Abendausgabe Nr. 44 B 22 45. Jahrgang KochenMch 70 Pfemliz. monoMch Reichsmark im voraus zahlbar. Unter Streifdaub Un In» und Aus» Umd K.S0 Reichsmart pro Monat La.VonoSrts' mU der lvustrte?' ten SonntagsbeUoge.Volk unb Zei� sowie den Beilaaen.Unterhaltung uod Wiflea*.Aus der gilrnmelt" .Stabtbeiloge�.Frauenstimme� .Der Kiadersrevad-..Iugend-Aor» wart«-.Blick w die Dücherwelt�. .Kulturarbeit� und Technik* erscheint wochentäglich zweimal. Eonntag» und Montags einmal NerUner Vowsblatt Donnerstag 26. Zanuar 1928 IV Pfennig tf.t e t o t p« f 1 1 g e NonpnrelNezetl, 80. Pfennig. ReklamezeUe ö.— Reichs- mark.Kleine Anzeige»" das ieuge. druckt« Won 2b Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), lebe» wettere Don t2 Pfennig Stell engejuche das erst» Won 15 Pfennig, irdes weiter« Won 10 Pfennig Wons über 15 Buchstaben zählen Hlr zwei Worte Arbeltsmarkt Zeile 50 Pfennig Familtenanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen» annahm« im 5)auptgefchäst Linden» itraße 3. woch«ntägl von fP/, bis 17 Uhr. Jentralovgan der Gozialdemoßvatischen Partei NeuisOlandS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstroße 3 Fernsprecher: Dönhvfs 232— M? Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Poirscheckkonto: Berlin I75Z6— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten vnd Beamten Wallstr. W. DiSIonto-Gesellschast. Depositenkass« Lindenstr. S Die kostspielige Kirche in Preußen. Sie verschlingt mehr, als die Pflege der Volksgesundheit kofiet. .Jus der preußischen Landtogssraktion wird uns geschrieben: Bimten kurzem dürfte der Haushaltsplan des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Nollsbildung behandelt werden, bei dem eines der interessantesten Kapitel die Aufwendungen für die„geist- liche Verwaltung' sind. Diese Ausgaben für Religionsge- fellschaften, Pfarrerbesoldungen usw. werden auch zu einer gründlichen Kritik Veranlassung geben. EnormeSuinmcn müssen gezahlt werden, weil die Trennung von Kirche und Staat noch immer nicht zur Wirklichkeit geworden, weil die im Landtag oftmals geforderte anderweitige Regelung der auf Gesetz. Vertrag oder besonderen Rechtstiteln beruhende Verpslichtung des Staates gegenüber den Religionsgesellschaften bisher einfach nicht erfolgen konnte. Noch immer fehlen die für die endgültigen landesgesetzlichen Auseinandersetzungen mit der Kirche richtunggebenden Grundsätze. So bestehen nur vorläufige Regelungen, in Preußen das Gesetz vom IZ. Oktober 1924. das von einer bürgerlichen Mehrheit gegen die Sozialdemokratie angenommen wurde. So trägt der Staatsbürger — Kirchengläubige und Dissidenten— an diesen Lasten, und beide zahlen gut, nur mit dem Unterschied, daß der eine für die Lieb- habereien des anderen die Kosten mit übernimmt. Da ist zunächst die evangelische Kirche der altpreußischen Union. die sür Besoldungszweck«. Ruhegeld und Hinterbliebcnenverjorgung ihrer Verwaüungsbeamten 2,5 9,? Millionen— im Vorjahre 2,223 Millionen— Etaatsgelder einkassiert: da treten an die evangelisch- lutherischen Landeskirchen Hannovers U1>d Schleswig-Holsteins mit 459 717 M. resp. 195 139 M., die evangelisch-resormiertc Landes- tirche der Provinz Hannover mit 79 252 W. und die evangelischen Landeskirchen in Hessen-Kasjel. in Nassau und in Frankfurt a. M mit rund 1 Million Mark. Und da konimt der ominöse Titel:„B e- dürsniszuschüsse sür P f a rr b eso ld u ng und zur Versorgung der Ruhestandspfarrer und Pfarr- Hinterbliebenen" mit 42.072 UUUioucn Reichsmark, ein Betrag, der sich noch wesentlich erhöhen dürfte. Diese Erhöhungen sind urwusbleibtiar, da noch dem Pfarrer- besoldungsgesetz bei Aufbesserung der Beamtengehälter auch die Zu- Wendungen sür die Psarrer— die nach der alten Besoldungsordnung in Gruppe 11 waren und noch der neuen Besoldungsordnung die Bezüge der Gruppe 2d(Oberregierungsräte. Landgerichtsräte, Ober- studienräte) erhalten— eine entsprechende Veränderung erfahren muffen. Die genauen Beträge stehen noch nicht fest, da im Ministerium erst die notwendigen Errechnungen für die Borlage ausgearbeitet werden. Weitere 1,354 Millionen sind für die Bcsoldungszweck« und als Zuschüffe für Predigerseminorc und an arm« Kirchcngemcinden usw. eingesetzt worden: 3,906 Millionen werden für den Neubau und Unterhaltung der Kirchen. Psarr-, Küsterei- und Schulgebäude bereitgestellt, nicht mitgerechnet ein anderer Aus- gabentitel in Höhe von 71 999 M-. der für die jährliche Unterhaltung des Berliner Doms auf Grund eines bei den vorjährigen Etatsberatungen angenommenen Antrages angesetzt ist. Auch über den Nachwuchs der Pastoren macht sich der Staat Gedanken, stM er doch 199 999 M. sür den ausdrücksichen Zweck in den Etat ein, daß diese Mittel als Beihilfen zur Ausbildung der Kandidaten der evangelischen Theologie verwandt werden sollen. Soweit die Ausgaben für die evangelische Kirche, denen die Ausgabe« für den katholischen Kultus würdig zur Seite stehen. Auch hier finden wir für Besoldungs- zwecke und zur Versorgung von Ruhestandspfarrern die hohe Summe von 1b,752 Millionen. Dazu treten für Besol- düngen und Zuschüffe 1,287 Millionen und weitere 451986 M. als Zuschüsse zur Erhöhung der Gehälter der Vischäse von Hildesheim. Osnabrück, Fulda sowie für andere seelsorgerische Zwecke. Daß der Staat für die Instandsetzung zweier anerkannten Kunstwerke für die Hedwigskirche in Berlin und den Kölner Dom je 190 000 M. ausgibt. wird niemand verwundern. Paradox ober mutet es an, daß letzten Endes auch Steucrgelder für die Bistümer Ermland, Breslau. Hildesheim, Osnabrück. Münster, Paderborn, Fulda. Limburg, Köln. Trier und ferner für die Apostolische Administrawr Schneidemühl und als preußischer Anteil an der Erzdiözese Prag(!!) und Ol müh insgesamt 1 Million Mark als Staatszuschüsse leistet. Zicht man die einzelnen Etatsposten zusammen, so erscheint als Resultat die Tatsache, daß die gesamten Staatsaufwendungen für die evangelische Kirche 4ZJ56 Millionen, für die katholische Kirche ISFZS Millionen betragen. Hinzugezählt werden müssen die ver- hältntsmäßig niedrigen Zuschüsse für die in Deutschland wenig ver- breitete Altkatholisch« Kirche mit 171999 M. und die Zuschüsse für die Synagogen mit 209 999 M, die Unterstützungen für aktive und tm Ruhestand lebende Geistliche aller Bekenntnisse in Höh« von rund% Million sowie die Ausgaben für sonstige Zweck« der kirchlichen Verwaltung mit rund iA Millionen Mark. (Nicht eingesetzt sind hierbei die noch nicht endgültig feststehenden Beträge für die Neuregelung der Pforrerbesoldung.) Znsgesamk find für alle diese Ausgaben 71.6 Millionen Rlark veranschlagt. Diese Zahlen bewegen sich in der Tot in phantastischer Höhe, so daß man fast von Schwindel. befallen wird, wenn man die Ausgaben für allgemeine Volkswohlfahrtszwecke(für Volksgesundhcit, allgc- meine Wohlfahrt und Iugendwohlfahrt), die insgesamt nur zirka 52 Millionen betragen, daneben betrachtet. Der Finanzminister Hot in seiner Rede vor dem Staatsrat im Dezember davon gesprochen, daß das Defizit von rund 74 Millionen Mark im preußischen Haus- halt nur dadurch zu decken ist, daß mit starker Hand alle Ausgaben beschnitten werden. Er hat dies schon praktisch durchgeführt, indem er 1 Million Mark für K i n d e r s p e i s u n g e n. die im vorigen Jahre auf Grund eines sozialdemokratischen Antrages in den Etat als einmalige Ausgabe» eingesetzt waren und aus deren Wieder erscheinen man in diesem Jahre bestimmt rechnete, nicht mehr ei» stelltc. Sparsamkeit war hier am falschen Platze, denn dieser aint- liche„Geiz", auf den Sie bisweilen mit Recht stolz sind, trifft die Aermsten der Armen! Gespart soll und muß werden! Gespari kann werden an den Millionenausgaben für die Kirche! Der freigebigeVeichsfinanzminister Wieder 80 Millionen für die Agrarier. Jeder Tag bringt eine neue Uebsrraschung. Am Mitt- woch hat Herr Dr. K o h l e r im Bildungsausschuß des Reichs- tags die Erklärung abgegeben, die Regierung sei bereit, aus Reichsmitteln den Ländern einen einmaligen Zuschuß von 30 Millionen zur Durchführung des Reichsschulgesetzes zu ge- währen. Im Hauptausschuß des Reichstags erhob sich heute der Reichsernährungsminister S ch i e l e, um zur allgemeinen Ueberraschung die Mitteilung zu machen, daß er im Einoer- ständnis mit dem Reichsfinanzminister erklären könne, zur Regelung der Verhältnisse auf dem Fleischmarkt solle eine neue Gesellschaft gegründet werden, die mit 3 0 M i l- lionen Mark aus Reichsmitteln auszustatten sei. Dieselbe Regierung also, die noch vor wenigen Tagen die Finanzlage des Reichs in den schwärzesten Farben malte und sich daher gegen jede auch die kleinste soziale Mehrausgabe wendete, hat nun mit einemmal Geld in Hülle und Fülle. Ueberschlägt man einmal, was die Regierung in den letzten Tagen an Mehrausgaben bzw. Mindereinnahmen zu- gestanden hat, so kommt man zu folgender Neu- belastung: 30 Millionen zur Durchführung des Reichs- schulgesetzes, 30 Millionen für die Errichtung der Gesellschaft zur Fleischvcrsorgung. etwa 15 bis 20 Millionen für die Erleichterung der Einkommen- und Umsatzsteuer der Landwirtschaft, 23 bis 50 Millionen für die Erleichterung der Vermögenssteuer der Landwirtschaft. Zu diesem Betrag von 100 bis 130 Millionen Mark treten noch die Summen', die aus weiteren Zugeständnissen dpr Regie- rung an die Liquidationsgeschädigten und die Kleinrentner erforderlich ist. Und das alles geht im stillen Kämmerlein vor sich, machen die Regierungsparteien unter sich aus. Sie stellen den Reichstag vor vollendete Tatsachen und fragen den Teufel danach, wie diese Summen gedeckt werden sollen. Und das Ganze nennt man verantwortungsvolle Finanz- politit des Rechtsblocks! «- Im Haushaltsausschuß fand die Ankündigung der Regierung schärfste Kritik. Gegen fi« wie gegen eine deutschnationale Entschließung, die die Unterbindung der Fleischeinfuhr anstrebt, Tkeujahrspuisch in Aanking. Dutzende von Toten. Peking. 26. Januar.(TU.) Wie aus Nanking gemeldet wird, haben die Kommunisten am chinesischen Neujahrstage einen putsch unternommen, vewassneke Kommunistentrupps drangen in den Kommandosiab ein und ver- suchten, die Rliliz zu enlwassnen. Die hcrbeigcrnsenen Abteilungen der Polizei tonnte»! die Ordnung wiederherstellen. Lei den Kommunisten gab es 67 Tote, bei der Polizei lt Tote. Wieder Kirchenumiriebe in Mexiko. Mexiko. 