Abendausgave Nr. 48 B 24 45. Iahrgang Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich 8.— Reichsmark, tm voraus zahlbar. Unier Streifband im In- und Aus- land 6,50 Reichsmark pro Sfcmal * 5Vt„Dorwäns� mit ver ivuftner» ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit* fnojie den Beilagen„Unterhaltung und Wissen*„2luL der Filmwelt*. „Stadtbeilage*„Frauenstimme*. „Der Kinderfreund*„Iugend-Doi' wärts*„Blick tu die Bücherwelt*. „KulturarbeU* und„Technik* erscheint wocheMäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal. s* Berliner Sowsvlatt Sonnabend 28. Zanuar 1.928 1V Pfennig C\t ctofpolitg« Ronpore, Seilte 60 Pfennig ReklamezeUe 5.— Reichs» mark„Kleine Anzeigen- das»eng«- druckt» Don 2S Pfennig(zuläMg zwei settgedruckt» Dorte); tedes weitere Dcrt 12 Pfennig. Stellengesuch» das erst» Don IS Pfennig, jedes wettere Don 10 Pfennig Don» übe? 15 Buchstäbe» zählen kür zwei Worte Lrbeitsmarkt Zeile SO Pfennig. Fomlltenanze»g»» fö» Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen- annahm» tm Hauptgeschäft Lindes» llraßh� wochentägl. von SV, bis 17 Uhr. Jentvalorgan der«Sozialdemosvatischen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Verlin SW 68, Lindenstroße 3 Fernsprecher: Dönhoff S9Z— 297 Telegramm-Zldr.: Sozialdemokrat Berlw Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Poirfchelkkonw:©«In» 37636.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, kngestellte» vnd Beamten Wallstr. 65. Dittomo-Sesellschast. Deposit enkasse Lindensir. v Preußens Recht an der Reichsbahn. Die Siaaisregierung veröffenüichi die Atten über den Streik um Luther. Nachdem Preußen seit mehr als einem Jahre ver> ßeblich um das Recht auf Mitbestimmung im Ver- Wallungsrat der Reichsdahn kämpft, hat sich kürzlich der Reichskanzler Marx von seinen eigene» Parteisrennde» im Reichstag sagen lassen müssen, daß die Reichsregie- rung den Anspruch des größte« deutschen Freistaates noch immer nicht erfüllt habe. Reichskanzler Marx hat darauf mit Ausflüchten erwidert. Infolgedessen blieb der preußischen Regierung nichts anderes übrig, als das wichtigste Aktenmaterial über den Fall Luther- Reichsbahn zu veröffentlichen, um dem Landtag über ihre Ausfassung Rechenschaft abzulegen. Diese Denkschrift, die den Titel„M itteilungeik der Staatsregierung zur Vertretung Preußens im Verwaltungsrot der Reichsbahn-Gesellschaft' trägt, ist heute dem Landtag zugegangen. Sie enthält den Schrift- Wechsel zwischen dem Reichskanzler und dem preußischen Minister- Präsidenten, sowie eine Reihe von Vermerken über mündliche Ver- hnndlungen in dieser Angelegenheit. Wenn die Reichsregierung heute den Anspruch Preußens mit dem Einwand entgegentritt, daß keins der Verwaltungsratsmitglieder freiwillig sein Amt niederzulegen brauche, so ist die Feststellung wichtig, daß Preußen von vornherein«tu solches Rundschreiben als aus- sichtslos bezeichnet hat. Die preußische Regierung regte vielmehr an, die Reichsregierung möge an Herrn Luther selbst die Ausforderung zur Nieder- legung seines Mandates richten, daß er ja nur erhalten hatte, weil die Reichsregierung bei seiner Ernennung über die Rechtslage im Irrtum sich befunden hat und mittlerweile durch den Staats- gerichtshof eines besseren belehrt wurde. Die Reichsregierung hat es sogar unlerlasieu. mündliche Verhandlungen zwischen dem Aulsichls- ratvorsihcnden der Reichsbahn, Herrn von Siemens, und dem Slaals- sekrelär des Slaolsministeriums herbeizuführen— obwohl die preußische Regierung eigens darum gebeten hatle. Ueberlzaupt ist der Ton, mit dem die Reichsregierung den ganzen Fall behandelt hat, mehr als austollend. Die schriftliche Auseinandersetzung begann damit, daß der Reichskanzler sich be- müßigt fühlte, den preußischen Mini st erpräsidenten sozusagen zur Ordnung zu rufen, weil er es wagte, einer ostenbar aus Regierungskrciscn stammemden falschen Nachricht vor der Presse entgegenzutreten, wonach Preußen auf seinen Anspruch vcrzichtot haben sollte. So geht es dann den ganzen Schriftwechsel hindurch. Reichskanzler Marx beruft sich Immer auf Rechtsformalien und tut praktisch nichts, während Preußen sachlich seine Forderungen gellend macht. So kommt man natürlich nicht vorwärts. Der Effekt ist, daß Preußen sich mit Recht benachteiligt fühlen und mit immer stärkerein Nachdruck den vom Staatsgerichtshof gebillig- ten Anspruch auf den Sitz im Verwaltungsrat der Reichsbalin geltend machen muß. Noch am 26. Dezember Hot Preußen in diesem Sinne an den Reichskanzler geschrieben und ihn gebeten, Dr. Luther i n oller Form schriftlich zu befragen, ob er nun dem Spruch des Staatsgerichtshafs Rechnung trogen wolle. Aus dieses letzte Schreiben ist bis zur Abfassung der Denkschrift. also mehr als einen Rloual lang, keine Antwort erfolgt. Erst vor dem Reichstag redete sich Marx darauf heraus, die Regierung ha.» „alles getan, um die Verwirklichung des Anspruchs Preußens zu ermöglichen". Darauf antwortet tun die preußische Regierung am Schluß ihrer Denkschrift, sie könne dem Standpunkt der Reichs- rvgienmg nicht zustimmen und fährt sort: „Die preußische Regierung hat volles Verständnis dafür, daß die Reichsregicrung durch die anscheinend von ihr nicht er- wartete Entscheidung des Staalsgerichtshofs, die den preußischen Anspruch auf der ganzen Linie anertannte, in eine schwierige und teilweste auch peinliche Lage gekommen ist, aber sie hat kein Verständnis dafür, daß ein früherer Reichskanzler, der durch eine großzügige Handlungsweise den Knoten mit einem Schlage lösen könnte, nicht den Entschluß zu einer solchen Handlung? werfe zu finden vermag. In der jüngsten Verlautbarung de? Herrn Dr. Luther ist verschwiegen daß es in§ 13 Abs. 2 der Satzung der Deutschen Reichsbahngesellschaft wörtlich heißt: „Die Mitglieder des Verwaltungsrats können jederzeit durch eine schristlichc Erklärung ihr Amt niederlegen." Es steht kein Wort davon in der Satzung, daß sie„ihre polstisch- moralische Pflicht" verletzten oder„die Stabilität der Reichsbahnverwaltung" gefährdeten, wenn sie von diesem ihren Recht Gebmuch machen. Das alles sind nur willkürliche Aus- legungen des Verfassers dieser Verlautbarung, um um den Kern der Sache herumreden zu können. Es sei.zum Schluß bemerkt, daß der Grund, warum Parka- »ent und Regierung von Preußen aus eine baldige Erledigung dieser unerfreulichen Angelegenheit so großen Wert legen müssen, darin liegt, daß es für ein großes Land, das so wichtige wirtschaftliche Znler- esieu seiner Leuölkeruug zu vertreten hat, nicht erträglich ist. auch noch des Restes oou Einfluß aus da» bedeuteudsle Wirt- schofksinslrumeul des Lande», nämlich die Reichsbahn, und noch . dazu zu Unrecht, beraubt zu sein. Politische Gesichtspunkte, wie es fälschlicherweise so häustg dargestellt wird, kommen bei dieser Angelegenheit über- Haupt nicht in Betracht, sondern lediglich wirtschaftliche. Wöh- rend andere Länder, soweit es bei der derzeitigen Rechtlose der Reichsbahn überhaupt möglich ist„ feit Jahren Gelegenheit habet, ihre Wünsche an der maßgebenden Stelle vertreten zu lassen, stt der jetzige Zustand fast völliger Ohnmacht in Eisen- bahirangelegenheiten für Landtag und Regierung in Preuße, i um so unerträglicher, eis die wirtschaftlich notleidenden Gebieie (z. P. Ostpreußen, Oberschlesien, Aachen, Trier usw.), die mit Recht an die genannten Stellen das Verlangen auf wirksame Perirc-tuug ihrer Bedürfnisse stellen, gerode in Preußen besondere zahlreich sind." ---..* Jetzt hat die Reichsregierung das Wort- Man kann gespannt sein, ob sie auch diesmal die beleidigend« Taktik der?l u s- s l ü ch t e in einer gerecksten Sache des größten deutschen Freistaates anwenden und t ü n st li ch d i e M i ß st i mm u n g ausrecht erhalten will, die heute im Zeichen der Bestrebungen nach einer Demnhei,- lichung des Reiches weniger angebracht ist als je. Lobe korrigieri Graes. Aachspiel zu den völkischen Provokationen.