MorgenausgaV« Freiiag . ffttt tft O«I--r Ät." rr;-"Ä■\M»» M a III I Ii_-�w aus»«« 15 w. Slnt« Streifband im In- und Aus» jf&SMa HB j�H w)[pM MM WM WM WBI p-- tan» VÖO 9Utd)«marf pro Konat KWZ fpÄS W W W WWW WW W W W!/ N..,»,p-i,,g. N°ns-r-M.zeII, * I EM Rrt fcKj rS[ BKg»M H ni BB Mg 80 Pfennig ReName, eile S— Reich ,. £«.eanstm' mtt Oe> tluftner.-Mg i IH H H SEX Mv M Wk M W W ten Sonnlaa.beilage.V°U and.�et.-«N I Mg W DK Jgak. �HEWVa�V«U. K drucke,«ort 25 Pfennig �ulailig zw., i,r«y>ÄÄS■JiK. � M. /I Ä'fflÄEife ärssa»-�3sass � VäÄi ää/ekä L-. VsvliUev VsWsbko« Jetttralorgan dev Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlog: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 ArtrMdrlfä-DorlaN fSS IT» fi0-17. Roch nicht bekannte lote. Die Verletzten: 4 Günther Stephan. 22 Jahr« all(Gesicht-«. Beinvertehungen). ; 2. Kart Misch, 21 Jahre alt slcichlc Gesichtsaerlehungen). 4 Otto Lessing. 21 Jahre alt(Gesicht., Beinverletzungen und Nervenschock). 4 Friedrich hannemann, 40 Jahre alt(Nervenschock). 5. Frau Emma Hanneinann. 33 Jahre alt(Nervenschock). 6. Herberl hannemann, 7 Jahre alt(leichte Abschürfungen). 7. Frau Anaa hofsmonu, 57 Zahrc alt(Hautabschürfungen). S. Elfe Hossmann. 25 Jahre alt(Nervenschock). g. Ruth Hossmann, 16 Jahre all(haut- und Knlevcrletzungen). 10. August Pietsch, Sg Jahre alt(Luelschungen, Unterschenkel. brück). 14 Frau Hedwig Sussin. 52 Jahre all(Kopsverlehungen)., 12. Frau Käte Pusch. 6.5 Jahre alt(kopsvcrlehungen). 13. Otto Posch, 40 Jahre alt(Hautabschürfungen). 14 Friedrich höck. 34 Jahre oll(Armverlehnngen). Der größte Teil der Verletzten, die zunächst durch Wagen des Städtischen Rettungsamts in das Krankenhaus am Friedrichshain üoergcsührt wurden, konnte» im Lause des gestrigen Tages bis aus Zfugust Pietsch, Frau Kussin. Frau Pusch und Otto Les- fing entlassen werden. Ihr Befinden gibt zu irgendwelchen Be- forgnissen jedoch keinen Anlaß. Die achtjährige Erna Scheithauer, das K'ind des tödlich verunglückten Ehepaares, das gestern srüh noch lebend geborgen werden konnte, ist im Laufe des Nachmittags an den Folgen seiner schweren Verletzungen im Krankenhaus am Friedrichshain gestorben. Bis in die Nachtstunden hinein wurden die Bergungs- und Auf- räumungsarbellen unausgesetzt weiter betrieben. Noch immer wer- den Personen vermißt. Es ist leider damit zu rechnen, daß sie gleichfalls den Tod gesunden haben.— Die bei den Aufröumungs- arbeiten geborgenen Kleidungsstücke, Wertgegenstände usw. wurden bei Einbruch der Dunkelheit unter sicher« Bewachung gestellt. Polizeibeamte nahmen zwei zweifelhafte Burschen fest und brachten sie in Gewahrsam. In den späten Abendstunden kamen dann aber- mals zwei Hundertschaften der Schupo an, die die bis dahin tätigen Retter während des ersten Teils der Nach! ablösten. Ob es gelingen wird, bis zum Freitagmorgen die Schnttmasien restlos fortzuräumen, sit noch sehr zweifelhaft. Gegen 10 Uhr abends wurden bei den weiteren Ausräumungs- arbeilen auf der Trümmcrflälte des Grundstücks. Landsberger Alle« 116, noch zwei weitere Tote— ein wann und eine Frau— geborgen, so daß jehk die Gesamtzahl der zutage geförderten Leichen sechzehn beträgt. Dazu kommt der abgerissene Ann, zu dem noch der Körper fehlt, so daß die Gesamtzahl der Talen aus siebzehn gestiegen ist. Die Ausräumungsarbeilea werden von Feuerwehr und Schupo beim Schein der Azelylenlampen mit oller Energie fortgesetzt. Eine Erklärung der Gaswerke. Die Direktion der Berliner Städtischen Gaswerke A.-G. teilt zu dem Unglück folgendes mit: Unsere zuständige Dienststelle erhiell gestern nacht die erste Mitteilung von dem Explosionsunglück in der Landsberger?lllcc durch die Feuerwehr. Infolge der Explosion war der am Haus beitndliche Hinweis auf dem A b> p e r r t o p f fortgerissen und die Stelle, an der der Absperrtops sich befindet, durch «chutt' verdeckt. Eine sofort abgesandte Kolonne machte den Ab- sperrtopf frei, sperrte d u rch u e b« r s n l l u n g mit Wasser die Gaszufuhr ab und brachte damit das Feuer zum Per- laichen. Das zum Grizirdstück führende Anschlußgasrohr war in- folge der Explosion aufgerissen. Die Ursache der Explosion tonnten mir bisher nicht feststellen. Wir haben nur �ermittelt, dap sich in den gesamten Kell. träumen des Grundstücks, die sich nicht nur unter dem Vorderhaus,- fandern auch unter dem Hof und dem hsiuergebändc ausbreiten, eine Kühlanlage einer Fieiäher.i genosscnschaft befindet, die mit Ammoniak betrieben wird. So weit die Unglückestellc eine Uebersicht erlaubt, scheint der Herd der Explosion in dem unter dem Lzos und dem Hintergebäude liegenden Keller gewesen zu sein, wo der Standort der Kühlanlage gewesen war. hiersür spricht die Tatsache, daß der hoskcller cbenjalls eingestürzt und die auf dieser Seite des Hauses freistehende Giebel- wand eingefallen ist, nachdem die nach dem unbebauten Nachbar- grundstück hinliegende Kellermauer durch die Explosion herausge- drückt war. Die Mitteilung, daß die Explosion aus die Undichtigkeit eines Gasrohres- zurückzuführen ist, das in den letzten Tagen neu in das Haus hineingelegt wurde, ist jedenfalls unrichtig: denn dieses Gasrohr ist bisher noch nicht in Betrieb genommen worden und liegt, wie die sofort heut« morgen vorgenommene Untersuchung er- geben hat, noch jetzt völlig geschlossen und intakt da. Weitere Unter- suchungen werden erst nach Zlbraumung der Unglücksstelle möglich sein. Ammoniak und Explosionsgefahr. Angesichts der Beunruhigung, die über die Möglichkeit einer Ammoniatexplosion in den Kreisen der zahlreichen Ammoniakver- braucher hervorgerufen worden ist, wird von sachverständiger Seitc nachdrücklich daraus hii�ewiesen, daß Ammoniak vollständig ungefährlich ist, sosern es den bestehenden Vorschriften entsprechend aufbewahrt zvird. Diese Varschriften bestimmen, daß die mit wasserfreiem Amnioiyak gefüllten Stahlflaschen in einem möglichst kühlen Raum zu lagern sind und der unmittelbaren Einwirkung der Sonnenstrahlen oder anderer Wärmequellen nicht ausgesetzt werden dürfen. Werden diese Vorschriften beachtet, sa ist eine Explosionsgefahr völlig ausgeschlossen. Wenn also wirklich eine Slmmoniak- explosion die Ursache des Unglücks in der Landsberger Allee gewesen sein sollte, so muß ein« vollständige vorschriftswidrige Behandlung des in der fraglichen Kühlanlage verwandten Zlmmoniaks stattge- fimden haben. Washingtons Krieg in Mittelamerika. Die neuen Verstärkungen. New Port, 5. Januar." Die für Nikaragua bestimmten Verstärkungen— drei Kompagnien Infanterie sowie Maschinengewehr- und Artillerieabteilungen, im ganzen 500 Mann— werden nach Anordnuirgen aus Washington spätestens am S. Januar an Bard des Transportschiffes „Argonne" New Dorf verlassen. Gleichzeitig werden 400 Marine- soldatcn nach Schanghai und Tientsin abgehen. Scharfe Kritik an dem Nikaragua-Vorgehen. Washington. 5. Januar. Die Regierungspolitik in Nikaragua wurde im Senat und im Nepräsentamenhause von den Demotroten und den U n a b- hängigen Republikanern heftig kritisiert. Das Repräsenwntenhausmuglidd fiaddleston aus Alabama erklärte, es handle sich um einen Krieg der Regierung und nicht um einen solchen des amerikanischen Volkes. Im Senat wurde die Zurück- ziahung der Truppen beantragt. Die Regierung bereitet trotz aller Kritik die Entsendung weiterer Marmestrcitkräftc nach Nikaragua vor. Mehrere leichte Kreuzer sind aus dem Wege nach nikaraguanischen Häfen. Das Staatsdepartement dementiert die Behauptungen, daß in den letzten Monaten mehrere hundert amerikanische Marine- soldaten in Nikaragua getötet worden seien. Es gibt die amerikani- schen Gesamtvcrluste mit sechzehn Toten und etwa vierzig Ver- mundeten an. Die Verluste der Streitkräfte des Generals Sandino, des Führers der Aufständischen, an Toten werden aus etwa 4M geschätzt. Die lettische Krise. Riga, 5. Januar. Die Verhandlungen, die der Führer der Rechtssazialisten H o l z m a n i s zur Bildung einer neuen Linkskoalition ausge- nommen hatte, sind ergebnislos verlaufen. Holzmanis hat darauf den Auftrag zur Regierungsbildung zurückgegeben, die nunmehr dem Führer des demokratischen Zentrums über- geben werden dürfte. Diese Partei hat bisher die Bildung einer neuen Regierung unter deutfchbürgerlicher oder fazial-stifcher Führung verhindert. Aufgaben des Zkeichsbanners. Don Johannes Stelling, Sauvorsitzender des Veichsdanners, Sau Verlin-Brandenburg. In der gestrigen Sitzung des Berliner Gauvorstandes des Reichsbanners Schwarz-Rot-Goid wunde an Stelle des Landrals Genossen Siering, der wegen Arbeitsüberlastung zurücktrat, der Reichstagsabgeordnete Genosse I. Stelling zum Gauvorsitzenden gewählt. Wir haben Genossen Stelling gebeten, seine Ansicht Über d'e Aufgaben des Reichsbanners im„Vorwärts4' zu entwickein. Der Weg der jungen deutschen Republik ist gedüngt mit dem Blute zahlloser Kämpfer für die neue Staatsform. Mordbuben, angestiftet und verleitet von feige sich im Hinter gruud hallenden Feinden der Republik, feuerten ihre Schüsse gegen Gareis, Erzberger und Nathenau ab. Sie wollten damit die Republik ins Herz treffen, hofften ihr den Garaus machen zu können. Efcherichs Einwohnerwehren, Roßbachs Abenteurerlruppcn in Gemeinschaft mit den sonstigen Haken- tceuzler- und sogcilannten vaterländischen Organisationen beherrschten die Straßen. Republikaner waren Freiwild. Da entstand im Frühjahr 1924, aus der Taufe gehaben von den republikanischen Parteien, das ,.R e i ch s b a n n e r S ch w a r z- R o t- G o l d44. Seine Gründung war eine Tat. Die Republikaner atmeten auf, in großen Massen schlössen st» sich der jungen Organisaüon an, b»r»'t rnck ge- willt, wenn es sein mußte, mit ihrem Blute gegen d e W d"4- sacher von rechts und links die Republik zu verteid'gei, In jener Zeit hat das Reichsbanner schön allein durch lein Par- handsnsem der Republik außerordentlich gedient In Ge- meinschaft mit den repubsikanischen Parteien iit-besondxr» ober unserer Grnofs?n in der preuß'.schen Regierung, hat?> das deutsche Volk vor Putschen, vor dem Bii g wk riege. bewahrt. Schon bei den Wahlen im Mai 1924 trat das Reicks- bann er mirktma svoll tri die Erscheinung. Während es in den vorhergehenden Iahr-n au vielen Oncn kaum möfstich mar. vffzntfickis Versammlungen ungestört durchzuführen. sargten jetzt die Reschsbannerkamernden dafür, daß den derussmän-geu Versammlungzstörern und Sprengern das Handmerk g leg: werden konnte. Das Versammlung sieben nahm wieder ruhige Formen an- Der Zweck d»r Versammlungen, aufklärend und belehr md zu wirken, könnie wieder erreicht werden. Wenn das Reichsbanner weiter nichts er zielt hätte, dann wäre diese seine Tätigkeit s.hon hoch genug einzuschätzen. Seine Hauptausgabe aber bestand darin, für den Gedanken der Revublik unter den breiten indifferenten Massen zu werben, die Jugend vertraut zu yiacken mit dem Inhalt der neuen Staatsform und den Feinden der Republik durch sein Auftreten ein scharfes Paroli zu bieten. Auch in diesem Kampfe um den republikanischen Staats- gedanken find manchertei Opfer gefallen. Ich erinnere nur an die Vorfälle in Berlin selbst und an Arensdorf. Trotzdem sind die Kameraden mit frohein Mut. durchdrungen von innerster Ueber, zeugung. hinausgezogen und haben ihre Werbetätigkeit für die Republik fortgesetzt. Hat das Reichsbanner zweifellos der Republik und den republikanischen Parteien schätzenswerte Dienste geleistet, so taucht jetzt hier und dort die Frage auf, ob das Reichsbanner nicht seine Mission erfüllt habe und deshalb verschwinden könne Man beruft sich darauf, daß ja nicht nur die Deutsch- nationalen bedingt die Republik anerkennen, sondern daß auch die Führer unserer sogenannten Wirtschaft auf ihren Tagungen sich offen für die Republik ausgesvrochen haben. Daraus wird die Schlußfolgerung gezogen, daß der Republik keine Gefahr mehr drohe und daß deshalb das Reichsbanner überflüssig geworden sei. Ich brauche den Lesern des„Vor- wärts" nicht auseinanderzusetzen, wie man die Haltung der Deutschnationalen und der Wirtschaftskreise einzuschätzen hat. In der Regierung mimen die d e u t s ch n a t i o n a l e n Minister den Republikaner, draußen im Lande und bei ihren Veranstaltungen schwören sie auf die Man- a rch i e! Trotzdem muß zugegeben werden, daß die Gefahren für die Republik als Staatsform heute wesentlich geringer sind als vor einigen Iahren. Handelt es sich aber für uns nur um die A r t der Staatsform? Haben wir nicht vielmehr die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die deutsche Republik sich nicht zu einer kapitalistischen Geldsackrepublik entwickelt? Unsere Aufgabe muß darin bestehen, daß wir unser Staatswesen immer mehr zu einem wirklich sozialen ausbauen und daß wahrgemacht werden jene Worte, die unser leider zu früh verstorbener erster Reichs- Präsident Friedrich Eberl als Vertreter der Volks- beauftragten im Februar 1919 an die Weimarer Rational- Versammlung richtete:„Wir wollen errichten em Reich der Freiheit und Gerechtigkeit, gegründet auf Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt." Dieses Ziel zu erreichen, ist zweifellos in erster Linie Aufgabe der wirklich republikanischen Parteien. Dos Reichsbanner aber kann und muß Helferin und Förderin sein. Es hat die Aufgabe, immer wieder vor- Ein neuer Reparationsvorschlag. Deutschland soll 42 Milliarden Mark zahlen. zustoßen in jene Schichten der Bevölkerung, die dem pofi- tischen Leben fernstehen und die bisher willkommener Spiel- ball für die fchwarzweißroten Parteien waren. Besonders muß es versuchen, die I u g e n d zu erfassen, um zu verhüten, daß sie in ihrem überschäumenden jugendlichen Feuereifer hineingeleitet wird in den Strom der Feinde der Republik. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet ist das Bestehen des Reichsbanners weiterhin eine zwingende Notwendigkeit. Das Jahr 1S28 stellt uns vor große Aufgabeiu Gilt es doch, im Reiche den Rechtsblock und seine Regierung zu stürzen, und in Preußen die republikanische Regierung derart zu festigen, daß sie nicht wie noch in den letzten Wochen wichtige, dem Fortschritt dienende Gesetzesvorlagen infolge der parla- ntentarifchen Zusammensetzung unerledigt lassen muß. Die Gegner der Republik arbeiten heute bereits mit Hochdruck. Gestützt auf die Geldquellen der Großlandwirtschaft und der Großindustrie werden sie ejnen Wahlkampf zu entfesseln ver- suchen, der alles bisher Dagewesene weit übertrifft. Geht es doch' bei ihnen um die M a ch t i m S t a a t e. Da muß und soll auch das Reichsbanner seinen Mann stellen, soll den republikanischen Parteien Hilfs st ellung l e i st c n in ihrem zweifellos scharfen Kanipse. Deshalb ist es die Pflicht der Angehörigen der rcpubli- konischen Parteien, für die Stärkung des Reichs- b o n n e r s einzutreten. Das ist uni so notwendiger, als die sogenannten vaterländischen Organisationen der verschieden- sten Färbung sich immer enger zusammenschließen und den politischen Parteien ihre Dienste zur Verfügung stellen, die als Gegner der Republik in die Erscheinung treten. Auf der mtderen Seite haben aber auch unsere Reichsbanner- k a m e r a d e n die Pflicht, sich vollzählig gewerkschaftlich zu organisieren und politisch inner- Imlb der republikanischen Parteien zu wirken. Wird doch der Hauptkampf um die Lebensinteressen des deutschen Volkes ausgefochten auf dem Boden der Parlamente. Je stärker die politischen Parteien, die auf dem Boden der Republik stehen, sind, desto wirkungsvoller wird sich ihre Arbeit in der Gesetz- gebung gestalten. Desto leichter wird auch der Kampf sein um die Erringung der politischen Macht im Staate. Eine weitere Notwendigkeit ist es für jeden Reichs- bannerkameraden, daß er die Presse aus seinem Hause verschwinden läßt, die offen oder versteckt den Feinden der Republik Helfersdienste leistet. In das Haus eines jeden Republikaners gehört die republika- niiche Presse. Sie zu fördern und für ihre weiteste Verbreitung Sorge zu tragen, ist angesichts des Treibens der Hugenberg und Konsorten Ehrenpflicht eines jeden Reichs- bannerkameraden. Ein schwerer Kampf ist es, der uns in diesem Jahre bevorsteht. Durchdrungen von hoher Begeisterung für unsere Sache, durchdrungen von der sicheren Erwartung, daß unser der Sieg ist, wollen wir den Kampf führen um die Beseitigung der schwarzweißroten Herrschasten. Wir, die Trommler für die freie, die soziale Republik! Was ist's mit dem Zentrum? Guörard gegen Marx. Äft? dem Parteitag der rheinischen Zentrums- p a v tet für den Regierungsbezirk Koblenz' hielt der Borsitzende der Jeiüriimssrartion des Reichstags, von Guerard, eine Rede, die am Donnerstag von der„Kölnischen B o l k s z e i t u n g" im Auszug veröffentlicht worden ist. Guerard sagte danach im Gegensatz zu der vom Reichskanzler Marx kürzlich vertretenen Auffassung, daß das Zentrum weder eine republikanische noch eine monarchistifche Partei sei: „wir sind eine republikanische Partei. Jeder Dersuch, die Monarchie zurückzurufen, würde unser Volk zerschlagen, und das lehnen wir ab." G u e r a r d befaßte sich auch mit dem Reichsfchulgeseh und er- Harte, daß das Zentrum von den bekannten Forderungen zu diesem Gesetzentwurf nicht zurücktreten werde. Es fei möglich, daß die Koalition über das Reichsschulgesetz in die Brüche gehe. In bezug auf die Forderungen der Slandesherren äußerte sich von Ga�rard dahin, daß er im Reichstag eine Lorlage verlangen werde, durch die alle Ansprüche der Ttondesherren auf Aufwertung i'ircr Vermögensaiisprüche zurückgewiesen werden. Falls die für dieses Gesetz notwendige Zweidrittelmehrheit nicht zu erlangen wäre, müsie eben das Boll über die Angelegenheit selbst entscheiden. * Herr v. Guörard beginnt mit der Wahlagitation. Er sucht, verlorenes Vertrauen durch entschiedenes Auftreten gegen die Standesherren wiederzugewinnen. Es handelt sich bier um ein Problem, das seit Jahren brennend' ist, ohne daß! weder v. Guörard noch die Zentrumsfraktion des Reichstages zu seiner Regelung im Sinne der Volks- Mehrheit das geringste getan hat. Vielmehr hat die Reichs- rcgierung erst neuerdings gegen den Widerspruch der preußi- scheu Regierung ein Gesetz ausgearbeitet, das den Ansprüchen der Standesheiren in weitestgehendem Maße gerecht wird. Plötzlich ist izerr v. GuSrard dagegen! Gilt das auch, wenn er wieder in Berlin ist? Dann das Bekenntnis zur Republik! Der Reichs- kanzler des Zentrums erklärt, zur Bayerischen Aolkspartei gewandt: wir wollen weder eine republikanische noch eine monarchistische Partei sein. Der Fraktionsvor- sitzende des Zentrums erklärt den Wählern gegenüber das Zentrum zur repirblikanischeu Partei. Hat das Zentrum es nötig, mit den Deutschnationalen um den Ruhm fünfzig- prozentiger Gesinnungen zu konkurrieren? Soll das Bekenntnis des Herrn v. Gu6rard eine parteiamtliche Korrektur des Reichskanzlers Marx fein— so mag ihm öffentlich entsprechendes Gewicht gegeben werden. Bis dahin sieht die Oeffentlichkeit nur, daß Herr Marx die Republik verleugnet hat, um die Bayerische Volkspartei zu gewinnen. Herr v. Gu6rard aber Herrn Marx— um die Gunst der Wähler nicht zu verlieren. Zahlungen für Slandesherren gesperrt. Der preußische Finanzminister hat angeordnet, die Ab- schlagszahluugen für die Stondesherren mit fofor- tiger Wirkung zu sperren. Den Standesherren wird jetzt nichts anderes übrig bleiben, als die Hilse der preußischen Gerichte in An- sinuch zu nehmen. Ein Teil hat das bereits getan: einer davon Nt auch'chon hereingefallen, indem ein Wiesbadener Gericht seine Fordenmg als„uniitttich" ablehnte. Was machte der feudale Herr? Er legte Revision«in. New York, Z. Januar. Wie„Herald Tribüne� aus Washington berichtet, ist man im Senat der Anficht, daß der Borschlag auf Herabsetzung«nd Fundierung der deutschen Nepara» tionsschuld in Verbindung mit der Begleichung der Kriegsschulden der Alliierten bereits vor einiger Zeit von Bernard Baruch, New Bork, der seinerzeit der wirtschaftliche Berater der amerikanischen Friedens- kommifsion in Paris war. der Negierung unterbreitet worden sei. Die Anregung Parker Gilberts auf Fest- setzung der Gesamtsumme der deutschen