Morgenausgabe sabe Nr. 29 A15 45. Jahrgang Böchentlich 10 Biennta monatlic 8, Reichsmart im voraus zahlba Unter Streifband im 3n- und Aus land 5.50 Reichsmart pro Monat * Der Borwärts mit der tuftrier ten Sonntagsbeilage Bolt und Zeit fowie den Beilagen Unterhaltung und Wissen Aus der Filmwelt", Stadtbeilage" Frauenstimme, Der Kinderfreund". Jugend- Bor märts Blid in die Bücherwelt, und Technit erscheint wochentäglich Ameimal, Rulturarbeit" Sonntags und Montags einmal Vorwärts Berliner Boltsblatt Mittwoch 18. Januar 1928 Die Groß- Berlin 10 Pt. Auswärts 15 Pf. taipattige Ronpareilleges 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichs mart Kleine Anzeigen" das fettges brudte Wort 25 Pfennig( zulässig zwet fettgedruckte Borte), jebes weitere Bort 12 Bfennig Stellengefuche das erste Mort 15 Bfennig. jedes weitere Bort 10 Pfennig Borte über 15 Buchstaben zählen für zwet Worte Arbeitsmartt Beile 60 Pfennig Familianzeigen für Abonnenten Zeile 40 Biennig. Anzeigen annabme im Hauptgeschäft Linden ( traße 3, wochentagl von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Boftschedlonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3 Die Krise im Zentrum. Rebellion der Arbeiter in allen bürgerlichen Parteien gegen scheinheilige Arbeitnehmerfreundlichkeit". Der Vorstand der Zentrumsfraktion des Reichstags hält heute Sigung. Er wird sich außer mit der Frage der Nach folgerschaft Geẞlers auch mit der schweren Partei. trije beschäftigen müssen, die in den letzten Tagen zum offenen Ausbruch gekommen ist. Stegerwald hat zwar, wie schon gestern abend hier mitgeteilt wurde, sein Amt als Borsigender der Fraktion nicht niedergelegt, doch hat er einem Schreiben zum Ausdrud gebracht, daß er die Funktion des stellvertretenden Borsigenden der Reichstagsfraktion folange nicht ausüben fönne, bis die zwischen ihm und dem Reichskanzler vorhandenen Differenzen bereinigt worden feien. Der Kampf, der jezt im Zentrum ausgebrochen ist, geht tief. Er geht nicht nur um tattische Fragen der Koalitions politit, um den Bürgerblod, er reicht an die tiefsten Wurzeln, an die Klassengegenfäße. In einem Leitartikel, der ein wahres Dokument der Beitgeschichte ist, spricht der Deutsche", das Organ der chriftlichen Gewerkschaften, von der Erbitterung der Arbeiter und Angestellten, die bisher den bürgerlichen Barteien Heer folge geleistet haben. Die Arbeitnehmer sind empört über ihre Aschenbrödelrolle, die mit völliger Ausnutzung und gleichzeitiger Geringschäzung verbunden ist". Wohl tue das gleiche Wahlrecht äußerlich seine Wirkung. auch habe es an Der inneren Gesinnung der in jenen Parteien herrschen Den Schichten nichts geändert. Nach dem Deutschen" steht Die Sache jo: Arbeitnehmerfreundlichkeit entgegenbringen, hinreichend unterrichtet. Sie brauchen nur bei den nächsten Wahlen die Folgerungen ziehen. Dann werden fie regieren! Arbeitnehmerschicht. Es ist noch gar nicht so lange her, da hat selbst| warum die bürgerlichen Parteien ihnen eine scheinheilige ein Industrieführer erklärt, es seit heute unmöglich, gegen die Arbeitnehmerschaft zu regieren. Diese Binsenwahrheit haben an scheinend nur wenige begriffen. Den anderen muß fie beigebracht werden. Doch ist es damit nicht genug, daß nicht gegen die Arbeit nehmer regiert wird, die Arbeitnehmer selbst wollen mifregieren. Wer einsichtslos genug ist, sich dem zu widersetzen, wird es gewiß nicht ungestraft tun. Die Arbeiter und Angestellten sind nun über die Gründe, Der Vorstand und der Reichsausschuß der Zentrums. partei find zu einer Sigung am 29. Januar nach Berlin einberufen worden. Untersuchung gegen Ungarn. Wegen der Waffenschiebung. Genf, 17. Januar. Im Böllerbund verdichtet sich der Eindruck, daß mit einem bevorstehenden Schritt der Kleinen Entente in der Affäre von Szent Gotthard zu rechnen sei. Man meint, daß die Kleine Entente durch einen ihrer Bölferbundsdelegierten, voraussichtlich durch den tschechoslowatischen Gesandten, eine Note überreichen wird, in der die Aufmerksamkeit des Rates auf den Waffentransport gelenft und auf Grund des vom Rat im Dezember 1926 angenommenen Investigationsverfahrens eine Untersuchung gegen Ungarn beantragt wird, zunächst wegen dieses Einzelfalles. Nach einer Belgrader Meldung des Berliner Lage blatts" soll die Anrufung des Bölferbundes durch die Was man politisch für notwendig hält, find nicht die ArKleine Entente beschloffen sein. beitnehmer, sondern ihre Wahlstimmen. Und um dieser Wahlstimmen willen macht man ein freundliches Gesicht und spricht schöne Worte, obschon es innerlich ganz anders aus schaut und insgeheim, in bestimmten 3irfeln, ganz andere Töne laut werden. Und hier wird auch gegen die Arbeiter- und Gewerkschaftssekretäre gewettert, die als selbständiger Willensausdruck der Arbeitnehmer recht unbeliebt sind. Und weil diese geheimen Reden gar nicht so selten sind, deshalb wird die Wendung von den Gewerkschaftssekretären" und deren unfachliches Streben gewohnheitsgemäß auch dort mal angewandt, wo es„ tattisch" unflug ist. Derartiges passiert gewiß nicht nur dem Reichskanzler Marg; das ist vor ihm schon vielen anderen passiert und sehr wahrscheinlich wird zukünftig noch erst recht von den Gewerkschaftssekretären geredet werden. Sicher nicht nur in der Zentrumspartei. Denn auch darüber wollen wir gar feinen Zweifel auffommen laffen: es find nicht nur die Arbeitnehmer in der Sentrumspartei unzufrieden. Auch in den anderen bürgerlichen Parteien sind die Arbeit. nehmer, d. h. auch die Angestellten„ geladen". Nur fehlt hier zum Teil noch die Stoßkraft und der direkte Anlaß zum Krach", so wie etwa der bekannte, Brief des Reichskanzlers Marr das Signal zum Angriff für die Zentrumsarbeiterschaft ist. Um dieses Briefes willen allein regte sich die Zentrumsarbeiterschaft gewiß nicht so auf. Gie sieht in ihm nur ein bezeichnendes Symptom für die verherrschende Stimmung in der Partei, die in den letzten Jahren sich stark zuungunsten der Arbeitnehmer geändert hat. Mit materiellen Zugeständnissen allein, so sagt der Deutsche" weiter, ist die Unzufriedenheit nicht zu bannen. Denn: Was die Arbeitnehmer in den Parteien empört, ist das Fehlen einer wahren sozialen Boltsgesinnung. Sie find unwillig, weil sie immer noch als Menschen minderen Wertes angesehen werden, sie hassen die in allen Parteien übliche scheinheilige Arbeitnehmerfreundlichkeit um der Wahlstimmen willen, fie find empört, daß diese Gesellschaft", wie sie sich ausdrückten, feine wahre Gemeinschaft mit den Arbeitnehmern will. Das ist der tiefste Grund der großen Unzufriedenheit der Arbeitnehmer in den Parteien. Und in der Zentrumspartei kommt sie deshalb am schärfsten zum Ausdrud, weil heute die Arbeitnehmerschaft dieser Partei die Lebensbasis gibt. Und tas wissen die Arbeitnehmer Die Parteien außerhalb des Zentrums aber tun gut baran, für die Ent. fernung ihres Explosionsstoffes rechtzeitig Sorge zu tragen. Täusche sich feine über den Ernst der Situation, vergesse feine in falscher Schadenfreude über die Schwierigkeiten der einen Bartei Die eigenen Sorgen und Notwendigkeiten. Die Zeit, wo die Arbeitnehmer sich mit schönen Gesten zufrieden gaben, ist endgültig vorbei. Gegen die Zutellung der Aschenbrödelrolle in der Partei und im Staate werden sich die Arbeitnehmer mit aller Energie zur Wehr sehen. Bir reden nicht der Gleichmacherei das Wort, aber wir machen Front gegen eine tastenmäßige Abgeschloffenheit der oberen gegen die unteren Bolfsschichten; wir en heben Einspruch gegen die Niederhaltung der aufstrebenden, fähigen Gegen Deutschösterreich sind sie scharf! Wien, 17. Januar( Cigenbericht). Die liquidierende Militärkontrolle in Deutschösterreich soll mit dem 31. Januar aufhören. Die Botschaftertonferenz hat deshalb ver langt, daß Desterreich bis zu diesem Zeitpunkt ein Gesez über das Verbot der Erzeugung und der Ein- und Aus. fuhr von Kriegsgeräten verabschiedet. Dem hat der Nationalrat am Dienstag entsprochen. In der Debatte stellte Genoffe Dr. Ellenbogen feft, daß Defterreich, obwohl es den Friedensvertrag Ional erfülle, gezwungen sei, abzurüsten, während die Siegermächte ruhig zufähen, mie Ungarn rüfte. Es liege geradezu eine Berschwörung Italiens mit Ungarn gegen den europäischen Frieden vor. Otto Braun über den Einheitsstaat. Die Länderkonferenz ohne Ergebnis. Die Länderkonferenz deskutierte gestern über die Referate| union, die sich zwischen der preußischen Regierung, zwischen der und hörte dann ein weiteres Referat des preußischen Finanzministers Dr. Höpter- schoff. Das einzig pofitive Ergebnis dieser Konferenz sind die Reden, die in ihrem Berlaufe gehalten wurden. Sie lassen erkennen, daß von dieser Konferenz feine Förderung des Einheitsstaatsgedankens ausgehen wird es sei denn, daß die Empörung über die reaktionär- fonservativen Darlegungen der partikularistischen Kirchturmspolitiker aus Bayern und Württemberg den Eifer der Freunde des Einheitsstaates anfacht. Ein einziger Redner hat in großem Stile von staatspolitischen Gesichtspunkten aus das Problem, feine Größe und Schwierigkeiten gezeigt der preußische Minister präsident Otto Braun. Seine wahrhaft staatsmännische Rede läßt den mangelnden Führungswillen der Reichsregierung, Ideenlosigkeit und Beschränktheit der reaktionären Regierungen um so schärfer hervortreten. preußischen Spiße und der Spizze der Reichsregierung ergaben. In Weimar hat man diese Grundlage verlassen. Man hat einen Schritt zum unitaristis hen Staat, zur größeren Vereinheitlichung unseres Staatswesens getan, ist aber diesen Schritt nicht zu Ende gegangen und aus dieser Halbheit ergibt sich die ganze Unhaltbarkeit des heutigen Zustandes. Den Ländern ist die Staatshoheit mit ihrer Verantwor tung überlassen; es ist ihnen aber das Rückgrat jeder Staatshoheit, das heißt die Finanzhoheit, im wesentlichen genommen. Da liegt die Wurzel des ganzen Uebels, und das wird immer schlimmer, je mehr die Reichsgesetzgebung den Ländern weitere Aufgaben mit weiteren Belastungen und weiteren Kosten zuweisen muß, ohne für die Finanzierung, ohne für eine finanziell befriedigende Regelung Gorge tragen zu fönnen. Solange unsere staatsrechtlichen Verhältnisse diesen unbefriedigenden, sagen wir einmal Die großzügige Rede Otto Brauns wurde am Monfaft labilen Zustand haben, so lange werden wir auch nicht zu einer tag nachmittag gehalten. Die Reichspresse stelle, präzisen Regelung des Finanzausgleichs zwischen Reich und Ländie die Berichterstattung übernommen hatte, ließ den Bericht bern gelangen fönnen. der Berliner Presse am Dienstag abend zwischen 7 und 10 Uhr zugehen. Hätte Otto Braun diese Rede am Vormittag im Reichstag gehalten, so hätten die Berliner sie eine Stunde später in allen Zeitungen lesen fönnen. Es scheint, daß Die Reichspressestelle beweisen wollte, daß Beamte feine Journalisten sind. Die Rede Otto Brauns. Auf der Länderkonferenz führte der preußische Minister präsident, Genoffe Otto Braun, am Montag aus: feit Ich habe das, was ich zum Einheitsstaat zu sagen habe, programmatisch bereits vor einiger Zeit in einem Bortrag gefagt. Dieser Vortrag ist schon vor einem Jahre im Drud erschienen. Zu meiner Freude tann ih fonstatieren, daß eine Einmütigund das ist in der jezigen Zeit immer schon etwas zwi fchen allen Herren, sei es im föderativen, sei es im unitazistis hen Lager, darüber besteht, daß die augenblicklichen staatsrechtlichen und verfassungsrechtlichen Verhältnisse in Deutschland unbefriedi gend und demgemäß auf die Dauer unhaltbar find, und zwar unhaltbar aus finanziellen wie aus allgemeinen staatspolitischen Erwägungen. Ich lege dabei das möchte ich vorweg bemerken auf die finanzielle Seite tein so großes Gewicht. Ich lege das Shmer. gewicht auf die staatspolitifhen Berhältnisse, die meiner Meinung nach in dem alten Reiche nur erträglich waren durch die Hegemonie Preußens und der Berjonat. Damit komme ich auf eine Frage, die hier ja sehr eingehend erörtert worden ist: ob es notwendig und auch finanziell zwedmäßig ist, alle heutigen innerstaatlichen Gebilde aufrechtzuerhalten. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß fleine Länder, die den Willen und die Kraft zur Eigenstaatlichkeit haben, gegen ihren Willen nicht gezwungen werden können, ihre Elgenstaatlichkeit aufzugeben. Wenn mir rein egoistisch- preußisch denken, ist jeder derartige Anschluß für uns fein Gewinn. Denn, meine Herren, die solventen Länder kommen ja nicht, es fommen ja nur die bankrotten! Ich habe fürzlich bei mir eine Zusammenstellung der Gemeinschaftsverträge zwischen Preußen und anderen Ländern machen lassen, und es ist festgestellt worden, daß Preußen zurzeit 389 derartige Berträge mit einzelnen benachbarten Ländern auf den verschie densten Gebieten hat. Wir werden sehr bald dahin kommen müssen, gewisse En- und Erklaven der kleinen Länder aufzusaugen". Ich mache jedoch fein Hehl daraus, daß das Berschwinden dieser Enklaven und das Berschwinden der kleinen Länder nichts weiter als einige Schönheitsfebler beseitigen wird, ohne das Grundübel irgendwie an der Wurzel anzufassen. Herr Staatspräsident Bazille glaubt, der Einfluß Preußens im Reichsrat sei noch viel zu start, und müsse noch wesentlich geschwächt werden. Wie das über das jetzt schon beliebte Maß hinaus möglich Tein soll, ist mir nicht recht verständlich. Wenn mun Herr Staatspräsident Bazille meint: Ja, bie Breußen sind heute doch noch gar zu start bevorrechtet, denn bie wählen ja zu zwei Dritteln den Reichspräsidenten und zu zwei Dritteln ben Reichstag, lo nehmen Ele mir, fehr verehrter Herr Stollege, Bitte nicht übel, daß ich diefes Argument wirklich nicht ganz ernst nehmen fann. Ja, was wollen Sie donn? Wollen Sie denn den preußischen Reichstags- und Reichspräfidentenwähler auch noch ein geringeres Stimmrecht dafür geben. daß es so viel Breußen im Reiche gibt? Sehen Sie sich einmal den parlamentarischen Betrieb an: mer, in den Reichstag gewählt ist, ob er aus Bürttemberg oder aus Preußen ges mählt ist, der wird in der Hauptsache sein Interesse auf die Reichspolittt fonzentrieren und wird sehr oft, im Gegenfaz selbst zu seinen engeren Parteigenpfsen in Württemberg oder Breußen, in bezug auf die Beurteilung der Landes. und der Reichspolitik zugunsten des Reiches stimmen. Es zeigt sich, daß die Reichsbehörden geneigt sind, mehr und mehr sich eigene Berwaltungsbehörden draußen im Lande zu schaffen. Das zeigt auch die Unhaltbarkeit des jetzigen Zustandes. Reichsministerien, deren Haupttätigtett lediglich auf legisfalivem Gebiete liegt, denen die Korrektive der Erfahrung aus der örtlichen Verwaltung draußen fehlen, tönnen ihre Aufgabe auf legislativem Gebiete auch nicht richtig erfüllen. Deswegen das Streben, sich draußen örtliche Behörden zu schaffen. Wir sind aus dem sicheren Parterregeschoß des Föderativstaates auf die Treppe nach dem Obergeschoß gegangen, mo der Einheitsstaat wohnt und sind auf halber Treppe figengeblieben. Auf die Dauer kann man das nicht. Wenn man die Vorschläge des Herrn Bazille durchdenkt, so wird das Uebergewicht Preußens durch den Föderativstaat wiederhergestellt. Db Sie diesen Föderativstaat wünschen, möchte ich bezweifeln. Es gibt daher für mich nur ein weiteres Bormärtsgehen. Man fann über die Berechtigung des historisch gewordenen ganz ver schiedener Auffassung sein. Die angeblichen Stammeseigenheiten haben bei der Abgrenzung der deutschen Länder nur eine ganz geringe Rolle gespielt. Als Napoleon eine gewisse Abgrenzung der inneren deutschen Länder schuf, hat er nicht an Stammeseigenheiten gedacht, sondern nur daran, wie schwäche ich Deutschland. Stammes eigenheiten und staatliche Grenzen decken sich nicht immer. Das eine möchte ich hier nur feststellen, es besteht nicht nur eine Differenz über das Ziel, sondern noch verschiedene Auffassungen über den Weg.. Es besteht eine große Menge Projekte. Ich will mich nur mit zwei Problemen befassen. Das ist einmal der Gedanke, Staaten, die ihre Selbständigkeit aufgeben wollen, zu Reichsländern zu machen. Das würde den unhaltbaren Zustand nur noch mehr fomplizieren. Es ist weiter der Plan aufgetaucht, Breußen aufzuteilen und zu Reichsprovinzen zu machen. Dann kommen zu den jetzt bestehenden 18 Ländern noch 13 neue hinzu. Bürde man nach dem Plan meines preußischen Kollegen Dr Höpker- Aschoff die norddeutschen Länder zusammenschließen und in Reichsprovinzen aufteilen, so würde man damit die ganze norddeutsche Bevölkerung für minderen Rechts erklären. Es täme zu einer Spaltung des Reiches in ein norddeutsches Reich mit 50 Millionen Einwohnern und ein füddeutsches Reich mit 10 Millionen Einwohnern. Man fann nicht den preußischen Provinzen die Länderrechte nehmen, den füddeutschen aber lassen. Wir sollten uns hüten, jetzt durch faule kompromisse die Sache noch mehr zu komplizieren. Ich tomme zu dem Ergebnis, wir müssen das große und ernste Broblem ohne Berücksichtigung der zeitlich begrenzten Unzuträglichkeiten oder gemisfer parteipolitischer Machteinstellung betrachten. Man soll, auch nicht, das möchte ich dem Herrn Staatspräsidenten Dr. Bazille lagen, davon reden, daß die Berwirklichung des Einheitsstaates dem Gozialismus zugute fäme, den 3ufammenbruch herbeiführen würde. Aus dieser Atmosphäre müssen wir die Frage herausnehmen und ich sehe deswegen auch für die heutige Konferenz feinen anderen Aus. meg als den, den Herrn Dr. Petersen vorgeschlagen hat. So un sympathisch es mir an fich ist, eine schwierige Angelegenheit auf den Abschiebebahnhof eines Ausschusses zu schieben. Es ist jedoch notwendig, daß dem Ausschuß eine gewiffe Richtung gegeben wird, damit mir nicht hochgelehrte Dentschriften hekommen, mit denen wir nichts anfangen können. Darüber müßten wir uns menigstens verständigen, meine Herren. Wir werden den Erfordernissen der nationalen Wirtschaft Rechnung tragen müssen. Unsere wirtschaftliche Entwicklung weist auf größere Vereinheitlichung. Es bleibt für mich nur das eine, der Weg, der in Weimar eingeschlagen worden ist, muß fortgesetzt werden. Die Reichsgewalf muß gestärft werden und das Reich muß weiter die gesetzgeberische Gewalt, die die Verfaffung ihm gibt, restlos ausschöpfen. Bir unterhalten uns über die Rechtsangleichung zwischen Deutschland und Desterreich und mit der Rechtsangleichung zwischen den einzelnen deutschen Ländern haben wir uns noch gar nicht so sehr beschäftigt. Wir wollen die Dinge so flären und gestalten, daß alle Teile des deutschen Volkes die größere Bereinheitlichung unseres Staatslebens als berechtigt anerkennen. Dann ist eben ein 3 wang nicht mehr nötig und wir werden die Form unseres Staatslebens finden, die die Reichsgemalt und die Kraft deu deutschen Boffes stärkt. Die Dienstag- Sitzung. Am Dienstagnachmittag wurde in der Länderkonferenz die Diskussion fortgefeßt. Es sprachen der bayerische Minister pröfident Held, Bürgermeister Beterfen, Hamburg, und der preußische Ministerpräsident Braun. Dann verließ man den ersten Punkt der Tagesordnung und ging zum Referat, Maßnahmen zur Gewährleistung fparfamster Finanzwirtschaft", über, das der preußische Finanzminister Dr. Hoepfer- Aschoff erstattete. Die württembergische Industrie gegen Bazille. Die württembergische Industrie denkt über den deutschen Einheitsstaat und die Notwendigkeit einer Bermaltungsreform wesentlich anders als Württembergs deutsch nationaler Staatspräsident Bazille. In einer Ent schließung haben sich die württembergischen Industrie- und Handelsfammern für eine Berbilligung der innerdeutschen Berwaltung, einen internationalen 3ollabbau und eine gradlinige und zielsichere Dis: tont- und Kreditpolitit eingefeßt. Zu dieser Entschließung führte eine von den Kammern durchgeführte Erhebung über die vermin berte deutsche Wettbewerbsfähigkeit im Ausland, unter der nament lich die mürttembergische Fertigindustrie zu leiden hat. Die Not der Industrie steht nach Auffassung der Kammer in ursächlichem Zu jammenhang mit dem Berwaltungslugus in Deutschland. Deshalb fordert die Entschließung u. a.: Für Bürttemberg ergibt sich die dringende Forde rung, zunächst die Berbilligung der innerbeutschen Verwaltung herbeizuführen, wobei nötigenfalls auch liebgewor, bene, aber untragbare Einrichtungen der Ber gangenheit angesichts der ernsten Gegenwart und 3utunft geopfert werben müffen." Diese Resolution der württembergischen Industrie gibt die all gemeine Stimmung der deutschen Wirtschaftskreise wieder. Damit wird sich am Donnerstag das Bräsidium des Reichsverbandes der Deutschen Industrie" in Berlin beschäftigen. Deutsch- franzöfifche Freundschaft. Ein Vortrag Jules Romains'. Herrenhaus waren gestern abend so Biele gefolgt, daß der Saal Der Einladung der Europäischen Tribüne" in das ehemalige fast überfüllt war. Der deutsche Dichter Jakob Wassermann bem fagte in seiner Eröffnungsansprache, man müsse iegt aus Stegreifftück der deutsch- französischen Annäherung ein folgerichtiges Dauerwerk machen. Die Erde sei zu flein geworben für egoistische Bölkeregzesse. Jeder nationalistisch Ummauerte entziehe sich frevent lich dem Dienst an der Menschheit. Nach elf Jahrhunderten ihrer nahen Verwandtschaft bewußt. Streit und Krieg werden Deutsche und Franzosen enblich bildlich deutlich ausgesprochenen Muttersprache der vielgelesene Dann spricht, lebhaft empfangen, in seiner flaren und so vor und vielaufgeführte franzöfifche Roman- und Theaterdichter. Jules Romains. Er rühmt Stresemann und Briand, deren Politik sie zu Bätern des kommenden Vaterlandes Europa mache, wofür die deutsch- französische Freundschaft Borbedingung sei. Wenn andere Diplomaten, wenn Generäle noch glauben, Annäherung und Gegner schaft nach Bedarf abwechseln lassen zu können, so sagen wir ihnen: Die Böller find großjährig geworden und werden ihr Schicksal nicht mehr den Diplomaten und Generälen überlassen. Der literarische Kosmopolitismus allein hat den schnöden Mizbrauch der Literatur zur Bölferhehe nicht verhindern können. Sollen wir jenen folgen, die uns lehrhaft beibringen wollen, diese Völker feien so verschieden, daß sie sich gegenseitig erst aufs genaueste studieren, noch etwa so 40 Jahre worfen müßten, dann könnte man ja vielleicht an Annäherung denken!( Große Heiterfeit.) Nein, es fommt uns gar nicht so sehr auf die Vorschrift der Klugheit als auf den Willen zur Freundschaft an.