Abendausgabe Hr. 12 B6 45. Jahrgang SKöchenMch W Pstaaig. monatvch Z.— Reichsmark, im ooraas zahlbar. tDn«j Streif band im Än- unD Aus» taud SLV Reichsmark oro Monat. * f'tt �DonvSrtb' mtl tvi i3?iftrT«> ren Sonmagsbeüoge.VoU und Zeit' sowie den Beilagen„Ilnterhaltuna und Wissen".Aus der FiLmweU. .Äradtdeiloge".Frauenstimme" .Der Kind-rfreund".Iugend-Do?» war�s".Dllck in die Ducherrvelt". Kulturarbeit" und.Technik" erscheint � wochemägNch zweimal, conniags und Montags einmal Berliner Voltsblatt Sonnabend 7. Januar 1928 10 Pfennig tflt c t n 1 p« i• t g< Ä»np«TtiQf jfüe 80 Vennig Rekicnnezeile 5c— Reich» mark.ftUtne An�lgcu" öfls tettgc» druckte Won 25 Pfennig ualaiTtg zw« fettgedruckt» Worte) ieö« weiter» Wort !2 Venmg Stellengeittch» da» cl�!» Won 15 Pfennig ,ede» wettere Wvn 10 Pfennig Wort» übe» 15 Buchstavtn zahlen für zw« Werte Archertsmarkt Keile 60 Pfennig Familienanzergen iü» Abonnenten Keile 40 Pfennig Anzeigen» annahm» UN fviaptgcldjah Linden» Vraße S. wachen tägl von S1/* dt» 1? Udr. Jenttawrgan der GoziatdemoevaMche« Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstratze 3 F l n a e r Frage offengelassen hätte. Wenige Tage später versicherte er bereits in K owno, daß der Dölterbund überhaupt die Entscheidung der Botschafterkonserenz vom lö. März 1923 über die polnischen Ostgrenzen ausgehoben hätte. In WIrtlichkett verbirgt sich hinter dieser Auslegung die l)oss- nung, die Verhandlungen mit Polen verschk«ppen zu können. Litauen besürchtet, laß die Ocsfnung der Wiinoer Grenze eine friedliche Durchdringung und eine kuiwrelle Poionisie- mng erleichtern könnte. Während da» Ministeriinn Pilsudski den Verhandlungen einen möglichst breiten Raum geben und in die litauische Mauer eine breite Bresche schlagen möchte, will das Mini- sterium Woldemoras das Thema möglichst eng halten und allenfalls nur ein Tor öffnen. Da der Warschauer offiziöse„Glos Prawdiz' erklärte, daß Polen über alle» und fedes. aber niemals über Wilna verhandeln werde, haben es die Litauer sehr einfach. Sie brauchen nur die Wilnaer Frage In den Lordergriind zu schieden, und sofort stocken all« Besprechungen mit Polen. Dabei kann War- schau keinerlei Proteste erheben, weil die litauische Taktik in der Genfer Resolunon und ihrem auf Wilna bezüglichen Vorbehalt einen Anhaltspunkt hat. Die Kownoer Presse erklärt, es fei gar tein« Rede davon, die Verhandlungen Mitte Januar in Riga, Dünadurg oder Rom zu beginnen. Die Verhandlungen benörigen eine gründliche Vorbereitung, denn ein Scheitern könnte die schlimmsten Folgen haben. Ist nichts erreicht worden? Wilhelm Bock über die Erfolge der Arbeiterbewegung. Im Verlag van I. S% SB. Dich Nachf. ist dieser löge ein kleines Büchlein erschienen: ,�Zm Dienste der Freiheit. Frend und Leid aus sechs Jahrzehnten Kampf und Aufstieg. Van Wilhelm Bock." Genosse Bock hat diese Schrift, wie er in ihrem Vorwort selber sagt, aus Anlaß der Vollendung des sechsten Jahrzehnts seit seinem Beitritt zur Partei— in Hamburg 1867— geschrieben. Das Heft, das ans seder seiner Seiten spannend und aufrüttelnd wirkt, kommt zum Schluß in einer Polemik gegen die Kommunisten zu Fest- stellungcn, die wir unseren Le ern nicht vorenthalten möchten Werden doch die Dinge zu oft so dargest.'llt, als ob in den ersten sechzig Jahren des ungeheuer schwierigen Kampfes, den die politische und gewerkschaftliche Ar- deiterbewegung geführt hat. für die Arbeiterklasse überhaupt nichts erreicht worden wäre. Solchen Irre- führungen tritt Genosse Bock, der diese ganze Epoche kämpfend miterlebt hat, mit folgenden Ausführungen ent- gegen: Sie(bic Kommunisten) wissen nicht, wie es in der Weit der Arbeiter vor sechzig Jahren anssah. sie wissen nichts von der Arbcltezeii, die damals aufgenötigt wurde, von 5� Uhr morgens b 1 s 8 Uhr und später abends, ja, am Sonn- abend bis zum frühen Morgen des Sonntags. Dabei gab es keine Eß- und Ruhepausen, keine Schutzvorrichtungen, K'st und Legis beim Meister, was die Abhängigkeit von ihm steigerte, und einen Wochenlohn von drei bis vier Mark. Dave, wurde der Arbeiter gesellschaftlich mißachtet, sedes geistige Bedürfnis fehlte damals den Arbeitern. Aus diesem kfuudelebeu hat die So-laldemokrale die Arbeiter hivaurgtsührt und ihnen deu w.g in die bessere Zukunft gewiesen. Mag noch so viel zu wünschen übrig bleiben, verglichen mit den I ständen jener Zeit, als ich in die Arbeiterbewegung eintrat, sind gewaltig« Fortschritt« gemocht worden. Unternehmer und sonstige Angehörige der besitzenden Klasse wagen es nicht mehr d!« Arbeiter so zu behandeln wie in jener Zeit. Der Arbeiter ist jetzt ein geachtetes Mitglied der Gesellschaft gewrrden, die Arbeiter haben ihre Dertieter in ollen Parlomeiuen und srnstgen öffentlichen Körper schofien. Arbeiterschutzgcsetz« und Ardeiter- oeiPichcrungsgesetze sind gegeben worden. Hätte man vor lechzig Iahren den Arbeitern das vorausgesagt, so wäre man verlacht, als Phantast betrachtet worden, und doch wäre man ein echter Prophet gewesen. Freilich haben sechzig Jähre unrirdlichcr Opfer dazu gehört, um die Arbeiter aus dem tiefm Sumpf zu der jetzigen gesellschaftlichen Stellung heraufzuziehen. Es wäre noch mehr erreicht worden, wenn nicht die Kommunisten das organisierte Proletariat gesprengt und geschwächt hätten. Wenn die Lag« der Arbeiter noch unbefriedigend«st, wenn«in Test ihrer Errungenschaften»frieren ging, so tragen die Kommuni st en hteron die Schutt Denn wenn die Ardeitertiasse einig rorangeschrjtten wäre, so wäre cz den Kapitalisten nicht möglich gewesen, sich noch der Revolution so rasch und kräftig zu«rhalen. Sie sind voll befriedigt, wenn die Arbeiter sich gegenseitig abwürgen... Aber die Schatten, die auf das Bild der jüncfsten Ent- wtcklung fallen, können den greisen Borkämpfer in seinem echt sozialdemokratischen Optimismus nicht erschüttern: Wenn wir heute die vielen Vertreter unserer Organisationen, unsere Wahlstimmen zählen, und zurückblicken aus den scheinbar hoffnungslosen Zustand der Arbeiterschaft in den Ansängen unserer Bewegung vor sechzig und mehr Jahre», so sehen wir ein kleines Häuflein, arm an allen Mitteln, aber reich an Hoffnungen, dann erkennen wir. welch reiten weg wir znrückgeiegl haben, daß Kicinmütigkcit uns fernbleiben mich, daß wir hoffen dürfen, bei weiterem Wirken der Parieigenofsen in der Zukunft, wie ich sie für die Vergangenheit in den nachfolgenden Blättern schildere, in nicht zu ferner Zeil den vollen Sieg zn erringen, Jedem radikalisterenden Literaturjüngling, ganz beson- dm aber jedem jungen Arbeiter sollte das Büchlein des greisen Genossen Wilhelm Dock in die Hände gelegt werden. Wer diese lebensprühende Schrift unseres Alterspräsidemcn zu lesen beginnt, der legt sie nicht aus den Händen, ehe er sie ausgelesen hat, und dann wird er vielleicht auck— wenn er das überhaupt kann— über das Ganze ein klein wenig nachdenken...l Meischerstreik geht weiter. Verhandlungen ergebnislos abgebrochen. Die heftigen Verhandlungen vor dem SchNchter, übe, die im GenrnkschasttteU berichtet ist, sind nach Z�stündiger Dauer als er- gcbni: lo» abgebrochen tvorden. Der Streik in den Berliner wnrstsabrikeo geht also weiter. Verhandlungen in der Schwerindustrie. Das Reichsarbeitsmiuisterium hat gestern einen Sachverstäu- digen nach Dortmund entsandt, der die Unterschiede in den Be- trieben der einzelnen Hüttenwerke nah ihren Einfluß auf die Ar- beitszell feststellen soll. Bor den beiden Schlichiern von Rheinland- Westfalen haben heute vormittag Einigangsverhandlun- gen zwischen beiden Parteien begonnen. Deutsche und Tschechen. Oer Einigungskongreß und seine Folgen. v Von jstudelf Illovy. Prag. 6. Januar. Die Nachricht von der Einberufung de? gemeinsamen Kongresses der sozialdemokratischen Parteien in der Tschecho- slowakei findet freudigen Widerhall in der tschechischen Ar- bcitcrschaft. Es wird in den politischen Organisationen be- grüßt, daß die tschechischen und d e u t s ch e n Sozial- denlokratcn nunmehr nach jahrelanger Entfremdung einander die Hände reichen und gemeinsam gegen die immer dreister werdende Neoktion kämpfen wollen. Die tschechische Arbeiterschaft hofft, daß diese Einigung nicht vor- übergehender Natur, sondern dauernd sein wird, und wünscht sehr, daß beide Parteien auch w der Zukunft stets einheitlich vorgehen mögen. Der Arbeiter spürt es immer mehr an seinem eigenen Leibe, daß aller Nationalismus der tschechischen und deutschen Bourgeoisie sie nichts anderes als Lüge und Phrase ist. Die jetzige tschechisch-deutichc bürgerliche Regie- rungskoalitton hat ja zum Ziele die Beseitigung aller s o- z t a l e n Errungenschaften der früheren Jahre und in dieser antisozialen Tendenz sind tschechische und deutsche Nationalisten gon� einig. Das tschechische und deutsche Finanz- und Industriekapital ist schon seit Jahren geeinigt, nur die Arbeiter waren bisher