Abendausgabe Sonnabend w-— HckMG«G O«-I »s»r:ulich« P>«m»z.«»I>-Mch MW l BP»M' MB f FH m BS BS Mo WM�WD��MWi. I.— Sti�smart Im-»raus i-dlb-r. BSM h�Wmt DW M» HD Lm IM j�Sj BW Mg TIS MD P fit elBtpelil«« NenpaitMtztN, Unttt Streiftanb Im In- und 31iiv JtSSK VW BH|H->»M»«M WM IM WW DD WW WWW t—- � 80 Pfennig RtNamtztU» iL— IHr ihv lanb bjO Stldjsmort cro SRonu �D WW HD fcM EM Hfl EM Ws jffi W|/ mcit.Stitln« Anzeigen" tat ttflgf B��P Ii �M MW M WM �M IM M» IM MD ��WL�W�� tinckl» Dor! A Pfennig<,»Iässlg ,we> ree„tBamirti' mit Oer ILustrit!»| WW■ WM WPv �PpWEL MB« �WWWP/ leng-sn-ck» Wollet ledes meiieee Won len Sonnlogtbellugt.Lott und Zeil» �P I, ,��flk\ f 13®"lnl9 Slellengeiuche Itmie den AeUaaeii.Unlerhallung ��W! 1 1 � � JflH[ Wotl lb Pfennig, ieöes wei'.ete Won »nb Diffen».Au, bei gilmweii-. �W�> �T/ PBk V � IW I 10 Pienniz Won, übe, lö Puchfioven I»«''«nKr.und-'�SuiÄ?� � zohien lü.»me, Won.«rdeiitinoN, mörls».Bliik w die Bücheemeil-, 4*.V»*'»ell. 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Wir entnehmen dem wichtigen Dokument, dos nach kommunistischer Gewohnheit sehr lang ist, folgende markante Stellen: Wir, die Unterzeichneren, ausgeschlossen aus den Reihen der WKP. fB) in Verbindung mit"den Beschlüssen des 13. Partei- toges unserer Partei, hoben es für notwendig gehalten, rechtzeitig gegen diesen Beschluß an den K. Kongreß der Komintern zu appellieren. Aber durch eine Verfügung der GPU. werden wir, alte bolsche-viftische Parteiarbeiter, in die entferntesten Gebiete der Union verschickt, ohne daß irgendwelche Anklagen gegen uns erhoben werden, mit dem einzigen Zweck, unsere Verbindung mit Moskau und anderen Arbciterzentrcn, solglich auf mit dem ö. Kongreß, zu unterbinden. Wir halten es daher sür notwendig, am Vorabend unserer er- zwungenen Abreise in die entferntesten Teile unserer Union uns mit der gegenwäNiaen Erklärung an das Präsidium des Exekutivkomitees der Komintern zu wenden mit der Vitts, unseren Vries sofort zur Kenntnis des Zentralkomitees aller kommunistischen Parteien zu bringen. Die administrative Der- schickung alter Parteiarbeiter aus Versügung der GPU. ist lediglich ein neues Glied in der Kette der Ereignisse, welche die WKP. er- ichüttern. Diese-Ereignisse haben eine riesige geschichtliche Bedeutung für eine Reihe van Jahren. Die jetzigen Differenzen gebaren zu den wichtigsten in der Geschichte der imernalionalen revolutionären Bewegung. Es Hondell sich dem Wesen nach darum, die Diktatur des Proletariats, welche im Oktober tlll? erobert worden ist, nicht zu verliercn. Der Kampf in der WKP. eniwickelt sich im wesentlichen hinter dem Rücken der Komintern, ohne deren Beteiligung und sogar ohne deren Kenntnis. Die 5iaupt- dokumcnte der Opposition, die den größten Fragen unserer Erpochc gewidmet sind, bleiben der Komintern unbekannt. Die ko-inmu- nislischen Parteien bcsinden sich jedesmal vor vollendeten Tatsachen 'und setzen ihren Stempel unter fertige Beschlüsse. Wir sind der An- sicht, daß ein derartiges Verhältnis aus dem in der Wurzel falschen Regime innerhalb der WKP. und innerhalb der Komintern im ganzen sich ergibt. In der Erklärung, die wir mit den Unterschristen der Genossen Smilga, Muralow, Räknwski und Rodek dem 13. Parteitag eingereicht haben, haben wir unsere U n t e r w e r- s u n g unter den 13. Parteitag und unsere Bereitschaft, die Froktions- arbeit einzustellen, erklärt. Nichtsdestoweniger hat man uns aus- geschlossen, und man verschickt uns unserer Anschauungen wegen. Wir hoben bereits«rflärt und wiederholen hier, daß wir aus unsere Anschauungen, die in unserer Plattform und unseren Thesen dargelegt sind, nicht ver- zichten können, denn der Gang der Ereignisse bestätigt deren Richtigkeit.... Man muß den K. Kongreß der Komintern mit jenen Mitteln und Weaen vorbereilen, mit welchen die Kongresse unter Lenin vorbereitet wurden: alle staupldokumentc, die mit den Streitsragen zusammenhängen, ver- öffentlichen: die Verfolgung der Kommunisten einstellen, die schuld daran sind, daß sie ihre Paneirechte verwirklichen: in der Diskussion, die dem Konpreß vorangehen muß, die Frag-? der Lerhältnisse inner- halb der WKP. und der politischen Linien der WKP. im vollen Um- sänge stellen. Durch Häufung von llnlerdrückunasmaßnahmen werden die Streitfragen nicht gelöst werden. Unterdrückunasmaßnahmen rönnen ein« große positive Rolle spielen wenn sie eine richtige Linie unterstützen und die Liquidierung reaktionärer Gruppierungen erleichtern. Als Bolschewiken kennen wir den Wert revolutionärer Unterd rücklings- maßnahmen, haben sie wiederholt gegen die Bourgeoisie in ihrer Agentur, die SRS und Menschewiken ongc- wendet und denken keinen Augenblick daran, aus revolutionäre Unterdrückungsmoßnahmen gegen Feinde des Proletariats auch in der Zukunft 3U verzichten. Aber wir hoben fest in Erinnerung, daß die Unterd rückungkmaßnahmen feindlicher Portsien gegen die Bolschewiken mochtlos geblieben sind. Es entscheidet letzten Endes dl« richtige poltische Linie. Die Verschickung von uns, Soldaten der Oktoberrevolution und Mitkämpfer Lenins, ist der deutlichste Ausdruck der im Land« vor sich gegangenen Klassenverschiebunge», der poltischen Verschicbungen der Leitung zum Opportunismus hin. Nichtsdestoweniger bleibt unserer tiefsten Ueberzeugung noch der Träger der Sowjetmacht immer noch das Proletariat. Es besteht noch die volle Möglichkeit, das System der proleiarifchen Diktatur mittels einer energischen Veränderung der Linie, mittets Verbesserung der Fehler, mittels tieferer Formen in Ordnung zu bringen und zu befestigen, ohne neue revolutionär« Erschütterungen. Diese Mögstchkeit kann zur Wirklichkeit werden, wenn die Komintern sich Vorwäris-Verlag G. m. b. H. energisch cinmifcht. Wir appellieren an oll« kommu- n i st i I ch e u Parteien und auch an de» 6. Kongreß der Ko- mintenr mit der dringenden Forderung, alle Fragen in: Tages- licht und unter voller Beteiligung der Partcimasten zu unter- suchen. Das Testament Lenins klingt heute mehr als jemals wie eine Phrophezeiung. Niemand weiß, wieviel Zeit uns der Gang der geschichtlichen Ereignisse zur Ausbesserung der gemachten Fehler noch läßt. Der Reichstag, der sejnc heutige Sitzung um 13 Uhr unter dem Vorsitz des Präsidenten Löbc begonnen hat, verabschiedet zuerst ohne Aussprache in allen drei Lesungen die Verlängerung des Meistbegünstigungsvertroges zwischen Deutsch- lond und Paraguay. Dann soll die erste Lesung des Reichshaushalls fortgesetzt werden. Vorher verlang! der Fraktionzsührer der Sozialdemokratie, Abgcord- ncter Hermann Wüller-Franken, dos Wort zur Geschäftsordnung. Er macht daraus aufmerksam, daß in der..Deutschen Tageszeitung" von Sonnabendmorgcn über ein« Rede des Rcichsinnemninisters v. K e u d c l l vor dem Pommerschen Landbund in Stettin berichtet wird, in der folgendes zu lesen ist: .Man werde es hier verstehen, snhr der Minister unter großer Heiterkeit fort, daß er es heule für wichtiger gehalten habe, in dies« Versammlung zu kommen, um dem Pommerschen Landbund die Grüße der Reichsregierung zu überbringen, statt sich.im Reichstag mit anzuhören, wie er persönlich angegriffen werde."(Wiederholt stürmisches hört, hört! links.) Ich weiß nicht, so- erklärt Abg. Müller-Franken, ob Herr v. Keudell, der- im Austrage der R e i ch s r e g i e r u n-g in Stettin ausgetreten ist, damit einen Wi tz reißen wallle, oder ob er wieder einmal verunglückt ist. Wir verlangen jetzt, daß der Reich?- tag darüber unterrichtet wird, ob der Reichskanzler diese Herabwürdigung und verächtlich. machung des Reichstags zur Kenntnis genommen hat. Alle Parteien müssen sich in der Zurückweisung dieses Angriffs einig sein. In einer Zeit, wo die Landwirtschast fortwährend an de» Reichstag appelliert, werden derartige Dinge vor dem Land- bund vorgetragen. Wir erwarten, daß der R-c i ch s k a nz l e r so- fort dos Notwendige veranlaßt-(Lebhafter Beifall links und große Bewegung im Hause. Inzwischen ist der Reichskanzler im Hause erschienen.) Abg. v. Guerord. der Führer der Zentrumssraktion. beginni seine Ausführungen zum Reichshaushalt mit der Erklärung, auch er hoffe, daß über dieses Auftreten des Reichsinnenministcrs die ent- sprechende Aufklärung durch die Reichsregierung geschaffen werde, die seine Fraktion verlangen müsse. Den Etat selbst bc< urteilt der Zentrumsredner außerordentlich skeptisch. Die Sozialdemokratie, sagte der Redner des Zentrums weiter, hat im Reichstag stets loyale Oppositon getrieben. Sie hol sich dadurch vorteilhaft unterschieden von der Opposition der Rechten im Preußischen Landtag, die mit den Mitteln der Opposition ge- arbeitet hat. Dos Zentrum steht zwischen den beiden Parteien als eine männliche Erscheinung von höchster Selb st än- d i g k e i t(Heiterkeit) und läßt sich seinen Blick durch koalitions- mäßige Liebe nicht trüben. Dann spricht Herr von Guerard über die Politik Stresemanns, der er V?ifaU zollt. Konflikt v. Gu6rafd-Marx. In seiner Rede hotte Herr o. G u e r o r d u. a. die Bemerkung gemacht, daß der Streit mit Preußen um die ihm zustehende Stelle im Aufsichtsrat der Reichseisenbahn bald und loyal beigelegt werden müsse. Als Guerord gefchlosscn Izotic, erhob sich zu allgemeiner Ueber- roichung der Reichskan.zler Marx, um unter sichtbaren Zeichen der Erregung auszuführen, er bedauere, daß diese An- gelegenheit hier zur Debatte gestellt worden sei» da sie sich zur ö f s e n t l i ch e n Aussprache nicht eigne. Er sei von der Anfrage vollkommen überrascht und habe infolgedessen auch keine Alten bei sich, sei aber min doch zu seinen, Bedauern genötigt, auf die Sacb« einzugehen. Der Reichskanzler schildert nun den bekannten Berlauf der Sache. Die preußische Staatsregicrung Halle auf den S i tz i m A u f- sicht s rat Anspruch erhoben, den zurzeit der Reichskanzler o. D. Luther innehat, und hatte, um den Rechtsanspruch durch- zusetzen, den Staatsgcrichtshof angerufen. Dieser hatte ent- schieden, daß der Anspruch Preußens gerechtfertigt sei. An diesen schon bekonnten Sachverhalt knüpft nun der Rei chs- k a n z l e r mit einigen sehr sensationellen Ausführungen an. Er sagt, er s« den Wünschen Preußens loyal nachgekommen Poflscheckkonto: Berlin 27336.