26. Januar. Die Polizei hat eine katholische Schule geschlossen und im Zusammenhang damit etwa zwanzig Lehrerinnen ver- hastet, die der Verleitung der Propagondaschristen gegen die Regierung beschuldigt«erden, einige von ihnen stammen > an« angesehene« Familien de» Landes. wandten sich die Genossin Wann und Genosse Dr. Hertz. Die Re gierungsparteien und die Bürgerdlockregierung, die sortrvahrend gegen das uneingeschränkte Bndgetrccht des Reichstags anrennen. treten die Grundsätze solcher Finanzwirtschast tag- täglich mit Füßen. Durch die vorgeschlagene Entschließung nxrde die Zoll- und Handelspolitik stark beeinflußt und das fei»vohl ihr Hauptzweck. Das Ministerium tu« olles für die Produzenter.— für die Ernährung, d. h. für die Konsumenten. wenig oder gar nichts. Das Ministerium müßte auch m ganz a» derer Weise als bisher auf die Ernährungsweise des Volkes Enkflnß zu gewinnen suchen, ober hier versage es ganz. Regieruugsstreik gegen Kleinreniner. Oer neueste Krakeel im Ziegierungslager. In der heutigen Sitzung des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstags konnte man wieder einen Blick hinter die K u- lisfen des Bürgerblocks tun. Die Zentrumsabgeordncte Frau T e u s ch nahm mit einer Schärfe, die ihr Auftreten gegen die Rechte im Plenum vor Weihnachten noch weit übertraf, Stellung gegen ihre oolkspartoilichc Koalitionstollegin Frau Dr. M a tz. Diese Dame Hot in einem Prooinzblalt einen Aussatz»iber die Kleinrentner- Versorgung geschrieben, worin sie erklärt, die reiünersrcundlichen Parteien, das sind nach ihrer Darstellung die Deutschnationalen und die Deutsche Volkspartei, hätten sich in der Regierungs- k o a l i t» o» nicht durchsetzen können. Frau Matz spricht serner mit Scllenhieben aus das Zentrum von der kärglichen W e i h n a ch t s b e i h i l f« für die Kleinrentner und stichelt immer wieder gegen das Zentrinn, das an der unzulänglichen Rentnerver- sorgung schuld sei. Frau Teusch erklärte dazu, sie sei über eine solche Behandlung der Kleiiirentncrfrage aufs tiesste empört. Alle Entscheidungen der Regierung in der Kleinrentnerfrag« seien Kabinettsentscheidungen und nicht Beschlüsse einzelner Ministerien ge- wesen. Frau Teusch kündigte die schärfst« Stellungnahme gegen diese Kampfesart im Plenum an. Das fei sie ihrer Fraktion und ihrer Partei schuldig. Bei dieser Gelegenheit erfuhr man von Frau Teusch o»lch, daß kürzlich bei einer inlerfraktiooelleu Sitzung der Regicruitgsparleien der Abgeordnelc Leicht und die Zentrums- Vertreter uawens der Gcsamlregierung die Rechtsparteien„förmlich oogeslehl" hätten, die Renlnersrage bis ans Ende der Etalsberalung zurückzustelle». Dem sei aber nicht enssproche», worden. In der Beratung des Reiltnerversorgungsgejetzcs selbst kam der Ausschuß keinen Schritt weiter, weil die Regierung in ihren» Streik gegen die Rechtsparteien verharrt«. Die Regierung beteiligte sich auch an diesem dritten Sitzungstag nicht an der Beratung, sondern ließ sich nach mehrfache»» dringenden Aufforderungen des Vorsitzenden Esser»»id zahlreicher Ausschußmitglieder nur dazu herbei, einige Zahlen über die in Fürsorge stehenden Personen und über die Varzugsrentner mitzuteile». Nach diesen Zahlen würden die Kosten eines Verjorgungsgesetzes beträchtlich gr ö ß e r sein als bisher angenommen wurde. Dabei haften aber dem Entwurf der Demokraten und den volksparteilichen Anträgen. rvie von unseren Redner nachgeanesen wurde, so schwere Man- gel an. daß diese Regelung ganz unmöglich ist. Der ganze Ertrag der Sitzung bestand in dem Wunsch, daß da? Zahlennmteriol wenigstens schriftlich vorgelegt werde. Wenn das geschehen»st, soll das Material von den Fraktionen geprüft werden, darauf von» Ausschuß, dann sollen eventuell Sachverständige gehört werde»'. Darauf geht die Sache wieder an die Fraktionen und den Ausschuß usw.. usw. Arm« Kleinrentner! Die Landbundhetze. Kundgebung des Ärandenburgischen Landbundes. Die Vertretertagung des Brandenburgischen Land- bundes, die gestern stattfand, nahm eine der von der Land- bundleitung vorbereiteten Entschließungen an, die die be- kannten Forderungen der Großlandwirtschaft enthält. Bemerkenswert ist der Schlußsatz der Kundgebung: „Von unserer Spitzenorganisation, dem Rcichsland- lnmd. aber verlangen wir. datz er den Regierungsstellen gegenüber andere Worte findet als bisher. Die zaghafte Sprache des RcMslandbundcs ist nicht die Sprache des Bauer n." Diese Aufmunterung ist eine schlecht vorhüllte Drohung: diese Drohungen, die sich neuerdings häufen, wirken um so eigenartiger, als der Landbund bemüht ist, die Spuren seiner eigenen Taten zu verwischen. Durch die Herren von Keudell und Schiele ist der Landbund in der Reichsregierum) offiziell vertreten. Die Organisation der Großlandwirtschaft zeichnet also voll mit verantwortlich für die verfehlte Agrarpolitik, die von der Reichsregierung getrieben wurde. Wenn der Landbuird jetzt eine schärfere Sprache verlangt, so muß siesich in erster Linie gegen die deutschnationalen Mini st er richten. Vielleicht hat er recht, wenn er sagt, die Sprache des Reichslandbundes sei nicht die Sprache der Bauern. Das aber trifft deshalb zu, weil sich die Sprache der Bauern in immer deutlicherer Weise gegen die Führer der Großlandwirt- s ch a f t und gegen den Landbund selbst richtet. Das wird durch noch so bombastische Entschließungen sich nicht ändern lassen. Auch das Zentrum rückt ab. Nachdem gestern bereits die volksparteiliche„T ä g l i ch e R u n d- ichau" eine Warnung an den Landbund wegen seiner überspannten Forderungen gerichtet hat, schlägt jetzt das Zentrum in die gleiche Kerbe. Von der deutschnationalen Pressestelle war nämlich die Mel- dung verbreitet worden, der Reichssinanzminister habe sich dem Standpunkt des Landbmidministers Schiele voll angeschlossen. Man hatte diese Sleußerung nur so verstehen können, datz jetzt das Zen- trum auch die Zollpolitik der Deutschnotionalen mitmachen will. Demgegenüber bezeichnet heute die„Germania" die Mitteilung der deutschnationalen Pressestelle über die angebliche Zustimmung Kösters zur Zollpolitik des Landbundes als„aus der Luft gegriffe n", womit sich auch die Schlutzfolgerungcn erledigen. In der Rechtskaalition scheint also auch hier einiges nicht zu stimmen. Agrarieraufmarsch in Oldenburg. Im Zeichen der völkischen Agitation! Oldenburg, 26. Januar(Eigenbericht). Das Oldenburger Landvolt und die Oldenburger Handwerker find heute zu einer großen Notkundgebung auf dem Olden- lmrger Pferdemarkt aufgerufen. Landbund und Handwerkerorgani- fotioncn haben einen Massenbesuch vorbereitet. Bis 11 Uhr vormittags liefen auf dem Oldenburger Hauptbahnhos aus allen Leuides- teilen zehn Extraxügs mtt.etwm L20t>ll Personen ein.: Lll« regulären Züge sind überfüllt, zu Fuß/ per Wagen und Auto strömen wertere Tausend« in die Stadt. Ein großes Polizeiaufgebot regelt den Verkehr am Hauptbahnhof, wo Dutzende von Aetteloertetlern mit Etxrablättern über die Ankommenden herfallen. Bezeichnender- weife stammen die meisten Flugblätter von Wolf Hitlers Ratio- nal sozio listen. Sie kündigen am Bahnhof den Bauarn für Nachmittag zwei Hakenkreuzlerverfammlungen an, in denen die völkischen Neichstagsabgeördneten Kube und Federer sprechen werden. Die reaktionäre Ausmachung der Protestkund- gebung ist unverkennbar. Mau hat den Eindruck, daß die meisten der beleiliglen Kleinbauern kaum wissen, wofür man sie gebrauchen will. Sie sind genau wie die Handwerker vor den Wogen des fchwarz-weitz-roten Landbundes gespannt. Die linksbürgerliche Oldenburger„Landeszeitung" wendet sich heute scharf gegen die Berhetzu.kg der Bauern durch die Rechts- Parteien. Sie schreibt, daß wirkliche Ziel des Landbundrununels in Oldenburg fei, die B e f o l d u n g s o rd n u n g für die republika- nischcn Beamten zu oerhindern. Steuererhöhungen sind anzu- hallen, und unter der Parole„Cos von den Parteien" der Wirt- fchaftsparteiin Oldenburg Boden zu verschaffen, die nur Eigen- nutz und Wirtschaftsegoismus fördert. An verschiedenen Stellen der Stadt sammeln sich große Demon- strationszügc ämterweise. In den Zügen wurden u. a. folgende De- monstrationsschilder getragen, die die politische Mache des ganzen Rummels enthüllen:„Fort mit den hohen Beamtengehältern", „Nieder mit der Kriegsschuldlüge und dem D a w e s- plan". Wir brauchen keine Finanzämter",„W e g m i» denjüdischenWarenhäuser n*. Zur Feier des Tages läutet die evangelische Lambertkirche Ä Stunde. Eine Kommission soll später dem Oldenburg« Staatsministerium d!« Forderungen der Demonstranten übergeben. Eine deuischnaiwnale Verleumdung. Und ein Ziückzug. Vor dem Amtsgericht Schöneberg fand heute morgen der Be- lerdigungsprozeß des ehemaligen Pressechefs des Reichskanzlers Marx und Mitgliedes des Zentrums, Ministerialdirektor Dr. S p i e ck e r, gegen das Mitglied der Deutschnattonaleit Partei, den Herausgeber der„Deutschen Rundschau", Dr. Pechel, statt. Dies« hatte in einer Korrespondenz u. a. geschrieben: „Kaum mar er(Dr. Marx) wieder Reichskanzler, so witterie sein früherer Pressechef Dr. Spiecker Morgenlust und präsentierte sich in seiner ungetrübten Frontbereitschaft für die Nachfolgefchost des Herrn Kempn« als Staatssekretär der Reichskanzlei. Wir buchen jedoch als höchsterfreuliches Zeichen eines neuen Geistes im Zentrum, daß es dem Bemühen der ernsthaften Politik« in d« Partei gelang, einen Untersuchungsausschuß einzusetzen, um die Würdigkeit des Anwärters für emen hohen Beamtenposten nachzuprüfen. Die Würdigkeit wurde verneint wegen— nun sagen wir— Uebervorteiluirg der Witwe Erz- berg« beim Ankauf von Aktien der„Germania" durch Herrn Spiecker." Der Amtsgerichtsrat regte einen Vergleich an. Dr. Spiecker erklärt« jedoch, daß er auf einen Vergleich nicht eingehen könne, solange immer wieder m den Kreisen, die dem Herrn Pechel nahe- stehen, gegen ihn Verdächtigungen der gemein st en Art in Verbindung mit sein« früheren Tätigkeit als Vertreter des Reichskommisiars und als Cell« des Spionage- und Nachrichten- dienstss in Oberschlesien orrbreitet w«den. Sobald er im politischen Leben aktiv hervortritt, bringen die Dreckspatzen ihr Dreckmate riol vor, das aus unsaubersten Orrelle», ja sogar von Prostituierten stammen soll. Jedesmal aber, wenn er erklärt, daß sie ihr« Vor- würfe in einer Weise vorbrächten, daß er sie strafrechtlich belangen könnte, schweigen sie. Als der Bertret« des Ve- klagten jede gewünschte Erklärung zusagte, bestand Dr. Spiecker auf einer Beweisaufnahme. Als erster Zeuge wurde Senatspräsi- deni Dr. Schotter verno-nunen. der seinerzeit gemeinsam mit Dr. Golizftls vom Reichskanzler Marx beauftragt wurde,»och- zuprüfen. was an der Behauptung der„Weißen Bljtt«" in bezug auf die angebliche llebervorteiluftg der Witwe Erzberger beim Kauf