Morgenausgabe Nr. 43 A 22 45. Iahrgang DSchentkch n Psennig. monaMch S— Reichsmark lm voraus zavlbaL. Unter Streifband im In- und Aus» tand S.SO Reichsmark ort Monat. De?„Conoörts* mtl de» illustrier» ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit" sowie den Beilagen.Unterhaltung und Wissen*.Aus der Filmwelt". .Stodtdeiloge*.Frauenstimme", .Der Kindersreund*.Iugend-Dor» wärts*.Blick w dr» Büchenvelt", .Kulturarbeit' und.Technik" erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags und Montag» einmal. �-rw Berliner VoMbintt Donnerstag 26. Januar 1928 Groß-Äerlin ly Pf. Auswärts 45 Pf. Die e t a s p a t k» g« Ronparelllezeil» �0 Pfennig Reklamezeile 5.— Reichs» mark.Rictne Anzeigen' da» iettge» druckt» Wort 25 Pfennig lzulässig zwei »ettaedruckte Motte), sedes weitere Won 12 Pfennig Stellengeiuche das erst? Wort tb Pfennig, zedes wertere WoN tv Pfennig Worte über 15 Buchstaben zählen fih zwei Worte Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig Familianzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen» annahm» im chauptgefchäfi Linden» strafee 3. Wochentag! oonS'/g dl» 17 UHl Jentvalovgan der Gozialdemokrattfchen ISartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstrahe 3 Fernsprecher: Tönhoil 292—297 Telegramm-Adr: Sozialdemokrat Berlin Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postl-beikkonto: Berlin 37 S3S- Bankkonto: Bank der Arbeiter,«ngestellien und Beamten Wallstr. Kö Diskonio-Gesellschaft, Teposiienkasle Lindenslr 8 Bayern- ein warnendes Beispiel! Schlimme Auswirkungen des Konkordats. München, 25. Januar.(Eigenbericht.) Das vor vier Jahren abgeschlossene Konkordatdesbaye- rischen Staates mit der römischen Kirche ist zurzeit im Bayeri- schen Landtag bei den Beratungen zum Kullusetat Gegenstand hcsliger Auseinandersetzungen. Der Unwille über die schlimmen Auswirtungen des Konkordats macht sich auch bei den bürgerlichen Rednern immer deutlicher bemerkbar. Der sozialdemokratische Mitberichterstatter Dr. högner stellte fest, daß auch der stärkste Pessimist beim Inkrosttreten des Konkordats nicht annehmen konnte, dag sich die Auswirkungen so bald schon zeigen würden, und daß die Kirchenbehörden so unklug sein würden, den Bogen vorzeitig zu überspannen!„Der volksschullchrer ist bereits vollständig dem Willen der kirchlichen Oberbehörden ansgc- lieferl. Der Staat macht sich zum handlanger der kirchensnrslen. anstatt sich schützend vor seine veamlcn zu stellen. Es ist beispielsweise den katholischen Lehrern an einer bayerischen Bekenntnisschule unmöglich, sich ein zweites Mal zu verheiraten, wenn feine ge- schiebe nc erste Frau noch lebt: auch dann nicht, wenn tf unschuldig geschieden ist, wenn z. B. seine Frau unheilbar geisteskrank ist." Högner wies an Hand von Zusammenstellungen des bayerischen Lehrcrvereins ferner auf eine Reihe von Fällen hin. bei denen Bolksschullehrer. weil sie eine zweite Ehe eingegangen waren. aus Befehl der Kirchenbehörden durch die Regierung vom Dien st c dispensiert wurden. Ein Lehrer wurde vom Dienste enthoben. weil er«in historisch» Buch über den Bauernkrieg versaht hatte. in dem naturgemäß die Fehler der damaligen SIrche aufgezeigt wurden. Ein Pfarramt ging sogar so weit, eine Lehrerin zu v e r w e i s e n, weil sie als Gruß das„Grüß Gottl" anstatt des katholischen..Gelobt sei Jesus Christus' eingeführt hatte: „Grüß Gott' sel kein katholischer, sondern ein simultaner Gruß!! Angesichts solcher Fälle bedeuten die Sicherungen, die das i?on- kordat enthält, nur noch ein Fetzen Papier, denn die Kirche wird auch künftig nicht gewillt sein, auch nur eine Handbrett van den so leicht gewonnenen Rechten abzutreten. Selbst der Redner der Bayerischen Vollsparlel mußte zugebcu. daß die angegebenen Fälle zwar schon vor dem Konkordat die Möglichkeit zum Einschreiten gegen die Lehrer gegeben hätten, daß aber das Konkordat dem Staate das Einschreiten zur Pflicht mache. Der Bildungsausschuß des Reichstages beschäftigte sich auch gestern mit der Kostensrage des Reichsschulgesetzes. Reichs- finanzminister Köhler weist daraus hin, daß die Erklärung Keudells keine Ressortertlärung, sondern eine Erklärung des Gesamt- k a b i n e t t s gewesen sei. das sich durchaus einmütig auf den Standpunkt der Erklärung gestellt habe. Bei der Neuregelung der finanziellen Verhältnisse zwischen Reich und Län- dern, die den Lastenausgleich in sich schließe, werde man in den Ichren nach Einführung des Reichsschulgesetzes und wenn die fi- nanziellen Auswirkungen des Willens der Erziehungsberechtigten tatsächlich zu übersehen seien, selbstverständlich auf diese neuen Ver- Hältnisse Rücksicht zu nehmen haben. Abg. Biester(Soz.) hält die Ausfühyungcn des Reichsfinanz- nsinisters für überraschend und wendet sich der Kritik der Kostenregelung im einzelnen zu. Die Kosten, die den Gemeinden aus dem Schulgesetz erwüchsen, seien geradezu ungeheuerlich. Ministerialdirektor Käflner-Preußen erklärt, es müsse mit allem Ernst betont werden, daß es bei der kostcnsroge um die Existenz des gesamten preußischen Bolksschulwesens gehe. Dabei sei noch zu berücksichtigen, daß sich Preußen bei der Kostenberechnung stärkste Zurückhaltung bei Annahme einer einprozentigen Absplitterung auf- erlegt habe. Jedenfalls feie» 3 0 Millionen im Vergleich zu den zu erwartenden Kosten kein Aequivalent. Ministerialdirektor Dr. poetsch- Sachsen erklärt, daß ollein für Sachsen durch die Ausführung des Reichsschulgesetzes eine Gesamttopitalbelastung von rund 100 Millionen entstehen würde. Die vom Reich geplante Kostenregelung bedeute nichts anderes als eine Aushöhlung der Finanzkrast der Länder. Dem müsse beim endgültigen Finanzausgleich Rechnung getrogen werben. Bürgermeister Kpitta-Bremen erklärt, daß die Kostenbcvech» nungen Bremens auf dos genaueste vorgenommen worden seien. Ein besonders erschwerendes Moment sei. daß in Bremen sich eine große Zahl von Lehrern weigern werde. Religionsnalerricht zu, erteilen. Abg. Schulz(Soz.) unterstützt die Ausführungen des Bor- redners und beschäftigt sich mit der Erklärung des Reichsfinanz- Ministers. Bis dato seien Schulgesetze stets an der Kostenfrage gescheitert. Mit der Abfindungssumme von 30 Millionen wolle sich diesmal das Reich loskaufen von all den Kosten, die aus der Durch- fühning des Schulgesetzes erwachsen müßten. Darin liege die große Gefahr für die künftige Entwicklung des Schulwesens. Die nächste Sitzung findet am Donnerstag statt. Der Reichsbahn-Luiher. Er muckt noch auf, statt zu verschwinden. Der frühere Reichskanzler L u t h e r. der sich von seinem PöstchenbeiderReichsbahnverwaltung absolut nicht trennen will, verschickt jetzt durch die Nachrichtenbureaus eine lange Erklärung, die in seiner bekannten Kaltschnäuzig- keit auf die Meinung hinausläuft:„3hr könnt mir den Buckel nauffteigen!" Der Mann hat die Stirn, sich auf einen„Rechtsstand- punkt" zu stellen und es aar noch als harte„politisch- moralische Pflicht" anzusprechen, wenn er auf seinem usuc- pierten 24 000-Mark-Posten ausharrt! Er folgert so: Der Staatsgerichtshof hat nicht gesagt, daß einer gehen soll, er hat nicht gesagt, daß i ch gehen muß, deshalb muß ich bleiben. bis Preußen in einem neuen Prozeß vom Staatsgsrichtshof genauen Bescheid erhält. Einstweilen halte ich mein Amt auf sechs Jahre fest und kein Reichskanzler kann mich zu anderer Haltung umstimmen! Tatsächlich liegt die Sache so klar, daß keine juristische Deutungskunft sie verdunkeln kann: Als Geheimrat Arnhold starb, der bisher als preußischer Vertreter ernannt war, wurde Luther gegen den Widerspruch Preußens zu seinem Nachfolger gemacht. Diese Ernennung erkannte Preußen nicht an, sondern klagte um sein Recht beim Stoatsgerichtshof. Während der Prozeß schwebte, wurde Luther ausgelost, aber schleunigst wieder ernannt. Diese Ernennung war ein ganz g e w o l l te r Vorstoß gegen die Abmachungen mit Preußen. Der Staats- gerichtshos hat wegen dieser Ernennung sein Urtell gefällt. Aber der Luther, der eine Zeitlang Reichskanzler spielen durfte, bis ihn die Empörung der Republikaner hinwegjagte, stellt sich lächelnd hin: Der Staatsgerichtshof ist nichts, die Industrie ist alles! Das Recht muh schwinden, wenn die„Wirtschaft" herrschen will! Kein Achtstundentag in England. Washington wird nicht ratifiziert. London. 33. Januar.(Eigenbericht.) Ter britische Ministerrat hat die VZrtmdzllge feineä Arbeitsprogramms für die nächste Zession endgültig fest- gelegt. Wie verlautet, wurde unter dem Druck der Unter- nehmer die geplante RatifizierungdesWashsug. toner Abkommens und des Fabrikgesetzes fallengelassen. Ferner kam man Lberein, das ge- plante Armengeseh den Agrariern zuliebe eben- falls auf unbestimmte Zelt hinauszuschieben. Dagegen soll in der kommenden Parlamentssestion der Gesetz» entwurf über die Ausdehnung des weiblichen Wahlrechts auf sämtliche Frauen vom 2t. Lebens- jähre behandelt werden. Zweifelhaft ist jedoch, ob dieses Gesetz auch verabschiedet wird. Gegenaktion der Gewerkschaften. Der Generalrat der britische« Gewerkschaften beschlos», alles zu versuchen, um die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens durchzn» setzen. Der Vertreter der englischen Arbeitnehmer im Verwaltungsrat des Internationale« Arbeitsamtes wurde beauftragt, die Frage der Ratifikation des Washingtoner Abkommens in der im März stattfinden- den Sitzung wieder zur Debatte zu stelle« uud mit allem Nachdruck eine beschleunigte Ratiftzie- ruug zu fordern. Der kommunistische Abgeordnete Alarky wurde in Boulogne verhaftet. Damit ist es der französiscken Polizei gelungen,«inen der drei verurteilten kommunist ticken Abgeordneten, die es vorgezogen haben, sich nach der Aufhebung ihrer parlamentarischen Immunität verborgen zu halten, anstatt freiwillig in« Gefängnis zurückzukehren, festzunehmen, ver Aufenthalt der Zlbgeordneten D o r l o t und D u c l o s ist nach wie vor unbekannt. Auf abschüssiger Bahn. Die führerlose Finanzpolitik. Das Agitationsbedürfnis der Deutschnationalen droht zu einer Staatsgefahr zu werden. Durch eine monate- lange Agitation ist die Landbevölkerung aufgehetzt worden und tobt nun, weil die uferkosen Forderungen nicht erfüllt werden können. Die Gewisseniosigkeit der Deutschnationalen und des Landbundes kennt keine Grenzen. In der„Deutschen Zeitung" ruft der„ehemalig königliche Landrat" von Hertzberg die Bauern auf, auf die Straße zu gehen. Im Hauptausschuß des Reichstages hat der Vauernbündler Kling dasselbe getan und mit dem Sturm auf die Finanzämter gedroht. Der pommersche Landbund- sührer I a n d r e y erklärte, die Lunte liege schon am Pulver- faß und die Sozialdemokraten hätten die Revolution nicht allein in Erbpacht genommen. Selbstverständlich fehlt auch die Drohung mit dem P r o d u k t i o n s st r e i k der Land- Wirtschaft nicht. Was tut dagegen die R e i ch s r e g i e r u n g? Daß der Reichsernährungsminister Schiele, selber ein Landbundführer, wenn er auch nicht alle Aeußeningen billigen mag, hinter dieser Hetze steht und die unerfüllbaren Forde- rungen vertritt, ist selbstverständlich. Etwas anderes aber sollte man von dem Reichssinanzminister Dr. Köhler er- warten, dem die ungeheuer schwierige Aufgabe obliegt, die Reichsfinanzen in Ordnung zu halten, neue Steuerlasten zu vermeiden und unerfüllbaren Wünschen entgegenzutreten. Auf steuerlichem Gebiet haben die Agrarier die Uebernahme der Rentenbankgrundschuldzinsen in Höhe von 75 Millionen auf die Reichskasse verlangt. Der Interfraktio- nelle Ausschuß hat diesen Plan fallen gelassen, weil ihm wesentliche reparationspolitische Bedenken entgegenstehen. Statt dessen hat man die Zustimmung des Reichsfinanz- Ministers zu einer Reihe anderer steuerlicher Maßnahmen er- reicht. Die Richtsätze für die Einkommen- und U m s a tz st e u e r für die nicht buchführenden Landwirte sollen bei den Abschluß- und Vorauszahlungen der Absatzlage an- gepaßt werden. Die Zinsen für die Steuerrückstände will man niederschlagen. Mit diesen Plänen könnte man sich ein- verstanden erklären. Die buchführenden Landwirte, also die Großgrundbesitzer, zahlen ohnedies nur in den seltensten Fällen Einkommensteuer. Das neue Zugeständnis kommt also im wesentlichen den Klein- und Mittelbauern zugute, bei denen mit Recht eine große Empörung herrscht, weil sie durch die bisherige Gesetzgebung steuerlich wesentlich stärker belastet wurden als die Großgrundbesitzer. Da de? Gesamtertrag der Einkommensteuer, die die Landwirtschaft zahlt, wesentlich unter hundert Millionen bleibt, so ist die An- passung der Richtsätze auch finanziell von nicht allzu großer Bedeutung. Anders aber steht es mit der Absicht der Erleichterung der B e r m ö g e n s st e u e rz a h l u n g bei der Landwirtschaft.� Es wird daran gedacht, eine oder gar zwei Raten der Vermögenssteuer vollständig zu erlassen. Das würde einem Steuererlaß von etwa 50 Millionen gleichkommen, bei denen der wesentlich größere Teil dem Großgrundbesitz zugute käme. Zu einem solchen allgemeinen Steuererlaß liegt aber nicht die geringste Beranlassung vor. Es profitieren von ihr nicht nur diejenigen Landwirte, die sich in unverschuldeter Notlage befinden, sondern alle Landwirte ohne Rücksicht auf ihre persönlichen Verhältnisse und ohne Rücksicht auf die Ren- tabilität ihrer Unternehmungen. Da? ist sachlich unberechtigt. Denn was der Landwirtschaft recht ist, das ist anderen Er- werbsftänden billig, und wenn mit dem Abbau der Ver- mögenssteuer begonnen wird, dann wird es bald mit der ganzen Vermögenssteuer vorbei sein. Aber gerade mit diesem Plan scheint der Reichsfinanz- minister Dr. Kühler einverstanden zu fein. Es verlautet nicht einmal etwas davon, daß er dagegen Widerstand geleistet habe und wie er den dadurch entstandenen Ausfall von 50 Millionen decken will. Herr Köhler scheint also vor der Agitation der Agrarier kampflos kapituliert zu haben. Wie anders stand er doch im Dezember da, als es sich um die Durchführung des gesetzlichen Anspruchs der Lohnbezieher auf Ermäßigung der Lohnsteuer handeltet Damals hat Herr Köhler nicht nachgegeben. Damals redete er von den leeren Kassen des Reiches. Damals zwang er die Regierungsparteien, die Lex Brüning zu mißachten und die Lohnsteuerbelastung zu erhöhen. Es handelte sich eben um Arbeiter, nicht um Agrarier. Herr Köhler ist aber auch sonst ein schwacher Mann, wenn es sich um Wünsche seiner eigenen Regierungsparteien handelt. Sein Gesetzentwurf über die Schlußregelung der Liquidationsschäden ist nach den bisherigen Angaben der Reichsregierung das äußerste, was mit dem. Finanzinteresse des Reiches zu vereinbaren ist. Aber kaum waren die Regierungspartelen eine nach der anderen aufge- standen und hatten weitergehende Forderungen zugunsten der großen Kapitalisten vertreten, da wurde Herr Köhler weich, und man rechnet bereit» ziemlich sicher damit, daß er auch auf diesem Gebiete jetzt plötzlich zur Hergabe weiterer Reichsmittel bereit sei. Von einer Führung in finanzpolitischen Dingen ist bei ber jetzigen Regierung ebensowenig etwas zu spüren wie in anderen Fragen. Qer Reichsfinanzminister laßt sich vielmehr, statt selbst den Kurs zu bestimmen, von an- deren beliebig treiben. Daß eine solche Politik verderblich ist und zu schlimmen Konsequenzen führt, ist selbstverständlich. Sie zeigt aber vor allen Dingen auch, was in Wirklichkeit von dem Gerede der bürgerlichen Parteien über die Notwendigkeit der Einschränkung des Etatsrechts zu halten ist. Die- selben cherrschasten, die anderen Sparsamkeit predigen und durch ein Notproaramm für die gesetzliche Einschränkung des Etatsrechts des Reichstags sorgen wollen, tun in der Praxis genau dos Gegenteil. Sowohl bei luv Forderungen der Landwirtschaft, als auch bei den Forderungen für die großen Liquidationsgeschädigten hat sich dasselbe«piel ereignet: die Regierungsparteien vorcinzgen sich untereinander und kämpfen gegen ihren eigenen Finanz- minister. Bei der Landwirtschaft genießen sie sogar die Unterstützung des Reichscrnährungsministers. Und der Reichsfinanzminister, statt durch die Stellung der Vertrauens- frage dieser verantwortungslosen Pplitik entgegenzutreten, beugt sich ihnen uno vertritt am nächsten Tag das Gegenteil von dem, was er am Tage vorher für richtig hielt. Volk und Behörden im msuen Staat. ($ia Vortrag ötet preußischen Innenministers Grzesinski. Bor den Sozialistischen Studenten sprach gestern im über- füllten Bürgersaal des Stadthauses der prci�ßischc Innenminister Grzesinskl. Er führte aus: Er stehe gemitz außer dem Ncr- dacht, das Parlament gkring.zuschäßen. Für dir'Wichtigkeit der Per- waliung gebe es keinen geringeren Kronzeugen' als Karl Marx, der i.V seiner berühmten Verteidigungsrede sagte, daß noch einer Revolution das wichtigste die Reform der D�.rwaltunfl sei. llH8 habe man in der chossnung auf TlLmokratißqcung die Parla- inentc überschätz»: aber nicht die Legislativ«, sandten die Exekutiv« regiert. Wenn die Parlamente nach so gute Gesetze machten, so läge die Bedeutung derselbe» in der schlechten oder guiton Ausführung durch die Beamtenschaft. Damals seien wohl die Männer der Spitze der Berwaltung aus den demokratisch-republstonifchen Kreisen berufen, sonst ober habe sich schon deshalb, wenig ändern können, weil man nach der Fernhaltung oller demokratischen Elemeutc von der Berwaltung im Untertanenstaat l91N gor nicht über genug vorgebildete Kräfte verfügte. Ilill Jahre long sei die gesamte Bürokratie nur durch die Junker und ihnen eqgebeew Volks- kreise ergänzt worden. Welche Wichtigkeit die Berwaldvig hob«, das zeige sich ja in dem ständigen' Streben der Deu�fchnationalen, die Regierung in Preußen und den anderen Ländern und damit Berwaltung und Macht wieder i» die Hand zu bekk»nmen. Die republikanischen Regierungen Preußens hätten Quadern her- ausreißen müssen aus dein Gebäude, ohne doch denk Bau selbst zu zerstören, und Sternchen aus Steinchen heranschlcppen müssen. Heute noch sei der Kamps um die Demokratisierung in vollem Stange. Reden dem fachkundigen Personal brauche man an d»> leitenden Stellen, ohne zu schnüffeln und ohne Heuchelei großzuziehen, ver- trouenswürdige Republikaner. Borbildung und Examinv genügten nicht immer. Gerode heute müsse der Beamte die LusantmenHonge des Lebens und die wirtschaftlich sozialen Lerhältnisse kerpien. Dem Beamten der Republik müsse man ober auch Selbstäirdiglgü zur Be- tätigung seiner Berantwortungsfreude gewähren. Bepmte. die f r s u d i g handelten, deck« er auch, wenn sie sich einmal versähen. denn das Regieren vom grünen Tisch sei heute noch viel gefährlicher als frühem lieber die Einzelheiten der Reformen sührtc' Grzesinskl aus. daß das Wort Berwaltungsreform in manchem.zu einem Schlagwort geworden sei. Eine Reform der Berwaltung seien die kommunalen Gesetze über Groh-Berlin, Kossel und die Jndustriegroßstädte des Rheinlandcs, sei das Gesetz über die Aufhebung der Gutsbezirke gewesen. Wenn hier Herr o. K c u d e l l sage, daß dieses Gesetz nur Zwietracht unter der Landbevölkerung säe, dann müsse er den Konservativen zurufen, daß niemand den Xachbar hinter einem Ofen vermutet, hinter dem er nicht schon selber gesessen hätte. Biel sei noch im Rahmen der heutigen Formen' zu erreichen. Einst hob« der Beamte den Fürsten gedient, heute soll« er der Bevölkerung dienen. Er soll das Publikum so behandeln, wie er selber behandelt zu werden wünscht. Die Ausführungen des Ministers fanden langanhaltende stürmisch« Zustimmung. Gute Erfolge im Wohnungsbau. Aber Gefährdung der Neubautätigkeit durch Kapitalmaagel. Der Haupiausschuß des Preußischen Landtage« beriet am Mittwoch über den Etat des preußischen Ministeriums für Bolkswohlfahrt zu dem Kapitel„W ohnungs- und Sied- l u n g s w e s e n". Staatssekretär Scheidt mochte dabei nähere Angaben über die Wohnungsbautätigkeit des Jahres 1927 und die Aussichten für das Jahr 1928. Es seien— so führt« Scheidt aus— in dem letzten Jahre rund t7fi000Dau«rwohnung«nf«rtiggestellt worden gegen- über rund 139 000 im Vorjahre. Rund 148 990 seien mit öffentlichen Mitteln gefördert, während nur etwa 28 999 Wohnungen ohne jeg- liche Unterstützung aus öffentlicher Hand errichtet worden seien. Außerdem wären noch rund 99 999 Wohnungen am 1. Januar 1928 im Bau begriffen. Do» Jahr 1927 zeige gegenüber dem Jahre 192? insofern einen sehr erfreulichen Fortschritt, als es nach den vor- liegenden Zahlen möglich gewesen sei, neben dem jährlichen Neu- bedarf an Wohnungen in Preußen, der auf etwa 129 999 angenom- men werden kann«, den F« h l b« d a r f im Jahre 1927 um rund 58999 Wohnungen herabzumindern.