geräumt sind, sie müssen warten auf zugigen Korridore» 15—20 Minuten. Ich habe mir diese traurigen, die Gesundheit der kleinen, schwachen Kinder schädigenden Verhält- Nisse selbst angesehen. Bis vor kurzem hatten wir überdies bis zu 89 Schüler» in einer Klasse; das ist ja allerdings durch die fliegenden Klassen etwas geregell worden, indem die döchste Zahl in den u-teren Klassen 69, in den mittleren 60. in den oberen SO betrage» soll. Die Mißstände sind aber verschärft worden durch die zu Ostern erfolgten Umschulungen, wo die Schulkommissions- Vorsteher die Kinder bald nach dieser, bald nach jener Schule schickten und dadurch viele Unannehmlichkeiten hervorriefen, schon weil die Eltern, doch alles arnie Leute, immer neue Schulbücher kaufen ninßten. Ueberdies wurde das Geld zum Bau der in der Petersburgerstraße projektirten Schule nicht bewilligt, sonst wäre das Mißverhältniß vielleicht zn Ostern beseitigt geivesen. Wir bitten den Magistrat, schleunigst Abhilfe zn schaffe»; es muß mindestens noch eine neue Miethsschule errichtet werden. Im übrigen lege ich dem Magistrat nahe, von dem Komplex in der Petersbnrgerstraße nichts zu veräußern, da in 5 Jahren sicher neben der projektirten noch eine weitere Ge> meindeschule dort»othwendig sein wird. Stadt Schulrath Bertram: Das Grundstück in der Peters- burgerstraße soll zum I.April zum Bau einer Gemeinde-Toppel- schule miethsfrei hergestellt werden. Aber auch schon vorher werden wir bemüht sein Abhilfe zu schaffen. Schwierigkeiten erwachsen ja der Verwaltung durch die Fluktuationen in der Zunahme der Schulkinder. Der Zmvachs in dieser Zunahme ist vor dem Frankfurter Thor schneller gekommen, als wir erwartete». Im Mai 1394 hallen wir dort 12 fliegende Klassen, davon 3 resp. 2 in den im Antrage erwähnten Schule». In der Frankfurter Allee wurde ein Miethshaus zu einer Schule mit 29 Klassen errichtet, wodurch zu Okiober 1694 zehn Klassen leer wurden. Dieser Raum- Überschuß ist der 12. Realschule zu gute gekommen; ihre Errich- tmig und die vermehrte Schulkinder- Zunahme hat zu dem bemängelten jetzigen Zustande geführt. Zur Abhilfe hat die Schuldeputatio» ein Ausschreiben erlasse», um anderweite Miethsräume für die Realschule zu bekommen und die jetzigen Räume derselben den Gemeindeschülern zuzuweisen.— In weiteren bestreitet der Stadtschulratb, daß inr regulären Betrieb seit Ostern irgend eine Klaffe 79 und mehr Schüler gehabt hätte. Die Durchschniltssrequenz sei stetig, jetzt bis auf 52,8, herunter- gegangen. Die Umschulungen zu Ostern hätte» nur kleine Kinder betroffen. Die an den fliegenden Ktassen gerügten Mängel, be- sonders in gesundheitlicher Beziehung, seien allerdings vorhanden, aber auch um ihre Abstellung sei die Schulverwaltung unausgesetzt bemüht. Stadtv. Stadthagen: Ich bitte Sie, den Antrag anzu» nehmen, danlit die Lehrer und die Eltern der Kinder die Empsin- dung bekomme», daß da, wo es sich um nicht rein politische Gegenstünde, sondern um Knlturanfgaben, um die Sorge für möglichst gutes geistiges Brot handelt, Einigkeit in der Versammlung herrscht. Ter Schulrath hat keine der vorgebrachten Klagen zu cnikräften vermocht; nur die Be- Häuptling bezüglich der Friqueiiz hat er abzuschwächen verflicht Man opcrirt mit dem sogenanuten Durchschnitt und be- rücksichtigt die wirklichen Verhältnisse gar nicht. Wenn nun die Frequenz in zehn Jahren von öS auf S2,3 zurückgeht, so ist das auch noch viel zu langsam; was hat das aber mit den beiden genannten Gemeindeschiileii zu thun? Tort ist nach der amtlichen Vorlage durchweg die höchst- zulässige Frequenz erreicht, 69 resp. 69 und SO resp. 49, und das mit Hilse der fliegenden Klasse». Diese, die man aus kleinen Dörfern als Ausnahme hinstellt, will man hier wirklich vertheidigen? In einem halben Jahre noch dazu ist die Zahl von 6 auf 13 gestiegen, in einem einzigen Schulgebäude bei 73 fliegenden Klassen im ganzen in Berlin! Der Mißstand be- stände überhaupt nicht, wenn die Genieindeschule den Zwecken überlassen wäre, für die sie erbaut ist. Im Mai 1694 war eine kleine Ueberfüllling; im Oktober kam eine kleine Entlastung, die benutzte man zur Unterbringung der Realschule, und damit wurde die� Schul» oth geschaffen. Soll ein solches Verfahren etwa zur Versöhnung der sozialen Gegensätze bei- trage»?(Unruhe.) Solches Versahren kann nur wünschen, wer den sozialen Unfrieden verewigen will. Wir bitte» den Magistrat nur um das, ivas er selbst ursprünglich wollte: er hatte den Heraiiswnrf der Gemeindeschüler nicht vorgeschlagen. Das Ober-Verwaltungsgericht hat es als un- bedingte Pflicht der Geineinden hingestellt, wenigstens Miethsräume zn beschaffen. Gegen die Realschüler haben wir aber überhaupt keine Verpflichtung. Die Lehrerschaft wartet seit Mo- nate» auf die Bescingung dieser Uebelstände, und wir sollen nicht das illecht haben, den Magistrat aufzufordern, hier Abhilfe zu schaffen, damit den Aermsten der Armen die möglichst gute geistige Nahrung zu theil wird? Geben auch Sie diesen Anstoß dem Magistrat durch Annahme unseres Antrags!(Bei- fall bei den Sozialdemokraten.) Stadtschulrath Bertram: Ein Vorwurf kann der Ver- Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kunert, Schöneberg-Berlin. waltung daraus nicht gemacht worden, wenn sie die von der Versammlung genehmigte Normalzahl einhält.(Zwischenrufe.) In der Schule in der Tilsiterstraße sind jetzt über- Haupt keine fliegenden Klassen(Widerspruch), die Lehrer können also auch nicht auf deren Beseitigung seit Mo- naten warten. In keiner preußischen Stadt hat die Schul- Verwaltung den Gemeiudeschülern einen außerordentlicheren Dienst geleistet als in Berlin mit der Errichtung der Real- schulen, welche die begabten Gemeindeschüler weiter bringen und ihnen alle Berufe des praktischen Lebens öffnen. Es besteht hier also kein Gegensatz, der wird erst durch solche Ausführungen wie die des Borredners erzeugt. Mit den Realschulen sollen wir also thunlichst vorangehen. Von den 12 Gemeindeschulklassen sind übrigens nur 7 für die Realschule in Anspruch genonimen worden. Stadtv. Sladthagen: Die fliegenden Klassen sind allerdings nicht in der Schule, sondern daneben in gemietheten Räumen vorhanden.(Lärm und Lachen.) Mit Lachen werden doch diese Zustände nicht weggeleugnet. Nicht nur an uns, sondern auch an viele andere Stadlvertreter sind solche Klagen gelangt. Wie kann man zuerst die Herabdrückung der Durchschnitts- Frequenz ins Feld führen und dann an- deuten, man würde der Schulvcrwallung vielleicht Vorwürfe machen, wenn sie die höchste Normalzahl nicht inne hielte. Wenn Sie auch nur die 7 Klassen der Gemeindeschule zurückgeben, so ist der Uebelstand beseitigt. Die fliegenden Klasse» schädigen die Gesundheit der Kinder.(Ruf: Unrichtig!) Gehen Sie doch hin und sehen Sie die Sache an, wie Wernau und i-� gethan haben, und d«-'i sprechen Sie von Unrichtigkeit! Stadtv. K r e i t l i- z meint, es hätte zur Ausdehnung der Debatte ein sachli.bö? Anl'ß eigentlich nicht vorgelegen, doch könne man sich doch wohl ein Bild davon machen, weshalb gerade heute die Sache so ausführlich erörtert werde. Bekanntlich sei jedesmal, wenn eine Landtags- oder Kommnnalwahl bevorstehe, große Schulnoth überall dort vorhanden, wo gewählt werden müsse.(Mehrfache Zu- stimmung und Heiterkeit.) Er wolle die fliegenden Klaffen nicht vertheidigen, aber der Antrag sei mit Angaben vertheidigt wor- den, die sich als großentheils unrichtig erwiesen hätten. Es geht ein Schlußantrag ein. Stadtv. Singer beantragt für den Fall der Annahme desselben namentliche Abstimmung über den'Antrag. Der Schlußantrag wird abgelehnt. Sladtv. Singer: Ich gebe nur meiner Verwunderung Ausdruck über die Motive, die Herr Kreitling dem Autrag unterschiebt. Eben hat ein Fraklionsgenosse von ihm(Stadtv. Vortmann) gegen die Absetzung der Herren Pretzel betreffenden Sache gesprochen, die man doch eingestandenermaßen blos wegen der Wahlen verhandeln will.(Hört, hört!) Wie, wenn ich den Herren Pincussohn und Genossen insinnirte, ihr Antrag wegen der Verbreiterung der Potsdamerstrabe sei gestellt, damit das Potsdamer Viertel sehe, wie tüchtige Vertreter es hier hat? (Heiterkeit.) Dem Herrn Stadtschnlrath bemerke ich nur, daß niemand von uns sich, und noch dazu gar haßerfüllt gegen die Realschulen ausgesprochen hat. Wir ver- langen, daß die Gemeindeschüler nicht aus ihren Schulen exmittirt werden. Wir sind alle einig, daß die fliegenden Klassen beseitigt werden müssen. Sie werden doch den Antrag also nicht blos deshalb ablehnen, weil er von uns gestellt ist. Stadtv. Cassel: Nur um dem Versuche vorzubeugen, es so darzustellen, als ob ein Hxrz für die Gemeindeschnlen nur bei den Antragstellern zn finden sei, erinnere ich daran, daß die Versammlung mit größter Munifizenz die Frage der Lehrer- gehälter gelöst hat zu einer Zeit, wo keine Wahlen stattfanden. Wir können von der Schulverwaltung nicht verlangen, daß sie jede Rücksicht auf Sparsamkeit außer Augen läßt. Damit schließt die Diskussio». Der'Antrag wird in allen seinen Theilen abgelehnt. Der Antrag Pincussohn u. Gen., den Magistrat um Ausführung der Beschlüsse der Versammlung wegen Ver- b r e i t e r u» g der P o t s d a in e r st r a ß e zu ersuchen, wird »ach kurzer Befürwortung durch den Stadtv. Vortmann au- genommen. Hierauf kommt die Versammlung auf die Petition, betreffend die Thätigkeit des Stadtv. Pretzel zurück. Nach aus- führlicher Darlegung des Sachverhalts durch den Referenten Stadtv. F r e n tz e l tritt Stadtv. Pretzel in sehr scharfer Weise dem„so genannten" Erkenntniß erster Instanz entgegen, behauptet und ver- spricht zu beweisen, daß das Gegentheil wahr sei, spricht von einem Parleiregiment, das ihm in der Versammlung gegenüberstehe, wofür er wiederholt gerügt wird, und führt ähnliche Beeinflussungen, wie die ihm zum Vorwurf gemachten, von liberaler Seite bei den letzten Kirchenwahlen an, wofür er angebliche Beweise auf den Magistratstisch niederlegt. Bei den Kohlenbcwilligungen habe lediglich der Zufall gespielt. ES wird beschlossen, das Material(nicht die Akten selbst) dem Vereinsvorsitzenden zu- gänglich zn machen. Zur Kennlnißnahme theilt der Magistrat mit, daß an Eni- schädignnge» für die Verbreiterung des Schloß- platzes den Besitzern der Grundstücke 7— IS im ganzen 1 759 3S6 Mark gezahlt worden sind. Bezüglich des Grundstücks Schloßplatz 16 schwebt das Versahren noch, indem gegen die polizeilichen Entschädigungs- Feststellungen von 173 993 M. und 273 936 M. für den zur Kurfürsten- brücke resp. zum Schloßplatz ersorderlichen Theil des Grund- stücks sowohl seitens des Eigenthüiners als des Magistrats der Rechtsweg beschritten worden ist. Von der„alte n Post"ist zur Verbreiterung der Königstraße ein Terrain von 335 Quadratmeter erforderlich; der Eigen- thümer hat indeß die Abnahme des ganzen Grund- stücks ans grund des Enteignungsgesetzes verlangt und der Magistrat hat es für den vom Pölizeipräsidium festgesetzten Betrag von 3 131 387,50 M. übernehmen müssen. Das Restgrundstück von 1469 Quadratmeter soll wieder verkaust werden. Nach dem Flöchenverhältniß würde auf die 335 Quadrat- meter, die zur Straße gebraucht werden, ein Antheil von 575 129 M. von dem gezahlten Entschadigungsbctrage entfallen. Die Vorlage wird von den Sladtvv. Wallach und Wohl- gcmuth scharf angegriffen, vom Syndikus Meubrink ver- theidigt und von der Versammlung zur Kenntniß genommen. Schluß W* Uhr. LlAchvichken. — Genosse O h l in Stettin, Redakteur des„Volksbotcn", war vom Sck öffengericht von der Anklage freigesprochen worden, durch«ine Rundschaunotiz groben Unfug verübt zuhaben. Auf die Berufung des Amtsanivalts hin hob das Landgericht diese Entscheidung aus und verunheilte Ohl zu 50 M. Geldstrafe oder 19 Tagen Hast. Ohl hatte bei seiner Verlheidigung angeführt, seine Parteigenossen seien durch die fragliche Notiz sicher nicht belästigt worden, außer diesen kämen als»ichtsozialdeniokratische Leser des„Volksbote»" wohl nur»och die Behörden resp. der Staatsanivalt in betrachl und dieser könne nicht als Publikum gelten, da er das Blatt als Beamter lese. Darauf erividerle das Landgericht in der Urtheilsbegründung, da der„Volksbote" seiner Partei Anhänger werben ivolle, so müsse er doch auch von Nicht- sozialdemokraten gelesen werde», und diese könnten sich belästigt fühlen. — Der Vergolder Genth in Brandenburg war vom Schöffengericht von einer Uebertretung des Preßgesetzes frei- gesprochen worden, die die Polizei in einer Verbreitung der Broschüre:„Die Gesindeordnung, oder: Moderne Sklaverei in Deutschland" gesehen hatte. Gegen dieses Urtheil hatte die Amlsanwaltschast Berufung eingelegt unter der Begründung, daß§ 19 des preußischen Preßgesetzes vom 12. Mai 1351 das Ausrufen, Vertheilen. Verkaufen oder Anschlagen von Druck- Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. schriften auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder anderen öffentlichen Orten verbiete und daß das Verlheilen von Druck- fachen von Haus zu Haus, in beliebige» Wohnungen und an be- liebige, dem Thäter gänzlich unbekannte Personen unter den Be- griff des Vertheilens„an anderen öffentlichen Orten" falle. Bei der Berufungsverhandlnng vor der Strafkainmer in Brandenburg beaniragte jedoch der Staatsanivalt selbst die Verwerfung der Berufung, weil Z 43 der Gewerbe-Ordnung das Vertheilen von Druckschriften in geschlossenen Räumen gestatte. Das Gericht schloß sich dem mit der Begründung an, daß das preußische Preßgesetz nur noch beschränkt zur Anwendung komme und der Ausdruck von Haus zu Hans allein noch nichts den Begriff einer strafbaren Handlung feststelle. Es sei wohl straf- bar, wenn Druckschriften von Haus zu Haus gelragen, an in den Hausthüren stehende Personen abgegeben werden, dagegen sei das Verlheilen in Privathäusern nicht strafbar, selbst dann nicht, wenn die Druckschriften auf den Hausfluren, welche nicht zu öffentlichen Gastwirlhschaften, sondern zu Privatwohiningen führen, an einzelne, zum Hause gehörende Personen abgegeben werden. — Redakteur Wiertelarz von der„Thüringer Tribüne" wurde von einer Anklage, in zwei Artikeln der„Thür. Tribüne" und des„Nordh. Volksbl." die Erfurter Staatsanwaltschaft be« leidigt zu haben, kostenlos freigesprochen. GemeMschaftliitzeS. Die Firma G. Scholz Nackfolger in Schöneberg. Kolonnenstraße, sandte»ns eine E�läruug, die wir gemäß den Bestimmungen des Preßgesetzes in der ziveilen Beilage der heutigen Nummer unter der Rubrik„Versammlungen" veröffent- lichen, wo der Bericht über die Versammlung abgedruckt war, auf den sich die Ausführungen der Firma G. Scholz Nachfolger beziehen. Die Erklärung der Firma überschreitet zwar die Grenzen, die das Preßgesetz für Berichtigungen vorschreibt, indem sie»eben thatsächlichen Angaben auch ei» Urtheil enthält; wir bringen sie aber trotzdem unverändert zum Abdruck, weil wir auch dem Gegner das Recht der freien Meinungs- äußerung nicht beschränke» mögen. Was»un die thalsächlichen Angaben der Firma G. Scholz Nachfolger betrifft, so müssen wir eine Erwiderung darauf den betheiligten Sattlern überlassen. Das Urtheil, das die Firma über de» Streik fällt, der„thöricht" sei und„die Abdrängung des größten Theils der vorhandenen Arbeit von Berlin erzielen" werde, dieses Urtheil können aber schon wir als verfehlt bezeichnen, so wenig wir im übrigen mit diesem wie allen anderen Streiks zu thun haben. Nach den Mittheilungen, die über die Ursache des Saltlerstreiks bisher gemacht wurden, handelt es sich darum, daß die hiesigen Sattler für gewisse Arbeiten dieselben Löhne gezahlt haben wollen, die in den in Frage kommenden Mililäreffekten-Fabriken der Provinz schon gezahlt werden. Demnach steht also durchaus nicht zu befürchten, daß die Lieferungen von Berlin weg nach der Provinz gehen würden, sondern umgekehrt: die Militär- effekten-Fabriken in der Provinz haben sich schon längst bitter über die Lohndrückerei beklagt, durch die ihnen von Militär- effekten-Fabriken des Berliner Distrikts eine schwere Konkurrenz bereitet wird. Zimmerer Berlins und Umgegend! Kameraden! Der Winter steht wiederum vor der Thür und damit auch die in unserem Berufe unausbleibliche Arbeitslosigkeit. Was sonst alle Aufrufe an die Indifferenten unter Euch nicht genutzt haben— sie zn veranlassen, Mitglieder unserer Organisation zu iverden — das wird vielleicht jetzt das Nachdenken über die Ursachen der eintretenden Nothlage bewirken. Denn tritt die Noth an den einzelne» in fühlbarer Weise heran, so legt er sich gewiß einmal die Frage vor, ob es nicht möglich ist, im'Anschluß a» feine Arbeitsgenossen in großer sestgeschloffener Organisation bessere Verhältnisse zu er- zielen, und ob denn überhaupt diese planlos schaffende Pro» duktion, die Euch entweder zu unmäßiger Arbeit oder zu gänzlicher Arbeitslosigkeit verurtheilt, nicht durch geordnete Zustände ersetzt iverden kann. Kameraden! Alle, die Ihr«in Interesse daran habt, daß Eure Lebenshaltung nicht innner tiefer sinkt, Ihr alle habt auch die heiligste Pflicht, Euch der Organisatio» anzu- schließen und a» den Versammlungen und Besprechungen der- selbe» theilziinehmen, denn nur so ist es möglich. Eure Lage zu verbesser». Am 3. November findet die im Jnseratentheil an- gegebene Versammlung statt und fordern wir Euch auf. Mann für Mann zn erscheinen. Eine sehr erfolgreiche Bersaniiulung war es, die kürzlich in Vegesack für die Werftarbeiter einberufen war. Ge- noffe Ker rl- Bremen referirte über:„Zweck und Nutzen der Organisation". Eine neue Organisation wurde geschaffen und es traren derselben sofort 210 Versammlungstheiluehmer als Mitglieder bei. Tie auSstäudigeu Schiffsarbeiter von Belfast haben am 26. Oktober ein Manifest an die Gewerkschaften ihrer Heimath gerichtet, worin es heißt:„Wir wünsche» unseren Arbeitgebern zu beweisen, daß wir es nicht vergesse», iven» sie ihre Versprechungen vergessen oder ignoriren, und daß wir darauf bestehen, daß sie er- füllt werden. Wir bedauern, wenn unser Schritt unsere Brüder am Clyde mittrifft. Dennoch ist es aber gewiß, daß, wen» die Meister ihre thörichle Drohung ausführen, über die Mitglieder der Ver- schmolzenen Gesellschaft der Maschinenbauer am Clyde eine Arbeilssperre z» verhänge», dieser begegnet iverden wird, wie sie es verdient. Wir haben vom Clyde genügend Znsicherungen der s-yi»palhie erhalten und verlassen uns ebenso sehr auf unsere Mitarbeiter im Königreich. Unsere Exekutive bat trotz gegen- theiliger Meldungen uns eher zurückgehalten, als daß sie einen impiilstven Einfluß geübt hätte. Jetzt aber, wo der Kampf be- gönne» hat, billigt sie uusere Haltung ohne Einschränkung und mit Begeisterung."