( Lebhafter Beifall.) Es sollte eine Anzahl prominenter Franzosen herüberkommen und, wie ich, öffentlich sagen: ( Stürmische Zustimmung.) in den uns die Bündnisse der Diplomaten hineingezogen haben. Die elfaß lothringische Frage wird dann aufgehört haben, zu bestehen, wenn bei einer Fahrt durchs Elsaß der Pariser dem Berliner sagen wird: Bie deutsch das hier schon aussieht!", und der Berliner das stillvergnügt anhören wird, wie heute schon der Spanier, dem auf der Fahrt zwischen Toulouse und den Byrenden der Franzose sagt: hier glaubt man ja jdon in Kastilien zu sein!" Romains sprach dann von der Berfassung Gemeinsamkeit der republikanisch- demokratischen und schlug die Gründung einer zweisprachigen Zeitung Die deutschfranzösische Freundschaft" vor, die wirklich frei und nicht von tattischen Bedenten" und opportunistischen Rüdsichten gehemmt sein folle Er hob unter den vielen schon bestehenden deutsch- französischen Verbindungen besonders die Arbeiterorganisationen hervor, die sich stärker als je allen nationalistisch- militaristischen Be strebungen entgegenstellten, er betonte die große Bedeutung der Lehrer für die Freundschaft beider Völker und regte Benutzung der Ferien zum Kinder- und Lehreraustausch an. Die deutschen Lehrer würden vielleicht die französischen Dorfschulen noch primitiv finden, die französischen Lehrer dafür wieder staunen über die Langfamfeif, mit der manche deutschen Schulen sich vom alien Regime abzuwenden scheinen.( Lebhafte Zustimmung.) lind zum Schluß forderte Romains, daß die Freundschaftbereiten auf beiden Seiten endlich die Kühnheit der Seele gewinnen; wenu fie erst zu Millionen dastehen, brauchen sie nicht mehr zu fürchten, etwa schließlich betrogen zu sein. Würden unsere Gegner fiegen, fo wäre Europa verloren. Der Partei Europa gehört die Zukunft! Die Bersammlung dankte dem Redner durch eine begeisterte Wir betrachten euch Deutsche nicht als die Schuldigen am Krieg, Dvation. Dieser Abend war nicht verloren. Die Hohenzollernabfindung. Wilhelm hat dreiviertel Millionen unberechtigt eingesteckt.- Das Schiedsgericht wird angerufen. weit über ihre Berhältnisse lebten. Zwischen dem preußischen Staat und dem ehemaligen Königs 1 figit tam daher, daß die Mitglieder des früheren Königshauses haus haben sich bei der Abwicklung des Auseinandersehungsvertrages Differenzen ergeben, die den preußischen Finanzminister gezwungen haben, das im§ 15 des Abwidlungsvertrages vorgefehene Schiedsgericht anzurufen. Es besteht aus drei Mitgliedern, von denen der Staat und das vormals reglerende Königs haus je einen ernennt. 6 to 10 Bon dem der Generalverwaltung überwiesenen Gesamtbetrage non 1 650 000 m. wurden nur 900000 m. burch reale Einfünfte Verpflichtungen in derselben Höhe gegenüber. Nach dem Auseinder Hofnerwaltung gededt. Dem Rest von 750 000 m. ftanden anderlegungsvertrag von 1925/26 verblieb dem Staat etwa die Hälfte des Hoftemmergutes, dém vormaligen Königshaus ebenfalls die Hälfte. Infolgebeffen tannte der preußische Staat geltend machen, daß die Steuern von den Liegenschaften, welche nach dem Auseinanderlegungsvertrag von jeher als dem Staate gehörig erklärt worden find, ohne rechtlichen Grund gezahlt worden feien und beher zurüfgefordert werden fönnten. Auch die zum Unterhalt der Mitglieder der ehemals föniglichen Familie gezahlten Zuschüsse find zur Hälfte ohne rechtlichen Grund gewährt worden und daher zur Hälfte vom ehemaligen Rönigshaus dem Staat zu erstatten. Das preußische Finanzministerium hat im Laufe von Verhandlungen nun von den Hohenzollern die Rückzahlung von 790 723,10 m. verlangt und den Hohenzollern eine Erklärungsfrist bis zum 15. Januar geDen jezigen Streitigkeiten liegt folgender Tatbestand zugrunde: Im Jahre 1918 murde das zum preußischen Kronfideicommiß gehörige Bermögen mit Beschlag belegt und die Verwaltung dem preußischen Finanzministerium übertragen. Zu den Kosten der Berwaltung gehörten die Steuern, die an das Reich abgeführt wurden, ferner wurden Laufende Zuschüsse für den Unterhalt des Rönigshauses in Höhe von insgesamt 1 650 000 m. gezahlt. Dazu tamen noch einmalige Zuschüsse auf besondere Anforderung von rund 43 000 m. Mehrfach sah sich die Hoffammer, um ein Defizit in ihrem Haushalt zu deden, genötigt, Kredite aufzunehmen, die Das Hofkammergut mit rund 750 000 m. belasteten. Diefes Delaffen. Diese Erklärung wurde nicht abgegeben. Volkspartei für Konkordat? Der verhängnisvolle§ 16a des Schulgesetzes. Ein schwerer Betriebsunfall ist der Deutschen 2o1tspartei bei der Beratung des Schulgesetzes zugestoßen. Im Einverständnis mit den übrigen Koalitionsparteien wurde nämlich dem Schulgesetzentwurf ein§ 16a angefügt, der bestimmt, daß ein Zusammenwirten zwischen Staatsbehörden und Re. ligionsgesellschaften über den Religionsunterri ht be ftehen bleiben solle, wenn es bereits durchgesezt oder durch Vereinbarung festgelegt ist. Die Volkspartei sah darin eine Sicherung der bestehenden Verhältnisse in einzelnen Ländern wie Thüringen und Mecklenburg. Praktisch jedoch bedeutet der neue Paragraph, daß damit auch das zwischen Bayern und der Kirche abgeschlossene Kontordat die reichsgefeßliche Billigung erhält. Dieses Konligionsunterrichts in allen Schularten durch die Kirche vor. tordat sieht ausdrücklich die Beaufsichtigung und Leitung des ReBisher hat die Deutsche Volkspartet ihren Kampf gegen das Gdyulgefez immer damit begründet, daß eine geistliche Schulaufsicht abzulehnen sei. Auch das bayerische Konkordat hat sie in den schärf sten Tönen bekämpft. Jeßt hat die Deutsche Boltspartei durch den Koalitionsantrag das Konkordat in aller Form gebilligt. Wenn sie vor ihren Wählern bestehen will, wird sie ihre Haltung revi dieren müssen. Das aber. bedeutet neuen Krach in der Koalition. Unterwirft sie sich jedoch den Forderungen der Kirche, dann ist es mit dem neu entdeckten und pomphaft propagierten Liberalismus der Deuts then Bolfspartei im Lande zu Ende. Man tann gespannt sein, wie fie fich aus der Affäre ziehen wird. Ohne neue Ausein andersetzungen imerhalb des Rechtsblocs dürfte es dabei jedoch mohl nicht abgehen. Alenderung des Reichsmietengesetzes. Berfuchte Beseitigung des Mieterschutzes. jegung der Miethohe. Für die vom Mieterschutz befreiten Das Reichsmietengejez ordnet die Möglichkeiten der Fest gewerblichen Räume und große Bohnungen waren diese Boraus fegungen gefallen. Die Borlage der Regierung gibt llebergangsvar. schriften für die Mietfestsetzung auch für Sie freigeworbenen Räume. Insofern mar die Borlage zur begrüßen. Die Wirtschaftspar tei verju hte das Mietengesetz überhaupt aufzuheben, die Deutsche Bolkspartei wollte das 23 ohnungsmangel gesetz und die Wohnungsämter beseitigen, während der Bürgerblock unter Führung des Zentrums den Abbau des Mietengesetzes betrieb. Auf Antrag des Dr. Krone Dom Zentrum murde zu§ 1 beschlossen: ,, Diese Vorschriften finden feine Anwendung auf Mietver träge, die nach dem 1. April 1928 auf mehr als zwei Jahre neu abgef hloffen werden und sich entweder auf oh. nungen mit mehr als fünf Wohnraumen und mit mindestens 100 Quadratmeter Wohnfläche oder ausschließlich auf gewerbliche Räume beziehen." Abg. Winnefeld, Deutsche Boltspartei, forderte die Her ausnahme der Meßhäuser aus dem Mietengesetz. In Leipzig find die städtischen und privaten Meßhäuser in einer Wirtschaftsge meinschaft zusammengefaßt, die auch die Miethöhe der Ausstel lungsräume regelt. Hiervon mollen die Befißer der Privatmeßhäuser tostommen, um Freiheit in der Mietfestsetzung zu bekom men und um fit von den Werbekasten für die Messe zu befreien. Der Antrag wurde abgelehnt. Die Sozialdemokraten wollten die Vorschrift beseitigen, daß die Landes behör den den Schuß der Reichsgefeße lodern fönnen. Der Antrag wurde, eberijo abgelehnt wie das Verlangen, daß auch die Mieten der Untermieter, die aus dem Mieterhug herausgenommen worden sind, durch die Mieteinigungsämter festgesetzt werden können. Das Reichsmietengejek foll am 16. Februar 1928 in Kraft treten und wurde bis 31. März 1930 befristet. Begrüßung des JGB. Tagung des JGB. ein Empfang statt, zu dem vom Allgemeinen Gestern abend fand im ehemaligen Herrenhaus aus Anlaß der Deutschen Gewerkschaftsbund außer den Delegierten die Bertreter der Reichs- und Staatsbehörden und der Stadt Berlin geladen waren. Benoffe Leipart begrüßte zunächst die Anwesenden, worauf der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns im Namen der Reichsregierung ermiberta. Der Reichsarbeitsminister wies darauf hin, daß die Er bauer dieses pruntvollen Hauses gewiß nicht daran gedacht hätten, daß diefes einstmals die Bertreter der internationalen feine Rede mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung. Arbeiterbewegung beberbergen würde. Dr. Brauns schloß Genoffe Hermann Müller sprach im Namen der Sozial. de motratischen Partei und wies auf das innige Zufammenarbeiten zwischen Partei und Gewerkschaften hin. Diesem ZuJammenarbeiten sei es zu danfen, wenn die Arbeiterbewegung in Deutschland alle die fürchterlichen Krisen der lezten Jahre erfolgreich überwunden habe. Zum Schluß sprach 3ouhaug und wies be. fonders auf die Aufgaben hin, die der Internationale zur Schaffung des wahren Friedens gestellt sind. Aus der preußischen Kuustverwaliung. Prof. Schmitz über die Gründe seines Aasscheidens. Prof. Dr. Hermann Schmitz hat das dem Kultusminister om ZI. November vorigen Jahres eingereichte Gesuch um sofortigen Abschied aus dem Dienste der staatlichen Museen wiederholt und ist om 1. Januar endgültig aus dem Schloßmuseum ausgeschieden. Ueber die Gründe seines Ausscheidens äußert sich Pros. Schmitz in einer längeren Erklärung, der wir entnehmen, daß die Ueber' gehung bei der Besetzung der Direktorstelle des Schloßmuseums nicht die alleinige Ursache für die Ausgabe seines seit 23 Jahren verwalteten Amtes gewesen ist. Ausschlaggebend war vor allem die Art. wie das Kultusministerium und die Generalverwaltung der Museen Schmitz'? Vorgehen in der Angelegenheit des Tauschgeschäfts mit den beiden Regencezimmern des Kunstgewerbemuseums behan- delt hat.. „Ich hatte"— schreibt Schmitz— ,chie durch den damaligen Museumsreferenten Herrn Dr. Ernst Gall bei dem Herrn Kultusminister Dr. Becker erwirkte Genehmigung zu der von dem Generaldirektor Herrn Dr. Otto von Falke beantragten Abgabe der beiden für das öffentliche Kunstleben, den Dolksgeschmock und die Handwerkerbildung unentbehrlichen vertäfelten Räume an den Handel gegen ein im Werte tief darunter liegendes Objekt rück- gängig gemacht, und zwar mit Hilfe der Fachvertreter im Preußischen Landtag und durch einen Appell an das öffentliche Ge- wissen. Meine Pflicht gegenüber den Stoatslnteressen ließ mir keinen anderen Weg übrig, um das Land vor dem drohenden schwerei? materiellen und ideellen Berlust zu bewahren, da ich früher gegen so zahlreiche Maßnahmen der preußischen Kunstverwaltung— es sei hier nur der Opernhausumbau genannt—, wie auch innerhalb der gebotenen Grenzen gegen eine Reihe von Maßnahmen des Herrn von Falke vergeblich meine warnende Stimme er- hoben hatte. Nachdem ich also diese wertvollen, bereits nach Frank- reich verkauften Denkmäler des nationalen Kunstbesitzes dem Staat gerettet halte, hat der 5)err Minister mir wegen meines Vorgehens in dieser Sache— wie übrigens auch wegen meines öffentlichen Ein- treten? gegen den Opernhousumbau— in einem auch in der Form überaus kränkenden Schreiben vom 29. September 1927 die schärfste Mißbilligung ausgesprochen und mir gröblichste Verletzung, der Bc- amtenpflichten vorgeworfen! „Dieser Vorwurf des Herrn Ministers und seine Auswirkung irr dienstlicher Beziehung mußten mich um so härter treffen, als der Berater des Herrn Ministers, Herr Dr� Ernst Gall. der ohne Be- fragen des besten Kenners der Museen aus dem GebiAe der Innen- dekoration und der Möbeltunst die ministerielle Genehmigung zu dem Tauschgeschäft erwirkt hatte, mich Jahre hindurch bei der vor- gesetzten Behörde wie auch anderwärts in meiner Befähigung, in meinen Leistungen und meinem Charakter herabgewürdigt hotte, ja, nach meinem Eintreten für W i l h« l m v o n Bode gegen die Ber- unglimpfungen des Herrn Dr. Gall, keinen Anstand genommen hatte, Urteile abzugeben, die darauf abzielten, die Grundlagen meiner EMenz zu untergraben. Der Herr Minister und der Leiter der Kunstabteilung. Ministerialdirektor Rentwig, haben mir trotz wiederholter Vorstellungen Schutz nicht gewahrt. Herr Gall hat aber auch im Einvernehmen mit dem Herrn Generaldirektor der Schlösser und Gärten, Dr. Hübner. durch Erlaß eines Der- bots von photographischen Aufnahmen in den Schlössern durch den Unterzeichneten denselben gezwungen, die wissenschaWchen Veroffrttlichungen auf' diesem Gebiet«inzustellen, denen er zum Zweck der Fruchtbarmachung de? wichtigen nationalen Kunstgutes der Schlöffer einen wesentlichen Teil sein« Lebensarbeit gewidmet hatte. -Also nicht nur Pflicht und Ehr«, sondern auch der Umstand. daß eine gedeihllch« Zukunft für meine Wirksamkeit innerhalb der preußischen KuNftverwaltung durch die»«rater des Minister» meiner lleberzeugung nach abgeschnitten war, haben mir das Ausscheiden aus dem preußischen Staatsdienst zur Rotwendigkett gemacht." Briand frühstückt bei Hoesch. 3u Ehren von Or. Loses Wirth. Botschafter v. Hoesch veranstaltet« gestern in der deutschen Botschaft in Paris ein großes polittsch-diplomattsches Frühstück zu Ehren des in der französischen Hauptstadt weilenden früheren Reichskanzlers Dr. Joseph W i r t h. Der Einladung waren vier amtierende Minister gefolgt: Herriot, Bokanowski, Leygues und B r i a n d. Es war das erstemal sett 1914. daß Briand in der deutschen Botschaft frühstückte. Es waren außerdem mehrere hohe Beamte und Diplomatei anwesend, auch der Kabinettschef Poin- rares. Ribiir«, war erschienen. Führende Politiker, insbesondere der sozialistische Kammerpräsident Fernand Bouisson sowie die Genossey Leon Blum und M outet nahmen an dem Früh- stück teil. Erst vor wenigen Tagen hatte die„Äreuz-Zeitung" darüber getobt, daß die Abgg. Koch-Weser und Dirth in Paris von ofsi. ziellen Persönlichkeiten empfangen worden seien, und sie Halle den Verbackt geäußert, daß ste sich dort im Hinblick auf den kommenden Wahlsieg der Linken al» eine Art„Nebenregierung" aus- spielten. Das deutschnationale Blatt forderte die Rcichsregierung aus, von den beiden Lintspolittkern öffentlich abzurücken, deren Einfluß in Deutschland„gleich null" sei. Auch die„Deutsche Tageszeitung" witterte ähnliche Gefahren. Gewissermaßen als Antwort auf diese deutschnationalen Forde- rvngen hat der Vertreter der Reichsregierung io Paris dieses große Frühstück zu Ehren Wirths veranstaltet. Wird die stärkste Regie- rungspattei dies« Blamage stillschweigend einstecken? Hiilers JrrnitfL Oas llnternehmergeld der 7lation sprachen habe. Der Vertteter der Justizministeriums, Ministerialdirektor huber. trat den Ausführungen des Berichterstafters bei und betonte, daß auch bei Todesurteilen die Regierung keineswegs grundsätzlich ein Votum des Landtags ausschalten wolle und werde. Im vorliegenden Falle aber habe die Regierung auf dem Standpunkt gestanden, daß eine Aufschiebung der Dollstreckung nur zu einer Verlängerung der Qual des auf Entscheidung Wartenden geführt hätte, da die Regle- rung entschlossen war, an ihrem Standpunkt festzuhalten. Bon Interesse war in den Äussührungen des Resserungsvettreters. daß die Anwälte des Hingerichteten erst im letzten Augen- blick vor der Hinrichtung äußerst aktiv geworden sind, während sie sich vorher drei Monat« lang um den Der- Kammerspiele. „Mnden Sie, daß Eonstance sich richtig verhält?" Der in England sehr beliebte Versafier 9B. 6- Moughon be- weist mft nüchternem Verstand und gletchzeitig mft funkelndem Eborme. daß die Frau in der heutigen Ebe das gleich« Reckt auf Untreue besitzt wie de« Mann. Die Frage im Tftel richtet sich a» die Zuschauer. Sic folgen dem anregenden Konoersationslustspiel mft gespanntem Interesse und kargen nicht mft ihrem Beifall, der dem Verfasser, dem Regisseur und«wem glänzend abgestimmten Ensemble gilt. Dgr. urteilten nicht gekümmert und ihn nicht einmal zweck» Feststellung der angeblichen Geisteskrankheft besucht hatten. Die Redner der übrigen Parteien traten diesen Ausführungen bei. Rur die Kommunisten, bekanntlich für Rußland glühend« Anhänger der Todesstrafe, suchten auch hier wieder Agitottons- Material herauszuschlagen, indem sie d» grundsätzliche Gegnerschaft der Sozialdcmotrattc gegen die Todesstrafe verdächtigten. Der Abg. Menzel allerdings mit der etwas seltsamen Begründung, daß nichts dagegen einzuwenden gewesen wäre, wenn jemand den Bött- cher,„diese Bestie m Menschengestalt", bei Begehung seiner Taten überrascht und gleich an Ort und Stelle lotgeschlagen hätte. Der Kommunist Obuch, der seinen Sinn für den Ernst der Angelegenheu durch dauerndes Gelächter und„witzige" Zwischenrufe bekundet«, brachte einen Antrag ein. wonach das Staatsministerium vor jeder Vollstreckung einer Todesstrafe erst die Stellungnahme des Landtags abwarten müsie. Dabei unterstrich c/rch er den Standpunkt des Berichterstatters, daß der Landtag keine dem S ta atF M i nist e rru m. übergeordnete G n a de n i nsta n z fei und allein die' Vercknftoormn.q trage. Abg. Sultner erkläit»- nochmals, daß-die mo ra lisch« Verantwortung für olle Hinrichtungen die Porlamenlsmehrheiten tragen, die sich der Abschaffung der Todesstrafe widersetzen. Solange die Todesstrafe bestehe, lasse sich da? Ziel ihrer Besciti- gung auf Schleichwegen nicht erreichen. Die-Sozialdemokralle sei so sehr«in Gegner der Tödesstrose. daß sie selbst einen Totschlag des bei der Tat ertappten Täters,. wie ihn der Abg. Menzel billigt, niemals gutheißen würde. Der Ausschuß erklärte schließlich unter Ablehnung des kommv» nistischen Antrags die Eingabe der Anwälte durch die erfolgt« Voll- streckung de« Urteils für erledigt, ebenso eine iveitere Eingabe einer gewissen Frau Luise Peters, die— affenbar von der deutschnationolen Abgeordneten Frau Müller-Otfried angesteckt— unter Drohung mit Lynchsust.iz die Vollstreckung der Todes- strafe gegen Böttcher gefordert hatte. Oer Falscher- und Spionageprozeß. Die Pazifisten fielen nicht ans Schreck herein— eher Po6 Zieichswehrministerium. Leipzig. 17. Januar sEigendericht). In dem Landesverrotsprozeß gegen Schreck und Genossen wurde in der Dieneiogsverhondlui� die Zeugen- Vernehmung sortgesetzt- Sie ergab, � daß auch dos Reichswehr- Ministerium auf den Schwindler Schreck hereingefallen ist. Das er- gab sich u. o. aus der Aussage einer Zeugin, die für Schreck mehrere Denkschriften gegen Entgelt vervielfältigt hatte. Da sich Schreck der Zeugin als ein Hauptmann vom Reichswebrnitnisterium vorgestellt hotte, entschloß sich die Zeugin, die Denkschriften persönlich ins Reichswehrministerium zu bringen, um in den Besitz ihres Arbeits- lohncs zu kommen. Im Reichswehrininisterium wuroe sie von einer Abteilung in die andere geschickt Zuletzt wurden ihr die Denk- schritten doch nochabgenommen und bezahlt. Der dann als Zenge vernommene pazifistische Schriftsteller Jakob Salomon will im März- 192S zum ersten Male die Lichtbilder des Protokolls, dos sich mit der Landesverteidigung be- schüft igt«, gesehen und sofort als Fälschung erkannt haben. Er war überzeugt, daß gewisse Kreis« ein Interesse hotten, die Pazifisten hereinzulegen. Der Schriftsteller' Helmut von Gerloch hott« die Mft- teitung von QiiüJde erhalten, daß diesem auffällige Schreiben von einem angeblichen republikanischen Reschswehrossizier zugesandt worden�waren, um sie zu verwenden. Es waren dies 50 Seiten starke Schriftstück«, überschrieben„Die Probleme der Landesoer. li-idigung. Ggrloch erklärt, er habe sofort erkannt, daß hier«in Fälscher am Werte war, um die pazifistischen Kreis« herein- zulegen. Das Material fei auch geeignet gewesen. Stimmung gegen die Aufnahme Deutschlands ftt hen Volkerbund zu machen. Kommunalpolitik und presse. Auf einem Vortragsabend- oeranstallet vom Beztrksverbond »erlin des Reichsverbandes der deutschen Press«, sprachen gestern abend der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. M p l e r t. und Stadtrat Genosse Reuter über �Kommunalpolitik und Presse". Dr. M ulert berührte die Probleme der deutschen Kommunalpolitik im Reichsmahstabe, wobei er Gelegenheit nahm, aus die Frage der Im und Auslandskredite der Kommunen einzugehen; Genosse Reuter besprach die Einstellung der»«rliner Press« zu der»erlini. schen kommunalen Arbeft. Den Vorträge» folgt« eine anregende Diskussion. Tagung des JGB. Sozialpolitik und Organisation. Die Tagesordnung der Ausschußsihung ist um zwei Bunfte| auf Disziplin tönne nicht soweit gehen, daß der deutsche Vertreter erweitert worden, die die Anschlußgefuche des Arbeiter. für Abmachungen stimmen muß, die die deutschen Gewerkschaften berbandes für Südwest afrita und des Zentralverbandes ablehnen. In Zweifelsfragen, die zur Entscheidung stehen, soll zuder Gewertschaften Estlands betreffen. nächst durch Erörterung im Kreise des JGB. eine Verständi. Leipart begrüßt den Vorschlag, Mertens als Nachfolger Dudes geefts zu bestimmen. Es fönne auf diese Weise die Verbindung der Arbeitergruppe in Genf mit dem Verwaltungsrat hergestellt werden. Im weiteren Verlauf der Debatte führte Tom Shaw, Sefregung versucht werden. tär der Textilarbeiter Internationale, aus, es sei ein großer Nach teil, daß die deutsche Sprache in Genf nicht offiziell zugelaffen ist. Wenn heute der Völkerbund geschaffen werden müßte, wäre die Ausschaltung der deutschen Sprache undenfbar. Es sei weniger die Aufgabe der deutschen, als die der französischen und englischen Genossen, auf die Beseitigung dieses schändlichen Zustandes hinzuwirken. Bezüglich der Forderung anderer Länder auf Anerkennung auch ihrer Sprachen sei zu bemerken, daß der Bölferbund zurzeit noch eine vorwiegend europäische Orga nisation darstellt, die in erster Linie die deutsche Sprache at berücksichtigen hat. Man tönne von Genf feine Wunder erwarten, doch müsse im Rahmen des Möglichen geschehen, was getan werden fann. Auch in der Frage der Minimallöhne müsse zwifchen Idealen und Realitäten unterschieden werden. Das Minimum müffe für fchwache Organisationen gelten, die darauf weiter bauen fönnten. Starte Organisationen fönnen das Minimum leicht höher heben. Man folle davon absehen, hier alle Schwierig, feiten abstellen zu wollen. Man müffe fich mit der Festlegung allgemeiner Richtlinien begnügen