AbendausgaSe Ttr.l B1 4S. Jahrgang DüGeMllch 10 Pfermtg.«onatNch i.— Re chsmart im voraus zahld«. Unter Strelsba»d im In- und Aus» «and H.S0 R«lchsmar» vre Monat. Va„Lonutots' ma tei»llustna» ten SOnntagsbeNege.Volk und Zelt- low'? den Betlagen.Unterhaltung und Gissen".Au» der Kilmwelt- .Htadrbeilage".Frauenstimme- »Der tinderfreund".Sugend-Do?» »Ürt»".Dl.ck w dl» Bütberwelt- �.'kturarbest- und.Techni?- erlche.m«ochemäglich zwe.mai. Koniitags und Montag» einmiU p> Verttner Vvlksblatt Moniag 2. Januar 1V Pfennig >»»»»»«»»«.ig- M PKiin�g RtNam-z-ll» S.- Reichs- m-rl �Klstno A�., eigen- ia»»evze. Hnirfte ffion iS Piem?!« ftuIJBig;»»n 'etiKednickie tHiorte) ied«» weile» Wo» i! Wennlg SlellengeiUlt» ose ffiH Wort Lä Stennig,»de» weile» fflort 10 Stennig Worte üb« IS SuiSttaben jäbl«! für ,w« Wor» Brbeitsmortl Zeile 80 Pfennig(Jamilietiaiueigen für 'Ldonnenlen Zeile«0 Pfennig Anzeigen- amiodm» im ftouolgelchSIl Llnde«. '»atze l wogten lägt von SV» dt» 17 Uhr. Jentrawesan der GoziatdemoLeaMchen Oavisi DeuNGtaudS Redaktion und Verlag: Berlin TW 68. Lindenstraße 3 yernsrreiberi Tönholl 2SZ— 29? Telcgramm-Sdr.. Sozialdemokrat Berlw Vorwarts-Äerlag G. m. b. H. PoftsKelkkonio: Berlin 3?!ÄK— Bonkkontvi Bank der Aidetfer, Angekfellten und Beamien Wallllr,« TiSkomo-Geielllchafi?epositenkalle Lindenln 3 Italien rüstet Ungarn auf. Oesterreichisch-ungarischer Zottkonfliki wegen Maschinengewehrschmuggel. Wien. 2. Janunr. Der„Morgen" rneldet ans Graz, daß sich am Sonntag in Szent-Gottharb, der auf ungarischem Gebiet gelegeneu Aollstatio» an der steierisch-nngarischen Grenze ein Zwischenfall ereignete, der großes Slnfsehe» hernorgo- rufen hat. Mit einem Güterzuge aus Verona waren fünf Waggons eingetroffen, deren Ladung-als„M a- fchinenbestandteile" deklariert war. Die Waggons enthielten aber, wie sich herausstellte, zerlegte Maschinengewehre. Die ö st erreich! s che« Zollbe- Hörden verlangten nun. daß die Waggons nicht weiter- geschoben würden. Trotzdem schoben dir ungarischen Bahnbehörden unter militärischer Bewachung die fünf Waggons mit den Maschinengewehren weiter und traten den österreichischen Zollbeamten, die sie daran hindern wollten, mit Waffengewalt entgegen. Die österreichische Zollbehörde hat nach dem Vorfall Gzent» Gotthard verlasse», so daß die Züge seitdem nicht mehr abgefertigt werden. • Der Republik Oesterreich ist die Aus- und Durchfuhr von Waffen verboten, ihre Zollbeamten haben also nicbt nur korrekt, sondern gewistcrlnaßen als Beauftragte der Unter- zeichne? des Friedensvertrags von St. Germain aghandelt. und wenn sie durch ungariiche Behörden an der Amtsaus- übuna gewaltsam verhindert worden sind, so ist das nicht nur ein Bruch der nachbarlichen Beziehungen, sondern des internationalen Rechts, das Ungarn Woffenein- fuhr verbietet und seine Rüstung ganz genau begrenzt. Man wird aber wahrscheinlich sehen, daß auch in diesem Fall die hohen Protektoren und— Geschäftsfreunde des chorchy-Re- gimes jedes internationale Borgehen gegen die ungarischen Geheimrüstungen verhindern werden! Den deutsch-Lsterreichischen Zollbeamten wird vielleicht die Sorge um das ständig von Ungarn bedrohte D u r g e n- l a n d den Blick geschärft haben. Diese Sorge ist gercwe in den letzten Tagen stark gestiegen: Bundeskanzler Seipel hatte Ende November im Finanzausschuß erzählt, die ungarische Regierung habe autoritativ versichert, daß sie Zln- spräche auf das Burgenland nicht erhebe, nichts zu seiner Ge- winnung tue und— so glaubte Seipel hinzufügen zu können — das Burgenland in jenes integre Ungarn nicht ein- begreife, das man so oft fordert. Nun hat aber der u n g a- rische Außenminister darauf im Parlament geant- wartet, weder er, noch sonst ein dazu Berechtigter habe eine solche Erklärung abgegeben. Unser Genosse P a u l R i ch t e r fragte danach Seipel im Nationalrat, und der Bundeskanzler macht? leere Ausflüchte, gab weder zu, daß er im November geschwindelt, noch behauptete er, daß der Horthnst setzt gelogen habe. So ist denn statt der Beruhigung, die Seipel schaffen wollte, noch stärkere Beunruhigung einge- treten, und der R ü ck t r t t t des schristlichsozialen) Landes- hauptmannsim Burgenland ist das deutlichste Anzeichen dafür. Reue Verhaftungen im Maß. Zwei HeimatbündZer auf der Giraße festgenommen. Strahburg. 2. Januar. Du Polizei hat auf der Straß« zwei Mitglieder des Heimat- bundes, den ehemaligen Lehrer W u e r tz und den Kunstmaler 5 o l v e« n, der an der„ZutUnst" mitarbeitete, verhastet. Solveen soll di« Absicht gehadl haben, in den nächsten Taxen eine neue a-ulu nomistische Zeitschrift herauszugeben. Paris, 2. Januar. Wie die Morgenpresse aus Straßburg meldet: Die Sichtung der om 24. Dezember 1927 beschlagnahmten Dokumente soll die Er- Hebung neuer Anklagen gegen Mitglieder der auwnomistischen Bewegung ermöglichen. Ein protestantischer Pfarrer, dessen Name nicht genannt wird, sollte verhastet werden, ist jedoch anscheinend geflüchtet. Ferner sei man auf der Suche nach einem gewissen vumser, der wegen Beleidigung Frankreichs in der auwnomistischen Presse vor kurzem zu 32900 Franken Geldstrafe und mehreren Monaten Gefängnis verurteilt worden ist. Die Prüfung der beschlagnahmten Papiere habe auch Aufschluß über die Geldgeber gegeben. Verschiedene Personen hätten ihre Versetzung in den Anklage zustand zu envorlen, da sie die mttvnomKtischen Stoßtrupps finanzierten. 22. April Kammerwahl. Paris.?. Januar. Man nimmt allgemein an, daß die Kommerwahl am 2?. April, und der zweite Wahlgang mithin am Sonntag, dem 29. April, vor- genommen werben wird. � Vriands Aeujahrshoffmmg. ffrenndschosi und Abrüstung. London. 2. Januar. Dem Pariser Korrespondenten der„Sunday Times" sagte Außenminister Briand u. a.: Es besteht aller Grund zu der Hofs- «ung. daß Italien und Frankreich zu einer Vereinbarung kommen werden. Für die Baikongrenzen kann meines Erachten» erreicht werden, was für andere Grenzen durch den Locarnopakt zustande- gebracht wurde. Dieses Bilkan-Locarno würde im Zusammenhang stehen mit dem Nichtongrissspakt, den mit die Sowjetregie» r u n g vorgeschlagen hat und über den Verhandlungen beginnen werden, sobald der neue nissische Botschafter in Paris eintrifft. Diese Verträge rufen keinerlei Feindschaft oder Mißtrauen hervor, wenn sie nur der vom Völkerbund empfohlenen Art von Verträgen entsprechen. Eines der Dinge, die ich für 1928 erhoffe, ist der Ab- fchluß eines sranzösisch-amerikanischen Paktes über Aechtung des Krieges, der. beiläufig bemerkt, auf andere Länder ausgedehnt werden könnte. SoLv.Qt der amerikanlschc Botsihaster »ach Paris zurückkehrt, werden die Besprechungen greijbare Form annehmen. Briand betonte weiter die Verminderung, die die französisch« Heeres stärke gegenüber der Zeit vor dem Kriege erfahren habe, und sprach die Hofsiiung aus, daß 1928 die morcriclle Abrüstung überall fortschreiten werde. Zum Sclilutz sagte er: Besonders UHrnschc ich silv das neue Jahr die Ent- Wicklung der Politik sranzäslsch-deutscherAn Näherung. Eine Politik der Isolierung und der Rüstungen ist überhaupt keine Politik Sollen Frankreich und Deutschland nach einem Kamps, der beide fürchterlich geschwächt hat, auf einem Wege vor- wärtsgehen, der sich schließlich unvernicidiich zu einem neuen Kriege führt? Nein. Die Politik, die ich jetzt betreibe, habe ich schon 1921 geplant.___ Die Pyramide brennt... Der Roman wird zur britischen Kolonialwirklichkeit. Sorthum. 2. Januar. Nuzzeuze, welche die englischen Truppen gegen einen feindlichen Stamm im Laugebiet am oberen Nil unterstützten, fügten dem Stamm groß« Verluste zu und bombardierten die Pyramide Dengkur, die bei den Eingeborenen ein« symbolische Bedeutung hat. Die Bestrafung der Malaiia-Insulaner. Dulagi(Salomonslnseln). 2. Januar.(Reuter.) Der Rest der nach der Mcllaitainstl entsandten Strasexepition ist hier eingetroffen. Es wurden noch 40 Gefangene mitgebracht: die Gesamtzahl der Im Verlauf der Exepldilion gefangen genommenen Eingeborenen hat sich dadurch aus 2 00 erhöht. Während der Ope- rationen auf Malaiia sind insgesamt 25 Eingeboren« getötet worden. Die Strasexepition war wegen der Ermordung von zwei Engländern und 15 eingeborenen Polizisten unternommen worden. Tommies gegen Volicemen. London. 2. Januar. „Dailn Mail" zufolge kam es am 31. Dezember v.J. ahends auf dem Tcuppenübungsplctz Aldershot zu erheblichen A u s- schrcitu n g e n von Soldaten, die einen von der Polizei ver- hafteten und in die Polizeistotion gebrachten Kameraden g e w a l t-! sam befreien wollten. Den herbeigerufenen Polizelverstärtun-! gen, so berichtet das Blatt, gelang es schließlich, die Soldaten zur j Rückkehr nach den Kasernen zu veranlassen, wo es aber zu neuen � Ausschreitungen kam. Es wurden eine Anzahl F e n st e r- scheiden zerschlagen und anderer Materiaischade» verur-, facht. Di« Militärbehörden haben eine Untersuchung angeordnet. 1 Englische Wahlaussichten. Von Ego« Wertheimer(London). -t. Baldwitts vierter Winter. Hoch klang, durch die Karnevalsstimmung der Wahlnacht 1924 hindurch, das Lied vom braven Manne Baldwin. Hier war ein Staatsmann nach dem Herzen Bürgertums: der ein wenig einfältige und naive, aber grundanständige Mann: Verkörperung des common»ense des Briten— konservativ, demokratisch, fortschrittlich und sozial zugleich. Der neue Ministerpräsident schien wUschlvssen. sich nach dem Bild« zu formen, das sich die schnell wuchernd« Legend« von ihm gemocht hatte. Baldwin, der sich weigert, den ersten Schuß im Kampfe zwischen Kapstal und Arbeit zu feuern, Baldwin, der von seiner eigenen Anständigkeit hingerissen in die Worte des„Ge- betbuches" ausbricht:„Gib uns Frieden in unserer Zell, o Herr!" Kurz der neue Disräeli. doch englischer, anheimelnder und weniger dämonisch als jener„frenide Patriot" Disräeli selbst. Aber wehe! Das seldsterrichtete Standbild zerbrach im Sturme des Generalstreiks Vor uns steht, seit Mai 1926, ein anderer Baldwin: ein Reaktionär. Erzklassentämpser des Bürger- tums und Feind der Arbeiterschaft. Mag sein, daß ein» persönlich» Tragödie hinter solcher Esttlaroung steht: daß hier ein ehrlich Wollen. der das Opfer stärkerer Mächte und Intellekte geworden ist. Daß dieser Gesangen« der Kampshähne Blrkenhead und Ehurchill ein innerlich gebrochener Mann Ist. Aber den Ve- tiachter, der noch dem Sinn des Geschehens fragt, kann die Person- liche Absicht nicht kümmern. Er sieht das Ergebnis. Er wird in der Kapitulation Baldwins vor der Reetticn, Im Gefolge des großen Klassenkampfes von 1926. cinr schicksalhoste Wendung in der englischen Politik erblicken: das Schestsrn des wohlwollenden Konservativismus, das Efidc der disraelijchen Tradition des sozialen Tory- tum», den Sckluß strich unter einer großen Tradition, die das polt« tisch« Leben Großbritanniens im 19. Jahrhundert grundsätzlich van dem seiner kontinentalen Brudermächt« unterschieden hat. Von 1926 ab wird das Gesicht der britischen Innenpolitik, nicht in seinen äutzerllchen Erscheinungen, wohl aber in ihren praktischen Aus- Wirkungen dem der übrigen europäischen Demokratien ähnlich«: sehen als jemals vorher. Zu Beginn des vierten Winters ist Stanley Laldwiu das iwmi- nelle Haupt einer Regierung, die auf die Attribute der Fortschritt- lichkest, der sozialen und demokratischen Grundrichtung kein Anrecht mehr hat. Einer Regierung, die die Erwerbslosensätze vermindert, Abertausende der staatiichen Hilfe beraubt, die Besteuerung der Reichsten aus Kosten der Arbestslosen« und Krankenversicherung vermindert hat. die den Bergarbeitern niedrigere Löhne und eine längere Arbeitszest aufgezwungen, die Steuern auf Gcbrauchsgcgen« stände der breiten Masien erhöht hat. Deren nationale Sparpaliiik in groteskem Maße versagt hat, deren Militär- und Flottenpolstik. den Bersprechungen des Wahlprogrammes zum Trotz, keinerlei Ton- denz zur Abrüstung zeigt, deren Kolonialpoliiik das Weltreich in seinen Grundfesten bedroht. Deren Reformp.'