Morgenausgabe Nr. 47 A 24 45. Iahrgang Wüchentlich n w Reichsmart tm voraus jadldas. Unter Streifband tm In« und Aus« Umd 5.öO Reichsmarf pro Monat. * Der.Sonrftrts- mit der illustrier» ten Sonntagsbeilage.Volk und Zett� fowie den Veilogen.Unterhaltung und Wissen".Aus der Filmwelt", .Stadtbeilage".Frauenstimme", .Der Kinderfreund".Iugend-Dor» wäris".Blick in die Bücherwelt'. .Kulturarbeit" und.Technik" erscheint wochentöglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Berliner Voltsblatt Gonnabenb 28. Januar 1928 Groß-Lerlin Pf. Auswärts-15 pf. Sit tl■ 1» a 1 1 tgt SonpornBejeff« 80 Vennig. AeNnmezeil» 8-— Reichsmark.Jtlftn» Anzeigen" da» kellg«. bracht, Wort 25 Vennig tzuläsflg zwei fettgedruchte W°Ne>�>ede» weiter» War» >2 Piennia Sleilengeiuch» da» erste Won IS Vennig.„des weitere Won W Pfennig Wone über 15 Buchstaben zählen kür zwei Won- Arbeilsmorkl Seile 60 Pfennig Fomilianzeigen tue Abonnenten Zeile 40 Pfennig Anzeigenannahme im Hauptgeichäfi Linden» straß« 3. wochenlägl von SVe dt» 1? Ilde. Jentraloegan der GoziakdemoteaMGen Oariei Deutschlands �BSBB�SSBB�SSSSBS�BSBSSSBBSSBSSSSSSSSSSBSSBSS�SSSS�SS�l��SSSSSSBSB��SSBBBSSBBBSSBBSSBBBBSSSSSSSBB�BSS�m Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstrabe 3 Fernlprccher: Dönhoff 29-2—297 Telegiamm-Adr.: Sozlald«mokrat Setite Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Vostfchecklonto: Berlin S7 üLK— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellte» «nd Beamten Dallstr. SS. DiSkomo-Gesellschasl. Depositenkalle Lindenftr 2 Sturmszenen im Reichstag. Völkische Provokation.- Oer deutfchnattonale Vizepräsident Graes duldet Beschimpfung der Republik- Die Sitzung im Entrüstungssturm vertagt. Die gestrige Sitzung des Reichstags endete im Sturm. Der völkische Abg. Dr. F r i ck. einer der Hochverräter aus der Zeit des Hitlerputsches, hat ihn hervorgerufen. Der deutsch- nationale Vizepräsident Graes hat ihn durch seine Ge- schäftsführung zum Orkan anwachsen lassen. Beratung des Justlzetats. Genosse S a e n g e r rich- tete in glänzender Rede wuchtige Angriffe gegen den Reichs- justizminister Dr. H e r g t und gegen die Rechtsbeugung zu- gunsten der Hitlerputschisten in Bayern. In wenigen Sätzen war Herr Hergt charakterisiert: denaturierter preußischer Junkergeist— der Reichsjustizminister deckt den Stahlhelm—, er weigert sich aus Parteipolitischen Gründen, sich zu einer Verfassungsfräge zu äußern. Dann rissen unwiderlegbare Tatsachenseststellungen der Rechtsbeugung in Bayern die Maske vom Gesicht: Hitler verurteilt, Kahr nicht— Lossow und Kahr, zwei überführte Hochverräter, von der bayeri- schen Justiz freigelassen. P r e g e r, der Gesandte des 5ioch- oerrats, heute noch republikanischer Gesandter in Berlin. Alle Beschönigungsoersuche über die Justizkrise zerstieben vor der Wucht dieser Anklagerede. Hergt antwortete, verlegen, hilflos, ohnmächtig— über Bayern könne er sich nicht äußern. Dje Untersuchung sei noch nicht zy Ende... Er werde selbstverständlich die Verfassung „stets nur' loyal auslegen". Dann brach der Sturm los— Hergts Parteifreund Graes ließ als Vizepräsident des Reichstags die Verfasiung in illoyalster Amtsführung auf das niederträchtigste und ge- meinste beschimpfen. Herr F r i ck, eine der dunkelsten Ge- stalten aus dem Lager der bayerischen Hochverräter, las vom Manuskript eine Folge von Beschimpfungen der Republik und ihrer Staatsmänner ab. die außerhalb des Schutzes der Im- munität zu wiederholen er zu feige ist. Dieser Mensch beschimpfte Erzberger noch im Tode— das Verbrechen der Erzbergermörder wiege federleicht gegen die todeswürdigen Verbrechen Erzberger s. Herr Graes erteilte einen sanften Ordnungsruf. Frick beschuldigte Hermann Müller, Scheidemann, andere republikanische Staatsmänner des Hochverrats— Herr Graes aber schwieg. Frick beschimpfte Rathenau— Herr Graes aber schwieg. Frick bezeichnet die Republik als ein jämmerliches, auf Meineid und Hochverrat aufgebautes Gebilde— Herr Graes aber jchwieg. Ein Sturm der Entrüstung brandete auf gegen den Hoch- Verräter und Mörderfreund auf der Tribüne und gegen den Vizepräsidenten des Reichstags der Republik, der diese Sammlung von Gemeinheiten und Beschimpfungen der Re- publik duldete. Dieser Vizepräsident warf zwei Kommunisten aus dem Saale, die sich empört gegen den völkischen Provokateur wandten, indem er selbst durch seine Unterlasiung die Würde des Reichstags und der Verfassung auf das schwerste verletzte. Dieser Mann ist als Vizepräsident unmöglich! Seine Haltung war eine einzige Illoyalität. Es ist derselbe Mann, der seinerzeit als Iustizminister im Bürgerblock vorgeschen war und dann verschwinden mußte. Herr G r a e f ist der Vorsitzende dervölkischenBer- e i n i g u n g der deutschnationalen Fraktion, er steht Herrn Frick also politisch nahe. Herr Graes hat sich seinerzeit als Vizepräsident des Reichstags geweigert, zu Ebert zu gehen und hat sich dann beschwert, als er keine Einladung zur Trauerfeier erhielt...... Herr G r a e f hat am 4. Mai 1921 im Reichstag in seiner Rede über den Erzbergerprozeh ausgeführt: „Es ist dies gerade die Aufgabe des Strafverfahrens, sestzu- stellen, ob von den S u», in e al, die Herr Erzberger für k i r ch- lich« undpvlitischeZweck«verwaltet hat, wie man teil- weise in der Oessentlichkeit annimmt— ob mit Recht oder Unrecht, lasse ich vollständig offen— etwas in den Taschen des Herrn Erzberger geblieben i st." Der stenographische Bericht verzeichnet an dieser Stelle „großen Lärm links und i m Z e n t r u m und Rufe: Pfui! Skandal! Unerhört! Gemeinheit! Ehrabschneider!". Der Reichstagspräsident rief�den unbekannten Zwischen- rufer des Wortes„Ehrabschneider" später zur Ordnung, nahm aber zu der Aeußerung des Herrn Graes zugleich folgender- maßen Stellung: »Ein angeblich in der Oeffentlichkett verbreitete» Gerücht ist von Herrn Graes mit soviel Vorbehalten und Einschränkungen wieder- gegeben worden, daß ich di« Möglichkeit einer parlamentarischen / Rüge nicht für gegeben ansehe. Zu meinem Eingriff war ich aller- dings bestimmt worden, weil mir ein in der Oessentlichkeit bekanntes Gerücht, daß Herr Erzberger fremd« Gelder in feine Tasche hätte verschwinden lasten, durch den Mund des Herrn Graes zum erstenmal zur Kenntnis gekommen ist.(Sehr gut bei den Sozialdemokraten.)" Das ist Herr Graes! Dieser Mann, der des einfachsten parlamentarischen Taktgefühls bar ist, eignet sich so wenig zum Vizepräsidenten des Reichstags der Republik wie zu im Reichstag ist nicht ein zum Vizepräsidenten ihrem Iustizminister. Der stürmische Zwischenfall Fall Frick— dieser Mann ist durch die Gesinnung gerichtet, die aus seiner Rede für die Mörder gegen den Ermordeten sprach— es ist ein F a l l G r a e f. Der Fall des deutsch- nationalen Bizepräsidenten des Reichstags, der die un- eheuerlichsten Beschimpfungen der Republik parteiisch uldete und die Parlamentarier hinauswars, die sich über die Propaganda des Hochoerrats im Reichstag empörten. « Räch der großen Abrechnung des Genosten Sänger mit der Kahr-Jnstiz. übe? die wir weiter unten berichten, und den verlegenen Antworten de, Reichsjustizministers und des bayerischen Dertreters sprach am Schluß der gestrigen Reich, tagssitzung der völkische Ab- geordnete Dr. Frick. Sein« Rede war ein« einzige Provo- kation. Abg. Dr. Frick(Rat.-Soz.) verlangt ein« Amnestie für die Fememörder, für den am Rathenaumord beteiligten Techow und für die Erzberger.Mölder Schulz und Tillesten. Die Schuld der Schulz und Tillessen wiegt federleicht, so fährt er fort gegenüber den kodeswürdlgen verbrechen, die die Erzberger und Genossen gegen da» deutsche Volk begangen haben. (Stürmische P f u i I- R u f e und Cntrüstungskundgsbungen links und im Zentrum. Vizepräsident Graes ruft den Redner zur Ordnung.) Al» der Redner weiter ausführt, Erzberger habe das deutsch« Volk wehrlos gemacht, kommt es zu neuen Entrüstungskundgebungen. Vizepräsident Graes erklärt, er werde nachher tu« Ausführungen des Redners prüfen und eventuell nachträglich einen Ordmingsrus erteilen. Abg. Dr. Frick verlangt dann unter wachsender Unruhe der Linken die Anklage wegen Landes- und Volksverrats gegen dt« sozialdemokratischen Abgeordneren Herrn. Müller, Scheidemann und gegen den Reichetagspräsidenicn LSbe. Vei der Fortsetzung dieser Ausführungen steigert sich die Er- regung in den Reihen der Sozialdemokraten nnd Sommnnisten. Der kommvnistische Abg. Florin»ritt vor nnd rosl dem Redner zu: „Sieslnd ein abgefeimter Lumpt" Vizepräsident Graes ruft den Abg. Florin zur Ordnung und weist ihn unter großem Lärm ans dem Saale, als er seinen Zuruj trotzdem dreimal wieder- hott. Abg. Flortn verläßt den Saal, während zwischen den völkischen und den Kommunisten Schimpsruse ausgelauscht werden. Oer deutfchnaiionale Präsident hört nichts! Als Abg. Dr. Frick fortfährt, ruft Abg. T o r g l e r(Komm.): „Diese wohlvorbereiteten Gemeinheiten liest der Mensch vom Manuskript ab!" Vizepräsident Graes ersucht um Ruhe und meint, er inüsse die Redefreiheit des Redners schützen, solange er sich in p a r l a m e n- tarischen Formen halte. Darauf wird von links gerufen: „Die hat er längst verlassen, aber das hören Sie nicht!" Der kommunistische Abg. varh geht mitten in dem allgemeinen Lärm auf di« Rednertribüne und stellt sich drohend vor den Ab- geordneten Dr. Frick, der seinerseits auch die Fäuste ballt und ruft:„Sowie Sie mich anfassen!" Völkische nnd deutschnationole Abgeordnete kommen von rechts, Kommunisten von link- die Treppe zur Rednertribüne herauf, aber es kommt nicht zu den er- warteten Tätlichkeiten, sondern Abg. Bartz fügt sich schließlich dem Vizepräsidenten Graes, der ihn aus dem Saale weist. 5nck beschimpft die Republik; Nachdem einigermoßeln Ruhe eingetreten ist, bringt Abg. Dr. Frick in der Fortsetzung seiner Rede Angrisse gegen de» „Juden Rathenau". Der soz. Abg. H e i n i g ruft den Demokraten zu:„Er beschimpft den loten Rathenau und Ihr seid ruhigt" Weitere Angrsie des Abg. Dr. Frick auf lebende und tot« Republi- taner werden links und in der Mitte mit Entrüstungsrufen be- antwortet. Ein Kommunist ruft:„Herr Präsident, müssen wir uns jede Frechheit gefallen lassen?" Als Di.ze- Präsident Graes meint, er könne den Redner nicht unterbrechen, ruft Abg. Jodesch(Komm.) dem Vizepräsidenten zu:„Wenn das so weiter geht, hole Ich Sie herunter!" Dr. Frick sordert weiter die Strasversolgung des preußischen Staatssekretärs Dr. W« i s m a n n und des preußischen Abg. Heilmann. Er schließt unter großer Unruhe mit scharfen Angriffen gegen die Republik, die er ein jämmerliches auf Meineid und Hochverrat ans- gebautes Gebilde nennt. Von links und vom Zentrum kominen stürmische Pfui- und Schluhrufe. 2lbg. Dr. Vreitsche!d(Soz.) ruft dem Dizepröstdenlen Graes zu: wollen Sie denn nicht einschreiten? Vizepräsident Graes: Ich habe vorhin bereits gesagt, daß bei der allgemeinen Unruhe die Einzelheiten von mir nicht gehört werden. Ich behalt« mir vor, die Rede nachher zu prüfen. Abg. Dr. vreitsche'd(Soz.): Die anderen schließen Sie au«. das ist die llnparleilichkei» de» denlschnalionaleu vi�prSfldenleai Unter andauerndem großen Tumult wird die Weiter- be ratung im" Sonnabend, 12 Uhr, vertagt. Genosse Sänger gegen die Kahrjussiz Der Reichstag fuhr gestern in der zweiten Beratung des Justiz- etat» fort. Abg. Haa»-Baden(Dem.1 stellt dabei fest, daß selbst höchste Richter die Tatsache des erschütterten Vertrauens zu- gäben, es handle sich bei dieser Vertrauenskrise um eine Nachkriegs- erslbeinung. Der Justizminister habe die Frag«, ob er die Ve r- fassungsauslegung des Herrn Elaß ablehne, nicht beam- wartet. Der Redner iorden weiter die Reichsreoierung auf, zu prüsen, ob nicht schon jetzt Sie Justizverwaltung der Länder aus das Reich übernommen werden könne. Die Duldung hochverräterischer Um- trieb« gegen das Reich im Jahre 1923 beweise die Notwendigkeit dieser Forderung. Abg. Manzenberg(Komm.): Der Redner sragt den Reichsjustiz- minister, ob er gewillt sei, die R e ch tsbeugung und den Rechts- brück des Reicbsgenchts gegen Kommunisten zu dutden. Abg. Dr. vsieger(Bayer. Bp.): Die Vereinheitlichung der Organisationen der Justiz sei weder notwen- dig noch wünschenswert. Wir erstreben die Einbeit unter Wahrung des Eigenlebens der Länder. Abg. Gänger(So,.): An da» Reichsfustizministerium möchte ich die Frag« richten, wie eigentlich heute der Stand der fest Jahren eingeleiteten R«> formdesdeutschenZivilprozehrechtsist. Groß« Se- biete des Fainilienrechts des Bürgerlichen Gesetzbuchs, wie es heute besteht, sind geradezu ei»« Leugnung grundlegender vestimmungen der republikanischen Reichsoersastung. Es ist einsuch schlimm, daß heute noch nicht der Schutz des un« ehelichen Kindes, der in der Bersastung garamiert worden ist, in das Bürgerliche Gesetzbuch übergeführt worden ist. Der Gedanke der Gleichberechtigung der Geschlechter Ist längst in anderen Siaaten verwIrNlcht. Die jetzt noch im Bürgerlichen Gesetzbuch geltend« eheherrliche Bevormundung ist nicht nur«ine Anmaßung derer, die sich die Herren der Schöpfung— das dümmste Wort, das je geprägt wurde— nennen, sondern ist auch einc Verletzung des in dein Artikel 119 d«r Verfassung niedergetegle» Grundsatzes der Gleichberechtigung der Frau. Was nun die Ehe- s ch e i d u n g anbelangt, darf ich vielleicht zu diesem Kapitel der Reform des Scheidungsrechts ein offenes Wort an das Zentrum richten. Es gehl nicht au. daß man selbst Toleranz für sich verlangl nnd die Toleranz anderen nicht gibt.(Sehr wahr! bei den Sozial- demotraten.) Wenn Tie sich weiter mtt Starrsinn einer Reform de» Scheidungsrechts widerfetzen, dann leugnen Sie die Grundlage ihres eigenen politischen Daseins. Durch die sogenarmie Reform des Herrn Emmingcr ist eine nolllommene Ausschaltung des Lajenelements in der Rechtsprechung erfolgt. Was gedenkt der Herr Reichsjustizminister zu tun, um diesen Zustand der plamnähigen und betöufstcn Ausschaltung des Laien in der deutschen Rechtsprechung zu beenden? Die planmäßige Ausschaltung des Laien aus der deutschen strafrechtlichen Recht. sprechung ist eine glatte Verneinung des Artikels 1 der Reichsverfassung, daß die Staatsgewalt vom VÄk« ausgebt. Als ich im Haushaltsausschuß des Reichstags auf bestimmte Fälle einer politischen Justiz in Bayern hinwies, hat mich der diplomatisch-juristisch« Vertreter Bayerns sehr hart angefahren Da- mals Hot des„Saengers" Höflichkeit geschwiegen.(Allgemeine Heitsr- kcit.) Aber heute möchte ich unhöflicher werden. Es kommt durch- aus nicht auf die Masse der Urteile an, es kommt bei unserer Kritik auf die Frage oni Wie verhält sich die Justiz in den entscheidenden politischen Prozessen? Aus wenigen Urteilen kann man entnehmen, ob sich die Justiz, wie sie heute lebt, dem Staate verpflichtet fühlt. Da müssen wir nach wie vor bekennen, daß ein versagen ans der ganzen Linie vorhanden ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) So, wie der Iustizminister gegen meinen Freund Landsberg polemisiert hat, habe ich nnr immer«inen Minister der wilh elm i- nischen Epoche vorgestellt.(Sehr gut! bei den Sozialdemo- kraten.) Ucber den von ihm in Schug genommenen Stahlhelm scheint der Minister nicht vollkommen unterrichtet M sein, sonst hätte er in seiner Vsrteidigung des Stahlhelms etwas weniger warm- blutig werden dürfen. Bei der Feier des Verfassungstages\Q26 schrieb der„Stahlhelm":„Der Weg zu Deutschland» Freiheit gehl über die Leiche der Weimarer Verfassung."(Sehr wahr! bei den Rat.-Soz.— Lachen links.) Es ist immerhin etwas unvorsichtig, eine Bewegung, die so zum Hochverrat auffordert, in der deutschen Boltsoeitretung in Schutz zu nehmen. Die Art. die der Reichsjustiz- minister gewählt hat. ist da» ungeeignetste Mittel, da« Vertrauen zur Justiz zu fördern.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Der Minister hat sich aus rein parteipolitischem Grunde geweigert, zu einer Grundfrage des Bersassungsrechts Stellung zu nehmen. Wenn er un« die Aussage weiter verweigert, werden wir uns mit dieser Frage an den Reichskanzler wenden. In diesen Tagen ist es gelungen, durch Tatsachen nachzuweisen, daß die Justiz eines großen deutschen Landes Jahre hindurch ohne Ausnahme in einem Maße versogt hat, für das es einen parlamentarischen Ausdruck überhaupt nicht gibt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der 1924 vom Bayerischen Landtag«in- gesetzte Ausschuß zur Prüfung der Vorgeschichte des Hitler-Putschcs hat gezeigt, wie leichtfertig mit seiner Zukunft von den Föderalisten und Bayern gespielt worden ist. Dieses säderoiistische Spiel mit der deutschen Bevölkerung ist mir möglich, weil diese sogenannten Herren Staatsminister südlich der Donau bor einer jeden gesamkpolitischen Verantwortung waren und es noch heule sind.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Jetzt erst erfahren wir, welche ungeheure Schuld an dem Zusammen- bruch dar deutschen Justiz der sogenannte Kriminalsöderalisinus i» Deutschland auf sich geladen hat. Am 1. Mai 1923 wurde in München das qualifizierte Vergehen des Landsriede nsbruchs durch Herrn Hitler und seine Konsorten b« gongen; Mas äiin engewehre wurden aujgesahren, bewaffnet« Hausen bildeten sich. Di« Höchststrafe für dieses Delikt waren zwei Jahre Gefängnis. Ein jeder hat sich seit Jahr und Tag darüber gewundert, warum denn eigentlich der Herr Hitler wegen dieses Vergehens, das die Stadt München an den Rand eines blutigen Bürgerkrieges gebracht hat� niemals verfolgt worden ist. Resultat dieser Verhandlungen, die im Dezember stattgefunden babe», ist folgendes: Am 1. August lWZ war das verfahren ab- grschlosfen. Am 24. Mai 1924 wurde es eingestellt auf Grund der Emminger- Verordnung vom Januar 1924.(Lebhaftes: Hört, hörtl links.) Jetzt erst weiß man, worum das Verfahren nicht durchgeführt wurde. Der bayerische Justizminister sagte, Herr Hitler habe für den Fall einer Verhandlung mit landesverrätertschen Ent- h ü l l u n g e n gedroht.(Hort, hörtl links.) Zweitens hätte die Durchführung einer Verhandlung eine Katastrophe für die bayerische Regierung bedeutet.(Lebhaste Rufe links: Hört, hörtl) Drittens: durch eine Verurteilung fei die nationalistisch« Bewegung kaum aufzuhalten gewesen. Das ist die Durchführung de» Legasitätsprinzips gegenüber den Hitler-Leuten. Ein andere»! Jeder hat sich darüber gewundert, daß Herr Hitler Bewährungsfrist erhalten hat. Jetzt erfahren wir: Der Staalsanwall hat Beschwerde eingelegt, weil sonst Staat und Staal»autoritSt sich selbst ausgebe« würden.(Hört, hört! links.) Das bayerische Justizministerium hat jedoch alsbald darauf die Staotsanwoltschost angewiesen, die Beschwerde zurück- zuruf e n.(Lebhaftes: Hört, hört! links.) Ein Mitglied der Bayerischen Voltspartei hat im Landtag erklärt, er könne beweisen, daß der Hiller-vrozeß aus Grund eiuer Verabredung zwischen Gericht und Angeklagleu durchgeführt wordea sei. Genosse Sänger tollt aus den sensationellen» unseren Lesern größtenteils bekannten Ergebnissen de« bayerischen Untersuchungsausschusses die entscheidende Tatsache mit. Sein« Enthüllungen werden von der Linken des Hauses mit wachsender Erregung aufgenommen. Er fährt fort: Auf Grund der Ergebnisse des Untersuchungsausschusses im Bayerischen Landtag steht heute fest: Herr v. Kahr plante bewußt einen hochverräterischen Marsch auf Berlin. Das Diretiorium solllc diklotorischc Vollmachten ohne Vnrlament erholten. (Unruhe rechts. Zuruf« von den Sozialdemokraten.) Was ist ober dieser ganze Direktoriumsgedanke in der Republik? Nichts anderes als der durch die Rechtsprechung sanktionierte Hochverrat gegenüber der Republik.