Abendausgabe flf. 60 B 30 45. Jahrgang Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich 3,— Reichsmark, im voraus zahlbar. Unter Streifband im Än- und Aus» land 5,50 Reichsmark pro Monat. * De?.Vorwärts� mit der illustrier« ten Sonntagsbeilage.Volt und Leit" sowie den Deilagen„Unterhaltung und Wisten"..2ujs der Filmwelt", .Stadtbeilage"„Frauenstimme". .Der ZUnizerfreund"..Iugend-Lor« wärts",.Blick in die Düchenvelt", .Kulturarbeit" und.Technik" erscheint wochentäglich zweimal. sonntags und Montags einmal. f Berliner Volksblatt Sonnabend 4. Februar 1.92S 10 Pfennig Die 1 1 B) p 0 l H g t SioBportUIfj«!!» 80 Pstnnig. Reflam.jeile 5.— R«ch»- mort.Kleine Anzeigen" bas I-ttge. brückte Wort 25 Psennig(zulässig zwei settgebruckte Warte), jedes weitere Wart 12 Pfennig. Stellengesuch« das erst» Wart 15 Psennig, jedes weitere Wart 10 Psennig, Warie Ober 15 Buchstaben zählen sllr zwei Wart«. Arbeitsniartt Zeil« KO Psennig. Familienanzeigen sllr Abannrnten Zelle 40 Pfennig, Anzeigen- annahm« im chavptgeschäst Linden- slraße 5, wechenlägi. aan SV, bis 17 Uhr. Jentraloegan der Sozialdemokratischen Oaetei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: DZnhosf 202—297. Telegromm-Adr.: Sozialbcatofraf Berlin Vorwaris-Verlag G. m. b. H. Bostlcheckionia: Berlin L7 236— Bunikonio: Bank der Ardeiter, Angestellten und Beamten Dallstr. 65, DiklPNio-Gesellschost, Depositenkass« Lindensir 9 Raubmörder Hein endlich gefangen. Vollständig ansgehungeri und erschöpft.- Er gesteht alles ein!- In Alienburg ein ltnfchuldiger für Hein erschossen. Bambers. 4. Februar. Ter Pasträuber Her» konnte heute vormittag in der Wirtschaft in W e i u g a r t e n bei Banz der- haftet werden. Ohne Widerstand ergeben. Lichtenfels. 4. Februar. Di« Verhaftung Heins erfolgte heute früh gegen S Uhr auf etuem Felde unweit Weingarten bei Lichtenfels. Hei« wurde von einem Polizisten des Fahndungskommandos Staffelstein gestellt und aufge» fordert, sich sofort ,u ergeben, andernfalls geschossen werden würde. Er ergab sich, ohne Wider st and zu leiste». Mit hochgehobenen Händen führten ihn die Polizisten dnrch die Ortschaft Weingarten in die Wirt» jchaft von Lorenz. Der Nanbmörder war stark hernnterge» kommen und völlig ausgehungert. Sein ge« stand, der gesuchte Posträuber und Raubmörder zu sein und de» lSendarmeriebeamten in Untersiemau erschossen zn haben. Er ist ohne jede Barmittel. Papiere hat man bei ihm nicht vorgefunden, sonder» nur eine» Revolver und Munition. Nach einem Verhör wurde er im Auto nach Lichtenfels gebracht. Wohin er weiter transportiert wird, ist bis jetzt noch nicht entschieden. Lichtenfels. 4. Februar. Das„Lichteikfetz'er Tageblatt' berichtet noch zur Verhastung Heins folgendes: Ein Fräulein aus Reubanz fuhr heute:ni«-gen aus dem Fohrrad auf der Strohe Kloster Banz nach Lichtenfels. Unweit der Wegkreippuig Kästen— Stetten hielt sie ein junger Ma r.i a», um sich nach dem Wege nach Koburg zu erkundigen. Das Mädchen stieg ab und sagte ihm, daß er am besten über Lichtenfels noch K'oburg käme. Cr antwortete:„Das koim ich nicht" und ging in der Richtung Stetten weiter. Der Mann trug,«iyjen grünen Anzug urtb einen etwas breiten Hut. Er hatte die Hände in den Hosentaschen und schlenderte langsam dahin. Als der Mann ge� gangen war, kam dem Mädchen plöizlich der Gedanke, daß es Hein sein könnte. Vor Angst fuhr das Mädchen wie rasend nach Kästen— Stetten weiter und meldete den Vorfall dem Bürgermeister. Inzwischen war bereits die Verhaftung des Hein durch Landespoli- zisten erfolgt. Hein wurde über Lichtenfels nach Staffel st ein transportiert und befindet sich in Verwahrung im Amtsgerich.s- gefängnis Staffelstein. Die Opfer des Mörders. Fünf tote und zwei schwerverletzte Beamte. Mit dem»adlich verhafteten Hein ist einer der schwersten Der- breche? dingfest gemacht worden, von denen die Kriminalaefchichte der letzten Jahre weih. Am 2l. Dezember vorigen Jahres hatte Hein um 18 Uhr zusammen mit dem Melker Lahm das poflaml van Ohligs im Rheinland überfallen. Die Beamten waren'lach Schalterfchluh gerode mit der Abrechnung befchäffigt. als zwei Männer in den Raum eindrangen, über die ziemlich hohe Schranke sprangen, mit dem Rute„Hände hoch" den 'Beamten Revolver vorhielten und die Auslieferung des Kastei- bestand es verlangten. Di« beiden zunächst sitzenden Beamten, Schmidt und Müller, wuichen, als sie verfuchtsn, sich.zur Währ zu setzen, von den beiden Räubern über den Haufen geschossen. Die Verbrecher rafften einm Teil des Geldes zu. fammen und entkamen unerkannt. Die Verfolgung wurde sofort in M« Wege geleitet. 