äne für das Haus der Lords die Basis der britischen Demokratie zu erschüttern drohen. Die Bilanz Baldwin im vierten Wintev: Reaktion gemildert durch Schwäche und inneren Zwiespalt: polstlsche Letharg!« und Enttäuschung. 2. Konservative Ebbe. Nur mst dem Borbehalt, daß es sich mehr um die Deutung von Symptomen als um die Analyse greisbarer Tatbestände handeln kann, wird man an die Beantwortung der Frage herantreten, wie sich die„Bilanz Baldwin" aus die Stimmung der Wähler- s ch a s t ausgewirkt hat. Was die Konservativen anlangt, wird man — im Gegensatz zur Liberalen Partei!— die Presse zur Auskunft heranholen können. Die dauernden Mahnungen der„Times", das Kabinett nach der Personenseste zu„rekonstruieren", die zeitweise Reo ost« der konservativen Beaverbrookblätter, die auf eine unver- gleichiiche Art die Hand am Puls« der öffentlichen Meinung haben, die offene Fctndseligkest der rechisradikal-volkstümlich-demokratisch- faschistischen Rothermerepresse— diese ganze Skala von Winten mit dem Z a u n p f a h l bis zu uiwerhohlener Kampfansage gibt deutliche Fingerzeige. Zumal dann, wenn man daneben di« ver- bältnismäßige Zufriedenheit der Konservativen vom Schlag« der Leser des„Dolly Telegraph' und der„Mornlng Post" nützt über- sieht. Zlu! eine kurze Formel gebrocht, weisen alle dies« Symptome darauf hin, daß es der Regierung Baldwin mst ihrem Soltvmortale van 1926 nur gelungen ist. das Vertrauen k«r im strengsten Parteisinne konservativen Kreise zu erkalten, während sie auf der anderen Seste weder den rechten Flügel besänstigt, noch die konservativen MUläuser befriedigt hat. In seiner praktischen, wähl- technischen Auswirkung bedeutet das, daß Baldwin, käme es in diesem Augenblick zu Neuwahlen— immer vorausgesetzt, daß keinerlei Sinowiewl'rief eine neue Panik schafft—, nur mit den Stimmen der parteipolitisch konservativen Bevölkerungstreise rechnen kann, die Mitläufer von 1924 jedoch verloren hat. Die Ergebnisse der ersten zwanzig Neuwahlen der Jahre 1925-26/27 geben hierfür un- mißverständlich Zeugnis. Wöhrend die Konservativen in diesen zwanzig Wahlkreisen bei den letzten Gesamtwahlen annähernd 300 000 Stimmen erzielten, stimmten bei den Nachwahlen nicht ganz 200 000 Wähler konservativ. Auf eine Gesamtobrechnung übertragen, bedeutet dieser Verlust von 30 Proz. das sichere End« der Baldwin- sitzen Majorität, die ja von allem Ansang an einer Minderheit der abgegebenen Stimmen gestützt war. Valdwtn balanrferf« von allem Anfang an im leeren Raum. Heute Ist seine Politik nichts mehr als eine Regierung de?„Als— ob*— eine Diktatur auf Mruf! 3. Die liberale Chance. Die Liberalen find bei den verhängnisvollen Wahlen von lfiZ-4, dank einer völlig desorganisierten Wahlmaschine, inneren Un- einigkelten, einem für die Wählerschaft fühlbaren politischen Minder- mertigkeitskomplex und ihrer Unfähigkeit, im Antibolscheroismus mit � den Konfervativen konkurieren zu können, vernichtend geschlagen worden. Ihre Flut hat wieder zu steigen begonnen. Die liberale Parteimaschinc ist nunmehr in gutem Zustand, der parla- mentarische Führer der Parte! Lloyd George hat die schwere Ler- trauenskrisc der Jahre 1325/26 überwunden, die liberale Prcsie ist wieder bei der Stange und das liberale Bürgertum befindet sich sichtbar auf dem Rückzug aus dem konservativen Gutsbezirke, in das es vor vier Iahren in wilder Bolfchewistenfnrcht panikartig ge- flüchtet war. Damit ist die Basis für einen liberalen Erfolg gegeben. Ihm sind allerdings von Anfang an enge Grenzen gezogen: das neue, industriell- und schutzzöllnerische Großbürgertum ist, wie das Proletariat— einst das große Reservoir für die liberalen Siege der Vergangenheit— der Liberalen Partei unwiederbringlich verloren. Es find, außer den traditionell liberalen Familien, die politisch sonnlosen bürgerlichen Element«— die 1924 konservativ gewählt hoben— aus deren Unterstützung sich die Hoffnungen der Liberalen Partei aufbauen. Eine negative Chance— aber eine durchaus realistische. Täuschen die Anzeichen nicht, so werden die Liberalen ihre Sitze verdoppeln oder sogar vevdreifachlm. Statt drei Dutzend liberalen Abgeordneten wird es vielleicht hundert geben. Mag das Gewicht der Liberalen bei zukünftigen Entscheidungen i» verstärktem Maße in Erscheinung treten— grundsätzlich wird nichts geändert sein: die Liberalen bleiben zur Rolle der kleinsten. der drei politischen Parteien verdomni! 4. Oer Sieger von morgen. Die Labour Party hat sich, rrnlcr den denkbar üngünstigste» äußeren Verhältnissen, in den drei vergangenen Jahren über alle .Erwartungen hinaus gut geschlagen. Im Parlament weit unter ihre zahlenmäßige Bedeutung reduziert, hat sie aus ihrer Stellung als der offiziellen Opposition herausgeholt, was immer zu holen war. Von den Folgen des Generalstreiks materiell und moralisch im Marke getroffen, hat st« eine der schwersten inneren Krisen ihrer Geschichte mit jugendlicher Frische überwunden. Sie hat die Scheide- linie zu den Kommunisten, deren Fehlen ihr 1924 mit zum Ver- hängnis geworden war, schärfer als lemals gezogen, hat den linken Flügel— stets weniger rebellisch als die bürgerliche Preste wahr haben wolltel— fester an die Gsfamtpartei gebunden als je, eine geschlossene Front mit Gewerkschaften und Gcnostcnschaftcn her- gestellt und die große Agitationsarbeil in Stadt und Land im größten Stile ausgenommen. Die Wählerschast hat in den Nach- wählen die ersten Quittungen erteilt: Labour oermochte, als einzige der drei großen Parteien, einen absoluten Stim- m e n z u w a ch s zu verzeichnen. Ein Versuch, die Aussichten der Arbeiterpartei bei den nächsten Neuwahlen zu umreißen, wird flch allerdings vor Jllustonen hüten müssen: es ist unverkennbar, daß die bürgerlichen Ueberlüufcr in den letzten Jahren seltener geworden sind und daß sich diejenigen proletarischen Schichten, die der Arbeiterpartei nicht -'im ersten Anstürme zUgesalle» sind, besonders die Landarbeiter, schwerer zugänglich erweisen als man ursprünglich gehofft haben Mochte. Die Zeit des ptlzortig-jähen Wachstums der Arbciter- partci ist vorüber; gemessen an dem Ausstieg der letzten zehn Jahre kostet jeder Fußbreit Neulands nunmehr doppelte, ja dreifache Arbeit. Dies wird man in Anrechnung bringen müssen, wenn man der Arbeiterpartei das Wahlhoroskop stellt, und man wird nicht übersehen dürsen, daß die Schaffung von fünf Millionen neuer jugendlicher weiblicher Wähler in seiner Aus- Wirkung gerade auf die Arbeiterpartei eine weitgehend unbekannte Größe darstellt. Zieht man mit größter Nüchternheit die Bilanz, so wird man also annehmen können, daß die Arbeiterpartei dank Der verunglückte Gilvefierulk. (Staatstheater.) Das Staatstheater hatte sich das so neu gedacht. Es wollte, wie immer, mit seiner Silvestcrprcmiere die übliche Mkstimmung er- zeugen, mit der dos alte Jahr ocraüsch-cdet wird. Statt irgend eines oberflächlichen Schmarrens hatte es sich„Ulysses von Jthaka* von Ludwig Holberg ausgesucht, die heroisch« Poste, die heute schon fast als klassisch gelten darf. Es ist zweihundert Jahre her. Damals herrschte aus der deutschen Bühne schlimm« Unkultur. Darsteller, die weder lesen noch schreiben konnten, traten in Stücken von ungeheuerlichem Schwulst auf, die sie manchmal erst am Abend der Bor- stellung richtig kennen lernten. Gegen diese bombastische Schmiere, gegen die Haupt- und Staatsaktionen, in denen der Hanswurst oder „Pickeihsring" die tragende Rolle spielt, richtet sich Holbergs über- wütige Posse. Er verhohncpiepelt Homers Ibas und Odyssee, er veralbert die Antike, Hclder.verehnmg und Krieg. Eine Parodie wirkt natürlich nur dann, wenn wir wissen, worauf angespielt wird. Das hat Jürgen Fehling bei seiner Bcarbeitung übersehen. Er hat, von Streichungen abgesehen, die Poste in ihrer Grundsorm beibehalten und nur zwischen Hvlbergs Bilder Tanz- szenan«inzcschaltet. Wir sehen also die griechischen und trojanischen Heldengestalten in antiker Grandezza und kurz daraus Gruppentänze von Revuegirls modernster Schattierung. Eine Jazzkapelle hinter der Szene spielt ortsübliche Schlager„Ja der Sonnenschem" und „Was macht der Mayer am Himalaya*. Führerin ist die reizende Lucie Mannheim, die nach Art des antiken Chors den Zuschauer in die Handlung einzuführen har. Sie singt auch zwei Couplets von Marcellus Schiffer, die bei dem Publikum kräftig einschlagen. Im übrigen aber breitet sich, je weiter der Welch sonschreitet, Langeweile im Parkett aus. Man hat kein rechtes Verständnis für den Anachronismus, aus dcm Fehling den Haupiulk aus Holbergs Posse zu schöpjen gedenkt. Karl Grau mann ist ein prachtvoller Ulysses, der seine Rolle mit großartiger Assektierrheit hinlegt. Die Helena, deren Raub er zu rächen hat. wird von Elsa Wagner gegeben. Sie ist ein schnapsiiebendee. rech: zweiselhastes Mädchen. Ihre Schwester. Margare:« Schon, ißt während ihres ganzen Auf- tritts aus einer Odstlüle und spricht die tragischsten Sätze mit gelang- wcilter und öliger Slimme. Rosa Pal egg ist wieder«ine ent- zückend anzusehende Penelop«, die Mit liat. aus einem Ver- ein auszutreten, in dem ich niemals Mitglied war. Herrn Oberst vom Berge und Herrcndorf. Vorsitzender des landwirt- schostlichen Krei-oeroins in Glogau, blieb die Leistung dieses Schild- burgerstiickchens vorbehalten. Er wollte wahrscheinlich die Schild- bürger noch übertreffen, die den weisen Brauch hatten, jeden aus einem Verein auszuschließen, der die Atüttelmähigkeit überragte. Am seltsamsten benahm sich der Herzog Albert zu Schleswig- H o l st e i n in Primkenau, der meinte, Fasanen nicht schießen zu können, wenn ich auf der Jagd anwesend wäre. Diese Meinungsäußerung eines bedeutungslosen Prinzen machte ans den Iagdgeber, mit dem ich seit Jahrzehnten in sreundschaillichen Beziehungen stand, solchen Eindruck, daß er mich wirklich mit entschuldigenden Worten schriftlich von der Jagd auslud, obgleich er sich nach seinen eigenen An- gaben über die Berechtigung des Boykotts noch picht habe orientieren können. Ich führ« diese beiden Beispiel« an, weil sie für die Mentalität meiner Gegner besonders charakteristisch sind. Ick) könnte sie an Hand meines Materials beliebig vermehren.. Graf Zedlitz-Trützschler in seiner unabhängigen Position nimmt diese Anfeindungen zwar mehr humorrstisch. Daß aber der junkerliche Boykott ein sehr ernstes Gesicht haben kann, lehrt der bekannte Fall des jungdeutschen Ordens- bruders o. T r e s ck o w. Hier hat sich bekanntlich der Reichs- innenminister o. K e u d e l l an einer ganz ähnlichen Boykott- treiberei höchst