Morgenausgabe flf.Tl A36 45. Ichrgang Wöchentlich M PseaniA.«öncL'ich 8.— Reichsmark nn voraus zahlbar. tlmer Streifband nn Zn« and Aus» tand KL0 Reichsmark vre Monat. » Der.Donoarts� mit der Mustnen» ten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit* fowie den BeUaaen.Umerhaltnng »nd Dlsien�.Aus der Filmwelt�. »vStodtbeilage*.Frauenstimme� »DM Stinberfrenad'.Tugend-Äo» ocffs*.Blick w die Büchenvelt". Kulturarbeit� and �echnik� erscheim wochemäglich jflveim.al, Sonntags und Mo7Nag5 �inmnl- Weettner VolWbiatt Sonnabend LI. Februar 192S Groß-ÄcrUn HF pf. Auswärts 15 Pf. Die e i n| p o 1 1 i|« KeRpaTeiÜMeH» IK) Pfennig. Rettomezeile ö.— Reich«» mar?.Kleine Anzeigen" das fenge. druckte Won 25 Pfennig(zuläffig zme» fettaedwuckle Worte). iedes rp eitere Won Ii Pfennty Stellengesuche das erii» Won 15 Pfennig, ledes meiterv Won 10 Pfennig Worte übe: 13 Puchftobrn ifiljlen für zive, Worte Ardeitsmartt Zeile 60 Pfennig FomNionzeigen lüt Abonnenten Zeile<5 Pfennig. Ai.zeig?�- annahm« im �luptgeschöfr Linder» Vraßk 2.«echeruagl von SV, di» Vi U4t Jemvawvgan der Sozialdemokrattschen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Eetnfpted)«: Nonhoft 292— 2S7 JcUgtamm.übr.:©ojtalbemcftct Berlin Vonvaris-Verlag G. m. b. H. Vostschecktvnio: Eir5rn S7 ZZlv— BanHcnte: Bank der Ärdciier, Sln.sssiellica und Beamien Wallsir. 65. Diürliro-Geselllchasl. Depositeulassi Lindensü L Hmdenburgs Brief. Erst alles andere— dann die Schulsrage. 2er Brief, den der Reichspräsident v. Hindenburg an den Reichskanzler Dr. Marx am 9. Februar gerichtet hat, hat folgenden Wortlaut: Sehr geehrter Herr Reichskanzler! Die Rachrlchken über tiefgehende Rlelnnngsver- fchledenheiten innerhalb der Regierungsparteien wegen des Schulgesetzes, die zu einem Auselnanderbrechen der g.'genwärtigen Reick)s?eglerung führen können, geben mir Der- kinlassung, Sie. Herr Reichskanzler, zu bitlen, nichts unversucht zu lassen, um im gegenwärtigen Zeilvunkt eine Regierungokrisis und j ihre politischen Folgen zu vermeiden. Der Reichstag hat zurzeit dringende und bedeutsame Ausgaben zu lösen. Abgesehen von dem Haushaltsplan und den» Liquidotionsschädengeseh sind die für die Landwirtschaft lebenswichtigen Hilssmatz- nahmen zu beschliehen, und es harrt auch die Strafrechtssorm ihrer Verabschiedung Es würde meiner Meinung nach eine schwere Schädigung vate'iäediicher Interessen und des ganzen deutschen Volkes be» derlcr.. wenn setzt wegen der Schntgeschfrage eine anlösbare Re- giervttgskliis und eine Auflösung des Reichstags not' wead-g würde. Ich bitte Sie. bei den bevorflehenden Besprechungen mit de« Föhre'-n der Reglernngeparlelen diele mein? Vesoranis wilmleUen, und appell-ere an alle beteitioten Herren und Fraktionen, dabin zu mi-ken. dah eine arbeitssählge Regierung erballen l> 1 c i b l, die wicht' gen vartomentarischen' Ausgaben gelöst and etwaiae unlösbare Disserenien in der Schntkrage hi», noch Er- led-zpng die'er Arbeiten vertagt werden. 7"'t dem Au-druek meiner vorzüglichsten Mertschähung bin ich � Ihr lehr ergebener gez. von Hindenburg." Der Interfraktionelle Ausschuß der Regierungsparteien, der gestern nachmittag bereits unter dem Eindruck des Hin- denburg-Briefes verhandelte, ist zu keinem Resultat ge- kommen. Er hat seine Beratungen auf den Montag der nächsten Woche vertagt. Die Partei, die durch den Brief des Reichspräsidenten unter schwerstem Druck gestellt wird, ist das Zentrum. Das Zentrum hat gedroht. Regierung und Reichstag in den nächsten Tagen auffliegen zu lassen, wenn keine ihm ge- eignet scheinende Lösung der Scizulgesetzfrage erreicht würde. Die gestrige Sitzung des interfraktionellen Ausschusses, in der Herrn v. Keudells neue Vermittlungsvorschläge zur Be- raiung standen, hat zu keinein Ergebnis geführt, und es ist nicht wahrscheinlich, daß es am Montag damit anders aus- sehen wird. Der Reichspräsident selbst scheint mit einem Zustande- kommen des Schulgesetzes gleichfalls nicht mehr zu rechnen, darum schlägt er vor, diese Frage zu oertagen und alles andere vorweg zu erledigen. Dazu zählt er zunächst die Er- lsdigung des Houshaltplans, die bekanntlich auch von der Opposition gewünscht wird, dann aber nicht nur das Liguidationsschädengssetz und die Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft, sondern auch die Strafrechtsreform. Damit ist ein Programm aufgestellt, dessen Erledigung den Reichstag bis zu seinem natürlichen Ende im nächsten Herbst beschäfligen müßte, ohne daß die Erreichung des Zieles gewiß wäre. Das Liquidationsschädengesetz und die Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft könnten in kürzester Frist erledigt sein, wenn die Regierungsparteien einig wären. Wird eine Einigung in diesen Punkten erreicht, so kostet die parla- mentarische Erledigung nicht viel Zeit. Andernfalls ist zu befürchten, daß nur die Lethargie dieser Regierung verlän- gert wird, ohne daß praktisäze Resultate erreicht werdeiu Anders steht es mit der S t r a f r e ch t s r e f o r m. Dieses sehr umfangreiche, mehr als vierhundert Paragraphen umfassende Werk steckt noch im Ausschuß und hat dann im Plenum zwei Lesungen zu passieren. Seine Erledigung ge- hört nicht zu den gesetzgeberischen Notstandsarbeiten. Was an Vorarbeit geleistet ist, kann— ohne Bindung der Par- teien— durch ein Uederleitungsgesetz für den nächsten Reichstag gerettet werden. Es besteht also gar kein Grund, diese wichtige Fracht weiter einem lecken Regierungsschiff anzuvertrauen— es'ei denn, man wollte versuchen, das Leck mst der Fracht zu stopfen. Dazu aber ist sie nicht da. So begreiflich der Wunsch des Reichspräsidenten ist, Wichtigstes und rasch zu Erledigendes noch vor der Krise erledigt zu sehen, so entschieden müßte gegen einen Ver- such protestiert werden, das Leben einer unfähigen Re- gierung künstlich zu verlängern. Ob das Zentrum vor dem Reichspräsidenten zurück- weichen kann, ohne sich von seinen Wählern unheilbar bloß- zustellen, das muß es mit sich selber ausmachen. Die Frage aber, ob ein arbeitsunfähiger Reichstag und eine arbeits- unfähige Regierung bis in den nächsten Herbst und den nächsten Winter hineingeschleppt werden sollen, die Frage, ob ein aus technischen und politischen Gründen zweck" mäßiger Wahltermin versäumt werden soll, weil die Regierung und die Regierungsparteien Angst vor den Wahlen haben, diese Frage geht das ganze deutsche Volk an. Mag der Etat noch erledigt werden, mag bis dahin ver- sucht werden, das Liquidationsschädengesetz und die Hilfs- maßnahmen für die Landwirtschaft unter Dach und Fach zu bringen— aber länger als bis zum Frühjahr kann dem deutschen Volk nicht zugemutet werden, einen Zustand zu ertragen, der desto weniger mit dem Geiste der Verfassung vereinbar ist, je länger er dauert. , öffiziös mir�» gemeldet: Der Interfraktionelle Äusschlih der Rs- oierimosparteien. des Reichstags' trat Freitag'nachmittag um'« Uhr zu einer Sitzung zusammen,'' die bis gegen 6 Uhr wahrte. An den Verhandlungen nahmen von feiten der Reichsregierung Vizekanzler H e r g t, Reichsinnenminister v. K e u d e l l und Staatssekretär Pünder teil. Don den Regierungsparteien waren erschienen die Abgeordneten Graf v. Westarp, Schulze- Franksiirt, T r e o i» r a n u s von den Deutschnationalen: v. Guerard, Rheinlän- der und Dr. Schreiber vom Zentrum; Dr. Scholz und Dr. Runkel von der Deutschen Volkspartei und Leicht und Frau Lang-Brumann von der Bayerischen Volkspartei. Dom Reichs- Ministerium des Innern wurden in der Frage des Reichsschulgesctzes neue Vorschläge zur Besprechung gestellt. Diese werden vou den Parteien geprüft werden Die Verhandlungen des Ausschilsies sollen dann am Montag fortgesetzt werden. Der Triumph der Banken. Rücktritt der norwegischen Arbeiterregierung. Oslo. tv. Februar. Die Regierung H o r n s r u d hat ihr Rücktrittsgesuch eingereicht. Der Führer der Linken, M o w i n k e l, hat die Aufforderung des Königs zur Bildung der neuen Regierung angenommen. Die Er- nennung der neuen Regierung wird für Dienstag erwartet. Heute beschloß die Arbeiterregierung, die Ernennung einer Kommisston vorzuschlagen, die die Frage einer Abwicklung des Militär- wesens und der Errichtung einer nichtmilitärischen Ordnungswehr untersuchen soll. Hierzu wird uns aus Oslo noch gemeldet: Der Führer des linken Flügels der Partei Mowintels hat es bisher wegen der von Mowinkel geführten Aktion gegen die Arbeiterregierung a b g e- lehnt, sich an dem neuen Kabinett zu beteiligen. Die Mitglieder der Arbeiterregierung werden in der kommenden Woche im Storthing über die Aktion der Banken und insbesondere über deren Versuche, neue Staatssubventionen zu er- halten, nähere Mitteilungen machen. Erst als diese Versuche ge- scheitert waren, stürmten die!k»uk«n mit aller Kraft und allen Mitteln gegen die ArbeiterregicrunMan. Liberaler Wahlsieg in England. Mandatverlvfi der Regierungspartei. London. 10. Februiar.(Eigenbericht.) Di« Rachwahl in Lan'afhire brachte«inen Sieg der Liberalen, deren Kandidat T o m l i n s o n mit großer Mehrheit ge- wählt wurde: den Kreiz verlieren die Konservativen. Dieser Sieg der Liberalen wird als persönlicher Sieg Lloyd Georges be- trachtet, der am Vorabend dem Wahlkreis einen zweiten Besuch abstattet«. Dem Kandidaten der Arbeiterpartei. Priester D a v i e s von der anglikanischen Hochkirchs, gelang es unter den schwierigsten Umständen, die Zahl der für die Arbeiterpartei abgegebenen Stimmen um 560 zu oermehren. Ein neuer Reichswehrfilm. Hat Minister Groener den Sämisch-Bericht gelesen? Von Kurt.Heinig. Geßler schied aus dem Reichswehrministerium, weil er in den Stürmen der jüngst vergangenen Jahre den Willen zum Ziel verloren hatte. Auf diesen grauen Hintergrund der Hoffnungslosigkeit konnte Groener, der neue Reichswehr- minister, sein Programm zeichnen— das war eine günstige Position. So vermochte seine erste Rede vor dem Hauotaus- schuß des Reichstags eigentlich kaum farblos auszufallen; sie wurde durch das, was er sofort danach zur Phoebus-Ange- legenheit verlas, zu einer von ihm sicher nicht beabsichtigten Enthüllung seines Wesens. In der Prvgrammrsde sprach Groeners Wollen, in der darauf folgenden Erklärung zum Phoebus-Skandal zeigte sich seine e r st e Tat. Herr Groener entschuldigte den Kavitän Lohmann, er verlieh ihm durch seine Erklärung gewissermaßen einen Oour le m�rite mit Trauerrand. Er stellte den Bremer Kauftnannssohn als einen tragischen Helden vor, in dem„die Idee" gewachsen sei,„an dem durch den Friedensvertrog nicht verbotenen Kampf der Weltanschauungen sowie der Gestal- tung der Vorstellungswelt innerhalb und außerhalb Deutsch- lands ein Interesie zu nehmen". Diese„Ide�", die aus den „Fesieln des Vertrages von Versailles ausreiste", fand— immer nach Groener— ihre Betätigung im F t l m... Wenn Marinebehörden poetisch werden, ist es Unsinn oder eine Unwahrheit! So ist es auch hier. Hat Herr Groener nicht den Sämisch-Be- richt gelesen? Weiß er' nicht, daß es beim Phoebus-Komplex— wie man heute üblicherweise sagt— sich in Wirklichkeit um einen ganzen Ring von Gründungen handelt, der politische Funktionen ausüben sollte, die der Reichs- wehr nicht zustehen, die ihr neuer Minister in seiner pro- grammatischen Antrittsrede überdies selbst aufg schärffte verurteilte'? Hat dem Herrn Reichswchrminister bei der wohl aus dem Marineamt stammenden, ihm in die Hand gedrückten Lohmann-Hymne nicht die feierliche Erklärung im Ohr ge- klungen, die der Reichskanzler Dr. Marx am 29. Januar 1928 in seiner Anwesenheit im Plenum des Reichstags abge- geben hat? Der Reichskanzler Marx hat zugegeben,, daß die bekannten Feststellungen der Presse vön der„P h o e b u s" bis zur„N a v i s", von der i g n o s e" bis zur„T r a j a g" und von