Morgenausgabe Nr. SS A 25 45. Iahrgang »äch-iaNch n«n-Sch »/— Sfiddmoi» an eersu tailbta Unta etreitboni tm 3»«nft flu» Utnft SL0 Rndjsmatf uro SKonat • Sa.Sonste** mu ftn ttuftrla» Im Donntog»b*ilag*.Volk»nd£ sowie den Beilagen.lliuad-lt mid ZSilseo'.Au» 0ei Ulmo» .ötodldeiloge'.Frinieieltwime', .Da Sinderfneiliio'.Sug-nd»Lok- wSrts'»Älilk'n o» Aüchenvelt�, �lulweaebeli' and.Technik� erschein, wocheniözlich zmeimol, Konntag» und Montag»«imnai Berliner VoltsblaN Oonnersiag Z Februar 1928 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Sit«Ins»,««Ig, JtoitjKtreiHeMU» W Pfennig ZIeNamereile 5.- Sieicha. mart.ftletne Anzeigen" da» settge- druckt, Wort 2» Psennig lzulälstg zwei settge druckte Wortes, sede» weitere Wort Vi Psennig Stellengesuch» da» erst» Wort ld Psennig>ed»» weiter, Ware 10 Psennig Worte lldei 15 Buchstobe» zählen füi»wei Worte Slrbeitsmorf, Jitil, 60 Psennig gamiltanzeigen lue Äbonnemeii Zeile 40 Psennig. Anz-lgen- nimahme tm gsauptgelchosl Lindei» strahe ll. wochentags oon S'lt dt» 17 Ute Zentralorgan der Sozialdemokratischen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoss 292—297 TeIegi-unm.Atisl.: Sozialdemokrat Berlt» Vonvarts-Verlag G. m. b. H. Vostscheckkontv: Verlw S75SS— Bankkonto: Bank der Arberter. Angestellten und Beamte» Dallstr.(& Diskont o-Gesellschast. Deposttellkasse Lindenstr 8 Stres emann steht Rede. Gegen Freytagh-Loringhoven.— Für die deutsch-französische Zusammenarbeit. Breitscheid und Wirth gegen den Bürgerblock. Die Tribünenbesucher, die geduldig ausharrten, während unten Völkische und Kommunisten in vier getrennten Fähn- lein aufmarschierten— Reventlow-Graefe, Stöckcr-Urbahns— behielten rechts Denn nach diesem ermüdenden Vorspiel er- lobten, sie eine, politisch interessante und glänzend geführte Äebattc. Drei der besten Redner des Hauses, S t r e f e- mann. Breitschcid und Wirth, nahmen nach- einander das Wort. Ein Minister und zwei oon der Oppo- sstion, denn auch Wirth sprach, wie er scharf betont«, als Oppositioneller. Nun aber kommt das Merkwürdige. Der Minister und die beiden Oppositionellen känipften nicht gegeneinander. Alle drei marschierten in gleichgerichteter Front auf, und diese gemeinsame Front richtete sich gegen die größte Regierungspartei, gegen die Deutschnationalen. Herr Stresemann begann mit der Erklärung, daß er den Wunsch des„Vorwärts" nach einer klaren Auskunft über den Kurs der deutschen Außenpolitik erfüllen«olle. Dieser Ankündigung ließ er ausführliche Darlegungen folgen, die, ' aus beruh« rein sachlich genommen, als duichaus beruhigend und be- srledigend anerkannt werden müssen. Sachlich handell es sich um das Verhältnis zu Frankreich. Die Sozialdemokratie hat seit 1876/71 für die deutsch-französische Verständigung gekämpft, und hätte ske die Macht gehabt, sich mit ihren Auffassungen durch- zusetzen, so hätte das namenlose Unheil des Weltkriegs niemals Wirklichkeit werde»« können. Sie hat auch während des Krieges an ihrer Grundauffassung festgehalten, daß nur die deutsch-französische Zusammenarbeit den Frieden Europas sichern kann, und sie hat sich nach dem Kriege beeilt, zerrissene Fäden wieder anzuknüpfen. Zur Politik der europäischen Friedenssicherung durch deutsch-französislbe Zusammenarbeit hat sich Herr Strese- mann gestern leidenschaftlicher denn je bekannt. Er hat auch sehr richtig hervorgehoben, daß wir Verständigungspolitik tkeiben, nicht nur um die Räumung zu erreichen, sondern daß wir umgekehrt die Räumung fordern um der V e r- st ä n d i g u n g willen. Das alles hat er so gut gesagt, daß es auch ein Sozialdemokrat nicht bester hätte sagen können. Die Behauptung Lindeiners, die Rede Freytaghs sei eine„wertvolle Ergänzung" seiner eigenen Rede gewesen, wies er zurück, er selber nannte die Rede Freytaghs eine „parlamentarisch« Entgleisung". Die positiven Vorschläge des nationalen Redners für eine neue Außenpolitik zerpflückte er so. daß nichts von ihnen übrig blieb. Mit Recht konnte sich Wirth später humorvoll darüber beklagen, daß er gegen den Redner der größten Regierungspartei nichts mehr sagen könne, da ihm Herr Stresemann.„der Minister der loyalen Opposition", schon alles weagenvmmen habe. Und doch enthält die Rede Stresemanns ein großes Manko, ist sie in einem entscheidenden Punkt auf eine Illusion ausgebaut. Herr Stresemann trieb koalitionsnolitisch eine„Politik des als ob". A l s o b Herr v. Freytagh-Loring- Hoven ein nicht ganz ernst zu nehmender Eingänger wäre. A l s o b Herr v. Lindeiner mit seiner eilfe'-tig zusammen» gestovpelten Erklärung die deutschnationale Fraktion zu den berühmten„Richtlinien" zurückgeführt hätte. Als ob er, Stresemann selbst, mit seiner Politik die gegenwärtige Re» gierungsmehrheit hinter sich hätte. Ja, Herr Stresemann erklärte sogar ausdrücklich, daß alle verantwortlichen Stellen der Reichsreqierung mit ihm einverstanden seien. Also auch Hergt, Schiele, Keu- d e l l und Koch! Die deutschnationalen M i n i st e r decken eine Außenpolitik, die der deutschnationale Fraktion»- ? e d n e r in Grund und Boden verdonnert! Was wird da gespielt? Auch der Blinde merkt's Herr v. Freytagh soll mit nationalen Tönen Wähler auf den Leim locken, inzwischen wird hinter den Kulisien alles verleugnet, was vor den Kulissen gevredigt wird. Herr Stresemann hat klare Erklärungen abgegeben über die Politik, die er für richtig hält und die von der ungeheuren Mehrheit des deutschen Volkes gebilligt wird. Wer das Dunkel im Innern hat er nur teilweise belichtet, und das Lügengespinst der gegenwärtigen Regterungskoali» ti o n hat er nicht zerr'sien>a kaum berührt. Die Lage der Deutschnationalen wird durch dies« Schonung freilich nicht verbessert. Bleiben sie nach den Vor- gängen von gestern in der Regierung— und das werden sie natürlich tun— � so lagen sie damit selber, was sie wert sind. Niemand kann für sich ein Maß von Acktung verlangen, da» >röß»r ist al» da» Maß seiner Selbst achtung. Während der Reden Stresemanns, Breitscheids und Wirchs saßen die Deutschnattonalen da wie Spatzen auf der Dachrinne, wenn es donnert. Sie fanden kein Wort der Er- wideruna. Einen kommunistischen Mißtrauensantrag gegen den Außenminister lehnten sie zusammen mit den anderen Parteien— gegen die Antragsteller und die Völkischen— ab. Breitscheid hat recht: der Bürgerblock lebt nicht, er stirbt nur nicht, und das Bild seiner Agonie ist kaum noch zu er- tragen, Wie lange noch? Der Reichstag setzte gestern die 2. Beratung des Haushalts des Auswärtigen Amts fort. Abg. Skocckcr(Komm.) meint, die Rede des Abg. v. Freytagh- Loringhoven' sei de« Deutschnationalen sichtlich unan- genehm gewesen. Keine Hand habe sich bei ihnen zum Beifall gerührt und der Abg. Schulh-Vromberg habe nach der Rede seines Froklioasgeflosiefl ostealatio dem Außenminister die Hand gedrückt. Xatsachlich liegen die Deutschnatirmulen ebenso wie die Sozialdemo- traten in inniger Liebe an den Brüsten de« Herrn Stresemann (Heiterkeit). Trchz der parlamentarischen Scheingefecht« bestehe eine Einheitssront für Stresemanns Politik des neudeutschen Impcrialis- mu». Der Redner geht dann aus die Abrüstungsfrage ein. Hier werde von den Regierungen aller Völkerbundsstaaten die übelste Heuchelei getrieben. Der Minister Dr. Stresemann treibe ebenso Abrüswngssabotaae wie die Außenpolitiker der übrigen Staaten. Den einzigen ernsthaften Abrüstungsvorschlag habe Rußland ge- macht. Abg. Gros zu Reveuklow(Nat.-Soz.) bezeichnet die deutsche Außenpolitik als eine konsequente Unwahrhaftigkell dem deutschen Volt gegenüber. Dos Volk fei darüber getäuscht worden, daß mit dem Dawespokt die deutsche Souveränität verkaust wurde Strese- mann habe mit seiner Völkerbundspolllik vollständig Bankerott ge- macht. Das Auswärtige Amt sei geradezu eine Filiale von Brian d. Abg. v. Gracse(Volk.) sieht in dem Dawespatt die Ursache des jetzt beginnenden Untergangs der deutschen Landwirtschaft und des Verfalls der übrigen Wirtschaftszweige. Bei der jetzigen Rede des Abg. U l i tz k a fei manchem die Erinnerung gekommen an Bismarcks »Mißtrauen gegen die Politik in langen Kleidern, weib- lichen und priesterlichen. Die Deutschnationalen sollten end- lich erkennen, daß sie mit ihrer Unterstützung der Stresemonn-Politik einen falschen Weg gegangen sind. Sie sollte« Im vaterländische« Republikaner heraus zum Protest gegen die Freilassung Paul Schmelzers aus der Hast! Aufmarsch heute 20 Uhr auf dem Gendarmenmarkt. Treffpunkte der Berliner Ortsverelne: Mitte. 18 Uhr 30 Eendarmenmarkt. Tiergarten. 19 Uhi Kleiner Tiergarten an der Stromstmß«. wedding. 19 Uhr Uferstraße 12. Pren, lauer Berg. 19 Uhr Bezirksamt Prenzlauer Berg, van- iger Straße. n. 19 Uhr Küstriner Platz. reuzberg. 18 Uhr 45 Fontanepromenade. Charlottenburg. 19 Uhr 30 Hausvogteiplatz. Spandau. 19 Uhr 30 Bahnhof Börse. Wilmersdorf. 19 Uhr 30 Hausoogteiplatz. Schöneberg. 19 Uhr 30 Hausvogtei platz. Steglitz. 19 Uhr 30 Hausoogteiplatz. lemve'hos. 18 Uhr 45 Ringbahnbof Tempelhof. Neukölln. 18 Uhr 30 Reuter. Ecke Kaiser-Friedrich�traße. I'eplow. 19 Uhr 13 Wall- Ecke Inselstraße. ttövenlck. 19 Uhr 15 Wall- Ecke Inlelstraß«. nchlenberg. 18 Uhr SO Frankfurter Allee 263. Weißen see. 18 Uhr 30„G'üner Baum*, Berliner Allee. vonkow 13 Uhr 30 Schönhauser Allee Ecke Bornholmer Str. Retnickendorf. 19 Uhr Stettin«? Bahnhof. Neichsbanner Schwarz» Not« Gold Sau Berlm-Sraudenburg Interesse die Soalittou zerplatzen lassen und mit den völkischen ge- melnsam den Komps für die deutsche Freiheit führe«. Abg. llrbahns(linker Komm.) stimmt dem Borredner darin zu, daß die jetzig« Außenpolitik auf Täuschung des Volkes berechnet sei. t Die ofsiztellrn Kommunisten und die jetzige Sowjet- rcgierung Ruhlands seien m i t s chu ldig an der Herr- schast der imperialistischen Bourgeoisie. Neichsaußenminister Dr. Stresemann: Die Ausführungen des Abg. o. Freytagh-Loringhoven über die deutsche Auhenvolitik haben dem Zentralorgan der Sozioldemakro- tischen Partei, dem„Vorwärts", Veranlassung gegeben, an mich die Frage zu stellen, ob es den Feinden Deutschlands möglich gemacht werden solle, die deutsche Außenpolitik als zweideutig und verlogen hinzustell eil. Der„Vorwärts* erwartet eine Er- kl.ärung des deutschen Außenminister« über den Kurs der deutschen Außenpolitik. Gestatten Sie mir, weil ich es für notwendig hatte, jeden Zweifel über diesen Kurs aus- .zuschließen, auf die Ausführungen des Abg. v. Freytagh-Loringhoocn, aber auch auf die Ausführungen näher ciNziigehen, die Abg. n. Lindeiner-Wlldau gestern hier gemacht hat. Abg. v. Lindeiner Hot erklärt, die Aussührungen des Herrn v. Freytagh.Loringhovei« seien eine wertvolle Ergänzung meiner eig e n o n Rede gewesen.(Lochen links.) Ich bedauere, daß ich diese An- schouung nicht teilen kann. Ich akzeptiere die Erklärungen des Herrn v. Liirdeincr, die er für die Deuts chnativnalcn abgegeben at und die in der Anerkennung, in der nicht etwa terminierten nerkennung des Vertragswerkes von Locarno bestanden, und seine Erklärungen in bezug auf die loyale Mitarbeit der Deutschnativ- nalen. Diejenigen Vertreter anderer Fraktionen, die mit dem Herrn Referenten des Ausschusses für den Etat des Auswärtigen Amtes Dr. H o e tz s ch in Gens zusammen gearbeitet haben, werden daran nicht zweifeln, daß seine Mitarbeit in Genf eine durchaus loyal« gewesen ist. Don dem, was Herr v. Freytagh-Lorir�hoven weiter erklärt hat, nehme ich dankend Akt, auch von seiner Erklärung über die Bedeutung der dcutschen Denkschrift, die wir zu den Abrüstungs- Verhandlungen nach Genf gesandt haben Bis dahin sind zwischen seinen Ausführungen und dem Kurs der deutschen Außenpolitik keine Differenzen. Der grundlegende Unterschied zu meiner Anssasjong liegt in den Schlußsähen des Herrn v. Freytagh. Diese Schlußsätze gipfelten darin, daß der Redner der deutschnatio- nalen Fraktion sich seinerseits persönlich gegen die Fortsetzung der deutsch-sran.zöstschen Verständigungspolitik wandte mit zwei Begrün- düngen: Einmal, well sie in eins Sackgaste führe, ein zweites Mal mit der Begründung, daß sie nicht zum Ziele führe. Es wäre mir sehr leicht. Herrn v. Freytagh zu schlagen mit den Ausführungen, die fein Parteifreund Wall ras kürzlich über dasselbe Theuw gemacht hat. Herr Wallras, der darauf hinwies, welch ein bedeut- sames Moment der Abschluß des deutsch-französijchen Handelsver- träges gewesen sei. Gestatten Sie mir, meinerseits daraus hinzu- weisen, daß bei einem solchen Vertragswert, das zwei Nationen überhaupt.zum erstenmal an den Verhandlungstisch führt, ein gutes Ergebnis überhaupt nicht mögttch ist, wenn nicht eine gewisse Vor- ständigungs-Atmosphäre vorangegangen wäre. Es ist nicht der Sinn meiner Ausführungen gewesen, daß wir in bezug auf diese anderen Fragen nicht zum Ziele geführt werden könnten, sondern der Sinn ist gewesen, daß wir schneller zum Ziele kommen müsten und daß wir schneller zur Verständigung kommen, wenn man in Frankreich die psychologischen Hemmungen, die im deutschen Volke bestehen, beseitigt haben wird. vee Abg. v. Freytagh hat positiv eine neue Politik vorgeschlagen. Ich wäre ihm dankbar, wenn er den versuch machen würde, nicht zu trillsteren. sondern einmal neue Wege ausznzeigen. Denn wer sagt, daß wir nicht zum Ziele kommen, muß neue Wege vorschlagen.(Sehr richtig! links.) Herr v. Freytagh legt zwei Dinge vvr. Er weist einmal darauf hin, wir sollten zusanimenarbeiten mit den Mächten, die mit uns in oen Rechtsfragen auf demjelber. Boden stehen Ist denn das bisher nicht geschehen? Die ganzen Kämpfe der dcutschen Außenpolitik bis heute sind ja Versuche, dem Recht zum Durchbruch zu nerhclsen. das Recht zum Träger der Politik gegenüber der Gewalt zu machen. Das haben ajl« Regierungen getan und sind dankbar für jede Unterstützung gewesen, unsere ganz« Politik kann nur darauf basiert sein, und darin sehe ich keine nene Politik vom Zahre 1928, kein« nene Aera. Zweitens empsiehli Herr v. Freytagh die Zusammenarbeit mit den Nicht-Großmächten des Völkerbundes. Ich widerspreche dieser Differenzierung zwischen Großmächten und Nicht-Grohmächtenr es ist nicht so, daß der Völkerbund von der Zahl der Quadratmeter der Staaten abhängt. Herr p. Freytagh hat ferner aus da» bedeutsam« Ereignis bec Unterzeichnung ber Fakultalivklausel hingewiesen. Wenn ich gesagt »ab«, daß Deutschland vorbehaltlos diese Klausel unterzeichnet� hat, so befinden«vir un» gerade in der Gesellschaft derjenigen Mächte, äktt B.(frajtefl??ttiSt«Gro?m?chte nennt. Der V-ksav. !>e« wir dabei in Genf gehabt hotten, kam von den N i cht- G r o§- mächten. Wie kann es also eine neat JJoflflf sein, daß mir mit den Itlcht- Kroßmächlen— darin Uezk zugleich: Gegen die Großmächte— Zusammengehen, als wäre da» eine Zlenderung der bisherige« VoNlikl Das ist keine neue Politik, unsere Politik«vir bisher basiert aus dem Standpunkt gegenseitiger friedlicher Verständigung. veutschlond wird und muß diesen weg gehen, kich Hobe den Gedanken ouegelprochen, daß unier Verhältnis au Lo- c o r n o und besonder» zu Frankreich sich in der S t a g n a t« v n bc< findet. Trotzdem ist manche», was man in Loearno versprach, erfüllt worden, wie z. B. die Befreiung der Luftsahrt. Das sind gewiß leilfragen: ober her Fortschritt geht eben nur schritt- weis«.(L-ebhofte Zustimmung.) Es ist wester seitens der Loearno« Mächte auch die Forderung nach Verminderung der De» latzungetruppen«riüÄ worden Alles das aber kann diejenigen nicht befriedigen, die im Werke von Locarno nicht nur das eigent« lichs Vertragswerk sehen, sondern darüber hinaus die Möglichkcst eines Zusammenwirkens der Nationen, die dort am selben Tisch zusammengesessen haben. Und hier liegt auch der grondsöhliche Unterschied zwiicheu Herrn v. �reykagh-Loringhoven und mir. nZmiich, daß er die deutsch- französische Verstöndlguvg nicht für möglich hält, während ich die Rhcir.i-indxäumung immer und immer gefordert Hobe, um dadurch auch die Möglichkeit einer wirklichen Verständigung und eines guten Ansammenarbeilens von Volk zu Volk zu schasse«.(Lebhafter Beifall.) Unleugbar sind die Loearno-Berträge auch gegenüber den Zweiflern durchaus ein beachtliches Wert, wenn sie die Derhältnisi« der Welt sich ansehen. Wir wollen nicht, wie das soeben wieder»an den Kommunisten behauptet worden ist,«inen deutschen Iuiperiali-mus großziehen.(Na!«Na i-Ruf« bei den Kommunisten.) Ein Vertrag, der da? Rheinland sichert, ist etwas, was Deutschland mst einem Pluszeichen versehen sollte. Es gibt kein Volk, dos so wonig Ilsteresse an kriegerischen Verwicklungen hätte und das In einem etwaigen Kriege so seine ganze Existenz auf» Spiel setzen würde, wie dos deutsche.(Lebhajte Zustimmung.) Aber die Lvearno-Beriröge verfolgten über die Selbsterhal- t u n g der Nationen hinaus— und hier bedaure ich die Aus- laisungen der französischen öffentlichen Meinung— den Zweck, die Bahn freizumachen für ein Zusammenarbeiten aller be- ieiligten Notionen. Das habe ich gemeint, als ich jagte, es sei nicht dos Ende, sondern der Anfang einer Entwicklung vor- Händen für ein gemeinsames Vorgehen gegen Friedensbrecher. Dar- über hinaus sollte auch der Zusammenhast zu gemeinsamem wirt- schaftlichen Vorgehen gesunden werden. Gerade weil ich wünsch«, daß der Begriss diese» Zusammenhalt» Geineingut des ganzen deutschen Volkes wird, leiste ich mich, der ich für diese Politik immer gekämpft habe, auch für berechtigt, an die französische Tlakion die vlahnang zu richten: Tlun tut auch das Eure, damii diese Politik Gemeingut de» deutschen Volke» werden kannl(Beifall.) � Bezüglich der Rheinlandräum una, die»ach unserer Meinung die Totalisierun g der Verständiaungstd«« bedeutet, ist es einigermaßen charakteristisch, daß die Argumente, die demgegenüber aus den Debatten in Poris ertönt sind, sich kreuzen, und sich gegenseitig im einzelnen ausheben. Di« Besetzung des Rheinlondes verliert von Tag zu Tag an Bedeutung. Unser« Ein- stellung in dieser Frage ist eine realpolitisch-, und davon ausgehend, wollen wir nicht warten, bis ein weiterer Abbau erfolgt, und wir sprechen von der Räumung, weil wir es bedauern würden, wenn der große Moment einer wirklichen Verständigung nicht von dieser französischen Generation ausgenutzt würde als' ein höheres Objekt. Was wir walle«, was wir wünichen. ist. daß nicht dieser eiferv« Vorhang zwischen(Frankreich und veulschland bestehen bleib«. f andern daß er gevsinel«erde für eine lebendige Annäherung der VA der. auf deren Grundsatz olleln auch eine lebendige Politik der Volk« verantwortlich geführt werden kann. Weßn wir da» gefordert haben, so ist dies« Politik d i« geradlinige Fortsetzung der bisherigen deutschen Außenpolitik. Ich sügr hinzu: Es ist die Politik oll« ver- vnkworklichen Skellen innerhalb der Reichsregierung. Diese Pqlitit bat darüber hinaus die Unterstützung des weitaus größten Teils des deutsches Volkes gefunden. Wenn nun die Red« de» Herrn v. Frey- tagh-Loringhoven im„Vorwärts" so stark ongegnssen wird, so darf ich doch den„Vorwärts" bstten, zum Vergleich di« Red« de» ver- «beten Vorsitzenden der sozialdemokratischen Fraktion zu lesen, die dieser beim Hauptetat gehauen hat und worin er, als ihm Vorwürj« gemacht wurden über die Red« oines sozialistischen Kammermitgliedes in Frankreich, zum Vergleich dafür, daß ein einzelne« Mitglied nicht die Fraktion festlegen könne, auf das Beispiel des Herrn v. Freytagh-Loringhoven hingewiesen hat (Hestertest b. d. Mehrhest). Herr v. Lindein« hat(ich ja denn ovch für die deutschnakionole Fraktion durchaus aus den Loden der Richlliaien gestellt. Und wen» Sie bedenken, mik welch« Schnelligkeit Herr v. Liodeinet uns hier bedienen mußte, dann können Sic doch wohl zufrieden sein(erneute Heiterkeil). Aber lassen Sie uns an dem Einen nicht vorübergehen, das liegt, so glaub« ich, im Interesse unserer gemeinsamen Außenpolitik: Jeder irrt sich, der bestresten wird, daß der Gedanke der Verständigung»- Politik in Deutschland in den letzten Iahren ganz enorm« Fort- schritte gemacht hat. wir haben ein ganz großes entschiedenes außenpolitiiche, Interesse daran, diese, wackie.'tde vsrslöudni, de» deutschen Volke, für die Verständigungspolitik nicht in Zweifel zu ziehen durch parlamentarische Enkgieijungen wie die de, Herrn «. Freylagh(iebh. hört, hört! links und i. d. Mitte), und daß diesem wachsenden Verständnis auch ein wachsendes Verständnis für die französische Oessentlichtest gegenübersteht und ferner, daß wir in der Fortsetzung der V-rständigungspolil-k auch übereinstimmen mit den verantwortlichen Staatsmännern der Gegenseite. Niemand dient dem Frieden mehr, als wer die Hemmnisse beseitigt, die auf beiden Seiten der Grenze ein« wirk- lichen Verständigung noch entgegenstehen(Lebhafte Zustimmung in der Miste und link,). Abg. Or. Rrettfcheiö(Soz.) führt au», die Rede des französtschen Senators Gecarb müst« die Sozialdemokratie zum mindesten für unverständlich hallen. Die Sozialdemokratie fordere di« Räumung de» Rheinlandes als VtWlmr'—• Mi ticr», «di« I.... hält. So weil oiefe antipazifistischen Strömungen vor- Händen seien, müsse d!