Morgett�usg�S. 3lr.4i A 21 45. Iahrgang Wöchentlich M Reichsmark tm»aravs zadkdar. Unke» Streifband i» In»«nb Aus« land 5.5V Reichsmark prt Übnot De».Vorwärts' mtt Des tfluftner» ten Sonntagsbeilage.Volk und Aeit� sowie den Beilagen.Umerhaltung und Wissen*»Äus de» Filmwelt* »Stadtbeilage*»Fraue»»stimme* »De» Kinderfreunb*»Iugend-vor» wärts".Blick in die Bücherwelt�, »Kulturarbeit* und.Technik* erscheint wochentSgltch«weimal. Sonntags und MoMags einmal Berliner Vowsblatt Mittwoch 25. 3anuor 1928 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Di»« t■ 1 f• 1 1 1 g« Ronparetllezell« 80 Pfennig ReklomeAeile 5.— Reichs» mar!»Klelne Anzeigen* das fettge» druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Wone). jedes weitere Work 12 Pfennig Stellengesuche das erste Won 15 Pfennig, jedes wettere Wort 10 Pfennig Worte über 15 Buchstaben zahlen fü» zwei Worte Arbeitsmortt Zeile 80 Pfennig FamUianzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen» annähme im Hauptgeschäft Linden» straße 3. wochentags, von 8�, bis 17 Uhr. Zentralovsan der Sozialdemokratischen Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoss W— A7 Telegramm-Adr.: Sozioldemokrai Teilt» Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto:©erlin 87636— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten Wallstr. 66. DiZkonto-Gesellschast. Deposttenlaste Lindenstr S Oer Gchloßherr von Bitburg. Ein Geldgeber des Geparaiistenputsches wegen Meineids verhastet.— Deutsch- nationale Verteidiger. üöln, 24. Januar. Zu einer Sensation gestaltete sich der Zusammenbruch der Berufuiigsverhandlung in einem Beleidigungsprozeh, bei dem der Grohagraricr Dr. Joses Limbourg aus Bitburg sich gegen den Borwurf separatistischer Umtriebe zu reinigen oersucht hatte. Im Oktober vorigen Jahres hatte die erste Instanz den Schriftleiter des Kölnischen Sladtanzeigers Dr. Franz Rodens von der Anklage der Beleidigung freigesprochen, der behauptet hatte, Libourg habe mit separatistischen Kreisen Umgang gepflogen und sei auch nicht von seinem Bruder abgerückt, obwohl dieser für Zwecke der Sonderbündelei SOOO Franken geopfert hat. Der Frei- spruch hotte politische Bedeutung. loses Limbourg galt und bekaanle sich als rechtsgerichteter Mann. Es erregte berechtigtes Aufsehen, dah er. sich nicht nur in den Pro- vinziallandtag der Rheinprovinz wählen lieh, sondern auch sonst das Bestreben zeigte, eine politische Rolle in der deutschen Republlk zu spielen, die er noch den Anschuldigungen der Kölner presse früher preisgegeben hatte. Für seine politische Porteistellung spricht auch die Totsache, dah er sich die bekannten deutschnationalen Anwälte Sock und Hahn bei der Berufungsverhandlung zu Verteidigern verschrieben hatte. Selt dem legren Mittwoch, also eine volle Woche, ging die Ber- Handlung, die zahlreiche interessante Momente aus der Zeit der «rohen Unruhe und Besorgnisse de? Rhdnlandez im Kamps gegen die von den Franzosen unterstützten Separatistenumtriebe zutage brachte, jedoch die entscheidenden Punlle der gegen Limbourg er- hobenen Beschuldigungen nicht gänzlich zu klären oermochte, ßestern. am sechsten Verhandlungstage nun erfolgte die Vernehmung'des Bruder» Limbourgs, Peter,, der- trotz der vorangegangenen de-. lastenden Aussagen jeden Verkehr mit Dr. Dorten abzustreiten ver- suchte. Obwohl er aus die Bedeutung seines Eides aufmerksam gemach! worden war. erklärte peter Limbourg selbst noch Vorhalt eines Briese», der ISlS au Dorfen geschrieben worden war und seine llnterschrist trug, dah er von diesem Briefe nlchls wisse. Er ver- n e i n t e weiter die bestimmte Anfrage, ob er auch später nicht an den Separati�tenhäuptling Dorten geschrieben habe. Unter großer Spannung verlas nun der Verteidiger folgenden Brief Peter Lim- bourqs, der mit der Hand geschrieben ist und noch heute ein Dokument für die Zusammenarbeit der Separatisten mit den rheinishen Sonderbllndlern ist: .Hansa-Hotel Wiesbaden, den 1. 11. 23. Sehr geehrter Herr Dorten! Beracblich habe ich beute versucht, Sie zu spreche». Bei uns tm Kreise Bitburg sind Zustände, die aus die Dauer nicht haltbar sind. Wie sie sich persönlich im Jahre 19l9 überzeugt haben, war damals die Stimmung unter der Landbevölkerung und den Mittelstädten vorzüglich, und ich behaupte nicht zu viel, wenn ich sage, der kreis Bilburg war der Musterkreis. Diesen Erfolg hatten wir hauptsächlich durch die intensive Arbeit der Ortsbauernräte unter Leitung von Herrn Pfarrer Bor- mann, der ein wahrer rheinischer Patriot ist. Da Herr Bormann, mein Bruder und ich nun nicht im Sinne von Berlin arbeiteten, sondern im Interesse unserer rheinischen Heimat, wurden wir von den Berliner Nutzniehern betämpst. Diese Leute stehen im Bunde mit den Herren Adenauer und Saas. Herr Adenauer hat von Herrn Stresemaou den Auftrag, die sogeuannle„legale Republik" aus- zurufen, d. h. eine bolschewistische von Berlins Gnaden. Herr Bier- brauereihcsitzer Joseph Simon, der stellvertretender Landrat ist, hat Herrn I. P Well in Bitburg erklärt, dah er nur aus die Berliner legale Republik warten würde. Der jetzige Bürgermeister Meserich, Notar Wolfs, Dr. Wäsche, Kreistierarzt Broll und Abgeordneter Neyses sind diejenigen, die die rheinische Bewegung im Kreise Bit- bürg immer bekämpst haben und von Herrn Kaas geleitet werde». Diese Leute warten nur darauf, bis Berlin die sogenannte legale Republik ausruft, um uns dann in den Rücken zu fallen. Diese Leute sind auch diejenigen, die, als Sie, hochverehrter Herr Dorten, in Bitburg sprechen sollten, mit HUfe von Herrn Landrat Graf Adelmann dafür sorgten, dah Sie verhaftet werden sollten. Dies sehe ich mich verpflichtet, Ihnen mitzuteilen. Mit treuem rheinischen Gnih Ihr ergebener . P. L i m b o n r g. Die Rückseite des Briefes trägt folgenden Vermerk: Regierung Trier mit der Bitte um Kenntnis- nahrne und weiterer Verwertung. Es dürfen nur durchaus zuverlässige Anhänger an der Spitze der Kreise stehen. Eventuell ist da» Erforderliche durch eine militärische Operation zu erzwingen. Selbstverständlich'ist vorher mit den zuständigen Delegierten Rücksprache zu nehmen. W. 2. 11. 23. Der Generalbevollmächtigte Süd Dorfen. (Dazu folgender Stempel): Die Oberleitung Sud. ' Serrice de Protection de Rbe'nanle. La directlon gdndrale. Die Verlesung des Briefes löste im Gerichtssaal helle Empö- r u n g aus. Während Petsr Limbourg die Richtigkeit des Briefes zugab, aber bestritt, sich an die Abscndung erinnern zu können, er- klärte nun loses Limbourg, er hätte den Prozeß nicht gesührl. wenn er von dieser Korrespondenz Kenntnis gehabt hätte. Rechtsanwalt Sack teilte dann— nicht ohne die Verteidigung vorher scharf ange- griffen zu haben— im Austrage seines Mmrdanten mit, dah die B e- rufungsklage zurückgezogen sei. Damit. endete dieser sensationelle Prozeh, der für Peter Lim- b o u r g noch ein böses Nachspiel haben wird. Dieser wurde unter dringendem Meineidsverdacht sofort verhaftet und abgeführt. Oie Pflicht des Völkerbundes. Ein Vorhalt der prager Regierung. Prag. 24. Januar. Im Abgeordnetenhause gab der Stellvertreter des noch immer kranken Ministerpräsidenten Soehla, Monsignore Schramek, eine Erklärung über die St.-Gottharder Affäre ab: Es ist festgestellt, dah die Sendung für die Tschechoslowake! nicht bestimmt ist und daß die Speditionsfirma Brüder Berkowitz Eigentum ungarischer Bürger madjarischer Nationalität mit dem Sitze in dem madjarischen Teile von Slooenske Nooe Mesto. genannt Satoralja-Ujhely, ist. Die polnische Regierung hat den diplomatischen Vertretern der Kleinen Entente am 7. Januar kategorisch erklärt, dah die Sendung überhaupt nicht für Polen bestimmt war. Die Frage also, für wen die Sendung unter falscher Deklaration bestimmt war, blieb un- geklärt. In Anbetracht dieser Feststellung ist der natürNche Verdacht aufgetoucht, dah es sich um Konterbande nach Ungarn hon- dette, dem die Einsuhr von Wassen und Munition aus dem Auslande verboten ist. Die Kontrolle Ungarns in dieser Hinsicht steht nach Abberusu.rg der Kontrollkommission dem Völkerb'und zu. der durch Stim- menmchrheit über d»e eventuelle Entsendung einer Investigation»- kp,»Mission entscheidet. Die Tschechoslowakei Hot sich in Ueberein- stimmung mit den anderen Nachbarn Ungarns, die zur Kleinen En- knie gehören, und das gleiche Interesie an der Erhaltung der Frie- densverhälinisse in Europa haben, entkchloslen,'die Aufmerksamkeit des Pölkerbundrate» auf den Vorfall von S:. Gotthard zu lenken, da die Aufklärung dieses Vorfalles im allge- meinen Interesse liegt und zur Zerstreuung oller Mißverständ- Misse beitragen wird. Daher beruft sich die tschechoslowakische Regie- rung vorläufig nicht aus einen bestimmte» Artikel des Völkerbund- paktes, da sie der Ansicht ist, daß es sich hier um eine felbstversiändliche Pflicht des völkerbundrats handelt, und dah es genügt, auf die zum Vorschein verdächtigte Tat- sache hinzuweisen. Dem Völkerbundrat wird gewih daran gelegen sein, daß> e d e r Verdacht im Interesie des guten Zusammenlebens der Völker von Mitteleuropa schnell verschwinde. Uns selbst ist daran ge- legen, dah e» in dieser Angelegenheit nicht zu einem Konjlikt oder Mihoerständnis zwischen den interessierten Staaten vor dem inter- nationalen Forum komme. Die Entscheidung über das weitere Vor- gehen wird nunmehr beim Völker bundrat liegen. Arbeiierregierung in Norwegen? Die Fraktion ist bereit! Oslo. 24. Januar.(Eigenbericht.) Die norwegische Arbeiterpartei hat beschlossen, den ihr vom König angebotenen Auftrag zur Nr- gierungsbildung anzunehmen. Der Fraktionsvor-. sitzende der Arbeiterpartei, M a d s e n, ist ermächtig« worden, dem König mitzuteilen, das? die Grundlage fite eine Arbeiterregierung vorliege. Tie Partei will gegebenenfalls noch im Laufe des heutigen Abends die- jenigen namhaft machen, welche der Regierung angehören sollen. Bauer in Not! Sin paar Ausschnitte aus der Praxis. Aon p. Tempel-Leer, M. d. R. Bauer in Not— seit nahezu einem halben Jahrhundert hören wir unablässig diesen Schrei. Kein Wunder, daß man dagegen taub zu werden beginnt. Das grollende Schweigen der Millionen Erwerbsloser ist eindringlicher und lauter als der Paukenschlag der Agrarpresse. Trotzdem: Bauerndemonstrationen, Streikdrohungen und Zwangsvollstreckungen an allen Ecken und Enden geben iu diesen Tagen dem gewohnten Lärm einen Klang von Echt- heit, der aufhorchen läßt. Was ist daran? Bluff oder Not? Rattenfängermelodien der Landbunddemagogen oder Hilfe- rufe der werktätigen Bauernmassen? Ein paar typische Fälle mögen Antwort geben. * Ein P a ch t h o f an der Nordsee. Massiver Bau, langgestreckt wie die endlose Linie des Deiches. ZO Hektar allerbesten Marschlandes. Gediegenheit, die nichts von Pro- letarierlos und Erwerbslosenelend weiß. Trotzdem blickt der hagere friesische Bauer in Sorge über die Unendlichkeit der Marsch hinweg. Wasser, soweit sein Auge sieht. Seit Jahren schon kämpft er gegen Ueberflutung und Versumpfung. Die Flußregulierungen haben Stromversetzungen in den See- matten bewirkt. Die Siele— die Äusfallstore der Ent- wässerungskanäle aus dem Binnenland— öffnen sich nur noch kurze Zeit oder stecken gar im Schlick fest. Das Land versumpft und wird sauer. Binsen verdrängen die Füttergräser. Die Regenmassen können und können nicht ab- laufen. Die Erschließung der Hochmoore bringt neuen Zu- fluß saurer Wassermengen. Die Ländereien— bester alter Kulturboden— entwerten rapide. Dabei sind die Pachtlasten teilweise unerträglich schwer, und es gibt gerade in den Küstenstrichen viele Pachtböfe. Ver- doppelte Pachten gegenüber den Vorkriegssätzen sind nicht selten. Wenn solch ein Unglücksmann zudem nach Natural- wert(Roggen- oder Butterpreis) gepachtet hat. der heute doppelt so hoch ist wie bei Antritt der Pachtung, gibt es nichts zu lachen. Dann spürt er ebenso deutlich wie der Industrie- Proletarier, was es heißt, ausgebeutet zu werden. Das Bodenkapital weiß feine Rente njcht minder unbarmherzig einzufordern als das Industriekapital. Der Pächter schreit noch Hilfe. Trotz Musterwirtschaft (Herdbuch. Milchkontrolle, Saatauswahl, Düngungsberatung, selbstverständlich auch Besuch einer guten Landwirtschafts- schule) ein Rückgang! * Der Landbund ruft zu Demonstrationen auf. In Pom- rnem, in Holstein, in Oldenburg, in Friesland, in Schlesien. Taufende strömen zusammen. Völkische Skandalmacher vom Schlage der Weidenhöfer, Münchmeyer und Henning finden tobenden Beifall. Die Republik hat schuld! An den Mißernten, am Bargeldmangel, am ewigen Regen und überhaupt an allem! Uralte Rezepte werden zum hun- dertsten Male hervorgeholt: Kredite! Steuererlaß! Hockschutz- zölle! Aber was versteht die Revublik von dem allen? Der Bauer fühlt sich als Märtyrer der neuen Staats- ordnung. Daß der armselige Wattenfischer nebenan, der seit Monaten kaum etwas gefangen hat, daß der Landarbeiter mit 9 oder 19 M. Erwerbslosenunterstützung wirkliche Not leidet, oft buchstäblich hungert, kommt ihm kaum zu Bewußt- sein. An politischem und sozialem Verständnis steht der Bauer— fast möchte man sogen durchweg— weit hinter dem Arbeiter zurück. Mit Krediten und Zöllen ist hier nichts getan. Wasser- regulier ung und P a ch t s ch u tz sind zwei Maßnahmen — neben anderen—, die Abhilfe schaffen können. Einen ausreichenden Schutz gegen Pachtwucker hat der Landbund selbst verhindert, indem er im letzten Sommer im Reichstag unter Führung der großen Landbundbarone des Ostens alle dahin zielenden Anträge der Sozialdemokratie niederstinnnte. Das Tempo der Wasserregulierung wird nicht selten ge- hemmt durch burautratische Schwerfälligkeit gewisser Zentral- und Mittelbehörden, die Jahre benötigen, wo Monate ge- nügen sollten. Außerdem fehlt es an öffentlichen Mitteln auch für die dringendsten Projekte, deren Verwirklichung nicht nur eine immense Steigerung der landwirtschaftlichen Produktionskraft, sondern zugleich Arbeitsgelegenheit für Taufende von Handarbeitern schaffen würde. Aufgabe der Regierungen, der Parlamente, der Berufsorganisationen. Eine Kate irgendwo im Hochmoor. Beklem- wende Dürftigkeit. Verzehrendes Ringen mit dem Boden. Ausgemergelte Gesichter. .Kein Pfennig Bargeld im Hause. Der Torf ist nicht trocken geworden: regennah steht er noch jetzt im Moor, un- verkäuflich..„,.. Die Stelle ist an sich z U k l e i n f ü r e i n e Familie Ein paar Hektar Land— und mehr nennen Tausende dieser Landproletarier nicht ihr eigen— reichen trotz ihrer fast un- glaublichen Bedürfnislosigkeit eben nicht aus. Dazu niedrige Schweinepreise, teurer Kunstdünger, ohne den doch der Boden nichts- hergibt, überflutete Weiden, so daß stellenweise das Bich schon seit August wieder äufgestallt werden mußte:. hier ist nicht selten die blanke Not zu Gast. Bei Krankheilen kann kein Arzt geholt werden. Beim Krämer ist man tief ver- schuldet. Private Geldgeber fordern Wucherzinsen. Zu allem anderen Unglück hat eine Reihe von L a n d b u n d- ge nossenschaften infolge fahrlässiger Betriq�sführung Konkurs anmelden müssen, und nun sollen auch noch die fälligen Haftsummen aufgebracht werden. Dieser Not ist schwer beizukommen. Eine Gesundung solcher blutleeren Wirtschaftskörper ist im Grunde nur mög- lich durch die Vergrößerung der Betriebe auf den Umfang einer Ackernahrung und weiter durch die Einrichtung neuer Bauernstellen für den relativ zu starken Bevölkerungsnach- wuchs. Also Anlieger- und Neusiedlung. Staatliche Maßnahmen zur Senkung der überteuerten Kunstdüngervreise, Stabilisierung der Schweinepreise(die Schweinemast bildet häufig die Basis der Bargeldbeschaffung), Verbesserung der teilweise unglaublich rückständigen Pro- duktjon bei Milch, Eiern und Gemüse durch Schulung und Beratung, staatlich kontrollierte Bezugs- und Absatzgenosfen- schaften: das alles würde einen Ausweg aus der Enge dieser Wirtschaftsformen eröffnen. Allerdings: die geistige Un- bcweglichkeit und die politische Indifferenz jener Vauern- schichten werden alle Akte einer solchen individuellen oder organisierten Selbsthilfe verhängnisvoll verlangsamen, und so wird vorläufig das alte Rezept Geltung behalten, das Mangel und Anspruchslosigkeit geschrieben haben: mit Frau und Kindern sich schinden vom ersten Hahnenschrei bis zur stickenden Nacht. Wer irgend kann, flieht in die Fabriksäle oder auf die Schiffsplanken und verstärkt damit den unheim- lichen Strom der landflüchtigen Ackerproletarier. * Als letztes Bild dieser knappen Reihe eine der Heuer- lingsstellen an den Hängen des Teutoburger Waldes Der Heuerling— wirtschaftlich eine Mittelform zwischen Kleinbauer und Tagelöhner— arbeitet seit Generationen auf seiner Zwergstelle, ohne sie je sein eigen nennen zu können. Er kämpft heute gleichermaßen um die Verbesserung dieser seiner Rechtslage, wie um die Sicherung seiner Pro- duktionsbasis. Dabei hat er gelernt, daß ihn nur die wirt- schaftliche und politische Organisation aus seiner individuellen Not herausholen kann. Die Verbände der Heuer- l e u te haben läng st Fühlung mit der Sozial- demokratie genommen und mit ihrer Hilfe in den Parlamenten wesentliche Sicherungen gegen Ausbeutung und Willkür gegenüber den Großbauern durchsetzen können. Im Augenblick verhandeln sie mit der Großeiu- kaufsgenossenschaft deutscher Konsumver- eine, der GEG. in Hamburg, über Schweinemastoerträge, die sie vor den ruinösen Schwankungen der Schweinepreise schützen sollen. Wenn der Zentner Lebendgewicht heute noch nicht die Hälfte besten erbringt, was man vor einem Jahr erhielt, und wenn dazu dank Bürgerblock und Landbund die Futtermittel unerhört verteuert sind, dann wird der kleine Schweincmäster— und dazu gehört die Mehrzahl der Klein- dauern— um den Ertrag seiner Arbest glattweg betrogen. Die Verträge mit der GEG.. bezwxchen deshalb vpr allem eine Stabilisierung der Preise...Da allew die von.de/ GEG. ex? morbene grqße Fleischlabris in Aldenburg jährlich bfs. zu. einer halben Million Schweine verarbeiten will» so ist hier Gelegenheit zu einer umfassenden organisierten Zusammen- arbeit von Bauern und Konsumenten gegeben— ein Muster- beispiel für eine wirtschaftlich vernünftige Behebung bäuer- licher Nöte durch genoffenschastliche Arbeit. * Die Hagelschauer der allgemeinen Krise unserer Heber- gangszeit und der besonderen Wetterschäden des letzten Jahres find naturgemäß auch auf unsere Bauernhöfe niederge- prasselt. Die Sozialdemokratie ist selb st ver- st ä n d l i ch— unbekümmert um das landbündnerische Ge- schrei der Bauernfeindltchkeit der Partei— bereit, dem Bauerntum die Umstellung aus überalteten Formen der B e t r i e b s f ü h r u n g und Absatz- regelung auf die Bedürfnisse der Gegen- wart mit allen Mitteln staatlicher und ge- nossen schaftlich er Hilfeleistung zu erleich- t e r n. Wieweit Parlamente, Bureaukratie und die Bauern selbst dabei in Bewegung gebracht werden können, bleibt ab- zuwarten. Auch hier wird der neue Reichstag andere Kräfte zu mobilisieren imstande sein» als es heute möglich ist. Der Bauer wird gut tun, wenn er gerade in diesen Fragen seine eigene Ueberlegung und nicht das Orakel der Hugen- berg-Kreisblätter unh der Landbundsekretäre befragt. Pvli- tische Einsicht ist eines der vornehmsten Elemente bäuerlicher Selbsthilfe. Die nächsten Wahlen werden zeigen, wieweit der Bauer dafür reif ist. � politische Justiz. Zwei Aervfungsverhandlungen vor dem Reichsgericht. Leipzig. 24. Januar.