(Sehr richtig! links.) Einen kam- munistische» Setzerlehrling verhaftet und bestraft Man. Herr von Kohr, die Blüte der politischen Intelligenz, darf Handel», wie er gehandelt hat, und der Mann, der im November 1923 mit Lossow berät, wie die norddeutschen Reichswehrgenerale zur Meuterei gebracht werden können, spricht setzt noch Recht in Bayern als oberster Präsident des Verwoltungsgerichtshofs.(Stürmische Zurufe: Skan- dal! Große Unruhe.) wer hier nicht empört ist, hat das letzte Gefühl sür Recht und Gerechtigkeit verloren.(Sehr richtig! links.) 6» ist eine Justizschand« sondergleichen, daß Herr Hitler ver- urleilk worden ist und Herr von Kahr nicht.(Stürmische Rufe bei den Sozialdemokraten: Sehr wahr!) Wir wissen jetzt, warim, das Berfahven gegen die Hochverräter Kahr und �Lossow eingestellt wurde. Herr von Kahr hat dem Staats- anmalt im März 1924 bei seiner Vernehmung erklärt, die bayerische Regierung hatte Kenntnis von uisseren Bestrebungen aus Errichtung des Direktorium».(Lebhaftes Hört, hörtl) Der bayerische Das Zuchthaus droht! 70000 Meineide jährlich.- Es wird zuviel vereidigt.- Sozialdemokratische Abänderungsvorschläge. Eines der trübsten Kapitel der deutschen Iustizpflege wurde gestern im Strasrechtsausschuß des Reichstags aufgerollt: die Meineidsseuche. Der Ausschuß beriet über die Bestimmungen des neuen Strafgesetzbuches über Msineid und andere Meineids- delikte. Der Berichterstatter Em minger, der Bater der Verhängnis» vollen kleinen Justizreform, trug erschütternde Zahlen vor. Im Jahre 1912 wurden 12 99 Personen wegen Eidesverletzung verurteilt, im Jahre 1924 aber 2 400! Und die Ursache der Steigerung? Herr E m m i n g e r erklärte:„Zweifellos, hat das versahreu vor dem neuen(Emmingerschen) Schwurgericht manchem Staatsanwalt Wut gemacht, mehr anzuklagen." Herr E m m i n g e r selbst rät angesichts dieser erschreckenden Steigerung der Verurteilungen zur Einschrän- kung des Eides in Bagatellsachen. Aber es ist nicht die Zahl der Verurteilungen allein, die so er- schreckend wirkt— es ist die Tatfache, daß ein erheblicher Prozentsatz aller Eide Meineide sindi Der Bericht- erstotter trug vor. daß nach einer Berechnung von Kloß heute rund 70 000 Meineide jährlich in Deutschland geschworen werden bei zwei Millionen vernommenen Personen. Selbst wenn man von dieser Schätzung SO Proz. abscheid«, bleiben immer noch 3S 000 Mein- eide. Was die Schätzung von Kloß bedeutet, kann man sich nicht ein- dringlich genug vorstellen: Jeder dreißigste Zeuge schwört eine« Meiueid, über jeden dreißigsten Zeugen hängt das Damoklesschwert des Zuchthauses! Wieviele Meineide mögen darunter sein, die in Bagatellsachen geschworen werden, aus irgendeiner trogischen Verkettung von Um- ständen— sei es Irrtum, Zeugenangst, schlechter Dernehmungs- tcchnik des Richters, Autosuggestion eines falschen Sachverhalts. Grundsätzlich droht allen 70 000 Zeugen der Meineidsprozeß, lang- fristige Gesängnisstraf« oder das Zuchthaus! Der neue Entwurf läßt bei.ollen Verletzungen der Eidespslicht mildernde Umstände zu. so daß beim Meineid bis auf drei Monate Gefängnis heruntergegangen werden kann. Der Entwurf führt aber andererseits die Bestrafung einer falschen uneidlichen Aussage ein, wodurch es ermöglicht wird, in Zukunft weniger Eide abzunehmen. Aber wird diese Aenderung an der Meineidsjustiz etwas ändern? Der sozialdemokratische Sprecher im Strafrechtsausschuß, Genosse Dr. Rosenfeld. führte zu dieser Frage aus, daß die Bestimmungen über die Eides- delitte nur annehmbar seien, wenn sie die grassierende Meineids-� s eu ch e eindämmen würden. Ein in einer Bagatellsache geleisteter Falscheid sei anders zu beurteilen als ein Eid, von dessen Verletzung das Schicksal eines Menschen abhänge. � Die Gerichte müßten der Verpflichtung enthoben werden, Zeugen fast immer zu beeidigen. Die Statistik ergebe, daß viel zu viel Eide geschworen werden. Seit Einführung der Emmingerschen Schwurgerichte würden auch viel zu viel Meineidsprozesse angestrengt. Die früheren wirklichen Schwurgerichte hätten in höherem Maße einen Schutz vor überflüsfigen Meineidsanklagen geboten. Bielsach glaubten die Richter, einer beschworenen Aussage ohne weiteres folgen zu müssen. so daß lyan den Eid als Eselsbrücke der Juristen bezeichnen müsse. Nicht jedev Eid schofse ein zweiselsfreies Fundament für ein Urteil. Die Gerichts müßten viel sorgfältiger als bisher die innere Wahrscheinlichkeit einer Aussage prüfen. Politische Meineidsprozesse hätten schon otzr dem Krreae zu ungerechtfertigten Verfolgungen auch von Sozialdemä/raten geWrt. wie z. B. der bekannte Essener Meineidspro-zeß. Nach dem Kriege sei es nicht viel anders geworden, wie dip Meineids pvzess« Loeb und Luppe bewiesen. Der fahrläsfige Faissßheid müsse überhaupt befestigt werden. Die Einführung dort Möglichkeil, auch falsche uneidliche Aussagen zu Strafen, sei sehr bedenklich. In jedem Falle müsse 6gt Seuche der Meineidsprozesse endlich ein Ende gemacht werden. Abg. Bell(Z.) schloß tfch Mn Teil der sozialdemokratischen Kritik an der Behandlung dfV Meineidsprozesse an. Auch er gab zu, daß heute viel zu vi rfä Eide geleistet würden. Im ganzen stellte er stch aber auf di�n Boden des Gesetzentwurfs. In ähnlicher Weise äußerte sich auch d«E �9-®0'�n6(3-) und Brodaus (Dem.), der insbesondere auf die jZc�ohreii der Verurteilung wegen fahrlässigen Falscheides hinwies. Die Beratung geht weiter. Die O-ss�ntlichkeit wird sie aufmerk- sam verfolgen. Dies ist ein Kapitel, dos vfeden angeht! Jeder kann heute wegen einer Bagatellsache als Zeuge geladen und zum Eid gezwungen werden— und wehe ihm, wenn sein Gedächtnis, seine kritische Urteilsfähigkeit oder seine Aufmerksamkeit versagt! Gesandte von P r e g e r ist im Sinne eines Direktoriums in Berlin tätig gewesen.(Hört, hört!) Dieser diplomatische Vertreter de» „königlichen" Freistaates ist heule noch bei der republlkautschen Regierung akkreditiert. Gibt es eine Republlk, die so geduldig ist. wle die deutsche? Plan vergleiche damit nur folgenden Fall: Als der Hochverräter Kahr seines Amte« waltete, hat der bayerisch« Landtags- abgeordnete Fischer(Soz.) in einer Versammlung den Satz au»- gesprochen, daß Franken es sich überlegen würde, mit Bayern zu ' gehen, wenn Kohr es vom Reich« lösen will. Der Mann ist am nächsten Tage im Münchener Haupjbahnhof— als Landtagsabgeordneter— verhaftet worden(lebhaftes: Hört, hört!) und hat«ine einjährig« Freiheitsstrafe bekommen.(Demokratische Zu- ruf«: Unerhörte Gemeinheit!) Was ist die Schlußfolgerung? Daß jahrelang dos Recht in Deutschland gebeugt wurde.(Sehr wahr! bei Sozialdemokraien und Demokraten.) Ich sage ganz osfen: Seit dieser Justizschande Kahr und Lossow habe ich den letzten Rest des Glaubens an die deutsche Justiz verloren. Nur eine schwache Hoffnung bleibt: Der Herr Reichs- instizminifter.(Lebhafte Zurufe, große Heiterkeit links.) Geben Sie mir Antwort, Herr Reichsjusttzminister— wenn nicht, um so besser für uns Sozialdemokraten—. Antwort auf dies« Frage, ob Sie sich angesichts der Ergebnisse de» bayerischen Untersuchungsausschusses nicht als Hüter des Rechts verpslichtet fühlen, auf Grund des Äenchtsverfassungsgesetzes, der Reichsstras- prozeßordmmg, des Strafgesetzbuches, die Reichsanwaltschaft anzuweisen, sie solle prüfen, ob jetzt nicht dos Verfahren gegen Kohr und Lossow wegen Hochverrats aufzunehmen sei(d. h. den Teufel bei seiner Großmutter verklagen). Wenn Sie, Herr Minister, sich schützend vor eine solche Justiz stellen, dann liegt der Grund darin, daß diese Justiz inspiriert, geduldet und gefördert worden ist von Ihrem deutsch nationalen Parteifreund, dem Fachmimster für Justiz in Bayern. Auch darüber werden wir mit Ihnen von der Rechten abrechnen, abrechnen im Wahlkampf. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen bei den Sozialdemokraten.) Hergt entschuldigt und— drückt sich! Das Wort ergreift der Reichsjustizminister Hergl: Auf die vorgebrachten sachlichen Fragen der Debatte werde Ich morgen ein- gehen. Bei meiner Antwort auf die Angaben über die Stahl- h e l m a n g e l e g e n h e i t ist mir allerdings zu meinem Bedauern die Bemerkung entschlüpft: Mit solchen Vorwürfen macht sich der Abg. Landsberg wirklich etwas lächerlich. Ich gebe zu. daß es besser gewesen wäre, wenn ich diesen Ausdruck nichtgebraucht hätte. Was die Frage zum Falle Cloß betrifft, so habe ich objektiv die Stellung des Dberrcichsanwalts er- ortert. Darüber hinans ist von mir, als Minister, ein eigenes Rechtsgutachten dazu verlangt worden. Ein solches Gutachten kann und darf ich abernicht abgeben. Selbstverständlich werde ich auf alle Fragen antworten, die meine politische Berant Wartung betreffen. Ich habe den Eid auf die V erfafsu n Ege- leistet, und ich holte ihn loyal. Ich werde selbstverständlich keine illoyale formalistische Auslegung, die mit dem Geist der Deriassung in Widerspruch steht, billigen.(Zuruf des Abg. Landsberq sSoz.s: Ich wollte nur wissen, ob Sie die Auslegung des Herrn Claß iür illoyal halten!) Ich bin nicht in der Loge und berufen, mich über die bayerischen Verhältnisse im allgemeinen zu äußern.(Unruhe links!) Es ist noch gor kein abschließender Bericht des Untersuchungsaus- schusses erschienen.(Hört, I>örtl rechts) Die bayerische Regierung ist im Augenblick nicht in der Lage, obsektives Materiol darüber mitzuteilen.(Gelächter links.) Das Buch von Eloß, dessen Dersolgung hier verlangt wird, ist schon 1912 erschienen. Im Falle Holz konnte das Reichsgericht eine Entscheidung über da» Wiederaufnahmeverfahren noch nicht fällen. Ich mache als Minister bei meinen Maßnahmen absolut keinen Unterschied zwischen rechts und links.(Lautes Gelächter.) Bayerischer Staatsrat v. Rüßlein wendet sich gegen die Vonnürfe des Adg. Saengcr gegen den bayerischen Justiz- minsster. Bor dem bayerischen Untersuchungsausschuß habe der Iustizminister Rede und Antwort gestanden Es sei nun. Sache des Bayerischen Landtag», die Entscheidung zu treffen. Schulgesetz unsicher. Oer Aürgerblock ia Nöten.— Verhundluug vnö Verschiebung Der holpernde Wogen des Bürgerblocks ist wieder»in einen Stein gestoßen. In der Frage der Simultanschulen hat eine Mehrheit aus der Linken und. der Boltspartei die übrigen Koaliiions-- Parteien niedergeftimmt.'-• Der Rechtsblock steht wieder vor der bedeutenden Frage: was nun? Seins Parteien sind sich einig, daß weiter gekuhhandel�. wird. Zur Lorsicht will man erst in drei bis vier WochsN ein neues Kompromiß versuchen. Inzwischen wird die Ctatsdebolte weit vorgeschritten sein, und dann naht sür den Bürgerblock die Schicksalsfrage. Die„Togliche- Rundschau" versichert: Aussichten für Zu st anbekommen des Schulgesetzes wenig günstig. Das Zentrum wird die schärfsten Druckmittel anwenden, um nicht um den Preis geprellt zu werden, den es für feine Kompromittierung im Rechtsblock, für Hochschutzzoll und Rechtsschwenkung erzielen will. Die Deutschnationalen aber stellen sich optimistisch, sie reden in einer parteioffizielleii Auslassung von einer Verabschiedung des Schulgesetzes zwischen Ostern und Pfingsten, also Anfang Mai. Für Mitte Mai aber hat Herr E u r t i u s bereits Reichstogs- wohlen prophezeit.... Man wurstest sich weiter, und lesstet dabei noch das möglichste an Zerstörung von Volkswirtschast und Staatsfinanzen. Das Zentrum droht. Wie ein Nachrichtenbureau aus Zentrumskveisen erfährt, wird der Beschlutz des Bildungsausschufses zum Paragraphen 20 der Schuloorlag«(Simultanschule) vom Zentrum für den Weilerbestaad der Regierungskoalitioa als untragbar bezelchaet. wenn er aufrecht erhalten bleiben sollte. Das Zentrum wird noch vor der zweiten Lesung im Bildungsousschuß von den übrigen Regierungsparteien bestimmt stipulierte Erklärungen im Sinne seiner Forderungen zu dem Paragraphen 9(geordneter Schulbetrieb), dem Paragraphen 14 (Religionsunterrichtebücher) und dem Paragraphen 20(Simultan- schule) verlangen. Mitbestimmend sür diesen Beschlutz ist der Be- schlutz des Strafrechtsausschusses über die Entscheidung gewesen. Gegen die Preußenkasse. Oeutfchnotioaale fordern Abberufung des neuen Leiters. Im Preußischen Landtag ist ein Antrag des Deutsch- nationalen Winckler eingegangen, der fordert, den mit der tom- missarischen Leitung der Preußenkassc betrauten Rechtsanwall Klepper von der Leitung wieder abzuberufen. Daß Deutschnationale den Antrag stellen, dürfte die Zweck- mätzigleit der getroffenen Wahl am besten bestätigen. Völkische Prügelhelden. Die Nationalsozialisten veranstalteten im Saalbau Friedrichs» Hain Protestkundgebungen gegen die Hinrichtung der ver- irrteilte» Fememörder. Schon vor der Versammlung wurde ein jüdisch aussehender Journalist verprügell und aus dein Saal gejagt. Als bei der Abstimmung über die Resolution etwa fünfzehn Personen gegen die Entschließung stimmten, rief Kube aus:.Seht euch diese Jünglinge an und bringt sie aus dem Saal. Aber tut ihnen nichts." Natürlich stursten sich auf dieses Zeichen hin die Hakenkreuzler auf die Opponenten und bearbeiteten sie mit Schlagringen und Kuiwnitnüppeln, bis sie schließlich Schutzpolizei zur Hilfe rufen tonnten. Karl Lllrich. Am 28. Ja Mio r sollendet der«taatspräsident des Frekstaates Hessen, Genosse K a r l U l r i ch, sein IS. Lebensjahr. Den zahlreichen Glückwünschen, die chm an diesem Tage zuflattern, schließen wir uns gern und freudig an. Denn in dem lebensfrischen Grau topf sehen wir nicht nur einen treuen Dorkämpser für die Ideale des Sozialis- mus, sondern sein Lebenslauf spiegelt auch die ganze Entwicklungs- linie wider, die von der deutschen Arbeiterilasse in den letzten sechs Jahrzehnten durchlouscn ist. Der jetzig« Staatspräsident, der höchste Würdenträger des hessischen Dolksstaats, stammt aus den ärmlichsten Verhältnissen Er war der älteste unter neun Geschwistern. Sein Vater, ein kleiner Schuhmachermeister in Braunschweig, hatte schwer zu ringen, um die große Familie zu nähren und zu kleidem Als Knabe schon mußte Karl Ulrich mitarbeiten und verdienen Helsen. Als er dann das Schlosserhandweri erlernt hotte, fanden di« Lehren des Sozialismus in seinem Herzen bald eine aufnohmebereite Stätte. Schon als Achtzehnjähriger war er in seiner Vaterstadt Braun- schweig«in cisriges Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Eisenachcr Richtung. Und die Wanderjohr«, die ihn durch Deutschland und Oesterreich führten, bestärkten ihn nur in seinem Glauben an eine bcssere Zukunft der Arbeiterklasse. Sein hauptsächlichster Wirkung?- kreis wurde schließlich die hessische Industriestadt Ossenbach a. M. Dort wurde er für Iahnzehntc der unumstrittene Führer, dort trat er 1875, wenn auch widerstrebend, als Ajähriger in die Redaktion des Parteiblottes ein, dort wurde er 1885 in den Landtag und später auch in den Reichstag gewählt. Jahrzehntelang steht Karl Ulrich auf Borposten für di« Partei der Arbeit. Er hat schwer« Zeiten durchgemocht, sowohl als Mensch wie als Politiker. Aber sein Glaube an das Proletariat, seine leidenschaftliche Hiiujabe an den Kampf für Sozialismus und Demokratie hat nicht gelitten. Heute ist er zwar einer der ältesten Mitglieder des Deutschen Reichstags, aber zugleich einer der lebendigsten unter seinen Kollegen. Aus dem Maschinenschlosser von ehedem wurde der Redakteur und Geschäfts- iührcr eines großen Unternehmens und schließlich der Leiter der republikanischen Regieruirg des hessischen Freistaats, die seit 1919 ununterbrochen aus der Weimarer Koalition gebildet wird. Wir wünschen dem Jubilar, auch wenn er jetzt die Last der Präsident- schaft niederlegt, noch viele Jahre ungeschmälerten Kämpferlebens! Oer prager proleiarierkongreß. Die Einigung des Proletariats schreitet fort. Am heutigen Sonnabend tritt in Prag eine Konferenz der Deutschen Sozialdemokratie zusammen: morgen, Sonntag, der Kongreß aller so''''ldemokratischen Parteien der tschechoslowakischen Republik: zum erstenmal in ihrem neunjährigen Bestehen gelingt eine solche Veranstaltung. So- lange unsere tschechischen Genossen, die an der Gründung und Einrichtung des Staates sehr stark teilgenommen haben, ihn mitregierten, konnte ein gemeinsamer Kongreß sich nicht .zusammenfinden, denn die Republik hat— wenn auch nicht theoretisch in der Verfassung, um so fühlbarer praktisch in der Verwaltung— den nichttschechischen Völkern die feierlich .zugesagte Gleichberechtigung versagt und schwer gegen sie verstoßen. Seitdem aber ein dcutsch-tschechischer Bürgerblock regiert und unsere tschechischen Genossen in scharfer Oppo- sition stehen, Hot wirtschaftliche Rot und zunehmende Reaktion in Politik und Wirtschaft das Einigungsstreben der Arbeiter, Angestellten und klein-n Leute aller Nationen so gestärkt, daß --s nun auch in der feierlichen und eindrucksvollen Gestalt diees internationalen Kongresses vor alle Well hintritt. Das Programm umfaßt sachlich nur die Besprechung der Sozialversicherung und der reaktionären Bürgerblockpolitik, aber beherrschen wird den Kongreß die große Tatsache des Zusammengehens der Sozialisten aller Rationen. An diese historischen Prager Tage muß sich dauernde Zusammenarbeit schließen. In dieser Erwartung grüßen wir den Proger Pro- letarierkongreß, dessen besten Verlaufs wir gewiß sind! Tiiulescu winki ab. Keine gemeinsame Aktion der kleinen Entente wegen (5t. Gotthard. Gelegentlich seines Aufenthalles in Rom erklärte der rumä- Nische Außenminister Titul«seu— der sich übrigens demnächst noch Berlin begibt— aus die Frage, was die Kleine En- tente zu tun gedenke bezüglich de« Wosienschnmggel» von St. Gotthard, die Mächt« der Kleinen Entente köimten sich dnzeln damit begnügen, Hieruber den Völkerbund zu insor- Mieren: eine Reklamation würde also nicht stattfinden. Es scheint demnach Mussolini gelungen zu sein, Rumänien von der geplanten K o ll« k t i v a k t i o n der Kleinen Entente in Gens abzuhalten. Es bleibt abzuwarten, in welcher Form die.Lnfor- micrung" des Völkerbundes durch die übrigen Mitglieder der Kleinen Ement«, also in erster Linie durch die Tschechoslowakei, erfolgen wird und welche Verpflichtungen sich für den VSle«rbundrat dar- aus ergeben werden. Einem Genfer Bericht der TU. zufolge, der sich auf nicht ge- nauer angegeben« Pressemeldungen stützt, soll man in maßgeben- den Pariser Kreistn davon unterrichtet sein, daß zwei Groß. mächte, und zwar England und Deutschland, der Erössuung eines Investigationsverfohren» gegen Ungarn ablehnend gegenüberstünden. Die englisch« Regierimg würde eine derartige Erweiterung der Aktivität des Völkerbund rate» nie für zweckmäßig hallen. während die deutsch« Regierung grundsätzlich die Schaf- fung eines Präzedenzfalles für da» Investi- aationsoerfahren ablehne. Es besteht ferner in diesen Kreisen der Eindruck, daß auch B r i a n d im Interesse der fron- zösisch. italienischen Beziehungen gegenwärtig gegen ein« Demarche der Kleinen Entente beim Völkerbund sei. Bisher haben stch deutsch« Stellen zu dieser Frage nicht geäußert. Wir haben schon zum Ausdruck gebracht, warum wir eine derartige Haltung für abwegig hallen würden. Es hat jedenfalls tatsächlich immer mehr den Anschein, als ob stark« Kräfte in der europäischen Politik am Werke sind, um im Interesse der Regierungen Mussolini und Bethlen den Waffen- schmuggelskandal von St. Gotthard zu vertuschen. Iustitia. Zu den Beratungen des Iustizeiais. Zur Zunkerassäre in Gießen wird gemeldet, daß die in Gießen verhasteten Soldaten nicht aus der Untersuchungshost entlassen worden seien, sondern sich noch in Gewahrsam befinden. Nähere Mitteilungen will man jedoch nicht machen, um den Gang der Unter» suchung nicht zu gefährden. Die württembergische Regierung hat in einem Schreiben ge- beten, den Reichssparkommissar nach Württemberg zu entsenden. In Südchina, besonders in Hankou sind wieder Sowjetrussen verhajtet und jowjetmjfische Gebäude vtm Militär besetzt wordea. clDA*? HEQGtT Lusiizminister Hergt:„Dies Kind, kein Engel ist fo rein.. Ein Rückschritt hinter Locarno. Deutschlands Bemerkungen zur Gichecheitssrage.