« Sozialdemokratie«klären, daß sie fi« als gefahrlich für die Sicherheit Frankreichs haste. Es gehe ab« nicht an, daß amtliche oder halbamtliche Stellen außer- halb des Auswärtigen Amtes sich den Anschein geben oder den Anschein erwecken, eine selbftändiae auswärtige Politik zu treiben. Die von der Regierung unterstützt«..Marinerundschau" ver- öfftistlichte vor ewig« Zeit ein Preisausschreiben über dl« Frage» wie man auch mst schwachen Misteln dteenglische.dtesran. zö ff scheunddiervssischeFlottew'rtsam schädigen könne. Bald daraus folgte ein Artikel mst der Ueberschnst:„D« r Marineoffizier als Diplomat" iGroße HssterkeitV So etwas müsse den Anschein erwecken, als ob hier di« praktisch« Lösung oewiffer milstärtechnisch« Fragen für praktisch« Zweck« gewünscht werde. Vmwc sei ernstlich zu warueo. Gefrierfleisch ist notwendig! Gewerkschasteu aller Richtungen gegen Gchieles Oroffelungspläne. Di« Gewerkschaften aller Richtungen(Allgeineiner Deutscher Gewerkschaftsbund. AfA-Bund. Allgemeiner Deut- scher Veomtenbund, Gewerkschaftsring. Deutscher Gewerk- ichaftsbund) haben am 31. Januar in einem gemeinsamen Schreiben an den Reichsminister für Ernährung und Land- Wirtschaft die Beibehaltung des bisherigen Systems der Gefrierfleischversorgung, also dos zollfreien Kontingentes, gefordert. Diese Forderung wird damit begründet, daß die Enauete-Kommisswn eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen hat, um die aufgedeckten Miß- stände zu beseitigen, daß der Gefricrfleischbeirat des Ministe- riums sich auf den Boden dieser Borschläge gestellt hat und daß ferner In Bälde der endgustige Zolltarif aufzustellen ist, bei dessen Beratung die Gefrierfleischfrage zweisellos erneut zur Debatte kommen werde. Gleichzeitlg wird die Hinzu- zichung von Gewerkschaftsvertretern zum Gefrierfleifch- ausfchüß des Ministeriums angeregt. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: An den Herr« Reichsmloisser für Ernährung und Landwlrtschafi Berlin. Durch eine Sonderveröffentfichuny des Enqueteausschusses (Unterausschuß für Landwirtschaft) waren erhebliche Mißstände in der Gefrierfleischvcrsorguiig festgestellt worden Der Ausschuß hat jedoch nicht di« Aufhebung des bisherigen Einfuhrsystem» vorgeschlagen, sondern unter Beibehaltung des zollfreien Gefrierfleisch- kontingents eine Reihe von Maßnahmen ausgearbeitet, um die fest- gestellten Uebefftände zu beseitigen. Der Ausschuß für Gefrierfleisch bei dem Ministerium für Ernährung und Landwirtschast hat sich gleichfall» mst diese« Fragen beschäftigt und Maßnahmen gutgeheißen. die sich mit den Vorschlägen des eben erwähnten Unter-. ausschuffes decken Unter diesen Umständen«scheint es den unterzeichnete» gewerkschaftlichen Spitzenprganisatianen überflüssig und tm Interesse der minderbemittelten Volk» schichten zurzeit sogar schädlich, das bisherige— und nunmehr vendefferie— System durch ein«, allgemeinen Gestiorfleisch- zoll zu ersetzen. Bon einer Systemänderung dars in, Augenblick um so«her abgejehe» werden, als einerseits die Untersuchungen des Enqueteausschusses noch nieht beendet sind, andererseits in absehbar« Zest der neu« Zolltarif aufzustellen ist und bei dieser Gelegenheit zweifellos die Gefnerfleischfxag« erneut zur Verhand- lung stehen wird. Bedauerlicherweise find di« gewerkschaftlichen Spitzenvctbände im Sesrierfleischausschuß des Reichsmfnisteriums für Ernährung und Landwirtschaft nicht vertreten, obgleich sie diejenigen Schichten repräsentieren, für die di« Erleichterungen im Gefrierfleisch- bezug gedacht worden uwren. Wir hallen«» für dringend«rfor, berück), daß dieser Fehler alsbald beHaben wird, und bitten Sie. Herr Minister, zu den SitzVngen dieses Beirats und zu allen Be- ratungen Üb« diese Fragen künftig auch di« unterzeichneten Orga- nisationen einzuladen. Allgemeiner Deutscher Geme.rklchostsbund. gez.: Ceipart. Allgemeiner freier AngesMlenbu�. gez.: Stähr. Allgemeiner Deutscher Beomfepduud, gez.: Falkenberg. Den.scher Gewerkschaftsbuoh, gez.: Aernh. Ott«. Gewerkschoftsring deutscher Arbeit«-, Angestellten, und Leamken- verbände, gez.: Ristedt. Englands Spieler-Oiplomat. Georgy— der Mann des Sinowjew-Rriefes. London.!. Februar.(Eigenbericht.) Der Nlinisieriaidirektor de» Auswärtigen Amte». Georg y, sieht im Verdacht, feine amliiche Stellung in valotaschieber. ossären mißbraucht zu haben. Ein Unlersuchungsauischuß soll die im Verlaus des valutaschieberprozesses gegen Georgy und verschiedene andere hohe Beamte erhobenen Beschuldigungen prüfen. Georgy hol im Jahre 1924 dem damaligen Alinister Präsidenten Macdonald gegenüber die Verantwortung für die Echtheit des b«ücht!gt«n Sinowjew- Briefes übernommen und in Abwesenheit Macdonaid» die scharf« Rote an Rußland unterzeichnet. Vier Wochen nach der Affäre. Anträge der Kleinen Entente in Genf.— Rumäniens ob. geschwächte Rote. Genf. 1. FeSrnar. �Eigenbericht.) Die Verckretcr be« Tschechoslowakei. Ingo» slawient und Rumäniens habe« be» General» jekretär beg Völkerbundes am Vktttwoch nachmittag je eine Rote und je ein Memorandum über die ungarische WaffenschiebungsafsSre übergeben. Glesch» lautend fordern die drei Mächte unter Berufung auf den Friedensvertrag von Trianon die Behandlung der Angelegenheit in der am S. März beginnenden Ratstagung. Die rumänische Note stellt de» Falk jedoch als leicht dar und behauptet, er hätte zu keinen. ernstere« Zwischenfällen geführt. Die drei Memoranden enthalten jedoch gleich» lautende Darstellungen über die Entdeickung der Maschinengewehre. Die Roten und Memoranden werden vom Sekretariat de» Ratsmächte» und der Permanenten Mklitärkommis» stou übermittelt. Ungarn wird von den eingelaufenen Anfragen ebenfalls benachrichtigt Und wahrscheinlich auf» gefordert, fich im Rat selbst zu verteidigen. Ende der Wiener MilitSrkontrolle. lvien, t Februar. vereinbarungsgemäß hak gestern dl« inlerallNcrte Militär. kommission, die bisher die ftouirolllaigkeit in Oesterreich ausübte. Ihr« TSllgkeii eingestellt. Dr. Breitscheid geht dann auf die Resolution d« Intemntixrnalen Soztalistenkonserenz ein. Wer jetzt noch Zweifel äußern könne, wie st« gestern Freiherr v. Rhcinbaben vorgebracht Hab«, dem sagen wir, daß er entweder an Mangel an Intelligenz oder an Loyaittät leidet(Abg. Freiherr v. Rheinboben(DBp,) widerspricht dem leb- hast). Herr o. L i n d e i ck e r ist hier als Sühne prinz für das Zentrum ausgetreten(Zuruf bei den Dual: Haben Sie was davon gemerkt?). Sie(zu den Dnat.) stellen also fest, daß H«r v. Lindeiner genau dasselbe gesagt habe wie Herr v. Freytagh- Loringhooen! das ist uns sehr werwoll. I Herr«. Lindeiner konnte erkläceu. wa» er wollte: Die Worte de» Herrn v. Areytagh-Loriaghoven koaoleu nur bedeuten, daß die stärkste Regierungspartei die Zustimmung zu Locarno und Thoiry nur als eine Sache der Opportunität betrachte. Das aber muß den Glauben an die Dertragsireue Deutschlands außerordentlich erschüttern. Wenn Herr v. Freytagh nach den Er- i folgen des Außemmnisters Dr. Stresemann i ragte, der sein« Polstik mit der Linken getrieben habe, so läuft das doch auf eine schwere Schädigung unserer Außenpolitik hinaus. Die Recht- sertigungsred« des Herrn v. Lmdein« ändert daran Nichts. Im übrigen hat Herr v. Freytagh sehr annebmbar« Ausführungen über Locarno und Thoiry gemocht, die auch die Sozialdemotrotie unter- schreiben könnte. Seine vor zwei Iahren geschriebene Broschüre: „Don Gens bis Thoiry" könnte er also vielleicht einstampfen lassen und sie durch ein« andere ersetzen mit dem Titel: ,Äon Jerusalem bis Damaskus"(Heiterkeit). Der Redner schließt mit der Erklärung, von der gegenwärtigen Koalition könne man nicht sagen, sie lebt. Sie lebt nicht, aber sie stirbt nur nicht. Die Verlängerung dieses Zustande» kann vom deutschen Volke nur sehr schwer ertragen werden(Beifall link»). Abg. Or. Birth(Zentr.) Wer bis heutigen Ereignisse hier verfolgt hat. wirb zu einem pessimistischen Urtal kommen. Rechterhand und linkerhand ist«ine aswiff« Dertauschung«ingetreten. Herr Minist« Stresemann. wir begrüßen Sie als den Minister der loyalen Opposition. (Große Heiterkeit.) Ju diesen Debatten kommt zum Ausdruck, daß wir uns schon in dem Ausmarsch zu den Wahlen befinden. Aber so gebt es jetzt auch in den anderen Ländern. Gerade diejenigen, die an der Tvadition der Vergangenheit festhallen, müssen es uns gestatten, di« wir in der Opvofltton zur Regierung stehen(große Hellerkeit), daß wir den Eindruck einer gewissen Dapvelziingigteit empfangen haben. Wir ha bei, es an der Klarheit der Linienfühning der Außenpolllik nicht fehlen lassen, wir waren der Meinung, daß eine ganz klare Regierungsgrupp!«ung zum Ausdruck kommen muß. Wenn der Außenminister im Nomen der Regierung spricht, so muß er in der Lage sein, im Namen der Parteien zu sprechen, die hinter der Regierung st ehe». Wen» er da» nicht kann, so ist da,.Trieben ewerk de» deutschen Volkes nicht nur kom- promilliert. sondern sogar sabotiert. Die Ausführungen des Herrn r». Freytagh waren nur Wiederholungen seiner bekannten Ar- tikei im.Tag". Er lebt ja in diesen Gedankengängen. lZuruf links: Das tun die Deutschnationalen alle, afleh Tag für Tag ist durch dies« Attikei den reaktionären Kreisen Frankreichs Gelegenhell gegeben, da« Material zu iammeltt. das sie wünschen. Wem, wir wünschen, daß mit dieser Methode der doppelten Buch- führung gebrochen wird, so tun wir do� um dos parlamentarische System in Deutschland.zu einen, wodrhafien Instrument der Außen- polllik.zu machen, da sonst die Arbeit, die Sie(zu Dr. Strese- mann) hier leisten, umsonst geleistet ist. Dir wollen nicht wieder über ein Kapitel der deutschen Geschichte„Vergebens" schreiben. Der Außenminister hat die Atmosphäre oortnn richtig gekenn- zeichiwt: Die Welt, auch die härtesten ehemaligen Gegner, ist willens, aus dem Wege der Verhandlungen ynt dem deutschen Volk vorm�uschreiten. Und dieser Will«, den di« Gegenseite voraussetz, und der zu prottischen Ergebnissen geführt hat,«nordcrt von uns. daß wir diese Atmosphäre mit pfleglicher Hand behandeln. Obwohl wir manches mll gewissen Befürchtung«:, scheu, halte» gerade wir. di« wir uns hier in loyaler Oppositto-n befinden,, uns von seber Der, kemmng der Gefahren jener Verbitterung sen». die gar nichts anderes bedeutet, als die Zuführung neuer Energien für di« real- tionären Kreise Frankreichs.(Sehr wahr! link» Und in der Mitte.) Paul Boncour, eh, er der hauptoertreter Frankreichs aus der Abrüstungskonferenz, hat kürzlich in einem Interview in b«.zug auf den Locarno vertrag crtläyt:„Man kann danach jagen, daß dem berechtigten Verlangen des trauzösilche» Volkes nach Sicherheit Ge- imge getan ist." Wir Hab«, alle Veranlassung, dieses.Genüge getan" immer wieder zu wiederholen. Allerdings hömtte sich das französisch« Volk vielleicht noch manchmal beunruhigt fühlen durch Aeußerungen. wie sie hier noch auftauchen. E, muß heuke einmal gegenüber den willen«äußern naen de« Landbundes qesagi werden. 2»aß im Auswärligen Au muh bezüglich d« Politik gegenüber Polen von rechks bis Buk» eine «inheikliche Auffassung bestanden hat. Gerade in der engen Verbindung der französische» Sicherheits- wünsche mll den Ostfragen zeigt sich, daß die französische Politik ganz andere Wege versoigt. als die Sicherheit allein, nämlich dip Stabilisierung des heutigen terrttorialen ZustaiGes in Europa. Sie beachtet dabei nicht die Frage, ob nicht dieser Zustand an sich Gefahr«, für den Frieden birgt. Ist sich Frankreich bewußt, daß es mll dieser Politik tntransigenter geworden ist als selbst ISlst im Berfa Ute r Vertrag? Damals wurde uns die Hoffnung gelossen, daß in der Zukunft auj friedlichen, Wege«ine Revision der Vertragsbestimmungen eintreten könnte. Abg. Dr. Schnee(D. Bp.) kritisiert die englische Politik in den ehemals deutschen Kolonien in Afrika. Dies« Polllik widerspreche den festgelegten Grundsätzen de- Völkerbundes für die Mandat-, mächte. Reichsaußenminfster Dr. Stresemann erklärt dazu, die deutsche Regierung werbe sich gegen«ine Berletzung der Mandotsgruirdsätze wenden. Damit schließt die Aussprache. Ein kommunistischer Miß- trauensantrog gegen den Außeinvinister wird gegen die Antrag. steller und d,« Völkischen obgelchnt. Der Etat wird noch den Vor- schlagen de- Ausschusses mll den Ausschußentschließungen ange- rtonmien. Obre Aussprach« wird der Gesetzentwurs' über die Anrufung des Ständigen Internationalen Gerichtshofes im Haag in erster und zweiter Beratung ongcnümmcn. Ilm 18 Uhr vertagt fich das Haus aus Donnerstag, 12 Uhr, (Einsprüche gegen die Auswersuna der Kommunisten Florfn und Bertz und der Etat der besetzten Gebiete.) Schwarzblauer Notenwechsel. Westarp beim Gchwindelu ertappt.— Ein Riß und ein Topf Leim. Von deutschnationaler Seit« wird mitgeteilt, daß dt« Deutschnational« Volkspart oi den Vorstoß des Zentrumsobgeordneten 'U l i ß k a in der Dienstagdebatt« des Reichstag« zum Etat de» Aus- rvärtigen Amtes gegen den deutschnottonalen Abg. Freiherrn n. Frerztogh-Loringhoven als erledigt ansieht, nachdem ihr van führen» der Stelle des Zentrum» mitgeteilt worden ist, daß der vom Abg. Alitzka vorgebrachte Angriff den Absichten de» Zentrum» nicht ent- ivrochen habt n. Der Zenirumsabgeordnet« v. Suevard hat an den Grafen Westarp ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt: ,S5ch erholte soeben die van Ihnen herausgegebene Mitteilung Dieselbe enthält den Sag, daß Ihnen von führender Stelle des Zentrums mitgeteilt worden fei, daß der vom Abg. Ulitzka vorgebrachte Angriff den Absichten des Zentrums nicht entsprochen hol«. Diese Miklellung habe ich in dieser Form Ihnen nicht gemacht und muß ich(!) daher bitten, die Zeitungsnotiz zurückzuziehen.' III. Die deutschnativnale Pressestell« teilt mit: Im Anschluß an die Pressetommentare über die gestrige Red« des Abg. Ulitzka hat eineAussprache zwischen den Führern der deutschnationalen und der Zentrumsfrattion stattgefunden. Dabei wurde sestgestellt, daß nach dem Willen der Zentnnnsfraktion die Ausführungen des Abg. Ulitzka eine Aufklärung über die Rede des Freiherrn v. F r« y ta g h» L orin gh o ven in ihrem Verhältnis zu den Richtlinien und der Erklärung der Reichs-- regierung vom 3. Februar 1927 bezweckten. Angriffe gegen die Deutfchnottonal« Volt»part«i dagegen nicht de- absichtigt waren. IV. Di«„Germani o' schreibt: Wie mir erfahren, trifft die Mitteilung...daß der vom Abg Ulitzka vorgebracht« Angriff den Absichten des Zanlrwns nicht ent- sprachen habe", inkeinerWeisezu: Die Zentnunsfvattivn des Reichstages war vielmehr über die vom Abg. Ulitzka vorgetragene Verwahrung vorher unterrichtet und Hot sie durchaus gebilligt. Tauweiter. o Feindliche Brüder. .Keinen Schritt weiter nach rechts. Herr Marx! Das GS zeigt überall tiefe Risse." Den, Reichstag bietet sich das einzigartige Shmispiel, daß ein Abgeordneter die Aushebung der Immunität eines � anderen Abgeordneten fordert. Di« Nationalsozialister und Dölki- scheu machen sich gegenseitig den Vorwurf, von der Großindustrie mit Geldern gespeist zu werden. In der Berliner„Arbeiterzeitung" vom 27. Februar 1927 behauptete der Abg. Straffer in bezug auf den Abg. v. R a m i n: „Die in den Worten Legende Unterstelluna. als ob die NSDAP, aus„großindustriellen Geldern' ge» speist werde, daß ich Sie hierdurch öffentlich als Lügner und Verleumder brandmarkt" Darob lief v. Ramin zum KM und erhob wider Straffer Privatklage, verlangte vom Reichstag die Genehmig� ng.zur Strafverfolgung Straff ers. dif mch uÖem Hvaych �nk� lehnt muibfe-'* Die bsidey inüffen sa wissen, wer ihr Seidgeber ist. Gegen die GrubeuMleguvg. Eine soMdemvkratifche Große Anfrage. Der Adlertonzern hat beschlossen, die Zeche Johann Deimelsberg In Steel« a. R. stillzulegen, die ILM Arbeiter beschäftigt und noch auf viele Jahre hinaus ausreichende Kohlenfchätze birgt. Die sozialdemokratische Londtagsfrattion hat in einer Großen An- frage die Stoatsregierung ersucht, diese Stillegung zu verhindern. Besteht doch die Gefahr, daß nicht nur das große Kohlenlager der Aolkewirtschaft verloren geht, sondern daß auch durch das Ein- dringen von Waffermassen die benachbarten Zechen beeinträchtigt werden. Für die Stadt Steele wäre der Schaden um so größer, als die genannte Zeche die letzte ist, die noch in der dortigen Gegend in Betrieb ist._ Mitielstandsskandal in Württemberg. Oeuffchnationale Abgeordnete des Betrugs bezichtigt. Dem Reichstag ist dieser Tage ein Ankrag der Slaafeanwalsschosl Skuttgarl zur Genehmigung eine, Sirafverfahrea» gegen den devtschuationalen Abgeordnet«« Silier(TBürffcm- berg) wegen eines gemeinschaftlich begangenen Vergehens der er schwerlen Untren« übermittelt worden. Dieser Ankrag ist erwachsen aus einer großen vetrngsasfäre, ln deren Ulittel- punkt der bisherige deutschnationale Gemetnderat nnd Präsident der Stuttgarter Handwerkskammer, A riscurobermcisler BJ o I s, steht. Seit Monaten sitzt Wolf nud mit Ihm der handwerkskammersyndikas Dt Gerhard« in Uulerfuchungihaft. Ihnen wird znr Last gelegt, große Geldbeträge der Handwerkskammer oernnkrent zn haben. Die Staatsanwaltschaft hat sämtliche Vorstands- Mitglieder der Handwerkskammer, zu denen sowohl der württembergffch« deutschnational« Landtagsabgeordne!