Abendausgabe flr.16 SS 45. Jahrgang Wöchentlich TO Psvmtg.«u>»sFZch 3— Aeichsmort. tm voraus joltfhat, Unter Streifband tm Ln« und Äus» land S.Ö0 Reichsmark pro Monat. La.LonoSas� mtt 6« tflufinet» r«n Sonntagsbetlage»Volk und 3*tf" sowie den Beilaoen.Unterhaltu�tg und Wiften�«Aus der FUnuvelt� .-Stodtbeilafle�.Frauenstimme�. .La Kinderfreund�..Vuyend-Vrr» wörts".Blick w die Düchenveit". .Kulturarbeit' and Technik* erscheint wochentäglich zweimot. SanniLgs und Montags einmal p- Berliner volSsblatt Dienstag 10. Januar 1.928 1V Pfennig tt» alBtpaltlf IRon�aitiSrjrßi SO eftmtlg. Wfflanifjttl. 5.— Reich» »arl.SUtbu«njrigeB" d»» ien,» fruit. Won 25 Pfennig cjulölfig zwri (i'ög. fruit. Sßortt), tefes mrittr. Won 13 PKnmq. El.ll«ng.Iuch. 605 rHu Wort 15 Pfennig(«bn mcfttr. W°ri 10 Pfennig»ort. üb« 15 Duchftodro i-ihle» für zw« Won. arbeiisniurfi Z.U. 60 Ht.nnlg. FamiN.nonz.>g.n fäi Abonu.«.n A«U. 40 Sf.nnlg. ÄuzNA.». ounohoi. Un qaxptg.Ichöfl Sinb«. (ttOB. Z, woch.ntügl von«>/, dio 17 Übt. Äenttawrgan der Sozialdemokratischen HSavtei Neutschtands Redaktion und Verlag: Berlin SW b8. Lindenstraße 3 N.:nsvr«i>.r: Vönhoss RZ— 297 T«ligramm-Zldr.:©ojioXbemoItat BeiNn Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Vom'-de-kloiito: Bcrli» 57 526. Baullsmo: Bank der»rbriler. Ang.stelli.n und«eomiui Wallstr.«. Ditkonio�Zelcllschaii. D-posilciikass- Lindcustr. 5 Feierschichten und Lleberstnnden. Die RuhrinbustrieNen suchen einen Konflikt. Bochum. 10. Zaoucrr.(Eigenbericht.) Nachdem der Zlrbeilszcilkonslltt in der Metallindustrie, Nordwest- liche Gruppe, im allgemeinen als beigelegt bezeichnet werden kann, scheinen neue Arbeilszeitschwierigteite» im Ruhrbcrgbau bevorzustehen. verschiedene Zechenverwaltungen, u. a. die zu der ver. einigten Stahlwerke Zt.-G. gehörigen Im Dortmunder Heuler gelegenen Zechen Minister Steln und Scharnhorst sind an die vclriebsräle mit dem Ersuchen herangetreten, sich ein- verstanden zu erklären, daß aus Grund des 8 Z der Zirbeitszeitverord- nung vom 16. Zuli 1327. nach der es den Unleroehmei n überlassen ist. ersorderlichensalls bis zu ZO Tagen Im Zahr zwei lieberstunden versahreu zu lassen, lleberorbelt angeordnet wird. Zwei- w y l in der Woche soll eine vierte Schicht(zwei Stunden mehr) verfahren werden. cheute mittag sollte das Urteil im Prozeß Tresrkow-Ba- d i tk c verkündet werden. Noch vor der Verkündung wurde bekannt, daß die gestrige Zlbcndsitzung einen ganz»nerwarlcten Abschluß gesunden hotte. Obgleich der Beschluß, die Oesscntlichkcit auszuschließen, allein aus die Plädoyers Bezug nahm, wurden außerdem unter Ausschluß der Oefsentlichkeit die Zeugen Rornenumn. Mahravn und v. Bredow vernommen. Diese unerwartete Dernehmung hotte zur Folge, daß Rechtsanwalt Kiintz Wiedereintritt in die Bcweisausnohme beantragte und ein« Reihe Beweisanträg« stellte. Im ersten Antrag beantragt Dr. K u n tz die Bernehinung von Staatssekretär Weißmann und Mtnisterialdirektor Abcgg darüber, daß im Jahre 1926/26 im preußischen Innenministerium w-ederholt Meldungen eingegangen sind, daß im Kreise Königsberg (Neumark) Putschabstchtcn bestanden haben, daß ferner im Inland und Ausland längst bekannt sei, daß damals solch« Formationen bestanden haben. Ferner soll ein Komtur des Jungdeutschen Ordens darüber xe- dm werden, daß dieser Komtur alles, was v. T r« s rf o w dem G.neralleutnant o. Salzenberg mitgeteilt hat. bereits längst von dem Vorgesetzten des Majors Badicke, dein General a. D. Teschner, eriahren habe. Der dritte Antrag nimmt Bezug auf die gestern vom Sachver- ständigen v. chammerstein ausgestellte Behauptung, daß zwi- schen den politischen Bereinigungen und dem Reichswehrministerium überhaupt keine Berbindungen bestanden hatten. Der Führer des Werwolss Kloppe» des Stahlhelms Scldte und des Reichsbanners chörsing sollen darüber gehört werden, daß zwischen den vaterländischen Derbänden und Bereinigungen und dem Reichswehrminislerium ständige Fühlung unterhalten worden sei. General S e e ck t und Major K u mm er v. Speck sollen als Zeugen dafür geladen werden, daß Generalleutnant v. Salzcnbesg entgegen der Behauptung des Sachverständigen des Reichswehr- Ministeriums v. chcmmcrstein tatsächlich der Bertrauensmann des Iungdcutichen Ordens lm Reichswehnninisterium gewesen sei. In seinem letzten Antrag fordert Rechtsanwalt Knntz, daß die Vernehmung der Zeugen Bornemann, Mohraun und des Obersten v. Bredow, die gestern in nichtöffentlicher Sitzung statt- gesunden hat. heule In üsseaklicher Sitzung wiederholt werde. Um>51 Uhr wurde die heutige Sitzung eröffnet. Die Ber- trcter des Beklagten Majors Badicke fehlen. Rechtsanwalt K u n tz wiederholt mündlich seinen Antrag, die Zeugen v. Bredow Bornemonn und Mohraun in öskentlicher Sitzung zu ver- nehmen. Die Strafprozeßordnung schreibe ganz bestimmte Bedin- gungen vor. unter denen der Ausschluß der Oefsentlichkeit vor- genommen werden kann. In diesem Falle habe sich der entsprechende Beschluß des Gerichts allein aus die Plädoyers bezogen. Rechtsanwalt Kuntz erklärt sich mit einer Vertagung einver- standen, da die Vertreter des Beklagten nicht zur Stell« sind. Der Dorsitzendc hält jedoch eine Vertagung für überflüssig. Er zieht sich auch nicht zu einer Beschlußfassung mit den Schössen zurück, sondern verkündet sosort. nachdem er sich nach links und nach rechts zu seinen Schössen gewandt hat, den Beschluß des Gericht», die ge- nannten drei Zeugen noch einmal zu oernehmen, doch während Die Vergorbeiterverbände vertreten die Zlussassung. daß zurzeit keinerlei Notwendigkeit für Ueberarbeit im Berg- bau bestehe. Sie verweisen bei der Begründung diese» Standpunktes aus die Feierschichten im Bergbau und aus die immerhin noch relativ hohe Zahl der Erwerbslosen im Huhrrevier. Der Deutsche Bergarbeiterverbond hat die Belegschaslea angewiesen, da» Ueberorbeitverlangen der Zechenverwaltungen abzulehnen. da weder eine gesetzliche noch eine vcrkraglichc verpslich- tung zu dieser Ueberarbeitslcistung vorliege. Es bleibt abzuwarten, ob sich aus der Weigerung der Bergarbeiterorgonisationen. lieber- standen verfahren zu lassen. Komplikationen ergeben werden. Man hat bei dem völlig haltlosen Ansinnen den Verwaltungen der dea Schwerindustriellen gehörenden Zechen den Eindruck, als suchten die Industriellen einen Konflikt geradezu bei deo Haara, her. beizuzleheu. nachdem ihr Anschlag in der Großeisenindusirie selbst mißlungen ist. dieser Bcrnehmung wegen Gefährdung der Staatssicherheit die Oefsentlichkeit auszuschließen. Die Berichterstatter verlassen de» Saal. Noch dem Abschluß dieser Vernehmungen wurde die Oefsentlich- keit wieder hergestellt. Rechtsanwalt Dr. Knnh trögt nunmehr sein« Beweisanträg« mündlich vor. Zreispruch! Am'43 Uhr verkündet das Gericht das Urteil. Das Urteil der erste« Instanz wird aufgehoben und der Angeklagte freigesprochen. Die Kosten des Verfahrens werden dem Privatkläger auferlegt. Reichsbannerkamerad ermordet. Von einem angetrunkeuen Landwirt. Osnabrück, 10. Januar. In dem Dorfe Wulften geriet dos Mitglied des Reichsbanners. U n l o n g, in politische Meinungsverschiedenheiten mit dem Landwirt Beule. Die beiden besanden sich gemeinsam aus dem Heimwege und diskutierten sehr lebhast über politische Fragen, wobei der angetrunkene Beule in immer größere Erregung geriet. Als die beiden vor der Wohnung des Landwirts Beute angekominen waren, ltcf Beule in das Haus, nahm eine Jagdflinte von der Wand und schoß hinter Unlang her. Eine Schrotladung traf Unlang so unglücklich, daß er t o t zusammenbrach. Der Landwirt Beule wurde verhaftet. V erifagsverlängerung Rom-Belgrad. 'Zeitgewinn für neue Verhandlungen. Wien, 10. Januar.(Eigenbericht.) Die Frist zur Kündigung des Frennbschaftsvertrageä zwi scheu Südflawie» und Italien ist um sechs Monate verlängert worden. Ter Vertrag, der am 27. Januar ablaufen sollt«, hat seine Rechtskraft bis zum 27. Juli behalten. In diplomatischen Kreisen wird angenommen, daß in der Zwischenzeit neue Verhandlungen zum Zwecke einer endgültigen Verständigung zwischen den beiden Staaten vorbereitet werden. Mussolinis Waffen für Ltnruhestister. Französische Mitteilung über Transporte nach Bayern. Paris. 10. Januar.