Abendausgabe Nr. 8_, 45. Jahrgang B 4 kSöchelttlich 70 Pfemttg. monatlich 5.— Rejchsmart. tm voraus zahlbar. Um« Streifband tm In- und Aus« Und 5,50 Reichsmart pro Monat. * D«..Sßrjpdrts* tnü ö« Mystrier» lett SonnUzgsbeiZage.Volt mti) Z»it� den Beilaoen.llnlerhalUmg und Wifien�»Aus der AUmweli-. .Stadtt�eUage�.Frauenstimme* �O« Aindersreund*..Sugend-Dor. tväNs*.Dli'� in die Düchenvelt". .Kulturarbeit" und.Technit* erscheint wocheuiäglich zweimal. Emmtag» und Montags einmal. p> w- Berliner Voltsblatt Oonnersiag 5. Zanuar 1928 10 Pfennig Oft c t■ 1 p e( 1 1 g• NonpareiLezell» 80 Pfennig ReNamezeile 5.— Reichs- oiarf.Kleine Anzeigen" Oos fettgedruckt» SBort 25 Pfennig(zulässig zw« fettgedruckte Worte), fedes weiter» Wort 12 Pfennig Stellengesuch» das ers:r Wort 13 Pfennig, fedes wettere Wort Iv Pfennlg Wort» über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte ArbeUsmartr Zeile 60 Pfennig Fanülien anzeigen für Monnenten Zeile 40 Pfenn'g. Anzetgeit« annahm» in» Hauptgeschäft Linden» Üraße S. wochentägi. vou L'/z bis 17 Uhr. Jentvalorgan der Sozialdemokvattfchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhcfs 293— 29? Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Ponlcheckkonto: Berlin 87SLL— Bankkonlo: Bank der Ardener� Sngestelllen und Beamten Wallstr. W Tiskonto-Gesellschoii Depolitenkasie Lindenstr S Acht Tote bei der Einsturzkatastrophe. Wahrscheinlich eine Ammoniakexplofion im Hause Landsberger Allee 116 15 Verletzte, die in die Tiefe stürzten.— Noch acht unter den Trümmern? Ein Exptosions- und Einsturzunglück, das leider zn den schlimmsten Katastrophen dieser Art gehört. die Berlin je zu verzeichnen hatte, ereignete stch in der ersten Morgenstunde im Hause Landsberger Allee ltli. Kurz nach 12 Ühr stürzte infolge einer Gasexplosion im Keller des Grundstücks ein großer Tcil'dcs rechten Flügels vom Erdgeschoß bis zum Tachstuhl in sich zu- s a m m c u. Durch den gewaltigen Lustdruck wurden einige Wohnungen in der ersten Etage und die Gc- schästsräume eines Restaurants und einer Tarm- Handlung völlig zertrümmert. Zwei ttuerge- bä u d c. die Kühlräumc einer Fleischworenfabrik. wurden zum größten Teil dem Erdboden gleichgc- wacht. Das furchtbare Unglück hat mehrere Todes- op/er gefordert. Bis in die Mittagsstunde wurden von dc» Feuerwehrleuten unter Lebensgefahr im ganzen acht Tote, darunter drei Frauen, ge- borgen. Um 8 Uhr morgens gelang eine wunder bare Rettung. Aus den Trümmern wurde e i n a ch t- jähriges Kind, wahrscheinlich die Tochter des verunglückten Gastwirtes, lebend geborgen. Ein starker Balken, der stch quer über den Körper dcS Kindes gelegt hatte, hielt die Stein- nnd Schutt- maffen zurück. Gegen �12 Uhr mittags wurde durch die Polizei festgestellt, daß insgesamt noch acht Pcrso- nen sich nicht gemeldet haben und auch nicht aufgesuudcn worden sind. Es ist leider zu bc- fürchte«� daß diese bedauernswerten Opfer unter dem hohen Schutthügcl liegen, den der eingestürzte Flügel des Hauses bildet. 8 Tote festgestellt. 1. Gastwirt Wilhelm Scheithauer. 2. Frau Berta Schcithauer. ». Frau Luise P i c t s ch. 4. Frau Margarete Posch. 5. Näherin Emilie Pactsch. 6. Ein Mann 7. Eine Frau unbekannt. 8. Eine Frau| Landsberger Allee 116. 3n mnnittelba/er Nähe des Bahnhoisee Landsberger Allee. Ein großes, allein stehendes, vierstöckiges Wohnhaus, mit zwei Aufgängen von der Slrnße und elner Straßenfront von etwa 12l1 Metern. Zu den Hintergebäuden zählt der Seitenflügel und zwei einstöckige Quergebäude, die einer Fielschwarenfirma als Kühlhollen nnd INaschinenranm dienen. An das Hinterhaus schließen sich in kurzer Entfernung die umfang- reichen, ausgedehnten Hallen des Schlachthofes an. Ä'urz noch Uhr, nur wenig Leben war auf der Straße, der um diefc Zeit sehr ruhigen Gegend. Die Siille wurde plötzlich von einer gewalligen Detonation zerrissen. Ein Slein- und Glashagel ging polternd über die ötraße nieder. Gewaltige Staubwolken bezeichneten den Ort, wo dos Unglück pässtert war. Einige Sekunden später schlugen aus dem Erdgeschoß sieben bis acht Meter hohe Flammen hervor. Das ganz« Haus schien der Vernichtung preis- gegeben. Ms sich dos lähmende Entsetzen gelegt hatte, bot sich ein Anblick der Verwüstung. Der gesamte rechte haursliqel in einer ränge von elwa 12 ZNclern war in sich zusammengestürzt und bedeckte mit einem riesigen Schutthaufen eine danebenliegende Baustelle. die in früheren Jahren bis zu einer Ties: von 6 bis 8 Metern ausgeschachtet worden war. In das Krachen der hcrabstüi-enden Mauerteile und Wohnungseinrichtungen tönten die lauten Angst- ruse der zahlreichen Mieter, die durch die Explosion jäh aus dem Schlaf gerüttelt worden waren und verluchieii, das Frei« zu gc- Winnen. Erschütternde Szenen spielten sich ab. Die Wirkung der Gasexplosion war furchtbar. Starke Balken und Wände waren tu Atome zersptlltert und unter dem etwa 18 Meter hohen Trümmerhaufen lagen Menschen begraben. Menschen, die sich kurz bevor nach des Tages Mühe und Last ahnungslos dem Schlafe hingegeben püttn. Die Erinnerung an die entsetzliche Gasexplosion in der Kirchstr. 9 vom Januar vorigen Jahres mit ihren zahlreichen Toten und Schwerverletzten stieg auf. Beide Hausausgäuge nach der Straße sind durch Stsinblöcke und Baike» versperrt. Die lieber- lebenden leisten sich gegenseitig Hilfe, so gut es geht. Inmitten dieser Masienslucht aus dem gesahrbringendcn Hau? schlägt eine gewalttgeSlichslammc aus dem Keller hervor. Die Gass, die dem zertrümmerten Hauptgasrahr entströmen, Hutten sich entzündet und bringen da? Haus in Fcuersgcfohr. Die Feuerwehr trifft nach kurzer Zeit mit über zwanzig Fahrzeugen. Rettungswagen und Spezialwagen an der Unglücksstätte ein. Das Rettungsaml halte unter Leitung des Direktors Dr. Frank olle zur Verfügung stehen- den Wagen entsandt. Die Rettungstrupps der Feuerwehr dringen unter größter Gefahr In dos zum Teil brennende Wohnhaus ein. Die Verlehlen werden geborgen und mit Tragbohren zu den Bettvngswagcn gebracht. Erschütternde Szenen spielen sich ab. Mütter rufen nach ihren Kindern, Kinder suchen die Eltern: eine Frau suchte ihre Schwägerin: ein Bild des Jammers. Kurz nach '�3 Uhr werden die ersten beiden Toten, die 67sährige Frau Luise P> e t s ch und die 18 Jahre alte Frau Emilie Paetsch, geborgen. Aus einem Trünunerbousen noch der Straßenfront tönt leises Hundegekläff. Der Führer des Rettung?- trupps der Feuerwehr wird aufmerksam, und dann merkt er, datz noch Leben an dieser Stelle ist. Schwache Hilferose eines Mannes werden hörbar. Fieberhaft wird daran gearbeitet, die Steinblöck« und die Holzkohlen wegzuräumen. Zwei menschliche Hände werden sichtbar. Jetzt gelingt den Feuerwehrleuten eine Beiständigung mit dem Eingeschlossenen. Es ist derKausmannPosch, derein kleines Hündchen im Arm hält. Im Schlaf ist er. wie die anderen von der Katastrophe überrascht worden und mit seiner 31jährigen Frau Margarete aus dem ersten Stockwerk in die Tiefe gestürzt. Äine Deine sind oben eingeklemmt. Wie durch ein Wunder Ist p. ziemlich unverleht geblieben und kann nach verhält- niemäßig kurzer Zeit au? seiner entsetzlichen Lage, die von Minute zu Mmute bedrohlicher wurde, befreit werden. Seine etwa nur einen Meter von ihm entfernt liegende Frau ist von den Trümmer- mästen erdrückt worden. Erst nach vier Stunden können die un- ermüdlich arbeitenden Feuerwehrleute den Körp:r durch Heraus- sägen und Herausschlagen mit Aextcn ins Freie ziehen. Die 67jShrlge Frau Pietsch, die im ersten Stock über dem Explosionsherd wohnt, ist ebenfalls im Schlafe ül d«e Ticse gerissen worden. Die Frau muß sofort tot gewesen sein, denn beide Arme waren der Unglücklichen bis zum Oberarm weggerissen. Mit großer Mühe hält die Polizei, die mit einem starken Kommando zur Stelle ist. Verzweifelte, die nach ihren Angehörigen suchen, vor unüberlegten Schritten zurück. Niemand darf das Haus mehr betroten. Unentwegt arbeiten die Feuerwehrleute, rauchgeichwärzt, mit Kalt und Staub von oben bis unten bedeckt, an ihrem traurigen Rcttungswerk. Zahlreiche Fackeln und ein großer Scheinwcrser beleuchten den Ort des Grauens. Rettungswagen kommen, Rettungswagen gehen: drei Toke und 11 Verletzte sind bis Z Ahr morgen» abtransportiert. Die eingestürzte Hausseite bietet einen trostlosen Anblick. An den kahlen Wänden hängen noch einige Bilder, Möbelstücke hatten sich auf schmalen übrig gebliebenen Bohlen und drohen jeden Augenblick in die Tiefe zu stürzen. Da