(Eigenbericht.) Der monarchistische Generalleutnant a. D. B r o n s a r t von Scheltendorff hatte sich vor wenigen Monaten anläßlich einer Veranstaltung des Werwolf und des Tannenbergbundes in Königsberg das Vergnügen geleistet, von einer„jämmerlichen V e p g b l i t' zu sprechen, die nur ihr Leben friste, weil sie die Offtzicre und Beamten des alten Königtums übernommen habe. Der monarchistische General wurde damals trotz dieses schweren Ver- gehen? gegen das Republikschutzgesetz freigesprochen. Der Staats- anwalr legte gegen dieses Urteil R e v i s i o n ein, mit der sich am Dienstag der zweite Strafsenat des Reichsgerichts befaßte. Obwohl der Rcichsanwalt wegen des Stusdruiks„jämmerliche Republik" ein- Bestrafung des Angeklagten verlangte. verwarfdcrScnatdie Reoi.fi gn. Der gleiche Senat bestätigte dagegen die schwere Strafe gegen einen Arbeiter Mcrkcr, der vom Landgericht in Bertw wegen kommunistischer Ausschreitungen und Beleidigungen im. September v. I. zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, weil er angeblich mit' zwei anderen Genosten einen' Polizei- bramten tätlich beleidigt hatte! Auflösung einer Ortsgruppe des Roten Frontkompferbuadcs. Der preußische Minister de? Innern Hot mit Zustimmung der B e i ch s regierung die Ortsgruppe. F a l k e n b u r g in Pommern des„Roten Frontkämpfcrbundes" eiuschließlich der„Roten Jung. front" aufgelöst Alle militärischen Geräte und sonstigen Gegen- stände der genannten Ortsgruppe oder ihrer Mitglieder, die un- zulässigen Zwecken gedient haben, werden zugunsten des Reiches beschlagnahmt und eingezogen. Rechtsblock und Gtaatsgerichtshof Oer wachsende Luther-Gkaudal.— Ein unmöglicher ReinwaschungSversuch. Wie die Katzen um den heißen Brei schleichen die Zei- tungen der Rechten um den Luther-Skandal herum, nur eine wagt sich heran und verbrennt sich dabei die Pfoten. Es ist die„Deutsche Allgemeine Zeitung"— sie muß ja wohl—, die als einzige den Versuch unternimmt, die von der Bürgerblock- regierung verübte Rechtsverweigerung zu vertei- digen. Dabei gelingen ihr Sätze wie diese:„Das Urteil des Staatsgerichtshofs ist lediglich ein Feststellungsurteil, das zu einer Handlung nicht verpflichtet." Oder: „In dem UrteU steht kein Wvrt, daß die Ernennung Dr. Luthers nichtig fei." Wirklich nicht? In dem Urteil steht: „Die Verwirklichung des preußischen Anspruchs war zur Zeit des Todes des Geh. Kommerzienrats Arnhold d u r ch f ü h r- bar und ist es heute noch. Die Durchführung hat das Reich zu Unrecht verweigert." Der Staatsgerichtshof sogt klar, daß die Ernennung Luthers widerrechtlich war.„Widerrechtlich" ist aber nicht gleichbedeutend mit„nichtig", belehrt uns der Krön- jurist der Schwerindustrie.„Die Verwirklichung des preußi- schcn Anspruchs ist heute noch durchführbar," sagt der Staatsgerichtshof. Das ist sein Rechtsstandpunkt. Aber vom Machtstandpunkt der Reichsregierung ist der preußische An- spruch„heute" eben nicht durchführbar, weil der widerrecht- lich ernannte Luther wie angeleimt aus seinem Posten sitzt. Daß sich das Verhalten einer deutschen Reichsregierung nicht anders verteidigen läßt als durch solche Rabulistik. daran zeigt sich die ganze Schande, die durch diesen unerhörten Skandal dem Deutschen Reich aufgeladen worden ist. Diesem Tatbestand gegenüber ist die Frage, ob die Ernennung Luthers auf Grund einer förmlichen Abmachung erfolgt ist, was bestritten wird, und ob die Reichsbahntantiemen auf die Kanzlerpension verrechnet werden, nebensächlicher Natur. Tatbestand ist, daß die Reichsregierung und Luther, Luther und die Reichsregierung gemeinsam einen Zustand aufrecht- erhalten, der von der höchsten gerichtlichen Instanz des Reichs in einem rechtskräftigen Urteil für widerrechllich erklärt worden ist. Der Grundsatz, daß das Recht die Grundlage des Staats- Wesens ist, wird auf diese Weise von der gegenwärtigen Re- gierung des Reiches negiert. Wenn die Bürgerblockregie- rung von dem Schauplatz ihrer Tätigkeit verschwinden wird, wird sie einen Trümmerhaufen Hinterlasten, und auf diesem Trümmerhaufen liegt zerbrochenes Recht. Llm die Ruhrenischadigungen. Demokraten mit dem Bürgerblock? Der Reichstag beendete am Dienstag die Debatte über den Bericht des Untersuchungsausschusses zur Prüfung der Ruhrentschädigungen. Der Bericht des Ausschusses, der feststellt, daß eine Verletzung des Etatsrechts des Reichs- tags vorliegt, daß UeberzahiuNgen in Erheblichem Umfange erfolgt sind und daß die Ansprüche der Großgeschädig- ten wesentlich günstiger behandelt wurden als die Ansprüche der übrigen Geschädigten wurde gebilligt. Damit haben selbst die bütgerlichen Parteien anerkennen müssen, daß die Hallung der früheren Reichsregierung unzulässig war, einen groben Versroß gegen die Reichsverfassung und das Etatrecht des Reichstags darstellt und eine Begünsti- guna von politisch einflußreichen kapitalistischen Gruppen mit sich gebracht hat. Vor drei Iahren, am 20. Februar 1925, bei der ersten Debatte über die Ruhrentschädigungen klang es ganz anders. Damals erklärten die Fraktionen der Deutschnationalen, des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, der Wirtschaftlichen Vereinigung und der Bayerischen Bolkspartei, daß sie die Zahlung der Ruhrentschadigungen unter Verletzung des Etatsrechts des Reichstags„als den durch die Verfassung des Reiches gebotenen Schritt ansehen, und daß weder die Zusagen der Reichsregierung, noch die von ihr vollzogenen Leistungen die Finanzen des Reichs geschädigt oder Privatpersonen und Finnen rechtswidrig bereichert haben". Die sozialdemokratische Fraktion hatte nun folgenden Antrag gestellt: ..Der Reichstag mißbilligt, baß die Reichsregierung die Entschädtgungszahlungen des Reiches an die Großindustrie des be- setzten Gebietes unter Verletzung des Etatsrechts des Reichstags vorgenommen hat. Er fordert die Reichsregierung auf, die durch das Urteil der Mehrheu des Ausschusses festgestellten erheblichen lieber- Zahlungen wieder einzuziehen und sie zur Entschädigung derjenigen Angehörigen des Mittelstandes, Angestellten und Arbeitern zu verwenden, die gar nicht oder zu gering ent- schädigt wurden und noch Ansprüche an das Reich haben. In der Begründung dieses Antrages hatte Genosse Dr. Hertz auf Grund des Berichts des Ausschusses die den ganzen Reichstag überraschende Tatsache festgestellt, daß selbst der deutschnationale Jndustriesyndikus Dr. Rade- macher Ueberzahlungen an die Großindustrie in Höhe von 34 Millionen anerkannt hatte. Trotzdem wurde der sozial- demokratische Antrag in namenllicher Abstimmung mit 193 gegen 173 Stimmen abgelehnt. Außer den Sozialdemo- traten und Kommunisten stimmte nur die Wirtschaftspartei für den Antrag. Die Demokraten, die mit der Re- gierungskoalition gegen ihn stimmten, bewahrten also den Bürgerblock vor einer sicheren Niederlage. Ihnen oerdanken es die Großindustriellen, daß sie die zu unrecht vom Reiche in der schwersten Notzeit des Jahres 1923 erpreßten Mil- lionen behalten dürfen. Aus dieser Abstimmung läßt sich ferner erkennen, daß der kommunistische Antrag, Stresemann und Marx vor den Staatsgerichtshof zu stellen, nur eine leere Demon- stration bedeutete. Er kam überhaupt nicht zur Abstimmung. weil er die nach Artikel 59 der Reichsverfassung erforder- lichen 100 Unterschriften nicht besaß. Aber auch sonst wäre er nicht angenommen worden, well zu seiner Annahme eine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist. Die sozialdemokratische Fraktion hielt diesen Antrug aber auch deswillen für sinnlos. weil er eine rein politische Machtfrage zu einer Rechtsfraga. stempeln wollte und eine lächerliche Ueberfchätzung der Objektivität des Staatsgerichtshofs an den Tag legte. Aber was tun Kommunisten nicht, wenn sie glauben, die Sozialdemokratie„entlarven" zu können? Riesengeschenke für Großagrarier. Oie plane des Rechtsblocks.— Schiele will das Gefrierfleisch verteuern! Unterstützt durch einen heftigen Agilationsfeldzug des Landbundes, der auch vor der Drohung mit dem Produtttons- streit nicht zurückschreckt, bemüht sich der R« ch t s b l o ck. mit einer Hilfsaktion für die Agrarier auf dem Lande Stimmung fürdte arg geschwächten Rechtsparteien zu machen. Gestern beriet wieder der interfraktionelle Ausschuß der Regierungsparteien über das Projekt. Gegen den Plan einer Ucbernahme der Rentenbankschuldzinsen durch das Reich wurden stark« Bedenken vorgetragen und darauf hingewiesen, daß durch eine solch« Maßnahme die Kreditwürdigkeit der Landwirtschaft im Ausland« stark beeinträchtigt wird. Infolge dieser Ueberlegungen bezeichnete der Ausschuß die ganze Frage uicht für spruchreif und über- wies sie deiti Finanzministerium zur weiteren Prüfung. Im weiteren Verlauf der Verhandlung wurde u. a. auch die Krcditlage der Preußischen Z e n t r a l g e n os se n- schaftskass« erörtert und festgestellt, daß die Ueberschreitung des Krediwolumens der Prcußenkasse zu Rückforderungen führe, welch« die Genossenfchastszentralen und Banken stark bedrücken. Außerdem fei die Preußenkasse durch kl) Millionen Mark Rentenbankschuld bei der Reichsbonk belastet. Das Reichssiaanzmiutsterium wirb nun ver- suchen, der preußenkasse das Sonlingeut von S0 Millionen Mark ab- zunehmen. Außerdem ist der Reichssinanzmimster bereit, den im vorigen Jahr gegebenen 100-Millionen-Düngerkredit erst zwischen der Ernte 1928 und dem 31. März 1929 in Roten zurückzufordern. Dadurch wird die Preußenkasse instand gesetzt, die am 1. Februar und am 1. April fälligen Wechselraten nicht zurückZu- fordern. Soweit der Plan einer Ausländsanleihe für di« Land- Wirtschaft zur Erörterung stand, wurde betont, daß sich der' Auslands- geldmarkt augenblicklich in sehr ungünstiger Verfassung befinde. Es fei jedoch auf eine Besserung zu hosten Dann wurde die Frag« er- örtert, vb die Begebung von Schatzwechseln zweckmäßig wäre und konstatiert,' daß die Reichsregierung bei der Ausgabe von Schatzwechfeln völlig von d«r Lag« des Geldmarktes abhängig sei. Die Reichsregierung beabsichtigt jedoch, eine Summe bis zu 100 Millionen Mark als Zwischenkredilc für di« Ueberlettung der schwebenden Pcrsonalschuld in fundierte Kredite zur Verfügung zu stellen. Auch ein Ruhnießer der Agrarpolitik Gchieles. Die Sani«rui'gsiiiaßnohmen des Rcchtsblocks haben, soweit man seh«» kann, den Nachteil, daß sie wahllos den tüchtigen und d«n uiijähigen Landwirten zugute kommen sollen. Daher ist eine Anfrage interessant, die Genosse Hartwig im Preußischen Landtag gestellt hat. Sic verweist darauf, daß auf dem Gute Algraben im Kreise Randow nach Angaben unseres Pomnierschen Parteiblatte- unglaubliche Wohnverhältnisse herrschen. So brach dort vor kurzem die Deck« einer Wohnung durch. Bei dem Unfall wurde» i n c F r a u } schwer verletzt. Was es aber mit der Landwirtschaft des Gutsbesitzers. eines Hauptmanns Lieb«, auf sich hat, davon zeugt die Fest- stellung, daß von dem zweitausend Morgen umfassenden Grundbesitz nicht mehr als 50 Morgen be stellt sind. Vielleicht erhält Herr Liebe bei dieser Gelegenheit eine Produk- tionsprämie von seinem Freunde Schiele. Gefrierfleisch soll verteuert werden. In einem größeren Artikel wiesen wir kürzlich auf di« unerttäg- lichen Zustände im Handel mit Gefrierfleisch hin, die daher kommen, daß nur«in Teil des notwendigen Gefrierfleisches zollstei einge- führt werden darf und infolgedessen einige raffinierte Zwischen- Händler sich daran ungeheuerlich zu bereichern verstehen. Das Blatt der Großagrarier, die„Deutsche Tages- Zeitung", teilt jetzt ihren Lesern diese Tatsache ebenfalls mit und schließt daran die Forderung— nicht etwa Gefrierfleisch durchweg zollfrei hereinzulassen, wie es im Interesse der Verbraucher läge—. sondern die zollfreie Gefrierfleische infuhr sofort aufzuheben. Die Forderungen des Agrarierorgans könnten unbeachtet bleiben, wenn nicht die de ut s ch'na t i o n a l o Pressestelle, die jetzt die Geschäfte des Herrn Schiele oersieht, von einer gewissen Geneigt- h e i t der Regierungsparteien zum Abbau der zollfreien Gefrierfleisch- � einfuhr zu berichten wußte Hier liegi ein freventlicher An- schlag auf die Ernährung der minderbemittelten Volksschichten vor. die unter Arbeitslosigkeit und Teuerung schon genug zu leiden haben. Die Sozialdemokratie wird derartigen Bestrebungen mit allem Nach- druck entgegentreten. Reinigung in der Marineverwaltung. Rachwirkungen ßer phoebuS-Affäre. Das Reichsmarineamt berestet, wie der„S o z Presse» dienst" erfährt, eine Denkschrift über einen Reorganisationcplan zur Vereinfachung der Marineoerwaltung vor. Diese Arbeit erfolgk in gew'ssem Zusammenhang mit der Phocbus-Assäro. Man scheint in der Rcichsmarineverwaltung bestrebt, wenigstens einen Teil der.für die Phoebus-A.-G. verpulverten Stcuergeldcr durch eigene Sparmaßnahmen herausholen zu wollen. Uns scheint es zu diesem Zwecke ratsam, vor allem auf den Bau unnützer Panzerkreuzer zu verzichten. Schulz in plöheusee. Künstliche Erregung bei den Femehütern. Die vier vom Berliner Schwurgericht wegen Fememordes und Anstiftung dazu ziun Tode verurteilten„Schwarze Reichs wef)r"leutc Oberleutnant Schulz, Klopproth, Fuhrmann und Umlauf find, nach den, das Todesurteil vom Reichsgericht bestätigt worden ist, oin Sonnabend vom Untersuchungsgefängnis in die Strafanstalt Plofteiu scc übergeführt worden. Darob ist in der„nationalen" Presse grobe Entrüstung aus gebrochen. Ein völkischer Rsichstagsabgeordncter hat sogar den Reichspräsidenten oder doch dessen Bureau zu einer Inter- vcntion veranlassen wollen, der deutschnationale Reichsjustizminister Hergt wird in Bewegung gesetzt, damit er ein Wort für bessere Bc- Handlung der„nationalen" Gesellen einlege Die Staatsanwaltschost, die in diesem Falle tat, was sie in anderen ähnlichen Fällen immer .zu tun pslegt, wird auf das hestigstc angegriffen. Frühere Generale bemühen sich beim Reichswehr mini st«rium, dah es seinen früheren Schützling nicht verlasi«. Das Graes-Blatt behauptet, daß bereits„die Bauernrevolution vor der Tür" stehe und datz man jetzt auch noch die„Frontsoldaten zum äußer- st e n reizen" wolle! Kurz, es ist eine große Bewegung im Gange, um für die rechts- kräftig wegen Mordes Lerurteistcn eine Vorzugsbehandlung zu er- wirken und damit den großen Gnadcnakt vorzubereiten, den die „Vaterländischen" für die Feinebrüder für selbstverständlich halten. Die Sozialdemokratie ist grundsätzlich gegen die Todes- strafe. Ihre Anträge auf Beseitigung dieser mittelalterlichen Straf- ort sind jedoch im Reichstag gerade von de n Parteien abgelehnt worden, die, wie dle deutschnationale Frau Müller-Otfried, in der Todcestrafe ein Külttirniillel sehen. Wenn also die Schulz und Ge »ossen dem Scharsrichter überliefert würden, so wäre dos nur im S i n n e d e r D e u t s ch n a t i o n a l e n. die sich am heftigsten gegen die Abschafsung der Todesstrafe sträuben. Aber trotzdem werden wir nie die Forderung stellen, daß eine einmal verhängte Todesstrafe vollstreekt wird. Selbst im Falle der Fememörder nicht, die mit grausiger Kaltherzigkeit unter dem Mantel nationaler Gesinnung ihr blutiges Gewerbe ausübten. Es ist auch mit einiger Sicherheit zu erwarten, daß die preußische Regierung, die erst dieser Tage den Mörder Böttcher hinrichten ließ, die Fememörder vor dem Beil bewahrt. - Aber das bedeutet natürlich nicht, daß die Schulz und Genossen nun Anspruch auf eine Vorzugsbehondlung hätten. Wenn sie des- halb als Verurteilte einstweilen in sichereres Gcwok>rsam genommen wurden, so ist das um so verständlicher, als der Fall Ehrhardt und der Fall Dittmer- beweisen, daß völkische Gefangene vor gewaltsamer Befreiung nicht immer sicher sind. Daß inzwischen die Gnaden- g e j u ch e in gleicher Weise behandelt werden wie sonst derartige Gesuch«, bedarf bei der preußischen Praxis keiner besonderen Cr- wlihnung. Nur daß man den Reichspräsidenten gegen p r e u ß i s 6) e Strafvollstreckung zu chilfe ruft, dürste ein Neues in der Geschichte der Republik sein. Die Reform des Ehefcheidungsrechis. Vorschläge des Unterausschusses. Der vom Rechtsausschuß des Reichstags zur Beratung der Chelcheidungsresorm«ingesctzlc Unterausschuß kam in seiner gestz�ta Sitzung zu �»«x D pn i g.u p g.'über hi«. Gtundlagk dxx künstigen Ehescheiduugsbestinznzungen. Danach soll tünsiig«in Ehe- gaste auf Scheidung klagen lönnen. wenn«ine tiefe Erschüttc- rung des ehelichen Verhältnisses eingetreten ist» wenn ferner eine dem Wesen der Ehe entsprechend« Fortsetzung der Lebensgemeinschaft nicht mehr erwartet werden kann, und wenn schließlich infolge der Zerrüttung die Lebens- gemeinschast der Che seit mindestens einem Jahr« vor Erhebung der Klage nicht mehr besteht. Ferner soll auf Scheidung geklagt werden können, wenn die Ehegatten mindestens fünf Jahre voneinander gelebt haben, ohne daß böswilliges Verlosten vorliegt. Oiktaiur im Memelland. Landtagsprotesi darf nicht abgedruckt werden! M e tn e l. 24. Januar. Der rnemelländiscste Landtag hat gegen dt« Gtimmen der Grostlitaner und Kommunisten folgende« Dringlich- keitSanirag angenommen:„Der Gouverneur hat am ltl. Dezember 1927 die ordentliche Session des Landtags geschlossen und die ordentliche Session für 1928 einberufen, da der Landtag bereits am 29. Dezember 1927 beschlosie« hatte, die ordentliche Session an diesem Tage zu schließen und am heutigen Tage die ordentliche Session für 1928 zu beginnen. I« Artikel 12 des Sta- tutö für das Memelgebiet ist das Recht des Gouverneurs, die Landtagssitzuug einzuberufen, zu schließe« oder ,« vertagen, ausdrücklich beschränkt auf außer» ordentliche Sessionen. Ter Landtag erblickt in der Inanspruchnahme des Rechtes auf Eröffnung. Schließung oder Vertagung der ordeatlicheu Sessionen durch den Gouverneur eine Schmaleruug feines ihm durch das Statut gegebenen Rechtes. Er erhebt hier- gegen öffentlich P r o t e st." Die Veröffentlichung des Dringlichkeitsantrages wurde der memelländischen�. Presse durch die Zensur untersagt. Schwedischer Totalabrüstungsvorschlag Don einem Sozialdemokraten eingebracht. S lock Holm. 24, Zauuar.(ffllb.) Der sozialdemokraiische Abgeordaeke Lienhagcn reichte in der Ersten Sammer einen Gesetzes Vorschlag ein. noch welchem der Regierung auserlegt werden soll, im verein mit den übrige« skandi- navischcn Ländern eine vollständige Abrüstnng dieser Länder zu erwögen und eventuell Stellung zu einer Abrüstung Schweden» allein im Anschluß au andere bereits abgerüstete Länder, besonders Deutschland. Stellung zu nehmen. Rigaer Kommunistenprozeß. Riga. 24. Januar. Der Prozeß gegen mehrere MUglieder der kommunistischen Jugend endete mit der Derurteilung von fünf Angeklagten, dar- unter des Moskauer Sendlings M i l l e r, zu Z w a n g» a r b e i t s- st rasen von drei bi» sechs Fahren. Fünfzehn Angeklagte wurden zu zwei bis vier Jahren Festung verurteist, sechs wurden sreigesprochen. In mehreren Städten des Landes, besonder» in Libau, erfolgten weiter« Verhaftungen. Die Koalitionsfreunde. ,Lmmer feste druff, die Lokomotive ist ja noch weit!' Im Kampf um die Volksgesundheit Sozialdemokratische Korderungen. Im chouptausschuß des preußischen Landtags kam es gestern zu einer grundsätzlich wichtigen Aussprache über Fragen der Voltswohl- fahrt. Genossin E g e- Frankfurt forderte eine stärkere Vertretung der Frauen in der Abteilung Gesundheitswesen im Wohl- sahrtsministerium. Das Versprechen, daß die Mitarbeit der Frau an dieser Stelle einsetzen soll, muß endlich eingelöst werden. Es ist be- dauerlich, daß wir in ganz Preußen nur fünf Sewerbemedizinalräle haben. Diese fünf haben zusammen 46 5S4 Betriebe zu beaufsichtigen. Wenn jeder Betrieb einmal im Jahre besichtigt werden müßte, dann kämen täglich auf einen Gewerbemedizinairat im Durchschnitt 8 7,4 Betriebe. Vor allen Dingen ist es notwendig, weibliche Gewerbeärzte abzustellen. Genossin Eg« verlangte insbesondere die Durchführung des Gesetze» vom 16. Juli 1327, das die Besch äs- tigung der Frauen vor und nach der Niederkunst regelt. Ohne weibliche Gewerbeärzte ist- die Durchführung dieses Ge- setzes illusorisch gemacht. Genossin Ego wies auf die Gefahren der Einwirkung der Frauenarbeit auf die Schwangerschaft hin. Di« arbeitende Frau muß sechs Wochen vorher die Arbeit nieder» legen. Unser Antrag fordert eine Aenderung der Rcichsverord- nung und die Erhöhung. des Wochengeldes um soviel, daß der v oll« Arbeits tterine rrst erreicht wird.. Preußen, hat schon seit dem Jahr 1901 an einem chcbammengesctz gv«b°,tct und 1932«inen Entwurf porgelegl, der allerdings nach-einem halb«» Jähr, in seinen wichtigsten Teilen schon wieder für ungültig erklärt wurde. Wir fordern durch unseren Antrag«in Reichsgesetz, das endlich allen siebammen die gleiche Ausbildung bringt. Redneru: wies dann aus den außerordentlichen Geburtenrückgang und aus die höher« Sterblichkeit besonders der arbeitenden Bevölke- rung hin, die zu verzeichnen sind, obgleich die Entbindungsheime der Krankenhäuser mit Gebärenden überfüllt sind. Wir unterstützen den Antrag der Forschungsanstall darin. 