3000 M Belohnung wurden ausgesetzt, aber mehrer« Wochen lang war es nicht möglich, die Räuber zu fasten. Erst Mstw Januar konit« festgestellt werden, doh es sich um Lahm und Hein handelt«. Die Volizei ermittelte, daß sich die beiden Räuber in Burgheim am Kaiserstuhl aufgehallen hatten, wo sie noch dem Wege zum Dahn- Hof fragten. Polizeihunde wurden aus ihre Spur gehetzt, die zum benachbarten Bahnhos Jechtingen führt«. Inzwischen war einwandfrei klar geworden, daß auch der postraub von Klosterlausnitz auf das Konto der beiden Verbrecher kam. Aus dem v-Aug München— Berlin heraus wurde dann Lahm am 10. Januar in eaaljeld oachajtet. Schon sei- scheues Leuehme» hoste bei de« Mitreisenden Verdacht erregt, und von Nürnberg ans waren die Polizeibehörden sämtlicher auf der Strecke liegenden Ortschaften alarmiert worden. Die Such« nach Hein ging weiter. Er haste sich nach Sachsen oewandt und versucht, in planen einen Unterschlupf zu finden. Schon vorher hatte er in Jena einen Kriminalbeamten, der ihn festnehmen wollte, erschosieu und einen zweiten leben». gefährlich verletzt. Als man ihn in Plauen in seinem Bersteck fest- nehmen wollt«, schuf er sich inst der Pistole Bahn und erschoß wie- derum einen Kriminalbeamten: auch hier wurde ein zweiter Be- amter lebensgefährlich verletzt. Hci.a flüchtete nach Koburg, wo er wiederum von der Polizei gestellt und erkannt wurde. In Untersiemach bei Koburg erschoß er den Landjäger Schein, um mit dem Rade des Ermordeten weiter zu flüchten. Ein Gen- darineriewachtmeister und ein Emwohmr von Untersiemach, ein Schloster von Beruf, verfolgten den Derbrecher, und es kam zu einein regelrechten Gefecht, bei dem der Mörder an der rechten Hänh verwundet wurde. Trotzdem aber gelang es ihm, noch ein- mal zu entfliehen. Man nahm an, daß er sich in dem naheliegenden Banzer Wald verborgen hatte, und sofort wurde das gesamte in Frage kommende Gelände von allen verfügbaren Polizeikräften, der r.larinicrtcn Reichswehr und Männern aus der Bevölkerung, die sich freiwillig zur Verfügung stellten, umzingelt. Man blieb dem Maisenmärder auf der Spur, und endli ch ist es jetzt gelungen, ihn dingfest zu machen. Hein ist 26 Jahre alt und stammt aus Düsseldorf. Schon in j wogen Jahren begab er sitz auf den Weg des Berbrechens. Welche sozialen Umstände ihi auf diesen Weg getrieben und befördert haben, bedarf allerdings noch der sorgfältigen Naäiprüfung. Gin Unschuldiger erschossen. Aus der Suche nach Hein. Altenburg, 4. Februar.(Eigenbericht.) Auf dem Bahnhof Rositz bei Altenburg ereiguete sich heute morgen um 3t!! Uhr ein Verhängnis- voller Irrtum. Der wachhabende Gendarm stellte eine Person, in der er de« Mörder Hein vermutete. Der verdächtige Mann machte sofort Anstalten zur Flucht, so das» der Gendarm von seiner Waffe Gc- brauch machte und den Flüchtige« tödlich ver- letzte. Die sofort angestellten Ermittlunge« ergaben. daß es sich Nicht um Hein, sondern um eine« Stall» schweizer Hermann Thon» aus Schelditz handelt. An- geblich bestand zwischen dem tödlich Verletzten und Hein eine große Aehnlichkeit. Gechsstunden-prügelei. Zwischen Stalinisten und Opposition in Halle. Halle, 4. Februar.(Eigenberlcht.) Der Hallesche Voltspark war gestern der Schauplatz wüster Politischer Exzesse. Der vor acht Tagen aus der UPT. ausgetretene kommunistische Landtags- abgeordnete und Stadtrat Otto Kilian hatte zusammen mit Urbahus zu gester» abend eine öffentliche Volks- Versammlung einberufen, um den ehemalige» Freunden aus der KPD. die Politik der Opposition zu entwickeln. Aus Furcht vor einer Diskussion hatte die kommunistische Bezirksleitung alles, was laufen kann, einschließlich des Roten Frontkämpferbundes. alarmiert und die Parole ausgegeben, die ftilian-Verfammlung zu sprengen. Urbahns hatte kaum fünf Worte gesprochen, als der Tumult losging. Sechs Stunden— von 8 Uhr abends bis S Uhr nachts— wogte ein erbitterter Kampf. Kilian und Urbahns wurden von ungefähr 150 bis 200 Anhängern, die sich um die Bühne geschart hatten, geschützt. Als der Tumult stundenlang sich z« immer gemeineren Exzessen steigerte, rannten viele Komm«» nisten gereister«« Alters händeringend, ihrer letzten Illusionen beraubt, durch den Saal. Der kommu- nistische Agitationssekretär Bolze erklärte anwesenden Sozialdemokraten wörtlich:„Feder Sozialdemo» k r a t ist mir lieber als dieses Gesindel." Der kommu- nistische Stadtverordnete K o e l, bezeichnete laut ver- «ehmbar seine Parteifreunde als Janhagel. Wild wogte« die Stimmen durcheinander:„Morgen werden Viele Mitgliedsbücher fliegen."„Bis heute abend bin ich Komnuinist gewesen, jetzt habe ich genug," „Diese Schande mache ich nicht mehr mit." Das„Volksblatt" faßt seine Eindrücke über das Ergebnis dn Berfa mmlimg in folgend« Sätze: ..Die SPD. hat gestern in Halle, obwohl sie ihr« Opposition mundtot gemacht hat, eine schwere moralische Niederlage erlitten. Die Feigen werden sowohl für den Roten Frontkämpfer- bimd wie für die kommunistisch« Organisation verheerend sein. Es erscheint im? nach Lage der Ding« als durchaus wahrscheinlich. dah es Kilian gelingen wird eine eigen« Organisation zu etablieren und mit dieser Organisation gelegentliche, wenn auch mir kleiner« Erfolge, zu erzielen. Dos Hauptpafsivum dieser Tragikomödie wird aber die Vertiefung der Front der Indifferenten um einige starke Staffeln sein. Die linken und die rechten Kommimisteu fressen sich gesenseillg auf. Aus de» zuatckdlerdenden Äbspfr?, wud sich in absehbarer Zeit kein für den politischen Kampf brauchbares Heer formieren lassen. Das Maß der Verwirrung ist zu groß, als dah die Zahl der zur Erkenntnis ihrer wirklichen politischen Aufgabe Gekommenen nennciiswert in die Erscheinung treten könnte." Blutige Kämpfe in Indien. Oos ist der Beginn der Verfassungsarbeit. London. 4. Februar.