Morgenausgabe Nr. 45 A 23 45. Iahrgang WocheMNch n Pfenn,� monaMch S—?teichsmart«m voraus zohlb«. Unter Streifband»w In- and Aus» iand H.50 Reichsmark prr Monlit. Der.vorwärts' mn de»»lluftn«» ten EonnlagsbeUage.VoU und Zeit� toroie den Beilagen.Unterhaltung und Wiffen".Aus der gilmwcU* .Stadtbeiloge-.Frauenstimme", .Der Äinderfreund".Iugend-Dor« warts".Blick«n die Bücherwelt". .Kulturarbeit" und.Technik" erscheint wochentäglich zweimal. Sonntag» und Momag» einmal. �G> Vcrlmev Vowsbiatt Kreitag 27. Januar 1928 Groß-Serlin 1F Pf. Auswärts 45 ps. Dl» fiiiftaltig« 80 Pfennig Reklamezeile 5- Reichs» mark.Stictne Anzeige»" das iettge» druckt» Won 2b Pfennig(zulässig zw« fettgedruckte Wone). iede» weitere Wort 12 Pfennig Stellengesuche da» erst» Won IS Pfennig, zede» weiter» Wort !Q Pfennig Wone über 15 Buchstaben zählen für zwe» Won» Ardeitsmark» Zeile SO Pfennig Famtlianzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig Anzeigen» annahm» im Hauptgeschäft Linden» Vratze 3. wochentägl vov S»/, dt» 17 Uhr. JmtteawLsaK der GsziaVemoSratischen Vavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstratze 3 Fernsprecher: Tönhoss AS— 287 Tclegramm-Ädr: Sozialdemokrai Berlin Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 375ZK— Bankkomo: Bank der Ardetter. Angesielllen und Beamten Wallstr. W Dtikonto-Gesellschaft. Deposiieniasse Lindenstr 3 Der Skandal um Dr. Luther. Vergebliche Vernebelungsversuche.— Die Bezüge des Or. Luther. Die Presse der Rechten sucht den Skandal Lucher weiter totzu- schweigen— mit Ausnahme der„Deutschen Allgemeinen Zeitung", die pflichtgemäß den Versuch gemacht hat, den Skandal zu vernebeln. Zur Emlastung des �errn Dr. Luther hat die„DAZ." in ihrer Nr. 40 behauptet, der Feldzug gegen Luther werde von der Linken „nicht ohne Spekulation aus die Voltsleid'enschaft des Neides" so dargestellt,„als ob die Lösung des Streitfalles nur oder hauptsächiich daran scheitere, daß Reichskanzler a. D. Luther nicht auf die Ein- nahmen aus seiner Tätigkeit im Derwaltungsrat verzichten wolle". Sie fährt dann fort:„Sie verschweigt aber dabei. daß diese Bezüge Herrn Dr. Luther aus seineReichskanzler- Pension angerechnet werden!" Diese Bemerkung scheint nicht ohne Spekulation auf die Un- kenntnis des Publikums mit dem gellenden Pensionsrecht entstanden zu sein. Sie sucht die Dinge so darzustellen, als ob Herr Lucher aus reinster Selbstlosigkeit auf seinem Posten bei der Reichsbahn beharre, ohne einen materiellen Borteil davon zu haben. Diese Ve- merkung täuscht die oeffenttichkeit über die wahren Verhältnisse hinweg. Herr Dr. Luther bezog vor seiner Ernennung zum Berwaltungs- ratsmitglied der Reichsbahn als Reichskanzler a. D. eine Pension von jährlich 23 IIS Reichsmark. Bon der Reichsbahn be- zieht er jährlich 24000 Reichsmark, zusammen also 47 IS M. Da ober die Einnahme au» der Reichsbahn ein Bezug aus öffent- lichen Mitteln ist, so darf sie nach 8 57 des Reichsbeamtengesetzes zusainmen mit der Pension das Dicnsteinkommen nicht übersteigen, da» dem Reichskanzler am Tage seines Ausscheidens zustand. Dieses Diensteintommen Dr. Luther» betrug am 13. Mai 1S26, dem Tag seine» Sturzes über den schwarzweißroten Flaggen- flondal. 36 750 M. Dr. Luther bezieht setzt nicht mehr 23 IIS Reichsmark Pension. sondern nur noch 12 750 M., dazu aber ungekürzt die Bezüge als Derwaltungsrat der Reichsbahn, zusammen 36 750 Mark. Die Stellung des Heren Dr. Luther im VerwaltungK- rat der Reichsbahn garantiert ihm also bis zum Jahre IllZl das volle Gehalt, das er bei seinem Ausscheiden als Reichskanzler bezogen hat. Er bezieht also seht 13 635 TNcrrk mehr als vor seiner Berufung in den Verwaltungsrat der Reichsbahn. Die Darstellung der„Deut- schen Allgemeinen Zeitung" hat die Bezüge Dr. Luther» als Ber- wallungsrat der Reichsbahn vollständig oerschwinden lasien. Die Oestentlichkeit erkennt jetzt, wie die Dinge finanziell liegen: Herrn Dr. Luther ist auf sechs Jahre sein Gehalt garantiert worden— aus Kosten des Rechtes Preußens. Dem Verdienst die Medaille! Der am Donnerstag in Breslau abgehaltene 9. Schlesisch« Landbundtag hatte sich als Hauptreferenten den ehemaligen Reichskanzler Dr. Luther erkoren. Dar Eintritt in die Tagesord- nung wurde ihm unter dem Hinweis darauf, daß während seiner Regierungszeit wenig st ens einmal«ine Art Diktatur geherrscht hat, die Verdienstmedaille de» Schlesischen Landbundes überreicht. Dann legte S u t h e r los. Er zeterte trotz seines 700.Millionen- Geschenks an die Industrie nicht nur gegen die mangelnd« Sparsam- keit der Behörden, sondern auch gegendiesozialeFürsorge. Anschließend eiferte ihm der Dorsitzend« des Schlesischen Landbundes, Freiherr v. Richthosen, noch. Er wünschte, daß keine neuen Schulpalaste entstehen, und forderte ebenfalls, daß die Uebersülle von Berpflichtungen aus der Sozialgesetzgebung endlich aufhöre. Don der Arbe-telosenunterstützung sprach er als von einer peroersenPlage.die nur geeignet sei, den Arbeltswillen weiter zu schwächen. Außer der Sozialdemokratie wurde auch der Klein» bauernbund in der übelsten Weise beschimpft. Die Tagung endete mit einer Entschließung gegen den Abschluß eines Handelsvertrages mit„dem untervalutorifchen und sozial rückständigen Polen". Die Entschließung richtete sich offensichllich gegen die Außenpolitik Stresemanns Reuer Kurs in Oanzig. Das Regierungsprogramm der Linkskoalition. Oanzig. 26. Januar.(Eigenbericht.) Im Namen der aus Sozialdemokraten, Deutschliberalen und Zentrum neugebildeten Regierung gab Senatspräsidenl S a h m ein« Regierungserklärung ab. Als oberster Grundsatz wird die ver- trauensvolle Zusammenarbeit mit dem Bölkerbund bezeichnet. Die Regierung sieht ferner als ihre vornehmste Aufgabe an. einen Fortschrill in der Entwicklung des Derhältnisies zwischen der Freien Stadt Danzig und Polen herbeizuführen, damit den wirtschaftlichen Bedürfnislen beider Staaten genügt werden kann. Sie appelliert dabei an den Berständigungswillen Po- t e n s. der kürzlich durch Erklärungen des polnischen Außenministers unzweideutig zum Ausdruck gekommen sei, und stellt sich loyal aus den Boden der in Versailles geschaffenen Verhältnisie. Darüber hinaus soll die Erhaltung und der Ausbau der zwischen dem Deutschen Reich und der Freien Stadt Danzig bestehenden kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen für den Senat eine selbstverständliche Pflicht sein. Vor allem legt die Regierung auch Wert auf Teilnahm« an den deutsch-polnischen Handelsoertragsverhandlungen, um ihre Interessen wahrnehmen zu können. Sie will ferner darauf bedacht sein, die alten Handelsbezichuägen mit Rußland und den davorliegenden Ost- staaten wieder herzustellen. Angesichts der unsicheren Wirtschafts- tage und der bestehenden Arbeitslosigkeit soll die Danziger Wirtschast geschützt und gefördert und insbesondere die Konkurrenzfähigkeit Danzigs als Handelsplatz erhalten und gestärkt werden. Dabei wird der Ausbau des Danziger Hafens an erster Stelle stehen. Innenpolitisch beabsichtigt der Senat, dem Volkstag baldigst G«> setzesentwürfe zur Durchführung der Verfassungsänderun- gen vorzulegen. Mit großer Sorgfalt soll an die Ordnung der Stoatssinonzen gegangen werden. Der bereits beschlosiene Abbau von 800 Staatsbediensteten wird bis zum Ablauf des Jahres er- soigen, ferner ist«ine Reform der Verwaltung vorgesehen. Die noch bestehende Einwohnerwehr wird schleunigst abgebaut. Auf sozialem Gebiet vertritt die Regierung eine Ausgestaltung des Arbeit»r«cht«s im Anschluß an die Reichsgeietzgebung. Die soziale Fürsorg« wird nach Möglichkeit ausgebaut. Einer Reurege- lung bedarf die Beschäftigung der polnischen Saisonarbeiter. In der Schul Politik wird der Senat die in der Verfassung festgelegten Sicherheiten streng einhalten und daraus bedacht sein, daß die Arbeit der Schule im Geiste des deutschen Volkstums und der Völker- Versöhnung erfolgt.— Die Besprechung der Regierungserklärung folgt Milte nächster Woche. Der Ausbruch des Krakatau. Eine neue Insel. Amsterdam» 2«. Januar. Drahtmeldungen aus Batavia zufolge ist heute mar- gen au der Stelle der Sundastraße(Niederländisch» Indien), an der die unterseeischen Ausbrüche des Jnselvulkans Krakatau erfolgen, eine neue Insel entstanden. Sabotage! Wer führt in der deutschen Wirtfchaflspolitik?. Im September vorigen Jahres stellte die B e r a t u n g s- stelle für Auslandsanleihen die Genehmigung zur Aufnahme neuer Auslandsanleihen der öffentlichen Hand, im besonderen der Kommunen, auf Betreiben des Reichsbankpräsidenten Dr. E ch a ch t ein. Daß die Frage der Anleihepolitik gegenwärtig in Deutschland zu den entscheiden- den Aufgaben der Wirtschaftspolitik gehört, daß auf die Dauer die Drosselung des Kapitalzustroms aus dem Auslande zur Erschütterung der Konjunktur und zu neuer Masten- arbeitslosigkeit führen muß, unterliegt keinem Zweifel. Das Reichskabinett hat entsprechend der Bedeutung dieser �rage sich bald nach Ausbruch des Konflikts in gemeinsamer ussprache mit dem Reichsbankpräsidenten mit dieser Kern- frage deutscher Wirtschaftspolitik beschäftigt. Das Ergebnis der Beratung vom 7. Oktober war eine Beröffent- lichung, an deren Spitze der Satz stand: „Bei dieser Aussprache wurde eine völlige Einmütigkeit darüber erzielt, daß für Deutschland auch in der nächsten Zukunft die Aufnahme langfristiger Auslandsanleihen nicht entbehrt werden könne und wirtschaftlich und sinanz- politisch durchaus berechtigt sei." Zur Verhütung der Anleiheaufnahme für nicht dring- liche oder unwirtschaftliche Ausgaben wurde eine Ausgestal- tung der Beratungsstelle für Auslandsanleihen angekündigt. Ende Oktober wurden die neuen Richtlinien über die Aufnahme von Auslandskrediten durch Länder, Gemein- den und Gemelndeoerbände festgestellt und von den Betei- ligten angenommen. Die Beratungsstelle nahm trotzdem ihr« Arbeiten nicht wieder auf. Der Reichsbankpräsident hielt seine berühmte Hetzrede gegen den Kommunalkredit. Aber anläßlich der sozialdemokratischen Interpellation über die Wirtschaftspolitik erklärte der Reichswirtschaftsminister Dr. C u r t i u s am 1. Dezember im Reichstag, daß die Notwendigkeit der Aufnahme von Auslandsanleihen feststehe, und daß das Reichskabinett unverändert auf dem Stand- punkt der oben erwähnten Erklärung vom 7. Oktober stehe. Der Reichswirtschaftsminister erklärte weiter, daß die Be- ratungsstelle die Konsolidierung des kurzfristigen Kommunal- kredits mit dem Ziel der Aufstellung eines Anleihebedarfs- planes der Kommunen in Angriff genommen habe, und daß auch der Reichsbankpräsident helfen wolle, eine ausreichende Auslandsanleihe für die Kommunen hereinzuholen. Inzwischen beschäftigte sich die Beratungsstelle mit der Statistik der kurzfristigen Verschuldung der deutschen Städte. Endlich, am 18. Januar, trat die Beratungsstelle wieder einmal zu einer Sitzung zusammen. Die Statistik hatte ergeben, daß die Gesamtsumme der kurzfristigen zu konsolidierenden Verschuldung rund 7lK1 Millionen Mark be- trage, eine Summe, die allerdings nur knapp die Hälfte der früher vom Reichsbankpräsidenten ausgesprochenen Schätzung ausmacht. Da inzwischen sich die Stimmung in Amerika ge- Kestert hat. da die Kurse der deutschen Anleihen in New Bort wieder gestiegen sind, und da die jüngste Emission der Ver- einigten Elektrizitätswerte Westfalen in New Dork gilt« Aufnahme gefunden hat. kann von einem allgemeinen Fehlen der Aufnahmewilligkett der ausländischen Märkte für deutsche Kommunalanleihen nicht mehr die Rede sein. Man durfte boffen. daß nun endlich die Beratungsstelle aus einem statisti- schen Bureau sich wieder zurückverwandeln würde in eine Stelle zur Beratung und nicht zur Hemmung der deutschen Gemeinden. Aber es kam anders: Von dem Eintritt in die Beratung schwebender Anträge derjenigen Großstädte, deren Sonderkredit die Einbeziehung in eine ollgemeine Sammel- anleihe von vornherein unzweckmäßig erscheinen ließ, wurde abgesehen. Es verlautet, daß der Vertreter der Reichsbank in der Beratungsstelle Einwendungen gegen die Statistik erhob, und daß er eine Einbeziehung laufe-der Kastenvorlchüste, wie sie bei den Finanzverwaltungen der Ge- meinden stets üblich und unvermeidlich sind, und öie mit dem Konsolidierungsbedarf gar nichts zu tun haben, forderte. Der Reichsbankpräsident hat dadurch sein Ziel wieder einmal er- reicht. Die Beratungsstelle bleibt weiter mit Statistik beschäftigt, die Aufnahme von kommunalen Anleihen im Ausland wird weiter sabotiert. Es ist bekannt, daß dieser Sabotagepolitik gegen Auslandsanleihen beim Reichsbankpräsidenten ganz be- stimmte Ideenjjänjje zugrunde liegen, die einerseits auf Feind- fchoft gegen die öffentliche Wirtschaft und andererseits auf reparationspolitischen Illusionen beruhen. Das Reichs- kabinett hat durch seine Erklärung vom 7. Oktober und durch die Rede des Reichswirtschaftsministers vom 1. Dezember tundqetan, daß es sich mit diesen Motiven des Reichsbank- Präsidenten nicht identifiziert. Es hat die Notwendigkeit und Nützlichkeit der Aufnahme langfristiger Auslandsanleihen anerkannt und erklärt, daß es den Drostelungsoersuchen Segenüber öffentlichen Unternehmungen fernstehe. Was aber edeuten diese schönen Worte, wenn In der Praris der Reichsfinanzminister, dem die Beratungsstelle untersteht, und der Reichswirtschaftsminister, der der Fvhr« der deutschen WrrtschastspolZttk sein sollte. mit oerschränkten Armen zusehen und den Reichsbankpräsidemen seine Politik der Sabotage fortsetzen lassen? Für die deutsche Wirtschaftspolitik ist die Reichs- reaierung verantwortlich, und sie kann sich nicht darauf be- rufen, daß die Fülle von inneren Kabinettschwierigkeiten den Ministern keine Zeit läßt, um sich mit einer brennenden Frage der Wirtschaftspolitik zu befassen. "Man hat gesagt, daß die Anleihen der Privatwirtschaft deshalb weniger der Kontrolle bedürften, als die Anleihen der öffentlichen Hand, weil die P r i v a t w ir t s ch a f t ihre eigene Haut zum Markte trage, wenn sie sich verschulde Wie es mit dieser eigenen Haut steht, dafür bilden die gegen- wältigen Verhandlungen über die Kreditsanierung der Landwirtschaft ein gutes Beispiel. Uns will scf)einsn, daß hier die falschen Kreditdispositionen der Privatwirtschaft mit Steuergeldern saniert werden sollen. Diese Sa- nierung des Großgrundbesitzes freilich erfteut sich der Pro- tektion des Reichsbankpräsidenten, auch wenn sie mit der In- anspruchnahme ausländischer Kredite verbunden wird. Mit Logik wird man diese Widersprüche nicht aufklären können, sondern nur mit der Erkenntnis der Interessen, die in der Regierung des Besitzbürgerblocks ihre Vertretung finden. Weil wir die Gefahr des Still st andes der Arbeiten der Kommunen und die Gefahr der Rück- Wirkung dieses Stillstandes auf den Beschäftigungsgrad der Gesamtwirtschaft drohend heraufziehen sehen, wenn der finanziellen Knebelung der Gemeinden nicht ein Ende be- rettet wird, richten wir in zwölfter Stunde noch einmal die Frage an die verantwortlichen Minister, ob sie in der Füh- rung deutscher Wirtschaftspolitik zugunsten von Herrn Dr. Schacht abgedankt haben, oder ob sie endlich dafür sorgen wollen, daß ihre eigene Erklärung vom 7. Oktober vom Papier in die Praxis übertragen wird, und daß mit der Sabotage der Arbeit der Beratungsstelle Schluß g e- macht wird? Keudell will Splitterparteien beseitigen Ltnd zertöppert die Regierungskoalitlon. Für gestern nachmittag war eine gemeinsame Be- sprechung der Fraktionsführer und Reichsgeschäftsführer aller Reichstagsparteien, mit Ausnahme der Wirtschaftlichen Vereinigung und der kleineren Gruppen, die keine Fraktionsstärke haben, über die Frage der S p l l t t e r- Parteien anberaumt worden. Sie mußte wieder abge- sagt werden, da der unvermeidliche Herr o. Keudell, für den kein Fettnäpfchen zu klein ist, um nicht dennoch herein- zutreten, Protest erhoben hatte. Ihm war eingefallen, daß sich die Regierungsparteien noch nicht geeinigt hätten und daß es gut sei, dies vorher zu bewerkstelligen. Er ließ also seinen berühmten Interfraktionellen Aus- s ch u ß antanzen, den er schon in der Frage des Schulgesetzes so gut auseinanderdirigiert hat, und kann sich darum auch ießt des Triumphs erfreuen, der zu erwarten war. Das Siegesbulletin lautet: Statt der ursprünglich vorgesehenen gemeinsamen Besprechung der Vertreter aller großer Reichstagsparteien sand am Donnerstag nachmittag im Reichstag«in« Besprechung der Vertreter der Re- gierungspa ritten über die Frage der Splitterpartei«, statt. Wie wir aus parlamentarischen Kreisen hören, wurde in dieser Bespoechung «me_ Verständigung noch nicht erzlolt. Man war der Auffassung, haß die bisher gemachten Borschläge nicht geeignet sind, das erstrebte Ziel zu erreichen. Die Besprechungen werden in den nächsten Tagen fortgesetzt. Womit wieder einmal bewiesen ist, daß Herr v. Keudell der fähigste aller Innenminister und der Besitzbürgerblock die einigst« aller Koalitionen ist. Oeutschnaiionaler Llndank. Eine Stimme aus vergilbter Vorzeit. In der»Kreuz. Zeitung� riskiert Generalleutnant a. D. von vi r a m o n einen Kaisergeburtagsartitel. Es ist ein Risiko— der Ton zeigt es. Ein Plädoyer für den von der Geschichte Angeklagten, erstattet von einen müden Anwalt, der sich selbst als Anachronismus vorkommt: „Wenn wir uns anschicken, den 27. Januar, den Geburtstag unsere» früheren Londevherrn. des Kaisers Wilhelm, feierlich zu begehen, so mag die» in der heutigen, der taiserlosen Zeit, viele» als Unfug, oder zum mindesten als eine alte, eigentlich nicht mehr zeitgemäß« Gewohnheit, als ein über- wuckdener Kult aus einer vergilbten Vorzeit er- scheinen." Der Kern dieses„Feierartikels" ist eine Anklage gegen die Deutschnationalen: „Es ist ein tiefbedauerliches Zeichen niedrigster Gesinnung, daß alle diejenigen, die heute den Kaiser schmähen und seine Regie- rungszeit verdammen, dies nur zu tun wagen, weil sie K o n- juntturpolitiker sind und unter einer Regierung sich alles erlauben zu können glauben, die dem Kaiser die Rückkehr ins deutsche Baterland durch das Re- pubtlf-Schutz ge fetz z u sperren für richtig hielt. Undank ,st der Welt Lohn. Damit meint er H« r g t und Schiele. Keudell und Koch, die Minister der Regierung, die Republikschutzgesetz und Kaiser- Paragraph verlängerte. Das Königshaus Hai ausgespieli. Das Kammergericht rmd die lousolidierte Republik- Prinz Wilhelm keine Persönlichkeit der Zeitgeschichte. Der vierte Strasseimt des Kammergerichts beschäftigts sich gestern unter dem Borsitz des Kammergerichtsrots Dr. Klee mit der Privot- floge des Prinzen Wilhelm gegen den Malit-Derlag. Ms Reoisionsinstanz hatte das Kammergericht das letzte entscheidend« Wort darüber zu spreche,, ob Prinz Wilhelm als Persönlichkeit au» dem»«reiche der Zeitgeschichte zu betrachten sei oder nicht. Mit anderen Worten,->b der Malik-Berlag zu Recht gehandelt hatte, als «r auf der Innenseite des Umschlages des Domela-Buches zu Ber- gleichszwecken die Photographie des Prinzen gebracht hatte. Roch längerer Beratung verkündet« der viert« Strafsenat fol- gendsn Beschluß: Der Senat sei in die Prüfung der Frag«, ob de- rechtigte Interessen oerletzt worden seien, überhaupt nicht eingetreten Das fei überflüssig gewesen, da Prinz Wilhelm zweifelsohne keine Persönlichkeit dar Zeitgeschichte darstelle. Alz solche können nur Personen betrachtet werde», die b» w u ß t in der vesientlichteit hervortreten. Die Republik sei überdies in einer Weise kovsoUdtcrt, daß«>u Prinz in ihr eine besonder, hervor. Klassenjustiz Wie die Stalinjustiz arbeitet. Der Sichler„Bolkswills" berichtet an Hand der „Prawda" über einen aufsehenerregenden Prozeß, der in Moskau geführt wurde. „Der Direktor des Moskauer Fabriken Elektro-Lampa(„Mosel"), der ehemalige Monteur Fjördoroff, steht unter der Anklag« des Sittlichkeitsverbrechens. des Mißbrauch- der ihm über- tragen«» gesellschaftlichen Machtmittel usw. Er hat sich besonders an seinen weibltcheo Arbeiterinnen und Kontoristinnen vergangen. Nach der Anklageschrift und dem mündlichen Bericht des Staats- anwalls war F. nach dem Siege der Oktoberrevolution vom Jahre W19 ab Direktor der Elektro-Lampa, bis er eine ihm 1327 durch den Arbeitsnachweis zugewiesene Arbeiterin mit allen Mitteln zu einer geschlechtlichen Hingabe zwingen wollte.■ Die Arbeiterin stellte Strasontrag. und dabei stellten sich gau, sesgehende sillliche und moralische Zersehuvgserscheinuogen in der Umgebung des F. heraus. F. hatte die letzten Jahre hindurch mit allen Mitteln unzählige Frauen physisch zn vergewaltigen versucht und vergcwaltigk. hatte den schlimmsten moralischen und wirtschaftlichen Druck zur Erreichung seines Zieles angewandt und seine ihm von der Gesell- schast übertragenen Machtmittel nicht im Sinne der Vorwärts- entwicklung der proletarischen Gesellschaft, sondern zu ihrer unerhörten Diskreditierung gebraucht. Bei der weiteren Verhandlung meldeten sich noch Zb Frauen, die fehl noch in den ihm unter stellten Vetrlebca arbeiteten und die sämtlich durch F. zum Geschlechtsverkehr unter Androhvug des Verlustes der Arbetlsflelle gezwungeu wordeu warou. Die Anklage stellte noch fest, daß F. alle Frauen ausgezeichnet kleidet«, seine Frau durch eine glänzend« Wohnungseinrichtung be- schwichtigie, einige uneheliche Kinder hatte, sich noch Frauen aus der Krim mitbrachte usw. stechende Rolle nicht mehr spielen könne: in der Republik mache die> Geburt den Menschen nicht mehr zu einer zeitgeschichtlich«, pcrsön.' lichkeit. Also sprach der vierte Strossenak des Kammergerichts: das Königshaus hat in der Geschichte Preußens ein für allemal ausgespielt. Arbeiierregierung m Norwegen. Von der Llnterstützuag der Demokraten abhängig. Oslo, 2g. Ilaiurnr. Die neue von der Arbetterpartei gebildete Regierung setzt sieh wie folgt zusammen: Premirr» und Finan.;» minister: Sornsrud; Auswärtige Angelegenheiten: Bull; Landwirtschaftsminister: Rygaardsvold, Warenhausangestellter: Justiz: H o l m b o c. RechtSan- walt; KultuS und Unterricht: Gteinnes, Schuldirektor: Oeffenlliche Arbeiten: Magnus Nil» sc». Goldschmied: Soziale Angelegenheiten: Alfred M a d s c n, Gewerk- schaftssekretar; Handel: A l v e st a d. Bäckermeister; Landesverteidigung: M o n f e n, Lehrer. Das Kabinett wird morgen offiziell ernannt werde«. H o r n s r u d und R i lf f e n find alte Kämpfer der So- zialdemokratifchen Partei, Bull hat bis zur Vereinigung der linksradikalen„Arbeiterpartei" angehört und wird des- halb von den Gegnern der neuen Reaierung schon als Kom- munist verketzert. Da unsere Genossen auch nach chrcm großen Wahlsieg in der Minderheit geblieben siird, bleibt die neue Arbeiterregierung, der wir Gruß und Gluckwunsch sen- den, von der Unterstützung der bürgerlichen Demotraten abhängig,_ Der Aufstieg der Arbeiterpartei. Reuer Stimmengewmn. London. 2« Januar. Bei ber ünterhausnachwahk in Faoersham(Kent) wurde ber Konservative M a it la n d mit 12997 Stimmen gewählt(1014 wurden 14 432 Stimmen für bi« Konservativen abgegeben. Der Arbeiterparteiler Aman erhiell 11 313(ö1Ä>). der Libe- rale Freeman 5813(7132), der Unabhängig« Heilwoad 1990. in Rußland. — Oer Skandal Uördoroff. Was sagt nun der Urteilstenor? Politisch gar nichts? F. wird lediglich zu zwei Iahren Gefängnis und dreijährigem Per- lust seiner sämtlichen Rechte verurteilt. Sonst wird keine der wichtigen, in den Vordergrund gerückten Fragen auch nur andeutungsweise behandelt und aufgerollt. Die wirtschafkllchen Gründe, die politischeu Ursachen dieser eolierwirtschaft werden nicht geklärt. Die Frage wird lediglich mechanisch, im bureau- kratischen Sinne behandelt. Der Borsitzend« dieses Dolksgerichts suhlt sich viel mehr als K l a s s« n g e n o s s e des F.. wie als Be- anftragter seiner polttischen Partei und der durch diese vertretenen proletarischen Klaffe. Er rollt nicht die Frage auf, warum die Arbeiterschaft Zahre vm Zahre zu diesen Fragen schwieg, schweigen mußte, warum ihre Aktivität erlahmt war. warum Parteizelle und Betriebsrat tgjn Wort zu diesen ganzen Borgängen sagten, obwohl sie ihnen be- könnt waren, obwohl sie sich in voller Oesfentlichkeit abspielten." Der„Volkswille" knüpft an diesen Bericht folgende Frage: .Heute fragen wir in dieser Angelegenheit die zentrale Kontroll- kommission und das Zentralkomitee der russischen Partei: Ist diesen Instanzen bekannt, daß auf Anordnung des Stalinisten Uchanoff, Vorsitzenden des Moskauer Sowjets und damit Bürgermeister von Moskau, ehemaligen Präfidenten des russischen Elektro- Trustes und Vorgesetzten des Fjördoroff. dieser F. nach einem Tage Haft ans dem Gefängnis entlassen werden mußte? Ein grelles Schlaglicht, daß dieser Prozeß auf die Tra- gödie der russischen Arbeiter wirft! | Llm die Luxemburger Resolution. Die fnmzösifiche Partei warnt vor unrichtigen Zeitungsmeldungen. pari». 