Morgenausgabe Nr.Z A2 45. Iahrgang Wöchentlich fO Pfsnmg.«onatNch S.— Reichsmart rm voraus zalzlbar. Unter Streifband rm Ja»«nd Aus« land 5.50 Reichsmark orv Monat. D«„Lorwärrs* mit b« illustrier' ten Sonntagsbeiloge.Volk und Zeit� sowie den Beilagen.Unterhaltung end Wissen-.Aus der tjilmwelt*. .Stadlbeilage-.Frauenstimme-. .Der Kinderfreund-.Iugend-Vo» wärts-»SHrf in die Düchenvelt-, . Kulturarbeit" und.Technik- erschein» wochentäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal. Vcrliner Volksblatt Oienoiag A. Januar 1928 Groß'Äerlinly Pf. Auswärts i5 pf. Die et» f p« I»ige Ronpareillezek!» 80 Pfennig. Reklamezeile S.— Reicho« mark»K'etne Anzeitt«n" das fettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), zedes weitere Wort 12 Pfennig Stellengesuche das erste Won 15 Pfennig, zedes weitere Wort X0 Pfennig Worte ßber 15 Buchstaben zählen für zwc« Worte Arbeitsmorkt Zeile 60 Pfennig Lomtlianzeigen für Llbonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen» annahm» im Hauptgeschäft Linden» ltraßeS. wochentägl oonSVa bis 17 Uhr. Jentvaloesan der Gozkawemotvatikche« Navisi Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhost 232— 297 Telegramm-Adr: Sozialdenrokrat Berlin Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 87523— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellren und Beamten Wallstr. 65 Diskomo-Gesellschatt. Teposttenkasse Lindenstr S Mussolinis Maschinengewehre. Amtliche österreichische Darstellung.— 59-1 Kisten. Wien. 2. Januar. Amtlich wird mitgeteilt: Gestern wurden der österreichischen ZoClzweigstclle am Vahuhof S zent Gotthard seitens der öfterreichlichen Bundesbahnverlr llung die Frachtpapiere»u Zug Nr. 5S7Z(Auisuhr) übergeben. Unter diesen besauden sich süas Frachtbriefe tankend auf Maschinenteile, und zwar Sgl Sisten. Als Ausgabestotion erschien in den Frachibriesen Verona, als Bestimmungsort Slowenste N o v e m e st o. Ztach Ankunst ds Zuges wurde von den österreichischen Zoll- organca eine Stichprobe in der Meise vorgenommen, daß der Waggon Nr. IZJZgZ im Beisein eines Bundcsdahnve trelcrs ge- össnet wurde. Man fand darin Kisten verschiedener Größe mit Moschinengcwehrbestandtellcn. Da demnach die Ware sich als s a l s ch deklariert erwies und der nach den öfter- reichischcn vorschristen für Durchfuhr von Kriegsmaterial ecsorder- liehe Wassenbealeilschein fehlte, wurde der Bunde-bahnoertrcter von den österreichischen Zollbeamten ersucht, den Rücktransport der Waggons ans österreichisches Gebiet zu veranlassen. Ein. in dieser Richtung beim ungarischen Bahnhossoorsland vom österreichischen Bundesbahnverlrcter unternommener Schritt blieb ergebnislos. Die nagarischen Behörden verlraten hierbei den Standpunkt, daß den österreichischen Zollorgaaen ein Recht auf Zurückhaltung der Ware nicht mehr zustehe, da sie sich bereits auf ungarischem Gebiet befinde. Es ist festzustellen, daß die zollamtliche Beschau in Szent Gotthard durch das österreichische Zollamt ord- nungegemäh erfolgt ist. Die Mitteilung, daß das Zollamt Szent Gotthard infolge des Zwischenfalles den Betrieb eingestelli habe, ent- spricht nicht den Tatsachen. Nicht nach der Tschechoflowakei bestimmt. , Prag. 2. Januar. Das Tschechoslowakische Preßbureau teilt zu dem gestrigen Zwischenfall an der österreichisch-ungarischen Grenzzollstation Szent- Gotthard mit: Die mit Maschinengewehren in- zerlegtem Zustand beladenen Waggons aus Verona waren nach Slowakisch- N e u st a d t adressiert und sollten der Deklaration zufolge im Transitwcge über Oesterreich und Ungarn rollen. Tatsächlich aber sollte ihre Ladung in Ungarn bleiben. Parlamentsarbeit nach Neujahr. Die nächsten Ausgaben von Neichsiag und Landtag. Der Reichstag und der Landtag nehmen noch der Weih- nachtspaus« in der nächsten Woche ihre Arbeiten wieder auf. Zunächst treten die großen Ausschüsse dieser Parlamente zusammen. Ain 1t Januar versammelt sich der Haushalteaueschuß de» Reichetags, um die Beratung des Reichshaushaltsplans für das Rech- nungsjahr 1328 in Angriff zu nehmen. Aus der Tagesordnung dieser Aueschußstßung stehen zunächst die Haushalte der Reicheschuld, für Versorgung und Ruhegehälter und des Reichsjustizministeriums. Dann folgen die Haushalte des Reichsarbertsministeriums und des Auswärtigen Amtes. Der Reichstagsausschuß für das Bildungswefen, der das Reichsschulgcsctz zu behandeln hat. ist zum 12. Januar ein- berufen worden, der Ausschuß für das Reichsstrafgefetzbuch zum gleicben Tage. Der Volkswirtschaftliche Aueschuß des Reichstags wird äm 24. Januar zusammentreten und die Einzelberatung des Schaut- stättengefetzes in Angriff nehmen. Das Reichstagsplenum nimmt feine Arbeiten am lg. Januar wieder auf. Auf der Tagesordnung dieser ersten Sitzung nach den Ferien steht die erst« Lesung des neuen Reichshaushalts. plans. Der Hauptausschuß des Landtags versammelt sich am 9. Januar, um ebenfalls in die Haushalteberatung einzutreten. Er wird sich zunächst mit dem Landwirtschaftshanshalt und den Hanehalten der Forst-, Gestüts- und Domänenverwaltung beschäftigen. Auch der Städtebauausschuß wird in diesen Tagen die Vorberatung des neuen Städtebaugesetzes fortsetzen. Die erste Vollsitzung des Landtags findet am 17. Januar statt._ Besserer Mieierschuh in Braunschweig. Die sozialdemokratische Neqierung macht Dürgerblock- unrecht gut. Braunschweig. 2. Januar.(Eigenberichts Kurz vor fZteujahr hat die sozialdemokratische Regierung des Landes Braunschweig sich mit einer Neuregelung der Mieten be- schästigt und Beschlüsse gefaßt, die zwar bei den Hausbesitzern einigen Zorn, bei den breitesten Bevölkerungsschichten aber höchste An- erkennung auslösen werden. Die schwarzweihrote Regierung hatte die Zwangswirtschaft für Geschäftsräume auf Be- treiben der Hausbesitzer beseitigt. Das Ergebnis war ein« teil- weise unerhörte v i e l h u n d e r t p r o z e n t i g e Steigerung der Mieten für Läden und Werkstätten. Darüber seufzte be- sonders der kleine Mittelstand. Die Regierung Jasper hat jetzt durch eine Verordnung bestimmt. daß nunmehr Geschäftsräume wieder in die Zwangs- Wirtschaft einbezogen werden. Die Mieter von Geschäftsräumen können also nicht mehr wie bisher von raffsüchtigen Hausbesitzern willkürlich gesteigert oder an die Luft gesetzt werden. Zugleich hat die sozialdemokratische Regierung verordnet, daß nicht mehr bei der Berechnung der Wohnungsmieten zu dem gesetzlichen Satz noch die sogenannten Nebenleistungen(Treppenbeleuchtung. Müllabsuhr, Schornsteinreinigung usw.) geschlagen werden. Sie Dellen jetzt als zu den Betriebskosten gehörig, müssen also vom Vermieter getragen werden. Nur das Wasiergeld gilt als Nebenleistung und kann auf die Mieter umgelegt werden. Jedoch kann in diesem Falle der Mieter die gesetzliche Miete um 3 Prozent der Friedensmiete kürzen. Damit ist ein Teil des krassen Unrechts, das die letzt« Regierung verübt hat, bereits wieder gutgemacht worden. Die Säuberungsattion. Braunschweig. 2. Januar.(Eigenbericht.) Die sozialistische Landesregierung hat den Kommandeur der brounschweigischen Schutzpolizei. Odcrstleutnont Wardcr-Gun- n i n g, durch die im Schutzpolizeibeamtengesetz vorgesehene Lösung dos Dienstverhältnisses aus dem Amt entlassen. Der Oberst- leutnant hotte im Untersuchungsausschuß des Landtages im vorigen Jahre sich so ausfallend reaktionär benommen und die Ergebnisie der Verhandlungen hatten ein so merkwürdiges Bild über den Komman- deur entrollt, daß damals selbst die„Braunschweigische Landes- zeitung' ihrer Verwunderung darüber Ausdruck gab. DerVerschwörer-Gesandieverschwindei polen zieht Lukasievicz aus Riga zurück. Kowno, 2. Januar. Es wird hier angenommen, daß der bisherige polnische Gesandte in Riga, Lutosiewicz, von seinem Urlaub nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren wird. Lukasiewicz hatte versucht, die litauischen Emigranten in Lettland zu einem gemeinschastlichc» und gewaltsamen Vorgehen gegen die litauische Diktatur zu gc- Winnen. Sein Versuch scheiterte. Seit den Genfer Friedensbemühungen ist er o u f U r l a u b gegangen. Die„Litauische Rund- schau' erblickt in dem Weggang des Gesandten ein« erfreuliche Ent- lastung der lcttländischen Valtikumpolitik. Litauens Kampf gegen Polen. Mit Todesurteilen, Gebetbüchern und Beschlagnahmen. kowno. 2. Januar. Das Kriegsgericht in Kowno hat heute in einem großen Spionageprozeß wieder zwei Todesurteile gefällt. Wegen Spionage zugunsten Polens wurden der litauische Staatsangehörige Schwabaginsti und ein Fräulein K a n c w s k e i t c zum Tode verurteilt. Wegen des gleichen Delikts erhielt der Angeklagte Salin acht Jahre Zuchthaus, die Angeklagte Frau Salene vier Jahre und Frau Jankenene ein Jahr Zuchthaus. Die zum Tode Ver- urteilten richteten an den Staatspräsidenten ein Gnadengesuch. In Litauen wurde heute einneuesGebetbuchsürWilna herausgegeben. An der litauisch-lettischen Grenz« wurde von der Kriminal- polizei ein Posten staatsfeindlicher Schriften beschlagnahmt. Unter diesen befanden sich auch eine Reihe von Eremplaren der Zeitung .Kirmin', die der litauische Emigrantenführer Pletschkaitts in WIlna herausgibt und in der er gegen die Regierung Wowemaras agitiert. Gegen die Splitterparteien! Sie sind eine Gefahr für die Demokratie. Bon Eduard Bernstein. Das gesunde Leben der Republik hängt w hohem Grade davon ab, daß ihr Volksvertretungskörper ein für die positive Arbeit leistungsfähiges Organ bleibt. Verliert er diese Eigenschaft, so tritt früher oder später etwas dem Aehn- liches ein, was wir in Italien sich vollziehen gesehen haben und leider noch weiter walten sehen. Eine so widerliche Erscheinung der italienische Faschismus ist, so dürfen wir uns nicht darüber täuschen, daß er durchaus nicht nur ein Zufallsprodukt, nur die Schöpfung eines agi« tatarisch besonders geschickten Demagogen ist. Herr M u ss o- lini hat für seinen Staatsstreich Vorbilder in der Geschichte gehabt, die bekanntesten davon der Staatsstreich N a p o- l e o n s l. vom 8. November 1799(18. Bnimaire des Jahres VIII der großen französischen Revolution) und der Staats- streich von dessen Neffen Louis Bonaparte vom 2. Dezember 1851. Beide Akte waren möglich geworden, weil die Parlamente, die sie auseinandertrieben, im Lande durch und durch unpopulär geworden waren, und ebenso stand es in Italien am Vorabend von Mussolinis Gewaltstreich. Das italienische Parlament war durch die Bildung vieler kleiner, von ehrgeizigen und korrupten Persönlichkeiten geführter Cliquen, die die parlamentarischen Parteien überwuckerten und alle Augenblicke andere Koalitionen eingingen, der Mög- lickkeit beraubt, eine bestimmte Politik konsequent durch, zufübren, und dadurch jedes Vertrauens verlustig gegangen. Das ist aber ein Zustand, den unter heutigen Wirtschafts» Verhältnissen, weil so ziemlich olle Klassen unter ibm leiden. kein Land auf die Dauer verträgt. Wo er einreißt, sinkt dasPa:lamentschrittweiseinimmerstärkere Mißachtung und ergreift das Verlangen nach einer festen, von einer starken Persönlichkeit geführten Regierung, dem zuerst gewöhnlich politische Reaktionäre Ausdruck geben, all- mählich immer weitere Volkskreise. Alle Welt schaut nach dem..Retter' aus, und wer in der Lage ist, über eine wohl- organisierte Reklamegesellschaft zu verfügen, die ihn syste- matisch als solchen ausschreit, findet im gegebenen Augenblick im ganzen Land Gläubige. As am 2. Dezember 1851 der spätere Napoleon III. seinen Staatsstreich gemacht hatte, gaben bei der von ihm darüber angeordneten Voltsabstim- mnng— dem sogenannten Plebiszit vom 2t1./21. Dezember 1851— von etwas über acht Millionen Abstimmenden nicht weniger als siebeneinbalb Millionen Zettel mit Ja ab. Das zeigt, wie wenig für die radikale Demokratie damit erreicht ist. wenn es gelungen ist. das Parlament als solches in der Achtung der Nation herabzusetzen. Die Verwirklichung echter Demokratie ist nicht möglich ohne eine demokratisch gewählte Voltsvertretung, und die Form der Betätigung der Volksvertretung Ist das, wofür der Name Parlamentarismus gebraucht wird. Es hat daher keinen Sinn, gegen den Parlamentarismus schlechthin zu zetern, wenn man nicht auch die Demokratie selbst verwirft. Gewiß haben die meisten Parlamente ihre Fehler, aber bis jetzt ist noch keine Regierungsform gefunden worden, die von solchen absolut frei wäre. Alle Ersatzformen für den Parlamentarismus, die man bisher ausgetiftelt hat, weisen vielmehr sehr viel größere, zum Teil obendrein mit ihnen notwendlgverbundene Fehler auf, was beim Parka- mentarismus nicht der Fall ist. EingesunderParla» mentarismus ist sehr wohl möglich, und es kommt daher darauf an, ihn dort, wo er noch nicht ist, zu erkämpfen, und dort, wo er erkämpft ist, sicherzustellen. Die Lebensbedingung jedes gefunden Parlamentarismus ist jedoch seine Fundierung durch politische Parteien, die bestimmte Grundsätze des Verfassunqswesens, des Recbts. der Volkswirtschaft, der sozialen Einrichtungen und der Völker- Politik verfechten und zum mindesten in ihrer Mebrheit auf seinem Boden stehen. Wo diese Fundierung fehlt oder ernst- Haft gescbwächt ist, ist auch der Parlamentarismus krank und dem Verfall ausgesetzt. Die Schwächung wird ober stets her- beiqeführt. wo wettgehendeZersetzung derpoli- tischen Parteien oder starkes Umsichgreifen und Ein- nisten von Splitterparteien sich einstellen. In verschiedenen Ländern Deutschlands hat man be- sonders das Letztere lebhaft herausgefühlt und für die Auf- stellung von Parlamenlskandidaten Bedingungen vor- geschrieben, welche die Aufstellung von Splitterkandidoturen wesentlich erschweren und die der Staatsgerichtshof des Reichs als den Geist der Verfassung widersprechend für ungültig erklärt hat. D i t t m a n n hat hier im..Vorwärts' die Richter, die dieses Erkenntnis gefällt haben, ironisch„Hüter der Demo- kratie" genannt, und ich kann ihm darin nur zustimmen. Gewiß ist das gleiche Stimmrecht und die freie Stimmabgabe Grundrecht der Demokratie, an dem nicht gerüttelt werden darf. Aber ist die bedingungslose Freigabe der ZluUtellung von Kandidaturen, hinter denen keine Parteien von Mindest- größe stehen, das geeignetste Mittel, diese» Grundrecht zu verbürgen? Ganz und gar nicht.. Oft genug sind die für solche abgegebenen Stimmen von vornherein entwertet, da Neue Lugenberg-Mache. „Man" schütteli in London mii dem Kopfe... Die dem Hugenberg-Konzern nahestehende„Tele- r a p h e n- U n i o verbreitet nachstehendes aus L o n- o n datiertes Telegramm: � Der von der Parteileitung der deutschen Sozialdemokra- tischen Partei herausgegeben« Kommentar zu den Erklärungen Paul Boncours vor dem französischen sozialdemokratischen Partei- kongreß, wonach die deutschen Sozialisten aus der Luxemburger Sozialistenkonserenz vom 2b. November 1926 die Rhcinlandräumung zur Stärkung des französischen Sicherheitsgefühls von einer inter- nationalen Kontrolle der geräumten Gebiete abhängig gemacht haben, hat in England Kopfschütteln und Per- wunderung hervorgerufen. Es ist bezeichnend, daß man in London die Erklärung so absonderlich findet, daß man sie trotz ihrer Verknüpfung mit der Partei nicht als offizielle Kundgebung der Parteileitung ansehen will. Sachlich wird durchaus anerkannt. daß der Standpunkt der Sozialisten unhaltbar ist. C s wird darauf hingewiesen, daß nicht nur das deutsche Auswärtige Amt und seine Juristen, fondern auch eine große Anzahl anderer Juristen in Deutschland und anderen Ländern nachdrücklich betonen, daß Deutsch- land auf Grund des Friedensvertrages ein Recht auf die Rhein- lanräumung habe. Die Bereitwilligkeit der Sozialisten, ein Sonder- regime im Rheinland anzunehmen, würde nicht nur im Friedens- oertrag keinen Rückhalt finden, sondern würde auch im Widerspruch zum Wlkerbundestawt stehen. Gleichwohl betont man aber, daß die merkwürdige Ansicht der deutschen Sozialistischen Partei eine e r n st e Angelegenheit ist, da es durcbaus möglich ist, daß die Sozialisten bei der nächsten Wahl an die Macht kommen. Eine ebenso plumpe wie groteske Mache, würdig der jüngsten Leistungen der Berliner Lugenberg-Zentrale! Man beachte zunächst die glatte F ä l s ch u n g in der Dar- stellung des Tatbestandes: der Kommentar des Parteivor- standes hat genau das Gegenteil dessen bewiesen, was der TIL-Korrespondent ihm unterstellt Dennoch bleiben die Berliner Lugenberg-Blätter dabei, daß die Luxemburger Resolution die Räumung von einer Sicherheitskontrolle„ab- hängig" gemacht habe. Welche sind nun die Quellen dieses Londoner Tü.-Be- richterstatters? Er hütet sich wohl irgendein Blatt zu zitieren, denn er hat sich seine verleumderische Meldung offen- kundig selber zurechtgemacht. Daher die Redensarten„in England Kopfschütteln und Verwunderung",„man",„es wird". Eine amtliche oder auch nur öffiztöse Stelle wagt er auch nicht anzuführen, wohl aus Angst vor einem Dementi. Wer ist aber seine Quelle? Etwa der Londoner Korrespondent des„Lokal-Slnzeigers", ein erprobter Lugen- berg-Mann. der auf den klassisch-deutschnationalen Namen Oskar Theodor Schweriner hön? Das ist ein sauberer Journalismus, der da von der TV. getrieben wird. Diese plump? Methode, das Gift der Ver- leumdung in einer Weise einzuträufeln, die gerichtlich nicht zu fassen ist, ist allerdings, um die Worte dieses famosen Tele- gramms zu gebrauchen,„eine ernste Angelegenheit. Da wir aber nicht gewillt sind, diese Art von Bolksver- giftung widerspruchslos hinzunehmen, erklären wir. daß die zuständigen Stellen der Reichsregierung seinerzeit die Luxem- burger Resolution sehr genau beachtet haben. Sie waren mit den Luxemburger Formeln, die übrigens damals sofort publi- ziert und nirgends ernsthaft kritisiert wurden, völlig einverstanden: und sie wären glücklich gewesen, wenn es ihn?n im Dezember 1323 gelungen wäre, auf der gleichen Basis wie die Sozialdemokraten in Luxemburg sich in Genf mit den Regierungen über Rheinlandräumung und zivile Sicherheitskontrolle zu verständigen, anstatt ein Abkommen abschließen zu müssen, das nur eine m i l i- t ä r i s ch e Kontrolle, aber keine Räumung vorsah. Ja, heute noch würde Stresemann mit beiden ch ä n d e n zugreifen, wenn er die sofortige Räumung durch Gewährung einer zivilen Völkerbundskontrolle bis zum Jahre 1935 erreichen könnte. Wir fürchten, je länger er noch mit den Leuten zusammen regiert, hinter denen der Lugen- bergsche Verleumderkonzern steht, desto teuerer wird der Preis sein, mit dem er die vorzeitige Befreiung des be- setzten Gebietes wird erkaufen müssen. Eowjetrussischer Antisemitismus. Boykott gegen jüdische Arbeiter.— Mtualmordschwindel.— Pogromhetze. Erst vor kurzem hat die offiziell« Sowjetpresse in spalteillangen Artikeln das Anwachsen des Antisemitismus in Sowjetrußland fest. gestellt und die Mittel und Wege erörtert, wie dem Hebel abzu- helfen sei. Der Fall des Lehrlings Bei roch, der von seinen kommunistischen Arbeitskollegen im wahren Sinne des Wortes ge- peinigt wurde, hatte sogar ein gerichtliches Nachspiel. Seither hat aber der Antisemitismus noch weitere Ausdehnung erhalten. Die kommunistische„Jugend-Pramda" vom 23. Dezember o. I. behaup- tet. daß er selbst bei den Roten Pionieren und in den kom- munistischen Iugendgruppen fest« Wurzeln geschlagen habe. Das Blatt widmet dieser Erscheinung eine ganze Seite und bringt eine Reihe von Kornespr>nden.zen aus verschiedenen Teilen Rußlands. So erfährt man. daß in dem Gouvernement Brjanst erst vor wenigen Tagen ein Prozeß gegen«ine Anzahl von Anti- semiten zu Ende gegangen ist, die einen 70jährigen Juden des Ritualmordes an einem russischen Knaben beschuldigt hatten und daß ein zweiter ähnlicher Prozeß bevorsteht. Man erfährt weiter, daß bei dieser Gelegenheit auch Ausrufe zu Juden- pogromen verbreitet wurden, und daß weder die örtliche Kommunistisch« Partei noch die Kommunistische Jugendgruppe einen Fmger gerührt haben, um dieser Pogromstimmung entgegenzu- treten. Ergänzt wird diese Mitteilung durch �ine ander«: da heißt es z. L., daß selbst in den Kommunistischen Iugendgruppen, in denen bis 50 Proz. Mitglieder Juden sind, ein Antisemitismus schlimmster Art grassiert und daß es gerade die kommunistische Jugend ist, die den parteilosen Arbeitern den Antisemitismus einimpft. Wie es jüdischen jungen Arbeitern unter Umständen selbst in den Hauptstädten Sowjetrußlands ergehen kann, darüber melden zwei weiter« Notizen. In einem Falle hatte ein 19jähriger jlldi- scher Bäcker nach monatelanger Arbeitslosigkeit durch den Arbeits- Nachweis in einer Bäckerei schließlich vorübergehend« Arbeit er- halten. Um nicht arbeitslos zu werden, bat er, ihn in die Ge- werkschaft aufzunehmen. Er erhielt aber zur Antwort: „Fahr'»«ch Berditschew(eine Stadt im ehemaligen Ghetto)? Du hast hier nicht» zu suchen." Im Betriebsrat der Bäckerei sahen aber ein Kommunist, ein Mitglied der Kommunistischen Jugend und ein Parteiloser! Das war in Moskau.