Abendausgabe Ar. 20 BIO 4S.Ichrgang VSchentvch 70 NemNg.«onatvch S.— Aeichsmart tm voraus zahDar. Untti Streifband rm In« and Aus- fand&50 Sieichsmart pro MmuU » Va �SonvSrts� mit da Mustrte?» Un Sonntagsbeilage ,3Jall und Zett� intvie den Beilagen Jlnterljaöuü� und Wisien�»Aus ha Filmwelt� » Stadtbeilage �.Frauenstimme� .Der Kwde�reund�..Iugend-Dor- mär�".Blick W die Bücherwelt*. .Kulturarbeit* und.Technik* erscheint wochemaglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. 'W Vevttnes Vvttsblait Oonuersiag 12. 3anuür 1928 10 Pfennig tKo e l B f p 8 l 1 1 g« Nonprreikegeile 80 Pfennig Reklomezeile S.-- Reichsmark.Kleine Anzeigen" das seng- druckt» Won 25 Pfenn'g tZulLMg ZVei setkgedruckt» Worte), zedes weitere Wort Pfennig SteUengeiuche das erste Wort l5 Pfennig, zedes weiter» W�ct lO Pfennig Worte über!5 Buchstawn Köhlen- für zwei Worte Arbettsmarkt »�eile 60 Pfennig FaniMenanzeigeil. fs« Abonnenten Zelle 40 Pfennig. Anzeige,»- annahm» tm chauptgeschoft Linden» Vratze� wochentügl. von ft1/» bis 17 vhl� Jenwaloegan der«Sozialdemokvatischen Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhofs 292— 297 Telegraniin-Adr.: Sozialdeniokral Berlin Vorwaris-Verlag G. m. b. H. PonIcheiNonto: Berlin 87 SSS— Bankkonto: Bank d«r Zlrbttter. Angestellten und Beamten Wallstr. KS. Dikkonio-Eelellschast. Depositenkalle Lindenstr S Steine hinter Trotzki! Wie die„Rote Fahne" die Verschickung der alten Revowtionekführer begründet. Die„Rote Fahne", die gestern noch die 9lochrichi von der zwangsweisen Verschickung der alten bolschewistischen Revolu- tionssiihrer als„Sensationslügo" abtat, ist heute schon davon überzeugt, nicht nur, daß die Verschickung tatsächlich stattfindet, sondern nntürlich auch, daß sie wohlgetan ist. Was die„Rote Fahne" schreibt, sei ausführlich wiedergegeben, um zu zeigen, was heute noch deutschen Arbeitern zugemutet wird: ,.!>ic klassenbewußte Arbeitcn'chast wird oarbeholtlos das Recht und die Pflicht des parlamentarischen Staates, der gegen eine Welt von Feinden kämpft, mit allen staatlichen Mitteln die inneren Feinde nieder zu- schlagca, anerkennen. Die liberalen Börsenjournalisten, die So�ialdemo- kpaten Roskez und ihre Koalition zsteunde aus dem Loger Maslows tun so, als ob sie zum ersten Mal««rfahren, daß in Ruhland die Diktatur des Proletariats herrscht. Und diese Diktatur bestellt— nkm höre und staune— eben aucb darin, daß die Unter» dructung der konterreoowtianüren Bourgeoisie und all ihrer Hei- sershelfer nicht mit dem Mandel der Demokratie zugedeckt, sondern offen, vor den Augen der ganzen Welt, vollzogen wird. Wenn des� halb der Sowjetstaat beijpieleweijc die Anhänger der Gruppe S a> p r o n o m, die auf dem Parteitage der Kommunistischen Partei der Sowjetunion als konterrevolutionäre Gruppe charakterifiert wurde, mit allen Mitteln der Sloalegewalt vcrsolgl. genau so wie in de» Jahre,» 1918 und 1919 die Menschewiki und Sozialrevolutionäre, di« bewaffnete Ausstünde gegen die praleta- rische Diktatur organisierten, so tut er nicht mehr wie seine proic- tar'.she Psitcht. Die Kruppe Troßkis befindet sich zwar noch nicht in der Lage der Anhänger Sapror.ows, aber eine Foriseßung ihrer Politik vor dem Parteitage der KPSU., die Organisierung von Straßendemor.strationen gegen die Sowsetregierung und die Partei, eine jowjztseindiiche Propaganda unter den parteilosen Arbeitern, eine Verbindung mit Weißgardist ischen Elementen kam» sie auf den Weg der Sapronow-Gruppe führen. Die Sowjelregierung tut sicherlich recht daran. wenn sie alles tut, um die Troßkiftcn von diesem Wege abzuhalten. Wen» di: Sowetregierung also den Tryßkisten, di« es oerwirkt haben, an der Leitung des praletorischrn Staates milzuarbeitcn. Gelegenheit gibt, zu bewüsen, daß sie»'.cht den Weg der oiscne» 5lonterrevolukion gehen wollen, indem sie sie in den unteren Organen des Staates arbeiten läßt, so beweist sie eine rcnolulionäre Großmut, deren die Trohkisien eigentlich gar nichl wert sind. In weiteren Ausführungen wird dorgelegt, daß Sibirien auch eine ganz schöne Gegend ist, und zum Schluß wird dann gesagt: „Je enger sich die liberalen, die so.zialdeinokratücheii und die maslowitisckvm Feind« des revolutionären Sowjetstaates umarmen, dato eher wird die Arbeiterschaft ihren wahren Eharakter erkennen. Mögen sie weiter über„Denbanoung«ach Sibirien" brüllen. Di« Sowjetunion w-rd sich durch ihr heiseres Gel chrei in ihrer Pflicht der Verteidigung gegen ihr« Feinde nichl stören lassen." Daß ein Organ der russischen Regierung unter den gegebenen Umständen nicht anders schreiben kann, läßt sich zur Not verstehen. Aber daß sich dieses Organ als deutsches „A r b e i t r r b l g t t" ausgeben kann, ist eine Schande. Ienirumssiimme gegen Tresckow-Ltrieil Das Noch nicht vertrustete„Westdeuische Volksblatt", das Organ der christlichen Arbeiter in M.-Gladbach, schreibt zun» zweiten Trcsckow-Prozeß u. o. folgendes: „So hat sterr v. Drerckow keinen Ehrcnschuß gesunden. Der ist e!>«n schwer.zu siaden, wenigstens nach der Auffassung des früheren I u st i z m i n i st e r s Marx. Es wird ihm als V-r- trauensbruch angerechnet, daß er Putschpläne, von denen er völlig überzeugt war, zur Kenntnis dss Reichswehrministeriums und damit der Regierung brahie. Das ist immerhin eine traurige Sache, ganz abgesehen von dein gesellschaftlichen Schaden, den Treockow auf sich nehmen mußte. So geht die gesellschaftliche Acchtung Tresckows weiter. Die Putscher sind nach wie vor geachtet, und der Freund des Staates ist geächtet. Statt ihn als guten Patrioten zu feiern, macht ihm die Urteilsbegründung Dorwürsc. Es bleibt dekn Volk überlasten, fem Urteil zu sälien und zu begründen, ob es Tresckows Pflicht war, dem Volk und der Verfassung zu dienen und den Bürgerkrieg zu bekämpfen oder aber den Kastengescßen des reaktionären o st deutschen Adels treulich zu gehorchen. Was jchadct's, Keudell ist vorläufig gerettet und kam» weiter vor seinen meterhohen Stößen unerledigter Akten ver- zagen!" Ja. Kettdell ist otn'läusig gerettet und Marx auch! Der reaktionäre ostdeutsche Adel hat vorläufig„gesiegt" und M a' x auch! Man darf aufrichtig gratulieren! Millionenbetrug in»«« Leunawerken Veiettigung von Oirektionsmiigliedern!— Zingierie Rechnungen!— Wer nicht schmierte, bekam keinen Austrag! In den L c u n a w e r k e n spielt eine Betrugsangelegenheit, bei der die Werke um Beträge von mehreren Millionen geschädigt wur- den. Gegen einen Ingenieur Stock und eine Reihe von Beamten wurde die Voruntersuchung erössnet. lieber den bisherigen Rahmen hinaus, der immerhin nur mehr oder weniger untergeordnete Beamte der Abteilung Holzwcrkstätten umfaßte, richtet sich der Verdacht jetzt auch gegen zwei Mitglieder de» Leuna-Dircktoriums und zwar vor allem gegen den Erbauer des Werke», den 0 b o r- b a u r a t Schönberger, der der Direktion angehörte, sowie gegen ein Mitglied der juristlschea Abteilung des Dlrcktcniums. Gegen Schönberger, der vor einigen Tagen ganz plötzlich seinen Dosten im Leunawerk aufgegeben fyat, und nach Ludwigshafen, dem chauptsitz des Konzerns, verzogen ist, Hot der Untersuchungsrichter des Landgerichts Holle, Landgerichtsrat? a c o b i, bereits die vor» nnlersuchung eingeleitet, sine Tatsache, die wcst über Mitteldeutsch- land hinaus außerordentliches Aufsähen erreg:. Der Verdacht gegen ihn und ein weiteres Direktionsmitglied soll sich in der Hauptsache daraus beziehen, daß die Herren ans Gründen, die noch näher unterjucht werden müsten, die Aufdeckung der Millionenbetrügereien des Leipziger Unternehmers Schönield und der mit chm in Verdin- dring stehenden Begmten der Holzwcrkstötten der Leunawerkc ver» hindert haben. Bekenntlich ist es Schönfeld gelungen, durch seine Schwindeleien, insbesondere durch die Auswertung fingierter Rechnungen für angeblich in den. Inflationsjahren ausgeführte Malerarbeiten noch- und nach geradezu phantastische Summen aus dem Leunawert herauszuholen. Der Verdacht gegen ihn war bei den LenNawerken in den zuständigen Kontrollabtcilungen allgemein, doch traute sich niemand auch gegenüber dein Direktorium, von den Mutmaßungen, daß hier nickt alles mit rechten Dingen zugehe, Mitteilung zu machen. zumal ein Malerpolier einer anderen Finna, der diese Schwinde- leien bereits aufgedeckt hatte, angeblich auf Betreiben des Oberbau- rais Sckönberger sofort aus den Werken entfernt worden wor. Schönseld hat bisher rund Z!4 Millionen Mark aus den cenna- werken herausgeholt, während eine von ihm angestrengte Klage aus Zahlung von jl Millionen Mark, die er in seiner Unverfrorenheit ans aesälschte Rechnungen und ähnliche JlnlflaciM stützt, noch schwebt. In