29. Januar(Eigenbericht.) Der„Populaire", das Aentralorzan der Sozialistischen Partei Frankreich», veröffentlicht am Freitag früh nachstehende parteioffiziöse Erklärung: „Di» sromzosischc sozialistifche Partei warnt die öffentliche Meinung Frankreich? und Deutschlands vor tendenziösen und falschen Meldungen, die in der Presse oerösientlich't werden. Richtig ist lediglich, daß gegenwärtig, wie auch schon bisher die beiden Parteiorganisationen im e n g st e n Ä o n t a k t stehen und sich brüderlich bemühen, die Richtlinien für ein« geineinsam« Aktion hinsichtlich der Rheinlandsragc sowie der anderen ge- meinsamen deutsch-französischen Probleme festzulegen." Diese Erklärung bezieht sich vor allem aus ein« Meldung über einen Protestbrief der deutschen Sozialdemokratie an den fran- zösischen Partcivorstand, die im„Petit Parisien" vom Donnerstag erschienen ist und die verschiedene Unrichtigkeiten enthält. * Da dies« Meldung des„Petit Portsien" in einem Pariser Tele» Smtnn de»„Berliner Tooeblottes" wiedergegeben wird, sei ledige ) festgestellt, daß d«r Vorstand der Deutschen So.zioldemotratte in Ergänztmg zu der im„Vorwärts" ooni 30. Dezember 1027 ersckie- nenen Erklärung über die Luxemburger Resolution in «lnem freundschastlichen Briet an die französisch« Parteileitung seinen Stoichpunkt nochmals dargelegt hat. •• Wir dürfen hier gleich noch eine andere Sache bereinigen. An» fang Januar gaben wir eine Meldung der Tel-Union aus London wieder, in der von der„unwürdigen Haltung der devt- schen Sozialdemokratie" die Rode war. Gegen diese vermeintliche Meinungsäußerung der TU. hat der..Borwärts" ichors polemisiert. Inzwischen haben wir uns überzeugt, daß die Wendung mir eine Wiedergab« aus dem„Manchester Guardian" war. Damit«ntsallen unser« damalige« Bemerkungen. Der Einbruch m das Sekretariat der deutschnatio- nalen Landtogefroktion geht noch den Mitteilungen der Kriminalpolizei seiner Aufklärung entgegen. Soweit bisher feststeht, handelt es sich jedoch entgegen der Auffassung der deuttchnationalen Landtagsffokiion. nicht um einen Einbruch aus politischen Motiven, sondern um euren gewöhnlichen Äclegenhettsdiebstahl. Gcheidemann über die Republik. Arbeiterfroni gegen Reaktion und Kapitalismus. In der Reihe der republikanischen Abende, die der Kreisoerein Wilmersdorf veranstaltet, sprach am Donnerstag abend im Restaurant Wilhelmsaue Reichstagsabgeordneter Genosse Scheide mann. Das Thema zu setnent Referat war durch die letzten politischen Ereignisse gegeben. Es lautete:„Der Kampf u m d i e R c p u b l i k." Die Versammlung war außerordentlich gut besucht: kurz vor Beginn der Bersamntlung mußte ein kleiner Nebensaal geöffnet werden, um den noch herbeiströmenden Bor- santmlungsbejuchern Platz zu schaffen. In«instündigen Aussührungen gab Genosse Scheidemann ein Bild von der Entstehung der demokratischen Staatsform in Deutsch- land. Im Anschluß an dies« Ausführungen kam er alif tages» politische Ereignisse zu sprechen. Er führte aus: Mr haben heute noch stt Europa eine Reihe von Monarchien, die nicht geändert werden, well das Dsrfassungssystsm dieser Lands trotz. dem demokratisch ist. Da» deutsche Stoatssystem mußte geändert werden, weil wir an d» Spitze einen Monarchen hatten, der neben sich keine anderen Götter dulden wollt«. Wir haben d«N Kampf um die Republik neun Jahre geführt. Wir glauben, daß es in Deutsch- land nur noch wenige Fanatiker gibt, die ein« Aenderung des Systems wallen. Trotzdem legen wir die Hände nicht in den Schoß. Drei Bei- spiele genügen, um unser Arbeitsfeld aufzuzeigen. An der Spitze des Reiches steht«in kaiserlicher Generalfeldmar- schall, in der Reichsregierung sitzen die alten Konser- v a t i v e n, die die größte Schuld am Ausbruch des Krieges tragen. An der Spitze der republikanischen Reichswehr stand bisher ein Mann, der willenlos die Adelskreise regieren ließ. Di« auswärtig« Politik wird gleichfalls von der Adelskaste gemacht. Ueber die Justiz braucht nicht besonders gesprochen zu werden. Die kennen alle Republik erncr zur Genüge, Auf den Zwischenruf eines Kommunisten antwortete Genosse Scheide- mann unter großem Bei soll der Versammlung: Die deutsche Arbelterschasl war vor dem Kriege politisch und gcwerkschasilich musterhast geschult. Während des Krieges ruhte die Ausklärungsorbeii, so daß der Nachwuchs weniger geschult ist, Aus diesen poNlisch unreifen Aienschen zieht die Kommunistische Partei ihr« Anhänger. Wir erleben dos Schauspiel link?, daß immer der Stärkere den Schwächeren auffressen möchte. Da er dos nicht kann, schickt« V si« nach Sibirien. Die deutsch« Arbetterschast könnte poNlisch und witlschassilch größere(infolge erzielen, wenn es nur eine Der» lrctung der Arb�lerschasl gäbe. In Deutschland wählen Immer noch sechs Millionen deutschnational, obwohl es soviel Schlotbarone und Krautjunker nicht gibt. Die Ausklärungsarbeit der Sozialdemo- kratischen Partei wird dafür sorgen, daß alle Arbeiter sich einreihen in die große Front gegen den Kapitalismus, für Republik und Auf- bau de» sozialistischen Staates. Minutenlanger Beifall dankte dem Genossen Scheidemann für seine Aussührungen. Oer Verbraucher wird bestrast. Derdoppeloag der Belastung des Gefrierfleisches. Di« Presse aller Richtungen war in den letzten Tagen angefüllt mit den Berichten des Enqueteunterausschusfes über die Mißstände auf dem Gebiet der Gefrierfleifchverforgung. Der chaushaltsaus- fchuß hat bsi der Beratung des Etats für Ernährung und Land- Wirtschaft ausführlich zu diesen Dingen Stellung genommen. Die Empörung über den mühelosen Wuchergewinn von 14 Mtl- lionen Mark, den ein Teil der Kontingentscheininhaber ein-- gesteckt Hot, war allgemein, hingegen schwiegen die Regierung� Parteien sich vollkommen darüber aus, daß das Reichsernäh» rungsmintfrerium«ine reichliche Mitschuld trägt, daß solche Zustände überhaupt einreißen konnten. Der Enqueteunterausschuß hat in seiner dem chaushaltsausschuh zugegangenen Denkschrift sehr beachtliche Vorschläge gemacht, wie in Zukunft durch entsprechende Kontrolle derartig« Wuchergewinne unmöglich gemacht werden sollen. Statt aber diesen Vorschlägen ohne weiteres beizutreten und dem Enqueteausschuß dankbar zu sein für seine grundlegende Arbeck und seine allerdings für den privaten Handel recht unangenehmen Enthüllungen, kommen die Rechtsparteien zu dem Schluß, daß die Derbraucher bestraft werden müssen für die Der- fehlungen großer Handelsfirmen. Die Deutschnatio- nalen und der Bayerische Bauernbund, denen die Gefrierfleischeinfuhr längst ein Dorn im Auge war. beantragen die Aufhebung des Kontingents und Einführung eines Zollsatzes für Ge- frierfleisch von 3S Mark pro Doppelzentner. Die ursprünglichen Anträge der Zollparteien hatten Im Jahre 1926 nur einen Zoll von 16 Mark gefordert. Dieser Zoll wird den Land- wirten auch nicht zur Erhöhung der augenblicklich sehr danieder- liegenden Schweinepreis« verhelfen. Bei der ganz«inseitigen Produ- zentenpolitik dieser Parteien nimmt sylcher Antrag nicht wunder, daß aber auch die Demokraten durch ihren Abgeordneten D i« t- r i ch den gleichen Antrag auf Einführung des ZS-Mark-Zolls stellen, ist bedauerlich. Würde dieser Zoll tatsächlich Gesetz, so bedeutete das nicht mehr und nicht minder als die Verdoppelung der Belastung der Konsumenten, d. h. statt der 14 Mil- lionen an den Privathandel ungefähr 28 Millionen an die Landwirte. Niemand hätte sich träumen lassen, und am aller- wenigsten diejenigen, die sich bemüht haben, die Mißstände auf- zudecken, daß das dazu führen könnte, die bis Dezember 1929 gesetzlich zugesichert« Kontingentierung aufzuheben und an ihre Stelle einen untragbaren Zoll zu setzen. Die Anträge gelangen am heutigen Tage im Haushaltausschuß zur Entscheidung. Bis setzt hat der Reichsernährungsminister abgelehnt, irgendeine bindende Er- klärung über dies« Frage abzugeben. Der Betrat für Ge- frierfleisch Versorgung, der vor zwei Tagen zusrmmentrat, empfahl, an dem bisherigen Derteilungsfystem festzuhalten und die Neberwachung der Preisgestaltung in Groß- und Kleinhandel den Gemeinden zu überlassen. Ztori mit dem Kleinstaatelend! Thüringe« will die Steuervenvoltvog auf das Reich übertrage«. Weimar. ZS. Zanuar.(ClgeaberUht) Die khüringifchc Regierung hat dem Landtag jetzt ein Gesetz über die Ueberiraguug von Geschäften ihrer Sleuerver- mollnvg auf die Relchvslnanzbchördeu zugehen lassen. Unter anderem soll die Verwaltung der Grundsteuer, der Gewerb«. fieuer und der Auswertungsslener in Zukuasl von dem Reich er. lcdlgl werden. Die Seamjen und Angestellten, die bisher dlef« Sleuergeblcte bearbeiten, sollen ebenfalls vom Reich übernommen werden. Es Handell sich insgesamt um 90 Landesbeamte nnÄ 90 Angestellte. Dienstuntauglich- weil Sozialist. OaS System Vaogoi«. Wien. 26. Januar. Bei der Budgetdebatte im Finanzausschuß brachten die Sozial» demokraten den Fall zweier Ofsizier« zur Sprach«, die einer amts- ärztlichen U Überprüfung ihres Gesundheitszustandes mit dem Ergebnis unterzogen worden waren, daß die ärztliche Kommission de- antragt hatte, sie für dienstuntauglich zu erklären. Die Sozialdemokraten griffen den Heeresminister heftig an. Sie warfen ihm vor, er habe dies au« Rache getan, weil vor einigen Wochen von sozialdemokratischer Seck« Beschwerde geführt wurde, daß die beiden Offiziere ein schlechteres Führungszeugnis e» hallen hätten, weck sie der Sozialdemokratischen Partei angehören. Man müsse hierin«in« Verhöhnung des Parlaments und eine Herausforderung der Oppositton erblicken, eine Feindseligkeck, die nur mit Feindseligkeck beantwortet werden könne. Heeresminister Vaugoin suchte seinen Standpunkt aus den gesetzlichen Vorschriften heraus zu rechtfertigen. Von feiten der Mehrheitsparteien wurde der Wunsch ausgesprochen, solchen unerquicklichen Erörterungen den Boden dadurch zu entziehen, daß man die Wehrmacht, so wie es in Deutschland geschehen sei,«ntpolckisier«.(!) Italienisch- Südflawisches Abkommen. Die wahre Liebe ist das nicht. Belgrad. 26. Januar. Heber die Unterzeichnung des Protokolls� das die Verlängerung der Ablaufsfrist des Freundschafis- und Zusammenarbeitsvertrages zwischen Italien und Jugoslawien vorsieht, schreibt„Polittka". diese Handlung sei der erste Schritt der Bereinigung der italienisch-jugo- slawischen Beziehungen. Verhandlungen zur Regelung aller zwischen beiden Ländern schwebenden Fragen sei«, augenblicklich im Gange und die Verlängerung der Ablaufsfrist de« Vertrages von Rom geftallc, den Besprechungen ein« formell« Grundlage zu geben. Es sei zuerst eine einfach« dreijährige Verlängerung de« Der- träges vorgeschlagen worden, doch sei diese Anregung von der Bel- grader Regierung nicht berücksichtigt worden, da ein« Freund- schaft auf dem Papier der tatsächlichen Lage nicht entsprochen hätte. Es fei dann der Wunsch ausgesprochen worden, daß wenigsten» die wichtigsten Fragen v o r der Erneuerung des Vertrages geregelt würden. Zensur für Speisekarten. Natürlich in Sfidtiroit Der Anckobü rgeri neisier von Bozen hat»festgestellt�, daß in den Hotels und Gasthöfen Speilekarten ausließen, die nicht in korrektem Italienisch abgefaßt sind. Er teilte allen Gastwirten mit, daß sie durch ein Dekret des Präfekten verpflichtet seien, die Spersekarten bei Strafvermeidung täglich der Behörde zur Genehmigung vorzulege«. Zum 27. Januar 1928. Oes Bürgers Glückwunsch. Milliarden für Agrarier. Die Beschlüsse des Hauptansschuffes.— Der Bauer wird geprellt.— Der Steuerzahler betrogen. Der großagrarische Rechtsblock will feine Macht zum Schaden der Arbeiter, und Bauernmassen Im Dienst der ostelbischen Groß- agrarier noch vor Toresschluß bis zum Letzten ausschöpfen. Dem bankerollen Großagrariertum sollen lausend und alljährlich Hun- derte von Millionen nachgeworfen, mit dem Äredck des Reiches sollen Tausende von Milltonea neu in die großagrarische Bankerottwirtschast hineingepumpt werden. So haben die Rechts- blockparteten im Haushallsausschuß des Reichstags gestern be- schlössen. Die Rechtsblockregierung, in der der für die Finanzen des Deutschen Reiches verantwortliche Reichsfinanzminister Dr. Köhler und der für die Wirtschaftspolitik des Reiches verantwortlich« Reichs- ■ wirtschastsminister Dr. Curtius vollständig vor dem Reichs- I minister für die Ernährung der Landwirtschaft' tapckukert haben, wird bereck fein, dem Befehl der Rechtsblockparteien nachzukommen. Schon im Reichstage hat Genosse hilserding laut und vernehm» lich für die deutsche Volkswirtschaft die Stimme gegen diese Pläne erhoben. Di« deutsche OesfenUichkeit muß sich bewußt werden, daß die unter dem Druck einer inszenierten Rebellion kleiner Gebiete des Ostens zur„Verhütung einer Katastrophe" im Reichs- haushall des Ausschusses gefaßten Beschlüsse die gesamte deutsche Volkswirtschaft einem Baukerott entgegentreiben müssen. Die vom Reich geforderten Vorschüsse von zusammen IM Mil- lionen Reichsmark werden keine einmaligen Vorschüsse sein, sondern dauernde, jährlich wiederkehrende Zuschüsse, die sich noch erhöhen werden. Hinter diesen Zuschüssen verbirgt sich nämlich, wie die be- schlössen«» Anträge der Regierungsparteien deutlich zeigen, da» große llmschulduugsprojekl hugenbergs und Schlange- Schöalngen». Die Reichsregierung soll nämlich mit territorialen Lreditinstckuten und den betreffenden Landesregierungen Vorsorge für die Ausnahme einer Anleihe über mehrere AUlliarden treffen, durch deren Erlöse die Umschuldung der Personal- und Realoerpfllchtungen durchgeführt werden soll. Lei dieser Umschuldung ist eine Erleichterung für die Laudwirlfchaf» absolut unmöglich, und zwar wegen d« hohen Zinssätze, wenn nicht gleichzeitig ein Teil der Zinsen. wie da» Hugenberg-Schövingea-Projekt es vorgesehen hat. vom Reich endgültig getragen wird. Tie Zahresbelastnngcu daraus errechne« sich auf über ein« BiertelmMiard« Mark. Diese ungeheure, absolut zerstörerische Belastung de» Steuerzahler» wird in den Anträgen der Regierungsparteien, denen die Recht». blockregierung zu entsprechen hat, verschwiegen. Das Reich hat die erforderlichen Gelder nicht. Was für'ordciti» liche Haushaltszwecke bisher ängstlich vermieden wurde, die Be- gebung von Reichsschatzwechseln bei der Rcichsbank, sie soll zur Stützung der großagrarischen Bankerolleurswirtschaft jetzt erfolgen. Damit gefährdet das Reich, da gar kein Zweifel an der Unsolidität des Geschäfts fein kann, nicht nur die Sicher- heit des zukünftigen Staatshaushalts, nicht nur fei- nen Kredck, sondern auch— und Herr Reichsbankpräsident Dr. Schacht sagt dazu Ja und Amen— die Reichsbant selbst. Das geschieht nicht zuletzt auch bei Herrn Dr. Schacht aus polckischen Gründen. Dos Reich wird es wiederum sein, das allein die mora- lisch« Verantwortung für die Milliarden-Auslandsonleihe zu über- nehmen hat und in der später unausbleiblichen Großkrise der Land- Wirtschaft seinen Kredck zu Markte tragen wird. Dieses Großprojekt zngnnsten der Großagrarier, das die gesamte deutsche Volkswirtschaft bedroht, ist der Hauptzweck der ganzen Aktion im Reichstag und der aas dem Lande inszenierten Rebellion. Die übrigen relativ vernünsttg klingenden Anträge sind den Draht- ziehern Nebensache, obwohl sie im gegenwärtigen Augenblick das Höchstmaß dessen bereits überschrecken, was praktisch überhaupt durchgeführt werden kann. Die Rückzahlung der D ü n g e r k r e- d i t e bis Mörz 1929 hinauszuschieben, ist schon ein höchst gesähr- iiches Wagnis, weil»n März 192,9 auch die Düngertredite der neuen Kampagne zurückzuzahlen sind. Die Abwicklungstredtte zu stunden, könnte in der gegenwärtigen Lage hingenommen werden; aber man darf sich nicht oerhehlen, daß gerade die schlechtesten Betriebe diese Kredite schuldig geblieben find und sie später»och schwerer zurückzahlen können. Die Steuererleichterungen kam- men praktisch nur jenen Betrieben zugute, die sie ohnehin nicht mehr verdienen, weil sie nicht zu halten sind. Daß die Rechtsbwckparteien bei ihren Anträgen unehrlich vor- fahren, beweist die Forderung, daß das Reich, nicht aber Preußen etwa, auf die Verteilung und Verwendung der neuen Kredite Einfluß nehmen soll. Das geschieht gegen die erklärten Wsichten des preußischen Landwirtschaftsministenums, das neue Kredite unter keinen Umständen Bankerotteurbetrieben mehr nachwerfen will, und überdies eine systematische Kon- trolle der mit neuen Krediten auszustallenden Bettiebe progrom- matisch verlangt hat. Aber auch die ungewollte Selbstironie fehlt zum Ernst der Sache nicht, denn ein Antrag des Devtschnationqleki Bochmann fordert-etne künstlich« Niedrighaltung dep Düngemittelpreise, nachdem die gendssenschaftlichen Verirr- ter auch des Reichslandbundes bei den Abstimmungen im Kali- fyndikat für die Erhöhung der Kalipreise eingetreten sind.— Die von alen wirklich ernst um die Förderung der Landwirt- schaft besorgten Kreise verlangte systematische Beschränkung oller Kredithilfen für die Landwirtschaft auf die wirtlich rationellen Be- triebe und die dahingehende strenge Kontrolle und Beratung wird in den Anträgen nur formell erwähnt, die Garantten für die Durchführung werden sabotiert. Bor allem werden, weil die„Hilfe" für die Großagrarier bis zur Groteske überspannt ist. die Klein- und Mittelbauern ans der ganze» Linie der Rechts- blockanträge geprellt. lieber die für die Umschuldung des Kleinbesitzes eventuell erforder- lichen langfristigen Kreditformen, die es einfach nicht gibt, wird kein Wort verloren. Die Steuer- und Zinserleichterungen sollen grund- sätzlich für nicht buchsührend« Landwirte, das sind die kleinen und mittleren, nur dort gellen, wo die buchführenden, da» sind die Großagrarier, ungünstige Gesamtergebnisse aufweisen. So werde« mil den Steuerzahlern, mil den arbeitenden Massen, auch die Bauern geopfert. Die heutige Krise in der Landwirtschaft war noch der jähre- langen Hasardpolitik der Großagrarier unvermeidlich. Sie mußte kommen. Sie muß für die Großagrarier, soweck sie nicht mehr zu hall«», zum Ausbruch gebracht werden. Sie darf nicht unter Gesähr- dung der deutschen Gesamtwirtschaft verhindert und aufgeschoben werden. Was heute durch die Anträge des Rechtsblocks geschieht. ist volkswirtschastlicher Selbstmord mck osfenen Augen. Deutschland braucht den tüchtigen Bauern. Deutschland braucht nicht den ostelbischen Hasardeur und Bankerotteur. Danach muß gehandell werden. Die Auseinandersetzung in Thüringen. Oer Vertrag mit dem Koburger vom Landtag verabschiedet Weimar. 26. Januar.(Eigenbericht.) Der Thüringer Landtag hat am Donnerstag mck de» Stimmen aller bürgerlichen Parteien gegen die Kommunisten pnd bei Stimmenthaltung der Sozialdemokraten den Auseinander- setzungsoertrag zwischen dem Lande und dem Ex- Herzog von Koburg- Gotha angenommen. Die Sozial- demokratie hat sich während der Verhandlungen nicht ohne Erfolg bemüht, die Rechte der Arbeiterschaft, der Waldgemeindeu des gothaischen Gebiets, der Stadt Gotha und des Landes zu wahren. Die Grundtendenz des Vertrages weicht trotzdem selbst von dem bekannten Äompromißgesetzentwiirs der bürgerlichen Parteien des Reichstags sehr.zugunsten des ehemaligen Herzogs ab. Don emer für das bankerott« Thüringen günstigen Auseinandersetzung kann des- halb nicht die Rede sein. Schuld daran trogen sämtliche bürgerlichen Parteien einschließlich der Demokraten! dos Spionagroerdachl unbcrechiigl. Nach einer Preffemelduna hat in Fulda ftchxnd« Artillericregiment mitgeteilt, daß die� Unier- seien bereits wieder in Freiheit gesetzt morden. Wer ist der Arbeiigeber? Ein nicht einwandfreies Geschäft. Zw«t Clektromonteure waren«mf ein Zeitungsinserat hin bei einer Firma in der Alexander st raße 2« in Arbeit getreten. Sie führten Beleuchtungsanlagen in Akkord aus. Aber mit dem Lohn haperte es. Als der Akkord fertig war, hatte jeder der beiden Monteure einen Rest lohn von 104 M. zu sor- dern. Weil sie den Lohn nicht bekommen konnten, oerklagten sie die Firma„Allgemeine Installationsgesellschaft m. b. bei der sie ihrer Meinung nach beschäftigt waren, beim Arbeitsgericht, chier behauptete der alleinige Inhaber dieser Firma, Kaufmann Leo Müller, die Kläger seien nicht bei ihm. sondern bei der„E l e k t r o m e r k st a t t Norden, E. O r l i g" beschäftigt gewesen. Wie vor Gericht festgestellt wurde, stehen die beiden „ginnen' in so enger Geschäftsverbindung, daß die Kläger mit Recht annehmen konnten, sie arbeiten in einem Unternehmen, deren kaufmännischer Leiter Leo Müller ist, während E. Orlia die technische Leitung hat. In Wirklichkeit verhält es sich aber so: Müller und Orlig haben in der Alexanderstraße 28 ein gemeinsames Bureau. Müller läßt durch seine Reisenden Aufträge sammeln und übergibt sie an Orlig, der als konzessionierter Installateur die Arbeiten von Monteuren ausführen läßt. Orlig ist nicht zahlungs- fähig. Bei ihm ist nichts zu holen. Müller kann wohl zahlen, aber er weigert sich, weil er behauptet, nicht der Arbeitgeber zu sein. Als die Kläger unmittelbar vor Weihnachten ohne Geld da- standen und ihren Lohn von Müller forderten, gab dieser ihnen Rechnungen an seine Kunden, die die Kläger einkassieren und aus ihren Lohn verrechnen sollten. Hierdurch, so meinen die Kläger, habe sich Müller doch als ihr Arbeitgeber bekannt. Aber Müller sagt, er habe den Klägern, deren Geldmangel ihm leid tat, aus der Verlegenheit helfen wollen. Was sie durch die E nkassierung der Rechnungen erhielten, sei auf das Konto von Orlig gegangen. Bei dieser Gelegenheit habe er den Klägern ausdrücklich gesagt, er habe nichts mit ihnen zu tun. Orlig sei ihr Arbeitgeber. Der Borsitzende bezeichnete das Geschäftsgebaren von Müller und Orlig als, gelinde ausgedrückt, sehr sonderbar. Das Gericht kam zu der Ansicht, daß den Umständen nach ange- nommen werden müsse, daß der Arbeitsvertrag sowohl mit Orlig als auch mit Müller abgeschlossen sei. Ohne Zweifel müsse Müller bis Weihnachten als Arbeitgeber angesehen werden. Deshalb schlug das Gericht einen Vergleich-vor, der auch angenommen wurde. Danach zahlt Müller für Orlig an jeden der Kläger 10 M. und Orlig selbst hat 34 M. in zwei Raten zu zahlen. » Wir hatten kürzlich einen ähnlichen Fall berichtet, wo einige Beleuchtungsmonteure mit ihren Lohnforderungen an einen zah- lungsunfähigen Installateur verwiesen wurden, während die solvente Firma, die den geschäftlichen Nutzen aus der Arbeit gezogen hatte, sich vor der Lohnzahlung drücken konnte. Die Fälle sind also nicht vereinzelt, wo gewandte Kausleute auf dem Gebiet der Beleuchtungsanlagen gute Geschäfte machen und die Arbeiter, welche die Anlagen herstellen, ihren Lohn nicht bekommen können. Den Arbeitern ist also dringend zu raten, sobald der Lohn ausbleibt, die Arbeit ein- z u st e l l« n. damit den„gewandten"' Geschäftsleuten dos Hand- werk gelegt wird. Eugen Haueisen 60 Lahre alt. Der Vorsitzende des Verbandes der Buchbinder und Papierverarbeiter Deutschtands, Genosse Haueisen. feiert heute in voller Rüstigkeit seinen 60. Geburtstag. Wie all« die alten Kämpfer, hat auch er an der Wiege der modernen Arbeiter- bewegung Pate gestanden. Im Jahr« 1893 hob er den neu gegrün- deten Buchbindcrverband mit aus der Taufe. Schon im Jahre 1896 wurde er in S t u t t g a r t zum Kassie- rer des Verbandes gewählt, welches Amt er dann' 2 3 I o h r e hindurch in mustergültiger Wesse geführt hat. Insbesondere gast sein Streben und Schassen hierbei noch dem Ausbau des Unter st ützungswesens. Das Amt als Hauptkassierer übte er mit voller Liebe und Hingebung aus. bis ihn im Jahre 1919 der Würzburger Verbandstag zum Vorsitzenden des Ver- b a n d e s wählt«. Auch auf diesem Posten zeigte er sich in der verflossenen fast zehnjährigen Tätigkeit voll und ganz seiner Aufgabe gewachsen und hat den Verband durch alle Fährnisse dieser Zeit ßindurchgebracht. Unbekümmert um die besonders in den ersten Iahren seiner Wahl hochgehenden Wogen kommunistischer Hetze verfolgte er sein Ziel unbeirrt weiter. Besonders segensreich wirkte er für die Bensssangehörigen auf dem Gebiete der Tarifpolitik. Denn der Ab- fchluß und die Erhaltung der R e i ch s t a r i f e, dl« trotz aller Ge- fohven der Jnflations- und Krisenperiod« noch heute bestehen und die für rund 80 999 Berufsangehörige gelten, ist vor- nehmlich sein Wert. Die Schaffung eines Graphischen Industrieoerban- des, der heute allerdings wieder in weite Ferne gerückt ist, hat in Haueisen einen eifrigen Förderer gefunden. Ebenso ist er auf dem Gebiet der internationalen Arbeiterbewegung unermüdlich tätig und gehört seit der Verlegung des Sitzes der internationalen Buchbinderföderation von Berlin nach Bern bis heute noch der internationalen Repräsentantschaft an. Wir wünschen unserem Genossen Haueisen, daß er noch recht lange sich seiner bisherigen guten Gesundheit und Schaffens- kraft erfreuen möge._ Veiratskonferenz des ZdA. Am 22. und 23. Iaimar traten in G o s l a r der Verbands- vorstand und Beirat des ZdA. zu einer gemeinsamen Tagung zu- sammen. Wichtige innerorganisatorische Fragen standen zur Ve- ratung. Aus dem Geschäftsbericht, der vom Verbands- Vorsitzenden Urban erstattet wurde, sowie aus dem Kassenbericht ergab sich, daß die Organisation festgefügt ist. In der M i t g l i e d e r- bewegung ist eine gute Aufwärtsentwicklung zu ver- zeichnen. Die nächsten Monate sollen dazu benutzt werden, um durch intensive Werbearbeit die noch abseits stehenden Ange- stellten der Organisation zuzuführen. Der Bericht über die vollzogenen Wahlen zur Angestell- tenversicherung zeigte, daß ein großer Prozentsatz unorgani- sierter Angestellten seine Stimme für den ZdA abgegeben hat. Diese Tatsache bestätigt, in wie hohem Maße die Ideen des ZdA. ihre An- ziehungskraft auf die Angestellten ausüben. Daran muß in der Werbearbeit angeknüpft werden. Ihren Höhepunkt erreichte die Beiratstagung durch die Vera?» fchiedung des sozialpolitischen Programms des ZdA.. dos der Gegenwart entsprechend neu formuliert Ist und die Forde- rungen zusammenfaßt, die bei den verschiedensten Gelegenheiten vom ZdA. aufgestellt wurden. Die in diesem Programm enthallenen For- derungen zeigen, wie der ZdA. zu den großen sozialen Fragen für die Angestellten steht. Sie erstrecken sich auf dos kollektive und indivi- duelle Arbeitsrecht, die Arbeitszeit, Sonntagsruhe und den Laden- fchluß, den Lehrlings- und Iugendschutz, das Slbulwefen und die Berufsausbildung, die Arbestsaufsicht, die Sozialversicherung, die Ar- beitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, die Arbeitsbehörden. die Betriebs- und Wirtschoftsoerfassung und auf das internationale Arbeitsrecht. Alle Forderungen berücksichtigen die besonderen Be- dürfnisse der Angestellten. In der Einleitung zu den Einzelforderunaen wird grundsätzlich erklärt, daß der sozial« Fortschritt im stärksten Maße von der gemein- wirtschaftlichen Ordnung des Wirtschaftslebens abhängt, die nur durch die wachsende Einsicht und Macht der Angestellten, Arbeitsr und Beamten herbeigeführt werden kann. Dieses vom Verbandsvorstand dem Beirat vorgelegte Programm wurde einstimmig an- genommen. Sodann wurde noch eine Reihe organisatiorischcr Fragen erledigt. Die Tagung nahm einen guten Verlauf. Reichs- und Staatsarbetter. Ruhelohn und Hinterbliebenenversorgung. Di« Tarifkontrahenten für die Reichs- und Staatsarbeiter wurden zu heute Freitag, zur Verabschiedung über die Ruhe- lohn- und Hinterbliebenenoersorgungskasse eingeladen. Mit dem Einladungsschreiben wurde gleichzeitig die end- gültige Fassung der Vorlage der Rei hsregierung den Organisationen überreicht. Es ist zu wünschen, daß die nun seit langem fälligen Verhandlungen endlich zum Abschluß gebracht werden._ Erfolg in der Posamentenbranche. In der Posamentenbranche wurden nach längeren Verband- lungen die Tariflöhne in freier Vereinbarung um19bis12Proz. erhöht. Das Abkommen läuft vom 2. Februar d. I bis zum 31. Januar 1929. Jede weitere Auskunft wird in der Geschäftsstelle des Deutschen Textilarbeiierverbandes, Andreasstr. 