Morgenausgab« AN � Mittwoch Äj% �#####? � 'ix�szzLrx* H La mim■ ln B WWW Bf BflzBr��M Auswärts ilZ Pf. inttt Streifband im 9n> and Aus- rfQwSu fTjtSI DD BH j�B Ifl WD WD p— in» 6J0 Stidjsmart»r» SRonal ffiMß fpVs W H W H W W W W W IW l»««I,,»»,,,«, Noiq>«»,Ne,»a, VrZZ K» W■ n WWW W W H B w> V.nnig Zi.kl°m-,.il. 4- Reich«. WDMP- M k MI A WM HIU U GM MHW-Z VeAinev Vvttsbtatt �Ss Jentvalovsan der Sozialdemokratischen Oartei Neutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhost 292—297 Telegramm-Adr; Sozialdemokrat Berlin Paris, 10. Januar.(Tigenbericht.) Die beiden Häuser des Parlaments sind heute wieder zusam- mengetreten. Dem Brauch gemäß hielten die A l t e r s p r ä s i- d c n t e n Begrüßungsansprachen, in denen sie chrcr Zuversicht für die Zukunft Frankreichs und den Fortschritt des Friedens Ausdruck gaben. Zum Präsidenten dar Kammer wurde, wie erwartet, der sozialistische Wg. Bu i s s o n mit 340 gegen 20 für den Komm». nisten Cachin abgegebene Stimmen wiedergewählt. Trotz der Stimm- entholtung der Rechten ist darin eine Anerkennung der un- parteiischen und wirksamen Leitung der Kammergeschäste durch Buision zu erblicken. 3m Vordergrund des Interesses sieht zunächst das Schicksal der kommunistischen Abg. Cachin. Doriot.Duelas und Marty, die längere Freiheitsstrosen zu verbüßen haben und nur aus Be- schluß der Kammer aus dem Gefängnis entlasten worden waren. um ihren Abgeordnetcnpflichten nochkommen zu können: inzwischen ist die Verurteilung des kommunistischen Abg. Vaillant-Cou- t u r> e r wegen antimilitaristischer Agitation rechtskräftig geworden. Der Ministerrat hat beschlossen, diese Abgeordneten, die sich bisher den polizeilichen Nachforschungen entziehen konnten, beim Versuch. in die Kammer zurückzukehren, verhaften zu lasten und diese Maßnahme vor dem Hause zu vertreten. Sollte ein Antrag auf ihre Freilassung gestellt werden, so will die Regierung dagegen die Vertrauensfrage stellen. Die Folge dieses Beschlustes war eine Art Mobilisierung der Polizei in Paris: eine große Anzahl Krtminalbeamie überwachen die Kammereingäng«. Der Vollzligsausschuß der sozialistischen Äammersroktion er- klärt zu dem Beschluß des Kabinetts, daß die kommunistischen Ab- geordneten im Augenblick der Sessionserössnung durch die parla- mentarische Immunität geschützt seien. Für den Fall einer Verletzung sollen die Abg. Baron und Uhry den Antrag aus sofortige Freilastuiiq in der Kammer stellen und vertreten. Wiedereröffnung des Senats. Pari». 10. Januar. Im Senat hiev der Alterspräsident Fleury«ine Ansprache. in der er innere Einigkeit fordert«. Wenn die Deutschen �Deutsch- land über olle»" proklamierten, so müsse auch Frankreich den Franzosen über alles gehen. Man mäste den Frieden nach Innen und nach außen erweitern. Er hoff«, daß die Wahlen ein« unzwel- heutige Kundgebung des in Frankreich herrschenden Wunsches dar- pellen möchten, den Frieden und die Tintracht durch gegenseitige Ztonztssionen und Opfer zu erhalte». Frankreich, da» olle» militari» Vorwärts-Verlag G. m. b. H. schon Ruhm geerntet habe, streb« jetzt nur noch noch dem Ruhm de» Frieden», einem soliden, aus seiner Kraft und seinem Mut gegründeten Frieden. Ungarische Gtrasrechissorge. Noch mehr Llmsturzgesehe l Budapest, 10. Januar. Im Oberhau» wurde die Novelle zum Strafgesetzbuch behandelt. Berichterstatter, Kronanwaltn Slausenburg fünf Personen, darunter drei Student«, zn©•» fangni* bor zehn Tage» bis fünf Monate» verurteilt. Psstsibeckkonto: Berlin 87 iiZK— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Ängelicllien »nd Beamten Wallstr. KS Diikonto-Tesellschast. Tepoüteniasse Lindenstr 8 Die zweite Instanz. Aus dem Trauerspiel der deutschen Justiz. Major Badicke, der dem Herrn v. Tresckow„groben Ver» trauensbruch" und Schädigung der Interessen der Landes» Verteidigung vorgeworfen hat, ist in zweiter Instanz frei- «sprachen worden. Dieses Urteil war nach dieser Ver» andlungsführung zu erwarten. Der Vertreter des Klägers will gegen dieses urteil Revision einlegen. Auch das war nach dieser Verhandlungsführung, die einen Form- fehler nach dem anderen beging, vorauszusehen. Das politische Ergebnis dieser Verhandlung in zweiter Instanz ist: die Herren Marx und v. K e u d e l l haben jene Deckung für ihr Verhalten gegenüber dem Kläger v. Tresckow erhalten, das sie von der zwecken Instanz erwartet haben. Aber wird Herr Marx um eine ganze Chrenerklä» rung herumkommen? Wird er auch nach diesem Urteil noch daran festhalten, daß der auf Vernichtung zielende w i r t- schaftliche Boykott gegen Tresckow, an dem Herr v. Keudell teilgenommen hat, berechtigt war? Oder wird er nach dem Muster des Gerichts eine halbe Ehrenerklärung abgeben— nach dem Vorbild seiner Erklärung über Republik und Monarchie, die Herr v. Guörard korrigieren mußte? Die Tatsache des Fretspruchs allein entbindet ihn nicht von der moralischen Verpflichtung zu einer Erklärung! Herr v. Tresckow erhält vom Gericht der zweiten Instanz nur eine halbe Ehrenerklärung. Er ist von neuem der Prügelknabe. Seinerzeit mußte er für den Zorn der putschistischen Großgrundbesitzer im Kreise Königsberg(Neu- mark) über die Veröffentlichung der Mahraunschen Denkschrift büßen, heute muß er die Aufrechterhaltung des Friedens im Bürgerblock mit der anderen Hälfte seiner Ehre bezahlen, die ihm die Begründung des Gerichts- urteil? nicht zugesprochen hat. Das ist das eine politische Ergebnis. Das andere ist: das R e i ch s w e h r m i n i st e r i u m erscheint wieder einmal in einer äußerst zweideutigen Haltung. Nicht des- wegen, well es einen Grenzschutz organisiert hat oder weil es Bertrauensleute besitzt, deren es zur Organisation von Grenzschutzformationen bedarf. Wohl aber deswegen, daß es bei der Wahl solcher Vertrauensleute zufällig immer auf Personen trifft, die entweder in engsten Beziehungen zu republik feindlichen Verbänden stehen oder doch selbst persönlich republikfeindlich oder republikfremd sind. Hat man schon jemals etwas davon gehört, daß das Reichswehr- Ministerium aufrechten Republikanern oder republikfreund- lichen vaterlandstreuen Organisationen solche Vertrauensauf- ?aben gegeben hätte, wie es sie rechtsstehenden Ver- änden oder den deutschnationalen Großgrund- besitzern im Kreise Königsberg(Neumark) gegeben hat? Diese Praxis des Reichswehrministeriums ermöglicht ein gefährliches Spiel. Wenn Leute, wie der Major Badicke, putschistischer Absichten beschuldigt werden, so verbergen sie sich hinter den vaterländischen, vom Reichswehrministerium bescheinigten Aufgaben. Wenn berechtigte und zuständige Kritik und Kontrolle in ihrem Tun Anlaß zu öffentlicher Be- anstandung erblickt, schiebt das Reichswehrministerium die Ver- antwortung für sie beiseite. Dann sieht man auch in den Kreisen des Reichswehrministeriums nicht ungern, wenn in der O e f f e n t l i ch k e i t die Pläne dieser Leute als p r i- v a t e putschistische Angelegenheiten betrachtet werden, bei denen der Name des Reichswehrministeriums mißbraucht wird. Es ist Praxis geworden beim Reichswehrministerium: was nicht bequem ist, wird bestritten! Man war freundschaftlich und vertrauensvoll zu dem Generalleutnant v. Salzenberg, dem Verbindungsmann des Iungdeutschen Ordens. Als der Iungdeutsche Orden nicht mehr kritiklos alles mitmachen wollte, wurde er beiseite geschoben. Heute kennt das Reichswehrministerium Herrn v. Salzenberg nicht mehr, dafür aber den Major Badicke. Der Major Buchrucker, der Oberleutnant Schulz werden voll Neid, aber vielleicht auch mit anderen Gefühlen auf diesen Major Badicke blicken! In dieser Praxis, die dem Grundsatz„der Zweck heiligt dle Mittel" huldigt, liegt die tiefere Ursache für das große Mißtrauen, das dem Reichswehrministerium in der republi- konischen Bevölkerung entgegengebracht wird. Eine ent- schlossene Absage an alle im übrigen durchaus zweck- loie Geheimniskrämerei, eine mutige und offene Erklärung und Uebernahme der Verantwortung durch das Reichswehrmintsterium in aller Oeffentlichkeit hätte längst vieles aus der Vergangenheck bereinigen können, was endlich einmal bereinigt werden muß. Unter einer Voraussetzung freilich: daß im Reichswehrministerium nicht Kräfte da- zwischen spielen, die sich in der Feindschaft gegen die Republik mit der Gesinnung von Leuten begegnen, die in der Reichswehr ein antirepublikanisches Kräftereservoir erblicken. Für ein Gericht aber darf es sich neimals um polittsche Zweckmäßigkeiten handeln, sondern um Recht. Was für vi« Erhaltung de« Bürgerblocks zweckmäßig ist, darf noch lange nicht für«in Gericht Zielsetzung fei»! Soll man wirklich Arbetterwahlsieg in England. Oberst a. O. Malone gewählt. London. 10. Januar.(Eigenbericht.) Tie Nachwahl in Northampton, nach einem mit nn- gewöhnlicher Heftigkeit geführten Wahlkampf, ergab den Sieg de«> Kandidaten der Arbetrerpartei Le st ränge M a l o« e über die konservativen, in deren Besitz der Wahlkreis bisher gestanden hat. Die Arbeiterpartei und die Liberalen haben gegenüber der letzten Wahl D t i m- men Zuwachs zu verzeichnen, während der offizielle konservative Kandidat 2000 Stimmen einbüßte. Ein un- abhängiger konservativer Kandidat vermochte nur 1000 Stimmen zu erzielen. Der Sieg der Arbeiterpartei ist um so bemerkend- werter, alö der Kampf gegen den Arbeiterkandidaten, der früher kurze Zeit der Kommunistische» Partei angehört hat. mit den schmutzigsten Mitteln geführt worden war. Mit Malone, einem frühereu aktiven britischen Lbersteu, der vor seinem Eintritt in die Politik in wichtigen Milttärmissionen Verwendung fand, gewinnt die Unterhausfraktion der Arbeiterpartei einen Militär» sachverständigen hohen Ranges. Den Wahlkreis von Northamplon hatte im Dezember 1923 di« Genossin Margaret Bondsield zum ersten Mal« für die Arbeiterparlei enobert. Miß Bondsield wurde bald danach Unter- staatssekretärin im Aibeiinrnnffterium unter Macdonald. Bei der Hauptwohl im Oktober 1924 unterlag sie jedoch im gleichen Wahlkreis gegen den Konservativen Generalleutnant Sir E. Holland. (Später wurde sie in einem anderen Kreis bei einer Nachwahl wiedergewählt.) Zum Vergleich zwischen Oktober 1924 und Januar 1928 geben wir die genauen damaligen und jetzigen Stimmenzahlen wieder: Oktober 1024 Konservativer.. 16 017 Arbeiterparteiler. 15 046 Liberaler... 9 436 Zanaar 1928 Arbeiterparteiler. 15156 Konseroatioer.. 14 554 Liberaler... 9 575 Unabhängiger.. 1 090 Auch wenn die Unterschiede zwischen den Stimmenzahlen der einzelnen Parteien innerhalb dieser 40 Monate in diesem Falle geringer sind als bei anderen Nachwahlen, so ist doch auch hier dos besondere Kennzeichen des Wohlresultates ein empfindlicher Verlust der Regierungspartei. Es ist In England Tradition, daß die Regierung aus solchen Teilniederlogen, falls ste sich häufen, die Konsequenz zieht und das Parlament vorzeitig auflöst. Die Regierung Boldwin hat bisher wenig Neigung gezeigt, im Sinne dieser demokratischen Ueber- sieserung zu handeln. Vielleicht wird aber der neue Erfolg der Ar- beiterpartei dazu beitragen, um Boldwin davon zu überzeugen, daß er moralisch verpflichtet ist« dem Umschwung der öfsentllchen Meinung Großbritannien« Rechnung zu trogen. Parlamentsbeginn in Krankreich. Buiffon Kammerpräsident.- Jagd auf kommunistische Abgeordnete. glauben, daß nur ongfaufrrtdje-s Ungeschick der Berhandlungsleitung die Formfehler in der Verhandlungs- führung hervorgerufen hat? Was soll die lächerliche Geheimnistuerei des Ausschlusses der Oeffentlichkeit, damit„Staatsgeheimnisse" nicht öffentlich erörtert werden, die längst in aller Munde sind? Was soll die merkwürdige Behandlung der Beweis- antrage des Vertreters des Klägers? Was soll es bedeuten. daß über die angeblich halboffizielle Rolle des Majors Bqdicke Zwar wohl ein Vertreter des Reichswehrministeriums gehört wurde, nicht aber ein Vertreter der preußischen Regierung? Soll denn jenes Spiel legalisiert werden, das rechts- stehende Organisationen und Männer im Jahre 1926 mit dem verfassungswidrigen Gedanken einer Diktatur des Reichspräsidenten auf Grund des Artikels 48 getrieben haben? Und wie kann ein Gericht öffentliche An- erkennung für eine Urteilsbegründung erwarten, die es als Bertrauensbruch und Gefährdung der Landesverteidigung erklärt, wenn ein Mann, der über gewisse Absichten des Reichswehrministeriums informiert wurde, sich beim Reichs- wehrministenum selbst erkundigt, ob es sich mit solchen Ab- sichten trage? Dies Urteil ist mehr politisches Kompromiß als Rechts- spruch. Die Folge wird eine Verstärkung des Miß- t r a u e n s in die Rechtsprechung sein. Der Reichskanzler Marx, der selbst ein hoher Jurist ist. ist an dieser Wirkung des Falles Tresckow nicht unschuldig Das sind die Wirkungen des Bündnisses mit den Deutschnationalen! Als die Deutschnationalen, innere Feinde der republikanischen «taatsform und der neuen deutschen Verfassung, in Balfern in die Regierung eintraten, war die Folge jene Politi- s i e r u n g der Justiz, die im chitler-Prozeß gipfelte. Heute sitzen die Deutschnationalen, innere Feinde der republikanischen Staatsform so gut wie jemals, in der R e i ch s r e g i e r u n g. Und die Wirkung auf die Justiz— dte zeigst dieser Prozeß und dieses Urteil auf das Deutlichste! Paulus Ltrieilsbegründung. Ebenso merkwürdig wi« die Gerichtsverhandlung war auch die Begründung des Freispruchs durch den Öandgerichtsrat Dr. Paulus.„Der Privattlage," hieß es da.„lag eine Notiz zugrunde, die als Antwort auf Angriff« erschienen war, die sich gegen den Beklagt«» richteten. Diel« Notiz, in der dein Herrn u. Tresckow schwerer Bertrauensbruch und Schädigung der Londesinteresien vorgeworfen wurde, war zweifelsohne ge- eignet, seine Ehre schwer zu treff«». Das Gericht hatte zu prüfen, ob dem Angeklagten der Wahrheitsbeweis gelungen ist und ob ihm ferner der 8 m. das heißt W< Wahrung berechtigter Interessen zur Seite steht. Die Urteilsbegründung ist außer Lage, auf alle Einzelheiten der Gerichtsverhandlung einzu- geh«»! denn sie muß bestrebt sein, in der öffentlichen Gerichtsverhandlung alles zu vermeiden, was die Staatssicherheit gefährden könnte. Aus diesem Grunde kann auch nicht auf den Inhalt der beiden Unierredungen vom ZX und 26. Januar 1926 eingegangen werden, die zwischen dem Beklagten und dem Kläger stattgefunden heben. Soviel tonn jedoch gesagt werden, daß diesen Unter- redungen nichts Illegales oder Staatsgesäljrliches zugrunde gelegen habe. Wenn das der Fall gewesen mare. so hätte sich ja der Kläger nicht mit den Dorschlägen des Beklagten«inoerstandsn erklärt. Fest steht serner, daß der Kläger den Inball Weser• vir. traulichen Unterredungen dem Generalleutnant a. D. Salzen- der g, dem Bundeskanzler des Jungdeutschen Ordens. P o rn e mann, und dem Komtur des Jungdeutschen Ordens. A r n o l b. mitgeteilt hat. obgleich er zur vollkommenen G eh elni- baltung nerpsHchtet war. Die Jnfonnatioiren, die jene Herren von dem Kläger bekommen haben, liefen darauf hinaus, daß der Beklagte und dessen Anhang sich mit P u t s cha b s> ch t e n trügen. Die gestrige öffentliche Verhandlung hat jedoch keinen Anholt dafür ergeben, daß von dem Beklagten ein Putsch zeplank war, oder daß sowohl er. als auch die Reichswehr an einem derartigen Unternehmen teilzunehmen beabsichtigten. Sa ist der Vorwurf des Klägers als ungerechtfertigt zurückzuweisen. Mußte der Beklagte ollein schon auf Grund des Z 186 freigesprochen werden, da er subjektiv unier allen Unntänden der Ansiäst sein konnse, daß Herr v. Tresckow einen Bertrauensbruch begangen batte. so war trotzdem noch die Frage ,-u prüfen, ob er nicht auch den 8 19Z für sich in Anspruch nehmen dürfe. Die? ist zu bejahen. Die Berichtigung des Majors v. Badicke ist als Antwort auf die beftigen Pveffeai�riffe erschienen, in denen man ihm Putsch- absichten vorwarf. Das Gericht ist sich dessen wohl bewußt, dost die DerKöngung eines Boykotts in einem so engen Kreis? wirtschaftlich und politisch für den Kläger schwere Folgen hoben mußte: rein menschlich ist er deshalb zu bedauern. Und es erscheint wohl oe-stöndlich, daß er seine öffentlich angegriffene Ehr« durch eine Klage zu verteidigen be« skrebt war. Der Freispruch des Beklagten soll auch in keiner Weise eine moralische Verurteilung des Klägers bedeuten, wenn es auch nicht einzusehen ist, weshalb er sich nicht mit seinen Mitteilungen direkt an die Stelle gewandt hat. denen die Prüfung derartiger Meldungen oblag. Er hätte dort seine Meldung machen käimen, ohne das preiszugeben, was ihm oertraulich mitgeteilt worden war. Das Gericht bedauert tief, daß olle Bemühmigen, einen Vergleich herbeizuführen, gescheitert sind. Es wäre für beide Teil« besser gewesen, wenn er.mstandegekonnnen wäre. Nach den bestehenden Elesetzen und auf Grund seiner Uel�rzeuguirg hat das Gericht den Leklaoten freisprechen müssen." Mit diesem Urteil hat aber die Affäre Tresckow-Badicke noch nicht ihren Abschluß gesunden. Rechtsanwalt Kuntz machte der Presse die Mitteilung, daß«r unverzüglich beim Reichs- gericht Revision einzulegen beabsichtige. Auch der Hoch- meister des Juno deutschen Ordens Mal, raun erklärte, daß der Orden in einer länaeren Erklärung zu den De-bältnisfen Stellung nehmen wolle, wie sie sich damals im Kreis« Köniasberg'Neumark und im Re i ch s w e h r m i n i st« r i u m in Wirklichkeit abgespielt haben. Was Paulus �aufhob"... In der ersten Instanz wurve in voller Oeffentlichkeit verhandelt. Das von der Oeffentlichkeit kontrollierte Ergebnis fand in folgendem Urteil Niederschlag: Durch die Beweisausnahme ist festgestellt, daß die Behaup- tungen des Anaeklagten nicht erweislich wahr sind, da in dem Berhaltei, de» Herrn a Tresckow weder ein Vertrauen»miß brauch, noch eine Schädigung der Laudesverleidiguag vorliegt. Bon einem Vertrauensbruch kann schon deshalb keine Rede lein, weil durch die Zeugen bekundet worden ist, daß die Aufstellung der Formationen durchaus kein Geheiwni» im engen streife, sondern daß diese Absicht ziemlich offenkundig gewesen wäre. Roch viel weniger aber tan» von«in« Schädigung der i Die wirklich Notleidenden. Antwort au die„notleidende" Landwirtschaft. Im«eiteren Verlauf der gestrigen Hauptausschuß-Sitzung des Landtags wies Abg. Brandenburg sSoz.) nach, daß in den Jahren 1919— 1SZS von Ostpreußen ISS 000. von Pommern 60 000, von Schlesien 70 000 Landarbeiter abgewandert sind. Zahlreiche Landarbeiter oerlassen den Osten, um im Westen Beschästigunq zu suchen. In Königsberg beobachtet man ganze Sonderzüge, die nach dem Westen fahren Die Enffchließung der land. und forst- wirffchottlichen Arbeitgebe roerbände zu den Lohnoerhältnissen der Land- und Fvrstarbeiter ist innerlich verlogen. Tatsächlich beträgt der Loh» des Landarbeiters einschließlich des Deputats im Gesamtstundenlohn, zum Beispiel in Ostpreußen 36,99 Pf., in Schlesien 36,32 Pf., dagegen in Westfalen 48.28 Pf. Der weckstichc Freiarbeiter erhält in Ostpreußen nur 12,50 Pf., in Pommern 19,33 Pf., in Brandenburg 18,51 Pf., in Niederschlesien 16 Pf., dagegen in Westfalen das Dreifache wie in Ostpreußen: 35 Pf Der iSjährige Landarbeiter hat folgende Lohn- sätze: in Ostpreußen 18,48 Pf., in Brandenburg 21,51 Pf., in West- falen 45 Pf. Ein erwachsener verheirateter Landarbeiter mit Frau und Sohn von 18 Iahren erhält für olle drei insgesamt in Ost- preußcn 64,97 Pf., in Schleswig 87 Pf., in Schlesien 77,32 Pf., in Sachsen 92,08 Pf. Für einen Bauhilfsarbeiter werdest in Ost- preußen 63 Pf., in Schleswig-Holftein 88 Pf., in Schlesien 71 Pf., in Mitteldeutschland 80 Pf. bezahlt. llvd diese elenden Löhne gibt man bei einer Steigerung der Lebenshaltungskosten von mehr als 50 Prozent gegenüber der Friedenszeiti Herr von Rohr vom Pommerfchen Sandbund stellte ein« drohende Proletarisierung der Landarbeiter in Aussicht, wenn die Verhältnisse nicht besser würden. Diese Befürchtungen, von Deutschnotionolen ausgesprochen, tauchen jetzt vor den tominenden Wahlen auf. Herr Wilberg sagte: die Landarbeiter sollen, w i r sogen: die Land- orbeiter werden sich bei denen bedanken, die an diesem Elend schuld sind. 1927 sind 1 7 6 T o r i f e zustand« gekommen, davon nur zwei durch freie Vereinbarung, aber 174 durch Schiedsspruch. Das zeigt am besten die Landarbeitersieundlichkeit der Arbeitcrgeber- verbände. Sie brauchen ihr Geld für kostspielig« Neubauten, ost für zwei bis vier Personen Autos, sie geben große Gosellschastsabend«, veranstalten Maskenbälle, beteiligen sich an Rennen. Reitervereinen, am Stahlhelm usw. Das beweist, daß höhere Löhne gezahlt werden könnten.— Trotz der Konventionalstrafen werden von vernünf- tigen Landwirten so auch die notwendigen übertaris- li ch e n Löhne gezahlt. Die Wahlen zu den Landtranken- kassen beweise» die wirtliche Stimmung der Landarbeiterschaft. Das Wohnungselend der Landarbeiter ist ebenso groß. Bei einer Werkwohnunqs Zählung in Ost- preußen wurden 297 Betriebe mit 4257 Wertwohnungen ersaßt. 