zu ihrem eigenen Schaden national getrennt. Die Einigung der Sozialdemokratie wird gewiß die M a ch t st e l l u n g der arbeitenden Klasie in der Tschecho- slowakei festigen und ihr Erfolge in ihrem Kampf dringen. Es ist nur zu bedauern, daß an ein gemeinsames Vorgehen aller Arbeiterparteien in der Tschechoslowakei für abfeh- bare Zeit nicht zu denken ist. Die tschechische Sozialdemokratie halte die Absicht, gegen den Anschlag auf die Saziälversiche- mng gemeinsam mit allen Arbeiterparteien, also auch mit den Kommuni st cn, energisch aufzutreten, diese jedoch wollten den Kamps für ihre Zwecke mißbrauchen. In den gemein- samen Versommlunnen der sozialistischen Parteien griffen die Kommunisten die Sozialdemokratie heftig an, und eine un- längst veranstaltete Beratung der sozialdeokrolischen, national- sozialistischen und kommunistischen Gewerkschaftszentralen ver- lief refuftatlos, well die Kommunisten sich nicht fügen wollten, sondern auch während des Kämnfes gegen die Sozioldemo- � kratie zu Hetzen beabsichtigten. Die Nationaliozialisten, mit denen die Sozialdemokraten von Fall zu Fall zusammen- arbeiten, sind leider ein zu unzuverlässiges Element, als daß man mit ihnen eine gemeinsame Politik auf die Dauer mackien könnte. Man mißtraut ihnen, tveil olle Anzeichen darauf hinweisen, daß sie recht gerne wieder in die Regierung ein- treten würdet«. Sie dagegen machen der ischechischen Sozial- demokrotie zum Vorwurf, daß ihr die deutsche Sozialdemokratie viel näher stehe als die nationalsozialistische Partei! Trotzdem wird an der Schaffung eines sozialistischen Blockes gearbeitet, zu dem auch die aus den Kreisen der fortschrittlichen Intelligenz sich rekrutierende Arbeitspartei und die in ihrer überwiegenden Mehrheit sozialistisch gesinnten Legionäre gehören würden. Die Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei oerzeichnet einen fortwährenden Zuwachs an Mitgliedern und gewinnt auch unier der bisher in- diffsrenten Bevölkerung immer mehr an Ansehen. Es bricht sich allenthalben die Ucverzeuguttg Bahn, daß sie die einzige Partei ist, die das Vertrauen aller arbeitenden Schichten ver- dient. Man erwartet, daß itach dem Einigungskongreh ihr Aufstieg sich in einem noch schnelleren Tempo vollziehen wird. Die Einigung wird eine Stärkung des tnter- nationalen Gedankens in der Tschechoslowakei zur Folge haben. Es wird der ganzen Oesfentlichkeit klar gezeigt werden, daß die Tschechoslowakei nur dort wirkliche Freunde besitzt, wo eine Linksorientierung vorherrschend ist. Man wird sich noch mehr als bisher dessen bewußt werden müssen, daß die Befestigung der Demokratie in ganz Europa und der Sieg des Sozialismus auch die Stärkung der Demokratie in der Tschechoslowakei bedeutet. Die Konservativen aller Län» der, ob e» nun magyarische Magnaten, deutsche Hakenkreuzler, englische Lords, französische Klerikale, italienische Faschisten oder russische Monarchisten sein mögen, sind keine Freunde der tschechoslowakischen Republik. Ein sozioldemo» kra lisch regiertes Deiitschland wäre dagegen eine Stütze der tschechoslowakischen Demokratie ebenso wie eine Sozia« listenregierung in Frankreich oder die Regierung der �abour Party in England, sobald diese Parteien in ihren S aaten zur Macht gelangen würden. Die Einigung der Sozialdemo- kratie in der Tschechoslowakei wird daher in der Zuknuft gewiß nicht ohne Einfluß aus die Entwicklung der tschecho- slowakischen Außenpolitik bleiben. Die magyarische Sozialdemokratie in der Tschecho- slowakei ist bereits mit der tschechoslowakischen sozioldemo- kratischen Partei verschmolzen. Magyarische Sozialdemokraten aus der Tschechoslowakei waren es. welche vor kurzem gelegentlich der Rothermere-Aktion darauf hinwiesen, daß sie sich einer größeren politischen Freiheit in der Tschechoslowakei erfreuen, als ihre Genossen in Ungarn. Die gegen die Tschechoslowakei gerichtete Aktion des englischen konservativen Lords und Zeitungskönigs Rothermere hatte bloß die Stör- kilna der Reaktion in Mitteleuropa zum Zwecke. Lord Rochermere, der eine Gespensterangst vor dem Sozialismus bat, sieht in der tirbechostowotischen Bodenreform schon Bol- fchewismus. Daraus ergeben sich feine SiMpathien für die ungarischen Feudalaristokraten, und deshalb glaubt er in chorthy den Ma»in gesunden zu haben, der von Europa die role Gefahr abwendet. Der von den österreichischen Eisen- bohnern unlängst ausgedeckte Wosfenschnmggel aus dem faschistlschen Italien nach Ungarn zeigt deutlich, welche De- fahr die jetzige Richtung im Reiche Hvrthys für den Frieden 'in Europa bedeutet. Präsidend M a I o r y k und der Außenmiuister B e n e f ch werden von den Aiiböngern der tschechischen Ärainorsch- parteien und allen konservativen Spießbürgern in der Tschechoslowakei wegen ihrer linken politischen Einstellung scharf angefeindet. Man wirst dem Präsidenten Masaryk noch heute vor, daß er vor einigen Jahren den Ausspruch tat, die Entwicklung in der ganzen Welt gehe nach links. Die Struktur des tschechoslowakischen Staates, die Schichtung des größtenteils aus Arbeitern, Bauern. Angestellten und Hand- werkern sich zusammensetzenden tschechischen Volkes zeigen deutlich, daß eine reaktionäre Regierung in der Tschccho- slawakei den Verhältnissen nicht entspricht und unhaltbar ist, und daß in diesem Staate mit der Zeit die sozialistischen Strömungen die Oberhand gewinnen müssen. Eine kraftvolle Förderung dieser Linkeentwicklung wird der Zusammenschluß der sozialdemokratischen Parteien in der Tschechoslowakei sein. „Neue Formulierungen." Kcudells neuester Zieltungelversuch für das Schulgesetz. Der parteiamtliche Pressedienst der Deutschnattonalen teilt mit: Nach den nunmebr getroffenen Vereinbarungen wirb der sog«. nannte klein« interfraktionell« Ausschuß der Regie- nmgsparte««, in dem d,e. Parteiführer und je ein Fachresereich oertreten sind zu Besprechungen über den Schulgeseßentwurs am Dienstag nachmittag eine Sitzung abhalten. Dar große irtter- iroktilinelle Ausschuß wird seine Beratung der Schul frag? erst am Mittwoch wieder ausnehmen. Man ntmmt ta parlamentarischen Dreisen an, daß von seiten des Innen Ministeriums dem kleinen Ausschuß neue Formulierungen zu den strittige« Punkten des Schulgesetzes zur Stellungnahme vorgelegt werden und daß schon uach dieser Aussprach« sich ze'geu wird, ob eine Einigung, insbesondere über die Frage her Einsichtnahme der Religions- gesellschasten in den Religionsunterricht möglich tft. Die Ankündigung atmet den Geist des Herrn v. Ä e u d e l l. Er mochte durch immer neue„Formulierungen" einen Riß übertünchen, der sich nicht reparieven läßt. Such» tjch stehen sich Loltsparte, und Zentrum in der Schulsrage tchross gegenüber. Jede der Parteien hat kategorisch erklärt, daß es sich beim Schulgesetz für sie um«ine kulturell« Prin» zipjeiifraae handele, die kein Kompromiß verträgt. unter diesen Umständen darf man neugierig sein, welchen Er- folg Keudells„neue Formulierungen haben werden. Luthers Erneuerungsbund. Eine Vereinsmeierei mehr. Der ehemalige Reichskanzler und jetzige Inhaber des nach dem ÖKsetz Preußen gebührenden Verwoltnngsratsposten» in der Reichs- bohngeselischast. Dr. Hans Luther, hat gegen 200 Großindustrielle. Großkausleute, Hondwertssuhrer. Großagrarier, Pro- fessoren und auch«nlg« sonstige Gutgläubig« zur Unterzeichnung Oer norwegische Faust. Jbsen-Ehmng im Oeutscheo Theater. Henrik Ibsen Ist nun lltv Jahre alt. und sein großes droma- tljch«- Gedicht.Peer Gym" gehört bald zu den klassischen Werken der Wellliteratur. Peer Eynt, reich an Phantasie und arm an Kitteln, will hoch hinaus. Will Kaiser werden, sucht den äußeren Lebenvers olg und ist bereit, dafür sein« Seele einzutauschen. Die Lallade von der Jagd nach dem Glück de« TrSumer« Peer Gynt ist die Ballade der Menschheit. Es ist ein spröde« Werk, dieses breit ausgezogene dramatische Gedicht. Uneinheitlich in der Anlage, in der Zeichnung der Hauptfigur, im Stil. Innigkeit der Empfindung wechselt ab mit kaltem Zynismus, Mystik und Allegorie mit kom- patter Wirklichkeit. Weil seine Ausgab« schwierig ist, Hätz sie für den ehrgeizigen Regisseur ihren Reiz. Den.Peer Gynt" kann man in Berlin aus drei Bühnen sehen. Berthold Blertels Leistung im.Deutschen Theater" bewährt sich nicht in der Bezwingung des Ganzen, sondern in der meisterlichen Herausarbeitung von Einzel. heiteit Seine Haupttat: er rückt die Griegsche Musik i»«r- Ichwimmende Ferne. Das unsichtbare Orchester spielt irgendwo hinter der Szene, eben noch hörbar. Vielleicht hat Viertel gehofft. gerade durch das nebelhaste Berklingen eine Sphärenhaftjgkeit zu erzeugen, die uns in alliagsabgeivandts Mörchenstimmung bringen soll. Mutig hat er ganze Bildersolgen gestrichen, aber immer noch nicht genug. Di« Boistellung dauert von 19 bi» fast ZS� Uhr. Die Troll szene läßt«r nicht von phantastischen Fabelwesen spielen, sondern von Menschen in bürgerlicher Kleidung. Zylinderhüte sieht man und Gehröcke in der Mode von vorgestern. Di« Wesen aber, die w ihnen stecken, scheinen schon jahrelang tot. Man giaudi. den Verwesungsgeruch zu spüren. Das Bild ist voll beängstigender Unheimsichkcit.