— Ordnungsruse. Präsident Lobe erösfnet die heutige Reichstagssitzung um 12 Uhr und kommt sofort, vor Eintritt in die Tagesordnung, auf die Vorfälle am Schluß der gestrigen Sitzung zurück. Er erklärt, in der Rede des Abg. Frick. während der sich des Hauses eine große Unruhe bemächtigt habe, fei diu ganze Anzahl von Verstößen gegen die porlameularlsche Ordnung enlhollen gewesen, die dem Herrn Vize- Präsidenten Graes zu Rügen und zu weiteren Maßnahmen ver- anlaßt hätten, wenn der genaue Wortlaut zu verstehen gewesen wäre.(Lachen links.) Sie sind weder von ihm, noch von den Schriftführern so genau gehört worden, daß ein s o s o r t i g e s Ein- schreiten möglich war. Der Herr Vizepräsident hat ober sofort nach Einsicht in das Stenogramm erklärt, daß er auf diese Wendungen zurückkommen werde. Im Einoernehmen mit ihm oerkünde ich daher: der Abg. Frick wird für die Beschimpfungen, die er gegen die getöteten Abgeordnelen und Minister Erzberger und Ralhenau auch noch dem ersten Ordnungsruf noch sortgesetzl hat, und die ich nicht noch einmal wiederholen möchte, sowie sür die Ausführungen am Schlusie seiner Rede, die den Heuligen Staat und die Republik Deutschland in gröblichst beschimpfenden Ausdrücken herabsetzten, zur Ordnung gerufen. Die weiteren Maßnahmen, die gestern zweifellos diesem Ordnungsruf gefolgt wären, wenn eine sofortige Rüge möglich gewesen wäre, können heute nicht mehr ange- ordnet werden.(Zuruf des Abg. Henning(Volk.): Er hat ja nur den Kardinal Faulhaber zitiert!). Ich nisc serner den Abg. I o d d a I ch(Komm.) wegen der Drohungen gegen den Herrn Vizepräsidenten zur Ordnung.(Zuruf bei den Kommunisten: Das hat er vollkommen verdient!)— Ferner l>aben die Abg. F l o r i n(Komm.) und Bertz(Komm.) gegen die geichästsordnungsmäßigen Maß- nahmen Einspruch erhoben Ich schlage vor, diesen Einspruch in dem Augenblick auf die Tagesordnung zu setzen, zu dem dos Steno- Eine faschistische Fälschung. Oer greise Giolitti wehrt sich. Das Blatt„Popolo di Roma" veröffentlichte gestern Aeußerungen des greisen«taatsmauncs Giolitti, die als Bekenntnis des allen Demokraten zum Faschismus sofort in alle Well gedrahtet und viel abgedruckt worden sind. Nun kommt aus Rom folgende Richtigstellung: Giolitti teilt in einem Brief au den Herausgeber des„Popolo di Roma" mit. in der Wiedergabe feiner Unterredung mit einem Vertreter des Blattes über Faschismus und politische Emigranten feie» derartige Ungenauigkeite» enthalten, daß feine Auffassung dadurch wesentlich entstellt worden fei. Seine wahre Meinung über die unsagbare Schändung seines Heimatlandes durch die schrankenlose Gewalttätigkeit nnd die geradezu viehischen Aus- schreitungen der„Erlöser" mit Rhizinus und Stilet darf Giolitti ja doch nicht sagen? Gajda nach Albanien eingeladen. Prag, 23. Januar. Wie der„Deutsche?lachrichtendienst" aus der Umgebung des degradierten Generalstabschefs Gajda erfährt, soll an diesen durch italienische Vermittlung ein Angebot des albanischen Diktators AchmedZogu ergangen sein, das Oberkommando über die albanische Wehrmacht zu übernehmen und die albanische Armee unter Mithilfe italienischer Jnstruktionsoffiziere nach mitte!- europäischem Muster zu organisieren. General Gajda soll das Angebot mit Rücksicht auf die gnüsüdstawische Tendenz der albanischen Politik abgelehnt habe». g r a m m vorliegt, damit sich auch diesenigen ein Urteil bilden können, die den Borsällen nicht beigewohnt haben. Abg. Torgler(Komm.) erklärt: Die Gehörstöiungen des Herrn Graes treten nur sehr sporadisch aus. nämlich dann, wenn die Darlegungen von rechts stammen, wenn aber von kommimisti scher Seite Zwischenrus« gemocht würden, sö sei dos Gehör des Herrn Graes außerordentlich gut in Ordnung. Präsident Löbe: Wenn mein« vorig« Erklärung dos Haus nicht befriedigt, so würbe ich bitten, die ganze Angelegenheit im A e l t e st e n r o t zu erledigen. Der Aeltestenrot wird sich in seiner nächsten Sitzung damit beschäftigen. Oeuischnationale Sympathie für Fricke. Während Präsident Löbe seine Erklärung abgab, spielte sich im jzause folgender Vorgang ob: Der deutschnationale Abgeordnete v. F r e y t a g h- L o r i n g- Hoven, der Führer des völkischen Flügels seiner Partei, begab sich zu dem völkischen Abgeordneten Fricke und schüttelte ihm de- m o n st r a t i v die Hand. Nunmehr wird die zweite Beratung des Haushalts des Reichs- justizminifteriums fortgesetzt. Schalem in Konkurrenz mit Schimpfhelden Zrick. Abg. Schalem(linker Komm.) nennt den Vizepräsidenten Graes einen der dümmsten und brutal st en Reaktionäre, die je amtiert hätten und wird dafür zur Ordnung gerufen. Den zweiten Ordnungsruf«rhäll er, als er �von der schamlosen Justiz spricht, und als er schließlich den Senatspräsidenten Niedner «inen Henkersknecht nennt, erteilt Präsident Löbe dem Redner den dritten Ordnungsruf und macht ihn auf die geschöftsordnungs- mäßigen Folgen bei einem weiteren Verstoß gegen die porlameu- tarstchs Ordnung austnerksom. Schalem wirft dann den Stalin- Kommunisten vor. daß sie im Rsichstog große Reden gegen die Älasienjustiz hielten, die nur zur Täuschung der Massen bestimmt seien. In Mecklenburg hätten sie doch selbst für den Justiz- etat gestimmt, wie sie ja auch sonst draußen Hefter der Reformisten seien. Am Schluß seiner Rede nennt er den Vizepräsidenten Graes einen dummen und brutalen Hausknecht. Er erhält dastir einen vierten Ordnungsruf, da di« Entziehung des Wortes nicht mehr möglich war. Zlbg. Brodaus(Dem.) erklärt, daß er aus die Rede des Herrn Dr. Frick mit ihren empörenden Gemeinheiten nicht eingehen wolle, er spreche nur das Bedenken seiner Freunde darüber aus, daß sie nichl sofort durch den amtierenden Vizepräsidenten Graes entschieden zurückgewiesen worden seien.(Beifall links. Präsident Löbe bittet, diese Kritik der Amtssührung des Vize- Präsidenten in diesem Augenblick zu unterlassen.) Der Redner richtet dann an den Reichsjustizminister die Frage, was er zu wn gedenke, um den vom Staatsgerichtshos sestgeftelltcn Anspruch Preußens auf den Sitz im Reichsbahn vermal- t u n g s r o t zu erfüllen. Der Redner verlangt, daß endlich die Ansprüche der Standesherren aus der Welt geschasst werden, die wie Fossilien aus grauer Vorzeit in die Gegenwart hineinragen. Abg. Dr. Mienbeck(Dnatl.) klagt über die Konkurrenz, die dem selbständigen Handwerk und Gewerb« durch die Arbeit in Stvai- anstalten gemacht werde. Reichojustipninister hergt erwidert auf die Frag« des Abg. Brodauf, daß er in dem Anspruch Preußens auf den Posten im Reichsbahnverwaltungsrat nicht zuständig sei, sondern der Reichs- innenministor. Diese Angelegenheit scheine ihm auch durch die aus- führliche Erklärung des Reichskanzlers erledigt zu seln. Austritt au, der SPD. Wie der Suhler„Dolkstville". d. Relchsorgan der Linkstonnnunisten, mitteilt, hat da» Mitglied d Preußischen Landtags und des Mogistrats Hall«, Kilian, sein. Austritt aus der KPD. erklärt und Hot sich den Linkstommunist. angeschlossen.— Kilian stand schon vor einigen Wochen unmittelb. vor dem Ausschluß aus der KPD. Er war damals aber vo sichtizerweisc wieder zu Kreuze gekrochen. Ernsthafter Konflikt— oder nur homerische Wortgefechte? Beim alten Homer halten die griechischen Helden vor ihren Kämpfen furchtbare Drohreden gegeneinander, bis endlich die Speere und die Schilde zusammenprallen. In diese Zeit des dröhnenden Wortgefechts und der kriegerischen Drohungen fühlt man sich zurückversetzt, wenn nian die Zluslasiungcn der Bürgerblockprcsse zum Reichsschulgesetz genießt. Seit langem ist kein so grausamer Schacher mit Grundsätzen getrieben morden als bei den Verhandlungen um die Verkirchlichung der Volksschule.