(Eigenbericht.) Wie die„Bolontee' mitteilt, hoben italienische Wafsensabriken unter stillschweigender Duldung Mussolinis schon in den ganzen letzten Iahren Massen an alle Unruhestifter in Mitteleuropa ge- lieleit. Im Dezember 19?.? sei auch einmal ein Transport von elf Waggons kleinkalibrigcr Geschütze und Maschinengewehre in Rosen- heim in B o y e r n entdeckt worden. Die LItsauiigeii. die als Fleischkonserven deklariert waren, seien sür die rechtsradi- kalen bayerischen Geheimverbänd« bestimmt gewesen. Sie seien ohne Aufhebens wieder über die Grenze zurückgeschafft worden. Landesverrat. Oer„Fall Zelfin", die„Landesverteidigung" und die „drohende Kriegsgefahr". Von Polizeioberst a. S. Schützingcr. Die Verhaftung des ehemaligen R i t t m e i st e r s Zeltin auf Veranlassung des Oberreichsanwalts in ham- bürg hat crsreulicherweise die Diskussion über die geradezu ungeheuerliche S p r u ch p r a x i s des Reichsgerichts auf dem Gebiete des Landesverrats und dem drohenden. gemeingefährlichen„Ausbau" des Landesverrats- Paragraphen im neuen Strafgesetzbuch in Fluß gebracht. Diesen„Fall Zeltin" kenne ich zufällig aus meiner amt- lichen Tätigkeit recht gut, da sich Rittmeister Zeltin im Com- mer 1923 um den Eintritt in die sächsische Landespolizei bewarb. Zelt in ist der Dap des durch den militärischen Zusammenbruch aus der Bahn geworfenen Offiziers, dem die Rückkehr in einen bürgerlichen Beruf wie Zehntausenden von anderen Berufssoldaten nicht so leicht mehr gelang. Ei« etwas abenteuerlicher Mensch, der in den baltischen Nach- kriegswirren eine militärische Existenz zu erringen hoffte und dann als lettischer Truppenkommandeur durch allerlei Um- stände, an denen er sicherlich ganz unschuldig war, in Gefechts- Handlung mit den baltischen Weißgardisten geriet/ � Seitdem ist Zeltin„alias Goldfeld"— wie ihn der „Fridericus" nennt, eine in„nationalen" Kreisen bestgehaßte Persönlichkeit! Jeder Aufsatz, jedes Interview des weit- gereisten, betriebsamen Soldaten wurde in der Rechtspresse mit einem Trommelfeuer von Verleumdungen und Schimpfe- reieu quittiert, so daß sich jeder politisch Geschulte jagen mußte: Hollo— hier soll ein politisch mißliebiger Offizier, der offensichtlich aus der Reihe der Weißgardisten und Konter- revolutionäre getanzt ist, systematffch infamiert und nach berühmten Mustern„umgelegt" werden. Als die Herausforderung des Hamburger Großkaufmanns Carlos Schmidt zum Beleioigungsprozeß vor einem Hani- burger Gericht schmählich mißlingt, bringt man schwereres Geschütz in Stellung und attackiert den verhaßten Offizier über Reichswehrministerium und den Oberreichsanwalt hin- weg. Zeltin habe— heißt es— im Dienste der lettischen Regierung während des offenen Kriegszustandes gegen Deutschland gekämpft und dadurch den Tatbestand des voll- endeten Landesverrats erfüllt! Selbst wenn es wahr sein sollte, daß die lettische Regie- rung, als ihr unter der Kriegsbeute der geschlagenen Aoatofs- Bermondt-Armee zahlreiches deutsches Kriegsmaterial in die Hände fiel, in der ersten Empörung darüber eine Verordnung erließ, daß sie sich nunmehr als im Kriegszustand mit Deutschland betrachte, so weiß doch jedes politische Kind, daß dieser sogenannte»Kriegszustand" niemals effektiv geworden ist und daß die Reichsregierung nachträglich leoliche Gemeinschaft mit dem Baltikumabenteurern abgelehnt hat. Trotzdem dieses Untersuchungsverfohren und dieser Haftbefehl! Nur wer die Zusammenhänge beim Entstehungsprozeß eines derartigen„Landesverratsvcrfahren" kennt, weiß, wie eine derartige Tollheit möglich ist! Die„Anzeige" wegen„Landesverrats" erfolgt bekannt- lich immer von irgendeiner aus irgendeiner„vater- ländischen" Clique vorgeschobenen Person. Der in Frage kommende Senat des Reichsgerichts benötigt nun zunächst— meistens vor Einleitung des Er- mittlungsverfahrens ein„Gutachten", das ihm die „ R e ch t s a b t e i l u n g" des Reichswehrministeriums liefert Hier aber liegt der Schlüssel zum politischen Miß- brauch des Landesverratsparagrophen! Unter der Maske der militärischen Sachkenntnis wird von dieser Stelle aus jedes irgendwie juristisch vertretbare angebliche LtHidesverratsdelikt Zum Hoch- und Staatsver- brechen aufgebläht Herr Dr. Geßler ging ja sogar soweit, den Senatspräsidentcn am preußischen Äämmergericht, D r. Freymut h. wegen öffentlicher Brandmarkung der schwarzen Reichswehr beim Kammergerichtspräsidenten und mich selbst wegen eines Aufsatzes, der die llmbildunjj der .Heeresleitung" im Rahmen des Reichswelirmintsteriums forderte, bei der sächsischen Staatsregierung des„Landes- Verrats" zu beschuldigen und ziemlich unverblümt die Dienst- entlassung zu fordern! Diese Landesverratspraxis des Reichs- w e h r m i n i st e r i u m s hat sich in den letzten Jahren zu einer das politische Leben derart vergiftenden Einrichtung ausgewachsenen daß es sich immerhin lohnt, mit der Militär- technischen Seite dieser Justizmisere auseinander- zusetzen. Im Jahre 1913 gab es 18 wegen„Landesverrats" rechtskräftig verurteilte Personen, im Jahre 1926 dagegen — 523! Hier scheint also auf dem Gebiet der deutschen „Recktsnot" eine Spezialpslanze gezüchtet zu werden, die eine gründliche technische Durchleuchtung verdient! Was gab es ihm Jahre 1913 zu„verraten"? Mancherlei: Aufmarschpläne, Mobilmaäiungsvrders, Grenzschutzmaßnahmen. Festungsplane, Großkaliber. Flugzeug- Freispruch im Tresckow-Prozeß. Ein politisches Tendenzurteil. kgmben, Nahkampfmittel usw.! Dabei war jede Einzelheit sitr den feindlichen Nachrichtendienst von größter Bedeutung. da z. B. die Länge der Bahnrampen, die Zugfolge im Eisen- dahnaufmarsch oder die Mobilmachungseinteilung selbst der Reserve-. Landwehr- und Ersatzregimenter für das Gesaint- bild des feindlichen Aufmarsches von größter Bedeutung war. Die 18„Landesverräter' von 1913 hatten also immerhin einen riesigen Fragenkomplex an den Mann zu bringen, der damals, als die Kriegsspannung bereits Siedegrade erreicht hatte, von astergrößter Bedeutung war! Was gibt es dagegen'l 928zu..verrate n"? Viel weniger, als der Laie denkt! Mobilmachung? Kommt praktisch gar nicht in Frage, da nennenswerte, gefechtsbrauch- bare„Ergänzungsfonnationen" gar nicht aufzustellen sind. Grenzschutz? Der vollzieht sich nach demselben Schema in jedem Land! Es ist also ganz belanglos, wenn die „Weltbühne" oder die„Menschheit" ein Schriftstück von irgendeiner angeblichen Grenzschutzformation publiziert! A u f in a r s ch p l a n? Gibt es in der politischen Lage, in der wir uns momentan befinden, überhaupt nicht. Die Zahl der„Varianten" wäre heute so groß, daß sich der Generalstab besser auf den gesunden Menschenverstand verläßt! Mit einem mündlichen.Kriegspiel" von zwei Stunden ist alles Erdenkliche getan! Festungen, Großkaliber, Kriegsflugzeuge und Gaskampfwoffen in Massenfabrikation? Gibt es natür- lich nicht! Wirklich streng geh ei ni zuhalten sind— meiner Ueberzeuguna nach— bei der augenblicklichen militä- rischen Lage Deutschlands, die zweifellos sehr prekär ist und nicht mit den Methoden der pazifistischen Ultras zu meistern ist, lediglich Konstruktivnspläne für Geschütze und Flugzeuge und chemische Präparate für Gaskamps und Gasschutz— Dinge, die man in einem Generalstabsbureau und in einem Laboratorium sehr gut verschließen kann! Alles andere, was die 523.Landesverräter" im ?ahre 1926 angeblich»erraten haben, ist entweder dummes Zeug— oder grober Unfug— oder die Justiz ist ein politisches Kampfinstrument, um den inner- politischen Gegner niederzuringen oder aus dem Wege zu räumen! Im übrigen arbeiten neuerdings das Reichswehr- Ministerium, das Reichsgericht und der Straf- rcchtsansschuß des Reichstags Hand in Hand, das La n desverrat sdclikt zu einem politischen M a ch t i n st r u m c n t der Wehrmacht und der Justiz gegen das friedensbereite, republikanische Deutschland auszubauen. So erklärte ani 9. Januar 1S2K der Staatsrechtslehrer der Universität Berlin, Professor K o h l r a u s ch, auf einem Disknssionsabend der Berliner Juristischen Gesellschaft den Grundsatz von„Rolwehrrecht des Staates" auch gegen den Ven'ailler Vertrag als Leitsatz der Landesverratsspruch- praxis des Reichsgerichts. Der Ebermayers che Kommentar zum Landesverratsparagraphen stellt dagegen jeden„ausdrücklich oder stillschweigend gemachten Vorwurf, die deutsche Regierung wisse, dulde oder fördere entgegen den in Versailles über- nontmenen Verpflichtungen derartige Zustände--" unter Strafe und die Re i ch s g e r i ch t s e n t s ch e i d u n g vom 6. April 1927 bedroht jede antimilitaristische Betätigung als . Zersetzung der Reichswehr", die regelmäßig eine„ehrlose Gesinnung" zur Voraussetzung habe, mit Zuchthaus. Der künftige Landesverraisparagrap.h sss 95) des im Schoß des Strafrechtsausschusses des Reichstags ruhenden Strafgesetzbuches aber geht noch weit über die Landesverratspraxis der Kaiserzeit hinaus und bedroht jedermann mit Zuchthaus, der.in Beziehung auf einen drohenden Krieg" nach Auffassung des Reichsgerichts, „der Kriegsmacht