Zahlun- .gen stelle den ersten Schritt zur Ausführung dieses Vor» schlages dar. Gilberts Borschlag sei der Ausdruck der Erkenntnis, daß der Zeitpunkt für die Erörterung des Problems nunmehr gekommen sei. Bernard Baruch hat in seiner Denkschrift an die Regierung betont, daß die interalliierten Schulden- abkommen basiert werden sollten auf dem. was die Alliierten zahlen müssen, während Deutschland zahlen müsse, was es könne. Als Motiv des Borschlages wird angeführt, es sei möglich, daß Deutschland nach einigen Jahren über- Haupt nicht mehr zahlen werde,«nd daß diese Befürchtung die Alliierte« einer Festsetzung der Nepara- tionsschuld geneigter machen werde. Da nun Deutsch- land eine Zahlung von 33 Milliarden Dollar nicht leiste« könne, so sollte eine Festsetzung auf insgesamt höchstens 14 Milliarden erfolgen, wovon zunächst etwa 2 bis 4 Milliarden durch fünf- oder sechsprozentige Bonds zu fundiere« seien. Die vor- teil- eines solchen Planes läge» aus der Hand, aament. lich für F r a n k r e i ch, dessen Kredit sofort steigen werde. Eine internationale Konferenz? New Jork, S. Januar. Wie das„Journal of Commerce' erfahren haben will. trägt sich die Regierung mit der Absicht, eine ntternationale Kons«. renz einzuberufen, auf der eine vollständige Revision des Dowes-Plancs und sämtlicher interalliierten Kriegsschulden erörtert werden würde. Der Washingtoner Korvespondent des Wattes erklärt, der Gc- danke rühre ursprünglich von Parter Gilbert her und werde jetzt von der Regierung geprüft. Unter den zu erörternden Bor- schlügen würde in Betracht kommen die Fesijetzuitg der deutschen RcparationsverpflichtunPn auf ein««ndgüllige Summe, die wesentlich weniger betragen würde als die Daroes-Zahwn- gen, außerdem der Verkauf eines großen Betrages deutscher Obli- g a k i o n e n, deren Erlös unmittelbar Frankreich zugute- kommen soll, sowie schließlich die Löschung der englischen Ansprüche gegenüber Deutschland, während weitere deutsche Obligationen au-gegeben würden, die zur völligen Bezahlung de? interalliierten Kriegsschulden in Amerika an die Bereinigten Staaten übermittelt werden sollen. Wie uns aus L o n d o n gemeldet wird, sollen die Verhandlungen über diesen Fragenkomplex alsbald nach den französischen Wahlen beginnen. Der Justizmord von Reustrelitz. Antrag aus Wiederaufnahmeversahren im Kalle Lakubowski. Im Auftrag der Deutschen Liga für Menschenrechte hat der Rechtsanwalt Dr. Arthur Brandt an den Ober- ftaatsanwalt beim Landgericht Neustrelitz nachfolgenden Wiederaufnahineantrag gestellt: .Ln der Strafsache gegen den Arbeiter Joseph Iaku- b o w s k i stelle ich hiermit namens der Deutschen Liga für Men- schenrechte den Antrag: Die Staatsanwaltschaft wolle die Wieder- aufnähme des durch rechtskräfttges Urteil des Schwurgerichts beim Landgericht Reustrelitz vom 26. März 1923 abgeschlossenen Verfahrens zugunsten des Verurteilten beantragen. Begründung: Nachdem ich feit längerer Zeit durch die Deutsche Liga für Menschenrecht« mit der Vorbereitung des Wieder- aufnohmeverjahrens beauftragt und befoßt bin, wird mir soeben die Nachricht übermittelt, daß die Großmutter des verstorbenen Ewald Nogen», dessen Tötung dem Verurteilten zur Lost gelegt worden war, die Witwe Nogens, auf dem Sterbebette gestanden habe, selbst das Kind umgebracht zu haben. Hiernach wäre der verurteilte Joseph Iakubowski unschuldig zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Ich bitte ergebenst, dies« Angabe nach- z u p r ü f e n und gegebenenfalls das Erforderliche veranlasien zu wollen.' Das Justizministerium von Mecklenburg-Sttelitz hat in- zwischen mitgeteilt, daß es keinerlei Veranlassung gehabt habe, irgendwelche Nachforschungen anzustellen. Diese Haltung ist unmöglich gegenüber der Bebaupiimg, daß«in Dritter sich selbst des Mordes bezichtigt habe. Die herkomme liche Halsstarrigkeit gegenüber allen Versuchen, Wiederauf- nahmeoerfahren durchzusetzen, ist in diesem Falle besonders übel angebracht.-„ Stahlhelm gegen Ehrhardt. Klage über unlauteren Wettbewerb. Die Zeitung des Stahlhelms macht sich stark für das Kampfjahr 1928— aber die rechte Stimmung will nicht gelingen. Der.Schatten des Krachs ün �Stahlhelm oerdunkelt die glänzendsten Phrasengebilde. Der Schluß ihres Zluffatzes über„das Kampfjahr 1928" lautet: „Die dritte fundamentale Schwäche, an welcher gewisie Kreise der nationalen Bewegung leiden, ist die Unfähigkeit zu eigener positiver und schöpferischer Leistung, welche dazu verleitet, in Kritik und Anklage schon eine Leistung zu sehen und die Erfolge solcher Betätigung in rasch ver> gänglichem Etiminungzrausch und in Verbrüderung mtt anderen erregbaren Menschen als politische Erfolge zu betrachten. Wenn dann noch hinzukommt, dag man unter Berufung auf konservative Ausgaben und Pflichten die schlechtesten demagogischen Methoden anwendet, die Führer zu beschimpfen und der Gefolgschaft chre„beste Qualität' zu bezeugen, sich von geschäjtigen Heinzelmännchen Tratsch und Lügen zu besorgen, jede Verleumdung zu benutzen, die nützlich erscheint, dann wollen wir nicht leugnen, daß durch solche Arbeit gewisse �Erfolge' erreicht werden können. Aber auch dadurch lassen wir uns' nicht beunruhigen und von unserem Wege ablenken. Der Stahlhelm bleibt doch in seiner Stärke bestehen und in seinem � Willen ungeschwächt, die anderen werden chre verlorene Sache durch solche Erfolge„unlauteren Wettbewerbs' nicht verbessern! können, und den Schaden hat am Ende und allein die deutsche Sache." Der„Stahlhelm" meint Ehrhardt mit den„gewissen Kreisen", über die er sich so bitter beklagt. Das gibt eine> feine„nationale Einheitsfront"! Geßter klagt. Aber das Schöffengericht spricht frei. Rraunschtveig. 5 Januar(Eigenbericht). Am Donnerstag stand der veraotworlliche Redakteur des „B o l k s f r e u n d' in Brounfchweig vor dem Schösfengericht, weil er sich nach Ansicht des Reichswehrministers einer Beleidigung des Unteroffizierkorps der Reichswehr schuldig ge- macht haben sollte. Der„Bolksfreund' hatte vor einiger Zeit ein Inserat aus der„Frankfurter Oderzeitung' abgedruckt, in dem ein Knabenerziehungsheim emen älteren starken, energischen Mann, einen ehemaligen Feldwebel oder Schlächter, als Erzieher sticht«. Der„Bolksfreund' hotte dieses Inserat mtt einigen pädagogischen Betrachtungen und mtt folgendem Nachsatz versehen abgedruckt:„Uebrigens ist die Zusammenstellung von Feld- webel und Schlächter an sich nimt übel. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Schlächter gegen solche Jdeenverbindung proiestieren, wozu sie eigentlich in vorstehendem Falle ein doppeltes Recht hätten.' Der Angellazte Fuchs bete nie zu seiner Verteidigung, daß cr bei der Ausnahme des Artikels einen gewissen üblen Typ der ehe- maligen Feldwebel der kaiserlichen Armee, nicht aber das Unter- ojjizierkorps der Reichswehr im Auge gehabt habe. Roch langen rechtliche» Auseinandersetzungen, in denen die Frag««tue Roll« spiette. ob der setzige Reichswehrminister auch berechttgt fei. für die Angehörigen der ehemaligen kaiserlichen Armee Etrofanträge zu stellen, verlangte der Vertreter der Staatsanwaltschaft wegen Le. leidigung eine Geldstrafe von 10 M. oder zwei Tagen Haft. Dos Schöffengericht kam jedoch zu einem Freisprach. Wild-Ost. Wem» mau in Kattowitz bevtsch spricht. katlowltz, 5. Januar. Am Abend des 2. Januar unterhielt sich in der Nähe der Kaiserschen Restauration auf der Straße ein zu Urtaub wettendei: Soldat mtt einer Verwandten in deutscher Sprache. Der Aufftändischenführer Wrobel oerbot den beiden unter wüsten Beschimpfungen die Fortsetzung des Gesprächs in deutscher Sprache. Es entwickelten sich Auseinandersetzungm, in deren Verlauf Wrobel einen Revolver zog. um den Soldaten zu erschießen. Der Wirt trat dazwischen, worauf Wrobel einen Pflasterstein ergri/f und die große Spiegelscheibe des Lokals zertrümmert«. Der Besitzer des Lokals ist ein Reichsdeutscher und hat unter den Aufständisltzen schon früher viel zu leiden gehabt. Gistgasschuh für Zivilbevölkerung. Sachversiändlgentogung in Brüssel. Gens. S. Januar. Die internationale Sachverstöndigenkommision. die vom internationalen Roten-Kreuz-Komitee einberufen wurde, um das Problem des Schutzes der Zivilbevölkerung gegen den chemischen Krieg zu studieren, wird am 1k. Januar im Palais des Academie« in Brüssel zusammentreten. Der Kommission gehören Chemiker, Ingenieure. Vertrete? der Großindustrie und Gelehrte aus«nerzehn Ländern, darunter Deutschland. Frankreich, Großbritannien. Italien und Japan an. Aufstandspläne in Mexiko. Time iverhastongen. Mexiko, 3. Januar. Sechs Männer, die als Führer einer neuen Ausstandsbewegung in den Staaten Oueretaro und Guanajuoto getten. find verhaftet worden. Nach Angaben der Regierung sollte dieser Auf- stand noch in diesem Monat ausbrechen, wofür dt« Zu- jammenarbeit mit einer aufständischen Gnippe im Staat« Jalisco gesichert war. Nach Aussoge der Verhafteten wurde die Verschwörung von mexikanischen Emigranten«n den Der- einigten Staaten geleitet. Auch Wösten wurden aus den Bereinigten Staaten eingefchmuagelt. Im Memeiiand sind noch 4300 solche Deut, che. Die seinerzeit für Deutschland optiert haben und deebalb bis zum 1. April d. I. litauisches Gebiet verlasien sollen. Die Reichsregierung verhandelt mtt Litauen wegen einer günstigeren Regelung. Argentinischer Ministerbesuch. Außenminister Gallardo in Äerlin eingetroffen. Der argentinische Mnister des Aeußeren Dr. A. G a l» l a r d o ist gestern mittag in Berlin eingetroffen. Argen- ' tinien ist eines der wenigen Länder, dessen freundschaftliche Beziehungen zu Deutschland niemals getrübt worden sind, auch nicht während des Krieges, in dem es zusammen mit t5hile und einigen ganz wenigen latein-ameritanischen Staaten bis zuletzt und trotz stärksten Druckes neutral blieb. Diese Beziehungen haben sich nach dem Kriege so- wohl auf kulturellem wie auf wirtschaftlichem Gebiet nur verbessert Die Statistik lehrt, welche immer größere Rolle der gegenseitige Handel zwischen Deutschland und Argentinien spielt. Da Argentinien ein noch sehr«nt- wicklungzfähiges Land ist. dürfte sich der Güterverkehr zum beiderseitigen Nutzen weiter ausdehnen, vorausgesetzt, daß Deutschland nicht durch eilte engherzige großagrarische Zoll- Politik gegenüber dem argentinischen Getreide die eigenen industriellen Ausfuhrmögllchkeiten hemmt. Argentinien ist ferner eines der wenigen Länder, das noch große Einwanderungsmöglichkeiten bietet und sich dem Zustrom fremder Kolonisten nicht kleinlich»er- sperrt, wie es zum Beispiel die Dereinigten Staaten von Nordamerika tun. Das Deutschtum spielt im argentinischen Leben eine wichtige Rolle, teils durch alteingesessene, längst naturalisierte ehemalige Deutsche, von denen sogar einzelne hohe politische Stellungen bekleiden, teils durch Auslandsdeutsche, die in der argentinischen Wirtschaft hervorragend tätig sind. Leider ist gerade in Argentinien ein Teil des Auslandsdeutschtums von einer erstaunlichen politischen Beschränktheit. Eine kräftige republikanische auslandsdeutsche Minderheit setzt sich mit steigendem Erfolg und mit Hilfe eines eigenen Organs» des tapferen„Argentinischen Tageblattes. gegen diese reaktionären Bestrebungen zur Wehr, muß aber unter den gemeinsten Boykottmaßnahmen der kapitalkräftigeren schwarz- weißroten Deutsch-Argentinier leiden und findet nicht ge- nügenden Schutz bei den amtlichen deutschen Bertretern. Dieser Kampf spielt sich unter den Augen der argentini- kchen Regierung ab, die selbst ein durchaus demokratisch- republikanisches Volk vertritt und daher von diesem Schauspiel wenig erbaut sein dürste. Der argentinische Außen- minister Dr Gallardo wird sich während seines hiesigen Aufenthaltes davon überzeugen können, daß a u ch D e u t s ch- land eine demokratische Republik ist und daß daher die reaktionären Auslandsdeutschen in seinem Lande jeden Kon- takt mit der Wirklichkeit und mit den Gefühlen der großen Mehrheit des deutschen Volkes verloren haben. Argentinien ist eines der wenigen Länder Südamerikas, das die kräftigen Anfänge einer modernen Arbeiterbewegung zeigt Die Fortschritte, die die argentinischen Sozialisten namentlich bei den letzten Gemeindewahlen in Buenos Aires, Puerto Alegre usw. gemacht haben, beweisen, daß auch aus sozialem Gebiete Argentinien ein Land der Zukunft ist. Hoffentlich wird Dr. Gallardo, der aus Paris kommt und noch andere Hauptstädte besuchen wird, aus dieser Europa- reise die Ueberzeugung gewinnen, wie sehr alle europäischen Länder die Rückkehr Argentiniens zur aktiven Mitarbeit am Völkerbund wünschen, auf die es ie lS2l) aus durchaus achtbaren, demokratischen Gründen ver- zlchtet hat. Dem Internationalen Arbeitsamt hat Argentinien von Anfang an angehört. Der Beschluß der argentinischen Regierung, dem Völkerbund wieder aktiv bei» zutreten, steht bereit» fest, allein die parlamentarische Rati- fizicrung wurde bisher durch andere Arbeiten immer wieder hinausgeschoben. Hoffentlich wird auch in Berlin dem argenti- nischen Außenminister erklärt werden, wie sehr man es be- grüßen würde, wenn im September 1S28 Argentinien wieder leinen Platz in Genf einnehmen und damit den Schlag mehr als wiedergutmachen würde, den Brasilien vor zwei Iahren dem Völkerbundsgedanken versetzt hat. Der Berliner Besuch Dr. Gallardo» gilt u. a. der Erörterung der wirtschaftlichen und vertehrstechnischen Be- ziehungen zwischen Deutschland und Argentinien. Dabei dürfte auch die Frage der geplanten Zeppelin-Der- b i n d u n g Sevilla— Buenos Aires«ine Rolle spielen. End- lich wird die Umwandlung der argentinischen Gesandtschaft in Berlin und der deutschen Gesanotschaft in Buenos Aires in Botschaften erörtert werden. Nachdem bereits Italien und oie Dereinigten Staaten auf diesem Wege voran- gegangen sind, hat Deutschland allen Anlaß, diesem argentinischen Wunsche Rechnung zu tragen. Je mehr Länder in der Welt die äußeren Attribute einer„Großmacht" erlangen, desto mehr wird dieser Begriff entwertet werden. Eine solche Entwertung liegt aber durchaus in der Linie einer Demokratisierung der Weltpolittk, denn sie fördert die von der Sozialistischen Internationale ver- langte Gleichberechtigung der kleineren Staaten, die im gegenwärtigen Völkerbund nur auf dem Papier besteht. Wir deutschen Sozialdemokraten sind überzeugt, daß die deutsch-argentinische Freundschaft, durch den Berliner Besuch des Außenministers Gallardo neu belebt, einer um so erfreu- licheren Zukunft entgegengeht, als die Gleichartigkeit der Staatsform einen Faktor darstellt, der das Gefühl der Solidarität zwischen zwei Völkern in nicht zu unter- schätzender Weise erhöht. Eine Geschichte des Faschismus. Oas groß« Werk Salvemiais. Der im Exil lebend« italiemsch« Historiker Prof. Gaetano Salvemini, dessen Polemik gegen die pro-faschisUschen Aeuße- rungen Bernhard Shaws noch erinnerlich ist, wird binnen kurzem bei dem Londoner Verleger Jonathan Cape ein«„D i e faschistische Diktatur" betitelte zweibändige Gesamtdar- stellung des Faschismus erscheinen lassen. Wie der Londoner„Daily Telegraph" meldet, ist da« ein« auf riesiges Dokumentenmaterial gestützt« Schilderung aller Umstände und Kräfte, durch die Mussolini die Macht erobern und aufrecht erholten konnte. Sclvemini schildert das Leben in Italien unmittelbar nach dem Kriege, den Faschistenmarsch aus Rom und ihren Terror. Der erste Band schließt mit dem Maiteattt- Mord, der zweite bringt«in« Schlidentng dcs sozialen, wirtschait- lichen und politischen Verhältnisses des heutigen Italien». E» ist zu hoffen, daß dieses historisch? Dokument ersten Ranges der Deffentllchkeit auch in deutscher Sprach« zugänglich gemacht werden wird,....... Nikaragua und Monroe-Doktrin. Keine Einmischung Europas! Amerika hütet allein seine Kreiheii Maßnahmen gegen Baulaudwucher. Die preußische Regierung für zeitgemäße Siedlungspolitik. Der Achtliche Preußische Pressedienst gibt folgenden Erlaß des preußischen Ministeriums für Doltswohlfahrt bekannt: Die Förderung des Kleinwohnungsbaues ist naturgemäß wesent- lich davon abhängig, daß Bauland zu günstigen Bedingungen zur Verfügung steht. Wi« aus früheren Berichten zu ersehen war, wird in vielen Fällen Bauland zwar reichlich angeboten, aber zu P r e i- s e n. die für Kleinwohnungsbauten nicht in Betracht kommen können. Oft hat auch die Zunahme der Bautätigkeit an manchen Orteu oder das Bekanntwerden größerer Bauvorhaben die Boden- preise steigen lassen. In solchen Fällen muß es Aufgab« aller mit dem Wohnungsbau befaßten Behörden fein, einem Bodenwucher tatkräftig entgegenzutreten. Dor einiger Zeit hat eine Stadtgememd« die Anträge auf Ge- Währung von Hauszins st«uerhypotheken daraufhin ge- prüft, ob der Baulandpveis zu den Gesamtbaukosten in angemessenem Verhältnis steht. Soweit das nicht der Fall war. sind die Anträge abgelehnt worden. Auf diese Weise ist es vielfach gelungen, die Bauunternehmer zu größerer Vorsicht bei Ankauf von Bau- land und die Baulandbesitzer zu günstigerer Preisstellung zu ver- anlassen. Der Minister begrüßt ein Vorgehen dieser Art durchaus und empfiehlt es geeignetenfalls auch für andere Orte. Denn die au, Mitteln der Allgemeinheit stammenden hauszinssteu erHypotheken dürfen nicht dazu dienen, übermäßige Baulandpreise zu b«. zahlen. Da» Verhältiii» der Baulandkosten zu den reinen Baukosten wird naturgemäß immer Schwankungen und auch einer verschiedenartigen Beurteilung unterliegen. Rittst. linien hierüber können nicht aufgestellt werden, da die ärtlichen Verhältnisse zu verschieden sind. Im übrigen weist der Minister darauf hin. daß die Verockmung zur Behebung der dringenden Wohnungsnot vom g. Dezember 19lÄ geeignet ist, einer gesunden Bodenpolitik die Wege zu ebnen. Die Verordnung ist nicht etwa nur für ländliche Verhältnisse bestimmt. Gerade in den G r o ß st ä d t« n werden für Bauland oft Preise gefordert, die eine zeitgemäße Sied- lungspvlitik unmöglich machen. In solchen Fällen bietet die Behebungsverordnung eine geeignete Handhab«, den Baulandpreis in angemessenen Grenzen zu halten. Ofttnals hat schon der Hinweis auf«in Vorgehen nach dieser Verordnung genügt, die Landeigen. tümer zu geeigneter Preisstellung zu veranlassen. Der Minister ersucht, die nachgeordneten Behörden, der Frag« de» Baulandpreises auch weiterhin ihr besonderes Augenmerk zuzuwenden und ihm über ihr« Erfahrungen nach sechs Monaten zu berichten. Briand will nur noch Gchiedsverirag. Washingtons pakivorfchläge werden abgelehnt. pari». 5. Zauuar. lSigeubericht.) Die Polemik der sranzSslscheo Presse üb« da» Schreiben de» amerikanischen Slaatssekrelär» Kellogg zn dem sranzösischcv Eni- n»rf etne, Zttchtangrifsspakte» läßt«kennen, daß die was hing- taner Gegenvorschläge hl« keine Annahme finden werden. latsächitch hat Briand den sranzäflschen Botschafter in Washington bereit» beanslragt. die Verhandlungen bi» ans weit««» aus die Erneuerung de» im Februar obiaafenden Schiedsoer- träges zu beschränken. Die dem„Onai d'Orsay" nahe- stehenden vlätt« treten ebenfalls für eine deutliche Trennung de» Paktproblems von der Frage d« Er«eu«ung der In den Jahren 1908 und 1914 zwischen Frankreich und de« vereinigten Staaten ab- geschlossenen Schledsabkommeu ein. Skepsis und Zurückhaltung in London. tondou. S. Januar.