Morgenausgabe Xr.Si A26 45. Iahrgang Döch-ntNey SO Pfemitg.«anaGch S— Retchsmart im oorau» zadldae. Ume? Streifband»m In- und Aus» land S.ö0 Reichsmar? vrr Monat. Der.Lorwüm' nnt der»Quftnet-- ten Svnntogsbeiiage.Volk und Zeit� U-wie den Beilagen.Umerdaiwng »rnd Wissen'.Au» der hilmwelt'� .Htadtbeiiage'.'Hrouenstimme� �Der Kindertreunv'.Äugend-Dor» zväns'.Blick«n dr» Büchenvelt�, �Kultur ardeir' und.Technik� erscheint wochenröglich twe-mal. Sonntag» und Montag» einmal. Verttner Vottsviatt Oiensiag 31 Januar 1926 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die ttitipaitige StonparelNezet!« 80 Pfennig Reklomezeile 5— Reichs» mark»ftlftne Anzeigen' da» iettge» dru«Lt» Wort 2S Pfennig lzuläffig zrve, isttgedruckte Wone). tedes weitere Wort 12 Pfennig Stellengesuch» da» erst« Wort lb Pfennig. iede» werter» Wort 10 Psennrg Worte über lö Buchstaben zählen für zwer Wort« Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig Familianzelgen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzelgen« annahm»'w Hauptgeschäft Linden« ltrabeZ. wochentägl oonS1/? dt» 17 Uhv Jsntvatoesan de« SozwldemokvaMchen Navtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Ton Hofs 202—237 Tel egramm-Adr: Sozialdemokral Berlin Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Posticheckkonto: Verlw 87588— Bankkonto: Bank der Arbetter. Angestellten und Beamten VaLstr. 65 Ttskonto-Gelellschakt. Teposttentaste Lindenstr 8 Außenpolitik im Reichstag. Gtrefemann gegen Landbund.- Breitscheid für Räumung des besetzte« Gebiets. Oeutschnationale Oppositionsrede. Komödie der Irrungen im Reichstag. Der Minister des Auswärtigen beschwert sich in öffentlicher Reichstagsrede über das Verhalten eines integrierenden Bestandteils der Regierungskoalition. Der Sozialdemokrat pflichtet ihm bei. Der Vertreter der größten Koalitionspartei, der Deutfchnatio- nalen, fetzt auseinander, daß die ganze Außenpolitik seiner Regierung verkehrt sei und empfiehlt das gerade Gegenteil der Politik, die bisher getrieben wurde. Herr Strefemann sprach gestern»ach längerer Krankheit wieder zum erstenmal. Er machte es ziemlich kurz und hielt sich an sein Manuskript. So blieb die rhetorische Wirkung geringer, als man es sonst bei diesem Minister gewohnt ist. Ueber das Niveau einer ordentlichen und vernünftigen Darstellung des Gegebenen erhob sich die Rede nur an wenigen Stellen. So dort, wo der Minister über die Heuchelei sprach, die in der„S i ch e r h e i t s f r a g e' vielfach getrieben wird. Das Wort ist zutreffend, soweit es sich auf die Agitation gewisser nationalistischer und militaristischer Kreise des Auslandes be» zieht, die die Redensart von der„deutschen Gefahr" nicht preisgeben können, wenn sie ihren Laden nicht zumachen wollen. Es wird uns aber nicht gelingen, diesen politischen Gespenstersehern ihre Kundschaft abspenstig zu machen, wenn es uns nicht gelingt, den Gespenster glauben selbst zu zerstören. Der Hinweis auf die deutsche Abrüstung allein wirkt da nicht ganz überzeugend, Wohl ist unbedingt richtig, daß DeutschiLnd heute dem Zweikampf auch mit einem viel klei- neren Gegner nicht gewachsen ist. Trotzdem bleibt ein technisch und organisatorisch hochstehendes 6l)-Millionenvolk inmitten Europas ein wichtiger Faktor der auswärtigen Politik: seine Stellung zu Fragen des Krieges und des Friedens, sein Der- halten als Dritter bei Konflikten, die zwischen anderen Völ- kern entstehen, kann unter Umständen von entscheidender Be- deutung sein. Darum kann der Hinweis auf die deutsche Entwaffnung allein nicht oersangen. Wirklich beruhigende Wirkung kann nur ausgehen von der deutschen Außen- politik, ihrer Loyalität und ihrer Gradlinigkeit, ihrer Ach- tung vor freiwillig geschlosienen Verträgen, ihrer Entschlossen- heit bei diesen Verträgen zu bleiben und in ihrem Sinne zu handeln. Darum hat Herr Sireseman recht getan, daß er auf die Betonung der deutschen Vertragstreue mehr Gew'cht legte als auf die Schilderung der deutscben militärischen Schwäche. Er bekannte sich mit den stärksten Worten zu L oc a r n o und d-'- deutsch-französischen Verständigung, als d e r e n F r u ch t er dann vollkommen»onseguent die Räumung des besetzten Gebietes forderte. Mit diesen Ausführungen stellte er sich allerdings, wie der weitere Verlauf der Debatte zeigte, in schärfsten Gegensatz zur stärksten Regierungspartei des Büraerblocks. Blieb der Minister in diesem Teil seiner Rede unpolemisch und positiv, so sah er sich doch, als er auf die Verhandlungen mit Polen zu sprechen kam, zur schärfsten Abwehr gegen die eigenen Koalitionsgenossen genötigt. Er traf die deutsch- nationale Landbunddemagogie auf den Kopf mit der Fest- stellung. daß die Vereinbarungen, die bisher zwischen War- schau und Berlin getroffen wurden, die einmütige Billigung des gesamten Kabinetts gefunden haben. Darüber, was die deutschnationalen Minister in der Sflle des Beratungszimmers tun. zerreißen sich die deutsch- 'miionalen Landbunddemagogen öffentlich das Maul. Be- weis genug, daß die politische Heuchelei, über die der Minister klagte, nicht nur außerhalb der deutschen Reichsgrenzen zu finden ist. �. Die Rede Stresemanns bot im ganzen keinen Anlaß zu einer Attacke von links. Der Redner der sozialdemokra- tischen Fraktion. Genosse B r e i t s ch e i d, konnte zwar an dem Verhalten vieler Beamten des Auswärtigen Amtes scharfe und berechtigte Kritik üben, zu den grundsätzlichen Ausfüh- rungen des Außenministers konnte er aber im Namen der Sozialdemokratische Partei nur seine Zustimmung erkläre». Das Bild änderte sich vollkommen, als der aus dem Zir- kus Busch herbeigeeilte deutschnationale Redner. Herr vvi» Freytagh-Loringhoven, dos Wort nahm. Gewiß war seine Rede in ihrem Drum und Dran eine Berlegenheits- rede, aus Wenn und Aber Einerseits und Andererseits zu- kammengesetzt. Sie enthielt sich auch jener temperamentvollen Angriff« auf die Außenpolitik und Jhren veramworttiaien Leiter, wie sie in früheren Zeiten üblich waren. Sachlicy aber entwickelte sie ein Programm, das dem der Regierung vollkommen entgegengesetzt ist. Hatte Strefemann die deutsch-franzöfische Verständigung als den Grundpfeiler des europäischen Frie» d e n s gepriesen, so setzte Herr v. Freytaglz-Loringhooen die- fem Gedanken das alte Zerrbild der deutsch-französischen„Erbfeindschaft" entgegen. Er empfahl eine Polttik der Der- ständigung nicht mit Frankreich, sondern„mit den na- türlichen Gegenspielern Frankreichs, in er- st er Reihe mit Italien". Am Ende seiner Gedanken- reihe steht, unausgesprochen, aber doch zum Greifen deutlich, die Bildung zweier europäischer Lager, in deren einem sich Frankreich in dem anderen Deutschland befindet und die zum Zusammenstoß aufeinander bereit sind. Die französischen Militaristen werden nicht umhin können, eine Deputation nach BerFin zu senden, um Herrn v. Freytagh-Loringhoven ihren Dank abzustatten. Er hat ihnen, wie auf Abrede, alles gelufert, was sie brauchen. Das ist nun freilich das Gegenteil von dem. was das deutsche Volk braucht. Denn das deutsche Volk braucht das Der- trauen der Well in feine politische Ehrlichkeit. Der deutsch- nationale Frattionsredner aber streute mit vollen Händen Mißtrauen. Der Außenminister der Rechtskoalition feiert die Der- ständigung mit Frankreich. Der Redner der stärksten Re- gierungspartei predigt die Koalition g e{j e n Frankreich. Wer wundert sich wenn dann das Ausland die Ohren spitzt, wenn es fragt:„Was geht da vor? Was steckt dahinter?" Die Polttik der deutschen Regierung erhätt durch die Be- telligung der Deutschnationalen einen Zug der V e r- l o g e n h e i t. Der gegenwärtige Zustand ist eine nationale Gefahr und eine nationale Schande! » 0 0 Im Reichstag erfolgte gestern die zweite Ssrawng des Etats des Auswärtigen Amts. Der Ausschuh hat dem Etat mit un« wesentlichen Aende rungen zugestimmt, vorbehaltlich der Nachprüfung der Besoldungen und persönlichen Ausgaben beim Ergänzungsetat für 1928. Er beantragt bei den einmaligen Ausgaben die Ein- stellung von>59 900 M. für die Deutsche Liga für Dölkerbund. In einer Entschiietzung fordert der Ausschuh die Durchprüfung der vereinigten Presseabteilung durch den Reichssparkommissar. Reichsaußenminister Dr. Stresemann Die Reichsregrerung hat in der vergangenen Woche dem Völker- bund in einer Denkschrift ihr« Bemerkungen zur Sicher« heit»- und Abriistungtfrage mitgeteilt. Die nächste Tagung der Abrüstungstoinnrission ist auf den IS. März cinberufeii. Deutschland Hot sein« Bereitwilligkeit zur tätigen Mitarbeit aus- gesprochen. Wir haben vollständig abgerüstet und ein ganzes Reh von Schiedsverträgen abgeschlossen. Es ist eine Binsenwahrheit, daß der Völkerbund sein Ziel nicht erreichen kann, wenn sich seine Mit- glieder durch Verträge in verschiedene G nippen spalten. Cs darf in der Dessen Ilichkett nicht der Eindruck enlskehen, als ob die Sicher. heit eines einzelnen Slaales aus kosten der Sicherheil anderer Staaten begründet werden soll, als ob es weniger auf die Siche- rung des Friedens, als aus die unmittelbar« Vorberei- tung der nächsten Kriege ankomme, als ob das Ziel nicht die allgemeine Verständigung, sondern die Verewigung bestimmter Machtpositionen einzelner Staaten sei.(Sehr richtig!) Die deutsche Denkschrift spricht das so klar aus, dah es mir unverständlich ist, wie der„Vorwärts� darin einen Rückschritt hinter Locarno sehen kann. Wir haben verschiedene Handelsverträge abgeschlosien, darunter mit Frankreich. Wir stehen in Verhandlungen mit der Tschechoslowakei. Polen und Litauen. Die Verhandlungen mit Litauen stehen kurz vor dem Abschluß. Während der Slnwesenheit des litauischen Ministerpräsidenlen Woldemaras In Berlin haben zwischen ihm und mir Besprechungen stattgefunden, die eine weitgehend« U eberein st immvng unsererAnsichten ergaben Das Ergebnis ist der Abschsuß eines Sckiiedsgerichts- und Ausgleichsvertrages und verschiedener technischer Verträge. Auch über die verhällnisie im Memelgebiel und über die dort oerbliebenen deutschen Optanten ist eine befriedigende Regelung erzielt worden. Was unser Verhältnis zu Polen betrifft, so ist die Leiden»- geschichte unserer Handelsvertragsverhandwngen bekannt. Im Juli vorigen Jahres ist die Niederlassungsfroge geklärt worden. In den daran anfchlieheaden Wirtschaftsverhandlungen ist von un» in einem Protokoll das Ausmaß der wirtschaftlichen Konzessionen auch auf dem Gebiete der Landwinschast festgelegt worden. Diese Festlegung entsprach einem einmütigen Beschluh des Gesamtkabinetts. Ich muß es deshalb zurückweisen, wenn in einem Aussaß des Hommerschen tandbundes und in der.Deutschen Tageszeitung" gesagt wird, daß die Hemmungen gegenüber dem Schuß der Landwirtschost vom Auswärtigen Amt ausgehen fLebhaftes hört, hört! links.), und wenn in den Entschließungen des Laad- bundes gesagt wird, man werde nicht dulden. Saß überhaupt eiu Handelsvertrag mit Polen zustande kommt.(Hört, hört, links.) Ein Handelsvertrag ist nicht ein Geschenk, da» sin Staat dem anderen gibt. Wir sind nicht in der Lage, uns ein« wirtschaftlich« Autokratie leisten zu können. Einmütig haben alle in der Reichsregieruns vertretenen Parteien sich für diesen Kehraus beim Lanbbund. polttische Hetze.— Angst vor den Wahlen.— Geldsammlung für Kememörder. Die Paradekundgebungen des Landbundes im Zirkus Dusch und im Großen Schauspielhaus sind vorübergerauscht. Interessanter aber als die Reden war der Widerhall, den sie bei ihrer agrarischen Zuhörerschaft fanden. Alle Kraftausdrücke wurden mit stürmischem Beifall und tobendem Jubel begrüßt und durch Awischenruie ergänzt, die siir die„ltaotserhaltende" Gesinnung der Zuhörer kennzeichnend sind. Immer wo ein Redner zu Toten aufforderte, polterte es: Steuerverweigerung! Streik! Einstellung»er Betriebe! Man hatte da» bestimmte Gefühl, dah die Redner de» Tage»»s förmlich darauf anlegten, alles schwarz in schwarz zu malen, wirklich vorhandene Ucbelstände so schlimm wie irgend möglich darzustellen und auf diese Weise eine Siedehitze zu erzeugen, die zu wilden Aus- fällen gegen andere Bevölkcrungstlassen und direkten Lufforderun- gen zur Staatsiabotag« führte. Es braucht kaum gesagt zu«erden, daß der Lärm besonders laut wurde, wenn Ausfälle gegen die preußische Regierung, den preußischen Ministerpräsidenten oder den preußischen Landwirtschaftsminister Steiger gemacht wurden. Aus dieser„Wirischaftstagung" blieb die Sorge um den Au»- gang der Wahlen, die Sorge um die schwindend« Macht der Deutschnationalen Bolkspartei da? absolut Beherrschende. Graf Westarp hielt eine ausgesprochene Wahlrede. Alle Rekormvorsch'äge des Herrn v. Kalckreuth knüpften letztlich an die Besitzer- und sozialen vpposittonslnstinkt« der Großgrundbesitzer und der von chnen Irregeführten an. um die polttische Haltung der Versammellen zu beeinflussen Der Eharakterisierung der Arbeitslosenversscherung durch Herrn v. Kalckreuth als einer Prämie auf die Faul» heit. ja noch mehr, als ein Zwang zur Faulheit, folgte natürlich stürmischer Beifall. Mit lautem Hurra schloß Herr Ricolas-Rostin. der Borsitzend« des Brandenburgischen Landbundes, eine Rede gegen die Sozial- demokratie, die da» Wildeste an Geschmacklosigkeiten und Demagogie darstellte. Die Sozialisten wollten mtt ihrer Polttik nur billiges Siedlungslond schassen,„um ihre Kreaturen unterzubringen". Mit ihrem Agrarprogrnmm kämen sie als Wolf im Schafpelz, iudem sie ..die Landwirtschast beseitigen" wollen, weil sie dem Marxismus heute der einzige Hemmschuh sei. „Der preußische Landwirtschaftsminister hat sich verkrochen!" So hat der zweite Vorsitzende des Brandenburgischen Landbundes die Mitteilung kommentiert, daß der Landwirtschaftsminister Steiger im preußtschcn Landwirtschaftsministerium, wo ihn eine Delegation aufsuchen wollte, nicht anzutreffen war. Ein Beweis, wie wenig es dem Führer des Reichslandbundes wirklich um die Rettung der Landwirtschaft zu tun ist, denn gerade da» preußische Landwirtschafts- Ministerium ist am ernstesten um ein« wirkliche Wsung der ftriie bemüht. Freiheit für die Fememürber forderte Herr v. Oppen-Tornow, und zwar ausgerechnet nach der Rede des Grafen Westarp. Wir wissen es nicht, ob es derselbe Herr v Oppen ist, der in den Fememordprozessen genannt wurde. Aber es ist kennzeichnend für den Geist der Tagung, für die Führung des Reichslandbunde», daß nach der Rede des Herr» v. Oppen eine Geldfammlvng durchgeführt wurde zur Unterstühung der Fememörder,»ich auch für ihre Arensdorser Gesinnungsgenosse». BeiklaAsabsHkuß ausffespwchm. 3ti wddjc Sage kommen aber unsere Delegierten bei den Verhandlungen in Warschau, wenn ein derarkiges Echo aus dem Deutschen Landbund kommt?(Beifall.) Bei der Besprechung der deutsch, französischen Be» ziehungen bedauert der Minister die Trübung dieser Be- ziehungen durch die Fortdauer der Rheinland- b e s e tz u n g. Wenn französische Stimmen die Aufhebung der Be- sehung davon abhängig machen wollen, daß Deutschland weitere Sicherheiten gewährt, so wird übersehen, daß der Locarno- vertrag alle Sicherheiten bietet, die überhaupt ein Staat dem anderen bieten kann. Wer nach weiteren Sicherheite" ruft, seht Zweifel in den Locarnovertrag. wenn wir nicht das vertrauen haben, daß die geschlossenen Verträge gehalten werden, dann hat es überhaupt keinen Zwei!. Verträge zu schließen.(Beifall.) Di« im Loearnooertrog Frankreich gegebene Sicherheit ist durch Englands Machr und Englands Wort garantiert. Das Verlangen nach weiteren Sicherheiten wäre also ebenso eine Beleidigung Deutschlands, wie Englands, weil es sich auf die Vor- siellung des Wortbrucbs beider gründet.(Beifall.) Es muß endlich einmal darauf hingewiesen werden, daß in dem Ruf nach Sicherheit gegen Deutschland ein Stück Heuchelei liegt, das nicht länger von der öffentlichen Meiwmg ertragen werden kann.(Stürmische allseitige Zustimmung.) Wir fordern die Rheinlandräumung, weil wir die deutsch-französische Verständigung als die Gnrndlage des europäischen Friedens ansehen, und weil wir in der Fortdauer der Besetzung eine unüberwindlick« Hemmung der deutslh-srarnösischen Berständigung sehen, wir sind keineswegs gewillt, die Abkürzung der vessßung mit drniernden Verpflichtungen zn erkaufen, die über die Bedingungen des versailler Vertrages hinausgehen und geeignet sind, das ÜTißkrouen zu verewigen, und damit eine wirkliche und wirksame Friedenspolitik zu verhindern.(Lebhafter Beifall.) Genosse Or. Vreitscheid beklagte sich zunächst über die Undurchsrchtigkeit. die diesen Etat wie die vorjährigen auszeichne. Es sei kaum noch möglich, die einzelnen Ausgabeziffern zu kontrollieren. Infolge der über- und außenpl anmäßigen Aus- gaben, die sich wie ein« ewige Krankheit von Etat zu Etat forffchleppen, wisse man niemals genau, wie hoch sich die Aus- gaben des Auswärtigen Etats eigentlich beziffern. Anläßlich der Forderung, eins sehr erhebliche Anzahl von Gesandtschaften auf dem amerikanischen Gesamtkontinent umzuwandeln, müsse doch die Frage aufgeworfen werden, ob der Unterschied zwischen Bot- schoften und Gesandtschaften nicht antiquiert sei, man sollte in, inter- »citiovalen Verkehr diese Differenzierung beseitigen.(Sehr richtig! links.) Das Kulturressort sollte mit der Drucksachen- Propaganda über die Kriegsschuld in« Ausland weniger freigebig sein. Der Erfolg bleibt zweffslhast. Das letzte Wort könne im Augenblick über diese Frage doch nicht gesprochen werden und es könne noch lange dauern, bis eine objektive Instanz wie etwa ein neutraler Gerichtshof ein Endurteil fällen könne. Ein Fall Tirpich. In diesem Zusannnonhang sei daran erinnert, daß in der Presse der Rechten Angriff« gegen Abgeordnete gerichtet worden sind, die auf Reisen nach Paris— wie das ihr gutes Recht ist— ihre Auf» iassungen über die deutsch-sranzösts che« Beziehungen geäußert haben. Diese Kritiker müssen aus einen anderen Vorfall aufmerksam gemach« werden. Anfang Novcnllxr 1927 hat der Reichstagsabgeordnete Herr o. Tirpitz in Stockholm einen Bortrag gehalten, der zu- lammen mit einigen Interviews die schwedisch« Oesfentlichkeit stark beschäftigt. Der Vortrag, betitelt„lDeutsch-scchwedische Kulturzusam- jnenhänge*, war veranstaltet von der Deutsch-schwedischen Gesellschaft, an deren Spitze der Gesandte v. Rosenberz steht, er behandelte aber fast ausschsteßNch politische Fragen. Zualach äußerte sich Herr o. Trrpizz in Zntarviews über den Kampf der Flotte 1918. Er yw-nte, die Fkotte hätte im Lk. iober 1318 größte All suchten für einen entscheidenden Kampf gegen die englische Flotte gehabt. Die Revolution habe den Sieg vor- hindert. Der Krieg, sagte er.«vurde. ntchl von der Entente gewcmuev. sondern von den deutschen Revolutionären für die Enicnke.(Leb- Haftes Hört! hört! links.) De.« Austreten des Herrn Admirals ist selbst in Schweden als pein- lich und taktlos empfunden und bezeichnet worden.(Sehr gut! links.) Die liberale„Dagens R y h c t« r" schrieb:„Tirpitz setzt seine Bmiühungen fort, die schwedische Gastfreundschaft zur Propa- gierung doutschnotionaler Parteidogmen zu benutzen." Kann das Auswärtige Amt solche Veranstaltungen unterstützen? Mit dein stark schwarzweißrolen Herrn v. Rojenberg muß einmal ein ernste» Wort gesprochen werden.(Sehr gut! links.) Tirpitz hat die Gelegenheit des Vortrags benutzt, um die Dolch- stoßleoend« von der Tribun« herab zu verkünden, während der Untersuchungsausschuß des Reichstags zu entgegengesetzten Feststellungen gelangt ist. Wir werde ich Diplannat? Das Auswärtige Amt versucht die Frage der Sozial- a t t a ch ä s in der Weise zu losen, daß«S Sachverständige des Ar- bcitsministeriums zur Anlernung der ständigen Beamten der Bot- schoften ins Ausland schickt. Das ist kein« Lösung und es besteht eine gewiss« Gefahr darin, wenn sich das Auswärtige Amt gegen alles, was außerhalb der geheiligten Räume des Auswärtigen Amts ausgewachsen ist, abschließt. Die Herren kämen nicht alle diese Fra» gen von Grund aus studieren: das Völkerrecht, Geschickste, National- ökonomie, Sozialpolitik und dergleichen und alles wirklich gleich- zeitig beherrschen. Aber man läßt von außen niemand herein. Ich kann mir vorstellen, daß es Kenner dar wirtschaftlichen Fragen draußen im Lande und auch in anderen Ministerien gibt, aber sie werden nicht zugelassen. Allerdings bei unserem Kollege«, dem Fürsten Bismarck, war die Zulassung zum Auswärst gen Amt nicht ganz so schwer. Wohl dir, daß da ein Enkel bist!(Heiterkeit.'» Dieses Prinzip darf nicht in der bischerigen Starrheit durchgeführt werden, wenn nicht Gefahr sein soll, daß die vorhandenen Kräfte, die im diplomatisch«, Dienst»erwertet werden können, nicht aus- genutzt werden. Allerdmgs, auf der anderen Seite wäre es außen- posttisch ungeheuer bedenklich, wenn zu den bisherigen Beamten im auswärtigen Dienst auch noch Militär» und Marine- attachäs hinzugefügt würden. Die Erziehung des ganzen Nachwuchses erscheint mir nicht durchweg einwandfrei. Ich rede nicht van den wnsen- schaftlichen Kursen, aber wir hören, daß neuerdings Rest stunde und Aulomobllsührerkurse zum ordenküche» Lehrgang gezuachl werden(Heiterkeit.), daß den jungen Herren sogar nahegelegt nstrd. bei welchem Schneider in Berlin oder anderswo jie ihre Anzüge machen lasten sollen.