und es im übrigen den Delegierten in Genf überlassen, den Verhältnissen entsprechend zu verfahren. Deren Arbeit sei so aufzufassen, daß jeder sein bestes gibt und tut. Edo Fimmen. Sefretär der Transportarbeiter- Internationale, münscht, daß dem Genossen Mertens alle Funktionen in Genf übertragen werden sollen, die Genosse Dudegeest ausgeübt hat. Genoise Leipart gibt seiner besonderen Freude Ausdrud über die Ausführungen des Genossen Tom Sham zugunsten der Anerkennung der deutschen Sprache. Bereits in den Jahren 1920 und 1921 habe er( Leipart) die Zu laffung der deutschen Sprache als Berhandlungssprache geforbert und dabei die volle Unterstügung aller übrigen Ar. beiternertreter in Genf gefunden. Leipart ist davon über zeugt, daß der Aufforderung Tom Shaws Folge gegeben wird, und baß dann dieser berechtigte, Wunsch alsbald in Erfüllung geht. Das Internationale Arbeitsamt tömme auf fozialpolitischem Gebiete feine Fortschritte machen, wenn es sich nicht auf die Gemertfchaften ftüßen fann. Und es werde diese Unterstützung nicht in gehörigem Maße finden fönnen, wenn die auf die deutsche Sprache als Verhandlungssprache angewiesenen Kreise nicht die Möglichkeit haben, die Anregungen und Bublitationen des JAA. zu verfolgen. Es liegt also mit im Jntereffe des Internationalen Arbeitsamts, die deutsche Sprache endlich mit als Berhandlungssprache ein auführen. Leipart entwidelt dann die pom Borstinde des JGB. gedachte Regelung der 3ujammenarbeit des JGB. mit den Bertretern in Genf. Es tonne feine Rede davon Jein, unseren Bertretern eine gebundene Marfchroute mitzugeben. Eine Verständigung mit den übrigen Arbeitervertretern würde dadurch erschwert werden. In der Frage der geseglichen Mindestlohne legt Beipart den Standpuntt der deutschen Gemertschaften dar, die jede Festlegung über die Heimarbeit hinaus entschieden ablehnen und nicht den einen Finger bazu bieten, sich die Lohnfeft. fegung aus der hand winben zu laffen. Das Berlangen Genoffe Mertens verbreitet sich in längeren Ausführungen interner Natur über die Arbeiten in Genf und die mancherlei Schwierigkeiten, denen sie begegnen. Er hält es nicht für zwed. mäßig, hier eine bestimmte Persönlichkeit zu nennen, so sehr das ihm befundete Vertrauen ihn ehre. Er ist natürlich einverstanden, der deutschen Sprache als Berhandlungsinracke zur Anerkennung zu verhelfen, weist jedoch auf entgegenstehende Hemmniffe hin. Empfehlenswert sei zur Erleichterung der Arbeit der Delegierten, dem Beispiel der Unternehmergruppen folgend, eine Anleitung für die zum ersten Male nach Genf tommenden Vertreter herauszugeben. Ohne Diskussion wird hierauf eine von Hids vorgelegte Refolution angenommen. Es sollen allgemeine Richtlinien zu einer befferen Zusammenarbeit aufgestellt und auf eine gehörige Disziplin hingewirft werden. Der zweite Bunft der Tagesordnung ist damit erledigt. Die Frage der Befehung des Vorsitzendenpostens steht noch offen. Genoffe Saffenbach, ber hierzu nähere Mitteilungen macht, spricht den Wunsch aus, dok diese Angelesenheit in einer den Intereffen und der würde des JGB. wie auch der englischen Gemertimaften entsprechenden Beise erledigt wird. Im Einverständnis mit den englischen Vertretern wird die Frage zurückgestellt und soll am Donnerstag zur Entscheidung tommen. Der dritte Bunkt der Tagesordnung, der munmehr in Angriff genommen wird, betrifft die Erledigung der Aufaaben nach§ 25 ber Sakungen, die gemeinfam mit den internationalen Berufs fefretariaten zu beraten find", und zwar zunächst: a) Prüfung der Tätigteit des Borstandes. Der Vertreter der gewerkschaftlichen Landeszentrale Lett lands, Genosse Mories, tritt für eine bessere allgemeine Unterstügung der Gewerfffaftsbewegung in fleineren Ländern ein, die noch mit großen Erichmernissen zu fämpfen haben. und bringt die Einführung einer internationalen Beitragsmarte im Werte von 5 schweizerischen Centimes pro Jahr in Borschlag, um so einen Unterstügungsfonds zu schaffen. Eine Entscheidung hierüber fann erst vom nächsten internationalen Gemertschaftstongreß getroffen werden. Zur Sprache tommt dann die Unterstützung der italienischen Gewerkschaftsbewegung, die bekanntlich thren Sih in Paris hat. Die Landeszentrale, die der Genoffe Buorri vertritt, hat eine eingehende Schilderung ihrer Sintation. ceneben. Genoffe Käppler, der Sekretär der Bauarbeiter. Internationale, befürwortet eindringlich die finanzielle unterstützung der italienischen Landeszentrale in Paris. Genosse Saffenbach gibt ein Bild über die unabsehbaren Berhältnisse in Italien, die eine meitere Unterstihung der Landeszentrale in Paris erforderlich machen. Der internationale Sekretär der Lederarbeiter, Genoffe Simon, Nürnberg, tritt für eine gemeinsame Unterstüßung durch die internationalen Berufsjefretariate ein. Der Vertreter der niederländischen Landeszentrale, Genoffe Stenbuis, erwartet einen Torsdag des Borstandes. Die Sigung wird hierauf um 6% Uhr verlagt. Koch vor dem Arbeitsgericht. Seine Verordnung ist ungesetzlich. Wahlrechts gesehen werden müsse, zumal gar feine Garantie dafür gegeben sei, daß nicht in Zukunft eine abermalige Berkürzung erfolge. Mit Recht habe der Kläger ausgeführt, daß die Praxis des Berkehrsministers, wenn fie allgemein üblich werden sollte, die Rechtssicherheit pefährten würde. Aus diesen Gründen hat das Gericht festgestellt, daß die Amtsperiode des Betriebsrats am 14. Maiendet, und er nicht verpflichtet war, einen früheren Wahltermin anzusetzen. Der Fall, ber den Hauptbetriebsrat und die Hauptverwaltung| Bierteljahr sei doch so erheblich, daß darin eine Berlegung des der Reichsbahngesellschaft als Kläger und Betlagte vor das Arbeitsgericht Berlin führte, ist an dieser Stelle mehrmals besprochen morden. Es handelt sich darum, daß der Reichsverfehrs minister Koch auf Betreiben der chriftlichen und Hirsch- Dunderschen Eisenbahnerorganisationen am 23. Dezember, vorigen Jahres die Betriebsräteverordnung für die Reichsbahn dahin a bänderte, daß die Betriebsrätemahlen, die bisher im Mai vorgenommen wurden, schon am 15. Februar erfolgen sollten. Dadurch würde die bis 15. Mai laufende Amtsdauer des jeßigen Betriebsrats um ein Bierteljahr vertürzt werden, und etwa 70 000 Beitarbeiter, die im Winter nicht, im Sommer aber regelmäßig beschäftigt werden, würden durch die Februarwahl ihres Wahlrechts beraubt werden. Aus diesen Gründen haben sich die im Einheitsverband organisierten Eisenbahner gegen die Verordnung des Verkehrsminifters erflärt. Der Hauptwahlvorstand der Reichsbahn hat in der Ueberzeugung, daß die Verordnung urgesehlich ist, die Neuwahl des Betriebsrats auf den 10. Mai augefeht. Dann hat aber die Hauptverwaltung der Reichsbahn geglaubt, der Berordnung des Ministers praktische Bedeutung dadurch geben zu müssen, daß sie vom Hauptbetriebsrat verlanote, er solle die Wahl im Februar vornehmen lassen, und wenn er sich dem nicht füge, dann werde sie, die Hauptverwaltung, einen neuen Wahlvorstand einsetzen, der ihren Willen ausführe Unter dem Drud, ben die Androhung dieser Gemaltmaßnahme natürlich ausübte, erflärte sich der Hauptwahlvorstand mit dem 25. Februar einverstanden, jedoch unter Brotest und mit der Bersicherung, er werde seiner Auffassung auf dem Rechtsmere Geltuna verschaffen. Das ist nun durch die Klage beim Arbeitenericht geschehen. Der Hauptbetriebsrat, vertreten durch den Genofen Bräuning Dom Hauptporftand des Einheitsverbandes, leate dar, daß die Verordnung des Ministers cegen das Betriebsrätepesek verstößt. und beantracte. festzustellen, daß der Hauptbetriebsrat nicht verpflichtet mar, die Wahlen, wie es die Reichsbahnverwaltuna verlanote, am 25. Februar vornehmen zu lassen, und doh die Amtsperiode des gegenwärtinen Betriebsrats bis zum 15. Mai läuft. Das Gericht unter dem Borsig des Amtsgerichtsrats Dr. Sett gab dem Antrage des Klägers staff Reichsbahngesellschaft und Arbeitsrecht. Bon der Hauptverwaltung der Reichsbahngesellschaft wird uns, nach einer Darstellung der bekannten Tatsachen, geschrieben: „ Es fann feine Rede davon sein, daß die Deutsche Reichs bahngesellschaft unter rücksichtsloser Ausnutzung ihrer Machtstellung" den Hauptwahloorstand gezwungen" hat, einen ihr ge nehmen Wahltermin festzusehen. Der Weg, den die Reichsbahngesellschaft angesichts des ursprünglichen Berhaltens des vom Hauptbetriebsrat gewählten Hauptwahlvorstandes eingeschlagen hat, entsprach den gesetzlichen Bestimmungen und ihrer Auslegung durch das Schrifttum, insbesondere durch den vom Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands herausgegebenen Kommentar zur Betriebsräteverordnung. Den in dem Artikel des„ Borwärts" abgedruckten Protestbeschluß des Hauptwahlvorstandes hat dieser auch der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngefellschaft vorgelegt. Diese hat jedoch die Annahme mit Rücksicht auf Form und Inhalt des Beschlusses abgelehnt." Man kann sich wirklich schwer mehr Bureautratenhoch= mut vorstellen, wie sie in diesem Schreiben zum Ausdruck kommt. Das Urteil des Arbeitsgerichts ist die beste Antwort. Einigung in der schwedischen Zellulofeindustrie. Die Bergleichsfommission hat der Zelluloseindustrie einen Bor schlag unterbreitet, der von den beiderseitigen Vertretern vortäufig angenommen wurde. Die endgültige Ent Scheidung soll durch eine Abstimmung der Arbeiter herbeige. führt werden. Die Aussperrung in den Sägewerfen ist bis zum 25. Januar aufgeschoben worden. mit der Begründung: An fich habe der Minifter im Rahmen bes Sonntag, den 22. Januar, 9 bis 1 Uhr: § 41 BRG. das Recht, Verordnungen über die Bildung, die Wahl, also auch den Wahltermin ber Betriebsräte zu erlaffen. Eine solche Beroromung dürfe aber nicht mit anderen Bestimmungen des BRG. follidieren. Im vorliegenden Falle werde die Beftimmung ver Lent. bak die Betriebsräte auf ein Jahr zu wählen sinb.. Das Bablrecht dürfe weder durch eine Berlängerung not burch eine Berkürzung der Wohlperiode verlekt merben. Eine unerhebliche 91 Wahl der Vertreter zur Generalversammlung der Konsum- Genossenschaft! Berfürzung, einsa von 8 bis 14 Tagen, würde ich vielleicht recht wählt Liste Genossenschaltsaufbau! fertigen laffen. Aber eine Bertürzung der Wahlperiode um ein Der Kampf in Mitteldeutschland. Die Verhandlungen noch nicht beendet. Die Verhandlungen des Cohntonflittes in der mitteldeutschen Metallindustrie, die am Dienstag im Reichsarbeitsministerium begonnen haben, gestalten sich überaus schwierig. In später Abendstunde wurden die Verhandlungen auf Donnerstag vormittag 10% Uhr vertagt Der Verhandlungsleiter machte den Vorschlag, über das bisherige Er. gebnis der Verhandlungen einstweilen der Preffe noch feine Mitteilungen zu machen, um nicht neue Schwierigteiten zu schaffen. Diesem Vorschlag des Verhandlungsleiters haben sich, wie verlautet, die Parteien angeschlossen. Julius Langner Der Arbeitnehmerverband des Friseur- und Haargewerbes hat einen schweren Verlust erlitten. Sein Hauptkassierer Genosse Julius Langner ist nach kurzem Leiden ganz plöglich gestorben. Langner gehörte feit 1902 feiner gewerkschaftlichen Organisation an. In den ersten Jahren seiner Organisationstätigkeit wirfte er in der Berliner Lokalverwaltung, deren Kassierer er mehrere Jahre war. Als Geschäftsführer der seinerzeitigen Friseurgenossenschaft Boran" betätigte er sich auch auf genossenschaftlidem Gebiete. Ueberall hat er das Vertrauen seiner Kollegen in pollem Maße gerechtfertigt, so daß er eigentlich feinen Gegenfandidaten hatte, als der Verbandstag der Friseurgehilfen im Jahre 1907 die Wahl eines hauptamtli hen Verbandskassierers vornahm. Seit April des Jahres 1908 wirfte Langner im Verbandsvorstand seiner Gewerkschaft als Hauptkassierer und war in nimmermüder Arbeit an der Entwicklung des Verbandes hervorragend beteiligt. Wahrend des Krieges war er nur ehrenamtlich in seiner Stellung tätig, aber er opferte ihr jede freie Minute. Seiner Geschicklichkeit und Pflichttreue war es im wesentli hen mit zu danken, daß die Cr| ganisation die Folgen der Inflation verhältnismäßig rasch überwandt. Auch in der Partei stand er allezeit seinen Mann. Nicht in der großen Deffentlichkeit, aber in immerwährender Treue zur großen Sache der Arbeiterbewegung. Der Tod des erst Vierundfünfzigjährigen reißt in seine Organisation eine Lüde, die nur schwer wieder auszufüllen fein wird. Die Sperre über Gebrüder Friefede aufgehoben. Bom Zentralverband der Steinarbeiter Deutschlands wird uns geschrieben: Nad dem die Firma Gebr. Friesede, Kunststein. betrieb, mun unterschriftlich anerkannt hat, daß alle bei ihr befchäftigten Steinmegen mur im Stundenlohn beschäftigt werden, und alle Neueinstellungen von Steinmeßen nur durch den paritätischen Arbeitsnachweis erfolgen follen, hat die über die Firma feit vier Monaten verhängte Sperre ihren Zwed Dollständig erreicht; sie wird hiermit aufgehoben. Der Kampf würde bestimmt nicht so lange gedauert haben, wenn nicht einige chriftlich organisierte Steinmeze der Firma Helfer bienste geleistet hätten. Jugendgruppe bes Pb. Seute, Mittwoch, 19% Uhr, finden folgende Begirlsveranstaltungen ftatt: Nordwest: Realgymnaſium Schleswiger Ufer 14. Spandan: Sugendheim Lindenufer t Bortrag: Unser Werben"( Mann). Arbeitsgemeinichaft: Jugendbewegung Arbeiterbewegung." Kollege Rutt Michaelis. Often: Jugendheim Litauer Str. 18. Literarischer Abend( Loewy). Rentelln: Jugendheim Böhmische Etr. 1-4. Vortrag: Wilhelm Liebknecht De Echütie). Wedding- Gesundbrunnen: Jugendheim Schönstedtstr. 1 ( Ledigenheim, 5 Tr.): Vortrag: 3wed und Biele des Zd."( Lamm). Eattler, Tapezieret unb Portefeuiller. Tonnerstag, 19. Januar, 19 Uhr, im Gaal 5 des Gewerkschaftshaufes, Engelufer 24-25, Ber fammlung aller Kollegen, die auf dem Toben der SPD. und der Amster. Damer Gewerkschaftsrichtung stehen. Die Genossen werden gebeten, An hänger einzuladen. Auf der Tagesordnung steht ein Bortrag des Genoffen 8ista, 1. Bevollmächtigter des Deutschen Metallarbeiter perbandes, über„ Die Entwidlung der Internationalen Gewerkschaftsbewegung". Außerdem Stellungnahme zur Jahresgeneralversammlung am 24. Januar. Bollzähliger Besuch notwendig. Der Fraktionsvorstand. Freie Gewerkschaftsjugend Groß- Berlin. Neukölln: Gruppenheim Jugendheim Bergstr. 29, Fof. Vortragsreihe: Bom Zunftgefellen zum freien Ar. beiter." Cübweften: Gruppenheim Stäbt. Jugendheim Nordstr. 11( Fabrik. gebäude). Bortrag: Gewerkschaftskämpfe einft und jest." Rotbring: Gruppenheim Jugendheim Eberswalder Str. 10. Vortrag: Gewerkschaften und Partei." Baumfenlenweg: Jugendheim Baumschulen weg, Ernststr. 16. Literarischer Abend. Weißensee: Jugendheim Partstr. 36. Technische Blaudereien. Rentrum: Jugendheim Rehbenider Str. 24-25. Liebknecht- Luremburg- Gebenk feier. Oftfreis Jugendkursus: Jugendheim Diestelmeyerstr. 5. Beginn des III. Rurfusabschnittes:„ Gewerkschaftliche Jugendarbeit Gewerkschaftliche Jugendbewegung." ( Schluß des redaktionellen Zeils.) Noch ein rätselhafter Brief! In diefer Woche lief wieder ein Brief ein. Ber löst bas Rätsel? ... Sie haben ja das, was Sie sich- für's neue Jahrso bestimmt vorgenommen hatten, uver nok nicht getau!! Run wird der Briefschreiber dringlicher: Trotzdem fie gaur genou wissen, wie wichtig das für Ihre Gewüldheit ist! Was foll man nun gar von dem fonderbaren Schlußfaß balten? Vielleicht denken Sie aber auch mal au Ihren Geldbeutel, um den geht's nomlich auch!! Also bitte...!!! Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer: Wirtschaft: 6. Klingelhäfer: Gemertidhaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Lotales R. 8. Dider: und Confliges: Fri Rarfiäbt: Anzeigen: Tb. Glode. fämtlich in Berlin Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b.$. Berlin Drud: Vorwärts- Buchdruderet und Berlagsanftalt Paul Ginger u Co.. Berlin G 68 Lindenstraße& Hierzu 1 Beilage unb Unterhaltung unb Bissen". Rr. 2S- 4S. Iahrgons Mittwoch, 4S. Januar �92S Der Winter bringt die Binnenlchüfahrt zum Rasten. Nicht der Eisgang allein gefährdet die Schiffahn dann auf den Binnenslüssen. ineist sind es auch die grohen Neberfchwemmungen, die die Zahrt- rinne oerwifchen und so ein sicheres Fahren verhindern. Dem Be- ruksschifier ist das Feiern manchmal sehr angenehm, auch das Hiiss- personal ist froh, einmal von dem schweren gefahrvollen Dienst aus- ruhen zu dürfen. Sie reisen dann in die Heimat, um ihre Anvcr- wandten zu besuchen. Frauen und Kinder, die sie oft Monate hin- durch nicht gesehen haben. Der Kahninhaber weih von soläien Fa- milienbonden wenig, er ist wie die Schnecke an sein Haus gebunden, d h. den Kahn, und richtig wohl suhlt sich auch ein echter Schiffer nie auf dem Lande. Er Hot klug, die Dinge vorausfühlend, sein Fohrzeug meist schon in einem sicheren Hosen vor Eintritt der Kälte fesigemacht. Im Winter sind es nicht wenig Kähne, die in den Ler- liner Häfen festliegen. Dann ist auch Gelegenheit gegeben, etwas »on der großen Welt und der großen Stadt zu genießen, man bat Kekonntschaiten und Freundschaften gesunden! der Stammtisch, dos Kino, Vorträge und Museen, olles ist willkommen« Gelegenheit, um von den Erlebnilsen zehren zu können die lange übrige Zeit des Jahres hindurch, in der man auf dem Wasser liegt. Daß diesen, lm Dienste der Allgemeinheit treu arbeitenden Menschen in den winterlichen Wortefristen geholfen werden muß, ist eine erjreulicho Einsicht der Behörden. Die größeren llmlegestädte in Deutschland besitzen eigen« Schifscrheim«, die für geists- ge» und leibliches Wohl sorgen; hier und dort kann man sogar Schulklasseo für Schifferkinder zusammenstellen. Dieser u n g e- regelte Schulbesuch, der mit dem Beruf zusammenhängt, er ist das, was der Schiffer am besten empfindet. Denn immerhin lühlt er sich als Berantwortlicher von Menschen und Gütern auf seinem Kahn als Mann von Reputation, der an Bildung den anderen nicht nachstehen will. Aus diesem Grunde ist der Andrang zu den Fortbildungskursen, die die städtische Gewerbeschule des Bezirks EharUUtenburg, Wilhxlmplgtz. l�,.alljährlich veranstaltet, besons>crs groß. In diesen Jahr sind es ca. tzsi s un g« Leute, dir freiwillig sich.zusammenfinden, um sechs Wochen hindurch noch einmal die Schulbank zu drücken. Die Leute haben da einen richtigen Lehrer von einem Kahn, der von„Fröschen" und„.Knaggen" sprach, von„Scherstöcken", von einem„Galgen" und einem„firümmling", so daß der Journalist doch glaubte, mit seinen Kenntnissen nicht so recht mitzukommen. Die jungen Leute, die da saßen, waren verichiedenen Alters, etwas breitbeinig, derb und ungelenk, aber bescheiden und alle durch- weg mit hellen, klaren Augen, stark hinaufgezogenen Stirnen und alle blond. Die Gesichter waren braun wie Leder und sonderbarer Weise mit Falten gekerbt und mit vielen Sommersprossen punktiert. Der Direktor, der sie dort in der Gewerbeschule empfing, versuchte das Fluidum von Vertrauen, dos die ganze Klasse ihm entgegen- strahlte, von seiner Person zurückzusenden und lobte und feuert« an, welches Glück es wäre, wenn sie jetzt lernen könmen, was sie dann später auf ihrem Kahn gern wissen möchten. Sie wären hier eine Arbeitsgemeinschaft und keine Schule und so sollte jeder den Mund ausmachen und sprechen, damit auch die Lehrer etwas pro- fitieren könnten. Sechs Wochen dauere der ganze Spaß, was einem auf der Faulbank mit einem lauten„An Dunnerwätter!" gehörig in die Glieder fuhr.. Dann konstituiert« sich die Versammlung und man mußte der großen Zahl der Teilnehmer wegen zwei Ab- teilungen machen, eine Ober- und II n t e r st u f«. Bei der Wahl der Obleute oder Vertrauensmänner wählte man zu einem sicheren Resultat vorläufig die Alterspräsidenten noch dem gleichen Ver- fahren wie im Reichstag und da war der Aeltefte in der Oberstufe bereits.'Zb und befaß schon Fron und Kinder. lind der Journalist. fühlte sich gebargen in so guter Gesellschaft. Doch da kam eine Frage des Direktors, wer sich nicht stark genug fühle, den Oberkursus mit- zumachen, der sollte es nur ruhig sagen, denn es wäre kein« Un- ehre, etwas nicht zu wissen, wenn man nur das Bestreben Hab«, es durch'Fleiß nachzuholen. Hinten auf der Bank meldete sich ein blonder Bursche, der ganz treuherzig eingestand:„Ja, das wird mir wohl so ergehen!" Der Direktor nahm sich den aber ins Gebet und sagte ihm, daß es mit dem nötigen Mut schon gehen müßt« und daß sie sich gegenseitig unter die Arme greifen würden. Dann kam noch die Sache mit dem Bücherbesorgen, dem Lehrplan, die Stunden- Verteilung, die Borstellung der Lehrerschaft und zuletzt die sehr aktuelle Frage mit dem— Kaffeekochen. Denn der Direktor hielt es empfehlenswert, diesen KaFee für 1-°» Psg. pro Portion im Haus gemeinsam zu nehmen, als ihn in der Pause etwa in den umtiegen- den Kneipen, da würde man unter einer Mark kaum wieder hinaus- kommen.. Das war alles sehr schön, ernst und. verständig und der Iour- nalist auf der Faulbank hätte zu gern wöchentlich 20 Stunden die sechs Wochen hindurch mit den jungen Leuten gesesien. um Schiffs- künde. Erdkunde. Schiffsbetriebskunde. Schiffbau. Schisfsmoschinen- künde. Deutsch und Bürgerkunde. Rechnen und Raumlehre, erste Hilf« bei Unglücksfällen u. o. noch Schifserregeln zu erlernen. Er hätte dann, wie die fleißigen jungen Leute, die Elbschtfserprüsung ablegen dürfen und könnte später mit Frau und Kindern-aus einem Kahn durch die schöne Elblondschaft sahren nach Havelberg hinauf, durch Schleusen und blaue Seen. Aber leider... leiderl Und dann, im Vertrauen gesagt, er ist kein Freund vom— Staaken. Und seine Meinung ist ganz die, die der erfahrene Flußlehrer auf die Frage nach dem wichtigsten Bestandteil aus einem Kahn seinen Schülern gab:— ein Sack voll Geld. uns ausschauen, zum Teufel. Ich habe dagegen gesprochen und werde auch weiter gegen die Vorschläge der Genossen Badjin und Luchawa sprechen. Wenn du, Genosse Badjin, solche Sachen brauchst, schön, bescheinigt ihm sein Heldentum der Arbeit in seinem Parteibuch: mag er mit dieser neuen Auszeichnung nur fortfahren, herumzukommandieren." „Schidkij klopfte mit dem Bleistift auf den Tisch und blähte seine Nasenflügel weit auf. wie um ein Lachen zu unterdrücken, das ihm die Lunge zerriß." „Schluß. Schluß, Genossen! Zur Ordnung!... Luchawa sah Gljeb und Badjin scharf, mit einem Funk- chen in den Augen an. und lachte jungenhaft, laut und quietschend. Er lachte und spielte mit den Händen in seinem Haar.. Und zum ersten Male sah Gljeb in Badjins Augen einen ehernen Haß. Auch damals, im Frühling, überflutete eine dichte Trübe Badjins Augen, aber es war etwas anderes: ein Aufhorchen und ein Haß gegen feine Kraft. Es war eine Neugierde damals und noch etwas anderes, das er nicht ver- stehen konnte— etwas Schweres, Unmenschliches, das im Blute lebte. Und wie damals im Frühling, in der Stunde ihres ersten Zusammentreffens, empfand Gljeb einen bis zur Taubheit erschütternden Schlag in den Ohren. „Gljeb!... Komm zu dir!... Bist doch nicht von Sinnen!..." Dascha sah ihn streng an, ihre Lider zitterten, ein Schrei war in ihren Augen. Und als Gljeb diese Augen sah und das erblaßte Gesicht, brannte der alte Schmerz, die alte Wut in seinem Herzen... Dascha... Badjin... Dascha... seine Frau... damals mit ihm in der Kosakensiedlung... Räuber- banden in der Schlucht... Eine Nacht in einem Zimmer, auf einem Bett... Daschas Worte waren damals kein Scherz... Dascha und Badjin... Und er ist kraftlos in seiner Kraft... Schidkij klopfte wieder mit dem Bleistift auf den Tisch und' lächelte. „Ruhe, zum Teufel? Beruhige dich, Tschumalytsch. Alles ist beschlossen und erledigt..." Tschibis knift die Augen zusammen und sah chn schwei- gend, mit einem staubigen Lächeln, durch die Wimpern an. „Setz dich. Tschumalytsch! Bist ein erprobtes Mitglied der Partei und machst dich zum Narren. Setz dich!.