— Kampf im Bürgerblock bis zum lehten Augenblick. Gestern trat in Prag der kleine Sicherheitsausschuß des Völkerbundes zusammen. Seit Wochen liegen die Denk- schriften Schwedens, Norwegens, Belgiens und Englands dem Völkerbund vor. Seit Monaten ist bekannt, daß in diesen Tagen die Prager Beratungen beginnen. Und da soll es allein die Krankheit des Außenministers gewesen sein, die eine klare Stellung der Bürgerblockregierung zu den drän» genden Fragen des Völkerrechts verhinderte? Erst heute mittag gab der Briefbote des Reiches dem tschechoslowakischen Außenminister die„Bemerkungen zu dem Arbeitsprogramm" des Sicherheitsausschusses ab. Erst gestern abend war der Kurier mit dem endgültigen Wortlaut abge- gangen. Gestern mittag war noch kein Beschluß zustande- gekommen. Hinter den Kulissen des Bürgerblocks, zwischen den Ministern der brüchigen Koalition wurde bis zum letzten Augenblick um die Denkschrift ge- r u n g e n. Weil aber dem so ist, macht die Reicheregierung keine „konkreten Borschläge für die Lösung der verschiedenen ein- zelnen Probleme". Sondern sie beschränkt sich auf„einige Bemerkungen allgemeiner Art". Statt eines klar um- rissenen Programms ein Leitartikel zu dem Sicherhells- vroblem. ein Leitartikel freilich, der eben dadurch seine Be- oeutung hat, daß nicht nur eine Leitung oder ein auswärtiges Amt dahinter steht, sondern eben doch die Regierung des Reiches selbst. Er enthüll ein rundes und nelles Be- kenntnis zur Schiedsvertragspolitik— und legt damit also auch die Deutschnationalen auf diese, von ihnen innerlich verhaßte Politik fest. Die Denkschrift bezeichnet als den Kernpunkt des Sicher- heitsproblems die Vermeidung kriegerischer Ver- Wicklungen. „will man aber den Krieg beseitigen, so ist das nur möglich. wenn man für alle Sonslikte, die bisher die Ursachen von Kriegen gewesen sind, die Möglichkeit einer aussichtsreichen friedlichen Sc- Handlung findet.� Diese Bemerkung spiell darauf an. daß bisher territoriale Veränderungen immer nur mit der Gewalt der Waffen und nicht durch ein friedliches Berfahren zustande gekommen sind. Zur Schlichtung von Rechts st reitigkeiten regt die Denkschrift an, sollen möglichst viele Staaten dazu gebracht werden, die S ch i e d s p f l i ch t anzuerkennen— was Chamberlain für England soeben erst abgelehnt hat. Für politische Streitigkeiten soll dos Vergleichs- oerfahren im Völkerbund ausgebaut werden. „Der Gedanke, Streitigkeiten von ausschließlich politischem Charakter sämtlich durch eine Schicdsinstanz einer obligatorischen und endgültigen Entscheidung zuzuführen, läßt sich unter den äugen- blicklichen Verhältnissen noch nicht verwirtlichen..' Was die Sanktionen für einen rechtswidrigen An- griff angeht, so weist die Denkschrift auf den ungleichen Rüstungsstand hin: „Eine gemeinsame Aktion oller Bundesmitglieder im Fall eines Friedensbruches ist zurzeit nicht möglich, da die all- gemeine Abrüstung noch aussteht." Zum Schluß klingt die Denkschrift in einen Hinweis auf den Kern des Sicherheitsproblems aus: der friedlichen Be- Handlung aller Arten von Staatskonflikten. ..Sollte man statt dessen den Kriegsfall uod die Regelung mili. törischcr Sanktionen zum Ausgangspunkt nehmen, so käme da» dem versuch gleich, dos Haus vom Dache au zu bauen. Der Krieg läßt sich nicht dadurch oerhüleu. daß man den Krieg gegen den Krieg vorbereitet, sondern nur dadurch, daß man seiae Itr- fachen beseitigt. Das ist aber nach Austastung der deutschen Regierung nur mSglich, wenn eine dauerhafte Friedensordnung ge- schaffen wird, welche die Beseitigung aller den Weltfrieden gefährden- den internationalen Verhältnisse gewährleistet." Damit haben stch die Deutschnotionolen von ihren Koall- tionsfreunden also aus die„Beseitigung der Ursachen von Kriegen" fesllegen lassen. Das ist ein nettes Bekenntnis xa dem Geist des Friedens. Es ihnen vorzuhalten, wird im Wahlkampf noch oft genug Gelegenheit fein, wenn ihre wilden Männer wieder zum„Kampf für Deutschlands Freiheit" rufen. An dem entsäieidenden Punkte freilich versagt die Denk- schrist: sie enthält nicht den direkten Verzicht auf den Krieg. Sie erklärt nicht deutlich, daß die Staaten Waffen- gewalt untereinander nicht mehr anwenden sollen, daß es ein Rcchtsbruch wäre, zu den Waffen zu greifen. Sic wagt sich nur tastend in dieser Richtung vor. sie bleibt von dem Ziel weit entfernt, das schwerste Verbrechen an der Menschheit zu ächten. Kein offener Vertrag gegen den Krieg: also ein schwerer Rückschritt hinter L o c a r n o. So rächt sich der Einzug der Deutschnationalcn in die Regierung. Die Not wächst! Die Arbeitslosigkeit steigt weiter. Die jetzt vorliegenden amtlichen Ziffern zeigen, daß die Zahl der Hauptunlerstühuugsempsänger in der Arbeitslosenversicherung. in der Zeit vom l. bis 15. Januar weiter gestiegen ist. und zwar von rund 11 SS 000 auf 1 371 000 oder um 15.4 V r o z. Gemessen an der Zunahme von 4Z.1 Proz. in den vorhergehenden 14 Tagen, weist die neuerliche Steigerung eine» wesentlich geringeren Umfang auf. Eine ähnliche Entwicklung zeigt die Sriscusürsorge. hier stieg die Zahl der männlichen hauptunlerstühungs- empfäuger von rund 177 000 auf 191 300 oder um S.1 Droz.. die der weiblichen von 34 400 auf 36 900 oder um 7,3 JJtoz. Die Zahl der hauplunterstühungsempfänger in der Krisen- fürsorge betrug also am 15. Iauuar insgesamt ZZS200 gegen 211 400 am Ende de» vorigen Monats, die Zunahme mithin 7L proz. Geipel und Renner. Kleine Szene aus dem Nationalrat. Als unsere Genostcn im Finanzausschuß des Nationalrais di« systematisch« Verdrängung der sozialdemokratischen Offiziere aus der deutschösterreichischen Wehrmacht besprachen, ereignete sich bei der Rede Otto Bauers folgendes bezeichnende Zwischenspiel: Dr Dauer(Sez.):... Der Versuch, die Arbeiter zu terrorisieren, wird jetzt an verschiedenen Stellen gemacht. Hier macht Heeresminister vaugoin den für einen Minister ganz ungebörigen Zwischenruf: Bei der Gemeinde Wien!— Leuthner sSozi): Ein Minister hat sich nicht in dieser frechen Weste über die Gemeinde Wie» zu äußer».— Buudeskcmzler Sctpell Dafür wäre der Ordnungsruf zu erteilen!— Rufe bei den Christlichsozialen: So eine jüdisch« Frechheit! Dr. Lauer: Ich weiß nicht, was der Herr Bundeskanzler meint. wofür der Ordnungsruf zu erteilen»mr«. vielleicht wegen der „jüdischen FrechljeiT? Dr. Seipel: Ich dachte an den Abg. Leuthner. Dr. Bridcichofier fEhr.-foz.): Es nützt ja doch nichts! Dr. Seipel: Dann macht man sich eben seine Meinung über einen Vorsitzenden. Vorsitzender Dr. Renner: Das steht dem Herrn Bundeskanzler frei. Dieser ruhig-überlegene Satz unseres Freundes, des ersten Stoatskanzlers der Republik, verschlug den Seipelioncrn samt ihren, Ehof die Rede und Bauer fuhr ungestört fort. Kein Staatsstreich in Mexiko. Sondern Haftentlassungen. Mexiko- Eity. 27. Januar,(«igeubericht.) Die verhafteten und unter dem Verdacht der Ver- schwörung stehenden 300 Katholiken sind bis uns 20 wieder ans der Haft entlasse« worden. Dt« im Zusammenhang mit den Verhaftungen aufgestellte« Be- hauptungeu iiber angebliche Verfolgungen aus reltgiö- sea Gründen bezeichnete der Juuenmiaister als bös- williges Gerede; di« Regierung sei entschlpsse». die Religionsklauseln des mexikanischen Gesetzes restlos durchzuführen. * Diese gestern abend eingelaufene Meldung unseres eigenen Vertreters enthält kein Wort von der gester» abend veröffentlichten Mitteilung über eine Verläuge- rung der Präsidentschaft Calles'. Sie bedarf noch der Bestätigung: es ist möglich, daß sie eine Zweckmeldung darstellt, um die amerikanisch-mexikaaische» Berhand» laugen zu stören» Eisenbahner-Lohnbewegung. Am g«strigen Freitag hat der Vor st and des Einheit?- Verbandes der Eisenbahner Deutschlands zur Frgge der Lohn- tarifkiindigung Stellung genommen. Er ist zu dem Ergebnis ge- kommen, dag die L o h n b e st i m m u n g e n des Tarifvertrages zum 1. April zu kündigen sind. Angesichts der wirtschaftlichen Lage, ist eine allgemeine Erhöhung des Lohnes der Reichsbahnlohnempfänger unbedingt notwendig. Der Einheitsverbond hielt bereits Oktober des vergangenen Jahres eine Erhöhung des Lohnes aller Lohnempfänger im Reichsbahn- betrieb für dringend erforderlich. Infolge der absolut ablehnen- denHaltungderHauptverwaltungder Deutschen Reichs- bahngesellschaft war es nicht möglich, auf dem Verhandlungs- wege zun, Ziele zu gelangen. Die Stellung der Organisation zum Tarifrecht verbot die Durchführung eines gewerkschaftlichen Kampfes. Dieses Hindernis ist mit dem 1. April beseitigt und es kann schon fegt gesagt wrd. daß der Einheitsverband der Eisenbahner Deutsch- lands mit aller Entschiedenheit den Kampf um die Aufbesserung des Einkommens der Reichsbahnarbeiter führen wird. Der Vorstand stellte dem geschäftsführenden Vorstand anheim. die übrigen vertragschließenden Organisationen rechtzeitig zwecks Stellungnahme zur Kündigung des Lobmarkfvertrags einzuladen. lieber den tonnnenden Kampf um die Verbesserung der Eisenbahncrlöhne sprach dieser Tage der Vorsitzend« des Eisenbahnerverbandes S ch e f i e l auf einer Eisenbahnerkonferenz in Köln. Er erklärt«, daß eine allgemeine L o h n a u.s b e s s c ru n g unter allen Umständen herbeigeführt werden müsse. Die Verwaltung rechne bereits mit der Kündigung des Lohntarifs. In der Aussprache kam �iie große Unzufriedenheit des Eisend ahnperfo- n a l s über die schlechte Entlohnung zum Ausdruck. Einmütig wurde gefordert, daß eine Verbesserung der Löhne erzwungen werden müsse, wenn notwendig, durch rückfichtskofen Kampf. In bezüg- auf die. B e tri ebsrats wählen erklärte ScheNel, baß. sich der Einheitsvitrbänd an. den Wählen beteiligen werde, wenii� sie auch zu Unrecht am 25. Februar vorgenommen werden sollten. Der Einheitsverband wolle sich nicht auf ein volles Jahr ausschalten lassen. Aufstieg bei den Gemeindearbeitern. 20S05 neue Mitglieder. Das Jahr 1927 hat der Mitgliederbewegung der freien Gewerkschaften einen kräftigen Auftrieb gebrocht. Zu den bereits vorliegenden und von uns mitgeteilten vorläufigen Jahresabschlüssen gesellt sich jetzt der des Verbandes der Gemeinde- und Ä t o o t s a r b e i t« r. der ein erfreuliches Bild der Aufwärts- > ntwicklung bietet. Der Verband der Gemeinde- und Staotsarbeiter bat im verflossenen Jahre 20 6 05 neue Mitglieder geworben. Er musterte am Jahresschluß insgesamt 228 522 Mitglieder gegen- über 207 917 Mitgliedern an, Schluß des Jahre« 1926. Die Zahl der männlichen Mitglieder ist im Lause des Vorjahres von 176 296 i.uf 19? 278, also um 16 982 gestiegeii, die der weiblichen Mitglieder - on 31 621 auf 35 244 oder um 3623. Die Mitgliederzunahme ent- billt auf alle Wirtslbasisbezirke und Gaue und schwankt zwischen '>l und 28.6 Proz. Die höchste prozentuale Mitgliederzunahnie weist der Wirtfchnstsbezirk Brandenburg auf mit 28.6 Proz. Ihm folgen der. Gau Ostpreußen inil 20.3 Proz, der Gau Singen riit 16 Proz., die R h e i n p f a l z mit 15,5 Proz., der Gau M a g d e- bürg und der Wirtschaftsbezirk W e st f o l e n mit se 14 Proz. Im Gesamtdurcisschrntt betiägt die Mitglieder.mnahm« 9,9 Proz. U e b e r Uesen prozenrualen Gcfamtdurchschnitl steht Groß. B.e r t i»i mit '2,7 Vr�z.- Die höchst« absolute Zunahme weist Groß-Verlin auf ..lit 3498 neugewonnenen Mitgliedern. Alle« in allem dürrte dieser Erfreuliche Aufstieg den Funktionären und Mitgliedern ein. Ansporn sein, die Werbeersolge in diesem Jahre noch zu steigern. Aufschiebungen der Arbeitszeltvertürzung. Dos Reichsarbeitsministerium hat in den letzten Tagen auf die ihm zugegangenen Anträge, das Inkrafttreten der Ver- nrbnung über die Arbeitszeit in der Großindu- stri« vom 16. Juli 1927 aufzuschieben, entschieden. Auf Grund der von den örtlichen Stellen vorgenommenen Rachprüfung wurde in 18 Fällen ein Aufschub bewilligt, die übrigen An- träge wurden abgelehnt. Der Aufschub betrifft in erster Linie die M ä r t i n w« r k e; zugehörig« Walzwerke wurden nur in sieben Fällen micherücksichtigt. Die gnebmig-eu Fristen schwanken je nach dem Umfgng und Stand der in den e'nzelnen Werken durch die Verordnung vom 16. Juli 1927 bedingten Umstellung zwischen einem und neun Monyten und betragen im D u r ch f ch ni l t 5)4' Monate. Wie wir hören, befinden sich unter den abgelehnten Anträgen die des Bochumer Vereins und der Edelstahlwerke. Berblenfiausgtelch bei der Nordwestlichen. Bochum. 27. Januar.(Eigenbericht.) In den Verhandlungen, die am Freitag zwischen dem Arbeit- geberverband Nordwest und den drei M e t o l l a r be i t e r> verbänden über den Verdien stausgleich wegen der Arbeitszeitverkürzung geführt wurden', wurde ein« R e» g e l u n g in Aussicht genommen, die einen p r o z e n- tualen Zuschlag zu dem erzielten Verdienst vorsieht. Beide Parteien haben sich die endgültige Zustimmung zu dieser Regelung bis zum 2. Februar vorbehalten. Die Zechenstillegung. Die zum Adler- Konzern gehörende Zeche Johann Deimelsberg in Steele soll stillgelegt werden. Sie umfaßt ein Geviert von ruich 3 300 000 Quadratmeter Größe. Zu der Zeche gehört auch das Bergwerk Eharlotte. Die Belegschaft ist 1500 Mann stark. Die Stillegung». ankundiaung� hat sowohl unter der Beleqichaft wie unter.der»e- völkerung«teeles im allgemeinen große Beunruhigung bervorge rufen. Johann Deimelsberg ist nämlich die letzt« Zeche, die in der dortigen Gegend noch im Betriel' ist. Die anderen Zechen find bereits stillgelegt worden. Die sozialdemokratische Fraktionhatim Preußischen Landtag inzwischen eine Große Anfrage eingebracht, um di-je letze« Stillegung zu verhindern. Indien und der IGA. (I�Ä.) Den neuesten Meldungen zufolge befaßte sich der Indische Gewerkschaftskongreß nicht mit der Frage des Anschlusses an den IG B. Hingegen ist unterdessen die Frage ollen ongeichioiienen Verbänden unterbreite» worden, so daß sich ein« für den Monat April anberaumte Sitzung der erweiterten Exekutive mit der An- gelegenheit befassen können wird. Die Berliner Werkzeugmacher kommen morgen Sonntag zu einer Generalversammlung im Märchenbrunnen' zusammen, um den Bericht über das Loh n v e r h an dl u n g serg e b ni s. den wir in der Abendaussab» des„Borwärrs" auszugsweise wiedergeben. entgegenzunehmen und über die von den Funktionären beantrag!« Bornahme einer Streikabstimmung in den Betriebe» zu entscheiden. Sewertschastservbening durch die KPD. Ein Nachwort zum Streik bei Gebauer. Bom Deutschen Textilarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin, wird uns mitgeteilt: Seit Jahren hat die KPD. es ängstlich vermieden, irgendeine größere Aktion zu unternehmen. Sie beichränkt sich auf die Be- ichimpsung der Gewsrkichasten und der Sozialdemokratischen Partei und versucht gleichzeitig, die Aktionen, die diese unternehmen, für ihre Porteizwecke auszunutzen. Es scheint aber, daß sich die Draht- zieher det KPD. bemüßigt fühlen, einmal zu zeigen, daß auch die KPD. noch selbständige Aktionen unternehmen könne. Dieses durchaus begreifliche Bedürfnis suchte man zu befriedigen in Verbindung mit dem Benuch, sich der Berliner Ortsverwaltung des Deutschen Texiilarbeiterverbandes zu bemächtigen. Zu diesem Zweck hatte man sich die Arbeiter der Firma Ge- bauer in Eharlottenburg auscrfehen, die, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, noch unorganisiert waren, demzufolge einen kom- munistischen Betriebsrat hatten und das richtige Zllanöorierfeld für die.große Aktion' der KPD. abgaben. Zu dielem Zweck wurde zunächst der Metallarbeiter S a e f k o w, der Mann mit dem„großen Rosenstrauß", in diesen Betrieb abkommandiert. Vierzehn Tage darauf brach bei Gebauer dar Streik aus. Kaum war der Streik erklärt worden, so wurden auch schon von der KPD. Sammelliste« in Umlauf gesetzt. Dank dem Solidoritätsaesühl der Berliner Arbeiter kamen auch erhebliche Gelder ein. Wieviel insgesamt von der Berliner Arbeiter- schoft auf diesen Listen gezeichnet wurde, kann heute kein Mensch iagen, da«ine Rechnungsablegung niemals er- folgt Ist und die Sämmellisten verbrannt wurden. Auch die IAH. wurde in Aktion gesetzt. Ein erheblicher Teil dieser gesammel- ten Gelder wurde zur Unterstützung der Stveitendcn verwandt. Ein anderer ebenfalls erheblicher Teil wurde von Slreitsührer«, ihren Freunden und Freundinnen in allerlei Amüslerlokalen bei wein und Sekt durchgebracht. Es ist überflüssig, zu sagen, daß auch über diese Gelder keinerlei Rechnungsablegung erfolgt ist... Den Streikenden wurde schließlich mitgeteilt, daß 2000 Mark zur Unterstützung der Streikenden aus Rußland gekommen seien. Ob diese 2000 Mark wirklich aus Rußland kamen oder ob sie zu diesem Zweck von den gesammelten Geldern abgezweigt wurden, auch darüber herrscht ein begreifliches Dunkel. Den Streikenden wurde jedoch erklärt, daß nur diejenigen teilhoben würden an diesen 2000 Mark, die dem Deutschen Textilarbeiter- verband beitreten. Daß es unter diesen Umständen nur so Beitritte regnete, ist natürlich. Den Eintretenden wurden außer dem Ein- trittsgeld vier Wochenbeiträge abgezogen. Es wurde also für die Streikenden durch die KPD. die MItgliedschast im Deutschen Textilarbeileroerband erworben. Mit dieser Masse neuer Mitglieder, die als Stimmvieh für die KPD. benutzt werden sollen, hoffen die Drahtzieher dieser Partei, die Onsverwaltung des Deutschen Textilarbeiierocrbandes zu c robern. Daß bei Abschluß des Streiks 32 Mitglieder der Belegschaft auf dem Pstaster liegen, macht der KPD. herzlich wenig aus. Sie hat sich um diese Opser ihrer Politik auch nicht weiter gekümmert. Die Hauptsache für die KPD. ist, die Herrschaft über die Gewevt-. schaften zu erringen. gleichgültig, mit welchen Mitteln dies geschieht. Ueber die moralische Verlotterung dieser Politik braucht man nichts mehr zu sagen. Während sich die Streitenden den. Schmachtriemen enger schnüren mußten, haben die Führer ge- schlemmt. Die seuer verdienten Groschen, die die Berliner Arbeiten zur Unterstützung der Streikenden ausbrachten, wurden diesen cnt- zogen und in zweifelhasten Vergnügungslokalen verjubelt. Daß. man in der KPD. und ihren Nebenstellen bei der Rechnungs- ablegung nicht sehr zimperlich verfährt und sich von den„refor- mistischen" Methoden einer genauen Prüfung befreit hat, ist durchaus begreiflich: denn mit solchen Mitteln hat man die Leute ln der Hand, die sich zu den Manövern der KPD. hergeben. Die Saeikow und Genossen, die eine derartige Lotterwirtschaft führten, sind dann d i c rechten Leute für die K P D., um in den Gewerkschasts-- Versammlungen gegen die„Mißwirtschast" der Reformisten zu Felde zu ziehen. Die Ortsverwaltung des Deutschen Textilorbeiterverbatches'st nicht gewillt, mit verschränkten Armen zuzusehen, wie die KPD. durch ihre Kreaturen sich der Organisation bemächtigt, um in ihr eine ähnliche Lotterwirtschaft einzurichten, wie sie es bei dem Streik bei Gebauer getan hat. Da wir wissen, daß die KPD. mit ähnlichen Mitteln auch andere Gewerkschaften zu„erobern' sucht. halten wir es für unsere Pflicht, diese an sich tieftraurigen Tossachen der Oesfenllichkeit bekanntzugeben. Wir warnen ausdrücklich die Arbeiterschaft, sich nicht mehr von der KPD. mißbrauchen zu lassen. Sammellisten, die nicht von den Gewerkschaften ausgegeben werden, sind zurück- zuweisen. Vor allen Dingen ist ein Augenmerk auch darauf zu richten, ob und inwieweit die KPD. oersucht, durch Hinein- schiebung von frischgeworbenen Mitgliedern sich in den Gewerkschaften künstliche Mehrheiten*u verschaffen. Der Arbeiterschaft bei Gebauer und in den anderen Finnen aber rufen wir zu, die Kreaturen der KPD. abzu- schütteln! Wer in der Arbeiterbewegung tätig fein will, muß vor allen Dingen reine Hände haben. gl Ack-tunq, EPD.