(Heiterkeit) Das lenkt doch die Aufmerksamkeit aus Gegenstände, daß ein« De- schästigung mit anderen Dingen, besonders mit sozialpoictischon und Arbeitersragen, die allerdings nicht vornehm sind, in den Hinter- grund treten. Das Auswärtige Amt ist kein exklusiver Klub und soll es nicht sein. Man sollte deshalb den Diplo- waten keine Ausgaben auferlegen, die sie nicht aus ihrem Einkom- men bestreiten können. Es besteht die Gefahr der Plutokrati. sierung des Auswärtigen Amts. Bekennt«ich ja« deutschen Republik! Unter den höherenBeamten des Zluswärtigen Amts ve» steht vielfach«n« Auff-stung üb«? die deutsche Republik. der nicht scharf genug entgegengetreten werden kann. Hierdurch| Ein Gchiele-Gkandal. Elgenmachiige Drosselung der Gefrierfleifchverieilung ab 1. Februar. Nachdem die Rechwpa rieten bei der Beratung des Haushalts ur das Schiele-Ministerium mit ihren Anträgen auf Einführung anes Gefrierfleischzolls von 37,50 M. pro Doppelzentner auf den erfolgreichen Widerstand der Sozialdemokraten und eines Teils des Zentrums stießen, versuchen sie auf andere Weise ihr Ziel zu«r- reichen. Don Wirtschaft-parteilern genügt offenbar die Annahm« eines Antrags der Deutschnationalen im Ausschuh nicht, der die Re- gierung ersucht, eine Vorlage einzubringen, die das zollfrei« Kontingent für die Einfuhr von Gefrierfleisch aufhebt. Sie haben inimnehr einen Antrag eingebracht, der die Außerkrafr- s e tz u n g des 5 5 des Zollgesetzes vom 17. August 1923 fordert, die die zollfreie Einfuhr von Gefrierfleisch im Rahmen der bisherigen Einfuhr— zurzeit 120 000 Tonnen jährlich— bestimmt. Was man im Haushalt sausschuß nicht glaubt erreichen zu können, das hoffen die Floischverteurer im Reichstagsplenum zu erreichen. Nach 8 4 des Zollgesetzes hat die Regierung die Zu- stimmung des Reichsrats und eines Ausschusses de s Reichs- tags nämlich das Recht, im Falle eines dringenden wirtschaftlichen Bedürfnisses die Eingangszölle für zollpflichtige Waren zu ändern oder aufzuheben. Ganz gegen ihre sonstig« Gepflogenhest gehen die Rechtsparteien jetzt direkt an den Reichstag in der Hoff- nung, dort eine Mehrheit für die Verteuerung der Volksernährung zu finden.'Auf diesem scheinbar einfachen Wege soll das zollfreie Gefriersleischlontingent befestigt und der autonome Zoll von 43 M. je Doppelzentner in Kraft treten. Doch das Ministerium für die Znkerestcn der Großlandwlrtc market die Entscheidung des Reichstags nicht einmal ab, sondern wagt es schon setzt, das gesetzlich sestgeiegte Kontingent von 10 000 Tonnen monatlich aus eigener Machloollkommenheit zu kürzen, wie uns von zuverlässiger Seile mitgeteilt wird, hat das Ministerium für die zum 1. Februar zur Verteilung gelangende Menge bereits eine Kürzung um 15 proz. angekündigt. Tatsächlich sind es aber 20 proz., denn statt der gesetzlich zugesicherten Menge sollen für Februar und März nur je 3500 Tonnen zur Verteilung gelangen. Zweck der Hebung ist, durch diese Kürzung eine Verknappung und dornst Preissteigerung des Gefrierfleischs und Annähe- rung an den Frischsteischpreis herbeizuführen. Dann kam, das Ministerium für Unterernährung herrlich nachweisen, die Bcvölke- rung könne ganz gut auf Gefrierfleisch verzichten, denn es fei nur unwesentlich billiger als Frischfleisch: an diesem fei ein reichliches Angebot vorhanden, es brauche nur gekauft zu werden. Das Reichs- ernährungsministerium überführt die Bestrafung der Verbraucher für die Verfehlungen des Handels bereits in die Praxis. Es wird sich für sein nicht im Einklang mit dem Gesetz stehendes Vorgehen vor dem Reichstag zu ver> antworten haben. werden die jungen Diplomaten ungünstig bsein- flu ß t. Man kann sich da nicht wundern, daß auch die Stimmung in den Missionen im Auslande sich in gleicher Richtung bewegt. Der Verfassungslog muß in den deutschen Auslondsmts. sionen seierlich begangen werden. Zu verlangen ist serner ein« stär- kere Demokratisierung der deutschen Missionen im Auslande. Wie steht die Sozialdemokratie za-r Außenpolitik? Mit der Führung der Außenpolitik sind meine Parteifreunde einverstanden. Die Erfüllungspolitik hat uns allerdings zwangsweise auf einen Leidensweg geführt Aber die Deutsch- nationalen haben mit dazu beigetragen, daß die Dames-Lasten uns auferlegt wurden. Wir mußten unsere Verpflichtungen erfüllen, so lange wir dazu imstande sind, um den guten Willen zu zeigen, und um durch eine solche Politik den Trägern der Vernunft auf der anderen Seite Gelegenheit zu wirksamen Handeln zu geben. Man sagt, in der auswärtigen Politik könne sich leicht eine nationale Einheisfront bilden. Wir glauben nicht an eine solche Bolksgememschaft. In gewissen praktischen Fragen können wir aller- ding? übereinstimmen Man wird uns Sozialdemokraten bet allen Maßnahmen als Helfer finden, die aus eine Sicherung des Friedens hinauslaufen. Darum unterstützen wir auch die gegenwärtige Außen- positit. Die Denkschrift der Reichsregierung enthält recht pazifistische Gedairken, sie sagt, man nütze dem Frieden nicht— durch Aorbemtimg des Krieges, hoffentlich hat Herr Schiele diese Denkschrisl vor der Absendung gelesen, sonst könnte es zu unerfreulichen Auseinandersetzungen im Kabinett kommen.(Hesterkest.) Draußen im Land« schlagen die Deuffchnationolen allerdings ganz andere Töne an als dies« Denkschrift. Willst da de« Friede«, bereite iha vor! Es genützt nun aber nicht, sich so zum Frieden zu bekennen, wie dl» IkegfSarng ee titE.' Der FnSe ist nicht nur ein« Angelogen- best des guten Willens, sondern auch der technischen Organi« sation. Wer den Frieden will, muß auch die praktischen Wege dazu gehen. Einer dieser Wege ist die intswnationale Schiedsgerichtsbarkeit Die deutsche These sür die Ab- rüstung stutzt sich aus Artikel 5 des Versailler Vertrages, der die ollgemeine Abrüstung abhängig macht von der deutschen Abrüstung. Frankreich stützt sich auf ArtikA 8 des Statuts des Völkerbundes, der das Maß der Abrüstung abhängig macht von dem Stand der internationalen Sicherheit Wir halten an der deutschen These fest und glauben, daß auch bei dem gegenwärtigen Stand der Sicherheit mit der Abrüstung der anderen zum mindesten der Anfang gemacht werden könnte. Wir srcuen uns, daß die deutsch« Regieriuuz trotz oller Bedenken entschlossen ist, die fokustative Klausel des Statuts des Internationalen Gerichtshofes zu unterzeichnen. Die Verträge zur Ausfüllung der Lücken des Völkerbunds- stawts sind zum Test sehr bedenklich, well sie nahe an den Begriff von A l l t a n z e n grenzen. Trotzdem begrüßen wir alle diese Schiedsverträge wegen ihrer Tendenz, auch den mit Herrn Woldemaras aus Kowno. Aller- dings hindert uns das nicht, gleichzeitig unsere schärfst« Miß» b, l l i g u n g auszusprechen gegen d,e Verfolgungen, die der Diktator von Litauen gegen unsere Genossen richtet(Beifall bei den Soz.) Man kann b« Schiedsverträgen nicht auf die inneren Verfassungs- zustande eines anderen Landes Rücksicht nehmen, hofsenttich führt dieser vertrag zu einer Annäherung Litauens an die westlichen verfasiungszuflände. Andere Staaten brauchen sich übrigens über diese Verträge nicht aufzuregen. Wir haben ja schon längst einen solchen Vertrag mit Sowjetrußland. Wir hoffen ja auch auf den Abschluß des Hai, delsver- t r a g e s m i t P o l e n. Ich hätte nur gewünscht daß die energische und klare Stellungnahme des Außemmnisters in der polnischen Frage auch Herrn Schiele und seinen Freunden zu Gehör gebracht würde. Wir hoffen für die Verbandlungen, daß auch Polen ernstliches Entgegenkommen zeigt uns daß es gelingt, be- sonders das Niederlassungsrecht zu regeln, wie es unter Kulluroölkern üblich ist. Loear«o«ruß fortwirken! Leider ervärt England in dieser Denkschrift zum Schieb?- gerichtShos, daß es nichts halte van der Unterschrift unter die Fakul- tcrtivklausel. daß es sogar Bedenken erheb« gegen die Zwangs- gerichtsbarkelt in Rechtsfrageu. Deutschland foDe nun endlich praktische Vorschlög« für den Ausbau des Schlads wesens machen. Mvn könnte z. B. die Idee von Locarno er» weitern, und den Vorschlag Norwegen», daß ein Vorschlag des Rates, wenn er einstimmig angenommen worden Ist, auch bindenden Charakter bekommen soll. Deutschland sollte alles tun, um eine Entwicklung in dieser Richtung zu unterstützen. Deutschland hat die Aufgab«, aus dem Völkerbund das denkbar wirk- famste Instrument zur Abwehr von Kriegen zu machen. Dazu gehört allerdings auch eine ander« innere Einstellung Deutschlands zum Minoritätenproblem. Wir müssen auch dafür sorgen, daß die Waffentransportangelegenheit aus Italien nach Ungarn vor den Völkerb»i«d kommt Die Wurzel der Kriege, die in der kapitalistischen Wirtschaft liegt, kann auch der Völkerbund nicht beseitigen, wohl aber kann er die Dämme gegen den Ausbruch von Krisgen verstärken. I Soziardemokratie föt sRcheintan&tSutnang? Dr Quaatz hat behauptet, auf der Luxemburger Kon- ferenz vom Rooewber 1926 seien mit zuweit gegangen mit Zu- geständn.ssen an Frankreich hinsichtlich der Beletzung der Rheinlande. Diese Vorwürfe hat schon mein Parteifreund Müller zurückgewiesen, und wenn Paul Boncour anderer Meinung sein sollte als wir, dann weise ich daraus hin, daß der französische Sozialdemokrat Bracke kurz nach dem Kieler Parteitag erklärt hat, es erscheine ihm unmöglich, daß Deutschland, nachdem es seinen Platz im Völker- bund eingenommen hat. große Teile seines Gebietes weiter von fremden Truppen beseht sieht Wir deutschen Sozial- demokraten haben immer betont, daß Deutsch» land einen Anspruch aus die Räumung hat Wir haben auch niemals irgend welche Zngesiänduisse In der Frage der Kontrolle gemacht Wir sind einverstanden mii Völkerbundskon- trolle. wenn sie allgemein ist, und mit einer speziellen Kontrolle für die Rheinlande bis 1335. Vor allem aber ist das Rhein- land sobald wie möglich im Interesse der deuisch- französischen Verständigung zu räumen. (Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) j An die dcatschnatlonalc« Mundspitzer. Was aber haben nun die Herren Deutschnationalen, seit sie in der Regierung sitzen, außenpolitisch erreicht? Sie hatten doch soviel versprochen? Da hat kürzlich ein a b ge ha i f t et er General bei einer deuffcbnationalen Weihnachtsfeier in Pommern gesagt, er hätte den Wunsch, Stettin möckste auch einmal be- setzt werden, damit die nationale Gesinnung seiner Bevölkerung gestärkt werde.(Lebhaftes Hört, hört! links.) Wie leicht könnten die französischen Militaristen solche Worte zum Anlaß nehmen, sie wirklich wahr zu machen. Ueberhaupt sind die deutsch natio- nalen Erfolg« in der Außenpolitik gleich Rull. Gerade in dem tzahr, wo die Devtsch-natiormlen in der Regier img saßen, hat sich der Rcparalionskommissar ganz besonders als Jinanzdiklator ausgespiest und wa» hat.cn Sie(zu den Dual.) dagegen einzuwenden? Bichl einmal ein Wort des Protestes haben Sie gefunden; In diesem Jahr noch wird sich entscheiden, welche PotttS die richtige rnab Wr haben Neuwahlen nicht nur ifl Deutschlcmd. sondsrn auch m Frankreich und Belgien und vielleicht auch m Polen. Es wird sich entscheiden, welch« Politik von Dauer fein wird, was aus Deutschland, was aus Europa, was aus dem Völkerbund wird. Dabei kommt es nicht darauf an. daß wir«ne Regierung in Deutsch- land. sondern, was für eins Regierung wir hasten. Wir Haffen angesichts des völligen außenpolitischen Fiaskos des Bürgerblocks, daß es eine Regierimg sein wird, die bereit ist, in Gemeinschaft mit der Arbeiterschaft sür den Frieden und die Verständigung der Nationen praktisch zu arbeiten. (Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. v. Freylaqh-Loringhoven(Dnot) erklärt: Die Erklärungen der sozialdemokratischen Redner zur Beietzungsfraae könnten mit. Genugtuung begrüßt werden. Die Deutschnationalen könnten Tatsachen, die eine frichere Regierimg geschaffen hat, nicht von heute aus moraen beseitigen. Sie mußten versuchen, das beste aus ihnen zu maiyen, und das vertrag« sich durchaus mit der Kritik an der Politik, die zu Locanro und Genf geführt habe. Deutschlands Aufgabe im Völkerbund sei die Verfechtung des Rechts- gedankens. Wenn die französische Oesfentlichkeit diesen Gedanken ablehnt, beweist das nicht, daß der Gedanke falsch ist, sondern nur, daß er nicht Hand in Hand mit Frankreich verwirklicht werden kann. Vielleicht wollte Frankreich«ine Verständigung mit uns in der Zeit seiner Wirtschaft»- und Fmanznot Heute scheint es sie nicht zu wollen. Das erkennen wir nicht nur aus feiner Haltung im Rheinlande»nd in Genf, sondern auch aus seiner Ostpolitik. Denn Frankreich den Rechtsgedanken ablehnt. bieten sich uns andere Bundesgenossen. Die neutralen und über- seesschen Staaten wollen gleich uns den Völkerbund in den Dienst des Rechts, der Wirtschast und Kultur stellen. Mit ihnen müssen wir zusammengehen. Zugleich ergeben sich Lerbindungsstnien zu den natürlichen Gegenspielern, in erster Reihe zu Italien. Aus stürmische Zuruse der Linken antwortet der Redner, die Deutschnationalen müßten Internaiionale Abkommen„bis auf weiteres annehmen". Und weiter:„Wenn die Außenpolitik erfolglos bleibt, so deshalb, weil Stresemann die Politik der Linken weiterführt" Stresemann springt aus und protestiert heftig. Wtrth ruft:„Hören 0», Herr Minister, das ist Volksbetrug!" Zwischen VoNspartslern und Deutschnationalen entfesseln sich tvilb« Wortgefechte, zu denen die Sozialdemokraten höhnisch Bravo rufen. Schließlich tritt der deutschnalioiicile Redner ah. ohne daß sich eine Hand oder ein Mund zu Beifall rührt Abg. Dr. Bredt(Wirtsch Vgg.) weist auf die gegenwärflgi Haltung der französischen Außenpolitik bin, die in keiner Weis« die an Locarno und Thoiry geknüpften Hoffnungen erfüllt habe. Hier wird die außenpolitische Aussprache unterbrochen durch die am Sonnabend zurückgestellten Abstimmungen zum Zustizetat. Di« Anträge und Entschließungen der Oppositionsparteien werden abgelehnt, die demokrastsche Entsch'ießuna aus vehernahme der Zvfli, Hoheit der Lander durch das Reich im Hcnnmelsvrvng mit 172 gegen 134 Stimmen. Für diese Entschließung hat auch ein Teil der Dsttschen Volkspartei gestimmt. Der Etat wird»ach den Vorschlägen des Ausschusses in zweiter Lesung angenommen. Ohne Aussprach« wird das Uebereiukommcn und Statut über die internationale Rechtsordnung der Seehäsen in zweiter und dritter Beratung angenommen. Um 18?1 Uhr wird die Fortsetzung der außenpolitischen De- batte aus Dienetag, 15 Uhr. oertagt „Hier sieh' ich, ich kann nicht anders!" LUTHER I LUTHER E Vier Jahrhunderte mußten vergehen, bis ein zweiter Luther entdeckte, daß die berühmte« Worte des ersten nicht nur auf g e ist i g e, sondern auch auf materielle Standpunkte anwendbar sind! Schweizer Genoffen im Bundesrat Ein bedeutsamer Beschluß. Bern» SO. Januar. lEigenbericht.) Die Sozialdemokratische Partei der Schweiz beschloß ans einer Tagung des Parteiausschusses in Bern mit 113 gegen 97 Stimmen» sich an dem schweize- rischen Bundesrat in Zukunft zu beteiligen. Fitr die beiden freien Ministerflbe, die durch Parlamentswahl in der nächsten Zelt zu besetzen sind, sollen als sozialdemokratische Kandidaten Robert Grimm und Gros» Pierre in Vorschlag gebracht werden. * Dieser Beschluß, der, wie schon das Sltnunemzerdälwis beweist, scharf umstritten wurda, bedeutet einen wichtigen Markstein in der Geschichte der Schweizer Sozialdemokratie. Der Bundesrat, der aus sieben Mitgliedern be- steht, besitzt in der Cidgonoffenschaft die Exekutivgewalt, wäh- rend die legislative sgesetzgeberische) Gewalt von den beiden Kammern, dem Nationalrat und dem Ständerat ausgeübt wird, sofern nicht das Volk selbst durch Plebiszite(Volks- abstimmungeni seine Gesetze selbst beschließt. Der Bundesrat stellt also die Schweizer Regierung dar und wird von den beiden Kammern nach dem Grundsatz der Verhältniswahl ge- wählt. Nach den letzten Wahlen, die einen starken Gewinn den Sozialdemokraten einbrachten, hätten unsere Genossen An- spruch auf zwei Bundesratssitze gehabt. Die Mehrheit des letzten Parteitages lehnte jedoch noch vor einem Jahre die Beteiligung an der Regierung aus grundsätzlichen Gründen ob. Die Schweizer Partei ist bekanntlich noch von der Kriegs- zeit her sehr radikal, vier Jahre hindurch weigerte sich die Mehrheit, den Anschluß an die 1923 in Hamburg neugegründete Sozialistische Arbesterinternationale zu vollziehen, und erst im vergangenen Winter wurde dieser Anschluß gegen eine starke Minderheit beschlossen. Indessen war damals die Ent- wicklung in der Partei noch nicht so weit gediehen, daß auch schon die Beteiligung an der Regierung zusammen mst Per- tretern der bürgerlichen Parteien beschlossen werden konnte. In den letzten Monaten ist jedoch die Bewegung gegen die Abstinenzpolitik immer stärker geworden, gestützt auf die nicht ungünstigen Erfahrungen, die unsere Genossen in solchen Kantonen gemacht haben, wo sie sich an der Regierung beteiligten. In der Tat war der innere Widerspruch auf die Dauer unhaltbar, der darin lag, daß die Parteigenossen in den einzelnen Kantonen.Koalstionspolitik" machen durften, eine .Beteiligung an der, zentralen Bundesregierung jedoch weiter ablehnten. Da der Bundesrat, wie erwälint, proportional zusammengesetzt ist, hätte die konsequente Durchführung des' bisherigen Standpunktes zur Folge gehabt, daß die Schweizer Sozialdemokratie, um nicht mst bürgerlichen Bundesräten zu- sammen zp regieren, überhaupt niemals der Beteili- n am Bundesrat zugestimmt hätte; auch dann nicht, wenn zer 50 Proz, ja über 89 Proz. der Stimmen im ganzen Lande erreicht haben wükde! Es besteht also in der Schweiz aus verfassungsrechtlichen Gründen— ähnlich wie jetzt in den einzelnen österreichischen Ländern— der Zwang zur Koalition sregie- r u n g, dem man sich nur durch völlige, grundsätzliche Adsti- nenz entziehen kann. Das hat die Mehrhest der Schweizer Parteigenossen erkannt und wir haben die Zuversicht, daß die Erfahrungen der Zukunft ihnen beweisen werden, daß sie durch ihren Berner Beschluß den einzigen Weg beschritten haben, auf dem man etwas Praktisches im Interesse der Arbeiterschaft erreichen kann. Dann wird auf künftigen Parteitagen jene Entscheidung, die gestern noch so hart um- kämpft wurde, ganz von selbst aus den Diskussionen oer- schwinden. Deuischnationale gegen Luther. Oer Idealist Luther.— Geld stiutt nicht. Das offizielle Parteiorgan der Landesverbände Berlin und Potsdam der Deutschnationalen Volkspartei, die „Deutschnationale Tagespost", richtet an der Spitze des Blattes unter der Schlagzeile„Der Idealist Luther. — Geld stinkt nicht", den folgenden scharfen Angriff gegen Herrn Luther: „Dr. Luther hat sein Verbleibe nimVerwoltungsrat der Reichsbahn, in den er nach dem Urteil des Staatsgerichts- Hofes bekanntlich widerrechtlich berufen wurde, auch damit begründet, daß ihm ja kein finanzieller Dorteil aus dieser Stellung erwachse. Denn seine Bezüge im Verwallungsrot der Bahn würden ihm ja auf seine Reichstanzlerpenflon angerechnet. Herrn Dr. Luther ist da anscheinend«in Rechenfehler unter. laufen. Denn als Reichskanzler hat er eine Pension von 18 28S M. jährlich: bei der Reichsbahn aber beträgt seine Derwaltungsrat- tantieme nach unwidersprochenen Veröffentlichungen 32 900 M, Der Reichsbahnposten verdoppelt also sein Einkommen annähernd, trotz aller Verrechnung. Und somit erhält die„moralisch« Pflicht, aus dem Posten auszuhalten", die Herr Dr. Lucher in den Vordergrund schob, glücklicherweise eine feste materielle Basis." Der Angriff ist sachlich wohlfundiert, er deckt sich in der Sache mit unseren Veröffentlichungen über Luthers Inter- essiertheit, und in der Form wörtlich mit einer Notiz, die gestern im„Montag-Morgen" erschien. Aber wird die deutschnationale Reichstags- frakiston Herrn Marx auffordern, nun Fraktur mst Herrn Luther, dem Kleber, zu reden? KpO. gegen Einheiisrepublit. Für die Justizhoheit von Lippe. De? Reichstag hat sich gestern blamiert. Er hat mst 17? gegen 134 Stimmen eine demokratisch« Entschließung, die Schritte zur U Oberleitung der Iusttzhohest von den Ländern aus das Reich ver- langt, abgelehnt. Für die Vereinhestlichung stimmten außer den demokratischen Antragstellern auch die Sozialdemokratie und die Volk? Partei, gegen sie die Rechte und das Zentrum. Am genialsten benahmen sich dabei die Kommunisten. Sie blieben„revolutionär"— und machten nicht mst. Sie blieben während der Auszählung trutziglich vor der Tür und spazierten, erst als die Abstimmung geschlossen war. von allgemeinem Gelächter empfangen, in den Saal. Die Lächerlichkeiten und Schikanen, die die deutsche Zerrissenheit gerade auf dem Gebiet des Iuftizwefens zeitigt, gehören zu den allerschlimmsten. Daß der Offen da cher Bürger, der«inen Rechts- streit in zweiter Instanz auszufechten hat, statt über die Mainbrucke nach Frankfurt zu gehen, mst der Bahn nach Darmstadt fahren muß, ist von hundert Beisvielen nur eines. Die kommunistiflyen WeltrevÄutionäre hoben durch ihre Passivl» tat mitgeholfen, diese grotesken Zustände aus der grauen Vorzeit zu konservieren. Theoretisch sind sie für die Sowjetrepublik. Praktisch betätigen sie sich als Nachtwächter des monarchistischen Partikula- rismus. Die phoebus-Affäre. Doppelte Berich iersiatttmg— zo welchem Zweck? Der Rechnungshof de« Deutsches Reiche» wird dem Reichstag skbon m ttbsehbarw Zeit einen Nerrcht übtre die Phoebus- Affäre vorlegen. Es ist auffallend, daß dem Reichstag nicht der Bericht des Reichssporkommissars, fondmi ein besonderer Bericht über den Bhoebus-Skandol vorgelegt werden soll. Schließlich ist doch der Reichssparkommiffar identisch mit dem Präsidenten des Reick.