— Dopeslizen und letzte Z-lÄrhvichken« Weißetlfels, 31. Oktober.(W. T. B.) In der Grube „Paiil" bei Theiffen fand heute Morgen eine Keffelexplosian im Maschinenhause statt. Der Obersteiger Kruse wurde gelödtel, zwei Heizer wurden sehr schwer verbrüht. Paris, 31. Oktober.(W. T. B.) Hanotaiix lehnte endgiltig die Uebernahme des Ministeriums des Innern ab. Peytral wird an der neuen Znsammensetzung des Kabiuets nickt tbril- nehmen. Bourgeois setzt sein« Bemühung«», ein Kabinet zu stände zu bringen, fort. Paris, 31. Oktober.(W. T. B.) Das Kabinet ist gebildet. Die Besetzung ist folgende: Bourgeois Inneres und Minister, Präsident, Ricard Justiz und Kultus, Cavaignae Krieg, Lockroy Marine, Berthelot Unterricht, Doumer Finanzen, Guyot-Dcffaigne Arbeiten, Mesureur Handel, Combes Kolonien. Die Ministerien des Auswärtigen und für Zlckerbau sind noch zu besetzen. Bonrges, 31. Okiober.(W. T. B.) Prozeß Nayve. Die Marquise de Nayve hält bei ihrer Vernehmung als Zeugin mit völliger Ruhe die Behauptung ausrecht, daß ihr Ehemann ihren Sohn Menaldo ermordet habe. Glaögow, 31. Oktober.(W. T. B.) Obgleich die Mit- glieder des Werflbesitzer-Verbandes am Dienstag mit Entlassung der Arbeiter vorgehen� wollte», hofft man doch noch in letzter Stunde eine Einigung zu erzielen und die Krise noch vor Ende dieser Woche abzuivenden. Madrid, 31. Oktober.(B H.) Aus Havanna wird mitgetheilt, daß ein aus der Bucht von New-Iorl' kommender Dampfer ans Kuba 34 Kubaner mit 32 Kisten Munition ans Land gesetzt bat. Die Nachricht hat großes Aufsehen erregt, da man daraus schließt. daß die Regierung der Vereinigte» Staaten nicht die gehörige Ueberwachmig ausübt. und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu S Beilagen t Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 336. Freitag, den 1. Uovemder 1893. 13. Jahrg. Parteigenossen! Arbeiter! Wähler der III. AdtheUmtg des l, 5., 11., 13., 15., 17., 21, 27., 30., 33., 35., 39. u. 42, ÄmnMWM! Nnr 8. Movcinbev d. F. HoÄz die Sojik»lde»ttoNve»kio! Wir veröffentlichen nachstehend das Tableau der bevor- stehenden Sladlverordneten-Ersotzwahlen und bemerken aiisdrü�- lich, daß diejenigen Wähler, welche seit de in I. August verzogen sind, in d e»> j e n i g e n B e- z i r k zu wählen haben, in iv e l ch e in s i e z n r Z e i t der A u f st e l l u>i g der W ä h I e r l i st e n— also im Juli d. I.— g e iv o h n t haben. Wähler ist jeder Preuße, der 24 Jahre alt, seit einem Jahre in Berlin wohnt, seit dieser Zeit keine Arinen-Unterstätzung aus öffentliche» Mitteln erhalten und die ihn betreffenden Ge- meinde-Abgaben bezahlt hat, sowie mindestens in die zweite Steuerstuse(600—900 M. Einkommen) eingeschätzt ist. 2. Kommunal- Wahlbezirk, enthaliend die Stadtbezirke 6—10 und vom Stadtbezirk 144: Kleine Knrstr. 9, Niederwall- straße 24 u. 2S. Spittelmarkt 14 u. 14a, in welche»» ein Haus- besitzer zu wählen ist. Wahllokal: Uiedermallstr. 30 bei Kiihne. Kandidat: Expedient August Jacobey, Höchste. 33. 13. Kommnnal-Wahlbczirk und zwar: Theil l, cnlhallend die Stadtbezirke 82 und 83 und vo>i Stadtbezirk 81: Elisabeth- User 36 mit Ausschluß bor Grundstücke: Adalbertstr. 85, Naunyn- straße 59 von Stadtbezirk 83. Wahllokal: Adalbert�»'. 31 bei llnll. Thcil II, enthaltend die Stadibezirke 84 und 85 und vo» Stadlbezirk 36: Oranienstraßc 24— 26 und 180— 183; von Stadt« s bezirk 95: Mantenffelstraße 42, Oranienslraße 1; von Stadt- ' bezirk 97: Mariannensir. 51—53, Naunhnftr. 2—15, Mariaiincn« platz 6». Wahllokal: Granitustr. 100 bei Zschetige. Kandidat: Stadtv. Th. Mehner, Oranienstraste 184. 3. Kommiiual-Wahlbezirk und zwar: Thcil I, enthaltend die Stadtbezirke 21, 29 u. 30 und von Stadtbezirk 22: Wilhelm- straße 42a, Zimmerstr. 1, mit'Ausschluß des Grundstückes König- grützerstr. 121 von Stadtbezirk 21. Wahllokal: Albrrchtsgarten, Wilhrlmstr. 103. Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 26. 27 und 28, mit Ausschluß der Grundstücke Charlotlenstr. 11—12 bezirk 26, Lindenstr. 89, Markgrafenstr. 10—16 Junkerstr. 1 von Stadtbezirk 27. Wahllokal: Friedrichstr. 338 bei Leih. von Stadt und 35—94; Kandidat: Zigarrenhändler Otto Antrick, Steinmetzstr. 00. 7. Kommunal-Wahlbezirk, i n i st, und zwar: »v e l ch e m ein Haus« besitzer zu wählen ist, und zwar: Theill, enthaltend die Stadtbezirke 31, 32, 38 und 39 und von Stadtbezirk 46: Bülowstr. 93; von Stadlbezirk 45: Frobenstr. 1—11 und 41, An der Apostelkirche 1, Kurfürstenstr. 29—46 und 139—150; mit Ausschluß des Grundstückes Linkstr. 46 von Stadtbezirk 31. Wahllokal: Potvdnmerstr. 133 A bei Zimmermann Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 33—37. Wahllokal: Friedrich UUlhrlmstr. 13 bei Grundiuaun. Kandidat: Stadtv. Fritz Znbcil, Lindenstr. 100. 11. Kommunal-Wahlbezirk. in welchem ein Hausbesitzer zu wählen ist und zivar: Theil I enthaltend die Stadtbezirke 63, 65 und 67; mit Aucschluß der Grundstücke Belle-Allianceflraße 90, Gneisenaustr. 1 vom Stadtbez. 63. Wahllokal: Habet'« Krauerei, Kergmannstr. 5—7. Theil II enthaltend den Stadtbezirk 64. Wahllokal: Kockbrauerei, Fidiriustr. 3—6. Theil III enthaltend den Stadtbez. 66. Wahllokal: Zossenerftr. 30 bei Iaap. Theil IV enthaltend den Stadtbezirk 75. Wahllokal: Kibtoriaparb, Gneisenaustr. 07. Tdeil V entbaltend die Stadtbezirke 74 und 77. Wahllokal: Grimmllr. 0 bei Zchröder. Theil VI entbaltend den Stadtbezirk 76. Wahllokal: Kappoldt'« Kraurrei, Hasenhaide 33— L8. Theil VII enthaltend die Stadtbezirke 78 A und 78 B. Wahllokal: Gräfestr. 70 bei Lirbherr. Kandidat: Stadtv. Fritz Zubeil, Lindenstr. 100. 13. Kommunal-Wahlbezirk, in welchem ein Haus- besitzer zu wählen ist, und zwar: Theil I, eiilhaltend die Stadtbez. 83, 89,90 und von Stadtbez. 87: Admiralstr. 36— 40a, Britzerstr. 25. Kotlbuserstr. 7 und 8; mit Ausschluß des Grund- sti.ckes: Reick, enbergerstr. 173 von Stadtbez. 89. Wahllokal: Mariannenstr. 10 bei Hiltscher. Theil II enthaltend die Stadtbezirke 91—94; mit Ausschluß der Grundstücke: Lausitzerstr. 1, Skaliherstr. 39, 40 und 46, Wienerstr. 68 und 69 von Stadtbez. 94. Wahllokal: Neichenbergrrstr. 147 bei Gausemig. Kandidat: Stadtv. Gottfr. Schulz, Admiralstr. 40a. 17. Kommunal-Wahlbezirk nndzwar: Theill, enthaltend die Stadtbezirke 115, 116 und 117; mir Ausschluß der Grund- stäcke: Brandenburgstr. 17 und 64, Wasserlhorstr. 25a von Stadtbezirk 116. Wahllokal: 57/73. Gemriudeschule» Kraudenburg« straße 78/70— Turnhalle. Theil II, enthalteud die Stadtbezirke 114, 123 und 124; mit Ausschluß der Grundstücke: Prinzenstr. 91, Rilterstr. 19a— 29 und 96—105 von Stadtbezirk 123. Wahllokal: Liirsteustr. 10 bei Willre. Kandidat: Zigarrenljnndlcr Wilhelm Börner, Rittcrstraste 15. 34. Kommiiual-Wahlbezirk nndzwar: Theill, enthaltend die Sladibcziike 168, 169 und 172; mit Ausschluß der Grund- stücke: Breslanersir. 17, Fri.chtftr. 9— 10 und 81— 82, Schlesischer Bahnhos, Enipfaiigsgcbändc und Bahnanlagen bis zur Warschauer- straße von Stadtbezirk 168, Rüdersdorferstr. 41—51 von Stadt- bezilk 172. Wahllokal: Faugestr. 65 bei Gwrzarelr. Thcil II, euthalleiid die Sladlbezirke 170, 171 und 173; mit Ausschluß dcs Grundstückes: Koppenstr. 34 von Stadtbez. 173. Mahllokal: Krnncrii Kilsebeiir, Koppenstr. 68. Kandidat: Bildhaner Paul Tnpout, Solmsstr. 33. 37. Kommunal-Wahlbezirk, und zirar: Theill ent- haltend die Stadtbezirke 152. 154 il»d 155 und von Stadtbez. 146: Große Fraükfnrterslr. 70, Sckillingsir. 20; mit Ausschlnv der Grundstücke: Gr. Franksurterstr. 49 und 89, Markusstr. 30 von Stadtbez. 152, Pallisadeiistr. 83—39, Strauhbcrgerstr. 9 und 35 von Stadtbez. 155. Wahllokal: Meberstr. 341 bei Kreith,>upt. Tbeil II enihaltend die Stadtbezirke 153, 156»»d 159 und vo» Stodtbez. 151: Krantstraße la— 2 und 54a— 55a; von Sladtbz. 162: Andreasstr. 41—44 und 47, Blnmcnstr. 34-,— 41 und 43—51, Kraulstr. 53—54; mit Ansschlnß der Grundstücke: Große Frankfurlerstr. 90—100 und 127, Mnrkusftr. 29. Koppen« straße 35 von Stadtbez. 153. Gr. Fiankfnrlcrstr. 38—43, Weber- straße 64 von Siadldez. 156, Gr. Frankftirterstr. 19, lioppen- straße 37—40, Palllsadenslr. 33 von Stadtbez. 159. Wahllokal: Gr. Lranlisurtrrstr. 00 bei Martini. Stadtbezirk 225: Choriuersir. 4— 6 und 78—36, Zehdenickeistr. 9 Stadtbezirk 257: Ackersir. 27—28 und 143, Jnvalidenstr. 5 und 153—163; mit Ausschluß der Grunds! ücke: Fehrbelliuerstraße 53 bis 62 von Stadtbezirk 226. Wahllokal: 07. Gemrindrschn'e. Ackerstraßr 38 A- Turnhalle— Gingang: G.isabethhirchstr. 10. Theil II, enthaltend die Stadlbezirke 256, 268 und 269 und von Stadtbezirk 257: Jnvalidenstr. 143—152, Bcrgstr. 30 u. 31, Pappelplntz; von Stadldezhk 267; Bergstr. 62; mit Ausschluß der Grundstücke: Gartenstraße 26—35 und 145—155, Invaliden- straße 18—23 und 129—132 von Siadlbez. 268, Eljasserstr. 27 bis 30 von Stadtbez. 269. Wahllokal: 67. Grm-inbeschnl-, Ackerstr. 38 a— Aula— Gingang: Glisahrthkirchstr. 10. Kandidat: Uhlinachcr Otto Naethcr, Auklamcrstv. 44. S5. Koiumnnal-Wahlbczirk und zwar: Theill, enthaltend die Stadbezirke 229 und 230. Wahllokal: Fehrbellinerstr. 33 bei Dahlenburg. Theil II, enthaltend die Stadlbezirke 231, 232 und 233; mit Ansschlnß der Grundstücke: Kastanicn-Allee 86 und 70, Schwedt«!- straße 29 von Stadtbez. 233. Wahllokal: Swinemiinderstr. 140 bei Holm. Thcil III, enthallend die Stadibezirke 234, 235 und 286; mit Ausschluß der Eruudslücke: Bernauerstr. 26 von Stadt- bezirk 235, Rheiusbergerstr. 79 von Stadtbez. 236. Wahllokal: Rheiusbergerstr. 04 bei Uröll. Kandidat: Stadtv. Robert Hcrzfeldt, Plan-Ufer 41. Kandidat: Stadtv. Robert Herzfeldt, Plau-Nfer 41. Kandidat: Stadtv. Julius Henke, Nannyustr. 37. SO. Kommunal Wohlbezirk und zivar: Theill, eulhalteud die Sladlbezirke 202—206, mit Ausschluß der Grundstücke: Alexauderstr. 53, Preuzlaucrstraße 30,31 von Stadtbezirk 202, Münzstr. 8—9 von Stadlbezirk 2(5, Müiizstr. 1—7, Ziocksstr. 1 Iiis 6 und 15—19, Nene Schönhauserstr. 21, A» der Stadtbahn 40 von Sladlbezirk 206. Wahllokal: ,,UIii„zhof««, Münzstr. 30. Theil II, enlballeud die Stadtbezirke 207—209 und von Stadlbezirk 213: Linieustr. 202; von Stadtbezirk 210: Gipssir 13, Roseiiihalerstr. 25; mit Ausschluß der Grundstücke: Nene Schön- hauserstr. 1 und la, Weimneisterstr. la— 8 von Sladlbezirk 207. Wahllokal: Ziosenlhalrrstr. 4 bei Lirdlcr. Kandidat: Tischler Rudolf Millarg, Prinzessinncnstr. 8. 3Z. Kommunal-Wahlbezirk nndzwar: Tbeil I, enthaltend die Eladlbezirle 226, 227 und 255 und von Stadtbezirk 221: Angermnnderstr. I, Christinenslr. 1, Lolhriugerstr. 23—27; ron Für die Koiiimliua Wähler der hier ansgesührten Bezirke ist»och Gelegenhcit, die Wählerliste einzusehe»: 2. Bezirk bei Sommer, Grünstr. 21. 13. Bezirk bei Gottfried Schulz, Admiralstraße 40a. 15. Bezirk bei Mehner, Oraiiieiistr. 184. 17. Bezirk bei Börner, Ritierstr. 15. 24. Bezirk bei A. Böhl, Rüdersdorsetstr. 8. 27. Bezirk bei Schulze, Webersiraßc 10. 30. Bezirk bei Wernau. Rosenthalerstr. 57. X fluden in den oben bezeichileten Bezirke» Ersatzwahlen für die S t a d t v e r o r d n e t e n- B e r s a m m l u n g statt. Ihr habt zn entscheiden, welche Partei für die nächsten sechs Jahre diese Bezirke im Rothen Haus vertreten soll. Wenn der Herrschaft des Freisinns, welcher die städtische Verwaltung zum Tnmmelplatz kapitalistischer Interessen macht, und große Gebiete kommunaler Thätigkeit der Ausbentung durch das Privatkapital preisgiebt, erfolgreich entgegengetreten werden soll, so müssen wieder Männer ins Rathhaus geschickt werden, welche energisch und zielbewußt die Sache der politisch Unterdrückten und der wirthschaftlich Ausgebeuteten führen. An die Stelle der im Berliner Rathhause herrschenden»nanchesterlichcn Vcrwaltungsprinzipien müssen sozialistische Grundsätze treten. Die großen Aufgaben der Kommnne auf dem Gebiete des Verkehrsivesens, der Vergebung städtischer Lieferungen und Arbeiten sowie des Arbciterschntzcs, Verkürzung der Arbeitszeit, Schaffung auskömmlicher Löhne und vernünftiger Arbeitsbedingungen u. s. w. dürfen nicht wie bisher fast ausschließlich im Interesse von Aktiengesellschaften und Großunternehmern bearbeitet werden. Schule, Krankenpflege und Armenwesen müssen ivahrhaft volksthümlich eingerichtet, die sanitären Veihältuiffe in allen städtischen Anstalten— namentlich in den Schulen— erheblich verbessert werden. Solche das Gemeinwohl fördernde Einrichtungen wollen die sozialdemokratischen Stadtverordneten schaffen, seit 12 Jahren sind sie stetig bemüht, den Boden dafür zn ebnen. Parteigenossen! Benutzt die Zeit bis zur Wahl zu unablässiger Agitation für die sozialdemokratischen Kandidaten. Veranlaßt die Indifferenten zum Besuch der Wähler- Versammlungen, daniit sie aufgeklärt»Verden. Belehrt El»rc Arbeitsgenossen über die Nothivcndigkeit der Wahl von sozialdemokratischen Stadtverordneten, lleberzeugt die Ziveifelnden, unterrichtet und festigt die Schivankeilden, indem Ihr ihnen die Thätigkeit und die Anträge der Sozialdeinokraten in» Rathhans vor Augen führt. Der 8. November muß für die Sozialdeu»okratie im Rothen Hause wieder ei>» Siegestag werden. Sorgt dafür, daß jeder Wähler am 8. November zur Wahl geht und seine Stinime dem sozialdemokratischen Kandidaten giebt. Arbeiter? Parteigenossen! We>ln die Besitzlosen und Nothleideuden sich ausraffen,»venu Arbeiter und Handiverker, Kleingewerbtreibende und Angestellte ihr Wahlrecht, so»vie es ihr Klasseniilteresse gebietet, ausüben, dann ist der Sieg unser! Thne deshalb jeder seine Schuldigkeit! Vorwärts! 30. Kvuiuiuual Wahlbezirk, in ivclcheu» ein Hausbesitzer zn»vählen ist. und z,var: Theil I, enthaltend die Stadtbezirke 216, 2l7»ud 280 und von Sladlbez. 211: Arlillerieslr. 13—16, Ztegelstr. 14—21; von Stadtbezirk 215: Arlillerieslr. 4a— 4o, 21 und 31— 31a, Augnslstraße 4, Oranienburgerstraße 35— 39 und 64-69; mit Ausschluß der Grundstücke: Augustsir. 1—2 und 89—93 von Stadtbez. 216. Wahllokal: Frirdrichstv. 133 bei K»!iu>er. Thcil II, eulhalieud die Stadtbezirke 279, 281—283 und 255 und von Siadlbez. 286: Alt-Moabit 129, Werststt. 21; mit Aul- schluß der Glundstücke: Jnvalidenstr. 80—83 von Stadldez. 232. Wahllokal: Fuisrustr. 55 vri Kurnz. ' 43. KoUtwnual-Wahll'ezilk. in welchen» ein Hansbesitz-r zn»vähie», ist, und zivar: Theill, enthallend die Siadtbezhke 276, 277 und 278. Wahllokal: Ucne Koch kr. 10 bei Aliwann. Tbeil II. enthaltend die Siadtbezilke 319 und 320,»uit Ans- schluß der Grundstücke: Panlstr. 7 und 47 vo» Sladlbezirk 319. Wahllokal: 118. Grmrindrs'chnlr Panlrflr. 8(T» rn» Halle). Thcil III, eulhalteud die Stadtbezirke 321- 323. Wahllokal: Stdiinrrstr. 57 bei Kchnlz. Tbeil IV, entbaltend die Stadlbezirke 324—326 nnd von Stadtbezirk 313: Exerzierstr. 12, Schnlstr. 61-86. Wahllokal: Marienbad, Kadstr. 35/30. Kandidat: Expedient August Jaeobey, Hochstr. 33. Vev Vvezstsuev �srkeikslg unt» die AgravfrNge betitelt sich eine in der„Neuen Zeit" erschienene Betrachtung von Karl Kautsky, die wir hier wiedergeben, da sie Er- läuterungm zu der Kautsky'schen Nesolution enthält: Wenigen Parteitagen hat man mit solchem Interesse ent- gegcngesehen wie dem Breslauer. Wohl handelte es sich bei anderen der früheren Parteitage um ebenso wichtige Fragen, wie in Breslau, wohl standen auf denselben ebenso heftige Aus- einandersetzungen in Aussicht, aber durch eines unterschied sich dieser von seinen Vorgängern. Der Entwurf eines Agrar- Programms, den die Agrarkommission den Genossen vorlegte, stand drei Monate lang zur Diskussion und erfuhr die heftigsten Angriffe; die Mitglieder der Kommission aber, die den Enlwurs ohne jede Begründung veröffentlicht, blieben gegenüber der Kritik, wenigstens in der Presse, stumm, wenn wir von Dr. David absehen, dessen Stellung in der Konnnission selbst eine besondere war. Als der Brcslauer Parteitag zusammentrat, kannte man wohl die Argumente der Gegner der Vorlage, aber man kannte nicht die Argumente ihrer Urheber, ja, man kannte die cndgiltige Form der Vorlage selbst nicht; den» unmittelbar vor dem Zusammentritt des Parteitags noch hatte die Kommission eine Neuformulirung derselben berathen und beschlossen. Man stand also vor etwas Unbekanntem und machte sich auf Ueberraschungen gefaßt. Diese sind ausgeblieben. Die Vorlage war in der Schlußsitzung der Kommission in formeller Beziehung verändert worden, in den wesentlichen Punkten blieb sie dieselbe. Und unter den Argumenten, die auf dem Parteitage zu gunsten der Vorlage vorgebracht wurden, fand sich keines, das deren Kritiker nicht bereits vorher ins Ange gefaßt und erwogen hätten. So war es denn selbstverständlich, daß der Parteitag über die schließliche Vorlage dasselbe Urtheil fällte, welches die Mehrheit der Parteigenossen in ihren Versammlungen bereits über den ersten Entwurf gefällt hatte. Aber der Parteitag begnügte sich nicht mit der einfachen Ablehnung des Agrarprogramms, sondern er motivirte sie auch in einigen kurzen Sätzen, die nicht nur ein Urtheil über dieses besondere Programm, sondern über jedes Aararprogramm, das sich in gleicher Richtung bewegt, enthalten. Diese Sätze sind von nun an maßgebend bei der Gestaltung der praktischen Thäligkeit unserer Partei unter der Landbevölkerung und für dieselbe. Es lohnt sich also wohl, sie näher daraufhin anzusehen, was sie in Wirklichkeit besagen und was nicht. Die Nesolution lautet: „Der von der Agrarkommission vorgelegte Entwurf eines Agrarprogramms ist zu verwerfe». Denn dieses Programm stellt der Bauernschaft die Hebung ihrer Lage, also die Stärkung ihres Privateigenthnms in Aussicht; es erklärt das Interesse der Landeskultur in der heutige» Gesellschaftsordnung für ein Interesse des Proletariats, und doch ist das Interesse der Landeskultur ebenso wie das Interesse der Industrie unter der Herrschaft des Privateigenthums an den Produktionsmitteln ein Interesse der Besitzer der Produktionsmittel, der Ausbeuter des Proletariats. ferner weist der Entwurf des Agrarprogramms dem usbeuterstaat neue Machtmittel zu und erschwert dadurch den Klassenkampf