161 Wohnungen hallen einen Raum. 520 nur Stube und Küche, 2078 nur Stube' und Kmnmer, 1264 Stube, Küche und Kammer und nur 234 wiesen mehr Räume aus. Im Kreis Anqsrmünd« wurden in 23 Gutsbezirten 727 Werkwohnungen besichtigt. Es be- standen 133 aus einer Stube, 419 aus Srube und Küche, 173 aus zwei Stuben und Küche. Auf dem Gut W. faßte ein Raum acht Personen: Deputant. Frau. Mutter, zwei Kinder unter 14 Jahren und drei männlich« Hofgänger. I m G u t Z. wohnen in einem Raum Deputant, Frau, zwei weibliche und Zwei männliche Hofgänger. Es ist Aufgabe des Ministeriums und der Benvaltimg, im öffentlichen Interesse gegen die immer noch geübten Mißhandlungen von Landchvellern und ihren Familienangehörigen«inzuschreiten. Der Pommerfche Pächterbund droht in einer EntschNeßung. zum 15. Januar die Arbeiter restlos zu entlassen und die Betriebe zu schließen. Und dabei sind in Pommern 4500 Arbeitslos« in der Land- und Forstwirtschaft oorhandenl Genosse Brandenburg wandte sich zum Schluß gegen«ine Verfügung der Breslauer Regierung be- treffend Landarbeitereigenheim. Es liegt nicht im Belieben des Landarbeiters allein, forstwirtschaftliche Arbeit zu finden und dadurch die Bedingungen für dauernde Benutzung einer Cigenheimwohnung zu erfüllen. Abg. Mllich(Soz.) sprach im besonderen über die Förderung der landwirtschafilichen Produktion nach den lozialdemokrotilchen Anträgen. Die Bevorzugung von ausländischen Waren, die von den rechtsparteilichen Rednern bemängelt wurde, erfolgt gerade durch die besitzenden Klassen. Die Vorwürfe gegen den Leipziger Konsumverein wies der Redner zurück. Die von diesem be- zcgene dänische Butter sst in der Qualität besser und trotz Zoll noch billiger als die deutsche. Die deuffchnationalen Angriffe aus Staatssekretär Krüger sind aus« schärfft« zurückzuweisen. Krüger hat sich in landwirtschaftlichen und Siedlungsfrogen als Sach- kenner erwiesen. Redner berichtigte weiter die Behauptungen bürger- licher Redner über die Verteilung der Bevölkerung in Land und Stadt. 1871 wohnten 63.9 Prozent auf dem Lande. 36,1 Prozent in der Stadt: 1925 aber 35,6 Prozent auf dem Lande und 64,4 Prozent in der Stadl. Jeder vierte Deutsch« ist heut« Großstädter. Für den Zirkulottons- prozeß der Wirffchast kommt es aber auf die Verbraucher an. Die Kaufkraft der Arbeiter, Angestellten und peamlen muß erhöht werden. Die Arbeiter haben ebenso wie die Kleinbcmeirn auf dem Lande keinen Borteil von Zöllen. Die Gewerkschaften würden auf Lohnerhöhungen verzichten, wenn nicht eine andauernde Lebensmiltslpreissteigarung erfolgte. Notwendig ist die V e r- größerung der Anbaufläche durch Meliorationen und Landgewinnung, um die angeblich überflüssigen 20 Millionen Deutscher zu versorgen. Ebenso notwendig ist die Erfüllung unserer Anträge: Rationalisierung der Betriebe, Enteignung der Latifundien und Riesenbesitzungen über 730 Hektar, wasserwirtschaftliche Maß- nahmen und erhöhte landwirtschaftliche Schulung des Nachwuchses. Wir fordern ferner eine Erhöhung des steuerfreien Existenzminimums auch auf dem Laude, eine Grundwert- steuer nach dem Wert des nackten Bodens. Es ist bezeichnend, daß die..notleidenden" Agrarier, obwohl sie. rücksichtslose Gegner der Republik siud, in der Republik die wenigsten Steuer» zahlen. Beim Gesamisteue rein kommen des Reiches von 4,5 Milliarden bringt die Landwirtschast höchstens 730 000 Mark bei. Sie zahlt keine Hauszins st euer, nimmt aber, besonders in den Großbetrieben, die m e i st e n Kredits in Anspruch. Wir sind Gegner der KreWtaklion Hugenberg-Schlange. Für die Zukunft ist notwendig der Uebergang zur Bedarssdeckungswirtschaft. unter anderem auch eine gewisse Berücksichtigung der Mechanisierung des Verkehrs und der Betriebe durch Reduzierung der Pferdezucht. Die Produzenten müssen sich mehr den Ansprüchen der Käufer anpassen. Der Weg vom Produzenten bis zum Konsumenten muß verkürzt werden. Achtzig Prozent des Zwischenhandel» sind nicht notwendig. Abg. Simon(Soz.) trug eine Anzahl Beanüomvünsch« vor von der Wasserbau- und Kulturbauoerwaltung und entsprach damit Gedankengängen des Ministers, der ein Mehr von Beamten in diesen Berwoltmrgen au» sachlichen Gründen für berechtigt erklärte. Landesverteidigung die Rede sein. Die Weitergabe der Nachricht an die höchst« Leitung de» Zungdeutschen Ordens und von dort an die Reichsregiernng kann nie und nimmer eine Schädigung der deutschen Landesintaesscn bedeuten. Die von dem Beklagten behaupteten Taffachen sind also nicht erweislich wahr. Es ergab sich aus der Verhandlung vielmehr dos Bild, daß der Angeklagte und die ihm nahestehenden Kreise«inen Prügeltnaben gesucht haben, dem die Verantwortung für die später erfolgten Presseoerössentlichungen ausgebürdet werden sollte. Der Beweis, daß Herr v. Tresckow an diesen PresseveröffeiU- lichuugen irgendwie mitgewirkt, oder daß seine Mitteilungen über die Absichten der Aufstellung von Fonnationen an Herrn v. Salzen- berg in einem kausalen Zusammenhang zu den Presseoerössentlichungen stehen, ist nicht erbracht. Es sollte, dos war das Ve- streben des Angeklagten, einem angesehenen Iftltglied de» Kreises das Genick gebrochen werden. Er sollte in den Augen der Oesfenl- lichteil und in der Achtung der Volksgenossen heraboewürdlgt werden. Nach den Wirkungen, die diese Tat für den Kläger in gefellschostlichei- und finanzieller Beziehung hatte, war die Strafe schwer zu bemessen. Das ist des Ergebnis Öffentlich er Gerichtsverhandlung. Paulus aber prakiizisrte dos Dunkelkammersystem, um irgendein„Geheimnis" anzudeuten, das von der Vorinftanz schon als gar nicht vorhanden festgestellt wurde! Das Liquidationsschädeugesetz. Bisher nur �0 proz. des Schadens erseht. Aus der Begründung des Gesetzentwurfes über die Liguidationsgefchädigten ergibt sich, daß das Reich in 391 000 Fällen Schadenersatz zu leisten hat. Davon betreffen 81 000 Fälle den Verlust von Wertpapieren. Von den resttichen 330 000 Schadenaussölleii«nffallcn 93 000 auf das Ausland, 175 000 auf die ehemaligen Schutzgebiete, 136 800 auf die abgetretenen Ost-""d Nordgebiste. 34 800 auf die oberschlcsijchen Aufstandsschaden und 45 000 auf die abgetretenen Westgebiete. Der FriedSuswert sänMcher Schäden wird für Liqui- dalionsschäden auf 7,6 und für Gewallschäden auf rund 2B Milliarden Mark geschätzt. Davon wurden bis zum 1. September 1927 rund 1014 Millionen Mark als Entschädigung bewmigt(Liguidations- schaden 429 Millionen und Gewollschäden 585 Millionen Mark). Wenn man die Leistungen des Reichsenffchädigungsamtes(rund 59 Millionen Mark) berücksichtigt, beläuft sich die Gesamt- entschädigung bis zum genannten Termin auf 10 Prozent des Schadens. Dos nach dem Gesetzentwurf vorgesehene Ent- schädigmrgstapital beträgt 1028,5 Millionen Mark. ... wohin bist du entschwunden! In Baden ist die Kommunistische Partei m einem unaufhalffamen Niedergong begriffen. Der Tiesstand ist derart groß, daß man schon nicht mehr wagt, den Mitgliedern die genauen Zahlen über den Mitglicderstand anzugeben. Don ehemals 5000 Mitgliedern im Bezirk Baden sollen nur noch 800 bis 100 0 vorhanden sein, davon in Mannheim etwa 300. Der große Teil dieser Mitglieder besteht aus jungen Leuten, die vom Frontkämpferbund übertreten. Aeltere, gewerkjchafllich gejchulle Mitglieder find kein« 10 Proz vorhanden. Dos Parteiblott für ganz Boden, die„A r b ei t e r- Z e ftu n g", hat noch etwa 2500 Abonnenten, davon in Mannheim etwa 1000. Nur infolge dar hohen Zuschüsse aus Moslau kann sich das Blatt poch über Wasser halten. Natürlich steht auch in Baden trotz der minimalen Mitgliederzahl der Spaltungsrummel in hohem Schwung«. Man wollt« sogar Zeittmgströgerinnen, deren Männer im Verdacht der Opposition stehen, entlassen. Steuersenkung! Gute Zeiten für Steuerhiaterzieher. Der nachstehende, einer Beamtenzeitschrift entnommen« Arttkel gibt ein interessantes Bild, wie durch schärfere Kontrolle der Steuerhinterzieher Wege zur Stuersenkung offen stünden: Seginnende Morgenröte. Um den Schmerz derjenigen„Wirffchaftskreffe", die sich gegen hsorniete Buchprüfer wenden, ganz verstehen zu können. setzen wir die Zahlen der in 83 706 Fällen hinterzog«»«:» Steuerbetroge aus dem Jahre 1926 hierher: 46 102 662 M. Einkommensteuer. 17 592 654 M. Körpers Hastssteuer. 19 413046 M. Umsatzsteuer. 3 711591 M. Vermögenssteuer., 10088 933 M. sonstige Rcichssteuern. 10 266 071 M Lande»- und Kirchensteuern. Wegen dieses Steuerbetruges von 109 194 959 M. wurden 4 898 843 M. an Strajen verhängt. Wieviel Millionen sind nicht entdeckt oder durch geschickte Buchung verschleiert worden? Und wieviel besser wird das noch gehen, wenn noch dem geistreichen Reichstogsbeschluß erst jeder dritte Buchprüfer ab- gebaut sein wird? Also jeder dritte Buhprüfer wird künftig abgebaut: gute Zellen, Aussichten für Steuerhinterzieherl Der Arbeiter und Angestellte zohll prompt sofort, die Herren der Wirffchast nach Belieben, trotzdem kalkuliert der Geschäftemann die Steuer mit ein. so daß der Derbraucher, meistens Lohn» empfänger(ehrliche Steuerzahler), doppell besteuert wird- Zude, Zudlmg oder Ludenser? Die Leute um Gräfe, Wulle und Henning bereiten im Geist« Ludendorff»«inen großen Generalstabsplan für die kommen- den Reichstogswahlen vor. Sie wollen all« Juden und Freimaurer resttos vernichten. Sie drohen in ihrem Blättchen: „Unser Nachrichtendienst wird so organisiert sein, daß bei den > kommenden Wahlen uns nicht nur jene gegnerischen Kandidaten bekannt werden, die Juden. Iüdlinge oder Iu denser sind, sondern daß wir dank des in unseren Händen befindlichen Materiols im Nu festzustellen in der Lage sind, welcher der Kondidoten«in Freimaurer ist. Wir werden jede Rücksicht fallen lassen und gegen die anertonnten gedeckten Juden. gegen die weißen Juden, gegen die Freimaurer ein enthüllendes und vernichtendes Feuer eröffnen." Frage: Zu welcher Kategorie gehört Albrechi v. Gräfe, dessen Abstammung sonst gar nicht unzweifelhaft ist. Ist er nun Jude, Iüdling oder Iudenser, ist er ein offener Jude oder ist er„gedeckt"? Oer Boxkampf noch unentschieden. Drei Stunden Schulgesetz.—„Ergebnis nicht erzielt." Der Interfraktionelle Ausschuß der Jjerren vom Bürgerblock chat gestern getagt, um die„neuen Formu- lierungen" zum Reichsschulgesetz wieder zu finden, die Herr von Keudell nach seinen„privaten Besprechungen mit einigen Abgeordneten" verloren hat. Das Resultat ist sol» gendes„Kommunique": Der Interfraktionelle Ausschuh des Reichstages unterbrach noch dreistündigem Derlaus seine Beratungen und wird sie am Mittwoch nachmittag um 2 Uhr fortsetzen. In der heutigen Beratung wurden die§§ 14 bis 20 des Reichsschulgesetzes durchgesprochen. Die einzelnen Parteien legten ihren Standpunkt zu den Fragen der Aufficht über den Religionsunterricht und über die Simullanschulfrage dar. Die Fragen wurden eingehend durch- gesprochen, ein sachliches Ergebnis aber vorläufig noch nicht erzielt. Bis morgen sollen die einzelnen Partelen chre formulierten Vorschläge machen, damit in der morgigen Sitzung über die Formulierung der einzelnen Bestimmungen des Gesetzes Beschluß gefaßt werden kann. Hinter den Kulissen spielt sich inzwischen ein wilder Box- kämpf zwischen der V o l k s p a r t e i auf der einen und dem Zentrum und den Deutschnationalen auf der an- dereren Seite ab. Während die klerikalen Freunde aller Welt verkünden lassen, daß es nur an der Volkspartei liegt, wenn man noch nicht weiter ist und daß der Volkspartei nichts an- deres übrig bleibe, als sich den klerikalen Wünschen zu unter- werfen, versucht die Volkspartei durch die„D e u t s ch e A l l» gemeine Zeitung" den Parteiführer Marx gegen den Fraktionsführer Gu6rard auszuspielen: „In der heutigen Besprechung wird es vor allem auf das Zentrum ankommen, seine in den letzte« Wochen stark um- strilkene Stellung zu klären, llnzwelselhaft haben sich in der letzten Zeil bei der Führung des Reichslagszentrums wohlkaklische Erwägungen stark in den Vordergrund gedrängt. Das würde be- deuten, daß dasjenige Gesetzgebungswerk, das für das Zentrum bei der Gründung der gegenwärtigen Koalition die Hauptrolle gespiell hat, jetzt von der gleichen Partei preisgegeben ist und zur wahlpolitischen Parole gemacht werden soll. Man glaubt in parlamentarischen Kreisen, daß Reichskanzler Dr. Rlarx als Führer der Gefamlpartci und als der für den jetzigen llurs verantwortliche Slaalsmann diesen Bestrebungen entgegen. wirken wird, zumal Dr. Marx als Ergebnis seiner früheren kultur- politischen Tätigkeit besonders stark am Schulgesetz interessiert ist." Fügt man noch hinzu, daß der für den Entwurf verant- wortliche Reichsinnenminister Dr. von Keudell in der gestrigen Interfraktionellen Konferenz unter der Aufsicht von „vier weiteren Vertretern des Innenministeriums" erschienen ist, so hat man ein Bild von der Lage. Es soll sich übrigens in diesen: letzteren Fall nicht um die geistliche Schulauf ficht gehandelt haben._ Schreck. Oer Abenteurer vor dem Aoichsgerlcht. Im weiteren Verlauf des Prozesses Schreck und Genossen vor dem Reichsgericht, von dem man nicht weiß, ob man ihn einen Spionage-, Landesverrats- oder einen einfachen Datum enleirfällcher- prazeß nennen soll, setzt der Angeklagt« die Schllderuna seines Leoens- laufes fort, di« an Phantaftö den ersten Teil fast übertrifft. Roch Bayern gekommen, taust er 1918 einen G u t s h o f bei Pasberg und wird— er, der„Ausländer"!— in unglaublich kurz« Zeit das „große Xier" seines Kreises: Gründer einer Einwohnerwehr, die 32 Gemeinden umfaßt, Mitglied der Bayerischen Bolksportei, Gemeinderatsmitgllod, Kandidat für den Kreistag, stellvertretender Kretsoorfitzender, Mitglied der Kreisbauernkammcr. Mitglied des Verwaltungsrats des Oberpfälzischen Kreisüberlandkrastwerkes in Rcgensburg. Glänzender Ausstieg. Und«in ebenso schneller Abstieg. 1921. Weibergeschichten. Ein Offiziersehrenrat spricht ihn, die Satissaktionssähigkeit ab. Die Partei wendet ihm den Rücken. Kurz entschlossen sattelt Schreck um. Kauft ein G u t bei München, gründet eine Grundbesitzgesellschaft, pachtet eine ehemalige Pulverfabrik, gründet zwei, drei andere Gesellschaften, und Schreck darf es sich erlauben, in München dos Leben eines Großindustriellen zu führen. Er heiratet ein zweites Mal(die erste Ehe mit einer RUtergutsbesitzerstochter mar schon vor länger« Zeit geschieden worden). Aber schon lauert — typisch für jedes Abenteurerleben— ein neuer Abstieg. Die zweite Ehe wird, kaum daß sie rechtskräftig geworden ist. wieder gelöst, weil Schreck ein« schwere Geschlechtskrankheit ver- schwiegen hatte. Ein Unternehmen nach dem anderen bricht zu- sammen, das Vermögen schwindet unter seinen Händen, noch eine kurze Zeit luxuriösen Sckieindaseins auf der Basis des Pumps im großen, dann Flucht mit einem Barbestand von 2000 M. Und Schreck taucht Ende 1924 in Berlin aus, nun schon nichts weiter als Abenteurer. Betrügerische Geschäfte, Auftreten unter falschem Namen, und dann— abrupt und jäh— ein neuer Aufstieg, Mätressenwirtschaft, Badereisen. Luxus und Komfort: Scyreck hatte sein Fälschergenie entdeckt und ließ es— der Prozeß wird klären, wie west zugunsten, wie weit zum Schaden der„fremden Mächte"— im großen Stil der Spione und Landesverräter spielen. Das Geheimnis der Seele. So west der Angeklagte. Zwischenfrage des Vorsitzenden, che der bunt« Film des Prozesses weiter läuft: Wie ist der An- geklagte psychisch zu werten? Da hat er— noch in Bayern— einen Lebenslauf aufgesetzt, der an Phantastik nichts zu wünschen übrig läßt. Vorsitzender:„Wie kamen Sie dazu? Sie hatten wohl einen Hang zum Aufschneiden?" Antwort: „Das ist hier Dichkung uud wahrhelk, ich nehme an. daß die Richter am Reichsgericht psychologisch geuü- gendgeschult sind, um ,u«kennen, ans welch« Verfassung heraus ich das geschrieben habe. Es war mir so. a l s o b e t v Dichter sich in sein Subjekt hinelnlebl. Ich lebte mich damals in diese Rlalerie hinein. And«s kann ich das nicht erklären." Und das Urteil des Psychiaters? Sanitätsrat Dr. L« p v» mann hat den Angeklagten Anfang 1927 in der Jrrenob- t eilung des Untersuchungsgefäiigni's«, Moabit beobachtet. Seine Borkenntn's: Feststellung der Schweizer Irrenanstalt. Eins:i»Ige Vvpillenslarrheil. Simulation ausgeschlossen. Feststellung des Mediziners: Schreck ist ein sehr intelligenler. schlagfertig« Mensch mit einem fabelhaften Erionerungsvermogen. ab«— er will mehr scheine«, ol» er in wirklichkett ist. Anzeichen, daß die Delikte einer damals zeitweisen oder dauernden Unzurechnung» sähigteit entsprangen, sind nicht vorhanden, ab« der außer ordentliche Geltungswert und die außergewöhn- liche Phantasie des Beklagten müssen berücksichtigt werden Die Freigabebill für das beschlagnahmte„feindliche" Eigentum soll im Finanzausschuß des Senats zu Washington noch vor d« lganz ungeklärten) Steuerfrage, gleich nach Gesundung des vppo- fiiionsführers Simons, b«aten werden. Der verfass'mgsireue Kreisoffizier. »putsch?— Ausgeschlossen! Wir planten nach Auseinanderjagung des ZieichStags und Niederwerfung der Republikauer die Einsehung einer völlig legalen Diktatur." Fort mit dem Bürgerblock! Lobe vor dem Reichsbanner in Königsberg. Königsberg, 10. Januar. Auf ein« großen öffentlichen Kundgebung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold im üb«fullten Saale der Bürger-Ressource sprach heute abend Reichstagspräsident L ä b e über das Thema„Volksherrschaft od« Gewaltregiment". Der Reichstagspräsident wurde bei seinem Erscheinen von der Versammlung stürmisch begrüßt. Zu Beginn seiner Ausführungen hob er hervor, daß er gerne nach Ostpreußen gekommen sei nicht nur, weil es wirtschaftlich, national und sozial besonders schwer zu ringen habe, sondem auch well in diesem abgelegenen Bezirk es den rückwärts g«ichteten reaktionären Elementen am schwersten falle, sich in die neue Zeit zu schicken. Präsident Löbe stellte alsdann in seinen Ausführungen die beiden Kampffronten«nand« gegenüb«: Schwarzweißrot und Schwarzrotgold, den alten Obrigkeitsstaat und den neuen freien Volksstoat, d« es sich zur Aufgabe gemacht hat. verantwortliche Bürger zu politisch« Reise zu erziehen.. Gewaltherrschaft gegen volkssreiheit. Arme und Kraft werbe das Reichsbanner zur Verfügung stellen, um diesen Volksstoat zu verteidigen. Als den Zweck verartig« öfent- lich« Zusammenkünste- des Reichsbann«» bezeichnet« Präsident Löbe durch Taufende von Kanälen an olle diejenigen hercmzu- kommen, die draußen im Lande und in den Bororten w ebnen, o» die Jugend, die die Zukunft des Staates bedeuten. D« Reimet gab einen ausführlichne Rückblick über die historische Bergan geiKU der Farben Schwärzrotgold und stellte vergleichend die erst im Jahre 1870 durch Bismarck geschaffene Fahne Schwarzweißrot daneben, die Flagge einer kurzen, wenn auch keines- weg? unwichtigen Uebergangsepockie von 50 Iahren. Wichtiger. sei die Frage: was fall die Flagge repräsentieren? Gegenüber dem Hauvtargument d« Gegner, dem wirtschaftlichen Elend der heutigen Zeit, verwies Löbe darauf, daß sich eine solche Katastrophe wie der Weltkrieg überall in der Well in gleicher Weise auswirkte Er beleuchtete dann des näheren das trostlose Erbe. dos di« Monarchie im Jahre 1918 bei ihrem Zusammenbruch in menschlicher, materieller und finanzieller Hinsicht hinterlassen habe. Er müsse fragen: Woher nehmen die Leute, dle eiserne Stirn, diejenige» anzuklagen, die unter diesen Umstünden den Mut aufbrachten, das Steu« aufzunehmen, das die anderen fliehend fallen gelassen hallen? Diese geschichtliche Wahrhell müsse matt der Jugend vor Augen hallen. Die Demokratie, bctoill« Löbe, ist heute fest gegründet, aber sie bedarf noch weiterer Festigung und des Schutzes. Dem Barwurf, daß die Demokratie undeutsch wäre, begegnete er mll einem ge- schichllichen Rückblick aus die Verfassung der alten Ger- manen. Der Wellanschauung der alten Monarchie:„D e s Königs Wille ist das höchste Gesetz" setzt die Republik den Satz entgegen:„Des Volkes Wille ist das höchste Gc- s« tz".