- Der airdere Fall passierte in Leningrad. Ein junger jüdi- scher Ardeiter, Mitglied der Kommunistischen Jugend, war hier ähn- lich dem jüdischen Lehrling Beirach, Zielscheibe der gemeinsten Schikanen einiger Arbeiter, von denen einer der Kommunistischen? Jugend angehörte. Als er sich, schließlich bei einem allen Kommül� niston,. dein' Direktor der Fabrik, beklagic, erüärte dieser, daß �an der Sache nichts sei. Und schließlich wurde dem jüdischen Kommu- nisten nicht nur gekündigt, sondern man versuchte ihn sowohl aus der Äomnmnistischen Jugend als auch aus dem Gewerk- fchaftsoerband hinauszudrängen. Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen. Die Roten � Pionier«, Jungens und Mädels im Alter von 8—14 Jahren, stehen ihren Genossen in keiner Weife nach. Da klagt bitter solch ein jüdi-. scher Pionier sein Leid. Ort der Handlung ist auch in diesem Falle nicht etwa irgendein kleiner Flecken im entlegenen Rußland, so»- dern Moskau selbst. Der jüdische Knabe war einem Roten Pioniertrupp an einer der Moskauer Eijenbahnen beigetreten. Vom ersten Tag« an gab man ihm zu fühlen, daß er I u d e ist. Er ver- suchte, diese eigenartigen Zustände öffentlich zur Sprache zu brin- gen. fand aber kein« Gegenliebe damit. In der Schule wollte er eine Notiz in der„Wand-Zeitung" veröffentlichen. Die Folge da- von war. daß die Lehrerin ihm zurief und ihm erklärte, daß es in der Schule überhaupt keinen Antisemitismus gebe. In einem anderen Orte gibt es sieben Pioniertrupps: drei weißrujsijche und vier jüdische. Zwei von den jüdischen Trupps roerden von ihren russischen Jugendgenossen auseinandergejagt. Di« Kommunistische Parteiorganisation und die Kommunistische Jugend dulden das. Im Arbeiterblub soll von einer jüdischen Arbeitervereinigung ein« Aufführung stattfinden. Unter Führung des Vorsitzenden der Kommunistischen Zell«, werden Schauspieler und Publikum aus dem Saale gejagt.„Hier ist keine Synagoge!" ruft man ihnen zu.„Zu Teufels Groß- mutter mit euch!" Kann man sich etwas Beschämenderes vorstellen, als dies« Schilderungen der Arbeiterkorrespondenten! Sind das die Früchts der kommunistischen Jugenderziehung? sie nicht einmal ausreichen, auch nur einen Vertreter der betreffenden Richtung ins Parlament zu bringen. Und sie sind so gut wie wertlos, wo auf Grund ihrer nur eine ver- schwindende Zahl dieser.Kandidaten Abgeordnete werden. Wertlos für die Sache, die sie verfechten sollen, zugleich aber auch abträglich für das gesunde Leben der Demokratie, sobald die Bildung solcher Splitterparteien zu Epidemie wird. Die Entwicklung des politischen Lebens der Gegenwart mit seiner großen Ausdehnung und Verzweigung der Auf- gaben der Gesetzgebung stellt an die Arbeitskrast der Volks- Vertretungen heute viel höhere Anforderungen als zu irgend- einer früheren Zeit. Ganz besonders gilt dies in Deutschland vom Zentralvertretungskörper der Republik, dem Reichstag, und veranschaulicht sich greifbar an der schrittweise notwendig gewordenen Vermehrung seiner Ausschüsse, dieser Organe der parlamentarischen Arbeitsteilung. Wo in den ersten Jahr- zehnten des Deutschen Reiches ein knappes Dutzend Aus- schüsie, damals Kommissionen genannt, genügten, reichen heute kaum vier Dutzend aus. Unser W i l h e l m Lieb- k n e ch t hat in jenen Tagen für den Reichstag das Wort „S ch w a tz b u d e" geprägt. Absolut genommen auch da- mals anfechtbar, lag ,hm doch in dem Punkt, auf den es Liebknecht vornehmlich ankam, die drastische Kennzeichnung der hochgradigen Ohnmacht des Reichtages dem über- mächtigen Bismarck gegenüber, ein richtiger Gedanke zu- gründe. Heute fehlt dieser. Aber, wie so oft im Völkerleben, hat das Schlagwort die Verhältnisse überdauert, die ihm Leben gaben, und wird nun für das Gegenteil von dem benutzt, was seinem Urheber vorschwebte. Das Ueberwuchern der Splitterparteien würde, wofür es an Borzeichen nicht fehlt, den Reichstag wirklich zur Schwatzbude machen. Es dahin nicht kommen zu lassen, ist aber ein Lebensinteresie wahrhafter Demokratie. Und zwar nicht nur um des gesunden Funktionierens des Reichstages allein willen. Die Republik ist heute in Deutsch- land von politischen Feinden umlagert, die ihrem Sehnen nach Sturz der Demokratie durch einen Staatsstreich immer dreister Ausdruck geben und geradezu in dem Gedanken schwelgen, eines schönen Tages die Herrschaft mit Gewalt an ihre Partei zu bringen, deren Führer dann den rücksichts- losesten Terror gegen alle anwenden werden, welche sich der von ihm eingesetzten Regierung zu widersetzen ver- suchten. Nichts Angenehmeres könnte daher diesen Feinden der demokratischen Republik passieren, als wenn deren Parlament, der Reichstag, sich zur ausreichenden Erfüllung seiner Aufgaben außerstande erwiese. Die republikanischen Parteien aber würden sich einer unverzeihlichen Unterlasiungs- sünde schuldig machen, wollten sie es unter diesen Umständen ohne.Gegenmaßnahmen gegen Schädigung der Zlrbeitskraft des Reichstages auf die Gunst des Zufalls ankommen lasien. Wiederholt hat die Geschichte gezeigt, daß solche Passivität sich schwer zu rächen pflegt. Run kann man gewiß verschiedener Meinung darüber sein, welches die pasiendste Gegenmaßnahme gegen die Untermühlung der Arbeitskraft des Reichstags sein würde. Die Erschwerung der Ausstellung von Kandidaten von Splitterparteien ist nicht das einzige Gegenmittel, und es ist noch die Frage, oh sie sich unter allen Umständen im erforder- lichen Maße würde durchführen lassen. Die Republik hat zum Teil mit ebenso skrupellosen wie kapitalkräftigen Feinden zu tun, die im Bedarfskall es nicht daran fehlen lasien würden, die etwa für Splstterkandidaturen erforderlichen Kautionen deren Hintermännern in die Hände zu spielen. Mch muß ich erklären, daß mir jede, selbst nur indirekte Beschränkung des Wahlrechts widersteht. Sicherer und weniger anfechtbar scheint es mir, wenn der Reichstag dem Uebel der Unterwühlung seiner Arbeitskraft auf dem Wege der Selbsthilfe, durch entsprechende Reform seiner Geschäftsordnung begegnet. Was bis jetzt gegen die Tendenz geschehen ist, seine Debatten ins Endlose aus- zudehncn, gibt keine ausreichende Gewähr gegen extreme Falle. Andererseits hat er es jederzeit in der Hand, Ver- tretern bedeutungsvoller Borschläge im Einzelfall Ver- längerung der Redezeit zu bewilligen. Keine Partei ist weniger dazu zu haben, Minderheiten mundtot zu machen, als die Sozialdemokratie. Aber sie bleibt sich dessen bewußt, daß die- Aufrechterhaltung der Arbeitskraft der Volks- Vertretung außer Zweifel ein ebenso hohes Interesse der Demokratie ist, wie die Aufrechterhaltung des freien und gleichen Wahlrechts der einzelnen. Mderalismus? Em Schlagwort- und was dahinter stecht. Aus ber Bayerischen Volkspartei wir«» der Forderung des deutschen Einheitsstaates das Schlagwort„Föderalismus" entgegen- gesetzt. Sehen wir zu. welche Ware diese Flagg« einst deckte. Der Untersuchungsausschuß über den Hitler-Putsch vom Jahre 1923 beim bayerischen Landtag hat die Akten weitgehend offengelegt. Ueber die Wirkung des Hitler-Putsches im Au». land enthalten die Akten nur wenig Schrifistücke. Es existiert aber ein Sondera kt darüber, der dem Landtag nicht vorgelegt wurde. Der Berichterstatter toimte im Ausschuß aus einem Bericht des pfälzischen Regierungspräsidenten mitteilen, daß der Adjutant des französischen Generals d e M e tz äußerst aufgeregt und offenbar enttäuscht gewesen sei, als er von dein Scheitern des Putsche- erfuhr. Wie groß das Interesse französischer Nationalisten und Militärs an dem Gelingen des Münchener Putsches war, und wie sehr dies Interesse aus der gleichen Liirie lag, wie die französische Forderung der rheinischen Separatistenbewegung, das geht aus zwei G e- heimberichlen des französischen Nachrichten- d i« n st e s hervor. Am 4. Oktober meldet der Münchener Der- trauensmann des französischen Geheimdienstes an eine französische Stelle: „Wenn die Münchener nationalsozialistische Bewegung auch anders erscheint, als die dortige s e p a r a- ! i st i s ch e. so sind sie doch innerlich verbunden. Das niciR der München er Tambour(Hitler. D. Red.) ebensowenig wie der Düsseldorfer Bolkstnbun(Separatist Mathcs. D. Red.)' Die -iisländischen Geldquellen für München stich so geschickt maskiert, so indirekt, daß der Tambour sicherlich nichts oder kaum ahnt, wo ihr Ursprung ist... Das muß auch unbedingt >o bleiben... Die Hauptsache ist, daß man endlich bald dort losschlagen wird(bei den rheinsichen Sevaratisten. 3\ Red.), hier wird man sofort folgen... Wenn die Wiesbadener Besprechung am 20. dieses Monats einigermaßen unserm Hofsnungen entspricht, wird man in der Nacht vom 4. oder 5. oder spätestens am 9. November losschlagen.. Am 10. Oktober erwidert« der Vertrauensmann aus Koblenz on den Leiter des französischen Nachrichtendienstes in München „sehr gehckm und bringend": „Die Wiesbadener Besprechung zwischen den Düsieldorfern, Koblenzern und Wiesbadenern wird am 20. dieses Monats in Wiesbaden stattfinden, wohin lich auch die Münchener Herren begeben sollen... Es war ein großer Fehler, daß die französische Regierung nicht die ausgezeichneten Verbin- düngen und Angebote des süddeutschen und westdeutschen Katholizismus angenommen hat..." Der Berfafser des Berichts hofft, daß man aller Schwierig- ketten Herr werde und schreibt zum Schluß:„Notwendig ist... daß von München aus zu gleicher Zeit in Aktion getreten werden muß, wie von Aachen aus." Man begreift, daß die bayerische Regierung ihren Sonderakt dem Landtag nicht vorlegt. Erinnern doch dies« Berichte des fran- zösifchen Geheimdienstes peinlich an die bayerisch-französischen Be- Ziehungen aus früheren Jahren, an die Unterredungen Dr. Heims mit französischen Generalen, an seine Pläne, Boyern vom Reich zu lösen. Man schrieb damals„Föderalismus", aber man meinte— Separatismus! Preußen, Reichspost und Mologo. In einer Kleinen Anfrage eines deutschvölkischen Landtags- abgeordneten wurde das Staotsministerium um Auskunft gebeten, ob der Preußische Staat oder die Reichspost durch die L i q u i- dation der Mologa- Gesellschaft filianzieHc Verluste erlitten hätten. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, weist der preußische Handclsminister in seiner Antwort daraus hin, der Preußische Staat habe der Mologa-Gescllschost keine f i n a n- zielten Unterstützungen gewährt und daher auch keine V e r l u st e bei der Liquidierung dieser Gesellschaft erlitten. Nach Mitteilung des Reichspostmimsteriums hat auch die Deutsche Reichs- post der Mologa-Gesellschaft weder Kredite zur Verfügung gestellt noch Verluste aus Anlaß der Liquidierung erlitten. Gefängnis für Gtteicher. Münch««, Z. Januar.(Eigenbericht.) Mit großer Mehrheit hat der Bayerische Landtag vor einigen Wochen den antisemitischen Hitler-Abgeordneten Julius S t r e i- cher, seines Zeichens gewesener Boiksschullehrer, Nürnberg, zur Strosversolgung freigegeben. Streicher ist einer der berufsmäßigen Hakenkreuzlerischen Verleumder und Ehrabschneider des Bayer!- schen Landtages. Er hatte in einer öffentlichen Versammlung mit Bezug auf den Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Luppe gesagt, Luppe könne verrecken wie«tn« Sau: er werde sich an ihn hängen wie ein Metzgerhund an ein« Sau. In der Verhandlung vor dem Nürnberger Schöffengericht be- stritt Streicher die Aeußcrung und behauptete, lediglich gesogt zu haben, daß er ruhig zusehen könne, wenn Luppe verrecke wie einr Sau. Das Gericht stellte sich jedoch auf den Standpunkt, daß selbst die von Streicher zugegebene Aeußerunz im hinreichenden Maße als Beleidigung zu erachten sei und verurteilte ihn zu einem Monat Gefängnis. Wie Blücher über den Mein! Kriegshetze eines deutschnalionalea Ministerbldtes. Die„Pommersche Tagespost", das führende Re6üsblcüt in der deutschnationalen Stammprovin� Pommern, bringt in der Neujahrsnummer auf der ersten Seite Aufsätze der Reichs- Minister Schiele und Koch sowie des Abg. Schlange- Schöningen. Auf der dritten Seite liest man dann unter der Ueberschrist„Blücher geht über den Rhein" folgendes: ?n der Neujahrsnocht 1813/14 überschritt Blücher mit der schlefischen Armee den Rhein bei Kaub. Zwei Monate später, am 31. März, zogen die Verbündeten in Poris ein! An Zeit- und Lebsnswenden ist es gut, sich geschichtlich« Tot- fachen in Erinnerung zu rufen. Vor lad Jahren begann mit Blüchers Uebergang bei Kaub ein neuer Zeitabschnitt in dem lOOOjährigen Kampf um den Rhein— diesmal zu unseren Gunsten. Heute stehen mir wieder an der Jahreswende, immer noch tobt der lOOdsährige Kamps, immer noch stehen seit Jahren französische Truppen im Rheinland, ist des Wechselgeschickes Wage zugunsten Frankreichs hochgeschnellt. Wann gehen wir wieder über den Rhein? Ist es nicht vermessen, und wie es heute so schön heißt„aus politi- schen Belangen heraus" unklug, diese Frage zu stellen? Pazisis- inus und Materialismus und wie die deutschsremden Worte alle heißen, sorgen ja dcfür, in unserem Vaterlande«ine politisch« Atmosphäre zu schaffen, die jeden Gedanken an Befreiung in Schein- frieden, Wohlleben und VerbrLderungstaumel erstickt. Am Anfang ist die Tat, sagte Park von Wartenberg, ließ N'polcon Napoleon sein und schloß am 30. Dezember 1812 in der Muhle von Tauroggen den Vertrag mit den Russen, der den Aus- takt gab sür die Besreiimg Preußens. Arn Anfang ist die Tat. sagt Blücher, und geht in Nacht und Nebel am 31. Dezember 1813 Über den Rhein. Am Anfang ist dos Wort, sagen unsere politischen Welt- weisen, und reden sich Über Genf-Locarno und wieder Genf so tief in Verjohnugsgedonken hin- ein, daß sie es zuletzt selbst glauben. Und Wort« ge- sprachen und gedruckt, lullen das deutsche Volk ein, trüben seinen Blick und lähmen seine Entschlußkraft, währeich die einzige Tat, die täglich geschieht, die Zahlung von 5000 Goldmark an den Feind- bund in jeder Minute, Tag und Nacht ohne viel Aufhebens vor sich geht. 5000 Goldmark jede Minute, tagaus, tagein, jahraus, jahrein, an den Feindbund!! Am Ansang war die Tat!?-- Die ganze deutsche Presse, am lautesten die deutschnatio- nale, hat vor kurzem gegen ein Wahlplakat des„Echo de Paris" protestiert, auf dem gezeigt wird, wie Hindenburg in einen neuen Krieg gegen Frankreich hineinstampft, Tod und Grauen um ihn. Für dieses Plakat hat nun das von zwei d«»atschnationalen Ministern ausgezeichnete pommersche Blatt den erklärenden Text und die Rechtfertigung nach- geliefert. Denn in der Tat— wenn es in Deutschland und in seiner größten Regierungspartei Leute gibt, die die Frage nufwerfsn„Wann gehen wir wieder wie Blücher über den Rhein?" dann kann man es den Franzosen nicht mehr übel- nehmen, wenn sie zur Aufrichtigkeit der deutschnationalen Locarnopolitik kein Vertrauen haben. Wir wollen mit der„Pommerschen Tagespost" nicht, dar- über rechten, ob solche Artikel ein geeianetes Mittel sind, Deutschlands Lage zu verbessern. Die wirklichen unoerföhn- lichen Feinde Deutschlands wären ja gewiß gerne bereit, solche Artikel zu bezahlen, wenn sie ihnen nicht aus Dummheit immer wieder gratis geliefert würden. Aber darum geht es nicht. Uns ist diese plumpe Aufrichtigkeit immer noch lieber als jene Heuchelei, die sich im Ausland mit Frankreich an den Tisch der Verständigung setzt, während sie im Inland den Wählern mit den Augen zuzwinkert, das sei ja alles gar nicht ernst gemeint, im Grunde genommen sei man ganz derselben Meinung wie die„Pommersche Tagespost". Eine Partei, die die gegenwärtige Außenpolitik der deutschen Reichsregierung mitverantwortlich deckt und zugleich in ihrer Presse Krkegsaufrufe gegen den..Feindbund" veröffentlicht. brandmarkt sich selbst mit dem Brandmal der Infamie. Das Volk aber wird in diesem Jahre zu zeigen haben. daß es sich nicht noch einmal von politischen Idioten und Hasardeuren in einen Weltkrieg hineintreiben lassen will, es wird über die deutschnationale Politik der Doppelzüngigkeit sein Urteil zu sprechen haben! Armer Herr Schiele! Seine Scholten-A.-G. hat 364 000 Mark Berwste. Den Katzenjammer, den Gros Westarp bei dem politischen Iahresrückblick verspürt«, kann sein Parteigenosse Schiele auf wirtschaftlichem, und zwar— sehr schmerzlich—> auf privat wirt- schaftlichem Gebiet mit ihm teilen. Der Abschluß der W. A. S ch o l- ten Stärke» und Sirupfabriten A.-G. in Brandenburg. an der Herr Schiele auf eigene Rechnung und Gefahr beteiligt ist. erweist sich nämlich als«in« ziemlich« Pleite. Wie noch erinnerlich sein dürfte, wurden bei der letzten Schieleschen Zollerhöhungsoktion auf Indiistriemais durch Enthüllungen des„Vorwärts" sehr inter- essante Zusammenhänge zwischen den privaten Interessen dieser Gc- sellschaft— lies Schiele— und der neuen Zollaktion festgestellt. Die schlechte Lage des Unternehmens, das natürlich allen Grund hatte, die billige Einfuhr von Industriemais zu fürchten, läßt die Zoll- erhöhungsaktion kaum in einem besseren Licht erscheinen als bisher. Unangenehm dürfte für den Reichsernährungsminister auch der Geschäftsbericht sein, der seine eigenen Worte in der Entgegnung a» den„Vorwärts" vom 16. November Lügen straft. Herr Schiel« hatte nämlich behauptet, daß die Schölten A.-G. in letzter Zeit aus- schließlich Mais verarbeite, sie also durch die Zollerhöhung gleich- falls geschädigt würde, wogegen der Jahresbericht der Gesellschaft hiervon kein Sterbenswörtchen»wähnt. Von Mais- Verarbeitung ist Überhaupt nicht die Red«. Dagegen spricht der Bericht sehr eingehend Über die Kartoffelbeliefe- rung und Kartoffelpreis« und fügt hin.zu, daß an inländischen F a b r i t t a r t o f f«l n aufgenommen wurde, was zu bekommen war. So sieht die„ausschließ- liche Maisverorbeitung" des Schiele-Unternehmens aus. Der Ab- schluß weist bei 2,7 Millionen Mark Kapital»inen Verlust von rund 64 000 M. au», der aber totsächlich 364000 M. beträgt, well der gesamte Reservefonds van 300 000 M. zur Verschönerung der Bilanz ausgelöst wurde. Auch die Bilanz ist durchaus u n- günstig. Schulden von rund 1.4 Millionen Mark stehen Forde- rungen nur in Höhe eines guten Drittels gegenüber. Rur die Aus- sichten für das neue Geschäftsjahr werden als günstig bezeichnet. Armer Herr Schiele! Nicht einmal seine Beteiligung tann seine„absolute" Uninteressicrtheit um Maiszoll beweisen. «-Mit diesem Herrn v. Keudell kann ich nicht laufen, der gleitet ja fortwährend aus!� Justiz und presse. Preußen reformiert die Behandlung von Preßstrafsachen. Der preußische Iustizminister hat über die Behandlung der P r e ß st r a s s a chic n in einer Allgemeinen Verfügung wichtige Bestimmungen herausgegeben. Preßstrafsachen sind danach die- jenigen Strafsachen, welche eine durch Verbreitung einer Druck- schrist strafbaren Inhalts begangene strafbare Handlung oder«ine Zuwiderhandlung gegen das Preßgesetz zum Gegenstand haben. Preßstrofsachen sind, soweit nicht die Zuständigkeit des Oberlandes- gerichts in erster Instanz begründet ist, grundsätzlich bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichts zu bearbeiten. Bei jeder Staatsanwaltschaft ist mit der Bearbeitung der Preß- strafsachen ein besonders auszuwählender Sachbear- beiter zu betrauen. Diesem Sachbearbeiter ist— da die Preßstrafsachen erfahrungsgemäß in zahlreichen Fällen auch politische Bedeutung haben— nach Möglichkeit zugleich die Bearbeitung der polltischen Strafsachen zuzuweisen. Auch m der Ge- schäftsstellc der Staatsanwaltschaft ist die Bearbeitung der Preß- strafsachen und der politischen Strafsachen tunlichst in einer Hand zu vereinigen. Preßftrassachen bedürfen— zumal im Hinblick aus die kurze Verjährungsfrist— besonderer Beschleunigung. Der Oberstaatsanwalt hat der Behandlung der Preßstrofsachen seine be- sondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Preßstrassachen sind im Ge- schäftsverkehr als besonderer Beschleunigung bedürftig äußerlich kenntlich Zu machen.... I Strafsachen, welche dieselbe Veröffentlichung hetresferc, sind tunlichst einheitlich zu bearbeiten. Werden mehrere dieselbe Der- ösfentlichung betreffende Verfahren getrennt geführt, so haben sich die beteiligten Strafverfolgungsbehörden in Verbindung zu halten, um soweit als möglich die Bearbeitung nach einheitlichen Gesichts- punkten sicherzustellen. In Preßstrassachen von besonderer Bedeutung ist dem Iustizminister über die Einleitung sortlaufend zu berichten. Die Maßnahmen, welche zur Dollstreckung einer Beschlagnahme- anordnung zu ergreisen sind, sind der Bedeutung de« Falles und dem Umfang oder der Art der Verbreitung der Druckschrift anzu- passen. Ist anzunehmen, daß für das Preßerzeugnis nur eine örtlich begrenzte Verbreitung in Frag« kommr, fo werden lediglich die Ortspolizeibehörden, in deren Bereich die Lerbreitung vermutlich stattgefunden hat und, wenn die Verbreitung über einen Ortspolizeibezirt hinausgeht, auch die zuständige Landeskriminal- polizeistelle um die Ausführung der Beschlagnahme zu ersuchen sein. In den übrigen Fällen empfiehlt es sich, zur Bekanntgabe des Voll- streckungsersuchens an die Polizeibehörden den Polizeisunk (Polfunk) in Anspruch zu nehmen. Entscheidungen des Sammergerichts und der anderen Oberlandesgerichte, in denen Fragen des Preiserechts erörtert werden, sind, soweit sie von erheblicherer Bedeutung sind, durch die Staatsanwaltschaft bei dem Obcrlandesgericht(Kainmergericht), dem Reichsminister des Innern, dem Preußischen Minister des Innern und dem Instizministcr mitzuteilen(Urteile mit Gründen). Labeur für Indienreform. Macdonald gegen den geplanten indischen Boykott. London. 