(Eigenbericht.) Wie eine Rundstage bei politisch maßgebenden Persönlichkeiten aller Parteien beweist, ist die Skepsis gegenüber den Selloggfchen Dorschlägen hinsichtlich der Zstrmeidung von Kriegen in politischen Kreisen Londons noch großer, als nach den ersten Pressestimmen angenommen werden mußte. So sehr der Geist, von dem die Friedensvorschläge getragen sind, auf allen Seiten begrüßt wird, so wird doch immer auf folgend« zwei Puukt« hingewiesen: 1 mangelnde Stabilität der amttikanischeu Außenpolitik. welche dem innerpciitischen Wandel Amerika» in höherem Maß« unterworfen sei als diejenlg« irgendeines anderen Landes: 2. die vermutlich- Unvereinbarkeit der Kelloggschen Borschläg«, so- weit sie bisher bekannt geworden sind, mit dsn Völkerbund- Verpflichtungen der europäischen Staaten. In amriichen Kreisen wird gegenüber den Vorschlägen überhaupt äußerste Zurückhaktuug bewahrt, da SroßbrUannten bis jetzt lediglich von dem Text der Kelloggschen Rot« an Frankreich unterrichtet worden ist, jedoch bisher weder von Lnaud noch Kellogg zu einer Stellungnahme aufgefordert wurde. Trotzdem man amt-- licherfeits nachdrücklich betont, daß man den Vorschlägen durchaus unvoreingenommen gegenübertrcten wird, so kann schon heut« kein Zweifel darüber bestehen, daß die offizielle Entscheidung Groß- britanniens schließlich einer qualifizierten Ablehnung gleichkommen werde. Als ausgesprochene Freunde der Kelloggschen Dorschläge sind bisher in der Oeffentlichteit lediglich diejenigen pazifistischen Kreise hervorgetreten, die seit jeher gegen die bewaffnete Völkerbundsexekutive eingestellt waren und für Abänderung des Z 16 des Völkerbundsstatuts eintraten. Parteitag der ungarischen Sozialisten. SoN die parfei im Parlament bleiben? Bnbapest, 5». Januar. Freitag tritt in Budapest der sozialdemokratisch« Parteitag zu- sammen. Er wird wahrscheinlich bis Sonntag abend iogen. Gleich- zeitig wird eine Frauenlandeskonferenz tagen und eine Konferenz der deutschsprechenden Sozialdemokraten abgehalten werden. Lei dem Punkte der Tagesordnung über die äußere Politik wird aller Wahrscheinlichkeit nach die Stellungnahme zu de? Rothermere-Aktion erfolgen. Es sind Bestrebungen im Gange, der faschistischen und konterreoolutionären Renisionspolitik Rothermeres eine von internationalen Gesichtspunkten ge- leitete außenpolitische Auffassung gegenüberzustellen. Eine beweg- tere politische Debatte dürfte auch die Frage hervorrufen, ob e» unter den gegebenen Verhältnissen nützlich ist, daß die sazialdemo- kmtische Partei durch ihre parlamentarische Vertretung der Dil- tatur Bethlens ein Feigenblatt liefert. Der in der Emigration lebende sozialdemokratisch« Führer Garant! hat in der Weihnachtsnummer einer bürgerlichen Zeitung den Gedanken ent- wickelt, daß es unter den heutigen Be» Hältnissen vorteilhafter wäre. wenn die sozioldemokratische Partei durch die sogenannte Politik der„Passivität", das heißt der Enthaltung vom Parla- m e n t, zur Entlarvung der Diktatur beitragen würde, als daß sie durch ihre fast ergebnislose Teilnahme an den parla, neu- tanschen Arbeiten zur Aufrechterhaltung des Scheines mithilft, daß Horthy-Ungarn ein parlamentarisch regiertcr Staat sei. Eine in Ungarn selbst wirkende Gruppe der Partei geht nicht so wett, sie verlangt nur, daß die Partei die parlamentarisch« Tri- büne zur Aufrüttelung der Massen, also zu reiner Pro- pagandatätigkeit verwende. Kameneffs Nachfolger. Oer neue Sowjeiboifchaster in Kern. Mailand. 5. Januar. Wie der.Xüorrier« della Sera" bestätigt, ist zum Nachfolger Kameneffs als Sowjetbotschafter in Rom Professor Otto Schmidt. der jetzige Präsident des Redaktionsausschusses des'großen bolschc- wistischeu Konservationslexiton ausersehen worden. Schmidt ist«in seit der Kriegszeit bekannter Gelehrter, steht in den fünfzig« Jahren und ist bisher in der Politik nicht hervorgetreten. Er schloß sich d« kommunistischen Partei bei der Regierungsüber- nahm« an und wurde zum Leiter s ämt licher Verlags- a n st a l t e n ernannt. Er hat viele Jahre im Auslande zugebracht und besitzt ausgesprochen westliche Bildung. Außenminist« Stresemann leidet seit einigen Tagen an einem schweren Bronchialkatarrh und muß das Bett hüten. Die Gefahr ein« Lungenentzündung, die vorübergehend zu drohen schien. dürft« überwunden sein. An den Doranstaltungen zu Ehren de» argentinischen Außenminister« wird Dr. Strefemann allerdings nicht teilnehmen können.______ Schießerei bei Kempmski. Groß« Aufregung rief gest«n abend eine Schießerei hervor, die sich in dem Weinrestaurant von K e m p i n s t i am Kurfürsten- dämm abspielt«. Der Njährige Arbeit« Max Rahna» aus der Pesto- lozzistraß« m Chorlottenburg betrat gegen 22 Uhr in angetrunkenem Zustand« da» Restaurant. Cr zog plötzlich einen Revolver hervor und legt« ohne jeden Grund auf einen Pagen an. Mehrere Ober- kellner eilten dem Bedrohten zur Hilfe und suchtet, dem Gchteßwüti- gen die Waffe zu entwinden In dem entstehenden Handgemenge gingen zwei Schüsse lo». Eine Kugel durchbohrte die rechte Hand des 4Zj«hrig«n Oberkellners Bsrnharb Fürst. Schließlich gelang es, den Angetrunkenen zu überwältigen und den Beamten des lieber- fallkommando» zu übergeben. Der Täter hatte mehrere Kopfver- letzunge» davongetragen und wurde zusammen mit dem Oberkelttter zur nächsten Rettungsstelle gebracht, wo ihnen Notverbände» ange- legt wurden, � �„ Die Kommunisten liefern eine Schlachi Gegen den OMB.— Aber sie werden geschlagen. Die Bezirksleitungswahlen in der Berwaltungsstelle Berlin des Deutschen illietallarbeiteroerbandes gaben den.oppositionellen" Metallarbeitern, d. h. den Drahtziehern in der Münz- und Friedrichstraße wieder einmal die gesuchte Gelegenheit, gegen die„reformistische" Berliner Ortsoerwaltung vom Leder zu ziehen. Ln der.Moten Fahne" vom 3. und 4. Januar wurde mit vollen Backen zum Sturm auf die Bezirksleitungen ge- blasen. Wir haben wiederholt im„Vorwärts" die Kunst des Zitaten- fälschens der Redakteure der„Roten Fahne" festgestellt. Auch bei dieser Kampagne gegen die Berliner Ortsoerwaltung des DMV. ging die„Opposition" mit faustdicken Lügen aus Eroberung aus. Aus dem großen Lügensack seien hier nachträglich nur einige her- ousgegrisfen. Lj Am 3. Januar schrieb die„Rote Fahne", nachdem sie einige ihrer Phantasie entsprungene„Tricks" aufgezeigt hat, mit denen die Ortsvcrwaltung oppositronelle Vertrauensleute von der Bezirks- leitungswakl auszuschauen sucht: „Wo auch diese Methode infolge der systematischen Gegenarbeit beharrlicher oppositioneller Vertrauensleute nicht zu dem gewünsch- ten Erfolg führt, wird dem oppositionellen Bezirksvertrauensmann einfach die Bezirksvertrouensmännerkarte nicht ausgehändigt, so daß er am Tage der Bezirksleitungswahl nicht wahlberechtigt ist. Es sind in Berlin Dutzende von Fällen bekannt, wo oppo- sttionelle Vertrauensleute, die schon im Mai, Juni gewählt wurden, bis heute noch nicht ihre B ez i r k s o e r t r a u e n s- mämnerkarte haben. Eine alte GepflogenheU der Refor- misten ist es, grundsätzlich allen den oppositionellen Vertrauens- leuten, die im Oktober, November oder gar Dezember gewahU sind. ihre Lertrauensmännerkarte erst nach der Bezirksleitungswahl aus- zuhändigen." Hierzu ist zu bemerken, daß die Vertrauensmännerkarten für dos neue Geschäftsjahr immer in der Bezirksvertrauensmännet- Versammlung ausgegeben werden, die die Wahl der Bezirksleitung vorzunehmen hat. So ist es auch in diesem Jahre gehandhabt worden. Es kann keine Rede davon sein, daß ein Ver- trauensmann sein Wahlrecht nicht ausüben konnte, well ihm feine Vertrauensmännerkarte von der Ortsoerwallung vorenthalten worden sei. Wenn wirklich ein im Mai oder Juni gewähller Ver- traunsmann noch nicht in den Besitz der Vertrauensmännerkarte für das Geschäftsjahr 1927 gewesen sein sollte, so trifft ihn allein die Schuld, da er bis zum Jahresschluß genügend Zeit hotte, diese Karte von der Ortsoerwaltung anzufordern. Verweigert ist die Aushändigung nirgends worden. In dem Artikel der„Roten Fahne" vom 3. Januar wird welter behauptet, daß im Bezirk Charlottenburg vor zwei Jahren elf reformistische Vertrauensleute zur Bezirksleitungswahl kamen, die aus einem Betrieb mit nur 14 im DMV. organisierten 'Arbeitern kamen. Diese Behauptung ist eine g l a t t e L ü g e. Rich- tig ist. daß zu dieser Wahl vor zwei Iahren sechs.reformistisch«" Vertrauensleute erschienen, die den Betrieb Osram mit damals 3500 Beschäftigten vertraten. Der Artikelschreiber verrät sich als ein sehr schlechter Kenner des Statutes des Metallarbeiterverbandes, wenn er behauptet, daß nach diesem Statut die Bczirkslellungsmitglieder nicht das Wahl- reckst zu chrer eigenen Wahl besitzen. Wenn schließlich in diesem Artikel darüber gezetert wird, daß eine große Anzahl der„reformistischen" Bezirksleiter oder Bezirksleitungsmitglieder längst nicht mehr im Produktionsprozeß stehen, sondern als Angestellte auf dem Verbandsbureau, in Krankenkassen oder bei Arbeitsnachweisen tätig sind, so mögen die unentwegt„Oppositionellen" nur daran erinnert sein, daß auch k o m m u n i st i s ch e Branchenleiter, Generalver- sammlungsdelegiertc und sonstige Funktionäre»nicht mehr im Pro- duktionsprozeß stehen, sondern in Partei- und anderen Stellungen, die von der KPD. oder der KPR. zur Bekämpfung der Ge- werkschaften geschaffen sind. Der Verleumdungsfcldzug hat der OppoMon nicht» ge- nutzt. Die Kommunisten haben nicht eine der BezirkslcUungeu erobern können. Obwohl sie in verschiedenen Bezirken rein kam- «untfttsch« Liste« aufgest-n» hatten, sind auf diese noch weniger Stimmen abgegeben worden als bei den Wahlen im varigen Jahr«. Bezeichnend ist auch, daß sachlich gegen die Tätigtest der„reformistischen" Bezirksleitungen nichts einge- wendet werden konnte. Man versuchte, hie Bezirksleitungen zu stürzen, weil sie die ausführenden Organe der ver- haßten Berliner Ortsoerwaltung sind. Der Ausgang der Wahlen ist jedenfalls ein gutes Zeichen dafür, daß die Berliner Metall- arbeiter das kommunistische Phrasenspiel satt haben. Es ist zu erwarten, daß bei den Wahlen der Branchenleitungen im März den Kommunisten die gleiche Abfuhr zuteil wird. Oer Konflikt bei den Efha-Werken. Die Zinna kommt„juristisch". Schon kurz vor der Eröffnung der Betriebsversammlung der Belegschaft der Efha-Werke am Mittwoch nachmittag, die zu dem Schiedsspruch des Gewerberats Körner Stellung nahm, wurde der Bevollmächtigte des Zentralvsrbandes der Fleischer, Genosse Schultz, von einem Direkttonsmitglied der Efha-Werke telepbonifch verlangt. Es wurde ihm gesagt, daß am Tage unter der Beleg- schast das Gerücht oerbreitet worden sei, die zum Nachmittag«in- berufene Beiriebsveriommlung soll die Arbeitseinstellung besckließen. Genosse Sckiultz antwortete dem Direktionsvertreter darauf, daß ihm von einem solchen Gerücht nichts bekannt fei. Auf die weitere Frage des Direktionsvertreters, ob er wisse, was eine sofortige Zlrbeits- «instellung für die Tariforganisation �rechtlich zur Folge haben könne, antwortete Genosse Schultz, daß er über die Rechtslage sehr wohl informiert sei. Di« Firma spielte mst dieser Andeutung auf die in ß 10 des Manteltarifvertrages festgelegte sogenannte Friedensklausel cm, die lautet:„Während der Dauer des Tarifvertrages dürsen Streits oder Aussperrungen vor Beendigung des Schlichtungsver- fahrens nicht stattfinden." Die Beleofchast beschloß in der Betriebsversammlung fast«in. stimmig die Ablehnung des Schiedsspruches und darüber hinaus nicht nur die Arbeit am nächsten Tage nicht wieder auszunehmen, sondern die schon am gleichen Tage fällige Nachtschicht nicht mehr zu machen. Diesem Beschluß ist von der gesamten Belegschaft restlos Folge geleistet worden. Gestern hat nun die Firma per Rohrpost den Tariforganisationen ein Schreiben folgenden Inhalts zugestellt: „Unsere Belegsckiost ist gegen die vertraglichen und gesetzlichen Verpflichtungen heute nacht in den Streik getreten. Wir fordern Sie hiermit auf, die Belegschost zur sofortigen Wiederaufnahm« der Arbeit zu veranlassen. Für die bereits entstandenen und noch entstehenden Schäden sind Sie uns in voller Höhe verantwortlich" Wir haben keine Veranlassung, der Direktton der Efha-Werke irgendwelche Rechtsbelehrunaen.zu erteilen oder der Firma die Rechtsaufsassung der Gewerkschaften darzulegen. Die Tariforgonisa- tionen werden schon, wenn es die Firma auf eine gerichtliche Cnt- scheidung ankommen lassen will, nachzuweisen wissen, wer von den beiden streitenden Parteien sich in einem Rechtsirrtum befindet. -> Die. Firma beabsichtigt mit diesem- Schreiben aber anscheinend die Front der Streikenden ins Wanken zu. bringen und schließlich auch die Gewerkschaften nachgiebiger.zu machen. Schon heute kann ihr aber versichert werden, daß sie ihre Absichten nicht durchsetzen wird. Es wäre für die Firma besser, sich an den Verhandlungstisch zu bemühen und den Konflikt beizulegen, als Schreckschüsse abzu- geben, die bei den Streikenden die gegenteilige Wirkung-m-lösen als beabsichtigt war. Die Sympathien der Oesfentlichkeit wird die Direktion der Efha-Werke damst besttmmt auch nicht erwerben. Zum Kampf auf den westdeutschen Kanälen. Vor einem Wendepunkt. Der Arbestskampf m der westdeutschen Kanal- schis fahrt steht vor einem kritischen Punkt. Im Reichsarbetts- Ministerium hat man sich anscheinend von dem Gerede der Kanal- reeder, der bestehende Kampf schädige keineswegs erheblich die Wirt- schast, einsangen lassen. Die Reeder erklären, das Hauptfrachtgut des Kanalgebietes fei Erz und Kohle. Die Unternehmungen, die die Beförderung von Erz und Kohle in Auftrag geben, hätten jedoch zu erkennen gegeben, daß sie auf absehbare Zeit hinaus auf die Trans- portmittel der Äanalreeder nicht angewiesen seien. Zunächst ist durch die Einstellung des Erz- und Kohlentransports bot allem Emden empfindlich getroffen worden. Ebenso ist das hannoversch« Gebiet in Mitleidenschaft gezogen: denn«» werden ja nicht nur Erz und Kohl« aus dem Ruhrgebiet heraustrans- porncrt, sondern auch andere Güter wie z B. K a l i durch das Kanal- gebiet befördert Zu den zweifellos vorhandenen rein Wirtschaft- lichen Schäden kommen dann die mit der Länge des Kampses verbundene» finanziellen Belastungen für die Ge- mein den, ferner die unerträglichen Scherereien in der Woh- nungsfrage und schließlich ein sehr respektabler Verdienst- ausfall der Geschäftswelt. Am bedenklichsten ist die Wohnungsfrage, die sich bei einer � neuen Verschärfung des Komlikls sehr bösartig auswachftn muß. Das Schifispersonal soll die Wohnungen an Bord räumen, aber irgendwelche andere Unterkunft kann ihm nicht angewiesen werden. Der Regierungspräsident von Münster erklärte, daß sich mehrere hundert Arbeitnehmer in Bergeshövede auf den Schissen befinden. Für diese Personen in Bergeshövede oder Umgegend Wohnungen oder auch nur notdürftiges Obdach bereitzustellen, sti m der nächsten Zett n i ch t m ö g l i ch. Es werde also dein die«chisfe räumenden Schifsspersonal nur übrig bieiben, die eigen« Wohnung der Heimat auszusuchen. Das ist sehr leicht gesagt. Ein großer Test dieser Arbeitnehmer hat gar keine Wohnung in der Heimat. Das Wohnungsamt in Waltrop hat die West- fälische Transport-A.-G. in Dortmund dringend gebeten, nicht die in der Bewegung stehenden Schiffer, Maschinisten und Heizer zwangsweise aus ihren dienstlichen Wohnräumen an Bord heraus- setzen zu lassen. Es sei ganz unmöglich, bei der herrschenden Woh- nungsnot die Schiffer mit ihren Angehörigen unterzubringen. Die Polizei sei gezwungen, die obdachlos gewordenen Leute wieder in ihre früheren Wohnungen einzusetzen, indem sie die alten� Wohnungen auf die Dauer von sechs Wochen beschlagnahme. Die Stadt ver- waltung Dortmund hat ebenfalls die Westfälische Transport- A.-G. gebeten, das Schifsspersonal nicht obdachlos zu machen, da absolut keine Möglichkeit bestehe, anderen Wohnraum bereitzustellen. Aehnlich hat die Stadtverwaltung von Herne der Westsälischen Transport-A.-G. geschrieben. Zu den Wohnungsschere- reien kommen für die Gemeinden auch noch die UnterAtützungs- lasten. Spricht der Arbeitsminister gegenüber den Reedern nicht ein Machtwort, dann verschärft sich der Konflikt, da das Schiffs- personal begreiflicherweise sich w e h r t, mit seinem Hausrat auf der Straße zu kampieren. Wenn Arbeiter Lohneinbußen, die sie vielleicht in einem Jahre nicht mehr hereinbringen, riskieren und sogar Gefahr laufen, mit Kind und Kegel aus der Wohnung geworfen zu werden, dann müssen sehr tristige Gründe vorliegen. Das Schifsspersonal sagt ssch eben: lieber wochenlang hungern als jahrelang nicht mehr aus dem Lohnelend herauszukommen. Oer Konflikt in der sächsischen Hüttenindustrie. Die Verhandlungen zur Beilegung des Konflikts in de? sächsischen Hüttenindustrie, die am Mittwoch im Reichsarbeitsministerium bis spät in die Nacht hinein stattfanden, haben, wie vorauszusehen war, zu. keiner Einigung ge- führt. Die Entscheidung liegt jetzt beim Reichsarbeiismmister. Dmtschcr Vavgewtrkbimd, Fachgruppe der Puder. Souutaa, 8. Zaune*. 9� Uhr. Mitgliederversammlung im Saal 4 des Ketverkcchattsfiaiises.«Snae!. ufer 24— 25. Tagesordnung: 1. Sieujahrsgruh des„Lolisliedee-Quartetrs". 2. Porrraa des Genossen � Dr. N-umann Uber.Arbeitsrecht'. Z. Fachgruppen. angelkgenyeiten und Ausgabe des neuen Tarifvertrages. Die Aollegen werde» ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Di« Fachgruppeuleituag. Freie Sewcrtschastsiugend«SroK.Berli». Heute, Freitag. 19H Uhr, tagen die Gruppen: Hermauuplad! Gruppenheim Zugendbeim isanderftr. 11, Ecke tobrechtftraßc. Heimbesprechung. Berbandsbuch mitbringen. Schäuemeide- ruppcnhcim. Jugendheim Laufener Str. 2 fVoter SaaN. Heimbefprechuna. Berbqndsbuchkontrollc.— Beddiog! Gruppenheim Stadtdad Wedding. Gericht. strahe&>— 6y. Heimbesprechung. Serbandsbuayr.l.45 Holländer.... Pfund 75 pl Edamer..... Pfund 75 pl Gouda danisdier.Pfund 75PL Margarine Pfund 50, 58pl Steinbuscher vopffund 90 Pf. Molkereibulter.Pfund 1.82 Tilsiter voiHeii. pid. 95pl 1.10 Tafelbutter Pwnd 1.92 1.98 Wnin Fettbücklinse PM.36pr. 45p». Dorsch geräuchert, Pfund 34PL Sprotten Kislchcn... 46Pf. Rotbars u. Seelachs 44 pl BOcklinge Einste. Pfund 65 Pf. Cebrannt.KaffeeK%».23o Haushalt-Misch.piund 2 60 Oiympia-Misch. Pwnd 3.40 Sonder-Misch. Pfund 3 m Globus-Misch. Piund 3,80 Tee-MiSChungen Cer1»"" wd:«» Ceylon D«r)e»llBg '/.Pfund 1.25 1.55 1.70 1.85 2" Sandgebäck___ -/« Plund 25Pf.p(d.95Pl Mi.chkaraniellen„_ Uz Piund ZOpfd 45PL Dessertbrezeln... Schokolade '/»Pfund OÖpfd.'OPL(Vollmilch), i Tat. aiOoOr. /OPL Prebe für"t ohne Qlma Sonderangebot emplehlentwerter, gepflegter Bordeauxweins 1924 Chäteau de Reignac milder Tlmchveln..... 1.40 1922 Chäteau La Grolet lewdiumix. nuchiig..... 1.65 1921 Chäteau Cambon kramger Medocwem..... 1.65 1921 CrO Gobineau miid und sanig........... 1.30 1921 Chät. 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SeelaChS ohne Kopf, gante k liehe, Pfand 20 PL Rotzungen............«»-d 22pl Grüne Heringe«hw-dwh. 5«and 78«. GOtdbarSe ohne Kopf.......«and 25 Pf* Filet von Kabeljau.....«a-d 35 pl Schn.-u.Brechbohn.Do» 58 pf. 1 1 i>ose Kohlrabi hl Scheiben 43 Pf. Junge Karotten ganze 60 pl Pfefferlinge 1..... 95 pl Junge Erbsen.... 7 2 Pf. Junge Erbsen f-w.. 1.30 Jg. Erbsen �0s1f-i«*78PL Apfelmus 56 pl I 65 Pf. Pflaumen mii siein 65pl *<, Dos« Melangefrflchte...1.40 Erdbeeren'"Do»« 85 pl 1.55 Birnen halbe Frucht... 95 pl Rindergulasch..... 1.60 Flußlachs in Gelee. I Plund-Dos« l-Uö Franz. Sprats'» o-i 43 pl Oelsardinen 46 p« 78pl Konfittiren, 3 Pfund-Eimer Pflaumen 95 pi Aprikosen 1.10 Erdbeer, Himbeer 1.35 Bienenhonig...... t«und-Gias 1.20 Z«und-oias 2.25 Xr. 9* 45. Jahrgang Kreitag. 