Morgenausgabe Hr. 5 A3 45. Jahrgang Vöchentltoz tO Pfenmg. monatNch L.— Reichsmark im voraus zahlbar. llmer Streifband n» Än- und Aus- toiti SköD Reichsmark ort Monat. ♦ J)o«Sormärts* mtt tm iHrrftner» ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit� fowie den Beilogen„Unterhaltung vnd Wissen�»Aus der Filmwelt�. �Stadtbeilage�.Frauenstimme�, »De? Kinderfreund�.Iugend'Dor» roarts".Blick w die Büchenvelt�. »Kulturarbeit' und.Technik� erscheint wochentöglich zwe.mal. Sonntags und Montag» einmal. P> ZZerliner Vowsblatt Mittwoch 4. Januar 1928 Groß-Äerlin 1y Pf. Auswärts il5 Z>f. Die e t n? p a t t, g« RonpareiNezetw 80 Pfennig� ReNamezeile S.-- Reichs» mark.Rletne Anzeigen" das fettge» druckte Won 2b Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte). ,edes weitere Wort lö Pfennig Stellengeluche das erste Won lö Pfennig, ledes weiters WoN tt) Pfennig WoNe über t5 Buchstaben zählen für zwe» Worte Arbeitsmarkß �amtlianzeigen für Anzeigen» Linden» drohe 3 Wochentag! von S�, bis l? Uhi. Zeile SV Pfennig Famtlianz Abonnenten Zeile 40 Pfennig.' annahm» im Hauptgeschäft drohe 3. Wochentag! von s' Jentralorgan der Sozialdemokratischen zSartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhost 232— 297 Telegrainm-Adr: Sozialdemokrat Berlin Vorwarts-Verlag G. m. b. H. Postschelkkonio: Berlin 37 536— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Änacftellte» und Beamten Wallsil. 65. Diökonio-Gelellschasi. Tepositentasle Lindenftr 3 Verfassungskonflikt in Oanzig. Linkskoalition vorläufig gescheitert. Vonjig. S. Januar. Di« Verhandlungen über die Bildung einer neuen Regierung find heute nachmittag wider Erwarten gescheitert. Grund hierfür ist die Haltung der Ze n t ru m s s r a k t i o n. die die Ber- ontwortlichmachung sämtlicher Senaloren.— nicht nur der par- lamentairschen, sondern auch der hauptamtlichen— entschieden ablehnte. Nach der bisherigen Regelung waren die parlamentarischen Senatoren dem Volkslag gegenüber verantwortlich, und im Falle «nes Rücktritts der Regierung schieden nur die parlgmenta- zischen Senatoren aus. Da die« o z i a l d e m o k r a t e n und Liberalen darauf be- standen, daß die Terontworklichteit auch auf die hauptamtlichen Senatoren ausgedehnt werde, wurden die Verhandlungen obge- brachen. Morgen sov der Versuch gemacht werden, ein« Regierung «ms Sozialdemokraten. Zentrum und allen liberalen Splitter» Parteien zu bilden. Mach der bisherigen Siellungnahm« der bürger- stehen Partelen muß es fraglich erscheinen, ob diese Bemühungen zum Erfolge führen werden.'' Di«..Freie Stadt Danzig" hat nicht nur die Aufgaben einer gewöhnlichen Gemeinde, sondern auch die eines selb st a n d i g e n Staates Infolgedessen ist es ein unmög- stcher Zustand, daß einige Regierungsmitglieder unabfetz- bar bleiben, gleichviel oh sie das Vertrauen der Bevölkerung oder nicht. a ist z. D. der Senatopräsident Dr. Sa hm. Er übt nicht nur kommunale Funktionen als Oberbürgermeister aus, sdnoern ist eine Art Mntstrrpräsident und Außenminister zu- gleich, der in dieser Eigenschaft Danzig vor dem Völkerbunds- rat vertritt. Dr. Sahm ist d e u t s ch n a t i o n a l. wenn auch gemäßigter Färbung.. Seine Politik Polen gegenüber ent- sprach dieser parteipolitischen Ueberzeugung. Die Folgen hatte nicht nur Danzig, sondern, wie hier schon dargelegt wurde, auch die Reichsregierung zu tragen: die übermäßige Anrufung des Rates durch Danzig auch in solchen Fragen, wo direkte Verhandlungen möglich gewesen wären, war für die deutsche Delegation in Genf zuletzt eine überflüssige Be- lastuna Die letzte Wahl zum Danziger Bolkstag hat gezeigt, daß die Mehrheit der Bevölkerung einen neuen Kurs auch in der Außenpolitik wünscht. Aber nach den bisherigen Bestim- mungen würde Dr. Sahm bis zum Ablauf seines Mandats (Dezember 1928) bleiben können, ebenso andere Beamten- senatoren, die das Vertrauen des Volkstages nicht genießen. Nur die Vertrauensmänner der Vevölkening im Senat sollen absetzbar sein! Die ablehnende Haltung des Zentrums gegenüber der Forderung der Sozialdemokraten und Liberalen ist daher durchaus undemokratisch. Alle Danziger Parteien ohne Ausnahme würden gern auf den besonderen Charakter verzichten, der ihrem Heimatgebiet durch den Versailler Vertrag aufgezwungen wurde; sie würden es bei weitem vorziehen, wenn Danzig nur kommunalpolitifche Aufgaben zu lösen hätte. Dann würde man die Stellung Sahms und der übrigen hauptamtlichen Senatoren ebenso bewerten können wie die Stellung des Oberbürgermeisters und der besoldeten Stadträt« in einer x-beliebigen deutschen Groß- stadt. Aber Danzig ist nun einmal bis auf weiteres e i n Stadt für sich, der Volkstag ist kein Gemeinderat. sondern ein regelrechtes Parlament und es müssen daher die elementaren demokratischen Konsequenzen des Patlamen- tarismus auch auf die Regierungsmitglieder, nämlich die Senatoren ohne Ausnahme, Anwendung finden. pilsudskis Neujahrsgeschenk. Noch härterer pressezwang! Warschau, S. Januar. I« poluischea Reirhsgesetzblatt sind zwei Verord- uuugeu erschienen, durch die einige Bestimmungen de« Pressedekrets verschärft werden. So wird die«gemein- Verantwortlichkeit sämtlicher verantwortlichen Re- daktenre für den Gesamtinhalt der Zeitung sestgesevt. Weiter wird bei Beleidigungen der Behörde«. Beamten und Militärpersone« das Beschlagnahmerecht erweitert. Ueberdies erhöht die neue Verordnung die Geldstrafen für einige Uebertretungen von lONV aus 2000 Zloth. t Jedes der beiden Pressedekrete Pilsudskis, des ehemaligen Freiheitskämpfers, ist vom Sejm alsbald nach feinem Zu- fammentritt aufgehoben worden. Die Regierung schert sich nicht darum, hat sich nur für den Gebrauch willfähriger Gerichte den Dreh zurechtgelegt, die Aushebung sei� nur dann rechtskräftig, wenn sie durch Annahme und gesetzmäßige Pilsudski ebenso wie mit der ganzen Demokratie ein empören� des Spiel treibt. Sein Regime wird schon allein dadurch gekennzeichnet, daß es wahre Pressefreiheit nicht duldet. poincares Elsaß-Aktion abgeschloffen. Oer Untersuchungsrichter prüft das Material. Pari», 3. Januar.(Eigenbericht.) Die Maßnahmen der sranzvfischcn Behörden gegen die Autonomist enbewegung im Elsaß scheinen einen vorläufigen Abschluß mit den lö Verhaftungen in der Angelegenheit des Schußbundes und der Industriebeteiligungsgesellschast gesunden zu haben. Der Untersuchungsrichter ist gegenwärtig dabei, die bei den Haussuchungen beschlagnahmten Dokument« eingehend zu prüfen. Pari». 3. Januar. In einer Straßburger Meldung der Agentur Ha va s wird mitgeteilt, daß die Polizei trotz einer Jagd im Auto durch ganz Elsaß den evangelischen Pfarrer Hirhel nicht Hab« verhaften können. E» sei ihm gelungen, über die Grenz« zu entkommen. Dt« vom„lemp»� abgedruckten Mitteilungen, wonach die auto- nomistisck« Bewegung im Elsaß durch deutscheGelder finanziert worden sei.«erden von einer Anzahl elsässischer Blätter mit humoristischen und sarkastischen Wendungen kommentiert. Gleichzeitig wird betont, daß die Richtigkeit jener Meldungen stark «nge zweifelt»erden müsse, solange et» positiver Beweis noch nicht erbracht sei. Schober sürchiet sich. Kestungsbav und Panzerautos. Wien, 3. Januar.(Eigenbericht.) Im Rechnungöhofausschus; des Natioualrateö, der gegenwärtig den Staatsrcchnungsabschlust Prüft, richtete Genvsse Dr. Danneberg an den Finanzminister die Frage, ob es wahr ist, daß die Wiener Polizei- direktion jetzt in eine Art Festung um- gewandelt wird und namentlich die Keller des Ge- bäudes einen völligen Umbau nach FestungSart erfahren. Schließlich fragte er noch, was es mit der Anschaffung von Panzerautos der Wiener Polizei für eine Be- wandtnis habe. Vizekanzler Hartleb bestätigte, daß auf Autrag der Wiener Polizei in den nächsten Tagen zwei bis drei Panzerautos für die Polizei bestellt werden. französische Neujahramnestie. Sin Justizmord wiedergutgemacht. Paris, 3. Januar.(Eigenberüht.) Der Präsident der Republik hat zum Jahreswechsel 2 8 b M i l i- tärpcrsonen, die vom Kriegsgericht verurteilt worden tvaren, amnestiert. Darunter befindet sich mich der im Jahre t9?l in 7a za (Marokkos wegen angeblicher Liefetung von Waffen an den Feind auf Grund eines unvollständigen Veweisverfahrens zu zwanzig- jähriger Zwangsarbeit verurteilte Kapitän Moirand, dessen sich die französische Liga für Menschenrechte angenommen hatte._ Aus Portugal ausgewiesen wuchen vier Franzosen, die wegen Paßlosigkeir sestgenommrit waren, aber kommun.stische Sendling« sein sollten. Arbettszeitkamps in Sachsen. Aussperrung bei den Mitteldeutschen Stahlwerken. Dresden, 3. Januar. Nachdem durch die Ablehnung der Schiedssprüche für die sächsische hüklenir.dustrle durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer zunächst ein oertragloser Zustand einget-eten war. haben heule usrmittag bei den mllleldei tichm Stahlwerken In G'ädlb dte Arbeiter der ersten Schicht ihrem gestrigen Vcschtuh ent- sprechend nach acht Stunden den vetried verlassen. Nach nochmalig?» ergebni'Ioscn Verhandlungen wurde daraufhin der vetrteb in GrSdIH geschlossen. Auch in Riesa soll in mehreren Betrieben den Arbeitern die Sündigung in A u»- ficht S-st-llt sein. präfidentschafisjahr in Amerika. Sin Jahr der Taktik und des AuSweichenS. Jedes vierte Jahr ist in den Vereinigten Staaten von Amerika ein Jahr der Präsidentenwahlen und damit ein Jahr des Kampfes um die Präsidentschaft. Man muß diese zwei Dinge unterscheiden: der Kampf um die Präsidentschaft oeckt sich nicht mit dem Wahlkampf. Der Wahlkampf ist der Kampf der Parteien und damit die letzte Etappe des Kampfes um die Präsidentschaft. Dieser wird zunächst als Kampf um die.Nominierung des Präsidentschaftskandidaten innerhalb jeder Partei ausgefochtcn. Bevor jede Partei auf ihrem..Nationalen Konvent" ihren Kandidaten gewählt („nominiert") Hot, bleibt der Kampf der Parteien unterein» ander gewiß nicht suspendiert, ober einigermaßen gehemmt durch die Unsicherheit über die Persönlichkeiten der Kandi- baten und ihre Wahlparolen. Es«st wörtlich so, daß keine Partei während der Zwischenzeit genau weiß, welche pro- grammatischen Forderungen sie int Wahlkampf vertreten wird. Für die Leute, die bei uns für die Stärkung der an- geblich überparteilich� n Machtstellung des Reichs- Präsidenten eintreten und dabei sich auf das amerikanische Beispiel berufen, sei ausdrücklich bemerkt: in den Vereinigten Staaten existiert die Partcihcrrschast in ihrer r e i n st e n F o r m: der Präsident, d. h. das Staaisober- Haupt, ist gleichzeitig der offizielle Führer der Partei, indem jede Partei ihren Kandidaten„nominiert", wählt sie auch ihren Führer. Das amerikanische Beispiel zeigt im Gegenteil, daß dort, wo der Präsident vor allem politische und keine bloß repräsentative Vollmachten hat, er auch keine„Überpartei- Nche" Persönlichkeit sein kann. Mochten seine Ansichten früher von der allgemeinen politischen Linie der Partei ab- gewichen sein, seine Nominierung bedeutet, daß seit diesem Zeitpunkt seine Politik mit der Politik seiner Partei identifi- ziert wird, sei es, daß er sich den in der Partei herrschenden Anschauungen gefügt oder daß er seine eigenen Anschauungen durchgesetzt oder aber daß man sich auf einer mittleren Linie geeinigt hat. Die Nominierung des Kandidaten, die im Juni ftattzu- finden pflegt, bedeutet also einen entscheidenden Wendepunkt im Kampf um die Präsidentschaft, indem jede Partei sich e r st durch die Wahlihres Kandidaten und die gleich- zeitige Annahme ihrer Wahlplattform aus eine bestimmte Richtung der Politik s e st l e g t. Damit wird der erste Ab- schnitt des„Präsidentschastsjahres" abgeschlossen, der ungefähr im vorhergehenden Dezember beginnt, weil im Dezember zum erstenmal(und das ist dreizehn Monat« nach den Wahlen!) der neue Kongreß zusammen- tritt. So ist vor einigen Wochen, am 5. Dezember, zum erstenmal der Kongreß zusammengetreten, der im November 1926 neugewählt wurde; dabei wurde das Unterhaus völlig» der Settat zu einem Drittel neugewählt. War schon früher die amerikanische Politik aus die bevorstehenden Präsidenten- wählen eingestellt, so wird sie es jetzt erst recht, und zwar so. daß vorläufig keine von den Parteien sich irgendwie endgültig festlegen will, sondern daß die Stimmung der Wähler, die Stärke der verschiedenen Strömungen noch sondiert werden sollen. Dies ist jetzt die Ausgabe der raffinierten Partei- laktiker: sich bis zum Juni so wenig wie möglich festzulegeil nnd trotzdem durch ihr Austreten im Kongreß ein günstiges Agitationsmaterial für sich vorzubereiten. Diesmal wird die Aufgabe für die beiden Parteien besonders schwierig sein, weil die Zusammensetzung des Senats im neuen Kongreß diese Gegensätze nicht vertuschen läßt. Der Senat, in dem der Einzclstaat je zwei, durch all- gemeine Wahl gewählte Vertreter entsendet, hat in den Ver- einigten Staaten eine bedeutend größere Autorität und seine Tätigkeit wird mit größerer Aufmerksamkeit verfolgt, als die des linlerhaufes. Die führenden Politiker sitzen nicht im llnterhauje, sondern im Senat, so daß der Senat in viel größcrem Ausmaß als Tribüne dient, auf der die aktuellen politischen Fragen durchdiskutiert und die programmatischen Forderungen formuliert werden. Für die Partei, die die Mehrheit hat, ist von sehr großem Wert, daß sie den Senat „organisieren", d. h. ihre Vorsitzenden und ihre Mehrheit in ollen Ausschüssen sichern und dadurch die Tagesordnung be- herrschen kann. Jeßt hatdierepublikanischePartei keine Mehrheit im Senat mehr. Von 96 Sena- toren sind 48 republikanisch, 47 demokratisch und einer ge- ört zu der Fanner-Arbeiterpartei, d. h. ist praktisch parteilos. it der Stimme des Vorsitzenden, und dies ist ox okkieo der Vizepräsident des Bundes, jetzt der republikanische Vize- Präsident Dawes, könnte die republikanische Partei die Mehr- heit haben, weil der Vorsitzende im Falle der Stimmengleich» heit entscheidet; von den 48 republikanischen Senatoren ge- hören aber nicht weniger als 9 zur O p p o s i t i o n innerhalb der Partei und wenigstens 4 von diesen oppositionellen Re- publikanern tragen kein Bedenken, sogar In den für die Partei wichtigsten Angelegenheiten gegen ihre Partei zu stimmen. Diese vier republikanischen Radikalen zusammen mit dem Senator von der Farmer-Arbeiterpartei hoben sich bereit erklärt, mit den übrigen Republikanern zusammen den Senat zu„organisieren", wenn die republikanische Mehrheit sich ver- Katastrophe der Gcharfmacherei. Die Rationalisierung am Versacken. Seit die rheinisch-westfälischen Scharfmacher die Herrschast in der deutschen Industrie an sich gerissen haben, sind wir in eine Periode ständiger Arbeitskonflikte getreten. Zahlen mögen für sich sprechen: In den drei ersten Vierteljahren des Jahres 1927 waren in der deutschen Wirtschaft nicht weniger als S2f) Streiks und Aussperrungen zu verzeichnen gegenüber nur 289 in derselben Zeit des Darjahres. An den Streiks bzw. Aus- sperrungen waren in der angegebenen Zeit nicht