des Reiches einen Nachteil zufügt". Dabei wissen die Herren sehr wohl, daß man mit diesem Rechtsmittel jede politische Persönlichkeit aus dem Weg räumen kann, die sich dem Wahnwitz einer neuen Kriegspsychose mit den besten Argumenten in den Weg zu Der Bohemien. Äon Maria Zierer. An einem Nachmittag brachte mein Mann ihn vom Cafe mit nach Haufe. Ich hatte Ihn oft zuvor auf der Straße gesehen, und sein zerfallenes Gesicht hatte mich interessiert, trug es doch zuweilen einen Ausdruck van Genialität. Sein Anzug war abgetragen, zu groß, vernachlässigt: die rechte Tasche ausgebuchtet als ständiger| Stützpunkt für den Arm, unter dem eine dicke Mappe steckte. Welt- lern, halblaut redend, gestikulierend, den Oberkörper leicht vor- gebogen, ging der etwa Merzigjährige seines Weges. Mein Gatte glaubte, einen Schachporlner in ihm gefunden zu haben. Gleichsam auf flacher Hand trug der Fremde uns entgegen, daß er ein Bohemien sei, mit den angeborenen Allüren eines Grand» seigncurs. Haß gegen das Bürgertum, Hochmut gegen die Sklaven- dienste des Arbeiters beherrschten ihn, und jein sanatischer Eiser riß mit, wenn er klarlegte, wie dem arbeitenden Volk« vom Staate. der seine Verpflichtungen nicht kenne, geholfen werden müsse. Man loar überzeugt, daß er bei vorhandenen Mitteln jedem blind geholfen haben würde, und wenn er ein paar Pfennige zu pumpen juchte, »in einen Nachmittag im Cafö oerdämmern zu können, konnte man sie kaum oersagen. Sobald er sich in Begeisterung redete oder auch wenn er aus Dostojewski, Nktke— Däubier vorlas, war fein Gesicht lebendig, fast schön. Ich Höne Ihn einen unproduktiven Schwätzer nennen, jedoch die Zähigtetl, mit der er seinen Träumen, seinem Schönheitshunger nachging, war für ihn nicht unproduktiv. Er nährte sie ihn doch innerlich. Di« völlige Untauglichkeit für das praktische Ueben entsprang ständigen Aengsten. Minderwertigkeitsgefühlen und Mißtrauen und machte ihn lächerlich. Monatelang kam er fast tag- lich. blind dem Impuls nachgehend, aus Mangel an Sonzentrotion, die ihm bereits unerträglichen Zwang bedeutete, machte er völlig konfuse Züge auf dem Schachbrett. Mein Mann erkannte das und lud ihn leise, aber deutlich auf meine Schulter ab. Er redete un- aushörlich und kam von treffenden Urteilen in ermüdende, bissigst« Ironie. Allmählich enthoben wir uns der Mühe, zu verbergen, wenn cr uns unangenehm war. Fühlte er es. ging er darüber weg, zog den Kopf ein, lächelte zerfahren, und fein Gedankengang, der ge- legentllch, ihm unbewußt, laut wurde, war:.Bin ich euch wieder einmal lästig in das Spießertum geplatzt?" Oft war er in schlechter Verfassung. Er hatte einmal eine Frau aufgeben müssen. Mitunter packte ihn die Erinnerung, die Not des Einsamen, dann wütet« er gegen sein zerfahrenes Leben, seiye Feigheit. schädigende Nachlässigkeit und gegen Gott, den er zugleich sehn- lüchlig sucht«. Da saß er, eine lebende Ironie auf die Freiheit seines Daseins: Tränen liefen ihm über das Gesicht, es war wie eine große --°cne Wunde In ihm. die mit der Güte einer Frau vielleicht zu .1 ließen gewesen wäre. Nervös rieb er die Hände, dehnte sich in > Wärme iremder Stuben, bis er wieder in uferlose Ideen versank.! stellen wagt. Ganz gleich, wie die Würfel m der nächsten Zeit im Reichstag fallen— mefas Experiment, den Kasernenhof- stactt Wilhelms des Legten über die Landesverratsjudikatur hinweg wiederauirichteu zu wollen, soll der Bürgerbtock bei den kommenden Wahlen teuer bezahlen! Preußens Landwirischast. Minister Steiger spricht im Hauptausschuß. Im Haushaltsausschuß des Preußischen Landtags führte zunächst der demokratische Abgeordnete Wachhorst de Wenle aus: Zollpolitik bringk dem bäuerlichen Besitz keinen Nutzen. Der Zoll für Mais und Futtergerstc ist viel zu, hoch. Die jetzige Zollpolitik des Laudbundes mit dem lückenlosen Zolltarif ist keine Politik für den Bauernstand. Herr Krüger als Staatssekretär fand gestern nicht den Beifall des deutschuationalen Redners Milberg. Als Regierungspräsident hat sich Herr Staatssekretär Krüger als einer der tüchtigsten Beamten erwiesen und sich die Hochachtung aller Kreise, besonders auch der Bauern des Bezirks L ü n c- bürg erworben. Landwirtschaftsminister Steiger: Im Jahre 1S27 sind 27>XX> Hektar aus dem Wege der Zwangsversteigerungen veräußert worden, und zwar vornehmlich in Ostpreußen, Brandenburg und Niederschlesien. Die Zahl der Fälle von Zwangsversteigerungen ist halb so groß, die Fläche aber größer als 19lZ.(Zwischenruf? Das spricht gegen den Großgrundbesitz.) Die Ernte von 1927 ist mit Ausnahme der Zuckerrüben eine bedeutend bessere. 3n bezug aus Düngung ist l927 ein Rekordsahr. Es sind allein 490090 Tonnen Stickstoff oeyvaicdt worden. Auch die B r o t v e r> o r g u n g ist gesicherter als man annahm. Die Fleischversorgung ist besonders günstig. Die Zahl des R i n d v i e h s ist um 500 000 gegen 1920 ge- stiegen. Die Zahl der P f e r d e hat mit 2 015 000 Stück den Stand der Vorkriegszeit fast erreicht. Die Kuhhaltung wie die MUchproduk- tion ist 1927 wesentlich gesteigert. Der Schwcinebe- stand ha: gegenüber 1913 eine Erhöhung nm 300 000 Stück erfahren. Die Zahl des Geflügels ist 2 Millionen Stück größer als 1913. Die Verschuldung der Landwirtschast ist verhältnismäßig beim Großgrundbesitz und bei großen bäuerlichen Besitzungen stärker als beim Äleinbesitz. Auf dem Anleihewege ist es dem Ministerium gelungen. Auslandsanleihen der Landwirtschajt der ein- zelnen Provinzen günstigere Abzahlungs- und Zinszahlungsbedin- gungen zu vermitteln. So ist die Rückzahlung der O-Millionen- Dollaranleihe an die jchlesifche Landwirtschaft von 3 aus 20 Jahre ausgedehnt worden. Bedacht wurden davon in Schlesien 180 Ritter- guter und 1180 Bauerngüter. Diese allerdings nur mit einem Drittel der Anleihe.(Hört, hört! links.) Zinsverbilligungen staatlicher Kredite kann ich nicht zustimmen. Die im Zolltarif vorgesehenen neuen Zollsätze auf Gemüse(vor dem Kriege zollfrei), Obst, Käse. Butter, Mast Hühner, Pferde und anderes mehr gaben Gelegenheit zu Zugeständnissen unsererseits beim Abschluß von Handelsverträgen. Den Bestrebungen der Wo lt w i r ts cha f t sk o n f e r en z auf Abbau der Agrorzölle kann ich nicht zustimmen.(!!) Wir fördern und müssen viel intensiver fordern den Gemüsebau, die Grünlandbewegung, den Weinbau, die Feldberegnung, die Zu- sammenlegungen und Umlegungen(wobei poch 2 776000 Hektar be- arbeitet werden müssen, was im jetzigen Tempo noch 80 Jahre dauern würde). Hier fehlen mir Beamte. Luch in der Frage der Meliorationen und der Flußvegulierungen haben wir noch große Aufgaben vor uns. Es ist ungeheuerlich, wie z. B. der S ch l e s i s ch e L a n d b u n d die Oesfentlichkeit über die Frage der Meliorationen und die Kam- peienzstreitigteiten Preußens mit dem Reiche irreführt. Zuweilen haßte ich ihn. Wenn ich ihm bedeutete, seine häujigen Besuche schädigen meinen Ruf. forderte er als etwas Selbstverständ- | liehe?, daß ich Geist genug besäße, außerhalb der engen Dürgermoral zu stehen. Hilflos und erbittert empfand ich die Beharrlichkeit seiner Besuche als vampyrhafte Älebrigkeit. Nach einiger Zeit bezog er einen Dachramn. Großzügig wurde von Bekannten die Miete bestritten. Er hatte mich gebeten, dort nach dem Rechten zu sehe». Wie ich aus dein Fenster des kahlen � Ateliers blickte, über Dächer gerade auf die Hausmauer, unter der stch meine trüb«, ereignisschwere Kindheit abgespielt, packte mich die Erinnerung so heftig, daß ich weinte. Äergerlich über mein« Schwäche, besann ich mich wieder. Er war Indessen auf dürstigem Loger gesessen, mit wacher, schweigender Teilnahme und Güte im Gesicht:„Ja— ja," nickt« er,„aieim man aus dumpfen Mauern tomint!" Ich wußte jetzt, daß von derselben Güte, die er suchte, soviel in mir war, daß nranchem Menschen damit hätte geholfen werden können. Früher schon hatte er mir von seiner Jugend er. zählt. Auch seine Erbitterung gegen wohlgeborgenc und ausgeglichene Seelen konnte ich nicht verstehen, wie sein Leben, da sein Ursprung dem meinen glich. Innerlich bat Ich ihm meine UiÄrntd- samkeit ab, denn ich erkannte meine Lebens- imd Willenskraft als Vergünstigung, die nicht mein Verdienst war. Frei werdende Autoren. Die gesetzliche Bestimmung, die in Deutschland noch in Kraft ist, da die römisch« Urheberrechtkonferenz des vergangenen Herbstes noch kein?