Abendausgabe Nr. 30 B 15 45. Iahrgang WSchenkNch 70 monatOch 3.— Reichsmark, im voraus zahlbar. linier 6ircifbonb tm In- und Aus» (anb SLO Reichsmart vre Monat. * IT et �SorfvSrts* mit de? Illustrierten Sonntagsbeilage.Volk und Aeif lnwie den Beilogen„lintetrhcühmg und Wiften�»Aus der Filmwell. »Stodrdeiloge�»Frauenstimme�. »�er ZUnderfreund�»Iugend-Dor« Vans�.Blick io die Büchenoell". »Kulturarbeit und»Technik� erscheint wochentäglich zweimal, Sonntag» und Montag» einmal. P- Berliner Vottsblatt Mittwoch 18. Januar 1923 1v Pfennig Ote et»tpakit«e Ronpareill�eT� 80 Pfennig. Reklamezeile S.— Reich» mari»Kleine Anzeigen" das l eng» druckte Wort 25 Pfennig(zulässig z«e.t settgedruckte Dane).' jedes weitne Worl 12 Pfennig. Etellengejuche das erst» Wort 15 Pfennig, jede» weitere Wort 10 Pfennig Worte über 15 Buchstabe» zählen für zwei Worte Arbeitsmartt Zelle 60 Pfennig. Familienanzeige» für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen- annahm» tm Hauptgeschäft Linden- strafe 2. wochentägl. ooü 8'/, bis 17 Uht Jentvalovsan der Gozialdemokeatifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhosf 292—207. Telegramm-Adr.: Sozialdemokral Berlin Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Poirscheckkonto: Berlin S7S5S.— Bankkonlo: Bank der Arbeilcr, Angcstell:«« vnd Veamlen Dallstr. 65. Diilonlo-Gelellschast, Teposttenkosse Lindensir. Z Diktatur gegen die Arbeiter. Gewerkschastsführer werden deporiieri— Gewerkschastsfunkiionäre auf die Giraße geworfen— in Gowjeirußland. ?«s soFioldemokratischc Züricher„zz olksrecht' erhält ans Kunerläjsiger Quelle jolgcnden Bericht über den Stalinkurs In Rustlaud: „Zu denjenigen, die neben Trvtzki, Kamcnc«, Rakowski usw. In erster Linie nach Sibirien oder in andere unwirtliche Gegenden Asiens verschickt wurden, gehören die bisherigen Führer der russischen Gewerkschaften. So traf dos Los der Verbannung den auch in Westeuropa wohl- bekannten Vorsitzenden des russischem Lebensmittelarbei- terserbandes, Kroll, ferner den Vorsitzenden des russischen Secleuteverbandes, sowie einen der ersten Sekretäre des russischen Metallarbeiterverbandes. Auch ein R c d a k- t cur des„Trud", des bekannten russischen Gcwerkschostsblattes, wurde deportiert. Eine lange Reihe anderer Gewerkschafts funk- t i o n ä r e. die bloß im Verdacht standen, mit der Opposition zu sympathisieren, oder die schüchtern für diese ein Wort«inlegten, traf die Maßnahme der sofortigen Entlassung. was sür die meisten gleichbedeutend mit dem Hungerdasein ist. Di« also auf die Seite Geschobenen oder Verbannten bezeichnen die Regierung Stalin und ihre Anhänger übereinstimmeick» als ausgesprochen« Faschisten, erklären, das Swlinregiine lest heute so reaktionär und arbeiterfeindlich, daß es sich ruhig mit Musiolini verbünden dürfe. Die Stalinleule dagegen bezeichnen die Opposition und mnncnt- lich deren bisherige Vertreter an der Spitze der Gewerkschaften als die Urheber der.Verhetzung", die neuerdings in den Kreisen der Arbeiter Platz gegriffen habe. Tatsächlich wirkt sich die Wirtschaf!-- Politik der Regierung in einem ungeheuer»erf«Hörsten tohndruck ans, in einer zunehmende« Verelendung der Arbeiter, die schon in ihrer jöinmeililhem Meidung einen traurigen Eindruck machen, aus denen die Teuerung, die Arbeitslosigkeit, die überaus schlimme Wohnungsnot und alles andere lastet. Die Verschickung der Oppositionsführer noch Sibirien hat in Kreisen der alten Bolschewik! um so mehr Empörung hervorgerufen, als gleichzeitig mit ihr die Begnadigung der weißgar- distischen Offiziere ersolgte. Die Verschickung der Verbannten ersolgte am 3. und 6. Ja- nuar. Zwei oder drei Tage zuvor fiel Sinowjew mit einem Drittel seiner Anhänger um. während zwei Drittel von ihnen festbiieben. Dadurch, daß er seine Ketzerei«-, feige abschwor, fjai sich Sinowjew von der Verbannung gerettet. Die chetze gegen die Opposition geht chond in chand mit einer eigentliihen Attacke gegen die Juden, die unter der Opposition ein starkes Kontingent bilden und gegen die darum der chaß des Volkes offiziell geschürt wird. Warschau unzufrieden. Noienwechsel statt Verhandlungen mit Litauen. Warschau. lS. Januar. Der Inhalt d« litauischen Antwort aus die polnische Role. dessen verösfenliichung durch die lettische lelegraphenagenwr in Warschau überraschlc, hat h S ch st e Unzufriedenheit her. vorgerufen. Während ein Teil der presse, ossensichtiich inspiriert, die litauische Antwort in hösliiher weise als ausweichend bezeichnet. nennt sie der„Glos p r a w d y" ein neue» Dokument der U n- zurechuungssähigkeil. Leu litauischen Vorwurf, Polen organisiere in tida ein iitauischcs Emigranten Heer, weist die presic entschieden zurück und erklärt, weder In wiiva noch in tido sei solches bekannt. In polltslhen Srcisen glaub» man nicht, daß die litouiiche Antwort sowohl ihrem Znhali als auch ihrer Form nach den Boden für die Ausnahm« vou Berhondiungen bieten könne. Man glaubt vielmehr, daß sich ein weiterer Iloten- Wechsel entwickeln wird, desien Ergebnis schon deshalb nicht zu übersehen ist. weil Liianen den Völkerbund in die verhond- iungen mlteinzubeziehen wünscht, was hier als ein Verschleppungs- oersoch gedeutet wird. * Der Oberbefehlshaber der litauischen Armee ist am Diensiag plötzlich zurückgetreten. Angediich sollen hierfür Gesundheitsgründe maßgebend gewesen sein. Moskau als FnrdeuSstister Die Sowjetreglerung h-"* in Kowno ein Memorandum über die bevorstehenden Verhandlungen zwischen Litauen und Palen überreichen lassen. Der Inhalt dieses Schriftstückes wird vorläufig vertraulich behandelt., Völkerbund-Llnierfuchung beaniragi? Ein Vorstoß der tschechischen Sozialisten. Prag, lS. Z«muar.(Elgenberlikst.) Die kfchechische« Lozialdemokrateu hoben über die an der österreichisch-ungarischen Grenze von österreichischen Zoll. beamken beschlagnahmten Wassensendungeu eine Jnter- pellation eingebracht, in der um Aufklärung über die herkunsi der wassen ersucht wird. Sie verlimgen Auvkunsi über das, was die Regierung unternommen habe, damit die Internationalen Org«me. die mit der Kontrolle Ungarns bezüglich der Einhaltung der Friedensverträg« betraut sind, ihren Verpflichtungen nachkommen. Genf erwartet die Initiative der Meinen Entente. Genf, 18. 