des Proletariats; und endlich stellt dieser Entwurf dem kapitalistischen Staat Aufgabe», die nur ein Staatswesen ersprießlich zur Durchführung bringen kann, in dem das Proletariat die politische Macht erobert hat. Ter Parteitag erkennt an, daß die Landwirlhschast ihre eigenthümnchen, von denen der Industrie verschiedenen Gesetze hat, die zu studiren und zu beobachten sind, wenn die Sozial- demokratie auf dem flachen Land eine gedeihliche Wirksamkeit entfalten soll. Er beauftragt daher den Parteivorstand, er möge unter Berücksichtigung der bereits von der Agrarkonimission gegebenen Anregungen eine Anzahl geeigneter Personen mit der Aufgabe betrauen, das über die deutschen Agrarverhältnisse vor- handene Material einem gründliche» Studium zu unterziehen nnd die Ergebniffe dieses Studiums in einer Reihe von Abhandlungen zu ver- öffentlichen als„Sammlung agrarpolitischer Schriften der sozial- demokratischen Partei Deutschlands". Der Parleivorstand erhält Vollmacht, die nöthigen Geld- ausivendungen zu machen, um den mit den erwähnten Arbeilen betraulen Genossen die Erfüllung ihrer Arbeit zu ermöglichen." Am meisten Anstoß erregte bei de» Gegnern dieser Resolu- tion der Satz, der sich gegen die Jdentifizirung der Interessen des Proletariats mit den Interessen der„Landeskultur" wendet. n der That, bedeutet dieser Satz nicht die Proklainirung des rieges gegen die Kultur, die Jdentifizirung des Proletariats mit der Barbarei? Oder sollen ivrr erst dann mit der praktischen Arbeit im Interesse der Kultur warten, bis der große Tag der Revolution kommt? Sollen wir bis dahin alle praktische Kulturarbeit aufgeben? Wäre das nicht ein Umsturz unserer ganzen bisherigen Taktik? Fast sieht es so aus, aber nur für jene, die nicht näher zu- sehen und die über den» Wörtchen„Kultur" alles andere ver- gesse». Was heißt„Landeskultur"? Die„Landeskultur", von der der Entwurf der Agrar- kommisston spricht, heißt zu deutsch nichts anderes als„Land- wirthschaft". Und das Interesse der Landwirthschaft ist heute gleichbedentend mit dein Interesse der Landwirthe, also der Grundbesitzer und ihrer Pächter. Unsere Gegner liebten es bis- her, ihre Klasseninteressen hinter dem ivohltönenden Namen irgend eines schönen Abstraktums zu verbergen, die Interessen der Kapila- listen und der Junker wurden zu Interessen der„nationalen Industrie" und der„nationalen Landwirlhschast" oder gar zu Interessen des„Volkswohlstands", des„Nationalreichthunls", der „nationalen Arbeit" und des„vaterländischen Bodens". Ein Theil unserer Ausgabe bei der Kritik dieser Klasse» bestand darin, den Schein zu zerstören, den jene schönen Worte erzeugten, und die konkreten Sonderinteressen zu kennzeichnen, die dahinter stecken. Der in Rede stehende Satz der Ltesolution des Breslauer Parteitags sucht zu verhindern, daß ein ähnliches Hantiren mit solchen Worten in unserer Partei plahgreist und daß unter dem Schutze dieser Worte die Vertretung der Interessen des Grundbesitzes zu einer Aufgabe des käiupsenden Proletariats gemacht wird. Er wendet sich dagegen keineswegs gegen die Betheiligung unserer Partei an der Förderung von Kulturaufgaben, er macht auch nicht miter allen Umständen und bedingungslos die Förderung von Interessen der„Laudeskultur" unmöglich. Die Interessen des Proletariats stehen ja keineswegs i» allen Punkten im Gegensatz zu den Interessen aller anderen Klassen, auch nicht zu denen der Grundbesitzer und Kapitalisten. An einer guten Volksschule oder an billigen Lebensmittel» haben z. B. nicht blas die Proletarier, sondern auch die Kapitalisten ein Interesse. An der Trockenlegung sieber- schwangerer Sümpfe sind nicht blos die Grundbesitzer interessirt, denen sie gehören, sondern noch mehr die Proletarier, die dort Hausen und arbeiten. Wir haben daher unter Umständen wohl für staatlichen Unternehmungen zur Förderung der„Landeskultur" einzutreten, aber stets wird der entscheidende Gesichtspunkt dabei das Juteresse des Proletariats und nicht das der Landwirlh- schast sein. Mit dem erwähnten Sah wird durchaus kein neuer Grund- sah in unsere Partei eingeführt und die praktische Tbätigkeit ihrer Vertreter in den Landtogen und Gemeindevertretungen keineswegs möglich gemacht. Dieser Grundsatz war vielmehr für deren bisheriges Wirken stets maßgebend— von einigen Stcgiuüllereien abgesehen. Der Satz von der„Landeskultur" ist derjenige, der die meisten Bedenken erregt hat. Einfacher liegt die Sache bei den anderen. Jndeß hat mancher auch aus ihnen mehr herausgelesen, als sie besagen. Der erste Satz der Motivirnng ivendet sich dagegen, daß man der Bauernschaft die Hebung ihrer Lage, also die Stärkung ihres Privateigeiithums in Aussicht stellt. Das bedeutet selbstverständlich nicht das Ablehnen jeder praktischen Thätigkeit zu gunsten der Landbevölkerung. Sind doch die Kleinbauern, die keine Lohnarbeit leisten, nur ein Theil derselben, und zwar keineswegs der größere, sondern in Deutschland nur, soweit man nach dem vorhandenen statistischen Material urtheilen kann, ein Fünftel. Den weitaus größten Theil der landwirthschastlichen Bevölkerung Deutsch- lands bildet die ländliche Lohnarbeiterschaft mit oder ohne Landbesitz. Das praktische Eintreten für diese wird durch die Resolution nicht im geringsten gehindert. Aber auch das praktische Wirken für die Bauernschaft wird dadurch nicht im allgemeinen unmöglich gemacht, sondern nur eine bestimmte Richtung desselben abgelehnt: das Wirken in der Richtung des Schutzes der bäuerlichen Betriebsweise, also des bäuerlichen Privateigeuthums an Grund und Boden. Damit wird eine praktische Reformthätigkeil für die laudwuthschaftliche Bevölkerung ebensowenig abgeschnitten, als die Ablehnung des Hand- werkerschutzes eine praktische Rcformlhäligkeit zu gunsten der industriellen Bevölkerung ausschließt. Wir können und dürfen die Proletarisirnng der Banernschaft nicht bindern, wohl aber können wir dahin wirken, daß sie sich unter möglichst wenig brutalen Formen vollzieht. Auf diese Wirksam- keil hat schon Engels in seinem auf dem Parteilag so oft zitirten Artikel hingewiesen, in dem er sagte:„Wir können ferner dafür eintreten, daß der Kampf der Kapitaliste» und Großgrundbesitzer gegen die Kleinbauer» schon heule mit möglichst wenig unrechtlichen Mitteln geführt nnd direkter Raub oder Prellerei, wie sie nur zu häufig vorkommen, möglichst verhindert wird." Ueber den Erfolg dieser Thätigkeit dürfen wir uns freilich keine» Illusionen hingeben.„Das wird nur ausnahms- weise gelingen," nieinte Engels. Aber sie gehört zu unseren Aufgaben, und die Breslauer Liesolution steht ihr keineswegs im Wege. Ein Auftrete», wie das unserer Genossen im bayerische» Landtag in der Fuchsmühler Affaire, ist vollkommen korrekt, auch vom Standpunkt dieser Resolution aus. Aber wir können noch mehr für die bäuerliche Bevölkerung thun, ohne mit dem Beschlüsse des letzten Parteitags in Konflikt zu gerathen. Die Breslauer Resolution schließt wohl alle Maßregeln aus, die der Proletarisirnng des Bauern entgegenwirken; aber sie schließt keineswegs alle Maßregeln gegen seine Verelendung aus. Proletarisirnng und Verelendung sind nicht nothivenbigerweise gleichbedeutend. Wohl gehe» sie sehr oft Hand in Hand; aber der niedergehende Kleinbetrieb erreicht in jeder Gegend und i» jedem Produktionszweig früher oder später ein Stadium, von dem an das Privateigenthum an den Produktionsmitteln für den Be- sitzer des 5?leinbetriebs eine Last wird, die ihn niederdrückt, de- gradirt und korrumpirt, wo der Kleinmeister oder Kleinbauer ökonomisch, moralisch, intellektuell unter das Niveau des besitz- lose» Lohnarbeiters sinkt, wo das Privateigenthum ihn verelendet, und die Proletarisiiung, das Abstreifen seines Eigenthums, die Vorbedingung feiner Neuerhebung wird. Wo es so weit ge- kommen ist, da erweisen sich die Maßregeln, die der Verelendung steuern sollen, in der Regel gerade als jene Mittel, die der Proletarisirnng am meisten Vorschub leisten. Man dehne die Fabrikgesetzgebung auf das Handwerk aus nnd man fegt einen großen Theil der Kleinbemebe hinweg; man verlängere die Schulpflicht bis zum sechzehnten Jahr und man untergräbt eine Lieihe bäuerlicher Wirthschaslen, nicht nur dadurch, daß man ihnen die so billige» kindlichen Arbeitskräfte raubt, sondern auch dadurch, daß der verlängerte Schulbesuch in denKindern Bcdürsniffe großzieht, denen das väterliche Gütchen nicht genügen kann. Der Verelendung, nicht der Proletarisirnng, entgegen- zuwirke», bleibt unsere Aufgabe nach wie vor. Wir dächten, die Resolution des Parteitages ließe»ns da gerade genug zu thun übrig. Noch ein Punkt ist in Erwägung zu ziehen: der Staats- sozialismus. Die Resolution des Breslauer Parteitages wendet sich da- gegen, daß man dem kapitalistischen Staat nene Machtmittel i» die Hände giebt, wodurch der Klassenkampf des Proletariats er- schwert wird, und daß man ihm Aufgaben zuweist, die nur ein Genieimvesen durchführen kann, in dem das Proletariat herrscht. Dieser Passus, wurde von einigen Seilen behauptet, schließe die Verpflichtung ein, von jetzt au gegen jede Art Ver- staatltchung, ja gegen jedes Eingreifen des Staates in die wirth- schaftlichen Verhältnisse Front zu machen. Das ist keineswegs richtig. Dieser Satz richtet sich nur gegen Bestrebungen, die einen stnatssozialistische» Charakter tragen. Was kennzeichnet den Staatssozialisten? Seine Forderungen und Ziele? Nein, die Staatssozialisten selbst gehen in bezug auf ihre Forderungen nnd Ziele weit auseinander; während einige schon mit Rrbeitcrversicherungen sich begnügen, giebt es oder gab es wenigstens solche, deren Ziel ein sozialistisches Gemeinwesen. Was dagegen alle Staatssozialisten gemeinsam haben und was sie von der Sozialdemokratie trennt, ist die Thatsache, daß sie schon vom Heuligen Staat die Turchsührung von Maßregeln erwarte», die bestimmt sind, die kapitalistische Pro- duklionsweise umzugestalten, ihr einen mehr oder weniger sozialistischen Charakter zu geben. Die Sozialdemokratie dagegen erklärt es für eine Utopie, im heutige» Staat und durch ihn die kapitalistische ProUiktions- weise umgestalten zu wollen. Das ist von ihrem Standpunkt ans auch gar nicht nolhwendig. Denn die herrschende Pro- duklionsweise selbst ist es, welche die Vorbcdiugungeu der sozia- lislischen Gesellsct aft hervorbringt, auf der einen Serie die Groß- Produktion, die gesellschaftliche Produktion ist, und aus der anderen Seite das Proletariat, bas bei Strafe seines Unterganges gedrängt wird, die politische Macht zu erobern und die Mittel der gesellschaftlichen Produktion i» den Besitz der Gesellschaft über- zuführen. Von diesem Standpunkt ans besteht die näctrste und wichtigste Hauptaufgabe der Sozialdemokratie darin, das Proletariat fähig zu machen, die politische Macht zu erobern. Tagegen müffe» alle jene Elemente zum Staatssozialismus neigen, welche wohl die Berechtigung der sozialistischen Kritik anerkennen, die aber von der Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat nichts wissen wollen; ebenso aber auch jene Elrinente, denen die ökonomische und politische Entwicklung zu langsam vor sich geht, und die sie gerne fvrciren möchten. Sic möchten sozialistische Einrichtungen schon in einem kapita- lislischen Staalsivese» mit Hilfe des letzteren verivirklichen. Diese Neigung wird besonders leicht cinlrelen bei Sozialisten, die die bäuerliche Bevölkerung in der heutigen Gesellschaft vor dem Uutergang im Proletariat bewahre» möchten, ohne daß sie die wirlhschastliche Entwicklung aufhallen wollte». Die Expropriation, die Prolctr.risirmig ist die kapitalistische Methode des Fortschreitens des Großbetriebs; es ist eine scheußliche, brutale Form der Entwicklung. Einer sozialistischen Gesellschaft ständen andere, humanere Methode» der Entwicklung zu Gebote. Will nian die Bauer» in der heutigen Gesell- schast vor der Pcolktarlsiruug bewahren, ohne die ökonomische Entwicklung zu heminen, dann bleibt nichts übrig, als zu versuche», die fozialtsti sehen Methoden dieser Entwicklung in die kapitalistische Gesellschaft niit Hilfe des kapitalistischen Staates zu verpflanzen, das heißt, Staatssozialismus zu treiben. Dagegen wendet sich die Breslauer Resolntion. Aber sie be- sagt keineswegs, daß jede Verstaatlichung ökonomischer Einrichtungen und Funktionen im heutigen Staat verpönt sei. Es giebt eine Reihe solcher Einrichtungen und Funklione», deren Verstaatlichung bereits im kapitalistischen Staat nothwendig wird, nicht als Mittel, die bestehende Prodnklionsweise um- zunälzcn, sondern als Mittel, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Derartige Aerstaatlichunge», z. B. die der Eisen- bahnen und großen Zentralbanken, bedeuten weder den V-rsuch, sich der ökonoinischen Entwicklung entgcgenznstcnnnen, noch den Versuch, eine Phase derselben zu überspringen und aus käust- lichem Wege Organisationösormen einer neue» Gcsellichast zu schaffen, ehe deren Vorbedingungen völlig entwiclell find. Die Haltung des Proletariats gegenüber Berstaatlichunaen letzterer Art hängt von mannigfachen Umständen ab, in erster Linie von dem Höhegrad seiner politischen Macht im Staate, dann von dem besonderen Charakter der zu verstaatlichenden Einrichtungen, ob sie bereits private Monopole bilden, von dem Grad der Abbängigkeit ihrer Arbeiter, der ökonomischen Wichtig- keit ihrer Funklione» rc. Für die deutsche Sozialdemokratie wird die Frage der Ver- staatlichungen diefer Art in nächster Zeit kaum Aktualität erhalten. Immerhin sei hier daraus hingewiesen, daß die Agrarresolution des letzten Parteitags nicht jede Verstaatlichung ökonomischer Ein- richlungen nnd Funktionen verurtheilt, sondern nur solche, welche die Arbeiterklasse in größere Abhängigkeit vom Staat bringen oder die in utopistischer Weise vom kapitalistischen Staat die Durchführung von Maßregeln erwarten und verlangen, die den Kapitalismus aufheben und den Sozialismus vorbereiten sollen. In allen diesen Punkten hat die Breslauer Resolution keine neuen Normen geschaffen. Sie besagt nichts, als daß unsere Partei auf dem Breslauer Parteitag die Schritte wieder zurück gemacht hat, die sie auf dem Frankfurter Parteilag und seit ihm in der Richtung des Bauernschutzes vorwärts machte; daß die Sozialdemokratie es nicht für nothwendig hält, ihre„Grundbegriffe" einer„Revision" zu unterziehen, daß sie diese bei eingehender Prüfung für ebenso sicher begründet gefunden hat wie ehedem, daß sie bleibt, was sie geivesen ist, die Partei des kämpfenden Proletariats. Das heißt natürlich nicht, daß jede weitere Disku'.irung der Agrarfrage überflüssig geworden sei. Die Breslauer Resolution verhindert sie nicht, sie giebt ihr nur eine bestimmte Richtung: sie setzt das Agrarprogramm von der Tagesordnung ab, um aus dieselbe die Diskussion über die Grundlagen der sozialdemo- kralischen Agrarpolitik zu setzen. Ehe wir über ein Land- Programm debattiren, müssen wir uns einig geworden sein über die Aufgaben, die wir aus dem Laude zu erfüllen haben. Wir dürfen mit Zuversicht erwarten, daß diese Diskussion eine ersprießliche und fruchtbringende sein wird. Tie Be- sprechung der Agrarfrage in der Presse ist bisher eine vorwiegend sachliche gewesen und dasselbe war der Fall auf dem Breslauer Parteitag. Wenn wir absehen von dein häuslichen Streit von Mitgliedern der Agrarkommission unter einander über ihr Verhalten in dieser Kommission, so können wir konstatiren, daß jegliche persönlichen Angriffe ernsterer Art fehlten und die Debatten fast ausschließlich nach rein sachlichen Gesichtspunkten geführt wurden. Allerdings nicht gleichmüthig, sondern mitunter sehr erregt; aber es stände schlimm um unsere Sache, wenn es anders wäre. Toleranz in dem Sinne, daß man jede Meinung für gleichberechtigt ansieht und darauf verzichtet, die der eigenen Ueberzeugung entgegenstehende zu bekämpfe», ist nur möglich in gleichgiltigen Dingen. Wir können z.B. religiöse Toleranz in diesem Sinne heute nur üben, weil die Religio» eine höchst gleichgiltige Sache geworden ist. Unsere Stellung zur Agrarfrage ist aber nicht gleichgiltig für die Sache des kämpfenden Proletariats, und je leidenschaftlicher wir diese Sache lieben, der ivir dienen, um so leidenschaftlicher mußten die Debatten sein. Gerade weil wir einig sind in dem Drange, die Sache des Proletariats zum Siege zu führen, mußte unser Zwiespalt energisch sich äußer» in der Frage, in der wir verschiedener Meinung sind, der Frage nach dem Verhältniß zwischen Proletariat und Bauernschaft. Aber die Einigkeit in der große» Sache muß auch bewirken, daß die Meinungsverschiedenheiten in der kleineren zu keiner Ver- bitterung führen. Und so können wir ruhig fortfahren, über die Bauern zu diskutire». Das wird uns kein Jota unserer Kraft nehmen und uns nicht hindern, für das Proletariat zu kämpfen, wie wir bisher gekämpft. Denr V .»Gvoben eine Auslegung nach einer neuen Richtung hin zu geben, war gestern der 141/142. Abiheilung hiesigen Schöffengerichts vor- behalten. Vor derselben hatte sich, beschuldigt der VerÜbung groben Unfugs, der verantwortliche Redakteur der F a ch z e i t u n g„Der Töpfer", des Organs des„Allgemeinen Vereins der Töpfer Deutschlands", B a b i e l, zu verantworten. Der Thalbcstaud wurde gerichtsseilig in einer Bekanntmachung ge- funden, die in Nr. 20 des„Töpfer" ander Spitze des Blattes erschienen war. Diese begann mit den Worten:„Zuzug ist fernzuhalten", sührte— unter Angabe der Gründe, wie Streiks n. s. w.— ein« Reihe von Städten auf, für die jene Aufforderung Geltung hatte, und schloß mit den Worten:„Mitglieder des Verbandes, welche jetzt i» diesen Orlen Arbeit nehmen, werden ausgeschlossen." Babiel war wegen dieser Veröffentlichung mit einem Straf- Mandate in Höhe von Ivo M. bedacht worden und halte hier- gegen die richterliche Eutscheidung beantragt. Die von der Ver- lheidigung, welche in den Händen des Rechtsanwalts Dr. W e r t h a u e r ruhte, geftellle» Anträge auf Vernehmung des Töpfers Kaulich und eines Preßsachverstäudigen, welche bekunden sollten, daß erstens da? Fachblatt„Der Töpfer" nur au die Verbandsmitglieder, also an»inen beschränkten Personen- kreis verabfolgt werde, und zweitens, daß ähnliche Bekannt- machungen, z. B.