2. Januar.(Eigenbericht.) Die zahlreichen indischen Angriff«, die gegen die britisch« Ar- beiterpartei wegen ihrer bedingten Unterstützung und Teilnahm« an der„V e r f a s s u n g s k o m m i s s i o n für Indien" erhoben worden sind, haben den Führer der Labourparty, Ramsay Mac» donald. veranlaßt, dem„Indischen Pressedienst" eine grund- sätzliche Erklärung zu übergeben, in der es u. a. heißt: „Ich weise mit dem größten Nochdruck alle, angeblich au« in- dischen Quellen stammenden Beschuldigungen zurück, welch« die Ehrlichkeit in Zweifel stellen, mit der mein« parlamentarischen Kollegen die indischen Freiheilsbestrebungen un t erst ü tz e n... Meine Partei glaubt an Parlamentarismus und nicht an Bureaukratismus und ich kann daher nicht v«rstÄ»sn, wie die indische Freiheitsbewe» gung e» vorziehen kann, sich durch Dertrauenemänner der Londoner Bureaulraiie vertreten zu lassen— was der Fall wäre, wen» man ein«„Königliche Kommission" einberufen hätte—- anstatt durch ein eigenes, von seinem eigenen Parlamente einberufenes Komitee." Diese Feststellung Macdonalds bezieht sich auf die ge- plante Einberufung einer durch den indischen Notionalkongreh zu ernennenden indischen parlamentarischen Kommis« sion, welche die Aufgab« haben wird, unabhängig, eigen« Vorschläge sür die zukünftige Gestaltung der indischen Verfassung zu machen und bierous zu gemeinsamer Beratung mit der, vom Unterhaus gewählten parlamentarischen Äommifsio» zusammenzutreten.„Es ist," so fährt Macdonold in seiner Erklärung fort» „für un».. die wir so ernsthaft Schulter an Schuster mit demofra- tischen und sich ihrer Würbe bewußten Indicrn gearbeitet haben, tief bedauerlich, uns mit ihnen im Gegensatz zu finden, weil wir anscheinend einen stärkeren Glauben an die parlamen» tarisch« Demokratie besitzen als sie und weil wir Überdies wünschen, daß sich Indien— selbst bei diesen vorbereitenden Unter- suchungen— seiner unabhängigen Würde in größerem Maße be- i wüßt sei als dies im Falle einer„Königlichen Kommission" oder iigendein» anderen ausschließlich in London ernannten Körper- schaft der Fall gewesen wäre." Macdonald wendet sich hierauf gegen die Bestrebungen der B o y k o t t i e r u n g der Kommission, für die beinahe die gesamte öffentliche Meinung Indiens mit bemerkenswerter Einstimmigkest eintritt: »Boykott ist keine Methode, etwas zu erreichen. Indien und Großbritannien sind in allen, für eine friedliche und aufgeklärte Zivilisation der Menschen aller Rassen entscheidenden Fragen, vielzuschr wechselseitig voneinander abhängig, als daß wir eine negative und destruktiv« Haltung einnehmen dürsten. Obwohl es sich als praktisch nutzlos erweisen mag, wenn ich an diejenigen, mit denen ich eine Generation hindurch in Ge- meinschost gearbeitet habe, appelliere, ihr« Stellungnahme neu zu überprüfen und unsere Beziehungen wieder auf die Basis gegen- fettiger Hilfsbereitschaft zurückzuführen, so zwingt mich doch meine Zuneigung zu Indien und meine Sorge um Indiens Zukunft, diesen Appell auszusprechen— sovergeblicher auch immer sein mag!" Sozialistendeba8, fputmer 3. Heimdefprechung. Verbandsbuch und He Mlli-swe's m tbringeu. KoutraH».— Laudsdergrr-plah: Eeupvcndeiui Dicsteimcncrstr. 5. Hciiubciprcchung. tzrtrilt nur mit Perdandsbuch und Scimausweis.— Li'ten. bcrci: Eruruenhc'm Zugcudhrm?ossestr. 22. Hcimbcspreckung. Kontrolle der H.'tnausmeise und Perbandshttcher.— Treptow: chru' p'nhe'm Erktnle Witd-n- bruck fir. ü:!- 74 iHortzimmer). He'mbesprccl-ung. Zutr'tt nur mit Ver'a-ids. bnld und Heiiciai-sweis.—®43ncT*f'dt: Jfg'udhctm berliner Gtc. 31. Bunter Adeiü).— Lp" boldi: Jugendheim Lortzlng-, Ecke E raunstrall». Srim'.csprc-l'Ung. jutt'n nur rn t rteimausweis und Vtrha:tdsbuch.— Tiidost'u: Iug-Ndhc'm T-cutscher Vcrkchrsdund, Eugelufcr 24— 2ä, Aufgang B, pari. Eachsische: Ab:- d. Verantwortlich für Botitit: �r. ckurt iAcger; Wirtfckiatt: G. Ztliageth'-kert Gcwertsc'-astshewcgi'iig! Fr. � Ehkorn! Fcu-lleton:#. S. Däscker: i-oknlcs und souitiaeo: Fritz Narstädt: Ange.ai-n- Th cSlockc. samtliib in Berlin Verlag: Bortvörtc-Ver-ag®. m. b H. Berlin. Zurück: Borwärts-Buck druckrrei und Serlagaanftalt Bau! Eiliger u Eo.. Berlin SB K8. L.ndrnstrahr 3. nic-«a t Bcilaaen und Unterbaltuna und Listen- undJhrbleibtgesund! 71 r. 3* 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag, 3. Januar 4925 Nun soll also Ernst gemacht weichen: Mit dem Beginn des neuen Jahre» will man an die Bebauung des.Scheunenoiertels' gehen. Damit wird dann wohl die Erinnerung an«inen Stadtteil schwinden, der einen weit über Berlin hinausreichenden Ruf hatte. JreUich: Dieser Ruf war kein besonder» guter, und es gab Zeiten. in denen«in nächtlicher Wanderer lieber einen groben Umweg über den Alexoirderpiatz oder über das Prenzlauer Tor machte, als das Scheunenviertel auf seiner Hauptverkehrsader, der Linienstrahe, zu durchqueren. Und wie berechtigt diese Vorsicht war. ergibt sich aus der Tatsache, doh im Scheunenviertel schon vor dem Kriege die Schulzmannsposten in �Zweierpatrouille' gehen mußten; es war eine der unsichersten Gegenden Berlins.— So„berühmt" aber auch das Echeunenviertel war. so wenig wußten selbst die meisten Berliner oon seiner Entstehung und von seinen Bewohnern. Die es zu seinem Namen kam. Das Scheunenviertel— ja. das Scheunenviertel besteht ja schon seit Jahren nicht mehr. Verschwunden sind die kleinen, topsstein- gepflasterten Straßen, die Koblanck», Weydinger-, Amalien st raße— der massige Block des Dolksbühnenhauses hat sie hinweggerafft. Und diese Straßen waren das eigentliche Scheuaenviertel. sie stammten noch aus der Zeit, in der diese Gegend gar nicht richtig zu Berlin gerechnet wurde, in der sie die.Commu- nicatiön vor dem Prenzlauer Tore" hieß. Es war eine halb länd- liche Niederlasiung; Ackerbauern waren ihre wohlhabendsten Ein- wohner, noch heute zeugen davon das Haus der„Mettestistung" in der Prenzlauer Straße gegenüber der Hirtenstroße und dos alte Eutshaus der Familie Bötzow am Prenzlauer Tor. Und in diesem Winkel zwischen Prenzlauer und Linienstraße standen wirtlich die Scheunen, und die„Amalienstrohe" hieß noch lange Jett.Scheunen. gaste". In der Nachdarschast dieser Scheunen entstanden allerlei kleine Häuser, ländlicher und vorstädtischer als in den anderen Teilen Berlins: denn als in der Oranienburger Borstadt schon längst die Maschinenfabriken dröhnten, rauschten auf dem.Windmühlenberg" vor dem Prenzlauer Tor noch die Halm« aus mageren Getreide- feldern, die der FamiN« Bötzow doch so gutes Gold trugen. Freilich erst in den.Gründersahren"; da entstanden zwischen dem Prenzlauer Tor und der Stadtbahn lange Reihen neuer, hoher und städtischer Häuser und umklammerten das.Scheunenviertel". Damit war sein Schicksal besiegelt. Di« bisherigen Bewohner des Echeunenviertels waren wohl .kleine Leute". Leute, denen mehr an der billigen Miere als an städtischen Komfort lag, auch viele Handwerker, die drinnen in der Stadt keine billigen Werkstätten. Fuhrleute, die so schwer pasiende Pferdeställe bekamen. Aber es waren durchweg anständig«, repu. tierlich« Leute, ob sie nun dem Kleinbürgertum oder dem Proletariat angehörte». Das wurde jetzt anders: Schmied« und Fuhrleute und ein paar der ganz allen Einwohner, dl« mit ihrem Hause, mll ihrer .Gegend" schon bis in» Leben hinein oerwachsen waren, blieben zwar wohnen, die anderen aber zogen aus, und an Ihrer Sldle zogen reckst zwelfelhasle Zeilgenosten ein. Zuerst setzte sich die Prosts, t u t i o n in den dunklen, engen Straßen fest. In jedem dritten, vierten Hause war«ine Kneipe mit.Bedienung von zarter Hand"— da» ganze Scheunenviertel stand im Zeichen der lockenden roleu Laterne. Dann entdeckt« auch die Berliner Verbrecherwelt, welche oorzüglichen Schlupfwinkel hie kleinen, verbauten Häuser boten: Keine himmelhohen.Seitenflügel" trennten die Höst, die niederen Mauern boten einem guten Turner kein ernsthafte» Hindernis, freundwillig« Wirte und dienstbereite Freundinnen fanden sich über- oll, und bei den primitiveren Fahndungsmethoden vor fünfzig Jahren war das.Scheunenviertel" ein sehr schätzenswerter Zusluchts- ort für allerlei lichtscheu» Zeitgenossen. Wie es jetzt aussteht. Rund um den Block des Boltsbühnenhaufez liegen Lmtplähe, zum Test mll hölzernen Baracke» bebaut, zum Teil als Ablagerung»- platz für allerlei wüstes Gerümpel mißbraucht: verwanzte Matratzen, Trümmer von Möbelstücken, alle Körbe, undefinierbarer Plunder bilden ein gräuliches Gemisch. Dann wieder, in wackligen Bretter- buden.Eiskonditoreien". Handlungen mit allerlei Altwaren— und. neben bresthasten Vorstadthäusern, einige Neubauten, Vorboten der kommeitden Zeit. Dann, rechts und links, die Reste des alten .Scheunenviertels", durch den Bau der Bolksbühne nicht nur räumlich geschieden: Es sind wirklich zwei verschiedene Welten, die Kleine Alexanderstraße und die Bartelstraße auf der«inen, die Grenadier- und Dragonerstraße auf der anderen Seite der Bolls- bühn«. Die Grenadier- and Dragonerstraße sind da» Ghetto Berlin». Hier tragen Läden und Geschäfte meist neben der deutschen Firmen- tteate steht es noch/ bezeichnung noch.siddische" Anpreisungen in hebräischen Buchstaben. Tragen die jüngeren Frauen auch alle ihr eigenes Haar(und die Mädel recht fesche Bubiköpfe), unter den alleren Frauen trägt mehr als eine die Perücke, die in Osteuropa das Kennzeichen der ver- heirateten Jüdin ist, und unter den Männern sieht man noch viele mit Kaftan und Schläsenlocken. Jedes zweite, dritte Haus beherbergt eine„koschere SpeisewiNschast" oder eine„Krakauer Konditorei. Und, im Gegensatz zu der vielverbreiteten Meinung: Die meisten dieser Gaststätten zeichnen sich dunfc tadellose Sauberkeit ans. Wovon ihre Inhaber leben, Ist freilich manchmal ein Rätsel. Treten wir in so ein Lokal: In dem vorderen Zimmer mit den gescheuerten Tischen stehen wohl sechs Männer in angeregter Unterhaltung— keiner verzehrt gerade setzt etwas... große Zeche scheint keiner zu machen. Trotzdem nimmt der Wirt lebhast an der Unterhaltung teil. Im Nebenzimmer sitzt«in hübsches, schwarzlockiges Mädel und liest die Zeitung— beim Scheine eines dünnen, schwindsüchtigen Stearin- lichtes, dos kaum drei Schritt weit leuchtet. Die Sparsamkeit auch im kleinsten, der Verzicht auf jeden Lebenstomsort, bis man es „geschafft" hat. Aufmachung gilt hier gar nichts: Das zeigt auch die Börse der„Altkleiderhändler Deutschlands", die in der Hirtenstraße ihr Lokal hat. Wer sähe es den beiden schmucklosen Ladenräumen an, daß hier große Warenposten und Werte gehandelt werden, daß hier Geschäfte abgewickelt werden, bei denen den Beteiligten auch die weiteste Reise von den Grenzen Deutschlands her lohnt, ja, die sogar weit darüber hinaus— sogar bis in Kolonialländer gehen. Man darf nicht vergessen, daß an der Entwicklung dteses Stadt- teils eigentlich das kriegsverflossene Ober-Oft-Generalkom» m a n d o schuldig ist, das die jüdische Bevölkerung ganzer Städte zwanqsweise ol» Auller für die Munitionsfabriken hierher verschickte, und daß man es diesen Zwangsansiedlern kaum verargen kann, wenn st« jeden der Ihren schützen, so lang es eben geht. Die andere Seite. Ein anderes Bisd bietet die zweite Hälfte des Scheunenviertel». An der Ecke der Vartelflraße steht noch eines dieser alle» Häuser. da» ursprünglich wohl eln alter Bauernhof war: daneben, laug. gestreckt, nach ein richliger Scheuuenbau. Hier hat sich auch noch die alte Bewohnerschaft erhallen: Kleingewerbetreibende, Fuhrgejchäfte, Proletariat— aber in den Kneipen verkehren allerlei merkwürdige Gentlemen, mit dicken Ringen und tätowierten Unterarmen, von denen man nur ihren Spitznamen kennt: Sachsen-Ernst und Locken- Paul. Und wenn so ein Genteman einen„Landsmann" auf dem Bahnhof abfangen und herschleppen kann, dann rasseln in mancher von den kleinen Kneipen die Würfel, dann dreht sich das„Kümmel- blättchen" solange, bis die Taschen des harmlosen Neulings gfünd- lich geleert find.— An der Theke aber lacht rot und luftig ein Plakat:„Es wird gebeten, in diesem Raum« das Wort„Arbeit" mcht ' laut auszusprechen, da verschiedene meiner geehrten Gäste beim Anhören dieser Laute Ohmnachtsanwandlungen bekommen haben! Der Wirt." « So sieht das Scheunenviertel heute aus: noch immer einer der unvermeidlichen Kehrichtwinkel der Weltstadt, und wenige werden ihm eine Träne nachweinen. Noch zehn Jahre weiter: Wer wird dann noch von der„Communicatton vor dem Prenzlauer Tore" wissen und vom Glück und Ende des„Scheunenviertel»"? 7SZ �Zement. £R.cmaa von Ffodor Gladtoro. Glfeb stellte sich vor Dadjin, Schulter an Schulter neben Gromada, und sagte finster, mit strenger Fremdheit, hart und kurz, es klang wie Trommelwirbel, und es schien, als ob er nicht sprach, sondern vom Papier las. „Genosse Vorsitzender des Exekutivkomitees, ich und Gromada. als Mitglied der Fabrikleitung, sind hierher ge- kommen, um zu erfahren: auf wessen Weisung und aus welchem Grunde die Arbeit auf dem Wert eingestellt worden ist? Es herrscht dort vollständige Desorganisation und Aer- fall. So eine Schweinerei kann man nicht dulden. Ich möchte wissen, wer das Gesindel ist, das hier Sabotage und Gegen- revolution züchtet. Die Arbeiter sind unruhig. Solch bös- willige Mißwirtschaft ist ärger als ein Banditenüberfall. Hier ist jetzt Genosse Schramm: er soll Rede stehen, wie der Bolls- wirtschaftsrat dies Verbrechen zulassen konnte. Badjins Zähne glänzten wieder weiß anter einem freundschaftlichen und seltsam-frählichen Lächeln. „Ich weiß davon. Der Volkswirtschaftsrat erhielt eine Devesche von der Zementzentrale, die Arbeiten bis zur Klärung der Frage, ob die Inbetriebsetzung des Wertes zweckmäßig und notwendig sei, einzustellen." „Ich weiß, wessen Werk das ist, Genosse Badjin. Aber das Industnebureau schickte auch«ine Depesche an den Bor- sitzenden des Bolkswirtjchaftsrates. daß alle Maßnahmen zur Organisierung der Arbeit getroffen werden sollen. Dort ist die Sache besprochen worden, ich habe die Dokumente in meinen Händen." Schramme Stimme war fremd und heiser. «Es existiert ein Industriebureau— es existiert aber auch eine Zementzentrale. Sljeb riß seinen Helm herunter und warf ihn auf den Tisch Seine Wange zuckte nervös und unaufhörlich. «Genosse Vorsitzender des Exekutivkomitees, ich werde das auf die Spitze treiben: so kann man auch nicht arbeiten. Und wenn Genosse Schramm auch den Teufel selber� als Kommunist gefressen hat— so muß man ihm in dieser Sache einen riesengroßen Krach machen. Das ist kein Svaß, Ge- nassen. Wir werden noch an anderer Stelle über diese Räubereien reden. Aber Genosse Schramm paßt nicht zu uns Arbeitern. Das ist so wahr, wie zweimal zwei vier ist... das wird alles dem Parteikomitee vorgelegt werden. Das ist eine Bedrohung unserer ganzen ökonomischen Politik, Genossen. Genosse Badjin hat richtig gesagt,— das ist eine ökonomische Gegenrevolution.... Ja. Dem muß ein Ende gemacht werden. Die Sache der Forstverwaltung— ist noch nicht so arg. Hier bei uns gibt es noch schrecklichere Dinge. Man muß sich aufraffen, Genossen, alle einfangen und eine schonungslose Reinigung vornehmen. Einen Staub in allen Institutionen aufwirbeln. Wir haben lange genug mit dieser weißgardistischen Bande herumgespielt: jetzt ist es Zeit, sie kräftig anzupacken. Ich teile Ihnen mit, Genosse Badzin, daß alle Resolutionen der Wirtschaftskonferenz angenommen, alle von uns geforderten Anweisungen uns zugesagt worden sind. Morgen beginnen die Arbeiter die Arbeit. Die Fabrikleitung reißt alle Siegel von den Magazinen herunter und nimmt sie unter ihren Schutz. Und noch eins teile ich Ihnen mit, Genosse Badjin: wir oerlangen unwiderruflich eine neue Fabrik- leitung. Wir werden einen Wirbel bis nach Moskau hin machen, wenn es darauf ankommen wird." Er riß seinen Rock auf, nahm einen Haufen Dokumente aus der Tasche und warf sie auf den Tisch. .�)ier habt ihr eure Dokumente, man hat uns immer mit dem Industriebureau gedroht und nun schlagen wir euch mit dem Industriebureau." Schramm? Gesicht war leichenfahl und die Augen trüb und schmutzig wie bei einem Toten. Tschibis stand rasch auf und ging mit schnellen Schritten. ohne die frühere Schwere in den Beinen, aus dem Zimmer. Badjin sah Schramm stirnrunzelnd an und lächelte, und in seinen Augen war ein seltsam-fröhliches Funkeln. „Nun, Schramm, der Volkswirtschaftsrat wird wohl' auf einer Bank neben der Forstverwaltung sitzen müssen? Das wird ein interessantes Bild abgeben, jetzt, wo die Sache eine solche Wendung nimmt." Im Gang traf Gljeb Dascha. Sie schien ihn zu erwarten. Sie sah ihn wieder mit tiefen, flimmernden Augen an. und es schien, als ob sie nur aus Augen bestände und als ob eine fieberhafte Glut und ein qualvoller Schrei in ihnen wäre. Sie bsieb ruhig vor ihm stehen, wie immer, und sagte leise, zer- streut, so als ob sie an etwas anderes, wichtigeres dächte: „Gljeb, Njurotschka ist gestorben. Man hat sie schon begraben und du warst nicht da.... Njurotschka ist nicht mehr, Gljeb. ... Njurotschka ist verbrannt— und du warst nicht da." Im ersten Augenblick empfand Gljeb einen schrecklichen Stoß in seiner Brust, und dann wurde es still in ihm und nur das Herz wurde groß wie eine Blase,- es wurde ihm schlecht, seine Füße schmolzen, es schien ihm, als ob er aus großer Höhe herunterfiele. Er sah Dascha aufmerksam mit großen Augen an und tonnte lange nicht zu Atem kommen. „Wie,.. was?... Das kann nicht sein.... Was? ... Njurotschka... das kann nicht sein." Dascha stand mit dem Rücken an die Wand gelehnt und Gljeb sah andere gequälte Augen vor sich. Sie zitterten und überströmten vor Tränen. Nebenan stand Gromada, auch an die Wand gelehnt, er keuchte und erstickte fast unter einem heiseren, bellenden Husten. Spreu. 1.„Unser Herz sei aus Stein." Die Reinigung der Werkzelle war den veröffentlichten Anordnungen nach auf den 16. Oktober(also in acht Tagen) angesetzt und Sergeij erwartete diesen Tag mit seinem alten, nachdenklichen Lächeln und empfand keine Aufregung und Unruhe, und die üblichen Fragen, die ihn immer beschäftigten. quälten ihn nicht während der Nächte. Er fühlte nur eines: er wunderte sich, daß er nicht für einen Augenblick den Tag des 16. Oktober vergaß(sogar im Schlaf dachte er daran), und wußte, daß er einen-grausamen Abschnitt in seinem Leben bedeute, und trotzdem war seine Seele diesem Ereignisse gegenüber, das nun über ihn hinweggehen sollte, taub und dumpf. Wird er aus der Partei ausgeschlossen werden oder drin bleiben dürfen? Durch das Hirn ging eine seltsam- leichte Welle und verschwand an der Oberfläche seines Bewußt- seins. Und die Welle überspielte alle Zellen seines Hirns. und sie erfüllten ruhig, unberührt ihre gewohnte, geschäftliche Arbeit und klangen in der Nacht von den Tagesvisionen und von seltsam aufflackernden, unerwarteten Erinnerungen. Das waren merkwürdige Lichteffekte:— Grün in der Sonne. Kinder in der Sonne, Berge und Meer in der Sonne und bald Kindergeschrei, bald Glockentöne. die wie Grillengezirp« klangen. Wie gewöhnlich brannte seine von Locken umrahmte Glatze in der Sonne, wenn er in das Parteikomitee oder zu einer Versammlung ging. Wie gewöhnlich ging er mit einer vollgepfropften, löcherigen Aktentasche mit einem leicbten, nachdenklichen Gang. Er war immer beschäftigt, erfüllte immer pünktlich die Aufgaben des Tages, und es war kein Augenblick, an dem er den 16. Oktober vergaß. (Fortsetzung folgt.) Die Kohlenknappheit. ' Die Kohlenknappheit dauert in Berlin noch an, in einigen De? zirten ist die Kalamität sogar größer geworden. Ein Teil Klein- Händler ist. wie bereits festgestellt, in den letzten Tagen nur un- genügend mit Kohle versorgt worden. Die Mehrproduklion an Braunkohle, die notwendig wäre, um den Berliner Markt au»- reichend zu versorgen, kann angeblich von den Vrikettsabrikeu nicht geleistet werden.