persönlich und aktiv beteiligt, und der Reichskanzler und Reichsbannermann a. D. Wilhelm Marx hat dies Tun seines Miniftcrkollegen vor der Oeffentlichkeit gedeckt. Die Fälle Zedlitz-Trützschler und o. Tresckow zeigen große innere Aehnlickikeit. Beiden Verfemten kann man nicht das geringste Ehrenrührige vorwerfen. Ihr ganzes Verbrechen besteht darin, daß sie einige der Iunkerkaste u n- angenehme Wahrheiten ausgesprochen bzw. weiter- gemeldet haben. Herrlich muß es mit der Moral einer Sipp- schaft bestellt sein, die sich genötigt sieht, mit solchen Waffen gegen die Wahrheit anzukämpfen! pariser Jteujahrsbegnadigungen. Paris, 2. Januar. Der Präsident der Republik hat auf Vorschlag des Kriegs- Ministers 28k von den Kriegsgerichten verurteilten Militär! Personen Straferlaß oder Stvasverkürzung gewährt. Die Dollendung des größten kvörlerbuches. Der Oxiorder Enolifh Dictionary. die umfasiendste Sammlung des englischen Wortschatzes, die etwa dem deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm«nt- spricht, wird im Anfang 1928 vollendet sein. Man hoffte, den letzten Band am 7. Januar, 70 Jahre nach dem Beginn der Arbeit, aus- geben zu können, aber der Schlußband wird wohl erst im März öder April erscheinen. Dos Wörterbuch enthält mehr als 15 000 Seiten, verzeichnet die Bedeutung von mehr als 400 000 Worten und führt über zwei Millionen vorfchledeni Belegstellen an. Der Schluß- bcmd enthält die letzte Hälfte des Buchstaben W, da der Band mit X, Y, Z schon erschienen ist. Der Buchstabe C hat mit 29 295 Worten einen Band sür sich, aber er ist nicht der Buchstabe, der den größten Umfang in Anspruch nimmt, sondern das ist das S mit 57 428 Worten auf 2408 Seilen. Dan geringsten Raum nimmt der Luchstabe X mit 28k Worten ein. Das Wort„put" umfaßt 52 Spalten, und an den Worten, die mit„co" beginnen, ist zwei Jahre long gedruckt worden. Flugzeugorforschtntg Vabylonieus. Die Erforschung archäologisch wichtiger Statten vom Flugzeug aus hat schon wertvolle Cr- kenntnisi« zutage gefördert, da man aus der Vogelperspektive Er- bö Hungen und Unregelmäßigkeiten des Geländes, die auf Fund- st Stien und alte Grabhügel schließen lasten, leichter erkennt. Nachdem sich diese Methode In Europa bewährt hat, hat die Regierung des Irak englisch« Flieger beauftragt, dos Land am Tigris nördlich m,d südlich von Bagdad zu überfliegen und von diesem geschichtlich so bedeutsamen Terrain Aufnahmen zu machen. Für diesen Flug über »in« Streck« von etwa 1600 Quadratküometer. ous der es kein« Lon- dungsplötze gibt, ist ein besonderes Flugzeug erbaut, und die Auf- nahmen werden mit einer neuen Filmkamera vorgenommen. Aehn, kich« Untersuchungen sind auch für Rhodesien und Miltelafrika in Aussicht genommen. Welkausstellunq lgZZ in Ziordamerika. Für das Jahr 1982 wird in den Ve'einigten Staaten von Amerika eine Weltausstellung geplant. Die Ausftsllungsgebäudc sollen aus einem riesigen Terrain bei Brooklyn errichtet werden. Die Regierung wird in der Presse aufgejordert, einen Kanal zu diesem Terrain g'oben zu lasten, der auch die Zuführung der größten Schisse gestattet. Ais Tag der Eröffnung wird der 22. Februar 1932 vorgeschlagen. Auf diesen Tag fällt de' 200. Geburtstag George Washingtons. J>it Bassahr von Kimsbverkco l«, Baslaad. Dir GeUungsoauer der Brrmimun� iidrr Sie tlu-Mubi' von Knnsiwerken vom 11. Dezember 1019 Kl I>!s zum 31. Dezember 1929 vcriängert ivoiben. Es wäre»n dcr Zeit, »:e Verordnung durch ein Geich zu oeruollkommuei!. vaftoenchronik. M.iria Orska beginnt orn Mitüroch wieder ihre Tätigkeit am Tdeatcr in der KSniggräder Strafe. Sie spielt zm-äibt die Nolle der Wie In Wedekinds„Schuch kellenleln". darauf w der nächsten Neueinstudierung die Eruschenka in den.Kaiamasow'. vca,lk«merle ia, Dom. Das nächst« Orgelkonzerte von Proi. Sallcr Filcher finde! Drnnerstaa im Dom Üatt. SS wlrtrn rnll: Hilda Jemlng-Nudm. Sopran und das Slreich-Trio Karl Vendel. Clara p.örncr. Armin Liedennann. Programm SV PIg. berechtigt zum Eintritt. - Sie viscalor-Lkhne bereitet für Sonntag, den S. Januar, vormittags 11»/, Ubr, als Studio-Loistellung die llreufführung von F-iwz Jung! ,Hei»m eh- vor. Der„Montag Morgen" behauptet, Reichswehrninister Dr. Geßler unterhalte und unterstütze seit vielen Jahren in München eine Zeitungskorrespondenz, die als„Süd- deutscher Zeitungsdienst" firmiere und in Bayern, Baden und Württemberg rund 159 Zeitungen bediene. Nach den Angaben des„M. M." erfordere die Karre- fpondenz laufende Zuschüsse, die bisher insgesamt die Summe von 209 990 M. erreicht hätten. Die Zuschüsse habe Dr. Geßler geleistet. Der Enthüllung folgt eine Erklärung von„unter- richteter Seite" aus dem Fuße: „Es handelt sich um eine Korrespondenz, die stark in Bayern oerbreitet ist und die unter dem Namen„Süddeutscher Zeitungs- dicnst" namentlch bayerische Blätter mit Nachrichten und Artikeln bedienen. Diese Korrespondenz ist tatsächlich seinerzeit m>i t U n t e r st ü tz u n g Dr. G e ß l e r s, der damals noch Reichs- tagsabgeordneter war und ein bayerisches Mandat vertrat, g e- gründet worden. Die Gründung dieser Korrespondenz fällt in die Zeit schwerer, innerpolitischer Krisen. Es sei daran erinnert, daß damals starke Strömungen für eine Abtrennung Bayerns vom Reich sich geltend gemocht haben. Aufgabe dieser Korrespondenz war es, diesen Strömungen in der bayerischen Oeffentlichkeit entgegen- zutreten und für einen Ausgleich der damaligen Gegensätze zwischen Reich und Bayern zu wirken. Insasern hatten damals die maßgebenden Reichs- stellen ein starkes Interesse an der finanziellen Unterstützung dieses Unternehmens. So sind auf Vermittlung Geßlers wiederholt Unter st ützungsgelder aus Reichsfonds gegeben wor- den. Man legt aber Wert auf die Feststellung, daß diese Gelder nicht aus irgendwelchen Fonds oder EtatsmUteln des Reichs- wehrministeriums stammen. Soweit die Vermittlung Dr. Joffes Brief und der Kreml. Drohung mit der GPLI. Der Rigaer Korrespondent der„Times" will wissen, daß die Veröffentlichung von Josse-, Abschiedsbries im Auslände im Kreml eine außerordenkllchc Beunruhigung hervorgerufen habe. Die Anhänger Stalins sollen befürchten, daß Trohki und Radek auch w eitere, die teilenden Persöalichkeiken der russischen Kommunistischen Partei kompromittierenden Dokumente im Aus- iande veröffcnNtchen würden. Aus diesem Grunde soll das Zentral- komilce alle Mitglieder der Opposition aufgefordert haben, binnen drei Tagen sömtliche sich in ihrem Besitz befindlichen Parteidokumente ooszullefern. Gteichzeilig wird nun mit dem vorgehen der GPU. angedroht. Woldemaras gilt nichts. Sein Einreisevisum zählt nicht. Der Genfer Korrespondent der polnischen Telegrophenagentur, der in Genf von dem litauischen Premierminister das Ein- reiseoifum noch Litauen erholten hatte, traf am Sonnabend an der Grenzstation zwischen Polen und Litauen ein und verlangte den Durchgong auf das litauische Gebiet. Dieser wurde ihm aber von dem litauischen Grenzposten, der sich vorher mit K o w n o in Der- bindung gesetzt hotte, verweigert. Di« litauisch« Regierung er- klärte, daß der Korrespondent der polnischen Telegrophcnagentur, obwohl er ein Einreisevisum besitze, an dieser Stelle nicht nach Litauen kommen dürfe. Echiemanns Scheitern. Die lettische Ziegierungsbildung. Riga. 1. Januar. Der Versuch des Führers der deutschen Fraktion im lettische» Parlament, Dr. S ch> e m a n n, eine Regierung auf b ü r g c r- l i ch e r Grundlage zu bilden, ist ergebnislos geblieben. Das lettische demokratisch« Zentrum, besten Entgegenkommen zum Gelingen des Planes unerläßlich war. hat sich völlig ablehnend verhallen, woraus Schiemonn dem Staatspräsidenten mitteille, daß er den Auf- trog zur Regierungsbildung niederlege. Vermutlich wird nunmehr die Fraktion der R e ch t s s o z i a l i st e n mit der Regierungsbildung beauftragt werden. Dos Organ der lettischen Sozialdemokratie ver- tritt die Ansicht, daß das lettische demokratische Zentrum an. sich die Bildung einer bürgerllchen Regierung wollte, aber„aus Gründen nationaler Selbstachtung" eine Regierungsbildung durch die D e u t s ch e n vereitelt Hobe. Die Schuld am Kriege. Eine beachtenswerte französische Untersuchung. Paris, 1. Januar.(Eigenberichi.) Länger als in den anderen Enlenteländern hat sich in Frank- reich die durch den Artikel 23 des Versailler Vertrags geschasiene Legende von der Alleinschuld Deutschlands am Kriege zu halten vermocht. Die Versuche einiger der Linken ange- hörenden Politiker und Publizisten, die historische Wahrhell zu ermitteln und von dem deutschen Volke den moralischen Druck eines ungerechten Urteils zu nehmen, sind lange Zeit ergebnislos geblieben. weil die ossiztelle französische Geschichtsschreibung bisher glaubte, an der Versailler These festhalten zu müsten. Hier scheint sich nun- mehr endlich ein Wandel vorzubereiten. Die„Europe Nou- v c l l c" verössenliichl am Sonnabend eine Sondernummer, in der der französische Historiker Pröseisor A e r m e i l von der Universitär i Straßburg es unternimmt, an der Hand des von der deutschen Re- gierung veröffentlichten diplomatischen Aktcnmatcrials die Vorgeschichte des Krieges ohne Haß und Ranküne zu studieren. Seine Arbelt liegt erst zu einem Teil vor. Das Ergebnis ist ebenso bemerkenswert wie das Vorwort, das der ehemalige französische Botschafter in Berlin Jules Cambon dazu geschrieben hat. Don einem Diplomaten und einem Historiker, deren Kompetenz und Autorität auch von den nationalistischsten französischen Kreisen nicht bestritten werde» kann, wird hier zum erstenmal die Behoup. t u n g, daß Deutschland den Krieg gewollt und daß es Geßlers in Frage kommt, Hot fr dabei nicht in feiner Eigenfthait als Wehrminister gehandelt. Weiter wird darauf hingewiesen, daß olle maßgebenden und zuständigen Stellen Im Reich von diesen Vorgängen unterrichlcl gc- wesen sind. Die Unterstützungen sind mit Zustimmung dieser zu- ständigen Kreise erfolgt. Weiter wird betont, daß auch die ver- antwortlichcn Kreise in Bayern davon in Kenntnis ge- setzt worden sind und daß sie in den kritischen Zeiten damals cs ve- grüßt haben, daß das Reich seinerseits alles tat, um die Schwierig- leiten zu überbrücken. Das gall besonders auch für die Zeit des Hitler- und Ludcndorsf-Putsches. Die nächsten Plenarbcratungen werden dem Parlament Gelege»- hell geben, die vergangenen Vorkommniste abschließend zu klären." Diese neue Affäre ist ein Seiienstück zur Affäre der „Deutschen Allgemeinen Zeitung". Genau so wie es dort der Fall war, ist die Oeffentlichkeit im unklaren darüber gelassen worden, daß es sich um ein Unternehmen des Reiches handelt. Es ist von der Reichsregierung öffentliche Meinung gemacht worden— unter dem Deckmantel der'Anonymität. Es wird interessant sein zu erfahren, wer der aus Reichs- mittel» gegründeten Korrespondenz nun die polischen Direktiven gegeben hat. War es Dr. G e ß l e r, der auch die Gelder vermittelt hat? In der Veröffentlichung des„M. M." wird darauf hingewiesen, daß die Korrespondenz gleichzeitig ihren Abonnenten Jnseratevon Großkonzernen, so von der H a p a g. vermittelt habe. Hier eröffnet sich ein Einblick in Verbin- düngen zwischen Reichsregierung, Pressepolitik und Privat- geschäften, der überaus bedenklich stimmen