17, erteilt. 36 000 Arbeitslose In der Rheinpfalz wurden am 15. Januar gezählt, mehr als 59 Prozent gegenüber dem Höchststand vom Sommer. Freie Sewerlschaftjlliaend kroß. Berti». Heut«, Freitag, tgl.; Uhr, tagen die Gruppen: Zeppelinplatz! Städtisches Iugendhe'm Turmer Ecke Eecstraüc. Vortrag:„Die Bedeutung des Arbeiters t» der Wirtschaft.-— Wedding: Stadt. bad Wcdding, Ecrlchtstr. W LS. Rezitationsabend:„Arbciterleden.-— Nord- ring: Jugendheim Greifenhagener Str. dä. Wir sprechen Uber Bcrriebs- angelegcnheite».— Hermannplah: Jugendheim Sandcrslr. 11, E-ie Hoorech». straße. Schnurren und Wechtelgesängc.— SchSncwcid«: Jugendheim Laufener Straße 2(8 oter Saat). Vo.tslvirtschaftlichc Plaudereien.— Lichtenberg: Jugendheim Scharnwcberstr. Lg. Satiren und Grotesken.— N-rdkrei»: Jugend- rursu, im Jugendheim Eberswalder Str. lv.»Iugcndpsychoiogie.-— Bolls- ta»,:nrlu»: In der Turnhalle der Schule Baruthrr Str. Lv.— Boeaaz-ixe: Achtung. G rnppen lcitur ge» I Kollege Furtmänglec spricht«der seine Indienreise auf der gusommenkunft der Gruppenleiwngen am Mont.g. ZN. Januar. 19% Uhr, im Jugendheim des Deutschen Metallarbeiteroerbandes, Llnicnstr.«m,, Portal I, 2 Treppen. Zuger. dgrnppc des?dA. Heute, Freitag, 19% Uhr, finden fofgcntc Per- anstaltungen statt: Bezirl Lichtenberg: Gesangsraum des Reaigpmnasiums Park, aue 12. Vortragsabend. Thema und Referent wcrdrn auf dem Heimabend bekanntgegeben.— Bezirl Sudmeft: Zugendheim Belle-Alliance-Etr. 1110. Bunter Abend. Liedcrbgchcr mitdringen. Verantwortlich fvr Politik: Dr. Gurt Geyer: Dirtschott: 6. Klingelhöser: vewerlsciniilsdcwegung: Z. Steiner: Fruillcton:#. K. Dilcher: Lokales und Sonstiges: Frig«orNädt: Anzeigen: Th. siirke. sämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts-Vcrlag G m b. H.. Berlin Druck: Vorwört�Pnä-druckerrt und Verlansanstalt Paul Singer u So. Berlin EW 68. Lindenstrahe 3. Hierzu 2 Beilagen..Uuteihaltuug und Sisfe»- und.Stadtbeilogc, >,„,»«»»»«»»««»»««»»»»«»»»»«»»»»««» ,,»,»»,»»»»«»»»»«»peeaeeeee»« ��ERTHEIM 1 Leipziger Str. Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Preise soweit Vorrat; Fleisch, Fische, Ohstu. Gemüse werden nicht zugesandt in Original• Kisten 40% unter Banderolen- Preisen Tirofa Aepffel � 45 Xfcz. 14?- Kochbirnen...Pfund 12 vi. Möhren Lew«»*, 2 p». i6Pt Musäpfel... Pfund IS Pf. Weißkohl dlntoth. Pfund 8Pt Boskop-Renetten pw. igpk. Wirsingkohl hoiid„pid. iSPt Baumanns Renetten 22 p(. Rotkohl hoiiandiach.. Pfd. igpk. Zitronen ouyend 28 pi. 38 Pt Blumenkohl xopi»«m igpr.n Apfelsinen«t 45, 65, 85 Pf. Rosenkohl hoiid„ pw. 32 Pt Grüne Heringe...... 5 nma 55m. Dorsche oi»,«......... nnd 28 pi Bralschollen.... rw-», 26m■. 30«. Kabeljau 28«— 38k Große Hechte«-->«- fu*«..«nnd 48m Lebende Karpfen____««»d 95� OEynmia-Nehi 5 Konserven i'i Dose Vi Doa« Bp.- u. Schnittbohn. I 74 Pf. Ananas Hawaii.« Scheiben 1,20 Junger Spinat---- 46 Pt Mirabellen's,o. 63Pt. 1.25 Junge Karotten...58Pf. St.-Spargel e»ir» stark 3.30 Junge Erbsen....74«. MelangefrQohte... 1.40 Junge Erbsen kein.. 1.25 Erdbeeren''z uo»« g2 Pt 1.S5 Leipziger Allerlei.- 92 P' L�o�gurken �°«'3.30 Pfefferlmge 1... 95 Pt Oelsardinen_ Kohlrabi mit Ortln... 50Pf. Klubdoae 46 Do».»8« Rote Rüben...... 50 Pf. Brstherln«, Herta« tu Gelee. Holl. Apfelmus 1...... 65 P'. 85 Pt Konfitüren, a.Pfund.Elmar Pflaumen IM Aprikosen 1.10 Erdbeer, Himbeer 1.35 Ananas 1.65 1 25 Frisches Fleisch Schweinebauch Schweineschinken Ä.g;,™! Rinderkamm u. Brust«»-d Querrippe............ jw Schmorfleisch Kalbskamm Bra»i M. Röcken. Pfund Kalbskeule<«»■».«etent....«und Hammelvorderfleisch iw Keßler, Speer u. Kamm«nd Liesen«d. 65«. Gehacktes«d. Prima Gefrierfleisch i Rinderkamm u. Brust«-»d 56«. Schmorfleisch»»..«und 70 m Hammelfleisch««- 70pf. HammelrUcken.......«»o 75«. Kuheuter Pta>d 24 m Herzen 45 m 78« 85 m 85«. 70«. 90 m 74 m 90 m 88 m Im 70m SOi Pfund SrUPf. •Pfund.Beatel Burma-Reis-..«und 22«. Eier-Schnitt-I4udsln 45 Pf. Bassin-Reis..-«und 24 Pf. Makkaronl Brach,«d. 45Pt Amerikan. Reis«»»d 30 Pt Gem. Backobst«und 44«. Bosnische Pflaumen«und 26«. Mettwurst»«kocht t.25 Mortadella...Pfund 1.25 HausmacherwurstPid- 1.15 Dampfwurst.. Pfund 1.15 Speck feil, P'd. 1.10 mager 1.20 Jagdwurst....«und 1.35 Mettwurst°?°n'�i.3s Rietwurst.... Pfund 1.45 Schinkenpolnisch««d.1,45 FettbikkBinge Pfund 5.0 >•»«♦»«» iiiiidid# m ♦>*«»«»eada I SM« M«»«!(,«,••••» Himburcier Käse p». 44«• 54 p» Holländer... Pwnd 7SPt Edamer.....«und 75 Pt Steinbuscher.piund 82 Pf. Steinbuschervoiit.wd. gSPt Tilsiter vo'i'eit.P'd. 95 Pt 1.15 Cremekäse..■«und 1.25 Schweizer dsn 95«.barr.1,45 Margarine Pfund 50, 58«. Kokosfett I-Pfund-Taltl 55 Pf. Molkereibutter.Pfund 1.72 Tafelbutter..'.Pfund 1.86 Dänische Butter Pfund 1,93 Geflügel und Wild GänSS«e froren.... Piund 58, 70, 80 Pi. Suppenhühner frUd,'< Flasche ohne Glas Frankfurter Apfelwein„Rackies Urquell"■... 65 Pf. Feiner Fruchtwein|oha,miabeerwe,n �lÄeerweh, 95 Pt Erdfaeerwein«ebr feine» Prochtaroma............ 1.20 Domaine St. Coloma milder, spanischer Rotwein... 1. 10 1925 NierSteiner»ehr ansprechender Tisdiweln..| dB 1924 Chät. da Reignac Bordeaun-fiachwein..( I 40 1923 Lieserer Lay rarier Mosel.......... � 1926 Oppenheimer Schloß gehst leoii. hiumi?.> � jq 1922 Chät. Raba entwickelter..............) Tarragona Rot»ud. vorzügliche Quamat......... 1.10 Rüster Gold»Ußer bürgen and Wein,'/» Liier tokaleillasche 1.20 Deutscher Weinbrand A. Descieux"u�n ��»"nni 4 VLc/n u. Spirituosen vom fad zu Extrapreisen Sahokolade TS Block-Schokolade�oignp�a-' 1 15|io:yInpia"-Ka!em die Gemeinden allen Fords- rungen nach Feftstelluirg der Höhe ihrer kurzfristigen Schulden usw. entsprochen haben. Ob die Deckung des Fehlbetrages von rund 59 Millionen ohne allzugroße Steuererhöhungen möglich fein wird, hängt davon ob, wie die schwebenden großen Fragen über die Neuregelung des , Finanzausgleichs entschieden werden. Hier muß insbesondere die Berliner Beoölkerrmg und Mrtsbaft mit der Stadtverwaltung einig sein in der Forderung und dein Ziel ein« gerechteren Verteilung der Einkommensteuer durch Aufhebung oder wenigstens Aenderung d« relativen Garantie. lLeifall.) Auf Vorschlag des Vorstehers, Genossen haß, findet die Ans- spräche am 2. und Z. Februar statt. Aus der Reihe der vor der Rede des Kämmerers gefchäfts- ordnungsmäßig behandelten Bewtungsgegenstände ist besonders die Lorlage wegen der Zusammenlegung der städlischeu Druckereien zu«wähnen. Die leistungsfähigsten Druckereien waren die Plakat- druckerei der �Verek"(Berliner Reklame-Gesellschaft) und die städtische Druckerei in Neukölln; diese sind in neugemieteten Räumen im Zentrum der Stadt zusammengelegt. Die Heranziehung der bedeutend kleineren Betriebe in Spandau, Reinickendorf und Schöneberg soll später ersolgen. Der vorberatende Ausschuß ließ durch seinen Berichterstotter, Genossen hafv die Zustünmung der Stadtverordnetenversammlung beantragen: oie städtischen Betriebe und Gesellschaften sollen angewiesen werden, ihre Aufträge in«st« Linie d« städtischen Druckerei zu geben. Die Deutschnatio» nalen und die W i rt scha st spa rtei ler waren gegen die SchoffungeinerstädtischenDruckerei. Durch die Linke wurde jedoch die Vorlage angenommen.— Eine längere Aussprache entspann sich dann um die Borlage wegen des Grundstücksaustausches ia der Vellevuestrahe. Die tm Berkehrsintevcsse liegende U mz; e st a l t u n g des Pot s- damer Platzes erfordert die Befestigung des Borgortengeländes am Hause Belleouestraße 1 und die Einebnung zu Straßenland. Die Besitzerin des Geländes, die Canada-Land-Company. will es gegen Umtausch eines passenden Grundstücks, zu Belleouestraße 2 gehörig, h«geben. Nach dem Ausschußbeschliiß soll die Company 799 999 Mark zuzahlen. Die sozialdemokratische Fraktion hatte dazu folgenden Zusatzantrag eingebracht: Die Stadtv«ordnetem>ersammlung stimmt der Borkige unter folgenden Bedingungen zu: Der Betrag, welchen die Canado-Lanl»- Company Aktiengesellschaft für Ueberlassung ihrer Grundstücks- icrle im Tausch gegen das Haus Belleouestraße 2 zuzuzahlen hat. wird von799 999 M. auf899 999 M. erhtcht; die Canada-- Land-Eompany Atttengesellschaft übernimmt die bindende Verpflichtung, das Grundstück bzw. den darauf zu ec richtenden Neubau, sofern er für«in Warenhaus, gleichviel uitt« welch« Firma. Nerwendung finden soll, nur an«ine deutsche Aktiengesellschaft zu oennieten, zu verpachten oder zu verkaufen. Auf Antrag des Demokraten vl«lea wurde die Angelegenheit vertagt, um abzuwarten, welche Entwicklung die ganze Umgestaltung des Potsdam« Platzes und ter damit zusammenhängende Grund- stücksbedars nehmen wird. Eine ganze Reihe Grund st ücksan- und verkauf« wurden ohne Aussprache nach den Beschlüssen des Grundstücksaus- schusses angenommen. Mit d« Verabschiedung viel« kleinen Bor- lagen und Anträge schloß die Sitzung. * Die in d« Dienstagsitzung ausgesetzten Ab st im- m u n g e n ergaben die Annahm« des P r o t e st e s gegen den Erlaß des Prooinzialschulkollegiums wegen Hindenburgs Geburtstag(„Vorwärts* vom 25. d. 351.). Di« von den Kons- munisten beantkagte Beseitigung des Brandenburger Tores wurde gegen die Stimmen der Antragstell« abgelehnt. Rechtskräftiges Ltrteil. Die Berusimgsverhandlung wegen der Vestechungs-. und Wohnungsschiebungsoffäre, die fich unter dem Dezernat des Magistratsrat Dr. Hauptmann beim Wohnungsamt Kreuz» berg abgespielt hat, nahm ein überraschendes und vorzeitiges Ende. Nachdem ferelts bei Beginn der Berufungsverhandlung vor der Großen Strafkammer des Landgerichts I alle übrigen Angeklagten die von ihnen gegen das Urteil des Schöffengerichts 35kitt« ihre eingelegte Berufung zurück- zunehmen für ratsam gefunden hatten, zog es gestern am dritten Der- hondlungstage auch Magistratsrat Dr. Hauptmann vor. als letzter An- geklagter feine Berufung zurückzunehmen. Da auch Staatsarnvaltschastsrat Dr. Seidenspinner daraufhin die von ihm eingelegte Berufung zurückzog, ist nunmehr die g e g e n Dr. H a u p t- mann«kannte Strafe von 3 Monaten Gefängnis wegen Bestechung ebenfalls rechtskräftig geworden. Menschen, Göttern gleich... z, Roman von Herbert George wells. Mr. Barnstaple las diese Botschaft mit Resignation. Während er sein Abendbrot aß. schweifte sein Auge über einen Artikel, den ihm ein Freund aus China gesandt hatte, um ihm zu zeigen, wie die Japaner absichtlich die Reste chine- sischer Zivilisation und Erziehung zerstörten. Erst als er nach dem Abendbrot in seinem kleinen Garten saß und seine Pfeife rauchte, kam es ihm voll zum Bewußt- fein, was es fü, ihn bedeutete, allein zu chause zu sein. Dann wurde er auf einmal sehr geschäfttg. Er rief Mr. Peeoe an, teilte chm das Urteil des Arztes mit. erklärte ihm, daß die Dinge beim„Liberal* gerade jetzt besonders günstig lägen, und erhielt Urlaub. Danach ging er in sein Schlafzimmer und packie in bunter Auswahl Gegenstände in einen vorsintflutlichen Koffer, der nicht so aussah, als ob man ihn gleich vermissen würde, und verstaute ihn unter dem Sitz seines Wagens. Danach beschäftigte er sich einige Zeit damit, seiner Frau einen Brief zu schreiben, und steckte ihn sehr sorgfältig in seine Brusttasche. Dann sperrte er den Wagenschuppen ab und setzte sich mit seiner Pfeife und einem guten, geistreichen Buch über den Bankrott Europas in einen Liegestuhl im Garten, um so unschuldig wie nur möglich auszusehen, und sich auch so zu fühlen, ehe seine Familie nach Hause käme. Als seine Frau zurückkam, erzählte er ihr so beiläufig, daß er sich sehr nervös fühle und daß er sich vorgenommen habe, am nächsten Morgen nach London zu fahren, um einen Arzt deswegen zu befragen. Mrs. Barnstaple schlug einen Arzt vor; er aber sagte, er habe in dieser Angelegenheit auf Peeve Rücksicht zu nehmen und Peepe sei gerade auf den Dr. Soundso ver- festen— das war nämlich der Mann, den er in Wirklichkeit schon konsultiert hatte. Und als Mrs. Barnstaple äußerte, ihrer Meinung nach hätten sie alle einmal richtige Ferien nötig, knurrte er auf eine nicht gerade freundliche Art. Auf diese Weise konnte Air. Barnstaple mit dem ganzen Gepäck, das für mehrere Ferienwochen nötig war, glatt das Haus verlasten, ohne irgendeinem unüberwindlichen Wider- stand zu begegne». Am nächsten Morgen brach er»ach London auf. Der Verkehr auf der Straße war bunt und lebhaft, aber keineswegs störend, und die„Gelbe Gefahr* fuhr so sanft dahin, daß sie den Namen„Goldene Hoffnung* verdient hätte. In Camberwell bog er in die Camberwell- New Road ein und nahm den Weg nach dem am Anfang der Vaux-Bridge Road gelegenen Postamt. Hier hielt er an. Sein Vorhaben erschreckte ihn. erfüllte ihn aber auch mit Stolz. Er begab sich ins Postamt und sandte seiner Frau ein Telegramm:„Dr. Pagan sagt. Einsamkeit und Ruhe dringend nötig, fahre daher nach Seen-Distrikt, habe dies vorausahnend Gepäck mitgenommen. Brief folgt.* Dann kam er heraus, kramte in seiner Tasche, zog den Brief hervor, den er am vorigen Abend geschrieben hatte, und steckte ihn in den Postkasten. Den Brief hatte er ab- sichtlich recht schlecht gekritzelt, um Neurasthenie in vorgeschrittenem Stadium vorzutäuschen. Er erklärte, Dr. Pagan habe einen sofortigen Urlaub verordnet und ihm empfohlen, „nordwärts zu wandern*. Es sei besser, ihm während einiger Tage oder etwa einer Woche keinerlei Post nachzu- senden. Er werde sich nicht der Mühe des Schreibens unter- ziehen, außer: es ginge etwas schief. Keine Nachricht sei gute Nachricht. Wenn seine Ruhe gesichert sei, würde alles gut werden. Sobald er eine feste Adresse für Briefe habe, werde er drahten, aber nur ganz dringende Sachen sollten ihm dann nachgeschickt werden. Danach stieg er wieder in den Wagen, und das mit einem Gefühl der Freihett, wie er es feit seinen ersten Schul- ferien nicht mehr empfunden hatte. So schlug er die Rich- tung nach der Great North Road ein, ließ sich jedoch im Ge- dränge am Hyde Park Corner von einem Polizisten nach der Knights Bridge abweisen und wurde später an der Ecke, wo die Bath Road von der Oxford Road abzweigt, durch einen Möbelwagen, der den Weg versperrte, in die erster« abgedrängt. Aber das machte nicht viel aus. Jeder Weg führt nach irgendwohin, und er tonnte ja auch später nord» wärts steuern. Es war einer jener Tage voll heiteren Sonnenscheins, die für die große Dürre von 1321 so charakteristisch waren. Es war nicht im geringsten schwül. Die Kühle ringsum und Mr. Parnstaples gute Laune vereinigten sich, um ihn recht angenehme Erlebnisse erwarten zu lasten. Die Hoffnung war wieder zurückgekehrt. Er wußte wohl, daß er auf dem Wege war, dem Alltag zu entfliehen, aber er hatte bi» setzt noch nicht die leiseste Ahnung, wie vollkommen chu dieser! Weg dem Alltag entführen sollte. Es wäre schon ein nettes kleines Erlebnis, jetzt bei einem Wirtshaus zu halten und ein wenig zu frühstücken. Und wenn er sich bei der Abfahrt einsam fühlen sollte, würde er irgend jemanden aufnehmen und mit ihm plaudern. Er konnte ganz ruhig jemanden mitnehmen, denn es war ihm ganz gleichgültig, nach welcher Richtung er fuhr, wenn er nur Sydenham und die Redaktion des„Liberal" im Rücken hatte. Ein kurzes Stück außerhalb von Slough wurde er von einem riesigen grauen Tourenwagen überholt, der ihn auf-- schreckte und zum Ausweichen zwang. Er tauchte lautlos neben ihm auf und hatte ihn im Slugenblick überhost, obwohl er selbst nach Angabe seines ziemlich genauen Geschwindig-- keitsmesters gut siedenundzwanzig Meilen in der Stunde fuhr. Die Insassen waren, wie er feststellte, drei Herren und eine Dame; sie saßen alle hochaufgerichtet und sahen sich um, als ob sie sich für etwas interessierten, das hinterherkam. Da sie sehr schnell an ihm vorüberfuhren, konnte er bloß be° merken, daß die Dame von einer strahlenden Lieblichkeit war. die einen auf den ersten Blick gefangen nahm, und daß der chm zunächst sitzende Herr ein besonders boshaftes, schon ältliches Gesicht hatte. Noch bevor er den Schreck über diese vorbeisausende Erscheinung überwunden hatte, machte ihn ein andrer Wagen mit dem Ton eines prähistorischen Sauriers darauf auf» merksam, daß schon wieder jemand an ihm vorbeiwollte. Auf solche Weise— nämlich nach freundlicher Verständigung — ließ sich Mr. Barnstaple gern überholen. Er verringerte die Geschwindigkeit, ließ jeden Anspruch auf die Mitte der Straße fallen und machte mit der Hand aufmunternde Zeichen. Eine große, glatte, schnelle Limousine machte von seiner Erlaubnis, die einige dreißig Fuß breite Straße zu passieren, Gebrauch. Der Wagen führte eine tüchtige Menge Gepäck mit sich; aber, mit Ausnahme eines jungen Mannes mit einem Monokel, der neben dem Fahrer saß, sah Barn- staple nichts von den Insassen. Gleich vor ihm bog die Li- mousine um die Ecke, hinter dem Tourenwagen her. Nun, selbst eine fahrend««Fußbadewanne* kann e« nicht leiden, an einem hellen Morgen auf offener Straße in so herrenmäßiger Weise überholt zu werden. Barnstaple drückte den Akzelerator hinunter und kam mit gut zehn Mellen per Stunde schneller um die Ecke, als ihm feine Bor- ficht sonst zu fahren gestattete. Er fand die Straße vor sich ganz leer. �Fortsetzung folgt i Prozeß gegen die Reichswehrsoldaieu. Oi« Seiden Oberjäger freigesprochen. Im weiteren Derloufe der Aerhondlung gegen die Oberschützen nnr dem Potsdamer Schwurgericht wurden die AngeNagten durch einen Teil der Kameraden schwer belastet. So bekundet der Ober-- schütze Werner Krause unter Eid: Zwei Tage nach der Tat Hai der Angeklagte Tinnoppel auf der Wochistube zu dem Zeugen in bezug auf den Ueberfall geöuhert: Wir sind raufgegangen, haben das Licht im Flur ausgemacht und auf dem Unteroffizier Göritz gewartet. Als er kam, hoben wir ihn mit Fäusten bearbeitet. Hätte er nicht geschrien, dann hätten wir ihn aus dem Fenster geworfen. Zu einem anderen Zeugen soll?. geäußert haben: ...Kannst du schweigen? Ich bin es gewesen, ich habe ihm aus- gelauert. Erst schlug ich ihnt eins, dann schlugen wir ihn mit Fäusten. Er war zu schwer, sonst halten wir ihn ans dem Fenster geworfen." Die Angeklagten bestreiten, derartiges gesagt zu haben. Ter mißhandelte Unteroßsizier schildert die Tat, ümz zwar muß er sich aus� die Erde legen und den Vorfall genau demonstrieren. Vors.: „Sind Sie nicht auch vielleicht nur gegen' den Gewehrschrank gelaufen?" Unteroffizier Görlitz:„Nein, ich war doch nicht betrunken. Ich bin geschlagen worden." Die Zeugenvernehmung ergab, daß alle Ba- festigten an der Kneiperei im Kamevadschastsheim mehr oder minder dem Alkohol reichlich zugesprochen hatten. Es wurden verschiedene Spaße gemacht, und ein Schütze ging sogar mit der Reitpeitsche ins Vett, wnl er Angst hatte, daß die Kameraden ihn im Scherz aus dem Bett kippen würden. Stundenlang wird mit Gründlichkeit versucht, das Dunkel über jenen Vorfall noch der hurchtrunkenen Känicradschaftsnacht zu lichten. Viele Widersprüche sind zu lösen: Es ist das erstemal, daß in Potsdam«ine der- artige An klage gegen Mitglieder derReichswehr erhoben ist. Der ärztliche Sachverstandige kann die Möglichkeit nicht "5" �er Hand weisen, daß die Verletzungen, die der Unter- niiizier davongetragen, ebenso gut von einem Fall gegen einen harten bzw. scharfen Gegenstand herrühren können. Der Staatsanwalt beantragte unter Heranziehung des Mildcrungs- Paragraphen llsts gegen jeden Angeklagten die gesetzliche Mindest. strafe von einem Jahr Gefängnis und Dienstentlassung. � Das Gericht sprach jedoch die angeklagten Oberschützen auf Siaotskosten srei. Vorher wurde beschloffen, den Hastbefehl ourzuhssten. Das Urteil wurde im Zuhörerraum, der dicht von Reichswehrsoldaten gefüllt war, mit Bravorufen entgegengenommen. In der Begründung führte der Vorsitzende aus: daß die Hauptver- Handlung nicht mit Sicherheit ergeben hat, daß über- baupt ein« Zusammenrottung stattgefunden hat. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Unteroffizier sich geirrt bot, als er gegen einen Schrank gelaufen und In seiner Benommercheit geglaubt bat. daß er von Männern niedergeschlagen worden sei. Auch die Zeugenaussagen, die die Angeklagten mm Teil belasteten,, find- nicht aur-hchlagaebcnd gewesen zu einer Per- upteilimg. Anna Maifchke fünfzigjährig? Unsere Genoffin Anna Malsch?« vollendet l>eut«. am 27. xtanuvr, ihr sunszigftes Lebensjahr. Fünfzig Jahre find eigen!- Uli?, tvin tn i ii�rn nflonf Of«»-,-" mr___ m___.r?- Fünszigjährigen gn dieser Stelle gedenken. Als uneheliches Kind im Jahre l 878 in Rieder Gorp« a. Bober geboren, hatte Anna in Kind- heit und Jugend ein Martyrium durchzurziachsn. Schon im zartesten --?llie? mußte sie äerSietien helfen, um zün, L«bcnsuUizxML. der Familie bei.zutrageu. Nachdem sie als Neunzehnjährig« geheiratet .--.---.-hatte, kam si« bald dar Sozialdemokratischen Part« näher durch ihren Gatten, der rübriges' Parteimitglied war. Bon l898 ab arbeitete auch. Anna Malsch?« für die Partei, mit besonderem Eifer im Jahre ISflO bei der Reichstogswahl in Berlin Vl. Sie trat 1902 in den .• Verein, der Frauen und Mädchen der Arbeit erklaffe ein, der damals Pionierarbeit zur politischen Schulung der Genossinnen leistete. Beretts 1906 wurde Anno Matschke zur Lertrauensperson in Berlin V l gewählt imd zugleich erhielt sie«in Mandat zur ,vra>lenfflnferenz und zum Parteitag in Mannheim. Seit 1906 ge- hör!? sie auch dem Zentraloorstand der Berliner • P« r t e i or g a n ifat i on an und. bis 1908 wirkt« sie in der Lokal- keinmiffion mit. Im Jahre 1908 jeden wir sie wieder, als Delegierte auf der Frauenkonferenz und dem Parteitag in Nürnberg. Von da ob war Gencfin Matschke Mitglied des' Aktitmsausschusies der Berliner Parteiorganisation, bis sie 1913 nach Niederfchönhaufen übersiedelt«, das damals zum Kreis Niederbar» im gehörte. Auch in N i e d« rb a r n i in wurde sie bald wieder Vorstandsmitglied. Neben oll' dieser Arbeit war Genossin Matschke«ine der eifrigsten und rührigsten Rednerinnen in der Provinz Brandenburg. Sie scheute nicht Wind und Wetter, nicht weite Wanderungen über Land und schreckte nicht davor zurück, drei Versammlungen an einem Tag« zu haben. Nach dem Kriege, in dem sie den einzigen Sohn verlor, wählt« man sie ini Dezember 1918 zur Sekretärin für die Bezirks- organifätio» Brandenburg. Mit derselben Ausdauer und demlelben Fleiß arbeitet« sie auf diesem Posten. Leider Holle sie sich im September 1919 auf einer Agitationstour eine stark« Erkältung mit langwieriger Brust- uod Rippenfellentzündung, deren Folgen sie bisher nicht ganz überwunden hat. Genossin Matschke hat auch in der Gewerkschastsbewegung als langjähriges Mitglied des Deut- schen M eta llar be it e r verba n d e s ihre Pflicht getan. Im Jabre 1908 gehörte sie zu den Mitbegründerimten der Arbeiterinne»»' kommission dieser Gewsrkschast. Der jetzt Fünfzigjährigen wünschen mir, daß ihr der all« im Dienst der Parrei so oft bewährte Kampfes- inut»och lange erhalten bleibt. „Heil Kaiser Dir!" Mit dielen historische» Warten trompetet uns in große» Lettern eine Ueberfchrist auf einem Plakat an, das seit gestern morgen an den meisten Berliner Litfassäulen zu sehen ist. Wärt- lich lesen wir iveiter:„So fangen wir jede? Jahr am 27. Januar, aber nicht von Herzen.und nicht mit wahrer innerer Freud e." Man fragt sich: Wer hat damals mitgesungen,„nickst von Herzen und nickst mit wahrer innerer Freude"? Die Natio- u a li o z i c« l l st e n: Wilhelm Ku be, der vielfach Hcrausge- schwisseue, und Dr. Goebbels, die zu„Kaisers Geburtstag" irgendwo sprechen wollen. Sie wollen freilich am 27. Januar nicht den Kaiser feiern, der heute in D o o r n privatisiert, sondern einen Kaiser, den sie sich selbst ausgedacht Iiaben. lind wer ist das? Der „32,ahrigr amerikanische Bankier und Reparationsagem Parker Gilbert. Natürlich richtet sich der ganz« alberne Mumpitz gegen die P e r st a» d i g n n g s° und Friedenspolitik des Irpublikam jche ii Deutschlands, die heute jooar von den einstmals lst-nau so radikal austretenden deutjchiiationalen Bürgerblockbrüderri mitgemacht wird. Möge man die Rottonalsvzialiste» meckern und krähen lassen! Wenn sie sich aber ausgerechnet in ihrem Auf- ruf. wie st« ausdrücklich schreiben, an die„Frontichwrtne" und die anderen Kriegsopfer wenden, s« sollen sie sich gesagt fein losten: Di« Mitglieder ihrer Kolonnen sind entweder so alt, daß sie 1914 höchstens noch ga rn i s o n di e n st fö h ig waren, oder so zung, daß sie damals noch kurze Hofen trugen! • Zilm.volkswocheuichao. Aktuell, kritisch, zeigt st« st, bunter Fosge Aufnahm«» von dem führenden deutschen Pazifisten Profeffor Dr. Ouidd». interessant« Bilder oon den letzten Eportmigir.ffe» BolksbräUche au» fernen Ländern, heitere Aufnahmen von dem Kmmlerp«« LoteMw'Karlstädt au, München und and«««che. Die Irrfahrten eines Gefangenen. In 22 Tagen durch Deutschland. Aus dem Untersuchungsgesängnis Moabit erhalten wir«ine Zuschrift, die uns in gewissen Einzelheiten interessant genug scheint, um sie im Auszuge wiederzugeben. Auf der Fahrt nach Zürich begriffen, wurde«n gewisser H. in Lindau am Bodensee verhaltet. Er war in einem schweizerischen Fahndung»- blatt ausgeschrieben worden, weil«r von Zürich aus wegen Be- truges und Unterschlagung gesucht wurde. Er gibt nun an, beantragt zu haben, ihn mit seiner Einwilligung formlos der Schweiz zu überstellen. Eine Austieserung kam nicht in Frage, da er deutscher Staatsongehöriger ist. Er be. gründete sein Ersuchen dahin, daß doch das Hauptinteresse der schweizerischen Behörde darin bestände, über sein« Person zu versügen.