- Badjin sah Gljeb trübe wie vorher an und saß unbeweg- lich, wie aus Erz gegossen. „Was ist denn tos, Genosse Tschumolom?" Gljeb keuchte und steckte feine Fäuste in die Hojentajcheu, Konnersreuih im Wintergarten. Oael Schicksal eines Kriegsgefangenen. Das Landgericht l hatte sich gestern mit einem interessanten Rechtsstreit zu beschästigen, den ein Angestellter des früheren Mona- gers des jetzt im Berliner Wintergarten austretenden Bergmanns Paul Diebel, der bekanntlich ähnlich wie Therese Reu- mann in Koimersreuch Stigmata, Augenblutungen usw. pradu- zieren kann und außerdem gegen Schlnerzen nach Art der indischen Fakir« unempfindlich ist, gegen diesen angestrengt hotte. Der Beklagte, Paul Diebel, der persönlich mit seinem jetzigen Manager Langberg der Verhandlung beiwohnte, wurde von Rechtsanwalt Heydemann vertreten, während dem Kläger Schulz Rechts- anmalt Wilefki zur Seite stand. Sch»i.z machte aus Grund des Urheberrechts für pantomimisch« Werk« geltend, daß gewisse Teile der Diebelschen Nummer, beispielsweise eine Uhr, cm deren Pendel sich Diebel annageln läßt, sein geistiges Eigentum wären, und verlangte eine einstweilige Verfügung am Unterlassung. Der Rechtsbeistand Paul Diebels vertrat demgegenüber den Standpunkt, daß ja nicht das Beiprogramm und die Aiismachung das Wesentliche an der Varietcnummer sei, sondern vielmehr die eigenartigen Fähigkeiten Paul Diebels, seine Uncmpfindlichkeir gegen Schmerz, jawie dos Produzieren der Stigmata in Form eines Kreuzes aus der Brust »sw. Paul Diebel setzte dann selbst dem Dorsttzenden, Landgerichtsdirektor Dr. Weigert, auseinander, daß er sich Schnittwunden an den Arterien beibringen und auf Kommando die Blutung zum Stocken bringen könne, und zwar durch eine große sceiischc Konzentration. Im Lentf« der Verhandlung kam auch zur Sprache, wie Paul Diebel, der noch vor wenigen Jahren Bergmann im Waldenburgcr Kolstenrevier war, entdeckt morden ist und durch sein äneutliches Auftreten im Variete das Geheimnis der Therese Neu- mann van Kvnnersreuth gewissermaßen entlarvt hat. Paul Diebel war während des Krieges in russische Gesargenschast geraten und sollte standrechtlich erschossen werden. Er ichnitt sich damals die Pulsadern aus. Der Selbstmord wurde ihm aber wieder leid, und durch eiserne Konzentrotion brachte er es dazu, daß die Blutung der Wunden zum Stililtand geb rächt wurde. Die Russen, die ihn dann mit geöffneten Puls- ädern ouftanden, dachten, daß er bereits trt sei. und warfen ihn zu den übrigen Leichen. Unter vielen Beschwernissen gelang es Diebel, zu flüchten und. wieder nach Deutschland zu kommen. Als er dann in Waldenburg diele abentsuerlickte Fluch! einem Reisenden erzählt«, kam dieser aus den Gedenken, die Fähigkeiten Diebels der Oessenftichkeft in Form einer Barietönummer vorzuführen. Diebel bewnte aber, daß sein frühere Manager ihn sehr schlecht behandelt habe. Das Gericht kam schließlich zu einer Abtveisiing der Klage, sa daß die Nummer Diebels, die bis zum Ende dieses Manat« im Wintergarten gezeigt wird, keinerlei Einschränkungen erfahren wird._ Nur für Herrschasten! lieber neun Jahre ist jetzt das millzelmimiche Systmi tat. Aber all die kleinen Eitelkeiten und Fatzksaeien, all der Dünkel und unbevechtigte Hochmut, mit dem die Monarchie ihre morsche Sub- stanz zu polstern pflegte, sind glücklich in die Republik hinüber- gerettet oder feiern fröhliche Ufttänd'! In jenen von Langeweile durchgähnic» Straßen, in denen die zierratiiberl adenen Häuiermonstrums aus den Nachgründrrjähren stehen und die honetten Bürger wohnen, fiirdet man nah immer jenes fatale Emoillefchild,. aus dem geschrieben sieht:„Nur s ü r Herrschaften!" Die ganze kindliche Iteberheblichkeit einer im Absterben begriffenen Welt prägt sich in diesem Satz aus, und noch charakteristischer ist jene zweite Anordnung, die den Menschen zweiter Klosse ihren Weg weist:„Geschäfts- und D i e n st- boten die Hintere Treppe!" Der Milchmann, der den Auserwählten im Darderhaus die Milch brachte, der Bäckerjnnge mft den frischen Semmeln, der„Dieirstbotc", der den Herrschaften den Schmutz aus dem Wege räumte, sie olle lvaren nicht würdig genug, mit den Hochwohlgebarenen dieselbe Treppe zu treten. Kurias wird die Sache dann, wenn der Klein- und Mittelbürger sich hochherrschaftliche Allüren anzieht. Dann bekommt die Arroganz Er konnte mit seinem Herzen nicht fertig werden: es füllt seine Brust, schwoll an und zersprang fast, erstarb und flammte wieder durch das Blut auf, und die Hände und Füße er- starrten van einem Zittern, das er nicht unterdrücken konnte. Er sah durch das Fenster das Meer wie eine feurige Seifen- blase brennen, sah die Luft brennen, ein Wirbel von Funken erfüllte sie, und der Himmel brannte und auch die Wolken waren glühend-brennende Wirbel. Alles soll in seiner Seele reißen, zusammenstürzen, zu Staub werden! Und Gljeb. der keine Macht mehr über sich hatte, hob seine Faust und brüllte aus ganzer Brust:„Schürzenjäger!... Hengst!... Hund!.. Dascha packte ihn an der Schulter, und ihre Augen waren grün wie bei einer Eule. „Gljeb!... Bist du verrück« geworden, hast den Berstand verloren, Gljeb!... sollst dich schämen, Gljeb!.. Alle wurden plötzlich klein, verlegen, bestürzt. Nur Tschibis faß wie früher, mit zusammengekniffenen Augen und einem versteckten Lächeln in seinen Wimpern, schläfrig, ge- langweilt. Badjin stemmte sich wieder mit fauler Schwere gegen den Tisch und sagte kalt und ruhig, als ob er bei sich in seinem Bureau säße:„Ah. sonst nichts... Warum hast du mir nicht nachspioniert, wie der selige Zcheladse. Du hättest mehr er- sahren. Sogar Sergeij Iwagin weiß mehr als du... Er ist hier, Sergeij Iwagin, er kann interessante Sachen er- zählen... Aber aus Schamhaftigkeit kann er sich nicht dazu entschließen, einen Skandal zu machen..Wie du siehst, Eifer- sucht ist immer kurzsichtig." Dascha stellte sich voller Zorn zwischen Gljeb und Badjin. In ihren Augen war weder Zittern nach Unruhe. „Gljeb ist nicht berechtigt, so zu reden. Genosse Badjin ist ein außerordentlicher, ein bedeutender Arbeiter. Gljeb ist ein wenig verrostet in seiner Arbeit. Er hat einen solchen Teufel, wie unser Werk, in Gang gebracht... darf sich'? schon erlauben, ein wenig zu toben... Verfluchte Männer... sind imstande, sich einer Bagatelle wegen zu zerreißen— in der Arbeit sind sie wie Eisen, kein Schräubchen kann man bei ihnen lockern. Schidkij stand auf und sah alle mit erstarrten, blinden Augen an. Sergeij trat zu ihm. ohne die Augen von ihm zu wenden. Erschüttert und zerschlagen wollte er ihm etwas sagen und konnte kein Wort herausbringen. Und statt Schidkij entgegenzuschreien, was aus seiner tiefsten Seele herausdrängte— kroch er noch mehr in sich zusammen, machte eine abwehrende Handbewegung und lief aus dem Zimmer. (Fortsetzung folgt.} 03] �Zement. SXornan von Fjodor©ladfor». „Laß, Tschumaltysch. Die Frage ist erledigt. Zu reden ist da nichts mehr. Schluß!" „Was heißt Schluß! Ich protestiere dennoch gegen den Punkt: Ehrung der Helden der Arbeit. Man muß das herausschmeißen. Wer sind die Helden der Arbeit? Was für große Heldentaten haben sie vollbracht, daß sie Helden der Arbeit geworden sind? Das darf nicht sein, Genossen... Ich spreche nicht nur von mir... Ich bitte, diesen meinen Standpunkt zu Protokoll zu nehmen..." „Tschumalytsch. es gibt hier keine privaten Meinun- gen... Was für Unsinn redest du da?... Esel!..." Tschibis saß wie immer: man wußte nicht, schläft oder träumt er und ruht sich aus, oder grübelt er über Dinge, die er niemals jemandem sagen würde. Badjin saß, mit der Brust gegen den Tischrand gestemmt, wuchtig und schweigend: Wenn man ihn stoßen würde— er würde sich nicht vom Platz bewegen, würde man ihn schlagen— er würde den Schlag nickst fühlen. Und Dascha lächelte, und ihr Gesicht flammte rot. Als ob sie etwas laut hinausschreien wollte, vor Erwartung zitterte: jetzt gleich, lalart wird dies Wort fallen, und ein Skandal wird losbrechen. Badjin drehte seinen steinernen Kopf mft einem Knir- schen der Sehnen zur Seite und sah Gljeb mit einer schwarzen Trübe in den Augen an. Er lehnte sich gegen den Stuhl- rücken und legte seine Hand auf Gljebs Brust. , Und das hier— was ist das?" Und klopft« mft dem Finger auf den Orden der Roten Fahne. „Das ist— genau dasselbe, das.. „Nun also— spiel nicht den strengen Spartaner. Wenn du so wärest... nun, sagen wir, wie Sergeij Iwagin... ein schamhaft-schüchterner Intellektueller— dann wäre es ver- ständlich und glaubhaft. Aber zu dir paßt das gar nicht. Gljebs Gesicht füllte sich mit Blut und die Augen wurden naß. Er stampfte mit dem Fuß und trat von Badjin zurück. „Ich bitte, mir nichts vorzuschreiben. Genosse Borsitzen- der de? Exekutivkomitees. Ich sage noch einmal: Diese eure Jagd nach Ehren muß mit glühendem Eisen ausgebrannt werden. Wenn wir alles auf Geklimper ausbauen und die Zeit mit leerem Geschwätz ausfüllen, dann wird es schön hei einen bitteren, tragikomischen Beigefchymad. Es riecht nach Bobell" - Aber bitte, nach Ihnen!... Es gibt im Westen Berlins ebenfogut Hinterhäuser wie in den Proletariervierteln Ses Ditens und Nordens. Nur werden sie dort ohne Beschönigung mit ihrem rihtigen Namen genannt, im Westen heißt so etwas Gartenhaus". Auch die Garttenhäuser im Westen sind sehr vornehm und haben etwas von dem gutfituierten Geruch ihres Bordermanns abbekommen. In irgendeiner Straße Charlottenburgs steht ein recht progipes Haus. Nur für Herrschaften" prangt an seinem Eingang. Durch den Torweg gelangt man zum Gartenhaus. Es ist typisch fleinbürgerlich, eng, mit schmalen Treppen. In den Wohnungen, die natürlich ebenfalls auf Wohlhabend fristert sind, Inistert unter der täuschenden Fassade die Not. Man trägt Belze, gewiß, aber ob man satt zu essen hat, ist eine andere Frage. Und so hängt an seinem Eingang ein Emailleschild, weniger prozig als am Vorderhaus, aber noch immer deutlich genug, mit dem schönen Spießerevangelium: Rur für Herrschaften! Gefhäfts- und Dienst boten hintere Treppe!" Gemeinsam in den Tod! Familientragödie in Schöneberg. Eine erschütternde Familientragödie wurde gestern nachmittag gegen 5 Uhr im Hause Cherusterstraße 15 zu Schöneberg entdeckt. Hier hatte sich die 30 Jahre alte Frau Olga Bartel, geb. Reumann mit ihrer 13 Jahre alten Stieftochter Gertrud und ihrem 7 Jahre alten Sohn Heinz mit Gas pergiftet. Frau Bartel heiratete im Jahre 1919 den Lokomotivführer Bar. tel, der ein Kind aus erster Ehe mitbrachte. Aus der zweiten Berbindung entsproß der Knabe Heinz. Die Eheleute waren ruhige Mieter, über deren Familienverhältniffe man im Haufe wenig er fuhr. Am Montag abend trat Bartel eine Urlaubsreise zu Berwandten an, während die Frau mit den Kindern daheim blieb. Am Dienstag nachmittag wurden andere Hausbewohner durch einen burchbringenden Gasgeruch auf die Räume aufmertfam und benachrichtigten das 176. Polizeirevier. Kriminalbeamte ließen, ta fie anders teinen Einlaß erhielten, die mit zwei Sicherheitsschlössern von innen verriegelte Tür durch einen Schloffer öffnen. Sie fanden Frau Bartel und die Tochter Gertrud angekleidet zu Jammen in einem Bett liegen. Der fleine Heinz, dessen Bett voll Pommen zerwühlt war, lag dicht an der Tür auf dem Fußboden. Offenbar hat das Kind versucht, dem giftigen Gafe zu entfliehen, ist aber dann zufammengefunten Mutter und Kinder waren tot. Irgendwelche Abschiedszeilen hat die Frau nicht hinterlassen, man weiß deshalb nicht, was sie zu dem furchtbaren Schritt ver. anlagt hat. Die Leichen wurden beschlagnahmt und dem Schauhause zugeführt und der Ehemann benachrichtigt. Vier Wochen tot in der Wohnung. In ihrer im Seitenflügel des Hauses Werftstraße 3 gelegenen Wohnung wurde gestern die 30jährige ledige Arbeiterin Frieda Dittrich tot aufgefunden. Die Leiche muß nach dem Befund fast vier Wochen in der Wohnung Hausbewohnern war es aufgefallen, daß fich fräulein D., bas zwar sehr zurüdgezogen lebte, überhaupt nicht mehr sehen ließ. Schließlich schöpfte man Verdacht und benachrichtigte, da auf Klopfen nicht geöffnet wurde, heute abend bas zuständige Polizeirevier. Mehrere Beamten verschafften sich Einlaß in die Bohnung und fanden in bem mit Gas erfüllten Schlafzimmer die Wohnungsinhaberin tot auf. Den Eintretenden schlug ein starter Bermesungsgeruch entgegen. Wie aus einem Abschiedsbrief, der auf dem Tisch lag, hervor ging, hat das Mädchen bereits in der Nacht vom 23. zum 24. Dezember Selbstmord durch Einatmen von Leuchtgas ver> übt. Die Tote wurde ins Schauhaus gebracht. Selbstmord im Teltow- Kanal. Die Frau des Magistratsbeamten H. vom Bezirksamt Kreuzberg hat vor zehn Tagen die Bohnung verlassen und war seitdem nicht wieder aufzufinden. Gestern wurde ihre Reiche bei Klein- Machnow aus dem Teltow- Kanal gezogen. Die Frau war schwer nervenleidend. Der größte Radioeinbruch, der bisher in Berlin zu verzeichnen ift, wurde in der Nacht zum Sonntag in der Nettelbedstraße verübt. Die Verbrecher gingen vom Hofe aus vor, schnitten eine Holzfüllung aus der Hintertür heraus, fnabberten den Eisenbeschlag auf und gelangten so in die Geschäftsräume. Sie stahlen viele hoch mertige Apparate, verschiedene Lautsprecher, Affumulatoren, Kopf hörer und bergleichen mehr, alles in allem für 10000 Mart. Den Rüdgang nahmen sie wieder durch die Hintertür. Wenn sie die Beute mit einem Auto weggeschafft haben, so haben sie mindestens zweimal fahren müssen. Vielleicht haben sie aber einen Plattenwagen benußt. Einer der Verbrecher ist gesehen worden. Es ist ein auffallend schlanker junger Mensch, der einen grauen weichen Hut und einen schwarzen Baletot trug. Wer über ihn, den Transport und den Berbleib der Beute oder sonst zur Aufklärung etwas weiß, wird gebeten, sich bei Kriminalkommissar Kaehne im Polizei präsidium zu melden. v. Glasenapp schwer verletzt. Gestern wurde der frühere Bizepräsident der Reichsbant, der 60jährige Geh. Rat Dr. Otto v. Glasenapp aus der Bendlerstraße 17 am Kaiser Franz- Joseph- Platz gegen über der Staatsoper von einem Lasttraftwagen ange. fahren. Der gleiche Lastkraftwagen brachte den Verunglückten, der besinmungslos war, in das Hedwigs- Krankenhaus. Der Arzt vermochte bis jetzt die Art der Verlegung noch nicht endgültig festzustellen. Es wird jedoch vermutet, daß Gehirnerschütte rung vorliegt. Arbeiter- Bildungsschule. Folgende Kurse werden fortgefett: 3. Streis, Bedding: Donnerstag, 19. Januar, 19, Uhr, Vorwärtsspedition Utrechter Straße, Ede Müllerstraße. Thema: Probleme der Weltpolitit. Pehrer: Dr. Gregor Bienstod. 4. Streis, Prenzlauer Berg: reitag, 20. Januar, 19, Uhr, Bezirksamt Danziger Str. 64. Hof III, Bimmer 311. Thema: Probleme der Weltwirtschaft. Lebrer: Dr. Gregor Bienstod. 7. Kreis, barlottenburg: Donnerstag, 19. Januar, 19 Uhr, Jugendheim, Rosinenſtr. 4, vorn I. Thema: Verfassungstunde. Lehrer: Dr.. Hertned. 9. Kreis, ilmersdorf: Freitag, 20. Januar, 19, gr. Hindenburg- Dbertealschule, Wilhelmsaue. Thema: Die Kulturpolitik ber Cozialdemokratie. Lebrer: Studienrat Ermin Marquardt. 13. Kreis, empelhof: Tonnerstag, 19. Januar, 19, Uhr, Mariendorf, Mittelschule, Stufürstenstraße, Nadelarbeitszimmer. Thema: Tie heutige Wirtschaftspolitik des Sozialismus. Lehrer: Dr. Marichad. 14. Streis, Brig: Donnerstag, 19. Januar, 19, Uhr, Briz, Lehrer zimmer der 48 149. Gemeindeschule Briz, Chaussceftrane. Thema: Gesch chte der Arbeiterbewegung. Lehrer: Stadtrat Albert Horlib. 16. Streis, openid: Freitag, 20. Januar, 19, 1lbr, Copenid, Schloßftrane 27, I. bema: Europäische Biobleme der Weltpolitit. Lehrer: Dr. Sturm 17. Streis, Lichtenberg: Donnerstag, 19. Jan., 19, Ubr, Lichtenberg, Weichselstr. 28, Bibliothel Thema: Die politischen Parteien in Deutschland. Lehrer: Georg Raible. Die arc Das historische Altpapier. Ein Gefängnisbeamter, der für die Rettung von Urkunden bestraft wird. Ort der Handlung: das Gefängnis Tegel Zeit: 1922/23. Der Gefängnisbeamte F. war seit seiner Kindheit ein stiller Verehrer alter Dokumente. Für historische Unterschriften besaß er geradezu eine Leidenschaft, die in seinem Berufe weder Berwendung noch Würdigung fand. Bis eines Tages der Augenblid gekommen schien Es war in der Zeit der größten Sparsamkeit und der höchsten Geldentwertung. Alle Behörden hatten den Befehl erhalten, die großen Sachwerte, die sich seit Jahrzehnten und Jahrhunderten auf den Böden und in den Kellerräumen in Gestalt von abgelegten Aften aufgehäuft hatten, in flingende Münze um zuwandeln. Als eine der Berwertungsstellen war in Berlin auch das Gefängnis in Tegel ausersehen. Tausende von Atten wurden hier sortiert, das geschriebene Papier wurde vom reinen abgesondert, die Fäden aus den Akten zur Verwertung entfernt und dann das nicht weiter Brauchbare als Altpapier zum Einstampfen an den Händler Schmidt verkauft. Der Gefängnisbeamte F. hatte im Papierbetriebe bie Aufsicht. Da entdeckte er eines Tages unter den Aften historische Unterschriften: vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm, Don Friedrich II., von verschiedenen preußischen Königen, von Bismard ufm. usw. Sein Herz schlug höher. Sollten diese Dokumente etwa auch als Altpapier eingestampft werden? Unmöglich! Er ging zu feinem Borgefeßten, den Gefängnisinspektor Sch. Der sah sich das Papier an und erklärte: Altpapier bleibt Altpapier. Für F. war das wie ein Schlag ins Gesicht. Er wandte sich an den anderen Gefängnisinspettor B., einmal, ein zweites Mal, ein drittes Mal Dieser war aber der gleichen Ansicht wie sein Rollege: Altpapier bleibt Altpapier Db er nicht das Altpapier taufen tönne?, fragte er Sch. Nein, Das ganze Papier sei dem Abnehmer Schmidt vertauft. Man stelle sich die Seelenqualen des Dokumentenfreundes F. vor. Dann tamen ihm Zweifel. Sind diese historischen Dokumente tatsächlich Mafulatur? Sollen fie wirtlich eingestampft werden? So wäre es ja weiter fein Berbrechen, wenn er fie beim Bapierhändler faufte. Er eninahm aus der Masse der Aften ein historisches Schriftstück nach dem anderen, legte sie alle behutsam beiseite, stedte sie dann zwischen einen bestimmten Ballen, verschnürte ihn mit einem Bindfaden, und taufte dann diesen Ballen mit einigen anderen, im ganzen etwa 100 Kilogramm von dem Papierhändler Schmidt. Ueber den Stauf ließ er sich eine Quittung ausstellen. Das war im Juli 1923. Billig verkaufen unter Strafe gestellt. Konsumverein gegen Preisdiftatur. Im tapitalistischen Deutschland muß nun einmal so teuer sertauft werden, als nur möglich. Das vernünftige Prinzip, dieselbe Bare billig und dafür öfter zu verkaufen, ist fast unbekannt. Das gilt besonders für die berühmten Markenartikel, beren Preisbindung felbft den meisten Einzelhändlern nicht paßt, denn das Prinzip der Ronfurrenz wird hier überhaupt ausgeschaltet. Ein von den Konsumvereinen schon immer bekämpfter Unfinn ist es aber, Waren mit festgelegten Breifen auch in dem Familien. sollen. Mit welcher Rücksichtslosigkeit das aber von den Konjum vereinen verlangt und mit welcher Entschiedenheit das ebenso von den Konsumvereinen abgelehnt wird, zeigt ein neuer Fall, der aus Meerane berichtet wird. Schallplatten der Firma Karl Lind. strom 2-6. verkaufte der dortige Berein nach Errichtung einer Epezialverteilungsstelle statt für 5 Marf nach Abzug von 5 Broz. Rabatt für 3,90 Mart, meil er den vorgeschriebenen Preis von 5 Mart für zu hoch hielt. Darauf hat die Lindström A.