6 Lanuor i9lb Berlins größte Explosionskatastrophe. Die furchtbare Explosumskatastrophe in der Landaberyer VHu hält die Stadt noch innner m Spannung. Di« Polizeimeldmrgen baden sich nn Derein mit den eigenen Ermittlungen der Zeitungen zu einem umfassenden Bild des Unglücks gerundet: Berlin hat feit Menschengedenken keine so grofte, folgenschwere Explosionskatastrophe erlebt, wie die der vergangenen Nacht! Mit einem Schlage sind «lwo 25 Familien mit über 100 Angehörigen c-bdoch- und besitzlos geworden, 12 vielleicht auch 13 Tote hat man bis 7 Uhr abends ge- borgen, zahlreiche Schwerverletzt« liegen in den Krankenhäusern. Diel« ringen mit dem Tode. Und noch immer suchen die Rettungs- mannfchaste» weiter... Man kann das chau» Landsberger Allee IIS nach altem Her- kommen„den letzten Berliner� neunsn. Gsgenüber dem alte» Berliner Schlicht» und Viehhof steht es völlig allein vor der neuen. trotzen Engrosmarkhalle. Nechts davon der Bahnhof Landsberger lllee. sonst freies Feld. LaubengeiSnde. In diesem grotzen. oer- hälinismätziq neuen Doppelmietshau» betrieben früher die Efhq- werke ihr« Flelschwarenfabrtken, bis sie nach Britz Übersiedellen und die GEG� die„S'roßein/aufsaenosfsnschaf't Deutscher Konsumverein»' die Werkstätten pachtet» und ein« Schinksm» und Specksabzerei ausmacht«. Di» aünstig«» EinkaufsmSglichksiten aus dem Piehhof� veranlatzten vi« GES. zu der Einrichtung. Das gesamt» Erundsmck ist unterkÄert und von diesen Sellerräumen ist die Explosion ausgegangen, vi« lMten Ursachen find noch nicht«rmistelr. Zu bemerken ist dabei, daß di» Kuhlanlagem der Saljerm erst vor kurzer Zeit neu in Betrieb aenomm« und ol»n der Auf» fchtsbehörde als völlig«inwandsrei und betrieb?» ich er abgenommen wurden. Jetzt liegt das recht« Drittel der grotzm chausfront als schier unentwirrbarer Schutthausen in einer hart an den Seitengiobel grenzenden Bobenousschachtung. B«N Kellergeschoß bis zu den Bodenkammern und zum Dach li»g«u vyn seder Etage zwei Stuben und di« Küchen in einem Trürmnerbero. Reichlich 35 Meter stürzten die Bewohner der oberen Stock« werte mit Leib und Loben. Mobiliar, Sachen und allem erdenklichen Mauer, und Balkenwerk m die Tiefe. Qben sieht es fast so grausig au», wie unten. Hier steh» noch ein Ankleideschrank dicht vor dem abgestürzten Fußboden, dort hängen noch Töpfe an der Kachel. wand der nicht mehr vorhandenen Kochmaschin«. Ein Stück Parkett- futzboden hängt vom ersten Stock herunter und dazwischen Tapeten- fetzen. Gas- und elektrisch« Leitungen, Putzrohr, Baiken, Bretter. Autzerordentlich langwierig sind die Ausräumungsarbeiten, jeder Mauerstein mutz einzeln weggeräumt werden. Es ist das erstemal, das Polizeibeamten zu so umfangreicher Hilfeleistung bei einer Katastrophe herangezogen wurden— sie verdienen im Derein mit den Feuerwehrleuten höchstes Lob für ihr« lsbensgesährlich«. auf- opfernde Tätigkeit. Feuerwehr und Schupo Hilst! Un» 14 Uhr ruf« di« Schupooffiziere di« eifrigen Helfer zu- sapunen: Ablösung ist aus Lastcuuoz eingeuoffen. Beschmugt. müde und abgespannt von dem aufopfernden Dienst verlassen die beiden Hundertschaften di» Unglücksstelle. Aus den Reih« hx? -sp Schanzzeua zur Hand genommen,«ine Dnllich>acke übergezogen. Der leitende Offizier erklärt di« Sachlog« an der Unglücks! teile. Da» Geröll kann jeden Augenblick weiter zulammenbrecknn: wenn auch keine unmittelbar« Einsturzgefahr mehr besteht, so kann doch pur sehr vorsichtig an die Arbeit gegangen werden. Unermüdlich hack« die Spitzhacken: Kleidungsstucke. Reste von Mobiliar werden iienzitßgesammest aus dem Mauerschutt und besonder» aufgestapelt. Plötzlich zeigt«in» Hand den Weg zu einem neuen Opser'. zwanzig Heller fasten zu. um den Verschüttet« zu befreien. Nach viertelstündiaex angestrengter Asbest liegt der Körper frei. Rettung hättm selbst die schnellst« Ausräunmngsarbetten nicht bring« können, der vom Unglück Ueberrascht« ist sicher im Bett berests von d« TÄmunermastm erschlagen ward«. Es ist Her? Pietfch. dessen Frau bereits gestern vormittag gefunden wurde. Die Spitzhack« sind schon wieder an der Arbeit. Die Vorräte des Zigarren! adens werden gesund«, was noch zu vetten ist. wird sorgsam gesammelt. Ein« Geldkasiett«, Handtaschen und Sleidungs stücke kommen zum Vorschein. Unter den Schuttmasien wird die Tür zu einem Ankleideschrank gesund«, seltsam— der Spiegel rn der Tür ist ganz geblieben. Auch die Feuerwehr bringt gegen 15 Uhr neu« Mannschaften au die Unglücksstell«. Mit lang« Tau« werden die überhängenden Balken aus d« Schutt» hausen herausgezogen. Unmittelbar unter einem Tragebalten stoßen die Mannschaft« aus die Leiche de» Zigarrenhändlers Kühne, der noch bekleidet mst einer Strickwest« aufgefunden wird. Ber wandte von Hausbewohnern such« ihre Angehörigen. Ein junger Mann steht schon fest Stund« und— wartet auf seine Mutter, er hofft noch immer, sie unter dm Gerettet« zu find«. Alk« Krankenhäuser hat er abgesucht. Au» d« ent» f erntest« Berliner� Bezirken komm« Verwandte von Hausbe- wohnern des Unglückshauses. Aus d« Zeitung« haben sie von dem gräßlichen Unglück erfahren. Auch sie suchen ihr« Verwandten noch. Um 17 Uhr treffen auf Fahrzeugen der Polizei und Feuer- wehr weiteres Schanzzeug, Taue und ander« Hilfsmittel für die Lergungsmonnsthaft« ein. Fahrzeuge mit großen Schein» werfern stellen sich an der Unglücksstell« auf, sie beleuchten gespensterhaft das Bild der Berwüstung. Noch immer wird mit der Gefahr gerechnet, daß Balken und Schirttmasten sich lösen Und ob- stürz«. Um 18 Uhr weich« wieder neue Mannschaften eingesetzt. Di« Inspektion Tiergarten der Schutzpolizei hat unter ihrem Hauptmann Marquardt Uebermmschliches geleistet. Unter den Tapfer« der Schutzpolizei sei besonders der Wachtmeister Gast« gmennt, der ohne Rücksicht auf eigen« Gefahr bis an die gefähr. lichften Stell« vordrang. Polizeipräsident Zörgiebel. Vize- Präsident Dr. Weiß und Stadtmedizinalrat Prof. Dr. v. Dry- galski informierten sich wiederholle Male von dem Stand der Bergungsarbeiten. Der Kommandant der Schutzpolizei Oberst Hei» mannsberg leitete persönlich die Konnnondos. An die Bewohner des llnglückshauses. Alle houshallungsvor stände und Mit- bewohne? de» Hauses, welche flch zum Teil, ohne davon den auf der Unglücksslelle anwesenden Vertreter« der Behörden Mitteilung zu machen, ans dem nicht mehr bewohnbaren Hause entfernt haben, werden aufgefordert, sich beim zuständigen Polizeirevier zu melden, damit über das Schicksal der bekrofsenen Bewohner schnellstens die notwendige Uebersicht gewonnen wcrden kann. Es ist onzuaehmeu. daß ein Teil der geretteten Bewohner bei verwandkea und Freunden Unterkunft gesunden hat und durch die begreifliche Nachwirkung de» schweren Erlebnisses sogar noch krank darntederliegl und eine solche Meldung von fich an» vnkerläht. welche unbedingt erforderlich ist. J!otmaßnahmen. Zwksch« Lürgermeist« Scholtz und hqn st»llo»etr«t«che>' Bürgermeister vom Prenzlauer Borg. Stadtrat Weher, vb«- branddirektor Sompp und der Polizeiverwoltung fand nach Besichtigung der Unfallstelle ein« Besprechung vor dem Unfallhause selbst sowie im Bachause statt, über die Maßnahmen, die für di« Opfer de? Unglücks zu ergreis« sind. Die Wohnungslos« werd« durch das Bezirksamt Prenzlauer Berg oder die Rachbarbezirksämter untergebracht werd« und mit dem nötig« Hausrat, Bett«. Gerät«. Kleidung und Wäsche ausgefertigt. Da, Wohnungsamt Prenzlauer Berg. Danziger Straße 64. Zimmer S, wird in d« nächsten Tagen bis Vi Uhr nachts ununterbrochen geöffnet sein. Alle Verunglückten und von der Not Betroffen er sollen sich nach Vereinbarungstint der Polizei zunächst dem zuständigen Polizei- Zement. SXonxan oon Ffodor©lad körn. „Also bei den Not-Grünen warst du nicht? Hast t* vorgezogen. zu Hause zu sitzen und schöne» Wetter abzuwarten. nicht wahr?' Gromada fühlte in den Fragen de» Hageren ein« Gefahr. Die Fragen strotzten von List. Waren wie eine Mausefalle. Dieser erstarrte Mensch verwickelte ihn w ein dumpfe», düste- res Verhör, und in jedem Wort war eine Gislschlange ver- g-ckt. die ihn unbemerkt und schmerzhast biß. Und als romada das fühlte, wurde er plötzlich still, und in seinen Augen flammten Haßtropfen auf. Vielleicht hatte der Hagere das bemerkt, vielleicht wurde es ibm langrveillg, sich so lange mit Gromada zu beschästigen, er kratzte mit dem Bleistift etwas aufs Papier und winkte ob. „Kanst gehen.... Wer hat etwas über den Genossen Gromada zu sagen?' „Gromada!... hat... Gromada ist... unser Trumpf! ,.. Gromada kann jedem vierzig Punkte oorausgeben.' „Der Nächste... Genosse Sawtschukl' Die Masse begann sich zu bewegen, zu flüstern, wollt« fachen. Sawtschuk. mit einem langen Leinenhemd betleidet, ohne Gürtel, zottig, mit zerrissenen Hosen, klatschte mit nackten Fersen Über den Boden, stieß mit den Schullern und Hüsten die Menschen auseinander, und st« sahen ihm erstaunt nach und packten ihn am Hemd. „Pfui, verflixter Böttcher!... Hall dich grad!... Hol dich der Teufel-"' Sawtschuk stand vor dem Tisch, düster, mtt auseinander- gespreizten Fäusten und wackell« mit seinem zottigen, wolligen Jvu. belästige mich nicht. Genosse Neiniger,««gen meiner Liogravhie.' „Warum? Da» ist notwendig, darauf ist da» Wesentliche der Kontrolle gegründet.",.. „Rüttle mein niÄ>ertrLchtig-schw«re» Leben nicht auf.«v ich es selber dem Teufel in den Rachen gesteckt habe. Du hast dich nicht dafür zu interessieren.... Schluß!... Ich bin ein Böttcher und baue Fässer.-.. Jetzt bau ich sie nicht, weil auf dem Werk und in der Böttcherei noch Dreck ist. ... Wenn aber dieser Sljeb dort... diese» Ungeheuer... alle» in Betrieb setzen wird— dann werden auch die Sägen singen und die neuen Böttcher werden arbeiten können.' .Lhr schreibt hier, daß ihr verschiedenen hier über den Schädel gehauen habt und es auch weiterhin tun wollt. Wem habt ihr da die Schädel eingehauen und von wessen Schädel ist hier die Rede?' Sawtschuk» Gesicht schwoll an. und die Adern auf Stirn und Hals verflochten sich und wurden dick wie Stränge. Er spreizte die Fäuste poch mehr auseinander und in seinen Augen war ein Lachen und«ins Wut. Alle horchten auf— warteten: Sawtschuk wird nun hineindonnern... wird den Schlag nicht berechnen und es wird' einen Spaß und einen Wirbel gehen. Man wußte genau, wie Sawtschuk seine Seele bi» zum Grund aufwuhlle und mit seinem Worte wie Dynamit zündete, grad, ohne Lüge, ohne an die Folgen zu denken. Er lachte heiser auf. aber sein Lachen erglühte nicht auf seinem haarigen Gesicht. Kurze Blutströme rissen nur seinen Kopf mit dumpfen Schlägen hin und her. „Ich Hab« sie bekämpft, diese verfluchten Hund«, und werde sie weller bekämpfen, dies« Schweinekerle.... M diese neuen Herren und Burjui. diese Nichtstuer und Maul- aufreißor.... Dort auf den Bänken sitzen Schlosser, auch die Hab ich bekämpft.... Sie haben mir zuviel herumgefchnüffell, diese Feuerzeugfabrikanten.... Das ist alles ein Teufest... Damals, während des allen Regimes, haben sie sich in Oto- mobilen wichtig gemacht und breit, und jetzt tun sie dasselbe urch schröpfen aus dieselbe Weise unser« Brüder.' „Der schröpft? Die Partei und Sowjetgenoflen? Sprechen Sie konkreter.' In den rückwärtigen Reihen schrie jemand auf und tonnte vor Freud« keine Worte finden. „Sawtschuk. ha! Zeig ihnen nur. was du kannst, Smp- tschuk, deck auf, deck sie aus. diese Rotzer, diese Trunkenbolde. ... Wir kennen sie» dies« Wildschützen... die überoll ihre ���lnd°wi«d«r erdröhnte der Saal von Lachen und wurde plötzlich ganz still, in Boravsahnuna eines Skandals. Und nur von ganz rückwärts brüllte eine einzelne Stier- stimme, von Husten unterbrochen. „Ja. sagt ihn hinaus, gebt ihm einen Fußtrill!... Was verdreht er uns hier den Kopf, dieser Schuft!' Ein Seufzer ging durch den Saal und«rst'ckt« in einem unwilligen Murren. „Sprechen Sie deutlicher, Genasse Sawtschuk. Es gtbt oerschieden« Schädel: solch«, die man tatsächlich«inHauen, und andere, die man mehr als seinen eigenen hüten müßte. Was denken Sie zum Beispiel über unser« Schädel, gehören sie zu denen, die emzuhauen sind?" ..Ja, wer kennt euch denn, zum Teufel! Ihr habt ha» Boll hier zusammengejagt und ihnen angst und bang« ge- macht.... Wir brauchen euch nicht, zum Teufel.... Haus- Herren gibt es genug, und mll Kommandierenden könnte man Straßen pflastern.' Der Hagere war blind und stumm: er sah Sawtschuk nickt«in einziges Mal an und es schien, als ob er ihm gar nicht zuhöre und ihn nicht bemerke. Gljeb erhob sich und preßte die Zähne zusammen. „Genosse Sawtschuk. laß das dreckige Schimpfen. Weißt du nicht, was sich gehört?' Sawtschuk stemmte sich mit dem Bauch gegen den Tisch, bewegte die Schultern unter dem Hemd, und die Adern auf dem Hals platzten fast vor Anstrengung. „Schweig, du Saukerl!... Ich hin nicht irgend«in Lump.... Warum machst du aus mir einen Fetzen?" Und sein Gebrüll zerriß das Stimmengewirr im Saal. „Stopf ihm nicht den Mund, Genosse Tschumalow.., recht hat er.' Ein« Frai» schrie laut und kam geschäftig ralch, wie eine Henne, pom Gang hereingelaufen. „Warum erzähll Sawtschuk nicht, wie er am Selbst- gebrannten geleckt hat. Wie er seiner Frau die Knochen im Leihe kaputt geschlagen hat— jeden Tag und jede Stunde? ... So ein Wüterich ist er gegen seine Frau.... Ich möchte ihn mll eigenen Händen erwürgen." „Ja. alle sind sie so, die Männer, verflucht« Hunde: hin und her hetzen sie die Weibsr. in die Töpfe müssen sie gucken. Säcke schleppen, sich prügeln lassen, fürs Bett sein und ihnen Essen geben, und schweigen und die Kinder pflegen und sie — sie sind nur Herren.... Alle sind sie niederträchtige Bösewichte.' Und die W«ll»«r kreischten, rebellierten und fuchtelten mll den Armen, Sawtschuk drehte sich wie gehetzt zur Menschenmasie um. und unter den buschigen Brauen glühten seine Augen wie Wvlfsaugen. ..Dumme Gänse! Klatschbasen. Schwatzmäuler... ml« die gackern...!" Gelachter ertönte. Die Wände bebten und die Kran- leuchter Minterten lustig mit den Prismen und klingellen lest«.(Fortsetzung folgst) ttnict melden und werden von dort aus dem Bezirksamt zagewief« weiden, welches für alles weiter«, insbesondere Wohnung, nötigen Hausrot, Kleidung und Wäsche sorgen wird. Di« Soften für die im Krankenhaus untergebrachten werden voraus- fictMch von der Stadt getragen werden. Die Beerdi, gung, soweit nicht Hinterblieben«, Angehörige oder Verwandte die Bestattung besorgen und bezahlen, wird vom Bezirksamt Prenzlauer Berg übernommen. Das Bezirksamt hat an die Bevölkerung einen Aufruf erlassen, wegen Stiftung von Geld und Sachspenden, erforderlichenfalls wird über die Füriorgepflicht der Gemeinde hinaus Hilf« gewährt werden. Das Vezirksaml wird aus eigenen Mitteln S000 M. für die erste Hilfe zur Verfügung stellen. Bürgermeister Schultz übernahm die Verpflichtung, bei der Wohl- fahrtsdeputation und beim Magistrat weitere Mittel zu beantragen und stellte für die erste Hilfe 25 000 211. in Aussicht. Beileid des Reichspräsidenten. Der Reichspräsident hat dem Oberbürgermeister von Berlin sein« herzliche Teilnahme an dem schweren Explostons- unglück in der Landsberger Allee ausgesprochen, und ihn gebeten, diese auch den Hinterbliebenen der Todesopfer und Verletzten zu übermitteln. Explosionskatastrophe in Crosse«. Zwei Häuser beschädigt. Erosse», 5. Januar. Gestern nachmittag worden am Marktplatz zwei HSnser durch eine Gasexplosion schwer beschS'dlgt. Mehme Wohnungen mutzten vorübergehend geräumt werde». Die Brände. die infolge der Gasrohrbrüche entstanden waren, konnte» zum Glück rechtzeitig gelöscht werden. Da» Gaswerk hat für eine« Test der Stadt die Zufuhr gesperrt. Gemeinsam in den Tod? Mit der Aufklärung eine» geheiwnisnolle» tetche» s v u d e». der gestern gegen 18 Ahr in der Spree nor dem Grund. stück vundesratsuser S im Tirrgarkr» gemacht wurde. ist dir Berliner Kriminalpolizei zurzeit beschäftigt. Passanten sahen trotz der Dunkelheit im Wasser einen menschlichen Sä r per treiben. Polizeibeamlea und Schiffern gelang e», den schaurigen Auud, zwei zusammengebundene weibliche SSrper im Alker von etwa Z0 Jahren zu bergen. Di« Leichen müsse» schon längere Zeit im Wasser gelegen haben. Unzweifelhaft liegt ein g e. «einsamer Selbstmord vor. Bisher war es noch nicht möglich, die Personalien der beiden Toten festzustellen. Die Leichen wurden beschlagnahmt und in da» Schauhau» gebracht. Kinderkrankheiten der Fernheizung. Di« Fernheizung, die von der.Berliner Elektrizität» Werke Aktiengesellschaft�(Bewag) eingerichtet ist nvt> betrieben wird, ist noch in den Ansängen, Aus den Kreise« der angeschlossenen Hoizungsabnehmer stiÄ» Klagen über bemerkbar gewordene Mängel des Betriebes und auch über die Höhe der ent» stanjwnen Heiztosten gekommen. Hierzu äußerte sich die Direktion der Bewag in einer Besprechung mit Vertretern der Presse. Direktor Dr Kaufmann erklärte, daß es sich um eine.Jkom- bination von Kinderkrankheiten und Mißverständnissen* handelt. Die Höhe der H e i z k o st e n weite natürlich, wenn sie Monat für Monat berechnet wird, im Winter sehr unangenehm empfunden. Zu erwägen sei, ob man nicht einen Pauschalbetrag errechnen soll, den man dann über das ganze Jahr gleichmätzig verteilen kann. Wie sich die Heizkosten bei der früheren Zentralheizung und bei der jetzigen Fernlzeizung stellen, das ist weniger aus Wohnhäusern als aus öffentlichen Gebäuden bekannt. Hier aber ergeben die amt- lichen Feststellungen in Charlottenburg, daß bei' der Fern- Heizung sehr beträchtliche Ersparnisse gemacht wurden Di« Städtische Oper, die m den ersten Monaten wegen der angeblich zu hohen Kosten den Wärmebezug aus der Fernheizung- hatte aufgeben wollen, hat für Heizung vorher im Jahre 19 000 M., nachher im Jahre nur 25 000 M. ausgegeben. Das Wohlfahrtsami des Bezirks hatte ein« Ermäßigung der Heizungsousgoben pro Jahr von 3900 M. auf 2360 M. Die Bewag läßt jetzt die an- geschlossenen Wohnhäuser durch Sachverständige besuchen, die den Hauswarten zweckdienliche Hinweise zur richtigen Behand- lung derHeizung und zur Einschränkung der Heizkosten geben. Daß man mit Fernheizung in Wobnhäusern 30 bis 10 Proz. der Kosten sparen könne(wie von manchen angenonkmen wird), Hot die Bewag nie in Aussicht gestellt. Die Direktion hält den jetzigen Preis für nicht zu hoch, und tatsächlich kann sie sich dabei kein« großen Gewinne buchen. Sie hofft aber, bei weiterer Ausdehnung des Betriebes den Preis herabsetzen zu können. Technische Mängel des Betriebe», über die gleichfatls geklagt worden üt, müssen— wie Betriebsoberingenieur Schulz cussührte— zum Teil daraus zurückgeführt werden, daß die Bewag die in den Häufen, vorhandenen Heizanlagen so zu übernehmen hat, wi« sie sind. Daß die Kondensatpumpen m.den Häusern geröusch- voll arbeiten, wird zugegeben. Doch ist man dabei, diesem Nebel- stand abzuhelfen._ Die geheimnisvolle Munition. In Dunkel gehüllt blieb der Besitzer einer Anzahl Gewehr- m u n i t i o n s k i st e n, die gestern vor dem Großen Echöffengerichl Berlin-vchöneberg neben zwei großen neuen Kavallerie- säbeln, zehn Seitengewehren und vier Gewehre enthalten- den anderen Kisten aufgestapelt waren, um als Belastungsstücke gegen den Bureauangestellten Friedrich Behrendt» zu dienen. Dieser war angeklagt, sich dadurch des Vergehens gegen das Republikschutzgesetz schuldig gemacht zu haben, daß er ein Waffen und Munitionslager im Besitz hatte. Die Kiste mit der Gewehnnunition war seinerzeit auf eine Anzeige hin von der Polizei in einem, einem Spediteur gehörigen Raum am Mai- bachuser vorgesunden worden, wo Behrendts bei einem Umzüge von außerhalb eine große Anzahl Kisten mit Hausrat oorläufig unter- gestellt hatte. Da die Kisten mit der Gewehrmunition unter den anderen standen, und niemand wußte, daß sie etwa nachträglich dorthin gebracht worden waren, wurde Behrendts als ihr Besitzer angesehen und demgemäß unter Anklage gestellt. Vor Gericht be- stritt der Angeklagte, ein früherer Bankbeamter, der als Offizier den Krieg mitgemacht, daß die Kisten mit der Munition sein Eigen- tum und bei dem Umzug von außerhalb mit in den Speicher gebracht worden wären. Die Kisten mit den Waffen erkannte er dagegen ohne weiteres als sein Eigentum an. Räch seiner Angabe stellten die Säbel eine Sammlung dar, die zu Detorationszwccken in der Wohnung verwendet wurden. Was die Gewehre anbelangte, so be- zeichnete er zwei schweizer Gewehre als sin Geschenk. Diese beiden Gewehre habe er öfter einem schützenoerein bei Begräbnissen von Kameraden zum Salutschießen zur Verfügung gestellt. Die beiden anderen Gewehre waren ein Stutzen und ein altes Jagdgewehr, für das keine Munition mehr vorhanden war. Das Gericht sah auch nicht als erwiesen an, daß der Angeklagte der Besitzer der Munition war und sprach ihn in dieser Beziehung frei. Da er aber keinen gültigen Waffenschein besaß, verurteilte es ihn wegen unbefugten Waffenbesitzes zu 100 M. Geldstrafe. andelte ein Gebiet, das nicht nur vom technischen, sondern vor allem vom wcltnimschflstlichert Standpunkt für die Allgemeinheit von Bedeutung ist. Leider ging der Vortragende auf diese Hauptfrage kaum ein: nur in einzelnen knappen Bemerkungen wurde sie von ihm angedeutet.