der„Otwi" bis zum„Berliner Bant- verein" zu einem erheblichen Teil zutreffend seien! „Die Untersuchung aller dieser Dinge habe einen Tatbestand J ausgehellt, der von der Reichsrcgieninq auf das ernsteste ' mißbilligt wird!" Herr Groener tut in-seiner Erklärung so, als habe der Kapitän Lohmann nur einmal.in die Poriokasie des Reichs- marineamts gegriffen, um einen„bureaukratischen Umweg" zu vermeiden. Eigentlich sollte ein'Reichswehrminister über- Haupt nicht entschuldigen, wo mindestens zwölf Millionen Mark schon verpulvert und noch sechs bis acht Millionen Mark zuzuzahlen sind. Herr Groener hätte weiter, wenn er schon zu Filmspekulationen Stellung nimmt, sich vorher beim Reicyswirtschoftsminister erkundigen sollen, er hätte dann er- fahren, daß die ganze Uka-Sanierung nicht viel mehr ge- kostet hat als der kleine Lohmannsche Versuch,„an der Ge- staltung der Aorstellungswelt ein Interesse zu nehmen". Es muß deswegen angenommen werden, daß die Nachtragsforde- rung von mindestens sechs Millionen Mark zur Liquidation der Phoebus-Angelegenheit in Wirklichkeit noch andere bis- her unausgesprochene Funktionen auszuüben Hot. Der Reichskanzler Marx hat weiter erklärt, daß nicht nur das Phoebus-Engagement erledigt, sondern daß auch Lohmanns weitere Unternehmen„abgewickelt, abge- stoßen bezüglich liquidiert" werden sollen. Zu diesen Unternehmungen gehört nach unserer Ausfasiung auch die famose Seetransportabteilung. In der Erklärung des Herrn Reichswehrminifters sucht' man vergeblich die Uebernahme der Pflichtaufgaben, deren rascheste Erledigung der Reichskanzler Marx dem deutschen Volke zugesichert hat. In aller Deutlichkeit muß deswegen schon heute gesagt werden, daß die Oeffentlichkeit. die sich nach der finanzorga- nisatorischen wie nach der bilemziechmschen Seite mit der Phoebus A.-G. ausreichend beschäftigt hat, heute kein Ver- waltungskommuniqu6 der schuldhasten Großaktionäre mehr benötigt, wenn es auch Herr Groener verlieft. Ebensowenig besteht das Bedürfnis, den Kapitän Lohmann im strahlen- den Licht vaterländischer Tugenden gerührt zu betrachten. Das Reichswehrministerium ist kein Lombardhaus, wo De- fizite in Verdienste umgedichtet werden. Die Wehrmacht de» Deutschen Reiches hat durch die Verfassung vor- ?eschriebene Aufgaben. Hat sie ihren Aufgaben« reis überschritten, und das ist bei der östlichen Konzernbilduno von..Wirtschasts"betrieben zweifelsfrei der Fall, und hat"sie außerdem das Etatsrecht ver- letzt» so ist es die dringende Pflicht der Verantwortlichen, Wunder der Technik. Der Fernsprechverkehr Deuischland— Amerika eröffnei. Per drrchklose Fernsprechverkehr zwischen Deutschland und den Vereinigte» Staute« von Amerika wurde heule nachmittag durch drei offizielle. Sefpriiche. nämlich des Reichskanzlers De. Marx mit dem stellvertretenden Staatssetrelür 0 l d s. ferner des ameri- kauischen Botschafters Dr. Schur man mit Herrn Olds und des Relchgposimlnisters Dr. S ch S h e l mit dem deutschen Botschafter von Vriktwitz und Gassron eröffnet. Die Ansprache des Reichskanzlers tamete:„Herr llirterstaats- felrctär! Es ist mir eine besonders Freude. Sie auf diesem außer. gewöhnlichsn Wege mündlich begrüßen zu können. Ein historischer Augenblick ist es, in dem die ersten Lelephongespräche zwischen Berlin und Washington ausgetauscht werden. gerÄ« als ob«s Nachbarstadte auf dem Keichen Kontinent rDären. Sie. Herr Staatssekretär, werden ebenso tote ich. das Gefühl haben. daß der Allaniifche Ozean immer mehr aufhört, ein Verkehrs� hiodernts zu fein. wemt es dank der Fortschritte der Radiotechnik möglich geworden ist, das gesprochene Wort von einem Lande zum anderen durch den Aether zu seichen. Es ist mein aufrüUiger Wunsch, daß auch diese neue Derkehrsemrichtung dazu beitragen möchte, die freund- schasilichen Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten weilerzuver tiefen und den wechselseitigen Austausch von geistigen und materiellen Gütern zu fördern" Unkerstaakssekcetär Olds erwidert« in englischer Sprach«„Mit aufrichtigem Bergnügen habe ich Ihre Wort« der Begrünung über dieses neue Verkehrsmittel zwischen unseren beiden Ländern ver� nommen, dessen Existenz, wie ich sicher bin, die herzlichen Le- Ziehungen und da» sreundschaftliche Verständnis zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Volke fördern wird. Die Ansprach« des Reichspostminifiers an den Botschaft» von Prittwitz lautste:„Herr Botschafter! Ich freue mich sehr, Ihnen, dem Vertreter des Deutschen Reiches in den Vereinigten Staaten, persönlich mitteilen zu können, daß heut« der Fecnsprech. verkehr zwischen Deutschland und den Dereinigten Staaten auf dem Wege über die drahttose Fernsprechverbindung England--�Amerika aufgenommen morden ist. Ich hoffe, daß dieses neue Verkehrsinittel rege Benutzung finden und zur Vertiefung der Beziehungen z Mischen dem deutschen und dem amerikanischen Volke beitragen wird." Auch der amerikanische Botschafter Schurmau wechselte einig« Worte mit Unterstaatssekretär Olds. Er erklärte, daß dies nach der im vortgen Jahr erfolgten Ueberflieoung des Ozeans durch Ehamberlin und Levine das zweite Wunder sei, dein, wie er an- nehme, in nicht allzulanger Zett weiter« Wunder der Technik folgen würden." Unterstaatssekretär Olds sprach sich nach Beendigung der So, spräche, mit denen die neue drahtlose Fernsprechoerbinduna Deutsch. land— Amerika eröffnet worden ist, sehr befriedigt über die wundervoll klare Verständlichkeit aus, die trotz der ungeheuren Entfernung erreicht worden ist. Der deutsch« Botschafter von Prittwitz und Gaffron sagte in seinem Gespräch mit Reichspostminister Schätze! u. a.: Ich begrüße die drahtlose Teiephonie zwischen Deutschland und den Dereinigten Staaten, vor allem auch im Interesse der beider- seitigen Presse. Je mehr Möglichkeiten für den Nochrichten- oerkehr zwischen zwei Ländern geschaffen werden, desto enger werden sich ihre Beziehungen gestalten. Die prager Besprechungen. Material für die Abrüstungskommission. Genf. 1Y. Februar.(Eigenbericht.) Die Referenten des Sicherheitsausschusses des Völkerbundes, die oam 28. Januar bis zum 1. Februar in Prag unter der Leitung von Benesch tagten, haben ihre Ansichten über die Sicherheit� freye in drei Memorandep. versehen mit einer anscheinend von Bs nes ch herrührenden Einleitung, niedergelegt. Die Denkschriften gaben weniger neue Gedanken als eine zum großen Teil ausge- zeichnete Zusammenfassung alles dessen, was zur Aufrechterhaltung des Frieden» bisher seit der Gründung de» Völkerbundes getan worden ist und was noch zu tun bleibt. Der Wellfrieds ist eng mit der Demokratie und bm Veticauen zwischen den Wller» verbunden. Di« demokratisch« Basis kommt in de» iAnleitungssätzen gum Ausdruck. wenn davon die Rede ist. daß der Völkerbund alle Mittel besitzen müßte, um ohn« Zensur stets zu dem Völlern direkt zu sprechen. Sowohl der Finne flolftt wie Politis und auch der dritte Referent, der Holländer R u tgers, fordern wisderholl Ber- trauen zwischen den Staaten als notwendigen Unterbau jeglicher juristtschen Ordnung des Wellsriedons. Die Referat«, tneinzelnen Punkten sehr weit auseinandergehend, stimmten darin überein, daß unter den gegenwärtigen VerMtmssen die Stabilisierung des Wettfriedens in einem der Sicherheit»-, Schiedsgerichts- und Schlichtung». Verträge zu such«, ist. Holsti lehnt sich an die norwegische» und schwedischen Gedanken an und fordert vom Bölkerbund den Entwurf von Muster- perträgen und die Schaffung ein« allgemeinen Schiedsgerichts- Vertrages. Wenn hierfür keine Zustimmung zu bekommen wäre. zum mindesten ein«? Schlichtungsvertrages, dem beizutreten alle Mitglieder des Völkerbundes aufges ordert werden soft«». Polili» entwirft«in scharfsinnige» System d« Eiitschaltung des Rat«, und der Äriegsoerhütung und Sanktionsverpflich- tungen des Völkerbundes in das auszubauend« Vertragssystem. Er empfiehlt die Schaffung demilitarisierter Zonen und fordert regionale Verträge, deren Partner sich aber auch zu gegen- seitiger Unterstützung beim Angriff durch eine dritte Macht verpflichten sollen. Interessanterweise wünscht auch Politis Rück- sichtnahme auf den ß 13 des Bölkerbundspaktes, der die Revision unhaltbarer Friedensvauseln vorsteht. Er meint, daß nicht bei allen regionalen Sicherheitsverträgen der absolute territoriale Bestand der vertragschließend«» Länder garantiert zu werden brauchte. Di« Möglichkeit einer friedlichen Aeoderung der Grenzen könne oorbehallen werden. Rntgers-Holland, der sich mit dem Ausbau der Völkerbunds- artikel 10 11 und 16 beschäfligt, gibt ein ungeheures historisches und dokumentarisches Material. Er fordert die technische Änegsverhinde- rung, die schon der sozialdemokratisch« Abgeordnete de? belgischen Rate» d« Brauck öre immer wieder betont hat. Ebenso w>« der Finne stellt er die Ariegsverhüttmg well über da» Eingreifen in einen ausgebrochenen Krieg.„Die Aufgabe des Böllerbunde» ist es. den Frieden aufrecht zu erhallen: um diese Au'zcbe zu erfüllen, muß er vor allem dem Krieg zuvorkommen." Di« Gedankengänge des deutschen Memorandums findet man wiederHoll bei Polllis und bei Rutgers wieder. Prinzipiell aller- Vings stellt sich Politis durchaus auf den Boden der französischen These, daß die Sicherheit der Abrüstung voranzu- gehen habe. pariser Besprechung über Oeutschösterreich. Baris, 13. Februar.(Eigenbericht.) Außemmmster Lriand empfing am Freitag den französischen Gesandten in Wien, mit dem er eine länger« linterredung hatte. Es sollen dab« die Anschlutzbestrebunge« und die Bedingungen für «ine neue österreichische Znvefiitiousanleihe besprochen worden sein. (Ob auch die Tarsache, daß in der Hauptstadt des zur„Unabhängig- kell" gezwungenen Staates im letzten Jahr 8300 Menschen wehr gestorben sind als geboren wurden.(Red. d. B.) Rc�chuTMes mtzm-rketMött irai SHvld nfäst zll SesckMrgä«. Die Hesfentlichkell könnt« sonst nicht nur auf den Gedanken / kommen, daß der in die Wüste geschickte Mann, gelobt wird, damit er schweige, sie muß auch zu dem Entscheid kommen, daß der Wille zur wirklichen Reinigung und Klärung fehlt! Der Herr Reichswehrminister sollte im besonderen be- aebten, dag seine Erklärung die etatsrechtliche Seite der Unternehmertätigkeit des Reichsmarineamtcs bei weitem »och nicht geklärt hat. Man muß es angesichts dieses Tat- * bestandes besonders begrüßen, daß kürzlich im Rechnung?