Morgenausgabe JIM AI 45. Jahrgang WSchentltch 10 Pfeuntg. monaMch l.— Reichsmark an voraus zadlb«. Qntet Streifband int In- und Aus» land SL0 Reichsmark pro Monat. « D«.Bonrärts* mit oei illustnei» ten Eonntogsbeiloge.Volk und Zett� sowie den Beilagen»Unterhaltung und Wiflen'.Lus der Filmwelt-, .Stadtdeilage'.Frauenstimme�, .Der Aindersreunb".Iugend-Dor» wärts".Blick«n die Bücherwelt�. Kulturarbeit� und �Technit� erscheint wochentäglich zweimal Sonntags und Momags einmal. lr> f. Berliner vowsblatt Sonniag 1. 3anuür 192S Groß-Äerlin 15 pf. Auswärts 20 pf. Die e t n t p a t ttg e RonpareiNezeN« 80 Pfennig Reklomezeile 5.— Reichsmark»Kleine Anzeigen" das fettge« druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei settaedruckte WortO. jedes weitere Work 12 Pfennig Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig Worte über 15 Buchstaben »ädlen für zwei Wom ArdeitsmarU 3cUe 60 Pfennig Famiiianzeigen für Abonnenten Heile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Linden« Kratze 2. wochentäLl. von b'v, bis 17 Uhr. Jenttawvsan der Gozialdemotratikrhen Vavtti Neuisschtmzvs Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhosi 292—297 Telegramm-Adr: Sozialdemokrat Berlin Vorwaris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37536— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellt«» und Beamten Wallftr. 65. Tiskonio-Gescllschast. Deposttenkasie Lindcnstr. S Weliwahljahr 1925. Ein Jahr schwerer Kämpfe liegt hinter der deutschen Arbeiterklasse. Im Zeichen Wirtschaft- licher Not begin- nend, führte es mit aufsteigender Kon- junktur zu den schweren Wirtschaft- lichen Kämpfen im Bergbau und schloß mit der Androhung der Hüttenbarone. vielen Zehntausen- den von Arbeitern zum Jahreswechsel kündigen und so über Hunderttau- sende deutscher Fa- Milien Not und Elend zu bringen. Politisch drückte der Bürgerblock dem verflossenen Jahre sein Gepräge auf. Der Bund der Junker mit den führenden Schichten der Industrie und des Bürgertums war stark genug, um den Deutschnatio- nalen die Teilnahme an der Regierung zu ermöglichen. Frei- lich nur dadurch, daß diese nahezu alles verbrannten, was sie bisher angebetet: bis zur Verlängerung des Gesetzes zum Schutz der Republik unter Fernhaltuna des Kaisers von Deutschlands Gauen verstiegen sich die ehemaligen„Triärier Seiner Majestät" in dem durch nichts zu hemmenden Drang Npch der Futterkrippe. Die Herren wissen aus ihrer Vergangenheit nur zu gut, wie segensreich ihrer Aaste der B.sitz der Staatsmacht war. Ihr wieder näherzukommen, brachten sie jedes Opfer des Intellekts— soweit sie dazu imstande waren—, jedes Opfer des Gefühls und der persönlichen Würde. Ein knappes Jahr der Teilnahme an der Regierungsgewalt aber hat gezeigt, daß die reaktionären Bäume in Deutschland nicht in den Himmel wachsen. Dem Zentrum gelang es bisher nicht, die Frucht ihres Verlöbnisses, das Reichsschulgesetz, in die Scheuern zu bringen. Der Konflikt unter den Koalitions- Parteien ist zu einem offenen geworden, und es besteht kaum noch ein Zweifel, daß mit der Abstimmung über das Reichs- schulgesetz der Bürgerblock das Zeitliche segnen wird. Daran wird auch die Furcht der Deutschnationalen vor der bevor- stehenden Abrechnung der betrogenen Wählermassen nichts ändern. Kein Zweifel, die Arbeiter im Zentrumslager und auch große Teile derer, die den Deutschnationalen bisher Gefolgschaft leisteten, sind in Bewegung geraten. Die revo- lutionierende Wirkung des gleichen Wahlrechts kommt in dem erstarkenden Kelbstbewußtsein dieser Arbeiterschichten zum Ausdruck. Um die politische Seele des Arbeiters g?ht der Kampf bei den kommenden Wahlen in Deutschland. Die Ar- beiterschaft hat es in der Hand, sich die Stellung im Staat zu verschaffen, die ihr dank ihrer Zahl, ihrer Gescbichte und ihrer staatsbürgerlichen Bedeutung zukommt. Die G e- m e i n d e k ö r p e r s ch a f t e n fast des ganzen Deutschen Reiches werden im kommenden Jahre durch Wahlen eine neue Zusammensetzung finden. In Preußen. Bayern. Württem- berg und anderen Staaten des Reiches werden die Land- tagswahlen zugleich mit der Schlacht um die künftige Zusammensetzung des Reichstages g'ekchlagen werden. Die Bedeutung dieser Wahl aber greift weit über iie deutschen Landesgrenzen hinaus. Nicht nur für Deutschland ist das kommende Jahr ein Wahliabr auch in F r a n k r e i ch, Belgien. Polen, wahrscheinlich auch in England. finden die Parlamentswahlen statt. Es war ein tragisches Geschick für die Völker Eurovas und besonders für das deutsche Bolk, daß in dem großen Wahljahr 1924. das den Sieg der französischen Demokratie bei den Wahlen am 11. Mai brachte und die englische Arbeiterpartei unter Maedonald in England am Ruder sah, in Deutschland die Reaktion triumphierte. Zwar vermochte sie eine andere Linie der Außenpolitik nicht einzuschlagen, als sie durch die Sozialdemokratie seit dem Ende des Krieges gewiesen war. Aber das Mißtrauen Pen Deutschland lähmte den Fortschritt der freund- tlichen Beziehungen und die Fortdauer der Besetzung weiter Teile des Deutschen Reiches durch Truppen der Entente ist diesem Mahlausfall zuzuschreiben. Jetzt sieht alle Well gespannt aus Deutschland, und jeder- Von Otto Wels. mann ist überzeugt, daß das deutsche Volk den Fehler des Jahres 1924 korrigieren wird. Bom Ausfall der Wahlen in Deutschland, wenn sie den französischen Wahlen voraus- gehen, wird der Ausgang der französischen Wahlen zweifellos beeinflußt.- Aus den Reden der deutschen Re- gierungsvertreter, besonders des Herrn Stresemann, klingt immer und immer wieder die Hoffnung heraus, daß an Stelle des Bloc National in Frankreich die Linke wiederum zu stärkerer Machtgeltung gelange. Hoffentlich sind die ijemn mit Herrn Stresemann an der Spitze sich darüber klar, daß Linkswahlen keine Artikel find, die man von Deutschland nach Frankreich und England exportieren kann, ohne i n Deutschland dem gleichen Ziele zuzusteuern. Den reaktionären Tendenzen und der faschistischen Bewegung der verschiedenen Länder Europas leistete das Jahr der deut- schen Bürgerblockregierung ohnehin genügenden Borschub. Das Jahr 1928 muß die deutsche Wählerschaft im Be- wußtsein ihrer weltbürgerlichen Pflicht finden. Jener well- bürgerlichen Pflicht, der-ganz Deutschland sich durch seinen Beitritt zum Völkerbund unterzog. Die Hoffnungen auf den Völkerbund müsien verschwinden, wenn der Ausfall der Wahlen in allen Ländern reaktionäre Regierungen schafft, denn seine Zusammensetzung hängt notwendig von der Ge- staltung der einzelnen Regierungen ab. Reaktionäre Einzel- regierungen ergeben durch ihre Vertreter einen reaktionären Völkerbund. Der Sieg der De m o k r a t i e in Deutsch- land. Frankreich und England macht den V ö l k e r b u n d zu einem Gebilde, das den Voraussetzungen entspricht, die an feine Gründung geknüpft wurden: den Frieden Europas und der Welt zu festigen. Daß Rußland es seines moralischen Prestiges wegen für notwendig hielt, an der Abrüstungskon- ferenz des Völkerbundes teilzunehmen, verhüllt uns die Tat- fach? nicht, daß die Welt zurzeit mit Explosivstoffen an- gefüllt ist. Der Konflikt zwischen England und Rußland, der seine ständige Nahrung durch den Besitz beider Länder im fernen Asien hat, und in dem sich besonders England durch die kom- munisttsche Agitation Rußlands ständig bedroht sieht, die italienisch-jugoflawische Spannung bergen Kriegsgefahren in sich, die der Völkerbund nicht auszugleichen vermag, wenn die Kriegstreiber in ihm die entscheidende Rolle spielen. Im polnisch-litauischen Konflikt hat sich der Völkerbund zwar a l s kriegshemmender Faktor erwiesen, aber in Anbe- kracht der in Polen und Litauen herrschenden Regierungs- fysteme ist der Ausbruch kriegerischer Verwicklungen nicht aus- geschlossen. Das Bündnisangebot Italiens an Frank- reich gegen Deutschland wird die freundschaftlichen Ge- fühle zwischen Italien und Frankreich nicht erhöhen. Frank- rcichs Staatsmänner werden darin nur die Zwangslage des italienischen Faschismus erkennen, scheinbare Auhenerfolge zu erzielen, um den gänzlichen Zusammenbruch aller faschistischen Wirtschaftsexperimente zu verhüllen. Die Anfangserfolge Mussolinis vermochten die Welt eine Zeitlang zu täuschen, heute beweist die entsetzliche Arbeitslosigkeit, die rapid stei- gende Teuerung und der Umstand, daß die faschistischen Mi- lizen in Italien es fast allein find, die noch gm genährt und gekleidet als Schutztruppe des Diktators zu leben vermögen. daß das Jahr 1928 auch in Italien entscheidende Wendungen herbeiführen kann. Damit aber wäre' in Verbindung mit Linkswahlen in den westeuropäischen Ländern die stärkste Garantie dafür gegeben, daß die Welt nicht wieder in verbrecherische und orudermörderische Kriege verwickelt würde, die allein zum Vorteil für politische Wegelagerer und Spekulanten geführt würden. Deshalb heißt es, jeden Nerv anzuspannen, um den Sieg der Sozialdemokratie bei den bevorstehenden Wahlen so machtvoll wie möglich zu gkstalten. Je größer unsere Macht, um so eher wird dem Proletariat sein Recht werden. Unser Sieg wftd ein Werk der öffentlichen Wohl- fahrt sein, an dem die Internationale der Arbeit nicht weniger Interesse als das deutsche Volk selber hat. Der Sozialismus muß siegen! Von Pierre Renaudel. Liebe Genossen vom„Vorwärts"! Ihr hobt mich um einen Beitrag für eure Neujahrsnummer er- sucht und dabei an- geregt, daß ich mich insbesondere über die Bedeutung der kommenden Wah- l e n in Frankreich und in Deutschland für die Zukunft des Sozialismus in der Welt und für die deutsch- französische Annäherung äußere. Euer Wille ge- scheh«— doch sind es keine Prophezei- ungen, sondern nur Neujahrs wünsche, die ich hiermit zu Papier bringe. Denn allzu leicht wird man der mangelhosten Vor- ausflcht geziehen, sobald sich Prophezeiungen nicht erfüllen und die Ereignisse allzu kühnen Voraussagen nicht entsprechen. Aber eins ist wohl gestattet: Die Folgen der gewünschten Ereignisse durch- blicken zu lassen, ebenso wie die Gefahren einer entgegengesetzten Entwicklung. So läßt sich die Begeisterung für den Kampf er- zeugen, so kann man die Vorbedingungen der Aktion besser be- rechnen, und so oermag man nach Möglichkeit die Krast des Gegner, zu lähmen, der am Schachbrett als Gegenspieler sitzt. Es ist«ine schwerePartle.die im Jahre 1928 ausgefochten werden wird. Die Sozialisten Deutschlands und Frankreichs werden sie nahezu gemeinsam gegen gemeinsame Gegner» gegen die Nationalisten der beiden Länder spielen. Der Einsatz dies« Partie heißt: der Friede. Ich will mich jeder Uebertreibung fern halten und behaupte daher nicht, daß unsere oder eure Rationalisten den Krieg wollen. Aber ihre Politik wird vor allem von dem Geist des Miß- t r a u e n s beseelt. Durch ihr« teils geschickte, teils plumpe Propa- ganda— wie die, die erst vor wenigen Tagen durch das„Echo de Paris" an den Pariser Plakalsäulen gctrieben wurde— wird dieser Geist d«s Mißtrauens von ihnen gesät, gepflegt und geschürt. Mißtrauen und Haß gehen stets Hand in Hand Sie machen die Völker blind, halten sie in ständiger Bereitschaft, sich aufeinander zu stürzen, und schassen den moralischen 51ricgs< zustand. Der Sieg des Sozialismus wird zunächst bedeuten: Verringerung des Hasses, Linderung des Mißtrauens und Schaffung eines für Verträge, für die Annäherung, infolgedessen für den Frieden überhaupt günstigen psychologischen Zustandes. Es gibt gewiß in Europa manche heiklen, schwierigen Problome, die geeignet wären, einen neuen Krieg zu erzeugen, wenn man sie unvorsichtigerweise akut werden liehe. Wenn aber Deutschland und Frankreich die Schranken des Mißtrauens, die beide Länder noch trennen, niederrissen, u>mn Deutschland und Frankreich gemein- sam den Zement der europäischen Solidarität mischen und anlegen würden, wenn sie gemeinsam diese heiklen Probleme— gestützt aus den Völkerbund, dem sie jetzt beide an- gehören— untersuch:» würden, nicht, um die Völker zu trennen, sondern um sie zu oerbinden, nicht um entgegengesetzte Interessen, die manchmal berechtigt sind, zu verschärfen, sondern um sie mit- einander in Einklang zu dringen— wer wollte bestreiten, daß, wenn Deutschland und Frankreich unter sich selbst den Frieden sicherten, sie nicht schon dadurch allein den Frieden Mischen den anderen Völkern erleichtern würden? Es ist die Aufgabe der Soziallsten beider Länder, diese Vorou»- setzungen durch ihre Stärke bei den Wahlen, im Parka- me»t und in der Regierung zu schassen. Deshalb muß man den Sieg, das Wachtstum, die Macht des Sozialismus wünschen. Zweifellos werden die beiden Völker in einem Abstand von nur wenigen Wochen zur Wcchturne schreiten. SBdchc Wohii auch der anderen vorangehen möge, zweifellos wird sie auf die andere den st ä r k st e n Einfluß ausüben Es wäre schon ein großer Schaden, wenn die Gleichzeitigkeit des demokratijchen Sieges zerstört wäre. Aber das Unglück wäre noch viel größer, wenn die Nieder- läge der Demokratie bei einem unserer beiden Völker die gleiche Niederlage beim anderen Volke bewirken würde. Viele Anzeichen sprechen dafür, daß dieses Unglück nicht ein- treten wird. Was Deutschland betrifft, so muß man aus den Erfolgen bei den Teilwahlen im Reiche schließen, daß der Sieg der Demokratie, die vor allem in der Sozialdemokratischen Partei ver- lörpert wird, vorwärts schreitet. Was Frankreich angelangt, so ist die Lage vielleicht etwas undurchsichtiger. Ich habe gleich er- klärt, daß ich mich hier auf keine Prophezeiungen einlassen will. Selbst der Steg des Sozialismus, ich meine damit den Sieg, den man vernünftigerweise crhossen kann, würde nicht ge- nügcn, um den Triumph der Demokratie endgültig zu sichern. Wie stark auch der Machtzuwachs des Sozialismus sein würde, es ist schwer anzunehmen, daß eine wahrhaft pazifistische Mehrheit aus der Sozialistischen Partei allein gebildet werden könnte. Eine andere Parte! muß mit dem Sozialismus diese Mehrheit bilden. Die..Nationale Einigung" Hot eine zweideutige Lage geschaffen. Sie stützt sich auf die finanziellen Schwierigkeiten: sie ist als Folge der unleugbaren Enttäuschung entstanden, die durch das Versagen des L!nkskartells im Kampfe gegen das mächtige Fimmzkapital hervorgerufen wurde. Diese„Nationale Einigung" hat einige Ver- wirrung und Unsicherheit erzeugt. Und dennoch hat die Sache des Friedens schon jetzt gewonnenes Spiel. Ganz Frankreich billigt so unzweideutig jene Politik. die über Locarno zum Eintritt Deutschlands in den Völker- b u n d geführt hat, daß die Gegner dieser Politik sich selber Schweigen auferlegen mußten. Und so wie bei euch in Deutschland die Politik der Revanche von ihren Befürwortern preisgegeben werdei, mußte, so wird es schließlich auch bei uirs unmöglich werden. für die Politik der militärischen Besetzung einzutreten. Unter diesem Frisdcnszei'chen, so darf man wohl hoffen, wird sich eine noch festere parlamentarische Friedensmehrhert als bisher herausbilden. Das ist der Wunsch, den ich— sicherlich gemeinsam mit euch, meine lieben Freunde vom»Vorwärts"— ausspreche, aber ich füge noch zwei weitere Wünsch« hinzu: Ich meine den Sieg der eng- tischen Arbeiterpartei und— mag man es noch so sehr als ein fernes Zukunftsziel hinstellen— die Annäherung Rußlands an Europa durch den Völkerbund. Der Sozialismus stärkt den Frieden. Der Sozialismus wird durch den Frieden gestärkt werden. In dem Frieden, der alles wieder aufbaut und sichert, wird sich der Sozialismus als ein gütiges, solidarisches und menschliches Werk entfalten. Arbeiten wir brüderlich, Sozialisten Deutschlands und Frankreichs, an diesem Werk! Herzliche Grüße an euch all« Pierre Renaudel. reußen im Wahlkampf voran! Von Oiio Braun. Die deutsche Republik, die sich das deutsche Volk aus den Kriegs- trümmern, die ihm die Träger und Nutz- nießer des zu- sammengebrochenen monarchischen Re- gimes zurückgelassen hatten, unter unsäg- lichen Mühen und Entbehrungen auf- gebaut hat, feiert heute zum ze h n- ten Male Neu- jähr, das Fest der Sonnenmende. Ein Tag der Ein- kehr und Rückschau. Vor zehn' Jahren um Neujahr.Jchüt- 'uttit"-voülckenn ä ntzs, Fieber das deutsche Volk in seinen breiten schichten. Aus- �hungert und ausgeblutet, sich belogen und betrogen fühlend, bäumte es sich aus gegen die, die es unterdrückt, mundtot gemacht und ihm in vier qualvollen Kriegsjahren so viel Un- gemach bereitet hatten. Die letzten Zuckungen der furchtbaren .Kriegsgreuel schüttelten den Volkskörper und führten zu Erupiiönen, die auch den Republikanern, die in den Wirren und Irrungen jener Tage nicht den Kopf und das Augen- maß für die Realitäten verloren hatten, die Arbeit am Wiederaufbau unseres zusammengebrochenen Staates bitter schwer machten. Es ist überwunden. Ein Vergleich zwischen dem Neu- jahrstag 1919 und 1928 zeigt, was das deutsche Volk, zur ver- antwortungsvollcn Mitarbeit am Staat heraugezogeu, trotz wirtschaftlicher Not und schwerem Druck der Kriegslasten zu leisten vermochte. Und das ist geleistet worden unter den schwierigsten außen- wie innenpolitischen Verhältnissen in einer Atmosphäre innerer bis zum M e u ch e l m o r d gegen die Wegbereiter des neuen Staates gesteigerten Kämpfe. Doch ich will heute nicht Rückschau halten auf die I a h r e republikanischer Entwicklung in Deutschland seit dem ersten republikanischen Neujahrsfest. Das würde über den Rahmen dieses Artikels hinausgehen, der nur einer flüchtigen Rückschau aus das zu Emde gegangene Jahr und einem Ausblick auf das kommende gewidmet sein soll. Im politischen Leben des Reiches wird das Jahr 1927 am klarsten durch die Tatsache gekennzeichnet, daß diejenigen, die bei dem ersten Neujahr der deutschen Republik aus dem ösfentlichen Leben verschwunden waren, sich scheu beiseite ge- drückt, wenn nicht gar im Auslande ihr Domizil aufgeschlagen hatten, dann unter neuer Firma wieder auf der politischen Bühne erschienen, seit Beginn des Jahres in der Reichs- rcgierung bestimmend mitregieren. Gewiß, sie haben vieles verbrannt, was sie bis- her o n g e b e-t e t, vieles getan, was sie bisher verdammt hatten, wenn es andere taten, immerhin haben sie einen Teil ber Negierungsgewalt im Reichs an sich gerissen und nutzen sie mit einer erfrischenden Rücksichtslosigkeit aus, die die republikanischen Parteien sich in Zukunft zum Vorbild nehmen sollten. Allerdings ihr Hauptziel Preußen haben sie nicht erreicht und werden es auch nicht erreichen, wenn die großen Wählermafsen bei den bevorstehenden Wahlen und die republikanischen Parteien bei der Regie- rungsbildung nicht von allen guten Geistern verlassen sind. In Preußen hat man den Rechtsparteien bewiesen, daß es ohne sie geht, und man wird es ihnen weiter beweisen, ungeachtet der geflissentlich provozierten und zum Teil kon- struierten„Konflikte zwischen Preußen und dem Reiche", die die UnHaltbarkeit der verschiedenartigen Zusammensetzung von Reichsregierung und preußischer Staatsregierung er- weisen sollen. Die konservative Mißwirtschaft, um mit dem Grafen Westarp zu reden, die vor der Umwälzung in Preußen in Reinkultur herrschte, ist doch noch in zu frischer Erinnerung. als daß das preußische Volk sie wieder herbeisehnen sollte. Zudem scheint, wie die Ergebnisse der letzten Nachwahlen erweisen, den Früchten d e u t s ch n a t i o- naler Regierungskunst im Reiche auch nicht gerade eine überwältigende Werbekraft innezuwohnen. Freilich, jene forsche, befreiende Außenpolitik, die die Deutifstnationalen ihren Wählern verheißen hatten, wenn sie zur Macht kämen, haben sie zu den Akten gelegt: sie haben vialmehr die„knochenerweichende Verständigungspolitik", wie es so schön in ihrem Jargon hieß, fortgesetzt. Wenn der deutsche Außenminister, obwohl er seine Politik mehr nach der freien, weiten Atmosphäre Genfs, als nach der politischen Stickluft ostelbischer Gutsbezirke orientierte, gleichwohl Er- folgeindemerwünschtenMaßenichterzielen konnte, so kann das wohl nicht zuletzt auch auf das Mißtrauen zurückgeführt werden, das man im Auslande offenbar der Bekehrung der deutschnationalen Regierungspolitiker immer noch entgegenbringt. Das ist im Hinblick auf die Entscheidun- gen, die im neuen Jahre fallen müssen, zu bedauern, denn das deutsche Volk kann und muß, nachdem es sich in Locarno rückhaltlos zur vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den übrigen-Mächten zur dauernden Befriedung Europas bereit erklärt hat, verlangen, daß der Stachel der Rhein- l a n d b e s e tz u n g, der noch scbmerzend in seinem Fleische steckt und nunmehr eine sinnloie Quälerei geworden ist. r e st- los entfernt und daß außerdem die R e p a r a t i o n s- l a st e n auf ein vernünftiges, erträgliches Maß endgültig festgesetzt werden. Das Spielen mit phantastischen Summen, die das deutsche Volk, das ohnehin an seinen inneren Kriegs- lasten noch viele Jahre schwer zu tragen hat. nie zahlen kann und nie zahlen wird, muß den schärfsten Widerspruch aus» lösen und ist � geeignet, die verheißungsvoll beaonnene Locarnp p ol'. V'iA zrch uk-s lchwersto. zu münlvftAn. So wenig erfolgreich die von den Tleutfchnationalen de- stimmend beeinflußte V u r g q r b l o ck p o li t i k de- Reiches nach außen war, so erfolgreich, allerdings nur sü die besitzenden Volkskreise, war sie nach innen. Ich mächt, mich nicht in Einzelheiten verlieren. Jedenfalls kann festgestell werden, daß die Zoll- und Wirtschaftspolitik des letzten Jahres erfolgreich in der Richtung der Bereiche» rung gewisser besitzender Wirtschaftskreise unter erhöhter Belastung der großen konsumierenden Bolks- kreise war. In ähnlicher Richtung bewegte sich die Steuer- Politik und die Stagnation in der Sozialpolitik wie der Rückschritt auf kulturellem Gebiete, und schließlich die zarte Rücksichtnahme auf die Forderungen der Fürsten und Standesherren runden das Bild ab- das das erste Jahr der Bürgerblockpolitik im Reiche darbietet. Enttäuscht stehen die Auswertungsgläubigen wie die sonstigen Gläubigen der deutschnationalen Heilsbotschaft aus dem Lager der Besitzlosen und der in nationalistischen Ideologien Befangenen am Grabe ihrer Hofsmingen. Rechtsblätter und ihnen sinnverwandte Politiker versuchen, diese enttäuschten Anhänger weiter irre- zuführen, indem sie ihnen einreden, dieprcuhischeRegie- rung sei das Hindernis, das der Erfüllung ihrer Wünsche im Wege stehe. Wie die Wahlen der letzten Monate zeigen, scheinen di? Wähler für diese Ausrede nicht mehr stark genug im Glauben zu sein. Eins ist allerdings richtig. Der oben kurz skizzierten, ans die Bereicherung gewisser besitzenden Wirtschaftskreiie und Belastung der arbeitenden Volksschichten gerichteten Bürger- blockpolitik hat sich die preußische Regierung im Rahmen ihrer geringen verfassungsrechtlichen Kompetenzen oft hindernd in den Weg gestellt und wird es wohl auch in Zukunft tun. Sie wird auch nach wie vor für die weitere Festigung unseres republikanischen Staatswesens wirken und auch den republikanischen Reichsfarben in ihrem Machtbereich diegebührendeAchtungverschaffen, worin sie sich auch durch die Angriffe rechtsgerichteter Regierungspolititer im Reiche nicht stören lassen wird. Wenn diese übrigens aus den im verflossenen Jahre mehr- fach in die Erscheinung getretenen Divergenzen zwischen der Reichs- und der preußischen Politik den Schluß ziehen, die preußische Regierung müsse in ihrer politischen Zusammen- fetzung der Rcichsregierung angeglichen werden, so kann ich dem nicht beipflichten. Umgekehrt erscheint es mir richtiger. wenn schon einmal eine größere Vereinheitlichung der Reichs- und preußischen Politik, die auch mir erwünscht erscheint. angestrebt werden soll. Nun, das Jahr 1928 ist ja ein Wahljahr. Die W ä h l e r- s ch a f t wird aufgerufen werden, nicht nur den Reichstag. sondern auch den P r e u ß.i s ch e n Landtag neu z u wählen, ihr Urteil über die Politik im Reich und in Preußen auszusprechen. Die in Preußen regierenden Parteien. die noch kurz vor Jahresende durch Gesetz die Guts- bezirke, diese Verwaltungsrudimcnte aus vormärzlicher Zeit, aufgehoben und damit bewiesen haben, daß sie nicht nur den Willen, sondern auch die Kraft besitzen, die Demokrat tisierung unseres Staatswesens konsequent fortzusetzen. Haber die Entscheidung der Wähler nicht zu fürchten Sie wird und muß ausfallen gegen jeden wirtfchaftspolitischen staatsrechtlichen und kulturellen Rückschritt und für die re p u � blikanisch- demokratische Fortentmick luno unsere-; Sioatsnprstma'iatp kginer stärkeren Durchdringung inst sozialem f-*»- Mujahrswünsche aus Belgien. Von Emtte Vandervette. Der deutschen So- zialdcmokratie seiche ich meine besten Wünsche zum Iah- rcswcchsel. Ich wün- schc ihr, ich wünsche uns, ich wünsch« der gesamten Jnter- nottonale für das Jahr 19M einen großen und drei- fachen Sieg: einen Steg über die Er- den des„nationalen Blocks" in Frank- reich: einen Sieg über die Diehards, die in Englaich die konser» vativc Regierung beherrschen: einen Sieg über die monarchisti- sche uich nattonalisti- sche Reaktion in Deutschland! Viel« Anzeichen, die sich ständig vermehren, lassen uns solche weitgehenden Hofsnungen als durchaus begründet erscheinen. Freilich: aus einer oberflächlichen Betrachtung der Lage könnte man entgegengesetzte Schlüsse ziehen. Das Jahr 1927 ist ähnlich zu Ende gegangen, wie es begonnen hatte: eher grau. Es war ein Jahr ohne groß« Erfolge, aber auch ohne Katastrophen. In den Vereinigten Staaten breitet ein aufgeblasener Kapitalismus seinen dreisten Reichtum aus, und die dortige Arbeiter- klosfe, die Brocken der Tafel sammeln darf, ist die einzig« in der Welt, die nicht mit kraftvoller Einmütigkeit gegen die scheußliche Hinrichtung ven Sacco und Banzelli protestiert hat. In China artet die Revolution, soweit man von einer chinesischen Revolution sprechen kann, in ein wirres Durcheinander aus, indem die Heftig- keit gewisser Aufstände nur zu vergleichen ist mit der kalten Grausamkeit, die man bei ihrer Niederwerfung beweist. In Ruß- land. oder besser gesagt: in Europaasien macht das Sowjstregime eine ernste Krise durch: seine Führer scheinen nicht so bald mit jener Volitik brecken zu wollen, die gekennzeichnet wird durch die Verneinung der elementarsten Freiheiten, durch die Zerreißung des Proletariats, durch die Vorbereitung einer aus der Cltquendiktatur sich herausbildenden Säbeldiktatur, jener Politik, gegen die sich in den letzten Wochen ihres Lebens das revolutionäre Gewissen Rosa Luxemburgs auflehnte. In Europa drohen jeden Augenblick einzelne Feuerherde des Krieges wieder aufzulodern. Der Rüstungswettlauf hat in Rom, ebenso in Belgrad aufs neu« eingesetzt. Die Hälfte unseres europäischen Kontinents lebt unter diktatorischem Re- gims: die andere ävyste kennt mir noch konservaNve Regiei Vor zwei Jahren wäre,, �-cher vier Sozialisten im Rat des Völkerbundes. Seitdem unser« finnischen Genossen die Regierung verlassen haben, gibt es dort keinen ein- zigen Sozialisten mehr. Und was die Beteiligung von Sozialisten an der Regierungsmacht betrifft, sei es als Koalitionsregiening oder als Minderhsitsrsgierung, ja mußte man es erleben, wie nacheinander diese Regierungeteilnahnis m Schweden, in Dänemark, neuerdings in Belgien, in Lettland wie schon erwähnt, in Finnland zu Ende ging. So gibt es heut- zutage in ganz Europa keinen einzigen sozialdemo- kratijchcn Minister mehr, abgesehen von einigen Ländern im Deutschen Reiche und einigen schweizerischen Kantonen, deren Autonomie jedoch durch das Bestehen einer zentralen Gewalt be- schränkt wird. Aber in demselben Augenblick, wo die kapitalistische Welt nach den Zerstörungen des Krieges sich vorübergehend zu stabilisieren scheint, und wo die Konservativen, die Imperialisten, wieder die Oberhand in allen Regierungen erlangen konnten, da steigt von allen Seiten die sozialistische Flut abermals empor. Man kann in der Tat inoen, daß seit einigen Monaten es keine Teilwahl in West- und Mitteleuropa gegeben hat,— in Polen, in der T s ch« ch o s l o w a k e!, in N o r w e g e n. in Deutsch- land. in England— die nicht für die so.äatistiscke Demokratie einen Erfolg oder zumindest das Symptom eines sichtbaren Er- folges bedeutet hat. Als mir kürzlich mein lieber und verehrter Genosse Karl Kautsky sein letz'es Werk über die„Materialistische Geschichts- auffassung" übermittelte, sckrieb er mir: „Ich wünschte natürlich, daß Sie die Zeit fänden mein Pnch zu lesen. Aber ich scHcke es Ibnen vor allem, um Ihnen meine Symvnthie für Ihr nolitisches Wirken zum Ausdruck zu bringen. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß Sie mehr denn je durch die aktuellen Vorgänge in der Politik in Anspruch genommen sein werden. Denn es läßt stck voraiissapen, doli im kommenden Jahr die allaemeinen Wahlen in Deutschland, I-nnk-eich und wobl auch in England d«m Beginn einer neuen Geschichts- veriode bederiten werden, in der die Siege dm so'ia'istischen Demokratie letzten Endes zum Sturz der Diktatur in Italien und in Rußland führen werden" Viele objektive Gründe können einen veranlassen, diden wunderbaren und wohltuenden Optimismus Knnt-kys zu teilen. Man kann lich zwar froren, ob in Frankreich die kommu- nistifche Ablenkung, die ilnficherheit über die Wa'-ltakt-k und das Fehlen einer Verbindung zwischen der Sozialistischen Parte! und den gewerkschaftlichen und gen ossenschaftlichen A'cheiterorganisationen nicht das Ausmaß des Erfo'aes beschränken werden, auf den unlere franzöllschen Freunde dennoch hassen zu dürfe» glauben. Aber eines!it jedenfalls sicher: daß nämli-d di« dor'igen. Arbeiter- und Bauernmassen, die vor ollem friedlich und anti"erial gesinnt sind, gegen die Rechtsparteien, gegen den aggressiven ftofloTmflsnw«, für den Frieden ftwnnen werden. M, ich legtemeil mit BrianÄ in Genf sprach, sch;«n er dessen gewiß. Ich glaube nicht, daß die Ereignisse ihm unrecht geben werden. Wu» England betrifft, wird dort die Regierung B a l d- w i n von den Churchill und Birkenheed beherrscht, von Lord Robert Ceril desavouiert, von der gell'en Presse preisgegeben, von Lloyd George gestachelt, von den Arbeitern gehaßt, deren gewerk- schuftliche Rechte sie beschnitten hat; dort sind die Aussichten womög- lich noch klarer. Einer der höchsten Beamten des englischen Auswärtigen Amtes sagte mir im vorigen Monat April sobwohl er selber Konservativer war), wenn allgemeine Wahlen sofort stallfönden, würden die Konservativen und die Arbeiterporteiler gleich stark ins Unterhaus zurückkehren und die kleine Gruppe der Liberalen unter Lloyd Georg« würde da» Zünglein an der Wage bilden. Es scheint, daß sich aber seitdem die Lage nur noch zum Besseren verändert hat. Das einzig«, was man befürchten könnte, wgxe, daß die Wahlen nicht srüh genug stattfinden. Weibt noch Deutschland, wo seit einiger Zeit sod« Meldung über Wahlergebnisse für die So-ialdemotratle gleichbedeutend ist mii einem Siegesbericht. Wie sollt« übrigens sen« labile Wählerschicht. die bald nach rechts, bald nach links schrvnnkt, und über das Endergebnis de« Kampfes entscheidet, nicht erkennen, daß die Niederloge der Natirnalisten, die Besestigung der Republik und die Stärkung der sozialistischen Demokratie nicht nur vom inner- politischen Standpunkt aus an sich ein Gewinn wäre, sondern auch auf die außenpolitisch« Entwicklung in den Nachbarländern den näßten E'ysluß hätte? Gegenwärtig haben in Frankreich oder in Belgien zumindest die büraerlichen Elemente noch nicht genügend Vertrauen. Sie haben bis zu einem gewissen Grade Bertrauen zu Dr. Strese- mann, aber nicht zu seinen Ministerkallegen von rechts. Sie akzept'eren wohl oder übel die Politik von Lorarno, sie zöaern aber oder lehnen es sogar ab, die logischen Konseguemen dieser Politik zu ziehen. Sie nützen die Kundgebungen des Stahl- Helm», d>« Renommistereien der Dölkischen und der veutfchnatio- nolen, die wahren oder salsthen Gerüchle über vertragswidrige Rüstungen, die gegen die Republik ausgesprochenen Drohungen aus, um dem Problem der Reparation und des Schuldenausgleichs auszuweichen, um die Beendigung der milüärischen Besetzung hinauszuschieben, um in den Kriegsvorbereitungen, deren sie Deutschland verdächtigen, eine Rechtfertigung für die Beibehaltung der eigenen Rüstungen zu finden. Wenn aber bei den Wahlen im kommenden Frühsahr die Linksparteien stiegen, wenn eine wirklich republikanische Mehrheit in die Erscheinung tritt, wenn die Sozaldemokratie durch einen großen Zuwachs zum Kernstück der neuen Koalition wird, und wenn sich in derselben Zeit— durch einen Synchronismus, eine Gleichzeitigkeit, die leider im Jahre 19Z4 gefehlt hat— aus den Wahlen in Frankreich und in England eine Niederlage der konservativen Parteien und ein kräftiger Vormarsch des Prole- tanats ergibt, dann wird die Bahn frei für jene Politik, zu der die Verträge von Locarno nur die Ouvertüre gebildet haben:«ine Politik der restlosen Versöhnung, die allein imstande wäre, wie wir es bereits auf der sozialistischen Fünfländerkonferenz in Frankfurt im Februar 1322 sortierten, zugleich alle wichtigen Probleme zu lösen: die Regelung der Reparations. und Schuldenfrage, die Beendigung der militärischen Besetzung bei gleich, zeitiger Festlegung der notwendigen allgemeinen S!