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Ängeslellie» und Bcamten Wallslr. 65. Diskonto-Vescllschast, Tepositeickafie Andenkte 3 Wir unter Wersen uns der Gewalt und verlassen die Stellen unserer Partei und Sowsstarbcit für eine sinn- und ziellose Verbannung. Wir zweifeln dabei keinen Augenblick daian, daß.seder von uns nicht nur sür die Partei»och notwendig sein wird, sondern auch in de» Stunden der bevorstehenden großen Kämpfe seine Stelle in ihren Reihen einnehmen wird. Wir beantragen beim 6. Kongreß der köniniunistischen Linter- naiionole unsere Wiederaufnahme In die Partei. Der Aufruf ist unterzeichnet:„Trotzki, R a k o m s k!, R a d e k, Slnilgn, L. N. Smrrnow, Walentinovo, Serebrjakoro, Beloborodow, Preobraschenski, Maljurn, Eljzin, Waganjan, Ischtschenko, Newilson und eine Reihe anderer alter B o l- f ch c wi k e n."— Daß der internationale Kongreß zu ihren Gunsten entscheiden könnte, werden die Unterzeichner als genaue Kenner des Apparats selbst nicht annehmen. und Hobe versucht, durch moralische Einwirkung den Aussicht?- ratsposten freizubekommen, der Preußen zustehe. Allerdings hätte er sich nicht direkt und allein an Herrn Lnther wenden können.(Zu- ruf links: Warum nicht?) Er habe vielmehr olle vom Reich ernannten Aussichisratsmitglicder zu sich gebeten und durch moro- tische Einwirkung zu erreichen versucht, daß einer von ihnen freiwillig zurücktrete. Damit habe er aber keinen Erfolg gehobt.(Große Bewegung im ganzen Hause. Entrüstete Zurufe von links.) Unter diesen Umständen werde nichts anderes übrig bleiben, als den Staatsgcrichtshos noch einmal anzuruse» und ihn zu fragen, aus welche Weise der Anspruch Preußens ver- wirklicht werden solle.(Allgemeine große Bewegung. Die Sozial- demokraten rufen spöttisch: llcbergeben Sie doch dem Stoatsgerichls- Hof die ganze Regierung!) Als sich der Reichskanzler wieder setzt, ertönen von links stsir- mische Rufe: K e n d« l l, Keudell. Der Kanzler erhebt sich noch einmal, um zu erklären, daß der Herr Reichsinnenminifter in einem späteren Stadium der Debatte das Wort nehmen werde Auesperrung! Beschluß der Metallindustriellen in Mitteldeutschland. Magbeburq, 31. Januar. Der Verband der mitteldeutschen Metall» industriellen hat in seiner heute mittag in Magde- bürg abgehaltenen Vorstandssthung einstimmig die A u->» sperrung der mitteldeutschen Metallarbeiter beschlossen, und zwar mit Wirkung vom Dienstag, dem 24. Januar, ab. Ausdehnung des Streiks. Dessau. 21. Zonuar. Soweit sich bisher übersehen läßt, haben heute im anhaltischen wirtschostsgebiet etwa 6000 Metallarbeiter die Arbeit niedergelegt. In zahlreichen Betrieben läuft die Kündigung erst nächste Woche ob. Oie Stalinisten stören den Metallarbeiterkampf. halle, 21. Januar.(Eigenbericht.) Die Bezirkstonferenz der streitenden Metallarbeiter Mitteldeutschlands hat heute mittag solgende Ent- s ch l i e ß u n g gegen die den Streik diskreditierenden kommu- n i st i s ch e n Umtriebe mit allen gegen vier Stimmen ange- Nammen: „Die am IS. Januar in Kölheu stallgesundene Bezirkskonserenz hatte sich einmütig auf den Standpunkt der Bezirksleitung g?- stellt, daß der Antrag der halleschen kommunistischen Stadtvermd- neteufraktion an die StadtverordnetenversaMmliing, die Metall arbeiter finanziell zu unterstützen, den sreigewerkschostlichen Grundsätzen widerspricht. Nunmehr geht von der Kommunistischen Parte! die Parole aus, daß in allen Gemeindeparlamenten di? in Halle gestellte Forderung erhoben werden soll. Die heut« in 5)oll' stattfindende Bezirkskonserenz des Deutschen Metollarbeiterverbandes protestiertdagcge» und lehnt nachdrücklichst jede Einmischung Außenstchender in diesen Kamps ab. Dcr in Halle gestellte Dring lichkeitsantrog ist von der Stadtverordnetenversammlung als dring- lich abgelehnt worden. Nunmehr bmist der denkschnotionale Stadl- nerordnetenvorsteher zu Montag, dem 23. d. M.. eine Stadtverord- netensitzung em mit dem sinzigen Tagesordnungspunkt, den Dring- lichkeitsantrag der kommunistischen Fraktion zu behandeln. Die B> zirkokonferenz erblickt hierin ein Zusammcuspicl der Kommunisten aus der einen und des deutschuotionalen Sladtvcrordnetenvorstehers und der Bletallindnstriellen aus der anderen Seite, mit dem Ziel, Uneinigkeit unter den Kämpsenden zu erzeuge» und um demit deren Front zu zermürben. Dse Konferenz erhebt gegen- über der Kommunistischen Partei und ihrer Presse in letzter Minute �jhre warnende Stimme, ihr bisheriges freveln- des Spiel im Interesse des schweren Kampfes der Metall- orbeitcr einzusie''cn. Die tämpsenden Kollegen werden ersucht, sich durch nichts beirren zu lassen.... Eine neu« „Wir unterwerfen uns derGewalt!" Trohkis Appell an die kommunistische Internationale. Kall Keudell— Kall Luther. Keudell verhöhnt den Reichstag, Luther die Regierung.— Konflikt Marx-Guerard Phuse verschärften Kampfes beginnt. Die Retallarbeit«' fichen zv- jamnien. Äe kämpfen, aber sie betteln nicht!' Diese Enischließung wurde auch von den kommunistischen Delegierten in der großen Masorität angenommen! Di« rommunütiichen Zeitungen aber treiben ihren eigenen.Lamps (ftgen den Reiarmismus' zum Schaden der Arbeiterbewegung weiter. Konirotte des Reichswehrministeriums. Heran an die Ursachen der Vergeudung! Reichskanzler Marx hat bekanntlich gestern im An- schluh an seine Mitteilungen über die Phoebus-Asfäre erklärt, daß zur Ueberwachung der Ausgaben des Reichsmehrmini- steriums eine besondere Kontrollkommission aus Beamten des Wehr- und des Finanzministeriums sowie des Rechnungs- Hofes eingesetzt werden soll. Dieser Schritt stellt eine ganz neuartige Erscheinung im Etatrecht der deutschen Republik dar. Die Finanzgcbarung des Reiches und seiner einzelnen Stellen wird vom Parlament mit der Annahme des thanshalts geregelt, der das Grundgesetz für die Führung der politischen Geschäfte ist. Wenn das Reichswehrministerium so verschwenderische Ausgaben bisher machen konnte, dann mar das nur deshalb möglich, weil dieses Amt es besonders verstand, sich der parlamentarischen Kontrolle zu entziehen. Die verheerenden Folgen dieses Zu- standes mutzte das Bürgerblockkabinett selbst zugeben. Sie fanden ihren beredtsten Ausdruck in dem Rücktritt des Reichs- wehrministcrs Getzler. Soll nun die Reichswehr zur Sparsamkeit ange- halten werden, so ist der einfachste Weg der, daß man die Nu e l l c ihrer Verschwendung verstopft und ihr die Einnahmen und Ausgaben energisch beschneidet. Die So- zialdemokrotie hat dazu Vorschläge gemacht. Im„Vorwärts" wurde erst kürzlich bewiesen, daß derartige Einsparungen in Höhe von mehreren hundert Millionen möglich sind. Eine solche Politik der Sparsamkeit würde zur Folge haben, daß das Reichswehrministerium genau wie alle an- deren Ministerien in jedem einzelnen Falle mit neuen Geld- forderungen an den Finanzminister und über ihn an das Parlament herantreten müßte. Das wäre dann nötig, wenn es mit den ihm zugestandenen Einnahmen nicht auskommt. Dieser einfochc Weg ist nicht beschritten worden. Der Etat des Wehrministeriums wird nicht verkürzt, fondern er- wettert, damit aber auch die Quelle der Verschwen- d u n g nicht verstopft, sondern sogar noch reichlicher zum Fließen gebracht. Es wirkt geradezu grotesk, daß man auf dteic Weife die Ursachen der lockeren Finanzmoral im Wshrminftterium ruhig weiterbestehen läßt und ein be- sondere- Kontrollorgan einschaltet, um nur ja den Reichstag nicht allzusehr mit der Ueberwachung des Reichswehrmini- steriums zu beschäftigen. Es muß noch viel zu verbergen fein, wenn man eine an sich so einfache Sache wie die Spar- samkeit in der Reichsmehr auf so gewundenen und wenig Er- folg versprechenden Wegen verfolgt. Natürlich wird die Sozialdemokratie ihre Forderungen nach Kürzung des Reichswehretats weiter geltend machen. Da? merkwürdige Vorgehen der Reichsregierung und die amtlichen Eingeftändnisie der Verschwendung werden ihr nur ein w e i t e r e r A n s p o r n sein, bei der Verfolgung des Zieles, die höchst überflüssige Verschwendung von Steuer- geldern durch die politisch eigenwillige Reichswehrbureau- kratie zu oerhindern. Armeebefehle... Der abgehende Reichswehrministcr Dr. Gcßler hat eine A b- schiedskundgebung an die Reichswehr erlassen, in der er die militärische Tradition feiert und sagt, daß ein festes Band des Vertrauens ih»«st den vsstzieren«ck Rmmschaft« oerbrnde. Dom.Phoebus' sagt er nichts. Sein Nachfolger G r o e n e r ruft in einer Antrittsknndgebung den alten und jungen Soldaten ein Glückauf zu. Haltet den Dieb... Seutschnationale meckern über Vetternwirffchast, die sie selbst betreiben!