„Unentwegt" halten die Volksparteiler an ihren „liberalen Grundsätzen" fest, aber so ein ganz klein wenig rücken sie topfer zurück. Schritt für Schritt, um„sich vom Feinde zu lösen", wie es in Ludendorffs Kriegsberichten hieß. Das Zentrum aber folgt dein biedern Achill auf seinen uer- wundbaren Fersen. Es stellt foft. daß die Volkspartei durch ihren Antrag, die S i m u l t a n s ch u l e in den sogenannten Simullan- schulländern unangetastet zu lassen,„eine ernste politische Lage" geschaffen habe und droht in der„Germania", die Volks- Partei müsie„selbst die Folgen trogen", wenn dieser Beschluß— unabänderlich bleiben sollte. Aus dem Homerischen ins Deutsche übertragen, heißt das soviel: Wir wollen uns friedlich zusammensetzen und eine neue Fassung suchen. Den» wir haben Grundsätze, die unabänderlich sind, ihr Liberalen ober seid doch seit Bismarcks Zeiten gewohnt, die euren stückweise zu opfern. Also werden wir schon handelseins werden. Aber da steht die„Tägliche Rundschau", die zu 30 Proz. noch immer nationalliberal, will heißen deutsch-volksparteilich ist. Sie versichert: Man kannte die Haltung der Deutschen Vollspartei zu diesem Paragraphen seit Monaten, man wußte, daß ihre Vertreter im Ausschuß die feste Absicht hatten, die Aufrecht- erholtung der Simultanschule zu beantragen und man war in den letzten Tagen auch nicht mehr im Zweifel darüber, daß die Deutsche Bolkspartei damit im Ausschuß die Mehrheit hinter sich hatte. Die interfraktionellen Besprechungen hatten schon vor zwei Wochen vollkommene Klarheit über die Hallung der Parteien geschaffen. Es ist also gestern niemand durch die Entscheidung im Bildungsausschuß des Reichstages überrascht worden. Ist das nun die„ernste politische Lage", von der das Zentrum fpiicht? Mit Nichten! Dos Sprachrohr der Voltspartei gibt zu ver- stehen, daß keine Notwendigkeit besteht, aus der gestrigen 'Abstimmung f o f o rt Konsequenzen zu ziehen. Es ist ganz gewiß nicht zu verkennen, daß die Spannung innerhalb der Koalition sich durch die gestrige Abstimmung Im Bildungsausschuß des Reichstages sehr stark erhöht hat und es besteht ganz gewiß die Möglichkeit, daß sich aus der nunmehr ge- gebenen Lage die Gegensätze weiter bis zur vollen Schärfe ent- wickeln. Aber es dürste doch zunächst noch fraglich fein, ob die Anschauung, die ein ultimo tioes Voigehen des Zentrums für wahrscheinlich hält, das Richtige trifft. Sollte das Zentrum aber wirklich den Beschlutz fassen, in dieser Weise vorzugehen, so würde sich die Deutsche Volkspartei dadurch in ihren Entschließungen nicht beeinflussen lassen. Ihre Stellungnahine zu dem 8 M des Rejchsschulgesetzenlwurfs beruht auf innerster Ueberzeugung" und ist ein Bekenntnis zu ihrer liberalen Uebsrlieferung. Sic ist seit Monaten festgelegt und würde durch Forderungen oder Drohungen irgendwelcher Art nicht erschüttert werden. Die Deutschnationalen als Dritte im Buitde versichern •denn auch schon jedem; der hören will, daß von einem t t n ft h äst e n Konflikt keine Rede sein könne. Sie wetden in den nächsten Woönm die Sache Himer den verschlossenen Türen des„mtorfraktronellen Ausschusses" der Blockparteien einzurenken suchen. Und sie, die durch die Schrei-Schul« des Bundes der Landwirt« gegangen sind, wissen sehr genau, was man von den finsteren Mienen und de» drohend geballten Fäusten der homerischen Helden im Blocklager zu halten hat. 6 i c zeigen deshalb sehr beruhigte Gesichter. Denn die Wahle», die aus einem ernsten Konflikt sehr schnell hereinbrechen könnten, sind ihnen aufs tiesste verhaßt! Oesterreichische Kunst in der Akademie. Von Or. Paul K. Schmidt. Die Akademie der Künste eröffnete heute eine Ausstellung österreichischer Zeichnung und Graphit, die vom östcrreichisch-deutschen Volksbund mit ihr gemeinsam veranstaltet ist. Auswahl und Organisation der 460 Blätter umsassenden Schau hat der Direktor ver Albertina in Wien, ProsessorDr. Stix, über- Nammen: sie umfaßt die Zeit von 1700 bis ,zur Gegenwart u»d gibt ei» deutliches Bild der Entwicklung österreichischer, d. h. im wesent- lichen Wiener Zeichenkunst vom Barock bis zu Kokoschka: die für Oesterreich so wichtige Baukunst ist in einem Raum« mit Architektur- Zeichnungen angedeutet(beginnend mit Fischer v. Erlach und Hilde- brandt, endigend bei Josef Hoffmann), wozu noch Theaterdeko- rationen kommen, meist von italienischen Barockmeistern wie Galli- Bibiena und Burnacini. Die graphische Abteilung ist räumlich und wohl auch künstlerisch die bescheidenste. Die Radiertätigkeit der großen Barockmeister wie Troger und Maulpertsch ist doch nur Begleitmusik zu ihrem gewaltigen Freskowcrk und auch bei den Malern des neunzehnten Jahrhunderts, wie vor allem Schwind, Loder, Pctienkofer, führt Lithographie oder Holzschnitt nur die be- scheidene Existenz eines Ersatzes, einer llebertragung der ungleich werioolleren Originvlzeichnung in das populär« Mittel der Repro- duktion. Die österreichische Begabung scheint im wesentlichen eine malerische zu sein; was einerseits durch die Reihe bedeutender Maler- nomcn belegt wird, andererseits durch die Tatsache einer sehr stark malerisch orientierten Architektur und Skulptur: Daß man den süd- östlichen Stamm des Deutschtums überhaupt als eine gesonderte Kulturzone herausheben kann, liegt an feiner ungewöhnlichen Sensibilität, die ein Berschwistern mit südlicher, also italienischer Formklarheit und einen starken Einschlag des färben- und sinnen- frohen Slawentums begünstigt. Rur so sind Erscheinungen wie Makart, Romako und Ktimt zu erklären, die dem deutschen Schwer- blüterwefen eine gute Portion leichtflüssiger Sinnlichkeit und zugleich kaiholischer Mystik beigemischt hoben; nur so aber auch die Ent- stehung des überwältigenden großartigen Lirchensresko im achtzehnten Jahrhundert aus der Berührung mit dem italienischen Barock. Oesterreichische Kunst datiert ejgmtlick> erst seit dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Die ersten Namen, die auch in unserer Ausstellung den Reigen beginnen, sind Italiener: Alto- nionte, Galli-Bibieno, und erst die.zweite Generation setzt mit großen einheimischen greskenmalern ein, wie Daniel Gran, Paul Troger, Rottmoyr, denen in der zweite Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts Unterbsrger, Maulpertsch, Kremserschmidt u. a. folgen. Daß man sie nicht eben genau kennt, liegt daran, daß ihr« Tätigkeit fast ganz im roumschmückenden Deckenbild für Kirchen, Klöster, Schlösier aufginp, wo man sie in recht unzulänglichen Dörfern kennenlonren muß. Die Skizzen, welche die Ausstellung zeigt, bieten dafür einen schwachen, vor allem— farblosen Ersatz: doch erkennt man wohl daran» dte unbegreifliche Handfertigkeit und den feurigen Schwung der Komposition, die den Kern ihrer ungeheuer ausgedehnten Freskokunst bedeuten. Den Uebcxgang zu einer neu«, Zeit bildet HeinrichFsiger, desien Zeichnungen in erstaunlichem Maß« wahrer, echter, bestimmter Zum Kall Kolomak. Die Kronzeugin nach Köln verzogen. Bremen, 28. Januar.