«- rcchnungsholes, da beide Aemter von Dr. Soemisch in Personal- union verwaltet werden. Angeblich sollen gesetzliche Gründe für die unterschiedliche Behandlung maßgebend sein. Wir sind nicht in der Lage, die Gründe hierfür ohne weitere» anzuerkennen. Letzten Endes muß doch der Bericht des Rechnungshofes«ruf dos gleiche hinauslaufen wie der Bericht des Reichssparkmnmisfor». Warum also doppelt« Arbeit? Oder plant man etwa, den Reichstag nilht über alle Einzelheiten zu miterrichten? Oesterreicher in den Reichstag! Ole Einbürgerung der Oeutfchösterreicher muß erleichtert werde». Auf einem Dorkragsabend des österreichisch-deutschen Volksbundes im Reichstag sprach Ministerialdirektor Dr. F a l ck über die zwei Staatsangehörigkeiten der Reichsdeutschen und Deutschösterreicher. Die rechtliche Stellung des Deutschösterreichers ist bei uns nicht anders als die jeden Ausländers: mit Aus- nahmen in einzelnen Punkten kann seder Deutschöster- reicher wie jeder Ausländer ausgewiesen werden. ohne irgendwelche erfolgversprechend« Rechtsmittel dagegen zu hoben. Im Sinne der allgemein erstrebten späteren Vereinigung der beiden Republiken konnte schon vorher die doppelte Staatsangehörigtett geschaffen werden. Dafür würden mehrere Möglichkeiten bestehen: durch Gesetz des einen? Staates die Angehörigen des anderen zu eigenen Staatsbürgern zu machen, oder die Einräumung eines Rechte« auf Einbürgerung oder wesentliche Erleichterung der Einbürgerung. Das Verbot von Versailles, vielleicht noch mehr die Genfer Sanierungs- Protokolle Seipels über die Aufrechterhattung der„Unab- hängigkest" Deutschösterrcichs stehen einer weitgehenden allgemeines Regelung im Wege. Ein Antrag Koch-Wefer vom 13. September schlägt vor, daß inDeutschlandwohnendeDeutschöster- reicher auf Antrag eingebürgert werden müssen, dabei soll die alte Staatsangehörigkest beibehalten werden, wenn auf st« nicht ausdrücklich verzichtet wird. Das würbe mst den inter- nationalen Abmachungen vereinbar sein. Würde der Dorschlag Gesetz, dann konnten die größeren polltischen Parteien ständig Oest'erreicher in den Deutschen Reichstag und ent- sprechend die österreichischen Parteien Reichsdeutsche in den Oester- reichischen Nationalrat entsenden. Zunehmende Tätigkeit des Krakatau. Amsterdam, 3 0. Januar. Einer Meldung des„Telegraaf" auS Batavia zufolge beginnt die Tätigkeit des Bulkans Krakatau wieder Generäle im Wahlkampf. Nicht nur Foch, sondern auch Weygand. Pari». 30. Januar. Dos Abendblatt„Le Soir" schreibt unter der Ueberschrist „Der Große General st ab im Dienste der Reaktion" einen Artikel, der durch die Tatsache vercmlaßt ist. daß General Weygand dieser Tage inoollerllniformbei einem Bartrag. der dem Kampfe gegen den Kommunismus galt, den Vorsitz führte und sich an der Debatte beteiligt«. In Bezug auf Marschall Foch beruft sich das Blatt auf die gestrig« Red« des Marschalls in Nizza, in der er ein W a h l m a n i s e st zugunsten des Nattonalen Blocks entwickelt habe(siehe Montogabendauszade des.Vorwärts"). Poincare habe dieser Tage in der Kammer erklärt, die Marschälle von Frankreich, die Generale, Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten müßten außerhalb der Politik stehen. Zwei traurige Ltnglncksfälle. Gestern abend gegen lS Uhr kam die 14jährige Gertrud S e t d e l aus der Hauptsir. 57 zu Buchholz auf tragische Wesse um» Leben. Das Mädchen war aus dem Laubengeläode ihrer Eltern mll „Ende gut, alles gut!" (Neueinstudierung im SchiNertheater.) Hoffmann-Harnisch als neuer Regisseur de» Staats. theaters, unterstützt von Pirchan, dem Bühnenbaumeister. Ein schwacher Shakespeare auß der Jugendzeit, da dos Lustspiel für den Mann au? Slratsord noch«in bloßer Kulissenscherz und noch nickt der Ausgangspunkt für die melancholische Menjchenseele ist. Hofs- inarm-Harnffch also als dramaturgischer Retter«in Einpeitscher Ob das gelang? M. H. Wasserschöpsen beschäftigt. Ste verlor plötzlich da» Gleichgewicht und stürzte In den etwa vier Meter tlefeu Wassergraben. Als der Vater, der glclchsall» aus dem Laubengeläadc weilte, durch da» Ausbleiben des Mädchen» beunruhigt wurde und nach ihrem Fern- bleiben forschte, fand er sein Kind im Wasser leblos aus. Der Vater schaffte sein Kind zum nächsten Arzt, der indes nur noch den Tod feststellen konnte. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und in da» Schauhaus gebracht. Auf der Ausbesserungswerkstatt II der Reichsbahn ereignete sich gestern abend ein folgenschwerer Unfall. Belm Auswechseln der Maschinen wurde der 4?jährige Eisen bahnhilsscrrbeiter Alfred Seiler zwischen zwei Maschinen so unglücklich eingeklemmt, daß der T o d auf der Stelle eintrat. Eine Untersuchung über die Schuldfragc wurde sofort eingeleitet. Die Leiche des Verunglückten wurde be- fchlagnahml und in das Schauhaus gebracht. Die milde Giistung. so ist denn wieder Weg geschafft Zum Ziel der inneren Entgiftung: Graf Kalkreuth sprach:.Die Landwirtschaft Gleicht heute einer milden Stiftung. Mit Zuschuß ihre» Kapitals voryt sie sich um die Massenspeisung." Man nahm dies außerhalb des Saals Hin als rethorische Entgleisung. Zu Unrecht. Geht am Abend nur Spazieren durch die Weinlokale, Manche ostelbisch« Statur Trefft ihr beim Scrmcrritermahle, Die dort vei sorgt mit Speis' und Trank— Laßt eure Rührungstränen rinnen, Beziehungsweise: lacht euch krank!---- Die allerletzten Sünderinnen.,, Ionatha» Zusammsnspiel der Llnternehmer. Im Kampf in Mitteldeuischland Dortmand, 30. Januar.(Eigenbericht.) Rl>eini>ch. westfälische Großindustrielle haben die zuständigen Stellen in verlin wissen lassen, daß sie wegen der allgemeinen Au»- Wirkungen de» Sonslitl» in der mitteldeutschen In- t u st r i c an den Vorgängen in Sachsen in erheblichem Maße loter. esiiert sind. Aus diesem Grunde ersuchten sie die zuständigen Stellen, bei ihren Veschilissen die allgemeinen und gemeinsamen Interessen der mitteldeutschen and der rheinisch. we st- sälisckien Industrie zu beachten, wie verlautet, ist zwischen den mitteldeutschen und den rheinisch-westsälischen Industriellen ein Solidarilätsvertrag abgeschlosien worden, der eine s i n a a- zielle Unter st ühung der durch den Arbeitskomps in ihrer Existenz bedrohten mitteldeutschen Werke au» dem Kampf. sonds der rheinisch-westfälischen Industrie vorsieht. Eine Veröffentlichung der„Kölnischen Zeitung" über die zwischen den mitteldeutschen Stahlwerken und der rheinisch-westfälischen Industrie geführten Besprechungen zur gegenseitigen Sicherung hat in Gewerkschaslskreisen außerordentliche» Aufsehen hervorgerufen and zu �piner erheblichen Verschärfung der Lage geführt. Hannover, 30. Januar.(WTV.) Morgen treten, wie bekann« wird, die Vorstände und Ausschüsse der verbände der Metallindustrie in vsauaschweig und hau- n o v e r zusammen, um au» Anlaß d:s schwebenden Arbeitskonflikts über Maßnahmen zum Schuhe der mitteldeutschen Metallindustrie im Bezirk Magdeburg-Halle-Anhalt zu beraten Halle a. d. S., 30. Januar.(Eigenbericht.) Den streikenden Metallarbeitern kommt die Meldung, daß die rbestnsch-Vestfälischen Großindustriellen mit den mitteldeutschen Metallindustriellen gemeinsam« Sache machen wollen, nicht über- raschend. Das indirekte Eingreifen der rheinisch- westfälischen Industriellen in den mitteldeutschen Metall- arbeiterkampf ist ein Beweis dafür, in wie schwieriger Position sich die bestreikten Firmen befinden. Zur Erläuterung ihrer Lage ist notwendig, daraus hinzuweisen,! daß z. B die größeren h a l l e s ch c n Maschinen-' sabriken sich in der hauptsacl>e mit der Produktion von Aus-| f u h r g u t beschästigen und an kurzfristige Lieferungs-i vertrage gebunden sind. So stellen die beiden größten eisen-! verarbeitenden Betriebe Maschinen für holländisch- Indien her. die für die im Mai beginnende Zuckerkampagne un- bedingt an Ort und Stelle sein müssen. Die französisch« Äunstseidenindustrie trägt sich ebenfalls mit der Absicht, wieder größere Maschinenaufträge zu oer- geben. Vertreter des bedeutendsten französtfchen Kunstseidenkonzerns waren vor kurzem in Halle, um die Bedingungen eventueller Liefe- rmigen zu prüfen. Es liegen außerdem nicht unbedeutende Auf» trägeansderinländischen ch« mischen Industrie vor. Man kann sich also ein Bild von der Nervosität der mtrteldeutsche» MrtalTindustriellen und von der Größe ihrer Wünsche machen, em- weder den Streik sobald als möglich beendet zu sehen oder aber in irgendeiner anderen Weise— und dazu soll der Vertrag mit der Ruhrindustrie dienen— entichädigt zu werden. Um die allernotwendlgften Arbeiten herauszubringen, wird a u f die Werkmeister und die übrigen Ange st eilten- kategerlen der unglaublich st e Druck ausgeübt. Di« im Werkmeisterverband organisierten Werkmeister haben sich jedoch bis zur Stunde standhaft geweigert, Streik- brecherarbeit zu leisten, obwohl man ihnen direkt oder in- direkt mit Entlassung gedroht hat. Der Werkmeisteroerband wird sich in einer eigens zu diesem Zweck einberufenen Bersammlung mit der Frag« beschäftigen, welche Maßnahmen ergrifien werden können, um die Interessen seiner Derbondsairgehörigen wahrzunehmen. Um wenigstens die bereits fertiggestelllen und für holländisch- Indien bestimmten Maschinen exportieren zu können, bedient man sich zum Teil einer Kategorie von Arbeitern, die mii der Berladung von Maschinenteilen nicht im geringsten vertraut ist. Die Hallesche Maschinenfabrik hat dafür am Sonnabend die ihr gehörige Lektion erholten. Eine auf dem Berladebahnhof Halle-Süd zum A b- transport fertiggemachte Waggonladung stürzte um, riß ein« 6 Meter lange Mauer ein, die Maschinenteile wurden zerstört und der Eisenbahnwogen schwer beschädigt. Der entstanden« Schaden wird auf rund 150 000 Mark geschätzt. Alles in alleni, die Meldung aus Dortmund sowohl wie die all- gemeine Streikloge zeigt, daß der Metollarbeiterkampf gut steht, daß von einem Abbröckeln der Front keine Rede fein kann, und daß die Sorgen der Untmiehmer infolgedessen von Tag zu Tag größer werden. kann den Unternehmern also nicht groß gemtg sein. Und die Wohl- erfolge der Sozialdemokratie sind ihnen offenbar noch zu klein. Verbot der Streikunterstützung in der sächsischen Hüttenindustrie. Dresden. 30. Januar. Auf Antrag des Verbandes der Metallindustriellen hat das Dresdener Arbeitsgericht eine einstweilig« Verfügung erlassen, durch die den Gewerksck�isten verboten wird, den streikenden bzw aus- gesperrten Arbeitern in der sächsischen Hüttenindustrie Strcikunter- stützung zu zahlen. Im übrigen ist die Lage unverändert Am kommenden Donnerstag steht vor dem Arbeitsgericht der erste Termin an. Der deutsche Metallarbeilerverband hat gegen die einst- ! weilige Verfügung de? Arbeitsgerichts Einspruch er- * hoben._ Die Unternehmer der iniltcldeutfchen Metallindustrie, die sich durch ihre Taktik in eine Sackgasse verrannt haben, rufen also ihre Kollegen in den Nachbargebieten zu Hilfe. Man scheint sich im Unternchnierlagcr mit dem Gedanken zu tragen, den Kamps über das Torifgebtel Mitieideutschlonds auszudehnen. Der Reinfall Gegen den Achtstundentag am Vau. Neue Winkelzüge. Ueber die Arbeitszeit im Baugewerbe wurden in den letzten Tagen in verschiedenen Freistaaten wie Preußen, Baden und Thüringen Berhandlungen zwischen den zu- ständigen Ministerien und den Organisationen geführt. Das Reichs- arbeitsministerium hat bekanntlich dem Drängen der Bauunter- nehmer bis zum gewissen Grade nachgegeben und die Frage erwogen, ob für die wärmer« Jahreszeit die Arbeitszeit im Bau- gewerbe in den einzelnen Ländern verlängert werden könne. Es Hot sich aber gehütet, das heiße Eisen selbst in die Hand zu nehmen, d. h. selbst«ine Entscheidung zu treffen. Die Bauunternehmer be- stürmten deshalb seit Wochen die Länderregierungen, von sich aus setzt die Arbeitszeitverlängerung vorzunehmen. Zu den Berhandlungen im preußischen Handels- Ministerium waren nicht alle Arbeiterorganisationen eingeladen worden: die Besprechungen mußten deshalb vertagt worden. Die Arbeitervertreter erklärten, das Ministerium solle zunächst einmal die Wünsche der Unternehmer entgegennehmen und dann später Arbeiter und Unternehmer zu gemeinsamer Aussprache einladen. Die Eile, womit das preußische Handelsministerium den Wün- schen der Bauunternehmer enigegenkommt— denn noch sind über 3 0 Proz. der Bauarbeiter arbeitslos—, berührt etwas eigenartig. Das Handelsministerium wird sich doch hoffentlich darüber im klaren sein, daß der Standpunkt der baugewerbsichen Ar- betterorganisalionen in der Arbeitszeitsrage unoer rückbar der alte bleibt. Die Bauorbeiter haben auch 1923/24 den Achtstundentag gehalten. Sie werden ihn— darüber mühten sich Unter- nehmer und Minister endlich klar sein— auch 1928 zu verteidigen wissen. Die deutsche Sprache im IAA. Sie muß zur offiziellen Sprache erklärt werden. - Aon unterrichteter Seite wird uns miigetetit' Im„Vorwärts" vom 27. Januar 1928, Nr. 45, wird der auf der letzten Ausichußsitzung des IGB. gefaßte Beschluß, die deutsche Sprache zur offiziellen Amtssprache des Internationalen Arbeitsamts zu erheben, bekanntgegeben. Dieser erfreuliche Beschluß gibt Veranlassung, eine sachliche Darlegung des jetzigen Zustandes zu geben. Di« sogenannten„offiziellen" Sprachen des Völkerbundes und des Internationalen Arbeitsamts sind die englische und die französische Sprache. Alle Beröfsentlichungen des Amtes müssen daher in englischer und französsscher Sprache herausgegeben werden Der Schriftwechsel, insbesondere der Schristwechsel mit Behörden, wird vorwiegend in diesen beiden Sprachen geführt. Verschiedene Versuche, sür die de u ts che Sprache die Gleich- berechrigung zu erreichen, haben in immer größerem Umfange zur Verwendung der deutschen Sprache geführt. Im Jahre 1927 erfolgt« erstmalig die Berösfientlichung des wichtigen Direktor- b e r i ch t s in deutscher Sprache. Vergleicht man nach der Seiten- zahl die deutschen Beröifentlichungen mit den Beröfsentlichungon in einer offiziellen Sprach«, so stellt man folgendes fest: im Jahre 1927 erschienen in einer offiziellen Sprache rund 10 290 Seiten. in der deutschen Sprache rund 6170 Seiten amtliche Vcröffent- lichungen. Das Jahr 1927 bracht« in der Verwendung der deutschen Sprache im IAA. einen weiteren Forlschritt. Die Internationale Arbeits- konferenz beschloß aus Antrag der deutschen Regierung, die Reden von Vertretern In einer anderen als den offiziellen Sprachen durch amtliche Uebersetzer übersetzen zu lassen, soweit diese dazu in der Lage sind. Praktisch bedeutet das ernen weiteren Fortschritt sür die deutsche Sprache, da die Mehrzahl der beim Internationalen Arbeitsamt beschäftigten Uebersetzer außer englisch und französisch auch die deutsche Sprache vollkommen beherrscht. Weiter wurde ebenfalls durch Beschluß der Internationalen Arbeitskonserenz fest- gelegt, daß auf Wunsch einer Regierung das Internationale Arbeits- amt eine Uebersetzung der Uebereinkammen und Vorschläge anzufertigen habe. Diese Uebersetzung sei beim Sekretariat des Völkerbundes zu hintellegen und gelte als authentische Uebersetzung. Selbst der schärfste Kritiker sollte aber nicht vergessen, daß das Internationale Arbeitsamt em Organ des Dölkerbundes ist. Es wäre zu überlegen, ob nicht auch bei diesem die Gleich- berechtigung der deutschen Sprache neben der englischen und franzö- fischen gefordert werden müßte. Die politischen Schwierigkeiien, die dort vorliegen, sind zwar groß, sie erscheinen aber nicht unüber- windlich. Jedenfalls wäre ein Vorstoß in dieser Richtung im In- teresse einer Klärung der Sprachenfrage bei allen Einrichtungen des Völkerbundes sehr erwünscht. KPO.-Vureaukraten„kämpfen" um Pfründen Sie sind daher nicht wählerisch in den Mittel«. In Erwiderung unserer Festsiellungen über den Streik bei Gebauer macht die.Ltote Fahne" Geständnisse. Sie erzählt, daß ein gewisser Matte, hinter dem sie den Inspirator der Enchüllungen oermutet, als Kassierer 300 M. unterschlagen hat. Sie beschuldigt M. weiter, daß er, obwohl Mitglied der Streikleitung, auch mit der Firmenleitung in Verbindung stehi oder stand. Ob„einzelne Streikleitungsmitglieder" an Sauftouren teilgenommen haben,„kann selbstverständlich nicht nachgeprüft werden". Auch die Zwangsorganisterung durch Unterstützungsgelder gibt die„Rote Fahne" zu. Bei der KPD. sind Dinge„selbstverständlich", die es anderwärts nicht sind. Daß der Betriebsrat zur Streikleitung und zu dem Mann mit dem großen Rosenstrauß nach wie vor Bertrauen hat, glauben wir ihm auf's Wort. Daß es den KPD-Bureaukratcn darauf ankam,.Pfründen" zu erkämpfen, als man den Streik bei Gebauer inszenierte, das braucht uns die„Rote Fahne" nicht noch- inals zu bestätigen. Daß die Sammellisten verbrannt wurden und niemals eine genaue Rechnungsprüfung erfolgt ist, bestreitet das StaNn-Blatt nicht. Es hätte besser getan, gan,; zu schweigen. Fanatisserte und Unwissende kann die KPD. noch täuschen. Erprobte Gewerkschafter halten sich bei diesen bolschewistischen Methoden die Nase zu. Oer Abstieg der Stalinisten. Stullgart. 30. Januar(Eigenbericht). In Gmünd, der Zentral« der württembergischen Edelmetall- industrie, das als eine der sogenannten Kommunistenhochburgen galt, fand am Sonntag die Generalversammlung des deutschen Me- tallarbeiterverbcmdes statt. Bei der Neuwahl der örtlichen Leitung wurden die letzten Kommunisten herousgewählt, so baß die Orts- Verwaltung jetzt ganz in den Händen de r Amsterdamer Richtung ist._ 24stünü!ger Proteststreik auf derDlsmarckhütte Blsmarckhütte. 30. Januar. Gestern beschloß ein« sehr gut besuchte Versammlung der Ar- beiter der Aismarckhütte, die einen sehr stürmischen Verlauf nab.n. am 1. Februar in einen 21stündig«n Proteststreik gegen die Verschlep- pung der Einführung des Achtsnindentages einzutreten. Gleichzeitig wurde. die Forderung erhoben, an diesem Tage einen allgemeinen Bctriebsrätekongreß eirtzuberuien, der sich erneut mit der Arbetis- zeirfrag« zu befassen hat. keine gelben Gründer im Reichsarbeilsministerium. Der sür die Berliner Tagung der gelben Konditorengehilfen vorgesehene Referent über Ailersverstcherung stammte nicht aus dem Relchsarbeits- ininisterium, wie uns irrtümlich mitgeteilt worden war. Es handelt sich um einen Dr. Blanck vom Reichsaussichtsamt für Privatoersicherungen. Die Ali�liederzahl im Zemrawerbolid der Hotel-, Restaurant- und EasÄmgestelllen, Orisoerwaltung Berlin, d'e in unserer Sonn- tagsiminmer angegeben ist, wurde errechnel, ohne Berücksichtigung der starken Mitgiiederoewegung, Arbeitslosigkeit usw. Die tatsäch- liche Mitgliederzahl ist also höher als die errechnete. mm iR SPZ>..Kra»tii>» eitfnSahniMrtftatl«lunttnaib. fltnt«, i-3 M II. Munal, ItV. Uhr. i» bet alt» Juntinc, 6o:iir,ftnrj:, Stobnhef Ö iq eititAMV,«-chammli-a» oüct SPD..«»offen. Jaqfsoiboana:.Die tj , Aufgab» ber Partei im Wahljaurr liris.*■Xofcrtnt Cbuaib.iaAett, ivi m M. b. L. Crid) einen aller iSeaeficn ist Psii-tt.. ö r j Q Der Zraktiousvarstasb.( : Srrie Semerkichasteiagrnb«roh. Berlin. Heu», Di-n-tag, lä'i Uhr, tooett bic Gruppen: Humbolbt: stugcndheim Graun-, ückc Lorgingstraste. Portraa: „örxualprcbleme/'— Lilbosten: Iugenbhein, Gngeiuser 24—23, Aufgang B, park. .äiüdiiirf auf das Jahr 1227"(nnt X'icfubUHern).— Treptow: Grupprnhe.m a-chule Äilbendrulhstr. A— Ü4(Horuimnier). Surrarischer Aornb:„Unvc Kampf gegen b'.c CchundNtrratur."— kanbobergrr Plag: Ernpvenhaim Dieftelmeper. straße 5.„Ein Tag auf bem Aroeitsgerich!."— Lichtenberg: Jugendheim Toüestr. 22. Portrag:„Die grau unh der So.iiaUdMus."— Fraulfurter?I2re: Städt. Jugendheim Litauer Etr. 18, Zimmer 2. Äeihenoortrag:„Die Liellung der Frau im Wandel der Geschichte"— Schiiaeweide: Augendheim Slicöct- schijnemeide, Berliner Str. 31. Reihenvorlrag:„Gewertschaftliche Jugend- arbeit." Iugenbgruppe de, ZdA. Heute. Dieneiag, Turuabend van 20—22 Uhr in der Turnhalle der Schule Baruther Str. 20. Turnsachen mitbringen. Berantwortlich 61- Politik: Dr. Carl Seyer: Wirtschaft:«.»liagrlhöfer; (ürweeilchafioderoeauna: Z. Sleiarr; Feuilleton: st. S. Discher: Lokales und Zanfliqes: Feig storftäbt: Anteiaen: rt> Glocke,'dmiiich in Berlin Berlag: Porwärts-Periag w m b S.. Berlin Druck: L-rmärts.Lud.druckrre< m:b Lerlaasanstali Paul Singer u Do Berlin SD 88. LInbenfirabe i (Hierza 2 Beilagen,„LaterHaltung unb Wissen" sab.Zugrnh. Vorwärts.) Wkktfaßfifeiknhemakefi ist es zu wissen, daß ENVER BEY eine neue 4-Pf.