- Der Preußische Landtag erledigte in seiner Sonnabendsitzung zunächst ohne wesentliche Debatte in zweiter Lesung die ftaushalie der Münzoerwalwng, des„Reichs- und Staatsanzeigers". der Ober- rechmmgskammer imd der Stoatsschuldei, Verwaltung. Beim. Etat der Lolkerieverwallung führt Abg. Borck(Dnat.) Beschwerde darüber, daß der parlamen- tarijche Vcrwaltnngsbeirat der Lottcriedirektion gegenwärtig die Lotterieeimichnierstellen vergebe. Nicht das Interesse der Lotterie- Verwaltung sei für die Zuteilung derartiger Stellen maßgebend. sondern sie würden an Freunde, Aorwandte und Parteiangehörige geschoben. lZurus links: Und die D e u t f ch n a t i o n a l e n't) Wenn alle Parteien in dieser Weise für ihre Angehörigen zu sorgen suchen, kann der deutschnationale Dertreter im Berwaltungsbeirat sich natürlich nicht ausschließen.(Lachen links.) Abg. Vischofs(Wp.): Ehe ich je daran gedacht habe, im Vermal- llingsrat der Lotteriedircktion einen Lotterieeinnehmer zu empfehlen, hatte des deutschnationale Mitglied, Gcheimrat Weiß- e r m e l, bereits hunderte Empfehlungen eingereicht. (Hört, hört.) Abg. Held(D. Vp.): Es erwies sich in diesem Jahre als unver- weidlich, den großen L o t t e r i e e i n n e h m e r n. die bis zu lSvoo Lose hatten, eine Anzahl wegzunehmen. Dadurch muhte» sehr viele neue Einnehmerstellen geschaffen werden, und der Finanz- minister hat dem Berwaltungsbeirat der Latteriedireklion erlaubt, aus der Vorschlagsliste der Generallottericdirektion die herauszusuchen, die ihm am geeignetesten schienen. Abg. Borck(Dnat.) bleibt bei seinen Behauptungen. Der deutsch- nationale Vertreter im Verwolwngsrat hätte sich nicht nur für ehemalige Offiziere, sondern auch für andere Kriegsbeschädigte ein- gesetzt. Abg. Meier-Berlin(Soz.): Der Abg. Borck hält« wirklich bester aeschwiegen. Es ist für mich geradezu unerträglich, wenn die Deuffchnationalen angebliche Mißstände im parlamentmnsäzen Bei- rat der Lotteriedirektion rügen. Der deutschnationalc Abgeordnete weißermel hat nicht weniger als 200 neue Lotterieeinnehmer vorgeschlagen. von denen 23 auch Eirmehinerstellen bekommen haben.(Lebhofiez Hört! hört! Abg. Borck: Wieviel haben Sic vorgeschlagen?) Ich habe mich absichtlich stark zurückgehalten und im ganzen an sechs Bewerber eine Empfehlung gegeben. Dabei � waren die Lolterieeinnehmerstellen bis in die sbogste Zeit hinein ein Mono. pol der rechtsstehenden kreise, und wir hätten an sich dos Recht, zu verlangen, daß jetzt einmal längere Jahre hindurch nur Links- stehende berücksichtigt würden. Aber wir hoben dos gar nicht verlangt. und ich Hab« hier nur die Tatsachen klargestellt, wie stc sich abgespielt haben. Der Abg. Borck hat sich diese Zurechtweisung wegen seines vorlauten Weierts selbst zuzuschreiben.(Heiterkeit und »eisall link.) Der Etat der Lotieriedirektion wild genehmigt. Es folgt der Etat der Porzellanmanufaktur, Über den Abg. Siering (Soz.) Bericht erstattet. Abg. hartleib(Soz.) spricht hierzu für die Sozialdemokvatie. Engtisches Marineprogramm gekürzt. Ja der Hoffnung, Amerika von der Aufrüstung abzubringen. London. 21. Januar.(Amtltd).) Die Regierung hat die Prüfung des neuen Marine- bauprogramms für die Jahre 1K27 bis 1929 beendet und beschlossen, einen der drei Kreuzer, mit deren Bau im Finanzjahr 1928 begonnen werden sollte, zu streichen. Von den für das laufende Finanzjahr geplanten drei Kreuzer« waren bereits früher zwei gc- strichen,«s find also von de» im Juli 192h nieder ge- legten Bauprogramm insgesamt drei Kreuzer gestrichen worden. Einer nichiantilichen Mitteilung zufolge wird die Man» s ch a s t s st ä r k e der territorialen Jnfanteriebetaillone von 636 aus 500 herabgesetzt werde». Endgültig steht fest, daß die regu- löten Bataillone um je eine Kompanie vernündcrl werden solle». Dafür werden die zugehörigen Malchinengewehtabteilungei» um je eine Maschinengewehrkompanie verstärkt. Sowjetunion für Richt-Angriffspakte. Verhandlungen mit Frankreich. pari», Zl. Zaniiar.(Eigenbericht.) per neue rustilche Botschoslcr in pari, hak dieser Tage bei den, Außenminister seinen Antrittsbesuch abgestattet. Dabei ist bereits die Frage erörtert worden, in melcher Weife die französijch-rusiischcn Berhandlnngen wieder aufgenommen werden können. Alan ha! sich dahin geeinigt, daß zunähst die Verhandlungen über den Schiedsgerichts- und Nichtangriffspakt beginnen sollen. Die Annähernngipolläk. die die Sowjetunion bei der lchlen Tagung des Völkerbundes in Genf begonnen hätte, solle mit aller Energie fort- geseht werden. primo gegen die„Doktrinäre". Sie dürfen in die Gemeindevertretungen nicht hineia. Madrid. 21. Januar. Ministerpräsident Prima de Rioera teilte mit, daß ein Gesetz- eiiiwurf für die Gemeindcwahlen ausgea-bcitet wird. Minderheiten fallen in den Gemeindcräten vertreten sein. Da die Verhältnisse das Borhandenscin von Parteien voraussetzt, die Regierung aber Wert darauf legt, daß politische Doktrinäre ihre Systeme in die Verwaltung oder in die Dersasiung nicht wteder hinein bringen, werden Einwohnervereinigungen genelzmigt werden, die ihre Programme für örtliche Rcsorinen öffentlich darlegen sollen.__• Korruption der Marineleitung. stiiesenskandal in der Türkei aufgedeckt. konstaatiaopCl. 21. Januar. Der Parlamentarische Untersuchungsausschuß ist zu der Ueber- zcugung gekommen, daß der frühere Marineminister Ich- san Ben bei der Vergebung der Kontrakte für die Reparatur des Panzerkreuzers„Iowus Selim' bewußt sich Ilnregelniößigkeitrn und Mißbrauche hat zuschulden kommen lasten. Ein Dr. Fikrel und der frühere Oberst Nazim sollen dabei Mithilfe geleistet und sich mit Ichsan Bcy in eine Vermittlungsgebühr von 120 000 türkischen Pfund egteilt Hobe», die von der Gesellschaft gezahlt wurde, der die Reparatur zugewiesen worden war. Schließlich stellte der Untersuchungsausschuß fest, daß der Chef des Marine st abes Hustamedin Bey und der Flotten kvmmandant Fakhari Ben für die Vorgänge mitverantwortlich sind. Der Ausschuß wird im Laufe cher nächsten Woche einen Bericht über seine Tätigkeit vorlegen. Landarbeiter im Kommuuistengarn. Aber Horihys Polizei befreit sie daraus! Budapest, 21. Januar.(Amtlich.) Die Budapester Polizei ist einer neuen kommunistischen Organ i- saffon aus die Spur gekommen. Die Organisierung war«ine zellcn- artige und hatte den Zweck, die Landarbeiter ins Garn zu locken. In ihren Flugschriften, die nach den verschiedenen Gegen- den des Landes verschickt wurden, versuchten sie, die Landarbeiter in erster Reihe gegen die Landbesitzer aufzureizen. Die Budapester Polizei Hai die Führer— einen Lanbarfaeiter, einen Privaibeamten und einen Agenten— sowie zehn andere in Hast genommen. Französisches Gastspiel. „Le Venin" im Zienaissance-Theoter. Henry Bernstein ist Direktor des Pariser Gymnase-Theaters. Cr ist fein eigener Regisieur, er führt sein« eigenen Stücke aus. Er darf es, denn die Schauspieler sind entzückt durch die erfolg- reichen Rollen, die er ihnen liefert. Nur zwei Personen, Riesen- großen natürlich auf dem Plakate, haben während des zweiten Aktes auf der Bühne zu reden. Und der Akl dauert fast eine geschlagene Stlindc. Natürlich ist Bernstein nicht'umsonst der Liebling des Pariser Theaters. Wir haben feinen„Dieb", eine der ersten Detektiv- kamödien, und die Handseste„Kralle" i» Berlin oft genug gesehen. Er ist ein prachtvoller Kenner der Ktilissen. Er sucht sich inieressanteste Charaktere heraus, wenigstens das, was die Kolporloge-Elite aller Stände für interessant hält. Diesmal, in der Komödie„Le Denin", ist der Hauptaktcur gor ein Schriftsteller, und der Titel ist so kurz und geschickt gewählt, daß alle Neugierde von vornherein garantiert und gespannt ist. Benin läßt sich schwer verdeutschen. Dos deutscheste Wort wäre ein anderes, aber geläufigeres Fremdwort: Marotte. Man kann auch sagen: der Spleen, die Verrücktheit, der Bogel. An solchem Spleen leidet der Schriftsteller Pecaud. Die Frau, die ihn aufrichtig, opsersähig und schlicht liebt, langweilt ihn. Er braucht«ine gepfeffert? Lady, doch er wünscht, daß die Messulina zugleich eine Nonne sei. Cr gönt der pikanten Frau, die ihn zum Dichten nuspulocrt, nicht die Flirts, die wiederum zum Lcbenselement der gepfefferten Lady gehören. An dem Schriftsteller, dessen Phan- ltsie unerniüMich arbeilet, frißt ständig das©ist der Eifersucht. So weiß er nicht, wie er seinem Herze» Ruhe verschaffen soll. Er pendelt zwischen der sanften Dame und der aufpeitschenden ausgeregt hin und her. Das gibt ihm die Stimmung, einen neuen Roman -u schreiben. Die kleine, artige, geduldige und legitime Gattin opfert sich gern für die Literatur. Sie oerzeiht ihren, Gatien alle Ausflüge in fremde Schlafzimmer und tröstet sich damit, daß sie bald Mutter ftlN wird. Sie will nur lächelnd die Verrücktheiten ihres berühmten Gatten hochachten und protegieren. Das Bernftsmsche Stück ist in den Ideen und psychologischen Konstruktionen etwas wacklig Es