120 000 Mark jährlich für wissenschaftlich« Forschungen aus dem Ge- biet der Krüppelfürsoxge zu oerwenden. Zur Iugendwoht. fahrt forderte Genossin Eg« ständige Zuschüsse, um den Gesund- heitsdieisst an unserem Volke, namentlich an unserer Jugend, zum Wohl aller Volksgenossen zu verbessern. Genossin Ege stellte die ungeheure Zunahme der Erwerbslosen fest. Sie wies an einem Beispiel aus Kassel nach, daß b e i 2 0 0 000 Einwohnern 9 Prozent lt n t« r st ü tz u u g s b e dü r ftig e vorhanden sind. Zur Derbesserung von Sitte und Moral ist es not- wendig, vor ollem die«inderspeifung dauernd durchzuführen, und es ist nicht zu rechtfertigen, daß der Betrog von 1 Million Mark hierfür gestrichen wird. Die allgemein« Preisfteigerung gerade im vergangenen Jahre für die wichtigsten Nahrungsmittel um 25 bis 30 Prozent ist nicht mehr ernstlich zu bestreiten. Selbst Geheimrot Krahne Hot keine Erklärung dafür gefunden, daß die Zunahme d e r S t« r b l i ch k e i t im Jahre 1926 auf 1000 Personen 1l ,6, und im Jahre 1927 auf 1000 Personen 12,8 Prozent beträgt. Schlechte Wohnungsverhällnisse. zu geringe Einnahmen und die enormen Preisstelgerungen lassen die Menschen zugrunde gehen. Genossin Ege weist weiter auf verheerende Wirtungen von Frauen- und Kinderarbeit hin und erwähnt den Fall eines Kriegsbeschädigten, der seit zwei Iahren nichts verdient, so daß seine Frau und zwei Kinder von 9 und 12 Jahren sich durch schlecht bezahlt« Arbelt in der Tabakindustrie mit wöchentlich 10 Mark Verdienst unterhalten müssen. Besonders einzuschreiten ist gegen die immer noch geduldete Kinderarbeit aus dem Lande. Von 400000 Lolchkindern arbeiten 228 000 ständig, und 168 000 vor- übergehend. Das internationale Iugendschutzprogramm fordert die Beseitigung der Kinderbett. Welche verheerenden Wir- kungen heute zu verzeichnen sind, das zeigen die Gesundhestsverhält- nisse im kleinen Dietz a. d. Lahn. Dort sind 40 Prozent trank« Schul- linder vorhanden.- Äenofsin Ege behandcsic bei der Frage der Innung?»' k r a u t c n k o s s e n besonder? den' ini RÄchskag angenommenen Antrag, der fordert, daß die. Voraussetzung««.'far die Errichtung neuer Land-, Betriebs, und Innungskrankenkassen von den Oderoerstche-. rungsämter schärfer geprüft und die Genehmigung bei der B i l- dung lelstungsunfähiaer Kassen versagt ipird. wies nach, daß trotz des Beschlusses des Reichstages und des Erlasses des Reichsarbeitsminipers durch den preußischen Minister für Volks- Wohlfahrt nach wie vor kleinste Innungskrwrkenkassen errichtet werden. In diesem Zusammenhang ging sie auf«ine Eingabe de» chauptverbandes deutscher.Krankenkassen an das Wohlfahrt»- müiisterimn ein, den Vergüiungssotz für, jede ausgestellte oder um- getauscht« Ouittuirgskarte für die Invalidenversicherung auf IS Pf. festzusetzen. Der Minister hat trotz oller ihm nachgewiesenen Fälle diese Eingab« leider abgelehnt. In der weiteren Aussprache verlangte u. a. Frau Abg. Ehr» st mann(Soz.) ein staatliches Kontrollrecht über olle pri» vaten Wohlfahrtsanstalten und einheitliche Festlegung der Pflege- iätz«. Frau Abg. K i r s ch m a n n(Soz.) wandte sich gegen die B e- vorzugung konfessioneller Anstalten und erklärt«, die Arbeiteronstolten würden zurückgesetzt.(Minister ch i r t s i e s e r be. merkt in einem Zwischenruf, daß die?lnstalle» im Verhältnis zu ihren Leistungen und der Zahl ihrer Beamten dotiert würden.) Di« Rednerin verlangte ferner weitere Mittel für Kinderspeisungen. Kinanzdebatte in Paris. Die Opposition uneinig.— Das positive Programm der Sozialisten. Part», 24. Januar.(Eigenbericht.) Der Leginn der sei» langem mit größter Spannung erwarteten Finanzdebatte in der Kammer bracht« dem Publikum, das in Erwartung scharfer Zusammenstöße und sensationeller Zwischenfälle in Massen Galerien und Tribünen gestürmt hatte, zunächst eine Enttäuschung. Nach den Ankündigungen der letzten Tage hatte man erwartet, daß P o i n e a r r am Dienstag die Dis- kujsion eröffnen werde. Er hatte jedoch in letzter Minute diesen Plan ausgegeben, um zunächst die Interpellanten zu Wort toirfmen zu lassen und sich für seine Intervention den taktisch günstig- stcn Moment auszusuchen. � Eine der größten Ehancen für Poincare ist. daß auch. diesmal wieder seine Gegner uneinig und imurllch gespalten sind. Die Radikalen, deren Kammersraktton am Dienstag zusammengetreten war. um sich über ihre endgültige Haltung in der Finanzfrage schlüssig zu werden,»st wiederum zukeinerEini- gung gelangt. Ein« vom Abgeordneten M a lvy ausgearbeitete Resolution wurde zwar angenommen, e» tonnte jedoch über die Taktik, die bei der Endabstimmung eingeschlagen werden soll, eine Einigung nicht erzielt werden. In der Kammer ergriff als erster der sozialisilschc Abgeordnete vedouce das Wort. Einleitend erklärt« er, daß es sich bei dieser Diskussion um Fragen handele, die von der gesamten Bevölkerung gestellt wer- den und deren klare Beantwortung dos ganze Land erwarte. Die sozialistische Partei werde gewöhnlich als destruktiv bezeichnet, doch rvärc gerade sie es gewesen, die infolge der mangelnden Initiä- tioe der bürgerlichen Parteien ein konstruktives Sonic- rungsprogramm vorgelegt habe. Bedouce erörterte hierauf ausführlich die Ursachen der Währungskrise. Schon während des Krieges wären große Fehler gemacht worden, da man es ablehnte. das Kapital der Bürger zu mobilisieren und dem englischen Desspiel, einen Krieg mit Steuern und nicht m.t Anleihen zu finanzieren, zu folgen. Erst aus ein Ultimatum der Soziolistsschen Partei hin sei im Jahre 1917 ein« Einkommensteuer eingeführt worden. Später habe man sich mit der Versicherung begnügt, daß Deutschland olles bezahlen werde. Die französischen Sozialisten hätten später den Frieden von Versailles abgelehnt, weil sie es für ausgeschlossen hielten, daß Frankreichs Schulden von Deutschland bezahlt würden.- Der Traum der deutschen Milliarden habe sich auch bald in Nichts aufgelöst und dos französische Defizit sei bis 1924 auf über 300 Milliarden Franken gestiegen, nachdem die Widerstände gegen die erforderliche Besteuerung weiter angedauert hätten. Schuld an dem Zusammenbruch sei also vor allem die Steucrdesertion dcs Kapilals gewesen Bedoucc schloß mit einer Ausführung über die Ausgaben der Stabilisierung. Die Sozialisten fordern«ine Stabilisierung zum jetzigen Kurs.'' Der Metattarbeiterkampf. Die Aussperrung der mikteldeuf scheu Metall- arbeit er wird rigoros durchgeführt. Alle Metallindustriellen Mitteldeutschlands haben in Ihren Werken am Dienstag durch Zln- schtag bekanntgegeben, dah die Werke stillgelegt und d i e Vetegschasten ausgesperrt werden. Bei den kleineren De- trieben, wie in Iliemberg und Harzgerode, ist die Aussperrung bereits am Montag vollzogen»vorden. Nach wie vor herrscht bei der mitteldeutschen Melallarbeiler- s6)asl mu st erhaste Disziplin. Weder von der Desperado- Politik der Kommunisten, noch von den brutalen Mohnahmen de? Unternehmer lassen sich die mitteldeutschen Metallarbeiter ins Docks- Horn jagen. Stillegung des Eisenhüttenwerks Thale. Thale a. h., 24. Januar Auf Beschluß des Eisenhüttenwerks Thale wurde Dienstag früh ü Uhr die produktiv« Arbeit auf dem Werk eingestellt Die Beleg- schaft desteht aus 3943 Männern und 278 Frauen. D'« Notstandsardeiten werden von 19 9 Mann erledigt. Es find dazu Kriegsbeschädigte und Lehrlinge herangezogen worden, mit denen ein Bertrag eingegangen wurde. Weshalb die Verbindlichkeitserklärung unterblieb. Einer offenbar aus dem Reichsarbeitsministerium stammenden Meldungei, zufolge wurde der Schiedsspruch im mitteldeutschen Metällarbciterkampfc deshalb nicht für verbindlich erklärt, weil die Kluft zwischen den Forderungen der Unternehmer und der Arbeiter sv groß ist,'daß eine Einigung ausgeschlossen erschien, und weil in- zwischc-i mich etwa 25 99Ö Arbeiter in den Streit getreten waren. Der Schiedsspruch des Schlichters sah eine Erhöhung der Spistentöhne um drei Pfennige vor, während die Arbeiter eine Erhöhung um IZ Pf. gefordert hatten. Die Magdeburger Metallarbeiter. Vertrauen zu der Führung.— Zurückweisung kommunistischer Quertreibereien. Magdeburg, 24. Januar. In der Versammlung, der streikenden Metallarbeiter Magde- burgs am Dienstag vormittag in der Stadlhalle zu Magdeburg wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: Di-: hin 24: Januar 1928 in der Stadthalle zu Magdeburg versammellcn b99E— 7999 streikenden Metallarbeiter begrüßen die richli- gen Maßnahmen der Organ isationslcttung vor und während des Kampfes. Ebenso wie die Funktionäre des Bezirks und der Bcrwalmng, weifen die Slreikendci, die unbefugte Einmischung der K o m in ü n i st I s ch e n Partei und ihrer Presse in die Führung des Kampfes auf das e n t- > chk e d e n st« zurück. Mit gleicher Entschiedenheit verurteilen die Metallarbeiter die den Kämpfenden gegenüber eingenommene ieintliche Einstellung und Berichterstattung einzolncr bürgerlicher Presseorgane. Gestärkt durch die von den Arbeitgebern vorgc- nornmene Aussperrung geloben die Aersammelten, in inustergülttger Disziplin einig und geschlossen in unerschütterlichem Ber- iraucn zu ihrer Leitung im Kampfe bis. zum siegreichen Ende aus- znharren. Äie Metallafbeiier zählen sich! Zusammenschweißung durch die Aussperrer. Der Deutsche Metallarbeiterverbond defiirdet sich seit Jahresfrist in einem außerordentlich erfreulichen Auf- st i e n. Ini 3. Vierteljahr 1927 konnte bereits dl« Rekordziiier von 43099 neuen Mitgliedern gebucht werden. 39999 neue Mit- glieder sind i m 4. Viertelsahr 1 927 Hinzuge. kommen. Insgesamt beträgt der Mitgliedergewiun im Zahre 1927 l40 4l2. Das ist der grüßte normale Zugang, den der Verband seit seinem Vestchen in einem Jahr zu verzeichnen hat. Ende 1927 zählte der Deutsche Metallarbeiteroerband 815 814 Mitglieder. Die Auinohnren holten werter an. Die Einführung der ge- planten Invaliden unter st ügu n g erweist sich schon jetzt als eii, recht kräftiges Zugmittel. Im übrigen sorgen die Unternehmer, wie jetzt in Mitteldeutschland, durch ihre rigorosen Aussperrun- gen kräsrig s ü r d e n Anschluß der unorganisierten Metallarbeiter. So ist die Hoffnung begründet, daß der DMA. bis zu seinem Lecbandstag in Karlsruhe im August d. I. einen Mitgliederbestand von 990 999 erreichen wird. Vachverhandtungen mit der Nordwestlichen. Essen, 24. Januar.(Eigenbericht.) Am Dienstag wurde endlich«in« Vereinbarung über die festen Zulagen für die A k k o r d a r b e i t e r in der Metallindustrie N o r d w e st erzielt. Danach wird die Zulage rück wirkend ob 1. Januar 1928 von 19 Pf. auf 21 Pf. erhöht. Bezug- lich des Lo h n a u s g l e i ch s verliefen die Verhandlungen e r- gebnislos. Diese Frage soll am Freitag nochmalz.be- handelt werden. Vertagte Verhandlungen. Lieber die Gehälter der Vehördenangestelltea. Die Berliner Schlichtungsoer Handlungen zur Rege- lung des Gehaltsstreits der Behördenangestellten führten. am Dienstag noch zu keiner Emscheidung. Di« Verhandlungen wurden vertagt, da die Parteien zunäck.st zu den vom Schlichter ge- machten Vorschlägen unter sich Stellung nehmen sollen. Am Donnerstag werden die Verhandlungen fortgesetzt. Kommunistische Schwindeltatttt. Bochum. 24. Januar.(Eigenbericht.) Die kommunistische P x« s s e, die aus der Konferenz der Ruhrbergarbeiter am letzten Sonntag eine ebenso verdient« wie selten scharfe und einmütige Abtuhr erfahren hat, erzählt leichtgläubigen Gemütern, daß im Gegensatz zu einer angeblich früher vorhandenen entgegengesetzten Meinung der Vergorbeitersührung zugleich mit der Kündigung des Lohntarifs auch die Kündigung des Ueberarbeitsab kommen? beschlossen sei. Sie stützt sich dabei auf einige bürgerliche Blätter, die ebepso schlecht informier: sind wie die kommunistische Press«. Auf Grund zuverlässiger Informationen muh festgestellt werden, daß es nicht einen Organisationsführer gibt, der sich mit dem Neberarbeitszeitabkommen abgefunden hätte. Es gab nur einige Meinungsverschiedenheiten taktischer Natur. Wie wenig von irgend- welchem Gegensatz zwischen Masse und Führung gesprochen werden kann, ergibt sich am besten daraus, daß ein« Festlegung auf die Die im Gelbe wühlen. Die Notlage der Nankangestellten. Der„Reichsverband der Bankleitungen", die Organisation der Unternehmer im Bankgewerbe, versendet zu den S ch u l e n t l o s- sungsterminen an die Direktoren der Berliner höheren Schulen Zirkulare, in denen er die Leiter bittet, bei der Berufs- berawng auf die glänzenden Z u k u n f t s m ö g l i ch k e i t« n, die der Beruf des„Bankbeamten" bietet, hinzuweisen. Er vergißt nicht, zu betonen daß gerade die Bankbeamtensckost sich in so gehobener Stellung befinde, daß man sie als den neuen„Mittelstand" ansprechen könne. Mit dieser Beeinflussung versuchen die Unternehmer natürlich, ihre ganz besonderen gel>eimen Wünsche zu fördern. Indem sie die jungen in das Leben tretenden Schüler für den Bankberuf.zu be- geistern versuchen, horsen sie. das Angebot von Arbeits- k r ä f t e n so zu erhöhen, daß zwischen den gebotenen A r- beitsmöglichkeiten und der N a ch s r a g e ein großes M i ß- Verhältnis entsteht, das im Sinn« der Herabsetzung der Löhne und der Verschlechterung der Arbeits- bedlngungen für die Angestellten ausgenützt werden soll. Es kann jedoch gar nicht genug gewarnt werden vor dem Ein- tritt in das Bankgewerbe. Nichts von all dem Schönen, das dle Unternehmer dem hofsnunosvollsn jungen Anfänger versprechen. wird sich bewahrheiten. Beispielsweise erzählt die„Deutsche Bank" in einer von ihr herausgegebenen Werbeschrift, daß sie durch.Ber- träge mit befreundeten auslandischen' Banken ihren Angestellten die' Möglichkeit gewährt, die Lehrstudien eventuell auch im Ausland« fortzusetzen. Zwar nennt sie nicht die Zahl der von ihr bereits nach anderen Ländern geschickten Lehrling«, aber man erfährt, daß die Menge der von den ausländischen Baaken nach Deutschland ge- schickten Lehrlinge die pompöse Ziffer 19 noch nicht erreicht hat! Danach kann man sich ungefähr ein Bild machen, wieviel Lehrlinge der„Deutschen Bank" in das Ausland getommen sind. Wie aber steht es mit der Oualifikätion zum„neuen M i t t e l st a n d",. den. die Bankvewaltigen ihren Angestellten gern .zugute kommen lassen wollen. Man kann wohl sagen, daß kaum eine Berussgruppe so proletarisiert wurde, wie die Bank- angestellten. Den Angestellten im Bankgewerbe schützt nichts vor der Verelendung im Alter. Trostlos sind die Aussichten. Doch nicht genug damit, haben die Bankherren noch ganz befand«« Methoden. Schon sehr frühzeitig, wenn die Angestellten eine höhere Gehalts st ufe erreicht haben, werden sie abgebaut und an ihrer Stet!« jung«, für die Bankleitung billige Mädchen, engagiert. Die immer mehr zimehmende Mechanisierung der Betriebe durch Maschinen tut ein übriges, um die Fortkommens- Möglichkeiten zu schmälern. Noch ein Wort über die B« z a h l u n g. Die Löhne der Bank-- angestellten stehen auf einer Stufe, die jeder Beschreibung spottet. Es werden Monatsgel'älter von 125 M. bis 259 M. gezahlt für den Durcksckniit der Angestellten. Für diese Be.tahlung aber hat der Angestellte noch die Verpslicbwna, sich in Anbetracht(e!ne-s Schalterverkehrs mit der Kundschaft möglichst gut zu kleiden. Die mit so'cken Gehältern bezahlten Angestellten l)ab«ii aber, der Eigenart ihres Berufes entsprechend, noch eine große Verant- w o r t u n g zu übernehmen. Täglich gehen große Summen und riesige Effektendepots durch ihre Hände. Es zeugt von der großen moralischen Höhe der Ange st«Ilten, wenn man so wenia von Unterschlagungen im Bairkgewerb« kört. Aber etwas anderes hat dafür Platz gegriffen. Es ist eine Verschuldung der Angestellte« eingetreten, die gefährliche Formen anzunehmen droht. Das Gehalt reicht für manche, insbesondere für die Derbeirateten, kaum aus, um die nötig st e n Schulden zu decken, ganz zu schweigen von den Notwendigkeiten des täglichen Lebens. Der setzt gültige Tarifvertrag für das Bankgewerbe läuft in diesem Vierteljahr ab. Es wird einen schweren Kampf geben, den Willen der Lankleitungen zu brechen, die trotz ihrer unge- heuren Verdienste die Ange st eilten weiter hungern lassen wollen. Der neu« Tarif muß der Verelendung d« Ange- stellten im Vankgewerbe Einhalt gebieten! Die Bankiers wer- den aui Bitten nicht reagieren; nur wenn der geschlossene Wille der Angestellten sie zwingen wird, werden sie nachgeben müssen. Um diesen Kamps siegreich zu beliehen, muß sich aber auch der letzte Angestellte seiner sreiecwerksckaftlichcn Orgenrsation, dem„Allge- meinen Verband der Deutschen Bankangestellten", anschließen l Kündigung des Ucberarbeitszeitabkommens durch die Führung selbst veranlaßt worden ist. Dazu bedurfte es bestimmt nicht des„Druckes" der 34 Kommunisten— ein verschwindendes Grüppchen in der Masse der Delegierten, die fest hinter der Vcrbandsleitung steht. Albert Thomas in Berlin. Direktor T h o m a s vom Internationalen Arbeits- a m t frattete gestern Dienstag in Begleitung des Sektionschcfs T o n c auf der Durchreise dem Reichsarbeitsminister Dr. Brauns und dem Staatssekretär im Reichsarbeitsministerium Dr. Geld seinen Besuch ab. Bei dieser Gelegenlfeü wurde eine Reihe schwebender Fragen erörtert. Im Anschluß daran besichtigte Direktor Thomas die so- eben im Reichsardettsmimsterium. fertiggestellte Ausstellung über die Areitsgediete des Reichsarbeitsmimsteriums. Buchöruckerkampf in Oesterreich. Aussperrung in Linz, passive Resistenz in Graz. Dle hiesigen Unternehmer im graphischen Gewerbe mit Ausnahme des Berlags der sozialdemokratischen Zeitung„Tagblatt" haben tnsplge der verschärften passiven Resistenz der Buch- drucker die Aussperrung des gesamten Personals >a dos technische Personal der Grazer Druckereien seine passive Resistenz verschärst hat, mußte der Umfang der Zeitungen stark ein- geschränkt werden. Nur der sozialdemokratische„Arbeiterwille" bleibt vom Lohnkampf unberührt, da die Forderungen seines Personals «füllt wurden. Oie Friedensverhandlungen in England. London. 24. Januar.(Eigenbericht.) Der Generalrat der britischen Gewerkschaften hat am Dienstag beschlossen, die Berhandlungen mit den Unternehinern fortzusetzen. Es wurde zu diesem Zweck eine besondere Unter-- k o m m i s f i o n«ingesetzt. Die dem Generalrat der britischen Gcwerk- sck-aiten angeschlossenen Gewerkschaften sollen sortlaufend über den Gang der Verhandlungen unterrichtet werden. Das Verhalten des Vergarbeitersekretärs Cook, der sich in Wort und Schrift entschieden gegen die Haltung des Generalrats wegeik seiner Berhandlungen mit den Unternehmern gewandt hatte, fand s ch ä r f st e Kritik. El y SPD.-iluiiestcllt» und Arbeit»« der BEK.-Apperates-brikcii Treptow i i ...—--*-1 Lokal f' i k; und Friedenau, Rh« in st ratze! Freitoz, 27. Januar, IS Uhr, im Lokal tzschiciing, AckerNr. 