«in böser Alpdruck. Auch das de- kann!« Tanzbild der Arabermädchen bekommt hei Viert«! ein eigenes Gesicht. Avitra und ihre Gefährtinnen führen«tn«n wilden ittggerbauchmnz auf. Da» sind so ziemlich alle RegieemfSCfe, die Bisrtel gehabt hat. Im übrige» laßt« Warner Krauß frei ichalten und wallen. Souverän beherrscht Srouß seine Rolle. Läßt willkürlich weg und setzt von Eigenem hinzu, was er im Buch vermißt In der ersten Hölstr, wo er den gehöhirten, füptnrelcheji Gernegroß Peer Gynt zu spielen hat, dämpft er seine Phantastereien durch wunder- bare Brsiiinlickteit. Später wenn er der reiche Schiffsreeder g«. morden ist. lüsit er' seiner Eigenart weiten Spielraum. Er freut sich on der Eroteste und am Zynismus. Er ist unbeschwert und voller Uebermut. 11 nd zum Schluß, als«r sich um seinen Leben»- troirm bet-tven sieht, dämpft«r wieder die Trauer durch nach. denfliche Reflorion. Die entschied«« Abwendung van tragischem Pathos ist reeisierl-ch. Rur in der zartesten Szene de» Dichtwerk» Aases Tod, bleibt ihr der Künstler seinen Tribut an Innigkeit eines Aufrufs gewonnen, wodurch ein„Bund zur Erneuerung d e.s Reiches" gegründet wird. Um die Notwendigkeit dafür nachzuweisen, behauptet Herr Luther, daß die schwere Wirtschastsnot Deutschlands, über die eine augenblickliche Konjunktur nicht hinwegtäuschen dürfe, irgendeine Umgliederung des Gefüges und der Verwaltung des Reiches erforderlich mache. Im selben Atemzug aber betont Herr Lucher, daß weder an der Macht und Zuständigkeit des Reiches, noch an der historisch gewordenen Eigenort der einzelnen beut- schon Stämme und somit wolzl auch de- Länder nichts geändert werden solle. Und was die Mö glichkeil einer entscheidenden Bessern,� der deutschen Wirtschaftslage betrifft, so muß er selbst zugeben, daß sie in erster Linie durch die Riescnver- schuldung infolge des Krieges bedingt ist. sowie, daß die deutsche Landwirtschaft nicht ausreiche, um das deutsch« Volk zu ernähren, so daß also ein« starke Einfuhr dauernd notwendig sein wird. Er will die Ausfuhr steigern, ohne sich gegen die handelsvertragsfeindliche Politik des denlschneuionaten Ernährungsministers zu wenden. Aon solchen Widersprüchen strotzen die wortreichen Ausführungen des ehemaligen schwarz- weißroten Reichskanzlers. Irgendwelche konkreten Dorschläge kann er noch nicht machen, der neue Bund soll in erster Linie den Zweck haben,«ine Kompromißlösung vorzubaeilen. .Herr Luther erklärte weder als sein Ziel, daß später einmal not- wendige Eingriff« des Staates In die Wirtschaft nicht mehr, wie bei der Markstabilisierung, durch Ermächtigungsgesetze und Artikel 48 vorgenommen werden sollen, sondern die ganze Oessentlichkeii müsse bis dahin so sehr im Sinne der jetzt noch vollkommcw u n b e- kannten Vorschläge bearbeitet und überzeugt sein, daß da» Not- wendige aus dem gewohnten Wege geschehen tonn«. Klar ist in den ganzen Ausführungen Luthers eigentlich nur eines: er steht nämlich den Hauptschaden in dem Nebeneinander der Zentralge wallen des Reiches und Preußens in Berlin und das will er durch eins andere Gestaltung überwinden, deren Art und Natur aber vor- läufig sein Geheimnis ist, worüber ober, nach seiner Angab«, unter den 200 Unterzeichnern erst ein« Einigung vorbereitet und herbei- geführt werdcn soll. Fragt man nach dem praktischen Zweck dieser Neugründung, so wird man wahrscheinlich gut tun. nicht zu übersehen, daß dieses Lahr uns di« Reichstogswahl und danach die Bildung einer neuen Regierung Dringt. Will sich Herr Lucher dafür schon jetzt in empfehlende Erinnerung bringen? Wilhelm vor dem Kammergericht. piscatorprozeß lo 2. Lnftanz. Heut« begann vor dem zehnten Zivilsenat des Sammergerichts die Berusungenerhandlung in der Sache Plseacor— Prinz Wichelm von Preußen. Die Ho h e n z o l l e r n k a m m e r des Landgerichts hott«, wie erinnerlich, m ihren zwanzig Schreibrnaschinenseiten umfassenden Urteil u. o. ertlärt, daß das berechtigte Interesse des Klägers dadurch verletzt sei, daß ieine Worte aus dem Zufammenhang herausgerissen, zu etwas Wirrem und Unsinnigen werden. Ferner daß in dem Beschauer der Eindruck crwockt würde, daß der Exkaiser auch in der schwersten Zell dos Krieges m Aeußerlichksiten auf- gegangen s«.„Der Kläger/ heißt es weiter im Urt« l.„erscheint auf der Bühne gleichzetlia mit dem Zaren Nikolaus, der nicht nur ch dieser Szene, fondern auch in dem übrigen Stück als Schwächling und charakterloser Dummkopf rezeichnet wird, und dem Kaiser Franz Loses, der als völliger Trottel dargestellt wird... Eine derartige Zusammenstellung ist für den Kläaer beleidigend. Er braucht sie sich daher nicht gefallen zu lassen.... Die Bor- führung des früheren Kaisers in der Reiche hauptficcht diem nur der Sensation.* Das Kammergericht nahm, um sich doch allgemein ein Urteil zu bilden, an der gestrigen Aussubrung des„R a s p u t i n" im Nollendors-Theoter teil, in der die W i l h e l m- S z e n e mit- gespielt wurde, ohne übrigens irgendeine Sensation hervorzurufen. Die heutige Verhandlung— diesmal war es ter Urheber- senat— begann kurz vor 12 Uhr unter Vorsitz des Senats- Präsidenten Dr. Natorp. Als Veisitzer fungierten die Kammer- gerichtsröte Dr. P i n z l e r und Dr. Ja k o b i. Die Ptsoator- Bühne wird, ebenso wie in der ersten Instanz, durch die Rechts- schuldig. Die Aase der Frieda Richard hält sich in herkämm- lichen Bahnen. Mehr Lieb« und weniger mißtänendes Keifen würde der Roll« von Nutzen sein. Johanna H o f e r als Soloelg tritt bescheiden in den Hintergrund. Toni van E y ck spielt ihre Anitra unbekümmert, mit der frechen Natürlichkeit eines Berliner Mädel». Auch die überragende Kunst de» Werner Kr miß wird viertel» sorgfältiger Inszenierung kaum einen Danerersolg bescheren. Au» der Aufführung erwuchs weder eine Mörchenstimmung, noch ein geistige» Erleben, nur die Freude on mrUiosen Einzelleistungen. Gegen Alossik in jeder Form sind wir heute kritischer geworden. Zeilfragen au» dem Alltag beschäftigen uns mehr als poetische Gestaltungen vom Sinn des Leben». Schon bei der Premiere machte sich im Publikum lähmende Uebenrndung bemerkbar. __ Ernst D e g n e r. Die Entwicklung der deutschen vramenprodnktion. Di« Hoch- konjunklur der dramatischen Produttion in Deutschland seil Kriegs- ansang fiel in die Jahre lSlS bis 1921, die seitdem beginnende Ab- nähme hat sich fortgesetzt, so stellt Wilhelm Frels'in einem Auf- lotz der»Schönen Literatur* fest, der dt« Dramcnprodnltlon des Jahres 19?« statistisch überschaut. Dos Ergebnis ist übrigens nicht unerfreulich, da der Beriuft fast ausschtießlich die Lesedramen tnfft und auch unter diesen gerade die Znhl der im Selbstverlag oder bei Selbstoerlagssirmen erschienenen erheblich abgenommen Hot. Dar- aus fit freilich noch nicht zu schließen, daß die Durchschnittsqualität setzt über der Grenz« ernstzunehmender Kunst läge. Die Musterung. die Frets hier anstellt, illustriert die» in ergötzlicher Weise: hervor- znheben ist: Innerhalb der historischen Dramen verlagerte sich das Interesse von Weltkrieg und Revolution nacbhaltlg auf dos 17. und 18. Jahrhundert sowie dt« Zeit der französischen Revolution: die Hochkonjunktur für Ncnoissance und Reiormatlop ist völlig vorüber. Festzustellen ist«iiw Zunahm« der deutschen llraussührungeu von auf 278; sie verteilen si.h auf 99 Städte mit 159 Theatern. Ab- Mut steht hier natürlich Berlin mit 31 Uraussührungsn an der Spitze: es fnw Wien mit 14, Homburg mit 12 und Dresden mit 19. Reletio dominieren nach wie vor dl« Mittelstädte: in Darmstadt fällt bereit» auf je 11 000 Einwohner eine Uraufführung, dann kommen Salzburg, Stvlp und Schwerin. Unier de» Großstädten ist das Verhältnis bei Bafel 1; 30 099, bei Frank'urt am Main !: 4l 999, bei Dresden 1: 01 009. während in München geqcn 90 009, in Berlin und Wien gar 130 909 Einwohner zu einer Ur» aufführung gehören. Trotz der Zunahme der deutschen Urauffüh- rungen beiraot der Anteil des Auslandes an der Kssamturauf- sührungszvhl immer noch 52 Prozent: davon treffen 29 Stücke auf Frankreich, LI aus England und Amerika. 12 dank Pirandello auf Italien.