« Fischer als auch der Reichstagsabgeordnet« S i l l e r gehören, m das Straf- verfahren einbezogen. Silier wird beschuldigt, für die Errichtung einer schwarzen Lass«. die au» den Kursusgeldern für die Meisterprüfung im geheimen gespeist wurde, für die gesetzwidrig« Abzweigung eines Fonds an den Präsidenten Wolf, der falsch liquidiert wurde und sdjliesjlich für die Ueberhebung von Taggelderu durch die Mitglieder der Handwerkskammer mit- verantwortlich zu fem. Siller selbst soll nach einer nicht vollständigen Zusammenstellung mehr als 500 Mark an Diäten zuviel erhoben haben. Er bestreitet seboch die Beschuldigungen der Staatsanwalt- schaft und ersucht den Reichstag um Aufhebung seiner Immunität, um feine Unschuld beweisen zu können. Brauns Aniwort au Luther. Die Antwort des preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun auf da, bereits in der Presse veröffentlichte Schreiben des Reichs- lanzlers a. D. Dr. Luther wird, wie der Amtlich« Preußische Pressedienst mitteilt, erst in einigen lagen zu erwarten sein. Ministar- Präsident Dr. Braun ist am Morgen des 28. Januar beim Verlassen feines Hauses infolge des Glatteises gefallen und hat sich Quetschung« sowie«in« Bluterguß im Knie zugezogen, die ihn Vit einig« Tag« z« Beitruhe zwing«. Türkei für Balkau-patt. Regt bei Bulgarien und Südslawieu ein„Locarno" an. Smyrna. L Februar.(Eigenbericht.) Die Vertreter der Türkei in Sosin und Belgrad Hab« von ihren Regierungen den Auftrag erhalten, über die Geneigt- heit Iugoslowiens und vulgariens für ein Balkan- Locarno Erkundigungen einzuziehen und die Bereitschas« der Türkei als Mittelsmann für die Einberufung einer entsprechenden Konferenz zu erklären. Die zwischen Bulgarien und der Türke! inzwischen über die verschiedensten Differenzen erzielte Verständigung bildet nach der Ansicht der türkischen Staatsmänner sowohl im Geist wie ln der Form eine Basis für ein« Baikaasicherhellsvakt und da» znver- lässigste Mittel für die Abwehr dervonItaiienherdrohen- den Gefahren, denen gegenüber alle Differenzen der Balkan- stauten untereinander belanglos seien. Belgien baui Festungen. �'-4:: � i. Der neue Kurs.... '-Xf**-■■-; � Btmi Februar. D« belgisch« Regierung fordert außerordentliche Kredite dt höhe von 10 MMion« Frank« für die Befestigung der Ost- grenzen. Die Befestigimgsarbeit« umfassen die Instandsetzung verschiedener Forts, den Bau von Unterständen für Maschin«-- gewehre und den Ausbau der Ueberschwcmmungsanlagen. Die Gesamtausgaben für alle dies« Arbeit« werden auf 30 Mit- lionen Franken geschätzt, die auf zwei Jahre verteilt werden sollen. Gleichzeitig fordert die Regierung einen Betrag in höhe von weiteren 14 Millionen Franken für die Bestückung der Festungen. GtaatsanwaltZacoby verhastet Wie der Amtliche Preußische Pressedienst meldet» hat der Untersuchungsrichter gemäß dem Antrag der Staatsanwaltschaft gester« In später Abendstunde Haftbefehl gegen de« Staats» anwaltfchaftsrat Dr. Jaeobh erlasse«. * Die Verhaftung des Staatsanwaltschostsrats Iacoby ist erfolgt auf Grund der schwer« Belastungen durch die am Dienstag und Mittwoch vernommen« Zeugen. Am Mittwoch ist auch Rechts- anwalt Willi Mayer von der Deutschen Treuhand- und Sievi- sionsgesellschast» sowie eine Reihe anderer Personen gehört tnorden, die bei Bergmann Einlagen gemacht hatten und die sich dabei üuf die günstigen Auskünfte de» Staatsanwoltschastsrots Iacoby gestützt hatten. Weiter fiel gegen den Staatsanwatt die Tatsache sehr schwer ins Gewicht, daß er nicht pflichtgemäß gegen Bergmann vorgegangen ist, als er von außenstehenden Personen erfahr« hatte, daß Berg- mann Betrügereien verübt hatte. Staatsanwaltschaftsrai Wolter Iacoby entstammt einer Königsberger Familie. Setn Vater war Ordinarius der Theologischen Fakullät an der dorttg« Universität und Staatsanwall Iacoby ist vor etwa 10 Jahr« nach Berlin ge- kommen. Er hat hier eine Reih« großer Prozesse bearbeitet. Wie behauptet wird, ist der Verhaftete zunächst durch Krankheit— Iacoby hat ein« schweren Autounfall erlitten, an dessen Folgen er monate» lang laborierte— in Not geroten und Hot sich deshalb 1923 auf Geschäft« mtt Bergmann eingelassen. Bergmann selbst hat er durch dessen Rechtsanwalt I. kennen- gelernt, mit dem er selbst sehr eng befreundet war. Nachdem sein eigenes kleines Vermögen in der Inflation verschwunden war, hoffte Staatsanwall Iacoby durch seine Verbindung mit Lergmarm wieder in den Besitz größerer Mittel zu kommen. Es war in Richter- und Anwällek reifen in der letzt« Zeit nicht ganz unbekannt geblieben, daß Iacoby sich auf Geschäft? einließ, denen er aus Grund feiner amstichcu Stellung hätte fernbleiben müssen, doch nahm man im allgemeinen nicht an. daß der sonst geschätzte Staats. anwall sich Pflichtwldrigtetten wurde zu Schulden komm« lassen. Wie wir weiter erfahren, Hot Oberstaatsamvoll Binder noch am Nachmittag eine Konferenz im preußffch« Iusttzmwisterium gehabt, und bei seinem Vortrag« die Verdachtsmomente zusammen- gefaßt, die gegen Iacoby auf Grund der Vernehmungen durch den Untersuchungsrichter vorlagen. Di« Staatsanwaltschast stellte nach sechsstündigem Verhör durch Staatsanwallschaftsrat Schumacher den Antrag, den Haftbefehl zu bestätigen, was in später Abendstund« bann mich erfolgtt Briand spricht erst Freitag. Er wird sich nicht auf Räumung fefilegem Paris. D Februar.(Eigenbericht) Da P o i n c a r« angekündigt hat. daß er der ursprünglichen Disposition gemäß schon am Donnerstag feine große sinairz- politische Rede in der Kammer halten wird, ist anzunehmen, daß B r i a n d. der nicht gleichzeitig mit dem Ministerpräsidentcn sprechen kann, die Beantwortung der außenpolitischen Interpellationen im Senat auf Freitag vertagen wird. Briand dürfte bis dahin auch in den Besitz der neuen Rede Stressmanns gelangen. Informationen von unterrichteter Seite bestätigen, daß Briand sich nochmals und aus vollem Herzen zu der Fortführung der Politik der deutsch-französischen Verständigung bekenne, es dagegen vermeiden wird, sich in Einzelsragen festzulegen. Die vom„Echo de Paris" verbreitete Version, nach der Briand die Absicht haben soll das Drängen der öffentlichen Meinung in Deutschland nach der Räumung des Rheinlandes durch ein neue Verminderung der alliierten Besatz.ngs- t rup p eu zu beschwichtigen, wird hier in maßgebenden Kreis« für wenig glaubhaft schalten. Gchiedsverirag Paris— Washmgion. Verhandlungen abgeschlossen. Paris, 1. Februar.(Eigenbericht.) Außenminister Briand empfing am Mittwoch den a m« r i k a- nischen Botschafter in Poris zu einer längeren Besprechung. Gleichzeitig wird von zuständiger Stelle bekanntgegeben, daß der französisch-amerikanische Schtedsgerichtsoertrag am 6. Februar unterzeichnet werden wird. Der neue Bertrag wird das Prinzip der schiedsgerichtlichen Erledigung von Etrelligketten zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten in weitgehen- d« r« m Maße als die bisherigen Uebereinkommen festlegen und an Einschränkungen nur noch die amerikanischen Verpsllchwngen aus der Monroedoktrin und die französischen Verbindlichkeiten auf Grund des Völkerbundspakte« euch allen InderPräambel wird außerdem der Krieg als Mittel zur Austragung von Streitigkeiten zwischen dm beiden Völkern ausgeschlossen. Der Abschluß des Vertrages erfolgt unabhängig von dm fron- zösisch-amerikanifchm Verhandlungen über einen allgemeine» Antikriegspakt. Sieben Lahre Zuchthaus für Hawany. Dos Terror-Urteil der Horthy-Iustiz. Budapest, 1. Februar. 3m hatvany- Prozeß wurde nach 10 Ahr abend, da» Artest verkündet. Hatvany wurde zu sieben Zahren Znchitzan», 15 000 Pmgoc(1 Pengoe— 73 Pf.) Geldstrafe, zehn Iahten Amts- vertust und Aushebung der polillschm Rechte und zn 500 000 Pmgoe materieller Gulmachung an den Fiskus verurteilt und znr Tragung der kost« des Strafverfahrens verpflichtet. Ein Monat und zehn Tage werden ans die Freiheitsstrafe als verbüßt angerechnet. Budapest. 1. Februar. Aar dem Budapester Stroffenat begann der Prozeß gegen den aus dem Ausland zuruckgekehrtm Schriftsteller Baron Ludwig Hatvany. Hatvany wird des sechsfachen Verbrechens der Schmähung der nationalen Ehre beschuldigt, begangen durch in ausländischen Zeitungen während seines Auslandsäufeitt- Halts veröffentlichte Artikel. Dom Borsitzenden befragt, bekennt sich.Hatvany schuldig »nd erklärt, daß er eilten schweren Fehler begangen habe. für den er setzt vor dem Gericht Buße tun und um Entschuldigung bitten wolle. Er habe unter dem Einfluß der über Ungarn im Auslande verbreiteten übertriebenen Nachrichten gestanden und dl« verantwortlichen Elemente, die die u n v e r a n tw o r t- lichen Faktoren bekämpften und Ordnung geschaffen haben, mit letzteren irrtümlich verwechselt. Er schildert sodann seine Tätigkeit während der Äarolyischen Revolution und der Zkätediktatur und wiederHoll ständig, daß er in einem zerrütteten Nerven- zustande die Artikel geschriciben habe. Wegen dies« schweren Fehler Hab« er beschlossen, sich dem Gericht zu stellen, um der beleidigten ungarischen öffentlichen Meinung Genugtuung ,zu geben. Reichskanzler Marx ist leicht erkrankt. Im Reichstag wurde gestern allgemein«rzähll. er leid« an— Schulfieber. Die Lohnbewegungen. Die Holzarbeiter fordern Zulage. Die Holzarbeiterverbäude haben gestern de« Unter- nehmern ihre Forderung auf Erhöhung d-er Löhne um 15 Pro;, übermittelt. Die zentrale» Vcrhand- luugeu finden am 8. Februar im Reichsarbejtsministe» rium statt. Forderungen der Angestellten der Montauindustrie. Wie der Zentralverdand der Angestellten, Gau Rheinland und Westfalen, aus Bochum mittellt, verhandeln die Verbandsiustanzsn zurzeit über die Kündigung des Gehaltsobko man e n s der Angestellten in der Montanindustrie zum »1. März. Die Kündigung ist wahrscheinlich. Die vor kurzem unter- nommenen Versuche, eine zwischentarifliche Regelung der Angestell- N'ngshölter in der Montanindustrie herbeizuführen, sind bekanntlich gkscheitert. Lohnerhöhung für die Weserschiffer. Unter dem Vorsitz des Schlichters von Westfalen. Regierungsrat Brisch, wurde in Duisburg ein Lohnfchiedsspruch für die Weser schiffahrt gefällt, der eine sechsprvzentige Steige- rmg aller Sätze vorsieht. Der Aufschlag für verheiratete Matrosen und Heizer wird von 10 auf 12 Proz. erhöht. Die Erklärungsfrist läuft bis 7. Februar 1928. Lohnerhöhung in der Süß-, Back- und Teigwarenindustrie. In einer gut besuchten Branchenversainmlung der Sektion Süß- waren und Genußmittel des Deutschen Nahrung-, und Genußmittel- orbeitorverbaudes. Zahlstelle Berlin, erstattete Hetzschold Bericht non den Lohnverhandlungcn, die am 20. und 27. Januar in Dresden stattgefunden haben. Nachdem die Arbeitgeber der Süß«, Back- und Teigwaren' Industrie die im Herbst vorigen Jahres beantragte zwischentarifllche Regelung der Löhne abgelehnt hatten, wurden die bis zum 81. Januar geltenden Löhne Mitte Januar vom Verbandsvorstand gekündigt. Zur Neuregelung der Löhne wurde eine Erhöhung um 13 Proz. gefordert. Die Unternehmer wollten trotz guter Geschäftsabschlüsse iin ver- gangenen Jahr von einer Lohnerhöhung nichts wissen. Jm Gegenteil forderten einige Schorsinacher eine Lohnherabsetzung. Es scheint sich auf Arbeitgeberseite bzgl. der Vorstandswahlen ein gewisser Radikalismus geltend zu machen. Das ist der Geist, der stets verneint. Die Lvhiwerhandlungen führten durch diese einsichtslose Ein- stellung der Unternehmer zu keiner freien Bereinbarnng. Nach tarif- licher Borschrift mußte der Schlichter angerufen werden. Als solcher fungierte wieder Professor Lutz Richter, der einen Schiedsspruch fällte, wonach die Löhne ab I. Februar um 6 Proz. erhöh t w er den. Die Löhne Kaden Geltung bis 31. August 1928. Der Spruch ist nach der Torifverfassung bindend. In der Aussprach« der Versammlungsteilnehmer kam zum Aus druck, daß in der Zwischenzell alles darangesetzt werden müste. um bis zum Ablauf der Löhne, die gleichzellig mll dem jetzt gellenden M a n t e l t a r i f ablaufen, Verbesserungen zu erzielen. Das Lfrieil des poniius Pilatus. 3«ö Kampf in der Hüttenindustrie. Aus Dresden wird gemeldet: Die Nachricht, daß das Arbeitsgericht in Dresden in dem Streit zwischen dem Deutschen Metallarbeiteroerband und dem Verband der sächsischen Hüttenindustrie wegen des Schiedsspruchs die Ausfassung der Arbeitgeber als richtig anerkannt habe, ist unzutreffend. Das Arbeitsgericht Dresden hat in einer einst- weiligen Verfügung der Gewerkschaft die Unterstützung der von den Hüttenwerken ausgesperrten Arbeiter untersagt, gleichzellig ober ausdrücklich daraus hingewiesen, daß mit der Verfügung keine Entscheidung über die Gülligkeit des Schiedsspruches getroffen werden soll. O Ein Arbeitsgerichtsurteil, das die zwischen den streitenden Par- teien schwebenden Fragen offen läßt, ist unhaltbar. Selbst. verständlich ist vom Deutschen Metallarbellerverband gegen das Urteil des Arbellsgerichtes Berufung eingelegt worden. Der Deutschs Metallarbeiterverband vertritt den Standpunkt, daß der Schiedsspruch für die sächsische Hüllenindustrie ungültig ist, well er im Widerspruch mit der Arbeitszeitverordming vom 16. Juli 1927 und den Vorschriften der Gewerbeordnung steht. Christliche Moralpredigt. Und unchristliche Taten. Die christtühen Gewerkschaften sind sonderbare Spaßmacher. Obwohl sie sich fest 1918 bemühen, ihr Häuflein durch Hinzunahme allerlei höchst zweifelhafter Gebilde— zweifelhaft ebenso sehr hin- sichtlich. des Ehristentums wie des gewerkschaftlichen Charakters— wenigstens«suantitätio in einem gewissen, wenn auch bescheidenen Verhältnis zu den freien Gewerkschaften zu hallen, was ihnen nicht recht gelingen will, erklären sie jetzt die freien Gewerkschaften für „bankerott". Damit man aber auch ordentlich lachen kann, fügt der „Deutsche" hinzu, daß die freien Geiverkschaften,„um der Partei das Wahlgeschäft nicht zu verderben",„die energische Vertretung der Arbeitnehmerinteressen zurückgestellt" hätten. Und weil die„Gewerkschoflszeitung", das Organ des ADGB. es abgelehnt hat, die Beamtenhetz« Stegerwalds mitzu- machen und erklärt hat, daß für die freien Gewerkschaften nicht die Beamten, sondern die Unternehmer die Gegner sind, erzählt das.Lentralblatt" der christlichen Gewerkschaften, die freien Gewerkschaften beschränkten sich auf Lohnkämpfe und lehnten die Der- tretung»Äkswirtschastlich« Forderung« vor Regierung n«d Po» lament ab. Wahrscheinlich denkt man im Lager der christlich« Gewert- schaften bei der Rücksichtnahme auf die Parleiinteresien an de» Kampf um das Arbeitszsllgefetz, wo die Christlichen die anderen Gewerkschaften im Stich ließen. Oder an den Kampf um die Arbeits- zell im Ruhrgebiet, wo sich dasselbe Schauspiel wiederholte. Oder an alle die Eingaben der Gewerkschaften, die von den christlichen Gewerkschaften nicht unterzeichnet oder oertreten wurden. Oder aber dachte man an die Eingab« des deutschnationalen Ab- geordneten und Vorsitzenden des christlichen Zentratoerbandez der Landarbeiter Behrens, der in besten Nam« soeben ein« Ein- gäbe fabriziert hat, um die Agrarier zu unterstützen? Eine solche, kaum noch verhülUe gelb« Politik, überlasten die freien Gewerkschaft« gern den Behrens, Baltrusch und anderen christlichen Gewerkschaftern gleichen KaLbers. Die Not der Gaarbergarbeiter. Erhöhte Abnahme von Saarkohle durch die Zieichsbahn. Saarbrücken. 1. Februar.(Eigenbericht.) Die Gewerkschaften des Saargebiets Hab« nun- mehr an die Reichsrcgierung ein gemeinsames Telegramm gerichtet, in dem sie einsprechend den Forderungen der Sozial- dcmokratie Maßnahmen zur Vermeidung der angekündigt« Entlassung von 4000 Berg- und Hüttenarbeitern und vor allen» erhöhte Kohlenabnohme nach dem Reich fordern. Die Gewerkschaften weis« gleichzellig aus die schweren Komplikationen hin, die aus den Entlassungen entstehen müssen. Sie verlangen für die bisher schon zur Entlassung gekommen« Arbeiter im Bergbau, in der Schwer- und der weiterverarbeitend« Eisenindustrie die Bewilligung der Slrbeüslös«sürsarge, deren sofortige Erhöhung und eine Verein- fachung der Bedingungen. ?ur Regelung einer erhöhten Abnahme von Saar- e durch die Reichsbahn fanden bereits am Mlltwocl, Besprechungen der Gewerkschaften mll der Reichsbahnver- wallung statt. «2 Äihr- Lortzl"" ijaii-c FGZ. Charlottcnaiitg."— pnoitioIW) Zu«« iin�ftrafic. Heunbcsprechunz. ZZerbondsbuch uni Her ©cjunfcbtTinucn; Jugendheim?.ate Schule. Sotcnb Zugendh-iin Graun-, Ecke W Heunauzwei» mithrinzen. IimendheilN Rote Schule. Sotcnburger S trage. Heim- besprechung und Liederabend. Bcrbandsbuchkontrolle.— Teopclh-s: Sruppeu- .—„-----------!-----(SrunjKiüJe'im lSemerkschoft-- dandsduch und�Heimauswei, mitbringen.— Aranlinrter Llce: Stadt. 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Februar 1925 Die Stadtbewohnerin, die in der Lag« ist, ihren Eierbedarf in der Ilmgegend direkt vom Bauer oder Siedler zu beziehen, wird um die Jahreswende herum die Klage hören, daß die Hühner nicht legen. Wenn trotz dieser alljährlichen Erscheinung die Läden zu allen Zeiten gute.frische" Eier verkaufen, so.zeigt sich hierin der Einfluß de« weltmnspannenden Handels: das Ei ist das Objekt eines internationalen Geschäftsbetriebe« von wahrhast großartigen Dimensionen. Da die Eiererzeugung ein Teil der landwirtschaftlichen Betätigung ist. dürft« eine Untersuchung. wie der deutsche Markt mit Eiern versorgt wird, zu gleicher Zeit eine Beleuchtung der«inheimischen Zustände sein. Die Erkenntnis, daß Deutschland die größten Anstrengungen machen muß. um gut« Eier in genügender Zahl zu erzeugen, wird sich als Schlußfolgerung ergeben.> Das Ei auf Weisen. 2lu6 den sogenannten Ueberschußländern strömt das Ei in de» Handel. Für 1924 hat der dänische Staatskonsulent I a b o s« n eine Tabelle über 18 Ausfuhrländer aufgemacht. Donach steht China mit einer Zlelloausfuhr von SlZ0, jenes Land weit über- „ ntner). Oesterreich [84 333 Doppelzentner) und Italien(54 828 Doppelzencr) den Import bestritten. Dies« Ein- fuhr ist für 1913 auf 2727 Millionen Eier zu beziffern. Rimmt man dazu die Eigenproduktton mit 4374 Millionen, so«rhäft man einen Verbrauch von 7101 Millionen Eier in Deutschland, was bei einer ...■M Die il- Gesamtverbrauch 6300 Millionen und pro Kops 100.S Eier(bei 62,5 Millionen Bevölkerung). Der Eierkonsum ist somit gegen die Borkriegs- zeit von 107 auf 100,8 Eier pro Kopf gesunken. Dieser Beweis von der verminderten Lebenshaltung wird noch um so zwingender, als in der Gefamtverbrauchzahl die Posten für in der Technik usw.