1. Fraktione-versammlung. wozu sämtliche Genossen erscheinen inllslen. Synipathislerendc Nolleaen können cingenihrt werden. i Der Araktwnooorstoud. Frei» Gewerklck-aiUjuaeu» Srotz-Berlia. Heute, Mittwoch, ISZh Uhr, tagen die Gruppen: Reukelln: Gruppenheim Jugendheim Bergstr. 2g, Hof. Sächsisches Allerlei.— SSbwesten: Sruppenheim S-ädrisches Jugendheim vorckstr. n. Fabrikgebäude. Voriran:.. Ar n) erksch« i t oka«! pke einst und jetzt,"— R-rdriag! Sruppenheim Iusrndhekm Sdcrswalder Str.'. 0- Vortrag:„Die Untrrnrbmcr? organlsat oncn."— Vaumschulenweg: ZugendbeiiN Vaumschulenweg, grnftfa. 1*. Liebkiiechl-Liiremburg-iSedenkitundc.— Wcitzcnse«: Jugendheim Parislr. Sä. Lichtbildcroortrag:„Ans Schneeschuhen durch das Riesengebirge."— Zentrum: Jugendheim Zehdenicier Str. Sin großer Tag in der Berliner Stadt» verordnetenvei faminlung.?ridlln!nhesucher willkommen.— Oftkrei«: Augendkursus im Jugendheim Diehelmeyerstt. 5.„Gewerkschaftlich« Jugendarbeit— Gcwerkschastliche Jugendbewegung." Zugeudgruop« de«?HA. Heute. Mittwoch, Ifl'.i Uhr, finden folgende Ber» anstgltungcn statt: Bezirt Rordweft: Realgnmnasium Schleswiger User 14. Voriraz:„Vürgcrltche und proletarische Iugindbewcguna" tLewinsli). Bezirk Spandäu: Jugendheim Lindenuier t Unlerhaltungsobend.— Bezirk Osten! Augendheim Litauer Sir. 18. Diskussionsabend über Spo rtbewegung.— Bez'rt Reoiölln: Iugcndhemi Böhmische Str. 1/4. Sir„feiern" W...... Geburts. tag?!— Bezirk Wcddiun Gesunbbrpuueu: Jugendheim Schönstedtstr. 1 tLedigcn. heim b Tr.). Ausspracheabend:„Rund um den Schund." «Sewerkschnst Deutscher«olkslehrer, Prooinzialvcrbond Bertin. Rächsio Sihnng Donnerstag. R. Januar. 19Zi Uhr, im Haute Voststr. 1«(Ecke Molken.> markt), t Stock, Zimmer 36. Tagesordnung: 1. Der Hehrer recht(Referent: Prof. Halle. M. d. R.), 2. Verschiedenes. im neuen Straf« Berantwortlich fllr Politik: Dr. Nurt Seher: Wirtschaft:«. Nttngelhöser: Gewcrklchaslsbewegung: Z. Steiner; Feuilleton: tt. S. Dilcher: Lokales und SanNines: Frih NarNädt: Anzeiaen: Th. Slocke. fämtiich in Berlin. Verlag: Borwärls-BcSag G m. b H.. Berlin Druck: Vorwärts-Buchdriickeret und Lerlagsanstolt Paul Sinaer u So.. Berlin ST 68 Lindenftratze 3. Hierz» 1 Beilage»uh„lloterhaltnag»ab Bitze»". 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Bertin O 17, Koppenstr. 6, IL i! i Belllcöcrn Adoll Pohl Dresdener Straße IS -Fai riogebäude 7cr. 4�» 45. Jahrgang Mittwoch, 2S. Januar �V2» Das Rätsel der Landsberger Allee. Es bleibt nur eine Gasexplosion übrig. In der Landsberger Allee fand, wie seinerzeit mitgeteilt, am 7. d. M. oine erste Besichtigung der Unglücksstelle statt. Die Lach- »erständigen konnten damals zu einem bestimmten Ergebnis schon deshalb nicht kommen, weil vieles, was für die Untersuchung wesent- lich war, noch unter den Trümmern log. Unter Aufsicht der Kriminal- Polizei und der Feuerwehr wurden seitdem die A u f rä u in u n g s- arbeiten mit aller Vorsicht und Sorgfalt sortgesetzt und endlich abgeschlossen. So konnte gestern die schon damals in Aus- ficht genommene zweite Besichtigung stattfinden. Daran nahmen wieder Staatsanwaltschaftsrat Keiler, Kriminalrot Gennot, Kriminalkommissar Bunge und der Chemiker Prof. Dr. Brüning vom Polizeipräsidium, außerdem Dr. Mathias vom Kaiser-Wilhelm- Institut, Geheimrat Ritter vom Chemischen Reichsinstitut, Baurat Buson von der Feuerwehr, Major Müller von der Schutzpolizei, Gewerbe- und Bauräte des Magistrats und Sachverständige der Gaswerke teil. Festgestellt wurde zweierlei: Eine Benzincxplosion, von der neuerdings Gerüchte wissen wollten, ist nicht die U r- fach«. Benzin als Triebkrast ist seit Jahren in dem Fleischerei- l'etrieb im Keller nicht mehr verwendet worden. Der Benzintank stand seit Jahren leer und wurde ganz intakt vorgesunden. Auch die A m m o n i a k a n l a g e ist intakt, bis ans einige Brüche. die durch herabfallende Trümmer verursacht worden sind. Hiernach Z-lieb also nur eine Gasexplosion übrig. In den Gas- äsen, die zur Aufrechterhaltung einer Temperatur von 10 Grad in den Kühl- und Pökelräumen dienten, kann eine Explosion sich euch nicht ereignet Habelt, denn auch sie sind wenig beschädigt. Die Höhne standen nicht ganz aus. Dos erklärt sich daraus, daß zur Ausrcchterhaltung der gewünschten Temperatur mittlere oder kleine Flammen genügten. Noch Aussage der Arbeiter sind die Oelen seit dem 23. Dezember über die Weihnachtsseiertage hinweg bis zur Zeit der Explosion ununterbrochen im Betrieb gewesen. Auch rvähreird der Streiktage wurden sie van Bcauitragten der Geschästs- leltung kontrolliert. An der neuen Gaszufuhr von der Straße her ist der Wassersack aus der Straße voll Wasser gewesen, hätte also eine etwaig« Bruchstelle gesperrt. Die Explosion kann nur in den töellergängen erfolgt sein. Diese verschiedenen Gänge haben keine Aerbindungstüren, so daß sie sich in der ganzen Aus- öehnung mit Gas anjüllen könnten. Aus den beiden Gasöfen kann, auch wenn die Flammen er- loschen waren, noch Ansicht der Sachverständigen keine so große Menge ausgeströmt sein, wie sie vorhanden gewesen sein muß, um die Verheerungen anrichten zu können. Es muß alsa irgendwo eine größere Oeffnung vorhanden gewesen sein. An der Zuleitung von der Strohe her ist der Verschlußkopf vorhanden gewesen. Von hier kann kein Ga? in den Keller gelangt sein. Die Gasösen hotten ein Abzugsrohr in Schornsteine hinein. Einer dieser Schornsteine war zwar abgedichtet, hatte aber trotzdem noch Zug. Entzündet kann sich das Gas an einer Flamme der Oefen hoben. Es muß dann in kurzer Zeit in so großer Menge ausgeströmt sein, daß die Flamme nur einen ganz geringen l�eil verzehren konnte. Baupolizei läßt Besselstraße 22 räumen. Am 28. Juli 1027 berichteten wir an dieser Stelle über den be- fröhlichen Zustand des Hauses B e s s e l st r. 22. Die Baupolizei hat daraufhin die Fundamente des Hauses geprüft. Das Haus steht ebenfalls aus Moorboden. Schon seit Jahren haben sich die Grundmauern gesenkt. Die dadurch entstehenden Risse wurde» irniner größer, so daß gestern die Baupolizei bei einer erneuten Prüfung des Hauses die Räumung beschloß. Dos Haus B e s s e l st r. 2 2 ist im Jahre 180? neu erbaut worden, nachdem an dieser Stelle ein Wohnhaus gestanden hatte, und war von dem, den alten Berliner noch bekonnten R c st a u- rateur Sternecker ans Schloß Weißens« errichtet worden. Schon beim Bau des Hauses entstanden große Schwierigkeiten, und Sternecker hat hier«inen erheblichen Teil seines großen Vermögens eingebüßt, da man an dieser Stelle der südlichen Fricdrichstadt keinen Baugrund finden konnte. Die ganze Gegend ist nämlich durch den im 18. Jahrhundert von der Ehorlottenstraße zum .Kupfergraben führenden sogenannten„H u n de g r o b e n", ein kleines schmutziges Gewässer, total o e r s u m p f t worden. Der Bau des bekannten großen Geschäftshauses in der Friedrichstrahe, gegenüber der Besselstroßc, hatte den Architekten ungeheure Schmie- rigkeitcn bereitet, und fast 20 Monat« liefen dort ungeheure Kreiselpumpen, um den Grundwasserspiegel zu senken, bevor man riesige Holzpfähle durch den Morast in festen Kiesboden hinein- treiben konnte. Das Haus in der Besselstraße hatte schon in der Inflation die ersten Zeichen von Senkungen der Grundmauern ge- geben, doch wurden damals diese Warnungszeichen nicht genügend beachtet, zumal auch die Besitzer nicht über die nötigen Mittel oer- fügten, um grundlegende Arbeiten vornehmen zu können. Vor einigen Monaten entstanden jedoch große und sehr bedenkliche R i n E im ganzen Hause. In der dritten Etage siel eines Margens der Stuck van den Decken in zwei Wohnzimmern herab und wenige Tage später zeigte sich hinter dem Ofen ein Riß, in den man bc- quem die Faust hineinlegen kann. Vor wenigen Togen trat nun ein« neue bedenkliche Senkung ein, so daß im Erdgeschoß und in der ersten Eloge sich die Fensler nicht mehr öffnen lassen und auch die Türen zum großen Teil klemmen. Nachdem sich im oberen Teil des Hauses noch weitere Risse gebildet hatten, verfügte die Baupolizei, daß die Mieter und Geschästsleutc bis zum 16. Fe- br u n r dos Haus räumen müssen, da die Senkung nicht zum Stillstand gekommen ist, sondern Gefahr besteht, daß eines Tages das Gebäude in sich zusammenstürzt. Cr will sich nicht untersuchen lassen. Wegen grober Beschimpfung der Republik mor der Zeitungshändler Eickhoff, ein Anhänger des Wcrwolfs, kürzlich vom Schöffengericht zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der Angeklagte hatte sich, wie auch schon früher in anderen Verhandlungen gegen ihn, so ausfällig benommen, daß der Strafkammer, die sich mit der Verufiing zu beschäftigen hatte, Bedenken ansgesiiegcn waren, ob(f. ganz richtig im Kops« sei. Do? Gericht hatte ihm daher ausgegeben, sich von dem Gerichrsarzt Medi- zinolrat Dr. Störmer untersuchen zu lassen. Ais gestern gegen E. die Berufungspe, Handlung ftatlfinden sollte, stellie sich heraus, daß der Angeklagte sich dieser Untersuchung geflissentlich entzogen hatte. Er verweigerte dem Gericht auch jede Auskunst, weshalb er seinerzeit aus dem Militärvcrhältnis entlasten worden war. Auf das gütliche Zureden von«taotsanwaltschaftsrat Kirschner, sich in seinem eigenen Interesse zur Untersuchung zu dem Gerichtsorzt freiwillig zu begeben, hotte der Angeklagte eigensinnig nur die Ant- wart:„Ick lasse mich nicht untersuchen, lieber erschieße ich mich." Die Verhandlung mußte vertagt werden, und das Gericht wird jetzt genötigt j?in, cnsjprechendc Zwangsmaßnahmen zu treffen. Nochmals Wohnungsprozeß Kreuzberg. Bor der großen Strafkammer des Landgerichts I begann gestern die Berufungsverhandliing in dem Wohnungsschicbungspra.zeß beim Wohnungsamt Kreucherg. Es handelt sich hierbei um die S ch i e- b u ng e n, die mit den sogenannten weißen Zuwci- sungskarten gemacht worden waren. Gegen das vom Schössen- gericht Mitte am 23. Mai o. I. gefällte Urteil hatten sowohl die A n- geklagten als auch der Anklagevertreter B c r u s u n g eingelegt. Bei'Beginn der Berujungsvcrhandiung zogen sämtliche anderen Angeklagten, die verurteilt worden waren, ihre Berusiing zurück lind auch«toaisanwaitschaftsrat Dr. Seidenspinner nahm die von ihm eingelegte Berufung zurück, so daß die Urteile rechts- kräftig wurde». Nur der wegen Bestechung zu drei Monaten flleitscheit. Göttern gleich... 1] Roman von Herbert George well?. Erstes Such. Der Einbruch der Erdlinge. ZNr. Barnstaple gehl auf Urlaub. 1. Mr. Barnstaple fand, daß er dringend einen Urlaub brauchte: nur wußte er niemanden, mit dem oder zu dem er hätte gehen können. Er war überarbeitet und hielt es zu Haufe nicht mehr aus. Barnstaple hatte von Natur aus ein starkes Tempera- ment. Seine Familie liebte er innig, so daß er sie durch und durch kannte und sie ihm entsetzlich auf die Nerven fiel, wenn er in so niedergedrückter Stimmung war. Seine drei heran- wachsenden Söhne schienen von einem Tag zum andern lang- beiniaer und größer zu werden. Wollte er sich in einen Sessel setzten, so saß sicher schon einer von ihnen darin: sie verjagten ihn von seinem Pianolo: sie erfüllten das Haus mit einem gellenden und nicht endenwollenden Gelächter über Witze, die nicht zu erzäblen waren. Sie störten ihn bei den späten, harmlosen Liebeleien, die bis dahin sein bester Trost in diesem Jammertal gewesen waren: sie schlugen ihn im Tennis; sie rauften miteinander voll Uebermut auf den Treppenabsätzen und sausten zu zweit und dritt unter gc- waltigem Getöse die Stiegen hinunter. Ihre Hüte lagen überall umher. Sie kamen zu spät zum Frühstück. Jeden Abend beim Zubettegehen erhoben sie ein Sturmgebrüll: Uahul uahu! uahu!... bums!" Und ihrer Mutter schien dies zu gefallen. Sie alle kosteten Geld und setzten sich heiter über die Tatsache hinweg, daß alles, mit Ausnahme von Barnstaples Arbeitskraft, teurer geworden war. Und wenn er bei den Mahlzeiten einige schlichte Wahrheiten über Mr Lloyd George äußerte, oder wenn er den leisesten Der- such machte, den Ton des Tischgespräches über das Niveau des dümmsten Tratsches zu erheben, wandten sie ihre Auf- merksamkeit ostentativ ab... Auf jeden Fall schien es ostentativ. Er hatte das starke Bedürfnis, von seiner Familie fort, irgendwohin zu gehen, wo er in Ruhe mit Stolz und Liebe an seine Angehörigen denken konnte, ohne andererseits von' ihnen gestört zu werden Und ebenso wünschte er dringend, für einige Zeit von Mr. Peeve loszukommen. Nie wieder wollte er eine Zeitung oder eine Zeitungsankündigung sehen; jede Straße selbst wurde ihm zur Qual. Er war von der Furcht vor einem finanziellen und wirtschaftlichen Zusammenbruch be- sessen, gegen den der Weltkrieg bloß als ein geringfügiger Zwischenfall erschienen wäre. Und das nur aus dem Grunde, weil er zweiter Redakteur und Faktotum beim„Liberal" war,. jenem bekannten Organ, welches die kleinmütigen Ansichten innerhalb der fortschrittlichen Meinung vertrat, und weil der unentwegte Pessimismus des Mr. Peeve, seines Chefs, ihn immer mehr ansteckte. Früher war es noch möglich gewesen, Mr. Peeve eine Art Widerstand entgegenzusetzen, indem man sich mit den anderen Angehörigen der Redaktion über seinen Trübsinn verstohlen lustig machte,'aber jetzt gab es keine an- deren Redaktionsmitglieder mehr: in einem Anfall finanzieller Verzagtheit hatte Mr. Peeve sie alle abgebaut. Tatsächlich schrieb jetzt außer Barnstaple und Mr. Peeve niemand mehr regelmäßig für den„Liberal". So stand nun Mr. Barnstaple ganz unter Peeves Einfluß. Der konnte manchmal zwei Stunden nacheinander zusammengekrümmt, die Hände tief in den Hosentaschen, und alle Dinge von der düstersten Seite betrachtend, auf seinem Redaktionsstuhl hocken. Die natür- liche Veranlagung Barnstaples war aus bescheidene Hoffnun- gen und auf den Glauben an einen Fortschritt gerichtet, aber Mr. Peeve hielt hartnäckig daran fest, daß es um mindestens sechs Jahre zu spät sei, an einen Fortschritt zu glauben, und daß die Hoffnung auf den Liberalismus sich bestenfalls am Tage des Jüngsten Gerichts erfüllen werde. Und wenn Mr. Peeve den Leitartikel, den der Redaktionsstob, als es noch einen gab, dessen wöchentliche Magenverstimmung nannte, fertiggebracht hatte, gintz er fort und überlieh es Mr. Barn- staple, den restlichen Teil des Blattes für die nächste Woche zusammenzustellen. Schon in normalen Zeiten wäre es schwer genug gewesen, mit Mr. Peeve zusammen zu arbeiten: aber die Zeiten waren nicht normal. Sie waren erfüllt von unangenehmen B«- gebenheiten. die seine trübseligen Ahnungen nur zu berechtigt erscheinen ließen. Die große Grubenaussperrung dauerte be- reits einen Monat und ließ den kommerziellen Zusammen- bruch Englands vorausahnen; jeder Morgen brachte aus Jr- land Nachricht von den neuen Beleidigungen, von unverzeih- lichen und unversießbaren Schmähungen: eine anhaltende Dürre bedrohte die Welternte; der Völkerbund, auf den Mr. Barnstople in den glorreichen Tagen des Präsidenten Wilson riesige Hoffnungen gesetzt hatte, war zu trauriger und selbstzufriedener Bedeutungslosigkeit herabgesunken; überall Gefängnis verurteilte Magistratsrat Dr. Herbert Haupt- mann, der damalige Dezernent des Wohnungsamts Kreuzberg, hielt seine Berufung aufrecht und dementsprechend auch der Anklage- Vertreter, dem das Strafmaß zu niedrig erscheint. Insolgedessen wird die ganze Wohnungsgefchichte vor der Strafkammer n o ch mals aufgerollt werden, und es ist eine Berhandiungsdauer von drei Tagen in Aussicht genommen worden, lieber den Ausgang werden wir berichten. Wieder ein Todesurteil. Oer Abschluß des Caputher Mordprozesses. Nach zweieinhalbstündiger Beratung verkündete Landgerichtsrai Kaufmann das Urteil gegen den Mörder Schwarze der 20jährigen Martha John: der Angeklagte wird wegen Mordes zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurleill. Durch den überfüllten Gerichtssaal ging es wie eine Bewegung: die Braut des Verurteilten, Mutter seines ersten unehelichen Kindes und feine Schwester schuchzten laut auf, mit ihnen fchluchztcn verfchiedene aus dem Publikum. Schwarze ließ sich mit gesenktem Hauple auf die Anklagebank nieder. Gegen das Urteil ist rein juristisch nichts einzuwenden. Das Gericht hat unter all den vom Angeklagten gegebenen Darstellungen seiner Tat diejenige gewählt, die logisch wie psychologisch am annehm- barsten schien. Vom Kriminalkommissar Drägcr. der die linier- suchung geleitet hat, ist auf Schwarze in keiner Weis« ein Zwang ausgeübt worden. Im Bedürsnis, fein Gewissen zu erleichtern, hat er sich mit jeder Aussage der Wahrheit genähert, um schließlich ein vollkommenes Geständnis abzulegen. Kriminalrot Gennat hatte recht, als er noch Abschluß der Untersuchung sagte:„Allein dos Geständnis Schwarzes hat die Änsdcckung seiner Tat ermöglicht"—, ja allein sein Geständnis hat feine Ber- uncilung zum Tode ermöglicht. Wäre er raffiniert genug gewesen, die Tot als Affekihandlung darzustellen, man wäre nie imstande ge- wesen, ihm das Gegenteil nachzuweisen. Cr hat aber selbst erzählt, wie er sein Opfer i n d c r A b s> ch t, e s z u t ö t e n, n a ch C o p u t h gelockt, wie er sich aus dem Weg« dahin, nachdem er die John aus dem Potsdamer Bahnhof crworiet hatte, den Plan in allen Einzel- heilen zurecht gelegt, wie er sich vor der Tat Mut angetrunken, wie er Beil und Spaten bereit gestellt, wie er sein Opier durch Küssen in Sicherheit gewiegt, wie er unier dem Vorwand, austreten zu müssen, das Beil in„greifbor» Nähe" gerückt und dann an der Seite der «chlofenden liegend leise aufgestanden ist und ihr die beiden Hiebe, durch die die hintere«chädclkoppe abgetrennt wurde, versetzt hat. Alle diele Einzelheiten und noch andere mehr hatte Schwarze aus freien stücken geschildert. Das war juristisch«in« überlegte Tat, wie sie im Lehrbuche steht. Schwarze hat die Tat begangen, weil er für sein zweites unehe» lichcs Kind keine Alimente zahlen wallte: weil er sich des Kindes vor seiner Familie und seinen Caputh:r Bekannten schämte. Leichtlebig und leichtfertig hatte er die Konsequenzen seiner Tat nicht vorausgesehen. Empfang im Gtädtehause. Anläßlich der gestrigen V o r st a n d s s i iz u n g des Deut- f che n Städtetogcs hatte' Prästdeur M u l e r t zu einem Empfang im Städlehaufe in der Alseiistraße eingeladen, au dem außer den aus allen Teilen des Reiches erschienenen Mitgtiedertt' des Borstandes Vertreter der Reichsregierung, der preußischen Re-' gierung, der Parlamente, der Behörden, der Wirtssaft und der Wissensckast in großer Zahl teilnahmen. Als Ehrengast war Bürgermeister K e n d r i ck- Philadelphia mit seiner G-ttiin er- schienen. Unter den erschienenen Gästen bemerkte man u. a. Staats- sekretär Dr. Abegg, Minister Hirtsicser, den Vorsitzenden des ADGB. Leipart, die Oberbürgermeister Dr. Adenauer-Köln, Beims-Magde- bürg. Brocht-Esscn, Wagner-Breslau, Büigermeistcr Hiisch-Dort- munt», tockalz- Berlin. Reickstagspräsident Lobe, Laudtagspräsideiit Bartels, Oberbürgermeister a. D. Scheidemonn, Frau Luise Schroeder, Dr. Hertz, Abg. Leincrt. Stadtrat Reuter, Abg. Keil._ Nach Be- grüßungswarlen des Präsidenleu Dr. Mulert gab Bürge ru-eister Kendrick seiner besairdereu Freude darüber Aurdruck, im Kreise deutscher Beni'skallegeu weilen zu dllisen. Die amerikanischen herrschte Streit, überall Unrecht; sieben Achtel der Welt schie- nen in chronische Unordnung und soziale Auflösung zu' ver- fallen. Sogar ohne Mr. Peeve wäre es schwer genug ge- wesen, den Ereignissen die Slirne zu bieten. Mr. Barnstaple gab nun auch wirklich die Hoffnung auf, aber für Menschen seiner Art ist Hoffnung eine wesent- liche Würze, ohne die das Leben unverdaulich wird. Er hatte seine Hoffnung stets auf den Liberalismus und auf eine großzügige, freiheitliche Bewegung gesetzt, jetzt aber begann er zu glaube», daß der Liberalismus niemals mehr erreichen würde, als gekrümmt, mit den Händen in den. Taschen da- zusitzen, über die Rührigkeit