-Zigarette unter dem Namen: ENVESIP // URKlSCRfl mit Goidmundstuek und ohne Mundstück rund m Wurrelpackung herausbringt Rauchen Sie diese, und Sie werden feststellen, daß es keine bessere 4-Pfennig-Zigarette gibt *• % « a(•* a Hochaktuell» Bilder über die Entwicklung dar Flugtoctuuk liegen jader Packung tiai ?!r. 54» 4S. Zahrgang Dienstag, 31. Ianuar 1928 Das Werk auf der Schleuseninsel. DiePreubischeBersuchsanstaltfürWasser- b a u und Schiffbau, die auf der Schleuseninfel im Tiergarten vom Staate als Forschungsstätte eingerichtet und 1913 in Betrieb genommen wurde, steht neuerdings im Zeichen umfasiender, baulicher Veränderungen. Den Anlaß hierzu gab eigentlich die von der Reichsbahn durchgeführte Verstärkung der Stadtbahnbögen, in denen die Werkstätten der Versuchsanstalt untergebracht waren. Die Reichsbahn zahlte für die aus Räumung und mehrfachen Umzug er- wachfencn Schwierigkeiten ein« Entschädigung, die nun zu- sammen und einem Kostenzuschuß des preußischen Staates dir längst geplante Erweiterung ermöglicht. In der Haupt- gangen, nur in Hamburg befindet sich noch die »Rheinische Schiffsbaunersuchsonstalt", die von einem Konsortium von Reederelen und Schiffs- baugesellschaften betrieben wird. Versuche, die in der Natur sehr kostspielig und langwierig wären, werden hier mit kleinen Modellen Verhältnis- mäßig billig und rasch durchgeführt. Aus der Schlepprinne zieht der elektrisch betriebene Schleppwagen kleine Parafsinboote in allen mög- lichen Formen. Bequem lassen sich da die Messungen fache handelt es sich um die Verlängerung der, Schlepprinne um 49 Meter auf insgesamt 159 Meter, um den gestiegenen Anforderun- gen, die man heute an die Schleppgeschwindigkeit stellt, genügen zu können. Rechts und links der die Schlepprinne umschließenden Holle, werden die Gebäude der Wafserbauversuchsanstalt auf 79 Meter verlängert. Werkstatthalle» von derselben Länge, mit Einrichtungen für Metall- und Holzbearbeitung, werden an die Stelle der früher in den Stadtbahnbögen untergebrachten primitiven Werkstätten treten. Di« Bögen werden nur als Lager Verwendung finden. Durch den Ausbau wird die Schleuseninfel ein« ganz erheblich« Verlängerung nach der Charlottenburger Brücke zu erfahre». Eine gleiche Anstalt, die sich bei Dresden befand, ist singe- durchführen. Veränderungen einbauen und die Ergebnisse wieder aus die Wirklichkeit übertragen. Beim Bau einer gewaltigen See- schiffsschleuse konnten auf Grund der Versuchsergeb- nisse rund 2 Millionen Mark erspart werden. Dieser Ersparnis gegenüber bleiben die Versuchskosten fast verschwindend gering. Eine dritte Abteilung, die sich mit Erdbaufrage» beschäftigt, ist im Entstehen begriffen. Dadurch, daß die staatliche Versuchs- anstalt ihre Einrichtungen auch nichtstaatlichen Behörden und Privaten zur Verfügung stellt, wobei nur die wirklich entstehenden Versuchskosten berechnet werden, bewahrt sie ihren gemeinnützigen Charakter und ist mit Recht auch außerhalb Deutschland» al» ein hervorragendes wiffsnfchafLiches Institut geschätzt. Modeabenöe der Haarkünstler. Am Sonntag abend hatte die rührige Fachabtellung des Ar- beitnehmerverbanbes für da» Friseurgewerbe ihren zweiten Modeabend in dieser Saison im großen Saal der Schlarafsia Zwei Reihen Frisierender, worunter auch Gehilfinnen, traten vor die Spiegel, um ihren lebenden Modellen binnen vierzig Minuten die schönsten Bubiköpfe aufzusetzen. Zugelassen war nur Eisenondulatian und jede Vorarbeit verbaten. Run gilt bei den Leuten, die e« wissen müssen, auch der reizendste Bubikopf nur als Tagesfrisur. Der Abend aber erfordert eine Gesell- s ch a s t s s r i s u r, die zum Ballkleid passend ist. Seitdem die Domen den Zopf preisgegeben haben, wollen sie von Perücken, die sonst über den Bubikops als„Gescllschoftssrisur" gestülpt wurden, nichts mehr wissen. Es muß also Ersatz geschaffen werden, in der Fachlproche„Postiche". Die Wettbewerler hatten weitere zwanzig Minuten Zeit, um unter Zuhilfenahme von Ersatzteilen die Bubi- köpfe in Gesellschaftssrisuren zu verwandeln. Die Mode begnügt Menschen.Göttern gleich.- gs Loman von Herbert George Wells. „Er" war ein großer und wunderbar gezeichneter Leo- pard', der ganz leise aus den Blumen aufgetaucht war und sich wie eine gewaltige Katze mitten auf die gläserne Straße neben den großen Wagen gesetzt hatte. Er blinzelte und be- wegte den Kopf rhythmisch von einer Seite auf die andere mit einem erstaunten und inUressierten Ausdruck, weil die Dame, wie es für solche Anlässe der Tradition entspricht, ihren Schirm, so schnell sie nur konnte, gegen ihn auf- und zu- klappte. Der Chauffeur hatte hinter dem Wagen Deckung genommen. Mr. Rupert Catskill, der offenbar erst durch den gleichen Schrei, welcher die Aufmerksamkeit Mr. Bur- leighs und seiner Gefährten erregt hatte, die Existenz jenes Wagens bemerkte, stand, knietief in den Blumen, verblüfft da. Mr. Catskill war der erste, der handelte, und seine .Handlungsweise zeigte seine Fähigkeit-, sie war zugleich vor- sichtig und kühn. .�Hören Sie doch auf, mit dem Schirm zu flattern, Lady Stella!" rief er.„Lassen Sie mich... ich will... seinen Blick auffangen!" Er machte einen Bogen um den Wagen herum, um dem Tier von Angesicht zu Angesicht gegenüberzutreten. Dann stand er einen Augenblick so da, als ob er sich bewundern lassen wollte, eine beherzte kleine Gestalt im grauen Gehrock und fchwarzbebänderten Zylinder. Er streckte vorsichtig die Hand aus, nicht zu plötzlich, aus Angst, er könnte das Tier erschrecken:„Mieze!" lockte er. Der Leopard, beruhigt durch das Verschwinden von Lady Stellas Sonnenschirm, betrachtete ihn mit Interesse und Neu- gier. Catskill rückte weiter vor. Der Leopard streckte sein Maul vor und schnupperte. ..Wenn er sich nur streicheln ließe!" sagte Mr. Catskill und kam auf Armeslänge heran. Das Tier beschnupperte mit ungläubiger Miene die aus- gestreckte Hand. Dann, mit einer Plötzlichkeit, die Mr. Catskill mehrere Schritte zurückweichen ließ... nieste es. Es nieste noch einmal viel yeftiger, schaute Mr. Catskill einen Augen- blick vorwurfsvoll an, und sprang dann leichtfüßig nach der weiß-goldenen Säulenhalle davon. Mr. Barnstaple beob- t sich sedach nicht mehr mit der dem Etikleid cmqepaßte« Gesellschaft»- frisur, sie erfordert darüber hinaus auch eine gewisse Anpasiung an die Farbe des Kleide». Hier setzt die Plastik-Frisur ein. die entweder kompakt mit einer Paste gesonnt wird, oder leicht und duftig onduliert wstd. Die Frisur wird dann in beiden Fällen mit der gewünschten Farbe bespritzt. Die Kollegen Erich Iahnke und Schütze führten zwei solche Frisuren in Silber mit Lila und in Gold mit Rot vor und erzielten damit großen Beifall. Diese Plastik- Frisuren erweisen sich für die Dauer der Ballnacht als recht haltbor. Die Preisrichter gaben ihr fachmännisches Urteil darüber ab, daß im allgemeinen sehr gut gearbeitet wurde. Sie er- kannten die ersten Bewertungen in der ZAasie A den Gehilfen Weißlog el, Rauh und Sailer ,zu. in Klasse K den Gehilfinnen Steyrer, Backaus, Rößl und Sander und in Klasse C den Gehilsen Fleischer, Rothe und Wohler. -» Unter der Devise„Bon morgens bis abends Vubentopf" venm- staltete die Barbier-, Friseur- und Perückenmacher- achtete, wie das auf der Weise grasende Vieh den Leoparden vorbeispriegen sah, ohne die geringste Furcht zu zeigen. Mr. Catskill blieb mit einer gewissen Erleichterung mitten auf der Straße stehen. „Kein Tier," bemerkte er,..kann dem festen, durchbohren- den Blick des Menschen widerstehen! Keines! Für euch Ma- terialiften ist das natürlich ein Rätsel! Wollen wir Mr. Cecil folgen, Lady Stella? Es scheint, daß«r dort unten etwas Sehenswertes gefunden hat. Der Mann in dem kleinen Wagen wird vielleicht wissen, wo wir sind. Ja?" Er half der Dame aus dem Wagen, und die beiden kamen auf Mr. Barnstaples Gruppe zu, die sich null wieder dem brennenden Hause näherte. Der Chauffeur, der offenbar nicht wünschte, in dieser Welt unglaublicher Möglichkeiten mit der Limousine allein gelassen zu werden, folgte so dicht, als es ihm der Respekt erlaubte. Dos wunderschöne Volk. 1. Das Feuer in dem Häuschen schien keine weiteren Fort- schritte zu machen. Der daraus aufsteigende Rauch war jetzt viel schwächer, als da ihn Mr. Barnstaple entdeckt hatte. Nahe herangekommen, fanden sie eine Menge verdrehter Stücke glänzenden Metalls und Splitter zerbrochenen Glases zwischen den Mauertrümmern. Sehr stark drängte sich die Bermutung auf, daß wissenschaftliche Apparate explodiert seien. Dann wurde die ganze Gesellschaft fast gleichzeitig eines Körpers gewahr der auf dem Grasabhang hinter der Ruine lag. Es ivar der Leib eines Mannes in der Blüte der Jahr«, nackt bis auf ein paar Armbänder, einen Halsschmuck und Gürtel; aus Mund und Nasenlöchern sickerte Blut. Mit einer ge- wissest Scheu kniete Mr. Barnstaple neben dieser hingestreck- ten Gestalt nieder und befühlte das Herz. Niemals zuvor hatte er ein so schönes Gesicht und einen so edlen Korper gesehen. „Tot." flüsterte er. „Seht," ertönte die schrille Stimme des Herrn mit dem Monokel,„noch einer!" Er deutete auf etwas, das Mr. Barnstaple durch ein Stück Mauer verborgen war. Mr. Barnstaple mußte auf- stehen und über einen Haiifen Geröll klettern, um diesen zweiten Fund sehen zu können. Es war ein schlankes Mäd- chen, ebensowenig bekleidet wie der Mann. Sie war au- Innung Berlin im Zoologischen Garten(Marmorsaal) ein Werbefest der Modesrisuren. Im Rahmen einer Modenschau wurden in vier Abteilungen die verschiedenartigsten Tages- und Gesellschaftsfrssuren gezeigt. Der Phantasie des Haarkünstlers und seines Modells sind hierbei vielseitigste Entwicklungsmöglichkelten geboten. Speziell die Gesellschaftssrisuren boten eine bunte Fülle origineller Ideen. Der leitende Grundgedanke bei all den Neuheiten ist: volle, lockige Frisur unter reichlicher Zuhilsenahme von künst- lichem Material. Sehr hübsch wirken Perückensrisuren, abgestimmt in der Farbe des Kleides, hauptsächlich in hellen, zarten Farbtönen In die kunstvolle Lockenpracht werden dann noch funkelnde Diadem«, Reiher- und Phantasiegestecke gebracht. Sehr pikant in diskreter Eleganz wirkte eine Kappe aus geflochtenem Silberbrokat mit Steinen besetzt. Die Friseure Adolf Henkel, Emil Schwiddcr, Otto Albrecht und Oswald Dirschta, die diese kunstvollen Baute,, ausführten, behaupten siegreich ihre Stellung neben den französischen Kollegen. Rene Rambaud von der Hochschule für Haarkunst, Fach- schulleiter der Pariser Gehilfenorgantsation, zeigte in Postiche-Neu- Helten und historischen Frisuren ebenfalls sehr gute Leistungen. --\ presse und Angeklagter. Pickel, der beleidigte„Fürst v. Efchnapur". Die Angelegenheit ist noch in aller Erinnerung. Ein Nürnber- ger Kind von 21 Jahren stand eines Tages vor Gericht, nannte sich „Fürst von Efchnapur", mußte schließlich kleinlaut zügeben, daß es das Gericht zum Narren halte, verlegte sich aufs Weinen und wurde wegen Betruges in fünf Fällen und Urkunden- fälschung in zwei Fällen zu 1 Jahr Gefängnis und 2 Wochen Haft verurteilt. Eine Berliner Tageszeitung nannte den Angeklagten wegen seines Betragens in der Gerichtsverhandlung u. a. einen„dummen Jungen, wie er im Buche steht", einen„Bengel aus Nürnberg"; seinen Namen hatte die Zeitung jedoch nicht genannt. P. fühlte sich aber durch diese Bezeichnung beleidigt und strengte gegen den ver- antwortlichen Redakteur eine Privatklage an. Der erste VerHand- lungstermin mußte vertagt werden, u. a., weil Landgerichtsdirektor Brennhausen, der jene Verhandlungen leitete vernommen werden sollte. Gestern fand der zweite Termin statt. Landgerichksdirektor Brennhausen war zur Stelle. Er sollte bekunden, ob das Betragen des Angeklagten in der Gerichtsverhandlung die vom Bericht« er st alter gebrauchten Ausdrücke rechtferttge. Landgerichts- direkt or Brennhausen gab eine ausführliche Schilderung seiner Bekanntschaft mit dem jungen Manschen. Als er erfuhr, daß er über einen„Fürst v. Efchnapur" würde zu Gericht sitzen müssen. und daß dies in Wirklichkeit ein Nürnberger Junge sei. da stellte er sich die Frage, ob es sich um einen Geisteskranken oder einen Dummenjungenstreich handele. Schon beim Haftprüfungstermin hatte er Gelegenheit, sich davon zu überzeugen, daß es P. darauf abgesehen habe, das Gericht zum Narren zu holten. Es half kein Gutzureden. Er blieb dabei, der„Fürst von Eschnapur" zu sein. In Wirklichkeit hatte er aber von seiner Mutter aus Nürnberg einen Brief erhatten, In dem sie ihn ermahnte, vernünftig zu sein und die Familie durch seine Dummheiten nicht-u blamieren. Die Ablehnung des Antrages aus Haftentlassung hatte ein« Le- schwerde an den Landgerichtspräsidenten zur Folge, in der er die unverschämtesten Angriste gegen den Zeugen vorbrachte. Auch in der Gerichtsverhandlung benahm sich der Angeklagte geradezu albern. Nach der Gerichtsverhandlung schrieb er aber einen ganz ver- nünfttgen Brief, in dem er selbst zugab, daß er„Takt. Anstand und Vernunft während der Verhandlung" habe vermissen lassen. Das Gericht sprach den angeklagten Redakteur frei und führte in der Begründung aus: Es liege zwar objektiv ein« Beleidigung vor, aus subjektiven Gründen mußte jedoch das Gericht zu einem Freispruch gelangen: der Beklagte hatte weder Vorsatz noch Absicht zu beleidigen. Auch wenn das nicht der Fall gewesen wäre, so hätte das Gericht ihm Wahrung berechtigter Interessen zusprechen müssen: die hätte die Bedeutung der Gerichtsberichterstattung erfordert. Hoffentlich beruhigt sich der hossnungsvolle Jüngling bei diesem Urteil. Der Kuriosität halber sei bei dieser Gelegenheit mitgeteill, daß Herr Pickel auch den für den Gerichtsteil verantwortlichen Redakteur des„Vorwärts" wegen Beleidigung verklagt hat. scheinend mit riesiger Wucht gegen die Mauer geschleudert und augenblicklich getötet worden. Das Gesicht war ganz unverletzt, obwohl der Schädel hinten eingedrückt war. Ihr vollendet schöner Mund und die grüngrauen Augen waren ein wenig geöffnet, und sie hatte den Ausdruck eines Men- schen, der noch über irgendeine schwierige, aber interessante Aufgabe nachdenkt. Das Antlitz machte gar nicht den Ein- druck einer Toten, sondern sah nur wie geistesabwesend aus. Eine Hand umkrampfte noch ein kupfernes Gefäß mit einem gläsernen Griff, die andere hing schlaff herunter. Einige Sekunden lang sprach niemand. Es war, als ob jeder fürchtete, den Gedankengang des Mädchens zu unter- brechen. Dann hörte Mr. Barnstaple hinter sich den geistlichen Herrn mit leiser Stimme sagen:„Welch vollendete Gestalt!" »Ich gebe zu. ich hatte unrecht," sagte Mr. Burleigh mit Bedacht.„Ich war im Unrecht... Das ist kein irdisches Volk, wahrhaftig! Und folglich sind wir auch nicht auf der Erde. Ich kann mir nickt vorstellen, was geschehen ist, noch, wo wir uns befinden. Angesichts genügender Beweise habe ich nie gezögert, eine Meinung zurückzuziehen. Diese Welt. in der wir jetzt sind, ist nicht unsere Welt. Es ist etwas.. er machte eine Pause...„es ist etwas sehr Wunderbares!" „Und unsere Freunde in Windsor," sagte Mr. Catskill ohne sichtliches Bedauern,„müssen ohne uns frühstücken." „Aber," sagte der geistliche Herr,„in was für einer Welt sind wir denn und wie sind wir hierher gekommen?" „Ahl was das anbelangt," sagte Mr. Burleigh sanft, „fragen Sie mich mehr, als ich mit meinen schwachen Kräften aufklären kann. Wir sind hier in einer Well, die in gewisser Beziehung der unseren ähnlich ist und in gewisser Beziehung nicht. Auf irgendeine Weise muß sie mtt unserer Welt im Zusammenhang stehen, sonst wären wir nicht hier. Aber was für eine Verknüpfung das lein kann, ist für mich, ich gestehe es, ein unenthüllbares Geheimnis. Es mag fein, daß wir uns in irgendeiner anderen räumlichen Dimension be- sinden, als in jener, die wir kennen. Aber in meinem armen Kopf wirbelt es, wenn ich an diese Dimensionen denke. Ich bin... ich bin verwirrt... total verwirrt!..." „Einstein?" warf der Herr mit dem Monokel mit Nach» druck und mit deutlicher Selbstzufriedenheit ein. (Fortsetzung folgt.)' Einer, der sich selbst gefährlich ist. Vergebliche Berufung des(Staatsanwalts. Di< SBwk dkr Sklotsamvaltschaft sind uiterfttrschfich... Da ist zinn Beispiel ein Drehiitdzwan�iyjcihi-itjer wegen Unterschlagung?mi 50 Mark angeklagt. Er hol k>as Aussehen eiiN'S Siebzehnjährigen; auch sein Leben und seine Entwicklung sind danach. Sein Bater, ein bräocr Bahnbeomter, dessen übrige Kinder gesund und ordentlich sind, hatte beizeiten gemerkt, daß mit dem Karl nicht alles in Ord nung mar. Er lies immer wieder davon und konnte, heimgekehrt, stundenlang sitzen, ohne ein Wort zu reden. Dann gab es wieder Aeiten, wo er ganz gescheit war. Kam es aber über ihn, so brachte er die unmöglichsten Dinge sertig. Auch in Fürsorgeanstalten war er nicht zu halten. Man hatte ihn da gern, und auch er hatte seine .Erzieher gern. Trohdem machte er sich auf und davon. Bei Heu Eltern saich nmn ihn dann wieder. Man untersuchte ihn auf seinen Geisteszustand, man brachte ihn in Änstalten für Psychopathen; lange blieb er hier nicht. Man entmündigte ihh aus Giund des Qugend- gerichtsgeseges, um seinem Vormund und den Eltern die Möglichkeit zu geben, in seinem Interesse über seine Person zu verfügen. Strafbar hatte er sich eigentlich nie gemocht— rechnet nmn nicht die Bestrafungen wegen Bettelei»ich Land- streichens. Aber als er kürzlich bei einem Bauern tn Stellung war, unterschlug er 50 Mark, die er zu einer Besorgung erholten hatte, und verschwand. In der Gerichtsverhandlung der ersten Instanz etstatleie der dirigierende Arzr von cherzberge. Psychiater des Land- jngendamts Dr. Selig, sein Gutachten. Er kennt den Angeklagten schon seit 102». Man habe es hier mit einem.eicht schwach- sinnigen M e n s ck/e n zu tun, der seinen Hemmung?- losen Trieben preisgegeben sei. Er müsse dovongehen und wisse selbst nicht, weshalb. Man habe allen. Grund, daran>,u zmeisein, ad er als geistig gesund zu betrachten i«. Das Gericht e r k a n n t e a u f Z öl und sprach den Angeklagten frei. Die Staatsanwaltschaft legte jedoch gegen dos Urteil Berufung ein. Aber a u ch die zweite Instanz ent- schied n i ch t a n d e r s als die erste. Der Angeklagte sei nicht io sehr seinen Mitmenschen gefahrlich als sich selbst, meinte Dr. Selig: er gehöre in eine geschlossene Anstalt. Das Gericht ver- warf die Beruiung der Staatsanwaltschaft. Hätte sie nicht überhaupt unterbleiben sollen? Zur Einstellung des Europa-Hochhausbaus. 15 Instanzen genehmigen und dann... Zu der Stillegung der Bauarbeiten an dem projektierten elf- stockigen H och bau des Europa-Hauses in Beilin durch das Ein- greifen des preußischen Ministeriums für Volkswohlfahrt erfahren wir von gut unterrichteter Seite folgendes: Die Arbeiten an dem gegenüber dem Anhalter Bahnhof ge- legcnen Hause waren bereits bis zum siebenten Stock- werk gediehen, ohne daß ein« ausreichende Bonerlaubni? vorlog. Das Ministerium ist keineswegs grundsätzlich gegen den Bau von Hochhächern; es muß nur; Wert daraus logen, daß die zum Teil nicht günstigen Ersahrungcn, die auf diesem Gebiet in den Ver- einigten Staaten gemacht worden sind, bei der Planung und in den lechnischen Einzelheiicn berücksichtigt werden. Eine besonder« Schwierigkeit im vorliegenden Fall wird darin gesehen, daß in dem Hochhaus ein Hof geplagt ist, und daß noch zweifelhaft scheint, ob die im Interesse der Bolksgesundheit notwendige Sicherung von Licht und Lust für die Nackbargnindstücke und für den Hos des Hochhaus«!- selbst gegeben ist. Im übrigen schweben die Ver- . Itwtdlungen. noch. Aus Architettenkreisen wird noch aui die pri n- zipiellc Bedeutung der Angelegenheit aufmerksam gemacht, und zwar, in zivei, Beziehungen: daß überhaupt wieder Bauten be- itopnen und nahezu sertiggestellt werden, ohne daß die Bauerlaubnis vorliege, ist auf den übermäßigen und mit den wirtschosrlichen Bedürfnissen in Konflikt stehenden b u r.