-G. verlangt, sich ftrift" an die„ porgeschriebenen Breise zu halten und einen neuen Berpflichtungsschein zu unterschreiben, der eine Mindet. ftrafe von 100 mart für jeden Uebertretungsfall und für jede Schallplatte und für jeden Sprechapparat vorfieht. Nach Ablehnung dieses Reverses und Inanspruchnahme des Rechtes, gegenüber organisierten Verbrauchern selbst die Abgabepreise zu bestimmen, wurde in einem neuen Schreiben das Schleudern von Martenartikeln als grundsäßlich sittenwidrig" bezeichnet und zugleich der Konsumverein vom Bezug der Lindström- Apparate und Platten ausgeschlossen. Dieser Fall ist wieder sehr lehrreich. Es ist also fitten widrig, den Konjumenten jo billig als möglich zu pertaufen, obwohl die meisten Einzelhandelsorganisationen heute schon auf dem Standpuntt stehen, daß dem Einzelhandel nur großer il mfaß bei fleinem Nußen dienen tann. Er zeigt aber auch die Notwendigkeit, daß endlich derjenige unter Strafe gestellt werden muß, der seine wirtschaftliche Machtstellung dazu mißbraucht, zu Handlungen oder Unterlassungen zu nötigen, die in der Tat sittenwidrig sind. Das gilt in allererster Linie für die Produzenten und die Produzentenkartelle, die ein unvergleichlich viel größeres Interesse an den festgelegten Preisen haben, als ein vernünftiger Einzelhändler haben fann. Jiddische Kleinkunst. Die absolute, reine Tiefe des Empfindens ist nicht AlleinGeboren aus bem rein Menschlichen, ist befit des Genies. ne fie jedem eigen, deffen Ausdrucksfähigkeit über die Grenzen des eigenen Ich reicht. Der Schmerzensschrei der gefnechteten KreaZitanei des Judenvolkes, fie klingt durch ihre Lieber, durch ihre tur um Gnade zum unerbittlichen Rachegott, die jahrtausendalte Worte: Im Ulap" veranstalteten Mitglieder des Hebräischen Funkwinkel. Heinrich Lersch ist nicht nur ein Dichter, er ist, was dieser Abend bewies, der aus dem ehemaligen Herrenhause vom Berliner Rundfunk übertragen wurde, ein glänzender Berkünder seiner Werte. Er besingt die Arbeit und den Menschen bei der Arbeit; den Menschen, der von seinem Werf verzehrt, vernichtet wird und der sich von ihm vernichten läßt, um des Werkes, um der anderen Menschen willen, denen dieses Werk dienen soll. Der Monteur, dem die Brücke das Bein abreißt, der Lehrling, dem das Räderwert der Maschine das Gesicht zerschmettert, fie alle gehen am Leben, an ihrem und unserem Leben zugrunde. Der Dichter Lersch sieht und schildert es. und versucht. Achtung vor diesem Leben, Glauben an dieses Leben einzuflößen. Warum wird aber immer nur eine Hälfte der Dichterabende aus dem Herrenhause übertragen? Man hätte diesmal gern noch Oster Maria Graf gehört, der nach Heinrich Lersch aus seinen Werken lesen jollte. Selmar Meŋrowiz Orchesterabend Märchen" hätte die Funfhörer auch an einem anderen Tage erfreut. Der Dirigent brachte mit dem Funkorchester Bruchteile aus verfchiedenen Werfen, die Märchen oder Märchenthemen behandeln. Neben der Romantik Weberscher und Humperdindscher Märchenmufit entfaltete sich Tschaikowskys internationale Salonphantastit F. genoß seitdem frieblich seine Sammlerfreuden Er war glüdlicher Besizer von großen Werten, von denen selbst nur ein kleiner Teil seiner Schägung nach mindestens 50 000 m. ausmachen mußte. War er etwa nicht rechtmäßiger Eigentümer dieser Werte? Oktober 1926 verschlimmerte sich aber sein altes Lungenleiden. Er dachte auch gar nicht daran, die Dokumente zu veräußern. Im Der Arzt empfahl ihm Berufswechsel. Arbeitslosigkeit drohte ihm. In seiner Not segte er sich mit Antiquitätenhändlern in Verbindung, diese legten die Kataloge feiner historischen Dokumente dem Preußischen Staatsarchio por und das sollte. zum Berhängnis werden. Man forschte nach und lam hinter den Ursprung der Kostbarkeiten. Die Kriminalpolizei mischte sich in die Sache, fie nannte die Art des Erwerbs der Schriftstücke Diebstahl, beschlagnahmte sie bei ihm trog seines Einspruches und erzwang bei thm durch wiederholte Verhöre eine Verzichtserklärung. minifterium wohl habe wissen müssen, was für Dokumente es als Der Gefängnisdirektor erklärte vor Geicht, daß das FinanzAltpapier dem Gefängnis überlaffen habe; das Justizminifterium habe 3. B. drei Monate lang in seinen Bapieren herumgewühlt, um Wertvolles nicht untergehen zu lassen. Der Bertreter des Finanzministeriums meinte, das Gefängnis habe allen Grund gehabt, sämtliche Arten als wertlos zu betrachten, da es sie als wertlos erhalten hatte. Der fachverständige Archivar war der Ansicht, daß die Schriftstüde vom Standpuntt des Hiftoriters einen unschägbaren Bert befäßen. Der Staatsanwalt beantragte sechs Monate Gefängnis. Der Berteidiger Dr. Hildebrandt plädierte für Freispruch: Der Angeklagte habe teinen Diebstahl begangen. Die Aften feien vom Gefängnis an den Papierhändler Schmidt verkauft und von diesem bom Angeklagten rechtmäßig erworben worden. Es sei schade, daß er auf den Besitz der Dokumente verzichtet habe. In Wirklichkeit sei Werte gerettet habe, und er nicht mun seine Rechte auf sie man dem Angeklagten zu Dant verpflichtet, daß er die großen geltend mache. und billigte ihm eine Bewährungsfrist zu. Das Gericht verurteilte. gu bret Monaten Gefängnis Ist das der Dant? Der lungentrante F. wird stellungs- und brotlos. Die von ihm entdeckten und geretteten Dokumente gehen in den Besitz bes Finanzminifteriums über. Sollte er tatsächlich hier tein Anrecht auf ihren Wert haben? Iheaters in Telapio bei Jaffa einen Bunten Nachmittag. Bunt" ist nach unseren Begriffen wohl etwas ganz anderes. Bir verstehen darunter das Schillernde, Farbige, Leichte. Und jiddische Runft, wenn auch Kleinkunst, ist schwer und tief. Aber sie ist schön, wie alles, was wahr empfunden wird. Mit schöner Stimme sang das Mitglied der Staatsoper, Golland, eine Arie aus Rubinsteins Maccabäi und ein Lied von Tschernichowffn. Dann folgte ein arabischer Einafter, die tragikomische Geschichte vom betrogenen Liebhaber, der den Freund zum Fürbitter bei seiner Liebsten wählt und babei alle beide verliert. Das Spiel wirkte durch die Bucht der Geltung brachte, ungemein lebendig. Rezitationen aus dem Maslaba, ein Kapitel russischer Geschichte aus der legten Revolution, sowie der Monolog der„ Salome" von Ostar Wilde, mit schönem Empfinden vorgetragen von Frau Mirjam Kohan- Bernstein, fanden starten Beifall. Auch die übrigen Vorträge gaben 3eugnis einer starten, echten Boltsfunft. Kunst eines Boltes, die uns jo ferne liegt, wie das Land, das sie gebar. Und doch wiederum nahegerüdi durch die bezwingende Stärte vieltausendjährigen Lebens. Sprechchor für Proletarische Feierstunden.. Uebungsstunde Donnerstag, den 19. Januar, abends% 8 Uhr, im Gesangsfaal der Sophienschule, Weinmeisterstraße 16/17. Heber Paneuropa und Kolonialpolifit fpridjt am Mittwood, dent 18. Januar, abends 8 Uhr, im großen Hör'aal der Deutschen Hochschule für Politif, Berlin W 56. Schinfelplag 6, Gouverneur a. D. Dr. Tb. Seik im Rahmen der Vortragsreine des geopolitischen Seminars der Hochschule über das paneuropäische Problem. Rozrejerent ist Professor Dr. Beit Balentin. Proletarische Felerstunde. Sonntag, 12. Februor, 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus. Achtzigster Gedenktag der Märzrevolution. Starten zum Breise von 1 Mart sind ab tommenden Mittwoch in obigen Bertaufsstellen au haben. Die Hochofenexplosion. Die Ursache der Katastrophe. folgende Einzelheiten mitgeteilt: Der explodierte Hochofen ist der Zu dem schweren Hochofenunglüd im Saargebiet werden noch folgende Einzelheiten mitgeteilt: Der explodierte Hochofen ist der modernste und neueste der Röchling- Werke. Er „ hing seit einigen Tagen, d. h. die Füllung des Hochofens, Kots und Erze, war in der Mitte nicht mehr nachgerückt, sondern hatte im Innern des Dfens eine natürliche Höhlung gebildet. Diese ent stand zwischen der flüssigen Eisenmasse auf dem Grunde des Dfens und der hängenden Schidyt, so daß ein großer Zwischenraum ent stand, der die Ofenproduktion ins Stocken bringen fonnte und darum beseitigt werden mußte. Seit etwa drei Tagen bemühte man fich, das Hängende des Ofens zum Einsturz zu bringen. Auch die Arbeiter der Unglücksschicht waren mit solchen Versuchen beschäftigt, start, während normalerweise nur wenige Mann an dem Ofen be deshalb war die Belegung an diesem Tage siebzehn Mann schäftigt sind. Gegen 5 Uhr muß der Einsturz in unvorhergesehener Weise erfolgt sein. Mit furchtbarem Krachen brach eine vier Meter hohe Mauer ein. Gleich darauf wurde durch die ungeheure Gewalt die gesamte Füllung des Ofens und das schwere Mauerwerk fortgeschleudert, wodurch die entsetzliche Wirkung entstand. Alle an der Unglücksstelle beschäftigten Hüttenarbeiter wurden schwer verlegt. Nur ein auf der Gichtbühne beschäftigter Arbeiter fonnte sich in ein Häuschen flüchten und da durch sein Leben retten. Die Trümmer sind bis zu 50 meter weit geschleudert worden. Da durch die Gewalt der Explosion auch sämtliche Rohre durchgeschlagen wurden, mußte der gesamte Betrieb ftillgelegt werden. Außer den bis jetzt als tot gemelteten Arbeitern werden voraussichtlich noch weitere fünf Schwerverlette nicht am Leben bleiben. Gestern vormittag ist der Betrieb im Stahl- und Walzwert wieder aufgenommen worden. Die Zahl der Toten bei der Hochofenfatastrophe hat sich nach den letzten Nachrichten auf neun erhöht. Hochwasser und Eis auf der Elbe. Prag, 17. Januar.( Eigenbericht.) Infolge des Tauwetters der legten Tage führt die Elbe bei Bentfchen Hochwasser. Der Wasserstand beträgt dort nahezu 6 Meter über dem normalen. Da nun auch große Eis. maffen von der oberen Elbe heranschwemmen, hat sich das Eis bei Toplowig zu ganzen Eisbergen zujammengetürmt. Mit einem Abschwemmen der Eismassen ist für die nächste Zeit nicht zu rechnen, da die Elbe weiter stromabwärts bis nach herrnstret. Republik und Miffel and. Die republikanisch gesinnten ans.unb Grundbefiber, Berwalter und Eigenheim befizer halten Donnerstag, 19. b. M, 19, Ubr, im„ Hadeschen Hof", Rosenibaler Straße 40, eine Werbeveriammluna ab, in ber Regierungsbräsident Lüdemann, W. d. 2, einen Vortrag über Mittelstand und Mittelstandspolitif batten wird oben genannten Interessentengruppen, soweit sie Mitglied der SPD. find, besgleichen Vertreter Gemeinnütziger Siedlungsgenossenschaften und ber Gewerkschaften find als Gäfte willkommen. Anschließend an dem Bortrag findet eine Mitgliederversammlung statt. Es wird erwartet, daß alle parteigenössischen Haus- und Grundbesizer die Veranstaltung besuchen und ibre wirtschaftliche Interessenvertretung durch die Bereinigung der Freien in der Dornröschen- Suite, Ravels delikate, aber schon recht unfind- chen von einem Eispanzer bebedt ist, der etwa zwei Bansbefiber wahrnehmen laffen. Die Geschäftsstelle ist N 39, Müller- liche Märchenstimmungen in der Kompositionsfolge Was Groß- meter start ist. In Bentsen stehen die Umschlagpläge bereits Les hoch unter Waffer, frobe 159 mutter erzählt". Des efte Mitglied ber btellung Treptow, Benoffe Bithold bon Baledslt ist, 75 Jahre alt, gestorben. Allen war der Berstorbene wohl belannt. Bor allem in der Gegend am Schlesischen Tore, wo er 1 Sabrzebnie bis zum Kriegsende als Bezirksführer gewirkt hat. Die Eindscherung findet am Donnerstag, dem 19. Januar, 18 Uhr, im Strematorium Baumschulenweg statt. Aus der Partei. Spaltung in Lettland! Wie man uns aus Riga drahtet, hat der finte Flügel der lettischen Sozialdemokratie feinen Austritt aus der Partei erklärt und eine„ Unabhängige" Sozialbemo fratische Partei gegründet. Die neue Bartei betont, fie stehe auf dem Boden der Berfassung, und ihre Gründung sei durch die verfehlte Tattit der alten Barte: notwendig geworden. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrit sind Berlin 58 68. Lindenstraße 3. Kleine Vorlagen im Landtag. Linke Kommunisten gegen Piecks Verdrehungskünfte.- Wulle und die Fememorde. Der Preußische Landtag trat am Dienstag zu seiner ersten Sizung im neuen Jahre zusammen. Präsident Bartels eröffnete die Sigung mit der Mitteilung, daß der Abg. StolbergBurg( Sa3.) sein Mandat niedergelegt hat. An seine Stelle ist der Abg. Müller Stendal( Soz.) nachgerückt. Abg. Stolberg ist für den verstorbenen Abg. Silberschmidt( Soz.) in den Reichstag eingetreten. T Zu einer Erklärung außerhalb der Tagesordnung nimmt das Wort der Abg. Bartels Krefeld( linter Komm.), der sich) heftig gegen den Abg. Pied( Komm.) wendet, weil dieser die linken für Groß- Berlin Kommunisten in der Roten Fahne als politisches Lumpengesindel Kommunisten in der Roten Fahne" als politisches Lumpengefindel bezeichnet hat. Pied habe vergeblich in der Roten Fahne" zu befireiten versucht, daß die Kommunisten in Sachsen an der Abfindung des früheren Königs mitgewirft und in Medlenburg u. a. auch den Justizetat bewilligt haben. Diese Tatfachen seien durch die Rote Fahne" felbft festgestellt worden. ftets an das Bezirkssekretariat 2. Hof. 2 Trep. rechts. zu richten. 3. Kreis Webbing. Freitag, 20. Januar, 19% Uhr, im Bagenhofer Ausschant, Chauffeeftr. 64, Areismitgliederversammlung. Borttag: Die tommenden Wahlen und die wirtschaftspolitische Situation." Referent Artur Crispien, M. b. R. Alle Mitglieder des Arcises müssen unbe bingt erscheinen, 4. Kreis Prenzlauer Berg. Freitag, 20. Januar, 19% Uhr, bei Burg, BrenzTauer Allee 189, Kreismictervertreterversammlung. alle im Wohnungswesen tätigen Genoffinnen und Genossen( amtlich und ehrenamtlich) sind eingeladen. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen dringend erforderlich. 5. Areis Fricbrid shain. Am Freitag, 20, Sanuar, 20 Uhr, zeigen wir in den Andreas Festfalen, Andreasstr. 21, ben Film Die Kinderrepublik SeeLamp." Untoflen beitrag 25 Pi., Sinder gegen Ausweis frei. Karten fiab bei den Bezirksführern der Partei, bei ben Leitern der Rinderfreunde. gruppen und bei der Kassiereriu Anna Schubel, D. 34, Boghagener Str. 10, zu haben. 2. Kreis Wilmersdorf. Fortegung bes Rurfus der Arbeiterbildungsschule Eog albemokratie und Außerpolitit" am Freitag, 20. Januar, 20 Uhr, in Der Oberrealschule, Am Seepart. Sörgebühr 1,50 M. 13. Kreis Tempelhof. Seute, Mittwoch, 18. Januar, 20 Uhr, Dorfstr. 42, Fraktionssigung. 17. Kreis Lichtenberg. Der Rurfus des Genoffen Georg Raible beginnt am Donnerstag, 19. Januar, 20 Uhr, in der Bibliothet, Weichselfter. 28. 20. Rreis Reinidendorf. Sonntag, 22 Januar, 17 Uhr, in ber Schulanla Grünthaler Str. 5, Filmvorführung:„ Die Rinderrepublit Seelamp. Eintritt 30 Bf. Ciulaß 16% Uhr. Jedes Parteimitglied muß ben Film gesehen haben. Heute, Mittwoch, 18. Januar: 35. Butlich 20 Uhr bei Otto, Rigaer Str. 85, Funktionärsitzung. Ab 19 Uhr rechnen die Bezirksführer mit dem Abteilungstaffierer ab. Wegen ber michtigen Tagesordnung( Neuwahlen) ist Erscheinen aller Funktionäre bringend notwendig. 40. Ab 20 Uhr bei Böhmchen, Areuzbergstr. 12, Sigung fämtlicher Funl tionäre mit den Interessenten der weltlichen Schule. Morgen, Donnerstag, 19. Januar: 33. Abt. Außerordentliche Borstandssigung mit fämtlichen Funktionären und den Obleuten der Arbeiterwohlfahrt bei Lojad, Benmestr. 8. Beginn 19% Uhr. 38. bl. 19 Uhr bei Bartusch, Friebenstr. 88, wichtige Funktionärsigung. Es wird legtmalig an das Abreffenmaterial für die Arbeiterbant erinnert. Frauenveranstaltungen: 4. Kreis Brenzlauer Berg. Sonnabend, 21. Januar, 19% Uhr, in der Aula des Luisen städtischen Gymnasiums, Gleimstr. 49, Film und Bortragsabend: 1. Der Kreuzzug des Beibes." 2. Bortrag der Genofsin Klara Bohm- Schuch, M. d. R. Rarten zu 30 Bf. bas Stild find bei den Abteilungsleiterinnen zu haben. Die Nachbarabteilungen können zu diefer Beranstaltung ebenfalls Ratten beziehen.co 419 5. Arels Friedrichshain. Donnerstag, 19. Januar, 19% Uhr plinitlich, Fort fegung des Rursus der Genoffin Mathilde Burm über„ Einführung in die Wirtschaftspolitif" in den Comenius- Sälen, Memeler Str. 67( Bereins zimmer), Anschließenb um 21 Uhr Besprechung der Funktionärinnen im gleichen Lokal. Gehr wichtige Tagesordnung. Alle Abteilungen müffen Dertreten fein. 7. Rreis Charlottenburg. Heute, Mittwoch, 18. Januar, 19% Uhr, im Thetischen Belt, Berliner Straße, Frauenwerbeabend. Vortrag des Ge noffen Dr. Meyer- Brodnig über Frauenkrankheiten und Geburten regelung, mit Lichtbildern. Karten zu 30 Pf. find noch an der Abendtaffe zu haben. Um rege Beteiligung wird gebeten. 7. Abt. Freitag, 20. Januar, 19% Uhr, in Cornis Festsälen, Gartenstr. 6, Frauenabend. Bortrag des Genossen. Rachow: Das Rampfjahr 1928." Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. 77. Abt. Söneberg. Heute, Mittwo), 18 Januar, 19% Uhr, bei Sürgens, Barbaroffaite, da, Frauenabend. Portrag ber Genoffin Minna Tobenhagen über Die Frau in der heutigen Gesellschaft." Alle Genoffinnen sind herzlich eingeladen. 110. Abt. Grünau. Freitag, 20. Janaur, 19% Uhr, bei Werner, Köpenider Straße 125, Seiterer Abend. Vortragender Genosse Hosemann. Die Genoffinnen werden gebeten, zahlreich zu erscheinen. 136. Abt. Reinickendorf- Ost. Heute, Mittwoch, 18. Januar, 19% Uhr, Funt tionärinnenfigung im Jugendheim Lindower Straße. Tagesordnung: Neuwahl der Leiterin. Alle Genoffinnen werden gebeten, anwesend zu sein. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt: 21. Abt. Donnerstag, 19. Januar, 19% Uhr, Selferzufammenkunft bei Kroll, Utrechter Str. 21. Aftenverteilung. Neuwahl der Leitung. Bollzähliges Erscheinen wird erwartet. Met de malJungjozialisten: Gruppe Neukölln 1: Heute, Mittwoch, 20 Uhr, im Kaiser- Friedrich- Realder Arbeitsgemeinschaft: gymnasium, Kaiser- Friedrich- Straße, Fortfegung Staatsauffaffungen des 19. und 20. Jahrhunderts und ihre Anwendung in der Tolitit." Leiter: Studienrat Erwin Marquardt. Gruppe Neukölln 11: Heute, Mittwoch, pünktlich 20 Uhr, im Heim Bergstr. 29, Zimmer 10, Aussprache über Das Weltwahljahr 1928. Leiter: Wolfgang Schwarz. Gäfte und ältere SAJ.. Mitglieder find willkommen. Abg. Kasper( Komm.) beantragt zur Geschäftsordnung, ohne Aussprache die fommunistischen Anträge wegen Berbotes des Roten Fronttämpferbundes in Köln und über Mißstände in der Berwaltung des Saalekreises dem Hauptausschuß zu überweisen. Es wird so beschlossen. Das Haus tritt nunmehr in die Beratung des pöltischen Urantrages ein, der die Untersuchung des Fememord ausschusses auch auf das Berhalten der Justiz des Abg. behörden gegenüber Strafanträgen ule( Deutschp. Freiheitsp.) a usdehnen will. Der Antrag wird begründet vom Abg. Dr. Körner( Deutscho. Freiheitsp.), der sich darüber be Schwert, daß die Redakteure des„ Borwärts", des„ Berliner Tageblatts" und der" Roten Fahne" den Abg. Mulle in der Fememord. fache Grütte- Lehder ungeftraft der Mordanstiftung bezichtigen durften. Die Justizbehörden hätten hier ein öffentliches Interesse als nicht vorliegend erachtet. Dagegen sei ein pöllischer Zeitungs händler, der in seinen Zeitungsstand eine Zeitung ausgeboten habe, die in einer rot eingerahmten Baltenüberschrift den Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß als der jüdische Herr von Berlin" bezeichnete, zu einer empfindlichen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Abg. Obuch( Komm.): Es wäre die Aufgabe des Unter fuchungsausschusses gewesen, festzustellen, warum die Justiz hisher gegenüber den Fememorden und der Schwarzen Reichswehr ver sagt hat. Ein politisches Intereffe, die Fememorde zu flären, liegt überhaupt nicht mehr vor. Es fann feinem Zweifel unterliegen, daß Das Haus tritt munmehr in die Tagesordnung ein und erledigt Bulle, Kube und Ahlemann Verbindungen mit den Femezunächst ohne Besprechung Eingabenberichte des Wohnungs- organisationen und der Schwarzen Reichswehr unterhalten haben. und Heimstättenausschusses und des Ausschusses für die Verkehrs. Der Antrag ist nichts weiter als ein Ablenkungs- und Wahlmanöver. interessen. der Bölkischen. Abg. Dr. Körner( Deutschv. Freiheitsp.): lleber den Zweck des Untersuchungsausschusses werden wir uns mit Herrn Obuch nicht einigen. Wir best reiten, daß unsere Kollegen Wulle und Kube sich der Mordanstiftung schuldig gemacht haben. Grütte- Lehder ist ein geiftestranter Mench. Das Bersagen des Justizministeriums in Sachen Bulle rechtfertigt das Wort von der Vertrauenskrise der Justiz. Es folgt die erfte Beratung des Gelegentwurfs über die Erweiterung des Stadtkreises Breslau. Nach furzen Ausführungen des Abg. Semmler( Dnat.), der sich für den Gefeßentwurf einfett, begrüßt Abg. Dr. Hamburger( Soz.) die Borlage, die den in Breslau besonders ungefunden Wohnungsverhältnissen durch Bereitstellung von ausreichendem Siedlungsraum innerhalb der Stadt ein Ende machen könne. Auch für die Entwicklung der Industrie und für eine Hafenanlage müsse Gelände bereitgestellt werden, der Redner schildert die Wohnungsverhältnisse von Breslau eingehend und weist darauf hin, daß es unverständlich sei, daß angesichts der in der Begründung des Gefeßentwurfs hervorgehobenen Tatfache des Wohnungselends und der Siedlungsdichte, Breslau Jahr für Jahr einen Millionenbetrag aus dem Hauszins Steueraufkommen an andere Gebiete abtritt.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Im zustimmenden Sinne äußersten sich die Abg. Sprenger ( 3.), Meenthien( D. Bp.), Schmiljahn( Dem.) und a afe Liegniz( Wirtschp.) Haase Liegnig( Wirtschp.) Der Entwurf wird dem Gemeinde. ausschuß überwiesen. U In der nun folgenden ersten Lesung des Gesetz entwurfes über die Abänderung des Aerztekammergeseges betr. Die ärztlichen Ehrengerichte, das Umlagerecht und die Rassen der Aerztekammern fetzt fich Abg. Stemmler( 3.) für die sofortige Berabschiedung des Gesetzes in allen drei Lesungen ein, da der Entwurf mur rein formale Alenderungen erhalte. Abg. Leinert So3.) beantragt, den Entwurf dem bevölkerungs politischen Ausschuß zu überweisen. Das Haus beschließt dem Antrage Leinert entsprechend. Es folgt die erste Beratung des Gefeßentwurfes über die Gewährung von 3wischentrebiten bei Renten gutsgründungen, der dem Hauptausschuß überwiesen wird. Ohne Debatte werden die Ausführungsbestimmungen zum Polizeibeamtengefeh dem Hauptausschuß überwiesen. Einem Antrage des Hauptausschusses entsprechend wird ein deutschnationaler Antrag, der bie Notstandsattion für Unwetterschäden auch auf das Gebiet der Schullaften ausdehnen will, für erledigt erklärt. Sport. Dortmunder Sechstagerennen. Strafrunde für Linari- Binda. Auf die rheinisch- westfälische Radsportgemeinde übt ein Sechstagerennen eine geradezu erstaunliche Zugkraft aus. Trogdem die 3. Dortmunder six days" bisher unter dem geringen Tätigkeitsdrang der aus wirklichen Sechstagetanonen bestehenden Mannschaften zu leiden hatten, wies die Westfalenhalle am Montag abend wieder einen überaus starten Besuch auf. Es fehlte nicht viel, und die riesige Halle wäre, wie am Sonntag, ausverkauft gegewesen. Die übliche gute Sechstageftimmung herrschte bei den Abg. Suffner( S03): Die Ausführungen des Abg. Obuch maren so allgemeiner Natur, daß sie eigentlich nach Abschluß der Unterfuchung in die Generaldebatte gehören. Wenn Herr Obuch sich darüber beschwert, daß die Untersuchungen bisher fein positives Exa gebnis gehabt haben, so trifft dieser Vorwurf in erster Linie ihn selbst. Er hat durch Stellung aller möglichen Anträge die Aufflärungsarbeit des Ausschusses erschwert. Seit zwei Jahren hätten die Kommunisten den Antrag stellen tännen, den gesamten Kompler der Feiemorde dem Untersuchungsausschuß zu überweisen. Herr Obuch weiß genau, daß das feinen Zweck hätte, weil uns die Möglichkeit fehlt, die Reichswehroffiziere zu vernehmen. Im übrigen hat er sich ja selbst auf den Standpunkt gestellt, daß die Fememorde politisch überhaupt nicht mehr interessieren. Die dem vöffischen Antrage zugrunde liegende Beschwerde gehört überhaupt nicht vor den Fememordausschuß, sondern in die allge meine Aussprache über den Justizetat. Im übrigen sei den Herren von den Böllischen gesagt, daß die Rolle der Herren Wulle, Kube und Ahlemann in der Fememordsache Grütte- Lehder feines wegs fo glänzend ist, wie es Herr Körner hier hinzustellen beliebt. Es bleibt dabei, daß die Herren zum mindesten von den Mordabsichten des Grütte- Lehder wußten und frohdem diesen achtzehnjährigen jungen Mann, den sie als Pathologen und Phsychopathen bezelainen, gefördert und die wichtigsten Boften in ihrer Organisation anvertraut haben.