- Prüfungsausschuß des Reichstages der Rechnungshof auf sozialdemokratische Anfrage hin erklärt hat, daß durch den Sämisch-Bericht die vornehmste Aufgabe des Rechnunas- Hofes, die Einhaltung des Haushaltsrechtes auch beim Reichs- mehrminifterium zu überwachen, sich nicht erledigt habe. Wir nehmen schon heute als sicher an, daß die Nachprüfung der Rechnungen des Reichswshrministeriums, oder richtiger des Reichsmarineanttes durch den Rechnungshof im Rahmen seiner allgemeinen, von der Reich shautzhaltsordnung vor- geschriebenen Aufgabe, auf weitere Etatsverletzungen stoßen Miro, die vom Sämisch-Bericht bisher nicht festgestellt wor- den sind. Der Sämisch-Bericht ist nur ein Ausschnitt! Der Herr Reichswehrmimster sollte wester nicht vergessen, daß es auch«ine Etatsoerletzung auf der Einnahme- feite gibt. Nach Herrn Minister Groeners Entschuldigung muß der Haushaltsausschuß des Reichstages den Wunsch zum Be- schloß erheben, daß der Sämisch-Bericht ver- ö f f e n t l i ch t wird. Damit wird erst der fruchtbare Boden zur Durchführung des Groenerfchen Programms ge- geben, den er bei feiner ersten Tat, in seiner Erklärung zur Phoebus-Angelegenheit, vermissen ließ. Fideles Gefängnis. t>k Strafvoilzugsreform fängt bei FememSrben» au. Deutschnafionol« und völlische Schutzpatron« der Fememörder bemühen sich bei allen Instanzen, für die Mordgeselten aus der ehemaligen Schwarzen Reichswehr Begnadigung und vorher noch alle möglichen Vergünstigungen zu erzielen. Sie bearbellen die höchsten Reichsstellen ebenso wie preußische Ministerien und suchen in der Ocssentlichkeit Mitleid mll den nationalgesinstten Herren Mördern. Augenscheinlich unter den» Eindruck dieser Propaganda ist de» vier rechtskräftig zum Tode Verurteilten, Schulz, Klapproth, Umhofer und Fuhrmaim, schon eine wesentliche Erleichterung zuteil geworden. Die drei letzteren befinden sich zwar noch in Plötzen- see, aber nicht in sogenannten Mörderzellen, und zu ihrer Bequemlich- keit ist jedem von ihnen ein Lehnsessel in die Zelle gcsteM wor- den, während andere, die nicht so schwerer Berbrcchen schuldig sind, auf Hokzschemeln hocken müssen. Außerdem ist chnra ein besonderer Becmter zugeteilt worden. Der Häuptling der Gesellschaft, der Ober- lsutnant Schulz, ist wegen Krankhcll nach Moabit zurückgeführt, wa er sich in einer Krankenzclle befindet. Am Z. FebriHr hatte Herr Schulz Geburtstag, er durfte trotz feiner Kranthell und Gesängnishaft nicht weniger als 16 Gratulant«« empsongcm. die ihm groß« Blumensträuße brachten. Unter den Gra- tulante« befanden sich u. a. der Herr Buchrucker Küstriner Singe- denken», ein Herr von Pap« und der Stahlhelm führer und Likör« sabrikgnt Seldte. Di« Frage wird wohl erlaubt sehr, ab ähnlich» Vergünstigungen Zulunst such anderen wegen ähnlich schwerer Vermechen V», �teilten zuteil werden sollen! Reue deuischuationale Kampftruppe. Vir»bayerische Wchrgemeinschaft". München� 13. Februar.(Eigenbericht.) In München hatte sich Ulster dem Kommando des frühere« Kavalleriegenorals v. Stetten der klerikal angehauchte Bund „Baven, und das Reich" und die vaterländischen Verbände zu einer „LaoerlsHeiz Wehrgemeinschast" zusammengeschlvffen. die ihr« Mitglieder in drei Kategorien einteilt. Die erste Kategorie besteht aus sogenannten Sondertrupps, die sich nach dem Wortlaut de« Programms„zu besonders schwierigen Aufgabe« eignen" müssen. In die zweite Kategorie kommen jene Leute, ,chs« sich nur zur aktiv an Verwendung eignen", und in dte dritte jene, „bi« sich gesiimungszemäß unser Ziel zu eigen wachen". Die Mt- glieder sämtlicher Kategorsen, die gegen Hastpsticht und Unfall ver- sichert find, müssen körperlich leistungsfähig und vaterländisch gesimst sein. Das zu erreichend« Endziel d«r Synderttupps gipsest darin, daß diese für die Durchführung ds» außerparlamentarischen Kampfes besonders befähigt sein solle«. In- salgedessen besteht ihr« Ausbildung im wesentlichen auch im S ch i e h c n. Das Ganze ist nichts anderes als ein« neu aufgezogen« Wahl- stotziruppe unter deutschnotisnoler Führung. Die Bundesgenosse« der Reaktion. Plommunifiifcher Hauptangriff gegen die Soziald«mokratie Moskau. 9. Februar.(Ost-Cxpreß.) Der jetzi eröffneten Tagung he» Exekutivkomitees der Kommunistischen Intarnstianale widmet die Sowjet- presse längere Artikel, die sämtlich der Meinung Ausdruck geben. daß die.Komintern gerade jetzt besonders wichtige Aufgaben zu lösen habe. Die„Prawda". das führende Organ der Kommunistischen Partei, weist daraus hin» daß in Westeuropa die Gegensätze zwischen istün Bürgertum und der Arbeiterklasse sich immer mehr oerschärjan. ..Di« Konmnis'ische Antematloucte." schreibt da» Blatt,„muß sich in ganzer Front zum stauptangrlsf aus die interna tisuate Sozial. demokralie aufstellen, denn diese bildet das Haupthindernis für di« Eroberung der breiten Massen." Die„Prawda" geht dann auf die Lage in den kommunistischen Parteien in den einzelnen Landern ein und meint, daß besonders in Deutschland die Bedingungen für einen stampf gegen dir Sozialdemokratie sehr günstig seien, weil di- Links- schwenkung der Arbeiterklasse unparkennbar nwe. Allerdmgs müsse die Komintern zunächst energisch mit der trotzkistischen Opposition in den kommunistischen Parteien Westeuropas ausräumen. Diese habe nämlich dem Westen ihre besonders Aufmerksamkell zugewandt. Auch die �eningradskaja Prawda" will„Symptome einer Krise" in Deutschland beobachtet, haben, die pon der Komintern ausgenutzt Wörden müßt«. Bemersdarff. Herr Pewersdorsi'hat nicht ein« Strafkammer. soadern die Leitung de» Schwurgericht» Magdeburg erhalten. Also eine offen« Provokation'. Das Opfer Haivany. Es geht de« Horthystea vm sein Selb. Einem Artikel von Rasael Hualla, der im Wiener �Morgen" begründet, warum er Ludwig Hatvany» R euebekennt niste oor dem Gericht des Schreckensrichters T ö r e t y nicht verurteile, ent- nehmen wir: Di« Entrüstung, die wegen seiner„schlappen" Haltung laut wurde, entspringt größtenteils dem Gefühl unbefriedigter Etenfätions. listt. Es liest sich hübscher, wenn„hinten, well in der Türkei." der Angeklagte den Vorsitzenden anbrüllt:»Sie sind genau so ein Mörder wi« diejenigen, über die ich geschrieben Habel" Es sogt sich nicht leicht in Budapest. Besonders dann nicht, wenn man damit die Existenz von Mensche» gefährdet, für die man verpflichtet ist, zu sorgen, und deretwegen man den Kopf freiwillig in die Schlinge gesteckt hat. Der Kampf geht in erster Lim« um da? Geld, um das Hatvauysche Vermögen. Dieses Vermögen, da» für zahlreich» Leute um Hatvany Sein pder Richtsein bedeutet, hat ihy veranlaßt, mit«nem politischen Hasardeur Verbindungen anzuknüpfen, die Gier, emen Teil dieses Vermögens in die eigenen Taschen fließen zu lasten, ließ einen ungarischen Richter gemeinsam mll einem ungarischen Landsknecht ein Komplott schmieden, das ihnen Hatvany in die Hände liefer» sollte. Daß dieses Trifolium selbst zu den betrogenen Betrügern gehört, hat Hatvany die Freiheit gekostet. Dieser Richter war der Meinung, dte Artikel Hatvanys geHärten, als Vergehen beurteilt. zu den von ihm zu behandelnden Prozesten. Es werde ihm ein Leichtes sein, meinte er. Hatvany durch eine Verhaftung zu er« schrecken, durch Mitelsporso'.vn di» Sache gegen«in hübsches Sümmchen kicksten" zu lassen, di« Derjährung ans zuip rechen und den erpreßten Beirag dann mit den Helfern zu teilen. Ein Fanatiker, Femericht«r des Blutverbande» vom Doppelkreuz, wsllte nicht, daß a« der„geheiligten Sache des Vaterlandes" Privatpersonen varoienen sollten, seiner Ansicht nach hatten Hatvany» Artikel der Irredenta geschadet. Eine Gesetzesbestimmung ließ »inen Test des zu konfiszierenden Vermögens dem stets bedürftigen Säckel der Irredenta zufließen— und eines Morgens erwachte der erste Richter darüber, daß ihm ein Kollege den lutkatioen Fall weggeschnappt hatte. Di« Differenz, ob«in Richter privat eine Milliarde oder ein« Institution der Irredenta mehrere Milliarden bekommen sollten, mußte Hatvany mll sieben Iahren Zuchthaus ausgleichen. Chamberlam gegen Cavell-Film. Offiziöses Einwirken auf die Zensurbehörde. London. 13. Februar. Reuter erfahrt, daß, während keine amtlichen Maßnahmen zur Zansurierung de» Nurse�avell-Films er. grisssn wurden, da das Auswärtige Amt fein« Bejugni» hat, aus rein polllischen oder anderen Gründen Filme zu zensieren, dessen» ungeachtet Austen Chamberlain von der Angelegenheit so leb h oft berührt gewesen sei, daß er bereit» vor einiger Zell sich mll dem Leiter der Körperschaft der Filmzensoren, Arbeiter, obgevvdne.'en O' E 0 nu or, inoffiziell und als Privat» mann in Verbindung gesetzt und sich in entsprechendem Sinne ge- äußert habe. Wie verlautet, ist der Staatssekretär des Auswärtigen der Ansicht, daß der Film mehr noch aus Gründen des guten G« s ch m o ck» als von irgendeinem polllischen Gesichtspunkt aus zur Kritik Anlaß biete._ Nozilles Ton. Der württembergische Staatspräsident Bazille hat führende Mitglieder der demokratischen Landtags fraktion, darunter seinen Amtsvorgänger Dr. v. H i e b e r, persönlich verunglimpft. Die demokratische Fraktion ließ deshalb im Landtag erklären, daß sie aus di«s«m Verhaften die persönlichen.Kon- seguenzen, auch außerhalb dos Parlaments, ziehe» werde. V Attraktionen. flk&» �[Sch�lec-ti-a�odte ~(� Krarrt�- Marx:„Mein Film zieht nicht.. Landtag gegen Kleinbauern. OieAukhebung dsrKuttennitteizölle abgelehnt.— Fortsetzung der Wohlfahrtsdebatte. Im preußischen LontNag wurde gestern noch dem bereits in unserem Blatt erwähnten Iwischenjall, der mu der Ausweisung des völbischsn Abg. Haate endete, die Aussprache über den Wohlfahrts- etat fortgesetzt. Awischendurch erfolgten die Abstimmungen zum Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung. Ein Antrag auf Aufhebung der Futtermittelzölle wird mit sieden Stimmen Mehrheit gegen die gesamte Link: und einen Teil des Zentrums abgelehnt. Die Forderung, das Ein- fuhrsch�mfnstem auf Schweine auszudehnen, wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Der grundsätzliche sozialdemokratische Antrag, allen Groß- grund besitz über 750 Hektar zu enteignen, wird gegen Sozialdemokraten und Äcmmumsten abgelehnt. Hingegen wird ein sozialdemokratischer Antrag auf Beseitigung der schwarzen Listen mit den Stimmen der Regierungsparteien und der Konununiften angenommen. Ein Antrag, dos Bewilligungsoerfahren für die Ein» Wanderung ausländischer Landarbeiter zu vereinfachen, also die Mchreinwanderung zu erleichtern, wird gegen die Stimmen der Rechten abgelehnt. Endlich werden eine Reche Resolutionen auf Förderung der Geflügelzucht, des Gemüsebaues und der notleidenden Fischer ange- nommcn. Zum Wohlfahrtsetat trat Genossin Hanna für die B« r» mehrung der Zahl der Landesgewerbeörzt« ein, deren Gesamtsumm« gegenwärtig fünf für ganz PreußeR beträgt. Da cm keiner preußischen Umversilät ein Lehrstuhl für Gewerbehygien« be- steht, hat man den letzten Gewerbehygieniker, Profesior Teleky. aus Wien holen müssen. Die Redner und Redncrinnen der bürger- lichen Parteien machten nur einige verlegene Redensarten zwischen Möchtegern und Darsdochnicht, mit denen Genossin Ege in einer kräftigen Polemik abrechnete. Als Genossin Eg« die Bereit- stellung größerer Mittel für K i nd« r s p ei s u v g en forderte, fanden die Kommunisten es passend, dazwischen zu rufen, man dürfe als Sozialdemokrat nicht bitten und betteln. Ein sozial- demokratischer Zwischenruf antwortete darauf, daß wir für hungrige Kinder bitten, während die Kommunisten um Amnestie betteln. Der sazialdemokratische Antrag, daß die schwangeren Lersicherten sechs Wochen vor der Nieder- kunft die Arbeit bei Fortzahlung des vollen Lohnes einstellen können, würde einen Mehraufwand dar Krankenkassen von jährlich rund 12 Millionen bei einer Gesamtausgabe von VA Milliarden jährlich erfordern. Das bedeute eine Mehrbelastung mit II Pfennig pro Kops der Versicherten in der Woche, aber einen großen. sozialen Fortschritt.(Sehr wahr! bei den Soz.) Der Zuschuß für das Oskar-Helene-Heim ist nicht zu hoch, denn es ist die einzige An- statt für Forschungen in der Krüppelfürsorge. Uaber die A u s b i l- dung der Ärankeupflegerinnen und ihre Behandlung durch die Schwestern sind uns wiederum viele Klagen zugegangen. Ln zahlreichen Anstalten wird noch immer ein unzulSssiger Koalitionszwang ausgeübt, der sich gegen den Gemeinde- arbeiterverband richtet. Das Wohlfahrtsministerium sollte«idilch eingleisen, damit unser Vertraue« zu seinen Absichten nicht erschüttert wird.