(Gegenüber einer Derminde- rung um rund 19 999 Wohnungen im Jahre 192S.) Es dürft« aber nicht übersehen werden, daß die überraschend günstige Vaulelswng des verflosienen Jahres nur möglich gewesen sei durch eine wesentlich« Lorwegnahme der für den Wohnungs- bau bestimmten Hauszinssteuererträgnisse des nach- st e n Jahres sowie durch eine sehr starke und schwerlich zu wieder- holende Inanspruchnahme der namentlich für erste Hypotheken in Betrocht kommenden.Kreditquellen. Soll dos nicht zu einem starken RüAschlag in der Bautätigkeit des Jahres 1928 führen, der auf jeden Fall vermieden werden müsse, so muß rechtzeitig für die B e s ch o f- fung der fehlenden Mittel gesorgt werden. Soweit stch heut« übersehen lasse, könne der preußische Staat aus eigener Krott die erforderlichen Wohnungsbaumittel in vollem Umfange nicht aufbringen. Es bleibe nur übrig, das Reich, wie im Jahre 4VSk>, an der Aufbringung durch Hergabe von Zwischenlredüen zu beteiligen und außerdem zu versuchen, durch Erleichterung des Pfand- briesabsotzes im Ausland(Befreiung von der Kopitalertrogsfteuer und dergl.) A u s I a n d s m i t t e 1 für den Wohnungsbau herein' zubekommen. Gleichzeitig ober müßte insbesondere von den geld- gebenden Gemeinden«nergisch versucht werden, die Baukosten herabzumindern, wozu sie bei Prüfung der Anträge auf Haus- zmssteuerhypotheien die Möglichkeit hätten. Hergt verteidigt Claß. Lieber Artikel 46 kann er nichts sagen. Daß der Minister des Aeußeren sich nicht äußern kann sagt ein altes gereimtes Witzwort. Aber daß der Minister der Justiz es gleichfalls nicht kann, ist ein« allerneueste und sehr ungereimte Tatsache. Genosse Landsberg hat gestern in einer kroftvoll-tritischen Reichstagsrede über die Justiz den Fall E l a ß von neuem ausgerollt. Er hat von dem staatsstreichlerischen Vorhaben gesprochen, durch Miß- brauch des Art. 48 die Reichsverfassung zu zerstören, und er hat in diesem Zusammenhang den Reichsjustizministcr Hergt aufgefordert, zu sagen, wie er über den Art. 48 der Verfassung denke. Auf diese Frage erteilte Herr Hergt folgende Antwort: Ich sehe gor nicht ein, worum ich mich vom Abg. Landsberg in dieser Weise stellen lassen und hier den Artikel 48 inter- Prester«» muß. Jeder nicht deutschnationale Justizminister hätte an Stelle Hergts geantwortet, daß a u ch er selbstverständlich den vcrfasiungswidrigen Mißbrauch eines Verfassungsartikels mißbillige. Herr Hergt konnte sich zu dieser selbstverständ- lichen Antwort nicht aufschwingen— denn dadurch hätte er sich das Mißfallen des Herrn Elaß zugezogen, dem der cxlrem-nationalistische Flügel der Deutschnationolen Partei sehr nahe steht. Darum hat Hergt auch gestern das Treiben des Claß ausdrücklich in Schutz genommen. Man kann das Verhältnis des Herrn Hergt zu dam Herrn Elaß ungefähr dem Verhältnis gleichstellen, das im Jahre 1923 zwischen.Kohr und Hitler bestand. Wenn es etwas weniger gefährlich ist, so ist das nicht dos Verdienst des Herrn Hergt. Ser Unterschied zwischen damals und jetzt besteht nur darin, daß die Republik heute genug gefestigt ist, um einige Zeit— aber nicht zu lange!— sogar einen Justizminister er- tragen zu können, der sich schützend vor ihre unversöhnlichen aktiven Feinde stellt. * Der Reichstag bsschä'tigt« sich gestern mic dem Justizetat. Justi.zminifter Hergt oersuchte in seinen Ausführungen,'die wir an anderer Stelle wiedergeben, das Bestehen«iner Rertrauens- k r i f« der Justiz hiuwegzudisputicren. Genosse Landsberg bewies an einer Reihe von Fällen— und vor allem am Fall Elaß— dos Gegenteil. Abg. Landsbepg«Soz.) führte aus: Die Ankündigung des Reichsjustiznrinisters, daß er das Ziel einer weiteren Rechtsangleichung zwischen der deutschen und der österreichischen Republik verfolgen würde, begrüßen wir. Ich mach« in diesem Zujammenbange auf ein Gesetz aufmerksam, das besonderer Beschleumgung bedarf, dos ist das Reichs- und Staats� angehörigkeitsgefetz. Ein solche» Gesetz gehört zwar zu dem Ressort des Reichsinnenministeriuins, hoffentlich ist ober die Autorität des Reichsjustizministers stark genug, um Herrn von K e u d c l l zur Beschleunigung zu veranlassen, damit auch hier die Rechtsgleichheit zwischen Deutschland und Oesterreich zum Ausdruck kommt. Den Deulschösterreichern muß das Recht zuerkannt werden, ebenso wie seder bayerische Bürger, jeder Sachse, jeüer Preuße deutscher Staatsbürger zu werden, wie auch umgekehrt jeder Reichs- deutsche da? Staätsbürgerrecht' iii Deutschösterreich erwerben könnte. Der Reichsjustizmlnisur hätte stch den Borwvrj, den ihm mein Freund Rosenfeid gemacht hat. erspart haben können, denn dieser ist ihm erst aus Grund der Verheißungen gemocht worden, die er versprochen Hot. als er noch nicht Minister war. Der Minister hat die Frage der verirauenskrise der Justiz erwähnt. Nicht» liegt mir so fern, al» immer wieder auf ecne Ber- trauenskrife in der Justiz hinzuweisen. Ich wäre glücklich, einen Etat zu erleben, bei dem ich mich aus die Besprechung von einzelnen Positionen beschränken könnte. Boraussetzung dazu ist aber, daß wir eine einwandfrei« Rechtsprechung haben und nicht immer wieder Borg äug« feststellen müssen, die deren Vorhandensein bezweifeln lasten. Daß von einer solchen einwandfreien Recht- sprechung nicht die Rede sein kann, beweisen immer wieder neue Fälle. Wenn dem Herrn Iustizmimster diese Kritik nicht gefällt, dann hätte er sich zunächst an die ihm näherstehende Presse wenden müssen. Bei der B e r u r t e i l u n g der Fememörder hat die „Deutsche Tageszeitung" von einem DluturteU gesprochen, und von einer Robustheit de- Gewissens bei den urteilenden Richtern. Der Redner berichtet dann über folgenden Fall: In dem ostpreußischen Städtchen L i e b st a d t hatte ein jüdischer Ar- bciter an einer Festlichkeit des christlichen Londardeiterverbandes teilgenommen, bei der jeder erscheinen konnte, der sich eine Eintritts- karte gekauft hatte. Ein anderer Arbeiter verlongte, daß er den Saal verlast«, weil Inden an der Fei«r nicht teilnehmen dürften. Der jüdische Arbeiter wandte sicb an den Borjitzenden, der ihm das Verweilen im Saal gestattete. Darauf wurde er von dem anderen Arbeiter beleidigt und geschlagen. Da» Gericht verurteilte den Mann fv 20 Mark Geldstrafe wegen der SSrperverletzvna. und in der Begründung de» Urteils führte es au», daß der Kläger sich olle» hätte gefallen losten müssen. weil er als Jude ein christliche» Icsl besucht habe! Daß der Borstand ihm dos Verbleiben im Saale gestattet habe, sei nicht erheblich, weil dieser ein einfacher Arbeiter und deshalb nicht imstande sei, die vom Gericht gebrauchten Gedanken zu ent- wickeln.(Hört, hört! links.) 3n einem andere» Falle ha» das Reichsgericht die Uvbrauch. barmachung von ZNoschinen in einer kommunistischen Druckeast durch die Polizei für berechligi erklärt,«eil der Staat in Rot- «ehr handle«ad die Pflicht habe, sich gegen Angrisse aus ihn zu schützen. Gewiß hat der Staat dos Recht der Ztotwehr. Aber was zur Ab- wehr rechtswidriger Angrisse erforderlich ist. da» darf nicht der Willkür überlasten bleiben, sondern das ist genau bestimmt durch die Gesetze. Di« Notwehr des Staates ist geregelt im Pressegesetz, im Vereinsgesetz, im Artikel 48 her Berfossung und einer ganze» Reihe anderer Gesetze. Da» Recht der Notwehr gib» e» nicht, wenn ein Eiagriss einer palizeibehärde sich nicht aus ein gegebene» Gesetz stützt. Seitdem dos von mir erwähnt« Urteil ergangen ist. wontt ein- fach der Rechtsboden unter unseren Füßen. Dann tonn man au» dem Gesichtspunkt der Notwehr jeden Verein auflösen, jede Ben- sommlung unterdrücken. Der Zustand, den das Reichsgericht mit seinem Urteil gutgeheißen hat, ist weit schlimmer, als jede Zensur, denn dadurch wird es dem Redakteur unmöglich gemocht, seine Meinung überhaupt nur drucken lassen zu können. Ich frag« den Reichsjustizminister, was er zu tun gedenkt zum Schutze der durch dieses Urteil des Reichsgerichts in hohem Maße bedrohten Grundrechte des deutschen Bürgers. In weit höhcrem Maß« gilt dos noch für das Gebiet des S t r o f r e ch t». ver vierte Senat de» Reichsgericht» unter de« vorfitz von Lorenz hat in einem Urteil vom Oktober 1927 einen verantwortlich zeichnenden Aedokleur der kommunistischen sächsischen Arbeiterzeitung für einen zmn Huchueroit auffordernden Artikel verantwortlich gemacht und ihn als wahren Täter bestraft. obwohl er in der Zell des Erscheinen» de» Artikels im Aus- lande gewellt hat und in feiner Abwesenheit sein TIame als verantwortlicher Redakteur stehen geblieben war. Das Reichsgericht Hot in seinem Urteil ausgeführt, daß er als Letter einer Zeitung der Kommunistischen Partei gar nicht anders hätte handeln können, als den Artikel aufzunehmen, und weil er im übrigen auch sich selbst stets für die Propagierung der Hochverräte- riichen Ziele der KPD. mit Eiser eingesetzt habe.(Abg. Dr. F r i ck. Natsoz.: Das Urteil ist immer noch nicht so schlimm, wie das Verbot' der Nationastozialistischen Arbeiterpartei in Berlin.) Der Redner erwidert dem Zwischenruser: Wenn wir den Etat des Rcichsinnsn- Ministers zu behandeln hätten, dann würde ich Ihnen darauf die Antwort gegeben haben. Der Redner erwähnt dann einen Artikel eines v nf k i- fchen Blattes, in dem der Austritt Ehrhardts aus dem Stahl- Helm als entschlossene Tot begrüßt wurde, weil Ehrhardt nicht gewillt sei, den Gedanken«iner Reoolutionierung natio- naler Massen aufzugeben, und worin es weiter heißt:„Mr bekennen uns nach wie vor zur Revolution!" Auch Lenin� ist in derselben Nummer dieses völkischen Blattes als Revolutionär ver- herrlicht worden. Do nach kräht aber kein Hahn. Ich führe weiter den Fall des Oberleulnaals Zellia in Hamburg an. der wegen angeblichsn Hochverrats aus Veraalastung des Reichsanwalt» verhaftet worden ist, obwohl bereit» ein Gericht denfeuigen mit schwerer Strafe bedroht hatte, der Zellin noch wettcr des Hochverrats beztchligen wllrde. Anzuertennen Ist allerdings, daß der Oberreichsanwalt nach fünf Tagen fclbft b« Freilassung Zeltins veranlaßt Yak. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß das höchste Gericht de s Reichs sich eines so schweren Irrtums schuldig gemacht hat. Solche Fälle einer Justiz hoben mit einer wirlliichen Rechtsprechung nichts gemein., Gegen den Abgeordneten Höllein hat jahrelang«in Verfahren geschwebt, well er«nen Parteifreund als" Ernährungsminifter bei einer in Meckienburg eventuell zu errichtenden Regierung vorgeschlagen hatte. Erst durch die Amnestie im Jahre 1925 ist dieses Verfahren eingestellt worden. Immer wieder richtet sich die Zusti, gegen links, aber niemals gegen rechts, wie auch der Fall Elaß bewecst. Im Mai 1926 leitet« der Berliner Polizeipräsident gegen Justizrat Cioh. den Borsitzenden des alldeutschen Verbandes, eine Unter- suchung wegen Hochverrats ein. Der Oderreichsanwalt beantragte im Juni 1927 in einem 69 Seiten langen Gutachten beim Reichsgericht die Einstellung des Verfahrens und die Außervenul- gungssetzung. Da» Reichsgericht hat im Oktober diesem Antrag stattgegeben, und zwar rein stnmularniaßig. ohne ein W ort der Beprüildunfl.(Heiß liegt bis Ußctrcurcr Dcrscissung Mlht; nur zu seinem Artikel 4L ist«r i» heißer Liebe entbrannt. Elaß hat bei seiner Vernehmung zugegeben, sein Ziel sei der völkische Staat und die völkische Diktatur. er wolle dos jedoch ausschließlich durch verfassungsmäßige Mittet verwirklichen, entweder durch propagandistische Beeinflussung des Belkes bei den Wählen oder auch in der von ihm für Verfassung-- mäßig gehallenen Weise, daß der Reichspräsident, um der steigenden wirtschaftlichen Rot Deutschlands zu steuern, bei einer kabineUskrifa eine sogenannte Regierung der sachlichen Arbeit berufen solle. Wenn diese Regierung das Vertrauen des Parlaments nicht habe, tolle der Reichstag aufgelöst werden, und soll» er dann die Maßnahmen nicht tuiUqe, wiederum outgelöst werden. Sollten dann Unruhen kommen, so solle der Reichspräsident aus Grund de» Artikels 48 Maßregeln �greifen und einer geeigneten Persönlichkeit die voll- ziehend« Gewalt übertrogen. Der Reichstag könne wiederholt aufgelöst werden, und die vom Reichspräsidenten eingesetzte Persönlichkeit könne bei etwaigen Unruhen als Inhaber der voll■ ziehenden Gewalt auf Zeit von einer Wahl des Parla- ments absehen. Da? ist die Patentlösung des Herrn Elaß. die uns herrlichen Zeiten entgegenführen soll. Herr Claß macht sein politisches System, wie die Erfinder, die immer ganz dicht vor der Erfindung des perpeteum mobile stehen. Wer ist nun der Mann, der noch Meinung des Herrn Cloh berufen fein würde?(Zwischen- ruf links: Luther!) Nein, nicht Herr Luther, der ist schon wegen Locarno nicht geeignet, snndern unser Kollege Herr Hugenberg (Heiterkeit), der im Lokal-Anzeigcr im politischen Teil zur Hebung des Intellekts feiner Leser ebenso beiträgt, wie im Inseratenteil zur Hebung deutscher Zucht und cvitte.(.Heiterkeit.'! Claß schrieb da- mals, Hugenberg gelte für einen staatsmännischen Kops,«r habe unbeugsame Tatkraft bewiesen, er sei in der schweren Zett der beste Berater und könne die Fragen bemeistern. Als Herr hölleln mal bei einem guten ZNahle jemand sagte. er würde ihn zum Ernährungswinlster von Mecklenburg- Schwerin machen wollen, da wurde ihm das oi» Hochverrat ausgelegt.(Heiterkeit!) Herr Claß veranlaßt fünfzehn Generale, dem Reichspräsidenten eine Interpellation zu überreichen, die sogenannte Generalsinter- oellatton, worin der Reichspräsident beschworen wurde, die Pläne des Herrn Cjqß durchzusühvcn. Herr Elaß arbeitet« ein Expose aus, aber der Reichspräsident lehnte selbstverständlich die Zumutung des Herrn Claß ab und erklärte, daß er Ratschläge von unzuständiger Seite nicht annehmen könne, er verlaste sich ausschließlich auf seine verantwortlichen Berater. wo» Herr Elaß dem Reichspräsidenten zumutete, lles auf ciueu krassen Staatsstreich hinaus, auf einen putsch von oben.(Sehr wahr! link».) Da» Ziel de» Herrn Claß. er leugnet es nicht, war der Sturzder Berfossung und die Wiederherstellung der Mon- a r ch i«. Cr schrieb an den Kaiser in Holland, Seine Majestät könne nerjichrct sein, daß die um ihn, Elaß. gescharle« Getreuen mit un- rrichuliericchem willen am werke siieo ml« dem Ziel, in dem ge» heiligten und befreiten valerlande da» hoheazollernlvm wieder ein- zusetzen. Und diese» Ziel glaubte Herr Claß auf Grund des Ar- ttkels 48 in legaler Werse erreichen zu können DerArtikel48 ist zum Schutze der demokratischen Verfassung ge° geben, aber nicht zu ihrer Vernichtung.(Sehr richirg! links.) Nach Artikel 48 kann der Reichspräsident zur Wieder« Herstellung der Ordnung Maßnahme» ertasten, ober niemals hat er da» Recht, die ganze Reichsverfasiung zu beseitigen und den Reichs- tag zu versagen und die Monorchie wiederherzustellen. Im Ab- sah 3 steht ja ausdrücklich, daß jede Maßnahme des Reichspräsi- denten auf Grund des Artikels 48 dem Reichstag unver- züglich vorzulegen und wieder aufzuheben ist, wenn der Reichstag sie nicht billigt. Da» beweist die Unmöglichkeit der juristi- schen Decuklion de» Herrn Iustizrats Claß. Der Reichspräfi- den» würde sich, wenn er die zum Schuß« der Berfastung ai»- vertrauten Machtmittel unter Gewaltanwendung gegen die Ber- sastung benutzen würde, des Hochverrats schuldig machen. Hält der Justizminister dies« mein« Interpretation für richtig oder die des Herrn Claß? Worum hängt sich Herr Claß überhaupt das Mäntel- che» der Legalität um und lagt nicht ehrlich, daß er die Gewalt wolle? Im Iohre 1912 ließ Herr Claß fein K a i s e r b u ch erscheinen. 