(Eigenbericht.) Die. Zahl der bei den gestrigen Demonstrationen in Indien ums Leben gekommenen Personen hat sich inzwischen auf drei erhöht. Verletzt wurden 30 Personen. An Einzelheiten wird über den Verlauf der Demonstration noch gemeldet, doh zum Beispiel in Bombay die Studenten ein« große Anzahl von Strohpuppen verbrannten, als die Kom- rmsiion an Land ging. Die Strohpuppen stellten Daldwin, Lord Birkenhead. Mocdonold und den Vorsitzenden der Berfas- sungskommjfsion Sir John Simon dar. Auch in anderen Landes- testen ging es hoch her. In den verschiedensten Gegenden mußte» Polizei und Trappen gegen die demonstrierend« Menge eingesetzt werden. Sie Polizei machte mehrfach von der Waffe Gebrauch, während die Denronstranten mit Steinen gegen die Hüter der eng- lischen Staatsautorität in Indien vorgingen. * Die von einem Teil der indischen Bevölkerung feindselig be- grüßte Vcrfossungskommission wurde vom Londoner Parlament im November eingesetzt, um die bisherige Wirkung der letzten Vor- fasfungsreformen zu studieren und Vorschläge für eine stärkere Hin» Zuziehung der Inder in die Verwaltung Indiens zu machen. Der Kommission gehören je zwei Abgeordnete der drei Parteien, also auch zwei Arbeiterabgeordnete, an. Sollte die Kom- Mission während der nächsten Wahlen noch in Indien weilen, so hat man untereinander ausgemacht, daß die Sitze ihrer Mitglieder aus dem Wahlkampf herausgelassen und ihren bisherigen Inhabern wieder kampflos zufallen. Die Opposition in Indien richtet sich nicht dagegen, daß sich überhaupt eine Kommission ans England nach Indien begibt und die indische Verfassung untersucht. Die Feindseligkeit ist nur des- halb entstanden, weil keine Inder in d!« Kommission berufen worden sind. Das hat die nationale Bewegung als eine beab- fichügte Brüskierung aufgesaßt. Vielfach haben die indischen politischen Körperschaften— Provinz- und Stadtvertretungen— erklärt, der Kommission keinerlei Auskünfte geben zu wollen. Die blutigen Zwischenfälle, Protestversammlungen und Demonstrations- streik? anläßlich der Ankunft der Kommisston in Bombay zeigen, daß auch die Mahnungen und Aufklärungsversuche von englischen Arbeiterführern auf einen Teil der indischen Bevölkerung keinerlei Eindruck gemachr haben. Die einseitige Zusammensetzung des Verfassungsausschusses nur aus Londoner Parlamentariern an Stelle der gleichberechtigten Zusammenarbeit zwischen Engländern und Indern hat also zu blutigen Opfern geführt und die Gegen. sähe zwischen der herrschenden und den beherrschten Rassen verschärft Die deutsche Sprache muß gelten! Zhre Einführung im IAA. beantragt. Genf, 4. Februar.(Eigenbericht.) Genosse h u e b e r- Oeslerreich brachte heute im verwallungsrol des Znternalionolen Arbeitsamtes den A n k r a g ein, d i e d e u I s ch e Sprache als Verhandlungssprache im Verwallungsrat und aus der Internationalen Arbeilekonserenz noch in diesem Jahre ein- zuführen. Der Antrag wird damit begründet, daß d i e vt e h r- hell der europäischen Arbeiter die deutsche Sprache verstünde. Genosse Iouhaux- Frankreich unterstrich die e i n sti m m i g e Befürwortung de« Antrages durch dt« Arbeit- nehmergruppe und stellte fest, daß h i n t o r d( e s e m A n t r a g der Z G B. in setner Gesamtheit stehe. Der Antrag wurde geschäslsordnvngsmäßig der Statuten- kommisslon überwiesen und wird ans der A p r i l t o g u n g des Verwaltunzsrales zur Entscheidung gebracht werden. Tteucr Militärputsch in Griechenland? Reuter berichtet aus Athen von, Freitag: Die w i l d e st e n Gerüchte sind heute abend Im Umlauf über eine Gärung in Heereskreisen. Di« Garnison wird In den Kasernen zurück- gehalten: dies mag jedoch nur eine Vorsichtsmaßregel sein. Vorläufig müssen die beunruhigenden Gerüchte mit der größten Vorsicht aufgenommen werden. Es ist zu hoffen, daß die V«- sprechung der politischen Führer zu einer raschen Lösung der Krise führen wird. Das Kabinett ist zurückgetreten. Dr. Raschig gestorben. Der demokratisch« Reichsiagsabgeordnete Dr. Raschig-Ludwigshosen ist an den Folgen des Schlagansalls, der ihn gestern abend in Duisburg ereilte, heute früh verstorben, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Er war 64 Jahre alt, Fabrikant und hol zuletzt bei der Beratung des Postetats gegen die Postbureaukrotis wiederholt angekämpft. Auf der demokratischen Neichsliste ist sein Nachfolger Rechtsanwalt Dr. grantfurter-Berlin. „Die Kirche in Gegen die seinerzeit vom„Vorwärts" ausführlich behandelte Beschlagnahme des bekannten Buches„Die Kirche in der Karikatur" von Friedrich Wendel hatte der Freidenkcr-Verlag Beschwerde erhoben. Diese Beschwerde ist am 19. Januar von der 1. großen Strafkammer des Landgerichts II in Berlin in nichtöffent- licher Sitzung verhandelt worden. Die Strafkammer hat die Be- gründung der Beschlagnohmeverfllgung des Amtsgerichts Berlin- Tempelhof in breiten Partien preisgegeben, die Beschlagnahme nichtsdestoweniger aufrechterhalten, weil das Buch als ein lendenzwerk angesprochen werden müste. das die Absicht verfolge.