tiefer stehender, aber energischer Männer zu grollen und darüber zu raunzen, daß ihre krabbelnde Emsigkeit die LSelt zugrunde richten werde. Tag und Nacht machte sich Mr. Barnstaple nun Sorgen um die ganze Welt: nachts noch mehr als tagsüber, da er keinen Schlaf finden konnte. Er war von der lsidenschaft- lichen Begierde behext, eine Nummer des„Liberal" heraus- zubringen, die sein ureigenstes Werk sein sollte, alles abzn- ändern, nachdem Mr. Peeve gegangen mar. den ganzen galligen Unsinn, den elenden leeren Hohn über das Unrecht auszumerzen, dieses Anglotzen von Grausamkeit und Un- glück, die Aufregung über die belanglosen, natürlich mensch- lichen Fehlgriffe von Mr. Lloyd George unter Berufung auf Lord(Brey. Lord Robert Cecil. Lord Lansdowne, den Papst, die Königin Anna oder auf Kaiser Barbarossais der K Hesebeck st raß«. Sie beschlagnahmten sie sofort, weil sie sie bestimmt erkannten. Der Geschäftsinhaber bellte sie von einem anderen Juwelier und dieser sie wieder von einem unbekannten Manne erworben. Die Schneiderin wurde jetzt erneut zur Rede gestellt, und als man ihr die Brosche vorlegte, gab sie auch zu, sie gestohlen zu haben. Den Pol; hat sie nach der Schweiz verschoben. Was sie mit dein Stoff gemacht hat. weiß sie nicht mehr. Der �ahrradmassendieb Hippman«. Der Fohrradschwindler Jakob Hippmann, der kürzlich lestgenommen wurde, nachdem er sich fast ein Jahr lang ollen Nach- jorschungen entzogen hatte, beschästigt immer noch die Kriminal- Polizei. Im Polizeipräsidium finden immer noch Gcgenüberstellun- gen mit Knaben und jungen Burschen statt, die durch die unzähligen tricks des Schwindlers um ihre Räder gekommen sind. Hippmann kannte jetzt i n 1 7 0 F ä l l c n. die in der Zeit vom Juli 1926 bis Ende Dezember 1927 verübt wurden, überführt werden Es ist aber immer noch nicht alles. Weitere»estohlene, die glauben, mit Hippmann zu tun gehabt zu haben, werten gebeten, sich bei der Dienststelle C. 5 zu melden. Inzwischen ist es auch g-lungen, den Hehler des Schwindlers zu ermitteln. Es ist ein„H ä n d- l e r" Sorchnen au» der Grenadier st raße, der ihm die meisten Räder, alles sehr gute Maschinen, für 20 bis 25 Mark das Stück abkaufte und sie in die Provinz weiter oerschob. Wenn er gerade Gelegenheit hotte, verkaufte Hippmann auch nmnittelbar an Abnehmer. Sprechchor für Prolekarssche Feierstunden. Die Uebungsstund« findet bestimmt am Donnerstag, dem 26. Januar, abends Vi8 Uhr, im Gesongsfaal der Sophienschule. Weinmeifterstraß« 16/17. statt „Um damit zu räumen." Ein reichliches Bündel liegengebliebener Anträge erledigt. Di« Stadtverordnetenversammlung rüstet zur Beratung des Stadthaushalts. den ihr der Stadtkämmerer am Donnerstag vorlegen wird. Gestern befreite sie sich zunächst von der hemmenden Lost alter Rest«, die zum Tell schon seit vielen Wochen, ja. seit Monaten immer wieder auf der Tagesordnung er- schienen sind. In der zu diesem Zweck anberaumten außerordent- lichen Sitzung erledigte sie eine beträchtliche Reihe Anträge. deren ältester schon seit Oktober der Erledigung harrte. Da das Haus nicht gut besetzt war. so wurden nur Reden gehalten und die Abstimmungen auf Donnerstag verschoben. * In der gestern abgehaltenen Sitzung der Stadtverordneten wur- den vornehmlich Anträge und Vorlogen beraten. Ein alte« Thema berührten die Demokraten mit einem Antrage, der sich mit der Bekeillguug der Stadt an privalwirtschaflllcheu Unternehmen befaßt. Etadtv. Meyer(Dem.) meinte in der Begründung, daß die Stadt den Betrieb eigener Unternehmungen soweit wie mögsich be- schränken müsse, daß es nicht ihre Aufgabe sei, mit Privatuntcr- nehmer zu konkurrieren, und daß sie sich lediglich auf Monopolbetriebe beschränken müsse. � Der Antrag verlangt schließlich eine Zusammenstellung darüber, an welchen Unternehmungen die Stadt beteiligt ist und welche Mitglieder der städtischen Körperschaften den Berwaltungen dieser Unternehmen an- gehören. Der Kommunist Tetz fordert« die Oefsentlichkeit des Go- schästs- und Finanzgebarens der städtischen Betriebe. Die A b st i m m u n g e n über alle verhandelten Tagesordnungs- punkte finden am Donnerstag statt. Die Austorderung des Provinzialschulkollegiums an die Schulleiter, aus Anlaß des Geburtstages de« Reichspräss- denten mit den Kindern an einer hindevburg.Ehrung teilzunehmen, war Anlaß zu einem Protest einlegenden Antrag. Genosse kreuhiger benutzte die Gelegenheit, gegen die unglaubliche Bevor- mundung Berlins durch diese Schulbehörde zu protestieren. Es sei die höchste Zeit, daß hier eine Aenderung er- folge und daß Bersin selbst ein Aufsschtsrecht erhält— Die Ko»- munisten verlangten in einem Antrage die Beseitigung des Brandenburger Tores, da es den außerordentlich gesteigerten Berkehr nur erschwere. Stadw. Tetz begründete den Antrag, sand aber wenig Gegenliebe. Stadt- baurat Adler gab zu, daß das Brandenburger Tor stärksten Verkehr zu bewältigen habe. Täglich passieren in einer Richtung etwa IL 000 Fuhrwerke. Pläne zur Umwandlung des Platzes vor dem Tor liegen bereits vor, sobald sie verwirklicht sind, wird ein« fühlbar« Entlastung eintreten. Der Redner erwähnte die geplante Durch- legung der Ministergärten und betonte insbesondere, daß eine Le- jeiligung des Brandenburger Tores unter keinen Umständen zugelassen werden könne. Der deUtschnarionale Stadtverordnete Pfarrer koch nahm die von den Kommunisten gebotene Gelegenheit wahr, eine seiner üblichen bekannten Reden zu halten. Cr meinte, die Straße Unter den Linden werde als ,Ti r i u m p h st r a ß e alter Fürstenherrlichkeit" mitsamt ihren alten Baulich-- keiten noch bestehen, wenn die Baulichkeiten zeitgenössischer Bauräte längst vergessen sein werden.(Heiterkeit links.)— Gegen die ver- unsiollung des Sladlbildes durch unberechtigtes Beschreiben und Be- kleben von Zäunen und Häusern protestierten— ausgerechnet— die Deutschnationalen. Nach kurzer Begründung durch einen Ver- treter der Deutschnationalcn bemerkte Stadtbaurat Genosse Wagner. daß sich auch d er Magistrat mit den Mißständen be- faßt habe und daß er sich dieserhalb an das Polizeipräsidium ge- wandt Hab«. Das Polizcipräsidium habe erwidert, daß die Schupo- beamten angewiesen sind, gegen unbefugte Zettel, a n k l« b e r und Schriftschmiercr vorzugehen und sie zur An- zeige zu bringen.— Einen Antrag wegen Auflösung des Skadlfuhrparks überwies man dem Haushaltsausschuh.— Bei einem Antrage der Demotraten wegen Beseitigung der Turn, und Sportplatzanlogen in Baumschulcnweg trat Stadtschulrat Genosse Rydahl für eine rationellere Ausnutzung der vvrhandenen Sport- platzanlagen ein.— Die von den Kommunisten beantragte Fertigstellung des Krematoriums In der DIestelmeyerstroße wurde zum Zwecke der Beratung einem besonderen Ausschuß überwiesen. Mellsgme!vWsl soz. mm n CeMneo. Sez. Gr.-SeM I Generalversammlung am Ssnnavead. dem 28. Janaat, 18 Ahr. im 188a. Syama- flum(V Sahahof Zojelbruckej. Tagesordnung: I. 1. GeschäflSbericht.»en. MarSke. S. Kassenbericht. Ee- noisin Feueistack. 3. VorstanbSwahl. kl. Ken. Dr. Kursen. 1927 AuStauichprofessor in Amerika, spricht über»La» Schalweseu der USA* 12 deutsche(Seeleute ertrunken. Ein deutscher Schleppdampfer untergegangen. Zu der Nähe von Aales« ad(Dänemark) ist am Dienstag bei schwerem Unwetter der d e uk s ch e S chl« p p d a w p f e r»A l- häkros" mlk felner' gesamten vesatznag von 12 wann unlcrgegangen. Der Schlepper hatte es über- nommen, einen havarierten norwegischen Dampfer von Gibraltar nach Bergen zn bugsieren. Zu den Gewässern von Norwegen» Föhremküsle gerieten die beiden Dampfer in ein orkanartiges Unwetter. Während sich der norwegische Dampfer ta den Hasen von Aolesund retten konnke, sank der deulsche Schleppdampfer mit wann und waus. Die gesamte Besahung bestand aus deutschen Seeleuten. Ein Großscheunenbrand bcschäfligte gestern nachmittag über vier Stunden lang mehrere Löschzüge der Feuerwehr in der Dorf. st r a ß« 1 1 in B r i tz. Kurz vor 16 Uhr stiegen au» der etwa Z 0 0 Quadratmeter großen massiven Scheune auf dem Grundstück des Landwirtes Reese starte Rauchwolken hervor. Als der Besitzer und einige Angestellte hinzueilten, fanden sie bereits einen Tell des Gebäudes lichterloh brennend vor. Da die angrenzenden Wirtschaftsgebäude des Städtischen Gutes Britz eine Zeitlang in größler Gefahr schwebten, mußten zahlreiche Schlauchleitungen starken Kalibers«ingesetzt werden, um ein Uebergreifen des Feuers zu ver- hindern. Der Schaden ist sehr groß, da sich in dem völlig«inge- äscherten Gebäude zahlreiche landwirtschaftliche Maschinen befanden. Rudolf Blümner liest zwei Novellen von Andrejew und Andersen, die grotesk und humorvoll die Schicksale von Sonderlingen schildern. Blümner ist ein geborener Interpret für diese Dinge. Er gestaltet die merkwürdigsten Menschen mit unbetonter Ironie und spricht einen musterhaften, scharf charakterisierenden Dialog.— Abends wird aus Hamburg R a i m u n ds„Alpenkönig und Menschenfeind" übertragen. Bodenstedt bat das Zauber- märchen für den Rundfunk eingerichtet. Hauptsächlich besteht die Bearbeitung in der Einfügung musikalischer Partien, die der Sin; soniker Hermann Erdler nach alten Melodien bearbeitet und ergänzt hat. Das Stück wird weder auf Zauberposse noch auf Charakter- komödie festgelegt. Man gibt von allem etwas und wayrt doch den Ton des Märchens. Der Gesamteindruck der Sendung ist besrie- digend, und auch die Uebertragung leidet wenig unter Neben- geräuschen.— Der Präsident des Reichswirtschaftsrates, Genosse Theodor Leipart, spricht über die„Internationale G e w c r k s ch a s t S b e w e ä u n g". In großen Linien entwirst Leipart ein Bild von der Geschichte, der Entwicklupg und dem Auf- bau der Gewerkschaften. Ein paar Daten: Zuerst entstanden lokale Verbände zur Vertretung der wirtschaftlichen und sozialen Inler- essen. Dann schlössen sich diese Sokalverdände zu Zentralverbänden zusammen, und da Lohn und Arbeitsbedingungen besonders in den Grenzgebieten eine internationale Zusammenarbeit notwendig machten, entstand der internotionale Zusammenschluß der Gewert- schalten der einzelnen Länder. Das Internationale Berufssekre- tariot für Bergarbeiter war im Jahre 1890 die erste dieser Grün- düngen; heute bestehen 26 solcher Sekretariat« und umfassen 41 Nationen. Jeder einzelne Derband oerfolgt zuerst die Interessen seiner Mitglieder, während der Allgemein« Internationale Gewert- schaftsbund darüber hinaus die wirtschaftlichen und sozialen Jnter- essen der Allgemeinheit vertritt. Der Gewerkschaftsbund widmet sich der Verbesierung der wirtschaftlichen Loge der Arbeiterklasse. Die Politik ist den politischen Arbeiterorganisationen vorbehalten. F. S. Fortschreitender Häuserverfall. Oeckeneinsturz in einem Zraakfurter Wohnhanse. Frankfurt a. RL. 24 Januar In einem Haufe in der Höchster Straß« stürzte gestern d»« Decke zwischen dem zweiten und dritten Stockwerk plötzlich ein. Rur einem Glücksfall ist es zu vervanken, daß zwei im zweiten Stock spielende Kinder mit dem Schrecken davonkamen und die im dritten Stock wohnend« Meterin, die mit der Decke abstürzte, sich an einem Teppich festhalten konnte und dadurch der Sturz verhindert wurde und ohne schlimmere Folgen bliob. Man ver- mutet, daß das Unglück auf die Erschütterungen zurück.zv- führen ist. die durch den dort vorbeigehenden starten Lastauto- verkehr verursacht wurden._ Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin. Wanderleitcrloastreaz t> eute, Mittwocki, ISN,? tlhr. Im tzugenpheirn CinSer. ftrofce 4. Vortrag bei®enoffen Aagalt Älbrecht:„Der Wert des Wandern»." Jede Eruvpi muß vertreien sein. «brechnnug der Vritiogimortki heatc, Mittwoch, zwischen 17 and Ig Mir. Arbeitsgemeiaschaft.«irtschastslehne* tagt heute ia der BNcherswdv Lindenstr. f, Hof rechts part. Heute Mittwoch. 25. Januar, 19'A Uhr: Wrdding: Heim See- Cifc Turiner Straß«. Heiterer Wend.— Kam«»». ploß: S»ule Edcr»n>ald»r Sir. 10.„Entsteduno des tlapitattsmu».*—?rle». rickshai»! Heim Diestelmenerftr. 5/6. Satirischer glbend.— Südwest- Heim Porckstr. U. 20 Uhr Lichtdildcrvortrae:„Skifahrt ins Wunderland.*©äst: miHIomnwn.— Spoaban: Heim Lindenuier 1.Ferdinand Lassalle.*— Tempel- hos: Liueum©crmaniastr. 4,6<um Einheile st aat freigemacht. Man müsse nur die uersossungsmähigen Rechte gebrauchen. Bei einem Vergleich mit der Länterkonserenz könne niemand mehr über die chilslosigkeit und Äompromißsucht des Dölkerbundrates spotten. Zum Ein- heitsstaot komme man auf jeden Fall, wenn man aber zögere, komme man zum bürcaukratischen Einheitsstaat. Mit der Erhaltung der Eigenart der Stämme hotten die heutigen durch Fürstenwillkür ge- tchaffenen Staaten nicht das geringste zu tun. Keine Stadt wahre chre Eigenart gegenüber Berlin mit größerer Sicherhtit als das Preußische Köln. Alle Konflikte mit Bayern seien nicht über Zu- ständigkeitsfrogcn, sondern wegen de? Souverän itäts- d ü n k« l s mit Bayern«ntstandem Daß der bayerische M i n i st e r- vräsid.ent«ine Einladung beim Reichspräsidenten aus irgend- einer Verstimmung heraus im letzten Augenblick abzusagen woge, sei mit seiner Stellung nicht vereinbar. Eine Personalunion zwischen Reich und Preußen würde gleichzettia«ine Eni- rechtung Preußens und ein« Bevorzugung des Südens durch den Norden bedeuten. Eine Lösung, die Nord- und Süddeutschland verschieden� behandelt, sei unerträglich. Der Einfluß der Bayerischen Volksoartei werde auf das Zentrum nicht immer günstig wirke». Mit Genugtuung stellt der Redner fest, daß sich auch die Deutsche Volkspartei für den dezentralisierten Einheitsstaat erklärt habe. Man kann gewiß einmal, so ertläri er weiter, ohne die Sozialdemokraten regieren, aber nicht gegen die Sozialdemokratie. Das Jahr deutsch- nationaler Ministerherrlichkeit habe dazu geführt, vlc Sozialdemo. kra�e zu st 2 r k c n und zu radikalisieren. Stillstand und Reiktion seien genau so gefährlich wie Revolution. Reichswebrminister Groener teilt mit, daß stch die Reichsregie- rung bis zur Beratung des Reichswehretats darüber schlüssig werden «oll«, ob der Soemisch-Bericht zur Phoebus- Affäre veröfientlicH werden solle oder nicht. Abg. Toraler(Komm.) wendet sich gegen die Ausführungen der Abg. Frau Galke(Ruth Fischer). Frau Golk«, die den Kommu- nisten vorwarf, sie wollten sich anschmieren, Hobe sich selbst beim kinken Flügel der Sozialdemokratie angeschmicrt. chinter Frau Golke ständen nur«in paar Dutzend Arbeiter Auch die würden bald wieder zur KPD. zurück'chren, wenn sie von der Lini« der 'Frau Golk« genug haben.(Heiterkeit.) Abg. Severing habe nur seine Bisitenkarte abgegeben als künftiger Innenminister an St«ll« Keudell».(Heiterkeit rechts.) Abg. Menzel(Dnat.) wünscht eine stärkere Berücksichtigung der T�teressen des Mittelstandes. Zu begrüßen sei es, daß der Reicbsfinanzmimster«In« sparsam« Finanzpolitik versprochen habe. Die Wobnunoszwongswirtscbaft müsic endlich abgebaut werden. Damit ist die erste Lesung des Etats beendet Der kommu- nistische Antrag auf Deröffentlichung des Berichts des Spar- konnnissars über das Ergebnis der Untersuchung der P ho«h us- Affäre wird im Hammelsprung mit 179 Stimmen der Regierungsparteien gegen 141 Stimmen der Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten abgelehnt.\ vie Ruhrmillionen der Luther-Regierung. C« folgt di« Fortsetzung der vor den Wcihnachtslerien ad- gebrochenen Beratung des Berichts de» Untersuchungsausschusses über die Feststellung der an die Ruhrindustriellen ausgezahlten Beträge. Abg. Rosenbaum(Komm.) verlangt von der Regierung Aus- kuch't darüber, wie sie die bei der Ruhrbesetzung geschädigten Ar- beiter und Angestellten entschädigen wolle. Aon der Auszahlung der 715 Millionen an die Ruhrindustriellen hätten auch der Lorstand des Bergarbeiterverbandes und andere führende Sozialdemokraten gewußt. Ministerialdirektor Dr. vorn erklärt, die Regienmg habe im Anschluß an bi« Ausschußberatungen zur Ruhrentschädigung«ine Summ« von 90 Millionen zur Unterstützung der geschädigten Mitte Ist andskreisc und Arbeitnehmer cm Ruhrgebiet zur Derfügung gestellt. Damit sei die Forderung des Ausschusses erfüllt worden. Abg. Dr. Hertz(Soz): Gegenüber dem kommunistischen Redner brauch« ich nur die Tatsache festzustellen, daß es die S o z i a l d e m o t r a t i e selbst war, die Ansang 1925 die Vorgänge bei den geheimen Zahlungen an die Ruhrindustricllen an den Tag gebracht hat. Wäre es richtig, daß die damalig«» sozialdemokratischen Minister daran beteiligt ge- wesen waren, so wäre es doch undenkbar, daß wir uiis selbst nach einigen Monaten in Antlagezustand versetzt haben könnten. Der Abg. v. Lindeiner, der den Ausschuß mit großer Objektivität als Vorsitzender geleitet hat, ist leider in der früheren Debatte von dieser Objektivität abgewichen. Er hat gesagt, wir sollten besser vorbereitete Minister in dos Kabinett entsenden. Hat«r dabei an die Erfahrung«» seiner Partei mit einigen ihrer gegenwärtigen Minister gedacht?(Sehr richtig link».) Wir haben keinen Anlaß. ua» in irgendeiner weise der Tätigkeit unserer damaligen Minister zu schämen. Wir ballen«s nach wie vor für ein Ruhinesblatt in ihrer Tätigkeit, daß sie der damaligen Situation außerordentlich gewachsen waren, obwohl die Tatsache feststeht, daß das Wieder- aufbaumini st erium» solang« unser Mitglied Schmidt der Minister war. an den Verhandlungen mit Skinnes nicht beteiligt war, daß aber das Aufbauministerium hinzugezogen wurde, sobald nicht mehr ein Sozialdemokrat an seiner Spitze stand. Nie- male haben wir die Anschauung vertreten, daß die Industriellen allein die Reparationslasten zu tragen hätten. Wir haben uns auch stets dagegen gewehrt, daß das Rheinland zu einer Repa- ratiönsprovinz gemacht werd«. Aber unsere AnNage richtet sich dagegen, daß die Entschädigung»- Zahlungen ohne jede Befragung des Parlament» unter Bruch des Etatsrechls des Belchstogs, ohne Unterrichtung der Oeffeut- lichkeil ausgeführt worden sind. Wir befinden uns dabei auch in Uebereinitimmung mit der Auf- fassung des Bergarbeiterverbondes, und auf diesen Standpunkt hat sich auch der Untersuchungsausschuß entgegen der Auffassung de» Herrn Lindemer gestellt. Die drei sozialdemokra- tischen Minis)« Radbruch, Schmidt und S o l l m a n n haben nur an btz einen Verhandlung am 20. Oktober 1923 über die Modalitäten de» Ausgleichs zwischen der Reparationskommission und dem Reiche teilgenommen. Diese Teilnahme war r i ch t l g; si« hat ab« nicht» zu tun mit den Methoden, die bei den Entschädigungen an- gewandt worden sind. H«r v. Lindeiner hat dann behauptet, die Mehrzahl de» Ausschusses habe den privatrechtlichen Eha- ra kt« r de» Briefwechsels zwischen Ktresemann and den Ruhrtndussrielleu «nerkannt. Dies« Anschauung hat er zwar in seinem Entwurf zum Bericht auagesprochen, aber die Mehrheit de» Ausschusses hat sie In Ihrem Beschluß ausdrücklich abgelehnt.(Hört, hört! links.) Es ist lediglich anerkannt worden, daß über den privatrechtlichen Cha- raktcr des Briefwechsels Zweifel entstehen könnten. Die Sozial- demokratic hat den privatrechtlichen Charakter des Briefwechsels bestritten. Wir ließen uns dabei von folgenden Erwogungen leiten: Entweder hat der Briefwechsel den Charakter einer politischen Zusage, dann besteht keine Pflicht zur Zahlung, wohl aber zur Zurücksorderung der Ueberzahlungen. Oder es Handell sich um einen privatrechtlichen Vertrag, dann besteht kein Recht auf Zurücksorberung. Wenn Sie(nach rechts) sich auf den zweiten Standpunkt stellen und sich an die Zeit«rinnern vom Oktober 1923, wo kein Mensch wissen konnte, ob das Deutsche Reich das Jahr noch überleben würde, so steht damit fest, daß in dieser schwersten Zeit des Deutschen Reiche« die Ruhr- industriellen nicht an das Reich, nicht au die Allgemeinheit. nicht an das deutsche Volk gedacht hoben, sondern lediglich daran, wie sie sich einen Rechlsonsprnch schassen könne«. Sie haben sich einen prioatrechtlichen Vertrag geben lassen, und Herr v. Lindeiner bescheinigt ihnen damit, daß st« dabei nur an den eigenen Geldbentel gedacht hoben. Herr v. Lindeiner hat ja selbst am 10. Dezember in seiner Rede im Reichstag zugegeben, daß die Ruhr- industriellen im Jahr« 1923 ihre ökonomische Machtstellung dazu ausgenutzt haben, um ihre Ansprüche vor den Ansprüchen der anderen Geschädigten zu sichern.