AbendausgaSe Dienstag 7!f. 40 � �\/f 24. Januar 1.928 -nr«»». MV �*>*##**?«♦>*** ,««-.» Nöch-niNch 10 �lennlg, monatOch I gKf WI£/ BH ES WW MM. I,— atitbsmort Im voraus«ahlbor.■B 1]-Jgg MM MM f-, EM EH EH MM f/ HB L!««» n I v» I> I g, Woiiparr ii>jftlt Cmet Elr'isband Im gn- uv.b Au» I MM v) MM|ffl| E�E MM MM �M BM MM p-— J 60 Pjeiiuig Rrllamezell«&.— Ncick» land 6.30 Relchsmart uro Monat. �S�Kgu K�MH MM MM MM W> MM WM MM nM) MM MM j J marl.Älctn« AnzeigvQ" vas HMM> Ii MH W MM �M �M �M EH HE �M MM MM eru-ki« Won Ptenmu izuiüius»«"> tn.Normans- mll O-i(Bullnrrv gW j| WH W B �Bl B W VWW�M/ Irttzcdruckl. Wonrl. irves a-.i!°rr Won irn Sonniagsd-il-gr.B°u und An!' HM I BSB En' ME AHNBHH�� MVW>. MM U! M-nrng Sl-U-Ng-Iu», das erst, soan» den Veilngen„Uwerhalwng I DWW. BW s Won 15 Pfennig, ledes weitere Hon und Wissen�.Aus der Filmwett".«A. 4 T/ // LTD, lü Pfennig Worte übv 15 Buchstaben .Staötbcibe,*.gronertftmimf, �W/ v/"lör,-*- Hh\ zadlkn Mr zwei Warle Ardrilsmar!, **9� � .Kul-urardr»- und.Technik» W WEM M W M W WE UJW A W � � w>am>»nten Zeile 40N-»nig. Anzel,.». erscheint wocheniaglich tweimal. M ILM MWWy HDl M MM MM»MMd MH M MM M ß? onnostin, im Haupigeichasl Linden. Sonata»» und Montaxs einmal. VV�W tlrage z. wocheniasl. von s>/, dt» l? Udr. Jentvawvgmt der GozialdemoSratifchen Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 FeriilpreHtt: Dönhoff 295— SS7 Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Landbundgeschrei. Dauernkriegsspiel der Großagrarier. Der Landbund versucht durch plumpe Demagogie den Boden zurückzugewinnen, den er verloren hat. Er läßt über- all von seinen Funktionären eine Älischeeresolution anneh- men, deren Inhalt erschreckliche Drohungen enthält: .,1. Wir dulde» keine Einfuhr l a u d w i r t s ch a f t- lichrr E rzcu Luisse, die wir aus eigener Scholle heevorbrin- gen können, insbesondere nicht den Abschluß eines polnischen Hau- belsvertrags, der mir ons.iiosten der Landwirtichnii, besonders auf Kosten der KlKnlandmirtc und der Landorbeiter abgeschlossen werden kann. 2. Wir werben unsere Betriebe so schnell, als die Wirtschasts- form des einzelnen Betriebes es erlaubt, auf die einsachste Form umstellen und alle nur irgendwie vermeidbaren Aus- gaben an Bauten, Moschinen, Kunstdünger unterlassen. Der Zucker- rübenbou wird so weil unterbleiben, als nicht genügend fähige Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt werden. 3. Wir stehen zu ollen von uns eingegangenen Verpflichtungen, können aber Zahlungen o-n Wechseln, Zinsen, Steuern und Abgaben nur noch aus de» auftom- wenden Ertrügnissen des Betriebes zahlen,«s fei denn, daß ein Betriebsinhaber nach Einkünfte aus anderen Der- wögcnswerten hat. Wir werden alles daran setzen, ausreichende Löhne für unsere Arbeiter und Angestellten sicherzustellen und die lausenden Rechnungen an chondwerker usw- zu zahlen. -i Gegen eine zwangsweise Befriedigung aus landwirtschaftlicher S u b st a n z, die nicht n»ehr weiter verschleudert werden darf, sondern in unleren Händen zu verbleiben hat, werden wir von Fall zu Fall die uns nötig erschei- »enden Maßnahmen ergreife n." Also: die Herren vom Landbund, die keine Einfuhr dulden wollen, werden mit Äliistgabeln an der polnischen Grenze aufmarschieren, um die polnischen Schweine abzu- stechen. Nach dem polnischen Schwein kommt der Gerichts- Vollzieher lind der Steuerbote an die Reihe. Die Demagogie ist so albern, daß sie nur einen Schluß zuläßt: die Forderungen des Landbundes find unberechtigt, also das Geschrei. Die Kredite für die Landwirtschast. Die Verhandlungen des Interfraktionellen Ausschusses über die Krcdithilfe für die Londwirtschast wurden am Dienstag vormsttag in Gegenwart des Rcichsfinanzministers Dr. Köhler und des Er- nährungsminisiers Schiele forlgeseht. Sie wurden mittags unter- brochen, da noch einige Baraussetzungen für die Erfüllung der gestern von den Regierungsparteien formulierten Wünsche geklärt werden sollen. Nachmittags gehen die Verhandlungen weiter. Der pole muß ins Gefängnis! Ein tolles Kriegsgerichtsurteil in Kowno. Warschau, 24. Januar(Eigenberichts. Aus Kam n« wird gemeldet, daß dos dortige Kriegsgericht zwei polnische Bürger, plotrowski und Zoblonsti, die vor ewigen Monaten an der Grenze ousgegrissen wurden, zu Gefängnis. strafen von vier und sechs Jahren verurteilte, weil sie als lltoulsche Staatsangehörige Im polnische« Heer gedient haben. Litauen betrachtet noch immer alle Pole», die aus dem wilnagebiet stammen, als litauische Staaisange. hörige.__ Diplomatenianz um Maschinengewehre London, 24. Januar.(Rculcr.) Die Regierungen der Kleinen Entente werden demnächst eine Note über die Entdeckung von Maschinengewehren in Sz. Gotthard an den Generalsekretär des Völkerbundes senden. Endgüliigcs über den Inhalt der Note ist nicht bekannt, dach glaubt man nicht, daß die Kleine Entente aus einer Untersuchung bestehen wird. -100000 Mann Lustschuh— gegen wen? Faschistenmiliz muß alles regeln! Rom, 24. Januar. Der Ministerpräsident beabsichtigt eine faschistisch« Straßcnmiliz zu gründen, deren Ausgabe es fein wird, alles, was den Stratzeiwcr- kehr betrifft, zu leiten und zu regeln. Die Organisierung der faschistischen Luftmiliz macht gute Fort- schritte. Dieser Lustmiliz ist die Aufgabe der Abwehr vonLuft- angriffen zugewiesen. Tausende von Männern sollen sich frei- willig gemeldet haben. Bisher seien 3l> 0ils« soll in erster Linie dazu dienen, die U e d e r l e I l u n g der zurzeit bestehenden Schulverhiilmisse, namenilich auch in leistungZ- schwachen Schulgemeinden, in den neuen Rechtszustand zu erleichtern. Ei» voller Ersatz der kosten, die die Dnrchsührung des Reichsschulgesetzes elwa ersordert. Insbesondere eine Beleiligung des Reichs an den lausenden Mehrkosten sür das volksschulwcsen. muh nicht nur aus grundsätzlichen Erwägungen, sondern auch deshalb abgelehnt iverden. weil es kaum möglich sein wird, kosten, die auf Grund der Dnrchsührung des Schulgesetzes erwachsen, von den- jenigen Ausgaben zu trennen, die das in stetiger Entwicklung befindliche valksschulwesen auch ohne den Erlaß dieses Gesetzes ver- Ursachen wird. Da sich nicht vorhersehen läßt, wann den Ländern und Ge- meinden erstmalig besonder« Kosten erwachsen und welches Aus- maß sie in den verschiedenen Gebieten erreichen, so ist vorgesehen, daß das Nähere über die Art der Verteilung von der Reichs- reglerong im Einvernehmen mit dem Reichsrat festgesetzt wird. Der Minister erklärte dann weiter, es sei schwierig, wenn nicht un- möglich, genaue Unterlagen sür die Kosten zu beschassen, um so weniger, als die endgültige Fasiung von Paragraph 9 noch gar nicht feststehe. Die schwierigen Fragen, nach welchem Schlüssel die Verteilung der 30 Millionen an die Unterrichtsoerwaltungcn der Länder vorzunehmen fei, können am besten im Einvernehmen mit dem Reicksrat gelöst werden. Abg. Rönneburg(Dem.): Oiienbar sei die Regierung der Kosten- iragc zu spät nähergetreten. Es stehe außer Frage, daß den Ländern die kosten in voller hohe zn erstatten seien. Gelegentlich des Finanz- ausgleichs Hab« auch die Reichsregierung den Staudpunkt vertreten, daß den Ländern bei S o n d e r l e i st u n g e n die Kosten voll zu ersetzen seien. Sein« Fraktion wende sich auf dos Entschiedenste gegen die geplante Regelung der Kostenfrage. Die Reichsregicrung müste überhaupt erst mit bestimmt formulierten Vorschlägen zu