(Photographische Papiere, pharmazeutisch« Präparate) ver- wandten Eiermengen mit enthalten sind und dieser Prozentsatz sich durch die Entwicklung des Films gesteigert hat. Die Aisfern für die ersten 11 Monate des letzten Berichtsjahres zeigen ein überraschen- des Steigen der holländischen Einsuhr(592 Millionen Eier), dann folgen Rußland(505 Millionen), Polen(271 Millionen), Dänemark(186 Millionen), Bulgarien<180 Millionen). Ingo- slawien<150 Millionen), Italien und Belgien(je 126 Millionen), Gesanttsumme m 11 Monaten 2539 Millionen Eier, also ein Steigen gegen 1925. hinsichtlich der Güte rangieren Holland. Dänemark und la einer dänischen Eierpackerei. Zlaliea wohl an erster Stelle. Doch haben auch Rußland mü» die Oststaaten zeitweise besonders gute Eier, die zumal in einer Zeit eintreffen, wo die eingetretene Mauser unserer Hühner die Pro- duktion beeinträchtigt. Es sind dies die sogenannten„Korn- ei er": das russische Huhn, das in Freiheit lebt, findet nach der später als bei uns einsetzenden Ernte reiche Rahnmg auf den abgeernteten Feldern. Lltid das deutsche Ei? Landwirtschaftskanunern und Genoffenschaftsvetbönde haben in erfreulicher Waise wieder(wie schon einst vor dem Kriege) die Inilia- ttve«griffen, um der deutschen Eierproduttion die ihr aus Bequemlichkeitsgründen anhaftenden Fehler auszutreiben. Was verjchasst denn dem dänischen Ei sein« Beliebtheit? Die den Käufer beruhigende Gewähr, daß alles getan worden ist, um ein nw glichst hochwertiges Produtt zu erzielen. Da liegen rächt in ein« Kiste groß« und Nein«, alte wrd frisch gelegte, da wird alles getan, um jeden Geruch fernzuhalten: die Holzwolle darf zum Beispiel nicht nach Harz riechen— der praktische Chinese verwendet als Packmat erial Reisspreu. Da weiß der Exporteur, ab« auch der Produzent, daß das Ei die Feuchtigkeit nicht liebt, man es also auch nicht durch Abwaschen „verschonen" soll, und die Bauernfrau ist auch darüber belehrt worden, wie man da» Ei aufbewahren soll: trocken, liegend auf einem Gestell, auf dem man es täglich dreht. Und dann gibt es nicht Hunderte von Rosien, sondern drei, vi« erprobt«, etwa Wyan- dotte«, Leghorn, Italien«. Endlich spielt die Stallpflege ein« groß«, beinah« möchte man sagen entscheidende Roll«: größte Sauberkeit durch Kalten, Warmhalten, eventuell durch Heizung, Kontrolle d« Ti«e auf ihr Legevermögen durch die Fallnester: die Klappe schlieht fich, wenn das Huhn das Rest betreten hat: sein Gackern nach erledigtem Geschäft ruft die Bäuerin hebei. Alle diese Dinge— das Sortieren ist schon genannt— machen etwas Arbeit, ab« diese Mühe findet ihren Lohn. E» wäre zu wünschet», daß gerade unsere Genossen, die Hühner hatten, den wie»« ausgenommeneu Bestrebungen, Beste» zu leisten, fich widmen würden. Für die Mark Brandenburg besteht ein Lieferungsverband, und die KlenNier- zuchtabteikungen der Öo ndwi rlf chafts karranern werden gern Auskunft geben. Auch vom sozialistischen Musterländle Anhalt(darf man es nicht so nennen?) hört« man jüngst von Maßnahmen zur Hebung der Qualität des deutschen Eis. Der reaktionär eingestellte Agrarier weist mit wütender Gebärde auf die 250 bis 275 Millionen Mark hin, die 1926 resp. 1925 fiir imvor- tierte Eier ausgegeben wurden: aber mil Schimpfen und Zöllen ist es nicht getan— hier heißt es Arbeit leisten, zum eigenen und zum allgemeinen Wohl... -» Wieviel Eier nun wohl Berlin von de» 6 Ms 7 Milliarden »«zehrt?— Das ist eine Frag«, die nicht von der Statistik genau beantwortet wird. Bon privat« Seit« ist für 1913 die Zahl auf 10 505 329 Schock(4 60 Stück) angegeben worden. Für die heuttge Zeit kann man sich«inen ungefähren Begriff machen, wenn man die Bevölkenmgsziff«(4 Millionen) mit dem Satz pro Kopf(100,8 Eier) multipliziert. Der Vergleich der beiden Ziffern spricht, wie schon qden festgestellt, nicht für eine Hebung d« Lebenshaltung. Das Klugzeug auf der Siraße. Gae gelungene RoNandaug. Gellem mittag um 12 Uhr landete in der Srvßb««enstraße m Marienfelde in bar Nähe der Fabrik von Stock«in Flugzeug. Der Flugzeugführ« reparierte seinen Motor und stieg wied« auf. Di« Polizei, die zunächst von Straß enpaffanten zur Landungsstelle gerufen war, konnte keine näheren Feststellungen treffen. Später stellt« sich h«aus, daß da» Flugzeug d« Flieger- schule Born« mann in Staaken gehört. Ein Flugschüler sollte heute einen größeren Ueberlondflug ausführen. In der Nähe von Marienfelde zwang ihn eine Motorstörung zur Landung. Er ist dann gegen Abend in Staaken wieder gc- landet und hat von seiner Notlandung berichtet. Erst durch die Feststellungen der Fliegerschule wurde die Polizei benachrichtigt, die dann die Nachsorschungen noch d« anfangs so geheimnisvollen Flugzeuglandung einstellte. Menschen, Göttern gleich... sj Roman von Herbert George Wells. „Zch habe auch Mr. Durleigh und Mr. Rupert Catskill erkannt, fiady Stella, aber ich wäre froh, wenn Sie mir sagen wollten, wer der junge Mann mit dem Monokel und der geistliche Herr find. Sie sind dicht hinter uns." Lady Stella gab mit leiser Stimme in einer entzückend vertraulichen Weise Auskunft. .Las Monokel," flüsterte sie.„ist— ich— buchstabiere— F. R. E. D. D. Y. M. 11. S. H., Geschmack, guter Geschmack. Er ist schrecklich tüchtig im Entdecken junger Dichter und all solch literarischen Zeuges. Er ist Ruperts Sekretär. Wenn es irgendwo eine literarische Veranstaltung gibt, ist er de- stimmt dabei, sagt man. Er ist fürchterlich kritisch und sar- kastisch. Wir waren eben im Begriff, zu einer hoch intellek- tuellen Sonntagsgesellschast nach Taplow zu fahren, ganz wie in alten Zeiten, d. h. sobald die Leute aus Windfor dazu gekommen wären. Mr. Gosse und Max Beerbohm wollten kommen und allerhand solche Leute. Aber heutzutage kommt immer etwas dazwischen. Immer... Das Unerwartete in fast übertriebener Weise... Der geislliche Rock"— sie guckte zurück, um festzustellen ob sie sich außer Hörweite des Herrn befand, von dem sie eben sprach,„ist Pater Amerton, der ent- setzlich freimütig über die Sünden der Gesellschaft und all solchen Kram predigt. Es ist komisch, aber außerhalb der Kanzel neigt er zu Schüchternheft und Schweigsamkeit und geht ein bißchen ungeschickt mit Gabel und Löffel um. Para- dox, nicht wahr?" „Natürlich! rief Mr. Barnstaple.„Ich erinnere mich jetzt, ich kannte sein Gesicht, aber ich konnte es nirgends unterdringen, ich danke Ihnen vielmals, Lady Stella." 3. Die Gesellschaft dieser berühmten und ausgezeichneten Leute vsrlieh Mr. Barnstaple neuen Mut und ganz bcson- ders di« Gesellschaft Lady Stellas. Sie war aber auch wirk- lich beruhigend: sie brachte so viel von der lieben alten Welt mit und war offensichtlich bereit, die neue Welt bei der ersten besten Gelegenheit den Regeln der alten unterzuordnen. An ihr prallt« ein großer Teil des Wunders und der Schönheit, di« Mr. Barnstaple gänzlich zu überwältigen drohten, voll- ab. Das Zusammentreffen mit ihr und ihren Freunden war an und für sich für einen Mann in seiner Stellung ein zwar geringeres, aber doch bemerkenswertes Erlebnis, dos dazu beitrug, den Abgrund de« Staunens zwischen der Langweile seines normalen Lebens und dieser allzu spanenden Lust Utopiens zu überbrücken. Daß auch Lady Stella und Mr. Burleigh die leuchtende Pracht um ihn her sehen und deuten konnten, und daß Mr. Freddy Mush sie durch sein krftisches Monokel betrachten durfte, machte sie faßlich und degradierte sie— wenn man diesen Ausdruck in dieser Verbindung gebrauchen darf— zu vollkommener Glaubwürdigkeit. Sie wurde dadurch auf das gleiche Niveau gebracht wie Erscheinungen, die in die Zeitungen kommen. Allein in Utopien wäre Mr. Barnstaple so völlig verwirrt worden, daß er geistig zusammengebrochen wäre. Die freie, sonnverbrannte Gottheft, die eben jetzt mit Mr. Burleigh Fragen austauschte, wurde durch die Vermittlung dieses großen Mannes dem Geiste zugänglich. Doch nun wurde Mr. Barnstaples Aufmerksamkeft durch einen gewissen Duft, der in der Lust lag, von den Limousinen- leuten auf die so prächtig aussehende Welt abgelenkt, in die er und jene gefallen waren. Was für eine Art von Lebe- wesen waren eigentlich diese Männer und Frauen einer Welt, in der, wie es schien, schädliches Unkraut aufgehört hatte, zwischen Blumen zu wuchern, und wo Leoparden ohne jegliche katzenartige Bosheit mit freundlichen Augen die Bor- übergehenden anguckten? Es war sellfam, daß die zwei ersten Einwohner, die sie in dieser Well der bezwungenen Natur gefunden hatten, an- scheinend als Opfer eines gewagten Experiments tot dalagen. Noch sellsamer war es, daß die anderen beiden, die sich selbst Brüder des toten Mannes und Weibes nannten, so wenig Kummer und Trauer angesichts der Tragödie verrieten. Es fiel Mr. Barnstaple auf, daß es keine rührende Szene, keiner- lei Bestürzung oder Tränen gab. Sie waren offensichtlich viel mehr oerwundert und interessiert, als erschreckt oder betrübte Der Utope, der in der Ruine zurückgeblieben war, hatte den Leichnam des Mädchens herausgeschafft, um ihn neben ihren Gefährten zu legen, und war dann, wie Mr. Barn- staple sah, zurückgekehrt, um die Trümmer des Experiments einer gründlichen Prüfung zu unterziehen. Nun aber erschienen mehrere dieser Leute auf dem Schauplatz. Es gab Flugzeuge in dieser Welt: denn zwei kleine Apparate, geräuschlos und schnell wie Schwalben im Flug, waren in den nahen Feldern gelandet. Die Straße entlang war ein Man» mit einer Maschine gekommen, die so aussah wie ein zweirädriger Zweisitzer, die Räder hinter- einander, nach Art eines Fahrrades. Sie war leichter und zierlicher als irgendein irdisches Automobil und war rätsel- hasterweise fähig, auf den beiden Rädern aufrecht stehen zu bleiben. Ein schallendes Gelächter von der Straße her lenkte Mr. Barnstaples Aufmerksamkeit auf eine Gruppe dieser Utopen, die anscheinend etwas außerordentlich Komisches am Motor der Limousine entdeckt hatten. Die Mehrzahl dieser Leute war ebenso kärglich bekleidet und wunderschön gebaut wie die beiden toten Fyrscher, doch hatten einige große Stroh- hüte auf und eine anscheinend öftere Frau von einigen dreißig Iahren trug ein weißes Kleid, das von einer grellroten Borte eingefaßt war. Sie sprach eben mit Mr. Burleigh. Obwohl sie an zwanzig Nords entfernt war, teilte sich ihre Rede mit großer Deutlichkeit Mr. Barnstaples Bewußt- sein mit. „Wir wissen bis jetzt noch nicht einmal, was für ein Zu- sammenhang zwischen eurer Ankunft in unserer Well und der Explosion bestehen könnte oder ob überhaupt irgendein Zusammenhang besteht. Wir müssen diese beiden Ereignisse erst untersuchen. Es wird das Vernünftigste sein, glauben wir, euch und eure ganze Habe nach einem passenden, nicht sehr weit von hier gelegenen Ort zu einer Besprechung zu bringen. Wir sorgen für Maschinen, die euch dorthin beför- dern sollen. Dort werdet Ihr vielleicht etwas essen. Ich weih nicht, ob Ihr gewöhnt seid, zu essen?" „Eine Erfrischung." sagte Mr. Burleigh, diesen Gedan- ken sehr gern aufgreifend,„eine kleine Erfrischung in nicht allzu langer Zeit wird sicherlich willkommen sein. Wären wir nicht so Hals über Kopf aus unserer Welt in eure ge- raten, so hätten wir um diese Zeit gefrühstückt— in bester Gesellschaft gefrühstückt." Wunder und Lunch," dachte Mr. Barnstaple. Der ist ein Lebewesen, das notwendig essen muß, ob er von Wundern umfangen ist oder nicht. Mr. Barnstaple merkte, daß er in der Tat schon Hunger verspürt«, und daß die Lust, die er einatmete, scharf und appetitanregend war. Die Utopin schien von einem neuen Gedanken erfüllt zu werden.„Cht Ihr mehrmals am Tage? Was für Sachen eßt Ihr denn?" „Oh. Begetarianer sind wir nicht, das ist sicher!" rief Mr. Mush, heftig sich verwahrend, dazwischen,- indem er sein Glas aus der Augenhöhle fallen ließ. Sie waren alle hungrig. Man sah es ihren Gesichtern««. (Fortsetzung folgt.) Kall Nefgmann/Iacoby. Die vervielfältigten Empfehlungsschreiben. Siaatsanwalischosisrat Dr. Zacoby I, der gestern mittag noch eine Deschwcrdeschrisl an die zuständigen Stellen eingereicht hatte, erscheint inzwischen Immer mehr belastet, tts ist nämlich scsigeslellt worden, dost die von ihm gezeichneten günstigen Auskünfte über Bergmann nicht etwa ia einzelner Aussertigung, sondern gleichlautend aus mechanisch vervielfältigte weise an die Anfragenden versandt worden sind.— Die an anderer Stelle des Blattes mitgeteilt wird, ist Dr. Jacoby bereits verhaftet worden. Vorgestern morgen erwähnten wir, daß sich auch ein Major von ch in den bürg unter den Kunden Bergmanns befindet. Hierbei Handeltes sich nicht um den Sohn des Reichs- Präsidenten, sondern um seinen Neffen, Gerd o. Hindenburg, den Sohn einer Schwägerin des Reichspräsidenten. Sie ist die frühere Besitzerin des Gutes Reudcck in Ostpreußen, des Stamm- gutes der Familie von Hindenburg. Im vorigen Jahre war Neu- deck, wie man sich erinnert, von Industriellen und Großagrariern er- ivorben worden, um dem Reichspräsidenten zum 80. Geburtstag als Geschenk überreicht zu werden. Der Major Gerd von fjindenburg hat nun 40 000 bis 30 000 Mark des Erlöses beim Lombard- und Lagerhaus Berginann angelegt, die heute als verloren gelte» können. Herr v. Hindenburg erfuhr von dem Zusammen- bruch Bergmanns in München und versuchte nun, durch einen Arrest auf die Lergmannsche Billa sein Geld zu retten. Angesichts der, zahlreichen Gläubiger dürfte aber dennoch der größte Teil des Geldes verloren sein. Nicht ohne Interesse ist ez, daß der Geschäftsleiter der Ham- burger Filiale Bergmanns ein früherer Landgerichtsrat aus Altona ist. Er war später als Rechtsanwalt tätig, wurde dann aber wegen Geistesschwäche entmündigt. Trotz seiner Geistesschwäche aber besaß er wegen seines Titels „Landgcrichtsrat" die nötigen Fähigkeiten zum Filialleiter der Firma Bergmann. Trübe Aussichten für die Gläubiger. Das Lombard- und Lagerhaus ist am gestrigen Mittwoch erneut von Venrelern der Umersuchungsbehörden besichtigt worden, wobei versucht worden ist, zunächst den Wert der dort eingelagerten Waren festzustellen. Slaatsanwaltschaftsrat Schumacher, der die gesamte Untersuchung leitet, und Landgerichrsrat Stöcke!, der die Ber- nchmnngen leitet, werden mit Hilfe des Konkursverwalters Schuster zunächst versuchen, einen Status aufzustellen. Der wertvollste Teil des Lagers besteht aus echten Teppichen, die einen Wert von annähernd mehreren 100000 Mark reprä- sentieren. Daneben finden sich Waren aller Zlrt, auch eine Ge- weihsommlung, die besonders seltene und kostbare Stücke enthält. Die Frage ist jedoch, wieweit dies« Waren als Konkursmasse bc- lrachtct werden können. Bekanntlich hat Bergmann die ihm anoer- trauten Güter mehrmals weiter ocrpfändet, um immer wieder Geld zur Auszahlung der Zinsen für die Kreditgeber heranschasfen zu können. Nach den bisherigen Schätzungen der mit der Prii'ung des Status betrauten Personen hat der Eingang aus Lombard- oder Pfandzinsen kaum ein Zehntel der Summe betrogen, die Bergmann zur Auszahlung der hohen Zinsen seiner Kreditoren benötigte. Die Stonisanwalrschast legt Wert darauf, daß sich alle Personen melden, die jemals Einlagen bei Bergmann g e- m o ch t oder Geschäftsleute, die mit ihm in finanzieller Verbindung gestanden und namentlich Lombardscheinc erhalten haben. Der Kon- kursverwalter wird gegenwärtig noch immer von Geschädigten über- lausen, hie ihre Forderungen' anzumelden bestrebt sind. Es läßt siäji-iedoch nicht vermeiden, daß die Ovser Bergmanns vsrnymmei� werden, um festzustellen, inwieweit Bergmann oder fein Sozius Sälinger, bzw. der Prokurist Kraatz sich jchludig gemocht haben. Bergmann ist gegenwärtig bestrebt, alle 3 ch ü l d o ti f Salin- ger abzuwälzen und behauptet, daß dieser die Fälschung der Depotscheine hinter dem Rücken seines Sozius verübt habe. prügelnde polizeibeamle. Ein unglaublicher Vorfall. Lugendliche Revolverhelden. Scharfe und Schlabbach vor Gericht. Der Sachoerhalt dieser Räubergeschi'chte ist ebenso einfach wie tragisch! Scharfe, der 21jährig« Fürsorgezüchtilng, wie er sich nennt, hat dein löjährigen wohnungs- und arbeitslosen Schlad- dach in seiner Klause Unterschlupf gegeben. Schon am ersten Morgen sagte«r, er wolle sehen, ob er„H e r z" habe. Sie begaben sich beide auf das Postscheckamt, beobacht-tte» hier, wie eine junge Dame Geld abhob, bestiegen zu gleicher Zell mit ihr die Straßenbahn und folgten ihr in die Goethestraße. Hier streute Schlabbach dem jungen Mädchen, das sich später als die Sekretärin eines Jugend- heims, Fräulein L c s s in g, herausstellte, Salz in die Augen, ciitrlß ihr die Aktentasche und ergriff die Flucht. Bon den 4 3 0 Mark, die er in der Aktentasche fand, schickte er 30 Mark seiner Miiltcr nach Düsseldorf, steckte 5 Mark zu sich und brachte den Rest Scharfe. Beide kleideten sich ein, und am Abend ging es a»s die Bierreise. Scharfe nahm seine Braut mit. Man besuchte das Klino, fuhr ausgiebig Auto, trank>n verschiedenen Restaurants Bier und war gerade im Legnss, nachdem man Scharfes Braut nach Haufe gebracht, hatte, einen Nochtbunimel zu unter- nehmen, als etwas ganz Unerwartetes geschah. Schlad- dach hatte im Restaurant einem fremden Herrn einige Glas Bier spendiert. Schorfe geriet darüber in Wut und gab Schlabbach einige Ohrfeigen. Dieser setzte sich zur Wehr, die Gäste nahmen für ihn Partei, und so drohte ein Handgemenge zu entstehen. Schars« zog s e i n c n Revolver und Schlabbach, der das Lokal schleunigst vcrlafie» hatte, hörte hinter sich plötzlich einige Schüsse falle». Im nächsten Augenblick stürzte auch-scharfe aus die Straße, rief dem Schlabbach zu:„Ha st du dein Ding?" Jetzt schoß auch dieser auf die Bersolger. Beide entkamen. Das Ergebnis des Feuer- gefechts waren: 1 soter, k Schwervcrlctzter, der einige Tage darauf starb, und 2 weitere'Verletzte. Scharfe und schlabbach wurden bald darauf verhastet. Nun kam mau einer ganzen Reibe von Verbrechen auf die Spur. Davon erzählte gestern im Gerichtssaäl mit großer Ruhe der Isisährige Schlabbach, dcm Aussehen»ach noch ein Knabe, dem man all die von ihm verüble» llel>ettaten kam» zutrauen würde. Schlabbach bat seinen Vater im Kriege verloren. Seine Mutter, die an der Düsseldorfer Smiß.nbal)» veschäsrigr war, konnte sich um den Jungen »icht kümmern. Im Alter von 0 bis 12 Jahren hielt er sich im Kloster„Die gute» Frauen" auf. Später kam er zu einem Onkel nach Hamburg. Dann kehrte er nach Düsseldorf zurück und wollte Kellner oder Page weiden. Die Mutter brachte'ihn zu einem Tischler in die Lehre. Später kam er zu einem Autoschlosser, dann arbeitete er als Aushilfskellner. lk>23 bräunte er nach Berlin durch und wurde von der Wohlsahrtsstelle im Polizeipräsidium in Schutz- hast genommen und noch Düsseldorf zurückgeschickl. Im Juni 1927 kam er wieder nach Berlin. Er quartierte sich bei einem Landsmann Jung ein. Und nun begann die Verbrecherlaufbohn. Das erste, was die arbeitslosen Burschen taten, war ein Raub- übersallauseinjungesMädchen.bei dem sie 3 0 M a r k erbeuteten. Dann begingen sie eine große Anzahl von Ein- brücheu in Tennis- und Ruderklubs. Zeitweilig verband sich Schlabbach bei seinen Raubzügen mit zwei anderen gleich- allrigen Burschen, einem Düsseldorfer und einem Breslauer. Man beging eins Reihe von Manteldiebstählen. Schlabbach verdingte sich als Aushilfskellner und ging mir der emkossierten Tageslöhnung durch. Was man erbeutete, wurde verlebt. Dann lernt« Schlob-' lnich seinen Komplicen Scharfe kennen, der auch schon früher in> Wieder gelangt uns ein Fall zur Kenntnis, in dem Beamte der Schutzpolizei einen wegen eines Verkehrsoergehens festgenommenen 20iährigen Arbeiter, Erwin O. aus der Dolziger Straße, aufs schwerste mißhandelt haben. Der junge Mann, der uns gestern in der Redaktion aufsuchte, macht« einen beklagenswerten Eindruck. Gs- ficht entstellt, Hände angeschwollen. Rur schwer und stark hinkend kann er sich fortbewegen. Infolge der Gesichtsschwellung, die von Schlägen mit dcm Polizeiknüppel herrühren soll— die Lippen sind durch einen Hieb über den Mund von innen geplatzt—, sollt dem Arbeiter, ber nur von kleiner, untersetzter Slatur ist, das Sprechen sichtlich schwer. Roch seinen Mitteilungen ist er Sonntagnacht in der Oranienstraße von zwei Polizeibeamten, die sich auf einem Patrouillengang befanden, bei der Festnahme so zugerichtet worden. Er macht zu dem Roheitsakt, der kaum glaublich wäre, wenn nicht zahlreiche Verletzungen für sein« Angaben spräthen. folgende Angaben: Um 22 Uhr durchfuhr er, auf einem unbeleuchteten Fahrrade sitzend, die Oranienstraße. Aus dem Gepäckständer des Rades saß sein Freund. An der Ecke Adalberistraße wurde O. von zwei Polizei- beamten zum Hallen veranlaßt. O., der sich nach seinen Angaben in schneller Fahrt durch die Straße bewegte, konnte nicht augenblicklich bremsen, zumal er noch einen Begleiter auf dem Rade hatte. Er fuhr noch einige Meter weiter. Die Beamten eilten hinterher und rissen O. vom Rade, so daß er aus den Fahrdomm stürzte. Sein Begleiter fiel cbensalis zu Boden. Bei der Feststellung der Per- sonalien kam es dann zu der Mißlfandlung. O.