(Vrano! bei den Soz.) Nach einigen weiteren Rednern wird die Westerberatung aus Sonnabend, 10 Uhr. vertagt. Lex Hugenberg. Wie ein Staattoowalt and ZK. d. Ji. Herrn Hvgenberg gefällig sein wollte. Im Strafrechtsausschuß des Reichstags law es gestern zu einer erheiternden, aber ausschlußreichen Episode. Der z 198 des neuen Strafgesetzbuches handelt von der Dandeubildung. Mit Gefängnis wird bestraft, wer sich nnt einem anderen zu fort- gesetzter Begehung von Verbrechen od« von Vergehen des Dieb- stahls, des Betruges, der Erpressung oder des unberechtigten Jagens oder Fischens verbindet. Genosse Landsberg beantragte, das unberechtigte Jagen und Fischen zu streichen, da es sich um harmlose Delikte liandele, dagegen neu auszunehmen, wenn sich mehrere zur sortgesetzten Begehung von Zwei- kämpfen verbänden. Die bürgerlichen Parteien wollten von dieser Erweiterung nichts wissen, dafür entspann sich«ine Debatte um das unberechtigte Jagen und Fischen. Genosse Rosenfeld sprach die Befürchtung aus. daß härm- loje Sonntagsausslügier. die sich dazu verbänden, regelmäßig ge- meinsam'zu angeln, leicht als Bande angeklagt wer- den könnten. Aber auch das machte auf die bürgerlichen Parteien keinen Eindruck, ein Zentrumsabgeordneter bestand darauf, daß man eine Bestimmung gegen die Leute brauche, die bandenmäßig Teiche absischen. Run zeigte Genosse D ittmann au einem Beispiel, wozu ai.w solche Strasbestimmung führen könne. Er wie» daraus hin. daß gegen den deutschnationalen Reichstagsabgeordneten Hugenberg kürzlich die Immunität aufgehoben werden sollte, well er zusammen mit seiner Tochter und einigen Angestellten unberechtigt und mit unerlaubten Mittel» gefischt habe. Auch et würde also als Mit» glied einer„Bande"' bestraft werden können. Das Beispiel schlug ein, der Zemrumsadgeordnete Bell erklärt« sich nun bereit, die Stroibeftimmung de» K 198 aus die Fälle des gewerbsmäßigen Jagens und Fischen« zu beschränken. Em Einverständnis des Ausschusses schien herbeigeführt, da«hob sich plötzlich zum allgemeinen Erstaunen der dsvtschnational« Abgeord- nete Dr. Sch äffer und widersprach der Herausnahm« de» nicht- gewerbsmäßigen Jagens� er wollt« nur beim Fischen Straf- barkeit erst bei Gewerbsmäßigkeit vorsehen, woraus Ihm Genosse Rasenfeld zurief: Sie wollen also nur eine Ccj hugenberg! Herr Hchäfser ist jener deutjck?:iotwnale Staatsanwalt, der sich bei der Untersuchung der Fememorde in Bayern so kräftig für die Taten der Einwohnerwehrleute«ingesetzt hat. Bei der Abstimmung wurde der Antrag aus Hereinnahme de« Zweilampfes abgelehnt. Auck die Lex Hugenberg wurde ob- gelehnt. Angenommen wurde die Beschränkung der Strofbarkest auf das Zusammentun zu gewerbsmäßigem Fischen und Jagen. • Der Etrasgesetzausschuß beriet außerdem di« Bestimmung de« § 195 de- Gesetzentwürfe» über den P a r t« I v«r r a t. der dann vorliegen soll, wenn etn Rechtsanwalt oder Rechtsbei- stand, der geschäftsmäßig fremde Rechtsangelegenheiten besorgt, eine ihm anvertraute Rechtssache wissentlich zum Nachteil seines Auftrvgsgeder« jährt oder pflichtwidrici in derselben Rechtsjache ver- j-tnedenen Parteien dient. Bon den Vertretern mehrerer Parteien wurde angeregt, dieie Bestimmung so abzuändern, daß Bestrasung nur eintreten kann, wenn absichtlich zum Nachteil de» Auftraggeber« gehandelt worden ist. Genosse R o s e n f e l d wies darauf hin. daß man bei der Be- ratung dieser zum Schutze des rechtsuchenden Publikums vorgesehenen Strafbestimmung vor allem an die Bevölkeruerg denken müsse. Keinesfalls dürften auch die Rechtsauskunftsstellen der Gewerkschaften. Arbeitersekretariate und ge° meinngtzize Beratungsstellen unter§ 195 fallen. Ministerialrat Schäfer erwiderte, daß allerdings auch gegenüber diesen Stellen der Tatbestand des Parteiverrats in Frage komme» könne. Genosse Landsberg wünschte dies zu verhüten. Ler- treter solcher Stellen dürften nur strafbar sein, wenn sie um ihres Vorteiles willen handeln. Der Ausschuß beschloß, auf Grund der sozialdemokratischen Einwendungen dies« Frage in einem Unterausschuß nachzuprüfen. Im übrigen wurde§ 198 dahin abgeändert, daß nur bei Pslichtwidriqkest Strafbarkeit eintreten solle. Schweizer Muffolmidiener. Zwei Militärflüchtige ausgeliefert. Bern. 10, Februar. Organe des Kantons Tessin haben zwei italienische Soldaten, die von den Manövern an der schweizerisch, italienischen Grenze des er- t i e r t« n. wieder üb« die Grenze nach Italien abgeschoben. Die Press« des Kantons Tessin protestiert heftig. An amtlicher Schweiz« Stell«, an die allerdings bisher eine offizielle Mitteilung über diesen Porsall nicht ergangen ist, wird folgende Auffassung vertreten: Wenn die Soldaten brevi raanq(kurzerhand) an den Heimatsstaat ausgeliefert wurden, so liegt hier auf jeden Fall eine Ungehörigkeit vor. Denn einmal stellt die Desertion kein Aus- lieferungsdelitt dar. und außerdem müßte, selbst wen» solche« in Frage käme, das vorgeschriebene Luslieserungsverfahren emgehaltan werden. Vor allem müßte ei» Ausliefenmgs g e s u ch vorliegen Während des Krieges hat das eidgenössische Militärdepartement das Ersuchen eines Rachbarstaates abgelehnt, nach Möglichkeit jeweils di« Waffen und Ausrüstungsgegenstände der Desertierten dem betreffenden Staate zurückzusenden. Das geschah in der Haupt. fache wohl, weil man vermeiden wollte, daß di« Identität Wir bauen aus! Dom 15. Februar ab erscheint die Abendausgabe des „Vorwärts"" in beträchtlich vergrößertem Umfange unter dem Titel SfitUaiUfaße-Ja „ver Abend- wird die Leser in vorzüglicher textlicher und bildlicher Weise über die neuesten Ereignifle des Tages unterrichten. „Der Abevd- wird spannende Erzählungen und abwechse» lungsretchen Lesestoff bringen. „Der Abend" wird besondere Ereignisse in packenden Schilderungen, von ersten Federn geschrieben, ausführlich behandeln. .Ler Abead" wird täglich über die Ereignisse im sportlichen und turnerischen Leben berichten. „ver Abend- wird alles geben, was der schaffende Mann. was die Frau im Haushalt in einer Tageszeitung sucht. „Der Abend"" ist vom 15. Februar ab bei allen Zeitungs» Händlern, in den Zeitungskiosken, auf den Bahnhöfen, in den Stationen der Hoch- und Untergrundbahnen zum Vreife von 10 Pfennig zu haben. Für die Abonnenten de»„Vorwärts- in Grotz-Berlin tritt an die Stelle de» bisherigen Abendblatte» der viel um- fangreichere und gut ausgestattete„Abend"". Die Poswbonventeu erhalten den Abend au, posttochni- schen Gründen mit dem bisherigen Kopf des„Vorwärts"". Wir bauen aus! Nun liegt es an unseren Freunden und Gesinnungs- genossen, der stärksten Partei, der Sozialdsmotratie, die größte Tageszeitung zu schaffen. In jeden Haushalt des werktätigen Volkes den„Vorwärts". .... vnd am Absud:„Oer Abevd"! der Flüchtlinge festgestellt werden könnte. Noch viel weniger aber wurde» di« Flüchtlinge selbst ausgeliefert, und es sollte dies nach Auffassung der schweizerischen Behörden und nach der bisherigen Handhabung in der Schweiz auch heute nicht geschehen. Tennisspiel staii Heilverfahren« Aus der Praxis der Angeflelltenversichervng. Nach dem letzten Geschäftsbericht des Direktoriums der Reichs- Versicherungsanstalt für Angestellte sind über 20 000 Anträge von Versicherten auf Gewährung eines Heilverfahrens abgelehnt worden. Die Versicherten haben nach den gesetzlichen Vorschriften keinen Rechtsanspruch auf diese Leistung, es fehlen sogar die bescheidensten rechtlichen Sicherungen für eine Nachprüfung der getroffenen Eni- scheidungen, so daß der Willkür der Bureaukratie Tür und Tor geöffnet ist. Die sozialdemokrattsch« Reichstagsfraktion hatte deshalb bereits bei den Reichstagsverhandlungen im Juli 1925 rechtliche Sicherungen für die Gewährung von Heilverfahren gefordert, der Bürgerblack hat damals auch diese Forderung abgelehnt. Inzwischen ist sie wieder neben anderen Forderungen zum Ausbau der Angestellten» Versicherung eingebracht worden. Wie begründet diese Forderung ist, zeigt die Behandlung ein« Berliner Ange st eilten, die der Angesielltenversicherung seit dem Bestehen angehört. Auf dringendes Anraten des behandelnden Arztes wurde der Antrag auf Gewährung eines Heilverfahrens gestellt Der Ver. trauensarzt der Reichsversicherungsanstalt für Angestellt« um- anderer Meinung wie der behandelnde Arzt. Das ist sein gutes Recht. Er kennzeichnet jedoch seine Untersuchungsmeth e wie feine hervorragende Eignung zum Vertrauensarzt, daß er der. Angestellten alle« Ernste» emofahl, durch Tennissvlcl den Gesund. hettszvstaud zu verbessern. Das wird einer hilfesuchenden A?. gestellten empfohlen, die seit 15 Jahren m angestrengtester Tätigkeit ihren Lebensunterhalt selbst erwirbt! Die Reichsversicherungs- anstatt hatte damit den willkommenen Vorwand, den Antrag auf Gewährung eines Heilverfahrens abzulehnen. Auch ein zweiter Antrag verfiel d« Ablehnung. Die Reichsv«sicherungsa isstalt für Angestellte weigert sich ober auch, die für die Ablehnung maßgebenden Gründe bekanntzugeben, so daß keine Nachprüfung möglich ist. ob diese Gründe auch durchschlagend sind. Eine solche Nraris ist ganz unhaltbar. Den Versicherten muß mindestens die Möglichkeit segeben werden, in einem geordneten Verfahren gegen die Willkür der Ent» scheidungen der Bureaukratie Einspruch zu erheben. Es muß auch die Möglichkeit geschaffen werden, wenn die Aussassunpen de» behandelnden Arzte« und des Vertrauensarztes der Angestellten« Versicherung sich widersprechen, den Fall durch einen unparteiischen Arzt nachprüfen zu lassen. Das ist insbesondere bei Vor- trauensärzten nötig," die statt eines Heilverfohrens den Angestellten das Tennisspiel empfehlen! Bei der Auswahl solcher Ver- trauensärzte werden die Gründe für Ablehnung von Heilanftahrens- antragen billig wie Brombeeren sein. Maiieotii-Hof. Ein Wiener VolkSwohnungsbav. Der Wiener Gemeinderatsausschuß für Wohnungswesen hat be- schlössen, den stadtischen Wohnungsbau in dar Siebenbrumrenfeldgasse Mattcotti-Hof zu benennen. Die Wohnhousonlage wird eine E r- läuterungstafel mit folgender Inschrift tragen: Zur Erinne- rung an den italienischen Abgeordneten und Sekretär der sozio- listischen Partei Italiens, G i a e o m o Matteotti, der am 10. Juni 192-1 alz Opfer seiner Gesinn-ungstreue siel. Ol« Strafrechksreform In Oesterreich. Dar zur Beratung der Strafgesetzreform eingesetzte Sonderausschuß des österreichrschen Nationalrates hat die erste Lesung des ollgemeinen Teiles beendet. Die beschlossene Fassung ist im Verlage der österreichischen Staats- druckerei erschienen. Sie berücksichtigt die Ergebnisse der beiden Kon- serenzen, die zwischen den Vertretern der Straftechtsausschüsi« des Deuftchen Reichstages und des österreichischen Nationalrate» im No- vember 1927 in Wien und im Januar 1928 in Berlin stattgefunden haben. Der Preis beträgt 30 Groschen gleich 18 Pf. cjuba Zowanowitsch, einer der bedeutendsten südslawischen Ge« lehrten und Politiker, auch ehemaliger Minister, ist in Belgrad ge» starben. Der französische kommunistische Abg. Zstarly, derzeit in Siros- hast, erhielt wegen ewiger Zeitungsartikel, di« angeblich Ausreizung zur Matrosenmeuterei darstellen, weitere zwei Jahre Gr- fängnis und eine hohe Geldstrafe zudiktiert. Der Revaler Kommunistenprozeß endete für die sieben An»s- klagten mit vier bis sechs Jahren Zwangsarbeit. hlurtchiungen in Mexiko. Am Sonntag I�att-n zweihundert Aufständische Salomanca ongegrissei:, waren'aber mit einem Ler» lüst oon 22 Toten zurückgeschlagen worden Dann erhielten d»« Regierungstruppen Verstärkungen und nahmen die Verfolgung der Angreifer aus. Es wurden nunmehr 30 dieser Aufständischen von den Regierungstrupp-n gefangen genommen und hingerichtet. » Verbrecherische Werkspolitik. Das Zuchihaus der Rordöeuischen Wollkämmerei Delmenhorst. Geradezu unglaublich« Verhältnisse müssen nach uns zugehenden Vertchten in der Nordde ut schen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei(NWK.) in Delmenhorst Herrs6)en. Das Werk verfolgt seine eigene Lohnpolitik, hat ein tolles Antreibe- system eingeführt und leidet deshalb ständig an Arbeitermangel. Die Einheimischen gehen diesem Betrieb wegen seiner.yungerlöhne aus dem Wege! Deshalb hat die Firma zwei Werber, M a s e- nef und Wähler, nach Ostdeutschland geschickt, um unter den schönsten Versprechungen, die freilich nachher nicht gehalten werden, willige und billige Arbeitskräfte anzulocken. Den jungen Menschen hat man kür die ersten sechs Wochen Rott und Logis s r e i, für die jolgenden zwei Wochen Kost und Logis zur Hälfte des Preises zugesagt. An Lohn sollten bei spielsroeise die Fünfzehn- bis Sechzehnjährigen 33 bis 3ß Pf. erhalten, um nach zwei Monaten im Akkord noch bessere Verdienste er- zielen zu können. Auch die Bahnfahrt sollte durch die Firma nach halbjähriger Tätigkeit vergütet werden. Es ist klar, daß zahl- reiche junge Leute die Arbeit in der Heimal ausgaben und in größeren Transporte» noch Delmenhorst fuhren. Als Quartiere dienen alte, bisher nicht bewahute Werkswohnungen an einem.Privatweg der Firma, die mit drei Meter hohen retterzäunen und Stacheldrobt umgeben sind. Mit Revolvern bewaffnete Werkspolizisten pasten auf, daß kein Fremder diese Gefängnisse betritt. Vier.bis sechs Junge» oder Mädchen kampieren in einem dürftig eingerichteten Zimmer. Die Kost, die nrit 75 Pf. pro Portion bezahlt werden muß. besteht aus Morgenkaffee ohne Brot und zum Mittagessen Erbsen oder Sauer- kraut mit äußerst wenig Fleisch. Anfangs soll das Este» sogar ganz ungenießbar gewesen sein. Brotaufstrich sollten stch die jungen Menschen von ihrem. Lohn kaufen. Aber was erhielten sie ausgezahlt? Entweder nach allen mag- lichen Abzügen gor nichts oder Summen von sage und schreibe TO JJf. bis 2,30 M. pro Woche. Angekündigre Vorschüsse für die erste Woche erhielten sie nicht, so daß arme Heimarbeiterinnen ihnen mit etwas Brot aushalfen. Wir losten einen Lohnzettel folgen: 32 Stunden a 37 Pf..... 11,84 M. Vergütungen, Prämien usw.. 0,96 Gesamtoerdienst Invalidenversicherung.... 