— Mtt dem, mindestens zum Tell unberechtigten Vorurteil, daß Reklame die Ware verteuere, versuchte Dr. Max Andler durch seinen Vortrag„Was Reklame tostet und was sie nützt" aufzuräumen. Doch behandelte er das Thema etwas zu sehr aus der Perspektive des interessierten Kaufmanns oder Retlame- sachmanns. Das Mißtrauen des Publikums gegen eine Ware, für die eine allzu überschwengliche Reklame getrieben wird, dürfte in nieten Fällen wenigsten» nicht unbegründet sein. Tes. Krankenkassen und Sterzie. Oer Kassenausschaß nimmt den Vergleich an. In der gestrigen Versammlung de» Krankenkasse»« ausschusses erläuterte Direktor L« n d! g vom Kassenverband die von uns kürzlich erwähnten Bergleichsonrfchläge zur Beilegung des Konfliktes zwischen Krankenkassen und Aerzten. Er berichtete u. a., daß der von der Wirtschaftlichen Abteilung(W. 2L> de? Groß-Bertiner Aerztebundes als Dauereittschödigung beanttagte sünfprozeittige Honorarabzug für die früheren Gewerksärzte vom Schiodsamt abgelehnt wowen ist. Der Boykott der Ambulatoriums« und B. K. L.-Aerzte solle zwar von der W. A. ol» Sroß-Berliner Organisation aufgehoben werden, dogegen vom Hm-tmann-Sund. dem Spitzenoerband der Aerzte, noch aufrechterhotte» werden. Ein Fortbestand dieses Boykotts durch den Hartmann-Bund kann aber nach Ansicht des Schiedsantts zur Aufhebung der bis jetzt noch in Berti» bestehenden freien Arztwa� führen. Die ob 1. April von den Kassen zugestanden« Nichtweiterbehondlung der versicherten in den Ambulatorien sei nur durch schärfsten Druck von den Kassen er» zwungen worden. Den Kassen blieb oder da» Recht, die Lach» leistuikgen, wie Röntgen- und medicomechanische Behandlung, diogno- stische Untersuchungen usw.. nur in che«» eigenen JnsMuten zu gewähren. In der Diskussion wurde vom Genossen Engelhard ate Vertreter der Versicherten auf da» für die verstihert, Bevölkerung Un- haltbar« und Unerträgliche diese» Schiedssprüche» hingewiesen. Er zeigte an Beispielen der Ersatzkaffe der Zimmerer, wohin e» bei einer Bezahlung noch Einzelleistungen. wie ste bei Besuchen bei betttäge- rigen Familienangehörigen vorgesehen ist, führen kann. Diese Kasse muß pro Mitglied 13 Mark, im günstigsten Falle 30 Mark zahlen. Stadttat Genosse Schuldt wandte flch ganz besonder» gegen den Bontott, der noch heut« gegen Ambulatorien und BKD. destehe und verlangte, daß den Ambulatoriumsärzten von jetzt ob jederzeit Gelegenhett gegeben fein müsse, dl« Vorträge der wissenschaftlichen Gesellschaften usw. zu ihrer Fortbildung zu besuchen. Direktor Julius Cohn wie» darauf hin. daß die Kassen den Bergleichsvorschlag annehme» mußten, da sonst vom Reichs- scknedsamt die schwersten Konventionalstrasen über den verband ver» hängt werden würden. Die Versammlung nahm sodann gegen et« kleine Minderhett den Vergleich an._ Bei« lleberschretlen de, Zährten»«, vor dem Hanse Gericht straße 10 wurde gestern um 17 Uhr der öljährige Arbeiter Valentin Schulz au» der Friedenstr. 52 von einer Lutodroschk« angefahren und zu Boden geschleudert. Sch. wurde zur naheliegenden Rettungsstelle 10 gebracht, wo der Arzt jedoch nur noch den Tod infolge Gehirnblutung sestftellen tonnte. Den Führer der Kraftdroschke soll kein« Schuld an dem Unfall treffen. Führungen durch die Messen Vinkel Bervn». Die Führungen «erden, nachdem die Feiertage vorüber sind, wieder ausgenommen. Rächst« Führung am Sonntag, dem 8. I a n u a r. Die Leitung hat wie bisher Schriftsteller Georg Bamberger. Treffpunkt: 10!4 Uhr auf dem Epittelmarkt. Ausgang Untergrundbahn.— Teilnahme S0 Pf. hansbrlefkäfie» l» Perssn. Das Reichspostministerium be- absichtigt demnächst in Berlin in einigen Bezirken einen Versuch mit der Zustellung unter Bemttzung von Hausbriefkästen zu machen._ Berlin— Madrid. Qifthansadienst Marseille- Barcelona. Dt« Deutsch« Lufthansa eröffnet« gestern den regelmäßige» Luftverkehr aus der Strecke Marseille-Barcelona in beiden Richtungen. Das gestern früh von Marseille nach Barcelona ge- stattete Rohrbach-Großflugzeug, das bereits von seinem Ausgange- Hafen Bettin-Tempelhof den Konstrukteur des Flugzeuges, Dr.-Jnz. R o h r b a ch, und ein Vorstandsmitglied der Deutschen Lufkhansa an Bord hatte, landete unter Führung des Piloten S t o l l b r u ck um 13,15 Uhr in Barcelona. Hier hatten sich zur Eröffnung der nunmehr längsten europäischen Fluglinie Berlin�- Madrid mit 2100 Kilometern(gegenüber 1800 Kilometer Berlin— Moskau) eine große Anzahl von Vertretern der spanischen Behörden. und der spanischen Luftfahtt auf dem Flugplatz einge- sunden, so die spanischen Minister für Handel und Inneres, der Vizepräsident des Obersten Lustrates, der Chef der zivilen Flug- Häfen, der Präsident des Königlich Spanischen Aero-Klubs, der Chef des Militärflugwesens, der Bürgermeister von Barcelona, ferner der deutsche Botschafter, der deutsche Generalkonsul, das Präsidi-im der spanischen Luftverkehrsgesellschaft„Jberia* und zahlreiche Mitglieder der deutschen Kolonie. Selbstmord«ach der Begnadigunq. Siuklgark, 5. Januar. Staatspräsident Bazille hat gestern den wegen Mordes an dem Dienstmädchen Betta Lochmann in Stutlgatt zum Tode verurteitten Monteur Johann Schüller aus Kehlheim in Bayern zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Wie von zuständiger Stelle mitgeteill wird, hat sich Schüller heute nacht in seiner Zelle>m Gerichtsgesängnis erhängt._ verunglückte Wlntersporller. Infolge der augenblicklich ungünstigen Sportverhältnisse im Riesengebirge sind bei Ausübung de» Wintersports in den legten Tagen allein in Brückenberg sieben Wintersportler ernstlich verunglückt, und zwar ttugen sechs Beinbrüche und einer einen Armbruch davon. Explosion eine» Pulvermagazins. Wie aus Moskau gemeldet wird, ist in Kraßnodars em Pulvermagazin in die Luft geflogen. Fünf Personen wurden getötet. eine schwer oerletzt. Die Ursache der Explosion ist noch nicht fest- gestelll. Au» dem Saargebiet ausgewiesen wurde Reichstagsobg Creutzburg(KPD.)._ Vte neueste Volkswochenlchan zeigt unter anderm tnteressante Aus* nahmen von Wintersport und-treuden In der Glohitadt und im(Srhirge- Bilder von der Tätigkeit des RcichäwasserschutzcS bei der Suche nach Ber- wihteu, Jllustraliouen zu einem Vollssest in der Normaudie: ierner einen deutichen Erfinder ans dem(Hebiele der Ehemie, den Empfang des KapüSn Kizchcii! in Hamburg nach iewer Weüreife. einen Doxmeitter beim Training, die berübmien Clowns ftratellini bei einer Vorstellung in einem Berliner Krankenhaus»sw.— Der Film läuft zur zeit täglich w der städtischen Jugendbühne in Lichtenberg, Holleistr. 7/S. Sport. Leipzigs erstes Sechstagereune«! -14 Mannschaften am Start. Di« Messestadt Leipzig hat ihr erstes Sech»tage- renne Gestern abend um 10 Uhr begaben sich 11 Paare auf die Ilö-Stunden-Reise. Im neu erbauten.Llchilleion* werdetl folgend« Mannschaften um den Sieg kämpfen: Rieger-Jung« (Deutschland), Hille-Earpus(Deutschland), Fricke-Hahn(Deutschland), Robe-Seiferth( Deuts chloud), Koch-Bus chenhagen(Deutschland), Giradengo-Negrini(Italien). Persyn, Verscheiden(Belgien). Debach Dhaemers(Belgien), Bennandel-Frankensteitt(Belgien-Deutschland), ThvUenbeck-Lewanow(Belgien-Deutschland), van HeoÄ-Oskar Tietz (Belg'en-Dsutschland), Albert Maes-Behrendt(Belg ien-D eutf chl andj, Mouton-Louef(Frankreich). Den Verlauf des Rennens werden wir mitteilen. mrm nST ÄRTS1 Km Das Berliner Anschlagwesen. Die Anschlagsäule— der Berliner nennt fi« immer noch Litfaßsäule— beherrscht heut« das Straßenbild der großen Städte. Neben dem Zeitungsinserat benutzen die Industrie- und Ver- gnügungzunternehmen den Säulenanschlag, um ihr« Waren onzu- preisen, um zum Besuch von Veranstaltungen auszufordern. Oie erste Litfaßsäule. Im volksmmid« hat dt«»eine, dickbauchige Litfaßsäule, so ge« nannt nach ihrem Erfinder, viel Spott und Hohn über sich ergehen lassen müssen. Daren doch die ersten Litfaßsäulen freche Eindring- linge in die Straßen Berlin», vi» zum Jahre 1848 kannte man kein« ReNomesäuien. Wo, der Beriiner vergnügui�gsunternchmer seinen Gästen kund tun wollte, pla kotierte er an den nächsten Straßenecken und Zäunen. Im Jahre 1848 wurden auch politische Aufruf« und Kundgebungen durch derartig« Piakarierung bekannt» gegeben Mit dieser Reklame war den Staatsbehörden eine Kon- trolle über da», was der Berliner zu erfahren bekam, nicht möglich. Staat und Konununal de Hörde erließen darum im Jahre 18S1 ein Gesetz, nach dem der Anschlag nur an bestimmten Säulen erfolgen durfte. Der Buchdrucker L i t s a ß übernahm den Bau dieser Säulen, die nach ihm ihren Namen Litfaßsäule erhielten. Litfaß machte sich die Arbeit leicht. Er benutzte die Derkleidung der nbrur Straßenörunnen, die er mit einem Holzbelog versah, at» Anschlag- säule. Alle Bferdetrönkbrunnen in den Berliner Straßen wurden in kleine, dickbauchige Säulen verwandelt, aus denen nur noch der Bl'Mpcnfchwengel und die Wassertülle herausragten. Heber 200 fptcher Säulen entstanden nach und nach in Berlin. Dos Berliner . klnschlagwefen nahm in den Gründer jähren nach 1871 einen wirt- schastlichen Aufschwung. Die Industrialisierung und baulich« Ent- Wicklung Berlin» brach»? eine Ausgestaltung der gesamten Propa- aairda, vor allem des Säulenonschlages. 1880 übernahm das An- schlagwefen ein« ander« Privatfirma, die dann die Litfaßsäule um- bauen ließ und ihr die heutige Form gab. Im Jahr« 1880 standen 800 Anschlagsäulen. Fünf Jahre später hatte sich die Zahl auf 700. 1831 au! 1100. 1912 aus 1500 erhöht. Heute stehen in Berlin über 3000 Anschlagsäulen. Oas Anschlagwesen in städtischer Verwaltung. Pr Bis zur Zusammenlegung der vorortstädt« mn Beilin ver- achteten diese die in ihren Straßen siegenden Anschlagsäulen an Privatunternehmer. Mit der Schaffung der Einheitsgemeind« Groß- Berlin wurde auch für da» Berliner Anschlagwesen eine Zentrale errichtet,«ine städtische Gesellschaft geschaffen. Die.Berek'(Berliner Anschlag- und ReNamewesen G. m. b. H.) wurde al» gemeinwirt- schaftliches Unternehmen zur Bewirtfchaftung der Anlchlogsöulen ge- gsündet. Alle Pachtverträge mit Privatunternehmern wurden ge- k'kndigt, und nach Ablauf der Kündigungsfrist übernahm die Berek in den Groß-Berliner Bezirken die Bewirtschastung der Säulen. In zwölf Bezirken hat die„Berek"' die Verwattunq bereits lest Iahren übernommen, so in den Berliner Innenbezirten mit'1582, in C ha r lvtt« n b u r g mit 305, in Schöneberg mit 142,.in Neu kölln- Britz Mst 120, in Lichtenberg mit 100. in Li op en ick mst 25, in Grünau mst 10. in Friedrichs- Hägen mit 25, in Rahnsdorf mst 18, in Treptow mst 80, in Zehlendorf mst 43 und in Spandau mit 80. zusammen mit 2510 Säulen. In den nächsten Monaten übernimmt die„Berek" die Berwatkung der Anlchlagsäulen in Pankow und Wilmersdorf. In den Berwaltungsbezirken Steglitz, Friedenau, Reinickendorf und Weißense« wird das Anschlagwesen zurzeit noch von drei Privatfirmen bewirtschasiet. Außer dem Anschlagwesen hat die„Berek" die Bewirtschaftung der Dauersäulen, der Uhreniäulen, der Änschlagsäulenköpse, der Reklame auf dem Zentralslugha'en, aus den städtischen Sport- und Spiel- Plätzen und in den städtischen Markthallen übernommen. An die „Berek" angeschlossen ist eine eigene Druckerei, in der die Plakat« drucktechmsch hergestellt werden können. In der Plakaldruckerei sind sieben Buchdruck- und Hilfsmaschinen ausgestellt. Eine besondere Fördmmg im Plakatdruckwesen erfuhr die Verwendung von Linoleumschnisten, die eine wirksam« Ausstattung der Plakate mit geringen Kosten ermöglichen. Im abgelausenen Geschäftsjahr hat die„Berel" ein« Steuerung ihres Umsatzes auf 2,7 Millionen Mark gegenüber dem Borjahr von 2L Millionen buchen können. Im letzten Berichtsjahr beschäsiigt« sie 148 Arbeiter und 20 Angestellte. Noch einer Vereinbarung mst den Bertiner Bezirken ward« die Neuköllner städtische Druckerei der„Berek" ongejchtoßen. Durch Zusammenlegung der Druckereien waren die Bureau- und Fabrik- räume zu eng geworden, so daß in der Grünsttah« neu« Räum« geschaffen werden mußten, die aus da» modernste ausgestattet worden stnd. Oie Organisation des Säulenanschlages. Dos Anschlagwesen erfordert insoig« seiner vielgestaltigen A» beitsgebiet« die sorgfältig« vorderettüng jede» Austrage». Wird von einer Firma«in Plakat ongetiesert oder da» Manuskript zu einem solchen, so muß jeder Austrag in der Expedition genau registriert werden. In einem sogenannten Säulenbuch werden die Art de» Auftroge», die Größe de» Plakat» und die lag«, an denen der Aushang erfolgen soll, vermerkt, vi« Bertiner vnschlagsäuten sind in Reviere eingeteilt. Jode» Remer hat 24 Säulen, und jede,«oird von einem Kleber bearbeitet. Die Kleber treten abend» mn 11 Uhr ihren Dienst an. In großen Regolen finden sie schon genau sortiert die Anschlogplakate, die in der Nacht versteht werden müsien. Auf einer großen Skizze wird mst allen Klebern die Nachtarbeit durchgesprochen. d. h. festgestellt, welch« Plakate noch weiterlausen und welch« mst neuen übersteht werden. Sehr häufig belegen die Auf- ttaggeber nur die zweit« oder dritte Säule. Format« und Auf- lagen wechseln täglich Nachdem die Kleber sich da, Material für jede ihrer 24 Säulen zurechtgelegt haben, beginnt der aufopfernde Dienst, der meist bi» in die frühen Morgenstunden andauert. Don jedem Kleber wird eine seltene Auffassungsgabe und eine robust« Gesundheit verlangt, ohne die ein« derartig kompliziert«»rbest nicht zu bewästigen wäre. Die„Berek" Hot tatdcr kurzen Zelt ihre» Bestehen»— 1021 tvurd« sie gegründet— den vew«, erb rocht, daß die Verwaltung des städtischen Anschlagwesen»«in« nicht gertng« Einnahmequell« für den Stadtsäckei sein kann. Früher floß privaten Firmen der Verdienst zu, heut« erhält die Stadt au» diesem Betriebe Mittel, um Sozialeinrichtungen und dergleichen auszubauen. Kein Zuschlag für Llntervermieiung. Roch uns zugegangenen Msttetlungen häufen sich in letzter Zest die Fäll«, in denen Hausbesitzer durch Nundschreiden oder aus anderem Wege ihren Mielern mitteilen, daß sie die Erlaubnis zur westeren Unlervermietung von der Zahlung eines Zuschlage» zur Miede abhängig inachen. Sie begründen diese Forderung in der Regel damit, daß ihnen durch die Unteroermietung Mehr- kosten entstünden� z. B durch Mehrverbrauch von Dosier, stärkere Abnutzung der Mletraume und der Treppen, Mehrverbrauch an Treppenbeleuchtung u dergl. Demgegenüber wird hiermit erneut daraus hingewiesen, daß der Hausbesitzer keinen Anspruch aus Zahlung«uie» solchen Miet- zuschlage» hat. wenn der Mieter gesetzliche Miete zahlt. Der Hausbesitzer hat aiuh dann, wenn der Mieter untervermietet hat, nur die gesetzlichen Mietbeträge zu beanspruchen, also 12 0 P r o z. der Friedensmiet«, wenn der Der mieter die Schönheitsreparaturen ausführt, und 116 P r o z., wenn die» der Mieler litt. Doneden kann der Vermieter 100 Proz. Gemeindezuschlag zur staatlichen Grundvermögenssteuer(nach dem Verhältnis der Friedensmiele!) aus die Mieter umlegen: das sind ungünstigensalls 4 Proz. der Friedensmiete. Verlangt also der Hausbesitzer von einem Mieter, der gesetzliche Miete zahlt und untervermietet hat. einen Zuschlag für Untervermiemng, so kann der Mieter, ohne Nachteile befürchten zu müsien, diese Forderung als unberechtigt zurückweijen Verweigert der Hausbesitzer daraushin die Erlaubnis zur weiteren Untervennietung, so kann sich der Mieter unter Be» rusung aus Z 23 des Mieterschutzgesetzes an das Mieleinigungsamt seine» Bezirke» mst dem Antrage wenden, die fehlend« Erlaubnis de» Bermieters zur Untervermietung zu ersetzen. Diese Ersetzung der Erlaubnis zur Unteroermietung spricht das Mieieinigungsaint regelmäßig aus, falls nuht der Vermieter einen wichtigen Grund für seine Weigerung nachweisen kann. Die Nichtzahlung eines Zu- schlag» für Unteroermietung ist kein wichtiger Grund. verweigert der Vermieter die Erlaubnis zur Untervermietung und unterläßt es der Mieter, sich die fehlende Genehmigung vom Mieteinigungsam» ersetzen zu lassen, so läuft der Mieter Ge- fahr, aus Grund de» Z 2 des Mieterschutzgejeges wegen„unbefugter Uederlasiung de» Mietraum» an einen Dritten" im Wege der Mieß oushedungsklage aus seinen Räumen entjernt zu werden.— Also Vorsicht l Renten für abgefundene Kriegsbeschädigte. In der Zeit der stärksten Inflation hat da» Reich weit über 500 000 Kriegsbeschädigte mit einem geringen Bettage abgefunden und endgültig au» der Versorgung ausgeschtosien. Dem steten Drängen der KriegsopfeTverbände, dem der Reichsverband Deutscher Kriegsbeschädigter noch kürzlich in seinem dem Reichstage unterbreiteten Gesetzentwurf besonders Nachdruck verliehen hatte. hat die Regierung teilweise nachgegeben. Während der Beratungen im Arjegsbeschädigtenousschuß des Reichstages hat der Regierungs- Vertreter jolgende Erstärung abgegeben: „Die Reichsregierung ist bereit, in erweitert«: Auslegung des $ 71 des Gesetzes über das Verfahren in Bersorgungssachen zu ermöglichen, daß Kriegsbeschädigte, die wegen einer Minderung der Erwerbs sähigkeit um 20 Proz. obtzesunden worden sind, wieder Versorgung erhalten können, wenn die Minderung der Erwerbssähigkeit jetzt— auch ohne daß eine Berjchlimmerung nachweisbar ist— mindestens 25 Proz. be- trägt. Die Regierung rechnet dabei bestimmt darauf, daß die verbände der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen durch entsprechende Aufklärung ihren Mitgliedern voll der Einreichung gänzlich unbegründeter Anttäge aus diesem Gebiete dringendst abraten. Sie wäre sonst, soll» die Bersorgungsbehörden mik zwecklosen Anträgen überslutet werden, gezwungen, im Interesse der Ausrechterhaltung eines geordneten Dienstbelriebs bei den Bersorgungsbehörden diesen Erlaß wieber außer Wirksamkest zu letzen." Weiter geht die im Reichsversorgungsblatt Nr. IS vom 24. De» zernber 1927 verössentlichle Durchführungsbestimmung zu ß 25 Abs. 3, die mit Wirkung vom 1. Oktober 1927 die Wiedergewährung' von.Rente für nachstehende unter die Absindung gefallene Leiden sichert. E« heißt dort U. a.t »Wer in seiner körperlichen Unversehrtheit schwer beeinträchtigt ist. erhält ohne Rücksicht auf den Grad der tatsächlichen Minderung seiner Erwerbssahigkest. eine Mindcsttente auf der Grulldlage nachstehender Sätze: . Berlusl von drei oder mehr Fingern ausschließlich des Daumens an der Gedrauchshaich....... 30 Proz. sonst............... 25.. Verlust de» Daumens allein an der Gebrauchshand.. 25„ Dertust der ganzen Kopfhaut(Stalpierung).... 25„ oder vollständige Erblindung de» Auges..... 25, Derlust des Gaumens............ 25■„ Verlust aller Zähne............ 25„ Derlust beider Ohrmuscheln......... 25„' Abstoßend wirkende Entstellung des Gesichts, die den Umgang mit Menschen erschweren..... 25— 50„ Derlust der Milz oder einer Niere........ 30„ Widernatürlicher Atter, Urin- oder Darmfistel... 30„ Andere Körperschäden, die den hier ausgezählten gleicher- achten sind, sind entsprechend zu berücksichtigen." Der Vater sagt's dem Sohne, der Freund dem Freunde; „Die Marke ist richtig lM Und so muß es auch sein. Die Reklame allein macht's nämlich nicht In dieser ühcrkulti vierten Zeit gesteigerter Genüsse will der Raucher für sein Geld etwas haben. Oberzeugen Sie sich von dem ungewöhnlich hohen Qualitätsnivcau der Massary-Zigaretten. Sie dürfen auch an unsere 4»Pfg.-Preislage den Maßstab eines ver# wohnten Geschmacks anlegen. jftadMuy-pMtHiu/- 4-aS ohne Munc/sluch,-uncl m/h Go/c/munds /ucJzj $ ccs y/sh Od 4- ccihh/ d/Zfep d?dnc/ep Bahnen /cegren Jenyhfassary-jffarken ieu Idersle niM üe/6ep scunm&hj, erfreue, da Jh/ac/erherz c/ami/. M««ms irr Jlegienmgserfffnmg hervorgeht, wird Wert«mf Kl« Uederprüftivg der neu einzureichenden Annage durch die Verbände gelegt. Di« abgefundenen Kriegsbeschädigten handeln also un eigenen Interesse, sich vor einer Antragstellung des Rates und Bei. stände» eine» Verbandes zu vergewissern. Die Geschäftsstelle des Reichsverbandes Deutscher Kriegsbeschädigter, Berlin SW. 68. Chat. lottenstrahe 85, ist gern bereit, in die Prüfung und Bearbeitung von Anträgen auf Wiedergewährung der Rente einzutreten. Aus de« Bezirke«. 5. Vezirk.