ist aber sehr wohl stabil in der Z Arsung aus dos Parkett. Wohlparfümiert und delikatesienreich ff) der zweite All, sine Variolion auf den alten Satz des Paul Bourget, d-r in seiner Physiologie der Liebe' sagt: Liebe ist der Haß von Maim und Frau zwischen zwei Geschlechtsakten.' Anatole France lni Paul Bourget einen melancholischen Schweinigel getauft. Der Ehrentitel paßt aus Bourget sowohl wie auf Bernstein. Aber das Theoler. das mondän sein will, braucht solche Meister der.Halbwahr- h>sten. Unter der Lupe ist alles Unsinn, in der freundlichen Be- leuchnmg der Rampe gekällt alles. Man wird angenehm narkotisiert. Die Künstler des Gymnafe spielen außerordentlich kultiviert. Ihr« Natürlichkeit stammt aus der besten Dressur. Alles Seelisch« wurde zauberhaft zwischen Regisseur und Darsteller fixiert. Nicht die komödiantische Leuchte, also der überlegene Star, wird gezüchtet. Niemand darf sich vordrängen. Es fügt sich eine erlauchte Sckiau- spielergefellschaft zusammen, die sich mit geduldigstem Takte oufein- ander abtönt. Es ist eine mondäne Schauspielerkunst von wunder- barer Eleganz. Man tann sie allzu geleckt, allzu geläutert finden, wenn man auf große Seelenhitze erpicht ist. Man kann behaupten, daß diese entzückend geschickten Schauspieler imr in der Raffiniertheit einer überalteten Tradition leben, aber man wird doch immer wieder gewonnen, da Takt und glänzende Techint in jeder Kunst die Ren- dcndsten und verführerischsten Mittel sind. Ioonne des B r a y spielt die angriffslustige Meffalina. Stimme, Gang, Bewegungen, Weichheit, Härte, Weinen und sogar ordinäre Manieren, das alles ist in dem Spiel dieser Dome vorhanden. Sic mischt das alles virtuosenhast, daß die Natur selder zu spielen scheint. Schließlich kommt doch aus dieser dunklen, sinnlichen Altstimme der Herzenston, der ins Tragische umbrechen kaim. Prächtig! Gaby M o r l n y ist die Darstellung der resignierenden Frau. Sie ist die Keusche, die Verzechende, schließlich die sehr Kluge. Der Psychologe Bernstein mutet ihr beinahe eine große Verlogenheit zu, doch sie zieht sich vollkommen aus der Affäre. Charles B o y e r spielt den kompll- zierten Schriftsteller. Cr hat eine mortotone Rolle. Zwischen Auf- gebrachtsein und weinerlichem Getue hat er hin und her zu schwanken. Das Brüchige des Stückes und der Rolle kann selbst nicht durch di« Routine dieses liebenswürdigen Künstlers gehellt werden. Französische Schauspieler, die nach Berlin kommen, müssen sehr sorgfältig ausgewählt werden. Eugen Robert. Direktor der „Tribüne", hat den richtigen Blick gehabt. Cr sagte vor Beginn der Auffübrung den fremden Gästen einige Worte der Begrüßung, als der Vorhang fiel, wußte man. daß Robert nicht zuviel ver- sprochen hatte._ Max Hochdorf. „Heiderose" im Aenlraltheoter. Vor fünfzig Iahren entstand diese Operette des Franzosen Robert P l a n g u e i t e. Damals hieß sie allerdings„Die Glocken von Eorneville". Was heute noch ge- fällt, ist tue stille Heiterkeit, die über dem Werk ruht, ist das Graziöse, das Tänzerische. Der Stil der sranzösischen komischen Oper wird gelockert und mit Offenbachschem Operettengeist durch- setzt. Und es sehst hier der starke sentimentale Einschlag der Wiener Operette aus jener Zeit. Plonquette verme'det Rührseligkest, selbst Herzensergietzungen schöner Seelen erinnern immer noch an vorbildlich instrumentierte Chansons. Dazu beherrscht Planquette souve- rän das Orchester, denn er würzest in der Tradition der komischen Oper, di« sich von Boildieu. Herold und Auber bis zur Operette und zum musikalischen Baudevill« fortsetzt. Manfred G u r l i t t von der Staatsoper ist der musikalische Leiter der Ausführung. Cr drängt zusammen, vermeidet jede Läng«, jede Andeutung von Sentimen- talität, er strafft rhythmisch Orchester und Chor und gliedert klar die großen Ensembleszenen und die Finale. Die Darsteller sind ungleich. An erster Stelle der Tenor Hermann Wold er, der frei von allen Opevcttenollüren ist, prachtvoll fingt und einen liebens- würdigen, überlegen lächelnden Marquis gestaltet. Neben ihm Leopold Hainisch, der Finsterling des Stückes, ohne jede Ueber- treibung. Marja H a r t o w bleibt konventionell, verfügt aber über eine schöne Stimme, während Lotte Carola noch ungelöst� in Stimme und Bewegung ist. F. S. Breußische Landesbühnc. Von der bisherigen Arbest der Preußischen Landesbühne, die das staatliche Organ für die Theater- pflege in Preußen darstellt, berichtet eine soeben erschienene klein« Schrift, die zugleich die Bedeutung und die Notwendigkeit der Landesbühnenarbeit darlegt. Bei' den Tätigkeitsgebieten der Preußischen Landesbühne handelt es sich einmal um die Förderung und Unterstützung des Betriebes von 15 gemeinnützigen Wander- bühnen, die das stäche Land mit wertvollen künstlerischen Dar- bielungen oersorgen. Ferner um die Fürsorge für bis jetzt 12 städtische„Aufbaubetriebc", durch deren Errichtung die Preußische Landesbühne lebensunfähig gewordene Pachtlhcater zu kulturell wertvollen und organisatorisch mustergültigen Instituten umblden konnte: sodann um beachtliche Maßnahmen im Interesse einer plan- wirtschastlichen Regelung des Theaterwesens und Bemühungen zu- gunsten einer noch sozialen Gesichtspunkten orientierten, auf starke Organisationen von Theaterbesuchern gestützten Kunstpslege. Endlich um besondere Aufwendungen für die künstlerische Versorgung der kulturell gefährdeten Grenzgebiete. Die Denkschrift gipfelt in der Feststellung, daß eine gesunde Fortfüdrung der begonnenen Tätig- keit durch die viel zu gering» Bemessung der staatlichen Zuschuß- betrage auss schwerste gefährdet ist. Sie bedeutet einen dringenden Appell an die Oejfentlichkeit, für die Deckung des unbedingt not- wendigen Zuschußbedarfs durch die Parlamente einzutreten. Erstausiührungea der Woche. Montag: Theater am Rollendorfdlah: »Der dran« Soldat Schwrjk'.— Z'otetheatcr:„Der Pfarrer von K i r ch f« l d Sonnavend: Schillert beatcr:.Ende gnl, olle» gut!* D'e Einweihung der neuro Sroll SSle. Da« aitberübmte Kroll'iche Etablisstinent lebt wieder aus. Nicht nur al« Oper, londern. tcine btitocitche Bellimmung erneuernd, al« Zsieftraum de« tanzenden Beil n. Am«. Fe« bruar sollen die neuerbauten Kroll- ä öle durch den Ball der Schule R e i m a n n eingeweiht werden. Die 4. diesjährige lanzmaOne» der Volksbühne CD, die am Sonntag. 3 9. Ja n n a r. voinckttaqZ 11'/, Uhr. im Theater am SülowpIatz ftatlsindet. wird eine Reibe neue: Tänze von Gret Palucea und ihrer G r u v p e bringen. Einlaßkarten in den LcrkaüsSstelleu der AoltSbütne »tun Preise von 1,30 M. Volksbühne. Olm Theater am Bükowplatz ssndet am Montez di--25. Auffübrung von TollerS.Hinke mann* statt; im Tbeater am Schitfbanerdamm am Tienstog die 75. Picksührung von „Schieber deckRuhmS* von Pagnol und Rwoix. Di« Vereinigung der semeinnützigro wanderbrihuro bai velchloss-n. dem itnstiivt iür Theater wissen'chaft an der UnIber sttät Kö!» da« oesamir in Magdeburg gezeigte KuSflellungSmoterial zu überlassen und laufend zu er- gänzen. Er soll hier eine Zentralstelle sür die Seschicht« de» lünstlet ische» Wandertheaters geschafseu werden. ®n an« Zlatneschuhaedle» am harz. Da« tn den Kemrrkungrn Ouenenberg und W r c? e r o d e liegend« Gelände am LUrcslenbeige i« mit«uSuahnre des geschlossenen Ort»»um Naturichuhg�biet erklärt»oriren. Dem Regierungspräsident en ist die Aussicht über diese« Naturschutzgebiet übertragen. „Herr Mchier, Wae Die„Gnädige" kriegt wegen tZs kommi vor. daß jemand verklagt und dah ihm. noch bevor das Gericht ein Urteil gefällt hat, eine Sjtrcfe zudiktiert wird. So erging es auch der LKjähngcn Schwiegertochter eines Kommerzictu rats, des Inhabers einer bekannten Berliner Seidenfirmo. Das Kom- nierziennats-Schwiogertöchterlein war von einer Hausangestellten auf Zahlung von etwa 20 Mark Rest lohn verklagt worden. Standhaft hatte sie sich in dem Sühnetermin geweigert, die Summe anzuerkennen oder auch nur im Wege des Vergleiches einen geringen Teilbat rag zu zahlen. Schon in der S ü h n e v e r h a n d- l u n g bewies die Gnädige, dost sie sehr temperamentvoll war, und man nnisite es der Angestellten schon glauben, dah sie einen Grund gehabt hatte, ihre Stellung ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist auszugeben. In dem einige Tage später vor dem Arbeitsgericht statt' findenden Termin liest dami die Sch'vicgertochier des Kommerzien- rats ihr Temperament sich voll enlfoltcn. Das führte natürlich zu einer Katastrophe. Zunächst erschien die Beklagte keineswegs pünktlich, begann dann aber, sich sosort in i t dem Iustizwochi- meister herumzuzanken, von dem sie verlangte, dast«r sie gleich vernehmen solle. Nun haben die Iustizwochtnieisler auf dem Arbeitsgericht im Lauf« der Zeit ein ziemlich dickes Fell bekommen und sind so leicht nicht aus der Ruhe zu bringen. Auch in diesem Fall erklärte der Wachtmeister der Beklagten ruhig, dah sie warten müsse, bis sie aufaerusen würde. Diese Erklärung muhte er im Laus« der nächsten Viertelstunde einige Male wiederholen. Als aber das tonmtzrzienrätlichc Schwiegertöchterlein immer tempeva- ! kostet der Laden?" Llngebühr 24(Stunden Hast. ment voller wurde und dem Justizwachtmeister fchliestlich den ganzen Tierbestand�des Zoologischen Gartens an den Kops warf, meldete dieser den Fall dem Richter. Die gnädige Frau lief hinter den, Iustizwochtmeiiter her und stürmte in den Sistungssaal des Gcriä'i!. Nur vergast sie in der Aufregung, die Tür zu, zumachen. Und als der Richter sie aus diese Unterlassungssünde aufmerksam machte. schlost sie nicht die Tür, sondern ösjnete ihr Mündchen und liest eine neue Flut von..Liebenswürdigkeiten" wts dos verdustle Gericht herniedersträmen IedeniaUs hatte die gnädige Frau erreichst, was sie wollte— sie brauchte itldst länger zu warten, sondern wurde sofort von dem Richter„abgefertigt'. Allerdings in anderer Weise als sie geglaubt hafte. Der Dorsistcnde machte sie dorogs aufmerksam, dast dos Gericht eine Ungebührstrafe ver hangen würde, Icstr war das kommerzienrätliche Schwieger- tbchterlein ganz Dame. Hol�itsvoll trat sie auf den Richtcrtisch zu. öffnete gravitätisch ihre Handtasche, entnahm dieser einen Hundert- morkschein und hielt diesen dem Richter unter die Nase mit den Worten:.Na, was kostet der Spast.