muß. Dies neue„Geßlergeheimnis" schreit nach restloser Auf- klärung! systematisch darauf hingearbeitet habe, be w u ß t fallengelassen. An ihre Stelle tritt der mit wissenschaftlicher Methode geführte Nachweis, daß es in erster Linie die Fehler un d Mißgriffe der Diplomaten der beiden Zentralmächte gewesen sind, die die schwerste internationale Verwicklung verschuldet haben, die zwangsläufig zum Kriege führen mußte. Eomban geht darin soweit, zu erklären, daß die Hauptschuld weniger in Berlin als in W i e n zu suchen sei, wo man mit der Annexion Bosniens die Saat gesät habe, die im Wcllkrieg blutig aufgegangen sei. Deutschlands größer Fehler sei es gewesen, daß es i n b I i n d e r Berken nung seiner Bündnispflichi Oesterreich blind- lings zur Seite gestanden habe. 1908 sei es der Wiener und der Berliner Diplomatie gelungen, ihren Willen den europäischen Ka- binettcn aufzuzwingen, und daraus hätte man im Juli 1914 den verlzängnisvollen Schluß gezogen, da!; dieses gesährliehe Spiel ein zweites Mal gelingen werde. Bermell verwahrt sich dagegen, schon heute ein definitives Urteil über die Verantwortlichkeit der beiden Zentrolmächte sprechen zu wollen. Der Zweck seiner Arbeit sei lediglich, die Irrtümer und Fehler der dcutschen Diplomati«, die den Krieg per- schuldet hallen, aufzuzeigen. Er erkennt in seinen Schlußfolgr- rungen rückhalllos an, daß in Deutschland selbst ständig Kräfte, dar- unter vor allem die diplomatischen Vertreter in London, Poris und Petersburg, gegen den Krieg gearbellet hätten, mll ihren Bemühuu- gen allerdings nicht durchgedrungen seien, da die beiden Kanzler Bülow und Bethmann Hollweg sich dem Kaiser und dem Treiben der MUitärpartei gegenüber als zu schwach erwiesen hätten. Um die wahren Ursachen zu ergründen, müsse man in der Geschichte noch viel weiter zurückgehen, denn diese lägen zweifellos in dem System der Bismarckschen Diplomatie. Hier bricht die Arbeit ab, die in einer der nächsten Nummern der Zeitschrift fortgeführt werden soll. Wenn man auch aus deutscher Seite den Feststellungen Vcrmeils nicht in allen Punkten zu folgen vermag, so liegt doch hier das bemerkenswerte Ergebnis vor, daß von der französischen Forschung zum erstenmal nicht mehr das deutsche Volk angeklagt, sondern die auch in Deutschland nie geleugneten Un- zulänglichkeiten und verhängnisvollen Fehler der deutschen und österreichischen Diplomatie für den Ausbruch des Krieges veroniworllich gemacht werden, ein Fortschritt, der für das neue Jahr erfreuliche Perspektiven eröffnet. Das Amisblaii bringt es an den Tag. Ein„Landesverrat" der Londoner Regierungszeitung. London, 2. Januar. Die amllickze.London-Gazolle" veröffentlicht gestern eine Mit- teilung, daß Fliegeroffiziere, die sich mit ihrem Flug- zeug an Bord von U-Booten befinden, eine E x t r a b«- Zahlung erhalttzn sollen.„Sunday Expreß" zufolge beruht diese Milleilung auf einem Versehen. Das Blatt sogt, die Tatsache. daß in der englischen Flolle U-Boote vorhanden sind, die Flugzeuge an Bord führen, sei von der Admiralität aufs sorgfältig st e geheimgehalten worden und nicht für die Voröffentlichunz bestimmt gewesen. Allindischer Boykott. Gegen die Verfassungskommiffion.- Eine Mahnung Macdonalds. London. 1. Januar. Der allindijche Kongreß der Mohammedaner hat ebenso wie die Verbände der Indo-Rationalen und der indischen liberalen Föderation eine Resolution fast einstimmig ange- nommcn, wonach die englische Vcrfassungskommission für Indien boykottiert worden soll. Hiermit haben sich die hauptsächlichsten Verbände Indiens gegen die Kommission ausgesprochen.— Der Führer der englischen Arbeiterpartei, M a e d o n a l d, hat eine große Adrcssean das indische Volk gerichtet, worin er die Politik der englischen Arbeiterpartei verteidigt und die Inder ermahnt in ihrem eigenen Intercste der Kommission Verständnis entgegen- zubringen und sich einer negativen und verderblichen Stellungnahme zu enthalten. 240 oco Regersklaven tn Britisch-Sierra Leone lWestafrika) sind durch Gesetz freie Arbeiter geworden. 20 bis 100 Stunden Arbeitszeit. Zu den mit dieser Ueberschrift versehenen Angaben über die Arbeitszeit auf dem Berliner Vieh, und Schlachthof in Nr. 615 des „Vorwärts" erhalten wir von der Direktion des Städtischen Vieh. und Schlachthofes nachstehende Envidcmng. „Die im Betriebe des städtischen Vieh- und Schlachthofe« tätigen Arbeiter machen bis auf'außergewöhnliche Ge- legsnheiten, wie Rohrbrüche oder sonstige Be- triebsstörungcn. keinerlei lieber stunden. Auf die Arbeitszeit der bei den Schlächtern tätigen Öle- seilen h a t die Verwaltung keinen Einfluß, kann sie auch bei der großen Anzahl süber Z5M)) und der Unübersichtlichkeit und Unregelmäßigkeit des Betriebes nicht überwachen. Sollten hier Ueberstunden gemacht werden, so ist es nicht Sache des Magistrat?, sondern der Arbeitnehmerorganisationen oder der Gewerbeaufsicht, sie zu verhindern." Wir vermissen m dieser Erwiderung ein Eingehen auf die In unserem Artikel ausgeworfene Frage über die Einhaltung der Eröffnung?- und Schlußzeitcn. die in der Schlacht-, B'chhofs- und Mnrkthallenordnung festgelegt sind. G'lteu diese Zeiten auch für die Schlächter und ihre Gesellen oder nicht? Süß« und ein« niedrigeren Zuschlägen für die Ueberfumdeir. Die For. derung der Arbei Ueberstundenzuschlag in Höhe von er war Reichstarifverirag im Versicherungsgewerbe. Der Zentrawerband der Angestellten hatte beschlossen, sowohl die gcldlichen Leistungen, als auch den Manteltarif zum 31. März 1S2S zu kündigen. Da die Kündigung auf Grund der tariflichen Be. ftimmungen aber nur wirksam werden kann, wenn mindestens noch ein zweiter der am Tarifoertrog beteiligten Angestelltenverbände ebenfalls die Kündigung ausspricht, aber keiner der anderen Angcstelltenverbände ein« solche Erklärung abgegeben hat, konnfF eine Kündigung d«s Manttltarifvertroges durch den ZdA. nicht erfolgen. Kein Gelb für Arbeitslohn. KrShvinkelet in Oranienburg. Die Stadtgcmsinde Oranienburg beschäftigte seit drei Dohren «inen S ch l o s s e r, der In ihrer eigenen Werkstatt Reparaturen tur die städtischen Gebäude und Anlagen auszuführen hatte. Kürz- lich wurde dzr Schlosser entlassen,„weil die Stadtgemeinde nicht mch' die Mittel hat, ihn zu be, zahlen" So sagte der Ber- tretcr des Magistrat» Oranienburg vor dem Arbeitsgericht, wo d«r Schlosser seine Cytlassung als unbillige chärje anfocht. Wie stch aus der Verhandlung ergab, hat die Stadtverordneten- nersammluiig bei de' Beratung des Haushaltsplans einig« Aus- gabeposten gestrichen. Darunter befindet sich nach der Meinung des Magistrats auch der Lohn für den städtischen Schlosser. Also wurde dieser gekündigt,„weil die Stadt nicht mehr die Muet hat. ihn zu bezahlen". So hatte es aber dir Stadtvervrdnelenoerlammtang nicht ge- meint, denn nach erfolgte' Kündigung hat sie durch Beschluß den Magistrat ersucht, die Kündigung zurückzunehmen. Der Magistrat hat aber diesem Ersuchen keine Folg« gegeben. Der städtische Schlosser wurde entlassen. Aber die Repa'aturarbel- tem die sich an den Gebäuden und Anlagen der Stadt stets ergeben. mußten aurgeführt werden. Sic wurden einen, selbständigen Schlostermetster übertragen und stellen sich— wie der Vertrete' des Klägers angab— teurer als früher, wo sie in eigener Regie ausgeführt wurden. D'e Stadt Oranienbu'g, die angeblich etats- mäßig nicht die Mittel Hot. sich einen Schlosser zu halten, muß nun erheblich höher« Ausgäben machen, um die notwendigen Schlosserorbeiten ausführen zu lasten. Das Arbeitegericht o e r u r t e i l t e die beklagte Stadtgemeirt*, den Kläger wc!lerzubvschäftlgen oder ihm eine Tntlchädsgung von 600 M. zu zahlen, denn sü' den Kläger, der drei Jahre von der Stadt beschäftigt wurde und sich nichts lzab« zuschuld an kommen lasten, sei ja Arbeit vorhanden. Woher die Stadt die Mittel nehme. ihn zu bezahlen, habe das Gericht nicht zu untersuchen. Ein« Stadt- gemeinde, die Beamte, Angestellt« und Arbeiter beschäftige, m ü s s'e die Mittel herbeischaffen, um sie zu bezahlen. Sie habe auch die M!ttel, denn sie stütze sich doch auf die Steuerkraft ihrer Tin- wohner und befinde sich in dieser Hinsicht In einer günstigeen Lage als ein privater Arbeitgeber. Vereinbarungen in der Textilinöusirie. Jefiigung des Achtstundentages und Lohaerhöhuagen. Für die Liegnitzer Wollindustrie Ist ein neues Lohn- und Arbeitszeitobkommen vereinbart worden. Die Unternehmer hatten beide Abkommen zum 31. Dezember gekündigt. Sie verlangten eins V e r l ä n g r u n g des Lohn- abkommens um ein.Jahr unter Beibehaltung der bishettgen Verlängerung des Arbeitszeitabkommens mlt igen für Lohne höhung um 20 Proz. und 25?roz In der neuen Vereinbarung werden die Stundenlöhne um lO Proz. erhöht. Die Akkvrdst i ck öhne werden bei einem lieber- oe-dienst bis zu 20 Proz. um 10 Proz., bei einem solchen von 20 bis 30 Proz. um 7,5 Proz. und bei einem Ueberverdieirst von über 30 Proz. um 6 Proz. erhöht. In der Arbeitszeit wm c i ebenfalls einige Verbesserungen erzielt. Die beide?, Adkommen für die Löhne und die Arbeitszeit laufen bis zum 31. Dezembe' 1928 * Bei den Manteltarifverhandlungen kür die sää fisch- thüringlsä!«» Webereien, für die ül?er 20 000 Tertllarbriter In Betracht kommen, ist ein neuer Schiedsspruch geiallt war- den. Er bringt in de Arbeitezeit die 48-Stunden- Woche und zwar SH Stunden von Montag bis Freitag und 5'/i Stunden am Sonnabend. Das Sonde abkommen über Mehr- arbeit vom 16. Mai d. I. bleibt unberührt. Die Ueberstun- den sollen allgemein mit 50 Proz., bei Nacht-, Sonntag?» und F-rie-tagrorbeit mit 60 Prrz. bezah't we-den. Die Zus'l ige für die Uelerstunden werden bei den Zeitlöhnen aus dem Zeit ohn. bei den Akkordlöhnen, auf dem tariflichen Zeitlohn p!u» 15 Proz errechnet. In den Ferienbest.immunpen bleibt es be-m alten: 6 Tage bei voller Bezahlung. Alle Anforderungen und Ap- meldun-,en neuer Lrbeitskräste sind, was besonders beeed!'nc—m ist, beim zuständigen Arbeitsamt zu melden. Die Gtt- tunpodaner de? neuen Mantcltarisvertraps läuft bis zum 30. Sep- tember 1929. Die Textilarbeiter werden, wie verlautet, dem Schiedsspruch zustimmen. Die hohen Ueberstundensätze werden praktisch den Acht» stundentag sichern, da die Arbeitgeber kaum Lust baden dürften, dies« hohen Sätze zu zahlen. Das Lohnabkommen läuft erst im nächsten Jahre ab. Die sächsischen Hüttenarbeiter lehnen ab. Dresden, 2. Januar. vre Arbeiter in de? sächsischen Hüttenindustrie haben sich einstimmig für die Ablehnung des am 29. Dezember jje- fällten Arbeitszeit- und Lohnschiedespruchs erklärt. Der Verband der Metallindustriellen wird feine Stellungnahme erst heute abend bekanntgeben._ Arbeltszeitschiedsfpruch verbindlich. Opladen. 2. Januar. Der Mitte Dezember von dem Schlichte? in Barmen gefällte Schiedsspruch über die Regelung der Arbeltszeit i n d e r M e- tallindustrie des unteren Kreises Solingen ist für verbindlitt? erklärt worden. Der Schiedsspruch setzt die Arbeitszelt der weiterverarbeitenden Industrie auf 52 Wochensttm- den, für die Hammer», Preß- und kaltetnsetzenden Walzwerk« aus 34 Wochenstunden fest._ Die Aussperrung in den schwedische» Graben. Stockholm, Z. Januar.