(Starker Beifall.) Zu den neuen verschiedenllichen Anträgen auf Verfassung s- ä n d e r u» g sprach sich der Redner besonders dagegen aus. dos vielfach angegriffene Wahlalter von 20 Iahren h«aufzusetzen. Unter den nächsten Aufgaben des Vollsstaates steh« in erster Ltni« energische Arbeil zum Einheilsstaal. Es habe auch den Anschein, als ob der neue Bund zur Erneuerung des Reiches das gleiche Ziel Hab«, wenn es all«dings auch merk- würdig berühre, daß. wenn man vereinfachen wolle, man noch«inen neuen Bund hinzugründe. Am verdächtigsten sei der Deisoll, den der neue Bund bei denen finde, die dem Einheitsstaat bislang am wenigsten gewogen waren. Reichstagspräsident Löbe sprach dann über die deutsche Außenpolitik einige Worte. Eines der Hauptargumente der nationalistische» Gegner sei der Hinweis auf die deutsch« Außen- pol'tik der Nachgiebigkeit, der Schwäche und der Demütigung. Diese Außenpolitik der letzten acht bis neun Jahre, di« Deutschland auf absehbare Zell weiter treiben müsse, sei die einfach« Erkennt- n i s der heutigen wirtschaftlichen Zusammenhänge Europa». „penthesilea." Tleueinstudierung im Staatstheqter. Die mehrfach unter eigenartigen Umständen verfchvben« Reu- einstudierung des Kleist fchen Trauerspi-ts ist gestern endlich in Szene gegangen. Eine Verlegenheit svorsiellung mit fast zum Fragment verslümmelten Text. Loihar Müihel läßt im verstaubten Hostheaterstil mit gewaltigem Pathos spielen. Dyrch den Mangel an dionysischem Schwung und das völlige Berfagen der Maria Koppenhöfer als Penthesilea bleibt vom dichtertschrn Gehalt des Werts kaum etwas übrig. Dgr. kein europäischer Staat köime heute seine Wirtschaftspolitik allein und unabhängig von den anderen fuhren, und Deutschland am allerwenigsten. Sell wir Industriestaat sind, können wir unser Volk nicht mehr aus eigenen Mitteln ernähren. Wir sind angewiesen auf A u s't a u s ch, wenn unsere eigenen Bürg« nicht an Unterernährung zugrundegehen sollen. Wir müssen mit unseren Rachbarn in Frieden leben und ver- gefsen, wa» zwischen uns lag. Denn in dem Augenblick, wo an die Gewalt appelliert wird. begiimt die W e l t k a t a st r o p h e mll einem ungeheure» Trüin- m«- und Leichenfeld in Europa. Deshalb gibt es nur den Weg der Berständigung. Des» hall, hat auch die Sozialdemokratie der Außenpolitik Strcjemanns Gefolgschaft geleistet. Solang«« sriedllche Verständigung sucht mll ollen ZIachbar lande rn, solang« kann« aus die Unterstützung alle: republikanischen Parteien r«tjneti. Auf die bevorstehenden Wahlen hinweisend, erklärte der Redner, er besände sich im Einklang mll zahlreichen Zen- trumsleuten darin, es sei dle Aufgabe der nächste» Vanate. die Rechtsrcgi crung zu z-m- teümmern und gn ihre Skelle eine klar ays republikanischem Boden stehende Regierung zu sehe». Das Programm der nächsten Zukunft sei: Ausbau zum Volks- stoat, Lufoau noch der sozialen Seite auf der Grundlage gegen- seitiger Htls» Dann werde eine Republik geschaffen werden, die nach innen und außen repräsentiert wird durch den deutschen Ar- beller, den deutschen Landmann. Wissenschaft l« und deutschen Jung- ling, der, die Hand an der schwarzrotgoldenen Fahne, dafür sorgt, daß chm nicht entrissen wird, was in den schwersten Stunden unseres Vaterlandes für unser Volk geschossen worden ist. Sensation in Moabit! Em Pressevertreter will dem Aarmat-Prozeß beiwohaen. Dieser Tage um Mittag im allen Krtminalgericht Einer unserer Mitarbeiter sieht an d« Tur des kleinen Schwu rgeri chts saol« s einen Zettel und entnimmt daraus, daß dort die Sache gegen Barmat und Genossen am 11. Januar 1927 und folgend« Tage verhandelt wird. Er öffnet schüchtern di« Tür und blickt zunächst noch dem Zuschauerraum: Kein Mensch! Schon will er sich wieder entfernen, da entdeckt er in einem schattigen Winkel doch ein« Menschengestalt. Also doch? Abermals steckt er den Kopf durch die Tür und blickt noch der anderen Selle des Raumes: Dort sitzen tatsächlich ein Dutzend Herren, teils im Talar, teils in Zivil. Inzwischen ist ein an d« Eingongstür sitzend« Iustizwochtmeisier aufgestanden»nd fragt unseren Mitarbeiter, was er wünsch«:„Presse!" D« Wockss- meist« kamt ein Lächeln nicht unterdrücken,«in Lächeln, das Er- staunen und Mitleid zugleich verrät, ein Lächeln, das sich mll den Worten übersetzen läßt:„Mensch, du bist wohl wtal verrückt ge- worden?" Aber der liebenswürdige Beamte ist zu höflich, dies« Frage laut zu stellen und bittet sachlich um den Ausweis. Man fühll, wie olle Blicke vom Richtertisch, von der Bank der Angeklagten und Berteidig« und von dem einen Mann im Zuhörerroum auf den Neuling g«ichtet sind. Am liebsten möchte man lieb« gleich fortlaufen, wie wenn ein Fremder irrtümlich in einen Familien- kreis ungebeten und störend eingedrungen ist. Aber der Ausweis ist nun emmak schon gezeigt, der Wachtmeister weist aus di« Presse- tische hin— es gibt kein Zurück! Spießrutenlaujen auf den Zehenspitzen durch den Saal. Am Pressetisch sitzt ein Sachvorstän- diger und der Berichterstatter ein« Gerichtskorrespondenz. Der Kollege macht einen sehr gedrückten Eindruck. Man merkt es ihm an. daß er bereits ein Jahr Ba rmot�Prozeß ab- gesessen hat! Geplänkel zwischen der Berteidigung, den Sachverständigen und dem Staatsanwalt. Es handell sich um komplizierte bonktechnlsckte Vorgänge, üb« die jed««in« andere Auffassung hat. Was heißt. was bedeutet„Franca Valuta"? Ist es so oder so aufzufassen? D« Vorsitzende»«sucht zu vermitteln:„Franco Valuta in dem Sinne, also, daß... ober nicht in dem Sinne, daß..." Die Schöffen vorn und die Schöffen hinten(Ersatzschöffen) folgen mit sachlicher Miene den Darlegungen. Man möchte Gedankenleser sein und die Frage beantworten könne»?„Wer von euch versteht wirklich etwas davon?" Jedenfalls erwecken alle den Eindruck, als ob sie sich bemühten____ Am Mittwoch ist Jubiläums sitzung. Vor einem Jahr« war der Zuschaueraum mit einem mondänen Premierenpublikum zum Bersten voll. A"ch die Blätter brachten spoltenlangc Berichte. lind jetzt? Es gab wieder einmal nach langer Zeit ein« Sensation: ein Press eberichterstatt«— von dem Kollegen d« Gerichts- korrespondenz abgesehen, d« schon„zur Familie" gehört— wohnte der Verhandlung bin.,, Vom Schlichten und vom Schlichter. Eine sachliche Würdigung. Der erst« Artikel, der Artikel lSl. des das ,Wi rt schafts« leben" betreffenden fünften Wichmltes der Reichsverfasfung lautet: �Die Ordmma des Wirtschaftslebens muß den Grund- säßen der Gerechtigkeit mit dem Ziele der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle entfprechen. In diesen Grenzen ist die wirtschastli�« Freiheit des einzelnen zu i-chsrn Gesetzlicher Zwang ist nur zulässig zur Verwirklichung bedrohter Recht« oder im Dienst« überrag nder Forderungen des Gemeinwohles." Die Republik, die»die Arbeitskraft unter den besonderen Schutz des Reiches" stellt, ein„einheit- liches Arbeitsrecht" schuf, die„Vereinigung es reiheit zur Wahrung und Förderung der Arbeitsbedingungen für jedermann gewährleistet" und„kür Rechtsverhältnisse eintritt, die für die ge- samte arbeitende Klasse der Meirschbeit ein ollaemein«? Mindestmaß der sozialen Rechte erstrebt", die Republik schuf auch sen« für i>ie Arbeiterschaft äußerst wichtige, von der sogenannten Oesfentlich- seit meist wenig beachtete irnd von den an ihr Interessierten meist mit Undank ungerechterweise belohnte Schlichtungsbehörd«. Ein- wertvolle Errungeufchafl. So darf mqn wohl diese von Flaumachern wie Scharsmachern etwas über die Achsel» angesehene Instituuion nennen, die— zumeist von„Männern der Arbeit" und Kennern der Materie, Ost von alterfahrenen Genossen und objektiv sichtenden Leuten„vom Bau" geleitet— zum Woh'e der Werktätigen wie der Allgemein- hell tüng ist. Ein R»'ü> blick in Länder, die feine Schlichümgs- behördcn besitzen, bestätigt uns diese Behauptung. Ungezählte Mil- kionen Arbeilzstunden und Stundenlöhne gehen dort im Grund« genommen für nichts und wieder nichts verloren: Streiks, die Um summen von Arbeitergroschen verbrauchen, versacken, ohne Besserung der sozialen La«« geschaffen zu hoben, iveideu verloren und er- bringen häusig sogar noch stast Lohn- und Ark>eitszeitv«rbessen>vg eine Herabsetzung der Tarife insd eine Verschlechterung der Arbeitszeit. Dank den Schlichtern der Republik und der gesetzlich und recht- lich ja bindenden Verbindlichkeitserklärungen durch das Reichsarbeus- Ministerium gingen in einem Jahr z. 58.. in dem«in Land wie Dänemark mehr als Ii) Millionen Arbeitstage verlor, in Deuischland nur etwas mehrals zehn Prozent davon, etwas mehr als «itre Million Arbeitstag« verloren. Schnell und mit gutem Erfolg war es unseren S ch l i ch tu n g s a u s s ch ü k s e n, ständigen oder bestellten Schlichtern aelunaen, die streitenden Vartner Arbeitnehmer und Arbeit, zeber zueincr für beide Teile annehmbaren gütlichen Einiguttg zu bringen. Daß natürlich viele Arbeitnehmer die Eintgunasbestrebunaen häusia trotzdem als nicht befriedigend bezeichnen, ist ebenso erklärlich wie der Umstand, daß die beieiligten Arbeitgeber die Einigung säst immer so hinnehmen, als ob es est, saurer Apsel wäre, in den sie „nicht dem eigene» Triebe folgend", fondern„weil sie eben müssen" hind»beißen. Die Ausgabe des Schlichters ist ja auch gar nicht, diese oder iene Partei restlos zu befriedigen, sondern Arbeitsfrieden zu stiften, gerechte Forderungen der Streikenden durch zusetze», und- das alles mSalichst scknell. um sonst unausbleiblich.- schwere Schädig» n gen für die Werktäti.�n und die All- gemeinheit zu ersparen. Wie hoch von beiden Seiten der Schlichter emAsschälst wird» beleuchtet die Tatsache, wie ost man ikn �ur Hille nimmt: IneincmIahre wurden von sa stILllSchlich- tu» ge a u»s chüj.1 e n m e dr.a.i.s. ltc.ben.ei nh a lbtau se.v.d .A Tb e i 1 3 st r« jz i«Hzjz i e n g»jich-lchcht.e t.l mehr ate t a u s echd Fälle wurden von den ständigen wie von- bestellten-S-chck i cht e rst! erledigt.•' Die wird �geschLchlsl'—? Ist de? Frieden zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber gestört, werden Lohnsordcrungcn erhoben, wird tariigedrückt. da? Arbeits- zeitgesetz verletz! oder droh» oder besteht aus sonstigen Gründen Streik, dann tritt das neue von der Revolution errungen«(wenn aüch mihi ganz gelungene!) Arbeitsrecht in Kraft, verlangt die Schstchtungsvrdnung die die Streitigkeit schstchtende Einberufung des Falles vor den Schlichtungsauslchuß. Wir haben in rund 2b Schlich- tungsbezirken rund 120 Schlichtungsau sschüsse, von denen seder mit Ausnahme des Groß-Berliner Schlicht im»saus- fchuffes(der allein für den Grc>ß-?erlin«r Bezirk zuständig ist) für rund sechs Bezirke also schlichwnosbefugt ist. Diese Ausschüsse führen mit den uneinigen Partnern sozusagen Dorverhondlungen zu einer Einigung und fällen. wenn dies« nickt erreicht werden kann, einen soaenonnten Schieds- s? r u ch, der einer Formulierung eines Vergleichs gleichkommt, von den Partelen angenommen oder abge- lehnt werden kann und rechtlich noch nicht bindend ist. Nimmt aber einer der Streitenden an und berntragt er sodann beim Reichsarheitsministerium die Verbindlichkeitzerklärung und erkolgt diese, so fft der Schiedssvrnch wie eine vertraglich ge- lchlollene Verelnboruno bindend VW» aber beide ab'-e�nen. so ist die Tätigkeit des Schticbtungsausstbrsses beendet und beginnt die Tätigkeit des für den betreffenden Bezirk zoständmen ständigen Schlichters oder— wenn der in �rc>g« kommend« Arbeitsstreit über diesen Bezitk in andere übergreift— des vom Reichsarbeit-'m'nstterium für diesen Sonderfall eigens bestellten Svnder-Schl-chters. Wenn es fünf vor Zwölf ist.... wenn die Gegensök« unüberbrückbar scheinen, die Parteien ausein- anderprallen, das Manometer auf E'-plosson-'refabr steht, tritt der Schlichter aus den Plan und ruft die„fcinhlicken" Parteien zu sich. Zuerst hat er nun zu versuch-n. nicht zu schlichten, sondern zu bslchwichtiren. die Siedehitze der Debattentempembrn etwas ob'u- kühlen und die aegei'leitiren Slngriffe auf das s-'chstch-ruhio« um- zuranmeren. Der Schlichter, der nicht nur die Mai-"'« und die gegenleitioen Kräftw-tmUnitze. sondern auch die Menschen kennen muß— und das a'>eu einigen. Was ibm auch mefftebs gelir>gt! Dank seiner Rüde. Msrtscheu>enntms, Vertrauen�w""chiakeii lrnd dem s-br wi�ffaen Umstand, daß er nicht als trockener B"r«aukrat am arf'ifst T'fch femdem als lebendiger, mftsühlender„Mann vom Bau" die Fäden knüpft. :..>... �...;.z V Allenhing» mairchMal«ich bleibt. der ErfoZg«löl Meist dann, wenn dem, Schlichter eh« Arbeitgeberschaftl mit ihrem ein- 1 gefleischten Herren-Standpunkt und bornierten Kraftmeier-Ton geaenübersitzt und—„Wir sind Wir!"— in Verkennunq der ge- rechten Arbeitnebmeriorderungen und der Kräfte und Solidarität der werktätigen Masse ablehnt und immer wieder hohnlächelnd ab- lehrst— bis sie schließlich dann doch nach dem durchaebalienen Streik m e b r bewilligen müssen als sie vor dem Schlichter be- willigen sollten I Der �Bwubanb"-Konfliki deigefegt Gewerberat Körner hatte die Parteien zu einer Aussprache gelade»,!n deren Verlaus er einen Vergleichs Vorschlag machte. Sämtliche vor dem 12. Dezember in der Ze'.strole�pedition in Lichtenberg beichästiglen Arbeiter werden wieder einge- st e l l t. Das Arbeilsvtrhästnis gilt hinjichtsich der Bestimmungen des Mailteltarifs nicht als unterbrochen. Der Bergleichsvorschlag wurde von beiden Parteien ongenommeru Die Arbeit wird morgen Donners- tag früh wieder aufgenommen. Oer Wahliernlin öei der Reichsbahn. Protest gegen Geszitmethoden der JWchsfohnverwdtnng Der von dem deulschnationolen Neichsoerkehrsminister Dr. d. a. Koch bei der Reichsbahn heraufbeschworene Konflikt hat jetzt durch das Eingreifen der Hauptverwalmng der Deutschen Reichsbahn- gesellfchast tDNG.) eine bedeutende Verschärfung er- fahren. Die Gewalthaber der Reichsbahn haben«inen nnrzeillgtn lvabltermln erzwungen und zu diesem Zweck gegen den Hoiipttvohlvorfmnd ungesetzliche Mitte! angewandt. Der vom Hauptbetriebsrat bestellte W a h l v o r st a n d hatte, der von ihm vertretenen Rechtsauisasiung entsprechend, in seinem Wahlausschreiben den 10. Mai 1928 als Wahltermin sestgeletzt. Dieser Wahltermin paßte den maßgebenden Herren der Acichsbahnvcrwaltung und den von ihnen gehätschelten christlichen upd Hirsch-Dunckerschen Eisenbahiierorganisationen nicht. Sie hielten hartnäckig an der von Koch in ungesetzlicher Weise bestimmten Wahlzeit lest. Anstatt den im Betrieb srätegesrg nörgeseiieuen R d ch t s m c g einzuhalten, hat die Hauptverwaltung der DRG. dum, unter rücksichtsloser Ausnutzung ihrer Machtstellung den Houptwahloorstand gezwungen, einen ihr genehnien Wahl- termin festzusetzen. Als Wahltermin wurde der 25. Februar bestimmt. i Der Hauptwahlvorstand hat gleichzeitig einstimmig folgenden Pro- j t e st beschlossen: „Der Hauplwohlvorstand nimmt davon' Kenntnis, daß die Hauptverwaltung der DRG. die Veröffentlichung des Wahlausschreibens vom 6. Januar 1928 verweigert und die Ein- jetzung eines neuen Wahlvorstandcs angedroht bat. Zu diesem Lorgehen fehlt jede gesetzlich? Grundtage. Der Houptwahloorstand ist in der Sitzung des Hmiptbetriebsrotes vom 5. Januar 1928 ordnungsmäßig gewählt worden. Er hat die ihm übertragenen gesetzlichen Pflichten unverzüglich wahrgenommen. Der gesetzlich vorgesehene Weg der Entscheidung von Streitfragen ist von der Hauptverwaltung der DRG. nicht beschritten worden: sie hat statt dessen die Ausnutzung ihrer Machtstellung als Arbeit- geber angedroht. Angesichts dieser Maßnahmen hat der Haupt- wahloorstand ein neues lltzahlausschreiben nach den Forderungen der DRG. erlassen: er behält sich jedoch vor. weitere Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, den gesetzlichen Zustand wieder herzustellen. Gegen das Vorgehen der Hauptverwaltung legen wir hierniii f ch ä r f ft e n Protest ein." Di» Hauptverwaltung de? DRG. hat mit diesem brutalen Gewaltakt, der für«Inen Rechts st aot unerträglick, ist, ihrem Personal ein schlechtes Beispiel gegeben. Es muß hinzugefügt werden, daß sich das Vorgehen der Reichsbahngesell- schast mit der Forderung der chlistlichen und Hirsch-Dunckerschen Eisenbahnerorgonisotionen deckt. Die Schwarz-Blaue» erfreuen sich also— genau wie die Gelben— des besonderen Schutzes der Reichs- bahnverwaltung. Sie schämen sich nicht, Nutznießer einer ungeseg- lichen Maßnahme eines rücksichtslosen Unternehmers zu sein. Rur der Einhcitsverband der Elsenbahner Deutschlands Hot sich als u n- erschrockener Hüter und Schützer der Arbeiter rechte und des Betriebsrätrwesens erwiesen. Er dürfte auch da- für sorgen, daß diesen Gewaltmethoden energisch Einhalt geboten und die schwarzvlauen Buudesbrüder in ihre Schranken verwiesen werden. Die Betriebsräte und Funktionäre des Einheitsverbandes müssen durch«ifvige Wühlarbeit da- für sorgen, daß die Bäum« der Schwarz-Blauen nicht in den Himmel wachsen. Es gilt deshalb, sofort alle Wohlvorbereitungen zu treffen. um den Lieblingen der Reichsbahngesellschaft eine deutliche Antwort der Wähler für ihr charakterloses Derholien zu geben. Der Wahl kämpf ist eröffnet, er muß mit aller Schärfe geführt werden unter der Parole:„Für den Eiahellsverbavo, gegen alle Feinde der Eisenbahner".__ Um die Arbeitszeit. Fortsetzung der Besprechung am Freitag. Bei der Durchführung des Schiedsspruchs für die «ardwestliche Gruppe der Eisen- und Stahl» Industrie sind iu eiazclneu Betrieben Schwierigkeiten aus- getreten. Zu deren Behebung fand gestern im Reichsarbeikrmiaiste- rium eine Besprechung zwischen den Vertretern der Zoduslrle und der Gewerkschafleu stall. Die Partelen kamen dahin» überein. die Besprechung am nächsten Freitag in Essen unter Beteiligung des Relchsarbellsministerlnms und des Schlichters für den Bezirk Rheinland in einer kleinen Kommission fortzusetzen. Ungültige VerbindlichkeitserNärung? Oie sächsischen Hüttenarbeiter wollen neu verhandeln. Bochum. 10. Januar.(Eigenbericht.) Da die Rechtsgültigkest des verbindlich erNälken S ch> e d s- fpruches für die sächsische Hüttenindustrie bestritten wird, werden die Arbeiter ablehnen, zu den Bedingungen dieses Schiedsspruches zu arbeiten. Sie verweigern die von ihnen als gesetzwidrig betrachtete Regelung der Sonntagsarbeit. Sie werden den Unternehmern durch ihre Betriebsvertretungen neu« VerHand- lungen anbieten, und zwar auf der Grundlage der in der VerHand- lung vor dem Reichsarbeitsmiittsterlum gemachten Vorschläge. Am kommenden Montag soll neu verhandelt werden. Die dreischichtige Arbeitszeit in Duisburg. Kein Facharbeitermangel. Duisburg. 10. Januar. Die Einführung der dreigeteilten Schichten in der Duisburger Metallindustrie ist ohne Schwierigkeiten vor sich gegangen. Die Befürchtung, daß dadurch ein nicht �u deckender Mangel an Facharbeitern eintreten würde, ist n! cht e i n ge t r o sf e n. Durch die ab 1. Januar erfolgt« Einführung der dreigeteilien Schichten ist auch keine N e u e i n st e l l u n g von Arbeitskrästen notwendig geworden. Di« Werke haben die weniger wichtigen Betriebe eingeschränkt und die dadurch freigewordenen Arbeitskräste für die dritte Schicht eingesetzt. Aus der mitteldeutschen Metallindustrie. Die für Dienstag angesetzten Schlichtungsverhandlungen in der mitteldeutschen Metallindustrie sind ausgefallen. Sie werden vor- oussichtlich von dem mitteldeutschen Schlichter in Magdeburg er- folgen._ Arbeitszettstreik in Ostoberschlesien. Die Belegschost einer Brsnuerei in Bismarckhütle, ins- gesamt 300 Mann, ist dh, Sonnabend in den Streik g e- treten, da für ihre-Arbettszeft. noch nicht der A cht st u n d e.n,- tag in Anwendung getommen ist. Die Verwaltung Hot durch den , Betriebsrat die fristlose Entlassung der Streikenden be- kannigegeben. falls die Arbeit bis zum 10. Januar nicht wieder aufgenommen wird. Es ist dies der erste Fall eines Streikes in Osioberjchlesieu aus Anlaß der schwebenden Arbsitszeitrege- lung. Infolge der bei den Arbeitern hierüber herrschenden Erregung wird mit einem Umsichgreisen der Ausstandsbewegung für die nächste Zeit gerechnet. Zurzeit beraten eine Regierungstom- Mission und Gewerkschaftsvertreter der einzelnen Werk«, um die Arbeitszeitfrag« zu regeln._ Doppelzüngigkeit bei Cook? eondo«. 10 Januar.(Eigenbericht.) Der engllfche lSergardeiteroerbaud läßt die Meldung bemen- Heren, daß-r die russischen Gewerksckzasien um einezinssreie Anleihe von 30 000 Pfund gebeten habe. Die von den russischen Gewerkschaften verbreitete Meldung, daß des er Betrag in- zwisch!» nach London abgegangen»ich in den Besitz des englischen Bergarbeiterverbandcs gelangt ist. wird oo» dem De- menti des englischen BergorbeiteroerbalGes jedoch nicht be- troffen. «tdto W Uhr 9iRfu:tt, cechff, fficlb 8 tl«cht»»«, S»i»»tt»fl-bril»»>«rmit eh Vcttammlunq«Der LPD..vci ogen bei Äeur«, Zuhöf, ZSaldschlöß Fi che». Erscheinen aller Parleigenosse» ist wegen der w.chtigcn Tages- ?- Ordnung unbedingt nofnwiibig. Parteiausweis mitbringen.£=, Der otoftionsooeftanb.& wtädiisches Iugenbbeim Horckstr. 11< Fabrikgebäude,. Lichtbilberoartrag:„Pom Urtier zum Menschenck— w»rbri»ai Sruppenbeim Iugrnbheim Eberswaider «trage 10. P,»russionsoortroa:„Di« Stellung de» Lehrlings in Betrieb und Schule."— Ba»«si> aleuweg, Jugendheim Saumschulenweg, Srnststr. IS. Erster Reihenvortrag.-„Rom EinzriaraeUsvertroz zum gollelnvarbeitsoerlrag."— Weihenlee: Zugendbelm Parkstr. 3«. gortsetmng der Vortragsreihe:„Bub und Mädel."— Zexteum: Jugendheim Zehdenläer Sir. Otis, oieihenvortrag: „Sampimittel der Gewerksäaften."— vsttreis-Zogend�irsu»: Zugendhe.m Diestelmeurrstr. 5.„Wirtschaitowerden— Wirtschaft swefen. z»gc»d«rn?,e de» Zd«. Heute, Mirtwaey. tS>.? Uhr. fiichen folgende Ber- austaltung.n statt: Seziel ZIaedweft: Zteatgymnastum Eculeswia-r Ufer lt. Liederabend. Liedrrdllcher mitbringen.— B»»!rt Spandau: Jugendheim Liud n» ufer 1. Die im Iabre lg«? begonnen« Arbeitsgeme!"echofl über„Tugend. bemeguug—«rdeiterdewegung" wird fortgesetzt. Leitung Kollege«urt Michaelis.— Bezirk Osten; Jugendheim Litauer Str. ltz. Ausspracheabend Uder„Religion.— Bez.ek«eulal»: Iugenddeim BBhmiiche Str. l t. Bunter Abend. Liederbücher mitdringe».— Bezirk Weddiug.vesuuddruuue»: Augend. heim Slliiiniledtstr. 1. Hcirndefprechung und Unterhaltung. Verantwortlich für Politik: Dr.«»rt»eye«: Sirtschokt?«.«iiiigelhl'fe-; iüewerischaiisbewegung: Z. Steiget: zeuillewr:*.». Däidcr; Lclales und Sonstiges: steig»arstadt: Auzeiaen: lh.«loche, sämtlich in Berlin Verlag: Pvrwärls.Ver.ag G. m. b. H.. Berlin. Druck- Parwärt».Bllchor»cker«t und Berlagsanstalt Paul Singer u Co.. Berlin SW«»- Lindenstraste Z. Vieri»! Britaa,»»ud.U-terhaltuna»n»«Men- 5r. IT- 45. Iahrgong Mittwoch, 4�. I«nuar 4 S2S Obduktion der Opferdes Schlemer LluglöSS Ltnglücksfall oder Gelbstmord Gtammers? Der Meldung, daß Stammer eventuell Selbstmord begangen bade» könnte, kann die Kriminalpolizei keinen besonderen Glauben beimessen. Sie ist nach wie vor der Ansicht, daß es sich hier um einen Unglücksfall handelt. Für einen Selbstmord sprechen aller- Vings gewisse Umstünde, aber irgendwelche positive Beweise für einen Selbstmord liegen bisher nicht vor. Explosionskatastrophen und Stadtparlament. In der Sladtverordnelenncrsammlung hat die sozialdemo» krakische Jcaflion die folgende Anfrage eingereicht: «Die Sladtverordaeteuversammlung ersucht den Magistrat um Auskunft: 1. welche Ursachen zu den entsehllchen Katastrophe» in der Landsberger Allee und in Dahlem geführt haben. 