1925 gab«r es neu heraus. Dänin bezeichnet er den Staats- st r« i ch als ursprünglichste Notwehr eines jeden Staates; heute sei«, die Dinge so weil gediehen, daß nur die Diktatur da» Vaterland retten könne, und« die Spitze werde der neu« Lais« Zum M'iteldeuffchen Meiallarbeiterkampf. Oer Arbeiter:»Oen Unternehmer bellt der Hund an, ober— mir schnappt er nach de« Waden!' Kleinrentner können warten! Die Regierung will das Versorgungsgesetz verschleppen. Der Rechtsblock ist wieder einmal in ein« peinliche Situation geraten. Durch parlamentarische Anträge wurde er vor die Frage gestellt, ob nun endlich eine ausreichende Versorgung der Kleinrentner erfolgen soll. Di« Negierung lieh am Dienstag im Sozialpolitischen Ausschuh des Reichstages erklären, dah sie die Behandlung des geforderten Gesetzentwurses bis zum Ende der Etatsberatung verschoben wissen will. Das schlug aber fehl, da aus einmal Voltspartei und Deutschnationale u m g e- fallen sind. Waren sie noch im November für eine solche Ver- schleppung, so traten sie jetzt gegen die Regierung aus. Dem deutschnationalen Abgeordneten«ntschlupste dabei das Geständnis, daß die früheren Forderungen der Deutschnationalen aus dem Juni 1926 nur deshalb aufgestellt worden find, weil diese Partei sich damals„f r e i* fühlte, also hemmungslos Agi- tationsanträgc stellen tonnte. In der sachlichen Beratung machte nun die Deutsche Bolkspartei den Vorschlag, dah nur solche Kreis« tn die neu« Kleinrentner. vorläge einbezogen werden sollten, die ein Kapitalvermögen von wenigstens 10000 M. besessen und verloren oder ober«in« Kapitalrente von mindestens 500 Mk. jährlich in der Inflation eingebüht hoben. Der Borschlag stieß aus die Opposition der So. zioldemokrati«. die die Kleinrentnerversorgung nicht nur einem kleinen Kreis von Geschädigten zugute kommen loffen will, sondern der großen Masse, die bei der Durchführung solcher Borschläge noch schlechter gestellt werden würde. Gestern wurde die Auseinander. setzung fortgeführt. Di« Sozialdemokratie beantragt« hierzu einen Rechtsanspruch aus Rente jedem zu gewähren, der Kapitaloer. mögen durch die Inflation verloren Hot. Nur die Bescher von Kleinbetrögen, etwa unter 1000 M., bei denen die Rente im Mißverhältnis zum Berwaltungsauswand stehen würde, sollen unberücksichtigt bleiben und eventuell durch die Fürsorge betreut werden. Die chühe der Rente soll sich nach der liöhe des verloren. gegangenen Kopitals richten, aber tn Anrechnung des sonstigen Einkommens einen bestimmten chöchstbctrog nicht übersteigen. Der Antrag, die Grenze bei 10 000 M. zu ziehen, verfiel der Ablehnuich mit 16 gegen 7 Stimmen. Don den D e u t s ch n a t i o. nalcn stimmten zwei Vertreter gegen, einer für die Grenzt von 10 000 M. Die Bestimmung einer anderen Grenze blieb der nächsten Sitzung vorbehalten. Die Regierung hüllte sich zu ollen an sie gestellten Fragen in Schweigen und wird wahrscheinlich zum Schluß dos ganze Gesetz, wenn es je zustande kommen sollie, für unannehmbar erklären. Rechtsblock und Kriegsgeschädigte. Im schrosfen Gegensatz zu dem vielen Gerede über rasch« Hilfe für die Kriegsverdröngten und Liquidationsgeschädigten steht die gegenwärtige Redepraxis in dem Reichstagsausschuß, der das Gesetz zu behandeln hat. Endlich ist nach zweiwöchiger Generalaussprache angeblich der Zeitpunkt gekommen, in die Spezialberatimg über die einzelnen Tesetzesbestimmungeu«inzutreten. Aber sofort zeigt sich, daß die völlige Zerfahrenheit der Ansichten innerhalb der Re- gierungsparteien und der Regierung über den Eharakter des Ge- setzes die ganze Berotungsorbeit ins Stocken bringt. Die Regie- rungsvertreter kämpfen mit Klauen und Zähnen für ein Schluß gesetz. Di« Regierung? p a rt c I e n für das Gegenteil. Di« Situation Ist so unsinnig wie nur möglich. Die Regierung legt ein Gesetz vor, das endlich«ine Schluß entfchädigung mit bestimmten Schlußfristen fordert. Ein Teil der Regierungsparteien rennt un- beirrt dagegen an und wieder ein anderer Teil, das Zentrum, ist be- reit, für«ine Zwischenlösung einzutreten. Aus diefc Weise ist man glücklich dobingekommen, daß nun beh der Spezialberatung der, Streit der Generaldebatte über den Eis«■ rotter des Gesetzes immer wieder auf» neue entbrennt, und jede" positiv« Gestaltung eines Paragraphen unmöglich wird. In der Verlegenheit ist man am Mittwoch zu der verblüffenden Ln- sung gekommen, aus der Mitte des Entwurfs irgendeinen Absatz herauszugreifen, der angeblich keinen Anlaß zum Streit gibt. Aber auch das erwies sich praktisch als unmöglich. In diesem Durchein- ander beantragten die sozialdemokratischen Mitglieder de» Aus- schusses die Vertagung der Beratung, um erst der Regierung und den Regierungsparteien Gelegenheit zu geben, sich über den Charakter des Gesetzes zu einigen. Dieser Aertagungsantrag wird von allen bürgerlichen Parteien abgelehnt, und man begann mit der Beratung des Gesetzes au» der Mitte heraus. Die Regierungsparteien hosten angeblich aus diese Weise Zeit zur Verständigung zu finden, während in Wirklichkeit die Zeit totgeschlagen und der Notstand der Geschädigten draußen im Land« immer größer wird. lreke«. lRufe links: Heil!) Hier wird deutlich erklärt, daß die Gewalt den zukünftigen Staat bringen sollen General v. Scott hat bei seiner eidlichen Vernehmung ausgesagt. er habe den sicheren Eindruck gehabt, daß Eiatz ihn»«einlassen wollte, aus Grund des Artikels 4S und gestützt aus die Reichs. wehr vkachlbefugatssc sür sich in Anspruch zn nehmen, die nicht mit der Verfassung vereinbar waren. Ein Hanauer Mitglied des alldeutschen Verbandes schrieb an Claß: ..Ihr denkt doch nicht daran, die völkische Diktatur aus dem Weg« der Gewalt herbeizuführen?" Darauf antwortete Herr Claß: ..vielleicht auf dem Wege der legalen Form." Dieses„vielleicht" haben die Freunde des Herrn Claß, um ihn' herauszuhauen, als „also" gedeutet. Dann wurde aber oucb ein stenographischer Fehler für möglich erklärt, well bei Stolze-Schrey„vielleicht" und„also" gcwisle Aehnlichkeit haben sollen.(Heiterkeit.) Für die Verbindung des Herrn Claß mit vaterländischen Verbänden sei kein Beweis erbracht worden. Das Reichsgericht hat feine Entscheidung nicht begründet, der Oberreichsonwalt aber die Angabe des Herrn Elaß für glaubhast gehalten, daß er selbst seine Pläne für legal gehalten habe! Nach Artikel 25 der Reichsverfassung kann der Reichstag aus demselben Anlaß nicht zweimal ausgelöst werden, Herr Claß aber hält es für zuläi'ig, ihn auf Grund des Artikels 48 in der Versenkung verschwinden zu lasten. Der Oberreichsanwalt erklärt, daß der Artikel 48 umstritten sei, es sei nicht ausges-Weissen, daß Claß seine Pläne für rechtlich zu- lässig gehalten habe.(Hört, hört! links.) Aber niemals kann man docb behaupten, daß der Artikel 48 zur gänzlichen Vernichtung der Weimarer Berfastung mißbraucht werden darf. Es ist mir unverständlich, wie der Reichstag einem Recht studierten vionne, wie Herrn Elaß. den guten Glauben zu- billige» kann. Ein Kommunist, der nur einen Teil von de« versucht hätte,«a» Herr Elaß uulcrnahm. würde sich für lange Zeit nicht um ein Quartier zu kümmern brauchen.(Sehr richtig! links.) Wir verabscheuen die Bestrebungen der Diktatur von rechts ebenso, «.le die Anpreisungen der Apostel von links. Aersuchen Sie es nur damit, Sie werden bei den Massen des deutschen Dolkes auf Granit beißen? Die verschiedenartig« Behandlung von Angeklagten von links und rechts durch das höchste Gericht führt nicht zur Korruption. dos ist schon Korruption, hier gibt es Erziehungsarbeit zu «eisten. Besonders wirkungsvoll kann sie allerdings nur geleistet werden von einer Zentralstelle-, deshalb sollte sich der Reichs- justizmini st er der Uebertragung der Iustizhoheit von den Ländern auf das Reich nicht widersetzen. Sie wird kommen, weil sie kommen muß, und wir begrüßen sie heut« schon.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) (Schluß des Berichts in der 2. Beilage.) Reaktionäre Zitaienfälschung. Die„Tägliche Rundschau" über Otto Draun. In einem Leitartikel„Preußen und die Londwirtschoft' führt die „Tägliche Rundschau" u. o. aus: .Wi« der Ministerpräsident Braun über die Lage der Land- Wirtschaft denkt, hat er mit erstaunlichem Freimut in seiner Neu- fahrsrede bewiesen, in der er skrupellos erklärte, die Landwirtschast habe sich auf Kosten anderer Berufs- stände bereichert. Wie leichtfertig der Schreiber des Artikels arbeitet, geht schon daraus hervor, daß Ministerpräsident Dr. Braun überhaupt gar keine Reujahrs r e de gehalten hat. Sollt« der Schreiber des Artikels aber den Artikel meine», den der Ministerpräsident in der Neu- lahrsnnwmer des„Vorwärts" veröffentlicht hat, so ist auch dieser falsch zitiert. Dos Wort Landwirtschaft" kommt in dem Ar- nkel überhaupt nicht vor. E» ist dem Ministerpräsidenten dader auch qaf nicht eingefallen, der gesamten deutschen Landwirtschaft«inen solchen„skrupellosen" Vorwurf zu machen. In dem erwähnten Ar- ftkel war oiednehr danov die Red«, daß die Zoll- und Wirt- schaftspolitik des letzten Jahres erfolgreich in der Richtung der Bereicherung gewisser besitzender Wirtschasts- kreise unter erhöhter Belastung der großen konsumierenden Volks- kreise war.... Dieser Bürgerblockpolitik habe sich die preußisch« Regierung im Rahme» ihrer geringen verfassungsrechtlichen Kom- petenzen oft hindernd in den Weg gestellt und werde es wohl auch m Zukunft tun. Hieraus ergibt sich, daß die„Tägliche Rundschau" nicht davor M rückscheut, mit falschen Zitaten zu arbeiten. Die„Deutsche Tages- zestililg" nimmt die Fälschung freudig auf. Steuern gegen Alkoholmißbrauch. Forderungen der Städte. Durch die Reichssteuergesetzgebung in ihrer Leistungsfähigkeit bedroht, haben die deutschen Städte durch ihren Spitzenverband die Wiedereinführung der Getränke steuern propa- giert. Darob ein großer Entrüstung; stürm in der Industrie— nicht, weil unser« Herren Industriellen besorgt wären, daß sie ihren Schoppen Bier oder Wein nicht bezahlen könnten, sondern weil die enormen Gewinne des Alkoholkapitals bedroht sind. Die Formen, di« der Kampf angenommen hat. haben jetzt den Protest des Deutschen Städtetages hervorgerufen, der in seiner Abwehrkundgcbung folgend« Gedankengänge entwickelt: Der Alkoholmißbrauch ist in immer wachsendem Maße Ursache schwerer, sozialer Notstände(strafbare Handlungen, Ge- schlechtskrankheften, Prostitution. Entmündigungen. Kinderverwahr- losung. Geisteskrankheiten). Der Vorstand des Städtetagcs hat sich im Bewußtsein seiner Verantwortlichkeit veranlaßt gesehen, ein- gehende Grundsätze über die positive Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs aufzustellen und den Städten die Durch- ftihrung geeigneter Maßnahmen dringend zu empschlen. Es ist seldstoerständlich. daß die Städte dabei die Mitarbeit aller beteilig- ten Stellen, vor allem der freien Wohlfahrtspflege und der Bei- sicherungsträger. lebhast begrüßen. Der OesfenUichkeit ist noch oial zu wenig bekannt, daß die Städte als Tröger der öffentlichen Fürsorg« durch die verheerenden Folge-« eines übermäßigen Alkoholverbrauchs außerordentlich finanziell belastet werden. Gerade die Wirtschaft ver- langt einen Abbau der sozialen Lasten. Hier ist die praktisch« Mög- lichkeit einer vorbeugenden Lastenverringerung gegeben. Di« M i n- d« r u n g des Alkoholverbrauch» in Derfolg erhöhter Getränke- steuern würde zugleich eine fühlbare Entlastung der städtischen Wohlfahrtsetats bedeuten. Dieser Gewinn ist auch rein finanziell sür die Städte größer als ein« etwa eintretende Minde- rung des Steueraufkommens. Gegenüber der Propaganda der Industrie aus Herabsetzung und Beseitigung wichtiger Steuerquellen ermahnt der Städtetag die ihm anges chlossenen Städte.zu äußerster Sparsamkeit: er lehnt jedoch angesichts der wachsenden Lasten einen stzsiemattsche» Abbau der Ausgaben ab: joodert statt dessen eine organische Ver- waltungsrefvrm. bei der die kommunalen Interessen aus- reichende Berücksichtigung smden. Einbruch bei den Oeuischnaiioualen. Akten aus dem Frattionsbvrean gestohlen. Im Preußisckien Landtag ist nachts im Fraktionszimmer det Deutschnationalen Partei ein Einbruch verübt worden. Wie es heißt sind Wertgegenständ«. soweit solche überhaupt vorhanden waren, nicht entwendet. Dagegen sind sämtliche Fraktionsatten durchwühlt worden. Wieweit Dokumente gestohlen sind, weiß man einstweilen nicht. Doch soll dabei sich der Briefwechsel der Land- tagssraktlon mit gewissen Rechtsverbänden befinden. Und der Ver- lust dieses Briefwechsels würde den Herrschaften begreiflicher. weise sehr unangenehm sein. Die Kriminalpolizei untersucht den Fall. Sie wird hoffentlich ihr Augemncrk aus di« Stelle richten, die mit Hilfe gestohlener Akten die Hetze gegen die Sozialdemo- k r a t i« und später auch gegen Stresemonn entfaltete. Die Hintermänner dieser Hetze könnten vielleicht Auskunft über die Richtung gaben, in der weiter zu suchen ist. Angebot ein und hielt die Verbindung mit P. eine Zeitlang ausrecht. Die Inhaberin des Papiergeschäfts bestätigte die Aussagen. Daraus wurde als Zeuge ein Pole vorgeführt, der in Sachen Schreck in Untersuchungshaft sitzt. Vors.: Sie heißen Dzlonko? Zeuge: Rein, ich heiße Jan Janowski und bin polnischer Mini- sterialbeomter aus Warschau. Vars.: Kennen Sie einen ge- wissen Paciorkowski? Zeuge: Jawohl, er ist Oberleutnant � beim General st ab in Warschau.(Große Bewegung im ganzen Saal.) In Berlin habe ich ihn nicht getrossen. Ob er in Berlin war, dos gehört» zu meinem Amtsgeheimnis als polnischer Beamter.(Erneute Bewegung.) Der Zeuge, der im übrigen leug- nete. mit dem Zeugen Schulz und mit der ganzen zur Verhandlung stehenden Sache etwas zu tun gehabt zu hoben, wurde nicht ver- eidigt. Wie wir zu der Tätigkeit des Paciorkowski noch erfahren, war dieser tatsächlich als Presseattache bei der Polnischen Ge- sandtschast beschästigt, war aber inWirklichkeitOsfizierubd saß im zweiten Bureau des Polnischen Generalstabes in Warschau in der Nachrichtenabteilung. Wie polen spionieri. Enthüllungen im Schrett-Pevzest. Im Dokumentenfälscherprozeß Schreck kom man gestern eine« wichtigen Schritt weiter. Die Existenz des mutmaßlichen Mittel mannes zwischen Schreck und der polnischen Gesandtschast wurde ermittelt. Ein Angestellter einer Berliner Papierhandlung, die für das polnische Generalkonsulat lieferte, sagte au», eines Tage» fei ein gewisser Paciorkowski, angeblicher Attachö bei der pol- nischen Gesandtschaft(nicht Barcikowski, wie es nach den bisherige» Aeußerungen Schrecks scheinen mqßte), mit dem Ersuchen an ihn' herangetreten, die genau« Stärk« der Berliner Schupo zu ermitteln, wenn seinem Geschäft die Austrägc nicht entzogen werden sollten. P. habe dabei 500- und 1 000- Dollar-Roten gezeigt und versprochen, ihm zur Flucht be- hilflich zu sein, wenn di« Sache schies gehe. Der Angestellt« ging im Einverständnis mit der Kriminalpolizei dann zu« Schein auf das Siegerwalds Znierview. dr hat zwar geredet, aber aicht formuliert. Ein bekanntes Wiener Nochrichtenblatt und chm folgend deutsche Blätter haben ein angebliches Interview mit Adam Stegerwald veröfsentlicht, in dem der christliche Gewerkschofts- beamt« sehr ungeschminkte Wahrheiten über das Zentrum und seine Führung von sich gibt. So soll Stegerwald erklärt haben, die christlichen Arbeiter verlangten eine vollständig« Hinge- st a l t u n g des Parteiapparates, in dem sih neuerdings Elemente gellend machten, die der Partei innerlich fern feien und nur der Karriere halber sich m die Zentrumspartei drängten. Das, was in den Blättern wiedergegeben wurde, sah beinahe so aus, als ob Stegerwald ernsthafte Opposition zu machen gedenke. Jedoch läßt er vorsichtiqcrwcisc durch ein Telegraphenbureau er- klären, daß er zwar gelegentlich mit einem Iournolisten gesprochen, jetwch keine Formulierungen getroffen habe und deshalb di« V" antwortung für da» Veröffentlichte ablehn«! Kommunisten gegen Einheitsfront. Helfer der Gozialreakiion. Ss vergeht wohl kein Tag, an dem nicht in irgendeiner kommunistischen Zeitung, in irgendeiner Gewerkschasts- oder Betrisbsver- sammlung von den Kommunisten aller«chattierungen der Ruf noch der Herstellung der gewerkschaftlichen„Einheitsfront" ertönt. So manchem kommunistischen Gewerkschafter mag dieses Verlangen auch aus der Tiefe seines Herzens kommen. Wie es ober mit der Ehrlichkeit der führenden Personen der.KPD. bestellt ist, hoben wir des öfteren an Beispielen aus der Praxis bewiesen. Unsere Gewerkschaftsgenossen in Deutschland sind durch die bitteren Ersahrungen der letzten Jahre gewitzigt worden und schenken den Rattenfvngermelodien der EinheitsfroMapostel durchaus kein Gehör mehr, wodurch sie sich Enttäuschungen ersparen. Daß sie da- init aus dem rechten Wege sind, zeigt wieder einmal ein Beispiel. das uns die Tschechoslowakei bietet. In diesem Lande plant die Regierung einen Anschlag aus die Sozialversicherung, i-em wirksam nur begegnet werden kami, wenn sich alle arbeitenden Schichten geschlossen gegen ihn zur Wehr setzen. In dieser Erkenntnis ergriffen die freien Gewerkschaften die Initiative und brachten«ine gemeinsame Sitzung der Vertreter der Gewerkschaftszentralen zustande. Nach eingehenden Verhandlungen zwischen den Vertretern der freigewerkfchaftlichen Zentrale, der >>�«sbe-b!l->'e7> N�ignassozialisten' und der.Roten Ge- werkschaft" kam es zur Aufstellung von Richtlinien, die an e» u i) e t l»> ch e s uuu ptanmätzlges vorgehen aller gewerkjchaft- lich organisierten Arbeiter und Angestellten gegen den Anschlag der Regierung aus die Sozialversicherung sichern sollten. In den Richtlinien war ein gemeinsamer Aktionsausschuß vorgesehen, dem Vertreter oller drei GewerkschaftszeMrolen ange» hören sollten und der die näheren Bedingungen und das Ausmaß der einzuleitenden Aktionen bestimmen sollte. Die gemeinsamen Aktionen sollten sein: 1. gemeinsame Versammlungen und Kund- gedungen,' 2. Interventionen: 3. Demonstrationen: 4. ein gemein- famcr eintägiger Generalstreik. Festgelegt war weiter in diesen Richtlinien, daß alle gegenseitigen Angriffe, Polemiken und Kritiken in der Presse und in den Versammlungen während der gemeinsamen Aktion e i n g e st e l l t werden sollen und daß diese Forderung auch gerichtet werden solle an die tschechoslowakische Sozialdemokratische Arbeiterpartei, die Partei der tschechoslowakischen Nationalsozialisten und an die Kam- munistische Partei. Schon während der Verhandlungen der Gewerkschaftszentralen kam es zu gemeinsamen Versammlungen und Kundgebungen, in denen die Arbeiter auch den ehrlichen Willen zum Ausdruck brachten, forkab geschlossen zusammenzustehen. Dieses einheitliche Vorgehen hatte zur Folge, daß die Regierung in ihren Forderungen zurückging und verlauten ließ, daß sie an dem Wesen der Sozialversicherung nicht rühren wolle. So standen die Dinge am 21. Dezember. Da brach der kommunistische Allgewerkschaftliche verband aus der Einheitsfront aus. Man hatte wahrscheinlich seinen Führern von Moskau aus den Kopf zurechtgesetzt. Wie sollte man schließlich auch noch fernerhin die Existenznotwendigkeit der„roten" Gewerkschaft nachweisen können, wenn sich die Arbeiter brüderlich die Hände reichten zum gemeinsamen Kampf gegen einen gemeinsamen Gegner! Die Ar- beiter könnten ja schließlich auf den Gedanken kommen, diese Ein- heitsftont für i m m m e r bestehen zu lassen, und dann wäre es mit der beschaulichen Führerexistenz einiger Exponenten endgültig vorbei. Man hatte kaum den Verhandlungsraum verlassen, als man auch schon wieder die Schleusen aufzog und die Schlammfluten von Lügen und Verleumdungen über die freien Gewerk- schasten sich ergießen ließ. Um den eigenen verrat an der Arbeiterschaft