««»k r a t.i.s.che n A p pa r ä t zurückzuführen� müsien doch etwa 2 5 bis 25 Instanzen für �seden.einzelnen Bau über wunden werden. Alst der anderen Sekte ist' der Ztyilchenfall des uMerdrocitttien Hochhausbaues ein Schul- beispiel für die städtebauliche Anarchie, die gegenwärtig in Berlin herrscht. (Könne über der Schule. Einblick in das Leben und Treiben neuzeitlicher Schulen wurde den Besuchern eines Werbeabcnds geboten, den die Freie Schulgcmeind« Wilmersdorf am Sonntag veranstaltete. Die von der Stadt Berlin erst vor einigen Jahren ci.tgerichlctc �Sch ulfarm" aus der Insel Scharfenberg im Tegeler See und die schon seit längerer Zeit bestehende Schule z u. W i ck c r s d o r s im Thüringer Wald wurde in zwei Filmen gezeigt, zu denen Herr Heinclsdors fsrühcrer Schüler von Scharfen- bcrg) und Fräulein Ilse Meyer(jrühere Schülerin von Wickersdorf) in Darträgen die Erläuterungen gaben. Dom Geist hcr Ge- meinfchaft sind in beiden Schulen die Lehrer Und die Schüler beseelt, und beiden Schulen gilt die Gemeinsamkeit der Arbeit als ekn wichtiges Mittel der Erziehung. Reben der Denkarbeit steht die Handarbeit, bei der die Jungen und Mädchen in Haus und Hof, in Gorien und Feld tüchtig anfasieik und schassen. Sonne liegt über diesen Schulen und ihrem fröhlichen Gemciiischostslcben. Der Werbeabend wurde verschönt durch die Mitwirkung oon Kindern und Jugendlichen. Vom W e d d i n g aus der w e l t l i ch e n Gemeindeschule 244 in der Pankstroße war eine Gruppe Kinder nach Wilmersdorf gekommen. Sonne liegt auch über der Schule, in der sie heranwachsen. Auch die weltlichen Schulen bemühen sich mit Erfolg, den Kindern die Schule zu e»ner Stätte der Freude worden zu lasieii. Mit heitere., Tänzen und eindringlichen Sprechvorträgen(Gedichte von Dehmel, ,Llr- beitsmann' und„Erntelied") fanden die Wedding-Kinder. freund- lichen Beisall.. Eine Kinderijruppe der Wilmcrsdorfer Äinderfreunde erfreut« durch Gesangsvorträge. Ein Har- manikakonzert von Mitgliedern der Wilmersdorfer Ar- bciterjugend schloß den musikalischen Teil der Beranstoltung. Der Zweck dieses Werbeabends der Freien Schulgcmeinde Wil- mersdorf war, die weltliche Schule auch in Wilmersdorf zu fördern. Lehrer Genosse Hahn mahnte die Eltern/den Kampf um die weltliche Schule zu unterstützen und ihre Kinder zur Aufnahme in eine weltliche Schule anzumelden. Auch Wilmersdorf »mite«in« weltliche Schule haben, wenn die Eltern nicht lässig sind. Meldungen und Auskunst bei. Lehrer Höhst, Schmargendorf, Ocyn- Ixustcr Straße 4. Hinein in die weltliche Schule! Di« Freie Schvlgeweinde Wedding veranftoltet« in dem zum Lsrwalrungsbezirk Wedding gehörenden Test der Rafewhaler Dorstadt ein« Werbeversammlung für die weltliche Schule. Gegenüber der von dem reaktionären Schul- «setz drohenden Geistesknebelung durch die verkirchlichte Schule rief Lehrer Genosse M a i c r(208. Gemeindeschule. Gotenburger Str.) die Elternschaft auf, sich den Freunden er weltlichen Schule omzuschließen und ihre Kinder zur Aufnahme in die weltliche Schule zu melden. Der Redner zeig,« in seinem durch tiichkbstder milerstützten Vortrag die Arbeit der weltlichen Schul«, deren Besonderheit sich in ihrem Verzicht auf Religionsunter. i-icht keineswegs erschöpft. Für die Lehrerschaft der weltlichen Schute sind Richtlinien dt« Grundsätze einer s»r t ge« chr i t t»n ,» vidogogit. dt« mit de» Schuldet» der hinter in« liegenden AM glff-nffi- HM. vi» weltliche Schul««ich de» Kwde M«in« Sie wollten scheffelweise verdienen! Ausdehnung des Lombardsthwindels.— Voruntersuchung gegen(Staats- anwaltschastsrat Lacoby eröffnet. Die Affäre des Inhabers des Allgemeinen Lombard- und Lagerhauses Unter den Linden. Paul Bergmann. der durch etnen großzügig angelegten Schwindel hunderte von ! Menschen betrogen hat. nahm gestern eine besonders sensationelle Wendung: der bei der Staatsanwaltschaf» I Vertin beschäsligle I Staat so n waltschaftsrot Dr. Jacoby wurde vom Dienst suspendiert, weil er über Bergmann günstige A u s- k ü n s f e gegeben hat. die den Verdacht der Begünstigung Bergmanns und seiner Komplizen darlegt. Die Voruntersuchung ist eingeleitet. Die Hineinziehung Dr. Jacobys hat namentlich in Moabit, wo der Staatsonwaltjchastsrat seit langen Iahren tätig ist. das größte Aufsehen erregt. Es liegt ein von ihm unterzeichnetes Schreiben vor. dos an«inen der Betrogenen gerichtet ist. Es heißt darin, daß er mit der Finna, deren Inhaber er persönlich und geschäftlich kenne, nur die besten Erfahrungen gemacht habe. Der Geschäfts- gang wickele sich vollständig reibungslos ob, die Zinszahlungen erfolgten pünktlichst. Er holte aus diesem Grunde eine Kapftalsanlage für unbedenklich.— Oberstaatsanwalt Binder hat gestern nach- mittag die Voruntersuchung außer gegen Dr. I a c o b y, gegen Bergmann und seine Frau, gegen den Geschästsführer Wustrow und seine Frau und gegen fünf weitere Ber- treter Bergmanns eröfsnet. Bergmann verstieg sich in seinen Inseraten zu der Behauptung, daß er nicht nur Zö bis 48 Proz. Zinsen zu zahlen imstande ist. sondern daß„sein Geschäft von den Gerichten als mündelsicher bezeichnet fei". Hierbei stützte er sich zum Teil auf die Auskünfte Jacobys, mit dem er seit deni Jahre 4925 luckarnit war. Kürzlich erst hatte Jacoby einen, ehemaligen Offizier, der sich aus Bergmanns Veranlassung an ihn gewandt hatte, erklärt: „die Firma Bergmann ist erstNassig, Sie können in da» Geschäft ihren letzten Psennig hineinstecken." Die Folg« war, daß der Osfizier Bergmann 30 000 Mark aushändigte, die natürlich verloren sind. Ein bekannte? Großgrundbesitzer hat seine Güter bis zur Höhe von einer halben Million Reichsmark belastet, um Berg- mann das Geld zur Verfügung zu stellen, der dafür 4 8 P r o z. Zinsen versprach. Ein anderer Großgrundbesitzer, ein Graf, lieh den Betrügern 400 000 Mark unter den gleichen Bedingungen. Es wird stlbsioerständlich auch nachgeforscht werden müssen, inwie- weit es zulässig ist, Geld zu solchen Wucher Zinsen zu verleihen, und es ist bezeichnend für die wirifchostliche Einsicht der großagrarischen Geldgeber, daß sie bei einem solchen Angebot, dos doch nur bei An- Wendung des sogenannten S ch n e e b a l l s y st e m s möglich war, nicht auf den Gedanken kamen, daß hier ein Schwindel vorliegen müßte. Die unterschlagene Summe beträgt niich den bisherigen Feststellungen etwa ö Millionen, die Zahl der Geschädi-iten überschreitet bereits 4000 und noch immer melden sich weitere Gläubiger. Die Agenten, mit denen Bergmann arbeitete, sind teilweise mit 24 Proz. des berbeigefchaiften B.'tragcs belohnt worden. Die günstigen Auskünfte, die über die Firma gegeben wurden, hatte Bergmann selbst aus- gesüllt, hatte er es doch sogar verstanden, sich in den Besitz von Blankosormularen der«in.zclnen Auskunfteien zu setzen, die er dann selbst anssiillte. Wie weiter bekannt wivd, befindet sich unter den Geschädigten auch ein Major v. Hindenburg. Die Nachricht, daß es sich hierbei um den Sohn des Reichspräsidenten handelt, scheint ober nicht zuzutressvn. zDke-�rlehnesgeber-setztK sich'ätt« tztt et e n a M i gen Damen, Kn u f l�ut en jeder Branche, Gutsbesitzer» und kleinen Ge we rb«treibenden, teilweise auch aus Ange» stellten zusammen- die alle aus den hohen Zinssatz spekulierten. Die Darlebnsgeber aus der Provinz hatten durchschnittlich 20 000 bis 50 000 Mark zur Verfügung gestellt, während der Berliner Durch- schnitt 5000 Mark beträgt. Beriiner Hausfrauen haben ohne wissen des Mannes Erfpckarnisie von Banken und Sparkassen abgehoben und zu Bergmann gebracht. Gestern kamen sie ausgeregt herbei und bewiesen ihre Geschäftsunkundigkeit auch dadurch, daß sie de? Erwartung Ausdruck gaben, man würde ihnen ihre Einlagen sofort zurückzahlen, damit der Ehemann von dein Nebengeschäft nichts erfahre. Bergmann selbst hat aus Kosten der Betrogenen«in Schleimncrleben geführt. Seine Ehefrau spielte in Reitsporttreisen eine Rolle, Bergmann selbst und seine„gehobenen" Angestellten sah man in Luxusrestaurants frei f r a« z ö k i s che m Sekt und Kaviar und auf den großen Bollfesten. Aelteren Damen der „Gesellschaft" gegenüber, die Geld investiert hatten, legte Bergmann Wert darauf, die Zinsen am Mouatsersten persönlich zu überreiche». Erfuhr er ober gar, daß sie krank waren, so erschien er inst einem riesigen Blumenstrauß, um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Diese Damen aber priesen ihn dann als den„feinsten Mann Berlins" und führten ihm durch solche Empfehlung neue Geldgeber zu. Im Laufe des gestrigen Tages nahm die Kriminalpolizei den ge- samten Bestand in dem Lombardhause auf mrd über- mittelte alles Material dem inzwischen ernannten Konkursverwolter Schuster. An Bargeld wurden etwa 7000 Mark beschlag- nahmt, wovon den Angestellten die Ianuorgehälter ausgezahlt wurden.. Die Vermutung, daß Bergmann und seine Bertrauten nöch Geheimkonten haben, hat sich bestätigt. Bereits gestern wurde der Kriminalpolizei mitgeteilt, daß bei einer kleinen Privatbank im Zentrum der Stadt ein Sonderkonto besteht, das sofort gesperrt wurde. » Bergmann ist. wie uns von nnterrichteter Seite mitgeteilt wird, der Polizei kein Unbekannter mehr, weil er im Juni 1926 von» erweiterten Schösfengericht Lichtenberg wegen Betruges in zwei Fällen und Konkursnerbrechens in einem Fall zu insg.:samt 1 Jahr 2 Monate Gefängnis und 20 000 Mark Geldstraf« oer- u r I e i l t worden war. In der Berufungsinstanz wurde dann dies« Strasc auf 6 Monate herabgesetzt. Bergmann hatte im August 1923 in der Gcorgenstraße eine Wechselstube ins Leben germen, die so gut florierte, daß er in Weißensee eine Filiale zur Erösf- ming brachte, der er den hochtönenden Namen„E o n ttn e n t a l- Bank, Aktiengesellschaft" gab. Das Kapstal, das er in Popiermark eingezahlt battc, betrug ganze l Pfennig. Auch in«sang« r- bansen eröffnete er eine Bant. Hier hatte es der betrügerische Bankier, der wegen einer gleichen Tat früher«inmal eine empfind- liche Freiheitsstrafe hatte verbüßen müsien, verstanden, zahlreiche Leute, die vertrauensvoll dem Bankhaus ihre Ersparnisse anvertraut hatten, um nicht unerhebliche Summen zu prellen. Er lebte damals auf großem Fuß«, hielt sich zwei Automobil«, die er teilweise nicht bezahlte. Schließlich häuften sich die Anzeigen der Geschädigten. so daß eines Tages alles zusammenbrach und det Bankier sein Geschäft schließen mußte. Er wurde verhofket und noch sieben Monaten aus der Umeftuchungshaft entlasten... Das Gericht �khatrdelte damals in zipestögiflxx Sitzung, Der Staat»an mast. hatte 2 Jähre S Monate Getängtsts beantragt.—--..... dann das ÄngdngS erwöhnte llrteil. �• .5� pMngw Statt« schaffender Arbeit, durch die es sein« Kräfte entwickelt. Es Hai sich bereits gezeigt, daß die aus der weltlichen Schule t ommenden Kinder mit ihrem nicht eingepaukten, sondern erarbeiteten Wissen und Können von verständigen Lehr Herren lieber genommen werden als Kinder aus anderen Schulen, und daß sie auch brauch- bärer sind. In der Diskussion, an der Eltern und Lehrer sich be- «ciiigien, wurde hervorgehoben, daß gerade jetzt, wo die Ver- kirchlich ung der Schule droht, die Notwendigkeit einer Mehrung der weltlichen Schulen einleuchten muß. Die weltlichen Schulen zeichnen sich auch aus durch besondere Pflege enger Beziehungen zwischen Schule und Haus, ohne die eine er- folgreiche Arbeit der Schulen nicht denkbar ist. Stadtrat Genosse Rieck(Bezirk Wedding) wies darauf hin. daß die weltliche Schul« das Vertrauen der Eltern hat. tß Unter dem etwas unglücklichen Titel ,�)«itereOpernmuse" brachte der Somitagabend eine sehr sympathische Veranstaltung. Die Zusammenstellung von Orchesterniusik und Gesangdarbietungen heiteren Eharokters aus Opern wirkte volkstümlich und wahrte doch Niveau Aruno Seidler Winkler als Dirigent des Funkorchelters bewahrte sich, wie schon oft, bei ähnlichen Veranstaltungen. Der Vortrag von Curtis Ä e l n i tz über Charlie Chaplin war werllos. Er wirkte wie ein aufdringlicher amerikanischer Reklameseldzug. Chaplin bat in Deutschland diese plumpe Lerberrlichung nicht nötig. Der Künstler Chaplin wurde durch die Schilderung des Vortragenden nicht beleuchtet. Der Montag brachte zw« sehr wesentliche Vorträge über Er- ziehumte frage n. Dara Sophie Kellner behandelte das Thema „Das Kind und die Angfi". Ein Kind, das sich fürchtet, sei e? vor Strasaudrohungen, vor Menschen oder vor irgendwelchen Natur» erscheiiumgen, wird meist ein unselbständiger, unfreier Mensch. Das Verlangen, die Umwelt zu erjorschen und kennen zu lernen, wird bei diesen Kindern unterbunden und damit die geistige Entwicklung gehemmt. Die Vortragende warnte daher mit Recht davor, di« Furcht als Hilfsmiltel in der Kindererziehuiig anzusehen. Stadt- verordnete Hoffmann-Gwinner sprach über„Sorgen- kinder im A r b« i t e rl e b e n". Die Kinder in Försora«- erziehung entstammen fast ausschließlich Arbeiterkreisen. Die Rednerin betonte, doß�goistig ganz normal« Kinder in beinahe allen Fällen mir dann zu Störenfrieden der Gesellschaft werden, wenn ihr Milieu sie dazu macht. Wobnu nasnot, Mangel und Ent- behrungen tragen die Houptschiiid an der Verwahrlosung Jugend- licher. Durch Fürsorgeerziehung in geschlossenen Heimen werden diese Kinder st'oliert und zu Außenseitern des Lebens gestempelt. Die Vortragende forderte, daß auch in Deutschland der Versizch ge- macht werde, wie in England Fürsorgezöosinge in Waisenbäusern unterzubringen und sie dort gemeinsam mit den anderen Kindern m erziehen. Die Kinder besuchten mit bestem E�ola msentliche Schulen und erfuhren eine Berussausbildung, die diesen Neigungen und Fähigkeiten entsprechen. Unsere Fürsoraezöglinge dagegen werden in überwiegendem Maße der Londwirtschaft zugeführt, der si« als Stab« kinder weder Lust noch Verftändni»»ntaegenbringen. lieber„Kröfteötonomie bei den Beweounnen de» töalichen Lebens" sprach Alle« Caminer. d<« Rare und verständliche Ratschläge tür tweckmäßla, Körperhaltung und richtige Ausführuna einzelner Be- I«Metmgen gab.£•* Falsches Mordgerüchl. Dos Gerücht von einem Verbrechen war gestern im Nordwesten der Stadt verbreitet� Gegen llös Uhr sah ein Veamrer des 28. Polizeireviers auf seinem Rundgang am Holsteinischen Ufer, gegenüber dem Cafe Gärtner,«ine weibliche Leiche in der spree treiben. Sie wurde gelandet und es zeigte sich, daß sie bis auf einen braunen� Spangenschuh am rechten izuß und den fleischsarbenen Füßling des Strumpfes darunter ganz nackt war. Mehrer« Verletzungen an verschiedenen Körperstellcn gaben Veranlassung zum Gerücht von einem Morde. Auch die Mordkommission wurde alarmiert. Leichte Verletzungen des Fleisches zeigten sich an den Leinen, den Oberarmen und dem Halse. Ersichtlich sind aber an mehreren Stellen auch die Knochen gebrochen. Die Leiche hat wahrscheinlich schon l4 Tage bis drei Wochen im Master gelegen. Bootshaken, Dampferfchrauben oder Troffen von tochleppkähnen haben vermutlich nach und nach die Kleidungsstücke abgerissen und die Verletzungen hervorgerufen. Es liegt kein An- hast vor, ein Verbrechen anzunehmen. Die Leiche wurde bej'chlag- nahmt und zu genauerer Untersuchung nach dem' Schauhause gebracht. Die Tote steht etwa in der Mitte der zwanziger Jahre, ist mittelgroß, gut gewachsen und gut genährt, vollschlank und hat einen braunen Bubenkops. Umbenennung der Müvchener und Wanzlikstroße in Flughose«- straße. Der Mogistrat Hot mit Zustimmung des Polizeipräsidenten und des preußischen Slaaisministeriums die Münchener und Wanzlik- straße in„Fl u g h a f e n st ra h e" umbenannt. Die Bezeichnung „FlughafensiraßH führt somit der gesamte Straßcnzug von der Berliner Straße in Tempeldof bis zur Berliner Straße in Neukölln. — Ferner sind an Strahenbenemiungen erfolgt: Im Ortsteil Berlin- Britz: Die Straße Nr. 46 mit„B e n da st r o ß c", die Strotze Nr. 46 a mit„Britzkestraße", im Ortstcil Beriin-Neukölln: die Straß«, die vom Dcrwaltungsgebäude des Flughafens au? noch Norden ver- läuft, bis zur Züllichauer Straße mit.L i l i en t ha l st r a ß e". 52 Tote bei dem Eisenbohuungllick bei Rongoon. Zwölf weiter« Personen, die bei dem mitgeteilten schweren Eisenbahnunglück bei Rongoon in Indien verwundet wurden, sind ihren Verletzungen erlegen, so daß sich damit di« Zahl der Toten aus 52 erhöht. Reue amerikanische Lt- Bootkatastrophe. 8 3 mit 41 Mann verloren. Washington. 30. Januar. Da» Unterseeboot 8 3. das wie gemeldet, fett Sonnabend vermißt wlrd, ist trotz etsriger Uachsorschung. an der sich auch ein Flugzeug beteilig«, noch nicht wieder ausgefunden worden. E» entschwand dem Gesichtskreis der mit ihm aus der Fahrt nach Kuba befindlichen Schisse während eine» schweren Gewiltersturme». der am> Sonnabend bei Sonnenuntergang einsetzte. Die Flottille befand sich um diese Zeit etwa 400 Meilen südlich von Kap Ho tieras. Das Meer soll an dieser Stelle über 3000 Meter tief sein- An Bord des Unter. seeboole, befand sich außer dem Kowmaadanteu und drei Offizieren eine Besatzung von 3 7 Mann. Erdrutsch in der Nordschweiz. In der Nähe von Choindez. an der Strecke Lausanne— Basel, löste sich«in« mit Wald bestandene Erdmaste in 200 Meter Breite vom Fclsett ios und z e l st ö- l e b i e Gleis» der schweizeriichen Bundesbahn Ein Arbeiter bemerkte rechtzeitig die Katastrophe, wodurcb«n geiade >Slli»,r Schnellzug zum Halten gebrach, werden könnt». Der »almverkehr ist vollständig gesperrt, weil man noch weiter« Erdrutsche bgfttrchtch. Zur Sporf-Werbewodie. Die Stellung der SPD.-Sporilcr. Aufstieg im R.V.„Vorwäis"/ Kommunistisches„Klassenbewußtsein* Der Rudern«rein„Vorwärts" Hielt am Sonntag in Oberschönewerde seine diesjährige Generalversammlung ab. Dem Bericht des Vorstandes, den der Gen.'Schreit gab, entnehmen wir, daß der Verein mit-16 8 Mi t g l i e de r n zurzeit seinen stärtsten Milgliederbestand aufweist. 31 Boote, darunter zwei> Achter, 73 Privatboote und zwei Motorboote, insgesamt 106 Boote, fahren unter der Flagge des Vereins. Ein« Statistik der Vereinsmitglieder nach ihrer g e w e r k- schaftlichen oder politischen Zugehörigkeit, die staiutarisch vorgeschrieben ist, ergab interessante Aufschlüsse. Bon den bisher erfaßten 285 Mitgliedern waren 226 gewerkschaftlich. 45 gewerkschaftlich und politisch und 14 Mitglieder nur politisch organisiert. Von den gewerkschaftlich Organisierten halten die Metallarbeiter die Spitze, an zweiter Stelle folgt der ZM., während an dritter Stelle die Buchdrucker stehen. Von den politisch Organisierten gehörten 4 5 zur SPS., 11 zu den Kommunisten und 3 bekannten sich zu den „Unabhängigen" Bon dem weiteren Ausbau des Bootshauses, der mit erheblichen Kosten verknüpft ist, will man Abstand nehmen. Da- für wurde der Vorstand beauftragt, sich um den Ankauf eines weiter draußen gelegenen Grundstücks zu bemühen. Auch das Bootshaus in Köris soll ebenfalls erweitert werden. Der Kassen- bericht, der gedruckt vorlag, ergab ein Vermögen von 26 453,76 Mark Trotzdem erst im abgelaufenen Geschäftsjahr« zwei neu« Doppelvierer in Dienst gestellt wurden, ist gerade nach dieser Boots- gattung eine derartige Nachfrage gewesen, daß zwei weitere Doppelvierer in Auftrag gegeben wurden. Bei den verschiedenen Regatten hat der Verein gut abgeschnitten, eine stärkere Beteiligung hätte aber nichts geschadet. Durch das anhaltend schlechte Wetter des vergangenen Sommers sind auch die Fahrten- l« i st u n g« n der Mitglieder erheblich zurückgegangen. Konnten im Jahre 1926 im ganzen 37 140 Kilometer gerudert werden, so waren es im letzten Sommer nur 28 877 Kilometer. Di« Höchstleistung«- rang ein Mitglied mit 1416 Kilometer. Der D o r st a n d, der das Verträgen des Vereins gemeßt, wurde wiedergewähl. Im Arbeiterschwimmverein„Welle", in dem fest langer Zeit schon die polstischen Auseinandersetzungen toben, sind die kommunisti- schen Drahtzieher aus einen neuen Einfall gekommen. Weil sie einsehen, daß es bald mit ihrer Macht zu Ende ist, vielleicht auch, um im Trüben besser fischen zu können, sind sie gegen eine Besetzung von verantworllichen Funktionen mit politisch organisierten Genossen. Angeblich um damit eine„parteipolitische Beeinslusiung der Vereins- arbeiten" zu vermeiden. Ihr.Klassenbewußtsein", das sie bei jeder Gelegenheit in den Vordergrund schieben, geht sogar so west. daß sie olle Posten mit politisch Unorganisierten besetzenwollen. Dem Vorsitzenden Meyer war es vorbehalten, in der letzten Generalversammlung der Abteilung Berlin diese neue Weisheit der kommunistischen Fraktion zu verkünden. Doch offenbar nur zu dem Zweck, den fest Iahren bewährten Leiter der Abteilung, unsere» Parteigenossen Bahn, abzusägen. Wenn es der Gefolgschaft Meyers auch gelungen ist, mit nur geringer Mehrheit ihren„klassen- bewußten unpolitischen" Kandidaten,' der als kleiner Unternehmer- onfänger auch der Gewerkschaft den Rücken gekehrt Hai, durch- zubringen, so erlebten sie ein um so größeres Fiasko bei der Wahl des zweiten Abteilungsleiters. Hier empfahlen sie einen ihrer Freunde, der seit sechs Monaten keinen Vereinsbeitrag bezahlt hat. Diese Kandidatur führte zu solchen Larmszenen, daß der Leiter die Versammlung kurzerhand schloß. Durch seinen Parteisreund Kirchmann, dem Kartellvorsitzen- den des 5. Bezirks, mußte sich der Vcreinsvorsitzende erst belehren lassen, daß eine vom Leiter geschlossene Versammlung nicht wieder eröffnet werden kann, selbst dann nicht, wenn er Vereinsoorsitzendcr ist. Man muß nun abwarten, welche Folgerungen die Kommunisten aus ihrem Vorgehen, das den Bestrebungen des Bundesvorstandes, alle Arbeitersportler der politischen Organisation zuzuführen, Hohn spricht, in der Hauptgeneralversamnilung des Vereins ziehen werden. Am 2. Februar findet sie unter Leitung und Aufsicht eines Vertreters des Bundesvorstandes statt. Diese Maß- nähme ist notwendig geworden, um endlich dem Berein einen Vor- stand zu geben, der ordnungsmäßig gewählt ist. Es muß verhindert werden, daß der von den Kommunisten jetzt beliebte Umgangston beibehalten wird, der es erlaubt, daß Genossinnen, die Jahrzehnte dem Verein angehören, mit nicht wiederzugebenden Bezeichnungen tituliert werden, nur well sie sich erlauben, eine andere Meinung als die Drahtzieher zu haben. Alle Mitglieder, die auf dem Boden einer geordneten Dereitisarbeit stehen und die vor den Bundes- gesetzen noch Achtung haben, müssen deshalb zur Generalver- sammlung am 2. Februar. 