■ lieber die Ursachen der Kohlenoerknappung und deren Behebung erfahren wir vom.Fistelbischen Braunkohlen- synditat" folgendes: Die Brikettpreise sind so gestaffelt, daß im Sommer die Kohle um rund 3M. pro 100 Zentner billiger ist als im� Winter. Das Syndikat will mit dieser Preispolitik erreichen, daß der Konsument im Sommer schon einen Teil seines Winter- bedarfes einkauft.- Aus der Statistik der Mengen, die im letzten Sommer nach Berlin geliefert worden stnd, ergibt sich, daß im Sommer 1027 rund 160 000 Waggons oder 32 Millionen Zentner Hausbrandkohle mehr nach Berlin gekommen ist, als in den Iahren vorher. Trogdem ist Knappheit zu verzeichnen. Einmal herrschte im Sommer vom Mai bis Juli eine so niedrige Temperatur, daß wohl ein Teil der Mehrlieferung in diesen Monaten ausgebraucht wurde. Die im November einsetzende Kälteperiode hat stch nicht nur in einer Steigerung des Verbrauches ausgewirkt. Die Braunkohle wird im Tagebau mit Hilfe von großen mechanischen Förderungsbaggen, gefordert. Infolge der Käste gefriert das in der Kohle enthastene Wasser, die Kohle wird steinhart, die Bagger brechen, so daß an Förderung nicht zu denken ist. In den größeren Werken, wo bessere maschinelle Hilssinittel zur Nersügung stehen, versuchte dos Syndikat Wehrproduttion durch Einlegung von Sonntagsschichten zu erzielen. Größere Vorräte hat das Syndikat nicht aufstapeln können, die Verteilung der siyhle an die Berliner Groß, und Kleinhändler erfolgt von der laufenden Produktion. Die Versuche des Syndikats, mehr Kohle nach Berlin zu bringen, stnd nur im beschränkten Maße von Erfolg gekrönt gewesen. Wie das Syndikat ausdrücklich bestätigt, hat die Reichsbahn genügend Waggons zur Verfügung gestellt, um die Produktion der Bergwerke sosort nach Berlin zu schaffen. Es scheint, daß eine Mehrproduktion beim Abraum, aber nicht bei der weiteren Verarbeitung der Kohle, bei der Fertigstellung der Briketts, möglich ist. Die Jahre 1924— 26, tri' denen die Kohlenbarone Ausländsanleihen erhielten, haben ste wohl benutzt, um den Bergbon mit genügend Maschinen zu versorgen. An die Schaffung neuer Brikettfabriten sind sie nicht herangegangen. Dieses Dersäumnis scheint die Hauptursache der Koh'enknoppbeit zu sein. Die V e r t e i l u n g der Kohle an den Konsumenten hat stch seil dem Krieg« geändert. Vor dem Kriege kaufte der Konsu» ment beim Platzgeschäft schon rechtzeitig genügend Kohl« für den Winter ein. Die Notlage nach dem Kriege hat viele veranlaßt, einen Briketthandel zu beginnen und dem Konsumenten die Kohle ms Hags zu liefern. Einmal haben durch diese Aenderung tausende, sonst der öffentlichen Wohlfahrtspflege zur Last fallende Männer Arbeit erhalten und zum anderen war diese Regelung den Ver- brauchern bequem. Die Berliner Mietswohnungen haben nicht so große Keller, um große Vorräte aufstapeln zu können. Der kleine Verbraucher kauft darum lieber wöchenllich seine Kohlen ein. Aus den Kreisen der kleinen Kohlenhändler stnd uns «ine Reihe Zuschriften eingegangen, in denen daraus aufmerksam gemacht wird, daß die Kleinhändler aus die drohende Kalamität hin- gewiesen haben. Diese Kleinhändler, die am besten den Verbrauch beobachten, stnd der Meinung, daß der ganze Verteilungsplan der Kohle von Grund auf geändert werden muß, um zu verhindern. daß stch in den nächsten Iahren dieselben Mängel bemerkbar machen. Polizei und Großstadtverkehr. ' Kl.-.,..Vi.-.•.'7,..Ä.„ Oer falsche Kanmchenschtuckef. Zimzambesi, der wilde Mann«ms Jentralafrita. :Zimzambest, der wilde Mann aus Zentralafrika, der auf freier Bühne und' freiem Theater ein lebendiges Karnickel oerlchllngen konnte, war in seinem bürgerlichen Leben weniger blutrünstig. Er hieß eigentlich August Lehmann und war gebürtig an der Spree. Wie bekanntlich die Menschheit durch die nötige Dildungs- zufuhr allmählich aus geistige Höhen emporgebrach« werden soll, so «ntwickelte sich Lehmann umgekehrt in bewußter Verneinung aller Zivilisation vom kultivierten Spreeathener zum Urmenschentyp Zentralafrikas zurück. Wenigstens stundenweise, wenn er im kriege- rischen Federschmuck und mit Urbin geschwärzt und poliert aus der Bühne tanzte, in seiner— nämlich der afrikanischen— Landessprache betete und das bewußte Kaninchen verschlingen mußt«. Die übrige Zeit des Tages und noch mehr des Nachts war er Gent. Asphast- tulturmensch nach jeder Richtung. So stand er auch vor den Schranken des Arbeitsgerichts, im eleganten Pelzmantel mit der neuesten Glocke und den Black-Botwm-Hosen. Jeder. Zoll ein Kavalier. Vor dem Arbeitsgericht erschien er als K l ä g e r und die« kam so. Lehmann-Zimzambest war wiedep einmal als..Wilder* engagiert worden. In Plakaten wurde sein Kannibalismus verkündet und die Leute, die als zahlende Gäste dem zentral- afrikanischen Spektakel beiwohnten, waren vor allem auf den Augen- blick gespannt, wo Zimzambest im Blutrausch das mit den Zähnen getötete Kaninchen oerschlingen sollte. In der Vorstellung klappte alles bis auf diese' Verschlingungsszene. Als nämlich Zimzambest das lebende Tier unter allerlei unverständlichen Zauberformeln in einem Sack verschwinden ließ und bei monotoner Kafsernmustk plötzlich in Tanzextase aus diesem Sacke große Fleischlappen riß. die er.raubtierartig verschlang, da erdröhnte von allen Rängen des Hauses plötzlich und«instimmig der Ruf: S ch i e b u n z, Schiebung! Di« Stimmung gegen Zimzambest nahm sofort einen recht bedrohlichen Charakter an und die Massen stürmten zwar nicht die Bühne, wohl aber die Kaste, wo ste unter lautem Protest ihr Eintristsqeld zurückverlangten. Im Nu kam es zu den erregtesten Auftritten, Frauen kreischten, Männer pfiffen und kräfttge Jüngling« insultierten den Direktor, sein« direktoriale Ehehälfte und alles, was sein war. Da sprang Zimzambest mit der ihm innewohnenden afri- kanifchien Wildheit als Retter zu Hilf«. Cr brüllte in unartikulierten Lauten, als ob er aus seinem Hottentottenkral den Kriegsrus los- posaunen wollte. Aber das Publikum lachte. Ja, lachte, statt ihn zu fürchten.„Quatsch nich, Krause!* rief man dem wütenden Ziinzam- best zu, der durch diese Beleidigungen im heimatlichen Idiom auf das Tiefste verlegt, den Rufern nun mit der größten Drastik einer Landessprache antwortete, die man besser an der Spree als in den afrikanischen Urwäldern oersteht. Nun johlte das p. t. Publikum wie eine losgelassene afrikanische Hottentottenschar, Zimzambesi aber flüchtete hinter die Kulissen nnd ward nicht mehr gesehen. Dafür aber erschien ein Schupomann am Tatorte, stellte den Tatbestand fest und beruhigte die Gemüter durch die Tat- fache, daß er sich anschickte, ein Protokoll aufzunehmen. Der Direktor aber zog bereits vor Abschluß dieser Amtshandlung vor, die ver- einnahmten Eintrittsgelder zurückzuzahlen und stch selbst unter dem Schutze der bewaffneten Gewalt zu entfernen. Auch Zimzambesi blieb vorläufig verschollen, bis er mit einer Klage gegen seinen Direktor vor dem Varietä-Schieds- gertcht erschien, weil er zu Unrecht fristlos entlassen worden sei. Der Direktor hätte keinen Zweifel darüber haben können, daß seine Darbietungen eine„gestellte Schaunummer* ge- wesen seien- Er habe den wilden Mann naturgetreu gespielt, und was das Verschlingen des lebendiaen Kaninchens anbelange,"so wäre e» allgemein bekannt, daß die wilden Männer schmackhaft zubereitete Fleischstüche verschluckten Ein Tier grausam zu töten, würde schon ..vor, wegen»er guten Sitten* die gesamte Polizeimacht Deutschlands mobilisteren. Also sprach ZimzambeshAehmann, besten Innerlich. kochendr' Därbarenwut aber echem- billigen Vergleiche mit seinem ehemaligen' direktorialen Zunftgenosten nicht entgegenstand. Leh- mann erhielt denn' auch für. sein Zimzambesi-Gostspiel noch .SO M. und quittierte darüber mit europäisch-kultioiertem Lächeln. Dann zogen der Direktor und sein wilder Zeitgenosse vereint von bannen. Sie werden stch gewiß noch einmal im Leben finden. Aus dem Berliner Polizeipräsidium wird über die Entwicklung des Berliner Verkehrs folgendes geschrieben: „Wenn die Berliner Derkehrspolizei auf die Arbeit zurückblickt, die im Jahre 1927 für die Regelung des Berliner Verkehrs geleistet worden ist, so ergibt sich, daß dos vergangen« Jahr mehr dem Aus bau. des bereits Bestehenden als der Einführung wesentlicher Neuerungen galt. Die für den Verkehr besonders wichtigen Aufgaben städtebaulicher und straßenbaulicher Art und die Aufgaben, die die Entwicklung der öffentlichen Verkehrsmittel mit stch bringt, sind in die Hand der Stadt gelegt, und die Polizei ist in vielem von dem abhängig, was die Stadt in Angriff nimmt, sie kann meist nur helfend, ausgleichend, reqelnd wirken. Immerhin kann mit Genugtuung nicht nur auf das Maß, auch auf den Erfolg der polizeilichen Leistungen hingeblickt werden, und wenn auch die Zahl der Derkehrsünfälle sich leider gegen das Vorjahr weiter ver- mehrt hat, so steht doch diese Vermehrung außer Verhältnis zu der gewaltigen Steigerung des Verkehrs und der Derkehrsgefahren— Am L Januar 1927 war die Einrichtung der Signallampen noch ei« umstrittene Neuerung, im Laufe des Jahres wurden ste zu unentbehrlichen Hilfsmitteln der polizeilichen Verkehrsregelung. Sie vermehrten stch von 42 aus 65; die Vermehrung kam hauptsächlich der Strecke zwischen den Kreuzungen Uhlandstvaße— Kurfürstendamm und-Hosjägerall e«— Friedrich-Wilhelm-Straße zugute, so daß jetzt mit Ausnahme des Tiergarten-Zwischenstücks fast der ganze Haupt« Verkehrsweg zwischen dem Innern der Stadt und dem Westen mit Lichtsignalen ausgerüstet ist Di« Wirkung der Signole für die Verkehrsregelung wurde dadurch oerbestert. daß setzt weitaus die meisten einheitlich automatisch von der Zentrale aus bedient werden.-Für 1928 ist ein weiterer Ausbau de» Signal- netzes geplant. Doch ist sehr sroglich, ob die nicht unerheblichen Kosten zur Verfügung gestellt werden. Ein wichtige» Ereignis des abgelaufenen Jahres bildet die veretohelllichllna und Zlormleruug der foustlgeu verkehrszeicheo — der Warnung»-, Gefahren-, Gefchwindigkeits-, Sperr» und Richtungsschilder— durch Reich und Staat, wobei die Berliner Der- kehrspolizei weitgehend mitwirken tonnte. Bereits jetzt sind etwa 5 00 derartiger Schilder a u s g e st el l t oder angebracht, im Laufe des Jahres sollen— wenn die erforderlichen Mittel beschafft werden können— noch einig« weitere Hundert zur Ausstellung gelangen. Daß wieder zahlreiche wichtigere Kreuzungs- punkte neu mit Verkehrsposten besetzt werden tonnten, bedarf nur der Erwähnung. Auch än dieser Beziehung ist größte Beschränkung nötig, da. wi� nicht oft genug hervorgehoben werden kann, der Polizei durch das Dokument von Bersailles die Vermehrung ihres Personalbestandes über eine gewisse Grenze hinaus verwehrt ist. Bemerkenswert war die Neuregelung des Verkehrs am Spittelmarki, an der Koiser-WUhelm-Gedächtniskirch«. vor dem Brandenburger Tor und zwischen Corneliusbrücke und Tiergartenftrahe. Eine de- sonders wichtige Aufgabe sah die Berliner Verkehrspolizei im abge- laüfenen Jahr in der Erziehung zur verkehrsdlszipNn. der stch weder Fahrer noch Fußgänger bisher in ausreichendem j Maße fügen. Durch die verschiedensten Maßnahmen besonders der Exekutiv« wurde versucht, der zahlreichen Verkehrs- u n a r t en Herr zu werden und die Bevölkerung über die Not- wendigkeit gegenseitiger Rücksichtnahme und der Beachtung der Ver- kehrsoorschriften aufzuklären. Der erste Entwurf einer einheitlichen Stroßenordnung für Berlin, durch die mehr als 1S0 Einzeloerordnungen überstüjstg werden lallen, wurde fertiggestellt und den interessierten Verbänden und Organi sationen zugeleitet. Aus Grund ihrer— zum Tell sehr eingehen- den— Aeußerungen erfolgte eine Umarbeitung. Es ist zu erwarten, daß die neue Verordnung sobald zum Abschluß gebracht wird, daß sie am 1. A pri 1.19 28 in Kraft treten kann. Ein großer Tell der Arbeit der Verkehrspolizei galt den öffentlichen Verkehrsmitteln. Wenn sie auch für diese in erster Linie nur Genehmigungsbehörde ist, so ergeben sich doch im einzelnen wegen der Linienführung, der Erneuerung und Ausgestaltung der Betriebsmittel, der Tarife usw. zahlreiche Fragen, deren Lösung den Kern des ganzen Dcrkehrs- Problems berührt. Es sei nur an die Einführung des Umsteige- verkehrs und des Einheitsfahrscheins erinnert oder an die Diskusston über die Belassung des Straßenbahnoerkehrs in k«r Charlottenburger Chaussee, eine Frage, deren Lösung das kommende Jahr bringen wird. Besondere Arbeit und Schwierig- leiten verursachten die Schmerzenskinder des Verkehrs, die Droschken. Im Jahr« 1926 hatte sich der Kraftdroschkenbestand von 6000 auf 8S00 oermehrt, es war daher unvermeidlich, einschneidend« Maß- nahmen durchzuführen, um dem weiteren hemmungslosen An- schwellen der Droschkenzisfern zu steuern. Im Januar 1927 wurde die K o nze s s i o o s s p er r e verhängt, die ein« weitere Ber- mehrung der Betriebe verhindern sollte, der März brachte«rschwe- rende Bestimmungen für den Erwerb neuer Droschken. Dennoch. wuchs der Bestand weiter an, fo daß im Mai des verflossenen Jahres die volle Zuloffungssperre für Droschken angeordnet werden mußte, die in der Tat der Entwicklung einen Riegel vorschab. Das ganze Berliner Droschkenwesen wurde durch Erlaß der neuen Drofchtenordnung und ergänzender Bestimmungen auf eine neue Grundlage gestellt— Beruhigung trat jedoch nicht ein, da die Taril- frage, die im Oktober 1927 nach langen Kämpfen zu einem Abschluß> gelangte, noch bis zum heutigen Tage die Gemüter bewegt. Die Schwierigkeiten werden wohl erst ein Ende finden, wenn der G c- famtbe stand der« Droschken verringert, eine Ein heitsdroschke geschaffen und damit die Einführung eines Einheitstarifs möglich geworden ist. Zuletzt sei noch auf die mannig. fache Tätigkeit hingewiesen, die notwendig wurde, um Straßen Handel und Stroßenreklame in den Grenzen zu halten. die die Rücksicht auf den allgemeinen Verkehr erfordert. War dies meist Kleinarbeit, so ist doch ihre Bedeutung für die Ordnung auf der Straße nicht zu unterschätzen.— Ein vollständiges Bild konnte hier nicht gegeben werden, ebenso war es nicht möglich, den Dorhang. der die Zufunstspläne verbirgt, vollständig zu lüften. Eins ist klar: ebensowenig, wie die Verkehrspolizei es allen recht mach?» kann. ebensowenig wird sie je in der Lage sein, stch mit dem Erreichten zu begnügen und die weitere Entwicklung sich selbst zu überlassen. Der Anfang des neuen Jahres war im Berliner Sender immer- hin um einiges besser als der Schluß des allen. Ueber die Nach- mittagsunterhallungsmusik an diesen beiden ersten Togen soll nach- sichtig geschwiegen sein. Das Neujahrstabarett am Sonn- togabend. gab wenigstens zum Teil erfreuliche Darbietungen. Elly G l ä ß n e r, Paul G r ä tz. als Conferencier Alfred Braun, sind brauchbar« Mitwirkende für eine unsichtbare Kabarellbühne.(Eine sentimentale'' Kitfchnummer Hölle malt freilich der flotten Elly Gläßner gern geschenkt.) Willi Rosen und Senta Sönelands Wirkung beruhen dagegen zum großen Teil auf der Komik von Miniik und Erscheinung. Für die Hörbühne sollten solche Mll» wirtenden ausscheiden. Ein geschmackvolles Abendprogramm brachte der Momag. Der 63jährige schlesisch« Dichter Hermann S t e h r. der in den brellen Schichten des Publikums nur wenig bekannt ist. wurde durch gut ausgewählle Abschnitte aus seinen Werken den Funthörern nahe gebracht. Johanna Klemperer, von ihrem Gatten Ollo Klemperer am Flügel begleitet, sang in schöner Ergänzuna des Programms Lieder von Beethoven,"Brahms und Mahler— eine Deranstaltnng am Montagnochmittag„für den fortg'schrittenen Geiger und Cellisten, oerdient in der Idee Lob. Run sollte man Darbietungen solcher Art entweder auf den Spnntagoormittag oder in die Reihe der Abendoorträge verlegen. An Wochentagnachmittagen dürften nur wenige Interessenten von ihnen profitieren können. Eine regelmäßige Folge ähnlicher Der- anstallungen wäre sehr zu bejjrüßen.— Einen fesselnden Dortrag über seine A s r i k a r e i s e hielt C o l l n R o h. Er verstand es, seine spannenden Schilderungen von Tier und Mensch wirklich aus der Atmosphäre der afrikanischen Landschaft herauswachsen zu lassen.— Richard- P a u l-F r a n ck- Zyklus„Bilder aus der Berliner Wohlfahrtspflege* machte diesmal mit einigen modern geleiteten„Besserungsanstalten* bekannt, in denen nicht die Furch: vor Strafe für Zucht und Ordnung sorgt, sondern der eigene Wille der Zöglinge, brauchbare Menschen zu werden. Die Liebe, die diesem Kinde oft ihre ganze Jugend hindurch gefehlt hat, ist in diesen Anstalten ein viel besseres Erziehungsmittel als energische Strenge.— Dr. Max Hochdorf zeigte in einem Bortrag, wie Kleopatra In der Anekdote fortlebt. Diese unterhaltenden Schilde- rungcn der„Weltgeschichte in Anekdoten* könnten»och an Wert gewinnen, wenn Dr. Hochdors gelegentlich einige Angaben iiber Dichtung und Wahrhell— soweit das bei dem behandelnde» Stoff. eben zu übersehen ist— einschalten würde.— Dr. phil. und med. G. Venzmer sprach über„Moderne Arzneimittel- gewinnung*. Er oerfiel dahei in den Fehler vieler Funkredner. die In den 2S Minuten Redezell zu viel geben wollen. Statt eines lebendigen.Vortrages kann dann nur eine gedrängte, trockene Auf- Zählung geboten werden. Lebendig und aufschlußreich behandelte Fritz Fricke das Thema:„Die Seele des Arbeiters*. Er schilderte die Entwicklung des Arbeiters aus dem Handwerker und Klein- bauernftand, aus dem dieser noch seine traditionellen Weltbegrisfe mitbrachte. Erst der moderne, klassenbewußte Arbeiter schaffte stch die Weltanschauung seines Standes. Aus dem Ideal einer indivi dualistisch-enttrückeftelf Freiheit wurde das Wissen ,. fiche und geistige Freihell der � Gemeinschaft. um die kqrper- Tes.- Arbeiierwohlfahrtslotterie. Die Hauptgewinne gezogen! Die Hauptgewinne der diesjährigen Arbeiterwohl-' fahrts-Weihnachtslotterie fielen auf folgende Nummern: Der erste Hauptgewinn in Höhe von 30 000 M. auf das Los Serie S 422 05 2; dl« Prämie im Werte von 20 000 M. auf das Los Serie S 106 743, dies Los«rhisll außerdem noch einen Ge- winn von 500 M.: der drille Hauptgewinn in Höhe von 15 000 M. auf das Los Serie C 0Y0 006: der vierte Hauptgewinn im Werte von 10 000 M. auf das Los Serie L 696222: der fünfte Hauptgewinn im Werte von 5000 M. auf das Los Serie V 3 0 3 4 9 1. Dies« Ziffern sind ohne Gewähr. Di« Ziehung?- listen erscheinen a m 10. Januar dieses Jahres. Ein„Ehrenmann"! Oer Zuhälter uud die Daroaia. Er heißt Gewürzmann. Sein Name hat in der Zunft der Zu- Hölter guten Klang. Er gilt als Meister in seinem Fach imd blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück— darunter auf mehr ab! eine gepfefferte Strafe wegen gewaltsamen Eindringens in fremde Räume und Mllnahme fremden Eigentum». Vor einiger Zell hatte er sich aber zur Ruhe gesetzt: ob für immer, wird die Zu- tunft zeigen. Er macht höchst zweifelhafte, dunkle Geschäfte. Aeußer- lich aber ist er Gentleman vom Schelle! bis zur Sohle. In Frankfurt a. M. kreuzten stch eines Tages seine Wege mit denen der Baronin H e r m i n« v. L y n ch o. Die Dame hatte ihren Adel erheiratet, ihre Beschäftigung war aber mehr als zweisei- hast. Eine oorzügllche Figur, ein« elegant« Erscheinung, wie mn ste überall in ollen noblen Füns-Uhr-Tanzveranstallungen findet. Daß ste zu den Geschöpfen gebort, die die Polizei noch vor kurzem in ihrer ganz besonderen Obhut hatte, merkt man ihr nicht im ge-. ringsten an. Gewürzmann und Frau o. Lyncho fanden anein- ander Gefallen und begaben sich in Begleitung einer Freundin der altigen Dame auf Reisen. In Wien verlebten ste köslliche Taae. Auf wessen Kosten sie lebten, hatte das Schöffengericht Be>stn-Mitte zu entscheiden. Zur Debatte stand der Zuhällerparagraph. Frau v. Lyncho behauptete, Gewürzmann habe die Lustreise auf ihre Kosten unternommen, er habe auch fönst ihrer Einnahme seine liebevolle Aufmerksamkeit gewidmet. Als Gentleman könne er da» natürlich nicht zugeben: er oerdiene genug, meinte er, wenn er auch keine Steuern zahle, das täten aber auch andere nicht. Beide Teile seien für die Reisespesen aufgekommen, und die 400 M., die Frau v. Lyncho dazu beigetragen habe, seien nicht den Reizen ihre» Körpers, sondern den„Künsten ihres Geistes* zu verdanken ge- wesen. Kein Strafgesetz verbiete aber, dem Manne mit der G-» liebten die Früchte ihrer Hochstapeleien zu teilen. Die 400 M. babe Frau Lyncho bei einem Grafen in Frankfurt erschwindelt. Das Gericht.zeigte kein Verständnis für Herrn Gewürzmann. Es verurteilte ihn wegen Zuhälterei zu drei Monaten Gesang- n i s. Das Erfreuliche bei der Sache war aber, daß diesmal das Opfer nicht, wie es sonst zu geschehen vflegt, ihre Beschuldigung zurücknahm. Die Sache war ins Rollen gekommen, als Frau v. Lyncho In Frankfurt a. M. als Zeugin in einer anderen Zuhälter» sache, die gegen den Angeklagten schwebte, auszusagen hatte. Jene Sache wurde niedergeschlagen, die Aussage der Frau v. Lyncho führte aber zu einem neuen Versahren aeoen Herrn Gewürzmann. Er will Berufung einlegen, er ist kein Zuhälter, sondern ein ehren- werter Hochstapler, der die„geistigen* Qualitäten seiner Reisege- fährtin zu schätzen wußte. eßf • Das ideale A b führ- Konfekt Oer übliche„Ausverkauf!" In wohlgeordneten Kolonnen, vom Schupo freundlichst bewacht, belagerten sie schon lang« vor der Oeffnungszeit die Geschasts- portale. um sich dann, einer wilden Meute gleich, in das Innere V- stürzen. Es ist kalt, und es wird weitere Kälte prophezeit, und die Kohlen sind zu alledem verflucht knapp, also konzentriert sich dos Interesse aus wollige Gelegenheitswor«, wie Pullover, Strickkleider, warme Swffe, Ueberschuhe usw., für den Tag duftige Tanz. gorderobe samt glitzerirden Schühlein für den Abend. In einem Kaufhaus des Nordens wurden wohl die chauptrekorde an Billigkeit geschlagen, bv Pf.