(Eigenbericht.) Zu de» gestrigen Meldungen über die Flucht der Hauptbe- lastungszcugin im Kolomak-Prozeh teilt heute die Bremer Polizei- direltion mit, daß Gertrud Wolf mit ihrem Mann nicht, wie aus ihrem Familienkreis behauptet wurde, nach Hol- land, sondern mit polizeilicher Erlaubnis nach Köln oerzogen sei. Das Kölner Meldeamt bestätigt, daß am 19. Januar das Ehepaar Beetz-Wolf zugezogen sei. Auffällig ist immerhin, daß man ein« Meineidsoerdächtige ins Grenzland verziehen läßt und es auch »icht für nötig hält, die Berteidigung der Frau Kalo- inat über den Wohnungswechsel der entscheidenden Zeugin in Kenntnis zu setzen. Die verhafieten Reichswehrfunker. Verletzung der Betriebsvorschristen. Von den verhafteten Reichswehrfun kern sitzen nur noch die in Gießen in Haft, während die in Fulda festgenommenen vom Gericht sosort wieder freigelassen worden sind. Festgestellt ist bis fetzt nur eine Verletzung der Betriebsvorschriften für die Reichswehrfunkstellen. Während aber die Fuldaer diese Ver- letzung zugegeben haben und daraufhin enthaftet wurden, bestreiten die Gießener diese an sich nicht bedeutende Verfehlung. und deshalb ist gegen sie der Verdacht entstanden, daß sie Schlim- meres begangen hoben könnten. Dafür liegen jedoch jetzt, so wird halbomllich erklärt, sonstige Anhaltsgründe nicht vor. In wenigen Tagen dürfte sich darüber Gewißheit ergeben. Glückwunsch an Lttrich. Die preußische Regierung an den hessischen Staatspräsidenten Ministerpräsident Otto Broun hat an den hessischen Staats- und Ministerpräsidenten und Minister des Aeußeren Ulrich in Darmstadt das folgende Schreiben gerichet: Namens der preußischen Staatsregierung beehre ich mich, Ihnen zur Vollendung des 75. Lebensjahres die herzlichsten Glück- wünsche auszusprechen. Die preußische Staatsregierung ist sich wohl bewußt, wie groß Ihr Anteilan dem Wiederaufbau des Deutschen Reiches nach dem urtglllcklichen Kriege zu bewerten ist und bedauert auf das lebhafteste, daß Sie, verehrter Herr Staatspräsident, sich entschlossen haben, Ihr verantwortungsvolles Amt in jüngere Hände zu legen. Sir wünscht Ihnen' einen schönen Lebensabend, der es Ihnen vergönnen möge, die Desreiung des Rheinlandes und damit Ihres engeren Vaterlandes von fremder Besatzung, für deren Beseitigung Sir sich stets mit besonderer Wärme eingesetzt haben, zu erleben. Mit dem aufrichtigsten Wunsche, daß Sie den seltenen Festtag froh begehen, bin ich, sehr verehrter Herr Staatspräsident, Ihr Ihnen in aufrichtiger Verehrung ergebener Braun. Auch Reichspräsident von Hindenburg hat dem hessischen Staats- Präsidenten Ulrich zu seinem 75. Geburtstag telegraphisch sein« Glückwünsche übermittelt. Rechisblock und Teuerung. Scharfe Kritik an der Wirffchastspolitik des Reiches. Di« Erhöhung der Eisenpreis«, gegen die neben der verarbeitenden Metallindustrie auch die deutschen(3«werk- schaften nachdrücklichen Protest erhoben haben, fand heute im Haushaltausschuß des Reichstags selbst di« Kritik des Reichswirt- schaftsministers E u r t i u s, der erklärte, daß gegen die eigenwilligen Praktiken der Kartelle ein Warnungssignal aufgerichtet werden müsse. Zu diesem Zweck hat er eine Verfügung erlassen, sind als seine meist ganz unerquicklichen Gemälde. Gegen den Manierismus in seiner und seiner Zeitgenossen Malerei, gegen den „Zopf" der veralteten Akademien erhob sich die junge Generation. Sie wird hier repräsentiert durch den prachtvollen Landschafter I. A. Koch und durch Scheffer n. Leonhardshofs ol» Abgesandten der sogenannten Lutasbrüder, die 1810 der Akademie und ihrem Direktor Füger den Fehdehandschuh hinwarfen unter An- führung von Overbeck und Pforr. Die zarte, klare, auf die Meister der Spälgotik zurückgehende Kunst dieser Frühromantiker wird durch Schaffer und außerdem auch durch die Jugendwerk« von Schwind und Führich trefflich illustriert, die hier wichtiger als ihre späten Zeichnungen erscheinen und den Zusammenhang mit dem nazare- Nischen Landschafter O l i vi er klar erweisen(den man erstaunlicher- weise nnter dieser Schar vermißt, obwohl er Jahrzehnte in Wien gelebt und intensiven Einfluß ausgeübt Hot). In die Sentimentalität her Viedermeierei führen D a n- Häuser, Fendi und Schindler ein: aber man lernt diese Meister des tränenjÄigen Wiener Genrebildes doch von ihrer besten Seite kennen, die durch feines Detailstudium und anmutige Aquarell- färben ausgezichnet ist und sich fast gänzlich der unangenehmen Bürgerpathetik enthält. Ein großer Meister und ein Meistor von großdeutscher Art war Rudolf Alt, den man unter den spezifischen Wienern des neun- zehnten Jahrhunderts, Schwind und Führich abgerechnet, wohl den größten nennen kann. Wie kleinlich erscheint neben seiner Akku- ratesse der berühmten Meissonier, wie kalt auch Menzel neben der ganz liebeersüllten Sorgfalt und sinnlichen Feinheit von Alts unendlich differenzierten Aquarellen! Hier steigt das Miniatuvhafte in seiner Treue und Wahrheit zu monumemalcr Größe empor. lieber die Verfallserscheinungen der Gründerzeit, bezeichnet durch die Namen Makart, Canon und Romako, trösten nur einig« ausgezeichnet« realistische Beobachtungen des, als Maler auch nicht einwandfreien Petten koser hinweg. Und dann steht man vor der Gegenwart, in der die Namen Klimt, Schiele, Kokoschka(von dem Krasthuber Egger-Linz abzusehen) bald schon klassisch zu werden beginnen. Klimt kann man wiederum in seinen Zeichnungen am reinsten genießen: das Sublim« dieser gar nicht monumentalen, dafür im tieften Grund« kunstgewerblichen Be- gabung liegt in der nervösen Sensibilität des Umrisses, und wie er einen Akt, ein Porträt preziös in den Raum setzt. Schiele freilich ist ganz nur Wiener Kunstgcwerblichkeit, da wo sie ans„Gschmus" grenzt; eine penetrant diffizil« und perverse Begabung mit dem unangenehmen Beigeschmack der Sensation. Große Kunst ersteht den Wienern erst in Kokoschka— aber sie haben sie nicht gewollt, sie haben den einzigen, der sie heut« künstlerisch rehabilitieren könnte. ausgestoßen, und selbst in den dürftigen vier Zeichnungen, die da ausgestellt sind, und in dem beredten Schweigen der Kotaloaein- leitung liegt ein Bekenntnis der Nichtzugehörigkeit, das Kokoschka mindestens nicht Unehre macht. Der Nochwuchs scheint, von der Seite der Zeichnung(und der Graphik) angeschaut, nicht allzuviel Ermutigung zu geben. F a i st a u e r enttäuscht mit bunt banalen Entwürfen: Wingola gefällt sich in technischen Modellierungsspielereien: H. B ö ck l wiederholt sie in nervöserer und persönlicherer Gestalt. Carry Häuser, Laske, Ehrlich, Sterrer u. a. stich zu erkennen, die vielleicht manches erhoffen lassen. wonach dem Reichswirtschastsnünister künftig Abschriften über alle Beschlüsse und Vereinbarungen der Eisenkartelle in Preisange- legcnheiten mitgeteilt werden müssen, damit gegebenenfalls dagegen Maßnahmen getroffen werden können. In der Diskussion nahm Genosse Robert Schmidt das Wort zu einer Kritik an der Haltung des Reichswirsschastsministerlums: er tadelte vor allem, daß die sogenannte Anleiheberatungs- st e l l e noch immer nicht ihre Arbeilen aufgenommen habe. Der Reichsbankprästdent Schacht habe mit seinen! Vorgehen gegen die Gemeinden die Wirtschaft aus das schwerste geschädigt und zur Steigerung der Arbeitslosigkeit beigetrogen. Ge- nasse Schmidt begrüßte die Verständigung zwischen Reich und Preußen in der Frage der Elektrizitätswirtschaft. Ueber die Erhöhung der Eisenpreise und die dagegen gerichteten Maß- nahmen verlangt« er weitere Auskünfte. Ebenso fordert« er Aus- kunft darüber, was das Wirtfchaftsministerium gegen die Steig«- rung für Mauer st eine, Kalk und Zement getan habe. Im Gegensah zu allen anderen Ländern find in Denlschland durch die ganze Rationalisierung die Preise auch nicht Im geringsten gesenkt worden. Das Ministerium habe auf diesem Gebiete viel zu wenig getan. Kampsberichi aus Mexiko. Allerdings von voriger Woche. Rogales(Arizona). 28. Januar.(Reuter.) Der hier eingetrosfen» amerikanisch« Konsul in Mazatlan (Mexiko) berichtet, i» der letzten Woche habe bei Ixtlan zwischen Bundestruppen und Aufständischen ein schwerer Kampf statlgefunden, an dem mehrere hundert Mann Truppen teilgenommen hätten. 