ertäiu aus dem drittctt Stockwerk abermals Hundegckläss. Ein Terrier rennt aus einem ichmalen Mauerrest ängstlich hin und her. Die Feuerwehr richtet eine mechanische Leiter auf, um das Tier zu retten. Doch bevor es dazu kommt, gelingt es aber den Feuerwehrleuten. die nach oben vorgedrungen waren, den Hund zu retten, der freudig über seine Befreiung die Treppe hinuntertollt. Dann beginnt der schwierigste Teil der Arbeit. Vorhängende Mauerteiie, die die Feuerwehrleute bei den Ausräumungsarbcitc» gefährden, müssen zum Absturz gebracht werde». Im Verlaufe der Rettungsarbelten erscheint der Polizeipräsident Genosse Zörgiebel, Polizeivizeprösident Dr. Weiß, Kommandeur der .Schutzpolizei Oberst Hcimannsberg, Vertreter der städtische» Be- Hörden, der Gas- und Wasserwerke. Es gelingt an Hand eines Hausplanes den sogenannten Wasserlaps auszuiinde», wodurch es möglich wird die Gaszusuhr zum Haus zu unterbrechen, so daß die Flammen bald erlöschen. Die Wohnungen der ganzen rechten hous- selte, soweit sie nicht direkt von dem Einsturz in Mitlcidenschasl gezogen sind, sind zum größten Teil verwüstet. Säinilichc Fenster- scheiden durch den Lustdruck zertrümmert, Spiel- und Glassachen und andere leichte Gegenstände sind von Tischen und Spinden auf die Erde hinabgrschleudert. Die Wände zeigen starke Risse und es- besteht kaum die Hossnung, daß diese sofort geräumten Wohnungen wieder freigegeben werden. Auch der Hos macht einen»rostlolen Eindruck. Das eine Quer- gcbäude ist mit der oberen Halste zum Einsturz gebracht und liegt zuni Teil auf dem Gelände der neuen Städtischen Schlachthollcn. Starkstromkabel hängen frei in der Lust umher. Polizciossiziere mit mehreren Beamten suchen, soweit es im Bereich der Möglichkeit liegt, festzustellen, wer von den Geretteten noch vermißt wird. Alle Wohnungen werden nochmals durchgesehen. Bis iVi Uhr morgens sind es immer noch drei Tote. Gerüchte schwirren in der Luft, doß unter den riesigen Trümmerhaufen noch zahlreiche Tote liegen sollen. Auch im Keller, unter den Trümmern des eingestürzten Lokal», werden Verunglückte vermutet. Der Gastwirt mit seiner Fron und seinem achtjährigen Kinde werden vermißt. Niemand kann sagen, ob sich zurzeit der Erplosion in der Wirtschaft noch Gäste befanden. Eine Frau sucht ihre Schwester: sie ist nirgends zu finden, wahrscheinlich liegt auch sie unter den Steinen begraben. Alle Mieter des Hauses, soweit sie nicht verletzt waren, wurden auf poli- zeiliche Anordnung in den Räumen des ncuen Schlachthofes unter- gebracht. Das Haus darf von niemand betreten werden. Die Ursachen des Unglücks: Di« Ursach« der Explosion mtt ihren erschreckenden Folgen konnte bisher noch nicht einwandfrei geklärt werden. Soviel steht aber schon jetzt fest— und dos wird von sachmännischer Seite unterstrichen— daß die Ausmaße der Katastrophe nur die Möglichkeit einer Gasexplosion zulassen. So wurden am Dienstag im Keller des Hauses Landsberger Allee 115/116 Gasröhren erneuert, und es besteht der Verdacht, daß bei der Arbeit vielleicht nicht mit der notwendigen Sorgfalt verfahren worden ist. Heute vormittag wurde die Unglücksstelle von Sachverständigen der Städtischen Gaswerke eingehend bestchtigt. Gemeinsam mit den Baurätcn der Feuerwehr wurden die Gasleitungen unter- sucht. Nach ihrer Ansicht kann es sich bei der Katastrophe um keine Gasexplosion handeln. In dem eingestürzten Hause hatte eine Fleischwarensa brik Ammoniak- und Kühl- anlogen. Der Exploflonsherd muß nach dem Daiürhatten der Sachverständigen im Keller liegen. Die Kellermauern find durch den starken Druck bei der Explosion weggedrückt worden. Dadurch fehlte dem Haus die Tragem-ruer, so daß die Wände z u- sammen stürzten. Di« sachverständig«» der Städtischen Gaswerke stellten fest, daß in dem chaufe �wet Gosrr>l?re lagen, ein neues und ein altes. Das alle Gasrohr zersprang, als nach der Explosion die Wände ein- st it r z t e n. Erst jetzt entströmte dein Gasrohr, dos durch die Ex- plasion beschädigt war. Gas, das sich entzündete. Die gestern abend noch zur Brandstelle beorderten Beamten der Gaswerke fanden den Absperrtopi und konnten das beschädigte Gasrohr verschließen. Das zweite, neue Gasrohr ist auch nach der Katastrophe linbefchädigi gewesen. Nach dem Gutachten der Sach- verständigen könne es'sich nur um eine Explosion von Am- in c n i a t d ä m p f c n handeln. 5 Ifljr früh, Als weitere Explosionen nicht mehr zu befürchte« sind, können endlich die Ausräumungsarbeitcn an dem Trümmerhaufen vorgenommen werden, die sich sehr schwierig gestalten. Rur langsam können die Beamten sich den Weg bahnen. Die Straße vor dem tlnglüSshous ist i« einer Länge von mehreren hundert Metern mit Glas- und?or;ellanschcrben, Eisenstongen, Lampenkeilen und ähnlichen Dingen übersät. Zu beiden Seilen des abgesperrten Straßen- züges staut sich«ine dichte Menschentette, die bis in die Morgen- stunden unentwegt ausharrt. Im Laufe der Morgenstunden konnten die Leichen von drei weiteren Bewohnern des Unglückshaujes zutage gefördert werden. Es waren dies der Gastwirt, der 47szhrige Wilhelm Scheithau er, und dessen SZjöhrigs Fron Berta. Die Bevunglückten hatten furchtbar« Berlcßuiigen erlisten. Kurz zuvor wurde dicht b«i den Etlern die acht Jahre att« Tochter, die wie durch ein Wunder noch am Leben war, hervorgezogen und ins Krankenhaus gebracht. Schließlich stießen die Lergungsmann- schaftcn gegen 9 Uhr auf eine stark verstümmelte weibliche Leiche, st» der man die siorkierira» des Hauses oermutet. Ein Augenzeuge, der in» dritten Stockwerk des linken Vorderhansiliigeks wohnt, erzähl!.: Ich war gerade mit dein Auskleiden bcsclzäjligt und wollte in das Schlaszimiiiec gehen, als ein furchtbarer Krach ertönte und das ganze Haus ins Wanken geriet. Die Erschütterung war so stark, daß das Wäschespind umfiel und die Fensterscheiben laut klirrend in die Tics? stürzten. Im ersten Augenblick ivaren ich und meine Angehörigen von Entsetzen gelähmt. Was konnte geschehen sein? Wir eilten an das Fenster und sahen im Erdgeschoß einen Feuerschein und aus der nndcrai Seite eine riesige Staubwolke auswirbcln. Wir erkannten die Gefahr und liefen, nur notdürftig bekleidet, die Treppe hinunter. Andere Mieter traten gleichfalls mit angsterfüllten Gesichtern aus ihren Wohnungen und[chlofstw sich uns an. Durch das beinahe voll- kommen versperrte hanstor gelang es uns, die Straße zu erreichen. Kprzc Zeit daraus— olles war nur das Werk vvn Sekunden— rasselte die Feuerwehr heran. Im Laufe des Vormittags wurden die Zluiräumungsarbeiten in verstärktem Maße fortgesetzt. 4«) Feuerwehrleute waren ununterbrochen mit dein Abtragen der Schutt- und Steinmassen beschäftigt. Da d'c Aufräunningsarbelten sehr schwierig vor sich gehen, wurden vom Polizeipräsidenten drei hu n d c r l s ch a s t e n Schupo eingesetzt, die in Arbeitsanzügen mit Pickel und hacken eingriffen. Noch immer müssen die Bergungs- inannschaften mit aller Borsich, zu Werke gehen, da sich einige Wände, die starke Nisse aiiiweifeil, geneigt haben und für die unten Abb eilenden eine stete Gesahr bilden. Es wixd befürchtet, daß unter den Trümmermasien noch mehr Tote liegen. Ununterbrochen treffen an der Ilnglücksstelle auswärtige Angehörige von Mietern d�e s T r a u e r h a u s e s ein, um nach Acrwandtcn zu forschen. SS.»ragte jemand nach seinem Bruder, der mit seiner vier- tapsigen Famil'e im drilten ctockwerk wohnte. Nirgends,»ncder im Schauhans nach im Krankenhaus, könnt« cr über den Bermißten etwas in Erfahrung bringen. Cr hegt die Bcsürchtung. daß alle ein Dpser der ungeheuerlichen Katastrophe geworden sind. Est» anderer Mann, der aus Wilmersdorf herbeigeeilt ist, vernrßt seine verheiratete Tochter und seinen Schwiegersohn. Es ist die Möglich- keil nicht ausgeschlossen, daß sie in der ersten Ausregung davon- gelaufen sind, es bcstcbl ober auch die Aussicht, daß sie den Tot oe- funoen hoben. Die Polizei sieht vor einer schwierigen Ausgabe, und an Hand von M e l d c l i st e n des zuständigen Polizeireviers will man versuchen, die notwendigen Feststellungen zu machen. Musik-Vundschau. Bon Klaus priugsheim. Das Bürgerliche, so war neulich hier zu lesen, kann und soll km Bareich der Musik nicht in unvereinbarem Gegensatz zum Prole- tarischen, zur Welt des Arbeiters, stehen. Gstviß nicht: und um- gekehrt, das Schlagwort proletarische Musik soll nickst läinpscrisch gegen die überkommenen Werte der bürgerlichen Musik aus- «spielt werden. Aber