der Kostcnfrage hervortreten. Abg. Fleißner(Saz.) meint, es werde Sache der Länder sein, sich zu dem 30-Millionen- Angebot zu äußern. Man müsse jedoch fordern, daß dem Bildungs- ausschuh die Unterlagen sür die Kiostcnbcrcchnimg zugänglich gemacht werden. Die Köstenfrage sei von außerordentlich wcittragcn- der Bedeutung für die Gesamtheit. Interessant wäre es. zu crsahrcn. wie der Reichssinanzminister über die köstenfrage denke. Sein Stillschweigen zu diesem Problem berühre seltsam. Mit der vorgeschlagenen Regelung der Köstenfrage könnten sich die Länder seines Crochtens keinesfalls zufrieden geben. Die Schwierig- keit der Kostensrage erkenne man erst, wenn man alle Details, wie Anschaffung neuer Bibliotheken, Anstellung neuer Lehrer usw� dir sich als'Auswirkungen des Schulgesetzes ergeben, ms Auge faste. Länder und Gemeinden würden d-adnech in eine unmögliche Lage geraten. Mit der Schassting neuer Steuern durch Länder und Gemeinden sei das Problem auch nicht zu lösen, schon weil ihre Besugnisse auf diesem Gebiet sehr begrenzt seien. Abg. Dr. Löwenstein(Soz.) stellt ebenfalls die Forderung, daß der Reichsfinanzminister persönlich zur Kostensrage Stellung nehme. Reichsinnemnlnister Dr. von keudell bittet, von einer Zitierung des Reichssinanzministers Abstand zu nehmen, da er ja die Erklä- rung namens der Reichsregierung f cho n verlesen Hab«, an der auch natürlich der R'eichssinanzminister beteiligt gewesen sei. Der Minister wendet sich dann der Frage zu, ob die Kosten vom Reiche i n voller Höh« ,zu tragen seien. Einr einheitliche Aussassung bestehe unier den juristischen Sachverständigen hierin uichl. Die Kosten- frage hänge im übrigen auch stark davon ab, in welchem Maße die Erziehungsberechtigten von ihrem Antragsrecht Gebrauch machen würden. Ministerialdirektor Kästner bezieht sich auf Ausführungen des preußischen Kultusministers, wonach es Sache der Reichs- regierung sei, sowohl die Kosten zu überschlagen, als auch sie zu tragen. Es müsse eine Stelle im Reichsrat geschaffen werden, die die Mehrkosten berechnet. Preußen berechne sür eine Klasse sachlich« Kosten SO 000 M., Personalkoston 9000 M., dos mache bei 32 000 Voltsschulen und 100 000 Klosien bei einer Absplitterung von nur 1 Proz. einen Kostenaufwand von 59 Millionen Mark. Der Vertreter der bayerischen Regierung erklärt den Vorschlag der Reichsrcgierung für untragbar. Die Kosten müßten den Ländern voll erstattet werden. 'Nach weiterer Debatte wurde die Sitzung auf morgen vertag'. Ultimatum Herriots an poincarö. Der Minisserprasideni muß seine Rede ändern. / Feue Kreunde des parlamenian'smus. Im Loger der Konservativen. Selbst die geschworenen Gegner des parlamentarischen IRe- gierungssysteins müssen sich beugen vor dein sachlichen Erfolg, den die demokratisch-parlamentarische Uebcrlicfc- r u n g im Volk« erzielt. Sogar das Blatt der offenen Monarchisten, die zwar deutschnationale, aber in erster Linie preußisch-konservativo „Kreuz-Zeitung" schwenkt zu den Anhängern des Parlamentartsmus uni. Freilich zunächst nur für— Schweden. Dort hat nämlich seht die Reichswgsernffnung in den landesüblichen Formen statt gefunden, lieber sie läßt das Westarp-Blatt sich einen ausführlichen Bericht schreiben, in dem anschaulich geschildert wird, wie der deutsche Gesandt« im„blauen Diplomatensrack erscheint, während der deiitschösterreichische Vertreter nur im.einfachen Fratk" austritt, den bei dieser Gelegenheit auch die Abgeordneten tragen. Sogar die Sozialdemokraten! Schließlich aber bricht die Erkenntnis und das Geständnis durch: Auch die sozialdemokratischen Reichstagsboten treten hier in diesem Lande eines traditionelle n Parlamentaris- i» us mit der Sicherheit und Würde auf. welche die Tradition des schwedischen Volkes verlangt. Lärmszenen von Kommunisten wären hier undenkbar. In Deutschland hat die Kaste, die heut« noch von der „Xreuz-Zeitung" vertreten wird, gemeinsam mit dem chohenzollerii tum die Entwicklung eines„traditionellen Parlamentarismus� verhindert, bis der Novcmbersturm sie hinwegfegte. In Schweden hat der demokratische Bolkscharatter ein halb- absolutistisches Sönigotum gor nicht erst auskommen lasten. Und als der gegenwärtige König es vor einigen Jahren einmal unternahm, selbständig in die Politik einzugreifen, in dein er an eine Bauern- Demonstration ein« aggressive Rede hielt, da wurde er von der Regierung und vom Parlament gleich so zurechtgewiesen, daß ihm die Lust zu einem zweiten Versuch in gleicher Richtung verging. Das ist der.traditionelle Parlamentarismus' in Schweden. Ate Sozialdemokratie«acht dort mit gleichem Eifer über die Rechte des Volkes, wie die deutsche Sozialdemokratie in unserem Lande. Es wird nichts anderes übrig bleiben, als daß die Konservativen im Deutschen Reiche den Parlamentartsmus genau so schätzen lernen, wie sie ihn schon für Schweden verehren? Sadistische Gefängnisgreuel. Das Märiyrerium Georgiens. Kaifer-Kasching. Dir Fasching ist eröffnet, die Auslese der Kaisertreuen hat ihr? Kaisergeburtstagsseier abgehallen. Im kleinen Saal der Sing- akademie. Geschlossene Gesellschaft, veranstallet von der Zeitschrift „Der Aufrechte". Für die Kostüme sorgten Generale und General- leutnaats der kaiserlichen Armee sowie die„hohen Herrschaften": „Jubel rauscht auf, brandet wie ein« immer wiederkehrende Welle: Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Friedrich Sigismund, Prinz Osar und prinzlichen Kinder find erschienen, eine kleine Prinzessin und einen allerliebsten kleinen Prinzen." Ein Kenkralleniiiant a. D. Wächter sprach über das damals. „als wir noch Freude an unserem Kaiser hatten, um den uns das Ausland beneidete". Pfarrer Krummacher aus Potsdam feierte Wilhelm und Her- mine. Es war also eine Feier der Hcrministen, nicht der Bikto- rimicr. Die Fidclilät wurde eröffnet vom Prinzen Oskar, der unter dem Jubel der Anwesenden über die Barriere zur Redner- tribüne sprang, um zu versichern, daß Belohnungen für Monarchie- im-'s nicht verteilt würden. Es wurde viel„gejubelt", und da kein Volk anwesend war. mußte man sich den Jubel selbst vormachen mit Trompeten und Polauner,. Wilhelm selbst war im Geiste unter ihnen, dazu ein Telegramm von ihm. dessen Inhalt man aber nicht erfahren darß ob der wilhel- vnnischtn Diktion. In den Jubel der Ausrechten ober mischt sich eine bittere State. Der srmnme„R e i ch s b o t e' und die„Deutsch« Zeitung' Uns wird vom ZeMralkomiiee de? Georgifäzen Sozialdemo- transchen Partei folgendes witgsi-ilt: Die russischen Oktupatiansbehördcn wüsten jetzt seit fast sieben Jahren in dem unglücklichen Lande Georgien. Das georgische Volt ist während seines zwcitausendjährigen Bestehens auch nicht ein einziges Mal auch nur annähernd solchen Barbareien ausgesetzt gewesen. Zum Beweise führen wir einige wenige der aktenmätzig fest- gestellten Tatsachen aus: 1. W l a so Bobochadse, Sozialdemokrat, fitzt seit in Tiflls in Gefangenschaft. Die Tjcheka hielt ihn in einem dunklen, unterirdischen, unsauberen, feuchten Kellerraum gefangen, ohne Bett und ohne genügend« Kleidung. Die ersten fünf Tage der Gefangen- schaft bekam er keinen Tropfen Wasser, so daß sich der ganze Mund mit weißen Wsonderungen füllte und die Zunge gelähmt war. Zum Anfeuchtcsn des Mundes blieb ihm nichts anderes übrig, als seinen eigenen Uriu zu benutzen. Derartige sadistische Quälereien dauerten einige Monate. Darauf wurde er zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Jetzt ist er in Tislis im Metech-Gcfängnis. Grund zu dieser barbarischen Behandlung war seine Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie und seine Beteiligung an der Arbeit für die Selbständigkeit seiner Heimat. 