37 Aufständische und 14 Bundessoldaten seien gefallen. Die Wahlangst der Reaktion. Auch in England. London. 28. Jannnr. Xev parlamentarische Korrespondent deS„Xaili) Telegraph" glaubt, endgültig erklären zn können. daß die Regierung nicht beabsichtige, das Parlament auszulösen. Wenn nicht unvorhergesehene Zwischenfälle eintreten, würden die Wahlen teiuesfallö vor Janua'r 192A sein, und die Frage» mit der man sich befasse, sei nicht mehr die eines früheren Wahldatums. sondern die. ob die Wahlen vor oder nach Fertigirellung des Budgets für l82si sein sollen. Die Entscheidung hierüber sei wesentlich von dem Erfolg der Anstrengun- gen abhängig, die das Schabamt gegenwärtig für de» Budgetausgleich macht. pariser Militärkoller. Scharfe Rationalistenhetze gegen deutsches Memorandum. Paris, 28. Januar(Eigenbericht). Die Prager Denkschrift Deutschlands in der Sicherheitsfrage findet in der Pariser Presse nur wenig Ge g« n l i e b e. Am vorsichtigsten äußert sich noch der offizöse„Petit Parisien", der sich kein abschließendes Urteil erlauben zu können glaubt, weil die Grund- tendenz der deutschen Rot« nur sehr unklar zum Vorschein kommt. Die Rechtspresse dagegen ist sich in ihrer glatten Ver- urteilung sämtlicher deutscher Vorschläge einig- Deutschland wolle nichts wissen von einem Sanktionskriege des Völkerbundes, weil es selbst kriegerisch« Absichten habe. Es zeigt Vorliebe für die ameri- konischen Pattvorschläge, well diese keine Bindung bedeuten, sondern jeder Macht das Recht geben, entgegen der Dölkerbundsverpflich turfgen neutral zu bleiben. Es verlangt allgemeine Zlbberufung, weil es wisse, daß es durch seine Reichswehr und feine ungeheuerliche Kriegspotenz dann eine Art Hegemonie über die übrigen Mächt« erhalte.(!) Das deutsche Memorandum sei also nichts anderes als Heuchelei. Aach Sibirien muß ich jetzt reisen. (Lied des Verbannten). I. Räch Sibirien muß ich jetzt reisen, Mutz verlassen die blühende Welt, Schwer beladen mit sklavischem Eisen, Harren meiner nur Elend und Kalt'! O Sibirien, du eiskalte Zone, Wo kein Zephir die Fluren beglückt, Mo kein Funk« der Menschheit nur wohnet, Wo das Aug' keine Hoffnung erblickt. II. Bon den Meinen gewaltsam gerissen, Aon den Meinen gewaltsam getrennt, Kann im Leben sie nimmermehr küssen, Die mich Vater, mich Gatten genannt. Ach, wer trocknet den Meinen die Tränen, Die die Liebe der Unschuld geweiiü. Mit der Rache will ich mich versöhnen, Nenne nlir, o Geschick, solch einen Freund! (Dickes Lied, das in Berlin einst viel gelungen wurde, ist manchem Parleigenossen jetzt wieder in ikrtnnerung gelammen) Portragsabende: Ludwig Hardt und Iren« Triesch. Ludwig Hardt gab auf Einladung der Volksbühne im Bürgersgal des Rathauses einen Dortrcrsabend. X>tr Künstler besitzt die seltene Fähigkeit durch seine Menschlichkeit, bisweilen sogar durch seine Menschlichkelten, den unmittelbaren Anschluß on dos Publikum zu finden, �ie Hörerschar dieses Abends war sehr groß: aber er wußte auch sie rasch zu einem einmütig versammelten Freundestreis um- zuformen und feiner Kunst einen fruchtbaren empfänglichen Boden zu bereiten. Sie entwickelte sich darin, wuchs und blühte. Hardt braucht ,m höchsten Maße die Resonanz des Publikums. Allen, oft gehörten Worten kann er dann immer neuen, eigenen Klang entlocken. Zwischendurch läßt er übermütig den ganzen Reichtum semer Sprech- technik glänzen; er kommentiert seine Dortroge, beantwortet Zuruf« aus dem Publikum. Dabei häll er oft stark die Grenze zwischen Scherz und Tragik, von der er bald nach der einen, bald nach der anderen Seite abbiegt, ohne je mißverstanden zu werden. Di« Vor- tragsabe nde Ludw ig Hardts können sehr reich sein. Dieser— im uberfullten Rathaussaal— war«s.— Irene Irtesch sprach vor Hörern der H u m b o k d t s ch u l e. die sich leider in nur geringer Zahl eingesunden hallen. Dies« Meisterin der Sprache hätte einen gefüllten Saal verdient. Ihr Programm wurde im wesentlichen von Goethe und Tolstoi bestritten. Außerdem las sie«in Kapitel aus der.Vlias". Sie formte die Werke lebendig, bunt- undgluwoll nach: unterstrich sie mit kleinen Gesten, mit einer leisen Mimik. Aber sie wußte sich weise zu begrenzen. Nie gtill sie in das Gebiet des Dramatischen hiimber. Ihr Vortrag blieb stets ganz innerlich, veine Kunst. Die Zuhörer dankten ihr lebhaft.<5— z. Schluß mii derEnischadigungskomödie! Oer Kriegsschadenausschuß arbeitsunfähig. Was kommen mußt«, ist qcstcrn vormittag im 22. Ausschuß liei Beratung des Liquidations- und Äriegsschädenschluhgesetzes ein- getreten: die Berhandlungen mußten abgebrochen werden. Tagelang haben die Bürgerbloctparteien«ine e r n n- tiafie Beratung verzettelt, weil zwischen Regierung und Regierungsparteien keine Einigung über d«n Charakter des Geseges zustande kam. Ob Schlußgesetz mit sofortiger Hilsc für die Kleinen, oder ob für dos Dutzend Groß- geschädigter, die hunderte von Mi l l i on« n Sche- den ersetzt haben wollen, aus lange Jahre hinaus f'aatliche Subventionsansprüche se st gelegt wer- de» sollen, darum geht der Streit. Anfangs schienen die Rc- gicrunggsvertreter festbleibcn zu wollen und nicht bereit zu sein, den Gedanken des Schlußgesetzes aufzugeben. Neuerdings wehren rtitch sie sich nicht m«hr. Man diskutiert tagelang über nebensächliche theoretische Begriff? und kommt man schließlich cm eine Stelle, die eine Entscheidung über den Charakter als Schlußgesetz verlangt, dann wird die Abstimmung hinausgeschoben, bis die Einigung zwischen Regierungsparteien und Regierung kommt. Aber zu Be- ginn jeder Sitzung wartet man vergeblich auf diese Eini- gungscrklärung, weil hinter den Kulissen über die Mittel des Finanz- ininisters immer noch wütend geschachert wird und man nicht weiß. wieviel für die Liquidationsgeschädigten übrig bleibt. Diesem unwürdigen Spiel haben am Freilog die Sa- zialdemokralen ein Cnde gemacht. Sie erklärten, sich nun nicht eher an den Arbeiten beteiligen zu wollen, bis der Regierungsblock sich über seine eigene Gesehesoorloge geeinigt habe. Es blieb bei dieser Sachloge nichts anderes übrig, als die Beratungen des Ausschusses bis Dienstag nächster Woche zn vertagen. Di« Verantwortung für diese neue Verschleppung eines wirklichen Notgesetzes trifft einzig und allein die Bürgerblockparteien, denen es auch bei diesem Gesetz lediglich darum geht, in erster Linie Groß- Unternehmungen mit Staatsmitteln zu sanieren und die darüber di« Not der Kloinen und Geschädigten völlig ver- gessen. Schrecks Verkehr mii den Polen. Die Spionage des polnischen presseattachös paciorkowfti. Im Dotumcntenfälscherprozeß Schreck platzte gestern eine Bombe. Es wurde festgestellt, daß der Angeklagte Schulz in der weiaang. einen von Schreck empfohlenen Herrn Berger vor sich zn haben, mit dem polnischen Presseuttachü Pador- kowsti zusammen gewesen ist und ihm gegemiber sich als„Reichs- wehrsoldat auf Urlaub" aufspielen mußte. Cr hatte dafür eine Entschädigung von 30 M. erhalten. Bis zum gestrigen Tage hatte Schulz nicht gewußt, wer dieser Berger war. Als der Dar- sitzende jedoch die Photographie vorlegte, die Paclorkowski darstellte, erklärte er jedoch mit oller Bestimmtheit und trotz wiederholten Borhaltens, daß dieses der„Herr Berger" gewesen ist. Die Aussage ist von entscheidender Bedeutung sür den Prozeß, da Schreck bis zuletzt geleugnet hott«, irgendwie mit Pacior- towski in Verbindung gewesen zu fem. Nach einer Auskunft des Polizeipräsidiums Berlin, die heute im Prozeß verlesen wurde, wohnte Paciorkowski in den Iahren 192�-1326 in einer Berkiner Pension in der Taueiüzienstroße. hatte aber sein Bureau im ersten Stock der Kurfürsten- st ratze 136. Es ist das die gleich« Adrefle, die Schreck in seinem gefälschten Brief an einen„Barcikowski" angegeben hat. nicht dem Abschluß eines Gruppcntarifes gleichkomme. Für die Eiseck- konstruktionsarbeitcr und die E i s c n s o r m e r seien be- reits generelle Zulagen vereinbart worden, ohne daß es zum Ab- schluß von Gruppentarifcn gekommen sei. Nach einer längeren Beratung der Unternehmer gaben diese zum Schluß der Verhandlung die Erklärung ab, daß sie nach wie vor eine generelle Lohnerhöhung ablehnen müßten, daß sie aber damit einvcr standen seien, wenn i n den einzelnen Betrieben Lohnverhandlungen ge- pflogen werden. Damit würde den Betrieben die Möglichkeit gegeben werden, sc ckach ihrer finanziellen Lage die Zulagen zu bemessen. Mit diesem Berhandlungsergebnis beschäfttgte sich Freitag abend im Verbandshaus der Metallarbeiter eine stark besuchte Konferenz- der Vertrauensmänner der Berliner Werkzeugmacher, in der der Ge- uosse Riedel vom Metallarbeitorverband den Bericht von den Ver- bandlungen- gab. Daß in der Diskussion eine starke Empörung über das ausweichende und zugleich provozierende Verhalten der VBMJ.