19,30 Uhr nach den Comeniussälen, Memeler Str. 67, kommen. Am Sonntag tagt« die Generalversammlung der „Freien Schwimmer Neukölln", wobei sich der Versomm- lungsraum als zu klein erwies. Aus den Vor st ands berichten gin<) klar und deutlich hervor, daß der Verein sich in aussteigender Lirne befindet. Technisch einer der ersten Dereine des Reiches, hat er sich ganj in den Dienst des Werbens für die Arbeitersportbewegung nicht nur in Berlin, sondern auch im Reiche, gestellt und schöne Er- folge erzielen können. Aus diesem Grund« hat er auch die aus dem„Schwimmverein Vorwärts" ausgetretenen Genossen aufgenommen unt/ die Gruppe Lichtenberg ge- gründet, die jetzt nahezu 30YMitglieder zähst. Daß der Verein finanziell gut fundiert ist, ging aus dem Kassenbericht hervor. Der alle Vorstand wurde mit«inigen kleinen Ergänzungen wieder- gewählt. Don den angenommenen Anträgen sei nur erwähnt, daß der Derein entgegen den bisherigen Beschlüssen des Kartells be- schlössen hat, sich an der Städtischen Turn- und Sport- woche zu beteiligen.— Di« Badeabende des Vereins sind» Gruppe N e u k ö Tl n: Erwachsene und Jugend Dienstags von 20— 2114 Uhr. Kinder Montags: 20—211- Uhr.(Siadtbad Neukölln. Ganghoferstraße). Gruppe Lichtenberg: Montags von 20—21 Zs Uhr fStadtbad Schillingbrücke), ab Februar: Donnerstags von 20— 21% Uhr(Stadtbad Lichtenberg, Atzpodienstraße). Der Plan, die bisher vom Oberbürgermeister Böh mit Hilfe des städtischen Derwaltungsappavats alljährlich veranstaltete Sport- Werdewoch« von der Stadt bzw. dem Stodtamt für Leibes- Übungen dur ch zu f ü h re n und dadurch«ine Summ«(beantragt sind 25 000 M.) In den Etat der Stadt einzustellen, stößt bei den Arbeitersportlern aus erheblichen Widerstand- Das Sdadtamt für Leibesübungen hat dne schon im vorigen Jahre van der. Arbeitersportkartelleitung erst gebilligten, dann abgelehnten Plan wi.Ker aufgenommen, mit städtischen Mitteln eine Sport- V-erb-woche aufzuziehen in der Weise, daß je drei Tage den Ar- beitersportkern und den bürgerlichen Sportlern und die beiden dazwischenliegenden Tage Mittwoch und Donner- tag für die Schulen für Werbeveranstaltungen festzulegen seien. Die Gegner dieses Planes sehen darin eine„gemeinsame Veranstaltung", obwohl in einer solchen zeitlichen und räumlichen Trennung der Deranstattun- gen nichts Gemeinsames liegt. Nun hat zwar die Zentralkom- Mission für Arbeitersport und Körperpfleg« in ihrer Sitzung am 19. Dezember 1927 in Berlin ausdrücklich fest- ge l e g t, daß ein« Beteiligung an einer Sportwoch« in dieser Form gestattet ist. Das hindert aber gewisse Kreise im Arbeiter- spart nicht, zu behaupten, daß dies gegen Bundes beschlösse verstoße! So haben sich die meisten Arbeitersporwereine gegen die Durch- iührung in dieser Form erklärt und wollen eine besondere Arbeiter- sportwerbewoche mit städtischer Unterstützung. Einige Ber- «ine haben jedoch rückhaltlos dem Vorschlage des Stadtomts zugestimmt, so die Freie Turnerschast Groß- Berlin, Freie Schwimmer Neukölln, Freie Turnerschast Zehlendorf. Aber auch kommunistisch einge- st.'llt« Vereine bzw. Abteilungen wie Fußballklub Adle«12, Fichte 9, Gruppe Norden des Schwimmvereins „Borwärts" haben zugestimmt. Dennoch ist nicht daran zu -weifeln, daß die übergroße Mehrzahl der Arbestersportoeväne die Werl-ewoche in dieser Form ablehnen. Was folgt nun aus dieser Ablehnung? Das Stadtamt und die Stadtverordnetenversammlung könnten sagen, daß es unter diesen Umständen so bleiben müsse wie bisher, wobei d i t bürgerlichen Derein« den Hauptvorteil hatten. Ob Geneigcheit vorhanden fein wird, den maßgebenden Organifottonen zur Durchiührung von Werbewochen genügend Mittel zu bewilligen. kann zweifelhaft sein. Oder das Strchtamt und die städtischen Kör- perschasten versuchen, die Sport-Werbewoche so wie geplant durchzu- führen. Wenn dann nur eine begrenzt« Anzahl von Arbeitersport- vereinen mitmachen würden, wäre mit einein Antreten, wie es der Größe des Arbeitersports würdig wäre, kaum zu rechnen Deshalb bedarf die Entscheidung reiflicher Ueberlegung. Eine Fraktionsausschußsttzung der SP D.-A r- be i t« rs p ort l er hat mit maßgebenden Parteigenossen über die Aerbewock� beraten Die Sitzung billigt« einmütig den Plan des Stadtamt». Sie fordert die Partei- genossen unter den Arbeitersportlern auf, eben. ialls dafür einzutreten Di« endgültige Beschlußfassung darüber soll jedoch in einer spätere« Ausschußsitzung erfolgen. Inzwischen sollen die EPD.-Arheitersporfler in den einzelnen Kreisen m Sitzungen dazu Stellung nehm«, und beraten, was den maßgebenden Genossen m dieser Situation zu empfehlen sst. Es wäre zu wünschen, daß dir Sitzungen her Kreis«, zu denen blondere Einladungen ergeh«, von all« SPD.-Sportlern besucht würd«. EnfwicMung der Turnspiclc. Neben der LeickUathletik sink» nun auch die T u r ck s p i« l« auf dem besten Wege, sich zu einer selbständigen Bewegung zu entwickeln. Als aussichtsreichstes Spiel der Zukunft dürft« da» Handbollspiel in Frag« kommen. Bereits 1926 erhöhte sich die Zahl der Spiele von 3676 auf 6196, die Beteiligung der Spieler stieg von 80872 auf 136 312. Für 1927 dürfte die Steige- ning aber noch wesentlich größer sein, da dieses Spiel nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen mit Begeisterung gespielt wird. In Sportkreisen rechrtet man mit der Möglichkeit, daß das Hand- ballspiel sich gleich dem Fußballspiel zu einer selbständigen Spiel- bewegung entwickelt. Das T« n n I s s p i« l wird zwar nie zum Spiel der Massen werden können, zeigt ober gleichfalls starke Steigerung und Ten- denz zur Selbständigkeit. In Berlin, Leipzig, Dresden, Zwickau, Erimmitschau, Altenburg, Mannheim, Elberfeld ulw. hat Tennis bereits zahlreiche Anhänger. Durch diese ausgeprägten Kampsspiele werden die andereck Turnspiel« stark zurückgedrängt. Da» früher beliebteste Spiel der Turner. Barlauf, gilt nur noch al» Gesell- schaftsspiel. Schlagball wird selbst in Nordoeutschland von seinen bis- her begeisterten Anhängern im Stich gebissen, Rasshall geht zurück, hat ober nach viele Freunde, besonders in Sachsen, Trommelball ist bei den Turnerinnen sehr beliebt. Hockey wird besonder» in Berlin, Leipzig, Magdeburg, Bremen und Düsseldorf gefpieU, scheint über diesen Kreis- aber schwer hinauszukommen. In Berlin spielen folgend« vereine: F r e i« Turnerschaft Groß- Berlin. Charlottenburg, Schönholz, Lichtenberg, Schmargendorf, Fichte, Pankow. Nordost, Roland, Moabit, ASC., Treptow mit 34 Männer-, 6 Jugend-, 8 Frauenmannschaften und insgesamt 600 Spielern. Die ersten Mannschaften jedes Vereins bzw. jeder Abteilung spielen in zwei Gruppen, A und B, und zwar in je einer Herbst- und Frühjahrsserie. Berlin rangiert infolge seiner längeren Spiellätigkeit als s p i e l st ä r k st e Gruppe. Die Bundesmeisterschafteck werden nicht in sedem Jahre für alle Spielarten ausgetragen, sondern abwechselnd nach Bestimmung des Bundes. 1 9 2 6/2 7 wurden Bundes- meister: H a n d ha l l spieler: ATV. Wien, Handballspielerinnen: Fichte 9a: Faustballspieler: To. Glashütte Jena. Faustballjpiclerinnen FT. Neukölln: Trommclballspielerinnen: FT. Vorwärts- Bernburg. 1927/28: Rassballspieler: Leipzig-Schleußig: Schlagballspieler: Bremen-Arbergen. Für 1928 wird der Bundesmeister in Handball, Faustball und Trommelball ermittelt. Die Ausscheidungsspiele finden im August und September statt. Die S V D.-Art, eilers portl« Lichtenberg» treten am Donnerstag, 2. Februar, 20 Uhr im Lokal Frankfurter Allee 262 zu«ner wich- tigen Sitzung zusamme-r. Vollzählige Teilnahme ist notwendig. PaAeiwitgliÄtebuch ist oorMzeigen.■!>*■ S«Btititas»ci«„Sit StatarfnuBbc', tznUnle«lern. Ort-gruppe•«IIb; •onnttsta«, X ftebni«, 30 Ute. in Sieungsfool tet««schästsst-II», 3n5tfttrtfe- fttolj» 15, i.«teni tet Vortrag»» ih«.Uns« SBalb". Ölnitirt frei..—«St. »uotiAsbaiBi Di-n»tag. 51. Zanuar, 20 Uhr, Ebertustr. 12, Geschäftliches.— Ate. ffriedenaB: Dienstag, ZI. Januar, so Ute, Offenbacher Str. 5»,„Warum Ztaturfreuntet"— Abt. Lichtenberg! Dienstag, A. Zanuar, 20 Uhr, Echarn- webrrsir. 20. Donnerstag, 2. Kebruar, 20 Uhr, ebenda.— Abt. SlordeB, Dien». tag, 81. Januar, 20 Uhr, Sonne nburger Str. 20.„Berliner Humor".— Abt. Weddiug! Dienstag, Sl. Januar, 30 Uhr, Turiner, Tri» Seestraß«,„Ursprung der Religion"(Referrnt Dr. M. Schutte).— Abt. Trrptow: Dienstag, 81. Zanuor, 20-Uhr, GIsenstr. 8, Heimabend.— Veweguraschoi! Mittwoch, 1. gebruar, 20 Uhr, Eliasser Str. 2».~ Ate. Aaulow! Dienstag,- 81. Zanuar, 20 Uhr, Sörfchstr. 14.— Ate. Südost, Zugerdgruppei Mittwoch, 1. Februar, 20 Uhr, Relchcnbcraer Str, 66. Vortrag.— Ate. Prr«, lauer Belg; Donnerstag. 2..Fe. bruar. 20 Uhr, Altersheim Danziaer Str. 62, Baracke 7,.klassische Sagen".- Abt. Tiergarteu! Donnerstag. 2. Februar. 20 Uhr, Lehrter Str. 16— 10.— Ate. Südwest: Donnerstag, 2. Februar, 20 Uhr. Dorckstr. II.—«atnrw-Ilrnichaft. lichte Abt.; Donnerstag. 2. Februar, 20 Uhr, Zohannisstr. 15,„Botanik". Da» Soazerthau»„Clou", Manerftr. 82, steht seit Jahresanfang aUabcndlich im Zeichen lustigsten ltorncvalstrubels, dem tlch bie ebenso originelle wie farbenprächtige Ausschmückung der über oiertausen» Personen iasscnd-n Räume trefflich anpaßt. Gin Eliteabend In der Reihe dieser starnevalsvcranstaltungcn ist am Dienstag, 7. Februar, vorgesehen. An diesem Abend, der unter dem Protektorat und der persönlichen Mitwirkuna der blendend schönen russischen Prinzessin Katharina Lchachowsloo veranstaltet wird, gelangt ein Programm mit ganz besonderen Ueberraschungen, wie Angeltanz, Ballontanz, Puppontanz, «chakoladenregtB der Zrumni-Schoko lade nwerke, Ballett, und Solotanzoor. führuugeu usw. zur Abwicklung. parttt'uachn'chteu/SMfürGroß-Berlin Ctatayraya�fte Mtjt fatrit flm> st«t»«a ku«olrtsfcttctstst ecilta 69«, eUkenftrat« 3, z. K»f.; trs®, recht». ,» richte». Stadtvervrdnetenfraktion! Heuke. Dienslaz abend, flade» keine SIhvng der Fraktion statt. Achtung Genossinnen! FunktionSriuneu für«gitatioa a.«rbelterwohlsahrt der»reife 1 bis 6. Goskochlehrvorführung am Dienstag. 31. Januar, nachmittags 2 Uhr. pünktlich dn vor- trogs,aal des Amtsgebäudes der städtischen Gaswerke. Berlin T 2. neue Fticbdchstc. 109(Verbindung: Stadtbahn bis Jannowlhdrücke. Untergrundbahn Slosterstraf>e). S' 5S?.t M'twoch, l. rfcbcnac, 19 Uhr. in twn(Tomeniu». Wirtn'«reisvorswndZützuns mit filmtlich.n Abt-ilungz. Fl Ccffcntliche Elteraver. W t-1•."m Donneret««, 2, Scbruar, U»r. im«rodea s fJ'S,' SejirtBomtc« Kreiizd««, ßottffJt. U. vortroq mit Wi r;»Jfta'rffili'«■ b«» Lcbcn der weltlich.a Tchnle." Stfcrcut Steitor F f., Wolter Sita,«ir bitten nrn recht ttgt«ettiligun». p I Morgen, Mittwoch, 1. Februar: ?* � Aschlesing. Ackerftr. 1. ip.chugc Funktion ärsitzmtg. ZU IS� Uhr bei Bcrger. Leoetzowstr. 2t. ni chtige Fu.'ktwnitWl ----' � IT-----'" MM■* Ächtung! Der Tarstand lammt bereits um 10 Uhr eben dort zufamv�/ö. 2Z. Abt. j.S'>s Uhr im kleinen Phorus-Saal, Müllerftr. 14� ä�itglichTnciv sammlung. Tortrag:„Der Kampf der Industrie um die Macht." Referent Artur Laternus. Neumahl der Abteilungsleituna. Wahl der Delegierten �ur GsncralversammlUtty. Erscheinen oller Mitglieder unbedingt er. forderlich. A3. Abt. Piinktlich Ill'G Uhr bei Otto. Rigaer Ltr. 83, Versammlung aller in der Wo hl iahrtsp siege tätigen Genossinnen und Genossen. Die Mit- gliehec des Wohlfahrrskontmifstonen werden bestimmt erwartet. Tages» Ordnung:„Die Arbeiterwohltahrt im Jahre 1928." Neuwahl des Ab- Abt , MfwOMkmntm fs ta fhaOhf. nau herzlichst eingeladen. Gäste willkommen. 124ä Kahlsborf.GSd. Donnerstag. 2. ffebru«. W>.»WWW Mchl2öorf»cUÄ. Uhlanästr. 18, Vortrag des Genossen Erich Fraeakel über teilu ngsausfchuss es. Abt. Die Genosnnmen und Genossen werden gebeten, sich reckt rege an der Filmvorstellung der sozialistischen Arbeitcriugeno um 19 � Uhr in der schulaula, Reichen bergcr. Ecke Förster Ltraße, zu beteiligen. Eintritt 20 Pf. Lieber zur Laute, Rezitationen usw. unbeblngt 14 vwMaA.2�u«,,9«2!? v)anre-3progran;n!5. �.yeaterlarten abrechnen. ,4< 5'119' ��rksamt Reuiollu. Mittwoch, 1 Februar. 19'i Übe, im �bcal» iS 8' nsvollversammlmm aller'kommunalen Bk. T-ses-rdnun?: 1..Rti», Staat und StSdte." bemann Rndikt.?. 3'-?ti-n-a!!gtI-g-nhtittn. Angestellte und-Beamte müssen erscheinen. Parte!» au-rnct- I-stttm.trt, D„-sraltionsvorstand. henke. Dienskag. ZI. Januar: ?"• Ä«««Nossen werde» gtdetrn, sich an dem«ltna-bead Or„s� i v" Arbtlteringknd um 19'- Uhr im Zugendhtim Haupt- siraß« U, Krandtuburgzimmtr. recht reg« z» det-iligt». Charlotte» Surg. 51. Abt. So Uhr de- Lehmann, KLnigsweq 8, Funkttonar- sstzung.— 38. Abt. 20 Uhr bei Lierfch, Kantstr. 62, Funktion ärsihnna. Wichtlgt Besprecht!»?. Alle ssunktionöre müssen erscheinen,— öS. Bdt. '20 Uhr im Eihnnncsaal, manlestr. i, 4. Stert, Fuuttionärsltzung. Pünktliches Erscheinen erkordcrsich, 17. Bbt. chntnemald-Eichiamp. AVi Udr im Lokal Bnrchaiher(Bahnhof». restaurant Grunewald) Ärbeitozemeinsäiaft' der luzenhlichen Genossen.— Der Ii'gendvorüand. It.«St. Wilmersdorf. Ig Uhr bei Schäfer, Augustaür. ZI. wichtige Funktionär- tipung. Erscheinen iü Bsliäit. 82.>bt. Stealid. 2V Uhr im Lokal sa>ulö, Bergstr, 92, Sunttioniirfidiing. 84.«St. gooluith. Pünktlich 20 Uhr bei Lehmann,«aifer-Silhelm-Str. 29— ZI, Fnnktionärlißnng. Erscheinen sämtlicher Funtttonäre unhedinqt erforderlich. 99. Abt. Brth-Bnaow.>»>-, Uhr Mitgliederntrsamiuna im Bi'lchkrng. Tage»- Ordnung: Bericht des«bteilunnsvoritandes und der kommunalen kam, Mission, Kasienbcriäit und Bericht der äicoiforen. Neuwahl de» Borstandes »nd der Revilorrn, Neuwahl der kommunalen Kommission. Verschiedenes. ' HaM tli H . et. WWW. � ndung. Erscheinen iämtlicher Funktionäre imdedingt erforderlich. 13«.«M. Seiniaendor!.—-.....|----■--»---- INHUHr. bei«etz. »Die Frau in der Politik". Ave Genossinnen und Genossen sind herzlichst eingeladen. Gäste willkommen. Bezirksansschuh für Arbeilerwohlfohri: 14.' ftni* XtnköSa. Heute, Dienstag, 31. Januar. 19'■, Uhr, im Zimmer 1« des Rathauses Neukölln. Beginn des Schulunaskursus. Erster Bortrags- und Ausspracheabend:„Die reastlichen Grundlagen des Fürsorgewesens". Rekerentin Dr. Hellinger. Alle Genossinnen und Genossen sind herzlichst eingeladen. 4«. Äbt. Zsiiiiwoch. 1. Februar. lS'l Uhr, bei Balentyn. Särliher Str. 72, Sitzung aller in der Wohlfahrt tätigen Genossinnen und Genossen. »iudersreuade Grob-Berlin: Srei» Sieglitz: Heute von 16—!8 Uhr Heimabend(Albrechtstraheh. Di« grösseren Kinder basteln und die kleinen zeichnen und malen. Parteigenossen, schickt eure Kinder»u diesen Abenden! Zungsozialisten: Gruppe Lichtenberg! Hcnt«, Dienstag, 20 Uhr, in der Bibliothek, Weichsel- strasse 2«, Vortrag:„Kultnrsozialistisihe Betrachtungen". Referent Karl Scholz. Sozialistische Arveiteriugend Groß-Serlin. ».-»..«itzaag Donnerstag, 2. Februar, pünktlich 18 Uhr, im Sekretariat. heute, Dienstag, 19',- Uhr: Vollzähliges Erscheinen wird erwartet. 192. Abt. BauM'chnlenweg. 13 Uhr bei Hass. Baumschulenstrasse. Fnnktianär- *"•--------gOi—------— j. tstcji. ��M>WW»W>WM> Funktionärsitzung. Pünktliches Erscheinen unbedingt notwendig. 20 Uhr im Lokal Steinbach, Schillerpromenade 48, Frauenveranstallungen: W 99. Abt. NenlöZ«. Henke, Dienstag, 31. Zanuar, 19H Uhr, im W Fbeal-Kasino, Weichselsir. 8, Lichlbtlderoortrag des Genossen Furt, st.-' ; 1 wängler über»Die indische Frau". Alle Parteigenossinnen sowie die i, ; a Frauen der Parteigenossen ssnö dazu freundlichst eingeladen.»Bor- iZ - wärts".L«ser und Etimpathlsierend« willkommen. 99. Abt. Britz. Heule, Dienstag, ZI. Zanuar,.lglö Uhr, im Jugendheim im Rathaus. Ehausseestr. 48, Borlrag der Genossin Dr. Käte Frankenthal über beuaaen Selm alle« 81. lv-Minuten-Reseratc. _______ Wtzetbce... — Zentrum: cheim Landsberger Str. 09. ..Kriegskredite."- Schöneixrg' 1: Hei« Hausttstr. 15. Fahrtcnerlebnissc.-- Schcnederg II: Leim Hauplstr. lö. Tagezpolitische Fmgen.—«choneberg Iii: Heim Hauvtstr. lö. Funktionärsitzung.— Westea Ii: Heim Bälowstr. 88. Mit aliedernerlammlung tur Februar.— Eharlotteaburg< Iüngerongriippe): He m Rastnenstr. 4.»Gefahren, die den Fugendüchen unilauern.'- Salcnteei Srtnilc .foachim.Friedrich-Str.»Kommuualpolitil.'- Lichterseld«:»e m Lichterselde-Wess. Albrechtslr. 47.„Balschew.rmus ober Ztz-sch mnus?- Neukölln l: Seim Sander., Ecke Sobrechtstragc.„Proletarische Dichtung.'- Ren- tölla III: Heim Wanzllkftr. 7.»SerucUc Fragen._— ScnScll« IV: He in sitzunq beim Genossen Struzak. Gleims», dl.„. Serbebezirk Paulo«, Bildungskurius iur Fünqerc tm Seim Sor:chstr. 14, Bildungskursu» für«fitere im Heim Klsstitgensttasse._ Personen- und Sasikrafhoagen Für jeden Zweck in jeder Preislage. Fabrikate: Opel, N.A. G., Protos, Presto, Krupp, Magirus, Hansa-Lloyd» Chevrolet, Chrysler, Essex, Steyr, Delage. Erweiterte Ausstattung Friedrich-Ebert-Straße14 Vorteilhafte Kreditbedingungen— niedrigster Zinssatz. jCASINO-THEATER s um Lotbringcr Str. 37 Die spanische Fliege. j Aaudmeiden i Gutschein 1—4 Pens 1 Fauieuii nur 1.I0M» Sessel nur IdO M. "tjRenaissanc«- Theater Sfeinolau 901 .j; 8.,o uhr: Coey r Bube. IS�Komisdie Oper 8�1 >cuartigc9 Rcrae-Stück I Alles Nackt!) 1(Vach d. gleichn. Paris. 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Uhr Sttetmama mit HzjisI Arnsteedt Mittwoch u. OonnsL KarnzzelL Freitag 8 Uhr frülKTi» Operette I 3 Akt mit Thilla-nieaicr SlzKajüanei gät dordi das üadÄ Walhaila-Th,.8, Weinbergsweg 10 20 Eine litiiEioadit Operettenschu znk. In 3 Akten v Halton Musik von Osterloh Vorzclger dieses zahlen für Parkett auch Sonntags statt 4,— Mk. nur OB ft. Kose-Tbeater SV, Uhr Der Pfarrer von KlrdUeld Metropol-Th. Täglich 8 Uhr Jie sdiiM üflraa' Operette t.Olftnbach idia. Rttlmr. (ildlmWi. Co bcw. Mdmr. Siltirttn-Mlt»« Dls. Künstler- Tk. 8 Uhn jEveiyne* cesslni-Theater 8 Uhr „Rose Bernd" Iii int fldniiralspalas Tägl.S'/,Uhr BAUER- BEVOE Jaiondwof Allen Freunden und Bekannten Wo traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegerund Grotzpater, der Tischler Paul Merettlx nach schwerer Krankheit im 82. Beben,- jähr« am Freitaq, dem L7 Zanuar, abend,, sanft entschlafen ist Sias zeigen tiesbetrübt an Elise Merettig, geh. Wettzrr Oswald, Frlu, Erna, geb. Wels au« Knrti, Berlin hl. Tegeler StraSe 3 am L Februar. 12 Uhr. Gerichtstrasse Plaiftarina am Zag Tvlleg. Judimlliiltr Strah Noll. 1573 Tebbs, die Sdnrtstcr der Erde. Vorführungen; lO'/fc 18, 19"/„2I Uhi Eintritt l M. Hiebt ort. IS Jdm B.50 k «IM- ..ZEIGEN In der Gnemuafloze de..VorwSm*.Ind beeondere vtrkiair «nd trotz dem schrbimgl bei her Frau, Jttt die überaus zahlreichen Be- :e herzlicher Tetlucbme l SWSschernng«ein« Ueöen unserer gute» Mutter Agnes Brinkmann sagen tote allen unsere» besten Dank. Fritz Briakmarg und Kinder. Dnitalieillletiillailitltei-lleM «»t-nss! BeWeösrflte hiüh«- Di» Betriebstäte- Zeitschrift Nr. 2 ist irschtenen und kann gegen Borzeizung der Ltgtttmaitonskarle des Betriebsrat»- odmannrs In unserem Bureau. Zimmer a. oder nach 4 Uhr im Zimmer 4 entgegen- genommen werben. Miasti nJeröepflinflifiet WU! Laut Beschluss dee Branchenverlammlung vom 2g. Zanuar 1928 muß da» AdstiM- mungsmatetml tür all» Betrieb«, wo Wer!- zeugmacher beschäftigt sind, voinebmll» der BBÄT-Betriebe, noch heut-, Vienslag. den 21. Zanuar. in der Zeit»im 4-7 Uhr tat Vetdandsdanse. Linienstratze 83.8.J, Zimmer l, abfleftolt werden. Morgen. Mittwo«. den tz. Zebruar. und Donnerstag, d.» 2. Aebrnar. in der Zeit son 4—7 Uhr. viit ien d:e Abstimmunggrelultate im Berbandshause. Zimmer l. abgegeben würden. Später einlausende Adftiwmuna». resultate iZnne» nicht mehr detüdsich- ligt werden. VI« OrTooermairunn. Eisu-ralVBetts?!, Kiaderbctte», Stahlmatr., rOn.t, an Priv. Kat2049(r.EUenmSbellab.gu~|(Tli&r.) D A S QUALITÄT S ,- ,F- A H R R j M 64- 85- 96- 105 M L Wochenraten von 2.50\1 an MIFA• Fabrik- Verkaufsstellen; Berlin NW 7, Schiftbauerdamm I- NW'i Turm Str. 3 &" Sf w 5V.?� Bl? lflnlwJt�SÄ�euritzi �riecJenau, Cranachstr. 57; ,s D��,,he,m"Stra®C Rg; Neukölln, Friede) str. 27. Bhnkow. c n*1 L' p<�ScJam, Berliner Str. 1: ScMÖnehcrg, Barbarossa itr. 42: �pandau, Potsdamer Str. 1 a; Tegel,- Berliner Str. 15; Tempclhof, Berliner Str. f.i D IR EKT AB F A B L-D' 1, Leipziger 6- Tagerennen 2. RIEGER, 3. HETZ, 4. BEHRENDT auf 7tr. Si* 43. Jalfrgüttg ��6 ��08*10 Dienstag- 34. Ianuar 492S Die großen Gewinne der AEG. Austräge für ein weiteres Jahr.- Generaldirektor Deutsch zur Lage. Der Eenerakdlrektor des AEG.-Konzern» hat gestern einleitend über seine Erfahrungen in Amerika gesprochen. Besonders sei ihm aufgefallen, daß bei den dortigen Unternehmungen eine andere Anschauung über die Unterrichtung der Oefsentlichkeit herrsche als\ in Deutschland, und daß er selbst von dem Nutzen diessr Einstellung überzeugt, entsprechende Lorschlöge an den Reichsverband der beut. scher. Industrie eingereicht Hab«. Noch diesen ermunternden Ein- leitungsworten, die endlich der immer wiederholten Forderung der �deutschen Oefsentlichkeit gegenüber der Geheimniskrämerei der In- dustrie entgegenzukommen schienen, muß der jetzt verösfentlichte Jahresabschluß des AEG.