2 t. In den Togen des Umsturzes und geraume Zeit danach spürte man wenig mehr davon. Der Mann der Arbeiterbewegung ga l t und man mochte die Reverenz, die nicht gesucht und nicht beansprucht war. Woraufs ankommt, ist die natürlich« und selbstverständliche Gellung, weilcr nichts. Aber seitdem hat sich wieder etwa? geändert, nicht allgemein, aber in weitern bürgerlichen Kreisen. Man fühlt sich wieder sicher, der Mechanismus, der Besitz und Amt verbürgt, ist in Ordnung. Nun lonn man wieder von oben herab sprechen." Em schöner Erfolg. Aus einer kleinen Landgemeinde. Einen hübschen Erfolg komtte die Sozialdemokratie in der Ge- moinde L u t h, Kreis Königsberg in Preußen, erringen, chiyr fanden im Abstand van acht Wochen Kreistags- und Gemeinde- wählen statt. Bei den Kreislagswahlen halte die Sozialdemokratie 153 Stimmen auf sich vereinigt, die Bürgerlichen 131 und die Kommunisten Ob. Am letzten Sonntag bei den Gemeinde- wählen erhielt die Sozialdemokratie mit lOO Stim- inen die Mehrheit der abgegebenen Stimmen, während die Bürgerlichen nur 122, die Kommunisten sogar nur 23 Stimmen er- zielten. Ein kleines, aber interessanles Symptom für dir Stimmung aus dem flachen Lande! Innerhalb weniger Wochen haben die Bürgerlichen empfindlich verloren, die K o in in u n i si e u sogar fast zwei Drittel ihrer Anhänger eingebüßt. Frankreich für deuische Endsumme. Eck hak Interesse an der beschleunigten Festsehong. London, 18. Januar. Der Pariser Berichterstotter der„Morning Post" bezeichnet es als möglich, daß die Besprechungen des Generalagenten für Reparationen mit der französischen Regierung dazu führen werden, die endgültige Festsetzung der deutschen Verpflichtung nicht. wie früher angenommen wurde, in fünf oder zehn Iahren» sondern schon nach dem ersten vderzweitenIahrder Zahlung der vollen Iahreszahlungen durch Deutschland eintreten zu losten. Di« Verhandlungen seien zwar geheim» aber soviel man höre, fänden dl« Vorschläge P-rrker Gilberts nicht den Widerstand, den die stüher von Frankreich an seinem Bericht geübte Kritik erwarten sieh. Parker Gilbert bei Driand. pari». 18. Januar. Minister des Aeußeren Briand hat gestern nachmittag den Generalagenten für die Reparationszahlungen. Parker Gilbert, und den Lorsitzenden der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz, Lnudsn, empfangen. Da» belglsch« Mitglied der Saarregierung, Lambert, hat end» l l ch seinen Rücktritt zum 31. März angekündigt. Sein Nachfolger — vermutlich«in Skandinavier— wird aus der Märztagung de» Rots bestimmt werden. Golidariiai mii Bazille. Die Deutschnatwnolen übernehmen die Verantwortvag. Die� Deutschnationale Parteikorrespondenz erklärt ihr Einverständnis mit der tollen Rede Bazilles auf der Länder- konferenz. Sie schreibt: .Kann«s wundernebmen daß der„Vorwär�tK" solch« Aus- fübrangen übelnimmt. Boznle hat sich ja di« Sedanken- gonge der deutsch nationalen Entschließung von' 7. Dezember 1927 zur Berwaltungs- und Verfoflungsresorw z u eigen gemacht, in der auch die Einschränkung der Alleinherr- schast der Parlamente durch Ausbau der versassungsmäßizen Rechic de? Reichspräsidenten gefordert murdc. Auch Pazille trat für die Beseitigung des Duolisnrus zmifchen Reich und Preußen ein, er vor- langte die PiZMinigung der Zlemter des Rcichsprasidonten und preu- ßischen Staatspräsidenten." Die rnivizrantroortlichc Drohung mit dem Reichs- verrat ist also dcutschnationalc Partcisoche. Parlamente und öffentlicher Haushalt. Höpker- Aschoff über sparsame Jinanzwirtschast. Aus der Länderkonserenz behandelte Dienstag nachmittag der preußisch« Finanzminist«? Dr. stö p t er> A sch o ff als Referent dos Thema des zweiten Punktes der Tagesordnung:„Maßnahmen zur Gewährleistung sparsam ft er Finanzwirt- schaft". Er betonte zunächst, daß der Preußische Landtag stets ein hohes Maß ran Verantwortung bei Ausgabcbeschliifsen SG«igt habe. An einem vergleich ous England und Frankreich zeigte dann der preußisch,? Finanzminister die besondere Rolle, die der chausbalt in Dsuischland infolge der Zwangsläufigkeit der Aus- gaben und der Rechte-des Parlaments spielt. Er riet,' die Vestim- mung zu übernehmen, daß Anträge auf Mehrausgaben nur mit Z u st i m m» n q der Regierung eingebracht werden können. Ferner soll das Parlament die Einnahmen im Etat nicht bäher einstellen dürfen als die Regierung verlangt. Anleihegeseß- entwürfe dürften nicht als Initiativanträge eingebracht werden. Finonzministcr Dr. läopker-Afchots behandelte dann die Stellung des Finanzministers im Kabinett. Um ein weiteres Ansteigen der ötlenllichen Haushalt« zu vor-| hindern, müßte die Bestimmung getrosten werden, daß Etats- crhähungcn gegenüber dem Vorjahre nur mir Z u st i m- niung des Finanzministers vorgenommen worden dürfen. Der Referent warnt davor, dritte Stellen, etwa den Rcichspräsi- dcnten oder den Reichslparkommisiar, etnzuscholron. Auch erklärte er sich gegen ein Einspruchsrecht des Reichsttnanzministers gegenüber den Ländern. Dos sei eine unmögliche Aufgabe für den Reichs- finanzminister. Der Minister behapdelte dann die Finonzgeborunz der 0 c- m e i n d e n und sührte aus, daß die Schranke, die die veratungs- stelle für�Ländcr und Gemeinden sei. nicht noch weiter erhöht werden könne, vw Preußen habe die Verwaltung in den Kommunen eine sehr starke Stellung, sowohl der Mamstrat wie der Bürgermeister. Zudem bestehe ein Vetorecht der AustichtsbehSrde dadurch, daß die Beschlüsse über die Festsetzung der Realsicuern von gewissen Sätzen ob genehmigt werden müssen. Es komme da nur noch«in Eingriff der Aufsichtsbehörde in Frage, wenn der Etat gegenüber dem Bor- jähr anwachse. » Sie Län�erkonferonz nahm heute morgen ihren Fortgang mit dein Referat des sächsischen Innenministers A p« l t über verwal- tungsresann in Rejch und Ländern, zu dem der bayerische Innen- minister Stütz«! das Korreferat erstattete. ».?},'?!aggennokorrordnung vor dem Landlagsausschuß. Der Twtdsuiiflsnusschuß des Preußisch"«,! Landtages billigte am Dienstag die bekannte Notverordnung vom K. August über die vesiagaung der Dienstgebäude und Schulen in den Ge- meinden. Für die Verordnung waren 1ä Stimmen der Regierungs- porteien, gegen sie 11 Stimmen der Rechten und der Kommunisten. Die Tagung des ZGB. Die Konferenz der Berufssekretäre. .ffeuke varmittag trat die vom Ausschuß eingesetzt« Kam- Mission zu ihren Beratungen zusammen, über deren Ergebnis sie der gcm«insom«n Sitzung des Ausschusses und der Intcrnotio- nalen Berusssekretär« am Donnerstag berichten wird. Die Konferenz der vertreier der Internationalen Berufsse.kretariate wird von den» Genossen Mertens er- öffnet und geleitet. Di« neu gegründete internationale Vereinigung der Maschinisten und Heizer ihre Zulassung zum IGB. beantragt. Nach einiger Diskussion wurde dem Dorschlage.zugestimmt, die Entscheidung dem Bureau des IGB. zu überlassen, so daß etwaige Einsprüche noch gellend gemachst werden können. Die Tagesordnung der Konferenz betrifft zunächst die Beziehungen der Internationalen Bgrufssekre- t a r i a t c mit den' Internationalen(Zewerkschastsbund, in Der- hinduna mit der Frage, welche Veränderungen im Zusammenhang mit der industriellen Entwicklung in den verschiedenen Ländern oder aus anderen Gründen hinsichtlich der organstatorflche» Be. Ziehungen vorzunehmen seien. Die eingehend« Diskussion, die in der Hauptsache von den Genossen Tom Shaw. Simon. Tornow und Fimmen bestritten wird, dreht sich in der Hauptsache um die Durchführung der in Paris neu getroffenen Regelung der gegenseitigen Beziehungen und die besonderen Ausgaben