— Friedrichshain. Genossl gewählt. des übrigen Vorstandes ist insoweit eine Aendemng eingetreten, als kein Mitglied der KPD. gewählt wurde. Die ordent- �' nmlung fi er an jedem 1.' Mittwoch nyur 7. MW � in der Zweigstelle des Arbeitsamtes Straßmannstraße führte zu lichen Sitzungen der Bezirksversam )re will» � MMWO"'____ der komymnistischen Fraktion über die Abstellung von Mißständen M. Jung finden auch in diesem Iahrg wicder an jedem 1.'Mittwoch im Monat statt. Eine Anfrage längeren' Debatten. Stadtrat Genosse Brückner wies unter anderem daraus hin, daß durch das plötzlich« Steig en der Erwerbslofenziffer die Räumlichkeiten in der Siräßmarni- straße nicht mehr ausreichten und das Bezirksamt rechtzeitig bemüht war. passende Räume zu finden. Eine Zweigstelle ist bereits in der Blumsnstraße eröffnet, außerdem sind weitere Räume m der Mühlenstraße vorgesehen. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung machte Herr Dr. Friedber�an chand von aufgestellten Tabellen längere Ausführungen über«zcharlach. und Diphtherieerkrankungen unter der Schuljugend. Cr wies daraus hin, daß leider durch das Richtheranziehen ärztlicher Hilfe diese Krank- heilen größeren Umfang annehmen konnten. In verschiedenen Sitzungen des Gesundheitsamtes wurde beschlossen, durch Verteilung von Schriften an Lehrer und Eltern aufklärend zu wirken. Dem Beschluß wurde nachgekommen. Um eine Weiferverbreitung zu verhüten, wurden einzelne Schulklassen nach erfolgter Unter- Genosse John unterstrich suchung sämtlicher Kinder geschlossen. vis Aus"" Ausführungen des Herrn Dr. Friedberg und betonte, daß im Bezirk Fmdrichshain das Möglichste getan worden ist, um die Weiterveröreitung der Krankheit zu verhüten. 9. Bezirk.— Zehleadorf. Aus dem allen Jahr ist lung Zeglendors nachzutrage» der BezuEsverordnete Studienrat Beetz folgende Erklärung „Gestern ijjt, wie Sie aus Zeitungsberichten ersehen haben, die Ge- richtsoerhaiujsung gegen den wegen Unterschlagung öffentlicher Gelder schon zwei Iahren aus der Deutschnatianalen Dolkspartei ausgeschossen« Wiktor Schmutzky. Wannse«, und staUgesnnden. Er 3000 M. Geld- ist zu zwei Iahren Gefängnis straf« und Ehrvchlust verurteill worden. Der Angeklagte hat sich gegen meine Person Anwürfe erlaubt, die. in die Presse übergegangen sind. Dadurch, daß& ersan in ge- übergibt man mir tum Xaibrunt bn Drutlchk» MulUerorrbanb,,. Srrlln.«om> monbantenftr 63,64. Dönhost 8277—7» MdtSfttteU 8—>. Sonmag« 10—1 Uhr «ul Wunich. Bcitceutbefuch. Samt mtrrt* ei» Antrag der Demokrat?» verhandelt, i» dem der Stadtschulrat um Auskunft ersucht wurde, welcher Mehrbedarf an Schulgebäude». Schulklassen und Lehrkräften, an einmalige» und dauernden Ausgaben durch die Annahme des Schulgesetzentwurses im Reichstag für die Gemeinden zu erwarten fei Der Schulrat S a n d t erklärte, daß, wenn er die jetzigen yn Bezirk vorhandenen Berhältniss« als Maßstab anlege, kein« Mehrkosten entständen. Da» Volksbilduvgsawl Prenzlauer Berg sSu!turgemewde> osr- anstaltet am Dienstag, dem 10. Januar, 20 Uhr, in der Aula der Königstädtischen Oberrealschul«, Pasteurstr. 44/46.«inen Plauder- abend mit Gesängen zur Saut- von Käthe Hoan.Merlin im Lied*. Am Danroerstag. dem 12. Januar 1028, 20 Uhr, findet in der Aula des Luisenstädtischen Gymnasiums, Glennftr. 40, ein Vortrag mit Lichtbildern von Pros. Dr. Der! über:„Matth las Gtünwald* statt. Karten je 50 Pf. zu beiden Veranstal» tungen am Saaleingang. Mitglieder der Kulturgemeknde haben ftelen Eintritt. ftsstntaagai für Mc|c Xnbrit veeli» 6 6 6», Liabeusliob» pariemachrichien/��fürGroß-Berlm n*t» n ba* eeetTtotetreterm 2. Hos. I Ire», acht«, ja richten. JA,._. Mwell® ctttag, abend in bil ftteiscoiftanbankuna mit. '" 6. Snmiar. pünktlich 19 Uhr, Sei ftwpp, Nreisvorstande». njjchnt: beute. Freitag, i. es ftucfus be» Genossen Dr. Nursusteilnehmer 6. flrei» Jttcn�betg._ Planufer TS, eiftirn, 16. Stet« SSsesU. 0t Echlogstr. 27, Fortsetzüng*' bes heute, Freitag. 6. Januar. U. Att. Di« Be»iri»Mhr« holen sofort.Unser Weg' nom SenofftA Kanepel. """ weichen die Veji' «. ontag, «?- ' g bei Berger, hemetzow» 9. Januar, wi um im Uhr. ..... dringend erforderlich. jjnh 5ujtaionäre aller Bezirk». Morgen. Sonnabend, 7. Januar. Wi Uhr Siftung sSnrtNcher Fnnktionttre bei Zschkestng.«tfetftr. l. Siel!urtgnahnt»_ zur Reu mahl der Srel» und Abteilungsleituirg. Erscheinen aller Funttlondre ist 25, Bbt, 30 Uhr bei Daro der M teilungrleitnng. ftnb mitjubtinaen, 64 Abt. Chsrlotleabtn. Um püRttiiAcsuna •7. Tdt. Gnuzewald. IS Uhr »aronssi. Pasteurstr. 6, FunkttonÄrstdung.«ruwabt g. Parteeur!tglied»l>stch«r und FundlonSrauswesse Uhr bei Casper, Guerickestr. l, Fuuittionstrstftmeg. Erscheinen wird gebeten. lige» fionüten Im Lokal Burzbacher. 83. Abt. Lichterfelbe. Ml» Begirkeführer bfeilungsvorpandsssiiun. Erscheinen bringend und und Genössen treffen sich zu einer michligtn' ffmt?tionätfi jung�ura 30 Uhr gob Abt mit sSmtNchen Kund, d iwtwenbig. len tätigen Senofstnnea ■ r,»n.. Erscheinen ist Pflicht. Auz. beim Genossen strull, Lankwiher Str. 10. ,bc der für Zanuor fälligen Monatsschrift. 86.»dt. Marieadorf. 20 Uhr bei Niendorf, Ehousseeftr. 19, 94 Abt. KcniSOn. 19H Uhr bei Schröder, Steii-.mcsistr. 53, Funltio Erscheinen aller Funkttonäre unbedingt erforderlich. 168. Abt. Siipenick. 19 ih Uhr an detannter Stelle wichtige Stellungnahme zur Neuwahl."..... 11». Abt. Lichtenberg. II" Mollenborfstraste, wi scheinen. 131. Abt. Nlederschbahaufe». 1» Uhr Im Sitzung de» Bildungoausschusseo. Um Generaloersavunlung. Sartea zur ssilmoo!.. im Tivoli, Pankow. Berliner Sir. iinttionärsttzung. »ärsitzung. ffunktionärsstzung. ....-na:.Ml Seetaurp" im Tiooli, Pankow, Berliner Etr. 27, find A. Nochl.r, Ithlandstr. 8, zu haben, stinder U Uhr 20 Pf UV) Uhr 80 Pf. Die Borstellung ist am Sanntag, 5.~ deim��Seimssen Januar.' ______ Eintritt g Genossen find herzlichst eingeladen. Jungsozialtsteu. heute, Jreitag. k. Zauoar. Grvppe 6edding�6«suudbr»»Kev: 20 Uhr I« Zuaendhei» des Lediaen- nttatb Am Bruiinenplatz, Einsang Octhstraße, Laden. Bortrag:.A-bcitorecht". Referent Genosse Liliebrrg. Dir älteren M-talieder der SAZ. sind freundlichst eingeladen. Achtung, heute Beitragazahlungl— Gruppe efiben; 20 Uhr im Jugendheim Jorckstr. u politische Aussprache. Wichtige Gruppenangelexen. Heiken. Achtunzl.Der snage SZmpser, Znngiozialist-a und GPD." lleber diese« Thea» spricht Genosse Dr. Feitz Lewp.Bre«lau so» San» tag, 8. Zavnar, nm ISsä Uhr im Jugendheim Pomkstr. 11. Alle Berliuer Genosse» werben er. sucht, sich an dieser Beravstaltuug recht rege zn beteilige».—«rnppe Mittet - jule Gipsstr. 28» Zack-London-Abend.—___________ Ter heutig« Gruppenabend fällt umständehasber au». Am nächsten Freitag Portrag:.Der ss 218 und die arbeitende Jugend.* Siuderfreuade Groß Lerka. Siels Pavlow. Sonntag, 8L Januar, läuft im zTioo' Tee tat >li* r Einlaß Berliner Sir. 17, de? beltlagerfilm �iinderrrpubli! für Sinder U Uhr, für Erwachsene 11 Uhr. Eintritt für Sinder 20 Pf.', für Erwachsene 80 Pf. Um recht regen Besuch wird gebeten. Stet«(lharlotteuburg. Gruppe Freud« and Sr»ppe Tanne treffe» ssch am Sannabenb, 7. Januar, um 16 Uhr im Beim Sprecstr. 80. Alle Jung, und Rot.FalIea fommcn am Sonnabend um!5H Uhr IM Heim Rosinenstr. z zum Basteln zusammen. Gleichzeitig merken fie sich vor, daß qm 14. Januar, pllnkt, lich 16 Uhr km Heim Rosinonstr. 4 die Sr-ieoolloersammlu�g �hattsindet, ttiselbst um 16 Uhr Gruppenoerttetrrbesprechuno. s'-cherungsdetträge mitbringen.(20 Pf.) üfer müssen Bar. ' Sterbekafel der Groß- Berliner Partei. Orginrisatioa] 47. Abt. Am i. Januar oerstarb Vach langem, schweren Lechau unser Gm pvss» Sari Laub», Ranteuffelgr. 6, im 64. Lebenaiahre. Einäscherung am Sonnabend, 7. Januar. 14�1 Uhr, im Srematorium Baumschulenweg.— Tm 3. Januar oerstarb nach längerem Leiden unser alter Genosse Hermann Schmidt, Mantruffelstr. 108. im 48. Lebensjahre. Einäscherung Sann- abend lZlj Uhr Srematorium Baumschulen weg. Wir werden da, Andenken dieser Genossen stet, in Ehren halten irtib bitten um rege Beteiligung. Schmerzhafte Verdauung. Wenn Sie eine schmerzhafte Derdmnmg haben, so leiden Ei« höchst wahrscheinlich an einem lieb ermaß von Magensäur«. Die» Uebermaß verursacht Sodbrennen, unbehagliche» Gefühl und Ber- bauungsstörungen, die, wenn man nicht rechtzeitig dagegen ein- schreitet, in schwerere Leiden ausarten können. Neutralisieren Si« die Maqensäure, und Sie weihen bald Besserung verspüren. Biserirte Magnesia ist dos gut wirkende Mittel, das feit Jahren so vielen Magenleidenden Linderung gebracht hat, sst harmlos und leicht ein» (unehmen. Ein halber Aasseelüssel Biserirte Magnesia in etwas er nach dem Essen Hilst bei der Verdauung der Speisen, so daß sie regelmäßig und schmerzlos vor sich geht. 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Hohe Dividenden den Aktionären— Hohe Vierpreise den Zechern— Niedrigen Lohn den Arbeitern! Das Braugewerbe gehörte schon vor den, Kriege zu den ertragreichsten Industrien Deutschlands. Auch Knscnzeiten schaden ihn, wenig. Lieder wird ja auf manches andere verzichtet, so lange das Bier noch scheinbar ein Tröster in der Not ist, als aus den ge- wohnten Topp oder Becher. So ist auch die schwere Wirtschaftskrise von vor zwei Jahren spurlos an den Brauereien vorübergegangen. Die Dividenden, die das Braukapital schon ISLS an seine Aktionäre ausschüttete, waren derart hoch, daß dem Brouerbund, der Vereinigung der Brauunternehmer. unheimlich wurde und er in einem Rundschreiben für Eingeweihte eine vorsichtigere Dividendenpolitit empfahl. Es hieß darin: ,F>ohe Dwidenden der Brauereien pflegen in der Deffentlich- keit den Anschein zu erwecken, als ab die Brauereien im Vergleich zu anderen Industrien übermäßig groß« Gewinne erzielten. Hierdurch wird die Oeffentlichkeit gegen unsere Industrie einge- nommen und es entstehen in mehrfacher Hinsicht höchst uner- wünschte Rückwirkungen. Im Interesse der Kon- fumenten wird eine Herabsetzung der Bierpreise verlangt werden, im Interesse der Arbeitnehmer eine Heraufsetzung der Löhne. Die Reichsregierung wird die hohen Dividen- den als Argument für Steuerforderungen benutzen und für die Abstinenten gibt jeder günstige Brauereiabschluß eine will- kommene Gelegenheit zu immer neuen gehässigen Ausfällen gegen die Gesamtheil unserer Industrie." Unter diesem Gesichtspunkt gesehen, sind die jetzt für 1927 per- öffentlichen Jahresabschlüsse der Brauereien von besonderem Inter- esse. Nach dem besorgten Hirtenbrief des Brauerbundes an sein« Schäflein werden die Gesellschaften natürlich alles getan haben, um einen Teil ihres tatsächlichen Reingewinns in Anlagen und Ab- schreibungen verschwinden zu lassen. Trotz dieser Bemühungen zeigen die Dividenden jedoch ein neue» Ansteigen gegenüber den beiden letzten Jahren. Wir hoben von de» bischer veröfsenckichlen Abschlüssen 90 Gesellschaften ersaßt, und geben m der folgenden Tabelle die in den letzten drei Jahren erfolgte Divi- dendenstpigerurig wieder. Es zahlten: Dividende« 1924 2S 1925/26 1926/27 von 0 Proz.. 10 Brauereien 9 Brauereien 4 Brauereien . 1—6,. 19, 16. 14 „ 7—9..19, 22 19 , 10—20,. 42, 43, 53 Gesamt... 90 Brauereien 90 Brauereien 90 Brauereien . Das ständige Anwachsen der Braurente ist mit Händen zu g r eisen. So verringerten sich die d i v i d e» l o s gebliebenen Gesellschaften seit 1924/25 von 10 aus 4, und die Gesell- s.haften mit 1 bis 6 Proz. Dividende von 19 auf 14 Unternehmungen. Dagegen sind die Gesellschaften, die ihren Aktionären 10 bis 20 Proz. Dividende zahlen konnten, von 42 auf 53 gestiegen. Welche Summen außer diesen Dividenden noch i« andere Kanäle geflossen sind, läßt sich bei dem Durchblättern der einzelnen Jahresberichte aus den Zugängen auf die Anlagen und den Zlb- schreibungen erkennen. So steckte die Engelhardt-Brauerei, Berlin, rund 2,5 Millionen Mark in die Anlagen und setzte von ihrem Bruttogewinn 1,4 Millionen für Abschreibungen ab. Die Berliner Kindt-Brauerei weist 1,3 Millionen für Zugänge hauptsächlich aus Maschinenanschafsungen und die gleiche Summe für Abschreibungen aus. Auch die„notleidenden" Aufsichtsrit« werden reichlich bedacht. So zahlt die Bavaria- und St.-Pauli-Brauerei den vierzehn Herren ihres Aufsichtsrates für ihre„anstrengende" Arbeit die nette Summe von 127 000 M.. wofür die gleiche Zahl Brauarbeiter bis zur letzten Lohnerhöhung über vier Jahre arbeiten mußte. Diese Gewinne des Braukopitals fließen au» zwei Quellen, einmal aus der Tasche der Konsumenten und zum anderen aus dem niedrigen Lohnkonto der Brauereien. Di« Brauunternehmer wissen sehr gut, daß der Bierkonsum auch bei Preiserhöhungen selten zurückgeht. Danach richtet sich auch die Preispolilik der vrauherreo. Bei der Erhöhung der Bier st euer im vorigen Jahre prophezeiten sie der Regierung unter Protest das gänzliche Erllegen ihres Geschäftes, zögerten aber nicht, kurz«. Zell daraus, dem Der» braucherheer eine Erhöhung der Bierpreise von �4 M je Hektoliter. also in doppeller Höhe der neuen Steuern, auszudrücken. So sehr dieses Vorgehen bei der Berbraucherschaft auch Staub aufwirbelte. zeigen die A b s a tz z i f f e r n des letzten Jahres doch, daß die Konsumenten aus diesem rücksichtslosen Vorgehen kein« Konsequen- zen gezogen haben. Der Bierverbrauch ging nicht zurück, im Segentrtl. mit der zunehmenden Besierung der Wirtschaftslage nahm er im Lause des Sommers bettächtlich zu. So stieg der Bierausstoß. der vom April bis Juni 13,5 Mill.. Hektoliter betragen hatte, im folgenden Vierteljahr um 13 Proz. aus 15,3 Mill. Hektoliter, was gegenüber der entsprechenden Zell 1326 eine Produktionssteigerung von 6,7 Proz. ausmacht. Andererseits trug eine rigorose Lohnpolitik zur Gewinnanhäufung bei den Brauereien bei. Im erste» Jahre nach der Inflation wurde der Wochenspitzenlohn der Brauer aus 30 M., also 20 Proz. unter Friedenssatz festgelegt. Und erst nach immer erneuten Lohntämpfen konnten die Brauer nach dem letzten Streik im Herbst o. I. vom 1. Januar ab einen Lohn von 56 M. die Woche erzwingen. Kampf gegen das„Pilsener". Man sollte nun annehmen, daß nach diesen Iahresergebnissen das Braukapital wenigstens zufrieden wäre. Doch weil gefehlt Die Lrauherren sehen durch die anwachsende Einfuhr von Pilsener Bier ihren Absatz„bedroht", und mit dem nationalen Montelchen bekleidet, wendet sich jetzt der Deutsche Brauerbund an die Oeffentlichkett mit der Forderung:„Deutsche trinkt nur deutschesBier!" Für dieses durchsichtige Liebeswerben wird der deutsche Der- braucher, der erst im Frühjahr mit der unflnnigen Bierpreis- erhöhung übers Ohr gehauen wurde, nicht"sehr empfänglich sein. Er verlangt Tatsachen und zwar in der Üüälliat.' wie im Preise. So ist ihm nicht unbekannt, daß die letzte G e r st e n e r n t e gut ausgefallen ist und die Hopsen ernte einen Rekord fest zehn Iahren darstellt, so daß die Hopfen preise um 40 bis 50 Proz. gesunken sind. Werden die Brauereien daraufhin endlich eine Ermäßigung ihrer überspannten Preise eintreten lassen oder im neuen Jahr auch noch die Sonde rgew in ne einstecken, die ihnen aus der Verbilligung der Rohstoffe zufließen? Sie verstehen ja sehr gut. den braven Zecher durch fröhliche Sprüchlein auf den Bierfilzen zu animieren, aber eine Verbilligung des Bieres würde ihn weit eher ermuntern, wenn schon einmal Bier getrunken sein muß. B— e. BedenklicheWohnungsbaufinanzierung Baugenoffenschasten als Agenten für Lebensversicherungen. Wir haben mehrfach und mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß das Baujahr 1928 wahrscheinlich schlecht sein wird, weil die Beschaffung von Baugeldern nach allem, was man bis heute sogen tonn, schwer ist. Jede Vermehrung der' Baukapitalien wäre also tezrlls)enswert, und wir haben nicht nur von den Regierungen selbst größere Aktivität verlangt, sondern auch die Forderung gestellt, daß die ausländischen Kapitalmärkte für deutsche Wohnungsbauanleihen geöffnet werden müßten. Run haben gewiß Lebensversicherungsgefellschaf- t-n in ihren Prämienreseroen Mittel zur Berfügung. die sie auch aus dem Baumarkt fruchtbar machen können. Es wäre also nichts dagegen einzuwenden— bisher ist das auch soweit als möglich geschehen—, daß diese Gelder der Versicherungsgesellschaften Ver- wendung finden. Jetzt wird aber ein Projekt bekannt, das trotz der in hohem Maße wünschenswerten Stärkung des Baukapital- Marktes Bedenken erregt. Durch die Initiative der früher vom Stinnes-Konzern beherrschten Nordstern- B e r s i ch e r u n g s- A.- G. haben sich elf größere Bcrsicherungsgesellschaften zu einer Arbeitsgemeinschaft zu- sammengeschlossen, um ihren Prämienreseroen zufließende neue Mittel dem Baumarkt zuzuführen. Das wäre an sich ganz löblich. Aber die Methode ist bedenklich. Dazwischengeschattek soll nämlich der Verband der Deutschen Baugenossenschaften werden, und die Ausbringung der neuen Gelder ist so gedacht, daß die offenbar durch die Werbetätigkeit der Baugenossenschaften neu abgeschlossenen Lebensversicherungen und die daraus fließenden Prämienreseroen der Fonds für Darlehen sein soll, die neben der ersten und der Hauszinssteuerhypothek den Bauherren die noch er- forderlichen Baugelder zuführen sollen. Die Durchführung der ganzen Aktion soll bei der R e i ch s h e i m A.- G. für Siedlungs- und Baukredtt« liegen, einer>m Jahre 1924 vom Nordstcrn-Konzern gegründeten und von diesem voll beherrschten Gesellschaft mtt einem Kapital von 100 000 Mark. Die zu gewährenden Darlehen an die Bauherren, m diesem Falle die Baugenossenschaften, sollen durch Verpfändung der Lebensversicherungen, die also offenbar von den Mietern der Baugenossenschaft übertrogen werden müssen, gesichert werden. Das Projekt soll in den Grundzügen fertig vorliegen und am 16. Januar soll eine Sitzung des Baugenossen- schaftsverbandes ftatlfüiden, in der über dos Vertragswerk �be- schlössen wird. Wie gesagt, erscheint uns eine derartige Beschaffung, vv» Bau- geldern keineswegs unbedenklich. Di« Daugenossenschoste» werden es sich überlegen müssen, durch die Empfehlung von Lebens- Versicherungen der elf zur Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen Versicherungsgesellschaften in erster. Linie das Geschäft dieser Gesellschaften zu fördern. Das angewandt« Mittel kann hier leicht in gefährlicher Weife den guten Zweck in den Hintergrund drängen. Die Versicherungstarife werden sicher nicht niedriger, sondern voraussichtlich höher sein, oder aber die zu for- dernden Darlehnszinsen werden überhöht, weil die Berwattungs- kosten irgendwo unterzubringen sind, und alle beteiligten Stellen so oder so mit Ueberschuß arbeiten müssen. Es wird also trotz des guten Zieles sehr überlegt werden, ob es nicht andere Wege gibt, das erforderlich« Baukapital sicherzustellen. „Nebenprodukte. Das große unkontrollierte Geschäft des Bergbaus. Es gab eine Zeit, da waren die sogenannten Nebenprodukte im Stein- und Braunkohlenbergbau wirtliche Neben Produkte neben der Stet» und Braunkohlenfördcrung. Sie sind es heute nicht mehr. Sie sind eine der wichtigsten Einnahmequellen des Berg- baues, und was sie besonders interessant macht, ist die Tatsache, daß sie sich der kohlewirlschaftsgesetzlichen' Kontrolle absolut entziehen. Wie bedauerlich und gefährlich das ist, hat sich in den letzten Jahren mehrfach gezeigt: Bei der Diskussion über die Er- höhung der Kohlenpreis«, bei den letzten Lohnkämpsen in Mittel- deutschland, bei der. in der letzten Zeit hart, umstrittenen Selbst- kostenbestimmung der kommunalen und Kokereigaspreise. Es ist deshalb wichtig, daß vom Stattstischen Reichsamt olljährlich wenig- steits einige Anhaltspunkte über den Umfang und die Wert- st e i g e r u n g der Ncbenproduktegcwinnung veröffentlicht werden. Die letzten Daten darüber werden für das Jahr 1926 in Heft 24 von„Wirtschast und Statistik" veröffentlicht. Di« Haupt- au-gangsprodukte sind Braunkohlenteer und Steinkohlenteer. Bei der Destillation von Braunkohlenteer hat sich die Zahl der vom Statist! säen Reichsamt erfaßten Betriebe von 11 auf 16 von 1925 auf 1926 erhöht. Daß der Nutzeffekt der Betriebe erheblich gesteigert worden ist. zeigt die Tatsache, daß trotz der Vermehrung der Betriebe die beichäftigten Personen von 1950 auf 1695 zurück gegangen sind. Die Menge der verarbeiteten Roh- stoffe hat sich von 128 861 