d« German-«"-Aktien richtig sei. Die Verdächtigungen wurden bei dies« Nachprüfung widerlegt. Auch Frau Erzberger habe erklart, daß sie sich in keiner Weise benachteiligt sühte. Frau Erzb«g« bestätigte dieses bei ihrer Vernehmung als Zeugin. Daraus schlössen die Parteien einen Vergleich, bei dem d« Angeklagte erklärt, daß die seinen Vorwürfen zugrunde liegenden Jnfonnationen unrichtig waren, und daß er all« gegen die Ehre des Privatklägers vor und im Verlauf des Verfahrens ge- richteten Vorwürfe zurücknimmt. Der Beklagte verpflichtet sich, das gesamte in seinen Händen befindliche, den Privat klag« wegen seiner Tätigkeit in Oberschl-fien angeblich belastend« Material mit Namensnennung d« Urheber und Zeugen dem PrivatklSger auszuliefern, um diesem zu ermöglichen, den Quellen d« Ver- dächngungen nachzugehen._ Hergt, der Vorsichtige. llnd das fihwarzweißrote Rednerpult. Der„Görlitzer Volkszeitung" wird aus Hoyerswerda geschrieben: Als am Sonntag mittag um 1 Uhr das dreifache Hoch auf d-e Sozialdemokratie durch den oberen Saal des Schützenhauses kwauste, mit welchem die Unterbezirkskonsercnz der SPD. schloß, wurde da- durch eine deutschnationale Gesellschaft aus ihr« beschaulichen ZSihe aufgeschreckt. Sie hotte sich im großen Saale eingesunden, tun einen Vortrag Hergts entgegenzunehmen. An die 300 Personen waren erschienen.... Bei dieser V«anstaltung— und erst recht nicht, wenn ein deutschnattonal« Minister der Republik spricht — durste auch ein« schwarz w«ißrote Dekorative, im Saale nicht fehlen. Das Rednerputt für den Minister prangte schönstens in den Farben der verflosienen Monarchie. Herr Hergt aber mied vor fichtig er weise diese schwarzweißrote Kanzel wie einen Brandherd und sprach von dem Tisch der Bersammlungsleitung aus. Sein« Ausführungen waren!» etwas wie ein deutschnotionales Programm, soweit bei den Deutsch- nationalen von einen, Programm die Rede sein kann. Einen Teil seiner Versammlungsbesuch« hatte er ab« offenbar dadurch stark verschnupft, daß er sich dem schwarzweißrvten Dekorationsstück f«nh!ett. Das konnte so recht deutlich aus Gesprächen von Ver- jawmlungsteilnehmern herausgehört werden. Lebhaft gestikulierend meinte einer zu einem anderen:„Wegen des Ministersesiels gibt unsere Erzcllenz Hergt noch das Letzte auf. was uns Deutschnatio- nalen hoch und teu« ist: er traute sich nicht einmal an das so schön hergerichtet« Rednerpult."_ Große gegen Kleine Eniente. Rom und London drücken, Paris allerdings macht nicht mit. a London, 26. Janunr. Der„Dailt, Telegraph" schreibt, es bestätige sich, daß die Mehrheit der Großmächte, einschließlich Groß- britaaaienS und Italiens, dringend wünsche, die Mächte der Kleine« Entente sollten in der Frage des Zwischen- falles von Szent Gotthard Zurückhaltung üben und nicht versuchen, aus einer Mücke einen Elefanten zu mache». A ndererseits habe Frankreich sich außer- stände erklärt, einen diskreten Druck in den Haupt- städtea der Kletnea Entente, besonders in Prag und Belgrad, auszuüben. Daher sei es noch nicht klar, ob die Kleine Entente ihren Schritt in Gens fortsetzen oder ihrem Protest eine wenigerenergische Wendung geben werde. Beneschs vorläufiger Rückzug gebilligt. Prag. 26. Januar. Das Abgeordnetenhaus hat die RegierungserNärung über die Szt. Gotthardaffäre mit 165 gegen 44 Stimmen angenommen. Dafür stimmten oll« Parteien, auch die tschechischen Sozialdemokraten, außer den Kommunisten, deutschen Rationalsozialist«, und Deutsch- nationalen. Di« deutschen Sozialdemokraten vor- ließen vor der Abstimmung den Saal. Während der Abstimmung lärmten die Kommunisten, während in« KoÄitionsparteien Beifall klatschten. Sühne für ein völkisches Bubenstück. Vor dem Jugendgericht i» Geroldhosen(Franken) wurden ein Friseurgehilfe und ein Friseur- lehrling wegen Grabschändung auf dem israelitischen Friedhos zu zwei Monaten bzw. vier Wochen Gefängnis verurteilt. Beide Angeklagte sind Mitglieder der sogenannten völkischen Freihefts- pariei. Konzert-Rundschau. Aon Kfau« pnngsheim. Es gibt„Liederabende", deren Zweck besteht dann, daß ei» beliebter, meist von der Bühne her beliebter Sänger Gelegen- beit findet, sich— und das heißt oft nur, sein« beliebte Stimm«— ein bis zwei Stunden lang hören zu lassen. An sich kein verwerf- licher, w-e.ii auch gewiß nicht der höchst« Zweck, dem ein Konzert als künstlerische Veranftatiung dienen kann. Bei dem. laut Pro- gramin,„weltberühnften" Negertenor Roland H n y e s bedingt den besonderen Reiz, den er auf d,i2 Publikum übt, nicht nur der Charme der milden Tenorstimme, die es zu hören bekommt, son- dem, in ungewohnter Verbindung mit solcher Stimme, die Haupt- färbe ihres Inhabers. Nicht eigentlich seine„Rasse"; denn die scheint aesänstigt, zivilisiert, interna tioiuftisiert. Ein europäisch ge- schtrssener Konzertsünger von Kultur und Geschmack. Erstaunlich aber diese Anpassmig an den Stil, diese Einfühlung in die Well des Schubert-Liedes. Man ipürt die fast scheue Ehrfurcht, mit der der schwarze Mann aus Eliattnnooga— und wie er, sein Be- gleiten Vercy P a r h a ni— den, gepriesenen Wunder der deutschen Musik naht. Etwas Rührend-Zortcs ist in seinem Wesen, in seinem Austreten, etwas, das dein deutschen Konzertpodium ungewohnt«st. Dieser Künstler verdient nicht, verdient auch um solcher Fremdartig- keit willen nicht, mit grobem Seirsattonsinleresse begafft und be» horcht zu werden. Die Seele des Volks, aus dem et zu uns kommt, klingt rein und überzeugend in den Liedern wieder, die er, und wie er sie singt, den Hochmut der weihen Rasse sanft beschämend. ?kcn'erümpsr>id sitzen sie auf ihren Plätzen, die Eingeborcuen des Berliner Westens, weil ein Farbiger ihnen ihre deutsche Musik rarzusetzen wagt: man sollte ihn einmal fragen, was er von dem Gesazze unserer Miisikgewerbetreibenden hält, von jener beliebten „Transfusion unverbrauchten Niggerblules", an der die deutsche Musik genesen soll. Das Schubercksingen dieses Negers, in seiner inen schlichen Echtheit, ist eine sehr viel schönere, sympachischere, achtunggebietendere Sache. Vom deutschen Lied ober ist zu sagen, daß in unseren Konzert- siilen auf keinem Gebiet wie auf diesem Wertvolles durch milcher- wertige Wiedergab« entstellt und geschädigt wird; es stich die besten Lieder, noch denen die mittelmäßigsten Sängeriimen greifen. Nur "luserwählte vermögen diese unendiich oft gesungenen, mißbrauchten, diskreditierten Schubert-. Brahms-, Wolf-Lieder wieder zu Ehren zu bringen. Um so dankenswerter also, wenn hier Berufen« d«s Ä onzertgefanges ihre Kunst ganz in den Dienst— nun oben— der Kunst stellen, und nicht nur ihrer Persönlichkeitswirkung— die freilich nicht ausbleiben darf— soll das Lied zu seinem Recht lammen: denn keine Art der musikalischen Produktion bedarf ja in lolchem Grade der Ergänzung durch die Ausdrucksmittel und die Ausdrucksfähigkeit des Interpreten. Wahrhaft dankenswert das Unternehmen, das Lotte Leonard nun zum glücklichsten Ende geführt hat:„Das deutsch« Lied",«in historischer Zyklus in fünf Abenden. Das Lied, als deutsche Spezialität, die es«st, von seinen Anfängen, vom siebzehnten Jahrhundert bis in diese unsere lied- arme Gegenwart. Lotte Leonard kommt wesentlich vom Orotorftnu lier, hier gibt sie in den großen Sopranpartien Außerordentliches. Der individuell gestaltende Vortrog, wie ihn das Klavierlied ver- langt, schien anfangs nicht in gleichen. Maß ihre Sache. Aber nift der geschichtlichen Entwicklung des Liedes ging die Entwicklung dieser Liedersängerin Hand in Hand. Wie sie am letzten Abend, von Michael R a u ch e i s e n geleitet und geführt, das„Reue Lied" m sorgsam ausgewählten Beispielen zu lebendiger Wirkung brachte. das war eine reise, in ihrer Art vorbildliche Leistung- Auch Eva Lieben berg— das.zeigt sich an ihrem Hugo-Wolf-Abeich— ist in überraschend kurzer Zeit in die Höhe unserer besten Lieder- sängerinnen gewochsen: hier ist die Stimme, eine üppig strömende Altstimme, deren musterhafte Schulung ihren Meister lobt, ganz Instrrunent des gestalterischen Willens geworden. Auch sie ver- einigt sich mit Raucheisen. dem unübmrefftichen. wahrlzaft unentbehrlichen. zu idealer Zweieinigkeit der Liedinterpretation, und der Beethoven-Soal— zu groß eigentlich, zu umntnn für diese allerpersönlichste Gattung des Musizierens— hat einen glänzenden Abend. Nicht gerade nur in diesem Saal, sondern überhaupt im Rahmen eines ösfenttichen Konzerts verliert sich, wenn wir recht hi»hören, alle Intimität des Klavierliedes. Freilich, um uns dessen bewußt zu werden, müssen wir uns von heutigem Herkommen freimachen. Es steht bei uns so, daß fast alle Musik des Lebens im osfizftcklen„Musik- leben" zusammeiilzefaßr ist, datz Musik sozusagen nur„zählt", wenn sie in konzertmäßiger Ausmachung gereicht wird. Wir stehen damit am End« einer wirtschaftlich-gejellschafllichen Tatsachenreih«. deren Anfang weit ins vorig« Jahrhundert zurückreicht, und deren Aus- Wirkung selbstverständlich wir nicht zu hindern vermöchten. Jede Zeit, jede Gesellschaft muß das Recht haben, sich des vorhandenen Kunst- gutes nach ihrem Bedürfnis zu bedienen. Wir finden dieses Recht immer wieder in den Konzerten der Volksbühne bestöttgl: von neuem auf eindringlichste Art bestätigt in dem Konzert der Cembalo- Meisterin Wando Londowska. Der Cembaloton, sollte man meinen, nimmt sich in dem Riesenraum des modernen Bühnenhauses so fremd, so unheimlich aus. wie er unserer Zeit ftemd geworden, fast symbolhafter Klang einer halb verklunaenen Musikkultur: so fremd dem Ort und der Stunde, wie die Musik der Vor-Bachischen Meister. die den größte» Teil des Programmes ausmachten. Aber es ist das Geheimnis des Zeilgeistes, der sich nicht fti Schlagworte fassen läßt, ein in wenigen Wollen nicht zu erklärendes Geheimnis, daß dem nicht so war: und es ist ganz im Gegenteil Tatsach«, daß selten die Konzertbesuche? der Volksbühne sich so beglückt, so dankbar zeigten, so erfüllt und unmittelbar berührt von der Musik, die ihnen hier ge- boten wird, wie eben diesmal. Intimität des Musizicrens, trotz allem Widerstand des modernen Konzertsaals, subjektives Sichversenken, das den Ort vergißt, eln Musizieren aus tiefem Musikgefühl, so frei, daß es beinah« ein Im- provisteren scheint— dies alles auf der Grundlage selbstverständlicher lechnischsr Ueberlegenheft— kennzeichnet das Spiel des Pianisten Wilhelm K e m p s s. Wenn er zum Schluß«in aus dem Publikum gegebenes Thema aus dem Stegreif oermusiziert— eine höchst erstaunliche, in dieser Zeit seltene Talentprobe— so wirkt«s beinahe wie natürliche Fortsetzung