2. Ein Fräulein Marie Itava, Näherin, ein ganz junges Mädchen, wurde in Batum auf Grund bloßer Verdächtigungen ner- haftet und in einer für solche Zwecke besonders eingerichteten Kammer Nr. 9 ganz nackt eingesperrt, wo sie mehrere Tage in diesem Ziestarid und ohne Nahrung zubringen mußte. Tag- lich kam der sogenannte Untersuchungsrichter zum angeblichen Verhör. Wochenlang wurde sie auf solche Weise geguäll, um dann nach Tislis ins Strosgcsängnis übergeführt zu werden. 3. Grigori« Gugu schwill wurde in Batum verhostet und in einen nach oben vollständig offenen Raum gebracht, wo er Kälte, Regen und Schnee ungeschützt preisgegeben blieb. In der Nacht wurde er mit Stricken auf einem Brett fest- geschnürt. Wenn er um Hilfe schrie, verstopft« man ihm den Mund Mit allen schmutzigen Lappen: noch mehrnronatlicher Quälerei verschickte man i h n nach Sibirien. 4. David Tschutlaschwili, seit 1898 Sozialdemokrat, wurde in Tislis verhaftet und in einem unsauberen Abort mehrere Monate lang sc st gehalten. Von da aus wurde er ins Gefängnis gebracht.. Belege für derartige Greuel stehen uns in M e n g c zur Vor- fügung. Di« Tschefa läßt noch immer Erschießungen vornehmen. besonders unter Studenten und u Itter Angehörigen der roten Armee georgischer Nationalität. Ein ganz unglaubliches Ausmaß haben die Ausweisungen georgischer Freiheitskämpier angenommen, die zu Tausenden nach Rußland deportiert werden, um die georgische Nation aus ihrem eigenen Territorium zu vertreiben und sie künstlich im eigenen Land in die Minderheit zu bringen. Mit anderen Worten: Wir Georgier werden van einer staatlich organisierten Verbrecher- bände regiert. verwerten die Bericht ersiatterklischees der Kaisergcburt-tagsseier mit Jubel und Pauken und Trompeten, mll Geist der Treue und hohe edle Frau.—„Deutsche Tageszeitung" und„Kreuz- zeitung" ober haben die Kaisergeburtstagsfeter der„Aufrechten" aufrecht totgeschwiegen. Trotz Oskar und den allerliebsten kleinen Prinzen. Sollten sie Angst vor Herrn von Guärard haben? Auswärtiger Etat vor dem Ausschuß. Waffeatransporte nach Lhina.- Oie Frage der Sozial- ottoches und des diplomatischen Nachwuchses. Zu Beginn der Dienstvgsitzung des Reichshaushalts- ausschilsfes, in der über den Haushalt'des Auswärtigen Zimtes beraten wurde, fragte der kommunistische Abgeordnete Stöcker den Reichsaußenmimster Dr. Strescmann, wie es mit den sortgesetzten Wasfentransporten nach China stände. Man habe gehört, daß mit deutschen Reedereien ein Abkommcr, gc- troffen sei, nach welchem alle Waffentransporte nach China unter- Weiden müßten. Trotzdem melde das„Berliner Taaeblall", daß für 5 Millionen Waffenaufträge aus China nach Deutschland gegangen seien und daß in Kiel 17 Waggons deutscher Waffen für Clnna an« gehalten worden seien. An der Angelegenheit sollten Marine- öfsiziere, die im Tageblatt namentlich aufgeführt feiet, führend beteiligt sein Reicheaußenminister Dr. Stresomann bestätigte, daß die deutschen Schisfahrtsgesellschasten oerpilichtet worden seien, keine Waffentransporte nach China vorzunehmen. Ob die erwähnten Transporte vor oder nach diesem Abkommen vor- gekommen seien, könne er im Augenblick nickst sagen, da die ganze Angelegenheit ihm unbekannt geblieben sei. Er werde aber bald- möglichst aus sie zurückkämmen. Etwa eine halbe Stunde später nahm Herr Strefemann das Wort, um zu erklären, daß«r sich mit Herrn Admiral Zenker in Verbindung gesetzt habe. Herr Admiral Zenker habe die förmliche Erklärung abgegeben, daß keine INarinestelle irgend eiivas mit wassenlieserunge» nach China zu tun hat oder gehabt hol. Zurückkommeich aus einig« an ihn gestellte Fragen bittet er den Ausschuß sodann, das System der Sozial- attachäs nicht weiter auszubilden. Di« Legations- sekretäre würden auf sozialem und volkswirlschosrlichem Gebiet«in- gehend vorgebildet und geprükt und empfänden es bitter, daß sie trotzdem auf dielen Gebieten zurückgedrängt werden sollen. Die �Diplo- maten hätten sich ja heutzutage meistens viel mehr um Sozial- Politik und Volkswirffchast zu kümmern als um hohe Politik. Was dt« Einstellung in den auswärtigen Dienst belrefse. müsse er zugeben, daß nicht gleichmäßig aus allen Schicksten Einstellungen stattsinden. Das rühre daher, weil die ningen Leute im auswärtigen Dienst frühestens mit dem 32. Lebenszahre zu verdienen ansangen. Die Auswahl der Bewerber werde von ihm selbst vorgenommen, und er könne mir absoluter Bestimmtheit versichern, daß noch kein Bewerber wegen der Stellung der Eltern oder weil er nicht bestimmten Schicksten entstamme, von ihm zurückgewiesen sei. Lediglich die Veranlagung und Begabung sei maß- gebend. Di« Einseitigkeit der Einstellungen werde bestimmt du ich die Eimeitigkm der Meldungen. Es meldeten sich vorzugsweise Söhne aus adligen Familien. Genosse Dr. Lrelsscheid erwiderte dein Minister, daß man sich dann überlegen müsse, auch die Anfangsstadien der diplomatischen Karriere so zu gestalten, daß sie besser bezahlt werden, damit der Zugang ein breiterer werden könne. Von der Erklärung des Mini- siers bezüglich der Sozialattaches habe er Kenntnis genommen. Er erwarte, daß der Minister auch die gleich« Stellung einnehmen tnerde, wenn die Frage der Entsendung von Militär-, Marine- und Luftattaches akut werde. Amerika und die Philippinen. �iapan soll nicht annektieren. Ikew Park. 24. Januar. Oberst S t i m s o n ist zum Generalgouverneur dar Philip- pineu ernannt worden. Er glaubt, die Philippinen würden schließlich die Selb st regier» ng erhalten. Aber er sei nicht für ihre völlige Unabhängigkeit. Wenn die Philippinen völlig un- abhängig würden, dann würden sie so gut wie sicher von einem mächtigeren Nachbarlande a n» c k t i e r t werden. Diese Vemerkling be- zielst sich auf Japan. Der zu Tode dramaiifierie Gchwejk. (Theater am Nollendorfplah.) Der brave Soldat Schwejk hätte die künstlerische Existenzberech- tizung des Gesinnungstheaters klipp und klar erweisen können. Piscoior Hai die großartige Gelegenheit oerpaßt. In seinen ersten beiden Jnszenierungen hat er die Zeltgeschichte in nachdrücklichen Bildern aus die Bühne gebracht. Das ganze Grauen der großen Zeit ist bei ihm lebendig geworden. Damals hat es sich um die Wiedererweckung der Erlebnisse und Gestalten aus einer jüngst vergangenen Zeit gehandelt, dt« unsem Zeitgenossen zu schnell aus dein Gedächtnis entschwunden ist. Jni braven Soldaten Schwejk muß eine Phantasiesigur belebt werden. Die Piscatorbühne hat also gestern erstmalig vor der Ausgabe gesinnden, aus dem Wesenlosen beraus schöpferisch zu gestatten, und dabei Hot sie ix-rsagt. Es fällt mir Ilm so schwerer, das festzustellen, weil ich Ptocatoro reines Wollen, sein Streben nach neuen Wegen der BühneNtunst restlos an- ri' renne. Die Do ringe für den Theaterabend habe«„Die Äbeuleuer des va:n Soldaten Schwejk im Weltkrieg", das unsterbliche Buch des ch-n Jaroslav Hajchck abgegeben, das Buch, das eine beispielslose nimlichkelt, allerdings erst nach dem Tode des vierzigjährig oer- ..vinni Berfasserv erlangt hat. Haschet sagt über seinen Schwrsk: . eute könnt ihr in den Prager Straßen