der Konferenzen der Benisssokretariate. Die weiteren Punkte der Tagesordnung betresten die Durch- führung der Kongreßbcschlüsfe des Internationalen Gcwcrkschastsbunbes und die Umgostallung der Presse der Inter- nationalen Berirsssckretariate unter Beihilfe oder Mitwirkung des IGB. Beschlüsse wurden jedoch nicht gefaßt, doch soll dem Bureau des IGB. empfohlen werden, die künftigen Konferenzen der Borufsfekretärc vorzubereiten und entsprechende Richtlinien auszuarbeiten. � Die Aussprache rollte eine Reih« wichtiger Anregungen«is. Der ungeheure Pensionsetat. Selbst Putschisten erhalten Zienten/ Die Generalspensionen Der Haushall für Acrsorgungs- und Ruhe. g e h ä l t c r. der in der Dienstagsitzung des Ausschusies für den Rclchti Haushalt beraten würde, schließt ab mit 1780,3 Millionen Mark, und ist damit der größte aller Etats. Am nächsten kommt ihn' der Kriegslasten etat mit seinen lläü� Millionen. Gegenüber den Millionen, die diese beiden Etats zunächst zwangsläufig verlangen, bleiben die 1724,6 Millionen weit zurück, die dos Reich für sein« gesamte Verwaltung einschließlich der Wehrmacht gebraucht. Es war daher klar, daß in der seist austührlichen Beratung die Frage einen breiteren Raum einnahm, ob in absehbarer Zeit mit«wer Verminderung der Lasten aus dem Etat für Derlorgungs- und Ruhegehälter zu rechnen sei. In der Spezialberatung wurde vom Genossen Roßmann die folgende Entschließung eingebracht und begründet: die Reichs- regierunz zu ersuchen, B e i h i l j« n an hiljsbedürstigc Kriegs- leiknehmar aus dem Kriege 1870/71 und aus früheren Feldzügen ab 1. April 1928 einheitlich auf 30 Mark im Monat fest- zusetzen. Die Regierung erklärt«, der Antrag würde 4 Millionen kosten. Daraus lehnten die Regierungsparteien den fozialdemo- krotifchen Antrag zwar ob. nahmen aber einen Antrag Quoatz an, der in Fällen besondere? Notlage ein: angemessen« Erhöhung der veihilfen verlangt. Ein« weitere sozialdemokratische Entschließung verlangt von der Rcichsrezierung unverzüglich ein« Gesetzc-oorlage über die Festsetzung einer Hoch st Pension und Regelung der Pensionskürzüng bei hohem Arbeitseinkommen vorzulegen! ste wurde angenommen. Ein- stimmig« Annahme fand eine Zentrumsentschließung, nach der die Regierung dem Reichstag baldigst den Entwurf eines P e n s i o n s- gcsetzes für politische B«omte vorlogen solle. Bei dieser Gelegenheit brachte Genofle Roß mann den Fall Gras vor. Gras ist der vertraute Mitarbeiter von Hitler, war beim Putsch am S. Oktober 1923 in München verwundet worden und hat trotzdem von den bayerischen Stellen eine Rente zugesprochen erhalten. Die gleichen bayerischen Stellen lassen jetzt die Witwe E i s n e r im Armenrecht um eine Pension kämpfen.' Genosse S t ü ck l e n wies auf de« unglaublichen Zustand hin, daß nach diesem Etat 7Z Offiziere im Range eines Generalmajors, 37 im Range eines Generalleutnant» und 13 im Range des Generals Pension erhalten. Diese Männer seien vorzeitig bei voller Gesundheit pensioniert worden, damit der Nachfolger einrücken konnte, der dann nach zwei Iahren auch wieder ausscheidet. Kommunisten im Hakenkreuzlerverein. Sie unterstützen die völkischea Siudentenschafien. Aus Studentenkreifen wird uns geschrieben: Die kommunistische» Studenten der Universität Berl« haben. wie sie selbst zugeben und wie protokollarisch festgelegt worden ist. ihren Beitritt zu der neu gegründeten Freien Studenten- schast vollzogen, einer Organisation, der keine der nicht völkischen Gruppen angehört. Sie haben nicht nur ihren Beitritt erklärt. sondern auch bereits am 12. Januar an einer Sitzung dieser Freier-' Studentenschaft teilgenommen. Um das Faktum voll würdige-' zu können, muß man wissen, daß die Freie Studentenschaft weiter- hin im organisawrtschen Zusammenhang mit der Deutschen Studentenschaft bleibt, die ihrerseits als Gesomtorganisatwn an der sagenannten Würzburger Verfassung festhält und somit auch an der Tendenz de» sogenannten Arierparagraphen, der bekanntlich zwischen arischen und nichtarischen Auslandsdeutschen unterscheidet. Die kommunistischen Studenten verschmähen es nach ihren eigenen Angaben auh nicht, der Freien Studentenschaft freiwillig Beiträge zu.zahlen, und da diese Freie Studenlcnschast ihrer- sciis natürlich auch Mittel an die Deutsche Studentenschast abführen wird, werden aus diesem Fonds gleichzeitig die stets verschuldeten hakenkreuzlerischen Kompforganisationen an der Wiener und Prager Universität unterstützt werden, j�nd warum das olles? Bloh um nicht durch irgendeine Koalltioi�WLik an der sogenannten Zellcnbildung verhindert zu meroün. von der sich das Kommvnistcngrüppchcn offenbar weitgebende agiiato- rischc Möglichkeiten verspricht. Soldat Schwejk und der Staatsanwalt Die Breslauer Slaatsanwal.jchait hat gegen eine dortige Wochenzeilung wegen Abdrucks des bekannte" satirischen Romans .Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk im Weltkriege" von Iaroslao Hasek Anklage erhoben. In der köstlichen Figur des Feldkuraten Katz erblickt sie eine„Verbreitung unzüchtiger Schriften". Die Breslauer Siaatsaiiwaltschait ist im Irrtum. Der brave Soldat Sckwejk hat'einen Siegeszug durch die ganze Welt genommen und hat die Reklame einer löblichen Staatsanwalt- schaff gar nicht nötig. Was würde Schwejk auf die Anklage ant- warten:„Melde gehcrsamst, daß ich bin blöd." Nicht wahr, Herr Staatsanwalt? Diskussion über Ehe und Llnireue. Kammerspiele. W. S. Maugham, der un? schon öfter mit seinen hübsch erdachten und schmissig durchgeführten englischen Komödien erfreut hat, bringt in seinem Lustspiel:„Finden Sie, daß Eonstance sich richtig verhält?" unsere wohlfumdcnnentierten Anschauungen über die Ehe ins Wanken. Dabei geht er nach einem verblüffend unkomplizierten Rezept vor. Er entkleidet die Ehe ihrer Romantik, die sowieso nicht mehr in die heutige sachlich nüchterne Zett paßt. Merkwürdigerweise wird mait dos Gefühl nicht los, daß dir Auseinandersetzungen olles andere als originell sind. Und dock, hält ums die mit sicherem Blick für Bühnen- Wirkung aufgezogene Komödie von der erste« biz zur letzten Szene in ihrem Bonn. Des kommt daher, daß wir uns lange darüber klar sind, auf wie zerbrechlichen Füßen die Ehe-Echik ruht. Es hat das nur bisher keiner tm Lustspiel mit solcher Fcigerichtigkeit aiisge- sprachen. Constanee, eine äußerst energische Frau und lebenstluge Dame, führt die ganze Ehemoral ad absurdum, indem sie nichts als ihren michlernen Verstand wallen läßt. Sie ertappt ihren Mann auf einen Seitensprung. Zum großen Erstaunen oller Beteiligten nimmt ste ihn und ihre Freundin in Schutz, mit der sie ihr Gatte hintergamzen hat. Ea wivd wohl an ihr selbst liegen, sagt sie, wenn sie nach ISjähriger Ehe ihrem Mann nicht mehr reizvoll genug erscheint. Dieses überirdische Heldentum hat aber höchst reale Hinter- gründe. Sie hat sich nämlich in ihren früheren Jugendfreund ver- liebt und beginnt eine Liebschaft mit derselben Bedenkenlosiz'eit, die ihr Gatte gezeigt hat. 2a sie erzählt ihm sogar ganz offen, was sie vorhat, und dem armen Mann bleibt nichts übrig, als dazu ja und amen zu sagen. Finden Sie, daß Eonstance sich richtig verhält? Im Leben wird sich selten ein llkonn damit einverstanden erklären, daß seine Frau ihm Hörner aussetzt, besonders wenn er sie von neuem bewundert und aichetet. Harre der Verfasser seiner Komödie eine Wendung noch dieser Richtung gegaben, so wäre sie kitschig geworden. Dies sei nur nebenher erwähnt als nachdenklicher Beitrag zum Problem Kunst, Leben, Kitsch. Der Regisseur Forster Larrtnaga läßt die Konversation frisch Und slott dahinfließe!'