„Kauft nicht bei Juden!",„Russische Werthe sind nicht zu beleihen" je,»nbeauslaudet auch in anderen Zeitungen, insbesondere in Blättern, die den Arbeitgebern nahe- stehen, erscheine», wurden als unerheblich abgelehnt. Der Amlsauwalt erachtete den Thalbestand des„groben 11n- sugs" für vorliegend. Seiner Ansicht nach würden durch die erwähnte Bekanntmachung nicht nur die Arbeitgeber des Töpsergewerbcs, vielmehr auch eine ganze Reihe von Arbeitgebern anderer Branchen beunruhigt, denn die Verbreitung des Fachblattes beschränke sich nicht auf den Kreis der Verbandsmitglieder. Die Zeitschrift könne sich vielmehr jeder beschaffen, der sie lesen wolle. Auch die Ntit- glieder des Verbandes, der sich über ganz Deutschland erstrecken, stellen seiner Meinung nach eine große, unbestimmte Menge dar, da sie nur in einem losen Zusammenhange ständen. Er hielt den Angcliagieii der VerÜbung groben Unfugs durch die Presse für schuldig. I» Beziebung auf die Bestrafung beautrogie der Amtsauwalt, von der Verhängung einer Geld- strafe Abstand zu nehmen, da solche in der Regel nicht vo» dem Verurlheilten bezahlt werde, vielmehr eine Freiheitsstrase ein- treten zu lassen. Sein Antrag lautete aus 14 Tage Haft. Was das Erscheinen ähnlicher Bekannt- m ach u n gen in anderen Zeitungen betreffe, so ivürde auch bezüglich dieser das Erforderliche erfolgen. Seitens des VertheidigerS wurde die Freisprechung seines Klienten beantragt. I» der Auslegung des„Groben Uusilg- Paragraphen" sei die Judikatur bis jetzt dahin gelaugt, den Boykott für groben Unfug zu erklären, weiter aber auch nicht. Hicr werde dem gedachten Paragrapheu zum ersten Male eine ganz neue Auslegung gegeben. Er Halle die Strafbarkeit aiis luristischen Gründen für völlig ausgeschlossen. Sollte der Gerichts- Hof indessen zu eii er gegeiilheiligen Anschauung gelangen, so müsse derselbe doch aus Freisprechung erkennen, da zu einer Straft bat das Bewußtsein rechtswidrigen Handelns gehöre, dessen Vorhaudcnsein er bei dem Angeklagten ganz eutschiede» in Abrede stellte. Im weiteren trat er der An- sicht des Aintsanivalts entgegen, daß der Angeklagte eine eventnclle Geldstrafe nicht aus eigenen Mitteln bezahlen würde> und erbot sich, für das Gegentdeil Beweise zu erbringen. Der Gerichlshof gelaugte thatsächlich zu der von dem Auilsanivalt verlrelelien Anschauung und verurtheilt« Babiel zu einer Haft- strafe von 14 Tagen. Nach der vom Vorsitzende» gegebenen Begrüiidnng erblickte der Gerichlshof in der vor- »rwähnten Bckailvliuachnug eine öffentliche Vcrrufserklärung, die gecignel sei, den össeullicheu Flieden zu stören und weite K»e>s« ga beunruhigen. Nicht nur die Arbeitgeber des Töpsergewerbes/ sonder» auch die Arbeitgeber jedweder anderen Branche würden sozusagen geängstigt, indem sie befürchten müßten, daß auch an sie die Reihe kommen könne und auch gegen sie so vorgegangen werden könne, wie es in der Bekanntmachung geschehen sei. Aber auch de» Schlußsatz der Bekanntmachung erachtete der Gerichts- bof für groben Unfug. Die öffentliche Bedrohung milbesonderen .uachtheileu, im vorliegenden Falle Ausschluß aus dem Verbände nach der bekannten Parteitaktik.„wer stch nicht fügt, fliegt hin- aus", sei aus denselben Gründen, wie vorher angeführt, ge- eignet, die Arbeitnehmer nicht nur des Töpfergewerbes, sondern auch jeder anderen Branche zu beunruhige». Aus dem Um- stände, daß die Staatsanwaltschaft bisher ähnlichen Ver- gehen anderer Redaktcure gegenüber sich zurückhaltend gezeigt habe, könne der Angeklagte keine Rechte für sich herleiten. Wo kein Kläger, sei bekanntlich auch rein Richter. Als Redakteur hätte Babiel übrigens die Er- leuutniß seines strafbaren Handelns haben müsse»; auch sei das fahrlässige Handel» strafbar. Auf eine Freiheitsstrafe sei erkannt worden, weil ersahrungsmäßig Geldstrafen in der Regel aus der Redaklionskasse oder aber aus der allgemeinen sozialdemokratischen Parteikasse bezahlt würden. Gegen dieses Urtheil wird Berusung eingelegt werden. Von Interesse wird es sein, gleich im Anschlüsse eine andere Auslegung des groben Unfugsparagraphen kennen zu lernen: Genosse Seifarth in Gera stand am Zv. Oktober vor dem Schöffengerichte wegen Verübung groben Unfugs, den er dadurch begangen haben sollte, daß er in einer Nummer der„Reußischen Volkslribüne" eine Notiz gebracht habe, in welcher die Lokal- kommisston in Debschwitz der unter den Genossen verbreitete» irrigen Ansicht, ein bestimmtes Lokal stehewieder zuVolksversammlungen zur Veisügimg, mit der Erklärung entgegentrat, daß der Besitzer des Lokals es abgelehnt habe, mit der Kommission zu verhandeln. Zum Schlüsse der Notiz hieß es, das pp. Lokal sei also nach wie vor zu meiden. Die Staatsanwaltschaft hatte Anklage erhoben wegen Vergehens gegen§ 360 Abs. H des Slr.-G.-B. und stützte sie auf eine Reichsgerichts- Eulscheidung vom 14. Juni, worin die Aufforderung zum Boykott als grober Unfug erklärt ist. Der Staatsanwalt beantragte 10 M. Geldstrafe, weil der Wirlh gegen solche„Belästigungen" geschützt werden müsse. Der Vertheidigw bemertte dagegen, daß keine Belästigung des Publikums vorliege, da die Erklärung der Lokalkommission sich gar nicht an das allgemeine Publikum, sondern an eine Parteigruppe, die Sozialdemokraten, richte. Seifarth selbst führte noch aus, daß er im öffentlichen Jntereffe gehandelt habe, weil der Wirlh durch seine Saalverweigerung unseren Parteigenossen ein staatsbürgerliches Recht, sich zum Zwecke der Erörterung öffentlicher Angelegenheiten zu versammeln, illusorisch ge- »lacht habe. Das Gericht schloß sich der Anschauung des Vertheidigers a», indem es auf Freisprechung erkannte und zugleich die Richtigkeit der Reichsgerichts«Entscheidung anzweifelte, der anders lautende Ent- scheid ungen des Ober-Landesgerichts entgegen- ständen, außerdem sei überhaupt zweifelhast, ob durch diePresse groberUnfug verübt werden könne. UirfmleS. Die Adressen der Berliner VertranenSpersonen nach numuehr vollzogener Neuwahl sind folgende: Im 1. Wahlkreis: Augilst Täterow, Gräfestr. 6; Fritz Fellgentreff, Rcichenbergerstr. 21. I m 2. Wahlkreis: W i l h. S ch l i ch t i n g, Dieffen- bachstr. 63, Hof pari. l.; H e r m a n n W e r n e r, Bülowstr. 59. Im 3. Wahlkreis: Stephan Fritz, Oranienstr. 157, vorn 4 Tr.; Wilhelm Georgi, Simeonstr. 22, 4 Tr. I m 4. Wahlkreis: Südost: Franz Schulze. Oppelnerstr. 15, 2 Tr.; W i l h e l in Gurtschke, Skalitzerftr. 59, tos park, r.;— Ost: Robert Wengels, Fruchtstr. 30, os2Tr.; Franz Thielke, Straußbergerstr. 32, vorn 2 Tr- Im 5. Wahlkreis: R. Richter. Neue Königstr. 90; Karl Teufert, Greifswalderstr. 223, Querg. 3 Tr. l. Im 6. Wahlkreis: Johann Pfarr, PuttliW� 9 (für Moabit); FritzWaschowski, Antonstr. 17(f. WeddinA� Richard Augustin, Kastanien- Allee 11(für Schönhauser Vorstadt); Brinkmann, Prinzen- Allee 67(für Rosenthaler Borstadl). Die Fnrcht vor der Sozialdemokratie und die Ein- genieiudiingsfrage. Ein Berichterstatter theilt in der„Voss. Zeitung" den Inhalt einer Unterredung mit, die er mit einem höheren in der Eingemeindungsfrage genau unterrichteten Beamten gehabt haben will. Dieser soll sich etwa, wie folgt, geäußert habe»:„Zu dem Eingemeindungsplane, wie er jetzt in dem Be- schlusse der Stadtverordneten-Versammlung vom 24. d. M. vor- liegt, wird die Regierung niemals ihre Zustimmung geben. Unter anderen Gründen spricht ein Umstand dagegen, den man bisher wohlweislich unberührt gelassen hat. Es ist dies der mit der Eingemeindung nothwendigerweise verbundene Z» w a ch s der Berliner Sozialdemokratie. Wenn sich Herr Singer für die Eingemeindung des Nordens bis Wcißensee, Pankow, wohl auch Heinersdorf und Schönhausen(!) ins Zeug legt, so erkennt der Eingeweihte sofort den Pferdefuß: die Sozialdemokratie will in„Groß-Berlin" d o m i i. i r e n— das ist Herrn Singer's„großer Gesichts- punkt". Die Regierung verhält sich sodann passiv aus dem ferneren Grm.«, weil sie gar kein Interesse daran hat, sich in den Eingenieindi.ngSstreit zu mischen. In Berlin, wo übrigens auch noch Uneinigkel, über die Eingemeindiingsgrenzen herrscht, neigt ja eine starke Strömung zur möglichst radikalen Lösung der Frage: sie will alles einverleibt wissen, was irgend im Bereiche der Residenz liegt und warum? Ja, das ist auch ein Punkt, über den man sich bisher fein ausgeschwiegen hat: Da draußen sind Millionen Berliner Geld in Grund und Boden festgelegt und man spekulirt darauf, daß der Grund und Boden durch die Eingemeindimg reä>t erheblich im Werthe steigen wird. Für ein Berliner Grund- stück sind Hypothekengelder stets zu haben, für ein Weißenseer— weniger. Das ist der Kern dieses frommen Wunsches. Aus der anderen Seite steht der innere Zwist einzelner Vorort- gemeinden: einige wollen garnicht einverleibt werden, andere sträuben sich gegen die geplante Zerstückelung. Und mit der er- hossien Zugehörigkeit zu„Groß Berlin" kommen einzelnen Ge- mcmden gar hochfliegende Anivandlungen. So werden z. B. in Nixdorf und Schöneberg schon Stimmen laut, die für diese stark bevölkerten Gemeiuden nicht allein das Siadtrecbt, sonder» das Sladlkreisrecht fordern, ein Verlangen, das an sich nicht unberechtigt ist, da nach§ 4 der Kreisordnung Städte mit einer Zivilbevölkerung von mindestens 25 000 Personen einen eigenen Kreisverdand bilden können. Aber, wie gesagt, liegt für die lliegierung absolut keine Veranlassung vor, sich jetzt auf der- aruge Sireitpunkie einzulassen." Es war zu erwarten, daß man in der bürgerlichen Presse der Sozialdemokratie wegen ihrer verständigen Haltung in der Eingemeindungssrag« schon irgend etwas am Zeuge flicken würde. Da man nichts anderes findet, schiebt man ihr als Grnnd ihrer Stellungnahme die in„Groß-Berlin" erfolgende Vermehrung der Parteigenossen nnler, ohne zu erwähnen, daß die Sozialdemokraten, soweit die Zensuswahlen dies eben zulassen, auch in den jetzt bestehenden Einzelgemeinden ihre Macht in einer Weise zur Gelrung dringen, wie sie es später auch nicht anders können. Für den Gedanken, daß Gemeindevertreter sich in irgend einer Frage von selbstlosen Motiven leiten lassen, scheint in der bürgmicbeii Presse überhaupt kein Raum zu sein. Freilich ist ein bürgerlicher Vertreter auch selten einer selbstlosen Handlung fähig. Die gesetzliche» Bestimttttittge» über die ZwangS- erzieh ung sittlich verwahrloster Kinder leiden an dem Uebelstande, daß es ül ergroßer Formalitäten bedarf, ehe die Unterbringung in einer geeigneten Anstalt erfolgen kann. Ein charakteristischer Fall beschäftigt, wie man uns schreibt, gegenwärtig die maßgebenden Behörden. Es handelt sich dabei um ein in Berlin ortsangehöriges vierzehnjähriges Mäd- chen, das in einem zu Anfang dieses Jahres verhandelten be- kannten Kuppeleiprozeß eine traurige Rolle gespielt hat. Die sittliche Verkommenheit des Mädchens stand nach dem Ergebniß der Verhandlungen zweifellos fest; es blieb indessen noch weiterhin seiner Familie anvertraut, obwohl Angehörige derselben wegen Kuppelei sowie Sittlichkeitsvergehens vorbestraft sind und ein Vormund vorhanden ist! Vor einigen Monaten ist das Mädchen unter siltenpolizeiliche Kontrolle gestellt worden. Die Mutter hat erst zufolge Drängens der Polizei, die es in einer neuen Laster- höhle auigegriffen hatte, Zwangserziehung beantragt, ist aber schließlich abgewiesen worden, da der Vormund eintreten müsse. Dieser hat mit der bekannten G l e i ch g i l t i g k e i t mancher Vormünder von Mündeln, die kein Vermögen haben, sich auch um sein Mündel bisher nicht gekümmert. Im günstigsten Falle dürfte nunmehr anderthalb Jahre, nachdem die N o t h w e n d i g- keil bekannt ist, die Unterbringung erfolgen können. Inzwischen ist vermuthlich auch der letzte Kern des Guten in dem Mädchen zerstört, so daß die Zwangserziedungsanstalt, vorausgesetzt, daß diese überhaupt bessert, wenig mehr sein wird als für einige Jahre eine Bewahr- und Zufluchtsstätte. Warum schreitet die Behörde rechtzeitig nicht von Amtswegen ein? Und wozu giebt es ein Vorinundschaftsgericht? Die Abendbeleuchtiing der nächstjährigen Gewerbe- Ausstellung ist abermals rn Frage gesiellt worden. Mit 64 gegen 61 Stimmen hat am Mittwoch Abend der Gesammt- Vorstand der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896, verstärkt durch die Gruppen- Vorstände, die Beleuchtung der Alisstellungshallen abgelehnt.— Die Interessenten der Ausstellung sind ob dieses abermals gefaßten Beschlusses natürlich außer sich vor Unwillen. Namentlich wird der be« rühmte Kommerzienrath Kühnemann, der durch die bekannte Dreitansend-Markspende auch der Arbeiterwelt bekannt geworden ist, heftig angegriffen, weil er sein Gewicht für Duntelhaltung der Ausstellung in die Waagschale geworfen hat. Unsere Stellung in dieser Frage ist den Lesern bekannt. Wir können nicht umhin, den Beschluß für eine Krähwiukelei zu hallen, wenn uns auch die Schmerzen der Interessenten kühl lassen. Wem stehen die Psorten der Wissenschaft offen? Nur dem Begüterten selbstverständlich. Diese Frage, wieviel das Studium in Berlin kostet, hat neulich aus Veranlassung des italienischen Ministeriums sär Ackerbau und Handel die Akademische Revue zu beantworten gehabt. Die Aufrage bezog sich auf das juristische und medizinische Studium. Nach der von amtlicher Seite erlheilten Auskunft ergiebt sich für einen promovirten Or. juris in Berlin die Summe von ca. 1300 M., für ven Dr. med. und praktischen Arzt der doppelte Betrag. Im einzelnen setzen sich die Kosten folgendermaßen zusammen: Jmmatrikulationsgebühr 18 M., Examenlaxen für die medizinische Fakultät 242 M., Promotionstaxen der juristischen 355, der medizinischen 440 M., Kolleg- Honorare für alle zur Ab- legung der Staatsprüfung nöthigen Vorlesungen, Kurse u. s. w. in der juristischen 400—500 M., in der medi- zinischen 800—1200 M. Es kommen hinzu für Druck- legung der Dissertation zirka 150 M., für den Bücherbedarf eines Juristen 300, für den Mediziner, einschließlich der Instrumente, mindestens 500 M. In Gießen stellte sich die Gesammtsumme für Juristen auf 1300, für Mediziner auf 2500 M.; in Erlangen 1200, bezw. 2200 M. Hierzu kommen natürlich noch die Koste» für Wohnung, Kleidung und Unterhalt. Für einen Juristen, der nicht am Wohnorte seiner Eltern studirt, sind mindestens 5000 M. als Gesammtlosten anzunehmen, für einen Mediziner bei 4� jähriger Studienzeit 7600—8000 M. Das Studium eines Bau-Jngenieurs, der nicht bei feinen Eltern wohnt, darf bei vierjähriger Studienzeit auf ca. 6000 M. berechnet werden. Es kommen selbstverständlich noch die Kosten hinzu, welche den Eltern vorher durch die Gymnasialbildung der Söhne erwachsen sind. In recht drastischen Zahlen ist hier ausgedrückt, daß dem Arbeiterkinde die allcingiltige offizielle Weisheit fest ver- schloffen bleibt, und wenn es ein Muster von Talent und �leiß wäre. ��Vährenb sich die Nuiversität gegen die Aufnahme von Stull«! II neu ablehnend verhält und sie nur als Hospitanten znläßt.�perden die Damen in der Akademischen Lesehalle ohne weiteres als Mitglieder aufgenommen. Im vorigen Semester trat eine Polin als erstes Mitglied ein, und in diesem Winter- Halbjahr ist ihr eine andere Dame gefolgt. Das Wahlrecht können diese weiblichen Mitglieder freilich erst erwerben, wen» sie immatrikulirte Sludentinneii sind. Abendandachten für die Nckrnten. Kürzlich ging eine an sich gleid, giltige Notiz durch die bürgerliche Presse, welche von den Vorbereitungen zum Fahneneid handelte. In bezug hierauf wird dem frommen„Reichsboten" geschrieben:„lieber die kirch- lichen Vorbereitungen zum Fahneneid ist noch gar nichts bekannt. Im vorigen Jahre haben dieselben nur in der Garnisonkirche in der Neuen Friedrichstraße stattgesunden. Beim 3. Eisenbahn- Regiment handelte es sich am Dienstag, den 29. d., lediglich um eine Kasernen- Abendstunde für die Rekruten, die allerdings den Eid zum Gegenstand hatte. Solche Kasernenstunden werden stets vor der Vereidigung abgehalten, weil in diesen Stunden ganz anders zu ihnen geredet werden kann als im Gotteshause von der Kanzel aus." Bevor der Deutsche bieder, fromm und stark in das herrliche Kricgsheer eingetreten ist, hat er vorher schon acht Jahre lang in der Schule eine immense Menge llieligion entgegennehmen müssen. Und trotzdem braucht er noch Abendstunden, um den Fahneneid voll zu würdigen. Ist denn derselbe so schwer zu verstehen? Die OimiibnSlini« Schöneberg— Tpittekinarkt ist durch Verkauf in den Besitz der Fnhrgesellschaft Thien übergegangen, welche für die Linie und das gesammte Inventar— 13 Omnibus- wagen und 110 Pferde— die Summe von 250 000 M. gezahlt haben soll. Die neue Gesellschaft gedenkt den Betrieb aus dieser Linie zu eriveilern; es wird auf derselben am Tage ein Fünf- mimitenverkehr eingerichtet und in den Nachtstunde» sollen eben- falls noch Wagen in größeren Abständen bis drei Uhr früh ver- kehren. VerkehrSfragen. In einer mit Hunderten von Unterschriften versehenen Eingabe Habensich die Anwohner der zwischen der Müllernraße und dem Norduser gelegenen Sladttheile mit der Bitte an den Magistrat gewendet, ihr Gesuch an die Direktion der Großen Berliner Pferdeeisenbahn-GeseUschast wegen Anlage einer Pferdebahn von dem Weddingplah durch die Fenn-, Tegeler-, Torf-, Trift- und Seestraße nach Plötzensee kräftigst unleistutzen zu wollen.