«ntfck�idenden Beschlüsse über die künstige internationale Schußfrist gefaßt hat. läßt ab 1. Januar 1928 die Werke folgender Autoren aus dnn alleinigen Besitz« der Origmatoerleger und der Erben in den Besitz der Allgemeinheit übergehen: Jacob Burckhardt. Kultur- und Kunsthistoriker in Basel, Berfasser berühmter Werke Über die Kultur und über die Geschichte der Renaissance in Ilasien, vor allem auch des„Eicerone", Anleitung zum Genuß der Kunstwerke Italiens: Wilhelm Heinrich ». Riehl, der als Direktor des Bayerischen Nationalmirseurns starb und Verfasser zahlreicher und sehr beliebter kulturhistorischer und musikhistorischer Studien und verschiedener Novellen war: Emil Rittershaus, einer der begabtesten Lyriker der sogenannten Wupper. raler Dichterschule: endlich Daniel Sanders, dem Deutschland ein höchst gründliches Wörierbuch der dsustchen Sprache verdankt. Unter den Musikern, deren Werk« svsiwerden, steht an erster Stelle Jo» Hannes Brahms, von dessen Werken Breitkops und Härtel in Leip, zig eine kritische Gesamtausgabe angekündigt haben. Ehlncfsa außerhalb Ehioa». D» chinesische Bevölkerung in fremden Ländern beträgt nach einer neuen Statistik, die in der„Ost» asiatischen Rundschau" wiedergegeben wird, etwa 10 Millionen, und zwar befinden sich in Riederländisch-Jndien 1835 000, in Fran- zöstsch-Jndo-Ehina 1 030 000, in Hongkong 445 000. in den Ber- einigten Staaten 150 000. in Burma 130 000, Im Malayen-Archipel 93000, im europäischen Rußloich 71 000, auf den Philippinen ciwa 40 000. in Korea über ,30 000, in Australien rund 20 000, in ! Kanada 12 000. Ein allgemeiner Zriedenspatt. 7tur Schweden und Norwegen rühren sich. Gens, 10. 3a»var. I Oer Geacralsekrelar des völkerboudcs hat von der schwedisch e u Regierung als Antwort aus die Einladung, die da» Sichee- heitskomilec der vorbereitendeu Abrüstungskonferenz an alle Mit- gliedsstaakeu des Völkerbundes gerichtet hat, den Eulwurf eines ollgcmeiuen Schlichtungs- und Schiedsvcrkrogcs erhallen. Der Eutwurf nimmt die Grundsätze des Locatnopakles wieder aus und sieht vor. daß Rechts sireitigkeiten dem Znteruolio- nalcn Gerichishos oder einem Sonderschiedsgericht und po litis 6z e Slreilsälle einem Schlichtungskomitce unterbreitet werden und, wenn der Schlichkuiigsversuch jeszlsckilägt, vom Völkerbund wcilerbehondeli werden, wenn die beiden Parteien rinverstaudea sind, so können noch dem Entwurf auch die Rechtsstreitigkeilen vor ein Schlichtung». komllee gezogen und erst nachträglich dem Gerichtshof unterbreitet werden. Die norwegische Regierung hat ebensalls eine« Entwurf eingesandt, der aus deu gleichen Grundgedanken ausgebaut ist. Amerika verzichtet auf allgemeinen Knegsverzicht? Washington. 10. Januar. Die VerhaMungen zwischen deu Bereinigten Staaten und Frankreich über den neuen Schiedsvertrag machen befricdi- gendc Fortschritte. Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen dürste sich herausstellen, daß man den in der letzten Woche so stark erönerten Lriand-Kelloggschcn Kriegsoerzichtsplan entbehren kann, da der neue Schiedsvertrag alle irgendwie möglichen Fälle einbezieht. Der neue Vertrag unterwirft alle Streitigkeiten mit Einschluß der früher ausgenommenen Streitigkeiten über„Lebens. interessen" und nationaler„Ehre" einem Schiedsgericht: ausge- schlössen bleiben lediglich vier Punkte: 1. Innere Angelegenheiten? 2. Fragen, die einen dritten Staat betreffen: 3. für die Vereinigten Staaten die M o n r o e d o k t ri n: 4. für Frankreich dessen e u r a» p ä i s ch e Bindungen. Aber auch Differenzen über diese vier Punkte dürfen nicht sofort ausgetragen, sondern müssen dem im B r y a n. Vertrag, auf den der neue Schiedsvertrag ausdrücklich Bezug nimmt, vorgesehenen Dcrsöhnungsverfahren unterworfen werden. Man hofft, wenn dieser Vertrag mit Frankreich unterzeichnet ist, ein gewaltiges Netz gleichlautender Schiedsverträge mit möglichst vielen anderen Staaten abzuschließen und für die Länder ohne Bryan-Bertrag dessen Bestimmungen in den neuen Schiedsveetrag hineinzuarbeiten. Zenirumswarnung vor Luther. Frankfurt a. Rt. 10.&iraicr.' Das hiesige Zentrumsorgan die JR h e i n- M a i n i s ch e Bolkszeitung" steht der Gründung des Reichskanzlers Dr. Luther, der sich auch namhafte rechtsstehende Zcntrumsleute an- geschlossen haben, mit Mißtrauen gegenüber. So schreibt das Blatt: Bund der Erneuerung des Reiches haben die Wirt- schostler ein bedenkliches Uebergewicht. Der Name Hans Luthers tauchte nicht zum ersten Male in Verbindung mit Bestrebungen auf. die politische Führung des Reiches den Intercssen der Wirtschafts-- mächte unterzuordnen. Hier sei eine ernste Warnung am Platze. Die„Devoli" schickt uns folgende Berichtigung:„In der Morgen« ausgäbe vom 24. Dezember des„Vormörls" heißt es:„Hu gen» b e r g macht Pcrsonalpolitik". Wir stellen folgendes richtig: Der deutfchiiationale Abgeordnete. Herr Hugenberg, ist an unserem Unternehmen vollkommen unbeteiligt. Wir sind ein rein kaufmännisches Unternehmen und verfolgen keinerlei politische Tendenzen." Der belgische ReutralitSisvertraq sollte vom Gescnntarchiv der britischen Regierung als Faksimile-Postkorte herausgegeben werden. Diese Neubelebuiig der Wellkriegspropaganda unterbleibt auf Einspruch des britischem Außeiiomtes. Hypnose und Rolzucht. In der„Forensisch-Medizinischen Ber- cinigung" jand ei» Vortrag von Gcheimrat Moll statt über „Hypnose und Notzucht". Wer erwartet hatte, von fachmännischer Seite etwas Allgemeines zu jenem Thema zu hören, dürfte enttäuscht gewesen sein, da der Vortragende bei dem Beispiel des Erichstn-Prozesses stehen blieb und den Nachweis führt«, daß— entgegen der Annahm« des Gerichtes— imbediugt ein hypnotischer Zustand des Opfers vorgelegen habe, da nur ein solcher die Eveig- raffe, insbesondere die Erinnerungslücke der Patientin befriedigend zu ertlären vermöge. Leider führte Moll, wie dies ja nachgerade zur Regel in seinen Borträgen zu werden scheint, diesen Nachweis nicht ohne die heftigsten Ausfälle gegen seine ebensalls anwesenden Mitgulachter im Erimsen-Prozeß: Prof. Henneberg und Prof. «trauch, Ordinarius für gerichtliche Medizin an der Universität Berlin. Er warf ihnen mangelnde Sachkenntnis auf dein Gebiet der Hyonose vor, zu der die Herren sich nichtsdestoweniger in diesem schwierigen und heiklen Fall vor Gericht geäußert hätten. Dies fährte zu einer sehr fruchtbaren Aussprache, die deu positiven Teil des Abends darstellte und auf gröbliche Mißstände in unserem Sachverständigenwelen hinwies. Moll erklärt«, den Hirschberger Prozeß nur deshalb aufgerollt zu haben, um der künftigen Recht- sprechung zu nützen. Die Frage der Auswahl der Sachverständigen mußte einmal ernstlich besprochen werden. Man sollt« als Sochver- ständige künftighin keinesfalls Männer laden, die auf dein betreffen» den Gebiet mir theoretisch gearbeitet haben, sondern in erster Linie Männer der Praxis. Da würde es in Zukunft nicht mehr.iu solch unerfreulichem Bild kommen wie im hirschberger Prozeß", wo bis heute, wie der Abend deutlich erwies, keinerlei Cinioung unter den Sachverständigen herbeigeführt ist. Auch medizinüchc Sachverständige seien keine Unloersalaenies. Weitreichende praktische Erfahrung können auch sie nur aus einem kleinen Spezialgebiet erwerben, und nur auf diesem dürsten sie künftig ermächtigt sein, ihr Gutachten abzugeben! Dr. L. H. Bottsbfifine 0-5 Theater am Schisst>ai'erdawm. Koch dem zwischen der Volkkbükme und Direktor Autticht geschlossenen Vertiaa ift dieser»crcfl chtef, der Doitsblibne für ihre Miialieder 61« zu 40V)'Plate wöchentlich-ur BcriNgung zu stellen. Diele Beschickung hat zur Borniiisedung. tan ti- ?lu.?wabl der Stück« im Einverständnis mit der Volksbühne erfolgt und das die Aujsubrungen dauernd ihren Anspistchen gerecht werden. Mufitchroulk. Das tür den lö Januar anaeiedte Konzert von ZSondg Land owska um'! c.af den 22 Fr i aar mittag«>/,t2 Uhr in der Botts- bsthne verlegt werden. ES iit die« die einzige Matinee für Cembolg und Klavier, die Frau Sandowfka in Berlin gilt Friedrich Rtecjl beginnt DIenSioz im Rahmen der Hmnboldt-Hochlchule eine zehn Dirn?taq.Abende»mfassense?ortrag«relhe„Die Kunst dc« Bor« trag»' fmif draktiichen NebungcnZ. Die Vorlesung«« finden in der Rgicherschen Hochschule. Fasanenstra'ze ZS, statt. Vi« Sttid�engemeio'chast fite wtflcnsch Miche Heima'koode bei ber Staat- I-chen Stell« für Nalurdentma pflege in Preugen beqinni am 10. Oaminr mit der ersten Vorleiung dieie« Vierteljahre«. Teilnehmerkarten und nähere RnSklmst bei der GrichästZstellc' Schiireberg, Gruneivaldfltr. 