ä:er- heit�garontien. Und vor allem: gegenüber dem gefährlichen Ueber- greifen des amerikanischen Kapitalismus, der noch fast unumschränkt über ein Proletariat mit nur schwachem Klassenbewußtsein herrscht, muß ein einiges Europa mit gemeinsamen Inter- essen oeschafsen werten, in dem die sofioliltischen Arbeiter aus ihrem Wege zur allgemeinen Macht schon jetzt politisch und wirt- schaftiich einen breiten Platz an der Sonne haben würden. Möge am kommenden IS. At�iust der briste Kongreß der neuen Sozialistischen Arbeiterintsrnationale in Brüssel bereits in der Lage sein, solche Ergebnisse zu registrieren! Wahljahr und Internationale. Von Ariur Cnspien. Die Außenpolitik der euro- Peuschen Staaten wurde früher von ihren nationalen Interessen bestimmt. Abgrenzung der äußeren Interessen- sphären, Aufteilung von Neuland, Aus- balOncierung des europäischen Gleich- aewichts. 1814 brachten es die Staaten bis zum Europäischen Äon- zert, d. y. bis zu ener Nechtsgemein» chaft der europäi- chen Staaten, durch Us kriegerische Aus- einandersctzungen fortan»ermieden werden sollten. Diese Rechtsgemeinschaft hat die kapitalisti- schen Regierungen nicht deiran gehindert, als ihrer Weisheit letzten Schluß immer wieder mtt Blut und Eisen Politik zu machen. Die CntwicNung der Wirtschast läßt sich eben nicht durch rechtliche Vereinbarungen dirigieren und reglementieren. Sie bestimmt selbst die juristischen und politischen Formen, in denen sie in die Erscheinung tritt. Es kommt heute darauf an. der internationalen Wirtschaft entsprechend international« Politik zu machen: eine Politik, durch die die nationalen Interessen der einzelnen Staaten in höhere gemeinsame Interessen zusammengefaßt werden. Es kommt darauf an, nieht ein europäisches Konzert, sondern eine europäische Wirtschaftsgemeinschaft zu bilden und sie zu freundschaftlichen Beziehungen mit den an- deren Kontinenten zu führen. Darin liegt die Richtigkeit und die Stärke der sozialdemo- kratischen Politik, daß sie wirtschaftlich orientiert ist, daß sie den juristischen, politischen und kulturellen Ueberbau der Ge- sellschaft. der wirtschaftlichen Struktur entsprechend, ge- stalten will. Wäre die internationale Sozialdemokra- t i e schon mächtig genug, eine rein sozialistische internationale Politik durchzusetzen, dann würde sie das Problem der Gegen- wart durch radikale Maßnahmen lösen. Das Problem ist: Wie können die Völker gemeinsam leben, ohne zwischen Krieg und Frieden hin- und herzutaumeln? Die radikale Lösung ist: Der Sozialismus! Bis die radikale Lösung die Menschen von Mord und Brand erlösen wird, muß die Sozialdemokratie bemüht sein, das harte Los der Menschen durch provisorische und durch Teillösungen erträglicher zu gestalten. Es ist ein zähes Ringen zwischen den kapitalistischen Mächten und der internationalen Sozialdemokratie. Trotz aller Verbrüderungsszenen die von Potentaten aufgeführt wurden, standen sich die Völker plötzlich in einem Morden gegenüber, das jahrelang dauerte. Bis zum völligen Zusammenbruch Mitteleuropas. Nach den Friedensverträgen, die den am Boden liegenden Staaten diktiert wurden, schlugen die Flammen des chasies und der Nachsucht zwischen den Nationalisten der verschiedenen Län- der abermals hoch. Wäre es den Kapitalisten möglich ge- wesen, sie hätten wieder ihr cheil mit dem Schwert versucht. Dos verbot die allgemeine Erschöpfung, das verbot die end- lich erwachte Empörung der Arbeiter und Soldaten. So liefen die Fürsten davon. Die imperialistischen Kriegsschreier verließen die Bühne der Weltgeschichte in Ratlosigkeit und Verzweiflung.' Die R e g i e r u n g e n der Siegerstaaten standen den Be- dürfnisien der Zeit nicht minder verständnislos gegenüber. Ueber das Maß der Wiedergutmachung hinaus hofften sie ihre ganzen Kriegskosten mit Zins und Zinseszins und gutem Extraprofit aus Deutschland herauszuholen. Da- bei kamen sie auf dt« phantastische Summe von 132 Mil- liarden Goldmark. Militärische Besatzungen und wirtschaftliche Dil- tat« sollten die Quellen des Goldstromes in Deutschland futz die Siegerstaaten erschließen. Die Resultate waren Ruhr- krieg und Inf.ation. Die deutsche Republik lag im Todes- kämpf. Die Siegerstaaten erkannten mit Schrecken, daß sie drauf und dran waren, die Henne zu töten, die ihnen die goldenen Eier legen sollte. Die internarionale Sozialdemokratie war es, die ent- sdjlofien und zielbewußt handelte. Sozialdemokraten brachten die Völker zur Besinnung und führten ihre Vertreter an Kon- ferenztische. Eine der wichtigsten Verhandlungen war die Fünfländerkonferenz im Februar 1922 in Frank- furt a. M. Aus Belgien, Deutschland, England, Frankreich und Italien waren Sozialdemokraten erschienen, mn gm» Reparationsproblem Stellung zu nehmen. Es handelte sich darum, einerseits Frankreich und Belgien von seinen Kriegslasten zu befreien und andererseits es Deutschland zu ermöglichen, die Wiedergutmachung nach Maßgabe seiner Leistungsfähigkeit durchzuführen, ohne e» zu Maßnahmen zu zwingen, die zur Verelendung de» deutschen Proletariats führen könnten. In einem speziali» fierten Programm legte die Konferenz dar, welche Maß» nahmen geeignet wären, das Reparationsproblem zu lösen. Wenn dann auch der Dawes-Plan weit hinter dem sozialistischen Programm von Frankfurt a. M. zurückblieb, so ging er doch von gleichen Grundsätzen aus. Die Staaten stellten sich auf den Boden der wirtschaftlichen Verständigung unter der Anerkennung der Gleicyberechti- gung. Der Dawes-Plan war noch lange nicht eine allgemein nützliche und endgültige Lösung. Er brachte jedoch große Verbesserungen. Untex dem Druck der wirtschaftlichen Notwendigkeiten und unter der sozialistischen Fuchtel wurden die kapitalisti- schen Regierungen immer weiter getrieben. Eintritt Deutsch- lands in den Völkerbund. Locarno. Thoiry. Bis dicht vor der französisch-deutschen Gesamtverständigung über alle noch offenen Streitfragen. Verständigung über die Rheinland- befreiung. über die Rückgabe des Saarreviers, üher die Neu» ordnung der Verhältnisse von Eupen-Malmedy usw. Diese Gesamtverständigung ist eine der wichtigsten Voraussetzun» gen für den europäischen Frieden. Seitdem nun in Deutschland der Bürgerblock herrscht, in Frankreich Briand durch Poincar<3 gehemmt wird, die Konservativen in E n g l a n d. an der Macht sind. die Sozialdemokraten in Belgien die Regierung verlassen haben und in Italien der Faschismus wütet, seitdem also der Einfluß der internationalen Sozialdemokratie auf die internationale Politik zurückgedrängt wurde, seitdem ist die Fortführung der Locarno-Politik vertagt worden. Die Nationalisten hüben und drüben stehen sich mißtrauisch gegenüber und wagen sich auf dem Gelände de» Friedens n'cht weiter vor. 1928. das Jahr der Wahlen, vor allem in Deutsch- land und in Frankreich, wird über das Schicksal der Friedens- Politik entscheiden. Die internationale Sozialdemokratie ist so stark, wie die ihr angeschlossenen Parteien in den Ländern stark sind. Jede? Wahlsieg der sozialistischen Arbeiterschaft in Deutschland und in Frankreich, in Belgien und in England bedeutet zugleich eine Stärkung der Sozialistischen Arbeiter-Internationale. Der Einfluß des Wählers, den er durch die Abgabe seiner Stimme ausübt, erstreckt sich nicht nur auf die Politik im Innern des Landes, sondern darüber hinaus auch auf die internationale Politik. Und nur die internationale Sozial- demokratie wird imstande isin, die Völker aus ihren Wirr- nisten fr?! zu machen und sie in friedlich-r Kulturarbeit zum Segen aller Menschen zu vereinigen. Der Verwirklichung dieses Ziels mutz die Eroberung der Macht durch die Sozialdemokratie in den Ländern vorausgehen. Bayern vor dsn Wahlen. Don Erhard Auer-München. Die Wahlen zum Bayerischen Landtag wurden im rechtsrheini- schen Bayern am S. April und jn der Rhetnpfalz am 4. Mas 1324 vorgenoml»en. Infolge der trostlosen wirtschaftlichen Lage, wie sie nach der Liquidierung der Inflation eingetreten war, sind für die Jndustrlearbeiterschast die Fragen der inneren Kays- rlschen Politik nahezu vollkommen in den Hintergrund getreten. Don kommunlsiifcher Seite wurde der Wahlkampf gegen die Sozialdemo- kratie nahezu ausschließlich auf Angclegenhcilen der Reichspolitit. wie Ermächtigungsgesetz, Arbeitszeitverordnung usw., hingelenkt. Dle Mittelschichten des bayerischen Volkes, die schon vor dem Kriege und besonders im Jahre 1313 zu den sozialdemokrailsck/en Wahlerfolgen beigetragen hallen, waren von dem großen Luden- dorff-Prozeß, der unmittelbar vor den Wahlen wachenlang wie ein politisches Schaustück vorgeführt wurde, völlig in den Bann gezogen. Der Gerichtssaal war zum Zirkus geworden, in dem eine leidenschaftlich erregte Menge die einzelnen Phasen des Kampfes zwischen Kahr, Ludendorff und seinem Trommler verfolgte und gefühlsmäßig immer entschiedener für letztere Partei ergriif. Daß die nun feindlichen Richtungen vorher jahrelang einander in die Hände gearbeitet und im trauten Verein BayernzurKrach- budedee Deutschen Reiches erniedrigt hatten, daß ihr fluch- würdiges System einzig und allein von der bayerischen Sozialdemo- kratie bekämpft wurde, war völlig vergessen worden So blieb der Sozialdemokratie niemand treu als die alle nüchterne Kerntruppe, deren Ueberzeugung feststand und durch keine Menschenpsychose wan- kend gemacht werden konnte. Unsere Partei erhielt 513:530 Stimmen und 23 von den insgesamt 123 Mandaten des Landtags. Die Kommunisten zogen mit 3 Abgeordneten ein. Zwei von ihnen sind inzwischen der Sozial- demokratie beigetreten, so daß unsere Fraktion damit 25 Mitglieder stark geworden ist. Nach der Wohl dauert« es fast zwei Monate, bis in schwierigen Verhandlungen ein« Koalitionsregierung zustand« kam. Von den acht bayerischen Ministerien hat die Bayerische Volkspartei 6, der Bauernbund 1 und die Deutschneiionalen(Vereinigte national« Rechte) 1 besetzt, wobei den letzteren auch noch ein politischer Staats- sekretär im Handelsministerium zugestanden wurde Diese Koalitionsregierung wll dem Ministerpräsidenten Dr. Held an der Spitze setzte den Rechtskurs fort, wie er in Bayern im März 1320(Kapp-Lüllivitz-Putsch) durch den Sturz der Regierung Hoff- mann eingeleitet worden ist. Sie steht im Gegensatz zur Republik und Demokratie, sucht ihre Ziele nicht aus mehr oder minder gewaltsamem Wege wie ihre Vorgängerinnen, sondern durch diplomatischen Druck, bureaukratische Rauke und ähnliche, den Schein der Bersastungemäßigteit wahrende Mittel zu erreichen. Zu ihren ersten„Taten" gehört die Ernennung des Verschwörer« von Kahr zum Präsidenten des Verwaltungsgerichtshofe» und des schuldbeladenen früheren Ministerpräsidenten v.�Knilling zum Prä» sideiiten der Staatsschuldenverwaltung. Wenn auch die Verhandlun- gen des Untersuchungsausschusses über die Vorgänge vom Mai bis November 1323 noch nicht abgcschloiscn sind, so zeigen sie doch bereit« mil erschreckender Deutlichkeit, wie unerhört frivol damal, am baye- rischen und deutschen Volke gehandelt wurde. Außenpolitisch macht die jetzige Regierung, von demagogischen Zwischenspielen abgesehen, den Kurs Stresemann mit In den Fragen der I n n e n p o l i t l k ist sie ausgesprochen reaktionär, sie ist eine Gegnerin der Städte und der Jnduftrt«. Ihn« Mehrheit in« Parlament beträgt nur 7 Glimmen. In den letzten zwei Jahren genießt sie scdoch regelmäßig die Unterstützung des von höheren Staatsbeamten, wie dem vormaligen Iustizminister Dr. Roth. gefühlten„Volkischen Blocks". Die immer näher rückende Landtagswahl weckt allmählich die Gewissen der Koalitionepartcicn: sie versuchen, sich gegen- seitig die Schuld zuzuschieben an den schlimmen Aus- wirklingen ihrer seit Jahren getriebenen stockreaktionären Politik. Es vergeht nahezu keine Woche, in der es nicht eine Auseinander» fetzung gibt unter den Koalitionsbrüdern. Mit Brudergrutz und Rippenstoß suchen die Koalitionspartcien sich der aus ihnen ruhenden Verantwortung zu entwinden. Das Bestreben ist verständlich, denn das Schuldkonto der Parteien, die nun seit 1320 der bayerischen Politik die Richtung geben, ist schtver belastet. In den großen politischen Aussprachen im Landtag und nahezu täglich in der Presse hat die Sozialdemokratie die bayerischen Torheiten, Rechtsbriiche und Blamagen seit 1320 gebrandmarkt, den moralischen und tatsächlichen Zusammenbruch dieser Politik sesigcstellt, den tiefen Zwiespalt zwischen Worten und Taten der bayerischen Reaktionsregierungen alisgezeigt und die sattsam bekannte politische Unehrlichkeit, Brutali» tat und Willkür In den neubayerischen Regierungsmethoden gegeißelt. Der bayerischen Sozialdemokratie ist es gelungen, im zähen Abwehrkcimpf Erfolge zu erzielen, ihren Ecnsluß bis in die Reihen ber Regierungsparteien auszudehnen und so manchen tückischen'Anschlag auf die Volksrechte zu verhindern. „Für einen Staatspräsidenten und eine Zweite K a in« m e rl", das war der Schlachtruf, mit dem die Reaktion die bayerisch« Verfassung verschlechtern und für die Selbstoerwaltunaskörper einen Wahlrechtsraub durchführen wollte, indem da» Wahlalter hin- aufgesetzt und die indirekte Wohl eingeführt werden sollte. Es ge- lang, die wiederholten Versuche nach dieser Richtung erfolgreich ab» zuwehren. Im November 1918 wurde von der Bolksregiernng mit dem Ausbau der bayerischen Wasserkräfte begonnen. Da« W a l ch e n s« e w e r k ist ein Kind dieser Zeit. Im Verlaufe der folgenden Jahre wurden wiederholt Versuche unternommen, die orga- nische Weiterarbeit auf diesem Gebiete zu hemmen und zur Ein- stellung zu bringen. Auf dem Gebiete der Justiz sind Zustände eingerisien, daß selbst Organe der Bayerischen Volkspartci über I u st i z k a t a- st r o p h e n geschrieben haben. Das bayerische Konkordat vom Januar 1925 stellt vor- läufig den Höhepunkt der schulpolitischen Reaktion in Deutschland dar. Die Sozialdemokratie hat wochenlang den schärfsten Kampf dagegen geführt. Sie lehnte dieses Konkordat ab wegen seiner Unvereinbarkeit mit der Reichsverfassung, wegen der Unterwerfung der Lehrerschaft nicht nur in religiösen Dingen, son- dern in ihrer gesamten Lehrtätigkeit unter Kirchenauisicht und Kirchonzucht. wegen der D e gü n sti g» n g von Ordens- schulen, wegen der Getahr der Verschärfung der religiösen Gegen» sätze, wegen der Verpslichtung des boyciischen Staates zur Ausstattung der�Listümerei mit Gütern und Fonds nach dem Geldwert von 1317 und schließlich wegen der ungeheuren K o st e n. die bei Durchführung des Konkordat« für Staat und Gemeinden ent- stehen. Durch den starken Druck der Sozialdemotralle wurden wenigsten« über den Vollzug des Gesetze» VegserungserMrungen zur Sich«» r u n g der Gewissensfreiheit, der Lehrfreiheit der Lehrpersonen und der Erhaltung der staatlichen Schulaufsicht und der Rechte des Land- tags erzwungen. Ohne Uebertreibung kann gesagt werden, daß die bayerische Sozialdemokratie, obwohl sie seit l920 außerhalb der Re- gierung steht, auf allen Gebieten gute fruchtbringende Arbeit geleistet hat, daß die sozialdemokratische Fraktion, obwohl sie nur ein Fünftel des Landtages darstellt, eine Reihe reaktionärer Anschläge verhindert hat. Bayern ist noch immer Bolizeistaai, dem demokratischen Staatsgedanken werden von der allmächtigen Staatsbureaukratie namentlich auf dem Gebiete der Selbstverwaltung nur zögernd und widerwillig Zugeständnisse gemocht, chier wie anderswo Aenderungen herbeizuführen, dazu gibt die Landtags- wähl Gelegenheit, die spätestens im April 1928 vorzunehmen ist. Die heutige Zusammensetzung des Landtages entspricht längst nicht mehr dem Volkswillen. Die Abrechnung mit der Reaktion wird gründllch fein. Die Wahlbewegung in Polen. Von Lgnaz Oaszynski, Vizemarschall des Sejm. Die Wahlen zum polnischen Parlament (Sejm) sind auf den 4. März 1928 ausgeschrieben. Eine Woche nachher wird der„Senat" gewählt werden. Die Regierung hat bis zum heutigen Tage keine Wahlparole ver- öffentlicht. Trotzdem fühlt jeder im Lande, daß es sich dies- mal um die wichtigsten Verfassungsfragen handeln werde! Der Chef der Regierung, Marschall P i l s u d s k i schweigt beharrlich über diese wichtigsten Staatsfragen, aber feine Umgebung und die Kreise, die vorgeben, etwas über seine Meinungen zu wissen, liefern den Wahlstoff ziemlich ausgiebig. Die Lage wird dadurch manchmal grotesk. Man munkelt in den Regierungskreisen, daß das offizielle Schweigen bald gebrochen werden soll. Es bleibt also abzuwarten. Im Grunde genommen ist die Wahlparole nicht so unklar. Der Marschall Pilsudski führt seinen Kampf gegen die Nationalisten fort. Dieser Kampf wird aber immer mehr kompliziert und nimmt Masken an, die verwirrend wirken. Aus dem Kampfe gegen die mächtige Partei der Nationaldemokratie entwickelte sich der Kamps gegen das „Parteiwesen" überhaupt! Die Regierungsparteien, die ihn führten, nennen sich„Verbände",„Kreise" usw., nur nicht ..Parteien", was zu komischen Resultaten führt. Um den rechten Flügel der Nationaldemokratie zu zer- schmettern, wandten sich die Emissäre des Marschalls an die Agrarier, den historischen Adel und die F a b r i k a n- t e n, die freudig zur„Regierungsgruppe" ihre Fähnlein stoßen, um erstens Parlamentsmandate zu ergattern und zweitens, um den Senat zu„reformiere n", d. h. aus einer„Konsultationskammer" eine ebenbürtige, vollwertige „Zweite Kammer" zu machen, wo sie, durch„Delegierte' ier- treten, die Majorität erreichen und den S e j m o h n m ä ch t i g machen könnten. Zuerst rechnete man in den Regierungskreisen auf die Hilfe des hohen Klerus, aber die Bischöfe konnten ihre wahre Natur nicht verleugnen und traten mit einem„Hirtel:- brief" in die Oeffentlichkeit. der anfangs eine arge Eni- täufchung und allgemeine Verblüffung hervorrief. Einund- zwanzig kirchliche Würdenträger empfehlen darin den Gläu- bigen.„fest zusammenzuhalten' und einen katholischen Block zu bilden! Die verdrängten Nationaldemokraten subelten auf! Sie glaubten, daß die Wahlen von 1922 sich wiederholen können. Aber drei Wochen sind seitdem ver- strichen und der katholische Block läßt immer noch auf sich warten. Die Regierung hat unterdessen im stillen dagegen- gearbeitet. Die Verfassungsänderung als Wahl- parole der Regierungskreise lautet: Stärkung der Regierungs gemalt. Zu diesem Zwecke. wird das amerikanische System der Präsidentengewalt als rettendes Muster für Polen empfohlen. Die Minister sollen nur vor dem vom Volke gewählten Präsidenten verantwortlich sein. Die politische Kontrolle des Parlaments soll ausgeschaltet werden. Das Parlament soll zu einer kläglichen von der Regierung vollständig abhängigen Institution herabgedrückt werden. Die eigentliche„Wahlarbeit" wird von der Regierung in der Bauernschaft geleistet werden, auf dem flachen Lande, wo die Einflüsse der Bezirkshauptleute am stärksten wirken. Traurige Praxis, zumal die Bauernschaft einen Gärungs- und Spaltungsprozeß durchmacht, der in die vollständige Machtlosigkeit dieser 63 Proz. der Bevölkerung ausmachenden Schicht ausarten kann. Der strenge Winter hat bis jetzt die Wellen der Wahl- bewegung in engen Grenzen gehalten, aber bald werden sie hoch genug gehen! Die„Polnische Sozialistische Partei"(PPS.) hält un- beirrt die Fahne der Demokratie und der Vollent- Wicklung des demokratischen Parlamentoris- mus hoch. Sie ist den„Auswüchsen" dieses Parlamenta- rismus gegenüber gar nicht blind und bereitet ein motivier- tes Programm der notwendigen Reformen vor. Sie baut auf die großen Fortschritte, die sie vor einigen Monaten in dem Wahlkampf um die kommunale Autonomie gemacht hat und geht in den Wahlkampf einig und entschlossen. Die PPS. ist die einzige Partei, die moralisch stark ge- nug ist. um mit den deutschen Genossen ein'g im Wahlkampf vorzugehen, trotzdem das mit Geheul der Chau- vinisten quittert wird. Sie will sich nicht in„nationale Blocks" gegen die Ukrainer fangen lassen, sie bekämpft die Demagogie in schärfster Weise. Sie wird überall ihre Pflicht tun GEWALTIGE 5€RLI IM• C 2• SP-A- NDA.U€R-STR. BaadsMUek«* ItUtm» Bettwäsche Wiener handeestiekte Damenwäsche na Teil Ma 507. Jumper-Binsen rei n>el d«Her Crtpe de Chine oder reinwollener___ Pienell 075 etett 1«.— I»-M OZmm Damen-Kleider reinwollener Kasha oder reinwollener Ri etntt 13.50-1 In-___ r 915 DamennizhQte viele Färb. u. For- � mm mcnm.Bandgam. 1 Statt 3.26 4.50 i 2mm DameiiftlzhQte ÄiÄ 7M Regenschirm (Ar Damen, M Halbseide 12 tls. f.Kerremm.Futt. 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Aber wir sehen, wi« die Wirtschafts- unb Finanzmacht— die Plutokratie— m die Macht im Staate eindringt.— Gewiß, all« haben gleiche Rechte, aber was nützt uns alles Recht, wenn die soziale und g«sellschafl- liche Schichtung bleibt, wi« sie war?— Gewiß, der Klaisenstaat ist abgeschafft, aber wir haben ihn noch nicht über- wunden. Aber wir wollen nicht nur papierne« Recht, wir wollen mehr Menschenrecht. Früher schied ein DreiNassenrecht die Menschen in Besitzend« und Nichtbesitzend«. Der Reiche hatte— von Rechts wegen— mehr politische Macht als der Arme. Das„Recht" ist geändert, aber die größere Macht des Besitzes ist ge° blieben, sie ist organisiert und will zu noch mehr(Einfluß kommen. Hier liegt unsere Aufgabe. Voltsrecht und Volksmacht über Geldmacht! Von hier führt der Weg zu einem besieren Menschenrecht.— So wollen wir den Dolksstaat: und er wird ein sozialer Dolksstaat sein. Nicht auf dem Boden der Gewalt, sondern auf dem Boden eines gerechten„Rechts" und auf dem Boden der christlichen Lehre, daß der Mensch des Menschen Bruder ist und sich brüderlich zu ihm halten muß." In der Kritik des Klassenstaates, in der Zielsetzung des sozialen Volksstaates sind wir einig— bleibt die Frage des Weges. Der„Deutsche" erklärt: „Die Reaktion ist anderer Art, sie kommt von Industrie, Wirtschaft und Finanz her, von der Weltanschauung des Liberalismus und des Materialismus. Die demokratische Staats- form gibt ihren Interessenorganisationen und Plänen weitesten Spielraum. Durch olle bürgerlichen Parteien geh« ihr Einfluß." Durch alle bürgerlichen Parteien geht der Einfluß der Reaktion— also Mut zur Konsequenz, ihr christlichen Ar- bester: wähst sozialdemokratisch! Teure Monarchen. (kill lehrreicher Vergleich der Kosten. V» der reputtitarrifchen Wochenschrift �Deutsche JlepnMif fölSgS Professor Gr eb« da» Schlagwort von der.wohlfeilen Monarchie und der kostspielig« Republik" mit eindrucksvollen Aahleu zu Boden. Di« Sefamtkoflen für die Minister, die Parlamente unb die Steichsratsoertretung sämtlicher Länder betrag« rund 2 0 KU» klonen Mark. Im Haushalt für ISIS stand«. fvtgende Ausgaben für die Fürsten: Preuß«,,,,, 71 SS5 000 Mark Bayern 6865 000, Sachsen..-,,. 4 311000. Württemberg..», 2 479 000, Baden 1812 000. Hessen,,.... 1 265 000. 38 697 000 Mark r Lte sechs größer« Länder gab« 88,7 Million« Mark allein für die Fürst« au», wobei die Kosten von Ministerien und Par- lamenten der Dortriegszeit noch nicht einmal zum Vergleich heran- gezogen worden sind! Ebenso ist die Geldentwertung nicht berück- sichtigt worden. Lehrreiche Zahlen! Note Kronikämpfer-Kochzeii. Zusammenstöße in(Stettin. Stettin, 31. Dezember.(Eigenbericht.) Am Freitag kam es in Stettin zu einem schweren Zusammen- stoß zwischen uniformierten Mitgliedern des Roten Front- kämpferbundes und Straßenpassanten. Die Roten Frontkämpfer kamen von einer Hochzeitsseier und fingen nach der amtlichen Darstellung der Polizei unterwegs ohne sichtliche Beran- lassung mit den Passanten Streit an. Sie schlugen-�thn« mit Fäusten ins Gesicht und mißhandelt« sie schwer. Als«in Polizei- benmter die Personalien der Täter feststellen wollte, drangen die Roten Frontkämpfer auch auf ihn ein und brachten ihm leichter« Verletzungen bei. Erst nachdem stärkere Polizeikräste blank zogen und gegen die Frontkämpfer vorgingen, gelang es, die er- forderlichen Feststellungen vorzunehmen. Eine größere Anzahl Per- Ionen wurde verhaftet. Amiliche Glückwünsche. Bundespräsident H a i n I s ch und Reichspräsident Hin den- bürg haben Glückwunschtelegramme gewechselt. Reichskanzler Marx hat im„Hamburger Fremdenblatt" eine Ncujahrskunkgebung veröffentlicht. Der Reichspräsident, der Wehrniinister, General Heye und Admiral Zenker haben Glückwunschielegromm« an die Wehr- macht erlassen. prager Bodenpanama. O!e Bodenreformprovisionen des Oberagraners. Prag. 31. Dezember.(Eigenderichi.) vor mehreren Wochen hör im Parlament der tschechisch- sozialbemotratische Abg. R«m«sch den tschechisch- agrarischen Abg. Dubicky der Annahm« von Provisionen für die Lermittlung von Restgütern nach dem Bodenreform- gosctz bezichtigt. Dubicky hat daraufhin den Gewährsmann Remeschs, einen gewissen Soarovsky, vertlagt. Der Prozeß wird gegenwärtig vor dem Äreisgericht in I u n g b u n z l a u verhandelt. Sein bisheriger Derlauf bestätigt die beispiellose Kor- ruption in der schechoslowakischen Bodenreform. Einer der Zeugen sagte z. B. aus. er habe au» dem Munde eine» Günstling» de» Dubicky erfahren, daß dieser senem für ein« Proviston von 80 000 Krön«(10000 M.) ein Restgut oennitteit«. Bürgers Neujahr. �• ASEKlMfe. »Auf die Wiederkehr der alte« Herrlichkeit!' »Ich sage— hup— sie kehrt wieder!" .Iawohl— Hop— wir werden sie— Hop— wieder auf- richte«!' „(Schöne Schweinerei. Die erste Arbeit im neoea Jahr heißt: gründlich aufkehren!" Ein zweiter Zeuge, ein Sroßgrunbbesttzer, gab zu. daß er für die Vermittlung eine» Restgutes durch Dubicky diesem 10 000 Kronen geschickt habe, aber als„freiwillige Spende" für den Partei- f o n d s der tschechischen Agrarier. Ein dritter Zeuge erzählte von einem Makler, dem Dubicky«in Restgut für eine Million Kronen (die HAfte des wirklichen Wertes) zu»erschaffen versprach, wen» dabei eine Provision von 60 000 bis 80000 Kronen I�erauskäme. Wie elend es mn die Sache des„Klägers" Dubicky steht, geht auch daraus hervor, daß er, wie gerichtsmüßig festgestellt wurde, die Zeugen vor ihrer Vernehmung zu beeinflussen suchte. Voraussichtlich wird dem Angeklagt« Svarovsky der Wahrheitsbeweis geling«. Aber auch wenn Dubicky dm Prozeß formell nickst verspielen sollte, bedeutet sein Verlaus für ihn aber eine bittere Abrechnung. Ein slowakischer Emporkömmling ermordet. Prag, 31. Dezember.(Eigenbericht.) Der slowakische Abg. Z a l o b i n, der Donnerstag früh noch einer Jagd mit einem Kopfschuß tot aufgefunden wurde, ist nicht, wie zuerst angenommen wurde, das Opfer eines Ui�glücksfalles, sondern eines Verbrechens geworden. Mehr als die Ver- mutung. daß es sich um die Tat eines Wildschützen handle, hat der Verdacht eines politischen Verbrechens für sich. Zalobin, der sich vom Kleinbauern zum Junker entwickelte, hat in seinem Wahlkreis viele Gegner, di« erst vor wenig« Monaten seine Scheune samt den Getreideoorrät« In Brand steckt«. Kriedensreviflon muß möglich sein. Eine ffanzösisch-sozialistische Stimme. pari», 31. Dezember. Im„Populaire" schreibt Zyromsk! über die Frage der Friedensrevision. Er fragt: Kann man etwa leugnen, daß die 1919 von den verschiedenen französischen Regierungen— gleichviel ob nationaler Block, Kartell der Linken oder nationale Einigung— ab- geschlossenen Sonderabkommen mit der Tschechoslowakei. Polen, Rumäni« und Südslawien zum wesentlichen Gedanken die Gruppierung dieser Staaten um Frankreich mit dem Ziel gemeinsamer Garantierung der absoluten Unantast- barkeit ihres territorialen und politischen Status gelMt haben? Was bedeutet also, daß die in Artikel 19 des Bölkerbundsstatuts vor- gesehen« Prozedur zur friedlichen R«ision der Verträge von vorn- herein durch das Einverständnis der Staaten verriegelt worden ist, die die genannt« Svnderabtommen unterzeichnet haben? Verfrühter Gilvesterkrach Im Staatstheater. Der traditionelle Silvesterulk im Slaatskheater löste leider total unbeabsichtigte Wirkung« aus. Jürgen Fehling hatte di« 200 Jahr« alte heroisch« Posse des Dänen Ludwig Holberg— Ulysses vonIthaka— aus neu, allerdings nicht übermäßig neu frisiert. Die grotesken Clownerien, in denen sich Holberg über das deutsche Drama seiner Zeit, über Krieg und Heldentum und sonst noch allerlei lustig macht, sanden weder bei dem Darsteller noch beim Publikum rechtes Verständnis. Obwohl die Posse sowieso gleich aus war, wurde plötzlich der Wunsch nach augenblicklicher Beendigung der Vorstellung laut— sehr laut Ivgar. Musik hinter, und Pferskonzert vor der Rampe, empörte Rufe: Schluß! Vorhang! Fehling hatte es gut gemeint, aber nicht verstan- den. dem Publikum den Ulk näherzubringen. Dennoch wünsche ich d«, Staatstheater«in kräftige» Prosit Neujahr! D g r. Glaubt man etwa der Sache des wahren Frieden» zu dienen. indem man gewisse unmöglich« territorial« System« festigt und stützt?....... Parker Gilberts Orakelspruch. New park, 31. Dezember. Wie Associated Preß aus Washington meldet, gab Park e t Gilbert dort abermals seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß eine wirtliche Lösung der Reparationssrage erst eintreten könne, wenn man sich über ein« festen Betrag geeinigt habe. Er erklärte, über die Höhe dieses Betrags müßten die Fachmänner entscheid«, lehnte es aber ab. eine Erklärung darüber abzugeb«, wann nach seiner Ansicht dieser Schritt erfolg« müsse. Noch ein Luli-Opfer. Am Lahresende das Neunzigste! Hans K i e s l« r, ein sechzehnjähriger Chemiker in Wien, war am Nachmittag des 15. Juli ahnungslos in das Feuer der Schoberpolize! geraten, hatte einen Schuß in den Ellenbogen er- halt«, war hingestürzt, ein Schutzbundgenosse, der ihn bergen wallte, fiel getroffen hin, und dann traf den Jungen noch ein Polizeigcsthoß in die Hüft«. Di« Verwundung« waren solcher Art, daß die schlimmsten Vereiterungen usw.