-Sol, arbeite», Bezirk Eiidost! Am Montaz, 80. Za- ■- miar, 19 Uhr, wichtige Versammlung bei Lier, Naunqnstr. 9. Z Der Zraltl»»»»orft»»d. i-ä Achtung, SPD.-Kalzarbriter, Bezirk RW(Moabit, Webbing, S«» ;=: iunbbrunnen, Reixickenbors)! Am Tonntag, 29. tzauuar, 10 Uhr,«ich- l-! tigc Zusammenkunft bei Sachse, Lindower Str. 20. Der FraktiaaaaarNaud. Freie Sewerlschastajagenb Srah-Berlin. Heut«, Sonnabend, folgend« Veranstaltung! SSdlreia.siuaerdknrsu«: Im Jugendheim?!orckstr. U,„Aus der Arbeiter» und Gewerkschaftsbewegung."— Voranzeige! Achtung! Montag, Sil. Januar, 19'/. Uhr, Zulamin-nkunst der Gruppenleiwngeu im Jugendheim des Deutschen Mrlaliarbeiterverbandeo, Liniensir. 83185. Lichtbildervortrag: „Meine Indienreise." Referent Furtwcingler. Verantwortlich für Volitil: Dr. Surt Sei,«! Wirtschaft!». Nli»gelh«I,r: Gewerkslhafisoewegung: Z. Strincr; Feuilieion:«. H. Dtscher: Lokale» und Zonsiiaesi grih«arstädt: Anzeigen: th. KI»««, iiimtilch t« Berlin. Betlag: Vorwärlo-Veriag GmbH Verlin Druck: Vorwärta-Buchdruckerrt und Vrrlagsanllali Vau! Eingcr u Co.. Berlin SW 60 Lindenstrah« 8. vier»» 2 Beilaar»»ab.U»trrb»Itu»a»ab Wigea" HEUTE Xr. 47• 44. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend. 2S. Januar 4925 Nordische Gäste. Die kältere Jahreszeit mit ihrem spärlich gedeckten Tisch, ihren Gefahren und Nöten, bleibt nicht ohne Einfluß auf die in ihrer Heimat überwinternden Bogel. Während sie, besonders während der Brutzeit, die streng abgegrenzten Wohnbezirke eifersüchtig über- wachen, fühlen sie jetzt das Bedürfnis, sich mit ihren Artgenossen und auch anderen Vögeln, die ähnlichen Lebensbedingungen unterliegen. zu großen Schoren, zu einer Art Senoflenfchoft, zu vereinigen. So streifen sie dann gemeinsam umher, um Nahrung und eine» ge. schützten Platz zur Nachtruhe zu suchen. Im Walde und in der Stadt. Im Walde und in den Anlagen der Stadt begegnen wir Schwärmen von allen bei uns lebenden Meisen. Die größte von ihnen, die tlohlmelse. tveibt sich friedlich umher neben der schön gefärbten Vlamueife: das.Meister Hämmerlein", die Sumpsmeise. bearbeitet gemeinsam mit der Tauueumeile die wurmstichige Stelle einer motiäwn Kiefer, und das zarte Schwanzmetschen. im Dolks- irtumfc..Vfamwnstielcheu'' genanm. untersucht eine daneben besiniv liche Höhlung. Häufig finden wir bei dem Meisenschwarm kleinere Spechte und die Kleinsten der Kleinen, den Zaunkönig und das Goldhähnchen. Letzteres ist sehr zart und fällt hausig dem Winter zum Opfer. Der Zaunkönig ist dagegen trotz seiner Kleinheit die Verkörperung der Lebenslust und Lebensfreude. Mögen die Menschen in Pelze gehüllt und mit erfrorene» Nasen und Ohren berumlausen, et lacht der Strenge des Winters und singt jmt Infi:-es Lied. Nah« am WaldesraiG auf dem Wmkchokderbusch«, welch' merkwürdige vogelschar! Alles an ihnen so ganz anders. als wir es sonst bei den Vögeln unserer Heimat gewohnt sind.— Wir kommen näher, die Vögel sehen uns mit ihren großen, Hann? losen Augen treuherzig an. Ihr ganzes Wesen, ihr schön gefärbtes Gefieder, ihre Bewegungen, alles weich, sanft und gemessen, selbst das Heben und Senken der Haube zeigt keine Spur von Erregtheit Ihre Laute gleichen dem Gezirp« der Heuschrecken. Wir Hoden diese Vögel doch schon gesehen? In ganzen Bündeln sahen wir sie tot hängen, als Krammetsvögel zum verkauf ausgeboteu in den Delikateßwarenläden Berlins.— Opfer der Großstadt!— Hoch im Norden auf den menschenleere« Tundren Finn-und Lapp- sands ist chr« Heimat. Sie kennen den Renschen, wenn sie zu uns kommen,«och nicht, daher ihre Vertrautheit. Sie sehe» dem Jäger, der alles fortknallt, was ihm merkwürdig de« Lauf der Büchse. Ein geheimnisvoller Gast. Im Balte kann man sich da» plötzliche Erscheine« de» Seide«. schwänze» während de» winters nicht erklären. Er kommt auch nicht in jedem Jahr. Dazu fein«chsonderliches Aeußer«, sein märchenhaftes Wesen, das fast an paradiesische Zustände erinneri. Das alles hat bewirkt, daß das Volk in abergläubischer.?urcht in ihm den Bringer von Not, Krankheit, Krieg und Tod sieht: der aufgeklärte Gourmand verspeist ihn aber trotz alledem in gedaaken. loser Genußsucht! Doch hat die abergläubische Furcht eine gewisse Berscknigung. Erscheint doch der Seidenschwanz bei uns. wenn in seiner Heimat stark« Kälte, Schnee und Eis vorherrschen, wenn seine Nahrungsquellen durch die Ungunst der Witterung versiege». Und häufig folgt ihm die Kälte und sucht unsere Brüten gerade heim, wie wir es in diesem Jahre erlebt haben. Die Folgen sind Stetgerung der Not und ihre Folgen. Auf den Felden,. Auf den verwaisten Feldern mit ihren Baumallecn am Rande der Stadt treffen wir eine ganz anders geartete Gesellschaft, die auch bei strenger Kälte bis in die Innenstadt vordringt. Bei unserer Annäherung erhebt sich plötzlich, wie aus der Erde heraus, ein großer Schwärm von kleinen Vögeln, die der Städter, dem jeder bei flüchtigem Hinsehen grau erscheinende Böget ein Spatz ist, natürlich auch für Spatzen hält. Nach kurzem Flug läßt sich die Gesellschaft wieder aus der Erde nieder. Sehen wir genauer hin, so gewahren wir eine bunt zusammengewürfette Schar. Fast olle heimischea Vertreter des Geschlechts der Finken, der Gimpel, der Ammern und der Lerchen sind hier vereinigt, um gemeinsam herum- zustreichen. Da sehen wir den stolzen Buchfinken, dessen„besiere Hälfte" den Winter im warmen Süden zubringt, den schön gefärbten Stieglitz, muntere Zeisige, Grünfinken, den gelehrigen Dompsossen und die prächtigen Goldammer. Auch hier treffen wir Gäste aus dem hohen Norden cm, die die Unwirtlichkeit ihrer Heimat in unsere Breiten getrieben hat. Der Leimzeifig mit schön kamänroter Stirn und Brust will hier überwintern und sucht nach passender Nahrung z. L. nach Birkensamen. Wir können ihn cm strengen Wintertagen in den Bäumen der Anlagen Berlins beobachten, wie er gewandt und munter in den Zweigen umherkleftert. An weiteren nordischen Gästen sehen wir den große», roten Gimpel, die mit eigentümlichen Federhörnchen am Kopf versehene Alpenlerche, die Schnee- ammer und den Vergsinken.«wen Vetter unseres Buchfinken. m Sie all« oerlassen uns beim Nahen des Frühjahrs und ziehen nmd- und ostwärts in einsame Gegenden, in denen sie bald nach ihrer Ankunft zur Brut schreiten.> Nahrungsmangel, Schnee und Kälte hatte« sie südwärts getrieben, sich bester« Nahrungsquellen zu suchen._ Eine tapfere junge Verkäuferin. Oer Raubüberfall auf dem Bahnhof Grunewald. Eine besondere Anerkennung zollte das Schöffengericht de? jungen Derkäuferin, die durch ihre Tapferkeit verhindert hat. daß der gegen sie Anfang Dezember vorigen Jahres auf dem Bahnhof Grüne- wall» geplante Raubübersall zur Ausführung gelangen konnte. Die beiden Urheber dieses Verbrechens, der Lljährige Hausdiener KSkeritz und der ZSjährige beschäftigungslose Backmanies, hatten sich wegen versuchten Raubes zu verantworten. Beide Angeklagte sind bereits vorbestraft, Backmanies war bei der Schupo ge- wesen, aber wegen Diebstahls entlasten worden. Käkeritz war bis kurz vor dem Ueberfall Hausdiener im Restaurant Bahnhof Gnme wall» und hatte ahne jeden Anlaß die Stelle aufgegeben, angeblich well er sich verbessern wollte. Die..Verbesserung" bestand in der von ihm ausgekundschafteten günstigen Gelegenheit, die Verkäuferin in dem auf dem Bahnhof gelegenen Verkaufskiosk des Restaurants zu berauben, wenn sie mit der Kaste nachts hinüberging. Er selbst durste sich natürlich dabei nicht zeigen und hatte sür die Aus- führung der Tat den Mitangeklagten ongervorbcn. Dieser stürzte sich auf da» Mädchen und wollte ihm die Geldtasche mit Gewalt entreißen. Die Ueberfallene hielt aber die Tasche so energisch fest, daß der Muber mtt ihr mehrere Minuten kämpfen mußte, bis auf ihre Hilferufe Leute herbeieilten. Dem Räuber gelang es zu entfliehen, aber der verlorene Hut wurde zum Ver- röter, dem man erkannte ihn als den Hut des Käkeritz So konnten die beiden Täter ermittelt werden. Hetterkeit erregte es, als Menschen, Göttern gleich... 41 Roman von Herbert George well«. Ja, er fand die Straße vor sich viel z u leer. Sie erstreckte sich schnurgerade vor seinen Augen auf etwa dreißig Meilen. Äuf der linken Seite waren eure niedrige, gut ge- pflegte Hecke, vereinzelte Bäume, flache Felder, dahinter lagen einige klein Hauschen, weiter entfernt Pappeln und ganz hinten sah man Windsor-Castle. Aus der rechten Seite waren gleichfalls Felder und ein kleines Wirtshaus vor einem Hintergrund von niedrigen bewaldeten Hügeln. Eine auffallende Erscheinung in dieser ruhigen Landschaft war die Ankündigungstafel eines Strandhotels in Maidenhead. Barnstaple sah vor sich das Flimmern der heißen Luft und zwei oder drei Staubwirbel, die auf der Straße entlang tanzten. Wer keine Spur von dem großen Tourenwagen — und keine Spur von dxr Limousine. Mr. Barnstaple brauchte gut zwei Sekunden, ehe er sich dieser erstaunlichen Tatsache voll bewußt wurde. Weder zur Rechten, noch zur Linken gab es irgendeine Seitenstraße, in welche die Wagen hätten verschwinden können. Und wenn sie schon um die nächste Biegung sein sollten, dann hätten sie mit einer Ge- schwindigkeit von zwei- oder dreihundert Meilen in der Stunde fahren müssen. Mr. Barnstavle hatte die ausgezeichnete Gewohnheit, die Geschwindigtelt sofort zu verringern, wenn er sich über etwas nicht klar war. Auch jetzt stoppte er ab. So kam er auf ein« Geschwindigkeit von ungefähr fünfzehn Meilen und starrte mfl offenem Munde in die leere Landjchajt, um irgendeinen Anhaltspunkt für das rätselhaste Verschwinden der Wagen zu finden. Erstaunlicherweise hatte er durchaus nicht das Gefühl, daß er selbst irgendwie gefährdet sein könnte. Dann schien sein Wagen an irgendetwas anzustoßen und begann zu schleudern. Cr schleuderte so heftig herum, daß Barnstaple für einen Augenblick den Kopf verlor. Er konnte sich nicht mehr entsinnen, was man zu tun hat, wenn ein Wagen schleudert. Er erinnerte sich dunkel, daß man in die Richtung zu steuern hätte, nach der sich der Wagen dreht, aber in seiner momentanen Aufregung konnte er mcht feststellen, in welche Richtung der Wagen schleuderte. Später erinnerte er sich, daß er in diesem Augenblick einen Ton gehört hatte. Es war genau derselbe Ton, der entsteht, wenn eine Spannung ihren Höhepunkt erreicht hat, scharf wie da» Springen einer Lautenfaite, ein Ton, den man zu Anfang— oder zu Ende— der Bewußtlosigkeit in der Narkose hört. Es war ihm, als ob er gegen die Hecke an der rechten Seite geschleudert worden wäre, aber nun fand er die Straße wieder vor sich. Er berührt« den Gashebel, stoppte aber dann wieder ab und blieb stehen. Boll tiefster Berwunde- rung blieb er stehen. Diese Straße war vollkommen verschieden von der- jenigen, auf der er sich noch vor einer halben Minute be- funden hatte. Di« Hecken waren verwandelt, die Bäume waren verändert. Windsor Castle war verschwunden, und — eine kleine Entschädigung— die große Limousine war wieder in Sicht. Sie stand am Rand der Straße, ungefähr zweihundert Yards entfernt. Die wvnderbare Straße. 1. Ein« Zeillang war Mr. Barnftaples Aufmerksamkeit sehr ungleich geteilt zwischen der Limousine, deren Jnsasien eben ausstiegen, und der Landschaft, die ihn umgab. Letztere war wirtlich so fremdartig und schön, daß die kleine Gruppe vor ihm nur insofern einige Bedeutung in seinem Bewußt- sein erlangte, als es sich um Leute handelte, die feine De- wunderung und fein Erstaunen teilen mußten, und die ihm deshalb wahrscheinlich helfen konnten, seine wachsende und ihn ganz überwältigende Verwirrung zu klären und zu ve- ruhigen.» Die Straß« war nicht wie eine gewöhnliche englische Landstraße, ein Mischmasch aus Schotter und Kot, beschmiert mit Teer und mit Kies, Staub und tierischen Exkrementen bedeckt, sondern war offenbar aus Glas gebaut mit klaren Platten, wie stilles Wasser, und mit milchweißen oder opali- sierenden Tafeln, die von sanft gefärbten Streifen durch- zogen, oder in denen Wolken von glitzernden goldenen Flocken eingelassen waren. Sie war vielle,cht zwölf oder fünfzehn Yards breit. Auf jeder Seite erstreckte sich ein grüner Rasen- streifen aus einem Gras, wie es Barnstaple feiner niemals vorher gesehen hatte— und in der Pflege von Rasenflächen hatte er reiche Erfahrung—, darüber hinaus war ein breiter Saum von Blumen. An der Stelle, wo Mr. Barnstaple «äffend in seinem Wagen saß, und von da etwa dreißig jards nach beiden Richtungen hin, bestand dieser Saum aus einer dichten Menge vergißmeinnichtblauer Blüten unbe- tannter Art. Weiterhin wurde die Farbe durch eine zu- nehmende Zahl großer, reinweißer Aehren unterbrochen, die schließlich das Blau vollständig aus dem Beet verdrängten. Auf der gegenüberliegenden Seite des Weges waren die gleichen Aehren, vermischt mit Gruppen von ebenso fremd» artigen Pflanzen, die Samenkapseln trugen und deren Farben abschnittweise zwischen Blau, Änilinrot, Purpurrot bis zu einem intensiven Karmesinrot wechselten. Jenseits dieses farbenprächtigen, duftigen Blumensaumes breiteten sich flache Wiesen aus, auf denen auserlesenes Vieh weidete. Durch Barnftaples plötzliches Erscheinen wahrscheinlich aufgeschreckt, betrachteten ihn drei ganz in der Nähe wiederkäuende Tiere mit gutmütig nachdenklichen Augen. Sie hatten lange Hör- ner und Wammen, ähnlich dem Vieh in Südeuropa und Indien. Bon diesen gutartigen Wesen wandten sich Barn- staples Augen einer langen Reihe flammenförmig gestalteter Bäume zu, einer Säulenhalle aus Weiß und Gold und einem Hintergrund von schneebedeckten Bergen. Einige große, weiße Wolken segelten über einen Himmel von reinstem Blau. Die Luft empfand Mr. Stornstaple erstaunlich klar und Und. Mit Ausnahme der Kühe und der kleinen Gruppe von Menschen, die bei der Limousine standen, konnte Mr. Barn- staple kein Lebewesen entdecken. Die Automobilisten standen still da und blickten erstaunt um sich. Der Schall keifender Stimmen drang zu ibm. Ein scharfes Knistern hinter seinem Rücken veranlaßte Barnstaple, sich umzudrehen. An der Straße, in der Richtung, aus der er offenbar gekommen war, lagen die Trümmer eines scheinbar erst ganz kurzlich zerstörten Steinhauses. Da- neben waren zwei große Apfelbäume wie durch eine Ex- plosion frisch geknickt und gespalten: aus der Mitte der Trüm- mer, denen eine Rauchsäule entstieg, kam auch dieses Knistern wie von feuerfangenden Gegenständen. Die geknickten Stämme der zerschmetterten Apfelbäume führten Mr. Barn- staple darauf, daß einige Blumen nahe am Straßenrand ebenfalls nach einer Seite umgeknickt waren, fo, als ob vor kurzem ein heftiger Windstoß über sie hinweggefegt halle. Jedoch hatte er weder eine Explosion gehört, noch den gering- sten Wind verspürt. Eine Zeitlang starrte er dort hin, dann wandte er sich wieder zur Limousine, als ob er von dort eine Erklärung er- wartete. Drei Leute kamen nun die Straße entlang auf ihn zu, geführt von einem hohen, schlanken, grauhaarigen Herrn mit einem Filzhut und einem langen Staubmantel. Er hatte ein schmales Gesicht mit einer kleinen Stülpnase, die den Federn seines goldenen Kneifers kaum genügend Platz bot. Mr. Barnstaple setzte seine Maschine wieder in Gang und fuhr ihnen langsam entgegen. Sobald er sich in Hörweite zu befinden glaubte, blieb er stehen und beugte den Kopf fragend aus der„Gelben Gefahr' heraus. In demselben Augenblick stellte der lange grau- haarige Herr die gleiche Frage:„Mein Herr, können Sie mir sagen, wo wir eigenttich sind?'(Fortsetzung folgt.) fwc Zeugin oiisslZgk?, sie yave desflaflj so zäh an der Geldtasche fest- gehalten, weil auszer den 3 2S Wart Kasse auch ihr eigenes Geld darin war. Das Schösfengsricht verurteilte die beiden Angeklagten wegen versuchten Raubes zu je einem Jahr Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust. Backmanies nahm die Strafe sofort an. wäh- rend Käkcrijz Berufung einlegen will. Beide Angeklagte blieben in Haft._ „Grüne Woche." Wie alljährlich um diese Zeit» wenn die traditionelle landwirt- schastliche Woche das mehr oder weniger„notleidende" Landvolk in Berlin versammelt, öffnen sich die Pforten der Messehallen am Kaiserdamm. Es gibt eine„Grüne Woche", eine Ausstel- lung für den Bedarf der Landwirtschast und der ihr oerwandten Berufe. In den Hallen stehen Ackergeräte und landwirtschaftliche Maschinen, die Säcke mit Getreide und Sämereien säumen die Stände und selbst der Laie soll sich eine Vorstellung davon machen, wie schwer es ist, dem Gnind und Poden das höchstmögliche an Erträgnissen abzuringen. Diesmal gibt es in der Allen AutoHalle, die als Halle 1 gilt, eine sehr interessante Sonderausstellung„Die M i l ch". Da stehen Kühe, lebende Kühe, in einem sachgemäß aufgebauten Stall, der alles an zweckmäßigen Futter- und �üngerbahncn, an Lüftung und Beleuchtung enthält, was die Milchviehhygicne heute vorschreibt. Diese Sonderausstellung gliedert sich in einen wissenschafUichen und praktischen Teil. In dem wissenschatslichen Teil ist in großem, einheitlich gehaltenem Rahmen eine Uebersicht über die Gebiete ge- geben, auf die ssch die Verfuckis- und Forschungstätigkeit zur För- demng der Milchwirts chast erstreckt. An Hand einer großen An- .zahl von Modellen und bildlichen Darstellungen sind die einzelnen Abschnitte von der Milchgewinnung bis zum Verbrauch wieder- gegeben. Es schließt sich daran an die Milch-, Butter- und Käse- schau des Milchwirtschoftlichen Instituts Oranienburg und sin« Milch- schenke des Reichsmilchausschusses.— Die Sonderausstellung„D i e K a rt o ff el", die in einem bisher noch nicht gezeigten Rahmen die valkswirtschoftuche Bedeutung des Kartoffelbaues in Deutschland vor Augen sührt unter Angabe des Weges von der Züchtung der Kar- loffel bis zur technischen Verwendung.— In der Propagandaaus- ftellung„Deutsche landwirtschaftliche Erzeugnisse" wird gezeigt, in welcher Form, Sortierung und Verpackung die land- wirtschaftlichen Produkte am besten und zweckmäßigsten auf den Markt gebracht werden. Sie soll gleichzettig ein Bild geben von denz Stande der Bestrebungen zur Standardisierung der landwirt- schafilichen Produkte.