— Die Direktion der Sprec-Havel-Dampfschiffsahrls- Gesellschaft„Stern" hat bei den Strombehörden die Genehnii- gung zur Errichtung einer neuen Hallestelle am Oderbaum im Zuge der Pfuelsiraße nachgesucht. Vom erworbenen„Rechte". An der sBurgstraße stand vor dem Hause Nr. 3, welches dem in der Maaßeiislraße wohnhaften Rentier Weinberg gehört, i» der Spree ein alles Balken- gerüst, von dein aus eine Treppe nach de», Wasser und einem Fahrzeug sührte. Es war eine sogenannte Waschbank für Gerber ze., die aber schon lange Jahre ihrem einstigen Zwecke nicht mehr diente. Die Waschbank mit dein Privileg der Wasser- gerechtigkeit gehörte zu dem Hause Nr. 3 der Burgstraße und wurde in den letzten Jahren von den Schiffern dazu bcnntzl, ihre Kähne dort anzulegen, wofür von ihnen«iiie kleine Ver» gütigung gezahlt werden mußt». Nach der Spreeregulirung und den Schleusenbauten am Mühlendamm stellte sich die Waschbank als ein Schifffahrts hinderniß heraus, welches unbedingt beseitigt werden mußte. Mit dem Besitzer wurden nun Verhandlungen angeknüpft, die indessen zu keinem Ziele führten. Wie es heißt, soll er für die Wegnahme der Waschbank zuerst 17 000 M. gefordert haben. Da man sich nicht einigen konnte, kam die Sache zum richterlichen Austrag. Es entspann sich ein ziemlich lebhafter Prozeß, da der Besitzer seine Forderung noch beträchtlich erhöht hatte. Weil nun inzwischen die Waschbank nicht ohne weiteres weggenommen werden durfte, mußten Pfähle»m das alte morsche Balkenwerk eingetrieben werden, damit nicht etwa durch anfahrende Schiffe die Bank weggedrückt wurde. So stand das häßliche Gerüst noch Jahr und Tag und bereitete der Schiffsahrt mancherlei Schivierig- keilen. Nun ist das alte Ding verschwunden, nachdem durch richterliches Erkenntniß dem Besitzer dafür 30000 M. zugesprochen worden sind, welche natürlich die Steuerzahler auszubringen haben. Lehman«, der Philosoph und Duellant. Der hier wohnende eavd. pbilosopbiae Paul Lehmann war wegen eines Pistolen-Zweikampfes zu drei Monaten Festungshaft verurtheilt worden und sollte die-Strafe in Ehrenbreitstein verbüßt. Er ist aber nach Amerika verduftet, seine schleunige Abreise hat ihre Ursache in einer anderen Slrasthat, die den Burschen in tinen viel ernsteren Konflikt mit dem Strafgesetze gebracht hat. Leh- mann hat sich zu seine»! Duell aus einem Ge- s ch ä f t e einen P i st o l e n k a st e n geliehen. Statt diesen Kasten nach Beendigung des Duells zurückzuliefern, zog er es vor, ihn zu versetzen. Bier Wochen später hatte der Geschäftsinhaber Gelegenheit, einen Kasten wie den ausgeliehenen vortheilhaft zu verkaufen. Er verlangte daher nunmehr sein Eigenthum energisch zurück, jedoch ohne Erfolg. Mit Hilfe der Polizei fand er schließlich den Kasten bei einem Psandleiher auf und löste ihn aus. Das darum gegen ihn eingeleitete Strafverfahren ver- anlaßt« Lehmann so schnell als möglich nach Amerika ab« z u r e i s e n, zumal eine große S ch u l d e n l a st ihn ohnehin drückte. Unter. seinen Gläubigern sollen sich namentlich zahl- reiche Kellnerinnen befinden. Lehmann befindet sich, wie verlautet, in New-Iork, wo ein Korpsbruder von ihm eine große Zeitungsdruckerei besitzt. Da wird denn der schneidige Musterdcutsche schon ein Unter- kommen finden, wenngleich es vom mordspatriotischen Stand- punkte aus zu bedauern ist, daß eine so edle Pflanze nicht dem Vaterlande der Gottesfurcht und frommen Sitte erhalten bleibt. Knochenüberreste eines vorgeschichtliche» ThiercS wurden vorgestern in Weißensee gelegentlich von Ausschachtung�- arbeiten ausgesunden. Der Schädel desselben halte eine Breite von 50 Centimetern und eine Länge von ca. einem Meter. Leider zerfielen die Knochen bei der unsachgemäßen Behandlung des Schädels. Dagegen blieben«ine Anzahl der gewaltigen Zähne gut erhalten. Sperrung der Mühlendammschleuse. Der Polizeipräsident giebt bekannt: Behufs Reparatur wird die Mühlendammschleuse vom 1. November d. I. ab bis auf weiteres für den allgemeinen Schiffsahrtsverkehr gesperrt werden. Diejenigen Fahrzeuge, die nicht über 47 Meter lang und 6,90 Meter breit sind, haben den Weg durch die Stadtschleuse zu nehmen. Größere Fahrzeuge wird es möglich sein, während der Dauer der Reparaturarbeiten mit Handbetrieb durch die Mühlendammschleuse zu bringen. I« der Strafanstalt Moabit am Lehrler Bahnhof, wo bekanntlich nur solche Personen iuhaftirl werden, die mit mindestens einem Jahre Zuchthaus bestrafr ivorden sind, beginnt mit dem heutigen Tage für die dort angestellten Beamten eine „probeweise" Einführimg der zehnstündigen Tages- Dienstzeit. Bisher bestand für diese Beamten ein Dienst von dreizehn bis fünfzehn Stunden. � Drei mächtige Elefanten bewegten sich Mittwoch Abend gegen 9 Uhr am Reichstags User entlang und erregten das Er- staunen der Passanten. Die Thiere sind Eigeulhum eines Artisten und wurden vom Lehrter Bahnhof nach einem bekannten Spezia- litäten- Theater gebracht. Die kolossalen Dickhäuter marschimn im„Gänsemarsch" einer hinter dem andern, indem der„Hinter- i»a»n" den Sd)>vanz des„Vordermannes" mit seinem Rüssel festhielt. Selbstredend folgte dem Transporte eine große Menschenmenge, welche es an den obligaten schlichten Witzen nicht fehlen ließ. Bei der anS etwa zwanzig Personen bestehenden Ein- brecher- und Hehlerbande Seibl u Genoffen, die ihre Raub- ziige hauptsächlich im Westen und Südivesten Berlins vom Herbst 1894 bis Mai 1395 regelmäßig in der Nacht von 12 bis 4 Uhr ausgeführt hat und die im Mai d. I. sestgenommen worden ist. wurden seinerzeit viele gestohlene Gold- und Silberivaaren be- schlagnahmt. Ein Theil dieser Gegenstände ist noch immer nicht von den Bestohlene» in Anspruch genommen worden. Die Gegen- stände können in den Vormittagsstunden von 9—12 Uhr im Polizeipräsidium, Zimmer 37(Erdgeschoß), besichtigt werden. Ein eigenartiger Unglücksfall ereignete sich am Mittwoch Mittag i» der Franksurter Allee in der Nähe der zu Friedrichs- berg gehörenden Bluinenthalstraße. Gegen xli2 Uhr liefen die beiden Knabe» Hermann Ritter, Blumenthalstr- 20 wohn« hast, und Max Fabian ans Friedrichsberg, auf dem Bürger- steige in starkem Rennen begriffe», mit den Köpfen mit solcher Gewalt zusammen, daß sie zu Bode» stürzte». Hierbei erlitt der 12jährige Max F. eine etwa 5 Centimeter lange, bis zur fti>vche»h>uit durchgehende Kopswunde, während der ein Jahr jüngere R. einen Armbruch erlitt. Der letztere Knabe wurde von den Elter» nach dem Krankenhause Friedrichshain gebracht, aber auch für de» kleine» F. mußte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Vermißt wird schon seit ungefähr vierzehn Tagen die Frau des Pholographcu Kruse aus der Skreuzbergftr. 22. Die Familie ivohut dort seil dem 1. Oktober. Aus der früheren Wohnung, Krcuzbergstr. 29, ist die Frau bereits zweimal verschwunden ge- wesen. Diesmal hat sie ihre beiden Knaben Hans im Alter von 13 und Karl im Alter von 9 Jahren mitgenommen, während ein Töchlerchen Lieschen bei einer Schwester der Mutter er- zogen wird. Slm Tage vor seiner Hochzeit ist am Sonntag Vormittag der Z7jährige Geheime Kanzleisekretär der OrdeuSkommisston Gottlicb Knansl verschwunden. Weder seine Braut noch sonst jemand weiß, wohin er gegangen. Mit dem Leben scheint der Mann davon zu kommen, der sich vor einige» Tagen auf offener Straße den Hals durchschnitt. Seine Persönlichkeit ist als die des 48 jährigen Arbeiters August Stickel festgestellt worden. Nickel, der zuerst von zwei Schutz- leuten des 80. Reviers aus die Unfallstation II und dann in ein tirankenhaus gebracht ivorden war, ist, weil er sich die Luftröhre sdiwer verletzt hatte, eine Kanüle eingeletzt worden. ES geht ihm jetzt verhält, ußmäßig gut. Polizeibericht. Am 30. v. M. vormittags wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Scharnhorst slraße durch Leuchtgas er« stickt vorgefunden. Es liegt nnzweifelhaft Selbstmord vor.— Am Werder'schen Markt wurde ein Arbeiter durch eine Droschke, deren Pferd durchgegangen war, überfahre» und am Oberschenkel schwer verletzt.— In einem Hause Am Zirkus fiel nachmittags eine Frau beim Fensterpntze» von der Leiter und zog sich erheb- liche innere Verletzungen z».— In der Nacht zum 31. v. M. wnrde in einem Hause der Solmsstrabe eine Frau mit ge- brochenem Unlerschenket vorgefunden und nach dem Krankenhause gebracht.— Im Laufe des Tages fanden vier unbedeutende Feuer stall. Witt«ru«gSiiberficht vom 31. Oktober 1895. Wetter-Proguose für Freiag. de» 1. November 1895 Theils heiteres, theils wolkiges, zunächst etwas wärmeres Wetter Mit leichten Negenfälleu und schwache» südwestlichen Winden. Berliner W e t t e r b u r e a u. Gerichts-'Svikung. Brnuselvetter hat wieder wegen Majestäts- Be- l e i d i g u n g verurtheilt! Zwei Anklagen wegen Majestäts- Beleidigung wurden nämlich gestern vor der Strafkammer des Landgerichts I verhandelt. Der Droschken� kutscher Hermann B r a t s ch wurde für überführt erachtet, in trunkenem Zustande auf der Straße sich des ihm zur Last ge- legten Vergehens schuldig gemacht zu haben. Es traf ihn eine Gefängnißstrafe von vier Monaten. Im zweiten Falle wurde der aus Cchwarzburg-Rudolstadt stammende Porzellanmaler Karl Beetz aus der Untersuchungshast vor- geführt. Er hatte sich in seiner Heimath eines Vergehens schuldig gemacht, wofür ihn eine erschreckliche Strafe getroffen hatte. Es wurden ihm nämlich sämmtliche Ehrenzeichen, die «r sich früher erworben hatte, aberkannt! Er kam nach Berlin— wie er angab— um die Gnade des Kaisers anzurufen. In einer Restauration machte der Angeklagte Bekanntschast mit mehrere» Personen, denen er fein Vorhaben mittheilte. In angeregtem Zustande ließ der An- geklagte sich zu beleidigenden Aeußerungen über den Kaiser hin reißen, dessen Gnade er in Anspruch nehmen wollte. Der Gerichtshof verurtheilte ihn zu sechs Monaten Ge- f ä u g n i ß!!!! Majestätsbeleidigung. Vor der zweiten Straskammer des Magdeburger Landgerichts hatte der Möbeltransporteur Liebsch sich am Dienstag, den 29. Oktober, wegen M a j e st ä t s- beleidig uu gen in zwei Fällen zu verantworten. I» einem dort befindlichen Lokale konzertirte im Monat Septeniber die Damenkapelle„Euterpe" unter Leitung ihres Dirigenten Fritz Dettbarn. Der Angeklagte soll sich nun über den„Sang an Aegir" und über den Kaiser persönlich abfällig geäußert haben. Die Verhandlung wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt. Trotzdem der Angeklagte zu seiner Ent- lastung vier Zeugen beigebracht hatte und seine Schuld aus das Entschiedenste bestritt, beantragte der Staatsanwalt eine Be- strasung von neun Monaten Gefängniß, welchem An- trage der Gerichtshof entsprach. Außerdem wurde dem Ange- klagten die Tragung sämmtlicher Kosten auferlegt.— Wieder einer! Für die oraauisirte Arbeiterschaft dürfte der schließliche Ausgang eines Strafprozesses von größtem Interesse sei», der gestern das Kamniergericht als Revisionsinstanz beschäftigte. Der Allgemeine Arbeilerinnen- Verein für Frankfurt am Main wählte seinerzeit in einer Versammlung eine sünfgliedrige Kommission zu dem Zweck, sich ganz besonders um die Ver- hältniffe der Arbeiterinnen und Dienstmädchen zu kümmern. Die berufsmäßigen Hüter von Gesetz und Ordnung erblickten in dieser Frauenkommission einen politischen Verein, dem das Lebenslicht auszublasen sei und dessen Mitglieder vor den Strafrichter ge- hörten. Alle fünf Frauen sollten gegen den berühmten§ 8a, des Vereinsgesetzes verstoßen haben und nach§ 16, Abs. 3 bestraft werden, weil sie sich entgegen jenem erstgenannten Paragraphen in eine» politische» Verein als Mitglied hätten auf- nehmen lassen. Der Frau Foscher als„Leiterin" war noch eine besondere Strafe zugedacht, da ihr der Gedanke nicht eingefallen war, daß die Kommission ein„Verein" sein könnte, welcher eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezwecke und deshalb sein Mitgliederverzeichniß und seine Statuten bei der Ortspolizoibehörde einreichen müffe. Das Schöffen- gericht erkannte auf Schuldig. Es sah die Kommission als«inen Verein an, der politische Zwecke verfolge. Letzteres glaubte das Gericht aus einem Flugblatt entnehmen zu müssen, in dem die Konunission Dienstboten und Arbeiterinnen aufforderte, sich mit Beschwerden vertrauensvoll an sie zu wenden, und worin u. a. als erstrebeuswerth die Ausdehnung der Zu- ständigkeit der Gewerbegerichte auch auf Dienstboten betont wird. Die Berufung bei der Strafkammer halte Erfolg. Dieselbe nahm an, es könne bezüglich der Kommission überhaupt von keinem Verein geredel werden, da die fraglichen Personen nur Mitglieder des Allgemeinen Arbeiterinnenvereins seien. Solch eine Kommission könne nicht als Verein angesehen werden. Die Staatsanwaltschaft legte nunmehr Revision beim Kammergericht ein. Ihr Vertreter führte aus, es gehe aus dem erwähnten Ausruf hervor, daß die vereigten 3 Frauen ganz besondere Zwecke versolgten. Sie appellirten darin sogar an den staatlichen Zwang, durch den doch nur eine Gesetzesänderung, die Ausdehnung der Zuständigkeit der Gewerbegerichte betreffend, möglich wäre. Unzweifelhast sei danach die betreffendeKommission einVerein gewesen, der sich mit politischen Dingen beschäftigt habe. Der Ober-Staatsanwalt am Kammer- gericht hob in der mündlichen Verhandlung am 31. Oktober hervor, daß die Kommission eine dauernde Vereinigung hätte sein sollen, und daß auch ein solcher Ausschuß als Verein angesehen werden könne. Die Verfolgung politischer Zwecke hält er für festgestellt und er ersucht daruni, die Sache in die Vorinstanz, aber an ein anderes Landgericht zur Prüfung der Frage zurückzuweisen, ob nähere Anhaltspunkte dafür vorhanden seien, die Kommission als Verein im Sinne des Vereinsgesetzes zu betrachten. Dagegen machte dieVerlheidigung gellend, daß es sich nicht um eine dauerndeThätig- keit seitens der Kommission handelte, daß diese keine selbständigen Ziele gehabt und daß eine Organisation gefehlt habe.— Der Strafsenat erkannte gemäß dem Antrage des Ober-Staats- anwalts und wies die Sache an die Strafkammer in Wies- bade». Der Senat war der Meinung, daß der Vorderrichler den Begriff des Vereins verkannt habe, wenn er annahm, eine Unterkomniission eines Vereins könne niemals als besonderer Verein gelten. Es wäre kein absolut nothwendiges Erfordern' für einen Verein, daß er Selbstständigkeit besitze. E sei gleich, ob die Kommission besondere Ziele oder nur die des Allgemeinen Arbeiterinnenvereins verfolge. Die milden Schutzleute, der milde Staatsauwalt und die noch mildere» Richter. Aus Moabit wird uns von einem Berichterstatter gemeldet: Wenn sich eine studentische Aer- b i n d ll n g s k n e i p e direkt neben einer Polizeiwache be- findet, dann komnit es zwischen den bierseligen Musensöhnen und den Sicherhcilsbeamten leicht zu unliebsamen Auftritten. Ein solcher führte gestern die Studenten Gebhang, Rockel und Dr. Kappe vor die 131. Abtheilung des Schöffengerichts. Sie hatten in der vierten Nachtstunde, als sie aus ihrer in der Hamburgerstraße belegenen Verbindungskneipe kamen, einen Zwist mit Polizeideamten, behaupten aber, daß die Beamtin zu unrecht gegen sie eingeschritten seien und sich wohl aus Haß gegen die„verfluchte Studenten- kneipe", wie sich einer der Schutzleute ausgedrückt habe, so unfreundlich gegen sie benommen hätten. Die Verhandlung zeigte, daß die Schuld an dem unliebsamen Auftritt lediglich auf feiten der Studenten lag. An dem genannten Morgen hörte der Schutzmann Schwabe in der Gr. Hamburger straße einen lauten Skandal; er wies die vier jungen Leute, welche denselben hervorriefen, zur Ruhe, worauf einer derselben, der Dr. Kappe, mit geschultertem Spazierstock so nahe an ihn herantrat, daß er die Brust des Schutz nia uns be rührte, und stumm vor ihm stehen blieb. Der Schutzniann verbat sich mehrere Male energisch diese„Thorheit" und als der Herr Doktor trotz der Aufforderung nicht weiter ging, fistirte er ihn zur Wache. Der Angeklagte folgte denn auch, als aber der Angeklagte Gebhaug nun an den Beamten herantrat und denselben aufforderte, doch seinen Kollegen gehen zu lassen, benutzte Kappe die Gelegenheit, aus- z u r ü ck e n. Der Schutzmann folgte ihm bis zur Krausnickftraße. Dort trat ein anderer Schutzmann, Barthold, dem Fliehenden entgegen, der dem Beamten nun m i t s e i n e m S t o ck einen Hieb auf dieBrust versetzte, aber mit Hilfe zweier Zivilisten doch festgehalten wurde. An der Wache warf sich der Angeklagte auf den Haus- flur, sodaß er von vier Schutzleuten die Treppe hinaufgetragen werden mußte. Hierbei faßte er noch einmal an die Treppensprossen, um sich daran fe st zuhalten, und bewirkte, daß eine derselben zerbrach. Oben auf der Wache war er sehr laut, er setzte sich auf den Tisch und trommelte mit seinem Stock darauf herum, während seine Kollegen unten auf der Straße standen und ihm in einem fort durch die geöffneten Fenster des Wachtlokals zu- riefen:„Kappe, Vater, wo bleibst Du?" Durch die dort anwesenden Schutzleute wurden auch die beiden anderen Angeklagten nun auf die Mache gebracht und nach ihrer Fest- stellung zuerst wieder entlassen. Sie blieben nun unten stehen und erwarteten die Zurückkunft auch des Dr. Kappe, den sie dann mit lautem Hurrah empfingen. Inzwischen hatte Gebhang den beiden Schutzleuten, die sie zum Weitergehen aufforderten, verschiedene Beleidigungen zugerujen.