heute ist von einer Tat.zu berichten, mit der die Zentrale des Berliner Arbeiiermusiklel>ens, die Volksbühne, das musikalische Bürgertum beschämt, daß sein Hochmut, der Dünkel der Miisikgebisdeten, allein Musik-,.Derstehenden", in all seiner Un- �ritgcinäßheit bloßgestellt ivird: von einem Ereignis, das, an der Schwelle des neuen Jahres, als Signal der proletarischen Musik- revolution in ine Zukunft leuchtet: von der?l u f f si h r u n g der Neunten in der Syloesternacht. Es ist, unter Ostar Fried, die Ausführung, die schon den höchsten Maßstab des Bertiner Konzonlebens bestanden hat: mit dem Philharmonischen Orchester: mit dem Bnino Kittelschen Chor: mit dem Suloguartett, das von Hermann S ch e y gestützt, von Emmi Land unfehlbar sicher geführt wird. Dieselbe Auffühning: an innerer Geschlossenheit, an Intensität des Ausdrucks noch ge- wachsen: doch unendlich gesteigert an Wirkungsmacht, dank dem Drt imd der Stunde. Siloester-Mittencacht, nichts von Punsch »nd Pfannkuchen, nichts von Konfetti und Papierschlangen: draußen in der Millionenstadt Hallo und Gejohle— hier; Schillers Od««An die Freude": Beethovens Bekenntnis zur Idee der Menschheits- Verbrüderung, zur Idee der Lölkeroersöhnung. Nie ist der Ge- danke, der heute die Köpfe der Besten bewegt, überiväliigciider in gefühlte Wirklichkeit, in Erlebnis umgesetzt worden als in dicscin Freudenhumnu?, der Beethovens sinfonische» Lebenswerk krönt. Rio ist seine Neunte sinnvoller erklungen, nie so tief und lebendig tn ihrer Beziehung.zur empfangenden Umwelt, wie zu dieser Stunde, in der dos.alte" und das„neue" Jahr, DcrgonqcMiri» vrid Zukunft bedeutungsvoll zusammentretseil, in der erhöhtes Gegemvortsgefühl die Menschen zu gemeinsamer Feier rust. Eine »politische" Jahresscierk Ein Fest der Freud«, Fest der Musik. Draußen:»Prost Neujahr!".hier:„Freude, schöner Götterfunken". Das Haus vermag die Taufende nicht yi fassen.. die sich zu dieser «injigartigen Feier drängen. Die d-rüei waren, dürfen sich sagen, daß nirgends in der West das Jahr schöner, erhebender, verheißen- der beginnen tonnte. Man sollte solch eine Silvesterveranstaltung.«ine Beet- Hoven» Sinfonie zu solcher tSunde— man sollte das ein- mal dem bürgerliche» Publikum, dem musikliebenden, musik- erzogenen Publikum her Philhormoine zumuten. Ein leerer Saal,«in Gelächter wäre die Antwort. Mit großer, hoher Wujit sind dt oje Menschen versorgt, die habe» sie Noch mehr Toie gefunden. Bei den weiteren Anfräunrungsarbeiteu auf dem Grundstuck Landsberger Allee 11V wurde» gegen 1 Uhr mittags nochweitereerwachfenePer- fonenalsLeichengeborge». Außerdem fand mau unter den TrTtn�rern einen abgerissenen Arm, z» dem noch der Körper fehlt. Zahlreiche Mieter des Unglückshoufes, die nach der Katastrophe oer- wirrt auf der Straße umherliefen, haben sich bisher wedcr im Haufe noch bei der Polizei gemeldet.. Das Haus enthielt 20 Mietsparteien mit etwa 9 9 Köpfen. Drei Feuerwehrleute schwer verletzt. Bei den Aufräumungsarbeiten ereignete sich noch ein schwerer Unfall. Die Feuerwehrleute Wockeck, W e r g i e l s und K re t h k e wurden von herabstürzenden Mauerteilen am Kopf erheblich verletzt und mußten von Samaritern behandelt werden. Zwei von ihnen mußten sich in ärztliche Behandlung begeben. Die Llhr zeigte 0.25 llhr. Oitmiitea des Chaos in dem durch die Explosion wie weg- geblasenen Restaurationsbctriebes hängt an der Wand eine zer- trümmerte elektrische Uhr, die aus 0.2S Uhr zeigt. Der Luftdruck hat auch ihr das Lebenslicht ausgeblasen. Aufruf? Das Explosionsunglück Landsberger Allee Ilk hat viele Fa- Milien um Hab und Gul gebracht. Die amtliche Hilfe hat für die Bedürftigen eingesetzt. Darüber hinaus zu helfen ist dringend er- wünscht. Deshalb. Mitbürger, helft euren in Not geratenen Mit- bürgern und sendet Geldspenden an das Sonder» konto 8000 der Bezirtsarbeitsgemeinschaft Prenzlauer Berg. Sparkasse Ib. Danziger Str. 64, Past- icheckkonio 26 104 für Sonderkonto 8000. Sachspenden bitten wir zu melden dein Bezirksamt Prenzlauer Berg, Berlin NO. ZZ, Danziger Str. 64: Fernruf: Alexander Z070. Berlin, den 5. Januar 1928. Bezirksarbeitsgemeinfckstift. Weber, stellvertretender Bürgerincister. Bezirksamt Prenzlauer Berg. Das N a ch r i ch t e n a m t der Stadt Berlin teilt mit: Zwischen Bürgermeister Scholtz und dem stellvertretenden Bürgermeister vom Prenzlauer Berg Stadtrat Weber, Obcrbranddircktor Genipp und der Polizeiverwastung fand nach Besichtigung der Unsallslellc eine Besprechung vor dem Unjallhauje selbst sowie Im Rathause stall über die Maßnah nien, die für die Opfer zu ergreifen sind. Die Wohnungslose» werden durch das Bezirksamt Prenzlauer Berg oder die Nachbarbezirksämtcr untergebracht werden und mit dem nötigen Hausrat, Betten, Geräten, Kleidung und Wöiche ausqesertigt. Das Wohnungsamt Prenzlauer Berg, Danziger Straße 64, Zimmer 9, wird in den nächsten Tagen bis 12 Uhr nachts villltiterbrochen geöffnet sein. Zlllc B e r u n- gl ü ck t e n und von der Rot Betroffenen sollen sich nach Bereinba- rung mit der Polizei zunächst dem zuständigen Polizeirevier melden und werden von dort, aus dem Bezirksoiru zugewiesen werden, welches für alles weitere, insbesondere Wohnung, nötigen Hausrat. Kleidung und Wäsche sorgen wird. Die Kosten stir die im Krankenhaus Untergebrachten werden voraussichtlich von der Stadt getragen werden. Eine unerhörte Verdächtigung. Eine nicht zu überbietende Gemeinheit leistet sich ein fest kurzem erscheinendes nationalistisches Mittagsblatt, dos unter der Che». redaktion des sattsam bekannten Sensostonsmachers Dr. Paul Oeftreich Früher„Berliner Börfen-Zeitung") steht. Dos saubere Blast kolportiert die Behauptung, daß«s sich bei der Explosion um einen„Sabotageakt" handle, der mit der augenblicklichen Streitbewegung der Schlächter in Verbindung stehe. Beweis« für diele ungeheuerliche Anschuldigung werden natürlich nicht erbracht. Wir hängen diese nationalistische Schurkerei gegen kämpfende Arbeiter hiermit niedriger. das ganze Jahr. Ausgerechnet am 3t. Dezember nachts um zwölf die Neunte? Auch das festliche Ereignis, dos wenigstens die Auf- iührung dieses besonderen Werts iodeemol werden sollt«, ist im bürgerlichen Musikleben längst kein» mehr, ist abgeiuitzt, verbraucht im täglichen Betrieb. Musik hat ihre Funktion, ihren bestimmten Platz in der bürgerlichen Lebenshaltung, aber was für et» Platz ist es? Sie kennen ihren Beethoven, sie hären ihn immer und immer wieder, zum zwanzigsten, fünfzigsten, hundertsten Male, aber er dringt nicht ins Leben. Konzerte, Sinfonien, Philharmonie. das ist eine Sache für sich: Berus, Geschäft, Wirklichkeit, das ist eine andere. Ihr Leben hat mit Beethoven, ihre Freude mit Beethovens Freudenhymne nichts gemein. Ihr Feiern tenm nickst den hohen, menschlich-heillgen, wahrhaft feierlichen Begriff der Freude, die, wie Schiller, Beethoven meint. Der Rest ist Jazz. Jazz oder„der Rhythmus unserer Zeit": damit macht man alles gut. Man spricht von Zeitgeist und meint Tagesmode.„Wir" haben das amerikanische Tempo, es ist dos Tempo der„Zeit", und jener Negertanzrhythmus, der das belebende Element der Jazz- musik bildet, ist ihr Rhythmus. So weiß es heute, wer auf der Höhe Ist. Aber die Zeit. Gott fei Dank, verkündet sich nicht durch die Feder von„Intellektuellen", deren Produklionsmittel die Spür- nafe Ist, um deren Länge sie minder konjunkttirtüchtigen Zeitgenosten allemal voraus sind. Alltag, Straße. Vergnügungsrummel. all dies ist nicht das Gesicht der Zeit: dem hat es sich nicht entschleiert, der's in der Westenlasche trägt. Wir sind weder'Asrikaner noch Amen- kaner geworden. Jazz als„Rhythmus unserer Zeit": es ist kaum der Mühe wert, dagegen zu polemisiere». Denn was ist Jazz? Der bürgerliche Amüsierrhythmus des Tages. Trotzdem, wir wollen die Sache, die immerhin eine Tatsache des heutigen Lebens ist, nicht verachten. Rur: wie viele, die Jazz als Symbol des„Amcrikanismus" verherrlichen, und das Scxo- Phon als Instrument, durch das er sich verlautdart— wie viele wissen, daß der Mann, nach den» es benannt ist, Herr Aüolpbc Sax, ein berühmter Pariser Jnstrumentrnmacher gewesen ist, aaß nach den Klängen des Saxophon Generationeil sranzösischer und belgischer Rekruten gädrillt wurden und werden? Wie viele, die hier noch immer urosrikanisch« Bolkskraft, Urkraft der Musik- erneuerung wittern, wie viele wissen, daß Jazz, wie er heute bräuchlich ist, länzst ein internationolee