seines Programms. Es ist eine Freude, dabei zu sein. Der junge Paul Lichten st er» kann am M ißitaö so erwiesener Berusenheit nicht gemessen werden; noch lang« nicht. Aber was er in seinem ersten Berliner Konzert hören läßt, ist vianistisches Talent sehr respektablen Grades. Wieviel muß man in diesem anspruchsvollen Beruf gelernt haben, um nur als Anfänge- gelten zu dürfen. »Verkehrsbeben. � Oer moderne Verkehr hat«ine neue Art van Gesährbung städtischer und ländlicher Bauten mit sich gebracht, die man als „Verkehrsbeben" bezeichnen kann. Es find dos die Enchütterunzen. die durch die Autos, insbesondere aber durch die Lastautos und Autobusse m den Häusern erzeugt werden. Diese„Derkehrsbeben" sind durchaus nicht auf die Häuser der Großstädte beschränkt, son- der» sie erfassen auch die Häuser, die an den Landstraß«» stehen, sowie die Häuser in den Dörfeni, da der WaAenvertehr durch Last- aittos sich allmählich so ausgebreitet hat. detz dieses modern« Be- sörderungsmittel all« Teile Deutschlands erreicht. Jeder wird schon die Erfahrung gemacht haben, daß bei dem Borüberrafteru der Lastautos das Haus, in dem er wohnt, in seinen Grundfesten erschüttert wird. Diese Erschütterung geht oft io weit, daß der Schlaf der Leute gestört wird, die das Pech haben, an den Land- straßen zu wohnen, auf denen Tag und Nacht die Automobile vor- überrafen. Wie groß die Gefährdimg der Häuser durch Lastauto- inoblle ist, geht daraus hervor, daß schon vor dem Kriege Messungen der Erschütterungen durch die scgenan-Ue Erdbeden. Registner- opparate vorgenommen wurden, um seftzustellen, wie stark der Erd- fachen durch die Belastung erschüttert wird. Es kamen nämlich von vielen Seiten Klagen, daß sich in den Häusern Risse zeigen, die mir durch die Erschütterungen der Lastaittoz hervorgerufen worden sein kömwn. Diese Gefährdung der Häuser hat auch bereit» In unserer Steuerproxis Ausdruck gefunden. Es wurde nämlich als erwiesen angesehen, daß die Abnutzung der Häuser durch die Ver- kehrebeben sehr groß ist und ein« Restaurierung in viel größerem Umfange notwendig macht, als es früher der Fall war. Aus diesem Grunde werden die Häuser bei den Steuereinsibätzungen geringer bewertet als früher. Es wurde übrigens festgestellt, daß die Er- schüttenmgen durch Lastautos ungefähr acht- bis zehnmal sa stark stich wie die Erschütterungen, die durch gewöhnliche Wagen hervor. gerufen werden, und sünftnol so stark wie die Erschütterungen durch Rollwagen. Ein« Abbilse gegen diese„Derkehrsbeben" Ist allerdings nur dadurch möglich, daß das Straßenpflaster den Rädern möglichst wenig Widerstand bietet. Di« erste Sorg« wird sich also daraus richten müssen, möglichst solches Stroßenpslaster zu ver- wenden, dos zur Abschwächung der Derkehrsbeben dient. Zw Thealer am vülowplatz findet Sonntag, den 29., die 25. Ausführung von Brecht»„Mann ist Mann" in der Inszenierung von Erich Engel statt. Gros vppoeyi al» ttobelpreiskräoer. Die Unirufität in Fünsllrchcn hat der NobelpreiSflittung den Bonchlag unterbreitet, den grieden«. p r e i« dem ungaritchen Etaalimonn Grafen Albert Apponvi zu «erletben. Di« Nobelkommfiliim verständigte di« Untverfität, datz sie die Kandidatur zur Kennten» nehme. Denksport in Prag. Aoch immer.Sicherheit und.Schiedspflicht statt Abrüstung Aus Genf sind zwei leitend« Beamte des Völkerbundes nach Prag gekommen: Colban, der Norweger, der früher die Minderheiten„betreute" und seit dem Ausscheiden Spaniens und des Spaniers Madaviaga die Abrüstungs- abteilung leitet, und S u g i m a r a, der Japaner, an der Spitze der politischen Abteilung, der kürzlich durch halb Survpa fuhr, um wegen der Prager Verhandlungen auswärtige Aemter und Außenminister zu besuchen. In die tschechoslowakische Hauptstadt sind auch noch drei internatio- nale Politiker gefahren: der Finne H o l st i,„Fort- fchriitler", von Beruf ursprünglich Redakteur, später Außen- minister und jahrelang Gesandter seines Landes in Estland: der Holländer R u t g e r s. protestantijch-„konserva- tives" Kammermitglied, ein wohlhabender Mann, Jurist, auch einmal Minister: und der bewegliche Grieche P o l i t i s, Professor des Völkerrechts an der Pariser Uni- versität, erst mit Benesch Vater, dann Leichenträger des früh verblichenen Genfer Protokolls. Aber warum ist Prag der Treffpunkt? Dort amtzjert als Außenminister der Tscheche B e n e s ch. Unter seinem Vorsitz sollen sie die Sicherheits- und Schiedsvorschläge ausarbeiten für den Sicherheitsausschuß der Abrüstungs- Konferenz, der zum 20. Februar nach Genf einberufen ist. Die vier stellen eine Art Unterausschuß für einen Ausschuß dar, den man einberief, um ein an sich klares Problem. nämlich die Abrüstung, nicht versacken zu lassen— und die beiden Genfer helfen dabei. Es ist die Meinung der herrschen- den Schichten in Europa, man dürfe nicht„abrüsten", ohne sich gegen die„Rüstungen" der anderen zu sichern, statt durch Abrüstung aller die Sicherheit aller zu gewinnen. Die Prager Besprechungen knüpfen an die früheren Verhandlungen über den Ausbau der Völkerbundssatzung an. Seit reichlich fünf Iahren kam man über den„Garantie- pakt" und das„Genfer Protokoll" schließlich zu der. aus polnischer Initiative entstandenen«Kriegsverzichterklä- rung" der letzten Völkerbundstagung. Der Notenwechsel zwischen Paris und W a s h i n g i o n in den letzten Wochen über einen franko-ameritansschen oder allgemeinen Antikriegspatt fügte neues Material zu dem alten hinzu. Schließlich haben noch die auswärtigen Aemter in Stock- Holm und O s l o, ja sogar die Foreign Office in London Denkschriften nach Prag gesandt. Sie sprechen sich überein- stimmend für Locarno aus, um sich in dem zu widersprechen, was sie darunter verstehen. Ob die deutsche Reichsregierung die Initiative zu einer Meinungsäußerung ergreist? Das war wohl bestimmt aus- geschlossen, als noch keine andere Großmachisregterung ihr voranging. Nun hat sich London gerührt, und die Wilhelm- straße wird sich vielleicht auch rühren. Möge mehr dabei herauskommen als ein Zwitter aus dem deutschnationalen Bedürfnis, so völkerbunosunfreundlich zu scheinen, und aus dem nationalen Bedürfnis, so välkerbundsfreundlich zu wirken als möglich! Die Litauen-Besprechungen in Berlin. Woldemara» und Stresemann hatten gestern nach- nüttog«ine Zuständige Besprechung über die deutsch-litouischen Ber- Handlungen, dl« nun mit den Sachbearbeitern fortgesetzt werden. Chile gegen petroleumkapiial. Santiago de«Hill«. 26. Ilaaaar. Tie Kammer hat den«Sesebentwurf der Regierung angenommen,«ach welchem all« Petrolenmko«» Zessionen, mit Ausnahm« derjenigen, die an Chile- « e» erteilt worden sind, aufgehoben werden. Die Kammer bewilligte ferner lv Millionen Pesos für eine Untersuchung der celvortommen im Lande. Besserer Schuh den Minderheiten! Oeuischer Antrag für eine ständige Minderheiienkommiffion. Der Porstand der Deutschen Liga für Völkerbund hat beschlossen, beim Weltverband der Bölkcrbundsgesellschoften, einen Antrag aus Einsetzung einer ständigen Minderheiten- k o m m i s s i o n beim Völkerbund einzubringen. Der Antrag wird im Februar dem Minderheitenausschuh des Weltverbandes und im Sommer seine Volloersammlung beschäftigen. Es heißt darin: „So uitbestreitba.' u id unbestritten die grundlegende wichtig« Bedeutung des Minderheitenrechts für den Weltfrieden ist. so wenig ist es bisher gelungen, diefe Aufgabe zu bewältigen. Es gibt keinen über die in Frage kommenden Zustände orientierten ernsthaften Politiker, welcher nicht in den Spannungen, die sich aus der llngelöstheit des Minderheitenproblems ergeben, ein« schwere Gefährdung de» europäischen Frieden» erblickt. Aus diesem bedrohlichen Zustand« ergibt sich die gebieterisch« Forderung, Mittel zur Abhilfe zu ersinnen. Der Völkerbund hat bei allen wichtigen Aufgaben, die ihm die Satzungen zugeteilt haben, zu dem Mittel gegriffen, die Probleme in ihrer theoretischen Bedeutung und praktischen Handhabung durch Kommissionen bearbeiten zu lassen. Der Weltverband der Völterbundligen richtet daher an den Völkerbund die dringende Bitte, ein« st ä n d i g e Kommission für Minderheitenfragen einzusetzen. Für die Bildung der Kommission empfehlen sich folgend« Richt- linien, die sich bei der Bildung der Mandatskommission bewährt haben: 1. Zu Mitgliedern werden ihrer Regierung nicht verant- w o r t l i ch e Persönlichkeiten gewählt. 2. Die Mitglieder sollen sowohl den Staaten entnommen werden, die unter irgendwelchen Gesichtspunkten am Minderheiten- problen» interessiert sind, wie auch, und znmr in der INehr. heil, solchen Staaten, die an dein europäischen Minderheitenproblem völlig uninlercsjiert sind. Diese Kommission hätte insbesondere folgende Ausgaben: 1. Die einzelnen Fragen des Miirderheitenproblems zu studieren, um in der Lag« zu fein, alljährlich der Völterbundsver- fammlung einen Bericht über die aktuelle Lage der verschiedenen europäischen Minderheiten und die tatsächliche Geltung der minderheitenrechtlichen Bestimmungen zu erstalten, soan« etwaig« Vorschläge zur Durchführung der Verträge zu machen. 2. Dem Völkerbundsrat für die Bearbeitung de? seiner Kom- plf enz unterliegenden Fälle gutachtlich zur Seite zu stehen. Der Völkerbund möge den Wunsch auedrücken, daß der Völker- bundsrat sich dieser gutachtlichen Tätigkeit in möglichst großem Umfange bedient." Die Klagen aus Ostoberschlesien. Llnterredung mit Albert Thomas. Anläßlich seines Besuches in Berlin hatte einer unserer Redakteure eine Unterredung mit Genossen Albert Thomas, dem Direktor des Internationalen Arbeitsamtes. Albert Thomas war bekanntlich, bevor er nach Berlin kam, in Ost- oberschlesten gewesen, um sich Rechenschaft über die Klagen- der deutschen Arvelter und Anasstelllen in Ostoberschlesten zu geben. Der Direktor des IAÄ. erklärte dazu: „Zuständig für Beschwerden ist zunächst die fogenannte Gemrschte Kommission, deren Borsitzender Herr Eallonder ist. Diese Gemischte Kommission hat bei Beschwerden. die das Gewerkschastsrecht, die Sozialgesetzgebung usw. betreffen, den Begutachtenden Ausschuß um ein Urteil zu ersuchen. Dieser Begutachtende Ausschuh setzt sich paritätisch zusammen aus je vier deutschen und vier pol- Ein Kamps um 2V Reichsmark. Aus der preußischen Staatsbibliothek. Man schreibt uns: Neulich kritisierte hier Dr. H. Hieber die Zu- stände an der �königlichen' Preuhilchen Slaotsbiblioihel. Ich kann dazu aus allerneuefter Zeit eine famos« Ergänzung bieten, für die die linterlagen vor mir liefen. Im November entlieh ich«ine Maschinenschriftdissertation. Da kies« immerhin wertvoller als gedruckte Wert« ist, mußt« ich— durch- aus zu Rech!