Abendausgabe Nr.-42 B 21 45. Jahrgang MSchrnMch TO Pfennig. monaMch 1.— Meichsmm-I, tm voraus zahldai. Unter Streifband tm In- vnd Aas- ltind 6�0 Stet�smorl pro ÜTbnol * Der ,Sorro3iid* mit der flliifhifrv l�n SovMagsbeiloge„Doli und Zeit� foroie den Bellogcn„Unterhaltuns und Wiflen*„Aus der Filmwelt", „Ztadl�eiloge�„Frauenstimme�. „Der kittderircund�.„Iugei�d-Dnr- marts*„Blick to die Bücherwelt". „Kulturarbeit und Technik* erscheint wochentöglich zweimal. Lonutag» und Moutags einmal Berliner VolkSblat« Mittwoch 25. Zanuar 1928 10 Pfennig tfte« l n|» o I 1 1 g c TtonpareiVezeN» SO Pfenntg Netlamezctl» Öl— Reich» warf„S leine Anzeigen" dos ienq» druckte War» LS Pfennig lzulässig zwei srrtgedruckte Warle).>cdes wettere Won 12 Pfenn'g Stellengesuche das erst» Wart lö Pfennig.>edes weltcre WoN ll) Pfennig Worte über 15 Buchstaben zSblen für zwei Warle Arbettsmor.'t 8cile 60 Pfennig Famtlienanzetgen htf Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen« annahm» tm chauptgefchäft Linden» itratze i wochentägl. von L'/, bis 17 UhQ Aentvalorsan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redattlon und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstroße 3 Jrrusprtchcr: Dönhoff 292—231 Telcgramm-Zldr.: Eozialdemolrat Berlin Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Poilschrckkonlo: Berlin 37 536— Banllonio: Bank der Ardeiler, Angestellten und Beamte» Wallftr. 65. Diilonlo-Gcsellfchaft. Deposilcnkaffe Lindenstr 3 Kabriteinsturz in Kassel. 4 Verlehie, 1 Toier, fahrlässige Bauausführung. Kassel, 25. Januar.(Eigenbericht.) Aus dem lieubau der Kasseler Llaudrucksabrik. die zu dem bekaunlen Karstadtkovzern gehört, ereignete sich heute voxmillag um 10 Uhr eine schwere Einsturztatastrophe. Ein Teil des Gebäudes, der von sechs Bctonsäulcn gestützt wurde, brach zusammen. Der Aufmerksamkeit des Poliers der Kirma, die die Maurerarbeiten ausführt, ist es zu dauten. Lag gröherc Opfer an Menschenleben glücklicherweise vermieden wurden. Der Polier hatte an einer Säule die plötzliche Bildung aufsälliger Risic bemerkt. Er schlug sofort Alarm und erreichte, datz der grötzte Teil der aus der Baustelle Reschäftigteu sich r e ch l z e i l i g i n S i che r he i l bringen konnte. Ehe noch die tehken das gefährdete Gebäude verlassen halten, stürzte das Haus unter donnerartigem Getöse zusammen. Sosort eilten alle verfügbaren Sanitäts- reltuogswagen und die Kasseler Jeuerwehr zur llnglücksslelle. Zhreu gemeinsamen Bemühungen gelang es. zunächst drei Berte hle. von denen einer schwere Bcrlehungen erlitten hatte, zu bergen. Der Montageleiter einer auswärtigen Jinna für heizungsanlagen wird noch vermißt. Man glaubt, daß er unter den Trümmern liegt und rechnet mit feinem Tode. Aeber die Ursache der Katastrophe sind nähere Einzelheiten noch »ich» bekanntgeworden. Doch gehl in Kassel seit längerem das Gerücht »m. datz die Bauarbeiten mit einer unerhörten Baäi- t ä s i i g k e i t ausgeführt worden sind. Al» Bindemittel für die Ziegelbauten wurde kein ordnungsmäßiger Mörtel, sondern ein Gemisch, das zum größten Teil aus Lchm besteht, verwand». Die Auf- räumungsarbeiten werden noch längere Zeit in Anspruch nehmen. vis zur Stunde sind Jcuerwehrleule, Sanitäter und Arbeiter emsig bemüht/ Ordnung ans der Trümmcrstätle zu schassen und vor allem versuchen sie, die Leiche des vermißten Montageteiters zu finden. ♦ .hänsercinstürze in mehreren Stadtteilen Verlins, auch in Frankfurt am Main und Nürnberg, jetzt auch der Einsturz des Fabrikneubaiics in Äasfcl— das ist eine Häufung von Ercignisscn gleicher Art. die alarmierend wirkt. Daß die allen Häuser von privaten Bauherren gebaut wurden, daß auch der Kasiclcr Bau bei einer privaten Baufirma zur Ausführung gelangte, ist bei der heutigen Bcrsaisung des Baumarktcs selöstoerständlich, wenn es auch auf die fachliche Tüchtigkeit dieser Kreise ein eigenartiges Licht wirft. Aber man nu/tz sich doch fragen; haben die Behörden, die mit der Verhinderung notwendiger Neubauten gewöhnlich sehr rasch bei der Hand sind, auch wirklich alles getan, um derartige Unglücksfälle zu verhindern? Man muh das bezweifeln. Aber wohin soll es führen, wenn das Mahnen in einem alteren Hous und der Bau einer neuen Fabrik in gleichem Maße gefährlich sind? Ist der Behördenapparat, ist vor allem die Ba u p o l j z« i der grö Heren Städte l« i st U n g s- fähig genug, um uberall nach dem Rechten zu sehen? Alle diese Fragen sind Angelegenheit der öffentliche» Verwaltung und der zuständigen Staats- und Gemeindebehörden. Es tut dri.cheud Nat,?iafz diese zusammen an der Ucberwiudung der schweren Mihstönde arbeiten, die in den letzten Machen und jetzt erst wieder in Kassel Zulage getreten sind. OieAgrarierdrohenmitZievolution Eine Milliarde für die Landwirtschast?- zur Zerstörung von -». In der vorletzten Sitzung des Ausschusses für den Reichshaus- ball hatte. bei der Beratung des Haushalts des Reichsmiuistcriums für Ernährung und Landwirtschast der Mlnister Schiele die Er- klärung abgegeben, datz die Reichsregicrung bereit sei, die Erlau- gung und Ausgabe van Leihgeldern durch öffentliche Stellen zur 1l m s ch u l d u» g d e r Landwirtschaft zu unterstützen. Bis diese Gelder flüssig gemacht werden könnten, werde die Rcichsregic- rung im Rahmen des Möglichen V a r s ch ii> s c gewähren. Des weiteren wolle die Reichsregierung den Landwirten durch E r- in ä h i g u» g und Stundung van Steuern helfe». Um diese den Landwirten sa überaus entgegeiikammendc Erklärung drehte sich die allgemeine Aussprache in der Dienstags- fitzung des chaushallsausschusies, und die Vertreter der Landwirt- schaft zögerten nicht, nach dein Grundsätze zu handeln, datz man das Eisen schmieden müsse, so lange es warm sei. Der Abgeordnete kling(Banernbund) sleUtc grvste Strasirnbeinonstrativnen in Aussicht, bei denen es auch zur Zerstörung von Finanzämtern kommen könne. Der dcutschuatianalc Abgeordnete Jandrey redete andauernd von dem Pulversah, das bald zur Erplosion kommen werde, und erwiderte ans einen Zwischenruf„Na, na!"„die Sazialdcmo- traten sollten nur nicht glauben, dah sie die Revolution in Erbpacht genommen hätte n." Diesen Ausführungen traten Genosse Dr. Hilferding und der Zen- trumsabgeordnete Ersing aufs schälte entgegen. Ersing schloh seine Rede mit den Worten:„Wenn Sie zu Strahendemonstrationcn und ähnlichem auffordern, so erkläre ich Ihnen: diesen Weg werden wir nicht mit Ihnen gehen." Zu Beginn der Sitzung erörterte Genosse Schmidl-Berlin die Frage, wie den kleinen landwirtschaftlichen Betrieben, die Haupt- sächlich Wehauszucht treiben, gehalfen werden solle, und erklärte. dah das beste Mittel dazu die Aushebung der Jnllermillelzölle sei. In Dänemark, wo ganz niedrige, aber für die Landwirtschaft doch noch auskömmliche Viehpreise herrschen, sei dies nur durch ganz niedrige Futtermittelprcise möglich. Im Zwischenhandel herrschten Mihstönde, die die Erregung der städtischen Bevölkerung erklären.— Den Dorschlägen des?lbg. Dietrich, überschuldete Großbetriebe durch den Skaal aufzukaufen, steh« die Sozialdemokratie grundsätzlich nicht ablehnend gegen- üb«� Di« Varaussetzung dafür sei indessen, daß Hand in Hand mit dieser Maßnahme eine Bodenreform gehe, die«s ausschließe, - Bauernbündler forderi im Reichstag Finanzämtern auf. daß den Großgrundbesitzern hohe Bodenpreise gezahlt werden. Eine cocnluelle Wertsteigerung des Grund und Lodens müsse Oessem- lichkcit zugute lommen. Genosse Dr. hi�seroing kontrastierte in seinen Ausfuhrungen das Verholten des volksporteilicheu Abg. Hepp, des Führers des Reichslandbundes im Ausschuß mit der zügellasen Agitation� des Landbundes draußen im Lande. Hier habe Herr.hepp davor g e- warnt» sich Erwartungen hinzugeben, die nach Lage der Dinge nicht zu erfüllen find. Draußen werde vom Landbund w u st a g i- t i c r t. Die Diktate des Landbundes machten auf die Sozialdemo- kratie aber keinen Eindruck. Was die Verschuldung betreffe, so leugnet die Sozialdemokratie nicht die schwierige Lage mancher Be- triebe. Sic wende sich aber gegen jede Verallgemeinerung. Die Sozialdemokratie sei bereit, an drr Umschuldung mitzuarbeiten, aber die Kredite dürften nicht als Besitzkredite, sandcrn nur als Betriebs- krcdite gegeben werden. Daraus folge, daß koiilrollierl werden .müsse, ob diese Kredite ln der Tat nur für produktive Zwecke Verwendung finden. Genosse Dr. lzilserding verlangt vom Minister genaue Details Über diesen ganzen, noch iniincr nebelhaften Plan. Reichsregierung und Regierungsparteien lamentieren und klagen den Reichstag an, daß er eine zu große Ausgabenwirtschast treibe. hier wolle man aber in die Landwirtschaft ohne feden festen Plan Riesensummen hineinpuffen. Äkian spreche von einer Milliarde Auslandöanleihcn, »nd zwar als erste Rate! Den Kommunen habe man alle Ausländsanleihen abgeriegelt, ob- wohl Zinsen und Amortisation absolut sichergestellt waren. Den Bertiner städtischen