2. welche Maßnahmen der Magistrat zur Behebung der entstandenen 1k o t l a g e der betreffenden Bewohner ergriffen Hot. Z. welche Maßnahmen der Magistrat zu tressen gedenkt, um solche Katastrophe» in Zukunft z» verhüten." Diese Anfrage wird von allen anderen Fraktionen mit unter- stähl. Der Magistrat soll sie in der ersten Stadtverordnetensihung sofort beantworten. Das Ergebnis der amtlichen Llntersuchung. Am gestrigen Mittag fand, wie bereits nntgeteilt, in Anwesen- heit der Vertreter der Staatsanwaltschaft die gerichtsärztliche Obduktion der Leiche des Kaufmanns Stammer statt« die durch den Gerichtsmedizinalrat Dr. l) 0 m m e r i ch im Westeirder Leichenschauhaus erfolgte. An der Obduktion nahm auch der Gerichtschemiker Dr. Brüning teil, der zum Zwecke der chemischen Feststellung des Explosivstoffes, der die Katastrophe verursacht Hot, Telle der geöffneten Leiche und Blutproben zur weiteren chemischen Unter- juchung entnahm. Die Obduktion der Leiche ergab, daß Stannner durch die furchtbare Wirkung der Explosion überaus schwere Bcr stumme- lungen und Zerreißungen davongetragen hat, die die eigentliche Todesursache gewesen sind. Es wurde sestgestellt, daß infolge der Explosion beide Beine vom Rumpfe getrennt nnd mehrmals gebrochen waren, außerdem war auch der rechte Arm abgerissen worden, und der Kopf wies furcht- bare Zertrümmerungen der Echädcldecke aus. wie überhaupt die ganze Leiche bis zur völligen Unkenntlichkeit ver- stümmelt worden war. Auch die inneren Organ«, so das cherz, waren zerrissen. Die gerichtschemischo Untersuchung durch Dr. Brü- nmg soll nach Möglichkeit feststellen, durch welche Chemt- kalien die Explosion verursacht worden ist, nnd man hofst. in den entnommenen Teilen des Körpers und der inneren Organ«, sowie in den Blutproben noch Reste der Explosivstoffe zu finden. Die ganze Art der Verstümmelung der Leiche Stammers befiSliqf die Vermutung, daß die Exploflou durch ein äußerst — brisante» und gesährltches Explofionsmateruil oernrsacht___... g*' worden ist. Di« chemischen Untersuchungen werden erst in einigen Tagen zu Ende geführt sein, und es ist überhaupt äußerst fraglich, ob man auf diese Weise Schlüsse auf den Charakter und die Art de» Sprengstoffs wird ziehen können. Im Anschluß an die Obduktion fand dann noch ein Lokaltermin an der Unglücksstätte in der Partstraße durch die Vertreter der Staatsonwaltichaft statt. der die bisherigen in dieser Richtung getroffenen Feststellungen be- {tätigte. Ueber die Bestätigung des tfaftbefehls Wein- gärtners ist bisher seitens des Untersuchungsrichters, der eben- falls an der gerichtlichen Inaugenscheinnahme teilnahm, noch kein Besdstuß gefaßt worden. Der Rechtsbeistand des verhasteten Gene- ralkonsuls, Rechtsanwalt Dr. Peschke, hat noch im Laufe des gestrigen Vormittag» haftentlassungsantrag mit der Begründung gesollt, daß der von der Polizei angenommene Fluchtverdacht nicht stichhaltig sei. Die Untersuchungen durch die Ehemisch-technisch« Reichsanstalt, die von deren Direktor, Professor Dr. Lenze, geleitet werden. werden ebeirsalls noch geraume Zeit in Anspruch nehmen, da samt- liche in dem Dahlenier Laboratorium von der Krimiiwlpolizei be- schlagn ahmten Chemikalien einer analytischen Prüfung unterzogen werden müssen. Wie wir hören, hat man bisher keine Spur von Knallquecksilber gesunden, und die Aussagen Weingärtners, daß die Knallkapseln für di« Reichs- bahn aus einer Mischung von chlorsaurem Kalk und Aluminium hergestellt worden stich, kann sich möglicherweise bewahrheiten, da man derartige Chemikalien gesunden hat. Diese beiden chemischen Verbindungen sind früher zur Erzeugung von Blitzlicht für photo- graphisch« Zwecke verwendet worden, jedoch ist man in der letzten Zeit dazu übergegangen, wegen der großen Gefährlichkeit des chlorsauren Kali Salpeterverbindunaen, die keine so großen Sprengwirkungen haben, zu benutzen. Ein geinmes Bild über die Ursache der Katastrophe wird man sich jedoch möglicher- weise erst nach Abschluß der Untersuchung machen können. Die Steglitzer Kriniinalpolizei dehnt nunmehr ihre Ermittlungen auch, wie wir erfahren, auf das Gerücht aus, daß die Dahlemer Katastrophe nicht auf einen Unglücksfall, sondern aus einen Selbstmord des Kaufmanns Slammcr zurückzuführen ist. Dieses Gerücht gründet sich darauf, daß zwischen den Stammcr- scheu Eheleuten seit längerer Zeit erhebliche eheliche Differenzen und Zwistigkeiten bestanden" haben sollen, die sich bereits zeitweise der- artig zugespitzt hatten, daß Willy Stammer nach einem ehelichen Austritt den Versuch gemacht lfoben soll, gegen seine Ehefrau mit der W a f s c vorzugehen. Gerade in der letzten Zeit sollen sich diese Streitigkeiten erheblich verstärkt haben und besonders zwischen Weihnachten und Neujahr sollen die Verstimmungen zwischen den Stammerschen Eheleuten so stark gewesen sein, daß beide am Silvester kein wart miteinander gesprochen hätten. Wie wir hören, hat die Kriminalpolizei verschieden« schriftliche Auf- Zeichnungen Stammers gefunden, in denen er ü der seine unglückliche Ehe klagt und aus deren Inhalt«ine hochgradige seelische Depression spricht, die durchaus di« Annahme eines Selbstmordes zulassen würde. Die Kriminalpolizei geht wenigstens diesen neuen Spuren nach, die auch für den verhasteten Generalkonsul Weingärtner iniosern von großem Interesse sind, als dann, wenn sich wirklich ein Selbstmord Stammers feststellen lassen würde, für ihn das Delikt der fahrlässigen Tötung in Fortsall kominen würde und er sich nur noch weacn des Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz zu verantworten haben würde. Landsberger Allee 1-16. Die mysteriöse Flamme? Um die Ursache der Explosion in der Landsberger Allee zu erforschen, hat die Kriminalpolizei bereits den weitaus wßten Teil der Mieter des Unglückshauses vernommen. All« Nach- irn, die zur Aufklärung der Kowslrophr beitragen zu können glauben, werden ersucht, sich unverzüglich bei der Kriminalpostzei zu melden. Besonderes Gewicht wird auf Zeugen gelegt, die«inen überraschenden Vorgang wahrgenommen haben. Di« verheerende Explosion erreignete sich, wie bekannt, in der Nacht von Mittwoch. den 4. zu Donnerstag, den S. d. M. gegen Mitternacht. Nun hat ein Mann, der am Mittwoch, dem 4. Januar, nachmittags zwischen 4'A und 5 Uhr die Landsberger Allee entlangging, von dem gegen- überliegcndcn Bürgersteig aus gesehen, wie vor dem Unglücks- Hause plötzlich eine etwa einen Meter hohe Flamme aus dem Straßen Pflaster emporschoß. Auch andere Passanten sahen die unerklärliche Erscheinung und eilten darauf zu. Als sie jedoch hinkamen, war die Flamme schon wieder erloschen. Sie hat kaum länger als drei Sekunden gebrannt. Alle Leute, die diese bisher ungeklärte Erscheinung gesehen haben, werden ebenfalls dringend gebeten, sich bei den Krtminalkommtssaren Dement. D�oautn von Fsodor GlaDtow. Trotz der frühen Stunde stand dort ein dicker Rauch, und das finstere Zimmer, mit dem eisenvergitterten Fenster stank nackj Tabak und Schimmel. Einige Menschen standen vor dem Tisch und ihre Gesichter sahen wie nach einer schweren Krankheit aus. Ohne ihn zu bemerken, stießen zwei mit ihm zusammen. Angestellte der Volksbildungsabteilung. Und wie Blinde, ihn meidend, schweigend, mit einem Lächeln von Geschlagenen, gebückt— stießen sie in der Tür aufeinander. Und nur Schuks laute Schreie hörte Sergeij:„Dreinschlagen muß man, an die Wand stellen, liebe Genossen, euch selber mst einem Fußtritt aus der RKP.... Die Generale sind ein Gesindel I... Was versteht ihr von einem Arbeiter?... Ihr pflegt nur euren eigenen Bauch, eure eigene chaut, und auf die Arbeiterklasse spuckt ihr.... Wie konntest du mich reinigen, du Teufelsgefräß, wo doch meine Fresse dir ganz fremd ist?... Hast du mit mir Kascha gefressen, was?... Was willst du mir vormachen, wo du doch lange vor mir ein zerfetzter Stiefel bist und sonst nichts?" Und der hagere Mann faß vor dem Tisch, taub und verschlossen und wühlte kalt und leidenschaftslos zwischen den dicht beschriebenen Papieren, die in einer dicken Aktenmappe vor ihm lagen. Und als Schuk die letzten Schreie hervor- gestoßen hatte, sah er ihn scharf, gedankenlos, mit trüben Äugen an. ..Genosse, wenn Sie sich als Koniniunist fühlen, warum fehlt Ihnen dann die notwendige Würde? Ich habe Ihnen schon gesagt, daß..' Mit verzerrtem Gesicht bückte sich Schuk zu ihm und schlug mit der Faust aus den Tisch. „Soll ich dir etwa noch danken, wenn du krepierter Teufel mir so was antust? Willst du das?... Ich habe euch lange genug beobachtet, ihr Karrieristen und Schwindler. ... Ich werde euch alle entlarven.... Ich werde euch schon kriegen." Der hagere Mann blieb ebenso kalt und starr, als ob alles, was Schuk schrie, ihn gar nichts anginge. Er sagte nur dumpf zu seinem Genossen, der an der Wand stand: „Genosse Natschkassow, such die Sache von Schuk heraus und lege sie zu nochmaliger Durchsicht der heutigen Kam- missionssitzung vor." Dc�nn sah er Schuk wieder mit trüben Augen an und überschüttete ihn mit seinen fremden, düsteren Worten:„Sie haben sich jetzt jede Möglichkeit, wieder in die Partei einzu- treten, abgeschnitten, Genosse Schuk. Sie haben genügend bewiesen, daß Sie ein schädliches, zersetzendes Element sind. Ich werde die Frage auswerfen, Sie endgültig auszuschließen. Und wenn Sie fortfahren werden, so zu brüllen, so werde ich den Genossen vom Dienst rufen und er wird Sie mit Gewalt entfernen. Verlassen Sie das Zimmer." Und er begann wieder in den Papieren zu wühlen. Blind, mit aschfahlem Gesicht, knirschte Schuk mit den Zähnen. Bemerkte Sergeij und ging aufgeregt und erschüttert ihm entgegen, als ob er bei ihm Schutz suchen wollte. „Siehst du, was hier für Sachen geschehen, Serjoscha, lieber Genosie!... Bleiben wir hier, schauen wir, lernen wir, wie das in Wirklichkeit hier zugeht." Er machte eine verzweifelte Handbewegung und ging vernichtet zur Seite. Gegenüber dem Tisch stand Zcheladse. Er rollte seine großen, blutunterlaufenen Augen und sah, ohne mit den Wimpern zu zucken, auf einen Punkt zwischen den Papieren. Er hörte nicht auf, seine Kiefer zu bewegen, und ein dicker, milchiger Schaum saß in den Winkeln seiner festzusammen- gepreßten Lippen. Sergeij hatte ihn immer nur stumm gesehen, man bemerkte ihn nie in der Arbeit, und er war doch einst zwei Jahre bei den Grünen, hat eine Abtellung tom- mandiert und hat als erster kämpfend die Stadt betreten. Er stieß mit seinen Augen auf etwas Scharfes, zuckte zusammen, schritt zu dem hageren Mann. Spreizte die Finger auseinander und fuhr mst ihnen in der Lust herum. „Genosse.... Warum Spaß machst.... Geh, schau mit dein Augen.... Wozu Worte... gibt..." In den Augen des Hageren flackerte ein Staunen. „Ich habe Ihnen schon gesagt, Genosse, Sie sind aus der Partei ousgeschlossen worden— für aufwieglerische Arbeit. Ich habe keine Zeit, mit Ihnen Spaß zu machen. Appellieren Sie." Zcheladse erstarrte wieder in seiner früheren Pose und wieder arbeiteten seine Kiefer. „Ha, so wird Sache gemacht, Serjoscha, lieber Genosse. Schau nur— vertiefe dich." Sergeij ging zum Tisch und erkundigte sich nach dem Bunge und P i p p o zu melden. Diese sind auf dem Polizei- revier 68 in der Elbinger Str. 20, Fernsprecher Amt König- stadt 4540, zu erreichen. Die Todesopfer der Explosionskatostrophe werden nicht gemeinsam bestattet. Die Verhandlungen zwischen den Per- tretern des Bezirksamtes Prenzlauer Berg und den Hinterbliebenen baben ergeben, daß diese den Wunsch haben, die Toten aus ver- schiedcnen Friedhöfen begraben bzw. einäschern zu lassen. Di« Be- statnmgen erfolgen jedoch auf Kosten der Stadt, die auch zu ollen Trauersciern Vertreter der städtischen Körperschaften entsenden wird. Cm- und Ausbrecher Kirsch vor Gericht. 48 Jahre alt- 22 Jahre im Gefängnis. Unter großem Andrang des Publikums fand heute die Ber- Handlung gegen den berüchtigten Geldschrankknacker und Ein- und Ausbrecher Schlosser Franz Kirsch aus Berlin vor dem Potsdamer Schöffengericht statt. Kirsch hat versucht, mit dem Mitangeklagten, vielfach vorbestraften.Heizer Otlto Wiese aus Berlin in der Nacht zum 18. November v. I. in die S t a t i 0 n s- fasse des Bahnhofes in Beizig einzudringen. Vom Keller hatte Miele ein Loch in die zum Kassenraum führend« Decken- Verschalung gebohrt, als ihn ein Beamter bei der Arbeit störte. Die Verbrocher ergriffen die Flucht und wurden im Eisenbahn- abteil aus Station Beelitz-Heilstätten von einem Oberlandjägcr verhastet. Sämtliche Ein- und Ausgänge des Berhandlungsraumes sind durch Schupobeomte gesichert. Gefesselt wird Kirsch in die An- klagebank geführt. Ein sehr intelligentes Gesicht. Sosort inuster» die Augen des berüchtigten Ausbrechers die Ein- irnd Ausgänge sowie das Oberlichtfenster des Gerichtsjaales. Den Vorsitz sähet Landgerichtsdircktor Dr. W a r nt u t h, die Anklage vertritt der neu« Erste Staatsanwalt von Potsdam Dr. Fuhr m a 11 n. Ver- teidigt werden die Angeklagten von Rechtsanwalt Giesen- Pots- dam. Die Anklage lautet bei beiden auf versuchten schweren Dieb- stahl im Rücksall, serner bei Kirsch aus unbefugten Besitz von Wasscn und Urkundenfälschung. Mit tadelloser Verbeugung gegen die Richter und lautem Guten Morgen nimmt Kirsch zwischen zwei Schupobeamten Platz. K. ist 1880 in Berlin geboren und l?at eine sehr traurige Jugend durchgemacht. Mit 18 Jahre» die erst« Straftat. Dann folgte Strafe aus Strafe, nnd von seinen 48 Jobren hat dieser.König der Ausbrecher 22 Jahre in Strafanstalten verbracht. Auch verschiedene Ii-renaiistalteli habe» ihn auf- genommen. Der Angeklagte Wiese, dessen Bater ein notorischer Säuser ist, hat auch schon ölet« auf dem Kerbholz. Bei der Feil- nähme fand man bei Kirsch eine Selbstladepistole, 27 Dietriche. 14 Eisenbohrer, Knacker, Pinzetten, Watte u. a. mehr. Er war kurz vorher ans einem Eisenbahntransvort oiisgebrochen und Hot noch 8 Jahre Zuchthrnie abzumachen. Der Angeklagte erzählt dann sehr gewandl, wie er nach seinem Ausbruch mittellos in Berlin gelandet war und wie ganz Berlin ihn suchte.„Was sollte ich machen, Herr Borsitzender? An allen Litfaßsäulen klebte wein Bild und in den Zeitungen stand täglich etwas von mir. Ick) mußte doch Geld haben. Wäre ich rabiat, wie die Zsittnigen mich hinstellen, dann hätte ich ja meine Woki« gegen den Oberlandjäqer erheben können." Bei der Festnahm« hatte Kirsch sich den Ramca Otto Müller beigekegt. Der König der Ein- und Ausbrecher ver- teidigt ritterlich feinen Milangeklagten, wenn dieser durch die B«- weisaufnähmc belastet wird. Mit einem haßersülsten Blick mustert Kirsch deck Oberlandjäger, als dieser als ZeUge aufgeruien wird. Der Staatsanwast beantragte gegen K. zehn Jahr« zwei Monat« Zuchthaus und Stellung unter Polizeimifsicht, gegen Wiese drei Jahre Zuchthaus und ebenfalls Stellung unter Polizeiaufsicht. Der Angeklagte Kirsch, znin letzten Wort zugelassen, meint: Zehn Jahre Strafe, das ist ja mittelalterlich. Geben Sic mir die Möglichkeit, bald wieder in meine Familie zurückzukehren. Das Urteil lautete bei K. auf drei Jahre Zuchthaus und Stellung unter Polizeiaufsicht. Wiese kam mit einem Jahr Gefängnis davon. Die Beerdigung des Genossen GgstwKl Scheityauer. der mit seiner Familie bei dem Explosionsimglück in der Landsberger Allee 116 ums Leben kam, findet am Donnerstag. 14 Uhr, auf dem allen Sophien-Kirchhos in der Berg st rage statt. Beschluß der Kommission. Er hatte schon gestern in seinem Innersten verstanden, daß er ausgeichlossen sei. Er wußte nicht, wofür, und wenn er sich die Frage nach der Ursache direkt gestellt halte, er hätte sie nicht beantworten können. Aber er war fest überzeugt, daß er ausgeschlossen sei. Cr wußte es und wartete, was der Genosse sagen würde. „Ja, Sie sind ausgeschlossen." „Welche Gründe?" „Ich kann Ihnen jetzt das Protokoll nicht vorlesen. Sie werden die Abschriften bekommen und die Gründe erfahren. Wenn Sie unzufrieden sind, können Sie appellieren." Er sah Sergeij nicht ein einziges Mal an. Und als Sergeij diese Worte hörte, schien sein Herz ihm aus dem Halse zu springen und es wurde ihm ganz übel. Und es war. als ob nicht er— sondern jemand anderes heiser stotternd sagte:„Das bedeutet doch— den politischen Tod für mich. Sind Sie darüber im klaren, Genosse?" „Ja, ich bin im klaren. Das ist— der politische Tod." „Und wofür denn?" „Es waren wohl ernste Gründe." Sergeij wollte weggehen, konnte sich aber nicht vom Fleck bewegen: seine Beine folgten ihm nicht und waren viel schwerer als er selber. Hinter dem Fenster war keine Sonne — sondern rote Feuersbrunst. Und er dachte noch daran, daß die Sonne so seltsam leuchte in diesem schwülen Dunst— er sah den blauen Himmel und die blauen Massen der Bahn- hofsmagazine in der Nähe. Wie er vom Tisch weggegangen war— merkte er nicht, und wo er dann später stehen blieb — erinnerte er sich nicht. Schuk drückte seine Hand und lachte bitter. „Was das für eine glänzende Arbeit ist, Serjoscha.... Aber den Vorsitzenden des Exekutivkomitees, den hat man drin gelassen, und Schramm und Chapko und die ganze besoffene Bande... die hat man alle gelassen.... Hoch die Bureaukratic!... Aber Sawtsckuk hat man aus unserer Zelle herausgeschmissen und die Mjechowa und dich.... Jetzt wird es ihnen leickter fein: die Sache wird gut gehen, hol's der Teufel.... Aber ich werde es ihnen schon zeigen, ich werde sie schon kirre kriegen... ich werde sie schütteln wie Pflaumenbäume." Zcheladse stacb sich wieder an etwas Scharfem, fuhr zu« fammen und spreizte die Finger wie einen Fächer. „Genosse... wozu Spaß machst? wozu sagst, bitte, leere Wort?... Zeig mein Augen, was du schreiben dort. _____(Fortsetzung folgt.) Naturschutz u La» Sagbrecht, von Feudalherren geschaffen, war eigentlich da» erste Naturschutzgesetz, das wir im Mittelalter in Deutsch- lflitb hatten. Zunehmendes Absterben der Großwildarten gab den Anlaß zu seiner Schaffung. Durch dieses oft recht drakonisch durch- geführte Recht— man flocht den Uebertreter aufs Rad oder bestrafte ihn gar mit dem Tode— wurde das Nutzwild unserer Zeitepoche er- halten, im Hochgebirge die Gemse und überall Hirsch, Damwild und Reh. Vär, Wolf und Luchs hingegen verschwanden, da sie dem degene- Herten Wild, das meist künstlich in WaldArks gehalten wurde, zu großen Schaden zufügten. Hand in Hand mit dem Jagdschutz kamen Forstschutzgesetze, die gewisie Baumarten In ihren verschiedenen Entwicklungsstadien retteten. Wild und Holz stellen gewaltige Summen unseres Nationalvermögens dar. Tausende von Gemeinden decken ihre kulturellen Ausgaben durch Iagdverpachwng und Holz- imtzung. Vom falschen zum richtigen Naturschutz. Mit dem Niederwild, dem Hasen, dem Rebhuhn und dem eingebür- gerten Jason muh heute jeder Volkswirt sorgfältig rechnen. Während sie einst den breiten Massen als Rahrungsmitlel zugänalich waren, findet man sie heute leider mfr in dem Laden des Feinkosthändlers. Einzig das Wildkaninchen ist noch auf dem Tische der proletarischen Be- völkerung zu finden.?n Australien, wo das Kaninchen zur Be- lebung der Fauna eingebürgert wurde, zahlt die Regierung heute dem, der sie von den lästigen Ragern befreit, eine riesige Prämie. Ein Mittel wurde jedoch bis heute nicht gefunden.� Mit dem Schutze des Großwildes begann aber auf der anderen«eite ein beispielloser Vernichtungskampf gegen das Raubzeug, vär und Luchs ge- hören in Deutschland der Sage an. Der Wolf ist in Ostpreußen eine Seltenheit. Nur Jischolter, Dachs, Juchs. Wildkatze sowie einige Marderarten kommen als jagdbare Raubtiere heute allenfalls noch in Frage. Eine Anzahl Provinzialverordnungen schützen diese Tiere in der Zeit vom März bis Ende September, Fang und Abschuß sind verboten. In folgerichtiger Entwicklung tritt zu dein Jagdgesetz das Jorsl- !iefeh, das letzten Endes mit dem Pslanzenschuhgefeh im engsten Zu- ammenhang steht, um der Ausrottung prächtiger Naturdenkmäler auf botanischem Gebiete einen starken Riegel vorzuschieben. Auch auf diesem Gebiete stoßen wir in Deutschland auf Unmengen von Reichsbestimmungen. tandesgesehen und Polizeiverordnungen, und es ist eine Unsumme von Arbeit nötig, um sie alle kennenzulernen und zu beherrschen. So haben wir in Deutschlaiid annähernd 300 geschützte Pflauzenarten, die sich auf 16 Staaten verteilen. Infolge einer ungeschickten Gesetzgebung ist hier ein einzigartiger Wirrwarr entstanden. Der gute Wille sei den einzelnen Gesetzgebern nicht ab- gesprochen, aber auf diese Weise ist ein Naturschutz zur Erhaltung unserer Naturdenkmäler unmöglich durchführbar. Das Opfer eines falsch aufgefaßten Naturschutzgesetzes darf unter keinen Umständen der harmlose Spaziergänger werden, der aus dem reichen Schatz unserer heimatlichen Flora einen Blumen- stranß pflückt. Die Eid ge nossenschaft der freien Schweiz, das badische Land und Oesterreich lehnen grundsätzlich einen derartigen Pflanzenschutz gegenüber dem Privatmann ab Die ganze Strenge des Gesetzes trifft aber denjenigen, der ans Gewinnsucht Dflanzenwurzeln oder Blüten in Mengen zu gewerblichen Zwecken der Natur entnimmt. Mit dem Verschwinden der Tierwelt und der Pflanzenwelt hängt aber das versckwinden der alles belebenden Vogelwelt, der Weich- litte, der Lurche, der Kriechtiere und der Insekten weit zusammen. Wo die letzte Dornenhecke, der letzte alterskranke Baum, das Unter- holz niedergehackt wird, da kann kein Vogel mehr nisten. Zu sehr ist er den Raubvögeln preisgegeben, von denen nicht weniger als 30 Arten in Deutschland geschützt sind, da wiederum auch sie auf dem Aussterbeetat stehen Der Wanderfalke, der in der Mark besonders geschützt wird, braucht mit seiner Brut im Jahre, gering gerechnet, 2000 Singvögel, abgesehen von den Zuchttauben und Hühnern Die Krähenarten und Elstern sind nogelfrei, auch der jischadler. in »d Sammler. einigen Gegenden der Jischreiher. 