0,43 M. Krankenkasse....... 0,68„ Arbeitslosenversicherung... 0,28, Reisegeld........ 2,89, Vorschub........ 3,—„ Logis im Vurichenheim... 4,50, Aerztliche Untersuchung... 1,—.. Abzüge Nettolohn 12,80 M, 12,80 M. 00,00 M. Der Mann hatte nicht einmal 8 Pf. in der Tasche, um seinen Elter» eine Postkarte zu schreiben, die ihm die Flucht aus dieser Hölle ermöglichte. Im Bureau des Textilarbeiterverbandes wurde er mit zwei vsvnungericn Kollegen untergebracht, bis all« drei in die Heimat zurückkehrten. Die Mädchen werden buchstäblich wie Gefangene be° bandelt: nach 19 Uhr darf das Quartier nu>r mit besonderem, aus Antrag ausgeslelllem Ausweis verlassen werden. Als Anlaß zu dieser Maßnahme wird vorgeschützt, daß vor etwa einem Jahre, durch die Rot getrieben, eimge Mädchen sich aus der Straße angeboten hätten. Jeder für die Arbeitsrsckzafl gefällte Schiedsspruch wird grund- säglich durch die Leitung der NWK., die in den Händen eines Dr. H o r st liegt, sabotiert. Die Wohlsohrtskasse von Delmenhorst mußte schon öfters von vollbeschäftigten Ar- bei lern der NWK. beansprucht werden, um ihre Familie vor dem Aeußersten zu schützen. Dafür baut die NWK. in Bremen einen Verwaltungspalast für 10 Millionen Mark. Für die sogenannte vaterländische Bewegung steht jede Summe zur Verfügung. Die freien Gewerkschaften sind selbstverständlich den Herren bis in den Grund der Seele verhaßt. Wie lange aber sollen diese skan« dalösen Zustände noch anhalten? Verfehlte Gpekulatisn. Im Kampf in Mitteldeutschlend. Die mit der mitteldeutschen Metallindustrie in enger Verbindung stehende„M o g d e b u r g i s ch e Zeitung" brachte die Meldung, daß in den ersten Tagen der kommenden Woche ein verbind- l icher Schiedsspruch gefällt werde. Diese falkche Ankündigung über eine gewaltsame Beendigung des Kampfes durch eine Be rbindlichkoitsertlärung berührt etwas eigen- artig. Sie gibt unwillkürlich Anlaß zu der Vermutung, daß minds- stens einem Teil der mitteldeutschen Metallindustriellen ein neuer, schnell für verbindlich erklärter Schiedsspruch gar nicht unwill- kommen wäre. Jedenfalls paßt die Ankündigung der„Magdeburgischen Zeitung" nur schlecht zu der Drohung mit der Generalaussperrung. Ob die Metallindustriellen die angedrohte Generalaussper- r u n g über ganz DeuiscklaNd wahemachen averden, ist im Augenblick «roch zweifelhast. Daß die Kleinen bei dtesei' Generalaus- fverrung die Leidtragenden fein werden, liegt klar auf der Hand. Die>. Heinis ch-weltfälifche Grohindufteie weiß. was sie will, wenn sie den Kleinen!I n t e r st ii Hungen anbiete:. Sie verlängert damit den Stillstand der Betriebe, verhindert die Erledigung der Austrage und zwingt di? mitteldeutsche Metallindustrie, einen Zfi der gewinnbringenden Geschäftszeit ungenützt ver- streichen zu lasten. Am Ende der Eeneralaussperrung wird den Kleinen der Atem ausgegangen sein. Sie sind dann in die Abhängigkeit von den ganz Großen hineingeraten. Die Unterstützung der Großen ist ein Danaergeschen? für die Kleinen Was von der Hilfe der Groß- industrie zu holten ist, haben ja erst vor kurzem die e i s e n» e r- arbeitenden Fabriken erfahren müssen: erst hat man ihnen Hilfe aus der großen Kompfkaste in Aussicht gestellt, statt dessen wurden sie jedoch mit einer Erhöhung der Eisen pr ei se von 2 bis 8 Proz. boglückt. Aber das sind schließlich Dinge, die die I Metallindustriellen unter sich abzumachen haben. Für die Me- I tallarbeiter gilt jetzt beim Beginn der zweiten Phase des Kamptco genau das gleiche wie vor 14 Tagen: sie lassen(ich durch Drohungen nicht schrecken. Am Dienstag und Mittwoch nächster Woche nimmt der. er- weiterre Beji-at des Deutschen Metallarb eiterver- b a n d e s in Stuttgart zu der neuen Situation Stellung. Der Kamps gebt weher, bis die Unternehmer zu einer Einigung bereit find. Die Streitenden haben Zeit, ihre Stimmung ist gut.______ Ein neuer Spezialberus. Oer Avtoreparaturschlosser. Der sich von Monat zu Monat steigernde Automobilverkehr hat einen völlig neuen Bentfszweig entstehen lassen:. den der Autoreparaiurschlosier. Früher traf man in de» einzelnen Stadt- teilen nur ganz selten eine Autoreparaturwerkstatt an, in de? ein Meister und ein oder zwei Schlosser arbeiteten, die oftmals tage- lang auf ein defekt gewordenes Auto �wartete». Heute findet man bereits in allen Stadtteilen eine Unmenge solcher Reparaturwerkstätten, von denen viele keine Zwergbetriebe mehr find, sondern 30 bis 40 und noch mehr Arbeiter beschäftigen. Hierzu kommen noch die vielen T a n k st e l l e n, denen oft auch eine Reparaturwerkstatt angegliedert ist. Es ist besonders den EHauffeuren bekannt, daß Reparaturen an Autos, und wenn es die kleinsten sind, nicht billig sind. Die WerkEattinhaber vertreten größtenteils d'c Auffassung, daß derjenige, der sich ein Auto von mehreren tausend Mark leisten kann, auch ein« Reparatur anständig bezahlen kann. Etwas anderes aber ist die Entlohnung ihrer Arbeiter. Sie sind lediglich darauf bedacht. für sich Geld zu machen, zeigen ihren Arbeitern ober zu- getnövfte Taschen. Ein Avtoreparaiurschlosser hat zurzeit einen tariflichen Stun- denlohn von 1,06 Mk. Abgesehen davon, daß ein solcher Lohn nicht ausreicht, um eine menschenwürdige Existenz zu führen, ist er für diese hockaualisizierte Arbeit geradezu erbärmlicv. Der Auto- reparoturschlosser muß umfangreiche technische Kentnifie haben und darf nicht einseitig sein. Im Hinblick aus die spottschlechte Be- zahlung haben die Funktionäre der in den Vetreben der Interessengemeinschaft G r o ß-B erliner Autoreparatur- Werkstätten Beschäftigten in ihrer Versammlung am Donners- tag belchlofien, das Lohnabkommen zum 28. Februar zu kündigen. Der Metallarbetterverband wurde beauftragt, eine Erhöhung des Splßenlohnes auf 125 Mk. zu fordern und diese Forderung auch m-t ollem Nachdruck zu vertreten. Es wird kein Unternehmer behaupten können, daß diese Forderung zu hoch sei. Die Unternehmer werden allerdings bei den Ver- Handlungen um Ausreden nicht oerlegen fein und klagen, wie schlecht es ihnen geh«. Schiedsspruch in der Handesgärtnerei. Vor einem Jahre wurde dem Reichsverband des Deut- schen Gartenbaues der Antrag auf Abschluß eines Mantel- »nd LohMarisvertrages übermittelt. Alle möglichen Register der Vevschleppungstaktik wurden von den Unternehmern gezogen, um dem Abschluß eines Tarisoerrrages auszuweichen. Vor dem Schlich- t u n g s a u s f ch u ß Groß-Derlin, der nun angerufen wurde, machten die Arbe'rgeber die„T a r i f u n f a h i g k e i t" ihres Verbandes geltend. Trotz der durchfichtiaen Absicht der gewollten T q r i f ü n f ä h i g k«' i t nahm der Schlichtungsausschußvarsitzendc, Gewerberat Körner, diese Ausrede für voll. Zwei Schlichtungsversahren. die nun gegen die einzelnen Firmen angestrengt wurden, endigten, mit Unterstützung der jeweili- gen Borsitzenden, negativ. In der letzten Verhandlung stellte sich der Schlichtungsausschuß aus den Standpunkt, daß es zweckmäßig sei, wenn der Schlichter das Verfahren an sich zieht, da er bezügl. der Tarisunfähigkeit einen anderen Standpunkt vertrete. Auf Antrag denn Schlichter für Groß-Berlm wurde in dem Verhandlungstermin vom Z2. November 1927 ein Schieds- f p r u ch gefällt, der unter dem 31. Januar d. I. vom Reichs- arbeitsminifter für verbindlich erklärt wurde. Diese Eni- sche'duna kommt den Unternehmern außerordentlich gelegen» da so in letzter Smnde unvermeidlich« Konflikte abgewendet worden sind. Hinzu kommt, daß damit auch der Schmutzkonkurrenz das Handmerk gelegt ist. Den Arbeitern in der Handelsgärtnerei find durch diese Bewegung die Augen geöffnet worden über das„soziale Empünden" der Berliner Gartenbauer». Am Mittwoch, dem 15. Februar, abends 8 Uhr. werden die Gärtner in Haverlands Festsälcn, Berlin, Neue Friedrichstraße 35, zu dieser Bewegung Stellung nehmen. Die Vorkämpfer des WA. Die Sieger der Gewerkfchastsidee. Am Donnerstag abend hatte die Berliner Ortsgruppe des Zen- tralverbandes der Angestellten die Mitglieder, die seit 25 Iahren und darüber dem ZdA. oder einem seiner Vorgänger angehören, zu einer intimen Feier geladen, um den Iubilaren Ehren- diplome und silberne Derbandsnadeln zu überreichen. Nach einer Begrüßungsansprache von G o t l s u r ch t schilderte Urban, heute Vsrbandsvorjitzender und seinerzeit der erste Angestellte der Berliner Ortsgruppe, interesiaitte Episoden aus den An- sängen der Handlungsgehilssndewegung in Berlin. Sehr drastisch wirkte die Gegenüberstellung der mehr als bejcheidenen Verhältnisse dieser Anfang« mit der mochtvollen Organisation von heute. Schließlich sprach der Senior der Jubilar«, Paul Hinze, der Ortsoerwolrung den Dank der Gefeierten aus und knüpfte daran persönliche Erinnemngen aus den ersten Ansängen der Angestellten- bewegung, die zurückgehen aus das Lahr 1882, wa Genosse Hinze bereits in den ersten Reihen kämpfte. 