„Anhänger der Kirchen zum Absall von diesen zu bewegen"! Der völlig neue und in höchstem Maße überraschende Rechtsstand- punkt, der in dieser Begründung zum Ausdruck kommt, wird in der Entscheidung der Strafkammer sogar doppest unterstrichen, heißt es doch an anderer Stell«:„Der ganze Ton des Buches ist grundsötz- lich daraus abgestimmt, Darstellungen und Aeutzerungen über die Kirche nicht etwa als Zeiterscheinungen zu betrachten und abzu- handeln, sondern antikirchliche Bildwerke, Sprichworte, Anekdoten, Volkslieder und dergleichen zusammenzutragen, um sie noch gegen- wärtig gegen die Kirche auszuspielen, und in ihnen zum Ausdruck gekommene Beschimpsungen auch in der Gegenwart fortwirken zu lassen, um mit ihrer Hilfe einer Abkehr von der Kirche den Boden zu bereiten."— Es kommt zunächst nicht darauf an, zu untersuchen, ob Friedrich Wendel wirklich früher« „Beschimpfungen" der Kirche„auch in der Gegenwart hat fortwirken lassen wollen"— unseres Wissens hat er bei jeder Karitatur, bei jedem Volkslied usw. mit peinlicher Treue das Jahr der Entstehung angegeben und dadurch die historische Bedingtheit der Anwürfe gegen die Kirche einwandfrei hervorgehoben—, was die breite Oeffentlichkeit angeht, ist der hier verkündete unerhörte Grundsatz, daß eine Aufforderung, von der Kirche abzufallen, sorlan strafbar sein soll. oder doch mindestens bei einem Delikt auf Grund des Z 166 straf» schärfend in Erscheinung treten soll. Was soll denn das heißen? Aufforderung, von der Kirche abzufallen— dafür sagt man nüchterner und präziser: Propaganda für den Austritt aus der Kirche. Eins solche Propaganda ist verfassungsrechtlich gewähr» leistet und unter den Schutz der Gesetze gestellt. Soll sich das jetzt ändern? Di« reizvolle Konsequenz wäre: wenn schon die Auf- forderung, von der Kirche abzufallen, strafbar ist, dann ich der, der den Abfall von der Kirche vollzogen hat, also aus der Kirche aus- getreten ist, erst recht strafbar:— Auch sonst zeichnet sich die Eni- scheidung der Strafkammer nicht gerade durch übermäßige Schärfe der Logik aus. Aus der breiten Reihe von Karikaturen, deren Be- schlagnahme die Strafkammer aufgehoben hat, greifen wir einig« heraus. Von zwei Karikaturen, die sich auf den Wunderbetrieb von Lourdes beziehen, sagt die Strafkammer:„Sie beziehen sich zwar aus die von dem Papst gebilligten Wallfahrten nach Lourdes und demnach auf einen Gebrauch der katholischen Kirche, sie enthalten jedoch keine Beschimpfung, sondern bespotten lediglich die Leicht- glüubigkeit der Wallfahrer. Ein« rohe Mißachtung ist weder aus den Abbildungen noch den Texten zu entnehmen." Eine andere Karikatur aus der Zeit, in der in C h a r t r e u s e und Föcamp die bekannten klösterlichen Schnapsfabriken gegründet wur- den, zeigt einen Mönch, der gierig ein Weinfaß leert mit den Worten: „Dies tu ich für euch alle!" Die Strafkammer dazu:„Die Ab- bildung verstößt nicht gegen sj 166. Wenn auch der Text den Worten des Abendmahls entnommen ist. so ist doch das Abendmahl selbst nicht chr Gegenstand. Sie behandelt vielmehr lediglich die Trinklust der katholischen Geistlichen und läßt ihren Spott daran aus." Eine andere Karikatur, dem„Wahren Jacob" entnommen, zeigt ein groteskes Ungeheuer, auf dessen Rücken das Wort„V o l t s d u m m- der Karikatur." i,e.- Die Justiz karikiert sich selbst. h e i t" geschrieben steht, wie es von einem Mönch mit einer Saug» flasche gepäppelt wird. Text:„Früher fraß es besser, es wird doch nicht eingehen?" Die Strafkammer gibt auch diese Karikatur frei mit der Begründung:„Der Abbildung ist eine Beschimpfung nicht zu entnehmen. Es wird hierdurch nicht etwa zum Ausdruck gebracht. daß die Kirche ihrerseits das Volk dumm mache, sondern lediglich. daß sie Interesse daran habe, daß das Boll dumm bleibe Die Kundgebung einer rohen Mißachtung gegenüber den Kirchen ist nicht zu erblicken." Auch zwei bisher beschlagnahmte Karikaturen des großen englische» Sitten- schilderers William Hogarth werden von der Strafkammer wieder freigegeben, ausdrücklich er» klärt sie:„Zu der gegenwärtigen protestantischen Kirche sind die Ab- btldungen weder in der Form der Darstellung noch durch den Inhalt des Textes in eine erkennbare Beziehung gebracht, eine Scsch'mpfung der jetzigen Kirche liegt daher nicht vor."— Auffällig ist, daß de? Beschluß der Strafkammer mit keiner Silbe auf die aufsehen» erregende Beschlagnahme der bekannten Gulbranssonsche» Christus-Zeichnung aus dem Jahre 1968(„Triff ihn nur gut, Gottliebchen, er hat die Ehebrecherin in Schutz genommen!") eingeht. Die Wiedergabe dieser Karikatur wird Wendel bekanntlich als Gotteslästerung angekreidet, obwohl sür jeden, der einen witzigen Einfall oerstehen kann, das Gegenteil einer Gotteslästerung ersichtlich ist, und obwohl die im Jahre 1968 im„Simplicissimus" erschienene Karikatur nie Gegenstand einer Beschlagnahme oder eines Gotteslästerungsvcrfahrens gewesen ist. Diese ganze Beschlagnahmeassäre artet mehr und mehr zu einer juridischen und kulturellen Groteske aus. Verkehrs- und Siedlungsnot. Klogen und Wünsche Niederschlesiens. Es ist ein« unbestreitbare Tatsache, daß die Provinz Schlesien noch der neuen Grenzziehung besonders schwer zu leiden hat. Seit der Abtrennung Posens streckt sich die ganze Provinz wie eine Landzunge zwischen den Nachbarstaaten Polen und Tscheckzo- slowakel hin, ein Zustand, der belanglos wäre, wenn wir eine» freien Waren- und Menschenverkehr zwischen den aufeinander an- gewiesenen Ländern hätten. Die Nachteil« der neuen Grenzziehung werden jedoch durch schwer übersteigbare