weniger als 299 999 Personen beteiligt. Im Jahre 1926 waren es nur wenig mehr als 44 999. Im 3. Merteljahr 1927 waren allein 61 4Z4 Beschäftigte ausgesperrt oder zum Streiken gezwungen. Der Vierteljahres. durchschnitt während der Zeit von 1899 bis 1913, wo wir keine Arbeitsschiedsgerichtsbarkeit und keine Verbindlichteiiserklärung hatten und der Arbcitskampf in schärferen Formen geführt wurde als heute, betrug nur S8 6S6. Soweit die an Streits und Aussperrungen beteiligten Personen in Frage kommen, haben also gegen Ende des Jahres 1927 die Arbelkskämpfe einen grSheren Umfang als vor dem Kriege. Man schätzt gewöhnlich die Zahl der Arbeitstage, die in der Zeit von 1889 bis 1913 durch Streits und Aussperrungen verloren gingen, im Dierteljahresdurchschnitt auf 2 991 799. Sie machten im ersten Vierteljahr 1927 1 941 132(im Vorjahr 557 838), im zweiten Vierteljahr 1 985 674(299 734) und im dritten Vierteljahr 1927 1 179 148(226 848) aus. Wenn man die Zahl der jo ver- loren gegangenen Arbeitsstunden in Geld umrechnet, ergibt sich, daß wir Millionen und aber Millionen Mark nutzlos verpulvert haben, weil die Unternehmer dos Machtgefühl kitzelle, ganze Berufe ohne Grund auf das Pflaster zu werfen oder zum Streik zu zwingen. Die Schäden auf anderen Gebieten, die sich fürs erste nicht zahlenmäßig feststellen lassen, sind viel größer. Die Atmosphäre in den Werkstätten und Fabriken ist mehr als je mit Konfliktstoffen geschwängert. Aussperrungen, wie sie m der Zigarrenindustrie durchgeführt wurden, und die Drohungen der Eisenindustriellen, Hunderttausende von Arbeitern ausgerechnet zur Weihnachtszett der Arbeitslosigkett und dem Hunger zu überantworten, können nicht ohne Einfluß auf das Innenleben und die Arbeitsintensität, die beide aufs engste zusammenhängen, bleiben. Die Folge der sich häufenden Arbeitskonflikte im letzten Jahr ist infolgedesien die Tatsache, daß wir die Rattonali» sierung, die sich bis jetzt auf Mechanisierung, Erneuerung des Maschinenparks usw. beschränkt und die der Ergänzung nach der mcnschlich-psychologischen Seit« bedarf, nicht vollenden können. Die ständigen Differenzen um Lohn und Arbeitszeit haben u n- günstig auf den ganzen Arbeitsrhythmus zurückge- wirkt, wodurch die Gefahr besteht, daß sich der mit großem Anlauf begonnene Rätionalisierungsprozeß in Deutschland nur in einer s vermehrten und bis zum Zusammenbrechen gesteigerten An. tre i b e r« i erschöpft. Der Arbeiter, der vor Iahren von dem Impuls, mit dem Deutschland die wirtschaststcchnische Umstellung begann, mit fortgerissen wurde, empfindet sie heute durchweg als eine mechanisch erzwungene und bis zur völligen Erschöpfung der Arbeitsenergi« gehende beschleunigte Ausnutzung seiner Arbeltskraft, well der durch die Rationalisierung ver- schnellerte Arbeitstakt, das schnellere Arbeitstempo bei dem beut- fchen Arbeiter psychologisch nicht untermauert ist, weil die Voraus- fetzungen dafür fehlen. Sie zu schaffen hat das deutsche Unter- nehmertum vernachlässigt, indem es fortwährend Arbeitskämpf und Arbeitskonflikte provozierte. Damit hat aber auch Deutschland einen historischen Augenblick in dem Aufbau seiner Wirtschaft versäumt Wir haben, indem wir mtt der Rationalisierung gltt zwei Jahre früher begannen als die übrigen europäischen Industrieländer, ihnen gegenüber einen großen Vorsprung errungen. Der Vorsprung besteht aber lediglich in der technischen Verbesierung, die einzuholen ist und von den anderen Völkern sicherlich in einigen Ichren eingeholl sein wird. Während der Vorsprung, den wir hinsichtlich der Rattonalisieruug vor anderen Wirtschaften haben, sich von Tag zu Tag verringert, ver- schließt die Machlpolitik des Unlernehmertums den Weg, die Energievorräte des deutschen Arbeiters, über die er auf Grund feiner ganzen, besonders seiner politischen sind ge- werkschastlichen Erziehung und auf Grund seiner ganzen geistigen Einstellung mehr als der Arbeiter, irgendeines airderen Landes ver- fügt, zu einem für die nächste Generation nicht einzuholenden Vorsprung der deutschen Wirtschaft auszunutzen. Einsichtige Führer auch in der Prioattndustrte haben schon seit langem erkannt daß unsere Rationalisierung am Ver- sacken ist und der Aufbau unserer Wirtschaft augenl'licklich auf totem Gleis steht So erklärt es sich, daß nach der Beilegung des Konfliktes in der Eisenindustrie im Unternehmerlager der Ruf nach Verstän- d i g u n g mtt der Arbeiterschaft ertönt. Das deutsch« Unter- nehmertum empfindet anscheinend die Opfer, die die Arbeitskonflikte des verflosiensn Jahres gebracht haben, zu schwer, um zu riskieren. die aufgehäuften Konfliktsstoffe auch noch zur Entladung kommen zu lasten. Die deutschen Gewerkschaften haben für eine � solche Verständigung Forderungen aufgestellt, die bekannt sind. Die Arbetterschast braucht Ausbau der Wirtschaftsdemokratie und wirklichen Einfluß auf die Wirtschaftsführung, damit die Erfolge der Rationalisierung der Gesamthett und nicht einigen Kapttalisten zugute kommen. Solange aber der Scharfmachergeist die deutsche Industrie beherrscht, kann es kein« Verständigung in der deutschen Wirtschaft geben. psstchtet, die Erörterung der progrcnmnatifchen Forderungen der republikanischen Opposition im Senat nicht zu verhindern. Die� republikanische Partei war gezwungen, diese Bedingung anzunehmen, und jetzt wird es für die beiden großen Parteien sehr schwierig, ja vielleicht unmöglich sein, die bestimmte Stellungnahme zu einigen heiklen Fragen zu vermeiden. Die Oppositionellen wollen innerhalb der republikanischen Partei für ihren eigenen Präsidentschaftskandidaten kämpfen, und sie wollen die großen Massen der Wähler für sich und gegen die offizielle Leitung der Partei mobilisieren, indem sie die Stellungnahme der Partei zu bestimmten Fragen er- zwingen. Dies sind vor allem folgende drei Fragen: Stadl- lisierung der Preise für die Agrarprodukte. Beseitigung der Praxis der einstweiligen Verfügungen gegen die Arbeiterorganisationen und Bekämpfung der imperialisti- scheu Politik gegenüber Mexiko und Nikaragua. Aus eine Formel gebracht, sind es die Fragen, wo die Interessen ae- wissert mächtiger kapitali st i scher Kreise in Gegensatz zu den Interessen oder Stimmungen der breiten Massen(der Former, der Arbeiter, des liberal gesinnten Mittelftandes) treten. In diesen Fragen noch vor den Wahlen Farbe be- kennen zu müsien, wäre für die republikanische Partei sehr peinlich. Eine von diesen Fragen ist aber schon jetzt zum wich- tigsten Streitpunkt geworden, nämlich die der StabUisierung der Agrarpreise. Wegen der Zuspitzung dieser Frage droht das alte politische Bündnis des Industriekapitals der nord- östlichen Staaten mit den Farmern des Westens, das historisch die Basis der republikanischen Partei bildete, auseinander- zufallen: das neue Bündnis der republikanischen Landwirte des Westens Mit den demokratischen, baumwollbauenden Landwirten des Südens scheint schon vor dem Abschluß zu steheil. Es wird viel davon geredet, daß Coolidge durch seinen Verzicht dje Lage der republikanischen Partei erschwert habe. Aber man vergißt dabei, daß die Kandidatur von Coolidge zwar einige wichtige Vorzüge gehabt, aber insofern auch eine schwere Belastung bedeutet hätte, als Coolidge sich bei den Farmern durch sein Veto gegen das Gesetz über die Stabili- sierung der Agrarpreise sehr unbeliebt gemacht hat Das Präsidentschaftsjahr begann jetzt damit, daß Coolidge seinen Verzicht aus die entschiedenste Weise bestätigte. Die Leitung der republikanischen Partei hätte es am liebsten gesehen» wenn die Farmer durch einige, und sei es sehr kostspielige chilfs- maßnahmen für die nächste Zeit.zufriedengestellt worden wären und damit dos Prohlem der Stabilisierung der Agrarpreise bis zur Zeit nach den Wahlen von der politischen Bühne verschwunden wäre. Der Kamps um diese Forderung. als Parole für den Wahlkampf, ist aber schon im Gange; mit dieser Parole will einer der republikanischen Prätendenten, ein sonst durchaus konservativer Politiker, Low den, die Nominierung durch den nationalen Konvent erlangen. Für die Verwirrung in den Reihen der republikanischen Partei ist bezeichnend, daß die Rettung aus der heiklen Lage in der Kandidatur von H o o v e r gesucht wird. Hoover ist gewiß einer der bekanntesten und populärsten Leute in Amerika, er ist aber nichts weniger als Vertreter der republi- konischen„alten Garde". Man braucht aber jetzt einen zug- kräftigen Namen, dessen Träger dazu kein ausgesprochener Exponent der Plutokratie ist Und Hoover, dessen Gedanken übe? die neue Organisation der Wirtschast noch vor wenigen Iohmt großen Anklang bei den Gewerkschaften fanden, er- scheint jetzt auf dem Plan an Stelle der anderen, zu stark und zu offen kapitalistisch orientierten Kandidaten. . So schwierig wie die Lage der republikanischen Partei ist, es laßt sich noch nicht voraussehen, in welchem Ausmaß die andere große Partei, die demokratische, davon profitieren «wrb. Ihre innere Lage ist«mch alles andere als beneidens» wert. Die Demokraten haben zwar einen in mancher Hinsicht ausgezeichneten Kandidaten: das ist der Gouverneur des Staates New York Alfred oder„Al" Smith. Seine Kan- hidatur hat aber viele Gegner in der demokratischen Partei selbst. Es wird gesagt: well er erstens Katholik und zweitens „naß", d. h. für die Lockerung des Alkoholverbots, ist. Das sind aber eher Vorwände, als wirkliche Ursachen, eher Pro- pagandamittel als Wurzeln der Feindschaft gegen die Kan- didatur von Smith. Die Hauptursache dieser Feindschaft ist, daß Smith zu den fortschrittlichen Demokraten gehört, daß er ein Programm hat, in welchem man in bürger- lichen Kreisen gefährliche Spuren von sozialem Radikalismus entdeckt: so tritt er, und nicht nur mtt Worten, sondern auch mtt der Tat für solche„revolutionären" Dinge ein, wie für den gesetzlichen Schutz der Frauen� und Kinder- wr b e i t oder für die Förderung der öffentlichen Be- r l M) 0 f t u n g der gemeinnützigen Unternehmungen, vor allem sur die staatliche oder kommunale Verfügung über Wasserkräfte. Es ist noch nicht sicher, ob Smith, obwohl er der einzige aussichtsreiche demokratische Kandidat wäre, als solcher nominiert und ob er, falls nominiert, nicht von vielen Demokraten bei den Wahlen verraten werden wird. So sieht die Ausgangssituation für das„Rennen" aus, wie die Amerikaner den Kampf um die P r ä s i d e n t s ch a f t Ztt bezeichnen pflegen. Lorläufig dürfen wir daraus folgende, für uns nicht belanglose Schlüsse ziehen: indiesemIahre sind alle großen Entscheidungen, all« ernst- haften Wendungen in der amerikanischen P o l l t i t v ö l l i g a u s a e s ch l o s s c n. Die taktische Vor- bereitung des Wahlkampfes steht bereits im Vordergrunds des politischen Lebens und wird den hauptsächlichen Inhalt der Politik des Präsidentschaftsjahres bilden. Alle Vorschläge. Borlagen, programmatischen Erklärungen usw. sind deshalb vor ollem von diesem Standpunkt aus. d. h. als taktisches Manövrieren, zu betrachten und mtt großer Vorsicht zu be- urteilen. Um so wichtiger wird es aber sein, die polttlschen Verwicklungen dieses Jahres in Amerika mit großer Auf- inerkfamkeit zu verfolgen, um das. was von bleibender Be- /eutung fein kann, rechtzeitig zu erkennen. Wendung im Kalt Kolomak. Bremen. 3. Januar.(BS.) Da die letzten Wahlen einen Linksruck engeben haben, soll dem Senat der Antrag vorgelegt werden. Frau Kolomak zu amnestieren. Inzwischen sit es den Polizeibehörden gelungen, den in Deutschland lebenden Vater des Hauptzeugen Fürchte nichts zu er- Mitteln und durch diesen die Adresse seines Sohnes in R t w Jork zu erfahren. Das Vvsmer Landgericht hat das Auswärtige Amt infolgedeifem gebeten, Fürchtenichts durch die zuständigen Justizbehörden' in New Dork vernehmen zu lasse», da von feiner Aus- sage das Schicksal der Angeschuldigten abhängt Gefährdung des Rttdungsweseus— durch das Keudettgesek. Nachdem eine nach Tausenden zählende Gruppe von deutschen Hochschullehrern ihren Einspruch gegen das bildungsfeindliche Reichsschulgesetz des wackeren Ministers Keudell öffentlich bekundet hat, erfolgt jetzt auch aus den Kreisen der Lehrerschaft an höheren Schulen ein Aufruf gegen das reaktionäre Gesetz. In dem Aufruf heißt es: „Die unterzeichneten Lehrer an höhere» Schulen er- klären, daß sie in dem neuen Reichsschulgesetzentwurf eine schwere Gefährdung des deusiche« Bildungswesen« erblicken. Der Entwurf. der mit Sinn und Wortlaut der Reichsverfassung in Widerspruch fleht stellt unter dem Anschein einer freihettlichen und religions- freundlichen Auffassung eine unerträgliche Verengung des geifttgen Lebens dar und unterwirft die Volksschule und ihre Lehrer der Aufsicht der Kirchen. Wir erblicken die Aufgabe der Schule dann, die kulturellen Gegensätze unseres Volkslebens nach Möglichkett zu über- brücken, während der Entwurf umgekehrt diese Gegensätze verschärft Wir lehnen den Entwurf aus pädagogischen. nationalen und religiösen Gründen ab und fordern auch für die Volksschule die Freiheit, welche die höhere Schule seit langem genießt" Bei den zahlreichen Unterzeichnern des Aufrufs finden wir an bekannten Namen u. a.: Oberstudiendirektor Dr. Paul Hildebrandt, Oberschulrat Dr. Hübner, V i z e p r ä s i- dent des Provinzialschulkollegiums Dr. Hüttebräukcr, Oberstudiendirektor Dr. Karsen, Oberschulrat Dr. Rudolf Keller, Wilhelmine M e n d e, Ober- studienrätin am PSK., Oberschulrat.Dr. Möller, Studien- rätin Margarete Naumann. Professor Paul O e st r e i ch, Oberstudienrat Dr. A, Ouehl(Karlshorst), Studienrat Dr. Ulbricht(Fürstenwalde), Frau Hildegard Weg- s ch e i d e r, Oberschulrätin, Studienrat Dr. Erich Witte. Weitere Zustimmungserklärungen nimmt Oberstudiendirektor Dr. F r a n z. Kiel, Feldstraße 116, entgegen. Menschenrechte und Bolschewismus. Die deutsche Liga für Menschenrechte und die Pressefreiheit. Wir erhalten von der„Deutschen Liga für Menschen- rechte" folgende Zuschrift: In Ihrer Abendausgabe vom 39. Dezember bringen Sie in loyaler Weise unsere Antwort auf Ihren Artikel„Menschenrechte und Pressefreiheit" und knüpfen daran die Frage, deren Beantwor- ding Sie in unserem Brief vermissen, wie die Liga für Menschen- rechte zur Presieftechett steht Die„Deutsche Liga für Menschenrechte" erklärt, daß sie für unbeschränkte Freiheit der Meinungsäußerung in Schrift. Wort und Bild in allen Ländern eintritt, jede Art von Zensur be t�äm p f t und die Eingriffe der öffentlichen Gewalt ausschließlich aus die Fälle der Verleumdung, Beleidigung und Verbreitung von Lügen durch gerichtliche Verfolgung beschräntt sehen will. Die Diskussion über die Stellung der Liga zur Presse- freihett ist. wie erinnerlich, dadurch entstanden, daß in einer Versammlung der Liga die Zustände in Rußland» ins- besondere auch in bezug auf die dortigen Presseverhältnisse, in reklamehafter Weise verherrlicht wurden. Da in Ruß-' land ein Recht der freien Meinungsäußerung nicht besteht, war es und bleibt es ein Rätsel, wie eine Gesellschaft, die ihrem Namen nach für die Menschenrechte eintritt, sich zu einer solchen Reklameveranftaltnng für die russischen Zustände hergeben konnte. Nun erklärt die Liga, daß sie an ihrer grundsätzlichen Stellung im Sinne ihres Namens feschalte. Wir nehmen das zur Kenntnis und betrachten damit die Diskussion als geschlossen. Oos Wehrministerium als Arbeiigeber. Für die Arbeiter fehlen die Mittel. Eine der kostspieligsten Einrichtungen der deutschen Republik ist das Reichswehrministerium. Die Forderungen, die dieses Ministe- ruini an den Staatshaushalt stellt, vermehren sich von Jahr zu Jahr. Bei den Riesensummen, die das Reichswehrminist«- rtum aus dem Staatshaushalte erhall, sollte man eigentlich erwarten können, daß die im Machtbereich Geßlers tätigen Arbeiter nicht nur anständig bezahll, sondern auch halbwegs dauernd b» fchäftigt werden. Beides ist jedoch nicht der Fall. lieber die Löhne, für die fa das Reichswehrministerium nicht allein, sondern vorwiegend das Retchsfinanzministerium verantwortlich ist, soll hier nicht weiter gesprochen werden. Dagegen fordert die Art und Wgjse. wie in den einzelnen Dienststellen des Reichs- wehrministeriums die Arbeiter fortgesetzt und ohne Rücksicht auf etwaige andere Beschäftigungsmöglichketten auf die Straße gesetzt werden, zur schärfsten Krittk heraus. Me Bemühungen der Organisationen, hier Wandel zu schaffen, sind erfolglos ge- blieben. 