— ein Pfand hinterlegen. Man verlangte für die etwa 100 Seitrn umfassende Schritt 30(dreißig) Mark. Au» meine Bemerkung. für diesen Satz bekäme man sie mehrfach in jedem Bureau abgeschrieben, begnügte man sich mit 20(zwanzig) Mark und stellte mir auch ordnungsgemäß«ins Quittung aus. Dies die Vorgeschichte. Nun aber: Ich bringe am Ablie,«rungs> tag das Werk zurück und verlange die Herausgabc meines Pjandcs. Da wird mir.zu meinem Erstaunen mitgeteilt, ja. aber erst, wenn ich die seinerzeit empfangene Quittung zurückbrächte. Die Quittung war noch vorhanden, ich hatte sie aber nicht bei mir, zudem inußte ich an» nächsten Tage dringend verreisen und braucht« das Geld. Es war unmöglich, mnn weigerte sich. Ich muhte mir anderweitig das Geld beschassen, uin meine Reis« durchführen zu können. Dies nach dem Prolog der erst« Akt. Nach meiner Rückkehr, zwei Tage daraus, teilte ich den Dorjall schriftlich der Generaloerwaltung mit. Ich machte dt« Herren daraus cusmertsam. daß die Herausgabe zu unrecht oerweigert würde, daß ungerechtsertige Bereicherung vorliege. Eine simple Quittung sei kein Hinterlegunzsschcin, dessen Rückgab« eventuell beansprucht werden könne, daß im umgekehrten Fall«,»oenn nämlich die Staats- bibliothek bei Rückgabe eines Buches die hierfür bei Empfang aus- gesteltts Quittung nicht säitde�er Entleiher sich euch mit einer Ersotz- qäiliung begnügen müsse. 1� daß er diese sogar sorgsältig aus- bewahren müsse. Denn wenn dos Buch plötzlich verlchwindat und die Quittung plötzlich wieder austaucht, hastet womöglich der Unglück- liche Entleiher, wenn er die Ersotzquittung nicht vorweisen kann! Daß ich iür die Rückzahlung des Psandbetrages em« Gegenquillung auszustellen hätte, stunde ja außer Diskussion, zumal ich dies ausdrücklich angeboten hatte. Dies war am 13. Dezember 1027. Dritter?lkt: Bis zum£4. Dezember 1827 hatte ich kein« Ant- n»rt-? Mahnte darum. Fragte außerdem in der Perrvattung müud- Hch an ob die dort am 13. Dezember 1827 persönlich abgegebene Beschwerde weitergeleitet worden sei. Da stellte es sich heraus, daß airfcheinend_ eine einwandfrei« Nachprüfung war Den Beamten dort leider nicht möglich— die»eschwerde gerade der Stelle zur Entscheidung vorgelegt worden ivar. über die ich mich beschwerte!! Ich begab mich daher zu dem betreffenden Beamten und verlangte. da er meinen Brief ja nun konnte, nochmals die Herausgab« des widerrechttich zurückbehaltenen Geldes. Er meigerte sich weiterhin standhast. Ich ersuchte die Generaldirektion bis zum 2S. Dezember um Rückäußerung. Diese kam daraufbin bereits am 27. Dezember, persönlich vom Generaldirektor unterschrieben. Juristisch unhattdar. Die Quittung fei ein Hinterlegungsschr",. daher ein« Legitimation für eine Geld. die Herauszahttmg töaoc daher ma bei gleichgeittger Rückgabe des Scheins erfolgen. Also auch der unmöglich« Standpunkt! Den anzuerkennen ich mich in meiner Rückantwort vom 20. Dezember 1827 nachdrücklichst weigert« mit dem Bemerken, ich erwarte nunmehrige Erledigung. Vierter Akt. Bis zum 9. Januar 182« geschah nicht?. Ich mahnt« daher noch- mal» und betonte, ich würde die Angelegenheit der zuständigen Winisterialabtellung sofort unterbreiten, falls jetzt nicht schleunigst Rückzahlung erfolgte. Ich hätte keine Lust, mir dauernd« Verschleppungen gefallen zu lassen. Fünfter Akt. Worauf am 10. Iammr 1828 per Postamveisung ohn« auch nur die geringst« Begieitzeile die Rückzahlung erfolgte. Also über«inen Monat später, als die Zahlung hätte erfolgen müssen! Mir Icheiut, es geht nicht an. daß irgendein« bureaukratijch« Behörde sich eigene Gesetze zurechtmacht, es geht n'.cht an, daß in« Benutzer der Staatsbibliothek, die gewiß nicht zum Vergnügen und Zeitvertreib, sondern aus sachlichen, ernsten Gründen diese In- stitution benutzen, in einer derartigen Weif« schikaniert werden, wie es sicher nicht nur im vorliegenden Falle geschehen ist. Neue prähistorische Funde. Aus Vichy(Frankreich) wird gemeldet, daß auch dort mst dem Gute eines Landwirts prähistorische Funde ähnlicher Art gemacht wurden wie auf dem Gute des Land- wirts Frodin in Glazcl. Der bettessend« Landwirt hotte vor vier Wochen eine Steinaxt gesunden, auf der«in Pferdekopt und ähn- liche rätselhafte Zeichen zu sehen waren wi« bei den Funden in Glozel. Die Grabungen werden s ortgefetzt.(Freilich kann man in Vichy genau so gut gefälschte Altertümer vergraben haben, wie es in Glozel der Fall zu sein scheint-) Erkältung durch die Tasche. Daß man sich durch seine Taschen erkälten kann, ist eine Gefahr, aus di« ein engliicher Hygiernker, Dr. Halls- Dolly, aufmerksam macht. In jedem Taschentuch besinden sich eine Menge Bazillen, die ansteckend wirken können. Diese Ba- zillen Haufen sich in den Ecken der Taschen und gelange» mit dem Tvschenluch wieder in die Atmungsorgane. Sie wirken in dem Augenblick ansteckend, wo die Widersiondssähigkeil ihr«» Opfer» geschwächt ist. und der Mensch erfüllet sich von neuem, ohn« z» wissen warum. Der englische Hygieniker verlangt daher mtt Recht, daß man seinen Taschen mehr Aufmerksamkeit schenke als bisher, und sie von Zeit zu Zeit, besonders nach einem Schnupfen, gehörig desinfiziere. Lallodcii. Satiren»vd Orofestai wird Ludwig Hardt am Freitag. dem 27.. auf einem Vortragsabend der B o l k S b g b n e im Bürgersaat d«S Berliner Rathause«. 20 Uhr, ivreche«. Sinlahkarten 1 Mark. AIuseum»sühruaae». Sonntag, de» 29.. 10 Uhr. sprechen im Neuen Museum Pros. Schubart über.Da« Buchwesen bei den Griechen cP a p h r u«.S a m m I u n o)'. Im» ai s« r»ss ri« d rl«. Museum Dr. Opitz über.H e t h i t i s ch e Kultur' und im> l t e n K unstgewerbemus eilm Dr. Aibrechl über.Kultur der Bölter. wanderungZzett". Teilnehmerkarten 60 Ptg. vor Beginn.— Die FreitagSsührungen um 11 Uhr im«aiIer.Friedrlch.MuI«um werden vom 27. Januar ab von Prof. Schoitmüller gehalten. Jrtebea»t«f(nnj. Bouisson. der ehemalige vorfitzend« der srauzöjischen Liga sür Menschenrechte, der diese« Jahr»uiammen mit Pros. Ouldd» de» ,z icdcni.Nobelpret« erhallen hat. b-abüchngt. jemeu Anteil daran sür per- schiedeue grirdenZorgantsationev iß Piste». Nischen Vertretern der Unternehmer- und Arbeiierorgalitsau nen. aus je einem Regterungsvertreter und hat zmn Vor sitzenden den Direktor des Internationalen Arbeitsamtes. Auf Grund des§ 586 des Abkommens für Oberschlesien tritt dieser Begutachtende Aueschuß einmal im Jahre zusammen. Außerdem in dringenden Fällen. Seit sechs Jahren, erklärte Albert Thomas, seitdem dieses Abkom- men besteht, ist von der Gemischten Kommission dem Begut- achtenden Ausschuß noch niemals eine Klage übermittelt worden." Auf unsere erstaunte Frage, wie dies möglich sei, da doch aus Ostoberschlesien von den deutschen Gewerkschaften so zahl- reiche Klagen in die Oeffentkichkeit kommen, erklärte der Di- rektor des Internationalen Arbeitsamtes, daß dies vielleicht zurückzuführen fei auf die ungenügende Kenntnis der dorti- gen Organisationen über den Weg, den sie bei solchen Be- schwerden zu gehen haben. Jedenfalls liegen juristisch die Dinge so, daß der Begutachtende Ausschuß, der je nachdem funktionieren kann, durch die acht Mitglieder aus Ostober- fchlesien, die drei Schiedsrichter(je ein Regierungsvertreter und der Direktor des IAA.) oder sämlliche elf Mitglieder. nur dann in Tätigkeit treten kann, wenn ihm von der Gemischten Kommission eine Beschwerde zur Beurteilung über- mittelt wird. „Das ist," wiederholt Albert Thomas,„bisher nicht geschehen. Nun hat man mir den Vorwurf gemacht, ich hätte es sehr eilig gehabt. Dieser Vorwurf ist nicht unberech- tigt. Tatsächlich ist meine Zeit stark bemessen gewesen. Dieser Besuch aber, fügt Albert Thomas hinzu,„war nur die e r st e Fühlungnahme. In etwa zwei Monaten werde ich zur Prüfung der Verhältnisse in Ostoberschlesien— denn die Kenntnis dieser Verhältnisse ist die notwendige Voraus- setzung für jedes Urteil— wieder dorthin zurückkehren. Ich bin verpflichtet, mich an die Bestimmungen des Artikels 586 S hallen, kann also nur dann den Begutachtenden Aus- uß zu einem Urteil über die Beschwerden veranlassen, wenn uns solche Beschwerden von der Gemischten Kommission über- mittelt werden." Soweit die Erklärungen des Genossen Albert Thomas. Es geht aus ihnen hervor, daß bei der Behandlung der Be- sckwerden der deutschen Arbeiter und Angestellten in Ostober- schlesien wahrscheinlich Formfehler unterlaufen sind, die es oerhindert haben, daß der Begutachtende Ausschuß bisher in Tätigkeit treten konnte und daß auch diesmal der Ausschuß, der auf die Initiative von Albert Thomas zusammentrat. weiter nichts tun konnte, als festzustellen, daß ihm keine Be- schwerden durch die Gemischte Kommission übermittelt wor- den sind.__ //Wie die Motte zerbrach." Kapitän a. D. Max Fischer Nagt. Da» Kriegstagebuch des christlichen Matrosen Stumpf: „Di« dt« Flotte zerbrach"(I. H. D Dietz) soll Gegenstand «ine« gerichtlichen Befahren» werden. Ein früherer Kapitän Max Fischer fllhll sich beleidigt,«est e» auf Seit« 43 d«? Tagebuches heißt, er habe als erster Offizier auf dem„Dersskinger" .-«in« Tracht Prügel erhalten, lva? bei uns an Bord große Genug- tuung hervorruft, denn Max war früher bei uns an Bord und durch seine Ungerechtigkeit verhaßt". Diese Stelle des Tagebuches ist in einer Besprechung in der..Bossischen Zeitung" neben anderen mit abgedruckt worden. Jetzt klagt Fischer gegen den christlichen Arbeiter Stumpf in Nürnberg und gegen den Redak- teur Karl Misch als Verantwortlichen der„Vossischen Zeitung". Er wollte die Klage auch auf den sozialdemokratischen Abgeord- neten Dittmann ausdehnen, weil dieser in dem Lorwort zu dem Tagebuch bekundet habe, daß er mit dem Gcsanttinhall des Buches, also auch mit der angeblichen Beleidigung einverstanden s«. Der Geschäftsordnungsausschuß des Reichstags hatte für diese groteske Behauptung kein Berständnis und versagte d i« Ge- n e h m i g u n g zur Sttafverfolgung des Abgeordneten D i t t- mann. Spionage von Reichswehrangehörioen? Mysteriöse Verhaflungeo in Gießen. Gieße«. 26 Januar.