Zollmauern— wir haben ja noch immer keinen Handelsvertrag mit Polen— und durch Postschitanen außerordentlich erhöht. Jetzt haben die amtlichen und privaten Vertretungen der Wirt- schast und die kommunalen Spitzenoerbände Niederschlesien» mit Unterstützung der sve: gewerkschaftlichen Organisationen Ratschläge zur Untersuchung und Behebung der?totständ« Nied«?» schlesiens ausgearbeitet. Sie zielen dahin, durch Ausbau des Verkehrswesens. Straßen, Bahnen und Wasserwege, sowie durch eine Reform der Eisenbahntarifs de» Warentransport nach dem übrigen Deutschland zu erleichtern, umsassend« Flußregutie- rungen und landwirtschaftliche Meliorationen vorzunehmen, sowie durch verstärkt« Siedlung die Eigenwirtschaft de» Bandes zu ver» stärken. Zur Durchführung des Programm, wird Reichshllf« t» großem Umfange nötig sein, teils in Form von Zuschüssen, teils in sehr niedrig verzinslichen Darlehen Das Programm entspricht in vielen Punkten— ohne daß dos jedoch ausgesprochen ist— den Wünschen des preußischen Innen- Ministers Grzesinskl. der seinerzeit Borschläge sür ein Ost. programn, im„Vorwärts" entwickelt hat. Die deutschnationalen Reichsmimster„reiten" freilich lieber im Ostlond mit hochtönenden Reben. D!« Geldmittel, die der Osten so dringend braucht, ver- pulvern sie aber in Liebesgaben zur Förderung süddeutscher Eigen- ort... Goetz:„Robert Emmet". Deutsches Theater. Die Engländer pflegen seit Jahrhunderten die irländischen Rebellen zu Hongen, zu köpfen oder zu erschießen. Sie rächten sich während unseres Weltkrieges an dem braven Roger Casement, der seinen Idealismus mit dem Leben bezahlt«. Sie exekuliertcn 1868 den Jüngling Robert Emmet, der mit Napoleon gegen die Briten anbändelt« und damals ebenso sicher, heldenhaft und herrliche Phrasen redend, in den Tod rannte, wie der begeistert« Bertrammsmann Ludendorffs und des Herrn von Tirpitz. Da» Schicksal tteser Männer fft tragisch genug. Der Drama- flker findet in den politischen Akten einen Stoff, der Phantasie und Herz anwärmt. Em ganzes Kulturvolk im Aufruhr gegen unwill- kommen« Herren, und an der Spitze des Aufftandes das Häuflein der herrlichen Jungen, die das Äutabenteuer einfädeln. Aber das Trauerspiel sollte von der großen, nationalen Idee erfüllt sein. Klingen und jammern müßte die Not des unterdrückten Volkes. Es würde auch-nicht überflüssig sein, wenn neben den noblen Führern die kleinen Leute auch erschienen, die geschunden und voller Abscheu gegen das fremde Joch scheuern. Wolsgang Goetz stellt alles dramatische Geschehen ans den Helden Robert Ennnet. Er sieht nur den Helden, kaum das Volk. Er spürt keine Landesatmosphäre, auch nicht die Pestilenz des Leidens. Er schwärmt nur. In diesem liebenswürdigen Knabenkopf spiegelt sich der Britenhaß nur wie eine Prioatmisere. Das Trauerspiel wird nicht sozial und politisch aufgerollt, e» wird nur individuell begründet. Robert liebt ein Mädchen, ein anderes Mädchen liebt Robert, ohne daß Robert dieses schön« Gefühl erwidern will. Robert flüchtet sich zu dem geligbtm Mädchen, und es wohnt dort, wo die englischen Soldaten ihn sassen können. Würde Robert die vorhandene Möglichkeit ausgenutzt und zu Napoleon geflüchtet sein, vielleicht würde er mächtige Unterstützung und die Erfüllung seines Wunsches erreicht haben. Cr nutzt die Möglichkeit nicht aus und läuft, von Liebe verbrannt, geradeaus in die Mausefalle. Goetz bindet sich an die Akten. Sie liefern ihm nur ein Theaterstück mit Gesühlskolportage und einigen Feuilletonspritzern gegen die kaltschnäuzige Kaoalicrsmethod« der Englander im Be- seitigen ihrer Feind«. Di« Intrige soll gedämpst und ins Inner« der Mitspieler verlegt werden. Die Dichterkraft des Dramatikers reicht nicht aus. Hierfür wäre lyrisch« Dramatik notwendig, die nicht durch ausgeklügelte Psychologie und Stubenliteratur ersetzt werden kann. Es entsteht nur etwa, Derschrobenes. das niemals ergreift. Ein halber Mann schreit nach Freiheit. Zwei nette Mädels schreien nach dam halben Mann. Die Worte des Dichters torkeln um den Theaterstoff. ohne daß etwas Blühendes und Bleibendes aus ihm herausströmt. Fünf Akt« und keine tragische Aktivität. Regisseur und Schauspieler werden bald lustlos, schließlich ge- lähmt. Hans Reh mann oersucht jungenhafte Innigkeit, nicht pst erfolgreich. Toai van E y ck beweist, daß sie weiter kommt und schon eine Dirtuosin in der Darstellung halluzmierter Backfische ist. Iessie V i h r o g entzückt durch ihr Aussehen, sie erschreckt das Ohr durch die Winzigkeit ihrer Stimme, die in gurgelnder Hilflosigkeit erstickt, sobald ein heißerer, dramatischer Ton angeschlagen werden soll._ Max H o ch d o r s. „Oie schöne lau." Opernuraufführung im Rundfunk. Der Berliner Rundfunk, dessen musitalische Darbietungen uns gemeinhin nicht viel Freude bereiten, versucht von Zeit zu Zeit, durch eine besondere Anstrengung das Vertrauen auch der Anspruchs- volleren zu gewinnen: gestern durch eine Opernuraussührung:„Die schöne Lau". Märchenoper in sechs Bildern nach Eduard Mörickes Dichtung von Aenne o. B e l o w. Musik von Julia K e r w e y. Wer ist Julia Kerwey? Eine junge, aber wie sich zeigt, technisch erfahrene, in der Beherrschung der Mittel sichere Musikerin. Bisher war sie nur, unter anderem Namen übrigens, mit begabten Klavier- liedern öffentlich hervorgetreten. Nun tritt sie in die Reihe der modernen Komponisten, die für die Regenlerung unserer Opern- Produktion ernstlich in Frag« kommen.