-Seinerfeits aber habe er ein Jntereffe daran, nach Zürich zu kommen, um die Angelegenheit zu klären. Eine Fahr- karte noch Zürich hatte er in � der Tasche. Der bayerstch« Zlmtsrichter in Lindau habe sich einverstanden erklärt. Da aber sei die Staatsanwaltschaft l Berlin dazwischengetreten, wrtl Zürich auf diplomatischem Wege seine Strafverfolgung in Deutsch- land beantragt hätte. Eines Tages kam dann Auftrag aus Berlin. ihn mit Sammeltransport nach dort zu senden. Nun lehnte der bayerische Amtsrichier die Verantwortung für«ine formlos« Ueberstellunq ab. Von Lindau, da? wenige Stunden v«n Tatort Zürich entkernt liegt, begann nun der Transport noch Berlin. Er dauerte insgesamt 22 log« für eine SI recke, die gemeinhin In 16 Stunden zurückgelegt wirtü Seine Ankunft in Berlin schildert der Unter- suchungsgeianaene mit diesen Worten:„Mistig und dreckig wie ein Schwein, ungewaschen, ungekämmt, abgeriffen, voll Um geziese? und mit einer Hautflechte behaftet." Im weiteren beichreibt H. Einzelheiten mm dieser U eberfahrt. denen nachzugehen Pflicht der Justizbehörden ist. Wir lassen ihn sprechen:. Friedrichshofen in Württemberg. Gendarmerie- station. Eine Zelle, drei Meter hoch, in den Wänden steht dos Waffer. eine Pritsche, darauf ein schmieriger stinkender Strohsack, zwei Deckensetzen, bei vier Grad Kalle ein kalter Ofen, ein ungereinigter. bolbgesüllrer U rin k ü b«l. der die Luft verpestet, eine eklige Waschschüssel, kurz ein komvletter Schweine- stall." Bettuch und Handtuch sind mehr als benutzt und unbenutzbar! In Lindau war. so schreibt H., ihm für die Reise ein Test seiner T o i l e t t e n g e g e n st ä n d e wie Seif«, Zahnbürste, Kamm, drei Taschentücher, ein Paar«trimipse und ein Hemd aus« gehändigt. In einem Paketchen habe er diese Sacken bei sich ge- führt. Die Verwalteria in Friedrichshasen habe ihm das Paket mit dem vemerken wegnehmen wollen, daß ein Iransportgesangener „nur ein Schmutztüchel im Sack" führe» dürfe. In Stuttgart sei ihm das Paket dam, abgenommen, weil eine derartige Verfügung imglaubsicherweise tatsächlich bestehen soll. Alle Beschwerden seien nutzlos geblieben. Dafür aber fei in Stuttgart jedem Ge- tangenen, der zehn Wanzen lebend oder tot vorwies, eine Zigarette als Prämie verllehen worden. Im Schubwngen ging es dann in einer Fahrt, die alle Bummel- zugbegrisse übersteigt, nach Berlin. 22 �Tage long mit einem einzigen„Schmutztüchel im Sack".� In Württemberg hatte man allein einen Umweg von 470 Kilometer gemacht, der eine Reisedmier von 13 Tagen beanspruchte. Gewiß ist auch uns bekannt, daß Gefangene in den Schilde- rungen ihrer Abenteuer leicht zu Uebertrei Hungen neigen. Immerhin sind die Mitteilungen des H. so genau gehalten, doß wir die zuständigen Behörden dringend autfordern muffen, den Dingen nachzugehen und, wenn auch wir ein Teil dieser Schilderung zutreffen sollte, schleunigst Vechältmffe zu ändern, die unserer Zeit in höchstem Maße unwürdig sind. Schrelkensurteil der Kartmam- Kammer. Wegen des Liebesabenteuers eines Malermeisters. Der Schauplatz einer Verzweiflimgsszene war der Derhandlungs- saol der Großen Strafkammer des Landgerichts II, die unter Vorsitz von Üandgerichtsdirertor H a r t m a n n tagte. Hier wurde in der Berufungsinstanz«in Urteil gefällt, das im Gegensatz zu dem teils freisprechenden, teils milden Urteil des Schössengerichts Schöneberg über vier Angeklagte, sämtlich bisher unbestraft, zwei junge Arbeiter und zwei jung« Mädchen, schwere Gcsängnisstrafcn verhängte unter sofortiger Verhaftung aller vier Angeklagten. Die Verurteilung erfolgte wegen räuberischer Erpreffimg, und das Opfer wgr ei» verheirateter Malermeister, der eines � Nachts auf Liebesabenteuer ausgegangen war. Auch für ihn hatte dieser Dorfall ein übles Nachspiel, da seine Ehe dadurch in die Brüche gegangen ist. Die beiden jungen Mädchen G. und B. hatte er in einem. Lokal kennengelernt und war mit ihnen weggegangen, um lnp«"Smch« am Priesterweg oukzusüchen. Die Freunde der beiden Mädchen, die Angekfagfen P und K-. waren dem Maler. meister- mS'semen Beoketstrinnen gefolgt.- Am Priesierweq in voll- kommener Dunkelheit'stelllen si« den liebesbedürftigen Malermeister. Mit. geballten Fäusten standen sie plötzlich vor ihm. In feiner Angst bat dieser, ihn? nichts.zu tun, und bat ihnen eine Sireichholzschachtel an, mit dem Hinzufügen, daß darin 10 Mark seien, die er für die Mädchen als Geschenk bestimmt hatte. Angeblich wollen die beiden jungen Leute zunächst dos Angebot zurückgewiesen und nur ihre Dräute zurückverlangt haben. Roch ihrer Behauptung wäre es ihnen aus einen Ueberfall gor nicht angekommen, sondern sie seien nur eifer- süchtig gewesen. Jedenfalls aber haben sie dos Geld und noch 30 Ps„ die der Malermeister in seine, Angst in den Westentaschen zusammen- suchte, angenommen und sind mit den beiden Mädchen abgezogen. Die vier Beteiligten wurden wegen schweren Straßen- r a u b e s angeklagt und der Stoalsonwalk hotte sogar Zochthau»- slrasen bis zu fünf Zahreo beantragt. Das Skhöffengerichl hatte die beiden jungen Männer nur der Nötigung schuldig belunden und zu vier Monaten Gesöngnis mit Bewährimg skrist verurteilt, während die Mädchen freigesprochen wurden. Die Strafkammer erblickte jedoch in der Handlungsweise der vier Angeklagten ein abgekartete» Spiel und nahm räuberische Erpressung an. P. wurde zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis, die anderen Angeklagten K.. G. und B. zu je einem Jabre Gefängnis verurteilt. Ein Urteil, das den Angeklagten so überraschend kam. daß si« in voller Verzweiflung in lautes Jammern und Schreien ausbrachen. Die beiden männlichen Angeklagten P. und K. bekamen Wutkrämpfe und schlugen derartig um sich, daß die Holztäfelung an der Wand der Anklagebank zertrümmert wurde Nur mit großer Mühe gelang es vier Jusiizwochtmeiftern, die Abführung der Angeklagten ins Gesang- nis dnrchziiiühren. Der Wutausbruch der bis dahin unbestraften jungen Leute ist menschlich begreiflich: Hatten sie zum erstenmal im Lehen gefehlt, so dursten sie das Urteil des Schössengerichts als ausreichenden Denkzettel betrachten. Ganz unver- stündlich dagegen erscheint das Urteil des Gerichts— von dem Stro?- aittrag des Staotsanwatts schon gar nicht.zu reden: fünf Jahr« Zucht- bau?! Mag sein, daß das Nargthen der jungen Leute abgekartetes Spiel war. Mag fein, haß ihre Erpressung nicht ungestraft bkeiben durfte— bestimmt durfte sie dos nicht. Man vergleiche aber den Antrag das Staatsanwalls und dos Urteil des Gerichts gegen dies« jungen Leute mit Antrögen der Staatsanwaltschaft und Urteilen in einigen anderen Prozessen aus der letzten Zeit. Der b« w a f f- nete Ueberfall auf den Klausner eildete mit geringe» F r«i h ei tsst rufen: die Berurteillen wurden auf freien Fuß gesetzt. Der bekannte Ueberfall des völkischen Stu- denten mit Waffen in der Hand in einem der größten Berliner Hotels wurde nur mit einer geringe» Strafe quittiert. Und hier? Ohne Waften stellen die jungen Leute nachts einen Mann, erhalten von ihm 10 Mark und machen sich aus dem Staube. Das war die räuberische Erpreffung, die mit einem Jabre refp. mit einem Jahre und sechs Monaten.�ejühnt" werden mußte und die der Staatsanwoll mit sünf Jahren Zuchthaus „gesühnt" twisseii wollte. Für eine derart„volkstümliche" Justiz— die Urteile ergehen ja„im Namen des Volkes"— dürfte das Volk wohl wenig Verständnis haben. Man darf die Hoffnung aussprechen, daß die Strafe auf dem Wege der Gnade gemildert wird. Oer Ueberfall auf eine Potsdamer Kinofasse. Schwere Zuchthausstrafe für eine leichtfertige Tat. Wegen Diebstahls unter«rfchwerenden Umstand«», versuchten Totschlages und unbefugten Waffenttagens stand gestern der 22jährige Tischlergesell« Kurt W. aus Nowawes vor den Potsdamer Gefchivorenen. Der Angesagt« war im Oktober vorigen Jahres durch eigen« Schuld orbeiislos geworden, und begab sich, um sich in den Besitz von Geld zu setzen, an die Kasse de e Alha m b ra-K i no s in Pots- dam, griff in einem unbewachten Augenblick hinein und eignete sich dabei 11 Mark an. Man nahm die Verfolgung auf der Sttaß« auf, und der Angeklagt« gab mehrer« Schöffe aus einem Revolver aus seine Verfolger ab, die den«inen nicht unerheblich am Arm»er- letzten. Ein resoluter Chauffeur warf dem Fliehenden«ine Auto- kurbel zwischen die Beine, so daß er stolperte und verhaftet werde» tonnte. Den Revolver hatte sich der Anqektoqte im Sttaßenhondel in Berlin in der Liniensttaße sür fünf Mark gekauft. Da? Urteil einging auf drei Jahr« Zuchthaus und Einziehung der zur Tat benutzten Waffe._ Mordprozeß Kranch am». Febrnar. Die Steglitzer Sch ü l e r t ra g ö d i«. deren Opfer be- kanntlich der Schüler Günther«cheller und der Koch- lehrlingStephan wurden, wird schon in allernächster Zeit das Schumrgerlch! des Landgerichts II beschästigen. Nachdem erst vor- gestern das Hauptversahren wegen Mordes und Verabredung zu einem Morde eröffnet worden war, ist gestern bereits Termin zur Hauptverhandlung aus den 9. und 10. Februar festgesetzt worden. Nach der Anklage hat zweifelsohne nicht der Angeklagte Primaner Ärontz den tödlichen Reoolverfchuß aus den Kochlehrling Stephan ab- gegeben, sondern Günther Scheller, der sich gleich daraus, wie er- innerlich, selbst erschossen hat. Di« Anklage jedoch hält Mittäterschaft des Krantz für vorliegend, weil er Günther Scheller den Revolver gegeben und Scheller dann nur das ausgeführt habe, was vorher zwischen ihnen beiden besprochen und vereinbart gewesen wäre. Den Vorsitz wird Landgeriechsdirettor Dust führen. Ausstellung der Naturfrcunde-Photographen. Im Hause des Staats- und Gemeindeorbeiterverbandes, 3 o• bannisstraße 15, eröffnete kürzlich die Photogemein- ! l cha ft im Tounstenverein„Die Naturfreunde" ihre Sahretau». stell ung. Die Ausstellung beweist, daß die Kurs« und Lehrgänge - gute Früchte getragen baden Eck»» die äußer« Aufmachung zeigt. i daß die Arbellerschaft hier«tue Organisation hat. die nicht nur ähn- lichen im anderen Lager ebenbürtig, sondern auch überlegen ist. Ruhig und fachlich ist der Eindruck. Es herrscht dos Landschafts. b i l d und in diesem wieder dos gewastige, eindrucksvolle Hochgebirge vor. Aber auch die Großstadt und ihr Elend wird nicht»er- schwiegen. Ein Besuch der Ausstellung, die noch bis Sonntag, den 29. Januar(werktags von 18—21, Sonntag von 10— 18 Uhr) bei freiem Eintritt geöffnet ist, kann jedem empfohlen werden. Die unruhige Erde. Tornado in Amerika.— Erdbeben in Europa. Die au» New Jork gemeldet wird, find bel dem schweren Sturm, von dem die amerikanische Ailaatltküstc heimgesucht wurde, in New Aork allein 20 Personen verwundet worden. Der ernsteste Unglückssall ereignete sich im Armenoiertel von 7lew Park. wo sechs Perfoaeo bei dem Einsturz eine» hause« schwer verletzt wurden. Wien. 26. Januar. Heute um 21,12 Uhr wurde in sämtlichen Bezirken Wien« ein Erdbeben verspürt, das die Fenster zum Klirren brachte. Die Seismographen zeigten starte Ausschläge. Es handelt sich um ein Nahbebcn, dessen Herd in dem seit zwei Momnen nicht zur Ruhe gekommenen Gebiet von Schwadorf lisgen dürste. In Schwadorf selbst wurde das Beben fünf Sekunden lang am stärksten verspürt. Bisher sind keine Schodenmeldungen ein- geiausen. Rom. 26. Januar. Das Städtchen Cardinal« in Ealabrien. das seit Jahren durch wiederholte Erdrutsch« bettoffen wurde, ist Herne wieder von heftigen Erdrutschen heimgesucht worden, wodurch sieben Häuser zerstört wurden und vierzig Häuser in groß« Gefahr gekommen sind, da sie sich in der Bahn de» langsam rutschenden Geröll» besuchen. 300 Personen sind ob- dachlo». Bettetdeb'segramm de, Ministerpräsidenten Braun an den Prensftichen Landkreistag. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Ministerpräsident Dr. Braun dem Preu- feiCckfion QnrrSPrMieii***__ Ko« T)dh ftf /+!/»*» Verbreiterung der Hermannstrafie in Neukölln. Die � Heniiannsiraße in Neukölln, zwischen Karlsgurtenstrahe, Bicbnchstrobc, Berliner Straße und Huscnheid«. die bisher eine Breit« von 25 Meter hatte, soll nach den Plänen des Städtebau- omtes nunmehr aus 3� Meter verbreitert werden. Die bisherige Strahenbreite ist nämlich für die Durchfährung des grcßen Verkehrs in Anbetracht des starken Gefälles vollständig un- genügend, um so mehr, als es sich um eine Hauptquerverbindung vom Innern der Stadt nach Buckow und Groß-Ziethen handelt. Eine Spur d«s verschwundenen Suaden? Das Verschwinden des 2� Jahre alten f�redv Kurze ist noch immer nich: ausge- klärt. Bei der Kriminalpolizei hat stch jcjzt eine Frau ge- meldet, die«tne Spur" von dem Kleinen gefunden zu hoben glaubt Fredy verschwand bekanntlich am Wontag, dem l6 Januar mittags, als er seine Schwestdr aus der Schule in ISrsseldc erwanete. Dies« Frau nun besuchte an demselben Tage ein Kino in der Müllerstraße zu Berlm Abends um 7'� Uhr, auf dem Ruckweg« von dort, be- qegnete ihr Zwischen dem Rumnrelplast in der Müllerstraße und der Luxemburger Straße ein Mann, der einen Knaben von etwa 2 I a h r e n auf dem Arme trug. Es fiel ihr auf, daß der Kleine trotz der Kälte ohne Kopfbedeckung und Mantel war. Auch die Spielschürzc mit Figuren fiel ihr in die Augen. Ob man es hier wirklich mit dem kleinen Fredy zu tun hat, läßt sich keineswegs sagen. Die Äriminatpolizei hat sofort auch diese Spur ausoenommcn. den Mann mit dem Kleinen aber nicht gefunden. Mitteilungen an Kriminalkommissar Gahmig im Polizeipräsidium. Die Auswirkung der Archllch-reaktionären Avmaßung. wie sie bei den Beratungen über dos Reichsichulgesetz zutage getreten ist, zeigt sich jetzt schon in einer erhöhten Werbetätigkelt" der freien Schul- gemeinden für die Neugründung weltlicher Schulen in B e r k i n und in einein Zustrom neuer Anhänger zu den wclt- tichen Schulen. Auch die freie Schulgemeinde im Bezirk Wedding, der.zu den Hochburgen der Bewegung für die weltlichen Schulen gehört, tritt in mehreren öfsentlichcn EUernversammlungen werbend vor die Arbeiterschaft. Die nächste dieser Versammlungen sindet mit dem Thema„Die weltliche Schule, die Schule der Arbeiterschaft� am Freitag, dem 27. Januar, abends 548 Uhr, in der Aula der Volksschule in der Demminer S t r. 27 statt. In der Der- sommlung werden interesiante Lichtbilder aus der modernen Unter- richts- und Erziehungsarbett der welllichen Schule gezeigt. kos Selchsbevv« Schiaewelde veranstaltet am Zrellag, dem 27.."Zannar, W!, Uhr, im Blumengaiten eines republikaniiiben Abend. Es Ipiechen der Kaunolsißende Genast« Stelling van der SPD. lowte vom Zentrum ihedaiteur Kellermann und von der DTP. Dr. Müller-Potsdam. Aceie Schulgeweind« Wilmersdorf. Unlerbaliungsabenb, Sonntag, den 20. Yanuar. 16,30 Ubr, in der Aula des Stein-LuzeumS, Vcimari'che Strohe 2l»24. Zwei moderne Schulsttme:.Scha-rfenberg, eine Schul- iabrt der Stadt Berlin�,„Wickersdorf, die Schule der Zurunfl', dazu Kmdcrgruppen einer weltlichen Schule, unter Beteiligung der Binder freunde TLümrrsdors. Erwachsene 30 Pf., Kinder frei Gäste willkvmmcir. Sie Arbeitsgemetn chaft für Forstfchotz vad Aotvrkvvde S V. veranltallet am Sonnlag. dem 23. Januar, eine Wanderung nach Schöneiche. Treff- vunkl: 10 Uhr Bahnhof Friedrichjhagen. Führung:""Herr Studtenrat Dr. Löpelmaim. t-gortrag in Horn» Kurbaus: Naturschutzgedanlen im Rahmen des römisches Rechtes.) Vortrag» ad esd bei de»?r«usdea der inlerualiovales kleiuarbeii Ge- sosie Franz Furtwängier, der Indien auf einer längeren Studien- reffe kennen lernt«, spricht am Freitag, 27. Januar, 13V, Uhr, im Saal I des GewertschaslShauies, Engeluser, über»Die indische Arbeiter- bewegung'. Dieser Doittag wird die Hörer mit einem der duntcfften Teste der britischen Kolonialgcichichte vertraut macheu. Er wird ober auch das erwachende Indien zeizen, das aus dem Wege ist, sein eigenes Schicksal zu schmiede»! aNeberverlavunlung crrolgt an M« MitgNeder und Intereffente», die sich bereits gemeldet hoben, Kurch die Post. Außerdem findet vorher Bekannt- gab« im„Voemäris" statt. Alle sportsfreudigen Zugendgenosten und solch», die der sozialistischen Bavegung nahestehen, werden zum Beitritt auf- gefordert. Morgen, Sonnabend, 28. Januar: 48. Abt. IS1-: Uhr bei lleller, Fürsten str. 1, Abrechnung sämtlicher Bezirks- flth-er. 57. Abt. Sharlottenburg. 1. und t SruPpe! Lonnabend von 17 bis tS Uhr, Sonntag von g bis 11 Uhr Agitation für die weltlich« Schule. Wie Ge- nossiuncn und Sensstrn werden gebeten, Material obzüholeu. Lokal Thunyck, Wielandstr. t. s 188. Abt. Zohanniithast A» Übe»ei Schreioer, Friedrichttr. I, amilierabend. Rezitationen, Erzählungen, htimoristtsch» Borträg- nsw. ftZ ~"""""""~ nilie«. g Leiern S fei Dort ragender: Aeinz Barthel. Alle chenosten find mit!hr»n Familie» angehöriqcn nebst Freunden und Betannteu sowie.Vorwärts herzlichst eingeladen. «nstulMoge» für diese Rnbril find »erli» S« 8», Lindenstraß» it. G pafieinachrichten�MikfürGroß-Nerlm stet» an da» Beztrlätetmariat - Hos. 2 Zrrp. recht», zu richte». I. Xrtit Srenzkr». Bezirk»- erardaeteotratti»»: Sißuug brüte, Freitag, 27". Zautiar, l!» Uhr, Plenarsaal. Piinlrliches Erscheinen aZier Mitglieder dringend» Bslicht. ».»rein Vitwersdort. Frei« Schntgemeiode: San»tag, 2». Zannar, 18'1 Uhr, Uaterhallan»»abend. Zwot moderne Schnlsilm«! �Zcharfeaber»»ab „Wicke r»dorH.«indergrnv«» dr» Kindersrennd« i« einer weltlichen Schnle. Eintritt: Erwachsene z, Pst. ftiader frei,»äste find herzlichst willkommen. -- Bi« atlwijchentlich Freitaas stattiindenden Kursnsabcnde in der Ober- realschulo am Seepark>n Wilmersdorf fallen bis auf weiteres aus. 28. ltrei« Reinickendorf. Montag. 80. Januar, lg Uhr. im kleinen Eihungssaal des Kaibaufes zu Wittenau Sihunq des erweiterien lireisvarstandks. 24. Abi. in den Eomenins» Reziiat>na-n:!'l Heut». Freitag, 27. Zannar. IS Uhr. sälen. M-melrr Sir. 87. Politifch Saeiri-che- Abend. M Erich Werner». Zrstrrbe: Ott» Meier, M. d. L. Karten»» 8» Pf. � find nach»» der Kaste zn baden. Alle chenosten find mit ihren An- gehörigen nebst F renn den. Bekannten nnd„Vorwä rt»". Lesern herzlichst s'll eingeladen. 87. Abk. Ennnewald-Eichlam». Mitglied-, be» Arbriter-Turn. nnd Spart- bnade»: Bekanntgab« der ersten Sportoeranstaltung und auch der Mit- IZl. Abi. Ricderlchäuhanlen. Ausnahmsweise l3 Uhr Funktionärfitzung und Bildungsousschußfizung be! Klindt, Am Friedcnsplag. Die Bczirksfilhrri- slempcl sind zwecks Umtausch mitzubringen. �ezirksausschuh für Arbeiterwohlfahrt. 7..Krei» Eharlottenbnrg. Freitag, 27. Zannar, pünktlich 181; Uhr. Akten. bcsprechung" an bekannter Stell«. Anschließend 20 Uhr im Zimmer SSI . Eikung aller in der Wohlfahrtspflege tätigen Genossinnen Utid Genossen. Fogesordnung:>. Neuwahlen. 2. Verschiedenes 17. Krei» Lichtenberg. Freitag, 27. Zanuar, IS'ch Uhr, im Rathaus Lichten. bcrg Schulungskursus. Referent Genosse Blaschk«. Thema:„Das Anbei:,» lofenverficherungsgeseß' sFortsehung). Um rege Beteiligung wird gebeten. IS. Krei» P-ntoa. Freitag. 27 Zanuar, ISl, Uhr. im Lokal Weyer iTÜrki- fches Zelt), Breite Straße. Vortrags- und Ausspracheabend llber das neue Arbeitslofenpersicherungsgeseh. Referent Stadtverordneter Genosse Lcmpert. Alle interessierten Genossinnen und Genossen find eingeladen. Zungsozialifien. heule, Freitag. 27. Zanuar: Gruppe Dcdding-Gesundbrunnen: Pünktlich 20 Ledigenheim» Am Brunnenplai logische Kunfibetrachhrngen." Referent Franz L der SAZ. sind willkommen.— Grnppe Setöned« Hauptstr. IZ(Harzganz�mmer) Ausss Sozialiflische Ardeltersugend Groß-Serlm. Barfißendenkanferen, Sonnabend, 23. Zanuar, pünktlich 18 Uhr, Im große» Sitzungssaal des Bezirksamtes Areuzbcrg. Vorckstr. 11. Ohne Ausweis und Mstoliedsbuch kein Zutritt. Delegierten Meldungen zur«eneraluersammluna, Antrag» und Borlchläqe für die Wahlen müssen des spätestens Sonnabend, 28. Zanuar, dem Sekreiariat cmgereicht sein. heule, Freilag. 27. Zanuar. ISMs Uhr: Geburtstags-sseier."— Andrea-Plag: Heim Brommyfir. 1 �co Tolswis Leben, Werke und wir."— Stralauer Biertel: Seim Goßlerstr. 81.„Kaisers Geburt» tag."— Warschauer Viertel, Rate Falten: Comeniussälc, Memeler Str. f-7. Satirischer Abend. Eintritt 80 Vf.— Kattbusser Tor: Seim Reichenberger Straße«8.„Sturmzeit der Technik,"— Süden! Heim Borckfir. u. Karl-Lieb- knecht.!...... .spräche, Versammlung am 10. Februar. Me Mitglleder müsten erscheinen.— Gruppe Süden: 2V Uhr im Zugendhcim Dorckstr. 11 Bartrag:„Die russisch« Revolution." Sonntag Fahrt. Näheres darüber aui dem Gruppenabend.— Gruppe Mitte: 20 Uhr Im Zugendheim Zehd:nicke"r Ecke Gonnannftraße gemeinsamer Gruppen. abend mit der<5AZ. Aussprache:.SAZ. und Zungsozialisten." und Sterbetafel der Groß» Äerliner Partei- Organisation| #8. Abi. Renlölla. Die Einäscherung de, am 28. Januar verfiorbenen lang. sährigcn Genossen Oskar Kugdan», Zuliusstr. 8, findet heute, Freitag, 27. Zanuar. w'.h Uhr, im Krematorium Daumschulenweg statt. Um rege Be- teilionng bittet der Vorstand. Abt. 12?z starledors-Süd. Unser langfllhriger Genosse Antn» Für st er Ist am Mittwoch plötzlich verstorben. Ehre seinem Andenken. Die Bestattung -indet am Dienstag, 31. Zanuar. statt. Nähere Mitteilungen über Ort und "Zeit der Bestattung werden noch rechtzeitig im vorwärts" erfolgen- Wetterbericht der Sfievlllchea weilerdievstsselle Berlin und Uwzrgevd fNachdr. oerb.). Aetlt stark bewöckt mll einzelnen Niederschlägen, lang- same Abkühlung mit ziemlich srffchen von Südwest nach West drehenden Winden.— Jfir veuffchland; Im nordwestlichen Teutschland nochmals trocken, im übligrn Reiche vercinzelis leichte Niederschläge und langsam von West nach Oft sorischreüende Abkühlung. Der Nachtnillag ist Nobert Schumann jn:widm?t, aller- dinfls dem Schumann d«s Salons, dein Romantiker, nickst dem ringenden Äüilstter. Dora Bcrnjiein-Börner singt eine Reihe der bekannteslen Schumann. L'eller. Ihre Stimme Hai an Ausdruck ge- wonnen, die Tön« werden gebunden, und die Künstlerin singt ein- fach, ahne irgendwie.glän.ziwi zu- wollen. Das. herührt sympathisch, aber lerder. klin� die Stiinmo mr Rul�stünk!.v!cht f«i, eine gaumige TongÄ'lmg'stön.- Lila'- SchckLdiuhGpÄiansh.'-WiM...«nt hartem Anschlag und nimmt. Aompofinonen. ime den„Faichsngsfchinonf und die �Arabeske"' zu pathetisch, zu wuchtig. Sehr gut in Zu- fammensetzung und Ausfiikinrng ist das volkstümliche Orchester- konzert am Abend, das Seidler-Mnller mtt der„Euryanihe-Ouver- türe" einleitet, yerade diese.Art von Konzerten mtt kürzeren, b«- deutenden Kompositionen müßt« oft im Program, n vertreten sein. Paul Schramm mit seinem meisierlichen und durchgeistigston Spiel ist der Solist. In der Reihe„Mensch und Arbeit" erzählt Albert Leßle von den Leiden eines Krankenkassen- angestellten und bittet das Publikum um Rücksichtnahme mit den Beamten. Ueder die Schilderung von dem Tagewerk des Beamten hinaus entwirft er ein genaues Bild von dem Aufbau der Krankenkassen und gibt den Hörern Erklärungen über die not- wendigen Formalitäten bei Inanspruchnahme der Kasten. Hermann Kasak spricht über die ncuernannten Mitglieder der Dichterakademie. Mtt einem Satz charakterisiert er die Persönlichkeiten. Den.�aupiakzent legt er aber aus die Ziele der Akademie, die er hauptsächlich in der sozialen Befestigung des Dichters erblickt, in dem Bemühen, den künstlerischen Ruf mit der sozialen Stellung in Einklang zu bringen. F. S. Heim Haopistr. 15. Kaiser Wilhelms Geburtstägsfeier.— EhattottiNbnrq: Hein« Rostnenstr. 4.„Mein« Erlebniff« in Rußland.— EharloU-nbvra Nord: ixim Slbcrsstra�..„Das Wandern."— Reuliill» sAelterennruspr): S-im Kynncr Straße. Aussprackeabend.— Bohnsdorf: Seim Wachielsti. 1. Lichtbilder» vortrat?:„Unsere Mark Brandenburg."— Köpenick: Selm Grünauer Sir. ö. .Landstreickiergeschichten."— BaunriGnlenweg: Helm Ernftstr. 18. Äaifer�r- burtitags- Feier.— Niederfcköneweide: Scknile Berliner Sir 81. Politisch- Satirischer Abend.— Kaulebors: Schule Adolfstr. 25».„Fahricnrrlebnisse." Lichten b«rg.R»rd! Heim Dvssestr. 22.„Auzust Bebel."— Pnnkp» Ii Hei» Görschstr. 