(Tll.) Di» Schi nhUi n gsverhcmvi ungen in der schwedischen Gruben- iirdustrie sind an den Lohnforderungen der Arbeiterschast endgültig geschettcrt. Die Aussperrung ist somit unausbleiblich. Die Arbeiterschasl wird mtt mindestens dem gleichen Recht belzaupten, daß die DerhandUrnzen an der Unnachgiedigtett der Uniernehmer gescheitert sind.__ Sie Oberschlesienreise Albert Thomas'. WTB. berichtet: Die in der Preise verbrettete Mitteilung über eiue gemeinsame Reise der Herren Direktor Albert Thomas vom Internationalen Arbeitsamt und Ministerialdirektor Dr. Sitzler nach Oberschlesien zum Studium so- _„.. Es ist dabei offenstchtkich an den Zusammentritt des Begutachtenden A u s s ch u s für Arbeitsfragen in Oberschlesien gcdacyt worl der durch das Genfer Abkommen von 1922 errichtet worden ist und. wie der Press« bereits im Oktober mitgeteilt, für Mitte Januar berufen mlit. Diesem Ausschuh gehören Herr Direktor Albert Thomas als Vorsitzender sowie der Ministerialdirektor im Reichs. arbeUsministerium Herr Dr. Sitzler und der frühere polnische Arbeitsmwister Herr S o k a l als Beisitzer ihrer Regierungen an. vom Relchsarbeitsmivistsrium zialer Fragen ist trrciührend. s" den, Fimmea verzichtet auf die �Ginheit�. Der Sekretär der Transportarbeiter- Internationale, E b a F i m m e n, hat jetzt die Redaktion der von ihm gegründeten Monatsschrist„Einheit" endlich niedergelegt. In der letzten Nummer dieses Organs begründet F l m m e n seinen Austritt da- niit, daß er als Sekretär der Transportarbetter-Jnternntlonale zu ' schr in Anspruch genommen ist und sich zuviel km Auslande auf- hält. Er habe auch rem Betrieb zu wenig Aufmerksamkeit schenken � können, wodurch große Defizite entstanden seien, die er aus � eigenen Mitteln Habs decken mühen. Als weiterer Grund sei hin- zugekommen, daß der Generalrat der Transport» a r b« i t e r- I n t e r n a t i o na!« ihn vor die Wohl ge» stellt habe, entweder die Sch-.Iftleitung der„Einheit" nieder» zulegen oder um feine Verabschiedung nachzusuchen. Er habe das crstere rvvzezooen, weil cr der M:in?.ng sei, daß die Arbeit, die er vorläufig noch auf internationalem G biete zu verrichten habe, wichtiger H ab die Arbeit für die„Einheit". ??r Verzitttt auf die„Einheit" wird der Einheit Zum Vorteil gereichen.____ Slmderuno derengüsche» Gews.kfchastSgefetzgebung London. 2. Januar.(TU.) Mit rem heutig:!, Tag ist da? E-'rg in Kraft getreten, durch das den Giwerkjchasten di« Erhebung einer Ab- gäbe für politische Zwecke verboten wird. Di?ser Weci'el in dcr Gcreerkschast/gesetzgibuna, gc�en ken sich die Ge» werks.hastev au ßc-ordentlich wehrten, hat weit'kehend« Auswickun» gen, d-a er niclt nur den finanziellen Standard der Gewerkschaften eih�llich beem l ßt. srniorn auch ron großer politischer Bedeutung ist. Die Gewnksch.-stvführer oersuchcn, auf anderem Wege den Ausfall zu.ecken._ Die LoHnsniwlcklung in Schweden. IAB. Das schwedische Sozialamt hat kürzlich die endgültig« Lohnstotistik für 1926 veröffentlicht. Diese Statistik be» ruht auf Angaben von 3900 Betrieben. Sie erstrecken sich auf 280 000 Arbeiter, darunter 200 000 erwachsene Männer. Ferner enthält sie Angaben über die Durchschnittsocrdienste der Männer, Frauen und Jugendlichen in den verschie- denen Industriezweigen, sowohl für Arbelt im Stücklohn als im Zeitlohn. Der Durchschnittslohn eines erwachsenen Mannes betrug im Jahr« 1926 für ganz Schweden 2700 Kronen jährlich. Er bklics stch auf 3700 Kronen jährlich für Stockholm. Diese Zahlen bedeuten«Ine Steigerung der Löhne um 118 Prozent im Vergleich zu 1913, um 2 Prozent im Vergleich zu 1925. und eine Senkung um 25 Prozent im Per- hältnis zum Jahrs 1920. In diesem Jahre hatten die Löhne ihren Höchststand erreicht. Der Stundenlohn«Ines erwachsenen Mannes betrug im Landes» durchschnitt 1,19 sfconcn und 1,60 Kronen für Stockholm. Wenn man diesen Angaben die Schwankungen der Lebenvkosten gegenübeniellt, kann man seststellen, daß diese, nachdem sie in den Jahren 192125 gleich geblieben sind, im Jahre 1926 ein« Verringerung auswiesen, so daß der Johresoerdienst der Arbeiter innerhalb dieser drei Jahre e>n« leicht« Steige» rung aufzuweisen hatte. Daraus geht hervor, daß die Reallöhn« cm Jahre 1926 gegenüber densenlzen des Jahaes 1913 um 28 Prozent und im Vergleich zum Jahre 1925 um 4 Prozent gestiegen sind. Die vom toziiuatm veröffenttichten Statistiken zeigen einen beträchtlichen Unterschied zwischen den rettien Export« betrieben und demenlaen, die für den Inlandsmarkt ardeilen. Obgleich dieser LohnuMersch,ed in den letzten 3 Jahren geringe? wurde, haben die Arbeite? tn den für de» Inlands« markt arbeitenden Betrieben durchschnittlich 16 di« 2 0 Pro« zent mehr verdient, als die in den Exportt-eiriebeu be« schäftigten Arbeiter. Dem Unternebmerrum scheinen die Löhne ojsenbar zu hoch zu sein, weshalb ,s sich jetzt anschickt, sie durch Ac,csp;mmr?>ik:ionen herabzudrücken.___ Faschistische LohnpelM. Di« von der Regierung«ingeleitete und geförderte Lohn- kürzungsp........ selber unh WWWWWDW WWWI ganzen Lande einstellen lassen, bis genau« amtlich« Erhebungen über die Lebensmittelpreise in den einzelnen Landes» bellen angestellt find. Wenn bei der Lohndruckkampagne von Vernunft die Rede sei» könnte, dann müßten di« angekündigten Erhebungen über die Lebensmittelpreis» der Lot>ndruck«r«i vorausgeheir. Es ist wirklich kein Kunststück, die Löhne zu drücken, wenn der ganze polt. tisch-faichistische Apparat mit dem silnternehinertum zusammen wirit. Di« Senkung der Lebensmittelpreis« aber ist dem Kapitalismus nicht erwünscht, und Musiolini wird st« nicht ge» lingen. Volitik- Kr. «rrantworilich Me?vllt!k: Dr.«»rt G««», WUttchosl!®. Nlt»grlh»»r; CriDtrfiAflititeBcaunR: 6t. Stzwr», fftHillriün: N. ü. e-Ssch»«: totales und SonNiaee- sie« ftetftltti Aniiioen: Td Steck-. Mmtl!» in verUn. Bertaa: V»rwSr:«.ver>«>g S.«. b H,» m~'~ - Brrlaeooustol» �-------"" und Paul Dr.«nrt Sßtersi ''"tu: Th»u»».... _______ Jctlin, tnick: Lor-süris-kSuchdrucker-t Stogrr ti(£0.. Brrtin SÄ(IS. Lind-agrab» 3. S>«r»« 1 Volk s bfilh ne Tiitato sin*9Jl3JniUli 8 Ulf: Tt. a« Sdiiinugtriliniti! 8 Uhr- Schieber des Kahms Plscütorbühne Tufjt. a. ilollensirfgiiti Kurfflrsi Auf. 8, Ende nach 11 tapulin. di: Ronanevs. dar Krieg und das Telh, das gegen sie aufstand \on Alexey Tolstoi und Schtschegolew Insc Erwin Piscalor Lnstsplelhaas «>,, Uhr Qnldo Thiclscher „Omer Oesdültsaafsldit" Siitnrin-aanitu 3ts. Künstler- Th 8 Uhr: jivciyne" »Cbsmi:-! hcaicr S Uhr SdilnderlianDn 8ifS5ntr-Büta3f, rh.Kün'eerate. St Bergnt.Illft »>/. Uhr: Sdiloss Medtifo von Wedekind Rqi« riitn Baracvstr Kon6dlenh«n< Norden«acu. 8.15— 10 40 Uhr von Curt Oöti TWlia-fheaier 8 0.; Das Itaisel ptt dutth disHadeHltir Wathaiia-Th. Welnbeigsweg 19/20 «.'«Uhr: die große Operette W 3d küßi kDiiis Von. Park, statt auch Sonntag nur eo pl CASINO-THEATER s un, Lothringer Str. 37 xNur noch wenige Atiftübrongca Klein* Kleckersdorl neiden< Gutschein 1— 4 Per«. ui! nur 1,10 M«, Sessel nur 1,60 M. Du RÄhcl von Koanertreulh! Plleitol Und die 4r. Neaheften. IS�KemlsdicOperSd I Neuartigst R«vn«>$tricb I Alles Nacktil [(Nach d. gleichn. Paria. Revue| 1„Tout ou'st. 200.Mitwirkend« R Original-PaHoer kostflme Anesdii fauteui ;Hose-7heater | B»/, Uhr l!fphmi.d.Diitofrit P'nstarlBin ata Ico VitOlt. Jia«iin!)6?e soll der Berliner richtig louirn lernen- Di« Vcr- kchrswocht des ADAC, hat die letzte» Unfallstatistiken studiert und Herausaelesen, datz der Fußgänger in den meisten Fällen selbst Schuld trögt, wenn er van den Verkehrssahrzeugen an- gefahren»der sogar überfahren wird. Von morgen ab soll der Berliner einen prallischen Wegweiser dafür erhalten, wie man seihst bei stärlstcm Verkehr die Straß« überschreite» kann. Vielfach ist nur Unachtsamkeit schuld an den zahlreichen Verkehrsunsällen. Sehr häufig kennt der Berliner die Verkehrszeichen nicht und beachtet sie auch darum zu seinem eigenen Schaden nicht. Von morgen ab wird nun der Berliner eine Woche lang Gelegenheit liaben, praktischen Unterricht zu nehnren. An allen großen Vertehrkstraßen werten von morgen 2 Uhr ab Plakatträeer stehen, die das Publikum aufklären. Diese Plakatträger werden ciua vier Seiten starke Fluoschrist vertreiben, die alles Wissenswert« enthalt, um im Berliner Äerkehr sicher zu sein. Plakat- träger vuh zu ihrer Unterstützung Schupobeamte werden auch v r a k- tische Anweisungen geben. Die Flugschrist wird nicht nur in d'n Straßen vertrieben. Alle Warenhäuser werden ihren Käufern die Schrist mitgeben. In den Betrieben wird di« Schrift an die Arbeiter und Angestellten verteilt. Die Auflage diesar Bro- schüre beträgt Millionen. Sämtliche Verkehrsbetriebe habt'» sich bereit erklärt, diese Verkehrswerbung zu unterstützen. Wenn der Berliner jskoch in einer Woche noch nicht richtig laufen gelernt hat, soll di« Berkchr-werbung fortgesetzt werden. Vielleicht denkt die Vertehrswacht auch mal daran, die Auto- fohrer aufzuklären. Nur wenn auf lxiden Seiten, beim Fuß- gängsr und Autojahrer. genügende Vorsicht geübt wird, können Nn- falle vermieden werden._ Oer erste Raubüberfall im neuen Lahr. CHue Aaubergeschichte. Als erdichtet erwies sich gleich der erste„NaubüberfolT, der im neuen Jahre der Krimjnelpolizei gemeldet wurde. In dem chavse C h r i sti a n i a st r. 1 s 0 tarn gestern abend um 8 Uhr der R Lohre olle stellungslose Kaufmann" Leo S-, dessen Eltern vee- reist find, mit gekesselte» Händen und einer kleinen Kopfwunde in pie Schonkwirtschaft im Erdgeschoß und berlch- >ete. daß er soeben von zwei jungen Männern in seiner Wohnung übersollen und beraubt worden sei. Die beiden, die er kürzlich kennengelernt habe, seien auf seine Veranlassmig zu ihm gekonimcn, um getragene Kleidungs stücke, die er ihnen zu Neulohr verfprochen habe, adzuholen. Plötzlich seien sie über ihn hergefallen, hätten ihn an Händen und Füßen geseiselt und geknebelt und seien mit allerlei Sachen verschwunden. Mit Mühe sei es ihm gelungen, seine Füße zu befreien und den Knebel auszustoßen. Die Wirtin benachrichtigte sofort die auf demselben Grundstück untergebrachte Revicrwache, die auch da« Raubdezernat in Kenntnis setzte. Kriminolkomnnssar Werneburg erschien mit mehreren Beamten und stellte bald fest, daß auch dieser Ueber- fall wieder fingiert war. Es niußte schon oussollen, daß Schubert, statt sofort das<59. Revier im Hause zu beucchrichtigen, die Schankwirtschoft aufsuchte, um hier sein Leid zu klagen. Er blieb zlinöchst noch bei seiner Behauptung, mußte sie jedoch nach einem«ingehenden Verhör falle» lasten. Statt des einen arbeiis- losen jungen Mones, den er kürzlich eingeladen hott«, um ihm utwas zu schenken, waren zwei gekommen. Er hott« beiden ge- tragen« Kleidungsstück« und ander» Sachen geschenkt und wohl mehr weggegeben, als er vor seinen Eltern verantworten konnte. Um eirni Raubüberfall vorzutäuschen hatte er sich fesseln und knebeln lassen. Bei diesem Vorgang war«ine Aas« von ihrem Standplatz heruntergefallen und hatte ihn am Kopf getroffen. Da- her rührt« die klem« blutend» Verletzung. Folgenschwerer Wasserrohrbruch. Mehrere Stadtteile ohne Wasser. Ei» groß«? Wosserrohrbruch ereignete sich am Neujahrstoge im Norden Verlins an der E ck« A m r u n e r, u n d S c e st r a ß e. Ein etwa dreiviertel Meter starkes Hauptwasterrohr, da» von den Tegeler Wasterwerken durch