— Reichen 100 Mark, oder soll ich von zu Hause noch mehr holen?" Das Gericht sah ein. dost hier eine Geldstrafe nicht am ssstaste war und verurteilte daher die temperamentvolle jung« Frau zu 2 4 Stunden Haft. Der vielgeschmähte Justizwachtmeister durste die gnädige Frau a b f L h r en Im Houptbuveau des Arbeitsgerichts brock» dann bei ihr nochmals das Temperamen: durch, aber als der Beamte sie darauf aufmerksam machte, dost die Haftstrafe auch auf drei Tage ausgedehnt werden könne, wurde sie sehr schnell kleinlalti. Agrarische Forderungen. 'Ott Staat soll verkrachte Güter aufkaufen.— Auslands- aoleihen für die Landwirtschast? Der Haushalt des Roichsnnnisteriuins für Ernährung unk» Landwirtsch)ast, dessen Beratung in der Sonnabendsitzung des Aus- ichuslss für den Reichshaushalt begonnen wurde, ist nicht von überragender finanzieller Bedeutung, da er nur einen Z u s ch u st von 18 Millionen erfordert, lim so größer ist seine Be- deutung in wirtschaftlicher Hinsicht, Di« beiden Referenten, Ab- gcorlnster Dietrich(Dem) und Genosse Schmidt- Köpenick besprachen dem» auch in ihren Referaten in der Hauptsache mir die allgemciite wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft. Abg. Dietrich berechnet« die gegenwärtige Verschuldung auf 10,4 Mil- liarden und bezeichnete die Umwandlung der kupzfristigen Personal« schulden in langfristige Hypothekenschulden als das Kernproblem der Landwirtschaft. Des weiteren regte er an, die Regierung solle «inen Teil des verschuldeten Großgrundbesitzes vor allem im Osten Aufkaufen und als Domäncnland bis auf weiteres bewirtschaften und verwalten. Genosse Schmidt trat der Uebertreibung entgegen, dast immer von einer allgemeinen Rot der Landwirtsckast gesprochen werde. Es sei zuzugeben, dast Grostbe triebe sich häusig und» häufiger in schwierigerer Lage be- finden als der Mittel- und Kleinbetrieb, der eben bester wirtschaftet. Minister Schiele berechnete die jährliche Z i n s e n l a st der Landwirtschaft auf jährlich 800 bis 900 Millionen und erklärte von neuem, daß selbst ordnungsmähig geführte Betrieb« mit Ver- lust arbeiten müßten. Die Reichsregierung betrachte es daher als eine ihrer vornehmsten Ausgaben, ans ein« Ordnung der Schuldverhältnisse der Landwirtschait hinzuwirken und auf Umwandlung der Personalschulden in langfristige Schulden be- dacht zu sein. Die dazu erforderlichen sehr erheblichen Mittel könnten nur durch Auslandsanleihen bereitgestellt werden. Bei Vergebung der einzelnen Kredite würde die Reichsregierung sich eine Mitwirkung vorbehalten. Bis zur Erreichung von Auslands- anleihen sei die Regierung bereit, Zwischenkredite zu ge-- währen. Er sei befugt, dies« Erklärung zugleich im Namen des Finanzministers abzugeben. Den deustchnationalcn Agrariern genügte indcsten die von ihrem eigenen Parteigenosten Schiele feierlich verlesene Erklärung nicht, sie verlangten für die nächste Sitzung die Zuziehung des Finanz- Ministers, damit auch er noch eine gleiche Erklärung abgeben könne. Gieuerkorrupiion in Ltngarn. Aufsehenerregende Enthüllungen. Budapest. ZI. Januar. Im Rohmen der Generaldebatte über den Auswertungsentwurf rnack.te der demokratische Abgeordnete Dr. Adalbert Fabian im Abgeordnetenhaus dem Fincnzmimsler wegen dar llmsatzsteuerpolitik schwere Vorwnrlc und erklärte u. a., dast ein. zelae Sleneramlsoorsteher unter dein Titel von Provisionen sc nach den eingetriebenen Umsahsteuern so ricseuhaflc Beträge beziehen. dast diese vielioch dos Gehalt des Flnaazministcrs übersteigen. Außerdem müstte ein grostcr Teil dieser Provision abgeliefert wer. den, und zwar an gewisse Bereine. Diese Beschuldigung er- weckte im ganzen Hause graste Unruhe und Bewegung, und auf die Aufforderung des Finanzmimsters. diese Vereine näher zu kennzeicknen, erkläne der Redner, er könne dies nicht tun, weil sonst der Herr Minister ihn bitten würde es lieber zu unter- lassen. Aber den Beweis hierfür könne der Seklionsrat in der Abteilung für Uinsatzsteuer im Finanzministerium sosort selbst er- bringen. Dann werde der Finanzminister unverzüglich eine graste Anzahl von Beamten versetzen. Mese Ausführungen lösten wieder groß« Bewegung aus. „Oevotionalien." Seltsame Funde in der Ziosenkranzsabrik. Die„Zonsbruckcr Zeitung" meldet, dast in der D e v o I l o- noiicnhondluag und Rosenkronzsäbrik des der Tiroler volks- partei angehörenden caadtagsobgeordoetev und Vize- bürgerweisters von Innsbruck auf Grund einer Anzeige beim Stadlpollzelamt eine Haussuchung vorgenommen wurde, bei welcher angeblich ein Dutzend Kisten mit vlasseo für die Tiroler helmatwehr ausgesunden wurden. Vir vorgüsuadencn Vossen wurden aus Anordnung der Landesregierung beschlagnahmt. „D e v o t i o n a l i e n" sind nach der katholischen Kirchensprache Gegenstände, die zur Förderung der religiösen Andacht dienen, also Heiligenbilder, Rosenkränze und dergleichen.„Devotionalien" sind demnach nicht Schießgewehre. Es liegt bei dem römisch- katholischen Bizebürgermcister von Innsbruck wahrscheinlich eine Be- gristsocrwechseluiig insofern vor. als er sich in dos alte Rom .zurückversetzt fühlte. Damals verstand man unter„Devotion" den scierlichcn Akt, durch den jeinond zum Wohle des Vaterlandes sich freiwillig tötete und sich damit den unterirdischen Göttern weihte. Möglich, dast der Rosenkranziabrilanl und Dcoofionalienhändler von Innsbruck mittels seiner Schiesteisen sich auch den heidnischen Göttern der Unterwelt opsern wollte. Aber ein Dutzend Kisten voll Massen hat der alle Römer nicht gebraucht! Rußland und Oeuischösteireich. Eine Tischrede TschitscherinS. Die Seipel-Regierung hat den langjährigen Gesandten in Moskau. Otto Pohl, abberufen, wdl er als Sozialist ihr nicht mehr patzt. Bei einer Abschiedsseier, der auch der reichzdeutichc Botfchaster Brockdorss-Rantzau beiwohnte, gedachte Austen- minister Tschitscherin zunächst seiner alten Freundschaft mit Pohl noch aus der Vorkriegszell, wo Tschitscherin als politischer Flüchtling im Ausland lebte. Dann hob der Austenminister hervor, daß es ein« der ersten Amtshandlungen Dr. Viktor Adlers als Staats- sekretär des Nutzeren in Wien gewesen ist, Sowjetrustland anzu- erkennen. Schliestlich betonte Tschitscherin die großen Verdienste Pohls um die Beziehungen der beiden Republiken zueinander, be- zonders auch um die Einführung der Aussallbürgschafi dar Ae- m c i n d« Wien für Rustlcndgeschäftc der heimischen Industrie; ine Rede schloß mir dem Ausdruck der Erwartung weiterer Belebung dieser Beziehungen infolge dieser Wiener Sc- meindemahnahme und mit einem Trinkspruch aus Otto Pohl. Das gefährliche Deutschlandlied. Der Kommandierende General der belgischen Besatzung im Aachener Bezirk hat— wie uns aus Aachen' gemeldet wird— dos dortig« Restaurant„Zu de» vier Jahreszeiten" vom 19. Iangar bis 6. Februar geschlossen, well in dem Lokal das Deutschlandlied in provozierender Weise gesungen worden sei. Wählt Liste„Genossenschastsaufbau"! Leder Genossenfchastler muß morgen wählen. Zwei Listen sind es, die am morgigen Sonntag— dem Wohllag der KonsumgenosienlchasUer— um die Macht ringen: die Liste „Genosienschastsousbau" und die Liste der„Opposition". Hinter der.Opposition" versteckt sich die Kommunistische Partei, die, nachdem ihr Ansturm auf alle anderen proletarischen Organi- sattonen zurückgeschlagen worden ist. einen verzweiseltcn Versuch macht, die Führung der Berliner Konsumgenosienschaft in ihre Hand zu bekommen. Ein Blick in die„Rote Fahne" und ein Blick aus die Tätigkell der kommunistischen„Zellen" belehrt jeden Genossenschaftler darüber, dast am Sonntag der letzte Mann an die Wahlurne gebracht werden muß, um die Genosien- schast vor der drohenden Zerstörung zu bewahren. Entfernt von aller Vernunft und aller Wahrhell agitieren die Kommunisten mll Phrasen und Verleumdungen für ihre Liste. Zahlreich« Zuschriften, die dem„»Vorwärts" in de» letzten Tagen zugegangen sind, zeigen, wohin die Äonsumgonosienschaft von den Kommunisten geführt wer- den soll: die Kommunisten wollen aus ihr ein Instrument der Stalin- Partei machen. Alle Mlltel, die bisher für den Ausbau der Gc- nosienschast verwendet worden sind, sollen der kommunistischen Pro- vagando und der'Agüatton für Sowjetrustland