14. Hermann-Löno-Abend. Vorträge, Vereine und Versammlungen. FA» Rmckisbanner S�'marr?lot.-deich»h«in: 12 Uhr oui den Sammelvlätzen der Kameradschaften, mit Mustk und Fahnen. Krenzbergi 181* Uhr in Weiß-nfe», Heinersdorser Ecke Gustav-Adalf-Stroß». Wil—-eedoes: Di» Kameraden schließen stch der Fabnenabvrdnnna("Kamerad Mielke, Holsteinisch« Str. 5) an. Schön-G-rg. Friedenau: sllii Uhr Wartburovlatz. Fahr- i.'» 3 itnh 4 1�'« dorfer Ecke Gustav-Adols-Strafie In Weißens»«. Treptow«Artsnereinl: 18l: Uff, Heinersdorser Ecke Gi-stav.Ado'k-Strobe. Ablabri vom Rist. Ni-der-chönew-ide 12t!. Ubr. ÄGBrewe'd« tZunakameradenl: Sämtliche radiabrenden Kameraden pünktlich IRH Ilbr Marktplatz Oberschöneweide. Gäste willkommen. K-chkenber« nebst kamerahtchoften: Isti. Uhr Bhf. Weifienle« mit Tambonrkorv» NN» Fahnen. Radsahr-r ohne i»8d«r. Weifieniee: l?zh Uhr„Grüner Ba"m". mit Spielmannszug. R«n»„n> fOrtsverein): 18 Uhr Rornhotmer St-atze Eck« P*5n- hanfer Allee.— Renk�lln-Britz: Sonntag, d 2»., 1. Kam-rad<"chaft pünkt?>A Ions Ithe Antrct-n Re-sterpiatz zur Autotahrt nach Schönt,?d und Ratz,,,. Pflichttahrk fiir alle.— Beenzlnne» Bern: Sonntag, d. A., 18 Ubr. Bezirksanff zum Marsch nach Weißens»«. Pflichtneranstaltung. TqMgraphiiGe» Orchester. Direktion Erich Gutzeit. Uebungsstundr Zedetz Freitua in Reuklilln, H«rmannstr. 199, 20 Uhr. Gäste willkommen: Rieterbund de« Vern-altnna«be»>rk, Steglitz«. v. Freitna. 27. Zonuatz 20 Uhr. im Restaurant„Zum Potzcnhofer" w Steglitz. Breite Str. 4. Generah Versammlung.' Der Broninzialnerianb Brandenburg fm Bund der Berfichernngsvertrete» Deutschlands E. B.(Geschäftsstelle: Berlin W 57, Gnlmstr. 121 beaeht Monta» 80. Zanuar. fein KiSdrige» Bestekr'N durch eine öffentlich« Festützuna ll 1N>> im Hotel Prinz Albrecht, Berlin, Prinz-Albrecht-fftr. 9. Den Festndrtrag hall Generalsekretär E. Müller. 1914 Uhr folgt ein Festmahl mit anschließendem Ball fVnba. Südliche WaifenhiN«« B. Mittwoch. 1. Februar, 20 Ubr. im klein«"» Gaal de, Zentral'nftituts für Erziehung nnd Unterricht. Rotedamer Str. 120, Bor. trag. Dr. Sietrfried Lehmann, der Gründer und Leiter des Zug-nddorfe» Ben, Schemen(Palästina), wird llber die.Erzieherischen Kräfte von Erde und BvlU �B-tf-tanzkrei, Rrerzlanee Beea. Zum nemo Anfannerlursn» können"fick noch Mädel und Burschen anmelden. Uebunasabcnd jeden Freitag„in de, Turnhalle Eomarchstr. 18. nah« d-r Hufelandstraß». Turnschuhe sind Mffäu- brliraen. Kurlusgebübr Msvät IM.... Eine"«'» beliebte» Fübrunnen dneG Bl-menaLet-e�Ien. dl- Gart-ndtt-kw, L-ss-r bis"Dozent der Hüm�oidt-Dochschulli t»>mimmt. findet aN"dielem�Gonn. tag durch dt« Gärtnerei Fr-tz G.che, B,rlint«r>tz. statt.??>q-nd» Fiieder Tulnen, Amarnllig und Galla stnd dort in qrvßrn Menqen fcb'N,- lftivu n' i 10 llhr Berlin-Britz. Chaussee. Ecke Triststraß«.«arten während der Fühnin« ""°2D»'S»»pe Gboe.» Generalversammlung Sonnabend 20 Uhr Aula Stein. straße. Zum Bezirk-konzert am Sonntag 10 Uhr tm(-aalhau.Fricdnch-yan> wikb vollzähliges Erscheinen erwartet.: Briefkasten der Redaktion. Genosse 1907. 1. Sie brauche» nicht zn erscheinen, haben aber dann Zhrz Verhaftung zu erwartrn. fofcrn es stch um einen Termin zur Ablefftung bti Offenborungseides handelt. 2. Rein.— äst. H. 94._ L--8. Za,_n)cm» Nil Einkommen den steuerfreien Betrag uderstrigt. 4. u. o. Wenden ote stch an "~" Titz t Me das Öberversicherungsamt in Neustrelitz liecklbz. übergtbk man mir dem Rachwn, des Deutichen Mustterverbandes. Berlin, Kom- mandantenftr 63,61 Dönhoff 8277—74 GelchästszrU 0-5. Son&ag» 10-2 Uhr Auf Wunsch: Bertretervesuch mi IfMIATIONI-AUIITATTDRCEI ...... M C........ Arbeitersport. Die Spiele de» Soaakags. Aaodbtll. Da am 5. Februar die actUnfpiele begiaiten. jtehru stch am Seirrtag noch all« Sbumschaflen in©cfcHWaftafpi«!« gezerillbsr. SchZnel>«ra. Turner L Uttb Z. Männer fäl>rt nach Alauäöotf, Ratdenoui besucht Bornftebt, unb Spandau-Schrnimmer.Iuzenii spielt in Hennizodors. In Relnickwdprf, e-charnMeberstraße, spielen Groß-Berlin-ZAedSing 2. Jugend gegen Sparta II um Sin Uhr, die l. Iugcndmanm'chaften um 9,40 llhr und die 1, Männer gegen Zieutölln l. Abt. um lttb Uhr. In Tegel, Graf-Rödern-Korso, spielen die 5!. Männcp gegen Lichtenberg 2. Abt. II um 10 Uhr. die � Männer gegen Neukölln l. Abt. II um 12, A Uhr, die Zugend gegen Schiineberg-Sportler um 13',$ Uhr und die gleichen 1. Männer um Uli Uhr. Zu Schöneberg, Domlnicuoplah, spielen die Sportlerinnen gegen Ficht« 3. Abt. tan 10 Uhr. dt« gleichen Zuge ndnianns chaften um u Uhr, die Turnrrjugend gegen Groß-BerNn- Siiden um 1Z Uhr und di« Turnerinnen gegen Adlerihof um 14 Uhr. ZBil- mersdorf hat auf dem Preußen plah den Ruserpereln ZiorwZrto zu Gast«: es sp-«l«n die Männermannschaften um 12 Uhr'und die Frauenmannschaften um l'i'l. Uhr. Aus den Fichteplätze» stnden folgend« Spiele statt: In Baumschulen. weg um 10 Uhr Ziudcrriege gegen Ruderoerein Vorwärts und 10. Abt. gegen freie Kanufahrer, um 12 Uhr 1. Abt. gegen Sportabt. Nordost, um 1Z Üh- W>t. II gegen Spandau II und 7. Abt. n gegen Spielabi. II, um 14 Uhr Sv>elabt..Frauen gegen Sparta, um 14,10 Uhr«pieladt III gegen Sportadt. Nord III, um 1Z Uhr 7. Abt. I gegen Spielabt. I und um 15,20 Uhr 3. Abt. I gegen Spandau L In Mariendorf um 11 Uhr 20.4.Iugend gegen Moabit, um 13 Uhr l!l. Abt. I gegen 2. Abt., um 12 Uhr 19. Abf. n gegen 5. Abt. I. In Ablershof, verlängerte Helbigstraße, spielen die 2. Jugend geoen Schwimmer. Reutäll» I und 1. Männer gegen Fichte-Sild I um 15 Uhr. Sparta spielt in der(Boßlerstraße mit der 3. Männer gegen 9. Abt. II um 12' s Uhr, mit der 2. Männer gegen Adlcrshof II um 13,25 Uhr und der 1. Männer gegen Fichte 3. Abt. um lliz Uhr. In Netiiijlln, Grenzallee, spielen Alizcir-Berett I gegen Neukölln 2. Abt. II um 10 Uhr und Zieiikölln 2. Abt. I gegen Charlottrndurg- S6>toimmcr um 11,10 Uhr. Schönow spielt gegen Moabit am Bahnhof fleper- nick, die Frauen um 13 Uhr, die 2. Männer um 13,50 Uhr und die 1. Männer um 15 Uhr. Weitere Spiele sind: Männer: Eroß-Berlin-Friedenau gegen Rudelverein l!>2i um 10 Hin in Friedenau, Ofsenbachcr iptr. 5a, Freie Ruber Vereinigung 1»13 gegen Ruderoerein Collcma um II Uhr im Bolkspark Iungfcrnheide, Buckow gegen Ruderverein Freiheit um 10 Uhr In Buckow. Jugend: Ficht« 3. Abt. gegen Fichte 5. Abt. um 10 Uhr in Hohenschönhausen, Commerstroßc, und Köpenick gegen Ruderverein Borwärts um 14 Uhr in Köpenick. Hockey. In der Normannenfiraß« kLichtenberg) spielen der Arbeider�urn. verein I und Frei« Turnerschaft Lichtenberg um lO'A Uhr und der Athletik. Sportklub I gegen di« Frei« Turnelschaft Schönholz um i4!A Uhr. Nach dem bisherigen Spielen wird Lichtenberg mit ihrer Spielweife nicht» gegen Pankow ausriaircn löimen, falls st« niwt inzwischen Vallbcherrschung und Stockst cherhelt nebst einer flüssigen Kombination hinzugelernt haben. Pankow müßte sicherer Sieger sein. Im anderen Spiel stehen fich zwei sehr schnelle Mannschaften in Schönholz und ASS. gegenüber. ÄST. hat in letzter Feit stark enttäuscht, trotzdem alles in der Mannschaft drinsteckt, den Schönbolzern ein ebenbürtiges Spiel zu liefern. Aber sie müssen nicht den alten Fehler begehen nnd das ~m M'' M' ende» Spiel zu erwarten, in dem Sewinnchane« ha».— In der : Tnrnerschaft Groß-Berlin-Nordring II gegen Schönholz n; in Plötzensee: 10 Uhr lloabit I gegen Ficht« 10 1; in Pankow, Andreas-Ha ÜT* g�i'"''H"---------------- lt n gegen hte 12 U. 14 Uhr �WWW WWW»» Pankow n gegen Lichtenberg-Zportler II; in der Fraucngruppe: I3sh Uhr Ächtrnderg.Sport!». rinnen gegen Schönholzer Frauen in der Normannonstraße und Fnmenschaft Fichte I gegen Schmargendars 13% Uhr in der Schönhauser All«. Der wird Fußballkreismeifier? Arn kommenden Sonntag findet auf dem Adl«r.lZ.PIatz in der THriftiania, «teaßc das erste Spiel um di- Kreismeisterschaft statt. Adler 0«. der Bezirks. Meister rm Norden, steht hier dem Dstbezirl-m-ist-r Sparta gegenüber. Den Adle»0S.L«ut-n, gelang es zum ersten Male, die Bezirksmelsterschaft z» er- ringen, nachdem ste lahrelanz den zweiten Platz im Bezirk besetzt hielten. Sparta stand schon im vergangenen Jähre im Endkampf um die Bezirksmeister- schaft. Doch blieb Berlin ohne Kreismeister, da alle Lcreine punktgleich stand: n. num trtser und Giua, um Siege zu erringen. Sparta verfügt über einen äußerst ichnellcn Sturm, auch die Läuferreihe ist äußerst flint und versorgt den Sturm mit genügend Bällen.— An vescUIchastsspielen finden folgende Treffen st.rtt: Bcrolina gegen Charlottenburg im isteuköllner Stadion, Berliner Eportveretn 22 gegen Eintracht 25 in Hohenschönhausen, Sommcrstraße, Ober- spree gegen Schmargendorf in der Wuhlheide, illt-SIienicke gegen Johannisthal in AIt-Sll«nicke, am Kiesbcrg. Beginn der Spiele 2% Uhr. Sreisschulvorführungen am Sonntag. Alt» erstenmal wird am Sonntag di« Kreisschul« mit ihr«« Uebangsklass«» an vi« Oeffentlichkeit gehen. Gleich der Bundesschul« in Leipzig hQt auch de? 1. Kreis des Arbeiter-Turn- und Sportdundes solch« ssunktionärschule geschaffen. wo neue und frisch« Kräfte für den Arbeitersport erzogen und weitergebildet werden. Die Uebungsklassen verteilen sich auf fast alle Gebiete der Leibes- sibuvgen. So werden am kommenden Sonntag in der großen Turnhalle Prinzenstraße um IS Uhr die Klassen der Turner, Fußballer und Schwimmer Proben aus dem Arbeitsgebiet bringen, die nicht nur für den Sportler, sondern für die grämte Arbeiterschaft von Interesse sein werden. Karten im Vor. tm �portl)nus Tickte. Köpc nicker Str. 108, und NeuMIn, Kaifer-ssried- rich.Str. N, in der Geschäftsstelle der Freien Turnerschaft Groß.Berlin, Lichten- berger Str. 3, und bei den Leitern der Kreisschule. Eintritt 1 M. Jugendliche gegen MUgUedsbuch 5v Pf.(letztere nur an der Kasse). Großkampftag in Lichkenberg-Zriedrichsfelde. Heut«, Freitag, veraustaltet die Sportliche Bereinigung Lichtenberg-Fried- richsfelbc Ol in B. Tempels Festsälcn, Friebrichsfelbe, Prinzenallee 30,«inen Großkampftag, welcher in vier verschiedenen Sportarten innerhalb des Schwer- athletiksparies zur Ausführung gelangt: Boxen, Ringen, Heben und Jiu-Jitsu. Zm Baren werden sich folgende 7 Paare im Ring gegcnübersichen: König iLichtcnbcrg.Friedrichsfclde) gegen Lehmann(Nordost). Liebig(Lichtenberg-Fried- richsfclöe) gegen Schlößniann(Lurich), DIctze(Lichtenberg-Friedrichsselde) gegen Fcska lLerolrna), Hornbogcn(Lichtenbcrg-Friedrichsfelbe) gegen Herb(Bero- Ilna), Riebe(Lichtcnbcrg.Friedrichsfelde) gegen Hanka(Nordost), Weise(Lichten. Becker(Siegfried 09). Im Ringen treffen sich: Federgewicht: W. Kinder(Sich- tcnderg-Friedrichsscldc) und Gminsli lRordost): Leichtgewicht: P. Binder(Lich- fenderg-- Friedrichsfeld«) und Lrügcr(Nordost): Schwermittelgewicht:(f.«rerlow (Lichte nbcrg-Friedrichsscldc) und Schmidt(Zlordast). Im Heden wird di« erste Sebcrmannschast von Lichtenberg-Friedrichsfeld« versuchen, ihre bestehenden R«. Tourisienoerein„Die Naiurfreunde", Zentrale Wien. SR LH-, Sortzlns»--«. Freitag, 27. Januar, 20 tag. 37. Januar. 20 Uhr, Slsenstr Freitag. 27. Januar. �A> Uhr, ftanper Ecke Böhmisch« Straße. vortragt„Tiere he, Wäldes/ 30—'---- —«tt«bwest, Ingen». rckstr. U.— Abt. Treptows Freu- iskussionsabend.— Abt. RenkZlln- . b Böhmisch« Straße. Lichtbilder- Abt. Tempelhof: Sonnabend, SS. Januar. Sportkarlell«oberbarmm". Sämtlich« Arbeiter-Tirrn. und Sportvereine de» Lanickrmfes Oberdarnim «erden hiermit augefordert, ihr« Borsttzcnden oder deren Stellvertreter am Sonntag. 5. Februar. 13 Uhr, nach dem Sewrrlschaftshau» in Freien waibr iSder), Kanalstraß«, zu senden. Es soll an diesem Tage das Arbeiter-Srort» kartell des Landkreises Oberbarnim gegründet werden. Kur Gründung dieses» Kartell» komm«» nur Verein« folgender Organisationen der"WM für Arbeiterspart und Körperpflege in Frage: Arbeiter-Turn Arb«iter-Nadsahr«rbund.Solidarität', Ardeiter.AthIetendund, Arbeiter-Schützen Zentralkpmmission Frage: Arbeiter-Turn» und Svortbund, bund, Arbeiter-Schachbund, Apbeiter-Samariterbund. Naturkeund»'(zentrale Dien), Freier Seglerperbaiid gesund�eit. Kein Berein darf auf dieser Dersamwlung unvertrcten bleiben. Touristenverein.Die und Verband Dolks. festzulegen Auftrag« . 4 U die UN» zustehenden Recht« bei d«r Verteilung der Iugendpslegemittel und die Iugendpflegearbeit unserer Bereine zu zentralisieren. Im iuttrag« de, Arbeiter-Sportkartrll» der Provinz Baiidenburg: Robert Ochl- schliiger. Borsitzender._ verschledeues. S». Moabit. Freitag: 20 Uhr Turnten Rostocker Et-. KZ: anschließend Funktionärsitzung ben Schubert. Sonnabend: 20 Uhr Schule Rostocker Str. 32 Bortrag Schreiber:.Mein« Indienreise." Sonniag: lfi-s Uhr Scestroße Wold. laus und Gehsportlertraining. AWZ(Arbeitee.Wintersport.Interesiengemeinsckoft). Sonntag, 29. Januar: Bei Schnee Wintersportsest; obn» Schnee: Fabrt mit dem ersten Zug noch 8 Uhr ab Sörlitzer Bahnhof bis Königswusterhausen. Jeden Aloniog Treffen im Heim Neukölln, Strinmetzstr. U4."''Ml' �' Sportpalast. Bei Natureis täglich l Arbeitee-Schwimmverein Welle. Berliner Abteilungs-Seneralversaiiimli Sitzung der Männerabteilung fällt aus. Aedeiter-Iurn. nnd Sportverein Pankow e. B. Sonnabend, 29. Januar, WH Uhr, Bicrteljahrezpersammlung im Turnerheim V-reinssportpiatz in Hcinersoorf. reier»«glerbnnd Dentsckiland,. Bezirk Norden: Sonntag, 5. Februar, Uhr, starten di« Lcgelbrüder aus 8 Bahnen des«oglerheims„Bötzow- Brauerei" zum Kampf um die Bezirksmclfterschaftrn. � Geschoben werden ;c&cn Mittwoch Treffen der Eisläuscr iin 100 Kugeln in die Bollen auf Bohl«, zwei Gänge je 12 Kugeln auf Figuren hle) und je 50 Kugeln auf As,'" � Freie Schwimmer Edarlottenbu (Bohle) und je 50 Kugeln auf Asphalt- und Scherenbahn. Frei« Schwimmer Edorlottenburg 94«. B. KannabteUnng: Sonntag. 29. Ja- nuar. Besuch der ZAe-Ausstellung im Märkische» Museum. Treffpunkt 9 Ubr Wilhelmplatz. Altere turn er im 1. Krei». Sonnabend. 23. Januar, 19 Uhr, zusammen- turnen in der Turnhalle Mittenwalder Str. 34/37(Gneisenaustraßc). Die Kampfrichter müssen ebensall» pünktlich zur Stelle sein. Nach dem Turnen wichtige Sitzung. Tagesordnung: Bericht«, Neuwahlen, Anträge. Verschiedenes. Der Berliner Arbeiter- Schackklub beabsichtigt, in verlin.Britz etii« neu« Schachabteilung zu gründen. Schachspieler, oder die es werden wollen, senden ihre Adresse an A. Neumann, Berlin-Britz. Muthcsiuohof 2. Gründungstiig: Sonntag, 12. Februar.— Di« Abt. Treptom spielt jeden Donnerstag von 20 Uhr ad Sraetz. Eck- Krllllsstraße. llivbuvg 15. von)6. tzobeooe VolKsvokI- 39302 BswivM» t PrM« ms. M. I „400000 150000 s:75000 . 50000 I 25000 f 20000 1 10000 jwnll.. D»g«Iwa2B.i FASIHA CHTS-6EBÄCK «UriefeSiÄT�SIL CÄSIUM. TMt» mnd OcWtoli»l«c Fl| •ropfkehk sa4 DyrMMäst| H.C. Kröger A.-6. Tkrfita W 8. Frlediklulr. 19M9S| Fostachack-Konto JUS TM, Merkor 3338, 4118, Für MUS 9CeU»w. DeotsdietlletallailiMM chcntc. Freitag, den 27. Januar abends 7 llhr. Im Sitzungssaal Oes Verdondshanses, einianflrntz«<3 35 cearaueasinfinoetioQfeieiu der Werkzeugmacher Gr.- Betfing. Tagesordnung. Bericht von den Berhandlnngen. Wir ersuchen, daß zu dies« Konferenz all- Betriebe vertreten sind. Sannlag, den 29. Zanoar, oartn. 10 Ahr. tm Lokal„tNärchendrunnen", Um Sriodrichshaw 29/32 Branchenversammlung der werkzengmacher S» Berlins Tagesordnung: 1. B«>cht von den Verhandlungen mit dem Verband Berliner Metall- Industrieller. 2. Di»- kussioa. . Wir bitten die Kollegen, zahlreich und pünktlich zu erscheinen.» Mitgliedsbuch legitimiert. vi« Otlsaccmaltang. NWMMILkl» isiKamiPi. FittjednidUi Wert 25 Pf. iiuliui} 2 ietizeöeecht« Wirte).— SttllinjeMöie in I*9rt(fitt;alni*tl 15 Pf., iilis vtiuraWvi tO Pf. Wirte Bit«rtii ib 15 ioöntzdw ikdiw üt im Werti. Aaeijni. nid»(!r die Jjdntc tiimBu InsiiimBl sisd.niunbitsfüstaii ♦Vj Uhr ladMibH In dir dainKmditiog des lirrtrt!. Lideeibii« 3, aissgitra wefden-OisMite ishiKbestigingmorjBt 5''.Uhr In njdiB.5Uh: iieitechrid» offftet. Herreu., Daweu-Kleidung. Total-Aus- verkauf wegen Aufgabe. Selten gün. ftige Gelegenheit, öu Prozent Preisnoch- lag auf Kleider, Blusen, Kostüm«, Da. men.Winter. und Lömmermäntel, Pelz«. Damen�Lummwiäntel. 50 Prozent Preisnachlaß auf Anzüg». Ulster, Pale» tot», Svorianzüge, Herren. Gummi- Mäntel, Lodenmäntel. Geh. und Sport» pelze. Holen, Joppen, Kiel« und Schul- anJige. Pmacks. deutsch« und englisch« Stoffe. 40 Prozent Preisnachlaß auf Herren, und Damenwäsche, Oberhemden, «ragen. Krawatten, Untergarnituren, >urger Tor. Leihh-u» M-ritzplatz 53a. Pelzkragen lZ,—. P-lzjacken 50�. Pelzmäntel 190.—, Cvortpelz« 85.—, Sehpelze l2S<-. Kavaliergarderod», teil» auf Seide: An»! e 25.—, Paletots 30, lardmare Keine Lom. Verkäufe ' Bekieiduntissliirlte. W'asrtie uiA Leihhau» Spiegel. Ehausseestratze I. Gelegenheitskauf« wenig getragener, auch neuer Herrengarderoben, Pelz» waren. Kein« Lomdardware.» Beni» getraoen«»avalieraarderobe voil Millionären Aerzten Anwälten. Fabelhaft billige Preise. Empfehle Taillenmän:cl. Paletot», Fracks Smo» kluas. Eehrockanzüac, Hofen. Sport.. Gehpelze Selegenheitskäufe tn neuer Garderobe Weitester Weg lohnend. Lathringerstraßc 5«, 1 Trepp«, Rosen. � Platz.' Icelclh hocheleganter Gesellschaft», Anzüge Leihhaus Lowicki. Prinzen, straß, 105. ■L M in neu« ob«. Leihhaus Rosenthaler Ecke Rolen. rdware. 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Pebroar 1926 an das tozia dnaoK7«ti«d>e- »eHr««r»at, nreiden A, Kein ------ tO. 1. einzureichen.| nerpuu Kolonnenführer für Kuvert und Beutalmaschlnen sucht Kaul& Förster, Benin SO, Wiener Str. IU Bauleiter für Hochbau, m BcrllnerVerhälmisse» vertraut, per sofort gesucht, iuchl unter 30 Jahre. Bewerbungen mit Ledern- lauf und R« er mm lowie Geh«!:». ansprüchen unter>0333 Ala Naasen- -tele i Vogler, Berlin 45 35. Nr. 45* 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freitag. 27. Januar 4S2S Legende der sterbenden Eisenbahn Oberflächliche„Konjunkturforschung". Jedesmal, wenn man von einer Einschränkung der Baupläne bei der Reichsbahn hört, wird die Oeffentlichkeit nervös. Lieseranten- kreise, Dcrlader, Arbeiterschast, die Interessenten aller nach Verkehrs- «-Weiterung strebenden Gebiete, namentlich auch der Grenzgebiete, horchen aus: von der Entscheidung der Reichsbahn, von den Auf- trögen, die sie erteilt oder aber zurückzieht, von den Vertehrsmög- lichkeiten, auf deren Erweiterung man in der Oeffentlichkeit rechnet. hängt das wirlschaftsschickfal weitester kreise ab. Und auch der Reparationsagent versäumt in seinen Berichten nie, die zu erwartenden oder schon vorgenommenen Investitionen der Reichsbahn als einen besonderen Faktor zu erwähnen. Man bedenke nur, daß nach kürzlichen Regierungsmitteilungen an den Reichstag folgende Bahnbauten im Jahre 1927 beantragt wur- den: 39 von den LSnderregierungen unter st ützte Bor- schlüge für eine Gesamllönge von 925 Kilometern und Gesamtbaukosten von 31S lfitillionen Mark und außerdem 17 sonstige Vorschläge aus Parlaments, und Wirtschaftstreisen für eine Gesamtlänge von 33S Kilometer und Gesamtbaukosten von 235 Mil- lionen Mark. Dazu kommen noch weitere acht Vorschläge, für die die Linienlänge und die Kosten noch nicht ermittelt sind. Durch den Bau neuer Linien sind aber die Investitionen der Reichsbahn nicht erschöpft: für Arbeiten zur Erweiterung oder Modernisierung des Waggon- oder Lokomotivbestaiches, Verstärkung der Brücken. Umbau der Bahnhöfe, Nachholen der in der Kriegs, und Nachkriegszeit versäumten regelmäßigen Erneue- rungsarbeiten wurden nach Angabe des Reparationsagenten von der Reichsbahn In den Jahren 1925 bis 1927 rund 415-s- 408+ etwa 500= 1323 IMllionen verwendet. So hängt— neben der Industrie — auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt von dem Bauprogramm der Reichsbahn ab. Man mühte nun von dem vom Reich unterstützten Institut für Konjunkturforschung erwarten, daß es diese Frage mit einer besonderen Unbefangenheit und Vorsicht prüft. Statt desien erhielt die deutsche Oeffentlichkeit vor kurzem in dessen neuesten Sonderheft „Der Güterverkehr und seiac Veränderung in der Tlach- kricgszeil" von Oberregierungsrot Dr. W. Teubert eine Arbeit vorgelegt, die zwar interesiantes Material enthalt, dieses aber in so unzulänglicher Weise durcharbeitet, daß sie zu ganz falschen oder bestenkalls zu schlecht begründeten Schlüssen kommt. Diese Arbeit sucht zu beweisen, daß eine Erweiterung des Eisenbahnverkehrs und daher auch die Notwendigkeit von Elscnbahnerweiterungen in der nächsten Zeit nicht in Frage konimen können. Die Begründung ähnelt dabei derjenigen, der man in der ersten Zeit der Rationasisierung häufig begegnete. Wie oft hörte man da- mals die Behauptung, daß die neuen technischen Ersparnisse zu einem dauernden Abbau der Arbeltskräfte, zu einer dauernden Ar- beitslosigkeit führen müßten. Ebenso glaubt der Verfasser des Sonderheftes, daß die neuen technischen Fortschritte, die zunächst einmal der Reichsbahn einen Teil ihrer Frachten wegnehmen, die Eisenbahn auch' auf die Dauer„arbeitslos� machen müßten. Er »ergißt dabei, daß die allgemeinen technischen Fortschritte zu einer Steigerung der Bedürfnisse und somit zu einer Stelgerung der ab- soluten Derkehrsmenge führen müssen. Teubert schätzt folgeiche Transportersparnisse für 1926 gegenüber 1913: Transport von Koks statt Kohle. 1 Will. To. Frachtersparnis Transport von Oel statt Kohle.. 1.». NerbrauchvonWasserkraftstattKohle 2..» Stromerzeugung auf den Zechen statt Kohlentransport...... 5,,, hochwertige statt minderwertige Erze 2,,, hochwertiger statt minderwertiger Kunstdünger........ 2,,_ zusammen.. 13 Mill. To. Frachtersparnis Auf diese Weise werden 25 Proz. des von Teubert festgestellten gesamten Süterverkehrsrückgange, von 1913 bis 1925 erklärt. In dieser Richtung müßte seiner Meinung nach die Entwicklung auch weiter gehen. Man dürfe höchstens erwarten, daß sich der Eisen- bahnvertehr etwa dem Bevölkerungszuwachs anpaßt, und dieser wird voraussichtlich in den nächsten 5 Jahren nur 5 Proz. betragen. Technischer Forkschrill— größere Rachfrage— Verkehrs- steigerungt Die Mögsichkett. daß die Bevölkerungnichtnurwächst, sondern auch stärkere Bedürfnisse entfaltet, daß asso das Volk reicher wird, wird vom Gewährsmann des Konjunktur- forschungsinstituts gar nicht in Betracht gezogen. Das Steigen des Volkseinkommens, das in den letzten 100 Iahren in allen Ländern der kapitalistischen Welt selbstverständlich Regel war. soll also nicht mehr zu erwarten sein! Und dies gerade angesichts der großen technischen Umwälzungen, die der Verfasser ja selbst andeutet! Der Uebcrgang zu hochwertigem Kunstdünger bedeutet unserer Meinung nach nicht nur ein Sinken der Düngerverladungen, sondern gleichzeitig auch das Wachsen des Bodenertrage», daher das Steigen des Agrargüterverkehr« und letzten Endes wohl auch das Wiederansteigen der Düngcrverladungen selbst. Und ebenso hat ja die Verwertung der Wasserkräfte sicherlich zum Ziel, nicht nur den Kohlcnverkehr einzuschränken und damit der Eisenbahn Un- onnchmlichkeiten zu bereiten, sondern gleichzeitig auch die Industrie zu fördern, was wiederum— unmittelbar oder mittelbar— eine st e i g e n d e Inanspruchnahme der Verkehrsmittel bedeutet. Die unserer Meinung nach vorübergehende— Einschränkung des Eisen- bahnverkehrs durch die neuen Formen der Energieverwertung wird übrigens von Teubert in ganz unzulässigem Maße überschätzt. So hat z. B. die Errichtung des neuen Kraftwerk« Klingenberg die Kohlentransporte nicht vermindert, sondern vermehrt, und zwar in der neuen Form des dilligen Feinkohlentransporte» in Groß- güterwagen. Er hat schließlich ganz vergessen, daß die technischen Fortschritte auch an der Eisenbahn nicht ganz wirkungslos vorbei- gehen, daß z. B.»den der Sroßgüterwagenverkehr oder etwa die neuen. Material sparenden Baumethoden(Verwendung von Sonder- stählen)«in« Lerbilligung der Iran, portfelb st kosten. All»»in« mögliche Herabsetzung der Tarif» und Eroettenrng des Selbstverständlich werden sich die neuen Formen des Energietransports(Fernleitungen statt Kohlentransport) und des Güterverkehrs(Lastkraftwagen) in den Grenzen ihrer Rentabilität de- haupten und erweitern. Auf die Dauer braucht es aber nicht auf Kosten der Eisenbahn zu geschehen, wenn die Eisenbahn selbst in ihrer Bau- und Tarispolitik modern bleibt. Es müßte schon schlüssigeres Material vorliegen als das von Herrn Teubert an- geführte, um einen wirklich drohenden Niedergang der Eisenbahn festzustellen. Herr Teubert führt seinen Nachweis ausschließlich aus Grund der Zahlen der verladenen Gewichte(Tonnen), nicht auf Grund der Leistungen der Eisenbahn(Tonnen-Kilometer). Diese Beweisführung ist aber für die Beurteilung der Ausbaufrage falsch. Denn die Belastung der Eisenbahngleise oder des rollenden Ma- terials hängt nicht allein von den verladenen Tonnen, sondern auch von den Transportentfernungen ab. höchstens die eigentlichen Be- und Entladevorrichtungen, bestimmte Teile der Bahnhöfe usw. werden in ihrer Belastung von dem Tonnengewicht allein abhängig sein. Nun haben sich seit dem Krieg die durchschnittlichen Entfernungen stark vergrößert, so daß die Zahl der Tonnenkilometer trotz der gesunkenen Tonnenzahl gestiegen ist. In Deutschland hängt es wohl in erster Linie mit der Einführung des Gtaffellorifs zu- sammen, wodurch die Eisenbahn die Tarife der wirklichen Belastung angepaßt hat. Aber auch z. D. in England läßt sich der gleiche Prozeß feststellen: Ttaiiltrfifffnk T-nnendefZrd- Tonne» veulichlano«iiteo«Uomeler Monatsdurchschnitt 1913... 38,9 Mill. 4774 Mill. 1925... 24,1. 4969. 1926... 36,5. 5399„ Juli 1927.,. 41,8. 6041. August 1927... 42,2. 