- Unternehmer zum Ausdruck kam, nimmt weiter nicht wunder. 2!ach eingehender Debatte beschlossen die Funktionäre einstimmig, der einbcrufeneck Branche»Versammlung zu Sonntag zu empfehlen, das Angebot der Unternehmer, in bctricbsweise Verhandlungen einzutreten, abzulehnen und weiter zu beschließen, in der nächsten Woche in allen Betrieben eine Streikabstimmung vorzunehmen. Es ist nunmehr Pflicht eines jeden Berliner Werkzeugmachers, die Bronchenversammlung am Sonntag, vormittags 10 Uhr, in den Prachifälen am Märchenbrunnen zu besuchen. Ein Narr kann mehr fragen____ Zwar verschweigt die„Rote Fahne" ihren Lesern die Fälschungen und Erfindungen, die aus der Lust gegriffenen Behaup- rungau, die wir ihr immer i lachweisen, wenn sie angeblich den „Vorwärts" zittert; sie behauptet aber, daß der„Vorwärts" „schweigsam" sei. und stellt uns dann eine Reche von Fragen, deren Unsimiigkeit eine Antwort eigentlich überflüssig macht. So behauptet sie ohne jeden Beweis frank und frei in Frage- form, daß die fozialdemokvattschen Gewerkschaftsführer ihr Einver- ständws zur Verlängerung der Wartezest gegebe» und zwei Wochen später nicht deren Verkürzung gefordert hätten. Genosse Brühl soll weiter eine Verordnung erlassen haben, die ungefähr das Gegenteil von dem enthätt, was die„Rote Fahne" ihr an- dichtet. Ebensowenig kann von einer Neugründung bor „R a n o" gesprochen werden, da diese schon lange vor dem Ar- beitslosenversicherungsgcsetz bestand. lieber die Erhebung von Beiträgen zur Arbeitslosenversichcnmg hat man nicht aus die Antrage der„Roten Fahne" gewartet, wn gegen Unzuträglihkeiten Maßnahmen in Vorschlag zu bringen. Schließlich sei festgestellt, daß die Spruchausschüsse durchschnittlich ein- bis zweimal pro Woche, jedenfalls immer bei Bedarf, zusammentreten. Im übrigen: Siehe Ueberschrist. Freigewerkschastlicher Erfolg. hivdenburg O.-S.. 28. Januar(Eigenbericht). Das endgültige Ergebnis der Betriebskroickenkossenwahlen für die oherschlesischen Eisenhütten liegt nunmehr vor. Es beweist, daß sich in den Reihen der oberschlesischen organisierten Arbcsterschost im letzten Jahre der Gedanke de: freien Gewerkschaften immer mehr durchgesetzt hat. Der Deutsche Mctallarbeiterver- band stieg von 37 aus 102 Mandate, während der christliche Metallarbeiterverband von seinen 52 Ausschußmitgliedern 2 0 verlor und nur noch 32 inne hat. Der Gewerkverein Hirsch-Duncker verlor ebcnsalls 8 Mandate und hat mir noch 18 im Besitz. Einigung in der Lohnfroge der Buchdrucker in Graz. Graz. 27. Januar. Infolge der Einigung in der Lohnfrage der Buchdrucker wurde im Laufe des heutigen Nachmittags die passive Resistenz eingestellt. Groß-Berliner parteinachrichten. Kinderfreunde Groß-Berlin: a«i» Xenlittn,(Üruvw Birk«: Sonntag, 29. Januar, U Uhr, treffcu mit uns zum Besuch der Sternwarte an der Uirche Larrturthplatz. 20 Pf. mit. bringen. Eltern sind willkommen. Kreuzberg,©nippe SUboii: Sonntag. 29. Januar. Fahrt nach Finken- u?-. treffe» uns um•'KS Uhr©örligcr Bahnhof, Unfallstelle. Egen unt» oO Pf. Fahrgeld find mitzubringen. Krei» Ziciuickeadorf: Sreisfahrt am Sonntag, 29. Januar, nach Birken- Werder. Treffen dortfelbst Uhr._ US. Abt. Wir treffen uns am Sonn- tag um Hi8 Uhr am Bahnhof Schonholz. Fahrgeld mitbringen. Theater der Woche. Vom 2g. Januar bis 6. Februar 4S2S. Boll-bShiee. Theater am BSlornplat: 29., 30., 1., 4., 5., 6. Man» ist Mann. ZI., Z. Hinkemann. 2. Peer©nnt. Theater am Schiffbaurrtaana: Schieber bcs Ruhms. Thalia-Theatee: Tas Kamel geht durch da» Nadelöhr.— ttper an Plag»er Republik: 29. Rofenkaoalicr. 30. Zar und Zimmermann. 3i. Sulla Miller. 1. Fidelis. 2. Eanalleria Rufticana. Bajazzi. 3. Carmen. 4. Zum l. Mal: Der Arzt wider Willen. 3. Don©iovanni. ii. Der Arzt widca Willen.— Städtische Ooer Chart» ttenburg: 29. Der fliegende Holländer. 30. Manon. 31. Zum 1. Mal: Ezio. 1.©in Maskenball. 2. Fidelio. 3. Die Zauberflöte. 4. Czio. 5. Die Meistersinger. 6. Jenny spielt aus.— Schau- fpiethau» am©eud-rm-nrn-rkt: 29., SO., 1., 2., 3. Der«aufmann»an Venedig. 31. und 0. Opernabend: Der Barbier pon Sepilla. 4. Zum 1. Mal: Die Weder. S. Di- Weber.— Schiller-Theatee Chaelotteaburg: 29., 30., t,, 2., 3., 4. End- gut, alles gut. 31. und 6. Wallensterns Tod. 3., 3 Uhr: Di«©cfchwister. Der zerbrochene«rüg! 3 Ubr: Ende gut, alles gut.— Deutsche» Theater: Bis 2. Peer©ynt. Ab 3. Robert Emmet.—«ammerfplele: Finden sie, daß Eon- stancr sich richtig oerhält?- Die Komödie: Vi? 31. Die Ehe von Welt. Ab t. Mareel Fradclin.— Theater am Rollenbarfplah: Die Abenteuer des braue» Soldaten Sckiwcik.— Ih-ater ta ber Köaiggräyc» Straß«: Schloß Wctterstein. — Komödieuhau,: Hokuspokus.—©roßc, Schaufpielhaua: Madame Pompadour.— Theater de» Westens: Mllnchhaufcns legte Liebe.— Komische Oper: Alles Nackt!— Deutsche» Küastlcr.Theatcri Eoclyne. 29., porin. 11 ih Uhr: N'llc.�iöe. Feier._ Lustfpielba»»: Unter©eschästsaufstcht.— Lrfiing.Thcater: Rose Bernd.— Theater am Kartllrfieubamm: Bei UNS um die©edachtnislirche rum.- R-sideaz.Zb-atcr: Sii-smama.— Thealir in der«-mmaubauteustraßr- Bi« Der©arten Ed:u. S. Der Dornenweg.— Wetropol-Theatrr: Die schöne Helena.— Berllrer Theater: Der Herr pon..'— Die Tribüne: Spiel im Schloß.— Kleine, Theater:©reichen.— Reuaiffauer-Theater: Coeur-Bube. 3.. 23 Uhr: Eoeur-Tub«.— Walhallo-Thratrr: Eine Liebesnacht.— Rose- Deatcr: Der Pfarre- von Nirchfeld.— Kafinp-Theater: Die spanische Fliege.— Theater in»er Kl-st-rstraßc: 29., Z., f., 5. Der fröhliche Weinberg. 30., L. 3. Schmettcrlingsschlacht. 31. Liebe. 6. Eharlens Tante.— Schloßpark-Theater Steglig: Der Bettelstudent.— Theater im Admiraispalast: Wann und wo.— Wiutergartrn: Barietz.— Seala: Internationale« Barletö.— Reichshalle»- Theater: Stettiner Sänger.— Theater am Kottduffer Tor: El itr- Sänger. Rachmittag, vsrstellungra. B»U»büh»e. Theater am Vilo». Platz: 29., ö. Mann ist Mann. Theater am Schissbaurrhamm: 29., 5., Schiebet des Ruhms. Thalia-Theater: 29., 3. Das Kamel geht durch das Nadelöhr.— ©roß«» Schauspielhaus: 29„ 5. Madame Pompadour.— Residenz. Theater: 29., 5. Karussell.— Theater in der Kommaadauteustraßr: 29„ 3. Der Dorne rw weg.-»erliner Theater: 29., 3. Mllllcrs.—«leiae» Theater: 29. Lisfy. d!e Kokotte.— Walhalla-lbeoter: 29. Rotkäppchen und der Wolf.— Rosc-Theater: 4., S. Frau Holle.— Theater ja der«lostrrstraß«: 29. Frau Solle. 1.. 4., 5. Rotkäppchen.- Schlohpart. Theater Steglitz: 29. In der Iohaitnisnacht.— Theater im Admiralepalast: 29.. 3. Wann und wo.— Seala: 29., 4., 3. Intel. nationales Variet«.— Rcickshallen. Theater: 2?., 3 Stettiner Sänger.