Werken, dl« Milliardenwert« darstellen, habe Herr Schacht Ausländsanleihen versagt. Bei den Landwirten sind Zinsen und Amartisation nicht sichergestellt. Das Reich wird einen Teil der Zinsen durch einen Zinsenzuschuß jedenfalls übernehmen müssen. Es Handell sich also im Grunde um eine verschleierte An- leihe des Reiches. Er wünsche zu wissen, was der Reichsbankpräsidcnt Schacht zu diesem Plane gesagt habe.. Die Sozialdemokratie werde vor Klarstellung all dieser Verhältnisse den Etat für Ernährung und Landwirtschaft nicht verabschieden. Unmittelbar nach dem Genossen Dr. Hilserding erhob sich der Minister Schiele, um mit wenigen Worten zu erklären, der Reichs- bankpräsident Schacht sei mit den Plänen der Reichsregicrung durchaus ein- verstanden. Die Detailfragen des Abg. hilserding, wie die Dinge sich im einzelnen abspielen werden, könne er allerdings noch nicht beantworten, da die Beratungen noch nicht geschlossen seien. Es werde jedenfalls dazu kommen, daß die Provinzen in diesen Plan einbezogen werden. Der verzögerie Protest. Die Kleine Entente unter Druck. Die Aufdeckung illegaler Waffentron Sport« von Italien nach Ungarn durch die österreichischen.Zoll- sieamtcn der Station St. Gotthard hat besonders in Prag und in Belgrad beträchtliche Aufregung erzeugt. Auch in B u k a r e st mar man über diese geheime und Vertrags- widrige Aufrüstung Ungarns durch Italien empört. Es be- stand nun zwischen den drei Mächten der Kleinen Entente die, Absicht, beim Völterbundssckretariat zu intervenieren, damit der Rat auf seiner kommenden Tagung im Mörz eine osfi- zielle Untersuchung dieser Angelegenheit beschließe. Die Vertreter der Tsäsechoslowakei und Südslawiens in Genf sind bereits seit mehreren Tagen im Besitz von gleich- lautenden Noten ihrer Regierungen, durch die ein Eingreifen des Rates veranlaßt werden soll. Diese Noten tonnten jedoch bisher nicht überreicht werden, weil der Vertreter Rumäniens noch keine In- struttion von seiner Regierung erholten hat und weil in ollen wichtigen politischen Dingen die drei Mächte der Kleinen Entente gemeinsam vorzügeyen pflegen. Der Grund dieser Verzögerung ist nicht schwer zu er- raten: Die Angelegenheit von Ht. Gotthard ist nämlich min- destens ebenso kompromittierend für Italien, das die Waffen erzeugt und geliefert bat, wie für U n g a r n, das die Waffen erhalten sollte. Die Regierung Mussolinis versucht nun mit allen Mitteln, den peinlichen Vorstoß der Kleinen. Entente zu durchkreuzen. Sie kann sich dabei schwerlich an die Belgrader Regierung wenden, mit der sie sowieso auf ge- spanntem Fuße steht. Eine. Einwirkung auf Prag kommt ebenfalls kaum in Frage: denn, einerseits waren in den» vorliegenden Falle die italienischen Maschinengewehre offen- kundig dazu bestimmt, die ungarische Irredenta an der slo- wakischen Grenze zu bewaffnen, und außerdem sind die Be- ziehungen zwischen Rom und Prag infolge der demonstrativen Freundschaft zwischen Italien und Ungarn seit langem getrübt..> Dagegen unterhält Italien verhältnismäßig gute Be- Ziehungen zu feiner„lateinischen Schwester" auf dem Balkon, Rumänien. Diese Freundschast leidet zwar zeitweilig' ebenfalls unter der Intimität, die von den Regierungen Mussolinis und Horthys zur Schau getragen wird, doch bleibt immerhin Rumänien der Staat in der Kleinen Enteilte, dessen Berhältnis zu Italien relativ das beste ist. Deshalb versucht gegenwärtig die italienische Regierung Rumänien dafür zu gewinnen, daß es sich von der geplanten gemein- samen Aktion in Genf wieder lossage. Der rumänische Außenminister T i t u l e s c u, der ursprünglich zu Erholungs- zwecken an der italienischen Rioiera weilte, wird von Mussolini umworben. Titulescu ist in Rom in Be- gleitung des bisherigen zweiten Vertreters Rumäniens im Völkerbundsrot Coinnenr(der demnächst den Berliner Ge- sandtenposten antreten wird), eingetroffen. Einstweilen dürfte also der gemeinsame Schritt der Kleine» Entente in GenH unterbleiben. Außerdem sind die Botschafter Italiens in London, in Paris und moh! auch in Berlin sehr rührig am Werke, um die einzelnen Großmächte für einc'Ver- tuschung der St.-Gotthard Angelegenheit zu gewinnen. Man hofft, daß ein allgemeiner Druck der Großmächte die Regierungen in Prag und Belgrad schließlich veranlassen wird, von ihrem Vorhaben in letzter Stunde abzusehen. Im Laufe des vergangenen Jahres ist es der Regierung Mussolinis mehrmals gelungen, die Völterbundsmächte von der Erörterung solcher Angelegenheiten in Genf abzuhalten, die Italien peinlich werden konnten. Man denke an Albanien. Mussolini scheute sich dabei nicht, mit der erpresserischen Drohung eines'.Austrittes Italiens ans dem Völkerbund an- dsutungsweise zu operieren. Es ist daher leider sehr wohl möglich, daß es ihm auch diesmal gelingen wird, den Waffen- fchmuggelskondal von St. Gotthard zu vertuschen. Die Prager und Belgrader Blätter äußern sich bereits sehr erbittert über diese Bestrebungen, deren Erfolg einen neuen Beweis für die Mangelhaftigkeit des Völkerbundes bedeuten würde. Die gestrige Debatte im Präger Abgeordnetenhaus und ins- besondere die Rede des stellvertretenden Ministerpräsidenten S ch r a m e k hat bereits die tiefe Mißstimmung deutlich offen- bart, die die tschechoslowakische Regierung über den Zwang empfindet, de? auf sie ausgeübt wird. Was nun Deutschland betrifft, so möchten wir die Wilhelmstraße dringend davor warnen, sich dazu herzugeben, die italienisch-ungarischen Waffenschmuggelgeschäste vertuschen zu lassen. Das Slrgument der„Solidarität" zwischen dem entwaffneten Deutschland und dem entwaffneten Ungarn ist hier durchaus unangebracht. Es handelt sich in dieser Affäre um den klaren Beweis der kriegerischen Minierarbeit des italienischen Faschismus im Herzen Europas. Die Ab- rüstungsbcstimmungen der verschiedenen Friedensverträge van 1919 sind in ihrer Einseitigkeit zweifellos ungerecht. Ihre Revision auf legale Art ist unbedingt erforderlich, falls nicht in kürzester Zeit die in diesen Friedensverträgen feier- lich versprochene Angleichunq durch allgemeine A b r ü st u n g verwirklicht wird. Aber eine Ungleichung „unterderHand"mitHrlfegefälschterFracht- b r t c f o darf auf keinen Fall begünstigt werden. Italien will Ungarn aufrüsten, weil es für den Fall eines Krieges mit Jugoslawien einen Bundesgenossen im Rücken seines Gegners braucht. Diese für den gesamten europäischen Frie- den g c m e i n g c s ä hrlichcn Pläne Mussolinis müssen mit allen Mitteln bekämpft und gebrandmarkt wer- den. Deshalb ist es Pflicht der Reichsregierung, frei von jeder unangebrachten Solidarität mit Ungarn, den von der tschechoslowakischen und von der jugoslawischen Regierung geplanten Borstoß in Genf zu unterstützen. Beweis neue Präzedenzfälle? Paris. 25. Januar, l(Eigenbericht.) Tem Belgrader Berichterstatter des..Petit Paristeu" versicherte der rumänische Gesandte E m a« d y. dasi die kleine Gntente trotz allem Druck doch gegen die ungarischen Waffenschiebungen protestieren werde. Darüber herrsche volle Einigkeit bei de» beteiligten Re- gierungen. Man habe unwiderlegliche Doku- inente i« der Hand, die beweisen, daß der jetzt entdeckte Waffenschmuggel der zehnte dieser Art sei. Ungarn habe seit der Aufhebung der Militärkoutrolle schon so viel Waffen eingeschmuggelt, daß es mindestens zehn kriegs- starke Divisionen ausrüsten könne. Die Landbundhehe. Selbst den Begierungsfreunden wird sie zu dumm. f Gegenüber der anmaßenden Fordening der Londbündler. daß eine Einfuhr landwirtschaftlicher Er- Zeugnisse überhaupt verhindert und der Abschluß eines deutschpolnischen Handelsvertrages hintertrieben werden soll, schreibt die„Tägliche Rundschau": Wir hqben nallcs Verständnis für die Schwierigkeiten, in denen sich die deutsche Landwirtschaft befindet. Diesen Schwierigkeiten ist auch gerade in bczug auf die Basis der Hondclsvertrogsverhand- langen mit Polen voll Rechnung getragen worden. Wir warnen aber im wohlverstandenen Jntcrcsie der deutschen Landwirtschast davor, den Bogen zu überspannen und Notprogramme zu veröffentlichen, welche in dieser Zlrt und Form nur geeignet sind, durch die selbstverständlich sich dagegen erhebende Reaktion anderer Kreise der deutschen Landwirtschaft nicht zu nützen, sondern zu säladen. Die„Tägliche Rundschau" steht bekanntlich der Deutschan Volk spartet und den Deutsch nationalen nahe. Das Blatt hat cbcisto wie die ihm befreundeten Parteien genug dazu getan, um die Demagogie des Land- bundes ins Kraut schießen zu lassen.'Wenn jetzt die Regierung selbst bereits Warnungen an den Landbund er- gehe,, lassen muß, den Bogen nicht zu überspannen, so ist das bezeichnend für den Zusammenhalt und die geistige Zu- sammenarbeit in dieser Koalition, die einmal erklären läßt, die Absperrung vom Ausland wäre wirtschaftlicher Selbstmord, aber den Reichslandbund mit seinen über- spannten Forderungen in seine Schranken nicht zurückzuweisen vermag, weil