-Konzerns wieder enttäuschen. Es ist ohne wettere» erstchllich, daß bei einem Unternehmen wie der AEG., die mit 186 Millionen Mark Kapital arbeitet, die Dividende für die Entwicklung des Unternehmens wenig besagt. Wenn die im Jahre 1924 gezahlt« AEG.-Divcdende von 5 Proz. Jahr für Ichr um 1 Proz. herausgesetzt wurde und für 1927 8 Proz. beträgt, so ist dies ein wirklich allzu allgemeiner Hinweis darauf, daß der Konzern aus steigende Gewinne zurückgreifen kann. So verschleiert die Gewinn, und Bcrlustrechnung mehr als sie sogt. Don den Bctriebsg« Winnen sind die gesamten Unkosten, Steuern, Zinsen und Eozialabgaben, vorweg abgezogen, so daß lediglich ein Geschästsoewinu von 17,3 gegen 14,6 Millionen Mark j ausgewiesen wird. Nach Abzug der von 3,3 auf 3,7 Millionen Mark; erhöhten Abschreibungen und 1,7 Millionen Mark Sonierabschreibun- gen auf die Kursdifferenz der Amerikaanleihcn(Mindererlös gegen- über dem Nennwert) verbleibt ein Reingeivinn von 12,Z gegen 10.7 Millionen Mark im Vorjahr.! Durch die Neugruppierung der Anlageposten ist auch die BUanz nrch undurchsichtiger geworden als in den letzten Ichren. Während früher die einzelnen Werke mit ihren Grundstücken, Gebäuden und Maschinen gesondert ausgeführt wurden, erscheinen in der vor- liegenden Bilanz die Anlagen nur gruppenweise zusammengefaßt. Wahrend sich bei den Grundstücken wenig verändert hat, haben die Gebäude einen Zugang von 9,6 Millionen Mark und die Maschinen. von 4,3 Millionen Mark erfahren. Der starte Wertzuwachs an � Gebäuden entfällt hauptsächlich aus die großen Reubauten in den Apparatefabriken Treptow, dem Kabelwerk und in den Fabriken Hennigsdorf und Annaberg. Diese umsangreichen Neu- bauten, d« hauptsächlich aus lausenden Einnahmen beschasst wurden, ergeben zusammen mit der halben Million Tilgungssumme für die Ämeritaanleihe und der Eondercbschreibung aus die Kursdifferenz der Anleihen ein ganz anderes Bild über den tatsächlich erzielten■ Reinertrag des Konzerns. Neben dem ausgewiesenen Reingewinn von 12,3 Millionen Mark dürsten im Lause des Jahres mindestens ebensoviel Gewinne anderweitig untergebracht worden sein, so daß sich damit der Sesamtgewinn des Konzern» sehr stark erhöht. Die gute Konjunktur der Elektroindustrie findet in der Bilanz deutlichen Ausdruck. Das.bescheidene" Bank-! gilthaben von 3.0 Millionen Mark im Vorjahr hat sich aus 26.4 Mil-! Konen Mark erhöht, wobei auch stimtlich« anderen Außenstände bei her Kundschaft und befreundeten Gesellschaften bedeutend gestiegen sind. Di« Forderungen haben sich von rund 38 aus 165 TUilllonen Mark erhäht. Demgegenüber steht die Steigerung der Verpfkichtun- gen von 167 aus nur 133 Millionen Mark in gar keinem Bcrhältnis. Außerdem entfallen fast 21 Millionen Mark auf Anzahlungen der Kundschaft, denen 11,6 Millionen Mark in Arbeit befindlicher An- lagen gegenüberstehen. Die bedeutende Verringerung der Vorräte, die insgesamt von 91 auf 66,4 Millionen Mark zurück- gegangen sind, ist teils auf den guten Geschäftsgang, teils aber auch auf die Auswirkung der Rationalisierung zurückzuführen, die eiue kurzfristige Lagerhaltung ermöglicht. Was Herr Dr. Deutsch über die, jetzig« Lage des Konzerns sagte, ist bei der Bedeutung der AEG. in gewissem Sinne aus die deutsche Elektroindustrie überhaupt zu übertragen. Bis heute machte sich in dem Eingang der Austräg« noch kein Sonjuakturumschnmag bemerkbar. Da die AEG. zu 63 Proz. für dos Inland und nur zu 37 Proz. für das Ausland arbeite!, so ist dies« Feststellung für die jetzige Lage in der Elektrizitätsindustrie von Bedeutung. Ueber die Ge- famtumsatzzissern im letzten Jahr wollte Herr Dr. Deutsch auch dies- mal(trotz seiner amerikanischen Erfahrungen) nichts sagen, jedoch kann die Erhöhung des Umsatzes gegenüber 1926 mit etwa 26 Proz. beziffert werden. Der jetzt vorliegende Auftrags- bestand ist etwa 76 Proz. höher als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres, jedoch ist er in«inigen Werten, wie z. B. der Turbinenfcbrik, noch bei weitem höher. Der einzige Betrieb, der nicht voll ausgenutzt werden tonnte, ist die Lokomotivfabrit in Hennigsdorf. Mit der Erledigung der bisher vorliegenden Auf. träge ist der Konzern bis zum Jahresende voll beschüstigt. Die Be- legschaften, die In den letzten beiden Jahren durch die Rationall- sterung sehr verringert waren, sind einschließlich der Angestellten wieder aus über 86 666 Mann gestiegen. Die Zusammenarbeit mit der amerikanischen General-Electnc. Comp, ist durch den Austausch von Petenten und Erfahrungen noch enger gestaltet worden. Die Konkurrenz dieser Gesellschaft aus dem miitel- und südamerikanischen Markt ist für die AEG. nicht sehr gefährlich, da die General-Electric-Comp. ein ausschließliches Fabrikationsunternehmen ist und nicht, wie die AEG., Gesainton- logen anbietet und ausbaut. Für Rußland fand Herr Dr. Deutsch auch diesmal wieder einige höfliche Worte. jedoch auch er muß feststellen, daß die Russen in den letzten Monaten nach der Erschöpfung des 366-Millionen-Krcdits mit ihren Aufträgen recht zurückhaltend geworden sind. Wenn der Leiter der AEG. zum Schluß erwähnte, daß die Verwaltung aus ein hohes Lohnniveau ihrer Arbeiter großen Wert lege, so scheint die Direktion auch in diesem Punkte den Weg von der Theorie zur Praxi» nur sehr schwer zu finden. Dg» beste Beispiel war der Lohntoaflikt der Wertzeugmacher im Mai v. I., als diese Fach. orbeiter ihre weit unter dem Stand von 1923 liegenden Löhne auf- bessern wollten. Das damalige Angebot der Direktion ist noch in Erinnerung: es betrug 3 Pf.I Wenn die Direktion daraufhin auch, um dem drohenden Streit vorzubeugen, sich zu einer sieben- bis achtprozentigen Lohnerhöhung bei den Werkzeugmachern bequemt«, so ist dieses Beispiel der beste Beweis, daß auch Arbeiterwünsche am besten bei einer starken Organisatioo der Belegschaften auf» gehoben sind. wieder beigetreten, die unmittelbar nach der Gründung aus De- treiben der englischen Regierung austreten mußte. Das Kartell kann jetzt ohne Konkurrenz die Preise festsetzen und die europäischen Verbraucher unter sein Diktat zwingen. Die Preisentwicklung er- steht man aus nachstehender Tabelle: 166 Kilo kosteten am lZOt'. ISN 80.3** 1927 1« tz-n. ISN ZS.Zan.19ZS Elektrolyttupfer... 125,75 135,— 135,25 135,25 M. Blei....... 42,25 45,50 44,50 14,50„ Zink....... 55,— 53,50 32,75 5.V-„ Zinn....... 529,— 534,— 506— 517�-„ Die Kupferpreise sind übersteigert. Dt« Selbstkosten wurden bei dem weitaus größten Teil der amerikanischen Kupsergewinnung und auch in Delgisch-Kongo im vergangenen Jahr erheblich gesenkt. Hat man im Jahre 1926 mit einem Herstellungssctz von 116 M. je ! Kilo rechnen können, so liegt der durchschnittliche Gcstehungspreis : für 100 Kilo Kupfer jetzt etwa bei 86 M. Der scharfe Preisrückgang für Zinn ist eine Folge der gesteigerten Erzeugung der englischen und holländischen Prodicktionsgesellschosten und des zurückgegangenen Verbrauchs in Amerika. Der höchste Preis war im Jahre 1927 656 M. Aber bei dem jetzt gültigen Kurf« können die Erzeuger noch große Gewinn« buchen. Weg mii den Kinanzkulissen! Ein Vefthluß des Etadietagcs. Der Vorstand des Deutschen Etädtetages hat in seiner letzten Sitzung einen erfreulichen Beschluß gefaßt. In kurzen und regel- mäßigen Zwischenräumen, zunächst vierteljährlich, sollen ausführ- ltche statistische Finanzberichte die Oefsentlichkeit über die Finanzpolitik der Städte unterrichten. Die Oefsentlichkeit soll sich also ein selbständiges Urteil bilden können und von ten- denziösen Darstellungen, wie sie die letzte Zelt nur allzu oft gebracht hat, nach Möglichkeit frei bleiben. Es sollen eingehende Nachweise ilber den jeweiligen Stand der kurzfristigen und lang- sristigen Berschuldung gegeben werden, über die Ver- wendung von Anleihemitteln soll berietet, und auch über die Ettt- Wicklung der Steuereinnahmen der Srädte sollen fortlausende An- gaben veröffentlicht werden. Damit erfüllt der deutsche Städtetag nicht nur von sich aus einen allgemein geäußerten Wunsch, sondern er nimmt auch ollen denjenigen Kreisen, die am Fischen im Trüben i ein Interesse haben, die Möglichkeit da.zu. Herr Schacht geht aus Urlaub! Was wird mit der Beratungsstelle.— Die Gegensähe zwischen EurtiuS und Schacht. Der Reichsbankpräsident Dr. Schacht wird in den ersten Tagen es Monats Februar— also sehr bald— aus längere Zeit, mindestens "s vier Wochen, aus Urlaub gehen. Selbstverständlich ist>hm das . gönnt. Denn er war— das muß man ihm lassen— außerordent- ich tätig, wenn wir damit auch nicht sagen wollen, daß diese Tätig- eil im letzten Jahr Deutschland etwas genutzt hat. Es ist jedoch in hohem Maße bedauerlich und ver- ön glich, daß Dr. Schacht gerade jetzt in Fenen geht. Ohne en Reichsbankpräsidenten wird die Beratungsstelle, auf deren Arbeit re ganze deutsche Wirtschaft, nicht nur die Gemeinden, mit Ungeduld wüten, zweifellos ihre Ausgaben nicht erfüllen. Em so -lbstverstandliches Anrecht der Reichsbankpräsident aus einen Urlaub cxt. so sehr müssen wir sürchfcn. daß sich au» diesem Urtaub m der Irans eine neue und vielleicht die schwerst« Sabotage der Wer- irgung der deutschen Wirtschast mit Auslandstapitat ergeben wird, nd zwar gerade im allerdnngiichsten und allergefährlichsten Augen- l!ck. Wir müssen deshalb dem Herrn Reichsbankpräsidenten, bevor r in Ferien geht, fragen, ob dafür Vorsorge getrosten ist. daß ie Arbelt der Beratungestelle durch seine Abwesenheit nicht leiden >ird. Und wir glauben, daß die ganz« deutsche Oefsentlichkeit sich ieser Forderung anschließen muß. W i r t s ch a s t s» und Regierungetreisen»st mon cineswegs darüber beruhigt, wie Herr Schacht die deutsche Kredit- olitik zu leiten gedenkt. Den deutschen Jndustriesührern wird bei er Schachtschcn Politik, besonders in«er Frage der Auslands- nleiben, da die Konjunktur leiden muß, allmählich sehr bang«. >err Reichswirtschaftsminister Dr. C u r t i u s hat unser« kürzlich« rage»Wer führt in der deutschen Wirtschaftspolitik?" sehr wohl erstanden, und in einer bedeutsamen Red« in der gestrigen Sitzung es Haush'altsausschusies hat er erklärt, daß da, Reichswirtschasts- limsterium zuständig sei, sich um die Entwicklung der Geldverhatt- isie auch von Amts wegen zu kümmern. Sehr interessant sind die Gegensätze zwischen Curtius und idjodit. Während der Reichsbonkpräsident in einem Artikel der wiener„Neuen Freien Presse' die deutsch« Auslands. erschmdung aus 16 MIlllaxden(SU l-mdsristige, 454 kurzfristige An- ihen) bezistert. spricht Dr. Curtius von 654 bis 754 Milliarden l/. langfristige. 2 bis 3 kurzfristige). Al, hoffnungslos lisch und wenig vorausblickend bezeichnet Schacht diese Ber- Duldung und die jährlich« Last von 4 Milliarden, die sich aus dem infuhrüberschuß und der Zinszahlung für Ausländsanleihen er- -den. Dr. Curttus dagegen halt die Höhe der Ausländsanleihen ich gegenwärtig noch nicht für-beunruhigend: er »lt sie im großen und ganzen für produktiv angelegt und schätzt die eigene Kapitolbildung aus dreimal so hoch als die Auslandsver» schuldung. Außerdem tritt er für weitere Ausländsanleihen ein und gedenkt selbst Auslandskopital eventuell zur Schaffung einer Exportbank zu verwenden, die die deutsche Ausfuhr weiterhin fördern soll. Auch in anderen Regierungsstellen dürfte man keineswegs ent- zückt davon fein, daß sie von Herrn Schacht dafür in Anspruch genommen werden, in seinem Sinne mit veralteten Finanzbegrifsen auftäumen zu wollen. Leider kann kein Zweifel darüber bestehen, daß bei Volkswirt- schaftlicher Würdigung nicht Herr Schacht, sondern sein Kritiker Curtius im Recht ist. Und es ist in hohem Maße bedauerlich, daß der Reichsbankprästdent, der sich zur höchsten Politik allein berufen glaubt, Politik auch mit ungeeigneten politischen Mitteln macht. Herr Dr. Schacht wird in diesem Jahre wieder zur Wahl gestellt: die Oesfentlichkeit sollte doch auch daran ollmählich etwas denken. > preß- und Walzwerke in der Sisenkonjunktur. Wersten und Baumarkt als Abnehmer. Die minimale Abschwächung der Walzwerkproduktion im Monat l Dezember, deren Ergebnisse in der Zeitschrist„Stahl und Eisen" veröffentlicht wurden, beweist, daß die seit dem Septem- � b e r 1926 dauernde Konjunktur auf dem Eiftnmarkt bis zum Jahres. j ende in unverminderter Stärke angehalten hat. Die Gejchriterzeu-- gung der Preß, und Walzwerke betrug im Dezember 1696 255 � Tonnen gegen 1 098 930 Tonnen im November. Da der Dezember durch die Weihnachtsseiertage auch nur 25 Arbeitstage wie der November hatte, ergibt sich in der-arbetlstöglijcheu Erzeitgung«ur -ein ganz geringfügiger R ückga n-g• um 334 auf 41 032 Tonnen. Die Gesamtlahresproduktion übertrifft mit 12,83 Millionen Tonnen das Borjahr um 25 Proz., was um so bemerksj>s- : werter ist, als sich die kräftige Belebung in der Eisenindustrie i bereits in den letzten Monaten 1926 allgemein durchgesetzt hatte. . Unter den einzelnen Erzeugnisien fällt besonders dfe fast Mprozentige Produktionssteiaerung von S t a b« i s e n auf, dessen Hauptabnehmer der Baumartt ist und die sogar um 55 Proz. gestiegene Auswatzung von Grobblechen, die großenteils für Lchiffsbauten Berwen- düng finden. Dagegen war für Eisenbahn oberbaumaterial-nur ein um rund 16 Proz. erhöhter Bedarf vorhanden. Mehr Kupfer als LSLS verbrauchi. Anhaltende Preistreiberei am Kupfermarkt.- Riesenprofite der Erzeuger. Die Schätzungen der Metallgesellschaft in Frankfurt a. M. ergeben für dos Jahr 1927 einen deutschen Kupserverbrauch von etwa 266 666 Tonnen, einen Bleioerbrauch von 225 666 Tonnen, einen Zinkverbrauch von 266 666 Tonnen, einen Zinnverbrauch von 14 660 Tonnen und einen Aluminiumver. brauch von über 34 666 Tonnen. Diese Zahlen Übertressen bei weitem die Berbrauchsziffern von 1926 und sind ein weiterer Beweis für die Stärke der vorjährigen Konjunktur. Wichtig ist aber dabei die Feststellung, daß Deutschland im vergangenen Jahr mehr Kupfer verbraucht hat als im Jahre 1913 und daß der Verbrauch in den anderen Metallen nur unwesentlich unter der vortriegszisfer liegt. Auch für die Weltmärkte hat die überaus günstige Ent- Wicklung in der deutschen Metallwirtschast«ine Roll« gespielt. Kovnte doch die deutsche Wirtschast etwa ein Sechstel des gesamten Kup>er- weltverbrouchs für sich in Anspruch nehmen. In allen Konjunktur- berichten und-berechnungen der amerikanischen Metalltnstitute spielte die Aufnahmefähigtett der deutschen Industrie eine erhebliche Rolle und der Rückgang de» amerikanischen Metall» Verbrauchs, der im vergangenen Jahre gegenüber dem Jahre 1926 sehr erheblich war, tonnte zum Teil durch die gesteigerte Aus- fuhr der amerikanisRen Kupfererzeuger ausgeglichen werden. Auf die Preisentwicklung hatte natürlich die Steigerung des beut- schen Berbrauch» auch einen gewissen Einfluß. Die stark gestiegenen Kupserpreise sind so teils eine Folge der gesteigerten Aussutzr nach Europa,«llerding» noch mehr eine Folg« der Preispolitik der Kupfer- knrtell«, dos die Koriellschraube weiter kräftig anzieht. Dem inter- nationalen Kupferkartell ist jetzt die«nglifche Metallgejelljchast Günstiger Stand der hanomagbetriebe— 15-Lokomotiven für Slam. Aus der Generalversammlung der Hanomag (Hannoversche Maschinenbau A.-G.) kamen außer der Erledigung der Tagesordnung noch einige wichtige finanzielle Fragen zur Sprache. So war in Aktionärskreisen die Befürchtung aufgeiommcn, daß die Gesellschaft ein« Zusammenlegung des Aktien- kapital« beabsichtige. Aus eine entsprechende Anfrage erklärte jedoch der Vorsitzende, daß derartige Maßnahmen überhaupt nicht in Frage kämen, da die Finanzlage der Gcsellschast günstig sei, auch könne von einer Kapitalerhöhung in absehbarer Zeit nicht die Rede sein, da die erst im Frühjahr 1927 aufgenommene Anleihe von 7 Millionen Mark den Bedarf an Betriebsmitteln decke.— Di« Aussichten der Unternehmer im lausenden Jahr wurden günstig beurteilt, da bei normalem Geschäftsgang ein sehr guter Auftragsbestand vorhanden sei- Besonders wertvoll sei für die Lokomotivbetriebe der in diesen Tagen aus Siam ein- gegangene Serienouftrag auf fünfzeho schwere Güterzug. lokomotiven mit Tendern. Der Wert dieses Auftrages stellt sich aus ungefähr anderthalb Millionen Mark. Gelsentirchener Dergwerks-A.-G. sucht lä-Millionen-Dollar-A«. leihe. Ein New-Porker Börsenblatt berichtet von Bor Handlungen der den Bereinigten Stahlwerken angeschlossenen Gelsentirchener Bergwerks.A.-G. über den Zlbschluß einer 15-Millionen-Dollar- Anleihe, die zum Ausbau der der Gesellschaft gehörenden Zeche„M o n o p o l". die bekanntlich nicht dem Ruhr- montantrust eingegliedert ist, dienen soll. Die WIrtschastlichtelt des custvertehrs ist der Titel einer Schrift von Rudolf Breuer, die im Kommunal-Schnsten-Berlag G. m b. H., Köln, zum Preis von 1,56 M. erschien. Die darin gesammelten. in der„Kölnischen Volkszeitung" veröffentlichten Aussätze mit großem. authentischem Zahlenmaterial waren der Gegenstand heftiger Dis- kussionen in der bürgerlichen Presse. Die Reichsbahn soll hunderttausend Tonnen Saarkohle kaufen. Die deutsch-saarländische Volkspartei hält zur Behebung der Notlag« im Saargebiet es für zweckmäßig, daß die Neichsbahnverwaltung ihren bisherigen monatlichen Kohlenbezug aus-dem Saargebiet von bisher 4666 T o n n e n aus 160 066 Tonnen erhöht. Dadurch könnte die Kohlensörlerung an der Saar monatlich um zwei volle Schichten gesteigert werden. öes Reparattonsagenten vom 16. Dezember 1927, der die endgültige Fassung der hortumstrittenen Krtttk an der dnithten ffirftschosts- und an der Haushaltsführung des Reiches enthalt, ist zusammen mit Ziffern der Reparationsleistungen und den Sonderberichten der fremden Kommissare jetzt in deutscher Sprache im Verlag von Reimar Hobbing, Berlin, erschienen. Der Band umfaßt über 466 Textseiten und eine große Anzahl Karten und Tabellen: er gibt eine umsasiend« Darstellung der Wirtschaftslage und Finanzlage Deutschlands. Oesterreich hat durch den Beschluß de» General rat« der Oeltee- reichischen Rattonalbont am 27. Januar den Bantdistont von 6yi auf 6 Proz. wieder ermäßigt, nachdem«r kurz nach den Juli-ltnruhen(aber wie offiziell erklärt, ohne Zusammenhang damit) entfprechend erhöht worden war. Um die Schulvorlage. Ehrliche Verständigung oder politischer Schacher? Von Eduard Bernstein. Wohin treibt die gegenwärtige Regierungskoalition in Deutschland? Wer sich das klar machen will, vergleiche die BeHand- lung der Schulfrage unter dieser Koalition mit der Art, wie im Jahre 1919 die deutsche Nationaloersammlung die Schul- frage behandelt hat. Die noch dem materiellen und moralischen Zusammen- bruch der Militärherrschaft und Proklamierung der Republik in Deutschland im Januar 1919 gewühlte verfassunggebende Nationalversammlung zählte unter insgesamt 421 Abgeord- neten 185 Sozialisten. 