__ Der große Stoalsprei» der Akademie der Sünste i» dem Maler Srnit 3? r I M t- Verlin und dem Lildhauer Kurl R a d t! e verlieecn worden. Die VeltdemeibSordetten für die orobrn Etn-itepreMe find nern 7, di» 10. ftrn. in der«ladenue, Pariser Platz, täglich von 10— 1 Uhr entnUich lUttgistckU. cmwW« Dr. Goldbaum und Dr. I a t o d i vertrete»; Prinz Wilhelm von Preußen durch den Justizrat Dr. Wognu» und durch den Rechtsanwatt Dr. Sieb er, Als erster begründet Dr. Sakobi die Unrechtmäßigkeit der einstweiligen Verfügung, die überdies nicht von zuständigen Richtern, sondern von der sogenannten Hohenzollern. Kammer, also von eivem Sondergrricht. getroffen morden war. Au» diesem Umstand« heraus«oäre es auch zu erklären, datz die Gründe der einstweiligen Berfüguno gewissermaßen die Eni- f ck> e i d u n q vorwegnahmen und daß da» Gericht in feiner Entscheidung einen Teil dieser Gründe hat fallenlassen müssen. Iustizrat Dr. Magnus wünscht die Rechtmäßigkeit der einst- welligen Berfügunq zu begründen. Zur Sache selbst erklärte Rechtsanwatt Dr. Goldbaum, das Gericht erster Instanz habe in dappeller Hinsicht das K u n st s ch u tz- gesetz falsch angewandt: direkt, indem es die Darstellung aus der Bühne als Bildnis angesprochen habe: indirekt, indem es das Gleiche auf Fälle ausgedehnt hat, die der Gesetzgeber nicht im Auge hatte. Vollständig irrtümlich sei die Behauptung des Urteils, daß die Darstellung Wilhelms auf der Piscawr-Bühn? eine Beleidigung bedeutet. Der Umstand, daß die Gegenseite in dieser Darstellung eine Herabwürdigung Wilhelms erblicke, mache es eriorderlich, festzustellen, wie das deutsch« Volk über Kaiser Wilhelm denkt Die Darstellung Wilhelms sei ernst gemeint gewesen, und eine Herabwürdigung liege nicht vor. Die Verhandlung dauert fort. Weimarer Koalition in Ocmzig. Oer geteilte Senat.- Verringerung der Abgeordnetenzahl. vanzlg, 7. Januar.(Eigenbericht.! Die anfänglich als gescheitert zu betrachtend« Bildung einer Regierung aus Sozialdemokraten, Zentrum und Deutschliberalen ist nunmehr doch nock) geglückt. Di« umstritten« Frage der Der- sassungsänderung soll in Zukunft so geregett werden, daß der Senat aus einem hauptamtliche» und einem nebenamtlichen Senat besteht. Der hauptamtliche Senat soll jedoch nicht mehr auf eine befristete Zeit gewählt werden, sondern ebenso wie der neben- amtliche vom Vertrauen des Doltstages abhängig fein. Abgesehen davon ist für die Zukunft eine Reform des Dolkstages gepttmi. Die Koalition ist vor ollen Dinge» darin einig, daß die Zahl Abgeordneten in Zukunft aus 80 vermindert werden soll. Oer Priester als Bundeskanzler. Er dankt seinem vorgesestten Erzbischof. Wien. 7. Januar. Bundeskanzler Dr. Seipel richtet« an den Kardinalerzbischnf Pisfl ein Schreiben, in dem«r ihn zu seinem vierzigjährigen Priestersubiläum beglückwünscht.„Als Priester Ihrer Erzdiözese." heißt«s in kern Schreiben,„werbe ich Ihnen nie vergessen, mtt wieviel Güte und Wohlwollen Sie stets meine Arbeit begleitet haben, die mir m außerordentlick«» Zeiten auf meinem s e l b st für einen Priester nicht gewöhnlichen Posten zu- gefallen ist. Ich komme aber heute auch, um Ihnen als Bundes- kanzler zu danken, beim auch für den Staat ist es von größter Bedeutung, wenn der höchste Sirchenfürst des Landes und erste Seelsorger des überwiegend«» Teiles der Bevölkerung in so ausgezeichneter Weife einem Amte voisteht, wie Eure Eminenz es stets getan haben.*_ Wettbewerb um den Frieden. Nach dem republikanischen ein demokratischer Antikriege- ontrag in Amerika. Washington. 7. Januar. Das demokratisch« Mitglied des Repräsentantenhauses Edwards hat eine Vorloge für den Abschluß von Verträgen eingebracht. in denen der Gebrauch von Unterseebooten im Kriegsfälle oerboten wird. Die Museen die Keller unsere» kunstbestßes. In einem Aufsatz. den Max I. Friedländer im„Cicerone" der bevorstehenden Versteigerung der Berliner Sammlung Oscar Huldschinsky widmet, trisst er die resignierte Feststellung, daß der private Kunstbesitz In Deutsch- land sich unrettbar auslöst: das Beste gehe nach Amerika, nach Holland'und anderswohin. Die gesteigerte Rührigkeit de« Berliner Kunsthandels beschleunige nur den Prozeß, denn es gebe m Deutsch- land kaum noch tanfkrästige, ernste und konsequente Sammler alter Kunst; die Museen aber schauten resigniert zu. da«s ihnen an Gönnern fehle und die Behörden unter den gegebenen wirtschast- liehen Verhältnissen nichts tun zu dürfen glaubten. Der einzige Trost sei, daß der ösientliche Besitz bei uns noch oerqleichswelse reich ist. wenn er auch, nicht ohne die Schuld der staatlichen Kunstverwal- tung, manches hat hergeben müssen. Jedenfalls werde es heute niemand mehr wagen, von den Museen als Grabstätten zu sprechen und die glückliche Derteilthelt der Kunstwerke in Kirchen, Klöstern und Palästen zu feiern.„Die Klöster*, so schließt Friedländer diese Be- trachtnng,„stoßen(stehe Oesterreich) in Zeiten wirtschastlicher Not alle» Kunstgut ab. In bcn Kirchen sind die Kunstwerke einer jommer- vollen Erneuerungssucht ausgesetzt, gegen welche Gefahr die stau- lichen Konservatoren praktisch nichts auszurichten oermögen. Nur die Museen-- selbst in Oesterreich, selbst in Nußland— haben die ärgsten politiscljen und wirtsck)astl>chen W'rren überstanden, nur hier ist sür sachkundi« Konservierung der Monumente«inigermaßen Gewahr geleistet." Der Rclchsoerband des dealsche» Schristlum», der die wesent- lichen Schrislstellerorganisotionen umsaßt, beschloß in seiner ersten Iahressitzung in Sachen des Prozesses I. R. Becher einen grund- sätzlichen Protest gegen die literarischen Hochverrateprozesse, denen zum Hochoerrat das Moment der Vorbereitung einer konkreten Handlung fehle. Der Reichsoerband kann auch den Begriff der„fort. gesetzten Handlung" sür literarische Werke nicht anerkennen. Der Reichsoceband bes'hloß serner, bei der Deutschen Reichsregicrung anzusiagen, was sie gegen die Ausweisung des deutschen Schrift- stellers Otto Flaks aus Südtirol unternommen Hab«. tkcllavf-ahrnvgen der Boche Dienstag: xchaulplelbau«:.Penthetilea*. M'tlwoch: Siolioper:.Dpn GSiavtiniiir DonrerSIag: Städtische Lpcrz „Ramm'', ßreitag: Scsstvg.Tbeaier:.Rofe Bernd*. .Artttnieo>«i t älter.- Unter Ue'cm 3 itel pttt fftnli D u i S ruf®ir» tobuna de: BoUebüdne am Moniaa. dem S Januar. 8 Uhr. im Bll!>'er- laal de» Rathaule». Eingang ttSnlzst:., nin, Lautevabend. Karten 70 Big. Sohn«' chro» k Smen Rolert hat da« D be a tre Nhmvaie in Paii« eingeladen. In Beilln drei Poriiellliligen«on Hemh Berntlet: 6 Tchanspiel„Le Penln*«Das ,u veronftalie». Diese Voiüellu» en werden mit Zuüi» mung von Dlreltor Wallung im Nenaisjan ce- Theater am ZO. ül. und 2i Januar slatlsiudeu. chin« twsssellnng von ZNexiko-Silderv wiid Tonntag. mittag« ,L Mr. In de> KrinbauSiielning der Timm eiöiinet. Tie ist Jean Eharlol, einem der-ngeieaenften Maler Yndio-Nmerika« gewidmet. eine koadgedviig svr den D chfer Johanne» H Zecher, gegen den aus chrnnb"finrr Arbeiten ei» Rechner: atsnerfahren einge» lebet worden ib. findet Tonntaa, de» L. Januar,»ach«, ti Uhr, im Theater am Rolle»dorjplatz statt. Einer der Vermißten lebt! Lokaltermin am Ltnglückshaus.— Alle 17 Todesopfer erkannt. ßoct der Tokgeglavblen. den man schon zu den Opfern der surchibaren Eiusturztataflrophe in der Landsberger Allee gezShli Halle, lebt. Es ist der 20 Zahre alle Suasllifchler Bernhard Huf. naget, der bisher nnaufflndbar war. Er war über Weihnachten und Itevfahr noch Bayern gereist und Hot fehl von Ansbach au einen Zrcund geschrieben und ihu um Besorgung einer neues Wohnung gebeten, nachdem er ia der Zeitung von der Explosion mit ihren Verwüstungen gelesen hatte. In der Landsberger Alle« fand heute morgen»Ine Lokalbesichtigung statt, an der Staatsanwaltschaftsrat Keiler, Kriminalrat Äennol, Kriminalrat Lunge, Dr. Mathias, der erste Assistent des Proiesiors chabcr vom Kaiser-Wilhelm�nstitut. Professor Dr. Lenz vom(them'schen Reichsinstitut, der Chemiker Professor Dr. Brüning vom Polizeipräsidium, Dertreter der Baupolizei, des Polizeipräsidiums und des Mogistrats, Gassachverständige und Der- treter der Feuerwehr teilnahmen. Bei der Besichtigung wurden zum Dcrgle'ch auch die Feststellungen bei der Katastrophe in der Kirch- strafz« herangezogen. Zu einem endgültigen Gutachten konnte die Kommission noch nicht kommen. Die Aus- räumungsarbeiten sind zwar schon weit fortgeschritten, die untersten Räume aber, in denen wohl der cherd der Explosion zu suchen ist, liegen immer noch unter Schutt und Trüm- mern. Porbehaltlich weiterer Feststellungen neigt die Kommission zu der Ansicht, daß es sich um eine Gasexplosion handelt. Dos Gas muß durch die ganzen unteren Räume, den Keller, ver- breitet gewcsen sein. Die Explosion von mit Sauerstoss gemachtem Ammoniak bäu« derartige Verheerungen, wie sie vorliegen, nicht her- beisühren tonnen. In dem Gebäude sind in der letzten Zeit bau- liche Deränderuugen vorgenommen, die von der Baupolizei genehmigt waren. Ob sie ober alle wirklich nach dieser Genehmigung ausgeführt worden sind, ist noch fraglich. Hausbewohner haben nach dieser Richtung Zweifel und Bedenken geäussert, namentlich in bezug auf die Anlage von Gasösen. Ob einer dieser Oesen sehler- oder schadhast gewesen ist. läßt sich mit Sicherheit aber nicht sagen. Im Krankenhaus am Friedrichshain befinden stch: 1. der 69 Jahre alte August Pietfch mit einem Unterschenkel- bruch, 2. der<0 Jahre alt« Oskar Pietsch mit einer Becken» guetichting. 