Leipzig, wo er früher Inhaber einer kleinen Maler- sirma gewesen war, gilt er als einer der reichsten Leute und führt den Spitznamen„der kleine Stinnes". Aon seinen durch die fort- laufende Einreichung fingierter Rechnungen erhaltenen Summen gab er etwa 2S Proz. an seine helservhelscr im Leunowerk selbst, a» Ingenieur Stocks, sowie an die Beamten S ch l e c v o i g t und Hechenberg ab. Bei dieser»Gelegenheit wird übrigens aus Kreisen der Firmen, die Arbeiten in den Leunawerken ouszuführcii haben, daraus hingewiesen, daß bei dem dort herrschenden System ohne tüchtige Schmiergelder überhaupt kein Auftrag zu erhallen sei. Für die dortigen Anstände ist es auch charakteristisch, daß die Summe von ll Millionen Mark, die Ächönfcld noch immer einklagt, sich auf ganz einfache Anstriche von Mauer» und Eisenwerk bezieht. Direktor Schönberger, der die Lcunawerke zum wesentlichen Teil erbaut hat. leitete als Obcringenieur bis in die letzte Zeit hinein die gesamte Bauabieilung der Levnaivcrke, in der ständig mehrere tausend Arbeiter beschäitigt sind. Diese Bauabieilung u iniaßt etwa 15— 17 Untcrabteilungen, und zwar die Einkaufs- und Beschassungsabteilung, Konstruktionsbureaus, ferner die Abteilungen sü» Bau, Aimmerci und Hal.zbearbei- tinig, Tischlepei, Malerei usw. In einer besonderen Abteilung wurden die gesamten Abrechnungen der großen Bauabteilung erledigt. Her- ontworllich siir Zahlungseingänge und Ausgänge war al» Ches der Vauabteilnng Oberbanral Schönberger, dem das gesamte Malcrial vorgelegt merdeu mußte. Direktor Schönberger hatte sich, nachdem er bereits einige Male von Staateanwalt Iacobi in Halle vernonnne» worden war, noch Ludwigshafen begeben, um dort der Generaldiret ijo'.i Bericht zu erstatten. Rachdeni jetzt das E.ersahren gegen ihn oisiziell eingeleitet worden ist, erfolgte die sosorligc Amlsnlederlegung Schönberger» in» Einverständnis mit den inußgebcndcn Stellen in Ludwin? hafeu. Wie wir weiter erfahren, hat die Stachsamvaltschoft auch das Aerjahren gegen den Dorsteher der Rechtsabieiiung im Leunawert. Dr. Poller, eingeleitei. Dr. Poller halte abzuschließende Ler- träge, zum Teil auch Lieserungsverlcäge zu prüfen,»nd es wird ihn» dabei zun» Vorwurf gemacht, daß er nicht rechtzeitig erkannt habe, daß die vorgelegten und jetzt inkriminierten Scheinverträge mit den wirklichen Tatsachen nicht übereinstimmen koimien. Wie wir weiter hören, wird über den Kreis der bisher schon bekannten Personen das Ennitilnngsvcrsahrcn auch noch aus andere Angestellte der Leuna- werke aus den maßgebenden Abteilungen eingeleitet, da bei ihnen zum mindestcn Fahrlässigkeit bei der Beobachtung ihrer Pflichten vor- zuliegcn scheint. Kapitulieren! Die Volkspariei soll sich dem Willen des Zentrums beugen. Die Zumutungen, die die Bürgcrblockkollegcn der Volks- parte» machen, sind noch größer, als es noch dem Kompromiß- antrag zum§ 16 des Schulgesetzes den Anschein Hot. Di- Vürgerblöckler haben es wohlweislich unterlassen, neben dem Kompromiß zur Kirchenaufsicht über den Religionsunterricht auch die Vereinbarungen über den>j 14(Aufstellung der Lehrpläne und Einrichtung der Schul- und Lehr- d ü ch e r für den Religtvnsuntercicht) bekanntzugeben. Run man der Kirche einmal soweit entgegengekommen ist, möchte sie den Religionsunterricht auch gleich ganz bcherrscheil. Sie verlangt, daß die Regelung der Lchrpläne und Schulbücher nur im E i n v c r n e hm e n mit den Reiigionsgesellschasten geschieht, d. h. daß an die Stelle des Staates künftig dic Kirche tritt. Das Zentrum ist damit natürlich durchaus einverstanden, und die Deutich nationalen machen aus Angst vor den Wahlen mit. Das ist der D o l k s p o r t e i denn doch ein wenig zu viel. Sie schlägt eine Fassung vor, nach der die Schulbehörden lediglich angewiesen sind, sich mit den Kirchen- instanzen ins B e n e h m e n zu fetzen, oder, wenn die Fassung der Kirchenfreunde durchgehen sollte, weiügstens dem Staat die letzte Entscheidung zu geben. Zentrum und Deutschnationale haben selbst das hohnlachend zurückgeiviesen und man darf neugierig sein, wie die Vertreter der Volks- parket in den Ausschußverhandlungen operieren werden. Bleibt noch die Frage der S i in u l t a n s ,h u l e. Hier ist eine Einigung, wie schon berichtet, noch nicht in Sicht. Zentrum und Deutschnationale haben sich vorläufig vor einer Entscheidung gedrückt, indem sie die interfraktionellen Ver- Handlungen einfach auf unbestimmte Zeit oertagten. Die „Tägliche Rundschau" weiß darüber folgendes mit- zuteilen: Die Auseinandersetzungen über den§ 20, Simullanschvle, haben nicht zu einer Annäherung geführt. Di« Deulsche Volksparlei hält ihre Aoederung aufrecht, daß der Sinmitanschulc dort. wo pe geschichtlich geworden ist, ein unbegrenzter Schutz zuteil werden soll, während dos Zentrum nur eine füni- oder zehnjährige Schonfrist zugestehen will, nach deren Ablauf die Simultanichuie dann durch Antrag der Erzichungsberechtigten umgewandelt werden kann. Die beiden Parteien sind gestern bei ihrer Austasiung verblieben, und«« ist auch keine Möglichkeit sichtbar geworden, die gegenteiligen Uufsasst>ngen auszagleichea. Das klingt sehr mannhaft. Aber ähnliche Tönchen hört- man wochenlang uns dem Mund der voiksparleitichen Ojfiziösen, eh? die Fraklivr» der Volksparlet in der Frage der kirchlilhen Aufsicht des Religionsunterrichts zusammenklappte. Das Zentrum jedenfalls kennt feine Pappenheimer. Es glaubt der Vnlkspartei jetzt alles zumuten zu können. Die„Germania" schreibt zum fj 20: So sehr das Zentrum bestrebt ist, an einer geeigneten Lösung aus dem Wege der Verständigung mitzuwirken, ebenso ist klar, daß es für da» Zentrum eine Grenze gib«, dir nicht äberschrilten«verde»» kann und wird. Tm Entgegenkommen anderen Anschauungen gegen- iiber können und dürfen weder Gruudsähe verletzt, noch uns vor- bürgte Rechte geschmälert oder etwa ausgegeben werde»». Die Ver treter des Zentrums haben von dieser ihrer Auffassung klar Kennt« nis gegeben. Das ist die Sprache eines Diktators und nicht die eines Koalitionsgenossen. Das Zentrum verlangt die v ö l- lige Unterwerfung der Volkspartei. Was wird die Partei der liberalen Grundsätze tun? Den Namen Luther findet man zwar in ihren Reihen, ein L u t h e r ist aber sicher» lich nicht unter ihnen. » Der Bildungsau-schuß des Reichstags trat heule zum erstenmal nach der Weihnachtspause wieder zusammen, um die Beratung des Reickisschulgesetzes beim Z 13, der die Schulaufsich: und Schulverwaltung behandelt, fortzusetzen. ?lbg. v. Mmnm(Dual.) sprach als Vorsitzender die Hoffnung aus, daß das große Werk zu eint:!»» boldigen guten Abfchlii ß geführt werden wöge. Abg. Dr. coweastein(Soz.) führt« aus, e» sei nicht angängig. weou bei einer starken Minderheit von Kindern einer Religlous tjotKinfdjaff ein Geistlicher in der Schulanfsichl sihe. Seine Partei- >icnllsjc» seien der Ansicht, doh, sosern man schon Geistliche in die Schulaussicht setze, �um mindesten auch Vertreter der weit- l ich cn Schulen ausgenommen werden müßtciu 2lus der Formulierung spreche der Wille der Regierungsparteien, den! i r ch- l i ch e n Machtarispr ü ch t n in weitestem Maße entgegen- >i i o m m c n. Die Sozioldrmolraiie werde sich energisch gegen die Hinzuziehung der üirche zur SchulverwttUung wehren. Sllig. D. Schreiber(..ch) wandte sich gegen den Vorredner und wies auf die besonderen Aufgaben und Leistungen der Geistlidstni namentlich auf dcm Gebiet der Wohlsahrtspilege hin.(!) Abg. Frau Dr. Bäumer(Dem.) sragl, ob die Fornmlierung „cvangelisclxr Pfarrer, katholischer Psarrer, Rabbiner" eine Bc- arenzung darstellen, oder ob auch anderen Bekenntniskategoricn eine Vertretung gesichert werden solle. Es sei zu besürchien. daß unier der Aeberschrist„Schulver- wallung und Sch-ilaussicht nur eine verti'ctong der Retiglons- gcsellschasten geschaffen würde. Die Vertretung der weltlichen Schulen könne man jedenfalls nur in einer Repräsentation der Elternschaft finden. Abg. Schreck(Soz.) gibt der Auffassung Ausdruck, daß das Schulgesetz neuerdings nicht zu einer S ch u l f r a g e. sondern zu einer politischen Rcgierunggsrage gcmackst werde. Seine Partei wende sich ganz allgemein gegen- eine Bevorzugung der Rcligionsgemeinschajien, die in der vorliegenden Formulierung zu sehen sei. Abg. Rosenbavm(Komm.) begründet seinen Antrag auf Oefscnt- l-chkeit des Unterrichts. In Preußen sei dieser Grundsatz in den weltlichen S a m in c l s ch u l c n praktisch schon durchgeführt. Abg. Dr. Runkel(D. Dp.) empfindet ebenso wie Frau Dr. Bänmer in der Formulierung..eoangelischer Pfarrer, katholischer Pfarrer, Rabbiner" eine Lücke. Lehrer und Geistliche seien immer ein belebendes und förderndes Clement im Perwaltungs- körper gewesen, das man nicht ausschalten dürfe. Die Deutsche vslkspariei wolle die beiden Elemente, Lehrer und Geistlichkeit, gieichbecechligt nebeneinander flehen lassen. Ministerialdirektor Pellengar erklärt, die Weglassung des„usw." bei der Aufzählung„evangelische, katholische Pfarrer, Rabbiner" solle eine Legrenzung darstellen. Abg. LSwenstein(Soz.) bringt noch einmal zum Ausdruck, daß es ungerecht sei, den geistlichen Vertretern Sitz und Stimm« zu geben, dagegen den Vertretern der weltlichen Schule nicht. Das verstoße gegen dcln Gedanken der L i b e r a!