«intraten— Dum-Dum-Geschosse hat die Polizei bekanntlich nickst verwendet. Monatelang hat das Kind Im Wasserbett gelegen, zu Weihnachte» ist es gestorben und jetzt begraben worden. Bürgermeister Genosse Seitz, der mit viel« Vertrauensmännern des roten Wien zur Beerdigung ge- komm« war, versuchte die tiefgebeugte Mutter Kieslers durch das Beileid der Hauptstadt zu ttösten... Oeuischnaiionaler Verzicht. Ln Oanzig. Danzlg, 31. Dezember.(Eigenbericht.) Die von der Deutschnattonalen Volkspartei und den Beamten- vertrete« im Danziger Senat gestellte» acht parlamentarischen Senatoren haben infolge Meinungsverschiedenheiten über p c r s o. nelle Angelegenheiten ihren Rücktritt erklärt. Der Rücktritt ist nichts anderes als. eine nichtssagende Geste: denn im Januar ist der Rücktritt des gesamten Senats infolge des Wahlausfalls sowieso fällig. Abgesehen davon ist der gegen- wärtige Senat auch nach Austritt der Deutsch» atio- nalen beschlußfähig._ Aöd c( Krim im Exil. Z. Roger Mathieu bringt i» den„Daily News" einen längeren Bericht über das Leben Abb el Krims in feinem Ver- bannungsort St. Denis aus der französischen Insel R e u n i o n im Indischen Ozean, wo er mtt seinen beiden Frauen, seiner Mutter und sein« beiden Schwestern weilt. Er trägt sein Schicksal mit Gleichmut, wcdmet sich«ingehend dem Studium der französischen Sprache und betreibt Gartenbau mit großer Hingab«. Immer wieder aber erhebt er die Frage, wann er wohl noch Marokko zurückkehren könne. In diesem Sinne unterhält er häufige Korrespondenz mit dem sranzäsischen Generalresidenten in Marokko, Steeg, durch Vermittlung des französischen Gouverneurs der Insel Räunion. In den Brief« betont er seine Loyalität mit Frank- reich und spricht den wiederholl« Wunsch aus, als treuer Anhänger Frankreichs nach Marokko zurückkehren zu dürfen. Durch Klassenkampf zur Freiheit. Fur proleiarijiche Lohn- und Wirischastspoliii? fchühie vor Kolonislerung. Seitdsm die Deutschniqtionolen zur Erfüllungspolitik umgefallen, heißt die Erfüllungspolitik, an der grundsätzlich kein Deut geändert ist, bekanntlich nicht mehr Ersüllungs-, sondern Vefreiungspolistik. Aber unter dem einjährigen deutschnationalen Einfluß hat die bisherige Entwicklung in der lltichtung der Verständigung und Befreiung einen schweren Rück- schlag erlitten. Es gibt aber glücklicherweise noch eine Entwicklung, die von ai, deren Kräften getragen wird, die troh der Deukschnakiollalen, trotz des Bürgerblock», trotz der großagrarifchcn und großkapitalistischen Reaktion das deutsche Volk auf dein Wege zur Befreiung weiterführt. Zur De- freiung... jawohl! Zur Freiheit des deutschen Volkes von fremder Zwangsherrschast", wie es im deutschnationalen Partei- Programm so schön ausgedrückt ist, ober gleichzeitig auch zur Freiheit des deutschen Volkes von eigenen Aus- b entern, weil es sich nicht um verschiedene Freiheitskämpfe, sondern nur um die beiden Seiten eines großen Freiheitskampfes des arbeitenden deutschen Volkes handeln kann. So fest wir überzeugt sind, daß erst der Sieg des internatio- mcken Sozialismus endgültig die Grundlagen für jede nationale Freiheit befestigen wird, so sprechen wir in diesem Zusammenhang nicht von diesem weltgeschichtlichen Ausblick, sondern wir meinen die schon vorhandene Tatsache, daß der SBidcrstanb der deutschen Arbeiterschaft gegen die ausbeuterischen Absichten des deutschen Unternehmertums schon ein großes Stück der zukünftigen nationalen Freiheit für Deutschland gewährleistet hat. Es wirt» die beste Lehre der Erfahrungen des verflossenen Jahres fein, wenn man dieser Bedeutung der Kämpf« der deutschen Arbeiterklasie völlig bewußt wird. Dieses Jahr war für Deutschland ein Jahr des wlrtschafilichen Aufschwungs, wobei dieser wirtschaftlich« Aufschwung vor allem aus der Stärkung der inneren Kauftraft aufgebaut war: Mit der Hilfe der ausländischen Anleihen, so behaupten die Skeptiker. Auch wir unterschätzen die Rolle der Auslandsanleihen nicht. Sie haben dazu beizetragen, daß die innere Kaufkraft in Deutschland gestärkt wurde, daß die Befckäftigung und die Lohn- summen der Arlviterschast nicht unbedeutend zugenommen haben. daß ein« Erhöhung des allgemeinen Wohlstandes festzustellen ist, und alles dies in Verbindung mit de? vergrößerten Leistungs- jähigkeit des deutfcken Produktionsapparates. Und man darf an- nehmen, daß der Ruhen der Ausländsanleihen bedeutend größer war als ihre kosten. Und- da sei die Frage erlaubt, ob diese Form der Beziehungen mit dem fremden Kapital als„das schmachvoll« Joch ausbeutender Fremdherrfchaft" zu bezeichnen ist? Man weist zwar noch darauf hin. daß der Zufluß des auslän- bischen Kapitals die Erfüllung der Reparationsverpslichtungen er- möglicht imd also doch der.DersNavung" Deutschlands gedient habe. Gewiß wurden später die ausländischen Zahlungsmittel aus dem Erlös der Anleihen zum Teil auch zur Uebertragung der deutschen Rcpirrationszahlungen nach dem Ausland gebraucht,— das Kapital aber, welches in Form der Anleihen nach Deutschand gestoßen ist, hat bis dahin innerhalb der deutschen Wirtschaft nützliche Arbeit auch für Deutschland und nickt mir für die ausländischen Geldgeber geleistet. Die deutsche wklschasl kann fehl das fremde Kapllal Ihrem Aufschwung dienstbar machen. Das ist ober da» Gegenteil der.kolonialen Versklavung, das ist d a s Zeichen der B«> freiung! Wir behaupten jetzt, daß es dem deutschen Volke vur dank dem SamPfe der Arbelierklasfe gelungen ist, trotz der Reparatio�slasten diese Befreiung zu er- reichen oder, anders ausgedrückt, koloniale Ausbeutung zu ver- meiden,.hoben wir heute den auf der Stärkung des inneren Marktes aufgebauten wirtschaftlichen Aufschwang, so müssen wir mit aller Schärfe betonen, daß diese Entwickluyg allein den seit Jahren er- folgten wirtschaftspolittschen Grundsätze» der organisierten Ar- beiterfchaft entspricht. Im völlig«?! Gegensatz dazu steht, wie die Unternehmer noch der Stabilisierung die deutsche Wirt- schaft„aufbauen" wollten. Sie wollten Deutschland zu einem Lande billiger Arbeitskrast machen, und wenn ihnen das noch ihren Absichten gelungen wäre, dann hätte Deutschland den Weg der kolonialen Versklavung nichk vermeiden können. Denn was anderes soll die„koloniale Versklaoung" eines Landes bedeuten, welches, wie Deutschland, in Mitteleuropa liegt, keinen Raum für die Einwanderung oder für die extensive Bewirtschaftung des Bodens Hot, kein Land billiger Rohstoffe und Nahrungsmittel werden kann, sondern eine sehr dichte Bevölkerung und einen höchst- entwicketten industriellen Produktionsapparat hat? Perfchuldung ans Ausland macht an und für sich kein Land zur Kolonie, und im Falle Deutschlands Reparationen zu zahlen ist praktisch mit der Verschuldung an das Ausland gleichbedeutend. Wenn man sagt, daß die koloniale Versklavung dann anfängt, wenn die über- mäßige Verschuldung den Verlust der wirtschaftlichen Selb- st ä n d i g k» i t zur Folge hat, so ist das auch nicht einleuchtend genug, weil nicht ohne weiteres Aar ist, wo die Grenzen der wirtschaftlichen Selbständigkeit zu ziehen sind, zumal jedes Land sich in vielseitiger wirtschaftlicher Abhängigkeit von den anderen Län- dern befindet. Di« gegenseitige Abhängigkeit verschiedener Länder gehört zur sogenannten„internationalen Arbeits- t e I l u n g", und nur durch die Stelle, die ein Land in dieser Arbeits- teilung inne hat, laßt sich beurteilen, ob es in kolonialer W- hängigkett von dem andeven steht. Koloniale Abhänyiakeii heißt dauernd eigene Erzeugvisse unter ihrem Werl an andere Länder abtreten müssen. Die deutschen Unternehmer wollten Deutschland in«inen solchen Zustand oersetzen, indem sie nach der Stabilisierung predigten, daß die deutsche Ausfuhr nur durch niedrige Löhne zu fördern ist. Wären die Löhne auf dem elenden Niveau von Anfang 1924 geholten worden, so wäre die Paria- stellung Deutschlands in der internationalen Arbeitsteilung besiegelt gewesen: es wäre zum Liefe- ramen der billigen Waren geworden, deren Konkurrenzfähigkeit nicht auf der hohen Qualität und Produktivität der Arbeit, sondern ledig- lich auf der Unterentlohnung der Produzenten basierte. Die kapi- talistischen Länder, denen diese Konkurrenz deutscher billiger Arbeit zuerst ziemlich unbequem wäre, hätten sich ihr genau auf die gleiche Weise wie der Konkurrenz jeder billigen kolonialen Arbest ent- zogen, nämlich durch eine noch stärkere Verwendung ihrer Kräfte zu höher qualifizierter Produktion. Es war nicht das Verdienst der deutschen Unternehmer, wenn Deutschland den eben geschilderten Weg nicht gegangen ist. Sie haben alles getan, um die Steigerung der deutschen Ausfuhr auf Kosten der Unterentlohnung der deutschen Arbeiterschaft durchzusetzen. Nicht die Unternehmer, sondern die organisierte Arbeiter- schaft, besonders die freien Gewerkschaften und die Sozialdemoktatische Partei waren es. die einen dicken Strich unter diese falsche und sreiheitoernichtende Rechnung der Unternehmer gezogen haben. Erst als die Erhaltung der Löhne auf einem viel tieseren Niveau als in anderen kapitalistischen Ländern durch den Widerstand der Arbeiterschaft unmöglich gemacht wurde, erst dann hat sich die Industrie aus den Weg der Rational!- sierung, der Steigerung der Qualität und Produktivität der Arbeit begebcii. Der Kampf der organisierten Arbeiterschaft hatte, aber weiter zum Ziel. baß. die Verteilung der erzeugten Güter womöglich stärker ln de? Richtung des Massenkonsums oerschoben wurde. Die Unternehmer behaupteten, daß die deutsche Wirtschaft dadurch zur Katastrophe getrieben wird. Sie hat aber ihre akute Krise glücklich überstanden und ist heute zum Ausschwung aus der Grundlage des inneren Marktes gelangt. Das ist der größte Sieg weilsichtiger ilrbeilerpokiM über kurzsichtige llnternehmerpolitik. welchen die Geschichte bis jetzt auszuweisen hat. Der Weg der kolonialen Versklavung wurde vermieden— dank dem rationellen Klassenkampf der Arbeiterschaft und trotz des unrationellen Klasse nk am pf es der Unternehmer. Es blieb aber noch die Frage offen, ob es ein vorübergehen- der Erfolg oder eine dauernde Lösung sei. Als eine natürliche De- gleiterscheinung, des wirtschaftlichen Aufschwunges kam die Steige- rung der Einfuhr und eine natürliche Passivität der Handelsbilanz. wieder wurde von den Unternehmern geklagt: Was nützt Deutich- land die gute Deschäsitgung der Industrie, was nützt dieser wirr- schaftliche Aufschwung, wenn die Verschuldung an das Ausland zu- ninmtt, während die Konkurrenzfähigkeit durch zu hohe Löhne gehemmt wird? Wieder die Behauptung, daß auf dem Wege der Erweiterung des inneren Marktes und der Verbilligung der Produktionskosten durch größer« Produktton und größeren Absatz die deutsche Jndustie nicht konkurrenzfähig gegenüber dem Auslande «•» baß«na» n deshalb Nicht können, durch dt» Leschräntung der Löhne und der sozialen Laste» die Verbilligung der Waren und damit die Zunahme der deutschen Ausfuhr zu erreichen. Heute muß jeder einsehen— und sogar der Reparationsagent, der von den Vertretern anderer Auf- jassung stark beeinflußt ist, h a t es eingesehen—, daß im Laufe der günstigen Konjunkturentwicklung die Konkurrenzfähigkeit der deut- sehen Industrie auf dem Weltmärkte und damit die Aussuhr der deutschen Fertigwaren im Steigen begriffen ist. Damit wird endgültig der von der organiflerten Arbeiterschaft erzwungene weg alz der richtige für die deutsche Wirtschast erwiesen. Es war und bleibt auch der Weg der Bksreiuuz für das deutsche Volk. Zunächst im wirtschasttichen Sinn«, indem Deutsch- land in der internationalen Arbeitsteilung die Stellung einnimmt, die keinem kolonialen, sondern einem„selbständigen", industriell hochentwickelten Land« gebührt. Wenn aus der letzten Tagung des Reichsoerbanoes der deutschen Industrie soviel von der Schicksalsbedeurung der Qualitätsarbeit für die deutsche Industrie geredet wurde, so hat das in der Tat eine tiefer« Be- deutung. Nicht daß die Vorträge und Reden selbst hochwertige Qualitätsarbett gewesen wären. Aber die Unternehmer haben damtt das Gegenteil dessen empfohlen, was sie vor wenigen Iahren und sogar noch Monaten predigten. Die Fragestellung selbst wäre unmöglich gewesen, wenn nicht die Löhne ge-st legen und alle Ansätze der kolonialen. Eittwicflunz verhindert worden wären. Die Einstellung auf Qualitätsarbeit in der internationalen Arbeitsteilung entspricht keinesfalls der Stellung eines kolonialen Landes, sondern im Gegenteil der Stellung eines hochtapitalistischen selbständigen Landes gegenüber rückständigen und kolonialen Lan- dern. Daß mtt dem Begriff der Qualttätsarbett viel Unfug ge- trieben wird, davon reden wir hier nicht. Es liegt uns nur daran. festzunageln, in welcher Richtung die Gedanken der Unternehmer sich jetzt bewegen, nachdem durch den Kampf der Arbeiterschaft ihre Einstellung auf die„koloniale Versklavung"— und das war ihre Einstellung!— erledigt ist. Der wirtschaftlichen Befreiung folgt aber die poNllfche. Mit einem Deutschland, das wieder zu einem erstklassigen Faktor der Weltwirtschast geworden ist, wird ganz anders geredet, als mit einem Deutschland, das in den halbkolonialen Zustand gesunken war, geredet werden würde. Der R e p a r a- t i o n z a g e n t zieht in seinem letzten Jahresbericht aus der Tat- fache von Deutschlands wirtschaftlicher Befreiung nur den logischen Schluß, wenn er von der Rotwendigkett spricht, jode Art der Kon- trolle zu beseitigen und die Erfüllung der Repavations- Verpflichtungen der Verantwortung Deutschlands allein zu überlassen. Das bezieht sich noch nicht auf eine ganz naheliegend« Zukunft, es setzt die endgültige Regelung der Reparattonssrage voraus. Wer bezweifelt aber, daß die politische Loge Deutschlands schon jetzt, trotz des bedauernswerten Rückschlages im letzten Jahr, viel günstiger ist, als sie zur Zeit des Londoner Abkommens war, und daß sie noch viel günstiger sein wird, wenn die Repavationssrags zur endgültigen Regelung gestellt wird. Daraus ersieht man aber, daß die alte Erfüllungspoktttk, indem st« durch die Wirtschaftspolitik der Arbeiterklasse zwar nicht innerhalb der Regierung, sondern durch heftige und hartnäckige Wirt» schaftskämpfe außerhalb ihrer unterstützt und ergänzt war, und nur in Verbindung mit dem Kamps der Arbeiterklasse, zur r i ch» tigen und tatkräftigen B«f reiu n g s p o llti k— d-«» deutschen Volke» geworden ist. Tleue 14 OOO Arbeiislose. Auf dem Berliner Arbeitsmarkt hat sich die Steigerung der Arbeitslosigkeit um rund 14 000 Personen fortgesetzt, so daß der Stand zurzeit 192 475 beträgt. Weibliche Arbeitsträfta sind daran nur mtt einem Fünftel beteiligt. In der Hauptsache ist die Verschlechterung in der Jechreszeit begründet, jedoch ist. nicht zu verkennen, daß auch teilweise in der Industrie der Veschäftigungs- grad ein geringes Nachlassm erkennen läßt. Besonders in der M e t a l l i n d u st r i e. die allein eine Steigerung der Arbeitslosig. keit um rund l200 Personen aufweist, ist ein« zwar langsame doch stetig« Verschlechterung festzustellen. Auch das Holz, und Schnitz- stoffgewerb«. das noch bis zur Vorwoche allgemein gut beschäftigt war, nahm Entlassungen, besonders von Tischlern, vor. Saison- belebungen im Bekleidungs- und Spinnstoftgewerbe sind bisher noch so gering, daß sie an der allgemeinen Entwicklung nicht; zu ändern verm.ochten.' Die gesteigerte Vermittlung von ungelernten Arbeitern für kurze Aushilfstätigkeit ist noch den Feiertagen naturgemäß zum Stillstand gelangt. Infolge bevorstehender Verbesserung der Verkehrsverhättnifse nahm«in größere» Unternehmen Neuem- stellungen vor. cBeginn2-3®!uapJ Fertl9M°d°rd-« i„.„..s; Daunendecken� �,�>,«»«1-»-»�"°• i Handtücher i 1 f'ÄSffiÄcOoo Farlla« w>°«° Zleppösc�en mm......•>- exAnkornLHaRdtuc'1 «V.7W RifÄK58n Kissenbezug© 1.25 A n wä s .. 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Januar, VäVi Uhr, bei Hobrrchlaro, Swine. miindcr Str. 11, SiSuhg des erweiterten Kreisvorstandes. 2. Kreis Tiergarten. Tsnnersiag, s. Januar, l» Uhr. bei Krüger. Putlih. strasse 10, erweiterte Kreisnorftandsnhung. Gricheii. WW»»>»WW»>W�>�WWW>WWW,, S? �..Elternbeiräte am Mlttwock. t. Januar, lSt� Uhr, bei Müller, Uferftr. 12.» z. Kre.s Friedriltshai». Dienstag, z. Januar, 19 Uhr, in den ilomenius- Eiiitn, Mmelee Sic 67, Kreisnorstandsützung mit den Abteilungsleitern. 7. Kreis khariotlenburg. Dienstag. Z. Januar, ISib Uhr, erweiterte Bor» iiandssitzung im Zimmer 1 des Rathauses. Ib. kirei» Zci lcr darf. Montag. 2. Januar, 19V: Uhr, bei Schnorre, Pots- domer Str. z, Kreisoorstaudsfitzung. II. kreis Steglifi. Montag, 2. Januar, 19V: Uhr, an bekannter Stelle, Kreis» vorstau dssidung. Bilntiliches Erscheinen unbedingt erforderlich. lt. Kreis Rrukilln. Montag. 2. Januar, 19 Uhr, im Parteibueeau. Neckar» strasse 3, öihung des erweiterten Kreisvorstandes. 1ö. Kreis Trepiow. Montag, 2. Januar, lg'u Uhr, in Niederschüneweide, Berliner, Ecke Fennstrasse, Kreisvorstandssigung mit allen Abteilungs» leitern. 16. Kre e Köpenick. Dienstag, 8, Januar, 19Zj Uhr, an bekannter Stelle, Erscheinen sämtlicher Mitglieder de» Kreisvar. K.reisvorstandsfihung. standes ist Pflicht. u l l tl'J HX.' 1 1 0 e»i 1 1 1-»-.it... L), ai u ,.*■- vs.»— standsfitzung.— Achtung! Um 20 Uhr edendorr Kreisfunltwnäroeo- fammlung. 19. Kreis Pallkom. Montag, z. Januar, IS's Uhr, im Nathan, Pankow, Zimmer 17, Fraktionsfihung mit den Bürgerdeputierten 2«. Kreis Zieinickendnrf. Montag, 2. Januar, 19fh Uhr, im kleine» Kihung». l'.al deo Da» Hauses zu Wittenau, Sidung des erweiterten Kreisvorstandes. Im Anschluss hieran Sitzung der Fahnenkommisslon.— Allen Genosfinne» und Genossen des Kreises: Profit Neujahr! Der«reisvorstand. heule. Sonalag. 1. Januar: 9. Abt. Allen Genosse» und FamiNenangehUrtge» ein gesunde,»nt frohe» neues Jahrs Die Abteilungsleitung. 11. Abt. Allen Genossinnen und Genossen zum neuen Jahre die freundlichsten Grüßel Möge uns da» Wahljahr 1928 in vereinler Parteiarbeit neue Erfolge bringen I Die Abteilungsltltung. ZI. Rbt. Die Ianuarmitnmer.Unser Weg" ist erschienen und kann von de» Bezirksfübeern sofort von den Eomenius- Sälen, Memeler Str. 67,«b» geholt werhe«. 67. Abt..Unser Weg" lst umgehen» oom Genosse» Zaeobi abzuholen. Morgen, Moutag. 2. Januar: 29. Abt. 26 Uhr bei Burg. Prenzlauer Allee 189, Funktionirfitzun«. Er- scheinen sämtlicher Bezirlswhrer ist unbedingt eesorderlich. 183. Abt. Oderschöaeweid«. 20 Uhr bei Imberg, Wilhelminenhofstr.«, Funk. tionärfitzung. 188. Abt. Köpenick. lS>4 Uhr Borfianbsfitzung mit den Bezirksstihrern an be- kaniiter Stelle. Pünktltches Erscheinen ist Pflicht. Dienstag, Z. Januar: 4. Abt. Issih Uhr bei Brandis, Stralauer Str. 18, Funktionärsstzun«. 8». Abt. Schöueberg. 20 Uhr bei Sürlich. Begasstrasse, wichtig« Fundtionär. fitzung. übergibt man mir dem Nochmet, de, Deutschen Mnfikerveedaude«, Berlin. Kom» maadantenftr 88,66. Dönhoff Z277— 78 Selchcftszell g— 5, Sonntag» 10—2 Uhr Auf Wunsch- verrrrterdesuch. Arenierioeeanftaffnngett. 8. Kert, veddtng. Mrtlwoch,». Januar, inz» Uhr, bei Kroll. Utrecht« Strasse A. Funktlonärtanentonserenz. Wegen wichtiger Tagesordnung werden alle Fuaklionärinnen gebeten, zu erscheinen. 6 Ktci» Prenzlaner Berg. Dienstag, Z. Januar, 20 Uhr pünktlich, bei Burg, Prenzlauer Allee 2Z9, Funttwnärtnnentoitferenz. Jede Abteilung mutz vertreten sein.— Mittwoch, 6 Januar, 18i4 Uhr. Beginn de» Snmnafi.c. kursu» in der Baracke 3 de, Hortes der Sroeiterwohlfahrt, Danziger Strasse 62. Turnanzug ist bitte mitzubringe». 3. Kreis griedrichshaia. Freitag. 6. Ianatir, 8 Uhr, bei Rost», Guben« Strasse 19, Funklionärtaneutonserenz. Wegen wichtig« Tagesordnung werden die Genossinnen gebeten, recht zahlreich anwesend zu sein. Die Helferinnen für das Nachttisheim sind hierzu besonders eingeladen. ä 5. Kreis Friedrichshaln. Tonnerstag, 12. Januar, 19ib Uhr, in Q a Schmidts Gesellschoftshaus, Fruchtstr. ZSs, Beginn de» Kursus.Ein- Z führung in die Wirtschaftspolitik." Neferrntin Genoffin Mathilde M � Wurm. Alle Genossinnen und Genossen find hierzu eingeladen. isS 18. ftmi, Zehlerdorf. Montag. 2. Januar, 19 H Uhr, bei Schnorre, Zehlen. dori, Potsdamer Str. 3, Fortsetzung des Kursus.Einführung tu die Wirt. schafispolitik." fileferentin fflenoffiii Beibier. 26. Kreis Retaickendorf lAgitotio» und Arbeiterwohlfahrt). Dienstag, 8. Ja» nttar, 30 Uhr, Funktion. ärinnenfitzung im Derwaltungsgebäude, Reinicken» dorf.Ost, Hauptstr. 66, Zimmer 66. Iü>e Abteilung muß vertreten fein. Dienstag. 3. Januar, 1SX Uhr: 2t. Abt. Bei Kroll, lltrechter Str. A, Frauenabend. Thema:»Bibelftunde." Referent Genosse Ad. Hokstnann. Es wird um rege Beteiligung gebeten. Mittwoch, 4. Januar. 20 Uhr: 78. Abt. vchänebera. Bei Gross, vedanstr. 17, Frauenabend:.Ernst«» und Heiteres." Borlragend«: Genosse Heinz Barthel. Di» Genossinnen sind alle herzlichst eingeladen. vezirksansschub für vrbeiterwahlfohrt und Siuderfchutz. 6 Keel» Pmnzlanee Berg. Donnerstag, 5. Zannar, 12 Uhr, Aitennmtausch. Alle Helf«innen und Heiser müssen zur Besprechung wichtiger Angelegen. beiten erscheinen. 8. Kreis Kreuz de rg. Dienstag, st Januar, 19% Uhr, Ausschusssitzung bei Wolfs, Graesesirasse. All« Abteilungen»nb Ansschutzmitglieder müsse» vertretrn sein. Zungsozialisten. Montag. 2. Januar: Gruppe Wilmersders: 12% Uhr im Jugendheim Wilhelm»»»» 12«pielabend. Alle Mitglieder werden«märtet. Gäste willkommen.— Gnpp» Nri»tck»»d»rst Der Gruppettooend fällt Montag au». Eine Loch« spät« findet im Seebad die alljährlich« Mitgliederoersammlung statt. Arbeitsgemeinschaft der Siuderfreunde Groß-Verliu. H«ls«r»rrs»m»tl»»g am Mittwoch. 6 Januar, 12% Uhr, im Jugendheim Linde nstr. st Thema:.Wie feiern wir unser« Gemetnschastsfefte." Kmi» EharloUenbnrg: Gruppe Sonn«: Zi iontag, 2. Januar, v«n I« bio 12 Uhr Spiele» im Jugendheim Spreestr. 30.— Stoppe Freiheit: Dienstag, st Januar, um 17% Uhr Heimabend im Jugendheim Stosincnstr. 6 Kmi,»eiuickendorft Di« Arbeitsgemeinschaft über Hohnsteiu kann am Montag wegen erweitert« Kreisvorstandsfitzung nicht stattstn.dcn.— löst Abt. Reiaickenboej.vst: Montag, st Januar, 16 bis 18 Uhr, Kllkrngruppetttaeung. Dienstag, 3. Januar, 17% bis 19% Uhr, und Donnerstag, 5. Januar, von 17% bis 19% Zusammenkünfte der Illngerengruppc. Mittwoch, 4. Januar, und Freitag, 6. Januar. Zutammenkünfte der Aelterengruppe von 17% di» 19% Uhr. Beranstaltungen sämtlich im Jugendheim Seebad. Kmi» Wedding: Der Spiel» und Turnabend fällt am Mittwoch an». Kmi» Pankow: Am Sonntag. 8. Januar, siudet im.Tivoli", Pankow, Berliner Strasse, die Borführung de» Zeltlag«silme».Kinderrepublik Seekamp" statt. Beginn sllr Kinder U% Uhr. Einlaß 11 Uhr. Eintritt 30 Pf. Für Erwachsene Einlaß I< Uhr. Anfang l<% Uhr. Eintritt 20 Ps. Wir dittrn um rege Beteiligung. Karten bei alle» AngedSrigeu der Kinde rfrenndegruppen. r Sterbetafel der Groß> berliner Partei« Organisation 8. Abt. Ans» Genosse, der MetaMchleis« Richard Echie»«»»»skt, Swtnemünder Str. 6, ist verstorben. Eh« seinem Andenken! Einäscherung Dienstag, st Januar, 16 Uhr, Im Krematorium Gerichtsiraße. Rege Beteili» gung erwartet di« Abteilungsleitung. )»»««tn*Mt>»nte»t M vor, G»h» ghansteestr. 22-8st«tt riefe». hatte» C4iair4*ecui«u,»n p, Iluct hceat'pciifciev»ttauau tpetweu Ionen, «ncheinl d.e yc.uliuut Fauiu nach tbeenOiyung thret Jiioenlui zum Oice» jähr. gen Ausvertauf ttu Zeichen energtschen Wcuocwetb». Etile«rnaunttche Anzahl Wtnlcrutster und Paletots, eine unzählige wtenge uott Gumm.mattieln fitr aeteen und Damen, ittnch-tioalä, epoet» und u.eijeattzugcn, wlck.etdung für Tameu und Herren, Jüttgungs» und«nabcnuclleibmig, eitizcltte Anzüge, einzelne Beinkleider und Westen, Windjacken, Jagdjoppen, weruisktetduttg, Sport» uttd Gehpetze, wollene Westen, v�tsedecken, wchtaldecken, evaicheswjle, Oner» und Nachthemden, kronatten, Strnutp>e, Str.ttwarett, iurtkotaaen, Anzug» und Mattleiswsse und Zausende anderer Web» und Wtrkwaren sind chtter unnachstchttgen Preisheradsetzung unterzogen worden. Die Firma rechnet insolgedetzen mit einem lehr starken Zuspruch und bittet, möglichst d.e Morgenstunden zu dem Einkauf ue.m dtesjährtgen Juoenlurousverkaul zu benutzen. Die Beranflallung begtntti am 2. Januar, morgens 8% Uhr. Die Firma macht besonders darauf autmerksaNi, daß Schneider, Schneiderinnen und Händler, wie disher, sowohl am Stosiiouf als rtttch am sonsttgcn Engrosetnkaus teil» nehimm können.— Ebenso erjolgt der Bersand nach ausserhalb unter den üb» lichen Bedingungen, und zwar in der Netheiiidtge der eingehenden Aiisträge. Lodernde glammenscner in den Echaufensiern des bekannten Herren- Konsekt.oushauses Schulmeister am Kottoufier Tor zeigen, wie die alten teuren Preise den Flammen übergeben werden, um neuen billigen Preisen Platz zu machen. Teurung im Lande? Läaierlichl Wer die Flnmnienfeuer bei Schulmeister gesehe» hat, weiss: Rieder mit der Teurung, runter mit den Pretsen. Billige Stöfs« znr Zupeutnr zeigt in seinem heutigen Inserat Eords, da» Hons der guten Qualitäten, an. Jeder weiss, daß Eords immer das hält, was er verspr:cht und daß die Waren, d:e man dort während des Inventurverkaufs findet, die Qualität haben, durch die Eords führend und das größte Stosf» speztalhaus Deutschlands geworden ift. Htir findet man destimmt keine Sw,se, die besonders für Ausverläufe hergestellt wurden und durch so niedrige Preise und durch tönende Anpreisungen ihren Mangel an Qualität beschönigen. Wer aber Eords kennt, weiss, dass er nicht nur in den Stosfaoteiiungen, fonder» auch am Trikotagen- und Sirumpflager, bei den Herrenartikeln und in d« Hamburg« Kinderstube während der Inoenlurverlausstage vom 2. bis 16 Januar Gelegenheit hat, für wenig Geld hochwertige Waren zu erstehen, die nicht nur während des Jahre» 1828, sondern auch darüber diumis erfreuen. Wo ist dieser Perkauf, fragen Sie? Nun. in den beiden Berliner Eords» Geschäften, Leipziger Str. 83— SS, Ecke Eharlotienstrasse, und Kurfürsten- dämm LS— 22k, an der Eords-Ecke. 6.«dam»»ier»ussergewöhnlich billig« Tag- vom 2. Januar bi» 5. Januar bieten— wie immer an den grossen Soiidervrrkausstage»— wieder Gelegen. heil, die bekannt gute Adamfche Kleidung für Herren, Damen und Knaben sowie Wäsche» und Modeartikel zu besonders niedrigen Preisen kaufen zu können. Mit Ausnahme der Sonderangebote ruht auf allen fertigen Waten «in Nachlaß von 20 Proz. Niemand sollte sich die außerordentlich günstigen Angekote entgehen lassen. Man beachte die Anzeige in der heutigen Ausgabe. Der Znoeutueonsoertanf— da» grosse Ereignis für das kaufende Pudli- kum. Die Ausverläufe zur Inventur find eine Gewohnheit geworden, die von dem Publikum mit grosser Sorgfalt beachtet werden. Es ist sehr bald bekannt geworden, welch« von diesen Beranstaltungen als huvorragend zu betrachten stiid. Wirkliche Qualitätsware zu außergewöhnlichen Preisen zu kaufen, dies« Möglichkeit bietet da» große SpezialHaus der Firma Teppich-Burfch, Berlin E. 2, Spondaner Vir.»2. Der diesmalige Inventurausverkauf dieser Firma ist großzügig vorbereitet worden. Es gelangen Teppiche, Läuferstofse, Gardinen und Möbelstoffe»um Verkauf, beliebteste Marken und Qualitäten zu Preisen. deren Wiederholung kaum mehr möglich sein wird so und mehr Prozent dilferieren die Preise gegenüber den sonst schon dillig gehaltenen Verkaufs- preisen. D« Inventurausverkauf ist daher wirklich ein Ereignis und beginnt derselbe bei der Firma Teppich-Burfch am 2. Januar, morgens 9 Uhr. Gehe» Sie»»«rnmach— und kaufen Sie gute Strumpf-, Woll.»ud Trikotwaren zu den verblüffend niedrigen Ausverkaufspreifenl Für die Hcrrenweli gibt's in der Abteilung Herrenartikel ganz besondere Gelegenheiken. Alle Ausverkaufsworen natürlich trotz der Billigkeit in den bekannten voll- w«tigen Grumach-Qualitälen— Im Eckgeschäft Königstrasse und Spandau« Strasse. Berantwortlich für Politik: De. Eurk Geyer; Wirtschaft:«.»li-gelh»«; Gewerischafisbewegung: Fr. Etztorn: Feuilleton: K. H. Döscher; Lokale» und Sonstiges: Fritz Karftäbt: Anzeigen: Id. Glocke: sämtlich in Berit». Berlag: Borwärts-Berlog G. m. d. H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckeret und Berlagsonstall Paul Singer u Eo., Berlin SW 68. Lindenstrass» 2. Hierzu I Beilage» und.Unterdattuug und Wissen". BILLIGE STOFFE zur INVENTUR aber stets: Seide und Samt Wollstoffe Waschstoff c ffl In Serien finden Sie: Vergütung gewähre ich wöhrcntl des Inventur Verkaufs auf die Preise aller regulären Waren! 4 .50 Chinakrepp tu mcxLrorfaes. 96 ob bei» o. nchwun».«rd*|«2i2 Rohseide gefärbt, 80 cm teeM.Mlxr A Meter M. 6�0____ 4«tat Krepp- Veloutine 100 cm breit, trüber Meter A M. 7-80............ jnti« jt Taft für Stil- und TanxUeldcr, 84 89 cm breit, krüher Meter M. 730..... jatat .85 Dnfarbig Wollpopeline gute Klddrnrnre, in-A 15 Farben, 100 cm brdt, I__ früher Met« M.3.90, jetet A.95 Schattenrips gnteKaramg�Qual, gionM Farbenaosv� t05 cm breit,/ frQber Meter M.5A>,Jetat mrf.90 Charmclaine «4 für Morgenkleldung, I früher Meter M.a.60, J etat X ,95 Deutsche Wasch wolle Streifen- u.FaBtaslemuster � für warme Blusen, früher 1 Meter M. 2.70..... Jetat X ,90 Englische Wasch wolle f.Tag- n..Nachtbckleldung, VlyeJ la.fr. 6.50, Jet st 4. 60/.. ayddle, fr. M. 3.90. 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Wolle Serie IV M. 2.75 Herren-Binder, schwere Qualität, Herren-Schals, Damen-St rümpfe aus künstlicher Waschseide oder klor mit Seide; Damen- Scblüpter, künstliche Waschseide Serie V M. 3.25 Herren-Binder, relneSelde i Damen- Strümpfe, reine Wolle: Damen- Schlüpfer aus künstlicher Seide Serie VI M. 3.00 , Herren- Binder, schwer* Seide; 1 Damen-Strümpfe, Uta h Trama- I seid.; Damen- Lederhandschuhe, l'inzelgtössen; Damen-Schlüpfer In der Hamburger Kinderstube: Kleidchen undyH Kinderstoff e[ •tiuiiiiiiniinnnniiiinmmniiiiimuiiiniimiujininmiiiiiiiiiinimiitutimniiiinitinitiimniniiinimrnitmiininitnmntutiiuimiiiiuiiinHiiiiiiiiuiimithiiiifiiiiiiiiiiiiiuiiiiitiH uMiiiiiiüiiii.'iiiiiiiitiiiiniiitiiiiiiniiuuiiiiiiiinuKiHiNiiiai Besonders günstige Gelegenheit bei der nun endgüliigen Räumung der Restbesiände an fertigen Meidern, Mänteln und Kostümen. Alles weit unter Wert! CORDS und g u t! Mein Inventur-Verkauf findet vom 2. bis 14. Januar Pelzdecken und Pelzfußsäcke von M 80,—. Pelzfußtaschen von............................ 25.— n Pelzjoppen, Munnelstflckenfutter, Blbertnkragen 79,— Leder Dehleldon� Lederjacken, schwarzes Chromleder, warm ge- füttert,.......................... 79.—. 69.—. 59*- Herren-Ledersportjacken. braunes Chrom- oder Nappaleder, warm gefüttert, je nach Qualität und Art.......... 120—. 105,—, 98,—. 78,—. 