. Er legt über duz amüsante Lustspiel einen Schimmer von Oberslächlichteit, so daß man erst nach dem Fallen des Vorhangs merkt, wie besinnlich die Komödie im Grunde stimmt. Er selbst spielt den betrügenden und betrogenen Ehemann, entzückend letchtsertig. Kavalier ohne Leidenschaft und Lebenskünstler aus Gewohnheit. Hätte er sich beobachten können, so würde er die leicht« Trottelhaftigkeit abgestreift haben, mit der er seine Rolle oersieht. Er hätte auch seine Partnerin Leopoldine Konstantin duron verhindert, die Hauptrolle mit einer K&ü« ousz'.t statten, die nicht im Sinne des Lustspiels liegt. Die Konstantin spielt ihre Eonstance mit bewundernswertem Charme und der erstaunliche» Sicherheit der vollendete» La«« von Welt, Ihre UebeAegenheit. ihr Schsiss. ihre selbstverständliche Liebenswürdigkeit funkeln. Jbre Routine verleitet sie aber dazu, die Herzenswörme in ihrem on sich reizvollen Spiel nicht auskommen zu lassen. Zurückhaltend, vornehm und innerlich gestaltet Theodor L o o s ihren Liebhaber. Kapriziös und voller Anmut ist die muntere Margaret« Köppk«. und ein eigenartiges und eigemvilliges Talent Erna Reigbert, ein weiblicher Grotesk? omiker. Dos charmante Lustspiel«ntzündci dos Publikum sofort. Beifall«riönt ous offener Szene, und der Schlußappiaus will nicht enden. Ernst Degner. „Sliesmamo" im Residenz-Theoler. Die Geschichte von der Frau um vierzig herum, die nicht oll werden will, die sich als Stiefmoma ihrer Tochter ausgibt, weil diese bereits sechzehn Jahre zählt. Die Geschichte von der Frau, die hungert, mcnsendieckt. punktrollert, um die moderne schlanke Linie zu erzielen. Aber alle aeistigen und körperlichen Anstrengungen nütze» nichts, am Schluß wird doch das wahre Alter enthüllt, dos ganze künstliche Gebäude bricht zu- sannnrn. Dies das Thema de» Lustspiels von Ludwig H i r s ch f c l d und Paul Frank. Doneben die üblichen Liebeleien und ein Braut- paar am Ende Es entsteht ein Kompromiß von grobdrähtigcm Situationslustspiel und Chorakterkomödie mit einem Dialog, der stellenweise zu langatmig ist, sich sehr trivial benimmt und stellen- weise geistreich funkelt. Die Verfasser verlleben sich hin und wieder derart in den Dialog, daß sie darüber die Handlung vergossen. Dir Regie hätte konzentrieren müssen, leider bevorzugt sie das Gegenteil. Von de» Darstellern bieten zwei ausgezeichnete Leistungen. Paul H e n ck e l s ist ein abseitiger Mensch, ein Raisonneur mit goldigem Herzen, äußerlich widerborstig stachlich. grob, eine Figur aus einer Schnitzler-Komödle, und Hansi Arnstädt svielt die ewig jung sein wollende Frau mit zarten, verwischten Farbtönen, mit quellenden' Lachen, mit routinierter, scharmanter Koketterle. Unmöglich Ist die Dekoration. F. S. „vlannckeu pio" im Keidenkimono. Das cigenortige und derbe Wahr-eichen der Stadt Brüssel, die 16l9 errichtete Bronzeiigur des .Manneken Pis", wird eine neue und ungewöhnliche Ehrung er- fahren. Der japamsche Gesandt« in Belgien wird nämlich demnächst dem Bürgermeister von Brüssel ein prochioolles Seiden- kimouo feierlich überreichen, das van der japanischen Zeitung.Mali" für das Männchen gestiftet ist, das sich so wenig anständig aufführt und dach dem belgilchan Balkshnmor so ehrwürdig ist. Di« Figur. die ab und zu bei bsfonderen Gelegenheiten mit einem kost bereu Kleidungsstück geschmückt wird, wird den japanischen Kimono ebenso stolz tragen wie die vielen anderen Gewänder, die ihm bereit» ge- stiftet worden sind. In der reicbhaliigen Garderobe des„Mgnneksn Pis" befinden sich u. a. das Kostüm eine» Rokoko-Marquis, das von König L'.chwig XV. gespendet wurde, die Uniform eines französischen Jägerregiments, das 1919 in Brüssel in Garnison lag. und zahlreiche Uniformen belgischer Regimenter iowi« Volkstrachten und kurios« Gewänder, dir von verschieden»» Vereinigungen ihm dargebracht wurden. eeistags ffifbarfsfaM Samevz Srrciict avlätzUch pim Lejsings 200. Ge- burtSta, im Januar löüu tmc Fei« fliafcut Bult«oc. Ul«. foU(in Lespng-Han««richtet«erden. Shaws Testamenie. „Jedes Drama, jedes meiner Vorworte enthält«ine Botfchait." So jagte Shaw in einem Gespräch mit dem deutsch-amertkanischen Schriftsteller Biereck, das in der„Auslese" wiedergegeben wird. Mehr Wert al» aus seine Dramen legt der große Dichlcr-Denter aus seine Vorworte. Hier hat er seine verschiedenen„Testamente" niedergelegt.„Das Vorwort zu„Androklus und der Löwe"— beachten Die wohl: das Vorwort— so erklärte er,„ist mein Testament über das Christentum. Aber mein großes Werk darüber ist mein Vorwort über die Religion der„Schöpferischei' Evolution" zu.„Zu- rück zu Methusalems Alle meine Vorworte sind von Bedeutung. besonders da« zu„Major Barbara". Letzteres ist mein Testament über die Armut. Dos Borwort zu..Heiraten" ist mein Testamen!: über die Ehe.„Haus Hcrzenstod" ist mein Testament über de» Krieg, das Vorwort zu„Cöjar und Klcopatro" mein Testament über das Genie, und mein soziales Evangelium ist in meinem neueu Buch über den Sozialtsmus enthalten." Viereck jragte dann, welches denn sein Testament über die Liebe sei.„Der Liebe," erwiderte Shaw etwas verächtlich, „teblt dos persönliche Interesse. Liebe ist die unpersönlichste aller Leidenschaften. Sie ist eine vitale Erfahrung tn wirklichen Tat- fachen, aber auf dem Papier wird sie nur dadurch dem Reich un- erträglicher Langeweile entrissen, daß man sie zum Gegenstand der biologischen Wisseulchait macht. Selbst Shakespeare konnte die Liebe nicht interessant gestalten. Jedermann gähnt in„Romeo und Julia", wönn Merentio und die Amme die Bühne verlassen. Alle großen Liebesoesckichten, wie z. B. Francesca da Rimini. sind langweilig. Alle Menscken, die verliebt sind, sinh gleiche Idioten."»Di« Ur- sacke von Eurovas Elend wor das Fehlen omer Religion," so schloß Shaw sein Bekenntnis.„Sckon vor Darwin batte die Religion ihren Halt verloren. Shakespeare batte keine Religion. Er glaubte on nicht». Desdalb unterzog er ssch nie der Mühe, ein origmelles Drama zu schreiben. Er hatte keine Botschaft. Dabinqegen war Goethe religiös, und das setzte ihn instand, den„Faust" in seinem hohen Alter zu vollenden. Die nainrl'che Zuchtwohl muß bei der Anpassung de» Lebens an unseren Planeten eine ungeheure Rolle gespiell haben, ober es ist die' jchöpserisch« Evolution, die den Plo- neten unserem sortacsetzten Streben noch größerem Wissen und arv- ßerxr Macht angleicht."