ja die Landbundfunttionäre durch die Deutjchnationalc Partei im Rcchtsblockkabinctt maßgebend vertretend sind. Neuer Reichswehrprozeß. Zur Marstellung der Waffenschiebungen. Das Reichswehrministerium hat, wie wir hören, gegen den verantwortlichen Redakteur des„Berliner Tageblattes", Strajantrag wegen Beleidigung gestellt, weil dieses zwei Beamten der Scetransportabteilung in Zusammenhang mit der dunklen Munitionsassäre von Kiel gebracht hatte. Der Strafantrag soll dazu dienen, die Sache aufzuklären. Das neue Museum in Dessau. Von vr. Paul F. Schmidt. In der Houptstrah« der Immer noch recht idullischen Hauptstadt Dessau(man sieht sogar Pferdefuhrwerke in größerer Zahl dort) steht an hcrooiragender Stelle das Palais Reina, von dem Erdmannsdorf-Schüler I. P o zz i 1883 erbaut, eins der schönsten und besterhaltenen Beispiele eines modernen klassizistischen Wohnhauses. Bon edlen dorischen Säulen ist der vertiefte Eingang flankiert, im hellen Trrppenhause schwingt die eckige Grazie der Holzgeländ.'r frei und geräumig empor, helle und hohe Räume laden zu gedämpf- ter Lebenslust, bei der nicht Saxophone, sondern Harfe und Spinett den Ton angeben wollen. In dieser mohlbeleuchteten und geruhsamen Folge edler Räume ist seil kurzem eins der anmutvollsten Museen deutscher Kunst unter- gebracht: und da die Galerie ebenso gering an Umfang wie erlesen an Qualität ist, so kann man eo wohl als einen Genuß bezeichnen, sie anzuschauen, und sie wird neben dem Bauhaus und dem Wör- litzer Park künftig den Anziehungspunkt Dessaus bilden. Hier ist das Experiment gelungen, den alten Erbbesitz eines deutschen Fürstenhaules in Allacnieingut umzuwandeln: wohl am spätesten von ollen deutschen Kunstzentren der Art. Das Verdienst gebührt dem Landeskonseroalor Dr. Grote, der aus den Schlössern An- balts die wertvollen Bestandteile herausholte, die verschiedenen Konglomerats, Stiftungen und dergleichen zur niufealen Einheit in, Pozzi-Palois verschniolz und dazu noch Mittel heranholte, die Bestände zu ergänzen, auf die allerschönste Art. _ Solchergestalt ist die feit zweihundert Jahren fortgeführt« --ammelleideiischait deutscher Fürsten cmmal zu in Segen ausge- chlagsn und Anlaß eines kleinen Kulturzentrums geworden. Die BmosphSre eines altererbten Milieus, die solche Santrnlungen geschlossener macht als amcrikanisch-m.oderne aus dem Boden ge- stampft« Museen(wie die Berliner), ist durch das schöne Heim und durch die Art ihres Bestandes gewahrt: man hat in Dessau das Ge- sähl eines organisch Gewordens,, nicht einer Sammellaune. Nach der Artung der verschiedenen Erwerber gliedert sich die Sammlung: der kostbarste Teil enthält altdeutsche Meister in er- leienen Stücken, voran eine größere Anzahl von E r a, a ch s(vor allem den„Fürstenaltor" von läÜ8), dann Dürer, Baldung, Bruyn, Petrus Christus(eine ganz belondere schöne Selten- deith prachtvolle Ha ndzeichnv»gen dieser Meister nebst solchen von A Udorf« r. Urs Gras, Hans Holbein, Tobias Stim- ner schließen sich an E« lolgt oinc Galerie von Riede ländern ind Deutschen der Barockzeit, unter denen ein herrliches Porträt wn Rubens und sin Riesenstllleben von Jan Fyt. die Glanz- ounkte bilden, Dietrich und L. Z i ck auf doutsch«? Seite bemerkbare J5imtität entialiend. Frantsurder Maler aus der Gocthe-Zeit, täe S e e k a ß, Junker. Hirt, Schütz s chließen sich a,,(ein inerkwürdiger Erwcrbszusall, der„Dichtung und Wahrheit" gut illustriert), lbid endlich eine sehr ausbaufähige Sammlung von deutschen Malern aus der Romantiker- und Biedermeierzeit. Zuni größten Teil wurzelten sie im Heimatboden Dessaus selber, wie K. W. Kolbe, die Brüder Olioier, Kräge» und Franz Der Kampf um die Simuttanschule. Ein freibleibender Antrag der Deutschen Dolkspartei. Nachdem die Deutsche Volkspartei durch die Haltung des Zentrums und der Deutschnanmtalen zu der Frage der S i m u l t a n s ch u l e in große Verlegenheit ge- kommen ist, hat sie jetzt folgenden Antrag zum 8 20 des Schulgesetzes angebracht? „In den Gebieten des Reiches, in denen bisher eine nach Bekenntnisse» nicht getrennte Volksschule noch Gesetz oder Herkommen besteht, verbleibt es bei dem bis- h e r i g e n Zustande." Der Antrag soll also, entgegen den Forderungen der Freuiide der Konfesstoneschule, es ermöglichen, daß die Simultonschule in den westdeutschen Staaten bestehen bleiben kann. Natürlich stößt ein solcher Vorschlag auf den starken Widerspruch der übrigen Regierungsparteien. Infolge- dessen hat der Interfraktionelle Ausschuß der Koalitions- Parteien ein Kompromiß auf folgendem Wege gesucht: Der Staatsgerichtshof soll entscheiden, auf welche Länder dieser Paragraph Anwendung finden soll. Die Deutsche Volkspartei will also die Verantwortung dafür, daß die Konfessionsschule entgegen dem Willen ganzer Länder und entgegen dem bisherigen Brauch durch das Schulgesetz zur Einführung gelangt, von sich und von dem Parlament auf den unkontrollierbaren und selbständigen Stoatsgerichtshos abwälzen. Sic ist in Schulfragen liberal— jedoch nur freibleibend, nämlich, wenn der Siaatsgerichtshof nichts anderes beschließt. Eine derartige Irreführung wird bei den Wählermassen im Lande natürlich nicht verfangen. Im Zeichen der Sparsamkeit... Ganze Beichstagsparieien für Ausgaben ohne Kontrolle. Ganz erstaunlich sst die Interesselosigkeit großer Koalitionsparteien des Ncichstages an der Prüfung der Haushalisrechnuiigen, also der wirklichen Einnahmen und Ausgaben, die auf Grund des Voranschlages erfolgt sind. Als heute, Mittwoch vormittag, der R e ch n u n g s p r ü f u n g s a u s s 6, u ß zusammen- trat, fehlte zum großen Erstaunen der Vorsitzende, der Volksparteiler Klingspor, unentschuldigt— er kam überhaupt nicht. Von den Deutschnationalen war ebenfalls zur Rechnungsprüfung niemand er- schienen! Der Rechnungsprüsimgsausschuß ließ sich aber nicht sabo- tiercn. Er tagte dann unter Leitung des stell«rtreteichen Vorsitzen- den, eines Zentrumsvertreters. Unser Genosse Simon- Schwaben gab als BerichtorstaUcr einen ausführlichen Einblick in die über- und außerplanmäßigen Ausgaben der einzelnen Ministerien, wie sie durch die Haushaltsabrechnung erkennbar geworden sind. Genosse H o i n i g erörterte dann die vielen Mängel und dunklen Stellen in d e r H a u s h a l t s w i r t f ch a s t des Reiches nach der grundsätzlichen Seite. Die Sozialdemokratie verlangt, daß unter allen Umständen und bei allen Ausgaben das Budgetrecht des Reichstages aus das strengste beachtet wird. Deswegen wurde auch um Austunst ersucht, ob die Reichshaiisholtsordnung bei der Nach- Prüfung dos Pj?oebus-Skandals voll beachtet werde. Der Vertreter des Rechnungshoses erklärte dazu, daß in der Phoebus- Angelegenheit die rechnungsmäßig« Nachprüfung durch die Sonder- untcrsuichunq nicht erledigt sei. Auf sozjaldemotratischein Antrag wurde dann noch beschlossen, daß von jetzt ober wi.eSer die Etats der Ministerien in bezng auf ihre UebcrschreUungcn der Haushaltsansätze c i N z e ln� crsolgen solle. Diese Einzelerörterung beginnt in der Sitzung am Sonnabend, dem 28. Januar. Mertens kommt vor das Rcichhgcrichl. Der durch seine anti- militaristischen Enthüllungen bekannte Schriftsteller Mertens in Gens hat zu der Beweisausnahme im Schrock-Prozeß mitgeteilt, daß er noch einige Lichtbilder von Dokumenten besitze und dem Gericht zur Verfügung stellen wolle. Aus Antrag der Verteidigung beschloß das Gericht, Mertens für den 28. Januar als Zeugen zu laden und ihm sicheres Geleit zu gewähren, das ihn vor einer Verhaftung wegen der gegen ihn schwebenden Strafversahren schützt. Krüger? der Berliner(der bei Dessau geboren war und dort seine erste Schulung erhielt), öo ist die Verbindung mit dem Heimatbodcn hier gewahrt, und es ist zweifellos, daß die Bilder dieser Künstler heute wieder unseren Herzen ckm nächsten stehen und recht eigentlich in dieses schöne Haus zu gehören scheinen. Musikerziehung und Musikverständnis. Tagung des Deutschen Musiterverbandes. Eine Reichstagung der Gruppe„M u s i k l e h r e r, Orga- ii i st e n und C h o r d i r i g e Ii t e n" des D e u t s 6) e n M u s i t e r- Verbandes fand am 20. und 21. Januar im Sitzungssaal des Verbandshaujes in Berlin statt. Zu der Tagung waren Vertreter aus allen Teilen des Reiches sowie die Mitglieder des Kunstaus- schusses des Verbandes erschienen. Auch der preußische Musikrcfcrent, Prof. Kestcnberg, war der an ihn ergangenen Einladung gefolgt. Nach einem aufschtußreichen Referat des Verbandskunstwarts A. Jahn- Berlin über„Staatsaufsicht und Musik- unterrichr", das eine sehr ausgedehnte Aussprache auelöste, ge- langte eine Entschließung einstimmig zur Annahme, in der aus die gegenwärtig noch außerordentlich unbesrtedtgenden Verhältnisse im Musiklahrwesen hingewiesen und die Schassiing einer r c i ch s g e s c g- lichen Grundlage für die gleichmäßige Regelung des Musikuntcrrichtswesens in allen Ländern ge- sordert wird. In der