— Der Trinkeier- uni> Schlacht- aeslügelmarkt der Kleintierzuchtabteilung der Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg wird vor allen Dingen wieder Propaganda für das deutsche Qualität sei und >--chlachtgejlügel bei den städtischen Besuchern mqchen.— In der Sanderausstellung„B o m F l a ch s zum Leinen" und..Der Flachs", sein Anbau und sein« Verwertung, wird auch dieser Zweig der Landwirtschaft sowohl im technijchen, als auch im Hausbetrieb vorgeführt.— In der Halle 2 findet sich die Sonderausstellung „Mo der nc Betriebsführung im©arten bau". Die in den Nachkriegsjahren erprobten und bereits in die Praxis um- gesetzten Rationalisierungsmaßnahmen auf dem Gebiete des Garten- baue» werden hier den Berufsangehörigen und der Oeffentlichkeit vor Augen geführt.— In der wirklich sehr sehenswerten Ausstel- laug„Die verschiedenen Holzarten des deutschen Woldes" werden zwei Elnzelausschnittc der Forstwirtschast ge- zeigt und deren Auigabcn dem Forstmann und dem Laienbesucher nähergebracht: in erster Linie eine Zusammenstellung aus der Saat- gutwirtschost und der Behandlung von Pslanzgeräten und einer Ausstellung heiniischer Holzarten mit charakteristischen Merkmalen und einer Reihe van Verwendungszwecken.— In der„F'i sich e r e i" zeigen mehrere Stände die Bedeutung der Binnenfischerei. Di« Imkerei zeigt, wie Honig aussieht und in den Handel gebracht wird, wie er entsteht, gewonnen und gepflegt wird. Neben der Imkerei zeigt sich auch der Deutsche Seidenbau. Eine be- fonders anschauliche Gruppe ist die Deutsche Jagd- Aus- ftellung, die eine Hege- und Lehrsammlung, eine jagdhistorische Ausstellung Laad und Waffe", die außer historischen Iagdwafsen und Iagdgerätschosten historische Beutestücke aus den Schlössern Moritzburg. Erbach und Lanz-Lohausen zeigt. Die Geflügelausstellung der„Cypria", Verein der Geflügelfreunde in Berlin, ist in diesem Jahre verbunden mit«hier Abstellung von Geslügel anerkannter Leistungsjuchten der Lanüwirtschoftskammer für die Provinz Brandenburg und für Berlin. An alle Sonder- ousstellungen gliedert sich jeweils die von mafHebenden Firmen be- schickte In du st r i e a u?ste l l u n g. die dein Fachbesucher Gelegenheit gibt, sich über die Geräte und Maschinen zu unterrichten, die für die in den einzelnen Sonderausstellungen gezeigten Ar- bestsoorgänge erforderlich sind. Di« Ausstellung ist täglich von S Uhr vornrsttags bis 7 Uhr ol>ends geöffnet: Sonnabends und Sonntags: 9— 9 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt l,Z9 M. Wer die Karte an den Schaltern der Stadt-- und Ringbahn, der Hochbahn oder bei den Schaffnern der Straßenbahnlinien S3, 28, 72, 75 oder 93 kaust, erhält damst freie Hin- und Rückfahrt. Die Tieraus st«lluNg, für die im Berliner Publikum immer ein besonders starkes Inter- esse besteht, sind nur an folgenden Tagen geöffnet: Geflügel- und Kaninchenschau: 28., 29.. 30. Januar; Hundeausstellung: 4.', 5. Fe- btuar. Wer soll Sachverständiger sein? Eine ernste Frage im voraus zum Prozeß Krantz Wie bereits berichtet, findet am 9. Februar der Prozeß des Schülers Ärantz statt. Die Anklage lautet auf Mord. Der Kriminal- fall selbst erscheint sowohl juristisch alz psychologisch äußerst kam- pliziert und dürfte mit zu den interessantesten gehören, was Moabit in den letzten Iahren erlebt hak. Ein Stück„moderner" Jugend- Psychologie wird hier offenbart werden. Und da fragt man sich: Wird das Gericht au.s eigenen Gräften den An- rorderungen gew.achfen fein, dick�das Wissen um die Psychologie der heutigen Jugend an �en Richter stellt? Sntd in diesem Falle im Gerichtssaol nicht mehr als in irgendeinem anderen psychologisch wie psychiatrisch vorgebildete Aerzte am Platze? Bor- läusig will es scheinen, als mache das Gericht der Herbeiziehung solcher Sachverständigen gev''"e Schwierigkeiten. Während den Gerichisärzren Dr. Mahrenhvlz und Dr. Hommerich, die über Spezialkenntnisse auf dem Gebiet der I u g e n d p s y�ch ologie nicht verfügen, als den Sachver- ständigen der Staatsanwaltschaft die Möglichkeit gegeben wurde, den Angeklagten Kxantz unter oierAugen zu sprechen, wurde dies dem wirklich zweifelsohne in Fragen der Serualpfychologie sachver- ständigen Dr. Magnus Hlrschseld verwehrt: es wurde ihm eine mir einmalige Rücksprache mit dem Angeklagte« in An- Wesenheit des Beamten gestattet. Di« Sprecherlaubnis zu weiteren Rücksprachen unter den gleichen Bedingungen sollte er sich besonders einholen. Rechtsanwalt Dr. F r e y' auf dessen Veranlassung Dr. Magnus Hirschfeld als Sachverständiger herangezogen worden ist, hol gegen diesen Beschluß des Gerichts beim KammergerichtBeschwerde eingelegt. Dos Kammergericht hat sich sedoch aus den Standpunkt des Landgerichts gestellt und erklärt, daß es keinen Anlaß sehe, Dr. W ag nus Hirschseld In Abwesenheit de s Geiäng- nisbeamten die Aussprache mit dem Angeklagten zu gestatten. Nun ist aber für jeden, der sich einigermaßen in der Psych« eines 6 endlichen Menschen auskennt, eine Binsenwahrheit, daß nur eine ierhallung unter vier Augen den Ersolg zeitigen kann, den dt« Das Auto des Generaldirektors. Wer war schuld an dem Zusammenstoß? Der schwere Aukounfall, der sich am 4. September am Savigny- plah ereignete und bei dem der stausmcmn Friedländer au» einer Aukodroschke geschleudert wurde und den Tod fand, während sein« Frau und sein Sohn sowie der Droschkensahrer schwere Verletzungen davongetragen hallen, beschäftigte am Freitagnachmittag da» Große Schöffengericht Ehorlottenburg. Angeklagt war der Kraftwagenführer Heising wegen fahrlässiger Tötung. Heising hatte einen dem Generaldirektor Dr. Oliven von der Ludwig Löwe A.-G. gehörenden Mercedcs-Woqcn gesteuert uud war an der Kreuzung der Grolman- und Kaotstrahe auf das Hinterrad der Aulodroschke so scharf ausgefahren, daß alle Znsassen der Droschke hinausgeschleudert wurden. Neben der Frage, wer von den beiden K rastwagen- fllhrern die eigentliche Schuld an dem Unglück habe, tauchte nun bei dem Strafgericht die weitere Frage auf, o b Heising. zurZeitdeslinsallsüberhauptam Steuer gesessen habe und nicht etwa Frau Generaldirektor Oliven. Schon bei dem Zeugenaufrus brachte Landgerichtsdirektor Erahne in einer ernsten Crmahnung zur Wahrheit darauf aufmerksam. Er sagte lt. a.: Es besteht der verdacht, daß Frau Oliven am Steuer gesessen Hot. Wenn Sie(zu der Zeugin Oliven) Ihren Angestellten für sick büßen lassen sollten, dann wäre das eine Gemeinheit sondergleichen. Zu dmi Angeklagten sagte der Borsitzende: Es lohnt sich nicht, Ib« Zukunft in die Schanz« zu schlagen inib sich für andere opfern zu wollen. Be- denken Sie die Folgen.— Frau Oliven hatte �iorn im Äi'to gesessen, während ein zweiter Ehauficur mit dem Sohne im Wagen sich befand. In einem Zivtlprozeß, den Frau Friedländer gegen Heising, Generaldireklor Dr. Oliven und dessen Ehefrau auf Schadenersatz an- gestrengt hat, hatte der mitgefahrene Chauffeur Albert Kabelitz be- reits beschworen, daß Frau Oliven neben dem Angeklagten gesessen, aber nicht gesteuert habe Dem Strafverfahren hat sich die Witwe Friedländer als Nebenklägerin angeschlossen und wurde durch R.-A. Dr. Arthur Brandt vertreten. Der Angeklagte Heising bestritt sede Schuld. Der Zusammenstoß sei dadurch erfolgt, daß die AuSodroschke plötzlich dicht vor ihm eine Linksbiegung machte. Mit Cntschiedenbest bestritt er, daß Frau Oliven am Steuer gesessen habe oder auch nur das Steuer berührt hätte. Frau Oliven habe den Platz rechts neben ihm innegehabt. Er fahre seit lö Iahren den Wagen von Ludwig Löwe, während Kabelitz, der im Wagen saß, der Fahrer des Privatwagens der Frau Oliven fei. Als erste Zeugin wurde die Nebenllägerin Frau Friedländer vernommen. Nach ihren Meinung war die Auto- droschke schon über die halbe Kantstraße, die sie Überqueren wollte. An der Kreuzung angelangt, habe ihr Mann erschreckt ausgerufen: „Um Golteswillen, es passiert ein Unglück." Gleich daraus war der Zusammenstoß schon passiert. Ihr Mann erlitt einen doppelten Schädelbruch und verstarb nach zwei Stunden im Krankenhaus. Sie selbst luitte ekne schwere Gey4r n- erschütterung und andere Verletzungen, sie ist auch jetzt noch in ärzaicher Behandlung. Der fünfzehnjährige Sohn kam mit leichten Abschürfungen davon. Auf Antrag des Verteidigers R.-A Dr. Mar- cuse wurde als Leumundszeuge der Gerichtsar.zt Dr. Flörsheim o«r- nommen. Er ist Freund und Hausarzt der Familie Oliven und kennt den Angeklagten als einen äußerst vorsichtigen Fahrer. Ihm erscheine es undenkbar, daß das Ehepaar Offnen einen anderen für eigene Schuld vorschieben könnte. Als der Zeuge dann noch erwähnte, daß Frau Oliven einige Stunde n Fahrunterricht gehabt habe, den Versuch aber aufgegeben hätte, hob Dr. Archnr Brandt hervor, daß das ja goiu neu sei, denn bisher habe Frau Oliven mit aller Entschiedenheit bestritten, jemals ei» Steuer in der Hand gehabt zu haben. Der Chauffeur Kabelitz als nkichster Zeuge sagte ans, den, Frau Oliven nicht am Steuer gesessen habe. Mehrere Autofahrer, die mit ihren Droschken an der Gralmanftraße schaffen haben, bestätigten die Aussage des Führers der zusamtnengesahrenen Auto- droschke, daß dessen Gefährt in einem Tempo von etwa 29 Kilo- meiern schon hinter der vierten Straßenbahnschiene in der Kantstraße aus der Weiterfahrt aus der Grolmanstraße gowesen sei und daß deshalb das Pnvatauto keinesfalls mehr ein Porfahrtsrccht gehabt hätte. Diese sämtlichen Zeugen schätzten auch die Geschwindigkest, mit der das Olivensche Auto angefahren kam, aus S0 Slundenkilomeler. Die beiden Zeugen, ein Mann und einp Fnw, die bei ihren polizeilichen Vernehmungen über chre Wahrnchnurngen bei diesem Unfall mit aller Bestimmtheit und Genauigkeit an- gegeben hatten, daß eine Dame im tzekZen Kostüm am Steuer gesessen hätte, hieven trotz mehrfacher Bochaffungen unter Eid diese Angaben nicht mehr ausrecht. Die Zeugin erklärte, daß sie yichts davon hätte sehen können. Der andere Zeuge wollte nichts Bestimmtes sagen können. Wie ihre abweichenden Aussagen in das Polizeiprotokoll gekommen waren, ließ sich nicht aufklären. Schließlich wurde noch Frau Generaldire-ktor Oliven. zunächst unter Aussetzung der Vereidigung, vernommen. Auf die Frage, ob sie am Steuer gesessen habe, erwiderte sie mit größter Bestimmtheit, daß sie das Auto nicht gesteuert habe. Ski- habe nie, mals einen Löweschen Wagen gesteuert und nur zweimal je eine Fahrstunde gehabt, den Unterricht aber ausgegeben, und könne daher auch nicht fahren Stoatsanwaltschaftsrat Dr. Vesser beantragte gegen den Angeklagten sechs Monate Gefängnis und auch der Nebenkläger. R..A. Dr. Arthur Braicht. verlangte die Verurteilung Heisings, während R--A. Dr. Marcus« die Hauptschuld an dem Unfall dem Auwdroschkensahrer zuschob und die Freisprechung des Angeklagten forderte. Nach längerer Beratung wurde der Angeklagte Heising zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten ver- urteilt, da das Gericht seine Schuld als erwiesen ansah. Aussprache bezweckt. Aber auch aus grundsätzlichen Erwägungen heraus ist der Entscheidung des Kamniergerichts entgegenzutreten. Es erscheint völlig unzuträglich, daß den Sächverständigen der Staatsanwaltschaft nur. weil sie Gerichtsärzte sind, von der Justizbehörde größeres Vertrauen entgegengebracht wird als dem vom Anwalt her- angezogenen Privatarzt, möge er ein noch so bedeutender Fachmann sein. Aufgabe d» Gerichts kann es nur fein, dem inneren Erleben und der Tat des. Angcklagk�n. der im Augenblick, als das Unheil im Haus« Scheller. geschah,' kaum über 18 Jahre ast war, gerecht zu werden. Er wird dies nicht können ohne Heranziehung von ent- sprechend vorgebildeten Sachverständigen. Ein unbekannter kleiner Ausreißer. Er trägt eine grüne Schülermühe mit rotem Streifen. Ein jugendlicher Ausreißer wurde in Briefen in der Mark aufgegriffen und in Schutzhaft genommen. Der Junge er- zählte, daß er Wolsgang B ees heiße und in der Knobelsdorff- straße 44 zu Charlottenburg wohne. Die Nachprüfung ergab ober. daß der Schlingel geschwindelt hat. Wie er nun wirklich heißt und wo er ausgerückt ist, ließ sich bisher nicht seststellen, zumal aus Berlin keine Anzeige über einen vermißten Jungen vorliegt, die auf ihn zutreffen könnte. Der Junge macht einen aufgeweckten Eindruck, ist schätzungsweise 7— 8, vielleicht auch schon 9 Jahre all, 1 Meter groß und von schmächtiger Gestalt. Er hat blaue Augen, blondes Haar und trägt einen grauen Ulster, einen blauen Matrosenanzug, braune Strümpfe und ein« grüne Schülermütze mit rotem Streifen. Geld hatte er nicht bei sich. Sobald sich ismand dem Zimmer nähert, in dem er unter- gebracht ist, schlüpft er behende unter den Tisch oder versteckt sich Ueber einige jüngere Reporter der Berliner Presse spricht Ha n s Tasiemka. In der Gegenwort, die durchaus aus Bericht« aus der Wirklichkeit und nicht mehr auf Herzensergiehungen schöner Seelen eingestellt ist, spielt der Zeitungsreporter, der die Nachrichten be- schafft und sonnt diesAbe wichtige Rolle, wie etwa der Politiker oder der Kritiker. Cr ist nicht mehr die komische Figur, die früher in den Witzblättern eine Hauptrolle spielle. Daß allerdings Tasiemka Jack London oder Sinclair Lewis unter die Reporter rechnet, ist min- destens übertrieben.— Auch Kunstwerke haben ihre Schicksale, dos zeigt Prof. Waetzoldt in seinem Vortrag„W anderunaen b e r ü h m t c r W c r k e". An dem Besitzerwechsel eines Bildes, einer Statue oder eines Reliefs kann matt gewissermaßen ltze Schickkate eines Volkes und einer Gesellschastsschicht seststellen, kann man ab- lesen, wie sich die wirtschaftlichen Verhältnisse verschieben, die Geschlechter und Nationen verfallen und von neueren lebensfähigeren und wirtschaftlich stärkeren abgelöst werden. Die Wanderung eines Kunstwerkes ist nicht nur ein Bettrag zur Kunstgeschichte, sondern auch ein Kapitel zur Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der Mensch- heit.— In dem Zzklus„Die moderne Jndustriewirt- s ch a f t" kommt Staatssekretär Prof. Julius Hirsch auf die Konsumvereine zu sprechen. Die Vorzüge eines jeden Ver- taufstonzerns beruhen in der Verbilligung der Waren. Transport- tosten, Risiko und Spesen verkleinern sich und der Unternehmer- gewinn verschmilzt mtt dem des Einzelhandels. Drei Momente machen den Konsumverein der privaten Uitternehmung überlegen: sofortige Barzahlung, Verteilung des Ueberschusses nach Größe der Einkäufe und damit verknüpft steigender Umsatz und schließlich die settene Verteilung des Ueberschusses. Die Kraft der Konsumvereine zeigt sich vor allem darin, daß sich trotz der starten Konkurrenz privater kapitalistischer Firmen der Konsum immer mehr ausdehnt. — Abends die Uebertragung von Puccinis T o s c a aus der Städtischen Oper. Unbedingt sind Uebertragungen aus Chor- lottenburg denen aus der Staatsoper überlegen. Stimmen und Orchester kommen klarer heraus. Die Töne werden nicht verzerrt und selbst schwierige Ensembleszenen. zpie das Finale des ersten Aktes, wirken ausgezeichnet. F. E. hinter der Tür. Möglicherweise befürchtet er Strafe für irgend« einen Streich, den er verübt hat. Wer über den Ausreißer etwas weiß uud dazu beitragen kann, daß er seinen Angehörigen wieder zugeführt wird, wird gebeten, sich bei Kriminalkommissar Gahmig in der Vermißtenzentrale des Polizeipräsidiums zu melden. Großflugzeug überfliegt den Montblanc 13 Passagiere an Nord. Chamo nix. TL Zanvar. ver Montblanc ist heule zum erstenmal von einem große« Passagierflugzeug überflogen worden. Es Handell fich um ein Golialhflngzeug. da» 13 Passagiere au Bord Halle uud ou- gefähr eine Stunde laug über dem Moalblauc kreiste. Daun landete es auf dem Genfer Flugplatz. Oer weiße Tod im Riesengebirge. �ogierhausbesiher von einer Lawine verschüttet. Am West hange des oberen Seifengrabens im Riesengebirge ereignete sich am Freitag ein schweres L-a winen- Unglück. Gegen Mittag ging pßgfich eine große Schnee« lawine nieder und zertrümmerte«inen Barackenbau, der als Kantine für Wegarbeiter diente. In der Näh« der Baracke wurde ein zerdrückter H ö rn e rs.ch litt e n aufgsftmden. Auf die Nachricht von dem Unglück eillen sgfort Hilssmannschasten an die Unglücksstätte, da vermutet wurde, daß mehrere Perstmen von der Lawine verschüttet worden seien. Nach mehrstündiger anstrengender Arbeit, an der über hundert Maim teilnahmen, wurde die Leiche des Lflgierhausbesitzers Ham pel aus Brückenberg aus den Schneemassen geborgen. Die Leiche wies furchtbare Ver>. letzungen aus. Die Bergungsarbeiten wurden beim Fackelschein fortgesetzt. Bis zur Stunde ist noch nicht bekannt, ob noch weitere Personen unter den Schneemassen begraben Legen. Familientragödie in Wien. Vier Personen durch Leuchtgas vergiftet. Wien. 27. Januar. In der Wohnung des 39jährigen Schaffners der österreichischen Bundesbahnen Emil Skrinasch spielte sich heute eine furcht- bare Tragödie ab. die vier Todesvpfer forderte. Skrinasch ver- giftete sich, sein« zwei Kinder und eine Frau, die Bedisnerin Emilie Raming, zu der er Beziehungen unterhielt, mtt Leuchtgas. Skrinasch lebte mit seiner Frau nicht im besten Einvernehmen. Nach Aus- sogen der Hausbewohner soll er die eheliche Treue nicht gehalten haben, weshalb es wiederholt zwischen beiden Ehegatten zp Eifer- suchtsszenen kam. Einstellung des Versahrens wegen Gesundbetens. Gegen den Obersteuerinspektor Fritz Paul in Werder an der Havel war von der Staatsamvaltschast in Potsdam auf Grund von Zettungs- berichten ein Verfahren eröffnet worden. Paul sollte durch Gesund- beierei und zu später-Hinzuziehung eines Arztes den Tod seiner beiden Kinder an Diphtherie verursacht haben. Die Staatsanwalt- fchaft hat jetzl die Umersuchung eingestelli. nachdem sich angeblich die Haltlosigkeit der Beschuldigungen ergeben hat. In den letzten Tagen Ist übrigens die Gattin des Obersteuerinspektors ebenfalls an Diphtheritis gestorben. proschor Dr. Alex Scheler Ist inlo'ge der mit lewer Berutung zu- Ilimmcnbänarnden Innnlpruchnabme n i ch t i n der Laae. die an der -bochlchule sür Politik amietündigle Vorlelunq über.Politik und Moial" zu ealien. Fall» die Äorlesung später noch stattfindet, wird die» besonder» bekanntgegeben.> FrrtreNgtSse Gemein»«. Sonntag vorm. 11 Ubr. Pappelallee Ib. Por» trag de« Herrn C. W-libouee: Mitielaiterdch« RechiSpsleae. Harmonium: Preghi«ra(Schub erst. Säst« wtMowmen. Sport. Eishockey- V orschau. Parts' Canadians und die Schweden in Berlin. Am nächsten Sonntag 17.30 Uhr wild im Sport- p a l-a st die für die Winterolympiade aufgestellte Deutsche Nationalmannschaft gegen die Pariser Canadians antreten, um den Veweis ihrer Spielstärke gegen einen internatio» nalen Gegner zu erbringen. Ihre Ausgabe w.rd nicht leicht sein, da der Pariser Gegner mit einer austerordenttich starken Mann- ichast antritt. In ihren Reihen befindet sich auch der.Davoser Canadier" Bell, der ein« Kasse für sich ist pnd den Deutschen »iel.zu schaffen machen wird. Die deutsche Olqmpia-Mannschaft setzt sich aus den besten Spickern des Berliner Schlrtts chuh-Ktubs und des Sportklubs Rießers ee zusammen. Am Montag 20 Uhr wird das internationale Team des BSC. den Kampf mit den Pariser Canadians aufnehmen. Trotz Bell müßten die Berliner, die in dieser Ausstellung in dieser Saison auf ihrer eigenen Kampfbahn noch keinen Bezwinger gesunden haben, auch diesmal die größeren Chancen für sich haben. Mittwoch abend stellt sich dem BSC. de schwedische Olympia-Mannschast, die auf der Durchreife nach St. Moritz hier Station macht. parieinachrichten fürGroß-Rerlin E>nl-nd-ngei> Mr diese R-brU fl»d Berti» SB SS. Lwdeuitraße 3. stet»->» 6a* Bezirk», etroart« 2. Lot. 3 Trev recht», zu richte» 1*. ftreia P-ntow. Montag. 