einem schäbigen Man» c rzegnSn, der nicht weiß, wie bedeutend er ist. Fragt mnn ihn noch i'immt Namen, so antwortet er schlickst und bescheiden:„Schwejk." v'? ist der olle brave, heldenmütige, tapfer« Soldat Schwejk, ein per- kr unter Held." Die Uebersetzerin dieses unpathetischsten Epos vom Weltkrieg, Grete Reiner, nennt Haschet den tschechischen Cervantes und Schwejk(xn neuen Typus des raffinierten Dummkopfs, der imtmütig und beschrankt und dennoch jeder Situation gewachicii ist. Der überwölligende Humar des Werks hat etwas grausig Erschütterndes. Der Krieg ist durch die Brill« des kleinen Mannes bettachtet, dem die Ermordung eines Erzherzogs nicht wichtiger erscheint als der natürlich« Tod irgendeines seiner Bekannten. Di« Soldaten verstehen nicht die hohe Politik, sie wissen nicht, warum und wozu sie ihre lN'tmenschen totschießen und sich selbst mit Stolz töten lassen sollen. Di» anderen, die Offiziere, wisseil es auch nicht. Aber sie sind mi: ertzaben Ningenden Hohlheiten so vollgestopft, daß sie glauben, sie wüßten, worum es fich handelt. Schwejk fft die arm«, unwissende Kreettur, di« alle Anordnungen der Obrigkeit als unabänderliches Schicksal hinnimmt, ohne semol» zu murren. Er fft der dienstbeflissene Mann, dem alles Wurst fft. Die Offiziere halten es für ausgemacht, laß er blöd iff. Desbalb kann er sich erlauben, seine Gedanken frei zu äußern. In seiner Unschuld beweist er den Generälen, wie idiotisch sie sind, und sagt es ihnen mit treuem Hundeblick ins Gesicht. Schwejk- Hafchet betrachtet das Geschihen van seiner natürlichsten, der alltäg- lich menschlichen Seite und entkleidet damit den Krieg seiner schmei- ternden Phrasen. Das alles ist mit solcher Frische und Anschaulichkeit geschrieben, daß nicht nur die Kricgszeit wieder aufersteht, sondern die geschilderten Figuren unsere persönlichen Freunde oder Feind? werden. Sie sind für uns lebendige Welen, der Schwejk, der Baloun, der dicke Einjährige Marek, der Rechnungsfeldwebel Wannek, der widerwärtige Leutnant Dub, der sympathische Oberleutnant Lukasch und der streberhnste Kadett Biegler. Die Atmosphäre einer vergangenen Zeit, die uns im Roman umweht, fehlt bei Piseator. Mar B r o d und Hans R« i m a n n, d!« das Werk für die Bühne umgestalten wollen, begnügen sich damit, einige dürftig« Auszüge zu machen. Mit dem merkwürdigen Ergebnis, daß die bei Haschek lebendigen Figuren aus der Bühne ein Seheindasein führen, und, noch sonderbarer, der Sinn des Ganzen umgebogen wird. Schwejk ist bei ihnen nichts anderes als der vertrottelte Offiziersbursche, den wir bei Schönthal und Kadelburg schon vor Jahrzehnten gesehen haben. Die grandios« Blödheit des Militarismus, die bei Haschek aus jeder Seite erstrahlt, wird tn der Bühneiidenrbeitung zur Blödheit des Muschkote». Piseator hat für den Schwejk seine Bühne mit einem neuen technischen Trick nusgrslattek, mit rviiendcn Bändern, aus denen etnsachr Deknro- klonen ausgebaut sind, die sich dann auf die Szene schieben. Wenn Schwejk eine lange Wanderung macht, läuft er wirklich. Das Band rollt unter ihm weg, ebenso wie der Loterna-mngiea'Hinter- grund. Der Eindruck ist aber doch nicht natürlich, denn die massiven Begrenzungen der Bühne bleiben starr im Gesichtsfeld. Dos Ein- drnckoollste an der Inszenierung sind die von grimmigem Humor beliebten Bühnenbilder von George Groß. Der Trickfilm läßt sie vor unfern Äugen erstehen. Polle nberg als Schwejk verzichtet auf seine beliebten Extempores. Er häll sich genau au den von Haschek vorgeschriebenen Text. Der sprüht so voller Humor, daß seine Aeußerungen immer wieder von jubelndem Beifall unterbrochen werde». Pallenbergs Schwejk strahlt vor Beschränktheit, liebenswürdiger Frechheit und Ergebenheit. Seine Miene ist in diensteifrigem Grinsen erstarrt. Cr ist da» eulant terrible in Militärumform. Ein Schwejk, wie ihn sich Haschek nicht anders hat vorstellen können. Außer dem sympathischen Lukalch des Anton Edhafer und dem pollerndon bramarbasierenden Dümmling des Oskar S i m a stehen nur schematifch« leblos« Figuren um Schwejk herum. Ernst Degner. Das Analphabetentum tn Rußland. Nach den Fefistellung«« der jüngsten Balkszahlung der Sowsetunion find in der RSFSR. von je 1009 Männern 368, von je 1000 Frauen 336 des Lesens und Schreibens kundig. An der Spitze steht die Bcvölterung des Lenin- grader Bezirks und de» zentralen Industriegebiets, wo von Männern im Alter von 20 bis 24 Jahren nahezu 100 Proz. lesen und schreiben können. Unser neuer Roman, h. G. Wells, der sich morgen unser» Lesern mll seinem Roman„M enschen Göttern gleich" vor- steilen wird, gehört zu den meistgelesenen englischen Schriitsiellern. Mit seinen technischen und sozialen Utopien hat er sich eine eigene Gattung von Romanen geschaffen, die es ihm ermöglicht, Zutuns!?- cntwicklungen als Ergebnisse von heute vorwegzunehmen und Aus- blicke in andere, bessere Wellen zu eröffnen. Wells ist Evolutionist von reinstem Wasser, ein Prophet neuer Zeiten. Eine Reihe seiner bekanntesten Romane sind bereits in deutscher Sprach« erschienen. Sein neuer Roman(in der berechtigten Uebersetznng von Paul van Sonnenthal und Otto Mandl) s«tzt die Linie der in der.Leitmaschine". „Wenn der Schläfer erwacht",„Der Mann im Mond" usw. aufge- grisfenen Problem« fort und«ntwickell olle Rsi,ze der technischen, naturwissenschaftlichen irnd sozialen Utopie. Der Autor macht dabei von seinem Recht, in einigen Fragen andere Anschauungen als d?r Marxismus zu vertreten, Gebrauch. fiostenfeeier Besuch bayerischer Museen durch Schüler. Tie der Amtliche Preußische Pressedienst ei item Erlaß des preiißischen .Handelsministeriums entnimmt, lzaben die bayerischen Staats- Ministerien für Unterricht und Kultur frari« für die Finanzen ge- nehrniat, daß die Schüler deutscher Schulen, die die Staatsgemälde- lammlimgen, die Antikensammlungen, die Graphisch« Sammlung. das Nativnolmuseum. dag Armeemuseum, das Museum für Völker in ude. das Theatermuseum und das Residenz, miseum tn München be- suchen wollen, unentgeltlichen Eintritt erhalten, wenn der Besuch in geschlossener Gruppe und unter Führung eines mit Aus- weis versehenen Lehrers erfolgt. Der Rvsfische S»aa«,ch»r ivlrd fich von Berlin am 25. Januar tn der Pbilharmonie mit einem oemi'chten Programm von DoikSliedern und alt- russischen Themen verabschieden. «»« vartt,,, reche über»die Schwererztehb-ren I« de? JferwtU erzcehunq» findet DienSta». 24. Jan.. Sl. Jan. und 7. Februar. 8 Uhr. Jeiittalinslitut sllr Erziehung und Unterricht slail. Ludwig Hardt bringt auf Einladung der Volksbühne Freitag. 