Ur. 260. Erscheint täglich außer Montags. PreiS pränumerando: Viertel- jährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mr., wöchentlich 28 Psg. frei iu'S HauZ. Einzelne Nummer S Psg. Sonntags-Nummer mit illustr. Eonntags-Beilage„Neue Well" ig Pfg. Post-Abonnement: 8,80 Mt. pro Quartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 M., sür daS übrige Ausland 3 Ml. pr. Monat. Eingetr. in der Post- ZeitungS- Preisliste sür isos unter Nr.'las. 12. Jahrg. JnsertionS-Webühr beträgt für die nmfgespoltene Petitzeils oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Verlanimlungs- Anzeigen 2i> Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis« Uhr nachmiilags in der Erpedilion abgegeben weiden. Die Erpedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Kesltagen bis» Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Ur. 1508. rrlegramm-Adrris«: „Koziaide,»ottrat Kerl,»". Verllner Volksblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 8W. 19, Weulh-Straße 2. Die StichnrAhl in Dovkmund. Wir erhalten aus Dortmund, datirt vom 5. November, abends 9 Uhr 40 Minuten, folgendes Privattele granim Lütgenan's Wahl gesichert. Er erhielt bisher 23 806 Stimmen gegen Möller 20 176 Stimmen. Wahrscheinlich wird sich das Resultat noch ändern, da einige Außenbezirke fehlen werden. Jndeß ist der Vor- svrling groß genug, um die Zuversicht unserer Genossen ans den Sieg zu rechtfertigen. Auch ein Vergleich mit dem Ergebniß der Stichwahl bei den Hauptwahlen 1893 drängt zu dem nämlichen Schluß. Damals hatte der nationalliberale Kandidat Möller mit 21 589 Stimmen über den sozialdemokrati- schcn Kandidaten Tölcke mit 21525 Stimmen gesiegt. Nach den bis jetzt ermittelten Zahlen ist also Möller gegen danials um 1413 Stimmen zurückgeblieben, während die sozialdemokratischen Stimmen um 2281 gewachsen sind. Nach der letzten uns um 19 Uhr 6 Minuten zugegangenen Depesche erhielten: Lütgenan 34 41», Möller 31304 Stimmen. Das ist die Antwort des Volkes ans alle die Ver- nuglimpfungen und Verfolgungen, die unsere Partei in letzter Zeit über sich ergehen lassen mußte. Hoch die Sozialdemokratie! Miihvung und VanvmirkhpchafL. Auf dem dritten internationalen landumthschafrlichen Kongreß in Brüssel hat Herr Alfons Allard, Direktor der Brüsseler Bank, eine Resolulion über die Währungsfrage ein- gebracht, die. weil sie zu gunsten des Bimetallismus ausgefallen ist. jetzt von allen agrarischen Blättern mit vielem Behagen ab- gedruckt und im Lande verbreitet wird. Da der Kongreß mit 400 gegen 3 Slimmen beschlossen hat, daß „die Landwirlhe eines jeden Landes alle in ihrer Macht befindlichen Mittel ergreifen sollen., um ihre Regierungen dahin zu bringen, eine internalionale Münzkonferenz zu er- wirken und durch ihre Mitwirkung diese Konferenz zu er- leichtern, zu dem Zwecke, eine internationale bimetallistische Vereinigung herzustellen oder wenigstens das weiße Metall in seine früheren Funktionen als internationales Metall wieder einzusetzen, damit die landwirthschaftliche Krisis aufhört und das Sinken der Preise, welches der Währungsanarchie zuzuschreiben ist," 17 Ein Vovvückker. lNachdr. verboten. Kanipf und Ende eines Lehrers. Roman von Joseph Ruederer. „Ja, dann gehen Sie halt hinüber," sagte der Geistliche mit einer Stimnie, die deutlich zeigte, daß er die Worte der Magd kam» begreifen konnte. Noch iveniger faßte sie der Lehrer. Er hatte niemals von so hohen Bekanntschaften seiner Angehörigen vernommen und war deshalb nicht wenig überrascht, als er schon von weitem vor der Laube des Forsthauses zwei Herren stehen sah, die man dem vor- nehmen Aenßeren nach für das halten konnte, als was sie die Magd bezeichnet hatte. Beide unterhielten sich init dem Förster, der in gewissem, respektvollem Abstand mit seiner Tochter vor ihnen stand und die gestellten Fragen be- anwortete. Der eine Herr, der einen grauen Sommeranzng trug, bemerkte den zögernd herantretenden Lehrer und wies den Förster ans ihn. „So, das ist er also?" fragte er in ernstem, aber nicht unfreundlichem Tone. „Ja wohl, Exzellenz", antwortete Balder, der keinen Augenblick seine sichere Haltung verlor. „Sie sind schon sehr lange Hilfslehrer?" „Fast elf Jahre, Exzellenz", erwiderte Gattl. Er konnte diesen Vorgang noch nicht begreifen und starrte in das auffallend junge Gesicht des Ministers, das ein leicht ergrauter Vollbart umrahmte, wie in eine überirdische Er- scheinung hinein. „Das ist freilich sehr lange, doch die Schuld wird auf Ihrer Seite zu suchen sein." Gattl biß sich auf die Lippen. „Nehmen Sie sich künftig besser zusammen," fuhr der Minister in ruhigem Tone fort,„dann werden Sie auch die Anstellung bekommen und heirathen können. Ich habe von fatalen Dingen hören müssen. Dergleichen wird zu vermeiden sein." Aufmerksam blickte der Begleiter des Ministers, der stattliche Herr im dunkele» Priestertalare, auf den Lehrer. Der Ansdruck des freundlichen, glattrasirte» Gesichts war so hoben wir demnächst wohl wieder eine lebhaftere bimetal- listische Agitation zu erwarten und es rechtfertigt sich, wenn wir kurz auf die Zusammenhänge von Währung und Landwirthschaft eingehen. Erst die Verbindung der Währungsfrage nsit der Frage des landwirthschaftlichen Nothstandes hat in Deutschland die bi- metallistische Bewegung in Fluß gebracht'!')„„tz nlle anderen Gesichtspunkte, die in der Erörterung der Währungsfrage zu gunsten der Doppelwährung vorgebracht werden, verschwinden »eben den rein agrarischen. An einer Nothlage der Landwirth- schaft und besonders der ostelbischen ziveifelr man heute nicht mehr: die Meinungen gehen nur auseinander über die Ur- fachen dieses Nolhstandes und über die Mittel zu seiner Hebung. Seine erste und tiefste Ursache liegt in der U e b e r s ch n l d u n g der heutige» Grundbesitzer, die in blinder Zuversicht auf eine stets wachsende Produktivität der landwirth- schaftlichen Betriebe zumeist ihre Besitzungen zu theuer gekauft, oder im Erbgange zu theuer übernommen haben, vielfach auch ihre Ansprüche an das Leben zu hoch hinaufgeschraubt haben; seine zweite Ursache aber liegt in dem Sinken der Preise der wichtigsten landivirthschaftlichen Produkte. Dieser Preisfall wurde hervorgerufen durch die wachsende Konkurrenz der Ver- einigten Staaten, Argentiniens und Indiens ans dem Getreide- markt. Die Konklirrenzfähigkeit dieser Länder aber beruhe, so meinen die Agrarier, auf der Silberwährung jener Export- länder. Dem ist nun nicht so: zunächst haben die Bereinigte» Staaten gar nicht Silber-, sondern Goldwährung, fallen also ans dieser Diskussion aus. Theoretisch ist die Erwägung der Agrarier nicht ohne Ueberzcugungskraft: wenn ei» Getreideland eine schlechte Währung hat und ein Händler mit gutem Geld in der Hand kommt hinein, so kann er für wenig gutes Geld viel Getreide kaufen, also lohnenden Export treiben; das wird natürlich einen An- sporn für die Produzenten bilden, die nun immer größere und größere Quantitäten bauen und zum Verkaufe stellen werden. Aber in Wirklichkeit verhält sich doch die Sache nicht ganz so. Das beweist das Beispiel Argentiniens. So lange dies Land in der fürchterlichsten Währnngskalamilät steckte(vor 1883 wurde Gold mit 1000—3000 pCt. Agio genommen, d. h. der Peso galt statt 4 M. nur 13 Pf), so lange produzirte es kaum genug Getreide zum eigenen Bedarf; als aber die Währungsverhällnisse sich besserten, da hob sich der argentinische Weizenexport mit einem Schlage. Die Zunahme der argentinischen Produktion ist eben nicht durch die zerrüttete Währung, sondern durch die rasche Ausschließung vorzüglichen Getreidebodens ver- mittels einer starken Entwicklung der Verkehrsmittel(Eisen- bahnen) und einer fortschreitenden Herabsetzung der Frachten entstände». Die Eisenbahnbauten aber wurden erst gefördert, als eine B esserun g der Währung den ausländischen Kapi- talisten das finanzielle Vertrauen zu dem Lande gab. Es bleibt also dabei, daß nicht die Währnngsverhältnisse die starke ausländische Konkurrenz geschaffen haben, sondern die *) Vergl. das HI. Heft der vom Verein zum Schutze der deutschen Goldwährung herausgegebene Währungs- Bibliothek. Stuttgart, Bong u. Co. Expedition: 8V. 19, ZSenth-Straße 3� Aufschließung großer Flächen jungfräulichen Bodens, der mit er- heblich geringeren Produktionskosten mehr Brotfrucht erzeugt, als der allbebanle europäische. Ganz und gar unzugänglich können die Agrarier für diese Thatsache nicht sein, sie müssen doch sehen, daß durch eine Währnngsverschlechterung die überseeische Kon- knrrenz nicht dauernd ferngehalten werden kann; was beabsich- tigen sie dann noch mit ihrer Agitation? Im ver- schwiegenen Busen tragen sie ein schlaues Plänchcn! Freilich hat der Landwirth keinen Vortheil von einer Geldverschlechteruug, wohl aber der verschnldete Landwirth. Wenn nämlich bei einer Währnngsverschlechterung der Nennbetrag seiner Schulden derselbe bleibt, so macht er ein um so besseres Geschäft, je mehr die Währung verschlechtert wird I Also ist die S ch» l d e n e n t l a st u n g das erste Ziel der bimetallistischen Bestrebungen; durch einen Akt der Gesetzgebung wollen sich die Agrarier die unbequemen Schuldner vom Halse schaffen. Der Arbeiterklasse könnte es ja im großen und ganzen ziemlich gleichgiltig sein, wie die kapitalistischen Schuldner die ditlo Gläubiger übers Ohr zu hauen suchen, wenn nur nicht schließlich auch hier wieder s i e einen großen Thcil der Zeche zu bezahlen hätten: denn eine Geldverschlechtcrung bedeutet Steigerung der Preise der Lebensbedürsnisse; einer Steigerung der Preise folgt aber sehr langsam erst und in der Regel erst nach harten Kämpfen eine Steigerung der Löhne. Darum haben die Arbeiter ein Interesse an einer stetigen Währung. poliklsche MebeMchk. Berlin, 5. November. Tie orientalische Frage ist wieder aufgerollt,— daran ist nicht mehr zu ziveifeln— und der Gegensatz zivischen Rnßland und England hat sich dermaßen zugespitzt, daß ein Zusammenstoß fast unvermeidlich erscheint. Die russische Presse, die kein der Regierung unangenehmes Wort sagen kann, schimpft in heftigster Weise auf England und giebt offen zn, daß Rußland für seine den Chinesen «eleisteten Dienste doch eine materielle Entschädigung aben müsse. Die beide» Verbündeten Rußlands: Frank- reich und Deutschland billigten das Vorgehen Ruß- lands. Im übrige» könne England, das ganz isolirt sei, thun, was es wolle. Nicht minder heftig, allerdings etwas anständiger, spricht die englische Presse sich aus. Und die englische Regierung, die sehr wenig spricht, hat in aller Stille eine starke Panzerflotte nach dem Goldenen Horn geschickt, um erforderlichen Falls Koitstaniinopel gegen russische Ueber- fälle zu schützen. Und des weiteren hat sie eine bedeutende Verstärkung der englischen Flotte im Stillen Meer— an der chinesischen Küste— angeordnet. So stellen sich an zwei Hauptpunkten des kommenden gewinnend und gütig. Schneeweiße Haare traten unter dem runden Hirtenhute hervor, um den eine lilaseidene Schnur gezogen war. „Wenn es Exzellenz paßt, dann wollen wir wieder zn unserem Wagen gehen", sagte der Minister. Lächelnd verneigte sich der Bischof. Er reichte Balder und Anna die Hand und gab sie ini Vorübergehen auch dem Lehrer, dem es sonderbar die Brust durchzog. „So, und nun, mein lieber Herr Förster, leben Sie wohl, und lassen Sie sich nochmals sagen, wie leid mir der Tod Ihrer guten Frau gethan hat." Das sprach der Minister, dessen Wesen bei aller Freundlichkeit doch immer etwas Formelles und Herablassendes zeigte. Als ihn Gattl zur Gartenthüre geleitete, reichte er ihm flüchtig die Hand und sagte eindringlich: „Ich habe schon über Sie niit Ihrem künftigen Schwiegervater gesprochen, thun Sie jetzt Ihre Schuldigkeit, dann kann, was heuer nicht wurde, nn kommenden Jahre geschehen." Leicht hob er den grauen, eleganten Filzhut und schritt mit dem greisen Kirchenfürsten langsam zum Fuße des Bühels hinab, wo eine gaffende Menge den ungewohnten Bestich anstaunte.— Nun kam der Lehrer allmälig zu sich. Er drehte sich um und bestürmte den Förster: „War das der..." „Der Unterrichtsminister Dr. von Schultz, ja, der war's!" „Und der andere, unser Erzbischof?" „Ja wohl." „Die kamen zu Dir?" Balder lächelte: „Der Minister hat als junger Beamter oft bei mir ge- wohnt, wenn er im Herbst zur Jagd kommen is, aber des is scho viele Jahr her. Jetzt hat er halt den Tod von der Toni erfahr'» und da is er gelegentlich bei mir vor- g'fahr'n. Des is alls." Je ruhiger der Förster dieses unerhörte Ereigniß auf- nahm, um so heftiger erhitzte es den Lehrer, bei dem die furchtbaren letzten Wochen mit einem Schlage in Vergessen- 1 heit sanken; 1 „Aber, Balder, i bitt Dich," rief er freudig,„wenn der so mit Dir steht, da kann ja all's no gut wer'n!" „Hoffen wir's. Allz'viel darf man so hohen Herren net trauen, es is net immer gut Kirfchen essen damit!" Etwas Ungewohntes, was ihm lange nicht mehr ge- schehen war, passirte dem Lehrer. Er mußte lachen. Wie das die Brust erleichterte! „Wer hat mi denn'rüber holen lassen?" fragte er. „Der Minister hat eigens nach Dir verlangt, er hat di sehen woll'n." „Hat eigens nach mir g'schickt... der Minister? No, nacha is gut... is gut... Thut's mi net verspotten, wenn i so narrisch bin und jetzt so verruckt lachen und wieder iveinen muß, aba... ich Hab' eine schreckliche Zeit verlebt bis zn dem heutigen Tag, wo i wieder anfschuanfen kann." Die dicken Thränen standen ihm in den Augen. „I glaub's," sagte der Förster, indem er ihn ernst anblickte. „Und gelt", begann der Lehrer wieder,„der Minister kommt ja jeden Sommer nach Mariakirchen zum Land- ausenthalt hinaus?" „Scho seit fünf Jahr." „Und Du hast mir nie was g'sagt?" „Er ist ja erst a Jahr Minister, und außerdem.... i weiß net, mir konimt er scho a bisset verändert vor gegen früher." „No ja, freili, aber trotzdem, Balder, trotzdem is des heut a großer Tag sür uns alle." Er war ganz außer sich vor Freude und Bewegung. „Versprich Dir net gar z' viel," warnte Balder. „A was, sei so gut und verdirb mir no mei bisscl Humor," lachte er übermüthig, und zog seine Braut an sich. „Jetz komni i wieder alle Tage ins Forsthaus und wir gehen mitanander, gelt Anna?" Das Mädchen wurde von seiner Freude hingerissen und küßte ihn stürmisch.— Unten im Dorfe stand der Benefiziat mit den Wirths- leuten und blickte sprachlos der gelben Staubwolke nach, die der nach Mariakirchen sausende Wagen des Ministers aus der Landstraße emporwirbelte. Kopfschüttelnd ging der WcltkncgZ: am Bosporus und in Ostasien die Streitkräfte schon einander gegenüber. Sehr ominös ist die Nachricht, welche uns in letzter Minute noch zukommt, daß der englische Gesandte in A f g h a ii i st a n ermordet worden ist. Ter Mörder soll ein Verrückter gewesen sein, allein in dieser Verrücktheit ist doch etwas zu viel Methode. Und Afghanistan ist der Vorhof von Indien, dem eigentlichen Mittel- und Kernpunkt der orientalischen Frage.— Tie Progranimcrkläriiiig dcö französischen Mi- I'.isteriuuis, die der Leser heute Morgen unter den „Neuesteir Nachrichten" fand, entspricht ziemlich genau den vorher gemachten Mittheilungen. Natürlich sucht Herr Bourgeois zu lawiren, und möglichst wenig Abgeordnete zu verletzen. Vor allem komnit es ihm darauf an, sich aus dem Bereiche des„Rothen Gespenstes" zu stellen, und er appellirt deshalb an eine republikanische Majorität ohne solche, die das individuelle Eigenthum nicht anerkennen und ans dem Boden des Klassenkampfes stehen. Allein das Mißtrauen und den Haß der Priester und Anbeter des goldenen Kalbes hat er damit nicht eut- waffnet, wie die unsrenndliche Ausnahme der Erklärung seitens jener Herren beweist, die selber am besten den geringen Werth kennen, den Warte, und wären es sogar Ehrenworte, haben. Die Ankündigung strengen Vorgehens gegen die vornehmen Spitzbuben und die in Aussicht gc- stellte Erbschafts- und Veriuögeusstcner— das ist mehr denn genug, um jene Herren zu tödtlichen Feinden des neuen Ministeriums zu machen. Ans die Heiligkeit des individuellen Eigenthums pfeifen sie,— über die„unverletzlichen Gesetze" lachen sie— das was sie wollen ist: die Freiheit,„das individuelle Eigenthnm" kapitalistisch zu rauben, und die staatliche Beschütznug dieses Raubes. Trotz der formellen Absage, die ihnen gegeben ward, bekundeten die Sozialisten durch beifällige Zurufe ihre Sympathie. Sie wissen, daß die Logik der Thatsachen stärker ist als die Wünsche der Menschen, und daß das Ministerium Bourgeois keinen Tag leben kann, wenn es nicht von den Sozialiften gestützt wird. Und das weitere wird sich finden.— Wer will den Klassenkampf? Wer„schürt den Bürgerkrieg?' Die Arbeiter von C a r m a u x haben sich von Anfang an für ein Schiedsgericht ausgesprochen und in den letzten Tagen noch durch I a n r ö's ihre Bereitwilligkeit, sich einem schiedsrichterlichen Spruche zu fügen, in der Kamuicr erklären lassen. Tie neue französische Regierung hat den Arbeitern von Carmaux einerseits und Herrn Rcsseguicr andererseits eine schiedsrichterliche Lösung angeboten. Die A r b ei t e r haben a n g e n o m m e n. Herr Resseguier hat, wie ein Telegramm meldet, abgelehnt. Herr Resseguier ist der inkarnirte Kapitalismus. Für ihn ist der Arbeiter nur ein Ausbeutnngsobjekt— das keine Rechte hat, nur Pflichten. Der Kapitalist ist absoluter Souverän und der Arbeiter niuß blind gehorsam sich unterwerfen und dem„gnädigen" Herrn Arbeitgeber noch danken, wenn dieser ihm das Fell über die Ohren zieht. Herr Resseguier könnte übrigens seiiuk Rechnung ohne den Wirth geniacht haben. Das n�e Ministerium ist kein Ministerium Ribot— und wird�es auch gestürzt, so kommen Neuwahlen, die den NessMiier und Konsorten sehr unangenehme Ueberraschungen hfnigen könnten./ In bezng auf die vermittelnde Aktion der Regierung schreibt uns ein Pariser Korrespondent:/ Paris, 4. November. Das neue Ministerium und der Caruiauxer Streik. Ministerprüsideiit Bourgeois hat i» seiner Eigenschaft als Minister des Innern gestern an den Tarn- Präfelten eine Depesche gerichtet, in der er ihm zu wissen lhnt, daß das neue Kabinet es sich besonders angelegen sein lasse, den in Carmaux bestehende» Konflikt zu lösen; daß das einzige Mittel, die Schwierigkeiten zu beheben und die Wiederaufnahme der Arbeit unter für beide Theile ehrenhaften Bedingungen zu sichern, vom Gesetze selbst vorgezeichnet, d.i. ein Schieds» g e r i ch t sei, dem zu unterwerfen sich beide Parteien verpflichten sollten. und darum den Präfekten beauftragt, sich an beide Parteien in offizieller Weise zu richten, um sie zu fragen, ob sie geneigt seien, im Einklang mit dem Gesehe vom 27. Dezbr. 1892, ihre Schiedsrichter zu bezeichnen. Der Präsekt hat denn auch sofort ein im Sinne dieser Depesche gehaltenes offizielles Schreiben an beide Parteien gerichtet. Da die Glasarbeiter gleich bei Ans- brnch des Konfliktes den Antrag auf Einsetzung eines Schieds- gerichts gestellt und diesen Antrag erst jüngst wieder erneuert haben, kann es sich jetzt nur noch darum handeln, zu wissen, wie sich Herr Resseguier zu dem Vorschlag des neuen Ministeriums stellt. Wird er die Kühnheit haben, eine abschlägige Antwort zu geben? Ich bezweifle es, denn diese Herren find nur kühn, so lange sie die Regierung ans ihrer Seile wissen.— Man sieht, unser Korrcspondeiit�.hat Herrn Resseguier unter schätzt. Das neue Miiiisterinm aber ist jetzt schon gezwungen, die Arbeit der Sozialisten zu verrichten— trotz der Ver- leugnung des Sozialismus in der Programmerklärung. Jaures, der eine neue Interpellation betreffend Carmaux angekündigt hatte, hat dieselbe angesichts der korrekten Haltung des Ministeriums zurückgezogen.— Ueber den Fall des schweizerische» Wehrgesetzes schreibt die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" heute Abend: Das Mißgeschick, von welchem die schweizerische Militär- vorläge beiroffcn worden, ist zum guten Theil auf den Umstand zurückzuführen, daß bei der Abstimmung ein beträchtlicher Theil t er schweizer Bürger zu Hause blieb, als ob die Sache sie wenig oder gar nichts anginge. Schon von vornherein ist öster die Be- fürchtung ausgesprochen worden, daß gerade der ruhige Bürger durch das oft wiederholte Abstimmen nnßniuthig ge- macht werde und dann bei wichtigen Entscheidungen von d» Urne wegbleibe. Jedenfalls meist ein Vergleich der letzten Ap- stimmung mit der vom 4. November 1894 über den„V«ie- zng" interessante Vcrgleichszifsern a»f. Damals habeupvon 680 909 Schweizer Bürgern 592 990 gestimmt; das war ei/e Vc- tbeiligung von nahezu 99 pCt. Davon stimmten 145 909 für, 347 990 gegen die finanzielle Schwächung des Blindes. Also nahezu eine Fünfstebcntel- Majorität. Die Militär- vorläge hat dagegen nur 437 999 Bürger an die Urne gebracht; das sind 99 pCt., von denen 185 999 für und 285 999 gegen die Vorlage stimmten. Beim Beutezug blieben nur 68 999 Bürger zu Hanse, diesmal aber 229 999. Die Wehrkraft des Bundes ist aber gewiß eine ebenso wichtige Sache wie dessen Finanzkraft und kann als solche auch den Bürgern plausibel gemacht werden. Tic Wichtigkeit der Wchrfrage wird von den Schweizern sicherlich ebenso gut verstaiiden, als von den Gelehrten der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung"; die Schweizer verstehen die Wehrfrage aber anders. Sie betrachten das Wehr- wesen nicht als Staatszweck, sondern nur als ein Mittel; und sie wollen verhindern, daß dieseni Mittel der Zweck des Staats: das heißt das Wohl und die Freiheit der Bürger geopfert werde. Für die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" ist„das Wohl der Bürger" eine demokratische Phrase, sie kennt nur das Wohl der Junker, Bureaukratcn, Offiziere, Polizisten, Kapitalisten, Chauvinisten—, und „Freiheit der Bürger" ist ihr ein überwundener Stand- puukt, ein strafbarer Anachronismus. Die Gelehrten der„Norddeutschen" bedauern es offenbar, daß die Schweiz ein so schlechter Boden ist für schneidige MMärs a la Gertsch, und daß die Schweizer keine„starke Regierung" haben, die ihnen, nach deutschem Muster, die fleue Militärvorlage sana fayon aufzwang.— Zur Königsberger Schiesiaffare bringt die„Königs- berger Hartnng'sche Zeitung" eine Darstellung, die in ein- zelnen Punkten von dem gestern mitgelheilten offiziellen Bericht abweicht. Es heißt da: „Die Arbeiter Michaelis, Funk und Findekling wollten am gestrigen Sonntag ihre in Wilkühnen bei Heiligenwalde wohnen- den Eltern besuchen und machten sich zu diesem Zivecke am Sonn- abend Abend auf den Weg. Vor das Sackheimer Thor gekommen, kehrten sie in den dort belegenen Hirschkrng ein, woselbst Michaelis und Funk sich ziemlich stark antranken und überdies noch eine Flasche Schnaps miinahmen. Etwa 499 Schritte hinter dem Hirschlrug— schräg gegenüber dem alle» Militär- Kirchhose— stehen seitwärts der Chaussee vier große Militärschuppen, die mit einem Zaune eingefriedigt sind. Die Thür in diesem Zaune stand offen. Innerhalb des eingezäunten Hofes steht ein Mililärposten zur Bewachung der vier Schuppen.