Jndustrieprvdutt geworden. ein Produkt, dessen Bestandteste entweder europäischen Ursprungs sind oder wsniastens, nach bekanntem Re-ept, tn Europa hergestellt werden können? Jazz ist>a nicht Musik besonderer Art. sondern eine besondere Art. zu must'ieren. entsteht, indem ein Stück Musik— ein Stück sckon oorh'ndene Musik— verjrzzt wird Man lernt das auf dem Hochschen Konservatorium in Frankfurt. Di« Berliner machen es ohne Akademie: aber wie si« es machen— Weintraub» Syncopators zum Beispiel, die im Augen- blick hier die beste Jazziruppe find, mit Talent, Laune und sauberem Können, ist das eine durchaus berlinische Sache geworden.»Ber- Die Oeuischnaiionalen gesteheu. Die Auflösung der Gutsbezirke ein Segeo. Der deutfchnationale ,K r e i s a n z c i g e r", der in Gardelegen erscheint, schreibt über die Auflasung der 32 zum Teil großen Gutsbezirke im Kreise N«uhalde»s- leben u. a.: „Die Einbeziehung all dieser Flächen und Einrvohnec tit da' benachbarten Landgemeinden wird das komunale Leben in diesen. Gemeinden vielfach grundlegend ändern: nicht nur, daß die politische Zusammensetzung einzelner Gemeindevertretungen durch diese Aendc- rungen möglicherweise vollkommen verwandelt wird, vor allem wird auch die steuerlich« L« i st u n g s s ä h i g k e i t mancher Ge- meindcn im Kreise durch deren bevorstehende Vergrößerung au» das stärkste beeinflußt, und zwar, wie man trotz der mit.zu über- nehmenden Lasten durchweg sagen kann, gehoben." Also: durch die Auflösung der Guisbezirke und ihre Ein- gemeindung mit nachbarlichen Gemeinden wird die Leistungs-- fähigkeit der Gemeinde» gehoben! Die Partei� aber, in deren Dienst der Kreisanzeiger steht, die deutschnationale, hat im Landtag gegen die Auflosuna der Gutsbezirke getobt. Die Hebung der Leistungsfähigkeit der Gemeinden bedeutet de» Dcutfchnalionnalen gar nichts, die Aufrechterhaltung der Herrschast der Großagrarier alles. Es ist hier wie ubsrall bei den Deutfchnationalen: sie legen sich das Prädikat nationol und staatserhaltend zu, um zu verbergen, daß ihnen der Staect gleichgültig ist, wenn es sich um ihr K l a f f e n i n t e r e s f e handelt_ Paris über Washmgion enttäuscht. Oer abgelehnte Sonderpakt.— Kritik an Kelloggs Volke A baadsersah. Paris, S. Januar. Di« Morgenpresse spiegelt die Enttäuschung wieber, die i» Frankreich die Antwort der Vereinigten Staaten aus Lriands Borjchlag für einen etwaigen Friedenspakt auslöst«. Besriedigt über die"Antwort Kelloggs ist nur der„Matin": Di« Regierung der Vereinigten Staaten habe, ohne ihre Haltung gegenüber dem Böller- bund zu ändern, einen großen Schritt zur Annäherung an die Großmächte getan. Der ofsiziöse„Petit Par!sien"jieht in dem Dokument Kelloggs den Beweis dafür, daß Amerika, ahne dem Völkerbund anzugehören, sich setzt aus die früher von dem Präsi- deuten Wilson vorgezeichneten Wege begeben wolle. Mit'Ausnahme dieser beiden Blätter üb! die heutige Presfs aber eine recht starke Kritik oder beurteilt die Aussichten eines Paktes recht pesiitnistisch. Die von den Dcremigteu Staaten vor- gesehene Lösung, so erklärt dos„Journal", stellt das französisch« Projekt vollständig auf den Kops. Wenn man annehme, daß«in derartiger Vertrag zwischen den Bereinigten Staaten und Deutsch- l a n d zum Abschluß käme, könnten die Bereinigten Staaten nicht mehr intervenieren, um Frankreich im Falle eines etwaigen französisch-deutschen Konfliktes zu unterstützen. Skeptische Zustimmung in London. Sämtliche Blätter würdigen in Leitartikeln de» amerikanischen Vorschlag eines allgemeinen Friedenspaktes. Sie begrüßen ihn durch- weg, wenn auch als eine schöne Geste. Darin prägt sich die Bo srtedigung darüber aus, daß Frankreich einen Sondervertrog nicht erreichen wird. Sic stellen durchweg fest, daß die amerikanische Anregung eines allgemeinen Kriegsverzichtes über de» Völkerbund hinausgehe, also in gewissem Sinne mit ihm u n v e r» e i n b a r sei. Natürlich wird überall auf das gleichzeitige brutale Vorgehen Amerikas gegen Nikaragua hingewiesen.„Daily Tele- graph" meint: Die weite Ausdehnung, die Kellog der Ursprung- lichen Paktidee Briands gibt, wird in Frankreich nicht sehr will- kommen geheißen. Andererseits wird sie in Deutschland mit Erleichterung ausgenommen werden, denn dort hat auch üi amtlichen Kreisen in letzter Zeit einige, wenn auch unnötige. Besorg- nis bestanden, daß zwischen Paris und Washington eine besonder« politische Verbindung geschaffen werden könnte. lincr Jazz' ist moderner Linckc. Es ist der Unterschied von Gester» und Heute: von Biktor und Friedrich Holländer. Also: Tanz- und Unterhaltungsnrnsik für den Bedarf dar Stunde. Bon fremden Erdteilen kein« Spur. Kein Schimmer von dem, was allein„unsere Zell" heißen kann: da? Stück Well- und Mensch- heitsgeschichte, das wir durchleben. Wo lebt, wo äußert sich, in der Musik, Art und Weise dieser unserer Zeit? Ein Gegensatz beherrscht, als Gegenstand dringender Auseinandersetzung, das geistige und das politische, das Wirtschaft- liche wie das lünitlerische Leben der Gegenwart: der Gegensatz In- dividiialismus- Kollektivismus. Er ist so all wie die menschliche Gesellschaft, dieser Gegensatz, aber die«ntwütlungsgeschichtlichs Strömung, von der wir erfaßt sind, treibt aus-einer indioidua- listischeii Bergnugenhcit in eine kollektivistischere Ziikuitst. Wie die Kunst dieser Zukunft beschossen sein wird, wissen wir nicht. Aber nur die Künsllerpersönlichkeit, die— stellvertretend— ausdrückt, was alle fühlen, olle meinen, vermag vor den Forderungen einer zum Kollektivismus erwachten Generation zu bestehen. Wenn einer: Beethoven wird bestehen, der Musiker der großen Menschheits- ideale. Das Nur-Aesthetische jn der Kunst ha! schlechte Zeiten: schlechtere werden kommen.„Bon Herzen möge es zu Herzen gehen", schrieb Beelhoven als Motto über den ersten Teil seiner „ölissa soleinnis"; es war eine Widmung an die Menschheit. Jn ihrem Namen hat er, stellvertretend, lrait seines Mustkergenies geschasten. Das All- Menschliche ist Beethovens heutige Kraft. Diesen tiefsten Sinn seine« Wirkens hat die Siloesterausführung der Neunten lebendig gemacht: es war, unmittelbar und symbolisch, ein Akt proletarischer Besttzergreisung. �Mann ist Mann" von Bertolt Brecht. (Volksbühue.) Galy Gay. der Hauptmacher in der Brechtfckxn Posse ist der Monn, der nicht Nein sagen kann Trotzdem geht das Glück ganz mauietlich mit ihm um. Galy Gay ist ein schlichter Gepäckttögcr in Indijch-Äilkoa. Darum ist dos Stück exotisch koloriert. Galy Gay bombardiert die Festungen in Tibet zu Trümmern. Darum ist das Stück ein Heldenstück. Es soll aber das Stück vom Helden sein, der gar keiner sei., will. Bertolt Brecht hat sich diesen Galy Gay samos ausgedacht, als ein Lonteisei von sich selber. Er hat ja in manch:» Be'.sen xebe' h» tet, daß er sich wie einen veii.en Johannes fühlt, er hat noch nicht den Menschen xcmackt, den mir 1928 brauchen, er hat ihn aber vorbereitet. Er zeigt, wo es hinausgeht. Dieser uosrnti mental? Galy Gay ist ei» Herr„Ihr könnt mich mal". Cr ist kein Schieber, der nur so tut, als ob er sich schieben läßt. Cr ist der beste und de? dusteste Junge, der»i« untergehen wird, weil ihm nichts aus die Kommunistischer Leserschwuud. Die beiden Richtungen versuchen, sich gegenseitig die Abonnenten abzutreiben. Die„Rote Fahne" führt, seit sie besteht, jeden Tag in allen ihren Spalten einen wahnsinnigen Schimpsfeldzug gegen den„Vorwärts". Sie kümmert sich nicht im mindesten um die bürgerlich- kapitalistische Presse-- ihr ganzes Streben ist darauf gerichtet, das größte Arbeiterblatt Deutschlands nach Kräften zu schadigen. Än kommunistisch infizierten Buden hat der„Vorwärts"-Leser so lange keine Ruhe, bis er an Stelle des„Vorwärts" ein bürgerliches Blatt abonniert. Tut er das, bleibt er ungeschoren. Inzwischen hat im Kommunismus selbst ein Zersetzung?