65*- Hcrren-LedersportmänteL braunes Chromnappa- leder. moderne Form, warm gefüttert 158,—, 148.— 125*— Em Posten Herren-Automäntel am braun- Leder mit Plaidfutter, 120 cm lang.. 145,—, 125,—, 98*— Damen-Ledersportjacken aus gutem braunem Leder, fesche Formen.. 148,—, 118,—, 98,—, 74.— Herren-Lederbreeches............ 64,—, 56,—, 48.— lange Lederhosen.......................... 36,— Ledersportpelze, Bisamstflckenfotter, Opossumschalkragen................................ 225,— Shi-AnzOge, OflndlBehen, tnoforrad-SchntzanzOge Herren-Windjacken aus Imprägnierten Stoffen 14,50, 12,25. 9.50. 7,75, 6.50 Sportwindjacketa, iodanthreniarbig. für Damen n. Herren 29,—, 27,—, 24,—, 19*— Motorradschutzanzüge aus wetterfesten Stoffen 26,50, 22,50. 16.—. 12,50 Skianzüge aus Imprägnierten Gabardine- u. Zeltbahnstoffen, Jacken n. Blusenform 32,—, 29,— 26,— Skianzüge aus wollen. Trikotinstoff en. Satintuch und blau Serge In Norwegerlorm. je nach Art 82,—. 68.—. 55,— Skihosen ans wollenen Trfkotlnstoffen.......... 22,— Skiwesten, Wildlederimitation............ 18,50, 16*— Lumberjacks aus braunem Nappaleder.......... 84.— - Ans unserer noßfiDZellnna- Sakkoanzug aus hervorragendem Kammgarn, moderne Dessins................ 130,— Abendanzug aus reinwollenem Melton 135*— Chauflenr- und Llrree Kleidung Manchester- oder Kordanzüge. Joppe ganz gelütt. 25,— Chauffeuranzüge aus Düffel, Wollkord oder Manchester, je nach Art, 75.—, 68,—. 58.— 49.— 44*— Livreeanzüge aus blauem, grünem oder braunem Düffel, m. Aermelweste.......... 98,—. 90,— 82,— Chauffeurmäntel. verschiedene Stoffqualitäten, warm gelottert.---- 110.—. 93,—, 79,—. 67,—. 52*— Chauffeurpelze, kräftige Stoffbezüge, Schafpelz- futter, SchafptJzkragen, AermelpeJzfütterung 195.—. 168.—. 148,—, 129.—, 96*- Damen-Wlntennaniel Serie I Velour und Ulsterstoffe, glatt u. gemustert 6,50 Serie II gemusterte Ulsterstoffe und Velours de lalne in guter Verarbeitung.................. 10,50 Serie III Velours de lalne in verschiedenen Färb. mit und ohne Pelzbesatz, teilweise gefüttert.. 17,50 Serie IV Ripsmäntel mit Pelz- od. Plüschgarnier. In feschen Formen.......................... 27,50 Serie V Ripsstoff in solid. Verarbeitung m. Pelzbesatz. zum Teil auf Futter.................. 37,50 Serie VI WoIIplüscb In braun und schwarz, ganz auf Futter u. Tuchmäntel in bester Verarbeitg. 47,50 Serie VII Eleg. Ripsmäntel, ganz auf Damassde und auch auf reiner Seide mit Pelz-Bubi und Schalkragen, Sealplüsch auf Damassdefutter In bester Ausführung.................. 60,— bis HO,— Serie VIII Frühjahrs- und UebergangsmänteL modernste Formen und Farben, aus Herrenstoffen, Gabardine, Ottomane, Rips. Tuch. Kunstseide, je n. Qua*, u. Art 47,50, 37,50, 27,50, 17,50. 10,50 6,5« Damennelzlacken, Seaielektrikstückan.. 62,—, 48,— Skunkskanin mit gutem Damassdefuttcr...... 74,— Fohleniacken. elegant gefüttert.................. 130,— Damenpelzmäntel, Sealeiektrikstrelien, elegant gefüttert.................................... gy,— Elegante Sealclchtrlkmähtel auf Damassde, Seide oder Crepe de Chine, je nach Qualität und Art 355.—. 310.—, 225.—, 145*— Perslaner-Slinks oder Gazellenmäntel.......... 230.— Kolinskl-Kanin, Nutrianet- od. Kokolammäntel•• 295,— Pecbanlckimurmelmantel auf Crepe de Chine•• 380,— lodteti-Aaziige Dlverw rfrrrejm Anzüg* W vteien Stoff arte» ond Muttern 39.—, 24.—, 18,— Anzüge ans Cheviot«. kammgarnartigea Stoffen, . mtttelfarblg und dunkel In schönen Dessins, je nach Qualität und Art............ 63,—, 54,—> 4<— Anzüge. Maßersatz, aus guten bis zu den besten Stoffen, ie nach Qualität 108.—, 99.—, 81,—, 72,—. 68,— Blau« Anzüge, Cheviot, in einzelnen Größen 45,—, 36,— Blaue Anzüge, ein- und zweireihig, aus Cheviot und Kammgarn, in großer Auswahl je nach Qualität und Art 99.—. 81.—. 72,—. 68,—. 63.— 54*- Jackett n. Weste aus marengo Cheviot 50.—, 40,—. 33*— Cuts N. Westen, marengo od. schwarzer Cheviot oder Melton, je moh Quahtäi 63,—, 59,—. 54,—. 40.—. einzeln von 17,— e» Fhnelne Jacketts ans farbigen und blauen Stoffen von 21,— aa rrflhlotirs-, winfcr-Plfintci ond-Polelott Diverae Mäntel, ansortiert... 30,—, 22.—, 18,— 18,— Wlnterulster mit Gurt, dnfaiblg und gemustert 63,—. 54,—. 45.— 39*- Wln fern Ister. Ersatz für Maß, In vielen Fassons, ans guten Stoffen, modern verarbeitet... 99.—, 90,—, 81.— 72.— 68.— Wtaterpaletofa mit Samt k nagen, ans marengo Cheviot and schwarzem Eskimo.. 81,—, 72,—, 63,—, 54.—. 50.— 42*- Rockpaletota, mareogo and schwarz, in vielen Quak täten, tadelloser Sitz.. 99.—, 81.—. 72,—, 63.-. 54*- Frflbjabrsmäatei tn vielen Fasson», an« verschiedenen Stoffen, hi gesohmackv. Dessin* 68,—, 56,—. 47.—. 38*- Frühjahrapaletot« an« Covercoat und marengo Stoffen in vielen. Ms zu den besten Qualitäten, je nach Qualität a. Art 78.—. 65.—. 54.—. 48,—, 42*— Sporl-Anzflgc Sportanzüge mM Breecbe« an« verschiedenartigen Stoffen, teilweise«niorttcrt 49,—. 40,—. 32,—, 24.—. 21,—. 19.50 Sportanzüge, dreiteätlg. L d modernsten Mustern 80,—. 72.—, 63.—, 52*— Sportanzüge m. kurzer a. langer Hos«, aus Kord, Homespun n. anderen Stoffen, je nach Qualität 63.—. 54.—. 48,—. 39*- Sportanzüge mM kurzer und langer Hose. Ersatz für Maß, ans guten, teilweise nach enghsoher Art gemust, Stoffen 122,—. 112,—, 102,—, 89.—, 76*— Manchesteranzüge, gefüttertes Sportjacke« mit Breeches oder langer Hose 40.—, 36.—, 31,—, 26,_ Loden-Joppen ond Loden-nantel Joppen ans haltbarem Loden, von............ 9,50 an Wlnterloppen. warm gefüttert, L großer Auswahl 40.-. 36.—. 32,—. 27,—. 24.—, 21.—. 18,—, 15.-� 12�0 Lodenmäntel für Damen und Herren aus Imprägniertem StricWoden, L viel. Farben 30,—, 27,— 24.—. 18,—. 15*— Lodenmäntel aus reinwollenem Strichloden fflr Damen und Herren, In vielen Qualitäten, Preis nach Schwere und Güte.. 50,—» 44,—, 38,—, 35*— Ddostoppen and SdilotrOdtc Haus Joppen ans Flauschstoffen mit Versöhn Orntjg 35,—. 32.—. 27*-. 19.—, 16.—. 12,50. 9,50 Schlafröcke a. moll. Flauschstoff. 64,—, 43.—, 39,—, 26*- JOniUlnds MeldDiut �»-o Jackettanzüge, diverse einzelne, ans verschied. Stoffen.................. 30,—, 27,—, 24,—, 17*— Jackettanzüge In besserer Qualität aus modern gemusterten Stoffen.. 54,—, 50,—, 45,—. 40.— 86*— Elnsegnungsanzüge aus blauem ufid marengo Cheviot, sowie kammgarnart Stoffen, Je nach QuaL u. Art 54,—, 50,—. 45,—, 40.—, 36,—. 27,—, 22*— Sportanzüge aus schön gemusterten Stoffen m. Breeches, unsortiert, 30,—. 25.—, 16.— Sportanzüge, dreiteilig, aus besseren Stoffen, teilweise n. engl. Art getnust� le nach Qual. 54.—. 45.—. 40—. 36.—, 32.— Manchester-Sportanzüge, Jackett gefüttert, mit Breeches, von.... 26*- an Winter, o. Uebergangs- mäntel In vielen Qual und Stollarten, Je nach Art, von.......... 12 ,— an Fr. il» 45. Jahrgang Sonntag,-t. Januar il 928 Politik— Wirtschast— Gewerkschast im Lahre-192?. Januar.> z. Schiedsspruch m der Schuhindustrie angenommen. 4. Aufstandsbewegung in Hollöndifch-Sumatra. S. Die Vereinigten Staaten erlauben die Waffeneinfuhr aus Nikaragua. 7. Die Konzesston von H a n k a u wird von den Engländern vor der Kuomintang geräumt. Ig. Reichsmirtschaftsminister Curtius mit der Kabinetts- b i l d u n g beauftragt. II. Ministerpräsident Held in Sachsen wiedergewählt.— Der Sozialist Ferdinand Bouifson Kammerpräsident in Frankreich.— Enthüllungen über die Lieferung von Sowjet- Granaten an die Reichswehr. 12. Entwurf eines Agrarprogramms der SPD. veröffentlicht.— Nikaragua von amerikanischen Truppen besetzt.— Aufruhr in Mexiko, Kriegsgefahr mit den Vereinigten Staaten. 13. Der Generalrat des JGB. lehnt eine Konferenz mit dem Allrussischen Gewerkschastsbund ab. 20. Marx mit der Bildung der vürgerblockregierung beauftragt. 24. England entsendet Truppen nach Schanghai. 26. Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrant- h e i t e n angenommen. 28. Deutschnationale Fraktion wählt vier Reichsminister. 29. Zentrum und Volkspartei gegen Genf. 30. Ordnungsblock in den Thüringer Wahlen geschlagen. 31. Don Keudell Innenminister, H e r g t Justizminister.— Abzug der Interalliierten Kontrollkommission. Februar. 3. Regierungserklärung für Republik und Locarno; Westarp für Monarchie und gegen Verständigung. 4. Zentrum fordert Aufklärung. Enthüllung über Beteiligung Seudells am Kapp-Pulfch. Untersuchung gegen Keudell angeordnet. 9. Abbruch der deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen. II. Marx verteidigt Keudell.— Toolidge lädt die Seemächte zu einer Seeabrüstungskonserenz nach Gens ein. 17. Manifest der Internationale gegen Kriegsgefahr und Re- attion. 18. Die Richtlinien der Vürgerblockregierung veröffentlicht. 19. Generalstreik in Schanghai. 21. Vorstoß der Sozialdemokratie gegen die Reichsgroßpensio- näre.— Achtstundentag wird in der sächsischen Metallindustrie ver- einbärt. 23. Die Sowjet-Eranaten im Auswärtigen Ausschuß.— Eng- laut) droht Rußland mit Abbruch. 26. Der Femeuntersuchungsausschuß des Reichstags bestätigt die bayerischen Fememorde.— Bürgerschaftsdebatte in Bremen über den Fall Kolomak. Marz. 1. Die Aufwertungsorganisationen beantragen vergeblich ein Volksbegehren. 4. Rücktritt des preußischenJustizministers Am Zehn- hoff. Nachfolger Dr. Schmidt- Lichtenberg.— Schiedsspruch beende: Aussperrung von 33 000 schlestschen Textilarbeitern. 7. Rumänisch- ungarischer Streit vor dem Völker- bundsrat 13. Reichstarifvertrag für das Baugewerbe. 21. Säianghai� von den Südlruppen erobert.— Der Balkanfriede gefährdet: Südslawien und Italien rüsten. 24. Die Gewerkschaften gegen den Entwurf des Arbeitszeit- gesetzes. 26. Vier Todesurteile im W i l m s- P r o z e ß. 30. 125 000 Zigarrenarbeiter ausgesperrt. April. 3. Schiedsspruch beendet Aussperrung in der keramischen Industrie. 5. Antigewerkschastsvorlage im Unterhaus eingebracht.— Einbruch in die Sowjetbotschaft in Peking.— Die Ferngaspläne der Ruhrindustrie werden durch den Kohlenselderkauf Kölns und Frankfurts durchkreuzt. 6. Enthüllungen über die deutschnationale Vertretung des inter- nattonalen Zündholztrufts im Reichstag. 8. Das Arbeilszcitnotgeseh mit 193 gegen 184 Stimmen an- genommen. 9. Die Marine., Meutereien" vor dem Reichstagsuntersuchungs- ausfchuß. 13. Spaltung der Kuomintang.— Moskau dezeichnet Tschian- kaischek als Verräter.— Der russisch-schweizerische Konflikt beigelegt. 20. Bürgerkrieg in Südchina.— 150 ausländische Kriegsschiffe in Schanghai. 24. Sozialdemokratischer Mandatsgewinn in Oesterreich. Mai. 1. Maifeiern. 2. Wellwirlschastskonferenz in Genf eröffnet. 6. Dos Ausnahmegesetz gegen die Gewerkschaften im Unterhaus angenommen.— Ausschluß der Äominunistcn aus der Kuomintang- Regierung.— Sokolnikoff auf der Wettwirtichaftskonferenz. 8. Stahlhelmtag in Berlin. 10. Aufftandsbcwegung in Niedcrländisch-Indien. 13.„Schwarzer Freitag" an der Börse! Zusammenbruch der Aktienkurse durch plötzliche Krcditdrosselung der Reichsbank.— Haussuchung bei der Londoner Sowjethandelsvertretung. 16. Republikschutzgesetz mit deutschnationaler Zustim- rnuna um zwei Jahre verlängert. 22. Sozialdemokratischer Parteitag in Kiel.— Wohlersolg in Mecklenburg. 24. Abbruch der diplomoNfchen Beziehungen England» mit der Sowjetunion. 26. Hilferdings Referat über die.Aufgaben der Sozial- demokratie in der Republik". 27. Annahme des Agrarprogramms. Juni. 1. Erklärung Chamberlains über die Beibehaltung der engli- schon Heeresmacht in Aegypten. 2. Lettisch-russtscher Handelsvertrag. 7. Ermordung des Sowjetgejandten Wojkow in Warschau durch einen russischen Monarchisten. 10. Masscnhinrichtungen in Moskau.— Diskonterhöhung der Relchsbonk von 5 auf 6 Proz. 15. Der Mörder des Sowjetgesandten zu lebenslänglichem Ge- fängnis verurteilt. 17. Der Reichswirtschaftsminister lehnt Kohlenpreiserhöhung von neuem ab. 21. Entwurf des Strafgefehbnchs im Reichstag eingebracht. 23. Außenpolitische Debatte über Locarno-Politik im Reichstag. Kollektivschrilt der Mächte in Belgrad. 26. Mordtat gegen das Reichsbanner in Arensdorf. 27. Seeabrüstungskonserenz in Gens eröffnet. Juli. 1. Die Rechtsparteien bringen das Sperrgesetz gegen die Fürstenprozesse zu Fall.— Der dänische Senat lehnt den sozialifti- schen Abrüstungsantrag ab. 3. Wahlsieg in Mecklenburg-Strelitz. 4. Zollkampf im Reichstag. 3. Reichswehroffiziere bei englischen Manövern', Italiens Luft» fahrtchef in Berlin. 7. Arbeilslosenoersicherungsgcfeß verabschiedet. 12. Poincare-Krise in Frankreich wegen der Wahlreform 13. Entwurf des Reichsschulgesetzes ferttggestellt.— Pilfudski schließt Sejm und Senat. 13. Slraßevkämpse In Wien bei einer Demonstratton gegen den Schattendorfer Freispruch. Brand des Iustizpalastes. 100 Tot«, 1000 Asrwundet«. Verkehrsstreik in Oesterreich. 16. Der Reichsarbeitsminister verordnet das Dreischichteniystem in den Warmbetrieben der Großeisenindustrie. 18. Der österreichische Verkehrsstrei! abgebrochen. Einberufung des Nationalrats. 21. G« n e r a lstr e i k in England verboten durch Annahme des Gewerlschaftsgesetzes. 22. Vcrwoltungsrat der R e i ch s p o st beschließt Tariferhöhung. 23. Schiedsspruch in Köln gestattet die öZ-Stunden-Woche. 25. Rücktritt hörsings als Oberpräsident: Austritt des Reichskanzlers Marx aus dem Reichsbanner. 27. Deulsch-belgischer Konflikt über die Anklagen des belgischen Kriegsministers gegen die Reichswehr beigelegt.— Chamberlain erwähnt im Unterhaus die Wiederaufnahme der Beziehungen mit Rußland. 31. Vierwöchiger Streik in der Pfälzer Textilindustrie erfolgreich beendet. 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Verflihrung der neuen istässellaut« durch Frl. Pap« aus Köln. Gäste m.llkommen. Arbeiter-Saaulriter-KölsAne Berlin. Grschäft-tteve: ZI. 24, Große Hom- duner Str. 20. Telephon Norden 3840 Abt. Sleulolln: Milgliederversam». lung Montag, 2. Januar, ISZö Uhr, bei Lempc, Prine-Handiern-Str. 70. Arbeitervereia s»r Biochemie and Lebenseesoral. Bezirksversammlung Ritt- moch, 4. Januar, 20 Uhr, d«t»alsleben,«apenhagener Str. 4«. Inventur- !»IZlUI Verko u f Nonlai An Ltistungr so fioAt *'ie der Brodi/n im Hnr% für Gardinen u. Teppidie: Bernhard Sdiwarlz Q s, los % 7? V' i. f 3n allen, Abteilungen: � XblUjptulige Räumung älterer Muster/ darunter hochwertige Qualitäfetv zl-welt unter Anschaffimppms Ut dt*»UganUtf* XTtdwhaUtmg i Jtyttunisch h*w*gt wird*r Odeon-, Partophon- und Columbia'Tanzplatten Erhältlidt t»*llt* offisUHt» VtrkaufttUlUn Ut Undttrim Ka Odton- Musik. Haut C.m.b.H, BtrUn Wt, Ltipjift tu Pari ophen Haut, Er,(in NW 7, Priedrithtlrats* 91, Columbia. 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Um ein schnelles Aus- und Einsteigen zu erreichen, sind die Wogenfußböden so tief wie möglich gelegt, und außerdem die Bahnsteige erhöht worden, damit die Wagen ohne Stufen betteten werden können. In Zeiten schwächeren Verkehrs müssen die ,Bgll- züge rasch in Halb- und Viertelzüge zerlegt werden können. Die neuen.Stadtbahnwagev erhalten deshalb«in« selbsttätige Mittel- pufferkuppelung, die sich durch das Zusammenschieben zweier Wagen schließt und die von außen gelöst werden kann, ohne daß ein Rangierer zwischen die Wagen tritt. Beim Anfahren setzt der Mhrer den Wagen durch einfaches Drücken auf einen Knopf, den sogenannten „I o t m a n» s k o p f" in Gang, wobei der Scholworgang selbst- tätig durch die Steuerungsapparat« bewirkt wird. Läßt der Führer diesen Druckknopf, der während der Fahrt ständig heruntergedrückt werden muß, los, so schaltet sich der Strom selbsttätig aus und der Zug wird zum Halten gebracht. Ein« solche Umstellung vom Dampf- betrieb aus den elektrischen läßt sich nicht in wenigen Tagen oder Wochen vollziehen. Die im Intereste des Verkehrs liegende mög- lichst reibungslose Ablösung des Dampfbetriebes durch den elektrischen wird vielmehr viele Monate erfordern. Voraussichtlich werden Ende des Jahres 1928 folgende Strecken der Stadt-, Ring- und Vorortbahnen in den elektrischen Betrieb umgestellt fein: die Stadtbahn vom Schlesischen Bahnhof bis Charlotten bürg mit den anschließenden Borortstrecken nach Spandau, Wannsee, 7Ss �Zeuient. OKoman vo» Fjodor Gladkow. Gljeb drängte sich vor, schob die Masten auseinander, konnte aber schwer aus dem Gedränge herauskommen. Die Menschen brüllten, stießen sich aus einer Stelle herum, fuchtelten mit den Armen und stampften mit den Füßen auf dem Beton. „Tschumalow, hooochheben!... heeeben!... Tschu- malow." Sawtschut stieß Gljeb mit aller Wucht mit seiner Faust. heulte wie verrückt und sah ihn durch die kühle Feuchtigkeit seiner Augen an. �, „Du Ungeheuer, du... Gljeb!.... Laß auch die Böttcherei in Betrieb setzen.... So halte ich's nicht aus! ... Ich werde sie prügeln... dies Gesindel!" Gljeb schwenkte seinen Helm über dem Kopf. „Gromada, wo ist Gromada?... Stoßt ihn her, Brüder.... So... komm, fahren wir. Gromada!" Gljeb fuhr nicht in den Volkswirtschaftsrat, sondern stieg vor der Türe des Exekutivkomitees aus dem Wagen. Auf der Treppe, im zweiten Stock, mußte er Gromada fest unter den Arm stützen. Und Gromada keuchte, erstickte fast und glotzte vor Erschöpfung mit seinen Augen. „Pfui, bist eine krepierte Henne, du Tölpel!... Für einen Feldzug— taugst du nicht viel.... Halt! Schöps Atem ruh dich aus zum Kampf." „Du weißt doch, Genosse Tschumalow, wie ich bin, wenn mir der Atem vergeht, aber jenen Spezen gebe ich noch vierzig Punkte vor/.,,. „Ha. Berge werden wir umwälzen, zum Teufel noch einmal..., Stimmt schon.... Bist halb krepiert, aber schießen kannst du— wie ein Maschinengewehr. Und kaum hatte der zottige Alte Gljeb bemerkt, als er die Tür öffnete und sich mit seinem Stuhl zur Seite schob. Badjin war nicht allein: bei ihm saßen Schramm, Tschibis und Dascha. Sie sah ihn an und ihre Augen wurden groß vor Staunen, und eine Unruhe und Freude strömten ihm in breiter Welle au« ihren Blicken entgegen. Aber es war nicht Freude, die Gljeb in ihren Augen sah. etwas anderes war in ihnen, etwas, was er nie früher gesehen hatte, das tief war wie ein Seufzer und das fein Herz schmerzhaft oerbrühte. Badjin sah in stirnrunzelnd zerstreut an und schaute dann wieder auf den Tisch, auf die Papiere, in denen er mit seinen haarigen Händen herumwühlte: er hörte Schramm zu. Tschibis faß wie immer. Man wußte nicht, langweilt er sich ausruhend oder denkt er über etwas Persönliches, nur ihn Angehendes nach, das er niemandem laut sagen kann. Wozu ist Dascha hier?.l'a— bei Badjin. Ist ihr Scherz, den sie damals lächelnd über das gemeinsame Bett mit Badjin in der Kosakensiedlung gemacht hatte— Wahrheit gewesen? War es— oder war es nicht? Warum sind ihre Augen so düster und warum sind neue, eigentümliche Wellen in dieler Düsternis? Ihre Augen find trocken, rund, wie von Hitze verbrannt, wie im Fieber. Wieder ist ihre Seele — wie ein tiefer Brunnen, und sie ist ebenso unzugänglich für ihn— wie das Wasser eines tiefen Brunnens. Und zum erst-n Male ainaen die vergessenen Worte Motjas wie ein Stoß durch fein Herz: kein gemeinsames Leben werden ihre Seelen haben, kein gemeinsames Nest, kein gemeinsames— warmes Bett. Er trat zu Dascha. sie blieb ruhig sitzen, sah ihn nicht mehr an und war wie fremd. Schramm saß in unmenschlicher Ruhe vor Badjin und sprach mit dumpfer Grammvphonstimme:..... und es ist nicht meine Schuld. Badjin. daß in der Forstverwaltung Mißbräuche geschehen sind. Ich habe pünktlich die Inspektion der leitenden Organe ausgeführt. Warum hat die RKJ. damals nichts Unnormales bemerkt und warum haben sie jetzt ganze Massen von Akten über Kriminalfälle angehäuft. Der Apparat des Bolkswirtschaftsratss ist mustergültig und die Arbeit funktioniert glänzend. Und plötzlich stellte sich heraus das wäre keine Arbeit— sondern fast durchweg nur Kriminalverbrechen. Ich verstehe das nicht und fordere genaue Prüfung." Badjin sah ihn mit der ganzen Schwere seiner Augen, die tief unter seiner mächtigen Stirne lagen, an. „Du verstehst das nicht... es ist klar... daß du das nicht verstehst.... Der Apparat des Volkswirtschaftsrates ist musteraültig. das Schema w'rd wunderbar durchgeführt Und weil cher Apparat mustergültig war. war er eben das beste Versteck für alle möglichen Verbrechen. Du hast die ganze Arbeit einem Element in die Hände gelegt, das uns fremd und feindlich ist. Du konntest durch einen muster- gültigen Apparat nicht die ununterbrochenen Plünderungen der Forstoerwaltung sehen, hast nicht gesehen, daß die Arbeiter ohne Brot waren, ohne Kleidung, ohne Wertzeuge, daß die Agenten offen auf Rechnung des Staates spekuliert haben. Du verstehst und siehst nicht, daß vor deiner Nase alle möglichen Gaunergeschäfte gemacht werden, mit dem Zwecke, sich des Volksvermögens zu bemächtigen... wie zum Beispiel die unlängst erfolgte Verpachtung der Leder- fabrik an ihren früheren Besitzer. Du verstehst und siehst es nicht, daß zum Beispiel in einer deiner Abteilungen ein ganzer Plan ausgearbeitet wurde, um die Konzession des Zementwerkes aus den Händen des Staates zu reißen, um sie den früheren Aktionären zu übergeben. Du verstehst und stehst das nicht, und ich— ich sehe darin die schwerste ökonomische Gegen- revolution. Schramm blieb In seiner unmenschlichen Gespanntheit ganz ruhig. Nur seine Augen wurden trübe und feine Stimme hatte einen Sprung vor Müdigkeit. „In den angeführten Fällen konnte ich mich nur nach den Ansichten der Sachverständigen richten, die mit Zahlen in den Händen mir die Unmöglichkeit der Ausbeutung des Werkes in den nächsten zehn Iahren bewiesen haben. Das ganze Material in dieser Sache ist in die Zentrale abgegangen. Ich hatte kein Recht, diese Frage der Wirtschaftskonferenz zu überlassen. Die Sache der Lederfabrik wurde in bejahendem Sinne im Exekutivkomitee gelöst. Badjins breite Zähne blitzten und er wechselte einen Blick mit Tschibis. „Ich weiß, daß die Frage im Exekutivkomitee gelöst wurde. Dort hatte man von den falschen Daten und den unterschobenen Personen keine Ahnung. Darüber werden wir in der heutigen Sitzung des Präsidiums sprechen." Er nahm ein Papier vom Tisch und durchflog es rasch mit den Augen. „Nimm das. Genossin Tschumalowa. Geh sofort in den Kommunalwirtschaftsrat: heute noch soll man den Befehl erteilen, daß die drei Häuser freizumachen und sofort als Kinder- und Mutterbsime einzurichten sind. Dascha lief zum Tisch, sah weder Badjin noch Glseb an, aber Gljeb bemerkte nur eine Sekunde lang ein trunkenes Fünkchen in Badi'ns Augen. Gljeb biß die Zähne zusammen. daß es in seinen Ohren krachte. „Genosse Badjin!" „Ah. der Held der roten Fahne auf der Wirtschaftsfront. Run, berichte über deinen Ruhmesfeldzug" Und er lächelte Gljeb freundschaftlich an. (Fortsetzung folgt.) Potsdam. Stahnsdorf, sowi« m umqekehn« Zkichtunq noch Aouk». dors. Erkner. Grünau mit der Abzweigtim, nach öpindlersfeld, ferner das Verbindungsstück Vaumfchulcnweg— Neukölln, und endlich der Ring. Man wird also von Erkner bis Potsdam, von Spandau-West bis Kaulsdorf und innerhalb der Stadt- und Ringbahn in elektrisch angetriebenen Zügen fahren. Do die Nordstrecken vom Stettiner Vorortbahnhof nach Velten. Oranienburg und Bernau und die Vor» ortsttecke vom Potsdamer Bahnhof nach Lichterfelde. Oft bereit» elektrisiert sind, ist mit der Inbetriebnahme der oben genannten Strecken die Umstellung des Dampfbetriebes in den elektrischen Be- trieb im Berliner Vorortverkehr zum großen Teil vollzogen Diese Umstellung hotte auch eine Reihe von Umbauten im Gefolge, die alten Berliner Verkehrswünschea entsprechen Von Spandau wird ein« besondere Vorortlinie nach Char- l o t t e n b u r g geführt, wodurch die Ferngleis« Spandau-Eharlotten- bürg von den Vorortglersen getrennt werden. Diese Trennung wird «inen dichteren Verkehr auf der Vorortstrecke von Spandau nach Charloitenburg ermöglichen, da der Vorortfahrplan unabhängig von dem Fahrplan der Fernzüge wird. An dem Kreuzungspunkt der Ringgleise mit den Gleisen der Strecke Grunewald— Char- lottenburg ersteht ein neuer Umsteigebahnhos, dessen Eröffnung'm Herbst des Jahres l S28 zu erwarten ist. Dieser.,U m st e i g e b a h n- h o s W e st" ermöglicht es, daß Fahrgäste aus der Richtung Womtsee- Grunewald und aus der Richtung Spandau auf kürzerem Wege als bisher auf den Nord, oder Südring übergehen können und somit die jetzigen Umwege über Bahnhof Charlottenburg wegfallen. Für die ebenfalls im Jahre 1928 zu erwartende Bebauung des Ausstellungs- geländes am Funkturm wird der Umsteigebahnhof West der nächst- gelegene Bahnhof sein. Für einen bequemen Uebergang auf den Vorplatz des Umsteigebahnhofs ist vorgesorgt. Der Bahnsteig der Ringgleise liegt nämlich hoch, die beiden Bahnsteige der Vorortstrecke Spandau und der Vorortstrecke von Wannsee-Grunewald hingegen tief. Sollten die Erwartungen, die Reichsbahn und Stadt Berlin auf die Verkehrsentwicklung des Bahnhofs West setzen, es erfordern, so kann für die Ringbahn noch ein zwetter Bahnsteig neben dem Kurzeit im Vau befindlichen Bahnsteig angelegt werden, obwohl dieser letzt schon für die Abwicklung eines Masienoerkehrs geeignet erscheint. Paßtragödien. Oos Fremdenamt vor dem Einzelrichter. Zwischen den Staaten stehen nnmer noch Pahbarrleren. Deutschland schützt sich m seiner Arbeitslosigkeit durch Einreise- erschwermige» gegen Zuwanderung. Verlin aber bildet nach wie vor den Anziehungspunkt für die östlichen Nachbarn. Das Fremden- omt im Polizeiprösidium geht gegen Paßvergehen scharf vor: es läßt die Sünder oerhaften und bringt sie vor den Einzelrichter. Nicht festen bergen unbedeutende Paßübertretungen jedoch Tragödien in sich. Oer russische Emigrant. Vor dem Einzelrichier steht ein Sechsundfechzigjähriger. Fr spricht gebrochen deutsch und trägt einen russischen Namen— sein« Mutter war eine deutsche Adlige. Er spricht sonst noch französisch, italienisch. russisch und polnisch. Durch einen polnischen Dolmetscher macht er sich dem Gericht verständlich. Er hatte in Italien Arbeil, fuhr nach Danzig, um sich hier mit seinem Bruder zu treffen. Was diesen hinderte nach Danzig zu kommen, bleibt unaufgeklärt. Der Emi- grant wartete aber vier Monate vergeblich, sein italienisches Visum ging zu Ende. Er nahm deshalb ein deutsches Durchreisevisum und kam nach Berlin. Hier konnte er nicht mehr weiter. Zur Weiter- reite fehlte ihm das Geld: auch mochte ihm das italienisch« Konsulat Schwierigkesten, mit der Einreiseerlaubnis. Er bekam ein« Stellung bei einer russischen Tec-Importfirma. arbeitet« hier vier Monate, bis er wegen Paßübertretung verhaftet wurde. Anklagever- treter, ein junger Referendar, sagt: Jeder deutsche Bürger hat An- fpruch darauf, daß die Poßverfehlungen bestraft werden; Deutschland müsse aus sozialpolitischen Gründen, wegen der herrschenden großen Arbeitslosigkeit, sich vor Einwanderung schützen. Allerdings fei der Angeklagte staatenlos. Deshalb beantrage er nur ein« Wach« Gefängnis. Der Emigrant bittet um ein« Geldstrafe, da er ja verdiene und im Falle der Gefängnisstrafe sein« Stellung verlieren würde.„Nein," sagt der Richter,„bei der erheblichen' Fristüber- schrestunq ist dos nicht möglich." Ob er ausgewiesen werden würde? „Wahrscheinlich," antwortet der Richter.„Er habe dock) ober keine Staatsangehörigkeit," erwidert der Emigrant, er stehe ganz ver- einsam! da.— Das Urteil aber lautet auf sieben Tage Gefängnis. Sein« Existenz ist wahrscheinlich vernichtet! Deutscher oder pole. Der Schuhinocher Blischowski hat die Reifefristen über- schritten. Er ist im Jahr« 1887 in Deutfch-Polen geboren, hat vor dem Kriege in Steglitz gearbeitet und sechs Jahre als Soldat gedient. Noch dem Kriege arbeitete er in Belgien: die Optionsfristen hat er nicht beachtet. Als er in Posen bei seinen Ätern zu Desuch war, erhielt er einen polnischen Patz Noch Belgien zurückgekehrt, fand er keine Arbeit. Er ging wieder auf kurz« Zest nach Posen, ließ sich hier vom deutschen Konsulat ein deutsches Durchreisevisum nach Belgien geben und nahm in Sieglitz Arbeil an, obgleich er für Deutschland kein« Aufenthaltserfaubni» befaß. Fr verteidigt sich, so gut er kann.„Ich habe m Deutschland beim Gardetrain gedient, habe für Deutschland gekämpft, bin Deutscher, wußte nicht, daß ich für Deutschland besonder» optieren mußt«, habe vor dem Krieg in Steglitz gearbeitet." Der Anklagevertreter plädiert: Der Angeklagt« habe genau gewußt, daß er sich in Deutschland nicht aufhalten durfte. Strafmildernd komme in Betracht, daß er früher Deutscher gewesen sei, daß ihm die Optionsbedingungen unbekannt gewesen seien, daß er im Kriege für Deutschland gekämpft habe. Deshalb beantrage er nur eine Woche Gefängnis.— Da, Gericht verurteilte den Mann zu fünf Tagen Gefönanl». Er fragt, ob er die Strafe nicht bezahlen könne.—„Nein. Er könne aber Berufung einlegen, wenn er will.„Dann lege ich Berufung «in. Kann ich aber während der Zeit noch hierbleiben?"„Nein"— d. h. er würbe— im Fall« daß er Berufung einlegen sollte— in Hast bleiben. Der Angeklagte kleinlaut:„Dann nehme ich die Straf« an."— Der Mann empfindet sicherlich die formal« Gerechtig- feit als Unrecht. Er hat für Deutfchalnd gegen Belgien gekämpft. Deutschland weist ihn aus, Belgien gib ihm Arbeit. Diese Tatsachen beherrschen sein Denken. Er empfindet den Undank des ehemaligen Vaterlandes und die deutsche Republik hat einen Freund weniger. Ein aller Leser de»„vorwärl»". Am Z. Januar feiert der Tischler Gustav Hensch zu Berlin, Beteranenstr. 25, seinen 8 0. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische. Seit Bestehen des..Vorwärts" ist Genosse Hensch u n- unterbrochen Leser unsere» Blatte». Am letzten Tag des Jahres. Selbstmord an der Jahreswende./ Orei schwere Explosionen. Am letzten Tage des Jahres verzeichnet die Lokalchronik Nieder zahlreiche Fälle, in denen Lebensmüde ihr Dasein freiwillig be- endeten. Bei einigen ist es glücklicherweis« nur bei einem Versuch geblieben. Auf dem Treppenflur des Hinterhauses Lychener Str. 5 bemerkten Mieter gestern nachmittag einen starken Gasgeruch, der aus der Wohming de« Schuhmachers A ß m a n n drang. Polizei und Feuerwehr verschafften sich Einlaß tn die Wohnung und fanden in dem völlig mit Gas erfüllten Schlafzimmer die 33jährige Frau des Schuhmachers und deren vier Monate altes Kind bewußtlos auf. Wiederbelebungs- versuche blieben leider ohne Erfolg. Die Leichen wurden be- schlagnahmt.— In einem Sanatorium in Nikolassee wuide die 4llährige Margarete K. tuts der Birken st raße in Verlin am Bettpfoften mit einem Leibriemen«r- hängt aufgefunden. Das Motiv ztir Tat ist vermutlich Geistesgestörthsit.— In der elterlichen Wohnung in der Knesebeck- st rohe 83 in Chariottenburg wurde gestern nachmittag der 22jährrge Student Wolfgang Tag von den heimkehrenden Estern im Wohnzimmer erhängt aufgefunden. Die Gründe, die den jungen Menschen zu dem Derzweiflimgsschritt Anlaß gegeben haben, sind noch unbekannt.— Auf dieselbe Art mochte um 17 Uhr der äksährige Pfleger Paul Schmidt aus der K ö p e n i ck e r Straße 9a feinem Leben ein Ende. Er mietet« in einem Hotel in der Friedrickstraße ein Zimmer auf unbestimmte Zeit. Da er sich dort während des ganzen Tages nicht sehen ließ, schöpfte man Verdacht und ließ die Tür gewaltsam öfinen. Sch hatte sich an einem Kleiderhaken erhängt. Auch in diesem Fall« ist das Motiv der Tat völlig ungeklärt.