— Theater am Kottbulser Tor: 29., 3. Elitc-Sänger. � (Schluß des reöaktionellen Teils.) Seit Iahezehutea ist die«-iß. Woche im»aufhau, Wilhelm Joseph. Schöueberg, Hauptstr. 163, die Sensation des Westens. Boller Spannung er- wartet di- Hausfrau diesen Tag, und was ost nur al» leiser Wunsch gehegt. jetzt geht es in Ersllllung. Sie kennen das Prinzip pon Joseph, immer noch besser in der Qualrtat, immer noch billiger im Preis. Wir pcrweiseu auf das heutige Inserat. Verantwortlich für Politik: Dr. Curt Seyrr; Wirtschaft:©. Kliugelhöfer; ©ewertschafisbeweguna: Z. Steiuer: Feuilleton: K. s. Dilchee: Lokales und Sonstiges: Fritz Karstädt: Anzeigen: Tb.©lsike. sämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts-Lerlag©. m. d. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und DerlagsanstaU Paul Singer u Co.. Berlin ED 63, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilag«. Bettwäsche Bett-Gamituren n-pkor-g. C50 Deckbett und 2 Eiseen..•. U Bett-Garnitur Linon. v«-k. 075 bett und 2 Kisten... 10.10 U Bett-Garnituren Di«itiii75 Deckbett und 2 Kinsen. 13.90|| LäkSn rolle Breite und L&nge Hauftuch oder Dowla«.. 3 30 Barclient- Laken».ich,, ig; mo;lige Qualitäten... 3.49 SUäsiteuer- Tage Riesenmengen Waren bester Qualitäten wie Leinen« u. Baumwoliwaren. Tisch», Le8b«y. Bettwäsche Tischwäsche Tischtücher O75 130/220 6-90, 130/160 4.60. 130/130 U Tischtücher i75 130/223« 86, 130/160 6.69. 130/130 f I, Dsm»,t*mnc mit HoblsHun, f 35 290 T Wäschestoffe 42 Hemdentuch •tarkfSdig... 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Eine Räuberbande, die ausgekundschaftet haben muß, daß Asselmann an bestiinmten Togen Lohngelder aus Müncheberg abholte, lauert« ihm in der Nähe von Wald-Sicversdorf auf, siel über ihn her, schlug ihn nieder und nahm ihm das Geld ob, das er bei sich hatte. Es waren aber zufällig nur 1?,50 M., weil Asselmann ausnahmsweise an jenem Tage die Lohngeldcr noch nicht abgeholt hatte. Als der lieber- fallen« wieder zu sich kam, fand er sich gefesselt in einer Gerölebudc am Roten Cnch. Er befreite sich und fuhr mit dem nächsten Zuge weiter. Die Räuber waren natürlich verschwunden. Am 17. Januar hatten die Witwe des Wasserniüllers Knien a n und deren Tochter auf dem einsamen Gehöft der stillgelegten Mühle von Dohmsdorf-Müncheberg Besuch. Di« 32 Jahre alte Tochter brachte ihn abends nach dem Bahnhof und nahm wegen der Finsternis eine Laterne mit. Als sie zurückkehrte, und nach einer ihr auffallenden Lücke im Zaun leuchtete, sprangen plötzlich zwei maskierte Männer aus dem Gebüsch hervor und riefen„Hände hoch! Still fein!" Hilferufe hätten ohnehin nichts genützt, weil niemand sie gehört hätte. Auf Verlangen mußte Fräulein 5knienan die beiden in das Haus führen und wurde dort ebenso wie ihre Mutter mit vorgehaltener Pistole in Schach gelialten, während die beiden Maskierten, zu denen sich noch ein dritter gesellte, die Behältnisse össncten und durchwühlten. Die Bande erbeutete nur 30 Mark und einig« Vorrät« aus der Räucherkammer. Nach dreimertel Stunden gingen sie davon und drohten noch einmal mit Erschießen, wenn sich die Frauen nicht ruhig verhalten sollten. Erst als sie sich wieder sicher fühlten, benachrichtigten sie den Oberlandjäger. Zwei der Verbrecher konnten wenigstens einigermaßen beschrieben werden. An der Aufklärung des Verbrechens beteiligte sich aus Veranlasinng der Landeskriminal- polizei auch das Raubdezernat des Berliner Polizei- Präsidiums. Diesem gelang es durch intensive Zusammenarbeit mit der Lands öoerei und den Ortsbchörden.die beiden Raubüberfälle aufzuklären. Dar Verdacht fiel auf den Kreis der Personen, die bei den Einbrüchen ihre Hand im Spiel gehabt haben mußten und deren Verwandtschast. Eine Haussuchung förderte drei schwarze Masken zutage. Das Belastungsmaieriol verdichtete sich so stark, daß gestern abend zwei Schwerverdächtige festgenommen werden komrten. Beide leugneten hartnäckig. Unter dar Last' des Materiols gab aber noch langem Verhör der ein« zu, an beiden Raubüberfällen beteiligt ge- wesen zu. sein. Ter zweit« leugnet auch jetzt noch, ist aber ebenfalls überführt. Beide wurden noch in der vergangenen Nackst nach dem Gefängnis des zuständigen Amtsgerichts in Müncheberg gebracht. Die Untersuuchng erstreckt sich aber noch aus weitere Personen im Bereiche der oben erwähnten Gegend und im Laufe des heutigen Tages i werden voraussichtlich noch mehr Verhaftungen erfolgen. Schon wieder Akiendiebstahl in Moabit. Kriminalpolizei im Anwaltsbureau. In Moabit ist man schon wieder einer neuen Aklendiebfiahls- assärc aus die Spur gekommen, in deren Mittelpunkt der bereits wegen mehrerer Artendiebstähle und Aktenfälschungen abgeurteilte und mehrfach vorbestrafte Juwelier Wilhelm Brandenburg aus der Wilmersdorfer Straße in Eharlottenburg steht. Dieser oerbüßt gegenwärtig seine Strafhoft in der Lehrter Straße. Wie erinnerlich, hatte Brairdcnburg mehrfach Zivil- und Straf- akten stehlen lassen, diese verfälscht und, soweit er sie nicht ganz verschwinden ließ, dann wieder eingeschmuggelt. Die neue Aktendieb- stahlsasfäre bezieht sich auf ein Strafverfahren gegen Brandenburg aus dem Jahre 192 2. Damals war er wegen fahrlässiger Tötung angeklagt gewesen. Er hatte mit seinem Auto in der Kon- stanzer Straße das lleine Töchterchen des Staatsanwallschostsrats Schindler überfahren und getöter. In dem Strafprozeß. trat«» eine llieihc von Zeugeü auf, die den Vorfall beobachtet höben wollten und' bekundeten, daß das Kind in das Auto hineingelaufen fei. Es haitc damals auch ein gerichtlicher Lokaltermin am Tatort stattgefunden. Der Prozeß erregte großes Aufsehen, weil sich die Zeugenaussagen direkt widersprachen. Branden- bürg mußte aber mangels Beweises auf Kosten der Stoatskasie frei- gesprochen werden. Infolge der letzten Akicndiebstahlsprozesse gegen Brandenburg hotte dieser sich mit seinen Freunden überwarfen und auch seine Ehefrau, mit der er in Scheidung liegt, hat viel Material gegen ihren Ehemann Mammcngetragen. Jetzt wird behauptet, daß Brandenburg die damaligen Entlastungs- zeugen zum Meineid angestiftet habe, und daß sie alle falsch geschworen haben. Um die Anschuldigung nachzuprüfen, wallte der zuständige Dezernent bei der Generalstaatsonwaltschaft I die Akten in der Autoiache heranziehen. Es stellte sich aber heraus, daß die gesamten Strafakten verschwunden sind. Die Staatsanwalt- schalt ist daher gezwungen, aus den noch vorhandenen Handakren eine Rekonstruktion der Strafakten vorzunehmen. Dazu bedurste sie aber auch nebe» ihren eigenen Unterlagen der Handakten des Verteidigers. Man wählte nun, um in den Besitz der Ber- teidigerakten zu komme»,«inen ungewöhnlichen Weg. Gestern abend erschienen zwei Kriminalbeamte in dem Bureau des Rechtsanwalts Dr. P u p p e in der Rathenower Straße ö und verlangten die Herausgabe der Akten. D« Rechtsanwalt Dr. Puppe sich zunächst weigerte, erklärten die Beamten: Falls Handakten nicht herausgegeben würden, müßten sie eine Durchsuchung und Beschlagnahme vornehmen. Auf den Einwand von Rechtsonwall Dr. Puppe, daß er Brandenburg in vier Strafprozessen verteidigt habe, konnten die Beamten nicht einmal angeben, in welcher Straf- fache die Handakten beschlagnahmt werden sollten, das mußte erst durch eine Rückfrage ermittelt werden. Um einer Haussuchung in leinen, Bureau und der damit-verbundenen Störung seiner Sorcch- stunde aus den, Wege zu gehen, händigte Rechtsanwalt Dr. Pupp« den Kriminalbeamten unter Borbehalt die verlangten Handakten in der Autosache freiwillig aus. Auf die Beschwerde des Rechtsanwalts stellte sich heute heraus, daß der Staatsanwalt der Kriminalpolizei keine Anweisung zur Beschlagnahme der Handakten beim Verteidiger gegeben habe, daß also ein eigenmächtiges Vorgehen und ein Miß- griff der Kriminalpolizei vorliege. Der Verteidiger hat nunmehr den schriftlichen Antrag gestellt, ihm seine Handakten wieder aus- zuliefern, und er hat auch gleichzeitig wegen des Vorgehens gegen ihn Beschwerde erhoben___ Eröffnung der„Brünen Woche". In der allen AutoHalle am Kaiscrdawm wurde heute vormittag die„Grüne Woche* eröffnet. Im Beisein von Re- gierungsvertrcteni, Mitgliedern der Parlamente, Delegierten der teilnehmenden Organisationen' und Verbände, Vertretern der Stadt Berlin und der Presse nahm nach einem musikalische» Vorspiel der Protektor der Ausstellung, Reichsminister Schiele, dos Wort. Er hob die Rot der Landwirtschaft hervor, die trotz intensivster Boden- bewirtschaftling, trotz Dienftbarmachung aller technischen und wissen- schasllichen Hilssmillel ihre schwierige Loge nicht bessern kölinc, wenn nicht die ftonfurrenz ausländischer Produkte eingeschränkt werde. Die landwirtschaftliche Woche solle den Beweis für die Leistung!