(der sich vennutlich widersetzt«— Red. d.;,8}.") wurd« im Genick gepackt und sollte den Weg zur Wache antreten. Auf seinen Einwurf, daß er ohne Rad nicht fortgehe und das auf dem Boden liegende Fahrzeug aufheben wolle, um es mitzufübren, zogen die Polizeibeamtcn plötzlich ihre Gummiknüppel und hieben auf den Festgenommenen ein. O. setzte sich zur Wehr, und in dem nun entstehenden Handgemenge wurden ihm, nach seinen Angaben, die Sachen vom Leibe gerissen. Dann wurden ihm die Hände über den Rücken zusammcngehatten. Unter Fußtritten brachte man ihn nach der Rcoierwach« in der Adalberlstraße. Nur mit der Hose bekleidet, wurde der Berhastetc später in eine Zelle geführt, wo er die Nacht verbringen mußte. Nach seiner Entlassung begab sich der Mißhandelte am Montag zu einem Arzt. Ueber die Untersuchung liegt uns folgendes ärztliche Attest vor: Der Buchdrucker Erwin O., 20 Jahr« alt, Dolziger Straße 27, ist überfallen und sehr schwer mißhandelt worden. An Rumpf und Gesicht, sowie Hinterkopf sind viele schwere Hiebnarben szwölf) feststellbar, die von Stock- schlagen herrühren. Das Gesicht ist entstellt, die Lippen innen ge- platzt, die Zähne lose. Der Ueberfallene ist heute früh 10 Uhr vollkommen schwindlig. Nachträglich gibt O. an, von Polizei- beamten nüßhmtdell worden zu sein. 30. Januar 1928.(Stempel des Arztes.) Unterschrist. Wenn sich die Vorgänge tatsächlich so verhalten haben sollten, wie O. sie darstellt, ist es selbstverständlich, daß der Polizei- Präsident sofort eingreisen und das Nötige vcr- anlassen wird. Schon mehrmals Hot Polizeipräsident Z ö r- g i e d e l und auch der Minister des Innern G r z e s i n s k i, bei ähnlichen Delikten energisch durchgegriffen und die Schuldigen un- nachsichllich zur Rechenschast gezogen. Im November v. I. berichtete der„Vorwärts" über eins Miß- Handlungsaffäre auf einer Polizeiwache in Berlin O. Ein Schupo- beomter hatte einen zur Wache geführten Arbeiter in den Wasch- räumen so schwer geohrfeigt, daß der Mißhandelte«ine boträchttichc Berminderung seiner Hörsähigkcit erlitten hatte. Der Beamte wurde seines Dienstes enthoben, und die Akten wurden unverzüglich der Staatsanwallschast übergeben. Diesen Vorgang nahm der Polizei- präside, ck seinerzeit zum Anlaß, in einer Mitteilung an die Presse folgendes zu erklären:„Es gibt kaum etwas Schimpf- licheres, als Menschen, die sich in der Gewalt der Polizei befinden und sich freiwillig oder un- freiwillig in die Hände der Polizei begeben haben, zu mißhandeln. Die Oesfentlichkeit darf überzeugt sein, da ß rücksichtslos«in geschritten und joder Schuldige zur Rechenschaft gezogen wird. Hier steht mehr auf dem Spiel als die Sühnung eine? bedauerlichen Einzelfalles— hier handelt e s s i ch um die Wahrung des Ansehens der Berliner Polizei." Es ist zu hoffen, daß der Polizeipräsident nach genauer Untersuchung dieses neuen Falles ebenfalls energisch durch- greisen wird. ähnlicher Weise andere junge Leute„betreut" hatte, und beide begingen den Raubüberfall in der Goethestraße, der ihnen Verhängnis- voll werden sollte. Scharse, der bereits achtmal vo r b e st r a f t ist, war als zehn- jähriger Junge in die Fürsorgeansialt gekommen. Er lief immer wieder davon, wurde von seinem Voter nach dessen Rückkehr aus dem Kriege aus der Fürsorgeanstolt genommen, der Junge hielt sich aber nicht, beging immer wieder kleine Unredlichkeiten, kam erneut in die Fürsorgcanstatt, der er immer wieder entlief. Scharfe bestritt gestern, den Schlabbach zum Raubübersall angestiftet zu haben. Der Raub- Überfall wird morgen Gegenstand einer besonderen Gerichtsverhand- liing sein. Er bestritt auch, den Be.zirksvorsteher Schulze ge- tötet zu haben. Di« Beweisanfnohme siel aber gegen ihn aus. Der Staatsanwalt beantragte für Scharfe eine lAejanttstrafc von 11 Jahren Zuchthaus und 3 Iahren Ehrverlust: für S chl a b b a ch 6 Monat« Gefängnis, oo» denen 2 Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet werden sollen, Das Schwurgericht nahm in olletr vier Fällen Tost schka g und versuchten Totschlag an bzw. erschwerten. Totschlag und er- schwerten Totschlagspersuch und veri.irteilte O t t v E ch o r f e zu einer Gesamtstrafe von 12 Jahren Zuchthaus und 5 Iahren Ehrverlust. Der Angeklagte Joseph Schlabbach wurde wegen versuchten Totschlags unter Zubilligung mildernder Umstände zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt, scharfe schrie nach der Urteilsverkündimg:„Ich bin unschuldig, Schlabbach, du hast mich auf dem Gewissen!" Er warf sich dann in einem Wutcnisbruch auf den Fußboden. Zwei Justizwachtmeister mußten den Tobenden aus dcm Saal schleifen._ Der Gautag der Polizeibeamten. Im weiteren Verlauf des ordenttihcn Gautagcs des Verbandes preußischer Polizcibeamten e. 23., Gau Graß-Berlin, im Logen- restaurant, Kirchhofstr. 2 rn Cl)orlottenburg, gingen noch.zahlreiche Anträge ein, deren Erledigung den größten Teil der Tagung in Anspruch nahm und die Antragskommissinn intensiv beschäftigte. Die eingereichten Anträge wurden von den Delegierten zum größten Teil mit wenigen Abänderungen angenommen. Am Zwesten Tage wur- den im Laufe des Vor- und Nachmittags zwei wichtige Punkte erledigt. Die Annahme des Haushaltplans und die Neuwahl des Vorstandes. Zum 1. Vorsitzen- Öd e n wurde der altbewährte Führer Ganz einstimmig wie- dergewählt. Als 2. Vorsitzender wurde der Fachgruppenleiter der Kriminalpolizei B a r k h o s und als 3. Lorsitzender Poiizeihcmpl- Wachtmeister Wo rm(Schupo) gewählt. Besonders erfreulich war die Einstellung der Delegierten in bczug aus die Vertretung der Schupo im Bor st and.— Die Tagung, aus der an beiden Sitzungstagen viel Arbeit geleistet worden ist und einen ausge- zeichneten Verlauf genommen hat, endete gegen 3 Uhr nachmittags und ttang in einem Hoch auf den i&crband preußischer Polzzeibe- amter und auf die Republik aus. Die Mitgliederzahl des Gaues ist in einer fortfchreiterchen Auf- wärtsbewcgung begriffen. Die Mitgliederzahl, die am letzten Gau- tage im August 192S 12 300 betrug, ist inzwischen aus 13 000 an- gewachsen. Ein Beweis, daß die Aufklärung über den Wert einer Berussorganifation in die weitesten Kreise der Polizeibeamtcn Groß- Berlins eingedrungen ist. Ein trauriges Abendprogramm. Einer köstlichen Stunde, in der das Havemann-Ouartett Schubert spielte, ging unter dcm Titel„5)citeres" eine sehr minderwertige Beranstaltung voran. Erfreulich war die Uitterhaltungsstunde der Iugenddühne. B e l a B a l a z s Märchen„lllom richtigen Himmelblau" war eine echte Kindergeichichte, leberbig und natüilich aus einer kindlichen Erlebniswelt heraiisgcstaltet. Elisabeth e u m a n n wußte sie lieb und selbstverständlich zu erzählen.— Or. med. Albert Huthmann jprach in einem Vortrag über die Zusammenhänge von„Geburt und Aberglaube". Er zeigte, wie schon in den frühesten Zeit der Mensch versuchte, aus das Wunder der Geburt Eilrfluß zu gewinnen. Er wollt« durch allerlei seltsame Bräuche vor allem das Geschlecht des erwarteten Kindes vorher bestimmen oder beeinflussen. Von diesem Aberglauben hat sich manches in unsere Tage erhalten. Aber einzig eine gesundere körperliche und seelische Verfassung der Mutter bietet bis zum gewissen Grade Gewähr für die Gesundheit des Kindes. Dr. I. E. P o r i tz k t wies in seinen Darlegungen über„Dos Mysterium der Masken" daraufhin, daß die Sehnsucht, sich zu maskieren, etwas durchaus Natürliches ist: denn in der Maske nur wagen die ineisten Menschen unserer Tage, die Schablone zu durch» brechen und das zu scheinen, was sie sind oder sein möchten. T«s. Oer Hauszinssteuerskandal in Preußen. 80 Millionen Mark Verdienst für Einziehung der Hauszinssteuer in Berlin haben die Berliner in- und ausländischen Hauseigentümer durch die bis jetzt stattgefundene Berechnung� der Hauszinssteuer gehabt. Der Mieter muß mit seiner Miete 48 P.v.z. Hauszinssteucr zahlen, während der Eigentümer die Haus.zinssteucr mit einem prazentuolen Zuschlag zur Grundvcrinögenssteiier zu .zahlen hat. Der Zwifchenoeichienst ist in obiger Summe enthalten. Den verarmten Renmern, Kranken, Erwerbslosen u. o. wird die Hauszinssteiier nur so weit gestundet, als der Eigentümer selbst .Haus.zinsstener abliefert, so daß dem Eigentümer sein„23erdicnst" stets verbleibt. Die Stadt Berlin muß von der eingehenden Hauszinssteucr einen großen Betrag für Wohirbauzwecke an den preu- ßiichen Ausgteichssonds abliefern, so daß der Stadt Berlin.zur Linderung der Wohnungsnot im'Verhältnis.zum Aufkommen der Steuer recht wenig verbleibt. Ueber dieses Thema wird Genosse Landtagsabgeordneier Meyer-Solingen und'' Genosse Dzicyl' wird über den M i«berf ch u tz ab b au in dem.am 8. Februar t9S8 19'b Uhr im großen Saal des Gewerkschostshanses, Engeluser 24/25, stattfindenden Kundgebung resrerieren. Diese Kundgebung wird vom Reichs bind Deutscher Mieter e. 23., Verband Verlin, Allgemeinen Deutschen GewerkschastÄ'und. Ortsausschuß Berlin, Allgemeinen srccen Zlnqestelltenbund, Ortsartcll Berlin, u. a. einberusen. „Die indische Genosse Furtwängler sprach am Dienstag in einer Neuköllner Mitgliederversammlung über das Thema:„Die indische Frau". Er brachte den fremden Gebräuchen viel'Verständnis entgegen. Genosse Furtwängler schilderte das Los der Inder in sozialer Beziehung als äußerst ungünstig. In dem Land, dos zehnmal so groß ist wie Deutschland, kommen auf 1000 männliche Einwohner etwa 930 weibliche Von sämtlichen Teptil- und Bergwerksarbeitern sind aber zwei Fünftel Frauen. Der durchschnittliche Togeslohn beträgt etwa 40 Pfennig. Frauen werden deswegen vielfach als Lasttrog« rinnen verwendet, weil es kaum eine billigere Ardettskraft geben kann. Es gilt als eine Schande, Witwe zu sein. Es gibt ober viele Frauen, die Witwen werden, bevor sie wirklich verheiratet sind, da die Heirotszermonie von den Ettern sehr früh vollzogen wird. Man ist sehr heirats- willig in Indien: Junggesellen erfreuen sich keines guten Ansehens. Die Ausführungen wurden von sehr guten Lichtbildern begleitet. Amerika in der Skala. Abschiedsnachtkonzert Jack Hiltens in der Skala, oder, anders gesagt, eine und eine halbe Stunde musikalischer Frohsinn, in die sich leider ein Tropfen Wervnu mischt, weil der beliebte Musiker nach einem kurzen Gassspiel Berlin schon wieder verläßt. Das ganze Konzert gestaltete sich ZU einer«in- zioen Ovation für den Künstler, man klatschte, trampelte, brüll-e und klatschte wieder. Und mit Recht. Es wird unbedingt seder, auch der Gegner der Jazzmusik, von dem musikalischen Rhythmus mitgerissen.— Jack Hilton dirigiert nicht nur, er steppt, tanzt, singt, und mit ihm alle sein« Leute. Sein ganzer Körper ist mit Mm'ik angeiüllt, und dies ist auch der Grund, warum durch seinen Einfluß jeder seiner Solisten sein Bestes hergibt.— Was jeder ein- zelne seiner Künstler leistete, tonnte man an den«olonummern erkennen. ?ezirk»blldvvg»ovsschuß. Thcalervorslevung am Sonntag, dem?. Fe« broac. nackmiilnq? 3 Uhr..Die G« i ch wt ste r'. Schauipiel van Moetbe. „Der zerbrochene Krug". Lnftipiel von Heinrich« Messt. Kaitm i 1.20 M. in allen bckannlcil Bei kautsslellen.— Nächst« Feier stunde am Sonnlag. dem 12. Februar, vorm. 1> Nbr. im Großen Schau?vielban-?. „?ichlz«vnk>ii»deitachti!vdvieiiig" tachlziglter FahreSiag der Revolution ran Id48). ÄZitwiilende der iv> echchor slir Proletarische Feierstunden nnicc Leilling von Alderl Flvralb. Mitglieder vom ZtagtSIbeaiec. Berliner Lendvni- Cbor sMännerchor). CintrillspreiS t M. Kartei! in den bekannten Per- kaui-Zstellen.— Sternwarte Treptow. Karlen jmn ermävigleu Preise von 60 Pf. für alle Plätze sind im Bureau des BczirksbUduilgsaus- (chufles zu haben. Darmstörungen als Folge von Magenleiden. Darmstörungen rühren oft von Magenkrankheiten her, die man vernachlässigt hat. Dadurch, daß der Magen nicht richtig arbeitet, können Darmbeschwerden entstehen. Wenn Sie also in den Ge- därmen den leichtesten Schmerz verspüren, so achten Sie darauf, denn die Folgen können ernste sein. Nehmen Sie'A Kaffeelöffel Biserirte Magnesia in etwas warmem Wasser ein. Biserirte Magnesia neu- Iralrsiert de» Ueberschuß der Säure im Magen und ermöglicht natürlich« und gründliche Verdauung der Speifem Wen» Sie auf ein« schmerzlose Arbeit des Magens achten, werden Sie vcr Darmstörungen bewahrt werden. Biserirte Magnesia ist in jeder Apotheke erhältlich Wichtig! hüten Sie sich vor Nachahmungen und bestehen Sie daraus, nur die eckte Biserirte Magnesia zu erhalten, die den Namen Bismag Ltd. London trägt. fttei» Per», lauer Bar»! Morgen uni> SanuabenÄ um 17 u»� W? Udr täufi utt Vartraussaal kcs Bezirksamtes Danziyer Str. 62 der Film �.«tinderrcpublik Ecekam?", dazu nach zmei andere Film«. Tin- iU; tritts preis für Binder 15 Pf., für örwochfene 40 Pf. Barten sind noch W zu Kaden bei den Leitern der Bindrrgruvpen, im Kort Danziger= itroßc M(Baracke) und bei Helmuth Förster, Lornholmcr Str. 19, Laden. Iß} M. und 48.«bi. 50 Hit i« Tliesing» Festsäle», Wafferkorstr. 88, LffentNch« Dcriammluug zur errilhtimg einer Weltlichen Schule. Ziege Beteilig»», wird erwartet. 87. Abt.«eunewald. 20 Uhr im Dahndafsrestaurant Grunewald(Würz. dachet) Abteilungs- und Vorstondsütiung. Schöneberg. 77. Abt. 20 Uhr bei Iiiracns, Barbarossastr. Z», wichtige Funk- tionärsttzuna.— 70. Abt. Pünktlich 20 Uhr bei Arndt, Beutzener Str. 10, ssunktinnärsitzung. Wichtige Tagesordnung. Ersncn aller Funktionäre dringend erforderlich. 81. Abt. Fried«»-». 20 Uhr bei Blab«, Kanb>eriistr. 80— dl. Funktionärs, tzung. Ausgabe des Mitteilungsblattes. Erscheinen oller Funktionäre erforderlich. Werbe» Demonstration mit Fackelzug und Musik am Sonnabend, d. 4. Februar Treffpunkt: 171/, Uhr Kleiner Tiergarten. Transparente und Fahnen sind mitzubringen! Erscheint in Massen! SPD. 2. Kreis Tiergarten SPD. Oeffenilicfae Kundgebung am Freitag, dem 3. Februar, um 19 Uhr in der Aula des Lqiscnsf&dtfwfacB Gymnasiums, Czleimstr. 49 IIIIIIIII Thema: Das Kampffahr 19Z8||||||||| llilllill Referent: Ernst HeQmann, M. d- L. IIIIIIIII Männer and Fmaen, erscheint In Massen! SPD.— 4. Kreis Prenzlauer Berg; ZteukZI». 80. Abt. 19H Uhr Vorstands- und Funktionärfitzung bei Srommek. Sanderstr. 10.— SO. Abt. 20 Uhr bei Schabeiko, Wei'chfeiftr. Z. wichtige Funttionärsttzuna.— 0Z. Abt. IS'ch Uhr bei Zimmermann. Stuttgarter mtraße 4l, FunktionSrsttzunq. Jeder Bezirk muh vertreten fein.— 08. Abt. ISVi Uhr bei Lohann, Wipperstr. 18— 10, Borstands- und Funktionär- sttzung. 124.«dt. Mahlsdorf. 20 Uhr im Lokal Breidau, KSnower Str. 40, Funktionär- sttzung. Da ZZcinvahlen bevorstehen, Erscheinen sämtlicher Zunktionärr m unbedinat erforderlich. 128./130. Abt. Pankow. IS'/. Uhr bei Meehs, Berliner Stratz«, Ecke Linden. promenad«, Funktionärsttzung. Di» ncugewählten Fritungskoinmisstons- Mitglieder haben unbedingt am Freitag an der Bcrsommlung im Gewerk. schastshaus,. Engeluser 24— 2ä, Bleiner Saal, um 1l»r Uhr teilzunehmen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei« Organisation j Bezirksausschuh für Arbciferwohlfahrl: 2. Brei» rieegarten. 8. Abt.- Freitag. 8. Februar, l»-4 llbr, bei Schefsler. BUlowftr. Beginn des Echiilungslursus mit einem Vortrogs- und Aus- foracheabend: �Einfllhr.ung in die Sozialpolitik." Refereniin Genossin Begierungsrötin Hedwig Wochenheim. Alle Genossinnen und Genossen sind herzssckft eingeladen. 3. Brei» Wedding. Heute, Donnerstag, IStb Uhr, im Sitzungssaal des Ledigenheims iochsnstedtstr. 1, Schulungskurlus. Thema:„Die gelundheit- lichrn Ursviden der Gesährdetensürsorge." Referentin Genossin Dr. med. Bäte Franienthal. Alle Genossinnen und Genossen sind eingeladen. 4. Brei« Pre.zlaure Berg. Heute, Donnerstag. 2. Februar, ld'ch Uhr. im Altersheim Danziger Str. VT, Schulungsiursus, Thrma:„vchutzaufstck't „od Fürsorgeerziehung." Reserenti» Genossin Dr. Hellinger. Um zahl- . reiche Beteiligung wird gedete». 8. Brei» llreuzberg. Freitaa. X. Februar, 19 Uhr. bei Wolf, Kraefestraste, Ausschuhsltzüng. All« Adreilunac»»rtlslen unbedingt vertrete» sei». 17. Brei» Llchte-derg. Freitag. 8. Februar. lStb Uhr, im Ratbau, Lichtende«. Schulungsknrsuz. Thema!„Da» Arb-itsgerichtsgesetz." Referent Genosi« Düring(AjA). Alle interessierten Genossinnen UN» Gen ose Ii find ein» .geladen. � - Killderfreunde Groh-Lerliu: Brei, Brcuzbarg. Barichtignngl Die Kelscrsitzung heut« gilt»ur fitr die Gruppe Südost. 24. Abt, Unser Gevosie Richard Schirge ist plötzlich und Uncrmartet verstorben. Ehre seinem Andenke»! Einäscherung am Freitag, Z. Februar. 14 Uhr, im Brematorium Gerichtstraste. Wir erwarte» recht rege Beteiligung. 110. Abt. Grüna». Unser Genosse B r i e n, Leiter der Ortsamtssteue in Grünau, ist verstorben. Ehre feinem Andenken! 00. Abt. Einer der ältesten Parteigenossen Neuköllns, Genosse Wilhelm Grog er,«erstarb im Brankcnhouse Buckow im Alter von 77 Jahren. Ge. nosse Kroger gehörte der Partei seit 1883 au und hat bis zum Tage frinei: Erkrankung seine Parteipflichten mit seltener Gewissenhastigkcit erfüllt. Die Einäscherung findet am Freitag, 12 Uhr, im Brematorium Baumschulen- weg statt._ Sozialistische Ardeiterjugend Groß-Jerlm. B..B.-Sitzung pünktlich 18 Uhr. Ableilungsmikgliederverfammlullgen. Donnervkag. 19� Uhr: Norden: Heim Lortzina», Ecke Graunstrasts.— Fallplatz I: Schuir Ebers- walbcr Str. 10.- BSllnilchrr Park: Heim Engclufcr 24.— SchS»ha»Icr Bor. stadt: Schule Dricscner Str. 22.— Frankfurter Viertel: Helm Litauer Str. 18 i Funktionärversaarmlmig).— Warlckaacr Viertel: Heim Tilsttcr Str. 4 (Funtttonärpersammlung).— Biipeaicker Biertrl: Schule Wrangelstr. 128.— Sübaieft: Heim Lindenstr. 4, v. l Tr.— Schöneberg III: Heim Houptstr. 13.— Lankwitz: Schule Schulstroste.— Witteaan: Heim Rosenthaler lotr. Id. Werbe bezirk Osten, Aelterrngrupp«: Alle Genossinnen und Genossen treffen sich um 19 Uhr Wetcrwiesc, Normaluhr. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Ueicksbanner.Sdinrnp Uot-Gold' Geschäftsstelle: Berlin 6. 