2luch eine Aussprache der Organisationen mtt dem Reichs- wehrministerium selbst hat zu keiner Besserung geführt Zurzeit gehen von den einzelnen Dienststellen, besonders von den Truppen- Übungsplätzen wieder täglich Mitteilungen ein, daß Arbeitern ge- kündigt oder eine baldige Entlassung in Aussicht gestellt wird und zwar immer mtt dem Hinweis, daß für ein« weitere Beschäftigung keine Mi ttelzurVerfügung stehen Bei den Kündigungen wird vielfach mtt Schikanen echt allpreußischen Unteroffizier- geistes verfahren. So ist es fängst in einer Dienststelle vor- gekommen, daß Arbeitern gekündigt wuide. die man dann später wieder eingestellt, aber nicht mehr in ihre alle Lohngruppe ein- gereiht, sondern tiefer eingestuft hat, obwohl die Lohn- unterschied« nur einen Pfennig pro Stunde bettagen Erkundigt man sich bei der Verwaltung nach der Ursache derartiger Maßnahmen, dann wird in der Regel erklärt de r Spar- k o m m i f s a r habe das verlangt! Eine wunderbare Einrichtung — dieser Sparkommissar, dessen Hauptausgabe anscheinend darin besteht, den Arbeitern von ihrem kärglichen Lohn noch ein paar Pfennige abzuzwacken, oder— wie es in einem anderen Fall vor- gekommen sst— sogar nachzuprüfen, ob nicht die Ausgaben für das Hundefutter, das an die einzelnen Wächter ge- zahll wurde, zu hoch sind. Wenn man weiß, wie„sparsam" sonst bei dem Reichswehrministerium gewtttschoftet wird, dann kann man diese Art Arbeiterbehandlung nur mtt einem Gefühl der Empörung betrachten. August Ivinnlg und Niekisch brt Oberland. Die Zeitung„Der Iungdeutjche" meldet: Der Bund Oberland gab bisher neben seiner Bunde szeiljchnft„Das dritte Re ch" noch eine Führerzeitschrist ge- nannt„Der Führer", heraus. Diese Führerzeitschrift hat nun am 1. Januar 1928 ihr Erscheinen eingestellt An Stelle des„Führers" soll in Zukunft die von Ernst Nie lisch und August Winn'g her' ausgegebene Zeitschrift„W i d e r st a n d" treten, zu deren ständigen Mitarbeitern künftig die Oberlandsührer Dr. Weber, Sondermann und Drexel zählen werde». Die Splitterparteien. „Kein Wunder, daß Sie auf dem Stuhl schlecht sitzen, wenn Sie sich Splitter einreißen!� Kresiinski gegen KPD-Gchwindel. Die Entwicklung der deutsch-russischen Beziehungen. Hamburg. 3. Januar. Ein Mitarbeiter d«„Hamburger Acht-Uhr-Abeubblattes" hatte ein« Unterredung mit dem zurzeit in Hamburg weilenden Botschafter K r e st i u s k i. in der dieser u. a. ausführte: Die fr«undschaft» l i ch e n palitischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Deutschland befinden sich in einem Stadium erfolgreicher Entwicklung. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Union der Sozialistischen Räterepubliken verstefcn sich von Tag zu Tag. von Monat zu Monat. Besonders die deutsche M ä f ch t nenbau- und eliektro.t e chni sche'Jndu strr e.ist eng mst der Volk?. Wirtschast der'Sowjetumon verbunden. Ich kann ohne Bedenken sagen, daß die deutsche Industrie beim Wiederaufbau der russischen Industrie die wichtigste Rolle spielt, sowohl in bezug aus Bau und Einrichtung neuer Betriebe als auch hinsichtlich der Organisi«. rung. einer Reih« von wichtmsten Großunternehmungen in der Sowjetunion. Die deutsche Technik nimmt aktivsten Anteil an solchen grandiosen Bauten, wie beispielsweise den Hydro. elektrische« Zentralen am Dnjepr und Swir, oder dem W o l g a— D on-Kanal und mehreren anderen. Ferne? nimmt die Sowjetunion zurzeit den ersten Platz als Abnehmer deutscher elektrotechnischer Artikel ein. Auch die kulturellen Beziehungen zwischen den Völkern Deukschlands und der Sowjetunion haben sich in den letzten Jahren ständig vertieft, wie der Desuch um- fangreicher Delegationen von Sowjetgelehrten bei der letzten Natur. forschertagung in Berlin und die Teilnahme einer Reihe bekannter deutscher Intellektueller an der Zehnjahresfeier der Sowjetunion m Moskau beweisen, hierzu gehört auch die wissenschaftliche Arbeit des deutschen Professors Oskar Vogt am Institut für Gehirn» forschung in Moskau. Zum Schlüsse oersicherte der Botschafter, er sei hierher gekommen, um am Wiederaufbau und an der Wieder- erstarkung der beiden Länder mitzuwirken. Die Sowjetunion lasse sich auf keinerlei Provokationen ein, wolle keinen Krieg, sondern sei allen Ernstes gewillt, allen Völkern gegenüber ein« Friedens- p o l i t i k zu betreiben., « Es freut uns, aus dem Munde des Berliner Botschafters der Sowjet-Union die Bestätigung zu hören, wie sehr sich die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Deutsch- land und Rußland entwickelt und vertieft haben. Wenn es jemairden gibt, der darüber Bescheid wissen muß, so ist es Slusisiaker Ärcstmffu.....''�.,. ■■ff: Wie reimen. sich aber mit dieser ppriinistischen IpchÜd«. rung die finsteren Andeutungen der t a m m u n i stt s ch e n Presse zusammen, die alle drei Tage versichert, die deutsche Politik sei draus und dran, sich dem britischen Imperialismus zu verschreiben? Deutschland, so kann man fortwahrend in der„Roten Fahne" lesen, sei jederzeit bereit, sich in eine imperialistische Front gegen Sowjet-Rußland einreihen zu lassen und die deutschen Arbeiter müßten sich bereit halten, die Sowjet-Union gegen den drohenden Krieg, der dos Ziel dieses Schachers bilde, zu schützen. Einerseits steckt die deutsche Wirtschast mit Zustimmung und Unterstützung des Reiches Hunderte von Mit- lionen in die russische Wirtschaft, Rußland ist der beste Abnehmer einer der wichtigsten deutschen Industrien— gleichzeitig soll aber dasselbe Deutschland auf einen Krieg hinsteuern, der zunächst die Barnichtung dieser ungeheuren Güter und dieser wertvollen Beziehungen zur Folge hätte? Der unsinnige Widerspruch zwischen diesen beiden Lesarten liegt auf der Hand, ist aber auch leicht zu erklären: die Darstellung K r e st i n s k t s entspricht der Wahrheit und die Behauptungen der k o m m u n i st i° s ch e n Presse sind ein grober agitatorischer Schwindel. Vier Jahre Emminger-Iustiz. Die abgeschaffte« Laienrichter. Am 4 Januar 1924 hat der bayerische Staatsanwalt Emminger als Reichsjustizmimstsr Deutschland mit seiner Rotgerichtsversafsung beglückt. Zwar erhielten die Berufskammern Schössen» in Wirklich- keit aber bedeutete diese„Reform* ein« ungeheure Errncitc- ru n g de r Befugnisse des Einzelrichters und eine entsprechende Einschränkung des Laienrichtertums. In welchem Ausmaße diese Einschränkung stattgefunden hat. zeigen mit schlagender Deutlichkeit einige Dergleichszahlen. Während in Preußen im Jahre 1922 von Schöffengerichten 348 424 und von Schwurgerichten 3619 Fälle abgeurteilt wurden, waren im Jahre 1926 die entsprechenden Zahlen auf 6gS60 und 1934 zurückgegangen. Und während ohne Laienrichter im Jahre 1922 in der ersten Instanz 19 377 Fälle, von der Ersten Strafkammer 28 936, von der Zweiten Strafkammer 49 919 und vom Oberlandesgericht 8461 Fälle abgeurteilt wurden, kamen im Jahre 1926 vor dem Amtsrichter, also vor den Berussrichter ohne Schöffen 391 889 Fälle und vor das Oberlandesgericht 6927 Fälle. Mit anderen Worten: «vährend im Jahre 1922 84 619 Fälle ohne Schöffen abgeurieilk wurden, waren dies im Jahre 1926 398 816 Fället Dos gleich« Bild zeigt auch Hamburg. Vom Amtsrichter wurden hier im Jahr« 1923 982 Fälle abgeurteilt, im Jahre 1924 SS72 und 1926 13 912 Fälle. Vors Schöffengericht dagegen kamen insgesamt 1923 12 743 Fälle, im Jahre 1924 7196: und im Jahre 1926 bloß 1641 Fälle. Mit anderen Worten: während im Jahre 1920 21 20,3 p oz. Fälle vor den Einzelrichter kamen, waren es im Jahre 1926 89.1 proz. Und während vor da« Schössengerichl 1920 21 79,5 Proz. ankamen, waren die» 1925/26 nur 19,9 Proz. der Fälle! So hat es der bayerische Reichsjustizminffter fertiggebracht, die Rechtsprechung dem Laienrichter aus der Hand zu nehmen und sie dem Berufsrichter zu überantworten. Und das zu einer Zeit» wo allgemein anerkannt ist, daß das Vertrauen zur Justiz, also zum Berufsrichter als deren Träger, erschüttert ist. Anstatt di zogen zwischen einem Großbetriebs gebiet, dem Regierungs- bezirk Stralsund» und einem Mittel» und Kleinbetriebs- gebiet der südschwedischen Provinz Malmöhüslän. Diese Unter- nehmungsgebiete besitzen annähernd dieselben geologischen und wirt- schosisgeagraphischen Voraussetzungen, von der Ackerkrume über das Klima zum verkehrstechnilchen Aufschluß, und unterscheiden sich jm wesentlichen nur in der Grundbesitz» und Betriebs- und demzufolge auch in der Bevöllerungsoerteilung. und zwar so, daß man ohne Zweifel den Regierungsbezirk Stralsund alz Groß» betriebe-, Malmöhüslän als Mittel- und Kleinb«- trieb sgebiet bezeichnen kann.— Um alle Zuiälligkesten auszu« schallen, werden die D u r ch s ch n i t t s h e k t a r« i t r ä a e eiy-r längeren Iohresveihe, der Zeit von 1919 b i s 1922, zugrunde gelegt. Das Ergebnis ist folgendes: die Provinz Malmöhüslän be» sitzt in der pslonzlichcn und in der tierischen R o h erzeuguiq je Hektar geg�tüber dem Regierungsbezirk Stralsund ein erhebliches Plus, nämlich von 23 bzw. 69 Proz.l Die A b s a tz erzeugung, auf die es hier ankommt, ergibt in tierischer Beziehung, aus de» Hektar bezogen, in beiden Gebieten mindestens Gleichheit, in pflanzlicher Beziehung ein Mehr von 16 Proz. für Malmöhüslän! Eine im Nachtrag beigefügte' neue Untersuchung auf der Grundloge des„Normaljahres* aus dem Durchschmll der Jahre 1921 bis 1925 läßt die Ergebnisse für Malmöhüslän noch günstiger ausfallen! Den Hauptgrund für diesen Hochstand der landwirtschast- lichen Erzeugung in Malmöhüslän sieht der Berfosser in der allgemein wie jochlich gediegenen Ausbildung der Betriebsleiter. die nicht zuletzt der nordischen Bauernhochschule zu danken Ist. Ginge/ so schließt der Verfasser, ein« solch« Ausbildung m> t der Siedlung Hand in Hand, so stand« auch deren pro- d u k t i o n s politische Ueberlegenhest außer jedem Zweifel. A. P. Bomben auf Nikaragua. Don llnionsflvgzeugen abgeworfen. Flugzeuge der nordamerllanischen Marin« bewarfen die unter dem Befehl des Gen«als Sandino stehenden Streitkräfte der Aufständischen. Di« Verluste der Nordamerikaner beliefen sich«us fünf Mann. Da» Bombardement soll bei den Aufständischen zahl- reiche Opfer verursacht haben. So siehr dir Monroedoktrin praktisch aus: Europa darf sich in ameritanische Dinge nicht einmischen— hat auch nicht den geringste" Wunsch danach! ab« die Union darf da» Volk eine» kleinen amerikanischen Staates unter das Joch eines Diktators beugen, wenn der nur de» Kapstalisten d« Union pariert! Sirei? in den Berliner Wurstfabriken. Beginn heute früh. Im September voripen Jahres wurde eine Lohnbeweguna>n den Berliner Fleischwarenfabriken mit einem für verbindlich erklärten Schiedsspruch beendet, der mit Gültigkeit bis �um 31. Dezember löj? eine generelle Lohnerhöhung von 5 Pf. pro Stunde vorsah. Gefordert waren 30 P f. Zulage. Die� Beendigung dieser Lohnbewegung durch die Berbindlichkeitserklärung eines Schiedsspruchs, der die Arbeiter nicht im geringsten befriedigte, hinterließ eine starke Erbitterung bei den Arbeitern. Troß der Ver- bindlichkeitserklärung traten die Unternehmer in Nachoerhandiungen ein und wollten ab 1. Oktober bis 31. Dezember 1L27 für die Fleischergcsellen eine Zillare von weiteren 2 P f. machen. Ab 1. Januar bis 30. Juni 1928 sollten die Fleischergesellen. Mascht- nisten und Heizer und Handwerker nochmals 3 Pf. Lohnzulage erhalten. Die übrigen Arbeiter und Arbeiterinnen sollten jedoch leer ausgehe m Dieses Angebot wurde damals abgelehnt, weil eine Bindung in der Lohnfrage bis zum 30. Juni einer solchen bis zum Jahresschluß 1928 gleichgekommen wäre, da für eine Lohnbewegung im Sommer die denkbar un- günstiqsten Borausseßungen vorliegen. Für dl« Efa-Werke wurde damals ein Schiedsspruch ge- fällt, der für die Arbeiter eine Zulage von 3 Pf. und für die grauen von 3 Pf. pro Stunde festsetzte. Die Berliner F l e> s ä- w a r e n j a b r i k a n t e n schlössen ff) gegen Ende des vorigen Jahres der Vereinigung der «utscken Arbeitgeberverbände an und zeigten sich nach diesem Anschluß ziemlich kampffreudig. Am 11. November kündigten die Fleischwarenfabrikanten den Lohn- und Manteltarif und unterbreiteten den am Tarifvertrag be- teiligten Organisationen am 3. Dezember eine Manteltarifvorlage, die eine Unmenge von Verschlechterungen enthielt. Ein« Versammlung der Arbeiter der Fleischwarenfabriken bc- schloß darauf, die Verbesserung des MantelMrjfes imd die Wiederherstellung der Urlaubsbestimmungen des Jahres 1923 zu fordern. Daneben wurde eine Lohnerhöhung von 17Pf. pro Stunde in der Spitz« und prozentual nach unten abgestuft für die anderen Gruppen gefordert. Gleichzeitig wurde auch vom Z e n» tral oerband der Fleischer der Lohntarrs für die Efa» Werke gekündigt. Nach vergeblichen Verhandlungen mit den Fleischwaren- sabrikanten wie auch mit den Efa-Werken wurden die Verhandlungen gestern vor dem Schlich tungsausschuß fortgeletzt. Gewerbe- rat Körner fällte schließlich mit seiner Stimme einen Schieds- s p r u ch, der für die Arbeiter der Fleischwarenfabriken ab 1. Ja- nuar bis 31 Dezember 1928 in der Spitz« eine Lohnerhöhung von 7 Pf. und für die anderen Gruppen bis zu 3 Pf. herab vorsieht. Für die E s a- W e t k c wurde ein Schiedsspruch gefällt, der kür die Fleischergesellen diesetbe Zulag« vorsieht wie im Schiedsspruch für die Fleischwarenfabrrken, alle anderen Gruppen aber leer ausgehen läßt. Zu diesem Schiedsspruch, der noch hinter dem Angebot der Unternehmer vom September v. I. zurückbleibt, nahmen gestern abend die in den Betrieben des Der- vandes der