350 vogelarten werde» unter das Zlaturschutzgcseh gestellt, darunter 20 Proz, der Jagd und Fischerei schädliche Tiere. Biel stärker greift die veränderte Natur in das Leben der Lurche und Reptilien ein, ihnen werden durch Flußregulierungew und Entwässerung von Sümpfen die letzten Möglichkeiten zur Entwicklung entzogen, so daß auch diese manchem recht wenig zusagenden Ge- schöpfe geschützt werden mußten. Molche, Jenersolamander, Unken und fast alle Frostharten genießen den geletzlickien Schutz, ebenso die Sumpfschildkröte, die Rattern sowie die Etdechsen. Die bedrohte Welt der bunten Infekten. Mit dem Bestehen der Pflanzenwell aber am engsten zusammen hängt das Leben der Insekten, deren unzählige Formen jedes Menschen Herz erfreut. Ist erst einmal der Baum, in dem der Käser seine Entwicklung durchmacht, abgeholzt, dann ist auch die Existenz des Käfers vernichtet. Das gleiche gill von unzählizen Schmetterlingsarten. Der hirfchtöser verschwindet mit der letzten rotfoulen Eiche, die aus sorsttechnischen Gründen herausgeholzt wird. Mit der Pappel verschwinden die Pappelbäckle. mit der Unisormierung des Waldes aus sorstfinanziellen Gründen die letzten eigenartigen Kä'erformen unserer Heimat. Der große Lederlaufkäfer CarabuS Ullrichs Linne ist fraglos ein Opfer des künstlichen Düngers ge- worden, dem so viele andere weniger bekannten Lebewesen ihren Untergang, sogar ihre Ausrottung verdanken. Rücksichtslos rottete so die industrialisierte Land- und Forstwirtschast das letzte uns siebe und interessant» Lebewesen aus. Nicht weniger als 34 Schmetlersingsarten werden durch Sannnel- verbot in gewissen Gegenden Deutschlands angeblich vor der Ausrottung geschützt: ihr Fang zu Sammlungszwecken ist verboten und mit recht bedeutenden Geld- und Freihellsstrassn belegt 17 Arten schützt davon allein der Polizeibezirk Berlin im Imago. d. h. im fertig entwickellen Tiere. Fraglich ist es'aber, ob auch das Einsammeln der Eier und der Raupen verboten ist. Diese Verbote sind jedoch zwecklos, solange nicht die Futterpflanzen der Insekten geschützt werden. Dann erst können wirkungsvoll die Faller geschützt werden. Wo die letzte Pappel aus einem Bestände heraus» geschlagen wird, ist Schillerfalter und vieles andere damit ausgerottet. Ebenso ist es aber je nach der Futterpflanze, die der Boden- besitzer auszurotten berechtigt ist, mst ollen anderen geschützten Schmeterlingsarten. Gewiß haben sich in letzter Zell gewisienlose Mensche» auf die Verwertung von Schmetterlingsflügeln zn industriellen Zwecken geworfen, Tausende von«chmetterlingen fielen gewissenlosen Fängern zum Opfer. Verbot des Handels mit derartigen Gegenständen und rücksichtslose Bestrafung derartiger Gemeinschädlinge ist angebracht. Aber der naturwisienschaftliche Sammler soll nicht die Freude an der Natur verlieren durch Freibeuter, die der Natur übermäßigen Zoll gegen Entgell entnehmen. Wie jedoch schützen wir die Natur ami besten und wie werden wir dem Sammler, dem Wissenschaftler und dem Liebhaber aus dem Volke— der hier gleichberechtigt mitzugehen hat, denn er hat unendlich viel fruchtbare Kleinarbeit geleistet— gerecht? Das törichte einseitige Verbot vom Fange einzelner Individuen muß fallen. Rakurschuhgebiete in großem Umfange müssen geschaffen werden. Der private Grundbesitzer muß, wo es nicht ander, geht.. gezwungen werden, Pflanzenortcn, die zur Entwicklung einer Art nötig sind, zu erhallen. • Was die Amerikaner mst vielem Geld« w ihre» Naturschutz� parks, die Engländer und Franzosen in chren Ländern und Kolonie» mit großer Rücksichtslofigkest schufen, das muß unser Volk au» Idealismus und praktischer Erkenntnis erhallen. Mit Polizeistrafen rettet man niemals eine untergegangene Pflanze oder Tierrasse. Dem Sammler und Liebhaber aber muß immer im Rahmen des Er» laubten die Möglichkeit geboten sein, für seine Privatsammlung einen geringen Tribut aus der heimischen Lebewell zu entnehmen, Bodo v. Bodemeger. Zwei Oachstuhwrände. Die Feuerwehr war in den gestrigen Nachmittagsstunden a» drei verschiedenen Stellen fast zu gleicher Zeit mit der Bekämpfung mehrerer gefährlicher Brände beschäftigt. Der erste Alarm kam gegen 14 Uhr aus der Heinrich-Rvkler-Str. 8, wo der D a ch st u h l des Vorderhauses in Brand geraten war. Der Feuerwehr, die mst znj-n Löschzügen anrückte, gelang es. den Brand nach einstündiger Löfchtätigkeit, wobei aus mehreren Schlauchleitungen Wasser gegeben wurde, z« lokalisieren. Die Entstehungsursache konnte noch nicht ermittelt werden.— Der z w e i t e Alarm kam aus der Oh mst r. 11. Beim Abfüllen von Benzin lief ein Teil der Flüssigkest siber und geriet aus ungeklärter Ursache in Brand. Die Flammen griffe» auf eine Garage über, die in einem Zeitraum von wenigen Minuten lichterloh brannte. Die Garage und ein darin befindlicher Lastkraftwagen wurden ein Raub der Flammen. Die Feuerwehr war»ine Stunde an der Brand- statte tätig.— Während hier die Löscharsieiten noch voll im Gange waren, tarn ein dritter Hilferuf oup der D r e y s e st r. 15. Im D o ch st u h l des Vorderhauses war ospuer entstanden, das mst großer Schnelligkeit um sich griff und beim Eintreffen der Wehren bereits auf den Dachstuhl des Seitenflügels übergesprungen war. lieber eine nie6)anische Leiter und über die Treppenräume wurde das Feuer mit vier Schlauchleitungen stärksten Kalibers angegriffen. Der größte Teil beider Dachstühle brannte nieder. Die Äüfräumungs- arbeiten dauerten bis 111 Uhr, und unter Iurücklassung«ner Brand- wache rückten die Wehren wieder ab. Der starke Feuerschein hatte eine größere Menge Schaulustiger angelockt, so daß die Polizei Ab- sverrungc» vornehmen mußte._ Ter beleidigte Poli�ivizepräsideut. Wege» Beleidigung des Polizeivizepräsidenten Dr. Weih hott« sich dar Kaufmann Hille irr and vor dem Schöffengericht Charlottenburg, unter Borsitz von Londperichtsdircktor Crohns zu ver- antworten. Am 2. Oktober, dem Geburtstag des Reichspräsidenten, wollte der Angeklagte, der früher eine Mlisikkaaelle des Olympia- Verbandes geleitet hatte, mit seinen Leuten bei der Spalierbildung, kürz vor der Vorbeifahrt des Reichspräsidenten, den Präsentier- morsch spielen lassen, wurde jedoch van einem Schupabeamten daran gehindert, wobei der Beamte daraus hinwies, daß nach einer An- ördnung von„oben" während der Vorbeifahrt nicht gespielt werden dürsei Der Angeklagte erwiderte danaun„Aon einem Polizei- Präsidenten, der Jude ist, lasse ich mir nichts ver- bieten." In der Verhandlung behauptete er, daß die B e- z e i ch n ii n g.Lude" ebensowenig eine Beleidigung sei wie das Wort Christ. Hinterher hatte sich der Angeklagte ent- schuldigt. Das Schöffengericht war der Meinung, daß das Wort „Jude" an sich keine Beleidigung sei, daß es aber wie hier, wenn es in absolut überiliissiger Weise dem Namen beigefügt werde, eine Herabsetzung zum Ausdruck bringen sollte. Die V e l e i d i- g u n g wiege um so s ch m e r e r. als sie öffentlich gegen- über einem Untergebenen des Polizeimzeprüsidentcn ausgesprochen worden sei. Es komme hinzu, daß der Angeklagte schon vier- mal wegen Beleidigung vorbestraft worden sei, also offenbar eine Art Krakeeler sei. Wenn das Gericht nicht über den' Antrag des Staatsanwalts hinausgegangen sei und nur ruf 150 Mark Geldstrafe erkannt habe, so liege das nur daran, daß ein � Milderungsgrund in dem zu schroffen Vorgehen des Polizsibeamten gefunden worden sei, und daß sich der Angeklagte hinterher entschuldigt hohe. Dem beleidigten Pollzeivizeprosidenten wurde-die Veröfienilichung des Urteils in„Berliner Lokal-Anzeiger", „Germania"',„Vossische Zeitung" und„Vo r w ä r t s" zugesprochen. Ministerpräsident j�raun beglückwünscht Zille. Ministerpräsident Braun hat an Professor Heinrich Zille, der gestern sein 70. Lebensjahr vollendete, folgendes Telegramm gesandt:„Dem vom riefen sozialen Empfinden geleiteten Humor- vollen Darsteller der Berliner Volksseele spreche ich hiexdurch die herzlichsten Glückwünsche zum 70. Geburtstage in der Hoffmmg aus, daß Ihnen, stchr verehrter Herr Zille, noch Jahre künstlerischen Schaffens lx schieben fein nnöchten." Auch der Berliner Magistrat sandte dem Iüdilar ein herzlich gehaltenes Glückwunsctsschrerben. .�nndgebung her Lebensmittelhändler. Der Zentralveroaich der Lebensmittelliondler hatte am Sonntag feine Mitglieder zu einer Protestkundgebung gegen eine Verordnung des Berliner Polizeipräsidenten nach dem Lehrervereinshans. Alexanderplatz, zusaminenberufen. Das Referat hiell der Limdtags- ubgeordnete der Wirtschaftspartei Pcrschke. Er wandte sich gegen die Verordnung zum Lebcnsmittelgefetz, die vom Polizeipräsidenten erlassen wurde, um eilte Handhabe gegen Geschäftsleute zu haben, die ibre Waren unsauber aufbewahren. Die Verordnung bestimmte, daß Leben smitielware nicht in Rälime?i aufbewahrt werden darf, in deiia» Menschen übernachten. Die Räume sollen so beschossen sein, ddß.sie leicht oelüitet und gesäubert werden können. Im allgemeinen sind das Forderungen, die jeder Gelchäftsmarm ohnehin schon befolgen müßte. Herr Perschke beschwerte sich auch weniger über di« Verordnung, als darüber, daß er nicht gefragt worden ill. Gewiß enthält d-e Berordming Bestimmungen, die den Ge- schästsleuten größere Unkosten verursachen- werden. Die Verordnung verlangt, um«in Beispiel zu nennen, daß die Wände in Lebens- m-ltelgefchäften mit gehügeltem Zement oder glatten' Plasten aus- oesiattet find. Jeder Geschäftsmann, der nicht weiß, wie lange di« Zwangswirtschaft für Läden aufrechterhallen bleibt, kann in seinem Laden leine großen baulichen Veränderungen vornchnren. Verhandlungen-mit dem Polizeipräsidium würden sicherlich zu einer B«r- ständigung führen. Endlich wetterte Herr Perschke gegen die Straße»Händler, die es ihm bekanntsich besonders angetan haben. Neichsverband deS Lohngewerbes. Der ReichsverbanddesdeutschenLvhngewerbes -. B.(Zwischenmeister) hielt vom 8. bis 10. Januar in Berlin feine Iahres-H a u p' t v ef s a m m l u n g ab. Neben den SS Delegierten sus dem Reiche waren auch Vertreter des Reichsarbeitsministeriums, des preußischen Handelsministeriums, des Berliner Polizeipräsidiums i»lw. erschienen. Nach der Erledigung der rem organisatorischen Angelegenheiten. die den Sonntag und den Montag vormittag in An- lpruch nahmen, referierten am Montag nachmittag der Syndikus der. sächsischen Landesgrnppe, Dr. R i ch t e r, über„DlieEntwicklung der Lohngewerberechtsprechung in den letzten Iahren", und der Derbandsvorsitzende, S z e m l e t. über den „Tarifabschluß und die Tarifföhigteit des Lohn- g ew er b e s". Diesen beiden Referaten schloß sich eine ziemlich aus- qiebige Debatte an, in der im wesentlichen die Uebereinstimmung mit den Referenten zum Ausdruck kam. Am Dienstag nahm die Versammlung zwei weiter« Referat« über Fragen des Lohngewerbes entgegen, denen sich gleichfalls eine längere Diskussion anschloß. Räch der Erledigung der Anträge wurde der bisheng« 2. Vorsitzende, B a u r, für diesen Posten wiedergewählt, ebenso auch das bisherige Mitglied des erweiterten Vorstandes, Böttcher, Bannen. Von der Telephonvcrwoltung umsonst bestellt? Die Telcphonverwaltung Berlin, so schreibt man uns, benoch- richtigte. die Telephonteilnehmer durch Postkarte davon, daß die neuen Telephonverzeichnisse binnen fünf Tagen vcm dem Postamt des Wohnbezirkes abzuholen seien. Der pünktliche und gehorsame'Staatsbürger aber, ber sich in der vorgeschriebenen Frist dort einfand, mußte unverrichteter Sache wieder abziehen, da diese Nachricht angeblich irrtümlich abgeschickt worden ist. Diese Teilnehmer mußten wohl oder übel dos alle schwere Teilnehmer- Verzeichnis, das sie natürlich mitgebracht hatten, wieder mst nach Hause schleppen, und man mutet ihnen zu, sich ein zweites Mal einzufinden. Man muß frag«»: Wie ist»in« derartig, falsch« Be- nachrtchtigung überhaupt möglich gewesen? E»«st hier twHftflM ein» ttitfiberlegt« Handlung der THuchwir— tfi tenzoftetlan. die che Vers ehe»«neder«utmgch» sotlle. Der Raubüberfall auf die Kriegerwitwe« Dem Großen Schöffengericht wurde aus der Untersuchungshast der 24jähHge Bäcker Kurt Strehlau zur Aburteilung wegen Raubes vorgeführt. Trotz feiner Jugend ist Strehlau schon acht- mal vorbestraft, und darunter zweimal mit Zuchchaus. Erst Ende September war er aus dem Zuchthaus herausgekommen, und schon nach knapp vier Wochen verübte er ein verwegenes R ä u b e r st ü ck ch e n, indem er eine 50jährige Krieger- witwe überfiel. Di« alt« Frau hatte gerade ihre Unterstützung eingezogen und Einkäufe gemocht. Die gefüllte Markttasche, die sie über den Arm Höngen hatte, lockte den jungen Burschen an. Er folgte seinem Opfer bis in das Haus in der Wolliner Straße. Auf der Treppe sprach er die Frau an und fragte sie nach dem Namen eines angeblich im Haufe Wohnenden. Nach der verneinenden Ant- wort- versetzte der- Birrsche der Frau mit der Faust«inen Schlag vor die Brust und riß ihr die Handtasche vom Hand- gelenk, so daß das Opfer einige Verletzungen davontrug. Die arme Frau, die ihr ganzes Gell» in der Markttasche hatte, setzte sich zur Wehr und stziri« laut um Hilfe, so daß der davoneilende Räuber eingeholl und festgenommen werden konnte. Der Staatsanwoll beantragte unter Versagung mildernder Umstände VA Jahre Zuchthaus, währeirb der Verteidiger den Standpunkt vertrat, daß das Zuchthaus bei der Jugend des Angeklagten nicht der richtige Ort sei. Das Gericht möge mst einer möglichst hohen Gefängnis- strafe lieber den Derfuch machen, ob auf den Angeklagten nicht doch noch erziehcHsch eirizuwirken fei Landgerichtsdirektor Steinhaus schloß sich dieser Auffassung an und verurteilte den Angeklagten zu 3 Iahren Gefängnis und 3 Iahren Ehrverlust. Vertagung des Spritwcber-Prozefses. Die Berufungsverhandlung in dem großen Sprstschiebungs- und Beamtenbestechungsprozetz gegen Kriminalkommissar D e t e r s, die Brüder Hermann und Heinrich Weber und eine große Anzahl weiterer Angeklagter, die bereits einmal verlegt worden war und am heutigen Mittwoch vor der Großen Sttafkormner des Landgerichts I beginnen sollte, ist in letzterStunde wegen Er- krankung des Borsitzenden, Landgerichtsdirektor Fielitz, von neuem vertagt worden. Boraussichtlich wird der Prozeß nunmehr am 17. Januar beginnen. Versuchter Ausbruch aus dem Potsdamer Gefängnis. Kürzlich versuchten vier Gefangen«, die in einer Ge- meinschastszelle im Gerichtsgefängnis in der Lindenstraße in Potsdam lagen, einen Ausbruch. Die Gefangenen hatten sich aus einem Brotmesser eine Säge fabriziert und damit versucht, die Fenster stöbe zu durchsägen. Auch die eisernen Füße der Bettstellen sollten als Werkzeug bei der Flucht mithelfen. Ein Gefangener, der in Einzelhast neben der Gemein- schaftszelle lag, hatte die Geräusche, die die Sägearbeit verursacht hatte, gehört und die geplant« Flucht„vorpfiffen". Ms Anstifter wurde ein Transportgefangener festgestellt. Zurzeit fft das Pots- damer Gerichtsgefängnis mit ziemlich schweren Jungen belegt, darunter allein drei Mörder._ Sprechchor für Proletarische j ei erstunden. A« lledungostnnde findet i» dicker Woche am Freitag, dem 13. Januar, abend, H8 Uhr. «■»changstoal der«ppßieMMl,. ZLeimaeifterstk. ia/17. itttt. Ein fünfzehnjähriger als Räuber. Vaobüberfall eines Berliner Gymnasiasten in Stralsund. Sfrassuud. 10. Januar. Gestern abend wurde die Kontoristin Elisabeth Kalk oft einer unbeleuchteten Stelle auf der Straße überfallen. Der Töter versetzte ihr mit einem Schlagring eine» heftigen Schlag über den Kopf und wollte ihr die Handtasche ent- reißen. Als ein Mann der Kontoristin zur Hilfe eist«, flüchtete er. Später meldete er sich auf der Polizeiwache obdachlos. Hier wurde er als der Täter erkannt und als der 15jährige Gymnasiast Eberhard Glaser aus Berlin festgestellt. Er hat die Tat eingestanden. Glaser batte in Berlin seinem Stiefvater 380 M entwendet, war erst nach dem Harz gefahren, dann nach Kiel und Hamburg und schließlich noch Stralsund und von dort nach Bergen auf Rügen. Als in dem Hotel, wo er in Bergen wohnte, zur Ausklärung eines Diebstahls Polizei erschien, flüchtete. Glaser unter Zurücklassung seiner Sachen und traf gestern wieder in Stralsund ein. Er wollte sich, wie er angab, durch den Raub- Überfall wieder Geldmittel für eine zweite Harzreise verschaffen. Posträuber Larm in Saalfeld festgenommen. Der Melker Larm. der zusammen mit einem Mann namens Hein die Postämter in Ohligs und Klosterlausnitz ausgeraubt und in Jena einen Kriminalbeamten er- schössen hatte, wurde Dienstag nachmittag aus dem O-Zug auf der Reise von München nach Berlin, wo er vermutlich Unterschlupf suchen wollte, verhaftet. Larm war in Nürnberg erkannt worden, woraufhin die Polizei in Saalfeld mit seiner Verhaftung beauftragt wurde. Selbstmord eines Generaldirektors. Der frühere Generaldirektor der„Selbsthilfe, S ch l e s i- sche Krankenunter st ützungs- und Sterbekasse". Dr. Krüger, der diese K a s s« durch unsachliche Geschäftsführung fast dem Ruin zuführt«, hat bei Zuckmantel(Tschechoslowakei) Selbstniord durch Erschießen verübt. Nach einer anderen Version soll ein tödlicbcr Unfall vorliegen. Im vorigen Jahre mußte Krüger von se'nein Posten zuHicktreten. Auch in seiner Eigenschaft als Direktor der Provinzial-Haftpflichtversicherung schwebt gegen Krüger ein Disziplinarverfahren und ein Strafverfahren bei der Staatsanwaltschaft. 23 Bergopfer in Amerika. Wie aus West-Frankfort im Staate Illinois gemeldet wird, hat die Schlagwetterkatastrophe auf der Grube von Peabody 2 3 Opfer gefordert. 22 Leichen, die meist bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt waren, konnten geborgen werden, die 23. Leiche wurde noch nicht gesunden. Vasstellung.ZMe» Werdegang'. Ks» Märktlche Mus«»«»ev, anfloltel Born DienStag. dem 10. JVinnar, dl» Sonnlan. dem 18, stedroar, in den Riumen de» Miitilchen Muieum». neben dem stanlane-ftimmer, au» Anlaß de» TO. Geduttttage» von Heinrich Zille ein« AuSstellmiz »Zilleö Vcrdegaiig'. .Mf ßnd ikve ausfexdlhnetiri 7"'feno cU�\ ___________ �#_____ �__ inifaTiuno Sßantfiijmd es, die poralUnffitnferi dUMtßumfens wutoßen und die den QcelltrLf�lfarett'en OireMilm dni ihciöjdickes�pma vev&ifi&n_ 9. tylefe böLcfeTi Jortirb ßndesaadi, die in befonderm Maßee astw�äiehtkeitG und ZW des ßockenX&nfimflxlfemn# beiöetmfm hoben, denn es meofenjelxt täflich. ubec©©©©©© X ifefitidui und' derVetteibin� dießv imvoßmteri Xenfe find tlbec §©©© ifobeiter mid b$iöMö£ Jnubev MI©@© fiLtenJäidbüacßn�JpezU " �%eillnf$&ifaüetihi ftetsssu hahe.Tb~ Tn et&dr C\e� �VasfmdiBeweLjß tue die amOezeimneß Qualität'dßc x> n»~ g*J>»~«« j& 9+ f tpf) v föeuinrf�Mifazütüi und dafür, daßs man ihre(1 milde yefchmarhsnchtimf fcMbd�lIEkffamm decSUaonaätdlfmecden nurJS Alarlccn Herfefteütfderai meiftyermSitz'die berliner&abtiüia&et:(Berlin fW 68, Xodkstraße 67.(Telephon: JKerhur*783 Sie sollen die Sensaiion, die mein diesjähriger Inventur- Ausverkauf gebracht hat, nicht so schnell vergessen, Sic sollen sich noch lange freudig daran erinnern und allen Ihren Bekannten sagen: �ZöKLCni&sts*. 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Karl Schellhaner und Frau. Adolf Scheithauer u. Frau, Bäckermstr, Zehdenicker Str. 8. Gustav Scheithauer und Frau. Trudohen, Erna, Hildegard, Liselott als Nichten. Willi als Neffe. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 12. Januar, nachm. 2 Uhr, von der Halle des Sophienkirchhofes, Bergstraße, Ecke Invalidenstraße, aus statt. ziat'icb.fi..'■■■ Sr ftmtbenftmg trie Zeitung tieft, 6i« diese» meist niti Recht verdrießtl Da» best« Mittel von der West: tfe»«ch, und zwar die.Zraoetuvelft Abonniere aneb Dal .JHP Praaaawelt" kostet trotz erhöbt ee Ob- tanzes aar 30 PL Bestelle a 0 c k keato he tat Zeltnnttbotea oder lo deiner Von»/ t/uchhsndlaaz. yKlÜFDwTK Arnold Scholz Uasenhelde 108-14 I niftwoch, den Itfannar 1928 1 E L I T E T A G w den bayrifdien Alpen 7 Kapellen/ Heue Dekorationen/ 38 KaMde Nadeln I Einla» 6 Uhr Anfang 7 Uhr| Donners tag Großes Schweineschlachtea PianetatiDm am Zoo Veriltt. JoidtenlbaltF Stnlt Noll 1578 Oer Sternhimmel der Heimat Vorführ. 16'/, u. 19'/, Reise z. Aequator VorfOhr. 18 u. 21 Uhr Eintritt 0,50 M. Riiio ml. 15 lahm C.ZS F. Frische erstklassige lllerfelnste Natur- Bailer 1�0 II. Sorte» 1.60 wegner, Berlin 50. Marlannenstraße 34, im Buttcrkelier. �gERGINS Mezanderpial, Es sind neu er sehienem Derillustrierta sozialdemokratische Abreißkalender für 1928 Jede Seite bringt Illustrationen. Der Kalender kann in teder Hinsicht als Quelle und Hilfsmittel dienen. Er bringt Zitate aus soziaUsHsdien Werken, eine Fülle von Sentenzen tn Poesie und Prosa. Nahezu 100 Verbände geben hier authentischen Bericht. Oer Kalender kostet Mark 2.