zugute kommen. Nicht die praktische Arbell, die ausschließlich das Wohl der Arbeiter- schoft und ihrer größten Organisatton im Auge hat. wird zukünftig das Leitmotlv der Gcnossenschastsarbell sein, wenn es den roten Pfründenjägern gelänge, die heisterschnte Wacht an sich zu reisten. Es erübrigt sich, am Borabend der»Wahl, all die unsinnigen„Argu- mentc" auszuzählen, mit denen die kommunistische Opposition die Wähler auf ihre Seite zu ziehen sucht. Die Vergangenheit zeigt jedem Arbeiter zur Genüge, wer die Arbell für die Interessen der werktätigen Bevölkerung, und wer die Arbell für die Reaktion ge- leistet hat. Die Zukunft gehört dem Genosienschastsousbau: seine Liste am Sonntag zu der siegreichen zu machen, ist die Pflicht aller Genosienschaftler. Garagenbrand in Berlin GO. Sieben Autos ein)taub der Flammen. Ein Grostbrand beschästtgte in der Nacht zum Sonnabend fünf Löschzüge der Feuerwehr auf dem Grundstück Köpenick«? Straße 21 fast sechs volle Stunden. Gegen 2 bis Z Uhr war dort in der Garage eines Fuhrunternehmers Feuer entstanden, das sich in kurzer Zoll auf dos gesamt«, etwa 2l>— 2S Mater lange massive Gebäude ausdehnt« und dieses völlig einäscherte. Sieben wertvolle Geschäfts- und Prlvotautos wurden ein Raub der Flammen. Kurz noch XZ Uhr wurde von Hausbewohnern auf dem Hos Köpenicker Sir.'21 ein starker Feuerschein wahrgenommen.»Aus den Fe>ttt«rn des hinteren Teils der Garage, die dicht an der Spree liegt, schlugen auch schon meterhohe Flammen heraus. Die Feuerwehr erschien aus den Alarm zunächst mll drei Lässtzügen an der Brandstätte. Ein gewaltiger Feuerschein, wie er in letzter Zeit selten beobachtet worden ist, gab w der Umgegend zu vielen übertriebene» Gerüchten Anlast. So wurden in verschiede- ncn Strastenzügen noch mehrsach die Feuermelder gezogen, woraus zwei weitere Züge anrückten. Die Bekämpfung des Feuers gestal- tete sich wegen der starken Hitze und der Explosionsgefahr äußerst schwierig. Trotz des umfangreichen Löschangrisses konnte von der Gavage nichts gerettet werden. Di« Flammen fanden an den Krastioagen und den'Benzin- u n d O e i v o r r ä t en nur allzu reiche»Rahrung. Im Innern de« Gebäudes erfolgten unaushörlich Explosionen der in den'Autos bejindllchen Benzinbehälter. Uni 3 Uhr explodierte unter lautem Krach sin größeres Ben- zinfast. Durch den gewalttgen Lustdruck wurde ein Teil der Seitenmoucrn zum Einsturz gebracht. Dieser Zwischenfall war für die Löschma-inschaiten das Signal zur Vorsicht, da nicht sestttand. ob noch größere Mengen des gefährlichen»Benzins in der Garage lagerten. Zum Glück konnte«in Uebergreiscn des Feuers auf an- grenzend« Baulick-kelten verhindert werden. Gegen 146 Uhr war die Hauptgesohr beselligt und die Ausräumungsarbeiten tonnten r.i Angriss genommen werden. Die Garage ist völlig ausgebrannt, nur dl« Umfasiungsmauern stehen noch. Von den Krastwagen sind nichts weiter als verbogene. zerschmolzene Eisengerippe übriggeblieben. Der Schladen ist sehr groß. Die Entstchungsursache konnte noch nicht festgestellt werden. Der verdächtige Ehausfcur. Der Verdacht, bei dem Ver- schwinden der Eiii R« I n f e i d t seine Haltt» Im Spiel zu haben, tollt, wie schon mitgeteilt wurde, auch auf einen Chausseur Karl»Rose, der wegen Vergebens an Kindern per- haftet worden ist. Rose behauptet, daß er sich am 12. Dezember. als die kleine Elli verschwand, in Reinickendorf ausgehalten babe. Sicher ist das aber noch nicht. Nun hat ein Hausdiener. den Elli kennt, in der kritischen Zest in der Kaiserallee, zwischen der Berllner und Güntzelstrcßc, von einer Kinder stimme seinen Namen rujcn hören, wie«r glaubt aus einem Wagen heraus. Es wäre nun wichtig, sestzustellen. ob sich Rose in der Zest nicht im Westen aufgehalten hat. Mlltellungen an die Mordkommission Trellin-Hartwig im Polizeipräsidium. Flugzeugkatastrophe im Teutoburger Wald Oer Führer tot, zwei deutsche Fahrgäste schwer verletzt. Das französische Dassagiersl»igzeug der Ferman. GeseNschäst. das die Strecke Paris— Berlin befliegt, ist am Freitag nachmittag auf der Zroischenstrecke Esten— Hannover im Teutoburger Wald und zwar bei Teckievbvrg in der Bähe von Osnabrück abgestürzt. Der Pilot war sofort tot, zwei Passagiere wurden schwer, einer leicht verletzt. Bisher wurde über den Unfall folgendes bekannt: Das von Essen kommende französische Flugzeug geriet über dem Kamm des Teutoburger Waldes in der»Röhe von Osnabrück in dichten Nabel. Offenbar hatte der Pilot die Richtung ver- l o r e n und ahme gar nicht, in welcher Gefahr er sich befand, da er dicht über den Kuppen des Hochwaldes hinfuhr. Plötzlich raste das Flugzeug in den Wald hinein und blieb in den Bäumen hängen, wo- bei es vollständig zu Bruch ging. Die Insasien stürzten heraus. Während der französische»Pilot sosort tot war, erlllt ein französischer Passagier nur leichte Verletzungen, da es ihm gelungen war. sich beim Absturz in den Aestcn eines Baumes zu holten. Hm- rgen erlitten die beiden deutschen Poflagier«, ein Kaufmann n o st m a n n aus Esten und«in Opernsänger H c n s c l e r aus Köln. schwere Verletzungen. Beide wurden in lebcnsgesijhrlichem Zustand in dos Kronkenhaus in Tecklenburg gebracht. Eine(Spielhölle ausgehoben. 38 Personen festgestellt. Nachdem die Spielklubs gefchlosten wmbeu sind, machen sich wie die Kriminalpolizei festgestellt hat, wieder die wilden Spiel- Partien bemerkbar. Einer der gröstien Beiriede wurde gestern inderSchonhouserStratze zwischen der Münzstrahe und dem Hackeschen Markt ausgehoben. Den»Beamten des Spielerdezernats war es ausgefallen, daß hier in einem Lokal ein viel regerer Verkehr als früher herrschte,«schon von 5 Uhr nachmittags an versammelten sich dort besonders Händler aus der Müiizftrotzc.»Nach längeren Beobochtun- gen sielen die Beamten gestern überraschend in em Zimmer hinter dem Schankraum ein und stiehen aus eine Menge, die dicht gedrängt mehrere Spieltische umstand. Aus den Rus:„Die Polente!" spran- gen viele Gaste aus dem Fenster der Siube und aus dem Klosellfenster auf den Hof hinaus. Uin die Dcrsolgung zu verhindern, warfen andere Tische und Stühle um. Das half aber nichts, dem» auch die Hofseite war besetzt, und die Flüchtigen wurden hier in Empfang genommen. Karten und Spielgeld wurden beschlagnahmt. 38 Personen wurden festgestellt, darunter 12. dt« gls vorbestrafte Spieler schon bekannt waren und m einem Fluchtversuch olle Veranlassung gehabt hotten. Unter den»An» getroffenen befanden sich auch mehrere Ausländer, die vom Fremdenamt bereits gesucht wurden, weil ihnen der Aufenthalt in Berlin oerboten ist.__ Die Räumungen in der Hebbelstraße. Der Polizeipräsident teilt mit: In einigen Morgen- blättern sind Berichte über die Räumung der beiden Wohnungen in der Hebbel st roste in Eharwttenburg erschienen, die den »Anschein erweckt haben, daß die Räumung der Wohnungen durch die Schutzpolizei erfolgt sei, oder dast die Schutzpolizei bei dieser Räumung zu mindesten mitgewirkt habe. Es heißt, ttn Auftrag« der Polizei seien Transportarbeiter erschienen, die unter Aussicht von Schutzpolizisten dl« Möbel aus den Wohnungen auf die Straße trugen. Diese'Mittellungen sind unrichtig. Die Schutzpolizei hat bei der Räumung in keiner Weise mit- g ew i r k t. In den gestrigen»Rachmittagsstunden Hut der»Berliner»Polizei- Präsident, Genosse Zörtaiebei. die gefährdeten Häuser in der Hebbel st raste noch einmal besucht und nach einer genauen baupolizeilichen Untersuchung die sofortige Räumung von zwei weiteren Wohnungen angeordnet. Aus telephonische Benachrichtigung des Wohnungsamtes erklärte dieses, so schnell können Wohnungen schwer besorgt werdeiu Den Mietern in der obersten Etage des Hauses Hebbelstrastc 17 wurde bekanntgegeben. daß ia vier Stunden die Wohnungen geräumt fein müssen. Das »Wohnungsamt stellte sofort einige Ädresien von Leerwobnuugen zur Verfügung. Die Möbel der beiden Familien wurden in Möbelwagen verladen und blieben vor dem Haus stehen. Die Wohnungen, die vom Wohnungsamt zugewiesen wurden, konillen g est e r n nicht mehr bezogen wcrden. Die Möbel mußten in den Möbel- wagen bleiben. Die beiden Familien fanden bei Nachbarn Unter- kunst. Das'Wohnungsamt hat gestern abend die notwendigen An- ordnungen ertellt, einen Neubap so schnell als möglich bezugsfertig zu machen. Desgleichen hat das Wohnungsamt schon gestern be- ichlosien, die Umzugskosten zu einem Teil zu übernehmen. Für die Reubauwohnungen sollen bei bedürftigen Familien M I etz u- s ch ü s s e geleistet werden. Dos»Wohnungsamt hatte sür die Räumung alle Dorbereitungen getroffen. Lediglich durch die plötzlich befohlene Räumung der beiden Wohnungen sind gestern abend Schwierigkellen in der Unterbringung entstanden. ver 1t»bekor»!,krSg«e Pros. Ludwig vuidde sprich! über das bei der PrelSttönuna IN Oslo von ihm bebandlcUe Tdema:„Abrüstung und Sicherhett' am Montop, dem 23 Januar. 