«In Kinderkleidchen, 75 Pf. Frauenröck«, 1,75M. ganze Kleider, 3,75 M. Mäntel usw. chier ist naturgemäß schon in den ersten Vor- Mittagsstunden die Schlacht im vollsten Gonge. Do wird erst' mal gewü'-lt, dann gewählt, dann probiert, natürlich gleich olles an Ort und Stelle. Beim Pullover, da gehts ja noch, den stülpt man ein- fach über die Bluse, beim Kleid aber ist der Fall schon kompli- zierter, geht aber auch. Und was die eine im Moment zuviel anhat, das fehst bei der anderen wieder. Da laufen sie ganz ungeniert in Unterwäsche herum, ziehen aus, ziehen an, ziehen wieder aus und wieder an. Keiner bemängelt es, keiner sieht es überhaupt, denn ein jeder Hot mit sich zu tun. Und die unbeschäftigte männlich« Beg'eitmannschast sitzt, zu einem formlosen Äloiderhoufen ver. wandest— ihr wird der Gattin eigene sowie die etwa in Betracht kommende neue Garderobe zu treuen chönden anvertraut—, still und gottergeben in irgendeinem Winkel. Schlimme« ahnend. Zum Jntenturrummelanfang gesellt« sich noch, als Noomn, die Waren- Versteigerung eines aufgelösten Gescköfts der Oberwallftraße, wo das Publikum im Auktionsweae Konkektionsware ramschen konnte. Pier- zebn Tage' währt der Hexensabbat, der natürlich zu Anfang am tollsten tobt.__/ Erst wenioe Monate sind nerftrifben, seitdem die Preußische Stciotsmün« die neuen Nickel-Fünfzigpfennigstückc in den Verkehr brachte, und schon haben Fälscher sich daran gemacht, sie nachzuahmen. Zum Glück ist ihnen dabei eine besonder« Eigen- stbakt der echten Stücke entgangen, die es dem Publikum und den Geschäftsleuten ermöglicht, die Folschstücke sofort als solche zu er- kennen Die echten..Fünfziger" sind nämlich infolge der Herstellung aus reinem Nickel magnetisch, d. h. sie werden d"rch den Magneten angezogen.„Technische Gründe", d. h. in diesem Fall, der Geldbeutel, verbieten es den Fälschern, dasselbe Metoll zu ihren Nachahmungen zu verwenden, da sir dann seinen Gewinn erzielen würden. Aus dem aleichen Grunde können sie auch das magnetische Eisen nicht gebrauchen. Die müssen also zur Het- uellung minderwertiges Metoll. z. D. Blei, verwenden, auf dos der Magnet keinen Einfluß ausüben kann. Mit Hilf« eine« kleinen Magneten läßt sich also sofort feststellen, ob man ein echtes oder ein falsches Stück vor sich hat. Die Hersteller und ihre Werkstatt sind noch nicht ermittelt. W'qen Z?amikienjswlfii«'ke>ten. Ein ausregender Vorfall spielte sich gestern abend kurz vor 22 Uhr im Hause K a st o n i e n a l l e e 23 ab. Aus dem Fenster der im zweiten Stockwerk gelegenen Wohnung ihrer Schwiegereltern stürzte sich d'e Zljährige Ehefrau Emilie Peschk« aus den Hof hinab. Sie erlitt so schwere Ver- letzunaen, daß sie wenige Minuten später st o r b. Di« Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. Der Grund zu dem Verzweiflungsschritt lst in Familienzwistigkeiten zu suchen. * Einen bösen Ausgang nahm ein« Schttgerei, die sich gestern abend zwischen mebreren Halbwüchsigen, in Moabit abspielle. Der ISjährige Schüler Hans B. aus der Fritschestr. 29 wurde vor den Brüdern E. aus der Emdener Straße absichtlich angerempelt. Als er sich.die Belästigung verbat, sie'en die beiden über D. her und schlugen ihn zu Boden. Der Junge erl'tt hierbei so schwere Gesicht»-und Kopfverletzungen, daß er in das M o a< biter K rankenhaus übergeführt werden mußte. Die fugend- fichen Nohlinge wurden von der Polizei festgestellt und später in die e.sterliche Wohnung enttassen. Zav-lldeaverslcheruagt klm t. Januar tKS ift nach dem Reiib«ge>et zu den biSberigen t'ebnkl ssen in der Invalidenverficherung die Lobnklasfe VII binzugetreien. RäbeieS ergibt die Bekannlmaibung des BorslandeS der Landesveisicherungsanstall Berlin im Slvzeigenteil. Ihren Manu vertsiftct und ihr Kind erdrosselt. Ein größliches Verbrechen wurde in Soisy-Montmoreney entdeckt. Eine Frau, deren Ehe oft der Schauplatz hestigster Szenen war. vergiftete ihren Mann und erdrosselte das älteste ihrer beiden Kinder. Bei ibrer Verhaftung legte die Mörderin ein« verblüffend« Nuhe an den Täg. Darwin, wohnhcw, vom englischen Staat angekauft. Während des letzten Wochenend» sind die Berhondlungen über den Ankauf des Haufe» von Darwin in Downe in der Grafschaft Sent zum Abschluß gekommen. Darwin lebte in dem nunmehr in den Besitz der Nation übergegangenen Hause mehr als 40 Jahre und hat einige feiner bedeutendsten wissenschasUichen Arbeiten dort beendet. Kraftomnibus vom Zuge ersaht! Ehemnih. 2. Januar. Am Bahnhof Göritzhain wurde heute vormittag ein Kraft- omnibus der staatlichen Verkehrslinie von einem Güterzug an- gefahren und befchädigt. Bier Insassen des Omnibusies wurden leicht verletzt. »?ÄrIttdU(liuigiMi5zduch firoft-Bcrlln SPD. Dicmial, den 10. Janaar, abend, T1/, Uhr im groBen Saal des Lehrervereinshauses, Alexanderplaiz Frauenwelt-Abend QroBe Veranstaltung»Or Leserinnen der„Frauenwelt* und Ihre Freunde Auftreten der.Wanderratten* unter Leitung von Theo Maret PROGRAMM: L Die Solisten 1. Patriotische htredoktion........ Claas Clanberg Am FlOgel: Claus Ciaoberg i Die Wanderratten............ Heinrich Hein« Spreeher: Theo Maret X. Proletenlieder............ Claas Claoberg a) Die modernen Barbaren fKarl HenckeJD d) i------------------*-------- b) Der Revoluzzer(Erich Mühsam) Sünger: Hans Konrad < Was uns nicht fehlt! a) Der Philister............ pfjn b) Reiipionsphilosophie........ Arno Ho!» c) Der Wanzerich.......... Heinrich Heine d) Aus Krähwinkels Schreckenstagen... Heinrich Heine et Armei Bayern!.......... GIsBbrenner f) Zur Beruhigung.......... Heinrich Heine Sprecher: Theo Maret S. Panoptikum a) Postdienst auf dem Bahnhof..;.. Schäfer d) Gespräch zweier Tischlergesellen... GlaBbrenner c) Militär.............. Puggi Muck Sprecher: Puggi Muck Pause ll. Die Revue.Was nni fehlt" ein politisch-satirischer Bilderbogen von Hans Richter. Mit Beiträgen von Claoberg, Klabund, Kroner, Mühsam. Prolog: Die entiesseite Revue. I. Vorwärts! Z Die Reichsobere amme. 3. Die Extrawurst 4. Der Mann vom Mond, S. Doom.. 6. Es geht uns immer besser. 7. Zeitung; Zeitung! X Arrest 1 Die Soldaten der Zukunft Epilog: Abschied der Revue. Inszenierung: Hans Richter. Musik: Claus Clauberg. Bilder: Kurt-Harald Isenstein, Heinz Schmlu. Darsteller: Friede! Hall Hafts Konrad, Theo Maret, Puggi Muck- Eintrittskarten zum Preise von ,0 Pfennig sind noch zu haben Im Frauen- Sekretariat des Bezirksverbandes, LlndenstraBe 3, X Hof, 2 Treppen, Zimmer U parteinachrichten /MMGroß-Berlin M. WM. Zentnrifc.» lUr bei fabnteitn, ttuller-Sichekm�tz. 26-*, ffira!. tinnätti�ung. De mit Ablauf des Gtichäftsiahcee ftne arske Tagesordnung -u erledigen ist, wizd um pllnbUiches und uollzabliges Erscheinen sämtlicher sunkt onare gebeten. K. Abt StcnliOn. 20 Uhr bei Wolfs. Kais-r-griedrlch-Ltr. 17,. Ecke Zloscgger. straüe, Abteilungsnorstaiibssitzung, bei der kein Borftanbsmitglied sehten darf. » BS. AM. Achtung! Unsere tzunktionSrslknng findet diesmal schon am Frei. tag, X Zaauar, 20 Uhr, in der Zuristischen Sprechstunde, Lindenstr. 8, statt. Arauenveranstaltuagea: i. strei» Prenzlauer Berg. Achtung, Genossinnen! Die fstr heute, Dienstag, 8. Januar, angesetzte gunltionärinnenfltzung findet nicht bei Burg! sondern bei Sluge, Daiizigrr Str. 71, statt. Sinderfreunde Groß- Berlin: ftnis Ebarlottenburg, Gruppe Vorwärts: Wir bitten die Mitglieder dieser Gruppe, sich am Mittwoch, t. Januar, entweder am Gruppenabend der Gruppe?oifshaus,? osinensir 4, um 18 Uhr, oder der Gruppe Einigkeit. Am Bahnhof Westend 2, um 18 Uhr, zu beteiligen, zwecks Besprechung der weiteren Arbeit ' Sterbetafel der Groß. Berliner Partei« Orgcnisation( 2». Abt. Unser Senoss» Rudolf S g e r l a n d, Dunckcrftratze, ist per. Horden. Ehre seinem Andenken! Beerdigung Miitwoch, 4. Januar, 1Z'/d Uhr, aus dem Georgenfricdhof, Dcitzensre, Z-oclckestratze. Wir erwarten rege Be. teiliguna. 88. Abt Unser langiähriger Barteigenosik Gustau Gebauer, Zwlngli- stratze, hat sich m't Gas vergiftet. Er war<4 Jahre alt. S2. Abt. Benlölin. Am 2g Dezember verstarb nach langer Krankheit unser lieber Genosse Baul R e r l! ch, Kengerstr. 8, vom 55. Bezirk. Wir werden dem wackeren Mitarbeiter ein ehrendes Andenken bewahren. Einäscherung heule, Dienstag, 8. Januar, 14 Uhr, im Krematorium Baumschutenweg. Reg, Beteiligung erwartet die AbtrUungsteitung. Einsendungen für diese Aubelt sind stets an kos Bezirtssetretariat Bsclin SB«. Linden stratze X z- Hos. 2 Trep. recht», jn rtchle*. X«reis«eddina. Versammlung der SPT.. Elternbeiräte am Mittwoch, 4. Januar, ISVi Uhr, bei fctanz Müller, Uferstr. 11 X«ms Prenzlauer Berg. Mittwoch, 4. Januar, l» Uhr, bei«lug, Dan- jiget Str. 71. Sitzung des erweiterte» Kreisvorstandes. X Kreis grlcdrichshaia. Mittwoch, 4. Januar, l81h Uhr,' im Rathaus, Stadtverordnetensitzungssaal, Bez'.rksversammlung. Einlagearten ab Uhr beim Genossen ssischrr. Eingang Spandauer Straße. IL Kreis Schäneberg.Arildeuan. Di« Sitzung der Zeitungsksmmissson fällt 17. Rttis sischteuterg. Miitwoch, 4 Januar, ttz flh'r, Kreitworstandssitzung bei Albrecht, Doxhazener� Str.«2. Erfcheiurn ,« Pslicht. heute, Dlenskaa. Z.. Januar: X Abt. ISVi Uhr. bei Brandis, Stralauer Str. 10, wichtig« Funktionär. sttzung. 2X Am. DI, Bezirk-führer holen Marken und.Unser Bea* VOM Genossen Walter, Mrder Str. 87, ad. 80. AM.«chäneberg. Achtung! Di« ssir heute angesetzte Funktianärfitzung findet wegen der»relsvorstandssitzung erst am Mittwoch, X Januar, bet Gütlich, Begassir. 1, statt. lOX AM. ZohannisthaL ISZH Uhr bei Sabin, Rooustr. 2, Sitzung sämtlicher Funktionäre.., Morgen, Mittwoch, 4 Januar: 88. AM. KM Uhr hei Lvsak, Bevmestr. 8, Sitzung sämtlicher Partei, und Gewerkschaftsfunktionäre. Zeder Bezirk mutz unbedingt vertreten fein. .Unser Weg* liegt in den bekannten Lokalen zur sofortigen Abholung bereit. Genossen eingeladen. Genosse Z. Schrieb«! spricht Uber.Wie werbe und wirke ich für die weltl'ch« Schule?� Eharlottenburg. 58 AM. 20 Uhr bei Bohne, Gchlotzstv. 48, Funktionärsitzung.— 8X AM. 20 Uhr Rankesir. 4, 4 Dr., ssunktionäriltzung. 81 Abt. Strglih. KM Uhr im Lokal Schul,. Bergstr. Sö, Funktlonärsitzung. Erscheinen sämtlicher Bezirkssilhrer ist Pslicht. Sozialistische Arveiterjugend Groß-Serlin. tX-B�Sitznng Donnerstag, X Zannar, pünktlich 10 Uhr, im Sekretariat. Jahresmitgliederversammlungen heule, Dienstag. 19>4 Uhr: vedblng.Zlord: Heim' See-, Eck« Turiner Straße.— Falkplatz 1: Heim Sberswalder Str. 10.— Nordost: Heim Danziger Str. 82. � SchSu- hanser Borstadt: Heim Driesener Str. W inicht Donnerstag). värther Platz: Keim«astanicnalle- 81.— Hasenheide: Seim Jorckstr. 11.— Weste» ll: Heim Düiowstr. 88.— LIchterseld«: Heim Albrechlstr. 144»(mit Bortrag.Unsere Organisation, was sie von uns verlangt und was sie uns bietet.— Steglitz: Keim Albrechtsir. 47.— Neukölln I: Heim Sander-, Ecke Hobre»tstraße.— Reukölln II: Heim Steinmetzstr. 114.— Reukell» III: Heim Wanzlikstr. 7.— Renkölln IV: Heim Schierlestr. 87.— Neukölln V: Heim Kanner Straße.— Renkölln VI: Heim Kanner Straß«.— Hermsdorf! Heim Noonstraße.—>»I»Ickrnd»rs-vst: Heim Residehzfir. 48.— Riede elchsillhavsen: Sdiule Blankenburger Str. 70.— Pankow I; Heim Sürschstr. IX « Weißensee: Heim Parksir. 88. Funkiionärsitzung.— EharloUenbnrg: Seim Rnsinenstr. 4. Züngerengrnppe:.Bebel, der Mnn und sein Werk." Aehlen- dors: Spaziergang. Treffpunkt 20 Uhr vor dem Heim. GeschästSverlegung H. Pfau. Das seit kv Jahren bestehende Fachgeschäft für Bondogeir H. Pfau hat wegen Abriß des Hauses Dirckfenstraße 20 feine Geschäftsräume nach der G e rt ra u d t e n st r o ß e 24, g« g e U- ü b e r der Petritirche verlegt. Di« neuen Räume sind in fchlicht-vornehmem Stil gehalten und repräsentieren den Eharakter einer gediegenen Verkaufsstätte. An einen hellen, geräumigen Kundenraum mit übersichtlich und geschmackvoll gruppierten Ver- kaufstischen schließen sich 21 Anprobierräume, wo'dem Kunden durch geschultes Personal in aller Ruhe und Bequemlichkeit dos Pasiende ausgesucht und anprobiert werden kann. An die Kojen schließt sich dann noch eine kleine Werkstatt, wo die Erzeugnisie. die in eigener Fabrik hergestellt werden, nochmals sorgfältigst ge- prüft und notwendige kleine Aenderungen vorgenommen werden. Neben den bekannten orthopädischen Apparaturen und Ersatzglie- dern stellt die Firma als Spezialartikel noch den Pfauschen Gummi- strumpf und den Pfauschen Leibgürtel her, deren Borzüge volle Publikumsanerkennung genießen. Sehr angenehm berührt es hier. daß die verschiedenen Berkaussgeqenstände, wie dies bei �ähnlichen Geschäften aus Reklamegründen sehr oft der Fall ist, allzu offen- sichtlich zur Schau gestellt werden.-,-, Rene Welt: Grvß-Berlin steht im Jeichen des Bockbieres.- Die weithin berühmten banerisdien Blpenscste haben nach einer prächtig verlaufenen Sisvefterfeier, die sämtlich» Säle bis aut den letzten Platz mit fröhlichen Fefigästeu gefüllt hatten, am Reuiahrstage ihren offizirllen Anfang genommen. Das lebhast duntsestliche Treiben in ser oberbayerischen Gebirgzwelt legt beredtes»eugnis ab, daß man sich wohifühlt in der wundersamen Alpen. landschaft, dir eine kostspielige Reise nach dem Bayernlande völlig llderslülstg macht. Was dort, weit voneinander getrennt liegend, erst mühsam er» klommen werden muß, liegt hiez dicht beieinander. Die seuchtfrählich ge- hoben« Stimmung hebt uns empor in die Gefilde des Hoebgebirges, die mit ihren landschaftlichen Reizen die Alpenpilaor. und pilgerinnen ftsseln und bannen. Dazu die acht Nationalkapellen: die feliben bayerischen Mades, dis die»ollaeflllllen Maßkrüge kredenzen mit dem so köstlich mundenden schSum'N- denk Labeirunk, sowie die manniglältigen Beranstallungen, dte den bayersschen Alpenfesten das Gepräge urwüchsiger Echtheit verleihen. Kein Wunder, daß ganz Berlin In ihrem ssauderbanne steht.— Am Dienstag beginnt dl« Reue der Prämiierungen mit einer orginellen Preiskrönung des feschesten Wtnter- s portgirls Dazu der gräßt« Ochst im Riesenlukullus. kvellrrderichl der ästen kl ich en kvellerdienststelle Berlin und Amzegrnb iNachdr. vetb.). EiwaS milder unb.noch ziemlich heiter, ssidlichr Winde.— jflr veusschland: Im Westen Bcwöüungtzzui ahme m t elwaö' Regen- neieung. sonst ziemlich heiter bet wenig geänderten Temperaturen... M&jß, AWtwC itä&lhutMWU&U'tfil ÖtüfwMtfümj} qH&HWtfCnHßuMiuföji ■othtK' OtövitiHUi Wtudmufn-MM Am. Konsumvereine/ Weiter vorwärts! Ein Rückblick auf das Glanzjahr-192?. Der Wirtschaftsaufschwung 1927 hat auch die proletarischen Verbraucherorganisationen Deutschlands mächtig in chrer Entwick- lung gefördert. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit bedeutet auch Stärkung der Kaufkraft jener Massen, auf die sich die Konsum- vereine in erster Linie stützen. Gewerkschaftsich« Kampferfolge er- höhten das Lohneinkommen chrer Mitglieder, damit da» Einkommen im Arbeiterhaushalt überhaupt und schufen eine bessere Grundlage für stärkeren Derbrauch: die Vorbedingungen für ein« Steigerung der Umsätze in den Konsumvereinen wurden verstärkt. Schwere Zeiten hatten die Konsumgenossenschaften in den letzten Jahrzehnten zu durchleben. Seit der Jahrhundertwende, dem Beginn umfassenderer genossenschaftlicher Tätigkeit in Deutschland blieben nur vier» zehn Jahre bis zum Weltkrieg, um die Bewegung über ihre Ansänge hinaus in Fluß zu bringen. Im fünfjährigen Welt- krieg mußten sich die Konsumvereine daraus beschränken, ein Ab- wartsgleiten zu verhindern. Es folgten die Jahre des Währung s- Verfalls, in denen die Genossenschaften um die nackte Existenz kämpfen mußten. Wohl schwollen die Mitgliederziffern an. Waren- knappheit und Warenhunger trieben Hunderttausende von Der« i brauchern �n die Genossenschaften. Innerlich jedoch zehrte die Wirt- schaftszerruttung an dem finanziellen Fundament, so daß die ersten Jahre nach der Währungssestiguns) einen gründlichen Neuaufbau mit den geretteten Mitteln notwendig mochten. Heute darf gesagt werden. Laß die Konsumgenossenschaften, von ganz wenigen Aus- nahmen abgesehen, die ihrer Hut anvertrauten gemeinwirtschaftlichen Unternehmungen sicher durch alle Wirrnisse geführt haben. In machtvollem Aufstieg streben die konsumgenossenschaftlichen Organi- sationen vorwärts, ihren großen und immer noch wachsenden Zielen entgegen Der Wiederaufbau. In der Mitgliederbewegung ist allerdings noch kein zahlenmäßiger Fortschritt zu verzeichnen, da der aus der Aus- merzung der Inslationsgäste sich ergebende Abgang an Mitgliedern den Mitgliederzugang überstieg. Diese Reinigung der Mitgliederlisten liegt aber hinter uns. Das Jahr 1928 wird als Folge des von fast allen Genossenschaften gemeldeten starken Zu- slroms ein Ansteigen des Mitgliederbestandes zeigen. Die Umsätze, der entscheidende Erfolgsmahstab, stiegen um so glanzvoller. Umsähe de» Zentralverbande, lSZS. 1926 und 1927. 192» 1926 1927 1. Vierteljahr.. 147 999 559 172 219 264 296 219 919 M. 2... 157 125 929 184 739 484 231 999 984. 3.„.. 175 299 743 195 299 799 236 990 473. 4.... 292 685 916 235 232 706 269 999 099. fgesch.) 6SZ IVS 336 787 482 244 934 210 476 LI. Das vierte Quartal 1927, dessen Ergebnisse noch ausstehen, ist sicher mit erheblich mehr als einer diertelmilliarde Umsatz«in- zusetzen, und das Jahr 1928 wird uns der ersten Milliarde Umsatz nahebringen. Die eigene Gütererzeuguug.—- Die GEG. Die stark wachsenden Derkäufe Zwingen die Lerein« und ihre Zentralen zu ständigen' Betriebserweiterungen. Besonders die eigene Güterherstellung wurde mit großem Erfolg vergrößert. War es bisher hauptsächlich die Erzeugung von Backwaren, der sich die Genossenschaften mit allseitig anerkanntem Erfolg widmeten, so wurden neuerdings zahlreiche Detriebe für Fleischverarbei- t u ng und Wursterzeugung angegliedert. Die bisherigen Ergebnisse sind im höchsten Maße hoffnungsvoll. Geleitet wird die Ausdehnung der Eigenproduktion von der Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine, der GEG. Sie hat und kontrolliert heute schon über mehr al» 40 Zabrlkea, in denen 1926 für 42 Millionen Mark Waren hergestellt wurden. Neben umfangreichen Erweiterungen bei der GEG. 1927 neu, Errichtung einer Graßmühle in Magdeburg. Geländeankaus für Errichtung einer weiteren Mühle in Mannheim. Erwerbung der vierten ZIgarrensabrik in Baden. Erwerbung der Fleischfabrik BöUs-A.