Entschließung wird des weiteren als dringend notwendig bezeichnet, daß, solange eine rciahsgssetzlichc Grundluge nicht vorhanden ist, die Länder sich über möglichst einheitliche Richt- linien für die staatliche Aussicht des Musikunterrichtswesens— unter mitbestimmender und mitoerantworllicher Mitwirkung der zu- ständigen Berufsorganisationen— und unter Einbeziehung der Chorleitertätigkeit verständigen mögen. Hinsichtlich des preußischen Erlasses von: 2. Mai 1925 betreffend den Privatunterricht in der Musik wird u. a. die Verpflichtuiig der staatlichen Musik- berater gefordert, nur in ständiger Zusammenarbeit mit den zuständigen Berufsorganisationen ihr« Tätigkeit auszuüben: ferner, daß die jetzl verlangte jährliche Erneuerung des Unterrichtscrloubnis- scheines beseitigt wird, ein Widerruf der Erlaubnis überhaupt mir zulässig sein soll, wenn in der Person des Berechtigten ein w-'btioer Grund gegeben ist: daß zu den Prüfungen Vertreter der Berufs- organisaiionen hinzuzuziehen sind, sowie daß Jnftrumcntaluutcrricht nicht Lehrfach an den allgemeinen Unterrichts- und Bildungsanstalten sein soll. Die Tagung besckäftigte sich sodann noch«ingehend mit „F ragen der Musikerziehung". Sie bezeichnete die Er- Ziehung der Jugend zum Mistkböreu und zum Musitverständnis als im Kuiturinteresse liegend sür sehr erwünscht. Auch beim Instru- mentaluni-.'rricht. der ausschließlich von Berufelehrrräften auszuüben ist» müsse auf die Weckung der geistigen Kräfte mehr als bisher Bedacht genonmieu ryerden.' Der Rest der Tagung war Besprechungen interner Art gewidmet. Eine Vorführung der Berliner Iaques-Dalcrozc- Schule im Grotian-Stcinweg-Saal und«in Besuch in der der Berliner Staatlichen Hochschule für Musik angegliederten Sialin gegen Herausschmeißen. Ein Brief aus dem Jahre'tSTS. Der Suhler„Volkswille" veröffentlicht ein freundichaft- liches Schreiben Stalins an Maslow aus dem Jahre 1925, der Zeit der Anfänge des Kampfes Stalins um die Macht. Dei; Inhalt des Briefes: das russische ZK. würde sich den Bauch vor Lachen halten, wenn es erfahren würde, daß Maslow ihn im Verdacht habe, eine Wendung nach rechts zu Brandler und Thalheimer hin zu machen. Aktuelle Bedeutung hat die folgende Stelle des Briefes: „Ich bin ganz entschieden gegen die Herausschmeißer-Politit in bezng auf alle andersdenkenden Genossen, ich bin gegen«ine solche Politik nicht deshalb, weil ich Mitleid habe mit den Andersdenkcn- den, sondern deshalb, weil eine solche Politik in der Partei ein Regime der E i n j ch ü cht e r u n g. ein Regime des Angst- machens.«in Regime, das nicht den Geist der Selbstkritik und der Initiative fördert, züchtet. Es ist schlecht, wenn man die Parteiführer sürchtet, aber nicht verehrt. Die Führer der Partei können wirkliche Führer der Partei nur dann sein, wenn man sie nicht nur fürchtet, sondern auch in der Partei verehrt und ihre Autorität anerkennt." Stalin von 1925 gegen Stalin von 1928. Damals freilich war er noch nicht im VoWefitz der Macht. Heute schmeißt er heraus— bis nach Sibirien. Die enttäuschende Kinanzdebatte. akademische Zieden. Paris, 25. Januar.(Eigenbericht.) Der gestrige erste Tag der großen Finanzaussprache in der Kammer bitdete für die Oesfentlichkeit in Frankreich eine große Enttäuschung. Man hatte alles andere erwartet. Man halle geglaubt, daß es sofort zu einem scharfen Wassengang zwischen der Regierung und der Kammer kommen werde über die verschiedenen Stabilisierungstheorien. Statt dessen erlebte man mir wohl- temperierte, rein atadcmisäie Borträge. Die Nervosität im Schöße des Kabinetts scheint sich angesichts dieses außerordentlich ruhigen Beginns der Auseinandersetzungen stark entspannt zu haben. Poincarä hat ankündigen lassen, daß er seinen großen Rechenschastshericht vielleicht noch weiter vertagen werde, evtl. dürfte er erst in der nächsten Woche das Wort ergreiscn. Kaschifienfreiheii unierm Nürgerblock. In Belgien. Brüssel, 25. Januar Im Zusammenhang mit den in der sowjetrusssschcn Wanderaus- stellung angerichteten Verwüstungen fragt« der kommunistische Abg. Iacque motte die Regierung in der Kammer, wetchc Maß- nahmen sie gegen die faschistischen Organisationen ergriffen habe, die sich offen bewaffneten. Der Iustizminister erwiderte, indem er„feststellte", daß der Interpellant der Regierung keinen Vorwurf gemocht, sondern sich einfach gegen die faschistische Jugend und einige Zeitungen gewandt habe. Lustkrieg in Vorderasien. England gegen Wahabiten. London, 25. Januar. Die englischen Luststreitkräste haben ihre Operationen im Irak gegen den Mutae-Stamm der Wahabiten songesetzt. Es ist bisher nicht gelungen, den Scheich Feisat od Dowlot gefangenzu nehmen. Er soll beabsichtigen, an den König der Wahabiten, Ibn Saud, einen Friedensantrag zu machen. O r ck, e st e r s ch u l e des Deutschen Musikerverbandes gaben den Delegierten erwünschte Gelegenheit, moderne Musik erziehungs- und Musskerausbildungsmethoden praktisch kennenzulernen. �„Garken Eden"— aber kein Paradies fürs Publikum. Das Theater in der Kommandanten st raße hat sich einen handfesten Schmarren herausgesucht: Bernauers und O e st e r- reichers„Garten Ede n". Es stellt damit Erna Ritte heraus, die zwar ein bißchen derb ins Zeug geht, aber dabei nicht ohne Charme und Anmut ist. Ihr Spielpartner ist Ernst Hos- mann, der einen strebriqen, menschlich primitiven Gelehrten zur Freude der Zuschauer zu gestalten weiß. Aber das entschuldigt die Wahl dieses«tt'ickes nicht. Die Verfasser, die aus Idecnmangcl sich häufig aus Groschenroman-Stoffe stürzen, sind ihrer Tradition im „Garten Eden" treu geblieben. Dieser Garten ist kein Paradies für das Theaterpublikum. Die Darsteller unter August T r o st s etwas knalliger, aber ganz flotter Regie verschwendeten Mühe und Können an ein unmögliches Stück. Grauenvoller Stumpfsinn wird verzapft: eine Soubrette an einem Kabarett fünften Grades wird entlassen. weil sie anständig bleiben will. Die Garderobenfrau an besagtem Etablissement ist aber eine pensionierte adlige Majorswitwe, die neun- undvierzig Wochen in Dreck und Elend lebt, um drei Wochen lang wieder ganz große Dame in erstklassigen Rioierahotels sein zu können. Natürlich nimmt sie, als sie das Elend der armen Unschuldigen sieht, diese aus die Reise mit und adoptiert sie sogar, als ein Prioatdozenr sich in sie verliebt. Am Hochzeitstage kommt die Vorgeschichte der Braut heraus und die Ehe daher nicht zustande. Doch Tugend siegt: Ein furchtbar reicher, wenn auch furchtbar alter Fürst heiratet die Verlassene.— Das Theater In der Kommandantenstraße, das in seinem Programmheft von„künstlerischer Entwicklung" spricht, sollte doch möglichst bald damit anfangs�? T e s. Deulschvölkische Flegeleien. Am Dienstag wurde die Aufsüh- rang der Oper„Antigone" des Deuisch-Schweizers Artur H o n e�g g e r im Essener Stadtthcator von deutschvölki- scher Seite durch lärmende Störungen unterbrochen. General musik- direktor Schulz-Dorn bürg ergriff dos Wort und erklärte, man habe zwar dos Recht zur freien Meinungsäußerung, aber der An- stand erfordere, daß man solche am Schluß äußere. Im übrigen bekannte ei sich bei dieser Gelegenheit nochmals zu dem Gedanken. daß man die Pflicht habe, auch neuer: Musik aufzuführen, zum mindesten zur Diskussion Zu stellen. Die Aufführung tonnte da- noch bis zum Eüd« ungestört durchgejührt werden. Der Beifall war sehr stark. Der kiops der Denus von finldoa in Kopenhagen gefunden. Der dänische Archäologe Prof. Blinkenberg hat nach eingehendem Studium festgestellt, daß sich der Kopf des im dlusö cks Eincantenaire in Brüssel ausbewahrten Torso der berühmten Benus von Änidos. eines Meisterwerks oon Praxiteles, in der Kopenhagen«? Glyptothek befindet. Ein Abguß des Kopses, auf den Torso gesetzt, hat mit größter Genauigkeii die Zusammengehörigteit, die sich an den Bruchstellen einwandfrei nachweisen ließ, bewiesen. Die norwegische Arbeiieeregierung. Zustandekommen wahrscheinlich. Q s l o. TZ. Ianua»-. Tie ZusaminenscKung dee neue» Regierung wird am "Mittwoch in der«tortinggruppe der Arbeiterpartei ent- schieden werden. Der Vizepräsident des Ztorting H o r n s r u d, ist zun» Ministerpräsidenten auöersehen. Der König hat gegenüber den, Führer der Arbeiterpartei erktärt. daß er d i e Persönlichkeit mit der Bildung der neuen Regierung beauftragen werde, die von der Partei dazu vorgeschlagen wird. Das Qrgan der Arbeiterpartei „Arbeiterbladet" erklärt, dah es sich nicht uin eine Regierung des Burgfriedens, sonder» um eine Kampfregierung handeln werde. Oer Kampf um die ewige Jugend. Eine Methode jagt die andere. Deutschtands Parteienrekord geschlagen 35 Landeeilvohlvorschläge in Polen. Warschau, Zö. Januar.