_ B. Cloe vellerrelckäfch« fusfeUun« Ii, der vkodnnl« der Könfe wirb 3 de."Xumtm in Gememlchatt m t dem O°.'terreichl'ch,De»I'ch-n Bo'kCiund ri rstnet Et sollen Werke östevte'ödi'cher Künstler nom Beoüm des t8. Fobr« biuidertS bis zur Gcaeiiwait, oorwieoend fc-andzeichmincien. vorgeiiihrt raetden. Vieles davon flammt aus der Z-nnmlnng der Atbertina In Sie«. ®" Zeih-dlanekanuni In TFosfsn. Die Towje's der Stadt Mesla» balrn der ft rin» Carl Zeit, in giena die Uieteruno eine«.Zeis!-v'«ne>a>Inm? In Nlisttoq aegeben Da» vlanetartuni nnrd im Zenttum der Stadt Moskau w drn ebemaligcn Zirkus eingebaut werden. gcjsies Tlloaiolrcn oossess»'. MR''choll fUv'nrt bot seht'eine Kriegs- ! eistinf'.muni. iciu:: r;> It diu! Aricde.-ielchi.m gc«! heilet bat, vollendet, Obgleich thyi lär dl« Beröjlentllchuüg groue Summen geboten ivurlen, hol er da« S.'anulkupi der nvvzvlüchcu llUafitai« übcaedin, das, Ii Heilt • Säbc vir». Kclliey>el!e im Anzüge? Schweden- �5 Grad. und Nardschwadsn ist, cimm Tttsgrowm �ms S�ckhoim zusslge. plötzlich ein starker Temperatursturz«inge- 'raten. In S f c rt f 1 1 c wurden be!spiels««ilc deute früh um 8 Uhr — 8� und in 55 mc— 3 5 Grad gemessen. Wahrscheinlich ist noch eine weitere Steigerung der Kälte zu erwarten. Wie un? von' amtlichen Wetterdienst mitgeteilt wird, wird mich vermutlich schon morgen, Donnerstag, die deutsch« Ostseesüste in den Bereich dieser Kältewelle gelangen. Das Hochdruck- gebiet, das sich augenblicklich über ganz Schweden, Finnland und die russischen Bandstaaten erstreckt, zieht ltmgsam nach Südosten, so daß bei anhaltenden östlichen bis südöstlichen Luftströmungen die Temperaturen in Deutsch- i a n d s i n k e n werden. Schon vvn morgen ab soll in dem größten Teil Deutschlands, abgesehen von Westdeutschland, leichter F ro st bei wechselndem Himmel«intrcten. Mit erheblichen Nieder- schlügen ist kaum zu rechnen. Die zu erwartende Frostperiode wbZ», sc» sogen wenigstens die Wetterpropheten, nicht von allzu langer Dauer sein. Im Westen lagert eine umsangr«iche und kräftig« Depression, die langsam ostwärts vordringt und abermals clne» ZKitterunASwechiel verursachen wird. An Köim'gsberg i. Pr. herrscht bereits 5 Grad Frost. In Mempl wurde heute früh minus 4 Grad sestgestellt. Stettin verzeichnete nach 1 Grad. In"Berlin schwantte das Quecksilber in den Mittagsstunden um null Grad. In den Bergen herrscht überall Frostwelter. tn einzelnen Gebieten haben wieder Schnee- fäll««ingesetzt, die den Wintersport begünstigen. DieGtmklage in Mitteldeutschland Mustergültige Disziplin.- Zurückweisung der KPD.-Parolen. Liebestragödie im Grünauer Korst. Eine junge Krau und ihr Geliebter erschossen aufgefunden. Daldorbester stießen heute früh im Jagen 78 der Grünauer Forst ans die Leichen eines jüngeren Mannes und einer Frau. Neben den Taten lag eine Mehrladepistvle. aus der zwei Schüsse abgefeuert worden waren. Die Polizei wurde von dem Norsoll sofort tn Kenntnis gesetzt und entsandte mehrere Kriminal- beamte an den Tatort. Wie bald festgestellt wurde, handelt es sich bei den Toten um den?Osöhngen Arbeiter Wilhelm H. und die Sstjäbrig« Ehefrau Elise Sch.. die in Zeesen bei Königs- wusterhousan wobnten. Di««rst kurze Zeit verheiratete Sch. lernte vor mehreren Monaten Wilhelm f). kennen und zwischen beiden entspann sich«in Liebesverhältnis. Da eine eheliche Verbindung unmöglich war, be- schlössen die jungen Leute, freiwillig aus dem Leben zu Icheiden. Das Paar traf sich gestern abend in Grünau und begab sich tn den Forst. Hier richtet« H. die Waste zuerst gegen seine Geliebt« und tätet« st« durch einen Schuß in die Schläfe. Dann jagte er sich selbst«ine Kugel in den Kops. Die Leichen wurden beschlagnahmt und noch der Grünauer Friedhosshalle übergeführt._____ Eine Lücke im Mieirechi. Anreiz zur Härte gegen Mieter. Von der großen Zahl der Näumungsurteil« wegen Mietschulden oder erheblicher Belästigung gelangte bisher nur«in verhältnismäßig kleiner Teil zur Zwangsvollstreckung. Wären all« verurteilten Mieter exmittiert worden, so hätten die zuständigen Behörden nicht einmal im Fomilienobdoch genügend Platz schassen können. Die Mietoufhebungetsage hatte bisher bei den mtisten Hausbestr�rn, von besonders schweren Fallen abgesehen. in erster Linie den Zweck, durch das Bäuniungsurteil aui die ver> urteilten Mieter«inen starten Ordnungsdruck auszuüben. Man ver» zichtete also vieliach zunächst aus den Räumungsanspruch, wenn der verurteilte Mieter seine Mietschulden bezahlte oder �zusicherte, nicht mehr andere Fehler zu begehen, die zum Röumungsurtell geführt hoben. Der Meinung der Hausbesitzer, daß sie später, bei Wieder- heluug von Unordnung, den ouf Räumung lautenden Schuldtitcl vollstrecken lasten könnten, sind in letzter Zeit häufiger die Gerichte entgegengetreten, indem sie hie Ausfertigung der Vollstreckungs- klausel verweigerten. Die Hausbesitzerpresse schre it daher, der Vermieter werde gut tun, mit der Boll st reckung d«s Räumungs Urteils nicht zu lange zu warten, denn sonst könne seine Gutmütigkeit zum Verlust der Rechte aus dem erstritten«« Urt«il führen." Das ist das Programm der Hörte. Der Gesetzgeber muß hier eingre-jen, wozu sich be! der gegenwärtigen Beratung über die Gestaltung der Mietrechtgesctze die beste Gelegenheit bietet. Mit Befristung de» Schuldtitelz wäre nicht» gewannen. Es muß gesetzlich genau festgelegt werden, unter welchen Umständen die Exmission nicht mehr zulässig ist. Kommen später neu« Unzuträglichkeiten vor, so kann der Vermieter eine neue Miet- aufhebungsklage einleiten. Merkwürdige Brandstiftung in Lichterfelde. Eine Brandstistung beschöitigt die Kriminalposizct des Polizei- cmts Steglitz. In der E l i f o b e t h st r o ß e 2 5 zu L i ch t e r f e l d e wohnt im 3. Stock ein Beamter mit seiner Frau und seinem Sahn. Während Bater und Sahn sich am Dienstag nachmittag in chren Bureaus Monden, ging die Frau aus, um einzukaufen und nach ihrem entlausenen Hunde zu suchen. Sie schloß die Woh- nungstür regelrecht ob. Als sie noch einiger Zeit zurück- kehrte, sah sie aus einem Fenster der Wohnung Qualm heraus- dringen. Sic alarmierte die Feuerwehr und die Polizei und es ergab sich, daß das ganz« Schlafztinmerausgebrannt war. Der Brandherd befand sich mitten im Zimmer. Die Unter- suchung ergab, daß Brandstistung vorliegt, und zwar ostenkundig vorsätzlich«. Von der(tingongslür war das Schlteßblcch ab- geschraubt. Das Schloß war nicht mehr in Ordnung. Ein Ein- breche? muß die Abwesenheit der Frau benutzt haben, am unbemerkt einzudringen. Ob er dann das Feuer angelegt hat, um den Einbruch zu verdecken oder ab der Brand durch irgendeine FahrlSIstgkeii von ihm hervorgerufen warben ist, läßt sich nicht sogen. Es ist auch nicht sestzustellen. ob