-G. in Oldenburg. Erwerbung eines Landgule» von 2700 Morgen in der Altmark. da» der Eigenbelieferung unserer Stendaler Konservenfabrik dienen wird. Froh und stolz dürfen wir über diese Entwicklung der GEG. auch im Jahre 1927 sein. Die Fiaauzeu des Konsums. Bon weittragender Bedeutung ist die Frage: Aus welchen Quellen fliegen die Mittel, durch welche die Genossen- schasten in den Stand gesetzt werden, ihre Aufgaben zu erfüllen? Wahl wachsen Geschäftsanteile und Reserven in den Genosienschaften in erfreulicher Weise. Indes reichen sie bei weitem nicht aus, um ganz aus eigener Kraft alle» aufzubauen. Da springt das Mit- jstiedervertrouen zum eigenen Werk in die Bresche und führt die Spargroschen des einzelnen der genosienschaftlichen Spar- kasse zu. Vau 49 Millionen Mark(mit Aufwertungsbeträgen!) im Jahre 1924 wuchsen die Einlagen der Konsumsparkasse aus 199 Mll- llone» schon im 3. Vierteljahr 1927. Viel wird über wachsende Ein- lagen der kommunalen Sparkassen geschrieben— im Vergleich zu der Entwicklung der Konsumsparkassen bleiben sie weit zurück: 1914 hotten die Zentraloerbandsgenossenschaften insgesamt 79 Millionen Mark Spareinlagen. Heute haben sse bald das'Dreifache. Die kommunalen Sparkassen haben aber bei weitem nicht den Bor- kriegsstand erreicht. Die auf der Zentralverbondstagung im Jahre 1927 erörterte Schaffung einer genossenschafllichen Hypothekenbank unter ZuHilfe- nähme der genossenschastlichen Spareinlagen hat in der deutschen Bankwelt großen Aerger ausgelöst. Bäterlich möchte man den Genossenschasten zureden, von der Aussührung des Gedankens Ab- stand zu nehmen. Die Genossenschaften werden ssch dadurch nicht beirren lassen, vielmehr der Meinung sein: nun erst recht darf und soll hier etwas geschehen, um die in der Bank der Genossenschasten zusammenfließenden Gelder in oolkssreundlichem Sinne fruchtbar zu machen. Billige Wohnungen und Eigenheime des schaffenden Bolks sind wichtiger als die freundlichen Augen des Prioattapstals. Die Sleuerpolilik hemmk die Eulwicklung. Die Konsumvereine fordern keine Unterstützung von Staat und Gemeinden; sie helfen sich selbst, sie vertrauen der eigenen Kraft. Was aber vom Gesetzgeber verlangt werden muß, ist, daß alle ungerechtfertigten, den Konsumvereinen auferlegten Steuern in Fortfall kommen. Dazu gehören vor allem die Gewerbesteuern in Preußen und einigen anderen Freistaaten. Nach der Mei- nung maßgebender Steüerrechtslehrer und auch nach den Urteilen desReichsfinanzhoses dürfen die Genossenschaften, da sie n u r an Mitglieder ihre Waren verkaufen und keine Gewinne erstreben, nicht von der Gewerbesteuer erfaßt werden. Auch der finanzpolitisch« Ausschuß des Reichswirtschaftsrates hat sich vor kurzer Zeit für die Freiheit der Genossenschaften von der Gewerbesteuer ausgesprochen. Trotzdem sind die Konsumvereine noch immer der Gewerbesteuer unterworfen, und das im Reichstag zur Beratung stehende Steuervereinheitlichungsgesetz will sogar das offenkundige Unrecht verallgemeinern und aus das ganze Reich aus- dehnen. Die Entscheidung über die Dorlage wird im nächsten Jahre fallen. Hoffentlich machen die Neuwahlen im Reich und Preußen noch einen dicken Strich durck diese reaktiv- näre Rechnung, wobei auch die Genossenschaftsmitglieder ent- sprechend ihre Stimme abgeben müssen.„Fort mit de m k o n- sumseindlichen Steuerunrecht in den neuen Reichs- gesehen— Hinweg mit den Ausnahmebestimmungen gegen die Konsumvereine im preußischen Gewerbesteuergesetz!' muh eine der Losungen der kommenden politischen Kämpft sein. 1 Milliarde ist geschafft— 12 Milliarden sollen'» sein! Das erfreullche Bild der konsumgenossenschaftlichen Entwicklung könnte aber in noch viel helleren Farben leuchten. Der Wert der genossenschafllichen Selbsthilfe muß in den arbeitenden Massen, bei Arbeitern, Angestellten und Beamten restlos erkannt werden. Millio- neu von Werktätigen sind noch nicht im Kofum, schwächen durch un- rationellen Einkauf die Kauskrast ihres geringen Einkommens. Roch fehst Millionen die Erkenntnis, daß Zusammen- fassung und wertmäßige Verdickung der Kauf- kraft durch genossenschaftlich« Selbsthilfe die best« und schärfste Waffe des arbeitenden Volkes ist. Von Hunderttausenden wurden selbst die Partei, und Gewerkschaftsbeschlüsse nicht befolgt, die zur Mitgliedschaft in den Konsumvereinen auffordern. Deutsckgand hat bei seinen mehr als 69 Millionen Einwohnern rund 15 Millionen Haushaltungen: 12 Millionen davon leben von Löhnen und kleinen Gehältern.- Jeder Haushast braucht jährlich wenigstens für 1999 M. Waren, wie sie die Konsumvereine liefern. Da» er- gäbe einen Umsatz von 12 Milliarden Mark. 1928 wird aber erst die erst« Milliarde davon durch die Konsumvereine fließen. Ein Zwölftel ist erst erfaßt— elf Zwölftel gilt e»zu gewinnen! Hier liegt die Aufgabe der Zukunft. Wir müssen sie lösen. Heinrich Lorenz 25 Lahre in der GEG.% Am 2. Januar 1928 begeht Heinrich Lorenz(Hamburg) sein 25iährig«s Jubiläum als Geschäftefuhrer der Großeinkaufsgesell- schaft. Die 25 Jahre seiner Mitarbeit bei der Grobeinkaufsgesellschaft bedeuten ebensosehr eine beispiellos« Entwicklung«nes genossenschast- ttchen Zentralunternehmens, wie eine ganz ungewöhnliche Leistung eines einzelnen, der verantwortlich und sührcnd misten in dieser Entwicklung stand und heute noch steht. Charakteristisch für diese Periode ist der gewaltige Ausbau der Produttioabteilungen. Gerade auf diesem Gebiet aber liegt ein gut Stück der erfolgreichen Tätig- keit des Jubilars, dem die Warenherstellung nicht nur besonders zugewiesen, sondern auch besonders ans Herz gewachsen war. Lorenz war und ist nicht nur der kraftvoll«, ruhig abwägende und überlegt handelnde Geschäftsführer der Großeinkaufsgeftllschaft, er steht auch in Führerstellung in der allgemeinen Genossenschaftsbewegung. Auch die Genosscnfchaftsinternationale weiß, was sie an Heinrich Lorenz hat. RWE. und Kerngas. Vor einer folgenschweren Entscheidvag. Die Entscheidung des erweiterten Präsidium» des Rheinisch. Westfälischen Elektrizitätswerks über die Veräußerung seiner Fern- ga-Äeitungen steht unmittelbar bevor, und es ist nach der Lage der Dinge nicht unwahrscheinlich, daß sie im Sinn« des Borstandes dieses größten gemifäch. wirtschaftlichen Unternehmens ausfallen könnte. Daher ist es notwendig, heute noch einmal zu betonen, daß der Verlaus dieses Lestungsnetzes an die A.-G. für Kohleoerwertung weder volkswirtschaftlich noch privatwirtjchaftlich wünschenswert ist. BolkowirtschafUich gelten für diese Frage die folgenden Gesichts- punkte. Die Absicht der A.-G. für Kohleverwertung ist, den Der- kauf von Zechensas zu monopolisieren. Sie will das Gas- verkaufssyndikat der Ruhrzechen und damit«in monopolistischer Tell des Kohlen gaesyndikats werden, ähnlich der A.-G. für Teerver- Wertung und der Ammoniak-Derkaussvereinigung G. m. b. H., in denen das Teer- und das Ammoniakgefchäst des Ruhrbergbaus zu- sammengefaßt sind. Zweck der Monopolisierung des Verkaufs von Zechengas ist die Erzielung von möglichst hchen Gaspreiftn. Voraussetzung für ihr Gelingen ist die Ausschaltung aller Konkurrenten der A.-G. für Kohleverwertung, die im freien Gaseinkauf eine Zeche gegen die andere ausspielen könnten, um niedrigere Gas- preis« zu erzielen, und eventuell im Gasverkauf die Zechen unter- bieten könnten. Der einzigeernsthafteKonkurrent ist das RWE. Der Derkauf feiner Gasleitungen bedeutet daher die Boll- e n du n g des Gasmonopols der A.-G. für Kohleverwertung. Denn die übrigen Besitzer von Ferngasleitungen sind teils bedeutungs- los. teils zu edgster Zusammenarbeit mit der A.-G. für Kohle- Verwertung bereit. Außerdem bedeutet ein Uebergang der Leitungen des RWE. an das Gassyndikat der Zechen die Entscheidung darüber, daß dies — und nicht das RWE.— die Aufgaben der Ferngasversorgung in Zukunft zu lösen hat. Gerade in dem Augenblick, in dem der technische Fortschritt in der Kok-erzeugung die Durchführung der Ferngasversorgung in größerem Umfang und damit in einem be- stimmten Gebiet, eine Derbilligung des Gasverbrauchs zu gestatten scheint, würde dies aussichtsreich)« Gebiet der Licht, und Kraftoersorgung völlig in die private Hand übergehen, die öffentliche Hand sich völlig daran desinteressieren. Selbst rein privatwirtschaftlich betrachtet, kann dieser Berkauf für das RWE. nicht vorteilhaft sein. Wäre er das, so wäre es unverständlich, warum nicht auch der Stahllrust und Thyssen ihre kleineren Gasleittmgsnetze zu ähnlichen Bedingungen an die A.-G. für Krhleverwertung abzustoßen suchen. Das Netz des RWE. ist außerordentlich entwicklungsfähig, wenn nur der Vorstand des RWE. sich ernsthaft um eine Entwicklung der Gas- fernversorgung im Rahmen des RWE. bemühte. Ihm scheint aber mehr daran gelegen zu sein, der A.-G. für Kohleverwertung durch den geplanten Derkauf die Arbeit zu erleichtern. Da» Netz, um das es sich Handell, ist 289 Kilometer lang und führt dicht an die Hauptverbrouchszentten der Rheinprovinz, Köln und Düffel» darf, heran. Jedoch hat ssch der Vorstand des RWE um die De- lieferung dieser Städte mit Ferngas airscheinend überhaupt nicht bemüht, sondern freiwillig hier das Feld der A.-G. für Kohl«. Verwertung geräumt, deren Bemühungen ohne die Uebernahme des RWE.-Netzes bei diesen Städten wahrscheinlich zu völliger Er- folglosigkeit verurteilt wären. Die gleiche Passivität zeigt« der Vorstand des RWE. in der Frag« der Gasversorguna de» großen chemiscken Werks in Leverkusen. Daß be' solcher ofsenbar nicht absichtslosen Derzichtspolitit das Gasnetz� des RWE. nicht sonderlich rentabel war, ist nicht zu verwundsrn. Daß es ab«? rentabel sein könnte, daran kann kaum«n Zweifel bestehen. Dies wertvolle Aktivuru brauchte aber der Vorstand noch gar nicht einmal zu»erkaufen, wenn er es wirtlich für unmöglich hielte, zunächst selbst an seiner weiteren Entwicklung zu arbeiten. Vielmehr bestünde durchaus die Möglichkeit, mit der A.-G. für Kohle» Verwertung einen Mietvertrag abzuschließen, der auf dem Weg« über eine Abgabe pro Kubikmeter durch das Netz gelieferten Gases dem RWE. wenigstens ein« Beteiligung an der künftigen Entwicklung der Ferngasversorgung sicherte. Statt dessen auch nur für einen Tell des Kaufpreises Aktien der A.-G. für Kohleverwer- tung anzunehmen, die heute noch völlig werllos sind, bedeutet ein- fach ein schleckte» Geschäft. Allein richtig erscheint es uns. zunächst überhaupt die über- flüssigen Derkaufsplän« zurückzustellen und an den weiteren Ausbau des RWE.-Netzes zu denken. Zwingende Gründe liegen für das RWE., dessen Rentabilität glänzend ist, bis her jedenfalls nicht vor, um einen überstürzten Beschluß in dieser Angelegenheit zu rechtfertigen. Lfofug neuer Eisenpreiserhöhungen. Di- deutsche Eisenindustrie scheint so unkonsequent und unver- nvnftig als nur möglich handeln zu wollen. Die Lohnerhöhungen gelegentlich der sabotierten Einführung des Dreischichtensystems hat sie deshalb als untragbar erklärt, weil sie mit den Eisenpreisen nicht mehr in die Höhe könne. In der Tat liegen die Well- Marktpreise nicht unerheblich niedriger und sind kürzlich noch weiter gesunken. Der oerarbeitenden Industrie Deutschlands wird für die verarbeitenden und exportierten Eisenmengen schon jetzt eine Bcr- gütung von 25 Proz. gezahlt. Die deutschen Inlandspreise sind durch das tatsächliche Inlattdsmonopol. das sich aus der Konstruk- tion der europäischen Rohstahlgemeinschaft ergibt, schon unerhört hoch. Dennoch soll sich eine sehr bald stattfindende Sitzung des Stahlwerksverbaitttes mit den Anträgen auf Eisenpreis- erhöhung beschäftigen. Di« Markllog« spricht absolut gegen ein« EisenpretS- erhöhung. Vom Standpunkt der Konjunktuterhaltting gill dasselbe gegen die Eisenpreise wie vor einem Jahre. Für die verarbeitende Industrie erwachsen aus der Preiserhöhung nur Nachteile. Die Eisenindustrie selbst verschlechtert auf dem Weltmarkt ihre Kon- kurrenzsähigkeit. Die ohnehin mit Sicherheit schlechte Baukonjunk- tur im Inland wird durch Verteuerung der Baukosten noch weiter verschlechtert. Kein Zweifel, daß die deutsche Eisenindustrie die Preis- erhöhung nicht braucht. Das beweisen die außerordenilich gün- stigen Gewinnabschlüsse für da» vergangene Jahr. Vielleicht, daß die Vereinigte Stahlwerke A.-G. die Preiserhöhung braucht um ihr zu hohes Kopital zu verzinsen. Da hilft aber letztlich keine Preiserhöhung, die die Ausnutzung der Werke noch verringert, sondern nur eine Verringerung der Gewinnansprüche, d. h. «ine Herabsetzung des Kapitals, die, wenn sie dem Ruhnnontan- trust auch noch so schwer fällt, Rontabilität und Kreditfähigkeit auf Dauer nur erhöhen kann. Es muß ausgeschlossen bleiben, daz die mißglückte Sanierung des Ruhrmontantrusts wie eine Schraube ohne Ende die deutschen Monopoleisenpreise immer weller erhöht. Wenn der Stahlwerksverband eine Eisen- Preiserhöhung beschließt, dann ist«s Zeit, daß die bisher fehlende öffentliche P r« i s t o n t r o l l« für die Erzeugnisse der Eisenindustrie gesHafsen wird. Die ganze Industrie, nicht nur die Ardellerschaft, wird für diese Kontrolle zu haben sein � Der Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 28. Dezember 1927 berechnete Groß Handelzindexziffer des Statistischen Reichsamte» beträgt 139,2 gegenüber 149,9 in der vorangegangenen Woche, sie ist demnach gegenüber der Vorwoche etwas zurück gegangen. Min den Hauptgruppen ist der Ag rar index um IL Proz. ge- funken, während die Indexziffer für Kolonialwaren um 9,2 Proz. und dft für industrielle Rohstoff« und Halbwaren um 9.3 Prrz. anzog. Die Indexziffer der industriellen Fertigwaren war nahezu unverändert. Die Reichsindex, lffer für die eebeushalkuagskosten im Dezember. Di« Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten(Ernährung. Wohnung. Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und sonstiger Bedarf) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monat Dezember auf 151,3 gegen 159.6 im Vormonat. Sie ist sonach um 9,5 Proz. gestiegen. Die Be- kleidungsausgobeu haben ihre Aufwönsbewegung fort- gesetzt. Di« Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen (1913/14— 199) für Ernährung 152,8, für Wohnung 125,4, für Heizung und Beleuchtung 146,4, für Bekleidung 165,7, für den sonstigen Bedarf einschließlich Verkehr 185,8.. Die Konkurs, lssern steigen. Nach den Mitteilungsn der Lands- burghschen„Bank" sind von Oktober bis Dezember die Konkurs- Ziffern von 462 auf 581 und auf 649 gestiegen. Die Geschäfts- aufsichten bzw. Vergleichsverfahren von 68 auf 118 bzw. 185. Die Kurve der Zusammenbrüche steigt also stark auswärts. Bedenklich ist die Entwicklung nicht. Die Durchschnittsziffern der Vor- kriegszeit find noch lange nicht erreicht, und die Konkursziffer des Jahres 1926 dürste im vergangenen Jahre ins- gesamt kaum bis zur Hälfte erreicht worden sein. lieber 100 900 Passaglere sollen von der Deutschen Luft- Hansa-A.-G. 1927 befördert worden sein. Das wäre eine Zunahme von 89 Prozent gegenüber 1926. Dazu kommen 1999 Tonnen beförderte Luftgüter(Zunahme 199 Prozent) bei insgesamt 9 Millionen Flugkilometern(Zunahme rund 59 Prozent). Die Entwicklung ist in hohem Maße günstig, wie die Zahlen deutlich erkennen lassen Hoffentlich ist auch die wirtschaftlich« Leistung hinsichtlich von Kostendeaung aus eigenen Einnahmen gegenüber dem Vorjahre entsprechend gestiegen. Zwei Drittel der Passagier« und Güter wurden im Jahre 1926 nämlich noch durch die gezahlten Subventionen gratis befördert. Was in dieser Richtung erreicht wurde, sollte der kommende Geschäftsbericht mtt absoluter Klarheit und Eindeutigkeit aussprechen. Gelegenheilen zu psandbrieskäusen bietet die Preußische Landespfandbriesonstalt der Oeffenilichteit an. Wie in dieser Nummer im Inseratentell mitgeteilt wird, werden 5 Millionen siebenprozentige und 5 Millionen achtprozentige Goldmark- Pfandbriefe zum Kurs von 93)4 bzw. 98 Proz. auegegeben. Die Pfandbriefe sind mit 199, 299, 599, 1999 und 5999 M. gestückelt. Die reichsmündelslcheren Pfandbriefe können vom 2. bis 29. Januar bei allen Banken und Sparkassen gezeichnet werden, selbstverständlich auch bei unserer Bant für Arbeiter, An- gestellt« und Beamte, Wallstraße 65. SUo kennt heute nur noch yfOkflSS"(nech Oeheünr&t Dr. med. Lahueen). Das einzig dastehend« hochwertige Soincl Kriftl. gnngsmittel{sexnella Neurasthenie). Notariell do» glsniugta Anerkennungen von zahlteichcn Aerzten und tsnaaade Danksehreiben dankbarer Verbraucher be- ' weiten die einzig dzstebende Wirkung! Trotzdem gibt es noch Zweifler! Wir versenden daher nochmals HO oon Probe-Fnckungen kostenlos ohne Jede Verpflichtung gegen SO Pf. Doppel- Brief-Porto; wir legen hochinteressante Broschüre bei. Orlglnal-Packnnp a 9.SÜ M. zu haben in den Apo- tbeksn. Genaral Depof, und Aileinversand fBr Deutschland: Raü lauere K ronen-Anotheke, Berlin W61, Ttiediichstrasse 160, Nr. 3* 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag. 3. Januar 192S Ins neue Jahr! Da» Jahr 1927 kst für di« Entwicklung der Arbeiterspartbe- wegung im allgemeinen günstig gewesen. Me Verbände haben einen erfreulichen Zuwachs an Mitgliedern gehabt. Die meisten haben damit aber den Hochstand von 1922 noch nicht wieder erreicht; andere haben ihn erheblich überschritten. Wir werden uns damit abfinden müssen, daß die Jugendzeit der Bewegung hinter uns liegt und damit die Periode des schnellen Wachstums vorbei ist. Dafür sind wir ober auch vor Rückschlägen gesichert, wie sie nach der rapiden Entwicklungsperiode in den ersten Iahren nach der Revo- lution unvermeidlich waren. Dem Außenstehenden will es freilich oft scheinen, als ob die Arbestersportler die Werbekrast ihrer Bewegung nicht richtig auszu» nützen verstehen. Die Berquickung der Bewegung mit Parteipolitik, wie sie besonders von den Linksradikalen und wiederum besonders hier in Berlin betrieben wird, stößt unbestrest- bar auch größere Schichten der sportlustigen Arbesteiichaft ob. Wem kann denn auch zugemutet werden, im Sportverein, wo er Erholung von den Mühen des Tages sucht, sich mit dem politischen Gegner herumzuschlagen. Die überzeugten Sozialisten haben sich ehedem doch eben deshalb von den bürgerlichen Elementen im Sport ge- trennt, um im Sportverein mit gleichgesinnten Kamera- den zusammen sein zu können. Kein vernünftiger Mensch geht doch wohl in einen Sportverein, um dort in gehässigen Formen polstische Meinungskämpfe auszutragen oder seine politische Ehre den gemeinsten Angriffen auszusetzen. Mcn muß leider sagen, daß es in dieser Hinsicht hier in Berlin im letzten Jahre nicht bester geworden ist. Der Gesundungsprozeß hat zwar eingesetzt, schreitet ober recht longsam vorwärts. Die Stalin-Partei setzt der Gesun- dung verzweifelten Widerstand entgegen und hat eine ganze Anzahl der größten Stänker in besoldete Stellen gebracht, um sie bei der Stange zu halten. Glücklicherweise sind die Derhältniste im Reich« ganz anders als in Berlin, und daraus ergibt sich dort der er- wähnte Fortschritt, mich dem man hier vergebens suchen wird. Als wichtigstes Ereignis im Jahre ist der Internationale Kongreß in Helsingfors zu verzeichnen. Sein« Haupt- beschlüste liegen auf dem Gebiete der Auseinandersetzung mit Moskau. Es wurde jeder weiter« Verkehr mit der Kommu- nistifchen International» abgebrochen. Inzwischen haben die deutschen Verbände auch den sportlichen Verkehr mit Rußland abgebrochen, weil die KPD. die Anwesenheit der russischen Sportler zu Parteizwecken mißbraucht hat. Im neuen Jahr werden die Bundestage die Aufmerk. famkeit der Oeffentlichkeit auf sich lenken. Dieses Mal eröffnet der größte Verband, der Arbeiter-, Turn, und Sportbund, selbst den Reigen. Erstmalig tagt der Bundestag im eigenen Hause, im großen Turnsaal der Bundesschule in L e i p z i g. Es dürfte hier eine scharfe Abrechnung mit der stnkseadikolen Berliner Klicke gebe», deren Treiben unerträglich geworden ist. Hosfentllch wird dieses Mal durchgegriffen, sonst riskiert der Bund, daß die andere Rich- tung zur Selbsthilfe greift und jede weitere Zusammenarbeit mst den Kommunisten ablehnt. Die Radfahrer wgen im August in Hamburg, die Athleten in Dresden, die Natur- freund« in Zürich, der Verband Volksgesundheit in Berlin und die Schützen in Kassel. Aus diesen Tagungen wird es friedlicher zugehen, denn der Berliner Klüngel hat sich fast restlos auf den Arbeiter-Turn- und Sportbund konzentriert, so daß die anderen Verbände von seiner Zersetzungsarbeit verschont geblieben sind. Auf dem Bundestage der Rodfahrer dürste auch über das Verhästnis zu den L i n d c a r w e r k« n«in offenes Wort gesprochen werden. Hier muß ein bester« Einvernehmen hergestellt werden; das ist in beider Interest« durchaus nötig und wohl auch möglich. Die von vielen Genossen als dringlich angesehen« Frage der westeren Konzentration durch Uebertritt des Arbeiterathletenbunde« zum Arbeiter-Turn- und Sportbund dürfte der Lösung nicht näher- gebracht werden. Der Arbeiterachletenbund ist im Begriff, sich ein Heim an seinem jetzigen Wohnsitz in Magdeburg- Groß» ottersleben zu errichten. Damit dürfte die Berfchmelzungs. absicht aufgegeben sein. Ein neues Eigenheim mit einer kleinen Schule errichtet auch der Arbeitersamariterbund in Chemnitz. Dem Verband« Bolksgesundheit schließt sich mit dem 1. Januar 1928 die von Adolf Koch geleitete Gymnastikbe» wegung an. Damit ist eine alte Streitfrage au» der Welt ge» schafft. Es heißt, daß«ine kleine Berliner Kommunistengruppe einen neuen Verleumdungsfeldzug gegen Koch und feine Bewegung beginnen will, um diesen Anschluß noch in letzter Stund« zu ver- hindern. Diese Mühe wird indes vergeblich sein. Das Verhältnis zum bürgerlichen Sport hat eine Veränderung nicht erfahren und wird auch im beginnenden Jahre dasselbe bleiben. Die republikanische Oeffentlichkeit sollte sich aber etwas mehr um den bürgerlichen, sich gern neutral nennenden Sport kümmern. Ist es nicht sehr possierlich, daß ein demokratischer Zeitungstapitalist. Herr Ullstein. 