— Als Michaelis, Funk und Findekling nun abends zwischen zehn und elf Uhr an dieser Stelle vorbeikamen, sollten die ersten beiden die illbsicht ausgesprochen haben, dem Militärposten, den diesmal die 12. Kompagnie des Grenadier- Geistliche von bannen. Ehe er in den Pfarrhof zurückkehrte, wollte er noch Poiten aussuchen, dessen Genesung schnellere Fortschritte machte, als der Arzt anfangs geglaubt hatte. Ter Priester fand den Kranken am offenen Fenster in einem unförnilichen Großvaterstuhle mit zerrissenen Polstern sitzen. Eine buntgewürfelte Decke umgab die Füße. Bleich und elend sah der Bauer in dem weißen Leinenhemde aus. Mit matter Bewegung streckte er seinem Tröster die Hände entgegen. Kathi stand neben ihm und als sich der An- kommende umdrehte, gewahrte er auch den Förster Göpfert, der eigens von Wallberg herüber gekommen war, um den Kranken zu besuchen. M« Nach einer kurzen Ansprache an den Leidenden, der mit dankbarer Verklärung zu ihm aufblickte, empfahl sich der Geistliche wieder, weil ihn Göpfert's Anwesenheit in seiner Seclsorge belästigte. Er ging iu den Pfarrgarten, wo er, immer noch in Gedanken an den merkwürdigen Besuch im Forsthaus, hcrumwandelte und sein Brevier betete. O» Mit neuem Eifer und angespornten Kräften war Gattl wieder in seine Schule gegangen, als es kühler im Thale wurde und die staubigen Blätter der Buchen und Ahorn- bäume sich golden färbten. Die Worte des Ministers hatten ihn förmlich elektrisirt und eine um so nachhaltigere Wirkung hervorgerufen, als der hohe Herr wenige Tage darauf dem ihm begegnenden Balder in Mariakirchen versicherte, er wolle Gattl's Sache im Auge behalten. Nun glaubte dcr Lehrer, es könne ihm nicht mehr fehlen. Scherzend erzählte er Balder von dem Benefiziaten, dem der Besuch doch gehörig in die Nase gestiegen sein müßte, weil er kein Sterbenswörtchen mehr sagte, wenn Gattl häufiger ins Forst- haus ging. Auch sonst wurde der Lehrer etwas besser be- handelt, als gewöhnlich. So waren ihm die Ferien doch zu besseren Tagen geworden, als er anfangs geglaubt hatte. Balder fand glückliche Menschen, wenn er vom Walde heimkam, und freute sich dann am Abend mit ihnen, weil er wohl merkte, daß die angewachsene Verbitterung einer jahrelangen, ungestillten Zuneigung der Erwartung besserer Tage wich. Das immerwährende Beisammensein, das im Laufe der Zeit zu etwas Gewohntem und Selbst- verständlichem geworden war, bot den beiden Liebenden neuen Reiz, wenn sie allein oder mit dem Vater die Spazier- gänge durch Wald und Felder unternahmen. Lächelnd hörte dann Balder ihre Zuknnftspläne an und wunderte sich, daß der Lehrer trotz aller trüben Erfahrungen immer wieder im stände war, neue Bilder sich auszumalen und kühne Hoffnungen an das Leben zu knüpfen. Was redete Gattl da nicht alles zusammen! Er sprach von einer weiteren Ausbildung seiner musikalischen Fähigkeiten und von allen möglichen höheren Zielen, die sein Ehrgeiz noch erstreben wollte, wenn nur erst einmal die ersehnte An- stellung eingetroffen sein würde. Wenn aber Balder auch noch so schwarz sah nnd mit dem Anfang der Schule auch den Wiederbeginn des alten Jammers befürchtete— die frohe Zuversicht der beiden konnte er nicht zerstören, als sie so glücklich neben ihm daher- gingen. Gattl versäumte auf diesen Spaziergängen keine Gelegenheit, seine einstige Schülerin noch weiter auszubilden und zu belehren. Das freute den Förster und Anna empfand es gar dankbar; hielt sie sich doch, wie sie selbst oft genug lachend versicherte,„für a ganz dummes Ding", das noch viel zu lernen hatte. So war der Lehrer eincs Tages durch den weiten Stangenwald bei trübem Wetter in die Gaifschlucht hinaufgegangen. Am Wegrande hatte sich Anna violetten Enzian gepflückt, den sie in losem Gewinde um ihren schwarzen, runden Strohhut band. Ihr Gesicht war leicht geröthet von der Anstrengung des Steigens und die Haarlocken, die in die offene Stirn hereinhingen, waren zerzaust und verwirrt von der ans- strömenden Körperwärme des jungen, frischen Geschöpfes. Gattl betrachtete sie mit innerer Freude. Sie war zwar heute ernster wie sonst und hörte nur zerstreut dem Lehrer zu, der ihr einige Gedichte von Chamiffo aus einem abgegriffenen Pergamcntbändchen vorlas, aber ihre ganze Gestalt sprühte von Elastizität und Leben, als sie Arm in Arm mit ihm höher hinaufging und den schaurigen Wänden entlang in den gewaltigen Schrund wanderte. Jetzt standen sie aus der schwindligen Holzvrücke, die den finsteren Rachen wischen zusammengekeilten, grotesken Felsenniauern in ge- waltiger Höhe überspannte. Tief unten wälzte sich zischend der schaumbedeckte Sturzbach dahin. Weit herab kam er von dem zerrissenen Gletscher, der auf einem mächtigen Hoch- platcau gelagert war und durch die gähnenden Spalten der mit schwachen! Grün überwachsenen Wände weißgrau in die tiefe Schlucht hereinschimmerte. Finsteres Gewölk ruhte regnungslos über den zerklüfteten Eismassen. (Fortsetzung folgt.) Regiments König Friedrich III.(ostpr.) Nr. 1 gestellt hatte, einen Schnaps anzubieten. Sie gingen deshalb durch die offene Thür auf den unizäunten Hof, während Findekling an» geblich außerhalb des Zaunes verblieb. Ueber die Vorgänge, welche sich auf dem Hofe abgespielt haben, war bisher Bestimiines nicht zu erfahren. Fest steht aber, daß die beiden Arbeiter Michaelis und Funk den Posten vielfach belästigt und schließ- lich mit Steinen beworfen haben, derart, daß ihm der Helm beschädigt und vom Kopf geschleudert wurde. Den nun davon eilenden Exzedenlen rief der Posten dreimal„Halt!" zu und machte dann, da sie nicht standen, von der Schußwaffe Gebranch. Hierbei ist Michaelis erschossen und Funk durch einen Schuß in die Brust schwer verwundet worden. Ter letztere ist nach dem Elisabeth-Krankenhause geschafft, während die Leiche des Michaelis nach der Anatomie gebracht wurde, woselbst heute die Sektion derselben fianfiodet. Ter Findekling ist, als er den Schuß hörte, davon gelausen und in seine hiesige Wohnung zurückgekehrt." Daraus scheint also hervorzugehen, daß die beiden „Arbeiter" zunächst garnicht in böswilliger Absicht, sondern nur mit der Zuthunlichkeit des Betrunkenen die Umzäunung betreten haben, dann allerdings in Zwist mit dem Posten gcrathen sind und ihn belästigt haben. Soweit haben sie sich straffällig gemacht. Aber mußte die verbogene Helm- spitze mit dem Tode der Attentäter gebüßt werden? Keinem Zivilisten in gleicher Lage würde es verziehen werden, wenn er zwei fliehende Leute niedergeschossen hätte. Der Posten Jfnt offenbar nach seiner Instruktion gehandelt. Der In- ssstruktion und dem System, ans dem sie hervorgegangen, sind auch diese Menschenopser gebracht.— Einige Euthüllnngen über die Zeit, in der das Treiben des Freiherrn v. Hammerstein seinen Freunden bc- kannt wurde, verdanken wir einer Zuschrift des Professors K r o p a t s ch e k an das„Tageblatt". Anlaß dazu gab eine von dem Bürgermeister von Zinna herrührende Noliz, Herr Kropatschek habe bereits im Dezember 1894 von den Verbrechen Hammcrstein's Kenutniß erhalten. In Herrn Kropatschek's Zuschrift heißt es: „Am letzten Dezember v. I. ward mir durch de» Vorsitzenden des Komitees der„Kreuz-Zeitung" mitgetheilt, dem Freiherrn v. Hammerstein sei zum 1. Juli gekündigt. Die Gründe, soweit ich sie erfuhr, waren bedenkliche Eigenmächtigkeiten in der finanziellen Leitung der Zeitung. Mir selbst war. ohne daß ich genaue Einzel- heilen wußte, bekannt geworden, daß der Pensionsfonds(ans den ich selbst übrigens mit meinen Ansprüchen nicht ange- wiesen war) statntenwidrig, aber nicht in seinem persönlichen Interesse durch Freiherrn v. Hammerslein verwendet sei, daß er viel zu hohe Papierprcise gezahlt habe und gleichzeitig Privat- schuldner des Lieferanten geworden sei. Das genügte mir, mich seitdem auf den dienstlichen Verkehr mit Freiherrn v. Hammer- stein zu beschränken. Als ich Ende Februar erfuhr, daß dem Herrn Hofprediger a. D. Stöcker der für ihn 1885 durch die„Krz.-Zlg." gesaminelle Fonds noch nicht ganz ausgezahlt sei, Herr von Hammerstein ihm aber gesagt habe, das Gelb sei von einem verstorbenen Beamten der Zeitung unterschlagen worden, konnte ich feststellen, daß Herr von Hammersteiii selbst das Geld gegen noch vorhandene Quittung an sich genommen habe. Ich machte dem Vorsitzenden des Komitees davon sofort Miltheilnng. Den damaligen Ver- leger der Zeitung aber bat ich dringend, mich von meiiien koa- trakilichen Verpflichlungen zu entbinden. Daß damit für mich der Verzicht auf meine nicht unbedeutenden Pensionsansprüche verbunden, und es für mich in meinem Aller nicht leicht war, eine andere entsprechende Lebensstellung zu finden, bemerke ich nur nebenbei. Unter dem ausdrücklichen Hinweis jedoch, daß die Kündi- gung des Freiherrn von Haminerftein zum I. Juli aufrecht er- hallen sei nnd werde, bat mich der Verleger, a»erke»nend, wie schwer mir dies fallen müsse, im Interesse der Zeitung auszuharren. Sei Herr v. Hammersteiii am 1. Juli nicht gegangen, dann fei ich meines Kontraktes entbunden. So blieb ich. — Von„Verbrechen" des Herrn v. Hainmerstein wußte ich bis dahin nichts. Denn auch die Zurnckvehaltung des sogenannten „Slöckersonds" war ein solches nicht, da Herr v. Hainmerstein deni Hosprediger Slöcker die zurückbehaltene Summe ans seinen eigenen Mitteln verzinst halle. Moralisch lag die Sache sreilich ganz anders. Daß ich mein Verhältniß zur Zeitung, wenn Herr v. Hammer- stein über de» I. Juli hinaus bleiben würde, lösen werde, dar- über halte ich stets und öffentlich gesprochen. Als dies am l. Juni in den Blättern stand, forderte mich Herr v. Hainiiierstein auf, die Nachricht zu desavolliren. Das lehiite ich ab, sie als durchaus zutreffend bezeichnend. Ohne daß es zu irgend welcher erregten Szene gekommen iväre, erklärte Herr v. Hammerstein, daß ich mich damals sofort als entlassen anzusehen habe. Damit war nur mein Wunsch erfüllt.— Nach dem Fort- gang des Freiherr» v. Hammerstein bin ich au; Wunsch des Komitees in meine frühere Stellung wieder eingetreten unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, wenn\e wieder Herr v. Hammer- stein zur Zeitung in Beziehnng treten sollte, ich sofort sie wieder ausgeben dürfe. Von den wirklichen„Ver- brechen" des Herrn v. Hamnierstein habe ich erst in den letzte» Tagen des Juli eine Andeutung und anfangs August die Thatsachen erfahren. Sehr natürlich, denn sie sind ja erst nach seiner Abreise von Berlin dem Komitee bekannt geworden." Im Zusammeilhang damit bittet Herr Major z. D. S ch e i b e r t: „dieser Erklärung meines Freundes Kropatschek hinzufügen zu wollen, daß ich, stets von allen Schrillen desselben in dieser Sache unterrichtet, ihm durchaus zustimme. Wenn ich schon im Februar mein Verhältniß zur„Kreuz-Zeitung" löste, so war der Grund, daß ich eben in der glücklichen Lage war, durch leine kontraktlichen B«stiutmu»g«n gebunden zu sein."— »• * Tentsches Reich. — Der„Reichs-Anzeiger" schreibt:„Die von de» „Münchener Neueste» Nachrichten" in der Nr. 599 vom 4. l. M. gebrachten Mittheilungen über Verhandlungen des preußischen Slaatsminisieriums in betreff der neuen M i l i t ä r- S t r a s» p r o z e ß- O r d n u n g beruhen aus E r f i n d u n g."— — Der Marine-Etat. Ueber den Marine-Etat für 1896/97 sind schon jetzt, obwohl die Druckvorlagen der Regierung noch nicht erschienen sind, jolgende Angaben in die OeffeuUichleit gedrungen: Die fortlaufenden Ausgaben belaufen sich auf 55 795 724 M. (534 231 M. mehr als im Jahre zuvor). Die einmaligen Aus- gaben betragen im Ordinariui» 25 927 399 M.(mehr 4 473 959 Mark), im Extraordinarinm 5 864 599 M.(mehr 1953 199 M.). Die einmalige» Ausgaben im Ordinarinm sind nach der„Saale- Zeitung" bis zum Betrage von 19 283 999 M. nur für Schiffs- bauten bestimmt und zwar wie folgt: 3 999 999 M. als 3. Rate zum Bau des Panzerschiffes I. Klaffe„Ersatz Preußen": 1259 999 Mark 2. Rate zum Bau des Kreuzers 1. Klasse„Ersatz Leipzig; 1 599 999 M. 2. Rate zum Bau des Kreuzers 2. Klasse I£; 1 500 000 M. 2. Rate zum Bau des Kreuzers I. Klasse ck,; 1 599 999 M. 2. Rate zum Bau des Kreuzers 2. Klasse„Ersatz Freya"; 1649 M. 2. und Schlußrate zur Erneuerung von Ma- schinen nnd Kesseln zweier Schiffe der„Sachsen">Klasse; neu werden gefordert: 1 999 999 M. 1. Rate zum Bau des Panzer- schiffes 1. Klasse„Ersatz Friedrich der Große"; 1 759 999 M. 1. Rate zum Bau des Kreuzers 2. Klaffe Ick; 1 759 999 M. I. Rate zum Bau des Kreuzers 2. Klasse K; 500 000®?. 3. Rais zum Bau des Kreuzers 4. Klasse G; 873 000 M. 3. Rate zum Bau eines Torpedodivisionsboots; 1 800 000 M. 1. Rate zur Herstellung von Torpedobooten; L50 000 M. zur Beschaffung eines Slalionsschiffes für Koustantiuopel und 820 000 Mark 1. Rate zur Erneuerung von Maschinen und Kesseln des 3. und 4. Schiffes der„Sachsen"-Klasse. Die Ge- faininlkosten für das neu zu erbauende Panzerschiff 1. Klasse sind mit 14 320 000 Mark veranschlagt; diejenigen für die Kreuzer 2. Klasse mit je 7 500 000 Mark; die des Panzers 4. Klasse auf 2 6oO OOO Mark. An Torpedobooten sollen als Ersatz für dem- nächst abgängig werdende Torpedoboote acht Stück mit einein Kostenaufwand von 3 184 000 Mark neu hergestellt werden— vorausgesetzt natürlich, daß der Reichstag so freundlich ist und das alles bewilligt; vielleicht aber werde» den Herren Marine- eiuhnfiasten noch verschiedene dicke Striche durch die schöne Rechnimg gemacht, zum Vortheile des armen, steuerzahlenden Volkes.— — Revision des Handelsgesetzbuches. Im Zusaunn euhange mit der Neugestaltung des bürgerlichen Rechts ist auch eine Revision des Handelsgesetzbuches in Aussicht ge- nonimcn. Der zu diesem Ziveck im Reichs-Justizamt aufgestellte Entwurf eines neuen Handelsgesetzbuches soll(nach dem.Reichs- und Slaats-Anzeiger") zunächst einer Begutachtung durch eine aus Rechtsverstäudigen und Vertretern des Handels und der In- dustrie gebildete Kommisston unterzogen werden, welche unter Mitwirkung von Vertreter» der betheiligten Ressorts am 21. dieses Monats ihre Berathungen im Reichs- Justizamt beginnen wird. Unter den Mitgliedern der Koinuiissio» finden sich nebe» einer Anzahl von praktischen Juristen die Vertreter des Großhandels und der Großsinanz. Von einer Heranziehung der Kleinhändler oder gar der Handlungsgehilfen hat man abgesehen; wenn Theile des Entwurss, durch welche ihre besondere» Interessen berührt werden, zur Verhandlung stehen, dann in eine Verstärkung der Kommission durch Berufung von Vertretern der betreffenden Berusskreise„vorbehalten". Gegen ei» solches Vorgehen muß protestirl werden: für die Handlungsgehilfen und Kleinhändler sind nicht nur einzelne Be- siinnnuugeu, sondern die ganze Gestaltung des Handels-Gesetz- bnches von Wichtigkeit und darum gehörte es sich, daß zu alle» Berathungen Kleinhändler und Gehtlsen zugezogen würden.— — Lehrerbesoldungen in Preußen. Wie die .Weser-Zeitung" erfahren bat, ist der im Kultusministerium aus- gearbeitete Entwurf eines Lehrerbesoldnngs- Gesetzes vom Finanz- minister genehmigt worden, wird also wohl dem nächsten Land- tage zur Beschlußfassung zugehen.— — F i d e i k o»n m i s s e. Im Auftrage des Justizministers hatten die Ober-Landesgerichte Nachweisungen über den Umfang der in Preußen gelegenen Familien- Fideiloinmnisse aufgestellt. Diese zur Zeit dem Statistische» Amt vorliegenden Verzeichnisse lassen jedoch die einzelne» Fideikommißinhaber nicht erkenne» und gebe» keine Auskunft über die Frage, ob und in welchen Fälle» mehrere Familie»- Fideikommiffe sich in der Hand eines und desselben Inhabers vereinigt finde». Im Auf- trage des Ministers für Landwirlhschnft ersuchen nunmehr, wie die„Schlesische Zeitung" erfährt, die Regierungspräsidenten die einzelne» Landräthe, ihnen die in ihrem Kreise gelegenen Familien-Fideikommisse nach ihrer Bezeichnung und Größe an- zr cbe i, deren Inhaber zu benennen und sich bei denen, die in dem Kreise ihren Wohnsitz haben, darüber zu äußern, ob diese noch weitere innerhalb oder außerhalb Preußens gelegene Fioeckommisse besitzen, in ivelchem Falle auch dieser weitere Besitz nach Bezeichnung, Größe und Lage möglichst genau an- zugebe» ist. Diese Aufnahme der Fideikommiffe wird in mehr als einer Hinsicht von Bedeutung für den Sozialpolitiker sein. Uebrigens muß nmn sich sehr wundern, daß vom Justizministerium zunächst ei» ��unvollständiges Verzeichniß angefertigt ist; war denn gar taiistiker in der Nähe, der eine bessere Instruktion hätte erfassen können?— — Konservative Arbeiter.„Meine Arbeiter sind auch konservativ", sagte der Gutspächter Bleul, der den Redak- teur des„Niederschlesischen Anzeigers" wegen öffentlicher Be- leidigung durch die Presse vor den Kadi gezerrt hatte. Herr» Bleul war nämlich eine schwere Wablbeeinflussung zu gunsten des konservativen Herrn von Schalscka nach- gesagt worden; da er nun sein Gewissen rein und ruhig wußte, so verklagte er den argen Preßmenschen. Aber siehe ba, nur zu bald mußte der Biedermann in der Verhandlung zugestehen, daß er seinen Leuten in väterlicher Liebe alles mögliche Gute ver- sprachen habe, wenn sie den„richtigen" Stimmzettel abgeben würden. Gar lieblich klingt die Rede und Gegenrede vor dem Gerichte: „Bertheidiger: Sie selbst habe» wohl für Herrn v. Salisch gestimmt?— Zeuge: Jawohl. Ich habe für Herrn v. Salisch gestimmt, und meine Leute sind auch konser- vativ.— Bertheidiger; Und Ihre Leute wußten auch, daß Sie für Herrn v. Salisch stimmen würden?— Zeuge: Jaivohl, das wußten meine Leute.— Bertheidiger: Und nach der Wahl haben Sie ein Fest gestattet, weil die Wahl so gut ausgesalle» war?— Zeuge: Der Ball hat nach der Wahl stattgefunden.— Bertheidiger: Wie haben Ihre Leute denn gewählt?— Zeuge: Meine Leute haben alle konservativ geivählt." Ter Gerichtshof sprach den Angeklagten frei, weil er zur Ueberzeugung gekommen war, daß' kaum jemals eine Wahl- beeiufluffung klarer erwiesen sei, als in diesem Falle.— Ander- wärts passirl so etwas natürlich nicht; z. B. in Dortmund, Ivo jetzt gerade die Stichwahl tobte, ist eine Wahlbeeinflussung gäiiMch unbekannt. Oder, wie?— — Zu der Zeil gen aussage des Freiherrn v. Mirbach bemerkt die«Freisinnige Zeitung":„Oberhojmeister Frhr. v. Mirbach hat vor Gericht ausgesagt, daß er allein i» dem Komitee widersprochen, auch jüdische Personen zu Beiträgen für die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnißkirche heranzuziehe». Es sind uns aber die Namen jüdischer wohlhabender Personen mitgelheill worden, a» welche Frhr. v. Mirbach sich brieflich und direkt wegen Beiträge für de» Kirchenbau gewandt hat. Herr v. Mirbach hat also den seiner Älusicht entgegenstehenden Beschluß des Komitees nachher gleichwohl ausführen Helsen."— — DieDeiillilziationeil gegen die christlich« sozialen Geistliche» der jüngeren Schule haben einen Erfolg errungen. Der„Kreuz- Zeitung" zufolge ordnete der evangelische Oberkircheurath bereits vor längerer Zeit eine Di sz ip l i n a r u n t e r s u ch u n g gegen P a st o r K ö tz s ch k e in Sangelshauscu wegen Ausreizung zu», Klassenhaß an — Gnade, wem Gnade gebührt. Ans Barmei? wird berichtet: Wegen Körperverletzung, begangen im?I»ite. waren im verflossenen Jahre zwei Polizei-Sergeanten zu je drei Monaten Gefänguiß verurtheill worden. Ein Gnadengesuch an den Kaiser halte insofern Erfolg, als die Strafe in eine Geld« büße von 50 Mark umgeivandell worden ist.— — Die Wahlbetheiligung bei den letzten sächsischen Landtags mahlen war nach der soeben er- schiene»«« amtlichen Nebersicht gleich 51,28 pCr., während sie in den gleichen Wahlkreisen 1889 nur 43,35 pCt. und 1883 nur 36.69 pCt. betrug Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 1883: .122061. 1889: 147954 und 1395: 174103.— — Badischer Landtag. In, Badischen Landtage gruppiren sich die Parteien nunmehr folgendermaße»: 31 National- liberale, 21 Klerikale, 5 Demokralen(welche in der sreisimlige» P esse Rorddeulschlands fälschlich als Angehörige der freisinnigen Volkspartei bezeichnet werden), 2 konservative, 2 Sozialdemokraten, 1 Antisemit und 1 Wilder. Ter„wildgewordene" ist der ehemalige Sozialdemokrat Stegmüller.— — Fuchs mnhl und seine Früchte. Unter den Frankenmalder Bau-rn regt es sich; selbst in dieser schivärzesten Ecke des schwarzen Bayerns haben die Fuchsmühler Ereignisse, der Prozeß und die Kamuierverhandlunge» Bewegung in das Volk gebracht, das bisher iin dumpfen Gehorsam nicht gegen die Macht der Klerikalen zu löcken wagte. Die Bewegung richtet sich vornehmlich gegen den Abgeordneten Zinner, weil er gegen das von unseren Genossen angeregle Mißtrauensvotum für die Minister gewesen ist.— Neber ein anderes Nachspiel z n F u ch s m ü h l erfährt ein Münchener Blatt, daß drei ehemalige Fuchsmühler Holzrechtler neuerdings aus dem Wege des Armen- rechts gegen Herin v. Zoller Klage auf Herauszahlung der so- genannten Rückstände erhoben haben.— — Eine Wetterfahne. Eine politische Wetterfahne aller ersten Ranges und so recht ein würdiger Bolksführer von«ab politischer Art scheint der bayerische Landlagsabgeordnete Penn zu sein. Bei seiner Wahl halte er das Versprechen ab- geben müssen, dem Zentrum nicht beizutreten. Er wurde deshalb in der Mitgliederliste als„wild" aufgeführt. Bei Beginn der Session, bereute er ober seine„Wildheit", und er trat doch dem Zentrum bei. Darob wurden ihm kürzlich in einer Versammlung ordentlich die Leviten gelesen. Penn, der in der Versammlung anwesend war. gab darauf die Erklärung ab:„Sie dürfen nur eine Wahlmänner- Versanunlung aus. schreibe» lassen, und wenn sich meine Wähler dann dahin aus- sprechen, daß ick wieder wild werden soll, werde ich's mit Ver- gnügen." Der Mann, der aus Kommando wieder„wild" werden will, hätte verdient, als Ehrenmitglied in die Fraktion Dreh- scheide ausgenommen zu werden!— — A b in i n d e r u n g der Vodenzinse i n B a y e r n Im bayerischen Landtage sind sowohl von liberaler Seite wie auch vom Zentrum und de» Bauerubündler» Anträge ans Ab- ininderung der Bodenzinse gestellt. Die besteheuden Bodenzinse beruhen, wie wir der„A. Z." entnehmen, auf den Ablösiings- gesetzen von 1843 und 1872. Wie fast überall im Deutschen Reiche, so waren auch i» Bayer» die Landwirthe nicht volle Grundeigenthümer. Der Grundherr, der die Güter zu verleihe» hatte, war der Obereigenlhnmer(dominus directus), der Besitzer der Nutzeigenthümer(dominus utilis). Letzterer halte an den Grund Herrn lheils ständige Leistungen(hierunter Reichnisse in Getreide und dergl.) thcils Abgaben bei Besitzänderung(Handlohn und Leibgeld) zu entrichten. Das Gesetz von 1343 ordnete die Fixi- rung aller dieser Leistungen an und ließ die Ablösung zum acht. zehnfachen Betrag der jährlichen Leistung zu. Der Staat trat mit seiiiem Kredit ein,„m die Ablösung zu ermöglichen, indem er eine Grilndrenten-Ablösungskasse errichtete und den Berechtigten den zwanzigfache» Betrag der fixen Rente in 4prozent. Staats- schuldbriesen vergütete. Dagegen hallen die Pflichtige» das Ab- lösungskapital mit 4 pCt. zu verzinsen. Dieses an die Staats- lasse fließende Reich, liß heißt Bodenzins. Den Pflichtigen war gestattet, das Ablösmigekapital mittels Annuitäten abzu tragen. Das Abtösungsgeschäst legte dem bayerischen Staat von 1848—1872 ein Eeldopfer von 34 285 000 M. auf. Das Gesetz von 1872 suchte die Ablösung mehr als bisher zu fördern. 'Alle an die Ablösungskasse des Staates zu entrichtenden Leistungen wurden vom 1. Januar 1876 an um de» achten Theil ihres Be- träges erhöht, sind aber nur bis 1934 zu entrichten. Die Grund- rentenschuld des Staates beziffert sich auf 143 477 469 M. Die eingehende» Grundrenten betragen 6 526 640 M. Der Staat muß noch etwa 300 000 M. zur Verzinsung und Amortisirung der Grundrentenschuld darauf bezahlen. Die Koste» einer Anshebung würde die Gesannutheit der Steuerzahler, also zun, wesentlichen Theile auch das arbeitende Volk tragen; dazu wird es voraussichtlich»ich, kommen, aber eine Konvertirnng und damit eine 3>/2 prozenlige Verzinsung der Gruildrenlenschuld werden sich die herrschenden Parteien vielleicht bewilligen.— �raukroich. — Mini st er Berthelot über Frankreich und Deutschland. Bei der im März d. I. vom Pariser „Mercure de France" und der Berliner„Neuen Rundschau" veranstalteten Umfrage an viele führenden Geister beider Völker über das Problem einer deutsch-französischen Annäherung sagte Berthelot, der heute nur ein französischer Minister, damals aber einer der bedeutendsten Chemiker der Welt war: „Ich bin entschieden der Meinung, daß die Kulturvölker zwischen einander die engsten Beziehungen pflegen sollen, und speziell Frankreich»nd Deutschland. In diese» Beziehungen wird jede Nation Originalität und eigene» Charakter behalten müssen, indem sie sich, durch Assimilalion der guten Eigen- schaften seiner Nachbarn, bemüht, immer besser zu lverden. Diesem Geiste entsprechend habe ich stets die deutschen Ent- deckungen und Ideen verfolgt und es versucht, die besten Be- ziehuugen zu deutschen Gelehrten zu behalte». Ihre Sympathie hat uns im allgemeinen nie gefehlt. Aber die Beziehungen können nur unter zwei Bedingungen ganz intime lverden: Jede Nation muß auf alle Ansprüche, auf geistige oder andere Uebermachl ihren Nachbarn gegenüber ver- zichten. Deutschland muß aufhöre», in der Well das antike Recht der Gewalt und der Eroberung zu verkünden und der geivaltthätig annektirte» Bevölkerung das nioderne Recht, sein Schicksal zu wählen, zurückgeben. Der Mißbrauch, den es von seinen Siegen gemacht hat, unterhält den Zwiespalt der Völker und bedroht die Zukunft mit neuen ikatastropheu." Als dann neulich der„Monde illustrs" in Zlnschluß an einen Artikel„Unsere Todten von 1870" Meinungsäußernngen über die Kriegserinnernngen einfordere, da schrieb ihm Verlhelyt: �„Wir haben nicht vergessen. Allein der Tag der Gerechtig- die Revanche der Unterdrückten an der Gewalt und Er- obeWtg ist noch nicht gekommen. Die Männer meiner Generation sinken nach einander ins Grab und werden diesen Tag nicht mehr erleben. Unsere Nemesis wird der Sozialismus sein." So hat er de» Chauvinismus verbannt und dem Sozialis- inus die große Kulturaufgabe der Versöhnung vindizirt. Der Sozialismus wird die Nemesis sein, nicht indem er für beklageuswerlhe Opfer von neuem das Blut der Völker verspritzt, sondern indem er durch Aufhebung aller Unterdrückung auch den Haß zweier Völker hinfällig macht, die vereint an der Spitze der Zivilisation gehen können. In Deutschland hat»na» letzthin solche Reden nicht vernommen; indeß...... — Korruption. Die„Petite Republique" verzeichnet ei» Gerücht, welches im Kriegsininisterium in Umlauf war und wonach es festgestellt sein soll, daß die Liebesgaben für die Soldaten des Madagaskar-Expeditionskorps an diese nickt ver- sondern zu Wucherpreisen verkauft wurden. Wie es Kriegsministerium heißt, soll daher eine strenge Untersuchung dieser Hinsicht eingeleitet werden.