- KinderEand 1928 Ein proletarisches Jahrbuch für die Buben und M Adels des arbeitenden Volkes. An dem Kalender haben auch diese* Mal die Kinder selbst tüchtig mitgearbeitet. Das.Kinderland* kostet Mark 1.50 Beide Neuersdieinimgen sind zu haben in allen Ab- Ladestellen des„Vorwarft" und Partetbuchhandlungen oder direkt von der„VorwSrl*"-Bad>druckerel und Verlagsansialt, Berlin SW 68, L Indens tr. 9 MMdMbllEiUZWM! Oonnecslag, Ben IZ-Jannot abends 6V, Ahr, Im Sctbaadshass, Ciulcn- ftrafw SA U PET Versammlung «Her i» den BrtrUbra de» Einzelhandel, dejchSslipteu Metallarbeiter(Schlosse-, vreher. iUempner, Rohrleger, fflettio- und Zahrstuhtmouteur« so«-«--ufo- schlosser und andere Verussfcllegen). Tagesordnung: l Sind die Lohn- nnd Arbeüsdedtngnngen im Einzelhandel zeilznnLh? 2. Dtsmislon. 3 Berschiedenes Das Erscheinen oller im Einseihandel beichästigten Kollegen fft dringend ersorder- iich Die Kollegender Warenhäuser Engel, Sahn. Held. Eerson, Herzog, Israel. Zley. Werthet« und anderer Firmen find desonders einzeioden. Via Ottsaenaalfnna. Dautfagung.. Für die vielen Beweise her, sicher Teil- nähme.- biet-der Ewiiicherung meines lieben Mannes, des Formers Hermann Schmidt sage ich allen Kolleginnen. Kollegen und Leidtragenden, inshesander« dem Redner des- Freidentervereina ihr Feuerhestgttung. serner dem Kollegen Robert Bahn filr seine trostreichen Wort«, nnh dem tbenosseu Rob-nsvn meinen herzlichsten Dant. Frau Witwe Martha Sdimldl geb. N xdorf jBcfficöcrßäöollPohl Dresdener Straße 15 (Fahri&gebäude) Gewlmt auszog 4. ÄlaHt Zs. PreuHijch�SSddeutsch« Alasien-Loffed«. Ohne Gewähr Nachdruck verbolen 9n| jede gezogene Nummer sind zteef gleich hch« Gewinne gesalleu, und»war l« einer ans die Lose gleicher Nummer in de» beiden Abteilungen I und U I. Ziehungolag 10. Januar 1928 Ja der Vormittagxzlehung wurden Gewinne über löst M. gezogen 4 eewiime IN 3000 W. 21023 216413.„ 10 SetB'.ane ja 1000«L 85533 225370 239133 320022 326954 16»evwa. nu 800 30. 21274 31894 144230 159154 186732 318301 334689 355844 32©«Biimc ja 500 M. 6302 11920 13678 29377 33731 68031 101445 120485 126109 130278 190758 167520 211359 237426 269843 270875 92©etttime ju 400 3N. 1 1830 37316 39645 63299 64761 67186 66385 75846 77202 885B4 93062 94178 100266 125507 133702 142S86 1 43919 146718 154606 166381 156674 165278 173752 180238 182370 185404 192771 195833 205153 213327 214239 235636 250450 267348 270149 281932 282296 283429 297110 300124 307101 307730 327205 344779 866610 367533 224»«Bmne ja 300 OT. 3827 4445 7721 19917 20182 26198 26544 28972 36275 41191 42408 45649 46537 58702 60512 61237 64591 70135 72181 74409 76661 89530 90383 91095 93258 94277 103630 105140 107046 108173 110722 112758 122667 123233 135301 135447 136073 136810 138978 142634 155506 157371 158957 163806 165231 166618 171390 173731 178716 179493 182299 188350 188516 193805 194485 195202 197263 167342 189947 202189 206251 210672 210706 212757 215527 215635 216431 219195 220455 222680 228693 237657 838270 240962 244085 245394 246547 251968 260863 264857 265379 286695 269137 271748 283234 268308 290083 292506 293927 295320 303749 305664 306039 311017 311897 314582 320978 322742 323617 324822 329670 331395 331966 337256 337610 344533 352676 361177 382961 368612 372275 374987 L» der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über ISO M. gezogen 4©«Dlnn««a 2000 M. 107147 267634 4©«Dlnat|B 1000 M. 116419 169895 30©«Blna«»B 600 Sn. 4438 44724 66568 88472 134252 158150 178499 166914 253404 264767 276368 289053 295089 301998 350382 1 20©«»inne su 400®. 2277 2760 3038 6173 9039 22039 27329 23793 36989 46918 47431 60539 61448 61838 65510 67341 68030 70462 79046 82965 86162 07764 99226 101648 111393 127181 133046 137508 140573 145799 152359 159515 160523 183569 185313 190668 195069 196591 208806 211491 216874 223314 223844 226970 227514 229555 246921 252793 259456 267635 291094 301430 304256 304285 305080 319264 338235 362676 372714 374130 250©ctoinn««n 300 93t. 3517 6774 13512 14767 25554 27338 28163 35107 35900 37222 37262 41722 42427 44256 49407 49557 49837 50113 66423 67721 68071 77252 77602 80526 82574 88608 88957 98153 102418 102951 105612 106316 106399 119184 121174 121823 125895 136241 136768 136958 1 38684 142573 144059 157458 157474 169996 171106 I 7331 3 174209 174284 177103 177504 178036 180773 182867 183494 183664 19153/ 192995 193336 198427 201010 206223 218137 224312 225957 226865 235502 236345 24)766 235513 256130 260393 262252 266825 27 II 35 272483 283091 284273 288851 294558 294744 295147 301614 305347 310685 310986 316137 316514 318280 320867 322001.329326 333496 338113 338630 340990 344226 345891 348683 349751 351230 351276 353194 360476 360797 360373 364186 364796 366362 367660 368339 371896 19408 19536 23406 37409 38000 41095 57404 58976 64857 82872 84704 87323 Ar. 17* 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 11. Ianuar 1928 Ger Weg der Zigarettenindustrie. Oer Wille der Reichsregierung.— Vechandtungen im Reichswirtschastsrat. 5m Re!chswirtschaftsrat steht dieser Tage nicht die grundsätz-' lich« Frage zur Diskussion, ob man die Gesundung der als Steuer-| quelle äußerst wich'igen Zigarettenindustrie durch einen Uebcrgang zum Staatsmanopol erzielen kann Es solle» im Rahmen der bis-| herigen Steuerordnung nur gewisse Auswüchse und Mißstände beseitigt werden. Der von der Regierung vorgelegte P l a n ist ein doppelter: einmal sollen die übermäßig langen Steuer- stundungsfristen verkürzt, d. h. das bisherige System abgeschafft werden, bei dem die Industrie douernd und zum eigenen Schoden versteckte Subvent'onskredite des Reichs erhielt; zweitens soll der Finanzminister mit gesetzlichen Dollmachten ausgestattet werden, die ihm die Möglichkeit geben würden, eigene Wirtschaftspolitik, unabhängig von dem Parlament, zu führen. Vsi der Verkürzung der Stundungsfristen wird man der Regierung im großen und ganzen zustimmen können und nur noch verlangen müssen, daß sie diesen Weg ton- feg u enter beschrcitet; denn die übermäßigen Steuerstundlmgs� fristen, die durch die Luthersche Steuerreson« 1925 eingeführt wurden, bedeuten in der Tat einen wirffchoftlichen und steuerlichen Schadem Die Steuern für Banderolen zeichen werden im Durchschnitt erst nach Z�ä Monaten(nämlich Höchens 110. mindestens 93 Tage), die Steuern für Rohtabak noch sechs Monaten fällig. An sich ent- sprechen Stundungsfristen dem System der Derbrauchssteuern, da ohne Fristen der zahlende Produzent das Geld noch vor dem Berkaus der Waren auslegen müßte. Aber die Fristen betragen zum Beispiel bei Leuchtmitteln nur 1k>— 25 Tage, beim Zucker 28— 61 Tage, bei Zündwaren 38— 7l Tage, beim Bier 53— 86 Tag«. Sinnlos, der Zigarettenindustrie längere Stundungsfristen zu gewähren, denn ihr Produttions, und Venrisbs Prozeß ist srgor kürzer al? bei einigen der obengenannten anderen Berbrauchsgegenstände: von dem Augen- blick der Bonderolenoerwendung bis zum Eingang de« Bar- g e l d e s beim Produzenten sind höchstens zwei Monate anzunehmen, während außerdem die Zeitspanne zwischen der Berbringung von Rohmaterial in den Betrieb bis zur Fertigstellung und Derpuckunq der Zigaretten höchstens noch ein Monat beträgt. Bei diesen schon an sich reichsich bemessenen Zeiten würde man eine zweimonatige Stundungsstist für Banderolen- st e u e r und einen dreimonatigen Zahlungsairffchub für M a t« r l a l st e u e r für ganz ausreichend halten müssen. Jede Stundung, die darüber hinaus geht, bedeutet einen z i n s- losen Staatskredit. Der Umfang dieser immer schwebenden Staatssubvention dürste heut« etwa 219 Millionen Mark oder fast da» Dreifache des m der Ziqarettenindustrie investierten Kapital» ausmachen. Ein Teil des Kredites muß aber über die gesetzliche Stundungsstist hinaus noch weiter prolongiert werden, weitere Beträge werden heut« bereits als verloren« Steuerrückständ« betrachtet. Entgegen der Meinung der Lnlherregiernag haben di» langen Staatsstedite die Industrie nicht begünstigt und Vfr da» Trogen der 1925 erhöhten Steuern nicht erleichtert. Dar Maats krivit hat vielmehr durch Entfachckng eines wilden Konkurrenz- tompfes zwischen den einzelnen Firmen die Unkosten der Industrie gesteigert und dadurch weder dem Konsumenten, noch dem Staat, noch»er Industrie als Ganzes Dienste geleistet. Die Zigarette ist sturer geworden, ohne daß dabei etwa die Qualität durch Beflerung des Rohmaterial» höher geworden wöre; und dar Mehrpreis erklärt sich mir zur Hälfte au» der stärkeren Besteuerung, das heißt, nament- lich Unkosten für Propaganda, teure Verpackung, Zinvenbungen an die Kleinhändler usw. Das zeigt folgend« Zusammenstellung: Steuern, Material- und Lohnkosten 1325 und 1326. Im Jahre 1927 ist der noch weiter gestieg mi. Es Preis der Zigarette kostete eine Mille im dritten Kälenderquartal 1927 im Durchschnitt 4630 M. Davon entfielen aber aus die Steuern höchsten» etwa 19,90 M., so daß für Industrie und Handel ein Rest von 26,40 M. oerblieb, oder um wettere SMartmehro»s1ö2 6. Industrie und Handel haben ober daran auch kein« volle Freude gehabt. Die größten Firmen haben zwar ihr« Gewinne aus Kosten der kleinen gesichert; die kleinen Firmen mußten aber, um im Kon- turrenzkampf nachzukommen und die durch das System de, Staats- kredits aufgeblähten Umsatzmengen loszuwerden, durch hohe Propaganda- und Reklameunkosten ihren Gewinn aufzehren lasten. Die Reichsregierung hat nicht den Mut. hieraus dt« letzt« Konsequenz zu Scherl Di« Stundungsfrist der Banderolensteuer soll noch ihrem Borschlog von 3'4 Monate auf 2 Monate allmählich gekürz, werden. Aber der Zohwngs- auffchub für die Rohmaterialsteuer bleib« unberührt. Vielleicht liegt der Grund dazu darin, daß die Großindustrie aus dem bi». herigen System des Zahlungsaufschub» grwist« Vorteile ziehen T�ntf denn d« Zahlungsaufschub für die Rohmater, aisteuer wird (im Gegensatz zur Banderokensteuer) nur gegen Sicherheiten, also nur den finanziell Stärkeren, gewährt. Die Großindustrie ist also bereit, die Slaatsfubvention«m Punkte Banderolensteuer preiszu- geben, will aber auf die Sondervorteil«, die ihr der Zahlungsauf- fchub bei der Rohmateriaisteuer gewährt, nicht verzichten. Vom Standpunkt der Bolkswirffchaft und der Finanzpolitik wird man aber diesen Sonderwünschen der Großindustrie nicht Rechnung tragen dürfen; man muß daher verlangen, daß die Verkürzung der Stundungsfristen sich auch auf die Rohmaterial- steuer erstreckt. Reiht erhebliche einmoNge Einnahme» bebeutet die Derkürzung der Steuerstundungen finanzpolitisch für das Reich. Bei einer jährlichen Produktion von 32 Milliarden Stück kommt man theoretisch zu einer Steuerschuld der Industrie, die nach der bisherigen Regelung 207 Millionen betrug, bei der Verkürzung der Steuersristen sich aber wie folgt senken muß: Durch dl« Einbeziehung der Rohmoterialsteuer in die Stund ungs- Verkürzung senkt sich der schwebende Kredit des Reichs gegenüber der gegenwärtigen Lage um fast 100 Millionen, nach der Borlage der Regierung aber nur um 60 Millionen. Da es sich nur um all- mähliche Verkürzungen handelt, die auf einen Zeitraum von zwei Jahren verteilt werden, jo muß man mit einer Steigerung der Reichsemnahmen in dem kommenden und in dem übernächsten Finanzjahr um je 30 Millionen Mark(nach dem Vorschlag der Regierung) bzw. um je 50 Millionen Mark(noch dem hier angeführten Dovschlag) rechnen. Daß dies« einmasig« Einnahme kein« Bagatelle ist, ersteht man zum Beispiel daraus, daß das Reich den Liquidationsgeschädigten, soweit es fidh um kleinere Schäden handelt, einen Betrag von rund 150 Millionen Mark bar zu zahlen bereit ist, und daß auf eine weitcve Ausdehnung der für die Barzahlung in Betracht kommenden Kreis« au» Mangel an einmalig verfügbaren Mitteln verzichtet werden mußte. Unter diesen Gesichtspunkten erscheinen einmalige Mehreinnahmen in der oben gekennzeichneten Größenordnung«!, nicht unerheblich Heue Vollmachten dem Helchsfinanzmlnister? Gegen den zweiten Teil der Regierungsvorlage wird die Oeffent- lichkeit energisch ankämpfen müsten: die Dorlage soll dem Reichssinanzminister die Vollmacht geben,„die Abgabe von Tabak- steuerzeichen für Zigaretten einzelnen Betrieben gegenüber von Bedingungen abhängig zu machen� Dos wäre ein formell wie materiell unhaltbarer Zustand. Eine solche Ausschaltung des Parlaments und aller Organe der staatlichen Wirtschaftspolitik in der Schicksolsbestimmung emes Industriezweig«, smb ein« solche Steigerung der Ballniachten eines Ministers, der ja an sich überhaupt nicht für wlrtschastspoliilsch«. sondern nur für steuerliche Frage« zu» ständig ist. ist unzulässig. Es ist in der Vorlage nicht gesogt, daß die„Bedingungen' des Finanzministers etwa an die Einhaltung der Stundungsfristen qe- Kunden werden sollen. Der Finanzminister kann vielmehr jeder Firma, auch einer ihre Steuern barzahlenden, den Verkauf der Banderolen verweigern, wenn sie die„Bedingungen' nicht erfüllt. Nicht aus der Vorlage selbst, oxchl aber aus der Begründung erfährt man. welch«„Bedingungen' gemeint sind. Es handelt sich um nichts anderes als um den unglückseligen Erlaß vom 18. Mai 1927, der von dem Finanzminister unter sichtbarem Druck der großen Konzerne herausgegeben wurde, um da, Geschäftsgebaren der ge- samten Industrie der Kontrolle des Ministerium», in Wirklichkeit aber der Kontrolle eines unter Führung der Konzern« stehenden privat- wirtschaftlichen Derbande» zu unterwerfen. Obgleich der Versuch, unter der Führung dieses Verbandes ein Kartell zu schaffen, da» durch Ausschlleßlichkeitsverlräg« mit den Händlern den gesamten Umsatz der Zigarettenindustrie kontrollieren könnte, ins Woffer gefallen ist. will man den Gedanken der Ueberwachung der Betrieb« wieder- aufleben lassen, indem man dem früheren Erlaß eine gesetzliche Grundlage gibt. Die Begründung des Gesetzentwurses will ebenso, wie der Mai-Erlaß, dieHandelsfpanneunddiebteklome- r o st en durch amtliche Borschriften begrenzen: wenigstens soll das für die.zweijährige Uebergangszeit gelten, bis die Stundungsfristen ganz abgebaut sind. Der konkret« Inhalt der Vorschriften würde offensichtlich unter Einfluß der beratenden Berbänb« zustande- kommen Und auch die Ueberwachung des Handels würde die Mit- Wirkung der Derbände voraussetzen. Das Ergebnis würde«ein, daß in diesen zwei Iahren das prioatwirtschaftlich« Kartell ein« vollständige Kontrolle über die Industrie gewinnen würde. Slare Entscheidungen. Wem die Regierung befürchtet, daß in d«, zwei Uebergangs- fahren die unseligen Slaatskredite(die immer geringer werden würden) ihr« zerstörende Wirkung weiter fortsetzen, nachdem das Finanzministerium 2)h Jahre dem Borgang tatenlos zugesehen hat, so soll sie lieber die Uebergangszeit verkürzen, wenn die Regierung glaubt, daß die Industrie im Rohmen der freien Wirifchofl und der freien Auslese der Betriebe nicht gesunden kann, so mag sie die letzte Konsequenz ziehen und da» Staaismonopol proklamieren. All« Versuch« aber, dem Uebel durch Steigerung der vollmachten des bisher wahrlich nicht sehr geschickt und erfolgreich gewesenen Finanzministerium» odzuheisen und den Segen dieser Bollmachten dazu noch aus die beratenden prioatwirtschasltichen Berbänd« aus- zudehnen. müssen bekämpft werden. Aordattaniische Konkurrenzkämpfe. lleberall Wettrüsten der Großreedereiea. Wir haben kürzlich die Vermutung ausgesprochen, daß das zwischen den nordatlantischen Großreedereien bestehend« Schiffahrtskartell auseinanderjollen und der offene Kamps zwischen den 17 ihm angehörenden Gejellschasten ausbrechen werde. Aus der Poriser Schissahrtskonserenz wurde dieser ossene Kamps durch schärfere Stofseluna und gleichzeitige Erhöhung der Preis« aus dem Rücken der Passagiere noch notdürftig vermieden. Der Frieden wird nicht lange Bestand haben, denn da» Wettrüsten der großen Schisiahrl'gejcllschasten wird immer toller. Die französische Hauptlinie baut setzt«inen Dowpser von 42 000 Tonnen, die englische White Star Sin« s««in«n Dampfer von 50 000 und 25 000 Tonne« und die Tunnard Line projektiert einen 60 OOO-Tonnen.Dampfer. Gleichzeitig wird aus den Bereinigten Staaten gemeldet, daß eine neue„Blue Ribbon Line' mehrere ZöOOO-Tminen-Dampfer mit einer Durch» schnittsgeschwiiidigeit von rund 33 Knoten in Fahrt setzen und dazu vom amerikanischen Staat eine 90-Millionen-Dollar�Schifsahrts- Hypothek m Anspruch nehmen will, um die Schnellsahrten innerhalb von vier Tagen den Ozean zu überqueren Flugzeuge sollen auf dem Schiff bereitgehalten sein, damit die Reisenden ihre Fest» landzlele ohne Zeitverlust erreichen können. Wohin dieses Wettrüsten führt— sicher wurde es vom Nord- deutschen Lloyd und von der Homburg-Amerika-Linie in hohem Maße mitveranlaßt— liegt aus der Hand. Das in Poris notdürftig geflickte Kartell wird kurz über lang zerbrechen müssen, weil die Schiffe zu zahlreich und gegenüber dem Passagierverkehr zu lei- snmgsföhig werden, um rentabel zu bleiben. Die Saar wehrt sich. Bergarbeiter forden» elektrowirtfchastliche Selbständigkeit. Das Rheinisch» Westfälische Elektrizitätswerk Essen hat seine Stromoerkaussinteresien verschiedentlich ins Saar- gebiet vorzutragen versucht. Da» Saarvolk wird in seiner Existenz gefährdet, große politische Zukunftsinteressen werden auf« Spiel ge- setzt, wenn die Saar die künftig« höhere Berwertungsmöglichkett für ihre.Kohle verliert. Da» ist zum Gegenstand einer großen Volts» bewegung gegen das Vorgehen de» RWE. an der Saar ge- worden. Jetzt haben in Illingen in einer von den saarländischen Bergarbeitergewerkschaften einberufenen Dersammlung auch die Bergarbeiter-Gemeinderatsmitglieder aus dem Zweckverband Weyer-Zentrale scharf gegen deren Anschluß an da» RWE. protestiert. Irreführend« Boraussetzungen hätten zu dem Anschließungsbeschluß de» Gemeinderats und der Zweck« Verbandsversammlung geführt, der elektrowirtschoftlick)« Zusammenschluß im Saargebiet sei«ine Notwendigkeit. Die Resolution gibt den Tatsachen und Notwendigkeiten richtigen Ausdruck. Bedauerlich, daß die auch außenpolitisch recht be- denklich« Expansionspolitik des RWE., eines deutschen öffentlich kon- trollierten Unternehmens, durch wirtschaftlich nicht zu rechtfertigende Kampfangebot« solche Verwirrung und Gefahren für die Saar heraus- beschworen hat. Die Oefsentlichkeit darf und muß erwarten, daß das RWE. die aus dieser Frage sich ergebenden Konsequenzen bereitwillig und selbst im öffentlichen Interesse ziehen wird. Das Gasnetz des HWC. noch nicht verkaust! Wie da»„Berliner Tageblatt' durch Informationen seines Düllel- dorfer Korrespondenten bei den zuständigen Stellen erfahren hat, haben die in der vorigen Woche stattgesundenen Verhandlungen de» erweiterten RWE.