di« Innenstadt nach den Pumpwerken Lichtenberg und in der Wuhlheide führt, war aus noch unbekannter Ursache kurz nach 9 Uhr morgens geplatzt. Ganz« Stadtteile. Treptow. Charlott«nburg, der Norden und Nordwesten, waren vis in die Mittagsstunden hinein ohne Waster. Verschont blieben nur die höhergelegcnen Stadtgebiet«, so der.Nordosten, der an ein anderes Rohrnetz angeschlossen ist. Es war kurz nach 9 Uhr. als plötzlich die Asphalldecke des Fahr- bammes an der Eck« Amruner- und Seestrohe in«ine« Länge von Ist bis 12 Metern auseinanderbarst und ein gcwolliger Wasserschwall on die Oberfläche stürzt«, kj» wenigen Minuten war der Fahrdamm überflutet, so daß die Keller der Wohnhäuser in Ueberschwcmmungs- gcfahr gerieten. Der Fahrdomm wurde iafort von der PolUei ge- werrt und die Wasterwerk« wurden benachrichtigt. Eine größere Arbcjtskolonne nmchte sich- an die Behebung de« Schadens. Di» Bruchstelle wurde.zunächst durch Einschalten der Sick)erheitsschieb«r isoliert. Die plötzliche Unterbrechung der Walfcr.zufuhr gerade in den Morgenstunden machte sich überall empfindlich bemerkbar. Durch Umleiliingen konnten die von dem Bruch betrofsenen Werke in de» Mittags st und« n'wieder in Beirieb gesetzt werden und alle» Ansprüchen gerecht werden. An der Unfallstelle wurden die Arbeiten lvährend der ganzen Nacht ununterbrochen sortgesetzt. Da» schadbafte Rohr wurde durch ein neues ersetzt. Seit heute mittag ist der Betrieb wieder voll Im Gange. Sonnwendfeier der Jtmderfrennde. Ein küristlerisch und pädagogisch sehr beachteilswarter Versuch war das Winter sonnonV«nd«s»st. das di« Gruppe Nord. 0 st der K i n d» r f r« v n d e unter Leitung dsr Genossin Luise Schenk im Allersheim des Bezirks Prenzlauer Berg veranstaltete. Das, Bedeutsame dieses Versuchs liegt darin, daß hier «in Kinder-Impjrovisations-Theater veranstaltet wurde, das mit dem üblichen Auswendiglernen und Deklamieren von vorher gesonnten Stücken gän,zlich bricht. Die Kinder harten sich selbst dos Thema„Wsinachten bei arm und reich" gestellt, und sie haben es in der szenischen und sprachlichen Gestallung völlig selbständig mit erftmmlichom(jjrrolg behandelt. Was die Äindergrupp« an Vorstellungskraft und Erfindung in szenischer Darstellung ausbrachte, hat die Erioorwng oller Ecwachjenen weit übertroffen. Es. braucht nicht betont zu werden, daß natürlich in der Darstellung manches noch unausgeglichen war, weil die Kinder kn ihrer Improvisation neu« Gedanken und Ausdrücke brachten, auf di« si« noch nicht gefaßt warsn. Dafür war die Lebendig- teit und Freiheit der künstlerisch,,, Gesioltung erstaunlich. Dad erste Bild..Weihnachten auf der Straße einer Großstadt" wirkte i» der D-ntellung der Klössengegrniotz«, in der onsgezeichp.eten Wiatcrgobe dnes blinden V elllers mst seinem tieinen Kinde und vor allem m der guten Wiedergabe der Groß- feudtge räch che durch da» Orchester der Kinderarnpp« detonder» Gilvester-Rachllänge. Schüsse und Schlägereien.- Verhaftung zur unrechten Zeit. Siloester, Ultimo und Sonnabend in einer Person, ein viel- versprechende? Datum! Don Wittag bik Gsschöstsschluß gab's Hoch- lonjunktur für Scherzartikel, Pfannkuchen und Siloestsrtrunk. So um 9, 9!4 Uhr fingen die Straßen bereits an. etwas Leben zu zeigen. Wer das alte Jahr nicht zu Hause zu Grab« trug, der eilte dem Ziel seiner abendlichen Wünsch« entgegen; lustige Gruppen, die bereit? um dies« srühe Stunde mitten im Feiern waren, wechselten gröhlend dos Quartier. In den Derkehrszentren, rund um den Potsdamer Platz, die Friedrichstrahe runter Haien die Scherzartikelhändler ihre War« feil, das tutete, das knarrte und zischt«, daß es nur so eine Freude war. Und die Kaufenden stimmten mit den erstandenen Scherzchen lustig in die groß« Kakophonie der Straße ein. Draußen im Funk- Haus am Kaiserdamm gab es Silvesterrummsl größten Formats. 5990 Manschen, placiert auf äAX> Stühlen, waren schon lange, lange vor Jahresschluß in feucht-sröhlichster Stimmung. Der Fesidevis« .Deutscher Wein vom deutschen Rhein" ward vollauf Genüge getan; es stieg«in Rheincantus nach dem anderen, und der rheinisch« Saft. er tot dos Seinige. Ein Hexensabbat. In dem Männlein und Weib- lein aller Jahrgänge in Uebermut zu baden schienen. Und als um die zwölfte Stunde nebst vielen anderen Ueberraschungen auch noch Manna in Gestalt frisch gebacken«« Pfannkuchen regnete, da kannte die Begeisterung kein End«. Die Narrenkappe sah ollen schief auf den erhitzten Köpfen, man schob sich paarweise Schrill für Schritt durch die dichte Menge— in diesem Fall« Tanz genannt—. von Musik war ohnedies nichts zu vernehmen, denn das wilde Halali verschlang dos stark« Aufgebot der verschiedenen Musikkapellen mit Radioverstärkung. Der Neuiahrstag zeigt« auf Straßen und Plätzen noch all die bunten Spuren der fröhlichen Nacht. Jetzt wehen schon wieder neue lustige Fahnen in grellen Farben; bunte Papiere und viele, viele Zisseri: tan-en und locken und hüpfen und werben: Inventur! Di« Silvesternacht ist im Gegensatz zum Vorjahre ziemlich ruhig verlaufen. Insgesamt wurden 2 3 4 Personen lgegcn 535 im Borjahre) wegen groben Unfug, Trunkenheit, Schlägerei, Körperverletzung, Hausfriedensbruch sesigenvmmcn. Bis auf wenig« Ausnahmen ist es zu ernsten ZwischnifäUcn nirgends gekommen.— Auch die städtischen Rettungsstellen waren weniger stark in Anspruch genommen als im Vorjahr. 389 Personen, gegen etwa 590 im Vorjahr, wurden behandelt. Bleibt nach„das Mädchen für alles", die Berliner Feuerwehr. S>« mußt« am Sil- vesterabend und im Laufe der Nacht rund siebzig mal aus- rücken. Gardinen-, Wcihnachtslmumbrände und mehrere Fehl- alarme, hervargerusen durch groben Unfug mit Feuermerkskörpern, waren die hauptsächlichen Ursachen der Hilferufe. Größerer Schaben entstand nirgends. Ledialich ein D a ch st u h l b r a n d, der in der Silvesternacht gegen l Uhr im Hause Liebenwolder Str. 4 7 ausbrach, beschäftigte drei Löschzüge mehrere Stunden. Die Zahl der Verkehrs- und S t r a ß e n u n f ä l! e ist diesmal sehr gering, und außer einem tödlich verlausenen Siraßen- Unfall, verzeichnet der Polizeibericht, kein« nennenswerten Er->g> nifle dieser Art. Von seltener Tragik war ein Todcssall in der Fdckensternstraßa. Der 22 Lohr« alte Bügler Erich Polenz aus der Skakitzer Straße war bei einem Freund« zu Gast und hatte gerade«n Glos Wein getr unken. als er t p t v o m S t u h sank. Ein herbeigerufener Arzt konnte nicht mebr helfen. Do die Todesursache nicht festgestellt werden konnte, wurde die Leiche beschlagnahmt und zur Sektion nach dem Schauhaus» gebracht. Opfer der ttnfugstifier. Der Unfug, in der Silvesternacht semer Freud« über den Jahreswechsel mit scharfen Schüssen Auodrnck zu geben, hat auch diesmal wieder zwei Opfer gefordert. Glücklicherweise sind in beiden Fällen die Verletzungen nicht lebensgefährlich. An der Ecke dgr Boxhagen er- und 5? olteistraße erhielt der 21 Jahr: olle Bäcker Waliex W i n k l e r au? der Boxhaoener Str. 50 von einem unbckanntgebliebenen Schützen eine Kugel in den linken Oberschenkel. Nachdem ihm aus der Rettungsstelle ein Berband angelegt worden war, konnte er sich„ach Hause bs,. geben. Auf ähnliche Weise wurde.ein 45 Jahre alter Molkerei- besitzer Johann P r z y b i l s k i aus der Weserftr. 25 zu Neukölln verletzt. Er stand vor seinem Wohnhause, als ihn eine Kugel in den rechten Oberschenke! tros. Er wurde ebenfalls auf der Nettungsstellc verbunden und nach seiner Wohnung gebracht. Streitereien und Messerstechereien sind auch an ver- schieden«» Stellen der Stadt vorgekommen. An der Ecke der Wa'd- und Bismarckstroß« In Pankow wurde der 21 Jahre alte Schlosser Willy H ü b n e r au, der Bisniarckstr. 7 zu Niederichönhausen mit blutenden Verletzungen im Gesicht aufgefunden. Er war mit m.'hre- ren unbekannten jungen Leuten in Streit geraten, niodsigcscklage» und seines Paletots und seiner Papiere beraubt worden,— Einen Messerstich In die recht« Brustsoite trug bei einem Streite der 22 Jahr« alt« Arbeiter Max P i» ch a p e dapon, der am Neusahrs- morgen gegen 7 Uhr in der Boddinstroße gesunden wurd«. Er mutzte dem Urban-Krankenhaus zugeführt werden. Im Paul-G:r- bordt-Stiit fand ein Z2jähriger Arbeiter Franz Wilke aus der Transvaalstr. 44 Ausnahme, der zu der gleichen Zeit In der Dar« futzstratze mit Messerstichen in der Brust ausgesunden wurde. Das Verhängnis Hippmanns. Dem berüchtigten Fohrraddieb und Schwindler Jakob Hipp- mann, der schon wiederholt von sich reden machte, wurde die Siloesternacht zum Verhängnis. Wegen früher verübter Straf- taten wurde H. zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt und der Straf- anstatt in Plötzensce zugcsllhrt. Von dort flüchtete er, kehrte noch Berlin zurück und nahm sein altes Gewerbe sofort wisder aus. Von Woche zu Woche mehrien sich die Anzeigen gegen den gefähr- lichen Burschen, der unerschöpflich war im Ersinnen neuer Tricks, mit deren Hilfe er harmlojen Junge» die Fohrräder abschwatzle. In vielen Fällen gab er ats.Pfand" irgendeine» Hund, den er kurz vorher gestohlen hatte. Die letzten Streiche, di« von ihm bc- könnt wurden, oerübte er am 7. und am 39. Dezember 1927. Am 7. Dezember zwang er einen Kontitorlehrling, ihm das einkassierte Geld und eine» Rucksack voller Bondongläser auszuhändigen und jchüchlert« den Jungen dadurch ein, daß er einen scheinbar sebr bösen Bernhardinei Hund als Aufpasser vor den Bestoh'.enen fetzte. Als der Junge endlich Zuiraue» zu dem Hund« gefaßt hotte, war Hippmonn natürlich über alle Bern«. Am 39. Dezember hotte er vor dem Hause Ä a n t st r a ß e 2(5 einen wertvollen Schäferhund weogesangen und das Tier einem Jungen im Tausch gegen eine Rennmaschine ausgeschwatzt. Die Ve- amten der Dienststelle L. 5, die schon lange hinter dem Seriendieb her waren, hatten seinen letzten Unterschlups in der Wallstraße in Ehorlottenburg ermittelt und das Haus unter Beobachtung gehol'en. Am Silvesterabend fuhr Hippmann stolz im Auto vor. um sich umzuziehen und zusammen mit seiner Braut fröhlich und unbe- ichweiien Herzens den Jahrs-fchluß zu feiern. Als er den Haus- flu? betrat, faßten die Beamten zu und nahmen ihn fest. Hippmonn tot entrüstet, behauptet«„Erich Fischer" zu heiß?» und«in einwandfreier Bürger zu sein. Sein« Ausslüchte nützten nichts; er wurde ohne weiteres na6? dem Polizeipräsidium ge- bracht. Bei der Unzabl seiner Diebstäkiie und Schwindeleien ist es natürlich unmöglich, olles innerhalb einiger Stunden zu erledigen. Bisher bat man dem Verhofketen 5 9 Fälle vorgehalten, di« er all« zugibt. Im Interesse der Ausklörung wäre es erwünscht, wenn sich die Jungen, die gewaltsam ihrer Räder beraubt worden sind, möglichst umgehend bei der Dienststelle C. 5 im Polizeipräsidium meldeten. lebendig. Da» zweit« Bild„Kinderspiele auf einem Hinterhof" zeigte, wie die armen proletarischen Kinder in Ermangelung tev'er Geschenke durch ihr Spiel sich Spielsach«,, selbst darstellen Im letzten Bild„Weibnochten in einer armen und reichen Familie" wurde di« wirtschaftliche Ungerechtigkeit unserer Geiellschottsordnung durch dos Spiel der Kinder frei und phantasievoll wiedergegeben. Di« Leitung der Kindsrfreund« verdient warme Anerkennung für die Ausdauer und für dos pädagogische Verständnis, mit dem sie dieser neuen, kulturell