(Eigenbericht) Die„Oberhessische Bolksz«itung" meldet, daß am Montag nachmittag die F u n k e r a b t e i l u n g des Gießener Reichswehrbataillon» verhaftet und in dos dortige Amtsgerichts- gcfängnis eingeliefert wurde. Es handelt sich um fünf Mann, die unter dem driitgenden Verdacht der funkentelegrapchischen Der- bindung mit dem Ausland« stehen. Di« zuständigen Stellen b-stötigen die Verhaftung, ohne jedoch im einzelnen die Gründe dieser Maß- nähme anzugeben. tb Die Korrespondenz BS. erfährt dazu noch: Die Untersuchung, die von der Division in Stuttgart durch Major v. Ascheberg geführt wird, ist noch nicht abgeschlossen, und«» läßt sich deshalb auch vorläufig keineswegs behaupten, daß die fragliche» Meldungen gerade von den Funkern der Reichswehrstatton in Gießen abgegeben worden sind. Bei der nördlichen Heeresgruppe war fest- gestellt worden, daß von einer Militärsunkstation, die offenbar zum Bereich des Wehrkreiskommandos V gehört, Funkmeldungen gesandt wurden, die als Absender den Permerk„Station Gießen" trugen. Da immerhin mtt der Möglichkeit gerechnet iverden mußte, daß hier ein Verrat militärischer Geheimnisse vorliegen könnt«, wurde durch Peilungen ermittell, daß di« Sendestatio« identisch sein könnte mit der Gießener Funkabteilung. Auf Devonlassung de» Wehrkreis- kommandos in Frankfurt wurde deshalb ein Untersuchungs- offizier nach Gießen entsandt mit dem Beiehl, die Funker zu verhafte». Di« Festnahm« geschah ganz überraschend. Die Der- nchmungcn erfolgen durch«inen beauftragten Richter i» Gegenwart des Nachrichtenoffiziers. Das Ergebnis der Ermittlungen steht noch nicht fest. Es ist durchaus möglich, daß di« Funker— was stteng verboten ist— lediglich experimentiert haben. Da» gefährliche Deutschlandlied. Der Wirt des Hotel,.Lu den vier Jahreszeiten" in Aachen, das, wie gemeldet, von der belgischen Besatzung bis 3. Februar geschlossen wurde, weil dort in Gegenwart belgisckier Offiziere dos Deutschlandlied gesungen wurde, ist jetzt von der belgischen Besatzung zu 130 Ma-k Selbst rose oder acht Tagen Gefängnis, der Kapellmeister zu 200 Mark Gelb- strafe oder 15 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Leuna-Arbeiter gegen die KPD. Der Trennungsstrich. Merseburg» 2k. Januar. lEigenbericht.) Üfutgende Entschlieftuug wurde heute in einer Vcr trauenÄnannersihuug des Leunawerkes angenommene „Die heute im Tivoli tagende Vertrauensmännersitzung des Leunawerkes nimmt Kenntnis von dem Kampf der Metallarbeiter in der mitteldeutschen Metallindustrie. Sie spricht den Kämpfende» und der Leitung das größte Vertrauen aus und weist die Einmischung der KPD. in diefen Kampf entschieden zurück. Sie erwartet den vollen Sieg der Arbeiterschaft und ihrer gerechten Forderungen." * Dieses Telegramm, das gestern um 23 Uhr von Merse- bürg abgeschickt wurde, ist sowohl an uns wie an die KPD. gerichtet worden. Die Stellungnahme der Vertrauens- männer der Leunaarbeiter ist mehr als eine schallende Ohrfeige für die KPD., die die Leunaarbeiter wieder einmal zum Streik aufgerufen hat. Man erinnert sich der Rolle, die besonders das Leuna- werk in dem Märzputsch spielle, den die KPD. im Frühjahr 1921 inszeniert hat. Lange Jahre waren die Leunawerke eine Hochburg der KPD. und in jenem Putsch waren sie es nicht nur im bildlichen Sinne des Wortes. Jetzt, wo die Metallarbeiter Mitteldeutschlands in einem schweren Kampf um die Löhne stehen, glaubte die KPD. den Zeitpunkt für gekommen, um auf dem Rücken der kämpfenden Metallarbeiter Parteierfolge einzuheimsen. Was aus den Lohnforderungen der Metallarbeiter dabei werden würde, das kümmert die KPD. herzlich wenig. Die Gewerkschaften sind für die KPD. nur Werk- zeuge zur Ausführung der bolschewistischen Politik. Die Gewerkschaften sind nachher Auffassung der KPD. nicht dazu da, um die wirtschaftlichen Interessen der Arbeiter- schaft s e l b st ä n d i g wahrzunehmen, sondern um die Politik der KPD. durchzuführen. In den Frak- tionen, die die KPD. in den Gewerkschaften aufzieht, in den Betriebszellen, die sie unterhält, werden nicht die gewerk- schaftlichen Fragen, so wie sie durch die Beschlüsse der gewert- schafllichen Organisationen zur Tagesordnung stehen, dis- kutiert, sondern es werden die Parolen, die die KPD. für die Arbeit in den Gewerkschaften ausgibt, mitgetellt und deren Durchführung vorbereitet. Diese Fraktionen und Zellen sind die Hebel, mit denen die KPD. die Gewerkschaften in ihre Gewalt zu bekommen hofft. Schlimmer ist noch, daß die KPD. keinen Gewerkschafts- kämpf vorübergehen läßt, ohne den Gewerkschaften in der niederträchtigsten Weise in den Rücken zu fallen und ihnen mit ihrer Parolenschusterei die größten Schwierigkeiten zu bereiten. Gewerkschaftskämpfe für rein gewerkschaftliche Forderungen sind der KPD. ein Dom im Auge. Deshalb versucht die KPD. jeden.Gewerkschaftskampf zu einem politischen Kamp7 umzukrempeln. Deshalb versucht die KPD. jedem Gewerkschaftskampf den Charakter des Wirtschaftskampfes zu nehmen und ihn durch die„Ver- breitemng der Kampffront" zu einem politischen Manöver zu machen. Die Antwort der Vertrauensmänner des Leunawerkes ist so deutlich, daß sie eine geradezu symbolische Bedeutung bekommt. Die Leunaarbciter haben am eigenen Leibe erfahren, wohin diese Politik der KPD. führen kann. Nirgends hat die Arbeiterschaft in Deutschland die Gefolgschofi der KPD. so teuer und bitter bezahlen müssen, wie gerade die Arbeiter der Leunawerke. Und deshalb ist die Antwort der Leunaarbeitsr um fo erfreulicher. Sie bedeutet, daß die Arbeiterschaft endlich offen das Tischtuch zwischen sich und der KPD. zerschneidet, die nur mehr eine Partei der Schädigung der Arbeiter! nter- e s s e n i st. Das kommunistische Manöver. Halle, 26. Januar(Eigenbericht). Im Leunawerk sind rund tOOOV Metallarbeiter beschäftigt. Kein Wunder, daß die konmmnistische Bezirksleitung dauernde Versuche unternimmt, diese Kategorie von Metallarbeitern, die zusammen m i t den Fabrikarbeitern ein gemeinsames Tarifab- kommen habe», in den allgemeinen mitteldeutschen Metallarbeiterstreik hineinzuziehev Gestern waren nun die Vertrauensleute des Leunawerkes zu einer Sitzung eingeladen, nicht um die Befolgung oder Nichtbefolgung der kommunistischen Parolen zu beraten, sondern um sich einen Vortrag über Arbeitslosenversicherung anzuhöre». Die t o m m u- n i st i s ch e n Vertrauensleute waren vollzählig angetreten und instruiert worden, daß eine Resolution angenommen werden müsse, in der die Gewerkschaften ausgesordert werden, eine zwischentarifliche Lohnregelung für die Chemiearbeiter des Leunawerkes zu verlangen. Bei der Annahme dieser Reso- lution und bei den ersten praktischen Konsequenzen würden infolge der schon erwähnten gemeinsamen Tariftegelung die nicht im Streik befindlichen Leuna-Metallarbeiter nüt in den Kampf hineingezogen werden. Das war der Zweck der kommunistischeck Uebung. Er- freulicherweise waren die SPD.-Vertrauensleute des Leunawerkes stark angetreten, so daß der kommunistische Antrag a b g e- lehnt wurde. Oie KPD. will keine Gewerkschafter. Ausschloß eines kommunistischen GewerkschastSangestellten. Halle. 26. Januar(Eigenberichl). Der kommuaistische Ortsangeslellte des Melallarbeilerverbaades in Eilcuburg. der sich gegen die irrsinnigen Parolen der Pe- zirksleiknng der SPD. in halle gewandt and sich mll der Zentral- stretkleikung der Melallarbeller solidarisch erklär« hatte, ist gestern ans der SPD. ausgeschlossen worden. Künstliche Arbeitslosigkeit? Die Wirtongen der Arbeitslosenversicherung. Unverständliche Angriff« auf das Arbeitslosenver- sicherungsgesetz mehren sich seit einigen Tagen in der büroer- lichen Presse. Man weist darauf hin, daß dos neue Arbeitslosen- Versicherungsgesetz insolge seiner milderen Unterstützungsbestimmungen ein« Vermebrung der Arbeitslojigkeit hervorgerufen habe. Davon kann aber bei einer genaueren Prüfung der Dinge kein« Rede sein. Die schlechten Witterungsperhältnisse in den letzten Wochen, vor ollem der häufige plötzliche Wechsel zwischen Frost und Nässe haben begreiflicherweise die Arbeiten im Baugewerbe und in der Landwirtschaft fast völlig lahmgelegt. Ueber diese sozusagen natürliche Vermehrung der Arbeitslosigkeit hinaus soll nun noch eine „künstliche" Steigerung der Arbeitsloscnzifscr eingetreten sein. Es drängen sich angeblich ungewöhnlich viel Arbeitskräst« der Land- Wirtschaft zur Unterstützung. Die Beschwerden über eine bis zu einem gewissen Grade miß- bräuchliche Inanspruchnahme der Unterstützung durch landwirt- schaftliche Arbeitskräfte sind nicht neu. Die Reichsanstolt ist zurzeit bereits dabei, die Dinge nachzuprüfen. Der zweite An- griff richtet sich gegen die Beseitigung der früher vorgeschriebenen Bedürftig de i t s p r.üf u.n g. Die Kritiker übersehen dabei, daß »der Wegfall der Bedürsngkeitsprüsung nur tn der Statistik, nicht aber in der W i r kl ich k e i t eine Steigerung der Arbeits- losenzifser hervorgerufen hat. Früher konnten nicht alle Ar- beitsloscn zahlenmäßig so erfaßt werden wie jetzt. Man hat wohl die Unterstützten gezählt, ober nicht die tatsächlichen ar- beitslosen Arbeitskräfte. Das Ziel des Reichstags bei der Schaffung der Arbeitslosenversicherung bestand aber gerode darin. möglichst all« Arbeitslosen der Unterstützung teilhaftig werden u lassen, da ja auch alle Arbeitnehmer, wenn sie in Arbeit stehen, Z e i t r äg e zur Versicherung zahlen. Bon einer künstlichen Vermehrung der Arbeitslosigkeit durch das Arbeits- losenversicherungsgefeg kann aber nicht gesprochen werde». Die neuesten Zahlen geben nur«in zuverlässigeres Bild von dem wirklichen Stand der Dinge. Die Wartezeit. Oer Tag der Anmeldung ist anzurechnen. In der Frage, ob bei der Arbeitslosenversicherung der Tag der Anmeldung in die dreitägige Wartezeitsrist einzu- rechnet ist oder nicht, d. h. ob also praktisch eine Drei- oder Viertagewartczeit in Frage kommt, hat die Reichsonstall für Arbeitslosenversicherung soeben eine Entscheidung getroffen. Die Reichsanstalt hat nichts dagegen, wenn derTagderAnmel- düng in die Wartezeitfrist eingerechnet wird und von den Arbeitsämtern die für die Arbeitslosen günstigere Regelung getroffen wird. Gelbe Gründerei. Das Zieichsarbeitsministenum als Geburtshelfer? Die gelben Elemente unter den Konditorengehilfen wollen einen neuen Laden aufmachen. Zu diesem Zweck brauchen sie Dumme. Daher ihre Ankündigung, daß für die gelernte Gehilfenschaft eine „Altersversicherung" geschaffen werden joll. Die Erfahrung der Gehilfen, daß die guten.Herren Chefs" rücksichtslos die alleren Arbeitskräfte auf der Straße verkommen lassen, wenn sie abgenutzt sind, schreckt. Man bekommt es mit der Angst zu tun und daher taucht der auch von den Innungen genährt« Gedanke auf, für die gelernten Konditoren eine Altersversichcrungskasse zu errichten. Der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter- o e r b a n d. die neue große Jndustrieorganifatio», hat eine solche Unter st ützungseinrichtung geschaffen, die gut fundiert und gesichert