— Schweiz. — Militär vorläge. Aus der Abstinunung über die Militärvorlage werden folgende Einzelziffern bekannt: Basel- Stadt gab 5986 Ja gegen 2694 Nein; Basel-Land 3200 Ja gegen 4350 Nein, Solothurn 4709 gegen 6792, Aargau 19 611 gegen 16 170, Bern 36376 gegen 24912, Zürich 41 205 gegen 24 643, Thurgau 9816 gegen 7355, St. Gallen 15 882 gegen 24 074,(Sinnig 918 gegen 5375, Graubünden 5533 gegen 7816, Tessin 5300 gegen 7400, Luzern 1600 gegen 13 532, Freiburg 3500 gegen 18 000, Wallis 1573 gegen 9771, Neuenburg 3107 gegen 12 303, Wandt 6000 gegen 30 000, Gens 2900 gegen 9000. Belgien. Kongreß d e r K o h l e n a r b e i t e r. In Cbarleroi hat am 3. Novetnber in Anwesenheil mehrerer sozialistischer Ab- � zuuilll Solch wem ztbeitt mte. drei ,11 oli geordneten ein nationaler Kongreß der Kohlenarbecker stai-- gefunden. Allgemein wurde geklagt über die niedrigen Lohne und schlechten Arbeitsbedingungen der Häner, Förderer und jugendlichen Hilfsarbeiter. Der Abg. Defnisseaux legte einen Plan des französischen Ingenieurs Laur vor, der allen Bergarbeitern den gleichen Lohn sichert. Das System könnte angewendet wer- den, wenn das Bergwerk im Besitze der Arbeiter oder des Staates wäre. Man müßte demnach den Uebergang des Eigen lhums der Bergwerke an den Staat fordern: da aber zur Zeit von der Regierung und der Kammermajorität ein derartiger Antrag sicher abgelehnt lverden ivürde und dabei die Gefahr vorläge, daß auch andere Anträge zu gunsten der liohlenbergarbeiler verworfen würden, so dürfe man nur schrittweise vorgehen: zunächst sei das Jnvaliditäts- gesetz und das Gesetz über die Arbeitsinspektoren zu forder»; dann erst könne man an eine Enteignung der Bergwerke denken. Hektar Denis hielt eine Rede über die gleitende Lohnskala: sie sei kein vollkommenes Mittel, aber ihre Anwendung sei im Interesse der Arbeiter doch sehr nützlich. Die Thesen Denis' werden noch den nächsten Kongreß beschäftigen und bis dahin von den einzelnen Gruppen der Bergarbeiter geprüft werden.-» Oesterreich. — Erklärung Baden i. In der heutigen Sitzung des Budgetausschusses gab der Ministerpräsident Graf Badem nachstehende Erklärung ab: Er halte seine Zusage aufrecht, die Wahlreforin-Vorlage in nächster Zeit einzubringeil. Angaben über de» Inhalt derselben könne heule niemand erwarten. Die Beschleunigung der Einbringung der Vorlage liege in den Händen der'Abgeordneten, da die Einhaltung einer gewissen Reihenfolge der Arbeiten nothwendig sei. Zunächst müßten Anhaltspunkte vorhanden sein, daß es mit der Erledigung des Budgets rasch vorwärtsgehe und hierdurch Raum für die thatsächliche Inangriffnahme der Wahlreform geschaffen werde. Er ver- sichere ausdrücklich, daß hierin kein Hintergedanke liege; die Regiernng werde das, was sie versprochen habe, bestimmt ein- halten. Auch für die Landtagswnhl-Reform gelte das Prinzip der Reihenfolge, zuerst käme die Wahlreform zum Neichsrath, dann die zum Landtag. Diese Erklärung Badem's ist nicht vielversprechend. Der Minister thut so, als ob die Einbringung der Wahlreform- Vorlage von seinem guten Wille» abhinge: so ist denn die Sache doch nicht mehr. Dank der energischen und zielbeivußlen Agitation unserer österreichischen, besonders aber der Wiener Genossen, m u ß jetzt die Wahlrechts- Reform verhandelt werden; jedes Ministerium, ob es will oder nicht, m u ß sich hierzu äußern: nicht das gute Herz eines Ministers, die Wucht der Volks- bewegung schafft in Oesterreich die Wahlrechts-Reform. Und daß das recht bald geschieht— nun, darum braucht uns nach den bis- berigen Erfolgen der Sozialdemokratie nicht bange zu sein. Bezüglich der Handhabung des Versaiinnlüngsrechts hält es der Minister zwar für richtiger, die Redefreiheit zu wahren»nd eventuell den Spruch des Richters anzurufen, werde jedoch die Sache noch einer reiflichen Ueberlegung unterziehen und keinesfalls den Boden deS Gesetzes verlassen. Die Regierung sei bereit, den Ver- sammlungen gegenüber nicht allzu rigoros vorzugehen, erwarte jedoch Gegenseitigkeit, nämlich einen entgegenkommenden Ton auch der Versammlungsredner. Hier bittet Badcni also um gut Wetter. Wir bezweifeln aber sehr, daß sich unsere Genossen um der schönen Augen des polnischen Grafen willen besondere Be- schränkungen in ihren oratorischen Ergüssen auferlegen werden: sie werden nach wie vor furchtlos und offen für die Rechte des Volkes käiiipfen.— — Die altczechische Partei. Die altczechische Partei hat aufgehört zu sei». Auf dem in Prag abgehaltenen Verlraueltsmänner-Kongreß ist dieser Beschluß gefaßt, der soeben i» einem Manifest bekannt gemacht wird. Die'Altezechen wollen keine Kandidaten mehr ausstellen, sondern der Gegenpartei voll- kommen das Feld räumen und ihr alle Verantwortlichkeit über- lassen. Sie lhäten dies in der Absicht, damit die Jungczechen nickt nöthig hätte», für den rauhe» Wahlstreit vor allem solche Kandidaten zu wählen, die zu rücksichtslosein Kampfe geeignet sind, sonder» damit sie Männer ausgiebiger Arbeit wählen könnten und ehrenhafte Vertreter des Volkes, entsprechend dessen Bedeutung und würdig der geistige»»lud moralischen Eigenschaften desselben. Die Altczechen würde» achtsam die Weitergestaltung der Dinge verfolgen und, sich die freie Benrtheilung vorbehaltend, ihre Unterstützung den Jungczechen nicht versagen, wann immer diese im Volksinleresse geboten sei. — L n e g e r' s Bestätigung. Der Kaiser hat nunmehr den Dr. Lneger als ersten Bürgermeister von Wien bestätigt und die betreffende Verordnung wird am Donnerstag veröffentlicht lverden.— Jtnlie». — Einberufung der Kammern. Rom, 5. Ro- veinber. Der Senat und die Deputirtenlammer sind auf den 21. d. M. einberufen.— Schweden. — Regierungsvorlagen. Der schwedischen Volks- Vertretung, die demnächst zusammentritt, werden folgende wichtige Vorlagen zugehe»: Eine Vorlage behufs Eriveiteruug des Wahl- rechts; eine Kreditforderung behufs Anschaffung einer größeren Anzahl neuer Kriegsschiffe, für welche die Mittel durch eine im Laufe von 20—25 Jahren alnortisirbare innere Anleihe beschafft werden sollen. Ferner eine Gesetzesvorlage behufs'Regelung der rechtlichen Stellung der schivedisch-norivegischen Gesandtschaften und Konsulate, welche Frage bekanntlich einen wesentliche» Punkt des zwischen Schweden und Nonvegen bestehenden Unionsstreites bildet. Schließlich wird sich der Reichstag auch mit einer Reform der Befugnisse der zahlreichen Stockholmer Privatbanken, welche bis jetzt das Recht haben, Banknoten zu emittiren, zu befassen haben.— Die sozialen Aufgaben dev Merhkstuissenfchaft behandelt der Wiener Professor Anton Meng er in der Rede, mit der er das Amt eines Rektors der Universität Wien für dieses Jahr übernahm. Die Rede ist im Druck erschienen. Es finden sich darin einige auch in ihrer aphoristischen Kürze schätzeus- »verthe Beiträge zur Kritik der heutigen Rechtswissenschaft. Menger erkennt an, daß die Rechtsivissenschaft selbst der hervorragendste» Nationen in sozialer Beziehung den An- sorderungen der Zeit nicht einmal in dem dürftigsten Maße gerecht geworden ist: der erste beivußte Versuch, so- ziale Elemente in die Jurisprudenz einzuführen, ist ja von ihm selbst in seiner glänzende.» Kritik des ersten Entwurfes eines bürgerlich«, Gesetzbltchcs für das Deutsche Reich gemacht worden. Seine Kritik richtete sich gegen das Werk einer Juristengeneration, die von Savigny anhebend, theilweise von politischen Motiven getrieben zu einer bedingungslosen Anerkennung des Autoritätsprinzips geneigt war, und sich zu einer Zeit, wo die kritisch-aualytische und die empirische Methode alle Gebiete der Wissenschafte» beherrschte, ans die theilweise erwiesenen Ucbertreibungen der natunechtliche» Schule reagirend, fast ans einen mittelalterlichen Standpunkt der kritiklosen Be- wunderuug des überkommenen Lehrstoffes zurückgezogen hatte. Fruchtbare historische Forschungen waren freilich geschaffen, aber sie bezogen sich zumeist in bändereichen Werke» auf völlig neben- sächliche und gänzlich abgestorbene Rechlssätzc und Rechtsinstitnte; die Dogmalik, die Zusammenstellung»nd Einrichtung des vor- handelten 3!echtsslvffes für den praktischen Gebrauch.blühte, aber die legislativ-politische Jurisprudeuz, wie Menger sie nennt, die die Aufgabe hat, den Rechtsstosf mit de» Anforderungen er_ Gegenwart zu vergleichen und zu sehen, welche Aenderungen des�Ibe» in Zukunft nöthig werden, diese Vorarbeit eines wirk- lilben sozialen Rechtes wurde von den eigentlichen Rechts- gelehrten gänzlich vernachlässigt. Zum theil mag das wohl herrühren von der ganz falschen Auffassung vom Wesen des Siechtes, die in den Köpfen der juristischen Fachgelehrten auch heute noch umherspukt: denn das was für den Kenner der marxistischen Geschichtsauffassung eine Selbstverständlichkeit ist, ist dort ein böhmisches Dorf. Nur ivenige unter ihnen wisse», wie Menger, daß„jede Rechts- ordnung ein großes System von Machtverhältnissen ist. die sich innerhalb eines Volkes im Laufe seiner geschichtliche» Eni- wicklung herausgebildet haben". Er erkennt an, daß die wirth- schaftlichc Entwicklung von großer Bedeutung für die Entstehung dieser Verhältnisse ist, hält es aber auch für nöthig, gegen die materialistische Geschichtsauffassung zu polcmisiren, die ihm der wirthschastlichen Entwicklung eine zu große Bedeutung einzuräumen scheint; uns deucht diese Polemik von unrichtiger Voraussetzung auszugehen; Marx und Engels haben den Einfluß anderer Faktoren auf die Ent- Wickelung des ideologische» Ueberbaues n i e unterschätzt oder gar geleugnet, einige der letzthin veröffentlichten Briefe von Engels sind geeignet Mcnger darüber aufzuklären. Aber gerade die Rcchtsentstehung in Deutschland, die er kritisirt, hätte ihm die überwiegende Bedeutung der Wirlhschast zeigen können; er nieint an einer Stelle, daß„das politische Bedürfniß des geeinigten Deutschlands ein gemeinsames bürgerliches Gesetzbuch nothwendig gemacht habe"; schon recht; aber ist es nicht bemerkenswerth, daß die Vorläufer der politischen Einheit D entschlands wirthschasts politischer Natur waren, daß man ein allgemeines deutsches Handelsgesetzbuch schon 1SS7— VI schuf, als die Einbeziehung der deutschen Wirth- schaft in die Weltwirthschaft infolge des Ausblühens seiner Industrie anhub? Wesentlich unter dem Einflüsse der Menger'schen Kritik ist der Entwurf des deutschen Zivilgesetzbuches einer zweiten Be- arbeilung unterzogen worden, die zwar Vereinfachungen im Aus- druck, hie und da auch Verbesserungen zeigt, die aber doch noch eine wirkliche Turchtränkung der Rechtsmaterie mit sozialem Geiste schmerzlich vermissen läßt. Trotzdem wird, so meint Meng er, der Entwurf, der ja demnächst dem Reichstage zugehen wird, ohne wesentliche Umänderungen Gesetz werden. Damit ist aber für Deutschland auf lange hinaus die Hoffnung auf ei» wirklich volkSthümlich, d. h. soziales, mit den gesellschaft- lichen Verhältnissen im Einklänge stehendes Recht vernichtet, denn„Zivilrechte sind sehr konservativ". Die Aufgabe, ein solches Recht zu schaffen, geht darum, nach des Verfassers Meinung, naturgemäß auf Oesterreich über, und dort den Bode» zu bereiten, das dünkt Menger die schönste Aufgabe der heran- wachsenden Juristengeneration zu sein,— eine etwas optimistische Beurtheilung jener akademischen Jugend, die die Gelegenheit der feierlichen Inauguration Menger's bekanntlich zu einer solennen Keilerei benutzte. Uns scheint die politische und auch legislative Zukunft Oesterreichs auf einem anderen Boden zu erblühen, nämlich aus der machtvoll und stolz erstehenden Arbeiterbewegung; wie sie die Frage des allgemeinen Wahlrechts in unaufhaltsamen Fluß gebracht hat. so wird sie auch, nach Er- ringung des Nächstliegenden, mit aller Kraft an der Ausgestaltung des österreichische» Nechtsleben mitarbeiten, selbstverständlich im Sinne einer sozialen Jurisprudenz. �Arkei-NAchvichten. Vom Wahlkampf. Am vergangenen Sonntag waren im Wahlkreise Hersord-Halle eine große Anzahl Genossen mit der Verbreitung eines Flugblattes beschäftigt; von Bielefeld allein waren SV Mann nach dem Kreise abgegangen. Ueberall fanden sie eine so gute Aufnahme, wie nie zuvor. Am Sonn- abend und Sonntag fanden Volksversammlungen in Bünde und Herford statt, in denen der Kandidat, Genosse Hoff» mann aus Bielefeld, referirte. Die Stadtverordnctcniuahleu in Leipzig flehen in naher Aussicht und unsere dortigen Parteigenossen stehen mitten im Kampfe; sie hoffen, daß es ihnen in diesem Jahre gelingen wird, in verniehrter Zahl ins Rathhaus einzuziehen. Jni ganzen sind 24 Stadtverordnete zu wählen; davon kommen acht auf die dritte Abtheilung. In dieser Abtheilung sind dank des Klassen-Wahlsystems allein 22 376 Wähler eingezeichnet, während in der 2. Abtheilung 417S, in der 1. Ab- theilnng aber gar nur 1367 Bürger vereinigt sind. Außerdem haben es im Vorjahre bekanntlich die Wahlrechtsmodler meisterlich verstanden, die Wähler der 3. Abtheilung auch weiter noch in ein ungünstigeres Verhültuiß zu bringen durch eine fein durchdachte Theilung des Stadtbezirks in 4 Wahlkreise, in denen jeder Wähler seine Stimme nur für je einen Ansässigen und einen Unansässigen abzugeben hat. Die bei der Wahlkreis-Eintheilung zur Anwendung gebrachte Geometrie sorgte dafür, daß bei der vorjährigen Wahl zwei Wahlkreise der 3. Klasse mit geringer Mehrheit vier Anhänger der reaktionären Parteien ins Stadt- verordneteu-Kollegium entsandten, während in de» zwei übrigen Wahlkreisen die Sozialdemokratie mit erdrückender Mehrheit siegte. Obwohl die Sozialdemokratie die Hälfte aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigte, fielen ihr nur 4 Mandate zu, während die verbündeten reaktionären Parteien mit der andere» Hälfte der Stimmen 26 Mandate an sich rissen. Die Kieler Parteigenossen verbreiteten am vergangenen Sonntag ein Protest-Flugblatt in 1b 666 Exemplaren. Das Flug- blatt beschäftigt sich eingehend mit dem am 23. Februar 1862 von den freisinnigen Stadtkollegien gefaßten Beschluß, betreffend die Erhöhung des Wahlzensus von 666 auf 1266 M., wodurch bekanntlich 6000 Kieler Arbeitern und ZNeinhandwerkern das Kommunal-Wahlrecht genommen worden ist. AuS de» Parteiorganisationen. Im sozialdemokratischen Wahlverein in L a n g e» b i e l a u i. Schi., der vor einem Jähre gegründet wurde, stieg die Mitgliederzahl von Ivb am Ende des ersten Quartals auf 165 im zweiten, 245 im dritten und auf 306 am Schluß des vierten Quartals. Die Versammlungen, von denen insgesammt 23 abgehallen wurden und die meist mit Vor- trägen verbunden waren, hatten sich durchweg guten Besuchs zu erfreuen. Drei Broschüren erhielten die Mitglieder im Laufe des Jahres gratis, die„Umsturzbroschüre" zum halben Preise. Die Einnahmen des Vereins betrugen in dem verflossenen Vereins- jähre 336,53 M., die Ausgaben 157,53 M.. so daß das Vereins- jähr mit einem Kassenbestande von 179 M. abschloß. Todtenliste der Partei. In H a l l e a. S. ist am Sonn- abend der Genosse I l l g e n st e i n gestorben. Ter Aermsle hatte 5 Monate in der Nervenklinik krank darniedergelege». Polizeiliches, Gerichtliches rc. Der„Thüringer Tribüne" ging vom Erfurter Staats- anmalt bezüglich der von ihr mitgetheilten Thatsachen in der bekannten Verhastungsgeschichte folgende Berichtigung zu: Unwahr sind die Behauptungen i» Nr. 242 der„Thüringer Tribüne", daß von der Staatsanwallschaft gegen die Verbreiter des Flugblattes Klage auf Hochverrath erhöbe» ist und daß der erste Strafsenat des Reichsgerichts die Klage abgewiesen, sowie die Enthaftung der Angeklagten angeordnet hat. Die Staatsanwaltschaft hat überhaupt keine Anklage erhoben, das Reichsgericht ist mit dem Strafverfahren gar nicht befaßt gewesen, die Haftentlassung rst von der Staatsanwaltschaft selbst angeordnet.— Auf wessen Anordnung- so fragt die„Thür. Trib." ganz richtig- sind denn nun eigentlich die Verhaftungen geschehen? — In einer öffentlichen Versammlung in A r n st a d t war die Boykottirung zweier dortiger Lokale beschlossen worden, deren Besitzer sich weigern, sozialdemokratische Versammlungen in ihren Lokalen abhalten zu lassen. Die zwei Vorsitzenden wurden dieserhalb unter Anklage gestellt und vom Schöffen. gericht wegen„groben Unfugs" zu 5 Mark verurtheilt. — Zu unserer kürzlich veröffentlichten Notiz über die Be- schlagnahme der„Thüringer Tribüne", die wir einem anderen Parteiblatt entnommen halten, bemerkt jetzt die„Tribüne": „Im„Vorwärts" und einigen anderen Parteiblältern finden wir eine Notiz über eine in Langensalza erfolgte Beschlagnahme der „Thüringer Tribüne," die auf einem Mißverständniß deruht. Die fragliche Beschlagnahme ist schon älteren Datums und betraf die Nummer vom 13. Oktober. Sie erfolgte durch die Polizei und bis heute ist uns weder von der Staatsanwaltschaft noch von einem Gericht in der Sache irgend welche Eröffnung gemacht worden." Soziale Meber�rhk. Arbeitersekretariate in der Schweiz. Zu dem Arbeiter- sekretariat in Bern ist in jüngster Zeit ein solches in Zug hinzugekommen, das von der orgnnisirten Arbeiterschaft errichtet wurde. Als Sekretär amtirt Genosse Kantonsrath Müller-Kaiser. Das Sekretariat hat den Zweck, statistische Erhebungen über die Lohn- und Wohnungsverhällnisse in Zug und Umgebung vor- zunehmen, ferner den Arbeitern unentgeltlich Auskunft zu erlheilen in Fragen der Arbeiterschutz- Gesetzgebung, des Obligationen- rechts und in Lohn- und Dienststreitigkeiten. GomevkflhAf klitfzes. Allen Gewerkschaften wird hierdurch mitgetheilt, daß seit 1. November in C h a r I o t t e n b u r g bei Berlin eine Zentral- Herberge eingerichtet ist. Sie befindet sich Bismarck- und Rückertstraßen-Ecke beim Gastwirth A. Leder. Durch die Ein- richtung ist einem viel empfundenen Bedürfniß Rechnung ge- tragen. Wir ersuchen nun alle Gewerkschaften, die reisenden Kollegen auf diese Herberge aufmerksam zu machen, damit sie den Einflüssen der hiesigen christlichen und Jnnungs-Herbergen entzogen werden. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck dieser Notiz freundlichst gebeten. Der Vertrauens- mann der Charlottenburger Gewerkschafts- Kommission. In Potsdam hat der Buchdruckercibesitzer EdmundStein am Sonnabend sein Personal entlassen, da er, wie die„Branden- burger Zeitung" berichtet, mit Verbandsniitgliedern nichts zu th»n haben will. Vorher hatte er durch Versprechungen von dauernder Stellung, Lohnzulagen u. s. w. die am längsten ini Geschäft thätigen und meist verheiratheten Gehilfen zum Austritt aus deni Verband zu verleilen versucht, womit er kein Glück hatte.. Da Herr Stein sehr stark auf den Umfall dieser Gehilfen gerechnet hatte, so muß er sich jetzt nothdürftig mit einigen Gutenberg-Bündler»(Mitgliedern der von den Prinzipalen pro- tegirten Gehilsen-Organisation) behelfen. Wegen Vcrrufserklävniig beim Streik in der Marschütz- schcn Velo zip ed sab rik in Nürnberg vernrlheilte die Nürnberger Strafkammer einen Arbeiter, der»ichtstreikende Kollegen von der Arbeit abhalten wollte, zu sieben Tagen Ge- fängniß. Säinuitliche Steinmetzen des Steinmetzmeisters Grunert in Pirna(Sachsen) haben wegen Maßregelung eines Kollegen die Arbeit niedergelegt. Zum Manrcrstreik in Stettin wird berichtet, daß bis jetzt 15 Meister die Forderung(40 Pf. Stundenlohn) bewilligt habe». Ausständig sind noch 50— 60 Mann. Lohnbewcgnng in der Schweiz. Die Züricher Hafner haben durch ihren Streik mehr errungen, als 15 bis 20 pCt. Lohnerhöhung, wie es anfänglich hieß. Unter der Mit- Wirkung des Bundeskomitees kam zwischen den Streikenden und den Meistern eine schriftliche Vereinbarung auf folgender Grund- läge zu stände: zehnstündiger Maximalarbeitstag, womit für eine ganze Anzahl Hafnergehilfen der Neunstundenlag zur Thatsache geworden ist; acht- bis neunstündige Arbeitszeit an den Vor- abenden von Sonn- und Festtagen, 50 Centimes Minimalstunden- lohn, 60 bis 70 Centimes Entschädigung für einzelne Stunden; ebenso wurden die Akkordlöhne erhöht. Bei auswärtiger Arbeit sind je nach der Entfernung 60 Cts. bis 2.80 Fr. Zuschläge zu zahlen, für Sonntags- und Ueberstundenarbeit sind mindestens 50 pCt. mehr zu zahlen. Zur Ueberwachung des neuen Tarifes wurde ein aus zwei Arbeitern, zwei Unternehmer» und einen, Obmann zusammengesetztes Schiedsgericht bestellt.— Der Aus- stand der Züricher Glaser dauert fort. Die Zahl der Streikenden betrug nach»»serer letzte» Nachricht 63, die Zahl der Arbeilenden 84.— Zu Ungunsten der Arbeiter verlief die Bewegung der Schmiede in F r e i b u r g, die den Elfstunden- tag und die Bezahlung von Ueberstunden verlangten.— Der Verein der Beamten und Angestellten der V e r. S ch w e i z e r b a h n e n in St. Gallen hat beschlossen, Unterschriften zu sammeln zu einem Gesuch um Lohnerhöhung für das gefammte festangestellte Personal. Tie großen Bestellungen, die sich i» den russischen Gold- und Silberwaaren- Fabriken aus Anlaß der bevorstehenden Krönung des Zaren angehäuft haben, sind von 50 Ar- beitern einer solche» Fabrik in Moskau ausgenutzt worden, um mittelst einer Arbeitseinstellung, welche drei Tage dauerte, eine Lohnerhöhung durchzusetzen. Soziale Llerhkspflege. Das Prinzip der Firma Jakob und Palleiiti« oder: er freie Arbeitsvertrag in der Praxis. Eine grelle Be- leuchtung erfuhren die Arbeitsbedingungen im Speditionsgewerbe durch eine» Prozeß des Arbeiters N., welcher die Kammer 7 des Gewerbegerichts beschäftigte. Der Kläger beanspruchte von der oben genannten großen Speditionsfirma 8 Mark 22 Pf. für Ueberstunden, die er während der Zeit seiner Be- schästigung bei derselben, 10. August bis 24. August uiid 4. September bis 18. September, gemacht hat. Er führte folgendes zur Begründung seines Anspruches aus: Beim Engagement sei ihm gesagt worden, die Arbeitszeit dauere von 6 Uhr früh bis II Uhr abends einschließlich einiger Pausen in der Gesammtdauer von 2 Stunden. Jetzt, in der„scharfen Zeit", werde es allerdings etwas später, l/si2 und auch 12 Uhr. Später wäre es denn auch thatsächlich geworden, aber nicht nur bis 12 Uhr, sondern bis I,'/s2 und 2 Uhr nachts habe er arbeiten müssen, und dabei hätten häufig die Pausen nicht inne gehalten werden können; manchmal sei es die ganze lange Zeit„durch" gegangen. Am letzte» Tage des Arbeits- Verhältnisses habe er von morgens um 6 Uhr bis nach- mittags um 5 Uhr hintereinander arbeiten müssen, ohne einen Happen essen zu können. Da sei ihm dann übel geworden, und er habe sich gleich nach Hause begebe», um nicht krank liegen zu bleiben. Und für diese horrende Anspannung seiner Kräfte hat der Kläger den ungeheuren Wocheulohn von 18 M. achtzehn Mark— erhalten. In der Klagesnmme verlangt er nur die Ueberstunden nach 12 Uhr nachts bezahlt.— Der Ver- treter der Beklagten macht gellend, daß dem Kläger ausdrücklich gesagt worden sei, die Ueberstunden gebe es nicht bezahlt. Die Nichtbezahlung von Ueberstunden, führte der Herr weiter aus, sei überhaupt im Speditionsgewerbe Usus. Es existirten dort keine begrenzten Arbeitszeilen. Vom Vor- sitzenden, Assessor A l t m a n n, im ersten Kammertermin wegen der äußerst ausgedehnten Arbeitszeit interpellirt, antwortete der würdige Vertreter des Kapitals, daß es in den Willen der Leute gestellt sei, wie lange sie arbeiten wollten. Daß dieselben sofort aufs Straßenpflaster fliegen, wenn sie sich nicht dem Interesse des Unternehmers beugen, vergaß er hinzuzusetzen. Wohl aber ge- dachte er großer Gratifikationen von 1 M. 50 Pf. und 2 M., die de» Arbeitern bei großer Anstrengung gewährt würden. Doch damit scheint es nicht weit her zu sein, denn der Kläger war in der Lage zu konstatiren, daß ihm während seiner Beschäftigung bei Jakob u. Vallentin nie eine solche Extrabezahlung geworden sei; es müßten gerade die„fünfzehn Groschen" als solche angesehen werden, die er dafür bekam, daß er an einem Sonntage von früh um 6 Uhr bis l/2l2 Uhr mittags im Geschäft war.— Der Zeuge Roland, welcher den Kläger im Namen der Firma engagirte, will bestimmt wissen, daß er demselben sofort mit- gelheilt hat, für die Ueberstunden gebe es nichts. Einen Ver- gleichsvorschlag des Vorsitzenden, der darauf hinwies, daß die Arbeitszeit doch wirklich eine sehr ausgedehnte gewesen sei, lehnte der Vertreter der Beklagten aus prinzipiellen Gründen ab. Für die Beklagte sei bei diesem Rechts st reit die Hauptsache das Prinzip, auf die paar Mark käme es ihr wirklich nicht an.„Wir sind", sagte er wörtlich. „3 6 Firmen in einer Vereinigung, und für uns wäre d a s U r t h e i l gesprochen." Ist dieser Satz inhaltlich auch nicht ganz klar, so geht doch daraus hervor, daß sich die fraglichen Firmen zur Aufrechterhaltung der möglichst ungehindertsten Ausbeutungsfreiheit verschworen haben. Die Ver- Handlung wurde dann vertagt und die Vernehmung eines Zeugen des Klägers beschlossen. Dieser machte nun in der letzten Sitzung der Kammer 7, die unter dem Vorsitz des Assessors Unger stattfand, folgende bemerkenswerthe Ausführungen: „In der Arbeitsordnung von Jakob u. Vallentin ist die Arbeits- zeit von 6 Uhr morgens bis 11 Uhr abends angegeben. Im ganzen sollten die Pausen zwei Stunden dauern. Manchmal wurden aber gar keine Pausen gemacht, manchmal weniger, manchmal wurden sie inne gehalten, je nachdem. Manch- mal konnte man etwas essen, manchmal nicht. Beim Anfangen erhielt ich den Bescheid, daß die Arbeitszeit bis 11 Uhr abends dauere, daß es aber auch später werde, im schlimmsten Falle jedoch 12 Uhr. Dan» sollte es allerdings noch eine halbe Stunde Abendbrotzeit(Pause) geben, von der ich leider nie etwas gemerkt habe, obwohl ich niemals vor 2 Uhr nachts aus dem Geschäft fortkam; einmal wurde es sogar VeS Uhr. So ging es auch allen anderen, jeder mußte mitmachen, und trotzdem mußten wir um 6 Uhr früh wieder antreten; keiner durste ausweichen. Um 1 Uhr nachts haben wir noch Kisten von Manheimer ab- geholt." Auf eine Frage des Vorsitzenden, die sich auf das Wohlbefinden der Arbeiter bei dieser Anstrengung bezog, ant- wartete der Zeuge sehr drastisch: „Mein Fleisch habe ich ja dagelassen(bei Jakob und Vallentin), die Knochen wollte ich mir aber wenigstens noch behalten, deshalb hörte ich auf." Ihm ist nach seiner Aussage beim Engagement mitgetheilt worden, daß die Ueberstunden nicht bezahlt würden, jedoch ist ihm eine Erhöhung seines 18 Mark betragenden Lohnes bis zu 20 Mark in Aussicht gestellt worden, die zu seinem Leidwesen aber ver- gessen wurde. Er hat die Ueberstunden nicht bezahlt verlangt, wie dies der Kläger an den einzelnen Lohnzahlungstagen auch unterlassen hatte, um sich momentan die Arbeit zu sichern. Auf Befragen des Vorsitzenden äußern sich der Kläger und der Zeuge D. dahin, daß sie nicht bei Jakob und Vallentin in Arbeit getrete» wären, wenn sie gewußt hätten, sie müßten bis 2 Uhr nachts aushalten.