0)7 cZernsdrecher: Lüchow 6600), J5roi. 71 Xcichcfberg ist in Bern im Atter von 61 Jahren aestorbeu I Ei h.ck sich htteorrsgnid m l den Fragen der Lozialchelitik bsschl'lljt Zur Sahlemer SprengstvWastrvphe Oer Hastbefehl gegen Weingärtner noch nichi bestätigt. Wie mir heute morgen bereits mitteilten, ist Generalkonsul Weingärtner gestern abend in seiner Wohnung nerhoiiet worden und durch Ariminalrat Otto während der Nacht ein- gehend verhört worden. Er wird, wie wir hören, noch im Lause des heutigen Tages dem Vernehmungsrichter des Amtsgerichts Charlattenburg vorgeführt, von dessen Entscheidung es dann ab- hängen wird, ob Weingärtner in der Haft bleibt oder nicht. Die Vernehmungen durch die Stegliger Kriminalpolizei hoben am gestrigen Montagabend ihren Abschluß gefunden, und«g blerlu jetzt nur noch die Erledigung kriminalistischer.Meinarbeit übrig. Von dem Ergebnis der wissenschaftlichen Untersuchung«», die durch die Cbentilch-Technische Reichsonstalt durchgeführt werden, und von dem Resultat der höchstwahrscheinlich noch am heutigen Tage er- solgenden gerichtsürztlichen und gerichts chemische» Untersuchungen werden die«eiteren Schritt« der Staatsanwaltschaft abhängen, der nunmehr das ganze Materia! zur Verfügung gestellt wird.— Die Unglücksstätte in der Parkstraß« in Dahlem, die übrigens während des gestrigen Tages und des heutigen Vormittags noch andauernd das Ziel vieler Schaulustigen war. wurde am gestrigen Nachmitttag auch eingehend von einer Kommission des Ministeriums des Innern besichtigt, die sich emgehenä» über den Umfang und die Auswirkungen der Katastrophe von den mit der Untersuchung betrauten Beamten informieren ließ. Keine weiteren Verhaftungen. In der Dahlemer Affäre sollen nach zahlreichen Meldungen weitere Verhaftungen bevorstehen- Wie jetzt mitgeteilt wird, find die Untersuchungen abgeschlossen. Weder von der Staatsanwalts chast noch von der Kriminalpolizei dürsten weitere Verhaftungen rorgenommmen werden. Ein Lokaltermin findet heute nicht statt, da die Sachverständigen bereits gestern die Proben der dort vorhandenen Eyplosivstofsc mitgenonnnen haben. Ein Appell des Polizeipräsidenten. Nachdem die Ergebnisse der bisherigen Untersuchung der Dahlemer Explosionskatastrophe daraus schließen lassen, daß dos Un- glück durch unvorsichtige Handhabung mit Spreng- st o s s e n verursacht worden ist, hat heute vormittag im Polizei- Präsidium und dem Vorsitz des Polizeipräsidenten eine Besprechung stattgefunden, die sich iy der Hauptsache um die Frage drehte, ob die bestehenden Lcsilmmungen über den Verkehr mit Sprengstosscn, mit feuer- und explosionsgefährlichen Flüssigkeiten und Gasen ausreichen oder ergänzungsbedürstig sind. Es wurde darauf nach einstimmigem Urteil der Sachverständigen fest gcstellt, daß die bestehenden Bestimmungen volltom- men genügen, wenn sie von den Beteiligten vorschriftsgemäß beachtet und durchgeführt werden. Gegen verbrecherischen Gebrauch von Sprengstosse» und fahrlässige Versuch« nif Sprengstossen, die nokorge. mäh vor der Polizei vnd den sonstigen Aufflchisorganen geheimgo hallen werden, kann die Polizei nur einschreiten, wenn sie daooa Kenvivi» erhSli oder wenn irgendwelche Umstände oder Vorkomm- niste de» Verdochi einer strafbaren Handlung auskommen losten. hierbei ist die Polizei in weilestem Umfange auf die IRiiwir. tung der Bevölkerung angewiesen. Der poUzeiprüftdent richiei daher an die gesamte Bevölkerung de» dringenden Appell. im eigensten Znieressc die Polizei von entsprechenden BcobachtuN' gen in Kenntnis zu sehen. Obduktion der Sahlemer Opfer. Heute in den Vormittagsstunden fand im Leichenschauhaus Westend, Sophie-Eharlotte-Straße si, die gerichtsärztliche Obduktion der Leichen der beiden Dohlemer Opfer, des Kaufmanns S t a m m c r und der Hausangestellten Schönscldcr statt, die von dem zu- ständigen Gerichtsorzt Medizinalrat Hammrich erfolgte. Der Ob- dnktion wohnten die Deriretcr der zuständigen Staatsanwaitschali. die das Ermittln irgsversahren gegen den früheren Genera llonsul Weingärtner führt, bei, und zwar die Staatsanwaltschaftsräte Berger-Landcseld und Bürkle. Das Ergebnis der oerichtsärzi- lichen Untersuchung liegt bisher noch nicht vor, da die Obduktion bei Schluß des Berichts noch andauerte. Auch die Bestätigung des Host- besehls durch den zuständigen Untersuchungsrichter des Amtsgerichts Eharlottenburg steht zurzeit noch aus. Die Entscheidung ist dadurch verzögert worden, daß zunächst die Staatsanwaltschaft II! mit den Ermittlungen beauftragt war, die die Angelegenheit dann an die Staatsanwaltschaft IT abtrat. Es stellte sich sedoch heraus, daß die Staatsanwaltschaft lll doch zuständig war * Ani heutigen Vormittag sind von der Staatsanwaltschaft die Leichen sämtlicher Opfer des Explosionsunglücks in der Landsberger Allee freigegeben worden, so daß der Beerdigung nichts mehr im Wege steht.' 14 der Leichen sind von der Stoatsanwaltschait un- rröffnet freigegeben worden, während bei drei eine gericktsär.züiche Obduktion sioitgefunden hat. und zwar bei den Leichen oer Scheit- Hanerichen Eheleute und deren Tochter. Diese Obduktion hat, wie wir erfahren zum Ergebnis, daß der Tod bei allen drei durch Zerquetschung unter den Trümmern eingetreten ist. Bei den Eheleuten Scheithauer hat man serner Spuren von Gas und bei der Tochter Spuren von Ammoniak festgestellt, jedoch hat diese Einatmung nickst direkt zur Töwng gesührt. Es wurden nur kleine Reste von Gas bzw. Ammoniak festgestellt, während der Tod selbst durch Zerquetschung der Gliedmaßen eingetreten ist. Gasexplosion in Hamburg. Hamburg, Ist. Ianuqr. In der vergangenen Nacht ereignet« sich in einer Parterre- wohnung im Stadtteil Hammerbrook ein« überaus heftige Gasexplosion. In der Wohnung, die einem Schiffer gehört, befanden sich- zurzeit des Unglücks die Ehefrau des Schisiers mit ihren sieben Kindern. Ein Kind bemerk,« Gazgeruch und weckte die Mutter, die mit einer brennenden Kerze den Flur betrat. In demselben Augenblick erfolgte die Erplosion, durch die die Frau erhebliche Brandwunden an den Händen erlitt. Von den Kindern erlitt«in sünszehnjähnger Knabe Brandvorletzunge», während die übrigen unverletzt blieben. Hie Explosion mar so stark, daß die Korridortür aus den Angeln ge- rissen wurde und in der dem Hause gegenüberliegenden Schule mehrere Fensterscheiben zerlrümmert wurden. Die Untersuchung ergab, daß bei der Gasuhr die untere Derschraubung gefehlt ha'.te, k* Ivjfc hna. fö/r« emkmotflvnt fSmum Spionage. Sin Riesenprozeß qor dem Reichsgericht.- Dokumenten- sälschung und Landesverrat. • cheute begann vor dem Reichsgericht in Leipzig ein Spinnagsvrozeß großen Stils, der mehrere Wochen dauern wird. Im Mittelpunkt steht die Person eines gewissen Schreck. Er war früher deutscher Spion in der Schweiz. Als er in der Inflation das Geld verloren hatte, das er bei diesem Geschäft oerdient hatte, betrieb er Spionage für Polen und Frankreich. Ein typischer Fall! Ein abenteuerliches Leben wird in diesem Prozeß auf- gerollt, Licht fällt in den Betrieb der Spipnage und Gegen- stnonags. in dos Handwerk der dunklen Ehrenmänner, die die Militärs nun einmal für lebensnotwendig halten. * Leipzig, 10. Januar. Zu der heuligen Verhandlung vor dem 5. Sirasssnat des Reichs- g-richis hallen sich außerordentlich viel Zuhörer eingefunden, da der Prozeß ein erhebliches politisches Interesse erregt. Man sah im Saal auch«ine Anzahl Vertreter de» Retchswehrministeriums. das ja an dieser Verhandlung außerordentlich interessiert ist, da es sich bei den Fälschungen um sogenannte„Dokumente� ausdem RWM. handelt. Gegen 014 Uhr wurden die beiden Hauptange- Ilagten Anton Schreck und Karl Hermann Koch, die des Verrats militärischer Geheimnisse beschuldigt werden, aus der Haft vorgeführt, während der dritte Angeklagte Gerhard Schulz sich auf freiem Fuß befindet. Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlustes, in dem davon die Rebe ist, daß die Angeklagten Schreck und Koch Teile von echten militärischen Denkschriften an ausländische Mächte verraten haben, währeui Schulz bekanntlich nur wegen Meineides in dieses Verfahren gekommen ist. gab Seualspräsidenl Reichert einen kurzen Ueberblick über das, was in großen Zügen Gegenstand dieses Pro- zesses ist. Cr betonte, daß die Verfälschung der Doku- in e n t e, denen der Anschein gegeben wurde, als ob sie aus dem Reichswehrministerium stamnsten und die in dieser Fonn an den polnischen Spionagedien st verkaust wurden, lediglich Spionagebetrug wäre, wenn nicht nach der Anklage in diesen gefälschten Urkunden auch Teile von echten Mitteilungen entliälten wären und auf diese Weise ebenfalls zur Kenntnis Polens gekommen seien. Der Meineid des Schulz bezieht sich darauf, daß er vor dem Untersuchungsrichter wider besseren Wissens bekundet hatte, er kenn« den Aufenthall des Koch nicht. Schreck schilderte dann sein ziemlich bewegtes Vorleben und seinen Aufstieg aus ärmlichen Verhällnisten zu einer Persönlichkeit, die nach dem Kriege in Bayern zu politischen und leitenden wirjschastlichen Kreisen Beziehungen hatte. Die Monotonie seiner Schilderung nahm «in jähes Ende, als der Vorsitzend« die Tätigkeit Schrecks im Kriege anschnitt. Sehr energisch bestritt der Angeklagte zunächst, daß er keinen Versuch gemacht habe, Kriegsdienst» zu leisten. Aus weiter» Fragen des Vorsitzenden erklärte er dann, er sei im Herbst lv1< schließlich nach der Schweiz, und zwar nach Zürich gegangen, um dort Geschäfte zu machen, da in Deutschland für ihn nichts zu er» reichen war. Er habe zunächst nur feine Geschäfte gemacht bis zu dem - Mge.abllck, als er dem deuijchcn Militärattache über eine für Deutschland gefährlich« Persönlichkeit in der Schweiz Mitteilung gemacht habe. Daraus habe er vom deutschen Abwehr- dienst weitere Austräge erhallen, insbesondere zu Nochsorschuis- gcn über den sroitzö fischen Spionagedienst. Vors.: E» besteht der Verdacht, daß Sie auch für die Gegenseite gearbeitet haben. Angekl.: Ich hatte jeden Tag«inen Auftrag des deutschen Abwehrbienstes, Meldungen auszukundschaften. Von 19lf5 bis Frühjahr 1918 habe ich fast meine ganze Zeit auf diese Tätigkeit verwendet. In diesem Abwehrdienst habe ich dann auch eine Reihe von Namen geführt und Ausweis« gefälscht, um beispielsweise post- lagernd« Sendungen abholen zu können. Ebenso imißten wir 'Nachsenduvgsanträge fälschen von Personen, deren Post wir kontrollieren wollten, und deren Briefe wir aus Grund dieser Anträge selbst in die Hand bekamen. Daß ich für die Gegenseite gearbeitet habe, ist absolut unrichtig. Vors.: Sie verkehrten aber in Bern mit einem M ä d« l, das vielleicht eine feindliche Agentin war. Angekl.: Das war keine feindliche Agentin. Im übrigen haben mich die Schweizer wegen Neutra litätsoerletzung aus Antrag der französischen Behörden verhastet, außerdem wegen S p r e n g st o s f s a che n. Ich halle nümlich den Schmuggel von Sprengstoss durch italienische Anarchisten über Lugano noch Italien vermittelt. Mit diesem Sprengstoff soll später das italienische Schlachtschiff„V i t t o r ,« Emanuele" in die Luft gesprengt worden sein. Der Vorsitzende kam dann aus den großen Unbekannten namens Klier zu sprechen, der später bei der München« Tätigkeit Schrecks in den Darstellungen des Angeklagten eine große Rolle spie». der angeblich in allen Fällen derMittelsmannzudennatio- nalen Verbänden gewesen sein soll, der wahrscheinlich aber überhaupt nicht existiert hat. Scnatspräsident Reichert wies näm» lich darauf hin, daß in der Kartothek des deutschen Ab- wehrdien st es in der Schweiz auch ein gewisser Klier oer- zeichnet war, und daß die Annohme nahe liege, daß Schreck diesen Namen aus der Schweizer Zell in die München« mit übernommen h- be. Der Angeklagte blieb aber dabei, daß ihm au» seiner Schweizer Tätigkeit ein Klier völlig unbekannt sei. Dann schilderte er, wie er ti verstanden habe, sich der Untersuchungshaft in der Schweiz zu entziehen. Mit dem deutschen Abwehrdienst habe tt sich aus dem Gefängnis dahin verständigt, daß er Paralyse simulieren soll«, um in «ine Irrenanstalt zur Beobachtung seines Geisteszustandes zu kommen. Durch Kassiber verständigt« Ich mich dann weiter mit dem deutschen Abwehrdienst. Bei Besuchen brachte man mir eine Wäscheleine In mein Zimmer, und an dem verabredeten Tag« ließ ich mich an der Leine nachts aus dem Fenster, kletterte, als der Posten gerode vorüber war, über die Mauer und fand hier einen Führer, der mich über di« Grenze brachte. Im deutschen Konsulat in Kreuzlingen wurde ich schon erivartet. Da» war im Oktober 191k. Bon hier kam ich nach Konstanz und ging dann nach München. Der Vorsitzende fragte den Angeklagten Schreck«och, ob er sich in der Schweiz als Hufarenrtttmeister ausgegeben habe. Schreck erwiderte, daß das nicht in der Schlpehz, sondern elmnal. und zwar nur scherzhaft, Merten« gegenüber der Fall gewesen sei. (Lächelnd.) Dem Herrn Uniersuchungerichter habe ich aber gesagt, ich kenne Herrn Mertens nicht. In Wirklichkeit kenne ich ihn sehr gut und weiß auch, daß er mit den Arbeitskomrnandos in B-rlin usw. zu tun liatte. Vors.: Konnten Sie in der Schweiz auch einen Agenten Piecard, der jetzt in französischen Diensten steht. Angeklagter: Nein, den kenne ich nicht. Dann schilderte Schreck, wie er in der llmgebinig von München mehrere Güter erworben habe und sich überhaupt m der ersten Nachkriegszeit betätigt habe, Oer �unstatthafte" Nubikopf. Die Marine nimmt Anstoß---- Es ist ja auch wirklich zu traurig, daß man unter dem jetzigen Regime feine Schäfchen so gar nicht mehr richtig unter der Kon- dar« hat. Früher, ia, da sah man darauf, daß die Knöpfe an den Uniforme» blitzten und di« Stiebet glänzten und der Schädel vorschriftsmäßig, streng mit dem Millimeternmß nachgeprüft, ge- scharen war. Und auch für die Herren Kameraden gab«s einen Ehrenkodex für Haupt- und Barthaar. Tempi passati, heute, wo sich ein jeder erfrecht, feinen Kopf zu tragen, wie es ihm beliebt. Also bei der edlen Männlichkeit ist de nicht mehr viel zu wolle» So versucht man jetzt, beim zarten Geschlecht die verlorene Antori- tat wieder aufleben zu lassen. Der Ehes der Marine st atian der Ostsee geruhte«inen Befehl zu erlassen, in dem er sich gegen den„unstatthaften" Bubikops für die Damen der Marirtcoffiziere wendet. Ist das nicht wirklich rührend? Also teutsche Frauen an die FrontI Her mit dem schnöd« verpönten WilhclmI Nagcll ihn euch frisch und freudig aus den Kops und tragt so das Eure dazu bei, die„wilhelminische" Gesinnung nicht nur heimlich Im keuschen Busen, sondern frei>md offensichtlich sür jedermann zur Schtrn zu zeigen.___ Ei» Opfer eigener Unvorsichtigkeit. Das unvorsichtige Hantieren mit einer geladenen Schußwaffe hat gestern nach! wieder einen tödlichen llnfall verursacht. In einem L-o k a l in der Fürstenwalder Straße zu Rahnsdorf zeigte der Zvjährige Gastwirt Paul Ä n t s ch b a ch aus Erkner einem Bekannten feine M e h r l a d e p i st o l e. Er muß hierbei den Abzug der entsiäzerten Pistole berührt haben, denn plötzlich ging«in Schuß los und die Kugel drang Kutsch- dach in den Unterleib. K. wurde in schwerverletzlcm Zu- stände In da« Köpenicker Kretstrnnkenhaus übergeführt, wo er un- mittelbar nach der(Einlieserung starb. Die Leiche wurde Polizei- lich beschlagnahmt. Heinrich-Zille-Ausftellvng im Märklscheo Museum. Das Märkische Museum veranstaltet von Dienstag, den 10. Januar, bis Sonntag, den 12. Februar, aus Anlaß des siebzig- jährigen Geburtstages von Heinrich Zille eine Ausstellung, die sich„Z i l l e s Werdegang" betitelt. Ein« Fülle hochinteressanter, charakteristischer Zeichnungen und Skizzen von der Hand des Künst- lers, die einen bedeutsamen Einblick in die Entwicklung Zille» vor- mittel«, werden auf dies« Weise der Oessenttichkett zugänglich ge- inacht. Wir lernen die Umgebung, in der da» Proletarierkind aus- wuchs, kennen und beglesten es mit immer größerer Anteilnahme »ni» Erarjfsenheit aus seinem an Not und Kämpfen reichen Lebens- gong. Vater und Mutter des Künstlers, arm« Arbeiter— der Voter noch mit siebzig Jahren den schweren Weg zur Fabrik gehend—. wert«« unter der Hand des Sohnes lebendig- scharf hingeworfene Skizzen und farbenfrohe Entwürfe von Landschajtszeichnungsn aus der Umgegend Berlin«, dazwischen die Widergabe des jungen, natur- liebenden Maler» in seinem asten geflickten Boot, greisen bedeutsam« Linien aus dem menschlichen und künstlerischen Entwicklungs- gang des jungen Zille heraus. Dann solgi die zweite große Etappe. die Auseinonoersetzung mit der Großstadt, das Ringen um Berlin. Das blutarme, bleiche Kind, die unterernährt« Mutter, schmutzige Kellerlöcher und verrufene Budiken. Betrunkene und Kaschemmen- gestalten, dazwischen lachende, schreiende, vergnügte Großstedtpöhren und derbe, energisch dahinstapsc-che Weiblichkeit— so wogt es durch- einander. Kräftige, blutvolle, lebendige Abbilder des Großsiadflcbevs, die eine mit allen Bitterkeiten des Daseins oerimute Proiclariec- und Künstlerseel«. in der gesunder Humor und tiefer Ernst sich die Wagschale ballen, auf das Papier zu damicn wußte. Es!sl einer der großen Vorzug« der Ausstellung, daß sie es durch die?lrt der Zlnordnung versteht, dem Besucher einen fiarken Eindruck von dem Einklang zwischen Mensch und Künstler in Zille» Wesen zu ver- mittel«, ohne dabei das rein Sachliche, dos„M i l j ö h"— darunter einzigartige Skizzen van Gebäuden des alten Berlin— zu vernachlässigen. Die Aiisstellmvg ist außer Sonnabends täglich von 10 bis 3 Uhr geöffnet. Oer Sprung aus dem