-t t ä t. Abg. hcsmann-Ludwigshafen(Z.) weift den Vorwurf der In- toleranz zurück. Seine Partei sei im Gegenteil der Meinung, daß auch Vertreter der JugendorganisaHonen in die Schulaussicht hinein- zunchinen seien. Abg. Frau Dr. Räumer(Dem.) präzisiert noch einmal ihren Standpunkt. Alitj. Rosen bäum(Komm.) verteidigt erneut den Antrag aus Oesfentlichkeit des Schulunterrichts. Abg. Dr. Löwensieii,(Soz.) erklärt, im Falle der Annahiiie feines Anlroges über Beschränkung des geistlichen Aufsichtsrechts nur den Religionsunterricht werde ein weiterer Antrag seiner Partei hinfällig werden. Cr glaubt im übrigen, daß die von der Regierung gegebene Formulierung Ansprüche herauslreschwüren könnle, die zu größken Somplikakionen führen mützken. Man solle es deshalb, den Ländern überlassen, jeweils die geeignete Regelung zu finden. Abg. Ronneburg(Dcm.) meint, daß der Slandpunkt der Rc- gierung in krassem Widerspruch zu§ 4 stehe. Im übrigen teilt er nicht die Meinung, daß Lehrerschaft und Geistlichkeit im Schulver- ivoltungxkörper gleichzustellen seien, er gibt der Lehrerschaft den Vorrang. (Die Sitzung dauert fort.) Einheiisstaai und Luihers Bund. Eine Erkläfung. Der Bürgermeister von Dortmund, Genosse Paul Hirsch, bittet uns um Verössentlichung folgender Erklärung: Gelegentlich einer Zusammenkunft der Landesdirektoren im Sommer vorigen Jahres bin ich von einem der Teilnehmer gebeten worden, einen Aufruf zugunsten einer Bewegung für den E i n- „Don Giovanni." (Siaatsoper.) Mi! der neuen Inszenierung von Mozarts.Don Giovanni" setzt Orto Klempercr seine Arbeit in Berlin fort: den Ausbau einer von innen her neuen Dpcr— der kommenden Oper am Platz der Republik. Sie soll und wird kommen, diese von neuem Geist erfüllte Oper, eine staatliche.Bolkooper"(sei es auch, ohne ihr sozial-kimstlcrisches Programm im Namen zu führen): wenn end- lich— in wenigen Monaten, so dürfen wir nun hoste»— die Staats- aper ihr erneutes Heim Unter den Linden bezieht und das Kroll- Haus seiner künftigen Bestimmung und seinem Herrn freigibt. Der arbeitet darin einstweilen unter zweifach erschwerenden Umständen. Erste Erschwerung: Raum und Zeit muh er mit der Staatsoper teilen. Die Akoglichteit freier Cntsaliung, am notwendigsten gerade im Ansang, findet allzu enge Grenzen im Widerstand der Verhält- nisse. Eingebaut in den Organismus der Swcusoper, soll sozusagen die Klemperer-Oper als selbständiger Tliealerorgantemus ins Leben tmen. Ader dazu gehörte zum mindesten, daß sie über ein„voll ständiges" Künstlerpetfonäl verfügte. Sie kann es nicht, solange dieser peinliche Uebergangszustand währt, und wir müssen verständlich finden, daß sie's noch nicht kann. Doch eben, daß es nur das Fragment eines eigenen Ensembles ist, wamst vorläufig Klemperer sich begnügen, daß er. von Fall zu Fall, mit ausgeborgten Kräfteu der niidere» Berliner Opern sich beHelsen muß, das ist es, was zum anderen seine Arbeit planvollen Ausbaues erschwert. Soviel Hindernisse, soviel Mißverständnisse im össentiichcn Urteil. Erstes Mißverständnis: man mißt die Barstellung einer aus neuem Geist geborenen, doch eben noch kaum geborenen, erst kommenden Oper am Maßstab der Staatsopcr, wie sie, strotzend von Ucberliese- rung, war und ist: die Zukunfs, am Maßstab des aus Vergangenheit Gewordenen. Zweites Mißverständnis: man macht Kkemperqr, dein Leitcr, zum Vorwurf, daß sein Repertoire sick» nicht ergänzend in den Rohmen des Staatsopcrn Spielplanes fügt. Selbstverständlich, die Staaisopcr, die ihren„Fidelio" hat. brauchte nicht schon wieder einen neuen. Und die Staatsoper, die kürzlich ihren(mißglückten) ..Don Giovanni" herausgebracht hat, Handel! gewiß nicht klug, es nun ichon wieder mit.Don Giovanni" zu versuchen. Nur: wo« wir oeitern sahen, ist nicht ein Stück Staatsoper: es ist ein weirercs Stück küintige Oper am Platz der Republik. Wieder erkennen wir den Geist, der sich an jenem asten Fideiio- Abeud unter KIcmperer zwinoend offenbart hat, eilten asketisch- strengen, unerbittlichen, heroischen, tunstbeiligen Geist. Doch nichts mehr von dein Zuviel an Spannung des Willens, das in Fidelio noch ein wenig zu spüren war. Die Ausiührung, strosf, knapp, beinahe karp, dach klar und rem im musikoUschen wie im s-Wischm Ausdruck, ist rvn gelockerter Ebenmäßigkeit Durchaus nichi vollkommen in allen» einzelnen. Wo in der Welt freilich gäbe es heute eine voll- heitsstaot zu unterzeichnen. Ueberzeuat von der Notwendig- keit, daß die Errichtung der einheitlichen deutschen Republik eine der wichtigsten Aufgaben ist, und daß nichts versäumt werden darf, was uns diesem Ziele näher führt, habe ich mich dazu b e- reit erklärt und die Unters chrift gegeben. An irgendeiner Be- sprcchmig habe ich nicht teilgenommen, insbesondere nicht an der Gründungsversammlung. Nachdem ich erkannt habe, wer hinter der Bewegung steckt und nachdem ich weiter gciebcn habe, daß die Rechtsparteien aus dem Aufruf Kapital für sich zu schlagen iuchen, habe ich dcm Ausschuß milgcteilt, daß ich meine Unter- shrist zurückziehe. Irgendwelche Beziehungen zu dem „Bund zur Erneuerung des Reiches" habe ich nicht. Vor 20 Jahren. Ä-rliner Wahlsrech.sdxmonstratwn nisöergekniippeli. Der 12. Januar ist in der Geschichte der Berliner Arbeiter- bewegung zu besonderer Bedeutung gelangt. Heute vorzwauzig Jahren demonstrierten große Arbeitermassen in Berlin und in ganz Preußen gegen das schmachvolle Dreiklasien-Unrecht und für das gleiche, allgemeine und direkte Wahlrecht zum preußischen Landtage. Wenige Tage vorher hatte B ü l o w, der Blocktanzlcr, die Stirn gehabt, im Dreiklassenparlament zu erklären, daß die Ilcbertragung des damaligen Reichstagswohlrechts auf Preußen dein Staatswohl widerspreche und deshalb nicht in Frage komme. Roch solcher Unverfrorenheit fühlte sich auch der damalige Polizeipräsident, ein Junker von Borries, verpflichtet, das Scinige zum Schutze des„Staatswohls" zu tun. Er gab Anweisung an seine Schutzmannschast.„mit allem Nachdruck" gegen öffentliche Kundgebungen, die„an sich erlaubt" seien, einzuschreiten. Und die in ihrer Ruhe gestörten Polizei ossizierc verstanden den Wink. Sie ließen die Schutzleute wieder einmal den„Wahlrechtsrevolver" um- schnallen, der seit 1906 besonders für Bekämpfung der Wahlrechts- denionstrationcn angeschässt worden war, und veranstalteten an den verschiedensten Stellen der Stadt regelrechte Prügeleien, zumeist gegen harmlose Passanten, die sie für Demonstranten hielten.. Was sie erstrebten, erreichten sie nicht. Aber was sie verhindern wollten, trat ein: Das brutale Borgehen der Polizei lenkte die Auf- werksamkeit immer weiterer Bolksschichisn auf die Unhaltbar- t e i t d e r p r e u ß i s ch e n Z u st ä n d e. Die Angriffe auf die De- monstratloncn machten erst deren Notwendigkeit klar. Und trotz der Bülow, Norries und Iagow— der„Neugierigenwarner"— wurde das Recht auf die Straße erobert, das heute kaum noch jemand ernsthaft anzutasten wagt. Das Dreiklasienwahlrecht aber verschwand erst gleichzeitig mit der Monarchie, die es schützen sollte! Der Mord von Wehdel. Wie Neichsbonnenuann Llnsang erschossen wurde. Osnabrück, 11. Januar. Uebcr die Bluttat in Wehdel bei Lodbergen erhalten wir noch folgende Meldung: Am Freitag, dcm Dreikönigstagc, der in katholischen Gegenden als Feiertag begongen wird, saß der Neu- bauer Unland aus Wulften mjt noch einigen Männern in einer Wirtschaft in Wehdel beim Kartenspiel. Nach einiger Zeit gesellte sich zu diesen mich der Hofbesitzer Beute, der in unmittelbarer Nahe der Wirtschaft wadnie Und angetrunken war— B. gilt als sogenannter Ouartalssäuser— und brachte das Gespräch auf das politische Gebiet. Unland war seinerzeit M i t b e g r ü n d c r des Nordwest- deutschen Heuerleuteverbandes, dessen Führer und eigentlicher Gründer unser allzu früh verstorbener Reichstags- abgeordneter Wilhelm Helling war. Ferner war Unland Mitglied des Reichsbonners. U. verlor infolge feiner politischen Einsiellichg und die dadurch mit den Hosbesitzern entstehenden