(Eigenbericht) Unlüglich der bcujachclienboii Sefmwahlen sind dem haupl- «ahlkomitee bishe,r JZ Landeslisten übermittelt worden. Etwa die Hälft« dieser Listen entsöllt aus die polnischen Parteien, die übrigen Listen sind von den nationalen Minderheiten ein- geveicht worden. Die iltraincr treten allein In sieben Parteien aus. Auherdam bestehen sechs kommunistisch« Liste n. Auf der Landesliste des Regierungswahlblocks kandidiert an einer der ersten Stellen ein Bruder des Marschalls Ptlfudsti. Amerika über alles... Gel will stets den Dorfiis führen. London, 25. Zanuar.(Eigenbericht.) Aus de« Panamerikanischen Songreh in Havanna wird seil lagen ein Antrag der mexikanischen Regierung behandelt. nach dem in Zulnnsl nicht nur die Vereinigten Staaten allein den Vorsitz der Panamerikanischen Union führen sollen, sondern das Prösidinm noch dem Alphabet von sämtlichen 2l der Panamcrl- lanischen Union angehangen Staaten übernommen werden soll. Der amerikanisch« Staatssekretär k) u g h e s wandle sich am Dienstag entschieden gegen diesen Antrag, und zwar mit der Begrün. dung. dah eine �Kontinuität der Geschästssührung" eine der ersten Voraussetzungen für ein«rsolgreiches Arbeiten des Panamerikani- schen Kongresses darstelle.(Zm Gcnser Volkerbund geht es nach dem Alphabek und noch nie hat die„Kontinuität" darunter gelitten. Red. d.„B.") Das Schicksal des mexikanischen Antrages dürfte damit endgültig besiege» sein. ' Das Zarengespenst geht um. Ein falscher Demetrius in Rußland. Das Gespenst der Zaronsamili« spukt noch immer im Auslände umher. Erst kürstich überwarfen sich zwei deutschnationale Blätter wegen einer angebliche Grotzsiirstin Anastasia. Bor allem ober gibt es in Ruhlond selbst immer wicher gläubige Menschen, die sicki mit der Tatsache der Ermordung oller Mitglieder der Zarensamilie nicht abfinden können. Laut Bericht der Moskauer„Arbeiter- zeiiung* hat sich unier d«n Bauern des rnarischen Gebietes das Gerücht verbreitet, der Thronsolger Alexcj, der Sohn Nikolaus II, befinde sich ani Leben und sei bei der Aebtissin des Klosters in der Stadt Kosmodemjanski verborgen. Hier besuchten ihn viele Leute-, einige brachten ihm sogar Geldgeschenke. Der„Thronfolger" wurde unter polizeiliche Beobachtung gestellt. Es ergab sich u. a., dah er in Irauenklerdern umhergeht. Er wurde verhastet. Er erwies sich als cits Ajähriger Bauer. Teutfche Poesie. Wie die„Frankfurter Zeitung" mitteilt, hat die Ortsgruppe Frankfurt a. M. der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei an Hitler folgendes Huldigungstelegramm gesandt: Pressebanditen, Mattrosa blutigrot, lügen Nationalsozialismus gesvalten wt Haß stammt aus Fränkischgallien. Alle tressen wird göttlicher Fluch Wenn gestorben wir und vertrieben Geruch Tag kommt, dah Lumpen sterben, Kämpfer leben. Hitler wir glauben. Heil! Ortsgruppe Frankfurt a. M. Nationalsozialistische Deutsche Arbeitcr-Partci. An die tröstlich« Verheißung, dah mit dem Tode der National- sozialistischen Arbeiter-Partei auch zugleich ihr G.-ruch vertrieben sein wird, können wir nicht recht glauben. Wir fürchten, dah dieser Leichnam noch lange gen Himmel stinken wird. Verlegung der Großen Berliner kunstausslellung? Da der Glaspalost orn Lehrter Bahnhof, der bisher die großen Berliner Kunstausstellungen beherbergte, weder seiner Lage noch seiner räum- lichen Ausgestaltung nach den Anforderungen genügt, die man an da» grähte ossiziellc Kunstausstellungsgebäude der deutschen Reichs- hauplstadt stellen muh, haben die entfcheidenden Instanzen■— Kultusministerium und Finanzministerium— sich über eine Verlegung des Ausstellungshauses geeinigt. Man beabsichtigt auf dem Geländestück des Z o a l o g! f ch« n Gartens an der Budapest« Slrahc, das jetzt als Wirtfcdaftehof benutzt wird, einen Kunst Palast zu erbauen. Die Direktion des Zoo ist mit- dem Plan«inversianden, vorausgesetzt, dah sie«in entsprechendes anderes Gelände als Ersatz zugeteilt bekommt. Dieser Forvening widersetzt sich aber zurzeit noch die Tiergartendirektion, die von ihrem Bestand nichts hergeben will._ Sie Palucca mit Stoppe wird am Sonntag, dem 2k>. Januar, vormittags U'/, Hdr. im Theater am B ü l 0 w» I a» tanzen Plabkarien»um Preise von 2.—. und ch— M. an der Theaterkasse der Dolksbühn« Linien- strebe, bei Dertheim und lietz. ®ae Schauspieler-Itachtvorstelluos von„B ei uns um dt« Kedächt- niSttrche ruw" mit Willi Lchaesser«, Anni Mewes. Hubert vvn Neverink und der Piemterenbelchung findet om Freitag, den 27 231.1 ijjr, im Theater am itutlütltcnbamm zugunsten der Woblsahrtskoi'sc» der Hübn-ngenosf-nschost flatl Karlen sind im Büro de! BejirkSverbande». Keithltrab« li. gegen S.lSvcit erhältlich. z»« Zoteodaoten de» veub's'«n Ideale,, in Gera wurde der lang- säh'ige Mitarbeiter Max ReinbardtS, der spälere Leiter der Beiltner Rein- bardl-Pnhnen und derzeitige Tirellor de» Groben Schauspielhalise» Verlin, Karl R o l e n ernannt. Willy Wilhelm! geborben. �m»aionaer Krankenkau»'tcrd nach kurzer Krankdeil, stir achrztgiäbrig, Willy Wiiheimi, einer der Senioren der dculichcn Echouspiclerichail. Wiihelini, der 42 Jahr« lang den Hamburger und Altonaer Bühnen angehöite, war vi» in die letzte Zeit darstellerisch tätig. Der Verstorbene stammt aus Qlmütz und wirkte u. a. in den siebziger Jahr« auch a» Verlisar Ltltoria-Theater, Das Problem der Verjüngung ist wieder in den Vordergrund der öfsentlichen Diskussion gerückt: das hat seine besondere Ursache in der Entdeckung neuer Methoden, für die das interessierte(lies: zahlungsfähige) Publikum gewonnen werden soll. Sehr kostspielig erscheint die Methode des Proietsors V 0 r 0 n 0 f f zu sein, über die der ungarische Sexualforschcr Nemes-Nagy im B a ch- E a a l sprach. Es handelt sich um eine Uebertragung von Keimdrüsen des Affen aus den Menschen. Als biologische Ursache des Alterns ist ein Rückbildungsprozeh erkannt, der sich vor allem an der verminderten H 0 r m 0 11 b! l d u n g des Blutes zeigt. Das Blut ist dadurch zu eine.- Regeneration ilnsähig, und die Bindegewebe über- wuchern die Funklionszclleii, was die Verkalkung und Verengung der Blutgesähe zur Folge hat. Man hat es also direkt mit einer Ver- Minderung der inneren S c t i e t! 0 n zu tun, d. h., die vor- schiedcnen Drüsen des Menschen scheiden nicht genügend Hormon aue, ein Stosf, durch den das Gleichgewiebt im Haushalt des Or- ganismus aufrecht erhalten wird. Die wichtigste Rolle spielt dabei die Keimdrüse, die als Silz der Fsripflanzung anzusprechen ist. Dos Problem der Berjüngnug hat die Menschheit von jeher beschäftigt. Praktische Versuche sind aber erst aus der jüngsten �cit bekannt. Erinnert sei an den sianzösischen Physiologen B r 0 w n- <1 c q u a r d der sich selbst mit dem KeiindrÜsenextrakt eines Stieres verjüngte. Besonderes Aussehen haben dann die Experimente von Stet nach erregt. Voronosf behauptet nun, dah durch die Ueber- tragung von jungen tierischen Keimdrüsen aus die Menschen eine Verjüngung möglich sei. In Betracht kommen die Keimdrüsen von Mcnschenofsen. Die verpflanzten Drüsen sind sekrctionsfohig und rufen dadurch eine vollständige körperliche und seelische Ver- jüngung hervor. Schwierigkeiten bereitet nur die Beschaffung der Arien. Orang-Utangs, Gorillas und Schimpanseu sind selten und darum sehr teuer. Daher kommt mir der in Abessinien lebende Pavian in Vetrallzt. Voronoff hat mit seinen Versuchen vor etwa sieben Jahren begonnen, und bis heute seine Methode in drei- tausend Fällen angeamndt. In 79 von 100 Fällen waren gute Erfolge zu verzeichnen. Die Rückbrldung der Alterserscheinungen macht sich drei Monate nach der Operation bemerkbar. Die Operaüau, bei der auf die freigelegte Geschlechtsdrüse des Mannes Teile(öle Hälitc) der Keimdrüse des Ästen ausgelegt werden, ist fast schmerzlos und dauert nicht länger als 35 Minuten. Die Operation bei der Frau— der Frau werden Eierstöcke von Afienweibchen eingepflanzt— soll noch einsaiher sein und öer Erfolg sogar bedeutende'. Die Verjüngung ist eine anhaltende und auch in den Fällen, wo sie keinen Erfolg hatlc, war eine Verschlechtcrung des vorangegangeneii Zustandes nicht zu verzeichnen. Ein Film unterstützte leider nur sehr unzulänglich den Vortrag, so dah man in manck-en Dingen au> den guten Glauben angewiesen war. Von Interesse war ein zweiter Vortrag, den aus Einladung des Deutschen M 0 n t st e n b u n d e S Dr. Peter S ch 111 i d t in der Aula des Werner�Sienicus-Rcalgymiiasiums hisii. Dieser Referent wandte sich scharr gegen das Verfahren V 0 r 0 n 0 f f S, von dem er bestritt, daß es mit nachhaltigem Erfolg durchführbar sei. Der Vortragende wies aus die Methode Stei- na che hin, der betänntlich durch Unterbindung der Samenleiter die Pubertälsdrüsc des Mannes zu neuer Tätigkeit c.niegt, was auch eine erneute Honuonbildnng zur Folge hat. Die Verjüngung dec Frau wird durch Diothennie(Wärmer estrahlung) und Uebrr pilanzung von ni e n s ch l i ch e n E i c r st ö ck e u nach den Wechsel- jähren hervorgerufen. Die Regeneration des weiblichen und mann lichen Organismus ruft ober nur eine Wiederbelebung der i e k u n därcn Geschlechtsmcrrmale hervor. Auch dieser Vortrag wurde durch