— Mit vor großer innerer Erregung zitternder Stimme publizirte Assessor Unger nachstehendes Urlheil: „Leider hat das Gericht den Kläger kostenpflichtig ab» weisen müssen. Bei der Beklagten giebt es eine Arbeits- ordnung, nach der die Arbeitszeit dort bis 11 Uhr dauert. Un- streitig hat nun der Kläger seinen Lohn in Empfang genommen. ohne etwas von den Ueberstunden zu sagen. Dazu kommt noch, daß Zeuge D. glaubhaft bekundet hat, ihm sei gesagt worden, Ueberstunden gebe es nicht bezahlt; und daß der Zeuge Roland in einem früheren Termin ausgesagt hat, daß er dies speziell auch dem Kläger mitgetheilt habe. Danach hat, wie gesagt, leider das Gericht den Kläger mit seiner Klage abweisen müssen. Leider haben die Arbeiter bei Jakob und Vallentin von 6 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts arbeiten müssen und bestenfalls nur 2 Stunden Pausen gehabt. Das Gericht kann es sich nicht verhehlen, daß dies ein Betrieb ist, der die Kräfte der Arbeiter weit über alle Maßen in Anspruch nimmt."— Und da rede noch einer davon, daß es keine Menschen« schinderei, keine Aus Wucherung der Arbeits» k r ä f t e giebt, der durch einen gesetzlich festgesetzten Maximal« Arbeitstag Einhalt geboten werden muß! NopeslÄzen und letzke Vttchvichken. Frankfurt a. M., 5. November.(B. H.) Die„Franks. Zeitung" ineldet aus Belgrad: Die Auflösung der Kammer er- folgte heute unter geringer Betheiliguug der Abgeordneten und unter Anwesenheit der früheren Minister. Die Neuwahlen finden zwischen dem 4. und 10. Dezember statt. Das neugewählte Parlament tritt am 19. Dezember zusammen. Stettin, 5. November.(B. H.) Die Landtags- Ersatzwahl in Stolp-Lauenburg für Freiherrn von Hammerstein findet am 22. November statt. Stettin, 5. November.(B. H.) Der Müllergeselle Schakowski wurde wegen Majestätsbeleidigung zu zwei Monaten Gefäuguiß verurtheilt. München, 5. November.(B. H.) Hier ereignete sich heute Vormittag ein schreckliches Unglück'an der Schwanthaler Passage, wo ein Theil eines Neubaues einstürzte. Nach den bisherigen Ermittelungen wurde» 15 Arbeiter verschüttet. Von diesen sind bis jetzt vier Todte und sechs Schwerverletzte zutage gefördert worden. Prag, 5. November.(B. H.) Die im Omladinaprozeß Verurlheilten sind begnadigt und bereits aus der Strafanstalt entlassen worden. Paris, 5. November.(V.H.) J>n„Gattlois" werden die Namen von 20 S en a t o r e n nndAbgeordneten veröffentlicht, welche entweder ihr Mandat oder ihre Stellung als Direktoren der größte» Finanzinstitute Frankreichs niederlegen müssen, wenn das Gesetz der neuen Regierung angenommen ivird, daß kein Abgeordneter Verwaltnngsraths- Stellen bei zum Staate im Vertragsverhältnisse stehenden Gesellschaften annehmen darf. Paris, 5. November.(B. H.) Das französische Schiff „Lorillet" wurde in den neufundländischen Gewässern von der englischen Behörde angehalten und beschuldigt, daß es für die kubanischen Insurgenten Waffe» und Munitron an Bord habe. Bei Untersuchung des Schiffes, die sich der französische Konunan- dant gefallen lassen mußte, stellte es sich heraus, daß der Verdacht unbegründet war. Von den Pariser Blättern wird dieser englisch- französische Zwischenfall leidenschaftlich besprochen. Bourges, 5. November.(W. T. B.) In dem Prozeß Nayve verneinten die Geschworenen die Schuldsrage. Marquis Nayve wurde freigesprochen. Konstantinopel» 5. November.(B. H.) Die Nachrichten aus Armenien lauten äußerst deprimirend. Die Kurden befinden sich in vollem Aufstand. Das Massakre im Vilajet Diarbekir soll entsetzlich gewesen sein. Es verlautet, daß dasselbe, entgegen den offizielen Meldungen, von Türken inszenirt worden ist. Die Botschafter halten Berathungen ab bebufs einheitlichen Vorgehens. falls, wie man vermuthet, die Situation sich weiter ver» schärfen sollte. Sofia, 5. November.(B. H.) lieber die Frage der Taufe des Erbprinzen Boris verlautet, der Fürst sei entschlossen, dieselbe vollziehen zu lassen, aber nicht sogleich, sondern erst am 13. Januar, um nicht den Eindruck zu erwecken, daß der Uebertritt nur des- halb erfolge, um Rußland gefällig zu sein. Der Wille des bulgarischen Volkes sei allein bestimmend gewesen. Die Stellung Stoilow's ist neuerdings wieder befestigter als je zuvor. Veraniit örtlicher Redakteur: Fritz Knnert, Schöneberg-Berlin. Für den Jnseratenlheil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin. Hierzu 2 Beilagen L Beilage zum„Vorwiirts" Berliner VoWlatt. Ur. 360. Mittwoch, den 6. November 1893. 13. Jahrg. Vommunalvs. Die Verkehrsdeputation, welche aus S Magistratsmitgliedern und 10 Stadtverordnelen besteht, und zur Beralhung der zur Zeit innerhalb der städtischen Verwaltung schwebenden Fragen des Verkehrswesens eingesetzt ist, hatte gestern unter dem Vorsitz des Stndtraths Marggraf eine Sitzung, in welcher folgende Bc- schlüsse gefaßt wurden. Zunächst nahm die Deputation Kenntnißvon einem Schreiben der Maschinenfabrik A,Borsig, worin dieselbe bittet, mit einer von ihr erbaulen Gasmaschine Versuche für Personen- beforderung anzustellen. Es wird beschlossen, das System der Finna bei den in Aussicht genommenen Versuchen ebenfalls einer Prüfung zu unterziehen. Von den» Rath der Stadt Dresden siild Mittheilungen über die mit dem System Klette(elektrischer Betrieb niit oberirdischer und unterirdischer Stromzuführung) gemachten Versuche eingegangen. Der Bericht spricht sich sehr günstig über die bei diesem System gemachten Beobachtungen aus. Ein anderes sogenanntes gemischtes System— Ueber- sührung der oberirdischen Stromzuführung in Akkumulatoren» betrieb— wird gegenwärtig in Hannover probirt. Die Deputation wird dieses System in nächster Zeit an Ort und. Stelle prüfen. Die Frage wegen Versicherung gegen Personenunfälle und Sachbeschädigungen bei dem für Berlin kürzlich beschlossenen Versuchsbetriebe mit neuen Traktionsmittcln wird dahin entschieden, daß die Unternehmer die Haftpflicht übernehmen, die städtische Verwaltung dagegen die Zahlung der Versicherungsprämien leistet. Das von einer Subkonunission ans» gearbeitete Siraßenbahnnetz, welches nebe» den vorhandenen Linien die in Aussicht genommenen neuen Straßenbahnlinien enthält, fand die Zustimmung der Deputation, nachdem die Hinzufügung von mehreren Linien, welche die Straße Unter den Linden theils kreuze», theils diese Straße entlang führen, beschlossen war. Die Berathung wandte sich dann zu der Festsetzung von Normativ- besliinmungen für neue Straßenbahnen und für die Umwandlung der Pferdebahnen in elektrische Betriebe. Hierzu lag ein Antrag des Stndtv. Singer vor, welcher beantragte, daß die Deputation die städtischen Behörden auffordern möge, niit den in Frage stehenden Gesellschaften zum Zweck sofortiger Uebernahme der Bahnanlagen, des Materials u. s. w. in Verhandlunge» zu treten. Dieser Antrag wurde nach Begründung des Antragstellers ab- gelehnt und zur Festsetzung der Normativbestimmungen geschritten. Aus den von der Deputation in Vorschlag zu bringende» Normativbestimmungen für neue Straßenbahnen heben wir folgende hervor: 1. Die Zustimmung zu dem Bahnunternehmen wird nicht über den 31. Dezember 1911 hinaus crtheilt.(Bis zu dieser Zeil hat der in Kraft befindliche Vertrag mit der Großen Berliner Pferdebahn- Gesellschast Giltigkeit.) 2. Der Unternehmer hat alljährlich ein Entgelt zu zahlen, ivelches sich nach Prozenten der gesammten Brutlo-Einnahmen in zu verein- barender Höhe berechnet. 3. Die Entnahme von Betriebskrast, soweit es sich um Elektrizität oder Gas handelt, hat aus der von der Stadtgemeinde vorzuschreibenden Onelle zu erfolgen. Es sind hierzu die hoffentlich binnen kurzem in den Besitz der Stadt übergehenden städtischen Elektrizitätswerke, sowie die städtischen Gasanstalten in Aussicht genommen. 4. Auf Antrag des Stadtv. Singer wurde beschlossen, die Einführung des Einheitstarifs von ItIPf. in dieNormalivbestimmungen auszunehmen. Die von der Subkommission vorgeschlagene» Bestimmungen, wonach an Sonn« und Feiertagen weder der Besördernngsprcis erhöht noch eine andere lästige Bestimmung für das Publikum getroffen werden darf, sowie daß auf Verlange» des Magistrats Arbeiter- Frühwagen einzustellen sind und daß auf diesen sowie aus sämmtlichen fahrplanmäßigen Linie» in den Früh- und Abend- stunde» für Arbeiter ein ermäßigter Besörderungspreis einzutreten hat, wurden angenommen. Die weiteren Bestimmungen beziehen sich auf Sicherheitsmaßregeln, Bau und Betriebs- beginn, Pflasterung bei Geleisbante». Pflasterunterhaltung, Siationslokale und Wartehallen, Reinigung und Besprengung des Bahnkörpers, Beleuchtung, Beförderung von Straßenkehricht, Müll und Leichen während der Nacht, Anschluß fremder Bahnen. Erwerbsrecht der Stadtgemeinde während der Dauer der Zu- stimniilng, Rechtsverhältnisse beim Erlöschen der Zustimmung, Sicherheilsbestellung, Schiedsgericht u. s. w. wurden mit unbedeutenden Abweichungen nach den Vorschlägen der Sub- kommission angenommen. Bei Beginn der Sitzung war noch der Antrag der Vorortsbah»- Gesellschaft, ihr die Weiterführung ihres Projekts auf Berliner Terrain vernrittelst besonderer Schienenwege zu gestatten, abge- lehnt worden. Ein größerer Theil der Deputationsmitglieder war jedoch nicht abgeneigt, den Anschluß der Vororlsbabn an Berliner Bahnhöfe auf bereits vorhandenen Schienen zu ge- nehmigen und die VorortsbahinGescllschast ans Verhandlungen mit den in betrachl kommenden Slraßenbahn-GeseUschaftcn zu verweisen. Wegen vorgerückter Zeit wurde die Sitzung, welche nahezu 4 Standen in Anspruch genommen hatte, ans nächsten Mittwoch, den 13. d. M., vormittags 11 Uhr vertagt. Uottnles. Pm-teigeuosse» und Genossinnen, welche gewillt sind, am Tage der Sladlv->ordnelei>wahl im zweiten Wahlkreise zu Helsen, werden gebelen, sich im Zentralbureau, Liudenstr. 103, zahlreich einzufinden. Im selben Lokale findet am Freitag Abend 9 Uhr, eine Versammlung statt, in welcher das Wahlresultat verkündet rvird. Die Perlrauensperson. Waise«- Kostpflege. Von den der Stadtgemeinde Verlin überwieienen verwaisten, verlas e»en oder verruahrlosten Kindern wird nur ein kleiner Theil in städtischen Anstalten(Waisen- bans u. s. w,) untergebracht. Die meisten kommen in Kost- pflcge(Fanrilien, zum theil auch fremde Anstalten). Mädchen werden(mit Ausnahme chronisch kranker und schwächlicher, die ins Waisenhaus- Lazareth komme») nur in Koftpflege gekrackt; Kriabe» kommen, je nach Erforderniß, in Anstalten oder Kostpflege. In Berliner Kostpflege waren am 1. April 1894 1341 Kinder(darunter 39 Säuglinge),>m Lause des Jahres 1894/95 kamen 1037 Kinder(189 Säuglinge) zu und gingen 990(179) ab, sodaß am 1. April 1695 ei» Bestand von 1388(49) blieb. In der auswärtigen Kostpflege war der Bestand am I. April 1894 2333 Kinder(darunter 33 Säuglinge), Zugang in 1894/95 1133(270), Abgang 1044(258). Bestand am I. April 1895 2425(75). Tie auswärtige Pflege(meist in kleinen Städten und Dörfern) wird vor der Berliner bevorzugt; sie gilt als besser, in gesundheitlicher wie in erziehlicher Hinsicht. Die Berichte des revidirenden Erziehungsinspektors äußern sich auch seit langer Zeit über Gesundheit und Betragen der auswärts unlergebrachlen Pfleglinge im ganzen recht befriedigend. Leider wollen aber hierzu die Angaben über die Sterblichkeit. wenigstens über die Sterblichkeit der Säuglinge, nicht ganz stimmen. Es starben zunächst von je 100 überhaupt i» Pflcge gewesenen Kindern aller Altersklassen 1394/95 1893/94 1892/93 1891/92 1890/91 in Berlin.. 2.02 1.43 1.20 1,22 1.82 aus.,.ts.. 3,29 3.23 2.10 1.80 2.30 9. och böber war. auswärts und in Berlin, das Verhältniß der Slndrsälle zur Durchschnittszahl der verpflegten Kinder, weil diese stets erheblich niedriger ist, als die Zahl der im Lause eines Jahres überhaupt in Pflege gewesenen(aber oft schon nach kurzem wieder ausgeschiedenen) Kinder. Es starben von je Ivo durchschnittlich verpflegten Kindern aller Altersklassen in Berlin 3.30 2,39 1,89 1,97 2,79 auswärts 4.93 4,90 3,04 2,33 3,40 Wie man sieht, konmt die auswärtige Pflege hier wieder schlechter weg. Die Ursache davon ist die in der auswärtigen Pflege viel höhere Säuglingssterblichkeit. Von je 100 überhaupt in Pflege gewesenen Säuglingen starben in Berlin 18.42 21,20 19,83 20,31 30,47 auswärts 29.13 33.33 31,59 28,71 34.83 Könnte man auch hier die Stcrbefälle mit den durch schnitt- lieh in jedem Jahre verpflegten Säuglingen vergleichen, deren Zahl natürlich gleichfalls niedriger als die der überhaupt in Pflege gewesenen sein muß, aber in den Berichten der Waisenverwaltung leider nie mitgetheilt wird, so ergäben sich gleichfalls noch höhere Prozcr.tzahlen. Das gilt wiederum für Berlin wie für auswärts. Es liegt jedoch kein Grund vor, anzunehmen, daß diesnial die auswärtige Pflege als die günstigere dastehen könnte; es ist ebenso leicht möglich, daß sich das Verhältniß»och ungünstiger stellte. Die Stcrblichkcit der N i ch t s ä u g l i n 9 e scheint tn Berlin und auswärts ziemlich gleich zu sein. Die geringe Zahl der Sterbe- sälle gestaltet hier keine Bergleichung, weil der Einfluß etwaiger Zusällc sich zu stark geltend machen müßte; im übrigen könnte man ein zutreffendes Urlheil eben auch nur aus den selbst- verständlich wieder fehlende» Durchschnittszahlen gewinnen.— Was die Beschaffenheit der P f l e g e st e l l e n anbetrifft so siuden die Berichte des Erziehungs- Inspektors niemals viel daran auszusetzen. Die meisten werden als gut, manche als sehr gut, einige als mäßig, vereinzelte als ungenügend bezeichnet, wobei jedoch zu beachten ist, daß„gut" nur gleichbedeutend ist mit der völligen Leistung desjenigen, was sür das nicht hohe Pflcgegeld vernünstigcrweise gefordert werden darf. Ter Bericht über 1894/95 bietet wieder dasselbe Bild. Er tadelt nur in mehreren Fällen Wohnung und Schlasgelegenhcit der Kinder. Außer. dem wird mitgetheilt, daß der'Erzichungsinspcktor drei Waisen beim— V i e h h ü t e n traf, obwohl den Pflegc-Eltern die Be- »utzung der Pfleglinge hierzu verboten ist. Der Bericht fügt hinzu �„Die Arbeitcrnotb auf dem Lande ist zu chronisch geworden, daß selbst wohlhabende Bauern glauben, in einer Berliner Waise eine» billigen Hütejungen erlangen zu können." Das sieht ja beinahe wie eine Entschuldigung aus! Wir dächten doch, dieAus beutung eines Waisenjungen, für dessen Unterhalt Pflegegeld gezahlt wird, durch einen wohlhabenden Bauern ist unter allen Umständen unentschuldbar, auch dann, wenn der behauptete chronische Mangel an Landarbeiter» wirklich bestände. Aber diese Aus- beutuna dürste leider oft vorkomme» und sich nicht nur ans die drei zufällig entdeckten Fälle beschränken. Vielleicht erklärt sich daraus auch der Umstand, daß auf dem Lande, wie der Bericht sagt,„das Verlangen»ach Berliner Kindern in immer größere Kreise dringt". Das ganze Selbstbewußtsein eines„Wohlthätigkeit übenden Bourgeois spricht aus dem Aufruf, der einen für den Kinderhort der Bartholomäus- Gemeinde in der Villa des Hof lieseranten Brauereibcsitzers Bötzow zu veranstaltenden Bazar empfiehlt. In einem Tone väterlich oder vielmehr mütterlich (denn der Aufruf ist von Frauen unterzeichnet) strafender Liebe wird auseinandergesetzt, wie»othwendig der Hort sei, weil„bei den vielfach trostlosen Familienverhältnissen und dem Mangel an jeglicher Zucht und Aussicht im Hause ungezählte Kinderseelen elend verkoinmcn und zugrunde gehen! Ja gewiß, es gehen ungezählte Kinder zu gründe, aber nicht blas„seelisch", sondern auch leiblich, und zwar in der Regel e r st leiblich und dann„s e e l i s ch", wenigstens soweit„seelisch" als gleichbedeutend nicht mit fromm, sondern mit intellektuell und moralisch aufgefaßt werden soll. Aber von der leiblichen Roth steht in dem Ausruf kein Wort. Desto ent- schiedcner wird die„Zucht" betont, die de» Kindern zu Hause sehlt, ihnen aber von dem frommen Hort ersetzt wird. Wir erfahren auch, daß in dem Hort allerlei wirklich ganz nützliche Dinge gelehrt werden, stricken, stopfen, nähen, flicken, damit die Kinder„beizeiten angehalten werden, ihre Sache» ganz und sauber zu halten, was leider nur wenige Frauen der Arbeitersamilie» verstehen". Dieser Vorwurf ist ei» Lieblingsthema der besitzenden und gebildeten Klasse. Es wird leider zutreffen, daß manche Arbeiterin, von Jugend auf zur Arbeit um Geld und für fremde Leute gezwungen, für sich selber zu arbeiten nie Zeit gefunden und daher nicht gelernt hat. Doch gerade die besitzende Klasse hat am allerwenigsten Grund, darüber zu zetern. Ihre Sachen ganz und sauber zu hallen, verstehen bekanntlich die meisten Frauen der Bourgeoissamilien noch, veniger, von der Unlust dazu ganz zu schweigen. Sie bedienen sich dazu der Töchter des Proletariats, die in �gewissen„wohllhätigen" und„gemeinnützigen" Anstalten, auch in dem Kinderhort der Bartholomäusgemeinde, auf diesen Beruf vorbereitet werden. Acrztcbesnchcr. In der„Staatsb.-Ztg." lese» wir:„Zu sonderbaren Gejchäftspraktilen greisen zuweilen die jüdischen Unternehmer. So hat sich der Badeanstalts-Besitzer Philippsthal eine»„Älerztebesucher" eugagirt mit der Aurgabe, gegen einen bestimmten Wochenlohn die Aerzte in und um Berlin zu besuchen, um sie für seine Badeanstalt zu„interessiren". Es ist nicht bekannt geworden, welche Ancrbielimge» dieser Aerztebesucher zu machen hatte. Der genannte Unternehmer gerieth mit seinem Aerztebesucher in Streit und so kam diese neue Praxis durch die gerichtliche Verhandlung zur öffentlichen Kenntniß." Jeder Arzt ivird bekunden, daß drs Streben, ihn sür bestimmte Unter- nehmungen zu interessiren, sich durchaus nicht auf jüdische Ge- schästslcute beschränkt und auch gar nicht„sonderbar" ist. Man gehe z. B. nur einmal näher auf das Verhältniß ein, in dem eine nicht unbeträchtliche Anzahl Aerzte zu bestimmten Apotheken stehen. Der Nicht-Jude. In der„Kreuz- Zeitung" lesen wir: Kürzlicv eihiell der Drucker eines jüdischen Blattes, wie er selbst mittheilt, folgende Postkarte:„An de» Juden Herrn A. Levin, Berlin. Herausgeber der israelitischen Zeitschrift„Jeschnrun". Ersuche freundlichst, in Zukunft mit Zusendung von Zeit- schrislen u. s. w., rvclche das Judenthuin betreffe», mich ver- schonen zu»wllen, da ich nicht die Ehre habe, mich zu Ihren Glaubensgenossen zu bekennen. Ehe Sie Ihre Zeitung u. s. w. jedermann schicken, wäre es wohl angebracht, sich zu erkundigen. ob es auch Ihr Glaubensgenosse ist oder nicht. Ergebenst Professor Dr. H. Oppenheim, Berlin, Blumeshof I." Nach der Angabe des jüdischen Blaties kann Professor Dr. H Oppenhein, noch nicht lange gelaust sein, da er noch in den Register» der jüdischen Gemeinde geführt wird. Der Verein Berliner Volksschullchrerinncn hat in seiner letzten Veriammlung den folgende», vom Geiste ivohlthuender Solidarität getragenen Beschluß gefaßt: „Der Verein Berliner Bolksschullehrcrinnen bedauert tief die Schädigung, welche die jüdischen Lehrerinuen infolge der Stellung- nnbine der Regicrnng in ihrer Bernfsthütigkeir erleiden sollen, indem die Siegierung die Anstellnug von jüdischen Volksfchul- lehrerinnen immer mehr zu beschränken oder ganz auszuheben l(?W ungr� icken ▼ sucht und die jüdischen Hospitantinnen nicht mehr zur Vertretung christlicher Lehrkräfte heranzuziehen gestattet. Der Verein Ber- liner Volksschullehrerinnen spricht die Hoffnung aus, daß die städtischen Behörden nicht ermüden werden, für die Wiederer- langung der Gleichberechtigung ihrer jüdischen Lehrerinnen ein- zutreten. Er hofft von dem Gerechtigkeitssinn der königlichen Behörden, daß sie den Vorstellungen ein geneigtes Ohr lechen und willige Folge geben werden." Die letzten Sätze sprechen dafür, daß sich auch unter ge- bildeten Damen zuweilen noch ein sehr großes Stück Naivetät kundgiebt. Die mcnschenmiwürdige» Zustände in der vierte» Wagen- klasse werden recht drastisch durch eine Bekanntmachung ber Eisenbahndirektion Erfurt beleuchtet: Wiederholt sind zwischen den Reisenden der vierten Wagenklasse Streitigkeiten darüber cntstaude». daß einzelne berechtigt zu sei» glauben, einen be- stimmten Sitzplatz für die ganze Dauer der Reise sür sich in An- spruch nehmen zu können, Demgegenüber wird bekannt gemacht. daß ein dauernder Sitzplatz in der vierten Wngenklasse nicht de- ansprucht werden kann, sondern allen Reisenden ohne Unterschied Gelegenheit gegeben ist, auszuruhen. Auch das Belegen einzelner Plätze ist unstatthaft. Wie der„Vorwärts" seinerzeit»»ittheiltc,>var am Abend des 3. September er. ein Rixdorser Lehrer von einem Nachtwächter mit dem Säbel bearbeitet ivorden, weil er»ach 10 Uhr noch aus einer Bank auf dem Richardplatz gesessen hatte. Der Nachtivächter behauptete freilich, er sei zuerst von dem Lehrer angegriffen worden und hatte gegen denselben daher An- zeige wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt erhoben. ivährend der Lehrer wegen Mißhandlung Strasantrag gestellt hat. Auf grund des Ergebnisses der Untersuchuiig ist nun, wie wir erfahren, das Verfahren gegen den Lehrer eingestellt, gegen den„schlagfertigen" Nachtwächter dagegen Anklage aus§ 340 des Reichsstrafgesetzbnchs erhoben worden. Ueber einen Aufsehen errcgeuben Mord und Sel! inord bringt ein hiesiger Berichterstatter die folgende Miitheilung „Im Gruewald wurden am Sonnabend gegen Abend die Leichen eines Mannes und eines Mädchens gefundeii. Es lag zweifellos gemeinschaftlicher Selbstmord vor. Wie sich herausstellt, ist der Mann der etwa 30jährige Fritz Calamö aus Königsberg i. Pr., der bei der dortigen sozialdemokratischen„Volksstimme" Annoncensammler und Redakteur gewesen ist. Vor etwa einem Jahre kam er nach Berlin, fand Anstellung als Anzeigen« 'Agent bei dem Bodek'schen„Volksrecht", wurde wegen Unregelmäßigkeiten entlassen, kam dann in gleicher Eigen- schasl au den„Deutschen Michel", ein antisemitisches Witzblatt, verlor auch diese Stelle durch Unregelmäßig- leiten und trat am Mittwoch früh bei einer hiesigen Buch- Händlersirma als Stadtreisender ein, die ihm gleich 50 M. Vorschuß gab. Das Mädchen heißt Sievarth und ist die Tochter seiner Wirthin in der Griiiiewaldstraße. Vom Mittwoch früh an waren beide vcrschivnnde». Nachdem die 50 M. Vorschuß verausgabt worden, gingen sie gemeinsam in de» Tod. Zwar soll zwischen ihnen ein intimer Verkehr stattgefunden haben, ohne daß jedoch das Mädchen jemals größere Anhänglichkeit an Calame erkennen ließ. Ihr Entschluß, mit ihm zu sterben, ist daher allen ihren Bekannten unverständlich. Wie verlautet, war Calamö Alkoholist. In Königsberg hinterläßt er Frau und Kind." Diese Mitlheilnngen sind unseres Wissens insoweit unrichtig, als Calamö»och nicht ein Jahr, sondern erst wenige Monate aus Königsberg fort ist, wo er aus diversen Ursachen, über die wir. auf grund eines zu erwartenden Spezialberichts noch näheres melde» werden, das ihm bislang zu theil gewordene Vertrauen der Parteigenossen verloren hatte. In dieser Angelegenheit bringt derselbe Berichterstatter am Abend noch die folgende Meldung: Zu dem Liebesdrama im Grunewald wird mitgetheilt, daß der Redakteur Fritz Calamö. der seine Gelieble, die 25jährige Wally Sielaff, die Tochter seiner Wirthin in der Grunewaldstr. 