3. die 46 Jahre alte Käthe Kusch au» der Garten- strasse 85. die in dem Unglückshause zu Besuch weilte, mit Kopf- Verletzungen.< die 4l Jahre alt« Hedwig Kussin mit Stirn- Verletzungen und 5. d!« 25 Jahre alte Else Hoffmann mit einem Nervenschock. Bei sämtlichen fünf Personen besteht teine Lebensgefahr. « In unserer Freiiag-Frühausgab« berichteten wir über die auf- opfernde Mitarbeit der Schupomannschaften der In. svektion Kreuzberg, die unter der Führung Hauptmann» Marguardt ausserordentliche« geleistet haben. Wie wir heute noch erfahren, sind die beiden Wachtmeister der Inspektion Kreuzberg G a s d e und Oberwochtmeister We ge n e r dem Polizeipräsidenten zur Belobigung vorgeschlagen. Die„Tägliche R u n d s ch a u�. der als Organ der Deutschen Dolkspartei oft genug enge Beziehungen sogar zum Rcichsaussen- minister nachgesagt werden, hat sich durch diesen offizlösen Charakter nicht abhalten lassen, einen gemeinen Angriff auf die Rettungsmannschaft der Schutzpolizei loszulassen. Dos Blatt hott« es so hingestelU, als wäre dies« Rettuirgs- und Bergungsmannschast zurückgezogen worden, well ihr die körperlich« Anstrengung zu schwer geworden sei. Das Kommando der Schutz- polizei weist ofsentiich diesen unqualifizierbaren Angriff aus das Schärfste zurück und betont aufs neu« die opsersreudige H!n° gab« der polizeilichen Hllststruppe. Betrüger, die das Unglück ausnutzen. Dos Bezirksamt Prenzlauer Berg erlässt folgende Warnung: Die Explostonskataftrophe wird in unlauterer Weise dadurch ausgenutzt, daß einzelne Personen in den Häusern als angeb- liche Händler mit Kleinkram herumziehen und fälschlich vorgeben, von dem Unglück mitbetrossen zu sein und alles verloren zu haben. Damit suchen sie Geld und Gegen- stände für die heimgesuchten Haue Haltungen zu erlangen. Als Aushängeschild für ihr unsauberes Treiben führen sie Kästchen mit Gegenständen de» täglichen Bedarfs, wie Nadctn, Knöpfen Schnür- lenteln und dergleichen, mit sich. Die Bevölkerung wird vor diesen Elementen gewarnt, welche die Hilfsbereitschaft der Berliner Devälkening in solcher Weis� auszubeuten suchen. » Das Bezirksamt ist mit sämtlichen Uebcrlebendeu der durch die Explosionskatastrophe betroffenen Familien sofort in beratende Verbindung getreten und Hot. wie mitgeteilt, bereits elf davon in andere Wohnungen untergebracht. Die Untergebrach- t«n sind mit der neuen Unterkunst nach rhren eigenen Angaben in jeder Weise zufrieden. Die übrigen noch nicht Untergebrachten sind noch damit beschästigt, die ihnen gemactsten Angebot« zu prüfen. Hierbei ist zu bemerken, daß die wohrnmgslos gewordenen Familien bisher in dem Hause Landsberger All« 116 verhält- nismässig neu« Wohnungen innehatten und gleichwertig« Wohnungen zu erlangen wünschen. Das Bezirksamt hat jedoch aus- drücklich erklärt, dah die zunächst gewährte Unterkunft nur als vorübergehend betrachtet werde, und dass die Behörden de- müht bleiben, ihnen jederzeit die gewünschte Unterkunst bieten zu können. Auch mit den betroffenen Einzelpersonen steht da» Bezirksamt bereits zwecks Unterbringung in Verbindung, so- well sie sich wegen Unterbringung gemeldet haben, und soweit sie nicht anderweit Unterkunft finden. Die Untergebrachten sind mit Hausrat, Wäsche. Hcizungsmaterjal und Mobi- klar versehen worden. Auch die Umzüge werden seitens des Bezirkeamts übernommen und sind zum Teil schon durch- geführt. Jede Hilfe wird sofort geleistet. All« Gerüchte über mangelndes Entgegenkommen entbehren jeder Begründung. Reich uvd WohnungsSau. Ein Onerfchnitt durch den Zieichshnoshalt. Schon lange vor dem Kriege ist in Deutschland die Wohnungs- not ein die Masse der Bevölkerung drückendes, soziales und gesund- heilliches Hebel gewesen. Noch der Derfassung des Deutschen Reiches vmn 16. April 1871 war die Wohnungsgesetzgebung und die Wohpungsfürsorge den Bundesstaaten überlassen. Dort wurden die Parlamente und die Gemeindevertretungen gewählt aus Grund von Klasse nwohlgesegen, in denen den Hausbesitzern »och besonder« Rechte zugesprochen waren Es erhellt ohne weiteres, doss die sozialdemokrallschen Fraktionen tn den genannten Kärpe. schoflen trotz eifrigster Bemühungen Besserungen aus dem Gebiet des Wohnungewesens durch Eingreifen der öffentlichen Hand nicht oder so gut w-e nicht erzielen konnten. Durch den Weltkrieg und dt« Nackkriegszeit entstand eine gross« Wohnungsnot selbst in den Ländern, dtc vorher eine Wohnungsnot nicht gehabt und als Siegerstaaten unter den Nachwirkungen de« K.ieges nicht so schwer wie wir zu leiden hatten. In Deutschland steigerte sich di« schon immer vorhandene Wohnungsnot zu einer Wohnungskalomiiät, deren Behebung auch heute noch in den An- längen steckt. Bei einem Baukostentndex von 170 Proz. bedingen ncuernchtcte Wohnungen, sosern sie nicht durch öfientliche Körper. fccaften bezuschusst werden,«inen Mietpreis, der für die über- wiegend« Mehrzahl der Bevölkerung unerschwinglich ist. Solche SBezusthuftung erfordert natürlich sehr bedeutend« Geld- mlltel. Noch der Weimarer Bersassung ist nun das Wohnung»- wejen wiederum den Ländern überlasten. In Artikel 10 behält das Reich sich allerdings das Recht vor,„im Wege der Gesetzgebung Grundsätze aufzustellen für da» Wohnungswesen". Bon diesem Recht hat dos Reich Gebrauch gemacht, indem«s im Gesetz über den Geldentwertungsausgleich bei bebauten Grundslücken vom 1. Juni 1926 u. a. bestimmt, doss mindestens ein gewisser Prozent- satz de» Aufkommens aus dieser Steuer„zur Fötderung der Bau- tätigkell auf dem Gebiet de» Wohnungswesens dienen soll". Mit dem Erloss dieses Rahmengesetze» zur Erhebung der Mietzinssteuer glaubt das Reich in der Hauptsache seiner Pflicht genügt zu haben. Im Widerspruch zum sozialdemokratischen Wohnungsbau- Programm find im Reichshaushalt sell der Etobalisierung der Währung erheblicher« Mittel zur Förderung der Wohnbautätigkeit nicht vorgesehen. Rur im zweiten Nachtragsetat für das Recknungs- johr 1926 wurde im L o r s ch u ß auf die später eingehende Miet- zinssteuer ein Betrag von 200 Millionen„zur Gewährung von Zwischenkrediten aus erste Hypotheken für Kleinwohnungen an die Länder" ausgeworfen. Diese Kredlle sind auf drei Jahre gewährt: fis werden daher erst vom nächsten Jahr« ab zurücksliessen. Ausser- dem ist dos Reich beteiligt durch das Finanzministerium an einer kleinen Land- und Laugesellschaft m. b. H. und durch da« Arbeit». Ministerium an der„Deutschen Bau- urö» Bodenbank" sowie an der „Wohnställen G. m. b. H.". Aus der«rsteren Beteiligung, die 81� Millionen beträgt, erhofft das Reich für 1928«inen auf 42S 000 M. geschätzten Gewinn. Für allgemeiner« Wohnbauzweck« findet sich in den Ausgaben für 1928 in zwei größeren Fonds dann nur noch«in Betrag von 3 Millionen für trte Wohnungsfürsorg« der Kriegsbeschädigten und von 15 Millionen als letzte LewiMgu-ig von insgesamt 75 Millionen zur verstärkten Förderung de» Baue» von Landarbellerwohnungen. Alle anderen im Reichshaushav 1928 für Wohnungsbau an- g<>ford«'ten Mittel betreffen den Wohnungsbedarf von Reichsbeamten und Angestellten. Nach dem Stand vom 1. Januar 1927 waren noch wohn-'ngsbetrnrftig 4358 Angehörige der Reichs finanzve rwoltung, 354 der Reickvversorglingsverwoltung, 954 der sonstigen Reichs- Verwaltungen ausser Reichsprst und Reicksbahn, 3681 des Heere« und 1561 der Manne, zusammen 10 908� Zur wenigstens ieilwellen Befriedigung dieses Wohnungsbedürfnisie» seiner Arbeiter, An- gestellten und Beamten fordert das Reich im Etat des Arbeits- Ministeriums unter fortdauernden Ausgaben 1 Million, im ausser- oichentlichen Haushalt 12 Millionen, im Etat der allgemeinen F'inonzverwaltung unter einmaligen Ausgaben 10 Millionen und schliesslich im Etat de« Finanzministerium» unter einmaligen Aus- gaben 1.7 Millionen an. Die eigenen Aufwendungen des Reiche« zur Linderung der allgemeinen Wobnungsnot balten sich also in den denkbar be» scheidensten Grenzen._ Nochmals: Zakubowski. Vom mecklenburg.