er. aus dem Schlafzimmer etwas gestohlen hat, den» hier ist alles verbrannt. Konzrrt deS Tchupv-ChorcS. Misten aus dem sogenannten„Faschi mistreiben" und Bockbier» nimnui gerät man in d«r Hochschule für Musik plötzlich aus ein Eiland still-besinulicher Festesfreude. Da steht eine Schar weiß- gekleideter Jugend und singt, gemeinsam mit der männlichen Sänger- schar, schlichte, traut« Volksweisen von treuer Lieb«, die da nicht lasten kann, dann launige Warte vom abgeblitzten greieromann, dem Fenckiedchen eine horte Nuß zu knacken gib». Dem �-«»ppell», Gesang der Volkslieder folgte dann d«r Hirtenchor au» Schubert'» ..Rosamunde". das.Iv« vexuni* von Mozart und Bitmng's.D«? Herr ist König* mit Orchesterbegleitung. Unter der feinsinnigen Üeimna ihres Dirigenten Ianot Roskin klangen die Chöre außer- ordentlich lauber und emvsindungsvoll. Die orchestrale Begleitung, wie immer, portrestlich. Besonders der Hirtenchor in seiner»ierlich- arabeeken Färbung und, im Geaensatz dazu, die machtvolle Melodik de, Chorwerkes»Der Herr ist König" fanden starken Betsall. Kammersängerin H-�wig Franclllo-Kousmami sang d"« Eavailn« aus Rossinis„Barbier von«eäilla. Vergangenes kehrt nicht wieder und als Sängerin von Geschmack soll man nicht an einstigen Bravourarien kleben, sondern das Ruvriolr nach den vorhandenen Mitteln wählen. Den Schluß des A'.ends bildete die prachüge Beilade„Erliönigs Töchter", in der Fred Dristcn als Oluf, ein /ifcereuÄ tuüiuWtt« Sänger mit schönem Material und Paulme Halle a. d. l8. Januar. sEigenberichl.) heute varmillag lagle In Käthen eine Bczirkskonserenz der Funktionäre des Veulschen Mctollarbeileroerbandcs. Beztrkslcller Rößler berichlele über den Stand der Bewegung. Nach seinen In- sormationen stehen gegenwärtig clwa<7 000 Melallarbciler im Kamps. Die Parolen der Organisalionen wurden fast restlos und mit Einmütigkeit durchgesührt, so daß die Streikbewegung in Muster. gültiger Ordnung vor sich geht. Zm Reichsarbeltsministcrium fanden gestern Verhandlungen statt. Die Sewerkschoslsverlreter beharrten nachdücklichst ans ihren Forderungen, während die Unternehmer nur zu geringen Zugeständnisten bereit waren. Nach eingehender Aussprache nahm die Köthener Dezirkstonferenz folgende Entschließung an: „Die am 18. Januar tn Käthen tagende Bezirkskonserenz des Veulschen Metallarbeiterverbandes für den Bezirk Halle nimmt Kenntnis vom Bericht der Bezirksleitung über den Stand der Bewegung und heißt die in Berlin eingenommene kjaltung der ver- bandlungskommission gut. Die Konferenz weist ebenfalls scharf die Schreibweise der kommt, nisUschcn presse sowie Ihre Einmischung in diesen Kamps zurück, die nur dazu angetan ist, Verwirrung u. die Reihen der Kämpfenden hineinzutragen und sich schädigend aus den Kamps auswirken muß. Die Konferenz gibt serner ihrer Freude Ausdruck über die mustergültige Aufnahme des Kampfes und sordert die Kollegen aus. nach wie vor Disziplin zu wahren und nur den Anweisungen der Organisationsleitung Folge zu leisten." Oer Gehalts-Konflikt in Oberschesien. Ablehnung des Schiedsspruches durch die Unternehmer. Gleiwih, 18. Januar. Der von der oberschlesische» Schlichterkammer in der vorigen Woche gefällte Schiedsspruch, der«in« Gehaklserhöhung f ü r die Angestellten der oberschlesischcn Schwerindustrie rück- wirkend ob I. Januar um 8.'-- Prozent vorsieht, ist von den Unter- nehntern abgelehnt worden. Die Angestellten nahmen den Schieds- spruch an sind beontragien beim Rrichsarbeitsminister sein« Ver- Klndlichkeitserklärung. Der von der Schkichterkaminer vorgelegte Entwuri für den neuen Manteltarif wurde von beiden Seiten ge- billigt. Krauen vor dem Richter. Haushälterin/ Freundin und Geliebte. Eine Witwe in vorgerücktem Alter erscheint als Klägerin vor dem Arbeitsgericht. Von den Erben eines verstorbenen Post- Unterbeamten, dem sie bis zu seinem Tode den Houshalt geführt hat, fordert sie 400 Mark als Lohn für zehn Monate. Erstaunt tragt der Richter:„Wie geht denn das zu, daß Sie zehn Monate keinen Lohn bezogen hoben?" Der Sohn des Verstorbenen, der die beklagten Erben oertrist', antwortet: „Vater hat uns gesagt, sie ist seine Geliebte, und wenn sie ihm nicht mehr paßt, dann läßt er sie lausen. Sic war also nicht als Haus- hölterin angestellt." Aus die Frage des Richters, wie sich das ver- hält, erklärt die Klägerin:„W ir wollten uns heiraten, darum bin ich zu ihm«zogen, lieber Lohn haben wir nicht geredet. Aber aus der Heirat ist dach nichts geworden, und nun will ich den Lohn als Haushälterin haben." Der Richter belehrt die Klägerin:„Darauf haben Sie keinen Anspruch. Sie haben nicht in einem Arbeitsverhältnis be! dem Verstorbenen gestanden, sondern Sie waren seine Freundin. Sie haben ihn in Erwartung einer Heirat gepflegt, haben Kost und Wohnung erhalten, dos Gericht kann Ihnen nichts zusprechen."— „Wir hasten uns ja mit ihr geeinigt," sogt der Sohn,„aber sie ist ja nach Baters Tode so aufgetreten, hat gesagt, jetzt ist sie die Herrin im Hause und hätte uns am liebsten rausgeschinisten. Uebriqens hat ihr Vater so etwas von seinem Hausrat vermacht.�— Das T e st a m e n t des Verstorbenen wird vorgelegt. Es verteilt den bescheidenen Bestand an Möbeln, Betten und Hausgeräten unter die Kinder des Verstorbenen und bedenkt auch die Klägerin sowie ihre Tochter mit einigen nicht besonders wertvollen Gegenständen. „Ra, sehen Sie," bemerkt der Richter,„daraus geht doch klar hervor, daß der Verstorben« Sie nicht als seine Haus- hälterin. sondern als feine Freundin betrachtet hat. Nehmen Sie die Klage zurück, Sie haben hier gar keine Aus- ficht." Ader die Klägerin will nichts davon wisten. Sic behauptet, der Verstorben« habe mebr als bOO Mark bares Geld h'nterlafsen, und sie glaubt, einen Teil davon als Lobn für Ihre Tätigkeit im Haushalt beanspruchen zu können.— Doch der Richter belehrt sie: „Und wenn er mehrere tausend Mark hinterlassen hätte, Sic haben keinen Anspruch daraus. Aber vielleicht ist der Vertreter der Be- klagten bereit, der Klägerin freiwillig etwas zu zahlen?"