121, und dann sich selbst erschoß, wegen Majestätsbeleidigung angeklagt war. Wie seine Wirthin wissen will, har er am 31. Oktober in dieser Sache einen Termin gehabt. Am 29. Oktober. nach der Verurtheilnng der drei Redakteure vom„Vorwärts" und dem„Teltower Volksblatt" kam er sehr aufgeregt zu Frau Sielaff und bemerkte, er habe das einmal in Königsberg durch- gemacht, zum zweiten Male halte er es nickt aus. Ob sein Ver- schwinden am 30. Oktober mit dieser Strafsache in Zusammen- hang steht oder einen anderen Grund hatte, ist nicht anfgeklärt. Calamö wohnte in der Gruneioaldstraße 121 erst seit dem l.Ok- tober. Man will in der Gegend bemerkt habe», daß das Haus seil dieser Zeit von eineni Polizeibeamten in Zivil beobachtet wurde. Mit einer erhebliche» Schnittwunde an« Halse wurde in beivußtlosem Zustande in der unmittelbare» Nähe des Bahn- hoss zu Gotha ein Soldat des Kaiser-Franz-Garde-Grenadier- Regiments ausgefunden. Der Schwerverletzte wurde in doS Krankenhaus zu Gotha gebracht und dem Regiment nach Berlin Mittheilung gemacht. Es handelt sich, wie hier fcst- gestellt worden ist, um den Grenadier Klopsfleisch von der II. Kompagnie. Klopffleisch hatte einen zehntägige» Urlaub hinter sich, den er in Gotha verbracht hatte. Er hatte denselben erhalten auf grund seiner Angabe, daß seine Schwester ihre Hochzeit feiere. Nach seiner Abreise waren seinen Vorgesetzten bezüglich der Wahrheit seiner Angabe» Bedenken aufgestiegen, es waren Erkundigungen eingezogen worden und diese hatten ergebe», daß von einer Hochzeitsfeier in der Familie des K. nicht die Rede war. K. hatte nun in irgend einer Weise erfahren, daß die lügnerische Motivirung seines Urlaubsgesuchs entdeckt sei und aus Furcht vor der seiner harrenden Bestrafung hat er kurz vor Abgang des Zuges, mit welchem er nach Berlin zurückkehren sollte, den Selbstmordversuch begangen. Sein Zu- stand gilt nicht für hoffnungslos. Von» Abendtisch mußte in der Nacht vom Sonnabend zum Sonnlag die Fischhändlerin Frau M. aus der Weberslraße in Berlin ins Gesängniß wandern. Die Frau war mit ihrem Ehe- niann und anderen Berliner» in Rixdorf zu einem Abendtisch gewesen und gerieth, als sie per Droschke nach Hause fahre» wollte, mit dem Droschkenkutscher in Streit. Hierbei verübten die weinseligen Berliner einen derartige» Lärm, daß Polizei er- schien und die ganze Gesellschaft nach der Wache brachte. Hier betrug sich Frau M. so rabiat, daß sie in Hast genommen wurde und die Nacbt im Amtsgefängniß zubringen mußte, während ihr Gatte stillvergnügt nach Hause fuhr. Mit total erfrorene» Füßen wurde am Montag der Zigarrenmacher E r» st Schuster ans Breslau in das Rixdorser Krankenhaus eingeliefert. Ter unglückliche Mann war lange Zeit arbeitslos, konnte daher nirgends Unterkunft finden und halte so in> Freien nächtigen müssen, wobei ihm die Füße erfroren sind. Das Opfer der herrlichen Wellordnung unserer Tage wird jedenfalls sür immer ein Krüppel bleiben. In die Irrenanstalt Dalldorf mußte der angebliche Missionar Scheut gebracht werden, der vor einiger Zeit in Rix- dorf wegen Sittlichkeitsverbrechens verhastet ivorden war. Der elbe hatte gleich nach seiner Einlieferung in das Amtsgerichts- geiängniß den Eindruck hervorgerufen, als sei er geisteskrank. Wegen RanbcS wurde in Nixdorf ein gewisser Friedrich S ch n e r d e r in Untcrsnchungshafl genommen. Seh. will die der Anklage zu gründe liegende Straslhat in der Trunkenheit verübt haben. Der neue Rixdorfcr Bahnhof ist zu klein! Das ist das einslnnunge Uriheit aller, die denfelben bisher benutzt haben. Die einzige, zum Bahnsteig führende Treppe reicht für den dort ftallfindenden Verkehr bei weitem nicht aus. Sobald ein Zug eingefahren ist, wird die Treppe mindestens sechs Minuten lang von den den Bahnhof Verlassenden in ibrer ganzen Ausdehnung in Anspruch genommen; während dieser Zeil ist es ein Ding der Unmöglichkeit, über die Treppe zum Bahnsteig zu gelangen. Eine Theilung der Treppe für Ein- und Ausgänge würde zur Folge haben, daß die Abgehenden nur äußerst langt am die Treppe passiven könnten. Der Uebelstand wird daraus«rtlärt, daß die Projeklbearbeitung für den Bahnhofsumbau bereits im Jahre 1886 stattfand. Für die damaligen Rixdorfer Verkchrsverhältnisse mochte diese eine Treppe genügen, für die heutigen Verhältnisse ist sie unzulänglich. Eine Blntthat ist am Dienstag Vormittag um �slO Uhr in unserem Vorort Weißensee begangen worden. Dort wohnt in der Sedanstr. 73 der Tischlermeister Franz Prodowsty, welcher unter anderen Gesellen auch den 47jährigen Franz Seidel be> schäftigt. Der letzlere war früher Mitinhaber der Firma Kraus und Seidel, Bilderrahmen- Fabrik hiersclbst; die Besitzer derselben geriethen jedoch in Konkurs und Seidel erhielt vor einem halben Jahre Stellung als Geselle bei Prodowsky. Am Dienstag Morgen rvar S. mit einem anderen Arbeiter in dem Keller der P.'schen Tischlerei beschäftigt, als das Dieuslmädchen des Prodowsky herunter kam und einen Schlüssel von S. forderte. Dieser aber verweigerte die Herarisgabe, da das Mädchen ihn nicht mit„Herr" anredete. Alsbald erschien der Tischlermeister und erbat sich in höflicher Form den Schlüssel. Der Geselle soll jedoch so grobe Aulworten gegeben haben, daß P. mit ihm bald in Streit gcrieth. Da stürzte sich Seidel auf P. und bohrte dem unglücklichen Brotherrn ein spitzes Fournierinfirument in den Hals, so daß die linke Schlagader getroffen wurde. P. schleppte sich noch dis in seine im Parterreraum belegene Wohnung, verstarb jedoch bald daselbst an innerer Verblutung. S., der übrigens schon früher Spuren von Delirium zeigte, wurde verhaftet, behauptet jedoch, die That nur in der Nothwehr begangen zu haben. Der Augen- zeuge der That, der Geselle Fetten giebt destimmt an, daß P den Seidel nicht angegriffen hat. Prodowsky hinterläßt 6 un- versorgte Kinder; auch der Thäter besitzt deren drei. Polizeibericht. Am 4. d. M. vormittags vergiftete sich ein Nestaurateur in seiner Wohnung, in der Komniandanlenstraße.— In der Birkenstraße fiel mittags ein Mann beim Besteigen eines in der Fahrt befindliche» Bierwagens hin, gerieth unter die Räder und trug einen Knöchelbruch davon.— Nachmittags fiel ein Arbeiter beim Ausladen von Mehlsäcken von einem ani Friedrich Karl-Ufer liegenden Kahn infolge eines Fehltritts gegen eine Bordschwelle und zog sich eine erhebliche Verletzung am Hinterkopfe zu.— Auf dem Platze Am Zeughause stürzte gegen Abend ein Kutscher beim Reiten mit dem Pferde und brach sich ein Bein.— AbendS wurde ei» Mann i» seiner Wohnung in der Pappelallee erhängt vorgefunden.— Im Lause des Tages fanden drei unbedeutende Feuer statt. WittcruugSübersicht vom 5. November 1895. Warmes, ziemlich südwestlichen Winden. trübes, regnerisches Weller mit mäßige» Berliner Wetterbureau. Nunst und HvisseufchAfk. Im Schillcr-Theater kam am Montag Abend unter Jubel- stürme» die Posse zu ihrem Recht.„Der Raub der Sabinerinneu", jenes übermülhige Stück der Herren Franz und Paul von Schön- lhan bewährte bei dem Publikum des umgetauften Knnstlempels i» der Wallner-Theaterstraße auch nach zivölsjährigem Alter noch seine alte Kraft und erregte fast mehr Amüsement, als alle Klassiker zusammengenoinmen. Es kam dem Erfolge des Schivankes ein im ganzen vortreffliches Spiel zu gute. Herr Waiden war ein Schmiereudireklor, wie er im Buche steht, und auch Herr Steiuecke wußte die Rolle des Professors. wenn auch ein wenig farblos, so doch befriedigend zu gestallen. Ei» vorlreff- licher Doktor war Herr Pahlau, und ebenfalls leistete Herr Berg als Vater Groß Befriedigendes. Als drolliger Liebhaber bewährte sich Herr Reimann. Die Frauenrollen waren passend unter den Damen Wille, Levismann, Illing und Werner vertheilt. Nament» lich die letztgenannte Künstlerin wußte als Dienstinädchrn den ostpreußischen Dialekt drastisch zu verwerlhen. Das Publikum war außer sich vor Entzücken. Gev uszfcs itu n Jg. Zum Prenzlauer Mordprozeß. Tie Angeklagten, Spring- stein und dessen Schwester Frau Bock, sind in der Verhandlung vom Dienstag Morgen des Giftmordes schuldig befunden und beide zum Tode und zum dauernden Verlusi der bürgerlichen Ehrenrechte verurtheilt worden.(Siehe 2. Beilage.) In dem Prozeß gegen Dr. Schmitz(siehe 2. Beila bot bis jetzt die Zeugeuvernchmung nichts Bemerkensiveiollfes. Der Angeklagte erklärt bei der Erörterung der«inzelneu�yälle, bezüglich deren die Anklage wegen Unterschlagung Fe r hoben worden ist, daß er sich i» allen diese» Fällen, obwohl sich das Gericht an das Amt wandte, die Gutachten auf Amlsvapier geschrieben, die Quittungen für die gezahlten Beträge mit dem Aintsstenipel versehen waren, für berechtigt gehalten habe, die gezahllen Beträge für sich z» ver- ivenden. Auf die Frage des Prnsidenle», wie es komme, daß, obwohl er selbst erklärt habe, daß im Oktober I38S der Tarif außer Kurs gesetzt worden sei, er dennoch den Tarif bei der Liquidation der Gebühren sich als Grundlage habe diene» lassen, bemerkt der Angeklagte: Er habe sich für befngt gehalten, einzelne Tarifsätze aus dem alten Tarif zu benutzen. In einem Falle handelt es sich um das Gutachten von Tapeten für den Rechnungsrath Schütte. Letzlerem ist„Im Auftrage, Körtling" geschrieben worden, daß er die Nntersuchungsgebiihren binnen acht Tage» an die Stadlkasse zu zahle» habe. Ter Angeklagte benierkt, er wisse nicht, wie Körtling, der ein nulergeoidiiclcr Schreiber war, zu dieser Bemerkung gekommen sei. Es sei doch selbstverständlich, daß das Am! mit der Untersuchung von Tapeten nichts zu thnn habe.— Im � weiteren bält der Präsident dem Angeklagten vor: Ein Ban- Unternehmer habe ihm LI Mark für ein Gutachten geschnldet. Um diesen Betrag schnellstens einzutreiben, habe er den Betrag als eine Forderung des Magistrats in den amtlichen Liste» verzeichnen lassen und es dadurch bewirkt, daß die For- derung im Verwaltungs-Zwangsverfahren eingetrieben wurde. Der Präsident stellt an den Zlngetlagten die Frage: ob er sich auch zu dieser Manipulation für berechtigt gehalten habe. Angeklagter: Es mag ja sein, daß dies Vorgehen nicht ganz korrekt war, ich schlug jedoch diesen Weg ein, um so schnell als möglich in den Besitz meiner Forderung zn kommen.— Prä- sident: Ein solches Verfahren ist im höchste» Grade strafwürdig. das mußten Sie sich doch sagen. Daß Sie dadurch sehr schnell in den Besitz Ihrer Forderung kamen, will ich gern glauben, denn bekanntlich ist gegen ein Verwallungs-Zwangs- verfahren nichts zn machen. Daß aber ein solches Verfahren strafwürdig ist, mußte einem Manne wie Ihnen klar sein.— Angeklagter: Ich bemerke, daß ich mir nichts dabei gedacht»nd das Verfahren für zuläsfig gehalten habe.— Ter Präsident hält alsdann dem Angeklagten vor, daß in seiner Privatwohnung das Kassabuch und eine Anzahl anderer dem Amte gehöriger Bücher, darunter das Analyfenbnch. ge sunden worden feien.— Ter Angeklagte erklärt: er habe sich eine Anzahl nichtamtlicher Bücher, die noch aus der Aachener Zeit stammen, allerdings mitgenommen. Wie das Kaffabuch und das Analysenbuch u. s. w. in seine Wohnung gekommen sei, wisse er nicht.— Der Vertheidiger Dr. Riemeyer stellt den iilntrag: den Direktor des städtischen Lebeiisiniltel-Untersuchnn�samts zu Berlin als Zeugen und Sachverständigen zu laden. Dieser werde bekunden, daß die von dem Angeklagten beobachtete Praxis auch in anderen Untersuchnngsämtern gehandhabt werde. Wege»« Maicstätöbelcldigniig wurde vom Landgericht I in Altona am Dienstag die Ehefrau des Arbeiters Borchart zu 2 Monat und 14 Tagen Gesängniß verurtheilt. Sie soll am 20. April d. I. diese Strafthat begangen haben, als sie sich mit ihrer„Frenndiu" Frau Scmmelhack über die Ablehnung der Bismarckgralulatio» seitens des Reichstags unterhielt. Als diese Person sich später mit der Vorchart erzürnte, lief sie zum Staats unwalt. Die Verhandlung sand unter Ansschlnß der Oessenllich keit statt. Im Mnnchener BilderdiebstahlS- Prozeß(siehe 2. Bei- läge) erklärte am Dienstag Professor v. Lenbach, die Angeklagte» hätten aus dem massenhasten Austauchen noch dazu unvollendeter Bilder schließen müssen, daß dieselben nur auf unrechtmäßige Weise erworben sein konnten. Die Gerüchte über ihn und seine Familie seien absichilich ausgestreut worden, nm eine plausible Erklärung für das Auflauche» so vieler Bilder zu geben. Die Signirung sei zum theil sehr täuschend nachgeahmt. Ter Sach verständige Professor und Konservator Häuser erklärte gleichfalls, daß die Signa Lenbach's Schrift nachzuahnien suchen. Die weiteren Vernehmungen erstreckten sich auf die in dem früheren Prozesse Verurlheilten Zaukl, Wagner, Bubeuizek und Deininger, welche über ihre geschäftlichen Beziehungen zu den Angeklagten Älusknnft gaben. Im Prozeß de Nayvc zn Bonrges erregte am sechsten Verhandlnugsla�i! namentlich die Aussage des iilbbs Roffelol. der Erzieher im Hause des Marquis war, Interesse. Er spricht in scharfem Ton. Ich bin auf dem Gebiete von Belfort geboren, beginnt er mit besonderer Betonniig, bin also nicht„Prussien", wie man behauptete. Man spricht ichlechtes von mir; aber es zn beweisen, ist eine andere Sache. Ich bin nicht der Mann, dessen Aussage bemängelt werden kann. Ich bin nnabhängig und kenne nur die Wahrheit. Ich habe mich über beide zn beklagen, sowohl über de» Marquis, wie über die Marquise. Anfangs war der Marquis einschmeichelnd und artig gegen mich. Um seinen Charakter zu schildern, muß man sagen, daß er nur gegen die Genossen seines Vergnügens liebens- würdig ist. mit andere» lebte er nicht lauge in Frieden. Dir Marquise hört höflich auf das, iras man ihr sagt, aber sie thut. was sie will. Zeuge spricht ferner über die Rohheit des An- geklagten, über dessen Verhalte» gegenüber de» Dienstboten und den Bonnen k. Seine Aussage macht er mit so viel Eiler, daß er bald ermüdet. Der Präsident läßt ihn deshalb sich setzen und ihm ein Gläschen Kirsch mit Wasser anbieten. Adbs R. kommt dann ans die Hestiglcit des Marquis zurück, deren Opfer er oft geworden sein will. Hier ruft der Marquis erregt: Elender Lügner! I» Innsbruck war es, wo Sie die Leute zu beschimpfen gelernt haben und den Vater der Kinder mit Koth zu bewerfen, die französische Offiziere werden wollten. Sie sind ein erbärm- licher Jesnit, ein?retrs ignoblo. Zeuge bezichtigt nun den An- geklagten, von seinem Sohn in einer unzüchtigen Stellung mit einein minderjährigen Mädchen überrascht worden zn sein. Neuer Wuthausbruch des Angeklagten.— Präs.: Lassen Sie den Zeuge» reden.— Vertheidiger: Der Zeuge hat geschworen, ohne Haß auszusagen. Ich niache die Geschworenen auf die SIrl und Weise seiner Aussagen aufmerksain.— Angeklagter: Ihr Vater war im Geiängniß, und Sie tragen den Namen Ihrer Mutter. Sie sind der Urheber des ganzen Skandals. Sie beherrschten das ganze Hans und meine Frau, Sie waren es, der die Anzeige verfaßte. Wenn nieine Kinder gegen mich aussagen, sind Sie schuld. Sie haben mich von meinem Hause vertrieben, zim dort und bei meiner Frau meinen Platz einzu- nehmen; wenn Sie heute auch gegen diese sind, so geschieht es, weil sie Sie nicht Heirathen will. Sie insullirten fortgesetzt Frankreich und sagte», die Franzosen seien verseucht und unfähig, Kinder zn erzeugen.„Da seht die Deutsche» an," sagte er; „wenn Frankreich geschlagen wurde, haben es die Franzosen mit ihrer Feigheit verschuldet."— Präs.: Warum warfen Sie einen solchen Hauslehrer nicht znr Thüre hinaus?— Angekl.: Meiner Kinder und meiner Frau wegen, die ihn behalten irwllte. Mein Hans soll eine Hölle gewesen sein. Jawohl, es war eine Hölle von dem Tage ab, wo dieser Dämon seine Schwelle über- 'chrilt. Am 3. November schon halten die Söhne des Marquis aus- gesagt, welche ihn in ihren Aussagen in, Laufe der Untersuchung der Brutalität bezichtigt hatte», daß ihre Aussagen ihnen von ihrem Erzieher, dem Abbe Rosselot, diklirt worden seien; sie machten alsdauii für ihren Vater günstige Aussagen. Dieselbeii riefen unter den Zubörern große Beivegung hervor. in Telegranim der„Voss. Ztg." meldet, daß allgemein die FreiZhrechnng des Marquis erwartet werde. Vevssunml« n gctt. Fiir den SS., 35. und 42, Kommnuql- Wahlbezirk wurde am 4. d. M. im Swinemünder Gesellschaflsyause eine öffentliche Konini>l»alwähler-Aersan>mliing abgehallen, wo Stadl- verordneter Paul Singer über die bevorstehenden Stadt- verordiieteii-Wahlen und deren Bedeutung für die arbeitende Bevölkeriiiig sprach. Er wies eingangs seines Referats auf die Nolhwendigkeil hin, daß die sozialdeinolratische Partei bei diesen Ersatzwahlen angesichts der durch die Konimniial-Steilerresorm ver- schobenen Grenze» der Wählerllnffe» mit aller Energie vorzugehen habe. Zweifellos sei es,daß dieSozialdei»okraliea>ich in den genannte» Bezirken siegreich ans dem Wadllaiiivse hervorgebe, wenn alle Wähler sich ausraffen und die wahre Vertretung ihrer Jntereffen erkennen würden. Das Hinderniß, weiches die Elädtc-Ordniing durch die Bestimmung bereite, daß die Hälfte der Stadl- verordneten Hausbesitzer sein uuiffen, habe die sozialdemokralische Partei spielend überwunden. An der erforderlichen Anzahl von sozialdemokratische» Haiisbesitzern werde es nicht fehlen. Tie Tdäligkeit der sozialdemokratischen SlaMveroidrcte» sei von de», Gesichtspunkte m.s zu bcurlhcilen, daß sie die Geiamiut- intereffen, die Jntereffen der Allgemeinheit vertreten,»adem sie die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung, der arbeitenden Kiasse, wahrnehmen. Daß diese Thätigkeit nicht fruchtlos ge- wesen ist. zeigte Redner, indem er das Wirken der sozial- demokratischen Stadlverordneten während der zwölf Jahre ihres Wirkens im Rothen Hause skizzirte. Er besprach dann die Verkehrsverhältnisse und die Ausnutzung der städtischen Straßen und Plätze durch private� Aktiengesellschaften. darauf verweisend, daß die sozialdemokratischen Sladverordneten von Anfang an für die Niitzbarmachung der Straßen und Plätze für die Jntereffen der Allgemeinheit eingetreten sind. Auch auf die Gebiete des Arbeiterschutzes hätten die sozialdemokratischen Stadtverordneten eine Reihe von Anregungen gegeben. Redner faßte diese Thätigkeit zusammen unter derBezeichnung„Nothstands- aktio»". Wenn auch die betr. Anträge abgelehnt worden seien, so habe sich doch auch hier der Nutzen der Anwesenheit der Sozialbeino- traten in,„rothen Hanse" sehr deutlich gezeigt. Die Herren Liberalen seien gezwungen worden, in die Verhandlungen über diese sozialpolitischen Anträge einzutreten und wer dabei ge- wonnen habe, sei nicht der Liberalismus, sondern zweiscllvs die Sozialdemokratie. In Verbindung hiermit habe der Antrag auf Errichtung eines städtischen unentgeltlichen Arbeitsnachweises ge- standen, der natürlich auch abgelehnt worden sei. Rebe» derArbeiler- sürsorge hätten die sozialdemokratischen Stadlverordneten auch das allgemeine Interesse namentlich im Auge gehabt. Redner verbreitete sich nach dieser Richtung hin besonders über das Gemeindeschulwesen, die Thätigkeit der sozialdemokratischen Stadtverordnete» aus diesem Gebiete erläuternd. Allen berechtigten Forderungen gegenüber hätten sich die Herren Liberale» ablehnend verhalten. Redner erörterte dann die Aufgaben, die die Stadtverordneten- Versaunnlung demnächst beschäftigen werden. Er erinnerte an die bevorstehende Reiori» der Gewerbesteuer, an der»amentlich die kleinen Gewerbetreibenden, die Handwerker w. auf das leb- Hastests interessirt sind, und die daher an der Vermehrung des sozialdeinokralischen Bestandes im„rothen Hause" ein hohes Interesse haben. Die Sozialdelnokratie sei prinzipielle Gegnerin der Gewerbesteuer als einer ungerechten Steuer, wie sie die Miethssteuer auch war, deren Beieiliguug der Sozialdemokratie zu danken sei. So lange die Gewerbesteuer nicht zu beseitigen wäre, müsse ste wenigstens so reformirt werden, daß sie das Drückende für die kleinen Gewerbe- treibenden verliere, daß diese entlastet und die großen Gewerbetreibenden mehr als bisher, sowie weitere Gewerbe, wie das der Rechtsanwälte, Aerzte, Bildhauer rc. überhaupt zur Gewerbesteuer erst herangezogen würden. Die Umwandlung des Pferdebahn-Belriebcs in elektrischen, sowie die Eingemcindungs» frage der Vororte beanspruche das höchste Interesse der arbeiten- den Bevölkerung im allgemeinen und derjenigen der in Rede stehenden Bezirke im besonderen. Der Referent behandelte die Eingemeindungsfrage in eingehendster Weise unter lebhafter Zu- stinimnng der Versammlung vom sozialdemokratischen Standpunkte aus, wonach bekanntlich nicht nur die steuerkräfligen Vororte und Theile derselben, sondern auch die steuerschwachen Vororte und Theile derselben eingemeindet werden niüssen. Redner richtete noch einen flammenden Appell an die Wähler, am 8. November mit aller Kraft für die Sozialdemokratie einzutreten und wandte sich dabei auch an die Frauen. In der Heuligen Zeit der Sozialisteuhatz sei es doppelte und dreifache Pfüchl eines jeden einzelnen, seine vollste Schuldigkeit zu ihn». Es gelte zu beweisen, daß die Sozialdemokratie sich durch nichts einschüchtern lasse. Ein Sieg der Sozialdemokratie� sei dementsprechend von erhöhter Bedeutung,»nd einen solchen Sieg müsse auch der 8. November bringen.(Stürmischer Beisall.) Herr Flatow, der nächste Redner, präsentirte sich als Gegner der Sozialdemokratie. Er war indessen so gütig, zu- zugebe», daß auch die Sozialdemokraten mitunter gute Ge- danken hätten, die jeder vernünftige und anständige Mensch unterstützen inüffe. Singer, den er persönlich angegriffen hatte, stellte ihm bereitwilligst seine Steuereinschätzung zur Verfügung. Aus dieser würde er ersehen, was es»lil seinen(Singer'») ver- meintliche» Millionen auf sich habe. Ueberdies müßte er nicht schon dreißig Jahre Sozialdemokrat sei», um heute als reicher Mann verschrien werden zu könne». Singer hielt Herrn Flatow noch eine sehr nöthige Vorlesung über das Wesen der Sozialdemokratie, von dem Herr Flatow offenbar keine blaffe Ahnung halle. In drastischer Weise wußte Geuoffe Koopmann die Begeisterung für die Stadtverordnetenwahl am nächsten Freitag zu entflammen.— Stadtverordneter B o r g m a n n wies darauf bin, daß die von Koopmann znr Sprache gebrachte Erhöhung der Käakcpreise für die kleinen Abnehmer demnächst zum Gegenstand einer Aufrage in der Stadtverordneten-Versammlung gemacht werden würde. da eine derartige Praxis den Ätufgaben der Stadtverwaltung nicht entspreche. In seinem Schlußworte kam der Referent auch aus die Beleuchtungsfrage der Gewerbe- Ausstellung zu sprechen und setzte kurz den Standpunkt auseinander, den die sozialdemokratischen Vertreter im Rothen Hause der Gewerbe- Ausstellung gegenüber einnehmen. Sie seien ftir eine Berliner Weltausstellung eingetreten. Nachdem sowohl dieser Plan als auch der einer nationalen deutschen Ausstellung gescheitert war, hätten sie schließlich einer Gewerbe- Ausstellung zugestimmt im Juteresse der Verbesserungen, die der betreffende Sladttheil da- durch erfahi en werde. Der Ausstellung selber stellte Redner das Prognostikon eines Jahrmarktsfestes zu Plundersweiler, von dem die Bierbrauer und die Hotelivirlhe den meisten Nutzen haben würden. Rebner war der Meinung, daß der Beschluß, wonach die Ausstellnng von 9 Uhr abends ab nicht erleuchtet werden soll, infolge dessen die Arbeiter zum großen Theile von dem Besuche der Ausstellung ansgeschloffen würden, die Befähigung der Herreu Kühneman» und Genossen zur Ver- anflaltung von Krähwinkelcien offenkundig bewiesen habe. Tie Geringschätzung, n.it der Herr Kühnemann von der Arbeiterschaft gesprochen habe, berühre diese sehr wenig. Wen» Hcir Kühnemaun an die Humanität der„Arbeitgeber" appellire, den Arbeitern einen halben Tag in der Woche sreizugcbe», so, meinte der Redner, pfiffen wir ans derartige „Wohllhaten" der Unternehmer, die doch nur ans Kosten der Arbeiter geschehen würden. Da auch die Sonntage infolge des zu erwarienden Andranges ein ruhiges Studium der Ausstellung unmöglich machen würden, so habe die Ausstellung für die Zlrbellcrschaft allen Werth verloren. Jener sogenannte Beleuchtungsbeschlnß, der ans Ersparnißrücksichtcn gefaßt worden sei, beweise wiederum, daß das Interesse des Geldsacks über alles gehe. Redner folgerte nochmals aus alledem, daß es dringende Roth- wendigkeit ist, die sozialdemokratischen Vertreter im Rothen Hause zn vermehren, und richlelc an die Wählerschaft der dritte» Klasse die eiaduuglkhe Ermahnung, am 3. November in diesem Sinne ihre Schiildigkeit zu thnn. Diese Ausführungen wurden mit lebhafter Zustimmung ans- genommen und die Versammelten bekundete» ihren Willen, der an sie ergangenen Aufforderung nachzukommen, durch die ein- stimmige Anilahme einer entsprechenden Resolution. B o r g m a n n gab sodann bekannt, daß diejenigen Partei- gsnossen, die bereit sind, sich am Tage der Wahl, am 8. No- veiiiber, dem Wahlausschusse zur Veriügung zu stellen, sich am 8. November, morgens 8 Uhr, im Lokale des Genoffen Witzel, Ackerstr. 