Diffe- rcnzen seine Heu erstelle. Er erwarb sich, um cristiercn zu können, ein Stück Land und baute sich selbst ein Haus. Pachtland von den Baucru zu bekommen, war ihm nicht möglich. Infolge- kommcne Don-Giovanni-Aussührung? Wenn das Klempercr- Ensemble für die Titelrolle einen Vertreter von Format besitzt: gestern hat es ihn nicht gezeigt: Fritz Krenn, ein imelljgenter Künstler gewiß, ist es weder an. Ststnine noch an Persönlichkeit. Tillq Blättcrmonn, als Elvira, besteht im Darstellerischen besser als im Gesanglichen. Sehr schön der Camthur Martin Abendroths. Doch die Besten sind Gälte im Ensemble: Hans F i d e s s e r, als Oktavio der einzige, der das Publikum hinrdiht, und Fanny Cleve, die als Sängerin die enormen Schwierigkeiten der Donna-Anna-Partic überraschend bewäitigt. Der Abend wächst, je mehr das heitere sich zum heroischen Drama wandelt. Wir wußten, daß wir von Klemperer den hcroisch-tragischen, nicht den„heiteren" Don Giovanni zu erwarten hatten— jenen, für den Mozart selbst, im stilistischen Zwiespalt seines künstlerischen Vorwurfs, sich mehr und mehr entschied. Trotz dem angehängten Lustspielsiiiale, auf das wir— trotz Mozort und trotz Hermann Lcvi, seinem Uebersetzer und Erneuerer— nicht ungern verzichteten. , KlauePringsheim. Gotische Bildisppiche im Künstterhaus. Mit einer oonrefflichen Rede von Professor Robert Schmidt, die zugleich auch eine Einführiinpsrede in sein neues Amt'als Direktor des Schloßmuseums war, ist die Ausstellung getische- Biid- lcppiche im KünstlcrhauS, Bellevuestraße. crösfuet worden. Obwohl sie von Privaten, den Kunsthandlungen Hinrlchsen und Lindpainlner, vevanstaltet ist. bedeutet sie eine Tat öksentlicher Kunstpslege. Es handelt firb hier um die Bekaimtmachung von ganz unae- wohnlichen Kunstschäben aus dem Mi-iela.'ier, die durch die Art ihrer Verwahrung nahe.zu unzugänatich sind. Das Kloster Wien- Hausen bei Celle beherbergt ackl der arößien und prachtvollsten Wandteppiche aus dem 13. bis 15. Jahrhundert, die man kennt. Daß sie so wohl gebötet und von den allerwenigsten Menschen gekannt sind, ist der Grund, wapum mau überhaupt niemals von dieler außerordentlichen Kunst des Mittelalters etwas erfährt. Ein Bl-ck auf die Ausstellung(die durch herrlicbe Holzskulpturen und einige Gsmälde der iiämltchen Zeit auss schönste vervollständig! wird) lehrt, daß es sich hier ollcrdinps um oanz große Kunst handelt, deren Kenntnis man neben der der schönsten Kathedralsenster und Schn'kaltäre in unseren aotücben Domen nicht mehr missen möchte. Wer jemals etwa die Glasmalereien un Stroß'-'lrger Münster, die Hochaltäre von St. Waliaana. Blaubeuren oder Moos- bürg gesehen hat. weiß, daß d.-r böckste Wert und d-r erschütternd« Ausdruck mittelalterlichen Kunstwollenz niemals in Museen und an kleinen Objekten oeschaick werden kann. Von ähnlicher Jntensitöt und Vollendi, na ist das Erlebnis dieser unoehenren Stickereien. Nickt Teppich« in unserem Sinn« sind es, sondern kolosial« Wandbebänas gleich Gohe'jns her Renrnssanez: nicht aber wie diese aeivebt. sonder» aus Leinen arund mit farbigen Wall- - idcsi gestickt, meist von>'st-ißiaeii Nonnen— wie in unsercm Fell von denen des Klosters Wienhauke» sester— in melmbriger mühsamer Arbeit.(Daher der Name„Klosterstich" für die Technik.) dessen gab es oft Auseinandersetzungen zwischen ihm und den Hof- besitzern. Wie schon bemerkt, kam es am Freitag wieder zu politischen Streitigkeiten, die schließlich zu Tätlichkeiten ausarteten, zumal auch Unland nicht mehr ganz nüchtern war. Gegen morgen verließ Beule dann die Wirtschast, ihm folgten bald Unland und einige andere Gäste. Die bürgerliche Presie berichtet, daß U. den B. ver- folgt habe. Davon ist aber in Wehdel nichts bekanick. Als Ualonb sich nun dem Hause Beukes näherte, schoß dieser plätzllch von der Haustür oder dem Vorgarten feines Hauses mit einem Zagdgewehr auf den Näherkommenden, der von der Schrolladnng in den Bauch getroffen wurde, hintenüber stürzte und liegen blieb. De? eine Viertelstunde späte? eintressende Arzt tonnte nur noch den Tod des Unglücklichen feststellen. Die eingeleitete Untersuchung wird die nnhereck Umstände aufklären. Erschwerend für den Tätcr fällt ins Gewicht, daß er erst in sein Hans eilte und fein Gewehr holte. Preußens Landwirischafi. Etatberatung im HavptallSschuß. Der Hauptausschuß des Landtags beschöstigte sich heute.mit. dem Haushalt der G c st ü t s o e r w a l t u n g. Der Berichtsrstaiß r Abg. v. Dlewe(Dnatl.) berichtet u. a., daß der tatsächliche: Zuschuß zum Haushalt für 192L noch 10411290 Mark er- iorderll Di» Rennwettfieuer ergibt 14 Millionen Mark. Davon fließen den Rennvcreinen'J Millionen und der Gestütsverwaltuug ä Millionen zu. Abg. Peters(Soz.): Die Klagen über UnrentobilULt si ch nii-,r mehr so stark. Auch bei kleineren Londwirteu ers.'lgt schon eins U n:- st e l l u n g vom Pferd zum Motor und zum Kraitwagim. Das Gebrauchspscrd ist für uns das schwerere Pierd. In be.zug ans den Pfcrdezoll können wir den Wegen der Hochschutz, Zollpolitik nicht folgen. Die Gestütverwaltung hat a b s o l u t versagt in der Beratung d c s k l e i n c n Landwirtes bei Beschaffung Des richtigen Pserdematcrials. Minister Steiger erklärte, daß die Emsuhr von Pferden geringe,' geworden ist, aber trotz besten preisdrückend auf unsere Pferde wirkt. Unsere Bestrebungen zur Aussuhr von Zuchtpferden werden fortgesetzt.. � Abg. kellcrmanu(Komm.): Rußland würde viel Pferde von Preußen beziehen, wenn unsere Gestüte ein für Rußland brauchbares Arbeitspferd züchteten. Abg. Frau Wohlgcmuth(Soz.): Wir erkennen cm, daß Herr Minister Steiger versucht, die von uns immer kritisierten Mißstände aus den preußischen Gestüten abzustellen. Bor allein ober hat er da auch bei der Leitung der Gestütsnerwaltung durchzu- greisen. Die Umstellung der Landwirischast im Gestüt Trakchnen zu einer Musterwirtschaft ist aus unjer jahrAanges Drängen ersolet. Züchterisch müssen sich die Gestüte mehr auf das Ledarfspfcrd der Kleinbauern einstellen. Die'Regelung der Anstellung der Anwärter zu Be- o n, t e n bedarf der?kochprüfung. Leute mit besten Zeugnissen müssen jetzt johrelana warten, während G ü n st l i n g e beuorzu lt werden. Die llnlerstükung der allen Landarbeiter der Gestüte mit monatlich 8 Mark ist nach jahrzchnielanoer Arbeit viel zu gering. Auch manche Landarbeiterwohmmgen befinden sich noch in elendem Zustande. Wir beantragen, den Satz des Kleidergeldes der Gestüts wärter von 76 aus ISO Mark hinauf, zusetzen und entsprechende An- striche beim Titel für die Unterstützung der Rennvcrrinc vor- zunehmen. Abg. Simon-Reusalz(Soz.) stellt geaenüber Aeußcrung.'n bürgerlicher Zeitungen lest, daß die bcslere Aurstusung der Gestüt?- wärter und anderer Gestütslxamtcn bei Beratung der Besoidungs- Ordnung wesentlich der Sozialdemokratischen P a r- tc, z u danken ist. Er fragt, warum die Farben des Gestü's Altefelde bei den Rennen der letzten Jahre so wenig alz erste a:n Ziel erscheinen._ Zum Präsidenten des Panzigcr Volkslagcs ist Gensssc Spill gewählt. Die Verurteilung von Kommunisten wegen anLmilitaristischer Propaganda nehmen in Fr/mfreich in letzter Zeit kein Ende. Nach- dem die Zahl der in solchen Prozessen Verurteil! en bereits l/!0 erreicht hat. standen am Dienstag wiederum der Administrator u, d ein Redakteur der„Humanttc" wegen ontimilitaristischer Slnifel vor dem Pariser Strafgericht. Beide wurden zu je 3 Monaten Gefängnis und Geldstrafen verurteil:. Ihre Wirkung ist völlig der von Wandbildern verwandt, weil sie ja dazu gedient haben, die großen kahlen Wände von Speiserouinen oder Kirchen zu bekleiden: aber leuchtender in den Farben und öcn nmnittclbarerer Stärke alz alle vorhandenen Fresken. Ihre gute Erhaltung läßt sie so überwältigend frisch erscheinen: nur Glas- blldcr lassen sich damit vergleichen. Die Anordnung cht bei allen die gleiche, vom Tristan teppich um 1300 an bis zu dem großen Anna-Eliiabeih-Tcppich vom Ende des 15. Jahrhunderts: fort- laufend« Szenenfolgen in mehreren Streifen übereinander, getrennt durch Spruch- oder Wappenböilder, die Hori, zontale wie die teppieh- hafte Fiächenwirkung äeielnnäßia betonend. Es gibt lehr wenig Innen, Zeichnung, keinerlei Modellierung bei Figuren, Tieren und Beiwerk: der Stil wahrt durchaus die Wirtforn, der Technik, all»s breitet sich rein in der Fläcke aus und ist naiv und höchst aufchau- lich geschildert, gotischer Ausfasiungsnu-iie entspreckcnd. Un?.Heutige bezaubert dicse unübertreffliche Einsachheil und Klarheit millelaller- licher Kunst aufs höchste, es scheint hier ein Ideal in seiner Rei l- best verlörvcrt und sedensalls von allen Folgezeilen, zumal