(Lebhaftes: Hört, hört! links.) Sie (nach rechts) haben kein Wort der Entrüstung über dieses Verhalten gefunden, kein Wort der Anerkennung für die R u h.r b« v ö lk«- rung, die entgegengesetzt gehandell hat. ohne daran zu denken, dem Reich später die Rechnung zu präsentieren. Die Industrie- und Handelezeitung", die Herrn Stinnes nahestand, hat am 1. Februar 1925 deutlich ausgesprochen, warum der Rei6)stag nicht beteiligt werden sollt«: „Die großen Industriellen hatten keine Lust, ihre Ansprüche durch dos sattsam bekannte Feilschen im Rcichstagsausschuß mit einem mehr oder weniger faulen Kompromiß zu verständigen." Diese Scheu vor dem Reichstag ist zu verstehen, da ja die Familie Stinnes allein 100 Millionen erhallen hat, der Harpeuer Bergbau 3Z Millionen, Slöckncr 1? Millionen. Mannesman» IS Millionen, Phönix 15 Millionen, die Rheinischen Stahlwerke 20 Millionen, Thyssen 34 Millionen, Srnpp 15 Millionen. Der Staatssekretär im Reichsjustizministerium, Herr Dr. Joel, hat in seinem Gutachten ausdrücklich erklärt: „Nach dem Inbolt der Briefe neige ich dazu, die Erklärungen als politisch« Zusagen anzusehen. Hierfür spricht schon der Umstand, daß der Reichskanzler, also der Leiter der Reich»- Politik, nicht ein« fiskalisch« Stelle die Erklärungen abgegeben hat." Die Sozialdemokratie ist auf Grund der Derhankllungen im Aus- schuh zu der Ueberzeugung gelangt, daß Ueberzahlungen im Betrage van LZ Millionen geleistet worden sind. Die Mehrheit des Ausschusses hat sich diesem Stand» punkt leider nicht angeschlossen, aber immerhin festgestellt, daß Ueberzahlungen von erheblichem Umfang« geleistet wurden. Herr v. Lindeiner, der diese Ueberzahlungen bestritten hat, setzt sich in Widerspruch mit seinem Parteifreund Rabemacher, der im Aus- schuß erklärt hat: „Daß von Ueberzahlungen nur bei den 33 Millionen Mark für die auf Grund der M i e u m- Verträge gelieferten Kohlenmengen und bei der 1 Million Mark für K o y l e n st e u« r die Red« jein könne." Also auch von dieser Seite ist anerkannt worden, daß Uebcnr- Zahlungen in erheblichem Maße vorliegen.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Der kommunistische Antrag auf Erhebung einer Anklage gegen die Mini st er Stresemann und Marx ist nur eine leere Demo» st ratio». Wir lehnen ihn ab, weil wir nicht den Staategerichtshof für geeignet halten, über solche politischen Fragen zu entscheiden. Wenn wir die Arbeit des Ausschusses betrachten, insbesondere uns daran erinnern, daß die Rechtsparteien im Jahre 1925 die Auffassung vertreten haben, daß alles in Ordnung sei, so brauchen wir mit dem Ergebnis nicht un- zufrieden sein. Die Hoffnung der Industriellen, daß sich der Ausschuß zu ihrer Meinung bekennen werde, habe sich nicht er- füllt. Der Versuch des Herrn Stresemann, in Verbindung mit den Kommunisten, die Mitverantwortung dersozial- demokratischen Mini st er für diese Dinge festzustellen, ist mißglückt: dies« Behauptung hat sich als unberechtigt erwiesen. Wir beschränken uns auf die Forderung der Einziehung der lieber- .Zahlungen und ihrer Auszahlung an Mittelstand, Arbeiter und An- gestellte, wir dürfen dabei seststellen, daß osseubarc» Unrecht von den Rechtsparteien gedeckt wird, und daß die Pfllchl. die minderbemittelten volkskrelse vor Unrecht zu bewahren, genau so wie im alten Obrigkeilsstaol jetzt wieder der Sozialdemokratie überlassen bleibt.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dietrich-Baden(Dem.) begründet den Antrag seiner Partei: „Der Reichstag mißbilligt auf das Schärfste die von dem Unter- suchungsausschuß festgestellten Vorgänge." Abg. v. Lindeiner-Wildau(Dnat.): lieber die etatsrechtlickzen Methoben der Abfindungen hat sich damals kein« einzig« Partei beschwert. Wenn also nur über Höhe und Zeitpunkt der Zahlungen gestritten wird, dann kann man doch nicht, wie es Herr Limbertz tat, von einem„R u h r p a n a m a" sprechen. Die Mehrheit des Aus- schusses war der Ansicht, daß es stch bei dem Brieswechsel um einen privatrechtlichen Vertrag gehandelt hat.(Widerspruch des Abg. Dr. Hertz.) Jedenfalls war das Anerbieten der Ruhrindustrie in jenen für das Reich so kritischen Zelten ein großzügiges Ent- gegentommen. Abg. Esser(Z.): Wir haben nicht den Eindruck gewonnen, daß an dem Votum de» Ausschusses auch nur ein Wort zu ändern ist. In der Abstimmung wird zunächst der Antrczg der Kommu- nisten, die Reichskanzler Stresemann und Marx wegen Ver- letzung des Etatsrechts des Reichstags und Verschwendung von Reichsgeldern vor den S t a a t s g e r i ch t s h o f zu stellen und die den Ruhrindustriellen ausgelieserten 715 Millionen Mark wieder einzuziehen und für Arbester, Angestellte und Mittesstand zu ver- wenden, abgelehnt. Ueber den Antrag der Sozialdemokraten, daß der Reichstag die Entschädigung?, ohlunaen an di« Großindustrie unter Verletzung des Etatsrechts mißbilligt und die Regierung ausfordert, di« von der Mehrheit de» Ausschusses festgestellten erheblichen Ueberzahlungen wieber einzuziehen und daraus die geschädigten Angehörigen des Mittesstand«», die Anoest-llten und Arbeiter zu entschädigen, wird namentlich abgestimmt. Die Abstimmuno. in der außer den Sozial- demokrat-n auch bi« Kommunisten, die Völkischen, die WIrsschast»- Partei und der Bayerische Bauernbund für den Alttrag stimmen, ergibt die Ablehnung des Antrage« mkt 193 gegen 172 Stimmen. Luch der oben erwähnte demokratische Antrag wlick» abgelehnt, ebenso der kommunistische 2lntrag auf Vorlegung eines Gesetzentwurfs zur Entschädigung der Angestellten in den b«° setzten und angrenzenden Gebieten. Endlich wird folgender Antrag der Regierungs- Parteien angenommen:.Der Reichstag nimmt den Bericht des Untersuchungsausschusses entgegen und schließt sich dem Votum des Ausschusses an." Das Haus geht zur Beratung des Haushalts der Reichs- justizoerwaltung über, nimmt aber mir noch den Bericht des Abg. Münzenberger(Komm.) über die Ausschußvcrhondlungen entgegen und oertagt dann die weitere Beratung auf Mittwoch 15 Uhr. — Schluß 18 Uhr. «l-sendm,,,«,, fflr diese Subtil si»d Berti» 8® 68, Lwdeustraße 3. parieinachrichien für Groß-Berlin stet,-» da»«ezirtiierreeariai 2. Hos. 2 Trev. recht». P, richte». ieitern bei Ätiiger. Puilitzstt. Iii. t3. ttrei» Tempelbos. Heute. Miitooch. 35. Januar, IBV-j Uhr, Bcjitt». 27. Januar. 16 Uhr, in der Knabeninitteischule Donaustr. 126. An. tneldungen können daselbst sowie in den„Vorwärts". Speditionen ad. gegeben werden. JI. titei, Treptow. Heut«. Mittwoch, 25. Januar. 1916 Uhr. in Nicderschöne- weide, Berliner Str. 38, Sreisvorstandssitcung. Die Abteilungsleiter, dle streisobleute der Frauen, Arbeiterwohlfahrt, Beamten, Bildung und Ar- beitersport find dazu eingeladen. 17. strei, Lichtenberg. Freie EilnUgemetud«! Donnerstag, 26. Januar, isiz Übe. in der Aula des Epmnafiums An der Parlau« Ssfeutlicher Vortragsabend. Tbemo:„Psychoanoluse.. Die Blbchelogic ber kitern und ihr Verhältnis zum stind." 9'ifereni Dr Siegsried Bernfeld. Alle Eltern und Freunde der Schule find herzlichst ciugeladen. Eintritt frei. Der Vorstand. l».»rei». Achtung, parte'.qenöü'ische Beamte und Debördeuangestellte und -arbeitet des lg. Kreises! Wcrdeoerlammlung am Freitag, 27. Januar. Ä> Uhr. im„Türkischen tzelt". Pankow, Breite Str. 1«. Referent Roichs- iagsabgeordneter Eteinkopf:„SPD. und Besoldung-reform." Außerdept wichtig« Tagesordnung. Säst- willkommen. Heute. Mittwoch, 25. Januar: 6. Abt. 191 Uhr gahlabende. Blaszlnfiki, stastanlenallee 5t. Dobrohlaw, Swinemünder Str. 11. Redmann, Rheinsberqer Str. 46. Dublih, Rheins- berger Str. 37. 22. Abt. 19H Uhr in den Pbawissälen, MWerstr. 142, Mitglied erversamm- lung. Vortrag:„Sowjetrußland und Sozialismus." Referent Dr. Gregor Bien stock. 44. Abt. Achtung. Bezirksfiihrer! Da» Material für hie weltlich« Schule tft bis zum l, Februar beim S-noffen SpließstStzer, Admiralstr. A. abzuliefern. Bis dahin noch rea« arbeiten. 84. Abt. Lankwih. 20 Uhr bei Lehmann,«aiser-Mlhelm-Str. 39/31. Mit- aliederversaiinnlung. Vortrag:„Do, neue Ruhland." Referenten Dr. Ott» Friedländer und Dr. Schwarz. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. 128./IM. Abt. Pankow. 191 Uhr im Türkischen gelt. Breite Str. 14. Mlt- aliederversammlung. Neuwahl de» Adteilungsoorstandes. Achtung! Um 191» Uhr edendort Sitzung des Vorstandes. Niemand darf fehlen. Mocgeu, Donnerstag. 26. 3aaaat: tat 1»H Uhr i» der Schul--la Wilwsstr. 1» äffe-tliche alter» lung. Thema:.Da, R«ich»!chulg«IcS und die Dolltschule." Um Cttnoexlaant- rege Be- _____ ung wird gebeten. Reulövn. 89. und 9». Abt. 1914 Uhr im Zdealkafino, Weichselstr. 8, Bersamm. lung aller Senofien, di» Mitglieder de» Verbandes für Fi Ftuerdestattuna find.— 95. tig« Vorstand»?" gleichen Lokal. 134. Abt. Buch. 20 _______ 20 Uhr bei»eil. Die Funktionärinnen treffen tig, B Abt. Buch. 20 Uhr Sitzuna der Keitwigskc treffenden Der offen unbedingt erforderlich. Arauenveranstaltnngen: reidenkertum und 38. wich- ch lim 19Vi Uhr im lekommissio». Erscheinen der He- Heute, Mittwoch, 25. Januar, SiMnastiSursu» Danziger Str. 62. L Krei» setzung de» MWienluistilen,___________ Wurm Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. i» Friedrich» hat». Donnerstag. 28. Januar. 1914 Uhr. es fturfu»„Einführung in die Wirtschaftspolitik" i lälen. Memeler«tr. 57. Referentin Senossin M auf bau des früheren Frauenchors haben, werden gebeten, fich an der Be. fprechnng zu beteiligen, die am Donnerstag, 26. Januar, 19 Vi Uhr. bei der Genossin Gewinn, Suftav-ZstMemStr. 34, Aufgang I, Hochpart., statt. 11. Brei» Kchöneberg. Achtung! Alle Genossinnen, die Interesse am Wieder aufbau de» früheren Frauenchor- fpreihung_ju beteiligen,� die am findet. Arauenveranstollungen am Mittwoch, 13'�> Uhr: 54. Abt. Eharlotteobneg. Im Jugendheim Rofinenstr. 4 Vortrag der Genossin Lisa Albrecht über„Körperpflege und Gnmnafiik", mit praktischen Vor» führungen. Um zahlreich« Beteiligung wird gebeten. US. Abt. OberschSneweide. Achtung, Genossinnen! Unser heutiger Frauen. abend findet nicht bei Imberg. Wilh-lmincnhoiftraße, sondern bei Dinkler, im gegenüberliegenden Lokal von Imberg, statt. Ii*. Abt. Johanniithal. Bei Botha, Stubenrauchstr. 12/1», Vortrag der Ge. nossw Minna Todenhagen üb.er:„Die Frau IN der heutigen Gesellschaft." Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. Araueuveranstaltungea am Donnerstag. 19'/- Uhr: 138.1130. Abt. Pankow. Der Turnadend findet Donnerstag, 26. Januar, von 18 bi» 19 Uhr pünktlich, bei Meier.„Tllrkisches Zelt". Breite Sir. 14, stau. Ul Abt. Rosenthal Heute, Donnerstag, 26. Januar, bei Schmehfing. Walder. feestr. 5. Frauenabcnd. Vortrag der Genossin Hertha Gotthelf Uber„Ra- tivnelle Haushaltsführung." Alle Genossinnen sind herzlichst eingeladen. Arauenveranstaltungen am Areitag, 19'/- Uhr: 88. Abt. halenle«. Bei Sandmann, Westfälische Str. 42, Fmuenabend. Tagesordnung: Neuwahlen. Verschiedenes. Anschliehend gemütliches Bei- fammensein. Alle Senosswne» find herzlichst eingeladen. Dezirksausschuh für Arbeilenvohlfahrt: 4. Äwi» Prenzlauer Berg. Donnerstag, 26. Januar. 191) Uhr, im Alte-s- "'~" 62 Fortsetzung der Ardeitsgeineinschntt. Thema:„Recht beim Danziger Str. 62______ W>_ de» unehelichen Kindes und Lormundschaftswefen." Referentin Genossin Geiger. Alle interessierten Genossinnen und Genossen find willkommen. II. Ätel» Schöiicberg. Donnerstag. 26. Januar. 30 Uhr pünktlich, im Jim» mer 144 de» Rathauses Riidolf-Wilde-PIatz Bortrag», und Aiiesprachcabend über„Schutzaufficht und Fürsorgeerziehung." Reseeentin Genossin Dr. Hel- linaer. Alle interessierten Genossinnen und Genossen find eingeladen, 13. 9 Mi» Tempelhos. Donnerstag, 26. Januar, 20 Uhr, im Bezirksamt Dprf. straffe 42 letzter»ursu-ab«»». Thema:„Echutzaufficht und Fürsorge- erziehung." Referrntin Genossin Morgenstern. All« interessierten Sc- nossinnen und Genossen find eingeladen. 17. 9r«i, Lichtenberg. Freitag, 27. Januar, 19H Uhr, Im Rathaus Lichirn. berg Schulungskursus. Referent Genosse Blaschkc. Thema:„Das Arbeits- 19. 19* Uhr. im Lokal Meyer(Türki. sches Jett), Breite Straffe, Vortrags, und Ausspracheabend über das neue Arbeltslosenverficherungsqesetz. Res-rent Stadtverordneter Genosse Lempert. Alle interessierten Genossinnen und Senossen find eingeladen. Hungsozialislen: Groff. Berlin: Die Gruppenleiter»»erden gebeten, die„Umfragen"»nu gehend dem Genossen H«»»«aldmann, Bcri in. Wittenau, Kauptfte. 17, einzu- seuden: spätesten,»de» znr Sruppcnko-fere», mitzndrlng-n. Gruppe Reutöll» l: Heute, Mittwoch, 20 Uhr, im 9ais«r-FrI«drIch.N«aI. gymnafium, stalser-Friedrich-Str. 206, Fortsetzung der Arbeitsgemeinschaft: „Staatsaiilfassungln de» 19. und 20. Jahrhundert». Leiter: Studienrat Erwin Marguardt.— Gruppe Reuköfin N: Wir beieiligen uns geschlossen an der Ber- anstaltung der Bereinigung sozialdemokratischer Studierender im Bllrgersaal de» Rathauses»önigstraffe. Vortrag:„Bevölkerung und Behörden im neuen Staat." Referent Minister de» Innern Srzestnski. Wir fahren pünktlich mn 191h Uhr ab U-Bahnhof Bergstraße. Kindcrfreunde Grosi-Derlln. 9eel» RenkUln. Heute, Mittwoch, ab 17 Uhr, Sprechstunde in der Baracke Ganghoferstraß«: daselbst find die Führerausweise für Jugendherbergen ab. zugeben. drei« Lichter berg. Gruppe Nord: Die Gruppenabende, di« in der Baracke 5 In der Rathausstraße stattfinden, find: Sech», bis Jehnlährige Montag» von 18 bt» 18 Uhr: Gruppe stämpfer(Elf- b>o Bierzehnsährig«) Mittwoch» von 17 bt» 19 Uhr. Freitag» von 1? bis 19 Uhr alle Sinter. Werbeausschuß soilaldemotrattscher Dolireibeamkea. Frettag. 27. Janacr, U Uhr. tu de» Sammerifile», Leltewer Str. 1 < Ballelche, Tor), zulamwenlunft aller partetge-üfftsche» Bol'zeibea inten aller Dienstgrad« urd Dienst, we'g«. Tagesordnung: Die kommend» Pollzeibeamt« find eingeladen g. Derschiedene». Sämtlich« varte'genlsstsch» Der Vorstand. Arbeikvgemeinschafk der Sießmühler. »«»• Uhr, i. Domänen des Mhrstahltrusts. Linke-Hofmann-Lauchhammer nach der Ehescheidung.— Oer mitteldeutsche Stahltrust. Auf Nis erste Geschäftsjahr der Mitteldeutschen Stahl- werke A.- G. in Berlin kann das�alte Sprichwort„Aller Ansang ist schwer" nicht angewandt werden. Dieser nntteldeutschc Eisen- trust. in dem die Stahlwerke des früheren Linke- Hof mann- Lauchham m er- Konzerns, die Werk« in Riesa, Lauch- Hammer und Groditz mit einigen Nebendetrieben. sowie dos Musterwalzmerk der Deutsch-Luxemburg-Gruppc, dos Stahl- und Walzwerk Weder in Brandenburg, zusammengefaßt sind, Hot sein erstes Jahr bei glänzender Konjunktur begonnen und beendet. Der mitteldeutsche Stuhllruft ist vom Ruhrtrust beherrscht. Die Vereinigte Stahlwerke A.-G. Düsseldorf— so heißt der Ruhrmontantrust— ist dadurch auf dem mitteldeutschen Eiscnmarkt sist oerankert und Hot seine Fangarme über Linke- Hofmann in Breslau bis noch Obcrschlesien ausstrecken können, wo«r sich in den Vereinigten Oberschlesischen Hüttenwerken in Gleiwitz die Hälfte des Aktienkapitals.gesichert hat. So ist durch diese Ausdehnungspolitit ein Machtgebäude errichtet, dessen einzelne Glieder wohl äußerlich getrennt marschieren, aber immer ver- eint schlagen. Preiserhöhungen für Eisen, die jetzige M e- tallarbeiteraussperrung in Mitteldeutschland, an denen auch der Mitteldeutsche Stahltrust stark beteiligt ist, sind so eine große sozialreaktionäre Aktion. Die Umsatz- und B i l a n z z i f f e r n der Gesellschaft sprechen für sich selbst und machen jeden Kommentar über die starke Eisentonjunktur auch für Mitteldeutschland überflüssig. So betrug der Gesamtumsatz über lll Millionen, von dem an Betriebsgewinnen, nach Abzug der Löhne und Gehälter, 11,2 Mil- lioncn Mark ausgewiesen werden. Nach Abzug von rund 4 Millionen Mark für Steuern und Sozialbeiträge, sowie ganz be- trächtlicher Abschreibungen von 3,5? Millionen Mark wird ein Reingewinn von 3,7 Millionen Mark errechnet, von dem die für das erste Geschäftsjahr sehr hohe Dividende von 7 Prozent aus das 50-7Nillionen-Sapital gezahlt wird..Diese Errechnung des Reingewinnes hat aber trotz seiner Höhe noch«inen Haken, dekn das in der Zwischenbilanz vom 31. Januar 1327 ausgewiesene Anleihedisagio(Mindererlös gegen- über dem Nennwert der Anleihe) von 2,5 Millionen Mark wurde schon im Laufe des Jahres aus Gewinnen getilgt. Die Werke wurden stark ausgebaut. Fast 7 Millionen Mark Zugänge auf die Anlagen treten in Erscheinung. Da ein großer Teil dieser Neuanlogen au? eigenen Mitteln, das heißt„über Betrieb", finanziert wurde, ist die Gcldflüssigkeit um so aussallen- der. Den nur unwesentlich erhöhten Verpflichtungen von S Millionen Mark, auf die im übrigen noch 3Z Millionen Mark Rückstellungen entfallen, stehen seit Januar 1327 von 13 auf über 23 Millionen Mark erhöhte Forderungen gegenüber. Braunkohlen wurden 1,3 Millionen Tonnen gefördert, die R o h st a hl« r z e u g u n g betrug 515 340 Tonnen und die Stromabgobe des bedeutend erweiterten Lauchhammer-Elek- tri-itätswerkes betrug 115 Millionen Kilowattstunden. Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich mstzesanit aus. 10 652 Köpfe, die Ange st eilten von 1004 auf IlÄ und die Betriebs- belegschasten von 8161 auf 9521 Mann. Daß die Direktion trotz des glänzenden Auftaktes, den die Tätigkeit der Gesellschaft genommen hat, ein Lamento über die„amtliche Wirt- schaftspolitik" anstimmt und auf die ganz bescheidene Eisen- Preiserhöhung gegenüber dem ständigen Anwachsen der Selbst- kosten hinweist, wird in der Oessentlichkeit weiter keinen Eindruck hinterlassen. Im besonderen werdcn sich aber die Belegschasten, von denen in Riesa und Grödih jetzt 6000 Mann aus die Strafte geworfen sind, dadurch nicht irremachen lasse». Sic werden eher einen Ver- gleich anstellen zwischen den drei Pfennigen ö h u n g, die ihnen als dos Aeußerstc gegenüber ihrer Forderung auf 15 Pfennig Erhöhung zugestanden wurde, und den Mil- l i o n e n, die schon nach dem ersten Jahre in Aktionärstaschen stießen. Und dieser Vergleich wird ihnen das Rückgrat in dem auf- gezwungenen Kämpf stärken. Der Torso Linte-Hofmann. Die Verwaltung der Linke-Hofmann-A.-G. in Breslau, die gleichzeitig ihren Abschluß vorlegte, wird die Bilanzziffern der Mitteldeutschen Stahlwerke A.