„Die schöne Lau", es kann nichts„Romantischeres" geben als diesen dem„Undine". und„Hans- Herling"-Stoff nahe oerwandten Märchenstoss. In der Oper, die daraus entstanden ist, wechselt Zart-Poetisches mit Ärästig-Volks- tümlichem, aber die Gegensätze des Zarten und des Srästigen überflutet die sprühende Ditalität einer Musik, die echt empsunden, gesund und natürlich, von ersrischcnder Ungemachthett ist— bei allen Bor- zügen einer durchaus gekonnten Arbeit. Das Orchester klingt aus- gezeichnet, aber vor allem, es wird gesungen in dieser Oper, es gibt Duette. Ensembles, geschlossene Sätze.— Bon ganz anderer Seit« her als die um Hindemith. unmittelbar im Laden der allen romantischen Oper wurzelnd, findet die junge Instinktmusikerin den gleichen Weg der Opernerneueruna durch Neubelebung der rein musikalischen Form. Fast alle Partien, insbesondere die weiblichen, sind dankbar für die Singenden, und nach dieser schönen Lau«erden unser» Koloratursoprane greisen wie«inst nach Massenets Manon. In der Rundsunkaufführung sang Tilly de G a rm o die an- spruchsvolle Ioogün-Partie. daß es ein« Freude war. Ueberhaupt macht« die Wiedergabe de» Werkes unter Selmar Mevrowig den besten Eindruck. Die Wiedergabe— leider nicht die lieber- mittlung. die unter manchen Trübungen litt. Die Technik ist noch immer nicht so weit, daß von einem komplizierten Klangapparat, wie dem einer modernen Oper, unterwegs nichts verloren ginge. Auch rächt sich die gedrückte Eng« des Raumes, aus dem gesandt wird. Also, der Eindruck für den Rundfunkhörer keineswegs voll- kommen. Man wird dies« Oper im Theater hören— und sehen (nüssen, Klaus Priugsheim. „Marcel Kradelm" in der„Komödie". Sin französischer Hinkemann. Was Ernst Toller im„Hinkemann" Anlaß gibt zu anklagendem Aufschrei gegen den Wohnsinn des Krieges und die Lieblosigkeit der Menschen, das rücken die Franzosen Duvernots und B i r a- beau in den Mittelpunkt einer stillen, in sich gekehrten menschlichen Tragödie: das Schicksal des geschlcchswsen Mannes. Marcel Fradelin versucht, den körperlichen Mangel durch«inen in» Ungemessene gesteigerten Ehrgeiz wettzumachen. Mit ungcheurer WUensslärke arbellet er sich zu einem mächtigen Industriekapitän empor. Mit dem körperlichen Unglück würde er schon fertig werden. Sein Kampf richtet sich gegen«inen neuen Widersacher, der ihn heimtückisch von allen Seiten verfügt, gegen den Fluch der Lacher» lichkeit, der seinem Gebrechen anhaftet. Das wird schließlich bei ihm zur fixen Idee und bestimmt sein ganzes Handeln. Mit allen Mitteln will er die Welt täuschen und dem quälenden Gemunkel ein Ende machen. Er heiratet Frongoise, die Tochter seines Werkführers. Aber er zerfleischt sich selbst und sie mit seinen Zweifeln. Die Ehe wird für die arm« Fronxoise zum dornenvollen Leidensweg. Eine Zeitlang hat Marcel Fradelin durch die Tatsache der Heirat dein Gerede den Boden entzogen. Dann plötzlich grinst ihn das Gespenst der Lächerlichkeit wieder an. Warum bleibt die Ehe kinderlos? Dies« Frage liest er von spöttischen Gesichtern. Da verlangt er von Frangois« etwas Uebermenschliches: Er wird verreisen, und sie soll sich einem Mann hingeben. Das Kind wird jedes Gerücht über ch» Lügen strafen. Seinen Zweck hat er erreicht, aber neue Qualen finden sich ein. Eifersüchtig mustert er seine Bekannten nach dem Geliebten seiner Fronqoise durch. So lange ist sie die stille Dulderin gewesen und hat sich seinem maßlosen Willen stumm gebeugt. Ie�r lehnt sie sich zum erstenmal gegen ihn auf. Cr sieht ein. daß er sich und seine Umgebung zugrunde richtet und unterwirst sich ihr be- dingungslo». Vor kurzem hat die„Komödie" in einem erfolgreichen Drams die lesbisch« Liebe abgervondelt. Jetzt bringt sie das Eunuchen- Problem auf die Bühne. Es erhebt sich die Frag«, od die Dramati- sierung pathologischer Fälle für«in ernstes, nicht sensatioirslüste."»« Publikum künstlerische Bedeutung hat. Dazu ist zweierlei zu sagen: die Autoren Duoernois und Dirabeau verzichten gewiß nicht auf wohlberechnete Bühnenwirkung. Sie behaTdeln aber da» heikle Thema mit soviel Takt, sie gestatten«in Schicksal mit soviel Lebens- nähe und hotten sich von äußerlichen Effekten so fern, daß sich das Unglück des Einzelfalles zu ollgemeinmenschlicher Tragik erhebt. Marcel Fradelin sehnt sich zwar nach Freuden, die eine miß- günstig« Statur ihm versagt. Seine Qualen entspringen aber aus der Herzlosigkeit der Menschen. Es fällt schwer, aus dem Ensemble der Komödie" den«ine» oder anderen Darsteller herauszuheben. Der Regisseur Förster La?» Festnahme gefährlicher Verbrecher. Ein Berliner Einbrecher in Buenos-Aires gesaßt. Erbauliches aus Mecklenburg. Von Fraktionen und Fraktiönchen. InMecklenburg'Strelltz hat die Reaktion bei den Neu- wählen eine eklatante Niederlage erlitten. Um zwei Mandate ge- schwächt, kehren die Deutschnationalen, die Hauptstützen des bisher amtierenden Rechtsblocks, in den neuen Landtag zurück. Das genügt, um in dem 35 Mann starken Parlamentchen einige Verwirrung anzurichten, zumal die Sozialdemokratie 13, die Kommunisten 