-- fähigkeit der Landwirtschaft erbringen, glcichzellig aber auch das Ber- ständnis zwischen Stadt und Land förderp. Der preußische Minister für Landwirtschaft, Forsten und Domänen, Dr. Steiger, betonte die Absicht der Ausstellung, mehr auf den Verbraucher als auf den Produzenten zu wirken. In, Namen der Stadt Berlin hieß Ober- bürgcrmeister D ö ß die Anwesenden willokmwen. Gras von Kalkreuth, Präsident des Reichslandbundes, klagte ganz besonders über die Not der Landwirte. Es wurde auch sonst noch viel vom Ernst der Lage gesprochen, von der schweren Verantwortung der Landwirtschaft, dazu brauchen sie aber die 1lksierftnb"->z der Reichs- und Länderregierunge». -» Der Reichsverband des deutschen«Jartenbaus hatte am Freitag abend seine Freunde und Interessenten zu Kroll geladen. Herr Bernstiel begrüßte die erschienenen Gäste, unter ihnen Vertreter des Ministeriums für Landwirtschaft und Ernährung. Die Räume waren von Berliner Mitgliedern des Verbandes sehr geschmackvoll geschmückt. Im Gelben Saal der„eurenoviertei, Kroll-Opcr wurde den Gästen am Ansang der We r b e f il m des Verbandes vorgefiihrt, der sonst der Ocfientlichkeit nicht zugänglich ist. Der Film hat den Zweck, die Vorteile z» zeigen, die de», Gärtner durch den Verband zu teil werden. Es wird sehr viel mit statistischem Material dabei gearbeitet. Gezeigt wird der Werdegang eines jungen Gärtners, der durch die verschiedenen Institutionen des Reichsverbockdes des deutschen Gartenbaus in jeder Beziehung ge- fördert wird. Reichsbanner. Gauvorstand: Die Kameraden treten zur Teil- »ahme an der Kundgebung in Weißensee um 13,30 Uhr. Gustav- Adolf- Ecke Heincrsdorfer Straße, an. Fahrgelegenheit bis Ring- bahrchos Prenzlauer Allee und Straßenbahn 63, 71 und 72. Keine 300000 Mark Provision. Oer Magistrat zum Etadower Grundstückskauf. Gegen Stadtrat Busch,, den Gruichstücksdezernenten des Mogistrots, hotten seine Freunde in der Wirtschaftspartei allerlei Bor» würfe erhoben, durch die sie ihn zur Niederlegung seines Stadtrats- Mandates nötigen wollten. Dabei wurde ihm, wie wir am Mittwoch- abend berichteten, auch die Frage ve rgelegt, ob bei dem C l a d o w e r Grund st ückskauf für Berlin einem Rechtsanwalt eine Provision von 300000 M. gezahlt worden sein Stadtrat Busch er- klärte, er könne darauf nicht antworten, weil er zur Amtsver» schwicgenheit verpflichtet sei. Jetzt äußerte sich hierzu der M a- g i st r a t mit solgeuder Erklärung: „Eine Provision von 300000 Mark bei einem Grund- stücksgcschöst der Stadt Berlin aus ehemals Cladowcr Gebiet ist a n niemand gezahlt und niemanden, versprach e n morden. Es haben bisher nur Vorverhandlungen stattgefunden. Es scheint eine Verwechslung mit dem Ankauf des Rittergutes Düppel vor,zuliegen. Bei diesem Gutserwerb hatte der Pächter des Guts- Hofes und des umliegenden Geländes auf Grinrd einer Bercinbarunq mit dem Bevollmächtigten des Prinzen Friedrich Leopold Anspruch aus Uebcreignung einer Gcländcfläche. Da die Stadt die Hergäbe dieser Ecländesläche an den Pächter ablehnte, mußte ver Bevoll- inächtigte des Prinzen den Anspruch des Pächters abfinden und dies geschah durch die Zahlung von 300 000 Mark. Mit der Stadt steht die Zahlung dieser Summe in keinem Zusammenhang, weil es sich bei ihr lediglich um Rechtsbeziehimgen handelte, die zwischen dem Pächter des Gutes und dem Bevollmächtigten des Prinzen Friedrich Leopold bestanden. Diese Abfindung ist auf Berlangen der Stadt Berlin unter Kürzung des Kaufpreises um die gleiche Summe an den Pächter direkt gezahlt worden." „Volt und Ieii", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauslage bei. Hinrichiungen in England. Llnter dem Ausnahmezustand? Am Freitag wurden in C o r d i f— wie aus London gemeldet wird— die beiden wogen Ermordung des Boxers und Fußball- jpiclers Lewis zum Tode verurteilten Schottlönder D r i s c o l l und R ow la n d s hingerichtet. Vor den, Gefängnis hatten sich zum Protest gegen die von der englischen Regierung abgelehnte Begnadigung Tausendc von Menschen eingefunden. I» Anbetracht des verhängten A ü s n o h m e z u ft a n de s und der umfasiendeii polizeilichen Vorsichtsmaßnahmen kam es jedoch nicht zu den bc- fürchteten Kundgebungen._ Schwere peiroleumexplosion in Texas. Zahlreiche Tote und Verletzte. Aus Texas kommt die Meldung vo» einer schweren Petroleum- erplosion, die sich i» der Oil Rasining Eompany in M e. o m e i) ereignete. Nach den erste» Nochrichte» sollen 60 Arbeiter dabci ihren Tod gefunden haben. Die letzten Meldungen scheine» sich glück- licherivcise nicht zu bestätigen. Zur Zeit der Explosion bejondcn sich etwa 10 0 A n g e st e l l t e in der Oelanlage. Das Schicksal von' 2 1 van ihnen ist„»gewiß. Mit ihrem Tod muh gerechnet werden. Ztlszentgleisung bei Oelintzauscn. Erst vor zwei Tagen berichletcn wir vo» einen, Zugunsall bei Dedenhausen aus der Strecke Köln— Berlin, wodurch mehrere T>-Züg« aus dem Westen bis zu 3>-stüicküg« Verspötungen erlitten. Lxutc morgen um Uhr wurde der Zugverkehr ouf dieser Strecke abermals"empfindlich gestört. Bei der Einfahrt in die Statian Bad Oeynhausen entgleiste aus ungeklärter Ursache die Loko- motive des aus Paris kommenden O-Zuges 5. Eine größere Arbeitskolonne war etwa drei Stunden lang an der Unfallstelle mit dem Eingleisen der Maschine beschäftigt. Der Verkehr in Richtung Berlin wurde dadurch lahmgelegt. Der aus Amsterdam kommende D-Zug 173 traf mit 77, der aus Köln kommende D-Züg 7 mit 40 und der aus Poris kommende Luxuszug 11 mit 3 0 Minuten Verspätung in Berlin ein. .Kinder als Eisenbahnattentäter. Wie aus Leipzig mitgeteilt wird, wurden gestern gegen 1415 Uhr nachmittags zivischon Beucha und Trebs?,, aus den Schienen, ouf einer Strecke voi, etwa 75 Metern, in größeren und kleineren Abstände,, große Schottersteinc gesunden. Zudem lag am Bahnübergang eine etwa 6,40 Meter lange Eisenstange. Bon einem herankommenden Personenzuge wurden die Hindernisse zur Seite geschleudert, so daß kein Unglück entstand. Die polizeilichen Untersuchungen hoben ergeben, daß als Täter drei Schulknaben im Alter von sechs bis acht Jahren in Frage kommen. Der England— Austrolienslug. Die vier englischen Super- marineslugboot«, die von England„och Australien und zurück fliegen, trafen in Kalkutta ein und werden ihren Flug in einer Woche fortsetzen. keKev Mim™ W 30, L!e«M5 Rln;; Dukatengold(900 gest.) zum Rckla.nepreis von.... Mk. Iß.- Gediegen und modern..... Mk. 3t.— Schwere Ausführung..... Mk. Z8.— 1 Ring(888 gest.) Gediegen und modern..... Mk. 12� Schwere Ausführung..... Mk. IS.— 1 kkarat. Ringe v. 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