zu bemänteln, schimpfte man aus die anderen. So hat der„repo- lutionäre" Allgewerkschaftliche Verband die zum Schutze der Sozial- Versicherung geschaffene Einhestssront hinterhältig ge- sprengt und sich als Helfer der sozialen Reaktion ent- puppt. Trotzdem werden sich die freien Gewerkschaften an die Spitze des Abwehrkampfes stellen und alles daran setzen, den An- schlag der Regierung abzuwehren. Dieses Beispiel des widerlichsten Verrats an der Arbeiterklasse, die in einen, schweren Komps um soziale Errungenschaften steht, zeigt mit aller Deutlichkeit, daß es mit den kommunistischen Drahtziehern kein Paktieren geben kann. Alle 47* Minuten eine Hose. Rationalisierung überall. Ueber„Die neueste Umstellung der Anfertigungsart in der Herrenkonfektion" sprach am Montag abend der Gauleiter des Leklcidungsarbciterverbandes, Genosse Müller, Frankfurt am Main, in einer gut besuchten Versammlung der Berliner Kon- feklionsarbeitcr und-arbeirerinnen. Er schilderte zunächst kurz die Entwicklung der Konfektion im slldwestdeutschcn Bezirk und kam dann auf die gewaltig« tech- n i s ch e U m st« l l u n g in den Betrieben dieses Bezirkes zu sprechen, die alle Erwartungen in den Schalten gestellt hat. Als im Ig. Jahrhundert die Nähmaschine aufkam und dann noch die Knopfloch- najchine, war im allgemeinen die Ansicht verbreitet, daß im Schneiderhandwerk weitere Maschinen nicht eingeführt werden könnten, weil sich die Arbeit dcS'Schneiders nicht durch die Maschine ersetzen lasse. Die Zeit hgt etwas anderes gelehrt. Heute-ist im süddeutschen Kon'eklionsbezir.k die zeit- und arbeitsparende Maschine Trumps. Wo früher die Nähmaschine stand, die 400 bis 500 Stiche in der Minute machte, steht heute die S ch u e l l n ä h> Maschine mir einer Leistung von 3000 Stichen tn der Minute. Das Bügeleisen wird verdrängt durch die Bügel- Maschine, die mit 85 Zentner Druck arbeitst und dos Mehr- lache leistet, wie ein mit dem Hondeisen bügelnder Schneider. Da- neben sieht man Mehrnadelmaschinen, Knopfloch- Nähmaschinen u. a., die zum überwiegende» Teil sogar«ine bessere Arbeit herstellen, als es der Maßschneider mit der Hand machen kann. Es lind heute etwa 30 Spe.zialmoschinen ein- goiührt, die noch nicht alle vollendete technische Wunder sind, die aber dazu beitragen, daß auch der Schneider n,ehr und mehr zum Maschinenarbeiter wird. Der Referent führte einige Zohlenbeispicle an, wie die Anferti- gungszesten durch die Moschine» reduziert morden sind und wie die Produktion durch sie gesteigert worden ist. Sa nannte er einen Be- trieb, in dem 23 Arbeiterinnen täglich 8M- Slunven beschäftigt werden und wo alle M i n u t e n eine Herrenhose serlig wird. In«inein anderen Betrieb wird alle 5h* Minuten ein« Eisenbahn erlitewka fertig. Tie Arbeiterschaft hat sich in diesem Bezirk bei der Rationalisierung nicht immer richtig benommen. Anstatt zu versuchen, die Maschinen in die Hand zu bekommen, weigerten sich viele Arbeiter, an den Malchin«» zu arbeiten. Di« Folge davon i>i. daß heute andere Arbeiter an den Maschinen stehen und diese..Maschinenstürmer" das Straßenpflastcr treten müssen. Genosse Müller ermahnte aus diesem Grunve die Berliner Berufskollegen, reicht den gleichen Fehler zu machen, wenn hier die Maschine»hrcn Einzug halten wird. Es muß vielmehr versucht -verden. die Arbeiter und besonders die Arbeiterinnen restlos für die Organisation.zu gewinnen, damit die Orgamsotlon bei der Fest- setzung der Lohne und bei der Regelung der Arbeitszeit ein«nt- scheidendes Wort mitsprechen kann. Rur so wird es gelingen, die Unternehmer zu zwingen, ihre Arbeiterschaft an den Erfolgen der Rationalisierung teilnehmen zu lasse». Die Ausführungen des Referenten wurden von den Der- sammelten mit dem regsten Interesse oerfolgt und fanden auch die vollste Zustimmung der Diskussionsredner. Albert Thomas im Zentralverband der Angestellten Der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes stattete am 25. Januar dem ZeiUralverband der Angestellten in dessen Haupt- g e s ch ä f t s st e l l e zu Berlin einen B e s u ch ab. Cr wurde hier vom Berbandsvorsttzenden Otto Urban auf das herzlichste begrüßt. Sodann berichteten einige Vorstandsmitglieder über die Entwicklung des Zentraloerbandes der Angestellten, seine gewerkschaftlichen, sozial- politischen und arbestsreckllichen Ziele sowie über seine inneren Ein- Achtungen. Direktor Thomas erwiderte darauf uüd ging insbe- sondere aus die sozialpolitischen Aufgaben des Internationalen Ar- beitsomtes ein. Er bemerkte, daß er den Zentrolverband der An- gestellten iniolge seiner bewährten Arbelt auf sozialpolitischem Gebiete und infolge seines klaren sozialpolitischen Programms als einen wichtigen Faktor für die internationale Sozialpolitik betrachte. Direktor Thomas besichtigte sodann noch dt« Räume und Betriebseinrichtungen und sprach sich dabei sehr anerkennend über den Aufbau des ZdA. aus. Die Kanalschiffer streiken weiter. Schlichtungsverhandlungen ergebnislos. Die Schlichtungsverhandlungen zur Beilegung des Konfliktes in der westdeutschen Äoualschissobrt, die am Diens- tag im Reichsarbeitsministcrium unter dem Vorsitz des Ministerial- rotes Dr. G r a b c in geführt wurden, führten z u keinem Er- g e b n i s. Die Arbeitgeber verharrten auf ihrem durchaus ab- lehnenden Standpunkt. Eine Verständigung mit den Kanalreedern war infolgedessen völlig ausgeschlossen. Ebenso waren die Vor- schlage des Vorsitzenden zur Fällung eines Schieds- spruches für die AA-eitnehnier unannehmbar, weil sie e i n viel zu geringes Angebot in der Lohnfrage brachten und die Arbeitnehmer auf zu lange Zeit hinaus festgelegt hätten. Unter diesen Umstünden war die Fällung eines Schiedsspruches mniröglich. Die Verhandlungen nnirden dezhalb zunächst vertagt. Der Kampf der westdeutschen Kanalschssfer gehl also einstweilen welter. Die Kanalreeder wollen allem Anschein nach eine Kraftprobe aus Biegen oder Brechen. Daß sich die Dinge im Konflikt zuspitzen werden, liegt airs der Hand, denn es gehört keine Prophetengabe dazu, um vorauszusehen, daß die Kanalreeder jetzt alles versuchen werden, um m 1 1 Hilfe des Wohnungsterrors die Arbeitnehmer inürbc zu machen. Je mehr die Kanalschiffer aus den Wohnungen on Bord auf die Straße gesetzt werden, desto mehr wird die Polizei in den Konflikt hm eingezogen und desto unerfreulichere Vorgänge müssen sich abspielen. Muß das alles sein? Bestimmt nicht! Die westdeutsche Kanallchift'ahrt würde nicht zusammenbrechen, wenn sich die Reede? mit den Kanaischisfcrn geeinigt hätten. Aber wie in der Rhein schiffahrt, so melden sich auch in der westdeutschen Kanalschissahrt immer mehr die Scharfmacher. Die von uns vor kurzem veröffentlichte Eingabe der Rheinschiffahrtsunternehmer on die Rc- oierungen und Parloinente zeiat ja ganz deutlich, was für ein Geist bei den Reedereien lebendig sst. Sie fordern Abbau der Sozialpolitik aus der ganzen Linie. Der hartnäckige Widerstand der Westd«utsck?en Kanalreedcr aegen die Lohnforderungen ist. für sich betrachtet, völlig unverständlich: er bekommt aber Tiun und Bedeutung in Berbindung mit dem sozialreaktionären Vorstoß der Rheinreeder. Die westdeutsche» Binnen- schisser tun daher gut daran, wenn sie sich so geschlossen wie möa- sich im freigewerkschaftlichen Deutschen V e r k e h r s b u nd zur gemeinsamen Abwehr des Schlaoes rüsten, der gegen ihre Lohn, und sozialpolitischen Errungenschasten von feiten des Unter- nehmerwms geplant ist._ Abbruch des Setzerstreiks in Lrnz. Auf Grund einer zwischen den Parteien im Buchdruckgewerbc getroffenen Dereinbarting, nach der der Konflikt im Buchdruckgewerbe morgen, Donnerstag, in Wien geschlichtet werdsn soll, beben die graphischen Arbeiter die Arbeit wieder ausgenommen Terrortsierung der Farbigen Südafrikas. Gewerkschaftsmitglieder sind Freiwild. In Südafrika wird von der Regierung das berüchtigte Sklavengesetz, nämlich das Berwasiungsgefetz für die E n- geborenen(Native Administration Act) nunmehr durch- geführt. Auf Grund dieses Gesetzes werden, wie uns der Generalsekretär des dem IGB. angeschlossenen Verbandes farbiger Arbeiter Südafrikas(Industrial and Commercial Workers Union of Afrika), Clements Kadalie, misteill, die Bureaus der Verwaltungsstellen der Organisation polizeilich durchsucht und die Funktionäre unter�Anklage g e st e l l t. während d'e Former in Natal die Hütten der Mitglieder der Organisation niederreißen oder nieder- brennen. Die Regierung ist nicht gewillt, gegen die Farmer vorzugehen und hat es abgelehnt, der JEU. Land zu verkaufen, damit die unglücklichen obdachlosen Männer und Frauen der sar- bigen Arbeiterschaft untergebracht werden können. Die sreigewerksch östliche Organisation der sar- bigen Arbeiter Südafrikas hat einen schweren Stand. Während der Abwesenheit Kadalies wurden allerhand Versuche gemacht. um den Verband zu zerstören. Die Beamten, die während der Studienreise Kadalies in Europa die Hauptarbeit zu bewältigen hallen, haben jedoch das Ansehen der Organisation hoch- gehalten und, gestützt aus das Organ der JEU.,„The Workers Herald", den Kampf um die Verbesserung derL e b e n s- läge der farbigen Arbeiter unerschrocken weitergeführt. Der Mitglicderstand und die Finanzen der JEU. hgben sich erfreulicherweise weiter gebessert. Der Befreiungskampf der farbigen Arbeiter Südafrika? wird von der freigewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft Deutschlands mit wachsender Sympathie verfolgt. Die Löhne der Organisierten in Amerika. (IGB.) Mit Recht wird oft daraus hingewiesen, daß die hohen Löhne in Amerika keine allgemeine Er! che i- n u n g sind und es Berus« mit sehr niedrigen Löhnen gibt. Daß sedoch aus olle Fälle die Löhne der organi s i er t e n A r b e i t er dauernd st e.i g e N, beweist«ine Statistik des atnerikanifchen Arbeitsdepartements, das fedes Jahr Antzabcn über.dke Wach.eN'�und Stundenlöhne in den wichtigen organisierten Berufen beschafft und damit einen Inder errechnet. Diese Berechnungen sind seil dem Jahre 1913 durchgeführt worden.. Abgesehen von einem einzigen Jahr ist der Inder in oll diesen Jahren dauernd gestiegen. Er stand im Jahre 1921 63I Proz. und im Jahre 1922 83 Proz. über der Ziffer des Jahres 1013. In' Vergleich zum Jahre 1926(133,4 Proz.) ist der Index im Jahr« 1927 um 7,4 gestiegen und steht damit um 140,8 Proz. höher als im Jahre 1913._ Achtung, Former und Gleßereiarbelter? Lei der Firma Rautenbach. Aluminium- und Metallgießerei in Wold- Solingen, befinden sich die Arbeiter im Streik. Vor Zuzug wird gewarnt! k«i»e). »eilerer Abend.—»Speniek! Gruppeuheiw Jugendheim Grünauer Slx.->. Jaa-Londun-Abend.— Tempelhos: Gruppenhemr Lyzeuni. Gcrnniniailr. l>b. Lieber, und Bmtspiclabend.— T ii dosten: Ornppenheim Sielchenberger«tr. f* (tzeuermehrhaus) fort tag;„Aus der Geschichte der englischen S-mcrlschasien." — Sesundbrunn«»: Gruppcrhcim Rote<3chu!>'. Gotrnburger Strafte. Sdtour aes von chofemann.— Roobit: Iugtndheim Lehrter S!r. I«!lS. Bortrag:.Ter Kampf der englischen Gewerkschaften gegen die Beschränknng des Koalition;,. rechts."— khorlottendneg: Jugendheim Spree Itr. A. Herterer Lldend.— Bnmbvldt: Jugendheim Graun. Eck» Loreingitoafte. Lustiges Allerlei.— Fenntsnrtcr Alle«: Städtisches Jugendheim Litauer Str. 18, Zimmer 3. 9!och- denllichcs und Kurzweiliges.— Landsberger Plag: Jugendheim des Ost'ns. Große tzrankfurter Str. IS, Ouerged. Port.. Zimmer 2. Humor und Frohsinn dehcrrsche» den Abend.— Weißense«! Chorprob« im Jugendheim Parks!;. 38. — Voranzeig«: Ach-nng, Spielleiter! Ter Schulungstag für Spielleiter findet am Sonntag, 2S. Januar, 10 Uhr, im Jugendheim des Teuischrn Berkehrs- bundes, Engeluser»t/25, Aufgang N pari., statt. Motro:„thinst ist das Lebe» und heiter das Spiel— Unsere Helmspiele." Zugeiidgeuppe de»?dA. Heute. Donnerstag, IStZ Uhr, findet tolgende Beranstaltung statt: Bezirk Schouederg: Zugendheim Hauptsir. lö tHosgehände 1 Treppe, Thüringenzimmer). Lichtbildervortrag(Erich Bredow). Berantwortlich kür Politik: Dr. C»a Geyer: Blrtschafi: G. tUingelhSsert Gewertlchaflsdewegnng: Z. Steiner:»euilleton: K. H. Doscher: Lofalt» und sonstiges: ZZrth Karstidt: Anzeigen: Th. Glocke,«imtlich in Berlin Verlag: Vorwgrts.Ber!ag O. m d. H.. Berlin Druck: Vorwgrts-Buvidrilckcret und Serlag-onstalt Paul Singer u Co.. Berlin SB 68. Lindenstraöe g. vier,» 2 Beilagen und.Unteeboltunn und Willen" Wkkß#$tjeSenhcuuke* ist es zu wissen, daß ENVER BEY eine neue 4-Pf.-Zigarette unter dem Namen; ENVER B URKESCH mit Goldmundstück und ohne Mundstück rund in Würfelpackung herausbringt. Rauchen Sie diese, und Sie werden feststellen, daß es keine bessere 4- Pfennig- Zigarette gibt. * Hochaktuell« Bilder Ober dl« Entwickluno der Flufltechmk ii«6«n jeder Packung deü 7tr. 43* 43. Jahrgang -1. Beilage des Vorwärts Somtersiag, 26. Januar 4S2S Aus vielen Formen, Bildern und Gestalien bildet sich das Ge- sicht der Welt. Auch der Gerichtsvollzieher gehört hinein, damit sie an ihrer Vollkommenheit nichts verliere. Doch hat er einen umstrittenen Beruf. Zwischen Zuneigung und chaß pendelt er hin und her: er soll neutral sein, nur Beamter, der den Arm der Justiz führt. Das er aber auch Mensch ist und daß gerade ihn sein Beruf in die tiefsten Abgrunde sozialen Elends hinein- blicken läßt, das sollten besonders seine Auftraggeber nie vergessen. Ein Tag mit dem Gerichtsvollzieher. Begleiten wir ihn einige Standen auf dem Wege seines schweren Beruf». Hierbei schildern wir Personen und Begebenheilen so, daß auch die nächst Betroffenen sich nicht zu erkennen vermögen. obwohl von der Wahrheit nicht abgötvichen wurde. Den Gerichtsvollzieher scheint ein jeder zu kennen, denn wir werden schon aus dem Wege von allen Seiten begrüßt.„Guten Morgen, Herr Weber! Wollen Sie zu mir?'" ruft man ihm lachend erclzegen: ebenso lochend winkt er ab. In behäbiger Rundlichkeit, im warmen Paletot wohl verhüllt, die Aktentasche unter den Arm geklemmt, so steigt er Treppe um Treppe und verschwindet in den sonderbarsten Häusern. Er scheint überall Bescheid zu wissen, kennt Tag und Ätunde. wann seine Sunden alljutreffev find Manchmal treten wir vor einer Tür etwas abseits vom Guckloch, damit der durch das Loch Spähende nicht gleich den„willkommenen Freund" zu Gesicht bekommt. Oft macht er auch drei- und viermal den Weg umsonst, ehe er Gewalt anwendet und die Tür vom Schlosser öffnen laßt. Am meisten ärgert es ihn, wenn die Füchse im Bau sind und nur aus Niederträchtigkeit nicht geässnet haben. Es tft dem Beamten auch vorgekommen, daß er die Tür gewaltsam öffnen ließ und drinnen der Inhaber ihm den Einstellungs- beschlnß des Gerichts über die Pfändung präsentierte, wamst alle Mühe umsonst war. Der erst« Morgenbesuch in seinem Bezirk gilt einem Ä auf mann. Der Gläubiger hat aufgetragen, zuerst in der Privat wohnung des Schuldners da» Glück zu versuchen. Die Pri- vatwohnung, die wir betreten— das Hausmädchen hat geöffnet— ist von verdächtiger Eleganz und Neuheit.„Hier ist bestimmt nichts zu holen!" flüstert mir der Gerichtsvollzieher zu. Troßdem ist der Söldner sichllich erschrocken. Er behauptet, es sei ein Schriftstück vorhanden, das ausweist, daß die Sachen einem Dritten gehören. von dem er sie leihweise zur Benutzung hat. Ader das Schriftstück befindet sich im Geschäft. Schön, wir wandem also zum Geschäft, einige Straßen weiter, und warten. Aber auch hier will sich das wichtige Dokument nicht finden lassen. Da beschwört ihn der Kunde, in nochmals zwei Stunden wiederzukommen, es würde sich gewiß finden lassen Er bietet ein Bild vollständiger Angst und Zerknirschung: der Gerichtsvollzieher hat Mitleid, und wir ziehen ab. Draußen erklärt mir der Beamte: drohender Konkurs — Akkord mit den Gläubigern auf 40 Prozent— wenn alles gut geht, kommt der Schuldner noch einmal mit heiler Haut aus dem Schlamassel. In einer anderen Straße ein ähnlicher Fall. Hier ist eilte Mietschuld bei dem Inhaber einer Sieben-Zimmer-Woh- nung einzutreiben. Madame öffnet selbst, ist sichllich erfreut über dos Kommen des guten Bekannten. Der Gatte dagegen möchte ihm mit militärischem Schneid in die Parade fahren. 320 Mark gingen von der eingeklagten Schuld ob, denn die hätte ihm die DeHörde an Houszinssteuer erlassen. Verwundert frage ich mich im stillen, wie das zugehen mag. daß der Inhaber einer Sieben- Zimmer-Wohnung von der Hauszinssteuer befreit werden kann? In solchem Falle müßten ja Leute mst Stube und Küche über- Haupt nichts zu zahlen brauchen! Der Schuldner hat kein Glück, er wird in der vollen Höhe des Betrages gepfändet, denn der Beamte hat als Gerichtsvollstrecker sich nur den Weisungen seines Austrages anzupassen.„Der Mann wird bezahlen, ehe die Sachen zur Versteigerung kommen!" sagt draußen der Beamte, denn die Zsiöbel waren persönliches Eigentum. In einem dritten Haus pfändet er«in Klavier. Als gewitzter Mann läßt er sich aber vorher den Deckel aufschließen, denn es ist ihm und seinen Kollegen schon passiert, daß sie Klaviere ohne Tasten und Saiten pfändeten. leere Attrappen.