auf 181 465 Tennen erhöht. Der durch Rückrechnung vom Fertigprodukt, also thzoretifch, er» rechnet« Wert der von 110102 auf 162 064 Tonnen gestiegenen Erzeugnisse ist von 19,48 Millionen aus 27B4 MiMoaea, also u» rund 8.4 Millionen Mark gestiegen. Zugleich Hot sich die Lohn- summe der verringerten Belegschaft nur um nmd 430 000 M. erhöht. Da der Wert der eingebrachten Roh stosfe nur von 9,22 Millionen auf 15,19 Millionen Mark gestiegen ist,«rgibl sich, daß der Mehraufwand von 430 000 M. neuen Löhnen(ohne Be- rücksichrigung der Abschreibung für neue Anlagen) einen Neu- gewinn von 2,5 Millionen Mark oder dos Sechs» fache des Mehraufwandes an Löhnen etwa erbracht hat. Daraus ergibt sich mit aller Deutlichkeit zweieilei: Einmal ist in der Braunkohlenindustrie der Wert der Nebenprodukte von erheblicher Größe, zum anderen dürste sich an keiner Stelle der Mehraufwand an Löhnen so stark rcnttercn, wie bei den Neben- Produkten. Bei der Verarbeitung von Steinkohlenteer zeigen sich ähnliche Ergebnisie. Im Jahre 1926, wegen der anfänglich sebr großen Koksvorröte ein schlechtes Destillationsjahr, wurden mengenmäßig 3,6 Proz. mehr Rohstoffe verbraucht als im Jahre 1925 und nur rund 3 Proz. mehr Produltc erzeugt. Der Wert der verbrauchten Materialien betrug insgesamt'95,2 Millionen Mark, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahre von 41 Proz. Der Gesamtwert der Erzeugung ist um etwa 39 Proz. auf rund 136 Millionen Mark gestiegen Auch hier Handel! es sich um theo- retische Wertziffern. Eine einfache Nachrechnung zeigt nun hier, daß bei 106 neu eingestellten Arbeiten, und 721 000 M. mehr gezahlten Löhnen unter Berücksichtigung von 28 Millionen Mark mehr ver. brauchten Rohstoffen gegenüber 39 Millionen Mark mehr erzeugten Produkten der Neugewinn(ohne Abschreibungen für die Neu- anlagen) 11 Millionen Mark betrögt. Auch hier ist also der Dewinnzuflang aus der Nebenprodukteverwerttmg ein ganz außer- ordentlich großer, verglichen mit dem Mehraufwand an Löhnen. Diese Ergebnisie der Reichsstattstik sind hoch beachtlich. Sie zeigen, daß die Bedeutung der sogenannten Nebenprodukte immer größer wird, und daß ein großer Teil sowohl der Förderrmgokosleit als auch der Löhne im Bergbau aus den vermehrten Einnahmen � der Nebenproduktenverwertung gedeckt werden können. Es wird begreiflich, weshalb sich das Stein- und Braunkoblenkapitol energisch gegen die Einbeziehung der Nebenprodukte in die gesetz- liche Kontrolle der Kohlenwirtschaft wehrt. Um so deutlicher wird aber die Notwendigkeit, wenn das Kohlewirtschastsgesetz nicht wirkungslos werden soll, die Kontrolle auf d i e N e b« n p r o d u t t e a u s z u d e h n e n. Die Stimme der Konsumenten. Aus dem Lahresbericht der Konsumeotenkammer Hamburg Die Konsumeotenkammer Hamburg ist leider die einzig« offizielle Organisation der Verbraucher in Deutschland, obwohl nichts dringender ist, als die Stimme der Verbraucher für die Oefsent- lichkeil hörbar zu machen. In ihrem Jahresbericht nimmt sie zu den verschiedensten Wirtschaftssragen Stellung und befaßt sich besonders eingehend mtt dem Verhältnis der Konsumvereine zum Einzelhandel. Da der Verbraucher erkannt hat, auf welcher Sette sein Vorteil liegt und die ständig wachsenden Umsatzziffern der Konsumverein« den Einzelhandel sehr beunruhigt haben, habe knescr versucht, den Staat gegen die Konsumvereine mobil zu machsn. Anders sei das Eintreten für die F i l i a l st« u e r nicht zu erklären, womtt der Einzelliandel nicht nur die Konsuinpcreine, sonder» die ebenso scharf bekämpften Warenhäuser treffen will. Ist derselben Linie laufen die Forderungen aus Verschärfung des.Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb, wodurch tätsächlich nicht mehr allein der unlautere, sondern schon der unbequeme Wettbewerb getroffen werden soll. Diese immer wieder auf- tauchende Agitation ist nur daraus zu erklären, daß der Einzelhandel auch jetzt noch stark übersetzt ist, und daß er den einzig ganz- baren Weg. seine Leistungsfähigkett durch organisatorische.Maß- nahmen zu heben, erst sehr spät beschritten hat. Demgegenüber haben die Spitzenverbände der Konsumgeiwssen-- schaften von jeher auf ständige Nachprüfung de r R e n ta b i Ii- tat Wert gelegt und im Gegensatz zu» der beliebten Geheimnis- krämerei der Privatwirtschaft mtt ihren Feststellungen nie Hinte» dem Berge gehalten. Zu der vielumstrittenen Frage der Kartelle sagt der Bericht, daß die bisherige Entwicklung die ernsten Bedenken der Verbraucher nicht zu zerstreuen vermag. Monopol und Kartell werden nicht als solche bekämpft, sondern ihre zahlreichen und schweren Aus- wüchse. Eine besondere Stelle zur Ueberwachung der Kartelle sei daher erforderlich, um so mehr, da weder das Reichs- wittschaftsministerium noch das Reichswirtschaftsgericht bisher den Beweis erbringen konnten, tatsächlich etwas Durchgreifendes gegen die Mißstände im Kartellwesen unternonnnen zu haben. Günstiger kaliabsah im Dezember. Der Absatz des Deutschen Kalisyndikats im Dezember 1927 hetrug 1004 756. Doppel- Zentner Reinkali gegen 958 861 Doppelzentner Reinkali im gleichen Monat des Vorjahres. Der Absatz in den ersten acht Monaten (Mai bis Dezember) des laufenden Dimqejahres beträgt 6504 334 Doppelzentner Reintali gegen 6 230 951 Doppelzentner Reinkali in den ersten acht Monaten des Düngejahrcs 1926-27 und gegen 6 466 763 Doppelzentner Rcinkali in den ersten acht Monaten des Düngejahres 1925/26. Der Absatz im Kalenderjahr 1927 beträgt 12394 060 Doppelzentner Reinkali gegen 10 998 730 Doppelzentner Reinkali im Kalenderjahr 1926 und g-gen 12 2SZ117 Doppelzentner Reinkali im Kalenderjahr 1325. 1927 war also im ganzen bisher das g ü n st i g st e Kalijahr seit der Währungsstabili- fierung. Die Ruhr beginnt mit der Verflüssigung der Steinkohle. Wie aus Essen gemeldet wird, baut die Gesellschast für Teerverwertung, G. m. b. H., Duisburg-Meiderich auf ihrem Gelände eine Fabrik für die Verflüssigung von Steinkohle nach dem Verfahren von Professor B e r g i u s. womit für Stein kohle die erste deutsche größere Verflüssigungsanlage in Betrieb kommt Offenbar ist von vornherein eine größere Anlage geplant, da immerhin 4 bis 5 Mil- lionen Mark auigewendet werden sollen, und von einer Parallel- anlage zu Leuna gesprochen wird, wo Braunkohle verflüssigt wird. Wenn der erste Versuch gelingt, sollen auch in anderen Teilen des Ruhrgebietes solche Anlagen errichtet werden. Oesterreichs Zndustriekovjunttur. Ein Bericht der Oesterrcichi- scheu Alpinen Montangesel.lschoft an amerikanische Sanken gibt einen Einblick in die Entwicklung der österreichischen Schwerindustrie im Jahre 1927. Bei der Alpinen Montangesellschaft sind in den ersten elf Monaten 1L27 gegenüber dem Vorjahr qe- stiegen: die E i s« n e r z e r z« ug u n g von 1,01 auf 1,43 Mil- lionen Tonnen, die Robeisenerzeugung von 0,30 auf 0,34 Millionen Tonnen, die Walzciscnerzeugung von 0.24 auf 0,27 Millionen Tonnen. Da infolg« der relativ gijiistnen Konjunktur weniger auf Lager gearbeitet wurde, sind die Ver- sandzifsern bei der Alpinen Montangesellschaft noch stärker ge- stiegen«üs die Produttionszifsern. WcllmarklpoNttk des deutschen veluel-Trusts. Die fusionietten Mechanische Weberei Linden und Mengers. Berlin, stich heute die Herren auf dem deutschen Somtmarkt. Nach der Markthcrrschast in Deutjchlaich soll der Einfluß aus dem Weltmarkt systematisch organisiert werden, wozu in Berlin die Lindener Samt-Unio» Uhr Mitglieder» nersamwlm'g bei Anders. Bahnhofstraße.- Sonnabend. 7. Januar. TeniPel» fjof; Schustfvort antreten 1SW Uhr am Bhf. TeiNpelhof. Bernau: I» Uhr an. krten am Bahnhof. Marsch nach Börnicke. Eaalfchu?— Sonatag, 8. Zianuar. "hr Bclle.Zlll'ance-PIatz zur Uebunas» antreten gohenzoNernvlah aller ____.— Rrulölln-Britz, 3, Kameradschaft: ffrellao, 6. Januar, 00 Uhr, Turnabend in der Turnhalle Mariendorfer Weg 89—70.— Mitte: Sonnabend, 7. Januar, 00 Uhr, Bcrsammlung des Rad» fahrerguge» bei Sramfch, Brunncnftr. i, Wanderleiter! Di« Bescheinigungen zur Erlangung der Fahrpreise rurähi» gung sind abzuholen. Di« blauen«arten vom Jahr« 1927 find ungültig. Achtung,»afsierer! Heute zmischen 17 und 19 Uhr Ausgabe der Januar. �Jugend voran" und der„Arbeiter. Jugend", Abrechnung der Bcitragsmarlen. Berichtsbegen für da» t. Quartal abliefern! Truppen, die bi» 12. Januar abliefern, erhalten für jede» Mitglied ein Buch. Zahresmikgliederverfammlungen. Heuke, Areilag. Uhr. Moabit I: Schule Waltenferstr. 21.— Moabit O: Heim Lehrter Str. 13—19. — Weisienfe«: Heim Batlte. 30.—«nbreaoplag: Bezirlsamt, Brommustr. l__ Baltcnplafi: Heim Dil fiter Str. 4—5.— Warschauer viertel: He'M Litauer Slrasie 18.—«ottbuffer Tor: Heim Reichenberger Str. SS.— Süd«»: Heim fifo' str. 11.— Schöucbcrg II: Heim Hauptstr. 15.— Westen I: Heim Haupt. strafe 15.— Eharlottenburg: Heim Boflnenstr. 4.— Halensec: Schule Joachim. Fr.cdrich.Ctr. 35.— Brist: Z'athaus, Chauffeestr. 48.— Bohnsdorf: Heim Wachtelltr. 1, bei Mohr.—«Zpeaick: Heim Grünauer Str. 5.— Baum. schvleuweg: Heim E-nstsrr. IS. B««Nmugiup»»-»rfeemrofaeOl tat Het» Bngft. ML Noutedo U— 91; Fusamme»fünft der«eiteren im Heim Rona« StuaH».-4 Nardoft: Heim Danziger Str. SO.„Untergang Boms."—»ofenthaler Bönstadt: He:m Fehden icker Str. 23.„Broletamfche Zugendbewegung.'— Wärther Platz: Heim Tanziger Str. 62, Baracke 7.„Die Frau im Erwerboleden einst und fetzt."— Zentrum: Heim Landsberger Str. 50.„Politische Tagcsfragen." — Stralancr Viertel: Heim Eoßlcrstr. Sl.„Lcbensreform."— Zrrpt»»: Heim Elfenstr. 3„Oievuc 1907"(Lichtbilder). Züngerenturfu« Wedoing(Arbeitsgemeinschaft Bothur): Der«ursu» fälU heute aus. Fortsetzung am 1Z. Januar, pünktlich lS'h Uhr, im Ledigenheim SchLnstedtstr. 1. * Betbebezid Prenzlauer Ber, Danziger Str. SO, B. I, Werbeb. listische«ommunalpolitik." An dem„ �_ effierte Eenofien teilnehmen. Dir Delcgiertrn müsseu pünktlich 13 scheinen. welterderichl der OffenNichen Welkerdienststelle Berlin und 11mg (Nachbr oerb). Temperaluren wenig oerändeit, wechielnd bewölst und vereinzelt Schauer bei lebhaften weitlichen Winden.— Jdt veulfchlaad: Temperatliren überall einige Grade über dem Gefrierpunkt.:)n der nörd« lichcn Hälsle verbrcilele, tneist leichte Niederschläge in Form von Schauern Volks dük ns IdiilA«15 8 Ulir Mann ist Mann Id. in Siiiiteertiiiir 8 Uhr Schieber des Rnbms d ll»mlz«ve0ver8� Neuartiges Revue«3tück Alles (Vach ä. gleich n. Pari?. Rcvuel „Tout nu 200 Mitwirkende 1 Orlulnal» ParUcr Kostüme F ISonntagÖ��uTTüTT�ndigni Voroiellunrtu leinen Prelatr jj OSUlSCilSJ 11)2218! forden 10*14—37 ?ijhr Tum I. Maie: ..Peer«TZil" von Henrik Ibsen INI Berthoid Viertel I Ab morgen läpl. 8 U.■ „Pcrr GynP* KammerspißTe j Vörden 10334—.f: lipuls 7�3 Alk Ende vor 10 Uhr Brotut-Expreft{ Ab morgen tägl. 8 U; Bronx-Cxpress' Oie Komödie Bismarck 2414.7510 j 8'/, U, Ende l«1/, U Morgen zum Oarkell 3,5» Mk. [Theaterkasse unonterbr.geöftn j CASINO-THEATER« Uhr Lothringer Str. 37 Nur noch wenige AulfOhrnngen Klein* Kleckersdorf Aouchncideii. Cutschein 1—4 Pers. Fauieuil nur I.10M.. Sessel nur 1,60 M. Eerlioer Tiiesler Direktion Kuhnert Ourioltitslr.JJ 91.DJiih.I7C '. Uhr Max Adalbert als Der Herr von.•. i Plscaiorböline baat. d. iloilecdnr'piat} Kurfürst 2091 93 Ans. 3 Ende nach II üispsiin, di' Riimanowi, der Riiig und das Villi. das gegen sie scfstinii von A.exey Tolstoi, und Schtschegolewj nsc. Erwin Piscaiur Sonntag, 3 Januar I l'/j Uhr vorm Studio-Vorstellung Uraufführung HEIMWEH von Franz Jung ■Jonrnrlr-SkliMS Tb.liiinlerriltr Sr. Bergm.OHO. 81;, Uhr Sdilsss Wettsrsteia von Wedekind Kqa Vitk: linovUii Ersten gwßen Winzerfest ins Kunkhaus zur Ausstellung „Oeuischer Nhein" IöivSes aclisuspiklhsus\ | Norden 2951/53 Anlang 8 Uhr Ende II Uhr. 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E. Steffar Ader. Wirt, Schulz, Kürtr. Metropol-Th. Täglich 8"., Uhr „Sie sdtfne Felesa" Oper. v. Offenbach Dir.: Schillings Wn Pinpobtra, Violftii di Äpcard ÖKirin, Gmon. Zmim. Matirer Planetariüm am loa tartlnn. ijdrmikilet Straf» Noll 157« Im Reiche der KUterDachtssouce VorfOhrungen; Ib>> 18, 19h,, 21 Uh: Eintritt I M. Rute ant. IS linmO.SOt. ßa öidit, Rheuma, hoben sich Togal-Tobleflen Ein Versuch überzeugt Jithias, Nerven-u. Kopfsdimerz, örippe Erkdllungskrankheifen hervorragend bewährt Renaissance- Theater Steinplatz 901.— Täglich 3b, Uhr; Coeur Bube. KomOdlenhaas Norden 5304 3.15—10.40 Uhr Hente Zum 100. Malt Muspohus von Curt Götz Waihslla-Th.: Weinbetgsweg 19 20 Eins lisbesoadit Opcrettenschwank in 3 Akten v Haiton Musik von Osterloh Lonl Pjrmont In der Hauptrolle Vorz. Park, statt 4,— auch Sonniag nur CO PI. Sonota«, nch n.4 Uhr Die Pupperfce Parkett v. so Pf. an. Z Kasellen/ Ner gute billigeWein Mm Tligater Täglich 8>., Uhr Eine Rielne otme Eedeoiani) Erika Oissner, Eugen Bing, Max Lando. Sonntag nachm. 3'-, Uhr Erika ß:a»ncT In LIM cfiiCKoBofle zu halben Preisen Nene* Theater am Zoo TägL 8 Uhr Rfaleüadit-neiibiell Musik v.W. Bromme ResidaDi-Thsaler TägL ftS Uhr; Der Sensitionserfelg I Söiön sehn wir ans 30 lustige Bilder mit Henry Bender Sonntag 3', Uhr die ganze Vorstellg zu halben Preisen. I Tbealer am Kottbusser Tor Kottbusser Straüc 6* Täglich 8 Uhr Elite- Sänger in tfraSen iiiuurpiBjraniii! Jeden Sonmae nzebm. 3 Uhr: Grone Familien-VonieUunö (ungekürzt). Volkspr. 0,40, 0,75, I.-, 1�5, 1,50. 1,75 Mk. rHEyEHIH— i Arnold Scholl Hosenheldc 103-14 Freitag den 6. Januar 1928 sowie täglich Bockbierfest Rose-Theater 8',. Uhr OrphBBsUÖDterwBlt Ii im Umiraispaias Tägl. 8', Uhr SALIER BEVDE t«. 2Sonntai Vorstelle. 3 Uhru.8'(,Uhr 'lädno. Iii loa(«r- dpioni n Rift. Orte Inlerieren brlnfl ERFOLG! Sillonn�tiion Jts. Künstier- 1» 8 Uhr «Evciyne- essing-Theaier « Uhi SdiinderliannE! Mal- a. Zeiche» Bedarf L-]uergens Alcxaadcrplats CliCSS BÜSCH | 7-,, Uhr: Die SensaHon des Tages! oie(oiutiuine Leltinnd der stt;9nm dsdainäiena Anio-Sallo Uber S Löwen und das übr. gr. Circusprogramml Letzte Wochell «Spiet Der bayr.fliesel S�n.ar" 3 Uhr VM Preiifi Volles Circnaprogr. Kinderbeiust. o. — Revue der 20 Märdieu— «WM» in den bayrischen Alpen 7 Kapellen:: Neue Dekorationen 30 bayrische Nadeln B1NLASS«UHR ANFANG 7 UHR Voranzeige; Sonnabend, den 7. Januar 1928 Großer Alpenball Rllscl Ton Ko Piletto! Und die ffr. NenheUen.| ÄrmiDSile. Kommand antenstr. SI-il Heute: Gr. Ball Nene erstklassige Kapelle I Eintritt SO Pf.— Damen bis 9 Uhr frei Reichshallen-Iheaier 8 Uhr, Sonntg. nachm. 3 Uhr. Stettiner Sänger „Moites«oebeneBtft" i nachm. halbe Preise- Dönhoff- Brett'l i Kabarett, Varietd Konzert, Tanz, Wrli�mkii 38 n Ketei Zephyr im.. 58 k TeDBls- flauen Uttar 48 PL CtCpc-Huotain Ilster Mater Fresko SS Organdy Meter SS Pf. Fouiardin lOO cm breit 1.45 Matei Faconne KunisiBoida Uttar 78 VascIitißDslseliie 88* Metai Wasthsania 1.95 Meter Saün-ridie 2.95 Metel Vcrkani sagtii?». ral Beginn 2. lanuüf KlRiderkaros Meter SS PI sut Kuostselde Meter V te» PL Kasba-üiasioo 1.25 Meter Serge 110 cm breli Meter 1.65 Popeline reine WuiIeM mm g» Meter J a# 9 M Seiden- riarocain 2.65 100 etn brt, Meter Cißoe?ö!allljDe Wolle mit Kunstseide 100 cm brt.( Meter 2.95 Cräae ce emse doppeltbreit, reine Seide 3.95 Meter Mbdübd diids sorttfeiialica- Voii-Masseiia 95 Meter PL Sdioilen de Master SS tesebe Master Mete« Sit# PL «aMüWWö reine Wolle, IM cm oreit Meter 2»�� ßips rstne Wolle, 130 cm hrelt Meter 3b SS Kissenbezug so. Renforce 1.25 Beti&ezoä so» Ren Ol es 3.95 BciflaKcp 140 x 200 1.95 lli'öbel-RiRS ISO cm breit Meter 1.25 Ron-Hessel 38 n Metn Hemdentach Metel 42 PL Laken-Messel 140 cm breit Metel 95 PL ßo.iiatn 95 ilamine 28. Meter SpannsloU 48 rt Meter Uno»«.? 58» Meter ISO rm breit Meter Unterhaltung unö ZVissen Hunger. Von Alexander Clement!. Durch das Fenster fiel ein Sonnenstrahl wie ein» Sanz«. spitz und heiß ein, und verursachte auf der Glatze, die vor dem großen Schreiblisch saß, ein unerwünschtes Brennen. .Lassen Sie die Jalousien herab, Bödeter.' Nachdem dies geschehen war, lehnte sich Amadeus ftnöpf« im bequemen weitarinigen Sessel rückwäns. Nach einer Weil» ent. standen auf seiner Stime, dich« an den über der Nasenwurzel ver» wactsenen. starken Brauen eine Anzahl Fältchen. seine Augen wurden zwei ganz schmale Strich«, sein Mund öffnete sich halb, und er niest« dreimal dröhnend. .Gesundheit, Herr Chefredakteur!� Bödeker schielt« zu dem Chef mit dem iervil-tell nehmenden Blick hinüber, der schlecht bezahlten Lureauträsten tn solchen Fällen eigen zu sein pflegt. Amadeus brummt« nur fo unverständlich als Dank: den» er war Chefredakteur der Bouleoardzeitung.Prometheus', und als solcher grenzenlos erhaben über Fritz Bödeker. der frrtich viel. sehr viel Arbeit hott« und rech« abgetragen« und an den Knien und dem Hinterteil stark fadenscheinige Hosen trug. Das ganz« geschah in einem der großen Aettungspotäst» der Weltstadt, in denen Straßen schon riesenhafte Staubwolken entlang. rollten. Sehen und Armen fast gänzlich oerhindernd. Staubmassen, die der Frühlingsswnn aufgewirbelt hatte. Nördlich vom Zeitungsoiertel lag dl» Eifenhold«. Kräne und mächtige Trossen reckten dort ihr tnotziges Haupt auswärt». Wert» züg« rollten keuchend unter Eisenlasten dahin Aus den Hoch. öfen stieg da» Feuer gegen den Himmel. Der Himmel aber war voll Rauch, wie der wallende Bart emez riesenhaften Griesgnnn,. Und von der Eisenhaide kam in rhythmisch wiederkehrenben Wellen ein gewaltiges Dröhnen, rollte über die mächtige Stadt und erstarb im Gewirr der Straßen, Häuser und Kanäle. Di« Stadt lag geduckt, ein gigantisches Tier, und über ihr waren Frühlingssturm und der Lärm der Arbeit. Aber die Menschen in ihr waren schon taub geworden durch das Iwmerwieder und hörten dos Nahen des Frühlings nicht. .Schreiben Sie, Bödeker,' sagte der Herr Chefredakteur,.da ist diese Novelle von Kurt Bommel,.Frühlingsmärchen', welch «in Titel, wir brauchen kein« Märchen, da» sind Raturs childerungen, wer kiest heute Natursäzilderungen. schreiben Sie:.Geehrte? Herr Bommel. Ihre Arbeit können wir diesmal nicht--, senden Sie uns also etwa» Neues--. schreiben Sie'was mit Milieu, Süd. s«e. mit viel Schiffon und Sturm und Kannlbaien und mindestens einem Boxkampf drin, hundertachtzig Druckzeilen. Was den ver> langten Vorschuß angeht, kann davon jetzt trine Red« sein, weil... Wir empfehlen uns Ihnen in Erwartung...' Hier bekam Fritz Bödeker einen Hustenanfall und«nußte ein wenig mit dem Schreiben aufhören. Dabei schielte er imnrerjort verstohlen auf den Papierturm, der aus Manuskripten bestand und auf Knöpkes linker Echreibtiscklseite aufgeschichtet war. lind mäh« rend er fortfuhr, nach Diktat ähnliche Briese zu klappern, fiel ihm wieder dieser sehr bleiche junge Mann ein, der gestern eine Novell« gebracht und ste. da Knöpke abwesend war. ihm überreicht hatte. »Ich blll« Sie,' hatte er mit ganz leise? Stimm« gesagt,.ich bitte Sie...» Fritz Bödeker, der, obschon er nur ein untergeordneter Schneider war. im geheimen dichtete, hatte diese Sache,.Der Hunger' hieß die Arbeit, in der Pause gelesen, gelesen und gestaunt, und «r sagte sich, ein Künstler, ein großer Künstler hatte hier da» Elend geschildert, prächtig in seiner Einfachheit und Kraft. Amadeus diktterte weiter und begann dabei, in den eingelangten Arbeiten herumzuwühlen. So bekam er auch den.Hunger' tn die Hand, den Jonathan Walker, der keine Schreibmaschine b�aß, mit der Hand und frierend geschrieben hatte, in einsam durchwachten Nächten. Amadeus warf das Manuskript daraufhin gleich beiseite.