— In einem Zimmer der elterlichen Wohnung in der Georgenkirchftraße wurde die 22jährige Studentin Lotte R. durch Gas vergiftet bewußtlos ausgefunden. Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr waren von Erfolg. doch mußt« das Mädchen in das Krankenhau» am Fried- r i ch s h a! n übergeführt werden Ob ein Selbstmordversuch od« Unglücksfall vorliegt, tonnt« noch nicht sestgestelst werden « In einem Sei fe n a e f ch ä f t in der Koppenstr. 93 ereignet« sich gestern abend eine folgenschwere Explosion von Feuerwerks- korpern Durch den starten Luftdruck wurde die Laden- einrichtnng schwer beschädigt und die Schau- fensterscheibe zertrümmert. Menschen sinb zum Glück nicht zu Schaden gekommen Die Feuerwehr löschte den enlsion- denen Brand nach kurzer Zeit.— Eine andere schwere Explosion. bei der glücklicherweise ebenfalls nur erheblicher Snch- schaden angerichtet wurde, rief die Feuerwehr gestern abend nach der Ackerstr. 167. Aus bisher noch ungeklärter Ursach« explo- dierten beim Fülle» achtzig Luftballons, die etwa 600 Liter Leucht- gas enthiellen. Der Luftdruck war so stark, daß mehrere Wände einstürzten. Türen uud Fenster hinausgedrückt wurden Die in dem Raum Beschäftigten kamen wie durch ein Wunder mit dem Schrecken davon. Um 19 Uhr wurde die Feuerwehr nach der M em ele r Ecke Königsberger Straße gerufen, wo in einem Papierwaren» laden größers Mengen Feuerwertskörper explodiert waren Der Ladeninhaber konnte sich gerade noch mit Müh« und Not aus dem brennenden Raum retten Als die Feuerwehr mit drei Lösch« zügcn an der Unglücksstätte eintraf, brannte der Laden in seiner ganzen Ausdehnung. Durch starkes Wassergeben konnten die Flammen auf ihren Herd beschränkt werden Der Schaden ist sehr erheblich.— Des weiteren muht« die Feuerwehr in den gestrigen Abendstunden wiederholt auf den Alarm.Weihnachtsbaum- b r a n d",„Gasvergiftung" usw. ausrücken Die Hilferuf« gingen bis in die späte Nacht hinein Ununterbrochen rasselt« in der Hauptfeuerwache in der Linden st raße das Telephon Bis zum Redaktionsschluß ist es jedoch, soweit bekannt wurde, zu schweren Unglücksfällen nicht gekommen Oer Zuchthäusler erzählt. „Stiehlst du was, bist du versorgt!" vor dem Einzelrichter steht ein Rückfallsdieb, ein Zuchthäusler. „Zum Bergnügen habe ich nicht gestohlen Aber Sie werden mir nichts glauben! Was soll ich da lange erzählen? Urteilen Sie mich bester schnell ab." Der Richter will ober trotzdem wisten, warum der Sechsunbzwanzigjährige 12 Paar Handschuhe bei Wert- heim genommen hat. Wie er, der eben erst das Zuchthaus verlast«» hatte, dazu sich entschließen tonnte. Der Zuchchäusler erzählt.— Ob er die Wahrheit spricht, weiß man natürlich nicht. Er will acht Tage nach Verlassen des Zucht- häufe; auf einem Walzwerk Arbeit gefunden haben 1t Tage später sei sein Zeug kaputt gewesen Da sei er aus das Wohlfahrts- amt gegangen und habe um einen Arbeitsanzug gebeten. Er fei abgewiesen worden Und da habe er die Arbeit links liegen losten. Aus Rot habe« dann gestohlen Seine Eliern seien tot, seine wohlhabenden Verwandten wollten von ihm nichts wisten, obgleich der Pfarrer aus dem Ziichthaufe an sie gejchriebm Hab«. Der Staatsanwalt meint:„Also, Sie behaupten, daß Sie mildernde Umstände verdienen."„Ich bitte nicht um mildernd« Umstände: Hobe ich was ausgesresscn, so muß ich eben bestraft werden"„Ja, das Gesetz verpflichtet aber, festzustellen, ob mil- dernde Umstände vorliegen. Sie behaupten also, in Not gehandelt zu haben?" JSa.'„Und dann glauben Sie, daß für Sie die Ver- führung zu berücksichtigen sei, die in der Anhäufung der Waren liegt?"„Nein ich bin extra hingegangen, um etwas zu stehlen. Ich habe mir gesagt, st ie hl st du was, so bist du versorgt." Der jung« Relerendar will für den Angeklagten mildernde Um- stände gelten lassen. Er beantragt 5 Monate Gekängnis. Der Vorsitzende fragt den Angeklagten, ob«r noch etwas.zu sagen habe. „Ja, ein bißchen zu viel, Herr Richter," meint er nun, obgleich er eben erklärt hatte, um mildernde Umstände nicht bitten zu wollen. Das Urteil lautet auf 5 Monate Gefängnis. Der Verurteilte bittet, ihn sobald als möglich nach Plötzensee überzuführen, damit er dort sein Handwerk ausüben kann. Die Gerechtigkeit erfordert eine Bemerkung grundsätzlich« Nawr. Etwa vor l'A Iahren wurde im.Vorwärts" bemängelt, daß die in diesem Fall« in Be- trocht kommenden Einzelrichier und Staatsanwälte mit außer- ordentlich« Schnelligkeit die Sachen«ledigen, ohne auf die Per- sönllchkeit der Angeklagten«inzugehen. Es soll deshalb mit Ge- nugtuung festgestellt w»den. daß in dies« Hinsicht eine Besterunz eingetreten ist,_ 541 Hotels in Berlin. D« Berliner Fremdenverkehr, der im Jahre 1927 zum erstenmal die Lortriegszisfern übertrifft, bildet für V«lin und die Berliner Bevölkerung einen Erwerbssaklor von nicht zu unterschätzend« Bedeutung. In welchem Maße die Reich»- Hauptstadt für die Fremdenindustrie gerüstet ist, geht am deutlichsten au» der Zahl d« in Berlin vorhandenen Hotel» und G a st h ö f e hervor. Nach den neuesten Zusammenstellungen sind im Berliner Gast-undSchankwirtsgewerbe s�nschließlich Hotel«) insgesanit 19 478 Betriebt vorhanden, in denen 6 3 62 8 Personen beschäftigt werden. Den größten Anteil nehmen die Gast, und Speisewirtschaften mit Ausschank alkoholischer Getränke ein, die mit 11 494 Betrieben(59 Proz.) und 40 737 beschäftigten Pnsonen oertreten sind; es folgen Pensionen und Heime mit 6535 Betrieben(33,5 Proz.) und 8581 Personen, Gasthöfe(Hotels) mit 541 Betrieben und 7718 Personen, Kaiseehäus«(512 Beiriebe, 4908 Personen), Mittaystische und alkoholfreie Wirtschaften(367 B?- triebe mit 930 Personen) und schließlich 29 Kabarett- und Variete- betriebe mit 754 beschäftigten Personen. Bon den 5 4 1 in Berlin vorhandenen Gasthöfen einschl. Hotels sind allein im Bereiche der sechs Innenbezirke 447 vor- handen. Aehnlich oerhält es sich mit den Pensionen und Fremdenheimen: von den 6635 Betrieben befinden sich 2883 oder 44,2 Proz. im eigentlichen Alt-Berlin. Von den 512 Kaffeehäusern liegen 285 oder 55,6 Proz. in den Mittelbezirken: ebenso ist der größte Teil der Kabarett- und Barieiöbet riebe(18 von 29 Bettieben) mit Ausschank alkoholisch« Getränke im Bezirk Mitte— im Gebiet der Friedrich- stadt— anzittrefsen. Oie Entwicklung der„Volksfürsorge�. Am 30. Dezemb« fand in Berlin ein« Funktionär- sitzung der Volksfürsorge, gewerkschoftlich-genostenschaft- liche Versicherung A.-G.. Rechnungsstelle I Berlin, statt. Da die Funktionäre bei ihrer Werbearbeit verschiedentlich aus die Ansicht gestoßen waren, daß die deutsch« Währung nicht genügend gefestigt sei, hiett es die Rechnungsstelle für notwendig, hierüb« Aufklärung geben zu lasten. D« Direktor d« Arbetterbank, Genosse Bern Meyer, hatte das Referat über da, Thema: „Volksfürsorge. Währungssragen und Aufwertung" übernommen. Leider war d« Getroste Meyer durch eine Halsertrantung nicht hierzu in der Lag«. An feiner Stelle gab Genast« Paul Ufer- mann den anwesenden Funktionären die selbstverständliche, be- ruhigende Aufklärung. Ueb« die Entwicklung der Rechnang, stelle? Berlin tm laufenden Jahre gab der R«chnunq»sühr«. Genoste Kloß, ausführlich Bericht. Hieraus ist zu entnehmen, daß die Volksfürsorge in allen ihren Teilen ftn verflostcnen Jahre eine günstige Entwicklung zu nehmen vermochte. Während im Jahre 1926 nur 8410 Anttäge eingingen, ist dieser Neuzugong im Jahre 1927 auf 14 986 angewachsen. Die Leistungen der Rechnunasstelle Berlin sind ab« auckr au» d« Summe«sickttlich, die für S te r b e f ä l l e zur Auszahlung gelangt«. Dies» betrug 45 995 M. Ferner wurden in der Rechmmgssteve Berlin 1927 für die„Eigenhilfe", Feuer, und Einbruchsdiebstahl- Versicherung, 5982 Feu«- und 2337 Einbnichsdiebstahl- Versicherungen aboeschlosien. Fern« witchen 47 532 Rt. Feuerschäden und 15 498 Mk. Einbruchsschöden reguliert. Diese Leistungen zeigen deutlich, daß die valksfürforge in der Rechrningsstellc Berlin im abgelaufenen Jahre gut zu arbeiten vermochte. Dies geht aber auch daraus hervor, daß im Laufe des Jahres insgesamt 309 Instruktion»- und Referenten- Versammlungen abgehalten wurden. Auch der Briefoerkehr von 30 921 Stücken legt für die Tätigkeit der Rechmingsstelle Zeugnis ab. Der Rechnungsführ« nahm die Gelegenhett wahr, den Vertrauensleuten für ihre ehrenamtliche Tätigkeit zu danken, vergaß aber nicht zu erwähnen, daß in Berlin noch große Ausdehnungemöglichkeiten vorhanden sind und alle« daran gesetzt werden muß, im neuen Jahre noch ein bester«, Ergebnis zu erreichen. Es entspann sich eine rege Aussprach«, in die auch der Revisor, Genosi« Bruno Müller, eimriff und den Funktionären verschiedene Aufklärungen über die Ausgestaltung der Gesell- schaft oab. Wie cm» diesem Bericht hervorgeht, kann dl« Bolksslftsorge mit dem abgelaufenen Jahre zufrieden sein. Dennoch möchten auch wir an die Arbeiterbevölkerung B«lm» die dringende Mabming richten, sich der Versicherima--Unternehmungen d« Arbeiterschaft noch mehr zu bedienen als bisher med den Funktionären ibre schmierige Arbeit zu erleichtern. Versicherunoen der Arbeiter. Angestellten und Beamten dienen nicht dem Prioatkapital, sondern der Arbeiterschaft selbst. » Genoste Bruno Müller bittet nn» gkelchzeMg zur Ver- meidung von M!ßv«ständnisten um ein« Berichtigung zu unserer Darstellung in Nr. 614 des.Vorwärts". Er ho« nichi, was sinnwidrig wäre, vor Volksversichenmgen überhaupt ge- warnt, sondern mir vor dem Abschluß von Dolksversicherungen bei privatkapitalistischen Versicherungsgesellschaften. NngSltig werdende Postwertzeichen. Folgende Postwertzeichen verlieren mit Ablauf des Monats Januar 1928 ihr« Gültigtett zum Freimachen von Postsendungen: a) die Zifferwertzeichen(Ausgabe 1923) zu 3, 5. 10, 20 und 50 Pk.; b) die Stephan marken zu 10 und 20 Pf., c) die Nhetnlandwsrlzeichen zu 5, 10 und 20 Pf. Wertzeichen die!« Art, die bis Ende Januar nicht haben aufgebraucht werden können, dürfen in der Zeit vom 1. bis 15. Februar bei den Postanfialten gegen andere Postwettzeichen umgetauscht werden. Schnarchende Zeitgenossen. Oer Nachtwächter Oefefett •fxrr Liekefett mar wohldestallt»r Nachtwächter. 6«n Wahl» fpruch war: �Die Nacht ist mcht zum Bummeln, st« ist zum Schlafen da". Donach handelt« er. Wenn er abends feinen„Dienst" antrat, wohlliusgerüftet mft Reooloer, Säbel und Signal- pfeife, so suchte er sich schnellstens ein weiches Plätzchen au», möglichst in der Nähe des geheizten Osens, streckte sich in den Sesiel, alle Viere von sich, und schlief den Schlaf des Gerechten. Er hoffte. die Einbrecher durch sein lautes Schnarchen zu verscheuchen. Nun ist aber leider bekannt, daß selbst der Frömmste nicht in Frieden schlafen kann, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. Der döse Nachbar war in diesem Falle der Chef des Hause», der häufig de» Abends seinen Nachtwächter kontrollierte und chm bittere Vorwürfe ob des gesunden Schlafes machte. Eines Abends fand der Chef den Hüter seines Vermögens wieder schlafend an und weckte ihn ziemlich unsanft auf. Der Nachtwächter, der gerade im ersten Schlummer lag, der ja immer der beste ist, fühlte sich jäh au» seinen süßen Träumen aufgeschreckt und mit bitteren Vorwürfen über- höuit. Ausgehend von dem Grundsatz, daß derjenige, der schläft, nicht sündigt, fühlt« er sich schuldfrei und griff in seiner Wut zum Revolver. Mit Hilfe diese« Instrumentes brachte er dann auch bald seinen Widersacher zum Schweigen und veranlahte chn zu einem strategischen Rückzug. Herr Liekefett hatte wieder Ruhe und gab sich erneut Morpheus in die Arme. Am anderen Tage spielte der Chef den Gekränkten. Er nahm seinem treuen Nacht- Wächter Revolver und Säbel ob und setzte den so seiner Würde ent- kleideten Herrn Liekefett ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist auf die Straße. Herr Liekefett war damit nicht einverstanden. Er ging outs Arbeitsgericht. Und hier stellte sich herau». daß der be- klcat« Chef ain Tag« nicht so leicht zu einem Rückzug zu bewegen war wie in jener Nacht, al» ihm Herr Liekefett den geladenen Revolver unter die Nase hielt,«llerding» fand der Chef Unter» pützung bei den Richtern, die Herrn Liekefett mit feinen Ansprüchen abwiesen, da sie der Ansicht waren, daß ein Nachtwächter tat- sächlich des Nachts wachen müsse. Oer Klavierspieler. Herr Wuchtig übt« seinen Berus al» Klaviers t�eier fcho« fange Aett in einem kleinen verschwiegenen Cafä aus. Manchmal ist Verschwiegenheil so gut. Aber in diseem Falle war da» kleine Lokal denn doch zu verschwiegen, denn t* kam selten jemand hin. Ab und zu verlief sich einmal e« Gast in dies« gastsoeundlich» Stätte, ober dann wandt« sich der Gast mtt Grausen. Er ging und nieinal» kehrt er wieder. Der Lokaliirhaber wundert« sich, aber wußte nicht, woran da» liegen könnte. Außerdem hatte«r wenig Zeit zum Verwundern, weil er sich dauernd ärgern«mißt«. Nämlich über seinen Klavierspieler. Der brütete ost den ganzen Abend über großen Slnsonien, wie er seinem Ches sagte, und da er sich mehr aus diese Arbeit konzentriert«, konnte er natürlich fehr wenig spielen. Das lenkte zu sehr ab. Ein« Weile hatte der Lokolbesitzer Ehrfurcht vor dem Schaffensdrang de» anderen, aber da er eigentlich nie nn, Förderung dieser Arbeit sah. sondern nur ein stille» Hinbrüten mit geschlossenen Augen, wurde er doch argwöhnisch. Und da an dem betreffenden Abend tatsächkch ein Gast kam und man zu seiner Unterhaltung etwa» beitragen mußte, ging er leise aus den Zebenspißen zu seinem de» onndeien Klavierspieler, um ihn sonst seiner Schafsen»v!sion z» entreißen. Do merkt« er, daß sein ZklavierspieWr fest»nd lief eingeschlafen war. Er weckt« chn barsch, und Herr Wuchtig hieb nun m die Tasten. Dabei machte er seinem Namen all« Ehr«, der Gast fragte den Wirt, woher er denn diese» unmöglich« Klo vi erphänomen Hab«. Di« Spielerei könne ja kein Mensch au». haiton. Bon da ab beargwöhnt« der Inhaber de» Lokal» sein«« Angestellte« etwa» mehr«nd fand chn oft in Schlaf ixt senkt. Herr Wuchtig stritt es zwar ab und nannte es mir ein Konzen- trieren auf etwa» andere». Die Verwarnung de» Chef» fruchtete zunächst. Einige Tage führte Herr Wuchtig ein« ohrenbetäubende Musik au». Aber er war ein Mensch der sein« Ruh« haben muß, auch wenn er arbeitet. Und eine» schönen Tage« war er wieder einmal so s«sl eingeschtasen, daß chn der Win erst nach wuchtigem Anschlagen der Laßtaslen wecken konnte. Unter dieser Begleiterscheinung wurde Herr Wuchtig fristlos entlasten. Do man aber ein« Stellung, m der man sich s« schön ausruhen kann, nur ungern ausgibt. Nagte er beim Arbeitsgericht auf Wieder- einstellung. Der beklagte Wirt führte überzeugeich an, daß er Herrn Wuchttg schließlich nicht für«inen guten Ruheposten bezahlt b« und daß jetzt, wo ein anderer Klavierspieler bei chm«ngagiert i. sein Geschäft viel einträglicher geworden wäre. Straßenunfall mit tödlichem Au«gang er- « an der Ecke Schöneberger User und Flotiwell- El« schwerer eignet« sich gestern straß«. Hier wurde der ZIsäHrige Arbeiter Walter T s ch i ck« au« der Rostocker Straße lO, der auf seinem Rad« fuhr, von einem Lastkraftwagen ersaßt und überfahren. Der verunglückte erlitt lebensgefährlich« Verletzungen. Er wurde in bedenklichem Zustande in da» Elisabeth- Krankenhaus gebracht, wo er einige Zeit noch seiner Cinlieferung starb. Der 5llm dem Volke. Di« neueste Volt, Wochenschau zeigt unter anderem'interesiante Aiifnahmen von der Neugestaltung der Reichswehrunisonn, Bilder von Naturkatastrophen in Amerika und Rußland: ferner eigenartig« Maßnahmen Musiolini» gegen die italienische valutanot, viel Neue» au» dem Reiche der Technik, sowie Amüsante» zum Jahresschluß. Der Film läuft täglich i« der städtischen Iugendbühne in Lichtenberg, Holteistraße 7/9. Folgen der Schneestürme in England. Lebeusmlttelaot in den eingeschneiten Oörfern. Conboo, SL Dezember. .W-svninster«ojrtte* zufolge müsse» dt» Lebensmittel. und Brenn st»fsoorrät« zahlreicher eingeschneiter Dörfer jetzt fast erschipst sein. E» werde« groß« Anstrengungen unter- Nammen, um mit den Dörfern aus drahtlosem und aus dem Lustweg Verbindungen auszunehmen. Unter Mittvirku de» Inner«, da» den Notzustand anertanm de» Ministerium» t, und de» Lust- Ministerium»«erden von der Hellsanne« zur Verfügung gestellte Lebensmittel aus Militärflugzeugen nach den abgeschnittenen Dörfern gebracht werden. Ein Flugzeug mit Vorräten wird über Surreg und Kent fliegen und auf Notsignale achten. Ist» britische Sforndfunl aesellschost hat ein« Mitteilung verbreitet, w de« die Dorsdemodner, die lnsolge de» Schnee» an Le mittet» Mangel leiben, ausge» fordert werden, noch dem Flugz Dichau zu halte« and sich durch Zeichen auf dem Schnee demeribat- machen. Da, Flugzeug orird an den st» bezeichneten Stellen in Säcke» Lebensmittelvorräte abwerfe«. OaS vereiste Kattegat. Dfe Bereifung de» Kattegott nimmt, wie an» Kope«» a g«» gemeidet wird, immer größer« Ausmaße an. E» desteht die dem F Gefahr, daß mehrere ost jütische Häsen bei anhaltendem Frost die Schiffahrt einstelle» müssen. Im Limsiord mußt« der Schiffsverkehr bereit» vollständig eingestellt werden. An der fchwedl. scheu Kattegattküst« sind die Eisoerhältnisi« außerordentlich bedrohlich, so daß der Verkehr mit Gotendurg gefährdet er- scheint. Auch im Sund mußten dt« Feuerfchisf« und Leuchtbosen eingezogen werden. Die Eisbrecher find üderall in Tätlgteit. Drei Züge zusammengestoßen. Eio ungewöhnliches Eisenbahnunglück. Chikago, Zt. Dezember. hier ereignete sich heule infolge eine» Schneesturme»«tu ungewöhnliche» Lahnunglück, nämlich ein Zusammenstoß von drei Personenzüge« der Ehikago-and-Allon-Eisenbahn. Dabei wurde« 25 Personen verletzt. Der Unfall entstand dadurch daß ein personenzag zur lvasierausnahm« hielt, der nachfolgende Zug dicht dahinler hall mochte, ein drttter Zug in de», weisen hineinfuhr und diesen ln den vordersten Zug hineinstieß. Folgenschwerer Flugzeugabsturz iu Marseille. pari», ZI. Dezember. Heut« vormittag stürzte über dem Flugplatz von Marseille ein neue» zweimotorige» Wasierfiugzeug, da» dort erprobt werden sollt«, au» disher unbekannten Ursachen au» 400 Meter Höhe ab. Di« gnsasien, der Flugzeugführer, der Beobachter, ein Funker und zwei Mechamker, fanden dabei den Tod. Es handelt sich um einen der Apparat«, die zunächst für den Verkehr Marseille- Algier und später sür«ine zu errichtende Lustoerkehrslini« Frank- reich— Südamerika bestimmt sind. Eine Minute unter»000 Bolt. Ein sonderbares Unglück, da» einen Beitrag zu der Behauptung liefert, daß der menschlich« Körper sehr hohe elektrische Spannungen ausholten kann, ereignete sich letzter Tag« in C h! e j ch bei Karlsbad, wo ein Elektrotechniter im Transfornialorenhause die Drosselspule untersuchen sollte. Er rutscht« au» und berührte mit einem Finger die Leitung, mit dem Ellbogen einen Eisenträger. lä■"......."" gebr< Blut und die nasien Muskeln erziett wurde, ging von Sekund« zu Sofort schoß Bewußtsein, könnt« aber rannt, und infolge de« g. m der Strom durch den Körper nicht loskommen. desieren Echlusies, der durch das fließende Der Mann blieb bei loskommen. Di« Haut war durch- Sekunde ein Immer stärkerer Strom durch den Körper, der auf dies« Art eine Spannung von fast ZOOO Bolt aushalten mußte. Al» der Strom stark gemig war, schmolz aber die Sicherung, und der Man« war frei. Freilich erlitt er erhebliche Verbrennungen am Finger und Ellbogen, doch werden dies« Wunden zu heilen sein. 24 Studenten unter einer Lawine begraben. ToNo.»1. Dezember. vi« au« Kagon» berichtet wird, wurden im Gebirg« nördlich diefer Elodt 28 Studenten von einer Lawine überrascht. V i« r u n d- zwanzig, die unter de« Echneemasien begroben blieben, dürsten um» Leben gekommen fein. IS Probefahrt de» hapagdampser».Höchst". Am 2S. Dezember nd dt« Piovesohrt de» b«l der Flensdurger SchifibaugefkUschaft ür den Austroloienst der Hamburg— Amerika-Linie gebauten 0800 Brutlareglsterlonnen großen Dampfer» .Höchst" statt. Die Stadl Höchst stiftet« zur Ausschmückung der Mefs« ihm Potenschisfe« einig« Bilder und ein künstlerisch au». h über die Geschichte der Stadl. Di« Probesohrt nahm geführte. Buch einen durchou» Hamburg— Amerlb einen durchou» besriebigenden verlaus. Da» Schiii wurde van der lko-Lim« übernommen. ■«ltebertchl der äffeoMche» VeNerdieoslstelle Seeria m>» Umgegend "----- J JHtberstliläge, iNachdr.»»ib.).' Slublfle# Ii übe« Wetter ohne wesentliche Temperaturen nah« dem Gestierpuntt.— Zür ventichlan»- Im Westen etwa« milder mit leichten Riedel lchlägen, im üb, igen Deutschland noch leichter dl» müßigen Frost, ohne wesenllich« Riedeis hläge. NsmamiB ■�r v't.v..«;.■■, t■••«/£■ ./ 1.-.■ .'.'-i-M'■.■*/> /•'■stiSv.VlV' / \'.' iife I>• K-i''■> ? .V t.> *t' �: V \ I \ Anderuncu Zusendung Umtausch ausgeschlossen WÄhrend dieser Veranstoffunö gelangen Resfbestinde und einzelne Fenster Künstler- und Madras-Gardinen, Stores, Bettdecken, sowie durch Dekoration leicht angestaubte Waren besonders billig zum Verkauf! Besinn: 2. Hanuar A&ch&lach&c, �axdiiVzn-JaßuAtuti Ortsinai-Verkauf in unseren eigenen Verkaufsstellen: n VeSSot&«sb., G. m. b. ff. MO 43, Neue W, Wlimered orter Itrag�e 46, Lieke Sehtllemr. IdkdoeberS, Heoptsir. 40, Eck« UtUblnastr. S W, Dello AlÜancC'Str. 6» Eck« T«ltow«r Str S, Or aalenstreb« 57, nah« Orani«npt&U. A, Kottbas»er Oacnm 65,(Ncakölla, nahe fiermannplalsj. C, Roeemfbalcr Ztr. t, RoMatbaior Tor. N, BcbOnhawser Allee 65,«ab« Hocb> bahOBtatiou Nord ring. O, Cbrofyc Frankfarier Ztr. 5—6, Eck« Frachtrttra&e O, Nieder bar nimsirab« t5» Cok« Box. bagener Straße Ob Faul-SLager-Str. 25, gegeattb. d. Marktk. ßeqfnn Hontag 2.Jaa V�hrend unseres Invenlun Ausverkaufs geben wir außei» dem auf alle regulären W/aren eine Exlra-Ermaßiqunq von�iAq� KÖNNEN aTORING ALCX AND BP/TR. 12 ROSBNTH ALCRSTR. 53 TURMXTR.BOa* BRUNN BN/TR. 126 LAND/BBRGBR ALLEE IbS WIBNBRJ-TR.II• BOXHAGENER/TR30 FRANKFURTER ALLEE 223 NEUKÖLLN BBRG/TR. 65 FRIBDRICH/HAGBH PRIEDR1CH/TR.76 QfifiB/CMÖKEWElDK WlLHBiMlKEIUI0F/TE22 Nr.-t» 45. Jahrgang 4� ��6<��01*10(11��5 Sonntag, 4. Januar �92» mtfCK Januar. 11.: Befffmt des Bormat-Prozefses. End«...? Mitte Januar: Grippeepidemie m Berlin.— 13.: Genosse Haß zum Dorsleher der Berliner Stadtoerordnetenversammluna gewählt.— 13.: Feststellung eines gemeinsamen Selbstmordes dreier junger Mädchen im Müggel- fee.— 18.: Im Sechstagerennen im Berliner Sportpalast werden Tonani-Lorenz Sieger.— 19.: Großfeuer in der AEG. Brunnen straße.— 20.: Stadtverornetenoersammlung beschließt den Unter. grundbahnbau nach Lichtenberg.— 29.: Beginn der Grünen Woche am Kaiserdamm. Februar. 5.: Die Stadtverordnetenversammlung befäließt, Hochbahn, Straßenbahn und Autobus einheitlich zusammenzulassen.— 7.: Der Heizer Wilhelm Buchholz tötet im Heizkeller der Gemeindeschule in der Straße 4?.(Nähe Gesundbrunnen) seine Frau.— 8.: Einführung des Zehnminutenverkehrs bei der Stadt- und»Rinabahn.— Der Friseur Josef Kall in der Böttgcstr. 1 tötet Hve Gehillin, die geschiedene Frau Hosfmann.— 9.: Der Derwaltungsrat der Reilbs- post beschließt die neue Fernsprechgebührenordnung— 13.: Die Hnusa»gestellte Magarete Käeding wird vor dem Hause Smbnitz- straße 55 in Pankow ermordet aufgefunden.— 16.: Großer Wasserrohrbruch zwischen Tegel und Charlottenburg.— 17.: v. Äaehne>r. wird wegen Körperverletzung und Nötigung zu 200 M. Geldstrafe verurteilt.— 18.: 25 Jahre Berliner Hoch, und Untergrundbahn.— 19.: Der Bierkutscher Wilhelm Wessel wird' aus der Chaussee zwischen Joachimsthal und Eberswalde ermordet. Der Täter Adolf Köpke wird am 22. Februar verhaftet.— 24.; Beginn des Prozesses gegen Landgerichtsdirektor Jürgens und Frau. Sie stehen unter Anklage des Meineides und Betruges. Jürgens wird frei- gesprochen, seine Frau zu Gefängnis verurteilt.— 25.: Im Hause Mitnzstr. 9 wird die Familie des Händlers Paul Schulz, insgesamt fünf Personen, durch Gas vergiftet aufgefunden.— Der Kafsen- bote Bernhard Hammermeister wird bei Potsdam ermordet auf- geftmden.— 28.: Kundgebung des republikanischen Berlin zum Gedächtnis Fritz Eberls. Marz. 1.: Der Berliner Polizeipräsident genehmigt den Umsteige- verkehr zwischen Straßenbahn und Hochbahn.— 4.: Das Kabel Emden— Azoren— New Park wird in Betrieb genommen. 13.: Todes- stürz des bekannten Fliegers Ungewitter.— 15.: Der Berliner Einheitstarif zwischen Untergrundbahn, Hochhahn, Straßenbahn und Aboag tritt in Kraft.— 22.: Im Hause Swinemünder Str. 69 wirb der Eisenbahnorbeiter Kurt Wollenberg mit seiner Wirt- schafterin und drei Kindern durch Gas vergiftet tot aufgefunden.— Im letzten Drittel des März mehrfache Zusammenstöße zwischen Polizei. Kommunisten und Nationalsozialisten.— 26.: Feiern anläßlich des 100. Todestages Beethovens.— 28.: Feststellung eines Frauenmordes bei Schildhorn. Di« Ermordete, die vollkommen zerstückelt war, wurde als die Hausangestellt« Frida Ahrendt er- könnt.— 30.: Beginn des Internationalen Frauentages.— Ende März konnte die Arbetterwohlfahrt auf«ine achtjährige Wirksam- keit zurückblicken. April. 1.: Die gesetzliche Miete wird auf 110 Proz. der Friedensmiete festgesetzt.— 8.; Der lOjährige Karl Ernst Möller wird wegen drei- fachen Mordes und versuchten Raubes zu der für Jugendliche höchst zulässigen Straf« von 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte am 12. Oktober 1926 den 75 Jahre alten Sekretär Joses Dobrindt, dessen Frau und deren 42 Jahre alte Tochter getötet.— Die Hoch- bahn geht endgültig in den Besitz der Stadt Berlin über.— 9.: Explosion im Haiise Wanzlickstr. 6 zu Neukölln. Für das Haus besteht Einsturzgesahr, vier Personen werden verletzt.— 10.: Be- zirkspaneitag der Berliner Sozialdemokratie.— 14.: Große Äund- gelmng der Partei in der„Reuen Welt", Hasenheide, gegen„Doich- stoßlegende und Justizmord".— 16.: Eröffnung der Ausstellung „Das Wochenende".— 22.; Schweres Eisenbahnunglück bei Gera. Ein Toter, 12 Verletzte.— 24.: Bezirksparteitag der Brandenburger Parleiorganisation. Mai. Slnfang Mai: lleberschwemmiingskaiastrophen im Mississippi- gebiet.— Die französischen Flieger Nungesser und Coli steigen zu ihrem mißglückten Ozeanflug in Lc Bourget bei Paris auf.— 14.: Eröffnung des Großkrastwerks Klingenberg.— 15.: Reichsbahn- und-post führen die 24-Stundenzeit ein.— 18.; Folgen- schwerc Straßcnbahnkalastrophe in Kassel, neun Tot« elf Schwer- verletzte.— 21.: Ozeanslieger Lindbergh landet nach 34stündigem ununterbrochenen Flug« in Paris.— 22.: Beginn des sozialdemokratischen Parteiwoes in Kiel.— 25.: Eröffnung des Müggelsee- tunnels.— 27.; Die Todesstrafe der Leistrder Attentäter«Schlesinger und Weber wird in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt.— 30.; Schweres Straßenbahnunglück in der Rathenower und Perle- berger Straße. Juni. 1.: Cröfsmmg des Bahndammes zwischen dem Festtand und Sylt.— Eisenbahnunglück zwischen Savygniplatz und Zoo.— Ein Personenzug überfährt Streckenarbeiter, zwei Tote, zwei Per- letzte.— 2.; Schwere Wirbelsturmkatastrophen in Holland, Un- wetterschäden in Norddeutschland.— 4.; Chamberlin steigt zu seinem Ozeonsluge nach Berlin auf; Lindbergh kehrt mit dem Kreuzer„Memphis" zurück.— 7.: Chamberlin landet in Berlin.— 10.: Rathenaus Schloß und Park in Freienwalde weiden von seinen Erben zu einer vom Kreise Obexbornim zu verwaltenden öffentlichen Stiftung gemacht.— 13: Der bekonnte Schweizer Fernslieger Mittelholzcr in Berlin gelandet.— 16.: Schwerer Autobusunfall in Schöneberg. Sieben Personen schwer. 18 leicht oerletzt.— 17.: Frau Kolomak, die Verfasserin des bekannten Buches„Vom Leben getötet", wird in Bremen zu acht Monaten Gefängnis verurteilt.— 29.: Sonnenfinsternis.— Der Uebcrflicger des Nordpols, Byrd, zum Ozeanflug nach Berlin gestartet. Juli. 1.: Fünszigjähnges Jubiläum des Patentamtes.— Byrd landet bei Vers-sur-Mer im Kanal.— Byrd und seine drei Begleiter gerettet.— Bei Bauarbeiten unter dem Stadtbahnbogen im Map werden zahlreiche Skelette gesunden.— 2.: Lustmord in einem Hotel der Rosenthaler Straße. Die Ermordete wird als die 25 Jahre alte Elsa Arndt aus der Alexandrinenstraße sestgestelll.— Der Reichsbannermann Tietze, der in Arensdors erschossen wurde. wird in Erkner unter großer Beteiligung feierlich beigesetzt.— Zweifaches Todesurteil gegen den Mörder Böttcher.— 6.: David Strasser wird wegen Ermordung seiner Frau und seines Sohnes zweimal zum Tode verurteilt. Gleichzeitig aber bescfcloß das Gericht einstimmig, beim Staatsministerium die Begnadigung des Berurteilten zu beantragen.— Schweres Eisenbahnunglück auf der Harzquerbahn, 9 Tote.— 8.: Welterkatastrophe in der Sächsischen Schweiz. Nahezu 200 Tote.— Schwere Unwetter über Deutsch- land.(77 Brücken, 30 Häuser zerstört.)— 12.; Der Lustmord vom Arnswalder Platz wird nach 2'A Jahren aufgeklärt, der Täter, ein 28 Jahre alter Former Aisrod Oppenkowski, legt ein Geständnis ab.— 17.: Die Untergrundbahnhöse Boddinstraße, Schönleinstraße und Hermonnplatz werden in Betrieb genommen.— Mitte Juli: Mehr als zweitausend Kinder aus allen Teilen Deutschlands werden von der Arbeitsgemeinschaft der Kinde rfreund« und vom Haupt- ausschuß der Arbeiterwohliahrt in der Kinderrepublik Seekarnp in 150 Zelten für mehrere Wochen untergebracht.— 19.: In dem Dorfe Bugk bei Storkow wird die 60jährige Frau des Gemeinde- vorsteliers Laurich ermordet. Als Täler wird am 20. Juli der 25 Jahre alte Kutscher Otto Philipp oerhastet.— 20.: Als Opfer des Swhlhelmüben alles auf das Reichsbanner in Arensdorf erliegt Genosse Richard Wollanck aus Erkner seinen Verletzungen.— 22.: Der Flieger Fritz Mühlhahn stürzt bei Rudow denn Probeflug aus 1500 Meter Höhe ab.— 24: Beisetzung des in Arensdors ermordeten Wollanck m Erkner. August. 1.: Inkrafttreten der neuen erhöhten Postgebühren, die vom Reich»- postminifter Schätzele trotz eines gegenteiligen Beschlusies des Reichs. tages durchgesetzt wurden.— Der gesamte Ell- und Stückverkehr Berlins siedelt in den neuen Westhasen über.— 2.: Der Friseur Walter Dittmer ermordet im Hause Zionskirchstr. 39 seine Frau.--- 3.: Telephongespräch Berlin— Buenos Aires.— 5.: Die Junkers- Ozeanmaschine L. 33 bleibt 52 Stunden 23 Minuten in der Lust.— 15.; Start der Junkersslugzeuge„Bremen" und Europa": die „Europa" landet wegen schlechten Wetters bei Bremen. Di« „Bremen" kommt auf dem Atlantischen Ozean kurz nach dem Ber- Dunen.L«clt-Spaiigens. Juli den Frauenmord in Bugk bei StorlGo verübte, begeht Kellislnrord. 27,: Di« Amerikaner Brock und Schlee steigen in Habour Grace aus Neufundland nrit dem».Stolz ru>n Detrail." Kim Fluge nqp: Ldiidon gui, m sie am stsndc». Der Flug führt sie weiter über München— Belara d— Konsinntinopel— lualkutta nach Tokio, von dort kehrten sie mit einem Dayipfer nach Amerika zurück.— 31.: Das engst sci» Flugzeug„St. �Raphael' startet in Irland zu seinem rerungklpckten Ozegsiflug. An Bord befanden sich die Flieger Minchin und.Hamilton fowi« dix. Prinzessin Wertheim. Alle Insassen müssen als vgrloren gellen. September� 1.: Jnkrafstreten des verbilligten Bororttcrrües. 2.: Miß- glückter Ozeansluaversuch der sranzösischen Flieger Wven und Corpy. chie kehrten nach Paris zurück.— Die Erösinung der Gaoß-Bersiner Funkausstellung.