30. Zannar. ISU. Uhr, im TLrkllche» ?clt. Breite Str. lt, ttreiedeleqiertenncrrainmlnng. Rcnwahl de» ttrei». vorstände». Erscheine» nn bedingt erforderlich. 01.«bt. Neukölln, st'loHhehe,«arlsgarteustr. S— 11, & ?«utc, Sonnabend, 23. Zannar, im Lokal Berg. .......- str. S— 11, Winterseft.?nr ein gnt», Fest. vrogramm Ist gesorgt. Mitwirkende: ttranse, Silger, Vttv de Roche, Berliner Ull-Trio. Festrede.: Lars Litkc.«lle Senossen sind mit ihren Angehörigen �ebft zrennde».«elannte» nnd.Varwörte�. Lesern herz. lichst eingeladen. B. 41. ZS. 10t. Morgen, Sonntag, 29. Januar: Abt. 10 Uhr bei Grnnwnldt.«ameruner Str. 13, ffunktionärsstzunq. Tagesordnung: Acuuxihl de»»reisoorstandes.«erscheinen ist Pflicht. A«. 0 Uhr de: Schuster, ffhämisloplatz 4, treffen sich alle Denassen zur erbvna Mr die Weltliche Schule. Abt. aharlottenbnrg. 3 Uhr wichtige. Fkuablaktverbreitung. DI- Teil. Srt r.- cn- 1.:y;, nehmer trefft» sich tief L-ersch. Kantstr. 82..Zahlreiche BetcMgunq erbeten. Abt. Treptow. Tr-ttpunkt � zur Besichtigung des' UM 10% Uhr ArtrHerie. Gde Oranicndurger Straß ic harten. Laupttelegraph'namtes Teilnahme nur gegen 128.130. Abt. Pankow.?« dem WinteroergnLgen der Abteilung '!»m lTZH Uhr im großen Saal de« Bürgergarten» wird recht rede Be- W t-iliqnng erwartet. Alle Genossen sind mit ihren sfom'rtnangehörg,« nebst Freunden, Bekannten und.Lormärts�-Lescro herzlichst eingelade». Dezfrksausschuh für Arbeilerwohlfahrk. 14. ihre!» Neukell«. Dienstag, ZI. Januar, 13' l Uhr, im Zimmer 183133 des Pathauses NenkiMn Begrnn des Schuiungskurfus. Erster Portrag s» und Aussprackzeadend:»Die rechtlichen Grundlagen der Flirsorgewesen«. Defe- rent'n Kenossiu Tr. Hellinger lleitonde Fllriorgeri» im Bezirksamt Lichten- sind herzlichst ein. berg). Alle intrrcfficrten Ecnossinuen und golwde». «nossen «- 18. ltrel» Köpenick. Montag, 30. Zannar, is t. Uhr, im Raihan, enick Ausführung de» Filme»»ZlrcnKzng de» Weibe»", ei» packender Bellrag zur Fragender Bevölkern ng»politit, mit Ansprache de» Gcnosseu Eintrittokarten 2.» Ps., jedach bei Borze'gnng Dr. med. Mose», M. d. A. eine»-Arbeitern ohljohrtolosr» freier Eintritt. Um recht zahlreiche B> ieiiignng an» dem ganzen sireio Köpenick sowie NN» de» benachbarte Abteilungen nnd Lichtenberg wird gebeten. Be- m .»irnjr.. bi-j-i i' i n kl■ 123. Abt.«auledarf. Kaulsdorf, Ecke Montag, 30. Januar, Bahnh»!. und Wilbelmsi abend Ober Ibesm'dheilsfürsorg«� Pe -'1 t-t; 20 Uhr pll-zktlich. bei HItbner. -II Vortrags- und Aussprache- sundheitsamt Friedrichshai». eingrlade». msiraße, f-rent<9,._............. ©enoffinnen und Genossen sind herzlichst sfllrsorge. ikef-rent'«Senols« Schiemann nom Ge. Hain. Äll«" Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation| Grat litt. 23, ist Einäscherung siatl' und»om" SB. Moabit Sonntags 9V4 Uhr und Mittwochs lllth Uhr ab Seeftraße(Umlieidelokal! Dornbusch,«See- Ecke Afrikanische Straße) eingerichtet "' Arbeiter. Ziodsahreroerein Groß. Berlin. Sonntag, 23. Januar, 8 Uhr, Tour w'rd gm Start bekanntgegeben. l3ZH Uhr Epindlersseld, bei Budach. Motor- fabr-r dieselbe Tour. Start Waldemarstraßc Ecke Mariannenplaß. Gliste willkommen.___ Weverbkrtchi der öfferlllchc» wellerdienstsielle verlln und Umgegend Nllockdr verd). Zeitweise l ötime Blwöiluno. sonst vielja» beiler, keine nenne« swerten Niederschläge. NachtS Bodk,«srösle. taasiider Temverainren über Null.— Jür veulschland: Rur in Rorddeutichland yelingiügiac Nieder'chläae ionst Irocken. Lim Tag» Temperaturen über Null, nachls nur m der östiichen Hölsle viclsach leichte Fröste. «anderverkaus ,»««riß«» Woche Im Strnmpsha», Mehger. Aus Anlaß der Wrßrn Woche" veranstaltet das«-trumpshaun Meßger einen aroße«t So!d"rv.r>aus ersiklasii-?er Eiellmpse, Sr.kolaaen. Wollwar.», Herrenwäsche und standsänche W w rklich sensationell billigen Preisen, so daß wir nur empfehlen lonnrn,«on diesem außergewöhnlich billigen Angelot regen«Gebrauch zu machen. Der Barverkauf beginnt heute, Sonnabend, vorm.itags 3 Uhr. Wir oerweisen aus das morgen erscheinen de Instral in unserer Seihmg. �.. So reckt de»«e st deutscher Tradtiio» und deutschen Fleiß«, atmet der im h.-» a CTö«%i4v<«" i.- m ei» „_. 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Januar, 18 in Uhr, im Krematorium Gerichtstraß«. Wir bitten um rege BeteiNzung.__ Vortrage, Vereine und Versammlungen. Beitfiskiannstr.Srtiwarr Bol-ktzolv" Geschäftsstelle: Berlin E. 14. Ecdastianstr 37/38. Hol 2 Q. Sonnabend, 23. Zanuor. Mitte: 8. Kameradslhaft A Uhr Kostüm- fest um das Jahr 1843 im Gewerkichaftshaus, Engelufer. Lamerad!» anderer Ortnvereine herzlich willkommen. Tiergarten: 10—23 Uhr Badin im Wellenbad Limapark, Bornimer Straße. Badezeug mitbringen. Eintritt öO Pf. Badezeug 25 Pf. Zahlreiche Beteiligung erwünichi.— Sonntag, 20. Zannar. Mitte: 14 Uhr Sen-raloeriammlnng bei Eorni, Gatitnftt. 6. Kameraden. melch« nicht zur«Sencralversammlung belegiert sind, beteiligen sich am repu- iirtanifchen Tag in Weißcrsee. Antreten 13ZH Uhr H-inersdorser Ecke Gustav- Abai, Straß«. Gadfahrer 13 Uhr Bülowplaß. Prenzlauer Berg: lS Uhr Be- z'rk-amt zum Mars» nach Weiß-nse«. Pfliä'tveranstaitung. Nenkölln-Briß: Tinigbonner Pflicktantreten IZsv Uhr Rwgbhf. Neukölln(nicht Sein-rsiwrser «ecke«Sustav.Adosf.S'raße). Reinickerdors: 13 Uhr Antreten e°ingbhf. Prenzlauer Alle«. Pfsichtoeranstaltun«. Wasserport.Abt.: Antrete» 13Z4 Uhr Weißensee, Seiuersdorier Ecke Gustav-Adolf-Siraße. Neukellu-Briß: Treffen 10 Uhr Sckistßenhaus Neukölln. Stcgliß: Die für Sonntag, d. 23., angesetzte Per- anstaltung fällt aus. Dafür Sonntag, d. 5., Ummarsch. Weisere Benackrichti- gung folgt.— Montag, 30. Zannar. Miti«: 20 Uhr Bcrsammsung der Jugend und Schirtzlnortler Jugendheim Tieckstr. 18. Adlerehof: 13 Uhr Zusamm-ltkintft im Zugendheim Toonstraßc.— StegNtz sZungmannslbaft): Sonntag, d. 23., Antreten zur Beteiligung an der repudlikanislhen Kundgebung in Weißensee um 12 Uhr Ahse Steglitz(Wartehalle), scheinen Pflicht. EloboSetzspleler AWZ. Sonntag, 23. Zannar, II Uhr, am Babnhof Grüna» Dentscker Arb-'ter-Maudolinistenburd.?lllen Vereinen und O"sianisat'one» zur Kinntni», daß da» Deulsch.' nssitchi Liebhaber�rchester Selm Kä'uptstr. l5. Heimabend.— Schöuebcrg ll: Fahrt Brirfelang. Trefspunkt 7)0 Uhr am KWP.— Spandau: Heim Lindenuser l. Heimabend. — Tempelhos: Fahrt Grunewald. Treffpunkt 7)4 Uhr Bhs. Tempeldof.. Sein Heimabend.— Köpenick: Heim Grünauer Str. 5. Heimabend.— Lichtenberg- ib«t»-.....-"--------" Abend. I Är- Tegel: Heim" Dahnhofstr� 15.„Sor"fünfzig Jahren." B-gin» 18 Uhr— Schönhauser Borstadt: S-bule Schönfließer Straße. Heimabend.— Hnwaunplatz: Fahrt Buch. Trefspunkt 7)) Uhr Prenzlauer Allee. Werbebezirl Neukölln: Heim«anncr Elke Böhmische Straße. 10)4 Uhr Ltcht« bUdervortrag:„Das rote Wien." iMUiiiim.i | Sonnab.. 2V. 1 28 Staals-Opei IrnPl.d.Repubi VI, Uhr Don Giovanni itaatl. Sdiaospialh. 4a Gendannenmarki Ti/a Uhr DerRaolmanD mweA Sonnab,28. t 28 JtäMe Cpei Bismarcksu Gesdil. Vorsitllon. Vi, Uhr Rheingold Staatl. Sdiiilerth. Charlottenburg 8 Uhr Ende gnt alles gut Volksbühne tircatei an Btlovgiati 8 Uhn Tu. an Stfiiftaartani« 8 Uhr Schieber des Rnhms DeQtsdiesTlieatei Bega Femsprediinsdil. Norden 12310 (Sammelnummer) > t finde per»»1 l. „Peeroynr Katnraerspiele Neae Funspiediaanlil. Morden 123 0 (Sammetnummer) 8'. U- Ende nach 10 fiMSiß. daR Constance sidi richtig verhält? Walballa-Th.,; Weinbe« gsweg 10,20 Eine lißtaaöit Operettenschv«iank. in 3 Akten v Haiton Musik von Osterloh zahlen f Orchester- Sitz statt 7 M nur 3 M., Loge statt 7 M nur 3 M- Parkett statt 4 M. nur 60 Pf Sonntag nachm. 4 y RofkÄppdien tarkettv. 30 Die Komödie Bismarck 2414 7516 80. U-, Ende 10»/, U latite aoffOhrBiguI Die Ehe von Welt Beniner Hieater Direktion Kuhnen. CtoHttnatr.M 9I.II6iib.17C St-. Uhr Hai Adalbert als Der Herr tob... Piscatorbühne best. a. HalltDiiorfplati Kurfürst 2091/93 Täglich 8 Uhr: Die Abeniener de« braven Soldaten Sd>we|k nii Mai Palletliers Insu Erwin Pisatu IS�KomisüieOperS�I 1 Neuartiges Revue-Stück I Alles Nackt i I Mach d. gleichn. Paris. Revue 1 Llout nu'O. 200 Mitwirkende 1 | Original- Pariser Kostüme ISormta�ii�T Vohs ändig« I Varstcllunf zu leinen Preiser 1 . Rarkett 3.5u Mk. | Theaterkasse nnuntefbr.geölfn| CASINO-THEATER ouht Lothringer Str. 37 Die spanische Fliege. Aasscfaneidcn Gutschein 1—4 Pcrs. Fsuteui! nur 1,10 Sessel nur 1.60 M. WZMW Noilcndon i3ou. Beule 3» nnd S Uhr zum letzten Kaie ladfHylton im Rahmen des internationalen Varietd- Programms Heute und Sonntag je 2 Vorstellongen z« U. 8 Uhr— 3 t» zü ermäBigten Preisen dat ganze Programm. Lostspielhaas s1'. Uhr «iuldo Thielscher „ÖEfer Eeschäftsauisidir Hose- Theater 4 Uhr: km UM c1/. Uhr Der Plarrer von Ktrdueld Täglich 8 Uhr: NOndilumeits letzte LI. be Ader, Kürty. Aldo Wirl, Scholz, PL an. iLiDldniratspalas Tigl.S'.Uhi fl ALLER- BEVDE Kleiues Theater Täglich 8 Uhr Ertka G'ätzner Ii Greichen Für Jugendliche nicht geeignet J«nnlag,nchm.4Uhr Ertho eiuner ussy d c Uobotte timwitir-Eilaer Tl> KänlrTätz St. Bergm. 211(1 8V. Uhr Sdiloss Wettersteia von WedeKind Rqä Tictai Eznnnkr Kom OdtcDbatu Norden 630e. 8.15—10 40 Uhr aokDSpokDS von Curt Götz Residem-Theater lägt. Uhr. öa flr. Lustspieleriola Süeimama mit Hansi Arnstaedt Iht Krallt, Pul Knüllt. Emil i/arndflk, tute miioi: Sonntag nehm. 4 U. Kieme Preise. Kara**elL Metropol-Th. Täglich« Uh» „Die sdiöne Helena" Oper. v. Offenbach Min. httnv. Ei Uäitaslei Gem» Zatnn, Mzitw. Sonntag 2 Vorstellungen nachm. 1 ,4 U. kl. Pr und abends 8 Uhr Die sdianc Helena Restaurant zum Löwen Skaiitzer Str. 13, Edte Admiralstr. Hochbahnhol Kottbusser Tor. gotÄa: Grones Bodiblertcsl mit Varielö-Progranrun/ Keine Preiserhöhung TBIünSWliR Arnold Schol« Hasenheide 108*14 Gr.Bocftbierlest In den bayr. Alpen und Gratter Alpenbnll 7 Kapellen/ hm OekiiratioiiCT/ 3D hayr. Wadeln Sonntag. Großes Bockbierfest u. Alpenball Dienstag, den 31. Januar; PrömiienmedesgrOIMeii letrnd.Odisen iBlacaman?! 2 Sonntag VarstcUg. 3Uhrn.8V.Uhr liidn. st» ina l cktsiein n Ulli. Pi Sall«BMH-eäli«m ns. Künstler- lt « Uhr „irciyne" essing-sheater 3 Uhi „Rose Bernd" Thalia-Theater BILOas lianiel g PlaaetariDRi am Zoo '•Tläto. Jeadraulluln Sind Noll 1578 VenDS, die Sdiwesltr der Erde. Vorführungen: 16'� 18,19Vs,21 Uhi Eintritt I Ist. Hniltr aol.'5 itbmP.SP' Renaissance» Theater Stelnplatz 901 C, Splttelmarkt 14. N, Brunnenstr. 37. N, Danzlger Str.1. N, Friedrichstr ISA N, Müllerstr. 3. C, Rosen thaler Str. 1 4. NW. Turmstr. 41. NW. Wilsnacke« Sti. 22. 0, Andreasstr 50. 0, frankfurter Allee 22. SO.Oramenstr. 2a. SO. Wrangelstr. 49. SW. Friedrichstr. 240 41. W, Poti- damerStr 50(an der Kurfürstenstr.. Charlottenburg. Wilmersdorfer Str. 122. Friedenau RheiR5tr.8/7. Neokülln, Bergt«. 1J(Ecke Sieinmeo&tr.L Potsdam, Brandenburger Str. 54. fir. Leinen- und Baumwollwaren Hemdenfncfa Renforc� fcMMn. Mako-Imitat.«»». � Mako., Linon i Linon>—-»»...» Dimiti k»»»..»»»»., J)imit! Darnaat«»»... n«*« Croisi- Barchent w*t. Stahl tuch ttr UkM. MB« . Vater»M Mater IM, LT«, LM, tjm ......... Mater LT» . Mater MM 1.45 W aa, 0.59 0.80 0.80 0.90 0.75 1.25 1.25 1.95 2.25 098 1.75 BD aai...._............ 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Zoaoor. adand» Brauch enversammlnng derMetopformeru.Verussgeaofsen Tagesordnung Berich» von der Berussloufeirnz in Kranhurt a. W. E« ist Pflicht der Kollegen, aawesend zu sein. Di« Orlaaernialtuvg. o.>stl»w«msrren egrndtsehodmung gesetrl �cseti. tertlgt i>eit4SJahr. «1» SpesialltSt Conrs« MBUer teiprig- SchkenSIti Inlerieren bringt ERPOLO I ilte-Möhel SdkUfeünmcr, Spebezlminer, Herren» Immer, Einsei- Möbel, Kfichen, Sofa«, Ruhebetien auch gegen 24 Monatsraten Schönhauser Allee 141a Hochbahn Danxfger Strafe Verkäufe Htkleiilunqslllurke, Wa5rhe us* Verleih hocheleganter Sesellschasts. Anzüge Leihhaus Lowick». Prinzen. strahe lVe �"Ä.. B�tragrae«avalieiaarderod« »on Milltenaren Aerzlen Zlnwälien. iCabelbast billige Preis«. Smökeble ToillenmSnlel- Paletots, ssrocks Em». kitm». ibehrockanzllg». Losen Svort,. Sehoelze Selegevkieitskäuse In neuer Garderobe. ZSeit'ster Seg lohnend Lot�ringerstraje 5«, 1 Treppe, Rosen. Betteaoerkaus! 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Für die gesamtdeutsche Elektrowirtschaft wurde in diesen Tagen «in großer Fortschritt erziell, der nicht zuletzt dem preußi- scheu Handelsministerium zu danken ist. Herrschasts- und Macht- kämpfe haben in den letzten Jahren den organischen Ausbau der deutschen Elektrowirtschast unter überflüssigen Reibungsverlusten versacken lassen. Das große Rheinisch-Westfälischc Elek- trizitätswert kämpfte mit dem aufstrebenden Preußsn in West- und Rord Westdeutschland. Die Elektrowerke A.-G. des Meiches kämpfte ebenfalls mit Preußen in Mittel- und Nord- deutschland. Der lachende Dritte war in beiden Fällen das private Eleknokapiiol. dessen Appetit auf neue Ausbeutungsgebiete seit der Inflation wieder stark gewachsen ist. Jetzt herrscht zwischen den drei Gegnern Frieden. Zu dem Der- trag zwischen dem preußischen Handelsminister und dem RWE. vom Frühjahr 1Q27, bei dem Preußen das RWE. mit der Majorität über die Draunkohleninduftrie A.-G. Zukunft beschenkt scher Dorn im Fleisch des RWE."), wenn die Reichselektrowerke die an sie gebundene RWE.-Beteiligung an der Braunschweigischen Kohlenwerke A-G. für Preußen freigeben, kam jetzt die ent- sprechende Verständigung Preußens mit den Reichselektrowerken. Zu den Gebietsabgrenzungen(Herrschafts- und Ein- fluhsphären), die im Frühjahr 1327 zwischen Preußen und RWE. vereinbart wurden, kommen jetzt die Gebietsabgrenzungen zwischen Preußen und den Reichselektrowerken: RWE. hat den Westen, Preußen den Norden, Elektrowerke(mit Brandenburg) den Osten Nach Schlesien zu. Die Gründung der Preußischen Elektrizität?- A.-G. war aus dem Weg zur Verständigung eine geschickte Maß- nähme und«in Borteil für Preußen. Volkswirtschaftlich ist die gesamte Verstänidigung sicher ein ausgezeichnetes Geschäft. Im einzelnen muß jeder Partner sehen, wie er den neuen Frieden am gründlichsten für sich ausnutzt. Auch ein Frieden wäre ja faul, wenn er nichts als den Frieden bringt. Aus den Erklärungen der beteiligten Gesellschaften geben wir den Haupttell wieder: .Ms Ergebnis der Verhandlungen ist soeben vorbehaltlich der Zustninming der beiderseitigen Aufsichrsräte ein Vertrag zwischen der Preußischen Elektrizitäts-A.-G. und den Elektrowerken abgc- schloffen worden, der Preußen und den Elcklrowerken je einen gleichen Anteil an der Verwaltung der BKB.(Braun- schweigische Kohlenwerke A.-G.) zusichert. Wie bereits in dem Vertrage zwischen dem preußischen Staat und dem RWE., der auch für die Preußische Elektrizitäts-A.-G. bindened ist, so wird auch in diesem Abkommen über die Regelung der nrft den BKB. zusammenhängeuden Fragen hinaus eine grund- sätzlicbe Regelung der elektrowirtfchastlichen Beziehungen zwischen den Elektrizitätsunternehmungen Preußens und des Reiches gc- schaffen. Für beide Vertragspartner werden die Versorgungsgebiete umgrenzt und darüber hinaus in Grenzgebieten eine engere Zusammenarbeit vereinbart. Die Gefahr eines unwirtschaftlichen Konkurrenzkampfes zwischen diesen beiden Unternehmungen ist damit beseitigt. Dies kommt auch darin zum Ausdruck, daß die Preußische Elektrizitäis-A.-G. es über- nommen hat, zu bewirken, daß den Elektrowerken die Nutzung der Braunkohlenfelder bei Hoyersw er d a übertragen wird, die unmittelbar an den Felderbesitz anstohen, der heute die Grundlage der Stromerzeugung der Elektrowerke charftellt. Die mit dem RWE. und den Elektrowerken abgefchlosienen Verträge sind als eine EinHeft zu betrachten und geben einen deut- lichen Beweis dafür, daß in der Elektrizitätswirtfchast auf wirt- schaftlichem Wege ein« Berständigung in der Richtung planmäßiger Zusammenarbeit erreicht werden kann." Der Freuich einer großzügigen, rationellen und'notwendig auch öffentlichen Elektrowirtschast im Reich wird, gerade well er den jetzigen Fortschritt begrüßt, seine Wünsche nun weiterstecken dürfen. Der Friede muß dazu führen, daß die Kraftversorgung reichlicher, umfasiender und vor allem billiger wird. Er muß verlanget, daß im Rheinisch-Westsälischen Elektrizitätswerk der starke öffentliche Einfluß auch in der Besetzung des Vorstandes und in der Leitung des Präsidiums sich äußert. Das verlangen.Recht und Ge- rechtigkeit. Die Elektrowirtschaft der Kommunen und Kom- munaloerbände muß mit der staatlichen und überwiegend staatlichen Elektrowirtschast zu einheitlicher Wirksamkeit, auch für neue Kämpfe und Friedensschlüsse, zusammengefaßt werden. Reich und Preußen müssen sich nicht rtur vertragen, sondern auch zu- sammen arbeiten wollen. Gelegenheiten dazu sind vorhanden. Mögen auch die Leute dazu da sein, die energisch durchführen, was volkswirtschastlich vernünftig ist. Nicht, immer, nicht überall konnte man sich bisher gerade darüber verständigen. mit Ausnahme der Schaf- und Ziegenzucht die gesamte Viehhaltung in Deutschland größer geworden ist als ein Jahr vorher, ja selbst zum TeU größer ist als im Jahre 1313(heutiges Gebiet). Gegenüber 1926 sind statt 17,22 Millionen 17,38 Millionen Minder gezähll, statt 13,42 Millionen Schweine 22,88 Millionen und statt 7S,70 Millionen Federvieh 79,08 Millionen. Das sind Zahlen, die beweisen! Oividendensegen bei Siemens. Schlickert auf 9 pro;., Halste auf 12 proz. erhöht. Zn den Aufsichtsratssitzungen der Siemens-Tchuckert und der Siemens n. Halste A.-G.