- prozeß eingesetzt. Der Opposition ist es gelungen, den in Suhl erscheineitden„Volkswillen" zu erobern und als ihr Organ für das ganze Reich erscheinen zu lasten. Nun ver- sucht man, dieses Blatt durch alle Mittel des Boykotts und der überlegenen Kapitalkraft niederzuringen. Von Hamburg aus ist dem ZK. sogar geraten worden, die Parole auszu- geben, daß jedem Arbeiter, der mit dem„Volks- willen" angetroffen werde, dieses Blatt ab- abzunehmen sei. Auf der anderen Seite triumphiert die oppositionelle Richtung darüber, daß die Presse der Offiziellen Leser ver- liert. So schreibt der„Volkswille" höchst vergnügt: Auch bei der„Roten Fahne" ist Geschwindigkeit keine Hexeret. Die von»05 eingehend gewürdigten Erklärungen der russischen Opposition auf dem IS. Parteitag der RKP.. die an der grundsäg- lichen und taktischen Stellung unserer Gruppe nichts ändern können, dienen dem Zentratorgan der KPD. dazu, vom.Lusammenbruch der Opposition" zu faseln. Den Lesern der„Roten Fahne" ist nun seit Jahr und Tag so häufig das Märchen über die„letzten" und allerletzten Züge der Opposition ausgetifcht worden, daß wir den Abonnentenschwund dieses mit den Namen Karl LlebtnechtundRosaLuxemburgLeichenschändung treibenden Stalinorgans völlig begreifen. Selbst ein.Lenz"(Redakteur der„Roten Fahne". Red. d.„D zaubert kein Blühen hervor. Die Redaktion der„Roten Fahne' sucht sich über den in ihren eigenen Redattionskonfercnzea eingestandenen Abonncnlenschwulld mit dem Hinweis auf unseren wöchentlich mindestens einmal ange» . kündigten„Zusammenbruch" zu trösten. Lassen wir chr dies Harm» kose Vergnügen. Unter sich beurteilt man das Vordringen der Oppositionspresse ganz anders. Sowohl in der Stadt Berlin, noch mehr aber in der Provinz Brandenburg geht die ,Mote Fahne" in ihrer Dezieherzohl zurück. In einer der letzten R>e- dakttonskonferenzen der„3t F." sind Besorgnisse geäußert worden, daß die Opposition mit chrer Presse ln der Provinz Brandenburg bald die„Rote Fahne" überflügelt hätte! In Berlin selbst wird die „Rote Fahne" durch das rein bürgerliche Sensationsblatt„Welt am Abend" immer mehr verdrängt. Vergeblich trachtet die.Lt F." die„Welt am Abend" an Schmus und Kaffeehausge- wäsch obskurer Zellenschinder zu übertreffen. Diese Schwindsucht der„Roten Fahne" hat hauptsächlich politische Ursachen. Der alte revolutionäre Leserstamm läßt sich nicht tauschen. Er will ein Organ des Klassenkampfes und nicht ein OrMm zur Beschönigung des Arbeiterocrrats durch den Stalinisnurs sein. Diese Entwicklung liegt ganz in der bisherigen Richtung des Kommunismus. Seine Mechouc der siinnlos verlogenen Beschimpfung, Verleumdung und Verhetzung wirkt sich nicht nur nach außen, sondern auch nach innen aus. Hätten nicht die sozialdemokratischen Massen gegen diese Schlammflut sichere Dämme ekrichtet, so wäre die ganze Arbeiterbewegung nur noch ein Haufen stinkenden Unrats und ein Gegenstand des Gelächters für ihre Gegner. Und so ist es auch nur noch ein kleiner Rest von Arbeitern, der in krankhafter Verirrung an diesem Treiben Gefallen findet und kommunistische Blätter liest. Nero en geht. Er ist ein patenter Lausejunge. Es sei getrommelt und gepjiffen: er hat die Nerven ganz verloren. Nachdem wir bis zum Jahresschluß 1924 vor lauter Seelenkompliziertheit wrdcr- wärtig« Weichtiere geworden sind, wird das neue Ideal vielleicht der brave Kerl Galy Gay sein, der alle Lcbensschweincrei einsteckt. als wenn es lauter zuckersüß« Pillen wären. Brecht weiß noch nicht, wie er all solche Neuigkeit dramatisch ausdrücken soll. Er will um» Verrecken nicht predigen, welche Eni- haltsamkeit nicht Wut genug gelobt werden kann, und ulkt. Die Vokabeln und die Szenen muß er sich dann allerdings aus der letzten Britenliteratur borgen. Da er aus dem bescheidenen Aug»- bürg stammt, imponiert ihm das Berliner Großschnauzentum. Es klingt bei ihm oft. als wenn er den strotzenden Kipling und den beißenden Shaw ins Zille-Deutsch übersetzt. Es entsteht ein Jux. der anfänglich amüsiert. Dann werden die Witze nur noch in anderer Form wiederholt Alles zeugt davon, daß Brecht der sich von der Pathetik zur Satire mauserte, noch nicht ganz fertig geworden ist. Abwortenl Erich. Engel, seln Regisseur, geht zunächst mit Verve cm die Posse. Dann aber verliert er sich Ins Detail. Er sagt nicht auf den Schluß.zu. Er überschätzt die Wirksamkeit de« abgedroschenen Witzes und kommt auf keine besonderen Einfälle, um der Lange- weile zu steuern. Zwischendurch will Brecht noch eine Serual» passe schreiben. Das Soldatengroßmaul als Hampelmann, weil es an der Schürze eines geilen Mädels hängt. Diese Einlage ist mehr Symbol auf geistigem Pump, etwa auf Wedekind-Konw, ais Brecht- sches Gewächs. Und der Schüler ist dümmer als der Meister Witze ohne scharse Pointen wirken auf der Bühne wie abge- schliffene Dum-Dum-Geschosse. Sie töten den � Geist mit gemeingefährlicher Grausamkeit Heinrich George spielt den Galy Gay. George Ist de' Spe- zialist für Kinderrollen, wenn die Kinder auch zwei Zentner wiegen. Seinen pfiffigen Trottel, seinen nervenlosen Glückepilz, seinen märchenhaften Helden, der gar kein Held sein nwchte, charakterisier er großartig. Der Schauspieler geht immer in einem ulkigen Dämmerschlaf über die Bühne. �Er ist ein kowssales Gespenst, durch das de- schadenfrohe Gott im Himmel irgendwie die Unzulänglich- kell der Rasse Mensch erweisen und darum seine eigene Macht recht- fertigen will. Helene W e i g e l ist eine hahnebüchen militärische und gleichzeitig oerschlampte Kantinenwirttn. Sie ist drollig, weil sie darauf verzichtet, anmutig zu sein Sie paßt hervorragend durch den Monnsweibetton In die soldatische Jdiotengefellschaft. An diesem Stück ist auch zu wben. daß es endlich den Krieg und die Kriegsmatadoren durch Satiren abschaffen will. Wie lächerlich das alle»! Wenn die Äbrüswugskommissiou in Genf auch st» tief in die Soldatenseelen und die Soldaienbäuche hineinsehen wollte, wie da» Brecht mtt wohltuender Offenheit versucht hat. � Rax Hochdorf, Studiert und r Oer Zahuaihlei ml Ein Vier- und Wsinzipfel lugte aus seiner Westentasche, wenn er selbstgefällig die Hände in die Hosen steckte und den Rock zurück- schob, domll jedermann die Abzeichen seiner ehemaligen studenti- schon Herrlichkell bewundern konnte. Schmisse hatte er nicht, das tat ihm selbst am meisten weh. Dafür hatte er sich aber mit aller Wucht auf die ärztliche Kunst geworfen und die technischen Fähig- kellen eines Zahnersotzkünstlerszu erlernen versucht Jedenfalls war er etwas ganz anderes als ein sogenannter Dentist er war auch nicht etwa im Auslande approbiert, nein, er war über- Haupt nicht approbiert Das verschlug aber nicht, daß er sich dem simplen Zahntechniker gegenüber in einem sozusagen gehobenen Ver- höllnis fühlte. Eines Tages wurde ihm Gelegenhell geboten, feine zahnrürsst- lerischen Fähigkeiten praktisch zu beweisen. Er fand eine Anftellung als Assistent eines Zahnarztes und wurde also gleichsam Vize- doktor. Der Zahnarzt, ein kluger Mann und gewitzigt durch eigene Erfahrungen, vereinbarte mll seinem neuen Assistenten, daß er erst einmal acht Tage lang zur Prob« seine Vesähigung nachweisen sollte. Und nun wurde er, bckastej mll der ganzen Fülle seines zahnärztlichen Wissens, auf die leidende Menschheit losgelassen. Die Erfolge seiner Tätigkeit waren niederschmetternd. Einem älteren Herrn zog er gleich aus einmal den letzten kümmerlichen Rest ehe- mals blendender Zähne aus. Und einer jungen Dame, die einen Nerv getötet haben wollte, besorgte er dieses anbohrende Geschäft mll einer so fachmämnschen Gründlichkeit, daß sich gleich eine Kiefervereitcrung darulls entwickelte, der Nerv aber aus reiner Opposttionslust lebendig blieb. Acht volle log« wurden die vielen Patienten des Zahnarztes durch die Kunst seines Assistenten gründ- lich und ausreichend mit allen Höllenqualen der Zahn- rein vertraut gemacht Dem Zahnarzt selbst ober riß«nd- lich die Geduld, als sein Probeassistent nach einem Abguß ein Gebiß für eine junge Dame bilden sollte und dabei ein Monstrum zur Welt brachte, das eher als Prachtstück im Rachen eines alten Gorillas als in dem Rosenrnündchen einer Gelbstern-Schönen gepaßt hätte. Am siebenten Tage gab der Zahnarzt seinem Assistenten die Papiere und komplimentierte ihn mit einer höslichen Verbeugung vom Schauplatz seiner Inquisitortätigkell. Der Prodeassistent o. D. ging aber spornstreichs zum Arbeltsgericht und klagte, well er zu Unrecht entlassen worden set Er hatte kein Glück vor den Richtern, denen er aus einem dicken medizinischen Lehrbuch den Beweis erbringen wollte, daß er noch allen Regeln der Kunst gearbeitet habe und daß die üblen Komplikationen, die sich bei seinen Patien- ten einzustellen pflegten, auch bei oanz berühmten Professoren vorgekommen seien. Ehe sich ein Disput der Geehrten entwickeln kannte, riet der Richter zu einem Vergleich, dem schließlich auch Mädchen, die Tausende erbeuten. Neujahrs-Laventur der Krimloalpolizei. Em großes Aufräumen veranstalteten die Beamten der Dienst- . stelle