— Z.: Der englische Flieger Sowstwi) startet mit einem Dornierwal in Plymouth zu eigsn Ozeaastug� Das un? günstig? Wetter zwingt ihn zu einer Notlandung in«panien.— l>.: Der Eindecker..Okd Glory" mit den Piloten Ajertaud und de Witt Hill verunglückte nacht achtz«hnstündig«m Flug« über dem Ozean.— Schwere Autobuskatastropbe an der Wihnersdorfer und 'siestalozzrstmße, SS Verletzte.— f.; Das kanadisch� gli�zzeug„Sir John Gavlin.g" verunglückt bei dem Versuch, von Neusutidland aus London zu erreichen.— 8.: Auf der Insel Iuift ermordet der Ingenieur Kurt Magr-Lori die Berlinerin Margcveie Stephan.— lö.: Der Mühkenbesilzer Emil Market wird in Glienicke, Kreis '.Äee-kow-Starkow. eunordei.— 18.: Eisenbahnunglück auf dem Bahnhof Eaputh-Geltow. 33 Verletzte.— 19.: Ranzig im Riebe- Kugellagerwerk.— 29.: Schweres Einsturzupalück beim Bahnhof Eharloilenburg, zwei Tote, drei Verletzte.— 22.: Schwere Flug- zeuokatastropbg bei Sckleitz, sechs Todesopfer, unter ihnen der deutsche Botschafter v. Maltzaip— 29.: Der Flugzeugkonsti-ukteur Wulf venniglückt mit der von ihm koustuuierten Ente bei Bremen. Oktober. Erhnhuim der Miete auf 129 Proz. dar Friedensmiete.— Sbiährigüs Bestehen der Borwärts-Duchdrucke�i.— 3.: Junkers- flugzeug D. 1230 startet nach den Azoren, wo es am 14. Oktober eintrifft.— 10.; Ruth Elders startet auf dem„American Girl" zum Flug? nach Paris. Sie mußte in der Nähe der Azoren not- lande». Das Flugzeug verbrannte: Ruth Elders und der Pilot Hgldsmann wurden von einem holländischen Dampfer gerettet.— 13.: Start des Heinkels Wasserslugzeuges nach den Azoren. Hart trifft es am 4. November ein.— 14.: D!« französischen Fkteger (Tafte und Lebrie starren in St. Louis-Seneaak zum Fluge über den Südatlamischsn Ozean und erreichen okücksich Port Natale in Brasilien.— 22.; Cröstnung der Großen Werkstofflckmu am Kaiser- damin.— 26.: Der italienische Auswandemdampier„Pnncipessa Mafalda" sinkt in der Nähe von Rio de Janeiro, 314 Todesopfer.— 29.: Der Heizer Buchholtz wird wegen Totschlags an seiner Frau zu zehn Jahren Zuchthaus venirteilt. November. 5.: Im Prozeß gegen Regierrmgsrat v. Heydehrcmd und der Lala wegen Ermordung seiner Frau wird die Anklage zurück- genommen.— 6.: Beginn der Werbewochc für die Panei.— Gemeinsainer Selbstmord der Komntunisten Willi Wuthe. Herbert Mchling uird Albert Haak in Köpenick.— 8.: Der Kaufmann Bruno Borchardt wegen Totschlags an ssiner Ebefrau zu drei Jahren sechs Monaten Gefängnis verurteilt.— 9.: De Wolf— van Kempen Sieger im Sechstaasrennen.— 19.: Der Mörder des Müllers Emil Merker in Glienick«, der Arbeiter Rcinholb Arndt aus Thomsdorf bei Glienicke verhastet.— 14.: Schwere Gastank- erplosion in Pittsburg(Amerikas. Zohlreiche Tot« und Verletzt«. Etwa 500 verletzte Obdachlose.— 15.; Untergang des Küsten. dampfcrs„Tukaran" bei Bombay. 118 Todesopfer.— 26: Beginn her sozialistischen Werbewoche.— 24.' Leichenskandal in Potsdam: Ein Weißenbergbruder versucht,«inen Toten durch heiße Packungen ins Pehen zurückzurufen. 25.: Dos Haus An der Fifcherbrsicke 13 stürzt ein.~r. SO.-: Raubmord an dem Gastwirt Rogowski, Grünauer Straße SS. Dezember. 1.; Eröffnung der Bildtelggraphi« zwischen Bcxlin und Wiem— ß.: O-Zug Wien— Berlin verunglückt; 26 Personen verletzt.— 8.: Totale Mondfinsternis.— 10: Eroßfeuer in der Tauentzien, straßc. Bier Feuerwehrleute verletzt.— 13.: In dem Riesen- nieineidsprozeß gegen Frau Ohierich und Genossin wurde' die Hauptangeklagte zu 41- Jahren Zuchthaus verurteilt.— Diphtherie- epidemis in den Berliner Schulen.— 15.; Die Mörder des Brauercibesitzers Frsydank in Brandenburg, Willi und Erich Schmidt, werden verhaftet. 16.: Die Berufungsperhandlung gegen Frau Kolomak in Bremen wilch vertagt.— 18.: U-Boot-Katastrophe in Amerika. Unterseeboot S. 4 mit 43 Mann Besatzung untergegangen.— 29.; Der neu« Deutschlandsender in Zeesen wird probeweise in Betrieb genommen.— Im Vorortzug Erkner— Grunewald wird die zwanzigjährig« Doro Perske kurz do.- der Station Friedrichs» Hagen überfallen. Der Täter Horst Kieback wurde am Heiligen Abend verhaftet.— 22.:(Bencffe üftolfenbuhr gestorben.— 27.: Die Tänzerin Lucie Kiesel hausen stirbt an den Folgen einer Benzin- explosion.— Schiffskatastrophe im Marmarameeri 40 Todesopfer. Ghegaiien vor dem Arbeiisgsnchi. Die Zeche bezahlt die Angestellte! Frau L. betreibt ein Dt a s f a g e i n st i t u t und beschäftigt giehme Masseusen. Von ihreiii Manne lebt sie getrennt. Die Scheidungsklage ist eingeleitet. Herr L. macht sich an die Masseusen de« Instituts heran, in der Absicht, von ihnen Nachteiliges über den Lebenswandel seiner Frau zu erfahren, was er iip Scheidungsprozeß gegen sie ausnützen könnte. Die Damen weichen ihm aus, sie wollen es nicht mit ihrer Arbeit- geberin verderben. Doch Herr L. läßt nicht locker. Er wiederholt seine Versuche. Schließlich gelingt es ihm, eine der jungen Damen, Fräulein G., für den gemeinsamen Besuch eines Enses zu gewinnen. Aus der anderen«veite ist auch Frau Ü. tm Ausstpbern von Material gegen ihre« Mann nicht müßig. Ein vail ihr angenommener Detektiv folgt den Spuren des Herrn Q. auf Schritt und Tritt. So konnte denn der Detcitiv seiner Auftraggeberin berichten. daß ihr Mann mit Fräulein E. ein Case besucht hatte. Zweimal sogar.— Entrüstet ob der verineiiuliche» Verräterei stellt Frau L, Fräulein G. zur Rede. Diese erklärt die Egfebesuche für eine Horm- lose Sache. See lmbe dem Drängen des Herrn L„ ein Cafe zu besuchen, nachgegeben, aber sonst sei nichts weiter passiert.— Doch Frau L., amPstachelt durch übenriebene Berichte ihres Detektivs und beeinslußt/durch ihre lebhafte Phantasie und ihr heftiges Tempe- rament, wirft. Fräulein G. vor, sie treib« sich mit ihrem Manne in Cafes heruu� bei dem Caföbesuch werde es ja nicht geblieben sein, was sie mit Herrn L. gemacht habe, das werde sie ja auch mit den Patienten dqs Wassageinstituts machen, Fräulein(8. sei eine Dirne.—'Das lieg sich Fräulein G. nicht gefallen. Kurzerhand packte sie ihste Sachen und verließ die Stellung, wozu sie sich für berichtigt hielt, weil sie durch Frau L. beleidigt wurde. Vor dem Arbeitsgericht klagte Fräulein G. aus Bezahlung des Gehfüts für den Kündigungsmonat. Eine andere Masseuse der Frau L. bepritigt als Zeugin, daß die beleidigende Aeuße- rung von Frqu L. totsächlich getan worden ist. Doch das Geischt will feststellen, ob die Aeuße rung aus Wahrheit beruht, also nirfch als Grund zum fristlosen Aufgeben der Arbeit gelten kann. Ägshalb wird Herr Q als Zeuge aufgerufen. Da er trotz der gegertseitigen erbitterten Feindschaft noch der rechtmäßige Ehe- mann der Beklagten ist, da'1lKDcm. ungesäumt reaul.V/ert bis 35," jetztMlJ, 50 1 Po$ten Boucle Läuferstoffe modSlreifen für Flur a Zimmer ggcnvbrt ggonftit Mcmvri; 2.85 3.75 510 2 statt ,190.-- Wr jetzt 29- 3mlr. d!- � 1 Posten Smyrnaläufen best-e mech Quaiiläl. besonders für Schiofzimme'-qeeiqner; OCTl 90/«-12Q- Jetzt mAQ stall 1 Posten hdnaqeknüpfre Smyrna-Teppichmuster ör. ca 150/150 regul Wert yt-fn bis 150.- jetzt Mk.� J 1 Posten Kokoslaüfer mod Slreifen für Flur aTreoaen 68cm. brt Htr. Mk 1 großer Posten MÖbelbeiUQSlOFfe allererste Qualitäten geeignet für eile Srilarten cd.130 cm.brt. statt �75-jQ50 und �00 jerz.t durchweg Mtr. Mk. � 1 Posten Vorwerk Divandecken 160*300 allerbesre Mohairwolle FISÖ z.T. mit kl. Schönheitsfehlern statt"JQ�. jetzt Mk.��* Iqroßer Posten DiVQnd©Ck0n moderne Muster la Mohair-Wolle z.T. mit kl. 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T, dSrft« nicht gwad, leicht fein, die politische« und sozialen Kämpfe, die sich um die Person der Maria Stuart gruppieren, und unter religiöser Verbrämung natürlich auch nur Klassenkämpfe sind, in einem Film darzustellen. Die Manuskriptverfasser diese« Films. Anton K u h und Friedrich F e h e r. haben sich die Sache erheblich erleichtert, indem sie ein Frauenlebcn zu gestalten vorgaben. Aber sie haben von ihrem Geschichtsstudium nicht genug vergessen, um einen wirklich packenden Film daraus erstehen zu lasten. Die Hand- lung ist immer noch überladen mit dem politischen und religiösen Beiwerk. Immer wieder werden Urkunden und Verträge in langen Texten vorgeführt. Die Schillersche Idealisierung und Sentimental!- sierung dieser blutbefleckten Königin wird freilich gründlich des- avouiert. Maria Stuart wird in ihrer ganzen sinnlichen Triebstärke vorgeführt. So gesellen sich zu den politischen Intrigen die Aben- teuer des Unterrocks. Wenn ein frühreifes Berlin-W.-W.-Mädchen zum Schluß meinte. Maria Stuart wäre eine Lulu im historischen Kostüm, so hatte sie nicht ganz unrecht. Fragt sich nur. ob die historische Maria nicht viel mehr dieser al» der Schillerschen Figur geähnelt hat. Doch der Film braucht sich so wenig wie das Drama an die historische Echtheit zu kehren, und wir wären schon zufrieden, wenn uns die Texwerfaster statt der gehäuften Geschichte mehr Ge- schichtseinblicke gegeben hätten. Da im Gegensatz zu Schiller die ganze Vorgeschichte der Maria in Schottland mit all den Bluttaten breit erzählt wird, kommt der zweite Teil, die Gesangensetzung in England, zu kurz. Die Gegnerin Morias. Elisabeth, die Vertreterin der vorgeschritteneren englischen Polittk, wird bewußt im Hintergrund gehalten. Dafür wird uns freilich auch der tränenselige Abschied der Maria erspart. Was der Film Neues und Eigenes bietet, ist außer der Aufdeckung des Lulu- charakters der Maria, die sehr stark im Männerverbrauch ist, eine kulturhistorisch interestante Schilderung des damaligen Schottland. das in seinen wüsten Zkumpanen manchmal nur zu sehr an unsere nationalen Fememörder von heute erinnert. Auch ein guter Witz wird serviert: die Abenteuer eines Geheimoertrages, der von Frank- reich nach Schottland und aus der Tasche des Geheimsekretär» auf den Kehrichthaufen, von dort in die Rettrade der Soldaten und schließlich in die Hände der englischen Richter wandert. Do der Film zu viel will, verzettelt er sich, und es gelingt dem Regisseur Feher trotz vieler guter Cinzelzüge nicht, Spannung und Interesse zu ton. zentrieren. Obwohl al» Oberster Kunstwart Leopold I e ß n e r über dem Ganzen schwebte und man auch manchmal seines Geiste, einen Hauch verspürt, weiß man doch nicht recht, was daran sein Werk ist. Magda Sonja(Mario) ist gewiß rassig(flawisch-rassig) und besttcht auch manchmal durch ihre eigenartige Schönheit, aber hin und her geworfen zwischen Politik und Leidenschaft und beider Opfer, läßt sie doch im ganzen tatt. so schmeichlerisch und verführerisch sie auch im einzelnen wtrkt. Lord Darnley, chr erster Liebhaber, wird von'Walter Jansen mit der zutreffenden Mischung von Brutalität und Iungenhaftigkeit gezeichnet. F e h« r selbst gibt den glatten gewandten Rieda, Franz Blei(au, der Literatur früher zum Theater und fetzt zum Film oerschlagen) charakterisiert den hageren. bleichen Vorkämpfer des Protestantismus. John Knox, ausgezeichnet. Nicht recht ausgenützt ist Fritz K o r t n e r als Eisenfrester Bothwell, imposant und kraftvoll markiert Artur Kraußneck den allen Norfolk. Richttg gekürzt, wird der Film als Gegengewicht gegen die Monarchischen und anderen Legenden wirken können. D. Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. ,Ocr Iazzkönig von New gorf.' (tt. T. Kurfürsien dämm.) Gegen eine Verurteilung auf Indizienbeweis einzutreten, ist «BHfl, überall, ganz besonders aber wohl in Amerika. Wenn aber ein Film sich kämpfend einer Sache annimmt, dann muh er einen festen Willen bekunden und getragen sein von dem Können de« Regisseurs und der Schauspieler. Dieser Iazzkömg von New Park fft wirklich völlig umsonst gedreht worden. Der Iazztönig steigt au» der Tiefe empor, verlobt sich mit einer Millionärin und wird beinahe zum Tode verurteilt, weil wahrend seiner Abwesenheit in seiner Wohnung eine hysterische Frau mit ihrem schießwütigen Geliebten Krach kriegt und dabei den Tod findet. Monuskripiverfaster und Regisseur schufen aus diesen Vorgängen einen Kientoppschmarren schlimmster Sorte. Luther Reed verstand sich weder aus Sttntmung noch auf Spannung, und was Filmschauspielkunft ist, scheint ihm auch gerade kein geläufiger Begriff zu sein. Mithin, e« ist ein Film, Sonntax. 1. Januar: »: Morsrcnfcicr. 11.39: Ptttmntlk. 14-30: OescUchta dar Poatweftteiekaa da dcauch« Clntelsualea. UU Welttuchichte i» Anekdotea. IUI: Pink- heiniclmaiu. 16.30; Unttrhaltoncsmusik. 19.05: Bilder au der Berliner Wohl- lahrtspfleee. 19.30: Der Lnltverkehr der Oceenwart. 20: Was wir' i» Afrika erlebten. 20.30: Nenjalus-Kabarett. 22.30: Tanzmulk. Montag. 2. Januar: 15.30: Der Sterahlpiat Im Menot Jaamr. 14: Medenw Anaeln Ittel- (celnnum. 16.30: Notrellea. 17; MaaikvortrSie. Danach: UnterhaltanesaMik. 19.06: Die Seele des Arbeiters. 19.30: Rechtsfragen des Taies. 19.55: Die Nationalhymnen der Volker. 20.30: Hermann Stebr. 21.30: Lieder. 22J0; Nacbtmnsik. Dienstag. Z. Januar: 12.30: Die VierteUtimde fBr dea Landwirt. IEJOi Toeknlsche Wochen- Plauderei. 16: Stunde mit Bflchern. 16.30: Bayerischer Humor von damals aud heute. 17: Llebertratuns au dem Hotel Eaptanade. 19315: WlMerarbeitea im Qarten. 19.30: Die Ricbtunjen der Poesie. 19.55: Das Leben der Erde»or dem Auftreten du Menschen. 20.30; Rezitationen— Musikvorträze. Mittwoch, i. Janaar: l&OO: Bahnbrechende Pranen. 14: Deutsche Pioniere der Netnrterschnaf. I4J0: JntendbOhne. 17: Unterhaltintsmisik. 19.30: Der EintlnB Dentseh- landt anl du Wiener Theater. 20: Du Seelenlebea der Jhteadlicbea. 20.30: Vortraf. 21: Masikai lache Unterbaltunf. 22.30: Tanrnnasik. Donnerstag, 8. Januar: 1230: Die Viertelstund««r dam Landwirt, tut; Natloealurirtaeheft chmt ad letzt 14: Erendsprachliche Vorträre: PranzOalach. 1430: Emil Prommel Zum Jahresabschluß brachte die Berliner Funkstunde ein höchst klägliches Programm heraus. Anna Kapp st eins Vortrag„Ein- kaufen* war eine Aufzählung von allerlei Selbstverständlichkeiten, die nicht einmal nach irgendwelchen Gesichtspunkten geordnet und in einer neuen Beleuchtung geboten wurden. Polizeimajor a. D. Georg S ch n a r k e begann seine Ausführungen über das„Silvester- treiben im allen Berlin" mit der interesianten, eingehend begründeten Feststellung, daß dos alle Jahr nun bald zu Ende sei. Für Zweifler wurde diese Tatsach« noch einmal eingehend am Schluß des Vor- träges dargelegt. Dazwischen erfuhr man, daß es in der Silvester» nacht immer viele Betrunkene gab, und welches Regiment zu Kaisers Zellen am Neujahrstag vor dem Schloß Dienst tat. Den„pikanten Beigeschmack" zu diesem faden Brei fand Herr Schnarke in zwei Reujahrsgratulattonen, in denen Friedrich II. nicht seinen sämtlichen Offizieren, sondern nur seinen guten Offizieren Glück wünschte.— Dr. B e c c e, der au» dunklen Gründen feine mangelnde Dirigenten- begabung noch immer im Berliner Rundfunk demonstrieren kann, gab am Nachmittag wieder ein aus allen musikalischen Töpfen zu- sammengesletztes Ragout. Der Abend brachte ein ähnliches Gericht in etwas anderer Aufmachung. Bruno Seidler. Winkl«?, der sich allmählich eine Art wirtlicher musitalischer Rundfuntkultur zugelegt hat, sollte seinen Namen für solche Geschmacklosigkeiten nicht hergeben. Te». »um 100. Qebvrtsttx» 17t Ungarische Musik. Danach UnterhaltungsmaMk. 19*05: Natürlicher ond künstlicher Kautschuk. 19.30; Was Reklame kostet und was sie nutzt. 20: Uebertragong Großes Schauspielhaas„Madame Pompadour4*, Operette von Leo Fall. Danach Tanzmusik* Freitag. 6. Januar: 1530: Zum 100. Oebartstaf«an Hermana Orimm. 14: Richtifes Sprechen — urirksame Rede. 16.30; Unterhaltanimaaik. 19.05; Italienisch. 19.30; Die Krankenversichernnc im Deutschen Reiche. 20: Die moderne Industrievirtschaft. 2038: Edvard Orief. 2230: Unterhaltnnfsmuik. Sonnabend. 7. Januar: 1230; Die Viertelstande ftr dea Lendvfrt. 15.30: Medlzlnlsch-hytienisehe Ptaaderel. 14: Wu will RriUk? 14.30: Plattdeutsches aus eleenen Werken. 17: Unterhaltunfsmuslk. 19.05: Der Radtahrwef durch Deutschland. 1930; Die Rohstoffe des Alltacs. 1935: Du indotennanischc Urvolk. 20.30: Krauses haben Theaterabend... Königswusterhausen. Sonntag. 1. Januar; Ab 9 Übt Uebertramf aas Bertha. Montag, 2. Januar: 14: Sprechtechnik. 1430; Devtache WhrtarMder. 17: Uebertrsnnc au Berlin. 10: Technischer Lehrnat fir Eaeharbelter. 1530; Engllsob für An- Unfer. 1035: Tazesfratea auf dem Oebiete der SchtfzuehL 1930: Phantastische and groteske Dich tun f. Ab 20: Dcbenrafunc aus Hamburg. 22: Uebertraguag aua Berlin. Dienstag. 3. Janaar: 14: Bernfsberatong. MJOt Wo deutsche Anekdote eis KuKuTSplegel. 17: Uebertragong aat Berlin. 10: Orundlagen dea technischen Zahlen- und Tabellen rhehneu. 18.30: Spanisch für Anfänger. 1035: Die Qeschichte des dent- tchea Liberalismus bis tnm Weltkriege. 1930: Die Oeschicbte der Zentrumspartei Ms znm Weltkriege. Ab 2030: Uebert ragung aus Berlin. Mittwoch. 4. Januar: 14: Amerika ha Spiegel tdaer Schulen. 1630; ElntOhrnng w du Ver- stOndais der Musik(Or ledermenn. 17: Uebertrsgoag tu Berlin. 18: Technischer Lehrgeng für Facharbeiter. 1030: PransOsisch für Anfänger. 18.55: Die Bilanz du Wirtschaftsjehreo 1927, 19.20: Leonard Nelson. Ab 20.30; Uebcr- tragnng au Berlin. Donnerstag, 8. Januar: 16: Himmelsbeobacfatnngen mit bleBem Ange. 1030: Aus der Qeschichte der Astronomie. 17: Uebertraznng au Berlin. 18: Carl Ferdinand Appnn, ein dentscher Forscher in Venezuela und Guayana. 1830: Spanisch fflr Fortgeschrittene. 18.55; Kalkznstand und Unkrautflora des Ackerbodens. 1930: Die neue Jugend im Roman.„Eekartstunde", Ab 20: Uebertragung aus Berlin. Freitag, i. Januar: 14: Gesundheitliche Getahroi de» siteenden Lebensweise. 16.30: Das Beek Im neuen Rußland. 17t Uebertragong au Leipzig. 18: Ans der Geschichte der Astronomie. 18.30: Englisch für Fortgeschrittene. 1835; Die BOrsenbilanz 1927. 1930; Wissenschaftücher Vortrag für A erste. Ab 20; Uebertragung aus Frankfurt. Ab 22: Uebertragong au Berlin. Sonnabend, 7. Januar: J. 16: Knrzschrlftdiktate. 1430: Reform der dfenstllcheo Ausbildung der Beamten. 17: Uebertragung ans Hamburg. 18: Amerikaaisinns und Arbeiterfrage ia Deutschlang. 1830: Französisch fflr Fongoschrittene. 18.55« Der geschichtliche Faust. 19.20: Die rorbachsche Zeit. Ab 20.30: Uebertragung aus Berlin. der m künstlerischer Hinsicht außerhalb jeder ernsten viskussions- Möglichkeit steht. Im Text wird viel von Anstand gefaselt, man sollt« in der Tat soviel Anstandsgefühl besitzen und dem Publikum nicht einen solchen Film zumuten.«. b. „Oie Stadt der 4000 Kreuden." (Smelka-palast.) Diese Stadt der 1000 Freuden ist ein Film voll schaurigster Kintoppromantik, mit einer Sterbeszene, die nahezu wie Silvester- allottia anmutet. Wir sind es ja schon gewohnt, daß die Filmindu- strie die Mutterliebe als höchst verlogene Gefühlsduselei verhökert. Und so mußt« diesmal ein Roman von A. B e n n e t t herhalten, damit„Das Geheimnis einer Mutler" nach altbewährter, aber nicht lobenswerter Methode als Filmmanuskript oerhackstückt wurde. Die Mutter, die ein verheimlichtes uneheliches Kind hat, heiratet einen reichen, blinden Mann, der ebenfalls, aber offiziell, ein Kind sein eigen nennt. Sie vertauscht die beiden Kinder und bringt dadurch den rechtmäßigen Erben um seinen Reichtum. Als der Geschädigte mll der Frau abrechnet, bekommt sie einen Schlaganfall, der sie vollends lähmt und ihr die Sprach« raubt. Aber in der Sterbe- szene geschehen Filmwunder. Die Gelähmte gewinnt Beweguiigs- Möglichkeit und Sprache wieder und stirbt dann großen Stils, wäh- rend sich an ihrem Totenbett drei Liebespaare finden. Das faßten sogar d i e Filmbesucher, die unentwegt für«in gutes Ende schwärmen, als Ulk auf. Technisch ist der Film— Gustave Preiß Ist für die Photo- graphie verantwortlich— sehr gut. Die Stadt der 1000 Freuden ist ein großer Vergnügungspark, in dem alle technischen Errungen- fchaften zu Belusttgungszwecken Verwendung finden. Der Rummel- platz ist ja nun wirklich keine neue Entdeckung für den Film, aber der Regisseur Carmine Gallon« sieht diesen Vergnügungspark ganz vorzüglich: Ebenso oersteht sich der Regisseur recht gut aus Massenszenen. Er nimmt aus leben Fall seine Arbeit ernst, und er kann etwas. Adele S a n d r o ck spielte in ihrer interessanten Art die Mutter: durch ihre Darstellungskunst rettete sie bei dieser Rolle, was überhaupt zu retten war. Paul Richter giänzte durch Aussehen, Können und Routine. Gleichsalls sah Claire R o m m e r gut aus, während man sich an Francis C u y l e r s Gesicht nur schwer gewöhnen kann, zumal es durch eine unglücklich« Ponyfrisur fast stirnlos erscheint. e. b. 'tOO�n|eit Fraitclc« AN K DIP DFHT.NCHFHÄUSFRAI!. Frrr;ss J;3 sicU�rJ 1 enuorLea kaLsa xiacl ela JakrkuaJerl*\Jaclurck. �uerkaiisa voa lllillionßa nausrnaueruaallsr fraueruaafl: rvvi vr �(eajmuSSoa epi ssia. Diefe :py� Ist Jie keutieje tuel jLerge\i Sonnng3b�T: Volisiandige j Vorstellung zu r leinen Preisen| Parkett 3.S0 IHk. | Theaterkasse unurterbr.gefiffr. j vkMttHM Norden 10334—37 8 U Ende 11 U. Zum IS. Male: Ocroftsz ßiicennann v. Gerh. Hauptmann «iy Max Rrinhardt Karcmcrspiele Norden 10334— 37 81', Uhr Ende nach 10 Uhr. RröiwExnreft Sie Koniüöie Bismarck 2414/751 f. S'(4U, Ende 10'/, U MevZM Mm Direktion KuhnciL hsrbhnutr.üO ZI.ZÄ/ii.M Uhr Mm Adalbert als Der Herr von... IMscätbrhliJine ■'bei!, ä. Itolltmlorlplat; Kurfürst 2001. 03 Anf. 8, Ende nach II flaspulin, dii Ramioows. dar Krieg gnd das Volk,: das gegen sie aufstand von Alexey Tolstoi| und Schtschegolew j msc. Erwin Piscaiut! Der erste Ächrüt im neuen Jahr: Ins Kunkhaus Sur?.»»- (Itllovt ta Dort „»BN» // Deutscher Rhein m Deutscher wein • Große Kunstausstellung Der gute billige Wein Vom Rhein zur Vpree Ss»dpeSimgsr»out w IS SllSero mU Gesang anü Tanz van Paula Losch Gesamtleitung Dr. Martin Zickel Die große frohe rheinische Stimmung Kapelle Melnharöt-»»»»' // eintritt einschließlich Tanz unö Steuer e Mark Di« SdzIuSadrrchmtnz de« am den Beteteden eninonim«nnt ffi«il)na<6tf marken findet nm Freitag, dem«. Zanuar ISA. im großen Saal. Schalter U Natt Der Schalter 1 im großen Saal Ifi nttt noch jeden Fretlag oon 4—7 Uhr geöfinel. «»wna- sawsserielMMliSre l mjTfim? iWLB V i Aar Bai\ wr DU Schlußabrechnung der m PALAS LUDW/G KLOPFER DER LEOPOLD J ESSNER FILM MI Nollendorf 7300. Heute Premieref u a. | zum«raten Male In Berlin$ Oer urkomisch« Ben Blue I Die hentarrag. Divina& Charles! j Disgefeiert.Tcmiß. LauriorfeVinel Oer neuartige Chris Chariten I sowie«eitere iuiemal. Künstler i | Heute 2 Vorsteüungenf " u. 0 Uhr— z" au ermäßigten Preisen da« game Programm. GroBes idtsusplelhaus I Karden 3951/53 Anfang 8 Uhr Ende 11 Uhr. Die neue € h a r e 1 1 1 Inszenierung BeldcninB Bande« Janhuhn Werkmeister Westefincler Plcha Ruth Walker Billie Coli ns Snowball Winkefstern SunshlneSIrls ▲.ueuttung. hat. Ernst Stern 35 Ernst Hauke jiose-71teater 4 Uhr: Ooldhärchens Bhnmeliiibrt 8'/. Uhr Crphsos i.d.OnMt Hasenheide 108-14 Inb, Arnold Scholz Sonntag, den 1. Januar 1928 Gr. IlpeilalE mmwsfmmmsmsEssxESB�EBBk 8 Kapellen— ZO bayrischc Madeln Einlaß 4 Uhr» Eintritt 1.— M. CASINO-THEATER 8 uurji Lothringer Str. 87 Nut noch wcni&e Aufführungen Klein» Kleckersdorf Aoudineiden i Gutschein 1—4 Pers. Eauieuil nur 1.10 M.. Sessel nur 1,40 M. Lnstspielhaaß »>/. Uhr Quldo Tbielscher Jeter Oesdiä'tsaiifsidif Metropol-Tb. Täglich 8'/. Uhr: Jie sdiüne Mm" Oper. v. Offenbach Dir.: Schillings Hat Pailenlwa. V.airt'i ü 'jtrrui, tuan! Orlnj Renaissance- Theater Steinplatz 901.— Täglich 8'/. Uhr Coeur Bube. Theater am Kottbusser Tor Kottbuaser StralSe 6. Täglich 8 U- u. Sonntagnehm, i U. Elite- Sänger Das fabelüatte, f&imüTiirograiinn Jeden Sonntag nachm. 3 Uhr: Vor7ie!ISilUk(Volles Programm) Volksprcise von 50 Pf. bis 1,75 Mk. 9 1 I »>«eVALTICI Htm f» M*U»GUW6r» 'iwrs AcQUint aJn,S$ ZaSuZr* äw*0%/+--- tt« P Z I G E R 3Tf»A«« ■_ M®ä.SJ MÜLLER «R&SSTES SPEZIALHAUS PUR KISDERKLEIOUHO Revidein-Theater TSgL«i,. Uhr: ßv SensatisniarfDlg I Scftön sehn wir aus 30 lästige Bilder mit Henry Bender Heule nehm)>/, v. die ganze Vorstellg. za halben Preisen Keichstialien.lhca.er 8 Uhr, Sonntg. nachm. 3 Uhr. Steitiner Sänger „Koites ülochenende" OönhoVi> BreU'l: Das Oberraschende ■�«fi Januar■ Programral �1' TANZ. HOFFNUNG Bekleidungsindustrie Ä B B ��31 G.m.b.H. Brunnensftraße 188-S©(am Rosenthaler Platz) Das Räisel von ivonnersreuih! Pllcffol Und dt*; gr, Neahriien. hallerI! I�ÄBlßVIJIsT«! � M�7/7/7 i,na wo" IKE&Tta IK«.D tlRV.SPAUST HEUTE Neujahrs- Sonntag 2 Vorstellungen 3 u. 81 ,Uhr Nachm. die ganze Vorst ia halbe.. Preisen 1 Auf vlelfaöiea Wans(h[ 1 Mittwoch, d. 4n urn A',« nachm.| Hallers Märdiea-Revuc? |„ftsc iienbrödei"ii Endßültig letzte Vor siel! üii'g. Wiiifcr-Paiclols ujasler in allen Größen und Preislagen Großes Lager inWinterjoppen zu billigsten Preisen = Herren-Anzüge= in bester Verarbeitung Sport-Bekleidung aller Art lituimituiiuuuuinimiuiituiiiunittmcnuiBtuuMttta�! tegante Maßanfertigung| UBtiiuumiiiiiiumiiiiainiiiiiiiiiiiiiiniiaitiiuiNinHiiNiiiiiniiinimiiiiiiiiiuiiiiiiiiimiiriiiiiuiiiiiiiiin fS�rrrnartliirl Hemden» Krawatten ll€il€ia«innci Hüte Stöcke Schirme DSV Berufskleidung für jeden Beruf inventurausverkauff I III U■ I Ii II I—II■■ I■■■■!— 1 1 IUI II Bl I■ 1 1hlllBIIIII Beginn am Z. Januar 1928 KOnstleHsche Leitung; LEOPOLD JESNNER Regle: FR- FEHER Magda Sonja als Maria. Urauftülirung VORSTELLUNGEN- 4,6,8,iOUHRi ir�' l�rrowOrv-Öühcr Th.Kßnigsrälz, Si Bergm. 21ia H'/, Uhr Sdiioss Wcttenfein von Wadekind Regie firtu Banmky Komödlcnhau» NJorden(S304. M 5— 1040 Uhr von Curf Oötz Thalia-Thealer 0.: Cas Kamel gellt tfoidi das RailelKhr Philharmonie Vi, Uhi KONZERT des Philharm. Orch. Oiri« Prof. J. Prüwer unt gell. Mihvirkg. v. F. Kleiner'Orgel) Waihalla-Th. Wcinbeigsweg 19,20 874 Uhr: die große Operette Wie Oq Mi keine Vorz. Park, statt 4,— auch Sonntag nur 8« PL Heute nachm. 4 Uhr Dornröschen Th. im Admlralspalast Tägl.S'hUhr flAlLER REVDE JfaaBDüflwB!' n Heute Sonntag L Vorstelle. 3Uhru.8'i,Uhr 5«iim. i* wn« V«- VdliiH ra ML P" t Mittwoch, den 4., nachm. 3', Uhr Märchen-Revue .AschcnhrOdel* Endgültig letze Vorstellung Planatarinni am Zod lolisz. Judiisslliln StrsJ« Noll. 1578 Im Beiehe der IIUenuehlssooDe Vorfühiungen: I4>/-. 18, 10',z.2I Uhr Eintritt I M. iftito ort. 15 lahm 0.50 8. CIRCDS BUSCH 7V2chr|an.'$€!isat DieschSneAndalnslerin Simon Litterer Soto-faito saek 6 SDlaa- Löwen Tom Delling«r'Sli'Ärcn, Saß und Redlich unt. d. C rcuskuppel Wllk», der einz. Russen tänzer auf dem Drahtseil Daniels, der erste seiner Art Carl Heß u. d. flbr. Circusprogramm Kor M yenige Tage Der bayr. H leset Clcnatog. 3 3onnot, nachm. 8 Ahr. Im Bcrhanbshaaa. Cicirnftr. 83,83. Zimmer 2t aap Konferenz Taaeeoednnng: L Berich! über die Verhandlung mit den Ardettgedera derr Lohn>»rberung 2. Dlsluifion Alle Betriebe müssen bestimmt arm treten sein_ ANNwoch. Oes 4. Bonnar 1928: Bezirks-VeriraDensmönDeikcEterenieD tn solgenben Lut-ten. L Bejitf:©eüas. Beißeitsee Lehdee Straße 122. nachm 4 Udr. 2., Schmidt» SeieÜschaftaha»», Frurtür SSa. nachm. 5 Uür, 3. Setpfe. Llchteuberg, Rron. prinsettstraße 47, nnchmiuaga b Uhr. 4.. Hecrmtmn. Stralauei Allee 47. nachm 5 Udr 8., SiooU>O»»retnsh-as,Etaltßer Straße>20. na-dm 5 Udr. 8., zhtbols,N»utSt>n,tzirn,ann- Elte Knesededstraße. nachm. b Übt. 7., EwaldsBereins-ans.Slantzer Straß« 1-6, nachm 5 Uhr. 8.. ts-merticha ts'-an«. Engel- uler 24 25. nachm. 5 Uhr. z,, RetUtng, Wafiertotstr. 7t, tmch- mitiags A-, Uhr, g findet Ipater statt. lä,..Alexandriner", Aiexan- drinenitraße 67a. nachmittag« 4'/. Uhr. Siosenthal, Schönederg, Eberestr SS. nachm 5 Uhr, Aorchmana, S 1 eg i ih Rhein- straße 4». nachm 5 Uhr, Relmer, Lhartollenburg. Wilmersoorser Straße 2 t. nachmittags b Uhr, PUz. Rostoder Straße 27, nach- mittags 5 Uhr, Derbandshaui, Sißungssaat, Ltnienstr Ä/85, nachm 5 Uhr, „Schraderhaus". Lteten» walder Straße 8336, nach» Mittag, 4>/z Uhr. Brusederg, Gerichtstraß» 7t. nachmtnaas 4 Uhr. Verbandshan-, stimmet 2». Linienstr. 83(85, abends 6 Übt, Berdandshana, Jugendheim. Linienstr 83.83. abends 0 Uhr. ZRend«, stoloniestr 147, nnch» IL Ii Ii 11 17. Ii. ti. 20. 2L Mit ag» 5 Ub-, Imberg Ob eelchlln» wetde, Wtlhel ninenbaistr 3L nach» mittags 4H, Uhr, Schulz. KSpenick, Bahn- ho'straße 34, nachm fl, Uhr. 23..«chlunte. Spandau. Brett». straß« 34. nachm. f/j Uhr. Aa»..Be»lrf: Verbaadshana, Sitzung» saal. Linienstraß« 8Z/W. nach- mittag» 4 Udr, St«M«»»»«,ir!»g-»«art»»-�. S'.emensstadt. nachm 4h, Uhr Taae»»edanng tn de» Beztete» 2 bis 23. I. Zahee-beeich! 2 Disknsfion. 3 Reitwahl der BeztrlSIettnng. stntrttt nnr gegen Borzetgnng de, DU» gliedsbuches und der Bertrauensmünm» egifimarionsia«« i0t da, Jahr 1928. Diese Karte ist am Tmgang de, Lsnsereo» saates erhiiUIich. Spielplan »nseree»uttnradteiiuaeO. Z».der Woche oom 2. bta 8. Hanna« 1983« 1. De» Schachspieler(Der««sangesrn einer AoUerin). 3 Masch in enschan Lew, lg 3 Trll. (Deutsche«erheugmaschw«». Zt» dustrie.) 3 Baterireudea. Ja der«och«»»»».«» 13. Samt* IKSt L Die letz tn Tage ügn Pompesi. 2 Au» der Tropeusotme w die ISesriermaschtn«. 3 Humoresfe. Zu der«»che vom t4.dt,Z2.Zotmae>82»! 1. Amerifa, da« Land der unbegrenzten Möglichfeilen(Hersteller H. billa. Berlin. Motzllr 5<.> 3 Elettrisches Ltchtdogenschweiße». 8. Hmnoresfe. Za der Woche tun»». bta 2». Januar: L Rordlandlahrer(Sersteller H Htller. Berlin. Motzste. 58). 3 Rundwn gerät. 3 Hygiene der Milch-ersorgnag. 3. Humoreske. DIW- Dazu tfir lede Barstestung die neueste Bochenlchau mtt einer Einlage. Anlrogen wegen Ueberlastung und Besuch der Abteilung find telephontsch oder schrtit- uch an da»" tu richten. Bureau. Äuimrabuilunj, Die Ort«actmallnnq. Oswald Wermuth und Frau SPEZlAL-SOrZOW-AU SSCHANK Frankfurter Allee 365 Ecke Friedenstraße wünscht allen Gästen, Freunden und Bekannten für 1928 ein Prosit Neujahr,.~ Oristtanlenkaffe d.SteiudruSer u. Lithographen z-Verlin Bekanntmachung. Roch ersoigtrr Reuwadl de» Ausschusse» hat dieser entiprecheud fi 39 der Kasten» iatzung und g.mäß ßß Z6— 27 der Dahlordnung die wayt der Vorstands,' it. glteder uorzuuehmen.— Es wird hierzu aui Donnerstag,»4» 18. Februar 1926» lo Uhr, im«cffenlotal, Berlin O 27, Schidlerstr 5 HL eine Ausschuß-Sitzung anberaumt, in welcher die Dahl de» Kastenoorftande» von 18'-,— igi/.uh, smnfindet. stu wählen sind: 5 Borstandsmitgtieder und 10 Sielloerlreier au» dem kr-iie der Ardeitgeber und lb Borstaud-mttgtiedrr und 20 Sielloertietei aus dem 3r.,se der Ders.chcrten.