200 909 M. für die Amster» damer Olympiade spendet, die deutschen Sportler jedoch die Fahne der Republik daheim lassen wollen? Die Herren haben die Absicht, die sogenannte Auslands-, d. h. die Handels- flagge mit der Gösch, in Amsterdam als Nationalflagge zu zeigen. Dagegen haben aber andere Länder protestiert, man nennt be. sonders Belgien. Nun will man beide Flaggen zeigen und es auf diese Weise mit keinem—in Wirklichkeit aber mst beiden— verderben. Im.Berliner Tageblatt" sind Andeutungen darüber schon vor Wochen gemacht worden. Der sonst so mitteilsame .Deutsche Reichsausschuß für Loibesübungen" hüllt sich bezeichnender- weife in Schweigen. „Um die Berliner Sportwoche." Den Leuten in der.3i o t« n Fahne' geben unsere Feststel- kungen zu der in Frag« stehenden Beteiligung der Arbeitersportler an der Berliner Sport werbewoche Anlaß zu einem Artikel, der so viel krauses Zeug bringt, daß man weder von eine: Polemik noch von einer Entgegnung oder auch nur von einem Versuch sprechen kann, unsere wohlfundierten Argumente zu ent- krästen. Man versucht nicht einmal die Delegierten des Kartellver- bandes im Stadtamt für Leibesübungen, die für eine Beteiligung sind, zu entlasten. Auch über ihre Parteionhänger, die im ge- fchäftsfühl enden Ausschuß für die Teilnahme eintraten, sagt die „Rote Fahne" nichts. Sie erhofft vielmehr alles Hell von der Linksmehrheit in der Stadtverordnetenver- f a m m l u n g. die einfach.eine Arbeitersportwerbewoche beschste- ßen müste"! Das Stalin-Organ will also alle Initiative von den Arbeiter- sporllern aus die Stadtverordneten übertragen. Das ist ja eine nette revolutionäre Taktik. Bislang war es in der Arbeiterbewe- gung immer so. daß sich die Verbände aus ihre eigene or- ganisatorisch« Macht und Kraft verließen, jetzt wollen die Moskauer den Arbeitersportlern Kindermädchen bestellen. Wir können uns dieser Taktik nicht anschließen, weil wir die Ar- beitersportbewegung nicht in den Ruf der Unfähigkeit bringen wollen, vielmehr davon überzeugt sind, daß ein Wettstreit mit den bürgerlichen Sportlern— sosern ein solcher überhaupt in Frage kommt— wohl bestanden werden kann. Beschlüsse der Stadtverordneten als Ersatz für Zivilcourage lehnen wir und die hinter uns stehenden Sport- ler ab. Sdmitzefyagd durch die Jungfcmhride. Die alljährlich von der Woldläufergruppe des SV. Moabit durch die Jungfernhcide veranstaltete Neujahrsschnitzeljagd nrhm auch diesmal einen befriedigenden Verlaus. Den beiden .Füchsen", den Alterssportlern Klemstein und Tobias, folgte nach fünf bzw. sechs Minuten die.Meute" mit 28 Läufern, darunter 2 Sportlerinnen. Zwei weit auseinanderlaufende Spuren waren von den Füchsen gestreut. Durch Abriegelung des Waldgelänöes am ehemaligen Tegeler Schießplatz wurden die Füchse gefangen. und zwar Klemstein nach etwa 35 Minuten von der Gruppe der Rennläufer und Tobias nach 45 Minuten von der Gruppe der Anfänger, Jugendlichen und Sportlerinnen. Nach 54 Minuten Laufzeit kehrte die erster« Gruppe und nach 67 Minuten die letzter« Gruppe mst den gefangenen Füchsen zurück. SporttidKe Höchstleistungen. Der Arbeiter-Turn. und-Sportbund kann für 1927 wieder in verschiedenen Sportarten Verbesserungen fein er Höchstleistungen buchen. Freilich losten dies« Sta- tistiken über die bestqualifizierten Sportler noch kerne Rückschlüsse darüber zu, ob auch die Qualität der Masse gestiegen ist. Eine Statistik hierüber müßte für den Arbestersport, der die Hebung der allgemeinen Volksgesundheit in den Vordergrund stellt, ganz besonders wichtig sein. Diese Statistik könnte sich über folgende zwei Punkte erstrecken: 1. Durchschnittsleistung der an den betreffenden Sportfesten tellgenommcnen Sportler, 2. Wieviel Teilnehmer hatten die einzelnen Sportorten? Di« Beantwortung des Punktes 2 würde besonders interestant sein, da die meisten Leichtathleten offenbar nur den Laus systematisch pflegen, während die Sprung, und Wursarten— die besonders ein- gehende» Training verlangen— ein« west geringere Anziehungs- kraft ausüben. Gegenüber 1926(Resultate in Klammern) traten 1 9 27 folgend« Derbesserungen ein: Läuse: 100 Meter 10,8 Sek.(11.2), 290 Meter 22,5 Sek.(23,4), 1009 Meter 2 Min. 42,2 Sek.(2: 43,9), 1500 Meter 4 Min. 6,9 Sek.(4. 88), 19 09 Meter 33 Min. 41,0 Set. (33; 50), IIO-Merer�iurdenlauf 16 2 Set.(17), 4X199 Mrter 45,2 Set.(46.4), 3 x 200 Meter 1 Min 10,7 Sek.(1; 12.3), Schweden- sta fette 2 Min. 8 Set.(2: 12,1), 3X100 Meter 8 Min. 20,4 Sek. (8; 48,3). Sprünge: Weitspnmg 693 Meter(6,38), Drei- sprung 13,93 Meter(12,64, Hochsprung 1,76 Meter(1,75), Stab- hocksvrung 3,61 Meter(3-34). Wersen: Diskus 37.15 Meter (33,83), Speer 50,01 Meter(49 97), Schleuderball 55 95 M ter (48,65), Hammer 5 Kilogramm 39,46 Meter(38,08), Kugelstoßen 7]/4 KIloaramm 12,46 Meter(11,94), Sportlerinnen: 4x100 Meter 53,5 Sek.(57,4), kleine olympische Äasette 56 9 Set.(1: 1,2)), Hochsvrung 1,44 Meter(1,40). Weitsprung 5.20 Meter(4 68), Diskus 24,17 Meter(?3,39). Speer 31,95 Meter(29.08), Kugelstoßen 5 Kilogramm 9,31 Meter(8,9). hallevsporlsest de, ASC. Der Athletic-Sport-Club bleibt seiner Tradition treu und veranstaltet auch in diesem Jahr, und zwar am Sonntag, dem 8. I a n u a r,«in internes Hallen- s p o r t f e st. An dieser Veranstaltung beteiligen sich die Vereine BerÄina, Lickstenberg, Moabst und Schöneberq. so daß es nicht schwer ist. vorauszusagen, daß gut« und interestant« Kämpfe geboten werden. Besonders die großen Stoffeln: 10X40> Meter- Pendelstafette für Männer. Frauen und Jugend und die große 10x2-Runden-Staf«tt« werden Hauptreize der Veranstaltung sein. Das Fest findet in der größten Turnhall« Berlins, der Zentral-Turnhalle in der P r i n z e n- st r a ß e 72 statt und beginnt am Sonntag um 15 Uhr. Der ,�reie Segler", das Organ de» Freien Seglerverbandes. bringt in seiner ersten Nummer des neuen Jahres eine Vorschau des Verbandsoorsitzenden, Genossen Pähl, Aufsätze über die gesetzlichen Rechte der Vereine, einen Bericht über Verhandlungen mit den schädi- einem Risten und Photos versehenen Aufsatz wird die Schaffung einer 15-Quadratmet«r-Jollenklosse nach Plänen und praktischen Er- fahrungen des Konstrukteurs Retzlaff besprochen. Die sich besonders für die„Seeschiffahrt" interessierende Wasserkante des Verbandes stellt als Forderung für 1928 die Anschaffung eines großen, etwa 250 Quadratmeter tragenden Seeschulschifses für den Verband zur Debatte. Die wertvolle Zeitschrift ist im Straßen- und Kioskhandel für 40 Pf. zu haben. Alle SPD.- Schachspieler werden zu einer Besprechung, Mitt« woch, 4. Januar. 1954 Uhr, bei Ewald, Skalitzer Straß« 129, einge» laden. Mitgliedsbuch legitimiert. SPD.-Fraktion der Kulturvereine. piecyre ver'.uernne, einen Bericyl uoer»eryanomngen mu Fischereiberechtigten wegen der von diesen geforderten.,En!s> gungen" und eimge andere Artikel prinzipiellen Inhalts. In< mit Risten und Photos versehenen Aufsatz wird die Schaffung Handball am Neusahrskag. «Ii bedeutenden Mannschafte» sind schon mit den Punktspielen kerttz. fand«» nur zwei See l e n s p l« l e statt. Charlott.'nburg.EäM�mmer und tzichti�üd II teilt« sich mit l: l(I: 1) die Punkte. Fichte war etwas beffir im Angriff, statte aber bei dem Ehorlottinburgcr Torhsiter schwer« Arbeit. Sraß-Lerlin-vsten I konnte Fichte 2. Abt. II mit 12: l lZ: 0) leicht schlagen. Nach der Pause spielte Osten mit Wind und konnte dadurch filr den Torwächter unstaltdare Schltsie einsenden. Zm einzigen Sesellschasts» spiel standen sich gichte-Ssid und Schiineberg-Eportler geg-niider.?lld» leicht» Ueberlegensteit machte sich durch«in 2:0<0: 0) bemerkbar. Die Verteidigung hatte schwer, Arbeit, fc-nn Schöneberg brachte lange Echilsse von der Adseitslinie an, die«der nicht» einbrachten. Aus der Partei. Costaniino Lazzari. Aus italienischen Parteikreisen wird uns geschrieben: Am 29. Dezember ist in Rom einer der ältesten Vorkämpfer des italienischen Sozialismus, Costantino Lazzari, gestorben. Ihm gebührt ein nicht unbedeutender Platz in der Gcschichle des proletarischen Befreiungskampses. Er kam zum Sozialismus von der„Arbeiterpartei" und hat in der italienischen immer die antiintellektuelle Richtung, die der Parteibewegung schwieligen Faust". vertreten. Er war kein Theoretiker und wollte wohl auch keiner sein. Für ihn war das Wesentliche am Sozialismus sein Klassen« kampfcharakter. Deshalb hat er während seiner ganzen Partei- tötigkeit den Reformismus als eine Entartung unserer Bewegung bekämpft, so daß sich der berühmte.Kampf der Tendenzen" in der italienischen Partei lang« Jahre hindurch in den Namen Turari- Lazzari oerkörpert«. Diese Kampsjahre haben Lazzari mehr Bitter- keit gebracht, ois die Verfolgungen, di« ihm Mehrfache Gefängnis- strafen eingetrogen haben. Daß er gemeinsam mit Turati und mit Anna Kuliscioff im Jahre 1898 von dem Mailänder Kriegsgericht oerurteilt wurd«. hat dem taktischen und prinzipiellen Widerstreit der beiden Männer di« persönlich« Spitze nickt nehmen können. Als dann auf dem Kongreß von Ancona(1912) die Fraktion der Linken siegte und gleichzeitig ein Bruchteil dieser Fraktion als Frei- maurer aus der Partei ausgeschlossen wurde, übernabm Lazzart das Parterfekretariat, von dem Giovanni Lerdo als Freimaurer zurückt.at. Dem siegreichen Bolschewismus gegenüber nahm dann Lazzari eine schwankende Stellung ein. Er war in Rußland, hat auch mst Lenin gesprochen und von ihm Aufträge für die italienische Partei empfangen. Aber«ine dieser Forderungen der Dritten In- ternationale konnte Lazzari absolut nicht herunterschlucken: den Verzicht auf di« Bezeichnung.sozialistische Partei". Er ist desbalb im Jahre 1921 nicht in Livorno mit den Kommunisten ausgetreten. sondern hat mit einer kleinen Minderheit eine eigene Gruppe ze- bildet. Später hat er sich dann wieder der marimalistis+en Partei genäbert. die er auch im Parlament bis zur Auflösung vertrat. Daß der Faschismus Lazzan gebracht bat. was er allen brockte: Ueberfäll«, Plünderungen der Wohnung, braucht wohl nicht gesagt zu werden. Wenn Lazzari als alter gebrochener Mann— er ist 70jäbrig gestorben, war aber west älter als seine Jahre— sich an Mussolini um eine Geldunlerstützung gewendet hat. so wollen wir ihm dos so wenig anrechnen, wie dem im Irrenhauie von Neapel internierten Enrico Leone«in gleiches Gesuch. Es hat die. di« es erfahren haben, schwer verrvynM, aber der Anwurf bleibt nicht mehr an unserem alten, störriscken, ungenießbaren und treuen Lazzari hasten, der viel für die Sache des Sozialismus getan und viel für st« gelitten Hot. Cr bleibt uns doch, was er war: sehr einseitig, etwas eng, bart gegen sich und bart gegen andere, veckl- schaffen und treu. So wird er in den Masten weiter leben, für di« er»in langes Leben hindurch gekämpft hat. Parteitage. (I. I.) Die Vorstände der sozialdemokratischen Arbeiterparteien in der Tschechoslowakei(der tschechoslowakifchen, beut- schen, polnischen und karpotho- russischen) haben den ersten gemeinsamen Kongreß für den 28. und 29. Ja- nuar nach Prag-Smichow, Norodni-dum, einberufen. Aus der Tagesordnung stehen folgende Referate: die politifchen und wirtschaftlichen Verhältnisse und die Ausgaben d?" Ar- beiterklaste Der Kamps um die Sozialversicherung. Die lo,,ial» politische Gesetzgebung und die Angriffe der Reaktion. Dom 6. bis 8. Januar findet in B u d a p e st der 25. Varteitag der ungarischen Sozialdemokratischen Partei statt. Der Par- tellag, der im Zeichen eines leisen Wiederausstiegs l«s Proleianats innerhalb der Diktatur Horthy- Ungarns steht, wird sich mit den ohne Inventur-Verkauf sind Salamander Schuhe an Güte, Formschön heil und PreiswürdiqKeil- unübertroffen. ......................... � 1 SALAMANDER fragen der Arbeijerbewegung in Ungarn M b: tet I f f(fj e n schästig«» haben. Der 3. Parteitag der Sozialistischen Partei Jugoslawiens wird vom 27. Ms 29 Januar im Arbeiterheim in Zagreb(Agram) tagen. Zilr Behandlung kommen außer den üblichen Berichten und Neuwahlen folgende Punkte: Revision des Parteistatuts(Bericht- erstatter Dr. Iva nie), das Verhältnis der Partei zu den Arbeiter- institutionen(Berichterstatter Redeljko Divac), die Lage der Arbeiterklasse und ihre Forderungen(Sana Musikravic), die Partei und die politische Lage im Staate(Gosko Berberovic). Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„ Schwor vRot-Oold" Gesch-st-stcll-: Sttlin 6. 14. Sebastianlir. 37,■38. Sof 2 Tr. Pastow, Kameradschaft Süd-. Dienstag, 3. Januar, 19H Uhr, Set. sammlnng bei Meeß. Kameradschaft Karow bei Klug, Slantenbura, Dorfstr. 2, um 20 Uhr.— Tempelhof, Kameradschaft Marlendorf! Mittwoch, 4. Januar, Keneralversammluna bei Maah, Chausseestr. 27. Neuwahl des Vorstandes.— Schöneberg.Ariedenau: Achtung, Kameraden! Donnerstag, 5. Januar, beginnt wieder unser Turn- und Eportabend.— Witte, S. Käme- radschaft: Dienstag, 3. Januar, 20 Uhr, Sersammlung bei Dornt, Garten. s straße 8.— Tiergarien, Kameradschaft Stephan: Mittwach. 4. Januar, SO tlhr. bei Soga�ch, Lübecker Str. 3, wichtige Tagesordnung.— Krrszberg: Mittwsch, r. �-----—------------—".chhpll, 4. Januar. Abt. 13, Sersammlung 20 Uhr bei Dick Duornstr. 23. Vrrliu« Arbeiter. Schachtlub. Werbe bezirl Best: 3. Januar, Str. 72—73.— . Abt. Wilmere- fl..uo., v-v-i.uH setzt jeden Donnerstag. Abt. Moabit: Dmdener Str. 23.' Abt. Westend: Sopb:e-Dhartotte-Sir. 88.— Montag, 9. Januar, 36 Uhr, Am Liitzow 9, SchachwcrbeneravJialtung wecks Drü::. dung einer neue» Abteilung ,Liitzow". Spiellag jeden Montag. Gästr überall willkommen und kostenloser Schachlehrkursus. Eintritt frei. Dieiistox.3. l 28 Staats-ßsiBi Am Pl.ck.Republ. 7i', Uhr ilaatl. Sdisaspialh. Am OeodirmeDDurkt 2 Uhr Dienstag, 3. 1.28 Stiiitisdie Cpet Bismarckstr Ab.-Iarn. III. ht. 8 Die liadit lall und Der Fesetvoeel StaatL Sdiillertil. Charlottenburg 8 Uhr Wouek Uaneys Tante Volks büh ne Ttiaatai am Sülavplati 8 Uhr Ma�in ist Mann Tb. am SchiffbamnlimD s Uhr- Schieber des RDhffis S�KomistiieOperSvl Neuartige« Revue«Stück Alles Nackt! (Nach d. glcichn. Paris. Revue „Tout nu"). 200 Mitwirkende Original• Parlier Kostüme Parkett 3,50 Mk. Theaterkasse ununterbr.geöffn CASINO-THEATER« Uhr Lothringer Str. 37 Nur noch wenige Aufführungen Klein. Kleckersdorf AoMdinelden Gutschein 1—> Pers. Fauteuil nur(.10 M.. Sessel nur 1.60 M »MM Nollendorf 13». 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Die neue Char eil Inszenierung Wie mioi ins Dentsdier MeiailarDeiter-Verliaiiii Drn MItgllebrrn Sur Nachricht, daß unser Kollege, bei Graveur Hermann Petrasch am 29. Dezember gestorben Ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet an: Mitt- woch, d.4. Januar, oorminags 9«/- Uhr. im Krematorium Gerichistratze statt Rege Beteiligung erwartet VI« vr4»e»««eualte»»g. WIM ilelilemon» Senilo» lookuiin «etfimeistek Westerroeler Plcha Ruth Walker BDlIe Casllns Snowbail Winkeistern SunshlneGIris A-UßetaUusg: fr ii. Ernst Stern ou Ernst Hauke Kieinei TDeater riglieh 8'/, Uhr Eine Kleine ohne Bedeulnn? Erika � Ist»»».«, Enjecn BInt, Max Landa, Residem-Tlieater Tägl 8'., Uhr Oer Sinutitoserlolg I Schön sehn wir ans 30 lustige Bilder mit Henry Bender Das E&lsel von tvonnersreoih< PS'ctlo! Und die jjr. Ncahrltcn.| CIRCDS BUSCH Täglich 7V, Uhr Das )9 20 8 /, Uhr: Heute zum letzten Male: Üfj« Du küßt keine Morgen Mittwoch u. folgende Tage 8V4U. Eine Lleoeinaeh Opereitenschwank in 3 Akten v Haiton Musik von Osterloh Lonl Pyrmont in der Hauptrolle Vorz. Park, stau auch Sonntag nur «4» PI. hltougri-itüHi 41». Künstler-(h 8 Uhr- „Evelyn e- ■cssmg-rheatet « Uhr idiinderitsnnes zur Ausstellung | Veuffcher Rhein ♦ Deutscher Wein| in Bild und£ied | Täglich ob 7 Uhr(Hallenöffnung 6 Uhr) abds. Drei Kapellen Allabendlich 10 Uhr- .IM Hein M Akt" Zehn Bilder mit Gesang und Tanz SO Mitwirkende— 400 Kostüme Kintnttspreis 1.50 Mk. einschl. Tanz u. Steuer| Sonnabends und Sonntags 2.- Mk. TheüRÜSwelR Danksaf a n g Für M# eitoii ins Teilnahme bei b-r Einäscherung und Beisetzung meine» lieben Manne, sage ich allkN Freunden und Bekannten, der Kon- ium-Eenossenscha-t Berl'N und Umg., den Sängern und tnsbeiondere den beiden Herren Rednern inn iosten Dank WHwe f,. Qnlel. Hasenbeide 108-14 Iah. Arnold Scholz Dienstag, den 3. Januar 1928 sowie täglich Großes Bockbeerfest in den bayerischen Alpen Prämiierung des tssdiestig Wintersport-Girl« 3 bare Geldpreise: 75.—, 50.—, 25.— M. ■traten etacs stonzoiiOdueii auf d.Rieseniukuiius Großer Alpenbsli 0 Kapellen/ 80 bayer. Mädeln Et ata h 0 Uhr Eintritt M. 1.- Voranzeiset Mittwoch, den 4. Januar BlilCiaS Donnerstag, den 5. Januar 6r. StilWeiueidllndlieil Metropo!-Th. Täglich 8V, Uhr: Je sdiiee Äelena" Oper. v. Ottenbach Dir.: Schillings *jt Meriier». Feietü h Stnul. ligirt telri; ThaSia-Theater 8 0.: das Fants!«M doidt Fas Nadslötir Neues Theater am Zoo Tägl. 8 Uhr 8f nie Iladll-enotiell Musik v.W. Bromme Ht. im Miiralsitala! Tägl 8', Uht BALLER REVUE Auf vieliauieu Wunscn. Mittwoch 3", U. Märchen-Revue AjchenbrOdel Endgültig letzte Vorstellung ftose-Theater 8'/, Uhr Orphcns Llilatuwelt Lustspielhaus 8>., Uhr Uuldo Thielscher „Onle; Gesdiältsauisidif" PlanalariDitt am Zoo •rilnc. Jcjdimithjin Sinti Noll. 157» Im Beiehe der Hitternteiussonoe Vorfühiungen Ih'/z. 18, 19>,,.2I Uhi Einirltt I M. tutn Ml. 15 iarn 0.5D». lcrgciii "Ab Piscaiorhfihne dezi. n. flelltndorliiiiti Kurfürst 2091 93 Anf.S, Ende nach 11 atspitie. dl? aominsvs. der Krieg gad das Volk, das gig» sie aolstsiid von Alexey rolstoi und Schfschegolew msc. Erwin Piscaior Sonntag. 8. Januar. H'h Uhr Vorm Studio-Vorsieilung UrauflOhrung HEIMWEH von Franz Jung ijrMinl<-?aiiiir Tb.KdBlgTär« St Bergm. 21 IE S>/4 Uhn Sdtloss Wctterstoin von Wedekind ÜGi, Vieh: Bviunb Komddlenhatu Norden 6301 8.15—10 40 Uhr floknspokns von Curt Götz Der Konner trinkt da« vorzüglich nach Pilsner Art gebraute Spezial Hell Auch In Flaschen überall erhältlich Wir legen hiermit zur Z-Ichuuug auf: 5000880.- SOMoMimOlillkse ltM I Zlllv Lorzug lmle voll gz%% Mit am L April und L Ottobct lästigen Zinsscheinen »«somltüuOlguns bis zum 1. 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Mahrenstraße 7-8. preußische tandesvfandbrlefanstalt Körperschaft des öffenllicheu ZVechts issess««»«sssssss Unserem Senoficn Max Bartels Bln-Pan ow, Echulzestraße 14, zu seinem 25 sähri-e» Varteijubiläum dl« herzlichstcu ESlSetmSufehe. 128.— 130. Abteilung. Rind-».Schweine- Schlächterei Putbusser Str. S DaaiitjiswarB-fiiliigE Pieiss Miderßisito- ID Auf Grund der 5. und 7. Vero'dnung zur Durchführung der Verordnuna über Goldbilanzen fordern wir die Inhaber unserer Kommanditanteile über 40, 50. 150 und 180 RM auf, ihre Stücke zum Um'ausch in neue Kommanditanteile über IpOO bzw. 100 RM einzureihen. Der Umtausch vorstehender Kommanditanteile erfolgf; Ms spälcslcns 31. Mai 1928 bei der Direction der Disconto-Gesellschaft, Berlin, „, Norddeutschen Bank in Hamburg, Hamburg, „ dem A echaaffhausen'sehen Bankverein A.-G., Köln, „ einer Filiale oder Zweigstelle der vorgenannten Banken an anderen P.ötzens ferner , den erstmalig im Reichsanzeiger Nr. 306 vom 31. Dezember 1927 bekanntgegebenen Steilen unter Beifügung zahlenmäßig geordneter Nummemverzeichnisse. für welche Formulare bei den obengenannten Stellen eihältlich sind, während der üblichen Geschäftvstunden. Die Umtasschbedingungen sind bei den oben angegebenen Stellen sowie bei unseren Depositkassen zu erfahren und n der obenerwähnten Nummer des Reichsanzeigers ve Offentlicht. Alte Kommanditanteile über 40, 50, 150 und 180 RM, die nicht bis spätestens 31. Mal 1928 bei den vorgenannten Stell n zum Umtausch eingereicht worden sind, werden gemäß§ 290 MOB. für kraMos erklärt. Ebenso werden solche Kommanditanteile rür kraftlos erklärt, welche nicht in einem Betrage eingereicht werden, der d e DurchtQhrung des Umtausches ermö licht, und uns nicht zur Verwertung zur Verfügung gestellt worden sind. Die an Stelle der tür kraftlos erklärten alten Kommanditanteile auszugebenden neuen Stücke werden lür Rechnung der Beteiligten verkauft. Der Erlös wird nach Abzug der Kosten zur Verfügung der Beteiligten gehalten werden. Sowohl die alten als auch die neuen Kommanditanteile sind an den Börsen, an denen sie gehandelt werden, bis zum 9. Mai ,928 lieferbar. Von diesem Tage ab werden die Börsenvorstände die zum Umtausch einzureichenden alten Kommand.t- anteiie voraussichtlich tür nicht mehr lieferbar erklären Um eine Verzögerung In der Autzahlung der Dividende unserer Gesellschaft für das Geschäftsjahr 1927 zu verm iden. empfiehlt es sich, den Umtausch rechtzeitig vor Fälligkeit dieser Dividende vorzunehmen, da die Auszahlung auf Giund der an den neuen Kommanditantehen haftenden Gewiiw- ante. Ische. ne erfolgen wird. Berlin, den 31. Dezember 1927. Dlrcclion der Di$conlo-ficscll$diaß. Invalidenversicherung. Am 1. Januar 1828 tritt gemäß Artikel S de» Seletze» über Eetstungen und Seiträge tn der Jnoalidenserficherung vom 8 April 1927 zu den bisherigen Lohn. tlaffe» I— VI bi« Lohnttasse VII und der dazugehörige Dooendeitrag 12— ZiW) hinzu. Sie gilt für Versicherte mit einem wöchentlichen Arbeitsverdienst von mehr als 38.