145. einfiiiden mögen. Ferner ersuchte er nm möglichste Verbreitung der Miitheilung, daß am Donnerstag Abend in dem- selben Lokale, Swiiicniünder Gesellschastshaus, nochmals eine öffentliche Wäblerversammlung stattfiiidel, wo Stadtv. Stadt- iiagen sprechen wird. Hieraus schloß er die anregend verlaufene Versanimlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie. In ciuer Kommunaltt'iihler- Persnmmlimg für den IS. und>3. Bezirk, die am 3. Vlovember bei Rautenberg in der Oranienstraße tagte, hielten die Kandidaten T h. Metzner und Gottfried Schulz Ansprachen über die bevorstehende Wahl. Nachdem Rietz»er die prinzipielle Stellung erläutert hatte, die die Sozialdemokratie zum Subn>issions>vese».z»mSchul>vese»,z>t de»Ver- kebrZeinrichtungen u. w. im Rothen Hause einnimmt, beleuchtete er kritisch die Versprechungen des freisinnigen Kandidaten Gold- schinidt, die dieser de» Wählern des 15� Bezirks in einem Flug- blatte macht. Vollständig unwahr sei es, wenn darin die Auf- Hebung der Miethssteuer als ein Werk der freisinnigen Majorität der Stadtverordneten- Versammlung dargestellt werde. Man möge sich nur daran erinnern, daß Anträge der sozialdemokra- tiscven Fraktion, die die Aushebung der Miethssteuer betrafen, gerade von jener liberalen Majorität abgelehnt wurden, wie alle anderen Anträge der.Rothen" auch. Als es sich anfangs des Jahres um die Neuregelung der Kommunalstern gehandelt habe, sei es demMagistrat ei» Leichtes gewesen, den Schein eigenen Verdienstes zu erwecken, und zwar einfach deshalb, weil es jetzt gesetzlich bestimmt war, daß überhaupt nur noch spätestens bis zum Jahre 1897 Miethssteuer» erhoben werden dürften. Und trotzdem seien sogar noch Anstrengungen gemacht worden, diese Steuer vorläufig fort zu erheben. Auch die Renominage, die im Flugblatt mit dem Vorgeben in Sachen der Umsturzvorlage getrieben werde, sei als sehr hohl zurückzuweisen, denn das Vorgehen sei thatsächlich der Sozial- demokratie zuzuschreiben. In sehr nnsct öner Weise wurde in dein Flugblatt um die Stimmen der kleinen Hand- weiter geworben. Man mache sogar den vielfach in kleinbürgerliche» Kreisen vorhandenen amisemitischen Instinkte» Konzessioneu, indem man den Kandidaten mit dem jüdisch klingenden Namen als„S o h n christlicher Eltern" bezeichne, der aus kleiucu Verhältnissen stamme ec. Redner legt dann noch an verschiedene Versprechungen des Herrn Goldschmidt den Maßstab des bisherigen Ver- Haltens der sreifinnige» Majorität. um darzuthun, ivie nichtig diese Versprechungen sind. Gottfried Schulz ergänzte diese Ausführungen des Vorredners in wirk- sanie» Worten. Buch m a n n führte als Illustration für die Art, ivie von de» durch die Stadtverordetenversammlung zur un- entgeltlichen Hergabe von Lehrmitteln bewilligten 49 OOOM. Gebrauch gemacht lvird, folgendes an: Ein armes Mädchen, das ein Buch ver- langte, sei von der Lehrerin zurückgewiesen, und als es nochnial bat, sogar mit Schlägen bedroht worden, falls es das Buch beim nächsten Mal nicht mit zur Schule bringe. Nun habe«i» Genosse der Kleinen einen Zettel iiiilgegeben, worin auf die erwähnte Bewilligung von 49 009 M. hingewiesen war. Nun sei der Vater des Niädchens zum Rektor zitirt worden und habe von diesem die Auskunft erhallen, sein Kind bekäme das Buch, aber darum bitten müßte er. Nachdem Metzner noch hierzu gesprochen hatte, wurde die Versammlung geschlossen. Die Freie Vereinigung der Kanfleutc hielt am 30. Oktober im Englischen Hof, Neue Roßstraße 3, ihre Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Alb. Kohn gab den Halbjahres- bericht. Danach sind 6 Versammlungen und 14 Vorstandssitzungen abgehalten worden. Als besonders hervorzuheben ist die Eiurichlnng einer Stellenvermittelung im„Handels- An- gestellten". Ferner wurde beabsichtigt, eine Statistik über die Stellenlosigkeit aufzustellen, was jedoch an der Interesselosigkeit der Mitglieder scheiterte. Nach de», Berichts des Kassirers Thieler betrug die Einnahme 1145,61 M., die ZIus- gäbe I11ö,38 M., mithin blieb ein Bestand von 40,13 M., ein- schließlich eines Sparkassenbuchs im Werths von 10 M. Die Außeiistäude beliefen sich auf b70, die Schulden auf 190 M. Außerdem wurden 78 Mitglieder wegen rückständiger Beiträge ge- ftrichcn. Die Jlevisoren Hintze und Auerbach beantragten, deni Kä ssirer Dccharge zu ertheilcn, was geschah. Tie Wahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebuiß: Albert Koh», 1. Vorsitzender, Benno Maß, 2. Vorsitzender, Otto Elze, 1. Schristführer, Gottschalk, 2. Schriftführer, Hermann Thieler, Kas sirer, Friedr. Schmidt, Hey mann und Wilde, Beisitzer, Aug. H i n tz e und W i e b e, Revisoren. Ter Verein„Freie Volköbiihnc" hielt am 29. Oktober seine ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende theilt mit, daß in dem Prozeß gegen den Polizeipräsidenten vom Ober-Verwaltungsgericht bisher kein Termin an- gesetzt worden ist. Ter Kassirer verlas dann den Kassen- bericht, der am 1. Oktober 1895 einen Bestand von 1617,13 M. ergab. Auf Vorschlag der Revisoren wurde dem Kassirer Techarge ertheilt. Da der Verein bis zum Austrage des Pro- zesses erhebliche Ausgaben nicht mehr hat und der vorhandene Bnarbestand zur Deckung der lausenden Ausgabe» und der Prozeßkosten vollständig ausreicht, wurde auf Antrag des Vor- staudes beschlossen, die obligatorischen Beiträge in frei- willige zu verwandeln. Da weiter durch die Abschaffung der obligatorischen Beiträge die Arbeil des Kassirers aus eine minimale verringert ist, setzte man das Gehalt des Kassirers auf 30 M. monatlich fest. Nach Erledigung des geschäftlichen Theils hielt Frau Dff. Zadel einen Vortrag über die Dichterinnen Ada Negr�md Johanna Ambrosia, der von den Anwesenden mit groüjmi Interesse aufgenommen wurde. «r die Lederarbeiter und Arbeiterinneu der Porte- sjMlleubranche tagte am 4. November in der Ressource, Kom- mandantenstr. 57, eine öffentliche Versammlung, deren Besuch zufriedenstellend war. Genosse Millarg sprach unter leb- hafteni Beifall über Fortschritt und Armulh, zum Schlüsse auf die Verhältniffe der Lederwaaren-Industrie eingehend. Dann gab Kollege H e i n k e einen kurzen Ueberblick über die Lohn- und Arbeitsverhällnisse der Lederarbeiter und Arbeiterinnen seit dem Jahre 1899. Er stellte fest, daß die Arbeitslöhne forlgesetzt ge- funken sind(insgesamml um ca. 60 pCt.) und daß jetzt die flotte Geschäslszeil auf ein Vierteljahr zusammengedrängt ist. In dieser kurzen Zeit schlagen die Unternehmer aus den Arbeiter» so viel Profit heraus, daß sie das ganze Jahr hindurch ein mehr oder minder luxuriöses Leben führen könnten. Dem Arbeiter dagegen bleibe während der übrigen drei Vierteljahre nur das Nagen am Hnngerluche. Angesichts der allgemeinen günstigen Konjunktur in der Lederbranche und wegen der durchaus ver- besserungsbedürftigen Lage der Lederarbeiter und Arbeilerinnen schlug der Redner eine 33l/Zproz. Lohnerhöhung vor; er betonte hierbei jedoch ausdrücklich, daßdieserAnfschlag im Grunde genommen nur eine Zurückerstattung der Produkiionsunkosten sei, die das Unternehmerthum den in dieser Branche noch vorhandenen Heim- arbeitern aufgehalst habe. Er snhrle als Beweis eine statistische Zusammenstellung an, der er den Wochenverdienst von 24 M. zu gründe gelegt hatte. Um diese 24 M. zu erreichen, müßte» 8 Tugend Ledertaschen resp. Etuis, pro Dutzend 3 M. Arbeitslohn, angefertigt werden. Hierzu seien täglich 11 Arbeitsstunden des Mannes und die Hilfe seiner Frau erforderlich. Das Jahr zu 52 Wochen gerechnet, würde sich der Verdienst ans 1248 M. stellen. Hiervon gingen aber die Betriebsunkosten zwar: für Beleuchtuiig wöchentlich 60 Pf., macht pro Jahr zu 52 Wochen......... für Spiritus wöchentlich 15 Pf., macht pro Jahr für Starke pro Jahr.......... für Stifte wöchentlich 30 Pf, macht pro Jahr für Leim pro Jahr........... für Zink pro Jahr........... für Zeilversäumniß beim Abliesern wöchentlich 1 M., macht pro Jabr........ für Mielhe für den Arbeitsraum, der extra noth- wendig ist, monatlich 12 M.,»lacht pro Jahr 144,— für Heizung des Arbeitsranms während 5 Winter« monaie............. für Hilsckräfte, Arbeilsbursche zum Anschmieren 3 M. Wochenlohn, macht pro Jahr... für Walte pro Jahr........■■ 41,80 Summa: M. 485,40 Ziehe man nun die Bilanz, so blieben 762,60 M. Jahres- verdienst oder 14,66 M. Wochenlohn. Dabei wäre» die Unkosten äußerst gering veranschlagt. In der Diskussion wurde nun eine 25 prozentige Lohnerhöhung angeregt, von anderer Seite eine Erhöhung von 50pCl., um nur einigermaßen den 1390 er Tarif wieder zu erieichen. Kollege Göritz erklärte, daß die zu stellenden Forderungen den Fabrikanten möglichst bald, noch vor Fertigstellung ihrer neuen Kalkulation, zugestellt werden»lüßien, während Kollege Wunscheck die Organisationssrage ventilirte, vor einer voreiligen Beschlußfassiing über die Lohnbewegung warnte und eine etwa nothwendig werdende finanzielle Unterstützung durch die zenlralorganisirte Kollcgenschast von einem dahin gehende» Allsspruch der übrigen Arbeiterschaft abhängig machte. Hiergegen wurde verschiedentlich betont, daß der heutige Schritt ein Produkt der Nolh fei, und einmüthig slimlitten die Ver- sammelten folgender siiesolution zu: „In Erwägung, daß durch die Schnndkonkurrenz und dllrch die künstlich gezüchtete Hallsmi.ustrie, welche es durch die Jsolirtheit der Kollegen den Fabrikanten ermöglichen, die Arbeitskraft bis aufs äußerste auszunutzen, infolge dessen die Arbeitslöhne von Jahr zu Jahr hernntergegangeli sind, so daß nicht von einem»lenschenwnrdigen Dasein, sondern nur noch von einem Vegetiren die Rede sein kann; in fernerer Erwägung, daß die Hantzlndnstrie die Werkstnbenarbeil unmöglich gemacht hat, dadurch aber dem einzelnen Hansindnstriellen die bedeutenden Prodnktionsnnkoste» aufgebürdet sind, erklärt sich die heutige Versammlung mit den von der Lohnkoininission gemachten Vorschlägen, betreffend einen 33>/zproze>itigen Lohnanfschlag, ein- ab und Mark 31,20 7,80 14.— 15,60 2,— 6,- 62,- 15- 156,— verstanden, und verspricht, mit aller Energie für diese Forderung einzutreten. Damit dieses mit größtem Nachdruck geschehen kann, verpflichten sich die Anwesenden, der bestehenden Organisation beizutreten, sowie bei jeder sich bietenden Gelegenheit für An« schlitß an dieselbe zu sorgen. Die Lohnkommission wird er- mäcktigt, die nölhigen Schritte zur Lohnbewegung zu thun, und die Versammelten verpflichten sich, diese Agitation mit allen Kräften moralisch und materiell zu unterstützen." Zum Schluß wurde die bestehende achtgliedrige Lohn- kommission um ein neuntes Mitglied verstärkt und für zwei ans- geschiedene Kollegen Ersatz geschaffen durch Ernennung der Kollegen H e i n k e. E r t e l und Kargen. xa,>d«,na»»kchast der Schleswig. zolftrinrr 1», s-rli». Mittwoch, den s. Stovember, abends 8jj Uhr, Im Kannnandantsn- Garten,«omman- dantenstr. ro/n: Zusonnnenlunft der Schteswig-Holsletner»rtl Frauen. Zcrb«it«r. Sildungsschnl«. Unterricht am Mittwoch, de» o. November. Sü donschule, Waldemarsiraße is: Geschichte. Nordschule. Müller- siraße I7sa: Deutsch. Beginn abends« Uhr, Schluß 10!; Uhr. Die Schul- räume sind zur Beliuhung der Bibliothet und des reichhaltigen Zeilschrtsten- matertals schon von s Uhr an geöffnet. Vermischtes« I» Miinchcu ist am Dienstag Morgen der Neubau des Deutschen Theaters eingestürzt. Ein Privat- t e l e g r a m m, welches uns 10 Uhr 20 Minuten morgens zugesandt worden, meldet, daß man bislang 4 Tadle und 6 Schwer- verwundete gefunden hat, während noch 15 Arbeiter unter den Trümlnern begraben liegen. Das Wolff'sche Telegraphen-Bureau bringt über den Fall die folgenden, von den Mittheilungen unseres Berichterstatters lheiliveise abweichenden Meldungen: Dienstag Bormittag stürzte ein überlastetes Baugerüst des Kuppelbaues der neuen Pracht- Passage an der Schwanthaler- Straße ein. Zwei Arbeiter wurden getödtet. drei lebensgefährlich verletzt.— Wie sich nach den letzten Ermittelungen herausstellte, sind bei dem Gerüsteinsturz an der Schwanlhalerstrabe 2 Arbeiter ge- lödtet, 5 Arbeiter schwer und eine Arbeiterin leicht verletzt. Es ist festgestellt, daß nur eine vorschriftswidrige Ueberlastung des Gerüstes das Unglück herbeiführte. Briefkasten der Redaktion. Wir bttte» bct jeder Nnsroge eine llhlssre(zivel Buchstabe» oder eine Zahl) anzugeben,»nler der die Antwort erlhetll werden soll. Die juri[tische Sprechstunde findet am Montag, Mittwoch, Freitag und Sonnabend abends von 7—8 Uhr statt. F. K., G. 22 und D. 30. Sprechen Sie gelegentlich in der jnristlsäieii Sprechstunde vor.— 264. S., Treuer Abonnent 40, Oho. Nein.— C. M. 1VV. Die Vereinbarung, daß Küiidigungsfrlst ansgeschlossen sein soll(also der Arbeitgeber ohne Grund täglich entlassen, wie der Arbeiter ohne Grund täglich austreten kann), gilt auch für Ihren jetzigen Be- schäflignngsort.— H. B. Nur das Dienstmädchen selbst ist für den Schaden, den sie durch ihre Schuld der Drehrolle zugefügt hat. verantwortlich, nicht die Herrschast.— L. 1. Ja. 2. Nein. — S. D. 1. Amtsgericht. 2. Ja. 3. Hängt von der Höhe des Objekts ab.— M. N. 64. Verjährung liegt mit Ablauf von zwei Jahre» seil Ende des Jahres vor, in dem die Schuld zu» letzt anerkannt wlirde. Eine'Angabe, ob solch Anerkeniltniß vor- liegt, fehlt.— 100. Ist nichts weiter vereinbart, so kann nur zum 1.(spätestens am 15.) bei Schlafstellen gekündigt werden.— August Lange. War das Geld noch nicht an Ihren Vater gezahlt und sind seit dem Vergleich noch nicht drei Jahre verflossen, so können Sie die Zah- lmig verlangen.— A. G. Von uns noch nicht ermittelt. P. T. Die Taxe ist verschiedenartig; wende» Sie sich mit Ihrer Anfrage z. B. an Dr. Zadel, Dresdenerstr. 109, Dr. Christeller, Alexanderplatz 1.— F. Nr. 100. Die Schank- konzession ist nur dann zu versage», wenn gegen den Nachsuchen- den Thalsachen vorliege», welche die Annahme rechtfertigen, daß er das Geiverbe zur Förderung der Völlerei, des verbotenen Spiels, der Hehlerei oder der Unsittlichkeit ausbeuten werde oder wenn das Lokal de» baupolizeilichen Anordnungen nicht genügt. Ob eine Bestrafung des Nachsuchenden.als„Thalsache" im er- wähnten Sinne zu erachten ist, hängt von sämmtlichcn Nlitstäiiden des Falles ab.— Z. 91, In nächster Nummer. Briefkasten der Expedition. R. G., Lcngenfeld. Anweisung verivendet. Das Geld ist eingetroffen und nach Für denInhalt der Inserate über ninimt die Itedaktiou dcu, Pnblikiii» gegenüber keinerlei Verantlvortnng Tlseater. Mittwoch, 6, November. Nprr»Iial>«. Der Evangeltmann. Phantasten im Bremer Rathskeller. Kchnnspirlhana. Frauenlob. Der Diener zweier Herren. Aentschr« Thrater. Robiiisons Eiland. Krrliurr Theater. Nachnchi». Letsiiioi Ttieaicr. Der Veilcbeiifresser. Friedriiii-ptilhelnistädt. Theater Die Reise»acb dem Mars. Nachmittags 3 Uhr: Kinder- Vor stellimg. Schneewittchen und die sieben Ziverge. K'eurv Theater. Seine Gewesene. Schiller-Theater. Wilheli» Tell. Ziestdens-Theater. Der Rabenvater. Vorher; Aber die Ehe! Adolph Ernst» Theater. Parade- bummler. Eentrat-Theater. Eine tolle Nacht. Alcraildrrpt»h-Th e»ter Die kleine» Länniier. Vorher: Niiiiimer 66. Uniianal- Theater. Multersegen, oder: Die neue Fauch on. Theater Zluter den Linden. Die Karlsschülerin. Amerlrait- Theater. Spezialitäten- Vorstelliiiig. pelchvhnUcu�Theater.Spezialitäle»- Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitäten-Vor- ftellung. Alexanderstrabe 40. Täglich abends 8 Uhr: Die ki einen Lämmer. Baiidcville in 2 Akten von Varney. Vorher: Vttmmev 66. Operelle in 1 Akt von Offenbach. Schiller-Theater. tWaIlnei--.TKestei'.) Mittwoch: Wilhrl« Tell. Toniierstag: Der Dauv der Zabi »eriune». NatioiiAl-l'ZleAtei'. Groß» Ltauüfurtrrftraße 132. Direktion: Hax Samst. VolkETorstellung zu bedeutend ermäßigten Preisen. Ans allgemeines Verlangen: NL nktrrfeqen oder: Die>»n,c Aailchon. Volks st ück mit G-ffang in 5 Akten von W. Friedrich. Musik von Schäffer. Regie: A! a x S a m st. Morgen: Der Glöckner von Notre- Dame. Sonntag.nachmittags 2ViUhr: Volks- vorstellling. Zill Volüskeillä. Echan- spiel in 5 Aufzüge» von Henrik Ibsen. Regie: Jnlius Türk. Adolph Ernsf-TIicater. Zum 64. Male: MlidkiiWuckr. Besetzung der Hauptrollen: � Anna Bäckers, Josefnie Tora, Ida Schlüter, Adolpb Ernst, Julius Eyveii, Nlgo Haßkerl, ßiichard Jürgas, Guido Üelscher, Karl Weiß, Georg Worlitzsch. � Ansang 7>/e Nkr. ä}M- Kein Aufgeld.-WS Morgen: Dieselbe Vorstellung. Apollo Theater Cremo's Teutonenspiele. llle. PMlo-Durand comiqne Exoentriques. T&ie Wcwtieys phünomenale Luügymuasiiker. Bella Rose. Miss Rosi Rendel. The Hai-weys. Familie Kräusel. Miss Ethardo. Rozsika Horwath. Heinrich Blande. Mizi Schütz. Abhas-niirza-Troiipe. Kasseneröffnniig 7 Uhr.'Ansang der Vorstellung 8 Uhr. zmMWichWM. Udiift 23 26 Ehanjferftraße 26/26. Jeden Abend 71/2 Uhr: Eiagfpiel der Liliputaner. Tie Reise irndj i>em Mars. Mittwoch,»ackm. 3 Ubr: Eftm- Kinder- Uorstellung. Kinder halbe Preise. Schneewittchen und die j 7 Zwerg».> Hull ist da!!! Ter Maiin von Eisen H wird bald das Tages- gespräch sdu. Jede» Abend 10 Uhr in fiCaufmann's Variete- Theater Königstrasse, Kolonnaden. Voslstäiidig neues Programm. Die Berlmer Barnsson, der grossartige Eqnilibrist Tallo, der Tentickte Musiker Jones, der dicke Liebling Edi Blum, das seköne Modell Miss Luciani, der Oampidichter Samson, die vorzilglicli. Gymnastiker Hegiuo, kurz und gut, ein Programm, ivie es noch nie da war. Gegründet 1845. Gegründet lB4S. Oircus Renz. Karlstrasse. Uiüwoch, den 6. November, Abends T'/a Uhr: Cr. brillaiile VorßeÜW. 6 Trakehn. Rapphengsie(Orig.- Dressur) vorgef. v. Dir. kr. Renz. Auftreten des anerkannt besten Schulreiiers der Welt Mr. James Fillis mit seinem Vollbintpserde Gorminal. La Perohe, großartige Kraitprodnklion von den �Gebr. Reinsch. Anftrelen der Schul« reilerin Frau Robert Renz mit dem Schulpferde Fernccio. Hierauf: Neu! Oer Bayueltesprnng. Neu! Aliflreten der Gebr. Menkreld, alrobatisch- excentnsche Teufel. Miß Blanche Cooke m. d. Schul- pserd Syivan u. dem Springpferd Rarras.'Auslreten d. renoniinirlen Künftlerfamilie Jee sowie sämmtl. Cloivns u. d. belieble» Original- Angnst Mr. Lavater Lee.'Alles Nähere aus Plakaten und Ans- lragezeltel» ersichtlich. Donnerstag, den 7. November. abends 71/2 Uhr: Gr. Vorstellung. Sonntag, den 10. November: 2 Vorstellungen. Nachm. 4 Uhr: „?je Ni En" mit dem beliebten Schellenspiel.— Abends 7�/s Uhr: Große Vorstellnng. Franz Renz, Direktor, Königl. Konimissionsrath. Cenlral-Thealer. Alte Jakobstr. 30, Gmil Thomas a. G. Noviiätl Zill» 63. 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Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen, auch der Frauen, ersuchen 270/lS_ Die Vertrauenspersonen. 2. 3 Achtung! 4. Wahlkreis. Achtung! Doiitterstag, 7. November, abends Uhr, in F i e b i g' s Festsälen, Große Frankfurterstr. 8S: Gvotze öffentliche Tages-Ordnung: 1. Die bevorstehenden Siadtverordneten-Wahlen. Referenten Genosse» Henke und Uupont. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 273/1 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen, auch der Frauen, ersucht Ilas Wahikomitee. Achtung! Süd-Ost. Achtung! WF Smer öffentliche"WU UolKs- Uersammlmtgen. I. Donnerstag, 7. Nov., abends 8'� Uhr, bei Rantenberg, Granienstr. 18v. Tages-Ordnung: Die bevorstehenden Stadtverordneten-Wahlen. Freie Diskussion. T. Freitag, 8. November, abends 8'� Uhr, bei Henke, zinuttynstr. 27. UerKLndung der Wahlresnttate sämmtlicher Kezirtie Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen, auch der Frauen ersucht 273/2 Da. Komitee. Achtung! V. Wahlkreis! Achtung! Große öffentliche Versammlung am Mittwoch, 6. November, abends 8>/s Uhr, im Lokale de» Herr» Nuske, Grenadier- Straße Ur. 33. Tages-Ordnung: 270/16 1. Die bevorstehenden Stadtverordnete»- Wahlen. Referent: Stadt- verordneter Paul Singer. 2. Freie'Aussprache. Die Wühler des 30. und 39. Koiiinninal-Wahlbezirks werden besonders eingeladen. Ha. Komitee. 6. Mohllireis. 3 große öfentlide Verjoiiiiiiliingeii. Donnerstag, den 7. November, abends 8'� Uhr: I. Krnnnenlkraße l88, bei Gründet. Referent Otto Näther. 8. Swinemiinderstrahe 35(Kwinemiindrr G esell schafts h aus). Referent Stadtv. Arthur StaAthagen. 3. KadstraHe 35/36, Gesundbrunnen(Marienbad). Referent Sladtv. K«ali> Vogtherr. 270/20 Tagesordnung in allen Uersammlnugen: Der 8. November und seine Bedeutung für die Berliner Kommune. Jedermann Hat Zutritt. Freie Diskussion. kiv. Am Freitag, den 8. November, abends 3'/, Uhr, finden behufs Resultatverkündung 3 Versammlungen statt: Kolberger Salon, Kolbergerstr. 23, Swinemünder Gesellschaflshaus und Gründel's Salon. SCaufieute. Donnerstag, den 7. November l8SZ, im großen Saale des Alten Schützenhauses, Linienftr. 3: Große Versaimilllllig aller kanslnailnislhetl KoiilMliaalivahler Berlins. Vortrag des Stadtverordneten-Kandidaten R. Millarg über: Die Kedentnng der StadtoerordnetenWahlen für die Handlnngegehilfe». Die Handlungsgehilfen aller Parieien ladet ein Freie Veveiniqunn der Nnufleuke. 90/5 I. A.f Albert Kohn. Achtung, Metalldrncker! Kollegen! Am Donnerstag, den 7. November, abends 3>/2 Uhr, findet im Lokale von Klüt?& Co., Alte Jakobstraße Nr. 83, eine Werkstatt- Vertrauensmänner- Siteung Ker Oritcker statt. Kollegen, erscheint alle! Die Sitzung wird pünktlich eröffnet. 116/7 Der Derlrauensmanu:?aul lätkin, Johannisthal. Dr. Thompson's Seifenpulver M* ist das beste und im Gebranch billigste und bequemste Waschmittel der Welt. dnittt« schmerzlos eingesetzt, seftsitzend. llteparaiure» iosorr. Weniger ölllllstl,.QlI'JIll Bemittelte Ermäßigung. Kreslawski, �Spittelmarkr 13, Orts-Krankenkasse des löpfcrpei'öcö zu Berlin. Donnerstag, d. 14. November 1895, abends 6 Uhr: Ordentliche General- Versammlung der Mitglieder(Arbeitgeber und Zlrbeitnehmer) im Lokale des Herrn Bnske, Grenadier- straße 33. Tagesordnung: 1. Ersatz- beziv. Erzänzungswahl der Delegirten(13 Arbeitgeber, 51 Arbeit- nehmer). 2. Verschiedene Kassen-An- gelegenheiten. Z 47 des Statuts. Quittungsbuch legitimirt. 201/1 Donnerstag, d. 14. November 1895, abends 8 Uhr: Geucral-Persammlnng der Delegirten(Arbeitgeber und Arbeitnehmer) im Lokale des Herrn Buske, Grenadier- straße 33. Tagesordnung: I. Ersatz- bezrv..Ergänzungswahl des Vorstandes(2 Arbeitgeber, 6 Arbeit- nehmer). 2. Wahl eines Prüfnngs- ausschusses(1 Arbeitgeber, 2 Arbeit- nehmer). 3. Beschlußfassung über den Vertrag mit dem Verein der frei- gewählten Kassenärzte pro 1396. 4. Be- 'chlußfassung über Verhaltungsregeln ür erkrankte Mitglieder. 5. Statuten- berathung,§§ 1—68, spez.§§ 29, 32 und 84. 6. Verschiedene Kassen-Angelegenheiten.— Nach Z 47 des Statuts Der Vorstand. Buchdrucker Berlins und der Vororte! - e- Sonntag, den 10. November, vorm. Praz. K)'� Uhr: ISP Allgemeine"VU Buchdrucker-Versammlung in Keller'» Festsälen» Koppenstr. 29. Tages-Ordnung: 1. Das Gehilfengegnerthum und die Situation im Bnchdrnckgewerbe. 2. Wie stellen sich die Berliner Buchdrucker zur einheitlichen Durchführung des Tarifs. 3. Diskussion. 35/3 LS?" Sämmtliche Kuchdrncker, Drinzipalr wir Grhilf«», die ein Interesse an dem Kestehen de« Tarifs haben, sind zn dieser hochmichtigen Versammlung freundlichst eingeladen. Her Einberufer: A. Massini. SoMmokrat. WHiierein für senk. Berliner ReWllgs- Wahlkreis. Den Mitgliedern zur Mittheilung, daß der Genosse, Schleifer 246/19 Waldemar Conrad an der Proletarierkrankheit verstorben ist.— Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. November, nach- mittags 3»/- Uhr, vom Trauerhause, Neue Hochstraße 29 aus statt. Um rege Betheiligung ersucht Der Vorstand. Hiermit allen Freunden u. Bekannten die traurige Nachricht, daß unsere liebe Tochter sllöllb LIIs Ksntep im Alter von 3 Jahren am 3. d. M. nach schweren Leiden sanst entschlafen ist. Die Beerdigung findet Mittwoch Nach- mittag 3 Uhr von der Leichenhalle des alten Thomaskirchhoses aus statt. Dies zeigen die trauernden Hinter- bliebenen an. J. Kanter nebst Frau. Achtung! Achtung? Ü WnüMchtr! Wegen Lohnabzüge haben die Kollegen von L e w y, Grenadierstr. 7, die Arbeit niedergelegt.—Wir ersuchen die Kollege», dieses zu beachten. � 78/15 Tie Wcrkstatt-Konkrollkommissio» des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes(Zahlstelle Berlin). Hypotheken Baugeldex* ßezicll schwierige Fälle, werden prompt durch Bankvezieyung vermittelt. An- ragen unter J. R. 9101 Rudolf Mosse, Berlin SW. M* Carl Jauer Fruchtotr. 52 empfiehlt de» Parteigenossen sein Weist- und Bairisch-Bier-Lokal. Vereins- ziminer für 30 Personen. 36708* Für einen im Norden des Freitags tagende» Arbeiter- Gesangverein wird ein tüchtiger 65/18 V i p i g e n t, nur erste Kraft, gesucht. Meldungen am Donnerstag, den 7. d. Mls., abends 6—8 Uhr, bei R. Kemnitz, Wolgasterstr. 4, 4 Tr. Kutter rnili Käse empfehlen Freunden».Genosse» billigst Ätberslr. IkundÄrichlft. Ül. ÜlQbd*u Fabrikpreisen. Dresdenerstr. 49. Wo kaufen Sie? eine gute vigarre? 1176b Vinncböse, Lansitzer-Platz 1. Sammet- Reste zu Kinderkleidern, Knabenanzügen, auch pfundweise, Plüsch-Reste, Krimmer- Reste, Astrachan-Reste, Reste f. Mäntel, Capes, Kleiderstoff-Reste, Satin-Reste, Parchend-Reste, Stoff-Reste zu Knaben- Anzügen, Kaltun-Reste. Beste Besngs- quelle für Wiederverkänfer. Heue Königstr. 30, I. Tr. jjnterzeuge ü jeder Art. Wollene Westen für Herren, Damen und Kinder. Schulterkragen°°a Wollene Tücher. 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Weihnachtsbestellungen bitte so bald wie möglich zu»lachen. Nach auswärts gegen Nachnahme. Großes Lager fertiger Rahme». Gratulation. Lieber Carl, zu Deinem heut' wieder- kehrenden Geburtstag wünschen wir Dir Gesundheit und noch langes Leben, daß Du mit Deiner zarten Hand»ins noch recht oft einen Großen und'»e Weiße kannst geben. 117öb Gewidmet von seinen Stammgästen. Unserm Freund und Genossen Iaeoll Kartze» zu seinem heutigen Wiegenfeste ein donnerndes Hoch, daß die Kaster- Männchen wackeln! P. V. C. Sch. W. D. H. D. Ich erkläre die Frau Wolter, Anklamerstr. 23, für ehrenhaft. 1174b Frau Kammer. M-Woll Burgstraße Nr. 32. Direktion R. Winkler u. W.Fröbel. Das brillante November-Programm: 14-WU für Kerlin neue l Lensations-�ammern. Circus Carola in solcher Vollendung hier noch nicht gesehen. I Anfang: Sonntags 6 Uhr, Wochen- tags 7>/s Uhr. Entree 39 Pf. Mcaxav» J Variete- n. Spezlalitäten-Torstellg. Dresdenerstr. 52/53, Annenstr. 42/43 (City-Passage). Den: DU»: Die Eebkanle. Posse in I Akt von Alf. Schmasow. Lcbeffler Tronpe, Hiss Barbera, die Mnlattin, Clara und Hans Sarno, Duettisten, Hartha Peters, Kostüm-Soubrette. Ans. Wochent. 7t/s, Sonnt. 6 Uhr. Entree„ 10 Pf.,„ 30 Pf. IR. Winkler.■■ Arbeitsillllrkt. Tüchtige Kistenmacher werden sofort verlangt Wasserthorstr. 9. 1172b Cigarrenmacher mit u. Wickelmacher sucht Hai E. K. 101 Exped. d. Bl Form, Presse Hausarbeit. Off 1177 Goldleisten-Belegerinnen werden verlangt Köpnickerstrnße Nr. I03a. Belegerinnen, geübte, verlangt Gold- leistensabrik Dresdenerstr. 97. 1173b Versilberer, Farbigmacher, Baroque- vergolder verlangt Leimert, Dresdener- straße 97. 1179b Rahmenvergolder verl. Friedeustr. 10. Knaben-Anziige. Arbeiterin aus geschniltene Arbeit guter Mittel-Genres bei dauernder Beschästigung gesucht. Leopold Pinn, Kaiser Wilhelmstr. 