-Berti n wurde übe» schlössen, die Dividende bei Siemens-Schuctert von SM auf 9 Proz. und bei Siemens u. Halskc von 10 auf 12 Proz. zu erhöhen. Der ausgewiesene R e i n g e- winn ist bei Siemens-Schuckert mit 14,7 Millionen Mark um 21 Proz. und bei Siemens u. Halste mit 18,8 Millionen Mark um SS Proz. gegenüber dem Vorjahr gestiegen._ Aufschwung Copenicker Genossenschaftsbank. Die Cöpenicker Bank e. G. m. b. H. hall auch in diesem Jahre an ihrer Tradition fest, als erste Bank ihren Jahresabschluß zu veröfientlichen. Mitgliederzuwachs und Bilanzziffern lassen einen kräftigen Aufschwimg dieser typischen Bolksbank für den gewerblichen Mittelstand erkennen. So stieg der Umsatz von 136 aus 222 Millio- neu und hat sich gegenüber den 103 Millionen Mark im Jahre 1925 mehr als verdoppelt. Di« Zahl der Konten, die 1323 noch mit 4253 aufgeführt wurde, hat mit 10 4.57 einen Zuwachs um 150 Proz. erfahren, die Zahl der S p o r k a s s c n k o n t e» hat sich in derselben Zeit sogar vervierfacht. Durch die Neuaufnahme von 1263 Mitgliedern, denen nur 475 Austritte gegenüberstehen, hat sich das Geschästsguihaben der Genossenschaft um 55 Proz. auf rund 2,0 Millionen Mark erhöht, so daß einschließlich 0,42 Millionen Mark Reserven fast 2,5 Millionen Mark Eigenkapital zur Verfügung stehen. Durch den starken Zustrom fremder Gelder— die Schluß- bilanz weist 11,0 Millionen gegen 7,0 Millionen im Vorjahr aus— konnte der Kreditbedarf der Mitglieder weitgehend befriedigt werden. So waren am Jahresende 12,2 Millionen Mark ausgeliehen, von denen 3,7 Millionen Mark durch Hypotheken, der Rest durch Wechsel und Wertpapiere gedeckt war. Der Reingewinn, der sich mit 289 OOO Mark verdoppelt hat, läßt wieder die Zahlung einer lOprozentl- gen Dividende zu. Durch die Ausdehnung des Geschäfts wurde die Zahl der Angestellten von 64 auf 82 erhöht. Auf unsere schon in den letzten Iahren gestellte Frage, ob die Bank im Interesse ihrer Mitglieder eine Zinssenkung nicht der hohen Dioi- dende vorziehen sollte, gibt der Bericht allerdings keine Ant- wort._ Neichswirifchastömmister greistaucht ein Rur Llnterfuchungen gegen die Eisenpreiserhöhung. Es ist keine offizielle Meldung, aber jedenfalls wird sie mit den Tatsachen übereinstimmen. Von der Stellungnahme des Reichs- wirtschaftsministertums zur Eisenpreiserhöhung heißt es nämlich, daß ein amtlicher Schritt zunächst nicht zu erwarten sei. Es soll abgewartet werden, was die Eisen erzeuger sowohl auf die Beschwerde des westdeutsche» Eisenhandels wie auch auf die im Interesse der Eisen ve r a r b e i t s r erfolgte Stellungnahme der bayersschen Regierung zur Eisenpreiserhöhung zu sagen haben. Daraus ergibt sich, daß die eisenverbrauchende Industrie selbst, die in der Aoi zusaminengefaßt ist, es offenbar nicht einmal für nötig ge- hallen hat, direkt an den Reichswirtschastsminister zu appellieren. Die mit der Schwerindustrie paktierende Diplomatie der Eisenver- braucher scheint auch hier an der Zivilcourage lieber vorbeigehen zu wollen. Das Ausweichen des Reichswirtschaftsministers wird ihm hoffentlich im Reichstag nicht leicht gemacht werden, denn fein Etat steht ja demnächst zur Debatte. Keine Gefrierfleischeinfuhr mehr? Die Landwirtschast hat die Drosselung nicht nötig. In seinem großen Fcldzug. die deutschen Bauern aufzuwiegeln, hat der Reichslandbund auch die Beseitigung der zollfreien Einfuhr des Gesrtersleisches einbezogen. Bis zum äußersten wird sich die organisierte Arbeiterschaft dem natürlich widersetzen. Aber die deutsche Landwirtschaft hat die Aufhebung des zollfreien Kon- tingents auch absolut nicht' nötig. Behauptet wurde nämlich immer, daß die Viehzucht darunter leide. Nun zeigt aber eine amtliche Sta- tistik über die am 1. Dezember 1327 vorgenommene Viehzählung, daß Trotz Radio und Grammophon... Gut« Klavierkonjunkwr. Der Jahrcsabschlvß der Hupseld-Gebr. Zimmer« mann A.- G. in Leipzig für 1926/27 ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Zunächst läßt das Ergebnis bei diesem größten europäischen Klavierproduzenten weitgehende Schluß- folgerungen auf die Gesamtloge der. Klavierindustrie zu; sodann war das abgelaufene Geschäftsjahr das erste Arbeitsjahr des n e ü c n Pianotrusis nach der Verschmelzung der überschuldeten Hup- seid A.-G. mit der Gebr. Zimmermann A.-G. Das jetzt vorliegende Ergebnis läßt erkennen, daß es der Klavierindustrie ausgezeichnet geht und sie sich neben Radio und Grammophon sehr gut hat behaupten können.. Mit der zehn- prozentigen Dividende erhalten auch die überstimmten Hupseld-Akttonäre ein Pflaster aus ihre Wunden, die ihnen die Verschleuderung ihres Unternehmens an die Gebr. Zimmermann— unter Zusamwenleaung des Kapitals von 4 aus 1 Millionen Mark— geschlagen hatte. Für die massenhaft abgeöauten Angestellten waren derartig'' nortige schmerzlindernde Mittel natürlich nicht vorhanden, obwohl die Schwierigkeiten bei Hupseld und der darauffolgende Abbau nicht „höherer Krisengewalt", sondern Mißgriffen einer unfähigen Der- waltung entsprangen, bei der die Betroffenen sich bedanken. können. _ Daß die Fusion für die Zimmermann-Werke ein glänzendes Ge- schüft trotz der rund 6 Millionen mtt übernommenen Hupfelch- Schulchen war, läßt dieser erste Abschluß schon erkennen, obwohl die jetzt ausgewiesene» Bilanzziffern sich durch die Verschmelzung' von Grund auf verändert haben und einen Vergleich mit dem letzten Jahre nicht zulassen. Trotzdem erscheinen der mit 3,7 Millionen Mark ausgewiesene Roh gewinn und der Reingewinn von 0,46 Millio- nen Mark sehr hoch, denn die Handelsunkosten sind durch die Fusion und die Umstellung der Hupfeld-Betrieb« im Berichtsjahr stark be- lastet worden. In der Bilanz erscheinen nur Grundstücke und Gebäude mtt zusammen 3 Millionen Mark. Sämtliche Anlagen dagegen mit dem hochwertigen Maschinenpark— insgesamt 58 Konten— sind bis auf eine Mark abgeschrieben und bilden eine kaum abzu- schätzende Reserve der Gesellschaft. Obwohl' die von Hupseld über- nommenen Schulden noch mit 5,7 Millionen Mark ausgewiesen werden, ist die Finanzlage nicht gespannt zu nennen, denn ihnen stehen rund 9,4 Millionen Mark Betriebsmittel, davon 4,4 Millionen Mark Vorräte und 4,3 Millionen Mark Forderungen, auf der Aktivseite gegenüber. Auf der Generalversammlung führte der Vor- sitzende aus, daß die Finanzlage sich seit dem Abschluß bereits flüssiger gestaltet und die Fusion sich sehr günstig ausgewirkt habe. �_ Ausländsanleihe für B odenverbesserungen im Reich. Der Reichs- ernährungsminister scheint an die Aufnahme einer großen Aus- landsanleihe für Bodenverbesserunaszwecke, genannt wurden früher 200 Millionen, jetzt� ernsthaft herangehen, zu wollen. Die R e nie u- b a it k kre d t4 ä n std IJt7 hie über hie, Anleihe schon yerhaicheltz soll davej mst. einer, Verzinsung ooiv.7 bis. 8 Proz. rechnen, Pskwaltüngs- kosten eingerechnet- Die Anleihe dient der Hebung der inländischen Produktton und der Verminderung der landwirtschaftlichen Einfuhr. Ackerdralnagen, E'ndeickuugen hochwertigen und frucht- baren Landes, genossenschaftliche Ent- und Bewässerungen sind der Zweck. Die genossenschaftlichen Banken sollen die Meliorationskredite verteilen. Auch Einzelkredite kommen in Frage, jedoch müssen dabei besondere Bedingungen erfüllt werden. Die Gesuche sind an die Re- gterungsprästdenten und Landeskulturamtspräsidenten zu richten, wo sie geprüft und den betreffenden Prooinzialbanken zugeleitet werden. Aus Reichs mittel» soll für die ersten fünf Ighre der zu zahlende Zins auf 4X P r az. ermäßigt werden. Jedenfalls wird ober erst in einigen Monaten die Sache praktisch, sofern die Anleihe überhaupt zustande kommt. Aür preußische Moorkultur und spätere Siedlung 3 Millionen. Das preußische Staatsministerium hat dem Staatsrat einen Gesetz- entwurf über die Bereitstellung von 3 Millionen Mark. für die Entwässerung und Kultivierung der Mvore rechts von der Ems in den Kreisen Hümmling und Aschendorf(Bezirk Osnabrück) vorgelegt.' In den genannten Kreisen liegt ein zu- sammenhängendes, völlig unbenutztes Hochmooraebiet in Größe von 20000 Hektar. Davon hat der preußische Staat 5000 Hektar erworben. Um das Land abzuschließen, ist der Bau eines 23 Kilo- meter langen Hauptvorfluters notwendig, der das Hochmoor in westöstlicher Richtung durchziehen soll. Nach der Entwässerung uni» Kulttviexung des Gebietes werden im Lauf« von 15 bis 20 Jahrell 800 bis 1000 neue Siedlungen errichtet. Für die Besiedlung kommen in erster Linie die nachgeborenen Söhne der früheren Eigentümer in Betracht. Die Loewe-Radio<9. m. b. h.. Berlin-Steglitz, Wiesen weg 10, weist darauf hin, daß sie mit der Firma Ludwig Loeweü. C o. rlin, Brunnenstraße, nichts ktiengefellschaft, Be zu tun h a t und daß die Ludwig Loewe A.-G. auch in Radioproduktton nicht tättg ist. der PIE H SALAMANDER EINHEITSPREISE Zahlen von Leben und Tod. Soziole und wirtschoffliche Ursachen des Geburtenrückgangs. Eine Oenkschrist über die Dollsgesundheit. Soeben werden in einer Denkschrift, die die Reichs- regierung dem Parlament überreicht hat, die wichtigsten Tat- fachen über den Stand der Voltsgesundheit im Oahrc 1926 bekannt, soweit sie durch den amtlichen Gesund- heitsdienst kontrolliert werden. Eins fällt von vornherein auf: die Bevölkerung wächst langsamer als früher, und das, obwohl nach der Markstabilisierung die Zahl der Eheschließungen steigt und bereits ebenso groß ist wie vor dem Kriege! Dagegen ist die Zahl der Lebend- geborenen bedeutend zurückgegangen. So ist die deutsche Ge- burtenziffer zum erstenmal, wenn man von den Kricgsjahren absieht, unter 2V auf je 1000 der Bevölkerung, nämlich auf 19,Z gesunken. Der sinkenden Geburtenziffer in Deutschland und ähnlich in den nordwesteuropäischen Ländern stehen die stark ansteigenden Geburtenziffern der russischen Länder gegenüber. Beispielsweise betrug die Geburtenziffer in der Ukraine im Jahre 1926 42,1 Lebendgeborene auf 1000 Einwohner. Die Zahl der S t e r b e f ä l l e ist von 1926 auf 1926 auf je 1000 Einwohner von 11,9 auf 11,7 Fälle g e s u n k e n. Da aber allein durch die Verminderung der Geburten von voncherein etwa 6600 Sterbesälle weniger als im Jahre 192Z zu er- warten waren, so bedeutet das für das Wachstum der Be- völkerung wenig. Der Ueberschuß der Lebend- geborenen über die Gestorbenen g i n g auf je 1000 Ein- wohncr vom Äahre 1925 bis 1926 von 8,9 auf 7,8 zurück. Wesentlich unter dem Reichsdurchschnitt log die Geburtenziffer in den Gemeinden mit mehr als 16 000 Einwohnern. Auf je 1000 Einwohner entfielen in Berlin 10,6 Geburten, davon 1,8 uneheliche, bei den anderen Gemeinden im Durchschnitt 15,3 beziehungsweise 2,0 uneheliche Geburten. Da die ehe- lichen Geburten stärker als die unehelichen zurückgegangen sind, hat der Anteil der letzteren eine nur im Kriegsjahr 1918 übertroffene Höhe erreicht. In den größeren Gemeinden wurden im Jahre 1926 nicht weniger als 13,3 Proz. Kinder unehelich geboren. Die starke Zunahme der unehelichen Ge- burten erklärt sich zum Teil durch den großen Ueberschuß der Frauen im gebärfähigen Alter. Auf eine Eheschließung des Jahres 1926 kamen in größeren Orten nur 1,6 Lebendgeborene, während dasselbe Zahlenverhältnis im ganzen Reich im Jahre 1925 2,4 und um die Jahrhundert- wende rund 4 betrug. Die Abnahme der Gesamt st erblichkeit ist zum Teil durch die Verminderung der Zahl der Säuglinge bedingt. Durch die Hebung des Gesundheitszustandes der Säuglinge ist deren Sterblichkeit im Reich im Jahre 1926 auf das für das ganze Reich noch nie beobachtete Minimum von 10,1 Sterbefällen auf 100 Lebendgeborene herabgemin- dert worden. Für das Jahrzehnt 1901 bis 1910 betrug die deutsche Säuglingssterbeziffer noch 18,1 auf 100 Lebend- geborene. Im mittleren Lebensalter ist die Sterblichkeit der Frauen im Vergleich zu früher weniger gesunken als die der Männer. Die Ursachen dafür sind zu suchen in der Zunahme der beruflichen Frauenarbeit mit ihren Gesund- heitsschädigungen und in dem starken Anwachsen der nickst selten tödlich verlaufenden Abtreibungen der Leibesfrucht. Auf dem Lande ist die Kindersterblichkeit viel größer als in den Städten. Don diesen weisen die Großstädte die ge- ringste Säuglingssterblichkeit auf. Die Angaben über die Todesursachen im Jahre 1926 lassen ebenfalls eine Besserung des Gesundheits- zustandes erkennen. Die Sterblichkeit an Jnfektions- krankheiten hat sich im allgemeinen auf dem niedrigen Stand des Jahres 1925 gehalten. Besonders bemerkenswert ist dabei die weitere erhebliche Abnahme der Tuberkulosesterb- lichkeit. Dagegen haben sich die Sterbefälle an den in den höheren Altersklassen häufigen Todesursachen entsprechend der fortschreitenden Ueberalterung der deutschen Bevölkerung vermehrt. Von den gewaltsamen Sterbefällen haben die Selbstmorde gegenüber dem Jahre 1925 etwas zugenommen: auf 10 000 Lebende von 2,6 auf 2,8 Fälle. Die tödlichen Ver- nnglückungen haben dagegen erfreulicherweise wieder abge- nommen: auf 10 000 Lebende von 3,8 auf 3,0 Fälle. Die Ernährungslage im deutschen Volt hat sich im Jahre 1926 gegenüber dem Vorjahre insoweit ge- bessert, als die Nahrungsmittel in genügender Menge verfügbar waren. Der Ernährungszustand der Bevölkerung scheint im ollgemeinen ausreichend gewesen zu sein, obwohl gegenüber der Vorkriegszeit der Nahrungsmittelverbrauch geringer war; de? Konsum hochwertiger Nahrungsmittel hat zugenommen. Allerdings wird aus manchen Derwaltungs- bezirken noch über Ernährungsmongel beson- ders bei den Kin de rn geklagt. In einigen, beson- ders industriereichen Gegenden war infolge der Arbeitslosig- keit die Ernährung ungenügend. In ländlichen Gegenden scheinen hie und da Mängel in der Ernährung dadurch auf- zutreten, daß die hochwertigen Nahrungsmittel von den Kleinbauern verkauft und die Kinder mit un- zweckmäßig zubereiteter Kost ernährt werden. Der Ernäh- rungszustand der Jugendlichen soll sich nach den meisten Bc- richten gebesiert haben, doch hat die Zunahme der A r b e i t s- lofigkeit diese Entwicklung gehemmt. Der Bericht folgert, daß trotz der im Jahre 1926 an sich ausreichend vorhandenen Nahrungsmenge in einzelnen Be- zirken noch gewisse Notstände unverkennbar sind. Es liege auf der Hand, daß sie vorwiegend bei den wirtschaftlich am ungünstigsten gestellten Volkskreisen, den Arbeitslosen, den Sozialrentnern, Kleinrentnern, aber auch kinderreichen Familien mit geringem Einkommen der Er- nährer zu suchen sind. Diese Notstände mahnen dringend zur Fortsetzung der Speisung der Schulkinder in weniger günstig gestellten Bezirken, denen namentlich dort, wo Er- werbslosigkeit in stärkerem Umfang herrscht, auch eine plan- mäßige Speisung von Erwachsenen in Volksküchen usw. an die Seite treten sollte. Der Bericht hebt weiter hervor, daß das Verständnis für die Bedeutung körperlicher Sauberkeit sich im Berichtsjahr im allgemeinen gehoben hat. Jedenfalls sind die Klagen über Bcrlausung, Krätze und sonstige Schmutzkrankhesten zurückgegangen. Interessant ist, daß der Bericht die Mnahme der Häufigkeit von Kopfläusen bei Schulmädchen auf die Mode der kurzgeschnittenen Haare zurückführt. Vereinzelt, so in Ostpreußen, im Freistaat Sachsen und in den wirtschaftlich wenig günstigen Gegenden des Erzgebirges wird aber immer noch über starke Unsauber- keit geklagt. Die Wohlfahrts- und Fürsorgebestrebungen zur 5zebung des allgemeinen Gesundheitszustandes erfahren eine mesent- liche Hemmung durch die bestehende Woh- n u n g s n o t. Die Bekämpfung der übertragbaren Krank-' hciten, des Geburtenrückganges und des ungeregelten Ge- schlechtsverkehrs wird hierdurch stark behindert. Für das Deutsche Reich wird die Zahl der wohnungslosen Familien und Einzelpersonen auf fast eine Million geschätzt. Dabei sind noch viele Wohnungen überfüllt! Mit Recht erklärt der Bericht: wenn man dem Anspruch der in das heiratsfähige Alter stehenden Menschen auf eine eigene Häuslichkeit nicht entsprechen könne, könne man auch den Uebeiständen des Ge- burtenrückgangs, des ungeregelten Geschlechtsverkehrs, der Abtreibungen usw. kaum mit Erfolg entgegentreten. Die Denkschrift gibt schließlich einen vorläufigen Ueberblick für das Jahr 1927. Der Gesamteindruck bleibt im allgemeinen günstig, aller- dings ist der Geburtenrückgang weiter fort- geschritten. Die allgemeine Sterblichkeit scheint sich ein wenig erhöht zu haben. Die Säuglingssterblichkeit hat etwas abgenommen. Dagegen scheint die Sterblichkeit der Aeltercn ein wenig gestiegen zu sein, und zwar vor allem wegen der Grippeepidemie im Frühjahr. Eine größere Beachtung er- langte die spinale Kinderlähmung mit rund 2700 Erkran- kungcn und 300 Sterbefällen im ganzen Reich. Die Tuber- kulosesterblichkeit ist weiter gesunken. Die Selbstmorde nahmen in den Großstädten wieder etwas ab, die tödlichen Verunglückungen steigerten sich etwas. Auch die Ernährung?- läge hat sich gegenüber dem Vorjahre gebesiert, ebenso die Arbeitsverhältnisse. Zusammenfasiend erklärt der Bericht, daß sich ein allgemein befriedigender G e s u n d h e it s z u- stand des deutschen Volkes ergibt. Die Verbreitung der übertragbaren Krankheiten ist im Vergleich zu früheren Jahrzehnten überaus gering, die Sterblichkeit an den übrigen Krankheiten ist im Gegensatz zu dem steigenden Kranken- bestand der Krankenkassen niedrig. Pros. Gchtm'h an den Kultusminister. Professor Hermann Schmitz hat an den Kultusminister folgendes Schreiben gerichtet: Neubabelsberg, den 23. Januar 1928. An den Herrn Preußischen Unterrichtsminister für Wissenschaft. Kunst und Volksbildung, Berlin. Die Schreiben vom 21. November und 19. Dezember lassen keinen Zweifel darüber, daß ich um sofortige Entlassung aus dem Staatsdienst ersucht habe. Bei dem Gesuch hat ee sein Verbleiben. Auf dt« Pension verzichte ich, da ich mich aus Grund Ihrer Mitteilung vom 3. Januar überzeugt habe, daß sie mir nach dem Geletz nur bei Beschönigung der Dienstukttauglichkeit zusteht: davon ist aber keine Red«, was ich im Hinblick auf die in meinem Schreiben vom 19. Dezember erneut berührten, mich betreffenden Urteile des.Herrn Ministerialrats Dr. Ernst Gall hervorhebe. Im übrigen verweise ich auf den Inhalt meiner durch die Presse veröffentlichten Erklärung. Hermann Schmitz. Iii Alexander Adam Billige Woche! Berlin N.T Chausseestr. 42 �le möchten eine Sxtratour, IDodfk fehlt das tfahrgeid leider nur? Jfch gehe ftraßenhahn~&'ahr6eld und noch 5 Präsent f in ßeder deshalb meine tfirma hennt! Garnitur dreiteilig 125 engl. Tüll, enorm billig von � an Garnitur dreiteilig fiSO engl Tüll, streng modern," — und in jeder anderen Preislage— Madra»» Garnituren Garnituren dreiteilig(25 neue Muster.......<1 Garnituren dreiteilig..$50 Garnituren dreiteilig 7)50 extra breit....... Bamin-Bettdecken i50 zweibettia, mit Einsatz von* an Engl. Tfill-Bettdecken 050 It betfie....... von V an Engl. Tüll-Bettdecken 125 I bettig....... von � an Etainin-Hali)storesE�,z2T5 u. Spitze, sehr preiswert Stck. v." an Engl. 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Zamiar. nachmittag» 3'k Uhr. im Krematorium Gericht- sträße statt. Ehre ihrem«ndeakeu! Rege Beteiligung erwartet vi« Octaacnoaltime. m:U-§äBhi irngtofi WfBmircli'Stt] pW-iMweMIMllMa Haslobshl Putbusser Straße 6 Qualitätsware/ Billigst« Preise Am 9.->. Januar, 18'/, Dljr. entschlief sanft unser lieber herzensguter Bruder and treuer Kamerad Amandus Wehmer im 72. Lebensjahre. Elisabeth u. Franz Wchmer. Neukölln, Fuldas tr. 30. Die Einäscherung findet am Montafr. dem 30. Januar, 13'/- TJhr, im Krematorium Baum- schulenweg statt. ßlumanspendeü «der Ar> • tetra p r»>« wert Panl Golletz, oorm. ieden*w«i MariennenstrtBe 3, Ecke Raunynstragc anu Motigpl. 103 03 zur Miete WsO.Ansbacherstr.l Am 25. Januar starb plötzlich und un-ri-art-t unser alter langiabriaer Senoste Amandus Wehmer Rcuiölln. Fuidastr. S3. Shre seine«»n denke»! Um zahlreich« Beteiligung an der Leichenleter am Montag, i.r/.lldr im Nremaiorinm Bamnschulenweg bittet Oer Vornand dtrM. Abteilung. »urtzlchetst. fitbrung. Rechnen, Moschineschreiben. Buch. storrresponden». »stcherrevilor l(< vantsagung. zur die herzlich- Teilnahme bei der ikinäscherung meines lieben Manne». uniere« guten Vater», deo Tischlers Karl Schllffke sage ich allen Verwandten, Freunden und»etannten. insbesondere dem Redner de» Berein, sitr Fretdenler- mm. meinen innigsten rank. Pauli»« Schllffke nod»t Kindern. Eisu-t?ri.Betten, Kinderbette«, Stahlmatr., gfinrt.