-G. nicht ohne Neid ansehen. War diese Gesellschaft durch die Konzernauflösung doch gezwungen, am Vorabend der Eisenkonjunttur, im Herbst 1926, die angeschlossenen Lauchhammer Stahlwerke abzustoßen— die einzig ertragreichen Betriebe in der Krisenzeit— und sich auf die angestammten Waggon- und Maschinenbetriebe zurückzuziehen. Ein Vergleich mit der Bilanz für 1326 läßt sich bei diesem Unternehmen nicht anstellen, da dies« vor der Auflösung des Kon- zerns gemachte Abrechnung in keinem Verhältnis zu den jetzt aus- gewiesenen Ziffern steht. Also auch bei der Linke-Hofmann-Bilanz für 1927 betritt man Neuland. Die für das Schicksal der Gesellschaft«ntschei- denden Waggonbetriebe erhielten wohl im Berichtsjahr umfangreiche Reichsbahnaufträge, mußten jedoch«ine große Lücke in der Produktion eintreten lassen, die auf die Neueinführung des Austcuschbaucs und daraus entstandene.Konstruktionsschwierig- keiten zurückzuführen ist. So kamen also die Hauptbetriebe der Gesellschaft erst im letzten Vierteljahr in Schwung, wodurch das Er- gebnis natürlich ungünstig beeinflußt wurde, zumal auch die L o- komotiofabrik ungenügend beschäftigt war. Die lebhafte Tätigkeit in den Maschinenbetrieben, besonders im Diesel- m o t o r b o u und bei dem Papiermaschinenwerk F ü l l n e r in Wannbrunn konnte diese Ausfälle nicht ausgleichen, so dcß als Gesamtergebnis von rund 0.9 Millionen Mark Ab- schreibungen»in Reingewinn von 165 767 Mark verbleibt, der für die 21 Millionen Mark Kapital eine Dividendenverteilung nicht zuläßt. Während Neubauten scheinbor nicht stattgefunden haben, lasten die soft 0,5 Millionen Mark Zugänge auf Maschinen ein« weitere Rationalisierung der Betriebe erkennen. Den rund 27 Millionen Mark Schulden und An- Zahlungen stehen an Forderungen 13,1 Millionen Mark gegen- über, zu denen noch Vorräte und Fertigjabrikate von IlL Mil- lionen Mark kommen. Eine gewisse Spannung ist bei den Be- triebsmilteln also innner noch vorhanden. Die Fobrikationslücke im Waggonbau hat den Jahresumsatz mit 34,1 Millionen Mark verhältnismäßig niedrig geholten, dagegen lassen die Umsätze von 14,1 Millionen Mark im letzten Vierteljahr eine starke B e- l e b u n g erkennen. Diese Besserung hat sich seit dem 1. Oktober weiter fortgesetzt. So konnte auch seit dem Beginn des Berichts- jahres die Zahl der Arbeiter um 70 Prozent aus 7615 erhöht werden, dagegen Hot die Zahl der Angestellten, die von 1623 a u f die Hälfte reduziert waren, nur einen geringen Zuwachs von 312 auf 302: Mann erfahren. Die weitere Entwicklung der nun endlich von ihren inflatio- nistischen Ausflügen ins ungewisse geheilten Linke-Hofmann-A.>G. wird in erster Linie von der Beschaftimgspolitit der Reichsbahn abhängen. Die Waggonbetriebe, die auf dem Kontinent als die größten und modernsten gelten— dos Antreibersystem ist allerdings auch erstklassig—> können durch die unregelmäßigen Auslandsauf- tröge, besonders im Personenwagenbau, nicht annähernd ausgenutzt werden. Wenn die Reichsbahn also ihre im Juni fälligen Aufträge bis zum Jahresende 1328 strecken und von neuen Bestellungen zunächst nichts wissen will, so wird es bei Linke- Hos- mann auch weiter nicht allzu günstig aussehen. So wird diese (jetzige) Tochter im nächsten Jahr noch das Schmerzenskind der heutigen großen Stahltrustmutter an der Ruhr bleiben. I!— e. landtanal, die Rhein-Main-Donau-Wafferstrohe und die Neckar- Kanalisierunq behandeln die einzelnen Unterlagen für die Bauten, die Art der Gewinnung der erforderlichen Wasserinengen. die Wende- rung der Wosserverhältnifie im Kanalgebiet, sowie Verkehrs- und Wettbewerbsverfchiebungen und den Ausgleich für die benachtei- ligtcn Landesteile. Ztassisch-polnische Handelsverhandlungen. Warschau, 24. Januar.(Eigenbericht.) Am Mittwoch, dem 25. Januar, begibt sich der Departements- direktor im Handelsministerium Sokolowski in Begleitung des Leiters der Ostabteilung im Außenministerium Holuwko nach Moskau, um mit der russischen Regierung Zeitpunkt und Ort für die Aufnahme von Handelsvertragsverhandlungen festzulegen. Deutsche Elektroanleihe in Amerika überzeichnet Wir haben gestern auf die besondere Bedeutung des Zeich- nungscrgebnisies der in New Park seit langer Zeit zum ersten Male wieder ausgelegten ersten deutschen öffentlichen Werks- a n l« i h e hingewiesen. Die 20-Millionen-Dollaranleihe der Ber- einigten Elektrizitätswerke G. m. b. H. Westfalen, um die es sich handelte, war sofort nach der Auslegung ganz erheblich über- zeichnet. Es gingen umfangreiche Zeichnungsousträge nicht nur aus ollen Teilen der Bereinigten Staaten« sondern auch aus Europa «in. Bon amerikanischen Banken wurde erklärt, die starke lieber- Zeichnung sofort nach Auflegung sei ein weiterer Beweis für die allgemeine Wiederherstellung des öffentlichen Bertrauens zu den deutschen Anleihen. Aeue Wünsche der Roggenschuldner. Mit der bisherigen Regelung höchst unzufrieden. Der Reichsocrband der Roggen- und londwirtschastlichen Psandbricfschuldner hat durch Ueberreichung eines neuen Antrages seine im Sommer vorigen Jahres bereits verlangte Notverordnung wiederholt zur Debatte gestellt. Die eingerichteten Sanieruugs- stellen feien ohnmächtig, weil ihnen alle Geldmittel fehlen. Die Bertreter der Roggen-Rentenbank und der Getreide-Rentenbank hätten den Roggenschuldnern zwar Entgegenkommen ver- Zp rochen, ober sich um den Beschluß des Reichstages, den ü�oggenfchuldnern Erleichterungen zu gewähren, nicht g c k ü m- m e r t. Die Zwangsversteigerungen nähmen nach wie vor ihren Fortgang. In der beantragten Notverordnung wird gefordert, daß bis zum 1. November 1328 kein Gut zur Zwangsvollstreckung gebracht werdcn dürfe, dessen Zinsbelastung aus wertbeständigen Hypotheken mehr als 1? Prozent(«lnschkleßkich des Berwavung»« kostenbeitroges) des ursprünglich erzielten Erlöses ausmache. Roch nicht rechtskräftig gewordene Zwangsversteigerungen gegen Grund- stücke derselben Art sollen bis zum 1. November 1928 aus- gesetzt werden. Die Reichsregierung soll ennächtigt werden, un- vcrzüglich eine für den Schuldner tragbare Regelung der Beleihungen und des Zinsendienstes, die Bereitstellung von Staatsmitteln und eine Haftbarmachung der Beleihungsbanken für alle Fälle schuldhoften oder ungesetzlichen Vorgehens in die Wege zu leiten. Der Taubenschlag der Ufa. Es wird kaum eine große Gesell- schoft geben, in der in den letzten Jahren ein so lebhafter Personal- Wechsel stattgesunden hat wie in der von Herrn Hilgenberg be- herrschten Unioersal-Füm A-G. Von den alten Usa-D!rcktoren ist jetzt wohl nur noch der Direktor Alexander Grau vorhanden, der durch seine Eigenschaft als a l t e r O f s i z i e r genügend für die Bor- stondschaft qualifiziert ist. In den süniköpfigen Vorstand sind nämlich jetzt zwcineuc Herren eingetreten, und ,zwar der Direktor Ernst Hugo C o r r« l l, der von der berühmt-berüchtigten P h o e b u s Übernommen wird, um die Produktion zu leiten, und Direktor Paul Lehmann, der einen Verwandten des Herrn von Stauß ersetzt, der aus der Deutschc-Bank-Aera noch vorhanden war. Welche Tradition mit dem neuen Produktionsleiter Herrn Correll„ein- gebrocht" werden wird, kann man zunächst nur nach Herrn Hugen- berg, seinem höchsten Chef, beurteilen. In der Filmwell erzählt man sich aber, daß die Phoebus A.-G., die Herr Correll ja geleitet hat, deshalb beim Reichswehrministerium so leicht Eingang gesunden hat, weil man aus dos Versprechen pochte, nationale und kerne jüdischen Filme ,zu machen. Herr Correll und Herr Hilgenberg werden sich also wahrscheinlich sehr gut ergänzen, was für die gc- schästlichen und sonstigen Absichten der Ufa natürlich nur von Vorteil sein kann. Die trüben Vohnverhälknisie deutscher Großstädte. In den deutschen Großstädten gibt es insgesamt 4,5 Millionen Wohnungen. in denen 4,3 Millionen Haushaltungen mit 16,8 Millionen Menschen wohnen. Fast 370 000 Haushaltungen werden also ohne eigene Wohnung geführt, zu denen noch wettere 112000 woh- mingslose Familien kommen, die keine selbständige Haushaltung bilden und mit dem Wohnungsinhober gemeinsam wirtschaften. Auf jede neunte Wohnung entfällt demnach eine Famttic ohne selb- ständige Wohnung. In einem weiteren Zehntel der Wohnungen sind Zimmermieter, Schlasgänger usw. aufgeiwmmen. Rund 51 Proz. santtlicher Wohnungen bestehen aus Kleinwohnungen mtt 1 bis 3 Räumen, 42 Proz. bilden Mittelwohnungen mtt 4 bis 6 Räumen mrd der Rest entfällt auf Großwohnungen. Die große Masse der wohnungslosen Haushalte, fast 86 Proz. ist in Klein- und Mittel- Wohnungen untergebracht. Die ganze Stärke des Wohnungs- e l e n d s in den Großstädten wird dadurch gekennzeichnet, daß 18 700WohnungenmitdreiundmchrHaushaltun-- gen festgestellt wurden! Steigende Umjähe bei sinkende« Fahrradpreisen. Der Abschluß und Geschäftsbericht der Viktoria-Fahrradwerke in Nürnberg beweisen, daß hohe Preise für die Rentabilität eines Unternehmens keineswegs entscheidend sind. Vergrößerter Umsatz bei sinke Ii de u Preisen leistet dieselben guten Dienste. Die Industrien für Massenartikel, zu denen auch da« Fahr- rad gehört, müssen sich um so eher diesem Standpunkt nähern, als jeder Versuch, einen schlechten Geschäftsgang durch hohe Preise wettzumachen, sofort auf diese Industrien zurückschlägt. Die Vittono- A.-G. in Nürnberg kann bei erhöhten Betriebseinnahmen von 2,5 Millionen Merk und gleichem Reingewinn von rund 176 000 M. ihre Aktionäre wieder mit der gleich hohen Dividende von 6 Proz. erfreuen. Während sich in den Anlogen kaum etwas ver- ändert Hot, zeigen die erhöhten Posten der Betriebsmittel die leb- hoste Umsatztäligkeit an. So baden sich die F o r d e r u n- gen mit 1,0 Millionen Mark mehr als verdoppelt, Borröte von 1,2 auf 1,5 Millionen Mark erhöht, während Bankguthaben entsprechend beansprucht wurden und von 0,4 auf 0,17 Millionen Mark zurückgingen. Demgegenüber haben sich die B« r p s l i ch t u n- gen mit 0,94 Millionen Mark mehr als verdreifacht. Zluch im lausenden Jahr hat der Zluftragseiiigong nach nicht nachgelassen, so daß fiir die nächste Zeit die Betriebe weiterhin gut beschäftigt sind. Reue gemischtwirtschaftliche Aerngosversorgung in Sachsen? Nach Mitteilungen des �Eichsfelder Tageblattes" plant der L a n d e s- Hauptmann von«ochsen die Gründung einer Gesellschaft „Gasversorgung Eichsfeld-Goldene Aue" zwecks Gas- Versorgung des Gebietes zwischen Hciligenstadt und Sangerhausen. Um«ine Majorität der öffentlichen Hand zu sichern, sollen Kreise, Gemeinden und Provinz mit 51 Proz., Nordhauscn und die Konti- nentolc Gasgesellschaft mit 43 Proz. beteiligt werden. Praktisch würde natürlich die Kontinentale Gasgesellschost die Barherrschaft gewinnen, da sie die einzige Stelle in der Gasgcscllschaft ist, die langjährige Ersahrungcn im Bau und Betrieb von Gasversorgungen besitzt. Damit kamen weitere Gebiete unter der Flagg« eines ge- mischtwirtschaftlichen Unternehmens unter den Einfluß der Kontinentalen Gasgesellschaft. Pravinziallandtag und Ausschuß der Provinz Sachsen sollten deshalb die vorgelegten Projekte n o ch e i n m a l nachprüfen, ehe sie weitere Mittel bewilligen. Die Gas- Versorgung der genannten Gebiete muß sich auch durchführen lassen, ohne die großen Privatgesellschaften heranzuziehen, denen natur- gemäß die Ausdehnung ihres Einflusses sehr erwünscht ist. Wie man'» falsch macht. Au» der Papierindustrie. Die schone Sanierung, zu der die Chemnitzer Papierfabrik A.-G. zu Einsiedel bei Chemnitz im Frühjahr 1327 gezwungen war, Hot sich in dem Abschluß für das Geschäftsjahr 1926,27 nicht ausgewirkt. Der im vorhergehenden Jahr entstandene Verlust von 580 000 Mk„ also fast 45 Proz. des Aktienkapitals, hatte zu einer Zusammen- legung des Aktienkapitals von 1,35 auf 0.27 Mill. Mk. geführt. Der hieraus erzielte rechnungsmäßige Buchgewinn von 1,07 Mill. Mark wurde zunächst zur Deckung des Verlustes, zu Abschreibungen und zur Neuaussüllung des Reverjesonds auf 100 000 Mk. verwandt. Jedoch entstand im letzten Geschäftsjahr ein neuer Verlust von rund 273 000 Mk., so daß damit fast 30 Proz. des inzwischen auf eine Mil- lion heraufgesetzten Aktienkapitals wieder verloren sind. Der Ver- tust wäre aber noch höher gewesen, wenn wirklich durchgreifende Abschreibungen auf die Anlagen vorgenommen wären, wie es bei der Aufstellung von Sanierungsbilanzen üblich ist. Die Gesellschaft hat aber auch ihre Grundstücke und Gebäude knapp 2 Proz. und sogar auf Maschinen noch nicht 7 Proz. abgeschrieben, während die Normolabschreibungen bei Moschinen schon mindestens 10 Proz. ausmachen. Auch die finanziell« Lage blieb äußerst gespannt, denn gegen 2,5 Mill. Mk. Schulden wurden nur 0,6 Mill. Mk. Forderun- gen ausgewiesen, so daß auch die aus der Kapitalerhöhuug noch erfolgenden Einzahlungen von 570 000 Mk. bei diesem«schuldenstand keine nennenswerte Entlastung bedeuten. Reue l75-7Nill>onen-?lussallsgarantie de» Reiches zur Expork- sörderung. Für das Reichshaushaltjohr 1327 waren zur Förderung des deutschen Exports auf dem Wege der Cxportkreditversicherung bekanntlich 175 Millionen als Garaiuiefcmds bereitgestellt worden. Ueber die Gorantiemittel als solche ist, wie gemeldet wird, durch ent- sprechende Verträge vcrsügt. Die Garantie selbst wurde bisher noch nicht tn Anspruch genommen: das heißt, das Reich Hat nockf in keinem Falle mit den Mitteln des Fonds einspringen müssen. Für 1928 soll wahrscheinlich dieselbe Summe als Reichsgarantie für Export-Kredit- Versicherungsverträge wieder bereitstehen. Doch steht die Summe noch nicht endgültig fest. Die Genehmigung soll in der Form eines Nachtrages zum Reichshaushalt erteilt werden. Auch die Danzlger Werst erhält Arbelk. Die norwegische Reederei Goerissen u. Co. in O s l o hat der Danziger Werft(die frühere kaiser- liche Werst in Danzigl sechs Schiffe von je 3 500 Tonnen in?lliftrag gegeben. Zwei davon sollen sofort gebaut werden. Fiir den Danziger Zlrbeitsmartt bedeutet der Austrog eine erfreuliche Be- lebung. Die Danziger Werft ist heute ein internationales U n t e r n c h ni e n, an dem außer Danzig noch Polen, England, Frankreich und andere Staaten beteiligt find. Neue Arbeiislofigkeii infolge des Frostes Oer temperaturempfindliche Arbeitsmorlt. Das milde Wetter zu Anfang und Mitte Januar hatte den Arbeitsmarkt noch den einzelnen Berichten der Arbeitsämter zu- nächst günstiq beeinflußt, so daß teils ein Rückgang, teils ein Stillstand der Arbeitslosigtett in inanchen Teilen des Reiches un- verkennbar war. In erster Linie hat sich dieser Einfluß der milden Witterung in den Beschäftigungsverhältnissen des Baugewerbes und der Baustofsindustrien ausgewirkt. Mit dem neuerlichen Eintritt der Frost tage allerdings wurde sofort wieder ein Umschwung bemerkbar, so daß die Zahl der unterstützten Erwerbslosen im ganzen weiter angestiegen i st. Bei der gegenwärtigen Unsicherheit der Wetterlage zeigt sich die außerordent- liche Temperaturempfindlichkeit des Arbeitsmarktes, die in diesem Jahr besonders aufsällt. Es ist anzunehmen, daß bei einem auch nur einigermaßen eintretenden Wittermiaswechsel durch die Wieder- aufnähme der Arbeiten im Hoch- und Tiesbau die rückläufige Be- wegung der Arbeitslosenziffern rascher vor sich geht. Im ver- gangenen Jahr hat diese Bewegung Mitte Februar ein- gesetzt. Wegen der teilweise noch ungeklärten Finanzierungs- Möglichkeiten des Baujahres 1328 muß man allerdings über die Ausdehnung der Beschäftigung im Baugewerbe zweifelhaft sein. Eine Kanawenkschrist für den Reichstag. Der Reichsverkehrsminister hat dem Reichstag jetzt jene Denk- fchrift über die Kanalbouten vorgelegt, die bei der Beratung des vorjährigen Etats verlangt wurde. Das neue(ein- geschränkte) Bauprogramm, für das zehn Jahre vor- gesehen sind, umfaßt die Hauptlinie des Mittellandkanals von Peine bis Burg, die Fertigstellung der Arbeiten am Ihlekanal, Planer Kanal und Oder-Spree-Äanal, die Vollendung der Staustufe in der Donau bei Pastau, die Niedrigwasserregulierung von Regensburg bis Pastau, die Kanalisierung des Mains von Aschoffenburg bis Würzburg und die Kanalisierung des Neckars von Mannheim bis Heilbronn. Das Ziel dieses eingeschränkten Bauprogromms sei, im wesentlichen das westliche und östliche Wasserstraßennetz miteinander zu verbinden und Nordbcyern und Württemberg a» die Groß- schifsahrt des Rheins anzuschließen. Den Bedürfnissen Schlesiens werde zunächst durch die an der Oder vorgesehenen Arbeiten entsprochen. Alle Verkehrsmittel gleichzeitig und nebeneinander ongemesten zu entwickeln, dabei durch entsprechende Preispolitik auf die Reichsbahn Rücksicht zu nehmen, sei die Ausgabe. Die jähr- l i ch vom Reich in den nächsten Iahren auszubringenden K o st e n belaufen sich auf 33,7 Millionen Mark. Eine weitere Verzögerung in der Fortführung der angefangenen Arbeiten oder gar ein Stillstand derselben würde die Reichsregierung berechtigten Vorwürfen aussetzen. Drei Sonderdenkschristen über den Mittel- "21... Unterhaltung unö ÄNissen Das Glück. Skizze von Thea Jeimann. I. In einem jener Orte der italienischen Rivicra, wo in den großen internationalen Hotels die Nichtstuer aller Länder sich von den An- itrcngungen des Müßiggangs erHalen und in den versollenen Häusern des mittelalterlichen Teils dos den Fremden so malerisch erscheinende südliche Proletariat haust, geschah es eines Abends, daß im vor- nchmsten dieser Hotels ein nicht mehr junger, glattrasierter und massiger Amerikaner, Mr. Bird, aufs Podium sprang, dem Prim- geiger das Instrument aus den Händen nahm und zum Ergötzen seiner Tischgesellichafi temperamentvoll den Charleston weiterspielte. �amit nicht genug, begab sich Mr. Pird, der sich sern der Heimat über die strengen Gesetze seines Landes ausgiebig mit Sekt und Cocktails zu trösten gesucht hatte» schwankend unter die Tanzenden und geigte und steppte solange, bis er ausglitt, schwer aufs Parkett schlug und den Resonanzboden der Geige zertrümmerte. Peinlich. „Ich sorge natürlich für Ersatz.. sagte Mr. Bird, als er sich— weniger temperamentvoll— erhob. II. In einem der verfallenen Häuser hingegen stellte die Frau des Arbeiters Zanolli sest, daß es nickt einmal mehr zu der kärglichen Polenta reichen würde, dem aus Maismehl und Wasser gekochten ..täglichen Brot" der Armen, wenn heute in der Fabrik wieder der Lohn ausbliebe. Sie waren seit zwei Monaten nicht bezahlt, die Arbeiter der berühmten Likör- und Schokoladenfabrik. Wer nicht warten wollte, konnte ja gehen. Aber was dann? Man mußte froh sein, wenn man überhaupt Arbeit hatte. Zwei Monate sind eine lange Zeit, und der Kaufmann, der über die unergründlichen Säcke schönen gelben Maismehls herrschte, verlor ickließlich die Geduld und wollte nichts mehr auf Kredit geben. Fünf Kinder aber wollen esien. Nicht, daß sie nur die Beine unter den Tisch gestellt hatten! Sie sahen sich nach Verdienst um, toten Boten- gänge, trugen Telegramme aus, wofür es, wenn es ein Gang über Land war, Z,5si Lire gab... Dock wozu reichte das?!— „Nina, geh noch einmal zu Molinari und frage, ob etwas fort- zuschaffcn ist!" Vielleicht, daß dort etwas abfiel..» Ii!. Herr Molinari, sprach gerade mit einem Fremden. Nina mußte warten. Mr. Bird gab der Buchhandlung Molinari den Vorzug, weil er sich dort englisch verständlich machen konnte. „Sagen Sie, Mr. Molinari, können Sie mir umgehend eine Geige verschaffen? Eine gebrauchte. Nicht für mick. Mir ist gestern abend ein lleives Unglück passiert Ich muß eine Geig? ersetzen. 'Herr Molinari wendete sich— aus Italienisch— an seine Ber- kaitfeVin. „Wissen Sie vielleicht jemand, der eine gebrauchte Geige ver- fauit?* Eine gebrauchte Geige?„Bei uns auf dem Boden../ dachte Nina, und sie jagte schüchtern: „Wir haben eine, Herr Molinari. Meine Mutter wollte sie schon immer verkaufen. Aber es sind keine Sailen darauf, und sis sieht nicht sehr schön aus.. Herr Molinari nahm Rücksprache mit Mr. Bird. „Macht nichts. Hol siel" war das Ergebnis. Nach einer Weile kehric Nina mit einem kläglichen blauen Woll- läckchen zurück, dem Herr Molinari mit verlegenen Lächeln eine unscheinbare Geige«ntnabm. „Schön ist sie freilich nickst.. Popularität. Plauderei von Haffe Zetterström. (Aus dem Schwedischen von Age Avenstrup underr.„Seht euch alles genau an. doniit ihr es nicht vergebt." Ich weiß nickst, ob der Brfucher Mr. Kipling gebeten.hat, etwas zu schreiben, damit er sehen konnte, wie er dasaß, wenn er schrieb. und wie er die Feder führte, aber ich glaube, daß Kipltng nach dem Besuch Anweisung gegeben hat, einen gewissen Dich:«rfrieden auf- vechtzuerhalten. Es wird auch erzählt, daß Kiplings Bankkonto nie kleiner wurde, obgleich er seine täglichen Ausgaben oft mit Schecks bezahlte. Die- jenigen, die die Schecks bekamen, behielten sie des Autogramms wegen. Was für ein glücklicher, pekuniärer Zustand, wert, von unseren Autoren beneidet zu werden, denn leider meist Schecks und Banknoten, aber nicht die Ausgaben fehlen. Mark Twain war natürlich ein populärer Mann, nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Borleser und Privatmann. Er war der größte Humorist Amerikas, und diese Last war nicht gering. Mr. Bird sah sich das Instrument an und trat damit an die Ladentür. Er zuckte leicht zusammen. Unsicher blickte er sich um. Ob semond seine Verwirrung bemerkt hatte?... Dann sagte er, an- scheinend gleichgültig: „Gut!