Kenster. Als die Hotettontrolle kam. Durch eine» Sprung aus dem Fenster versuchte sich heute morgen ein Man», dessen Person«och festgestellt werden muß, der Hotelkontrolle zu entziehen. In einem fiotel in der Novalis- st r g ß e stieg gestern abend unter dem Namen Alexander Gallcr au» Warschau" ein Mann ab, der als Gcpäck nur ein Köfferchon miibrachte. Er ertlärie, daß er nur di« eine Nacht bleiben wolle, bezahlte im voraus und erhielt ein Zimmer im zweiten Stock. Heute morgen stellte die Hobelstreife Mitte fest, daß er sich nicht ordnungsmäßig«ingetragen hatte. Ein Beamter klopfte deshalb bei ihm an. um sich seine Papiere anzusehen und ihn zur Feststellung nach der Revierwache mitzunehmen. Der angebliche Galler öffnete und bat, erst austreten zu dürfen. Aus dem Klasettscnstcr im zwelien Stock sprang er dam, auf den Hos hinab und blieb mit einem Schädel- und Annbruch bewußtlos liegen. Schwerverletzt wurde er noch der Rettungsstelle und von dort«ach fcpr A'init in der Zicgelftraße gebracht, wo er noch nicht wieder zu sich gekommen ist. Sein Köfierchen war leer. Man vermutet, daß sich der Mann schön länger in Berlin aufgehalten und das Hotel nur aufgesucht hat, um sich vorläufig zu verbergen. Der Erkennungsdienst der Kriminalpolizei ist damit beschäftigt, sein« Person sestzusiellen. Oer postraub in Ohligs. Auf der Spur der?iaubmördsr. -Wie wir seinerzeit berichteten, wurde» in Ohligs zwei Postbeamte von Räubern niedergeschossen. Di« Polizei ist nun aui der Spur der Täter. Es Handell sich um zwei Leul«, Hein und Larn. Es konnte einwandsiei festgestellt werden, daß sich die beiden Räuber in B u r g h e i in im K a i s e r st u h l ausgeholte» haben, wo sie nach dem nächsten Weg zun, Bahnhof sragten. Es wurde am Nachmiltag„och einmal eine Streife mit Polizeihunden aufgenom. men und eine Spur bis zum Bahnhof Iechtinpen verfolgt. Dort scheinen die Verbrecher einen Zug bestiegen zu haben, um in das Innere des Äaiscrstirhlgebietcs zu gelangen. In nerfchiedenen Ort- schalten tonnte fcfifle(i«Ut werden, daß die Bekleidung der beiden mit der in den Steckbriefen a»gegebei,en übereinstimmt, so daß kein Zweifel besteh«, daß«s sich tatsächlich um die beiden long- gesuchten Verbrecher handelt. Di« Verfolgung wird mit verstärktcn Kräften fortgeführt! man hofft, daß es gelingen wird, die V—- Brecher zu verhaften. Oos Grubenunglück in Amerika. Roch Z0 Bergleute in Gefahr. Nach einer weiteren Meidung aus West-Fronksort(Illinois) sind We auf der Peabody-Grub« eingeschlossenen Bergarbeiter bis auf 30 Mann befreit worden. Einer der Einge- schlössen«« ist getötet worden: die übngm lxrben nach den bisherige» Feststellunpen kein« ernsten Verletzimgei, erlitten. Die Ar beilen zur Brireama der noch cingejchlostenen Bergleute werden fieberhaft fortgesetzt. Fortschritt der Gewerkschastseinheit hie Bedeutung des Beitritts der estnischen Gewerkschasten. .Jtil 77 gegen 27 Stimmen hat I>er estnische Kewerkschastskangreß .n iian imi hereits pcnwllvtcn Beschluß gefaßt, dem Internatio- Holen Gewerkschastsbund beizutreten. Als Austakt für die in den nächsten Tagen in Berlin zusammentretende Tagung des Ausschusses des!?KB. ist dieser Beschluß besonders ersrculich. Bereits im April 19Z7 fand ein Kongreß der estnischen Gcwcrk- (chafren statt, der in einem Aufruf sich sllr Amsterdam erklärte und die Besprechung der Frage des internationoken Anschlusses für den nächsten Kongreß vorsah. Der Beschluß wird für die Entwicklung der Gewerkschastsbewegung im nal>:n Osten von großer Bedeutung sein. Bekanntlich hat der unter Leitung des IGB. anr 6. und 7. Dezember l!)2k in Stockholm abgehaltene skondinavisch-baltische Kongreß u, a. beschlossen, neben, dem skandinavischen auch ein baltisches G e w e r k s ch a s t S k o in i t e e zu gründen, sobald sich in Estland eine dem IGB. angeschlossene Landes zentrale ge- gründet Hot. In einer der Resolutionen dieser Konserenz wird speziell auch aus die Unterstützung der Gewerkschaitspresse in den zurückgebliebene,, Ländern gedrungen, wozu Thorberg bemerkte, daß sich die baltischen Länder zu diesein Zwecke an das zu gründende skandinavische Komitee wenden können. Dir Gründung der e st nischen Landeszentrale wird mit diesem Kongreß eine vollendete Tatsache werden, und wenn bereits der letzte Kongreß in de? Entwicklung der estnischen Gewcrk- schaflsbcwegung zu einem Wendepunkt geworden ist, indem die früher nur zu einem geringe» Bruchteil in der stark k o m m u- n i st l s ch orientierten Gesamtbcwcgung vertretenen Zlnhänger der sreigcwcrkschastlichen Richtung zu einer starken Gruppe geworden sind, so ist ein weiterer Schritt in freigewerkschoftlicher Richtung gerechtfertigt. Jetzt wird die Bildung der genannten Kommission möglich, was für die Erhaltung und Entwicklung der Gewerkschafts- bewegung im Baltikum, die bereits durch die rührige Landeszenirals Lettlands und die dem IGB. beigetretene Zentrale von Litauen erheblich gefördert wird, von größten! Aorteil fein kann. Trotzdem Estland ein kleines Land ist, kann feine klare Stellung- nähme im. Rahmen des Baltikums und Skandinaviens viel dazu beitragen, der schwankenden und damit schwächenden Politik ini nahen Osten, die leider durch die kürzlich erfolgte Stellungnahme Norwegens zum Nachteil aller um ein Beispiel reicher geworden ist, eine eindeutige Richtung zu geben. Es wird ein Zeichen sein, daß in Estland, das eines jener Länder ist, dem der Krieg wohl das Dasein, jedoch nicht die nötigen Lebensmöglichkeiten gegeben Hot. jene Kroste zum Durchbruch gelangt sind, die auf fach- lichem Wege zu erreichen suchen, was Unruhe und schwankende Politik nicht geben können und werden. Die neueste Parole. Wie die KPD. Arbeiterpolitik macht. Die„Note Fohne� hat nochmals Amerika entdeckt. Bor mehr als sieben Monaten Hot der„Vorwärts" in einem Leitartikel den Anschlag aus das Koalitionsrecht aufgedeckt, der durch Eiufchmugge- lung des§ 238 in den neuen Strafgesetzbuchentwurf versucht worden ist. ADGB. und AfSl-Bund sowie die einzelnen Gewerk- schasten haben im gleichen Sinn« gegen diesen hinterhällioen Ver- such, großen Arbeilcrgruppen das Strcikrecht zu rauben, Stellung genommen. Die Gewerkschasten waren sich einig mit der sozial- demokratischen Reichstagsfraktion, daß dieser An. schlag vereitelt wird, daß er gar keine Aussicht Hai, im Reichs- tag eine Mehrheit zu finden. ?tun entdeckt die„Rote Fahne" diesen Paragraphen nochmals. wobei sie ihm allerdings eine ander« Nummer gibt und Kraut und Rüben durcheinander wirft. Sie fügt hinzu, daß die©ewerlschosts- prost« diesen Paragraphen begrüße, der sogar„das E n t- z ü ck e n der ZlDGB.-Führer ausgelöst" habe, so die Gcwerkschaits- presse sehe„diesen Schandparagraphen überdies als einzigen Fortschritt gegenüber dem bestehenden Strafgesetz" an. Wir wisse» nicht, ab dieses Gewijch von Dummheit und Nieder- trncht die neueste Porole der KPD. sür den Kamps gegen die Gc- werkschasten ist. Bielleicht handelt es sich nur um«ine in Moskau bestellte„Arbeit", um durch Zitierung dieses Blödsinns den russtschen Arbeitern zu zeigen, daß es ihnen im Grunde nicht viel schlechter geht als den deutschen Arbeitern. Freilich genügt in Rußland de- reits eine politische Meinungsdlsserenz, um mit ftilfe der treu konservierten Methoden des Zarismus noch Sibirien verschickt zu werden. Wonach sich ein Redakteur der„Roten Fahne" ausrechnen kann, was ihm blühen würde, wenn wir in Deutschland dos Sowjet- system hätten. Da wir es zum Glück für die Kommunisten n i cht haben, können die Angestellten Stalins ruhig mit Tirpitz in Konkurrenz treten. Es blüht ihnen nur die Verachtung jedes anständigen Menschen. Aber was kann ein Mensch, der sür Stalin schreibt, auch anderes erwarten! Lohnkonflikt im Tapeziererbenif. Am 3l. Dezember ist die seit dem lö. März 1927 für Berlin bestehende Lohnvcreinbarung abgelaufen'Als im vergangenen cherbst die Organisation im Austrage der Milgliedschast an die Unternehmer herantrat, um aus Grund der ständig steigenden Erhöhung der Lebenshaltungskosten eine zwischentorisliche Lösung herbeizuführen, erfolgte mit Berufung auf die damals noch bestehende Löhnvereinbarung trotz guter Konjunktur eine glatte Ablehnung. Glicht leichten cherzcns wurde dos End« des Bertragsverhältnisjes erwartet, um nun wenigstens aus dem Verhandlungswege eine Angleichimg der bestehenden Löhne an die Teuerung zu erreichen. Allein die von der Organisation verlangte sünszehnprozentige Lohnerhöhung wurde nicht nur sür jetzt, sondern auch für die kommende Zeit, ohne überhaupt in eine Berlxmdlung einzutreten, aus schriftlichem Wege wiederum abgelehnt. Die