in den spersgektimfck;«») Gobelins der Renaisjance, nie wieder erreicht zu sein in der Kraft künstlerischer Darstellung. Aber auch der Inhalt der wunderbaren Riesengebilde— die lüs zu sieben Meter Breite erreichen— oennmg uns zu fesseln. Niibt weniger als drei vsu den acht Stücken scknlden, die Sage von Tristan und Isolde: einer die Freuden ritterlicher Jagd ans allerlei Tiere: und nur die Hälst« ist ckiristiich-myrhoiogiscker Art. D'es beweist, daß die kunstserligen Nonnen nickt anders fühlten als die Ritterdamen, die auf ihren Edclfitzen ähnliche Arbeiten unter- nahmen, und spnckt einigermaßen gegen die Ilcterfchätzimg tsr Frömmigkeit in mittelalterlichen Zklöstern. Es läßt uns aber mich erraten, daß die eigentlichen Eniwürie � wohl nickt von den Aus- führenden stoniinten. sondern von Lerufsniod rn. Die Schönheit und Drastik der Komposition, unbestreitbare? Künstlerwerk, hält jedm- falls der Solidität der Technik und Vrockt der Farben reick'ich die Wage. Dr. Paul F, Schmidi. Thcrcmlns Aeihermi'l'k— eine deutsch? Erfindung. Der Physiker Dr. Thieme von der Radio-Npparale-Gesellsckast zu Berlin hat — nach eigener Mitteilung— als technsteber Letter und Direktor der Gesellschaft schon vor vielen Jahren die Erscheinung festgestellt, daß Senderöhrenschaliuiioen handkapazitätsempsindlich„sind, und er hat bereits im Jahre 1919 auf dieselbe Weise Mußt erzeugt wie Pro- sessor Therim'n. Diese Musikvortührungen. die in den Borsührunas- räumen der Gesellschost zu Berlin, Alexondrinenstraße, veranstaltet wurden, waren. etwa nickt Vorführungen zzilälliger Art, sondern bc- gbüchstgl und auch nicht einmalige, soickcm lic wurden damals ber' ts mehrere hundert Male veransta'tet. Dr. Th'eme kannte damals bo- r«sts vor Ohrenzeilgen nanre Mnstkstücke mit Hilse der Aeckermuttk spielen, so daß auch aui d'csem Gebiete Tberemin nicht als Entdecker der Aeihermuük angesehen werben kann. Die Ertckeimmg der Aett-er- wellenmusik wurde von der Radio-Apvarate-Gesellsck-'st allerd'N'S nur in technischer Beziehung zur Durchbildiing von Sendern ver- sckiedener Turmhohe verwendet, um Störsendern ausweichen zu können. Professor Theremüi' hat das Berdienst, diese Erl'ndu ig iaiizerisiihig aeiiiacht zu haben. Auch wurde durch ihn die Ausmerk- jamteit der Welt auf diese eigenartig« Erscheinung gelenkt. polnischer Friedensbote unterwegs. Von Warschau über Niga nach Kowno: Polen schlägt vor, endlich anzufangen. Warschau. 12. Hauuar. Aom Pzilnischen Außeumiaistcrium wird amtlich mit- geteilt: Tie polnische Negiernng hat an die litauische Ncgicrung durch eine» Tonderkurier eine SU>tc nach M o iv n o übersaudt. in welcher der Beginn der Vcr- hnndlurgeu Erde Januar in Riga vorgeschlagen wird. Tie?Uite enthält die Grundzüge des Programms der iiinftigrn Verhandlungen, die mit der Besprechung der ''lngelcgenhcitcn des Grenz Verkehrs, des Transits und der Aufnahme des Post-. Telegraphen- und Eisen- l-ahnst-rkehrs beginnen solle«. Ter Tonderkuricr hat seine Reise nach Kowno vor» gestern über Riga angetreten. Schwer zu übersül?ren. Beschlagnahmen in der Reparationsschiebung. Paris. 12. Januar. In der Angelcgcrcheit der oufgedecktsn Sachlieferungsbetrüge- rrien ist der Untersuchungsrichter zu mehreren Haussuchungen geschritten. Diese haben sowohl in Paris als auch in einigen Städten der Provinz slaUgesunden und zur Beschlagnahme elner größeren Anzahl Dokumente geführt, die den Beweis für die erfolgten Betrügereien erbringen sollen. Es sch-int, daß namentlich Zwei in Paris etablierte Firmen als die Hauptschuldigen in Betrocht lammen. Fast alle Haussuchungen wurden in Anwesenheit von Ae- amicn des Finanzministermmz und des Ministeriums für die be- freiten Gebiete durchgeführt: sie sind noch nicht beendet und werden in den nächsten Tagen mit aller Strenge fortgesetzt werden. Man behauptet, daß es sich bei den aufgedeckten Sachlieferungs- betrügcreien in der Hauptsache um Lieferung von Kohle. Zucker und Hopfen handelt. Die Höhe der Kontrakte, bei denen Unregel- Mäßigkeiten vorgekommen sind, wird mit 200 Millionen Franken an- gegeben. „Prtst Parisien' nennt als Haupibeteiligte an den Betrügereien die P a r a Import- und Exportgesellschaft, deren Mitdirektor Louis � o l d s m i t h, in Berlin wohnhaft, sich gegenwärtig in. Paris auf- hält. Er wurde von den untersuchenden Beamten eingehend per- no-mnen. Weitere Haussuchungen sind erfolgt bei einer Gesellschaft Minerva, die sich besonders mil Kohleiüicferungcn befaßt, hei einer Gesellschaft namens Societe du plan Domes, bei deren Inhabern Gondberg und L e v y auch in den Privatwohnungen nach- nqnifcht wurde. Bei dieser Gesellschast soll so viel belastendes Ma- tr�ial gefunden worden sein, daß nur ein Teil sofort bcsck)laznahint we'.dcn tonnte und der Rest bis zur weiteren Nocbprüsung versiegelt wurde. Weitere Nachimschiuigcn sind bei einem Gesell- schflster der Firma Gondberg u. Lcvy, namens Lucien Lcvy, rmrgnmmmen ward«?, der sich besonder? mit Biehliefcrungen besaßt haben soll. Haussuchungen wurden serner vorgenommen bei einem gcwisicn Marcel Lcvy in Meaux sowie bei einem Groß- licseronten für Dieh in Meaux, namens Dauphin. Auch der Bärgermeister der Gemeinde La Loope ist in die Angelegenheit nee- wickelt. Ebenso werden aus dem E l l a ß und besonders aus Straß bürg Betrügereien bei Lieicrung von ungefähr 400600 Kilogramm •stopfen gemeldet. Hierbei werden genannt eine Firma Netter- Steoßtmrg mit einem in Badeii-Baden mahnenden Gefells chaster namens W e r t h e i m e r. Die Haussuchuiwen sollen fortgesetzt werden. Der Wasserschutz sucht(Ali Reinseldi. Seit zwei Wochen ist die kleine Elli Reinfeldt verschwunden. Man glaubt, daß sie einem Verbrechen, vielleicht auch einem Unfall zum Opter gefallen ist. Der Reichs- wasserschutz suchte u. s. den Landwehrkanal ab, um zur Klärung der Angelegen- heit beizutragen. � Der Vnkskonnnvnistischc Reichstagsabgcardnete Böhla ist N'jährig ini Krankenhaus zu Heübronn gestorben,(hr war auf der Neichsllste gewählt, auf der u. a. auch Ruth Fischer, Rosenbcrg, Kall. Schwarz, Urbohns, Tiedt und Schlecht standen, die sämtlich n cht mehr der kommunistischen Reichstagsrraktion angehören. Nächstcr auf dieser koinmunistischen Rcichsliste von 1024 ist der Dbcrpostsckrctär H o k f m a n n- Schmargendorf, dcr früher einmal kurze Zeit als Sozialdemokrat im Reichstag saß, daun ober zu den Kommunisten überging. Gorki und Rikolans II. Die Puschkin-Gefellschaft in Leningrad veranstaltet zurzeit eine Ausstellung, die der Persönlichkeit Maxim Gorki«. seiner literarischen und politischen Tätigkeit gewidmet ist. Man findet aus dieser Ausstellung bisher mibekannres Material, u.a. Gorkis Bnefwschfel mit berühmten Männern Ruhlands und des AuÄandes. Einige Aktenstiick« beziehen sich aus den Streit, der seinerzeit um die Wahl Gorkis zum MNglied der msiischcn Akademie e-ckbrannt mar. Im Jahre 1902 schlug der Auvschun der Akadcini? die Wahl Gorkis vor. Die Notiz, die darüber in sämtlichen russi- scheu Zeitungen erschienen war. kam dem Zaren zu Gesiet!!. Niko- laus II. war von dieser Nachricht wenig erbaut, und«r vermerkt« om Rande:..Mehr als merkwürdig!" Sogleich besohl er dem da- maligen Unlerrichteininister Wannowski— einem Kavallerie- gzneral—, beim Präsidenten der Akademie geacn die Wahl Gorkis Einspruch zu erheben. Inzwischen mar ober Gorli schon gewählt. Der Präsident der Akademie, Großfürst Konstantin, ein Detter des Zaren, erhielt bald daraus ein zweites Schreiben des Unrerrichts- Ministers mit der Mitteilung, daß der Zar über die Wahl Gorkis sehr entrüstet sei und wünsche, daß die Wahl als ungültig zu be- trachten sei. Aus Befehl des Zaren mußte die Wahl Gorkis tat- sächlich als ungülüg erNärt werden. Der Konflikt Relboro— Vühnevvereia. In dem Konflikt zwischen den Direktoren Reinhardt, Barnowsty, Robert und dem Deutschen Bühnenverei» Hot sich jetzt dcr erste praktische Fall dcr Berweige- rung des Aufiührungerechtes ereignet. Die„Äomöble", die der Direktion Reinhardt untersteht, beabsichtigte, ein Stück eines jungen eifolgoersprechenden deutschen Autors aufzuführen. Der Bühnen- verein verweigerte dem Autor, der um Änsnahweerloubnis nach- suchte, die Bewilligung zur Ausführung. Die �Komödie" sah sich daraufhin wegen der� Kürze der Zeit gezwungen, auf einen älteren Vertrag zurückzugreisen und muß nun— ein französisches Stück aufführen._- Die SzNenhorg-Mhre» werden in der kommenden Vlnterkvielzeit ,«» näSjt das Lclsmg- und Dciitlche Kiin!ircl.?beoter mnias'en. DoS L lilwiel- houS ist vom 1. April ob an Dr. Marlin stickel vcrpachr-t. illerdandliinaen nnt Direktor Saitenburg, die den Bau tinri neuen