-streiitzschen Justizministerium erhalten wir folgende Berichtigung: „Der Dertreter de» Justizministerium» wurde om 5. morgens von einem Dertreter de»„Berliner Tageblatts" aus Hamburg fern- mündlich angerufen mit der Anfrage, ob es richtig sei, daß die Strelitzer Behörden im Falle Iakubowskt seit längerer Zeit erneute Ermittelungen angestellt hätten. E» wurde er- widert, dass Ermittelungen nicht im Gange und dies« Behaup- tungen aus der Luft gegrissen seien. Die oben erwähnte Mit- teliung. doss da, Justizministerium erklärt habe, trinertei Deran- lassung gehobt zu haben, irgendwelche Nachforschungen anzustellen. ist somit unrichtig. Bielmehr hat bereit» der Öderstaat»- o n w a l t sofort nach Mitteilung von dem angeblichen Geständnis der Grossmutter des Ermordeten di« nötigen Ermittelun- gen angestellt. Dies« Nachprüfungen haben inzwischen er- geben, dass dl» DItwe Nogen» weder gestorben sst. noch gestanden hat. den Mord an Ewald Rogen» begangen zu haben." Di« Berichtigung deckt sich mit der von uns bereits veröffent- lichten amtlichen Richtigstellung. Der Dorwurf, dass die veram- wörtlichen Instanzen Im Fall Iakubowski nicht mit der Svrgfall vorgegangen sind, wie man erwarten muh, wenn es sich um Leben c�«r Tod handelt, wird auch durch diese Erklärung nicht aus der Welt geschafft._ „Eine einzige Kloake." Sie kommunistische parteidiskussioa. Der Nnkskvmmun Istische Landtagsabgeovdnete Bartels ver» ökkentlicht gegen den rechtskmnmmiistischen Landtagsabgeordneten Pieck einen offenen Brief, in dem es heißt: „Der Abgeordnete Pieck widmet meiner Landtags? ed««in« f» genannte Erwiderung. ES« ist«tn» einzig« Kloake oller möglichen Schimpfereien, auf di« zu erwidern, ich unter meiner Würde hatte. Ausgerechnet mit Pieck über Charakter» eigenschastenzu streiten, wäre müßig. Nur eins möchte ich zurückweisen: In seiner Wut verdächtigt Pieck meine Dergongenheit und sucht die Frelheiisstrosen, die ich stolz für die Ardeiterbewegung trug, zu besudeln. Eine solche Schmntzerei richtet sich tn den Augen jede» ehrlichen Arbeiter»." vrtrlebsuusall im weissen Haus. Bei den Neujahrsempfängen M Coolidge die Hand so geschüttelt worden, doss er st« setzt-er» Sunden hat, Lleberfall auf der Bandstraße. Abwehr durch eine tapfere Frau. Ein schwerer lleberfall ereignete sich gestern abend um 5 Uhr aus der Gemarkung Lübars. Als eine 26 Jahre all« Frau A. aus Lübars di« Rostnthaler Thausiee entlang ging, wurde sie von einem Radfahrer überholt. In der Nähe eines kleinen Wäldchen» begegn t« ihr der Radfahrer wieder und fragte sie nach dem Wege nach Rosenthal. Als Ii« verwundert erwiderte, dass er doch von dort hergekommen fei, sprang er vom Rad, packte sie am Halse, warf sie nieder und versucht«, sie zu ver- gewaltigen. Di« Frau setzte sich aber kräftig zur Wehr, schlug mit der Faust aus ihn ein und zerkratzte ilpn das Gesicht, während er Ihr die Kleider s:rriss. Als der Unhold jah, dah er an die Verkehrte gekommen war. versuchte er zuletzt noch, ihr die Handtasche zu ent- t reihen, lieh aber auch davon ab. als tn« Ueberfallene ihn festhielt und ihm wieder ins Gestcht schlug, und ergriff die Flucht, ver Flüchtige ist etwa 30—40 Jahre oll und 1,65 Meter gross, hat schwarzes gescheiteltes Haar, ein blasses Gesicht und aufjallend gelbe und harte Hände, trug einen dunklen Manchesteranzug. einen blauen Sweater und grüne Stutzen und spricht Berliner Mundart. Er muß besonders an den Krotzwunden kenntlich fein. Mittellungen an die Dienststell« E. 4 im Polizeipräsidium. Orkan über England. Große Themseüberschwemmungen— 11 Personen ertranTen London. 7. Januar. Leber Loubou und Slldengland ging heule ein Slurm hinweg. der zeilweisig eine Stund eng efchwindigkeit von 60 Mellen errelchle. Lehe-all sind zahl'etche Unglückcsälle durch umstürzende Bäume und Mauern zu oerzeichnen. Die Zahl der Bcrlehten ist sehrgross. Der Luskverkehrvdlenst von Eroydon musste wegen de, Sturme««lug« stell» werden, vi« Sanalfchissahrl war gleichfalls stark beeinlrScht'gt. während die Leders chwemmungs- gebiete stürmisch bewegten Seen glichen. In denen der bisherige Notverkehr mit den Booten kaum ar stecht erhalt?« werden konnte. vet den veberfchwennmmgeu im Londoner wefimlnstervlertel sind elf Personen ertrunken. Der Sturm, der am Freitag über fast ganz England und Irland fegte, war einer der h e f t i g st e n. der tn den letzten Jahren herrschte. Am schlimmsten wütete er in Nordost- england, wo der Wind zeitweilig eine Durchschnittsgeschwindig- kelt von 85 Meilen In der Stund« hatte. Sechs Menschen verloren infolge de» Sturmes ihr Leben und hunderte wurden verletzt. Grosser Sachschaden ist angerichtet worden. Viele Strassen wurden durch umstürzende Bäume versperrt, die an einer Stelle auf Krast- wagen und Omnibusie sielen. Auch Züge wurden ausgehalten. In Nottingham wurde eine Anzahl Dächer vom Winde hin- weggefegt. Innerhalb der Stadt muhten über 20 Personen in den Hospitälern wegen Derletzungen behandelt werden. Ein Gerüst in Belfast, aus dem ach: Männer arbeiteten, wurde umgestürzt. Die Arbeiter fielen 40 Fuss tief und wurden alle oerletzt. Drei von ihnen erlitten Beinbrüche. Durch den Sturm find 244 Telephon» Nnien unterbrochen worden. In de? ersten Morgenstund« trat die Tems« bei«est- min st er über die Ufer: alle Straßenbahnen am Cmbankment muhten Ihren Dienst einstellen. Do» Wasser drang b i? aus d i« Terrassen de» Parlaments vor. Auch auf der LamdetH- Seit« des Flusse» wurde ein brnäckttlicher Teil des Ufers über- schwemmt. Beim Parlament erreicht das Wasser den Fuss des Big Ben, de: bekannten Porlaw.entrturmes mit der Parlamentsuhr. A m schlimmsten war die Ueberschwemmuna bei der Charing C r o ss- und de» Waterloo-Brücke. Am ganzen Embankment standen„geslrondete" und verlassene Eirassenbolmen. Die Unter- sührung bei der Westminsterbrücke stand vier Fuss unter Wasser. Miniaturwassersälle entstanden bei dem„Nadel der Kleopatra" ge- nannten Obelisken. Ein Uebungsschifi in der Röhe Blackfriars schwamm tn Strossenhöhe. Ausserhalb London» stehen van Teddington Lock bi« zur Hammersmith-Brück« alle tieserliegenden Teil« de» Themseufers unter Wasser. Ein Dampfer hilflos auf demVodensee. 60 Serllaer Passagiere.- Schwierige DergungSmanöver. - Konstanz, 6. Januar. Seit heute mittag herrscht auf dem Bodensee ein sehr starker Weststurm. Der aus seinem Abendkurs von Rorschach nach Fried- richshasen befindliche württcmbergische Dampfer„König Karl", aus dem sich u. a. 60 Passagier« aus Berlin be- fanden, die von den Weihnachtssericn aus Engadin zurückkamen, erlitt aus der Seemltle einen Maschinenschaden, so dass eine Weiterfahrt unmöglich wurde und der Dampfer den rasen- den Elementen preisgegeben war. Er gab Notsignale und ließ Leuchtrokelen aussteigen. In Friedrichshasen konnten diese Signale infolge de» Sturmes nicht beobachtet werden, sedoch wurde dke Dampssch ssohrtsoerwallung vo» Langenargen aus unterrichtet und sandte sofort den Dampfer„Charlotte" zu Hilfe. Auch Motorlast- kühne fuhren an die Unsallltelle. Mittlerweile hatte aber der aus dem Kurse von Rorschach befindliche Motortrajektkahn den Dampfer ins Schlepptau genommen. Unweit des Hasens jedoch riß da» Drahtseil, und der Dampfer war abermals den Wellen vreisgegeben. Di« Friednchshasener Verwaltung entsandte daher den Hissdampfer„Württemberg", aber wieder riß das Schleppseil. Endlich, nach zweistündiger Verspätung, konnte da» Schiss in den Hosen bugsiert werden. Autounfall des Negierungkprasidenteu Lüdeman». Der Regierungspräsident In Lüneburg, Genosse Lüdemann. erlitt am Freitag auf der Strasse nach Melbeck auf der abschüssigen Stelle bei der Roten Schleuse einen schweren Autounfall und ist wie durch ein Wunder mit dem Leben davon- gekommen. Sein Auto, das von einem sehr sicheren und er- probten Fahrer gesteuert wurde, fuhr in normalem Tempo die Strasse entlang. Ein Milchwagen suhr aus der falschen Straßenseite, und trotzdem der Chauffeur des Regierungspräsidenten sich die gröhte Mühe gab, einen Zusammenstoß zu vermelden, stiess d e Deichsel de» Milchwagen» in das Hinterteil der Karosserie, die volltnmmen zer- stört wurde. Die Deichsel suhr Handbrett am Kops de« Regierungspräsidenten vorbei, der über und über mit Glossplittern besät war. Der MIlchwagrn hotte weiter keine Be- schädigungen aufzuweisen. Da» Auto konnte mit eigener Krast nach Lüneburg zurückfahren. Dachstuhlbrand in Hasensee. Mehrere Löschzüa« der Feuerwehr wurden heute vormtttag kurz vor 10 Uhr nach der Johann- Georg-Strasse26 in Halense« alarmiert, wo der Dachstuhl de» Vorderhauses in Brand geraten war. Das Feuer tonnte durch starte» Wassergeben auf seinen Herd beschränkt werden. Die Entstehungsursache ist noch nicht ermittelt. — In den gestrigen Nachtstunden wurde die Feuerwehr abermal» nach dem Hause Runqestrass, 18 olamlert. wo. wie wir gestern be- richteten, in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag Zwei Wohnungen durch Feuer.zerstört wurden, und die Bewohner nur im letzten Augenblick vor dem Feuertode bewahrt werden konnten. Die Ursache des Alarm« war der Einsturz«ine» Teiles der Wohnungs- deck« vom zweiten bi» dritten Stock. Durch Absteifungen, die die Feuerwehr etwa Stunde an der Unglücksstätte festhielt, gelang es. die Gefahr zu beseitigen. Selbstgestellung des Zuwelier, Solna. Nachdem gestern nach» mittag die Ehefrau de« flüchtig gewordenen Juweliers Solna gegen Kaution aus der Host entlassen worden war. stellte sich heute früh der von den Behörden gesuchte Juwelier Moritz Solna in Begleitung seines Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. Siegsried Eisenstädt, freiwillig dem Untersuchungsrichter. Solna wurde sofort einem mehrstündigen Verhör unterzogen. Er bestritt ganz entschieden, die Absicht gehabt zu haben, die auf eine Geschäftsreise mitgenommenen Waren in betrügerischer Weise seinen Gläubigern zu entziehen. klAbersteuab« Vevss-Der'ta, Kreis Wedding. Gruppe Humboldtheltz morgen Konnlag. stabil noch Belnau. TresspimU 8 Uhr HiuunestahrtStirchc. 