Lichtbilder unterstütz!. Zu bedauern ist, daß beide Redner sich nicht kritisch über die Entdeckung des Wiener Arztes Doppler ausgesprochen haben. Dieser verzichtet auf jede Drüsenaperation, sondern will vielmehr die Verjüngung des Körpers durch die Bepinsclung gewisser Nerven mit einer Phenallösung(nach Freilegmrg'einer Arterie) erzielen. Wie dem auch sei, es hat den Anschein, als ob di? Methode V a r 0 n 0 f s s kelnc große Zukmist haben wird— weil durch sie es in Zukunft keine Affen mehr geben wird. Woher dann die Drüsen nehmen? Die Grundstückspoliiik derGtadt Berlin Stadtrat Dusch—„mittelstandsfeindlich"? Gegen Stadtrat Busch, den Grundstücksdezcrnenten beim Magistrat, sind im letzten Jahr« Vorwürfe erhoben worden, die sich auf die Grundstückslärisc der Stadt bezogen und sich nicht allein mit der sachlichen Seite der Angelegenheit befaßten. Diese Dinge hatten, meldet eine Zeitungskorrcspondenz, auch die Führer der Wirtschaftepartei seit geraumer Zeit beschäftigt. Im Lehrer- oercinshous trat am Dienstag abend eine K 0 ir j e r e n z zusammen, die aus den drei Berliner Bezirken der Wirtschastspartei sich zu- jammrnsetzle. Außerdem waren Abgeordnete des Reichstags, des Landtags, der Stadtverordneten und der Bezirksversammlungen anwesend. Stadtrot Busch hatte das Hauptveserat über die„Grund- st ü ck s p 0 l i t i k der Stadt Berlin" erhalten. Er betonte (schreibt die Korrespondenz), daß die Stadt Berlin innerhalb der letzten vier Jahre ein imgehcnres Ausdehuungsbvmrfnis angesi hts der immer größer werdenden Bevölkerungszahlen gehabt Hobe. Auf- gäbe der Stadtverwaltung Hobe, es daher �felt müssen, durch eine geschickte Gxundstückspolitik in sozialer und wirts chostlicher Weite dafür zu sorgen, dah bei einer weiteren Ausdehnung der Bebauung genügend Raum für die Anlage von Freislächcn, Parks und Siedlungen zur Bersiigiing stehe. Auch die Notwendigkeit der Ausdeh- nvng und weiteren Verlegung der Rieselselder von der Peripherie der Stadt habe die Ankäufe von Gütern und Terrains erfordert, deren Richligkeit man erst in späterer Zeit erkennen werde, istodt- rat Busch verlangte, daß die Versammelten die Grundstückspolitit der Stadt Berlin gutheißen sollten. Der Dorsttzende der Wirtschaftsparte! Drcws wandte sich sehr stark gegen seinen Parteifreund. Er erklärte, daß die von Stadtrat Busch unterstützte Krundstückspolitik der Stadt mrttel standsfein d- > i ch und im letzten Grund« spekulationsrördernd fei. Der Ankauf von Gütern durch Berlin und d« Verkauf landwirt- fchafUicher Produkte bedeute eine unerträgliche Konkurrenz für den mittleren und Kleinhandel. Die Wirt- schaftsparte! könne die Grundstückspolitik der Stadt nicht billigen und könne dam Magistrat infolgedessen auch keinen Wirtschasts- parteiler als Grundstückedezernevten zur Verfügung stellen. Drews forderte Stadtrot Busch auf. fem Amt möglichst umgehend zur Derfüaung zu stellen. Die Aussprache dauerte bis um 4 Uhr morgens. Zu einer großen Lärmizcne kam es, als ein Delegierter der Konserenz dem Stadtrat die Frage vorlcat«, ob bei dem Cladowcr Gutstauf eine Provision von 300 000 M. an einen Berliner Rechtsanwall ge- zahlt worden sei. Stadtrat Busch erklärte unter großem Tumult, er könne diese Frage nicht beantworten, da er durch sein Amt zur absoluten Berschwieaenheit verpflichtet sei. In früher Morgenstunde wurde eine Entschlicßuna mit 117 gegen 8 Stimmen gesaht, in der Stadtrat Busch ausgefordert wurde, dem Magistrat bis zum 31. Januar sein AmtzurBersügungzu st e llen. Sollte er dieser Auisorderung nicht nachkommen, Hab« er sich als außerhalb der Partei stehend zu betrachten. Es'st eine Ironie des Schicksals, daß Herr Busch, der sich in der Affäre Kutskaus Düppel durch keine Angriffe hat er- schüttern lasten, jebt von seinen eigenen Freunden wegen ver- m« i n t l i ch e r„M i t t e l st-a n d s s e i n d l i ch k e i t" g e st ü r z t werden soll. Hauotgriind der Verstimmung geaen Busch dürste das sein, daß die Wirtlchaltspartei längst die Ausdehnung der städtischen Grundstückswirtschaft mit Verdruß beobachtet hat. Tod-'sstnrz aus dxm Hotelfeuster. Ein aufregender Vorfall spielte sich heute srüh kurz nach 4 Uhr in einem Haus« in der W e b e r st r a ß e ab. Hausbewohner wurden durch einen schweren Fall auf dem Hos alarmiert und fanden in einer großen Butlachc den 3SigHr!gen Monteur Stadel- m a n n leblos auf. Der h-izzugeruienc Arzt der Nettungssiellc 15 stellte den Tod infolge doppelten Schädelbruches und schwerer innerer Verletzungen fest. St. hatte sich, wie festgestellt wurd«. aus dem Fenster seines im zweiten Stockwerk gelegenen Hotelzimmers tn die Tiefe gestürzt. Die Gründe, die ihn zu dem Dcrzweiilungsschrilt oeranlaßt hoben, sind nah vv-vi"'«. Die Leiche wurde in das Schauhaus gebracht. Ein falscher Arzt. Ein salscher Assistenzarzt, der als Betrüger und Dieb in ver- schiedenen Gegenden des Reiches se n Unwesen getrieben hat, wird auch m Berlin gesucht. Es Handell sich um einen 24 Jahre allen aus Trier gcbürtioen Kiankenpfleger Heinrich Schm iz. Dieser ver- stand es. mit gefälschten Papieren im St.-Joseph-Holp'tol in Köln- Kalk unter dem Namen„Dr. Heinz Schmiz" anzukommen>1 n d s i ch 9 Monate zu halten. Dann stahl ei dem Assistenzarzt Dr. Breuer alle Papiere, darunter U n i v c r s i t ä t s z e u g n i s s« und Wissensch ältliche Bücher, ärztliche I n st r u in e n t« und Arzneien. Mit den gestohlenen Papieren führte er sich beün Kreiskrankenhaus in Luckau als„Assistenzarzt Dr. Schmiz- Breuer" ein. Als seine Schwindeleien ruchbar wurden, lieh er alles im Stich und verschwand. Es wurde sestgestellt, daß er ein.- Fahrkarte nach Berlin gelöst hatte. Vermutlich setzt er sein Treiben noch fort, vielleicht auch als katholischer Geistlicher, weil er auch mehrere Breviere gestohlen hat. Der Versolgte, der von Frankfurt a. Main, Kassel und Dresden her gesucht wird, ist in Berlin noch nicht gesunden. Eingestellie Beleidigungsklage. Tlationalsozialisien dürfen„Ludensau" schimpfen. Vor dem Schöjsengcricht in Moabit wurde heute vormittag gegen die Nationalsozialistin Klinck wegen Beleidigung des Pfarrers Stucke verhandelt. In einer Reichsbannerversammlung des Kreis- Vereins Tiergarten hatte Pfarrer Stucke über„Eine halbe Stunde bei den Nationalsozialisten" gesprochen. Während dieser Ausführun- gen hatte die Angeklagte Klinck mehrfach Zwischenrufe gemacht, sv unter anderem dos Wort„Iudensau",„Du Host noch nicht genug be- kommen". Wegen der Versammlungssprengung war vor acht Tagen verhandelt worden: wie wir bereits berichteten, wurden sämtliche Angeklagten srcigcsprachen. Auch heute endete das Verfahren mit der Einstellung auf Kosten dcrStoatskasse. Das Gericht nahyi als Grundlage für die Verhandlung einen Strafantrag, von dem niemand wußte, durch wen er gestelli worden ist. In diesem Strasantrag wurde die Angeklagte be- schuldigt, das Wort„Judenjan" gerufen zu haben. An seiner Der- nehmung erklärte Pfarrer Stucke, daß er dieses Wort nicht aus sich beziehe, sondern annehme, daß dieser Zwischenruf den verstorbenen Reichsaußenminister Rathenau tressen sollte. Dieser Zwischenrur wurde in dem Augenblick gemacht, als Stucke Worte von Rathenau zitierte. Er fühlte sich beleidigt durch den Zwischenruf„Du hast nach nicht genug bekommen". Der Verteidiger der Angeklagten pra- testierte gegen ein« Verhandlung über diesen Zwischenruf, da ja im Strasantrag dieser beleidigende Zwischenruf nicht vermerkt sei. Das Gericht verkündet« den E i n st e l l n n g s b e s ch l u ß mit der Begründung, daß der Strasantrag nicht ordnungsmäßig gestellt sei. Er gibt die einzelnen Ausdrücke nicht wieder, die eine Beleidigung darstellen sollen. Für die Beleidigung des verstorbenen Rcichsoußen- Ministers Rathenau kann dieser Antrag nicht genügen. Das Rc- Publikschutzgesetz käme für diese Beleidigung in Frage: den Straf- antrag für Verstorbene kann aber nicht jeder stellen. Am übrigen betonte der Vorsitzende, daß d!« Beleidigung in einer politischen Ver- sammlung gefallen und dah leider die Tatsache zu verzeichnen sei, dah politische Gegensätze heute oft mit persönlichen Beleidigungen ausgelochten werden. Wenn auch das Strafverfahren singestcUt werden muhte, weil anscheinend der Strafantrag nicht richtig gestellt war, so muh doch verlangt werden, dah die zuständigen Stellen alles Notwendige ver- anlassen, um die Beleidigung des Reichsauhenministers Rothenau zu sühnen. Herr Pfarrer Stucke wurde mit diesem Einftelliingsbeschltih auf den Weg der Privatklage verwiesen. Zugzufammenstoß in einer Kohlengrube. Zwei Tote, zwei Schwerverlehte. Mückenberg(Bezirk Halle). 23. Januar. Im Abraumbetrleb der Grube Jriedländer der Braunkohlen- iind Brikettindustrie ereignete sich heute nacht ein folgenschwerer Zu- sammenstoh zweier Kohlcnzüge. Die Führcrstände der Lokomotiven wurden vollständig zertrüininert. Dabei wurden Führer und Heizer der einen Maschine getötet, während die beiden Bedienungsleute der zweiten schwere Verletzungen erlitten. 