großen Theater- im Se'Utt zum Ziel haben, i-ehen vor dem Zlbichluh. Zm ce'singmvseum findet deute 8 Uhr ein Dllhelm-L Usch. Abend Patt. D«©mtriit ijt frei. Der engvsche Ilorelltft Thema» hardy. einer der letzten aui der Viktoria» «iichen Zeil, ist nach langer Kiautheii im Alter von 87 Jahren gestern abend in seinem Heim bei Torcheiter gesiordcu. Clonb George» hollorormel rekoit». rlleyd E-orq« bat, so berichtet die .Literarische Dest". das alleinige DeröstemlichnugZi-echt sür die iBerichie über ieine südomerikaniiche Reise einer amerikairiicheii Nachrichtens ientur gegen doS vbantastitche Honoiar von I 600 900 Mark Lberlass«!,. Er bat damit die biSderigen Wittweister Tbeodore Rooscvelt nnd Jgck London, die beide da« outzeroidenttich hohe Honorar von«mem Dollar sür die Zelle er- hielten, geschlagen. potsdam-prozesse! Die silbernen Löffel des Amtsrais. Das kleine Potsdam beginnt allmählich der Ort für Sensaiions- Prozesse zu werden, in denen Mitglieder der früher herrschenden Gesellschastsschichien eine mehr als zweifelhafte Rolle spielen. Pots- dam, das.unentwegt" an der Tradition der Vergangenheit festhält, trägt dadurch in hervorragender Weise dazu bei, den Nimbus von der.Vornehmheit" und der Exklusivität jener früher so angesehenen Kreise zu zerstören. So sind denn auch die„P o t s d a m- P r o- zesse" als Mittel zur Aufklärung zu begrüßen. Bor dem erweiterten Potsdamer Schöffengericht hat sich dcr«un 2.ä. April 1887 zu Angermünde geborene Potsdamer Amtsrot Heinrich Kühne von der Dberrechnungskammer wegen Dieb- stghls an 12 silbernen Woppenlösseln zu verantworten. Acht Zeugen und drei medizinische Sachverständige sind gcladeir. Die Änkloge vertritt Staatsanwaltschastsrot Stargard. Am 29. März vor- finstaltete der Obergerichtsvollziehcr S ch ö p k e m Potsdam eine herrschastlichc Auktion. Gegen Mittag befand sich dcr Angeklagte nur noch mit drei anderen Personen in dem Auktionssaol. Der Amtsrot prüfte einige Weingläser aus ihren Schliff und benutzte dazu ! zum Anklopfen verschiedene Silberlöffcl. die in einem Sahncngießcr . lagen. Plötzlich bemerkre die Frau des Auktionrinhabers, wie Amts- rat Kühne einen Löffel nach dem anderen in feine Manteltasche verschwinden ließ Die Frau traf aus ihn zu und rief empört:.Wo find die Löffel geblieben?" Der Arntsrat tat sehr verwundert, und als die Frau ihm den Diebstahl auf den Kopf zusagte, meinte der Angeklagte:.Wie tönncnSie sich unterstehen, mir so etwas zuzutrauen." Später gab der Angeklagte zu, die Löffel in einer Art seelischer Depression auf einen besonderen Platz hingelegt zu haben. Dcr Beginn der Verhandlung verzögerte sich um eine Stunde, da ein Schosse nicht rechtzeitig erscheinen konnte. Der Angeklagte war früher O s f i z> e r, ist im Felde verschüttet und hatte später einen Radfahr- Unfall erlitten. In Potsdam war man allgemein der Ansicht, daß dcr Herr Amtsrat sowie seine Frau weit über die Verhältnisse lebten. Die Verteidigung des Angeklagten hat Iuftizrat R. I o s e p h s o h n aus Potsdam übernommen. Den Vorsitz führt Landgcrichtsdirektor Dr. W a r m u t h. Unter den Zeugen sieht man ehemaliff-n Kollegen des Angeklagten, der ein großer stattlicher Mann ist, und seine Frau. » Dcr.Prophei" als Kläger und klage, urückziehcr. Der unseren Lesern zckr Genüge bekannte.göttliche Meister" Weißen- b e r g ist Iel>r empfindlich, wenn die von ihm gesprochene und gc- druckte„Wahrheit" von vernünftigen Menschenkindern abgelehnt wird. Anläßlich dcr Privatklage, die der Mann einer von Weißen- berg„beciirflußten" Frau angestrengt hat. war von dem Kreis- arzt Dr. Krämer ein Gutachten beigebracht worden, das mit dem Unwesen, durch Gebete„mit Fcrnwirkung" und durch suggestiv wir- sende Behandlung Heilungen vorzunehmen, scharf ins Gericht ging. Der„göttliche Meister" fühlte sich durch diese Kritik b e- I e i d i g t und strengte eine Privatkloge gegen den Kreisarzt am Es kam zum Erscheinen vor dem Schiedsmann und sollt« zur gerichtlichen Verhandlung kam- nien, als mit einem Male das Gericht dem Kreisarzt mitteilte, daß die„Klage zurückgenommen fei". Ein Ausgang, wie er blamabler für den Oberhirtcn, Propbeten und Meister nicht gedacht werden kann. Dem Kreisarzt flößte diese Zurücknahme aufrichtiges Be- dauern ein: er hätte gern.dos leinige getan, um vor Gericht das dem Aufstieg unseres Volkes schädliche Treiben Weißenbergs aufzu- decken. Hoffentlich gibt die oben erwähnte Privalklage Gelegen- heit zu einer solchen kritischen Beleuchtung. bbe» Die faichistiiche Arbeiicrbymi'e. Dm einem dringenden DediUlm» aizu- u. beben rcli die jiiichi'liichcn Aeleltergewerlschaiten numnellr«itschlossen, das ven ihrem Führer c. Rojsoni un» dein neapvlilanllchen Dichter ü. Bovis verfiele und von Pietro Mascagui komponierte»Lied der Arbeit"«IS rffijd.f faschistisch« ArbeUerhymue anjuerleuueo. Beschimpfung der Reichsfarben. Wegen Beschimpfung der Reichsfarben hatte sich dcr Hauswort Kanlfuß vor dem Schöffengericht Schönebero zu ver- antworten. Der Angeklagt« hatte, nachdem er einem Fest eines Schützenoereins beigewohnt hatte, in einer Gastwirtschaft in Schöne- berg geäußert:.Di« braunen Farben aus Jerusalem. die Mostrichfarben." Zwei junge Leute, die das gehört stalten, crstoilctcn Anzeige. Der Angeklagte bestritt die Worts. Zwei von ihm benannte Entlastungszeugen beriefen sich aus Schwerhörigkeit. Das Schöfsengsricht verurteilte K a u l f u ß an Stelle einer an sich verwirkten Strafe von 30 Tagen Gefängnis zu 150 Mark Geldstraf«. Die deulschc Hauskatze. Die„Bereinigung d«r Kotzen- freunde'Deutschlands" veranstaltete in dcr Schloß- brauersi Schöneberg, Hauptstraße 122/124, eine Aus- st«llung von deutschen Hauskatzen. Am Sonntag war die Aus. stellung derartig überfüllt, daß die Schaulustigen die größten An- strengungen machen mußten, um nur t nen Katzenschmanz oder Katzentopi zu sehen. Die Veranstalter wollen Liebe und Verständnis für das Tier wecken, damit ihm der nötige Schutz zuteil wird. Wie alt«in Tier bei sachgemäßer Behandlung werden kann, dafür er- brachten eine 181- und eine 16 Iahre�alte Katze den. Beweis. Auch tonnte man feine Freude an vielen Findlingen habe», die wirklich prachioolle Tiere geworden sind. Neben dem cchutz wurde auch von einigen Ausstellern dcr Zuchlgedanke propagiert. Einig« Stände waren mit zu viel unnützem Zierrat gefüllt» wodurch das Verzärte- lungsinomsnt zu sehr in den Vordergrund gerückt wurde. Man sollt« nie vergessen, daß ein gesundes Tier in seinem natürlichen Zn- stände, also ohne jeden Ausputz, am schönsten ist. Aus dem Eis des Müggelsees. Llnglücksfall oder Selbstmord? Die schon seit vielen Tagen anhaltende warme Witterung hat die in der letzten starken Frostperiode entstandenen Natureisbahnen aus den Seeon und Flußlöuson zum größte» Teil wieder in Wasser ausgelöst bzw. die Eisdecke, wo sie noch vorhanden ist. stark brüchig und nicht mehr traosähig gemacht. Jeder vernünftige Mensch, auch wenn sich der Sportbetrieb noch so sehr in ihm regt, wird selbstverständlich daraus verzichte», das gefahrbringeiäZe Eis in einem Zcrsetzimgsstodium zu betreten. Heute früh kurz noch 8 Uhr sahen Fußgänger aus dem nvch zugefrorenen Teil des Müggelsees an der Rahnsdorser Seite ejnen Schlittschuhläufer, der sich nach dcr Mitte dos Sees zu bewogte. Nach hatte sich das Entsetzen der Kcutc über die Wag- halsigkeit des Mannes, die geradezu an Selbstmord grenz", nicht gelegt, als dieser an eine osssne Stell« geriet und plötzlich unterging. Trotz der großen Gefahr fanden sich mutige Leute, die dem Verunglückten Rettung zu bringen versuchten. Die Ber- gnngsoktion muhte aber wegen dar Embruchsgeiahr bald aufgegeben werden.— Es ist kaum anzunehmen, daß sich der Unbe- kannte der Gefahr, in die er sich begeben hatte, nicht bewußt war. Dielleicht wird deshalb in der Annahm? auch nicht fehlgegangen, daß es sich um einen vorsätzlichen Selbstmord handelt. Sollte aber tatsächlich ein Unglücksfall in Frage kommen, dann kann dieser bodenlose Leichtsinn, durch den unter Umständen auch noch die Retter ins Unglück gezogen werden konnten nur vcrupteilt werden. Die Polizei hat die Ermittlungen nach den Personalien des Ertrunkenen aufgenoimnen. Explosion im Hamburger Hafen! 35 Personen verletzt. Hamburg, 12. Januar.