„Eigenllich müßten wir ja das Siegel an ficht- barer Stelle anbringen," meint er,.aber das macht heute teut Gerichtsvollzieher mehr. Die Gerichte würden sich atstrf retten köuneu vor Verurteilungen wegen Vsaudverletzuug." Bei einem Vierten prophezeit mir der Beamte, daß bei diesem Kunden nichts zu holen sei. Seit vier Iahren geht«r bei ihn» aus und ein. Es wäre schade um Zeit und Geld, die von den Glau- bigern, dem Gericht und den Gerichtsvollziehern ausgewendet wer- den, um van diesem Geschäftsmann etwas zu bekommen. Der aber scheint sehr gut einen solchen Zustand zu ertragen, vielleicht besser als mancher ehrlich« Arbeiter, der sich mit seiner Hände Fleiß ernährt. Ab und zu wird er von dem Herrn Weber zum Gericht flfitührt. wo er den Offenbarungseid leisten muß. Der verkehr zwischen dem Gericht sv all jüher und dem Schuldner vollzieht sich in durchaus kordialeu Formen: ieder von den Parteien weiß, wie juristisch der Hase läuft, die Pratotoll« werden ausgefüllt, pflichtschuldigst überzeugt sich der Beamte von dem„noch" vorhandenen Inventar und den Uebereignungspapieren an einen Erstschuldner. Wir verabschieden uns auf.baldiges Wiedersehen!" Und doch habe ich das Gefübl, daß gerade bei diesem Fall der Beamte sehr auf der Hut ist und dm Schieber einmal in einer schwachen Stunde überraschen wird, wo er ihn dann faßt. So hat auch dieser trockene unsympathische Beruf seine geheimen Reize. An der folgenden Stelle ist der Geschästsinhaber nicht anwesend. das Personal weiß nicht Bescheid. Herr Weber ver- zichtet für heute auf die Pfändung:« kennt den SchuLmer und weiß, daß er bezahlt, wenn es Ernst unrd. Der Nächste erledigt sich in prompter Zahlung seiner Schuld in Höhe vou 900 Mark, die der Gerichtsvollzieher sorgsam in einer Innen- tasche der Hose verstaut. Auch hier muß er. wie bei allen anderen. den Vorwurf in Empfang nehmen:„Was wollen die Leute nur, wir hoben ja noch gar keine Aufforderung zum Zahlen erholten?" Nein, eine solche Aufforderung gibt es bei Gericht nicht, der Richter sieht mit dem Urteil beim Termin die Sache als erledigst an. -i- Soll man noch mehr erzählen von der Person des Gerichtsvoll- ziehers, von diesem Beruf, der, zwischen Milde und Strenge schwankend, den sozialen Ausgleich zwischen den Klassen, zwischen Gläubigern und Schuldnern, Starken und Schwachen, herstellen soll? Sechs Pfändungen an einem Mvrgen. und nur ein Gläubiger war von den sechs befriedigt worden! Kloih beleidigi die Arbeitslosen. Sturm in der Neuköllner Bezirksversammluag. In der Bezirksversammlung Neukölln stand gestern ein Antrag zur Tagesordnung, der eine Aenderung der Vorschriften über die Voraussetzungen für die Aufnahme in die Erwerbs- losenfürsorge vorsah. Nachdem unser Redner, Genosse Harnisch, in ernster Rede auf die Notwendigkeit einer besternt Berücksichtigung der Arbeitslosen hinwies und verlangte, daß die Karenzzeit nach Möglichkeit verkürzt weichen sollte, erging sich der der Berliner Arbeiterschaft sattsam bekannte Arbeitcrverrötrr Kloth, jetzt Mitglied der Deutschnationalen Volks- Partei, in eine Beschimpfung der Arbeitslosen. Er sagte wörtlich: .Die Arbeitslosen, die früher vielleicht noch Arbeit an- genommen hätten, vor allen Dingen die Maurer, verzichten heute uns Annahme von Arbeit, well ihnen die Arbeitslosemmter- slützung einen allzu hohen Detrag zur Lebenshaltung zur Der. fügung stellt." Diese von noch niederträchtigeren Behauptungen begleitete Redewendung erregte auf der ganzen tinken Seite des Hauses de- rechtigte Entrüstung. Da sich Kloth nicht zur Zurücknahn« seiner Verleumdungen bereiterklären wollte, mußte der Vorsteher. Genosse Heitmann, die Sitzung schließen. Neue Jtäume für das Arbeitsgericht in Berlin. Nach mehrwöchigen Bemühungen ist es nunmehr, wie der Amtliche Preußische Prestedienst mitteilt, gelungen, dem beim Arbeitsgericht in Berlin infolge einer das vorhersehbar« Maß weit übersteigenden Zunahme der Geschäfte eingetretenen, auch in der Press« erörterten Raummangel in zufriedenstellender Weise abzuhelfen. Auf Grund eines dieser Tage geschloffenen Berttages werden drei Inspektionen des Arbeitsgerichts mit zehn Sitzungssälen, den erforderlichen Beratungszimmern und Bemnttnarbeitsplätzen im Gebäude der ehemaligen Kunstgewerbeschulc, Prinz-Albrecht�traße 8. alsbald unter gebracht werden. Der Gewinn der großen und hellen, für die Zwecke d« Arbeitsgericht? bestens geeigneten Räume ermöglicht ein« will- kommen« Entlastung des Hauses Zimmerstrahe 90/91, dessen Rätivv lichtesten zugleich durch baldige Maßnahmen noch wesentlich ver- Hestert werden sollen. Was wird Stadtrat Aufch tun? Wir haben in der Mittwoch-Abendausgabe gemeldet, daß Stadt- rat Busch, der Grund st ücksdezernent des Magistrats, von seinen Parteifreunden in der Wirtschastspartei aufgefor» dcrt worden ist, sein St a dtra t s m a n da t niederzu- legen. Die Grundstückspolitck Berlins, auf die er besttmmenden Menschen.Göttern gleich... 2, Roman von Herbert George wells. Indes, wenn es auch zu keinem so verheerenden Ans- bruch kam, so war es doch für Mr. Barnstaple unbedingt erforderlich, sich einige Zeit von Peeve fernzuhalten. Ein- oder zweimal hatte er ihm schon widersprochen. Ein Streit konnte jeden Augenblick ausbrechen. Es war klar, daß der erste Schritt, den er tun mußte, um sich von Mr. Peeoe zu befreien, ein Besuch beim Arzt war. Also ging Mr. Barn» staple zu einem Arzt. „Ich verliere die Gewalt über meine Nerven," sagte Mr. Barnstaple,„ich bin fürchterlich nervös." „Sie leiden an Neurasthenie," sagte der Arzt. habe einen Wscheu vor memer täglichen Arbeft." „Sie brauchen einen Urlaub „Glauben Sie, daß ich eine Abwechslung nötig habe?" „Eine so gründliche, wie nur irgend möglich." .Können Sie mir einen Ort empfehlen, wohin ich gehen könnte?"' „Wohin wollen Sie gehen?" „Ich habe kein bestimmtes Ziel. Ich dachte, Sie könnten mir etwas empfehlen—" .Kasten Sie sich von irgendeinem Ort anziehen— und gehen Sie dorthin. Legen Sie jetzt Ihren Neigungen keinerlei Zwang auf." Mr. Barnstaple zahlle dem Doktor eine Guinea und, gewappnet mft desten Ratschlagen, bereitete er sich darauf vor. Mr. Peeve von feiner Erkrankung und der Notwendig- keft eines Urlaubs zu benachrichtigen, sobald sich die Gc- legenheft ergeben würde. � Eine Zeitlang bedeutete der in Aussicht stehende Urlaub für Mr. Barnstaplc eine Vermehrung der schon äußerst schwer auf chm lastenden Sorgen. Der Entschluß, fortzu- gehen, stellte ihn plötzlich vor drei anscheinend unlösbare Probleme: Wie fortkommen Wohin? Und, da Mr. Barn- staple zu ienen Leuten gehörte, die sehr schnell ihrer eigenen Gesellschaft überdrüssig werden: Mit wem? Verstohlene Pläne brachen wie ein leuchtender Strahl durch die Miene vpll aufrichtigen Jammers, die Barnstaple in letzter Zeft zur Schau trug. Aber niemand achtete sonderlich aus Barn- jtaples Gesichtsausdruck. Eines war ihm ganz klar. Nicht ein Wort vou diesem Urlaub durfte zu Hause laut werden. Er wußte ganz genau, was geschehen würde, wenn Mrs. Barnstaple Wind davon bekäme. Sie würde mft einer Miene hingebungsvollen Eifers die Angelegenheit selbst in die Hand nehmen.„Du mußt einen richtigen Urlaub haben'." würde sie sagen. Sie würde einen ziemlich entfernten und teuren Aufenthalts» ort in Cornwell, Schottland oder in der Bretagne wählen, sie würde einen Haufen Reiseausstattung zusammenkaufen, sie würde noch im letzten Augenblick verspätete Einfälle haben und das Gepäck mft lästigen Dingen vollpfropfen, und— sie würde die Jungen mitnehmen. Wahrscheinlich würde sie es so einzurichten verstehen, daß ein oder zwei Freundes- gruppen an denselben Ort kämen, um„etwas Leben in die Bude zu bringen". Und dann würden die sicherlich ihre schlechtesten Charatterzüge hervorkehren und sich als ganz unausstehliche Menschen entpuppen. Es würde kein ordent- liches Gespräch, keine echte Fröhlichkeft geben, sondern nur endlose Spiele... Nein! Wie kann es aber ein Mann anstellen, auf Urlaub zu gehen, ohne daß seine Frau Wind davon bekommt? Irgend- wie muß doch ein Koffer gepackt und aus dem Hause ge- schmuggelt werden... Mr. Barnstaplc betrachtete es als den hoffnungsvollsten Umstand in seiner Lage, daß er ein kleines Automobil fein eigen nannte. Es war nur natürlich, daß dieser Wag«n eine große Rolle in seinen geheimen Plänen spielle. Er schien ihm die günstigsten Möglichkeiten zum Entkommen zu bieten. Das Problem„Wohin?" fand eine einfache Lösung: Von einem festen, genau bestimmten Punkt aus, nach einem Ort, der in der Mathematik, ich glaube, geometrischer Ort ge- nannt wird. Und dann hafte das kleine Biest etwas so Ge» mütliches an sich, daß es leise, aber ganz vernehmlich die Frage beantwortete: Mit wem? Es war ein Zweisitzerl In der Familie hieß es„Das Fußbad", der„Senftops" oder „Die Gelbe Gefahr". Wie man aus diesen Bezeichnungen schließen kann, war es ein niederer, offener Wagen von grell- gelber Farbe. Barnstaple benützte ihn zur Fahrt von Sydenham nach seinem Bureau. Der Wagen legte mft einer Gallone Brennstoff dreiunddreißig Mellen zurück, war also viel billiger als eine Monatskarte. Tagsüber stand er im Hof unter dem Bureaufenster. In Sydenham war er in einem Schuppen untergebracht, zu dem nur Mr. Barnstaple de» Schlüssel besaß. Auf die Art wurde oerhindert, daß die Jungen das Auto fuhren oder in Stücke zerlegten. Manch- mal fuhr Mrs. Barnstaple damit in Sydenham umher, ihre Einkäufe zu besorgen. Aber sie konnte den kleinen Wagen nicht recht leiden, weil er sie zu sehr deü Elementen aussetzte und sie darin verstaubt und zerzaust wurde. Durch all das, was der kleine Wagen ermöglichte, und durch all das, was er verhinderte, war er offenbar zum Mittelpunkt des be- nötigten Urlaubs bestimmt. Und Mr. Barnstaple fuhr ihn wirklich gern. Er steuerte sehr schlecht, aber sehr vorsichtig. Und obwohl die Karre manchmal stehen blieb und sich wet-> gerte, wetterzufahren, so tat sie doch nicht das, was die meisten anderen Dinge in Mr. Barnstaples Leben taten, oder sie hatte es wenigstens bisher nicht getan: nämlich, sich nach Osten zu wenden, wenn Barnstaple das Steuerrad nach Westen drehte. Dies verlieh ihm ein angenehmes Gefühl von Ueberlegenheit. Schließlich traf Mr. Barnstaple seine Entscheidung mft großer Eile. Plötzlich eröffnete sich ihm eine günstige Ge- legenbeit. Donnerstag hatte er bei dem Drucker zu tun, und er fühlte sich furchtbar abgehetzt, als er abends heimkam. Das Wetter war andauernd heiß und trocken. Nicht zuletzt quälte ihn der Gedanke, daß diese Dürre Hunger und Elend für die Hälfte der Welt vorausahnen ließ. Und in London herrschte Hochsaison— mondän und fratzenhaft.-Dieses Jahr war womöglich noch blödsinniger als das große Tangojahr 1913, welches Mr. Barnstaple im Hinblick auf die daraus folgenden Ereignisse bis jetzt für das blödsinnigste Jahr der Wellgeschichtc gehalten hatte. Der„Star" brachte die übliche " ic schlechter Nachrichten neben der Spalte, in welcher die sportlichen und gesellschaftlichen Neuigkeiten herrschten. Zwischen den Russen und Polen waren Kämpfe ausgebrochen, ebenso in Irland, in Klein-Asien, an der indi- schen Grenze und in Ostsibirien. Drei neue schreckliche Mordtaten waren geschehen. Die Grubenbesitzer hielten noch immer die Aussperrung aufrecht, und es drohte ein großer Maschtnisienstreik. In der Bahn hatte Barnstaple nur einen Stehplatz bekommen und der Zug war mit zwanzig Mi- nuten Verspätung abgefahren. Zu Haufe fand er einen Zettel vor, auf dem ihm seine Frau mitteilte, daß ihre Vettern aus Wimbledon telegra- phiert hätten, man habe dort die seltene Gelegenheit, Made- moiselle Lenglen und andere Größen Tennis spielen zu sehen: sie sei mit den Jungen hinübergefahren und werde erst spät zurückkehren. Es sei dem Spiel der Jungen unend- lich förderlich, meinte sie. wenn sie wirklich erstklassige Tennisspieler zu sehen bekämen. Die Dienstboten haften an diesem Abend ihren Ausgang. Er werde hoffentlich nicht böse sein, diesmal allein daheim bleiben zu müssen. Die Mädchen würden etwas tasten Aufschnitt für ihn bereit- Mm.-h- p- Einfsuß Hot,«jefölft bor Wirtschastsparte! mdyt, bantm soll er bis 2ijr von draußen zumachen. Es handelt sich um den Posten eines u.n besoldeten, Stadtrats,, den Herr Busch als Dertreter der Wirischaitspartsi erhalten hat. Was wird Stadtrot Busch tun? Einstweilen erklärt er. dah er nicht daran denkt, dieser Aufforderung zini« Verzicht auf seinen Stadtratspofian nachzukommen. Er will ihn behalten und l i e b e r auf die Zugehörigkeit zur Wirtschaftspartci verzichten. Orkan über Amerika. Viele Tote.- Großer Sachschaden. ?kc«v Jork. 25. Zonuor. Der Orkan, durch den auch ein Schalltaus von fjolmescreef (Xenncffee) umgeweht wurde, hat In den Süd. und Oststootrn grogen Sachichaden angerichtet. Zahlreiche Gebäude wurden zerstör» und beschädig». Dos Schulhau« in Lang fkentuckys wurde zerstör». Die Telegraphen-, Telephon- und Lichtleitungen sind an vielen Stellen unterbrcxlten. Die Auglauser des Orkans richteten auch Im vezirkvonZlewJork beträchtlichen Schaden an. Ein aus dem Dach eines eisslöckigen Geschäfishause» her.New Jorker Ost- seile ausgesiclller Wassertank wurde durch den Sturm um- geristen. Der Tank durchschlug vier Stockwerke. Man befürchtet, dah unter den Trümmern mehrere Personen begraben worden sind. Zahlreiche Schilder wurden uon den Häusern nbacrüVn und hunderie von Fensterscheiben eingedrückt. Zn Eoney- Island wurde ein unbewohntes zweistöckiges Haus u m- gerissen. Auch ein Teil des Daches des Arsonia-Holcis wurde forlgerlsten. Die Schiffahrt ist durch den Orkan stark behindert. Aus Rhode- Island wird gemeldet, dah ein Schoner an einen Zelsen getrieben.wurde. Aus Alloono ipennfyloonio) wird berichtet, dofz Ehambcrlin. der lroh des Orkans seinen Rundslug sortgeseiz» Halle, eine Zlotlandung vornehmen mußle; eine der Tragflächen wurde bei der Landung beschädigt. Gestohlene Konstruktionsentwürfe. Schließung der Kromhout-Werle in Brake. Die(Herl ach- Werke Akiiengesrklschaik in Nord- h a» s r. n halten in zweijährigen Vorarbeiten einen kompressor- und oenlillo'sen Diescl-Motor konstruiert, sür den sich bereits mehrere Firmen in Frankreich und Belgien zu interessieren be- c»annen. Als die legten Versuche beendet waren und der neue Motor um die Jahreswende auf den Markt gebrocht werden sollte,»rate» die beiden S p c z i o l i n g c n i e u r e. die mit dem Bau des Motors betraut gewesen waren, a» s den(9 s r 1 a ch- W e r k c n »Iis, um zu der'Filiale der Rranthout-Werke Aktiengesellschaft I Amsterdam) in Brake in Westfalen überzugehen. Wenige Tage nqch ihrem Weggehen entdeckte man, daß ein großer Teil Zeich- ivungen, Vcrsticbsergebnifse und Korrespondenzen fehlte. Die Gerlach- Werke erstattete» hierauf Anzeige. Eine bei den Kromhout- Werken in Brake vorgenommene Uniersiichiing förderte u. a. über ZOO O r i g i n a l z c i ch n ii n g e n der Gerlach- Werke zutage. Aus»orgefundcnen Korrespondenzen ergab sich, daß die Direktion der Kromhout-Werk« zum mindeste» um die Angelegenheit wußte. Das Braker Werk ist unter Bewachung gcsteUt und der Betrieb stillgelegt worden. Berlin steht auf„Modder". Die Gefahren des schlechten Baugrundes der Innenstadt. Vor der Einschulung. �---- Ndch niemals mar der Einfchulungsiermirr von größerer deutung als In diesem Jahre. Das R e i ch s f ch u l g c f e st�steht vor der Annahme durch die gesetzgebenden Körperschaften. Seine .hauptgrundsätze sind von de» reaktionären Parteien des Bürger- blocks im Bildungsausschuß des Reichsiags festgelegt worden. Wenn n!ck>t die Neuwahlen vor der Verabschiedung des Gesetzes kommen. dann wird die deutsche Volksschule aus Jahre hinaus unter die hcrrschaftsgewalt einer Mittelalter- l i ch e n Kirche gestellt. Alle Eltern sollten sich, bevor sie die Entscheidung über die Ein- ichulung ihrer Kinder trcsscn. noch einmal die Beschlüsse des Lil- kzmgsausschusses ansehen. Da ist ans der einen Seite die i o in in e n d e K i r ch e n s ch u l e, in der der Religionsuntericht'» streng konfessioneller D o g m a t i k erteilt werden muß. Alle wissenschaftlichen Ergebnisse der legten Jahrhundertc werden über den chanse» geworfen. Wieder wird für Strenggläubige Gott in sechs Tagen die Welt erschossen. Marias unbefleckte Empfängnis wird sichergestellt werden, und die Dreieinigkeit wird in die Gehirne einer modernen Jugend einzuhämmern sein. Der Geistliche übernimmt die Aussicht für die Durchführung dieser Dogmen, und der Lehrer wird zum Büttel der Kirche degradiert. Was hilft der einmütige Protest der gesamten Lehrerschaft vis in deren kansessionolle Reihen? Die Kirche triumphiert übet Wissen- schaii, Schule und Lehrerschoit. Sie wird die L e h r e r u n d L e r n- mittel ans ihren christlichen Geholt prüfen, sie wird in den schulischen Körperschaften mit.stil'e der bürgerlichen Vertreter über die Schulausgaben und S ch u l b e f e g u n g e n in ihrem Sinne bestimmen. Einzig unabhängig und frei bleibt von dem kirchlichen Einfluß die weltliche« ch u l e. Eltern, überlegt das! Ziehi die Konsequenzen und schickt euer Kind in die weit- l i ch e S ch u l e. Ii» 14. Verwaltungsbezirk findet die Einschulung in dieser Woche bis einschließlich 28. Januar statt. Weltliche Schulen sind in Neukölln: � 5. und 6. Gemeindeschule, Maricndorser Weg; 18. und 16. Gemeindcschule. Lessingstraße; 31., 32., 41. und 42. Gemeinde- ichuk. Rürlisiraße; 4ö. und 46. Gemcindeschule, Kaiser-Friedrich- ötrasze 4; 53. und 54. Gemeindeschule, stertzbergplatz Weltliche Klassen gibt es in: 5. Gemcindeschule. Mahlo'wor Straße»bis zur 2. Klosse aussteigend); 24. Gcnieindeschule. Schillcr-Promenadc(An- fängerklasien). Die 31., 32., 45. und 46. Gemcindeschule sind Ge- meinschostsschiiie». Zwei tödliche Arbeitsunfälle. Im Laufe der gestrigen Nachmittagsstunden ereigneten sich fast zu gleicher Zeit zwei schwere Ungliicksiälle mit tödlichem Ausgang. — Ans dem Lagerplatz der Firma Pierburg in der Ringbahn- st r a ß e 40 zu g.empelh os war der 56jührigc Arbeiter Fried- r i ch B ro s ch aus den Zelten 13 mit dem Stapeln von Eifenschicnen bejchästigt. Plötzlich kam der Eiscnhauscn ins Wanken, stürzte krachend um und begrub Brosch, dem es nicht mehr gelang, sich in Sicherheit zu bringen, unter sich. Der Verunglückte wurde von der Feuerwehr geborgen und mit schweren Verletzun- gen zum Standortlazarett in Tempelhof gebracht, wo er kurz nach der Einlieserung starb. Eine Untersuchung über die Schuidirage wurde sofort«ingeleitet. Der zweite tödlich verlaufene Unfall trug sich auf dem Gelände des Warenhauses»ertheim in der B o ß st r a ß e zu. Bon einer etwa 10 Meter hohen Stellage stürzte plätzlich der dort mit Dekorotionsarbcitcn beschäftigte 64jährige Malermeister Robert Messerschmidt in die Tiefe. Der Un- glückliche durchschlug ein im Parterre besindliches Glasdach und blieb mit zertrümmertem Schädel im Keller tot liegen. Seine Leiche wurde beschlagnahmt. Billige Fijchtage. Am Donnerstag, dem 2«. Januar, und fol- gtiibt Taste findet ein billiger ftischoerkaus statt. Es kommen zum Tierkaus: lebendsrischer O st s e« d o r s ch mit Kaps pro Pfund 25 6» 30 Ps.. ohne ftopf pro Pfund 35 bis 40 Pf. Die vsrkaussstellen sind durch Plakate kenmtich gemacht. Die H ö u s e r c i n st u r z g e s a H r scheint in Berlin nach- gerade.epidemisch" werde» zu sollen. Rech beraten und prüfen die Behörden, was gegen die in Ehailottenburg in der chcbbclstraße ausgetretenen Bauschädcn getan werden soll. Bevor sie zu.einer Entscheidung hierüder gelangen konnten kommt aus dem alteren Berlin, aus der Be s s etl st r a ß«, jetzt dieser neue chilserui. Neu ist allerdings nicht, daß in diesem Stadtteil viele chöuser auf schwankendem Grunde stehen. Der„Vorwärts" hat ichon vor Monaten berichtet, daß dSr Zustand des Hauses Beisel- stroßo 22 gefahrdrohend ist. Soviel wir uns erinnern, mußte on derselben Stelle schon vor einigen Jahrzehnten ein Haus wegen ausgetretener Senkungen und Risie gestützt und dann durch einen Neubau ersetzt werden. Irren wir nicht, so war es dasselbe Grundstück Besselstreße 22. Seit vielen Jahrzehnten bieten auch die alten Häuser der benachbarren Eha r l o t t e u ft r o ß c zwischen Besselstraße und dem Theater einen Anblick,. der nicht besonders vertrouenerweckeird ist. Einige Häuserfronten haben sich merklich ocncigi, und an manchen Stellen sieht man die Emiren von Rissen, die ausgeflickt und verputzt wurde». Daß die älteren Teile Berlins größtenteils keinen guten Baugrund haben, ist bekannt. Das alle Berlin liegt int Spreetol, das reich an moorigen Stellen ist.