„I h r Probeten", halte er gesagt, ich bringe Euch alle ins Zuchthaus! Seien Sie zufrieden, wenn Sie noch ein a n st ä n d i g e r Mann anfaßt!", und den Schutzmann Wulff hatte er„einen kleinen Mann mit ver- offener Fahne ini Gesicht" genannt, der sich gegen ihn,„ d e n g r o ß e n Herrn", auflehne. Der letzte An- geklagte Nückel hatte sich am wenigsten an der Sache betheiligt, doch wurde auch bei ihm die Nichtfolgeleistung aus die An- ordnungen des Sicherheitsbcamten festgestellt. Er behauptete, unberechtigt von einem Schutzmann mit dem Knie und den Fäusten bearbeitet worden zu sein; die Beamten seien überhaupt nicht korrekt vorgegangen. Die Beweisaufnahme ergab hierfür keinen Anhalt. Der Staats an wall beantragte gegen Dr. Kappe die außerordentlich milde Strafe von 65 M., gegen Gebhang 165 M., gegen Nückel gar nur 15 M. Geldstrafe. Der Gerichtshof erkannte aber noch viel milder, gegen Dr. Kappe nur aus 35 M., gegen Gebhang auf 4« M., gegen Nückel auf 19 M. Geldstrafe. Wir wollen nicht unterlasse», über dieses Urtheil unsere auf- richtige Freude auszusprechen. Gerade unter den Schutzleuten ist es ausgeschlossen, direkt für unsere Grundsätze Propaganda zu machen. Wie Figura zeigt, ist das aber auch gar nicht noth- wendig. Es geht auch so. Ei» achtzigjähriges Mütterchen, die im Jahre 1315 ge- borene Arbeiter-Ehefrau Karoline K a h l o w schleppte sich gestern unter der Hilfe ihres um zehn Jahre jüngeren Ehemannes in den Anklageraum der 133. Abtheiluug des Schöffengerichts. Die bis dahin unbescholtene Grcistn war zur Diebin geworden. Sie hatte eines Tages auf dem Markt eine Tasse zum Werthe von 16 Pfennigen entwendet. Mit Mühe gelang es dem Vorsitzenden, sich der halb tauben Frau ver- ständlich zu machen. Sie räumte die Tbat ein. Der Staats- anwalt beantragte einen Tag Gesängniß. Der Gerichtshof nahm aber zu gunsten der Angeklagten an, daß sie durch das chon dermaßen geschwächt sei, daß sie für die That nicht v antwortlich gemacht werden könne. Sie wurde freigesprochen. Aus Altona wird uns berichtet: Wegen bedeutender Unter- chlagunge» hatte sich am Donnerstag vor der Strafkammer I des hiesigen Landgerichts der frühere Taxator bei den hiesigen und Wasserwerken, Albert Johann Wilhelm 5kroll, 40 Jahre alt, zu verantworten. Die hiesigen Gas- und Wasser- werke befanden sich bis zum 19. April 1894 in dem Besitz einer Aktiengesellschaft und gingen dann in den Besitz der Stadt über. Kroll war seil 1377 bei der Aktiengesellschaft als Taxator angestellt und ging in gleicher Eigenschaft in den Dienst der Stadt über, womit er Beamter im Sinne des Gesetzes wurde. Er giebt zu, daß er seit 10 Jahren fortgesetzt Unterschlagungen begangen hat, doch kann er nur wegen der Unterschlagungen während der letzten Jahre verantwortlich gemacht werden. Nach der gemachten Aufstellung hat er in der Zeit vom 13. Juli 1890 bis zum 19. April 1394 der Gas- und Wassergesellschasl 44 716,20 M. und von letzterem Datum bis zum 13. Juli V.J., dem Tage, als er auf Anzeige eines Unterbeamlen verhaftet wurde, der Stadt Altona als Beamter 3703,40 M. unterschlagen. Daß er die Unterschlagungen so lange Zeit hindurch betreiben konnte, ist dar- auf zurückzuführen, daß er das unbedingte Vertrauen des ver- slorbenen Direktors Kümmel besaß und die Unterbeamlen, welche Unredlichkeiten seinerseits vermutheie», sich vor einer Anzeige 'cheuten, weil sie fürchteten, entlassen zu werden. Hauptsächlich auf olgendcr Weise hat er die Unterschlagungen möglich gemacht: Bei Neri- resp. Umbauten hatten die Bauunternehmer die vorausfichtlicheAnzahl der zu vermauernden Steine anzugeben, wonach der Wasserverbrauch von Kroll taxirt wurde. Nach der Taxe hatten die Bauunternehmer dann zunächst zu bezahlen. Hierbei kamen keine Unregelmäßig- leiten vor. Sobald die Bauten vollständig fertig gestellt waren, hatten die Bauunternehmer eine genaue Ausstellung über den wirklichen Steinverbrauch zu machen und Kroll hatte nochmals den Wasserverbrauch zu taxire». Regelmäßig halten die Bauunternehmer noch erhebliche Nachzahlungen zu machen. Kroll ließ dann die Gelder durch die angestellten Eiukassirer ein- kasstren und an sich abliefern. Weder lieferte er die Gelder an die Kasse der Wasserwerke ab, noch machte er die be- züglichen Eintragungen in die Bücher. Auch hat er den Wasserverbrauch in verschiedenen alten Grundstücken ver- chwiegen, ließ aber die taxirten Beträge für sich ein- kassiren und verbrauchte dann das Geld für sich. Trotz- dem Kroll mit der Eintassiruug und Empsangnahme der Gelder an sich nicht betraut war, hatte sich die Einrichiung doch ein- gebürgert und niemand von seine» Vorgesetzten erblickte darin etwas Verdächtiges. Der Augekl. Kroll behauptete, daß er sämmtliche unterschlagenen Gelder für seine Familie bei Krankheitsfällen verbraucht habe, doch wird von anderer Seile behauptet, daß er sehr leichtsinnig gelebt hat und in Weinstuben und bei lüderlu rauenzimniern eine gern gesehene Persönlichkeit war. aatsanwalt beantragte fünf Jahre Gesängniß. Erkannt muri? vo� Gericht auf drei Jahre Gesängniß. Der Reichstags-Abgeordnete für den Kreis Königs- berg i. Pr., unser Parteigenosse Restauraleur Karl Schulze, hatte gestern vor der 1. Straskammer des Landgerichts ll zu er- scheinen, um sich wegen Vergehen gegen die§5j 130 und 131 des Reichs-Straf-Gesetzbuches zu verantworten. Ter Angeklagte ist am 30. Januar d. I. in einer öffentlichen Volksversammlung zu Köpenick als Redner ausgetreten. Er sprach über die Umfturzvoilage und soll dabei geäußert haben, daß den Arbeitern das Recht zu« gestanden werden müsse, mitzusprechen und für dies Recht müßten sie mit dem Schwert in der Faust eintreten. Der Angeklagte che» s, urd? � soll ferner bei Erwähnung der Anarchisten geäußert haben, daß die Polizei dieselben mit Geld unterstützt hätte, um sie zu veranlassen, anarchistische Reden zu halten und über Dynamit zu sprechen. Der Angeschuldigte behauptete mit aller Entschiedenheit, daß seine Ausführungen gerade einen entgegengesetzten Inhalt gehabt hätten. Seine Partei würde ihn sonst zur Verantwortung gezogen haben. Er habe gerade daraus hingewiesen, daß es nicht Aufgabe der sozialdemo- kratischen Partei sein könne, etwas durch Gewalt zu er« ziele». Wie verkehrt es sei, mit Gewalt etwas erreiche» zu wollen, das lehre das Jahr 1343, als die Bürger mit dem Schwert it, der Faust ihre Rechte zu erkämpsen versuchten. Diese AeußerunH müßte von den Beamten, welche die Versammlung überwachien. falsch aufgefaßt worden sein, ebenso wie die zweite beanstandete Aeußeiung. Er habe nur von den Anarchisten in Frankreich gesprochen, welche sich von der Polizei z» Attentaten verleiten ließen. Von den Belastungszeugen war der Polizeidiener Haller der einzige, welcher sich während des Vortrages des Angeklagten Notizen ge- macht hatte. Er behauptete mit aller Bestimmtheit, daß die Aeußerungen des Angeklagten aufreizend gewesen seien. Ein zweiter Polizeidiener wollte eine gleiche Auffassung gehabt haben. Dagegen traten sämmtliche Entlastungszeugen für den An- geklagten ein. Der Vorsitzende der in Rede stehenden Versammlung erklärte, daß dem Angeklagten sofort die Thür geiviesen worden wäre, wenn er solche Ausführungen gemacht hätte, wie seitens der Anklage behauptet werde. Der Staatsanwalt Assessor Tepe meinte doch, daß bei dem Widerspruch zwischen de» Be-»nd Entlastungszeugen die erst er e» den größte» Anspruch aus Gläubwürdigkeit hätten. Den zweiten Theil der Anklage lasse er falle», dagegen halte er die Auf- reizung für erwiesen, zumal der Augeklagte verelts wegen desselben Veigehens mit einem Monat Gesängniß vor- bestrast sei Er beantrage für den vorliegenden Fall ein Jahr Gefängniß! Der V-rtheidiger, Rechtsanwalt H e i n e m a n n, plaidirte für Freisprechung, auf welche der Gerichtshof nach kurzer Berathung auch erkannte. Der Angeklagte habe sich in der Verhandlung als ein Mann gezeigt, der zu reden verstehe und seine Worte überlege. Es sei anzunehmen, daß er dies auch in seinem Vortrage in Köpenick gethan habe und daß die Beamten den Ausführungen des schnellsprechenden Angeklagten nicht genau hätten folgen können. Vevsammlunjgvtt. Arl>«it«e-Kildu»g»tch»lr. Unterricht am Freitag, den l. Navember. Südost-Schule, Waldemarflr. i«: Rede-Uebung. Nord-Schule, Müllerstr. 179«: Geschichte. Beginn 9 Uhr, Schluß lall Uhr. Die Schul- räume stnd zur Benuyung der Bivliothet und.des reichhaltigen Zettschrifteii- Materials schon s Uhr an geöffnet..... K»rli»»r KranUe» Ztntr, stlit,u»gs- und Segriibuißver»», für Frauen und Miidch»». Adressen der Zahlstelle» und der«orstandS- Mitglieder des Vereins, woselbst Beilrittserklärungen entgegengenommen werden. owie jede nähere Austunsl, bereitwilligst erlheilt wird: Frau Stolle, Alerandrinenstr. 56, Hos» Tr.: Frau Berger, NO., Waßinannstrahe Z«, 2 It.; F-an W a s chau, N., Eichend»rffiiraße 2, 3 lr.; Frau F«hlauer>, SO., Tresdenerstraße 13, Hos 2 Treppen: Frau Heinrich, SW., iStlschinerftr. 2, Keller; Frl. S ch li ch t i n g, N., Prinz«Lugenstr. I,« Zt.; Frau Miede, SO, Wiangelstr. 72. 2 It.; Frl. Schulz, N.. Brunnenstraße 172, 3 It.; Frau Sachse, O., Koppenstr. 67, Keller; D. Fischer, Vorsitzender, N., Panlsiraße 21,« Ir.: li.«erlach, Kassirer, SO., Mariannen-Ufer 5, Hof part. Uerrin der Kauauschläger Kerliu«»»d Zlmgegend. Sonntag, de» 3. November, vormittags 10% Uhr, in der«renadterstr. 33, bei Büste, Versammlung. Dvrmifchtes. Bou enior Patrouille wurde der Zigarrenmacher Milkowski in Posen augeschossc». Wegen Theilnahme an einer Schlägerei sollte er von einer Militärpatrouille arrelirt werden, ergriff aber die Flucht. Ein Manu der Patrouille lud sofort sein Gewehr niit fünf scharfen Patrone» und seuerte einen Schuß aus den Flucht- ling ab, welcher den rechte» Oderschenkel traf. Milkowski stürzte zu Boden und wurde später in das städtische Krankenhaus ge- bracht.s Im Gefäuguist zu Tode misthaudelt? Unserem Partei- Organ, der Kölner„Rheinischen Zeitung" zufolge soll ein Mann, welcher eine viertägige Haflstrafe abzusitzen hatte, im dortigen Depot zu Tode mißhandelt ivorden sein. Der Ehefrau wurde itgetyeilt, ihr Mann besinde sich schwer erkrankt im Hospital; Frau eilte dorthin, fand aber den Mann bereits lodt im Lekchenschaiihause vor. Die vom Siaatsamvalt angestrengte Untersuchung ergab, daß der Man» durch Mißhandlungen den Tod gesunde», worauf das Begräbniß inbibirt wurde. Die Leiche wurde ins Todlenhaus zurückgeschafft und die strengste Uiiltrsttchnng eingeleitet. Der Vorfall erregt selbstverständlich großes Aitssehe». Ans seinen Borgesetzte» geschossen hat der Soldat Thal- meier eines Münchener Regiments. Er sollte wegen eigen- mächtigen Vcrlassens der Wache eine ihm anferlegte sieben- tägige" Arreststrase antreten, entlies aber vorher aus der Kaserne. Der Sergeant M. eilte ihm nach und als Thalineier dies bemerkte, zog er einen Revolver aus der Tasche und feuerte einen Schuß ab,'welcher de» ihn verfolgenden Sergeanten am Arm verwundete. Jetzt wurden zwei Olsiziere zu Pferde ficht- bar, welche den Soldaten ebctifalls zur Kaserne zurückbringen sollten. Auch ans diese fenerte der Arresrant, ohne zu treffen. Die Offiziere ritten ihn dann über den Hansen, nahmen ihn fest und überlieferten ihn dem Untersuchuugsarrest. Thalmann wird sich nun wegen Fluchtversuchs und thätlichen Angriffs auf Vorgesetzte zu veranlivorten»nd eine sehr harte und strenge Strafe zu gewärtigen haben. Wie er in den Besitz des Revolvers gelangt ist, war nicht zu ermitteln. Aus Laibach wird berichtet: Infolge der Erdabrutschung bei Sagor ist der Media-Bach gesperrt, die Slraße abgeüffeii und der Verkehr eingestellt. In dem Bezirke von Gotschee sollt das Wasser; dagegen sind die Siadt Jdria, das Sairach-Thal, Ober- und Unrer-Loilsch, Holederschiy, der Thalkessel von Planina und das Raci>a-T»al überschwemmt. Das Laibacher Moor ist noch immer überschwemmt; der Schaden an Fetbgut ist bedentend. Unwetter und Ueberschwemmnngeu. Sissek. 31. Ok- tober. Die Same und Kulpa sind unausgesetzt im Steigen be- griffen. Militär und Arbeiter sind an der Besestigniig der Dämme beschäftigt. Die Bewohner der unteren Stadl haben sich auf Verfügung der Polizei ausquarliren müssen.— F i u m», 31. Oktober. Die Eilzüge der ungarische» Staatsbahnen bleiben bis aus weiteres eingenellt, da die Fortsetzung der Arbeite» durch anhaltenden Regeu unterbrochen werden mußte. Erdsturz. In der Ortschaft Grohovo wurde, wie ans Fiume berichlet wird, am Mutivoch durch einen größeren Erd» abstnrz ein Haus zi»» Einsturz gebracht. Die Bewohner mehrerer anderer Häuser wurden infolge dessen veranlaßt, dieselben zu verlassen, und es wurden Maßregeln getroffen, damit die ganze Einwohnerschaft den gefährdeten Ort verlassen könne. In Korfu wurde am Mittwoch ein hefliger Erdstoß ver» spürt, der aber keinen Schaden a»richtete. Briefkasten der Redaktion. Wir blnen bei jeder Antrasc eine Chiffre igwei BttchNaben ober«In« Zahl) anzugeben, unier der die Annvorl erlheiit werden soll. Die juristische Sprechstunde findet am Montag, Mittwoch, Freitag und Sonnabend abends von 7—8 Uhr statt. S. 3S. Anonyme Anfragen beantworten wir nicht. Kommen Sie zu uns. Ter Pantoffekmacher Wilhelm Tismer ans Landsberg a. W. wird gebele», seine Adresse an die Buchhandlung d«S„Vorwärts" gelangen zu lassen. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Knnert, Schönederg-Berlin. Für den Jnseralenthett verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. 2. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 356. Freitag, den 1. Nonemder 1895. 12. Jahrg. VevfÄittmlunZvn» Die Firma G. Scholz Nachfolger in Schöneberg. CMonnensiraße, ersucht uns um Abdruck folgender Erklärung, die sich auf Aeußerungen bezieht, die in der öffentlichen S a t t l e r v e r s a m m l u n g am L3. Oktober gemacht wor- den sind: „Es ist unwahr, daß ich streikende Sattler schriftlich ersucht habe, baldigst wieder bei mir in Arbeit zu treten, im Gegeniheil kann ich den schriftlichen und mündlichen Bitten um Arbeit gar nicht entsprechen, da ich für so viele Hände garnicht zu thun habe; auch fordere ich den Verbreiter obiger Nachricht auf, mir einen solchen angeblichen Brief von mir zu produziren. Ferner habe ich nur solche Leute, welche abliefernde Männer und Frauen mit körperlicher Mißhandlung bedrohten, sistiren lassen, und solche, die meine eigenen Leute auf meinem Grund- stück bedrohten und zur Arbeitseinstellung reizten. Mit diesem ttzörichten Streik wird nur die Abdrängung des größten Theils der vorhandene» Arbeit von Berlin erzielt." Der Wahlverein deS 4. Kreises hielt am LS. Oktober in I. Henke's Festsälen, Nauuynstraße 27, eine gutbesuchte (Keu.ralversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken der verstorbenen Mit- glieder Dieter. Czotziewski und W e i h r i ch in der üblichen Weise. Dann gab Erbe den Vorstandsbericht. Der Zeitungsspeditenr Wendisch ist, weil er seine in einem Flug- dlatt verbreiteten unwahren Behauptungen und Angriffe gegen die Zeilungskommission nicht widerrufen hat, aus dem Verein ausgeschlossen worden. Der Vorstand hatte sich überhaupt in nicht weniger als neun Sitzungen mit Streitigkeiten zwischen Mitgliedern zu befassen, die meiste Zeit beanspruchte der„Fall Wendisch". Der Vorsitzende sprach die Hoffnung und die Bitte ans, daß der neue Vorstand mit derartigen Undank- baren Aufgaben in Zukunft verschont werden möge.— Der von Zabel verlesene Kassenbericht für das 3. Quartal enthielt folgende Angaben: Mit dem Bestand von 315,81 M. betrugen die Einnahmen 2308,56 M.; nach Abzug der Ausgaben in Höhe von 1767,69 M. blieb ein Bestand von 540.67 M. Die Gesammt- einnahme im verflossenen Geschäftsjahr betrug 8007.50 M.; es wurden 14 000 Beiträge mehr kassirt als im Vorjahr. Von 3900 Mitgliedern sind etwa 1500 mit ihren Bei- trägen im Rückstände, welche bedauerliche Thalsache den Kas sirer veranlaßte, einen energischen Appell an die säum- seligen Genossen zu richten. Den beiden Kassirern wurde auf Antrag des Revisors Brückner Decharge ertheilt. 62 den Bezirkssührern in Verlust geralhene Beitragsmarken vom Marken- bestand wurden gestrichen. Zu dieser Angelegenheit hatte der Borstand eine Resolution eingebracht, wonach in Zukunft Bezirks- führer für ihre Thätigkeit eine Eulschädigung beanspruchen dürfen, jedoch unter allen Umständen für ihren Markeubestand hastbar sein sollen. Diese Resolution wurde einstimmig an- genommen. Aus der hierauf vollzogenen Aorstandswahl ginge» hervor: E r b e als Vorsitzender, Runge als Schrift- lührer, Zabel als erster Kassirer, Tratsch eck als zweiter Kassirer. und als Viertelssührer G a d e g a st für die Köpenicker. Voigt für die Görlitzer, H ä h n e l für die Frankfurter und Kaiser für die Stralauer Vorstadt. Bei einem Antrage Jöchel's, für den Osten und Südosten je zwei Revisoren zu wählen, wurde die Dringlichkeit befürwortet und von der Versammlung beschlossen. Als Revisoren wurden be- stimmt: Monzel, Bauer, Brückner und Urban und als Thürkonlrolleure: S ch u ck, Zimmermann, Wagner und Mücke. Unter Vereinsangelegenheiten äußerte P e t e r e y den Wunsch, daß die Versammlungen in Zukunft pünktlicher, das heißt spätestens eine halbe Stunde nach der festgesetzten Zeit eröffnet werden möchten. Reuter sprach sein Bedauern über die schwache Betheiligung an der letzten Flugblattvcrbreilung aus. Beide Bemerkungen zeitigten eine längere Debatte, die indeß zu keinem Resultat führte. Der Antrag, alle Vierteljahre das Zahlstellen- Verzeichniß im„Vorwärts" zu veröffentlichen, wurde nach kurzer Diskussion abgelehnt. Eine entstehende Debatte über die Parteispedition verwies Franz Schulze an die am nächsten Montag in K e l l e r' s Festsälen statlsindendc Fortsetzung der letzten Parleiversammlung. Von Hoff mann wurde zum Schluß bekannt gegeben, daß am nächsten Sonntag früh 8 Uhr eine Flugblattverbreitung vorgenommen werden wird, wozu sich alle Mitglieder aus ihren resp. Zahlstellen ein- zufinde» haben. Im Fachverein der Lederarbeiter(Portefeuiller) gab am 21. Oktober Kollege Braun einen Abriß der Lebensgeschichte unserer verstorbenen Genossin Agnes W a b n i tz. Im Anschluß daran hob Kollege H e i n d k e die Verdienste und die Beliebtheit hervor, die sich diese wackere Kämpferin des Proletariats ua> mentlich bei ihrer Thätigkeit in der Frauenbewegung erworben bntte. Kollege Schulz schilderte dann die in der Lederwaaren- Branche vorhandenen Mißstände und forderte die bei der Firma I. M. L. und M. und Leopold Rosenthal in Arbeit stehenden Kollegen, die besonders eingeladen worden waren, szum Anschluß an die Organisation auf. Weiter ersuchte er die Kollegen um zahlreichen Besuch der öffentlichen Versammlung, die nächsten Montag, den 4. November, abends'/eS Uhr, in der Berliner Ressource, Kommandantenstr. 57, abgehalten wird und über die Frage verhandeln soll:„Wie verhalten sich die Kollegen zu einer Lohnerhöhung von 33t/z pCt.?" In der vom Verband aller in der Metalliudlistrie beschäftigten Arbeiter Verlinö und Umgegend, Gruppe Rohrleger und Gehilfen, einberufenen Branchen- Versammlung hielt Kollege Näther einen allseitig nlit Beifall aufgenommenen Vortrag über„Kapital und Arbeit" und kritisirte speziell die in der Branche vorhandenen Mißstände. Er forderte zum Schluß seines Referats, daß die Agitation der Rohrleger lebhafter betrieben und die Kollegen sich mehr wie bisher dem Meiallarbeiter-Verband anschließen mögen, damit es möglich sei, bei der günstigen Konjunktur, welche voraussichtlich noch längere Zeit ankalten dürste, bessere Verhältnisse für die Rohrleger und deren Helfer zu schaffen.