E. 2 der Kriminalpolizei in der Neujohrsnacht unter den Diebinnen, die sich an betrunkene Männer heranzumachen pflegen. mit ihnen wellerzechen und ihnen bei guter Telegenhell die Briej- tasch« und Wertsachen stehlen. Diese Mädchen, deren Beut« oft in die Hunderte und Tausend« geht, verschwinden jedesmal sofort aus der Gegend, in der ihnen ein Streich gelungen ist, und lassen sich hier für lange Zell nicht mehr sehen. Sie hallen sich überhaupt möglichst verborgen, solange das Geld für sie und ihren Anhang reicht Dem Drang«, an dem Silvcstertrubel teilzunehmen, widerstehen aber auch sie nicht. Damit rechnete die Dienststelle, und die Rechnung stimmte. Zt t ch t wenigerals 14 Madchen, die im Lause des Jahres derartige Diebereien oerübten, wurden in der einen?Iocht jestgenommev. Die Beamten wußten längst, mit wem sie zu tun hatten, aber kein« der Gesuchten war bisher zu finden. Bei einem Zechgelage am Schlc- sischen Bahnhof wurde eine gewisse Erna ertappt, die mit ihrer Freundin Lieschen erst kürzlich zwei o st p r e u ß i s ch e Viehhändler um SS 00 Mark„erleichtert" hatte, worüber wir auch berichtet hatten. Erna mußte in ihrem Lokal in der Nähe des Bahnhofs mll Gewall aus ihrem Freundeskreise hcrausgeholl werden. Lieschen war in der Trunkenhett nach ihrer allen Wohnung in der Langestraße, die sie bisher gemieden hatte, zurückgekehrt und wurde dort festgenommen. Diesen beiden fallen drei Diebstähle zur Last— In einem Lokal am Alexonderplatz wurden zwei Diebinnen überrascht, Elsa und Liese, die einen alten Afrikaner«Inen Monteur, der in der Heimat zu Besuch war. in ein Lokal verschleppt und um 1499 Mark beftohlen hatten. Ein anderes Pärchen, eine Fünszehnjährige und eine Einundzwanzig- jährige, hatten gerode eine» Tag vor Silvester einen„Kavalier" in einem Lokal am Al-xanderplatz kennen gelernt. Beide faßten ihn auf der Straße unter, und während die Fünfzehnjährige ihn abküßte, stahl ihm die andere die Brieftasche mit 799 Mark und wichtigen Geschäftspapieren. Die Jüngere nahm ihm zuauterletzt noch die g o l d e n« U h r m i t K e t t r ab, und beide verschwanden dann. Dieses Pärchen wurde in einem Lokal in der Mulackftraße aefaßt und unter heftigem Widerstand ihrer Kavaliere nach dem Polizeipräsidium gebracht. Von dem gestohlenen Gelde ist natürlich nirgends mehr ein Pfennig vorhanden. Stärkere Kohlenzufuhr nach Verlin. Der Witterungsumschlag, der vorgestern begann und heute noch anhält, hat auch zur Folge gehabt, daß die Kohlenzufuhr nach Berlin stärker geworden ist Die kleinen Werke, die nlcht genügend Ma° schlnen hatten, um die gefrorene Kohle abtragen zu können, haben bcl Beginn des wärmeren Wetters mit allen verfügbaren Kräften die Kohlenförderung aufgenommen. Diese Mehrfördrrung, die in den Bnkcttsabrtken sofort verarbeitet wurde, hat die Zufuhr an Briketts erheblich gesteigert. Gestern sind annähernd 9 9 9 Waggon Kohle gegen 799 an den Vortagen nach Berlin gekommen. Ein Teil der gelieferten Kohle wird i n Halb st einen nach Berlin kommen. Die Herstellung der Halb- steine nimmt weniger Zeit in Anspruch als die Herstellung von Briketts. Hält das warme Wetter nach mehrere Tage an, so ist mll der Mäglichkell zu rechnen, daß die Kohlenknapphell in acht Tagen beseitigt ist Der Verband der Kohlenkleinhändler Hai gestern mll dem Magistrat verhandelt Di« Kohlenhändler erklärten sich in diesen Berh.ntdlungev bereit, mich die vom Magistrat heraus- gegebenen Kohlen zusatzka''ten anzunehmen. Kein Ar- b e M s l o s e r, der auf Kohlenkarten Kohl« kauft, soll zurück- g e w I e s e n werden, wenn der Händler Kohle hat. NnkerqrnndbaHnhol Kot tusscr Tor. Durch den Frost sind die Bauarbellen auf der Dcrlängerungs- strecke der Untergrundbahn von Schönlein st raße bis Kotl- v u ss e r Tor aufgehalten worden. Trotzdem wird es nunmehr ge- lingen, End« Januar denllntergrundbahnhof Kottbuffer Tor dem Berkehr zu übergeben, nachdem um die Mitte de» Mo- 9 dem Gonllagebiß. beide Tellc zustimmten. Der Probeassisteni arhicll für seine „schmerzensreiche" Tätigkeit noch 29 M. Soillxuhonoror, er verab- »chiedete sich schleunigst mll einer durchaus kommentmäßigen Der- beugung vor den Richtern und eilte wieder an fein furchtbares Handwerk. Wehe, wo er losgelassen! Oie billigen„Gutachten". Die Arbeit eines Wichtigtuers.- Was ejn„Exzentrisk" ist. wird man In keinem Lexikon nachlesen können. Die Erklärung hierfür gab der Kaufmann Hans W i e d c- mann aus München, her sich selbst so nennt, vor den, Schössen- gericht, als er sich wegen Betruges zu oerantworten halle. Er will damit ausdrücken, daß«r nur von dem Bestreben beherrscht werde, sick) wichtig zu tun, und daß er aus dieser Wichtigtuerei heraus alle seine Straftaten, die bereits zu zwölfmaligcn Verurteilungen geführt haben, begangen hätte. Wiedemann hatte eines Tages die Bekatulllchost eines Chemikers gemacht der ein Radtkaloertilgungsmittel für Ratten erfunden hatte, ober damll keinen Anklang fand. Wiedc- mann erklärte ihm, daß er dank seiner guten Beziehungen dem Er- sinder schnell zu einem glänzenden Gutachten verhelfen könnte. Nach wenigen Tagen überbrachte Wiedemann auch schon ein Gut- achten der Preußischen Houptlandwirtschafts- k a m m e r, in dem das Zlattcnoertilgungsmlltel in der überschweng- lichsten Form-gepriesen wurde. Dafür hatte der Chemiker nur 2 9 Mark zu bezahlen. Erfreut empfahl er den„Mann mit den guten Bezichungan" einem anderen Chemiker, der auch ein Der- tilpungsmlltel für unterirdische Schädlinge anpreisen wollte. Auch dieser«rhicll gegen Erlegung von 29 Mark ein glänzendes Gut- achten. Leider waren Heide Gutachten gefälscht. Die„Beziehungen" Wiedemanns zur Hauptlandwirtschaftskammer bestanden darin, daß er eine kleine Freundin hatte, die dort als Stenotypistin beschäftigt war. Ihr hatte er den Zluftrag gegeben, aus Briefbogen der Be- Hörde nach seinem Entwurf die„Gutachten" zu schreiben. Das Schöfsengerichr nahm an, daß nicht ein Betrug vorliege, da die beiden „Erfinder" sich bewußt sein mußten, daß sie ln so kurzer Zeit von einer angesehenen und sachverständigen Behörde nicht so umfassende Gutachten erhallen konnten. Das Gerickrt nahm daher bei den„Er- findern", für die die Sache wahrscheinlich noch ein llkachspiel haben wird, unlauteren Wettbewerb an und verurteilte Wiedemann wegen Beihilfe dazu zu 2 Monaten Gefängnis. Obwohl diese Strafe durch die Untersuchungshaft verbüßt ist, blieb der Angeklagte weiter in Haft, da er von München aus noch wegen wellerer Straftoten ver- folgt wird. nats die polizeiliche Abnahme wird erfolgen können. Der Unter- grundbahnhos Kottbusser Tor wird direkte Verbindung mll dem Hochbahnhos Kottbusser Tor haben. Da aber dieser Bahnhof voll- ständig neu gebaut wird, ist eine provisorische dir-llc Verbindung zwischen dem Unterqrundbohichof und dem ollen Hochbahnhos her- gestellt morden. Zu diesem Zweck werden augenblicklich noch U m- bouorbciten am Hochbahnhof vorgenommen. Die Bahnsteige werden verlängert und erhalten eine neue Uebcrdochyng. Auch diese Umbauarbellen sollen nach Möglichkell bis Ende Januar fertig- gestellt sein. Autounglück eines Telefuukendirekkors. Am Mittwoch uach, mittag geriet ein auf der Fahrt zwischen Genthin und Brav. d e n b u r g befindliches Auto der Telefunken-G. m. b. H. ins Schleudern und überschlug sich. Die drei Insassen stürzten her- aus. Der eine von ihnen. Direktor Z t e g l e r, erlitt lebensgeM» liche Verletzungen, die beiden anderen kamen mit minderschwere» Verletzungen davon.