*n Prjv, K4U049fr.BUe«un5b«lUt).Suiil(Thflr,) Unterhaltung unö ANissen Die Häßlichen. Von Aela Il�vesz. In unserem Hause herrschte große Ausregung. Di« zerzausten Weiber krochen au? den Zimmern hervor und liefen den Mädchen nach, die sich im Stiegeuhaus drängten. Aom dritten Stock aus flog die Sensation von Mund zu Mund. Rotbäckige Arbcitermädchen riefen oben:„Sie kommen schon.. Unruhige, laute Stimmen gaben es weiter:„Sic kommen schon... sie kommen schon..." Aus dem Stiegen Haus schlängelte sich ein feierlicher Zug hinab. Frauen und Mädchen in schönen, reinen Kleidern umgaben die blonde Braut. Auf dem Kops« trug sie einen Myrtenkranz, man führte sie in die Kirche zur Trauung. Gerührt und mit zeremonieller Lang- samkeit schritten sie einher. Die Mädchen rauften sich um die guten Plätze und sie s«us.zt«n und flüsterten, aber si« jauchzten auch, als die Braut in ihrem schneeweiß«» Kleid an Ihn«» vorbeischwebte. Der Hochzeit �zug schwamm langsam auf d«n ersten Stock hinunter. Hier war d«r Kamps noch heftiger: mit lächelndem Gesicht, strahlenden Augen stießen einander die Menschen, und nach vorne kam, wer ge- schickter war. Zwei Menschen wurden hinter die fröhlichen Mädchen gedrängt. Sic kamen nebeneinander zu stehen, und sie bemerkt«» einander. Auch si« packte die Aufregung, und in den Hintergrund gedrängt, betrachteten si« einander ganz sonderbar und mit weit auf- gerissenen Augen: der bucklige junge Mann und das lahme Mädchen. Sie wurden miteinander bekannt. Es war der Monat Mai und unser Haus glich einem großen Käfig, in welchem Mcnschenpaare girrten. Um sie herum erwachten die Bäume des Stadtwäldchens in hochzeitlicher Wonne, Knospen sprangen neden Knospen, und bei uns in den Stockwerken fanden sich verliebte ArbeUerparchen. Milde, duftende Abende waren den jungen Leuten gnädig. Sobald die Dämmerung mit ihren Flügeln cinhcrgezogeii kam, setzten sich die verliebten Paare hinaus vor die Tür, e» wurde immer dunkler, die Korridore bargen— gleich geheim- nisvollen Lauben— flüsternde Menschen in sich, und das Geräusch von Küsien, Seufzern durchbrach die melancholisch« Stille/ An den oeriiebten Abenden setzten sich auch die beiden Krüppel zusammen, und wenn sie nicht sprachen, schauten sie in das Tal des Hauses hinab, beobachteten das Spiel der Dämmerung, ihre Blicke suchten mit gierigen Zuckungen die sich ins Dunkel hüllenden Paare, und sie bewunderten starr die verworrenen, schleierhaften Um- ormungen. Der bucklige junge Mann berührte eines Abends mit feiner langen knochigen Hand den Arm des lahmen Mädchens und sprach zu ihr: „Annuska, ihr vermietet ein Zimmer?" Das verkrüppelte Mädchen fuhr zusammen und erwiderte rasch, Klemlos: .�a... kommen Sie zu uns wohnen..."' Er war ein feierlicher Abend, als der Bucklige bei Annuskas Eltern einzog. Die beiden alten Leute empfingen lächelnd den neuen Mübewohner, und Annuska führt« ihn zu einem großen Käfig, in welchem Kanarienvogel hockten. Sie klopfte an den Käsig und die gelben Vögel flogen erschrocken zwitschernd auf. Das lahm« Mädchen lacht« und deutete auf die Vögel: ..Meine Freunde." Der bucklige Mann erfuhr alsbald, daß Annuskas Dater ein Pogelhändler gewesen ist. der sich— als er auf sein« alten Tag« das Geschäft aufgab— mit diesen Kanarienvögeln in den Ruhestand zu- rückzog. Di« Laufbahn, aus der man fein«» Verdienst nachgeht, sor- rnichü nach sich den Charakter jedes einzelnen Menschen, und das inmitten der Singvögel oerbrachte lange Leben ist die wahrschein- lichst« Erklärung dafür, daß Annuskas Familie immer song«s- luftig war. Cin Feiertagabend war das Einziehen des Buckligen, der sich so rasch in die Familie hmeinfond, wie in den Hof des Bollinondes die dorthin verirrten Stern«. Der neue Mitbewohner war Musiker in einem Theaterorchester, und mit seiner Violine ertönt« in der sanges- lustige» Familie ein« neue Stimm«. Der alte Dogelhändler spielt« aus der Zither. Annuska sang träumerisch, ihr« weißhaarige Mutter begleitete sie mit warmer Altstimme, der Bucklige aber krönt« mit seinem Diolinspiel schön und harmonisch die sonderbar« Musik. Ungarische traurig« Liebeslieder kamen aus dem Fenster der Eltern Annuskas geflattert und ließen sich bei den auf den Korridoren träumenden Brautpaar«» nieder. Die vor Wonne erzitternden jungen Leute liehen die Lieder nicht mehr aus, leise woben sie auch ihren eigenen Gesang in dies« ein, und Musik und Gesang flutet« durch das Haus, auf welches sich mit frischem Blumeirdust die Maiennacht senkte. Don da ab gab es jeden Abend eine Serenade. Wenn si« zu Ende war. bewegten sich die jungen Leute auf den Korridoren und sie gingen Ann in Arm singend zum Stiegenhaus. Wankenden Schrittes brachen si« alle zum Maienspaziergang auf und der Part vor dem Haus« breitete sein« Arme schon von weitem nach ihnen aus. Iin Schatten der Flieder- und Iasminbüsche gingen Lraulpärchen spazieren, und allabendlich waren auch die beiden Krüppel hier, in- mitten der mit dem Herzen sprechenden Menschen. Irgendeine ge- heimiiisvoll« Freundschaft trieb sie zueinander. Im übrigen sprachen sie hier im Part fast gar nicht, sie saßen nur nebeneinander, mit tiefem Schweigen, auf der grünen Bant, hin und wieder auseinander- blickend. Eines Abends war der Bucklige etwas unruhig. Er hob fein hartes, gelbes Gesicht zum Himmel empor, und auch das lahm« Mädchen blickte in die Höh«. Der Himmel über ihren Köpfen glich einem märchenhasten Baldachin. Das lichtblaue Firmament war weich wie Samt, und wie schaumige Seide ballten sich die weißen Wolken aus ihm. Plötzlich Hub der Bucklig« zu sprechen an: „Ich habe ein so sonderbares Gefühl, wenn der Mond scheint." Da? lahm« Mädchen hob den Blick zu ihrem Freunde, und chr Gesicht drückte Neugierde aus. Sie wußte nicht, was sie darauf sagen sollte, sie überlegte ein« Weil« und ließ dann den Kops sinken. „Auch ich." Der Musiker gaffte wieder zum Himmel hinauf. Der Mond schien mit magnetischer Kraft aus seinen gnomenhaften Kops. Sein hartes Geficht drückte große Aufregung aus, als er zu sprechen begann: .-Ich bin noch immer kein Großstädter. Um solche Zeit, weiin der Mond scheint, bin ich»u Hause in dem kleinen Städtchen, wo es kein« Paläste gibt. Hier muß ich außerhalb der Stadt gehen, wenn ich den Mond sehen will, die Poläst«»«rkxrg«» ihn, fangen s«In« Strahlen aus. Ich lieb« aber den Mond, und ich weiß immer wann Ballmond ist. Dann schaue ich zwischen den Palästen immer zum Himmel hinaus und ich seh«... unsere weiße Gasse, in der kein« i'atern« brennt, dt« Donau, das Kloster mit der goldenen Kugel, au» welchem schneeweiß gekleidete Nonnen herausschauen... und es geht mir durch den Kopf, wieviel« Menschen um diese Zeit verliebt sind..." Im Iasminstrauch hinter den beiden Krüppeln rauschte es plötzlich auf. Ein kurzes, heißes Lachen crNang, dann zitterte es weiter in winzigen Trillern, jauchzend, zu einem Seufzer ersterbend und versank in einem plötzlichen stummen Kuß. Es verschlang dem Buckligen die Rede, und er blickte verwirrt aus Annuska. Dann starrten si« beide zur Erde, und sie rückten aus der grünen Holz- dank langsai», mit heimlichen Bewegungen näher zusamm«n. Das Mädchen unterbrach als erstes das Schweigen, ab«r sie hob ihren Blick nicht von der Erde. „Ich bin nicht mit diesem Fuß zur Welt gekommen. Ich war krank, und da wurde ich so.. Der Bucklig« rutschte neben das Mädchen, sie fühlten schon die Hitze Ihrer Körper, er spann stinc Worte leise, furchtsam in die Worte des Mädchens: „Mich hat die Amm« fallen lassen, zwei Jahre war ich damals alt..." „Ach, wie habe ich mich geschämt..." „Ich wagte nicht, aus die Mädchen zu blicken..." „Ich wollte immer lieben und habe es doch nicht gewogt." Si« verstummten, erfüllt von herrlichen Vistonen, und sie warteten f«ig« und aus irgendein blendendes Ereignis. Wieder«r- schall heißblütig ein Kuß hinter ihrem Rücken. Verliebt« begannen ihre Hochzeitsspicle. Der Dusch erzitterte, weiße Iasminblüten fielen auf die häßlichen Menschen. Das lahm« Mädchen vergrub ihr Gesicht in beide.Hände und schluchzte, der Bucklige ober topflte noch ihrer Hand, löste einzeln ihr« Finger los und umfaßt« sie mit seiner Hand, als sie aber einander anblickten, sielen sie sich in die Arm« und ver- einten sich in einem fast noch kinblicheii Kuh.— (Berechtigte Ucdcrsetzung von M. Mej-U Nas Glüheisen als Heilsaktor. In de. letzten Sitzung der Berliner Medizinischen Gesellschaft hielt Pros. Bier, der bekannte Berliner Chirurg. «inen Dortrag über die Bedeutung des Glicheijens als Heilfoktor. Seine Ausfiihningen riefen das allerregfte Interrssc hervor. Man ist in Aerztekreise» allgemein der Ansicht, daß die Mitteilungen Prof. Biers geeignet sind, die Behandlungsmethodik zahlreicher Erkrankungen, insbesoiikrere die Heilung von Insektionskrankheii«», weitgehend umzugestalten. Pros. Bier, der ein sehr genauer Kenner der Geschichte der Medizin ist, knüpft an die Jahrtausende alte Anschauung, die einst Hippokrates geäußert hat, a» und vertritt die Ansicht, daß in vielen Fällen, in denen die»»edikameiitösc Behandlung oder das Messer des Ehirurgen keine Hilfe zu bringen in der Loge sind, das Glüh- eisen Rettung zu bringen vernmg Im Anschluß an Derbreimungen bilden sich im Körper Stoffe, die verschiedenartigen Leiden, nament lich inscktiös«» Krankl>eiteii entgegenwirken. Prof. Bier hat nun nicht etwa, wie das in längst vergangener Zeit einmal geschalj, Hautpartien bebronnt, sondern bei seinen Operattonen.Hautlappen abgehoben und das darunterliegende Gewebe mit eineni besonders hierzu konstruierten Glühcisen— bei örtlicher Betäubung des Patienten— bebronnt. Auf diese Weise konnte er zahlreiche» Kranken Hilfe bringen. Die Erfolge seiner Glüheisenbehandlung erstrecken sich auf eine Zeit von bisher drei Jahren. Verschieden« hervorragende Aerzte in C h a r l o t t c n l> u r g- W e st c n d be stäligtcn ihm, daß eine Reihe von Patienten, die als„hoffnungsloie Fälle" angesehen werden mußten, mit Hilfe des Bierschen Glühersens erfolgreich behandelt worden sind. Pros. Bier konnte serner mitteilen, daß gewisse Arzneien bei Patient«», die zuvor mit dem Glüheisen bebrannt waren, ein« besonders günstige Wirkung aus- zuüben vermochten. Es ist nicht das erstemal, d.ih Pros. Bier eine Umwälzung der Anschauungen in d«r Medizin hervorruft. Es sei nur c™ die „Biersche Stauung" in diesem Zusa>nm«nhange erinnert. A. K. Jubiläum der Schreibmaschine. �S2S-�92S. Als der sranzösischen Akademie zum ersten Male ein Pho io- groph Edisons vorgeführt wurde, brach eines ihrer Mitglieder in Verwünschungen über den Taschenspieler aus, dar sie mit Bauch- rsdnersi narr«. Und die erste Eisenbahn von Fürth nach Nürnberg stieß bekanntlich aus die erlieblichsten Bedenken medizinischer Kapa- zitäten, die von ihrer Geschwindigkeit den Irrsinn für d« Menschen voraussagten. Auch dem ersten deutschen Konstrukteur einer Schroibmaschrne, über die ein« Patentbeschreibung im H Lech, dem Erfinder des Fahrrades Karl von Drais, biieb dos Geschick nicht erspart, von einer l>och weisen Vehärde als Hampelmann behaiüelt zu werden. Da» badischc Patentamt nannte 1835 seine Erfindung ein«„mecharrrschc Narrheit und alberne Erfindung" und lehnte dt« Erteilarrg eines Patentes ab.... Heut« beherrscht die.mechanisch« Narrheit" der Schreibmaschine Bureau» und Kontore, Reportersoal und Arbeitszimmer d«r Dicht«» und Gelehrten. Auf Ozeandampfern und in Luxus.zugei, wie den großen transkontineiitalsn Flugzeugen beansprucht sie als Selbst« Verständlichkeit ihr Abteil. Sie hat die Feder, das Attribut des geistigen Menschen, so sehr entthront, daß man si« mit Recht den vollendetsten?lusdruck der Mechowsterung unseres Zeitalter» nennen dürste. Erfordert sie doch in ihren modernsten Ausführungen keine andere körperliche Anstrengung mehr, als das Berühren der Buch- stabentasten: der elektrisch« Strom, der dabei eingeschaltet wird, reißt sie dann neder und druckt die Buchstaben aus das Papier. Bei den ersten überhaupt bekanntgewordenen Schreibmaschinen- Modellen war dos anders. Sie verlangten starke Krostleistung zu ihrer Handhabung: sie sollten nicht schreiben, sondern Zeichen prä- gen, um blinden Menshcn die Möglichkeit zu lesen und zu schreiben zu geben. Die Schreibmaschine, die heute der wichtigste Helfer der geschästigen Lebenden ist. war in ihren Ansängen gedacht al» Stiige der Blinden. Ihre Ide« war nicht vom Geschästsgeist, sondern vom Mitleid eingegeben. Und da damit kein Geschäft zu machen war, blieb e» bei Dersuchen, die nicht über die ersten unsicher tastenden Schritt« hinausgelangten. So weiß man aus einer Be jchreibung des Patentes, das 1714 dem Engländer Mill für ein mechanisches Shreibzeug erteilt wurde, daß es sich um einen Appo- rat handelte, der für Blinde iuhlbar« Zeichen ins Papier stanzte. Di« Maschine selbst ist nicht erholten, so wenig wie chr« französische Rachsolgertn von 1784, di« gleichfalls Blinden dienen sollt«, oder die deutsche Konstruktion des Breslauer Blindenlehrers Knie von 1818. Alle dies« Erfindungen waren zur Ermöglichung des Schrift» verkehr» von Blinden bestimmt, alle sind oeriorengegaiigen, w«il si« kein breite» Interesse erwecken konnten. Der e r st e Apparat, der den Namen Schreib- Maschine im heutigen Sinne verdiente, wurde 1888 t o n st r u i e r t. Dies Jahr ist daher als das«ige Gliche der Ge- burt des Instrumentes moderner Viel- und Massenschveiberei anzusehen. Im Frühiahr 1828 legte der Italiener Conti seine von ihm „Tachigraph" genannte Tastens chreibmaschmc der französischen?lta° dlmue vor, die sich dafür lebhast interessiert«. Sie erwarb die Kon- strilktion, di« sich aber nicht durchsetzen tonnte. De» Schicksale« der Erfindung von Drais 1835 wurde schon gädocht. Da» Modell wies schon ganz modern« Eigenschaften aus: das M>pi«r lief über eine Art Walze und wurde automatisch weiterbewcgt. Drais tonw« sein« Erfindung denn auch mit gewissem Recht bereits„Schnell- schreilnnaschjne' nennen. 183Ö konstruierte der französische Physiker Foucault, der in der Geschichte der Technik, besonders durch seine Erfindung des automatischen Dampsregulators, bekanntgeworden ist, gleichfalls eine Schrelbmoschine, die er Schreibkiigel nannt«. Ihr Zweck sollte nicht Beschleunigung des Schreibens, sondern Hilf« gegen den Schretbkramps bei Vielschreibern sein. Sie hatte die Gestalt einer Halbkugel, in der radial Schreibtasten angeordnet waren. An ihrem unteren Erde saßen die Schri st.>, eichen, die, wenn sie niedergedrückt wurden, in die Mitte der Halbkugel trafen. Das darunter siegende Papier mußt« mit der.Hand fortbewegt werdei, und war mit einem Kopierbogen überdeckt, damit sichtbare Buchstaben entstanden. Auch besaß Foucault» Mehanismus keine Type für jeden Buchstaben, sonden, diese mußten immer aus den Zeichen nrnhrever Tasten zu- sammengettppt werden. Um ein A zu schreiben, waren gleichzeitig vier Tasten anzuschlagen. Aus diese freilich umständlich« Weist kam Foucaull» Moschine mit 8 Tasten für das ganze Alphabet lateinischer Großbuchstaben aus. Klein« Buchstaben konnten, wie mit allen vorhergehenden Maschinen, nicht geschrieben werden. Die erste Schreibmas chinc mit großen und kleinen Buchstaben wurde vielmehr erst 1850 von dem Engländer Hughes uiiter Benutzung Foucausischer Itrnen gebaut, die übrigens noch bis in die achtziger Jahre immer wieder die Erfinder angeregt haben. So war auch die erste Schrcibmojchiv« mit Farbband, also mit der bewußten Einstellung auf den Dienst für die Sehenden, die von den Dänen Hansen und Mailing 1878 vorgesührt wurde, nach dem Foucsultschcv Kugel system gebaut. Sie unlerschidd sich von der ursprünglichen Schreib ku gel srcilich noch durch die nerbesserie Papierführimg: der zu hes hreibende Bogen spannt« sich über einen Zyltnderrahmen und lief automatisch weiter. Mit dem Tastenhebel wurde zugleich ein Amboß gegen di« Ruckjsit« des Päpieres gedrückt, so daß die Type beim Ausschlag den notwendigen Druck- widerstand fand. Die Schrift erschien sichtbar, ein Borteil, der dorm lange Jahne bei der weiteren Durchkonstruktion der Schreib- Maschine bis zur modernen Dollendung wieder aufgegeben werden mußte. Diese erhielt sie erst in dem größten Schmelztiegel praktischen Nutzens unserer Zeit, in Amenka. Hier wurde zuerst das noch heute gebräuchliche Typen hebelsy sie m angewandt, dos neben der Erziclung größter Schreibgeschwindigkeit die Möglichkeit bot, alle notwendigen Buchstaben und Schrist.zeichen bequem unterzubringen. Die Typenhebel selbst luoren kreisförmig angeordnet. Konstrukteur dieser Urform unserer modernen Schreibmaschinen war der deutsche Mechaniker-S ch w a l b a ch. der sie 1867 in Milwaukee zum ersten- mal vorführte. Als di« Maschine auf einer Ausstellung den ersten Preis errang, bildete sich eine?lktiengesellschoft für ihre Herstellung, an der auch Schwolbach beteiligt war. Später wurde er abgehängt und soll insgesamt dos sürstliche Honorar von 350 Dollar für seine Slrbeit erhalten haben. Sein Patent ging dann bald an die bekannte R e m i n g t o n- Gesellschaft über, die Schwalbachs Konstruktion weiter durchbildete»nd so als Dorlöuler ihrer Fabrikate aiierkennen muß. Alle nach Schnrnlbachs Prinzipien gebauten Moschinen hatten — nebe», bem großen Vorteil ihrer Schreibgeschwindiqkeit— den starken Nachteil, daß ihre Schrift unsichtbar blieb,'weil die Typen von imten gegen den Papierwagen schlugen. Erst wenn man diesen hnchflappte, konnte man das Geschriebene lesen. Jahrzehnte waren nötig, um bei den Schncllschreibmoschinen die Schreibgeschwindigtcit mit der direklen Sichtbarkeit der Schrift z» vereinigen. Auch dos Förbproblem hat bis zur Lösung viel Schweiß gekostet. Die Anwendung des Farbbandes wie bei der Hansenschen Schreib- kugel von 1878 ist erst mit Beginn unseres Jahrhunderts allgemein üblich geworden. Bis dahin begnügte man sich hauptsächlich mit der Einfärbung der Typen, die in der Ruhelage auf Stempelkissen auf' drückten. Auch ließ man. ehe die Typen auf das Papier schlüge», gesärlite gilzrollen darüber streichen. Heute gibt es kaum noch Mn- fchinen, die des Farbbandes entbehrten. Es ist ein longer Weg, den die Schreibinaschiiie im ersten Jahr- hundert ihres Bestehens von den Ansängen bis zur heutigen Voll- «ndung zurücklegen mußte. Ursprünglich als Hilfsgerät für Blind« gedacht, dann als Borbcugemittel gegen den Schreibkrampf, wurde sie zuletzt z»m Beslüglcr des modernen Wirtschaftsaiisschwunges, der ihrer Hilfe gewiß wesentliches zu verdanken hat Auch die Wechsel- Wirkung blieb nicht aus. Die Vielheit der Systeme, die um die Jahrhundertwende bis in unsere Tage gerade die Schreibmaschinen- industri« kennzeichnete, beginnt unter den Anforderungen der Präzis allmählich zu schwinden. Immer mehr nähern sich die verschiedenen Typen von Schreibmaschinen einander. Und schon ist die Ueber- zeugung lebendig geworden, daß die Herstellung genormt werden müsse, um von den setzt noch unerträglich hohen Preisen für Qua- litätsmaschinen herunterzukommen. Schon vor zwei Iahren ver- össentlichte der Normenausschuß der deutschen Industrie Normen für Schreidmaschlnenersotztell«, ein Beweis dafür, daß der verteuernde Unfug der vielzuvielen konkurrierenden System« mit ihren doch nur in Einzelheiten abweichenden Konstruktionen erkannt ist. Vielleicht erlebt noch unsere Generation den Tag, da Schreibmaschinen so billig geworden, daß si« Iedermonnssache sind. Dann würden in Wahrheit Tinte und Feder haller so der Vergangenheit angehören wie setzt schon Pferdebahnen und Petroleumlampen.