(Hand- geschrieben! Wer liest handgeschriebene Arbeiten? Was dies« Leute eigentlich denken, man hat ja sein« Zeit nicht gestohlen!) Amadeus holte ein« Nagelfeil« hervor, und während er seine Nägel reinigte, sah er den Schreiber vorwurfsvoll an. .Der Hunger', dieser Mensch schreibt über den Hunger! Wer zimv Teufel will so etwas lesen, heute? Das Publikum will andere Dinge, viel Handlung. Erlebnisse abenteuernder Milliardärssöhne. mit Jachten, Autos, Flugzeugen. Pyramldenbriinde. künstlich« Menschen../' Fritz Bödeker kanitte das schon., Aber diesmal... Er wandle sich dem Chef zu. etwas verwirrt, jedoch offenbar von einem starken Gefühl dazu gezwungen. „Herr Knöpke, wollen Sie das Manuskript junger' nicht doch lesen? Es-- es ist wirklich gut! Es ist von einem Freund von mir,' log er. Das war an sich schon etwas ganz Unerhörte«. Dieser Bödeker, dieser Niemand, wagt sich als Protettor aufzuspieien. Als Pro- tektor eines anderen Niemands, einer literarischen Null, wie hieß er doch gleich-- Jonas-- Jonathan-- Amadeus griff nach diesem Manuskript, da» er bereit, weg- gelegt hatte. Weglegen— so. daß es auf die andere, recht« Seite zu liegen kam. bedeutete: ablehnen. Amadeus griff also nach diesem Papierbündel, da» bereit» a b» gelehnt war. denn dies war so sicher, wie Amen im Gebet. Er griff danach mit der schläfrigen Geste eines Raubtiere», das bereits satt geworden, ein nur aus Uebermut erschlagene» Opfer mit der Tatze noch einmal umwendet um sich so Gewißheit zu ver- schaffen, daß es tot ist. tot und bewegungslos, und um an dieser Tatsach« sein Machtempfinden zu befriedigen. Amadeus nahm das fragliche Manuskript mit zwei Fingern wie spielend auf und wog es in der flachen Hand. .Es wird schon noch zu verwenden sein,' und er kiWH-lk behäbig und sehr zweideutig. '.Uebrigens schreiben Sie. Bödeker?.... und da ich su? meinen bereits im Märzheft veröffentlichten Aufsatz„Der Leidensweg junger Literaten' von Ihrer Zeitschrist bis heute noch kein Honorar...' (Knöpke war nämlich, wie alle berühmten Männer. Mitarbeiter versckiedener Zeitschristen.) Und Fritz Bödeker. der wieder In der ihm eigenen, etwas ge- beugten Körperhaltung vor der Rewington saß. schrieb. Deoot und eifrig wie immer. (Schluß folgt.) Zwei Elbfahrten. Von Willy Möbus. Hamburg. Landungsbrücken! 1918! Oktobermortzen und dichter Nebel. Alle» deckt ein Hauch von Feuchtigkeit. Werftarbeiter strömen über die glatten Steg«, ein kleiner Fährdampfer verschiuckt sie. lieber allen lagert bleierne Müdigkeit. Unterernährt, unaus- geschlafen hocken und stehen sie aus dein kleinen Dampfer herum. Der heult plötzlich aus, er brüllt, als fei er der leibhaftige Satan. Er brüllt noch einmal, und dann zittert er in allen seinen Fugen, die Höllenfahrt, die Fahrt zur Werst hat begonnen. Er mahlt sich durch das Wasser, er teitt die Wogen, bis geheimnisvolle Umrisse das ander« Ufer erkennen lasten. Hier ist ox Hölle, die Werft. 5>ier wird kriegsmäßig geschafft. Hier gib« es keine Rücksicht. Wer hier fft. steht nur an einer anderen Front. Jeden Tag kann er die Hölle am Elbestrand mit der von Dpern oder Derdun vertauschen. Wieviel Groll ist in den Männern aufgespeichert, die hier wirken und Tag für Tag über die Elbe fahren, unfrei, eingespannt in ein immer unerträglichere» Joch... Am Kai der Werst liegt eins der vielen U-Boote, die hier in rasender Hast geschaffen wurden. Es liegt dereit zur Probefahrt. Im Innern ein betäubender Duft nach frischer Farbe, nach Benzol unb Maschinenöl und nicht zuletzt nach Menschen. Das Boot ist in Fahrt. Die Dieselmotoren stampfen. Ingenieur« prüfen, fi« mesten und registrieren. Je länger die Fahrt dauert, desto unerträg- licher wird der Aufenthalt in dem engen Kasten. Werstarbeiter und Matrosen sind aus Ihren Posten. Auch sie beobachten die Geräte und Maschinen, mit denen das Schiff vollgepfropft ist: die Motoren, die Torpedorohre, die Winkelschußvorrichtung, die Minenabwursvor- richtung, die Elektromotoren. Absperrschieber, Steuervorrichtung, unzählig« Bentile. Klappen. Hebel und Schrauben Hier und dort ist etwas nicht in Ordnung: Kriegsarbeit, Mangel an guten Wert- stossen und auch Mangel an wirklich eingearbeiteten Menschen. Er- staunlich genug, daß da» Werk üverhaupt vollendet wurde. Die Menschen im Schiff packt eine entsetzliche Müdigkeit. Der leere Magen meldet seine Forderungen an. die Pestlust, die all« Räume durchdringt, tut ihr übriges. Glücklich, wer an Deck gehen kann. Der Nebel ist klarem Sonnenschein gewichen. Da» Boot ist längst auf der Rückfahrt. Dort liegt, von goldenem Glanz Überposten. Blankenese mit dem Süllberq. Die Elb« ist leer von Schissen. f)in und wieder ein Frachtdamps«, ein Minensucher oder ein kleiner Kreuzer, der zur Reparatur die Werst aufsucht. Aber selbst der Sonnenschein läßt den Krieg nicht vergessen. Ein fertiges U-Boot fährt seewärts, ein schwimmender Sarg. Wer dort an Bord ist, weiß nickst, ob er noch einmal auf der Elbe heimwärts fahren wird. Vier Jahre Krieg, und Immer noch kein Ende. Derzwcijlimg nistet an Bord. Aul der Werft«übt es Wastersuppe. ausgezeichnete« Mohl für hungriae Menschen. Auf der Werst gibt es grobe Worte, hervor- ragendes Mittet zur Erhöhung der Arbeitsfreude, und Hungerlöhne dazu... 19271 Der Hamburger Hafen hallt wider vom Lärm der un- zähllgen Schiff«, hallt wider vom Lärm der Werften und Fabriken. Hamburg ist zum Leben erwacht, die Arbeit des Friedens lzat es in seinen Bann geschlagen. Auf den Landungsbrücken herrscht wieder reges Treiben. Der.Sehrwied« r'. einer der allen Bäderdampier, hat dort festgemacht. Au» allen Gauen Deutschlands eilen Menschen herbei. Der kleine Dampfer führt sie hinüber zu einem der modernen Riesenschisf«. die noch dem Kriege erstanden, die man aus den Mitteln baut«, die das Reich, also das Volk, zur Verfügung stellte. Klein« Schlepper reihen und zerren an dem ungeheuren schwimmenden Hans, bugsieren e» In sein Fahrwaster. Dann schwin- Wir feiern jetzt da» Anhenken eines Manne», der vor hundert Jahren geboren wurde und ein rechtes gediegene» Gegenbtld zu dem Zeitaller und der Gesinnung des Kollektioisnm» darstellt, weil er sich selber ganz nur als geschlostene Persönlichkeit fühlte und gab und sein Lebenswerk an die Verherrlichung großer Persönlichleiten setzte. Hermann Grlmnz. den manche aus unserer älteren Generation noch als schönen weißbärttgen Herrn und Geheimrat gekannt haben, wie er seine Vorlesungen über Michelangelo im Auditorium der Berliner Universität hielt, ein klein wenig schon aus der Zeit gerückt und ehrwürdige Ruine besserer, geistigerer Epoche: Hermann Grimm wurde am 6. Januar 1828 in Kastel als Sohn de» berühmten Germanisten Wilhelm Grimm geboren und starb als Profestor der Kunstgeschichte, der er seit 1872 gewesen war. am 16. Juni 1901 in Berlin. Dazwischen liegt nicht nur sein Leben, da» mit Arbeit und Erfolg bis zum Rande gefüllt war. sondern auch der ganze Ausstieg Deutschlands aus der Armsell'gkeit biedermeierlicher Kleinstaaterei zur Einheit und die ersten, noch längst nicht spürbaren Anfänge des Zerfalls unter den Wirkungen cäsaristischen Machtwahns. Es ist kein Wunder, wenn der Sohn dieser Zeit sich in vorzüglicher Weise als Idealisten fühlte und fühlen durfte. Sein Bater und sein Onkel sind als„Gebrüder Grimm' durch ihre folkloristtfchen Forschungen, ihr ungeheures Wörterbuch der deutschen Sprache und ihre Märchen- sammlung nicht nur unsterblich, sondern wirklich volkstümlich ge> worden; ein Schicksal, das Gelehrtennaturen äußerst selten deschieden ist und dem Sohn Hermann trotz setner vielen und schönen Bücher nicht eben zuteil wurde. Eine solche Herkunst oerpflichtet freilich; hinzu kommt, daß Hermann Grimm als Ledensgefährttn Gisela v. Arnim heimführte, die Tochter der berühmten Goethe-Schwärmerin Lettina v. Arnim(„Goethes Briefwechsel mit einem Kinde'), und solchergestalt doppell in den Heimatboden deutscher Romantik ver- wurzelt war, durch Vater und Oheim mit Sag«. Geschichte und Kunst der deutschen Bergangenheit, durch die Schwiegermutter Bettina mit den eigentlichen Dichtern der Romantik, mit„Des Knaben Wunder- Horn" und nicht minder mll Weimarer Kultur und Goethe selber. der im drillen Lebensjahr des Knaben Hermann gestorben ist. In- besten sind in Wahrhell die Fäden seines Wirkens zur Romantik schwächer als zu dem Humanitätskreise der Weimarer, mll Goethes Stern als leuchtendem Vorbild. Vergessen wir nicht, daß Väter und Söhne fast unbedingt stets in antithetischem Verhältnis stehen, daß die Erben der romantischen Epoche sich wieder von dem Ideal engerer Vaterlandsliebe lossagten und dem der allgemeinen Hu- manität, der klassischen Weltumfastung zuwandten, wie sie Schiller, Goethe, Humboldt um 1800 gelehrt hatten. Dazu gehörte nicht minder die Berienkung in ein« ferne klassische»chönheit wie die Verherrlichung der großen, wahrhaft richtunggebenden Persönlich- kestcn. Und so sehen wir Hermann Grimm, nachdem er sich aus den wb die Turbinen, die kleinen Dampfer drücken sich seitwärts davon. Am Heck de» Schiffes weh« die neue schwarzweißrote Flagge, auf der man die winzig« Gösch so wundervoll verschwinden lasten kann. Und um die Schornstein« herum hat man die gleichen Farben gelegt, well man das dem deutschen Vaterland«, das sich um die Neu- «rschaffung der Handelsflotte so verdient gemacht hatte, schuldig war. Und wieder taucht der Süllberg auf, und die Elbufer sind er- füllt von>pielenden Kindern und fröhlichen Menschen. Der Dampfer hat helle, luftige Räume, Promenadendecks, Berkaursstraßen, Turn- säle, herrlich« Lauben. Schwimmhallen, und selbst die Maschinenräume sind ungleich angenehmer, als wie die in unserem engen U-Boot. Die Schiffskapelle spielt, der ganze Hotelbetrieb ist an- gekurbelt. Und während der Lärm des Hamburger Hafens verebbt und die Helgen der Wersten im Dunst oerschwinden, steigt vor dem geistigen Auge das kleine U-Boot aus, der Pesthauch in seinem Innern ist wieder da, die Wastersuppen, die groben Worte, die ganze Stimmung de? letzten Krregstage. Hörne rschall ruft zur Mahlzeit. Ueberall höfliche Worte, überall satte Menschen, das Einst versinkt. Man sitzt in den herrlichen Räumen, man plaudert angeregt, und vom Neberttisch her klingt es:„Meine Herren, beim nächsten Krieg...' Junge Menschen, die vom Weltverderben nichts gemerkt'hatten, unterhalten sich über Dinge, deren Kern ihnen fremd blieb. Cuxhaven ist da. Die Ärnenkapassagiere kommen an Bord. Sie werden hier einige Tage der Sorglosigkeit. Tag« der Ruhe oerleben. Sie werden gut aufgehoben sein. Das Schiff ober fährt hinaus in den Ozean, der wieder allen Völkern offensteht. Es fährt ungehindert von Minensperren und Unterseebooten, ungehindert von all den Kriegsmaschinen, die noch vor neun Jahren die Welt zur Hölle machten. Für diese großen Schiffe ist der Friede Daseinsbedingung. der Krieg ihr Untergang. Aber darüber lohnt es sich eigenttich nlchf zu reden, denn das find Binsenwahrheiten, und die werden leider von vielen nicht begriffen... Letzte Station. Von Günther Stern. All«,«a. Pari, verliert, vemutzt. verwirst, von sich gibt, darr einmal noch in der Oberwett Etation machen: vielleicht, daß einer noch kommt und sich erbarmt: den ausgezahnten Kamm, den boden- losen Topf, das zerloppte Modejournal. die Nadel, das Brillengestell. wenn auch für Tage nur, in die Brauchwelt zurückrettet. Die Dinge sind geduldig: und was im Februar an der Place aux puces fror, verregnet noch oft im Oktober und wartet: bis eines Tages plötzlich die Stunde des Gerichts kommt, der Kamm sein« Ziererei, die Brille ihre ausgehölgte Pedanterie verliert, und alles — ein Gemisch von Pappe. Blech, Gedräht— im Massengrab zu- lammenstürzt- Eine Wolke Staub, Kollektivseele der verstorbenen Ding«, verweht in den Vorstadthimmel. Sechshundertundfünfzig Jahre hotte Pari» sich der Dinge er- barmt und ihn. den Sterbehof, den weih Gott welcher Hund„Floh- markt' genannt hatte, mehr geliebt als die protzigen Friedhöfe mit Alleen und berühmten Namen. Wer die UnHeimlichkeit der Welt geliebt hatte. Maler. Dichter und die Unbrauchbaren des Lebens, waren bei diesen Heimallos gewordenen Dingen, die Besitzer und Dorleben vergesten hatten, zu Hause gewesen. Nun ist dem March« aux puces da» Todesurteil gesprochen worden: die letzte Versammlung der Dinge ist aufgelöst: man ha, keine Zeit mehr für den Tod. Nein. Man hat zuviel. Der Platz ist vom Sriegsmimsterrmn bereits aufgekauft: morgen oder übermorgen besinnt der Bau der Artilleriekaserne:.Der Tod ist tot; es leb« der Tod!' Banden der Jurisprudenz gelöst und einige Jahrzehnte nicht eben starker poetischer Produktion überwunden hatte, sich den Größten der klassischen Kunstzeiten zuwenden und in umfänglichen, meist zwei- bi» dreibändigen Werten Michelangelo(1860/63), R a f f o e l (1872), Goethe(1877) und überraschenderweise und wahrhaft originell: Homer(1390/9S, In zwei Länden) biographisch-krstisch behandeln in dem Sinn jener Epoche der �yeldenverehrung', die nach dem vorbilde Carlyle» Weltgeschichte(und Kulturgeschichte selbstverständlich) vornehmlich unter dem Gesichtspunkt der Wirt- samkeit überragender Persönlichkeiten betrachtete. Nietzsche(von dem H. Grimm wohl kaum sehr viel halten konnte), als Extrem des Herrenverehrer», als Schöpfer des„Uebermenschen' und der „Blonden Bestie', und Bismarck, der realistische Tatenmensch selber, waren die höchsten und, im Sinne der Zeit, darum auch typischsten Exemplare der Gattung. Um die Gegenwart hat sich Grimm frei- lich nicht besonders viel gekümmert: sein Sinn war durchaus auf die Vergangenheit gewandt und darin hat er es wieder mit der Ge- sinnung seiner romantischen Vorfahren gehalten. Wie wenig Fühlung er mit der Gegenwart hatte und wie fremd seine Aussastung auch einer lebendigen Zukunft gegenüberstand, beweist die artige Anekdote, die, ob ste auf Wahrheit beruhe oder nicht, in jedem Fall ungemein bezeichnend bltibt für die lebensfremde Kimsterfnstung seiner Zeit: daß er von den Originalen Michelangelos leicht an- gegraut sich abgewendet und sich lieber an die Gipsabgüsse gehalten habe. Ja, der Mensch als fleischgewordene und hondeli�>e Idee seines Zeitgeiste» war ihm alles, das Wert, da» un» heute im Grunde einzig Resultat bedeutet und aufzuwühlen oermag, war ihm und seines- gleichen Nebensache. Sie dachten historisch und Bergangenheit war ihnen real und von handgreiflichem Wert als Uebcrlieferung des Gewesenen. Und so ist e» dezeichnend, daß das Wertvollste und unbedingt über die Zeit Hinauswirtende Werk jener Epoche, das dreibändige schwere Geschichtsbuch Karl Iusti» über W i n ck e l- mann ist: nicht über einen Tatmenschen oder einen Künstler, son- der» über eine durchaus passiv-reproduzierende Gelehrtennatur. Das Leben schien endgüllig in Büchern eingefangen zu sein und gehörte der Bergangenheit an. Der großartige geistige Elan dieser Zell, die Quiniestenz ungeheure? Bemühungen im 19. Jahrhundert, scheint für uns verloren. Wir oermögen sie kritisch zu schätzen, ihr Errungenes nötigt uns Achtung, vielleicht auch Liebe ab; der stumme Heroismus ihrer Ent- sagung, die unerreichte Höhe ihrer Geisteshattung sind uns nicht mehr zugänglich und folglich, leider darf man wohl sagen, keine lebendigen Werte mehr. Das hindert freilich nicht, zu glauben, daß eine künftige Generation jenen, über unseren Materialismus hin- weg. wohl die Hände reichen wird, Dr. P a u l F. S ch m i d t. Hermann Grimm. Zu seinem Hunderisten Geburisiag. Sonder-Angobot: U__a!_ das Ideal der „nertie rtOP Hausfrau gebrauchsfertig, mit ASS«45 ""* 1 aL Gr. II«W Dose und Stiel, Gr. I „Hertie Mopsor'iÄn 45, S0Pf 2" Flasche / Alexanderplats/ Frankfurter Allee/ Belle-Alllancs-Str./ Brunnenstr./ Kottbuser Damm/ Andreasstr./ Chausseestr. Nngenabgibt«ortetialten- Obet«od EenDn sind ran Versaod ensgcschtosieo— Verkurt soweit Vorrat ftobHHwUtoWMM Frisches Fleisch PS. SCbWBlDBbfiDCll ohneBellage, Pfand 80l t. Pa. SMnesdiinliei oi-Blatt pt>.d 86fl Pa. Scliweinel(eiiifflo.�.b.ft,o.s*,PM96irt. Pa. Kassler mitd«>»>»««........ piand 95pl Pa. RfiCkenfett bratfertig........Pfand 76pi. Pa. Liesen dioke.................Pfand 7? PI. P3. ElSbeiD mltSpitZbelD mtldgeaala�Pfd. 68pt. Pa, PÖkelkamiD mild eeealaea...Pfand 96pt Pa. Hammelvorderflelscb....... Pfand 88pl Pa. Säu&orüeisdi L-ara.»rn«�pfd. 1,16 »»»»OGO«»«»» ••••««•••• Ptnnd 1,28 ...Pfand 1,20 .Pfand 7flpi. ..Pud 56pi. Pfand 74pi. .Pfand 82pi. Pa. Roulade Pa. Schabellelscb Pa. Gehacktes Pa. TalR reib» Kalbskamm Kolbsnierenbraten I Kalbsbiall oder-hnn.......... pmnd 90pf. Gefrierfleisch Pa.0disensdnnDrDBlsdiK.tai.ajuj�.96pf. j Pa.0dlSeD0OlBSAonneKne«bu..Pfand 74 PI. Pa. ßdisen-SnnFenfleisch....Pfud ron 541!. | PB.HanimeiTordeilieisdi........ ptud70pt. Pa. Knbenler rtsco....�.».....pfaad 28 pf. Pa.RinderInnge.n«»__________ Pfud32pi. Pa.Rlnderberzen«.«s_______ pfud52pi. PuSc�weinenferen.............. ptudSSpi. | Pa-SdraeinskOpIemltBafte..... pta»d54pt J&JXJjJjtiAlAJlJA, ffWvVtlrm mrlrrr Brechbohnen I_____ 74pl Prinzessbohnen ai«. 98pi. Jg.Erbsen Bit««....... 93pl jg.Erbsen............. 78?-. jg.Erbsen nftt. m. rar 96pt Gem. Gemüse autt«.1,12 Leipziger Allerlei....92pt Ptef(erlinge........... 82pt. Kohlrabi In 8ohelbea...3I PL Mirabe.len............ 1,20 Slachelbeeren..... 1,00 Kürbis............... SOpi. Preisseibeeren.�...1.10 Birnen i, Pracht...�.. 1,05 Ananas................ 1,25 Wttb mtfc Gettiise» Ganse.�froren.................... Pfud 65, 85 n. Suppenhühner................ piacd todSSpi.u Hasen g*dUeift ond&ngeverten.M......... Pfand 88Pt Hlrscitflelsch.................. TU Pfand 45pt an WwliHWWtW' Hausm.-Sülze..p.'and0.70 Speckwursl...... Pfand 1,00 Hausm-Leberw.pmndl.00 Grobe Mellwursi ptd 1, 1 0 Feller Speck...... Pfand 1 ,20 ]agdwurst........ Pfand 1 ,20 FleisdlWUrSt..... Pfand 1,20 Meli wurst>.8tuimdi.*a«i 1,30 Hildesheimer...Pfudl,40 Schinkenwursi..Ptmdl.eO ff. Lebenvursl... piud 1 ,60 Teewurst......... ptudl,70 Zervelaf- und Salamiwurst. Pfudl,70 Schinkenspeck..Pfudl.65 Mausschinken...Piudl,90 WifrUciW »VMIWfSdf •Kabliau«. t.Lg, PfBBd20pt. 'SeelachSaK 4*,Ptand20PL •Rotbars e.t.tg�p ud22pi. •Schelljisch...... ptudlSpt •Fl dtjilei........ pfud38pt •Lebende Hechle pm 1.25 Kaffee frisch gebrannt Piand Ton........ 2 20 Öosn. P|laumen i fand 28pi. Kali|.Misdiobsl pfun�Spi. Kalif. Birnen°°°' �fund 75pt Kalif. Pfirsiche"pfud 78pi. Kalif. Aprikos. Tfun? 95pt Kalif. R i ngflpf, Trlnd 95pl Prönellen....... Pfand 1,25 Eierschnlilnudelnpfd. 46pt Eierfadennudeln PfdSOpt Eieimakkaroni pfud54PL EierhohInudelnPfud55pt Elerschleilchen Pfud 62pt Gebr. Gerste...Ptud23pi. Graupen an>b«..Pkud25pi. Langbohnen«oim. pti28pi. Pol. Erbsen..... Pfand 30?!. biiiig.r Weine u. Spirituosen! 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Salmlak-Terpeiil!B-!el{nipiilT.3Pkt.äi Pia 40pi. CfiSL-SCllirtCKCaPlPf f 35rt.li-PM-Elmei 3.30 GROSSER INVENTUR« AnMertfca la allen Hlaeern AUSVERKAUF B�sm S. Januar Glas Bier-«der Teebecher e« .Flora-.......................................■ W Butterglocken 5© gepresst...................................... Käseglocken ao L-cnres�t....................■«■' Pf. PL gepresi-t......................................■»PI. Sturzflaschen gmehn».-.. 65 Käseglocken 05 ueschlifl'en.................................. Pf. Pf. SttvttckattsavMel Nudelpfannen emaiuien....... 23, 35, 4Spl Milchkocher weiss, emallllnrt............ 95 PL Wassereimer.................. 75 pl 1,10 Wannen ot«!, ee. SO«ne, Innern emellilert... 1,75 Waschtöpfe Terzlnkt, mit Ring, Deckel n. Blsl. 32 em 245 24em275 3dem225 38«w275 Holslökkel, Quirle, RreNchen uaw., mm Aassttchea............. Etflck n wjp LUvaSawayett Kaffeelöffel gemaktert............... Stack 18pl Essiölf ei gern istert. Btdck 3dp 1 Saucenlöffel....................... steck SSn. GemilselöUel...................... Stack SSn. Ess- oder Des«ert-Be«?eeke...pM- 1,25 Vorleser............................ Stack 2,45 Es.« oder Desserlmesscr Q« mit echwarzeni lieft......... Jedea Stack Solinger Silbischeren zum Ausstichen....... t�tCck 40 ond VovAelZan Speisstelier i*)p. glatt, bteingut, tief oder fl5�..,■ 4cb ru Tassen Goidrud.................. 85 1� Spelsetelier£3... üoidrand, Porzellan, ile. oder Üich..•«.«•.. � rL Kaffeessrvice©° iar b Fenocen. 9 teilis..................... OP 95'° Dtiisdin«Biallitltlut-lrtuJ Verwaltungsstelie Berlin. Todesanzeige. ®en Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Former Hermann Schmidt am 3. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Sonn» abend, dem 1. Januar, 15'/, Uhr. im Krematorium Baumschulenmez statt Rege Beteiligung erwartet Die Orlsoerwalfung. Verkäufe Bek'leidungssiiicKf. Wascht usw Leihhaus Spiegel, Ehausteestraß« 2. 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