__ Oie Toten von„5 4". Die ersten Leichen des amerikanischen v-Äootes geborgen.. New Jork. 5. Zanu«. Die am Wrack de» Unterseebook»„8 4" arbeitenden Taucher habe« heute au» dem gesunkene» Untersee dool die ersten drei Leichen«m» Tageslicht gebracht Am Mittwoch traf eine Kommission de? Marineministenums in Charlestown ein, um eine Unterjnchung über die Ursache» de» Unterganges des Unterseeboots„8 4" und die für die Reftunj der Besatzung getroffenen Maßnahmen anzustellen. Präsident Eoolidgc hat den Kongreß um Emsetzung einer Sonderkommission von fünf Mitgliedern ersucht, von der drei Zivilisten sein sollen, die eine von den Arbeiten des Marineministeriums unab- hängige Untersuchung anstellen sollen. Die Vorsitzenden des Marine- komitces des Senats und des Repräsentantenhauses haben Gesetzes- vorlagen entsprechend dem Wunsch des Präsidenten vorbereitet. Gchwerverbrechen in Oanzig. Lleberfallen und vor den Straßenbahnwagen geworfen. Danzig. S. Januar. Ein schweres Verbrechen wurde gestern abend in der Große, Allee zwischen Danzig und L a n g j u h r verübt Der Direktor Walter Dannhoss wurde an einer Straßenbahnhaltestelle ohne jeden Grund von einem unbckannlen, etwa 22 Jahre alten Bursche, belästigt. Schließlich griff der Bursche den Direktor tätlich an unk warf i h n vor eine ankam mcnde Straßenbahn. Del Führer konnte den Wagen nicht mehr rechtzeitig zum Halten bringen, so daß der Direktor Übersohren und schwer verletzt wurde. Nur mil Mühe konnte man ihn aus seiner schrecklichen Lage befreien. Bald nach seiner Einliejerung in das Krankenhaus ist er s« nen Ver- letzungen erlegen. Der Täter tonnte bisher noch nicht ermittelt werden. Granatentranspori explodiert. London, 5. Januar. (Tin mit vier Tonnen Explosivstoffen beladener Lastkraftwagen vernaglückte in der Nähe von Tuustable(Grafschaft Sedford)«nd fing Feuer. Tie Granaten explodierten mit einem GetSse, wie bei Artilleriefeaer. Die Feuerwehrleute konnten de« Brand wegen der Gefahr einer weiteren Explosion von Granaten nicht loschen. Der Ehauffeur ver« brannte vollkommen. Ausserdem wurde« vier Per» sonen schwer verletzt. Dreißig Assen verbrannt Im Warschauer Zoologi- sehen Garten brach in der letzten Nacht infolge Unachtsamkeit bei der Heizung der Oeien ein Feuer aus, wodurch das gesamte Affenhaus mit dreißig Affen verbrannte. Der Brand wurde so spät bemerkt, daß keines der sehr wertvollen Tier« gerettet werden tonnte. Wer stecki hinter den Werkvereinen? Die gblben Vereine, noch mehr ober ihre Aushaltcr im Unter- nehmerloaer sind eifrig bemüht um ihre amtliche Abstempelung jls Gewerkschaften, als t a r> s v e r t r og s f ö h i g c K ant r o hen te n. Au diesem Aweck bestreiten die Gelben ihre imonstelle, moralische und geistige Abhängigkeit von den Unter- nehmern, ohne jedoch damit Eindruck zu machen. Das Unter- nshmcrtum wirft jedoch feine wirtschaftliche Macht und seine gute„Veziehunzcn" in die Wagschale, um«s dahin zu bringen, mit dem von ihm ausgehallen cn oder doch„geförderten� gelben Wert- rveroinen die ihm geeignet erscheinenden Lohn- und Arbeits- bedingungcn von feinen Werkoereincn„tariflich" anerkennen zu lassen und sie womöglich für die organisierte Arbeiterschaft ftür vcr- kindlich erklären zu lassen. Doch so verteufelt schlau auch dieser Gedanke ist, so begegnet leine Verwirklichung dennoch gewissen Schwierigkeiten, die sich aus der Narur der Dinge ergeben, aus der Existenz der gelben Werk- vereine, die jedem Arbeiter, der noch einen Funken Charakter im Leibe hat, verhaßt sind wie die Pest. Aus dem«infachen Grunde, ''eil diese mehr oder minder direkt vom Unternehmertum geschaffenen rnd unterhaltenen Ivdasgruppen einen systematischen organi- ' ierten Verrat an der Sache der Arbeiter bedeuten, an ihrer wirtschaftlichen Existenz. Die„Bergarbeiler-Aeitung" bringt jetzt einen neuen umviderloglichen Beweis für die'Seelsngemeinsckzaft lwischen Derkverein und Unternehmer. Nachdem »atreik im mitteldeutschen Bergbau wurde ein großer Teil der Arbeiter nichr wioder eingestellt, so daß wegen ihrer Wieder- Umstellung gelZog: werden mußte Am 2. Dezember 1?27 wurde i an dem Arbeitsgericht in Scnftcnberg in Sachen -lomka und Genossen gegen N.K.-W., Betrieb Viktoria II, vcr- liandelt. In dieser Verhandlung erklärte der Direktor dieses Wertes, ein.Herr S t ö ck e r, folgendes: „Daß Rose mann feiner der Nagenden Arbeiter) nicht wiedereingestellt worden ist, Hot seine Ursache darin, . iß er„über den werkvercin falsche Gerüchte verbreitet hat und da- ! arch der Zverkweeiu in ein falsches Licht gerückt worden ist." So ungeniert gab also der Direktor vor dem Arbeitsgericht "a, daß der Wcrkverein feine Sache ist und er auf seinen Werkvercin nichts kommen läßt. Nebenbei, falsche Gerüchte können auch einen Werkverein nicht schaden, denn er kann sich dagegen mehren. Was aber der„Werkverein" und seine Direktion nicht oer- "agen können, dos ist die Wahrheit, die der Direktor a t ö ck e r übe? das Verhältnis zwischen dem Wert und seinem Werkperein hier bekannt hat. Es ist übrigens kein A u f a l l, daß überall da, wo d?« Werk- vereine am stärksten, die Lohn, und Arbeitsbedingungen jm schlechtesten sind. Ein halbwegs anständiger Unternehmer 'inn auf die werksvereinsineiensche Korrumpicrung eines Teils i einer Arbeiter zur Unterdrückung der Gesamtheit der Arbeiter ver- '»schien. Der prositgierigste Teil des Unternehmertums aber hlaubt, solcher verwerflichen Umtriebe nicht entbehren zu können. Um fo weniger dürften sich noch Arbeiter finden, die sich dazu hergeben. Die Angestellteuwahlen« Von der Vertrauenslmännerwahl zur Vertvaliungslratelwahl Vorläufig liegt noch kein amtliches Gcfanilergebnls der Wahlen zur Angeftelltenoersilherung r.oe. Die Neichsverstcherungsanstalt wird von den politischen Verwaltungsbehörden lediglich über die Aahl der gewählten Vertrauensmänner und Ersatzmänner unter- rchtct, die Verteilung der Mandate auf die vcrschie- d-enen Listen ist noch unbekannt. Man muß dainlt rechnen, dasj die W a h l c n zum Verwaltungsrat vorgenommen werden, ohne daß vorher von irgendeiner amtlichen Stelle die ab- gegebene» Stimmen und die Vertraucnsleuie der im Wtrhlkampf aufgclrcteiien Gruppen oder Verbände gezählt werden. Diese amtliche Paisivität ist kein Autall. Durch sie war es möglich, daß die Prioaimeinungcn des stauptausschusscs von der Tagesprcsic als wahr gebracht werden konnten. Trotz aller Aer- lvirrungsmanöver bleibt es jedoch dabei, daß dte AfA-Verbänd« rund 30 Proz. der abgegebenen Stimmen auf ihre Liste oereinigt haben. Die vom AfA-Bund aus 750 Wahl- bezirken ermittelten Ergebnisse, die mit den Veröffentlichung«» des GDÄ ziemlich übereinstimmen, zeigen folgendes Bild: AfA- Bund 255 5 32 Stimmen, D.stV. 250 571, GDA. 220 227, sonstige chauptausschußverbändc 55 790 und Fraucnverbände 85 435 Stimmen. D?««timmzablen des DchB. stannnen keineswegs nur von toufmSnmschcn Angestellten: fast sämtliche Gutsbeamten halien unter agrarischem Terror die de.utschnationale Liste gewählt. �terner ist zu bedenken, daß die A l A- V e r b ä n d e eine b e- trächtl'che Zahl ihre? Mitgliederbestandes nicht an die Wahlurne führen konnten, well beispielsweise die dem ADA. angehörenden jüngeren Mitglieder bis zu 21 Jahren nicht wahlberechtigt waren und darüber hinaus ganze Bc- russgruppen aus den gleichen Gründen ausgefallen sind. Wir ver- '.veisen dabei nur auf die der Knappschaft unterstellten Auge- stellten, die im Fördermaschinistcnoerbond, Bund der technische» An- pestellten. Deutschen Werkmeiltervcrband und dem AdA. organi- siert sind. Wir verweisen weiter am eirten Teil der Mitglledschalt des Allgemeinen Verbandes der Bankangestellten, die ebenfalls nicht wahlberechtigt waren. In den vom AfA-Bund von der Wahl erfaßten Wahtkreifen werdcn von rund 3000 Vertrauensleuten über Ü00 auf die AsA-Ver bände entfallen. Das Stimmgewicht von 30 Prvz. Urwählers chast wird durch das Wahlgesetz oder, bester gesogt, durch einen eklatanten Wahlrechtsraub auf 20 Prvz. vermindert. Der Dch V. jubelt darüber, daß er(nach seiner Berechnung) bei nur 2 8 Prvz. Stimm crgebnis 45 Pro.;, der Vertrauens männer erhalten Hab«. Diese Wahlentrcchtung der großstadttschen Anaestelltenfchost ist die„Mochtposition' des DHV. Zunächst muß noch abgewartet werden, welchen Stimmenzuwachs die AfA-Der- troucnsleute bei der Wahl zum Derwoltungsrat durch das geltende Pluralmahlrecht erfahren werden. Man darf jedoch annehmen, daß der D.stV. bei der kommenden Wohl der Gesolqschafl seiner Hauptausschußoertrauensleute keineswegs restlos sicher ist. Es Hondell sich bei dieser zweiten Wohl um eine qualstizicrtc Wähler- schaft. Der Schwindel von der Verschmelzung der Angestelltenversicherung mit der Invaliden- Versicherung wird jetzt nicht mehr ziehen. In- zwischen hat nämlich der Reichstag den vom AfA-Bund veranlaßt«» Antrag auf Ausbau der Angeftelllcnversicherung dem Sozialen Ausschuß überwiesen. Die Ausschußvcrb.andlungen werden bereits vor der Berwalturigsralswahl stattfinden. Damit dürste dann das Märchen von der Verschmelzung erledigt sein. Seit der Bertrauensmäimerwahl Hot such der Reichstag die Krontenverlichcrung der Seeleute verabschiedet. Die Vertreter des AfA-Bundes und des GDA. haben dabei ihre Wahlver- fprechungen bezüglich Aufhebung der Gehaltegreirze in der Sozial- Versicherung erfüllt, lieber die.staltung der D. st B.