Fleisch-warensabri kanten belchästigten Arbeiter in einer überfüllten Versammlung in Boeters Festsälen Stellung Nach dem Bericht des Bevollmächtigten Genosien Schulz vom Zentral- verband der Fleischer über die Verhandlungen und einer kurzen Diskussion beschloß die Versammlung in geheimer Ab- stimmung mit übergroßer Mehrheit, heute, Mitt- woch früh, in den Berliner Wurstkabriken die Arbeit ein- zustellen. Die Arbeiter der Efa-Werke stimmen heute nach Arbeits- fchluß über den für ihren Betrieb gefällten Schiedsspruch ab. Vorberettung der Dsteichsvohttwahlett. Die Hauptverwallung der Deutschen Reichsbahngesellschaft hat den Hauptbetriebsrat ausgefordert, den Hauptwahlvorstand zu bestellen und alsbald einen einheitlichen Wahl- I termin für das ganz« Reichsgebiet festzusetzen. Der I Hairptwahlvvrstand wird kn den nächsten Tagen gebildet«erden und voraussichtlich am 6. Januar zusammentreten. Es ist jedoch anzunehmen, daß er sich nicht der Aufsassung der Hauptverwaltung bezüglich des Wahltermins, sondern der vom Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands vertretenen Auffassung über� die Rechts- Ungültigkeit dieses Punktes der Verordnung des Reichsverkehrs- minssters anschließen wird. Der Vorstand des Einheitsverbandes der Eisen- b a h n e r Deutschlands hat die Betriebsvertretungen im Reich auf- gefordert, die Wahlvorstände spätestens am 17. Ja- nuar zu bestellen. Eine frühere Bestellung ist nicht not- wendig. Sie muß jedoch am 17. Januar erfolgen, da samt die Wahlöorstände von der Verwaltung bestellt werden. Die Wahloor- stände sollen zunächst nur die Wähler Ii st en aufstellen. Für den Erlaß der Wahlausschreiben sind weitere Anweisungen vom Vorstand des Einheitsverbandes abzuwarten. Die Wahl- ausschreiben sind erst dann zu erlassen, wenn der Wahl- t«rmin vom Hauptwahlvorstand festgesetzt ist. Die Entgegennahme von Vorschlagslisten kann erst nach Erlaß des Wafilausschreibens et folgen. Die Wahlvorsiände sind vorher nickst zur Entgegennahme von Vorschlagslisten verpflichtet. Die Betriebsratsmitglieder des Einheitsver- bandes werden aufgefordert» sich sofort mit ihren Orts ver- waltungen in Verbindung zu setzen, die ihnen weitere wichtige Einzelheiten mitzuteilen haben. Der Vorstand des Einheitsverban- des erwartet von seinen Funktionären und Betriebsrälen, daß sie sich streng an seine Anweisungen halten. Es gilt, den vom deutsch- nationalen Verkehrsminister Koch und seinen Trabanten geführten Schlag gegen dt« Betriebsräte mit aller Entschiedenheit abzuwehren. Verantwortlich Ntr Volltik: Dr.«Ott»eqc-! Wirtschost:®._ JUlnflelf/'ftr; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Cftlorn; Feuilleton: Ä. A. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frlg«argädt: Ämeiaen: Tb St»«e. sämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts-Derlag S. b. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchbruckeret und Verlagsanstait Paul Singer u So., Berlin SW 68. Lindenstrakie 8. vier,» t Veilaoe» und.llnterdaltnn» und Wigen- Damen- Winter- v.Tschicdene Anstttbrungen Damen- Winter-! Mäntel Q" drangen........................... j«tst tSottlfiatta-£9&98 tacbtOASjoinureit.Jetnt Meter M>> breit AiM MM ei. lMakotuett 75 idr leine l,elbwasobe,6».8u an breit, Jetet Met« M «ettel 95 unftebKlebt, es. liO em breit.,....Jets« Meter WM ��l-s AauStuch tur Bettlak. n, volle j nkcnbreite..... Jetzt Meter I35 Trikol-öharimust-Iumvec IQ90 trithei bis 19,50............................ Jetzt I MM KunMbene Pullover lO75 ele.-.nte Ausfahmnp:. früher bis 18,50........... Jetst MWWU Kinder-Kittel o.-SpieUen •as nantf oder Wesduioffen 95 1 90 Bettwäsche Kopfkissen- QSpt Deckbett- Ses Bezüge...... Stark von tev en Bezüge..... Stack von 0M en Beitücher O25 Beitücher O« Flanell........... 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Ein halbes Jahr fall sie den Fußgängerverkehr über die Spree leiten. ■de): sich oui dem astlichen User noch durch einen Stadtbahnbogen drängen muß. Nei einer Breite van 7 Metern und 72 Metern Spannweite wird diese„Notbrücke", auch äußerlich, der neuen liaimowitzbrucke sehr ähnlich sein, nur daß Icßtere für den Straßen. bahn und Fährverkehr noch entsprechend nreiter gestallet wird. Aber erst muß die Reichsbahn die Verstärkung der Stadtbahnbogen fertiggestellt haben, muß die alle lVmnowitzbrücke abgebrochen und der Tunnel der Untergrundbahn in die Spree gesenkt werden, bis sich die neue Brücke über die Spree spannen kann— und solange wird die Notbrücke gute Dienst« leisten. Verkehrsunterricht. In den Straßen Berlins begann gestern der eigenartigste Schul, Unterricht, den die Berliner j««riebt haben. Sie sollen»richtig lausen" lernen. 2 Uhr nachmittag? bezogen die.Lehrer" der Ver- lehrswachr des ADAC ihr« Standplatz«. In allen großen Verkehrs- straßen wurde der Unterricht der Straßenpassanten ausgenommen. Plakate wiesen das Publikum daraus hin. daß es das»Lehrbuch" der Gehschule umsonst erhalten könne.. Linn eigentlichen Unterricht toinen die Lehrer am ersten Tage nicht, weil der Ansturm Bits die kleine Flugschrift zu groß war. Ausgehend von dem Gedanken, daß der Berliner sedcnsalls kein geduldiger Schüler sein wird, b« schrank) sich die Flugschrift daraus, nur die wichtigsten Stichmorke wisderzogeben. Was soll der Berliner nun lernen. Luuöchst einmal die Bedeutung der Signallampen. Die anderen not- wendigen Nenntnisse. die jeder braucht, um im Verkehr sicher zu sein, sind in 1k> Gebote zusaminengesaßt. Der Fußgänger wird darin ausgeklärt, wie und wo der Fahrdamm ohne Gefahr zu überschreiten ist. Gewarnt wird daoor. sich unnötig aus die Fahr- bahn der Straße.zu begeben. Beim Ueberschreiten eines Fahr- darmnes fall jeder rechts und links den Verkehr beobachten. Wer nur Isi Minuten lang den Fußgängerverkehr an den großen Der. kehrszemren beobachtet, weiß, wie notwendig solche Atisklärungs- arbeit ist. Wenn sie mit Energie fortgesetzt wind, kann sie gute Erfolge verzeichnen. Wichtig wäre, daß die Zllisklärungsarbeik sich nicht mir darauf beschrankt, Flugichristen zu verbreiten. Vielleicht wäre auch eine praktische Anleitung niibt von der.Hand zu weilen. Llmsteigen auf die Stadtbahn! Das Ergebnis der ersten beiden Tage. An den ersten beiden Tagen des Bestehens der Umsteigemäglich- keit von den Stadt-, Ring- und Vorortbahnen auf die übrigen Berliner Derkehrsmittel machten— nach Mitteilung der Reichs- bahndirektion Berlin— je etwa 20 000 Personen von dieser Einrichtung Gebrauch. Am 1. Januar wurden auf den Stadt-, Ring- und Börorsbahnc» 10 503 Umsteigefahrschein« ausgegeben, während zur Stadtbahn 11102 Personen umstiegen. Für den 2. Januar ist ungefähr das gleiche Ergebnis zu verzeichnen: Aus der Stadtbahn wurden 10 331 Umsteigesahr- scheine ausgegeben, und die Zahl der zur Stadtbahn um- gestiegenen Personen, die noch nicht feststeht, dürste sich ähnlich ent- wickelt haben. Ein genaues Bild über den Umfang des Umsteige- Verkehrs wird sich jedoch erst ergeben, ivenn die Neuregelung längere Zeit besteht und sich eingespiell hat. Dielsach sind auch im Publikum die Borleile der neuen Maßnahmen noch nicht genügend bekannt oder erprobt. Der Hauswirt nimmt Anstoß... Man schreibt uns: Noch besteht das Mieterschutzgsjejz, die Hausbesitzer aber rüste« sich bereits eifrig zur Wtedererobecung all ihrer alten Hauspascha- Herrlichkeiten. Nicht nur werden, wie in dem vor einigen Tage« gelchilderjen Fall, wegen unbeträchtlicher oder in Dirklrch.'eit gar nicht vorhandenen Mietsrückstände Rämnungsklagen eingereicht, es werden auch alle Register der aus alten, l/äsen Zeiten so wohlbekannten Schikanen gezogen. Familien mit kleinen Kindern wird plötzlich auch das Waschen der ftinderwäsche in der Küche unter- sagt,»bei Vermeidung sofortiger Räumungsklage". Was tut's, daß nach Auskunft des Mietseinigungsamtes der Per- mieter hierzu gar nicht berechtigt ist und die Ränmungsklaz« kein« Aussicht aus Erfolg hat. Der Herr Hauswirt hat seinen Zweck, die Beunruhigung des mißllebige» Mieters errxicht und ihm Zeit- und Geldverlust verursach». Parteien, die sahvelang mit Wissen des Herrn Hauswirtes einen Hund hielten, wird plötzlich anbeiohlen,»binne« acht Tagen bei Vermeidung sosorsiger Räumungsklage" den Hund abzuschotien— kurz, den Herren Hauswirten ist jedes Mittel recht, um mißliebige Mieter.zu schikanieren.»M i ß- liebig aber ist vor allem jeder, dar seine!3echie als Mieter wahrnimmt, vor allem von dem.Herrn heuswir, die Reparaturen verlangt, zu denen er verpflichtet ist. Des Rcutfie aus di ei em Gebiete ist der Hausbesitzer als Sittenpolizei. Die Mieterin eines Wilmersdorser Hauses erhielt kürzlich von dem Rechtsanwalt der Hauswirtin folgenden Brief: .Im Auftrage der Hausbesitzerin Frau Maerten untersag« ich Ihnen die Untervermietung an Herrn..... Sie stehen vi demselben in intimen Beziehungen. Meine Mandanitn und deren Familie nimmt daran Anstoß. Ich ersuche Sie, mir binnen drei Tagen zu bestätigen, daß Sie Herrn..... zum nächsten Termin. nämlich dem l. Januar 1023, kündigen und dafür Sorge tragen werden, daß er dos Haus nicht wieder betrill, andernfalls hin ich«rwächtigt, gegen Si« Räumungsklage einzureichen." Abgesehen von der unverichämien Form und drr souveränen Verachtung jeder noch vorhandenen Mieterschutzgeietzgebvnq. die aus diesen» Schreiben spricht, sind an diesem Fall noch einige Neben- umstände interessaift. Der Untermieter wohn nämlich bereits seit fünf Iahren in dem.haus,,utft> die.Hauswirtin sah sich erst veranlaßt, Anstoß zu nehmen, als die Mieterin van ihr durch ein» Klage die Vornahme dringend nötiger Reparatur- arbeiten erzwingen mußte. Das van dem.Anstoß erregenden" Mieter anerkannte.Kind der Frau T. ist jetzt bereits drei Jahre alt. und seine Existenz sowenig wie di« Vaterschaft S.... war weder der Hauswirtin, noch sonst einem Menschen auch der ent- serntesten Nachbarschaft verborgen— kurz, es Handel: sich um einen der in der Großstadt nicht seltenen Fälle eines freien Bundes zweier Menschen, die aus irgendwelchen Ursachen aus di« Legitimierung ihrer Beziehungen vorläufig Verzicht leisten. wüsten. Sollte hier wirklich mtt dieser Begründung eine Räumungsklage eingsreicht werden, so wäre ihr« Entscheidung von prinzipieller Bedeutung nicht nur darüber, w i e weit dem Hauewirt das Recht aus Sittenkontrvlle seiner Mieter zusteht. sondern auch sür alle Fragen, die mit dem Komplex der sogenannten „freien Ehe" zusammenhängen. Dan den Wohlfahrtsämtern sowohl wie von der Arbeftslosenunterstützung wird aus Antrag nicht nur das uneheliche Kind, sondern auch die mcht standesamtlich ver- bunden« Lebernsgesährfin unterstützt. Es wäre darum äußerst unlogisch, all« dies« Menschen nun der Schikane oder der Erpresser- »altif machiliifterner Hauswirt« auszuliefern, und es steht zu hoffen, daß die Gerichte endlich darauf verzichten, io offensichtlich nur aus Schikane erhobenen Räumungsklagen stattzugeben. Eine verspäleke Silveflerschießerei brachte vorgestern einen Kaufmann Walfgang M. aus der Stcinstraß« in Steglitz in Gefahr. Ais er gegen 7 Uhr seine Wohnung fast erreicht hafte, schaß vor dem Ncbenhause ein junger Bursche mit einem Terze- ral hemm, well er wohl aus der Neujahrsnacht noch Patronen übrigbehalten hatte. Der Kaufmann wurde an der Kniescheibe ge- trossen und mußte sich auf der nächsten Rettungsstell« verbinden lasten. Zum Glück war das Geschoß nicht weit eingedrungen, so daß die Verletzung nicht schwer ist. Der Jung« lies davon und ist noch nicht«rmfteilt. SOs �Zeruent. fXotnan von Fsodor Gladtow. Während eines Berichtes des Präsidenten des Partei- kmnttees üfcer die Arbeit der Gouvernementssektionen der Verwaltung für politische Erziehung sah ihn Schidkij mit freundlichem Lächeln an(und die Augen schimmerten dabei) und legte die Hand auf seine Finger. „Fürchtest du dich. Serjoga? Ja. ja, man wird's dir schon zeigen— halte dich." „Warum denn? Wofür? Ich fühle nichts, das einer Angst nur irgendwie ähnlich ist.— Als ob es irgendwo~ außerhalb von mir wäre, mich nichts anginge." „Macht nichts, Hab' keine Angst, wir werden dich schon verteidigen. Der Teufel ist nicht so schrecklich, wie man ihn sich vorstellt." Luchowa hockte wie gewöhnlich aus seinem Stuhl, das Kinn in die Knie gebohrt, und sprühte Funken aus Augen und Haaren. „Lügst. Sichkij: du hast selber Angst vor dieser Reinigung. Und auchjch habe Angst. Vor nichts habe ich Angst— nur daoor. Sergeij wird ausgeschlosien werden. Wo hast du die Kraft dem entgegenzutreten? Gewesener Menschewik... und Lenins Parole lautet: die Menschewiken— davonjagen." Schidkij schlug mit der Faust auf den Tisch und seine Nasenflügel blähten sich wie Blasen auf. „Er wird nicht ausgeschlossen werden. Warum nicht du, nicht ich, sondern— er? Was spricht dafür? Menschewik? Intellektueller...?- Das ist Unsinn... das ist kein Grund. ... Wir haben genug Möglichkeiten, zu protestieren, wenn das geschehen sollte. Die Kommission arbeitet scheußlich: man schließt wegen nichtiger, ganz fragwürdiger Gründe aus oder man schleift die Gründe an den Haaren herbei. Diese Woche sind schon vierzig Prozent der verantwortlichen Arbeiter und fast ebenso viele aus der Mitgliedschaft aus- geschlossen worden. Do ist zum Beispiel Schul..'