3. Farbigmacher verl. Kottbuser Ufer 32 Möbelpolirer. In der Werkstatt von lerabeck, Griebenowllr. 3, haben die Kollegen aufgehört wegen Lohndifferenzen. Bitte dieses zu beachten. 145/ l9 Der Vorstand. Alhtuilg, MvieMeiter! Die Kollegen der Pianofabrik von W.Steuer. Krautstr. 52, haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Hie Werkstatt-Kontrollkommission. Für die hiestae» Leser liegt der heutige» Zlummer unseres K'atte» die gestrige Gewinnliste der preusi. Lotterie bei. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kunert, Schöneberg-Berlin. Für den Jnjeratenthell verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. 2. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Kr. 260. Mittwoch, den 6. Novemder 1893. 12. Jahrg. Parteigenosse«! Arveiter! Mahler der lll. AdtheUmrg des l, 5., 1, 11., 13., 15., 11, Ii,»., 30., 33., 35., 39.«. 43 N», 8. tloucinlu'r d. Z. finden in den oben bezeichneten Bezirken Ersatzwahlen für die Stadtverordneten- Versammlung statt. Ihr habt zu entscheiden, welche Partei für die nächsten sechs Jahre diese Bezirke ini Rothen Haus vertreten soll. Wenn der Herrschaft des Freisinns, welcher die städtische Verwaltung zum Tummelplatz kapitalistischer Interessen macht, und große Gebiete kommunaler Thätigkeit der Ausbeutung durch das Privatkapital preisgiebt, erfolgreich entgegengetreten werden soll, so müssen wieder Männer ins Rathhaus geschickt werden, welche energisch und zielbewußt die Sache der politisch Unterdrückten und der wirthschastlich Ausgebenteten führen. An die Stelle der im Berliner Rathhause herrschenden manchesterlichen Verwaltungsprinzipien müssen sozialistische Grundsätze treten. Die großen Aufgaben der Kommune auf dem Gebiete des Verkehrswesens, der Vergebung städtischer Lieserungen und Arbeiten sowie des Arbeiterschutzes, Verkürzung der Arbeitszeit, Schaffung anskömmlicher Löhne und vernünftiger Arbeitsbedingungen u. s. w. dürfen nicht wie bisher fast ausschließlich im Interesse von Aktiengesellschaften und Großunternehmern bearbeitet werden. Schule, Krankenpflege und Armenwesen müssen wahrhaft volksthümlich eingerichtet, die sanitären Verhältnisse in allen städtischen Anstalten— namentlich in den Schulen— erheblich verbessert werden. Solche das Gemeinwohl fördernde Einrichtungen wollen die sozialdemokratischen Stadtverordneten schaffen, seit 12 Jahren sind sie stetig bemüht, den Boden dafür zu ebnen. Parteigenossen! Benutzt die Zeit bis zur Wahl zu unablässiger Agitation für die sozialdemokratischen Kandidaten. Veranlaßt die Indifferenten zum Besuch der Wähler- versanimkungen, damit sie aufgeklärt werden. Belehrt Eure Arbeitsgenossen über die Nothwendigkeit der Wahl von sozialdemokratischen Stadtverordneten. Neberzeugt die Zweifelnden, unterrichtet und festigt die Schwankenden, indem Ihr ihnen die Thätigkeit und die Anträge der Sozialdemokraten im Rathhans vor Augen führt. Der 8. November muß für die Sozialdemokratie im Rothen Hause wieder ein Siegestag werden. Sorgt dafür, daß jeder Wähler am 3. November zur Wahl geht und seine Stimme dem sozialdemokratischen Kandidaten giebt. Arbeiter! Parteigenossen! Wenn die Besitzlosen und Nothleidenden sich aufraffen, wenn Arbeiter und Handwerker, Kleingewerblreibende und Augestellte ihr Wahlrecht so wie es ihr Klasseninteresse gebietet, ausüben, dann ist der Sieg unser! Thue deshalb jeder seine Schuldigkeit! Vorwärts! Hock; die Sozialdeurolivakte: Wir veröffentlichen nachstehend das Tableau der bevor- sleheuden Stadrverordueten-Ersatzwahlen und bemerken ausdrück- lich, daß diejenigen Wähler, iv eiche seit dem I. August verzogen sind, in demjenigen B e- zirk zu wählen haben, in welchem siezurZeit der Aufstellung der Wählerlisten— also im Juli d. I.— g e>v o h n t haben. Wähler ist jeder Preuße, der 24 Jahre alt, seit einem Jahre in Berlin wohnt, seit dieser Zeit keine Armen-Unterstützung ans öffentlichen Mitteln erhalten und die ihn betreffenden Ge° meinde-Abgaben bezahlt hat, sowie mindestens in die zweite Stenerstufe(600—900 M. Einkommen) eingeschätzt ist. S. Kommunal- Wahlbezirk, enthaltend die Stadtbezirke 6—10 und vom Stadtbezirk 144: Kleine Kurstr. 9, Niederivall- ftraße 24 u. 29, Spittelmarkt 14 u. 14», in welchem ein Haus- besiyer zu wählen ist. Wahllokal: Niedermallstr. SV bei Kiihne. Kandidat: Expedient Augnst Jacobe»), Höchste. 33. 5. Kommnual Wahlbezirk und zwar: Thcil I, enthaltend die Stadtbezirke 21, 29 u. 00 und von Stadtbezirk 22: Wilhelm- straße 42a, Zimmerstr. 1, mit Ausschluß des Grundstückes König- grätzerstr. 121 von Stadtbezirk 21. Wahllokal: Aibrechtsgartrn» Milhelmstr. IVA. Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 26. 27 und 28, mit Ausschluß der Grundstücke Charlotlenstr. 11—12 von Stadt- bezirk 26, Lindenstr. 89, Markgrasenstr. 10—16 und 85—94; Jnnkerstr. 1 von Stadtbezirk 27. Wahllokal: Friedrichstr. SS8 bei Fritz. Kandidat: Zigarrenhändler Otto Antrick, Stcinmetzstr. 00. 7. Kommunal-Wahlbezirk, in welchem ein Hans- besitzer zu wählen ist, und zwar: Theil I, enthaltend die Stadtbezirke 31. 32, 38 und 39 und von Stadtbezirk 46: Bülowstr. 93; von Stadtbezirk 45: Frobenstr. I— II und 41, An der Apostelkirche I, Kurfürstenstr. 29—46 und 139—150; mit Ausschluß des Grundstückes Linkstr. 46 von Stadtbezirk 31. Wahllokal: Potsdamerstr. 123« bei Zimmermann. Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 33—37. Wahllokal: Friedrich Milheimstr. 13 bei Grundmann. Kandidat: Stadtv. Fritz Znbeil, Lindenstr. 106. 11. Kommunal Wahlbezirk, in welchem e i n H a u s- besitzer zu wählen ist und zwar: Theil I enthaltend die Stadtbezirke 63, 65 und 67; mit Ausschluß der Grundstücke B:lle-Allianc«straße 90, Gneisenaustr. 1 vom Stadlbez. 63. Wahllokal: Habel'» Krauerei, Krrgmannstr. 5—7. Theil II enthaltend den Stadtbezirk 64. Wahllokal: Kockbraurrei, Fidirinftr. 2—6. Theil lll enthaltend den Stadtbez. 66. Wahllokal: Zossenrrstr. 30 bei Iaap. Theil IV enthaltend den Stadtbezirk 75. Wahllokal: KiKtoriaparK, Gneisenaustr. 67. Theil V enthaltend die Stadtbezirke 74 und 77. Wahllokal: Vrimmstr. 6 bei Schräder. Theil VI enthaltend den Stadtbezirk 76. Wahllokal: Happoldt's Krauerri, Hasenhaide 32— 38. Theil VII einhaltend die Sladtbezirke 78� und 78 B. Wahllokal: Gräfestr. 76 bei Liebherr. Kandidat: Stadtv. Fritz Zubeil, Lindenstr. 100. 13. Kommunal-Wahlbezirk, in welchem ein Haus- besitzer zu wählen ist, und zwar: Theil I, enthallend die Stadlbez. 88, 89. 90 und von Stadlbez. 87: Admiralftr. 36—40», Britzerstr. 25, Kotlbuserstr. 7 und 8; mit Ausschluß des Grund- stückcs: Reichenbergerstr. 173 von Stadtbez. 89. Wahllokal: Mariannenstr. 10 bei Hiltscher. Theil II enthaltend die Stadtbezirke 91—94; mit Ausschluß der Grundstücke: Lausitzerstr. I, Skalitzerstr. 39, 40 und 46, Wienerstr. 68 und 69 von Stadtbez. 94. Wahllokal: Reichenbergerstr. 147 bei Gansewig. Kandidat: Stadtv. Gottfr. Schulz, Admiralftr.-iOa. 15. Kommunal-Wahlbezirk und zwar: Tbeil l, enthaltend die Stadtbezirke 82 und 33 und von Stadtbezirk 81: Elisabeth- Ufer 36 mit Ausschluß der Grundstücke: Adalbertstr. 85, Nauny» straße 59 von Stadtbezirk 83. Wahllokal: Adalbertstr. 21 bei Roll. Theil II, enthaltend die Stadlbezirke 84 und 85 und von Stadtbezirk 36: Oranienstraße 24— 26 und 130— 183; von Stadt j bezirk 95: Mantensfelstraße 42, Oranienstraße 1; von Stadt bezirk 97: Mariannenstr. 51—53, Naunynstr. 2—15, Mariannen� platz 6». Wahllokal: Granienstr. 100 bei Zschrtjge. Kandidat: Stadtv. Th. Metzner, Oranienstraße 184. 17. Kommunal-Wahlbezirk und zwar: Theil I, enthaltend die Stadtbezirke 115, 116 und 117; mit Ausschluß der Grund- ftücke: Brandenbnrgstr. 17 und 64, Wafferthorstr. 25» von Stadt» bezirk 116. Wahllokal: 57/72. Gemrindeschnle, Krandrnbnrg straffe 78/70— Turnhalle. Theil II. enthaltend die Stadtbezirke 114, 123 und 124; mit Ausschluß der Grundstücke: Prinzenstr. 91, RUlerstr. 19a— 29 und 96—105 von Stadtbezirk 123. Wahllokal: Fnrstenstr. 10 bei Wilke. Kandidat: Zigarrenhändler Wilhelm Börner, Ritterstraste 15. 24. Kommunal-Wahlbezirk und zwar: Theil I, enthaltend die Sladtbezirke 168, 169 und 172; mit Ausschluß der Grund- stücke: Breslauersir. 17, Frnchtstr. 9— 10 und 81— 82, Schlesischer Babnhof, Empfangsgebände und Bahnanlagen bis zur Warschauer- straße von Stadtbezirk 168, Rüdersdorserstr. 41—51 von Stadt- bezirk 172. Wahllokal: Langestr. 65 bei(Dwmrek. Theil II, enthaltend die Sladtbezirke 170, 171 und 173; mit Ausschluß des Grundstückes: Koppenstr. 34 von Stadlbez. 173. Wahllokal: Krauerei Kilsebri», Koppeustr. 68. Kandidat: Bildhauer Paul Tnpont, Solmsstr. 33. 27. Kommunal- Wahlbezirk, und zwar: Theil I ent- haltend die Sladlbezirke 152, 154 und 155 und von Stadtbez. 146: Große Fraiikfurterstr. 70. Schillingstr. 20; mit Ausschluß der Gruudstücke: Gr. Frankfurlerstr. 49 und 89, Markusstr. 30 von Stadlbez. 152, Pallisadenstr. 83—89, Straußbergerstr. 9 und 35 von Stadlbez. 155. Wahllokal: Mrberstr. 244 bei Kreithaupt. Tbetl II enthaltend die Stadtbezirke 153, 156 und 159 und von Stadtbez. 151: Krantstraße la— 2 und 54a— 55a; von Stadtbz. 162: Andreasstr. 41—44 und 47, Blnmenstr. 34a— 41 und 43—51, Kraul str. 53—54; mit Ausschluß der Grundstücke: Große Frankfurterslr. 90—100 und 127, Markusstr. 29. Koppen- straße 35 von Stadlbez. 153, Gr. Frankfurlerstr. 33—43, Weber- straße 64 von Sladlbez. 156, Gr. Fraiikfurterstr. 19, Koppen- straße 37—40, Pallisadenstr. 38 von Stadtbez. 159. Wahllokal: Gr. Fraubsurterstr. 00 bei Martini. Kandidat: Stadtv. Julius Henke, Nannynstr. 27. 30. Kommunal-Wahlbezirk»nd zwar: Thcil I. enthallcnd die Sladlbezirke 202— 2V6, mit Ausschluß der Grundstücke: Alexanderstr. 53, Prenzlauerstraße 30/31 von Stadtbezirk 202, Münzstr. 3—9 von Stadtbezirk 205, Münzstr. 1—7, Rochsir. 1 bis 6 und 15—19, Neue Schönhanserstr. 21,'An der Stadtbahn 4» von Stadlbezirk 206. Wahllokal:..Münzhof", Münzstr. 20. Theil II, enlhaltend die Sladlbezirke 207—209 und von Stadtbezirk 213: Linienstr. 202; von Stadlbezirk 210: Gipsstr 18, Roseulhalerstr. 25; mit Ausschluß der Grundstücke: Diene Schönhanserstr. 1 und la, Weinnieisterstr. la— 8 von Sladlbezirk 207. Wahllokal: Nosenthalerstr. 4 bei Fiedler. Kandidat: Tischler Rudolf Millarg, Prinzessinnenstr. 8. 33� Kommnual-Wahlbezirk und zwar: Tbeill, enthaltend die Sladlbezirke 226, 227 und 255 und von Sladlbezirk 221: Aiigermünderstr. I, Christinenstr. 1, Lothringerstr. 23—27; von Stadtbezirk 225: Chorinerstr. 4— 6 und 78—86, Zehdenickerslr. 9. Sladlbezirk 257: Ackerstr. 27—23 und 143, Jnvalidenstr. 5 und 153—163; mit Ausschluß der Grundstücke: Fehrbellinerstraße 53 bis 62 von Stadtbezirk 226. Wahllokal: 67. G»meindesch»>e, Aärerstraß« 28« Turnhalle— Eingang: Eitsabethirirchstr. 10. Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 256, 263 und 269 und von Stadtbezirk 257: Jnvalidenstr. 143—152, Bergstr. 30 u. 31, Pappelplatz; von Stadlbezirk 267: Bergstr. 62; mit Ausschluß der Grundstücke: Gartenstraße 26—35 und 145—155, Invaliden- straße 13-23 und 129-132 von Stadtbez. 263, Elsasserstr. 27 bis 30 von Stadtbez. 269. Wahllokal: 67. Gemeindeschul-,.Sck-rstr. 28»— Anla— Eingang: Elisabethkirchstr. 10. Kandidat: Uhrmacher Otto Naether, Anklamerstr. 44. 33. Kommnual-Wahlbezirk und zwar: Theil I, enthaltend die Stadbezirke 229 und 230. Wahllokal: Fehrbrllinerstr. 25 bei Dahlenlmrg. Theil II, enthaltend die Stadlbezirke 231, 232 und 233; mit Ausschluß der Grundstücke: Kastanien-Allee 36 und 70, Schwedter- straße 29 von Sladlbez. 233. Wahllokal: Swinemünderstr. 140 bei Holm. Theil III, enthaltend die Stadtbezirke 234, 235 und 236; mit Ausschluß der Grundstücke: Bernauerstr. 26 von Stadt» bezirk 235, Rheinsbergerstr. 79 von Stadtbez. 236. Wahllokal: Nh-inobergerstr. 64 bei Uro«. Kandidat: Stadtv. Robert Herzfeldt, Plan-Ufer 41. 80. Kommnual-Wahlbezirk, in welchem ein Hans- besitzer zu wählen ist, und zwar: Theil I, enthallend die Stadtbezirke 216, 217 und 289 und von Sladlbez. 211 Artilleriestr. 13—16, Ziegelstr. 14—21; von Stadlbezirk 215: Arlilleriestr. 4a— 4c, 21 und 31— 31a, Auguststraße 4, Oranie»- bnrgerstraße 35—39 und 64—69; mit Ausschluß der Grund- stücke: Allgnststr. 1—2 nnd 39—93 von Stadtbez. 216. Wahllokal: Friedrichstr. 123 bei Krämer. Theil II, enlhaltend die Stadtbezirke 279, 281-283 und 285 und von Stadtbez. 236: Alt-JAoabit 129, Werftstr. 21; mit Aus- schluß der Grundstücke: Jnvalidenstr. 80—83 von Stadlbez. 282, Wahllokal: Luise»str. 55 bei Krrnz. Kandidat: Stadtv. Robert Herzfeldt, Plan-Nfer 41. 42. Kommunal-Wahlbezirk ,inwclchem einHaus- b'e s i tz e r zu wählen ist, und zwar: Theil I, enthaltend die Stadtbezirke 276, 277 und 273. Wahllokal: Rene Hochlir. 40 bei Altmann. Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 319 und 320, mit AuS- schlnß der Grundstücke: Pankstr. 7 und 47 von Stadtbezirk 319. Wahllokal: 118. Gemrindrschni- Pankstr. 8(Turn- halle). Theil III, enthaltend die Stadtbezirke 321—323. Wahllokal: Strttinerflr. 57 bei Schulz. Theil IV, enthaltend die Stadtbezirke 324—326 nnd von Stadtbezirk 313: Exerzierstr. 12, Schulftr. 61—86. Wahllokal: Marirndad. K ad str. 35'36. Kandidat: Expedient August Jacobey, Hochstr. 33. Für die Kommnnalwähler der hier aufgeführten Bezirke ist noch Gelegenheil, die Wählerliste einzusehen: 2. Bezirk bei Sommer, Grnnstr. 21. 11. Bezirk für den Stadlbezirk 78 bei Schonheim, Gräfestr. 8. 13. Bezirk bei Gatlfried Schulz, Aduiiralstraße 40». 15. Bezirk bei Metzner, Oranienstr. 184. 17. Bezirk bei Börner, Diitterstr. 15. 24. Bezirk bei A. Böhl, Riidersdorferstr. 8. 87. Bezirk bei Schulze, Wcberstraße 10. 30. Bezirk bei Wernau, Nosenthalerstr. 37. 33. Bezirk bei Witzel, Ackerstr. 145. 35. Bezirk bei Divsenthal, Granseerstraße 6. 42. Bezirk bei Tanschel, Grenzstr. 4, Raschle, Hochstr. 32, Haferland, Bellermannslr. 87, Wolframm, Prinzen- Allee 21. NNMäude ttn VAttgemeebe Dvrlins. IL Ueier die Beschaffenheit der Baubuden und Aborte auf den Bauten ist durch die Beauftragten der organisirte» Maurer noch folgendes ermittelt worden: Ans dem Bau des Unternehmers Fischer, Florastraße KS in Pankow, bestand die Baubude darin, daß ein etwa d Quadrat- meter großer Platz mit Brettern verschlagen war. Der Raum war so niedrig, daß selbst ein Man» kleiner Statur blos gebückt darin stehen konnte. Wie schon angedeutet, war die Bude ohne Fußboden; aber auch Tisch lind Bänke fehlten, außerdem war sie zur Hälfte mit Baumaterial(Zement) und Werkzeugen des Unter- nehmers angefüllt. Platz für die auf dem Bau beschäsligten Ar- beiter war somit nicht vorhanden. Auf dem Bau des Herrn Thiel, Zorndorferflraße, befand sich die Bude direkt im Bau, trotzdem dieser zur Zeit erst ein und eine halbe Etage hoch war. Wenn man be- denkt, daß hier zur Anfmauerung einer Etage nur wenige Tage erforderlich sind und daß ein Austrocknen des Baues in dieser kurzen Zeit undenkbar ist, so wird es nicht vcrivunderlich erscheine», wenn Arbeiter schon im frühen Alter infolge von Rheumatismus arbeitsunfähig iverden. Ueberhaupl wird auf die Gesundheit und das Unterkommen der Arbeiter sehr wenig Gewicht gelegt. Ein Beispiel von vielen. Auf dem Bau des Maurer- und Zimmeruleisters Leu, Albertinen- straße 2 in Weißensee, waren Baubude und Abort in einem ungefähr 5 Quadratmeter großen nngetheilten Ziaum. In einer Ecke war eine offene Grube und ein quer durch die Bude angebrachtes Stück Holz diente als Sitz; das war der Abort. In dem übrig gebliebenen Theil des Raumes hingen die Klei- dungsstücke der Arbeiter. Ans dem Bau Weidenweg 10(Eigenthümer Schmidt) befanden stch Baubude und Abort in einem etwa 9— 10 Quadratmeter großen Slallgebäude. Welcher Genuß es sein muß, bei schlechtem Wetter in solchen Räumen zu kampiren oder gar daselbst seine Mcchlzeiten einnehmen zu müssen, kann sich jeder leicht selbst vor- stellen. Eines Uebelstandes sei ferner Erwähnung gethan. Größten- theils wird die Baubude gleich zu Anfang des Baues in dem meist sehr engen Lose des Grundstücks aufgestellt, ohne daß man den Fußboden besonders erhöht. Mit der Zeit sammelt sich, entiveder durch nicht abgefahrene Erde vom Ausschachten, durch Abgänge von altem Baumaterial und so weiter, eine Menge Schutt im Hof an, so daß der Fußboden der Bude mit der Zeit bedeutend tiefer zu liegen konimt, als die Terrainhöhe des Hofes ist. So war die Baubude in der Zwinglistraße 10, Moabit, ringsum von einem Haufen Schutt umgeben, hatte keinen bretternen Fußboden, noch war der Boden gepflastert. Bei Regenwetter muß in dieser Bude niehr Wasser als aus dem ganzen Hofraum sei». Sonach ist es erklärlich, daß die Arbeiter bei so mangelhaften Baubuden auf de» Aufenthalt in den Kneipen angewiesen sind. Achnlich sieht es aus den Z i m ni e r- oder vielmehr Holzplätzen aus. Infolge der Veränderung oder Ver- fchicbnng der Produktion verschwinden nämlich die Zimmer plätze mehr und mehr von der Bildfläche. Das Unter- nehmerthum hat größer« Vortheil, wenn es das zum Bauen nothwendige Holz gleich aus den großen Holz- und Lagerplätzen zurichten läßt. Wenn nun auf den Zinimerplätzen noch ver- schließbare Räume, Schuppen oder Werkstätten vorhanden sind, die dem Arbeiter bei schlechtem Wetter oder in den Pausen ei» Obdach bieten, so fehlen diese Unterkunflsräume aus den Plätzen gänzlich. Die Arbeiter sind sonach genöthigt, ihre Mahl- zeilen im Freien einzunehmcn oder bei ungünstiger Witterung in der Kneipe zu verkehren. Durch die Kontrolle, welche die Behörden gezwungen sind. in sanitärer Hinsicht vorzunehmen, wird die Zahl der traurigsten Erscheinungen im Abortwesen auf Bauten einigermaßen eingeschränkt. Die Cholera- Epidemie in Ham bürg und das dichte Zusammenwohnen einer so großen Masse von Menschen, wie es in Berlin der Fall ist, zwangen dazu, daß auch in sanitärer Beziehung von seilen der Behörde etwas gelhan wurde und ivird. Wie aber die i» voriger Nummer des„Vorwärts" veröffentlichte Tabelle zeigt, steht es um die Vc- schaffenheit der Aborte immer noch sehr traurig. Einzelne, be- sonders drastische Fälle seien noch angeführt. In Rixdorf, das bei der Einverleibung der Vororte für Berlin hauptsächlich in betracht kommt, befinden sich dicht am Bahnhos drei Bauten, dem Bauunternehmer Müller gehörig. Ein auf diesen Bauten besichtigter Abort spottete jeder Beschreibung. Mitten im Hofraum war ein viereckiges Loch in die Erde gegraben. Aus der Seite nach dem Gebäude war ei» dürrer abgebrochener Ast vor das genannte Loch gelegt, vielleicht um den Weg davon abzulenken. Auf der anderen Seite war ein schmales Brett, das bei diesem sogenannten Abort diente und mit dem einen Ende auf einer Anhöhe Ausschachtung dieser Grube gewonnenen Erde lag. Pfafc hier war nur für eine Person. Seitenwände, Ätzch oder'smjstige» Schutz gab es nicht. Aehnlich waw�die Aborli�auf den Veiten anderen Bauten beschaffen. va> Wie die Unternehmer mit den Arbeitet» mitunte�uiispringen, wenn sie glauben, sich der nölhtaen Klwtrollr ewigen zu sehen, und dann auch nicht aus bei einfaMen Einrichjmngcn für die Arbeiter Rücksicht nehmen, zeige folgendes Biltn Am Brückenbau zwischen Charlottenburg und Station Grunewald, der von den Unternehmern Noll u. Schälmann(Berlin) aus- geführt wird, ivar der„Abort" so konstruirt: Im Walde war ein Loch von 1 Meter Breite und 2 Meter Länge in die Erde gegraben, darüber war ein Brett als Sitz befestigt, natürlich ohne Rücklehne, so daß der diesen„Abort" benutzende bei der geringsten Beivegung Gefahr lief, in die mit Exkrementen angefüllte Grube zu stürzen. Daß man selbst'auf Kommunalbauten den Arbeitern gegen- über in dieser Beziehung nicht spröde ist, zeigt ein anderer Fall. Auf dem Bau der Schule Kaiser Friedrichstr. 4S in Rixdorf, ausgeführt voni Maurermeister Kohlmetz, war ein Abort, gerade groß genug, daß eiir Mann darauf Platz hatte, während, gering angeschlagen, 50—60 Arbeiter dort in Thätigkeit waren. Für überflüssig hielt man es auch, einen genügende» Sitz oder wenigstens eine Rücklehne an dem offenen Sitz anzu- bringen. Ein Dach hatte dieser Abort ebenfalls nicht. Auf dem Bau der jüdischen Erziehungsanstalt in Pankow, der vom Baumeister Frankel ausgeführt wrrd, bestand der Aborl in einer Grube von ca. cinein halben Meter Tiefe und ein paar ganzs lose darum genagelten Brettern, so daß man jenrand, der den?lbort benutzte, von außen deutlich er- kennen konnte. Den Sitz bildete eine einfache Latte, ohne Rück- lehne. Ein Dach gab es nicht. Eines Umstandes muß hier noch Erwähnung getban werden, dem die Behörden unbedingt zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Aus Sparsamkeitsrücksichien und ans anderen Gründen lassen viele Unternehmer die Aborte im Keller des neuen Hauses unterbringen und häufig bleiben die Aborte dort bis zur Voll- end»ng des Hauses. Wo nun in solchen Fällen Tonnen ver- wendet iverden, scheuen gewöhnlich die Unternehmer die Trans- portkosten und lassen einfach den Inhalt der Tonne iin Keller vergraben. In den Fällen, wo noch nicht einmal Tonnen verwendet werden, sondern gleich eine offene Grube benutzt wird, ist das Eingraben der Exkremente inr Keller selbstverständlich. Daß das sür die Gesundheit der späteren Bewohner solcher Keller, namentlich für die armen„Trockenwohner", von den übelsten Folgen sein kann, bedarf keines Beweises. 'Aborte solcher Art kommen nicht nur in den Vororten vor, sondern sind von den Beauftragten der Arbeiter auch mitten in der Stadt angetroffen worden. In der Anspacherstr. 20(Unternehmer Hartwig) befand sich eine Grube im Keller, die als Abort diente; der Sitz war offen, ohne Rücklehne. Beim Bau an der Achenbach- und Nürnberger- straßen-Ecke(Unternehmer Wichert) war der Abort fast genau so hergestellt, nur mit dem Unterschied, daß der diesen Abort benutzende vom Hof aus sichtbar war, wahrscheinlich der Kontrolle halber! Ebenso befand sich im Herzen Berlins, auf dem Bau Linien- straße 42—43, ein Abort im dunkeln Keller. Wenn nun auf 368 konirollirten Bauten nur 16 Aborte im Keller vorgefunden wurden, so ist damit die Liste der in Be- ziehung auf die Aborte vorgefundenen Mißstände noch nicht erschöpft. Es bleibt unerklärlich, daß auf 27 Bauten gar kein Abort vorhanden war und 168 Aborte nicht desinfizirt waren. 25 Unternehmer hielten es noch nicht einmal für angebracht, den Abort mit einem Dach zu versehen, um die Arbeiter dadurch vor den Unbilden der Wilterung zu schützen. Groß ist die Klage über U n s a u b e r k e i t der Aborte und überfüllte Tonnen, so daß es den Arbeiter» oft gar nicht möglich ist, den Abort zu benutzen. In sanitärer und sittlicher Beziehung kommen auch auf Bauten, welche dicht an de wohnten Häusern liegen, oft die gröbsten Verstöße vor. Es sind Fälle festgestellt, wo offene Aborte nur 10—20 Schritt weit von den Fenstern dieser Häuser entfernt waren. So besand sich der sogar ohne Dach und Wände bestehende Abort aus dem Hof des Neubaues Düppelstr. 