202 Jubilar« kann die Berliner Ortsgruppe des ZdA. heute mustern, Vorkämpfer aus einer Zeit, wo der Weg mühsam frei gemacht wurde für die mächtige Bewegung von heute, ja, überhaupt für die Gewerksehastside« unter den Angestellten. Es war ein harter Kampf, in dem di« Jubilar« die Sieger blieben. Lohnerhöhung für das technische Aühnenpersonal. Der Verkehrsbund hatte dos im November vorigen Jahres für dos technische Bühnenpersonal de-r Groß-Berlmer Theater ab- geschlossene Lohnabkommen zum 31. Januar gekündigt und eine Er- Höhung der Löhne um 7 Pro;, gefordert. Da es sich hier um Unter- »ehmer handelt, die im Gegensatz zu den meisten Unternehmern noch ein soziales Verständnis für ihre Arbeiter liaben, konnte in den direkten Perhandlungen eine annehmbare Lohnerhöhung erreicht werden. Es wurde oeraindart, daß die Löhne rückwirkend ab 1. Februar bis zum 31. August um 5 Pr o z. erhöht werden sollen. Dieser Erfolg ist um so höher zu bewerten, als durch de» Tarifobschluß die Löhne bis zum Beginn der neuen Spielzeit fest- gelegt worden sind. Oie �Opposition" bei den Kaffeekellnem. Mit der Balkenüberschrist:„G a st w i r t s a n g e st e l l t e, räumt aus!" brachte die„Rote Fahne" einen Artikel, worin dem Kollegen Soor vom Zentraloerband der Hotel-, Restaurant- und Case-Augestellten Wahlschiebungen zum Vorwurf gemacht wurden. Weil die Generalversammlung des Verbandes die aufgestellte Kandi- datenllste dgr Delegierten zur Generälversammlung und der Branchenleitung der Cafökellner als Vertretung der Cajälelln.e? für, dt« letzte Generaloersammlung anerkannt«. Diese Kandidatenliste eiithielt eine ganze Reihe sogenannter Ver- treter der„Opposition". Bei der Branchen Versammlung der Case- tellner am Mittwoch brach die sogenannte Opposition vollkommen zusammen: sie erhielt nicht ein einziges Mandat. Die Mehrheit hat der„Opposition", und der„Roten Fahne" die richtige Antwort gegcbeil. Saar wurde in der General- Versammlung mit 02 gegen 3l Stimmen als Bevollmächtigter gewählt. Die tatsächliche Mehrheit für Saar ist also noch den nunmehrigen Wahlen der Casäkellner noch erheblich größer. Die „Rote Fahne" hat sich wieder einmal umsonst bemüht. Oer Chauffsur unS sein Vorgesetzter. Im jReichsmimfimum des Innern. Ei» Chauffeur, der den Aktenwagen des Innenministeriums zu fahren halte, kam ain 24. De.zenrbcr v. I. nach Schluß>einer Arbeits.' zeit von der Tour' zurück. Iniolae des damals herrschenden Matsch- wetters war der Wage» stark beschmutzt. Aber der Tagesdienst war ja beendet. Der Chauifeur wußte auch aus Erfahrung, daß ihm Uebentunden nicht bezahlt we'.dcu. Zudem war es ja W e i h- ii acht s Heiligabend, wo jeder, sobald ihn die Arbeit freigibt. seinem Heim zustrebt. Der Chaussour brachte also den Wagen un- gereinigt in die Garage, in der Absicht, ihn am nächsten Arbeitstag zu säubern. Als der Cliausieur am dritte» Weihnachtstag im BearKf war, feinen Dienst anzutreten, kam ihm d e r H ausin spektor H- ciitgepen und machte ihm heftige Vorwürfe, weil der Wagen nicht gereinigt war. Der Chnusseur, in der Meinuna, nicht: der Hau-insvektor. sondern der Botenmeistcr. der ihm jeden Tag die- auszulührenden Austrage erteilte, sei sein Vorgesetzter, antwortete dem Hausinspeklor, der Wagen gehe ihn nichts an, er habe ihm gar nlchts zu sagen. Dadurch süh'te sich der Hausinioekior in s e i n e r B e a m t e n- würde gekrankt. Jetzt handelt es sich für ihn nicht mehr um den unaereinioten Wunen, sondern um die Hervorkehrung seiner Vorgesetztensrelluno.„Das wollen wir doch sehen, ich habe Ihnen nichts zu sagen? Kommen Sie mit!" Run aing es zum Regierunasinspektor Sch.. dem der Hau-inspettor den Fall vartrua. Der Regierungsinspektor fühlte sich nicht kompetent, eine Entscheidung zu treffen. Der Instanzen- wen ging also weiter zum Bureaudirektor, Geh.?!eckmings- rat L. Zwischen den drei Beamten auf der«inen und dem Chausseur aus der anderen Seite entspann sich nun eine Auseinandersetzung. die nicht in den Formen einer oladennschen Diskussion geführt wurde. Der Chauffeur erklärte: es gefalle ihm bier nickst mehr, er höre Mi f. Doch der Bureoudrrektor verkannte Innehaltung der K ü n d i g u n g?? r i st...Gut"— sagte der Chauffeur„ich bleibe noch 14 Teure."„Aber nicht als Cbaufseur. sondern z u r H i 1 s e 1 e i st u n a i n d e r B o t e n m e i st e r e i." ordnete der Bt-reaudirektor an. Aber damit war der Chausseur nicht einver- standen, denn als Hilfsarbeiter würde er einen erheblich aeringeren Lohn als bisher erhalten haben. Run erklärte de? Bureaudirektor den Chauffeur als fristlos entlasse», was ihm auch schriftlich beitätigt wurde. Der Cbauf-eur klagte beim Arbeitsgericht. Er wurde abge° wiesen mit der Begriiirdima. er habe selb st seinp Eni- lassung gefordert und dann die Arbeit verweigert, er könne also nickst sagen, daß er widerrechtlich entlassen sei. Eins vnerfit»ürM(Te Ein(Thiuffcur, der nss scner einaestellt ist, kann doch in der Kündig. ungszeit»ich t gegen seinen Willen als H i 1 s s a r b e i t e r beschafiigt werden! W-stlte ihn das Amt nicht mefir als ChauFfeiir hefchaf- stgen. dann mußte es ihn aehen lasten, anstatt� sich auf die Kundi» gmiasfrist zu versteifen. Die zugemistete Deschäftiaung mit anderer aerinner be-absten Arbeit, lief doch auf eine Maßregeluns hinaus, der sich der Chauffeur nicht unterwerfen mußt«. Aus der sächsischen Hütteninöusirie. Oie gestrigen Verhandlongen wiederum veriagt. Der Schiedsspruch über die Arbeitszeit für di« sächsischen Hüttenbetriebe, der vom Arbeitsgericht Dresden für un- gültia erklärt wurde, ist vom Deutlchen Metallarb elterv erstand angefochten worden, weil er verschiedene Arbeitergruppen zur Mehrarbeit über di.e achte Stunde hinaus und zur Sonntags arbeit verpflichtet, di« nach Ansicht � des Verbandes auf Grund der A-'beitsZeitverordnung vmn 14. April 1927 in Verbindung mit der Verordnung über die Arbeitszeit m Stahlwerken vom 16. Juli 1927 und nach den Bestimmungen der Gewerbeordnung sowie einer Bundesratsverordnung über die Sonntagsarbeit unzu- lässig ist.., Das Arbeitsgericht macht sich!n seinem jetzt schriftlichvor« liegenden Urteil nicht restlos die Argumente des Metall- arbe'sterverbsndes zu«igen. Es kommt zu der Entscheidung, daß der Schiedssnn'ch. soweis er di« tägliche Mehrarbeit von einer Stunde festlegt, nickt ae"«» die gesetzsicken Bestimmungen verstoß« und behnders durch den Akt der DerbindlickkeitserklSrung binden- d« s Recht i>"'r die Tariiparteien geworden fei. Dageaen e-ckO-rr das Urteil die Sonntaqsarbeit in dem verlangten Maß« für ungesetzlich und insoweit den Schiedssvruch für nichtig. Wenn«in Teil eines Berlraaes nichtig ist, ist der gesamte Ber- trag nichtig. w?il nicht anzunehmen ist. dgß der übriae Teil Hrr den Fall daß der eine ohne Geltung ist, für die Parteien bestehen bleiben soll, da er mehrere zusammenhängende Zlrbeits- Prozesse rezelt. B'elmehr ist der Vertrag ok- ein einheitliches Ganzes zu betrachten, was bei der Ungültigkeit ei" es Teiles die gesamte der priuntrecHIichen 33crf>äItnijTc 5 139 BGB nach sich zieht. Damit ist der Schiedsspruch in allen seinen Teilen unwirksam. Die am Freitag geführten Verhandlungen zur Beilegung des Arbciiskonfliktes sind abermals vertozt. bis zum kommenden Donnerstag._ «»stmeiftkrverb-nd. Sc,' st 10. gunki-onärvcrsaminwna ber«er. liner Met-llinbiistrie am Dienetag. 1<. TeSrnar, 19 Ulit, im Nordischen?os, großer Saat, gnoal'b-nstr. ISS. fiiüib'girn, des g-ebaltoabkomm-ns In der Berliner Meiallindustrie.«ein FunitionSr darf bei dieser wichtigen Toges- er.'tjtnfrt.'U-afttinoirb«roß B-sti». Seute. ironnade-d, 19'-!. Uhr, «rfUIntsn» im eüMteU: Zuzendheim Yor-tstr. 11(iscbrikgebiwde). Berantwortlich tüt foriiif: Dr. ttutl««»er:©irlfchaft: s.«lingeld-fer! Sewerlttdaitsdeweguna: Fr. ckßlor»-. ireu-Newn: kt.».»»!»"-' 90"-«» und SonNiaes: Rti*»arNädt- Angeiaen: Zt.«Urfe. tZmiltch IN Berlin Berlaq: Borwärio.Ber'a« GmbH Berlin Druck: Borwärio.Buck'dU'ckeret und Berlaaoanstalt Paul Singer u C». Berlin SW 08 Cinbenftrafte 3. Aicrzu 2 Bcilaaen und.Iluterbaltuno und Wisieu� Pfarrer Heumanrts �lesl mittel stets o-jeh vorrilig in den Niederlagen; ___ Zicss-tiDomelce Borlin V31. Anklamer Straße R<». a. d. Ecke Brunnenstr. 5 Min. v.Rosen thaler PL Adler- SDomeKe Berlin- Friedereri. Rhainstralle 16. Frf-jonöj- Wlfheim- asoih r Kc Cborlottüiiburs: I.eibnizstralie 106, K«c?«s- ßsothftHe Berlin 0. Gubener Straß« 33 Bosen-i»E»Mte3e Mdiwalde-Berl'B Das Pfarrer. Heuwaww. Buch (272 Selten. ISO Abbildungen) erhitt ieder Leser umsonst und portofrei von LsdWtt Beamaca d CS« Nürnberg iL«, Nr.» 45. Jahrgang Sonnabend, 11. Februar Wie die grauenvolle Tai geschah. Hilde Scheller im Kreuzverhör.- Die Aussage des Polizeivizepräfideuten Dr. Weiß. Die 16jährige Hilde Scheller war die Seele des blutigen Schülerdramas, das sich in der Schellerschen Woh- nung abgespielt hat. Sie ist der Mittelpunkt des Prozesses Krantz. Anderthalb Tage tobte im Gerichtssaal der Kampf der Parteien um chre Glaubwürdigkeit, die nun aufs stärkste erschüttert ist. Die Gegenüberstellung der Hilde mit dem Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß und der Kriminalpolizei- rätin Fräulein W i e k i n g bildeten den Höhepunkt des Pro- zesses. Die Sechzehnjährige zieh mit der hannlosesten Miene der Welt den Berliner Polizeivizepräsidenten der Un- wahrheit, um im nächsten Augenblick von der Kriminal- polizeirätin Fräulin Wieking der Lüge überführt zu werden. Aber mit der gleichen harmlosen Miene fand auch da die Sechzehnjährige eine Ausrede. Nichts konnte sie aus ihrer Ruhe bringen.„Ein psychologisches Rätsel" nannte sie Po- lizeivizepräsident Dr. Weiß. Fräulein Wieking gab die Lösung des Rätsels: Ein wenig eindrucksfähiges, fast gefühls- stumpfes Wesen, diese Hilde. Trotz aller chrer großen Sinn- lichkeit kühl bis in die Knochen! Und der Angeklagte Krantz? Das direkte Gegenteil von dieser Hilde. Einem Quecksilber gleich reagiert er auf jsg- liehe seelische Einwirkung, die ihn trifft. Sein Klaffen- ordinarius gab von ihm ein sympathisches Bild. Er lüftete auch ein wenig die Verhältnisse der Krantzschen Häuslichkeit — eine fast proletarische Häuslichkeit. Den Eig�igesetzen der Jugend entsprechend waren sein dichterischer Ueberschwang, in dem er einen TeU seiner Sexualität auslöste, seine erste platonische Liebe und die darauf folgende Enttäuschung, sein erstes sexuelles Erlebnis mit der Hilde und feine tiefe Nieder- geschlagenheit, als er sich von ihr betrogen sah. Ja selbst die Mord- und Selbstmordpläne in der kritischen Nacht be- wegten sich vielleicht noch hart an der Grenze der Norm. Außerhalb des Normalen aber lag schon die Tat des Günther Scheller. Daß Krantz dabei sein konnte. wird in der Persönlichkeit dieses schwer psychopathischen jungen Menschen zu suchen sein. Der Beeinflußte war nicht Scheller, sondern Krantz. Daß dieser in das Knäuel der Irrungen inn Hilde herum hineingeriet, war Zufall und Schicksal zugleich. Normal sind schließlich die Reaktionen des Angeklagten auf alles, was im Gerichtssaal vor sich geht: seine Tränen, seine Entrüstung, seine Freude. Eigentümlich, wie die Sympathie aller Anwesenden Krantz gehört und wie kalt einem die hübsche Hilde Scheller läßt. Geschworene hätten Krantz in wenigen Augenblicken freigesprochen. Ob dieses Gericht den Mut findet, der psychalogischen Wahi> hett die Ehre zu geben, ist abzuwarten. * Landgerichtsdirektor Dust kam tut Lettauf der gestrigen Lernehaumg der Zeugin Hilde Scheller noch«imnal darauf zurück. daß ParS Krantz, als sie noch einmal in da» Schlafzimmer laufen wollte, versucht hakte, sie am llulerarm sestzuhaltat. und ersuchte die Zeugin, näher zu schildern, wie Paul Krantz sie sestgehoLen habe. Zeugin: Ms Günther auf dem llnuoege zum Schlafzimmer stdq und an die Tür kam, stand ich m der Tür zur Küche und wollte «im auch hin. Da pellte sich Paul davor, hielt mich an den Unter- armen fest und sagte:.Bleib' mal einen Augenblick hier," er hieb mich so fest, daß mir beinahe der Schlüssel vom Schlafzimmer, den ich m der Hand hielt, herausgefallen wäre. Ich mußte mich von ihm losreißen. Vors.: Angeklagter Krantz, Sie hören, was Hilde sagt. A n g e t l.: Ich kann mich nicht entsinnen, Hilde festgehalten zu haben. Vors.: Wie erklären Sie sich das Festhalten, wenn es statt- gefimden haben sollte? A n ge t l.: Ich kann es mir gar nicht erklären. Vors.: Das ist ein« sehr auffallende Tatsache, denn e» wäre bemerkenswert, daß Sie die Zeugin festgehalten haben, als fich Günther gerade dem Schlafzimmer nähert«. Ange kl.: Ich kann es mir gar nicht erklären, muß ab« die Möglichkeit zugeben. Dr. Frey ersuchte die Zeugin Hilde Schell«, dieses Festhatten dem Gericht mit einer Fürfvvgedome vorzunehmen, was auch ge- schieht: dann erklärte die Zeugin: Ich wollte aus der Küchentür. Paul stellte sich in den Korridor dicht vor mich, so daß ich nicht her- auskonnt« und sagt«:.Bleib' einen Augenblick hier." Ich