Ablehnung selbst sowie die Form derselben ist frei von jedem Verständnis für die gegenwärtige Situation im Beruf und beleuchtet eigenartig die so oft betonte soziale Einstellung der Unternehmer im Tapcziererberus. Die im Verband der Sattler, Tapezierer und Porteseuiller orgomsierlen Tapckzierer und Näherinnen werden den von den Unicrnehmcrn hingeworfenen Fcbdchandschuh ausnehmen und wiederum beweisen, daß das wirtschaftliche Niveau der Kollegen- schost nicht nur von den Arbeitgebern bestimmt wird, sondern die im Verbände organisierte Krast der Milgliedschast der ausschlag- gebende Faktor daiür ist. Zu dem durch die Unternehmer veranlaßt«» l o h n t a r i s- Ii che» Zustand und den zu erqreitenden Maßnahmen, sowie zun, Jahresbericht der Bronchenleitung und der Neuwahl nimmt die Vollversammlung aller organisierten Tapezierer und Näher innen am, Freitag, dem lZ. Januar, abends 7 Uhr, in Boekers Festsälen, Weberstraße 17, Stellung. Niemand darf sehlenl _ Die Ortsverwaltung. Konflikt in der englischen Baumwollindustrie. Wie die Llniernehmer sich sanieren möchten. e o n do o. 10. Zonuar. „Daily Telegraph" meldet aus Manchester, die Vereinigung der Arbeilgeber in der Baumwollspinnerei habe mik Rücksicht aus die Lage der Industrie beschlossen, den Arbeitern in einer gemeinsamen Konserenz vorzuschlagen, die Arbeitswoche von 48 aus Stunden zu erhöhen und die gegenwärtigen Standard- lohne um 2 5? r o z. herabzusehen. Roch Ansicht der Arbeitgeber bedeute dies nur eine UV�pro, entige Lohnverminderung. da die längere Arbeitswoche den Unterschied in der Bezahlung so gut wie ausgleichen würde. Keine Sowjeiunierflühung für englische Äergarbeiier London, ist. Januar. fEP.) Der Schatzineister der Bergarbcitersöderation läßt die aus Riga stommende Nachricht dementieren, daß seine Gewerkschait die russischen Gewerkschasten um«ine zinssreie Anleihe von 50 000 Pfund zur Begleichuiig von Schulden, die während des Streiks gemacht wurden, angegangen habe. Moskau behauptet das Gegenteil. Riga. 19. Januar.(Eigenbericht.) Die Zentrale der rolen Gewerkschaften in Moskau teilt mit, daß der briiische N e rga rbci ter»erba nd sie um ein größeres Dar- lehen ersuch» habe. Die roten Gewerkschaften haben dem entsprochen und ein nach drei Jahren rückzahlbares, unverzinsliches Darlehen von 50000 Pfund gewährt. » Die Behauplung des Allrussischen Gewerkschaftsverbandes— sofern es sich nicht um eine Schwindelmeldung der Rigaer Nieder- lag« handelt— ist unwahrscheinlich. Nach dem englischen Berg- arbeitcrstreit ist es bekaimtlich zum Bruch mit Moskau gekommen, hauptsächlich wegen der diktatorischen Einmischungen Moskaus. Daß jetzt ein Piimpversuch gemacht worden sein soll, ist auch unwahr- scheinlich, weil die englische» Bergarbeiter gegenwärtig keine Kämpfe habe»». Die schlechten Wohnungsbaufiuanzen. Aur 1,2—1,4 statt 2,5 Milliarden. Das lange von der Reichsregierung versprochene Wohnungsbauprogramm besteht bekanntlich sür 1928 darin, daß man wieder kein Programm ausgestellt ho». Wie aus der Reichsregierung gemeldet wird, soll es auch dabei bleiben. Man hält es dort für das beste, daß weder die Frage der Finanzierung noch der Umfang der Bautätigkeit lange in der Ocsfcntlichkeit diskutiert werden und daß die Regelung nach Möglichkeit wie bisher erfolgt. Der Nochdruck liegt hierbei auf den Worten„nach Möglichkeil", weniger auf den Worten„wie bisher". Wie nämlich weiter gemeldet wird, rechnet man nämlich stör 1928 mit 000 bis 700 Millionen Baugeldern für erste Hypotheken und ebenialls mit 600 bis 700 Millionen, die als Hauszinssteucr- mittel zur Verfügung stehen. Da anerkanntermaßen für die restliche» Spitzen, die der Bauherr selbst aufzubringen hat, das Geld sehr schwer zu beschaffen ist, wird es mit diesen 1200bis 1 400M i ll i o ne n Baugeldern für das Jahr l928 dann auch sein Bewenden hoben. Man wird also etwas mehr als die Hälfte der im Jahre 1927 er- richteten Wohnungen bauen. 1927 standen 2,5 Milliarden für 250000 Wohnungen zur Verfügung. Obwohl dos Hauszlnsstcucrauskommen sich auch diesesmol aus 800 Millionen Mark stellen wird, werden wegen der zahlreichen Aorgrisse aus dem Jahre 1927 sehr viel we- niger Gelder zur Verfügung stehen. Eine Erhöhung der Zwischen- tredttc ist bei den Ländern nicht beabsichtigt. In diesem Dilemma besteht bekanntlich der Ausweg der Reichs- regierung darin, daß sie in erster Linie iuir k l e i n st e Wohnungen gebaut hoben will, zun» anderen aber darin, daß man den bisherigen durchschnittlichen Aufwand pro Wohnung von 10 000 Mark herab- drückenw»llauf8000 M. Es kommt also auf eine Streckung der Finanzen und eine Verschlechterung des Bauwerts der Häuser sowie des Gebrauchswerts der Wohnungen hinaus. Immerhin wird aber doch auch von den Regierungsstellen jetzt an Auslands- gelber für den Wohnungsbau gedacht. Sollte sich zu Beginn des Frühjahrs herausstellen, daß die 1200 bis 1400 Millionen auch nicht voll zu beschaffen sein werden, so sei man in den zuständi- gen Kreisen der Reichs- und Länderregieningen entschlossen, ausnahmsweise auf die ausländischen Kapitalmärkte znrückziigreisen. Besonders die letzte Bemerkung zeigt, daß man auch in Regie- rung-kreisen den diesjährigen Baumarkt wegen der miscrablen Finanzierungsmöglichkeitcn als sehr kritisch ansieht. Scheinbar ist gegenüber dem Reich-sinanzministerium das grundsätzlich nicht ganz Unwichtige erreicht, daß wenigstens für dos Minimalprogramm der Reichsregierung die fehlenden Gelder aus dem Ausland beschafft werden müssen. Uebcr die Kejahrcn des schlechten Baumarkts für die Wirtschaftslage kann ober dieser Ausweg nicht hinwegtäusche». Die Anstrengungen der Behörden, zur Finanzierung eines wirklich ausreichenden Vaupragromms, das allermindestens 200 000 Woh, nungen umsasten muh, genügende Auslandsgeldcr zu beschaffen, müssen verdoppell werden. Es muß vom Reichsarbeitsministeriuin und vom Reichssinanzministerium»n dieser Richtung viel mehr gc- schehen als bisher. Ein Verkaufsverband in der europäischen Rohstahlgemeinschast. Die Bemühungen der Rohstohlgcmeinsckzaf». Berkaufsverbände zu schassen, waren bisher ziemlich erfolglos. Für Frankreich scheint zedoch ein Verband jetzt zustandegekommen zu sein. Wie aus Paris gemeldet wird, waren die Aerhandlunzen zur Bildung eines nationalen französische!» Verbandes für Träger und Halbzeug von Erjoln-. Bereits in den nächsten Wochen soll der Verband in Tätigkeit treten. I«rant>r>o?tlt>rwLr:z»«cr!ag G. nt. b. H.. Berlin. Druck:?orwiirI».Buchdr»ckrret „nd Verlaosunstolt Paul Linger uLlchtbild>Tb. Frankfurter Alice 43 Die berühmte Prau Femer: Scbwejk, der Hunde- tfinger von Prag. Bühncnsctaau Rheinstraße 14 Oer croBe Sprung Bin heiterer Sportsrilm Für Jugendliche freigegeben. Odeon, Potsdamer Str. 75 Oustav Mond, da Siebst so stille... mit Relnh. Schlmzcl Turmstraße 12 Was Klndei den Eltern ver sctiweigm. Dazu: Sanatorium zur Liebe mit Laura La Plante Alexanderstraße 39-40 (Passage) Doktor Bessela Verwandlung Nach dem Roman der Berliner lliustrlrtcn Zeltung «taten Passage'Lichtsplele Neukötln, BergstraB« 151—52 Die AusgcstoScnen Femer: Das Braulaatomobil Bübneoacbau Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Senorita Aul der Bühne: So teiaut mir dl« Wslt Casino=Lichtspiele Brunnenstr. 154 Die groSe Zllle-Revoe(10 Bilder) Die vom Wedding Dazu: Eheferlcn(m.Liiian Harvey) Concordia>Palast Andreasstraße 64 Eins+ Eins= Drei (Ehe man Ehemann wird) Oer Landarzt mit Rudolf Scblldkron Filin-Palast Kammersäle Teltower StraBc I— I Caaannva mit Iwan noajukln, Jenny Jugo . Dazu das groBe Beiprogramm V<> r<1 o i Senefelder Lichtspiele am Senefelder Platz, Ecke Metzer Straße Lllian Qlnb In: Oer schartacb- rote Buchstabe Dazu: l-on Chancy In: Dt« an- heimlichen Drei Welt'Kino Vit Moabit 99 Pau: Richter als: KSnlg der Mittelstürmer Ferner: Der role Blitz Kristall-Palast Prinrenaliee 1—6 Sonnenaufgang CroBc Büluenschatt Marienbad-Palast Badatraße 35—36 Czar nnd Dichter CroBe BOhncnscban Prinzen-Palast Prinzenallee 43—43 Czar nnd Dichter Große Bühncnscbao „Alhambra" Badstraße 58 Der Bettelstudent, mit Harry Liedthe Große Bübnenachaa Humboldt*Theater Badstraße 19 Wenn Menschen reif rar Liebe werden Große Bähnenschau p a n k n tv TivoIl-LichtspielTh. Berliner Straße 27 Die weiße Sklaria Bahnet Die 3 Bartcts(Das große Ueberholungsrennen) Max linder, der große Komiker Invenfur-AiisverBtäiil! Enorm billige Gardinen� Bettdecken, Halb- Stores, Teppiche, Lauferstotfe, Vorleger, Tisch-, Diwan- und Schlafdecken, Steppdecken u. Kissen-Garnituren 20 Proz. Bis 50 Pro?. 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