8 Ilhr, im Burgersaal d«S Berlin«? Rathauses Balladen, satiren und Grotesken zum Bortrag. Einlaßkarten 1 Li. in vier Koiiiinenten führenden Falnt das Leben der Volker bildmösiig zu ersassen und die Musik dieser Völker an Ort und Stelle auszm ehmen. JUmverbok i« besetz««»«edte«. Di« Interalliierte Rheinlandkornmision hat dt« lluliübruna des Film«:»Der Ritter der Luftt verboten, da er ge- eignet sei. dce öffentlich- Ordnung zu stiren»leichzeitig bat di« Rdein« lanbkommiision den von den örtlichen BefetzungSbedörden der Pfalz vev» botenen tzfkrn:»Der alle ffrilz' auf Grund von Borlte Hungen des Reick»- lommifsar« für die besetzte» Gebiete«teder freigegeben. vi« ZarenmordoUIa als Reootutlousniuseuw. Räch einer Meldung aus Mob lau i>t da» Gebäude in Jelalerinenburg, in dem die Zarenfamilie er- mordet wurde, zum Ztaatsecgentuni erklärt worden. Ks soll in ein Re- volutionKmn'eum umgewandelt werden. Neunhundert Mark und eine Kuh? Oer Vater des Arensdorfer Mörders als Zeuge. Dcr Landwirt Schms�er. Bater des Arensdorfer Mörders, ats Zeuge im Gerichtsfool— in einein Pferdehöndler.Keirugsprozeh! Eigen/Nch keine aufregende Angelegenheit. Schmelzer ist heule roll- kommen zerknirscht. Zlls der Borsitzend« fragt, ob er norbeftrast fei. meint«n„3ch bin zu 18 Monat« für hie Arensdorfer Sache verurteilt B o r � sitzender:„Wozu." Schmelzer:„3ch weiß nicht, ich glaube zu Zuchthaus." Borsitzen der:»Sie fhid vom Angeklagten Fcldmonn geschädigt worden." Schmelzet:.La. ich habe Geld verloren,(weinend) Mir ist gleich, ob der Mann bestraft wird oder nicht,(schluchzend) Ich weih, wie es im Gefängnis ist." Bor sitzender:„Nehmen Sie sich zusammen. Ihr Urteil ist doch noch niäst rechtskräftig. Haben Sie Berufung eingelegt? Schmelzer(schluchzend):„Ja. Revision." Vorsitzender: „Wir haben mit der Sache nichts zu tun. Erzählen Sie, wie«s war. Wir müssen hier die Pfordeangelezcnheit prüfen." Di« Angelegenheit selbst ist eine nüchterne Betrugssache. Der Aiigestagte Fe l dm an n, Pferdehändler feines Zeichens, erschien Anfang Oktober 1924, als Schmelzer gerade sein Gut in Arensdarf gepachtet hatte und taufte ihm vier Pferde ab, die er mit dein Gut übernommen halte. Der Kaufpreis war 900 Mark dar und eine Kuh. Das Geld sollte in den nächsten Tagen bezahlt, die Kuh auf halbem Wege dem jungen Schmelzer enwcgengeschickt werden. Die 5t uh kam nicht, dos Geld blieb aus. Schmelzer mahnte wfedevholt. Er erhielt Irostbri«fe. Dann fuhr er nach Berlin, um sich bei Feldman« statt des Geldes Pferde zu wählen: er fand nichts Possendes. Schmelzer strengt« einen Zivilprozeh an. Es kam zu einem Vergleich. Feldman» zahlte trotzdem nicht. Schmelzer erstattete Strafanzeige wegen Betruges. Feldman n wurde als schuldig erkannt, und zu einem Jahr Gefängnis ver- urteilt. Heute interessiert das Gericht ein Wechselbetrug, den Feldmann in Verbindung mit dem Pferdekaus Schmelzer gegenüber begangen hat. Di« Einzelheiren sind ohne Belang, höchstens, daß auch der Sohn einmal den Vater nach Berlin in der Angelegenheit begleitet hat. Die Vernehmung ist zu Ende. Schmelzer wiro vereidigt. Nun wird«r sich seiner Lag« wieder bewußt. Er spricht dl« Worte des Eides mit tränenerstickter Stimm« nach. AK er sich setzen darf, nimmt er den Platz auf der Anklagebank ein. Die Er- innerung vom Frankfurter Prozeß ist wohl in ihm noch srlsch! Der Borsitzende sogt ihm. daß er hier nicht Angeklagter sei und sich auf die Zeugenbank setzen könne, Die Pserdegeschichte Schmelzer bildet nur eine Episode au? dem großen Pserdehändlerbetrugsprozetz, der vor dem Schöffengericht Berlin-Miit« bereits die dritte Woche spielt. Ein nicht uninteressanter Prozeß. Eines Tages erschienen in Ber- liner Zeitungen Inserate: Geldleute wurden gesucht, die sich an einem vorteilhaften Pserdegefchäft beteiligen wollten. Es fanden sich 0 3 Interessenten, die schließliä» alle geschädigt wurden. Sie dursten in einen Vertrag einsehen, der den Stempel des deutschen Generalkonsuls in Holland trug. Noll» diesem Vertrage hatten sich Friedländer und Genossen angeblich verpslichtet, 50 S ch l a ch t p s e r d e wöchentlich nach Holland zu liefern. Die Geldleute tauften nur Schlachtpserde, hie der Pferde- Händler Friedländer für diesen Zweck wählte. Damit die Geldteute sich von der Ehrlichfeit des Geschäfts überzeugten, dursten sie ein Telegramm nach Holland an den Verkäufer schicken. Das Tele- gramm, das sie angeblich au? Holland zur Antwort erhielten, flammte in Wirklichkeit aus Deutschland: Der Käufer, hieh es in der Antwort, könne erst in drei Wochen di« Vierde abnehmen. Solange wollte man aber nicht warten: die Pferde mußten ja fressen. Friedländer besorgte nun deutsche Käufer für die Pferde. In Wirk- lichkeit waren es Mitglieder derselben Betrüger- bände. Sie zahlten mit kurzfristigen Wechseln. Diese gingen zum Protest und wurden nicht eingelöst. So waren die Geldleute ihr Geld los. Es gab auch verschiedene amüsante Episoden. So wurden Pferd« nach Potsdam geschafft. Der Geld- mann begleitete si« ein Stück. In Potsdam kamen aber schlechter« Pferde an. Man hatte sie unterwegs vertauscht. Ein anderer Pferdehändler fallt« die Pferde aus dem Lande losschlagen. Sie verschwanden, und mit ihnen auch das Geld: Er Hobe sie für Böcke und Esel eingetauscht, erklärte er. Im ganzen sitzen dreizehn Mann auf der Anklagebank. Der Hauptschuldige, Friedländer, ist tot. Die Gerichtsoerhandluitg dürfte noch einig« Zeit in Anspruch nehmen. Oer Prozeß gegen den Kapuiher Mörder Giaattanwalt beantragt Todesstrafe. lNach längerer Anklagerede beaukragke der Oberskaatsanwolk Pfasse. den Angeklagten Albert Schwarze des Mordes für schuldig zu befinden und auf Todesstrafe und dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkennen zu wollen. Das Urteil dürfte erst abends erwartet werden. Aus den gesährdeieu Häusern. Keine überstürzte Räumung in der.Hebbelstraße. I» einigen Berliner Zestungen wird die Meldung»erbreiiet, daß bereits heute acht Familien aus der Hebbelstraße 17 ihr« Wohnungen räumen müssen. Diese Meldung ist n i ch t richtig. Bei den Beratungen am Montag nachmittag im Charlottenburger Rathaus wurde— wie wir bereits rn unserer Morgenausgabe miiteilien— beschlossen, daß die Wohnungen bis zum 29. Fe- ornar geräumt sein müssen. An diesem Tage sollen die Arbeiten zur Neusundamentierung des Hauses beginnen. Die Frage, wer diese Arbeiten bezahlt, ist noch nicht geklärt. Das Bezirksamt will einen Teil der notwendigen Arbeiten finanzieren, will aber auch den Hauswirt verpflichten, Mittel beizusteuern. Die Geschäftsleute aus den beschädigten Häusern haben sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen. Sie verlangen«ine Barabfindung in Höhe von 4000 bis 5000 M. und einen langfristigen Kredit zum Aufbau einer neuen Existenz. Nach den gestrigen Sochoerstäiidigenbe ratungen haben sich die Be- wahner der beiden Häuser beruhigt. Sie sind schon mit dem Woh- niingsomt in Verbindung getreten, um olles für den Umzug vor- zubereiten. Das Wohnungsamt hat jetzt eine genügende Anzahl Wohnungen bereit, um die Familien aus der Hcbbelstrciße unter- zubringe it. Zwei Wariezlmmer. Wenn jedes Wartezimmer eines Arztes als Gradmesser für den Geschmack und die Kultur seines Besitzers zeugen sollte, so würde man leider nur zu oft von einem geradezu beschämeichen Niveau iprecken müssen. Sehen wir uns in solch einem Raum um. Im Durchschnitt ist folgendes festzustellen: Ein zerschlissener Teppich, ein alter Tisch, ein Sopha unmöglichen Stils, wo der Platz für zwei zu reichlich, für drei jedoch z» knapp bemessen ist, einige Stühle, aus denen man häufig starr sitzen muß, weil man bei unruhigem Sitzen schließlich zu«chodenersatzansprüchen herangezogen werden könnte. Die Gardinen gleichen meist ausgedienten Portieren. Der Bildschinnck patzt sich würdig dem Ganzen an. An den Wänden schlechte Drucke der Heerführer van einst: Hindenburg und Fridericu-, aber auch Bismarck und Wilhelm ll. Der plastische Schmuck dieses Zimmers läßt sogar die Vermutung auskommen, daß der Onkel Doktor früher ein leide nschastlicher Besucher von Rummelplätzen ge- ocsen sei und dort als fabelhafter Schütze die Schießbuden geplündert Kaden muß. Auf dem Tisch liegt