1 emem»aiaiyr oer yuriten|icinct isruoen wuroen nary egrer og aus Waldenburg in der vergangenen Nacht durch eltiges Losgehen eines S p r e n g s ch u s f« s vier ute schwer verletzt. In einem Schacht der Fürstensteincr Gruben wurden nach estrcr Meldung v 0 rz ei Bergleute Falsche Gerüchte über Oampfertatastrophe. Nach unbestätigten Blättermeldungen soll der belgische Passa- gicrdampfer„E l i s a b e t h v ill c" auk der Höhe von Teneriffa an der Nordwejtküstr Afrikas gesunken sein. Die Etgemümeriu des Dampfers, die..Compagnie Helge maritime du congo" w Brüssel, dementlerl setzt aus das entschiedenste alle Unglückcgcrüchte über den Dampfer„Elisabethoille", der am 23. Januar mittags Teneriffa ordnungsgemäß verlassen hat. Eine lächerliche Verdächtigung. Polizeipräsident Genosse Z ö r- giebel ist in verschiedenen Blättern mir der Behauptung angc- grisscn worden, er hätte amertkanischen Journalisten gegenübcr ertlärt. das ungeheure Verbrechertum von Ehikago habe leine größte Konkurrenz in Berlin. Der Polizeipräsident reilt mit. daß er natürlich weder diese noch eine ähnliche Aeuhe- rung, weder mündlich noch j christlich getan hat. Werkzeugmacher an die Front! Lohnbewegung in der Berliner Metallindustrie. In der überfüllen Vcrsammluno der Werkzeuginacher ans den Betrieben des Verbandes Berliner Mctollindustnellsr am Dienstag abend in den„PrachtfAen ani Mörchenbrunnen" bcrichteie Genosse 1J r i ch über das Ergebnis der Berhandlungen, die am Montag mit dem VBMJ. wegen der Abschaffung der Akkordarbeit im Werkzeugbau und der Einführung f c st c r M i n d e st st undenlöhne geführt worden sind. Er ging zunächst auf die Prüfungen der Akkordlnsteinc ein. die ans(Brun» einer Vereinbarung in der letzten Verhandlung im Bei- sein des 2. Vranchcnleiters, Genossen Knopf, und verschiedener Unternehmer in einzelnen Betrieben durchgcsühr» worden sind. Solche Prüfungen sind vorgenommen worden bei den Firmen S i e m ens, Lorenz, Z wietusch und S ch w a r tz k a p f f. Die Braiichev.- tommrksion ist schließlich ül-ereingekammen, weiter keine Prüfungen vorzunehmen, iveil die Art der Dnrchsührung ni�kt das Material zu- tage fördern konnte, wie cs für die Verhandlungen benötigt wurde. Es kam schon bei der'Abfassung der Prnfungskontrollc zu Differen- zen. weit die Unternehmer immer die gegenteiligen AussassuNgen nicdcrgclezt haben wollten als der Bertreter der Branchcnleitung. Infolge der Sabotage der Prüfungen durch die Unternehmer sah sich die Ortsoerwaltung gezwungen, durch Fragebogen die Akkardverhältnifse in den Betrieben festzustellen. Das dadurch ge- Wonnen- Tatsachenmalcrial wurde dann in der Aerhandlung am Montag den„Prüsungs"protokollen gegenübergestellt. Der Ber- handlimgsleiter, Direktor Kremmener. crilänc unoerfroren, daß nach seiner Meinung die Prüfungen ergeben haben, daß die Akkordarbeit iin Werkzeugbau durchführbar sei. Nach seiner Fest- stcllung müßten nachträglich nur etwa IS Praz. der Akkordpreise anfgebesser! werden, was durchaus kein Argument gegen die Akkord- arbeit sei. In seiner Gruppe, der Eisenformerci, sei die Kalkulation »och viel schwieriger. Trotzdem hier nachträglich etwa 2l> bis 2S Praz. der Akkordpreife aufgebessert werden müßten, denke m dieser Gruppe niemand an die Beseitigung der Akkordarbeit. Die Verhandlunzzskommission der Werkzeugmacher hielt diesen aiis Grund der Prnsnngskontrolle ausgestellten Behauptungen cnt- gegen, daß sie diese Protokolle nicht anerkennen könne. Der Vor- treter der Branchenleitung sei in allen Betrieben von einem Stab von Docgesehien umgeben morden, wodurch die beiraaten Arbeiter in Verlegenheit ver- setzl ivurdem Durch die Fragebogen sei vielmehr folgendes festge- stellt worden: Fast in keinem Betrieb« wird bei Beginn der Arbeit auch ein Akkordzettel ausgegeben, auf dem der Akkordpreis ver- merkt ist. Diesen Zettel erhall der Arbeiier oftmals erst nach einigen Tagen. Kann der Arbeiter mit dem sorgeschriedsnen Akkordpreis »irht auskommen, so wird ihm entweder crwas zugeschrieben, ihm! ein Lehrling zum chelfen gogeben oder ihm sogar, besonders in den I Siemcns-Betrieben, Arbeiten vemchnet, die er gar nicht gemacht hat! Bei der Firma Lorenz wurde festge- stellt, daß etwa SV bis 60 Praz. der Akkordpreis« nicht stimmen. Wie„objektiv" die Prüfungen vorgenommen wurden, konnte man im Siemcns-Bctrieb sehen, wo man nur Arbeiter befragte, die abgebaute Bizemeisier und Meister, Meistersöhnc oder Gelbe waren. Das gesamte von der Bcrhandlnngskommission vorgebrachte Materia! mochte auf die Unternehmer gar keinen Eindruck. Roch einer kurzen Beratung gaben sie kallschnäuzig die Erklärung ab, daß für sie die Frage der Akkordarbeit erledigt sei und weitere Verhandlungen darüber sich erübrigen. Genosse Urich stellte dann im Austrage der Beihandlungs- kommission die Frage, wie sie sich denn zu den Lohnforde- r u n g c» stellen, woraus ihm die Antwort zuteil wurde, daß die Ilntcrnchmcr keine M ö g l i ch k e i l sähen, die Löhne zu erhöhen. Nach ihrer Ausfassung könnten die Werkzeugmacher die von ihnen gesorderten Löhne zum größlcn Teil heule schon verdienen, wenn sie intensiver arbeiten und nicht mit der Arbeit zurückhalten würden. Wer das nicht könne, sei eben kein W e r t z e u gm a che r, sondern ein Stümper. Als die Vcrl)andlungskommission eine klare Antwort von den Unternehmern verlangte, erklärten sie, daß sie zn tohnverhandlungen kein Mandat hätten, sondern daß solche Verhandlungen mit der Lohnkommissiyn des NÄMI. geführt werden müßten. Man kam schließlich überein, daß die Verhandlungen am Donnerstag nachmittag mit der Lohn- kommission des VBMI. weitergeführt werden sollen, und zwar generell für alle Betriebe. Dieser Bericht entfachte begreiflicherweise c'ne längere Dis- kusiian, in der die Empörung über das Verhalten der Unter- nehmer zum Ausdnick kam. Ein Redner machte den Vorschlag, von nun an genau nach den Vorschriften des Rahmen- t ei r i f s zu arbeiten, die besagen, daß bei Beginn der Arbeit sofort der Akkondzettel auszuhändigen sei, und daß die Arbeit mit dem Durchschnittsakkordoerdienst bezechlt werden müsse, wenn dieser Vor- schrift nicht nachgekommen werde oder nicht nachgekommen werden könne. Genosse ilrich einpfahl den Versammelten in seinem Schluß- wart, diesen Vorschlag schon ab heute. Mittwoch, zu befolgen. Die Organisation werde sich mit allen Mitteln daiür einsetzen, daß der Tarifvertrag auch van den Unternehmern respektiert werde. Di- VeAammlung beschloß dann e i» st im m i g, dem Dorschlaq nachzukommen und auch die Unorganisierten zu diesem Vor- gehen zu bewege». Zu dem Ergebnis der Verhandlungen ain Donnerstag wird eine neu« Branchenoersommlung om Sonnjag vormittag, l» Uhr, Stellung nehmen, die dann auch, je nach dem Ausgang der Verhandlungen, die weiteren Maßnahmen beschließen wird. Die Aussperrung in MitfeWeuischlanS. Oer Kampf dehnt sich aus. t) a l l e, 25. Januar.(Eigenbericht.) Soweit bis heute mittag bei der Bezirksleitung des Deutschen Mctallarbeitervcrbandes Ilachrichlen aus den verschiedenen Orte« des Kampsgebiels vorliegen, scheint die Ausspcrrnng ziemlich restlos durchgesiihrt zu sein. 3n Magdeburg stehen jetzt r n n d 20 000 Arbeiter im Kamps. 3n chatte beträgt diese Zahl rnnd SOOO, wovon-die meisten aller bings Streikende find. Zn T h a l e sind 4200 Arbeiier aus der Straße, fast sämtlich aus- gesperrt. Zn Merseburg hat nur ein kleiner Betrieb ausge- sperrt. Etwa 800 Arbeiter stehen dort noch in Zlrbcik. Die Zeih er Eisengießerei, die dem Tarisoertrag nicht angeschlossen ist, hat der Belegschast gleichfalls gekündigt. Nach J r e> t a l und K i e f a also eine weitere Ausdehnung des Kampfes über dar eigentliche Tacisgcbiet hinaus. 