14, Sebastianstr 37,58, Hof 2 Tr. Freitag, Z. Februar, Prenzlauer Berg: 20 Uhr erweitert« Bor- liaiidssltzuiig bei Burg, Prenzlauer Allee. Brenzberg: 18 sh Uhr frei- williae Beteiligung am Ummarsch in Tcmpelhof. Antreten Do:'. Eck« Neue Straße(westlich der Berliner Straße). Tempclhas: 1891 Uhr Antretrn zum Ummarsch in Tempelhof, Neue, Ecke Dortstratze. Banmichnlenweg, Bamerod- sckmft: 19'4 Uhr Persammlung bei Porqnionn. Bortrag Barnerad Hans Linde. mann:„Der Bampf für die deutsche Republik in Argentinien." Mohlsdorf! 20 Uhr Sportaoend bei Anders, Bahnhofstrostc. Erscheinen oller Bainerodon f flicht. Mitte: 20 Uhr Radfahrerzug Antreten Neuer Markt.— Schöneberg- riedenan: Die fitr Freitag, Z. Februar, angesetzte erweiterte Porstandssitiunz lux fjuvizuuz s- jy*-ut.uui-» u.iiy«:(t»vi.c vLUjz.lu.i.iw,«jui ihj.-j ist auf Montag, 6. Februar, 20 Uhr, vertagt.— Friedrichsbain, Bomeradschoft Frankfurt: Sonnabend, 4. Febrnor- 19 Uhr, gemütliches Beisammensein aller Bamevaden bei Döring, Rigaer Str. 40. Bund für Mutterschutz. Plütterheim und AuÄunflsstclle: Berlin. Wilmer?. dors, Uhlandstr.>48. Sprechzeit werktäglich lü— 13 Uhr, auster Mittwocks. Ehe- und Serualberatungsstcllen: Bezirksamt Friedrndshain, Perlin S., Schillingflr. 2, Donnerslags Ist— 2l Uhr. Bezirksamt Breuzberg, Berlin SW., Am Urban 1<>— 12, Mantaas 19—20 Uhr. All« Beratungen sind kostenlos. Zidifch« f.zialdemotratilche Arbeitcrorganifation Poalc Fion. Ortsgruppe Berlin. Donnerstag, 2. Februar, 20), Uhr. im Saal der Illdiscken Gemeinde, Rosenstr. 2— 4(Nähe Bahnhof Börse), äfsentlicke Persommlung. Genosse Dr. Gutmann:„Die Prolrtaristerung im deutschen Judentum." Gäste will- kommen. Deutsch« Zierschntznerei». Freitag, 3. Februar, 20 Ul>r, Hohenzollrrn�äl«. ZTW., Bandelstr. 38, Versammlung. Maro. Nutz:„Das Leid der herrenlosen Batzen." Tierschutzinspektor Steinhaner:„Die Tä'igte.it der Tierschutzlnspektnren beim Deutschen Tierschutzverein zu Berlin." Gäste willkommen. Eintritt frei. Neuköllner Mnsiioercioigung 1912. t. B. Dirigent: Walter Iudersleben. Uebungsabend Mittwochs von 20�»— 23 Uhr im Dcrcinslokal, Neukölln, Ber- liner Straste 00. Arbeitet-Samariter-Bolanne Berlin. Geschäftsstelle: N. 24, Große Ham- burger Str. 20, Telephon: Norden 3340. Abt. Reinickendorf: Mitgliederversammlung Douncrstag, 2. Februar, I9'0 Uhr, Seebad Reinickcndorf-Ost. Dentfchee Sprackoereiu, Zweig Berti». Montag, 0. Februar, 2011 Uhr, Bürgersaal des Friedenauer Rathauses(Rhcfustratzc). Wcrbrabend. Bortrog des Universitätsprofcssors Dr. Artur Büdner über„Eprackrclnigung im Aus- gang des 18. Jahrhundert". Charlotte von der Trenck spricht ans Dante» „GSttlicker stomödie" in der NatMichtnng Siegfrieds von der Trrnck. das Bentz-Ouartett spielt Mozart und Schubert. Eintritt frei. Gäste willkommen. Sründnng einer Arbeiter. Turn- und Snortabteilnng I» Baulsdorf-Süd. Besprechung Donneretag, 2. Februar, 19(4 Uhr. im Iägerheim. Reichsdvnd der Briegsbefwlidigteu, Bricgstrilaehmer und Briegerhintcr. bliebedr», Bezirk Zentr»». Montag. k>. Fäoruar, Rosenkhaler k>af, Rosen» thaler Str. 11— 12, Monatsoersarnmlung. Bamerad Schubert:„SozialpolitisKi Neuerungen." Frei« Berrinigung»o» Sternsrrnndcn. Bersammluug Sonnckbend, 4. Fe» bruar, 20 Uhr. beim Besitzenden Sckulliirektor Freund, Halensee, Westfsnsw« Strafte 27). vorn 1 Fr Bortrog:„De: Sternhimmel von Berlin am 4. Fe. bruar. 22 Uhr." Brobachtnngen am Teleskop. Gäste können eingeführt werde» Telephon: Ubland 8823).„» � � Palyteckmif»« Geselllcknfi z» Berlin. Am Donnerstaa. 9. Fsbruar. 20 lllhr, im Grünen Saal des Meistersaalgebäudes, Bethen er Str. 38. Portrog des Reglerunflsbaumeister» a. D. Samter über„Verhütung von Erschütterungen und sibrenden Geräuschen,»ine Lebensfrage im neuzeitfichen Hochbau', mit zahlreichen Lichtbildern. Gäste willkommen. wellerberichl der öffentlich«! DeUerdieoffstelle Berlin and Umgegend (Rachdr. verb.). Lei frischen westlichen Winden ziemlich mild, wechselnd bewölkt mit ver«!n»elten Niederschlägen— Jfir Deutschland: lleberass veränderlich und ziemlich milde» Deslwmdwetter mit einzelnen, meist leichten Niederschlägen. Sie Seamken'chafl eröffnet den wohlkamps. Tie.UtsieikZgememschafi soziaidemolratifcher Beamten" hat die parleigenöfsischeii Beamten sür den ss. Februar zu ewer Reichskonferenz nach Berlin gerufen. Damit wird der Wahlkamps für die Beamlenschajl eröffnet, gn einer voraufgehenden Sitzung der Vertrauensmänner werde» Flogen der Partei- und Gcwerl- ichasissiolitii eingehend besprochen werden. Am Abend des gleichen TagcS um S Uhr spricht RcichSminister a. D. Dr. David im P>enorfaale de» .Neilt swirlfchafisrates über„Entstehung und Bedeutung der republikanischen Verfaffung". Areie Soziaffffische hochschal«. Am kommenden Sonnabend, dem 4. Februar, Ist1/, Uhr, findet im grasten Saal de» ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Str. Z. ein Vortrag des Herrn Pros. Dr. Alfred Grotj ahn über dos Thema:„Bevölkerungspolitik und soziale Frage" stall Karten zum Preise von bO Pj. find in der Buchhandlung 3. H. SS. Dich, Lindenstr. 2, und an der Abendlasse erhältlich. Jage dweihe Sänlgowasierhaalen und Lmgegend. Die diessährige Jugendweihe sinket am Sonntag, dem 25. Marz Natt. Der Vorbereuungs- unlcirichl, an dem alle Weihelinder Icitnebmcn müffen, beginnt am Sonn- tag. dem ö. Februar, nachmittags 2'/, Uhr im Jugendheim, Eemeinde- turnhalle. Anmeldungen nehmen enlgegcn: Frau Helene Hodm, Königs- wusteibaiisen, Beittner Str. 5; Artur»cholz, Wildau. Blantstr. S; Willi Lieh. Riederlebme, Dorsstrastc; Mar Fischer, Senzig, Chausseestraste. Eogiisch sär Freunde internationaler Sletuorbeit. Aus besonderen Wunsch fall noch ein kleiner Zirkel für A n f ä n g e r eingeiichtet werden, der Freilags von'/ema%:n Herrenhauses. Leipziger SIroste Z, Vortrag de? Genosten Prof. Dr. Grotjahn über �Vevölkerungspolitik und soziale Frage". 1. Bert, Mitte.«Iteen beiröte: Freitag. 3. Februar, 20 Uhr, bei Zschiestng, Ackerstr. t, Sitzung. Rech! rege Beteiligung wird erwartet. 2. Brei» lirrgarlMt, Der Film„Die Ausgestoftcncn" läuft vom 3. bis 6. Februar im Wenihm. 3. Brei»«edding. Freitag. Z. Februar, 1» llbr, Sitzung des erweiterte» Bteiseorstande» an bekannter Stelle. 18. Statt Bepeoick. Fla« Schnlgemeind«:«erbeveriammlunq am Fttiiaq. X Febeuat, IS'Z Übe im kleine« Saal de, Stadttbeaiee», Feiedeichllr. 8. «artraa:„«ar»» wiff«» wie nnleee Binder der Weltlichen Schule fitbeen? Referent Sch nisten»d We od icke. Zabletichr» chtscheint» alltt Genossin«ad lympalbifietendtn Elte tu wltd etwattet. heule. Donnerstag. 2. Aebrnar:> r< ,0». Abt. vbetschilneweid«. 20 Übt bei Dinlct wichtigt FunktidnStfitzima. Morgen. Zreilag, Z. Februar: 3. Abt. 19Zs Uhr bei Bntlick, Sedastianstt. 3«. außerordentlich wichligc Funktion ärsitzuug. Stellungnahme zum Btolsrettretetiag. 0. Abt. l»>. Übt bei Lehmann. Tatielstr. 7, Funttianätsißunq. 14., Ib., 18. Abt. Persommlung allet Genossinnen und Genossen, die im Petband für Freidenkertum und Feuerbestattung sind, bei Leuschner, Acker» strafte 110. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen undeblagt ersordetiich. Parteibuch als Legilimation mitbringen. 33. Abt. 20 Uhr wichtige Sitzung der Funktionäre bei ju>iak, Beqmestr. 8. Bezirksführer rechnen mit dem Basfiercr ab. 38. Abt. I91d Uhr bei Busch. Tilsiter Str. 27, Sitzung aller parteigenösstschcu Beamte». Lehre« und Behördenangestellton. Neuwahl des Obmannes. Organifations. unb Tagrsirogen. 3«. Abt. IS' r Ubr bei Mogwitz. Barnimstr. 13, Sitzung aller in der Wohl» fohrtspssege tätigen Genossinnen und Genossen. Niemand darf fehlen. Jeder dtinge atdeitsftcudige Genossen mit. G Verlangen Sic das verstärkte Format und überzeugen Sie sich von der verbesserten Qualität! Iungsoziallstcn: G tappe Schöneberg N: Heute, Donnerstag, 20 Übt, im Jugendheim Haupt- strafte tö, Niederiachsen, immer. Bortrag:„Die Aufgaben der Zungsozialtsten." Referent Franz Lepinski. Zm Reich�allen-Iheatar bei den Stettiner Sängern hat die neue Burleske Kaltes Wochenende"«inen derartigen Lochersolg, wie er selbst bei dem letzten Stück nicht zu verzeichnen war. Auch Sonntag nachmittags(zu ermäftigten Preisen) steht„Roltes Wochenende" auf dem Spielplan. Rsichsrechi bricht Landesrecht. Kommunistische Klagen vor dem GefchäfiSordnungsavSschuß Der Geschäftsordnllngeausschuß des Reichstoas v»- handelte über die kommunistischen Aeschwerden. daß ihre Versoinmlungen in Bayern und Württemberg regelmäßig verboten oder gewaltsam ausgehoben werden. Di« Beschwer- den Wurden ausführlich begründet und die Vertreter der Sozial- d�mokraten und Demokraten traten sür diese Beschwerden ein und hielten es für die Pflicht der Reichsregierung, bei. der bayerische» und württembergischen Regierung dahin vorstellig zu werden, die Behörden anzuweisen, daß Verletzungen von verfassungsmäßigen Rechten von Reichstagsabgeordneten, wie sie in den Keschiyerdesällen vorliegen, in Zukunft unterbleiben. Zu«inem BeWuß kam es jedoch noch nicht, weil«in Antrag des Abg. Dr. Bell (Z.) angenommen wurde, der die Vertagung der A n g e- legenheit auf drei Wochen beschloß, damit die in Betracht tammenden Landcrregicrungen in der Zwischenzeit die für die Ent- scheidung des Ausschusses wesentlichen Unterlogen beibringen und ihre Steltungnahnie zur einheitlichen Recht-anwendung in den zur Be- urteilung des Ausschusses gestellten Angelegenheiten erklären können. Das Arbeitsprogramm des Reichstags. Der Aeltestenrckt des Reichstags bcschüsligte sich heute mittag zunächst mit dem Arbeitsplan. Nach seinen Dispositionen soll am morgigen Donnerstag der Haushalt des Ministeriums für die besetzten Gebiete beraten werden. Dan» soll eine kleine Pause in den Plenarberatungen vom Freitag, dem 3. lns einschließlich Montag, dem 6. Februar, eintreten. Am Dienstag, dem 7. Februar, soll die Aenderung des Mieterschutzgesctzes aus die Tages ordnung kommen, dann der Etat des Rsichsaebeitsministeriums und darauf der des Reichsernährunzsminiftieriums. In der Fast- nachtswoche uitd zwar vom 18. bis zum 26. Februar will der Reichstag keine Sitzungen abhalten. Die Verschlechterung des Mieterschuhes. Neue Fassung der Bestimmungen. Die heftig« Kritik der Mieterorganisotionen und der Arbeiter- Parteien an der geplanten Neuregelung des Mielrechtes hat zu«inem bescheidenen Erfolg geführt. Hatten die Koalitionsparteien ursprünglich unter Vergewaltigung der Opposition beschlossen, neue Mietverträge über Wohnungen mit mehr als fünf Wohnräumen oder mehr als Ii» Quadratmeter Wohnfläche außerhalb des Mieter- schutzes zu stellen, so mußten ste inzwischen einsehen, daß W« vorgeschlagene Regelung rechtlich zweifelhaft ist. Die Bestimmungen er- hielten nach dem Beschluß des Wohnunqsausfchusses fotgende Neufassung: „Diese Borschristen finden keine Auwendunq aus Mietver- träge, die über s r e i a« wo r d e ne oder fraiiverdend« Räume noch dem 31. März ISA» auf mehr als zwei Jahre neu abgeschlossen werden und sich entweder ausschließlich auf Geschäftsraum oder auf solch« Wohnungen de» ziehen, die abgesehen von Küche, Rebengelasse und Mädchenkammer, mindestens sechs Wohn» räume mit mindestens 100 Oradrotmeter Wohnfläch« haben. Die» gilt nicht im Fall« des Tausches, wenndie M i et e r i n di e b« id« rseitige» Mietverträge eintreten."' Dies« Reuregelung ist wenigsten» juristisch klar«, als d« nr< sprüngliche verwaschene Fassung, die«in««fllkürlichen Auslegung Tür und Tor öffnete. Sachlich bedeutet sie nur eine gering« Mild». rung der früheren Beschlüsse. Die Sozialdemokraten hatten einen ausführlichen Antrag auf Schaffung eines sozialen Mieterrechts im Reichstag eingebracht. Sie ocrlangien im Ausschuß, daß dieser Antrag d« Reichsrsgienmg zur Erwägung zu überweisen und die ReiAsregie- rung zu ersuchen ist. dem Reichstage vor Ablauf des Mieterschutz- und Reichs Mietengesetzes den Ent- wurf eines sozialen Miel- und Wohnrechts vor» zulegen. Der Pürgerblpck lehnte diesen Antrag ob, weil er die Zeit noch nicht für gekommen wohnte, zu einem DäueriNietrecht zu kommen. Di« Mieter wissen nun, daß vvn diesem Reichstag für sie nichts zu erhoffen ist. Der Kampf gegen die Meineidsfevche. Ein Unterausschuß soll Dorschläge für die Neuregelung machen. Di« Seuche der Meineidsprozesie soll also im neuen Straf- recht wirklich bekämpft werden. Zwar besteht unter den bürger- liehen Parteien noch keine feste Meinung darüber, wie das möglich ist. Jedenfalls hat der Strafgesetzausschuh des Reichstage» gestern noch längerer Beratung beschlossen,«inen Unterausschuß für die neu« Fassung der gesetzlichen Bestimmungen über eidliche Au«- sogen einzusetzen. In den Beratungen war die Feststellung de« 'Ministerialrates Schäfer wichtig, wonach es eigentlich nicht mehr um das Recht der Religion geht, wenn man jetzt die Zahl der Meineidsprozess« beschränken will. Wird doch d« Eid heut« nicht immer mehr in religiös« Form geleistet. Es handelt sich also Nur noch um die Sicherung der Rechtspfleg«. Die Recht- sprechung verstärke die Vertrauenzkrisis, wepn auch schon bei vn- richtigen Angaben über unwesentliche Ding« Bestrafimg eintrete. Abg. E m m i n g c r(Bayr. Vp.) und Abg. Wunderlich (D. Vp.) erklärten dem gegenüber, es sei Zu befürchten, daß«in« zu große Rechtsunsicherheit eintrete, wenn necht aus jede Eidesoerletzung. sondern nur aus«ine unrichtige Aussog« in wesent- lichen Punkten Strafe folge. Auch Ministerialdirektor Bumk« wandte sich namens des Reichsjustizministeriums gegen die Vor- 'chläge des preußischen Justizministeriums. Eine Eindämmung der Meineibsprozessc sei nur dadurch möglich, daß die Zahl der Fälle, in denen eine Vereidigung erfolge,«ingeschränkt werde. Abg. Bell selbst im Reichstag gegen die Politik Schachts machen mutzte. Weber präzisiert seinen Standpunkt folgende rrnotzen: .Unter der Voraussetzung'■tun, dotz mir so sporsam wie nur möglich konsumieren, gar keine überflüssigen, nicht dringend.iot> wendigen Ausgaben machen, unter der weiteren Voraussetzung, datz wir so klug wie nur möglich produzieren, kann bei unserer� der- zeitigen Lage aus wirtschasUlcher, sozialen und politischen Gründen keine Forderung so dringend sein als die: alle Türen welk aus sär tlnslandskapilol, wir können davon, solange wie unser Zins so verhältnismötzig hoch ist, nicht genug haben! Je mehr Austandskapital uns unter den gemachten zwei Bedingungen zugeführt wird, um so schneller und gründlicher werden wir der Welt zeigen können, datz das neue Deutschland in noch größerem Grade als das alte Deutschland dos Land der wirtschasllichen Wunder ist. um so eher aber wird es uns möglich sein, die fremde Schuldenlast zu tragen und abzutragen." Weber untersucht dann im einzelnen die Einwände, die gegen die Ausländsanleihen vorgebracht werden. Mit besonderer Schärje wendet er sich dabei gegen die Theorie, die.sich i» dein harten Kops des Reichsbankpräsidenten Schacht festgesetzt" habe, wonach Einsuhr von Kapital Mehrung der Devisen, vermehrte ZahlungsniittÄ und PreiAruslrieb bedeute. Don einer Gefährdung der Währung könne kein« Rede sein. .Wenn ein Land seinen Haushalt in Ordnung hält und in den internationalen Zahlungsmechanismus eingegliedert ist, ist die Ge- fahr einer Inflation, wie die Geschichte zeigt, doch oerschwindend gering." Wir selbst möchten sogar noch einen Schritt weiter gehen und jagen, diese Gefahr bestecht überhaupt nickst. Uns ist wenig- ftens aus der ganzen Währungsgeschichte kein Fall einer echten In- flation bekannt, de? bei einem ausgeglichenen Budget eingetreten wäre. Es ist mich theoretisch nicht denkbor, solange die Notenbank ihre Noten nur gegen Handelswechsel ausgibt, also die entscheidende Vorichrist aller bestelnusten Bankgesetze wirklich befolgt. Mit Recht macht sich Weber auch über dos von Schacht mit Borliebe vorge- brachte Ercnipel lustig, die Reichsbant könne doch nicht gegen fünf Milliarden Dollar ZN Milliarden Mark Banknoten ohne instatorische Folgen ausgeben. Sei denn.eine derartige plötzliche Konversion rmn derartig grotzen Summen für einen Praktiker oder Theoretiker, die sich mit den Bewegungen am internationalen Geld- oder Kapstal- marlt« etwas beschästigt haben, auch nuo vorstellbar?" Jedenfalls beweis« tu« Geschichte der letzten Jahre das Gegenteil. Trotz der Aainahme von angeblich 10 Milliarden Mark Ausländsanleihen kann von einer <' Ansblähuvg unseres Zahluugsmittelumlaufs nicht die Rede fein. Besonders erfreulich ist es auch, dotz Weber dem weitver- breiteten Dorurtcll über das angebliche Unglück einer passiven Handelsbilanz entgegentritt. Es sei falsch, mst dem Worte.Vilmv" die Darstellung von einer CrsolgsberechnUng zu inrbtrtfc««..Di« Worte Handesbilanz und Zahlungsbilanz haben gssier mit irgendeinem Erfolg oder. Richtarsolg gar nichts zu tun. Sie sagen nur etwas aus über die Bewegungen der Waren, die Forderungen und Berpflichtungen eines Landes im iisternationolen Bertehr für einen bestimmten Zeitpunkt" Es sei volkswirtschaftlich töricht, wenn man deshalb, weil«in Land etwa Nahrungsmittel oder auch Lurusgüter einführt, meint, das Ausland unterstütze die heimisch« Konsumtion und nicht die heimische Produktion. Der Sinn der Auslandskivdite sei doch der, es dem Schuldncrland zu ermög- Lchen. feine eigenen Arbeits- und Kapitalkräftc so rationell zu gebrauchen wie möglich.