20 Uhr. in den Spich« Ni° iälen Sinlritt 50 Dfg. Numerierte Viätze 1 B»., für Kriegsbeschädigte und Arbeitslose frei. Vauarbeiierschiih und„itf Engelmann". Das Verbot des Lleber-die-Hand-Mauerns. j-M 5. November 1619 hat der damalige Minister für Volks- �»lfahrt. Steger wald, den Entwurf einer Polizeioerordnung -'in, Schutze der baugewerblichen Arbeiter" "3" m der das sogenannte Ueber-dic-ksand-mauern betrifft, an die Regie rungspräsidenten versandt. In diesem Entwurf wurde das Verbot als berechtigte Forderung der Gewerkschaften anerkannt und bemerkt: „Um den Unternehmern des Maurergcwerbes zu ermöglichen, sich das erforderliche Gerüstmaterial zu beschaffen� erscheint es notwendig, zwischen der Veröffentlichung der Verordnung und ihrem Inkrafttreten eine F r i st n o n zwei bis drei Monaten zu geben." Daraufhin bat der Berliner Polizeipräsident am 12. September 162.? die Verordnung des Verbots des„Uebcr- di e- fgan d-m a u e rn" erlassen. Aus dieser Pclizeiocrordnung sei folgendes hervorgehoben: „K I. Das Ueber-die-Hand-mauern tMouern von Innengerüsten aus) bei Gebäuden von mehr als sechs Meter.fjöhe bis zum Dachzesims oder mehr als zehn Vteier bis zum Dachfirst ist verboten. § 2. Bei der Errichtung von Gebäuden von inehr als sechs Meter chöhe gerechnet bis zum Dachgesims— sind an den Außenseiten je nach den, Fortschreiten des Baues fest« Standgcrüste(Mauer- geriiste) bis zur Höhe de? Dachzesimfes anzubringen. In jeder Stock- werkftöhe ist ein Gerüstboden herzustellen Vor Beginn der Dacharbeiten ist aus dem Standgerüst«in« Schutzrüstung für die Dach- arbeiten herzustellen. Das Standgerüst ist tragfähig herzustellen und muß den Arbeiter gegen Absturz sichern." � Gegen diese Aerordnung liefen die Unternehmer Sturm. Die oon ihnen gemachten Einwendungen waren wenig fachlich. Sooiel Gerüstzeug fei in Berlin nicht vorhanden, um dieser Verordnung nachzukommen Der Verband der.Baugofchäfte Berlins und ebenso die Nordöstliche Bougcwerks- B e r u f s- gsnofsenschaft forderten die„vorübergehende" Aus- f e tz u n g der Verordnung des Polizeipräsidenten vom 12. September 1623. Gegen die Aussetzung protestierte die Arbeiterschaft beim preußischen Wohlsahrtsministcr. Allein dem Antrag auf Aussetzung aus„Verkehrsrückfichlen" und„wirtschaftlichen Gründen" wurde wiederholt staltgegeben. Die llnteniehmcroerbände beantragten dann bei dem Wohlsahris- minister, an Stelle des Stangengerüstes fei erstmalig in Fußbodenhöhe des zweiten Stockwerkes ein Schutzgsrüst herauszustecken. Beim Fort- schrecken des Bauwerks fei es in Fußbodenhöhc des vierten Stockwerkes und des chouptgesimses zu wiederholen. Die Arbeiterschaft lehnte diesen Antrag a b. Dach die Ver- Ordnung des Prlizeipräsidenten vom 12 September 1623 wurde nicht nur von den Unternehmern nicht beachtet, sie wurde auch von den höheren Beamten der Baupolizei sabotiert. Am 3. Juni 1621 wurde von der Baupolizei eine Verfügung, gez. Engelmonn, herausgegeben, die u. a. besagt: „Einen ausreichenden Arbeiterschutz glauben wir vertreten zu können, wenn an Steile der Standgerüste Schutz- g« r ü st e erstmalig in.höhe des Fußbodens des zweiten Stockwerkes berausgesireckt werden. Beim Fortschreiten des Laues sind sie in .hohe des Fußbodens des vierten Stockwerkes und des Hauptgesimses zu wiederholen. Das in hauptgesimshöhe hergestellte Schutzgerüst könnt« gleichzeitig als Schutz für die Dacharbeiter dienen. Bei hohen Giebelmauern wöre in einer höhe von rund 7 Meier über dem Dach- gefchoßfußboden abermals ein Schutzgerüst erforderlich. Die Aus- legerhölzer der Schutzgerüste müßten mit dem Gebäude sorgfältig oer- ankert und gut abgedeckt werden." Die Baupolizei ist das berufene Organ, das die Durch- führung der Verordnung des Polizeipräsidenten zu überwachen hat. Sic gab jedoch in oller Stille eine Ver» f ü g u n g heraus, die die Neuordnung des Polizeiprä- sidcnten vom 12. September 1923 vollständig aufhob. Diese Verfügung Hai die Berliner Baupolizei um ihr Ansehen bei der baugewcrblichcn Arbeiterschaft gebracht. Maßnahmen zum Schutze von Menschenleben scheinen ihr Nebensache! Hauptsache das Geldsackinteresse der Unternehmer. Diese»Lex Engelmonn" hat auch unter den Bezirksdez erneuten der Baupolizei eins Verwirrung sondergleichen gezeitigt, die sich leider zum Schaden der Bauarbeiter auswirken muß. Jeder Be- zirksdezernent entscheidet nach eigenem Ermessen. Var einiger Zeit konnte bei einer Kautenkontrolle in der Müller st raße sest- gestellt werden, daß aus der linken Straßenseite die Verordnung des Polizeipräsidenten vom 12. September 1923 in vollem Umfange befolgt wird. Aus der rechten Straßenscite dagegen wurden durch- weg die sogenannten„S ch u tz g e r ü st c" angetroffen. Einige Togo später konnte bei einer Bantenkontrollc in der Dänen-, der Göhrcner- der Ahlbecker, der lliaugardter, der Grell-, der Wisberg-, der Carmen- Syloo-, Duncker-, Olioo-, Straßburger Straße, Prenzlauer Allee nicht weniger als 18 Bauten feftzcstellt werden, auf denen nur „S ch v tzg e r ü st e" angebracht waren. Am tollsten stehts im Bezirk Lichtenberg, hier wird nicht einmal die„Derfügung" vom 3. Juni 1924 befolgt. Auf den Bauten der Märkischen Baugenossen- schost in Karlshorst. Günther. Straße— hönover Wiesenweg ist es gs- stauel, daß das Schutzgerüst erst am Dachgesims angebracht werden darf. Am 29. Dezember 1927 konnte aus dem von �der Finnä Weiß, Berlin-Schöneberg, ousgeführtcn Bauwerk in der Straße am Bahnhof Siralou-Rummelsbutg festgestellt werden, daß über die hond gemauert wurde. Trotzdem das Bauwerk bereits drei Etagen hoch, an der einen Seite bereits vier Stockwerk hoch war und der Dachvcrband von den Zimmerern aufgestellt wurde, war auch nicht die Spur einer„Schutzrüstung" vorhanden. hier muß Wandel gcschassen werden. Die Bersügung»Lex Engelmann" muß vom Herrn Polizeipräsidenten ausgehoben werden. Im übrigen sei bemerkt, daß die Bersügung Engelmonn ungültig ist, denn sie hat keine Rechtskraft. Die Baupolizei Verordnung Engelmonn hätte vor ihrem Erlaß den Berufsgenoffenfchaften zur gutachtlichen Acußerung— gemäß§ 120 e der RGO.— zugestellt werden müssen: ebenso hätten die Vertreter der B e r s i ch e r t e n, gemäß§S 852 bis 856 der Reichs- oersicherungsordnung. gutachtlich gehört werden müssen. Da dos nicht geschehen ist. hat die ,Lex Engelmann" keine Rechtskraft, sie ist ungültig. Für die Durchsührung der Verordnung des Herrn Pol zei Präsidenten vom 12. September 1923 muß alles darangesetzt werden. Di« Der- ardnung dient dem Schutz von Menschenleben. Jetzt endlich ist verfüzt worden, daß von der nächsten Bauperiode (1. April 1 92 8) ob, die Vorschriften der Polizeioerordnung vom 12. September 1 923 voll durchgeführt werden sollen. / Neuer Konflikt in Mitteldeutschland. Heute Entlassung der Hüttenarbeiter. Riesa o. d. Elbe. ZI. Januar. Ca die in den Stahl, und kval, betrieben der TNllleldeutschen Stahlwerke beschäfüglen Arbeiter die Erfüllung des für verbindlich erklärten Schiedsspruches noch wie vor ablehnen, haben die Aliktel. deutschen Stahlwerke heule früh alle diejenigen Arbeiter, welche die Erfüllung des Schiedsspruches verweigern, fristlos enllassen. Gleich- zeitig werden alle übrigen Arbeiter cnilassen, nur die zu Balstands- arbe'.len benäSglen Leute werden weilerbeschäftigl. ZGB. und KPD. Mau weiß nichts und schwindelt daher. Die kommunistische Art der Gewerkschoftssreundschast, die sich in ununterbrochenen Beschimpfungen der Gewerkschaftssührer austobt— mit Ausnahme natürlich derer, die der KPD. angehören—. in ständigen Beschimpfungen des A D G B. und gelegentlich auch des IGB., ist so bekannt, daß sie nicht erst näher ausgezeigt werden muß. In ihrem heutigen Morgenblatt sucht die„Rote F a h n e" zwei Megen mit einer Klappe zu treffen. Sie hat„Ein klägliches Fiasko der IGB.-Konferenz" entdeckt und sucht die deutsche Sektion des IGB. in den Augen der ausländischen Genossen zu verdächtigen, indem sie schwindelt: „Die Deutschen wollten unter allen Umständen den S i tz nach Deutschland verlegen, wollten einen deutschen Generalsekretär, womöglich noch einSn deutschen Vorsitzenden, aber aus keinen Fall den von den Engländern vorgeschlagenen Purcell. Die englische Gruppe dagegen oerlangte Brüssel als zukünstigen Sitz, stemmte sich gegen einen deutschen Generalselretär und beanspruchte den von ihr vorgeschlagenen Vorsitzenden." Warum hat die KPD. nicht schon vor der Berliner Konferenz ihre Vorschläge genannt für den Sitz, den Vorsitzenden und den Generalsekretär des IGB. f Moskau als Sitz und zwei der noch nicht deportierten Moskauer Gewerkschaftsführer für den Posten des Vorsitzenden und des Generalsekretärs? Ueberflüssig, zu betonen, daß weder auf die deutschen noch aus die englischen Vertreter im IGB. die kindische Unterstellung zutrifft, die einen wollten alle Posten von sich aus■ besetzen und die anderen cbenjalls. Stlbstverstöndlich ist, daß die größten gcwerk- schastlichen Landeszentralen im IGB. den ihnen zustehende» Einfluß in diesen Fragen üt die Wogschale werten, ebenso selbstoerständlich aber, daß die Reorganisation des IGB. nicht durch Mehrheits- befchlüsse, sondern aus dem Wege des gegenseitigen Einoernehntens erfolgt. Und eben deshalb wurde die Erledigung der Besetzung?