— Die Bad en find peh» M( gewäh» w:rs nach den Eru.'dstlren l der B rhäilniswadl nach näherer Bestimmung der Wahlordnung ! Wahlberechitgt find nur die Derireier der Arde'Igeder und die Berfitderten l im Austchuß Wählbar find alle deieiltgten Ardettgeder und Lerfichenen. jotern deren Wahioarkeu nicht durch die Bestimmungen de» z 73 der Kasteniagung ousge- '""> iiL wird hiermit zur Efinretchung oon vorlchlaa»listen autgelorderi mit dem Hinwei». daß nur Borschlngsliften wtrttcha iilcher Verein, aungen von Art eil» ' oeberu oder von Ardeiiuehmern oder oon Berbänden solcher Verein, gnngen. sow e Bo> j ichlogslislen oon Ausschußmilgliedern, der non Arbeirgedern oder Verlidieieen beriidfichtigi werden, die spätesten» vier Wochen vor dem Wahtt ,ge. d. h. di» zum 18 Januar 1928 bei dem uuterzetd>ncten vassenvorfitzenden al« WahUeiter eingereicht sin» Im übrigen wir anl die diesdezügi'cheu Best,wmunve» der Äastensatzung und der Wahlordnung, die beide zur Etnsichlnahm» in den Gestfästsräumen der Kost« ausliege» und soweit der Varrel retchl. auf V r langen auch wsteulos von der Kasss adgegede» werden, ausdrücklich hingewiesen. Derltn, den ZI. Dezember tS27. Ner Vorstand der Ortsfr.7n?enkssse d. Sieindntcker n. Liihographen z.Lerlin. Uu»« Atbrtcüt, Soifttzeadet und ZSahUiuer. Luxe SeitiaUoti"., Sfweniur- Verkauf- _ � oom 2. bis 75 SJasujuas-J CinigeLBeisfusle: Oh&rskuConds 1.Z73�7* tjj, statkem nlett, i in lang, ll-no, 14*00, I7-u5. nierbetlcn O-ZU, 11*00, 13 20. Kissen 3 So, 5*40. o-US. nanzer Stand 34*70, 33*20 37*30. Horto.'ieiv. ndLr— i'reUU i\i. 42 ti. Atustei gratis. H. SANNEMANNf Berlin H, Rosenttinlerstraße 9 J4egeo dm Kahoenlabrik .Diamant", Prenzlauer Str. 47 Kalaloj Kr«da. ■ Ich empfehle: | Daanlge Qinsefedem zam SelbstraiSen M. 1.SO-S.iX I I Kleine Raptfedern,(Dllfertig.......... M. ♦ J0-5,0C 1 I Welche Halbdaonen, wunderbar Hlllend M. SJM.ntil I Elite 3/4-Dannen........................ M. 8.5(J-7.ni I lOerissene Federn, gutfOllead, SL 3 JC, 4.C0, 4 JO. S.Ot 1 I Schneeweiße, dauntge.................. M.ß.SO-Totl 1 Wunderbare Daunen.................... 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Jahrgang 6. Beilage des Vorwärts Sonntag, 4. Januar 1925 » Kampf und Aufstieg. Die Gewerkschaften an der Jahreswende.- 5 Millionen Mitglieder. /m Das Jahr 1927, das nunmehr abgeschlossen hinter uns liegt, war ein Jahr schwer st er wirtschaftlicher Kämpfe. Es waren die Unternehmer, die offenbar von den Kommunisten gelernt haben und überall zur„Verbreiterung der Kampffront" übergingen. Der Zweck dieser bolschewistischen Unternehmertaktik war überall ganz offenbar nicht nur die Zurückweisung der Arbeiter- Forderungen, sondern auch die Außerkampfsetzung der Gewerkschaften. Dieser Zweck ist aber nirgends erreicht worden. Die grasten Auesperrungsaktlonen >er Unternehmer endeten, soweit sie überhaupt zur Durchführung kamen, überall mit einem mehr oder weniger großen Erfolg der Gewerkschaften, ein Erfolg, der in den meisten Fällen in Schiedssprüchen der Schlichtungsinstanzen niedergelegt wurde. Damit ist auch das Gerede der Bolschewisten von dem„Schlichtungsschwindel" widerlegt. Das Jahr 1927 begann mit einer außerordentlichen Arbeitslosigkeit, die während der ganzen Dauer des Jahres 1926 die Aktionskraft der Gewerkschaften gelähmt Hai. Bon Ende Dezember 1926 bis Ende November 1927— die Zahlen für Dezem- der 1927 sind uns noch nicht bekannt— waren nach den Erhebungen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastobiindes arbeitslos bzw. zur Kurzarbeit gezwungen in den Gewerkschaften, die dem ÄDGB. angeschlossen sind: Arbeitslos« in Proz. Kurzarbeiter in Proz. Dezember Januar. Februar. März.. April.. Mai.. Juni.. Juli.. August. September Oktober. November 17,2 16,9 15,9 11.3 9.0 7.1 6.4 5,6 5.1 4.7 4.6 7.6 7.1 6.4 5.7 4,3 3,6 2,8 2,6 2,6 2,8 2,4 2,0 2,1 Aus diesen Zahlen geht deutlich hervor, daß selbst im günstigsten Monat Oktober die Arbeitslosigkeit noch eine anormal hohe gewesen ist, während zu Beginn des Jahres rund ein viertel der Gewerkschaft �Mitglieder ganz oder teilweise arbeitslos gewei� ist. Auf diesem krisenhaften Zustand, der das ganze Vorjabr über vorgeherrscht hat, hatten die Unternehmer offenbar ihre Taktik auf- gebaut. So begann das Jahr 1927 mit der Aussperrun gs- d r o h u n g von 100 000 Arbeiten? und Arbeiterinnen der Schuh- i n d u st r i e. Die Uirternehmer hatten, gestützt auf die katastrophale Zlrbeitslosigkeit in der Schuhindustrie, olle Forderungen auf Er- hohung ber Löhne a b-gel-e-h-n t. Als daraufhin i n- einigen Zentrerr der Schuhindustrie die Arbeiter Lohnforderungen stellten, ging der Arbeitgeberverband zur allgemeinen Kündigung im ganzen Reiche über. Es kam darauf zu Schlichtungsverhandlungen im Reichsarbeitsministerium, die mit einem Schiedsspruch endeten, der die Löhne um 5 Pf. erhöht«. Ein zweit« Schiedsspruch im März bracht« eine weitere Erhöhung der Mindestlöhne um 2 Pf. und eine Vereinbarung zwecks besserer Sicherung de» Achtstundentag». Dieser mißlungenen Aussperrungsaktion der Schuhindustrie folgte, auch wieder infolge eines Lohnkonfliktes, die Aus- sperrung von 25 000 schlesischen Textilarbeitern im Februar. Auch diese Ausfpermngsaktion endete mit einem Schiedsspruch, der die Löhne um 9 Proz. erhöhte. Dieser Aussperrung folgte im März die Aussperrung von 40000 Arbeitern der feinkeramischen Industrie, und zwar weil ein Schiedsspruch nach Ansicht der Unternehmer den Arbeitern zuweit entgegengekommen wäre. Auch diese Aus- sperrung endete mit der Derbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches vom 25. März. Besonders schwer und umfangreich waren die kämpfe in der Metallindustrie. Den Austakt dazu gab der Streik der Leipziger Metall- arbeiter un> den Achtstundentag, der Anfang Februar begann und zur Aussperrung der gesamten 25 000 Leipziger Metallarbeiter führte. Als der Rcichsorbeitsminiftcr die Verbindlich- keitserklärung des Schiedsspruches ablehnte, gegen den die Leipziger Metallarbeiter in den Streit getreten waren, sperrten die sächsischen Mctallindustricllen die gesamten Arbeiter der Metall- industrie aus. Durch diese neue bolschewistische Taktik der Unternehmer wurden insgesamt 150 000 Metallarbeiter aus die Straße geworfen. Es kam aber im sächsischen Arbeitsministerium zu neuen Derhand- lungen und schließlich zu einer Vereinbarung, die im wesent- lichcn den Achtstundentag sicherte und in der Urabstimmung von den Arbeitern angenommen wurde. Die offenbare Taktik der Unternehmer, durch„Verbreiterung der Kampffront" zu verhindern, daß die Gewerkschaften den Rückgang der katastrophalen Arbeitslosigkeit benutzen, um den Achtstundentag wiederherzustellen,' führte schließlich dazu, daß die freigewerkschaft- lichen Spitzenorganisationen in Gemeinschaft mit dem Gewerkschafts- ring der chirsch-Dunckerschen Gewerkschaften am 1. April einen Aufruf erließen, die Leistung von lleberstunden überall obzolehne«. Es tobte damals der Kampf um das sogenannte Arbeits- z e i t n o t g e s e tz. Es ist bezeichnend, daß bei diesem Aufruf die christlichen Gewerkschaften ihre Unterschrift verweigerten. In der Textilindustrie fanden im Monat Juli zwei große Kämpfe statt, und zwar ein Streik der pfälzischen Textil- arbeiter um Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung der Löhne, der nach einmonatiger Dauer mit vollem Erfolg beendet wurde. Ende Juli begann im Krcfelder Bezirk der Kampf in der Seidenindustrle. der gleichfalls zu einer allgemeinenAusfperrungin diesen» Bezirk führte und nach siebcnwöchiger Dauer mit einem Erfolg» für die Arbeiter zu Ende ging. Schwere Kämpfe fanden im Oktober statt. In Berlin traten die Brauer in den Streik, und auch die Holzarbeiter be- gönnen einen schweren Kampf um die Erhöhung der Löhne, der zu einein allgemeinen Kampf in der gesamten Berliner Möbelindustrie sich auszudehnen drohte. Der Brauerstreik endete bekanntlich nach einem Schiedsspruch mit einen» teilweisen Erfolg, der den Arbeitern immerhin eine Lohnerhöhung von insgesamt 4 Mark brachte, während der Kainpf der Holzarbeiter noch dreitägiger Dauer mit einem durchschlage»»den Erfolg beendet werden konnte. Am 17. Oktober begann-------------------------- der große Kamps im milkeldeukschen Braunkohlengeblel. ein Kampf, der um die Erhöhung der� stark zurückgebliebenen Löhne dieser Schiverarbeiter geführt wurde/ Hier waren es die Kam- m u n i st« n gewesen, die, wie im Ruhrgebiet, den Unternehmern in die Hände gearbeitet hatten und durch ihre roahnsinnige Putsch- t a k t i k. verbunden mit der Spaltung derGewerkschästs- organisationen. in den Jahren 1923/24 die Arbeiterschaft aktionsunfähig gemacht hatten. Es bedurfte nicht nur einer ungenrein schiveren und zähen Kleinarbeit, um die Organisationen wenigstens teilrveise wieder aufzufüllen, es bedurfte auch der rück- fichtslofen Brutalität der Unternehmer, die sich dank der kommunistischen Hilf« ein für alleinal als unumschränkte Herren der Lage glaubte»», um die mitteldeutschen Braunkohlen- arbeiter zu jener siegreichen Schlacht zu führen, die die ganze Oeffentlichkeit in Atem hielt. Auch hier war es ein Schiedsspruch, der für verbindlich erklärt wurde, der de« Kamps beendete und den Arbeitern eine Lohn- erhöhung von 12 Proz. brachte. Außer dem Kamps der westdeutschen kanalschifser, der gegen- wärtig noch nicht bee»»det ist, begann im November die General- aussp-rrung der Zigarrenarbeiter,»v« mehr als 80 000 Arbeiter und Arbeiterinnen ausgesperrt wurden, lveil in Leipzig einige Arbeiter die Kündigung infolge abgelehnter Lohn- forderungen eingereicht lzatten. Alle. Versuche des Reichsa»beits- Ministeriums, die Zigorrenfabritanten von dieser bolschewistischen Taktik abzubringen, scheiterten. Die Unternehmer. unter der glorreichen Führung des Admirals a. v. Brüninghaus und sonstiger pensionierter höherer Offiziere, bestanden darauf, gegen die ausgehungerten Arbeiterinnen und Arbeiter der Zigarrenindustris Krieg zu führen. Auch dieser Kamps endete mit einer Nieder- läge der bolschewistischen Uniernehmertaktik und, nach einer zwanzigstündigen Verhandlung im Reichsarbeitsministerium mit einer Vereinbarung, die eine zwölfprozentige Lohn- erhöhung m»d die Vordatierrmg des neuen Tarifvertrages brachte. Ein Kapitel für sich ist der Kamps w der Schlverindustrie des Ruhrgebieks. Es kam hier zu keinerlei eigentlichen Arbeitsniederlegung. Trotz- dem dürfte dieser Kampf»veit größere Auswirkungen haben als mancher Streik, der Zehntausende von Arbeitern wochenlang zum Feiern verurteilt. Im Ruhrgebiet war es, wo die Uniernehmer den entscheidenden Vorstoß gegen den Achtstundentag im Jahre 1923 machten, beim Zusammenbruch der Mark und des Ruhrkampfes. Damals gingen die Unternehmer unter Führung von Stinnes zu General Degoutte, dem französischen Oberbefehls- Haber der Besatzungstruppen, um bei diesem die Einführung des Zehnftundentages zu erwirken. Damals begannen auch die Kommunisten ihre lang gehegten und vorbereiteten Pläne auf Spaltung der Gewerkschastea zur Durchführung zu bringen. Unter diesem vereinten Ansturm fiel der Acht« st u n d e n t a g. Auf Grund des Arbeitszeitgesetzes und des immer stärker ein« setzeiiden Druckes der Sozialdemokratie gelang es den Gewerkschasten, zunächst für die Hüttenindustrie, dann für die Stahl- und Walzwerke Verordnungen Oes Reichsarbeitsmini st ers durchzusetzen, die den Achtstundentag wiederherstellten oder am 1. Januar bzw. 1. Februar 1918 wiederherstellen sollen. Gegen diese„Gefahr" gingen die Unternehmer mit den schärfsten Mitteln vor. Sie schufen einen Kriegsfonds, zwangen die Unternehmer durch Unterzeichnung von Blankoakzepten, sich von vornherein zur Durchführung einer allgemeinen Aussperrung zu verpflichten, falls irgendwo die Arbeiter in den Streit treten würden. Schließlich, um einen Druck auf die Schlichtungsinstanzen auszuüben, meldeten sie die Stillegung der Betriebe zum 1. Zminar/ s an. Es war nicht nur das Ausbrechen der christlichen Gewerkschaften aus der gemeinsamen Kampffront, das es den Geroerkschasten von vornherein unmöglich mochte, den Kampf bis ztt- .den�äußerstell Konsequenzen.durchzuführen.. Am m e ist e n—behinderte die freien' Gewerkschaften im Ruhrgebiet die müde Gleichgültigkeit der unorganisierten Arbeiter, die als F o l g« der tommunistlfchen Spaltung und Verhetzung zurückgeblieben ist. Ueberblickt man den Ausgang der großen Kämpfe, die von den Unternehmern heraufbeschworen wurden, dann kann man feststellen, daß diese bewußte„Berbreiterung der Kampffront" zu einer NiederlagefürdieUnternehmer geführt hat. Ueber den materiellen Ersolg hinaus ist aber auch der moralische Erfolg ein»vesentlicher. Heute sind die Gewerkschaften statt ge- schwächt, ivie die Unternehmer gehofft hatten, wesentlich stör- k e r als vor Jahresfrist. Wohl liegen noch keine abschließenden Zahlen über die Mitgliederbemegung in den freien Geiverkschaften vor. Man kann jedoch die Zunahme der freien Gewerkschaften Im Jahre 1927 auf nahezu eine halbe Million Mitglieder annehmen. Der Haupttell davon geht natürlich auf Rech- nung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts- JojzvnQi die vrrmmrrrrrfrw� W Lsinervebsr Kleidung i dundes, dessen Organisationen Um etwa 400 000 Mitglieder zuge- nonunen haben. Auch im?l! A-Bund ist die Krise überwunden. Auch hier ist nach dem auhercrdemlich starken Rückgang, der eine Folge der Deflation und des Abbaues der Angestellten war, der tote Punkt überwunden und ein neuer Aufstieg begonnen worden. Auch im Allgemeinen Deutschen B e a in t e n b u n d ist seit der Verdoppelung der Bcittög« im Herbst 1020 nicht■nur eine innere Festigung in finanzieller, sondern auch in o r g a n i- sator! scher Beziehung eingetreten. Der Aufschwung ist besondere infolge de? Enttäuschung durch die B e s a l d u n g e- ordnung ein sartgesetzter und dürfte für das Jahr 1027 Mehr als zwanzig Proz. gegenüber der Mitgliederzohl von 1026 betragen. Die drei freigewcrkschaftlichen Spisteizorganlsalioncn werden uaraussichtlich am Ende des abgelaufenen Jahres rund fünf Millionen Mitglieder zählen. Dieser Erfolg muh wcitergetriebtn wer- den. Es gilt vor allein, im neuen Jahre auch dafür zu sorgen, daß die gemerkschösilichttt Fortschritte politisch verankert werden. _____ 3-�-3. Gescheiisrte Gehalisverhandlungen. . Vie Geichs« und Staatsangestellten zurückgescht. Die jm Reichssinanzministerium geführten Verhandlungen über die Veziig« der Reichs- und preußischen Ztaateangeslellten haben zu keinem Ergebnis geführt. Die A n g e st e l I t« n» oerganifationen haben desl>olb die Verhandlungen abgebrochen und der Reichs- und der Preußischen Staats- regicrung folgende Erklärung übermitielt! „Die Gehciüenerhandlungcn für die bei den Reich-s und preußi- scheu Sioatsverwaliungen beschäftigten Angestellten sind van den am Reichsange st clltcntartsvcrtrag und am Preußi- s ch c n A» g e st e l i t e n t a r i s v e r t r a g beteiligten Zlngestellien- organisationen auf Grund des ihnen in diesen Tarif- vertragen gewahrten Rechtes, die Grundgehaltsfäße des Rcichsbesoldungsgefetzss zu erhalten, geführt worden. Durch die von den Vertretern dar Reichs» und Preußischen Staat sregierung bei den Verhandlungen gcinachrcn Borschläge wird dieser Rechtsanspruch nicht erfüllt. Die G r u n d g c h a l t S s ä g a nach den Regierungevorschlägen ergeben, wie die Nachprüfung in vielen Fälkn beweist, daß die den vergleichbaren Beamten gesetzlich zusiehenden Ansprüche den A n- ge st eilten nicht gewährt werden. Dies wird dadurch noch uerfchärst, daß. sür die Beamten Sonderbestimmungen zu deren Künsten getroffen sind, für die den Slngest.'llten seither keinerlei A u e g i e' ch geboten Ist. Diese Tatsache wirkt sich für die Angestellten um so ungünstiger aus, als sie sich in viel unsichereren A r d c i t S v« r h ä l t- nissc ii befinden, als die Beamten. Sa soll-'« u. a die nur aus beamtcnpolitischen Erwägungen festgesetzten Grundsätze über die Bezüge der Diätar« auf die Zlnae stellten ohne jede ?lend«rung übertragen werden. Dies Ist um so it n- berechtigter, als die Mehrzahl der Angestellten ihre Be- zahlung au, den untersten Vergütungs stufen ihrer Gruppe erhält. Bei dem oft eintretenden Wechsel der Angestellten von einer Behörde In«ine andere kommen sie auch nicht über die unteren Gehaltssätze hinaus. Die Bezüge für die jugendlichen Angestellten würden buch noch den Vorschlägen der Regierung zum größten Teil niedriger sein, alz die bis- her gewährten. Aus diesen Erwögungen sind die vertragschließenden An- gestelltenoiganisationen nicht in der Lag«, dem von der Reiche- und der Preußischen Staatsregierung als endgültig bezeichneten Vorschlage zuzustimmen. In Wahrnehmung ihrer Interessen müssen sie deshalb die ihnen nach den Gesetzen zustehen. den Rechte in Anspruch nehmen. Sie bedauern, daß die lang- wierigen Verhandlungen zu keinem trogbaren Ergebnis geführt haben." Die vertragschließenden Organisationen Verden das Reichs« arbeitsministerium alsbald um Einleitung des Schlichtungs- Verfahrens ersuchen. Genosse Bock 25 Jahre Haupckassierer. Der Hauptkassterer des Deutschen Lederarbeiter- verbände,, Genosse Bock, kann heule auf eine ZSsährige Tätigkeit als Hauptkassierer zurückblicken. Von Beruf Weißgerber, trat er mit 18 Iahren jeiner Berufsorganisation bei. dem damaligen Weihgerbernerband, und hat an dessen Aufstieg wacker mitgearbeitet. Die Weißgerber waren ein richtiges Wandervvlk, was auch in dar Art des Gewerbe« seine Vegründuno hatte. Das Wandern van Ort zu Ort und das Umziehen auch der Derbeirate'eii mar de« halb üblich bei den Weißgerbern. In den verschiedensten Orten Deutschlands bot Kollege Bock als Funktionär für den Weiß- gerbcrverband gewirkt. Nach der Verschmelzung der Loh- und Weißaerberverbände im Jahre 1808 wirkte er im neuen Lederarbeiterverband weiter. 3m Iabre 100? berief ihn das Vertrauen der Mitglieder zum Haupt- kassterer ins Verlmiidsbureau der Lederarbeiter. Auch der Sozi Ol- demokratischen Partei hatte sich der junge Weitzgerbergeselle eben- falls angeschlossen und hat für ihre Ausbreituna mitgewirkt. Nach der Umwälzung 10l8 wurde er als Stadtverordneter in Neukölln gewählt. Später übernahm cr das Amt als Schieds- mann und wirkt auch heute in dieser Eigenschaft im städtischen Dienki. Mir wünschen dem Geossen Bock noch eine recht lange Tätigkeit in seinem Verbände und in der gesamten Arbeiterbewegung. Nie„objektive" Wissenschaft. Im Dienste des Privatkapitalismus. 3>i fast allen Großbetrieben bzw. Konzernen dürften nunmehr die oft falsch angewendeten Rationalisienmgsmaßnahmen zum Segen des Unternehmertums durchgeführt sein. Auch die Kopf- arbeiter, inebesondm die kaufmännischen Angestellten, haben schon vereinzelt diese Errunaenschasieii kennengelernt. Die „Osram" G. m. b H. Kommanditgesellschaft, die die Rationali- sierungsmaßnahmen wohl mit am schärfsten durchgeführt hat, will nun die kaufmännischen Angestellten mit den psychologischen Eignungsprüfungen beglücken. Hierfür stehen zwar weder Im In- noch im Auslände einwandfreie und zuverlässig« Erfahrungen bzw. Grundsatz« zur Verfügung. Trotzdem hat sich Herr Prof. Stern, Borsstzend«? des psychologischen Instituts in Hamburg, berciterklärt. derartige Eignungsprüfungen aus wissenschaftlichen Motiven bei allen kaufmännischen Angestellten der Osram G. m. b. H. oorzu« nehmen. Die freien Angestellten-Organifationen sind keineswegs grund- sötzliche Gegner, sondern begrüßen die Einführung derartiger Eignungsprüfungen bei der Berufswahl. Da es sich aber um einen sehr jungen Zweig der psychologischen Wissenschaft handelt. muß verlangt werden, daß dies« Eignungsprüfungen vollkommen freiwillig und ohne.jeden Rochteil hinsichtlich der tariflichen und orbeilsrechllicken Bestimmungen für die Angestellten erfolgen. Im Rundschreiben der Osram G, m. b. f). wird aber ausdrücklich betont, daß die Drüfungsergeduisse ldie gewiß nicht als zuoerlösslg anzusprechen stich) eventuell auch Gr- haltsveränderunge« nach unlen l!) nach sich ziehen, selbst bei solchen Angestellten, die bereits ein Jahrzehnt oder noch länger ihre Arbeiten bisher zur vollsten Zufriedenheit ausgeübt haben. Wenn sich V L M 3.- B e t r i e b«, d. h. auch die OsraM- Direktion, noch Nie in der Einstellung ihrer Angestellten getäuscht hatten, so aber diesmal gründlich. In einer überfüllten V e r» sammlung haben die Angestellten vor einiger Zeit zu diesen Dingen Stellung genommen und grundsätzlich s e d e E i g- nungsprüsung, sosern sie in der Firma vorgenommen wird. in Anbetracht ihrer Folgeerscheinungen abgelehnt. Somit könnte eigentlich die groß aufgezogen« Aktion der Osram-Dir«kt'.on als erledigt angesehen werden, da nur rund 2Z Angestellte von insgesamt SZ0 trotz aller aufgewendeten Mühen und Kosten der Direktion am 8. Januar 1028 zur Dersügung stehen Bei d-mt nicht zu unterschätzenden Eiisstuß des Siemens» Konzerns als Gesellschafter der Osram G. m. b. H., Kommandit- gefeUschaft, müssen sich die Angestellten darüber klar sein, daß die Art>ntg.>ber nicht«two damit für olle Zeiten und endgültig der- artige Pläne ausgegeben haben. Ein restlose' Zusammenschluß aller kaufmännischen Angestellten in der freien Angestellten-V«ruf>- organ-sation, dem Zentraloe-band der Anaestellkcn, bietet jedoch eine Gewähr dafür, daß ähnliche Wiederholungen noch viel wir. kung-voller an dem geschlossenen Widerstand der organisierten An- gestelltenschaft scheitern._ Die Sparkasse der Dank der Arbelker. Angessellken und Beamte» A.-S. Bertin. wallssr. 68 ist tSolich mit Ausnahme von Eemig'iens »sn S— 3 Uhr und 4— 6 Uhr, Sonnabend» von 9— 1 Uhr geöffnet. Srafkwaoen fuhrer der Mekallbekriede. ?nit»z, 6. Januar, 20 lüit. Int Saal 2 ScfflftWaftsfiitnirt,«itfitl- ufrt 24- 25, eit-utn; der Srtiupenkoinwlstio» der««tftu'asrniiitirer. Jeder Hetallreiried muh durch mindesten, eiur« ttoSegen graftwasieusührer»er. treten sein. Wichtiftc Berul�tugelcacnhriteu stehen �nr Beratung. Deutscher verkehrsstuud. Frei» Semerkfchaftsiugrnd Gr-'h. Berti». Keiiie, Tönning, iolgeude Ben» aiistaltung: vsttrei»: Äste M twirtenden an der Veranstaltung der Lehrling«- attclluno des Nahrung»- und Scnubmittelardeiierverbandcs(Denagl nuillen stch um 14 Uhr im Saat 1 des Scw-rkiüjastshauses, Engeluser Zi-Z'i, einfinden......„ Zugcndgruppe de«?dA. Morgen. Montag, lS'n llhe. stnden folgendc Be- zirksueranstaltungen statt: Tüdost-Treptow! gua-ndheim Neichenbcrgcr Str. 65. Heimdespr-chung, Iahresbcrichterftattung. Äitglied«hi!cher mitdringen. An- schtiefeend Besuch des Wcrbebegirks.— Norden! Jugendheim Danz'gcr Etr. K2, Baracke 7. Kcimhesprechung. R>tgt>ed»HItcher ,u gonirolle m'dbrtngen. stm Anschluß daran lesen wir.— Tan-veshosi sNigendhe�m der Tckule Srrmania- strahe t— S. Heimdrsvrechring und gontrclle der MUgliedsdllcher— Char- lattcndurg: Jugendheim Rolluenstr. 4. Heimbesprechunj und Sondroll, der Mitgliedsbücher. Jf&Z* Verkaufsstellen: Frledrlchstr. 65a* Tauantzlenstr. 16 «•»»»»»Sa f Unstrrm alten treuen stümpfer A 3 Wilhelm Hahn' »» feinem TO.«eburteioge Jr Die herzlichsten Giftet ntünichc. Prastsverie�mü vom I. I»nuarl,a nted. Lnndebertnr Allee l»9, Ecke LangcnbeckctrsBe. Dr. med. n.>Voll«nbcr(. Ktntgeindl«Joe,. | G ch DI« Ocnouinren und Oenossen der II. Abt'eiiuitE../b BeKannimadmag Die in der Zeil vom 1.0klob.bis31. Dezember 1826 versetzten Pl&nder sind versteigert worden. üeberschässe sind bis zum 1.Oktob. 1 925 abzuheben. SfaahftSief ieihaml. Ei su-tau. Betten, Kinderbetten, Stahlmatr.. gOn«t. an Prlv Kaa049fT.EIsenm3bellaO. Süäl(Thür.) Mm«MilMei-WM Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unier Kollege, der Schleifer klodsr�edlemsliMslll am A Dezember ISS7 gestorben ist Ehre feine« Andenken t Dir Einäscherung find«» ein Dien«. lag. dem-i Januar 1B2S 16 Udr, im ftctmaiorium»erichtstrag« statt. Nege Beieiligung erwartet Dia Orrsverwaltung. Nach langer stranrl,»» ürritaro Dnnneratag, 2». Dezember,>,pi Uhr unsrr»eder Denosse. der sssrwer Paul Nerlich lbehgerltroh» 3 L E hdr(»inem AN d en l cnl Um recht rege Beteiligung biiiei Ole 91. Abteilanr, Ncakailn. EinSlchernug Dienstag, 8 Januar Nnchm«Uhr. Rrrm Baiimfitnilenwro Oankaasung. Für Sie vielen Beweist herzlicher Teilnahm« bei der Einäscherung meines iieden Manne» Friedrich Pilz iaa« ich olltn Verwandten, Freunden Betannie», Pariiigendüen und Ber- dänven au> diesem Weg« meinen herzlichsten Dank. Im Namen der Hinte rdlledenen VIt»e l-uise PiU Hildegard Unrerflrtli geb. W* Die Beiiehung der Urne findet am S Januar 1928. 13• Uhr. auf dem Zrledhoi in der Seeltrahe statt. Dmnkn«aunj( Allen Teilnehmern, inedeldndere dem Porstand und der Belegfchaf« der stoNmm-Benostrn'chati Berlin u Umg. den Genosten der«.Ad etiung. dem Stedner Gen. lZenmer votii Berein der Fietden er, sowie den Gängern bei nee Einäscherung meines lieben Gatten sage Ich hierdurch meinen besten Dan!. Wer WtKielmlne Olfiz'• ■KOCHEN. reit tmsiliiol KBd« Lottthen... SS H. Sä ID. Xfldi! Christine riJbi. SSM. 1351. RIBSINAUSWANL roher, lackierter, lasiert. Küchen, einz. Kleider- u. Küchenscltränke In Ca. ISS Mustern. HIMMEL Haaptgceahltlt lotliiisgKin.2Mdi6Dlian.Tof rillalai to.FnsttrtKMSÄ Berliner lllk-TrlO Neukölln, w ubosU.74/7ii Eisttalm üarpleiüeld!. Treptower Park. Tjglidi Konzert. e t. ErHnder-Vorwärts flrtbrnh.BccbltnstmlJdllchfftftAuftLBrold) -Ein neuer Geist-«rat!» d. strdm-na& Ca., Berlin, stönlgorätzrr Strafi« 7t. kteundetieii t«'° !i!>!lZll!!lZ!ZS!l»IZiieZZ4.- plüschsolss 80 M., Ratenzahlung Göhr frei Berlin, Pappelallee 12 Pankow, Schmidtstr.t Jodor Kaiinntation. 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NeuHfiKa betreff. laveatar- irr.» Unterhaltung unö �Vissen jz*. Fahrt nach Südamerika. Sonderbericht für den„Vorwärts" von Max Winter. An Dord der„Belvedere', 1Y. Dezember. Di-e lange Mauer ist durch ein niedriges Tor unterbrochen. In zwei starken Pfeilern sitzen die Angeln und in ihnen hängen die beiden Torflügel. Ader das Tor schließt nicht dicht. Wo die Angeln sitzen, klafft ein Spalt. Ein schmaler Spalt. Aber er ist breit genug, um zwei liebenden Herzen einen Weg zu geben für ihr Abschieds- weh. Er. der junge Mensch mit dem Schlapphut steht drinnen, hinter dem Tore, das die beiden nun geschieden hat, für lange, für immer pielleichl, st« ober lehnt draußen verzweifelt an dem Pfeiler. Beide weinen. Die Hände können sie sich nicht mehr reichen, aber mit den Augen trinken sie ihre Seelen. Letzt« Bliche ans tränenumslorten Augen, dann geht«r in den Hof und in da« große Haus, in die „Pension Cvsulich*, dqp den Ausuxmderer» an den Tagen kurz vor der Abfahrt ein letztes gastliches Dach bietet, sie aber geht auf die Straße, die Nach Servola führt, zurück nach Trieft, zurück in ihr enges Heim in der Altstadt, oder zurück zu ihrer„Herrschaft", der sie dient, zurück in den grauen Alltag. Ihr Liebster aber zieht über das große Meer, vier Wochen lang, hinüber nach Buenos Aires bder nach Uruguay oder Brasilien, sich drüben das Leben zu er- j Odern. Das war mein erster Eindruck, als ich aus dem lzotelwagen stieg, um noch vatch die Formalitäten zu erledigen, die auch der Kajüten- paffagler auf der Reife nach Südamerika zu erfüllen hat. Da öffnet« sich schon link« ein kleines Pförtchen und durch diese« trat ich ein, eben als der jung« Mann mit dem Schlapphut seine Schritte dem Hause zuwendet. „Warum kann die Frau nicht herein?" „ijeute nicht mehr. Wik müsien unsere Passagiere in Ordnung haben für die Kommission." Damit führt mich der Beamte auch schon in das große Haus und vorbei an Menschenfetten— lauter jung« Männer— und durch einen Saal, in dem sich dies« jungen Leute eben auskleiden, um vom Arzt untersucht zu werden, in den Raum, wo die Aerzte und Schwestern und die Protokollführer tätig sind.' Der Beamte mit meinen Papieren voran, ich hinterdrein. Da stehe ich auch schon V0r dem Arzt. „Sana?" „Dvlltommen gesund, Herr Doktor." Di« ärztliche Untersuchung ist vorüber. Ebenso rasch geht die politisch« Untersuchung, die Ueberprüfung de« Pasfes und der Bisen IN die drei südamerikanischen Staaten Argentinien, Uruguay und Brastlien. Keine fünf Minuten später stehe ich wieder in dem Hofe, von dem der Blick aus das Meer hinausfliegt. Dort liegt auch schon unser Schiff verankert, die„B« l v e d e r e", die uns olle hinübervringe« soll. Unbekümmert tollen im Hofe einige Kinder. „Fahren brt auch mit?" Da verkennt mich der führend« Beamte. „3*. aber dritte Klasse" Da» sagt er so, als ob er mich beruhigen wollte„Rur kein« Sorg- Di« hohen Passagiere zweiter Klasse werden nicht behelligt." Al» Antwort darauf freunde ich mich mit einer kleinen allerliebsten blonden Italienerin, mit Anita, an, die mir aitch bisher auf dem Schiff treue Freundschaft hält. Sie ist ein herziger Schneck und sorglos über alle Maßen. Auch auf dem großen Schiff hat sie gleich die Spielgclegenheit herausgefunden. Auch aus dem O-Deck, da» das„Promenadendeck" der Auswanderer ist, sind die beiden großen Schlünde, die die SÖarensracht aufnehmen, während der Fahrt Mit Holzdächrrn geichlosse», die gegen die Mitte zu etwas ansteigen. Diese beiden Dächer hat Anita sosort entdeckt und für sich und ihr« Gespielen erobert, für die Vera, für die Jolanda, für dir Lillwna, Und auch für die Buben, die mit an Bort» sind. Alles Kinder, die der Dater ruft, und ihre Mütter, alles Frauen, die nach langer schmerzlicher Trennung nun doch den Augenblick des Glücks erhascht haben, an Bord gehen zu können, um mit dem Mann, mit dem Ernährer wieder vereinigt sein zu können. Auch da gibt es noch schmerzlichen Abschied und heiße Tränen. Die Mutter steht unten am Molo.„Werden wir uns wiedersehn?" Die Schwester, der Bruder. Eine Großmutter auch mit einem Enkel, d«m jüngsten der Familie. Der Arzt hat die Kleine zurückgewiesen. Sic war äugen- krank. So muß sie bei d«r Großmutter bleiben. Ihre drei Ge- fchwister aber gehen hinlib»'-, r-i\ � �.jegelLdies s Mutterantlitz wieder. Die Kinder kennen keinen Schmerz. Und ist ein«? rntfter gestimmt, weil es die Mutter weinen steht, meine Bonbon» zaubern sofort Freude in jedes Kinderantlitz. Di« meisten Auswanderer haben niemanden, der ihnen zum Abschied winken würde. Vierhundert Polen, Russen und Ukrainer, auch einige Juden unter ihnen, bilden den Grundstock der Menschen- sracht, die wir in Trieft aufnehmen In Spnlnto haben sich mehr als Hundert Kroaten und Dalmatiner dazu gesellt, in Messina und Neapel aber sollen Italiener das Menschentaufend voll machen, dem Südamerika zur neuen Heimat werden soll. Alle diese Menschen sind von weit her gekommen in den Hafen. Sie haben daheim fchon Abschied genommen. Jhncn ist die Einschiffung und Abfahrt nur eine Episode, ein Schauspiel. Und aus Deck?! In dieser engen Welt haben sie sich rasch zuswnmengesundrn. Um 3 Uhr lösen wir am'13. Dezember in Triest die Taue unserer„Belvedere" und schon um b Uhr spielt ein Pole Mit der Harmonika zum Tanz auf, zur Mazurka! Und so geht der Tanz in die Beine, daß gelegentlich auch der italienische Eame-: ricre, der Schissskellner mittanzt, der hier allerdings nicht nur die begrenzte Aufgabe hat, Kellner zu sein. Er ist auch sb eine Art Sonitötsfeldwebel. Das ist ein Stück Selbstschutz und ein Stück Kultur, da» das Zwijchcndecktausend mit aus den Weg bekommt. Alle müssen täglich baden. Da kommt uilin der Camerierc und ver- liest ein Dutzend Nomen und die Ausgerissenen gehen dann' mit ihm. Längst- haben die Alten den Kindern ihren Spielplatz weg«' genoinmen. Was die blonde Anita entdeckt hat, ist am zweiten Tage schon die Lungerwiese der Alten, auf der sie den ganzen Tag � liegen oder fitzen oder Karten spielen. Nur die Badeatifrufe oder der Pfiff oder die Glocke, die sie zum Essen rufen, unterbrechen diese Langervcile. Nur einige sieht man auf und ab gehen mit einem dünnen Heft in der Hand, oder sie sitzen Irgendwo und versuchen in � diesem Trubel zu lernen. Die polnische Agentur der Eosiilich Lnie hat ihnen einen polnisch-spanischen Sprachquclfcher gegeben. Mit seiner Hilfe versuchen sie die ersten Schritte in fremdes Sprachland. Das ist ein Anfang. Aber um wie viel größer wäre das Verdienst der Cosulich-Line um die Zukunft dieser Menschen, wen» sie auch für die dritte Klasse einen Kinoapparat anschassen und betreiben wollt«. Die zweite Klasie hat gestern abend angesichts der tausend Lichter von Messina ein Skilaufen in den winterlichen Alpen erlebt. Wie könnte das Kino der dritten Klasse zum Lehrer werden. Zum Sprachlehrer und erst recht zum Lehrer in der Länderkunde Süd- amerikas. Wie nötig täte beides allen diesen Einwanderern. Di« meisten dieser jungen Polen, Rzissen, Ukratncr, Siidslawen, Rumänen, Ungarn, Italiener gehen hinüber, ohne auch nur ein« Ahnung non den Lsbenemöolichkeiten � zu haben. Neunzig vom Hundert gehen nach Argentinien. Und wohl kaum einer von den Neunhundert mag wissen, wie groß dieses Land ist., Daß es so groß ist wie Deutschland, Belgien, Dänemark, Holland, England, Irland, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien- die Schweiz, Jugoslawien, Oesterreich die Tschechoslowakei zusammengenommen und daß dann noch 39311 Quadratkilometer übrigbleiben, keiner von den Neunhundert weiß ce nnd was drüben ihrer wartet an Arbelt und Lebensmöglichkeiten, an Gesetzen, keiner weiß- mehr, als was ihm die Auswanderungsagenten gesagt haben, und das war Nicht immer die lautere Wahrheit. Aber nichts von alle» dem. Das Dach des Frachtschlundes wird zur Lungerwies« und oin, Rande sitzen dann in den Nachmittagsskunden auch die Weiblein mit den Männlein und srkueN sich des ckolee farniente, des süßen Nicht---.. tun». Höchstens, daß sie sich ihre tzcbensgcschichten erzählen, oder� daß ihnen emer. der schon.