wichtigen Erziehungearbc-ii sich gewidmet hat. Die selbständige, aus dem kindlichen Gesichtskreis herauswachsende Darstellung von Tatsachen des Lebens ist eine Kunstfornt. di« unserer Wirklichkeit besonders nahesteht. Schwerer Auto�usammeustotz bei �iudenberg. Ein schwerer Zusammenstoß«reigneic sich heute morgen gegen 7V> Uhr auf der Ehausie« zwischen Mahlow und LindenbeSg. Der 31 Jahre alt« Ehausseur Richard Kehrberg befand sich mit einem Autozweirad mit Anhänger aus dem Weg« nach Lindenberg um die L r i« s s ch a s t« n vom P v st a m l W e i ß« n s e e wie gewöhnlich dort hinzubringen. Bar ihm fuhr ein Ehausseur Oehlschläger mit dem Lastauto einer Papiersabrik. das für Sieitin be- stimmte Papierballen geladen hatte. Ungefähr in der Höhe der Lindenberger Mühle versuchte Kchrbera. auf dem schmalen Sommer- weg, neben dem noch ein Radfahversieig liegt, das Lastauto vor- fcbt istswidrig rechts Z» überholen, während mehrere Frauen aus dem Wege zur Arbeit vor ihm herradelien. Das klein« Posta»to fuhr den La st wagen an. dessen Steuerung versagte. Der schwere Wagen rannt« gegen einen Baum, überschiug sich und stürzte in den Ehausseegraben auf das Postauto, das sich ebenfall» über- schlagen hatte. Kehrberg wurde dir Schädel zertrümmert. so daß er auf der Stell« seinen Tod fand. Durch die Exvlosian des Benzintank» gerieten die Wogen und Ladungen in Brand. Die Feuerwehren von Lindenberg und Mahlow, die zu Hille gerufen wurden, mußten lange Schlauchleitungen nach den Rieselfeldern legen, um dos Feuer löschen zu können. Die Leiche de» verunglückten Ehcniffeurs wurde nach de? Halle in Lindenberg gebracht Die Schuldsrage wird von der Orts- pollzet und der Landjägerei noch untersucht. Brckndsttftnnq im NiederschSnssausener Schloß? In der vergangenen Nacht gegen 13i Uhr wurde die Feuerwehr nach dem Schloß tu Niederschönhausen gerusen, wo In der Hall« des Erdgeschosses in einem unter der Trepp, gelegenen Keller ein Brand ausgekommen war. Die Flammen hatten dort lagernd« Bretter, die Holzteil« der Türen und d!« darunter liegende hölzern« Treppe ergriffen. Der Brand konnte bald gelöscht werden. Noch den bisherigen Ermittkungen ist eine sghrsässige Brandstiftung nicht wahrscheinlich, da das Schloß mibe.wobnt ist und die dort zur- zeit beschölligten Arbeiter bereits am 31. Dezember die Räinn, rn- losten hatten. Es dürsts vielmehr vorsätzliche Brand- stijtuvlg vorliegen, da eine der Türen ossenstand. Falsches Gerücht über(Jettt Reiufeldt. Ein Leichensund In der Spree veranlaßt« heute morgen das Gerücht, daß die verschwundene Schülerin Elli Reinseldt tot wiedengesunden worden sei. Es erwies sich bald als falsch. Pailanten sahen an der Luther-Brücke ein« weibliche Leiche treiben, die von Beamten de« 28. Reviers gelandet und nach dem Schauhaus« gebracht wurde. Die Tote hat schon längere Zeit im Wasser gelegen und ist etwa 25 bi« 39 Jahr« alt. Wahrscheinlich ist sie ein« gewisse Margarete Ascher, die am 4. November vorigen Jahre« am Zirkus Busch ins Wasser sprang und gleich unterging. Selbstmordversuch eines Greisenpaares. Die Feuerwehr wurde heute vormittag nach dcc Ritter, strotze 191 gerufen, wo im gase-'süllten Schlafzimmer seiner Woh- itung der 74jährige Schuhmacher Karl K. und dessen 73jährige Frau bewußtlos aufgefunden wurden. Wiederbelebungsversuche mit Sauerstoff warm von Erfolg. Der Zustand der alten Leute ist jedoch so bedenklich, daß der hiniuqerusene Arzt der Rettungsstelle die Ueberfühning in dos Urban-Krankenhaus verordnete Noch den polizeilichen Ermittlungen liegt zweifellos ein gemeinsamer Selbstmordversuch vor. Si. ist feit einigen Jahren gelähmt. In letzter Zeit begann auch die Frau zu kränkeln, so daß sie ihren' Haushall nicht mehr führen konnte. Am Hochzeitstage in den Tod. I» Dompierre bei Aniien« beging ein Ehemann am Hochzeitstag« S« l b st m o r d. Als nach der vermählungs- seier das Paar und der Hochzeitszug über die Brück, in Dompierx, gingen, sagt« der Jungpermähv« zu seinsr Frau-„Ich fühle, daß du mit mir nicht glücklich sein wirst. Ich will lieber Schluß machen." Mit diesen Worten ließ«r den Arm seiner Frau los, stürzte sich in den Fluh und ertrank in der reißenden Strömunz. Genost« WNHelm Hahn. Mitglied der 14. Abteilung, beging am 1. Januar seinen 79. Geburtstag.— Von B-rus Dachdecker, gehört er der Bartei sett 1899 an und ist auch heute noch, genau wie früher, bei allen Parteiarbelten mit tättg. Absturz eines Fensterputzer». Belm Reinigen der Schausenster eines Kaufhauses an der Eck« Reinickendvrier und SchönwaXlMr Straß« stürzte der Fensterputzer H« l b i g ucn der Etogenlelier und trug«inen doppelten Schenkelbruch und doppelten Knöchelbruch davon. Er wurde in das Virchow-Krankenhou« übergeführt. 14. firds Jlroküfln: Achtung! Tie Beatigt Etbung de« Kreisvomande» um 19 llhr in: Parleibmeau. Ncckarltrah« 3, ist ,!ne engere, nicht, wie rrlllun'.ch BNjjff cBttr. ei«, srwstlerte. tu.5ckmtzv«rl>mil» gefchädigi« Au»la»i>, deutsch«.»slsnlaiBtutsch« und Verdrängter" bält am S. Januar, abend« 8 llbr.-tni Lchubcrt-Koorerl? 1*0,»A-«ftratze 104,(diu nächste Mitgtlcher-ersmmnllmg«4. Neujahr in Ruhleben. Das CErpcrtmcnt. am ersten To�c im neuen Jahre Trab- rennen zu veranstalten, muh als geglückt bezeichnet werden. Die Ausckiauerpläize waren gut besetzt, der Sport konnte befriedigen. Der Neusahrspreis, mit 3000 Mark gut dotiert, wurde eine sichere Deute füc W a i n s c a, mit der Heckert einen guten Start erwischte und diesen Vorteil nach Kräften ausnutzte. In der Geraden kamen Prinzeß Peter und Euba zwar bedrohlich auf, ohne jedoch Wainsea, die 1: 23,8 trabte, ganz erreichen zu können. Auf dem festen Geläuf wurden überhaupt gute Zeiten erzielt. So trabte der sehr verbesicrtc Ehrenberg in der.i)and von I. Mills bei feinem Siege über Freund Edelstein im G l ü ck a u f- R s n n e n l: 27,4, während Freund Edelstein 1: 27,3 zusammenbrachte. Einige lieber- raschungen gestalteten den Renntag abwechslungsreich nird inter- rsiant. 1 Rennen. 1. Stall tSeorgis Ütchwueke,'(Fauh ieu.). 2. Turandot, N-.Mia»balle. Teio: SS I tu. PlaS: lv, U. 12: 10. Ferner liefen: Quo bis. Qsmunda, Anker I. Harfenmädchrn, Peter Hall, Beate, Kasimir, Eitelsried. 2. Renne n. l. Stall BiltamS(Ihre allerg(F. Mills), 2. Freund Edelstein. 3. Morgentau. Toto: 33:10. Plcd: 17,14,30:10. Ferner liefen: Quitte B., Lindcott jr., Torrero, Prinzessin Etawah, Pete? Harvester, Flamingo. 'S. Rennen. 1, F. SarnaiM(Sellljtern( Ä. D. Müller). 2. Wagner. 3 P rbeller. Telo: ot-'; lO. Plot»: 20. 32. 60; 10. Feiltet liefen: Ahtencr, ! euchtkäfer, Salome. Ekiarlri) Woribd, Einsicht, Elscntönigin. üoid Volo, FricbiichSbor, Aimcnicr, CCnUtnin Ü'eeibcig. Veuittium. Holstein. •t. Rennen. 1. Stall Heidi uns WainSeo i.Hcikert), 2. Prinzeß Peter, 3. Cvlla. Dolo: SS:}0. Platz: 11. 14, IT: 10, Ferner Uesen: Marcel, TetDlon WattS, Kan.meriöngcr, Königsadler. Satvre(o. W.), Lockung, Willi öl, Trotteur. ».Rennen. 1. B. Vollenberg? Kärtenkpieler fKlabnnde). 2. Pols- da«, 3. Uorinelle. Toto: 136: 10. Platz: 34. 38. 17: 10. Ferner liescu: Heimchen. Down. Öötietllofc. Ostmark. Mistral, Draga WattS. Iram. Minz. Modern. Casanooa. Lord Polo, voudsterS Gloria, Susi Leybucn, Friedrich Rex, Luslschifser. Hridemann. 6. Renne n.!. Gebr. Müllers Picar IG. D. Müller), 2. tzlrnsried. 3. Barmaid. Toto: 294: 10. Platz: 5S, 83. öl: 10. Ferner liefen: Gras Dorn iaiS 2. fciSou. bO Pioz. Play zur). Penn?. Lu, MirabeliS I, Erb- brinz fr., Tichiung, Marie Luise. Minui Holle. Langemann,?!otula, Kerri- xan jr. Weinbrand. Schnodabüpfl lo. 9.'. Kurgast, ManzanareS. ,7. Nennen, l. tz. KöpleS Divistonar lH Sletnnagei). 2. Nieder- länder, 3. FredegundiS. Toto: 27: 10. Plötz: 21. 72. 31: 10. Ferner Urfen: Hillbologc, Harletin. Alfred B., Eiilcnipiegel. Diana Magoman, Köniz, Rober». Lindenwirlin 1. Hcvina. Daist, Dortby. Isegrim. 3. Rennen, l. Frau M. LichtenfeldS Korona McKInnev0 Metern Vorgabe bedachte Richter fDcrein Deutscher Eisschnelläufer) in 5: 47V gegen die Mollcute Grell(Verl. Schl.-Cl.) und Müller(BSE.) an sich brachte. Die beide» anderen Malleute Bulota(Berk. Schl.-Cl.) und Lötsch(BDE.) blieben durch Sturz unplazier.'. Oer Verein„Sealerhcim am Müggelsee" und der„Pachtklub Müggelsee" setzten gestern die Berliner E i s s e g c l s a h r t e n aus J)ci,t Müggelsee fort. Ein herrliches Winterwetter begünstigte die Fahrten, zwei bis vier Meter Südostwind brachten gute Fahrt- Voraussetzungen. Durch das völlig undisziplinierte Berhalten des zuschauenden Publikums wurde die Regatta teilweise schwer beein- i: ächtigt. Die Zuschauer liefen öfter direkt in die im Rennen befindlichen Schlitten hinein und ließen auch r-e zu ihrem eigenen Schutz erlassenen Anweisungen der Kontrolleure und Funktionäre unbeachtet. Die sporitiche Ausbeute der Nach- mittagswetttahrt war deshalb gering, wohingegen die Bormittags- fahrten sportlich recht ergiebig waren. Der Sportklub Ehorlottenburg verlegt vom Dienstag nächster Woche ab sein ständiges Trainingsquartier für feine sämtlichen Mannschaften nach der Z o o- E i? b äh n am Planetarium lau! dem Gelände der Tripolisschau), die sich durch ihre feststehenden Tribünen, die mehrere tausend Personen fassen, und ihre wind- geschützte Lage zur Abhaltung von Eishockcy-Wattspielen besonders gut eignet. Es ist beabsichtigt, zweimal in der Woche abends von 8 Uhr ab für besonders talentierte Berliner Jugendliche Eishockey- Wettspieler-Unterrichtskurss abzuhalten, die unter Leitung der besten Spieler des obigen Klubs stehen werden. Schlüicnrcimcn In Schreiberbau. Unter überaus starker Anteilnahme des Publikums gingen am Neujahrstage aus der 1732 Meter langen Z o ck e l f o l l ba h n bei Schreiberhau Bob- und Rodolrennen vor sich. An den Rodelrennen, die als Training sür die am 4. und 5. Februar .in Schrsiberhau stattfindende Europameisterschaft gedacht waren, be- teikigten sich 48 Fahrer, darunter zahlreiche Deutschböhmen, die auf die ersten Plätze Beschlag legten. In den Bobrennen spielten die Einheimischen eine dominierende klloll«, der Bob„Berlin I" vom „BSC. mußte sich im Zweierbobrennen mit dem vierten Platz unter sechs Teilnehmern begnügen. Die E r g e b n i s s e: Rode trennen: 1. Preißler(R-ichcnberg) 4:38(zwei Fahrten): 2. Passest- Morchenberg 4: 40,4: 3. Feist- Schreiberhau 4:44,4. Sofa rennen: Zweierbob: l.„Windsbraut"-Schreibcr- hau 4:18: 2..T>tlunke"-Schr«iberl>ou 4:21.2: Z.Schreiberhau 1" 4:29,3; 4.„Berlin 1"(Verl. Schlittschuh-Club) 4:30.2. Fünfer- b o b: 1. Bob„Mensel"(Führer und Bremser Gebr. Slanitzte- Schreiberhau) 3:30,4: 2. Bob„Lucas"(Führer Ulrich, Bremser Kluge-Schreiherhau) 3: 41,4: ä. Bob„Sturm"(Führer Erner, Bremser Longer-Schreiberhau) 3: 42.5. Der Rodekausschuß des Internalionaleti Schlittensportverbandes Hot das P r og r a m m für die großen R odelre n n« n. die am 4. und 5. Februar in Schreibcrhau vorgesehen sind, fest- gelegt: Am Sonnabend. 