( Stürmisches hört! hört bei den Sozialdemokraten.) Rach einer kurzen Erwiderung des Abg. Dr. Körner( Deutschv. Freiheitsp.) schließt, die Aussprache. Der Antrag wird von allen Parteien gegen die im Saale anwesenden vier völkischen Abgeord neten abgelehnt. Hierauf vertagi fich das Haus auf Mittwoch, den 18 Januar, vertaal, bas, 18. mittags 12 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Haushalts der Forstverwaltung. nerische Goal, doch Waschmento wehrte Schuß auf Schuß erfolgreich ab. Die Troppauer erhöhten ihren Vorsprung durch Heinz, der unfehlbar einfandte, auf 2 Tore, und erst in den letzten fünf Minuten fiel durch Kittel für Berlin das Ehrentor. Im Anschluß an den Eishockeymatch wurde ein interessantes 100 Runde n=( 15 Kilometer) Mannschaftsrennen abgewickelt, das sechs Mannschaften an den Start brachte. Je zwei Läufer bildeten eine Mannschaft, die sich beliebig ablöjen fonnte. Nach der 50. Runde führten Lötsch- Hellwig( VDE.) in 14:20 mit 60 Metern vor Boluta- Grell( BSC.). Nach 29,12 Minuten waren die 100 Runden bedeckt. Lötsch- Hellwig gingen als Sieger durchs Ziel, 170 Meter zurüd folgten Boluta- Grell, 200 Meter zurück Richter ( VDE.)- Müller( BSPC.). Massen vor. Eine Borstoßprämie verfehlte nicht ihre Wirtung. Die Vorträge, Bereme und Bersammlungen. Mannschaften Ehmer- Kroschel, Goebel- Stockelynd, Miethe- Kroll und Rausch- Hürtgen gingen nacheinander los und belebten wild das Feld, Ein ohne jedoch irgend eine ernste Veränderung herbeizuführen. sensationelles Ergebnis hatte diese Jagd aber doch. Die Italiener Linari Binda, von denen ersterer ganz besonders stark fuhr, wurden mit einer Strafrunde bedacht, da sie auf lange Sicht ( 100 Meter!) abgelöst hatten. Ein mit einer Berlegung Linaris motivierter Protest wurde zurückgewiesen. Die Borstoßprämie wurde mie folgt verteilt: Ehmer- Kroschel 350 M., Rausch- Hürtgen 250 M., Miethe- Kroll und Linari- Binda je 200 m. Nach einer Fahrzeit bon 79 Stunden waren 2074,500 Rilometer bedeckt. Nach der 2- Uhr Nachtwertung ergab sich folgender Stand des Rennens: van Rempen Dewolf 188 Punkte, Goebel- Stocelynd 160, Reichsbanner Schwarz Rot- Gold" Geschäftsstelle: Berlin G. 14, Sebastianstr. 37/38, Sof 2 Tr, Treptow, Jugendkameraden: Mittwoch, 18. Januar, im Jugendheim Niederschöneweide, in der Mädchenschule, 20 Uhr Versammlung. Alle Kameraden bis 21 Jahre müssen erscheinen. Donnerstag, 19. Januar. Bedding, 3. Kameradschaft: 20 Uhr Versammlung Turnhalle Lütticher Str. 4. Der Wichtigkeit halber Erscheinen Pflicht. Trepiow: Kamerad von Paledsti ist gestorben. Einäscherung 18 Uhr. Antreten 17 Uhr Bahnhof Baumschulenmeg. Beißensee: 19 Uhr im Grünen Baum" Borstand, Zugführer und Ver. gnügungskommission. 20 Uhr Kameradschaftssitung. Passive Mitglieder milfsen erscheinen. Besprechung der Veranstaltung am 29. Januar. Prenzlauer Berg: Versammlungen um 20 Uhr: Kameradschaft Sobert Blum bei Klug, Danziger Straße 71; Kamerabschaft Arnswalder Blaz im Werneuchener Schloß; Rame radschaft Seinrich Burr bei Baronsti, Basteurftr. 6: Rameradschaft Nordkap bei Gadhegti, Echivelbeiner Str. 10. Reukölln- Beiß, Jungbanner: 20-22 Uhr Turnen in der Walter- athenau- Schule, Boddinstraße. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin. Brustiedon 107, Tonant, orenz 102, Deberichs- Stnappe 92, Witgliederversammlung bei Lehngut, Gedanfte. 3. Erſcheinen Pflicht. Winter B.- B.- Sigung morgen, Donnerstag, 19½ Uhr, im Sekretariat. Gymnastilfurius: Die Genoffinnen und Genossen, die sich zum Gymnaſtit. furfus gemeldet haben, müssen morgen, Donnerstag, 19% Uhr, Elsasser Str. 26a, erscheinen. Neue Rursusteilnehmer werden noch aufgenommen. Heute, Mittwoch, 19% Uhr: Rojen Wedding: Heim Gee-, Ede Turiner Straße 10- Minuten- Referate. thaler Borstadt: Echule Gipsftr. 28a. Lieberabend. Liederbücher mitbringen, Friedritshain: Seim Diefte'menerstr. 5-6. Der Farz"( Lichtbilder). Sub. Coa al ft fche Erziehung." weft: Heim Yordstr. 10. Tempelhof: Seim Ger maniaftr. 46. Was kann die Tariei von der Jugend verlangen?" Bann. fee: Echule Charlottenstraße. Berliner Sumor." Faltenberg: Heim Am Dawesplan." Locarno Faltenberg 67. Friedrichsfelde: Seim Schloß-, Kaulsdorf: Schule AbolfEde Berliner Etraße. Bolts- oder Modetänze." Straße. Snprofe." Lid ten berg- Mitte: Helm Scharnweberstr. 29. Wandern Sichtenberg- Nord: Se'm Toffeftr. 22. und Edauen." Auguft Bebel." girtenberg- West: Heim Echarnweberstr. 29. Unsere Aufgaben in der Fort. bildungs- oder Berufsschule." Ehmer- Kroschel 58, Kroll- Miethe 53, Wambst- Lacquehan 34, Rausch Hürtgen 27; eine Runde zurück: Binda- Linari 152, SuterRichli 149 Punkte. Dülberg Erfagmann. portabt.: 20 Uhr Monatsversammlung und Vortrag von Dr. Kühn im alt Freitag, deutschen Saal des Tucherbräu, Friedrichstr. 100. Gäste willkommen, 20. Januar. Prenzlauer Berg, Kameradschaft Wörther Plag: Bersammlung um 20 Uhr bei Treuer, Kastanienallee 23. Charlottenburg: 20 Uhr Ortsver Reukölln Briz, 3. Kameradschaft: Turnabend 20 Uhr Turnhalle Mariendorfer Weg 69-70. Köpenid: 19-21 Uhr Schußfport( Sportabt.) Turnhalle der 1. Gemeindeschule, Müggelheimer Straße. Kaulsdorf: Bersammlung bei Hübner, Bahnhofstraße. Lid ten berg und Untergruppen: Unterstügungsmarken tönnen sofort vom 1. Raffierer abgeholt werden. In der ersten Hälfte der Dienstagnachmittagsmereinsgeneralversammlung im Edenpalast, Raiser- Friedrich- Str. 24, tung gab es großangelegte Borstöße. Die Franzosen Wamb st. Lacque hay und auch die deutsch- amerikanische Mannschaft Schorn Brustie verschwanden hierbei aus der Spigengruppe! Nach 90 Stunden( 2262,500 Kilometer) war der Stand folgender: van Kempen Dewolf 212, Göebl- Stocke. Innd 184, Tonani- Lorenz 118, Dederichs- Knappe 108, Kroll- Miethe 101, Ehmer- Linari 176, Richli- Suter 169, Brustie- Schorn 107, Wambst- Lacquehan 34. Troppau- BSC. 2: 1. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Ariegerhinter. bliebenen, Ortsgruppe Rorden 14. Mittwoch, 18. Januar, 20 Uhr, im Lebigen. beim Tappelallee 15, Generalversammlung und Neuwahl des Torstandes. Bereinigung ehemaliger Patienten des Genesungsheims DR. Berlin in Oberschreiberkan zu Berlin. Geselliges Beifammenfein Mittwoch, 18. Januar, 20 Uhr, Prachtsäle am Märchenbrunnen, fleiner Eaal, Am Friedrichshain 29-32 ( Nähe Königstor). Freibenler- Wolfshochschule Berlin. Donnerstag, 19. Januar, 19% Uhr, Astanisches Gymnasium, Sallesche Str. 26( am Anhalter Bahnhof). Vortrag Berbebezite dicht statt. Die Berufsschulversammlung und Demon. Lötsch und Hellwig Sieger im Mannschaftslaufen.le Schreiber:„ Der gegenwärtige Stand der internationalen Frauenftrat on findet heute Werbebezirk Edöneberg: Beginn des Bildungskursus Einführung in ben Sozialismus Seim Bülowftr. 88. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend Nachdr. verb.). Bemölit bis trübe, nur gerinae Niederfchläge; weitere Temperaturabnahme bei fchwaden füdöstlichen Winden. Für Deutsch land: Ueberall weiterer Temperaturridgana, im Dsten meist troden, im übrigen Reiche vielfach noch geringe Niederschläge. Der Tunnel unter der Königgräher S reße, der dem Grzeliior. hotel unmittelbaren Bucana vem Anhalter Babnb of verfchafft, gebt feiner Follendung entgegen. Das Haus selbst, übrigens das größte Botel des Sontinentes, bildet mit feinen mustergültigen Einrichtungen und Beberbehieben im amerikanischen Stil eine Sehenswürdigkeit felbit für die Beliftadt Perlin. Der Befizer des Hauses, Geh, Kommerzienrat Dr. pbil. h. c. Curt Elfgner, fonnte in diesen Tagen sein 25jähriges Geschäftsjubiläum feiern. Die Bor recht schwach besuchtem Hause fand gestern abend im Sportpalast das Rüdipiel im Eishoden zwischen dem Troppauer Eislaufverein und der Reservemann. schaft des Berliner Schlittschuhtlubs, die durch Jaenecke, Sachs und Römer verstärkt worden war, statt. Deutschböhmen, die sich am Sonntag mit 0: 1 geschlagen bekennen mußten, nahmen gestern Revanche und gewannen verdient mit 2: 1 Toren. Das Spiel nahm zum Teil einen recht spannenden Berlauf. Mehrere scharfe Schüsse auf das Troppauer Goal wurden von dem Borwart Waschmento, der sich den schwierigsten Situationen gewachsen zeigte und großen Anteil an dem Endresultat hatte, sicher gehalten. Einen Weitschuß Lichnofskys konnte Linke nicht halten, und mit 1: 0 ging Troppau in die Pause. Das zweite Spieldrittel verlief ohne zählbaren Erfolg für beide Mannschaften. Im letzten Drittel drückte der BSC.- Sturm mächtig auf das gega Arbeitsgemeinschaft entschiedener Republikaner. Tonnerstag. 19. Sanuar, 20 Uhr, Konditorei Adler, Kommandantenstr. 84, öffentlicher Vortragsabend: Geburt des Parlamentarismus in Europa." Entschiebene Republikaner will. Commen. STAATL Natürliches Mineralwasser FACHINGEN Blutauffrischend, reinigt die Organe Fachinger Versandstelle, Bertin SW 11. Schöneberger Str. 16a. T. Lützoм 8260/61. Die Großmacht Film. Weltwirtschaftliche Llmschau. Der Film dient nicht nur der SuÜurpflege und der Zerstreuung! Don Pol zu Pol ist er eine Großmacht: niemand zweifelt daran Für die Bolkswirtschoft steht es außer Zweifel: aber auch für die Politik. Die Verbindung des Reichswehrmimsteriums mit der Phoebus-A.-G. werden die deutschen Steuerzahler mit schweren Millionen bezahlen müssen. Für die kommenden Reichstagswahlen liegt die Gefahr nahe, daßderchugenberg-FilmtrustJlsa"' seinen mächtigen Apparat in de» Dienst der deutschnationalen Pro- paganda stellt. Damit wird uns die über das Wirtschaftliche hinaus- gehende Bedeutung der FUmproduktion, deutlich zum Bewußtsein gebracht. Im Dienst der militärischen Propaganda. In den Bereinigten Staaten läßt sich der Staat die Mitwirkung des Films im Dienste der amerikanischen Annee nicht mit Steuergeldern bezahlen, obwohl die amerikanischen Staats- finanzen das eher erlauben würden als die deutschen. Doch bedient sich dort die Regierung eines anderen Mittels: sie hat vor einiger Zeit die mächtigen F i l m t r u st p r ä s i d e n te n zu Reserve- ofsi zieren mit hohem Rang ernannt. Si« möchte den Film in Zukunft als Propagandamittet für d-e Armee heranziehen und dazu die freiwillige Mitarbeit der Filmmagnaten gewinnen. Im faschistischen Italien wurde kürzlich ein st a a t l i ch e s Film» i n st i t u t errichtet, das zwar in erster Linie Lehrfilme für Land- Wirtschaft und Industrie herstellen soll, dabei aber nicht vergessen darf— wie es im Statut dieses Instituts heißt—, weitgehend« Propaganda zugunsten des Militär- und cheerwesen» zu machen. Bisher wurden zwei solcher Militärsilme von diesem Institut her- gestellt, die„Kanon e" und die„TO unitionsversorgung�. Sämtliche 3256 Filmtheater Italiens sind oerpflichtet, diese Filme vorzuführen Daß in der S o wj e t d i k t a t u r dem Film als politisches und militärisches Agitationsmittel«ine außerordentlich große Roll« zufällt, braucht nicht gesagt zu werden. In den 4000 Kinotheatcrn Sowjetrußlands— für ein Agrarland«ine recht hohe Zahl— werden die Sowjetsilme gezeigt. Dabei findet in Rußland auch eine starke Filmcinfuhr, in erster Linie aus Deutschland, statt. Das Kino in öffentlicher Hand. Es gibt nur wenig Länder, in welchen die Kinos öffentlich be- trieben und oerwaltet werden. In Schweden und in Nor- wegen stehen die.Kinotheater im Besitz und in der Verwaltung der G e m e i i.» e n. In Kanada wurde kürzlich neben der Privatproduklion eine staatliche Filmproduktion ge- schusfen. Ursprünglich oersolgth die staatliche Filmproduktion den Zweck, den Fremdenverkehr auf die Naturschönheiten Kanadas auf- merksam zu machen, sie ist aber bald zu einem großen Geschäfts» umcrnehmen geworden, das bereits nach kurzem Bestehen auch«r- heblichc Reinerträge abwirst. In der Tat ist die ösfentliche Verwertung und Verwaltung des Films ein ernstes Zeitproblem. Sie kann der Hebung der Volks- kiiltur große Dienste leisten und außerdem der Staate oder Gemeindekalse bedeutende Einnahmen liefern. Diese Einnahmen verschaffen sich die Gemeinden heute bekanntlich durch die L u st b a r- keitssteuer, wogegen sich die scharfe Propaganda der Film» industrie bzw. der Filmtheater richtet. Zu diesem Punkt soll nur bemerkt werden, daß Deutschland nicht zu den Ländern mit der b ochsten Filmsteuer gehört. In Belgien, Norwegen, Oesterreich, der Tschechoslowakei sind die Steuersätze erheblich höher als die deutschen. Bisher hat kein einziger Staat auf dies« Steuer verzichtet. Schutz für dir nationale Filmindustrie. Auf der anderen Seste schützen eine Anzahl von Ländern die inländische Filmproduktion, vornehmlich vor der Einsuhr der über» mächtigen amerikanischen Filmindustrie. Nach dem Muster des deutschen K o n t i n g»» t s y st e m i, da» die Einfuhr aus- ländischer van der Herstellung einer bestimmten An.zahl inländischer Filme abhängig macht, entstanden ähnliche Maßnahmen der Ein- suhrbeschrankung in jüngster Zeit in England, Italien und Ungarn. Auf diese Weise söll in jenen Ländern eine nationale Filmindustrie gcschafsen werden. Mit gewöhnlichen Zöllen kann man nämlich der Filmeinsuhr nicht beikommen, weil bei ihr weniger der Wert der. belichteten Filme, als das von den ausländischen Produzenten über- iragenc Vorführungsrecht(Lizenz) in Frag« kommt. In Italien war bis 1924 ein« graße Filmindustrie vorhanden, die einen wichtigen Platz auf dem Weltmarkt erobert«, sich aber seitdem in ständigen, Niedergang befand. Das Kontingentsystem soll der italie- nische» Filmindustrie zum Wiederaufleben verhelfen, wozu die Re» gierung den Theaterbesitzern, welche die Produktion dort beherrschen, ouch erheblich« Geldmittel zur Verfügung gestellt hat. Das neue englische Filmgesetz wird am 1. April dieses Jahres in Kraft treten. Die Filmverleih«? und die Filmtheater iverden auf Grund dieses Gesetzes verpflichtet, im Jahr« 1928 sich zu 7' i Pro.;, mit in England hergestellten Filmen zu versorgen. Der Anteil der englischen Filme soll nach dem Gesetz jährlich um 2'- Proz. steigen, bis er im Iabre 1935 25 Proz. erreicht. Schon vor Inkrafttreten des Gesetzes haben sich feine Wirkungen gezeigt: außcrardentliche große Summen— fast soviel, wie für die neuer- dings in Mode gekommenen Windhuu brennen— strömten in die englische Filmindustrie, die mit einer Produktion großen Maßstabs anfangen und in England neue„Hollywoods" schaffen möchte. Filmriese Amerika. Die ungeheure Konzentration der amerikanischen Filmindustrie. in welcher mindestens eine halbe Milliarde Dollar ange- legt ist, wie das Vorhandensein eines großen zahlungskräftigen und kinofreudigen Publikums erlaubt eine Produktion größten Umsangs. Es gab in den Bereinigten Staaten 1920 bereits 17 000 Kinotheater mit 10 Millionen täglichen Besuchern. Welche Gewinne dort erzielt werden, dafür zeugt allein der Abschluß des Großtrust�s Pars mount Famous Player La s k y, deren Aktivvermögen sich seit 1925 um 81 Millionen Dollar vermehrt«, während die Aktien besttzer dafür nur 52 Millionen einzuzahlen ballen. Gegen diesen Graßtrust ist im übrigen zurzeit ein Prozeß anhängig, der die Oeffentlichkell stark beschäftigt. Die mit der Kontroll« über die Durch. führung des Antitrustgesetzes betraute zwischenstaatliche Kommission ist nämlich kürzlich gegen den mächtigen Filmtrust mit der Be- pründung vorgegangen, daß er durch Anschassung von vielen hundert Kinotheatern eine Monopolmacht ausübt. Der Trust miß- braucht nach der Anklage seine Macht, indem er die anderen Film- theaterbesitzer zwing«, die Filme des Trustes.zu übeniehmen. Im amerikanischen Senat liegt jetzt sogar eine Vorlage für die Ein- führung«ines gesetzlichen Verbotes dieses„Blockverleihs" von Filmen vor, der bekanntlich auch in Deutschland verbreitet ist. Der riesige Inlandsabsatz der amerikanischen Filmindustrie verschasst dieser ungeheure Gewinne aus dem Inlandsgefchäft— die Einnahmen der Filmtheater beliefen sich im Jahre 1920 bereits auf 800 Millionen Dollar!—, sie ist daher in der Lage, die Filme zu billigen Preisen nach dem Ausland zu verkaufen. Die vom amen- konischen Handelsministerium kürzlich veröffentlichte Zahlungsbilanz weist einen Aktivposten von jährlich 75 Millionen Dollar für nach dem Ausland verkaufte Filmausführungsrecht« auf. Europas Abwehr. Die europäischen Beschränkungen der Filmeinsuhr richten sich vornehmlich gegen den amerikanischen Export. Schon der alte Hugo S t i n n e s hat die Parole für einen Zusammenschluß der«uro- päischen Filmproduktion gegenüber Amerika ausgegeben. Zu jener Zeit hat man in der Tat die ersten Anfänge zur Verwirklichung dieses Planes gemacht, die aber seitdem nicht weiter gediehen sind. Die europäischen Großproduzenten sind außer Deutschland: Frank- reich, Italien und England. Die Produktion in den skandinavischen Ländern ist.zwar qualitativ sehr hochwertig, mengenmäßig aber nicht bedeutend. In der letzten Zeit sind einige wichtige Verbindungen zwischen der deutschen, englischen und französischen Industrie zu- standegekommen. Neben gelegentlicher Zusammenarbeit deutscher und französischer Gesellschaften soll hier erwähnt werden der Zusammenschluß des sran.zäsischen Pathe-Konzerns mit dem eng- fischen Großkonzern First National und der französischen Gaumont mit der englischen Brit'sh Eorporation. Der letztere vereinigte Konzern hat ein wichtiges Abkommen mit der deutschen Ufa ge- troffen. Cs wurde eine Interesiengemeinschaft gegründet, durch die sich die Teilnehmer verpslichten, ihre Filme wechselseitig aus den Markt zu bringen. Wie kürzlich behauptet wurde, wird der Aue- nützungswert der Filme in beiden Ländern durch diese Vereinbarung um etwa 50 Proz. erhöht. Die internationalen Zusammenschlüsi« »nd Bereinbarungen bedeuten zunäcbst noch keine erhebliche Ab» schwachung des amerikanischen Einflusses, zumal auch die amerika- irische Filmindustrie im Begriff steht, angesichts der terlweisen Sperrung des englischen Filmmarktes in England selbst Fuß zu fasten. Wachseade Konzentration. Die Entwicklung des Filmwesens war für die Tendenzen zur Zusammenfassung in Großbetrieben außerordentlich förderlich, ja vielfach drängt die amerikanische Konkurrenz mit ihren Masten- betrieben jju einer ähnlichen Entwicklung in den europäischen Ländern. Diese einzelnen Produktionsstufen' de? Filmindustrie— Produktion von- Filmstreisen, Herstellung von Filmen, Filmverleih und endlich der Theoterbesitz—, olle diese Zweig« weisen überall die Tendenz zu Zusammenschlüsten, sowohl in Trusts wie in Kartelle, auf. In Deutschland wird bekanntlich die Herstellung von Film- streifen durch die I. G. F a r b e n i n d» st r i e. welche kürzlich die Aktienmehrheit der Lignafe-A.-G. erworben hat, zunehmelld monopolisiert. In der Filmproduktion selbst herrscht nicht die Kartell-, sondern die Trustbildung vor. Die Theater- besitze? der verschiedenen Länder dagegen— Deutschlands, Oesterreichs, der Tschechoslowakei usw.— gründen Kartelle, um gegenüber den Produzenten und Verleihern wie vor allem bei der Bestim- mung der Preise der Theaterpläße gemeinsam vorgehen zu können. Neben dieser horizontalen Zusammenfassung gleichgerichteter Betriebe herrscht aber im Filmgewerbe die vertikale Konzen- t r o t i o n. d. h. die Zusammenfassung verschiedenartiger Betriebe. Es wird vor allem der Besitz von Filmfabriken mit dem Theaterbesitz verbunden— die großen Filmkonzern« Amerika«, Deutschlands, Englands usw. verfügen über«ine große Anzahl von Vorführungstheatern. In der Regel geht die Angliederung der Theater von den Fabriken aus, häufig erfolgt aber auch das Ein- dringen des Theaterbesitzes in die Produttion. So entsteht vor uns eine hochkapitalistisch organi- ierte Großindustrie mit einem Heer von Beschästigten. deren wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung eine außerordentlich große ist. Der Staat bedient sich seiner Kontrollrechte in Form einer häufig l ä st i g e n F i l m z e n s u r. Damit aber der Film zu einer Wohltat für die Menschheit werden kann, die ihr Kunstgenuß und Aufklärung vennittelt, müßte er in weit höherem Maße als bisher der Kontrolle einer aufgeklärten, sich der erziehe- rischen Bedeutung des Films Gewußten äffen!- liehen Meinung unterstellt werden. A. H. Beratungsstelle— sie berat wieder! Aber keine neuen Anleihen.