hörte, wie Günther am Schlafzimmer klinkte. Paul aber hiett mich fest. Ich fürchtete, daß etwas passieren könnte und wollte schnell hin. Deshalb riß ich mich auch los. Vors.: Sie gingen mm wieder in das Schlafzimmer? Zeugin: Ja, danach Hab« ich das Fenster aufgemacht und bin dann wied« hinausgegangen, nachdem ich Stephan hinter dem Bett oersteckt hatte. Jetzt ließ ich die Tür offen. Ich wollte sehen, wie ich Hans hinausbringen tonnte. Ich habe geglaubt, daß ein etwaig« Verdacht von Günther durch das Offenlassen der Tür beseitigt sein würde, denn Paul hatte mir doch das Ehrenwort gegeben, daß er Haus nicht verraten hatte. Ich ging ins Badezimmer. Kaum war ich darin, als Günther zum Schlafzimmer sich begab. Ich ging ihm nach und stellte mich in die Tür des Schlafzimmers, um zu sehen, was er dort mache. Er sah unter das Bett und stellte sich von den Spiegel, um sich zu kämmen. Ick) weiß nun nicht, ob es meine Ein- bildung war oder Wirklichkeit, ich halte das Gefühl, daß Günth« durch den Spiegel Hans gesehen hat. Er kam aber heraus und in demselben Augenblick klopfte es. Durch das Guckloch stellten wir fest, daß es Ellmor war. Wir ließen sie hinein, sie war auf dem Weg zur Schul« und wollt«, daß ich sie begleit«, da sie wußte, daß ich zum Bureau meines Vaters mußte. Als ich mit Elllnor im Korridor stand, gingen die beiden Zungen hinter einander gleich darauf nach dem Schlafzimmer, sich wollte auch nach, die Tür wurde ab« geschloffeu. Zch hatte meinen Fuß dazunschengesteckt. es wurde ab« jo fest gegeugedrückl. daß ich ihn zurückziehen mußte. Die Tür war dann auch abge- schlössen, als ich zu öffnen versuchte. Ich glaube, ich war wieder Im Badezimmer. Da Hörle ich Schüsse. Sofort lief ich zur Tür» � Mein« Meinung nach war di« Tür jetzt nicht mehr oerschloffen, denn ich habe sie aufgemacht. Die Vorgänge im Schlafzimmer. Ms d« Vorsitzende nunmehr die Zeugin üb« die Borgänge im Schlafzimmer, in das sie auf die Schüsse hin hineineilen wollt«, noch genau« vernehmen will,«leidet Hilde Schell« einen Zusammen- brach. Ihr Kopf sinkt auf die Brust und sie bricht in Tränen aus, so daß sie im Augenblick nicht mehr vernehmungsfähig erscheint und die Dame der Fürsorge eine Erfrffchungspaus« für notwendig Hütt. Bevor diese jedoch eintrat, kam es zu einem dramatischen Moinent, der im Saal« große Bewegung auslöste. R.-A. Dr. Frey erhebt sich und erklärt: Ich habe soeben einen wichtigen Brief erhalten. Darin teitt mir der Geschäftsführer eines Cafäs in der Königgrätz« Straß« mit. daß er vorgestern, also am Tage vor der Verhandlung. Hilde Schell« au» d« Tanzdiele wegen angebührttchen Betragens hinausgewiesen habe. Das ist also die Zeugin, die hl« so tut, als ob sie vor Angst und Aufregung zusammenbricht.— Hilde Schell« ruft: Nicht vor Angst, sondern aus Schwäche.■— Es tritt mmmehr, bevor in die Erörterung des Antrages eingetreten wird, diesen Geschäftsführer Äs Zeugen zu laden, eine Pause«in, die sich länger hinzieht, da der Pater d« Hildegard Scheller Bedenken gegen ihre weit«e D«- nehmung äußert. Nach Wied«eintritt in die Verhandlimg fragte der Lorfitzende die Zeugin, die wieder mit d« gleichen Ruhe wie vordem Antwort steht: Wieviel Schüsse fielen Zeugin: Soviel ich noch in Erinnerung habe, drei. In welchen Abständen sie sielen, kann ich nicht mehr sagen, weil ich seit- h« von den verschiedensten Seiten soviel gefragt worden bin. Vors: Sie gingen also in das offene Zimmer hinein, während Ellinor hinter Ihnen auf dem Korridor stand. Was sahen Sie da? Zeugin: Mein Bruder lag ans dem Boden und neben ihm kniete Paul Krantz. Ich rief ihm zu: Mörder! Paul antwortete daraus:„Ich war es nicht, sond« Günther selbst." Dann stand« auf. Iaht kam mir erst zum Bewußtsein, daß auch Stephan im Zimmer gewesen war. Ich ging deshalb hin zum Schrank. Das Laken war her- untergerissen, und da sah ich auch das Furchtbare, sah tzans am Boden liegen. Jetzt ging ich aus dein Zimmer und weiß nur noch, daß ich spät« im Kinderzimmer war. Als ich beide noch atmen hörte, sagte ich mir: Alles ist gleich. Du mußt sehen, ob es noch etwas zu retten gibt. Wir wollten Hmis ans der Ecke vorholen und auf das Bett legen, aber wir bekamen ihn nicht aus der Ecke heraus. Dann wollte ich bei dem Arzt anrufen, ab« Paul sagte zu mir:.Laß das, drei sind schon genug, die es wissen" Als Paul, Ellinor und ich dann int Kinder- zimmer ans dein Bellrand saßen, erklärte Paul Krantz:„Auch ich werde mir das Leben nehmen. Alles fällt doch auf mich." Wir baten ihn. das nicht zu tun, worauf Paul Krantz sagte:„Es find ja noch mehr Kugeln im Lauf." Da lief ich ws Schlafzimmer, holte die Waffe und versteckte sie im Eßzinuner. Das Kreuzverhör. Dr. Frey nahm dann die Hilde Schell« in«in scharfe» isUeuz. orthöt und wollte wissen, ob zwei»der drei Schüsse gesqtlen waren. Die Zeugin konnte sich dessen nicht mehr entsinnen. Als d« Verteidiger Dr. Frey die Zeugin well« befragt«, w i e die Schösse gefallen seien, erklärte sie: Ich kann nur sagen, daß ich heut« nicht? mehr davon weiß.— Dr. F r e y: Und damals?— Zeugin: Da werde ich es wohl gewußt haben. Ich möchte aber bemerken, daß aus meinen Angaben ijber die Schüsse nickt der Schluß gezogen«per- den kann, daß, wenn ich nur Zwei Schüsse gehört habe, in meiner Gegenwart im Schlafzimm« noch ein Schuß gesalleit ist. Als tch im Zimmer war, siel kein Schuß mehr. Auf eine Frage des Rechtsanwalts Dr. Frey, ob Krantz auch einmal gesagt habe, wozu er sich die Schußwaffe beschafft hat,«klärt die Zeugin: Kranz habe gesagt, er brauche die Waffe, weil der Weg nach Mahlow zu unsicher sei.— Dr Ire y: Hat er nicht auch angegeben, daß er die Pistole bei sich trage, weil er als Mit- Menschen, Göttern gleich... 1«) Roman von Herbert George wells. „Sie Idee ist unseren jüngeren Leuten ganz vertraut," sagte er.„Lasky nennt es den Pluralistischen Staat zum Unterschied von dem monistischen, in welchem die Herrscher- gewatt an einer Stelle konzentriert ist. Sogar die Chinesen kennen das System. Ein Pekinger Professor, S. C. Chang, hat eine Broschüre„Professionalismus" geschrieben, ich habe sie erst vor einigen Wochen gelesen. Er sandte sie der Redaktion des.Liberal". Er betont darin, wie unerwünscht und unnötig es für China sei, eine Phase demokratischer Politik nach' westlichem Vorbild durchzumachen. Er wünscht, daß China geradeswcgs zu einer gleichberechtigten Un- abhängigkeit der Beamtenklassen, der Mandarine, In- dustriellen, landwirtschaftlichen Arbeiter usw. gelange» so wie wir sie hier vorfinden. Allerdings erfordert dies natürlich eine Umwälzung in der Erziehung. Ganz entschieden liegt der Keim dessen, was Sie hier als Anarchie nennen, gleich- falls in der Luft, aus der wir kommen." „Ach," sagte Mr. Burleigh, verständiger und aufmcrk- samer dreinblickend als je,„verhält sich das wirklich so? Ich hatte keine Ahnung von alledem." 4 Die Unterhaltung wurde in zwangloser Form fortgesetzt und doch war der Gedankenaustausch schnell und wirtungs- voll. Der Umriß der Geschichte Utopiens vom letzten Zeit- alter der Verworrenheit an prägte sich Mr. Barnstaple, wie es ihm schien, sehr bald ein. Je mehr er über dieses Zeitalter der Verworrenheit er- fuhr, desto mehr schien es ihm der gegenwärtigen Zell auf Erden ähnlich zu sein. In jenen Tagen trugen die Utopen noch reichlich Kleidung und lebten ganz nach irdischer Art in Städten. Und nicht so sehr durch einen wohldurchdachten Plan als durch ein glückliches Zusammentreffen von Zufällen waren ihnen etliche Jahrhunderte günstiger Verhältnisse und ungestörter Entwicklung beschert worden. Die klimatischen Verhältnisse und glückliche politische Umstände hatten die Raffe begünstigt, nachdem sie eine lange Periode wiederholter Unglücksfälle, böser Seuchen und zerstörender Kriege durch- gemacht hatte. Zun» erstenmal war t» den Utopen möglich gewesen, den ganzen Planeten, den sie bewohnten, zu er- forschen, und diese Forschungen brachten große Flächen jung- fräulichen Landes unter die Axt, den Spaten und den Pflug. Echter Wohlstand, Muße und Freihett wuchsen in un- geheurem Ausmaß. Viele taufend Menschen wurden aus dem alltäglichen Schmutz menschlichen Lebens in eine Lage emporgehoben, in der sie, wenn es ihnen beliebte, in noch nie dagewesener Freiheit denken und handein konnten. Wenige taten es, einige Befähigte. Die wissenschaftliche Forschung, mit einer großen Menge geistvoller Erfindungen in ihrem Gefolge, entwickelte sich kräftig und vergrößerte in weitem Maße dos technische Können der Menschen. Schon früher hatte es in Utopien Perioden gegeben, in welchen sich die wissenschaftliche Erkenntnis Bahn gebrochen hatte, aber niemals zuvor war sie so günstigen äußeren Um- ständen begegnet oder hatte lang genug gewährt, um nach- haltige praktische Folgen zu zeitigen. Run, nach«inigen kurzen Jahrhunderten, fanden sich die Utopen, die bis dahin wie träge Enten auf ihrem Planeten herumgewatschelt waren, oder wie Parasiten sich auf größeren und schnelleren Tieren fortbewegt hatten, in die Lage versetzt, sehr schnell durch die Lust zu fliegen oder augenblicklich von jedem be- liebigen Punkt ihres.Planeten aus nach einem anderen hin zu sprechen. Sie wären auch im Besitze technischer Fähig- keiten, die alle früheren Erfahrungen überstiegen, und nicht nur technischer Fähigkeiten-, den Spuren der Physik und Chemie folgte die Physiologie, denn die Psychologie, und es eröffneten sich den Utopen außerordentliche Möglichkeiten, den eigenen Körper und das soziale Leben in ihre volle Ge- watt zu bekommen. Aber als es schließlich so weit war, kam alles so plötzlich und verwirrend, daß sich nur eine kleine Minderheit der Möglichkeiten bewußt wurde, welche diese ungeheure Ausdehnung von Wissen zum Unterschied von den greisbaren Errungenschaften in sich barg. Der Rest nahm diese neuartigen Erfindungen, als sie auftauchten, aufs Geratewohl an, indem er seine Gedanken und Lebensweise so wenig wie möglich den veränderten Notwendigkeiten, die durch diese Neuerungen bedingt waren, anpaßte. Die erste Antwort, welche die große Masse der utopischen Bevölkerung angesichts der sich eröffnenden Aussicht auf Macht, Muße und Freiheit gab, war erhöhte Fruchtbarkeit. Sie benahm sich genau so gedankenlos und mechanisch wie es irgendein Tier oder eine Pflanzenart getan hätte. Die Bevölkerung wuchs an, bis sie die reicheren Lebensmöglichketten, die sich ihr eröffnet hatten, wieder vollftändig überwucherte. Sie erschöpfte die großen Gaben der Wissenschaft ebenso schnell, wie sie ihr zuteil geworden waren, nur in einer unverstän- digen Vervielfältigung des gewöhnlichen Lebens. Im letzten Zeitalter der Verworrenheit war die Bevölkerung eines Tages über zweitausend Millionen angewachsen... „Und wie groß ist sie jetzt?" fragte Mr. Burleigh. Ungefähr zweihundertfünfzig Millionen, berichteten ihm die Utopen. Dies sei bis vor kurzem die höchste Bcvölkerungs- zahl gewesen, die auf der Oberfläche Utopiens ein voll ent- wickeltes Leben habe führen können. Aber jetzt init zu- nehmenden Hilfsquellen sei man im Begrisse, die Bevölke- rung zu vergrößern. Ein Laut des Entsetzens kam von Pater Amerton her. Schon seit einiger Zeit hatte er diese Offenbarung gefürchtet. Sie verstieß gegen seine moralischen Grundsätze. „Und Ihr wogt es. die Vermehrung zu regulieren?! Ihr kontrolliert sie? Eure Weiber sind damit einverstanden, Kinder zu gebären, wenn sie henötigt werden— oder sie unterlassen es?!" „Natürlich," sagte Urthred,„warum nicht?" „Gerade das habe ich befürchtet!" sagte Pater Amerton, und sich vornüber beugend, bedeckte er dos Antlitz mit den Händen und murmelte:„Ich fühlte es in der Atmosphäre. Die menschliche Zuchtfarm! Sie lehnen es ab, Seelen zu gebären! Eine solche Gottlosigkeit, oh, mein Gott!" Mr. Burleigh betrachtete die Aufregung des geistlichen Herrn durch seine Gläser mit einem leicht entrüsteten Aus- druck. Er haßte Schlagworte. Aber Pater Amerton stand in Verbindung mit sehr wertvollen konservativen Elementen. Mr. Burleigh wandte sich wieder den Utopen zu. „Das ist außerordentlich interessant!" sagte er.