- Führer Lambach und Thiel dagegen dürfte mancher ihrer Ber- troucnsleute in der AB. unangenehm überrascht sein. Die Eni- scheidung über W c i h n a ch t s b c i h i l f e n m der Angestellten- Versicherung hat das gleich» Vild gezeigt. Die Reichslagsoerhandlun- gen, die zwischen Vertraucnsmänncrwahl und Derwoltungsratswahl stattgefunden haben, werden deshalb auf bisher allzuvertrausns- jclige Vertrauensmänner auf der Gegenseite ihren starten Eindruck kaum verfehlen. „Feinde r i n g s u m"— das war die Situation des AfA- Bundes im Wohlkamps. Trotzdem hat die Wohl bestätigt, daß die AsA-Bcwegung keine bloß« R e v o l u t i on s er s ch c j- n u n g war, sondern einen bleibenden und wachsenden Mochtfaktor für die soziale Entwicklung Deutschlands darstellt. Die Geekrankenkaffe. Die aus Grund des Gesetzes vom 16. Dezember 102? über die Kronkenversichzrung der Seeleute zu errichtend« S« e t ro�n k e n-- koffe ist nunmehr gebildet worden und hat ihren Sitz in Hamburg 8, Aippclhaus 18. Als Seeleute im Sinne der Reichsversichcrungsordnung»nd der Satzung gellen die Mitglieder der B es o tz u n g de u t j ch e r Secfahr zeuge, insbesondere der Kapitän( Schiff«), die Schiffsofii ziere, die Schilfsleute und die sonstigen zum Dienst auf dem Schilf während der Fahrt für Rechnung des Reeders geheuerten Personen, ohne Unterschied, ob die Anmusterung criolgt ist oder nicht, mit Ausnahme der Lotsen. Bcrsicherungzsrei sind Kapitäne mit über 8400 Mark Iahrcsorbeitsvstdienst, Kapitäne von Fischerei- fahrzeugen sind versicherungspflichtig. Freiwillige Versicherung ist neben der gese�lichen vorgesehen. Für die Mitgliedschaft ist ein Nachweis sür den Versicherten(durch das Seefahrtbuch oder Vslchelntgung des See- mannsamts oder der Kasse) zu erbringen. Zum Nachweis der Familicnan geHörigkeit bedarf es antzervem sür die KasieninanspruchnolMe einer, o ni t li che n Per.soncnstands- b e j ch e i n i g u n g. Die Versichertest müssen in ihrem eigenen Inieressc dafür sorgen, daß sich ihre Angehärigcn in den Besitz einer Bescheinigung über ihre Augehörigkeit zur Seekrankcnkassc beiinden. Die Reeder müijcn die erforderlichen Bescheinigung e n ausstellen. Di» Leistungen der Scckrankrnkassc sind für«eeteute im ganzen Reich die gleiche». Die Scekrankenkassc gewährt den Mit- glieistrn sür ihre Person Krankenhilse, Wochcnhilfe und Sterbegeld, sür ihre Familienmitglieder I a m i l i e n h i l i e. Die Krankenhilse ruht, solange sich der Seemann an Bord des Schifics aus der Reise oder im Auslände befindet(Reederfürsorge). Diese Reedersürsorgc bleibt auch sür Mitglieder der Seekrankenkassc im wesentlichen w!« bisher bestehen, sie endet ober, sobald der S-emann ins Inlaizd zurückkehrt. Die Krankenhilse ruht im Falle der Reederfürsorge ober nur sür den Seemann selbst, nicht auch für seine Familienangehörigen. Dieien steht das Recht auf Krank..'nhilsc auch sür die Zeit zu, während welcher der Secmomi selbst Roederjüriorge beanspruchen kann. Der Versicherte und seine Familienangehörigen erhallen im Regelialle im Austrag und sü» Rechnung der Seekrankenkassc die in ihren Satzun- gen ausgeführten Leistungen von der Allgemeinen Orts- k r a n k c ii k o l s e bzw. Pandkrankcnkassc des Veschästigungs-, Wohn- und Aufenthaltsortes oder der Betriebskrantentosic seiner Reederei. Zwischen diesen Kassen hat der Versicherte die Wahl. Als Beitrag werdcn zweieinhalb stundertteike des Grundlohns er- haben, voi, denen der Reeder zwei Fünftel und der Versicherte drei Fünftel zu tragen hat. Die freiwillig Versicherten lieben die Beiträge voll zu bezahlen, Seeleute könne» sich nur bei der Seckranken- kasse versichern, dach ist iii Artikel 6 der Ihebergangsoorlchriften des Gesetzes vorgelchen. tmh Seeleute, die vor dem 1. Dezember 102 7 Mitglied eines als Ersatz kasse zugelassenen Versicherungsvereins aus Gegenseitigkeit sind, dos Recht auf Befreiung von der Mitgliedschaft bei der Seekrankenkasse haben. Das Gesetz trat mit dem 1. Januar 1028 in Kraft. Seeleute, die in Betrieben beschäftigt sind, die nicht zur See- der ussgenossen schalt gehören, insbesondere also solche, die bei der Zweiganstalt der Seeberusegennssenschafl(Klemschisser und Küstenschlsser) versichert sind, sind bei den zuständigen allgemeinen Oris-(Land-)5trantenkassen versicherungspslichllg. Die Flugzeugwerke Ernst chcinkel. Warnemünde, entsenden nach allen Hinimelsrichtungen Werbeagenten, um �Streikbrecher für ihren Betrieb zu finden. Die Vertreter der Firma vor- schweigen hierbei, daß die Belegschait sich im Streik best ndek und behaupte» zum Teil, der Streik sei beendet. Die Beleg- schost befindet sich jedoch nach wie vor im Streik und wartet mit einer outen Stimmung den Verlaus desselben ab. Aus Vran denburg, Berlin und anderen Orten zugereiste Handwerk« konntcir durch die Streikleitung wieder obgelchobcn werdcn. llm� sich vor unnützen Kosten zu schützen, wird deshalb vor den«trcik- brecheragcnteii der Firma gewarnt und gebeten, den Zuzug nach wie vor nach Warnemünde fernzuhalten. Gute Stollwerck-Dividenden. Hohe Tantiemen für Aufsichtsräte.— Die Arbeiterfchaff wird geprellt. Die Gebr. S t o l l w« r ck A.-G. in Köln und Berlin hat seit 1024 ununterbrochen hohe Dividenden vertcill(8, 9 und 9. Pro.z.)- Sie scheint sich jetzt aus eine Sprozentige Dividende überhaupt einrichten zu wollen. Daraus läßt die Errechnung des R c> n- g« Winnes schließen, welcher trotz der von 8,7 aus 0,1 Millionen Mark g c st i e g e n« n B e t r i e b s g e w i n n e mit 1�, Millionen genau dem vorjährigen Ergebnis entspricht. Der Ausgleich ergiot sich durch die Heraussetzung der Abschreibungen von 0.7 aur 0,83 Millionen Mark(Bildung stiller Reserven) und die von 6,6 aus 6F Millionen Mark erhöhten Handelsunkosten. Die durch die Opposition aus der G e n e r a l v e r l a m m l u n g hervorgerufene Diskussion förderte einige recht interessante und für die Stollwcrck- Verwaltung bezeichnende Tatsachen zutage_ od soll aus Grund der allen Satzungen der nach den üblichen.Abzügen ve-» bleibende Gewinnrest— in diesem Fall 107 000 M.— an die Arbeiter und Angestellten ausgeschüttet werdcn, was jedoch nicht geschehen ist. Älber abgesehen von den will- kürltch entzogenen Weihnachtovergütungen, hat die Direktion den lchlechibe zahlten Arbeitnehmern sogar die Aah- lung von Vorschüssen verweigert, dagegen den sechs Auisicl-tsrotsmitgliedern für ihre lehr.piufreibendc Tätigkeit die fette Tantieme von mehr als 48 000 M. ausbezahlt. Dieselbe Suinme. die von diesen doch nu: nebenamtlich tätigen sechs Mann eingesteckt wird, hätte genügt, um der g e j a m t e n B e l e g s ch a s t von rund 2400 Köpfen eine Weihnachisbeihiste zu verschastem Die B i l a n z weist unter dem Einfluß der Komunttur erheblich» Veränderungen auf. So sind trotz des flotten Absatzes die Vor- röte um fast 2.0 aus 6.7 Millionen Mark gestiegen.� was nach dem Geschäftsbericht besonders auf starte D ecku ngs kau te von Rohstoffen zurückzusüh'-en ist, da die Kaknopreise sich teilweise bis zu 70 Prvz. und die Auckerprcise bis zu M Proz. erhöhten. Dies« Anhäufung von Darräten entspnäll die stärkere 2l»- spannung der Betriebsmittel. So wurden Bankkredite mit 1,0 gegen 0,38 Millionen Mark in Anspruch genommen, wahrend pch o>e Schulden von 3,0 aus 3,7 Millionen Mark erhöhten. Bankguthaben und Barmistel gingen mit 0,41 Millionen Mark mit«m Drittel thrcs Bestandes zurück, dagegen lassen die um 600 000 auf 5,4 Millionen Mark gestiegenen Warensorderungen deutlich den guten Geschäst-gang erkennen....... m.... Die seit zwei Jahren in Fluß betmdliche R a t l a n a l>- s i e r u n g murde im laufenden Ähr Ende pefu�rt. Die rund 4»■itfiä*«: tiwrittrn: Id. fümtlldj in Berlin. Btclaa- Sürraäct»Sfclo»j S. in. b,>>., Berlin. Druck: Bo'wSrtz?i:�druckcr«t und Ärrlliasankiott Paul Siuzrr u So.. Berlin i-Ä u«. UlnOrnitrofie 0. Gegen rote Hände und antldön« 5 von iveillben Maiglöckchen und fflled«, ahne lenen derüchiigien Moickusgeruch, den die vornehm« Well verabicheui— Preis der ?ude KU PI unk i Ml- In allen ckhloradonl» Perlaiissstellen zu haben- Bei diretle, cklnlendung dieie, Inieraie» als Drucksache im, genauer und deullich geichriedener Adsenderadrege aus dem Um- schla(| erhallen Sie eine Urin« Prabeienbnna testen- lo» udersandi emch Leo Well« A.&■, Dresden R. 6 Unser enorm hilliger großer Jnveniur- Ausverkauf in fast allen Abteilungen beginnt am 3. Januar Die Preise sind zum Teil bis SO% hcra�grsefzil cSluddatz& Cc. JCeipzitger Straße 122-123