-Präsidiums zur Uebergabe der Ferngasleitungen des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerkes an die Aktien-GeseU- schaff für Kohleoerwerlung nochzu keinem Ergebnis geführt. Di« Verhandlungen scheinen also vernünftigerweise v« r t a q t worden zu sein, und die erweiterte Kommission soll nach„B. T.' die Gesamtsragen noch einmal überpriisen und zu den von der Aktien-Gesellschast für Kohleverwertung angebotenen Derträgen Stellung nehmen. Allerdings werden nähere Mittellungen über den Stand der Dinge verweigert. Wir haben die grundlegend« Bedeutung des hier in Frage kommenden Entschlusses des RWE. weder überschätzt noch übertrieben. E» ist«rsreusich, daß auch im Aufsicht»rot des RWE die Erkenntnis wächst, daß die Preisgabe der eigenen, in der Ferngasfrage schon erreickten Position mit der Ver- ontworwng nicht zu vereinbaren ist. die das RWE als überwiegend öffentsich kontrolliertes Werk gegenüber einer willkürlichen Schwächung der öffentlichen Interessen trägt. Wie hoch sind die Schulden der Städie? Die Beratungsstelle arbeitet immer noch nicht. Aber es wird jetzt gemeldet, daß die gesamte kurzfristige Kommunalvcrschuldung der deutschen Städte im Inland und Ausland nach den bisherigen Ergebnissen, die unseres Wisiens ziemlich vollständig sind, rund 800 Millionen Mark beträgt. Reichsbantpräsident Dr. S � acht Hot beonntlich seinen Vorstoß aus einer Schätzung von 1 H Milliarden ousaebaut. Diese Schätzung war also recht leichtsersig. Nach unserer Kenntnis der Dinge werden ober die 800 Millionen nicht einmal voll erreicht werden. Und nur wenige Großstädte sind vorhanden, deren Schulden die Grenze der Bedenklichkeit streifen. Da» ReichsbankdireNorinm gibt bekannt: Auf Grund des 8 15 des Gesetze« über die Liquidierung des Umlaufs an Renten- bankscheinen vom 30. August 1924(RGBl. II, S. 252) wird hiermit bekanntgeinacht, daß bis zum 31. Dezember 1927«in Betrag von 1 340 311 876 Rentenmark in Rentenbonkscheinen« i n g e- zogen worden ist. so daß ein Betrag von 739 866 707 Renten- mark im Umlauf verblieb. Bon dieser Summe befand sich ein Teilbetrag von 23 635 721 Rentenmart in den Kassen der Reichsbant. Schlesische Mühlen gegen Einsuhrscheiae. Die vereinigten schlesischen Mühlenverbände, Sitz Breslau, haben in einer Dent- schrijt zur Auswirkung der Getreidc-Einfuhrscheine ausgeführt, daß sich das Einfuhrscheinsystem im Berein mit schlechten Ernten, ungünstiger Frachtlage und Bevorzugung Ostpreußens mst Ausnahme- larifen, überaus ungünstig für die schlesische Mühlen- i n d u st r i e ausgewirkt hat. Die schlesischen Getreidepreise find in einer Weise hoch getrieben worden, daß die schlesi- scheu Mühlen nicht mehr mit denjengen im Reich in Wettbewerb treten können. Bleibt das schlesische Getreide im Inland« und wird in schlesischen Mühlen verarbeitet, sei reichlich Beschästigung für viel« Arbeitnehmer vorhanden. Auch würden etwa 10 Millio- neu Zentner Kleie im Werte von 70 bis 8V Millionen Mark der schlesischen D i e h w i r t s ch a f t erhalten bleiben, während diese jetzt zum allergrößten Teil au» dem Auslände eingeführt werden müssen. Gefordert wird sofortige Aushebung de» Einflihrscheinsystems für Getreide bis frühestens 1. Oktober 1928. damit das au» der Ernte von 1927 in Schlesien noch vorhandene Getreide nicht restlos ins Ausland geht, bis die Ernte 1928 ge- borgen ist, und bis ihr« Ergebnisse sich übersehen lassen. Der Bremer Seeschissahrisverkehr wächst. Im Jahre 192? kamen in Bremen 5986 Schisse mit 8 084 465 Rettotonnen, im Jahre 1926 6129 Schiffe mst nur 7 203 936 Nettotonnen, im Jahr« 1913 6 323 Schisse mst nur 5 841267 Rettotonnen an. Da» bedeutet eine Zunahme von 12 bzw. 54 Proz. an Nettoregister- tonnen. Die Zunahme ist in erster Linie aus den starten Wechsel- verkehr zwischen Bremen und Hamburg infolge der vielen An- fahrten derselben Schisse von beiden Häfen zurückzuführen, trotz- dem hielt die Steigerung mst derjenigen von Rotterdam und A»t- werpen nicht Schritt, die 66 und 57 Proz. gegenüber 1913 betrug. Sowjet rußland stillt 192» da» zehn»« Mal ans der Leipziger Messe eua. Das Reichsarbeitsminisierium. Seine Organisation und sein Etat. Das Reichsorbeitsministerium ist dasjenige Reichsminiftcrium, dessen Geschöftebereich die weseullichsten Lebensbedürfnisse der werk- tätigen Bevölkerung Deutschlands berührt und dessen Geschäfts- siihrung von höchster Bedeutung für diese Doltskreise, insbesondere für die Arbeiterklasse ist. An Aahl der beschäftigten Beamten wird es nur vom Reichsfinanzministcrium und dem Wehrministerium, an Höhe seiner Ausgaben nur vom Wehrministerium übertroffen. Wie der Reichshaushalt als ganzes die crsckmpfendste Darstellung des gesamten öffentlichen Geschehens in Deutschland bietet, so bilden die Zahlen des Etats des Arbeitsministeriums gleichsam das B a r o« meter, das die Lage der deutschen Arbeiterklasse und damit auch den Stand der deutschen Wirtschaft anzeigt. Das Reichsarbeitsministerium umfaßt außer dem Ministerium selbst noch die folgenden vier unterstellten Behörden: Reichsversich«- rungsamt, Reichsarbeitsoerwaltung. Restverwaltung. Dersorgungs- d>snststellen und Reichsversorgungsgericht. Die bisherige Reichs- orbestsverwaltung ist bereits fast gänzlich aufgelöst. Ihre Aufgaben sind größtenteils übergegangen an die neue Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Im Etat sind nur einige wenige bei der Restverwalwng verbleibend« Stellen veran- schlagt. Der Geschäftsbereich des Ministeriunis ist gegliedert in ein« Anzahl von Abteilungen, die umfassen: Sozialversicherung: Arbeits- vertragsrecht, Arbeitsgerichtsbarkeit, Schlichtung und Lohnpolitik: Arbeitsschutz, Internationales Arbeitsrecht, Arbeitsgesetzbuch: Arbeits- Vermittlung und Arbeitslosenversicherung: Wohnungs- und Siedlung? wesen: sonstige soziale Maßnohmen(Äleinrentnersürsorge und dergleichen). Infolge des Inkrafttretens des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung voin 16. Juli 1927 und der dornst ver- bundenen Errichtung der Reichvanstall für Arbeitsvermitllung und Arbeitslosenversicherung ist der bisherig« Ansatz für die unter- stützende Erwerbslosenfürsorge, der in 1327 4ZÜ Millionen betrug, weggefallen. An die Stelle der Reichsbesträge zur unterstützenden Erwerbslosenfürsorge ist der Anteil des Reichs an der Krisenfürsorge getreten. Dieser Reichsaisteil an der Krisensürsorge. von deren Gesamtaufwand das Reich vier Fünftel zu tragen hat. ist auf I v iZ Millionen geschätzt. Infolge des gleichen Gesetzes vom 16. Juli 1327 und wegen des Vorhandenseins„von erheblichen Resten aus den Vorjahren" sind auch für die wertschasfend« Arbeits- losenfürjorge nur 25 Millionen eingesetzt worden gegen 133 Millionen im Jahr« 1327. Aus diesem Betrag können zur Förderung von Maßnahmen, die geeignet sind, die Arbeitslosigkest zu verringern, der Arbeitslosenversicherung Mittel in Form von Darlehen oder Zuschüssen bewilligt werden. Der ordentliche Haushalt schließt in sortdauernden und ein- moligen Ausgaben ab mit 533.1 Millionen gegen 882,2 Millionen in 1327. 735,8 Millionen in 1926, 491,3 Millionen in 1925, 222,6 Millionen in 1924; der außerordentliche Haushall mit 33 Millionen gegen 135 Millionen in 1327, 173,7 Millionen in 1326. 17/) Millionen in 1925, 14,6 Millionen in 1324. Diesen Ausgaben stehen nicht unbe- trächtlich« Einnahmen gegenüber, die herrühren von Zinsen und Darlehen, von Einnahmen aus Gewinnbeteiligungen des Reichs an Maßnahmen der produktiven Erwerbslosenfürsorge und zur Be- lebung der WohnbautStigkeit. von Rüikzahlungen aus der Verwen- dung der Mittel der wert schaffenden Arbeitslosenfürsorge usw. Diese Einnahmen ergehen im ordentlichen Haushall 31,2 Millionen gegen 49,3 Millionen in 1927; im außerordentlichen Haushall 27,3 Millio- n-n.gcg«t 0,4 Millionen in 1027. Dex Gesamtzuschuß beim ordcnt- fichen und außerordentlichen Haushalt beträgt daher in 1328 624,6 Millionen gegen 1327/1 Millionen in 1327. Diese großen Minderausgaben im Etat de« Reichsarbeitsministeriums und die Veranschlagung hoher Steuereingäng« haben es der Bürgerblockregierung ermöglicht, den neuen Reichshaushalt ohne Fehlbetrag abzuschließen. Der Etat des Arbeitsminssteriums ist einer der klarsten und einfachsten im ganzen Reichshausholt. Seine„Erläute- rangen" geben eine wirkliche Erläuterung und Klarlegung der Etats- ausätze. Von den sogenannten„Ermächtigungen" ist kein über- mäßiger Gebrauch gemacht, ja die Verwaltung hat in mehreren Fällen auf in den Vorjahren gewährt« Ermächtigungen freiwillig verzichtet. Die„gegenseitige Deckungsfähigkeit" non Etatsonsätzen wird überhaupt nicht erbeten. Die Ermächtigung, daß Einnahmen ohne weiteres den Mitteln zufließen. wird bei den fortdauernden Ausgaben fünfmal, die„U ebertrag» b a r k e I t" von Mitteln auf die folgenden Jahrs bei den fortdauern- den Ausgaben viermal verlangt. Gerade aber weil der Etat im Vergleich zu anderen einfach und klar ist, zeigt er am besten, wie sehr die„Ermächtigungen" das Etotbild zu trüben geeignet sind. Roch lonocm Drängen hat dos Reichsfinonzministerium sich dazu verstanden, dem Reichshaushalt eine List« der Ausgabereste bei- zugeben, die bei den einzelnen als übertragbar bewilligten Ausgabenansätzen am Schluß des Rechnungsjahres 1326 noch vor. banden waren und nach 1327 übernommen wurden. Nach dieser Liste hatte das Arbeftsministerium bei sieben Titeln der fortdauern- den Ausgaben des ordentlichen Haushalts noch 1,7 Millionen hinter sich, von denen der Reichstag. 13 27 bei Bewilligung der betreffenden Titel nichts wußte. Bei den em- maligcn Ausgaben standen über die in 1927 verlangten und bewilligten Beträge hinaus noch 6,2 Millionen. beim außerordentlichen Haushalt gar 213.3 Millionen»este zur Verfügung! Don diesen„Resten" müssen noch hohe Beträge in 1327 nicht verbraucht sein, denn, wie oben angegeben, verlangt das Ministerium„wegen erheblicher Reste aus den Vorjahren" bei einem Titel des neuen Etats allein 135 Millionen weniger als in 1327. So zeigt auch dieser ßtat aufs neue, daß der Reichstag alle Der- anlassung hat, Abweichungen von den klaren Etatsgrundsätzen nur da zu bewilligen, wo solch« Abweichungen zur Durchführung des ge» wallten Zweckes wirklich unbedingt erforderlich sind, was nur selten der Fall sein wird. Die Arbeit des Reichswirischastsrais. Sine llebersicht über seine Sutnchtertätigteit. Eilte Ueberficbt über den Stand der Arbeften des B o r- läufigen Reichswirtschaftsrates vom 1. Januar 1928 gibt ein interessantes Bild von der Arbeitsleistung dieser Körperschaft. In der Uebersicht wird u. a. ausgeführt: Der Zolltarifausschuß des Reichswirtschaftsrats behandelt« in den Monaten November und Dezeniber In einer Reihe von Sitzungen diefürdieZollfenkungsaktionderReichsregierung in Bftracht kommenden Nummern des Zolltarifes. Dabei wurde sine große Zahl non Sachverständigen aus deii in Betracht kommenden Gebieten des Wirtschaftslebens vernommen und über die der Reichs- rggierung zu machenden ZolljenkungSLorschlöge Beschluß gefaßt. Die Arbeiten des Zolltarifausschusses«erden voraussichtlich im Januar abgeschlossen werden. Der Entwurf derHandwerksnovelle war einem Arbeits- ausschuß zur Barberatung überwiesen worden. Dieser hat in sechs Sitzungen seine Aufgabe erledigt und wird im Laufe des Monats Januar dem Wirtschoftspolitischen Ausschuß einen Bericht über das Ergebnis seiner Beratungen vorlegen. Zur gemeinsamen Begutachtung des Wirtschaftspolittschen und des Finanzpolitischen Ausschusses liegt zurzeit der vom Reichsfinanz- Ministerium eingegangene Entwurf eines Gesetzes zur A bände- rung des Tabak st euergesetzes vor. Er wurde in der Sitzung der beiden Hauptausschüsse am 14. Dezember 1327 einem Arbeitsausschuß zur Borberatung überwiesen. Dieser wird die Bor- löge am 12., 13. und 14. Januar 1328 behandeln und dabei Sachver- ständige aus allen in Frag« kommenden Wirtschaftsgebieten ver- nehmen. Es ist beabsichtigt, die Beratungen so zu beschleunigen, daß noch im Laufe des Monats Januar das Gutachten über den Gesetz- entwurf den Hauptausschüssen vorgelegt werden kann. Der Sozialpolitische Ausschuß hat zum Entwurf eines A r- beitsschutzgesctzes schon ein Gutachten am 26. November 1327 vorweg abgegeben. Für die Wciterberatung des Gesetzentwurfes hat der Arbeitsausschuß 18 Sitzungen vom 16. Januar bis zum 25. Februar 1328 einschließlich anberaumt. Der zur Frage der Festsetzung von Lehrlingshöchst- zahlen im Handelsgewerbe gebildete Arbeitsausschuß hat die Beratungen wieder aufgenommen, da der bisherige Berlauf der Verhandlungen im Arbeitsausschuß für das Verufsausbildungsgesetz ergeben hat, daß der Handel in dieses Gesetz nicht einbezogen werden soll. Der Arbeitsausschuß hat beschlossen, in den nächsten Sitzungen zunächst noch Sachverständige zu dem gesamten Fragenkomplex zu hören. Dem Finanzpolitischen Ausschuß war Anfang November 1327 der Entwurf eines Kraftfahrzeugsteuergesetzes zugegangen, dessen Be- gutachtung nach einer Dorberahmg durch den Arbeitsausschuß für'die Kraftfahrzeug st euer am 33. November 1327 erledigt wurde. Da der Arbeitsausschuß in der Regierungsvorlage jedoch kein« end- gültige Lösung des Problems der Kraftfahrzeugsteuer erblicken konnte, soll dies im Januar weiter behandett werden. Dereinheiklichung der Der wallung. Die Verhandlungen zwischen der thüringischen Regierung und dem Reichssinanzministerium über die Uebertragung der thüringischen Landessteuerverwaltung auf das Reich sind inzwischen so weit gefördert worden, daß das Reich vor- aussichtlich die Derwaltung der Thüringer Grundsteuer, Gewerbe- steuer und Aufwertungssteuer mit dem 1. April dieses Jahres über- nimmt. «ütlealWBii«» für dtef« Rubrik find Berlin SW 68, Lindenstreß« 3. parieinachrichien�M�fürGroß-Verlin strt» an da»»e,trk»f«trrtari», 2. Hat. i Trrp. recht», ,» richte». Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt und Sinderschutz. gnsammenlnnft der sazlallstischen ZZobNahrtischälcriinnca), Snl*. 5 leite riiuarn), Dazialbcau-tenlinnen) der Arbeiter-rahlfahrt a» Dan. W »rretaa, tZ. Zannar.»ünttlich Z« Uhr, im Spandaner Zimmer de» M R-t,ke1ler», NSniofiraße fU-Babahof filzsterstratze). vertrag dt»®«-=3 nafTen Dr. Scklosscr, Direktor de» gürlo-ge«r,i«hiulg»heim«» Wakcnitz. ss? bos bei Lübeck, über-.ifirabiem« fozialifiilcher«»st»lt»rrzieb»ag." Disknfiia». Verschiedene». V Rrei, Mitte. fiamml!-albcamten.ZSerbeau»Ichub: Donnerswa, 12. Januar, A Uhr. mlchtiae Sifiung im Ratskeller Berlin, AZnigstraße, Bierabteilung, Nische U. Alle Begirl, müssen vertreten sein. Heute, Mittwoch. 11. Januar:..... 8. Abt. 19]/i Uhr ZahlabtNie. Seiler. Stelnmetzstr. 29. Bartrag:.Rüstet stzaje 5. Referent Heinz Litoi. Frey. Magdeburgrr Pia». Dartrag: �Ta» Wahllahr 1928. Referent Dr. Alfred ssorach. 8.«dt. isrz Uhr Mitgliedervirsammlung Artuehoi. Perteherger Str. ZS. Dortraa:„äBirtlchaftsfragen." Reierrnt Friedrich Schleacl. 31. Abt. 19 u, Uhr Zahlabcnbe. Goidschotidl, Ewlpisch.e Str. 36. Vortrag: »Die weltliche Schule.� Referent Äurt Lücke. Meißner, Schivelbciner Straß« 34. Dortrog:..Mieteröeweanng." Referent Bau! Lang». Haberer, Dornholmer Str. 2. Dortrag:»Zahnpflege und itorperlultur." Referent Dr. Rumnielsiura. 43. Abt. 191.; Uhr Zahlabendt. Zm Lokal Minnig, Laufißer Str. tS. Bor. traa:..Staat, Kirch« und Arbeiterschaft." Referent Ernst Oberüber. S6. Abt. üh«rl»tt«nlurg 2. Gruppe: 19H Uhr Zahlabend bei goskmpiack, Holtzendorfisir. 20. Neuwohl der Sruppenleitiina. 62. Abt. Steglid. 191? Uhr Zahlabende in der« bikannten Lokalen. »3. Abt. Llchterfelbe. All« Mitglieder von Ost treffen sich 20 Uhr zum Fahl» abend im Lokal Paul Kraft, Heiner-dorker Str. 17. Die Mitglieder von Süd bei Prcttschneidcr, Berliner Str. 12Zd. 84. Abt. Laukwiß. Pünktlich 20 Uhr bei Lehmann, Kaiser-Wilhelm-Str. 29'S1. Iahrej-dauptversammlung. Berichte. Neuwahl de» Dorstandeo. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. 88. Abt. Dempelhos. 8. und 4. Bezirk: 20 Uhr Zahlabench im Lokal Primus. Werder- Ecke Frledrich-Karl-Straße. Bortrog:»Humor im Klassenkampf. Referent Hanns Kamm »8. Abt.«enkill». 191? Uhr Zahlabcnbe. 107., 108. Bezirk: Krüger,«nefe- b-ckstr. 48. 113., 114. Dezirk: Gntmann, Mariendorfer Weg 1. Tage». ordnung: Neuwahlen der Bezirksleitung. 109. bis 112. Bezirk: Eckert, Deldrückstr. 3S. Bartrag:„Arbeitslosenversicherung." Referent Genosi« Friinkcl. Neuwahl der Bezirksleitung. 98. Abt. Briß- Buckow. Z.. d..«. Bezirk: 1811 Uhr S-hlab-nd im Lokal Otto Werner, Ehausseestr. 66. Bortrag:„Das Wahljahr 1928." Rcferent Richard Meyer. Alle Ritglieder müssen zur Stell« fein. Leristische Opern eignen sich nicht besonders für Uebertragungen, denn hier spielt die Handlung eine zu große Rolle. Hier wird die Musik oft durch sie bedingt. Anders liegen die Dinge, wenn di« Melodi« alle Dunkelheiten der Handlung vergessen läßt. Und so enttäuscht die Sendung von Wolf Ferraris„Schmuck der Madonna" kaum. Man fragt sich bei der Uebertragung erstaunt, warum diese Oper, die noch vor ein paar Jahren Repertoirestück aus d«r deutschen Bühne war, heule in den Hintergrund gedrängt worden ist. Wolfs Ferrari verfügt über einen beglückenden Reichtum an Melodien, die allerdings nicht so blutvoll sind wie die Puccinis oder Mascagnis. Und außerdem behandelt der Komponist Orchester und Stimme mft großer Feinheft, baiit dekorativ« Ensembles und Finales, die Meyrowitz und Bronsgeest mit. größter Genauigkeft herausarbeiten. In akustischer Beziehung ist beispielsweise die Uebertragung des Finales im ersten Akt vollendet. Orchester und Ehor bilden die Folie, von der sich die Stimmen der Solisten klar umrissen abheben. Sellen ist Bronsgeest eine so gut abgestufte Ensembleszene gelungen. Dazu betont Meyrowitz den Rhythmus, strafft das Orchester und gibt doch allen sinnliche» Reiz dieser Melodien. Transky singt den Gennaro sehr welch, bindet vorbildlich die Töne, hat aber diesmal stellenweise eine verengte Röhre. Buttinanns Rafaele stilisiert sich weniger auf den Lersührer als aus den Gewallmenschen, der zu oft Forte singt. Immerhin imponiert diese schöne Baritonstimme, di« hier im Rundfunk schmiegsamer klingt als auf der Bühne. Emmy Bellendorff ist von starkem drainatischen Ausdruck.— Nachmittags hall Roellinghosf einen Bortrag über Phrasendrescher, m dem er sich nicht auffallend originell, aber doch ganz witzig über di« Leute lustig macht, die bei allen möglichen Gelegenheften billige Phrasen prägen müssen. Roellinghoss ist betont harmlos, streichelt nur sanft die Schwächen seiner Mitmenschen, aber er unterhält wenigstens.— Dr. Adolf Heilborn sprach sodann Über Heinrich Zille, das populäre siebzigjährige Geburtstagskind, und wurde dem prächtigen Menschen und tresslichen Künstler durchaus gerecht. F. S. 117. Abt. Lichtend« in. im Uhr Ritgliederverfannvlung Schule Wcksbe. Boftrag:»Die Aufgaben der Sozialdemokratie in der Republik. Referent 122. Sbt? Uhr bei Dorath, Marzahner Str. 31, Mitglieder- Versammlung. Neuwahl des Borstande».. 123. Abt.«anl-dorf. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Efch-r.ch, Alt-Kaul». dorf A. Neuwahl der Abteiluugsleitung. Erscheinen aller MilgUeder 131.«�.�-derlchSnh-use». 20 Uhr im Lokal Wilhclmsbof.«aiser-Wilh�m- Straße 64, Generalversammlung. Reuwahlen. Kontrolle durch die Ma. 132. Abu'Bl°-l-»b»rg. 20 Uhr bei«lug, Dorfstr. 2. Mitgli-de�°rs-om,lung- Reuwahl der AMcilimgsIeitung. Achtung! Das Bergnügungsbimitee tagt bereits um 19 lh Uhr pünktlich im gleichen Lokal. Morgen, Donnerstag. 12. Januar: 22. Abt. 194? Uhr wichtig« Mitgliedern erkammlung in der Echulaula Lüt- ticher Str. 47/48. Bericht des Vorstandes. Wohl der Abteilungs.eltung. 4- 33. Abt. Pereinignng für S-ßnl- nnd«rzlehnngsfrag«» Oitatmct To«. «chtnng! Donnerstag, 19. S-n»ar, 28 Uhr. in d".Dchula-la�-°nb«'-. praß« 24 Vortrag:„Ja welch« höhe« Schule Ich«»« ich mein Krad? Referent Oberftudleadirettor Dr. Schönebeck.-Sil erwert«,»olzohlige» frjtijtintii, Frauenveranstaltungea. 5.»«ei« Friedrichshaw. Donnerstaz. 12. Januar, 19% Uhr. Beginn des Kursus„Einführung in die Wirtnhaktsvolitrk in Schm'dt» Ge-ellschasts- Haus, Fruchtftr. 86». Referrntia Genossin Mathilde Wurm. Aste Ge. nosswnen und Genossen sind dazu einaElpitn � 92. Abt. Neukölln. Freitag, 13. Januar,?-sickiiigung der so, ialhyg,-Nischen G-sundheitzau-st-llung Am Urban. Treffpunkt 9W Uhr Kaiser. Friedrich. Ecke Wildenbruchstraße.._.,_„_ Bernau. Donnerstag. 12. Januar, 29 Uhr, uu Restaurant Bellrvue Frauen. Versammlung. Bezirksausschuß für Arbeilerwohifahrt uud Siaderschutz. 14. Krrt» Neukölln. Der«urkus der Arbeiterwohlfahrt über:„Hauvtqebict- der Wohlfahrtspflege und Sozialversicherung" beginnt am Dienstag, 31. Januar, im Zimmer 138 des Reukölluer Rathauses. Es wird gebeten, in allen gahladenden auf den Kursus hinzuweisen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groh-Berlin. Di- Helfers chul« beginnt wieder am Donnerstag, 12. Januar, 20 Uhr, w de» bekannten Räumen Tieckstr. 18. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation Abt. 1533 Aaulsbsrf-SKd. Unser langjähriger Genosse, der Gastwirt d?.» „ZZgerheims", G o t t l i e b« r a 1, ist am Sonntag abend verstorben, ffhrc seinem Andenken. BeerdigungZ Uhr, IM großen Saal des ehemaligen Herren, Hauses. Leipziger Sit. 3.«arten zu ermiißigtem Preise sind 1» Sekretariat "�Skrichtsbogeu und Ron»ts«rogrnmin« müssen umgehend abgeliefert»«den. Abrechnungen und Ausgab« der»Z-gend»ora»:> heute. Mittwoch, zwischen 17 und 19 Uhr. Heule. Miktwoch. 11. Januar. 19� llhr: Wedding: Helm See. Eck- Turiner Straße.. R-sa Luxemburg,«arl Liebknecht."— Humonnplaß: Heim Edcrswalder Str. 10.»Alkohol und RliotlN. - Rosenthaler Vorstadt: Schule Gipsstr. Za. M.tgl.-d-rv-rsammlu>ig.- Friedrichshain: Seim Diestelmencrstr. b.„Berliner Humor."— Ko.tbi.sier T»»! keine Funktionilrsißuna. Besucht dafür den Zal>lab:>rd de» 44 Parte,. abtcilung.— Südwest: Heim Porckstr. ll. Mitaliederversammlung.— Spaadan: Heim Lindenufer t.»äveck und Ziel« der©AI."—«annse«: Schute Ehar. lottcnsttasie.„Arbeiterdichtung."— Kaule dort: Schul« Adolsstr. 26.„VZid- nose."— Lichten berg-Mlttei Heim E-l8irnwebcrsxr. 20.„Dagesnolitische Fragen."—»«».Lichtenberg: He,m Priuz.Albrrt.Straß-. Zehn-DU nuten. Res-. rate.—»elcheaberger viertel: Heim Reichenberger Eir. 36. Heine-Abend. Werbebezirk Schön-ber«: Heim Hauptstr. Ib. Fortseßung d«, Bildung�. kursus: Einführung w den Sozialismus." » «erbebeziri Pr-nzl-n-r Berg: Wir besuch«» am lotenden Sdmllag in Friedrichsfelde die Gräber von Rosa Luxemtur, und Karl Liebknecht. Di- Wt-ilung-n beteiligen sich geschlossen. Treffpunkt 9>4 Uhr vor dem Bezir.». amt Danziger Straße, Ecke Prenzlauer Mee. Vorträge, Vereine und Versammtungen. Reichsbanner»Schwarz- Rok-Gold" Geschäftsstelle: Berlin s. 14, s-dastianfw. 37/33, Hof 2 Zr. P reo, inner«erg: Sportler Mi., d. 11..» Uhr. Turnh�e Vreife». Hagener Str. S8. Ewteilung der Mannfchart-n zu den Wettspi-Ien. — Dsaatectag. 12. Zannar. Tiergarten: Kam-radschost Hansa 20 llhr käme. radfchast-verfammlung bei Berger, Leveßowstr. 21. Vortrag«am. v. Putt. kamer:„Faschismus.� Wichtige Tagesordnung. PrenUnner Berg! Lerlam». iungcn um 20 Uhr: Kamcradiä�ist Balkan der Bogel, Zadloufkistr. 9. Kamt- radschaft Känigstor bei Riwncr, Immonuelkirchstr." ____ Jjjjl I jny«$eBÖe in der Lnrnhast»" Ringstraße. Tempel Hai: 20 llhr FunktionärsiKung de» Hoch, Mariendorf, Ehaussee- Eck« Prüßssraße. Reulolln-Brib kIungbanner): Beginn der Turnabende von 20 bis 22 Uhr Balier-Rathenau-Schule. Boddmftraße.— S-eitag, Ul. Za»»ar- Re». kvlln. Britz: 3. Kameradschaft 20 Uhr Turnhalle MariendShfer Weg 69 70. Köpenick uud Untergruppen: 20 Uhr Generalversammlung im Etadtchcatcr. Dortrag. Tätigkcit-bcricht, Renwablen. Saalkontrolle. Lichtenberg nebkt Komeradschaste»: Sämtliche Kamerade» besuchen ihre kamerabschaftssltzunge». Kamerabichast Gustav Tempel 20 llhr Sitzung bei HSnow. Frankfurter Aller 268. Vortrag des Kameraden Schlicht. stantadarf�ZÜ»: Berfammlung bei Hübncr, Bahnhofstraße. vrauieuburg: 29 Uhr Echützenhau» Generalversammlung. Sasiersportabt.: Mitgliederversammlung stillt aus.— Tiergart»»: Kamerad» Ichoften Stephan und Hansa: Kamerad Künstler vom Ganvorstand spricht am MI., d. N., M Uhr, in der Moabiter Bicrhaüe, Kirchstr. Ist. über die vol'tlfch« Lag«. Kameraden, di- der 10. Abt. der SPD angehören, treten 19tz4 Uqr dortselbst an.— Wedding: Die Turnabende deginnen am D»., d. 12., Goten» buvger Straße._ Berliner Kaudwerterverein, Sophienstr. 18. Mittwoch, 11. Januar. 29 Uhr. Vortrags- und Liederabend aus Anlaß des 29. Todestages de» Dichters:„Ein Abend bei Wilhelm Busch." verein selbständiger Handwerker lübische» Glauben» G. v., Berlin. Mitt. wo», II. Januar. 