— Die Verhältnisse bei der Firma Zschelletzky, speziell aber das Lehrlingswesen und das Verhallen der Kollegen der betreffenden Werk- statt wurden näher beleuchtet. Dortselbst werden ungefähr 15 Gesellen und 20 Lehrlinge beschäftigt, letztere sollen Schlosser werden, statt desien werden diese zu anderen Arbeiten verwandt, beim Klempner und Rohrleger, so daß nach Beendigung der vierjährigen Lehrzeit betreffende junge Leute nicht mal als Helfer beim Rohrleger zu verwerthen seien. Die Folge hiervon ist, daß diese, nachdem die Lehrzeit beender, anderwärts nicht recht fort- kommen können, deswegen gezwungen sind, in betreffender Werk- statt zu verbleiben und so einen gefügsamen Stamm des Unter- »ehmers bilden; die Löhne sind dementsprechend gehalten. Ein dort bcschäftigl gewesener Kollege, derselbe war verschiedene Jahre dort lhätig. wurde entlassen, weil dieser unter den Ar- bcitern agilirt und zum Anschluß an die Organisation aufge- fordert hatte. Bekannt gemacht wurde noch, daß von dem Herrn Z. bei einer Lohnauszahlung sämmtlichen Arbeitern die Frage vor- gelegt worden sei, ob sie gewerkschaftlich organisirt seien, welches m alle» Fällen verneint wurde, im bejahenden Falle könne er diese Betreffenden nicht weiter beschäftigen. Der von dem Herrn Z. entlassene Rohrleger wurde von der Branche ebenfalls als gemaßregell betrachtet, wie es bereits von feiten des Vorstandes geschehen. Eine längere Diskussion wurde noch gepflogen über Akkord löhne und zum Schluß bekannt gemacht, daß die nächste Branchen� Versammlung am 10. November stattfindet. Tie hiesige Filiale deS Verein» der graphischen Ar beiter und Arbeiterinnen hielt am 25. d. M. eine General Versammlung bei Brüning, Nosenthalerstraße 12, ab. Der vom Kassirer verlesene Kassenbericht ergab für das Quartal vom I.Juli bis 30. September eine Einnahme von 1751,75 M. und eine Ausgabe von 449,98 M., so daß 1301,77 M. an die Hauptkasse gesandt werden konnten. Der Mitgliederbestand betrug am Schlüsse des Quartals 877 männliche und 63 weibliche Kollegen. Bezüglich der geplanten Urania-Vorstellnng wurde bekannt gegeben, daß das betreffende Theater für den 5. und 19. Januar n. I. unter den be- kannten Bedingungen für uns reservirt worden ist, und theilte im Anschluß hieran der Vorsitzende gleichzeitig noch mit, daß unserer Organisation zu der von Herrn I. Türk am 10. November nach- mittags 3 Uhr im National-Theater arrangirten Vorstellung („Ein Volksfeind") 400 Billets ä 60 Pf. zur Verfügung gestellt worden sind, deren Ausgabe schon jetzt im Vereinslokal und bei den Kassircrn W. Brau, Ewinemünderstr. 4, und O. Krone, Adalberlstr. 24, erfolgt.— Eine längere Debatte entspann sich sodann über die Behandlungsweise in der Lichtdruckerei von Rückwarth. königlich preußischer und königlich bayerischer Hos- photograph, Lichlerfelde. Ein daselbst arbeitender Kollege, der nach Beendigung seiner Lehrzeit noch andertbalb Jahre als Ge- Hilfe gearbeitet hatte, wurde, als er das von Herrn Rückwarth ausgestellte gesetzwidrige Zeugniß zurückwies, von diesem Herrn in einer Weise behandelt, daß er die Hilfe des Gerichtes in Anspruch nehmen mußte; Rechtsschutz wurde ihm gewährt. Die in der Fiima D. Löwenstein entstandenen Differenzen, die zur Kündigung zweier Kollegen führten, wurden durch Eingreifen der Organisation zur beiderseitigen Zufriedenheit erledigt und die Kündigung zurückgenominen. Nach eingehender Erörterung de? bei Littauer u. Boysen eingeführten Prämiensystems gelangte sodann eine Resolution zur Annahme, welche die Verurtheilmig der dortselbst in dieser Hinsicht eingeführten Neuerungen aussprach.— Bezüglich der vor kürzerer Zeit im„Correspoudent" gegen unsere Organisation gerichteten Angriffe beschloß man, die Angelegenheit dem Haupt- vorstand zu überlassen, wie auch dem letzteren die Antwort ans den Artikel der Rixdorfer Filiale(Graphische Presse Nr. 43) anheimzustellen. Zum Schluß theilte Kollege Sillier noch mit, daß bei Gebr. Stiepel in Reichenberg i. B. ein Streik ans- gebrochen ist, und forderle zu reger Betheiligung an den in nächster Zeit ans diesem Anlasse ausgegebenen Sammellisten auf. Die Metalldriicker hatten sich am 30. Oktober in Cohn's Saal in der Beuihstraße versammelt. Ter Vertrauensmann Hetz gab zunächst den Jahresbericht. Ter Redner beklagte das mehr und mehr schwindend« Interesse der Kollegen an der Organisation. Als infolge der guten Geschäsislage der letzten Jahre dieZiollegcn eine lebhafte gewerkschaftliche Bcthätigung verlangt hätten, sei die Agitation mit gutem Erlolge betrieben worden. Die Mit- gliederzahl der Melalldrücker-Organisation wäre ans 420, gestiegen, während sie gegenwärtig kaum 200 betrüge. Auch die Nachfeier- abend-Arbeit, die schon in vielen Werkstellen abgeschafft war, be- ginne wieder einzureißen. Ter Rückgang der Bewegung sei ans die Lauheit der Kollegen zurückzuführen, die wieder ihre Ursache in dem minder guten Geschäflsgang dieses Jahres habe. Der Redner berichtete serner. daß im abgelaufenen Geschüft�jahr sechs Versammlungen stattfanden, und tadelte beim Släck- blick auf den Streik bei Eckel und Glienicke das unsolidarische Verhalten einer Reihe von Kollegen. Bartels meinte, die Lässigkeit der Kollegen erkläre sich daraus, daß sich die Drücker dcni Metallarbeiler-Verband angeschlossen hätten, anstatt eine eigene Fachorganisation zu gründen. B e i e r behauptete, der Rückgang der Organisation sei nicht so stark, als es Kollege Hetz hingestellt habe, da viele restirende Mitglieder ihre Beiträge nachträglich entrichtet hätten und also noch dem Verband znzu- zählen seien; er war ferner der Ansicht, daß es um die Organi- salion besser stehen würde, wenn die Werkstellen-Vertrnuensleute ihre Schuldigkeit thälen. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung: „Unsere Bewegung und was denken die Kollegen in den schlechtest zahlenden Werkstellen zu thun"" äußerte sich zunächst L i t s i n. Er ist der Meinung, daß die Interessen der Drücker im Metall- arbeiter-Verband hinreichend vertreten würden; wenn die Organisation noch manches zu wünschen lasse, so liege dies nur an der Interesselosigkeit der Kollegen. Da Arbeirs- gclegenheit jetzt so reichlich vorhanden sei, daß jeder, der arbeiten wolle und könne auch Arbeit habe, so wäre es angebracht, etwas für Ausbesserung der Löhne zu thun. Der Redner empfahl des- halb eine Resolution, die jedem Metalldrücker den Anschluß an die Organisation zur Pflicht macht und ferner verlangt, daß, da in diesem Jahre an eine durchgreifende Lohnbewegung nicht mehr zu denken ist, zu- nächst gegen die am schlechtesten zahlenden W e r k st e l l e n vorgegangen werden soll, und zu diesem Zweck jeder Kollege von» Montag, den 4. November an wöchentlich 50 Pfennige zum S t r e i k s o n d s zu zm h l e n hat. In längerer Diskussion wurden von mehreren Rednern die niedrigen Löhne und sonstigen Mißstünde einzelner Werkstellen besprochen,»nd die dort arbeitenden Kollegen zum energischen Vorgehen ermuntert, denn Wochenlöhne von 12 und 15 Mark, wie sie beispielsweise bei der Finna Goldmann gezahlt würden, könnten die Streikenden auch als Unterstützung von der Organisation erhalten. D i e R e s o l ri t i o n L r t f i n' s wurde einstimmig an- g e u o in m e n. Zum Vertrauensmann— auf seinen Antrag nur für ein halbes Jahr— wurde L i t f i n gewählt. Von der Aufnahme einer diesjährigen Lohnstalistik seitens der Drücker- brauche wurde Abstand genomwen, da. wie Kollege Bei er mitlheilte. der Verband die Absicht habe, eine Stalistik auf- ziinehmen. In einer Kiirschncrversammlnng, die am 28. Oktober im Alten Schützenhanse tagte, berichtete der Gewerbegcrichts-Bcisitzer B e u t n e r über die Rechtsprechung der Kainmer 2 des Berliner Gewerbegcrichts. Im Anschluß daran rügte er das häufig barsche Austreten einiger jüngerer Kuinmervorsitzenden, durch das sich junge Leute leicht einschüchtern und dazu bestimmen ließen, ihre Ansprüche fallen zu lassen oder auf für sie ungünstige Vergleiche einzugehen. �„Gründen wir einen Streikfonds lautete der nächste und haupisächlichste Punkt der Tagesordnung. Für die Schaffung eines solchen Fonds führte Wyr u. a. an, daß partielle Streiks auch im Berliner Kürschnergewerbe sehr leicht eintreten könnten und dann, mit Rücksichi auf die letzten Beschlüsse der Gewerlschaftskoniinission, ein nelter Geldbestand recht sehr angebracht wäre. Redner veranschaulichte an einigen Beispielen, wie auch geringe Beiträge der einzelnen Kollegen und Kolleginnen, von möglichst vielen regelmäßig gezahlt, eine große Summe ergeben. Eine von demselben Redner vorgeschlagene Resolution wurde nach längerer Debatte, an der sich besonders R o g g e im Sinne der Wyr'schen Anregungen betheiligt hatte,«iiislinimig a n g e n o m m e>i. Sie lautet:„Die ver- samnielten Arbeiterlund Arbeiterinnen der Kürschnerbranche er« kennen an, daß es bei einem eventuellen Kampf gegen das Unter« nehinerthnm unbedingt nothwendig ist, eine gntgesüllte Streikkasse zu haben; sie beschließen deshalb die Umwandlung des bisherigen Agitationssonds in einen Streikfonds. Die Versammelten ver« pflichten sich, überall: in Werkstätten, Versammlungen, Ver- gnügnngen u. s. w. thatkräftig für den größtmöglichen Absatz der SammelbonS einzutreten. Ferner verpflichten sich die Kollegen und Kolleginnen, in jeder Werkstelle eine Vertrauensperson zu wählen, welche verpflichtet wird, die SammelbonS jeden Sonn- abend zirkuliren zu lassen und die vereinnahmten Gelder an den Kassirer abzuliefern, wie auch der Agilaliouskommission von den Mißständen in der Werkstatt Mittheilung zu machen hat. Der Kassirer ist verpflichtet, alle halbe Jahre in öffenllicher Versammlung über seine Einnahmen und Ausgaben Rechenschaft abzu- legen. Die Abrechnung ist von drei Revisoren zu prüfen."�-. Die Versammlung beschloß noch, daß die vorstehende Resolu! in Form eines Flugblattes in allen Werkstätten verbreitet wer» den soll. Die Maler nnd Anstreicher waren am 29. Oktober zahb reich in dem Joel'schen Festsaal versammelt, um sich über einen Lohutarif für das Jahr 18 96 zu einigen, dessen Be- willigung den Unternehmern in Berlin, Charlottenburg, Nixdorf, Friedenau, Steglitz, Zehlendorf, Lichterfelde, Weißensee, Köpenick. Friedrichshagen, Friedrichsberg- Lichtenberg und Rummelsburg nahegelegt werden soll. G. Link als Vertreter der Lohn- komniission, die den Tarif anSgearbeitcl hat, schlug vor, den Tarif wie folgt festzusetzen: 1. Für jeden im Malergewerbe beschäftigten Arbeitnehmer beträgt der Minimallohn pro Stunde 53 Pf. 2. a) Bei eventueller Akkordarbeit ist unter allen Umständen der Minimallohn zu zahlen, b) Arbeiten, die mit Lebensgefahr verbunden, sind unter allen Umständen im Lohn auszuführen.— 3. Die Arbeitszeit be- trägt 9 Stunden und zwar morgens von 7 bis 3ffs Uhr, dann von 9 bis 12 Uhr und nachmiltags von 1 bis 5Vs Uhr.— 4. Jeden Sonnabend»st um 5 Uhr, an den Sonnabenden vor den hohen Festtagen um 4 Uhr Schluß der Arbeitszeit, ohne Lohnabzug.— 5. Die Auszahlung des Lohnes hat auf der Arbeitsstätte zu erfolgen und muß dieselbe spätestens eine halbe Stunde nach Schluß der Arbeitszeit beendet sein. Eine weitere Wartezeit wird als Ueberstunds berechnet.— 6. a) Ueberstunden sind mit 50 pCt., Nachtarbeit mit 100'pCt. Lohnaufschlag zu honoriren. Als Ueberstunde gilt die Zeit von abends SVa bis 8>/s Uhr, Nachtarbeit von abends 8>/2 Uhr bis morgens 7 Uhr. b) Sonntagsarbeit ist zu vermeiden; bei dringenden Fällen ist der doppelte Tageloh» zu zahlen. Die Arbeitszeit be» ginnt morgens 7ff2 Uhr und schließt nachmittags 4 Uhr, inkl. einer'/sstündigen Frühstücks- und einer einstündigen Mittags- pause. Bei noch längerer Arbeitsdauer tritt ein Lohn- anfschlag von 100 pCt. in kraft.— 7. Arbeiten ans Leitern oder Hängegerüfien sind mit einem Lohnaufschlag von zehn Pfennig pro Stunde zu zahlen.— 3. Das Bauen sämmtlicher Rüstungen ist von speziell dazu angestellten Personen zu besorgen.— 9. Für sämmtliche Arbeiten außerhalb des Stadt- und Ringbahnbezirks ist das Fahrgeld dritter Klasse zu zahlen.— 10. a) Auf Bauten ist vom 15. Oktober an nur bei verglasten Fenstern zu arbeiten, b) Den polizeilichen Be- stiminungen gemäß ist das Arbeiten bei offenen KoakSfeuern im- zulässig nnd haben die Arbeitgeber für eiserne Oesen mit Abzugs- röhren zu sorgen.— 11. Die Arbeitgeber haben dafür zu sorgen, daß aus den Arbeitsstätten ein verschließbarer Raum zum Umkleide» vorhanden ist, welcher den gesundheitspolizeilrchen Vorschriften entspricht.— 12. Bei Entnahme von Arbeitskräften ist der unentgeltliche Arbeilsnachivers der Gehilfenschaft zu benutzen. Link befürwortet die Annahme dieses Tarifentwurfs. Auch die Maler und Bernfsgenossen müßten die— wenigstens für eine bestimmte Zeit— günstigen Geschäftsverhältnisse ausnützen, die als Begleiterscheinung der Gswerbe-Ausstcllnng aufträten. Die Arbeitsverhältnisse seiner Kollegen schildert Redner als zum theil recht traurig. Die Maler und Anstreicher müßten von Jahr zu Jahr zusetzen, weil sie oft den größten Theil deS Jahres arbeilslos seien. Link berührte u. a. auch das Submissionsuuwescn und führte dazu an, daß eine Firma für dieselben Malerarbeiten(A u s st e l l u u g s arbeil) 34 000 M. geboten habe, die sich eine andere Firma für 14 000 M. aus- zuführen bereit erklärt hätte, obwohl allein die erforderlichen Rüstungen 8000 M. kosteten. Das sei ein schmutziges Verfahren. In der sehr lebhaften Diskussion wurden über die Festsetzung eines und desselben Minimallohnes für jeden im Maler- gewerbe beschäftigten Arbeiter verschiedene Meinungen laut. Müller erklärte sich für einen Unterschied zwischen ge- lernten Malern und ungelernten Anstreichern. Der Vor- sitzende B ö l i n g, Link und andere wandten sich dagegen. Nicht ans das Lernen, sondern auf das ö n n e n komme es an. Ein ungelernter Arbeiter leiste manchmal mehr, als einer, der 5 Jahre gelernt hätte. Ter Ein- wand Müller's wie einige andere minder wichtige Aussetzungen gegen Bestiinniungen des Tarifentmurfs wurden durch A n- nah m e des Entwurfs erledigt, die mit etwa 300 geZen Stimmen erfolgte. Folgende von der Lohiikomilnsston vorgeschlagene Resolution wurde ebenfalls a n g n o m m e n:„Um bei späterer Auszahlung von Sl Unterstützungen eine Kontrolle über die seitens- Oer Einzelnen geleisteten Beiträge zum Streikfonds zu ermöglichen, verpflichtet sich jeder im Malergewerbe beschäftigte Kollege eine von der Lohnkomniission gestempelte Streilkarte zu führen nnd jede Woche eine Marke für 25 Pf. zu kaufe», welche in die Karte zu kleben ist."— Es wurde daun noch milgetheilt, daß der Ober- Präsident von Achenbach auf die Beschiverde gegen das Verbot der zum 2. September einberufenen Malerversaniinlimq geant- worlet habe, das Verbot sei auf grund§ 10 D. 17 des Allgemeinen Landrechts zu recht erfolgt. Von einer weiteren Beschwerde wurde Abstand genommen. PnNer. Die öffentliche Versammlung am Montag Abend erfreute sich zahlreichen BesnchS. Genosse P f a n n k u ch schilderte in einem spannenden Vortrage die EnlstchuNa und Entwicklung der deulschen Gewerkschnsisbewcgnng nnd die Gegensätze zwischen den Hirsch-Duncker'schen Gewerkvereinen und d-» sozialdemokratischen Fachorganisatione». Der tlledncr zeig.« an Beispielen, welche Taktik unter den obwaltenden Verhältnissen für die Geiverkschafts- Beivegnng am vorlheilhaftesten ist. Eine Diskussion folgte der beifällig aufgenommenen Rede nicht. Der folgende Punkt der Tagesordnung betraf den Stand der Lohnbewegung in der Branche. Vorsitzender Neu mann konstatirte, daß keine Aendernng der Lage seit dem letzten Versammlung eingetreten ist. Ein großer Theil der Kollegen hätte leider nicvt den Muth gefunden— trotz der un- zweifelhast günstigen Konjunktur— an die Unternehmer heran« zutreten. König und G r o t h m a n n forderten ans, in jedem Falle, wo man sich weigere, den tarifmäßigen Lohn zu zahlen, die Arbeit nicht auszunehmen. Es wurde der Kommission nahe- gelegt, zur nächsten Versuiniiiluiig die Kollegen Nüttels eines Flugblattes einzuladen. I» Friedrichöberg hielt am 22. Oktober im Arbeiter- Bildnngsverern Genosie H o j f m a n n einen intereffanteu Vortrag über da» Thema: Monarchie, Republik und Vollsstaat. kl v>. «er- ahl- Nach dem dann gegebenen Kassenbericht hatte der Verein eine Einnahme von 1S2.KV M. Die Zlu?gabe» betrugen 10(3,60 M., mithin blieb ein Bestand von 86 M. Der Kassirer, Genosse Tempel, erhielt Decharge. Da er umzugshalber sein Amt niederlegte, wurde an seiner Statt Genosse K r a i l(Gürtelstr. 28) gewählt. Zum Hilfskassirer bestimmte man den Genossen Mönch. Die Versammlung beschloß noch, zum 24. November im Lokal des Herrn Schneider(Proskauer Garten) eine Abendunterhaltung veranstalten zu lassen. Die Vorarbeiten haben die Genossen Otto Schultz, Minks, Heißke, Schichold und Martinke zu besorgen. Ferner gab Genosse Weißflug bekannt, daß die Bibliothek bedeutend vermehrt ist und forderte die Mitglieder auf, sie rege in Anspruch zu nehmen. Der nächste Leseabend ist am 6. November bei Oskar Schultz, Friedrich Karlstraße. Paretz. Ueber die wirthschaftliche und politische Lage in Deutschland sprach hier Genosse Hansen aus Berlin am 27. Oktober in einer Volksversammlung. Der Vortrag wurde beifällig aufgenommen. Die Versammlung wählte dann den Parteigenossen K r u m in v w aus Ketzin zum Vertrauensmann für Ketzin und Paretz. Rlt-Glienirkc. In einer Mitgliederversammlung der hiesigen Zahlstelle des Allgemeinen Arbeiter- und Arbeiterinnenvereins von Berlin und Umgegend hielt Frau S 6) o l tz aus Berlin am 26. Oktober einen Vortrag über daS Thema:„Die Kinder des Volkes." Zum Schlüsse ihrer mit Beifall aufgenommene» Aus- fühuuigen richtete sie die Ermahnung an die anwesenden Frauen, die Kinder im Sinne des Vortrages zu erziehen. In der Tis- kussion erörterte Knüppel die hiesigen Schulverhällnisse, ii. a. erwähnend, trotz der neuen Schule komme es vor, daß zwei Klassen in einem Zimmer unterrichtet würden. Kollege S p o n- holz kritisirte die Ausbeutung der Kinder durch die Bauern, wobei er mittheille, daß Kinder von mittags bis abends 3 Uhr für leichte Feldarbeit mit 15 Pf. entlohnt worden sind. Hierauf wurde bekannt gegeben, daß Sonnabend, den 16. November, bei Wöllstein, in Adlershof, ein Tanzvergnügen abgehalten wird. In der Versammlung ließen sich mehrere neue Mitglieder auf- nehmen. In Kremmen, Rcg.