4. Februar, finden aus der Naturbahn Neue Schlesisch« Baude— Zackelsalt Eins! tz fahren für Damen und Herren und ein Gruppensahren(1 Dame, 2 Herren) statt, der 5. Fetzeiuar ist der Entscheidung der Europameisterschaften im Damen-Einsttzer. Herrcn-Einsttzer und Herren-Zweifltzer vorbc- hatten. Diese drei Rennen, für die j« zwei Laus« vorgesehen sind, kommen auf der Zackelsall-Bobbahn zum Austrag. Tennis-Borussia schlägt Klub für Rasenspiele(Köln). Das einzige sportlich interessant« Fußballspiel am Neujahrstag«, der Freundschaftskampf der genannten Vereine, endet« für Köln mit einer Niederlage voll 4:3. Die AWL in Schmiedeberg. Ein Erfolg der Arbeiter- Winiersporiler. Wie Immer, herrschte auch bei der letzten Neranstallung der Arbeiter- Wintersport- Interesscngemeinschast reges Leben. Aus allen Gegenden des Arbciter-Turn- und Sport- bundes waren die Meldungen zu den Sonnenwendläufen am Schmiedcberger Paß sehr zahlreich eingegangen; die Ber- anstaltung versprach einen erstklassigen Sport. Infolge des katastrophal einsetzenden Wettersturzes, zogen es viele Genossen vor, nicht am Start"zu erscheinen. Die Wattkampf- lcitung war aber unentwegt und zog am 25. nachmittags aus, um d'e Spur über den Landeshuter Kamm zu legen. Die vorgesehene Strecke kannte allerdings nicht benutzt werden, da in den Tälern große Stellen vollständig aper waren. So blieb die Wohl, um einen Berg zu umgehen, zwischen 9 und 15 Kim., und die Leitung enischlcß sich zu letzterem. Die Läufer des nächsten Tages waren recht zusricden damit. In der Nacht zum 20. Dezember hatten einige Grad minus eine gute Horjchdecke geschossen, und die Läufer zogen bei klarem Wetter, nur von einigen Nebelfetzen unterbrochen, über die 1 5- K l m.- S i r e ck e. Gleich nach dem Start begannen inter- esiame Kamps«. Bereits am ersten Kontrollposten nach 3,3 Kim. hatte Willi Reich mit Startnummer 19 die Führung übernommen, und Nummer 20(Brandt) war an die fünfte Stelle aus- gerückt. Noch 2 Klm. war 20 Zweiter, und weiter zurück holten 24(Schneiderei»), 27(Zeitz), 32(Wothe) auf. Beim Kontroll- posten 4(10 Klm.) rückten 24 und 32 an die vierte unb sechste Stelle auf. Am Ziel(Paßbaude) kamen dann an: 1. Willi Reich, Schmiedeberg, I: 18: 54, Note 20: 2- Hermann Brandt. Waldenburg. 1: 21: 09. Rote 18.875: 3. Fritz Wothe. AWJ-Berlin. 1: 22: 42, Note 18: 4. N e u g e b a u e r, Kottbus, 1: 24: 15, Note 17.25: 5. Albert Schneidereit, AWJ-Berlin, 1: 25: 07, Note 10.875. Allgem-ün wurden Laufstrecke, Organisierung und Markierung als sehr gut bezeichnet, vor allem wurde auch die Technik der Berliner anerkannt. Drei Mann gaben vorzeitig aus, alle anderen kamen in guter Versassung durchs Ziel. Ilm 11)4 Uhr fand der Start der Ansönger und Jugendlichen über 0 Klm. statt Im Ansängerlauf waren: 1. Pitschke, ZlWI-Berlin, Zell: 50:32; 2. Trun. AWJ-Berlin, Zeit: 50: 35: 3. Freidank, Barwärts, Zeit: 52:50. Von den Jugendlichen waren: 1. GottwaO, Schmiedeberg, Zeit: 52: 59; 2. Hermann Reich, Schmiedeberg, Zeit: 04:0a Unter reger Teilnahm« der Einheimischen und Gäste fand nach- iniitags dos Springen an einer provisorischen Schanze im Aus- gespann statt. An der vorgesehenen Schanze war die Aussprung- bahn schneefrei und konnte daher nicht benutzt werden. Die große Erwartung wurde nicht getäuscht. Die Sprünge des Genossen Reich waren voll Entschlossenheit und Schönheit. Alle drei Sprünge stand als einziger der Genosse Po irisch il, doch zeigt« er nicht den an anderer Sielle bew'esenen Mut. Der weiteste Sprung war 14 Meter(Reich). Die Resultate sind im Sprunglauf: 1. Paul Pospischil. Freie Schwimmer Neukölln, Note 15,0: 2. Willi Reich, Schmiedeberg, Noie 14,5: 3. Walter Schubert, Schmiedeberg, Note 14,2. 1 Im zusammengesetzten Laus(>5 Klm. Lang- und Sprunglaus) waren: 1. Willi Reich. Schmiedeberg, Note 17.25; 2. Friü Wothe. LtWI-Bcrlin, Note 14.25: 3. Neugcbauer, Kollbus, Note 13.125. Die große Staffel konnte nicht gelaufen werden, da die Teilnehmer orn 27. wieder abreilcn mußten. Die ASP.-Ko- l o n n e Schmiedeberg, die. wie alljährlich, sich bereitwilligst zur Bcriügung stellte, brauchte erfreulicherweise außer kleinen Ab- schürfungen nicht in Tätigkeit zu treten. Im ollgemeinen ein großer und schöner Erfolg und ein weiterer Schritt sür die Idee des Arbeiter-Wintersports. » Ausschreibung für das märkische Dinlcrsportscst der AWT-Declin am 14. Januar oder dem nächsten Schneeionniag in den stücken- bergen bei Groß-Besten. 1. Gcländelaus, 8 Klm. 2. Ge- ländelaus für Anfänger, 3 Klm. 3. Geländelauf für Frauen, 3 Klm. 4. Geländelauf für Jugendliche, 3 Klm. 5. Wertungslaufen. 0. Springen für den zusammengesetzten Laus. 7. Schauspringen. 8. Schaulaufen. 9. Staffellaus, 8 Klm.(5 Läufer). Anmeldungen und Auskünfte bis lO. Januar, evtl. eine Woche später, an Fritz Zeitz, Berlin SO 30, Harzer Str. 05. Startgeld 50 Pf. sür Männer, Mannschaft 1 M., mit einsenden. Turn- und Sporiprogramm 1928. lieber das sportliche Arbeitsprogramm des ersten Kreises vom Arbeiler-Turn- und-Sportbund im neuen Jahr kann nun eine Ilebersicht gegeben werden. Der Januar bringt drei große Beronstaltungen m der Zentralturnhalle. Prinzenstraße 70. Am 8. das Hallensportscst des Athletik-Sport-Älub, am 15. das Abendsportfest der Freien Turnerschoft Gr o h- B« r l i n, und am 29. eine Werbeveranstalt u n g der K r e i s s ch u l e, die wiederum das Neueste auf dem Gebiete der Gymnastik bringen wird. Im Februar findet zunächst am 19. das Kreisgerätewetturnen in Berlin statt, dem am 20. das Frauenwerbefest der Freien Turnerschoft Groß- Berlin in der Zcntralturnhalle, Prinzenstraße, folgt. Im Mörz veranstalten die Turner am 11. wieder einen Bühnenwett- st r e i t im„Mercedes-Palost" in Neukölln, die Leichtathleten am 25. Waldläufe in den Bezirken und Gruppen. D«r April beginnt am 1. mit zwei großen Vernnstallungen: Die Leichtathleten haben ihren beliebten Straßenlauf(Eichwalde— Schenkendorf, zehn Mann ein« Mannschaft, pro Mann durchschnittlich 1,2 Kilometer), die Freie Turnerschaft Groß-Berlin ein Jugend- w e r b« s e st in der Zantralturnhalle. Monat Mai bringt die offizielle Eröffnung des Sports im Freien, am 13. durch Well- kämpse in den Vereinen(Anturnen usw>. Am 20. ist Straßenlaus der Leichtathleten(Treptow— Rathaus— Sportplatz Friedrichs Hain, verbunden mit Wcrbespielcn in Hockey, Handball usw.) Im Juni haben die Leichtathleten cun 10. einen Städtewettkamps Leipzig— Nürnberg— Magdeburg— Berlin im Poststadion, ebenfalls am 10. findet ein großes Volks-, Sport- und Spielfest der Freien Turnerschoft Groß-Berlin aus der Treptower Spielwiese und- Spreegartcn statt, das den Auftakt zum zehnjährigen Bestehen des Vereins bilden soll. Am 17. ist R e i ch s- Arbeitersporttag im Stadion Grunewald, am 23./24 Kreis- k i n d e r t u r n f e st in Luckenwalde sowie zwei bundesosfene Sport- feste in Köpenick und Zch'endors. Vom 22 bis 20. findet serner der Bundestag in Leipzig(Bund-esfchule) statt. Auch der Juli ist mit Veranstaltungen reich gesegnet: Kreisfest sür Frauenturnen am 8. in Erkner, sür Frouensport(bundes- offen) am 15. sowie Bezirk-sestc. Im August hat Spandau kreisossenes Iub-läumsfportt'est am 5„ am 20. sind Vereinsmehr- kämpse der Leichtathleten. Der September beginnt am 2. mit einem Länderwettkamvf Lettland— Deutschland in Breslau, am gleichen Tage ist die Altersrisgenvarti« des 1. Kreises, am 10. Abturnen, Abschwimmen usw. Im Oktober findet am 14. ein Musterriegenwetturncn der Freien Turnerschaft Groß-Berlin in der Zentrolturnhalle, am 28. cm Waldlauf der Lcichtatbleien statt, im November, am Bußtag, das alljäbr- liche Fest der Freien �urnerschaft Groß-Berlin' In der D-entralturnholle. v Das vorstehende Programm zeigt, daß beim Arbeitersport eine inieistioe Tätigkeit entfaltet wird, um den Wünschen und Bedürf- wissen der Jugend entgegenzukommen. Wer eine gesunde und kampfbereite Juoend wünscht, der unterstütze die Bestrebungen der Arbeitersportvereine. Lisbockcy in Troppau, Wien und Prag. Die zweite Mannschait des Berliner Schlittschuh- Club, verstärkt durch Molander, spielle in Troppau gegen den dortigen Eislaiisverein mit negativem Erfolge. Troppau ge- wann m t t 2:1, das Tor für Berlin schloß Kittel. In Wien holte sich die I. Mannschait des Wiener Eislauivereins eine glänzende Revanche vom Law-.Tennis-Klikb Prag, der die Wiener vor einigen Wochen überraschend mit 2: 1 besiegt hatte. Diesmal zeigten sich die Oefterreicher von einer ganz anderen Seile und gewannen hoch mit 11: 2- Leiderer schloß allein neun Tore, Brück und Sell waren die anderen Torschützen sür Wien.— In der tschechischen Hauptstadt war Slaoia im Eishcckeykamps über Sparta mit 0:0 erfolgreich. « Die Kämpfe um den Titel eines Deutschen Eishockey- Meisters für das Jahr 1928. die am 21. u n d 2 2. I a n u a r aus dem R i e ß e r s e e bei Garmisch ausgetragen werden, dürsten eine Beteiligung ausweisen, die die der Vorjahre nicht unerheblich in den Schatten stellt. So wird Süddeutschland neben dem Titelverteidiger SC. R i e ß e r s e c noch einige andere Mannschaften stellen, von den Vereinen der Reichshouptstadt wird in erster Linie der Berliner S ch I> t t s ch u h- E l u b alles daransetzen, den von ihln im Vorjahre nicht verteidigten Titel wieder zurückzuerobern. Daneben hat auch der BFC. Preußen, der in den Kämpfen um die Berliner Meisterschaft neben dem Schlittschuh-Cluh an der Spitze der Tabelle steht, eme Beteiligung fest beschlossen. Dagegen wird der Sp.-El. Charlottenburg aus finanziellen Gründen von dem Start seiner Eishockeymannschaft absehen. Lira die Europa-Boxmchierschaft. Am Freitag, dem 0. Januar, wird im Berliner Sport- p a l o st Max S ch m e l i n g seinrn Meistertitel, den er vor noch nicht Jahresfrist dem Belgier Delarge abnehmen konnle, gegen Italiens Meister Michele Bona gl ia verteidigen. Neben diesem alles überragenden Kampf halten auch die übrigen Paarungen jeden Vergleich mit den Programmen früherer Großkampftage aus. Es lämpsen K o h l e r gegen den Franzosen G l e i z e s. Federgewichte- metster Panl N o a ck hat in dem sranzosischen Titelanwärter Paul Gay einen gateu Gegner gesund- n. E.idlich soll auch der Gegner für Damgörgen im Komps um dessen Titel ermittelt werden. Her» mann H e r s e und Alex K i a u s ch sind sür diese Eitdausscheidung ermittelt. Zweit weitere Tressen, die schon wegen ihrer Kürze von nur je vier Ruiide» alle Kämpfer vom ersten Gongschlag an zu härtestem Kamps zwingen, vervollständigen das Programm. Diener und S ch in e l i n g haben aus Leipzig ein 2ln- gebot erhalten, dort zu kämpfen. Da Diener als Meister für den Dortmunder Endkampf erst ab 10. Februar Startverbot hat. besteht die Möglichkeit, daß beide noch vorher ziisammentresfen. Wenn diese Begegnung auch nicht um den Titel gehen kann, so wird die Frage;„Wer ist dos beste deutsche Schwergewicht?" zweifellos starkes Interesse auslösen._ r kostische Tralningsmeldungen aus Ucbersee. Einer der am umstrittenen Wettbewerb« bei de» Olympische» Schwimmwettkämpsen in Amsterdam dürfte die 4-mal- 200-Mcter.Freistilstasfel werden. Bei den diesjährigen Europameistsrschaiten in Bologna konnte die deutsche Mann- schast Heitmann, I. Rademachcr. Berges, He nrich dieses Rennen in der neuen Wcllrekordzeit von 9: 49,0 knapp gegen Schweden ge- Winnen, die trotz eines Arne Borg eine Zeit von 9: 50,2 benötigten. Diese in Bologna im harten Weükamps geschwommenen Zeiten werden ober durch die in Zlmerika und Australien erzielten Trainings- leistungen weit in den Schatten gestellt. Amerika, das bei den letzten Olrmpiscken Spielen in Paris die 4-ntol-200-Meter