„Melder" nennt sie der Berliner. Das Spreetal reichte einmal von dem Rand der Hochebene Barnim bis Nim Rand der Hochebene Teltow, das heißt von den Anhöben vor dem Rosenthaler Tor. Schönhauser Tor, Prenzlauer Tor, Königs- tor bis zu der Gegend des Kreuzbergs. Im unteren Teil der F r!e dri chsta dt, die noch im Spreetal liegt, ist der Baugrund besonders schlechi, was schon mancher Grundstücks- hesitzer bei der Bebauung an den Mühen und Kosten der Funda- mcntiernng sehr unangenehm oelniirt bot. Etwa an der Stelle, die heute von Charlottenstraße, Beiielstraße und Friedrichsiroßc umgeben wird, findet sich aus einem Stadtplan, der den Zustand um die Mitte des 17. Jahrhundert zeigt, eine Gruppe von Tümpeln. Die ticigehenden Moore, die hier liegen, konnten selbstverständlich bei der Bebauung im 18. Jahrhundert nicht beseitigt werden, sondern man muhte sich mit Psahlrosien helfen. Auch in änderet» Teilen der Friednchstgdt könnte man es einmal erleben, daß die Tücken des Baugrundes sich bemerkbar machen und Häuser ins Wanken kommen. In der B e i l e l st r a ß e scheint sogar der Fahrdamm vor dem Haute Nr. 22 sich gesenkt zu haben, weil der moorige Untergrund nicht tragsahig ist. Die Räumung des Borderhauses Besselstraße 22. Gestern nachmittag fand durch leitende Beamte des Bezirks- amies und Noliteiainies.Kreuzberg eine Besichtigung des gefährdeten Hauses Beiselstraße 22 statt. Im Vorderhause de? Grundstückes Benelstroße 22 befinden sich zurzeit noch ein Zigarren geschält und im e-sten und Zweiten Srockwerk ein Hotel- und R e st a u r a t i o it s b e I r i e b. Das dritte G e- schoß und ein zweiter Laden i in E r d g e s ch o ß st e h e n leer. In dem zurzeit nicht gefährdeten Seitenflügel wohnt nur der Portier des Hauses. Die Gebäude werden ichon seit Jahren regelmäßig von der Baupolizei kontrolliert. Da aber infolge neuerdings ausgetretener Risse die Baupolizei eine Berairtwortunq für das Verbleiben der Bewohner des Boiderhciises nicht weiter übernehmen � können ofaniit, hT o» die Inhaber des Hdtel- und TMlanrationsbetriebe? und des Zigarrenges chSste» eine RSumunps- versugunq ergangen. Die Räumung ist, da eine unmittelbare Gefahr Nicht besteht, bis zum 10. Februar befristet worden. Das Wohnilnpsomt des Bezirksamtes Kreiizberg wird au? Wunsch den ausgewiesenen Mietern Ersatzwohnräume zur Verfügung stellet». Hebbelstraße 17. Die im Rathaus Charlottenburg unter Beteiligung des Polizei- präsiditims, der städtischen zentralen Baupolizei, der.zentralen Bauverwaltung, der städtischen Bezirksbaupoitzei, der Bezirksbali- Verwaltung, des Zentralwohnungsamtes, des Bezirkswohnungs- amtes und des Reoierungs und Baurats Iuppe stattgehobie Be ratunp wegen der für die Häuser Hebbel st rast el7, 18. 10 und Fritschesträße 17 zu ergreifenden Maßnahmen»st zu den» Ergebnis gekvnmic», daß der städtische» Baupolizei zu empfehlen sei, die Räumung der Wohnungen im Hause Hebbel- straße 17. soweit sie im Vordcrhause an» Eingang I belegen sind, sofort anzuordnen. Dockt»Verden bei der Durchführung der Räumung Schärfen vermieden werden. B i s Republikanischer Abend heute. Donner*t«S. den 25. Jan aar, 20 Uhr, Im Vikioria-Garten, Wilmersdorf, WUhe'mtaue 114 Genosse Philipp Scheidemann, M. d. R., spridii Ober: Der Kampf um die Republik. Alle Republikaner sind eingeladen. SPD. Wilmersdorf K I spätestens 20. Februar d. I..hat sich dos Bezirks- Wohnungsamt bereit erklärt, allen betailigten M i e! c»m» Unterkunft zu b e s ch o« f c n. Bis zur Räumung der in Frag« kommenden Wohnun-gen werden diese unter eine bei andere Beobachtuttg gestellt werden, so daß weitere Derände- rungen rechtzeitig erkannt werdet». Wegen der für die Sattierung des Hauses Hebbelstraße 17 und der übrigen Häuser zu ergreifenden Maßnahmen werden eingehende Untersuchungen, namentlich der Bodenoerhältnissc, durch die beteiligten Behörden sortgasetzt, und es wird in einer demnächst abzuhaltenden erneuten Konferenz fest- gelegt werden, welche Maßnahmen mittmehr Hand in Hand mit den Eigentümern zu tressen sind.— Wegen der Häuser Hebbel- straße 18'10 und Fritschesträße 17 wurde nicht für notwendig gehalten,«ine Räumung anzuordnen. * In der gestrigen Bezirksversani mlung Char, l o t t e n b u r g wurden mehrere Anfragen über die Vorgänge in den Häusern Hebbelstraße 17 und 18 beraten. Unsere Genossen hotten eine Anfrage eingebracht, ob das Bezirksamt bereit ist, für die vollständige Räumung Sange zu tragen, die�Mieter unterzubringen und den Mietern einen wirzschastlichen schaden zu er- setzen. Der Sprecher der Fraktion führte aus, daß die Bau- palizei eine grobe Pflichtverletzung begangen hat. als sie schon leinerzeit den Aufbau der Häuser nicht genüqerid beoui- sichttge. Die Deuischnationalen schlosten sich der Anfrage an. Der Sprecher der Fraktion stellte ausdrücklich fest, daß dem Dezernenten des Wohnungsonztes,«Stadtrat Genosse Horlitz, kein Vorwurf zu macken sei. Zur Beantwortung der verschiedenen Anfragen nahm Stadtrat Genosse Horlitz dos Wort, um die Bezirks- verordnetet» eingebend zu infornnerei». Der Sachverständigen- misschtiß. der am Montag dieser Wocke getagt hatte, hat ausdrück- lich festgestellt, daß zwar eine Räumung notwendig, Ue b« r st ü r z u n g? n ober zu vermeiden seien. Genosse ftorlh» schilderte dann die CnisteHting der Unzuträglicbkeitei» hei der Unter- bnnguttg der Familien Reich vrrd Koch. Die zuständigen Be- Hörden, vor allem die Baupolizei, haben verabsäum», mit dem Bezirksamt zusammenzuarbeiten und dadurch dem Wohnungsamt erhebliche Scktw-erigkeiten bereitet. Zum Scblug teilte Genosse Horlitz mit, daß die Baupolizei verfügt habe, daß weitere sieben Mieter bis zun» 31. Januar ihre Wohnungen gerämnt haben müssen. Das Wohnunosamt bat bereits alle Vorarbeiten aetroffen. um bis dabin für alle Familien Wohnungen zu schassen. Im weiteren Verlaus der Debatte wurden dann noch über die Hilfsaktionen s ii r die Mieter nähere Angaben gmachr. Es wurde betont, daß Rechtsansprüche zwar nicht bestehen, daß aber nicht mir die Mieter, die zwangsräiunen müssen, sondern auch die freiwillig ausziehenden Mister M i e t b e i h i l f e n er- ballen. In l-cfondcren Fällen wird auch eine Mietdiflereiiz bezahlt. Die Geschäftsleute erhasten langfristige Kredite. Die sozial, demokratische Fraktion beantragte, einen Sockoer, stiindigenaustchuß einzusetzen, der überall prüfen soll, wo Charlottenburger Häuser gefährdet scheine». Die anderen Fraktionen stimmten diesem Borschlag zu. Das Kasseler Einsturzunglück. Zwei Tote, zwei Derlehte. Das Kasseler Einstürzunglück, über das wir im Mendblatk berichteten, hat außer zwei Tote und zwef Verletzte keine weiteren Opfer gei ordert. Tos Uirglück ist darauf, zurückzu- NilirenF öätz das prooisorlsckte Doch des Tleubcues� infolge des gestrigen starken Regens Wasser durchließ, wodurch einer der Beton- psetler zum Einstürzen gebracht wurde. Als«in Maurerpolier gestern vormittag den Schaden des Daches besichtigen wollte, fand er beim Heruntersteiget», daß eine der sechs Betonfäulen, die den ganzeir Ben» tragen, gesplittert war. Cr rief den Arbeitern zu: „Sofort alles aus dem Bau heraus, das Haus stürzt ein!" Kmim hatten die meii'ten Arbeiter d«» Bauplatz verlassen, als auch schon das ganze Gebäude zusammenkrachte. Das Mauerwerk und das ganze Holzgestänge fielen auf die Straße hinab. Bei dem Neubau handelt es sich um einen Crwetterungs, bau von etwa 30 Meter Länge mit zwei Stockwerken. Die Wand zum Erweiterungsbau ist ebenfalls eingestürzt und es ist ein glücklicher Umstand, daß in dem älteren schon teilweise be- nutzten Verwaltungsgebäude zur Zeit des Unglücks sich keine Personen aufhielten. Kassel. 25. Januar. Nach stundenlangen Ausräiimungsarbeilen, die deshalb be- sonders schwierig ntaren, weil die Ei'enftäbe des Betonbaues mit Schweißapporaten abgeschweist werden miißtci», ist nach 4 Uhr nachmittags der vermißte 20jährige verheiratete Obermonteur Karl Klopp unter den Trümmern zerjchmetlerk heroorgezogen worden. Die einstürzenden Ecken haben den Mann anlcheii»ei»d auf der Flucht erreicht, zu Boden geworfen und erschlagen. Inzwischm ist auch der ichnteroerleßie Aionteur Valentin Heise seinen ver. (ehungea erlegen. Die Feuerwehr setzt die Aufräumungsarbeiten fort. ■Am 25. Januar 1928»st• Herr Landrai a.D. Dr. Otto Constantin Leiter des Deutschen und Preußischen Landkreisiages Beinern langen und schworen Leiden erlegen und in die ewige Hefmat abberufen worden. Der Verlust, den der Deutsche und Preußische Landkreistag durch den Tod seines Führers erleidet, ist ein unersetzlicher. In nie ermüdender Schaffenskraft hat dieser vortreffliche und aufrechte deutsche Mapn seine hervorragenden Gaben und seine bewundernswerte Arbeitskraft 7 Jahre in den Dienst der deutschen Kreise gestellt. Der Aufbau ihrer kommunalen Spitsenorganisation zu der jetzigen Höhe ist sein Werk.— Am Landkreistage hing sein Herz, für den Landkreistag hat er gelebt! Das werden wir nie vergessen. Erschüttert stehen wir erfüllt vom Dank für seine Treue und seine Arbeit in tiefer Trauer um den schweren Verlust an seiner Bahre. Nameas des Deutschen and Preafjlschcn LandkrcUtafei Der Vorsüzcnde: T, Achenbach, Landrat des Krclies Teltow. Die Beisetzung findet am Sonnabend, dem 28. Januar 1928, nachm. 3 Uhr, in Potsdam von der Kapelle des alten Friedhofes aas statt WM MetaliarMMriiiiiHi Todesanzeigen. ®ro Mitglieder» zur Nachricht, dah unter ttollcgr, der Schleifer Mar Kogelmann am 23 Januar geftorden Ist. Die«Zinlifcherung finde» am Freitag, dem 27. Januar, vormittag» MO, Ul>r. int Srcmai ori»m Baum- ichulenweg statt. Am?1 Januar starb unser Ztallegr der.NodrIeger Georg Brosch Die Eindschclung findet am Sonn- übend, dem 23 Januar,»achmitlag» 4'/. Mir. im Strimotorium Baum. chulenweg statt ein ihrem Andentru l Rege Beteiligung erwarte» Sie Ort»»« rwaltnng. 96. Art. Neukölln. an 22. Januar verstarb nach ichwerer grankhei, unser« lieb« Serrosfin Agnes Brlnllmsov Ncutiilln. Nogatltrafie d. Die Ktnäscherung findet am sreitag. dem 27 Januar, nachmiiiaa» - Uhr.>m tkremalormm Baumschulen. weg statt Reg» Beteiligung»rwartel vck» Barstaad Anmeldungen für die Frühjahrs-Iugendwelhe müssen umgehend in den nachstehenden Aufnahmestellen unter Zahlung der Einschreibegebühr von 5V Pf. vorgenommen werden: Berti»! Sroüe» Schausviclb-us: t. A t> ri I.(Sic Lebenskunde fät die Weibe im Groben Schausvielbaus beginnt erst im Monat Februar. i Jugend- iekretariat: SW bb. Lindensirabc 3. 2. Hof. 2 Trkvpen. Zimmer U. geöfsnet von S bis 17 Übe, Zi'.t, wachs und �re.tags von 3 bis 13 UKr. Sonnabend bis v> Ubr. E. gosenb. NW 2l. Bitbelmsbavener Lirake �VorwitrtS'Svedition). P Äroll. Rr. bä. Utrcchler Strabe 21(Restaurant). Ä Hönisch. R kö. Muller. Ecke Utrechter Straße tLorwärts-Sved 1, W. Hoismonn, R db. Lnchener Str. 3(Restaurant), R>t, Ackcrstr. 174(Vorwärts-Sved.). P Sobrahlaw. R 37, Swinemiinder Str II(Restaurant), St. Änderfson, R 31, Stra'.sundcr Str. IS(Schuhmacherei), L. Gcrth, N IIS. Greise,, Hagener Straße 22(Vorwärts. Spcö.). 2 Fischer, N 20, Bastianftr. 7(Bormtirts-Sped.). P. Tbl,. RO 55. Zinmanueltirchstr. 24(Jorwärts-Sveb.). W Gitde, RO>3. Landsderger Allee 45 l. M Wartmann. O 34, Sonigsderger Str. 37(Photo, geschitft). S Melle, 0 34, Petersburger Platz 4(Vorwärts. Svcd.l, C. Witt. ichuß, O 34, Petersburger Str 5(Restaurant), F. Arndt. O 27. Martusstr. 33 228, im großen Hörsaal der Deutschen Hochschule für Poiilik, Schintelviatz 6. Die Borlesung wird die Bedeulung der Moral für Wirtschast-, Sozial- und Kulturpolitil zum Gegenstand haben. Ga st karten im Sekretariat der Hochschule. Sozlalifilsche Arbeiterjugend Sroß-Serlin. «Sozialistisch« Hochschule! Eonnabenö, 4. Februar, IflMi Uhr, im große» oaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger EN. 3, Borirag!»Bevöllerungs- polttik und sö,iale Frage." Reseeent Prof. Dr. Alsred Srotjahn..garten zum ermäßigten Preise im«ekretariat. Proletaeische Feierstunde! Eonntag, 12. Fobruar, 11 Uhr, im Großen SchausvielhauS!„Achtzehnhundertachtundvierzsg." Bilder, Szenen, Dolumeutr aus der Feit. Äarteu zum ermäßigten Preise im Sekreiarlat. Barsitzendenlo-seer», Sonnabend. 28. Januar, püntilich 18 Uhr, im großen Sitzungssaal des Bezirksamtes Sreuzberg, Aorcksir. II. Ohne Auswels und Mitgliedsbuch kein Zutritt. heute. Donnerstag, Ifllo liste: Rorde»! Leim Lortzing» Ecke Graunftraße..Die kommenden Wahlen."— Falkplaz I: Schulz Gbersmaider EN. 10, Zimmer 11.„Wie lebt die Jugen d in EowicNußland?"— Schönhauser Vorstadt: Schule Driesener SN. 22. Satirischer Abend.— Schöacberg HI: Heim Hauptstr. 15. ,. Arbeite röichter und ihre Werke."— L-ukroitz! Scmcmdcichule Schulstraße. Fontane-Abend.— ihre Werke."— Lantnritz: Gcmcindcichule■ Steglitz! Heim Albrechtstr. 47.„Karl Marx und Friedrich Cngels."— gehle». dors: Nordschule, Potsdamer Straße.„Bauernkriege."— Treptow: Leim Sraetzstr. 51.„Gegnerische Jugendbewegung". 2. Teil.— Witte»«»! Rosenthaler SN. 15.„Alt-Berliner Humor."— Pankow II: Schule Kaiser. Mitte: Funktionär. „Staats- and Berfassungswesen." Werbedezirk Müggelsee! Funlbrniarützung im Lokal von Lietsche, Köpenick. Wendenschloßsir. 67. Alle Funktionäre und Jugendbeiräie des Berbebezirko nehmen daran teil. Fahrvcrbindung: 33 bis Wagenhalle. -a Werbebezirk Kreinberg: Marge». Freitag. Bildungskursus im Bücherzimmrr Lindenstr. 4. . f; i 1' ir' ...y-,.. . nii wn-r "r tbiin iOr dcntschc Aatornostilc toll eefdiaffen roerden. Am Kühler oder an einer anderen weithin fidit- baren Stelle angebracht toll es jedes deutfehe Automobil und Motorrad als deutfdies Erzeugnis fofort erKennbar machen. Der R. d. A. erläßt ein PMISiUlS somiiniN ÄZnilVilil � 25000 J. Preis 3000 CM- 2. Preis 4000 CM- 3. Preis 3000 CM- 4. Preis 2Y00 CM 3. Preis 1000 CM- Vier Preise zu Je 300 CM- Zehn Preise zu Je 300 CM loirle auf den zur Ausführung celansenden Entirurf außer dem Preüe noch eine Prämie von SOOO UM EnhPürie find bis fp&teftens zum i. 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Erwii Pistatw Thalia-Theater 8 Ii.: Das Sarasl g«! düfdi das ISadflär Waihaüa-Th.| Weinbetgtweg 19-20 ' Elm Lfoteadit Operettensch wank. in.T Akten v Haiton Musik von Osterloh Bsiid'ailtaiMisar r.shlen f Orchester- Sitz statt 7 31 nur 3 M., Loge statt 7 M nur 3 M, Parkett statt i M. nur 1 M ItheusrHIImei Iis. Kfinstler-Tl- « Uhr jBveiyne- .ctsing-Tbeaier x Uhi „Rose Bernd" Bsiidaa-ThBatBrl�üiHK IteBtH Tägt»>-. Wir: Täglich 8 Uhr- Osr gl. liisJspiBifllolg Erfk-a G'*bner•' Süeimiuna mit Hansl Arnsiacdt ilit Ihsft. f»' ümdsh. Emil Siraal. lein ibttii Sonntag nehm. 4 U Kieme Preise. KartJttcIL TS. In idiairalsgalasi Tigl.81 ,Uhi flMLER- BEVIJE JannDimwor 2 Sonntag VorsteUg. 3 Uhr u.3l,.Uhr Ssda. ia w pzuj for- BIBBe 'heatardesieslcas Täglich 8 Uhr- NOBfUiansem letue LI. v«! äder.Kflrty, Albn Wirf, Schult, Rose-Theater Udi Der Plarrer ron Klnhleld Flaaetaiian) an Zao »oliai äjdietlVlle Strafe Noll. 1578 lEBosJia Sdvester der Erda, VortOhrungen; 16'/» 18, 19'� 21 Uht Eintritt I M. .(Inte mt./. Uhr: Sdiliss VatMla von Wedekind üttli VkB: Strocip KomMlenbeus Norden 6304. 8.15— 10 40 Uhr Hokospohos von Cun Götz Metropol-TiL Täglich 8 Uhr Lustspielbaus 8'/, Uhr Ouido Thielscher EKiäftsaüfsidit" «Woipelw uod i gm tubiuisr Nur OroB-B«riin Aiexaadrrpl a' z zur Miete W:0, Ansbacherstr.l Oper. v. Offenbach kariiö Itfliir, ck fted. U. Uditaotiii dem. Znn. Mibw. MMZMf? 7V,lIhrt RfiederaoffreleB der nchdaen Aüdalusieriii: nafttflafetliwEfl und weitäre ■8 B Orcus- I3Attraktjonen! Zum SchluB bis 3. Februar: „Weibes Gold" rwiiitePr. Vol:«s Clrcusur u „WeiBos«ad- Arnold Scholz Hasenheide 108»14 Cr.Bodüiicilcsil In den bayr. Alpen qnd GroOes Schweineschlachten 7 Xa�lEB/ Saue Deknraüana/ 38'narr. Madaln ?;» Kreltafl, fettn 27 fstae Sitzung her" otzaMUnng Di, Kuasahümcf her Liqnibattaiten «tfmgi eis Fteilez in der Zeit vcm 4 bis 7 Uhr w der Hauptfeffs. Sic OdnoccnMflnnd. 0 0 BBeratn natlM fdaf vstOstzs» cos MgL hat«tut*räfU, umsti ------ t„NVMP tu Ort», tu Auch Lhre tunge rann wieder gesund werde«! «*-M. __._ HMiaiuHiva is HnCtfrn. OntM-R-heL»tritt. St Un befliramt Prtatrf»3Jrt»ri«4fcclteft, 35«rlin N, Dofla|Ir«ßt 26, 3tft«d«Wtbcfe, W 57, PolSOamfr<5trä#e 543,«tiolbtV zum goldra» frin'ib. SW 6», JtlrfVaUmortf.ltitofttft, SO 35, Keeges- �pvchcft, Äerlin O. Scrl c-danehotil: Frue Apothde gtUeiateiftelltr: Sptcpbefon�a.»®., Münchtu iS.C. s In der Ceaamiaaflage de» ,Vorw6rts*»lad bchsonden wlrkaam «ad trotzdea seiirbSUid! Zeichnungs-Einladungj auf neue reiciisniündelslcfiere GM 3 Millionen 8%ige Goldpfandbriefe Serie XII Januar— Juli-Zinsen— Zeichnungskure 97*1 1% (Zweite Tranche der Serie Xll über 10 Millionen Goldmark) Die erste Tranche mußte wegen Ueberzeichnung vorgeitig geschlossen werden. GM 3 Hillionen 80Mg8 Goid-Koirnnunal-Schuldversctireibungen Serie XIII Mai— November-Zinsen— Zeichnuneskurs 9S3U0/0 (Teilbetrag der Serie XIII über 5 Millionen Goldmark) der Thüriogischen Landes-Hypothekenbank Aktiengesellschaft in Weimar Oblgs Papier® habsn»Iis VorteilN. OIn n»w Rnfage» tipler Qberh3uc'. bieten kann; sie sind: 1. reichsmünJelsicher, 2. hochverrinslich, nicht konvertierbar vor 1933, 3. gesichert durch erste Hypo'heken bzw Konmunaldar-| leben und auSerdcm Stäalsgarantle. Die Lombardfähigkeit bei der Rcichsbank in der höchsten Klasse 1 sowie die Eintührung an der Berliner Börse, entsprechend den vorangehenden Serien, wird beantragt Aktien-Kapital der Bank..... nom. GM 5 000 000.— Ausgewiesene Reserven.....„„ 1 000 000.— Summe der seit 1924 erfolgten Ausleihungen an Hypotheken und Kom- munal-Darlehen nd.......„„ 80000000.— i Zeichnungen können erfolgen bei allen Banken. Bmklers u. Sparkassen. Zeichnungsbeglon: ZS. Januar 1928.— Zeichnangsschluß: U.Februar 1928.| Früherer Zexhnungsschluß bleibt vorbehalten.— Lieiening der 1 Stücke nach Erscheinen. Weimar, den 23. Januar 1928. IhOrimüsdic Landes-llypoUleifenbank AktlfBBCeaelUdiett (früher Bank für Goldkredit Aktiengesellscfaafr) M«! BenDflltflBflSTnUgncön! twt, fbtbet fiäts» Seifen ssnsflges Angebot! Um meiner verehrten KundadiaÖ im neuen Jahre etwaa ganz Besonderes zu bieten, habe leb mich entschlossen, bis zum 4- Februar die Preise meiner gesamten Bestände Ir spanlsdLDomclnenSBordeanxwelnaa ganz bedeutend herabzusetzen. i, WBinöREö, Jain.