-Bez. Potsdam, wurde am 27. Oktober eine Volksversammlung abgehalten, wo Genosse J.Wernau aus Berlin über die allgemeine wirlhschaftliche Lage reserirte. Zu dieser Versammlung war der Reichstags-Abgeordnete des Kreises, Pastor Schall aus Cladow, eingeladen und auch er- schienen. Ueber den Verlauf der Versammlung wird uns ge- schrieben: Nach dem mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Referat deZ Genossen Wernau sprach als erster Redner in der Diskussion der Reichstags-Abgeordnete Schall. Sein Versuch, unseren Genossen zu widerlegen, war so oberflächlich, daß es den nächstfolgenden Rednern leicht wurde, mit dem Herrn Ab- geordneten fertig zu werden. Ter Erfolg für unsere Sache war so durchschlagend, daß der Herr Abgeordnete Schall, noch che die Versammlung geschlossen war, seine„Mappe" unter den Arm nahm und die Versammlung verließ. Am Schluß wurde Genosse Krickel zum Vertrauensmann für Kremmen und Umgegend gewühlt. Die Versammlung war von 200 Personen besucht. Soziale NeilzkspfleAe« Gewerbeaericht. Gegen eine Lohnentschädigungsklage des Werkführers Bartsch machte die beklagte Firma Roseuthal u. Groß(Schuhwaaren-Fabrik) den Einwand geltend, der Kläger sei berechtigterweise vor Ablauf der Kündigungsfrist entlassen worden. Erstlich habe derselbe sich geweigert, ihm ob- liegende Verpflichtungen zu erfüllen, und dann sei er dem einen Chef so entgegengetreten, daß er in der Fabrik nicht länger hätte geduldet werden können. An Rofenthal sei eines Tages, als er sich im Zu- schneideraum mit Kalkulationen beschäftigte, ein Arbeiter mit der Bitte nach Leder herangetreten, und als R. diesen fragte, wieso er von ihm, dem Chef, Leder verlange, habe dieser Arbeiter gesagt, der Werkführer Bartsch schicke ihn. Bartsch sei darauf um eine Erklärung augegangen worden und hätte dieselbe in den Worten abgegeben:„Wenn Sie Werkführer spielen wollen, dann geben Sie auch nur das Leder an die Arbeiter aus!" Natürlich hätte der also Augeredete mit des Klägers Entlassung antworten müssen. Der Kläger gab zu, die zitirten Worte Roseuthal gegenüber gebraucht zu haben, recht- fertigt dies aber damit, daß er aus den Bemühungen desselben im Arbeitsraum habe schließen nmssen, der Chef wolle sich in seine Thätigkeit hineinmischen. Kläger bestritt ferner nicht, daß er, wie man ihm vorwarf, den Verkauf von Seide und Nadeln an die Arbeiter plötzlich einem Volontär übertragen habe, obwohl er selbst sich fast ein Jahr lang damit befaßt halte, Bartsch bemerkte jedoch hierzu, daß die Ausgabe des erwähnten Materials nicht zu seinen Obliegenheiten gehört hätte; er habe dieselbe vielmehr aus freien, Willen seinerzeit übernommen, und dieser Umstand hätte ihn dazu berechtigt, sie einem anderen zu über- tragen. Die Kammer 2 unter dem Vorsitz des Magistrats- Assessors Alberti wies den Kläger ab. Der Gerichlshof sah in dem Auftreten des Klägers seinem Chef gegenüber einen sehr wichtigen Entlassungsgrund, wobei er besonders erwog, daß gerade der Kläger als Werkführer verpflichtet gewesen sei, die Autorität des Chess aufrecht zu erhalten. Auch meinte das Gericht, daß Barlsch eine sehr lange selbst geübte Thätigkeit. wie die Ausgabe von Seide und Nadeln, nicht einfach einem anderen hätte übertragen dürfen. Einen„Aerztebesucher" hatte sich der Bade- Anstalts- Besitzer Philipsthal in der Person des Herrn Baresel zugelegt, dem gegen einen bestimmten Wochenlohn die Aufgabe gestellt war, die Aerzte in und um Berlin für das Institut seines Auftraggebers zu rntcressiren. Zwischen den beiden Kon- trahenlen kam es eines Tages zum Bruch, wie das schon so zu gehen pflegt, und B. sah sich veranlaßt, beim Gewerbegericht sowohl rückstäudigen Lohn, wie auch eine Lohnentschädi- gting wegen rechtswidriger Entlassung einzuklagen. Die Verhandlung der Sache vor dem Gewerbegericht kam aber über den ersten, dem sogenannten Vergleichstermin, nicht hinaus: die Klage wurde wegen Unzuständigkeit des Gerichts a b- gewiesen. Die Kammer VI, welche sich mit der Angelegenheit beschäftigte, erblickte in der Thäligleit des Aerztebesuchers das Charakteristikum des Handlungsreisenden. Wie ein solcher sei der Kläger darauf ausgegangen, Geschäfte abzuschließen, so führte der Vorsitzende Leo aus. Daß der Kläger einen bestimmten Wocheulohn bezogen habe, ändere nichts an seiner Eigenschaft als Handlungsgehilfen. Der Schlächtermeister Geisler hatte einige Male böse Ersahrungen mit Gesellen gemacht, denen er das Ewkassiren von Geldern übertragen hatte. Hierdurch sehr mißtrauisch ge- worden, regte es ihn mächtig auf, als der Schlächter S. sich eines Abends nicht niehr einfand, das Geld abzuliefern, welches er tagsüber zusanimengeholt hatte. Am nächsten Morgen, beim ersten Zusammentreffen mit dem Gesellen, nahm er diesem sofort das vollzählig vorhandene Geld ab und entließ ihn in seiner großen Erregung auf der Stelle. S. gab sich damit aber nicht zufrieden, sondern klagte beim Gewerbegericht auf Zahlung einer Lohnentschädigung. Ter Kläger that im Verhaudlungs- termin glaubhaft dar, daß er an dem fraglichen Abend nur des- halb nicht das kassirte Geld abgeliefert, sondern mit nach seiner Schlafstelle genommen habe, weil es bei der Ausführung des ihm aufgetragenen Pensums sehr spät geworden sei. Kläger hatte befürchtet, nicht mehr das Haus offen zu finden, in dem der Beklagte wohnte. Das Gericht v e r u r t h e i l t e den Beklagren zur Zahlung der verlangten 40 M. Es vermochte durchaus nicht einzusehen, daß in dem berichteten Verhalten des Klägers ein gesetzlicher Eutlassungsgrund liegen solle. Für denFuhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion de»« Publikum gegenüber keinerlei Peranttvortnug Theater. Freitag, den l. Dezember. Vperntzan». Carmen. tchanfpielhaui». 1812. rutsche» Theater. Robinson's Eiland. Orrliurr Ttzratrr. Der Pfarrer von Kirchfeld. Zrsjtng> Theater. lilaäamo Sans- G-ene. Frtrdrich-Milhelmstiidt. Theater. Die Reise nach dem Mars. Nene» Theater. Der tapfere Car- dunois. Schiller-Theater. Durch's Ohr. Der Adelsnarr. Nestdenz-Theater. Der Rabenvater. Vorher: Aber die Ehe! Adolph Ernst- Theater. Parade- bummler. Eentral-Theater. Eine tolle Nacht. Aleranderplah-Thrater Die kleinen Lämmer. Borher: Nummer 66. National- Theater. Nathan der Weise. Theater Unter den Linden. Die Karlschülerin. American- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Neichohallen-Theater. Spezialitäten- Vorstellung. ApoU»- Theater. Spezialitäten-Vor- stellung. Schiller-Theater. (Wallnep>Theatep,) Freitag: Durch» Ohr. Der Adelsnarr. Sonnabend: Milhelm Toll. ZntW-WilhellüWt. Theater £5/20«Hausteestraß- 25/26. Vorletzte Woche des Gastspiels der Liliputanep, Jeden Abend?>/, llhr: Die Reise valh dem Mars. Sonnabend, nachmittags 3 Uhr: Slhittiiittljt» „Die Reise nach dem Mars." Ziviler nachmittags kalb« preis». Sonntag Nachmittag: Ma National-Theater. Groß« Frankfnrterliraße 132. Direktion: Uax Samst. Volkivorstelluug zu bedeutend ermäßigten Preisen. Gastspiel des Herrn Kustav Sobsr vom Lessing-Thealer zu Berlin. Nsthsn der Weise. Ein dramatisches Gedicht in 5 Aufzügen von E. L e s s i n g. Regie: Fritz Schäfer. Morgen: Faust. Sonntag, nachmittags üV-Nhr: Volks- Vorstellung. Ein Volksfeind. Schauspiel in B Aufzügen von Henrik Ibsen. Regie: Julius Türk. Central-Ulester. Alte Aakobstr. 30. Sonnabend, den 27. Oktober I8S5: Emil Thomas a. G. Ikovität! Zum 59. Male: Novitäi! Cim tolle Nacht. Große Ausstattungsposse mit G-saug und Tanz in 5 Bildern von VilK. Mannstädt und Jnlins Freund. Musik von Jnlins Eincdshofer. In Szene gesetzt v. Dir. Hickard Löbnitz. Anfang 71/e llhr. Morgen: Zum 60. Male; Eine tolle Nacht. II i» s n i s Anstalt für volksthümllclie Naturkunde. Am Landes-Ausstellungapapk (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5—10 Uhp. TSglich Vorstellung im wUsenscbaft liehen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Adolph Ernst-Theater. Zum 00. Male: Naraiieliummler. Besetzung der Hauptrollen; Anna Bäcker», Josefiue Dora, Ida Schlüter, Adolph Ernst, Julius Eyben, Hugo Haßkerl, Richard Jürgas, Guido Tielscher, Karl Weiß, Georg Worlitzsch. Anfang 7Vs Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. iftT* In Vorbereitung: Der sileine Uovd. Alexanderplatx-Theater. Alexanderstraße 40. Die Kleinen Kammer. Operette in 2 Akten von Louis Varneg. Vorher: Numinev«6. Operelte in 1'Akt von Offenbach. Anfang 3 Uhr. Morgen: Dieselbe Borstellung. HuU ist da!!! Ter Mlllltl m Eiset! N wird bald das Tages- gespräch sein. Jede» Abend 10 Uhr in RsTslfmann's Ifari6t6- Theater Königstrasse, Kolonnaden. Vollftäudig neues Programm. 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Apollo-Theater Dollstandig neues P r o g r a m m» 14 Ä Muts. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ansang der Vorstellung 8 Uhr. Ldert's Pkst-8äls 72 Kammanüanienstrasse 72 Smabenb, k 10. uJOioi). noch zn vergeben. lOOSb Gegründet 1845. Gegründet 1845. Circus Renz. Karlstrasse. Freitag, den 1. November, abends 7»/2 Uhr: Grosse Vorstellung. Donner und Darms, Napphengste in kurzer Zeit auf eine originelle Art dressirt und vorgeführl vom Direklor Fr. Renz. Auslreten der Amerikanerin Miss Rita del Erldo als Schulreiterin(im Herreusattel) initdemTrakehnerVoUblut-Fuchs- Hengst„Aegir". Mephistophela's Höllenritt, ausgeführt von Frl. Wally Kenz. Herr Ritter v. Renrolf m. seinem Schulpferde„Skobeleff". Zum Schluß der Schule: Griginal! DerphänomenaleBagnettespmng. Austreten des anerkannt besten Schulreiters der Welt, Mr. James FtUis m. f. Schulpferde„Marlir". Austreten der renomm. Künstler- familie James Joe. sowie der hervorragendst. Reitkünstlerinnen und Reitkünstler. 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Zum I.Male: Mr. Veldemann als amerik. Boxer. Austreten der italien. Clowns Gebr. Rossi. Die amerikan. Freunde, höchst komische Szene der drei Auguste. Ferner: Ein rquekrisches Arrangement von 100 Pferden. Von keiner Konkurrenz erreichbar. MM- Festzug des gesammten Personals."HHB Leopard, Pferd mecklenb. Raffe, dressirt und geritten v. Hrn. FoottH-Bnrghardt. Zum 1. Male: Dir. Busch mit seinen 2 Tigerheugste» als Apportir- pfrrde. Einlaß 63/4 Uhr. Ende 10V: Uhr. Sonnabend: Gr. Gala- Vorstellung. Sonntag: 2 Vorstellungen. Nachm. 4 Uhr(ermäßigte Preise und 1 Kind frei) und abeiws 7>/z Uhr. fiV Neues Programm. Kaiser-Panorama (Passage). Znm I. Male: Reife_ der„Augusta Victoria" nach Malta, Smyrna, Kairo, Alexanbria k. 2. Zyklus: Schlösser König Ludwigs: Hoheuscbwangan, Neuschwaustein. Eine Reise nur 20 Pf. Abonn. 1 M. Alcazar. K J Varletö- n. Spezlalltäten-Vorstellg Dresdcnerftr. 52/53, Annenstr.4243 (Ciiy-Paffage). Ue«! Ueu! Vie Evbkanfe. Posse in 1 Akt von Alf. Schmasow. 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Uovember 1895, abend« 8'/» Uhr» in Krochnow's Salon, Sebastianstr. 39; Vombinivke Sijtiltg her LrisverlvllltNg n!> WerWt-Kontrlillkmmsjton Montag, den 4. November 1895, abend» 8 Uhr, bei SobSning, Stallschreiberstraße Ur. L9: Versammlung der Varguekbodenleger Tages-Ordnung: I. Wie stellen sich die Kollegen zum Streik bei der Firma Rosenfeld 2. verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Parquetbodenlegers zu erscheinen Friedrichsberg-Rnmmelsvllrg. Montag, den 4. Uovember 1895, abends 8Vs Uhr, bei Heinecke] Friedrich Karlstraße 11: DV" Vrzivks-Vevfammlnng. Tages-Ordnung: 1. Die gegenwärtige Geschäftslage. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Bezirks leiters. 4. Verbandsangelegenheiten. Zu dieser Versammlung sind die Kollegen folgender Werkstätten ein geladen: Paewerk, Blumenthalstr. 42; Krause, Blumenthalstr. 27; Runge& Schlansky, Blumenthalstr. 42; Bettstellenfabrik Fr. Richter, Scharnweberstr. 32, 78/13 Die Grtsverwaltung. Zimmerer. IIB. Generalversammlung i>ts Verbanhes helltsljer ZmUerleute n) vem. Berufsgetl (Zahlstelle Berlin) am Tonntag, den s. November, vormittags 40'� Uhr im Lokale Annenstraße Nr. 1V. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Bansen über:„Modernes Jnnungswesen" 2. Abrechnung vom 3. Quartal. 3 Ergänzungswahl des Ausschusses. 4. Ge werkschaftliches.(Angelegenheit Butschke contra Bringmaun.) Wahl eines Revisors. 254/11 Der Vorstand. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher an Holzbearbeitüngs-Maschinen und auf Holzplätzen beschäst. Arbeiter am Sonntag, den 3. Uovember, vormittag« 10 Uhr, bei Behlita, Krrgstraße Ur. 13. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Abrechnung. 3. Neuwahl der Agitationskvmmission. 4. Verschiedenes. 63/6 Der Uertranensmann. Verein der Schäfkebrnnrhe. Sonnabend, den 2. November, abends 9 Uhr, bei Wernau, Rosenthalerstr. 57 Vsi-ssmmlung. 173/9 Achtung! Achtung Der Tanzlehrer Verein.LolidarM". welcher auf dem Boven der modernen Arbeiterbewegung steht, hält sich den Gewerkschaften und Vereinen bestens empfohlen. Aufträge:c. bitte im Vereinslokal bei Bergner, Annenstr. 10. gütigst niederzulegen. 200/2 Her Vorstand, Verband der Sattler und Tapezirer, Filiale II. DW" Versammlung am Sonnabend, den 2. November er., abends 8'/» Uhr, bei Meier, Müllerstraße 7. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Verbands Angelegenheiten und Verschiedenes.— Um zahlreiches Erscheinen bittet 157/9 Die Grtoverwaltung. Zentralverband deutscher Maurer Zahlstelle Berlin I.(Unher). RISitglieder-Versammlung am Sonntag, de» 3. Uovember, vormittags 11 Uhr, in vohn's Festsälen, Kenthstraße 30. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Abrechnung vom 3. Quartal 1895. 3. Vereinsangelegenheiten.— Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet 134j7 Die örtliche Verwaltung. Achtung! Meißensee. Achtung! Sonnabend, den S.November, abends 8'/- Uhr: Größe össentliche Völks-VersiiiWlUg ini„Prälaten", Lehderstrahe Nr. 122, Tages-Ordnung: 1. Berichterstattung vom Parteitag. Referent: Genosse Sehilling (Reinickendorf). 2. Diskussion. 3. Bericht der Revisoren. 4. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen wird um zahlreiches Erscheinen gebeten. s222/l8s Der Vertrauensmann, Arbeiter, Parttigeuoffeu! Die ausgesperrten S c h u h m a c h e r Burgs haben hier JfjttmlitumjfustlliC Mv. 113, Ecke Chausseestraße, eine Verkaufsstelle errichtet und führen nur gute und reelle Waare zu billigsten Preisen. 3202L* Wir bitten die Genossen, uns durch reichliche Einkäufe zu unterstützen. Mrger GenoffenschOs-SchuhMÄ. M-KrtuikenW heS Mlmrergenterves p Berliff. Einladung! Montag, den II.Novemb., abends3Uhr, bei BSIiig,! Neue Friedrichstraße 44 Generalversammlung der Vertreter der/s Uhr: General- Versammlung bei Müller, Hegelplatz 1. Tagesordnung: 1. Wahl von 3 Ausschußmitgliedern zur Abnahme der Jahresrechnung. 2. Wahl von 3 Vorstandsmitgliedern und zwar: 1 aus der Mitte der Ar- beitgeber und 2 ans der Mitte der Kassenmitglieder. 3. Erneute Beschluß- fassung über Erhöhung der Kranken- Unterstützung(Z 13). 4. Verschiedenes. Llrbeitgeber, die zuzahlen, sind ein geladen. ver Vorstand Ztntral-Kriüikeil-ii.Sttrbekiljse !>er Tischler u. s. m. Oertl. Verwaltung Berlin F. VkOmmIlW am Sonntag, den 3. November, vormittags 10 Uhr, im Saale des Herrn Hübner, Swinemünderstr. 35. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Wahl eines ersten Kassircrs. 3. Ver- schiedene Kassenangelegenheiten. 183/3 Die Grlsverwaltuns. Arbeiter-Raucher-Bund Berlins u. Umgegend. Die nächste Delegirtensitzung findet Sonntag, den 3. November, V/, Uhr, in Wilke's Restaurant, Andreasstr. 26, tatt.— Neue Klubs werden ans- genommen. 1102b Orts-Krankenkasse Boxltagen- Gummelsburg Wahlversammlung zur Ersatzwahl von 3 Vertretern ver icherungspflichtigcr Kassen- Mitglieder (Arbeitnehmer) für die General- Ver 'ammlung findet am Montag, II. Novbr. d. I., abends 8 Uhr, im Vowinkel'schen Lokale, Hauptstr. 83, hier, 'tau. Rummelsburg, 29. Oktbr. 1895. Der Kassenvorstand. 236/5 M. A. R o h r. Orts-Krankenkasse loxliagen-Rummelslmrg Delegirten- Generalversammluug Montag, 13. Novbr. d. I., abends 8 Uhr, im Nitter'schen Lokale. Kanlstr. 38, hier. Tagesordnung: 1. Wahl des Ausschusses zur Prüfung der Rechnung für das Jahr 1895. 2. Neuwahl von 3 Vorstandsmitgliedern (1 Arbeitgeber und 2 Arbeitnehmer). 3. Genehmigung eines Arztvertrages. Verschiedenes. Rummelsburg, 29. Oktbr. 1895. Der Kassenvorstand. M. A. R o h r. Achtung? Diejenigen, welche noch abzurechnen habe» mit dem Gesangverein der Bau- anschläger, werden hierdurch auf- gefordert, ihren Verpflichtungen bis zum 3. d. M. nachzukommen, widrigenfalls die Namen veröffentlicht werden.— Sämmtliche Mitglieder werden ersucht, heute zu erscheinen. 1103b Der Vorstand. Neue freie Uolksbützne. Montagi den II. November! abends 8Va(Ihn General-yersammlung in Boltz' Salon, Alte Jakobstr. 75. Nähere? siehe die Anschlagsäulen am künftigen Freitag. 150/3 ey er frülier Grüner Weg 40 35901.' jetzt Grüner Weg 79 I. R. F. Mittelstadt, Berlin N., Brunnenstr. 152. 'ligiichaieyer' dsung und regr. besonders den Appetit an, In Fl. Mk.0,60. IjO.&lM Im Ansscliank nnd in Flaschen überall zu haben, Edik SkonsdcrrFev MKSv. a Liter 1,20 M.. 5 Liter 5,60 M., 10 Liter 10 M. Echten alten Nordhäuser, a Liter 1,— M.. 5 Liter 4,50 M. Ingber, Getreidektimmel, Wachholder, ALI M., 5 L. 4.50 M. Himbeer», Kirsch-, Johannisbeer-Saft, vorzüglich, Liter 1,20 M. Medicin. 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Vick. 1113b Xdu Fabrikant und kein Händler übernimmt für seine Cognac-Esseuz eine rechtsverbindliche Garantie, welche die richtige Zusammensetzung des daraus hergestellten Cognacs gewähr- leistet. Man hüte sich daher vor an- geblichen Cognac-Essenzen dunklen Nr- prungs und kaufe nur Mcllinghoff'S Tognac-Essenz. denn der ziveckent- 'prechende'Aufbau dieser Essenz ist ausdrücklich verbürgt: „Ich zahle demjenigen 1009 Mark. welcher in der von mir bereiteten Eoguac-Essenz, in Flaschen mit meinem Namenszuge, außer dem nothweudigen Färbemittel Stoffe entdeckt, welche in chtem Cognae nicht enthalten sind. Dr. F. W. Melliughoff." Meitwarkt. Achtvilg, Klavierarbeittr! Die Kollegen der Pianofabrik von W. Steuer, Krautstr. 52, haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Die Werkstatt-Kontrollkommission. Tüchtige Farbigmacher und Barock- Vergolderin vcrl. Muskauerstr. 29. Wehet* auf Brüssel-Teppiche in dauernder, ein- kömmlicher Stelle nach außerhalb ge- sucht. Näheres A. WicherS, Tauben- straße 23. 1107b Arbeitsburscheu zwischen 14 nnd 16 Jahren werden verlangt 1106b Grussau u. Heinrich, Engel-Ufer Id. Ein tüchtiger Pantoffel- und Filz- schuh-Einleister wird verlangt 1105b Rixdorf. Ziethenstr. 84. Silber-Besteckarbeiter Stralauerstr. 41. verlangt Hell. 1033b Vergoldergehilfen auf seine Politur- leisten verl. Müller, Grüner Weg 56. Tüchtige Vorarbeiter und Bohrer auf Eisenkonstruktioi, verlangen Steikens& Noelle, Südufer 4. Für die hirstgen Feser liegt der hentigen Uummer unsere« Statte» die gestrigr Gewinnliste der prruß. Foilerie bei. Verantwortlicher Redakteur: Fritz K, inert, Schöneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke i» Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.