6203. September 1927,.. 42,7, 6304„ Oktober 1927... 46,4. 6682, Grohbliiannien Monatsdurchschnitt 1913... 30,9 Mill. 1728 Mill. 1924... 28,4. 2597. Im übrigen muß man noch zweierlei im Auge behalten: ein- mal die Tatsache, daß man infolge der Stelgerung des Verkehrs von Fertigwaren mitderZunahmevonsperrigenGütern rechnen tnuß: für die Anforderung an das rollende Material ist es aber ziemlich gleichgültig— man muß also auch bei gleichbleibender Tonnenkilometerzahl mit steigender Waggonzahl rechnen. Zweitens haben sich die Reichsbahninvestitionen nach den Konjunktur- spitzen zu richten und nicht nach dem durchschnittlichen Bedarf. Wenn also das Jahr 1927 als ein Jahr guter Konjunktur besonders hohe Leistungen ausgewiesen hat. so muß die Reichsbahn auch für die Zukunft zur Erfüllung mindestens gleicher Leistungen stets bereit fein, auch wenn die durchschnittlichen Leistungen darunter liegen würden. Denn sonst versagt dieses Verkehrsmittel, wie es in der Zeit des englischen Kohlenstreikz in Deutschland auch wirklich beinahe der Fall war. Polilische Verantwortung. Das Institut für Konjunkturforschung müßte sich endlich doch klar machen: seine Sonderheft« werden nun einmal von der Oeffentlichkeit nicht als harmlose Doktorarbeiten gewertet, sondern die Prognosen, die in ihnen aufgestellt werden und die Schlußfolgerungen, die in ihnen gezogen werden, haben, ohne daß immer in die notwendige Ouäliiätsprüfung eingetteten wird, für die offizielle Wirtschaftspolitik leicht richtunggeben den Einfluß. Alles, was von diesem Institut herausgegeben wird(auch wenn die Verantwortung des Instituts formell durch die Unterschrift des Verfassers gemindert wird), muß daher wegen der großen Verantwortung ein ganz besonders hohes Wissenschaft liches Niveau ausweifen. Sonst droht dem Institut das Schicksal. wirklich in eine Publikationsanstalt für Doktorarbeiten sich zu vsr- wandeln, die ja vielfach nicht zu Unrecht als„Makulawc" gewertet werden. Elektrofriede Preußen— Reich. Wie wir erfahren, wurden die lange geführten Ber- Handlungen zwischen den Reichselektrowerten und der Preußischen Elektro A.-G., die den dauernde» Konflikt in der öffentlichen Elektrowirtschast durch einen Bertrag schlichten sollten, jetzt erfolgreich beendet. Die Einzel- heiten des Vertrags- und Friedensschlusses werden heute bekanntgegeben werden. Milliardenentlastung bei der Z�eichsbank Innerhalb drei Wochen.— Was wird folgen? Der Wochenausweis der Reichsbank zum 23. Januar zeigt eine neue sehr starte Entlastung der Reichsbank in Kreditgewährung für Banken und Wirtschaft. Die Bestände an Wechseln sind um 252,8 auf den zur gleichen Zeit früherer Monate selten er- reichten niedrigen Stand von 2078,1 Millionen zurück- gegangen. Nach einem Rückgang um 9,7 Millionen betragen die Lombarddarlehen mir 23,5 Millionen. Di« fremden Gelder aus GirotoMo haben eine weitere Zunahme um 52,9 auf 708,0 Mil- lionen erfahren. Die damit verbundene starke Verringerung aller Konten, die den Notenumlauf beeinflussen, hat auch den Umlauf von Geldzeichen der Reichsbank erheblich gesenkt. Der Banknoten- Umlauf ist um 245.3 auf 3682,6, derjenige an Rentenbankscheinen um 38,9 auf 606.1 Millionen zurückgegangen. Die Goldbe- stände sind mit 1863,4 Millionen nur um 0.6 Millionen verringert. die Bestände an deckungssähigen Devisen mit 306,4 Millionen um 20,3 Millionen erhöht. Die Deckung der Noten ist durch die ent- gegengesetzte Bewegung der Kreditgewährungskonten und der Noten- und Deckungsbestände erheblich verbessert. Die Roiendeckung durch Gold stieg gegenüber der Vorwoche von 47,5 auf 60,6 Proz., diejenige durch Bold und deckungssähig« Devisen zusammen von 64.7 aus 5SL Proz. Seit dem 1. Januar, der allerdings«in« außerordentlich starke Beanspruchung der Reichsbank gebracht hatte, sind sowohl die Wechsclbestände als auch der Notenumlauf um rund je eine Milliarde gesunken. Eine derartig riesenhaft starke und schnelle Entlastung dürste noch in keinem Monat zu verzeichnen ge- wesen sein. Der Stand der Reichsbank ist glänzend, wenn man ihre Entwicklung unabhängig von der Wirtschaft betrachtet. Aber er ist gefahrdrohend für die Wirtschaft, denn deren geringer Geld- bedarf verrät jetzt schon die Folgen der Schachtschen Politik, die Entwicklung der deutschen Konjunktur mit allen Kräften zu drosseln, hoffentlich haben wir nicht allzu bald die traurige Gelegenheit, die Folgen dieser Politik konstatieren zu müssen! Für phöbus-Moloch noch 500 Arbeitslose. Der Chemietrust legt die Lignose GmbH, still. Bevor die Phoebus A.-G. durch die öffentliche Aufhellung des Skandals in Schwierigkeiten gekommen war, hatten die früheren schlesischen Herren der Lignose Film G. m. b. H. das L i e s e r u n g s- recht von R o h s i l m e n für die Phoebus A.-G. zusammen mit einer Beteiligung an der Phoebus erworben. Seit die Phoebus in Schwierigkeiten gekommen ist, hat die I. G. Farbenindustrie A.-G.. der deutsche Chemietrust, die Mehrheit und damit die Herrschaft über die Lignose Film A-G. erworben. Damit erlangt er auch die H e r r s ch a f t über einen der wenigen Konkurrenten(neben der Glanzsilm A.-G., die zu den Vereinigren Glanzstosswerken gehört), die dem Filmproduzenten des Chemie- trusts, das ist die Berliner Aktiengesellschaft für Anilinfabritation (Agfa) das Leben noch sauer machte. Diese Transaktion hat jetzt eine bei kapitalistischen Verbrüderungsse st en nach großen Pleiten nicht mehr ungewöhnliche Folge: die Fabrik der Lignose Film G. m. b. H. in Büchen wird stillgelegt. Zum 4. Februar wird die erste Hälfte der Belegschaft von 600 Mann gekün- digt, am 18. Februar folgt die Kündigung für die zweite Hälfte. Die Filmlieferungsoerträge wandern nümsich zur Agfa. Der Chemietrust kann jubeln, der Konkurrent ist tot. um die 600 enttassenen Arbeiter der stillgelegten Lignosefabrik braucht er sich nicht zu kümmern. Auch die Werkmeister fliegen bis zum letzten Mann auf die Straße. So wird das Ergebnis des Phoebus- Skandals immer lieblicher: das Reich verpulvert 8 bis 10 Millionen, es fördert die monopolistische Beherrschung in'der Filmerzeugung, und 500 Arbeiter und Angestellte kommen von der Arbeit aufs Pflaster. Der berühmte S ä m i s ch- B e r i ch t, der der Oeffentlichkeit über den Hintergrund dieser Vorgänge Klarheit geben soll, liegt aber immer noch bei den geheimsten Akten. Man wird sich wohl bald in der ganzen Oeffentlichkeit überlegen müssen, ob man nicht Wege finden muß. verantwortliche Beamte, die im Dien st leichtfertig der Volkswirtschaft derartige Schäden zufügen, nicht nur mit ihrer Stellung. sondern auch mit ihrem Vermögen und eventuell mit ihrer Freiheit für ihre Handlungen haftbar zu machen. Das Kariellbrett vor der Stirn. Zementindustrie fürchtet eine Krise. Der vom Deutschen Zementbund veröffentlichte Jahres- bericht für 1927 klingt reichlich gedrückt, obwohl die Zement- induftrie mit dem letzten Jahr sehr zufrieden sein muhte. Der gute Baumarkt, der starke Bedarf für Industriebauten hat zu einer 25proze?ttigen Steigerung des Zementumsatzes auf 7,3 Millionen Tonnen geführt, an dem die gleichfalls gestiegene Aus- fuhr mit 1,15 Millionen Tonnen beteiligt war. Der scharfe Rück- schlag im November und die gänzliche Flaute im Dezem- ber und im Januar, die nicht nur auf die Frostperiode zurück- geführt werden kann, scheint den Zementherren aber doch in die Glieder gefahren zu sein. Dazu kommt, daß die Aussichten für die kommende Bausaison u n g ü n st i g sind. Der Wohnungsbau wird durch die noch nicht gelöste Finanzierungsfrage sehr g e- hemmt sein, in der Industrie ist der Bedarf an Neubauten größten- teils befriedigt und von der-ö f f e n t l i ch e n Hand ist dank der Schachtschen Kreditdrosselung zunächst nichts zu erwarten. So sieht die Zementindustrie, die unter dem Schutz ihrer Kartelle bisher auf sehr hohem Pferd saß, die Lage recht pessimistisch an. Anstatt daß die maßgebenden Stellen aber aus der wirklich nicht rosigen Lage die einzig mögliche Folgerung ziehen, durch eiye Preis- ermäßigung den Absatz zu beleben, begnügen sie sich, auf die er- höhten Unkosten, besonders natürlich die Lohnlasten, und die über- flüssigen Neugründungen hinzuweisen, die den nur zu 60 Proz. der Leistungsfähigkeit ausgenutzten Syndikatswerken das Leben so er- schweren. Was die erhöhten Unkosten angeht, so ist festgestellt, daß durch Rationalisierung die Unkosten gegenüber 1913 bis zu 60 Proz. gesenkt werden tonnten, die durchschnittliche Lei- st u n g d e s A r b e i t e r s sich um 42 Proz. hob, dagegen der An- teil der Löhne und Sozialabgaben am Produkt seit 1913 sich nur von 16.6 auf 18,3 Proz., also um 10 Proz. erhöhte. Dagegen sind die Preise seit 1913 von 29 M. ab Werk auf 38,80 M. je Tonne, also um rund 35 Proz. gestiegen! Ueberslüssig, in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, daß die starte Außenseiter- und Neugründungsbewegung in der Zement- industrie nur aus der durch Ueberpreiseüberhohen Rente dieser Industrie zu erklären ist. Die Zementindustrie sieht die Schwierigkeiten auf dem Baumarkt richtig, zieht jedoch— das Kartellbrett vor der Stirn— nicht die richtigen Konsequenzen dar- aus. Den Zementkartellen scheint eine Krise lieber zu sein, als eine Senkung ihrer Preise. Mögen sie ihr mit hohen Preisen entgegen- treiben. Die Belegschaften werden sich nicht dazu hergeben, die Krisenkosten zu tragen. Oer Güterverkehr steigt wieder. In der Woche �um 14. Januar hat sich die arbeitstägliche Wagen- gestellung der Reichsbahn von 124 300 in der Vorwoche auf 138 000 erhöht. Tabellarische Uebersicht seit November(in 1000 Stück) Woche wöchentlich ÄÄ 1927/28 1926 27 1927 28 1926/27 27. 11.— 3. 13. 985,4 907,2 164,2 151,2 4.12.— 10. 12. 945,8 881,0 157,6 146,8 11. 12.— 17. 12. 926,0 872,4 154,3 145,4 18. 12—24. 12. 794.1 794.7 132,4 132,5 25. 12.— 31. 12. 652,7 602,0 130,5 120,4 1. L— 7. 1. 28. 746,1 7213 124,3 120,2 8. 1.— 14. 1. 28. 827,7 778,1 138,0 129,7 Wie di« Tabelle erkennen läßt, entspricht diese Steigerung da» zeigt der vergleich mit dem Borjahr, einer saisonmäßigen Bewegung. Di« Zunahm« ist aber erheblich stärker. Jedenfalls liegt trotz der erheblich größeren Hemmung des Güterverkehr, durch den Frost in der zweiten Januarwoche die Wagengestellungsziffer schon um 8300 Wagen höh« als zur gleichen Zeit de» Vorjahre». Justiz und Volk. Zunehmende Enifremdung.— Bürgerblockgeständnis im Beichsiag.— Kahl gegen Beichstagsauflösung. 2Vr Reichstag setzte gestern die zweite Lesung des Haus- I>züplmis für dos Reichsjustizministerium sort� Adg Dr. Dell(Z) stellt mit Bedauerr sest, daß zwischen Volk und Justiz die Entfremdung ständig zunehme. Cs sei daher dringend «»boten, nicht nur die Reichsnerbundenhest der Iustizorgone zu festigen, srmldern auch die Rechtsoerbunden heit des deut- schen Volkes wieder herzustellen. Von der jetzigen Haager Tagung für internationales Privatrecht erwarte man wesentlich Fortschritte in der Rechtsverständigung der beteiligten Kulturnationen hinsichtlich der Regelung der internationalen pnoatrechtlichen Normen. Das Weiche sei von der Sommertagung in Rom für internationales Urheberreeist zu erhoffen. Ueber die Ausgestattung des i n t e r- nationalen Strafrechts besteche bei den einzelnen Staaten heute leider noch ein buntscheckiges System, und es werde eine lohnende Aufgabe sein, eine möglichst gleichmäßig« Vehandlung der verbrechen im Auslande herbei zxstührem Das geltende Völkerrecht weife große Lücken auf, die im Wege der Vereinbarung zu s-fHießen seien. DUl dem in der sittlichen Rechtsidee begründeten Kulturrecht fei aber die Aufrechlerhallung einer fremden Besatzung schied»- terding» unverträglich. Millen Im Frieden sollen Millionen deutscher Bevölkerung im Rheinlande fremdem Redst überliefert bleiben. Völkerrecht und Rechtssriede drängten gebieterisch auf Beseitigung diese» unerträglichen Zustande». Der Redner lehist den Vorschlag, das Roichspatentamt an das Reichswirtschoft?- oder das Reichsverkehrsministerium abzugeben, ob. Der Gedanke einer Derreichlichung der Justiz laffe sich aus dem gesamten Fmoenkomplex der Neuregelung des Verhält- nijses zwischen Reich und Landen: und der Lerwaltunqsreform nicht herausgreifen. Es gelte jetzt, die Gesetzgebungsmafdstne einigermaßen zum Stillstand zu bringen. Die zweite Reformausgabe be- stehe in der notwendigen Kodifikation des geltenden Rechts, wobei cs sich vor allem auch um eine.zeitgemäße Um- geftaltung des Aktienrechts und wichtiger Teile des Bürgerlichen Gesetzbuches handele. Zur Frage der Vertrauenslrife in der Justiz setzte sich der Redner nachdrücklich für die Unabhänaiglest und Gewissensfreiheit der Richter ein, die aber auch gegen Mißgriffe und Fehlsprüche in ihren Reihen energisch Stellung nehmen müßten. Don Wunsch nach Einschränkung der politischen Prozesse teile er, glaube aber, daß die Hochflut von Prozessen vorüber sei, weil die Republik ihre schwersten Stürme hinter sich habe. Zum Fall Claß erklärte der Redner, er habe sich seinerzeit als Reichsjustizminister über diesen Fall ebenso, wie über die anderen hochpolitischen Prozesse fartloufend eingehend berichten lassen und nammtlich auch mit dem Oberreichsamoast sehr gründliche und ernste Aussprachen darüber gehalten. Diese Aussprachen verfolgten eimnal den Zweck der In- farmotion und weiter, den OHerreichsanwalt, m dessen volle Per- antwortung und Selbständigkeit nicht eingegriffen worden sollte. darin zu stärken, daß auch der Fall Claß mir strengster Unpartei- lichtest und Gründlickikeit, ohne jegliche Rücksicht auf irgend welche Personen oder Parteien, bearbeitet werde. Abg. Dr. kahl(D. Vp.) berichtet über die Verhandlungen des Slusshusies über die Strafrechtsreform. Die gedruckten Ausschuh- Protokolle sollten der breitesten Oefsentlichkest zugänglich gemacht werden. Die Verhandlungen mit Oesterreich hätten einen erfreulichen Anfang genommen. Das bisher, es Ergebnis fei die Verständigung über den ganzen allgelrrestven Tsik. Das umstrittene Problem der To desst ra f e-sei bisher zurückgestellt worden. Die Strafrechtseinhest soll aber nicht das einzig« und letzte Ziel der deutsch-ost erreich! scheu Rechtsanqleichung fein. Gegenwärtig wird an der Vereinheitlichung des Aktien- rechts gearbeitet. Die Rechtsangleichung ist nur ein Ausdruck der historisch begründeten, tatsählich bestehenden unld durch keinen Akt der Weltpolittk aufzuhaltenden Geifteseinhest der beiden Länder. Eine Schicksalsfrage für die Strofrechtsreform wäre die Auf- löfnna de» Reichstags. Da» Merk der Strafrechtsreform würde auf ein« ganz unbestimmte Zeit verschoben werden, wenn es nicht gelingt, es In dieser eeaislaturperiode zu vollenden. (Hört, hört!) Daran würde nichts zu ändern sein, etwa durch ein Uebergangs- flesetz. Die Rechtseinhest mit Oesterreich wäre dann aufs äußerste gefährdet. E» gibt natürlich politische Situationen, die ohne Rücksicht auf ein großes Gefetzgebungswerk die Reichstagsauflösung er- fordern. Ich kann aber jetzt kein« hochpolstishen Gründe finden, die die Hinausschiebung der unaufschiebbaren Strafrechtsrefonn rechtfertigen könnten. Der Fall Claß und die BerWlichkeil Elaß werden offenbar sehr überschätzt. Ich habe aus dem Studium der Akten weni- gcr den Eindruck der Gefährlichkeit, als den der Lächerlichkeit, Dummheit und Minderwertigkeit gewonnen. Aus Artikel 48 der Reihsverfassung kann selbstverständlich nicht die Befugnis abgeleitet werden, die Verfassung selbst außer Wirkung setzen. Wenn die Entrüstung über diesen Fall nicht größer war, o lag das wohl daran, daß sie kompliziert wurde durch die Ent- rüstung über die geradezu unsinnig« Hausstihung bei meinem Par- teifoaund Vögeler. Fehiarifte von Richten, kommen vor und die Richter müssen sich auch Kritik gefallen lassen. Ich wende mich nur gegen den immer wiederholten generellen Vorwurf einer deutschen Klassenjustiz. Die zweifellos vorhandenen Gebrechen der Justiz können nur allmählich überwunden weiden. Sie liegen zum Teil darin begründet, daß der seelisch-mtellektuelle Prozeß des lieber gangs ln die'neue Zeit nod» nicht abgeschlossen ist. Zu s silier Vescbleunigung könnten auh die Republikaner viel bei- tragen, wem, sie sich darum beznühen, daß diese Republik auch von den Andersdenkenden allmählih als ein wohnliches Vaterlaich emp- funden wird. Notwendig sei eine Einschränkung der ge- setzg« dorischen Ueberproduktion und ein« g r u n d- legende Reform der Reichstagsausschüsse. Die Frage der Rochtsangleichung innerhalb der Länder sollte noch vor j? der Lösung des Gesamtproblems des Verhöstaisfes zwifcheu Reich und Ländern geregell werden. In dem Ziel, den deutschen E i n h e i t s st a a t zu schaffen, sei der Redner mit Dr. Cremer einig, er unterscheide sich von ihm nur im Tempo. Bismarck Hobe zweifelllos in seiner eigenen Verfassung nicht den letzten und höchsten Ausdruck der deutschen Einheit gesehen. Inzwischen ist ein kommunistischer Mßtrauensantrag gegen den Reichsjustizmii, ister eingegangen. Gegen WA, Uhr wird die Weite rberatunq«mf Freitag, 14 Uhr, vertagt. Die Kosten des Schulgesetzes. Das Kompromiß der Ziegieruagsparteien angenommen Einmalige Beihilfe des Zieiches? Durchführung in spätestens zwei Jahren. Der Bildungsausschuß des Reichstags nahm am Don- nerstag unter Ablehnung aller sozialdemokratischen Abänderungs- antrüge zur Kostenfrage folgenden Kompromißantrag der Regierungsparteien an: „1. Zur Bestreitung von Mehrkosten, die infolge der Durchführung dieses Gesetzes den Länden, und Gemeinden er- wachsen, stellt das Reich den Ländern eine einmalige Beihilfe zur Verfügung. 2. Ueber die Verwendung der Mittel und den Zeitpunkt ihrer Berteilunq entscheidet die Reichsregierung im Einvernehmen mit dem Reichsrat." Im Lerlauf der ausgiebigen Debatte steMe der Senator des Freistaates Hamburg, krause, unter anderem noch fest, daß die dauernden Ausgaben für die hamburgische Schuloerwallung nach einer sorgfällig aufgestellten Berechnung 1 150 000 Mark betragen. Hamburg habe ein Defizit von 20 Millionen Mark, ohne zu wissen, wie es gedeckt werden soll. ' Hamburg sei andererseits nicht dafür, daß das Reich die Kosten für die Ausführung des Relchsschulgesetzes übernehme, denn dann würde es die Kosten für die anderen. Länder mit zu bezahlen haben. Schließlich müsse aber Klarheit.darüber geschaffen werden, wer die Kosten zu tragen hätte. Es sei notwendig, in dem Gesetz selbst festzulegen, woher die Länder die Mittel nehmen sollen. Der Ausschuß nahm dann noch den Z 19 des Reichsschulgesetzes in folgender Fassung der Regierungsparteien an:»Die Länder haben die zur Ausführung dieses Gesetzes erforderlichen Vorschriften so rechtzeitig zu erlassen, daß späte st ens zwei Jahre nach seiner Verkündigung mit der Durdiführung begonnen werden kann." OieAussichien desGchankstatiengesehes Teilwelse Einigung von Sozialdemolraten, Zentrum und Oeutschuationalen. Gegenfrout: Volkspartei, Wirtschaftler, Bayern, Demokraten. Der Volkswirtschaftliche Ausschuß hat die Beratung des Schank statt enge setz e» begonnen, ohne in den ersten drei Sitzungen auch nur den§ 1 verabschieden zlt können. Ts liegen schon- 35 Anträge vor, und es ist anzunehmen, daß die Beratung monatelang in Anspruch nehmen wird- Die sozialdemokratische Fraktion ließ durch die Genossen Sollmann. Krätzig und Robert Schmidt zu Z 1 beantragen: 1. das sogenannt« Gochenburger System, das gemein- nützige Vereine zur Bekämpfung des Alkoholismus und Ge- meinden bei der Konzessionserteilung bevorzugen will. 2. Konzessionsfreiheit sür Speisewirtschaften und alkoholfreie Wirtschaften.., 2. Ein nach den örtlichen Derhältnissen abzustufende» Verhältnis zwischen der Zahl der Schankstätten und der Be- oölkerungszahl festzusetzen, das unter die Verhällniszahl 1: 400 im allgemeinen nicht heruntergehen darf. Jetzt kommen in Preußen schon auf etwa 220 Einwohner eine Schankstätte oder ein Kleinhandel mit Branntwein. Auch das Zentrum und die Deutschnationalen haben die Einführung einer Verhällniszahl beantragt, da der Begriff„Be- dürfnis" zu dehnbar ist und weit über das Bedürfnis hinaus Kon- Zessionen bewilligt worden sind. Außerdem haben Zentrum und Deutschnationale die Konzessionierung des Flaschenbierhandels be- antragt, während die Wirtschaftliche Vereinigung die Lebensmittelgeschäfte, soweit sie nur nebenher Flaschenbier ver- taufen, von der Konzessionspflicht befteien will. Die Vertreter der Reichsregierung und der preußischen Regierung be- kämpfen das Gothenburger System und die Verhällniszahl. Die sozialdemokratischen Lertreter äußerten gegen die allge- meine Konzessionierusg des Flaschenbierhandels Bedenken, da man dadurch vielleicht gerade wenige große Flaschenbierspezialgeschäste begünstigen werde, die mit allen Mitteln der Propaganda den Haus- hallungen Flaschenbier aufdrängen würden, Der Ausschuß scheint nach dreitägiger Beratung von einer all» gemeinen Konzessionspflicht von Flaschenbier ab- sehen zu wollen, jedoch geneigt zu sein, den speziellen Flaschenbierhandel konzessionspflichtig zu machen. Für die Einführung einer DerhäUniszahl zwischen Schankstätten und Bevölkerungsziffer setzen sich Sozialdemokraten, Zentrum und Deutschnationale mtt großem Nachdruck ein. während Deutsche Volks- partei. Wirtschaftliche Vereinigung, Bayerische Dolkspartei und De- mokraten diese Ergänzung des Gesetzes bekämpfen. Wellerberatung Dienstag, ZI. Januar. Aus der Partei. Ein Borkämpfer der argentinischen Arbeilerbeweguug ist in Dr. I u a n B I u st o am 8. Januar 1928 in Buenos Aires gestorben. Er war 1885 in der Hauptstadt geboren, widmete sich dem medizini- schon Beruf und studierte einige Jahre in Wien und Paris. Nach feiner Heimkehr erhielt er eine Lehrkanzel für Medizin an der Uni- vcrsität von Buenos Aires, die er von 1890 bis 1905 innehatte. 1892 gründete er mll einigen anderen die sozialistische Gruppe in Buenos Aires, die die Elemente verschiedener schon früher bestehen- den, unzusammenhängenden linken Gruppen(besonders des Deutschen VorwSrts-KIub. der 1882 zur Propagierung des Programms der deutschen Sozialdemokratischen Partei gegründet worden war) zu- saMmenfaßte. 1893 schritt die Gruppe an die Herausgabe einer Zeitung„El Sfteiaflsta", die jedoch mir kurze Zeit bestand. Ein Jahr später gründete die Gruppe die Tageszeitung JLa V a n g u a r d i a", die auch beute noch das Organ der Partei ist und eine ganz außerordentlich« Entwicklung genommen hat. Dr. Iusto wurde ihr erster Herausgeber und Cheftedatteur. Ale 1895 ein« Zahl kleiner sozialistischer Organisationen sich auf ein gemeinsames Minimalprogramm für die Wahlen im folgenden Jahr einigten, war Dr. Iusto einer der Parlamentskandidateiu Er gehörte dem Par- lament lange an und war zuletzt Senator für d!