-fiuiB-lfersEtin. usw. io düilsuulsu Quaiiiäteii Eduard Süssklnd Likörfabrik u. Weingroßhandlung Hauptgeschäft: örunnenstraBe 42. Berlin. PlOllerstraBe 144 Berlin ChausstestraBe 76 Berlin Petersburger Str. M Berlin. KoppenstrsBc 87 Berlin. GrBneaer StreBe 15 Steglitz. SthloBstreBe 121 Spandau. Potsdamer Str. 28 Pankow, WollenkstraBc 94 Neukölln, Berliner StreBe tz Moabit. Wisnacker StreBe 2S ScbBnebcrs. Kolonnenst/aBe S. Ecke PeurlgstreBe Clwrlbs. Wilmen4oiferStT.lS7| ObScbw, Wlihelmlaeslurfstr. 40 10000 in 4 Monaten verbrelfet Soeben erschien die 2. Aaflsge ADOLPH HOFFMANN AMORETTEN Giffpflanzto 80» dem Irnmnen der Liebe— 16» Seiten stark.— V. Pädagogen. Aerrfen, Juristen und Presse glänzend beurteilt SpfilherbsflUiUen Oerelnne uud onger. Lebensbilder Mit Portrlf U. Faksimile de«Ver- lass. soe-le 6 Vollbilder uilthel- vignette auf Kunstdruckpapier von W1LU STEINERT -~ O M Porto u. Verität gebd.& IX. packg.(L2S M. Herta alert XM» Zu beziehen durch: SSmUtcb« Vorrrirt*. Ausgabe. stellen und deren Botenfraaeo sowie direkt vom Verfasser Adolph Hoff mann. 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Das Nordwest- liche und nördliche Gebiet hätte die besten Möglichkeiten, die auch »rnst geprüft werden, mtt billigerer I m p o r t k o h l e eine großzügige Gruppenversorgung großer Stadt- und Landgebiet« durch- zuführen. Die Frage der w i.r t s ch a f t l i chste u Versorgung der Stadt Hannover ist noch vollständig offen, so daß es sich bitter rächen könnte, wenn es aus unsachlichen, unter Umständen sogar politischen Gründen zu übereilten Bsfchlüsien käme. Die Urteile der technischen Sachverständigen, das Interesse der Ber- brauchermasien und des Staates sind heute noch klar gegen jede Förderung eines indlistriellen Gas Monopols gerichtet, der etn so voreiliger Beschluß wie der Hannovers nur Vorschub leisten würde— wenn die Meldungen darüber richtig sind. * Eine Essener Meldung, die offenbar von der A.-G. für. Kohle- Verwertung inspiriert ist, stellt die Hannoversche Gaslieferung schön als endgültig dar und gibt Einzelheiten, die mit den Tatsachen in Widerspruch stehen. Es handelt sich dabei um eine deutlich erkenn- bare Zweckmeldung, die dem vorläufigen, von den Plenarver- sammlungen Hannovers offenbar noch gar nicht gebilligten Vertrag, auch mit Rücksicht auf andere Pläne der Ruhr ein« besondere Werbe- kraft verleihen soll. Gesrierfleischwucher wird„erörtert"! Linter Schieles Vorsitz. Der unerhörte Wucher, den das Gutachten des Enquete, Aus- schusies im Handel mtt Gefrierfleisch ausgedeckt bat, und der unsere Vertreter im Reichstag zu den schärfsten Protesten veranlaßt hat. scheint im großen und ganzen in der Bildung einer neuen Kommission begraben werden zu sollen. Kein Wunder, die Dinge werden noch unter dcm Borsitz des Reichsministers für die„Ernährung der Landwirtschaft" Schiele verhandelt, den die volle Berantwortung für das„S y st e m" trifst, das er unserer Kritik im Reichstage gegenüber als verantwortlich erklärt hat. Der im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft tagende Beivat hielt es für ratsam, im großen und ganzen an dem bis- hcrigcn Verteilungssystem je st zuhalte n. Den Vorschlägen des Enqueteausfchufscs joll dadurch Rechnung getragen werden, daß der Deutsche Städieieg die Kontrolle der Preisgestaltung im Groß- und Kleinhandel bei den Gemeinde» ausbaut. Nur die Einziehung bzw. Neuverteilung„nicht wirtschaftlich" erscheinender Köntingenie soll geprüft werden, wozu eine Kommission eingesetzt worden ist. die sich sofort auch mit Neuverteilung der 16 bisher dem Groß- Handel schon entzogenen Kontingente beschäftigte. Es sieht in der Tat so aus, als ob auch dem Gesrierfleijch- wucher nur von einem neue» Reichstag ein Ende ge- fetzt werden kann. Hoffentlich kommt der bald, recht bald! Bleiben die hohen Eisenpreise? Der untätige Neichswirffchafisminister..,- -' Die eisenverarbeitende Industrie hat'es bekanntlich für richtig gehalten, auf die wirtschaftsgefährdende Erhöhung der Eisenpreise durch die Schwerindustrie nur mit einem unsachlich begründeten und jcde konkrete Forderung vermeidenden Protest zu antworten. Ihre Vertreter waren kürzlich in Düsseldorf mit den Eisenoerbänden zusammen, um die Exportvergvtüngen der von ihr ver- arbeiteten, für die Ausfuhr bestimmten Eisenmengen festzulegen. Auch hierbei scheinen wieder der Schwerindustrie weitgehende Zuge st ä n d n i s s e gemacht worden zu sein. Die an den Erhöhungen der Eiscnpreise nächstbeteiligten Eisenverarbeiter scheinen sich also um keinen Preis in einen öffentlich erkennbaren Gegensatz zur Schwerindustrie begeben zu wollen. Demgegenüber will es auch nichts bedeuten, daß nach in Düsiel- darf getroffenen Vereinbarungen ein paritätisch besetzter P r ü- fungsausschuß bestellt worden ist, der' die Produktions- und Preisbedingungen der Eisenindustrie, besonders für Stabeiseu, untersuchen soll. Mitte Februar erst soll kos Ergebnis der Untersuchungen vorliegen, und es wird daran die vage Hossnüug geknüpft, daß wenigstens der süddeutsche Zuschlag von 2 Mark pro Tonne nach unten revidiert wird. Erstaunlich ist angesichts dieser Vorgänge die Passiuttät des Reichswirtfchcstsministeriuins. Die Oeffentlichkeit durste mit aller Bestimmtheit erwarten, und es sah in der Tat auch so aus, als ob das Rechswirtschaftsministerium wenigstens das Kartell- oericht gegen die Erhöhung der Eisenpreise in Bewegung setzen würde. Roch immer aber hat man darüber noch nichts gehört. Die sozialpolitischen Rücksichten, die die Eisenverorbeiter schein- bar zu ihrer loucn Stellungnahme veranlasien, dürften für das Reichswirtschaftsministerium kein Grund sein, in der Erfüllung seiner wirtschaftspolitischen Pflichten zurückzuhalten. Ebenso darf auch nicht etwa das Ergebnis der privaten Untersuchungen ab- gewartet werden, denn die staatspolitische Perantwort- l i ch t e i t des Reichswirtschaftsnnnisters ist völlig unabhängig von privotwirtschafilichen Lerembrrungen her beteiligten Industrien., Sollte das Rcichswirtstlzastsministcrium auch fürchten, vor der Ocsscntlichlcit mit den Eisenherre» in Gegensatz zu treten? Moralische Ohrfeigen für die Reichsregicrung wären dann m Deutschland wirklich schon sehr billig geworden! la'/i Millionen Reingewinn der AEG. Oividendenerhöhung auf S Prozent. Der Aussichtsrat der AEG. wird der am 25. Februar statt« sindenden Generalversammlung ein« Dividende von 8 Prozent vor- schlagen, nachdem im Jahre 1926 noch 7 Prozent verteilt worden sind. Der Reingewinn wird mit 12,35 gegen 10,76 INillöuen im Vorjahre ausgewiesen, was einer Steigerung von mehr als 12 Prozent entspricht. Das Jahr 1927 wurde mit einem Auftrags- bestand geschlossen, der um 70 Prozent höher ist als Ende 1926. Die Umsätze sind erheblich gestiegen. Die Lrauuschweigischc öohlenberawertc A.-G., an der die reichseigenen Elektrowerke und das Rheiiiiich-Westiälische Elektrizitätswerk(RWE.) beteiligt sind, können für das Jahr 1927, wie im Borjohre, ein« Dividende von 19 Proz. ausschütten. Die Kohlenförderung hat sich von 3,441 Millionen Tonnen oui 3,537 Millionen Tonnen gehoben. Der Betriebstttierschuß wird mit 5 951 Millionen Mark angegeben. Nach Abzug von Steuern und Handlunasunkosten usw. verbleibt ein Reingewinn von 1,577 Millionen Mark. Vertrauenskrise der Justiz besteht. Oeuischnaiionales Geständnis im Reichstag. Der Reichstag setzte gestern die Etatberatung beim Etat des Justizministeriums sort. Reichsjustizminister hergt erwidert auf den im Ausschuß er- habencn Vorwurf des Abg. Rosenfeld, daß in seinem Ressort eine gewisse Stagnation eingetreten sei, daß er es mit dem Abg. Haas halte, der vor Ueberproduttion an Gesetzen gewarnt habe. Der überspannte Gesetzesapporat führe leicht zu einer falschen Betrieb- samkeit. Auf dem Gebiet des Inordnungbringens der Gesetzesmaterien leiste das Justizministerium Vorbild- l i ch e Arbeit. Es sei das Strafreformgesetz eingebracht worden, das Strafvostziehungsgesetz und noch eine Reihe anderer Borlagen, so daß dar Rechtsausichuß schon fast überlastet sei. Eine Anzahl von Materien, die Abg. Rosenfeld genannt Hab«, sollen gefördert werden, so das Recht der unehelichen Kinder. 5ür die verelufachung und Verbilliguag des Zustizapparats feien bereits Maßnahmen getroffen worden, es bestehe auch vollständige llebereinslimmuna zwischen Reich und Ländern über diese Frage. Beim Strafvollzug sei schon eine gemeinsame Linie gefunden worden. Die Ausbildung der Juristen sei heute noch ganz verschiedenartig: zu ihrer einheitlichen Regelung würden die Länder unter sich eine Verständigung herbeiführen, ebenso über die Frage der Freizügigkeit der Anwälte. Das Reichsjustizmmisterium werde sich bemühen, zur Verständigung auf diesen Gebieten beizutragen. Der Krieg habe wenigstens das ein« Gute mit stch gebracht, daß er das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Deutschland und Oesterreich hat stark werden lassen. Ein Erfolg sei es, daß über den allgemeinen Teil der Strasrechtsrcform bereits eine Skr- ständigung zwischen den beiden Brudervölkern erzielt worden sei. Die Recht�angleichung der zwei Länder dürfe sich nicht auf das Strofrecht beschränken, sie müsse sich auf das Zivilrecht erstrecken. Die systematische Reform der Gesamtjustiz müsse allerdings noch kommen. Sie könne erst erstehen, wenn die Einzelgesetze unter Dach und Fach gebracht seien. Es müsse ober dafür gesorgt werden, daß so wenig wie möglich Politik in die Beratungen hierüber hineingetragen werde Es sei zu bestreiten, daß das deutsche Volk kein Vertrauen mehr zu ven deutschen Richtern habe, man könne lediglich davon reden, daß einzelne Urteile zur Kritik herausfordern. Der Minister sagt. daß er es rundweg ablehne, über eine Vertrauenskrise der Justiz sprechen zu lassen, denn dadurch werde nur Beunruhigung in den Richterftand hineingetragen. Dagegen sei die Politik von unten. die Einflußnahm« der Oesfentlichkeit auf die richterliche Handlung so stark gewachsen, daß man es geradezu als groben Unfug bc- zeichnen rnüss«. Man suche geradezu nach politischen Motiven bei den Richtern, um sie damit einzuschüchtern. Das Justizministerium habe nur eine Anweisung auf politischem Gebiet herausgegeben, nämlich zur Beschleimignng von Prozessen. Die Zahl der Hoch- und Landesverrats Prozesse sei nach der amtlichen Sta- tistik in überraschender Weise gesunken, die gegen- teitige Behauptung in der Presse sei nicht richtig. Es folgen die Ausführungen des Genossen Landsberg, die wir nn anderer Stelle wiedergeben. Der Justizminister hielt es für not- «endig, sofort zu antworten. Reichsiustizimmster Hergl: Es ist jchtechterdings unmöglich, daß der Reickfsjustizminister sich hier über einzelne Gerichtsurteste ausläßt.(Sehr richtig! rechts: lärmende Zurufe kinks.f Ich will aber immerhin meine Bewunderung darüber aussprechen, daß der Abg. Landsberg hier noch einmal den Fall Teltin besprochen hat. nachdem ich ihn bereits im Ausschuß klargestellt habe. Gerade als ehemaliger Reihsjustizminifter müßte Herr Landsberg wisser. daß es bei den Hunderttausenden von Fällen ausgeschlossen ist. daß jader Richter in jedem Falle das einzig richtige Urtest fällt, lieber den hannoverschen Fall hätte sich der Abg. Landsberg auch etwas genauer informieren sollen. Ich habe hier zufällig«in Aktenstück. in dem dieser Fall enthalten ist. Danach find am 11. Auzprst in .Hannooer blutige Hitruhon ausgebrocho r, worauf der Polizeipräsi- dent auf Anordnung des Oberpräsidenten Noske die Beschlagnahme der betreffenden Druckerei angeordnet hat. Hört/ hört! rechts.) Der Minister geht dann auf den Fall Claß ein. Es feien damals Mißgriffe vorgekommen bei recht ehrenwerten Männern. (Hört, hört!) Der preußische Minister de» Innern habe fa diese Mißgriffe selbst zugestanden. Vor allen Gesichtspunkten, die gegen Herrn Claß vorgebracht wurden, sei in dem Verfahren nichts übriggeblieben. Es blieb lediglich übrig, daß Claß die Auflösungsmöglichkeit des Reichstags mehrfach in Aussicht genom- inen und den Artikel 18 der Reichsverfossunq in diesem Sinne rni- gewendet wissen wollte. Durch seine Ausführungen, mit denen Abg. Landsberg auch Herrn Hugenberg etwas am Zeuge habe flicken wollen, habe er nur eine gewisse Reklame für Herrn Hugenberg gemacht. Dar Abg. Lardsberg könne doch nicht erwarten, daß das, was er bei einem Urtest für richtig halt«, di>« ganze Welt sich.zu«gen machen solle.(Abg. Lands- berg: Sind Sie der gleichen Ansicht wie der Oberreichsanwalt?) Ich sehe doch gar nicht ein. weshalb ich üch aus Veranlassung des Ahg. Landsbsrg hier auf Fragen stell.» soll...(Lärm links und Zuruf: Unmöglicher I u st i z in i» i st e r!— Zuruf rechts: Ausgerechnet Dittnwnn!) Ich würde der Stellung«res Justiz- Ministers etwas vergeben, wenn ich mich auf solche Zurufe ein- ließe.(Sehr richtig! rechts.) Ich habe ein Interesse daran, noch- mals festzustellen, daß alle die Behauptungen, ich hätte einen Ein- fluß auf die Stellungnahme der Oberreichsanwaltfchaft genommen, er st unken und erlogen sind.(Beifall rechts.) Abg. Lehmann(Diät.) begrüßt die Rechtsangleichung mit Oesterreich. Eine gewisse Vertrauenskrise in der Justiz läßt stch nicht leugnen. Als ihre Ursachen werdcn angeführt Volksfremdheit des Rechts, Rechtsfremdheit des Volkes, Weltfreindheit der Richter. Dazu kommen die Vorwürfe der Klassenjustiz und politischen Justiz. Diele Richter haben sich mit der Staatsumwälzung und der neuen Staatsform innerlich noch nicht abgefunden. Die Reichsverfassmrg gewährleistet dem Richter wie jedem Beamten die Freiheit der poli- tifhen Gesinnung,«olbftverftändlich wird dar Richter sich bei feinor amtlichen Tätigkeit durch seine politische Gesinnung nicht beeinflussen lassen. Der Vorwurf, daß ein großer Teil der deut- scheu Richter verfossungsfeindlich fei, sst durchaus falsch. Die deut- scheu Richter haben den guten Will:,, sich den neuen Verhältnissen onzu passen. Das wird ihnen erschwert durch die schon vom Minister geschilderte Einflußnahme der öffentlichen Meinung und der Partei- politischen Agitation auf die Justiz. Vielfach kam, man geradezu von einem Eingriff der Straße fprerfjen. wir verurteilen andererseits die Art und weife, wie Senatspräsident Baumbach in der„Deutschen Juristen, eilung" von der deutschen Justiz gesprochen hat. Wenn Reichxgerichtsprösidcut Dr. Simons sagle, es bestehe eine verirauenstrise der deutschen Justiz gegen den heutigen Slaa«. so kann davon nicht mehr die Rede sein, seitdem seht au der Spitze der deutschen Justizverwaltung ein Mann steht. ,u dem alle Blchfrr vertrauen haben. Der Kampf gegen das Reichsgericht entfpiingi parteipolitischer Agitation und.zum großen Teil parteipolitischer Hetze. Im Falle Claß hat die preußische Polizei bei den an- gesehensten Leuten Haussuchungen vorgenommen, mit dem Ergeb nis, daß auch nicht der kleinste Beweis' für die gegen Claß erHobe. nen Beschuldigungen gefunden wurden. Wir hoffen, daß nicht nur die jetzig«, sondern jede kwiftige Regierung stch an die Er- klärung des Reichskanzlers hält, daß das hohe Gut der richtcr- lichen Unabhängigkeit gewahrt bleiben muß. �Beifall rechts.) Die Weiterberatung des Etats wird mn 18'% Uhr auf Donnerstag. 14 Uhr, vertagt, nachdem noch ohne Debatte das zweite Gesetz über wertbeständige Hypotheken in allen drei Lesungen ange- nommen worden ist. parieinachn'chien sie dies» Rubrit st»» «erlt»«»«, Lt»d«sftratze S. fürGroß-Berlin «et» ob da, B«iwk»1«tret»rw» Ipof, SSrrp. recht», zu richte». 2. strei» Tleraarte». Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Film..Die Au-gestoßen-n" lW-lt.Kinoi nicht vom 27. Aanuar bis 1. Februar, sondern umftüntuchalder vom Z. bis 6, Februar im Well-Kino zur Ausführung chatte, Do»»«r»tag, 2«. Sauna», 1» Lhr, in der rieudorf,«urfSrstenstraße,«erisgeueralvarsammluug. Mit- gelangt. lZ. Kreil Tempelhos. Schuleule Mari. Tco** 1 r 1«. Kreis Köpenick. Freie Schulgemeiude: Freitag. 27. Sanuar, lft'4 Uhr, bei Stlppelohl. SchiinerNnder Str. ö. Seueralversammlung. Tagesorduung: Berichte und Neuwahlen. �.... 17. Kreis Lichtenberg,«ildungsausschnß: Sonnabend, 28. Januar, IS Uhr, »et Richter. Dozhagener Str.«2, Sißung. Wichtig- Tagesordnung. Jahres. bericht und Neuwahlen.«U- Mitglieder müssen erscheinen. 4».«dt. Achtung! Die Serbeversammlung für dl- Freie Schulgemeinde sindet als Lichtbildervortrag am Danaerstag, 2. Februar, 20 Uhr. im Sitzungssaal des Bezirksamt, Kreuzberg, Borckstr. II. statt. Ss wird ge- gebeten, eine recht rege Propaganda für diese Beranftalwng zu entfalten. Morgen. Freitag. 27. Januar: .«dt. 1» Uhr bei WertaUa, Lohenlohestr. 8, Zi-sammevkunft aller in der Wohlfahrtspflege tltigen�Denossinnen � und Genossen über die neuen Nicht. . 8, Sonder- Emil Reischi-». 54. linirn. Neuwahl de» Abtailungseusschusses. «»4. Eharlotteabnrg. 20 Uhr im Vilhelmshof. Spreesir Veranstaltung der jungen Genossen. Rescrent Gewerbelehrer 6 Gäste sind herzlichst eingeladen.„_„.. 131. Abt. Nieberschönh-vlea. Gruppe der junge» Gen-sten- 20 Uhr im Lokal ~-—""' Frieden strnße, Fusammenkunft. Vortrag: Referent Hanns Kamm. Sämtlich« Se- eingeladen. Greth, Bismarckplatz. „Unter dem Sozialss «offen sowie M an der en« «. Abt. Renk ad». Am Sonnabend. 2«. Januar, großes Wulicrfest IM Nestau- rant„BergtchloßhBhe". Mitwirkende: Mar Krause. Otto de Roche, Silzner. Berliner Ull-Trip u. a. Di« Eenoffen anderer Abteilungen sind ebenfalls berzlidi eingeladen, � Altlandsberg. Sonnabend. 28. Januar. 21 Uhr, Sei Bichatzek Slonafs- Versammlung mit wichtiger Tagesordnung. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt: 4. Kr«i» Prenzlavor Berg. Heute, Donnerstag, 26. Januar, W/» Uhr, im Altersheim Danzigcr Str. 62 Fortsetzung des Schuwngstursu«. Thema: „Recht de» unehelichen Kindes und Dormundschastswefenck Refsrentiii Genossin W. Geiger. Alle interessierten Genossinnen und Genossen find eingeladen. 7. kreis ckharlottenburg. Freitag, 27. Januar, pünktlich 18Vj Uhr. Alten» desprechüng an bekannter Stelle. Anschließend 2V Ühr im Zimmer 201 Sitzung aller in der Wohlfahrtspflege tätigen Genossinnen und Genossen. Tagesordnung: l. Neuwahlen. 2. Berschiedenes. 11. Kreis Schöaebcrg. Heute, Donnerstag. 26. Januar, 20 Uhr pünktlich im stimmer 144 de» Rathauses Rudolf-Wilde-PIatz Bortraas» und Aussprach:. abend über:„Schutzaufsicht und Fürsorgeerziehung." Zieferentin Genossin Dr. Hcllinger. Um rege Beteiligung der Genossinnen und Genossen wird gebeten. 13. Kreis Tewpelhos. Der Sursurnibeud muß wegen der iuzwische» auf heute anberaumte» Kreisuersammluug»erschabeu werden. 