„drübesi" war, etwas ans seinen Er-� fahrungcn zum Besten gibt. Das ist z. B. ein Ukrainer aus der Lemberger Gegend. Er geht nach Südamerika.- Auf die deutfckw Anrede antwortet er englisch..Verheiratet, drei Kinder 13 Iabre, i und 1 Jahr alt.—„Wieso diese Taufe? Die zweite Flau?"„Rein, ich war schon einmal drüben, l» Rord-Dakota, Bergmann." Er bat keine Reichtümer heimgebracht. Aber daheim ist es so schlecht, daß er es jetzt noch einmal versucht, diesmal in Südamerika und als Farmer. Glückt's, dann soll die grau nachkommen. Ueber Jahr und Tag. Vielleicht sitzt sie dann init den beiden Kleinen und dem „Großen", wenn er indes nicht für das noch immer kriegerisch g-- stimmte„Vaterland" reif geworden ist, auf derselben„Belvedere" und gondelt hinüber über das große Wasser. In Spalato bleibt alles an Bord. Rur einige wenige machen dem Diokletianpalcst einen Besuch und begucken die glückliche orcbi- tektonische Anpassung, die auf der Dioklecijanowa obala gefunden wurde. Die kleinen schmücken Häuschen an der nlten römischen' Mauer fügen sich glücklich in das Gesamtbild und sind ein Schmuck der Riva, deren Palme» im leichten Winde ihre Blätter wiegen. Hier hat der Amcrikareisendc zum erstenmal das Kfühl, daß es dem Süden zu geht, entgegen dem Frühling. Und ani Abend des 1-t. De» zember ist es so warm, daß im Speisesaal alle Luken offen sind und plötzlich umflattert ein Bote aus Albaniens Süden oder von' den Gestaden Griechenlands die elektrischen Lampen, um sich endlich z» setzen. Eine bedeutend kleinere Abart unseres beimischen Distel- salters ist so, die uns diese Frühliichsgrüße gebracht hat. Drunten aber im Zwischendeck da duftet's nach Zwiebel und Speck, nach Knoblauch und Orangen— Hcimcü und Neuland, Nord und Süd in neuem Gemisch, der Winter der Heimat, der Frühling neuer Hoffnungen, und so gondeln wir dem Weihnachtssest entgegen, das uns schwitzend im Bereich des Aequators finden wird. Es ist eine lange Fahrt, die wlr vor uns haben— erst am 9. Jc'.nunr erreicht die„Belvcdere" ihr Ziel: Buenos Aires. Kampfiahr, glückauf! Ju hartem Ninzen ruft ein neues Jahr Aaö heischt/ che Kraft zum Äustecftea zu spönnen. lks biete! sich Öcrn Blick öer Gipfel 6ar/ ?u üem vir steixenö Schritt nra Schritt gewannen. Hlic tragen unser Banner übers Lanö/ Bas k achgemut che Freiheit euch verkünöet. Ou, Volk, hast selbst Sein Schicksal in öer Bavö: Wer müht unö schafft unö darbt, sei uns verbünöet! Die Zukoust kämpft mit öer Vergangenheit Unö soll öen ganzen/ großen Sieg erringen. Wir stnö öic Boten einer neuen Zeit: Iva« morsch unö önnkeh wollen wir bezwingen! Weh bttn, öer lasch nnö träge ferne steht Unö spümig murrt: Laß Loch öle anLcrn schaffen! wir grüßen jeSen,. öer zur Seile geht Zm gl.ichcn Sinne mit öen gleichen Waffen. 2er Geist verbannt zerstörenüe Gewalt, Unö aufgeblähte Macht wirb jäh zuschanöen. Dies Jahr ist von besonöerem Gehallt SS hebt ein Ringen an in a en Lanöen. Unö f« öer Weg auch stejs? dt« Mühe schwer, Die roten Zeichen hissaj wir auf ltröen! Zn stolzem Schritt marschiert öer Arbeit Heer. Rampfjohr, gluckmff! Der Sieg soll unser weröen. Henning OuSerstoet. Oer Winter in der Kunst. Von Or. Hedwig Zischmann. Nicht als ei« siegreicher, triumphierender Held, vor besten MryentMi Schritt weitaus olle Pforten sprangen, ist der Winter in» Reich der Kunst eingezogen. Blind und sühllos war die Menschheit jahripmdenelang an der schimmernden Schönheit seines Märchen- «vunberlande» vorübergegangen, war in die dumpfe Eng« des Haufe» vor seinem scharfen, befreienden Anhauch geflüchtet. Der Winter als grimmer Feind, als Lebenertötsr• so spiegelt sich lange Zeit fern Bild in der Seele der Menschheit, so ward ihm vernehmbarer Aus- druck durch den Mund der frühen Dichter. Und wo dos Gemüt ve» schloffen war. die winterliche Wunderwelt in sich zu trinken, da konnte sich unmöglich eine Hand finden, ihr Abbild liebevoll zu formen, auch wenn sie die malerische Gestaltungskraft besessen hätte, den berücken- den Zauber einer Winterlandschaft mit ihre« phantastisch herab- wollende» Schnq�schleiern, dem Flimmern und Schimmern ihrer Eisgedilde, der firblösen Bielfarbiateit und formlosen Geformtdeit nachschaffend rtNt zu bilden. Jahrihunderteweit führt der Weg vi« zu diesem AK». Als kfl) im 15. Jahrhundert ein« neue, wirklichkeitsnahe Kunst aus dezärltzanden des starren Goldgrundes löste, der Landschasts- tnaleyT den Weg brechend, da wurde tn der engen Stube des Miniaturmalers, der mit sorgsamer Feder nnd farbenfrohem "�nsel den Gang des Jahres in feinen Kalenderbildern begleitete, /»äs Mnterbild geboren. Freilich, für die Versinnbildlichung des Monats Januar wählt« der Künstler, der„den König der Stunden- bücher" für den Herzog von Bcrry schuf, sticht das frei in der Winter- landschast sich entsalleud« Leben, sondern die Darstellung der gestchcr- ten Geborgenheit vor den Unbilden dieser Jahreszeit, indem er die TasefHeuden de« Herzog» in einer reichen Halle, in der ein mächtiges Kanpnfsuer hinter dem schützenden Schirm heroorloht, zum Vor- wzplf nahm. Das hohe Lied von der ernsten Schönheit de« nordischen Winter» wird entschieden angeschlagen in der überragenden Kunst P i« t e r Brueghels im 16. Jahrhundert. Die stählerne Klarheit des Winters klirrt i« seinem Dezemberheft der Wiener Galerie, der Schnee knirscht unter den. dunkeln Schatten gleich, in die Landschaft hineinstapfenden Jägern und Hunden. Schwer flattern schwarz« Vögel unter dem lastenden Himmel. Hier ist zum erstenmal ein Künstler fähig und gewillt, der furchtbaren Erhabenheit der. wintek- lichen Natur zu tauschen und sie in seiner Schöpfung nachklingen zu losten. Aber auch die heitere Weise winterlicher Lust und Unge» bundenheit hat dieser stnnenfrohe Flame wohl vernommen: in seinem Stich„Eirlaus beim Georgstor in Antwerpen" tobt und tollt die ungezügette Lebensfreude von groß und klein über die weite Eis- fläch«, an der auch die kritisierende und gestikulierende Zuschauer- meng« ihreb wähl gemestenen Anteil hak. Doch in reichster DIelgestaltigteit findet die wintertiche Landschaft ln der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts ihr» Widerspiegelung. Hier, wo sich allsährlich da» fröhlichste Treiben aus den zugefrorenen, das Land durchziehenden Kanälen entfaltet, die Monate hindurch die eigentlichen Pulsadern des Lebens bilden, mußte der liebevoll der heimatlichen Scholle zugewandte Blick des Künstlers auch die Welt des winterlichen Hollands in sich aufnehmen, der sie mit der tiefen Wahrheitslieb«, die dieser Maler- generaHON eignete, nachgestaltcte. Als der früheste Vertreter dieser Bestrebungen tritt uns Avercainp entgegen, der mit emsiger Treue die von unzähligen wimmelnde» Schlittschuhläufern, schlittenfahren- den und sich nitt einem damals beliebten Kugelspiel vergnügenden Menschen bi« in die tiefste Seele belebte Eisfläche als sein besondere» Liebiingsmvtiv zur wiederholten Darstellung bringt. Aber da» Gefühl für den einzigartigen Stimmungswert, für die atmosphäri- fchen Reiz« diese« LaNdschastsbtldes klingt erst in den Gemälden seiner jüngeren Zeitgenossen, eine» Aert van der Reer, Jan van Gayen »der Esaia» van der Velde mit. Den persönlichsten Stimmung»- geholt hat der frühgeborene Romantiker der holländischen Landschaft Jacob»an Nutsbael seinen Wimerbilde rn verliehen, die freilich in seinem werk nur vereinzelt austreten. Drückend lastet der Himmel über den schneebedeckten Häusern, eine schwermutsvolle Trauer ent- strömt dieser von wenige» dunklen Gestatten mehr beconten als be- lebten Einsamkeit. Ueber Zeit und Raum spannen sich von hier verwandte Wesen bindend« Faden zu den Winterbildern eine» Eospar David Friedrich, zu jenen düsteren, schicksalhaften Gestaltungen der Winterlandschaft, i« deren kronenberanbten. schnee- beladen« Bäumen, den schweigsamen Wächtern an Hünengräber» oder Friedhofspforten, alle Trauer und Verlastenheik des Todes zu raunen scheint. Eine andere Welt, ein anderer Geist spricht aus den Winter- darstellungen des Rokoko. Nur als Erhöher der Lebenslust, mit Schlittengeklingel und blitzenden SchlUtschichglciten konnte der feiner grimmen Strenge beräubte Herrscher Einzug halten in diese fest- freudige Zeil. In Deutschland lag e« wie ein düsteres Verhängnis über der Wiedergeburt der Winterlandschaft aus dem Geiste der Malerei. In einer Zeit, da unsere größten Dichter, da K'oOstock wie Goethe in Wort und Tat laut Zeugnis ablegten für da° neu erschlossene Reich der Winterschtmhcit, da fehlte das im gleichen Sinne eingestellte Malerauge. Doch schon in seneN Iahren. da der juna? Goethe flammend das Evangelium der winterlichen Schönheit nach Weimar trug, traten im fernen Westen die Schöpfer einer neuen Landschaftsmalerei, die zugleich«lne siegreiche malerische Eroberung der Winterwelt be- deutete, mit Coustable und Turner ins Leben. Turner, der Maler des Lichte und der Atmosphäre, für deren letzt«, feinste Werte, für deren unendlich« Bewegtheit er das nachfühlend«, na-hkastende Organ befaß, u»r der berufenste Schöpfer des Neuen Wintcrbildes. In seinem„Schiff im Schneesturm" sprengte er die Schränken, die eine gefeflelke Kunst von dem Erfassen der aus Licht und Dust und Dimst gewobene« Winteratmvsphär« geschieden hat. Von hier sühn der Weg hinüber zu den französischen Impressionisten, zu dem Ringen eines Monet mit den Geheimnissen der winterlichen Landschaft. 211« ein vertrauter Freund und willkommener Genosse, der der Winter den Skandinaviern im Leben ist, zog er auch in die' Knnst dieser Völker ein, von der nur einige Gipst! schöpfungen de» 19. und 20. Jahrhunderts erwähnt seien. Mit einer in der Schule de« französischen Impressionismus von hemmenden Fesseln befreiten Darstellungskrast hat Karl Norfcfttöm in Schweden bahnbrechend und revolutionär mit den von feierlicher Still« und abweisender Unnnh» barkeit erfüllten Winteriandschasien gewirkt, während sein Zeitgenoii« Liljefors, im Innersten verbunden mit der ländlichen Natur im Wandel der Iahreszeilen, ihre große. Einsamkeit durch liebevoll belauschtes Tierleben mildert. Und herüberra-gend in die neuest« Zeit, krönend das Ringen des Nordens um die Gestaltung der Winterlandschaft, sieben die manmnentalen Bilder de» Njmveger« Münch, dessen ,,Schtmnrelgesvann im Schnee" oder„Schnee- schipper" mit der grandivfeN Wnchk ihrer weißen Massigkeit die machtvolle Verkörperung der niederzwingenden Gewalt des nor- difchen Winter» bedeuten. Von den Miniaturen der Stundenbücher zu der packenden Größe dieser Bilder— wie weit, wie stationenreich der Weg Und weit und reich an ungeahnten Wundern, wie die schweigende Unermeßlichteit des Winters selbst, führt er hinein in das Zukunftsreich der Kunst. Prophezeiungen auf 1925. Cr kleß den flackernden Mck Mnnner vnchersshen. ver seiden« Schirm über der Lampe tauchte alle» in ein gedämpftes Licht. Nur neben ihm auf der Marmorplatte da» Thermometer, die Medizinftoschen und die Morphiumspritze standen in der Hell«. Alles andere war umspielt von einem ungewissen Schein. Die Formen der großen Möbel, die au» dem Schatten emportauchten, schienen ihm die Leiber ungefüger Riesentiere der Vorzett. In den Ecken drängten sich Gestalten. Auf den Tapeten zeichneten sich Fratzen ab. Nebel ballt« sich zu Rlmnpen, schwoll über ihn hin, legte sich erstickend aus seinen Mund, daß ihm der Atem versagt«. „Schwester Friederike/ stöhnte der Krank«,„mir dünkt, ich sterbe.' Da, schmal« Gesicht, überschattet von den Flügeln der we!ß«n Haube, neigt» sich über ihn. Ihr» Händ« legten sich aus seine Stirn. Kühlend«, schwesterlich« Hände, von denen Ruhe ausströmt«. Berlin. Welkstadl verfln. Ballade aus Ciseu, Blul und GelZchler gedlchlel. Drama. Luslsplel und leere Waud, von elektrischen Lampen belichtet. Abklatsch der Well und herzmaschine verworrener Zeit, Tumult großer Straßen und aschermittwochgraue DerlosseuheM Schauspiel um Schauspiel entrollt sich deinen verzerrten kusisien, wir spielen mit jedem Tag und werden Immer emporgerisien. Steigern uns selber und preisen uns an in der großen Aukllou: Trunkene herzen, umwittert von Schande. Sehnsucht uud Hohn. Wenn wir In den Sontoreu bekümmert den Reichtum beschreiben, Wenn wir erglüht nacht» im glühenden Schlamm der Straßen treiben, wenn wir vertühll und schwermütig au den schwarzen Kanälen stehn: Immer müssen wir dein wildes Gesicht, Verlin, besehui Die Gier deiner Augen macht uns alle gierig uud gewaltsam, Du reißt uns an deine vergletscherte Vrust unaufhaltsam, Ob wir nun Tänzer, Dichter oder Verschwörer sind, alle gleich. Ob wir robust sind, weichherzig, rotglühend, verliebt oder bleich. Herzstadt. Schmerzstadt. Tanzplatz der ZNiMonen, der Gepeinigten. Glühende Lohe, in der wir brennen und ausskehn al» die Gereinigten, Weltbühne so steil, über die wir einmal als Sieger ziehn: Sladt aller Städte, graues uud rauhes verlin! Rlax varlhel. Di« Augen des Kranken schloffen sich. Ein grüner Schein kam geflossen. Da war Wald. Rote Sonne hing an Kiesernstämmen, Pilzköpfe standen im Moos. Ein Mädchen kam gegangen. Zart, hell, fröhlich und kindlich leuchtete ihr Gesicht unter hellblondem Haar. Doch je näher sie kam, um so verwandeller erschien sie. Ihre Schultern waren gesenkt wie unter schwerer Last. Ihr Antlitz war zerstört, und ihr« Lieblichkeit und Fröhlichkeit ge- schwunden. Die Mundwinkel zogen sich gramvoll nach abwärts und machten di« Züge alt. Die braunen Augen hotten den Ausdruck von Lugen, di« viel geweint in kummerschwerer Nacht. Sie hob di« v«in«n Hände, als ob sie drohen wolle. „Ingebarg!' stöhnt« der Kranke.„Ingeborgl verzeih! verzech!' Er öffnet« di« Augen und blickt« in da» Gesicht der Schwester Friederike, di« sich neben sein Lager gesetzt. Er war aus einmal ganz wach geworden, zum erstenmot seit vielen Wochen. „Schwester,' sagt« er,„ich sterbe und ich muß es sagen,«» ist ein schlechter Mensch, der stirbt.' „Gottes Güte ist groß,' antwortete die sanft« Stimme, ,chem Bereuenden wird viel verziehen. Manchmal geht der Tod vorüber und hat nur gemahnt.' „Ich war ein schlechter Mensch Ich verließ und betrog die Frau, die an mich glaubte und die mich liebte. Ich vergeudete das Erbe, das meinem Kinde gehört hätte. Ich habe Unrecht über Unrecht gehäuft. Jetzt läuten die Glocken des jüngsten Gerichts! Wehe mir!' .Ihre Frau hat Ihnen verziehen. Sie hat sich brieflich noch Ihrem Befinden erkundigt bei dem Arzt, der Sie operiert hat..." „Ach Schwester, dos kann ich nicht glauben! Ei« wollen mit frommest Lüge einen trösten, der sterben muß.' „Aber Sie werden mir glauben, wenn ich ihre Tochter rufe, die Ihre Frau hierhergeschickt hat, nicht wahr? Ihrem Kind«, das um Ihretwillen eine so weite Reise gemacht hat, werden Sie glauben...' Die Schwester ging zur Tür mit dem ihr eigenen leichten und lauttosen Schritt. Sie ging über den Korridor und öffnete jenseits eine ander« Tür. Aus der kam, während der zwölfte Glockenlchlag verhallt«, ein Kind geschritten im kurzen, hellen Kleid, mit glänzenden, losen Haaren und ein süßes, lächelnde», nie gesehenes, getannies und doch ungekanntes Gesicht. Es trug Tannenzwetge und Frücht«. Es kam über die Schwelle.— Dem Kranken schien es, es wäre ein« golden« Spur, wo die Füße seines Kindes schritten, das er zum erstenmal erblickte, seit es lebte. Er sah empor zur Schwester, ungläubig steche» Staunen im strahlenden Blick. „Das ist das neu« Jahr, nicht wahr?' fragte er..Los neue Jahr, das ein unschuldiges Kind ist mit Zweigen und Früchten?' „Das neue Jahr und dos neue Leben.' antwortete die Pflegerin. Und das neue Leben kam lächelnd heran und legt« Blumen und Früchte w die Hände, in denen dos Fieber brannte. Das ging der Tod hinaus aus dem Haus, in das er getreten. schritt hinein in das winterweiße Land und verschwand. Oer leider unsterbliche Kaspar Hauser. Von Erwin Kriede. Es kennt wohl jeder jene berühmte Schlange, die sich selbst in den Schwanz deiht und dabei in einem Anfall von Selbstbefruchmng die ebenso denkwürdige Schraube ohne Ende zeugt. Etwas Aehn» liches hat nun allerdings der selige Kaspar Hauser nicht getan. Er ist aber ein Spielball der geschilderten Abnormitäten geworden und oerdankt ihnen di« Eigenort, uns zmn Halse herauszukommen. Man kennt— oder kennt nicht— die Geschichte Kaspar Hausers. Für den, der es nicht weiß: sie hat sich vor beiläufig hundert Iahren abgespielt und war— zugegeben— damals eine Sensatton. Unserer Generation sagt sie jedoch mchts, bedeutet sie nichts. Es mag ganz intereffant sein, wenn die Frage einmal ge» klärt wird, um die sich noch heute die Gelehrten streiten. War Kaspar Hauser wirklich eines der vielen unglücklichen Opstr der Fürsten, war er nur«in geschickter Charlatan, deffen Bauern» schlauheit einen genialischen Anstrich hatte, also ein erfolgreicherer Vorgänger unseres lobenswerten Zeitgenossen Harry Doinela. Ist er einem Attentat zum Opfer gefallen oder hat er sich aus Reklame« gründen jene Wunde selbst beigebracht, die dann durch ihren tödlichen Verlauf olle Berechnungen umwarf. Gewiß: man kann sich denken, daß diese Frage urrseren Vor» vätern in der Langeweile ihrer Zeit ein dankbarer Siofl war, man kann sogar verstehen, daß sich jetzt noch jemand studienhalber daflstt beschäftigt. Uns anderen ist die ganze Aiiäre aber so unvergleichlich gleichgültig, wie kaum eine zweite. Gelang es anderen Gene- rationen nicht, Licht in diese mysteriöse Angelegenheit zu bringen, uns wird es erst recht nicht gelingen. Wir haben auch gar keine Neigung dazu. Kaspar Hauser ist tot, wir denken nicht daran, ihn aus seiner Ruhe zu erwecken. Und doch hat es inanchmal den Anickein, als ob das Problem Kaspar Häuser auch in unserer Zeit noch lebendig ifl. Wenn man die Zeiningen, besonders die lüddeutsche Presse durchblättert, nndet man immer wieder langweilige Anikel utcki tiefsinnige Vclrachtunaen über Hauser. Der Tote hat zwar nur eine kleine Gemeinde hinterlassen, diese aber treibt einen recht kräftigen Kult niit ihm. Die Schar seiner Anhänaer und Gegner hält sich ungefähr die Wage. Und alle diese Menschen unterhalten sich tatsächlich ganz ernsthaft über die Frag«, od Kaspar Hauser«in Schwindler war oder nicht. Ebenso lebhaft wie andere Menschen z. B. die Ozean- flüg« besprochen haben, erörtern sie die Möglichkeit, ob der Riß in Hausers Sterbekleid«inen Mord oder einen Selbstmord er- kennen lasse. Das ist ihnen iratiirlich vollkommen unbenommen. denn schließlich kann ja jeder Mensch di« Passion pflegen, die ihm naheliegt. Die Hauser-Mannen haben jedoch die unangenehme Gewohnheit, ihre Meinungsverschiedenheiten vor aller Oefletttlichkeit auszutragen und dabei als selbstverständlich vorauszusetzen; daß andere Leute ihre Veveinsmeierei auch interessiert. Darin irren sie aber ganz erheblich Die große Masse hat andere Sorgen. Di« Clique der Haufer-Schwärmer ist vielleicht immerhin einige hundert Köpte stark. Sie besteht aus einigen Hiflonkern» Kriminalisten. Bibliographen. Literaten, di« Roman» oder Novellen darüber schreiben, und anderen Leuten, die nichts Besseres zu tun haben. Von ihnen bekämpft jeder jeden. Man begnügt sich damit, genau zu widerlegen, was der andere geschrieben hat uttd stellt eine andere Theorie auf, etwas Positives bringt jedoch kein Mensch Aber der Lärm, den sie alle zusammen dabei machen, ist so stark. daß er den Glauben an ein wichtiges Ereianis vortäuschen kann. Das fft es, was man oerwerfen kann, dieser Lärm um mchts. dies« Streitigkeiten um-ine Belanglosigkeit, die das Publikum nur langweilen. Kaspar Hauser ist wirklich schon seit Jahr mW Tag tot. Er war keine von den Persönlichkeiten, die von selbst über ihr Grab hinaus leben. Kein Mensch hat ein Intereffe daran, ihn seiner Abgeichiedenheit zu entreißen. Und wenn man wirklich irgendwo glauben sollt«, man könnte ihn aus dem Tode erwecken. seinen Namen mit Lebenskraft erhalten, dann möge man nicht vergeffen, daß jeder nur künstlich erhaltene Kadaver, wenn er mit frischer Lust in Berührung kommt, zu stinken anfängt. Die I. G. Farben produzieren einen neuen Dünger: den Schiele-Salpeter, der sich besonder» segensreich für den landwirtschaftlichen Großbetrieb erweist. Man streut ihn zoll hoch. « Bei einem geseMgen Zusonnnensetn der Reichsminflter spielt der musikalische Herr o. Keudell seinen Kollegon Marx und Etrese- mann die„Mondschein- Sonate' vor. * Die völkische Studentenschaft führt die Selbstbeschnei- bung(ihrer Rechte) ein. * Die Wilhelmstraße wlid zur Einbahnstraße. Es darf nur noch scharf rechts gefahren werden. » Wilhelm dem Zweiten wird durch einstweilige Verfügung auf Grund des Rechts am eigenen Bilde die fortwährende Nach- a h m u n g und Karitierung feiner eigenen Person- l i ch k e! t untersagt. « Geßler sozialisiert die Filmindustrie. • Ein Versuch, den Bannot-Prozeß im neuen Jahr öflentllch zu verhandeln, scheitert an der gänzlichen Teilnahmlosigkell des Publikums. *" Die Reichswehr stellt einen Republikaner ein. Der Ve- treffende hat bereits feinen Austritt au» dem Werwolf erklärt. » Ludendorff entdeckt zu Hindenburgs 81. Geburtstag, daß dieser nur aus eine Tücke des Iudenvolks zurückzuführen ist, da die Quersumme aus 81 die Zahl 9 ergibt. * Geßler stirbt den Liebestod. Sein letzter Seufzer:„Roch a Phöbufferll' * Piscator verlegt die Aufführung feiner nächsten Kroatton In das Planetarium. Das neue Stück heißt:„Die Revolutton im- Weltenraum' und fft eine reoueattige Umgestaltung des Anderfen- schen Märchens:„Die Prinzessin aus der Erbse." * Der Umbau des Opernhauses tritt in ein neues Stadium. Wegen der Schwierigkeit der Fundameniierung will man fetzt auf die Urform des Theaters, des Thespiskarrens, zurückg'eisen, und das Gebäude unter Wahrung feines historischen Charakters auf Räder stellen. Kosten: nur 25 Millionen. • In einer Berliner Revue kommt es zum Skandal. Ein Komi- ker hat sich einen neuen Wttz erlaubt. » Zur Refo.nn des Strafrechts unterbreitet die Schwerindustrie den Vorschlag, das veraltete System der Einsperrung durch die viel bequemere Aus sperrung zu ersetzen. Di« seit vier Jahrhunderten rühmlichst bekannte WeißeFrau aus dem Ve.'liner Schloß hat sich entschloffen, dem Tertianer Etubbkopp ihre Händ zum Ehebunde zu reichen. � Jonathan. Die Glocken. Von Grete Mass«. Der Kran?« schlug erschrocken die Augen auf. Was war das? In da» Dämmern der Sttll«, da» ihn uinflyg, in das betäubende Gefühl der Erdenentrücktheit, da» da, Fieber in feinem Pulse ihm oerlieh, sank ein Ton, schwer und voll, kalt, wuchtend und pressend. Da— derselbe Ton zum zweitenmal. Der Kranke fuhr enttetzt in seinen Kissen empor. „Ruhig, ruhig," sagte d!« sanfte Stimm« der Krankenschwester, die ihn pflegte, schon viele Wochen lang,„es sind ja nur die Neu- stchrsglockon!" Die Neujahrsglocken? Der Fiebernde, zurückgefallen in feine Kissen, sah die Decke des Zimmers sich heben Dort wölbte sich eine Kuppel in ttefblau- strahlendem Glanz. Unzählige Glocken schwangen in dieser Riesen- Wölbung den Klöppel hi» und her an ihre silbernen Glockenwände. Das war ein Getön, das der fernste Berg es empfinden mußt«, daß jede Welle im Weltenmeer umbraust sein mußte von diesem Schall. „Die Glocken!" dachte der Kranke..Li« Neujahrsglocken. Ein neues Jahr beginnt.' Neujahrsnacht auf der Elbs. Schwindender Ta'g über der sturmgepeitschten Nordsee.... Mit stählernem Bug surcht unser schneller Dampfer die anstül'menden Wogen, tanzt in wildem Rhythmus seinem Ziele zu. Backbord voraus taucht sein erstes Licht auf, fegt mit leuchtendem Strahl den Horizont... Blink, blin! Am Brückennöck steht unser Kapitän mit. dem Steuermann, sucht mit seinem Nachtglas die dunkel gewordene Wasserpche ab. »Das erste Elbfeuerschissl' halblaut spricht er den Satz zu dem Matrosen lfin, der breitbeinig am Ruder steht.„Einen halben Strich mehr Backbord.. ,l' lieber die gischtig lausenden Wellen tanzen Lichter heran, drei weiße Lampen in schwankem Topp.„Bootsmann, das Lochen- signall' Vom Heck sendet ein flackerndes„blue-liglu' seinen feurigen Ruf aus:„Wir brauchen einen Lotsen.'„5)albe Fahrt voraus.' Der Maschinentelegraph klingelt. Aus der nachchchwarzen Finsternis taucht der schemenhafte Umriß eines kleinen Bootes auf, Männer in dunklem Oelzeug führen die Riemen. Hoch siebt die Gestalt des Lochen Im Heck. Bootsleiter pendelt von unserer Bord- wand, ein Sprung.— ein Griff, er entert an Deck.— Wieder volle Kraft voraus! In weitem Bogen steuern wir unter des Lotsen sicherer Obhut die Biegung der Elbmündung herauf. Vorbei die Feuerschiffe, vorbei die gefährlichen Sandbänke von Vogelsand. Cuxhaven grüßt im Lichterglanz herüber. Schneller mahlt unser» Schraub« ta» milchige Waffer am Heck. Hamburg muß unser sein zu Mitter- nacht. Denn heut' fft ja Neujahrsnacht, heut' fft der letzte Tag im alten Jahre. ier Ruck des Zeiger» bringt sein Ende näher. Alle sind heiter und guter Dinge an Bord.,. Wir werden es noch schaffen. Unzählige Leuchtbosen und Bakin flanken dos Fahrwasser, Peu chch euer blitzen auch vom nahen Ufer, geben Weg und Geleit. Laaves« und Fischerboot« suche« gleich ms den Weg m Stadt. rot und grün leuchten ihre Positionslampen. Sicher wie em geübter Großstädter im dichten Straßen gewühl windet sich unser Dampfer unter des Lösten sicherem Kommando hindurch. Die Stunden rinnen dahin, es wird.zehn, es wird bald elf Uhr. Längsseit blinken schon die Lichter von Blankenese, dunkel liegt das Massiv des Süllbergs, von lichsttrahlenden Fenstern wie mit Glühwürmchen besät. Rüstet man dort schon eifrig zum nächt- lichcn Fest...? Immer näher kommt der blutrot glühende Fleck am Nachthimmel, unter dessen düsterem Sckein das nimmer rastende Leben der Wclsttadl Hamburg braust. Auf dem Vorschifs stehen dunkle Gestalten, spähen stromaufwärts der nächtlichen Per- heißung entgegen... Bald, bald...! Da,— ein feuchter Wind hebt sich, man hört für Augenblicke den Losten mif der„Brücke" heftig fluchen. Don Steuerbord. über die niedrigen Dämme der Fischerinsel Finkenwärder her kommen wallende Schwaden, lassen das Dunkel der Nacht schwärzer werden. Bleicher und bleicher werden die leitenden Lichter, ver- blassen wie Schemen, sind fort, weggewischt! Nur Nacht, undurch- dringlich bleiche, graue Nmht ringsum, Nebel...! Uebcr den ganzen Fluh fft die Wand gezogen, Slerne am 5>immel und Lichter aus der Erde, sie alle sind verlöscht.—„Halbe Kraft voraus!' Vorsichtig versuchen wir uns weiter zu tasten, der Loste Ist auf die Back geeilt, blickt über den Bug in die dunkle. schweigende Strömung und sucht den Dampfer weiter zu leiten. Unheimlich dröhnt das Brüllen unserer Sirene durch die Nacht. Ueberall heult es Antwort. Der Lost« flucht.— Nur kein Zu. sammenstoß in dieser diesigen Nacht. Ein wildes Glockenläuten voraus...„Steuerbord das Ruder!" brüllt heftig der Lots«. Ein finster ragender Schotten taucht sekundenlang seitab aus. wird größer... sinkt langsam wieder in Nicht» zurück. Ein Schiff vor Anker. Dunnerlüchstng. da» hat noch eben gut gegangen! Wir tasten noch etwas weiter: dichter und dichter wird der Nebel«Lot hülpt rat nix... Fall Anker!" Donnernd rasselt das Eisen ins Wasser. Es schweigt da» dumpfe Stampfen der Maschine Wir liegen still. Ein Fluchen und ein Toben zieht übers Schiff, wütend vor Enttäuschung stampfen die Matrosen ins Logis. Nur der Loste bleibt auf der Brücke, ein Heizer bei den Feuern, und ich halt« die Wacht auf dem Vor» schiff... Ausguck! Acht Schritt hin und acht Schritt her. Dann ein kurzes, gellendes Läuten mit der schweren Schiffsglocke. Alst- wort tönt verschwommen über'? Wasser. Am Bug gurgelt und rauscht die Strömung. Die Ebbe sängt an. auszulaufen Von Achter kommt der Steuermann:„Acht Glas!' ruft er üer Deck. Feierlich fasse ich das kurze Tau am Glockenschwengel. Acht scharf«, klare Schlüge dröhnen über das Schiff.— Zwölf Uhr... Mitternacht! Und jählings ein Läuten, ein Bimmeln, ein Schrillen un- zähliger Glocken durch die Nacht, ein Briislen und Heulen donner- kehliger Sirenen. Irgendwo von nahen, unsichtbaren Ufern dröhnen Kanonenschläg«, senden Kirchenglocken ihre eherne. Botschaft durch Nebel und Nacht. Gestterhast gedämpft und doch wieder Nor klingt zu uns herüber das Tosen und Toben der Millionenstadt, die be- geistert das neu« Jahr begrüßt. Ans Deck kommt die Mannschast gelaufen, dampfend« Groggläser m der Hand. In allen Svrachen schwirren Neujahrsgriiße durch die Lust. „Een gaudet Nüjohr... a happy new-year... gläckelig nyt- aar.. Jeder ruft mit prallenden Lungen seine» Gruß über» Wasser. Gläser klingen... Langsam verebben die Laute wieder, langsam kehren die Leute der Besatzung wieder in Kajüte und Logis zurück, wo im Schein der Lampe da» Fest noch lange weiter geht. Ich stehe allein«ms de? Back, lehne mich ans wassertroplende, eiserne Geländer und starre in die aram? erhängte Ferne Schleier» verhängt ist da» All. mystffch. undurchdringlich und dunkler Ahnungen voll wie da, neu« Jahr, da» soeben geboren wurde... Kopf hoch, auch dieser Nebelnacht wird ein Sonnenmorgen folgen, dann geht es wieder«euer dem Ziel entgegen.,.„Solle Kraft voraus�. tu* TEILWEISE HERAQ- GESETZT, B15ZUR , 7 � Mengenabgabo vorbehalten. Kein Verkauf an V*'iederverkäufer. 1�4 FAST ALLEN ABTEILUNGEN t&ame!* Damen- Mäntel Ottomane, prima 0;aliULteii, beste Vct- arbeUang, reich mit Pels be< zam Teil aoa oder halb gelütteri. In QC�OO niod. 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