- »rage oertagt, um allen angeschlossenen Landeszentralen Telegen- heit zu geben, ihre Vorschläge für den künftigen Sitz des LGB. und die Person des Generalsekretärs zu mache». Das ist aus dem gestern ausgegebenen ossiziellen Bericht, der durch WTB. oerbreitet wurde, deutlich zu ersehe». Dos hindert natürlich ein Blatt vom Schlage der„Roten Fahne" nicht, mit un- wahren Behauptungen den lächerlichen Versuch zu machen, in die Reihen der deutsche» und womöglich auch der englischen Gcwerk- schostsmitglieder Verwirrung zu tragen und den IGB. herabzusetzen. Lügen haben aber nur kurze Beine. Der Tan'fkonfllkt im Nankgewerbe. Eine unverständliche LLsunq. Im Bankgewerbe wurden bisher noch dem Rcichstaritneriragc die Ortsjouderzu schlüge des Reiches in der gleichen Höhe und in dem gleichen Umiange gewährt, wie st« das Reich seinen Beamten zahlt. Anläßlich der letzten' Besaldungsresarm hat das Reich eine wesentliche ch c r a b s e tz u n g der Ortssonderzuschläge vorgenommen und diese Mahnahme damit motiviert, daß diese Kürzung bzw. Abschassung der Ortssanderzuschläae sich durch die Erhöhung der Beamteneinkommen rechtfertige. Im besetzten Ge- biete hat das Reich außerdem einmalige Zahlungen an dir Beamten gewahrt, die die Abschaffung minder fühlbar für die Bctrossrnen gestalten. Die B a n k l e i t u n g e n machten zwar die Abschassung der Ortssvnderzuschläg« mit, weigerten(ich je« doch, die übrigen Bestimmungen finngemäß aus den Banktaris an- zuwenden. Das Reichstarifamt für das deutsche Bankgewerbe hat imn entschiede u, daß die ganze Verordnung an- zuwenden sei, Hot aber dann vollkommen unbegreislicherweise ' bestimmt, daß bei den Bankangestellten keine Einkommens- Minderung gegenüber ihren Gehältern vom Februar des vergangenen Jahres eintreten dürfe, statt daß es, wie' das die Ver- Ordnung vorsieht, gelogt hätte, das im Dezember bezogene Einkommen darf keine Minderung erfahren. Die Folge dieses Spruches wird, wie uns der Allgemeine Ver- band der deutschen Bankangestellten mitteilt, eine Unzahl von E i n z e l st r? i t, g k e i t e n im Bankgewerbe seilt, die leicht hätten vermieden werden können._ Äelegschastsherabsetzung im Saarbergbau. Saarbrücken. 29. Januar. Die von der sranzösischcii Bergwerksdirektion beabsichtigte Beleg- schastsvcrmindernng soll, wie oerläutet, nur die außerhalb des Saargebiets wohnhaften Bergleute betresfen. Von 72 ötztz Saarberg- leuten wohnen etwa 29 999 in den benachbarten deutschen Grenz- bezirken. Diese würden also zuerst für den Abbau in Frage kommen. Bereits im letzten Iohre Hot die französische Bergwerksverwaltung bedeutend� Belegschaftsverminderungen vorgenommen. Der Rekord- stand im Saarbergbau betrug im Jahre 1924 über 789911 Bergleute. Im letzten Vorkriegsjahre betrug die Belegschaft der preußischen und bayerischen Saargruben zusammen 56 879. Zellenführer im Dienste der Unternehmer. Paris, 29. Januar.(Eigenbericht.) Di« van den Kommunisten in den französischen Jndustrieb«- trieben gegründeten Zellen machen ihren Schöpsern alle Ehre. Am Mittwoch hat die Kontrollkommission der französischen Kammu- nistischen Partei vier solcher Zellensührer aus der Partei ausgc- schlosien, nachdem sich herausgestellt hatte, daß sie nicht nur im Dienst« der bolschewistischen Aktion, sondern gleichzeitig jenes großen Automobilfobrikanten standen, in desien Betrieben sie...Zellen" eingerichtet haben. Die Nachricht zeigt, daß nunmehr auch in Frankreich die Ueberwachung der Fabrikarbeiter durch Geheimagenten, wie sie in den Bereinigten Staaten blüht, zur Einsührung gelangt. Ausgerechnet bolschewistische..Welt» revolutionäre haben sich-hier dcxzu hergegeben. Der Verband der Lebensmittel- and Getränkearbeiler teilt mit, daß wegen der Konsumvereinswahlen die General- Versammlung morgen, Sonntag, im Gewerkschaftshcnis erst um 19 Uhr vormittags beginnt. Aus der Partei. Toten liste der Partei. Im 61. Lebeirsjahr verschied in Lübeck der Senator Genosse Pa u l Izojs. Der Verstorbene gehörte zu denjenigen Mitgliedern des Lübecker Senats, die nach der November- rcvoliuinn im Jahr« 1919 olj Vertreter des arbeitenden Volkes in diese Körperschasl gewählt wurden. Am 15. Dezember 1867 in Lübeck geboren, wurde der früh verwaiste Knabe im Waisenhaus er.zsgen, lernte als Maschinenbauer und war lange Jahre in industriellen Betrieben Lübecks tätig. Im Gewerkschaftskortcll, im Deutschen MetallorbeiierverbonZ» und in de- Arbeit innerhalb der SoziaÜ«motratisch«it Partei ivar er in tührenden Stellen jahrzehntelang tätig, bis chn da? Vertrauen seiner Porteigenosien, aber auch bürgerlicher Kreise, 1919 in den Senat beriet. An dieser Stelle hat er sich seitdem besonders aus sozialpolitischem Gebiet be- tätigt, als Leiter der Behörden für das Jugend-, das Arbeits- und Wohlfahrtsamt, schließlich als Vorsitzender der alle diese sozialen Ausgaben umfassenden Behörde für Arbeit und Wohlfahrt. Theater der Woche. Vom 22. bis 30. Ianuak. K»It»bbi»e. Theater am BiUawplatz! ZZ„ St. bis Zt., 39.. 30. Atann tft Mo NN. 36.. S. Hjnlemonn. Thcatcr am Schiffbancrdamm! Schieber de» Ibalia-Tbcatee, Nomrl qeftt inircb da» Äobetcchr.— Staa>»»e«r am Platz der SIreoblit! 33. TannhÄuscr. 23. Aenuio. 24. Der ttuh. Bnrui ibodunow. 26. 1-niso Miller, üt. ÄinfoNirkonzert. W. Den Ovovannt. 39. ll.ostn-- involier. 30. Zar und Ziinmcrrnann.— 8töMi(Äi« Otzee. Sbortotteafcnefl: 22.. 26. Sormen. 23. Zidelio. 24.. 30. Manon. S.. 28. Dos Zihrlngo:». 27 Tosco. 29. Drr ilcegende Holländer.— Staatetheate» am«entzarnce»» markt!'32, 29.. 27. bis 30. gouimonn oon Lcnedig. 23. Pentbefileo. 34. Bor- bicr von Sevilla. 26. Rigoros Hochzeit.— Schitzee-Tbeate«. �baelottrnbxea: 22., 25., 26., 27. Dozzet, 24. Lhortrqs Tonte. 25. Peer»NN«.'38. bis 30. Schwei?.— Theater In der.gönitzqrätzer Sceatz«: Schlott Wettersiein. ttomcbienhan»! Hokusrokuo.— cbeotzc»»ckouipielhaiu: Nodome Slompobonr. - Theater de» Seften«! Mllnchhouscns letzte Sied!-.—«omilche Overr'tllles Nackt!- Dentlcheo»Soltler-Thratei! Cotlrm, 39.. vormlttage' htZ» Utr, NiIte.!.?kicr.. Luftwlelba»»: Unter Setchälteoufstcht.- Hatzina-Theatee: Nole Bernd.— Theater am ttvrsSrttendamM! Bei unk um die chcdäckttnielirche rum.— Zlesibenz-Ihratee! Stierinama.— Theater Im der lkommondanien» ftratz»! 22. Stöienlricd. Ad 23: Der(hatten Eden.— MetrapatTheateer Dir schbne Helena.— Beelinee Iheatce: Der Herr von...— Seu«, Theatrr am Zaa: Heute Nocht �«vfnluell- Die TeibSnet Spiel Im Schlott-- Sleine« Theatee: Eine Meine ohne Bebeutuntz.- Renaitzaae«. Theater: 22., l9rz Uhr. L« Benin: 22>» Uhr Eorur-Bube. 28. bis 30. Eoenr Bub».— SSolhalla Theater: Eine Liebesnockn.— Ztaje-Theater: Der Pfarrer von tkirckc- irld.- Eaftno-Zheaker: Die fvoniiche Miege.— Theater ia ber»loste rstratz«: 23.. 23.. 28.. 29. Der«röhliche Weinberg. 38.. 27. Ehorlens Tonie. 24., 26.. 30. Schmettcrlingsichlachi.- Zchlchvarl. Theater Steglitz: Der Bettelftuben t.— Thcatee im Admiralsvalast: Wann und Wo- Wintergarten: Borieta.— Scata: Internationales Borieto.- Reick«hallen. Theater: Stetiiner Sanger. — Theater am tkoiibufiee Zar: Elite. Sonqer. RachmittagavaeftellUNge».«alkabähn«. Tbcater a» Bilarn- »latz: 23. Hinkemann. 29. Maon ist Rann. Theater am Schilfbaucrhammr 22.. 29. Schieber des Buhms. Zhalia Theater: 23.. 39. Dos»omel geht durck, dos Nadelöhr.— Ztoatsoper am Platz der Repablitt 22. Luifo W.llen 37.«ni- fonietonzert.- Schtller.Theate«.«harlotrenburg: 22. Wozzck. 2<. Iugtnd.- Theater in der«kammaodantenstrabe: 23. Der«arten Dden. 39. Der Dvrnen. weg.- Berliner Thcate«: 22., 3». RWers.-«leinea Theater: 22. Littv. dtr «okotte.- Walhalla- Theatee: 22.>>qnsel und Grete!.- Roie-Tbeal«,: 38, 2». Frau Holle.- Theater ia de» Most.rstrahe:'32.. 27. W., 29. Zmu Holle.-- Theater im AdmiraUpalastt 23., 39. Wann und Wv.— Scala; 22., 38., 30. Internat.vnaies Borieic- Reickmhallen. Theater:'32.. JH. Stettincr Sänger. — Theater am»attdaster Tai: 22., 39. Elile Sänger. Verantwortlich lil: Polilitt Dr.«nrt«cyert Birischafit B. alingelhifer: Eewerttchaftkbcwegung: I. Blciner: Ietstllrtont 3. H. Dälche»: Lolclea nnd Sonstiocs: gritz Tarstädt: Anzeigen: Th. Black«, lonillicki in Berlln. Verla«: Vorwärts-Beriag<ä. m b H.. Berlm. Druck: Borwärts-Buchdruckeret und Berlageanstalt Paul Singer u Co.. Berlin SW 68, Lindrnstratze T Xorkmödel! 8onSersngedl>tI .0 frivuie zu Engrospreisen. .ieene Fabrikate in geckteenen tusfütirnoKen kaufen Sie in ro er Aaswati und billir be> Wilhelm Sehulze lonbU«ap atz II, üal ptn. ihe Hackescher Mars Zahlangsealaichteraaf relevho Aexander4if? Restaurant zum Löwen Skalltzer Str. 13, Etke Admlralstr. Hochbahnhof Kottbusser Tor. fiotttepfleiMe Biere, Halle iLWaraie Klkbe Abend-Konxert Ea tat nea ertchiintn, Kinderland 1928 Ein proletarisches Jahrbuch für die Buben and Mädels des arbeitenden Volkes. An dem Kalender haben auch dieses Mal die Kinder selbst tüchtig mitgearbeitet Das .Kinderland* kostet Mark 1.50 2u haban In allen„Vorwärts**- Abgabestellen und Parteibueh- handlungen oder direkt von der „VorwHrta**- Buchdruckerei und Varlagsensta t, Berlin SW 88 LindenstraBe 3 Erfinder-Vorwfirls fttebmb Berhienftmöglichkeit?«utllär-nde Broschüre„Clin neuer Seift" gratis durch Erdmaaa 4Ce„BerUa,K#BtBrätrerStr J! Schaufenster-Tapete! Alle Eigenmustei ohne Zwischenhandel- SSAslsdie Tapeien-lndusfrie, Serlla Wilhelmstr. 44. twischen Lelpsiger n. Zlmm.erstr Jladdatx&€9 iBerJ/n. L&ipziaenStn. 122-123% Bis 25 Proz. herabgeset, sin i meine Preme auf Armband- uTasthenahreii GioBe Auswahl in jeder P.c slage. I|nrm\l/f acd Berlin N, Artillerlestr. 30 HCl III. TT ICsC, Mlhe Oraolenhurjer Tor Puiaarr ftroe ia(Mie angsJmrger)