allerlei„Lesbares". Natürlich ein Jahrgang Gartenlaube, der Band einer Familienzeitschrift Jahrgang 1896. sämtliche Hefte der reich illustrierten Zeitschrist„Der Welt- krieg", medizinische Wochenblätter und eine Meng« Prospekte von Bädern und Sanatorien. Ott sind diese Dinge in einem Zustand, daß man sich scheut, sie ohne Handschuhe anzufassen. Glücklicherweise sindet man auch mal ein Warte zinirner anderer Art. Da sind freund- Oche helle Bnrfjoitge, ein sauberer Linoleumteppich, ein Ehaiselongue, einfädle geschmackvolle Stühle mit dazu passeirdeni Tisch. An den Wänden gute Kunstwart-Znuke, einige Radierungen und auch ver- sihiedene heitere Bildchen. Das Auge langweilt sich nirgends. Und was gibt es nicht alles zu lese». Di« Zeit wird hier wirklich zu kurz. Ein Wilhclm-Bufch-Alb�n, das„Deutsche Lachen", ein Sim- pliciisimusband, einig« Zeitschriften, sogar neue Nummern. Weiter gibt es da kleine Reelamböndchen: darin steht auf dem ersten Blatt geschrieben:„Wer dies Büchlein zu Haus« weiter lesen will, möge mir dies freundlichst mitteilen. Dr. X." Dieser Arzt hatte den valkserzieherischen Wert seines Wartezimmers erkannt. Jener andere Arzt aber sei gebeten, zu versuchen, sein eigenes Wartezimmer einmal mit den Augen eines ganz uner- wartet eintretenden neuen Patienten anzusehen. Er wird Zlugen inachen, der Herr Doktor!_ Die Giraßenvmbenennungen im Äezirk Kreuzberg. Bor Ausführung des Skadtoerordnetenbefchlusses, der die Um- benennung einer großen Zahl Straßen des Stadtgebietes Bersin fordert, sollen die Bezirksämter der Verwaltungsbezirke ihre Vorschläge machen. Im Berwoltung-bezirk Kreuzberg teilt jetzt das Bezirksamt den Bezirksverordneten die neuen Straßen- namen mit, die es in Aussicht genommen Hot, und bittet um ihre Zustimmung Es jollen umbenannt werden: Bahnhosstraße in Körtestrahe, Eomphausenstraßs in W! l h e I m- Pfonnkuch-Straß«. Fürstenstraße in Börner st raße, Grünauer Straß« in Z u b e i l st r a h«. Hohenstausenplatz in Richard-Fischer-Plotz, Kasser-Friedrich-Platz in Martin- K q hl e-Platz, Lichterselder Straße in Ignotz-Auer- Straß«, die zusammenhängenden Straßenzüge Mariannenufer, Bethanienufer, Engeluser, Luisenuscr, Elisobe'.hufer in Legten. Promenade, Mariendorser Slraß« in Ottilie- Baader- Straße. Kleine Parkstraße in Möchtigstraße. Prinzessinnensrraße in Rcickestraße, Prinz-Albrecht-Straße in Lmidtagsstraße. Prinz- Aiignst-von-Württeniberg-Straße in Thcodor-Mctzner- Straße, Sedanuser in Ernst-Häckek-User. Mktvriapark In Kreutberg. Wilhelmshöbe in Frrnzelstraße. "In dieser List« finden wir«rjreulicherweije verschiedene Straßennamen, durch die das Andenken verdienter Vor- tampser des arbeitenden Volkes festgehalten werden soll.___ Phifadclphra in Berti«. Zurzeit weilt i» Berlin der frühere Bürgermeister von Philadelphia tn PennsylvaNieii. Mister Kendrick, mit seiner Gattin. Mr. Kendrick, dessen Amtsperiode am 1. Januar versa ssirngemäßig abgelaufen ist, beabsichtigt, sich durd> eine(Europa- reise, die er nrrt dem größten Schiff des Perdbeuischen Lloyd angetreten hat. von den Mllben seiner Amtstätigkeit zu erholen. Die Sladk Philadelphia ist durch Herrn Kendricks unermüdliche Tatkraft und durch feinen Unternehmungsgeist in den letzten vier Jahren sichtbar aufgeblüht. So hat er den Bau der Philadelphia-Delaware- Biidge, der größten Brülle der Welt, unternehmen und vollenden lassen können. Den vielen Deutschen seiner Stadt war er stets ein freundlicher Berater und Fürsorger. Durch Vermittlung der„Bar- einigung Karl Schurz" wurde den Gästen Potsdam gezeigt. In den nächsten Togen werden noch einig« Berliner Einrichtungen gezeigt »irden sowie das Oskar-Helene-Krüppelheim. Auch ein Familienidyll. Emen gut«, Cfefolg hatte gestern abend das Eingreifen de« U eber sallk onunando s bei einem Vorfall in der Arndtstraß«. Hier mahnen seit langer Zeit ein Arbeiter Friedrich G. und ein Mädchen im Erdgeschoß zusammen. In der letzten Zeit trübte sich da? Ver- I/gltnie und nach wiederhol: cm Streit und Täilichteilen verlangte G., daß seine Geliebte di« Wohnung verlasse. Diese»ttgerte sich jedoch besonders deshalb, well auch sie zu den Anschaffungen bei- getragen hatte. Gestern abend waren ihr Bruder und ein anderer Mmm. M dem das Mädchen srüher in Beziehungen gestanden hotte, in der Wohnung, als G, von der Arbeit noch Hause kam. Die beiden machten wohl Miene, ihm«inen unsanften Empfang zu b«- reiten. Um den, zu entgehen, eilt« G. in ein Zimmer, sprang zum Fenster hinaus und lief zu d«n nächsten Schupomann mit der Meldung, in seiner Wohnung seien zwei sKmde Manner. um sie auszuräumen. Dos benachrichtigte Ueberfallkom» mando kam bald herbei, nahm die beiden»Fvmchen" fest»nd brachte sie nach der Wache. Hier klärte sich bald olles auf und das Paar ging wieder oersöhnt nach Hause. Gewatttäiigkeiien dreier Geisteskranken. . sondern ersessenes Recht bedeuten. Denn fiir die Befugnis, zu fischen, hoben die heutigen Fischereiberechiiaten den Fürsten jähr- zehnte- und jahrhundertelange Frondienste leisten müssen. In der Aussprache sreilich wurde ausgeführt, daß es nicht Aufgabe der Wassergrundstücksbesitzer sein könne, die Kosten der alten Privi- legie» zu tragen. Sie abzulösen, sei Aufgabe des Staates. Dieser müsse«ingreisen, und er würde, wie Verbandsdirektor Lahm dar- legte, dabei kein schlechtes Geschäft inachen. Ingenieur Soyra brachte die Meinungsverschiedenheiten zur Sprache, die zwischen Bevölkerung und Reichswasserstrqßen- verwaltung bestehen, sobald die Wasseranlieger von ihrem gesetzllche» Rechte, mit Useranlagen ihre Grundstücke ihren Zwecken aufzu- schließen, Gebranch machen wollen. An Hand von Beispielen wies er nach, welche Erschwernisse und welche lcilweile sogar dem Gesetz zuwiderlaufenden Verlangen von den WasserstraßenverwaltuNgen künstlich erzeugt werden, und er warnte die Bersammlungs- teilnehmer, Verträge mit den Behörden abzuschließen, ohne vorher den Fachmann bzw. dm Verband zu Rat« gezogen zu hoben. Das Mitglied des Wassersportbelrates Maak sprach über die uner! rag- liche Belastung des Amateursportes mit Steuern, und zwar leider ganz besonders auch im Bereiche der Stadt Berlin. Cr verlangte, daß der Amateursport wie jeder andere Erziehungs- und Iugendbildungssaktar von Reich, Staat und Gemeinden als Dienst am Volke und damit als gemeinnützig anerkannt werde. Die inieressanten Referate enthielten vieles, das auch für unseren Arbeiterwalsersport von Werl ist. Zu lebenslänglichem Zuchthau» begnadigt. Vor einigen Mo- naten war der praktische Arzt Dr. Joses B r o ch« r in Köln wegen Mordes an dem Archiiekren Bruno Dverreuier durch Urteil des Schwurgerichts in Köln z um Tode oerurteilt woroen. Durch Erlaß des preußischen Staatsministerlluns vom IS. Januar d. I. iit nunmehr die Todesstrafe in, Gnadenweg« in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt worden. Ein, weites Todesopfer da, Hugzeuqunglücks bei Tecklenbura. Der bei dem Absturz des französischen Verkehrsflugzeuges bei Teck- lenburg schwer verletzte Passagier Kn ostmann, der in die llni- oersttötststnik in Munster übergeführt worden war. ist inzwischen seinen Verletzungen erlegen. Heber ffaneuropa nnb Ruhla»» spricht cm Mittwoch, dem 25. Januar, udendS fc Uhr, im flioijtu Hörsaal der Deutschen Hochschule sür Polllit, Berlin XV Sü, Schwtelplad 6, Gehelmrat Georg Cieinow im Rahme« der Vorlr-oSreibe des zeovolitilchen Seminar« der Hochschule üler da? paneuropälsche Problem. Korreferent ist Dr. Rdois SrebsWsktz. OieAusspernmg wird durchgeführt Für heute nachmittag durch Anschlag angekündigt. Halle, 24. Zanuar.