3» Verüb»rg. Käthen und K o s w I g ist die Aussperrung gleichfalls durchgeführt worden. Aufstieg bei den Sattlern. Mustergültige Gefthöstsführung. Im großen Saal des Gewcrtschafishauses fand am Dienstag abend die überfüllte Jahresversammlung der Berliner Ortsvenvaltung der Sattler, Tapezierer und Portcfenillcr statt. Ans dem.Kassenbericht für 1927, den Weyher er- stattete, geht hervor, daß sich die finanziellen Verhältnisse der Or- ganisation wesentlich gebessert haben. Die Einnahmen und Ausgasten für die ch a» p t k a s s e balancieren mit 185 764,80, die der L a k a l k a s s« mit 132915,64 M. Der Bestand der Lokal- falle, d-r am Ausgang der Inflation nur 300 M. be.rug, ist auf 73 606,60 M. angestiegen, im vorigen Jahre allein um rund 30 000 Mark. Pro Kopf der Mitglieder beträgt das Vermögen der Lokal- ka"e allein rnnd 16 M, ein sehr hoher Betrag, der für die spar- sckme Wirtschast der Ortsvenvallung ein glänzendes Zeugnis ab- legt. Dabei ist zn berücksichtigen, daß auch im Vorjahre die A r- beitslosigkCL.it noch eine sehr hohe war und weit über dem Durchschnitt der Gewerkschaften lag. Allein sür die Mitglieder der Berliner Ortsoerwaltung muhien 13737,70 M. an Erwerbslosen- Unterstützung gezahlt werden. Trotz dieser hohen Unterstlltzungs- ziifcr wurden ohne Sammlungen nn die Erwerbslosen 3841 M. an Weihnacht s u nterstiitzung gezahlt. Den Jahresbericht gab Blume, der in einem einstündigcn, amchnulichen und klar durchdachten Vortrog das Leben der Orts- Verwaltung, die Lohnbewegungen und Kämpfe im Jahre 1927 aus- rollte. Dank dieser vorbildlichen Arbeit ist es gelungen, den Mit- gliederoerlust ans dem Jahre 1926 fast ganz wettzumachen. Gegen 4198 Mitglieder am Jahresbeginn betrug die Mitgliederzahl om Jahresschluß 4506. Blume schloß seinen Vortrag mit anssncrnden Warten, alle Parteistrcitigkciten beiseite zu lassen und einig und geschlossen den kommenden Kämpfer entgegenzugclzen. Dieser Appell verhallte leider ungehört bei der Fraktion Moskau, die sich wohl ihrer Herkunft schämt und nur mit„Oppo- silion" angesprochen sein will, obwohl diese Opposition gar keine ist. Beherrscht sie doch vorläufig noch immer die zweitgrößte Branche, die der Tapezierer. Sachlich wußten die Opposirionsredner an der Tätigkeit der Ortsverivaltung nichts auszusetzen. Deshalb mäkelten sie an Kleinigkeiten herum und warfen der Ortsverwal- tiing sogar vor, daß diese nicht den Zlnschluß an Sowjetrußla>d gesucht habe! Sehr stark waren die Widersprüche. Einerseits warfen die Kommunisten der Ortsverwaltung vor, die persönlichen Ange- legeNheiten vertuscht zu haben, andererseits beklagten sie sich, daß man den traurigen Fall Müller und ähnlicher kommunistischer Leuch- ten überhaupt besprochen habe. Wenn man weiß, daß einer der Verleumder, der die Verfehlungen des Kommunisten Müller unserem Genossen Osten in die Schuhe geschoben hat, von der„Oppo- sition" zum 1. Kassierer vvrgeschlageii wird(!), daß ein onderes prominentes Mitglied der„Opposition" einmal 6 Wochen als Streik- brechcr tätig war, daß ein anderer Verleumde? seinerzeit von den Streikenden gewaltsam aus dem Betrieb herausgeholt weiden mußte, dann begreift man die Empfindlichkeit der Opposition. Sie hätte also besser getan, zu schweigen, zumal sogar ihr Führer Hegenbarth anerkannte, daß die gegen Genossen»Heinrich vorgebrachte Verleumdung, er habe als Streikbrecher gearbcitei, nicht stichljal ig fei. Der Beschluß, die Wahl der Ortsoerwaltung durch U r w a h l bereits am 4. Februar vornehmen zu lassen, wobei nur Mit- glieder, die seit 13 Wochen Mitglied sind, abstimmen könne», hat der Opposition offenbar ihre Schiebungen verhagelt. Sie pro- testierte gegen diese„Vergewaltigung". An unseren Gelassen, an allen, die nicht Zustände einreißen lassen wollen, die unver- in e i d l i ch sind, wenn die K'i�aniren der Stalinpartei regieren, liegt es, daß bei den Wahlen am 4. Februar die Liste Amsterdam einen glänzenden Sieg erring!. Veeb-ut der Stiller, Lackierer. Aaftrricher. lZrettag librad 7'. Uhr iin Ee» rnrtschafislxias(cool 4), äugclufer;;4—£>, Mitaliedervrrsamuiiuilg. Tage». orirnung; I. Stellungnahme zum Lahn, iwd Tarifabschluh. Referent; Kollege Schicmanu. 2. Tislussion und Berschirdencs. Kollegen! Jeder, der zu dcr Ausgestaltung des Tarifes und der Bcilcrgcftaltung des Lohne« beitragen will, sorge für Stärkung der Organisation und trage zum Verlammlungsbesuch bei. Mitgliedsbuch legitimiert. Di« Ortsvcrwol.ung. Die Buchdrucker kündigen den Lohniarff. Bevorstehender Lohnkampf. Der Vorstand des Buchdruckerverbandes war bereit» im Ito- vember vergangenen 3ahres in Verhandlungen mit den llnterveh- mcrn eingetreten, um eine zwischenlarisliche Lohnregelanez herbeizuführen. 3edoch lehnten die Unternehmer jede Lohn- erhähung rundweg ab. Mit Rücksicht aus die weitere Ausdehnung der Teuervag hak jetzt der Verbandsoorskand den bis zum Zt. Mörz 1928 laufend«» Lohntaris gekündigt. Der Termin sür die kommenden Lohnvelhandtungen steht noch nicht fest. Schon jetzt muh ober den Unternehmern gesagt werden, daß sie diesmal nicht wieder um die unbedingt notwendige Erhöhung des Lohnes herumkommen. Die Geduld der Gehilsen ist infolge der ständigen, durch keine LohnerhShung ausg,. glichcnen Verteuerung oller Bedarfsartikel am Ende. 3m ganzen Re'chc drängen die Buchdrucker zu einem ihren berechtigten Forde- rungen entsprechenden Lohnausgleich. Rur wenn die Unternehmer mit der Arbeiterschaft eine Verständigung in der Lohnsrage erstreben, wird es möglich sein, den Frieden im Buchdruckgewerbc aufrechtzuerhalten.___ Schiedsspruch in der nordwestlichen Metallindustrie. Essen, 23. Januar. Die Verhandlungen für einen Schiedsspruch in der Nordwest- lichen Metallindustrie haben zu folgendem Ergebnis geführt: Dick bisherige seste Zulage der Akkordarbeiter von 19 Pf. pro Stunde wird ab 1. Januar 1928 auf 21 Pf. in der Spitze erhöht. Do, wo die lest« Zulage bisher akkordfähig war, wird der Aktorb- grundlohn derartig angesetzt, daß für den Durchschnittsverdicvft eine Erhöhung um 2 Pf. erzielt wird. Eine einheitliche Akkord- berechnuna ist infolge der Verichiedenartigkeit der Werke unmöglich. Wo icfte Zulagen vorhanden sind, bleiben sie bestehen: wo seste Zu- lagen akkordfähig waren, werden die Akkordgrundlöhne in der bis- herigen Weise umgerechnet. Für Orts- und Betriebsverhandlungen besteht freie Hand. Da bezüglich des Lahnmisgleichs eine Einigung noch nicht erzielt werden konnte, wird am Freitag weitcrverhandelt werden._ Um die Arbeitszeit im Aachener Kohlenbergbau. , Köln. 25. Januar. Vor dem Ständigen Schlichter im Bezirk Rheinland sanden gestern Verhandlungen über die Arbeitszeit für den Aachener Steinkohlenbergbau statt. Die für die Untertags- s ch i ch t vorgesehene Arbeitszeit soll nach dem Schiedsspruch auch weilerbin b e st c h e n bleiben mit Rücksicht auf die besonderen Ver- hältnisie des Wurmrevicrs und die Entscheidungen an der Ruhr sowie für Holland und England. Bezüglich der Uebertage- arbeiten ist ein Schiedsgericht vorgesehen, das�nach Besichtigung der Betriebe und Berhandlungen an Ort und»stelle endgültig entscheiden soll. Die ganze Regelung soll im Oktober ablaufen. Die Arbeiter lehnten den Schiedsspruch aus grundsätzlichen Er- wägungen ab. Die Arbeitgeber müssen sich bis morgen erklären., Oie Fpieöensverhanölungen in Engtänd. Sie werden fortgesetzt. London. 23. Januar.' Der Gcnerolrat des Gewerksckjoilskoilgrefjes hielt gestern ein« mehrstündige Sitzung ab. Zum Schluß wurde eine offizielle Er- klärung abgegeben, in der es b:ißt, daß der Generalrat beschlossen hat, die Erörterungen mit der Gruppe der Unternehmer sortzu- setzen, und den icho» vor der ersten Konferenz mit den Unte''- »chmcrn ernannten Ausschuß ermächtigt hat, mit dem Ausschuß der Arbciigeber zusainmenzutressen, um die in Betracht kommenden Fragen und künftigen Vorkehrungen zu erörtern. Wie verlautet, wurde dieser Beschluß, die Erörtcriingen fortzusetzen, mit beträchtlicher Mehrheit erzielt. Man niknnit jedoch an, daß es mehrere Monate dauern wird, bis konkrete Vorschläge oder An- empfehlungen ersolgen werden. England und die Washingtoner Konvention. London. 23. Januar. 1 „Times" meldet: In dem gesetzgeberischen Programm der kam- inenden Parlamentssession, das gegenwärtig vom Knbinctt erwogeir wird, ist, wie verlantet, eine Vorlage zur Ratifizierung der Woshing- taner Konvention über die Arbeitszeit nicht enthalten, obgleich die 'Arbeiterpartei bei der Regierung darauf gedrungen hat. Man er- wartet, daß am nächsten Mittwoch aus einer Zusantinentunft der Leitung des Intcrnotionalcit Arbeitsamtes in Genf«in« Erklärung über die Haltung der britischen Regierung abgegeben werden wird. Aufgehobene Sperre. Die Sperre über den Betrieb Vi kt orla« Garten, Inh. Walter Rctzlaff, Wilmersdorf, Wilhelmsou«, wird hiermit ausgehoben. Herr Retzlaff hat ans Grund von Berhandlungen den Tarifvertrag für das Graß-Berliner Gastwirts- gewerbe, sowie den öffentlichen Arbeitsnachweis anerkannt und sind somit die Difscrenzcn beigelegt. Zentralrerdand der Hotel-, Restaurant- und East'-Angestellten, Zweigverein Groß-Lerlin. Die Sparkasse der Bank der Arbeiker. Angestelllen und Beamte>1 A. G„ Berlin. Mallslr. 65. ist täalich mit Ausnahme von Sonnabend von 9—2 Uhr und 4— 6 Uhr. Sonnabend» von 9—1 Uhr geöffnet. Verantwottlich ill- Politik:?r. ckurt Sei)»»! Wirtfchalt:®. 5tli»gelhöfe?: Cewerlsltaflsbcwegung: 3. Steiner; Seuilleton: X. K. Döfchee; Lokale» und Sonstiges: Frij, Zlaritädti Anzeigen: Td. Stocke, sämtlich in Billin. Lerlgg: Aorwario-Aerlag IS n>. b. H., Berlin. Druck: Borwärls-Buchdruckeret und Berlagsanslalt Paul Singer u So., Berlin SIS SS, Lindennrage X Bockbier. Motzen Dutzend v. 20 Pfennig an Oomino Masken von 10 P'. an, Pr.m« Adas Z0 Of. Ricsenaus- wabl all. Festanikel seht billir. Vereine, Gast« ine, Händler besonders billig. Konnnltilmtnre. A. MAAS a Co. cz. m. d. H. MirVgrafentlr.Ma.C.UriBitr Settfedern anerkannt billig und reell. Pkd ara»MPk..gesch>.goDs. W Rllps t 75. Halddaune 2.75,4. weiß volldaunige.,. 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