« Provinz Buenos Aires, ein begabter Redner und Journalist und verösfent- lichte ein« große Zahl Arbeiten über die Theorie und Praxis des Sozialismus. Dr. Iusto hat die argentinisch« Sozialistische Partei bei verschiedenen internationalen Kongressen vertreten— er war Vizepräsident der Internationalen Soziallstischen Konferenz in B e r n 1919— und führte noch den Vorsitz bei dem letzten Partei- tag in Buenos Aires im Oktober 1927. Die Exekutive der Znternaüouale ist für den 25. und 28. Februar nach Zürich einberufen. Im Mittelpunkt der Beratungen werden die Vorbereitungen für den Konq rc ß in Brüssel am 5. August und folgende Tage stehen. Am 21. Februar tritt die Abrüstung». k o m m i s s i o n am 23. Fehruar die Kolonial kommission und am 24. Februar das Bureau der SAI. zusammen. Gin Schritt zum Wirischastsfn'eden? Die Verhandlungen in England. (IGB.) Am 12. Januar fand die erste genieinshastlihe Beratung des Generalrates des b ritt scheu Gewerkschaftsbundes mll einer aus 27 industriellen Vertretern bestehenden Gruppe statt, die zu dieser Konferenz den Anstoß gegeben hatte. Die Unternehmer legten die Hauptpunkte eine» Prvgrom- m e s dar, die nach ihrer Meinung die Grundlage für eine zweckmäßige Zusammenarbeit bilden könnten. Als einer dieser Punkte wurde die Arbeitslosigkeit bezeichnet, und. zwar imr jene, die als eine Folgeerscheinung von im Interesse der Prosperität der Industrie durchgeführten Methoden, d. h. der Rationalisierung anzusehen ist. Es wurden verschiedene Dorschläge über di« prakttschc Form dieser Zusammenarbest gemach l. die ans ei»« größere Beweglichkeit auf dem Arbetsgrtiiet sowie auf Durchführung eines Unterstützungssystems abzielen. Andere Vor- schlage betrasen Unteriuchungen und Beratungen über die Sicher- hell, die Lage, die Wohnungs- und Gesundheitsver- h ä l t n i s s e der Arbeiter, die Arbeitslosenunterstützung, die Vervollkomni-lunq des gewerblichen Unter- richte der Arbeiter, U»llersuchu»g«n über die Auswirkungen d?r staatlichen und Gemeindesteuern auf die industrielle Entwicklung. die Ursachen der Slrbeitskonflikte und die besten Methoden, ihnen' enigegeuzuwirten, sowie den Anteil der Arbeiter nicht nur auf der Grundlage eines prozentual festgesetzten Lohnes, sondern in Form einer Teilhaberschaft an den Ergeb- nissen der Industrie, und schließlich die Errichtung eines permanenten Ausschusses, der die Anfgav« haben soll, von Zeit zu Zell über industrielle Fragen zu beraten. Der Präsident des brittschen Gewerkschastsbundes, Ben T u r- ner, gab gegenüber diesen Anregungen in semer Antwort der Hoffnung Ausdruck, daß die Untcrnelmwr sich in klarer Weise darüber äußern würden, welch« Schritte zu unternehmen sind, um den angenomenen Prinzipien die größtmögliche Unterstützung uitd ivirtungsvollste Durchführung zu fichem. Wenn der General- rat auch keine derartigen Befugnisse habe, um eventtielle Verein- borungen ohne roeiteres durchzuführen, so könnte er gleichwohl vieles ,zu ihrer praktischen Gellendinochung beilragen. Ein Haupthindernis für das Zustandekommen des Wirtschaftsfriedens ist ohi« Zweisei die mangelhaste Ar- beitgeberorganisation. In der Tot hat auch der Ler- treter der Industriellen, Sir Alfted Mond, in seiner Rede betont, daß die Unternehmer hier nur als einzelne Personen und nicht als Vertreter von Arbellgeberorganifatin- nen auftreten. Die brittschen Gewerkschaften haben wiederHoll dl« bittersten Erfahrungen mit derlei vagen Zusicherungen gemacht, die gegeben wurden, ohne daß die betreffenden Personen mll der nötigen Autorität im Namen der betressenden Iillcuitne sprachen tonnten. Die Maßregelungen in der Kohlen- i n d u st r i e, sowie die gerade jetzt von der Textilindustrie gemachoon Vorschläge auf Senkung der Löhne und Ber° längerung der Arbeitszeit, um wieder einmal die Arbeiter für die.ungesunden Fiixmzen" und die Mißwirtschaft bluten zu lassen, ssnd Im übrigen nicht eben dazu angetan, aus den projek- tterten.Wirtschaftsfrieden' allzu große Hoffnungen zu fetzen. Die deutsche Sprache. Beim Iniernationolea Arbeitsamt noch aabekaant. Di» Presseberichte de» IGB.' bringen jetzt den Dortlaut des Beschlusses, der auf Antrag de» enMchen Ausschußmllgliebss Ge- nassen Hicks des 2GB. von d« jüngsten Ausfchußsitzung in Berlin einstimmig gefaßt wurde: .Di« am 19. Januar in Berlin abgehaltene gemeinfcime Sitzung des Ausschusses de» IGB und der internationalen Berufssekretariate hält e» für wünschenswert, daß dl« deutsche Sprache bei der Herausgabe aller Publikationen des Internationalen Arbeiisamtes sowie in den Konferenz«,, der internationalen Arbeitsorgamsattonen zur offiziellen Sprache erhoben wird.' Wr halten dies auch für wünschenswert und sind der Meinung, daß der Boykott über die deutsche Sprache nun«Glich aufgehoben werden könnte. Propaganda für den IGB. Der Internationale Gewetkschaftsbund hat sich in der letzten Zeit mit einer Reihe nicht angeschossener Länder in Verbindung gefetzt, um die einem Anschluß entgegen- ltehenden Gründe in Erfahruitzj zu bringen. Die von ver- schiedeneu Landeszenftalen(Griechenland, Vereinigte Staaten. Irland, Mexiko, Portugal und Indien) bereits erteillen Antworten sieben zu der berechtioten Hoftnu»� Anlaß, daß man durch weiteren Meinungsaustausch bald zu den geumnschten Resullatea kommen wird. Erfreuliche Fortschritte sind auch im Ausbau der Be- rufsinternationalen erzielt worden. Der IG», hat sich In Uebereinstimmung mit dem von der Konferenz der Internattonalcn Berufsfekretariate angenommenen und später vom Kongreß des IGB. bestätigten Beschluß zur Förderung des Anschlusses der Be- russoerbände der einzelnen Länder an die enlivrechenden Leruis- Internationalen mll den Landeszentralen in Verbindung gesetzt und dabei auch hier die Anfchlußfroge ein gut Stück vorwärts gebracht. Luch in Zukunft wird das Sekretariat dieser grundlegenden Organi- sationsarbeit besondere Aufmertsamtell schenken. Vor der Aussperrung in Schweden. Der im großen Zellulosekonflikt in Schweden von der Regierung formulierte Schllchtungsoorschlag ist von den Arbeit- nehmern abgelehnt worden. Am Montag wird also die angekündigte Aussperrung in dem größten Teil der schwevlsd)en Sägerai- Industrie in Kraft treten. Die Aussperrung umsaßt gegen 50 000 Arbeiter. Lohnforderungen der englischen Maschinenbauer. London. 28. Januar.(Eigenbericht.) Di« Gewerkschaften der britischen Maschinen- bauindustrie beschlossen am Donnerstag fürsamtliche in der Maschmenbaulndustrie tätigen Metallarbeiter eine Lohn- er höhung von 8Sch!lIing(8 M) pro Woche bzw. eine dieser Lohnerhöhung entsprechende Heraussetzuna der«ttvrd- s?ße ZU fordern. Ein entsprechender Antrag soll schon in den nächsten Tagen an die Industriellen gerichtet werden. Die französischen Eisenbahner beim ArbeitSminister. Paris, 26. Januar. ~ W eine Delegation des Essenbahnerverbandez zum Lrbettsminister Tardieu, den sie über die Unzufriedenhest der Eisen- bahner mll der Sohnregelung, die den berechtigten Forderungen nicht entspräche, unterrichtete. Der Eisenbahneroerband verlange nach wie vor«n jährliche« Mindestgehall von 8000 Franken. Da» von den Elsemmhnaesellschasten zugestandene Mindestgehalt deiäuit sich auf o2.otJ bis 6850 Franken. Tardieu vermies auf die erzielten Ver- bcsserungen und die Bemühungen der Reaierung, den Forderungen der Ersenbahner bei den Gefelsschaften Gehör zu verschaffen. Freitag 21. Januar 1928 Unterhaltung unö fett Vellage des Vorwärts Genosse Ltschakow. Von 71. W. Korpoff. La, wir sind miteinander in der Bierhall« bekannt geworden." erzählte der beschäftigungslose Kapellmeister Fusajkin seiner Ehe- Hälfte Tatjanka,„er setzt sich einfach zu meinem Tisch und blinzelt schweigend nach allen Seiten. Zuerst trinkt er einige Glas Bier, — dann trinkt er es unmittelbar aus den Flaschen. Er trinkt und wird immer trauriger. Aha— denke ich mir— ich weiß schon. ivas du für ein Bogel bist. Du Host Angst, daß man dich hier sehen könnte. Für die„Bkrontworllichen", für die ganz„Großen" ist es nämlich mit dem Trinken nicht ganz geheuer, denn wird er Heim Trinken erwischt, kann er zu leicht das„Fliegen" erlernen. Auch dieser da war ein solcher Politiker. Zuerst schwieg er, dann nieinte er bloß, er sei in der Fabrik zur„Roten Flamme" an- . gestellt. In welcher Eigenschaft er dort angestellt sei, wollte er nicht verraten. Aber dann, als ihm das Bier zu Kopf gestiegen war, da legte er doch los:„Ich— sagt« er— bin der erste in unserer Fabrik. Ich— sagt« er— kann sogar auf den Direktor von oben hinabspucken— sagt« er. Wie oft— sagte er— sagt der Direktor zu mir: Mein Lieber, fahre mit dem Automobil— aber ich— sagte er— mache mir nichts daraus— ich fahr' mit dem Rad— warum, weil ich ein einfacher Mann bin..." Wie ich das so gehört habe, da dachte ich mir gleich: Aha, das wird schon so ein „Borfabkom"(Vorsitzender des kommunistischen Fabrikkomitees) oder ein„Berpob"(Verpslegungsobmann) sein. Den— dachte ich mir— mußt du dir warm hasten.— Und gleich fing ich an, mit ihm poli- tisch zu reden,— von wegen der Organisation eines Fabrikorchestsrs. Er war für die Idee sofort begeistert:„Ah— so ein Fabrikorchester — das ist mir das liebste— ohne ein Orchester ist eine Fabrik keine Fabrik.". Wie ich das gehört habe, habe ich ihn gleich eingeladen. uns zu besuchen, und ich habe ihm das Wort abgenommen, daß er bestimme kommen wird. Morgen um drei Uhr kommt er. So, jetzt weißt du alles, Tatjanka— und nun sckau zu, daß du für Morgen eine■ Schüssel voll Maullaschen, Bier und Schnaps besorgst." „Du bist wohl betrunken?" unterbrach ihn seine Tatjanka ärger- lichi„Schon den zweiten Monat verdienst du nicht«ine Kopeke, und ich soll da deine Freunde großmächtig bewirten!..." „Rede nicht so dumm daher," herrschte sie Fusajkin an,„du verstehst nicht, was für einen feinen Plan ich mir da ausgedacht habe. Er kann bestimmt anordnen, daß mir die Organisation des Fabrikorchestsrs übertragen wird,— für den Einkauf der Instru- nient« werden mindestens zweihundert Rubel bewilligt werden, und da kannst du dich schon auf mich verlosten, daß davon fünfzig Rubel in meiner Tasche hängen bleiben werden." „Ach Gott— dann könnte ich mir endlich die Strickmaschin« kaufen, aber weißt du, die mst dem Stopfapparot— lch glaube, es ist'Nr. 5fi. Und Sascha könnte einen Mantel bekommen und Walja ein Paar neue Schuh«..." :::»Du. kannst mit dem Geld« machen, was du willst— aber ich muß unbedingt einen neuen An-ug haben, denn wenn ich dann fcinaisrjnJoU, kann ich doch nicht in diesem geflickten Rock austreten." Sonntag in aller Frühe ging das Ehepaar Fufajkin zum Ein- kauf, und sie kehrten nach einiger Zeit mst vielen Paketen schwer beladen hetm. Der Mittogetstch war mit allerlei schmackhaften Eß- waren beladen, und tn der Mltte thronte ein« ansehnlich« Bier- und Schnapsbatterie. „Er versprach um drei Uhr zu kommen," sagte der Kapell- meister neroös. Cr gab mix sein Wort— ich habe ihn mindestens fünfmal gebeten— sogar die Adresse schrieb ich ihm auf«in Stück Papier auf. Vielleicht sollte man die Maustaschen etwas auf- wärmen?" „Zuletzt kmmnt er überhaupt nicht." sprach seufzend Tatjanka, „und wir haben soviel Gell» für dieses Zeug ausgegeben. Das chtrz blutet mir, wenn ich bedenke..." „Aber die fünfzig Rubel, nicht wahr?" meinte Fufajkin, sein« mißmutige Ehehälft« besänftigend.„Rur keine Angst— et kommt — ich werde doch wissen, wie man sich an solche„Verantwortliche" heranmachen muh." Endlich kam der ersehnt« Gast. Er begrüßte ein wenig fchüch- tern die Gastgeber und setzt« sich gleich zum Tisch. Die Lederfack« legte er gar nicht ab. Fufajkin war die Liebenswürdigkeit selbst. Er gab sich Mühe, den lieben Gast angenehm zu unterhalten, füllte nur zu oft dessen Glas, doch der Gast saß schweigsam und murmelte bloß zeitweise: �Vielen Dank.— Rein, es ist wirklich genug," oder: „Bemühen Sie sich doch nicht." Erst nach der dritten Flasche Schnaps löste sich seine Zunge: „In unserer Fabrik, hin, da kennt mich«in jeder.— ich bin doch sozusagen der erste dort— dm"— dos oftmalige Aufstoßen er- fchwerte ihm ein wenig das Sprechen—,„ich bin— hm— mehr als ein Direktor,— ich bin— ich kann— hm— auf den Direktor von oben herunterspucken— hm—* Nach der sechsten Flasche war er fertig,— ganz betrunken. Er frank Bruderschaft mit der Frau und wollt« sich in ganz unzwei- deutiger Weis« an sie heranmachen. Da hielt sie es im Zimmer nicht länger aus und eilte hinaus in die Küche. Ihr Mann suchte sie zu beschwichtigen. „Rein, ich gehe nicht mehr zurück,— bleib' du nur allein mit diesem Schwein. Wie er bloß die Augen verdreht, wie ein Rad« nach dem Käse." „Du mußt«e erdulden, mein Schatz," meint« Fufajkin auf- seufzend,„bedenke doch, fünfzig Rubel findet man nicht auf der Straße." Endlich begann der ganz betrunkene Gast sich zu verabschieden. Er wollte der Hausfrau unbedingt noch einen Kuß geben und warf dabei den Tisch mit den Gläsern um." „Bruderherz hm, komme morgen zu mir— hm— in die Fabrik. Frage nach dem Genossen Uschakow— hm—. jeder Arbeiter kennt mich dort." » Montag früh war Fusajkin beim Fabriktor. Er wendete sich an den ersten vorbeigehenden Arbeiter: „Genosse, du kennst doch gewiß den Genossen Uschalow. So ein roter Mann— was ist er eigentlich? Ein„Borfabkoin"— oder gar „Berpob?" „Uschakow?" fragte neugierig der Arbeiter.„Die sagtest du. ein roter Mann? Ja. wir hoben einen Uschakow, geh' nur einmal binaus zur Kanzlei de? Direktors, dort steht er immer vor der Tür,— er ist fonifagen Türöfiner." Fufajkin drückte mst einer düsteren Miene die Mütze tiefer in die Augen und mochte, daß er Westert am. (Wm btm Skffifch-» Tb-.rwige- tt»»«t« Des Volkes Stimme. Es war am 27. Januar. Der Rentier Friedrich Wilhelm Bumkc wanderte durch die Straßen und ärgerte sich, daß kein Mensch schwarzweißrot geflaggt hatte. Er selber hatte auch nicht geflaggt, aber nur aus Vorsicht, denn er gehörte dem„Bunde der Aufrechten" an, und die nächsten Bundesmitglieder wohnten ziemlich weil entfernt, während die Gegend rings um feine Wohnung verdächtig republltanifch war.. Daß er nicht den Mut aufgebracht hatte, ärgerte ihn doppell. Aber da war nichts zu machen. Doch da geschah in Burnkes allernächster Nähe etwas, das seine volle Aufmerksamkeit fesselte. Ein kleines Mädchen- stand vor einer großen Pfütze, weinte und schrie immer wieder einen durch Schluchzen ziemlich unverständlichen Satz. Bumke aber verstand ihn. Das Kind schrie: Lck will mein'n Kaiser wiederhaben." „Dieses kleine Mädchen beschämt uns alle," wandte sich Bumke ernst und würdig an ein paar Umstehende.„Es spricht mutig aus, was wir Erwachsenen denken, aber aus Gestnnungslouhest nicht offen zu bekennen wagen." Und obwohl ein junger Mann in Arbeiter- kleidung ein deutliches Zeichen nach der Stirn n, achte, wandte sich Bumke freundlich dem Kinde zu, zückte einen Groschen aus der Tasche, ohne ihn freilich einstweilen loszulassen, und fragte: „Sage, meine liebe Kleine, warum willst du ihn wiederhaben?" „Na, wo ick ihm doch so jerne mag," heulle das Kind und schielte nach der Münze. „Sehr gut, ganz vortrefflich. Aber warum magst du ihn so gerne?" „Na. weil ick ihm jerne mag!" wiederholte zwei-, dreimal hart- näckig das Mädchen. Etwas anderes war nicht aus ihr heraus- zubringe, u „Dieses Kind vermag seine Gefühle noch nicht klar in Worte zu fassen," belehrte Bumke die Umstehenden.„Aber ich' will es dir aus- cinandcrsctzen: Du magst ihn gerne, weil er dich rückerinnert an jene herrlichen Zeiten, wo das Bolk im Ueberflüß lebte und die Kompottschüssel des Aermsten überlief. Stin»mt's?" Die Kleine nickte schweigend. „Aber nun will ich dir auch sagen, wer schuld daran ist, daß du ihn verloren hast und nicht wiederbekommst, obgleich du ihn so gerne magst. Daran sind die Roten schuld, die Sozis und die Republikaner, die ihn schnöde davongejagt haben." � Die Kleine glotzte Bumke verständnislos an. Schließlich sagte sie: „Ree doch— er is mir in de Pfütze jefallen." „Was— der Kaiser— in die Pfütze gefallen!" brauste Bumke auf. „Mein Käse," schluchzte die Kleine und heulle von neuem los: Lck will mein'n Käse wiederhaben." Da kehrte Bumke sich entrüstet ab. Und ließ den Groschen wieder in seiner Tasche verschwinden. Für seinen Kaiser hätte er ihn gegeben. für einen Käse— nie und ninuner! Dem, das konnte die wahre Stimme des Volkes nicht sein, die sich um ihr bißchen Essen und tägliche Notdurst mehr Sorge und Das Gehirn von Anatole France Bekannttich lautete schon die schlagfertige Antwort der höheren Tochter in der Schule auf die Frage, wieso das männlich? Gehirn schwerer sei als das Jveibiiche:„Weil es beiin Gehirn nicht auf die Quantttät, sondern auf die Oualllät ankommt." In der Tot scheint, wie auch jetzt wieder die Untersuchungen des Gehirns von Anatole Franc« ergeben haben, die frühere Aui- sassung, daß geistige Größe mit dem Gewicht des Gehirns unmittelbar zusammachänge, nicht mehr zu Recht zu bestehen. Man war nämlich überrascht, als die Pariser Aerzte Louis und B re u i l- Chambardei, wie die„Deutsche Aerzte-Zeitung" mitteilt, dieler Tage der medizinischen Zlkademie berichteten, daß das Gehirn von Anatole France, eines der genialsten Männer des Jahrhunderts, nur 1017 Gramm wog, wahrend dos Durchschnittsgewicht bei einem Nornwlmenschcn um 350 Gramm höher zu sein pflegt. Selbst An- -gehörige von bestimmten primitiven Völkern, wie-z. L. Fidschi-In- sulaner und Papaw-Neger, haben ein Gchirn gewicht von 900 bis 1000 Gramm. Di« bisherigen Ersahrungen lehrten, daß die Ge- Hirne genialer Männer fast ausnahmslos«in dos Normalgewicht stark übertreffendes Gewicht zeigten, so z. B. das Gehirn Goethes, das des Anatomen Cuvier und chaeckels. Dagegen' stellten die Pariser Aerzte fest, daß das von ihnen be- gutachtete Gehirn von Analole France eine überaus große Flächen- auslegung der grauen Hirnsubstanz aufweise, und daß diese graue Substanz eine so prachtvolle Form des Gehirns zeige, wie sie die beiden Gelehrten not, niemals gesehen hätten. Sie bezeichneten sie geradezu als ein Kunstwerk der Natur.— Jedenfalls bestätigen die Erörterungen über den Befund, die die Aer.ztc in.ihren B«- richten niederlegten, von neuem, daß eine schwere Kehirnmosse nicht imbedingt das physiologisct»? Merkmal der Genialität sei, sondern daß die Gehirne gemoler Menschen wahrscheinlich durch die Flächenausdehnung der grauen Hirnsubstanz sowie durch die Zahl und die Form der Gehirnwindungen sich von denen gewöhnlicher Sterblicher unterscheiden. Uebrigens hat ein unbekannter Mäzei, für das Gehirn von Anatole France, das die Witwe seinerzeit der französischen Nation geschenkt hatte, ein« prachtvolle Kassette aus masfivem Gold gestiftet, deren Wände mst Smaragden und Rubii«n geschmückt sind und deren Deckel«i!« Glaskuppel bildet. Dr. R. K. Die well wird täglich größer, insofern nämlich, als ständig neue Gebiet« der Kultur erschlossen werden. Bisher galt der westliche Teil von Mexiko, der zwischen den Sierren und dem Stillen Ozean liegt, als äbes unirumtbares Land. Es ist eigentlich die Fortsetzung Kali- forniens, dos noch vor hundert Iahren eine Wüste war und heute als das Paradies der Vereinigten Staaten gilt. Dieselbe Umwand- lung vollzieht sich jetzt in Westmexiko, und zwar infolge der Bewosse- rung und der Fortsührung der Eisenbahnlinien in jenes Gebiet. Die Provinz Sannora, die an den Süden der Vereinigten Staaten grenzt, und die Provinzen Sinaloa und Rayarit sind 1900 Kilometer lang und umsassen eine Fläche, die etwa halb so groß ist wie Deutschland. Dieses ganze Gebiet weist erst 700 000 Einwohner auf, während die südlichen Provin,zcn mehr als fünf Millionen zählen. Die Verlängerung der Southern-Pacisic-Bahn stellt jetzt den Anschluß mit dem mexikanischen Eisenbahnnetz her. Mit Hilse der vorhandenen Flüsse und der geplanten Stauweiher kann man Schmerzen machte.als. um den armen Verbannten in-Doörn.-? noch.Millionen Hektar Land der Mt'ir erschließen. Man will Mt. O x t � 1 5 S~{*i: 4-f u,-....V'-W-. n i LKAS�ha n. �aps !i«a ;'V,» 'Ulli Fort mit Die ärztliche Wissenschost hat festgestellt, daß 60 Progent samt- llcher in Deutschland zur Well kommenden Kinder rachitisch sind, d. h. von Anfang an in ihren Lebensbedingungen behindert oder zum frühen Sterben bestimmt. Wenn man mit dieser Tatsache die andere Feststellung verbinde!, daß ein großer Teil der Infektionskrankheiten der Jugendlichen, wie Scharlach, Masern, Lungenentzündung, Tuber- kulose in einem rachitischen Körper ihren empfänglichsten Boden finden, oder mit anderen Worten, daß rachitische Kinder am leichtesten ihnen versallen, dann wird klar, mit welch einer verheerenden Stolks- seuche wir es hier zu tun haben. Die Kinderheilkunde hat denn auch frühzeitig erkannt, daß der Kampf gegen die Rachiiis ein Kampf um die Hebung der Dolkegefunddeit und der Lolkskraft ist. Wer kennt nicht jene erbarmungswürdigen kleinen Menschen mit dünnen Aermchen, dünnen und verbogenen Beinchcn, jene armseligen Krüppelchen mit eingefallener Brust, verbogenem Rückgrat und gelb- lich blasser Hautfarbe! Es steht leider in der Erinnerung vieler Hundcrttausender, wie die ersten Jahre ihrer Krankheit ihnen ver- gällt und verbittert worden sind, weil man sie in G r a d h o l t e r undSchienensteckenmußtc.um den schwachen Knochen, die von selbst keinen Holt hatten, den nötigen Halt zu geben. Erst seit die Wissenschaft etwas von der Wirkung der ultra- violetten Strahlen weiß, die wir im Sonnenlicht haben, oder— in unserer nördlicheren Zone eine unbedingte Notwendigkeit— künstlich herstellen können, ist da» Bekämpfungsmittel gegen Rachitk» gefunden. Denn Lebertran tut's allein nicht. Die Erfolge, die bei Bestrahlung mit ultraviolettem Licht erziell werden, sind denn auch überraschend günstig. Nach wenig Wochen verkalken die schwindenden Knochen, der zusammengeschrumpft« Körper strafst sich, die kleinen Pattenten blühen auf. Die Schattenseite dieser Heilmethode ist aber die, daß sie nicht nur fahr teuer ist. daß nicht nur die Zahl der Kinder, die der Bestrahlung zugeführt werden können,«in« beschränkte Ist. die Bestrahlung selbst. der Hin- und Hertransport bedeutet für die erkrankten Säuglinge eine Qual. Einem Amerikaner, Alfred ließ, verdankt die Menschheit«ine zweite, billigere, ebenso erfolgreiche und einfach« Lösung der Frage: wie befreien wir unser« Kinder von dem Tyrannen, der st« in fugend- lichstem Alter zerbricht? Alfred Heß.hat entdeckt, daß das sogenannt« Vitamin D isoliert dargestellt werden kann, und daß die gleichen Erfolge, wie sie durch die direkte Bestrahlung des kranken Körpers erziell werde» kann, auch dann«inireten, wenn man dem Kranken bestrahlte Nahrungsmittel mit jenem Vitamin reicht. Hierfür kommt vor ollem und in der Hauptsach« die Milch in Frage. Di« Statistik hat nachgewiesen, daß Kinder, di« mst bestrahlterMilch genährt werden, ebenso gründlich geheilt werden können, wie wenn man sie unter di« Quarzlampe legt. Aber auch dies« Methode hat ihr« Nach- teile. Die Milch wird, weil sie selbst Sauerstoff enthält und in Per- bindung mit Luft bestrahlt wird, bei dieser Behondlunggcruchlich und geschmacklich verändert, und zwar in einem solchen Maß«, daß die kleinen Patienten st« nur mtt dem allergrößten Widerwillen zu sich nehmen. Es ist ohne weiteres klar, welche schädigenden Wirkungen dieser Abscheu aus den geschwächten Organismus l>aben muß. Dem Dr. Scholl ist es zu verdanken, daß wir heule in der Lage sind, besttahits Milch herzustellen, die, was-Geruch und Geschmack anbe- langt, kaum von frischer Bollmilch zu unterscheiden ist. Er hat einen' Apparat konstruiert, der es erlaubt, die Bestrahlung der Milch unter Kohlensäureatmosphär« vorzunehmen. Beisuch«, die seit einem Jahr in der F r a n k s u r t« r ll n i v er s i t ä t s k l i n i k unter der Leitung eines sehr vorsichtigen, kühl und skeptisch abwägenden Arztes, des Prof. Dr. K. Sch«er, vorgenommen worden sind, haben geradezu verdlüffende Resuitale ergeben. Die so präparierte Milch hat auch tn den allerschwersten Fällen von Rachitis nicht versagt. Die Heilung vollzog sich innerhalb ganz weniger Wochen und war ebenso gründ- lich wie dauernd, wie sie bei direkier Behandlung beobachtet werden. kann. In jedem einzelnen Falle wurde der Heilungsprozeß systematisch durch Messung der großen Fontanelle, im Röntgenbild usw. verfolgt. Es vollzog sich eine absolute Wiederherstellung des gleichsam ausgesogenen Kinderkörpers. Patienten, die vor Beginn der Behandlung hinwelkten, waren nach wenig Wochen als durchaus geheilt anzusprechen Herr Prof. Dr. K. Scheer kann von einem Fall berichten, in dem ein» dieser armen Würmchen zudem von der Lungenentzündung befallen und von den Aerzte» ausgegeben wurde. Die bestrahlte Milch hat es gerettet. Ja, der bekannte Kinderheil- kundige glaubt feststellen zu können, daß die Bersuche, die er mährend eines Jähre» anstellte, zu der'Ueberzeugung berechtigen: i n m e n ig Jahren ist die RochitiseineunbekannteKrankheit. Ds Schollsche Verfahren har aber im Lcrgleich zu de» anderen den gar nicht hoch gcnug anzuschlagenden Vorteil, daß die ganze Pe- Handlung etwa 2 Mark kostet, und daß es fein Kind aus Erden gibt, an das sie nicht hcrangebrachl werden könnte. Man muß nur ein- mal überlegen, welche ungeheure»Summen auf diesem Wege bei den öffentlichen Krankenkassen frei werden, wieviel« Millionen erspart und für andere Zwecke ver- wendet werden können. Es leuchtet auch dem Laien ein, welche un-- meßbaren vottswirlfchastlichen Vorteile hinter dieser Tatsache stehen. Aber ebenso wichtig wie die Vehabdliing Erkrankter ist die Aorsorge. Bestrahlte Milch kann in jedem beliebigen Umfange für. ganz wenige Pfennige hergestellt werden. Sie kann auch in jedem Prozentsatz frischer Dallmllch beigefügt werden. Es leuchtet ein, von welchem Wert es ist, wenn Kindermilch künftighin nur noch mit einem 10- bis 20prszeniigen Zusatz von bestrahller Mich abgegeben wird.' Dann ist tatsächlich der Weg frei, um die Menschheit von diesem Bampyr Rachitis zu befreien. Aber eine Forderung muß erhoben werden: es muß Ausgab« der Kommunen sei», die.her- stellung und den Derrrieb der bestrahlten Milch selbst in die Hand zu nehmen damit sie nicht zu einem Objekt de« Kapitalismus wird, sondern bleibt, als was sie sich uns erwiesen fsttt: der'rettende Engel der Massen. Die städtischen Körperschaften müssen sich möglichst rasch und möglichst grüMich mtt.dieser Lrage beichäftigesj'. um�SLdu Tag,; der hier versäumt wird, ist es schade, um sedes kleine Menschenkind, dem die' Wahltät. von der Rachttig befreit zu werden, mwenthalten bleibt. Stadtküche Leipziger Str., V. Stock Ami Xanlntm Hr. 8533— 38 iSf hI™ Speisen, Einzelgerfchte, Kalte PlattenjMayonnaisen, Eisspeisen, Torten usw. Tctkng.SieilZüaeodg.snMrMSUdtlOolMS-KsUIocea. Leipziger Str. WiUfji- / Aicxanderplatz/ Frankfurter Allee/ Seile Alllance-Str./ Brunnenstr./ Kottbuser Damm/ Andreasstr./ Chauueestr. Mengenabgabe earbebaKm- Obel nd SemSM bind von Tartand aaegsichlnssea- Vtrkaaf ttwett Tarn n'i!. Sülzwurst........ p{iina90pf. Karolfen geedmittan.. 38pf. Sthlnkenetken..piandl.OO Qemüseerbsen...... 66-pt Hausmacherwursfpfd.l.OO]Unge Erbsen........ 78pl Speck wursf.Pfund 1 ,00]UngeErbsen»tteu«m92pt. 