. ein Arbeiter... und der Grund: Rebell und deklassiertes Element." „Schuk?... Er ist ausgeschlossen?" Sergeij wandt« sich erstaunt zu Schidkij, es schien� aber, als ob er unabsichtlich so reagiere. Schidkij? Worte rührten ihn eigenllich nicht und waren fern und bedeutungslos. fiuchawa sagte, ihn unterbrechend, ruhig und ungewöhn- kich streng, mit einer offiziellen Nachlässigkeit:„Die Kom» Mission ist nicht verpflichtet, Tatsachen mitzuteilen, und du hast nicht das Recht, dich hineinzumischen und ihre Arbeit zu kritisieren. Für die Ausgeschlossenen gibt es nur einen Weg— Einspruch zu erheben." „Gut, ober ich werde nicht ruhig zusehen, werde vor nichts zurückschrecken. Ich werde einen Wirbel bis zum AK hinauf machen. Der Mann, der jetzt die Reinigung vor- nimmt, versteht seine Arbeit nicht. Das führt nur zur Zer» störuntz der Organisation. Wir haben genug Gründe, um zu protestieren. Ich werde die Sache nicht so belasten.. Und wieder schlug er mit der Faust auf den Tisch und fluchte laut. Und Luchawa schüttelte den Kopf und steckte seine Nase zwischen die Knie.» „Esel... Dann wird man dich eben auch ausschließen oder dich versetzen. Im besten Fall dich zu irgendeiner unter- geordneten Arbeit degradieren..." „Bitte: ich habe davor keine Angst.. Und Sergeij bemerkte, daß auch Schidkij und Luchawa sich und ihn mit fieberhaften Augen, die vor schrecklichen Ahnungen brannten, ansahen. Und in der Frauengruppe konnte Polja, abgemagert, mit einer tiefen Qual in den Augen, nicht das Zittern ihrer Hände und das Zucken ihres Gesichtes unterdrücken. Dascha. festknochig und stark, faß etwas entfernt vom Tisch und schrieb mit ungeschickt-schwerer Hand irgendeinen Bericht. Sie sah weder Sergeij noch Mjechowa. Das geht es sie an, worüber sie sprechen und sich aufregen? Polja rief mit einer Handbewegung Sergeij und wies auf den Stuhl ihr gegenüber. Sah ihn an, dann Dascha, sah aus dem Fenster und konnte das nervöse Zittern ihres Gc» sichtes und ihrer Hände nicht zurückhalten. „Sergeij, kennst du dich vielleicht aus in all dem, was ießt vorgeht? Ich bin ganz verrückt geworden. Dascha ver- steht mich nicht mehr: sie ist so grob geworden und spricht mit mir nicht mehr so— wie sie früher gesprochen hat. Ich fühle, daß ich aus der Partei ausgeschlosten werde, Sergeij." Dascho schwieg, hörte nicht zu. was Polja sagte. Auch Sergeij schwieg: er wußte nicht, was chr erwidern. Er wollte leise und behutsam ihre Seele berühren, fand aber die notwendigen herzlichen Worte nicht. „Ich werde dort sagen, was ich sehe und fühle. Verstehst du?... und man wird mich ausschließen... Das. was vorgeht, was geschieht... was mich und die Revolution zer- fleischt... Ich kann nicht lüge».. Dascha pflügte mit der Feder das Papier, angestrengt und mühevoll nahm sie die rechte Hand vom Tisch und hob den Kopf. Unter der trotzig-gewölbten Stirn, die mit dem roien Tuch test verbunden war, zuckten ihr« Brauen hoch über der Nase. „Also was ist eigentlich geschehen, Genossin Msechowa? Ich sehe in meiner Dummheit nichts... Die Arbeit in der Frauenorganisation geht bester, und wir Frauen haben ge- lernt, an der gemeinsamen Front unsere Sacksie bester als die Männer zu verteidigen. Was also ist da Fürchterliches ge- schehen, Genossin Mjechowa?" Polja zuckte unter Daschas Stimme zusammen und sprang auf. „Wie wagst du nur, so zu sprechen? Du weißt nicht, was geschehen ist, nein?... Du weiht nicht, daß ein Meer von Arbeiter- und Rotarmistenblut... ein Meer... hörst du, Dascba?... ein Meer von Blut oergosten wurde, nur damit aus oieser Erde, die vom Blut noch nicht trocken ist, Markte, Cascis und Tingeltangels sich brest machen... damit alles in einen schmutzigen Haufen zusammengeworfen wird?... Du weißt das nicht?... Nein?..." Sergeij hatte noch nie Polja in solcher Erregung gesehen. Ihr Gesicht war das einer Besestenen. das ganze Blut ergoß sich in ihr, und Schweißtröpfchen bedeckten wie Tau ihre Stirn und Oberlippe, und ihre Augen waren trocken und trüb. Dascha bückte sich wieder über das Papier und lächelt« ein verstehendes, herablassendes Lächeln. „Und ich dachte— daß... Glaubst du wirklich, Ge- nossin Mjechowa, daß alle außer dir nur Dummköpf« und Tölpel sind?" „Ja. ja!... Dummköpfe!... Berröter!... Feig- linge!..." Und plötzlich wurde sie still und lächelte Sergeij kläglich an, hob die Hände zu den Augen und weinte. „Warum bin ich nicht damals gestorben... Damals, in jenen Tagen... in den Straßen Moskaus... oder in der Armee?... Wozu muß ich diese quolooll-schänblichen Tage erleben, liebe Genosten?" Sergeijs Gesicht zittert« unter einem Lächeln, das er nicht zurückhalten konnte, und es gelang ihm nicht, die ganze Luft, die in seinen Lungen war. auszuatmen. Seine Lippen hüpften, als ob sie nicht ihm gehörten, und i» seinen Augen zeZchmölz Polja, zerschmolz das Fenster, zerschmolzen hie Wände und verwandelten sich in einen dichten, molkigen leig. Wahrscheinlich war er müde. Wahrscheinlich kann er fremd« Tränen nicht ertragen. Wahrscheinlich hatte Polja, damals in der Nacht, feine letzten Kräfte genommen, als sie� tat vor Schrecken, gebrochen durch die tierische Kraft Dadjins. zu ihm in sein Zimmer hereingestürzt ta»- lFortsetzung folgt.) Eine Potsdamer Affäre. Oer Herr Hauptmann, der flch„einschränkte�. Ein Älesenolifgebot Potsdamer Geschäftsleute tritt tn den Saal des Potsdamer Schöftengericht», um als Zeugen gegen den sünjzig- jährigen Huuprinann a. D. Kurt August Meyer-Mählen aus- zutreten. Alle Zeugen, die mit dem Angeklagten oerwandt sind, haden e» vorgezogen, nicht vor Gericht zu erscheinen. Der Ange- klogle, der aus der Untersuchungshaft vorgesührt wird, ist des Be- truges in 26 Fälle» schuldig und zwar in strafoerschärsendem Rück- fall. Ferner wird dem Angeklagten schwere Urkunden- fälschung und Unterschlagung zur Last gelegt. Im Jahre 1926 kam Meyer als pensionierter Hauptmann nach Potsdam, nachdem seine Pension Wiesbaden, soweit sie der Psän- dung unterlag, bis zuin Iehre 1942 verpfändet war. Den übrigen, nicht verpfändbaren Test der Pension hatte der Angeklagte aus die Pankower Bank in Berlin überwiesen und zwar bis zum Jahre 1930. So stand der Angeklagte in Potsdam mit Frau und zwei erwachsenen Söhnen f a st mittellos da. Dessenungeachtet nrietete er für sich und seine Familie von der Tochter des früheren Chefs des Zivilkabinetts des ehemaligen Kaisers, Fräulein Luise von L u c a n u s, zwei der eiegantesien Zimmer chrer Wohnung in der Karlstrabe 2 in Potsdam ab. Damit war das Fundament für die geplanten Betrügereien gegenüber der Potsdamer Geschäftswelt gelegt. Das Haus Karlstrabe 2 liegt im alten guten Billenvieriel und im Hause selbst wohnt ältester Potsdamer Adel. Und vor der Tür. hinter der der Angeklagte wohnte, stand der Name von Lucanu». Da» genügte der Potsdamer Geschäfts- weit. Die köstlichsten Delikatessen, Spirituosen, Lckuljprecher, feinste» Schuhwerk, Prachtbänd« nationaler Bücher und«leganteste Herren- und Dameiigarderobe wurde geliefert ohne Be- zahlung. Der Herr Hauptmann gab Anweisungen aus die Ponkower Bank, aus der aber kein Guthaben vorhanden war. Ein Polsdanier Sanitätsrat bubte Hundert« von Mark von seiner Honororrechnung ein. In dem Haushalt, in dein der A l k o d o l regierte, herrschte ein« geradezu polnisch« Wirtschaft. Und dabei versichert der Angeklagte, daß er sich stet»»e i n ge- schränkt" habe. Etoatsonivaltschaftsnit S t a r g a rd: Was nennen Sie«ingeschränkt. Hoden Sie nicht Luxusbestellungen in großem Ausmaß gemacht. Der Angeklagt« gibt zu. daß er auch die Konsirmation seines Sohne» im Palaschotel zu Potsdam sehr elegant gefeiert habe. Sekt wurde bestellt. Aber dessen ungeachtet ist Konsirmationswäsch« und der Konfirmationsanzug bis zum heutigen Tage nicht bezahlt worden. Zeugen bekunden unter Eid, daß auch die Frau Meyer Bestellungen gemacht hat und Anweisun» gen aus die Pankower Bank selbst ausgestellt habe. Dazu erklärt der Staatsanwalt, daß bereits ein Verfahren gegen Frau Meyer schwebt. Auch der l8jährige Sohn des Angeklagten, ein Primaner. kauft« Sportartikel bei einem Polizeimajor a. D.. der jetzt ein Sport- geschäst in Potsdam besitzt. Und der Name o. Luconus wiegte den Geschäftsmann in Sicherheit. Er gab l dein Jungen Tennisschläger auf Kredit und andere» mehr. Aus die f Frage des Staatsanwalts, ob er seinen Sohn zu diesen Elnkäufev ermächtigt hob«, antwortet der Angeklagte: Jawohl, da» habe ich getan. Allgenieines Aufsehen machte die Aussage des Hoteliers Teißmann in Potsdam vom Palosthotel. Er bekundet, daß zur Einsegnung ein Salon reserviert werden mußte, beim Diner wurde Sekt getrunken, und als das Konfirmationsdiner zu End« war, ver- schwanden die Gäste und der Gastgeber heimlich, ohne die Kosten bezahlt zu haben Bis heute hat der Zeuge noch keinen Pfennig erhalten Frau Meyer hatte verschiedentlich Kleider bestellt. Die Kleider wurden getragen und dann in Pfandhäusern versetzt. Ein zehnjähriger Sohn des Angeklagten holte dann die Kleider aus einer Pfandleihe, als die Polizei in der Villa erschien Ganz raffiniert ging der Angeklagte vor, als er seine Söhne mit einem Brief an Geschäftsleute schickte, folgenden Inhalts:„Da ich her�- leidend bin, bitte um Auswahlsendung. Anbei Ueberweisung an die Pankower Bank." Die Geschäftsleute schickten, aber von der Bank war nicht ein Pfennig zu erhallen. Psändungsbefehlc gegen das Ehepaar verliefen fruchtlos. Damit nicht genug, operierte der Herr Hauptmann a. D. mit gefälschten Kon- zeptbogen und Stempeln des Potsdamer Derforgungs- amtes gegenüber einer Bank, wonach er derselben seine Pension überweisen ließ, die aus Jahrzehnte gepfändet war. Täglich mußte ein« Flasche Kognak und Delikatessen zu dem Ehepaar hinwandern. Auch französische und spanische Weine wurden auf Kredit genommen. Vorsitzender, Landgerichtsdirektor Dr. W a r m u t h:„Sie waren doch vollständig Mittellos. Mußren Sie da noch teure Weine trinken?' Angeklagter: Für 2,50 M. tonn man doch kein« Weine trinken, im übrigen haben wir uns mit Kognak eingerieben und Umschläge gemacht.' Als das Betrugsmanöoer schließlich in Potsdam aufgedeckt wurde, flüchtete Meyer, der früher in süddeutschen Garnisonen«in flottes Leben führte an den Spieltisch noch Zoppot, um sich zu saniere- Er verlor und wurde oerhaftet. Der StaKtsanwall l.- antragte unter Zubilligung mildernder Umstände ein Jahr Ge- fängnis. Das Urtell lautet« aus zehn Monate Gefängnis. Solche Affären, für die gerode die Potsdamer Verhältnisse mv. geschaffen sind, zeigen mll erfrischender Deutlichkeit die Leben saus- fafsung gewisser Kreis«, die es als ihr Dorrecht betrachten, auf den Arbeit« herabzusehen. Sie zeigen auch, wie lebensuntüchiig diese Leute zuweilen sind, wenn sie ihr« frühere Stellung, auf di« sie mechanisch eingedrillt waren, verlieren. Wann aber wird es in Deutschland endlich einmal dahin kommen, daß man Leuten nicht auf ihren adligen Namen hin allein vertraut. Immer wieder er- lebt man erstaunliche Fäll« von Leichtgläubigkeit, die es ver- tommenen Mitgliedern aller Adelssainilien»der ihnen nahestehender Kreise nur zu leicht machen, auf betrügerische Art ein„gutes" Leben gu führen. Man sollt« mit solchen Potsdämlichkellen endlich gründlich ausräumen. Zum Raubüberfutt im Siadtbahnzug. Oer döse Geist der Familie. Gegen den Eisenbahnattentäter Horst Kiebach, dessen Opfer Dora P e r» t e am Silvester beerdigt worden ist, hat Siaal»- anwallschaflsrot Dr. Orrmann die Eröffnung der Voruntersuchung wegen Raubmorde» beim Laiigericht II beantragt. Horst Kiebach hat auf Veranlassung von Kriminalrat ffiennat inzwischen seinen Lebenslaüf versaßt, der, ungeachtel sein« Jugend, schon eine Reihe von Vorstrasen ausweist. Der sugendliche Attentäter bezeichnet ol» den dösen Geist seiner Familie, der auch mittelbar Antah zu sein« Bluttat gegeben Hot. die kurz vor Weihnachlen zu 4V6 Jahren Zuchthaus verurteilte Meineidsfabrikamin Frau Ohlerich. Bekanntlich gehörte di« ganze Familie Kiebach zu den falschen Schwurzeugen dieser gefährlichen Frau, und Daier, Mutter, Schwester und Horst Kiebach traten vor dem Schwurg«ichi at» Zeugen aus. Während die Mutter und die Schwest« schließlich ein Geständnis ablegten, zu falschem Zeugnis migeftifiei worden zu sein, hatten der alte Präparator Kiebach und sein Sohn Horst bis zum Schluß hartnäckig an ihren früheren Eiden festgehalten. Infolge hieses Prozesses wollte sich di« Braut von Horst Kiebach, eine ISjährige Stenotypistin, von ihm lossagen. Um sie weit« an sich zu fesfeln. hatte» ihr zu Weihnachten große Geschenke in Au»- ficht gestellt, indem«r ihr vor«zähiie. daß tr groß« ffleschäfte gemacht habe. Die Mtlel ftir die versprochenen Geschenke beäb- sichtigte er sich durch Raubüberfälle in der.Stadtbahn zu verschaffen. Interessant ist, daß Horst Kiebach die zu der Bluttat verwendete Eisenschiene ursprünglich für den verstorbenen Eisenkönig Lreitdart bestimmt halte. Dieser ließ sich bei seinen Vorführungen au» dem Publikum Eiscnstücke reichen, die er dann bog. Horst Kiebach, der damals als Schloss« arbeitete, hatte sich zu diesem Zweck» die Eisen- schiene angeserligt. Breitbari konnte sie aber nicht verwenden, weil sie scharfkantig war. Da» Eisenstück lag in der Wohnung herum und kurz vor dem Attenial im Slodrbahnzug äußerte ein Bekannt« bei sin» Besichtigung der Schien«, daß man damit leicht semandem eins öber den Kopf hauen könnte. Dadurch will Horst Kiebach auf die Idee getrmrmen fein, die dreikantige Eisenschiene als Raubinstrument zu oerwenden. Horst Kiebach. der von Rechtsamvall Dr. Sidney Mendel verteidigt wird, wird in den nächsten Tagen dem Untersuchungsrichter zur ersten verantwortlichen Ver» nehmung vorgeführt werden. Voraussichtlich wird er sich schon im Februar vor dem Schwurgericht 11 zu oerantworten haben. Zusammenstöße und Verkehrsunfälle. Ein schwer« Zusammen st oß«eignet» sich gestern nach- mittag um l? Uhr an der Ecke Alexandrinen. und G i t- jchiner Straße zwischen einem Lastkraftwagen und einem Ha».omagkl einwogen. Der Haniunag wurde zer- trümmerrr Der Führer, ein Kaufmann Adolf S ch ö l l e r aus der W i l d e nch r u ch st r a ß e 1l, wurde schwerverletzt um« den Trümmern hervorgezogen. Der Verunglückte wurde durch das Städtische Rett�ngsamt in dus Urban-Krankenhaus gebracht. Glimpslicher kam sein Begleiier. der Kaufmann Otto Hein« aus der Schleiernmcherftraße. davon. Er erlitt einen Schlüssel» !ieinbruch und konnle nach Anlegung von Notverbänden in eine Wohnung gebracht werden. Auch' d« Mitfahrer des Lastkraftwagens. Hermaim N o a ck aus der Kaiser-Friedrich» Straße zu Pankows zog sich erhebliche Verletzungen am Kopf und an den Häitden durch herumfliegende Glassplitler zu. Die Schuldsrage konnte noch nicht geklärt werden.— Die üble Unsitte des Äbspringens hatte gestern nachmittag am Kaiserda mm wieder einen schweren Unfall zur Folge.' Der ZSjährige Kaufmann Wilhelm Kunze sprang von der in volltr Fahrt befindlichen Straßenbahn der Linie 75 und geriet so unglücklich unier den hinteren Teil des Triebwagens, daß er einen Schweren Schädelbruch erlitt. K. wurde in h o f s n u n g»- osem Zustande in da» Westender Krankenhau» übergeführt.— An der Brommybrllcke wurde der 25iährige Bäcker Bernard 0. aus der Schillerpromcnade in Neukölln von einem G e- chästsauto überfahren und schwer verletzt. G. fand im Urban-Krankenhaus Ausnahme.— Beim Ueberschrciten des Fahr- dammes in der Königin- Augu st a-Siroße wurde der 53jährige Kutscher Hermann K. aus der Kirchbachstraße von einem Auto erfaßt und zu Boden geschleudert. Der Ber- vnglückte wurde zur nächsten Rettungsstelle und von dort in das Clisabethkrankenhaus gebracht.__ Er will sich den„Jagdschein" erreisen... Seit einigen Tagen ist der Berireier einer Potsdamer Spiri- tuosensabrit, der Kaufmann Karl See seid verschwunden. See- eld wohnte in der Nauener Straße in Polsdom und äußerte zu einen Dekannten, daß er jetzt ein« Berrücktenreise antreten müsse, um den Jagdschein zu erlangen. Am Sonnabend wurde Seefelb im Kriegervereinshaus in der Chousseestrohe zu Berlin«rwariet, um dort als Geschäsissührer abzurechnen, denn der Kolonialverein hatte«inen Fehlbetrag von 6300 Mark festgestellt und der Astatcnoerein einen Fohlbetrag von-lOOOMork. Das Geld kann nur von S.. dem man in Pr-tsdam größtes Der- trauen entgegengebracht hat. unlerschlagen worden sein. Früher hatte Seeseld in Potsdam eine Auiodroschke laufen, und auch sonst hat er verschiedene Geschäfte versucht. Geschäft und Politik. Ein für Zeitungs-Straßenhändl« einschneidendes Urteil fällte die Große Slraskammer. Wegen Beleidigung des Polizei- Vizepräsidenten Dr. Weiß war der Zeilungsverkäuser Karl Zovl» palski angeklagt. Er halte am 16. Mai v. I. die Sondernumm« 110, des„Bölkischen Beobachters" verkauft, die sich mit dem „Polizeiterror wegen des Verbots der nationalsozialistischen Arbeiter- pariei" befaßte. Die Nummer enthielt eine Karrikotur von Dr. Weiß mit der Ueberschrist:„DerjüdischeHerroonBerlin." An der Zeitungsauslage des Angeklagten war das Bild und die Ueber- schrist mit Roistift umrahmt und die Ueberschrist unter- strichen. Hierin wurde eine Verächllichmachung des Polizeivizepräsi- denlen erblickt. Der Angeklagte behauptete allerdings, daß er sich um den Inhalt der Zeiiungen nicht gekümmert habe und daß es ihm lediglich um den Verkauf zu tun gewesen sei. Der Staatsanwalt beantragte 3 Monate Gefängnis und das Gericht erkannte auf einen Monai Gefängnis. Dem Polizeivizeprösidenten Weiß wurde die Publikation des Urteils im„Völkischen Beob- achter",„Dorwörie" und„Berliner Lokal-Anzeiger" zugesprochen. Schwieriger war für das Gericht die Entscheidung, ob gemäß de»§ 41 de» Str.