(Eigenbericht.) i)Ie Zlietallinduslriellen ANtteldenIschlands haben fast bnrchwcg arch Anschläge in den Werken ibren Velegschosten mitgeteilt, dah beule vormittag die Betriebe stillgelegt und die Belegschaften ausgesperrt iverden. In Niemberg und in Harz gerode, wo kleinere Betriebe in Betracht kommen, ist die Aussperrung bereits gestern voll-ogen worden. Im übrigen verharrt die Arbeiterschost in musterhoster Disziplin und läßt sich weder von den Unternehmern noch von den Kommunisten beirren. Verdiente Fußtritte. Oder die verfolgte Unschuld. Der Deutsche Metollarbeiteroerbond führt in Mitteldeutschland seit mehreren Wochen eine Lohnbewegung, die schließlich zum offenen Kampf geführt Hot. Nun erwacht auch die KPD.. Äic der dumme Zlugust in« Zil'kus will sie olles bsficr machen,'kommt allen in die Llucre, erntet Fußtritt« und wird ousgelocht. Der dumme August im Zirkus will aber gor nicht ernst genommen werden und die Fuß- tritt? sind ihm erwünscht. Anders die KPD. Sie ist zlvor längst nicht mehr revolutionär, sondern nur noch, um mit Sevcrmg zu sprechen, resolutionär; sie möchte aber, daß man ihre Resolutionen wenigstens ernst nimmt, den Derfasiern Lobeshymncn statt Fußtritte versetzt. Deshalb klagt die „Rote Fahne" in Töne» der verfolgten Unschuld über„verschärfte Kommunistenhetze der Reformisten". Wie es mit dieser Unschuld der bolschewistischen Drahtzieher bc- stellt ist, dafür zeugt ein anderer Artikel in derselben Nummer des Stalin-Blattes, der als zweite Ueberfchrift den Anwurf„Unter- nehmer und Reformisten im Kampf gegen die KPD." enthält und mit folgendem Satz schließt:.„Kampf der Politik des Wirtschafts- friedens und der Arbeitsgemeinschaft." Wo und warum die Unternehmer mit den Rosorniisten gegen die Kommunisten gekämpft haben, verrät der Artikel allerdings nicht. Der Schluß aber zeigt deutlich, daß es den Stalinisten nur darauf ankomint, die Gewerkschaften zu bekämpfen. Selbst mitten im Kampf behauptet das Blatt noch, es handle sich bei dem Streik und der Aussperrung in Mitteldeutschland uin eine Politik des Wirtfchafis- friedens und der Arbeitsgemeinschaft. Daß es bei einer so blöd- sinnigen Verlegenheit Fußtritte regnet, darüber können sich nur die tragischen Clowns der KPD. wundern. Kündigung im Bergbau. Arbeitszeit und Löhne. Bochum. 24. Zanuar(Eigenbericht). Die Vertreter der vier Bergorbeileroerbände hielten heute eine gemeinschaftliche Sitzung in Esten. Einstimmig wurde beschlossen, dos llebcrarbeitsabkominen und die Lohnordnung für den Buhrbcrgbau zum 30. April zu kündigen. Verhandlungen für Behördenangefleltte. Heute Schiedsspruch. Das Schlichtungsverfahren für die Behörden- angestellten hat am Montag mittag im Reichsarbeitsministe- rinrn begonnen, nacichein der Versuch des Schlichters, doch noch eine Einigung herbeizuführen, sehlgeschlagen war. Der Streit dreht sich um die Uebertragung der ab 1. Oktober t9Z7 geltenden neuen Beamtengehälter auf die bei den Reichs- und Staatsbehörden sowie bei den Bcrwaltmigen und Betrieben de- schästigten Angestellten. An d�n« Gehaltsstrcit sind beteiligt die Regieningen im Reich und in Preußen, die Rcichspost, die Reichs- druckorei, die Roichsbank und die Hauptoerwaltung der Deutschen Reichsbahn. Verhandelt wurde zunächst die wichtige Frage der Grundocrgütungssätze von der sechsten Vcrgütiingsftus« ab. noch denen sich der Gesomtaufbau der Bezüge nach oben und unten richtet. Die Verhandlungen vor der Schlichtungskammer dauerten bis in den späten Abend. Der Schiedsspruch wird voraussichtlich heute gefällt werdcn. Gelbe Sumpfblüten. Bei Siemens. Aus dem Siemens-Konzen« wird uns geschrieben: Dag die Gelben im Siemens-Konzcrn eine Rolle spielen wollen, ist all- gemein bekannt. In keinem anderen Großbetrieb werden sie so beschützt und gehätschelt, als in den Sieinens-Werten. Der Haiiptizerd der Gelben im Siemens-Kvnzern ist das Kabel- und das E l«n o w e r k. In« Elmowerl Ist die tiö- ding-Gcuppe vorl>errfchsnd. Der G runder dieser Verein!- gung wurde im Jahre 1927 aus dem Vaterländischen Arbeiterverein » u s g c j cht o s s e n. Dieser Ausschluß wurde in der Werksgemein- schas! damit begründet, K ö d I n g sei ein übler Postenjäger u N d Denunziant. Er fand seine Unterstützung in dem Fahr- s u h l f ü h r c r Krebs und dem H i l f S j ch l o j j e r Preist. Krebs hotte seine Rolle bei der Firma bald ausgespielt. Weil er glaubte, infolge der guten Stellung, die er als„nationaler" Mann bei der Firma einnahm, seinen Meister während dar Arbeitszeit verprügeln zu tonnen und ihn mit Lump und Strolch zu titulieren, wurde er entlassen. Der Hilssschlosscr Preist ist oleichzeitig Redakteur seiner Werkszeitung. Es ist in'der Arbesterbcwegung nicht ganz unbekannt. Er wap 1924 bis 1923 in Duisburg Unterbezirkslcitsr der Industriegruppe Bergbau, der„Union der Haich* und Kopsorbcster". Er wurde wegen Unterschlagung aus der Orga- nisation ausgeschlossen. Wie lange er als nationaler Mann die Belang« der �Vaterländischen" im Elmowcrk vertreten wird, bleibt abzuwarten. Im Kabelwerk hak die Werksleitung die diplomatischen Beziehungen mit dem freigewerkschastlichen Dorsitzenden des Betriebs- und Arbeiterrots abgebrochen. Sie verkehrt nur noch schrift- lich mit ihm. Um die Wünsche und Beschwerden der Kollegen zu erledigen, werden in sogenannten Werkstattsversammlungen Ber- handlungskommissionen gewählt. Die Aerhandlungskom- missionen beliehen in einigen Fällen au«„wirtschafts- t riedlichen" Gelben und Stahl Helmleuten. Wie die ierhandlungen mit der Werksleitung auslaufen, um höhere Der- dienste zu erzielen, diene folgendes als Beweis: In der Abteilung P u p i n b o u ging eins fo gewählte Ber- hondliingskomrnistioi, zur Firmenleitung und beschwerte sich darüber, daß der Meister es verhindere, daß sie bci den jetzt bestehenden Aklordprcisen 1,50 M. verdienten und verlangten, daß der Meister Anivnsun� bekommt, dies in Zukunft zuzulassen. Also Lohn- crhöhung ist nicht notwendig, es wird nur etwas mehr geschuftet. Im Llockwerl versuchte ebenfalls ein« gelbe Größe die. Wcrkvereiiisbcwcgung auf die Höhe zu bringen. Ein Werkzeug- mocher B ra u s e r, der als solcher seinen Berus verfehlt hat. wurde nach ganz kurzer Zeit wegen Unfähigkeit aus der Werkzeug- inacherabteilung in die Reoisionsabteilung versetzt und spielte nun hier den ganz nationalen Mann. Er erkläric, man müsse die Werksvcrcinsbewegung mit viel größere» Rechten ausgestalten, sie müßte das Recht hoben, unbequeme Vorgesetzte und Kollegen even- tucll mit Gewalt zu beseitigen. Auch dieser Liebling der Firma mußte eines Tages entlassen werden, weil er einein Kollegen gedroht hotte:„Ich weide dich vor dem Betlieb körperlich bestrafen imd niederschlagen." Außerdem beschuldigte er seinen Meister, bei den Uebcrstunden mit den weiblichen Arbeitern allerlei liebe Tinge gemocht zu hahen, was er aber keineswegs beweisen konnte«seine Vergangenheit zeigt, daß auch er mit allerhand Wässerchen gewaschen ist. Bis 1923 gehörte er d e r KPD. an. Er hatte in Eharlottenburg«ine Urkundenfälschungssabrik aufgemacl-t und wurde deswegen bestraft. Im Jahre 1924 wurde er a u s d c n« D M V. ausgeschlossen. Heute steht er der„völkische n" Bewegung