—„Ausgeschlossen," erwidert der Sahn,„nachdem sie sich so ausgeführt hat" Die Klage wurde schließlich abgewiesen. Die.Klägerin muß nach der unersüllt gebliebenen Aussicht aus eine Heirat auch die Hoffnung aus eine Gcldentschädigung begraben und hat außerdem die Kosten des Prozesses zu tragen. Die-.gebildete Hamburgern'�. Mit einem großen Redeschwall betrat eine zierliche Blondine, die aus blauen Augen treuherzig in die Welt sah, den Ge- richtssaol, um sich wegen einer Anklage, die auf Widerstand gegen die Staatsgewalt und wörtlicher und tätlicher Beleidigung von Schupobeamten lautete, zu verantworten. ,�ich bin kein wildes Tier," sagte sie,„die Beomten haben mich beleidigt und mißhandelt, und dagegen habe ich nur protestiert. Der Beamte sagte: „Scheren Sie sich weg." Das habe ich mir nicht gesallen lassen Als er es wiederholte, habe ich. ihm gesagt:„Herr Beamter, ich bin eine gebildete Staatsbürgerin, solche Töne bin ich nicht gewöhnt, Sie aber benehmen sich wie ein Portier im Lumpenkeller. Ununter brachen redete sie so weiter. Sie ließ weder den Vorsitzenden noch einen Zeugen zu Worte kommen. Immer wieder fuhr sie mst einem neuen Redeschwall dazwischen, versicherte immer von neuem entschuldi- gcud, daß sie sehr nervös und impulsiv sei und betonte ihre Bildung. Die Schilderung aller Zeugen über den Vorsoll, der zur Anklage ge- führt hatte, ergab, daß die Angeklagte eines Nachts um 3 Uhr mit anderen Gästen aus einem Lokal in der Turmstraße herausgekommen war. Ein Herr war so laut geworden, daß er festgestellt werden mußte. Die Angeklagte hatte sich unter einer Flutvon Schimpf- warten auf eine» der Beamten gestürzt und aus ihn eingeschlagen, so daß dieser Mühe hatte, sie abzuwehren. Nach Bekundungen von anderen Zeugen scheint die junge Dame in recht oni� mierter Stimmung gewesen zu sein, denn sie haste einige Liköre und„Mallen" in dem Lokal getrunken. Als der Staatsanivält gegen die Angeklagte 300 M. Geldstrafe beantragte, brach sie In Tränen aus, und rief:„Es ist empörend, wie der Herr Staatsanwalt mich hier hinstellt. Ich habe in Hamburg eine Erziehung ge- nassen, wie sie in Berlin keine Dame der besten Kreise gehabt hat. Da werde ich doch nie solche Ausdrücke gebrouchcn." Die Verhand- lung endete mit der Verurteilung der„gebildeten Hamburgerin" wegen Widerstandes und ässentlichcr Beleidigung zu 10 0 M. G e l d st r a f e oder 10 Tagen Host. Dobert als Mutter hervorragten. Auch hier zeigte sich der treffliche Chor seiner schwierigen Ausgabe vollmst gewachsen. Das ausverkaufte Haus, unter besten Gästen man Oberbürgermeister Böß. Polizeivizepräsident Dr. Weiß, Polizetkommandeur Heimannsberg Prof. Kerstenberg vom preußischen Kullurministerium bemerkte, spendete Sängern und Musikern herzlichsten, wohlverdienten Beifoll. Zuchthausstrafe für einen polizelbeamten. Wegen Amtsunterschlagung und Drseittgung amtlicher Urkunden hotte sich der Polizetvbermelster Otto F. vor dem Großen Schöffen- gerichi zu verantworten. Der Angeklagt« hat 31 Die.nstjahre einschließlich der Militärzeit mit einwandfreier Führung hinter sich Er ist seit 1008 bei der Polizei und war Vertreter des Reviervorstandes im PosizeirevUr 10 inst der neugeschaisenen Amts- bezeichnung Polizeiobermeister. Ansang vorigen Jahres hat er im Laufe von drei Monaten rund LZO Mark aus der Gebübrenkaste unterschlagen, Gelder, die für Jagd- scheine, Wandergewerbescheine und Strafbesehle eingezahlt worden waren. Zu seiner Entschuldigung führte der in vollem Umfange geständige Angeklagte an. daß er mit Arbeit überlastet war und bis in die Nacht hinein lieber stunden machen mußte. Eine Hille sei ihm verweigert worden. Der Revieroor stand habe sich um nicht» gekümmert und Ihm sogar Personal- und Diszipstnarokten, die er gar nicht In die Hände bekommen durfte. zur Bearbeitung überlasten. Im Revier sei alles drunter und drüber gegangen, und die Papiene hätten kunterbunt durcheinander gelogen. Dieje Angabe de» Angeklagten über die Zustände beim Poli- z e i r e v l c r wurden übrigens in der Ben-eisauinahme bestätigt. Das Schöstengericht mar noch der rechtlichen Lage trotzdem ge- zwungcn, gegen den AngeNagten den erschwerenden Beamten- Paragraphen In Anwendung zu bringen und verurtellte ihn wegen Amtsunterschlogung und Urkundenbeiseiteschafsung zu einem Jahr Zuchthaus tmd 100 Mark Geldstrafe. Maskenfreiheit. Durch Polizeioerordnung vom 7. Januar 1928 Hai der Polizei- Präsident die Palizeiverordnung vom 0. Januar 102 5 über karnevalistisch» Veranstaltungen aufgehoben. Durch die neu ausgehobenk Poltzeioerordnung vom 0. Januar 1025 waren bisher karnevaliftische Veranstaltungen unter freiem Himmel, tnsbe- sondere Umzüge jeder Art, dos Tragen von Verkleidungen aber Ab- zeichen aller Art. dos Singen, Spielen, Dortragen pon Liedern usw. verboten. Lach dich gesund. 2m Film, im Barietä und jetzt auch im Kabarett treten in letzter Zeit allerhand Heilkundige aus, Vertreter der jüngsten Wissenschast: Philosonhie d«» Humor». Nach Grock, den Fraellini» kommt setzt, im Kabarett der Komiker. derMünchcner Karl Valentin. Mit kühler Sachlichkeit demonstriert er uns. welch Stückchen Malheur der Mensch im ahn- mächtiaen Kampf m>t der Welt der Bagatellen ist und ewig bleiben wird. Was isi der Herr der Schöpfung ohne Ärugenknöpferl?. Und gibt es vielleicht etwas Dämlicheres, Hilfloseres, als der Mensch in einem Mordsraufch? Karl Valentin mit seinem Atlatus Lisi Karlstabt zerren an i ms crem Zwerchfell, daß es schier zu platzen droht. Und die blasiert tuenden Kurjürstendämmler. für die es doch so leicht nix Neues gibt, lochten"nicht nur, nein, sie brüllten, daß die Wände wackelten. Und mit Re.Ht. Erstes Bild ä Vorstodt- orchester. Der Valentin als musizierendes emant tcrriblo und die Karlstadt als fein schwergeprüfter Kapellmeister. Er lang, spindel- dürr mit ein paar dürftigen roten Härchen, sie mit Spitzbauch und Knebelbart und, infolge entschwundenen Kragenknöpserls, ewig schlotterndem Krowattl. Und dies letztere Moment, den Faktor schwindender Slutorität, hat der musikalische Dämlack zur Brustwehr im Kampf mit seinem Brotherren erkoren und immer, wenn's bei ihm ganz schief geht, dann packt er den Chef bei der Achillesferse: im zweiten Bild:„Der Firmsing"— es ist nicht ganz so staik wie das erste— mimt er den total beschwipsten Firmyerren, ein groß- ortiger Humsti-Bumsti-Akt. Die Berufung Piscators abgewiesc«. Der 10. Zivilsenat unter Vorsitz des Senatspräsidenten Natorp verkündete heute in der Berufung Erwin Piskators gegen die von Wilhelm ll. erwirkte einstweilige Ver- f ü g u n g, der zufolge die Person des ehemaligen Kaisers nicht in dem Stück„Rasputln" aus die Bühne gebracht werden darf, das Urteil. Die Berufung Erwin P i s k a t o r s wurde kosten pslichtig abgewiesen und so das Urteil der BorUistanz bestätigt. In der Begründung führte der Vorsitzende aus, daß das Recht am eigenen Bude auch auf die Bühnendarstellung anzuwenden fei, wie dies der Grund und das Ziel des Gesetzes ergebe. Auf die Frage der Beleidigung einzugehen erübrige sich. Es bestehe die Möglichkeit der Einlegung einer Revision gegen dieses Urteil beim Reichsgericht; ob Piscator ongesichts der Tatsache, dost er dos inkrim nierte Stück„Rasputin" nicht mehr spiele, von der Revisioiis- Möglichkeit Gebrauch machen werde, sei zweifelhaft. Die schrsttliche ausführliche Begründung des Urteils wird den Parteien in einiger Zeit zugestellt werden. Das Befinden des früheren vizepräfldenien der Reichsbauk. von lS l a s e n a p p. der am gestrigen Mittag van«i»em Lastkrastwagen Übersahren und im besinnungslosen Zustand« in das st. Hedwigs- Krankenhaus eingeliefert wurde, ist nicht besorgniserregend. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß der Unfall glücklicherwerse sehr glimpflich abgelaufen war. Der Rclchsvetbcmd ambulanter Gewerbetrcibcvder Deutschlands, Sitz'Berlin(Einheitsverbond), hält in der Zeit vom 22. bis 25. Januar d. I. in Berlin seine» 5. ordentlichen Verbandstag ab, und zwar im Landesausstcllungspark, Alt-Moabit 4-10. Die Tage«- Ordnung ist wie fo'gt festgesetzt: Sonntag, den 22. Januar: Be- grüßung der eintreffenden Delegierten und Gäste im Rosentbaler Hof. Rosenthaler Straße 11/12. Montag, den 23. Januar: Konstituierung des vcrbcndstages. Dienstag, den 24. Ianuor: Nachmittags 1 Uhr: Kundgebung des ambulanten Ge- werbe». Die volksrr.irtfchastliche Bedeutung des ambulanten Ge- u-e»bes. Re'erent Kollege Brendel. Die Gesetzgebung in den Länder». Referent Kollege Deier. Die Aenderung der Reichsgcwerbe- Ordnung. Referent Kollege Lehmann. Mittwoch, den 25. Januar: Berbandsvergnügen unter dem Titel»Eitz Tag im Grztnemald". Konfliki in den Berliner Mühlen. Oie Llnternehmer lehnen jede Lohnzulage ab. Dkr Asrband der Lebensmittel- und Getränkearbeiter hatte auf Bcicfyluh einer Funktionärkonferenz den Lohntarif mit den Berliner Mühlen zum 1. Januar gekündigt und eine Lohnerhöhung von Vi Proz. gefordert. In den direkten Verhandlungen mar mit den llnternehmcrn keine Verständigung zu er- zielen, da sie jedes Entgegenkommen glatt ablehnten. Die Unter- nehmer riefen den T ch l i ch t u n g s a u s f ch u h an. Dort sträubten sie sich hartnälkig, auch nur einen Pfennig Lohnzulage zu gewähren. Es wurde schließlich ein Schiedsspruch gefällt, der für die ge- lcriiteii Arbeiter ab 1. Januar bis 30. Juni«ins Zulage van 2 Mark pro Woche und ab l. Iilli bis 31. Dezember eine Zulage von weiteren 2 Mark vorsieht. Die ungslcrntcri Arbeiter erhalten cnt- sprechend der Bestimmung des Manteltarifvertrages 83 Proz. der Löhne der gelernten Arbeiter mtd die Frauen 60 Proz. Mn diesem Schiedsspruch beschäftigte sich gestern Abend eine stark besuchte F u n k t i v n ä r v e r f a m m lu n g der Mühlen- arbeiler. die nach längerer und eingehender Diskussion den Schieds- spruch annahm. Die Unternehmer,, die sich genau wie die Miihlenarbeiter bis heute vormittag 10 Uhr über die Annahme oder Zlblehnung des Tchiedsspriuhes erklären sollten, haben bis heute nnttag dem Schlichtungsausschuß keine Erklärung zugehen lassen. Damit gilt der Schiedsspruch von den Unternehmern als abgelehnt. Der Verband her Lebensmittel- lind Getränkearbeiter hat daraufhin sofort die Verbind! ichkeitserklärung des Schiedsspruches b e- antragt. Llm den Bezirkstarif der Stukkateure. Die Unternehmer wollen Verschlechterungen durchsehen. In einer von etwa 000 Mitgliedern besuchten Versammlung der Fachgruppe Stuck- und Gipsbau des Baugewcrksbundes sprach der Aachgruppenleiter Genosse Scheck über den Entwurf der Unternehmer zum Bezirkstarifverlrag. Am 1. Dezember ist der R c i ch s t n r i f o e r t r a g für das Stuckbuugewerbe in Kraft getreten, wodurch alle örtlichen und bezirtlichen Tarifverträge ihre Giiltigkeit verloren haben. Schon in den ersten Dezembertagen for- derten die Berliner Unternehmei die Fackgruppeniettung aut. Vor- schlage z» machen für einen neuen Bezirkstarij, da im Reichstarif. vertrag einige Fragen der dezirklichcn Regelung überlassen bleiben. Gieichzeilig teilten die Unternehmer aber auch mit, daß sie cherrn Dr. Landsberger als Vorsitzenden des Torisamtes für die Zukunit ablehnten, womit sich jedoch die Fachgruppen- leitung nicht einverstanden erklärte. Don welchem Uebcrmut die Unternehmer beseelt sind, er Beschwerden bei der örtlichen unbeachtet ließen, und sich auch bestehenden örtlichen Tarifvertrag zuschulden tvnnnen lasse». Seit dem 31. Dezember liegt nun ein Entwurf der Unternehmer zu dem bezirklichen Tarisoertrag vor. Trotzdem der Reichstorit- vcrtrag für das Berliner Stuckbaugewcrbe zum Teil erhebliche Ver- fchlechterungen gebrocht hat. mit denen sich aber ein großer Teil der Berliner Stukkateure aus Solidarität für die durch den Tarif besser- gestellten Berusskallegen im Reich abgefunden hat, wollen d i e Unternehmer in dem Dezirkstarifvertrag noch weiter« Deki fchlechterungen durchsetzen. Soziale Best immun- gen, um die in früheren Jahren oft wochenlang hartnäckig ge- kämpft wurde, sollen nun aus Borschlog der Unternehmer beseitigt werden. Die Berliner Stukkateure befürchten, daß durch dos Haupttarifamt, welches endgültige Entscheidungen fällen kann, ein Teil der so schwer erkämpften Positionen zugunsten der Unter- nehmsr beseitigt werden kann, was beim Nichtbestehen eines Reichs- tarifvertragcs nicht möglich gewesen wäre. Die Berliner Stukkateure haben bisher mit der Regelung ihrer Arbeitsbedingungen an der Spitze der gesamten Lauarbcitcrschast g e st o n d c n. Sic forderten daher auch im Gegensatz zu dem Entwurf der Unternehmer die Beibehaltung der alten Bestimmungen, soweit diese nicht durch den Rcichstorisvcrtrog neu geregelt worden sind. Darüber hinaus aber verlangten sie bis zum Ablauf der örtlichen Lohnregelung am 31. Marz d. I. eine Lohnaufbesserung als Ausgleich sür die materiellen Einbußen, die sie durch den Reichstarisvertrag er- litten haben. Genosse Scheck betonte, daß dem Willen der Unter- nchmer, Verschlechterungen durchzusetzen, eine geschlossene Ab- wchrfront entgegengestellt werden müsse. In der kurzen und sachlichen Diskussion wurde zum Aus- druck gebracht, daß schließlich jede Verschlechterung aus Kosten der Qualität und Quantität der Arbeit und somit auch auf Kosten der Unternehmer gehen würde. Es wurde weiter einstimmig ein Antrag angenommen, in dem die Einsührung des Wochenendes gesordcrt wird, aber bei Beibehaltung der achtstündigen Arbeitszeit an den übrigen Wochen- tagen. In seinem Schlußwort forderte Genosse Scheck die Versam- ouf, geschlossen zusammenzustehen und auch vor einen offenen Kamps nicht zurückzuschrecken, wenn ihn die Unter- Mellen nochmals nchmer heraufbeschwören sollten. Fabrikarbeiterverband und keramische Kunst. Am Donnerstag, dem IS. Januar, werden in fast ollen Bö- zirkcn und Gruppen Berlins Bezirks- bzw. Gruppenversammlungen obgehollcn, die sich mit den äußerst wichtigen Wahlen der Be- zirks- und Gnippenlcitung und der Delegierten zur Gcneralver- sammlung zu beschäftigen haben. Die Kommunisten bieten olles auf, Anhänger ihrer Richtung auf diese Posten zu bringen, um so den Beiband zu erobern. Das muß verhindert werden! Daher ist es Pflicht aller Mitglieder, die auf dem Boden der Amsterdamer Gewerkschastsinlernationolc stehen, u n- bedingt und pünktlich in den Versammlungen zu erscheinen und nur Kandidaten der Richtung Amsterdam ihre Stimme.zu geben._ Der Werbcausschuß. Koch vor dem Arbeitsgericht. In dem unter dieser Ileberschrist in der heutigen Morgennummer veröffentlichten Artikel ist zu berichtigen, daß sich das Urteil des Gerichts nicht auf§ 4l> sondern auf Z 61 des Betriebsräte» gefetzes bezieht. Lerzntworttich kit: Politik: tturt Gen«: Wirttchatt:®. tUlogclhöfce: Eewcrtlck