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O. m.b.H. •"-"I......... illkkoS Nie neue einheitliche Schnle in Aeukölln. Von der Grundschule bis zur Ltniversiiätsreife. Die Press« hat sich in der letzten Zeit mit dem Ptan der neuen einheitlichen Schule in Neukölln besaßt. Es ist daher nötig, der Oessentlichkest kurz Werden und Wesen unseres Vorhabens zu er- klären. «eit sechs Iahren ist dem von mir geleiteten Kaiser-Fried- rich-Rcalgymnasium in Neukölln eine Ausbauschul« nach den: System der deutschen Oberschule angegliedert, seit sünf Iahren der sogenannte Arbeiterturs, den man organisatorisch etroa als dreijährige Aufbauschule nach demselben Typus der deutschen Oberschule bezeichnen kann, seit einem Jahr auch eine sogenannte grundständige Oberschule, die heute bis Tertia reicht. Wir haben also diesen Schultypus in neunjähriger, sechsjähriger und drei- jähriger Form. Wir wählten ihn, well er nach dem ihni zugeteilten Lehrstoff am ehesten Aussicht Hot, in geradliniger Fortführung der Voltsschule einmal die Allgemeinschule zu werden, natürlich mit psychologisch und sachlich bestimmten kleinen Abweichungen, mit Betonungen noch der oder jener Seite. Die uns für den Aufbau einer einheitlichen Schule vom ersten Schuljahr bis zum Abiturium fehlende Verbindung mit der Volksschule wurde im letzten Jahr erreicht, als mir der cherr Minister auf Antrag des Bezirksamtes Neukölln die Schulaufsicht über eine Volksschule übertrug, deren Kollegium mit dem der höheren Schule zu einer völligen Einheit verbunden ist. So besteht also schon das Einheitssystem mll den beiden Spitzen des Realgymnasiums und der deutschen Oberschule. Die neuen Schulen haben von Anfang an versucht, aus der chör- und Lernschule eine Arbeitsschule zu machen. Sie haben in diesen Iahren das Verfahren der kooperativen Arbell ausgebildet und sind zu ganz bestimmten Formen gelangt, die nach unserer Mei- nung erst dann ihre letzte Möglichkeit zeigen werden, wenn die richtigen Arbeitsmittel in einer entsprechend gebauten und eingerich» teten Schule zur Dersügung gestellt werden. Die erwähnten Schulen haben säst durchweg Arbeiter- linder. So erklärt es sich, daß wir unsere Pforten nicht mll dem Schluß des Vormittagsunterrichts schließen können. Die Räume und die berolenden und auch sozial hellenden Lehrer mtlsten ihnen auch nachmittags zur Verfügung stehen. Denn der Elnzimmerh>rus- hall ihr« Eltern, den ich hier nicht beschreiben brauche, kann ihnen den Lebens- und Arbeitsraum, den sie für den erfolgreichen Besuch der Schule nötig haben, natürlich nicht gewähren. So besteht totsächlich die einheitliche Schule als Arbeilssielle, als tebensstätte berells. Nur hatte sie bisher keinen entsprechenden Bau, der gerade ihren Bedürfnissen auch nur einigermaßen eist- sprach. Weil sie ihn jetzt erhalten soll, hat sich die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkell auf dieses Einzelsystem gelenkt. Die Frage des Bauz ist zunächst die grage der O r g a n l» fatiou dieser Schule. Ohne mich hier auf die pädagogisch« ?rag«»ach der zulässigen Größe eines solchen Systems eingehend einzulassen, welse ich nur auf den jedem Organisator bekannten Bor- zug des größeren Betriebes hin. daß hier jede menschliche Kraft toes Lehrers und des Schülers) sich besser seinen Anlogen gemäß ein- ietzen und daher entwickeln läßt, daß auch die Ausnutzung der Betriebsmittel(Räume. Instrumente, Bücher usw.) durch ihre größer» Spezialisierung rationeller wird, daß letzten Endes der Nutzeffekt unter Ersparung von leerlaufender Ener. a i e doch viel größer wird. Das läßt sich aus unseren Erfahrungen in unserer nach dem Gesichtspunkt der Menschenökonomie auf- gebauten Schule auch für den pädagogischen Erfolg leicht nachweisen. In einer einheitlichen Schule gibt es keine Trennung der Schüler nach Herkunft und sozialer Stellung der Eltern, sondern rein uack) den Anlagen der Schüler. So kann der Bau nicht zeigen, wo die Volt-�chule aufhört, wo die höhere dieses oder jenes Typus ansängt: das wären ja wieder die festen Trennungen der allen Schule. Der Unterschied wäre nur. daß sie in einem Bau zusammengebracht sind, hier kann es nur eine Teilung nach psycho- logisch ziemlich deutlich absetzbaren Altersstufen geben. Daher kommt der erste Bautell den Kindern bis zum zehnten Lebensjahr« zu, der.zweite denen bis zur Pubertät, der brüte denen bis zur Universität. Ob und wann sie in der Mittelstuf« der sogenannten höheren Schule, besser der mehr theoretischen, wissenschaftlichen Celle der Einheitsschule zugeteill werden, sollte ganz von der Entwicklung der Kinder abhängen. Die Einrichtung der ernzelnen Bauabschnitte. asso die Größe und die Ausstattung der Arbeitsräume auf den ein- zelnen Stufen richtet sich völlig nach Art und InhaU des Arbeits- Prozesses, der sich erfahrungsgemäß aus diesen verschiedenen Lebens- allern herausbildet. Nur müssen sie all« eben dos gemeinsam haben. daß sie Arbeitsräume, gleichsam Werkstätten sind. Sie müssen für die wechselnd« Anordnung der Schüler im kooperativen Arbellsprozeh so belichtet sein, daß nirgends Schatten, aber auch nirgends Blendung erfolgt. Welche Mischung von Ober- und Sellenlicht diesen Äedingimgen genügt, ist ein schweres bautechnisches Problem. Also ist im allgemeinen der Flachbau gefordert, über dessen hygienische Vorzüge durch die leichte Verbindung mit dem Garten ja nicht erst gesprochen zu werven braucht. Dort, wo, wie im naturwissenschaftlichen Unterricht, mit festen Arbeitsstellen gerechnet werden kann, erhebt sich der Bau bis zu drei Stockwerken. Im übrigen also sind die Bauabschnitte verschieden. Die Unterstufe braucht nur die Möglichkell für die Entwicklung sozialer Gruppen und für die Erlernung der Techniken des Lesens, Schreibens und Rechnens und der Orientierung im nahen Bezirk zu geben Die Unterscheidung von kleineren und größeren Räumen, die immer zu dreien differenziert und einander zugeordnet sind sweil ja drei Parallelklassen bestehen), die also«in Fluktuieren der Kinder von einem Raum zum anderen und damit von einem der drei Lehrer zum anderen zelgen werden, wird völlig ausreichend sein. Auf der M i t t e l st u f e wird die Erprobung der Kinder nötig. Sind sie mehr praktisch und für theoretisch« Weiterbildung nicht be- sähigt oder neigt sich ihr Interesse und ihre Fähigkeit nach der ietzteren Seite? Daher brauchen wir hier vorbildlich eingerichtet« Werkräum«, in denen die Elemente der heute üblichen Arbeits- verfahren anschaulich geübt werden, ferner Lehrküche unk» R äh- st u b e für die Mädchen. Dieser Toll wird sich äußerlich von dem Bau in den Garten hinein abzweigen, der seinerseits auf dieser Stufe ja auch der praktischen Betätigung dient. Di« theoretischen. gruppenweise ebenfall« als Fachräume für die verschiedenen Ge- biete. Naturwissenschaften. Deutschkunde. Fremdsprache, Rechnen usw., zusammengeordncten Klassen setzen die Linie der Grundschule fort, die nur in der Mitte noch durch die künstlerischen Uebungsräume unterbrochen wird. Die Oberschule bringt dieses Prinzip der Differenzierung des Arbeitsprozesses zur vollen Auswirkung. Denn nun trennen sich die einzelnen Fachgebiete in verschiedenen Bauteilen: der mathema- tisch-naturwissenschafttiche Hochbau bildet gewissermaßen das Zen- trum der ganzen Schule, von dem in einer zweiseitigen Anlage dann die deuischkundlichen und die fremdsprachlichen Räume ausgehen. Diese Räume sind nicht mehr gruppenweise gleich gestattet und ein- gerichtet, sondern immer nach ihrem spezifischen Zweck differenziert in ihren Arbeitsmitteln und in dem spezifischen Werkmeister, dem Fachlehrer oder seinem Helfer. Dieser Bau mll seinen Fachräumen stellt hohe Anforderungen an die Organisation. Einen darauf eingestellt«. Stundenplan haben wir schon erprobt. Er sieht vor, daß die Schüler sich tage- oder halbtagewerse in die verschiedenen Räume oder Flügel begeben, damit, wie in einem guten Betriebe, die Arbellswege so kurz wie möglich werden. Die neue Schule ist einheitlich, sie ist Arbeitsstelle, sie muß zudritt auch Lebens statte lein. Dazu braucht sie nicht nur E ß r ä u m e für die Schüler, die sich über Müdag dort auf- halten, nicht nur Gemeinschoftsräume auf jeder Stufe, nicht nur Turnhallen, Sportplötze und eine S ch w i m in- Halle, sondern vor ollem den nötigen freie» grünen Plqtz und die Verbindung mit dem Leben draußen. Da die ganze große Fläche am Dammweg in erster Linie der Schule zur Verfügung gestellt worden ist, aber in weitestem Umfang den Neu- köllner Bewohnern geöffnet werden soll, so wird auch diese Forde- rung erfüllt. Das Neuköllner Bezirksamt hat sich auf da? wärmste für die Entwicklung dieser Schule«ingesetzt. Herr Minister Leckex. der sie kürzlich besuchte, hat ihm ausdrücklich für die weitsichtige Förderung dies«, Versuchs gedankt. Fritz Karsen.. Die Partei rüstet zur Wahl! Die meisten der am vergangenen Mittwoch abgefaltenen Mitglieder oerjammllingen der Partei beschäftigten sich mit der bevor» stehenden Reickstagswahl. Im überfüllten Saal des Gesrllschafts» Hauses von Schmütt in der Fruchlstraße sprach Reichstagspräsident Genosse Paul Lobe über das Thema:.Das Kampsjahr 1928." Er begann seine Ausführungen mtt der Feststellung, daß in diesem Jahr all« Kulttirnationen der Erde vor wichtigen parla- mentarischen Entscheidungen stehen. Und jedes Volk ist an der Zusammensetzung der Parlamente in den Nachbarländern stark interessiert. Die deutsche Finanzgebarung und Kaufkraft mögen einwartdftei fein— ohne R e o i s i o u der Reparativ ns- lasten sst ein« endgültigs Gesundung unserer Verhältnisse un- möglich. Auch Fr a n l r e i ch s Schulden gegenüber Amerika be- wessen, wie sehr eine Nation von der Gestallung der Parlamente jenseits der Grenzen abhängig ist. Dasselbe gill oon Rußland. das ein dringendes Interesse an dem Sturz der gegenwärtigen englischen Regierung hat. Und aus die Niedertage des nationalen Blocks in Fraickreich rechnen nicht nur wir,> andern auch die Deutschnarstmalen. Deutschland braucht die Welt. w»S es sich schon seil Jahrzehnten nicht allein ernähren kann und andere Länder zur Aussuhr seiner Industrispradukte nötig hat. Mit dieser Tatsache begründet die Partei ihre Friedenspolitik, die sie auch veranlaßt, die Außenpolitik Strefemanns zu unterstützen, obwohl sie der Partei oft nicht wellgehend genug ist. Aus den- selben Gründen muß Deutschland vor der Verwicklung in eine internationale Kombination gegen Rußland bewahrt bleiben. Aus innenpolitischem Gebiet ist das oberste Ziel der Partei die Beseitigung des Bürgerblocks, über den das Urteil schon durch den Ausfall der Wahlen in den Ländern ausgesprochen worden ist. Der Ansang von seinem Ende war die Aufnahme der bekonnten„Richtlinien� durch die De ut s ch n a t i o na l e n. die selbst vor der Annahnie des Dawcs-Bertrages nicht zurückgeschreckt sind. Die enttäuschten Wähler werden ihnen die Quittung aus- stellen. Nicht anders wird es den Bölkischen ergehen, die in oier Parteien zersptillert sind. Auch die Wirtschaftspartei ist in sich gespalten. Dasselbe Bild bieten die K o m m u n i st e n, die im Reichstag ein beschämendes Trauerspiel aufführen. Genosse Löbe lenkte dann die Aufmerksamkeit aus die Agrarparteien, durch deren Zollpolltik die Dauernschost schwerste Schädigungen er- litten hat. Der weiteren Verteuerung aller Lebensmittel muß durch ein Wahlergebnis, das den republikanischen Parteien zugute kommt. ein Ende gemacht werden. Im Wahlkamps geht es nicht nur um innen- und außenpolitische Fragen, sondern um den Sozialis- m u s schlechthin, dem wir durch die Walst einen Schritt näher kommen wollen. Mll diesen Worten schloß Genosse Löbe seinen Bortrag, der von stürmischen Beifallstundgebungen der Versammlung begleitet war. In der Kreismitgliederversammlung des 3. Kreises Wed- ding, die im Poxenhoferausschank Chausseestr. K4 stattfand, sprach Genosse C r i s p i e n in dem überfüllten Saale über die Wahlen und die wirtschaftlich« Lage. Genosse Crispien wies darauf hin, daß 70 Proz. der deutschen Wähler erwerbstätig sind. Nur 30 Proz. gehören zu den besitzenden Schichten. Von diesen erwerbstätigen Wählern stimmen noch 9 Millionen proletarische Wähler für die bürgerlichen Parteien. Diese Wähler für unsere Partei zu gewinnen, ist unsere Aufgabe, denn dann ist es möglich, im Reichstag eine Zweidrittelmehrheit zu erringen. Dos wissen die bürgerlichen Parteien, darum wollen sie einerseits die Macht des Reichspräsidenten und des Reichsrats stärken, andererseits aber die Seelen der Arbeiter gewinnen. Die H i l f s t r u p- v e n für dies Ziel sind die Kommuni st en und das Zentrum. unsere Taktik richtet sich nach dem Worte Bebels:„Wir erringen Anhang in der Arbeiterschaft, weil wir die Lage der Ar- b e i t e r gehoben und dadurch für die Hebung der gesamten Kultur ungeheures geleistet hoben." Zur Begründung wies er auf die Auf- Hebung der Gesindeordnung, die Festsetzung der Arbeitszeit aus 8 Stunden durch die Dolksbeaustrogton, auf die Arbeitslosenversicherung und die Unter- stützungderKurzarbeiterhin. In diesen Gesetzen kommt die sozialistische Forderung zum Ausdruck, daß die GeseUschaft für das Wohl ihrer Mitglieder verantwortlich ist. In der Gegenwart richtet sich unser Kampf gegen die Reichsbankpolitik Schachts, der die Anlogen und Sportplätze in den Städten als Luxus bezeichnet und Anlagen sür den Wohnungsbau verhindert, gegen die Wirt- schaftspolitit des Bürgerblocks, der die Besitzsteuern um 2% Milliarden ermäßigt, Verbrauchssteuern aber nicht ermäßi- gen will. Wir kämpfen für die Ergänzimg der politischen Demo- k rotte durch die wirtschaftliche Demokratie, für die Eroberung der politischen und wirtschaftlichen Macht. Die Wahlkämpfe in Deutsch- land, Frankreich und England sind Vorkämpfe der proletarischen Machteroberung: denn die Befreiung der Arbeiterschaft der Welt erfolgt in den Kulturzentren, nicht in Rußland, in den Kolonial- ländern oder in China und Indien. Deutschland hat dos geschulleste Proletariat der Welt, darum trogen wir die Mitverantwortung der Befreiung der Arbellerschaft der Wslt. Aus deu Bezirken. i. Bezirk— Mitte. Die erste Bezirks versc-mmlung in diesem Jahre befaßte sich mit der Neuwahl des Borstandes. Als Vorsteher wurde der Genosse Riese und als Stellvertreter Dr. B« e s e(Dnat.) und Schulz (KBD.) gewählt. Di« KPD. benutzte wie üblich auch diese Gelegen- heit zu Angriffen auf unsere Partei. Bei der Umbenennunq der Straßen und Plätze in Berlin-Mittc stimmten die Kommunisten mit den bürgerlichen Parteien gegen unsere Anträge und so wurde der Antrag, das Eiyzelufer in Legten- Promenade umzuändern, abgelehnt. Angenommen wurde nur die Umbenennung des Gendarmen morktes in Schillerplotz und die Bezeichnung August- Bebel- Straß« für den Straß enzug Weinmeister-, Münz- und Alexanderstraße. Die Redner unserer Fraktion, die Genossen H o f f m a n n sen. und Brendel wiesen darauf hin, daß die Kommunisten wieder den Be- weis erbracht haben, daß sie«ine Politik im Sinne des Proletariats nicht treiben, sondern nur mtt Phrasen operieren können. Die Vcr- sammlung nahm dann noch einige weitere Dorlogen sowie einen Dringlichkeitsantraa unserer Partei, welcher die Einrichtung eines Jugendheimes, Kinderhorts und Kindergartens verlangt, an. 4. Bezirk— Prenzlauer Berg. In der Bezirksverordnetenversammlung am 18. Januar ging vo? Eintritt m die Tagesordnung der Vorsteher, Gen. Kemnitz, in längeren Ausführungen, die von der Versammlung stehend angehört wurden, aus das Explosion s Unglück in der Landsberger A l l e e«in und ehrt« in einem warm empfundenen Nochruf die Opfer dieses Unglücks. Dann wurde gemäß der Geschäftsordnung die Wahl des Vorstandes vorgenommen. Zum Vorsteher wurde einftimmig unser Genosse Kemnitz wiedergewählt. Dadurch, daß auch die K o m m u o i st e n für ihn gestimmt hotten, ergab sich«in« glatte Wahl: der Gefamtvorstand wurde entsprechend unserem demokrati- schen Prinzip nach dem Stärkeoerhältnis der einzelnen Fraktionen zusammengesetzt. Ali Versammlungstag wurde wieder der Mittwoch bestimmt. Gegen eine vom Magistrat geplant« Errichtung eines Obdaches in der Landsberger Allee gegenüber dem Viehhof wurde energisch protestiert. Dom Genossen S t r e i t n c r wurde darauf hingewiesen, daß im Bezirk bereits dos größte Berliner Obdach vorhanden sei und daß kein Gelände des Bezirks mehr dem Wohnungsbau entzogen werden dürfe. Auch die Deputation für den Vieh- und Sttzlachthof Hab« bereits beim Magistrat dagegen die schwersten Bedenken erhoben. Ein hierzu von unserer Fraktion«in- gebrachter Dringlichkeitsantrag. der sich mtt den gemachten Aus- Weiße Zähne: Chlorodonf Ein Urteil von Vielen:, Da Ich schon mehrere lahre zum Putzen meiner Zähne Chlorodonf bemitee, gestatte ich mir, Ihnen mitzuteilen, daß ich, seit ich Chlorodont verwende, schneeweiße Zähne bekommen habe. Ich hatte früher Zahnbelag und versuchte mit allen möglichen Mitteln denselben zu beseitigen, was mir mißlang bis ich Ihre vorzügliche Zahnpaste Chlorodont kaufte und auch probierte. Chlorodont allein führte mich zum Ziel. Ich werde heute oft beneidet und gefragt, womit pflegen und putzen Sie Ihre Zähne? Ich kann dann Ihre Zahnpaste Chlorodont weiter empfehlen, daß auch unsere Mitmenschen zu einem guten Resultat kommen wie ich. Anbei ein Bild, woraus Sie ersehen wollen, daß meine Zähne auch wirklich schneeweiß sind, trotz des Rauchens. Wenn das Bild nicht mehr benötigt wird bitte ich um Rücksendung." Berlin-Tempelhof, Chr. R,(Originalbrief bei unserem Notar hinterlegt.)— überzeugen Sie sich zuerst durch Kauf einer Tube zu 60 Pfg'große Tube i Mk. Chlorodont-Zahnbürsten 1.25 Mit, für Kinder 70 PI Chlorodont-Mundwasser Flasche L25 Mk. Zu haben in«"»n Chlorodont-V�3"��"� Man verlange nur echt Chlorodont und weise Jeden Ersatz dafür zurück. Mnmy«« Bezirksomr u«!>««« Vorlage bes Vezü-ksamt» betB. nnb te dem da, _ jirfiMimt ersucht wird, alle geeiflrotcn Schritte ju unternehme«. um hie Errichtung eines Obdachs an dieser«reNe zu»er- hindern, wurde angenommen.— Awei Dringlichteitsanträg« der kommunistischen Fraktion, betr. das Explosionsunglück in der Landsberger Allee, wurden non den Antragstellern unter Hinweis auf die Verhandlungen in der vtadtverordnclenveriommlung zurückgezogen, gaben aber dem Bürgermeister Gen. Dr. Ost r o w s k> Gelegcnbnl, kurz zu schildern, wie den Opfern de sUnglücks geholfen wurde, und«inen Punkt in einem Bericht der.LLelt am Abend" oom 12. Januar richtigzustellen. In dem Bericht, in dem alles, was geschehen, anerkannt sei, sei aber gesagt:„Der Reubau in der Olivaer Elroße wäre wohl für die durch dos Unglück obdachlos Gewordenen zu schade." Hiergegen müsse er sich ganz entschieden wenden. Er stellte fest, daß schon acht Tage vor oem Unglück mtt den neuen Mietern des Neubaues völlig rechtsgültig« Verträge abgeschlossen ge- Wesen seien, und daß von diesen Mielern aus zwingendcn Gründen keiner habe zurücktreten wollen. Daher hob« mau diesen Gedanken sofort wieder fallen lassen müssen. Alle Familien seien aber in Wohnungen untergebracht, die ihnen zusagten.— Zwei andere Anböge der kommunistischen Fraktion über«ine Verfügung des Landes- arbeitsomts und Erwerbslose, wurden noch von unserem Genossen Stadttot R o s e m a n n abgegebenen Erklärungen als erledigt be- trachtet bzw. abgelehnt. 13. Bezirk—. Tempelhof. In der Vezirksverfammlung am 25. Januar wurde als Vor- fitzender der d e u t f ch n a t i o n a l e Dr. Jäger mtt 17 Stimmen gewählt, auf unseren Genosten Burgemeister entfielen 16 Stimmen. Den Ausschlag gaben die Demokraten unter Führung des Tiefbau- Unternehmers Dr. Most. Der jüdische„Demokrat" Sabersky kam eigens zur Versammlung» um dem antisemitischen Studienrat Dr. Jäger zum Siege z» verhelfen. Sosart nach der Vorstondswahl verschwand er wieder. Das nennt man deutsche Treue! Die Tempel- haser Demokraten sehen immer noch Deutschnotionale und Volks- parteiler als eine Einheit an. Obwohl von unserem Genossen Gerloch nachgewiesen wurde, daß die beiden Parteien bei jeder Gelegenhtt gettennt marschieren und z. B. das wilhelminische Ordens- s e st von den Dcutschnationalen mtt dem Stahlhelm am 18. Januar. von den Valksparteilern aber am nächsten Tage gefeiert wurde, ließen sick» diese„Demokraten" nicht von ihrer Meinung abbringen, daß die beiden Parteien zusammen den ersten Vorsitzenden zu stellen haben. Die soziaibemokraiisch« ist die stärkste Fraktion, ober sie wurde um den ihr zustehenden Posten geprellt. Nach diesem Gewaltakt lehnte es die Linke einmütig ab, sich an den weiteren Dar- standswahlen zu beteiligen. 22 Punkte oer Tagesordnung wurden ohne große Debatten erledigt. Ein Antrag der Rechten for« derte eine VerkchrsverschlechterunqfürLichtenrade. Es wurde nämlich verlangt, an Stelle des seit deni 1. Januar oer- besserten halbstündigen Autobusverkehrs zwischen Ddariendorf und Lichtenrade den„bewährten Fahrplan von 1927" wieder einzuführen. bft vormittags nur einstündigen Autvbusverkehr vorsah! Sonder- bar berührte es auch, daß ein deutschnationaler Vezirksver- ordneter aus Marienfelde den Ausbau einer Straße am Bahnhof Marienfelde verlangte, die schon längst ausgebaut ist. Räch einer entsprechenden Belehrung durch das Bezirksamt zog er seinen Antrag zurück. Das nennt man Ortskenntnis! Sehr erregt wurde die Debatte bei der Besprechung eines Abänderungsprojektes für den V o l k s p a r k Mariendorf. Obwohl die Stadtoerord- n e t e n erst kürzlich beschlosten haben, an der Schassung einer Dauer- tolonie innerhalb des Dolksparkprojektes festzuhalten und trotz- dem dies dem Bezirksamt offiziell bekanntaegeben wurde, lag der Bezirksvcrsammlung doch ein neues Projett— das wieoielte?—- vor, mtt der kategorischen schriftlichen bezlrksamtlichen Erläuterung: „Die an Stelle des jetzigen Schwimmbeckens projektierte Kleingarten- daueronlage fällt fort!" Die bei der Vorstondswahl so einige sogenannte„bürgerliche Fraktion" zerfiel bei dieser Debatte in viele Atome. Die Zersplitterung wurde durch unseren Genossen Braun hervorgerufen, der aus dem„R a ch r i ch t e-n b l a t t d e r D« u t sich- nationalenVoltspar t ei*. Ortsgruppe Tempelhof— Schriftleiter: Bezirksverordneter Rechnungsdirektor Zimmermann vom Bezirksamt Tempelhof— folgend« Sudeleies vorlas: Wer weijL daß M« roten•Freunde der Rackttnlknr am anderen Teil des Balksparts— unmittelbar an der Ehaustee- straße— die Schwimmanlage einbauen wollten, die zu dem am hintersten Teil des Vokksparks geplanten Wettspielplatz gehört? Rur um Nacktkultur an die Straße zu bringen! Dabei weiß jedes Kind, daß dieses alte Projekt seinerzeit von allen Vczirk-verordneten einstimmig angenommen wurde. Begreif. lich, daß jetzt niemand von der Rechten etwa» von diesen Schreib- Übungen wissen wollte, besonders da Herr Zimmermann di« Der- sammlung bereits verlassen hatte. Aber alle krampfhaften Verteidi. gungsversuche der Rechten waren vergebens. Ihre jahrelang in dieser Frage bettiebene Heuchelei konnten ste auch durch die längsten und salbungsvollsten Reden nicht aus der Welt schaffen. Das vorliegend« Projekt wurde nur mtt einer Stimme Mehrheit gegen die gesamte Linie angenommen. 14. Bezirk.— TkeuköNn. Die Bezirksversammlung des Bezirk» Neukölln wählte am Mittwoch, 25. Januar, wiederum, und zwar«instimmig, unseren Genossen Au Di« Bureau Der„Vorwärts" ist das Blatt der Kopf- und Handarbeiter! Abonniert den„Vorwärts"! i�H-i'.-*1-y-i-*.■%■vvv�fwrMVV*MVVV*M*,ckv*,i,%A«� Ai'*i�<* schloffen. Die Behandlung der Prüfung von Darlehn s- gesuchen der Hochwassergeschädigten im Erp etat wurde nach den Beschlüssen unserer Fraktion im Stadtverordnet«» kollegium beschlossen. Der Beschluß, eine Rektor st eil« ander weltlichen Sammelschule in Köpenick einzurichten, wurde mit Mehrheit unter Stimmenthaltung der bürgerlichen Fraktionen gefaßt. Die durch das Verhalten der Kommunisten berbeigesührte Verzögerung der Arbeiten er, zwang die Vertagung der Sitzung. Die llmbenennung der Straßennamen im Bezirk und die Gleich st ellung der Wohlfahrtsunter st ützungs- Empfänger mit denjenigen in der gehobenen Fürsorge konnten daher nicht erledigt werden. 20. Bezirk- Neimckendorf, Die erste Bezirksversammlung in diesem Jahre brachte die Neuwahl des Vorstandes. Während in den letzten Jahren die Kom» munisten stets gegen den Genossen R o tz o l k als ersten Vorsitzenden gestimmt hatten, stimmten sie diesmal für ihn, so daß er von der Bezirksversammlung einstimmig zum Vorsteher gewählt wurden Trotzdem kritisierten die Kommunisten nach vollzogener Wohl die Geschäftsführung im verflossenen Jahr. Da die Kommunisten die zwettstärtste Fraktion sind, erhielten sie den stelloertretenden Vor» steher gegen bis Stimmen der Bürgerlichen. Den zweiten Stell» Vertreter und den ersten Beisitzer erhielten die Bürgerlichen. Zum zweiten Beisitzer wurde Genosse W e n d t l a n d wiedergewählt. Dia ständigen Ausschüsse wurden in demselben Berhällnis wie im Vorjahr besetzt. Der Sitzungstag bleibt wie bisher der Mittwoch, der Sitzungsansang wurde um eine halbe Stunde später. glso auf 18 Uhr, festgesetzt. Bei der Vorlage über die Enteignung eine» Teiles des in Berlin-Lübars an der Platanenstwße und Oranienburger Chaussee belegenen Grundstücks wurde von unserer Fraktion der ungemein hohe Preis bemängelt. Bogelschutz im Winter.' Dos Dvgelleben bietet uns jetzt viele anziehend« Bilder. Sa» meinsame Rot und Gefahr läßt die kleinen bei uns überwintern- den Vögel sich zu Schwärmen vereinigen, um gemeinsam den Tücken des Winters zu trotzen, als wüßten sie, daß Einigkeit auch di« Schwachen stark macht Die sonst in Busch und WaL» einsam leben- den Sänger ziehen sich, alle Scheu überwindend, im Winter dort hin, wo Menschen wohnen, als wollten sie sich in ihren Schutz be» geben. Auch für den Großstädter, der in der Enge der Straßen sein Dasein fristet, hält die Vogelwelt ein wenig Freude bereit, wenn er nur sehen will. Schon das muntere Treiben der Spev» linge macht Freude. In den Vororten kommen Finken, Massen, Grünlinge, Gimpel und viele andere Arten in die Näh« der mensch- lichen Wohnungen. Biete ihnen zur Winterszeit ein gastliches Futterplätzchen am Fenster und bald wirst du deine helle Freude haben an deinen Gästen! Streue ihnen nach Möglichkeit nur Körnerxutter. Ver» meid« Brotkrumen, da Brot bei feuchter Witterung den Böget» lebensgefährlich ist._ Stadkbaurat Dr.-Zna. Wagner ist vom l. Februar bis Ä 9» bruar 1928 beurlaubt. Die Vertretung übernehmen: für das Hochbauamt Mogistrotsoberbaurat Matzdorfs, für das Städtebauamt Magistratsoberbaurat Köppen, in der Magistrcüsinstanz Stadtrat Wutzty. Ausgefüllt einzusenden an di, Expedition de».Vorwärts*. Ausaefulll emzvieiwen an Vertw SD. SS, Ltndenstrab«&