— Sollen die deutschen Städte in ihr vertreten werden? Nach langer Pause wird die Beratungsstelle für Auslonds- anleihen heute wieder ihr« erste Sitzung abhalten. Die Erhebungen über die Berschuldung der Städte sind abgeschlossen. Obwohl die Einzelheiten vom Reichssinanzministerium st r e n g geheimgehalten werden, scheint doch so viel festzustehen, daß die Gesamtsumme oller kurzfristigen Verbindlichkeiten der deutschen Städte 800 Millionen, das ist etwa die Hölfic der Schätzung von Dr. Schacht, noch nicht erreicht. Die Beratungsstelle wird die Mit- teilung über das Ergebnis der Enquete entgegennehmen und sich wahrscheinlich auch darüber klar werden sollen, wie die kurzfristige Derschuldung der Städte in Anleihen konsolidiert werden kann. lieber Anträge für neue Anleihen dürste ouch dieses Mal noch nicht verhandelt werden. Für die weitere Hereinnahme von Auslandsanleihen wird es also für den Augenblick noch bei der seit Monaten nun tatsächlichen Stillegung bleiben. Schon jetzt muß gefordert werden, daß die Ergebnisse der bei den Städten durchgeführten Erhebungen so schnell als möglich veröffent- licht werden, damit die- Oeffentlichkeit in die tatsächliche Verschul- dung der Städte auch in den e i n z e l n c n Fällen einen klaren Ein- blick erhält. Mit Recht wird jetzt in der Oeffentlichkeit die Frag, diskutiert. ob es bei dem bisherigen Zustand bleiben kann, daß die deutschen Städte in der Beratungsstelle nicht mitsprechen dürfen. Ihre Finanzwünsche find es, über die dort von anderen Körper- schasten und andere» Instanzen entschieden wird. Sie vertreten dabei die Interessen von einer viele Millionen starten Großstadtbevölke- rung, und es kann kein Zweifel darüber sein, daß die jetzt die städti schon Interessen vertretenden staatlichen Körperschaften selbst bei dem besten Willen keine Garantie dafür bieten können, daß die kommunalen Interessen auch wirklich sachverständig wahrgenommen werden. An sich ist es ein« Selbstverständlichkeit, daß die Städte durch einen ständigen Vertreter in der Beratungsstelle vertreten sein müßten. Die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit hat sich ober auch praktisch erwies«!,, seitdem durch die salshen Behauptungen Schachts Über die verschwenderifche Finanzpofilik der Städte«nd durch die lahme Antwort Köhlers klar geworden ist, daß selbst die berufensten Sachverständigen und Behörden die von ihnen vertretene Materie absolut nicht beherrschen. Für die Länder könnt, eine Per- tretung der Städte nur eine Enllasiung bedeuten. Dem Reich selbst wäre«ine Vertretung der Städte in verschiedenen Richtungen nur eine willkommene Stütze. Es kann dahingestellt bteiben, ob die Vertretung der Städte dem Deutschen Städtetaa entnommen werden muß, wobei es allerdings wahrscheinlich»st, daß die Kärperschast des Deutschen Städtctages für die Auswahl kommunaler Sachver- ständiger eine ausreichende Beweglichkeit bieten würde. Wir sind heute leider so weit, daß die Städr« mit ihren Anleihewünschen vor der Beratung-stelle für Auslandsanleiben schon als Angeklagte stehen. Sie müssen die Möglichkeit baben, auch abgesehen von allen grundsätzlichen Erwägungen ihre Intcr- essen nachdrücklich verteidigen zu können. Maschiuem'ndustrie steht noch gut. lleberflüssiges Bekenntnis zum sozialen Rückschritt. Lageberichte der Maschinenindustri« sind jetzt von besandever Bedeutung. Als Produktionsmittelindustrie muß ihre Lage erkennen lasten, ob an den Vermutungen etwas daran ist, daß die wachsend« Arbeitslosigkeit auch konjunkturell, d. h. in einem allgemeinen Rückgang der Beschäftigung begründet ist. Die in Lahnkämpsen stehende Metallarbeiters chait hat ein besonderes Interesse an der Lage in der Maschinenindustrie. Ist die Lage in der Maschinenindustrie bisher in der Tat nach günstig, ober doch mit einer leichten Tendenz zur Berjchlechterung, so kann die Erhöhung der Eisenpreise besonders gefährlich werden. Der Dezcmberbericht des Vereins deutscher Maschinen- bauanstalten gibt dazu einige Anhaltspunkt«. In der leicht abwärts- sühnenden Kurve des Inlondsgeschäftes habe der Monot Dezember noch keinen Richtungswechsel gebrocht. Das Auslandsgeschäft sei auch im Dezember unverändert— d. h. unverändert gut—■ gewesen. Der Auftragsbestand gestattet den meisten Firmen noch bis auf weiteres die Aufrechterhaltung der bisherigen Beschäftigung. Mit diesen Feststellungen steht die andere im Widerspruch, daß sich der Eindruck verstärke, man habe es schon mit einer Abjchwächung der inländischen Konjunktur zu tun. Denn in der Tat können Saison- gründe ausreichen, um die leichte Verringerung der Inlandsnach- frage Und Jnlandsaujrräge zu erklären. Jedenfalls könnte die Eisen- Preiserhöhung in dieser Lage der Maschinenindustri« in der Tat gefährlich werden. Die noch immer günstige Lage der Eisen industrie beleuchtet die Feststellung, daß Walz, und Edefsrahlwerke zum Teil sehr lange Lieferfristen oerlangen und daß selbst Fristüberschreitungen keine Seltenheit waren. Verhältnismäßig g ü n st i g sei die Lage in der Textilmaschinen- irttmstrie, die Beschäftigung der Wagenfabriken, im Armaturenbau und in einigen Sanderzweigen der Werkzeugmaschinenindustrie. Fühlbarer Rückgang— der Saison entsprechend— verzeichnen die Lvnd- und Baumaschinemndustrie, sowie für das Inland- geschäst der Druck Maschinenbau. Firr das ganze Jahr 1927 wird«ine Verfandmeng« von ungefähr 2,6 Millionen Tonnen festgestellt, die immerhin noch um O/i Millionen Tonnen hinter der Deriandmenge der Vorkriegszeit (wahrscheinlich alles Gebiet) zurückbleibt. In der Aussuhnnenge hat die deutsche Maschiireninduftric England überhalt und wieder den Platz hinter den Vereinigten Staaten von Nordarnierika lxleat. Der Ausfuhrüberschuß der Maschinenindustrie betrug % Milliarden Mark, der höchste Ausfuhrwert aller deutschen In- dustrien..„ Im Vergleich zu früheren Iahren ist das Bild zweifellos g ü n st i g, und auch der Monat Dezember des vergangenen Jahres hat das Bild nicht nerschlechtert. Bedauerlich dabei ist, daß auch der Berein deutscher Maschinenbauanstalten, der es nicht nölig Härte, das falsche Lied von der Men�enkonjunktur zu singen, die keine Preiskonjunktur gewesen war«. Wir haben es oft genug gejagt und wiederholen es auch jetzt, daß S a n i« r u n g s- jähre für jede Industrie kein« Preiskonjunkturjahre sein können und daß sie glückliche Jahre sind, wenn si« Jahre der Mengenkonjunktur sind. Auch bei unveränderten Preiien. aber vergrößerten Absatz- mengen wachsen die Gewinne, und die neuen Adschlüsi« werden wie die bisherigen beweisen, daß auch die Maschinenindustrie viel mehr verdient hat als früher. Sie hätte wahn'cdeinlich aber noch viel mehr verdient, wenn sie noch weniger out die Preise und noch mehr aus die Absatz meng« geachtet hätte, statt jetzt«n die öd« Melodie des Notprogramms der deutschen Spitzenoerbänd« einzustimmen, von der Selbstkostenkris« zu reden und wieder gegen die sozialen Lasten vom Leder zu ziehen. Heber die E i s e n p r« i s« rh ö h u n g wird iw Dezember- bericht nicht gesprochen. Wahrscheinlich will der DDMA. der heutigen Stellungnahm« der„Avi* Arbeitsgemeinschaft der eisenverarbeitenden Industrie) nicht vorgreifen. Arbettsmarktbtlanz Mitte Januar. Da» Tempo der Verschlechterung de» Arbeit». markte» in der zweiten Januarwoche hat nach den einzelnen Be- richten der Arbeitsämter unter dem Einfluß der milden Witterung der letzten Tag« merklich nachgelassen. In einige» Bezirken glichen sich Zugänge und Abgänge sogar annähernd aus. In einiczeN weiteren Bezirken ist infolge des Witteningsuinschlages schon«nie leichte Belebung des Baugewerbes und auch der Paustasf- industrien eingetreten, was an der Verringerung der Zahl der Arbeitsuchenden im Baustastgewevb« zu spüren ist. Man scheint schan früh mit einer Wiederaufnahme der Bauarbeiten rechnen zu dürfen, denn es ist unverkennbar, daß stark« Baulust besteht. Auch die Binnenschiffahrt ist zum Teil wieder in Gang gekomrneu. Irgendwelche stärkeren Anzeichen für eine k o"n i u>, k t u- relle Verschlechterung haben sich zurzeit nicht ergeben. Die ausfallend starke Zunahme der Hauptunterstützungs- empfänger allein bietet keinen ausreichenden Anhaltspunkt. Nach der ungewöhnlich starken Beschäftigung des Baugewerbe, imd seiner Nebenindustrien im Baujahre l927, besonders in seinem letzten Teil, mußte auch ein entsprechend stärkerer sarsonmäßiger Rückschlag als in den Vorjahren«rsolgen. Der Zugang an Arbeitjuchenden in der Metallindustrie, der in den letzten Wachen schon merklich anstieg. scheint fast überall zurückgegangen zu sein. Ob sich jevach durch die neue Eisenpreiserhöhung irgendwelche schädlichen Kon- junkturstörungen in der Wirtschaft, besonders In der metallver- arbeitenden Industrie, bemerkbar machen werden, die dann auch nicht ohne nachteilige Folgen für den Arbeitsmarkt bleiben würden, muh abgewartet werden. Die Pächter auf)fögen beruhigen sich. Die kürzli-he Meldung, daß mit der Insel Rügen nind 200 Pächter in den Streik getreten sind, hat sich, wie zu erwarten war, nur in geringem Umrange bestätigt. Dt« Erhebungen des zuständigen Landratsamts haben ergeben, daß bisher 10 Pächter ihre Arbeiter enllasseii haben und auf wenigen anderen Gütern Teilenrlastungen vorgekommen sind. Zum 15. Januar sollte be- kanntlich bei sämltichen 200 Pächtern die Stillegung der Betriebe durchgeführt werden.__ Auch«in»sl-oberschlesischer Monlanlrufl. Die im Besitz des Graten n. Ballestrem befindliche Oberfchlesische Eisenbahnbe- darfs-A. G. ist seit der 1926 erfolgten Gründung der Bereintaten Oberschlesischen Hüttenmerk« A.-G. in Gleiwitz nur noch eine Hol- dinggesellichast, da sie ihre gesamten in Deutschoberschlesien befindlichen Werke in diese neue Gesellschaft gegen Hergab« von Aktien eingebracht hatte. Auch im polnischen Ostoberschlesien wurden die Ballestremschen IndustrieuiNernehmungen selbständig gemacht, so die F r> e d e n s h ü t t« mit 20 Millionen Zlotykapitai. und der Oberschlesss che» Eisenbadnbedarss-A.-G. blieb nur d>» Ver- waltung des Aktienbesitzes übrig. Wie jetzt aus K a t t o w i tz gemeldet wird, besteht die Absicht, die Friedenshütte, die Ferrum- A.-G. in Kattawitz und die übrigen aus polnische Gebier befind- lichen Unternehmunge-, des Grafen v. Ballestrem zu einem ost- oberschlesischen Monlantrust zusammenzuschließen, der durch die kürzlich erfolgte Uebernahme des Hentel-Donners- m a r k l ch e n Grubenbesitzes durch Ballestrem einen bedeutenden Machtzuwachs erhalten würde. Dem Zusammenschluß liegen offen- bar Rationalisierungebestrebungen zugrunde, da die bisher zersplit- terten ostoberschlesischen Werke mit dem westoberschlesischen Mon- tantnrst nicht Schritt halten konnten. Besondere Kopitalsverände- runge i entstehen für die Oberfchlesische Eisenbahnbeda rfs-A.-G. aus dieser' Neugründung nich», da sie fast misschließlicher Aktienbesitzer dieser Unternehmungen ist. Mit 15 000 bis 17 000 Mann Belegschaft wird die neue Gesellschaft das größte oberschlesische Unternehmen sein. Mittwoch 18. Januar 1928 Unterhaltung und Wissen Die Arbeitsmänner. Wir sind das Heer! Wir sind das Heer! Wir sind die Soldaten der großen Stadt. Wir stehen Posten an Riemen und Rad, an Schalter und Hebel und jeder hat seinen Teil, wie der Tropfen am Meer. Wir sind die Ebbe, wir sind die Flut. Wir sind die Dünung zwischen Mauer und Stein. Den Morgen fingen wir hämmernd ein. Der Abend verdämmert im Slammenschein unserer sinkenden Lebensglut. Wir sind der Sturm, wir sind die Ruh. Wir sind der brennende Rhythmus der Zeit. Der Strom sind wir, der mächtig und breit schäumt von Ewigkeit zu Ewigkeit fernen, leuchtenden Zielen zu! Wir find das Heer! Wir sind das Heer! Wir sind die Soldaten auf heiliger Wacht. Wir fommen aus Stadt und Stein und Nacht mit unserer gewaltigen Uebermacht über die Länder und über das Meer! Alfred Thieme. Für das Kind. Bon Arpad Gebes. ( Einzig autorisierte Uebersehung aus dem Ungarischen von Maurus Mezei, Wien.) ( Schluß.) „ Dann alfo.." sprach der Mann. Ach," sagte das Mädchen und sie bewegte plötzlich den Fuß. Bielleicht wäre es gut... ihn ein wenig zu maffieren," fragte der Jüngling unsicher. „ Es ist mir so peinlich..." Es wäre aber dennoch gut. Soll ich?" Und er tniete auch schon nieder und zog ihren Strumpf hinab... Das Mädchen lehnte fich zitternd zurüd. " Tut es weh?" fragte der Jüngling. Nein, ja, ein wenig," log fie, während ihr das Blut wild burch die Adern stürmte. „ Ein bißchen Alfohol märe aber gut. Haben Sie welchen zu Hause?" Ultohol?" fagte das Mädchen. Genügt auch Rognat?" Und fie beutete auch schon auf die, Kredenz Dort ist welcher." Der Jüngling schüttete sich ein wenig auf die Handfläche und fuhr dann langsam mit seinen Fingern über die Knöchel des Mädchens. Sie ist gar nicht so häßlich," sprach er für sich, indem er aufblickte,„ auch ihre Füße sind ganz schön geformt und wie weiß sie sind." Das Mädchen ließ es zu, daß er ihren Fuß streichle. Ein Mann, ein Mann hier vor mir dachte sie, während ihr Mund laut fagte:„ D, dante, es ist auch schon bedeutend beffer, vielleicht wäre es aber gut, wenn Sie ein bißchen ausrugen würden." Der Jüngling hielt mit geröteten Bangen inne. Jetzt nehmen Sie ein wenig Blag, bringen Sie aber zuerst die Flasche her. Wenn es für meinen Fuß gut war, verdienen auch Gie ein Gläschen davon." „ Störe... ich Sie aber nicht," sprach der Mann. „ Ich bin mein eigener Herr. Und ich werde Sie doch nicht fort Taffen, ohne mich Ihnen zumindest mit einem Gläschen Kognat erfenntlich zu zeigen." Sie schenkte ein. Auf Ihre Gesundheit, fagte der Mann „ Die Sie mir wiedergegeben haben," erwiderte das Mädchen, ihm lieb zulächelnd. Beim dritten Glas fühlte fte einen Meinen Taumel, beim vierten hinkte sie zum Klavier, rief auch den Mann zu sich, und sie spielte. Heiße Lieder entströmten unter ihren geübten Händen dem Instrument, Lieder, die ihr nie jemand zugemutet hätte und die den Mann betäubten. Trinten wir, sprach dieser plöglich, trinken wir auf den herrlichen Zufall, der uns zusammengeführt hat." Er war schon halb betrunken, auch das Geficht des Mädchens glühte, fie schlug mit ihren mageren Fingern wild auf das Klavier ein und erotische üppige Tanglieder erflangen... Jezt packte der Mann plößlich den Kopf der Frau und drückte auf ihre schmalen Lippen einen Ruß Tragen Sie mich zum Armstuhl, tragen Sie mich zum Armstuhl, fagte ein wenig befehlend mit geheucheltem Zorn bds Mädchen. Diwan frant und wir waren gezwungen, uns um eine andere Lehrerin umzuschauen," oder:„ Dante, wir lassen das Kind jetzt Violinespielen fernen," oder:„ Wir laffen das Kind nicht mehr lernen." Und sie vernahm hinter ihrem Rücken entrüstete Borte oder ein unterbrücktes Ladyen. Ihr verfümmerter Rörper fiel noch mehr zufammen. Aus ihrem blassen Geficht verflog das Leben. Sie mußte aber leben, fie hatte ein Kind. Ein Kind. Und indem fie an dieses dachte, murde es ihr warm ums Herz... Gie befam in einem in der Nähe ihrer Wohnung befindlichen fleinen Kino einen Poften als Klavierspielerin. Sie betrachtete die von der reflektierenden Beleuchtung hellen Gefichter, fie hörte ihre Bemerkungen, fah, wie sie sich freuten, fah, wie sie sich änftigten, wenn oben auf der Leinwand einem erdichteten Jemand eine Unbill widerfuhr. Sie betrachtete fie, wie das kleinste Unrecht fie entrüstete und empörte und wie sie imftande gewesen wären, gegen die Ungerechtigkeit mit den Fäuften loszugehen. Und sie mußte mit ihnen allen fühlen und nach ihren Stimmungen spielen. Im Finstern. Und wenn es Licht wurde, schaute niemand auf fie, empfand niemand mit ihr, vielleicht wußten sie gar nicht, daß fie existierte. Sie war tein Rinodrama. In der kurzen Baufe aber eilte sie nach Hause unb gab ihrem Kinde die Brust. Brief aus dem Krankenhaus. Liebe... Bon Gerda Weyl. Als ich die Arbeit verlassen mußte und durch den sonnigen Tier garten ins Krankenhaus fuhr, erleichterteft du mir den Abschied: " Laß gut sein, es verbringen manche die Ferien in Moabit!" Es ist hier wirtlich, wie in jenem anderen Teil von Moabit: Ich bin nicht mehr ich. Ich bin eine Nummer. 9760- so fannst du mich erreichen und vorläufig, bis man den Bazillus entdeckt hat, der mir zu schaffen macht, vorläufig bin ich sogar Fall 9760. Schwestern sehen nach mir, in einem fort, fragen mich geschickt und ungeschickt aus nach den Lebensumständen; die Bezeichnung meiner Religion wurde vorher schon für die Statistik genau gebucht. Die Schwestern rufen auf dem Korridor: Die Müller zur Durch leuchtung, Die Schulze Abgang". Weißt du, hier werde ich ganz tindisch; bei diefem die flappt in mir der Kindervers: Die steht im Stall, hat vier Beine und' nen Schwanz und du dumme Bagelgans!" 100 bift' ne Beilage des Vorwärts Ich lieg auf sehr falten oder klebrig hißenden Gummidecken, allein in einer grauen Steinzelle, fünf zu zehn Schritt. Hinter mir das Fenster, vor mir die Tür mit einer verhängten Glasfläche. Alle paar Minuten hebt jemand das Tuch, Augen starren herein, ich merte es jedesmal. Man will wohl feststellen, ob ich noch lebe Nachtmache durch die Gänge, alles ift ftill. Weither vom Hafen Um 18 Uhr beginnt die endlose Nacht. Selfen schleicht die schreckt eine Schiffspfeife. Die hörst du auch Bum Teufel, ich werde hier ganz wehmütig. Lange fiege ich wach, doch morgens um 6 Uhr schlafe ich feft, da wedt man mich meffen. An der Wand bewegt sich etwas, eine große Spinne schreitet vorsichtig auf ihren langen Beinen.„ Spinne am Morgen, bringt Summer und Sorgen fagt man bei uns und läßt nur die Spinnen ( erquidend und labend) ficht. Sorgen habe ich hier in jedem Leben, die man am Mittag( Glüd am dritten Tag") oder am Abend Fall und ich bin so närrisch zu hoffen, daß das Spinnentier arg Mittag und Abend wiederkommen wird. Daß mir jemand Glück in dies Gemäuer bringt, tann ich wohl gebrauchen! Endlich, um 9 Uhr, nach fünfzehn Stunden, gibt es etwas zu effen. Aber ich darf es nur ansehen. Nüchtern muß ich zur Blutentnahme sein. Blutentnahme in die Arme bohren sich die Sprizen, binden ab, und saugen mir das Blut heraus. Die Arme eriahmen, mein Kopf ist leer und müde und taumelig. Du wirst lächeln, weil es nichts Schlimmes iſt- aber der Schmerz, den jeder felbft erleidet, ist doch der schlimmste. Am Mittag schleppt man mich ins Röntgenlaboratorium, zwischen zwei Platten gequetscht, gebrüdt, gezerrt der Arzt ruft der Schreibschwester zu:„ D. L. o. B." glüdlich rate idy: Durch leuchtung ohne Befund. Lunge frei! Hurra! Das Unangenehmste scheint mir vorbei. Ich werde noch etliche Zeit durch den Spion begafft werden, werde zur Chefvisite, dem Soldaten beim Appell gleich, ftramm" im Bett liegen und dann dann werden mir zusammen die Schiffspfeife hören! Wenn es bald wäre Und den Spinnen werde ich zu feiner Stunde mehr gram fein. Wirbelstürme als Folge eines Delbrandes. Eine merkwürdige Naturerscheinung wird aus Kalifornien berichtet. In San Luis Obispo, einem bedeutenden Mittelpunkt der Delfelder, waren infolge eines Blizfchlages die gewaltigen Delbehälter in Brand geraten. Als in der Nacht der Bind umschlug, breitete das Feuer sich noch weiter aus, so daß in der ganzen Gegend sich eine unerträgliche Hitze ver. breitete. Gleichzeitig entstand ein Wirbelsturm, der so sterk war, daß er ein Haus 50 Meter weit fortriß, das dann in Trümmern niederfiel, wobei der Besitzer und fein Sohn getötet wurden. Drei Tage lang entstanden noch Hunderte solcher Wirbelstürme, die zun Teil 5 Kilometer weit reichten und einen ungeheuren Schaden an richteten. Der Sitz der Seele. Von Dr. Friedrich Frankius. Bor menigen Wochen wurde in Moskau ein eigenartiges Museum eröffnet: es ist nämlich dazu bestimmt, die Gehirne der Professor Bechterew, der seine Spezialausbildung auf deutschen Hoch großen Männer aufzunehmen. Der Schöpfer dieses Gehirninstituts, schulen erhalten hat, ist nun furz nach Weihnachten im Alter von 70 Jahren gestorben, und fein Gehirn wird zu den ersten gehören, die in der neuen Forschungsstätte aufgestellt werden. Durch einen Bufall gelangte Bechterew, der gemeinsam mit dem Neurologen Mendel bisher unbekannte Kerre und Nervenbündel im Gehirn entdeckt und Untersuchungen über die Lokalisation bestimmter geistiger Fähigkeiten angestellt hat, efues Tages in den Befig eines eigen Mendelejem hatte ihm das Gehirn ihres Mannes überlassen, um die artigen Gehirns. Die Witwe des großen russischen Chemifers Wissenschaft zu fördern. Bechterews Abhandlung„ Das Gehirn des Chemiters Mendelejem fand im weiten Kreise Beachtung, die sich auch seiner Forderung anschtrffen, daß man, um das Genie zu ver stehen, die Gehirne genialer Menschen erforschen müffe. Es wurde Bechterew ermöglicht, auch das Gehirn des großen Komponisten Rubinstein zu untersuchen, und zugleich bot sich ihm die Gelegenheit, das Gehirn eines anderen bedeutenden russischen Mufikers zum Vergleich heranzuziehen. Beide Gehirne zeigten weitgehende Ueber einstimmungen, besonders in einer mächtigen Entwicklung jener Windungen, in denen nach Ansicht der Neurologen Gehörfinn und mufitalisches Talent lokalisiert sind. Uebrigens find Bechterews Forschungen nur in der Methode neu, micht in der Idee. Sobald die Menschheit sich über die ersten, tierischen Stufen ihres Daseins erhoben hatte, fragte man sich: Was ist des Menschen Seele, und wie kommen die Handlungen zustande, die wir als geistige oder feelische bezeichnen? Wo por allem ist der Siz der feelischen Vorgänge? In den Dichtungen Homers wird behauptet, daß sich die Seele im 3werdyfell oder auch im Herz auf halte. Schon Hippotrates aus Chios, der erste große Arzt des Altertums, lehrte dagegen im 5. vorchriftlichen Jahrhundert mit flaren Worten, die ausschließliche Beziehung des Gehirns zur Seelentätigteit. Er und feine Schüler wußten, daß alle Geistestrantheiten Gehirnletden find. Descartes, der große Mathematiker, der mit seiner Zweifelsucht die neuere Philofophie einleitete, gab der Seele im Gehirn sogar einen besonderen Siz in der sogenannten 3irbel drilfe, dem einzigen dort nicht gedoppelten Organ. Auch Kant mar überzeugt, daß das Gehirn der Siz der feelischen Funktionen sei. 2her Kants Anschauungen über das Seelenleben drangen kaum über die Kreise der zünftigen Philosophen hinaus. Wenige Jahre nach dem Tode Rants beschäftigte fich fedoch hoch und niedrig mit einer der wichtigsten Fragen des Seelenlebens, freilich in einer für den Laien fehr bequemen Form. Der Anatom Franz Joseph Ball( 1758-1828) hatte sich viel mit der Anatomie des Gehirns befaßt; er hat auch die Großhirnrinde, eine graue Schicht an der Oberfläche des Hirns, als äußerst wichtig erkannt und in die For. schung einbezogen. Gall und fein Mitarbeiter Spurzheim hielten die Anatomie des Gehirns in den größten Städten Europas. Am 14. Mai 1808 legten fie der Akademie der Wissenschaften zu Baris eine ausführliche Denkschrift vor, in der sie zeigten, daß die Großhirnrinde mit ihren Windungen und Furchen in engsten Beziehungen zu allen feelischen Funktionen stehe. Aber die von der Akademie ernannte besondere Brüfungskommission wollte von Galls Lehre nichts wiffen. Nahm fie doch an, daß die Hirnrinde ein drüsiges Organ, wie die Leber oder die Niere fet. Napoleon I., ber germanische Träumereien" witterte, rühmte sich seiner vernichtenben Gegner schaft gegen Gall. Nicht minder entschieden wandte man fich in Wien. auf Geheiß des Kaifers, gegen die Gallschen Lehren. Um nun die große Maffe für sich zu gewinnen, nachdem die ftrengen Biffenfchaftler fich von ihm abgewandt hatten, vergröberte Gall seine Lehren. Seine Phrenologie wurde schließlich eine Lehre von der Zusammensetzung des Gehirns aus einer Reihe beftimmter Organe für befondere Geistestätigkeiten. Stun fuchte er am Schädel beson ders bervorragende Stolen. Banden fie fich, fo wurde bas Draan Sie umflammerte den Hals des Mannes, dieser hob sie in die Höhe, er fühlte ihren warmen Arm, ihren glühenden, weißen, fleinen Körper durch das durchsichtige Kleid und er trug sie zum. Berzeihen Sie mir," sprach der Mann, ich wußte nicht, Er war ganz ernüchtert. Das Mädchen antwortete nicht. Mit gefchloffenen Augen, aber dennoch fanft lächelnd lag sie dort. „ Dummheit," sprach der Mann für sich. Er sah, daß das 1806 und 1807 öffentliche Borlesungen und Demonstrationen über Mädchen schlummerte, er zögerte einen Moment, dann.. Als das Mädchen die Augen öffnete, war sie allein. was * Als sie zu Mittag des nächsten Tages von ihren Schülerinnen nach Hause fam, blieb ihr Blick auf einem am Tor befestigten Zettel haften.