nahe. Dies ist nur ein kleiner Auszug aus der gelben Wcrksvereins- bewegung, der aber mit aller Deutlichkeit zeigt, was die Arbeiter- scharf von dieser Seit? zu erwarten hätte, wenn die Gelbon einen stärkeren Einfluß gewinnen würden. Als erfreuliche Tatsache ist festzustellen, daß trotz der Hilfe der Firma die gelbe Be- wegung bisher keinen Boden gewinnen konnte, weil kein anständiger und vernünftiger Arbeiter sich zu der Judasrolle des Arbeiter- verrats hergibt._ „Probleme des Elsaß". Die Löhne der Buchdrucker. Der sn Nr. 618 des„Vorwärts" vom 31. Dezember 1927 ver- öffentlichte Artikel entbiclt folgende» Satz: „Die Löhne der Arbeiterschaft hielte» mit der Teuerung fast durchweg gleichen Schritt, ja, gingen sogar stellenweise bedeutend über sie lsinaus� so z. P. bei den gut orgnnisiertcn Buchdruckern und den mehreren tausend Arbeitern der allerdings unter sozialistischer Verwaltung stehenden Städte Straßburg und Mülhausen, die bei einem Lebcn'shaltungsindex von etwa 580 ihre Einkommen auf gut das Siebenfache der Vorkriegszeit bringen konnten." Die Bezirksleitung Elsaß- Lothringen des französischen Buch- I druckerverbondcs teilt uns hierzu mit, daß das über die Löhne km Buchdruckgewerbe von Etsost-Lothringcn Gesagte einer Berichtigung bedarf. „Bs! der Lohnbewegung Ende 192Z gelang es der in der Leckerstion Lrsngaise ckes Travailleurs du Livre organisierten Arbeiterschaft, eine Bolorisicrung ihres Lohnes gegenüber dem Lohn von 1914 zu erlangen. Bei einem Lebcnshaltungsindcx von 100 Punkten 1914 betrug der Lohn in der Spitze 34P8 M.— 43 Franken: für je 10 Punkte Steigerung des Indexe- wurden 4,30 Franken in der Spitze zugeschlagen und so beträgt der Lohn heute in der höchsten der drei' torisiichen Lohnklossen bei einem Indexzisferstand von 583 Punkten 5,8 X 43 Franken— 249,40 Fronken oder 5,8 mal der Po- kriegslohn. Hierzu kommen wohl noch die Frauen- und Kinder- Zulagen von 3,11 Franken pro Kopf, welche �für die Frau und höchstens fünf Kinder eine Summ« von 18,65 Fropken ergeben. (Dieser Höchstsatz dürfte indessen eine Ausnahm« bilden.) Dies erhöht den oben angegebenen Lohn noch uw etwas, jedoch kann im günstigsten Falle von einer kaum sechsfachen Crhöhung des Porkriezs- lohnes gesprochen werden. Es ist deshalb nicht angebrocht, mit Genossen Dr. Lion von einer gegenüber der Teuerung bedeutenderen Steigerung der Buchdrucker- iöhne zu sprechen, da deren Kaufkraft im Verhältnis zur Borkriegs- zeit bedeutend geringer ist."_ Seßerstreik in Linz. Linz. 24. Januar. Die„Tagespost" und das„Linzer Polksblott" fmk) wegen Streikes der Setzer nicht erschienen. Eisenbahnarbeiterstreik in Äritisch-Indien. Salkvtta. 24. Januar. Zehntausend Eisenbahnarbeite? sind in den Eiscnbohnroertstättm von Lilooch wegen Lohnstreitigkeiten in den Streik getreten. Grubenarbeiterstreik in Schweden. Stockholm, 24. Januar. Fast sämtliche Grubenarbeiter Schwedens, ungefähr 10 000 Per- sonen, sind in den Streik geireien. Die Bcrmitrlungsaktion, die sich wegen der verwickelten Lage bis zur nächsten Woche hinziehen dürste, wird morgen eingeleitet. S-eantwerilich filr•folifik: Tr. tari dejer; Wietichaft:«. JUiFStUetfi; iZeuilleton:». i>.£g!4u; Lokali» lh.«locki! sämtlich<« Berti». itlin. Druck: Bormorts-Buckidruckerei und Bkilaazanstalt Paul Singcr u cko.. Berti« SW SS, Lindenltraßr 8. An Slelie von Karten. Allen Genohen, tzrcunden und Be- kannlen die Irmirige Zicchrichi, dag mein- liebe lZrau Lndowika Kreienbrink am 20. Januar nach fdnreret Ära»!- fielt«erltarben ist. Di- Trauerfeirr findet an> Mittwoch, dem 25 Januar. norfim S'/z Uhr. im flttmatotium iberichtstrage ftalt. Prltr Kreienbrink. Blumenspenden eder Art .leiert p t ei sn> tri Paul Golletz. vorm. P«brt fern Mariannensiralle Z, Ecke Raunqnfirafie Amt Morittvl.tVZvZ Familien. j �NTeigen m Der I KaUlUUUll:. i C. Rücker, Berlin �Uctuenberger StraBe 22. Kgst. 3S61 gute Kapitän- KaolaliaK""" u L-Juergens Alexanderplod t i WOCHENRATEJ a METALLBETTEN/ RUHEBETTEN v Z AUCH BEI TEILZAHLUNG KASSAPREISE J j MIT NUR 10• y. RESTBETRAG- « HORN, LANDSBERGER STRASSE 113. Z Schauffenster-Tapete! Alle Eigentnu.ster ohne Zwisclienliandel. Sädislsdie Tapclen-indusfric, Berlin W.. WilhelntÄtr. 44, awiachen Lelprlger u. Zlmmerttr Gute Butter wird jetzt so reichlich hergestellt, daß dieLadeu» preise ganz bedeutend herab- gesetzt werden konnten. Die Autterteuerung scheint bis auf weiteres vorbei zu fein. Gute Butter in feinster Beschaffen- heit zu den billigsten Tages- preisen verkaufen die durch den nachstehenden Anschlag ge- kennzeichneten Geschäfte: Gute Butter Hier täglich frisch PROQRANH für die Zeit vom 2iJ»Is 26. Januar 1928 KINO-TAFEL PROGRAHH für die Zeit vom 24. bis 26. Januar l»2S [btl] Potsdamer Straße 58 Emil Junnlnga in DerWccHNeo Fleisches Rheinstraße 14 Die Indiskrete Frau mit Jenny Jujo, Qeorg Alexander Odeon, Potsdamer Str. 73 Verlängert,' Die Juxend der Kovixin Luise mit Mady Christians — Für jugendliche— Turmstraße 12 Verlängert! Der Bettelatadcot mit Harrt Lledtke — Für Jugendliche— Alexanderstraße 39-40 (Passagej Verlängert! Der Bettelstadcnt mit Harry Liedtae — Für Jugendliche— N'« r<1 wo a t o 13 WeitcKino \lt-MoabIl M Der russische Prunklilm Zar and Dichter Femer; ElB»-r Ein««Drei Müden Th. am Moritzplatz Die Dollarprlnzcssln and Ihre n Freier. Den Teufel Im Heraen K ü d w e« t c Passage=Lichtsplele Neukölln, Bergstraße läl— S2 Am Hildesheimer Schloll steht eine Linde. Auf derBühne: Henry Bender persönl. in Schön seh n wir aas Jugendliche haben Zutritt Film-Palast Kammersäle Tel tö wer Straße 1— 1 Die Jugend der Konigio Luise mit: Mady Christians R<>- t c n a Concordia«Palast Andreasstraße 64 Das Ladenmädel mit Marie Plcford Achtung, Spienssfoffl Viktoria»Lichtbild=Th. Frankfurter Allee 48 Des gtoßen Erfolg, wegen verlängert Die Jagend der Königin La se Ferner SOhnenschati Jugendliche haben Zrjtrltt Schwarzer Adler Frankfurter Allee W Das K. a. K. Balleltmidel Ferner; Reginald Danny in Alles Schwindel Bäbnenschan X» r d c i CaslnorLichtspiele Brunnenstr. 134 Im Loxubzqjc a Spanisches Ertot dazu die xroke Sühnen schau Senefelder Lichtspiele am Senefelderplatz, Ecke Metz er Straße Es war dazu Die StraBe des Qranens KristalLPalast Prinrcnallec T— 6 Die weiße Spinae BQhnenschau Marienbad=Palast Badstraße 35—*16 Die raffinierteste Frau r« Berlin Benzinteafel Bfihnenschao PrlnzeD=PaIast Prinrcnallec 42—43 Der Verführer Orientzauber B&hnenschaa „Alhambra" Badstraße 58 Die raffinierteste Frau r. Berlin Sühnenschau Humboldt*Theater Badstraße 19 Die Indiskrete Frau B&hnenscfaaa Pankow Tivoli Lichtspiel Th. Berliner Straße 27 Film; Der Or'ow Bühne; Der Flnkcsuha Mando. Hnco-Chor(33 Personen). Erstmalig im Kino Palastr Theater Brciie Straße ZI U Laorn La Plante in Seidene Strümpfe und Beiprogramm Bürgergartcn'Lichtspe Hauptstr. 51 und Lindauer Straße Die schwarze Natascha und BeU Programm Linden-Lichtspiele Residenrstraße 124 in Die einzige Rätsel der Nerma Tatmadre in Frau. Dazu: Das Fledermaus. W C.iArloftej»j��g__R Faun-Lichtspiele Krumme Stiaße 37 Helena, der L'ntcrsanr Trojaa i.Tell. Der Raub der Helena iTeii: Die Zerstörung Trojas. Beide Teile In einem Programm Beginn 7,»,15 Uhr Schlöier- Theater Schlüterstraße 17 Des großen Erfolg, v»gen verlängert Morrr Lledtke, Maila Paodier in Oer Bettelstadcnt Ferner: Dl« elf Teufel Jugendliche haben Zutritt Anfang 7 u.7,15, Sonntags ab 4 Übt