-G.-B, In diesem Falle auch aus Einziehung und Unbrauchbarmachung der Platten und Formen der Nummer des �Völkischen Beobachters' zu«keiiiien sei. Das Gericht be- saht« jedoch diese Frage und entschied demgemäß. Kivderseqen bei den?)!antelpavi«»nett« Im Afsenpalmenhaus« de» Zoologischen Garten« sind tn d« letzten Zeit bei der Manielpavianherde hintereinander ein halbe» Dutzend Junge geboren worden, die mit ihren Müttern lehr anziehende Bilder bieten. Di« Keinen wagen sich zum Teil schon aus den Armen der Alten weg und riskieren Lauf» und Kleiier-, Spiel- und Epringversuche Bald aber werden sie immer von der besorgten Mutter wied« hcrangehvl!. Wenn sie erst etwas mehr herangewachsen sind, klammern sie sich nickt mehr an Bauch und Brust der Mutter an, sondern reiten auf deren Rücken, was sehr spaßig aussieht. Auch- be! den übrigen Pavianen In den Einzel- käsigen und bei anderen Asten sind vielfach Junge vorhanden, die Luft im neuen Hause hat sich als sehr fruchtbar erwiesen. Oer erregte AngeNagte. „Dich knalle ich nieder." Am 16. Just v. I. kam es im Schöffengericht Berlin-Mitt« zu einem nicht alltäglichen Exzeß. Der AngeNagte R. hatte sich wegen Rückfallsbetrugs in vier Fällen zu verantworten. Als sein Schwager S. ihn belastende Aussagen machte» rief er ihm erregt.Maulaste' zu, wofür er«ine dreitägige Haftstrase erhielt» R. wurde schließlich in den Betrugsfällen, die ihm sein Schwager zum Borwurf gemacht hatte, freigesprochen,«hielt aber für zwei Betrugsfälle zwei Jahre drei Monate Zuchthaus. Als er abgeführt wurde und bei seinem Schwager vorbeikam, sagte er ihm laut„Strolch, Schw... Der Richter, Amtsgerichts- rat Dr. Lurkhardt, rief den Ange'laglen zurück und erteilte ihm eine weitere dreitägige Ordnungshast. Als R. zum zweilemnal an fci-iem Schwager vorbeikam, rief er ihm zu:„Selbst wenn Ich 15 Jahre Zuchthaus bekomme, dich knalle ich nieder': und zum Richter gewendet, schrie er:„Und dich auch": die Justizwachtmeister, die ihn zur Ruhe mahnten, beschimpfte er mit.Lumpenpack'. Als der Borsitzende nun den Iustizwacht- meistern besah', ihn erneut zur Anklagebank zurückzubringen, weigerte er sich, zu gehen, leistete Widerstand und wurde schließlich mit G e- wall zur Anklagebank geschleppt. Nach Ausnahme des Protokoll» wurde er entlosien. Einer der Justizwachtmeister hatte gegen R. wegen össentlicher Beleitianng Strafantraq gestellt. Er muhte sich ober nicht allein wegen össentlicher Beleidigung, sondern auch wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und Bedrohung des Borsitzenden mit einem Verbrechen verantworten. Amtsgerichisrat B u r'k h a r d t erNärte, daß er sich nicht bedroht gefühlt habe: auch ein Justizwachtmeister erklärte, von einem Strofantrage wegen Be- leidlgung abgesehen zu hoben. R. selbst wollte sich des ganzen Borganges nicht entsinnen, so aufgeregt sei er gewesen. In diese Ausregung habe ihn aber die Aussage seines Schwagers versetzt, den er nun wegen Meineids belange. Verständlich wird aber der Exzeß de» Angeklagten erst, wenn man seine Lebensgeschichte kennt. Sein Baier, Weingroßhändler und Trinker, seine Mutter im Irrenhause gestorben, zwei Großenkel gleichfalls geisteskrank, der AngeNagte selbst ein schwer erziehbarer Junge, der von seinen Arbeitsstellen immer wieder davonlief und ackt-ehnjöhria von seinem Dater in die Irrenanstalt gebracht war. Bald daraus kam er als Junge auf«In Schiff und wurde Seemann. Im Jahre 1913 fällt seine erste Straf- tat. Besonders schlecht zu fprechen ist R. aus seinen Schwager K. Für die Abendveranstaltung„Aus der Geisterwelt' war ein Programm zusammengestellt, das in Bildern ans Musik und Dichtung die„Vierte Dimension' zitierte. Weber Marschner. Wagner, Dickens, Bürger, Goelhe und andere wore i dazu ausoebo'en worden. Es entwickelte sich wirklich eine Stimmung des Spukhaften und Unheimlichen: Theodr- Echeidel, Meinhardt Manr, Bruno Seid- l e r- W i n k l e r mit Funkchzr und Funkorchest« waren ihre Mittler. Gustav Walloscheks einleiterde Worte brachten aber nur einen ziemlich nüchternen Bericht über Gespensterglauben, und Hupperz' aus äußeren Effekt gestelltes„dlotturno Phanustico* traf den Gru-ndlon diese» Abend» nicht. Ueber �omik, Satire und Humor' in der Poesie sprach Dr. Franz Leppmann. Er zelate die verschiedenen Elemente ans, aus denen sich tn der Dichtung die komische Wirkung zusammenfetzen kann. Professor Dr. Hans Friedenthal beoann einen Zyklus„Mensrienkun>« und Menschheit». künde". Die Behandlung diese« Thema« lm Rundfunk kann ein wichtige» Kapitel Volksbelehnina bedeuten. Dieser erste Dorirag aber wußte sie nicht zu vermitteln. Di» komplizierten schrist- deutschen Sätze des Vortragenden könnfn bei lnngsamer Lektüre vielleicht auch dem wlsienschaftlich wenio Gebildeten den Stoff ver» mittel». Beim Vortrag aber, wo die Mögl'chkeii fehlte, aus Vorher- gesagtes zurückzugreifen, gelang es ihnen beWmmi nicht. Es muh immer wieder gesorderi werden, daß der Berliner Terck« seine. Redner veranlaßt, in einfachen, klaren Sätzen ihren Wissensstoff darzubieten. Te». Er hat ihn al» heimatlosen Burschen während ein« sein« Seefahrten tennengelernt, ihn aus Mitleid bei seinen Eltern eingeführt und auch in späteren Jahren unterstützt. Daß nun dies« Schwager ihn derart belasten konnte, habe ihn in so groß« Erregung versetzt. Der medizinisch« Sachverständige war gleichfalls der Ansteht, daß der Angeklagte sich die ihm zur Last gelegten Handlungen im Zustande hochgradiger Erregung habe zuschulden kommen lasten, wenn auch die Anwendung des§ 51 für ihn nicht in Betracht komme. Der Staatsanwalt beantragte zwei Monate Gefängnis. Das Gericht verneinte den Tatbestand der Androhung mit einem DerbrechcN-und verurtellte R. wegen öffentlicher Beleidigung und Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu zwei Wochen Gefängnis. Der Ange- klagte nahm das Urteck sofort an. Nur noch Briketthälsten? Die Verline? Vorräte fast aafgezehrt. Die Kohlenknappheit wird, wie wir bereits gestern morgen aus« führten, noch einige Tage andauern. All« Bemühungen, die Pro- duktion zu steigern, scheitern daran, daß di« Britettfabriken die Mehrsörderung zunächst nicht verarbeiten können. Nach einem Be- schluß der Bereinigten Kohlenhändlerverbänd« sind diese Händler dazu übergegangen, an die gewerblichen Betrieb«, wie Bäckereien, nur noch Halbst eine zu liefern. Die Bearbeitung der Dri- ketts nimmt längere Zeit in Anspruch als di« Derarbeitung der Kohtsohle zu Halb st einen. Auch für den Haus- brand sind in den letzten Tagen größere Mengen Halbsteine ge- liefert worden. Der Verband der Kleinhändler hat Kontrollen eingerichtet, die oerhüten sollen, daß mit Kohlen gehamstert wird. Die Verbände der Kohlenhändler haben vor 14 Tagen ein« Bestanderhebung vorgenommen und dabei festgestellt, daß so st gar keine Borräte vorhanden sind. Der Verband hat sich in den letzten Tagen bemüht, eine gleichmäßige Verteilung zu erzielen, so daß alle Stadtbezirke mit Kohlen versorgt werden. Besonders empfindlich betroffen von der Kohlenknoppheit sind natürlich die Arbeitslosen, di« vom Wohlfahrtsamt Kohlen- karten haben. Nach einer Vereinbarung des Kohlenhändlerver- bände« mit dem Magistrat geben die Berliner Kohlenhändler di? Kohlen für diese Erwerbslosen um 10 Proz. billiger ab. Es wird nun behauptet, daß die Kohlenhändler die Kohlenkarien nicht abnehmen und erst ihre Prioatkundschaft bedienen. Wie uns dazu mitgeteilt wird, sind diese Beschwerden geprüft worden und es konnte festgestellt werden, daß bisher in keinem Fall« Arbeitslose mit ihren Karten zurückgewiesen wurden, wenn der Händler wirk- lich Kohlen hatte. In den letzten Tagen macht sich die Kohlenknappheit auch In der Beheizung der Heime. Asyle und Fürsorgestellen bemerkbar. Es ist zu hoffen, daß diese Mängel sehr schnell behoben werden. Der Stiefvater. Als der Gendarmeriewachtmeist« Flieger aus Solmu» tn Böhmen bei der Milchhändlerin Anna Götz dienstlich zu tun hatte. bemerkt« er hinter dem Ofen einen Mann in halbliegend« Stellung. Er sah nach und gewahrte, daß d« 7ZjShrig« Stiefvater der Milchhändlerin an einem Nagel erhängt war. Er schnitt den Strick durch und rles die Frau zu sich und befragt« sie. Zynisch gab sie zur Antwort, sie wisse es, der Alt« sei ober noch nickt ganz kalt. Dann«st wollte sie Leute rufen. Der Wacht« meister brachte nach mehr al»«instündlichen Bemühungen den Mann zum Bewußtsein und erfuhr, daß er sich s« l b st e r h a n g t habe, da er von d« Stieftochter unerhört schlecht behandelt wurde. Der erste Galgen in Polen. Nachdem in Polen die Todes- strafe durch Erhängen«ingeführt worden ist, wurde nunmehr« B I a l y st o k auf dem Gefängnishof der erste Galgen«richtet. Die erste Hinrichtung wird dort am 5. Januar stattfinden, wobei da» Todesurteil an einem Räuber vollstreckt werden wird. Mittwoch 4. Januar 192S altung unö issen Beilage des Vorwärts Oevotionalien. Novelle von Max Aernardt. Davojer war Inhaber der Devotionalienhondlung S. SLendls Witwe. Nach außen hm wenigsten». Innerhalb der mit Heiligen- bildern geschmückten Ladenwönde, der winkeligen Stuben, war er freilich nur der angeheiratete arme Teufel von Holzschnitzer, der nicht» sein eigen nennen konnte als sein bißchen Kunsthandwert und ein paar gute Geschäftsverbindungen zu seinen Landsleuten, Grödner Holzschnitzern. Seit einem halben Jahrhundert bald handelten die Wendischen mit christlichem Hausschmuck. Das Hauptlager bestand aus Oeldrucken von Marienbildnissen. Aposteln, Heiligen, dem„Heiligen Abendmahl". der Kreuzigung Christi und dem Heiland mit der Dornen- frone. Fromme Wandsprüche traten noch hinzu. Weihwasserkesiel, Rosenkränze und Kruzifixe. Als Wallojer mit der verwitweten Wendl in den Thestand trat, ergänzt« er den christlichen Lagerbestand noch mit Schnitzereien seiner Landsleute, die ihn zweimal im Jahre geschnitzte Engel, Ma- bannen und gekreuzigte Christuss« ins Haus stellten. Die christliche Konfektion der Ware erhielt ein künstlerisch individuelles Gepräge. Ein Bole aus dem Grödner Tale stand in dem dämmerigen Laden und besah sich die farbenprächtigen Oeldruck«. „Ah. Dio— a schöne Madonna—* entzückt« er sich in seinem ladinischen Krautwelsch,„aber'» Jesuskind! ist nit guet." Wallojer Ueß ihn reden. Er sprach überhaupt nicht viel. Immer mehr entfernt« er sich von seiner Umgebung. „Was ist eigentlich mit euren Kindern.' welschte der Grödner gesprächig weiter, J)abt viel Unglück immer mit Kindern— oerament — wie geht's der Witwe Wendl, der Frau Wallojer? den— den? ah, der eisern« Heiland aus St. Christof hängt auch noch inimer da." Wallojer hört« gar nicht hin. Kunterbunt sang der Grödner in dem seltenen Idiom, ohne aus Antwort zu rechnen. Wallojer war bestrebt, nachdem er ihm allerhand Bestellungen für die Weihnacht». zeit ausgegeben hatte, den Lästigen loszuwerden. ..Riz— ich mach bald Schluß, es dunkelt. Du wirst wohl drüben beim Wirt Unterkommen finden für die Nacht obei willst epper noch weiter? Sonst probier e» einmal bei den Kapuzinern." Der Bote zögerte. Dielleicht hatte er gehoist. daß ihn sein Landsmann über Nacht behalten würde. „Ah— ist gleich. Stesio. stesio. Ich wert»', ja, ich werd' noch ein Stück laufen." Und dann verabschiedete er sich herzlich, nicht ohne einen guten Wunsch für» Geschäft und für die Wendisch« Witwe. Das einstöckige Haus, In welchem der Wendlsche Laden lag, war alt, brüchig und muffig wie sein« Insassen. Wallojer hatte vor bald einem Jahrzehnt da» Haus samt dem frommen Geschäft und der Witwe Wendl geheiratet. Er war viel in der Welt herum- gestoßen worden, nachdem er sich frühzeitig mV seiner Schnitztunst. dem großen Dermächtnis seines grödnerischen Heimallales, auf die Socken gemacht hatte. Aber er hatte nichts erreicht, seine naiven Engel und Madonnen wollte da draußen niemand haben, noch interessiert« man sich sonderlich für seine Handwerkskunst. Irgend- wo über dem Wasser drüben merkte er, daß ihn das Aller anpackte. Eine unbezähmbare Sehnsucht müder Amerikawandercr brachte auch ihn wieder zurück. Bald war er in der Heimat, wo man ihn still unter sich litt. Er schnitzte wieder im Akkord. Spekulierte aber schlau nach dem Ruheplatz, noch dem sein Alter lechzte. Und es gelang ihm. unweit seiner engeren Heimat in das verlotterte Ge- schöft der Witwe Wendl einzuheiraten. Er war«in tüchtiger Krämer geworden. MV Sorgfalt, Fleiß und angeborener Schlauhell verstand er das Geschäft zu heben. Die Witwe Wendl, seine Frau, stöhnte des Tages mit ihrer .Körpersülle einigemal« durch den Loden, kümmerte sich aber.>« dicker und äller sie wurde, immer weniger um das Geschäft. Nur blankes Geld wollte sie sehen, erraffen, besitzen. Der Geiz mll allen Geschwüren saß ihr im Leibe. Kinder hatten sie selbst nicht. Aber die Witwe Wendl, wie sie noch immer genannt wurde, nahm Kinder an. Und noch eine neue Passion fuhr in dos alternde Weib. Weiß der Teufel— vielleicht hing es mit ihren Pfleglingen zusammen. Da waren die Fremden, die jährlich ein paar Wochen auf dem schönen Erdenfleck zubrachten. Zu der Zeit stand die Wendlsche im Laden, ratschte mV den vor- nehmen, ausländischen Herrschasten und bemühte sich gar sehr um sie. Manchmal schickte sie sogar ihren Mann aus der Stube. Und da. eines Tages, sandte man ihr mll einer seinen Zofe ein Kind. Ein ganz junges, hilfloses Kind, in Seide und Brüsseler Spitzen gehüllt. Sie war zärtlich, koste und küßte es und spielt« die Mutter. Aber das Kind war kränklich, selbst die gute Bergluft tonnte es nicht gesund machen. Nach ein paar Monaten starb es. Es war noch kein Jahr oergangen, als die Witwe Wendl wieder die geschnitzte Wiege mit den gemalten, flackernden Herzen in die Stube rückte. Doch das Bübchen, das man ihr brachte, holte sich bald eine Lungenentzündung und ging zu den Engelein ein. Wallojer, der das frische Kindchen lieb gewonnen hatte, stierte damals oer- zweifelten Herzens dem Meßner nach, der den kleinen schwarzen Kindersarg, gleich einem Biolinkasten, unterm Arm aus der Woh- liung schleppte. Als nach längerer Zelt seine Frau ein neues Kind entgegen- nehmen wollte, krallte er sich mit den Händen vorn In seine Brust wie der Judas im Bilds des Heiligen Abendmahls und rief, Verzweiflung im Antlitz: „Weib— was tust? Willst noch mehr Engel im Hausl' „Scher dich zu deinen hölzernen Engeln, misch dich nicht dreln in mein Unglück, wenn du dein Essen an meinem Tisch haben willst," zischte sie ihn aus sprühenden Augen an.