(Eigenbericht.) .heute morgen kurz vor 7 Uhr ereignete sich im Hamburger Hafen an einer mil etwa 90 Arbeitern hesehten Älotorbarkoss« der Hamburger Staucreigescllschoit m. b..h„ eine INctorexplvsion. Ein Teil dcr Leute sprang sofort über Bord. 36 Personen wurden ver- letzt ins.Hasenkrankenhaus gebracht, davon sind lS Personen schwer verletzt. Zwei Personen werden noch vermißt. An die Ilnfollstclle geeilte Fahrzeuge retteten die Verunglückten. Die Barkasse wurde geborgen. Die Entstehungsursache der Explosion sieht noch nicht fest. s Das Tzan.burgsr Motorschiff„Grete Gl ad", das 282 Netto- Registertonnen groß ist, ist in schwer havariertem und leckem Zustande in den Danzigcr.hafm eingelaufen. Das Schiff war gm f. Ionggr mit einer Ladung Petroleum von Wilhelmshaven abgegangen und nach Memel bestimmt. Es konnte jedoch bei dem schweren See- gong in den Memeler Hasen nicht einlaufen. Durch die heiligen Bewegungen des Schisses wurde dcrMotor stark beschädigt und der Dampfkessel sür den Antrieb der Ankerwinde, der Pumpen und dcr Heizung defekt- Auch ein Teil der Ladung mußte über Bord geworfen werden. Nach notdürstiger Reparatur des Motors gelang es dem Schiff, unter großer Mühe bis Edingen zu kommen und dort zu ankern. Ein von Donzig herbeigerufener Schlepper brachte es dann nach Ncusahrwasser._ Bergwerkskaiastrophe in Amerika. iltw Bergleute verschüttet. London. 12. Zanuar. Aus Eflll in Kolumbien wird berichtet, daß mehr als 100 Bergarbeiter in der Las Golondrinas-Grube durch Einsturz eines Schachtes 309 Meter unter der Erde eingeschlosien wurden. Man befürchte», daß alle tot sind. Groftfeucr bei Daimler-Bevz. Guggenau. 12. Januar. Dienstag abend kurz nach 9 Uhr brock, aus bisher unbekannter Ursach« im Hauptmagazin der D a i m l e r- B e n z- W er k e Gaggcnau ein Großfeuer aus, das das Gebäude in wenigen Minuten vollkommen in Flammen füllte. Nach Einsetzung der Motorspritzen wurde in nahezu zweislündiger fieberhaiter Tätigtqlt der Wehren der Brand aus seinen Herd beschränkt. Das Magazin selbst wurde vollkommen eingeäschert, so daß dcr Schaden sehr be- deutend sein dürfte. Chambcrlin hat aufgegeben! , New gvrk. 12. Januar. Der Ozcanslieger Elarcncc E h a m b e r l i n hat den Versuch, den deutschen Wettretord im Dauerslug zu brechen, nach vierstündiger Flugdauer abgebrochen. Nie„Friedensverhandlungen" in England Die Aussichten nicht sehr günstig. s Belegschaft mit der Arbeitsniederlegung droht. Bel den Jerrum- Werken ist der Streik durch Verhandlungen des Vemobilmachuags. kommisiars beigelegt worden. Zw ostoberschlestschen Bergbau seht gleichzeitig ein starker Lohnkomps ein. Die Zndustricvcrtretcr lehnen jedoch jegliche Lohnerhöhung ob. London. 12. Januar. -»Hl Burlinglon-Hous(ritt heute die erste Industrielle Konserenz �ujammea, die der tzerstellung des wirlschaftsjriedens in England gilt. Die Anternehmergruppe. die von Sir Zllsred Mond gc. jlihet wird, hat seit Einleitung der Verhandlungen über die k>erbe>. sührung einer grundlegenden Auesprache mit den Vertretern der Arbeiter erheblich an Anhang verloren. Die heutige Koo- ferenz hat keinen Vergleich in der Geschichte der englischen Industrie, da die einzige ähnliche Konferenz, die im Zohre 1Z1N von der Regie- rung einberufen wurde und au der 500 Vertreter der Arbeiterschaft und Z00 der Arbeitgeber teilnahmen, von politischen Er. wägungen geleitet war. während heule reine wirtschasts- fragen zur Erörterung stehen. Aus der Konserenz werden vor ollem die folgenden fragen er. orte l werden: wie kann eine Brosperilät der britischen Industrie erreicht werden, und wie kann den Arbeitern eine Teil» 'hobcrschafk eingeräumt werden, die ihnen vollen Anteil ander Verantwortlichkeit wie an den Ergebnissen der industriellen Unternehmung sichert. Seide Fragen sind In dem Lriej der Arbcilgcberorganisakion. der die Anregung zu der heutigen Kon- serenz enthielt, nur angedeutet worden: in dem Brief wurde u. a. der Ansicht Auedruck gegeben, dafz die grmeiusameu Interessen der Unternehmer und Arbeiter gros; er seien als die offensichtlich divergierenden Zoleressen. Der Ersolg der Konferenz wird daher davon abhängen, ob es gelingt, dieser allgemeinen Fassung eine praktische Form zu geben. Von der heutigen Zusammenkunft kann allerdings kaum mehr erwartet werden als eine Feststellung der Position der beiden Parteien. Das vom Sencralrot derGewerkschafteo eingesetzte llntcrkomitee wird heute vormittag den Generalrat über seine Ar- beiteu Bericht erstatten. Der wahrscheinliche Gang der heutigen groszen Sonsereuz wird sein, daß von beiden Seilen Erklärungen ab. gegeben werden, die eine Art Arbritscinleilung sür die nächste Zeit schaffen sollen. Krastöroschkenfahrer, organisiert euch! Schimpfen Hilst euch nicht. Die öfseirttsch« Lersonrmlung der Kraftdroschkensuhrer am Dienstag abend im Äewerkschaftshous izeigt« leider nicht den Massenbesuch, wie er nach der regen Propaganda durch die organisierten Kroftdroschkenfühier erwartet werden mußte. Genosse H e y I vom Dcrtehrsbund betonte deshalb auch ein- leitend zu seinem Referat, daß es wegen der Gleichgültigkeit der Berliirer Droschkenchoimeure so außerordentlich schwer sei, in Berlin zu einer vernünftigen Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen lür diese Branche>u kommen. Roch dem Streik im April vorigen Jahres konnte man bossen, daß die Berliner Kraftdroschkenlührer nnnnichr endlich an> Ausbau der Oroanüaricm mit mehr Interesse als bisher arbeiten würden. Der Erfolg des damaligen Streiks war nicht allzu groß, es wurde aber immerhin erreicht, daß nebe» der prozentualen Beteiligung an der Bruttoeinnahme auch ein täg- fid-er I e st l o h n gezahlt werden mußte. Die Mehrzahl der Kraft- droschkenführer hat diesen Ersolg jedoch nicht zu schäßen gewußt und bat trotz des rechtsverbiirdlicheii Lobirtariies auf die Zahlung des Aestlohues verzichte!! Di« Bewegung war nur ein Strohfeuer gewesen. Anstatt eine geschlossen« organisatorische ftront.zu bilden, zersp'rtrerten sidz die Kraftdrojchkeiiführer in B»reine und Orgrmssatiönchcn. von denen ein Teil unter der .Interessenvertretung" seine? Mitglieder die Deranstaltung von Maskenbällen und E i s b e i n e s i e n versteht._ Daß»un er solchen Umständen die Erfolge des Streikes bald wieder in die Linsen gingen, ist roeitcr nickt oerwunderlich. Seit Oktober fchn e? mit den Jirnungs- und Großbctriebcn keine tarifliche Lohnregclung mehr. Ein großer Teil der Berliner Krgitdrsschkenführer bekommt keinen Pfennig s e st e n Loh n mehr, ionderir ist lediglich oiii die Prozente von der Ein- nähme angewiesen. Diez ist um so beschämender, wenn man bedenkt, daß u. a. in ch a in b n r a ein täglicker Garantielohn von 5 M., in Mannheim von 7 M., in Chemnitz ein fester Wol-enlohn von ZSchst M. gezahlt wird, was für etwa tXXX) Berliner Kraftdtoscbkensührer nur ein schöner Traum ist. .Was jetzt von der Orsaniiation an Berbeiierunoen der Mantel- käme perlaugt wird, ist für die Fahrer ip den übrigen Städten Deutschlands feit Jahren«hie Selbstoersrändlichkeit. Aber felhit die Erfüllung dieser so selbstverstöndlicken Forderungen wird nur durckflcsetz? werden können, wenn sich die Fohrer endsid, au? die zuständige Organisation besinnen und nicht bloß an den.fjalte- plätz'n über ihre elende Lage und die Organisation schimpfen. .Jegl ging dann nod> kurz auf die Tarenfragc ein und erklärte, daß der AerleHrsbund nicht eher ruhen werde, bii die Taxcnirage cinmol vernünftig aelöst sei. Tie augenblickliche Rege- kling hat dos Solidarimtsgeiühl der Droichtenchoufseur« völlig nnterxroben. Dies würde auch mit einem Schlage anders werde», wenn einmal d;r feste Wochenlvhn errungen fein würde. Solang« dies nicht der Fall ist. ist der Derkehr-bund schon zwangsläufig on der Toxenirage interessiert. Mit d.n Auf- forderuno an cie Erschienenen, dahin zu wirken, daß die Branche der Droschkenckauffeure wicder die Elite der Sektion Äraftfahrer wird, schloß Genosse chcnl seine. Ausführungen. Mit Ausnahm-? einiger Anhönoer der Jndustrieoraainsation, die zugaben, daß ihre Organisation bisher nichts für die Kraftfahrer getan hat, aber dennoch mit wirren Redensarten für ihre„Organi- fation" vergeblich Propaganda machten, unterstrichen alle übrigen Redner die Aussührungeu des Referenten. Eine neue Großorganifaiion. Mitglieder 140000— Vermögen 5 Millionen. Der neue Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter beginnt seine Laufbahn mit l-tst 000 Mitgliedern und einem Vermögen non eiwa ö Millionen Mark. Seine Mitgtieder verteilen sich aui 3000 Orte und fast gleichmäßig über dos ganz? Reid?. Der Verband zählt-iSO Ortsgruppen. Mehr als (xt Bezirksletier haben die Werbe- und VerwaliunastStigkeit zu er- ledigen: sie wirken im Rahmen von 11 Bauen mit 16 Gauleitern. Neben dieser regionalen Gliederung geht Jmrd) das ganze Lerdandsgeblet eine Gliederung nach Jadustriegruppen. Mit diesem Ausbau soll eine gewisse Garanlie dafür geschaffen werden. Laß auch die Mitglieder in den entfernt gelegenen Orten in engster Verbindung