75 bürgerliche Demokraten'(ehemals Freisinnige) und 88 Zentrumsleute. Sozialisten und Demo- traten allein verfügten also über die Mehrheit der Stimmen und hätten daher bei Festsetzung der Artikel der Verfassung, die von der Schule handeln, die Forderung der Kirchen- gläubigen auf Volksschulen ihres Bekenntnisses nieder- stimmen können. Sie zogen es aber vor, sich mit dem Zentrum, das sich auf den Boden der Republik gesteM hatte, über eine Form zu verständigen, die den Kirchengläubigen das gibt, was sie vernünftigerweise verlangen können, nämlich die Einrichtung von Volksschulen ihres Bekenntnisses überall dort, wo eine für einen leistungsfähigen Schulbetrieb ausreichende Zahl von Erziehungsberechtigten(Eltern, Vor- münder von schulpflichtigen Kindern) dies beantragt, im übrigen aber die Volksschule an keine Konfession bindet und das gleiche Recht wie den Kirchengläubigen den Anhängern des rein weltlichen Unterrichts zuerkennt. Außerdem be- stimmt der Artikel 149 der Verfassung, daß, außer in den weltlichen Schulen, der Religionsunterricht„ordenlliches Lehrfach" der Schulen ist und„in Uebereinstimmung mit den Grundsätzen der betreffenden Religionsgemeinschaft" erteilt wird. Für die Sozialdemokratie bedeutete diese Regelung der Schulfrage den Verzicht auf die allseitige Durchführung der in chretn Parteiprogramm niedergelegten und vielen ihrer Mitglieder sehr am Herzen liegenden Forderung„Weltlichkeit der Schule". Sie stimmte ihr zu, weil das Zustandekommen einer republikanischen Verfassung Deutschlands davon abhing, und sie tonnte dies auch deshalb verantworten, weil die Regelung wenigstens den von ihr verfochtenen demokratischen Grundsätzen in hohem Grade entgegenkommt. Ein Umstand, der auch die Katholiken befriedigte, die ja in Deutschland nur eine Minderheit der Bevölkerung bilden. Mit einem Wort, die damalige Regelung der Schulfrage war das Ergebnis einer ehrlichen Verständigung der Parteien, die sich grundsätzlich auf den Boden der Republik gestellt hatten. Und von der übergroßen Mehrheit der deutschen Lehrerschaft wurde sie denn auch willkommen geheißen. Warum nun soll sie jetzt in ihren Fundamenten geändert werden? Und in welcher Richtung? Die Vorlage, welche die gegenwärtige Reichsregierung durch den Innenminister von Keudell der deutschen Volksvertretung als„Reform der Schulgesetzgebung" hat unterbreiten lassen, ist, auf ihren politischen Charakter unter- sucht, ein Instrument zur möglichsten Entdemokrati- s i e r u n g und Verkirchlichung dieser. Das erste er- klärt sich bei einem Deutschnationalen von der Gattung des Herrn von Keudell, der fast von Tag zu Tag Beweise einer kaum zu überbietenden Beengtheit des Denkens offenbart, schon von selbst. Nicht ganz so einfach liegt es mit der Ver» kirchlichung der Schule. Ganz gewiß hat sie ihre Anwälte in den Kreisen der in den oberen Gesellschaftsschichten des protestantischen Deutschlands einflußreichen evangelischen Geistlichkeit. Aber in viel höherem Maße entspricht sie den Tendenzen der oberen Schichten des katholischen Klerus. Die Beherrschung oder mindestens Ueberwachung der Schule durch die Kirche ist ein altes Ziel dieser Kreise. Gegen seine Verwirklichung hat sich jedoch lange mit großer Heftig- keit das protestantische Bewußtsein in Deutsch- land gestemmt. Nicht etwa nur die Welt der aufklärerisch gesinnten Protestanten, sondern ganz besonders auch die Mehrheit der oberen Bureaukratie Preußens. Umfaßte sie doch die hartnäckigsten Vertreter des hegelianisch fundierten Staatsgedankens— einer Doktrin, welcher die Vorstellung unerträglich war, einen erheblichen Teil der öffentlichen Schulen des Landes der römischen Kirche ausgeliefert zu sehen. So scheint es ein unlösbares Rätsel, daß von den weiland fanatischen Verfechtern dieses Prinzips der un- beschränkten Staatsoberhoheit heute die meisten zu den Anwälten der Keudellschen sogenannten Schulreform mit ihren weitgehenden Zugeständnisien an die Kirche gehören. Aber die Erscheinung hat ihren guten Grund; nicht daß die römische Kirche ihre Ziele in bezug auf die Schule aufgegeben hätte. In diesem wie in anderen Punkten ihres Lehrgebäudes kennt sie keinen Verzicht. Wie unerbittlich sie hier ist, hat erst ganz neuerdings die Erklärung des Papstes gezeigt, daß von Anerkennung eines gleichen An- spruchs der anderen christlichen Kirchen auf diesen Namen durch Rom nicht die Rede sein könne. Die Abmachung, die dem jetzigen Regierungsblock zu- gründe liegt, ist eben keine Verständigung über Grundsätze, sondern einfach ein von Zweckmäßigkeitsrücksichten diktiertes politisches Geschäft. Wie wenig sie das erftere ist» hat das klägliche Schicksal der politischen Richtlinien gezeigt, die sich das Zentrum bei ihrem Abschluß von den Deutsch- nationalen ausbedungen hatte. Kein einziger von der Weftarp-Garde kümmert sich noch einen Deut ßm sie. Und wenn noch etwas gefehlt hat, sie vollends zu entwerten, so bat es die Erklärung des Zentrumsobersten Marx getan, das Zentrum sei weder eine revublitanische noch eine monarchistische. sondern„eine Verfassungspartel". Es bleibe dahingestellt, ob Herr Marx diesen Satz in seinem vollen Sinn gemeint hat. Genau genommen ist er nämlich eine grundsätzliche Preisgabe der Republik. Das Zenlnim ist eine deutsche Partei, und in Deutschland ist die Frage Republik oder Monarchie keine Frage bloher Lieb- haberei der Form oder des Glückszufalls, sondern eine sehr ernste Frage der Politik, die Fragen von größter Folgen- schwere für das Geschick der Nation umschließt. Die Deutsch- nationalen träumen davon, eines Tages in die Lage zu kommen, der Republik mit Gewalt den Garaus zu machen. Angenommen, irgendeine politische Konstellation führte eine solche Lage herbei, soll sich das Zentrum dann mit einem derartigen„weder— noch" passiv verhalten? Ich nehme nicht an, daß Herr Marx den Satz so gemeint hat, aber daß er so verstanden werden kann, wird auch er nicht leugnen. s Unter eine? Voraussetzung hat der Satz freilich seinen guten Sinn. Nämlich wenn man die Zentrumspartei vollständig mit der römisch-katholischen Kirche gleichsetzt, als einen Teil dieser, dessen politisches Verhalten durch sie be- stimmt wird. Denn daß die Kirche sich in der Regel so ver- hält, ist allbekannt und auch begreiflich genug. Auf ihrem Spezialgebiet streng doktrinär, ist sie in der sonstigen Politik im höchsten Grade opportunistisch, findet sie sich— siehe Italien— mit jeder an der Macht befindlichen Regierung, die sie ungeschoren läßt, nach dem Satz ab:„Die Obrigkeit ist von Goit." Freilich, die politische Abhängigkeit von der Kirche, oie ja dem Zentrum oft genug, zur Zeit des Bismarckischen Kulturkampfes geradezu alle Augenblick vor- geworfen worden ist, ist von ihm stets mit großer Ent- schiedenheit in Abrede gestellt, gelegentlich auch durch die Tat widerlegt worden. Aber seine Stellung zur Keudellschen Schulreform— oder, nennen wir das Kind lieber beim richtigen Namen, Schulreaktion, läßt die Unabhängig- keit van der Kirche leider sehr vermissen. Daß die katholischen Bischöfe die Reaktionsvorlage willkommen hießen, konnte niemand überraschen. Daß aber, nachdem die Bischöfe sie gutgeheißen haben, im Zentrum jede kritische Stimme gegen sie erstorben ist, ist unter dem Gesichtspunkt der Entwicklung der inneren Politik Deutschlands tief zu bedauern. Im Gegensatz zu der Regelung der Schulfrage durch die in offenen Sitzungen beratende Nationalversammlung ist die Keudellsche Schulgesetzvorlage nicht mit Unrecht ein hinter den Kulissen geschmiedetes Stück politischen Schachers genannt worden. Die in ihm den Kirchen zugesprochenen Vorrechte sind der Preis— nein, der Köder» um den Widerstand des Zentrums gegen die Reaktionsmanöver der Deutschnationalen einzuschläfern. Rechtlich stellen sie den grundlegenden der die Schule betreffenden Artikel der Ver- fasiung— den Artikel 146— geradenwegs auf den Kopf, bedeuten daher ganz unbestreitbar eine Aenderung der Verfassung, so daß die Vorlage, um Gesetzeskraft zu erlangen, laut Artikel 76 der Verfassung einer Zweidrittel- Mehrheit des Reichstages bedarf. Die haben aber die Parteien nicht, die hinter ihr stehen, und so gehen daher ihre Macher mit der Absicht um, den verfassungsändernden Charakter des Dings durch dialektische Kniffe hinweg- zudetlarieren, was sich die Opposition schwerlich gefallen lassen wird. Gegebenenfalls dürfte die Sache zu einem sehr erbitterten Kampf ums Recht führen. Man darf gespannt sein, wie sich das Zentrum dabei verhalten wird. Nachdem ein so angesehener Führer wie Herr Marx die Stellung zur Republik grundsätzlich preis- gegeben hat, ist man vor überoptimistischen Erwartungen geschützt. Indes gibt es im Zentrum sicher eine gute Anzahl Leute, die sich bewußt bleiben, daß dieRepublikallein die Staatssorm des demokratischen Gedankens und ihre Auf- rechterhaltung von größter Wichtigkeit für die Stellung Deutschlands im Rate der Völker ist, eine der bedeutsamsten Vorbedingungen für die Erhebung mis der Not, in die ein militaristisches System die Nation gestürzt hat. Wie sie sich bei den unausbleiblichen Diskussiimen im Rahmen ihrer Partei verhalten werden, muß ihnen überlassen bleiben, ich halte es nicht für meine Aufgabe, von außen in innere Diskussionen anderer Parteien hineinzureden. Wohl aber halte ich mich für berechtigt, den Herren vom Zentrum ganz allgemein die Frage vorzulegen, ob dassenige, was vor noch nicht zehn Iahren auf Grund ehrlicher Verständigung tze- schaffen worden ist, wirklich in ihren Augen so wertlos ist, um für ein Gebilde, das für die Volksbildung im engeren Begriff des Wortes, absolut nichts Besseres leisten kann, einen Kampf zu führen, der zwischen Parteien, die bisher trotz tiefgehender Meinungsverschiedenheiten in Grund- anschauungen wiederholt bei ernsten politischen Cntscheidun- gen Schulter an Schulter gestanden haben, dauernde Ver- bitterung zur Folge haben muß, während das Gebilde selbst trotz aller Winkelzüge wahrscheinlich zuletzt doch ein Phantom bleiben wird._ Leidenswege von Rentenempfängern. Schlimmer Dureaukratismus in der Invaliden» und Angestelltenversicherung. Wie lange braucht die Invalidenversicherung, um einen Renten. anfpruch klarzustellen und durchzuführen? Das Schicksal s eines Berliner Arbeiters zeigt, daß auch auf diesem Gebiete noch" vieles reformbedürftig ist. Am 2. März 1327 wird auf Grund eines chronischen, schweren Lungenleideus der Antrag auf Gewährung der Invalidenrente gestellt� Der Antrag wird abgelehnt. Im Derufungsverfahren kommt das Oberversicherungsamt in der Sitzung vom 2 7. Oktober zu folgendem Ergebnis:„Das Oberoersicherungsamt hat durch das eingehend und überzeugend be- gründete Gutachten seines Sachverständigen für erwiesen erachtet, daß der Kläger infolge Lungentuberkulose und allgemeiner Schwäch« nicht mehr imstande ist, mindestens ein Drittel dessen zu oerdienen, was körperlich und geistig gesunde Personen derselben Art mit ähnlicher Ausbildung in derselben Gegend durch Arbeit zu verdienen pflegen. Invalidität im Sinne des 8 l23S der Reichsversicherungsordnung liegt also vor und zwar dauernd seit dem Tage der Antragstelluna." Die rechtegültige Entscheidung des Falles hat also fast acht Monate gedauert. Man sollte meinen, daß jetzt wenigstens die Auszahlung sofort erfolgt«. Weit gefehlt. Nach zehn Wochen hatte der invalide Arbeiter immer noch nicht sein Geld. Es erscheint uns dringend notwendig, daß hier für ein rascheres Tempo in der Erledigung gesorgt wird. Der zweite Fall eines berufsunfähigenAnge stellten ist ebenso charakteristisch Nach sechzehnmonatiger De- rufsunfähigkeit wird bei diesem im 5 0. Lebenslahr stehenden Angestellten festgestellt, daß er wieder 60 Proz. berufe- sähtg sei. Auf Grund dieses Befundes wird ihm rechtskräftig die Rente entzogen. Zunächst ist es auffallend, in welch kurzer Zeit die Angestellten» Versicherung die Rentenfälle nachprüft, noch auffälliger, daß in einem so kurzen Zeitraum und in diesem Aller eine solche Verbesserung der Berufsfähigkeit eintrat. Mit dieser Feststellung ist jedoch nur dem Bersicherungsträger, also der Angestelltenversicherung, geholfen; sie spart die Rente. Der nunmehr zu 60 Proz. berussfähig erklärte Angestellte wird jetzt die Armeafürsorge in Anspruch nehmen müssen. wenn er nichts mehr zum Versetzen hat. Oder bildet sich die Reichs» Versicherungsanstalt für Angestellte ein, daß der Arbeits markt für{ solche 5 llj ährigen Angestellten so ausgezeichnet ist, daß sie leicht Stellung finden werden? Der Fall zeigt nur wieder mal, wie not- wendig die Abstimmung der einzelnen Versicherungsträger aufein- ander ist, damit ein ausreichender Schutz der Arbeitskraft ge- währlaiftet bleibt._ j Bürgerblock und Giandesherren. Preußen fordert Entscheidung. Der preußische Finanzminister wird dem Reichsvat in den nächsten Tagen einen Entwurf über die Absindung der Standesherren zugehen lassen. Der Entwurf will in wesent- liehen Punkten die außerordentlich freigebigen Vorschläge der Reichs- regierung korrigieren. Der Bürgerblock beabsichtigt grundsätzlich eine Auswertung von 8 Proz. des Nennbetrages der Ren- ten zu gewähren. Darüber hinaus aber bei Renten, die für den Verlust von Liegenschaften zugesichert worden sind, bts z u 25 Proz. aufwerten inü eine„angemessene" weitere, d. h. asso beliebig höher« Aufwertung in solchen Fällen geben,«n denen die Renten zur Erfüllung von Unterhaltspstichten oder der Unter- Haltung historischer wertvoller Anlagen dienen. Diesem Skandal Hot die preußische Regierung bisher vergeblich« widersprochen. Sie wehrt sich mit Händen und Füßen gegen eine bevorzugte Aufwertung der Startdesherren, wie sie die Bürgerblock- regierung will und fordert deshalb in ihrem Gefetzentwurs an den Reichsrat ganz bestimmte und sich im Rahmen der bisherigen Auf- Wertungsgesetzgebung haltenden Bindungen. Falls der Reichs- rat sich dieser Forderung nicht anschließen sollte, wird der preußische Entwurf mit dein Entwurf der Reichsregierung an den Reichstag gelangen und dort zur Abstimmung gestellt werden. Das Zentrum kann dann beweisen, ob es der Rsichsvegiening oder seinem Frvktionsführer Guörard folgen will, der kürzlich auf einem Parteitag in Koblenz erst geäußert hatte, daß die Startdesherren nicht bevorzugt werden dürften und er für den Fall. daß eine Eimgung über die Auswertung unter de» Koalittonsp-or- teien nicht zustandekonunen sollte, e'm Volksenischeid das Wort reden würde. Auslandsanleihen notwendig. Debatte über den Wohnungsbau. In der Montagsitzung des Ausschusses für den Reichshoushali wurde die allgemeine Aussprache über den Haushalt des Reichs- wirtfchaftsministeriums fortgeführt. Danerkenswert war die bestimmte, fast schroffe Art, in der der Mrtschastsminister Dr. C u r t i u s von den Ausführungen des deutfchuoti ovalen Frak- tionsredners Dr. R ei cha rdt über die vom Wirtfchaftsministerium zu führende Roichspolitik abrückte. Dr. Curtius betonte des weiteren noch«nmal mit Nachdruck, daß zur Fortführung des Wohnung«-- bauies in Deutschland die hereinnähme von Ausländsanleihen für unbedingt erforderlich erachtet wird. Er hakte sine auch nur einiger- maßen befriedigende Regelrng ohne Ausländsanleihe für unmöglich. Er begrüß« daher, wenn der Ausschuß ihn in seine» Bemühungen. den Wohnungsbau auf solche Weise zu fördern, unterstützen würde. Di« Nieinungsdssferenzen in diesem Punkt zwischen dem Wirts chafts- Ministerium und dem Reichsbankprästdenten können nicht gut größer sein. Interessant war auch die Mitteilung von Dr. Curtius, daß er die Kapitalbildung in Deutschland während der letzten Jahr« auf mindestens das Dreifach« der ganzen deutschen Auslandsvers chuldung veranschlage Letztere bezifferte er (ohne Reparationen) auf zirka 6,5 Milliarden. Genosse Krätzig wandte sich gegen die Aeußerungen des deutschnationalen Redners Dr. Reichardt, der behauptet hatte, die Metallorbeiter hätten den Unternehmern ihrerseits höher« Preise zugestehen wollen, um dafür höhere Löhne zu erhalten. Genosse Krätzig erklärte, daß diese Angaben unrichtig sei» müßten. Die Gewerkschaftsführer feien viel zu gefchutt, um nicht zu wissen, daß eine Erhöhung der Eisenpreise eine Erhöhung aller Preis« auf der ganzen Linie sofort nach sich ziehen würde, so daß die Arbeiter doch wieder die Leidtragenden sein würden. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner»Schwirr,- Rot-Gold" «eschSkt-ltelle: Z-rli» 6. U. T-b-sllo-IK S7/S8, fgst 2 Sc. m-M.m?Lntite'rrtL S"»»«*-««wbetg: S*irt« ahm»«brechmm, fimt. *** � l'ch"«aM«rrr um 19 Uhr btT«rr-v. Plan-ff-e 78. Sag 4 fätbt. 4 5):»«kr Versammlung Sri StOnM«, giumurstr. SO.«nbt»: Svvrtlrr. faunfl bei SDheg._ ftungbezg; Mlttwo», X. ffebmat, Zug 7(Tibi U uah 14): 20, Uhr Versammlung bti(Sana. Tlalitzrr Str. 126.»otflanbroabL— fflllmettbotf!»ennerstog, 2. ffebruot, SamtroMtbaft W«st: 20 Uhr Stewerab. Idtaftsotrfammlung wrgrn btt beoorfleb-nirn Neuwahl bei<5anbmann, West. fatiKfre«Ett. 42.— Sietgorten, Kameradschaft Stephan: Mittwoch. X. ffebruar, 20 Uhr. Mltglieberuersammlung bri Noopal», Lübecker Str. S. Bortrag:.Er. Ubntff« aus Seereisen.-'— Bernau: Mittwoch, 1. Februar. 20 Uhr, Vcginn ber Uebungsabrnbe bei LSw«. Der Erortleiter«on Webbing Ist omnefenb. Köpenick: Unser Kamerab Karl EchnIHe Ist verstorben. Bit Einäscherung fmbet am Mittwoch, X. ltedruar, X7 Uhr, im Kremalorium Vaumlchnlenweg statt. Di« Kameraden werden gebeten, sich recht zahlreich daran zu beteiligen. * Die Riekisch-Versammlung wird von mis uichl besucht. «rbeitagemeinfckaft«vtschiebener Republilanee. Donnerstag, 2. Februar, 20 Uhr, Cafö Jüilec', Äommänbautcnstr. 84, öffentlicher Vortragsabend. Thema:.Der Weg der Bünde."' Nefercnt Walter Kiaulehn. Cnnchicdene Republikaner aller Parteien willkommen. Zur«ntschädigungsfrage. Der Echutzverband geschädigter Buslandsdentscher. Kolonialdentscher und Verdrängter,«. V., hält Mittwoch. X. isedruar, seine Mitgliederversammlung ab. Reichstagsabgeordnet« sämtlicher Parteien find eingeladen. Berllacr Arbeiier-Schackklnb. Dienstag, ZX. Kannar. Abt. Snmboldtbain: 20 Uhr Vortragsabend bei Carus, Voltastr. 19.«dt. Weihense»: 20 IIb- So'tU abend bei Callas, Lehdcrstr. 122.— Mittwoch, t. Februar. Abt Vll-B-rlin- 20 Uhr Spielabenb Im Lokal Landwebrstr. Z8.— Donaerstaa,' 2. ikebrnar. Abt. Trepiow: 20 Uhr Spielabenb bei Mohdorf, Graeh», Ecke Krüllst-aäe Abt. Süden: 20ih Uhr Bortrag bei Hackbarth, Musiauer Str. 10. Koppenheim: .Sizilianifchr Partie." vereinig»»« fit S»»l.«Bb CnieHnngstiog«., Beicki..Te,pt,w. Freitag, S. ssebruar, 20 Uhr. 8wm«r W der«. Treptower«.unrindeschule, Bilbeu. bruwstr 83, Bortrag Privatdozent Dr. P.»arger:.Der angeboren« und der erivorbene Charorter". 9 Vrb-iter.Absnncnsen.Bnnb. Setirk Kreutberg. Am Urban» 10-11. 6'-. sammenkunst am Mittwoch, 1. F-brimr. 19i4 Uhr. im Bortrtlgssaal de. De- fundheitsk'ailses. Vortrag des Genossen Dr. Frankel über Ter Alkohol und Sozialismus"..* Unrteiiaw Engllth Debiliiig Club, Bül-wstr. UM Mittwoch, abends 8 Uhr. Mr. B. Shmith, M. A.:«The sigmficance ok litfle Things". welterb erich« der SsseuMchn, wetlerblenfkstell« SerNn nnd Umgegm* sNachdr. verb). Trocken und ziemlich hetter. bei mäßigen lüdö»Iich«ii Winden, nacht» leichter Frost, am Tage Temperaturen über Null.—?är veutschland: Im Nordwesten leichle RiederschlZge. ionst trocken, im Osten meist heiler. In Süddeulschland und w der östlichen halste des Reiche» nachis leichte bis mäßige Fröste, am Tage überall Temperaturen über Null undJhrbleibtgesund! Viensiag 31. Januar 1925 Unterhaltung unö Vellage des Vorwärts Die dünne Stelle. Von Hasse Zetteeström. Vor ein paar Togen betrat ich einen Frisiersalon, um mir das Haar schneiden zu lassen. Ich nahm auf einen freien Stuhl Platz, und der Friseur, ein junger Mann mit mittelblödem Aussehen, sagte sein übliches: »Haarschneiden?" .Nein," sagte ich.„Kopf abreißen." Denn warum soll man banal sein.# Der Friseur überhörte meine Antwort, denn er fuhr fort: „Me wünschen Sie es?" Es ist ein gutmütiger Junge, dachte ich, und ziemlich heiß hier, wir wollen ihn nicht unnötig reizen. Und so antwortete ich: Bitte, hinten halblang, im übrigen nur die Spitzen abschneiden. Den Scheitel rechts." Der Friseur kämmt mir das Haar herunter, wie ste es immer tun, ehe sie im Ernst ansangen, und dann sagte er: „Es fängt an, da oben ein bißchen schwach zu werden." Damit meinte er das Haar, hoffe ich. Ich erhob mich sofort aus dem Stuhl, legte den Frisiermantel ob, entfernte die Serviette, die mir in den Kragen gesteckt war. legte olles auf den Stuhl und ging auf die Tür zu. „Wünschen Sie nicht Haarschneiden?" rief der mittelblöde Friseur hinter mir her. „Nein," erwiderte ich,„ich wünsche kein Haarschneiden in diesem Geschäft. Ich werde Ihnen sagen weshalb. Während der letzten zehn Jahre hat mir bis jetzt jeder Friseur gesagt, daß es ansängt, da oben ein bißchen schwach zu werden. Es ist dumm und unpraktisch. wenn ein Friseur so was sagt. Es gibt nichts, worin ein Mann empsindlicher ist als mit seinem Haar. Ein Mann, der anfängt kahl» köpfig zu werden, ist ein empfindlicher Mensch. Wenn man von Haaren sprechen will, dann geht er schnell auf ein anderes Thema über, und dumme Witze über Mondschein machen ihn melancholisch und bringen ihn dazu, abends früh nach Hause zu gehen und an das beginnende Alter zu denken. Ich habe dieses ewige:„Es fängt da oben an, ein bißchen schwach zu werden", satt. Ich werde mir von jetzt an selber das Haar schneiden oder es meine Frau tun lassen. Sie Ist eine rücksichtsvolle Frau. Guten Tag." Ich hatte gerade meinen Hut genommen, als der Oberfriseur, der, den der Fristersalon gehörte, an mich herantrat, mir den Hut wieder wegnahm und in bestimmtem Ton sagte: „Ich bitte um Entschuldigung wegen des Gehilfen, ich kann und werde Sie so schneiden, wie Sie es wünschen." Mit sanfter Gewalt führte er mich wieder an den Stuhl zurück, zog mir den Mantel an, steckte mir die Serviette hinter den Kragen und sagte, indem er mir das Haar herunterkännnte: „Ich hätte einen gröberen Kamm nehmen sollen. Dieser ist reichlich fein für dichtes Haar." Ich sah in den Spiegel und merkte, daß ich lächelte. '„Sollen die Socken natürlich fallen, sa wie jetzt? Sie wellen stch so hübsch auf dem Kopf." Ich antwortete nichts, aber ich empfand ein gewisses Wohlbe» Hägen. „Es ist zu wettoürdig," sagte der Friseur, während er sthnttt, ,uvte dickes und starkes Haar immer weich und blank wird ohne Fett..« 1 Reinlolne«, Jacqnardgowtbe,— Stubenhandtucher 1 w w 7•,„» schwere« halblein jGcweb.,—— ea__ Wisch nirhf*r™™-rot kariert, ges. 5S.15 cm, fcffi? ¥* lOUiLUV'lXCt gebn e». xg zz cm, ttück�f'ÄPL Stück SÄSi R0lItÜch-r b0kMmte8 6tre'ien,,1U8tor. gnto haltbare Qn�litit ��1 'FL 10 Kaffeedecken � maetmasc.. färb. Kant�wascb- u. Iiclitcclit.ca.l8t»fliX\Stück cm, St.' 130/p S cm, St. ww 30 Vephyr Jt für O'eerkemim, ca. SO cm brttt, weiss, M 79 i m»irh kar'srt................Meter w ww Pf.| | Seidenbatist ßS ( weiss, se. HO em breH......... Meter er Är Pf.\ \Schweixer Voite wees. es. t W cm breit.......... Meisr 9 ! NssseS I*s;tMc.chl,«a. 1*0 tm breit... Hefa/ IM N Pf. 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