„Du weißt, wer du bist— Wallojer!" Sie drohte. Cr halle sie scharf getroffen, an der wund'sien Stell«. Aber er war zu schwach und zu feig« gewesen. Halle den Kopf zwischen die Schultern genommen, sich zurückgezogen. Aber sell der Zeit waren keine Kinder mehr ms Hau» gekommen. Erst ietzt, in den letzten Wochen, sprach st« wieder von einem kleinen ungarischen Mädchen, da» sie in Pflege nehmen wollte. Wallojer zog sich immer mehr von dem Weib zurück. Duckt« sich immer mehr vor jeidem Aller und vor den graujamen, drohenden Augen der alten Wendl. Je mehr er die verstaubt«, kirchlich« Lust de» stammen Loden» atmete, desto mehr gewann in ihm eine abgeklärt« Resigniertheit gegenüber allen Geschehen» die Oberhand. Jahr und Tag stapelt« er Heiligenbilder, rollte Rosenkränze durch die Finger, packte Weih- Wasserbehälter und geschnitzte KruzssiZt In Stroh. Wille:los unterordnete er sich einer Macht, die in den dämmerigen Räumen gleich erner oufgeblaseneu, giftigen Spinne Fangnetz« webte. Nachdem Wolloser hinter dem Grödner Boten die Türe ge- schlössen hatte, beschäftigte er sich in Muße weiter mit der Zusammen- stellung einer Musterkollektion für ein kirchliches Institut im Unterland. Ein Jesus, eine Maria, ein paar Heilige, ein Abendmahl— da» Stück zu einem Taler. Er überlegt», od er auch noch die neue Kreuzigung Christt beipacken sollte. Es war schon bald dunkel, al» es am Hinteren Eingang pochte Verwundert, wohl auch etwas ärgerlich über die Störung nach Ladenschluß, öffnete er. Stand das Breitebirer Mädele, die kleine Tochter des Poftamtsgehilfen Breitedner, in der Türe. _(Schluß folgt) Raubtier Mensch. Do«z. werdende Brückenechse. Sie ist ein setzt nur noch sehr seltener Bewohner Neuseeland». Doch auch der bi» einen Meter lang werdende Riesenialamarrder ist in seinem Bestände schwer bedroht, Er lebt in den Gebirgsbächen Chinas und Japans, und da sein Fleisch gern gegessen wird, stellt man ihm übereifrig mich. Japan sah sich berells oeranlaßt, diesen Lurch unter Schutz zu stellen. Man kann wirklich sagen:.Dreimal Wehe dem Tier, dessen Fell und Fleisch der Mensch schätzt." So wurde der Pferde-, Schimmelaittilope in Inner- und Südafrika derartig nachgestellt. daß sie schon für ausgestorben gilt. Di« Elche, die in sumpfigen Gegenden zu Haus« sind, werden bei fortschreitender Kultivierung des Bodens naturgemäß verdrängt. Um in Deutschland noch ein Paar dieser Tiere zu erhalten, werden in den ostpreußischen Ober- sörstereien Ibenhorft, Tawellningken und Nemonien 300 Stück gehegt. Fast unglaublich hat der amerikanische Bussel, der Bison. unter menschlicher Mordlust zu leiden gehabt. So wurden im Mai 1832 bei Fort Pierre(Missouri) nach den Auszeichnungen von G. Callin von Indianern 1400 frische Büsseizungen abgeliefert. wofür die Mörder vier Quart Brannttvein dekamen, die sie sofort versoffen. Das Fell dieser aus Uebcrmut getöteten Büffel war um dies« Zeit nicht zu gebrauchen, ebenso waren in den Lagern Fleischvorräte übergenug. Kein Wunder, daß die«normen Wild- tinderherden ausgerieben wurden. Heute steht der Buffalo unter dem Schutz der amerikanischen und kanadischen Regierung. Eins der traurigsten Kapitel ist die Robbenschlägerei. Die Rodben werden wegen ihre» Felles verfolgt. Um sie vor gönz- sicher Ausrottung zu schützen, dürfen sie an bestimmten Stelle» des Beringmeeres nicht gefangen werden, ebenso ist für gewisse Fang- orte dl« Anwendung von Feuerwaffen, Netzen und Sprengstosfen verboten. Dem Elefanten kst wegen de» Elfenbein» in übertriebenem Maß« nachgestellt worden. Die Stoßzähne, die das Elfenbein liefern, können bis 70 Kilogramm schwer werden, Uebrigens ist der Elefant nicht der einzig« Elfenbeinlieserant. man gewinnt dos Elfenbein auch von RUpferts- und Walloßzähnen. Elefanten stehen setzt auch verschiedenllich unter Schutz. Zudem ist der Elefant, ein liebe rbleibsel aus vergangenen Zeiten, das Tier, das sich am lang- samsten fortpflanzt. Ein Elefantenweibchen ist 80 Jahr« fori pflanzungsfähig, kann aber mährend dieser Zell höchstens 6 Junge zur Well bringen. Ebenfall» sst der Wal ein Tierkoloß, Ihm gegenüber Hot sich der Mensch als Raubtier ganz großen Formats erwiesen. Segel- ten doch 1660—1768 allein aus Holland 14 000 Schifte aus Wal- ftschfang nach Spitzbergen. In diesem Zeitraum sind SOOOO große Wale zur Streck« gebracht worden. W, Kükenthal, der viele Wale beobachtete und zur Naturgeschichte dieser Tierorupp« aufschluß reiche Beiträge lieferte, schätzt den Wert eines Grönlandwals am 50 000 M. Da ist es kein Wunder, wenn die niedrigsten Instinkt« des Menschen erwachten. Ietzt siiifo Grönlandwol und Nordkaper um Spitzbergen und Osigrönland so gut wie verschwunden, Die Sage von der Sinksluk bei den Zndianerw Bei vielen uordamerikamschen Indlanerstämmen findet sich eine Sag«, die der biblischen Geschichte von der Sinftlut gleicht. Di« alte Legende berichtet, wie Rooh sich reticie, als die Erde zerstört wurde. Der Ncrm« Nocchs verwandelt sich in ihrer Geschichte in Wisaka. Er war der Sohn der suugfräusichen Tochter der alten Großmutter Erde und selbst-in Gott. Lang« Zeit war die Großmutter Erde allein auf der Welt, bis ihr auf irgend«ine geheimnisvoll« Weist eine Tochter geboren wurde. Als die Zeit erfüllet war, wurde die Tochter Wifakas Mutter. Die bösen Geister aber wurden eifersüchtig aus Wftakas Macht und Weisheit und zerstörten die Erde. Wisaka jedoch machte aus Luft eine groß« Blast, in die er sich mll allen Arten von lebenden Tieren und Menschen rettete. � Als die neue Erde sich bildete, lamen.,sie wieder herunter, und Wisaka lehrte die Erdenbewohner alle ihre Sitten und Gebräuche? Obgleich er ein Gott mar. besaß Wikaka Meirschengestalt. Bald daraus zog er sich nach Norden.zurück, wo er nun lebt. Eine? Tages aber, denken die Indianer, wird cr zurückkehren und all« seine Onkels und Tanten(die Indianer) von dem Joche der Bloh- gesichter befreien. Dom Fortschritt zum Rückschritt. Aus der Geschichte der kapitalistischen presse. Die erste Nummer der„Times", noch heute das angesehenst« Blatt Englands, erschien am 1. Januar 17 88. Sie enthielt zahlreiche Nachrichten aus dem Ausland, zwei aus Paris und Rotterdam vom 2S. Dezember, also nach 7 Tagen, eine Nachricht aus Frankfurt vom IS. Dezember, nach 18 Tagen, eine aus Warschau vom S. Dezember, nach 27 Tagen, und eine aus Konstaillmopel vom 10. November, nach 52 Tagen. Di« Schnelligkeit, mit der drei« ausländischen Korrespondenzen in der Zeitung erschienen, ftt bei dem damaligen Stand der DerteHrsmittel staunenswert. Damals war die„Times" als eine Zeitung der aussteigenden Klasse de» Bürgertums sorftchrittlich gesinnt und geriet dadurch mit den Mächten der Vergangenheit, die noch in England starken Ein- fluß hatten, in Widerstreit. Im zweiten Jahre ihres Erscheinens bracht« sie die Nachricht, der Kronprinz und sein Druder, der Herzog von Pork, führen einen derartigen Lebenswandel, daß sie vom König aus das Strengste getadelt worden seien. Der Herausgeber des Blattes, John Walter— seine Nachkommen sind heute noch an der Zeitung beteiligt— wurde, weil er es gewagt hatte, diesen Satz erscheinen zu lassen, zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Zeitung aber erschien weiter. In späterer Zeit gab sich das Ministerium Pitt Mühe, die„Times" dazu zu bringen. seine Ansichten zu oerbreiten. Als diese Beeinflussung nicht gelang, wurde versucht, das Blatt zu diskreditieren und zugrunde zu richten. Der auswärtige Nachrichtendienst der.Times" lvar inzwischen immer mehr ausgebaut worden. Das Ministerium gab Weisungen, die Sonderberichic der widerspenstigen Zellung in den englischen Häfen auszuhallen, damit die Nachrichten der regierungstreuen Zeitungen einen Dorzug hätten, John Walter, der sich auf dies« Weise von den allgemeinen Verkehrsmitteln ausgeschlossen sah, rief einen Sondernachrichtendienst ins Leben, stellte eigen« Schifte, Post- wagen und Kuriere in seinen Dienst, So gelang es ihm nicht nur, die g«gen seine Zellung gerichteten Maßnahmen der Rechexung unwirksam zu machen, es gelang ihm stgar, besser informiert zu sein al» di« Regierung, indem er als erster einen tegelmäßigen monat- lichen Nachrichtendienst zwischen Indien und England einrichtete. Mit der Entwicklung des Kapitalismus gelangt« die Bourgoiste zur Herrschast. Heut« ist di«.Times" als Organ der herrschenden Klassen Englands vor Anfechtungen der Regierung sicher. Sie ist kein Kampsblall mehr, ste oerteldigl das Bestehende sie nennt sich impolltssch, aber sie steht in Wirtsichkeit stets auf Seite der �lon- servativeN. Auch heute ist noch der größte Stolz der.Time» der Auslandsdepeschendienst, der sich auf zahlreich« Korrespondenten in den wichtigsten Orten der Erde stützt. Lord Beaconsfield. der berühmte englisch« konservative Staatsmann, sagte vor etwa 50 Iahren:„Wir haben zwei Gesandte in jeder Hauptstadt d« West. den Gesandten des Königs und den Korrespondenten der Time». Die.Times" scheute auch keine Kosten für diesen Auslands- dienst und gab manchmal mehr Geld au», als die cnalllche Diplmnaiie. Sie war daher auch oft besser informiert als dies«. Im Jahre 1882 bezahlte ein Korrespondent für eine Kabeldepesche aus Kolombo, di« eine Besch-eibung von Tonking enthielt, 32000 Mark. Im gleichen Jahre gab ein Speziaikorrefpondent aus Sllexanbrten 400000 Mark für Depeschen üb«r die Ereigmsse in Aegypten aus. Als sich End« des 18. Jahrhunderts beim plötzlichen Ausbruch einer RevÄurion in Argentinien ein Korrespondent der „Times" zufällig dort befand, gab er auf«igen« Faust für Depeschen über den Regierungswechsel in drei Togen 40 000 Mark aus. Di« Kosten für Depeschen, die über den Borerausstarid in China während einiger Wochen abgesandt wurden, betrugen 40 000 Mark. Die Auslondsnachrichien stehen derzeit regelmäßig auf der 8. und 10. Seite der„Times", die täglich 20seiiig ericheint. Auf der ersten Seite findet man in den ersten Spalten(jede Seit« hat 7 Spalten) Geburten, Hochzeiten, Todesfälle, der Rest der Seite ist ausschließlich für Annoncen und Reklameankündigimgen aller Art bestimmt, denen insgesamt 8 von den 20 Sellen eingeräumt sind. Ankündi- gungen unmoralischen oder auch zweiselhasten Inhaltes werden zurückgewiesen. Aus der 11. Seite stehen regelmäßig die Leit- artikei, die 14. Seit« ist, seitdem die meisten Leser die Nachrichten auch durch Photographien ergänzt wissen wollen, den Illustrationen fewidmet. Fast ein Siebentel der Zeitung, meist die 15., 16 und 7. Selle, ist den Börsen- und Handelskursen gewidmet, denn Allah der Kapitalismus, ist groß, und die„Times" ist sein Prophet. Aber auch dos englische Parlament wird incht vernachlässigt, und die Sitzungsfeeeichie des Unter- und Oberhauses werden vollständig ab- gedruckt Ueberdies erscheinen fast täglich mehrere Brief«, die von Staatsmännern, Wissenschastlern, Literaten an den Chefredakteur gerichtet werden, die zu den umstrittenen Tagessragen Stellung nehmen. Diese Briefe, auch heute noch vielfach mit der über- lieferten Formel„Ich bin, sehr geehrter Herr, Ihr sehr ergebener Diener" gefertigt, sind häufig sehr auftchlutzreich über einen großen Teil der öffentlichen Meinung Englands. Einen weiten Weg hol die„Times" in den 140 Jahren ihres Erscheinens zurückgelegt, aber sie hat ihre kämpferische Vergangenheit vergessen, so wie die Klasse, der sie dient, diese vergessen. Und wenn es in der ersten Nummer der.Times" programmatisch hieß: „Wir haben wie der römische Gott Ianus zwei Gesichter, eines lächelt stets den Freunden des allen England» zu. das ander« wird allezeit allen Feinden Englands die drohenden Brauen zeigen", fo verzichtet das neue, das werdende England auf das Lächeln, das den Freunden des asten England gilt. Dos neue England fürchtet auch nicht da» andere drohend« Gesicht- Bor sich steht dieses neue England das strahlend« Anlitz einer neuen Gesellschaftsordnung, strahlend, wenn auch heute noch oft von Kummer umwölkt. Dieses neue, dieses werdende, dieses sozialistische Engtand weiß, daß alles Dräuen der kapitalistischen Presse— und sei sie auch so ehrwürdig und alt- angesehen wie die.Times"— und alle Bedrückungen ihrer Herrm, der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, den Sieg de» Sozialismus nicht aufhatten kann. Sil. Privatkapital gegen Gemeinwohl. Darf das Rheinisch-Westfalische Elektrizitätswerk seine Gasintereffen ausliefern? Aus eingeweihten Kreisen erhalten wir folgende Zu- ichrift, die w hochbeachtlicher Weise zur rheinisch-west. sälischen Ferngasfroge und zur Politik des RWE. Stellung nimmt. Am heutigen Tage soll im erweiterten Präsidium des Rheinisch- Weftfälischen Elektrizitätswerks unter Leitung Dr. Pöglers die Entscheidung darüber fallen, ob die Ferngasleitung des RWE. an die A.-G. für Kohleverwertung übertragen werden soll oder nicht. Die Bedeutung dieser Entscheidung liegt aus der Hand. Di« rein privat« A.- z u s ch i e b« n. ist jetzt hie Pflicht aller Instanzen un Rheinisch- Westsälischen Elektrizitätswerk. Wenn mch soweit die Ferugassrage wirtschaftlich zu lösen ist, wäre es eine Verletzung her nächst» liegenden Pflichten öffentlicher Beamten und Angestellten, die Gas- interesten es RWE. an die A.-G. für.Kohleverwertung.zu übertragen bevor nicht die Fähigkeit des RWE. selbst geprüft ist, die rheinischwestsälische Ferngasfrage aus eigener Kraft und unter Vermeidung unwirtschaftlicher Umwege zu lösen. Wirischastsanalyse. Ein beachtlicher Halbjahresbericht der Reichskredit A.-G. Di« Reichskredit A.-rd rheinischen Braunkohlen. bergbou herrscht seit dem Eintreten der strengen Kalt« Hochbetrieb in den Brikettfabriken, so daß die Belegschaften in Mitteldeutschland bis auf 81 000 Mann vermehrt werden konnten. Auch die Großeis«nindustrie hat im Dezember reichlich zu tun gehabt, was nicht nur auf die Dorkäufe des Handels wegen der beabsichtigten Stillegungsaktion, sondern gleickerweise auch ans normalen Geschäftsgang zurückzuführen ist. Für bestimmte Gruppen von Walzwerksprodukie-n ist sogar ein erhöhter Auftragsbestand festzustellen. In der Maschinen industri«, di« einen Rückgang der Inlandausträge meldet, hat sich das Auslandgeschäft wesentlich gehoben. Besonders günstig steht die Elektroindustrie da, weil ein« Anzahl Aufträge, die sonst erst im Frühjahr er- folgen, bereits im Dezember vergeben wurden, so daß die Werk« für Elektromaschinen. Apparat« und Kabel über de» Winter hinaus vollbeschäftigt sind. Auch die Wersten können nicht klagen, da durch tn« Auflegung verschiedener Neubauten allein in Kiel etwa 1000 Neueinstellungen erfolgten. In der Textilindustrie ist die Las« ungleich: während von den Baumwollspinnereien über rückgängige Koirjunktur geklagt wird, hat die Wollindustrie noch voll zu tun. Der Bau markt ruht seit dem Eintritt der strengen Witterung vollständig. In der Bauindustrie machen sich außerdem erhebliche Finanzierungsschwierigkeiten bemerkbar, da eine Beschaf- fung von Hypothekengeldern im Dezember kaum möglich war. Zusammenfassend ist zu sagen, daß die allgemeine Situation der Industrie zum Jahresende durchaus günstig beurteili werden kann, und daß die Befürchtungen eines allgemeinen Konjunktur- rückschlages, die mit der Zunahme der Arbeitslosigkeit laut wurden, verfrüht sind._ Kosten der französischen Wirtfchafistrife. Doris, 3. Januar.