— Wieviel?" Die Kleine: „Die Mutter fragt, ob 50 Lire zu viel seien.. Mr. Bird gab hundert. lV. Es war wie seit Wochen: es hatte wieder keinen Lohn gegeben. Wenn Nina wenigstens die Geige loswürde! Nina kam. Strahlend. „Ich habe 100 Lire dafür bcfonrnicnl* Die Mutier«einte vor Freude. „Welch ein Glück!" Alle bewunderten Ninas Tüchtigkeit. Man hatte solange Not gelitten, ohne daran.zu denken, daß auf dem Boden in dem allen Wollsäckck?en der Verdienst von einer ganzen Woche steckte. „Und beinahe hätte ich das schäbige Ding zerhackt!" sagte der Batcr. Es wurde ausgerechnet, was man alles für 100 Lire taufen konnte. Polentimehl, Oel, Reibekäse und getrocknete Feigen wurden geholt, und der Vater konnte zum ersten Male seit langer Zeit sich satt essen. „Seht ihr, Großvater sagte manchmal, die Geige wird uns uoch eininal Glück- bringen.. V. Zur selben Zeit schloß Mr. Bird vorsichtig seine Hotelzimmer- iure ab, packle behutsam die Geige aus, bestrich und beklopfte sie von allen Seiten, blickte immer wieder in die Schallöcher, lachte und benahm sich alles in allem wie ein harmloser Irrer. Er buchsiobierie, erst leite, dann laut, immer und immer wieder den Zettel im Inneren der Geige: Antonius Ztrsckiesrivs Cremonensi«! faciebat anno 1682. „Welch ein Glück! Ich haste eins Stradivari in Händen, und sie gehört mir.. mir... und um keinen Preis der Well gäbe ich sie wieder her... am allerwenigsten für den Primgeiger... Ich werde ihn einfach mit Geld abfinden.. Nachdem Mr. Bird die Geige ebenso behutsam weggeschlossen hatte und wieder wiegenden Schrittes, im Smoking, zum Speisesaal ging, dachte er: „Die Stradivari, die Sarosade spielte, hatte einen Wert von zirka einer halben Million Lire.. Die Christrose. Die„Schwarze Nieswurz" hat ihren poetischen Namen„Christrose" erhallen, weil sie schon um Weihnachten zu blühen aus.ängt. Sie hat übrigens mit einer Rose nichts gemein. denn sie gehört zur Familie der/ HahnenfußgswäHsc. Nieswurz heißt sie, weil schon Im Altertum ihre zu Pulver geriebene schwarze 'Wurzel benützt würde, um Kranke zum Niesen zu reizen und z. B. Scheintote wieder Zum Leben zu erwecken. Die Blütezeit der Christ- rose sieht nicht so fest wie bei anderen Pflanzen. Während sich bei diesen die Blütezeit je nach der Witterimg nur um ein oder Zwei Wochen verschiebt, muß man bei der Christrose zuweilen auch mit ein paar Monaten rechnen. Klima und Witterungsverhällnisse üben ihren Einfluß aus die frühere oder spätere Blütezeit aus: frühestens Mitte November bis spätestens Anfang Mörz bringt sie ihre Blüten, vielleicht schon wochenlang mit Schnee bedeckt zur Schau. Ansang September blühsähige Pflanzen in Blumentöpfe gesetzt, dann ins nichtgehei.zte Zimmer gestellt, blühen bcstimnll zur Weihnachtszeit, Die Christrose ist eine Schotten- oder Halbschottenstaude und wird aus diesem Grunde sich in freien und sonnigen Standorten niemals gut entwickeln, sondern sich nur on schattigen Stellen prächtig ent- falten. Wenngleich sie kräftigen und mäßig feuchten Boden bevor- zugt, so stellt sie an Pflege so gut wie gar keine Ansprüch«. Man erwartete einen Witz von ihm, sobald er de» Mund auftat. Eines Tages geschah es, daß«r ein Geschäft betrot, um sich ein paar Kragen zu kaufen. Der Berkäufer erkannte ihn natürlich sofort. und als Mark Twain bezahlt hotte und mll den erstandenen Kragen fortgegangen war, stand der Verkäufer nachdenklich da: Was für Komisches lag eigentlich in dem, was«r getagt hatte— geben Sie mir eilt halbes Dutzend Kragen, Nummer zweiundvierzig—, etwas muß es doch gewesen sein? Es war ja Mark Twain. Popularität ist Ruhm, in Kleingeld umgewechsolt. Er verschwindet ebenso leicht, wie er kommt. Ein Schauspteler, der durch- schlägt, wird dank der Masienpsychose schnell populär. Er brauäll nicht viel für die Sache zu tun. Es ist fast besser, wenn er M Ereignisse sich selber entwickeln läßt. Diejenigen, die selbsttos für ihn die Trommel gerührt hoben, werden bald merken, ob er selbst die Trommelstöcke halten will. Es gibt eine lehrreiche, kleine Erzählung von einem papillären Schauspieler. Er war bei der Operelle und war so populär, daß sich die Leute nicht nur auf der Straße nach ihm umdrehten, sie suchten sogar die Orte aus. wo sie erwarten konnten, daß er hinkäme. Dieser Mann wurde, was man eine männliche Diva nennt. Er wurde von seiner eigenen Popularität gestochen. Er trug sich selber durch die Mengez hübsch lächelnd über die Huldigung, die andere und er selber ihm darbrachten. Sein Mangel an Humor bewirkte, daß er sich selbst mit den gleichen Augen sah wie die anderen. Er nahm seine Popu- lärität ernst. Eines Tages geriet er in einem Tasö mit einem jungen Wissen- schaftsmänn, den er nicht kannte, in ecken Wortwechsel. Er sagte ein paar zerschmetternde Worte, bei denen jeder Buchstabe von seiner hohen Position durchleuchtet war. Der junge Wissenschaftler verstummte. Dann lächelte er und erwiderte:, „Mein Herr, Sie sollten nach Hauie gehen und im Konvcrsaiionz- lexikon dos Wort„Ephemere"") nachschlagen— das ist Ihr Wort." Es ist nicht bekannt, ab der Sähaulpieler den Rat befolgt hat. Nach ein paar Iahren wurde es ihm indessen klar, daß„Ephemere" wirklich sein Wort war. Eine Popularität, die tot ist, hat nicht viel Wert. Kaum mehr als der Verkaufswert der Tmisende von Lorbeerkränzen, die noch an den Wänden hängen, und der Billetts, die vergessen im Schreib- tijchkasten liegen Ein berühmter Schauspieler klagte mir mal: „Wie flüchtig ist unser Ruhm! Er gebt mll uns aus der Well, wenn er überhaupt solange lebt. Ein Maler, em Musiker, ein Schriftsteller, hinterläßt etwas. Wir müssen dankbar s�n, wenn die *) Eintagsfliege. Warum sollte ich nicht philosophieren? Don Oscar Gröbler. Ja. warum nickst?! Wer kann beweisen, daß„doch nichts dabei hcraustommen kann", wie man gewöhnlich, so schön und erhaben lächelnd, dem Nichtlateiner vorhält. Es gab eine Zeit, sie ist noch nicht lange hin, in der ich mich recht gekränkt darob fühlte, und, weil ich im Äugenblick keinen ankeren Ausweg sah, Meinen trüben Ge- danken Ablenkung und Trost zu geben, klcllerte ich auf meinen immer geduldigen Pegasus. Was ich seinerzeit zusammcnritt, isi wohl bewahrt. Hier ist es: Habe nun. och, Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie gar nicht studiert. MeiH erstes Bemüh'» als Alltagsmensch gilt Bett und Brot. So Hab' ich mein« liebe Not, will ich mich wo verständlich machen in tief- und hochgelehrten Sachen. Wie gern ergründet ich das Wie, das Wo und Wann durch's heil'ge Wort. doch immer wieder lenkt mich fort magnetisch die Philosophie. Osl sucht' ich mir schon als Berater ein reifes Kind der ohris mater; doch, fragt' ich noch so klug bedacht, man hat mir hohnvoll hingclacht: „Mein teurer Freund, ich rat euch drum. zuerst Collegimn logicum!" Da sieh' ich nun, ein armer Tor. und bin so klug, als wie zuvor. Nun fehlte bloß noch der I-Punkt, d. h. die Ueberschrist. über das Ganze. Ich überlegte hin und her, und. weiß der Kuckuck worum, mir kamen plötzlich und überraschend Lcssings Worte in den Kopf, die er dem weisen Nathan in den Mund legte: „Hm, Hut! So ganz Stockjude sein wollen geht schon nicht, und ganz und gar nicht Jude, geht noch minder.. Meine erlittene Demütigung wie ich sie als solche damals cmp- fand, erlaubte mir nicht, meine Verfe� mit der Klage eines Philo- so p Heu zu betiteln: also— ganz Stockjude sein zu wollen. Mein Stolz und mein Selbstgefühl wiederum gestattete es nicht, mich all- zuweit von meinem philosophischen Empfinden zu entfernen: also— ganz und gar nicht Jude sein zu wollen. Gleichwie Nathan ntußte, oder in meinem Falle besser gesagt, wollte ich behutsam gehen: doch wie, wie das?!" Nun, zum Märchenerzählen ist es. bei mir nicht gekommen, aber einen goldenen Mittelweg glaube auch ich gesunden zu haben: Meine Reime bekamen die Ueberschrist: Der Philosophaster. den der Duden mll„seichter Philosoph" übersetzt. Also— ich blieb Philosoph: ob nun seicht oder tief in meinem Denken, das bekümmert mich nicht. Heill« genügt mir das Bewußt- sein, in meiner�Philosophie, von der kaum jemand etwas hört uild liest, meine Seele baden und stärken zu können, damit sie ihrem Kerkermeister, Herrn Staub, immer ein erhabenes und zufriedenes Lächeln zeigen darfi___ Chile und Sizilien bei Merseburg. Bor dem Kriege hat Deutsch- land süi fast 2 Milliarden Mark Düngemlltel aus Chile eingeführt — die Leunawerke stellen den Bedarf jetzt restlos ans Stickstoff der Lust, Kohle, Erde und Walser her. Chile wurde ersetzt.— Lästiger Abfall blieb immär der Schwefel, jetzt machen die Leunawerke aus dieser Not eine Tugend und wollen den ganzen Bevars der deutschen Industrie on Schwefel aus Ihren Fabrikationsobfällcn decken. Bisher hat Sizilien, und zwar der Ort Girgetlli uns den nötigen Schweiel geliefert— in wenigen Jahren wird Deutschland ein Exportland für dieses merkwürdige Element sein! Die größte Landkarte der Meli befindet sich in San Franziska. und ihre Herstellung kostete 20 000 Pfd. 18 Monate long wurde daran gearbeitet. Sie ist 150 Meter lang und 3 Meter breit und zeigt ganz Kalifornien im Relief auf. Generation, in der wir leben, eine kleine Erinnerung an uns und an das Beste behauen, dos wir gegeben hoben. Es liegt eine Wahrhcll, ober keine volle darin. Das Werk eines großen Schauspielers überlebt ihn im Stil und in der Form, die er geschaffen hat. Dies ist so sicher wie dies, daß jede Kunst ein Erbe für das kommeirde Geschlecht ist, das es richtig zu verwallen hat. Es ist jedoch nicht nur der Künstier, der Schauspieler, der Popu- larität erringt uitd sie liebt, auch der einfache Mtagsmensch spürt oft ein Berlangen noch Bekonntsein, so bescheiden es auch sein mag. Eine kleine Notiz in einer Zeitung genügt vst, um ein Gefühl erhöhten Wertes zu geben. Es gibt sogar Beispiele, daß sich Verbrecher durch die mehr oder weniger ausführlichen Berichte der Zeitungen über ihre Taten geschmeichelt gefühlt haben. Man verwechselt so häufig die Begriffe„bekannt" und„berühmt". Ich will mit einer kleinen Erzählung von einem Mann« schließen, der die Unbestöndigkell der Popularität kannte. Cr war ein großer Gejchästsntann, bekannt und geschätzt in der Welt, in der er lebte. Sein Reichtum und seine Stellung waren auf guten Konjunkturen und gelungenen Spekulationen aufgebaut. Als er den Gipfel erreicht Halle, den er erreichen tonnte, empfand er jedoch die Kältender Höhen. und eines Tages, als er seinen Freunden ein Mittagessen gab. sagte er: „Wie wenig sind doch der Ruhm und die Popularität wert! Geben Sie acht, meine Herren. Vor einiger Zeit kam ein Maler und bat, ein Porträt vdn mir malen zu dürfen.„Gern," sagte ich. „Wenn es gut wird, behalte ich es." Er matte es, aber es wurde nicht gut. Nach einiger Zeit kam ein Bildhauer mit demselben Ver- langen.„Gern," sagte ich.„Wenn das Werk gut wird, so b.'halte ich es" Es wurde nicht gut. Dann verging einige Zeit, und eiites Tages bekam ich den Besuch eines Photogrophen, der eine Aufnahme von mir machen wollte„Warum," sagte ich,„warum gerade von mir?" Der Photograph antwortete:„Ein Zigarrensabrikant möchte eine neue Marke auf den Markt bringen und will die Zigarre gern nach Ihnen, Herr Direktor, benennen. Um den Eindruck noch zu erhöhen, möchte er Ihr Bild aus den Deckel der Zigarrenkiste haben." Ich war einverstanden, und hier, meine Herren, haben Sie das Bild." Der Direktor holte eine Kiste bervor und zeigte den Deckel. Da saß in einem hübschen Oval das Bild von ihn? selbst. Es wurde still, und dann sagte der Direktor mit ernster Stinmte: ,„H e u t e' d i e-— und morgen vielleicht von der Mengegesteinigt." � Wie vergänglich ist doch alles hier auf der Well— ich weiß heute nicht mehr den Namen des großen Geschäftsmannes, tch kann mich nur noch ganz schwach auf den krach bei dem großen Konkurs besinnen, der Ruhm eine» Punkt setzte. Mittwoches.) J8 Staafs-Oper [ Am Pl.d.Repubi. 7»/z Uhr Boris Godonoff� Mlttwoch�.l.a StHtisdie Opst Bismarckstr. tt.-Tin.II. Iif. 61/] Die MeistersiBp voallBniteip litutl. Sdiaispieli!. «a Miraeninni1 Vif Uhr DerKaota von hnoiüz Staad. Sdiillertb. Charlottenburg 8 Uhr WM MM Norden 1033t— 37 3 U Ende geg n L „Peer Gyul" Karamerspiele Norden 1033t— 37 H', V: Ende nach 10 Finde« Sie, daB Canstaoce sidi riddie «M? Volksbühne Die KomDdie Bismarck 2ttt'75ie 3".U.. Ende W.U. Bio Elie von Wolf Großes Schauspielhaus Mrden 2051/63 Antinj 8 Uhr Ende II Uhr. Die heue Chor«II Inszenierung Tlieitv im Bälowplali 8 Uhr: Mann Ist Manu Th. m SAiflbuirPiau 8 Uhr Scbieber des Rubis j S �onsisöie OpcrS*} f Neuartiges Hcvue-Stflck [Alles Nackt Ii [(Nach d. gleichn. Paris. Revuel I.Toutnu�. 200 Mitwirkende 1 I Original• Pariser KvstCmc Parket« 3,80 Mk. | Theaterkasse ununterbr.geAffn| Noilendart 7360. [Jack Hyltonl und das neue inicrnatlonsle Variete-Piogranini Renaissance-thealer Stclnplatz 901 330 uh. Coeur Bube. Tfieater am Holtbusser Tor Kottbusscr Str.Ue 6. y Täglich 8 Uhr Elite-Sänger iei gnStg iuearprogniniil Jeden Sonntag nachm. 3 Uhr: flroftc Fam.Uea-forstcUmiö (Ungekarzt). Völksftf. O.tO. 0.75, 1.—.1�5. l.so. l.TS Mk. Metropol-Tb. Täglich 3>, Uhr: ..Bis sdidne gtisria" Oper. v. Odenbach •hdia Kdintf. tt»i Join, Ii li*l««ti!r Smjc. irr.pi. hi Ii an. ]h. im Bdmiraispalasj Tigl.S'fiUhr mm REVUE Berliner Maler Direktion Kuhnert IzrMmlr.W'tl.Wll.WC | 81', Uhr Max Adalbert als Der Herr von... l'izcslorbiibne i älZOssp,.?,!,,. � KurfUrst ZOO' 93| Taelich* Uhr Die Abenteoer de« braven So'daiea Sdhvefk mit Mai Pillfnb'n Inc. Eruin Pistater HeiUtnisiin Benicw Jär.fcuhn Werkmeister Westermelet Pich# Ruth Walket Ailile Collins Snowball Wlnkelitern SunshineCIrls Aa. Ernst Sterr. Po Ernst Hauke Tbalia-Theater IIL: Das Kamel geilt dmd! das HadslÖ Hose-Theater 'V. Uhr DerPtarrer von Klrdiieia znr Miete WSO.Ansbacherstr.l Am ZS. Sanuat, 19 Uhr. mUchli«! sauft aad, kurzem schwerem Leihe» mein innigiifteiiebter Mann, unser Ire». sorgender Vater und Schwiegervater, der Kaftwirt Paul Laaser Laufltzer Strohe Li im tiü. Seiette jähre. Dies»eigen iteidelrüht an Wae. fsp» UiNk ptk. Inutvüi Ueorj Faist und Fnu Harparethe|ii Uasir Eridi Franke md Fi« Gertned gek. Lam ti ml Ina Laiser. 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Januar, um. 0 Uhr im strematorium Gcrichlstkaß», sowie dir stollege Anton Bischof Di« Elnascheruna findet statt am Donneroiag. dem 26 Januar um 20 Uhr im strematerium»erichtstraße «hre ihr»« SSadeakee' Der Bazirksaorstand. «««««st. 'eltwC�InUatkiB. 't»!kuz l wsteemckst a»t,i.— lttlln»«Mdi( tis I WulUtitntrJili IS PI.,'est! wiitirf fori 10 Pf. dort« mit»», Iii IS StduuOeo iftln st' i*»l#«rt!. imilw. nM» dr«> «Ockti» fiano« Minrt liiAnOuMtiiilfiBnn V/t Vir udcstlMt> 5,- Waschwilettrn mit Marmor 14/— Mobel.Magazin. Jnvalldrnstraßs 131, Haltestelle Slrltiner Bahnhof.* •«akeaba«. Lange, 11811«, tneltSc- rlldm«, Fddritlaarr. Fadritpreisc. Teil. Zahlungen, kleine Anzahlung. Musik. «»ig»l, Adalberlstraßr 81.- Verbaute R»?»«hsel», Badstraß« 34. dirtek vor. teilhast» Gchkaszimmkr.«cht Eich« 485,—. 373/—. 750/-. mit echiem Marmor. guten DrellauNagen. Polierte Schlas» zimmir in Mahagoni. Sßußdaum. Birk».' 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"Moabit: Wilhelmslstihener Str. 48. C 5 Hansa 1095. Huttenstr«7 bei Bitterling. 'Weddinq: Müllcrstr.Zt. Ecke Ntrechter Sir.<25 Hansa 4994. »Rosenthaler und Oreni-nborger vorstadi: L5cttstr. 9. l> 4 Humboldt 7875. 'Psesundbrunnen: Bastianstr. 7 O 4 Hiimboidt 7874 »HchSuhauser v-rstadt: Ereisenhagener Sir 22. D 4 Humboldt 7805. Adlerahos: Frau Walter. Eeiuisstiischafisstr. L. pari. Alt-Glleulcke: Frau Nocks, Dendensir.»4. "Baumschulen»««: Strahl, Kiefholzstr. 179. Oder- schöneweid« 1073 Bernau. Nun, genial. Zepernick. Schönbrück, Karow und Buch: Heinrich Bröl«, Bernau. Mühlenstr. ö. Bergseide: T 1 1 cki. Hohenneuendorser Straße. B'eOdors.Nord: W Tanneberg, Bikioriastr. N. Biesdorl-Züb- Georg Winkier, Fonuna-Allee 40. Birieuwecder: Frau Z o o r. B>ra>el6e Hi, a. Bohutdors: Karl K u s t c. Eichbnschnr. 9. Bargadorl: Oswald Börner. Siedl. Borgidorf SV. Boriipwald«: Gebauer. Schuberislr. 82, v. 8 Tr. "Buchhol, /Blankenburg: Wagner. Buigwallstraß» 08. Pankow 883 45ablo». Nene Mühle: Jäkel. Eablow, Mühlenweg 59. Lapoih: Fr'tz Dau Krughofftr. 28. »isharloltrnburg 7: Sesenbelmer Ef. k. C 1 Sieintzl. 4156. »Eharlotlcnbnrg II: Eitseld. Tauroggener Str. 11. C 4 Wilhelui 7793. "Charlottenburg III; Joachim!, Kailrrdamw 95, Ein- �anz Rognitzstraßc. S 3 Westend 2154. Charlotte» bürg IV: Pus«,ttak. Augtburger Str. 47. Panier. Charlottenburg V: Schulz, Drohscnstr. 12, l. Garte». ha«? 8 Zt Charlotten bürg VI: Treptow, Kantstr. 128, Laden geölinei 2—6 Uhr. Tabeudorl: W a 1 t c r, H o h 1 3, Dabendors, Prodinzial- Chaussee. vichwolbe: Hans D ü 1 1. Daldsir. 24.27, Sied!. DBB. Erkner: P o i t«. Flakensir. 9. Fichtenau: K r o r ß k e. Bismarckfir. 1. Faltrnberg: Salzmann, FaNenberg, Gartenstadt- Itraß« 10. FrederSdorl Petershageu: Otto Wtltnskt, Freders- darf, Arndtstrayr. Friedeuau: Petermann, Zibeinstr. 28 Ecke Rönne- dergstraße. R Heingau 9054 und 2027 und Wilmersdorf. Laucnduraer Str. 22, Laden. Frledrichshagen: M t t t e n> w e>. Lindenallee 14. Frohnau: Zstol, Zurlies. Hermsdors. 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Lichtenberg Ol. Friedrichselde: Franksurter stwee 185, Laden. ' Lichterselde.Qft. Lankwitz: A Wentel. Lankwitz, Ziriensir. 15. Tel.: Lichltrselde G. IN 2703. Lichterselde-West: Höhn, Zehtendors. Teltower Str. 3 Telephon: Zshlendors 1852 'Lichtenrade: Brink, Babnhofstr. 24*. Tel.: Lichtenrade 191 und M. Lenz. Babnhofstr 29. Rahltdors: Wilhelm Kurz. Hönower Str. 177. Marieubars: August Leip. Cchausseestr. SS. Marlenlelbe: Greulich, Berliner Str. 143 Morfobn: Siedlung der Kinderreichen. Gimper- lein. Landsderger Chaussee 80«. Block k» Wohnung 4. Reueuhageu: W e n j k«. Ziegelftr. 71. «Neusoll» 1: Neckarstr. 2. F 2 Neukölln 5707. «Neu soll u 13: Siegfriedsir. 2A29. F 2 Neukölln 5706. Neukölln Iii: W i n k l« r, Hobrrchtstr. 40, v. 1 Tr «Neul-llu-Britz: Mittag. Britz, ehausieestr. 82. F 2 Neukölln 2550. Neu/Schulzeudors: Wilhelm Suhl, Brtm-ftr. 77. Niederlchöneweide: stz ri« drt ch S t a n k« wt tz. Spr«- straß« 4. v. 2 Tr. NieterschSuhauseu-Oft: Frau G vi d b a ch, Schloß- aller 45. v. 2 Tr Now-wes:.Srohnberg. Eiiendahnstr. 10. cranienburg: Hetnr. Leonhardt. Strallunhcr Straß« tz. «Lberschönewrtde: Paul«tlhrlmin-nhofstraß« 44a. F 9 Lbrrschoneweite 4321. Bauko«: R i ß m a n n, Mühlenstr. 70. Potsdam: Gebr. Schuber«. Junkerstr. 29 Nahnsdors: Urban tat. Rahnsdarl Mühle. Hohen- zollernstr. l8S. Zleiuickendars.cst: Wahl«, Prodi nzstraß« SC S«. öslne« 2—0. Neinickevsors-West: Bend«. Echornwederstr.»4. Volts- haus. Npseuthal: Max T« b m e l Schlllerstr. 13 Nudow: Ot»o Katler Waltersdorler Chaussee. 'Sadawa. Kaulsdars�std: He»lchk».«aulsdorl-Süv, Waldstraße 06. "Schmargeudprl l: R« h a b, Brrita Str. 3. L 1 Pfalz- bürg 8541. S-hmargeadorl Ii: Frau Schröder, Cunostr. 60. «Zchmteberg: Belzig-r Str. 27. G 1 Stephan 7409. �Senzig: yriedewald, Cdaiilleeftr. 84. .Slemruaftatzt: Etenzel. Brunnenstr. 6, v. 1 Tr. 'Sieglitz: yreft gdjabennrte 2. SSdendc: Ludwig Halslestr. 26. Tegel. Ter...ort: Spieß. Tegel. SchNepersir. 52. Zeltaw: Hösel. Nitterstr. 29. Tempelhos: Harsdorf. Werderstr. 81 v. Part. NeuteMpelhos: Zl i n d s l« i s