9 in Steglitz direkt vor den Fenstern des bewohnten Quergebäudes. AehNliche Fälle sind noch mehr zu verzeichnen. Ten Frauen, die für Berlin erst beim vorgeschrittenen Bau in betracht kommen, bleibt unter den jetzigen Verhältnissen nichts weiter übrig, als mit den Arbeitern denselben Abort zu benutzen. Besondere Einrichtungen giebt es für die Frauen nicht. Geruszks�Be ikung. Ans Prcnzlau wird über einen aufsehenerregenden Gift- mordprozeß vom 4. November berichtet. Heute begann vor dem hiesigen Schwurgericht der Gislmordprozeß Springstein. An- geklagt sind der frühere Schmiedemeister Kaufmann Spring- stein und seine Schwester, die verwittwete Schmiedemeister Auguste Bock geb. Springstein. Springstein ist bisher unbestrast und befindet sich seit Marz dieses Jahres im hiesigen Unter- suchungsgefängniß, während die Angeklagte Bock aus der lönig- lichen Strafanstalt in Luckau vorgeführt werden wird, woselbst sie eine ihr vom hiesigen Schwurgericht am 17. Juni 1895 zu- erkannte vierjährige Zuchthausstrafe wegen wissentlichen Meineids zu verbüßen hat. Beide sind beschuldigt, gemein schastlich und vorsätzlich am 7. März 1895 die Ehefrau Springstein getödlet und die Tödtung mit Ueberleguug geführt zu haben. Der Angeklagte Springstein betrieb Neustädter Tamm, ein Materialwaarengeschäft, ohne in' sonders gute Einnahmen zu erzielen. Er ist gelernter Z und hat sich, wie er angiebt, nach seiner Konfirmation der nrzneikunde gewidmet, auf welchem Gebiet er jedoch Nennenswerthcs leistete, denn er bestand ein ihm auferlegtes Examen nicht. Jedoch scheint er sich ans der Schule eine große Kenntniß von Gisistoffen erworben zu haben. Nachdem Spring- stein etwa bis 1893 als Schmied in Königsberg Nm. gewohnt, verzog er inil der Mitangeklagten Schwester, die ihm die Wirth- schaft führte, zunächst nach Anklam und von dort nach Pasewalk. Hier heirathete er am 25. Juli 1393 seine Ehefrau und verzog darauf im Mai 1894 nach Prenzlau. Am 7. März 1895 verstarb hier plötzlich die Ehefrau deS Angeklagten und alsbald entstand das Gerücht, daß Frau Springstein keines natürlichen Todes gestorben sei. Dies Gerücht fand bald größere Verbreitung und nach und nach wurden immer mehr Einzelheiten des Vorlebens des Angeschuldigten Springstein bekannt und der Verdacht der Thäterschaft an der Ermordung seiner Ehefrau gewann derart an Wahrscheinlichkeit, daß auf Antrag der königlichen SlaatS- anwallschaft hier am 21. März 1895 die Leiche ausgegraben und untersucht wurde. Es ließ sich jedoch eine bestimmte Todesursache nicht ermitteln. Hieraus wurde von dem gerichtlichen Chemiker Dr. Bischof in Berlin die Untersuchung der inneren Leichcntheile vorgenommen und diese ergab das Vorhandensein von 0,034 Gr. Slrtzchnin im Magen, dem Zwölffingerdarm und der Speiseröhre, während nachweisbare Mengen desselben Giftes auch in den anderen Organen festgestellt wurden. Nun richtete die Staatsanwaltschaft ihre Ermittelungen auch auf sechs Todessälle, die in der Zeit von 1886 bis 1892, während welcher Springstein in Königs- berg Nm. wohnhaft war. vorgekommen waren. Unter den dort verstorbenen Personen befanden sich auch die Eltern des An- geklagten und ein Schwager, der Schmiedemeister Johann Bock, der sein Leben mit 12 000 M. versichert hatte. Alle starben unter verdächtigen Umständen. Das Leven seiner Ehefrau hatte An- geklagter mit 3000 M. versichert. Es wurde von der Auilage- behörde auch die Ausgrabung der fünf im Hause des Springstein verstorbenen Personen, nämlich der Eltern des Angeklagten, des Bock, dessen Sohnes Alfred und der unverehelichten Fiebellorn angeordnet und vorgenommen und auch innere Theile dieser Leichen einer nachträglichen Untersuchung unterworfen. Wenngleich die Untersuchung Spuren von Arsenik in den Leichentheilen des Vaters und der Mutter des Angeklagten ergab, konnte doch nicht mehr mit zuverlässiger Gewißheit festgestellt werden, daß die Todesursache auf Arsenikvergistung zurück- zuführen sei. Hinsichtlich der Ehefrau des Springstein gelangte der Chemiker indeß zu dem bestimmten Ergebniß, daß deren Tod infolge Vergiftung durch Strychnin erfolgt sei, da schon eine Gewichtsmenge von 30 bis 45 Milligramm ausreichend sei, den Tod eines Menschen herbeizuführen. Wäre alsbald nach dem Tode der in Königsberg verstorbenen Personen eine chemische Untersuchung vorgenommen worden, so wäre, wie die Staats- anwaltschaft annimmt, auch hier die Todesursache sicher festzu- stellen gewesen, was bei der neuerlichen Untersuchung wegen der Verunreinigung der Leichentheile nickt mehr möglich war. Als festgestellt nimmt sie jedoch an, daß Springstein in der Apotheke zu Königsberg erhebliche Quantitäten Gift, insbesondere Arsenik und Strychnin, eingekauft hat. Die Verhandlungen werden voraussichtlich zwei Tage dauern. Der Angeklagte, dessen Bruder sich als geisteskrank in einer Irrenanstalt befindet, leugnet entschieden, die ihm zum Vorwurf gemachten furchtbaren Verbrechen begangen zu haben, und sucht die besonders gravirenden Fälle des Todes seiner Frau und feiner Mutter auf die Möglichkeit zurückzuführen, daß beide ver- seheutlich Arsenik mit Bittersalz verwechselt hätten. Vielleicht habe seine Frau, die trübsinnig gewesen. Selbstmord verübt. Auf Antrag des Vertheivigers, Justizrath Meißner, wird der Agent, welcher mit dem Angeklagten die Lebensversicherung seiner Frau abgeschlossen hat, sowie ein Bäckermeister Megow, zu dem sich der Angeklagte wiederholt über den Geisteszustand seiner Frau geäußert haben will, telegraphisch gelade» und sodann die Ver- Handlung aus kurze Zeit verlagt. Wegen Unterschlagung amtlicher Gelder und Beiseite- fchaffung öffentlicher Urkunden wurde in Hannover gegen Dr. Schnutz, der seit 1388 Direktor des städtischen Lebensmittel- Unlersuchungsamls war, vor dem Schwurgericht am Montag verhandelt. Tr. Schmitz ist aus den Prozessen gegen den ehe- maligen Reichstags-Abgeordnelen Leuß, dessen Freund er früher war, bekannt geworden. Während seiner Amtsführung hat er zahllose Betrage, die seitens der Staatsanwaltschaft der Ge- richte, seitens Privatpersonen u. s. w. für die von ihm ge- forderten Gutachten über Lebensmittelverfälschung an ihn ge- zahlt wurden, für sich verwandt. Dr. Schnutz behauptet: er habe dabei im guten Glauben gehandelt, denn er habe die Gut- achten als Privatmann und nicht in seiner AnilSeigenschafl abgegeben. Die Anklaoebehörde bestreitet das, zumal Dr. Schmitz die chemischen Untersuchungen unter wesentlicher Beihilfe der ihm dienstlich unterstellten Assistenten deS städtischen LebenSmittel-Unter- suchungsamtes und mit den Geräthen und Materialien des Amtes ausgeführt habe. Außerdem seien die Gutachten sämmt- lich auf Anitspapier geschrieben und zumeist mit dem Amtssiegel versehen. Weiler behauptet die Anklage, daß Dr. Schnutz wider- rechtlich Urkunden beseitigt habe. Nach erfolgter Amtssuspension wurde Dr. Schnutz vom Magistrat aufgefordert, die noch in seinem Besitz befindlichen amtlichen Schriftstücke u. s. w. heraus- zugeben. Darauf hat er dem Magistrat geantwortet, daß er solche nicht mehr in seinem Besitz habe. Einige Zeit darauf hat in der Wohnung des Dr. Schnutz eine Haussuchung stattgefunden, wobei mehrere amtliche Schristslücke vorgefunden und beschlag- nahmt wurden. Einige Tage später fand bei dem, dem Dr. Schnutz befreundeten Bahnhofs- Restanrateur Arenscheid in Langenhagen eine Haussuchung statt. Arenscheid theilte den Beamten auf Befragen niit: Dr. Schnutz sei einige Tage nach der bei ihm stattgefundenen Haussuchung zu ihm gekomnien und habe ihn gebeten, die von der Staatsanwaltschaft durchsuchten und nicht beschlagnahmten Papiere in Verwahrung zu nehmen. Er(Areuscheid) habe, in Gemeinschaft mit Dr. Schnutz. die Papiere in Kisten verpackt und in seinen Keller geschafft. Unter den in der Woh- nung des Arenscheid beschlagnahmten Schriftstücken hat sich eine ganze Reihe unzweifelhaft amtlicher Dokumente und Geschäjls- bücher, darunter das Kaffabuch vorgefunden. Zur Verhandlung, die drei bis vier Tage in Anspruch nehmen wird, sind zahlreiche Magistratsmitglieder und frühere Assistenten des Tr. Schnutz als Zeugen geladen worden. Unter den Zeuge» befinden sich ferner der im Zuchthaus befindliche ehe- malige Reichstags-Abgeordnete Leuß und die kürzlich begnadigle geschiedene Ehefrau Schnutz. Die Vertheidigung beabsichtigt den Nachweis zu führen, daß Leuß die Frau Dr. Schnutz auch in dieser Strafsache zu einem Meineid im Vorverfahren verleitet habe. In dem Miinchener«ildcrdiebstahls-Prozest wurde am Montag Nachmittag die Verhandlung mit dem Verhör des Nu- geklagten Ackermann wieder aufgenonimen. Der Angeklagte gab zu, 27 Originale und 37 Bilder und Skizzen als angeblich Lenbach'sche gekaust und auf mehreren den Namen Leu- bach's beigesetzt zu haben. Er habe geglaubt, die Bilder seien von Verwandten Lenbach's zum Verkauf gebracht. Beim Signiren habe er nicht beabsichtigt, den Käufer in den Glauben zu versetzen, daß es die Handschrift Lenbach's sei. Hermann Heinemann gab zu, 17 Lenbach'sche Bilder angekauft und zu be- deutend höheren Preisen wieder verkauft zu haben. Er habe keinen Zweifel daran gehabt, daß der Vermittler rechtmäßig i» de�Besitz der Bilder gekommen sei. Nachdem die gesammte wrrespondcnz Ackermann's und Heineman, i's verlesen war, wurde ie weitere Verhandlung auf Dienstag vertagt. Tie Gründe, aus denen das R e i ch s g ericht die R e. vision der 77 Fuchs mühler Bauern verworfen hat. lauten nach der„Sieichsgerichls-Korrespondenz" folgendermaßen: Wenn die Revision der Meinung ist. es hätten die Urtheile über die Ablösungssrage nochmals geprüft werden müssen, so ist diese Meinung irrig. Es kommt daraus gar nicht an. Die Grundlage des Rechtes ist nicht das jüngst ergangene Urtheil des obersten Gerichtshofes für Bayern, sondern das Urtheil des Weidener Gerichtes von 1872. Danach sind die Bauern» u r befugt, Brennholz gegen A n w ei s u n g zu holen, die An- geklagte» haben aber Nutz holz ohne Amveifung geholt, ihre Befugniß also überschritten. Das Uebergreifen der Berechtigten bei Holzberechtigungen ist nach der bayerischen Forstordnung ebenso strafbar wie der Forstfrevel. Der Thatbestand des Forst- srevels liegt also zweifellos vor. Weiter werden von der Revision die Thalbeslandsmerkmale des Landfriedensbruchs bestritten und es wird hervorgehoben, die Angeklagten hätten keine Gcwaltlhätigkeiten beabsichtigt, sondern nur das gesetzlich ihnen zustehende und seit einem Jahr rückständige Holz holen ivolle», diese Nothwehr. meint die Revision, könne hier die erforderliche Anweisung ersetzen. Dem kann aber nicht bei- gepflichtet werden. Nothwehr setzt einen Angriff voraus, nicht blos die Unterlassung einer Verpflichtung, sie muß einen rechtS- widrigen Angriff abwende» und ist nicht dazu da, einen be- stehende» Rechtszustand zu erhalte» oder einen künftigen herbei- zuführen. Will man annehmen, daß die Angeklagten hätten Selbsthilfe üben wollen, so sind sie auch hier über ihre Befugnisse hinansaegangen. Denn abgesehen davon. daß ein Recht auf Holzfällen ohne Anweisung überhaupt nicht bestand und daß die Angeklagten keinesfalls ein Recht auf An- Weisung für N u tz h o l z hatte», also um so weniger zum Schlagen von solche», berechtigt waren, find auch die Voraussetzungen der Selbsihilse hier nicht gegebe». Den Weg der gerichtlichen Klage habe» die Angeklagten in diesem Falle noch gar nicht versucht. Abgesehen davon kann das Bestrebe», in de» Genuß eines Rechtes zu gelangen, nicht ohne weiteres berechtigen. Gewalt anzuwenden gegen die Behörden und deren Anordnungen. Der Thatbestand der Zusamnienrottung, des Landsriedensbruches erscheint als in jeder Hinsicht ohne Ltechtsirrthnm festgestellt. Ein prügelnder Lehrer ist vom Landgericht Gleiwitz auf gtund eines nicht existirenden Gesetzes verurlheilt worden. Ties Gericht hat den Lehrer Albert Michalla am 29. Mai d. I. wegen Körperverletzung im Amte auf grund einer vermeintlichen Verordnung der Regierung in O p p e l» zu 6 M. Geldstrafe verurtheilt. Der Angeklagte hat zwei Kindern mit einem Lineal auf Hände und Gesäß geschlagen und soll dadurch seine Amts- befugnisse verletzt haben. Das Gericht erkennt an. daß nach dem preußischen Landrechte nur solche Mibhandliingen von Schulkindern verboten sind, welche gesundheitsschädlich werden können. Im vorliegenden Falle ist festgestellt, daß die Züchtigungen, die der Angeklagte den Kindern angedeihe» ließ. gesundheitsschädliche Folgen nicht gehabt haben. Tann heißt es im Urtheil:„Dagegen hat er die Verordnung der Regierung zu Oppeln übertreten, welche vorschreibt, daß die Züchtigung nur mittels eines biegsamen Stockes ausgeführt werden darf. Diese Verordnung hat er gekannt."— Auf die R e v i s i o n des An- geklagten hob das Reichsgericht das Urtheil auf und sprach ihn kostenlos frei, da— die angebliche Regierungsverordnung gar nicht cxistirt. Die Vertreter der Prügelpädagogen werden mit Genug- thuung Notiz davon nehmen, daß preußische Schulkinder auch mit anderen Instrumenten als dein„biegsamen Rohrstock" ge- hauen werden dürfen. VevsÄmlnlnnjzen. . Für den vierten Wahlkreis wurde am Montag, den . d.M., eine öffentliche Parteiversammlung i» Keller's Festiälcn bgehalten. Zunächst gaben die Parleispediteure W e n g e l s und Thiel, und im Namen der ZeitnngSkonnnission die Ge- Nossen Röhn und G e s ch e ihren Bericht über den gegen- wältigen Siand des Zeitungsverlricbes durch die Partei. Tie Lage der Spedition»st danach günstig; sie»vürde im Osten »och günstiger sein, wenn nicht in diesem Bezirk theils durch Umzug von Abonnenten, anderntheils durch Unehrlichkeit einzelner Zcitungsboten nennensu'erthe Aussälle entstanden wären. Die Kommission hätte bereits Vorkehrungen getroffen, um derartigen Vorkommnissen für die Zukunft vorzubeugen. Auch möchten die Parteigenossen entschuldigen, wenn einmal infolge von Aendcruiigen in de» Bcstellbezirken der Voten eine kleine Uuvünktlichkeit in der Zustellung des„Vorwärts" einträte, man müsse bcriicksichlige», daß in eine,» neuen Unternehmen nicht gleich alleS nach Wunsch klappe. Zur Berichterstattung über den Breslaner Parteitag nahm »unniehr Zabel das Wort. Redner schildert den bekannten Verlauf der Verhandliinge» und klagt über die uiifreuud- liche Ausnahme, die sowohl dcr Antrag 43, betreffend die Reichstags- Diäten, wie überhaupt alle von Berlin gestellten Anträge bei den auswärtigen Delegirten ge- funden hätten. Er erklärt, da die Berliner Genossen der Parteikasse verhältnißniäßig das meiste Geld zuführen, hätten sie auch ein Recht, über die Verwendung dieses Geldes ihre eigene Meinung zu haben und darauf bezügliche Anträge zu stellen. Der Delegirte Schneider bespricht hierauf die Agrar- Verhandlungen des Parteitages und bemerkt dazu, daß manche Redner trotz ihrer akademischen Bildung bei der Wahl ihrer Ausdrücke nicht sehr taktvoll gewesen seien. Er wundert sich über die Sinnesänderung, die Genosse Bebel in Beziehung auf die Agrarfrage seit dem Frankfurter Parteitage durchgemacht habe, und kann sich mit Bebel nicht einverstanden erklären, wenn er der Mehrzahl der Delegirten das Verständniß für die Forderungen des Aprarprogramms absprach. Im Protokoll des Parteitages sei Bcbel's Rede in manchen Theilen ganz anders, als wie sie gehalten worden, viele heftige Wendungen und persönliche Aussälle seien sortgelassen. Ein derartiges Re- digiren sollte nicht geübt werden. Erbe als dritter Delegirter urlheilt abfällig über Fischer's Aeußerungen gegen den An- trag 43. Dieser Antrag habe sich nicht gegen einzelne Personen gerichtet, sondern sei aus der Meinung geschöpft, daß hin- reichend gut besoldete Parteibeamte wohl aus die Reichstags- Diäten verzichten könnten. Wenn man auch zugeben müsse, daß den Abgeordneten besondere Ausgaben er- wachsen. so wäre doch auch zu bedenken, daß jeder Arbeiter, der im Partei- Interesse thätig ist, nicht unbeträchtliche Mehr- ausgaben habe. Der Antrag werde immer wiederkehren, bis er in befriedigender Weise erledigt sei. Erbe wendet sich ferner gegen Schoenlank's Aeußerungen zu dem Antrage, wonach die Revisoren möglichst von den Parteigenossen der Umgegend jenes Ortes gewählt werde» sollten, wo der Parteivorstand seinen Sitz hat. Schpenlank hätte ironisch über die Bescheidenheit der Berliner gesprochen; er solle erst selber Bescheidenheit lernen, ehe er anderen Vorlesung darüber halte. Mjt einem Menschen, der bei 10 000 M. Gehalt noch 0 M. Diäten nimmt, könne man nicht über Bescheidenheit reden.(Unseres Wissens bezieht Genosse Schoenlank nicht 10 000, sondern 4000 M. weniger Gebalt. R. d. V.) In der Diskussion wünscht Garbe, daß die Parteibeamten mit über 3000 M. Gehalt vom Bureau namhaft gemacht würden; der Vorsitzende G lo ck e erklärt, daß das Bureau nicht in der Lage sei, diesem Verlangen nachzukommen. Kaiser hält die Berliner Anträge, besonders den Nr. 43, für sehr berechtigt. Er erinnert an die Thätigkeit der Berliner Arbeiter im Bierboykott; sie hätten bei dieser Gelegenheit außer großer Arbeit auch bedeutende Ausgaben gehabt; den Abgeordneten wäre mehr Opferfreudigkeit zu wünschen. Vogt tadelt Bebel's Austreten gegen Schippel. Bebel solle nicht glauben, daß er, weil er ein alter Parteigenosse sei. alles besser wisse» müsse, als die jüngere». Auch Fischer's Behandlung des Antrages 43 wäre durchaus nicht zu billigen. Der Redner prolestirt dagegen, daß Baerer aus Harburg die Ein- bringung des Antrages als eine Schmach bezeichnet hätte, und meint ferner, wenn Singer in Beziehung aus die Behandlung derartiger Fragen mehr Delikatesse gewünscht habe, so möge das berechtigt sein, er hätte das aber nicht thun sollen im Anschluß an den bekannten Artikel der.Braunschweiger Landes-Zeitung", denn in der Behandlung unserer inneren Partei- Angelegenheiten würden wir niemals Rücksicht nehmen auf die Auslassungen gegnerischer Blätter. Des weiteren wendet sich der Redner gegen die von Erbe ge- kennzeichnete Auslassung Schoenlank's betreffs der Berliner Be- scheidenhett, und hätte es gern gesehen, wenn die Berliner Delegirten gegen solche Redewendungen schärfer, als es geschehen. vorgegangen wären. Gerling behauptet, daß, wie der„Vorwärts" berichtet habe, ein Antrag, der die Volkshygiene betroffen hätte, vom Parteitag mit lautem Gelächter entgegengenommen und daraus abgelehnt worden sei. Er müsse gcstchen, dies Gelächter stände vollkommen im Einklang mit der Haliung, die der Parteivorstand zur Volksgesundheit einnehme. Er, Gerling, redigire ein Blatt, das den Interessen der Gesundheits- pstege diene, und habe wegen dieses Blattes mit dem Parteivorstand inBriefwechfel gestanden. Es seien ihm daraushinAntworten zutheil geworden, namentlich vom Genossen Liebknecht, die er nicht er- wartet hätte. Redner macht w heftigen Worten der Parteileitung den Vorwurf, daß sie kein Verständniß für Gesundheitspflege habe. Die Herren„da oben" hätten überhaupt jede Fühlung mit den Arbeitern verloren. Er würde demnächst Briefe ver- öffentlichen, die den Arbeitern die Augen öffnen sollen über die „Herren von der Parteileitung". Diese Herren wollten ja den Bauer, wie den Arbeiter erst proletarisiren, d. h. körperlich und geistig degeneriren laffen, um dann mit diesen Degenerirten die neue Gesellschaft zu gründen. Auch über die Miß- stände im Jrrenwesen, die in den Verhandlungen des Abgeord- netenhauses zur Sprache gekommen, hätten die sozialdemokralischen Zeitungen keine Zeile gebracht.(Nur heraus mit den Briefen! — Zu den übrigen Aeußerungen Gerling's wollen wir nur be- merken, daß„proletarisiren" nicht„körperlich und geistig degeneriren" bedeutet, sondern die Enteignung eines Menschen von den Produktionsmitteln, was zu hindern nicht Aufgabe des wissenschaftlichen Sozialismus sein kann. Die Behauptung Ger- ling's, daß die sozialdemokratische Presse über die im preußischen Abgeordnetenhause zur Sprache gekommenen Mißstände im Irren- wese» keine Zeile gebracht hätte, ist um so komischer, als gerade der„Vorwärts" es war, der die Mißstände im Jrrenwesen u. a. bereits im Jahre 1893 in so drastischer Weise aufgedeckt hat, daß er deswegen noch jetzt unter Anklage steht, und als der „Vorwärts" weiter den Mellage- Prozeß und die lahmen Ver- Handlungen, die darüber im Abgeordnetenhause gepflogen wurden, gebührend gewürdigt hat. Red. d.„V.") Die folgenden Redner N e u m a n n und L a u s ch k e weisen die Ausfälle Gerling's gegen die Parteileitung entschieden zurück. Wenn Gerling sich um die Parteithätigkeit gekümmert hätte, müßte er wissen, daß sie in Fragen der Erhaltung und Pflege der Volksgcsundheit stets ihr möglichstes gclhan hat. Wenn Gerling an den Älinrag denke, der die Aushebung des Impfzwanges ins Programm aufgenommen wissen wollte, so müsse man dem entgegnen. daß dieser Passus nicht in das Programm einer politischen Partei gehöre. Schneider kann sich nicht erinnern, daß der Parteilag einen Antr�Plit Allgemeinem Gelächter begrüßt hätte, außer dem, der bis Zwimenverhol verlangte. Dieser sei allerdings unter wdhlvertzientx HejterMt abgelehnt worden. Anderen Rednern gegenüb fremden ausgedrückt hatten, daß aus dem Akademiker zum Agrarprogram», gesprochen Schneider, daß er sich schon am ersten Tage der Vl Wort gemeldet hätte, aber durch den Schluß dreitägiger Dauer derselben nicht mehr zum Wort ge' Ferner konstatirt er, daß er sich energisch gegen Bae wendung betreffs der Schmach der Berliner Auträgi hat, diese seine Auslassung stehe aber nicht im Protoko Die Versammlung nahm schließlich folgende ReMutio« an „Die am 4. November tagende öffentliche MrteivirsamiHnng erklärt sich mit dem Verhalten der Delegirten liad inst den schlüssen des Breslauer Parteitages eiuverstan«»,»somsttWlie Diätensrage der Abgeordneten nicht in Frage kqnmt.> Z sammlung hofft, daß der nächste Parteitag Msttel chch TRScge finden wird, um die Diätensrage zur allgemeine« Zufvedenheit zu lösen."' Im Bericht über die Versammlung der Musik- instrumcnten-Arbeitcr dcS Südens, der in voriger Mittwochs- nummer veröffentlicht wurde, war gesagt:„Unter Vereins- angelegenheiten wurde Kollege W a ch w l tz, der seinem Neben» arbeitcr Blebusch in der Pianofabrik von Klingmann wegen seiner Ueberarbeit Vorwürfe gemacht hatte und kurze Zeit nach- her vom Fabrikanten wegen angeblich schlechter Arbeit entlassen worden war, als gemaßregelt anerkannt." Diese Stelle ist dahin zu berichtigen, daß Kollege W a ch w itz nicht wegen angeblich schlechter, sondern wegen angeblich schwacher Arbeit entlassen worden ist. Weißeusce. Die Berichterstattung vom Breslauer Partei- tage erfolgte hier um 2. d. M. in einer im„Prälaten" ab- gehaltenen Volksversammlung durch den Delegirten Schilling (Reinickendorf). Er sprach sich ge"?» das Agrarprogramm aus und bedauerte die persönliche» Vorgänge auf dem Parteitage. Im weiteren bedauerte er, daß sowohl in dem im„Vorwärts" erschienenen Parteitags-Bericht wie auch im Parteitags-Protokolle die Begründung seines Antrages, daß Versammlungsreferenten ßmg batteVach amen sei. |t'§ Rede- , gewandt am 1. Mai unentgeltlich zu arbeiten haben, falsch wieder gegeben sei, so daß es den Anschein gewinne, als habe er gegen seinen eigenen Antrag gesprochen. Wenn er auch eine Böswilligkeit des betreffenden Berichterstatters nicht an- nehme, so protestire er doch gegen eine solche grobe Fahrlässig- keit.(Wenn Schilling's Aeußerungen zu dem Antrage in dem uns aus Breslau zugegangenen Bericht unzutreffend wiedergegeben waren, so hätte er eine Berichtigung einschicken sollen; dann wäre es auch möglich gewesen, die betreffende Stelle im Protokoll zu berichtigen. Den Vorwurf der„groben Fahrlässigkeit" müssen wir übrigens auch namens unseres Parteitag-Berichterstatters zurückweisen. Die angeblich ungenaue Wiedergabe von Reden beruht nur allzuoft auf unklarer Ausdrucksweise der betreffenden Redner selbst. Dann sollten die Genossen doch auch bedenken, daß über die Rede», die nachmittags i» Breslau gehalten worden sind, schon am nächsten Morgen im„Vorwärts" berichtet wurde. Daß da Jrrthümer mit unterlaufen können, liegt doch auf der tand. Statt daß die Genoffen nun mit ihren Beschwerden in ersammlungen haustren gehen, hätten sie, wie schon angedeutet, vernünftiger gelhan, für das Protokoll Berichtigungen einzu- senden. Red. d. V.) Bosse empfahl Schilling, dieserhalb im„Vorwärts" eine Polemik zu eröffnen. Vom Agrarprogramm hielt auch er nichts, erachtete es vielmehr als viel zweckdienlicher, ländliche Agitatoren von Partei wegen existenzfähig und unabhängig zu machen. Zemke äußerte sich gleichfalls gegen die Bezahlung der Referenten am I. Mai. H a a ck verbreitete sich über die Schmierigkeilen der Lnndagitation. Um diese kennen zu lernen und sich ein Urtheil bilden zu können, genüge es nicht, in einer Versammlung einen Vortrag zu halten. Da müsse man praktisch arbeiten, Flug- blätter und Schriften vertheilen k. Da würde man die Er- sahrung mache», daß die Hunde noch nicht von den Bauernhöfen verschwunden sind. Gewünscht hätte er, daß eine Verbilligung des„Vorwärts" und die beantragte Verlegung der Zeit der Ab- Haltung der Parteitage beschlossen worden wäre. Ganz entschieden sprach er sich für Beseitigung der Akkordarbeit in Parteidruckereien aus. Wenn in dem fraglichen Falle von den Buchdruckern 38 M. pro Woche verdient worden seien, so gab er zu bedenken, daß viele Arbeiter nur 13 M. pro Woche verdienen. Redner war dafür, daß dieser Antrag immer wiederholt werden müsse. Schilling kam nochmals auf das Agrarprogramm zu sprechen und erklärte die Beseitigung der Gesinde-Ordmmg für werthvoller als das ganze Ag�rprogramm. Nach Erschöpfung der Diskussion gelangte nde Resolution zur Annahme:„Die heute am 2. November eißensee tagende Volksversammlung erklärt sich mit dem lten ihrer Delegirten einverstanden und verpflichtet sich, die chKiffe des Parteitages zur Durchführung zu bringen," »tragt war diese Resolution von Haack und Karow. e hierauf gegebene Abrechnung des ehemaligen Vertrauens. mannes Haack schloß mit einem Bestände von SS, 20 M. ab. Haack wurde entlastet. Briefkasten der KedaKkion. Wir bitte» bei jeder Anfrage eine Chiffre Buchsiaben oder«Ine Zahl) anzugeben, unter ver die Antwort ertheilt werden soll. Die juristische Sprechstunde findet am Montag, Mittwoch, Freitag und Sonnabend abends von 7—8 Uhr statt. Schneider. J» den verschiedene» Theilen Deutschlands giebt eS über zehn verschiedene gesetzliche Erbsolge-Ordnungen. Ihre Frage ist daher ohne Angabe, wo der letzte Wohnsitz deS Verstorbenen war, nicht zu beantworten.— Cuvrystr. 26. Di» Befcknvcrde geht an die Schuldeputation(Magistrat, Rathhaus). — S. 60. Die Verunglückte soll schleunigst bei der Berufs- genofsenschaft de» Antrag auf Zahlung einer Unfallrente stellen. Ob sie denselben Lohn ivie früher verdient, ist gleichgiltig: ein Mensch ist minder erwerbssähig, wenn er4, als wenn er S Finger hat. — lP. P. 3. Wiederholen Sie Ihre Anfrage- die hier ein- gegangenen sind sämmtlich beantwortet.— 1000. Die Ein- wände gegen eine Alimentenklage, der Beklagte habe bereits das zivcite uneheliche Kind mit Klägerin erzengt, zieht glücklicherweise auch im landrechtlichen Gebiet nicht.— F. M. 100. Im allgemeinen: nein. Kiekt's Fest-Siilr. 17 Wrbrrstr. 17. 803B8* Umstände halber sind noch Sonn- abende frei, empfehle dieselben unter koul. bekant. Bedingungen zur baldigen Bestellung. Alles übrige bekannt. S. Nieft. F. Nagel's Festsäle, Schwedterstp. 23)24. Gr. Saal mit Biiliue(400 Pers.) Kl. Saal mit Bühne(200 Pers.) Kleine und große Uerein«zimmrr. W. Noack's Konzert- nml Gesellschafts-Säle, Krunnenstr. 16. 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Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.