— Reichsmarl Bom genannten Tage ad gelten also hiernach folgend« ZSochenbeliräge Be» einem Verdienst von wöchentlich (in Reichsmark) bis 8 von«ehr als 8 bis 12 .. lZ. 18 .„ IS, 24 -' 24' � -- 80* 34 ..-8- monatlich (ht Reichsmark) bis 26 oon mehr als SS bis 52 .., SS. 78 ... T,, KU .., 104. 130 .ISO 156 ... ISS Lahn- tlvsse st Iii IV V V, VN Höh« der Beitrags- märten in Reichs- Pfennigen für lebe Boche 30 80 90 120 150 IM 56.— R« 82,— RR IV. V. l.20 RR ~ USO üist ja verwenden Bei der fral»vialg«a Berfichrruna find Beiträge in der dem iewelligen Ein- kommen enilprecheaden Lohnttasse. mindesten« ader l» der Lohn. lasse II zu eniricht: Berti», im Dezember 1927 Landesversicherungsanstalt Verlin. var Vartlavd. Es sind neu er schienen; Derillustrierte sozialdemokratische Abreißkalender für 1928 jede Seile bringt kUustrakionen, Der Kalender kann in leder Hlnslchl ab Quelle und Hills- mittel dienen. Er bringt Zitate aus sozlaUstlsehen Werken, eine Fülle von Senfenzen In Poesie und Prosa. Nahezu 100 Verbfade geben hier authentischen Berldif. Der Kalender kostet Mark 2.- KinderSand 1928 Ein proletarisches Jahrbuch für die Buben und MSdels des arbeitenden Volkes. An dem Kalender haben auch dieses Mal die Kinder selbst tüchtig mitgearbeitet. Das, Kinderland* koslef Mark 1.50 Beide Nenersdiefnungen sind zu haben in allen Ah- gabeslcJlen des„Vorwärts" und Partelbudiband ongen oder direkt von der„Vorwärts'-Bnchdruckerel und Verlagsanstali, Berlin SW SA, Lindem hr. z Dienstag 3. Januar 1928 Unterhaltung und ANissen Beilage des Vorwärts Das Begräbnis. Von O. K. Heinrich. ?llle Menschen sterben.einmal, sogar die, die nicht zum Arzt gegangen sind. Sterben ist sehr nett, denn manch« können«e nicht e'.warten und bringen sich vorher um. Da« wird ihnen sehr übel genommen: sie kommen nicht in den Himmel, sondern in die Hölle, wo auch die Sozialdemokraten landen, wenn sie gestorben sind, und ohne scde Zutaten noch alldeutscher Art am Spieße gebraten werden. Sosern jemand tot ist. wird der Tod amtlich beglaubigt, sonst könnte man glauben, er leb« noch und ihn weiter ärgern. Ist«r also wirklich tot, so dürfen die Leute nicht mehr mit hößlichen Worten auf ihn schimpfen, sondern mit schönen. Im allgemeinen werden Tote beerdigt. Die Verwandten kommen von auswärts und sind rom Bohnhos aus furchtbar traurig: sie haben den Toten früher sehr gern gehobt, sagen sie, und hallen nicht gedacht, daß er so zeitig sterben würde. Die gebildeten Verwandten sagen dann:»Rasch .tritt der Tod den Menschen an..." und die weniger gebildeten weincn dabei. Veim Begräbnis geht es sehr feierlich zu. Es kommen viele Leute in dos Trauerhaus. Man muß ganz leise sprechen, sonst haben die Verwandten Angst, daß der Tote nochmal aufwaitsi und da« Testament ändert. Solche Fäll« von ElHeiutod gehören deshalb zu den schrecklichsten Dingen, die einer Trauergemeinde passieren können. Der Geistliche erscheint: da fängt der Chor zu singen an. Der Geistlich« bleibt ober trotzdem da und erzählt den Verwandten das, was sie ihm vorher über den Verstorbenen gesagt hoben, nur klingt es viel schöner, weil Bibelsprüche darin vorkommen. Auch dem Toten würde es nahegehen, wenn er es hörte. Der Geistlich« verkündet am Schluß, daß man sich im Jenseits wiedersehen werde, worüber die Verwandten sehr weinen Dann setzt sich der Trauerzug in Bewegung. Dorn an der Spitze marschiert meist«ine Kapell«. War der Tote musikliebend, so schadet es auch weiter nichts: er hört es nicht mehr. Auf dem Sarg liegen Kränze mit Schleifen, die besagen, was man dein Verstorbenen wünscht: denn wissen kann es doch niemand. Hinter dem Sarge geben die nächsten Angehörigen, dann folgen die Traueroäste. Die Frauen verraten sich gegenseitig neue Koch- rczepte, wissen es aber immer stilgemäß mit dem Verstorbenen in Zusammenhang zu bringen. Die Herren verharren in dumpfem Schweigen: wozu auch die weihevolle Stimmung zerstören, es weiß ja doch jeder, in welcher Kneipe man nach dem Begräbnis znsammen- kommt. Nichts geht über«in« gewiss« Sachlichkeit. Die Pferd«, die den Leichenwagen bis kurz vor das Grab ziehen, stnd schwarz per- hangen, damit st« vor den Menschen, die größtenteils auch schwarz verhangen stnd. nicht erschrecken sollen. Da» letzte Stück wird der Sarg von Trägern getragen, die je nach dem Honorar mehr oder weniger darüber fluchen, daß sich der Tot« zu Lebzeiten immer geweigert habe, nach Kallsbad zu gehen. Am Grab« stellen sie den Sarg nieder, nehmen die Hüte ab und sehen nach der Uhr. Nach drei Sekunden verschwinden ste, und jeder s denkt: es ist rührend von de« fremden Leuten, für einen ihnen unbekannten Toten zu beten. Die guten Taten de» Toten werden noch einmal vom Geist' lichen aufgezählt. Dann ist die Beerdigung zu End«. Man geht in die Stammkneipe des Verftorbenen, sofern er männlichen Geschlecht», und jeder ist eifrig bemüht, das halb« Dutzend Schoppen, da» der Verstorbene sonst zu trinken pflegte, in ehrfurchtsvoller Erinnerung noch mit zu konsumieren. Das ist ein alter deutscher und darum löblicher Brauch.. Wenn einer zu Lebzeiten nicht an Himmel und Hölle glaubt und behauptet, der Neb« Gott hat keinen weißen Bart und kümmert sich gar nicht darum, ob einem im Krieg« die Arm« oder die Beine obaeschosien werden, so ist er ein Ketzer und kommt in ungeweiht« Erde, wo bekanntlich auch ungeweihte Engerling« Hausen. Der liebe Gott läßt sich dann am jüngsten Tage das Kirchhofsbuch vorlegen und stellt die Insassen dieser Gräber zu seiner Linken. Wonach sollte er auch sonst urteilen.«» ist ihm doch alle» so bequem von seinen Dienern vorgezeichnet, daß seine Gerechtigkeit gar nicht erst in Funktion zu treten braucht. Wir sehen also, es wird in jeder Hinsicht für de» verstorbenen gesorgt und können durchaus beruhigt sein: auch uns wird die Kapelle etwas vorspielen, der Chor wird singen, der Geistliche will» sprechen, alle Leute weincn um uns, am meisten unsere Gläubiger. kurzum wir werden einmal anständig behandest. Nur die Sache mit dem Friedhofsbuch gefäM mir nicht, ich trau» der Buchführung nicht so recht. Vielleicht geht es derj, Neben Gott am jüngsten Tag« auch so ähnlich. Dante und Beatme. Bon Max Oortu. ; Schnee. Van Max Vernardi. Am Fenster lehnst du. Schneeflocken tanzen. Und du sinnst ms Flockeng«triebe, daß deine Augen dir brennen. »Dalli— Schneemann machen!" ruft der Hans. »Schneemann machen," echot der Franz. »Daß ihr euch warm holtet!" die Mutter. „Und zum Essen hier seid!" der Dater. Und schon sind sie draußen und balgen sich im Schnee. Ein Feuer prassest im Ofen. Mutter trägt auf. Dick« Bohnensuppe mit Wurst. Vater brummt nach der Uhr. Da kommen sie: rotwangig, übermütig, gesund. .Mir hoben eine Festung gebaut!" ruft der Hans. „Und den Schneemann beschosienl" lacht der Franz. „Mit Kanonenkugeln!" der Hans. ..'nenkugeln!" echot der Franz. .Linder, Kinder." mahm die Mutter. .Hungens, Iunxens," mahnt der Vater. Und man ißt im stauten Beieinander. «äste schüttest dich. Draußen spielen keine Jungen». Es steht kein Schneemann und kein- Festung. Groß stnd dl« Kinder. Groß und weit, weit von dir. Ihr Heldengrob hüllt setzt auch so ein« weiche, weiß« Deck«. Dom Fenster wendest du dich. Eine zitternde Frauenhand zieht dich alten Mann zu Tisch. Vier Dedeck« zählst du. vier Sedecke. Und«e gibt dick- Bohnensuppe mit Wurst. „W i r wollen essen. Mann—* Dir bebt da» Herz über soviel verstehend« Lieb«. Und ihr eßt im schweigenden Sedenkm.— Das Jahr 1280. Italien. Florenz. Ein köstlicher Maientag. Aus dem Markte duften Blumen, die in Hunderl Körben von den Bauern zu Kauf geboten werden. Ein schlanker Jüngling von fünfzehn Iahren kauft einen Strauß roter und weißer Nelken. Der Jüngling heißt Dante, Sohn eines Rechtsanwalts.-- Dante, für wen kauftest du die Blumen?— Für meinen Schatz, für die vier- zehnjährige Beatrice. Der Mai. Florenz. Der Fluß— der silberwellige Arno. Und über den Arno hin die braune Brücke, mit doppelreihigen Geschäfts- laden draus: Juweliere. Und Dante der Jüngling tauft auf der Iuwelenbrücke einen Goldreif mit rotem Rubin: für den Schatz, für Mädchen Bcatrice. Florenz. Jahr 1280. Der goldene Maientag. Sonne, Blau- Himmel und leichte weiße Wanderwölkchen. Und immer am Brückenpfeiler die Silberwellen des Flusses Arno, Wellen mit tin- gcndem Rhythmus. Da kommt sie, die Geliebte, über die Brücke her: die Beatrice. Wie eine Flamme schreitet ste, umstrahlt von der Gloriole der Maien- sonne. Ein langwallendes rote Gewand— schwarzumgürtelt. Das Auge sanft wie Ambraglanz. Die Lippen in Anmut schön geschwun- gen, rot wie die rotesten Himbeeren. Der Schritt so stolz— eine junge Göttin schreitet dahin.— Der Dante ist nur bei ihr, bei der Geliebten, ste vierzehn— er fünfzehn. Und nun trägt das Mädchen am Finger den Goldreif, den Goldreif mit rotem Rubin, und ihre weiße Hand führt den duftenden Nelkenstrauß ans Antlitz— st« atmet den Maienduft toskanischer Erde. Sie ist im Antlitz ye- rötet. Wer glüht mehr— das Antlitz der Beatrice— oder das Gefieder der roten Nelken? Der schlanke Hals, Schultern und Lrustansätze der Deatrice, die aber sind schneeig wie der weißen Nelken zartes Geblatt. Dante schwarz gekleidet, auf dem Haupte das dunkle Samt- barett. Beatrice, die brennende Flamme: feurigrot das Kleid, freudigrot das Antlitz. So schreiten die jungen Liebenden neben- einander daher, entlang die Uferstraße des stlberwelligen Flusses Arno. Immer die singende Welle, am Granit des Userbollwerks. Und die lustige Schwalbe fliegt. Krikri— saust die Schwalbe über Fluß, Ufer Mensch und Haus. Krikri-krikri: die Schwalbe. Mai. Sonn«. Lieb«. Dantes Leben war— Liebe. Und: Dantes Leben war— Haß. Aus Liebe und Haß wuchs Dante der Dichter. Haß? Wieso?— Der Haß begann früh. Doppelt. Dantes Eltern sagen: Garzone, Jung«, deine Lieb« zu Beairic« sollst du auslöstben, tu« du so, wie man eine Kerze loscht. Deatrio-s l?a- milie ist ghibellinifch. wir anderen stnd guelfiich. Sie ist kaiserlich. wir stnd päpstlich. Ghibcllinen und Guelsen find Todfeinde.— So forschen die Eltern zu ihrem sünsz-bniöbrigen Sobne. Da baute Dante die Eltern. Seine Lieb« zu Beetrice war ein klarer, tiefer Brunnen, wer den trübte--- der warf Gift in leinen Brunnen, der warf Gill in sein Herz.—. Und der andere Haß geht gegen die Eltern der Beatme, die lassen ihr Mädchen nicht mehr auf die Straße. Dante steht Beatrice nickt wieder, Beatrice sieht den Dante nur noch im Traume. Dante wird zornig, er haßt: er haßt das, was ihn an seiner Liebe hindert. Beatrice wirÄ wehmütig und weinend, auf ihren Knien barmt sie am Madonnenaltar: O heilige Muttergolles, gebe du ihn mir als Gatten.— Die Muttergottes aber war von Stein, sie blieb kalt und stumm. Dante zwanzigjährig. Manchmal sieht er seine Beatrice nun doch, sie ist bleich wie ein« Lilie. Nur in der Kirche steht Dante die Gellebte: hinter dem Holzgitter des väterlichen, aristokratischen Betgestühles. Dante ward eine Distel, doch und stolz, mit Likablüte am Haupte, er träat das Barett der Gbibellinen: aus lilafarbenem Samt, mit roter Fasanenfeder draus. Die stolze Distel Dante liebt die zart« Lilie Beatrice. Ja, eine Distel ist der Dante, schön in seiner Herbkeit, schön in seiner zackigen Eigenart, würdevoll mit der Abwehr seiner svrachlichen Stacheln. Der zwanzigjährige Dante fft schon ein ganzer Mann. Eine eigene Persönlichkeit. Schon Dich- ter— wundervolle Sonette reiht er gleich Verlen um den Schwanenhals seiner Beatrice.»Vita nuova",»Neues Leben"— soll uns au» Liebe aufwachsen! So fordert von den Menschen der junge Dichter Dante. Er ist Zorn gegen das Hindernis seiner Liebe, aus diesem Zorn ward er Distel. Seine Augenbrauen wuchten schwer wie Ungewitter, auf der Stirn: nach unten zu geballt, und unter den zornigen Augenbrmien blitzt der kühn« Tatstrahl au» den braunen Augem ich will! Dante trotzt: er trotzt seinen Eltern. Er ward «in Ghlbelline, der Beatrice zu Liebe— mehr noch: einem inneren Fühlen gehorchend. Er verließ die Popstpartei seiner Ellern. Die Pfasien waren ihm zuwider. Der zwanzigsährig« Dante schneidet mit scharfem Geistesmestcr die Welt auseinander, er zerteill die Welt— Um sie zu unter- sucken. um ins Letzte hineinzuschauen. Er hat politischen Blick. Er versteht Falsches von Echtem zu sefetdew Die Guelfen. die Partei der Schwarzen— wer stnd die? Eine Psaffenangclegenheit, etwas Unechtes— dazu beigemischt die Lokalintereffen einiger weniger Patrizierfamilien. Sonderrechte einiger Weniger— und Kirchen- rechte: das sind die Guellen. Und Dantes Eltern gehören dazu. Er ist ehrlich genug, um sich selber treu zu sein: er bricht mit den Eltern.— Weiter: Und wer sind die Ghibcllinen? Eine andere Partei, die Weißroten, sie sind das Richtige, meint Dante» sie sind kaiserlich! Die Ghibellinen wollen unter— einem! Kaiser ein zentrales Italien, das sich glücklich entleiht in ein zentralisiertes Europa. Die Welt ist ein Ganzes, mit ihr ist die Menschheit ein Ganzes. Kaisertum heißt— fort vom Pfaffengeist und fort von Lokalinteressen. Kaisertum— ist!— Beschränkung der lAcwall der tausend kleinen Dynastien. Der Einzelmcnsch bedeutet wenig— der Allmensch, die Gcmcinschast, das heißt alles. In diesem Sinne war der junge Dante ein Sozialist. Aller aristokratischen Herkunst zum Trotz. Er wollte, ohne Psasfentum, ein geeintes neues Europa— hierin war er der Vorläufer Napoleons, der gleiche Ziele sah. Der aber am Mcnschlich-Unzulänglichen frühe zugrunde ging. Nach dreißig Iahren. Dante ist nun fünfzig Jahre alt. Er war verheiratet. Nicht mit Beatrice. Die starb an ihrer Herzens- wunde, an ihrer nicht ersülllen Liebe zu Dante. Dantes Frau war Donna Gcmina, die gebar ihm viei� Söhne und«ine Tochter, die Tochter nannte Dante: Beatrice, in Erinnerung an die Frühgeliebte. Donna Gemma und zwei Söhne sind gleichfalls schon tot, gestorben an der Pest. Mit seiner Tochter Beatrice lebt Dante nun in Ra- venna, in Ravenna am grünen Meer: L'Adriatico! Hörst du am Strande die Pinien rauschen? Dante ist mit fünfzig Jahren ein Greis, tief gebeugt, das Antlitz zerwettcrt. Gram lastet, wie der Globus des Atlas, auf feinen knochigen Schultern. Dantes Gram ging um die Heimat. Um sein Florenz grämte er sich. Um Florenz weinte Dante. Seine Vaterstadt war in Hän- den der Psafsenpartei, In Händen der eigennützigen Schwarzen. Dante war seit sünszehn Jahren aus Florenz verbannt, die Rückkehr war ihm verboten, bei Gefahr des Verbranntwerdens im Scheiter- Haufen.— Warum?— Weil Dante als politischer Führer der Ghibellinen— Freiheit. Recht und Einheit für alle gefordert hatte. Dotksrechte, Menschheitsrechte— das waren Dantes Trümpfe ge- wesen, im Senat von Florenz. Trümpfe gegen Psasfentum und Lokalpatriotismus. Trümpfe, die Grund genug waren, Dante für »ewige Zeiten" aus Florenz zu exilieren. Denn die Schwarzen haben die größere Macht in ihren lügnerischen Händen. Dome wollt« Wahrheit. Und fünfzehn lange, harte Jahre wanderte Dante durchs Exil: er aß»das Hitler«, ungesalzene Brot des Mitleidens", er stieg als Bettler über»fremde Treppen", um geborgen zu sein. Er sucht Brot und Herberge hier und da, in Arczzo. im Schloß Malaspina bei Lucca, in Este, Verona, Trient und in Venedig. Um schließlich in Ravenna«ine letzte Zuflucht zu finden bei dem poesicsreuiid- lichen� Fürsten Guido da Polenta. Dante« prösttes Leid war diese»: seine eigene Partei, die Ghibellinen selbst, waren nicht rein: auch ihnen hingen zuvH Schlacken des Selbstnutzes an, das hatte Dante auf seinen Eril- Wanderungen gelernt. Und diese Erfahrungen machten ihn für den lauten Tag einsam, er zog sich ganz vom politischen Lehen zurück, er labte seine eigene stille Weit, die.Wett des Herzens, die West dcr guten Gemeinsamkeit alles Menschlichen: gemeinsam im Gefühl. Er lebte die West der hohen Harmonie: der Harmonie mit Natur, Stern und den Verstorbenen. Immer noch brannte in ihm die Liebe zu Beatrice. Aber immer auch saß noch in seiner Seele der Stachel des Hasses— des.Hasses gegen alles Verlogene und gegen alles falsche Kirchengephrase. Und aus der Glut seiner Liebe zu Bca- tri«, aus seinem Stachel gegen alles Unechte— schrieb Dante seine »Göttliche Komödie", sein großes episches Gedicht. Er gestattete die West in ihrem letzten tieferen Sinn. Die Liebe ist es, die uns Menschen göttlich macht Beatrice, die Liebe, sie ist die Gönigi» der Welt. Und die Hölle der Welt ist unsere eigene Kleinkeit: Eitelkeit, Unwahrhaftigkeit, Hochmut, Bestechlichkeit, Hurerej und Völlerei Tyrannei und Pfaffenlist— und all dieses Menschlich-Unzulangliche verbrannte Dante in seiner Hölle. Er gab allen Laster» Namen, so rächte er sich an seinen politischen Feinden, ihre Namen schrieb er für alle Ewigkeit ans Tor der Hölle: Päpste, Fürsten, Wucherer, Händler! Dante stand mit dem Herzen im Volke. Er dichtete nicht in der damaligen akademischen Svrache, nicht in Latein, sonhern cr war der erste Dichter, der in Volkssprache schrieb, in Toskanisch. Das war revolutionär. Dos hieß: nicht iür eine kleine Klasse schreibe ich, sondern ich schreibe für die Masse: fürs All-Dolk. Aus dem Volke— mit dem Volte— ums Volt! Durch seine niedergeschriebene Volkssprache, durch Prägung eines allgüliigen Landesidiontd— war Dante der erste Einiger des fürstenzerrissenen und mundartlich getrennten Italiens. Volk lernte stch selbst verstehen! Volk lernte— sich auszudrücken! Dantes Grabmal zu Ravenna. Neben dem alten Franzis- kanerkloster. Ein Marmorsarg in kleiner Kapelle, mit drei einfachen Worten draus: . Freiheit. Recht. Einheit. Diese drei Worte schrieb die Lieb« des einfachen Dostes, schrieb dos für»seinen" Dichter. Und der Volksmund nannte den Sprecher in Volkssprache: den»Göttlichen". Er sprach wie ein Gott. Er sprach um Liebe. Dante gestastete im Menschen den Sinn der Wetten und den Sinn des Lebens: Liebe ist der Welten Königin! Liebe ist Gott! Und Gott ist die Liebe! Eine seefahrende Schnecke. Eine an der Oberfläche der Hochsee lebende Schnecke Ist gewiß etwas sehr Bemerkenswertes, da man doch gewöhn! ist, Schnecken an einer Unterlage dahinkriechen zu sehen. Die Veilchenscknecke bringt «s jedoch auf eine sonderbare Art fertig, weit«nticrnt von jedem Lande mitten auf der See zu leben. Sie baut stch nämlich ein richtig«» Floß, da» ste durch die Meere trägt. Dieses Floß besteht aus einem Schleimband, in das eine große Zahl kleiner Lustblasen eingelagert ist. Wenn stch die Schnecke ein solches Floß bauen will, heftet sie sich zunächst mit einem Schlcimband an der Wasseroberfläche verkehrt an. Dann fängt ss.- mit ihrem„Vordersuh" Luft- blasen e'n, die sse mit einer rasch erhärtenden Schleimschicht umgibt. Diese kleinen Lustballons werden dann dem Schleimband eingzfugt. Nach den neuen Untersuchungen von G. Fraentel macht d!« Veilchen- schnecke nach der Herstellung von 6 bis 10 Blasen eine längere Ruhe- paus«, Während der Fortpslcmzungszett wird in dieser Zwischenzeit zwischen zwei Bauperioden die Eiablage erledigt, und zwar setzt das Tier nach und nach etwa SM Eikapseln an der Unterseite seines Flosses ab: da fede Kapsel etwa 5000 Eier enthält, betrag! die Gc- samtzahl der von einer Vcilchenschnecke erzeugten Eier 2x* Millionen. Da das spiralig gerollte, etwa 5 bis 10 Zentimeter lange Floß am Ende immer wieder von den Wellen und vom Winde zerstört wird, muh die Schnecke dauernd an ihrem Floß weiterbauen. Ihr seltsame, Fahrzeug trägt sie willenlos durch den Ozean und verbreitet sie weit aus den tropischen M.-eren, der eigentlichen Heimat, nach Norden bis an die englische Küste. Auffallenderweise ist die Beilchenschnecke ein Räuber. SI? muß aber warten, bis irgendein Tier, das sie über- wäliiaen kann, in ihre Nähe kommt. Mit Hilfe ihres sehr feinen Tastsinnes nimmt ste das Beutetier schnell wahr. Die anderen Sinnesorgane, die sie bei Ihrem eigenartigen Leben nicht gebraucht, Sind daher verkümmert. Ihre Hauntnahrung bilden die ebenfalls an >er Meeresoberfläche treibenden Quallen, daneben sind aber auch kleinere Art genossen durchaus nicht vor ihren kannibalischen Gelsssteu stch«. G-os»»»««. 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