mit der Verbondszentrole in Berlin flehen. Dos neue Statut d?s Verbandes tritt am 1. April 1928 in Kraft. Um den Apparat möglichst reibungslos ln Funktion setzen zu können, ist in den letzten Wocchen vom Vorstand «in guies Stück Arbeit geleistet worden. Drei Sitzungen des ge- Ichästssührenden Vorstandes haben sich, wie die neue Nummer der Gewerkschaftsvitung mitteilt, mit der Ueberleitung der Gc- schäfte der vier Einzelverbände(Lebensmittel- und Getränkearbeiter, Nohrnnzs- und Genuß», ittelarbciter. Fleildzer und Böttcher) befaßt. Zur Ilnierbringung des ganzen zentralen Verwaltungsapparaies und der nach Berlin zuziehenden Vorstandsmitglieder wurde der gefchäftsführcnde Vorstand ermädstigt, die notwendig werdenden Vor- kehrungen(Bau von Wohnungen usw.) zu treffen Eine Gauleiter- konferenz»ahm Stellung zu einheitlichen Richtlinien bei Lohnbewegungen und S t r e i k s— eine infolge d«r verschieden gelagerten beruflichen Verhältnisse befonderz fchmierize Frage._ Achtstundenkampf in Ostoberfchlesien. LohnkonflM im Bergbau. S a t l o>v i h, 12. Zaauor. Die Streikoklioo auf ein zelnen ostoberschlsfischen hüllen werken wegen Eiusühruag des Achlstundenlages nimmt größeren Am- f a a g an. In der Vismarckhütte streiken bereits 390 Arbeiter, In der hohculohx-hülte arbeiten die Arbeiter nur acht Stunden, ohne daß die Verwaltung dagegen einzuschreiten wagt, da sonst die gesamt? Streikabbruch beim Oelgaswerk pintfch. Die Sperre bleibt bestehen. Vom Verband der Gemeinde- und Stoatsorbeiier wird uns mit» geteilt, daß der feit dem 12. Oktober 1927 bestehende Streck jür das Oelgaswerk Berlin-Rummelsburg der Firma Pintsch A.-G. ergebnislos abgebrochen werden mußte. Die noin� Vrr- band der Gemeinde- und Staatsarbciter ausgesprochene Sperre bleibt bestehen. Die Streikenden, die den Kampf restlos durch- gehalten hoben, nahmen eine Entschließung on, in der u. a der ADGB. aufgefordert wird, die Schuldigen an dein verlorenen cotrc'k zur Rechenschaft zu ziehen. Flegelhafte„Eroberer." Sie werden an die frische£ust geseht. Die Branche der Kaifeehauskellner im Zentraloerband der Hotel-, Restaurant- und llasc-Angesietlten hielt gestern morgen ihre Jahresversammlung ab. Zunächst erstattete der Bronchenleiter Daniel seinen Jcchresberidzt. Die in.Stärke" von sieben Mann anwesend« formnunif tisch? Fraktion, unterstützt von einigen„Srjtr.. pathlsierenden", fiter t da im Kilometerrsdcn des bekannten Inhalt s, ohne auch mir den Versuch zu machen, sich nrit den, Bericht sachlich auseinanderzusetzen. Diese Schwäche der Argumente versuchte tte .Fraktion" aber durch einen außerordentlich?» Auswand an Lungen- kraft und unflätigen Ausdrücken auszugleichen, sobald jemand zur Erwiderung dos Wort ergriff. Das nnfidt.pe Verhalten der sieben Stoltnisteii führte schließlich— nach vierltiindig-r Geduldsprobe— zu ihrer Hinausbcsörderung an die frische Morgenwft. Dann wurde nodz den Vorschlägen der Bronchenkommisfion die neue Bronchen, leilung e i n stimmig gewählt. lieber das Recht der berusstchen Vereinigung hat das I n t e r- nationale Arbeitsamt dieser Tage den ersten Band der Ergebnisse einer Erhebung herausgegeben. E? handelt sich um eine rechts vergleichende Unter suchung. Das Recht der beruflichen Bereinigung stand bekanntlich auf der Tagesordnung der lO. Internationalen Arbeitskonf-renz im Juni vergangenen Bedeutung verloren. Es besieht vielmehr jetzt erst recht ein erhöhtes Interesse an ihrer weiteren Verfolgung. Kann sie doch wesentlich dazu beitrooen, die nodi stark vcrhreitete Unsicherheit in der Erkennt- nis von Wesen und Inhalt dieser in ihrer Auswirkung so viel» geslaltigen Freilieft zu beseitigen und damit einer Angleichung dcz Londcsrechts und nicht zuletzt einer künftigen i.tternationoicn Rege- lung den Weg.pt ebnen. Der Kampf in der Kanalschiffahrt. Wohnungsterror der Llnternehmer. Die westfälische Transpart-Aktiengesellschast hat von ihrem ge- samten ausgesperrten Personal die Räumung der Wohnungen an Bord der Fahrzeuge oerlangt. Dos ist der Vorstoß gegen die Familien der Schisier. In einem Fall hat ein Amtsrichter in Dortmund• eine einstweilige Verfügung erlassen: gegen diese war Einspruch erhoben worden wegen Unzuständigkeit des Aintsgeridzls. Das Amtsgericht Dortmund unter Herrn Amtsgcnchtsral Reese hat sich jedods in seinem Ur- teil seine Zuständigkeit selbst bestätigt. Wenn schon der Erlaß der einstweiligen Verfügung über den Kops des Schissers hinweg erstaunlich war, da diesem durch einsachcm Gerichtsbeschluß die Räumung ausgegeben wurde, ohne ihn gehört zu habe», so durste man doch wenigstens annehmen, daß der inzwischen besonders auf die Zuständigkeit des Arbeitsgerichts hingewiefene Richter eines Besseren sich hätte be- lehre» lassen. Man durfte erwarten, daß der allgeineiiic Rechts- grundsotz, noch dem einstweilige Versügungen eine Vollstreckung nicht gänzlich vorwegnehmen dürfen, wenigstens nachträglich Beachtung gesunden hätte. Leider ist das durchaus nicht der Fall, sondern der Richter bestätigt seine— nach unserer Ansicht unhottbarc— Rechts- auffassung noch besonders in der schriftlichen Begründung eines Urteils. Es wird in dem Urteil zum Ausdruck gebracht, daß der§ 2 Ziffer 2 des Arbeitsgerlchtsgesetzes die Zuftändigkeft der Arbeits- gerichte auf die bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten zwischen Arbeit- gebern und Arbeitnehmern aus solche aus dem. Arbeits- oder Lehr- verhqltnis beschränke. Die Räumung der Wohnung ans einem Schiff falle aber nicht unter das Arbeitsverhältnis, da diese Wohnung dem Schiffer nur zum Zubereiten seiner Mahlzeiten und zum Schiasen während der Pausen zur Verfügung gestell, sei. Eine Werkwahnung sei es nicht. Bei der Werkibohiiung bestehe das Bc- sitzrechl des Arbeiters, dos dem Arbeitsverhältnis entspringe und des- halb bilde die Ueberlassung der Werkwahnung einen Teil der Eni- lohnung. Die Arbeitgeber behaupten ständig selbst, daß die Wohnung des Schiffers einen Teil seines Entgelts darstellt. Ein II n t e r s ch l e d zwischen Wertwohnung unv einer solchen ans dem Schiff besteht also nicht. Aus diesen Gründen bedeutet das U r t c i l ein« objekli« Rechtsverletzung. und zwar einseitig zugunsten des Arbeitgebers. Es be- stand zweifelsohne Streit darüber, ob das Dienswerhäftnis als aus- gelöst zu betradzten war. Aus diesem Grunde hätte das Amtsgericht die Sache als unzuständig dem Arbeitsgericht überweisen, zum mindesten jedoch aussetzen müssen. Dem Arbeitsgericht jegliche Zu- ftändigteit abzusprechen, wie es die Urteilsbegründung tut, ist ei» Rooum. Im Kommentar von Dcrich-Dolkmar zum Arbeitsgerichts- gesetz wird ausdrücklich die Zuständigkeit des Arbeits- g c r i ch t s in solchen Fallen hcrvorgehoben. Allerdings soll für die Entscheidung über die Räumung dos Mictsschöffen- gerichl maßgebend lein: dessen Entscheidung ist aber wiederum an die Entscheidung des Arbeitsgerichts gebun- den. Eittsdzeidet das Arbeitsgericht, daß das Dienstverhältnis noch nidst g.'löst ist, so kann das Mictsschöfsengericht die Räumung nidst aussprechen. Aber auch selbst dann, wenn das Arbeitsgericht ent- schieden hätte, daß ein Dienstverhältnis nicht mehr bestände, wer? eine Räumung nicht ohne weiteres gegeben. Rur die Festsetzung eines angemessenen Mietszinses kann der Besitzer beim Mieteinigungsamt beantragen. Dieser Standpunkt ist seil langem maßgebliches Recht: schon die Gewerbe- und Kaujnmnnsgcrichie hielten sich daran. Um so erstaunlicher ist es, daß olles das von dem Amtsgericht in Dortmund nicht beachtet worden ist. Die Scharfmacher im Arbcitgeberloger wollen die Maßregeln gegen die im Kampfe ausharrenden Kanal- schisser noch weiter verstarken. Dazu ist diesen Herrschasten natürlich jedes Mittel, vor allem die Wohnungsfrage, recht. Selbstoerstond-/ lich ist gegen die Entscheidung des Geridsts von zuständiger Stelle sofort Berufung eingelegt worden, und es bleibt zu bofien, daß dos Landgericht Dortmund die Entscheidung des Amtsgerichts mißbilligt. Derantwor'.Iich kl!: Politik: Tt. Cntt OeMtt Wirtschaft: Q_. pliogrlhöser! Err'rrlschaß-drwcciunH: Z. Striner: �euIUetoi!: 0. S Dilckrr: Lokales unv SenNiaea: ssritz ftarfiäbt; IZnzriaen: Td cßlocke. Minilich in Scrlin Deriaa: tioccnärts.'-Bctiafl G. m h. H.. Berlin Druck: vorwärts. Buchdruckeret und Beriaaoanftalt Paul Singer u Ts.. Brriin SW 04 Lindensl ratze 3. f BettfederoüdolfPohl Dresdener StraBe 15 Hai ringebäuJe 3 Jkiadabzcß Kristb«esctilaclitcte lunje, prachtvolle ?uteu 1.20 frisch geschlachtctt rattf a8r.se t.20 einrlgl. Geschmack Nur ein Preis! Weyne«1. 8er!)nS0 Mariannenstraße 3t Nol- u. 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