ist. Nun glaubt eine lächerlich kleine Gruppe gelernter Konditoren ein Konkurrenzunternehmen aufmachen zu können. Diesem Zweck soll der„Reichsbund" der Gehilfenvereine dienen, den man End« Januar auf einer Konferenz in Berlin er- richten will. Höchst merkwürdig muß es berühren, daß die Gründung gelber Zwerggebilde auch im Reichsarbeitsmini st erium unterstützt wird. Wie aus der Tagesordnung für die Berliner Grün- dungskonferenz hervorgeht, ist ein Reserentaus demReichs- arbeitsministerium für die Allersversicherungsfrage ge- wonnen worden. Im Reichsarbeitsministerium gibt es scheinbar also Beamte, die sich bemüßigt suhlen, gelbe Zwergorganisationen in ihren Zersplitterungsplänen zu unterstützen. Lahresverfammwng der poliere. Der Bezirksverein Berlin des Polier-, Werk- und Schachtmeister- bundes für das Baugewerbe hatte am Millwoch abend in den Sophiensälen eine außerordentliche Generalversammlung, in der zunächst der 1. Vorsitzend« Genosse Fäsler den Geschäftsbericht für das Jahr 1927 gab. Er gab erst«inen kurzen Rückblick auf die Entwicklung der Wirtfchost und die damit zusammenhängend«» Ä r b e i t s k ä m p s e, die vielen Unorganisierten den Anstoß gaben, sich in die Front der gewerkschaftlich Organisierten einzureihen. An dem allgemeinen und nicht unerheblichen Ausstieg der deutschen freien Gewerkschastcn ist auch der Polierbund beteiligt. Der Berliner Bezirksverein hotte an, Jahresschluß 955 Mitglieder gegenüber 876 zu Beginn des Jahres, also eine Zunahme von 79 Mitgliedern. Bedauerlich ist es aber, daß im Lause des Jahres ollein 52 Mitglieder wegen restiercnder Beiträge gestrichen werden mußtcr Daß die Baukonjunktur im Vorjahre nicht so gut war, wie es zu Anfang des Berichtsjahres allgemein erwartet wurde, zeigte der Bc- richterstatter an den verhältnismäßig hohen Zahlen der st e l l u n g- suchenden Bundesmitgliedcr. Das Berichtsjahr begann in Berlin mit 239 Stellungsuchenden, welche Zahl sich bis Ende Februar 1927 noch auf 243 erhöhte. In den Sommermonaten, in denen sonst in, Baugewerbe Hochkonjunktur herrscht, ging diese Zabl nie unter 90 herunter. Am Jahresschluß waren schon wieder 159 Bundesmit- glieder in Berlin stellungslos. Ein Zeichen vorbildlicher Solidarität ist«s, wenn trotzdem berichtet werden kann, daß stets ein großer Teil dieser Stellungsuchendcn durch Bundesmitglieder als Hand- arbeiter auf den Bauten Beschäftigung fand. Genosse Fäsler kam dann noch kurz auf die sozialpolitischen Borgänge des Berichtsjahres und die Verbandsarbeiten zu sprechen, wobei er noch mitteilte, daß aus Beschlliß des Bundesvorstandes mtd des Beirats am 1. April dieses Jahres die Berüfskrankenkoss« der Pollere ins Leben gerufen wird. An dem vom Genossen Hoppe gegebenen Sassenbericht wurde kritisiert, daß er nicht schrifttich vorgelegt worden sei. was der Vorstand»n nächsten Jahr zu tun versprach. Die anschließenden Wahlen ergaben die e t n st i in m i g« Wiederwahl des 1. Bor- sitzenden Genossen Fäsler, des 2. Vorsitzenden Genossen Micke- l e y, des 1. Kassierers Genossen Hoppe, des 2. Kassierers Genossen Scheibe, des 2. Schriftführers Genossen B e r ch. Der 1. Schrisi- sichrer. Genosse Veit wurde gegen 8 Stünmen gewählt, die auf seinen Gegenkandidaten entfielen. Die Versammlung nahm dam, «och die Wahl der Beisitzer, der verschiedenen Kommissurnen und der Delegierten zum Bundestag vor. der vom 7. bis 9. April in Hamburg stattfindet._____ Weitere Aussperrungen in Schweden. Stockholm. 26. Januar. Am Montag werden 18 000 Sägewerksarbeiter ausgesperrt. Im Zellulosetonflitt stimmten 7000 Arbeiter gegen und 3000 für den Schiedsspruch. Di« Arbellgeber haben den Schieds- spruch angenommen. Der streik ist unvermeidlich. Die Verhandlungen im Effengrubenkonflikt werden fortgesetzt. B«iortlich kü: Politik: De. fiuit Saiu; Wirtschaft:». Rli,g»ltzö!cr: Sewertschoflsbeweaung: J. Stci»«: KuiiUtto,::». K. Cilchu; ßofcU» und so" tmt■—■ Perloj und titiiu 1«tilofl«. Gegr. 1903 Aette» Mlm Kurf. 7704 W 30, aiedtltautroo« 47. am WUilerlr.UUplatz Föil-Fedcrn, pr-i. m..«o. 3.50, 2.00, 1.25 knl€f1,6C5lr. ,30/200 M. 14.00, 115/200 ,2.00.80/30 3.20 NetsUtzLlt. 80/180, 33 mm BCgcl u. 16Zugfed. 22.00 &Uir.r«d'oesitz zugute, der bei der Rechtsregiermig eine besondere Förderung genießt. Ebenso kann jedoch die großstädtische Bevölkerung den Anspruch erheben, daß sie zur Bewältigung der produktive» ond sozialen Aufgaben dos Recht der Airleiheaufnahme durch die Städte erhält. Geschieht das nicht, so fft für eine gewisse Zeit sogar noch«ine weitere Schrnäierung der finanziellen Leistungsfähigkeit der Städte zu er- warten. Erfahrungsgemäß dauert es nämlich sehr lange, bis große landwirtschaftliche Ausländsanleihen abgeschlossen werben. In der Zwischenzeit ober will die Regierung dem ohnehin beschränkten Kapitalmarkt noch weiter« Hurrderinnllionenbe trage entnehmen, um damit die sogenannt«.Umschuldiurg" in der Land Wirtschaft durchzuführen. Geschieht dos, so werden mindesten» vorübergehend die ohnedies teuren Zinssätze noch weiter steigen. Die Aussicht, daß dann für die kommunalen Produkt! onsirnternehmungen und für den Wohnungsbau Kapital im Inland bereitgestellt werdon kann, wird damit um so geringer. Man muß also jetzt mit verstärktem Nachdruck di< Forderung erheben, daß die Reichsregierung endlich ihren Widerstand gegen die Auslandsanleihen der Städte aufgibt und daß die dafür eigens eingerichtete Perotungsstell«, die so lange stillgelegt war, endlich ihre Tätigkeit wieder beginnt. Fmauzamt vergleicht sich mit Spritwcber. Wie wir kürzlich berichteten, führen die drei Brüder Weber untereinander Prozesse um die Werte, die das Finanzamt, dos bei der Einleitung des Verfahrens alle ihnen gehörenden V e r- mögensteile beschlagnahmte, nach dem Urteil der ersten Instanz zurückzahlen mußte. Das Landessinanzamt hotte dabei auch dem einen der Brüder 399999 Mark ausgezahlt, in der Annahme, daß diese Summe den beiden anderen Brüdern zugeleitet werden würde. Der ölte st e Spritweber weigerte sich jedoch, seine Brüder nach dieser Richtung hin ,zu entschädigen, und so haben Hein- rich Weber und sein jüngerer Bruder nun das Finanzamt ver- klagt. Inzwischen hat das Reichsfinanzministerium sich um die An- Gelegenheit bekümmert und auf dieses Eingreifen ist es wohl zurück- zuführen, daß das Finanzamt jetzt in einem Falle sich mi: Heinrich Weber und besten Bruder geeinigt und ohne die»ach« vor Gericht auszutragen, ihnen eine Vorentschädigung in Höhe von 29 990 M gezahlt hat. Ob die gesamten Anspriicke der Brüder ans diesen, Wege reguliert werden, steht allerdings noch nicht fest. Schwerer Unfall bei Pintsch. Im Betriebe der Oelgaswert« Julius Pintsch 21.-0. in der Saooner Straße zu Rummels bürg, wo sich, wie noch erinnerlich, vor einiger Zeit eine oerhüngnisiolle Explosion er- eignete und einen Teil der Werke in Trümmer legte, trug sich heute vormittag wieder ein schwerer U n s a l l z u. Der 28sährige Gas- ineffter Heimu, G r u n d aus der R y k« st r a ß e und der 47jöhrigr Arbeiter Mar K r a m l o w s k y aus der T r e s k o w a l l c e zu Kartshorst waren mir R- i n> q u n g s a r b e i t e n an einem Generator beschäftigt. Plötzlich schlugen mehrere meterhohe St kch flammen hervor. Die beiden Arbeiter wurden von einer Flamme erfaßt und erlitten am Kops schwere Brandoerletzungen. Die Zlerunqlückten wurden in das Elisabethhospital in Oberschöneweide übergeführt, wo ihnen Ztotoerbände angelegt wurden. Do zum Glück Lebensgesahr nicht besteht, konnten beide in ihre Wohnungen gebracht werden. Die Ursache d-s Unglücks und die Schuldfroq« ist noch ungeklärt. Der Rrchtsausschuß de» Oesterreich-Deutschen Volksbunde, ver- anstaltet einen Vortragsabend Montag, 39. Januar. Z9 Uhr. rm Reichstogsgebäube, Saal 31, Eingang Portal 8. Ministeriol- direktor Dr. Falck, Präsident des Bundesamts für da» Heimat. Beim Hundertjährigen in Buch. Das Leben eines Landarbeiters. Dos kleine Buch ist so recht das stille Dorado der Alten, die, vom lauten Trubel der Welt abgeschlossen, hier ihr Dasein, so gut es eben noch gehen will, verbringen. Zlul der einen Seite der Bahn die große Lungenheilstätte und das Schnitterasyl, auf der anderen Seite das Hospital. Der schöne, stattliche Bau, inmitten eines großen Gartens, beherbergt zurzeit gegen 1899 Menschen. Wer es noch kann, der spaziert, frei oder an Stöcken, ein wenig im Garten umher, ganz Rüstige arbeiten sogar noch in den verschiedenen handwerklichen Werkstätten mit und verdienen sich zu ihrem monatlichen Taler Taschengeld oft noch einiges hinzu. Ein Schncidcrlcin, weit über die achtzig, fitzt noch emsig und stichelt und legt sogar für sein Alier eine besondere Geschicklichkeit an den Tag. In hellen, freundlichen Stuben für je acht Insassen, wird geplaudert, die Zeitung gelesen, auch ein wenig politisiert, oder sonstwie die Zeit vertrieben. Dos ruhige, pünktlich geregelte Leben bekommt den Wien recht gut und es gibt Insassen, die bereits 19- und inehr Jahre hier ihr Leben zu Ende führen. I» diesen Tagen begeht nun der Senior der Anstaltsinsassen, der Arbeiter' Valentin Ldamszak, seinen hundert- jährigen Geburtstag. Stillvergnügt sitzt der Alte, seine Fellmütze, vo» der er sich Tag und Nacht nicht trennt, auf dem Kopfe, aus einem Stuhl und gibt bereitwilligst mit Hilfe eines polnischen Dolmetschers Antwort auf olle Fragen. Vor allem fühlt er sich körperlich wohl, bis aus die Beine, die nicht mehr mitmachen wollen. Er ist geistig außerordentlich lrisch, weder gedächtnisschwach noch griesgrämig, und hofft nach auf ein sehr langes Leben. Er scheint aus einem kräftigen Stamm entsprosten, denn seine Mutter erreichte ein Liter von 1l9 Iahren, seine Großmutter wurde sogar gegen 129 Jahre alt. Seine Frau hat er längst begraben, von näheren An- gehörigen lebt noch sein« Tochter, die ebenfalls schon siebzig zählt, und einige Enkelkinder. Aus seiner langen Lebenszeit erzählt der Alte. Ein bißchen mühsam wird es ihm. Er ist vom vielen Aussragen und von der Hochflut der Photographen recht ob- gespannt. Er hat sich in? Bett gepackt, die geliebte Fellmütze wie immer auf dem Kopi. Er ist am 3 9. I a n u a r 1 8 2 8 in Wussowen, Kreis Migelno, Provinz Bosen l heute Polen), als armer Leute Kind geboren. Wieviel Geschwister er hatte, das weiß er heute nicht mehr so recht. Ihm ist bloß seine einzige lebende Tochter von 79 Jahren im Gedächtnis und seine Enkelkinder. Zurieft des polnischen Aufstondes gegen 1832 war er also vier Jahre oft, und er weiß bloß noch, daß die Leute in der Gegend erzählten von den Insurgenten, die„viel