17. Kreis Lichteuberg. Freitag, 27. Januar, 19V. Uhr. im Raihaus Lichten. borg Schulungskursus. Referent Genosse Blaschkc. Thema:„Das Arbeits- losenvcrsicherungsgesctz"(Fortsetzung). Um rege Beteiligung wird gebeten. 19. Kreis Pankow. Freitag, 27. Januar, Iss'.i Uhr, im Lokal Meger(Zürii- sche» Zelt), Breite Straße, Bortraas- und Aussvracheadend über das neue Arbeitslofenverficherungsgesetz. Referent Stadtverordneter Genosse Lempert. Alle interessierten Genossinnen und Genossen sind eingeladen. Jungsozialisteu: Gotppe Schöuebera IT; Heute, Donaeestag, 20 Uhr, im Jugendheim Haupt- straße IS(Niedersachjenzimm-r) Mitgliederversammlung. Besprechung unserer 'ukünftigen Arbeit. Erscheinen ist Pflicht.— Gruppe Pre-zlauee Berg- Heule, Donnerstag, 20 Uhr, im Jugendheim Danziger Str. 62 Gruppenabend. Hillderfreunde Groß-Berlin. »reis Wedding Di- für Freitag. 27. Januar, angesetzte Helkerfitzung muß f Montag, 30. Januar, verschoben werden und findet um 20 Uhr in der Hute Putbusser Str. 8 statt.. aus Schulfrei« Neulolln. Der Skiirockenkursus des Ortsausschusses beginnt 'PA-'-... a» na>� in Sonnabend, 28. Januar, um 20 Uhr in der Turnhalle der Schule, Boddinftr. 84. Montag 30. Januar, u« 20 Uhr. Borstandssttzung der Baracke Ganghoferstraße; daselbst um 19 Uhr Besprechung unter den Dcle. gierten zur Seneralversammluna. Gruppe Birke: Die Roten Falken unserer Gruppe treffen sich am Donnerstag, 2«. Januar, um 17� Uhr, im Heim stein- mctzstraße 114. Vorträge,Vereme und Versammlungen. W Reickisbanner»Slbwari Rot-Gold" Gefchästsstelle: Berlin S. 14. Sebafiianstv. 87/88. Hof 2 Zr. Neukölln-«ritz: 1. vergnügen Kottbuss willkommen.—«eltzeusee!£ Händen deo Borst tzenden sein. Uleklerberichl der äffen»icheo wekkerdtenskstell« verll»«nd ilmgegevd (Nachdr. ocrbss. Nack lühler Nacht am Zage wieder mild bei jrlsckm wei stich en Binden meist stark toolfig mit einzelnen Niederschlägen.— jflr vevffchland: In Süddeutschland meist lrosscn. oielsach heiter, im übrige» Reiche veränderliche« Weiter, mit ostwärts sorsschreitende» Niederschlägen. am Tage überall mlld. KOM UNO* "Ohrpjg j öerBär? /» �/M AI h,; Ti- zoitrn m Vy schrieben, auf emen Brief, der ihn bestimmt demütigte, da er ihn um Hilf« anflehte... und sein« Zimmerfrau Babette, dies« gute alte sorgsam« Frau, deren stet» anhaltende Güte und Freundlichkeit er durch nicht» anerkannt«, hatte er ihr denn nie einen ganz kleinen Beweis seiner Dankbarkeit gegeben? Babette... die ihn wie einen eigenen Sohn behandelte... Höhnend klopfte der Sturm an die Balken. Als würde statt Schnee«in Wirbel all dieser kleinen Dinge über ihn hersallen. Er sah in das Dunkel der Stube hinein, das nur schwach durch die ge- dämpft« Glut de» Feuer» erhellt wurde. Christian fühlt» jetzt seine Einsamkeit doppelt. Wenn nur irgend jemand bei ihm gewesen wäre. Eigentümlich, dachte er sich, wie schwer das Gewisien anklagt zu seiner Zeit, wie unabweigerlich die tausend kleinen Jehler des menjch- licheo Wesen« ihre Stimm« erhoben... Christian horchte tn den Lärm da» Schneesturm« hinaus... und da geschah es, als dt» Stürme aus«in Wellchen in dl« Täler liefen und oerklangen, daß«» on der Tür des Blockhauses«inen kurzen dumpfen Schlag tat und darauf ein leises Wimmern hörbar wurde. Ein müde» trotzen. Christian horcht« auf, aber er vernahm nicht» mehr. Einen Augenblick lang stand er bewegungslos mitten in der Hütte, aus- geschreckt au» seiner Nachdenklichkeit. Dann trat er entschlossen auf die Tür zu, öffnete st«, Schnee trieb ihm ins Gesicht, er sah plötzlich den Körper eines jungen Rehe» zu seinen Füßen. Er hob es aus, trug es in die Hütte,, legte es neben dem glühenden Holz auf die Feuerstätte. Kaum hatte er die Tür in den Riegel gezwängt, begann der Sturm wieder um die Hütte zu toben. Christian zündete eine Kerze an und beugt» sich auf da« junge Tier. Seltsam bewegt sah er einige Augenblicke lang in die großen. angstvoll geöffneten Augen de» Rehes. Er fragte nicht danach,«l« es hierher gekommen: er freute sich darüber wie über da» gnadenoolle Geschenk eines Himmel». Langsam legt« er die Hände auf den jungen kalten Leib, er streichelte da» bebende«örperchen, löste die zergehen- den Schneetropfen. fühlte den stürmischen, von Angst verfolgten Schlag ds Herzen». Er vergaß alle«: Sturm, Schnee und Ein- geschncitwerden. Seine ganze Aufmerksamkeit gehört« dem Leben de» jungen Rehe». Er nahm den Wetterrock, deckte damit da» Rehlein, da» er auf weiche» Stroh gelegt, sorgfältig zu, er blies da» Feuer an, wärmte Wasser, öffnet« eine Büchs« mit Milch und begann dann, leicht, zaghaft, mit sorgsamen Händen den kleinen Körper zu massse- ren. Manchmal bebten die zarten Füßchen, manchmal drang ein kaum hörbares Weinen aus dem wenig geöffneten Mund«. Er untersuchte die Füße, griff den langsam wieder warm werdenden Körper ab, fühlt« nach dem Atem, und al» die Milch warm war, versuchte er sie dem Reh einzuflößen. Nach langer Mühe gelang es ihm. Da» feine, zeitweilig« Weinen hörte er nicht mehr. Den Nein«» Körper riß es ab»r manchmal so sehr, daß Christian fürchtete, da» Reh müsse irgendwie.verletzt sein. Langsam schlief da» Reh ein. Christian saß bei ihm. von seltsamen fremden Gefühlen bewegt. Dunkel empfand er die Gnade, daß da Leben neben ihm war: lvarmes, wiedererwachende« Leben, da« er behüten mußte. Cr sah in den dunklen tosenden Stürmen die Rehmutter irren, durch die Wälder getrieben in Angst und Not um da« Lunge. Sr aber dankt« dem Zufall, der ihm hier in der Einsamkeit der Berge, umhüllt von Schneestürmen, nicht allein gelassen. Und die Stürm« tobten ohne Unterlaß: er hörte«s nur ferne, der Schnee lief an und stieg an der Hütt« hoch:«in« weiche, müde Wärme wurde immer stärker. Ader immer wieder sah er nach dem Reh. da» nun schlief. Er hielt seine Hände an den warmen Körper, er fuhr streichelnd über da« Fell. Da saß er nun stundenlang tn der tiesen Nacht und träumte. Allein in den Schneestürmen der Berge versteckl, allein mit einem Tier, da» er um alle« in der Welt nicht verlieren möchte. Und ganz zart, wie eine erwachend« Blüte, war in ihm da» Glück, dl« Sorg« um etwa» anderem al» da, große Selbst, da. Mit. leid und eine Zufriedenheit. E» wurde Morgen. Da» Reh erwacht«, stieß einen hellen Laut au», der Christian mit jubelnder Freud« erfüllte. Und Christian wärmt» die Milch, mit nieler Sorgsalt tränkt« er da» Tier. Ungeschwächt trieb der Sturm nm die Hütte. Schnee fiel und nicht» deutet» auf ein« Besserung. Der Proviant reichte, wenn er sparsam war, auf für�f Tage, und so lang würde wohl der Sturm nicht anhalten. Leicht«träglich war es ihm. Er faß bei dem jungen Rehlein, sprach zu ihm, sah ihm in die großen, ruhig gewordenen Augen. Manchmal löste«s einen leichten, dünnen Pfiff, oder es stand auf und lief umher. Am zweiten Tage sprang es schon munter in der Hütte herum. schmiegte sich an die Knie Ehristians, und wenn er ihm das Köpflein hob, sah er in die großen, dunklen, ruhig gewordenen Augen, und er hörte den sorglosen Pfiff der Jugend. Seltsani! Da mußte Christian plötzlich an den Glanz der mensch- lichen Augen denken: und von den Augen kam er auf dos Mädchen Inge. Und er dachte daran, wie sehr er das Mädchen übersehen, ja nachlässig behandelt hatte, wie oft er an dem Hause ihrer Eltern vor- übergegangen war, ohne auch nur auf einen Augenblick lang einen „Guten Tag" zu wünschen. Und wie ein Zauber, der sich plötzlich al» Geschenk enthüllt, kam Christian die Lieb« des kleinen innigen Mädchen» zum Bewußtsein, und fein Herz schlug jetzt ebensosehr, wie ehegeftern noch das des jungen Rehes. Er begriff seine Ungeschicklich- teit. Er sah«in, daß er durch sein Verhalten eine treu«, aufrichtige und ehrliche Mädchenseele mit Wehmut und Trauer erfüllte. Und er wußte, daß er da im Begriffe war. etwas zu verlieren, das ihm das Schicksal wohl niemals mehr auf seinen Lebensweg stellen würde... Denn das Schönste in der fungen Liebe ist tiefe, stille, entfagnngs- volle Anhänglichkeit, Treu« und Vertrauen.., « In der zweiten Nacht wurde der Sturmn verhaltener, piller, zog weit aus in die Fern«, verlief sich grollend, klang noch einige Male aus dunklen Schluchten herauf und brach dann ab, rasch wie er gekommen. Die Hütte war verschneit, hochüber. Christian arbeitete einen vollen Tag, ehe er einen Weg geschaufelt hatte. Als er endlich in das Freie kam, brach ein wtangeglühter Abend über die Welt, entflammte Zinken und Kogel», schoß über die Wände und hing an zartem Gewölk. Da» Rehlein büpfte und sprang neben ihm umher, schmiegte sich immer wieder an seine Füße und lief in die Hütte zurück. Und er stand da und hatte den Blick in die Weite gerichtet und sein« Sehn- sucht wuchs stark und kraftvoll auf. Am nächsten Tage trat er die Wanderung talwärts an. Da» Reh war bei ihm, eine weite, gut« Strecke lang. Der Himmel sprang gläsern über die funkelnde Well, die Wälder hüllten sich in Schnee- pelze und die oerschneiten Bäume machten drollige Gesichter, Sonne funkell« auf den silbernen Flächen und Flühen. Tief im Wald« blieb da» junge Reh plötzlich stehen. Es spürte in die Luft, pfiff leise und sah dem talwärts schreitenden Freunde nach, der«» in der Hütt« gepflegt. Christian wendete sich einig« Male um, er winkt« zurück. La» Rehlein stand, solange es den Wanderer sehen konnte, bis ihn ein« Schneise ausnahm, Ächtungen sich in der Sonn« welleten und die Täler goldgefüllt immer näher blinkten. Lächelnd in der Erinnerung schritt er weiter durch den Sonnentag. Vererbung und Eugenik. Der deutsche Bund für Volksausartung und Erbkunde hat es {ich zur Ausgabe gemacht, weite Kreise der Oesfentlichkeit über die Bedeutung dieser Frage aufzuklären. Als Beginn dieser Tätigkeit hiett er dieser Tage im großen Saale des Volkswohlfahrtsministe- riuws den ersten Vortrag einer Vortragsreihe, und zwar über das Thema:„Vererbung und Eugenik". Der Redner, Professor Dr. Erwin Bauer, Direktor des Instituts für Dersrbungssor- schung, führte aus: Während im Tierreich die Zuchtwahl dafür sorgt, daß alle nicht lebensfähigen Abarten ausgemerzt werden, sind beim Menschen gerade durch die Kulturfortschrittc viele, sonst nicht lebensfähige Arten«halten geblieben. Selbstverständlich ist dieses nicht grundsätzlich vom ilebel, aber es kann verhängnisvoll werden und zwar dadurch, daß auf höherer Kulturstufe die Fort- Pflanzung abnimmt. Dos Alter des Menschen läßt sich zurzeit im Durchschnitt nicht üb« 30 Jahre steigern, so daß also mtt einer» Verlust von 20 pro 1000 Menschen jährlich zu rechnen ist. Dieser Abgang ist durch Geburtenzuwochs zu ergänzen. Er betrug lS70 noch 39, während er 1926 nur mehr 19,30 in Deutschland beträgt, in Lerlin 1923 sogar nur 9,4, so daß Berlin sicher aussterben würde, wenn es nicht vom Lande aus Zuzug erhielt. Neuerdings greift die Geburtenobnohme auch auf dos flache Land über. Nicht in allen Ländern liegen die Verhältnisse gleichermaßen, sonder» die Neger, die Indianer, die weißen Buren, die Chinesen und Ja- poner vermehren sich außerordentlich stark. Beinerkenswert ist, daß die Geburtenabnahme am größten ist. wo es sich um die hin- sichtlich ihrer Erbmasse am besten veranlagten Typen handelt. Als Möglichkeit, hier einzugreifen, wies er auf den soziallohn hin, der es kinderreichen Familien ermöglichen soll, die notwendigen Mittel für die Erziehung ihrer Kinder auszubringen, und erklärte, daß eine Clternschastsverstcherung unter Umständen ein« außer- ordentlich wirkungsvolle Unterstützung der Geburtenpolitik darstelle« würde. Im Anschluß daran ergriff Professor Dr. Eugen Fischer, der Direktor des Instituts für Vererbungslehre und Eugenik, das Wort, um den Fragenkomplex von anderen Gesichtspunkren aus zu beleuchten. Er gab einen kurzen Ueberbtick üb« die Mendeijchen Vserbungsgefetze, die Regeln und Gesetzmäßigkeiten, nach denen die einzelnen Erbanlagen, soweit die Wissenschast es heute zu erkennen vermochte, erneut in Erscheinung treten. Er wies die Be- hauptung zurück, daß man von einem Durchschlag einer bestimmten Rasse in oer Vererbung sprechen könne und kam dann aus dos Thema der Ehe zwischen Blutsverwandten zu sprechen. Dabei stellte er fest, daß diese nach der heutigen wissenschaftlichen Au- schauung an und für sich nicht schädlich sei. Sie böte aber die Chance, daß besonder» gute bzw. schlechte Erbanlagen sich besonders stark entwickeln und blieb« aus diesem Grunde immer ein Er- periment. Die Frage, ob man von einem geistige» Erbgui spreche» könne, bejaht der Forscher. Wir könnten dasür sorgen, daß die biologisch wertvollen Menschen sich stärker sortpslanzen können als die übrigen. Wenn«in Arbeiter sein« Kinder in die Höhe bringt, sie studieren läßt, ist e» da nicht sehr bedenklich, daß die nächste Generation, eben weil fi« in die Höh« gekommen ist. sich nicht mehr fortpflanzen will? Die Forschung der Medizin, die Aerbreitung ihrer Kenntnis, sie dienen alle ernem Ziel. Aber für die Fort- Pflanzung der erblichen Qualitäten sind sie nicht maßgebend. Dr. Eugen Fischer schloß mit den Worten:„Im Mutterschaß lieg: unsere Zukunft". Für die Menschenfresserei. Ansprache des Obermedizinmanns Muab-Ehab an die Insulaner von Tiii-Liti anläßlich einer Beratung des Insularen Strafrechts. Stammesgenossen! Ich, der Obennedizimnann Wuab-Ehab, zugleich Senatspräfldent am Pfahlbaugertcht unserer Insel, Nie Euch kund: Unt« dem»er- logenen Schlagwort der„Humanität" wollen einige Neuerer und Revolutionäre die allehrwürdige Sitte de» Ausgefressenwerdens ab- schaffen, die wir fest den Zellen unsere« Stammvaters Nimm über alle Verbrecher und die ihnen gleichzustellenden Krtegsfetnde sowie Fremdstämmigen verhängen. Unser großer Stommesgott Daho-Ie möge verhüten, daß die ehernen Herzen der Krieg« von Tlli-Llli von weibischem Mitleid erweicht werden. Was würde die Folg« fein? Noch mehr al» bisher würde die alte Zucht und Sitte unser« Insel in» Wanten g«aten. Geschehen doch schon Dinge bei uns, die auszusprechen das tapferste Herz erbebt. Haben doch die Auslösung alle»»estehenden und die Zunahme de« Derbrechen» einen Grad«reicht, daß allem- halben da» Laster hohnlachend über die Gesetze triumphiert. Wie sieht e» mtt unser« Jugend aus? Da gibt es junge Leute, die sich weigern, ihrer Stammespflicht gemäß ihre Schwester oder ihre Mutter zu heiraten, indem sie behaupten, daß derlei„Bluts chande" sei. Ja, sie scheuen sich nicht, die Hand nach Weibern auszustrecken, mit denen sie durch r«in«lei Blutsbande verwandt sind.(EM- rüstungsgemunnel.) Welcher Abgrund von Unmoral! Ich ab« sag« Euch: Kommt e» erst dahin, daß jeder Mann i«d«« beliebige fremd«. Weib ehelichen kann(wilde Zurufe: Niemal»!), dann ist der Unter- gang unsere» Stammes besiegelt. Nur die Völker, die da» allehr- würdig» Institut der Famllienheirat und der Inzucht aufrechterhalten. werden die Welt bevölkern und die fittenlosen Völkerschaften der Fremdhetrat sich unterwerfen. Ab« die Verweichlichung geht noch viel weiter: hat man doch Stimmen vernommen, die»«wersen. daß wir widerspenstigen Sklaven die Augen ausstechen und ihre Scham den Hunden vor- werfen. Man erklärt die» für grausam und auch für nutzlos, well der Arbellswert de» Sklaven dadurch vermindert werde, man verlangt die Beschränkung de» Züchtigungsrecht«» auf die Nilpferdpeitsch«. (Stürmische Entrüstungsrufe.) Stammesgenossen, wohin soll das führen! Ich seh« voraus, dah diese neue Bewegung noch dazu ge- langen wird, die drei heiligen Grundpfeiler unserer nationalen Insularwirtschaft anzutasten, den Menschenrattb. den Seeraub und den vtehraub.(Schüchtern, Rufe:„So well will doch keiner gehen!") Doch, ich sage Euch:«« wird auch dahin kommen. Und wo» wird die Folg« sein: Wohlstand und Besitz unserer Insel werden'vernichtet werden, al««in Sklavenvolk werden wir zum Verhungern oder zum Auswandern gezwungen fein. Deshalb muß den Anfängen-ntgegengetrtten werden. Und die Anfänge dieser gott- und schamlose« Bewegung, dt» auf Anarchie und Vernichtung de« Reichtum» abzielt, seh« ich i» den Rufe»»ach Abschaffung der Menschenfresserei. Mit eitym wohlseilen Appell an da» Gefühl will man das gehelligte Institut oer- Nichten, dos noch jetzt bei den Nachbarstämmen wohltätigen Schrecken und banges Zitt«n vor unserer Unbeugsamkell auslöst. Man wird uns«« Waffen verachten, unsere kriegerisch« Macht wird sich auflösen, wenn wir uns« oberstes Rechtsprinzip ausgeben. Worin gipfell diese» oberste Prinzip?— Die Persönlichkeit des B«rbrech«s, des Feinde», des Fremdstämmigen muß restlos ver- nichtet werden. Das Schwert vernichtet wohl das Leben, aber noch nicht den Leib. Deswegen muh d« Leib aufgefressen werden, damit nicht» von dem übrig bleibe, auf daß die verbrecherische Per- sönlichkell ausgetilgt sei bis zum letzten. Meint Ihr übrigens, unser Stammesgott Vaho-Ä: Hab« unsere Feind« so überaus wohl- schmeckend«schaffen, wenn er nicht gewollt hätte, daß wir uns an ihrem Fleisch erlaben?! Irellich. e« gibt gar Gottesleugner, die behaupten wollen, Baho-Ie habe uns das Menschenfressen verboten. Nein, ich. Euer Medizinmann, sag«: lvaho-I« befiehlt uns das Menfcheniressen. Lautet doch das elfte der 27 Gebote, die uns Vaho-Ie aus dem Krater de» feuerspeienden Berges Krakatau verkündet Hot, ausdrücklich: Dufoll st nichtMenschen fressen! Wie ist diese» zu»«stehen? Wir wissen: Vaho-Ies Wille ist n, daß wir unsere Feinde verspeisen. Also kann Voho-J« dies Gebot nur gemeint haben tn bezug aus die Priester, die Medizinmann«. die Fürsten und die Gerechten unseres Stammes, daß dies« nicht dürfen verspeiset werden. Durch den Schluß aus dem Gegenteil folget daraus, daß wir mit um so größerer Inbrunst alle Feinde, Fremdstämmigen und Verbrecher verzehren müssen. Dies ist die einzig vernunftgemäße Auslegung de» göttlichen Gebotes: „Du sollst nicht Menschen sressen." Ich schließe: Verzichtet der Staat aus sein Urrecht der Menschen- fresser«, so wird«in völliger Verfall eintreten. Zugrunde gehen w«den die Geschwistereh«, die Sklaoensoller, der Menschen-, Vieh- und Seeraub, kurz und gut: von dem Gipfel einer hochzivilisierten Ration werden wir hinabstürzen in den tiefsten Abgrund der Bar- barei und Unkultur. Fort mit der entsetzlich verlogenen Humanitätsduselei unseres Zeitalters! » Nachwort der Redaktton: Wir haben die obenstehende Red« wortgetreu nach einem Kabel unseres Sonderkorrespondenten ans Tlli-Litt wiedergegeben. Erst noch der Drucklegung fiel uns auf. daß Name und Ausdrucksweif« des Obermedizinmanns Muab-Chab gewiss« Aehnlichkeiten aufweisen mll denen de? Senatspräsi deuten a. D. Baumbach, dessen Artikel gegen die Humanitäts- dufalei unser« Zell und für die Todesstrafe kürzlich einiges Aufsehen erregt». Natürlich ist da» ein rem äußerlich« Zufall. & L-: Ionatha«, J