20 Uhr, istem-indeh-u- Rosenstr. 2/4, Mitgll-derverk-mmlung. Vortrag Schlossermeister Peisachowiß über:»Schönheit und Geschmack im Kunstgewerbe."_._ Deutsch» Landsmannschaft de« Provinz Pose», Groß. Berlin. Monatssitzung und Dortrag Tounerslag, 12. Januar, 20 Uhr, Kindlbrauerei Neukölln, Her. «annstr. 214/219. Landslcut« und Gäste eingeladen. Arbeiter-Abstineotenbund. Bezirk Norden i Zusammonlunft Donnerstag, 12. Januar. 20 llhr. Dorirag:»Die Macht der Trinksitteu." Schule Wiese». Ecke Panistraße, Zimmer 44...... � verband der Lunge», und Tuberkuloseerkrankte» Deutschland, e. P. sSitz Berlin). Geschäftsstelle: R20. Schönst-dtstr. 1, vorn 1 It., Zimmer 121. Donnerrtog, 12. Januar, 20 Uhr, Lauptvorstandssitzung in der Geschästsstclle. Erscheinen aller Genosse» und Genossinnen ist unbedingt erforderlich. Arbeitsgemeinichast«ntschietzen«, RcpnbUkaner. Donnerslvg, 12. Januar, 20 Uhr, Konditorei Adler, Kominandontenstr. 84, isssentlicher Au»spracheabri:d. Republikaner aller Parteien willkommen. Vereinigung für Schul, und Erzichungsirage«, Berlin-Trepto». Freiiag. 13. Januar, 20 Uhr, Bersaminlung Gemcindeschule Wildenbruchstr. bZ Ii, Zimmer 93.„Ersahrungen des BcreinS zum Schutz der Kinder gegen Aus- nütznna und Mißhandlung." Orisoerein Berlin im verband volksgesnndbeit. Zugendgruppe Vitra: Freitag, 13. Januar, 191h Uhr, Goßlerstr. 81, DiskuMvnsabend Uder:„Leb'ns- rewrm und Sozialismus."— Iuqendarnppe Süden: Freitag. 13. I-nu-r. 191» Uhr, Reukälln. Schierkestr, 4i, Iugendmitgllederversammlung. Toacs- ordnung: Neuwahl der Funktionäre. Hochlchulball 1928. Die Technisch« Hochschule Eharlottenburg veranstaltet Sonntag, 19. Februar, im Zdo-inen Hochsckulboll. Reinertrag zum Besten de» Baue» eine» Studentenknruse« i»«sharlottendurg.«arte« t2„ä0 M. für Studierend- und 5 M. für Gäste) sind durch das W:itschaft»amt der Technisch:» Kochschule< Eharlottenburg, KuefÜrstcnallee, Bau 15, Zimmer 4, Steinplatz 9090) zu vezi-hen.___ Wetterbericht der iffenlllchea Wetkerdleuststelle verlin und Umgegend iNachdr. verb.). Weiteibin msld. teils wolkig, teils heiter bei snschen inest- lich-n Winden, vereinzelt etwa» Regen.— Für vcukichlan»: Zlm Silben vorwiegend tiocken, im Norden Deutschsand» gerwge Niederschläge, überall mild und vtelsach ouibeitemd. aitdsvSftkt bei 5tS?ungon«I«? Vsr�suungs» unel »srno�gsn« unÄ dsi itonv,s«Nssl» IvsnKKviten sitzodingor Vorsaiillilssl«. SerNa SV>1. ScMattoi-str Str. 15». T. LStzsa» 8260,51. Unterhaltung unö ÄVissen Die Hinrichtung. Von Hans Hyati. Am achtun�voanzigsten hatte Friedrich Vewer erfahren, daß sein Gnadengesuch abschlägig beschieden worden sei— er mattete nun auf die Einrichtung... Das heißt, warten ist da eigentlich ein schlechtes Wort: Friedrich Bewer, dieser große, breitschultrig«, stiernackige Mensch, in West- Preußen geboren— wo sein Vater Eolzföller gewesen war und die Mutter dazu oerdient hatte, als Soldatenschneppe— stockkatholisch und mit einer Intelligenz, die im umgekehtten Verhältnis zu seinen enormen Körperkräften stand— dieser Friedrich Vewer saß in der weißgrauen getünchten Zelle auf dem dreibeinigen Schemel und startte vor sich hin. Dann und wann schüllelle er seinen zweiund- zwanzigjährigen, schwarzborstigen Kopf und stieß brummende Töne aus. Und wenn er sich dann erhob und näher ans Fenster ging, das, übermaimshoch und mit schweren Traillen vergittert, nur den Blick in den bewölkten Februarhimmel freigab, dann glich er so recht einem der starken masurischen Bullen, der einen Menschen auf die Eärner genommen und zu Tode gestoßen hat und den nun bald der Schlächter holen soll. So wartete Friedttch Vewer... Die Gedanken kamen und gingen in seinem Kopfe, der wulstige Lippen, kleine schwarzbrennende Augen und mächtige Kiefer hatte— wie Leute, die nach einem Erdbeben die Eeimat rotcbcr aufsuchen und sich nicht mehr zurechtfinden... Seine großen schwarzbehoarten Fäuste, die so oft die Floß» stange in den lehmigen Grund der Weichsel gestoßen hatten, die hart und unempfindlich geworden waren vom Schippen und Karren bei der Kanalarbeit, die hatte man gefesselt. Ohne Not eigentlich, denn seil seiner Inhaftnahme, bei der er natürlich Widerstand leistete, war er fromm wie ein Lamm. Und die Kette, welche die breiten eisernen Eandschellen verband, flirrte bei jeder Bewegung und wecki« Friedrich Vewer oft aus dem Schlafe. Die Bibel lag offen auf dem weihgescheuerten Eolztisch. Manchmal sah der zum Tode Verurteilt« auch hinein. Der Pfarrer, der in den letzten Tagen mehrmals zu ihm gekommen war, hatte ihm gesagt: in diesem Buch sei einer, der ihm helfen könnte... Und das nahm Friedrich Vewer wörtlich, ganz wörtlich!... Aber sein Geist paßte die Buchstaben nur mühsam aneinander und, wenn auch Worte daraus wurden, so blieb doch das Satzgefühl dunkel für ihn, und er bohrte und grub vergeblich in diese rätselhaste Tiefe... Man glaubt ja nicht, wie leicht so ein Kopf, der auf einem pferdestarken Körper sitzt, müde wird bei der geringsten Lnstren- gung des Geistes... Und nachlasien durste er nicht... Es ist niemand da, der ihm befiehll, aber er kann nicht anders, als«mmer wieder arbeiten an dieser fürchterlichen Frage: warum muß ich sterben?? Es ist nicht wahr, Friedrich Vewer fürchtet sich nicht vor da» Sterben selber. Er hat sich damals, als sie den eben Achtzehnjährigen wegen schweren Diebstahls für anderthalb Jahre ins Zuchthaus steckton. ruhig in den Bock spannen lassen. Und wie sie ihm dann die fünfundzwanzig auf das nackt- Gesäß aufgezählt hatten, da Ist er ganz stille, ohne Geschrei und ohne zu klagen, wieder raufge» gangen in sein« Zelle. Wegen Gehorsamverweigerung war's. Und er fand, als der Sohn von Sklaven, der selbst ein Sklave war, die Sache durchaus in Ordnung... Also das Bell, an das konnte «r denken, ohne daß es chn schüttelte... Aber nachher... noch- her... nachher war Friedrich Vewer nicht mehr da. wo die anderen waren!... Er konnte keinen Schnaps mehr trinken, kein Mädel mehr haben und nicht mehr reden, nicht rauchen, nichts mehr, nichts, bloß tot fein... Wenn er soweit in seinem Denken gekommen war. dann dreht« er sich regelmäßig nach dem Aufseher um, der in seiner Ecke saß und gleichgültig auf den großen Menschen blickte, besten letzt« Stunden er bewachte... Und der Ausseher ahnte gor nicht, wie nahe Friedrich Vewer daran war, seine Fäuste ineinanderzukrallen und das Eisen seiner Fesseln auf den Kopf des trag dasitzenden niederzuschmettern... Es war auch kein Mitleid, was den Mofuren daran hinderte— so fein« Gefühle gedeihen in den Schichten seiner Eerkunft nur spärlich!— nein, vor ihm war die eisenbeschlagene Zellentür und dahinter wieder Türen und Mauern und Aufieher und Soldaten... man kam da ja doch nicht durch! Und dann rannte diese gehetzte Idee des Lebenwollens in ihm zurück wie ein Eund, der seinen Eerrn verloren hat, und kam bi« on die kleine Tür, die die Frau ausmachte... die Frau, die er erschlagen hatte... .Was wünschen Sie?" .Ach, ich— bitte...* .Sie haben wohl Eunger? Ra, warten Sie. ich hol' Ihn' was zum essen!" Sie dreht sich um. Und da steht hinten ihr Rockschlitz auf, so daß dos Weiß des Unterrocks sichtbar ist. Dos erregt ihn. � Und dann hört er sie in der Küche mit Geld flimpern. „Ich geh' rein!" denkt er. Und tut's. Und macht die Korridortür hinter sich zu. Und da kommt sie schon wieder aus der Küche auf den Korridor und er sieht: sie kriegt Angst... Vielleicht hätte sie nur mit starker Stimmen zu sagen brauchen:„Was fällt Ihnen denn ein?!... Machen Sie, daß Sie rouskommen!"... Aber nein, sie kriegt Angst, und da blitzt's in ihm auf:.Schlag' sie tot!" Sie schreit! Ii Seine Kralle ist an ihrem E«ls... Gr zerrt sie in die Küchel Da hängt das Eockebell... Und krach! kroch! krach! mtt der stumpfen Sette, wie man'n Schwein totschlägt. Nachher wird ihm Angst. Er nimmt rasch ihr Portemonnaie, in dem nur ein paar Silbergroschen sind, weiter traut er sich gar nicht zu suchen... bloß weg, damit er die weilaufgeristenen blauen Augen, zwischen denen Errn und Blut sickert, nicht mehr steht. Die Verurteilung, die Revision, deren Zurückweisung, Gnaden- gesuch, Ablehnung, olles alles scheint eins, scheint dos Wert von Stunden, von Minuten zu sein. Friedrich Bewert hat die Empfindung, als hätt' ihn- jemand am Eals« und reißt ihn, trotz all seine« Sträubens mit überlegener Kraft fort. Manchmal darf er sich noch umsehen. Da taucht der hölzern» Kirchturm in seinem Eeimotdorf» an der Weichsel aus. E» ist Sommer, die Sonne scheint wunderschön... Und blau ist der Eimme!... Die Frösche quaken am hellen Tage auf den Wiesen. Da hinten beim Dorf sind dl« Leute, die Marsa auch... E«u machen... Der Aufieher blickt wie strafend empor- Friedrich Betner hat feilt aufgeseufzt. Zwei Tage später kommt der Gefängnisdirettor und sagt: .Morgen früh..." Er sagt ja noch mehr, aber der Gefangene versteht bloß:„Morgen früh.. Und er weint. Aber abends die Bratkartoffeln— Bratkartofseln!!— und das Beefsteak, der Rotwein und die Zigarren, ah, das ist fein!... Da lächell der Bewer. Und die Nacht schläft er. schläft fest und traumlos, wie einer, der das beste Gewissen von der Well hat. Um halb sechs muß man ihn wecken. Er verstellt sich nicht, er schläft wirtlich. Wie er die Augen aufschlägt, lacht er noch«in bißchen. Aber plötzlich erblickt er seinen Feind wieder, der jetzt hoch aufgerichtet, mit eisernem Angesicht vor ihm steht und nach ihm greift... Zittern erhebt sich der Masur. Der Kaplan kommt, Friednch Bewer hört gar nicht, was er sagt— er sieht nur den Feind, seinen Ueberwinder. Im Gesängnishos wirst er sich gegen den Aufseher. Die Knechte des Eenkers eilen hinzu— ein Kampf, sein letzter. Denn der Feind ist stärker. Ea!... Da kommt etwas Blitzendes durch die Lufti... Do« Gebrüll hört auf. Plötzlich. Und der Nachrtchter, rasch herzutretend: „Eorr Staatsanwalt, die Exekution ist vollzogen!" Das Zeli, das ein Palast sein wird. Von Erich Goftgetreu. T e l. A v i v. im Winter. Am Strand von Tel-Aviv, der amerikanischen Stadt des Orients, der eigenartigsten Palästinas, steht ein kleines Eaus aus Eolz. Blumen blühen vor den Fenstern draußen, bunte Bilder drinnen an den Wänden— hier wohnt ein Theater. Eier ist kein,, hier wohnt bloß ein». Kommt man tagsüber hin, ist niemand zu finden, denn die fünfzig Mitglieder der Bühne sind fünfzig Arbeiter. Von acht Uhr abends wird geprobt, bis morgens um zwei, um drei, mn— dann kommt der.�Direktor" und sagt:.Kinder, ihr müßt jetzt schlafen gehn!" Was wollen sie? Sie wollen«in große« hebräisches Theater in Palästina schaffen, eins, das also heiinatverwurzeller ist al» die Eabima, die die Europäer schon kennen. Juden würden ja auch wirklich keinen Staat ausbauen, wenn sie das Theater vergäßen. Das hier heißt „E a o h el": das Zelt. Die sämtlich noch sehr sungen Menschen arbeiten also— wenn man solchen Kult der Kunst noch„Arbeit" nennen darf— in der Keinen Baracke am großen Meer. Das rauscht ins ieierliche Getrieb Beilage des Vorwärts hinein, wie bei uns Autogehup und Trombahngetlingel gellt. Die Künstler sind in dieser Noturnäh« ungehetzt und olltagfern. Gearbellet wird�unter des Russen Ealcvy Leitur.t. an den Proben sür ein» der Spielplanstückc«in halbes Jahr, ein Jahr, sogar anderthalb Jahre lang. So kommt es, daß das ourci, da» ganze Land reifende und, wie man weiß, auch mitreißend« Repertoire noch nicht mehr umfaßt als die„Eofsnung auf Segen" von Eeijcrmans. das völlig umgestaltet wurde, und eine Reihe einzelner Szenen von Perez. Jetzt haben sie Stefan Zweigs„Jeremias" im Plan, dann eine Dramatisierung gack Londons unter den Eänden. und satt fertig steht„Jacob und Rohel". Zum Dichter Hot das neue Bibelstück den eigentlichen Autor. Krascheninikoff. dann die E eil ige Schrift selbst, Ealevy und ander«. Bor allem ober die Wirklichkeit, wenigstens als Bühnenbildner und Stimmungsschlepper. Sie singen sie mit geradezu reporteihofter Raffiniertheit: Fünfzehn setzten sich aus ein holperndes Auto aus Urväter Zeiten. fuhren drei Tag« lang auf besonnten vtroßen und Wegen kamen endlich nach Beer Schewa. einer Stadl lief im Süden und in der Wüste gelogen: von hier aus soll Jacob ausgttogen sein. In Beer Schewa wohnen die Beduinen noch dem Weltwandel fern, wiflen nicht, ahnen nicht, daß sie Schousvieler vor sich haben, sehen nur Gäste, laden sie ein, locken den Märchenerzähler, der Märchen sur vierzig Tage und Rächt« haben will, zum Reden. Eigenhändig brät endlich der Schest den Eammel ihnen und rippt, wie sie strahlend noch heute berichten, dabei das Fleisch so geschickt längs der Knochen, daß das Fehlen von Mesier und Gabel den Appetit nicht vergibt. Nach dem Esten kommen, als ob alles klingendes Traums piel wäre, Tänze zur Flöte, leiser Gesang mit viel Musikalität. Jetzt führen die Beduinen noch eine primitiv« Theaterszene aus, in der viel geprügelt wird. Den Kindern der Wüste bereitet das tiefe Freude. Roch Uebernachtunq im Zelt erhalten sie am nächsten Morgen gierlich Geleite, fahren zurück nach Tel-Aoiv, dem palästinensischen merita— so frisch ist die Stadt—, proben weiter und wirken ins Werk, was sie«lebten. Es werden noch viele Jahre vergehen, bis man das.jOhei", dies Zelt, dos einmal ein Palast fein wirb, in Europa zu sehen bekommt. Vorläufig treibt e» auch noch nicht eitler Geltungsdrang und Eier nach internationalem Ruhm, trägt es aber immerhin schon die Liebe und das Lob oller Juden Palästinas. Die sehen hier schließlich ihre eigene Sache und erleben sie mit So kommt«s, daß mit der Arbeit de»„Ohe! die eigentliche neuhebräffche Dramatik, die es bisher kaum gab, geboren wird; das siddisthe Theater und auch das hebräische Rußland fit doch in Stoff und Stil durchaus milieu- bedingt gewesen. Nun ist doch immerhin der Anfang einer Erfüllung da und von vieler Menschen Standpunkt aus eine gewaltige Sache, für die heldenhaft viel gearbeitet, gehungert und gefiebert wurde— Eunderttousend sollten einen Dichter siliden im'alten, neuen Land. Man darf sicher sein, daß er kommt. Ein Gowjetjugendlicher. Von A. petrisifcheff. 1V17 war tt fünf Iah« alt. Der Papa diente. Wo?... Wohl im Pollzeidepartm�nt. Wohl als Abteitungschef... Nichts als Splitter aller Benennungen und Worte Halle sein Gedächtnis aufbewahrt. Doch ihr Sinn, der damals dem Kind« wenio verständlich gewesen, hatte sich nun gänzlich verflüchtigt. Da war die liebe, gute Maina gewesen. Eine warm« Wohnung war da gewesen und ein sauberes Bettchen. Und stets hatte es was zu essen gegeben. Dann ist alles in Nebel gehüllt. Maina war nicht inehr. Er mit Papa in demselben Petersburg. Doch es war sehr kalt. Und man hatte sehr wenig zu essen. Dann— im Jahre 19!» oder 1920 wurde Papa verhaftet... Man kam nachts, wissen Sie, und brachte ihn fort."... Das Kind blieb allein. Ein guter Nachbar—„Papas Bekannter"— nahm chn auf. Dann kam jemand aus der Peters- burger Tscheko in den Eos mit der Weisung: „Sagt dem Knaben, daß sein Vater erschossen worden ist." Wäre es ein Arbeiter- oder Bauernjunge gewesen— man hätt« ihn einem Asyl übergeben. „Kinder sind Blumen dgr Erde." Doch der erschossene Papa war von Stand ei» Edelmann. Und so wurde es dem Kinde freigestellt, selbst zu verkommen. * Wie die Wogen«in Stückchen Eolz, so wars der Strom des Lebens die Waise umher. Trug ihn von Petersburg nach Taganrog, von dort nach Samorkand, doch dmin, gen Westen wendend, spie er ihn bei Mogilew ans Land. Zu Fuß ging er aus der Stadt in die Dörfer. Unverhofft hott« er es gut mit der Zell getrosten: man war im Begriff, Eirten za dingen. Die Bauern sahen sich den Jungen on und kamen zu dem Schluß:„Statt sich zwecklos mnherzutreiben, mag er Eirtenbube werden." Verstand er es auch noch nicht, so spürte er doch den gewaltigen Wechsel: bis dahin war er der gehetzt« und rechttose Sohn eines Zfdligen gewesen. Nun war er eingegangen in den äußerst privi- legierten Stand der Armen des Dorfes. Eine heimattosc Wafie— ein Eirtenbub'— was kann es Aermeres geben? Fand sich auch«in braver Mann: ein ehemaliger Gutsbesitzer. Cr lebte wie ein Bauer. Und war vielleicht nicht braver als die anderen. Doch«r vermochte dem Knaben zu geben, was die anderen nicht konnten: er lehrte ihn lesen und schreiben. Auch besaß er Ueberreste einer Bibliothek. Und er versah den Knaben mit Bü.hc»». Im Sommer hütet« der Junge das Vieh. Im Winter besucht« er die Schule. Di« ersten Plätze der Dorfschule gehörten der Armut. Doch nur in der Dorfschule. Um weiter auszurücken, genügt der Annenstond nicht, dazu bedarf es des Ausweis« der Zugehörigkeit zum Komsomol(Kommunistischer Iugendverein). Einen solchen zu erlangen fit nicht so leicht: der klein« Eirte zählt« erst 12 Jahre. Das ist dos Alter der„Pioniere"— in den Komiomol wird man so klein nicht ausgenommen. Doch dl« Leute im Dorf« sind gutmütigen Sinnes:„Sollte man es sich leid werden lassen, zwei Jahre draufzugeben?" Die Beicheinigung der Kam- somolvolliährigkett" wird dem Knaben ausgestellt, aber oer„adligen Abstammung" ward nicht Erwähnung getan. „Gatt mtt dir,— lerne nur. » Im Besitze des Äomsomolauswefies und eines Attestes der Komjomolzell«. fährt der Knabe nach Moskau. In aller Klarhett steht nun da» Ziel vor ihm: er will lernen. Nicht mehr läßt er sich willenlos von den Wogen des Lebens tragen. Wenn auch nur mtt schwachen Kinderhänden, er rudert doch. er schwimmt, er arbeitet sich heraus aus dem Strudel... Moskau. Die Äomlomolattesi« sind vorzüglich geeignet, zu einer Arbeit zu verHelsen. Er wird Laufbursche in einer wichtigen Institution. Wird in d'«„Junge Garde" ausgenommen. Mit Doku- menten wird er zu Rikoss. zu Kalinin geschickt— zu den höchsten Beamten de» Poltskommisioriats. Er erhall—«ine fetten« Aus- zeichmmgl— eine» Passierschein in den Kreml.,, Doch um das Lernen fit es schlechter bestellt. Pie Kommunistische Jugend ist zahlreich, doch der Pläne sind zu wenig. Ohne vorav?- gehend« strengste Durchsich: der Dokumente wird man nicht auf- genommen. Diese Komrolle führt zur Entdeckung:„Das Alter ist gefälscht. Di« adlige Abstammung ist verschwiegen..." Der Knabe lies von Instanz zu Instanz, bat... Wandte sich an Lunatscharsko selbst. Doch von Lunatscharsky selbst erhielt er zur Antwort:„Unsere Schulen existieren nicht sür adlige Ausgeburten." Was beginnen? Eininal entdeckt, würde nichts verborgen bleiben. Man würde an die„Imige Garde* berichten, an die Kommunistische Jugend, an die Institutton, bei her er Anstellung gesunden hat... Er verließ Moskau und reiste nach Charkow. Eine neue Periode ziellosen Umherstreifens. Während der legten zehn Monate seines Aujenihaltes in Rußland hatte er mit dem Gefängnis Bekaiiiitschaft gemacht, hatte er im Krankenhaus gelegen. War auf der Straße niedergebrochen vor Eunger. Eatt« in Noworossijsk ein orträqlichc» Leben gesübrt, indem er Zeitungschroniken verkaufte. War i« Pjati- gorst gewesen. Gelangte nach Suchum. Von Suchum nach Baku. Eielt sich dann hartnäckig in den Eosenstädrcn mit dem Gedanken: „Wenn es gelänge, auf ein Luslandsschisf durchzuschlüpsen.. Er wartete aus einen Zufall. Bis dieser sich«instellte. Er sprang in den Schiffsraum. Log darin zweimol 24 Stunden. Jych konnte nicht länger, wisse» Sie. Ich hatte jurchtbqrs» Eunaer..." Als er dem Schiffsraum entstieg, näherte sich das Schiff Trope- zuntz Rußland lag hinter ihm... Gegen Mitte Oktober kam er in Marseille an. Arbeitet« ändert- halb Monate in der Nähe von Lion. Am 16. Oktober kam er nach Paris. * Er hat das Aussehen eines Eungerteiders. Es fällt schwer, ihn für älter als 12 Jahre zu halten. Doch mit aller Entschiedenheit berichtigt er solchen Irrtum:„Ich werde bald sechzehn." „Sie waren also fürsorgelos?" Ein ganz klein wenig beleidigt und doch stolz entgegnet er: „Nein, ich Hab« stets gearbeitet." „Eaben Ihre Vorgesetzten Sie beleidigt?" Erstaunt fragt er:„Was verstehen Sie unter Vorgejetzten?" „Nun, dort in Pußlond gibt es ja die GPU., Volkskomm'.ssa- riate, Lunatscharsky..." „A— ah, die kommunisiische Bureaukratie"— übersetzt er in seiner eigenen Sprache—>„ja, die Komburoaukrotie, wissen Sie..." „Eai. als Sie Eirtenbub' waren, der Eirte Sie nicht geschlagen?" „Ich erlaube niemand, mich zu schlagen." „Nun, und die GPU.?" „Die in der GPU. sind Tschekisten. Das ist etwas anderes... Tfchekisten sind kein« Menschen. Sie sind eine furchtbar« und sehr schlimme Naturerscheinung." „WcH beabsichtigen Sie* in Paris zu beginnen?" „Jch will lernen. Ich weiß nicht mal in der Bruchrechnung Bescheid... Eab' die Schule kaum zu Gesicht bekommen." Gr hat die Schule kaum zu Gesicht bekommen. Weiß natürlich nicht in der Bruchrechnung Bescheid. Und doch führt er eine regel- rechte Literatursprache. Und schreibt auch in solcher. In der„Dni" erzählt er selbst— unter dem Namen Nikolai O s p i n— einen Fall aus seinem Leben.') Diese Erzählung gibt eine Darstellung von dem, was er geiernt hat. Auch wie er ge- lernt hat. Dort m Rußland gibt es viele solche Jugendliche. Sie lernen unbemerkt, unterwegs, darbend und umherirrend. » Es ist gefährlich, aus einem Tropfen Wasser einen Schluß zu ziehen auf dos Wesen des Elements. Doch auch ein Trapsen, sei er selbst, dank der Laune des Schicksals, aus Rußland nach Paris vor- sprengt— Hot etwa« widerzuspiegeln. *) Wir vecöffenfltch« de» ArttW in der nächsten Nummer. (Die Redaktion.) i rein« WoU«, rlele I Farben.... 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