40$fetwig Fahrgeld mitbringen. Heuie Verhandlungen in Düsseldorf. Um die Durchführung des Arbeitszeiffchiedspruchs. Lochum, 7. Januar.(Eigenbericht.) Oer Arbeikzeittonflikt in der Metallindustrie ha« am Sonnabend normtliag keine weilere Ausdehnung erfahren. Sowohl auf der Arbettgeberfeite als' auch bei den Gewerkschaften scheint man bestrebt p, fein, keine Ueberspannung der Situation herbeizuführen. Die Gerüchte, nach denen der Arbeitgcberncrbond eine General- aussperrong Im vochumer Lezirk beschlosien Hab«, e n t. behrco jeder Grundlage. Die von deo Gewerkschaften an. qekünd'glea Sampsmahnahmen gegen den Vochumer verein sind bisher nicht durchgeführt werden. kfeute wird vor dem Schlichter ia Düsseldorf Mischen den Parteien über die Differenzen wegen der Durchführung des Arbeitszellschiedsspruch?? und der Arbeitszeitverordnung vom Ib. Juli verhandelt. Oer Streit in den Wurstfabriten. Heute Schlichtungsverhandlungen. Der Schlichter von Groß-Berlin halte zu gestern vormittag Vertreter der Berliner Fleifchwarenfabrikamen, der Efha-Werke, des Zentralverbondes der Fleischer und der beiden Streitleitungen zu einer unverbindlichen Aussprach« geladen, die jedoch zu keinen' Ergebnis führten. Der Schlichter hat nunmehr die Parteien zu heute vormittag 10 Uhr zu Verhandlungen geladen, um zu versuchen, den Konflikt beizulegen. Bei Redaktionsschluß waren die Verhandlungen noch nicht deendet. Eine Anerkennung. Für die mitteldeutschen Nraunkohleaarbeiter. In Nr. 4 der„Deutschen Bergwerts-Zeimng" schildert Dr..Jng. Po:hmann. ihallc a. d. S., die„Fortschritte im mittel- deutschen Brauntohleiibergda»*. Das Jahr W27 fei für den mittel- deutschen Brcunkohlenvergbau charakterisiert durch den Oktober- streik. Dieser Streit sei durchaus kein? Folge eines besonders gespannten Verhältnisses zwischen Unternehmern und Arbeitern ge- wescn,„erkannten doch selbst die Arbeitgeber(!) ein« Lohnerhöhung in gewissem Umfang« als wünschenswert an*. Theoretisch, sa, weil die Unternehmer diese Anerkennung mit-um Zwecke einer Kohlen Preiserhöhung für nüglich hiellen. Praktisch aber ging der Streik doch eben darum, weil die Unternehme? jede Lohnerhöhung hartnäckig vcr- weigerten. Ssit den, 1. April l92b seien die Kohtenpreisc unverändert gebliebcir. Die Löhne aber seien ani 1. November 1926 um .%5 P r o z. erhöht worden, das Jahr 1927 habe mit einer L ch i ch t v e r k ü r zu n g im Tiefbau begonnen, am l. Mai habe ein Lohnzuschlag von l.'i P r o z. nach den Destimmun- gen des Arbeltszeiinotgefcstcs gemacht werden müssen(also ein Lohnzuschlag für U e b e r st u n d e n), am 4. Juli sei eine B e r- kürzung der Schichtzcit um eine Stunde crsolgt, außer- dem seien die Kosten der Sozialversicherung gestiegen und„nach dem verlorenen Streik wurde dem Bergbau eine»cue Lohnerhöhung von fast 12 P r o j. aufge- zwungen". Der Verfasser umschreibt die Dinge ziemlich stark, weil es ihm darum geht, für die Zustimmung des Reichowirllchoftsmintsteriums zu einer gehörigen Kohlenpreiserhöhung Stiinnuinz zu machen. Sonst müßie er zum besieren Berjtäudnis der Sachlage anaebcn, wie lange die Arbeitszeit im mittcldcutfchen Braunkohlenbergbau vor dem Jahre 1927 mar, wie hoch sie heule jlt, wieviele 1? e b e r st ii n d e n vor und nach dem 1. Mai lf)27 geleistet wurden, welche Löhne gezahlt wurden und welch« Löhne noch jehl gezahlt werden. Daneden aber auch die Ge- Winne aufzeichnen, t ic im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau in den letzten Jahren gemocht wurden. lieber den„verlorenen Streik" wird in dem Artikel gesagt: .Di-? Durchführung des Streiks seitens der Ar- deiterörganisätione» hat!« in organisatorischer Hinsicht gegenüber srühercn Streiks außerordentliche Fort- I ch r i t t e.gj verzeichnen. Diese erstreckten sich auf die größere Nuhbärmachung technischer Mittel bei der Durch- 'iihrung des Streiks, au? eine vorzügliche Bearbeitung der öffentlichen Meinung und auf die sehr rnirksome Durchführung eines psychologischen Terrors, der sich mi ollge- meinen von Gewalttätigkeiten frei hielt. Wirkung«- volle Unterstützung erhielten die Streikenden auch von den sozialistischen K o n s u m a n st a l t e n. Der Ottoberstreik hat mit aller Deutlichkeit gezeigt, daß die Konsumanstalten als -.weil« Linie der Kewerkschasten im'Arbeitskamps austreten. Das starte Unisichgreifen der Konsumvereinsvewegung muß deshalb vom Arbeitgeber im Bergbau in Zukunft aufmerksam verfolgt werden." Der organisierten Bergardeiterschast wird hier eine gegnerische Anerkennung gezollt, die ihnen zeigt, daß sie gut daran taten, sich der gewertschastlichen Führung anzuvertrauen urch die kommunistischen Parolen unbeachtet zu lasten. Der Hlnwri» auf die Konsurngenoss enschasten muß sie anspornen, nicht nur in gewerkschaftlicher Bc- , I e h u n g ihre Schuldigkeit zu tun. auch den letzten Gelben dem Verband« zuzuführen, sondern auch olles daran zu setzen, daß unsere Konsumgenossenschaften noch mehr er- starken. Di« Arbeilgeber im Bergbau werden dann„das stark« Umsichgreiseii der Lonlumsocreinsbcwegung" auch weiterhin beob- achten können. Jeder Arbeiter, der seinen Bedarf im„Konsum" deckt, kann sich einen guten Rückhalt in Gestalt«mos Kontos sichern, so daß es ihm während der Zeit eines aufgezwungenen Streiks oder einer Aussperrung möglich ist, wochenlang sei»« Lebensmittel zu bezicheo ohne einen Pfennig Bargeld, durch einfache Abschreibungen von seinem Konto. Im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau sind in der Der- besierung der Lohn, und Arbeitsbedingungen weitere Fort- schritte dringend notwendig. Wo bleibi die geistige Umstellung? Die.Llllgemeine Aukamobii.Zelwng" berichtete am 24. Dezember 1927 über eine Jubiläumsfeier bei der Daimler-Benz A. G„ Untcrtürckheim. Für Zöiöhrigc Dienstzeit erhielten drei Meister, drei Arbeiter und ein Kalhllaticmsbeamter die Sönig-Sarl- Zubiläumsmedaille. Das ist offenbar die höchst« Auszeichnung. die dies« Firma zu verleihen geruht denn die Jubllare mit Wjähriger Dienstzeit müsicn sich mit Ehrenurkunden begnügen. Wenn die Daimler-Benz A.-G. m technischer Beziehung ebensoweit zurückgeblieben wäre, wie c? aus sozialem Gebiet« ihre König- Karl- Jubiläumsmedaille bekundet, dann wäre sie längst in Konkurs geraten. � Schließlich rächt sich aber nicht nur Rückstäudigkeit in technischer, sondern auch die Rückständigkett in sozialpolitischer Hinsicht. Und eben daran krankt unsere ganze „Wirtschaft", daß die geistige Umstellung mit der technischen nicht Schritt gehalten, sondern weit dahinter zurückgeblieben ist, so daß die ganze Rationalisierung der Velriebc in Deutschland eine Halbheit ist. Sie erhöht zwar die Profite, allein sie verschärft ungemein die Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit. Die Kultivierung der aus dem patriarchalischen Arbeitsverhältnis überkommenen Methoden wirkt um so lächerlicher, je stärker der einzelne Betrieb von der kapitalistischen Konzeniration ersaßt ist. Die wie setzt bei Krupp um ihre Pensionsonsprüche geprellten Arbeitsinvaliden, können«in Dutzend von Jubliläumsmedoillen und Ehrenurkunden nicht satt machen. gesinnt" und darauf kommt es den Geldgebern an. Für sie aber, für das Unternehmertum, ist es bezeichnend, daß solche Spekulationen möglich und alltäglich geworden sind. Zm Zeiche« der„Wertsgemeinschast". Zweifelhafte Existenzen nützen die Konjunktur. Das Unternehmertum gerät mehr und mehr in einen unlös- boren Widerspruch zu der EnttvicLung der gesellschailtichen VerHälrniisc. Der Boden der privalkavitalistischen Wirtlchastsweise gerät ins Wanken. Die Furcht, den Arbeilsrn und Angestellten außer anständigen Lohn- und Arbeiisbedingungen auch ein gewisses Mitbestimmungsrecht einräumen zu müsien. hat bei einem Teil des Unternehmertums bereits geradezu potholgischc Formen angenommen. Höchst interesiaMc und wertvolle Aufjchlüsie darüber könnten uns die geschäftlichen und pnvaten Ausgab.nlvntos geben, die uns zeigten, welch« Summen alljährlich für..nationale Zwecke' aufgewendet werden, von der Finanzierung der reaktionären Parteien angesoiigen bis hsrob zu den schmierigsten Strcikbrecheroermittlern. Aus seine Streitabwehrkassen allein, verläßt sich das Unternehmertum nicht mehr. Es gibt für olle möglichen und unmöglichen Spetulallonen Unsummen von Geld her. die ihm irgendwie geeignet erscheinen, den Gong der. Eutwicklrlng auszcchalten oder doch ihn zu verlangsamen. Sein Schwindel scheint zu dumm und zu plump, als daß nicht doch etliche