„Es kann dabei durchaus zweckmäßig sein, vorüber gehend wenigstens, weniger an diesen oder jenen Konsum- tionsgütern oder diesen oder jenen Fertigsabrikaten in der Heimat zu produzieren und die so entstandenen Lücken durch das Ausland ausfüllen zu losten, dafür aber die vorhandenen nationalen Produk. tionsmttte! mit voller Kraft da einzusetzen, wo der größte und — was. recht wichtig ist— auch der rascheste Produktiv nsersolg erzielt werden kann. Die Frage: Wie machen wir unser« Handels- bilanz aktiv? ist durchaus nebensächlich gegenüber der anderen entscheidenden Frage: Was können wir tun, um die Produk- tivität unserer Arbeit möglichst ui steigern?" So kurz die Schrift Weders ist, zur Widerlegung der Schacht- schen Irrtümer ist sie durchaus ausreichend. Nur in einem Punkte hätten wir noch größere Klarheit gewünscht. Bielfach ist noch die Meinung verbreitet, wir hätten aus den Auslandsanleihen die Re- parotionszohlung«, gemocht. Das Höst« nur der Fall sein können, wenn das Reich sich ver- schuldet Höste. Aber die Kredit« sind von Privaten oder vir, ösfent- lichen Körperschaften für produktive Anlagen ausgenommen worden Wir haben die Ausländsanleihen benutzt zum Wiedsraufbau und zur Rationalisierung unserer Produktion, einen gewissen Betrag, näm- lich einen großen Teil der landwirtschaftlichen Kredit«, leider auch zum Teil unproduktiv vergeudet,»ich es ist gerade diese Art Kreditaufnahme, die Herr Schacht besonders favorisiert hat. Wir haben daneben unsere Außeichandelsorganisationen ausgebaut und die Kreditgewährung an unsere ausländische Kundschaft wesentlich erweitert, wenn auch diese Summen statistisch schwer erfaßbar sind. Dornst waren aber unsere Auslanddekredit« auch verbraucht und man kann sie unmöglich doppell in die Rechnung einstellen. Nicht mst Auslandskrediten, sondern mst dem allerdings nur mit deren Hilfe gesteigerten Ertrag unserer Dolkswsttschast haben wir dann die Reparationsoerpflichwngen einlösen können. Ein Abschneiden der Auslandskredite würde die Rationalisierung,, damst unsere Konkurreirzfähigkest und unsere Exportmöglichkesten ver- ringenr. Die Zahlung der Reparationsoerpflichtungen wäre also erschwert. Selbstverständlich bedeutet die Leistung der Reparationszahlung auf der anderen Seite eine Verminderung der Kopitalbildung, also unter Umständen die Notwendigkeit, mehr im Ausland zu borgen als sonst nöstg gewesen wäre. Damst ist aber nicht gesagt, daß ohne Aufnahme von Krediten die Zahlungen selbst unmöglich würden. Sicher ist nur, daß dann der Druck, der auf unserer Bolls- Wirtschaft infolge der Zahlungsverpflichtungen ruht, sich steigern würde. Bedeuten Ausländsanleihen passive Handelsbilanz, so be- deutet die AbschneQung vom Auslandskredit die Aktivierung der Zahlungsbilanz in einer Volkswirtschaft, deren inner« Kaufkraft durch die Entziehung von Milliarden auf dein Steuerwege um diese Summe oermindert worden ist. Aber die Erweiterung der Gesamtwirtschost aus technisch höherer Stufenleiter und damst die Steigerung der Produkstvstöt, wie sie infolge der Zuführung der ausländischen Kredite ermöglicht wird, würde verlangsamt. Die Ausbringung derselbe» i'A Milliarden bedeutete deshalb«in viel größeres Opfer, einen größeren Test des Sozialproduktes. Zu glauben, wie es Herr Schockst tut, daß die Erschwerung der Ausnahme von Ausländsanleihen bereits Reparations- Zahlungen unmöglich machen würde, ist eine Illusion, die allerdings das deutsch« Volk mst einer gewollsamen Hemmung der Konjunktur und vermehrter Arbeitslosigkeit teuer genug bezahlen nuih. Oos Gaargebiet kämpft weiter. will nicht weichen. Wir haben kürzlich berichtet, daß die Deutsche Bollspartei des Saargebietes in Eingaben an den Reichskanzler, den Reichstag und die Reichsbahndirektion die Abnahme größerer Kohlenmengen aus der Saar durch die Reichsbahngesellschaft verlangt hat. Die drohende Erstlasjung von 1000 Bergarbeitern auf den von den Franzosen bewirtschasteten Saargruben hat setzt auch die Saargewerk- schasten veranlaßt, die Reichsregierung um dringende Maßnahmen zur Erhöhung des Kohlenabsatzes aus dem Saorgebiet im deutschen Reichsgebiet zu ersuchen. Der Großindustrielle R ö ch- ling hat sich in öfsentlicher Versammlung scharf gegen die Ruhr- industrie gewendet mst der Bemerkung, der Niederrhein sei immer der Feind des Saargebietes gewesen und Hot ebenfalls die elektro- wirtschaftliche Selbständigkeit des Saargebietes gefordert. Nach einem Bortrag des Genossen Braun von der..Saorbrücker Volksstimme" Hot westerhin eine öffeistliche Versammlung eine Eist- schließung angenommen, die sich gegen die westere Ausdehnung des RWE. im Soargebiet wendet und die Aufmerksamkest der Reichs- und preußischen Regierung aus die Gefahren gelenkt, die dem Saar- gebiet vom Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk drohen. auch jetzt keine Dividende verteill, denn die Großaktionäre— AEG. und Mitteldeutscher Stahltrust— hallen es für bester, den ganzen Reingewinn bis auf 8700 Mark aus die Anlagen abzuschreiben. Das ist kaufmännisch ganz vernünftig, erlaubt aber keineswegs die Bc- hauptung, daß es mit dem Werk noch schlecht steht. Hennigsdorf. Es gehl aufwärts im Stahl- und Walzwerl. Im Norden Berlins, in Hennigsdorf, liegt die Stahl- und Walz- werk Hennigsdorf A.-G., früher einmal im Besitz der AEG., jetzt in die Mitteldeutsch« Stahlwerke A.-G. eingebracht und von dieser mst mehr als der Hälfte des 8-Mllionen-Kapitals beherrscht. Das Hennigsdorf«! Werk haste lange schlechte Zeiten: im Lokomotiven- bau gab es nichts zu tun, der Stahl- und Walzwerksindustrl« ging es nicht besonders. Für das am Z0. September abgeschlossene Geschäftsjahr 1926/27 werden aber erhebliche Gewinne ausgewiesen, und zwar rund 768 000 Mark, nachdem im Jahre 1925/26 Gewinn und Verlust stch gerade ausgeglichen hatten und im Jahr« 1924/26 noch ein Verlust von rund 760 000 Mark zu buchen war. Allerdings wird Gold aus Waffer. Die Gewinne der Charlottenburger Wasserwerke. DI« Charlottenburger Wasjer- und Industrie- werke A.-G., ein mit 60 Millionen arbeitendes prioatkap'talistisches Großunternehmen, das neben den Städtischen Werken große Ge- biete Berlins mst Master versorgt, verteill für 1926/27 wiederum eine Dividende von 7 Prozent. Dabei ist zu beachten, daß der von chZ aus 4H Mill. Mark gestiegene Reingewinn im Lause des Jahres berests um 2H Millionen erleichtert worden ist, die zur Durchführung des Neubauprogramms den lausenden Einnahmen entnommen wurden Auch der im Geschäftsjahr 1S2S/26 aufgenommene Bankkredit von 2Z Mill. Mark wurde im letzten Jahr aus den vor- handenen Bankguthaben getilgt. Obwohl der Betrieb durch einen 25prozentige» Zugang von Neuanschlüssen bedeutend er- w eitert wurde, sind die gesamten Unkosten bei gesteigertem Be- triebsgewinn auf 2,5 Mill. Mark, also um fast 9 Proz. gesunken. Aber auch diese vermehrten Gewinne scheinen den sozialen Geist in der Berwallung nicht gestärkt zu haben. Bereits auf der vorjährigen Generaloersammlung war angeregt worden, für die lbOköpsige Belegschaft, unter der sich eine ganze Anzahl Angestellter mst mehr als 20jähriger Dienstzeit befindet, eine» Pension s- f o n d s von 150 000 M. zu schaffen. Die Berwaltung, die schon im vergangenen Jahr dieser Frage ausgewichen war, läßt in dem jetzigen Geschäftsberkcht darüber auch die kleinste Andeutung ver misten. Die allen Angestellten aber werden sich damit trösten, dotz wenigstens dem hohen Aufsichtsrat mst seinen zwölf Mstgliedern die Tantieme von 186 900 auf 200 000 M. herausgesetzt wurde. Ausländische Wohnungsbauanleihe. Nicht für Gemeinden.- Nicht durch die Beratungsstelle. In den nächsten Togen soll endlich die durch die Diskussionen über die Beratungsstelle und die deutsch« Auslandsverschuldung lange Zeit auss ernstlichste gefährdet« Wohnungsbauanleihe der Deutschen Bau- und Bodenbank A.-G. Berlin in New Jork aufgelegt werden. Die Deutsche Bau- und Bodenbank A.-G. ist eine privatrechtliche Gesellschaft, denen Aktienkapital sich ober fast vollständig in Hönde» des Reiches, der Länder und einer Anzahl von Wohnungssürsorgegesellschaiien befindet. Di« Anlechc lautet über 5,25 Millionen Dollar, löirst 20 Jahre und ist mit 6,5 Proz. zu verzinsen Aus den: Erlös der An! Ahe sollen bereits im Vorjahre fertiggestellle Wohnungsbauten endgültig finanziert werden. Di« Berteilung des Erlöses an die Kredit- nehmer«rfalgt durch die Preußische Landespsandhriefanstalt, Berlin, iät 12 Millionen Mark erhält, mch die Deutsche Wohnstätten-Hypo- theken A.-G-, Berlin, der 10 Millionen Mark zugeführt werden. Der Deutschen Bau- und Wohnbank A.-G werden als Sicherhest dafür entsprechend« Beträge von Goldpsandbriefen von den beiden Hypothekenbaicken überlasten. Es werden au? der AuÄandsanleih« also keine neuen Wohnungen errichtet. Nur vorläufig« kurzfristige Baukredite für bereits errichtete Wohnungen sollen durch Hypothekenkredit« ersetzt werden. Besserer Arbeitsmarki im Reich. Die Arbeitsmarktlog« im Reich G"de Januar kenitzeichnst sich nach den einzelnen Berichten der Landesarbeitsämter durch einen terlweisen leichten»mschwung zur Besserung. Freilich bewegt sich der Rückgang der Arbeilslosigkest noch in engen Grenzen, da die Witteningsverhöllniste in den Autzenberufen Uncinheitlichkeit verursachen. Auswertung von cebensoersichernngen. Die vom Reichsau f s i ch t e a m t für Privatversicherung zum 1. Oktober 1927 angestellte Erhebung stellt fest, datz der Wert ,änulicher für die Aufwertung der Ansprüche aus Lebensversicherung?- vertragen oersügbaren Auswcrtungsfonds 815 Millio- nen Mark beträat. Dieser Summe stehen Ansprüche im Goldmark- wert von 5,6 Milliarden gegenüber Somit schwankt die für die einzelnen Gesellschaften in Frag« konnnendc Aufwertungs- q u o t e zwischen 12 und 16,5 Prnz. Da» kommende Feinblechkartell Die scharfen Gegensätze zwischen den führenden Feinblechwerken hatten trotz verschiedener Ansätze bisher das Zustandekommen eines Feinblechkartells verhindert. So blieben von sämtlichen Erzeugnissen der deutschen Hüttenintmstrie nur Feinbleche als einziges Produkt nicht kartelliert. Neuerdings hat ober, vom Stegerland ausgehend, der Kartellgedanke an Boden gewonnen, so datz jetzt unter Beteiligung der stärksten Werke sogar ein Preisabkommen zustande kam. Dieser Dertrag, der den Mindestpreis je Tonne auf 163 M festsetzt, hat zwar nur aus 11 Tage Geltung, wird jedoch aus der in den nächsten Tagen statt- gtv/w Schlage* ist die neue 4-Pf..Zigarette in WQrfelpadams ENVER BEY TtJRMSOfl mit Goldmundstück und ohne Mundstück rund geworden. Sie bietet etwas ganz Besonderes fn Qualität Rauchen Sie diese und Sie werden sich überzeugen, daß hier für don Pteis von 4 Pf. etwss geboten wird, was noch nie dagewesen ist. » � interMMnt* B'Uer Ober sie Enfwlefcelunfl wteeee Oer Fluoteebaik Ueeee iedei Peekwa bei. f-HMtban Sl�un« wohl oerlanqort werden. Diesem ersten Schritt auf dem Wege zu einem Femblechkartell werden bald weiten folgen. da zwischen den Hauptproduzenten, den Vereinigten Stahlwerken, -Voesch, Otto Wolsf und Wolf Netter und Jacobi auch in anderen Fragen ein« Einigung erzielt sein soll. Wie wir erfahren, ist der Austrogobestand in den Feinblechwalz werken zurzeit recht gut, so dah die meisten Betriebe bis Endo April voll beschäftigt sind. Die Grotzgasversor�ung Ostsachseu A.-G. ist mit ihren 800 Kilometern Leitung heute sicher noch die ausgedehnteste, wenn auch bei weitem nicht die stärkste Ferngasuntcrnehmung Deutschlands. Die in der Hauptsache in ländlichen Gebieten erfolgende Gasabgybc ist um lS Proz. auf 8,12 Millionen Kubikmeter gestiegen. Zur Er- fchließung der Zittauer Landbezirke, wo auch viel Industrie sitzt, wurde gemeinsam mit der Stadt Zittau die„Gasversorgung Ober- lousitz A.-G.' gegründet mit einem Kapital von einer Million Mark. Aus das überwiegend in öffentlichen Händen befindliche Aktienkapital von fünf Millionen Mark werden 8 Proz. Dividende verteilt. Itenes Anwachsen der Konkurse im Zun««. Jim Monat Dezem- her 1927 hatte das Statistische Rejchzcunt 819 Konkurse und 187 Bor- oleichsverfahren gezählt. Gegenübeer früheren Monaten bedeutete das schon ein« erhebliche Vermehrung der eingetretenen Zahlung-- schwierlgkeiten. Für Januar ISA meldet setzt der„Reichsanzeiger" — ohne die wegen Mangels an Masse abgelehnten Anträge aus Konkurseröffnung— 766 neue Konkurse und 191 neue Der- flleichs verfahren. Trotz der ununterbrochenen Erhöhung der Kon- kurszahlen sind normale Ziffern, wie sie die Vorkriegszeit kannte, auch heute noch nicht erreicht. Sturm der FNmivdustrie gegen die tustbarkeilssteuer. Wie jetzt bekannt wird, hat die Reichslegierung in Genf keinen Vorbehalt für die Filnielnfuhr angemeldet. Die iffiünsd* der Filmindustrie sind also von der Reichsrogierung abgelehnt worden Die deutsche Filmindustrie hat daraufhin ihre alt« Forderung, die Lust- barkcitssteuer auszuheben, mit verstärktem Nochdruck erhoben und -ruf die Parlamente und ihre Mitglieder einen Petitiansswrm eröffnet. Amerikanische Exportkartrlle. Di« Vereinigten Staaten von Nordamerika geben ihr« alte Feindschaft gegen die Dil- dung von Kartellen mehr und mehr auf. Im An. land tut man)war noch so. als ob die Ansitrustzesetze noch in Geltung wärrsi. Dafür ist man um so liberaler in der Zulassung von Preis kortell« n für den Export. So wird gemeldet, daß feit dem Aahre 1918, wo durch dos Webb-Pomerence-Gefetz die Möglichkeit dazu geschaffen wurde, nicht weniger alz ZZ verschiedene Bereinigungen von Exporteuren gegründet wurden. 1926 haben diese Exportkartelle bereits über 260 Millionen Dollar der amerikanischen Ausfuhr durch ihre Kartellpolitik ersaht und auch teilweise die Preise geregelt. An den letzten zwei Jahren sind die Umsätze der Export- verbünde weiter um 40 Proz. gewachsen. Oer»niernaiionase Achistunbeniag. Aortschritte und Hemmungen. Genf, 1. Februar.(Eigenbericht.) Die 38. Sitzung des Verwaltungsrats de» internationalen Arbeitsamtes wurde am Mittwoch nachmittag in Genf eröffnet. Bei den persönlichen Mitteilungen sprach der Präsident dem aus- scheidenden deutschen Regierungsvertretsr Feig den Dank für sein vierjähriges Mitwirken im Rat aus und begrüßte desien Nachfolger, Ministerialrat Weigert, vom Reichsarbettsministerium. Der Bericht de» Direktorz Albert Thomas war in bezug auf die Erfolge des Amtes optimistisch. Thomas wies darauf hin, daß bisher 2SS Ratifikationen von Konven- tionen des Arbeitsamtes erfolgt seien. Ate eine große Gefahr bezeichnete er ab« die immer größer werdende Neigung der Staaten. da» Inkrafttreten ihrer Ratifikation von der Unterzeich- nung durch andere Länder abhängig zumachen. Der Engländer P o u l t o n schloß sich im Namen der Arbeiter- gruppe diesem Protest cm und erhob gegen die Nichtrotifizierung des Achtstundentagabkommens durch England und Deutschland scharfen Einspruch. Iouhaux unterstrich die Ausführungen Poulton». Eine Elnzelfrage prinzipiellen Charaktere brachte der öfter- reichifche Arbeiteroertreter Hueber vor. Er wies darauf hin. daß das öfterretchifche Gesetz über die Nachtarbeit in Bäckereien weiter gehe als die betreffend« internationale Konvention und bat deshalb um eine Stellungnahme des Internationalen Arbeitsamtes zu der Frage, ob auch Konventionen, die ein Landesgesetz ver- schlechter», zu ratifizieren seien. Die Beantwortung dieser Frage soll später ersvige». Die Revision der llebereintommen. Auf der Tagung des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes steht auch eine Frage mit zur Debatte, die von der Arbeiterschaft mtt größter Aufmerksamkett verfolgt werden muß. Es hondett sich um die Revision von internationalen Uebercinkommen. Die Uebereinkommen der Arbeitskon- ferenzen enthalten eine Bestimmung, wonach der Verwaltungsrat verpflichtet ist, mindestens einmal im Verlauf von zehn Jahren die Durchfübrung des Ilebereintommens zu prüfen. Dies« Bestimmung ist von den Arbeitgebern aufge griffen worden. Sie wollen sie vor allem zu einem den" Achlstundevlag benutzen. Schon auf des Derwaltungsrate» ist die Frage der orstoh gegen der Berliner Konferenz Revision der Ueberein- kommen angeschnitten worden. Das Internationale Arbeitsamt ist zurzeit dab«, üb« das Problem eine Denkschrift auszuacbettew Das ganze Problem ist überaus schwierig und kompliziert. Rollt man es auf, dann taucht sofort eine ganze Menge kn iislich« juristi- scher Fragen auf. Wie sollen sich z. B. die Länder, die b«eits ein Uebereinkommen ratifiziert haben, zu einem revidierten Uebereinkommen verholten? Soll für diese Länder das revidierte Abkommen ohne weiteres gellen oder nicht? Werden mit der Reoidiciimg sozusagen alle Ratifizierungen eines Ueb«einkommens wied«- hinfällig? Zill« Wahrstheinlichkett nach wird das Int«- nationale Arbeitsamt eine Kommission von Juristen aus ver- fchiedencn Ländern bilden, die die Reoistonssrage überprüfen muß. Die ganze Frage ist für die Arbeiterschaft von ungeheurer Bedeutung; denn es liegt auf der Hand, daß die Arbeiterschaft an abgeschwächten verschlechterten Uebereinkommen kein Interesse hat. Streit der ostoberschlesifchen Metallarbeiter. Für den Achtstundentag. Kattowttz, 1, Februar. Heute ist die gesamte Belegschast der Bismarck- und Faloahütt« in Stärke von über 3000 Mann in einen 2 4 st ü n d i g« n Proteststreik getreten, weil die Wtedereinführung des Achtstunden- tages in den letzten Wochen trotz Zusicherung seitens des Arbeits- iiispektors noch meist vorgenommen worden ist. Daraufhin begab sich der Arbeitsinspektor sofort nach Warschau, um zu veran- lassen, daß weitere Arbeiterkatcgorten in den Achtstundentag ein- bezogen werden. Die Lage der ostoberschlesifchen Metallarbeiter lzat sich durch diesen Zwischenfall wesentlich verschärft. Konferenz der Genossenfchafisangesiellten. Der Reichsfachausschuß d« Genossenschastsangestellten im Zcw tvalverband der Angestellten tagte am 30. Januar 1928 tm Erholungsheim des AdA. in Lad Finkenmühle in Thü- r i n g e n. An der Tagung nahmen Vertreter aus den verschiedensten Gauen Deutschlands teil. Die Konferenz wurde von dem Mttglted des Derbandsvor- standes R o g o n mtt herzlichen Begrüßungswvrten eröffnet. Den Bericht d« Reichsfachgruppenleitung und üb« die Einzelfragen gab L ä h n e r. Die Konferenz nahm u. a. Stellung zu den Tarif- und Gehalt»- bewegungmi und den Enttohnungsmethoden d« Genossenichasts- angestellten, dem Schlichtungswesen, der Mankovergütung und dem Kontrollwesen in eingehenden Beratungen, in denen sich üb« alle Fragen volle Uebereinstimmun« ergab. Die Tatigkett der Reichs- achgruppenleitung fand volle Anerkennung. Ig Moderne« Fr&hjahrsklcid mui pHrna pchnrolleaero Cr�pe CnM)a dar peuen lataperlonn. Der doppcl- tarblg tfctönk Kragex», dlo rzoderna. rntf prokai* oad Äelden-Bffetoan w misdit* Wollittdwarcl gaben dauj Kjelde ein« d«r � et: exten Mode enUprecbend« Not«, der« Elegaxu durch die reich« Feiten parilc« ün Rode werenlljcb er* bfthi nrlrd. üs vl«l«a vedern«» Farben........... nenr Hochelegante Tanz- u. 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Kebruar 192S Unterhaltung unö ÄVissen Beilage des Vorwärts Armer Kittauge. Bon Erich Snfar. ' Da« Ziahr war schon mst vor uttd Starl Dobbas hatte wenig Aassicht, daß er noch einen Bau finden würde, auf dem es Arbeit für ihn gab. So wollte er beim ohne besonderes Ziel durch die Gegend. Sprach da und dort, wo das helle Gerotter der NtethüM' mer Ihm d!« Wh« einer Fabrik verriet» bei Kollegen vor und war zufrieden, nmm er wenigstens von einer neaen Baustell« erfuhr, «ruf hex das Frage- und Antwortfpick von neuem beginnen tonnte. So kam er in die Gegend von Halle. Er mochte einen grohen Bogen um das Ssunomert, das wie eine Hölle stank, und kam in die Stadt. Besah sich den Roland am Markt. Und den roten Turm. Kam zun, Soaleufer und sah. daß mennigrote Tröger über den hellen Fluß sich spannten. Eo war Mittag. Der Bau lag still. Rur die Feldschmteden rauchten. Cr fragt« einen Nietmjungei. der auf einer Werkzeugkist« fast, wo er den Monteur finden könne. Der ist in die Stadt gegangen. Und die anderen? Sitzen im goldenen WrrfelHaken. Der Goldene Winkelhaken war nicht weit. Schon schaukelt« sein verschnörkeltes Aushängeschild vor Karl Dobbas im Wind«. Der Dust leckerer Erbsensuppe kroch bis auf die«trage. Ein niederer Flur. Ein« Tür, hinter der rauh« Stimmen lärmen. Grad solch« Stimmen, wie die Brückenbauer sie haben, die immer glauben, dah sie ein Dutzend ratter rder Niethämmer und kreischender Bohrwinden übertönen müssen. Und die keiner versteht, der nicht selbst vom Bau ist. Karl Dobbas tritt«n. In der düsteren Wirtsstube sicht er sich im. Dick wie ein Biersah hockt der Wirt hinter seinein Schont- tisch und läht sein« Augen über die Tische gleiten, di« mit essenden „nd schwatzenden Männern besetzt sind. Wo er ein leeres Bierglas ficht, wirst er einen Blick wie eine Frag« hin unb ehe noch sin Nicken ihm Antwort gibt, läht er das schäumende Getränk aus dem Kranen sprudeln. Kart Dobbas steht an ihm vorbei. Dann, als habe er getundsn. was er suchte, macht er drei schnelle Schritte quer durch den Raum und bleibt vor einem stchen, der an nichts als seine Erbsen denkt und fährt ihn mit hellem 5)alse an: Tag. Schorsch! Dom bleibt vor Staunen der Löffel im Hatse stecken, als er di« bekannte Stimme hört. Und ehe er herausbringt: 3a. Mensch, Karl, wie kommst denn du hierher? ist ihm der Lössel in den Brei gefallen, dah die Erbsen dick und gelb über den Tisch spritzen. Dann ,'nit beiden Händen ihn begrüßend, steht er-ms. guckt den Ein- getretenen von oben bis unten an und tragt: Aber nun sag' bloß. Karl, was du hier in dieser Gegend willst. 