Unruhe" über das Land gebracht hötten, denen aber spater die Russen Nase und Ohren abschnitten. In späteren Jahren los er fleißig die Gazetten, die polnischen Landeszeitungen. Sein Brot verdiente er sich als Stroßenarbeiter, hauptsächlich"als Saisonarbeiter in Ziegeleien durch Ziegel st reichen. Eine feste Wohnung hatte er nicht, sondern er zog im Sommer, wo es Arbeit gab, von Ort zu Ort, und im Winter mußten dann die ersparten Groschen zum Lebensunterhalt reichen. Dan» zog man heiniwärts in das polnisch« Gebiet. K i c n s p ä n e wurden gesammelt, die Splitter im Kamin angeordnet, und bei diesem trübseligen Licht ver- richtete man seine Arbeit, las ein Buch oder was es sonst zu tun gab. Später gössen wir uns schon selbst To lg lichter,"und wieder einige Jahre nachher gab es schon die Funzel,«ine Schale mit Rüböl. Don den Anfängen der Eisenbahn weiß er nicht viel zu erzählen. Er brauchte keine. Denn olles ging auf Schusters Rappen. Vor dem Krieg war er stchs Jahr« im Altersheim eines Iesuitenklastcrs in sein« Heimat. Seit 1917 lebtcrin Buch. Er versteht wohl etwas deutsch. Mit dem Sprechen wird's aber schwer, und ein Dolmetscher vermittelt die Konversation. Er hat sein ganzes Leben lang viel gearbeitet und wqr und blieb auch immer ein armer Teufel. Aber die Welt gefällt ihm trotzdem recht gut. Und wenn nicht die Beine so sehr schmerzten, so häite er unter Alterserschcinungcn nicht mal allzu sehr zu leiden. Er kam sein ganzes Leben aus seiner Heimat nie heraus und all dos große Welt- geschehen, dos in seiner Lebenszeit vor sich ging, kennt er fast nur vom Hörsagen und ein bißchen aus den Zeitungen. Der Hundertjährige ißt morgens sein Süppchen, eventucll ein Ei, Mittag nichts und nachmittags wieder eine Kleinigkeit. Brötchen, noch lieber aber.Kuchen, eingestippt in etwas Flüssiges, sind seine Lieblingsspeilen. Ab und zu gibt es auch ein Gläschen Wein, und als man ihm anläßlich seines Geburtstages eine ganze Flasche Obst- wein in Aussicht stellte, lächelte er verschmitzt und meinte:„Na, Kognak wäre mir lieber!" Außer ihm haben noch einige andere Insassen des Heims tas� 99. Lebensjahr weit überschritren Freud und Leid gehen hier gart' still aus und ein. Es liegt ein tiefer, abgeklärter Frieden über all diesen Menschen, die nicht mehr Kämpfer, sondern nur Dulder sind. wesen, wird über„Doppelte Staatsangehörigkeit für Deutschösterreich und Reichsdeutsche" sprechen. Eintrittskarten(frei) nur im Bureau des Volksbundes, Berlin NW. 49, Kronprinzenufer 19.__ Oer falsche„Schüttler". Er verdiente täglich 20— 25 Mark. Mit dem alten Bettlertrick des„Schüttlers" liatte sich der arbeitslose Erich Siros« ein Wohlleben' oerschafft. Der junge, krästigc Bursche hatte keine Lust zur Arbeit und übte on belebten Straßen- Zügen das Gewerbe des„Schüttlers" aus, obwohl er kerngesund war. Sein Bruder Willi und seine Braut Else dienten ihm als Auspasser für den Fall, daß«in„Grüner" auftauche,> sollt«. Dos Geschäft war recht emtröglich, denn es brachte täglich 29 bis 23 Mark ein, manchmal sogar noch viel mehr. Dem- entsprechend lebte das Brautpaar nach getaner„Arbeit" in Saus und Braus, nächtigte in Hotels und ließ sich die besten Speisen und Gc- tränke austischen. Dogegen wurde der Bruder nur mit einer Mark täglich abgespeist und mußte im Asyl ftir Obdachlose nächtigen. Aus Aerger über den Geiz seines prastendcn Bruders brachte er schließlich den Gaunertrick zur Anzeige, mußte dann ober wegen Beihilfe schließlich mit auf die Anklagebank. Es ließ sich dem „Schüttler" mir«in Betrugsverluch nachweisen, und er erhielt vier Monate Gefängnis, der Bruder zwei Monat« und die Braut einen Monat. Das Gericht gab jedoch ollen drei Angeklagten, die bisher noch nicht vorbestraft waren, Bewährungsfrist. Der G«sautomat als Natkassc. Zur Warnung dürste der Fall der Frau II. dienen, die sich vor dem Schöffengericht zu verantworten hotte. Sie hatte zweimal den Gasauto in aten in ihrer Wohnung geöffnet und diesen des Inhalts beraubt. Im ganzen hott« sie dabei etwa 22 M a rk e rb e ute t. In einem dritten Fall« konnte ihr der Einwand, daß es durch ihre frühere Uniermieterin geschehen sei, wodurch sie erst aus diesen Trick gebrocht worden sei. nicht widerlegt werden. Die beiden nochgewiesenen Fälle bewertete das Schöffengericht als schweren Einbruchsdiebstahl. Da die Angeklagte schon zweimal wegen Diebstahl» vorbestraft ist, lag Rückfall vor, und sie wäre um«in Haar ins Zuchthaus gekommen, wenn dos Gericht ihr nicht nochmals mildernde ilmstände bewilligt hätte. Immerhin blieb als Mindeststroite für jeden Fall ein Jahr Gefängnis, und das Gerickt zog die beiden Einsatzstrasen zu einer Geiaintstros« von 1 Jahr 2 Monaten Gefängnis zusammen, wobei berücksichtigt wurde, daß die Angeklagte aus Rot gehandelt hat. Ihr Ehemann befindet sich nämlich soft dauernd im Gefängnis. Ein« Bewäh- rungsfr'rst wurde der Angeklagten zunächst nicht bewilligt. Vermißte Bücher in der Stadtbibliothek. Die Direktion der Stadtbibliothek teilt mit: Bon nichtamtlicher Stelle werden Mitteilungen verbreitet über Entwendung wertvoller Bücher in größerem Umfange in der Stadtbibliothek. Richtig ist, daß neuerdings bei der Auinohme der Bestände einzelne Werke vermißt worden sind. Hierbei handelt es sich n i ch t u m o e l o n- ders wertvolle Bücher. Der Magistrat hat sofortig« Untersuchung eingeleitet/ die noch nicht abgeschlossen ist. Drei Tage Verl»« für SO Mark. Das Mitteleuropäische Reisebureau G. m. b. H. (Wer) Berlin imtermmmt jetzt«ine Werbung für den Be- such Berlins im In- und Ausland«. In einem besonderen, mit wirkungsvollen Ausnahmen von Berlin geschmückten Prospekt wird ein dreitägiger Ausenthalt in Berlin einschließlich Unterkunft und voller Verpflegung in guten Hotels und Restaurants sowie einer Reihe von Bergünstigungen für 39 M. angeboten. Die Benutzer dieser Pauschalreise können kostenlos eine Rundfahrt durch Berlin unternehmen:, ein ö-Uhr-Tee im Hotel Excelsior oder im Kroll-Garten ist in dem Pauschalpreis ebenfalls«inbegrissen. Für den Besuch der Theater, u. a. der Städtischen Oper, der Reinhordt-Bühnen und des Großen Schauspielhauses, de? Wintergartens und des Zirkus Dusch werden aus Grund des Guffcheinheste» Ermäßigungen bis zu 39 Proz. gewährt. Auch bei Rundflügen über Berlin, bei Benutzung der Stern-Dampfer, denn Besuch 5er Trabrennbahnen Mariendorf und Ruhleben, beim Besuch der Schlösser und Museen und bei anderen Gelegenheiten erhält der Inhaber des Gutscheiichestes besondere Vergünstigungen. Vrandstistung! Sie ging lächelnd davon... Unter dem dringenden Verdacht der Brandstiftung ist gestern eine 38 Jahre alte frühere Kronkenpslegerin Martha Gr. festgenommen worden. Die Verhaftete führte seit einem Jahre einem Tischler G. in einer Wohnlaube der Kolonie„Feuchter Grund" in Heinersdorf die Wirtschast. Sie hatte gehofft, daß der Tischler sie heiraten würde. Das Verhältnis trübte sich jedoch, weil sie seit einiger Zeil dem Alkohol etwa» zuneigte und dcohald die W inj che st vernachlässig.«. Deswegen gab es schon häufiger Streit. Während der Tischler am Montag aus Arbeit wor� sahen Nachbarn, wie aus der Wohnlaube an zwei Stellen zugleich Flammen herausschlugen. In demselben Augenblick kam Martha Gr. angezogen aus der Laube heraus und ging lächelnd davon, ohne sich weiter um den Brand zu kümmern. Die Wohnlaube brannte vollständig nieder. Die Wirt- schaften» war seitdem verschwunden. Einer der Nachborn, die an ihr einen Petrolcumgeruch wahrgenommen hotten und glaubten, daß sie auch etwas angetrunken gewesen sei, sah sie gestern in Pankow auf der Straße und veranlaßt« ihre Festnahme. Bor der Kriminal- Polizei bestritt sie, dos Feuer absichtlich angelegt zu haben und bc- hauptct«, daß gespaltener Kien, der aus dem Ofenrohr gelegen habe, ohne ihr Zutun in Brand geraten sei. Die Laube sei plötzlich voll Qualm gewesen und ihre Bemühungen� das Feuer zu löschen, hötten keinen Erfolg gehabt. Die Verhaftete ist jedoch durch die De-- kundungcn der Nachbarn so schwer belostet, daß sie heute dem Unter- suchungsrichter vorgeführt wird. 90 Jahre alt wird heute, Donnerstag, Frau Auguste Ja en sch, Eharlortenburg,.Ko!scr-Frtc-drich-Str. 7L. Die Jubilarin gehört zu de» ältesten Lesern de?„Vorworts".— Unsere Portetmitglssder Paul und Elisabeth Scheibe, Neukölln, H ermann st r. 49, feiern in diesen Togen ihren 60. Geburtstag. Vankiersiragödie in Goiha. Mord und Selbstmord wegen verfehlter Spekulationen. In Gotha spielte sich eine entsetzliche Fomilientragödie ab. Dort erschoß der'Bankier Heinrich D r o st e seine Frau, seine beiden kleinen Kinder und sich selbst. Als Grund für diese entsetzlicki« Tat werden verfehlte Spekulationen angegeben. D. war Inhaber einer Effektenbonk, der Gothoer Privatbank Droste u. Eo. Wahrscheinlich Hot ein« größere Anzahl von tleinen Sparern durch Droste große Einhußen erlitten._ Eisenbal, nunfall bei Dedettha«sen. Die O- Z ü g e 7 und 13 a u s Köln, O 173 aus 2l m st e r- d a in und der Luxus zug aus Paris trafen heute früh zum Teil mit last d r e i st ü» d i g e r Verspätung in Verlin ein. Die Ursache der Störung lag in der E n t g l e i s u n g eines Güterzuges aus dem Bahnhof Dedenhausen aus der Strecke Köln— Berlin. Die Hauptgleise nach Berlin waren ziemlich drei Stunden gesperrt. Nach Beendigung der Aufräumungsarbeiten konnte der Verkehr wieder aufgenommen werden. Vorträge, Vereine und Versammlungen. W Reichsbanner»Schwarz-Rot-Gold" E« s Sl ä f t s st e I l e: Dcrli» S. 14, Tcbastwnstr. 37/38, Hof 2 Sr �l>. 3ansat. ZrieSrichaHain, Nam»radsch.7 Uhr Gchustsportststung hei Hoch, Marien. bort. Ehauisee-, Ecke Vrithssiruste. Lichtenberg. Kamernifchoft Gustav Tepivei: 30 Uhr.iii g 3 uni 6 Zugntzunq in be» olirn Bertehralokalen. Kamerod�af Traveplatz: 38 Uhr Sitzung bei Seipte, Kronprinzen-, Ecke Scharumeberftrost- Bortrag Kam. Schlicht.— Pineoahogeii.Freberakort: Sonnabend, 38. Januar 30 Uhr«ennraloertantnüijBg im„All»» SesTauet*. Zahreabertcht bea Bor stanbes, Kassenbericht. Aeuneohlen. AnteSge und Bertchieienea- Erscheinen an- Kiitneeubm Bststcht. II llill am iiiii k pMstße Aeuordnung im Orient fyxt auch ias M�schchsloSon öLsjerLaabs?. brnn KöMchßv GaSe k«'DlKak M vöMg umgestalM. Eine moderne HöRerWaudenmg verpstmzte mit' zahllosen(M§» gemewschajwn muh ganze Tdbakkvünren von einem Gebiet- ins audere.�� �ii-IeMiMchkmg mtaSafAt den(lhef uujimsHmjes at» führmö«» �aWhnmm.!�»mmVaMmP mHrmooatiz«' Vri«dicht Mßudiereu«od ö« ÄßmigsMigm Zaöakbmuml«meAusmahtM» isr dm eö«Pm Sortm persönlich zutr�m.Wirsiud txmüt m derLlg» Ul�MniMrtmMarkmwMer