„ Ein Zimmer zu vermieten." Bevor sie in ihre Wohnung tiat, schaute sie hinüber zum Zimmer des Jünglings. Das Fenster stand offen, auf der Tür flebte ein Zettel: Hier ist ein Zimmer zu vermieten." Aus ihrem Gesicht verschwand der letzte Blutstrapfen .Er ist fort," fapte sie.„ Er ist vor mir geflohen." Gie brachte das Kind im Spitel zur Belt Ihre Schülerinnen hatte sie verloren Sie wurde überall mit sinem höhnischen Lächeln empfangen. Dante, Sie waren lange einstweilen als entdeckt betrachtet. Bon ftrenger. wissenschaftlicher Methode war in Galls Verfahren bald feine Spur mehr zu finden. Kapfel mit ihren Erhebungen und Vertiefungen dazu, aus ihrer GeDiente ihm doch die äußere Umhüllung des Gehirns, bie tnöcherne stalt weitreichende Schlüsse zu ziehen. Aber gerade diefer Umstand war der Verbreitung seiner Lehre günstig. Schließlich hat jeder zu derartigen Forschungen" Talent und Geschick; ihre Ergebnisse find fast immer anregend und volkstümliche Erfahrungen" bestätigen regelmäßig die Lehren, die auf solchen Theorien gegründet werden. Tiererperimente und Beobachtungen anderer Forscher am Krankenbett und bei Sektionen zeigten, daß in Galls Lehre ein berech bestimmte willkürliche Bewegungen unseres Körpers ihren Ursprung tigter Kern steckt. Man tonnte unwiderleglich nachweisen, daß in der Hirnrinde haben. Die Beziehungen der Großhirnrinde zu den geistigen Borgängen wurden eine gesicherte Tatsache der ärztlichen Bissenschaft. 3um Pfydologen und Psychiater gefellte sich der Anthropologe. Eine ganze Reihe von Methoden wurde ausgearbeitet, um die Bildung des Gehirns genau zu bestimmten. Man begnügte sich nicht damit ,, die Schädelformung und den Schädelinhalt, das Verhältnis des Körpers zum Gehirngewicht festzustellen. Broca beobachtete, daß mit der 3erstörung der dritten linken Stirnwindung des Gehirns bei Rechtshändern die Unfähigkeit zu Sprechsewegungen derbunden ist. Bernice fah, daß die Zerstörung der ersten Schläfen windung den Verlust des Sprachverständnisses nach fich zieht, und folche Beobachtungen blieben nicht vereinzelt. 21ber erft mit dem Beginn unseres Jahrhunderts Jett eine plan mäßige Durchforschung des Gehirns und feiner Funktionen ein. In Deutschland leitet Prof. Bogt bas Kaiser- Wilhelm- Institut für Hirn forschung, beijen Direktor er ist. Vogt fand, daß man die Rinde des ganzen Großhirns in fieben, von außen nach innen aufeinander folgende Hauptschichten gliedern fann. Je niedriger ein Tier organifiert ist, um fo meniger Schichten finden sich. So weist der Alligator in seinem Großhim nur eine einzige Schicht auf Die Schichten des menschlichen Großhirns find nach der Zahl und Form ihrer Nervenzellen recht verschieden; es gibt in jeder Schicht auch un ermarter viele, starte örtliche Abweichungen im Bellbau. Eine dritte Merkwürdigkeit: Jede Beränderung in einer Schicht der Großhirnrinde wird an der betreffenden Stelle von solchen in allen übrigen Schichten bepleitet. Auf Grund dieser örtlichen Unterschiede fann man mun unsere Großhirnrinde in Rindenfelder einteilen. Jedes diefer mehreren hundert Rindenfelder hat seine besondere Archi teftonit" der Belfen, die von bestimmter Bedeutung ist. Anatomische, experimentelle, flinische und entwicklungsgeschichtliche Methoben haben eine Mannigfaltigkeit des Gehirngefüges aufgedeckt, die dem vermidfelten Seelenleben nunmehr ein ebenfolches Gehirnleben" zur Seite stellt. Die erschöpfende, eindeutige Zuordnung von Seelischem 3u ,, Gehirnfidhem" ist freilich noch zum großen Teif Zukunftsaufgabe: aber vieles ist bereits jetzt schon gesichert. Wir fennen z. B. die Stellen, die als Träger der Fähigkeit zum aufrechten Gang anzusprechen sind; fie find beim Affen nur schwach, beim normalen Menschen start entwideft, bei tranfen mit Gehstörungen zerstört. Ein anderes Beispiel: in der linfen Gehirnhölfte des Schimpansen finder fich ein mäßig entwideltes Feld; es ist beim Menschen auffallend entwidelt: wird es beschädigt, ruft es Worttaubheit hervor. Der verstorbene foglaldemokratische Bolttifer Emanuel Wurm, anch befarnt als popularer naturmisenschaftlicher Schriftsteller, hatte Bogt fein Gehirn vermacht. Die Unterfudning zeigt eine sehr geringe Ent midtung eines primitiven Sehzentrums. Dadurch war für höhere Rindenzentren mehr Blah im Gehirn, und solche Höherentwicklung mies denn auch das Gehirn Wurms an anderen Steffen auf,&. B in der Sprachrenien im Schläfenlappen. In Lenins Gehirn waren die Rellen einer Reihe von Rindergeldern ganz befonders proß. Boot und seine Mitarbeiter haben nachgewiesen, daß seelisch gelftige Fähigkeiten objektin durch die Betrachtum das Hirns srtanni werben fönnen. Vielleicht wird es fünftigen Generationen einmal möglich sein, wertvolle Gehirne zu zitten und damit die Grane t Bebirns pratif au feu, In den Morgenstunden des 17. Januar wurde unser Borstandsmitglied Herr Regierungsbaumeister a. D. Dr. Ing. Bruno Langfeit im Alter von 34 Jahren von qualbollen Leiben burch einen fanften Sob erlöft Unermübliche attraft. bobe Intelligens, ftarle baulünstlerische Begabung, berbunden mit sicherem faufmännischen Blid, beläbigten den Entichlafenen zu bervorragend erfolg reicher Arbeit. Ein bartes Geschid zerschnitt bie reiche Enttoidung vollen Lebens. Ein zielficherer, verantwortungsvoller Mitarbeiter, ein tatträftiger Führer ist unferer GefeDichaft entriffen. Die Lüde wird nicht auszufüllen sein. Aufsichtsrat und Borstand der Gaofah, Gemeinnügigen Aktien- Gesellschaft für Angestellten Heimstätten Berlin. Die Am Donnerstag, dem 19. Januar, nad mittags 8, Ubr, findet in der Kapelle bes Alten Matthätfriedhofes am Bahnhof Großgörschenstraße eine Trauerfeier statt. Beifegung erfolgt am Sonnabend, dem 21. Januar, nachmittags, auf dem erften Altstädtischen Friedhof in Königsberg i. Pr. Bir erbfelten die erschütternde Nachricht, daß in früher Morgenstunde des 17. Januar das Borstandmitglied unserer Gesellschaft, Herr Dr. Ing. Bruno Langfeit Regierungsbaumeister a. D. nach qualvollem Reiben verftorben ist. Der Tob hat ihn in der Blüte seiner Jahre aus einer arbeits- und erfolgreichen Tätigkeit herausgerissen. W Der Entschlafene war uns als Leiter der Bauabteilung und als Borstandsmitglied der Gagiah, Gemeinmäßige Attien- Gesellschaft für Angeftelten Heimstätten, ein Vorbild treuefter Pflichterfüuung und ein Borgelegter, 311 dem toir ftets mit Hochachtung aufblidten. 28ir werden ibm über das Grab hinaus ein trencs Gebenten bewahren. Die Angestellten der Gagfah Gemeinnügige Artien- Gesellschaft für Angestellten Heimstätten. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todesanzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, bağ unser Rollege, ber Klempner Oswald Bellert am 15 Januar gestorben ist. Chre seinem Unbenten! Die Einäfcherung findet Domterstag, den 19 Januar, abends Uhr, im Rrematorium Baumfa, ulenweg, Rief holzstraße, ftatt. Rege Beteiligung armortet Die Ortsverwaltung. Arbeitnehmerverband des Friseur und Haargewerbes. Am 16 Januar starb plöglich nach furzem Leiden der langjährige Sanpttaffierer unteres Verbandes, unser lieber Kollege Julius Langner Gett im Alter pou 54 Jahren. 20 Jahren der Sachwalter ber Organisation, hat er mit nie erlahmendem Blichteifer und feltenez Zuverlässig. feit fein Amt muftergü tig nerwaltet. Uns war er mer ein treuer Rollege, tin nie verjagenber Frennb und Berater. Wir werden seiner stets ehrend gepenten. Der Berbandsvorstand. Theater, Lichtspiele usw. Mittwoch, 18.1 28 Staats- Oper Am Pl.d.Republ. 8 Uhr: Mittwoch, 18.1.28 Städtische Oper Bismarckstr. Ab.- Tarn. 1. Anf. 7% Fidelio Manon Staatl. Schauspielh. Staatl. Schillerth. Am Gendarmenmarid 8 Uhr Charlottenburg 8 Uhr Penthesilea Wozzek Volksbühne Theater am Bülowplatz Th. am Schiffbauerdamm 8 Uhr: Mann ist Mann 8 Uhr Schieber des Ruhms 8 SCALA Nollendorf 7360. Jack Hylton und das neue internationale Varieté- Programm Deutsches Theater Norden 10334-37 BU Ende 11 U. „ Peer Gynt Kammerspiele Norden 10334-37 81, U., Ende nach 10 4 Finden Sie, daß Großes Schauspielhaus Norden 2951/53 Anfang 8 Uhr Ende 11 Uhr. Die neue Charell Inszenierung Constance side richtig Pompadour verhält?" mit Die Komödie Massary Bismarck 2414/7516 8, U., Ende 10%, U Die Ehe von Welt Berliner Theater Direktion Kuhnert. Charlottenstr.90-91.05nh.170 81 Uhr Heidemann Bendow Jankuhn Werkmeister Westermeler Picha Ruth Walker Max Adalbert Billie Collins als Der Herr von... Piscatorbühne Theat. a. Hollendorfplat Kurfürst 2091/93 Heute geschlossen! Freitag, abds. 7 Uhr Premiere Snowball Winkelstern Sunshine Girls Ausstattung: Prof. Ernst Stern Dr. Ernst Hauke Residenz- Theater Tägl. 8 Uhr: Die Abenteuer des er gr. Lustspielerfolg braven Soldaten Schwefle Nach dem Roman von Jaroslaw Hasek von Max Brod Sticimama mit Hansi Arnstaedt Jise Neuth, Paul Henkels, und Hans Reimann Emil Mamelok, Andre Mattoni, Insc. Erwin Piscator Barnowsky- Bühnen Th. Königgrätz. St. Bergm. 2110 8 Uhr: Schloss Wetterstein von Wedekind Regie Victor Barnowsky Komödienhaus Norden 6304. 8.15-10.40 Uhr: Hokuspokus von Curt Götz Salienburg- Bühnen Heute Abend treffen fich alle Rheinländer Berlins und die Freunde des deutschen Liedes beim Lieder Festabend auf der Ausstellung ,, Deutscher Rhein Deutscher Wein in Bild und Lied" im Funkhaus des Männergefang 100 Gänger vereins von 1878 Dazu das ungekürzte große Programm Eintrittspr. D. 1.50, einschl. Tanz u. Steuer Gonnabend, 21. Januar: Rheinischer Gesindeball Eintrittspr. M. 3.-, einschl. Zonz 11. Steuer Vorverkauf: Berkehrstiost Unter ben Linden, Ede Friedrichstraße und Auskunftsstelle, Char lottenburg, Rönigin- lisabeth- Str. 22 Haupttaffe) Drs. Künstler- Th. Blumenspenden Prima Gänse Uhr: „ Evelyne" Lessing- Theater 8 Uhr Rose Bernd" Metropol- Th. Täglich 8, Uhr: Die schöne Helena" Oper. v. Offenbach Mar Pallenberg, Violetta de Walhalla- Th.Strozci, Ed. Lichtenstele. Weinbergsweg 19/20 Gersan, Zamps, Matzner. Eine Liebesnacht Th. im Admiralspalast Operettenschwank in 3 Akten v. Halton Tägi.8%, Uhr Musik von Osterloh ALLERLoni Pyrmont in der Hauptrolle Kleines Theater Vorz. Park. Statt 4, Täglich 8 Uhr: Eine Kleine ohne Bedeutung Bugen Bing, Max Landa. Theater des Westens Täglich 8, Uhr: Münchhansens letzte Liebe Operette von E. Steffan Lustspielhaus 81% Uhr Guido Thielscher ..Unter Geschäftsaufsicht" auch Sonntag nur 60 Pt. Thalia- Theater 8: Das Kamel geht durch das Hadelohr TAUENTZIEN REVUE Wann und wol Verlag Joachimsthaler Straße Planetarium am Zoo Noll 1578 Der Sternhimmel der Heimat. LAST Vorführ. 16% u. 19% KTOPFER Reise z. Aequator INCARE HAUPTROLLE MARY PHILBIN JWAN MOSJUKIN Rose- Theater VORSTELLUNGEN 84, Uhr Orpheus i.d. Unterwelt 6.8.10 UHR 84 Komische Oper 84 Neuartiges Revue- Stück Alles Nackt! ( Nach d. gleichn. Paris. Revue Tout nu). 200 Mitwirkende! Original Pariser Kostüme. Parkett 3,30 Mk. Theaterkasse ununterbr.geöffn. CASINO- THEATER 8 Uhr Lothringer Str. 37. Die spanische Fliege. Ausschneiden! Gutschein 1-4 Pers Fauteuil nur 1.10 M.. Sessel nur 1.60 M WINE BARTEN Das Räbel von Kennersreuth! Piletto! Und die gr. Neuheiten. Renaissance Theater Steinplatz 901. Täglich 8% Uhr: Coeur Bube. Reichshallen- Theater 8 Uhr, Sonntg. nachm. 3 Uhr. Stettiner Sänger ..Noltes Wochenende" nachm. halbe Preise. Dönhoff- Brett'l: Kabarett, Varieté Konzert. Tanz. Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Straße 6. Täglich 8 Uhr Vorführ. 18 u. 21 Uhr Eintritt 0,50 M. Klader must. 15 Jahren 0.25 M. jeder Art liefert pteismert leicht gefroren, 65 bis 80 Pfennige, Paul Golletz. Dorm. Robert Meyer Mariannenstraße 3. de Raunonitraße Am Morispl. 103 03 ontor bedarf VERGENS lexanderplatz verkauft bis auf weiteres Kasparek& Höhler Ferdictah 1114 Zentra markthalle, Reihe 13, Stände 195 und 186. MaskenKostüme elegant und preiswert nur im Film- Kostümhaus Ortskrankenkassed. Mechaniker, Optiker und verwandten Gewerbe zu Berlin. Bekanntmachung. Ausnahme Angelote! gunftigen Breifen nur Dobel- Magazin. 821 tatsächlich Invalidenstraße 181, Saltestelle Stettiner Bahnhof Stammhaus Rügenerftraße 18. Polierte Schlafzimmer in Birke, Eiche, Die som Borstand und Ausschuß ber simmer, 250 breit, sezlegbar, ganz erftNußbaum, Mahagoni 630, eichene E Raffe ant 19. Dezember 1927 befchloffene laffige Berarbeitung, 645, Möbel23. Abänderung der Reifenfegnng. Magazin, Invalidenstraße 131, Saltestelle betrefiend die Wenderung des 71, bf, Stettiner Bahnhof. und 11, fowie bie am gleichen Tage be fchloffene neue Wahlordnung find fchwere Ausführung, mit echtem Mar Schlafzimmer, 160 breit, breitürig, Dom Oberversicherungsamt Berlin am 6 Januar 1928 genehmigt worden. mor und Spiegel 365, Speisezimmer, Die Abänderung und die neue Bahl. Berzenzimmer, fomplett, et Giche, orbmung treten am Montag, bem 23. Ja. 815,- Anrichtetuchen, fiebenteilig, mit andr 1928, in Kraft Binoleum, lafiert unb ladiert, 95, Drudiide find ta einigen Tagen im Möbel Magazin, Snvalidenstraße 131, Raffenlotal erhältlich. Salteftelle Stettiner Bahnhof. Der Vorstand. Halleibeschränke, Rußbaum fourniert, 150 breit auf Pianobant, breitürig, M. Gutsche, Bars. F. Semann, Schriftf. ertra Bäsche- Abteilung und Spiegel, 128 Englische Bettstellen, tomplett. 55, Waschtommoden mit Marmor Spiegel 78,-. Nachttische mit 27.-. Motettelofa 65, Chaiselongue 18,-. Standuhren 68,-. Diplomaten 53,-. Bierzugtifche 78, Riefenauswahl in Einzelmöbel. tomplette Einrichtungen, Renaissancentöbel. Rahlungserleichterung. Möbel- Magazin, Invalibenstraße 181, Saltestelle Stetti ner Bahnhof und 10000 in 4 Monaten Apotheten verbreitet. Soeben erschien die 2. Auflage ADOLPH HOFFMANN AMORETTEN Giftpflanzen aus dem Irrgarten der Liebe 104 Seiten stark. V. Pädagogen, Aerzten, Juristen und Presse glänzend beurteilt Spätherbstblüten Gereimte und unger. Lebensbilder Mit Porträt u. Faksimile des Verfass. sowie 6 Vollbilder u.Sichelvignette auf Kunstdruckpapier von WILLI STEINERT Jedes Buch kostet gebd. 2 M. Porto u. Verpackg. 0.25 M. Kartonieri 1.00 Zu beziehen durch: Sämtliche Vorwärts Ausgabe. stellen und deren Botenfrauen sowie direkt vom Verlag Adolph Hoffmann, Berlin 0 17, Koppenstr. 6, II. Verkäufe Gelegenheit. Büfett 75-, Umbauten 28,- Nußbaum- Schreibtische mit AutTag 35.- Kleiderschrank 18,-, Bertito 15-, Küchen 24,-, Bettstellen 15, Watchtoiletten mit Marmor 14,-. Möbel- Magazin, Invalidenstraße 131. Saltestelle Stettiner Bahnhof. Musikinstrumente Linkpianos, überaus preiswert. Vianofabrik Lint. Brunnenstraße 35 Bahrtpianos, Prachtinstrumente, Teilzahlung, teilweise Mietanrechnung. Bianofabrik, Sauptstraße 1, Ede Grune waldstraße. Alles stannt. Reine Labenpreise, ab Lager fabrikneue Bianos, Cime, 480, fchwara 590,- bis 650,- Bangjährige Sarantie. Rahlungserleichterung. Rur Schönleinstraße 6, Piano- Versandhaus Boigt, vorn 2 Treppen, am Rottbusser Damm. Zahlung nach Wunsch, Pianos neu und gebraucht, mit herrlicher Tonfülle, ohne Anzahlung, fleine Raten, fehr preismert, Langjährige Garantie. Bianohaus, Königgrägerstraße 81. Landonions, Lange, Uhlig, meltberühmt, Fabritlager, Fabritpreife. TeilBeachtenswert! Deutsches Teppichbaus zahlungen, Ileine Anzahlung. Musil Emil Leferre felt 1882 aur Oranien weigel, Adalbertstraße 91. ftraße 158. Reinerlei Beziehungen zur ähnlich flingenden Firma. Man achte auf Bornanten Emil. . Fahrräder Fahrräder, erstklassige Markenräder. 10 Zentner prima Tafeläpfel, pro Teilzahlung. Fahrrabhaus Centrum, Willi Ernst Bentner 10 Mart ab Station, hat abzu linienstraße neunzehn. BERLIN SO, geben Martin Bauer, Edelfingen( Bad) Köpenicker Straße 35b Mergentheim), Württemberg. Vorzeiger 10% Ermäßig. Speisezimmer jetzt auch auf Teilzahlung Bekleidungsstücke, Wäsche usw Freilaufräder 30, Teilzahlung 3 Kraus, Große Frankfurtersttraße 52. Kaufgesuche Wenig getragene Sadettanzüge, teils auf Geibe, 18, Gmolinganallge, Baud angige, Satenmäntel, Baletots, ftau- Pistolen, Armeeformate, höchftzahlend. neub billig. Gelegenheitstäufe in neuer Preußner, Kaiser- Friedrich- Straße 244 Herrengarderobe. Leibhaus Rosenthaler( Hermannplag). Tor, Linienstraße 203-204, Ede Rosen Zahngebiffe, Silberfachen, Sinn, Blei thalerftraße. Reine Lombardware. Quedilber Goldschmelze, Chriftional bis zu 24 Monatsraten! Beibban Spiegel, Chauffeeſtraße 7. Söpendere. 89( nahe balbertſtraße). Gegr. 1862 NOLTE Gegr. 1862 Werkstätten für Wohnungseinrichtungen Gelegenheitsfäufe menig getragener, Briefmarken, Münzen fauft Groß auch neuer Serzengarderoben. Bels mann, Johannisstraße 4. waten Reine Lombardware. Benig actragene Ravaliergarderobe Unterricht Don Millionären Meraten Anwalten. Fabelhaft billige Breife Empfehle Berlin N 58, Schönhauser Allee 141 a Faillenmäntel Baletots, Frads Smo Aurzjchrift, Raschineschreiben, Buda Hochbahnhof Danziger Straße Reklame Das originellste Kostümfest der Reklamefreunde und Künstler SONNABEND, 21. JANUAR PHILHARMONIE Künstlerisch zauberhafte Dekorationen ÜBERRASCHUNGEN UM MITTERNACHT 50 wertvolle Gegenstände ohne Tombola, also kostenlos. Jede Dame ist hierauf Anwärter! Dr. Becce's Gloria- Symphoniker Original- Kapelle Kermbach Original- Zigeunerkapelle Jonescu ( 3 Bechsteinflügel) FÜNF SPENDEN Für die Damen: Festpackung von Nestle's Schokolade, Magic- Compact- Puderdose mit Spiegel und Quaste und Sonderüberraschung. Für die Herren: 50 Halpaus- Zigaretten und Cinzano- Torino. Künstlerischer Festalmanach von der Kunstanstalt Meisenbach, Riffarth& Co. A.-G. KEIN KOSTÜMZWANG KARTEN zu& Mark an allen Theaterkassen von A. Wertheim, Im Voxhaus, Potsdamer Str.4, bei Twardy, Potsdamer Str. 12, A. Molling, Unter den Linden 8a, Philharmonie, Bernburger Str. und in den V.d.R.- Geschäftsstellen, Potsdamer Str. 105a und Neue Bayreuther Straße 8. Logenkarten zu 15 Mark und Tischbestellungen( Platz 2 M.) nur im Festbüro, Unter den Linden 59a( Girardet), Zentrum 1195. 10 PR PARKANGE 100NEUE WELT Quittungs-, Rabaitu.Reklamemarken egen Nachahmung gesetzl esch. fertigt seit 45 Jahr. als Spezialität Conrad Muller Elite- Sänger Leipzig- Schkeuditz nferate im Vorwärts im großen Januarprogramm! Jeden Sonntag nachm. 3 Ubr: Große Familien- Vorstellung ( ungekürzt). Volkspr. 0,40, 0,75, 1,1,25, 1,50, 1,75 M ficheen Erfolg! Arnold Scholz Hasenheide 108-14 Gr.Bockbierfest in den bayr. Alpen 7 Kapellen Heue Dekorationen 30 bayr. Madeln Voranzeige: Donnerstag, den 19. Januar Großes Schweineschlachten Redmen, Rorrrespondenz tings, Gehrodanzüge, Safen. Sport, fhrung, Gebpelze Gelegenheitstäufe in neuer Aulich, Genbelstraße 1( Spittelmart). Deutsch, Schönschreiben, Bücherrenifor Garberobe. Beitefter Beg lohnenb. Bothringerstraße 36, 1 Szeppe, Rofen. thaler Blas Beibhaus Morigplas 58. Belsfragen Verschiedenes 12, Belafaden 50- Belzmäntel Bücherabschluß, Steuerbearbeitung. 100,-, Sportpelge 85, Gehpelse 125 Bilderrepilor Felig Oppel, Jagowstraße 5. Ravaliergarderobe, teils auf Geibe: Anania 2086. age 25,-, Baletots 30,-. Reine Lom bazbmare, Möbel Saalbau Alpenbort, Snvalidenstr. 63, Lehrter Bahnhof. Seben Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend, Sonntag: Großer Ball. Treffpunkt der Strohwitwer. Eritflaffige Stimmungstapelle. Rur Rebfelb, Babstraße 34, bietet porColibrisale, Martin- 2uther- Straße 69. teilhafte Schlafzimmer, echt Eiche 495 Mittwochs, Donnerstags, Sonnabends 575,750 mit echtem Marmor unb Conntags Eliteball der reiferen guten Prellauflagen. Bolierte Gelaf zimmer in Mahagoni, Rußbaum, Birte. Jugerb. Nur Rehfelb, Babftraße 34, bietet vor Die Beleidigung gegen Schloßer Fris teilhafte Speifezimmer, mundervolle, Flöter, Mariendorf, Großbeerenstraße 18, Frau ( mere Bfetts und Krebenzen, großer nehme mit Bebauern aurid. Ausziehtisch, Stühle mit echt Rindleder, Sohanna Regler. 365,-, 495, 585,-, 750,-. Nuz Rehfelb, Badstraße 84, bietet poz teilhafte Serrenzimmer, breiteilige Bi. Geldverkehr Leihhaus Blitcherstraße 10. $ öchſte bliothet, Diplomat mit englischen Bügen, Beleihung jeder Bettlache. geschnigter runder Tisch, Schreibsenel, Stühle mit Rinbieber, 293,$ 75, 495,- 650. Rur Rehfeld, Babftraße 34, bietet vor teilhafte Anrichtefügen, weiß, farbig und lafiert, in befter Ausführung, 115, 165 225, 293. Vermietungen Wohnungen Rar Rehfelb, Babftraße 84, bietet por Moabit( renoviert) taufche gegen eben Connige 8wei- Zimmer Wohnung in teilhafie Ankleidefchränke, Ciche, Ruß- folche. Gegend gleich. Eventuell Un baum, mit Spiegel, 115,-, 165,- Wasch toiletten mit Spiegel 98,125, farte 885, Boftamt E. 68. augsvergütung. Sufchriften Lager Nachttische 22 28,- Apotheten, englische Beitstellen 86, 49, 55, Patentmatragen 14. Auflagen 18 25 Rur Rehfelb, Babfirage 84, bietet porteilhafte Büschlofas, 98,-, 125, Chaiselongues 29, 39, 45. Diplo maten- Schreibtische, echt Eiche, 75,-, 98, 120, Ausziehtische 36, 48, 55, Rohrstühle 5,90, 6,75, 7,50, Ruz Rehfelb, Babftraße 34, bietet vor teilhafte Sahlungserleichterungen, Sämt Tiche Bieferungen bis 100 Rilometer mit eigenem ufo frei Saus. Rataloge werben wegen der billigen Preise nicht perfenbt, aber Besuch meines RiefenLagers lohnenb Chaiselongues, Metallbetten. Auflege. matragen, Batentmatratzen. Walter, Stargarderstraße achtzehn, Spezial gefchäft. Fünfundanfaig Herrenzimmer, Leber fofas, Leberieffel, Rlubtifche, herabgefegte Breise. Rahlungserleichterung. Ramer ling Raftanienallee 56 Möbel- Ubelsmane, hure Wir suchen wegen Uebertritts unseres Geschäftsführers in den Dienst der Konzentration AG. zum möglichst baldigen Eintritt einen tüchtigen Geschäftsführer zur Leitung unseres Zeitungs- und Buchdruckereibetriebes. Bilanzsichere, erfahrene Fachleute wollen ihre Bewerbung mit Zeugnisabschriften, Lebenslaufund Gehaltsansprüchen an den Unterzeichneten bis zum 31. Januar einsenden. J. Mohr i. Fa. Chr. Haase& Co., Kiel Verlag der Schleswig- Ho- steinischen Volksztg. Sofamart Tüchtige ftraße abtundſechzig. Püdfistsips herab Mechaniker gefeste Breife: Antleideschränke 85 Rüchen 80 Bettstellen, Gofas, Ruhe betten 32, Schlafzimmer, Spelfezim. mer, Herzenzimmer 245, Rußbaumbilletts. Antichten 115 Bangjährige Garantie! Zahlungserleichterung!( Straße und Hausnummer beachten.) oder Großuhrmacher, ledig, zum sofortigen Antritt gesucht, Angebote mit Zeugnissen und Lohnforderungen an Sprengluft C. m. b. H., Vetschau( Nieder Lausitz). Anzeigen Vertreter tüchtige, für große Berliner Zageszeitung fofort gefucht. Offerten unter B. 5" an die Expedition dieses Blattes.