Unternehmer darauf hineinfallen, in der Sucht, sich mit ihrem Betriebe irgendwie gesundbetcn zu lassen. Ein« aanze Menge von Schmorotzerexistcnzen macht sich diese Furcht und Such» zunutze, mit gutem Erfolg. Was auf diesem Gebiete olles möglich ist, zeigt«in aus einem gelben Papier gedrucktes Zirkular einer Gesellschaft, die sich als„Deutsch« R ot h i l f e, Verband nottonalgesiviiter Arbeiter" ausgibt und sich mit einer ganzen Reihe weiterer Titel oersehen hat, wie„Rational- verband für Industrieschutz und Bekämpfung des Kommunismus'/ „Zentralstelle für Indisstrieschutz",„Auskunslsstelle über Arbeit- nchmer" usw. Für den..Borstand" zeichnet als 1. Vorsitzender ein Fritz Witke. Berlin R 39, Seiler st rage 34, der feine Bureauzeit von 2— 6 Uhr, außer Sonnabends und Sonntags, gelegt, seine.Llrbeitszei!" also- auf 20 Stunden in der Woche verkürzt hat. In seinem-Zirkular macht dieser Will« einer..sehr geehrten Direktion" die wetterschünenrde Offenbarung: „Seit longer Zeit schon rüsten die sogenannten roten und freien Gewerkschaiten im Verein der Kommunisten zum Komps gegen das Unternehmertum. Unsere Ausgabe ist es, all« lln- organisierien aufzuklären und in unsere Reihen einzureihen— in alle Betriebe Vertrauensleute von uns unterzubringen, um somit gegen jeden unberechtigten Streik gerüstet zu sein— sowie Streiks mit politischem Charakter zu brechen Helsen Sie uns bei unserer Arbeit!", Nach dieser Einleitung kommt Fritz Wilke.zu dem Schluß: ..Die von den geringen Beiträgen unserer Mitglieder vor- handencn Gelder reichen nicht au». einen wirksamen Kumps gegen diese Slre!4vrgan!sattonen zu 'ührcn, warum wir Sie um Ihre gü-tige Hilfe bitten. Unter Benutzunq anliegender Zahlkarle wollen Sic uns bitte sofort Ihre Beiträge übersenden. Sonst sederzeit zu Ihren Diensten zeichnet mit Deutschem Gruß.. Wir zweifeln nicht daran, daß dieser Wilke mit seiner Gründung einigen Erfolg hat, trotzdem er in seiner Bettelei sich ebenso un- beHolsen zeigt als in seiner Schreibweise. Er zeigt sich als„gut- Die früheren Arbeiter der Zinna Industriebau Held u. Zraockc Aktiengesellschaft werden daraui aufmerksam gemach», daß d>« Ausstellung der Lohnstcuerbescheinigungen für 1927 jetzt nyr noch an den Tagen Sonnabend bts Mittwoch jeder Woche vorgenommen werden kann. Die Beschetmaungen werden auf mündliches oder schriftliches Ersuchen den einzelnen Arbeitern zugestellt. Der Betriebsobmann. Fritz Sommer. INann über Vord. Der Gcwerkschastssekretör August Ku per vom Deutschen Bauxewerksbuird in Osnabrück ist nach Unter- schlagimgen flüchtig geword-m. Es handelt sich bei ken Unregel- Mäßigkeiten um eins Summe von 900 Mark. D'e Unvegelmoßiakeitcn erfolgten dadurch, daß Kuper sich andere Beitragsmarken anfertigen ließ. Sport. Die Itaxkäxnpke im Sportpalast. Europameister seh ah und R«hnirnkampfe. Das Holle sich weder Europameister Schmeting noch sein Herausforderer B o n a g l i o gedacht, daß bereits noch 2 M in u•» ten ,30 Sekunden die Entscheidung fallen würde. Ein»msang- reicher Apparat war für den Kamps um die Europa- ichcr Apparat war tur den Kamps um oic esurvpo-- ... e i st e r s cha s r im Halbschwergewicht aufgeboten worden: �.er Italiener hatte Sekundanten, Pfleger und Manager mllgebracht, die italienische Boxsportbehörde sandle einen Delegierten, Ringrlch er war der Schweizer Dcvernaz, dazu kamen die deutschen Männer de« Sportes. Blumensträuße regnete es schon vor Beyimr des Kampfes, der aus jeden Fall schon wegen feiner Bedeutung«in Sensationskamps geworden wäre— und nun tot Schmeling diesen Aufwand in zweieinhalb Minuten ob. Bonoglia führte sich schlecht ein. Einige Gcnickichläge per- lcherzten ihm von Ansang an die Sympathien der Besucher. Plein n. Zischen, Rausrufe ccholcn durch die Halle. Eirt:n Sekundenmomcnl läßt er das Kinn ohne Deckung, da ichietzt Sck'meiings Rechte vor. und ein Muster-innbaken streckt den langen Italiener platt zu Boden. Rasender Applaus»ür Schmeling. Im E I n l c! t u n g- k a in p f deckte der Bertincr 5) a r t k o p p de« Frankfurter Faust mit Schlägen zu: haushoher Pnnktüeg für den Berliner. Der Neger Liggst siegte in vier Runden knapp über Waiter-Berlin, und Federgcwichtsmejster N o a ck halle schwere Arbeit mit den, Franzofen Gay, der trotz erheblicher Au�enverlcstung seine acht Runden durchstand. Noeck hatte sich den Sieg leichter gedarbt. In der E n da u s s ch- i d u» g um die deutsche M>» t e l g c w i ch t s m e i st e r s ch a f t lieferten sich Hers« und Ki a usch ein hartes Treffen. H:rsr war das Tempo, das Kiamch vorlegte, ostensichtlich zu lcharf: er hielt aber durch unk» konnte feinen Gegner in der vierten Rund« io scharfe(Sesichtsschtäge geben, daß die ■Merzte zur Aufgabe rieten. Hers? mutz sich nun mit Domgärgen um die Meisterschaft auseinandersetzen. Die französischen Farben zu retten, blieb dem ausgezeichneten Bantamgewichtler G l e i z e s vorbehalten. Der flinke Berliner So hl er wurde durch die kurzen, aber präzisen Schlogau-btüche seines Gegner? in den vier Runden lchwer erichüllert. Die Wund« am linken Auge aus der ersten Runde beeinfluß«« Ihn für die folgenden erheblich. Das Zerstörungswerk beendete dann der Franzose in der vierten Runde mit zwei leichten Seitenhieben, die Kohler auch zweimal zu Boden brachten. Beim zweitenmal warfen dann seine Sekundanten das Handtuch in den Ring. Theater der Woche. Dom S. bis 16, Januar. ««rUWiae. Xhnter»»«Ll-wpl-S: 8„ 10, U.??.. 1«.. td. Mava ist Mann. S., 1« Sinkcmaniu?!>««.:«» am Kch>l!>>aaeidammi Schieber!>ee Nittnn». ZZ»! o-ührater- iaf Samel gebt burch S-abeliidr.— Dxt am $100»ei Siepablil! i. der Jüc.fterjingct. 9. Ter Lutz. 19. Der. Kaft.a!ch!i,.cb. 11., II. Ion frotKinnl. 12. choffmanro chrzibiunzen. 1,9. Klerle» Llcmpcwr. tloniert. 15. Sllftolftto. 16. Ter tzrellchlltz.— SlndUIch» Oper, Ubarlattenbi-'z: 8. r«?(RlärfdKii be-> Eremiten. 9. l-tc Freischütz. 10. Dir.zoitborfiült. U.«leltto. 12. äRawon. IS. Pclleos unt> Melisanbe. lt. Ttt fliegrnbe{Ol- Idnfeff. Ii Ein Mosk.nkiall. 16. SuMiuTt— Schnnsplelban» am tetationntn- «»rtt: 8., 9., IS., 16. Laufmann«NN Bencb.q. 10.. lt. D-Nihcstlca. u.»Opern- ab-neg?arb!er von Ten lla 12 glvrian Seycr. lh. Opcrnab.-nb) jZra D ana 0. — Schiller-Theotcr, Ebarlotleabarg: 8., 18. übarlev». ante. 9., 10.. lt. Woz'-l. U. GcschMlslcr: Der zerbrochene Lrug. 12. Musik. 18,, 16. Weh dem, ber Iilat. — Drntiche« Tteoier.- Peer Kant. Laauncripielei Bran�.Ezprctz. � Di« ftotartiic: Die Ehe ron Welt.— Theater au Stollen bortplatz: iefpatin.— Theater in»er Löni�arätzer Strotze: Schlotz Wettersteia.— Lamebienhnnr: Sokuopokus.- E.rotze» Setaaipiclhona: Madame ramvadour... Theater bep Wcsien,: MOnchdauteno letzte L'ebe.- Louise« Pprr: ANe? Nacht!— Deutschra Lanktler.Ideatrr! Evelnn».— eaftspielbaao: Unter ctzc'chüftzoittücht.— Ctfl'aa- Theater: ZZj? 12 Echinbe"Hannes. Ab 13.?»s» ZZernb— Theater am Lnr- (nrürrhamm: Sei uns um dir GebachtnisUrche rnrr.— Sl»6ben,.TK»>., Dl. Der fr übliche Deinberc,. 19.. 18. Dell.«Itbetm N Getzte: u'w. II., 11.. IS.. 16. chkarleas Dante.— Tch lebraet-Theat-r Dtetzlitz, Die ch«ifha.— Iheat-r in» ?d--irolsaolai«: Wann und Wo!— Wintertzoetea: Vat'ete.— Se-ta: Inier. nafonate» Dariete— Z!e!ie»ballea.Ihea!«r: Stettincr Sünger.— Theater am icotttaffer Tor: Elile-SSntirr. «achmittagsaorstellUaaen. volt-düdne. Zbeate» am»ülom. platz. 8., 13. Laba'e und Liebe. Itzeatr? am Schisfbaaerdamm: 13. ch.arnr Dand'n. Ibal'o.Theeter: 8, 13. Der mutts» Serfadrce.- vper am Dlotz»ee S>«pu»l!t: 13., 18'- Uhr. Der Lutz.— Theater am Aollmh-riplatz! 8., vo-m t'az, II u, Übe. beimmch.- Eeotzc» S�aalpielban,: 8., 15. Madame P ompadour.- Lomlsch» Ojtt: 8., IS. Alle» Nackt!— Theotee am Jhirftrfjcrdamm: 8. bann im Sttllck.- Nevfccpj.IVatcr: 8., 13 Sckün s.ch'n wir au».— Theater in h-.r Lomn-ardantenllrate: 8. Darin« i-nd»er NufaN. 13. cötür-nfried.— Berl aer Ih-ater: 8., 13. Mlillrro. � ttleinr» Tdeoter: 8. Liga,»ie Lakclte.— Nruaissneer Thrntrr: 15. Eine Stunde 2'otofo.— Walbr Za-Ihentr»! 8 DI« Mupmnsee.- Ro'e.Tdratert lt., 15. g-rau Solle.-- Theater ia her Llester» strafe, 8 Schneewittchen. II./ lt., IS. grau Lalle.— Dtealitz: 8., 13. In der Iobann'snacht.- Zdeater tm 1kh'niraI»p-Iofl: 8., 13. Wann lind Wo»— SenTo! 8., It.. 13. Internal'onales Na?-e-e._ DeichebolltN- Iheatre, 8., 15. Strtiincr Sänger.— Theater am Lotttuffcr Tort 8., 15. Elitc.Sängrr._ Serantwoellich für Dollfit: Dr. Eurt Segrr: Wirfschaft: E>. Lliagelhe»«»! Gcwcrlicha»:sdewea»na: I.«tetael! zeuilleton: st. L. Di-chrr: Lokoleo und Sonstfacs: gei» Lorstöd» Unzeiaen Th»loche, sämtlich in Berlin Berlaa: Doewiir's-Pcr ag GmbH Berlin Druck: Dorwärl�Sul' druck re» und Berlaasanftait Baul Singer u Co.. Berlin SD ki Linhenstratzr S L! Tefal-AHSTcrkoil wegen Kündigung l In kurzer Zeit muß das große I.ager geräumt sein! 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