(Eigenbericht.) Der sozialistische..Populaire" sucht heute festzustellen, wie groß die Verluste der sranzäsischen Voltsw'rffchast aus der Krise infolge der Frankcnaufwcrtling sind. Die Wagengestellung der Eisenbahnen sei im Jahre 1927 um 7 Proz. geringer gewesen als im Lorjahre, niedrigerer sogar als vor dem Kriege, als Elsaß- Lothringen noch deutsch war. Das bedeute einen Ausfall von 25 Millionen Tonnen Wagenladung, die nicht produ- ziert werden konnten. Entwicklung und Rationalisierung der landwirlschoftllchen Genossenschaften. Nach der Statistik des R e i ch s v« r b a n d e s der Deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaften waren am 1. Januar 1928 40 095 landwirtschaftliche Gen ostenschaften vorhanden Mehr als die Hälfte davon, nämlich 20 670 waren Spar- und Darlchnskasten. Im Vergleich zum Borjahre ergibt sich. daß der im Jahre 1926 entstandene Verlust von 132 Genossenschaften durch 89 Zugänge im letzten Jahre im wesentlichen wieder a u fg e h oll wurde. Demnach kann die Rotionalisierunez- Periode im landwirtschasttichen Genossenschaftswesen als abgeschlossen ! gelten; an ihre Stelle ist«ine allgemein«, in ruhigen Bahnen verlaufende stetige Aufwärtsentwicklung festzustellen. Ein besonderes Kennzeichen dieser Entwicklung ist die zunehmende Verbreitung der Molkereigenossenschaften, die allein im letzten Jahre 216 Neugründungen aufwiesen. Diese Auswartsbewe- gung im deutschen Molkereigenossenschaftswesen ist im Interesse der einheimischen Milchproduktton und ihrer QualitätSverbefserung ent- schieden zu begrüßen. Die seit 1926 durchgeführte Reinigunqsaktiou innerhalb der landwirtschaftlichen Genossenschaften erstreckte sich hauptsächlich auf die Spar- und Darlehnskasten, die einen Rückgang oon zirka 95 Genossenschaften aufweisen. altbewäKrt bei Stoffwechselkrankheiten (Gicht, Diabetes, Fettsucht, Blutarmut und Rachitis) Fachingar Varsandstelle, Berlin SW 11. SflMwbwier Str. im. T.lliXM 8200,61. Nr. 5* 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch. 4. Januar 4928 Einigung im chemischen Großhandel. Gestern oormsttag wurde vor dem Schlichter von Groß-Berlin über die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches sür die Arbeiter des chemischen Großhandels oerhandelt. Nach längeren Be- ratungen einigten sich die Parteien dahin, daß die Lohne, wie Im Schiedsspruch vorgesehen, aus wöchentlich 3S M. erhöht werden und das Lohnobkommen bis zum 30. Juni d. I. gilt. Der Schiedsspruch ist also insofern abgeändert worden, daß nicht ab 1. April bis 30. September eine weitere Lohnzulage von 3 M- gewährt wird, sondern daß das Lohnabkommen am 1. Juli abläuft. Dafür wurde aber vereinbart, daß die Packer anstatt 3.3 M. 36 M. W o ch e n l o h n erhalten sollen. Die Löhne der Arbeiterinnen werden nach dem in den einzelnen Betrieben bestehenden Schlüssel prozentual erhöht. Der Mcmteltarisoertrag ist in der gleichen Form abgeschlossen worden, wie er im Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses festgelegt worden war. Damit sind die Lohn- und Arbeitsbedingungen in dieser Branche wieder tariflich geregelt. Differenzen bei„Blauband". Lichtenberg. Heute ist eine Eiuiguag zu erwarten. In der Zentralexpedition Lichtenberg des Margarinekonzerns, der die bekann!« Morgan nemo rk«„Blaubond" vertreibt, sind nach den Weihnachtsfeiertagen Differenzen mit der Geschäftsleitung aus- gebrochen. Infolge des ruhigeren Geschäftsganges noch dem Fest« hott« die Firma mehreren Arbeitern wegen Arbeitsmangel gekündigt. Der Betriebsrat verhandelte wiederholt mit der Firma, um die Kündigungen rückgängig zu machen und schlug im Auftrage der Belegschaft vor, vorübergehend verkürzt arbeiten zu lassen, da erfahrungsgemäß in verhältnismäßig kurzer Zeit eine Belebung des Geschäftes wieder eintreten müsse. Die Firma'lehnte den Borschlag des Betriebsrates glatt ab und hielt di'e Kündigungen aufrecht. Die Belegschaft lah in den Kündigungen ein« Revanche dafür, daß sie vor einigen Wochen durch eine halbtägige Arbeitseinstellung die Entlassung einiger Mitglieder des Stahlhelms erzwang, die sich gegen ihre Mitarbeiter„vaterländisch" benommen hatten. Aus dieser Erwägung heraus, beschloß die Belegschaft fast ein- ttimmig, auf der Zurücknahme der Kündigungen zu beharren und trat wegen der Unnachgiebigteit der Geschäftsleitung am Montag früh in passive Resistenz. Diesen Akt der Solidarität, der nur geübt wurde, um Familienväter vor der Er- werbslösigkeit zu bewahren, beantwortet« die Firma mit der frist- losen Entlassung der gesamten Belegschaft. Di« Firma ging von ihrem Vorhaben nicht mehr ob, obwohl sie vom Betriebsrat darauf aufmerksam gemocht worden war, daß laut Ta�isvertrog bei Streitigkeiten oder Beschwerden e i n Orgxinilationsoertreter zur Dermittlung hinzugezogen werden müsse Auf Beranlassung des Betriebsrats erschien ein Organisationsvertrcter, jedoch lehnte die Firma es ab, im Beisein des Betriebsrates zu verhandeln. Die Firma hat anscheinend mit dem Ausbruch dieses Konfliktes gerechnet upd vermutlich mit Gegnern der freien Gewerkschaften früh- zeitig Fühlung genommen. Schon am Dienstag traten die ftüher entlassenen Stahlhelmer mit einem Trupp Gleichgesinnter in den Betriep. ein, womit die Firma wisderuni gegjen den Tarif vertrag oerstieß, der vorschreibt, daß R e u e i n st e l lu n g e n durch den»aritätischen Arbeitsnachweis erfolgen müssen. Di« Firma versucht nun, mit diesen zusammengesuchten Leuten ihren Betrieb notdürftig aufrechtzuerhalten. Gestern vormittag wurde aus Deranlassung des Berkehrsbundes mit der Firma über die Beilegung des Konflikts verhandelt. Obwohl die Aussprache fast drei Stunden dauerte, konnten sich die Vertreter der Firma zu einer klaren Antwort nicht entscheiden. Sie behielten sich vor. nach einer Sitzung der gesamten Direktion, dem Verkehrs- bund noch im Laufe des Dienstags ihre endgültig« Stellungnahme mitzuteilen. Soweit uns bekannt wurde, sind die rmn der Direktion gemachten Kinigungpvorschiäge von der Verhondlungskommifsion als ungenügend bezeichnet worden, worauf sich die Direktion bereit erklärt hat, heut« vormittag, einen neuen Vorschlag zu unterbreit'n. * Die Christlichen scheinen in diesem Konflikt, den sie im„Deut- schen" als einen.besonders krassen Fall von Terror" bezeichnen, eine Rolle mitzuspielen. Vier Kraftsahrer. die Mitglieder des „ChriMch-nationalen Berussverbande» Deutscher Kraftsahrer" sind, seien auf Betreiben der„kommunistisch-sozialistischen Belegschaft" entlassen xoorden. Auf die Drohung dieses christlich-nationalen Der- bondes hin, habe die Firma.�anderweitig für die Entlassenen gesorgt". Wahrscheinlich, um für die Entlassenen Platz zu schaffen, wurden setzt fünf Arbeiter„wegen Arbeftsmangel" entlassen. Im ersten Falle schlimmster„Terror", im zweiten Fall«„gesetzliche Maß- nahmen", die„Der Deutsche" ganz In der Ordnung findet. Obwohl der„Borwärts" bisher mit keiner Silbe auf diese Differenzen eingegangen war. sucht„Der Deutsche" von vornherein das schlechte Gewissen seiner Schützlinge durch die Bemerkung zu' saloieren, er würde von der Entlassung der Belegschaft keine Notiz genommen haben,„wenn nicht setzt in der gesamten kommunistischen und sozialistischen Presse das Geschrei des Streltbruchs durch die christüchn, Gewerkschaften erhoben würde", deren Mitglieder die Gelegenheit der Entlassung benutzt haben, um in Stärke von 18 Mann in den Betrieb hineinzukommen. Durch die„Terror"- Geschickte kann die Tatsache des Streikbruchs der Christlich- Nationalen nicht bemäntelt werde». SioseulmoH«, für dies« Rubrik flud Verli» SW«8. Liudeostratz« 3. parieinachnchten j��fürGroß-Berlin stet» an Sa,«ejirUletretortat 2. Hof. Z Tee», recht»,«a richte». Die Er"werl>slosi�keit in DeutscKland im JaKre 19 9"? Z In 1000 Personen Vollerwerbslose Kriserv" linierst: vihte 349.» 15. 15. 15. 15. 15. 15. 15. 15. 15. 15. 15. 1. 15. J FMAMJJ AS O UDeiember Textilarbeiterstrelt in Bombay. Bombay, 3. Januar.(WTB.) Di« Arbeiter von vier Baumwollfabriken sind wegen der Einführung von Sparmaßnahmen plötzlich in den Aus st and getreten. 10 000 von ihnen haben die Arbeit niedergelegt. Nach einer Tll.-Meldung aus London hat schon die Polizei sich gegen die Streikenden gewendet, so daß es zu Zusammen- stößen" kam. Können die Unternehmer den Streikenden die Polizei nicht auf den Hals hetzen, dann gibt es keine„Zusammen- stöße". Achtung. SPZ>..Fr«lt>»» de» vied-»ud Schlacht bofrel Am Frei- tag, S. Januar, IS Uhr, im Lokal non Otto, Rigaer Str.«.V zrak. tionsvcrsammlung. Wegen � der Wichtioieil der Tagesordnung ist tms Erscheinen aller Oenossen dringend erforderlich. Der IraUiousoorstaud. Achtung, AS4 Uhr bei Buscb, Tllsstcr Str. 27, Funktionärftßung. Erscheinen sämtlicher Funktionäre ist Pflicht.! SS. Abt. 20 Uhr bei Bartufch. Friedenstr. 88, Funktionärsstzung. Die«forder. lichen Angaben für die Arbciterbank sind mitzubringen. Schöncbcrg. 78.«bt. 20 Uhr bei König, Feurigstraße, wichtige Funktionär- sttzung.— 7g. Abt. 20 Uhr im Lokal Ernnow, Geßlerstr. lZ, wichtige Fünf. tionärsttzung. Da»ine besonders wichtige Tagesordnung vorliegt, Ist es notwendig, daß sämtliche Funktionörinncn und Funktionäre bestimmt erscheinen. l«. Abt. Banmlämlenweg. BÜnktlich lg Uhr außcrorhentlich wichtige Funk. tionärsttzung im Lokal Haß. Baumschulen-, Eck« Frauenlobstraße. Riemand von den Fnnkt'onären darf fehlen. IM. Abt. Lichtenberg. I9H Uhr bei Schwarz«, Gadriel-MaT-Str. 17, Borstands» und FimkuonilriUimg. 188. Abt. Tegel. 20 Uhr im Lokal Ehristensen, Schlieperstr. 8g, ffunktisnär. sttzung. Erscheinen aller Funktionär« ist wegen d« wichtig«? Tase«ordnu»g unbedingt ersorderlich. .?rauenveraaslalwng. W-------—- Jv? W 8. kreis Kreuzberg. Montag. 9. Januar, livh Uhr. bei Rabe,'! � Mchtkstr. 29, FilmaÜcrd: 1. �.Krenzzug des Weibes. Ein packender ssilm e* zur Frage der Bevöl?erun?spolit!?. 2. Ansprache der Genossin 5>Iara n-i Pohm.Echuch, M. d. R. Alle Genpssinnen and Genossen sind herzlichst M � eingeladen. � Kinderfreunde Groh-Verttn: Kerl» Kreuzberg: Morgen, Donncrsiag. 5. Januar, ISli Uhr, Kreisheller- sttzung bei Faustmann. Es ist Pflicht jedes Helierz, daran teilzunehmen.— Gruppe Südwest: Wir beginnen heute wieder mit unseren Gruppenabenden und treffen uns IS'Z. Uhr im Heim. 7. Abt. Achtung! De« Zahlabeub Dam». Schien elstr. I, ist»erlegt I» da« Lolal»an Bärwalde. Schlcgclstr. 8. Sterbetafel der Groß< Derliner Partei- Organisation 39, Abt. Am Neuiahrstage verstarb unsere alte Parteigenossin Kcnriotte Spandau im 71. Lebensiahrc. Die Einäscherung findet atn ssreitag um 15 Uhr in Lanmschulenweg statt. Um rege Beteiligung bittet der Borstand. 44. Abt. Unsere Genossin Minna M e T 6) e r t, Mantenffe�str. 82, ist ver storben. Ehre ihrem Andenken! Einäschern.ng am Freitag, 6. IattUbrj 14 Ubr. im Krematorium Baumfchulenweg. ff�ege Beteiligung erwartet der Borstand. 82. Abt. Steglitz. Am 3t). Dc?cmber Z927 ist unser Genosse Bichard W i l k e. Schsoststr. 41, verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung- aik Bonner». taa. 3. Januar, I51a Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße. Wir erwarten rege Beteiligung. Äer Borstaniu Sozialistische Arveitersugend Groß-Berlin. Die Arbeitagemeiuschaft über..Wirtschaftslehre" tagt hcnbe Temperhoiev Ufer 20. Wanderleiter! Die Bescheinigungen zur Erlangung der Fohrpveisermäßi. gung stnd abzuholen. Die blauen Sorte» oom Jahre lS27 stnd ungültig. Achtung, Sasstererl Heute zwischen 17 und 19 llhr Ausgabe der- Januar- �Jugend voran" und der.Arbeitei-Jugend", Abrechnung b« Beitragsmarken. Bezirlsuorstardssttzuug morgen, Donnerstag, pünktlich 12 llhr im Sckretartot. Jahresmilgliederverfammlungen, heute. Mittwoch. 19 X Uhr: «ebbiug: Heim See-, Ecke Turin« Straße.— Humauuplatz: Heim Ebers- walder Sir. 10.— Friedrich«Hain: Heim Dicitclmeyerstr. 6—6— Reick«« derger Bi-rtel: Heim Reichenberger Str. 66.— Spar.dav: Helm Lindenuier 1.— Tempelhos: Heim Eermaniastr. 4 6.— Wannsce: Schule Ehorlottennraßc.— ealkerberg: He'm Am Jark.-nbcra 147.- Frirdrichshaqen: D olhäu», Friedrich. siraßc 87.— Fricdrjchsscldr: Ht:m Berliner. Ecke Schioßstraße:— Kaulsdors: Schule Adolsstr. 25.- Lichtenberg.Mitt«: Heim Scharnmcberstr. 22.— Neu. Lichtcrberg: Heim Pestatozzi-Lnzeum, Prlnz-AIhert.Straßc.— Licktcvbeeg.Rorb: Heim Dosseftr. 22.— Lichteaberg-West: Heim Scharnweberstr. 2». knietief* tyctwiifie 0� Wer Kinder glücklich machen will, rauche Massary- Zigaretten. Weil in den Massary- Kartons bunte Fahnenbilder liegen. Es macht Spaß, und es ist eine dankbare Aufgabe für die Kleinen, allmählich die Fahnen aller Kulturstaaten der Welt zu sammeln, jedes Zigarettengeschäft besorgt Ihnen für 1 Mark das geschmackvolle Sammelalbum zu den Massary» Fahnenbildem. Wir und Ihre Kinder bitten Sie, Massary» Zigaretten zu rauchen, von denen Sie sich einen ganz besonderen Genuß versprechen dürfen. Sie werden zugeben müssen: es gibt Unterschiede! & e.s h a. I b: Zlrieilan dTe selbst! BoticF�uet»ftrfel; eTimwStnb gemrfnfaltt atti be*.»eiert gtoflen" tat Heiin Tilsilcr Str. 4(Taal). Töunerstag nicht im HeiiW. �. ika»« 0 ft-rtr. Jede Abteilung muß vertreten sein. Rescnthvler Vorstadt: Der Heimabend muß umständehalber ausfallen. 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Di, Belr'edsräle- Zeitschrift Rr. 38 ist erschienen und tan» gegen Vorzeigung der S giltmafionskarfr de, Vetriedsroi� odmannes m unlerem Bureau. Zimmer 5 oder nach 4 Uhr im Zimmer 4 entgegen- genommen«erden. via OrtowRwaltaaa. Bekanntmachung. Die neu aufgestellte Satzung ist unter dem Satzung werden df, Srundtohnitufen wleder eingeführt und der V-itragsiatz von 7 auf 8 u H. heradgefegl Des wetteren lind die Beträge flle kleinere Heilmittel und die Zitichuii« litr größere vestmutet undHUIsmttiel neu festgesetzt woiden Die weiteren Aenderangen beruhen auf aetetz- sicher Gruudtage Auf dt» allen Arbeit- g-dern zugegangenen Ruudschrecden mm lAazug genommen. Dtuckeremptare der Satzung find in «luigou Tagen« Sassenwlal trr Smpfanz Berit«, den t. Januar 1938. tat Borst aab der vrfskrarckeatasse der«urrierzaBerltv Emst Nicola». Osst« ftuntf cht». stelln Borsttzender. 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