3 Sitze haben und sich der gange übrige Bestand auf sogenannte Mittelparteien verschiedenster Couleur verteilt. Die Re- gierungsbildung stößt auf die größten Schwierigkeiten. Ein richtiger Rechtsblock ist jederzeit von dem Mißtrauensvotum einer Zuiallsmehrheit bedroht. Den Deutschnationalen aber liegt auch in diesem kleinen Löndchen mehr an dem Bürgerblock, als an ihrer eigenen Würde. Daher veröffentlichen sie eine Kund- g« b u n g, in der sie sich bereit erklären, die zwei vorhandenen Ministersessel den M itt e l p a r t e i e n zu überlassen,„um den Wünschen ihrer Wähler Rechnung zu tragen." wenn nur diese ge- samten Parteien sich zu einer geschlossenen Fraktion zusammenfinden. Doch man will gar nicht all« Parteien. Existiert da nämlich Im Mecklenburger Landtag auch ein Abgeordneter der Deutschen Doltspartei, der hochgradig verdächtig ist, dem Einheitsstaat zuzustreben und mit den Sozialdemokraten zu sympathisieren. Also fordert die Deutschnational« Partei, daß der neue Rechtsblock mit allen Gruppen mit Ausnahme dieses besagten Volks- parte tlers, jedoch mit Einschluß des bewährten demokra- tischen Ministors Hustedt» gebildet wird. Das ist mm gerade kein Kompliment für die Demokraten, die tn Mecklenburg als für die Reaktionär« vertrauenswürdiger heraus- gestellt sind denn die Volkspartei. Aber immerhin die Deutschnatio- nalen wollen es so. Der Lolksparteiler hat nun energisch gezen diese Aus- bootung aus dem Bürgerblock Stellung genommen, indem er sich mit dem völkischen Abgeordneten, dem Vertreter der Erbpächter und demjenigen der Aufwertungspartei zu einer besonderen Frak- tion zusammengeschloffen hat. So stehen die Gefolgmanncn eines Hitler und eines Stresemann zusammen in treuer Fraktionsgcmein- schost- Das Ganze aber ergibt den schönsten Kuddelmuddel; denn es ist undurchsichtiger als je, wie nach dieser neuartigen Parteien- gruppierung eine Rechts-, eine Links- oder eine Mittelregierung Zustandekommen soll. Hätte es noch eines Beweises bedurft für die Ueberflüssigkeit so kleiner Staaten, so hätten diese parla- mentarischen Scherze in einem Land« mit 112000 Einwohnern ihn schlagend erbracht._ Geht es abwäris mit München? Künstlerabmarsch aus Isarathen. München. 4. Februar.(.Eigenbericht.) Der Niedergang Münchens als Kunst, und Kulturstadt, eine Frage, mit der sich seit Vahren dl« breiteste veffeutlichkest beschäftigt, zeigt sich besonder, durch die fortgesetzte Abwanderung her» vorragender Beitrete? von Kunst und Wissenschaft aus der bayerischen Hauptstadt. In einer Denkschrift, deren Ausarbeitung dos bayerische Kultusministerium jetzt in Austrag gegeben hat, soll die Behauptung vom Niedergang München» untersuch: und ein- gehend auch ihre Ursache geprüft Verden. Inzwischen erklärte der Kultusminister im Finanzaussck)uß des Landtages, daß nach seiner Auffaffung die Behauptung vom kulturellen Niedergang Münchens im wesentlichen nichts anderes als ein Schlagwort sei. Di« Tatsache ein«» gewissen Rückgange» mußte aber auch er zugeben. Dl« Entlaffung oller ausländischen Kommunisten aus den sowset- russischen Auslan�oertretungen war gemeldet worden. Diese an- gebliche Verfügung Tschitscherins wird in Moskau dementiert. r i n a g a hat die Darsteller fest in der Hand. Er läßt in gedämpftem Ton sprechen. Homolta als Marcel Fradelin wirkt erschütternd. wenn seine Leidenschaft verhalten, in dumpfer Berzweislung. aus- bricht. Grete Mosheim, hier auf«ine Rolle gestellt, deren Tragik sie wundervoll ausfüllt, spricht ihr Geständnis, ich liebe dich, ganz still, wie«in Geheimnis. Rühmend zu erwähnen sind Ilka Brüning in ihrer innigen Mütterlichkeit, der rührend jungenhaft« Oskar K a r l w e i s, der polternde und nörgelnde Jakob T i e d t k«. der haßerfüllte, verkniffene Paul Biensfeldt und das lose Flittchen Hilde Hildebrand. Der Beifall des ergriffenen Publikums wollte bei der Premlere kein End« nehmen._ Ernst Degner. Ein Arbeitersowjel verbrennt 5000 Bücher. Ein recht sonder- barer Prozeß beschäftigt zurzeit das Gericht der Stadt T w« r. Die dortige Textilsobrik„Proletarka" besaß eine Bibliothek von 5000 Büchern, die auf Verfügung des Borstandes des Arbeitersowjets ver- brännt worden ist. und zwar mit der ungewöhnlichen Begründung: „wegen Mangels an Räumlichkeiten zur Unterbringung der Bücher. Unter den verbrannten Büchern befanden sich auch die Werke von Karl Marx. Di« Affäre hat in Arbeiterkreisen große Empörung erregt und wird jetzt ein gerichtliches Nachspiel haben, dessen Ausgang mit Spannung erwartet wird. Sine Aroben-Ausstellung in Basel ist zur Feier seines 400. Todes- toges im Gewerbemuseum zu Basel veranstaltet worden. Froben, zu' Hammelburg in �ranken 1460 geboren, wurde 1490 Baseler Bürger und gründete 1491«in« eigen« Druckerei. Er arbeitete mit Amerbach zusammen, war mit Erasmus befreundet und entdeckte Hans Holbein als Buchkünsller. Di« Ausstellung umfaßt 70 Bände und zahlreich« Blätter._ SrNavssährvoi«» der wach«. Mittwoch NcurS Tbealer am Zoo: .Mazc-»ch»n'. Freitag N. t. d. Äöntgzrätzer Straße:.Fluch:'. Sonn- tag Städtisch« Oper:.Der Sorrcgidor'. Zu« Kelmaan-Bell am 4. Februar findet leine Wendkass« statt. Male«««Vorträge. Sonnlag sprechen Im Neuen Muteum Dr. Dols über.Die ägyptische Borg»schichte', im Salter-Friedrich« Mulenm Dr. Dreher über.Han» Letnderger' und im Museum für Völker lunde Prof. Eichhorn über»Schmuck der Australier uud Südseevölker'. Sne Schaulpleler-Nachtvorffellvag don.Tour Sude' findet Dien«. tag. nacht» tt',. Uhr. im R c na i ss a n c«. 