3ch denk«, du bist hinten in Rotterdam und läht dir's gut sein. Dar ich. Schorsch. War ich. Aber jetzt bin ich hier. Und habe Kohldampf. Und wenn dein Monteur Arbelt für mich hat.?ch kann welche brauchen. Natürlich krrsgst du Arbeit. Aber erst s-tz dich auf deine vi« Buchstaben, ih«inen Teller Erbsen mit und fchütt' dir einen Schstick Bier in den Hals. Und nachher gehst du mst zum Monteur. Hab« grab' wieder welche den Sack gehauen. Weiht du, so Muttersöhnchen hier aus der Gegend. Di« reinen Mehlwürmer, die kein zölliges Niet von«nem Dreivierteldorn unterscheiden können. Die holten so nichts ob. Ist ja auch kein Kinderspiel, die Moloch« hier. Ab« dafür sind wir fchkiehvch Brückenbauer, daß wir. wenn's fein muh. zum Teufel in die HSV« geh«, und ihm den Roft blank kratzen. Genug davon. Erzähl' erst mal, wie du hierher kamst. 3ch denke. ibr habt noch eine Ewigtest in Holland zu tun und nun läufst du Speckjäger schon wieder aus der Landstraße herum. Und was macht Kittauge? Du bist doch damals zusammen mst ihm fort. Den haben die Schellfische gefressen. Oder die Hering«. Bist verrückt, sagte Schorsch und nahm die Mütze vom Kopf«. tvi« er während des Essens aufbehalten. Er ist abgestürzt, erzählte Karl Dobbas weiter. Direkt vor meinen Augen. Mann, Schorsch. ich mein', ich Hab' zuviel gekriegt. wie Ich das Hab' sehen müssen und Hab' ihm nicht helfen könne«. Kittaug« abgestürzt? Das ist schwer zu glauben. Er kletterte doch wie«in Asse. Früher, als er sein Auge noch hatte. Aber seit ihm damals der Döpper ins Auge gesplittert ist, war das anders. Da gab's schon mal Augenblicke, wo Mtouge mich nicht onf der Höh« war. Er hat sich das nicht immer so merken lassen, ober wenn w'r ollein waren, sprach« wohl davon. Mensch. Karl, sagt' er mal zu mir. manchmal da ist es nckr. als ob ich reineweg blind wär. Nur so einen Augenblick, weiht d«. so als ob dir«wer mit einem Handtuchzippen Ins Auge kommt oder der Wind weht dir Dreck hinein. Ich habe das leicht genommen. Weiht du, solange dn zwei ?luzen hast, kannst du dir nicht vorstellen, wie das ist, wenn du dich «ist einem beHelsen muht und das versagt. Do brauchst du nur mal einen Krampf im Sehnerv zu krieg«, und du bist blind wie ein« neugeborene Katze. Und du meinst, so wäre das mst Kittauge gekommen? Genau so. Aber nun sag' mst bloh, warum bist du nicht aus der Bau. stell« geblieben? Ich war' damals gern mst euch nach Holland gegangen- Lieber als dah ich mich hier herumdrücke. Und gut verdient hast du doch auch da unten? Was das Berdienen angeht, kannst du es so leicht nicht besser kriegen. Aber weiht du. wie dem mit Ksttauge passiert war, Hab' ich'« nicht mehr ousgehalten da unten. Das versteh» ich nicht. Ich verstehe es manchmal selber nicht. Aber ich kann mir nicht helfen. Wir waren doch schon im fünften Monat in Roster- dam. Der erste Bogen stand. Für den zweiten bauten die Jim- vnerleute schon da« Gerüst. Cr sollte noch-vor dem Winter fertig werden. Kittaug« und ich waren dabei, die Buckelplatten auszu» legen. Ein« nach der anderen schleppte-, wir über die Fahrbahn und paßten sie ein. Nun muht du wissen, daß wir welter kein Gerüst mehr unter der Fahrbahn Hatten. Die Zanmerleut« hasten uns das Holz unterm Hintern weggeholt und es für das neue De- rüst verbraucht. Wie ich zum Wen sag«, wie leicht da mal was passier«, könne, sagt« er nun Lungen,, hastet euch Zugang«. Wenn ihr bis Sonntag fertig seid, schreibe ich jedem zehn Stunden extra on. Na. du weiht sa selbst, was du nicht olles für ein paar Stun- den tust, die du bezahlt kriegst, ohne dah du dich schinden muht dafür. Na. und wenn er uns nichts versprochen Hchlc. Hilf« hätte,, wir so nicht brauchen kmmm bei unserer Arbeit. Als der Alt« fort P. sage ich ZU Kistaug« Mensch, sag« ich. wenn der Monteur Wort Hält, gehen«tr Sonntag rüde? s» die Stadt unb heben uns ordentlich einen. Und Meisjes müssen an unseren Tisch. Zwei Stück für jeden. Wir wollen doch wissen. wofür wir leben. Mso, denn wollen wir mal wiedor, sogt Kittauge nur und packt sich di« Platte, die wir uns schon zurechtgelegt hatten. Ich schnappe mir das ander« Ende, ein Ruck und wir hasten die Platte aus dem Ast und zottelton los. Es war Mittag. Bon den Wersten tutet's, u-ch die Boote mst den Arbeitern flitzten über die Maas. Wir wollen Schluh machen, sagte ich. Diese eine Platte noch, sogt Kittauge und Hot sie schon in der Hand. Du weiht ja. wie er war. Sonntags voll und bei der Arbeit toll Ich sagt« nichts, sondern schnappe mir mein Ende und tapse langsam hinter ihm her. Wie wir aus Brückenmitte sind, kein« zehn Meter von der Stelle, wo unsere Plaste hin sollt«, spüre ich plötzlich«inen Ruck, der die Plaste nach unten reiht. Da saust sie mir auch schon von der Schulter, ohne dah ich sie hallen kann. Ich wollt« fortspringen, da höre Ich ksttauge schreien, und ehe ich nur begriffen hatte, dah«« hier nicht um meine Schienbein«, sondern um Kittauges Leben ging, sah ich ihn schon unter mir im Wasser verschwinden. Ich schrie so laut ich konnte um Hilfe und rannte von der Brüche. Der Monteur hast« schon gesehen, was w« war und den Wasserschntz alarmiert. Zwei Tage haben sie mst drei Booten nach ihm gesucht und alles abgefischt, aber von Ksttauge hat keiner mehr einen Fin- ger gesehen. Die Maas fließt schnell bei Rotterdam. Und das Wasser ist st es da unten. Vielleicht haben die Schiffe ihn in die See verschleppt. Der Monteur fluchte wie toll Cr jammerte über Kittauge, ober er meinte lue Protokolle. Er schrie die Leute an. sie sollten besser aufpassen, aber ich muhte, dah di« fehlenden Gerüst« ihn quöllen. Doch als erst alles aufgeschrieben und berichtet war, war er ruhiger. Der Fall war erledigt. Du weiht ja, wie das in der Fremd« geht. Wer kümemrt sich da darum, wenn einer über Bord geht. Ich aber hatte kein« Ruhe. So lange die Rettungsboote noch draußen lagen und ich hoffen konnte, daß sie ihn wenigsten, finden würden, hiest ich mich aufrecht. Dann aber brachte schon der Wind. der in den Streben heulte, mich zum Verzweifeln. Sah ich auf einem Träger oder kroch ich im Windverband hermn. hörte ich Kitt- auge schneien. Fiel mir«ine Schraube ins Wasser und ich sah ihr nach, war es der untergehende Kittauge, um den herum die Wellen. ringe sich bildeten. Ich kam nicht los davon. Jede Welle zog meinen Blick hinter sich her, bis die ganze Brücke forifegelte mst mir in di« weite See. die sich öffnete und mir auf ihrem Grund Kittauge zeigte, der fein Glasauge aufriß und es auf mich gerichtet hiest wie tn jenem Augenblick, da ich ihn stürzen sah. Dah ich damals nicht gleich hiimbgefpamgen mar, um ihn rauf. zuholen aus dem Wasser, das quälte mich fetzt. Nicht, dah ich mich schuldig fühlte on seinem Ende. Wenn ich vernünftig war, über» legte ich mir genau, was ich getan und daß ich nichts anderes hätte tun können, um ihm zu helfe«, als ich getan. Aber wir hatten ixas zu gut gekannt, als daß das ein Trost gewesen wäre. Auf zwanzig großen Montagen waren wir zusammen gewesen, wir hatten Ba- tavia und Spanten geseh'n und die schöne Schweiz, wie es m un- jerem Liebe heißt, und nun ritz das Schicksal uns auseinander. Das war es, was so schwer mich traf: Daß ich sein End« sah und an meines denken muhte. Und well ich nicht loskam von diesem Spinn. ging ich zum Monteur und sagte ihm. daß ich weg wollte. Mach' keinen Quatsch, sagte der zu mir. Monteur, sag' ich nochmal. gib mir meine Papiere oder du muht mich bald suchen lassen wi« Kittauge. Kerl, du spinnst, sagt er und gibt mir einen Gulden. Da. sauf' dir einen an und komm' wieder, wenn du nüchtern bist. Aber Fahr- geld kriegst du nicht. Ist schon schlimm genug, dah Ksttauge durch die Dämpe ist. Also gut, sage ich. wenn ich Sein Fahrgeld krieg«, gch' ich zu Fuß. Mach mein« Flippen fertig. Na. dann geh' zum Teufel, sogt der Alle. Ader das sage ich dir: Auf meiner Baustell« brauchst du deiner Lebtage nicht mehr um Arbeit fragen. Du Spötenkieker. Er gab mir meinen Lohn, aber mit den Extrustunden war's aus. Ich ging noch Amsterdam, trieb mich acht Tage mst Chinesen und Negern. Matrosen und Weibern in den Kneipen ruin und legte mein Geld in Genever on, bi» ich blank war. Ja. und dann habe ich mich so durchgeschlagen. Verdammt noch mal, sagte Schorsch. Der arm« Kittauge. Aber so geht'» uns allen noch mal. Den einen trifst's auf der Land straß« und der ander« fährt mst dem Kopp noch unten vom Gerüst ob. Herr Wirt, bringen Sie noch zwei Große für uns. Ich lzabe |o'n tranigen Geschmack im Hals. Und du meinst, daß dein Monteur Arbest für mich hat? sagte Karl Dobbas und wischte sich das Maul ab. Die hat er. Komm, trink-- aus. Wir wollen gleich zu ihm gehen.____ 2716 lebende Sprachen. Weih man, wieviel Sprachen zurzeit auf dem Erdenrund geiprochen werden? Di« Statistik liefen zu dieser Frage Zahlen, dl« nach den geographischen und ethnographischen Kenntnissen der Stattstiker schwanken und vor allem von der Bedeutung abhängen, di« man bei der olloemeinen Einorbmmg den einzelnen Idiomen beimißt. Nach den Perechnimgen. di« als zuverlässig gelten dürfen, gibt e» augenblicklich Z7W lebende Sprachen, di« dies« Bezeichmmg verdienen. Di« 860 hauptsächlichste,, Sprachen verteilen sich solgendennahen: Europa 48, Asien 4531 Afrika 118, Nord und Südamerika zusammen<24, Ozeanien 117� E» bedarf keines besonderen Beweises, dah die Linguistik noch groß« Aufgaben zu lösen Hot. Nachtschwärmer. Von Dr. W. Wächter. Am Tag« schlaf« sie? erst die Dämmerung der hereinbrechen- den Nacht weckt sie auf. und dann flattern sie von Blume zu Blum«. deren berauschender Duft sie anzuziehen scheint. Hoben sie genug dc» süßen Honig» geschlürft, fangen die Vögel an zu Müschen, und «hebt sich di« Sanne mst ihrem blendenden Licht über den Horizont, dann werden sie müde und verkriechen sich, um zu schlafen. Hier sst natürlich nicht von menschlichen Nachtschwärmern unserer Großstädte die Rede, sondern von deren Vorbildern, den Nachtschmetterlingen, deren geheimnisvolles Leben von feher einen ganz besonderen Reiz für olle diejenigen gehabt hat. die den keuschen Mond der prallen Sonne mst ihrer erbarmungslosen Wahrheit»- sieb« vorziehen, also für Räuber, für Liebespaare, sentimental« Poeten und Wirtshauohvcker. Seitdem Konrad Sprengel, der lange verkannt« und später so berühmt« Naturforscher, di« Befruchtung der Blumen durch Insekten entdeckte: seitdem durch ihn ein neuer Zweig der botanischen Wissen- schast, di« Blütenbiologi«, begründet wurde, hoben sich Botaniker und Zoologen unausgesetzt mst der„Anpcisnng" des Körperbaues der Insekten on die Gestall der Blumen beschäftigt, und wkr wissen setzt so ziemlich sicher, welche Insekten die verschiedenen Blumen besuchen, ihnen den Nekiar rauben und dabei den Blütenstaub auf die Narben der Blüten bringen und so den Begattungsalt bat den Pflanzen vollziehen Groß« Schwierigkest bereitete der Forschung die Lösung der Frag«, ob die Insekten durch die Farbe oder den Dust der. Blüten angelockt werden. Man ist selbstverständlich immer geneigt, bei der Beurieilung tierischer physiologischer Prozesse menschliche Verhält- nisse zugrunde zu legen. So arbeiten die Pharmakologen, wenn si« die Wirkung eines neuen Arzneimittels studieren wollen, zu- nächst wtt Tieren, wi« allgemein bekannt ist. Das„Versuchs- kanutchtn" ist so populär geworden, dah viele Leute gor nicht mehr daran denken, wo« fem« Volkstümlichkeit eigentlich her hat. Die Gegner der.Vivisektion' haben nicht vermocht, den Tierversuch aus der Werkstatt de« wissenschaftlichen Mediziners zu verbannen, weil sich gezeigt hat. wie gerechtfertigt c» oft ist, vom Tier aus den Menschen zu schsiehen, soweit e» sich um rein physiologisch« Vorgänge handelt. Auch in beziig aus dos Seelenleben bestehen fraglos weit. gehende Ueberetnstiminmigen zwischen höheren Tieren und dem Menschen, und wenn man auch on den klugen Hans, das Kubik- wurzeln ziehend« Pferd, nicht gerade glaubt, so läht sich doch nicht daran zweifeln, daß so intelligent« Tiere, wie Pferd und Hund, sehr vieles mit dcm Menschen gemein haben, woraus sich ihre gegen- seitig« Zuneigung und Freundschait erklärt. Je weiter wir aber in der Ticrreibe hinuntergehen, um so vorsichtiger müsse» wir mit Analogieschlüssen sein. Man weih jetzt z. B., dah das Bienenauge farbenempfindlich ist, aber in ganz anderer Weis» als da» menschlich«. So können di« Lienen das ultraviolette Licht.sehen", do» sich uns nur durch feine Strahlen. Wirkung bemerkbar macht. Es lag also die Fmge nah«, ob die Nachtschwärmer in der Dunkelheit durch die Farbe der Blüten oder durch deren Dust angezogen werden. Man nahm bisher an, dah wohl beides der Fall fein müsse, denn wir kennen«ine Anzahl von stark duftenden Ptlenzen, die von Nachtschmetterlingen besucht werden, wie do» Geisbkatt oder L« länger, j« lieber". Andsrerselt» wissen wir, daß die Nachtfalter weih« oder hell« Blüten besuchen, die auch dem menschsichen Auge im Dunkeln leicht« sichtbar sind als rote oder blaue, die uns in der Nacht grau erscheinen und sich kaum»on dem Blattwerk abheben. Beobachtungen im Freien sind eben wegen der Dunkelheit schwer anzustellen, und so fehlte bisher der Nachwels, wieweit Farbe oder Dust hier wirksam sind. Jetzt veröffentlicht im letzten Hcft der Berichte der deutschen botanischen Ge- sellschost Professor K n o l l höchst lehrreiche Versuche, die von all- gemeinem Interesse sind. Ulster anderem arbeitete Knoll mit dem Weidenschwärmsr. In einem eigen» konstruierten Duntelzelt. das von außen mst einer ganz schwachen elektrischen Birne beleuchtet werden konnte, wurden Blüten einer meihblühenden Tabaksorte ausgestellt, die er bis zur Hälfte mst Zuckerwasser anfüllte. Als er sah, dah der Schmetterling dte Blüten aussuchte, stellte er zu den sre!-- stehenden Blumen eine zwischen zwei Glasplatten eingeschlossen« Blum«. Nun zeigte sich, dah der Schwärmer auch on diese Blüte heranzukommen suchte und zwar stürzt« er sich direkt mitten oui die Glasplatte, was on den sogenannten Rüsselspuren, die von dem mit Zuckerwasser befeuchteten Rüssel herrührten, zu sehen war. Ans diesen Rüsselspuren lieh sich mit Sicherheit schließen, dah es ledig- lich die Farbe war, die dos Tier anzog. Wäre hier der Duft aus- schlaggebend gewesen, so hatten sich auch Rüsselspuren an den Kanten der Glasplatte finden müssen, denn nur dort hätte der Schmetterling die Blüten riechen können.— Durch diesen Versuch ist natürlich nicht bewiesen, daß der Dufi überhaupt keine Rolle spielt, aber mau steht, daß die Farbe auch zur Anlockung genügt. Das wird noch weiter durch«Inen sehr hübschen und anschaulichen Versuch gezeigt. E» gibt eine Talmksorte, deren Blüten alle Uebergönge von Weiß bi» zu kräftigem Purpur zeigen. Knoll gewöhnt« nun d'e Schmetterlinge durch Verwendung der Blüten mit den flederg�ngssarben all- mählich an die purpurn gefärbten. Al» das geschehen war, wurde zwischen k« Glasplatten ein Stern au» blau-violeitem Pqpier ge schoben, und mir konnte wieder durch die Rüsselspuren gezeigt werden, daß der Folter auch persucht hatte, in die„Papierblume" einzudringen, die natürlich nicht duftete.— Dieser Versuch bestoiigt also einmal den«rstcn mst den weißen Blüten angestellten, zeigt aber außerdem, dah der Schmetterling im Dunkeln die Umwelt nicht grau in grau sieht, wenn sie violett ist, sondern dah er wirk' lich farbig steht, wo wtt nichts mehr sehen. Aber noch etwas anderes lehrt dieser Versuch. Die Tiare hatten sich an die violette Farbe so gewöhnt, dah sie die weihen Bluten, die man daneben stellte, nicht mehr sahen. Sie konnten aber jederzeit allmählich wioder an do» Weih gewöhnt werden, wenn man die Blüten mit den Uebergcngs- färben nunmehr rückwärts einschaltete. Dieses„Sich-an-die-Farben-gewöhnen" kennen wir auch brim Menschen. Der Philosoph Arthur Schopenhauer Hot als erster darauf hingewiesen, dah das farbig« Sehen«in sehr verwickelter Vor- gong Ist, der nicht lediglich physikalisch, sondern auch physiologisch erklärt werden muh. Später hat der berühmte Physiker Helmholtz die gleich« Ansicht ausgesprochen. Rur dadurch wird es begreiflich, dah wir seit Entdeckung der sogenannten Freikichtmolerei die Farben in der Rowr ganz ander- sehen al» die Menschen vor vierzig Jahren. Di« Freilichtmaler übertrieben natürlich anfangs, aber ohne es zu wollen, lernten auch die rlien Mal«, di« Feind« der damalige, Sezessionlsien, mst jinberen' Augen sehen, obwohl ihr« Augen als »physikalischer Apparat" dieselben gedfaden waren. Au. enerm b Verkauf jiup soweit Voppcrt! Mahotuch für feine Leibtrüsebe,«&. 8D em breit........................ Mefer TZ. Hessel vafeblMcht» ca. 140 cm breit............. Meter 88. Loulsiono 'nah e». 80 cm breit, UlD........ 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Januar, unser verehrter-stllherer Mitarbeiter uub Kollege, der Setzer-Inoaitde Lmil h-änger Alle, die ihn wstheeud seiner Tstiigkeil in unlecem Betriebe frnnen lernten. verehrten ihn als einen pflichttreuen Kollegen, der sich in/olge seiner steten FrieS!ir!!g!elt und Hilfsberritsdiaft allgemeiner Wrrtschiigung rctrciite Stets werden wir sein« ehrend geben fett. Geschäft« iSfunt der Vorwirts-E and Personal ichdruckcreL Einöschcruna: Eannadd� 4.F bruar. löi/, Uhr, im Krem. Baumschulenwey. Veröffentlichung. In der ait! 17. Januar vor dem Schöffen- grricht BerIin-ZI!i!te. Abteilung 00«, statt- gefundene» Verhandlung gegen die veraniwortliche Nedatieuitu der.Raten Fahne". Fräulein Irmgard Ras», toegeu Belridigung und llvlee Nachrede, hat diese folgende Ertläruug abgegeben! „Mit der Notiz in Nr. züS com 8. KL 1827 der.Raten Fahne" hat die Redaltion z»m Busdruei bringen mallen, daff ne detariige Sammlituge», wie st» die Hindendurg- Sp/ithe darstellt, grundsählich bcloinrtt. ffiil dem Bor wurf des.Schwindels" und .fjachstapelei- fall!« weder dem Ministerialrat Dr Karftebl noch einem her fönst Bete ligtrn der Borwurf unregelmätzigre fSeschättsliihrung oder parteiischer Per- Wendung der gesammelten Gelber gemacht werden. Instneru etwa, Goeent ellige, au» den Aossühntngen der.Roten Fahne" ent- rtomuten werden faitn. wird die» mit dem Dusdrud de»«edauern»»urüggenamunn. Kosten des Lrrsayven» ubsrnttnm« tte Angeklagte h« Jcimttfdien Allgetnein.tt.«-"itBr-a" cht! -'■l". der Aagsklagt» ga Auch bei alten Galleusiemen Lederfranlhelt.. Sallendlafenentzllndg. Gelbsucht, cherz-, Darm». Blaqen�ritan- kungen.Kromviaoiant". Prenzlauer Str. 47 b'ala««retW. Verkäufe Teppiche mit Aerbiehlera. 2X8, 24�- Farbfehler. Z>�xZ>s. ZS�. Farbfehler, �'HXZU-, iS�-. 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