2. h« a t e r zugunsten der Dohlfahrltkasse» der vühuengenossenschast statt. Utbte»eisen,«seobetoo. Bau« l« Frankreich- spricht im Rabmen der Bortrqg»reih«.Neue» Vau«' der bekannte Schweizer Architellurhiftortker Du.«. fflledivn K-ntag. 8 Uhr. m der Staatlichen«unschidliolhet. S'lde Müller-Serloff spricht auf Anlabmig der VoMbühne Mittwoch. S Uhr. tm Berliner Nathaute Dichtungen unter dem Titel»Rhythmus uud Maschinen'. Sinlahkart« 0.eo Mark. Vrofessoe vr. derma»« Schnitz 0*«ach seine»«»»scheiden au» der Aerwallung de« Berliner Schlofimmeum» tn die Dtrevio» der Antiquitäten» «dtetloug»eg Konzer, Marlgroj&r»d Sportklub„Berlin" sind die Veranstalter. Im freien Stil wird Europaineister Arne Borg- Schweden über 100 Meter keinen leichten Stand gegen den Kölner Derichs haben, der von einigen der bellen europäischen Schwimmer wie Säiubert-Breslaii, Taris-Paris, Ainoe-Prag, Depauw-Arüssel unterstützt wird. Zur Mittelstrecke über 400 Meter haben neben Arne Borg noch Antos, Toris, Neitzel-Magdeburg, Heinrich-Leipzig, Berges-Darmstadt und Steinhausf-Berlin sich gemeldet, und auch die immer verpönten 13f>0 Meter hoben die denkbar beste Besetzung gefunden. Heinrich, Neitzel und Steinhauff sind hier die Houptgegner des qefürchteten Schweden Arne Borg. Rademacher findet im 200 Meter Brustschwimmen eine schwere Gegnerschaft vor: Dornheim-Berlin, Budig-Köln und Wisnell, den neuen schwedischen Stern. Küppers-Viersen. Schum- burg-Magdebuvg, Trentschol-Leipzig, Dahlem-Breslaü ist dos groß« Viergespann im Rückenschwimmen. Im Kunstspringen tressen sich erstmalig Turner und Sportler Europameister Lubcr und Ricbschläger sowie der ersten deutschen Sportlerklasse treten die Turner Kossagk und Wisbar entgegen. Reni Ertens will ihren Rekord über 100 Meter Freistil verbessern. Beginn an Wochen- tagen 20,30 Uhr, am Sonntag 16,30 Uhr. Theater der Woche. Vom 5. bis 13. Februar 1928. BoIUWSnc. Thc-t«r am«iitoojilofct 3. bis 12. SUnr. Ist Mann. 15.«fffS ffinnt. Theater am Schiffbauerdam«: iZchicbcr des Siuhms. Thatia-Zheale-! Tos Namet acht dur» das Nadelöhr.— Oper am Plag»er Rev-Mil! 5 Stfa Giovanni. 6., 3S. der Arzt wider Willen. 7. Martha. 8. TannhSuser, 9. Carmen. 10. öinsonickonzert. 11. Zidelio. 12. fco Traviata.—«dtädtilchc Oper. Charlottenburg: 3. Meistersinger. 6. Ionnn spielt aus. 7. Orpheus und Svrndit».----■--stler.TH,«t-r: fiodim-. - Luftspielhan»: Unter Geschäftsaussicht.— Leffing-Iheater: Nase Bernd.— Theater am Slniiürstendamm: Bei UNS um die KrdächrniStirche rnm.— Meildea-- Theatee: ZrUHUng am Rbcin.— Theater i» der Kammaadantrnftroh«: 3. Den Garten Cden. v. bis 12. Der Dornenweg. t!t. Kolportage.— Metropal- Zbcater: Die schöne Helena.— Berliner Th«tei: D«r Herr ron...— Die Tribüne: Spiel im Schloß.— Kleine» Theater: ch reichen.— Renaiilanee. Theater: Locur-Bubc. 23 Uhr. Ztachworlteilung: Coeur-Bube.— Walhalla- Theater: Cinr Licbesnaim.— Avse-Zheater: Der P-arrer von«irchsetd. Cafino-Theater: Die spanische gliege.- Theater in der Klastrrftrahr: ö.. 9. i's 13. Der fröhliche Weinberg. i>., 8. Charlcns Tonte. 7. Schnicttcrlingsschlacht. - Schlohparl- Theater Etcglih: b. Der Bettelitrsbcnt. 7. bis>2. Malchings- fe«.- Theater im Abmiralspalast: Wann und Wo!— Wintergarten: Bacieto, — Srala: Intcrnationates Varic:-.— Nrichsqaltca-Theater: Slettincr Sänger, — Theater am Kottbusicr Tor: Glite-Sänger. ZIachmittagavarstellnng««. BallstLhne. Theater«» plah: 5., 12. Mann ist Mann. Theater am Swissbanerda»»: 1-, 12. Schieber des Ruhms. Zhotm-Tl cater: 7>„ 12. Das Kamel geht durch das Nadrlöor.— Oper am Plaji der Ziepnblil: 10. Sinfonic.Mlttagskonzcrt. 12. Madam« ! Butter flu.— Sch-llcr-Tbeatcr: Z. Die Geschwh'ier: Der zerbrochene«rng. 10. Jugend.— Erosir» Schauspielhau»: 5., 12. Bomradonr Masiarp.— Residenz. Thrater: 5., 12. grllhllng am Rhein.— Theater in der«amwandantenftrahee ö. Der Dornenweg. 11. Die»arlsschiilcr. 12. Kolportag«.— Kleine« Theater: 1. Silin, d'e Kokotte.--- Rena siance.Zhrater: 12., mittags 12 Uhr: DanimatRee Ursnla galke.—«alhaNa-Thca'er:!>.. 12. Di« Biippenfce.— Rvse-Tbea'»-: lt., 12. Schneewittchen und die sieden Zwerge.— Tbcatr« in her Klostersttah«: 8., ll., 12. Rotkäppchen.— Dchlohparl-Tveater Strplih: 3. Tanzgastsplrl. Theater im Admiralepalast: ö., 12. Wann und Do!— Seala: 3., 11., 12. Interna ttonales Vaoietd.— Äe>ch»hallen-Zbrater: D., 12. Stettiner Sänger.--» Thrater am Kottdussr« Tor: 3., 12. Elite-Sänger. Verantwortlich sit: Politik: Dr. Curt Geyer! Wirtschaft: G. Klingelhisrr: Gewerkschastsdewegun�: Fr. Egkar«: Feuilleton: K. th. Tüsthe«: üokale» und Sonstiges: Fr>h Karftitt: A,. zeigen: Th. Gl»««: sämtlich in Berlin. Jrrlag: Vorwärts-sZerkaz G. m. b. H.. i'l-rlin. Dinick: Borwärts-Buchdrnckerrl und Verlagsanstalt Paul Singer u Co.. Berlin SB 68, Lindenstraß« 2. gpssm Zu noch nie»W� ff dagewesenen Preisen bringen vir Stores, Gardinen, Bettdecken Kflnstler-Gardmen m best» Qualitäten ffir 5.»0. 7�0.«.90 M. 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