„Unsere Erde bringt es sogar gegenwärtig zustande, eine Bevölkerung auf sich zu tragen, die mindestens fünfmal so groß ist." „Aber ungefähr zwanzig Millionen werden in diese»» Winter sterben, erzähltet Ihr uns soeben, in einem Gebiet, welches Ihr Rußland nennt, und ein nur sehr kleiner Teil der übrigen führt ein Leben, welches nach euren Begriffen vollwertig und bequem genannt werden kann?" „Trotzdem ist der Gegensatz sehr auffallend," sagte Mr. Burleigh. »Es ist fürchterfichk" sagte Pater Amerton. (Fortsetzung PV? I glied des„Iungdeutschen Ordens" manch m alange griffe» worden fei?— Zeugin: Davon hat er nichts gesagt. Erster Staatsanwalt S t e i n b e ck: Ich möchte von der Zeugin näheres über ihren Bruder hären. War er sehr forsch und ein energischer Junge, oder mar er schlapp?— Zeugin(mit Bestimmtheit): Weibisch war mein Bruder auf keinen Fall, wohl aber weich — Dr. Frey: Was sagen Sic aber dazu, wenn ein Zeuge kommen wird und bekundet, dah er gcfiihlsroh gewesen sei? Er soll beispielsweise sich gelegentlich der Hindenburg-Feiec herumgeschlagen und jemand mit dem Messer gestochen haben.— Zeugin: Mein Bruder? Auf keinen Fall. Er hat sich »ie an politischen Schlägereien beteiligt. So etwas würde er nie getan haben.— Dr. Frey: Haben Sie einmal mit Paill phantastische Ideen ausgetauscht, ans dem Leben zu scheiden?— Zeugin: Wir haben öfter»her Selbstmord gesprochen. Meine Großmutter war gestorben, und da sprachen wir davon, daß es eigentlich richtiger wäre, schnell Schluß pi machen.— Dr. Frey: Wissen Sie etwas davon, daß Hans einmal mit Ohrfeigen Ihres Vaters aus der Woh nung herausflog?— Zeugin: Das war ein Jahr vor der Tot, da war er zu mir gekommen, sich zu entschuldigen. Mein Bater hatte ihm das Haus verboten, weil er gehört hatte, daß Stephan schon Mädchen verführt habe.— Sachverständiger Sanitätsrat Hirschfeld: Ist Ihr Bruder nicht auch einmal in Ihrer Kleidung spazieren gegangen? — Zeugin(lächelnd): Jugendgeschichten.— R.-A. Dr. Frey: Sogen Sie, Fräulein Scheller, wußten Sie, daß Ihr Bruder sich auch schminkte und puderte, wenn er in die Schule ging?— Zeugin (leise): Ich habe ihn oft gebeten, das zu unterlassen.— Dr. Frey: Weiter, Fräulein Scheller, ist der Günther nicht mit Eatonfrisnr und »achgezogenen Augenbrauen in Mahlow ins Damenbad gegangen — Zeugin(nach kurzem Schweigen urtd niedergeschlagenen Augen): Ja—, das war etelhast.(Plötzlich sehr heftig): lind doch war er � nicht weibisch.— Sanitätsrat H i r s ch f e l d: Können Sie uns sagen. Fräulein Scheller, ob Ihr Bruder zur Zeit der Tot noch betrunken war?— Zeugin: Ja, ich glaube, sehr.— Dr. Frey: Beant warten Sie mir nun folgende Frage, Fräulein Scheller: Wie hat sich in'der Unglücksnacht der Angeklagte verhalten, als er bemerkte, daß sich— ich will ganz vorsichtig sein— der Stephan in Ihrer allernächsten Nähe befunden hat, und was hoben Sie empfunden, als Sie einmal im Salon den Angeklagten mit Ihrer . Freundin Ellinar in zärtlicher Umarmung sahen? Zeugin(nach kurzem Zögern): Ellinar sagte mir hinterher, Paul hätte ihr gestanden, er liebe sie mehr als mich. R.-A. Dr. Frey: Ja, hat Ihnen denn aber mn Morgen Paul gar nicht die Tatsache übelgenommen, daß Stephan in Ihrem Schlaf- zlmmer war? Die Zeugin kämpft einen Augenblick mit der Antwort und erklärt fomn, während sie sonst leise und müde spricht, plätzlich, während sie den Angeklagten voll anschaut, mit fester Stimme: ..Paul Hölle verhindern können, daß Haas dablieb. Ich habe thm doch gesagt, er solle dafür sorgen, daß Günther schlafen ging. damit Stephan raus konnte." R.-A, Dr. Frey: Das ist ja etwas ganz Neues, Fräulein Schcllcr. Dos haben Sie weder vor der Polizei, noch vor dem Untersuchungsrichter bisher gesagt. Sie haben immer nur behauptet, den Angeklagten gebeten zu haben, er solle Ihrem Bruder gegenüber die Anwesenheit des Slephon verheimlichen.— Zeugin: Und doch Hobe ich es gesagt. Vor s.: Angeklagter, haben Sie hierzu Fragen? Angekl. K ran tz: Danke, ich verzichte. Vors.: Fräulein Scheller, glauben Sie, daß der Airge- klagte, als er mit Ihrem Bruder ins Schlafzimmer ging, wußte, da-ß Stephanno ch dawar?<. Zeugin(heftig): Warum wäre er sonst hineingegangen. Ich nehme heute an, daß Paul van meinem Bruder wußte, daß Hans Stephon noch da mar. Und warum hätte Paul sonst die Tür hinter sich abgeschlossen? Wer ist Marcuse? Zu einem etwas tragikomischen Zwischenfall kam es noch kurz vor der Mittagspause, als R-A. Dr. Frey ganz unvermutet an die Zeugin folgende Frage richtete: Wissen Sie eigentlich. Fräulein Scheller, wer der Marcuse ist, mit den? Sie ursprünglich ins Theater gehen wollten?--Zeugin: Ja. ich hatte ihn im Luftbad kennen- gelccnt und wußte, daß er in Steglitz das Gymnasium besuchte.— R.-W Dr. Frey(ironisch): So. darf ich Ihnen vielleicht mitteilen. daß dieser Marcuse hier im llnlersuchungsgcsöngni, sitzt nnd daß a den Spitznamen„der voxerkönig von' Berlin" führt. Diese Mitteilung macht auf die Zeugin einen niederschmetternden Eindruck. Nach Eröfsmmg der Nachmittagssitzung Witt« Land- gerichtsdirektor Du ft mit. daß mehrere Anträge der Der- teidigung auf Zeugenladimgen vom Schwurgericht abgelehnt worden seien, da sie für die Glaubwürdigkeit der Hilde Scheller u n- erheblich sind. Dagegen hat das Gericht beschlossen, den Polizei- Vizepräsidenten Dr. weiß, als Zeugen zu laden und ihn noch am Nachmittag zu vernehmen. Auf Ersuchen Dr. Freys mußte Hilde Scheiter noch einmat vortreten, und der Verteidiger fragte sie: Ist der Plan von Ihnen a u s g e g a n g e n, gemeinschaftlich in der Wohnimg zu übernoch- ten, und zwo r Sie mit Stephan, Ellinor mit Krantz? Zeugin: Von diesem Plan weiß ich gar nichts. Vors.: Die Zeugin Kit schon einmal mit Bestimmtheit gesagt, daß sie von diesem '"'tu nichts gewußt habe. Sie habe mir vorgeschlagen, daß in Rücksicht der Abwesenheit Günthers n td der Anwesenheit von Krantz noch eine dritte Person in der Wohnung übernachten sollte; da Ellinor, die es zuerst sein sollte, weg mußte, habe man sich ent- schlössen, daß Hans als dritte Person blechen sollte. Dr. Frey: Haben Sic ferner bei der Verabredung, nicht zu sagen, daß der Revolver Krantz gehörte, nicht oerlangt, daß als Gegenleistung ver- schmiegen werden sollte, daß Beziehungen zwischen Ihnen und Hans bestanden haben? Zeugin: Bon dieser Beveinbarung ist mir nichts bekannt. Hilde Schcller bat-den Borsitzenden dann, er.ie II n-> r i ch t i g k e i t in der Oesfentlichkcit klarzustellen. In einer Zeitung steh«, daß sie gesagt hebe: Wir sind ja schon verheiratet. Das Uf falsch aufgefaßt, sie habe das nicht gesagt. Bors.: Nein,«ie haben ausgesagt, daß Hans den Wunsch ausgedruckt holte, >5i<.zu heiraten und dann hinzugefügt hätte: Na, wir kövoisn ja schon fn tun, als ab wir verheinatet wären. Si-e habm aber nach Ihrer Aussog« dos zurückgewiesen. Der nächste Zeuge war der pratt. Arzt. Dr er«i» Freu»» um öubcnb«, der äußerte, daß er«n Tage der Tat nach der Zkterechtz'tABtze in die Schellers che Wohnn-ng gernsen«»che. T» war »-VsSßr*7 Bfe afc M■* stürmiich*****«ut* ich solle Ein neuer großer Lombardskandal. Die Firma Gchlewmsky.— Wieder ein hoher Beamter beteiligt?— Arthur Keil verhastet, Frau Bergmann entlassen. Die Untersuchungen in der Frage der Lombardskandale nehmen iftdea Fortgang. Zu einem neuen Riesenskavdal scheint sich der Fall Schlewiaskq auszuwachsen. Zw Falle Friedländer sind die Erhebungen so weit gediehen, daß die Geschäftsräume polizeilich geschlossen wurden. Der viel- erwähnte Arlnr keil von der Siandard-Gesellschast ist inzwischen verhaftet worden. Schon jetzt hat es den Anschein, daß der Fall Schlewiirsky mit dem Fall Bergmann in seinen Ausmaßen auf eine Stufe ge- stellt werden kann. Augenblicklich befassen sich Polizei und Staats- anwaltschaft mit den Verhältnissen des Möbelaus st attungs- Hauses M. Schlewinsky u. Co. und der im gleichen Hause befindlichen..W a r e n-, Lombard-' und Lagerspeicherei G. m. b. H.", deren Inhaber gleichfalls Schlewinsky ist. Seit etwa zwei Jahren stand Schlewinsky mit der Finanzierungs- gesellschaft„H o l s a t i a" in enger Fühlung. Daneben hatte sich Schlewinsky, der Teilzahlungsgeschäft« betrieb, aber nicht über genügend« Vannittel verfügt«, mit der„Vaterländischen K r« di t ve r s i ch e r u n g s- A k t i en g es eil s cha f t" in Verbin- dung gesetzt. An diese beiden Gesellschaften verpfändete die Firma Schlewinsky Möbelstücke, die dann mit entsprechenden Zettel- chen beklebt wurden. Im Laufe der Zeit schwollen die Vor- pflichticngen Sclstewinskys freilich bis zn 2St>000 Nlark an, und fast sämtliche Möbel, die vorhanden waren, zeigten die verabredeten Zettelchen. Angestellte der..Holsotia" und der.Vaterländischen Kreditvec-sicherungs-Aktiengesellschaft" wollen nun noch einer von ihnen erstatteten Anzeige bemerkt hoben, daß zahlreiche Zettelchen verschwunden waren. Schlewinsky habe ihnen erklärt, daß dies not- wendig gewesen sei, da er den Zvarenbesiand auch an andere Geldgeber verpfändet hätte. Die von Schlewinsky in Anspruch genommenen Krelnte sollen mehr als eine Million ausmachm. Dem stehen fast gar keine Aktivbestände gegenüber. Schlewinsky muß in den letzten Monaten in die schwerste Geld- bedröngnis geraten sein. Er behauptet jetzt, daß ihm selbst Wucher- Zinsen von ganz unglaublicher Höh« abgenommen worden seien. Deshalb hat Schlewinsky, den Rechtsanwalt P i n da r vertritt, gegen die .Vaterländische Krcdiiversicherungs-Akiiengesellschaft". besonders ober gegen ihren Prokuristen, einem Griechen Messineses, Anzeige auf Grund des Wucherparagraphen erstattet. Mit diesem Kreditwucher seiner Geldgeber erklärt Schlewinsty auch die Unregelmäßigkeiten, die in der letzten Zeit vorkamen. Nach den bestehenden Verträgen sei er berechtigt gewesen, die verpfändeten Waren auch zu verkaufen, um sie dann durch andere Waren zu ersetzen. Durch die Kreditwuchergeschäste der Vaterländischen Dersicheningsgesellschast sei er in die Unmög- l i ch k e i t geraten, die verbrauchten Waren zu ersetzen. Auch diesmal wieder soll ein hoher Beamter in die Angelegenheit verwickelt sein. Die kritischen Geschäfte zwischen Schlewinsky imd den Geld- gebern hat nach den vorliegenden Nachrichten die Ehefrau eines Geheimen Qber-regierungsrakes im Finanz- m i n i st er tum vermittelt. Der Beamte soll für jeden Schlewinsky zugeleiteten Dorlehnsgeber hohe Provisionen erhallen haben. Di« Akten liegen zurzeit dem Generalstaatsanwalt beim Landgericht I vor. Er hat darüber zu befinden, ob gegen Schlewinsky und Ge- nassen ein H a s t b e f e h l erlassen wird. Mehrere Beamte der Inspektion F. 3 waren seit fünf Tagen mit der Durchsuchung der 13 Zimmer der Friedländer- chen G. m. b. H. und der Aufnahme der vorhairdenen Sachen beschästigt. Die Ermittlungen ergaben soviel B e l a st u n g s m a t e- r i a l, daß eine Festnahme Friedländers gerechtfertigt ge- wesen wäre. Er hat es aber vorgezogen, Berlin den Rücken zu kehren. Nach Ausweis des Handelsregisters ist Friedlöndcr noch nichtIOIahre alt und alleiniger Geschäftsführer der G. m. b. H. Di« Privatsekretärin Friedländers, zugleich seine Eeschästsoertraute, eine 22 Jahre alte Agnes Eichhorn, erklärt, über di« Vorgangs bei der Gründung keine Auskunft geben zu können. � r a u Friedländer will von den Geschäften ihres Mannes überhaupt n i ch t s w i s s e n. Festgestellt wurde, daß Friedländer in vielen Fällen Sachen, die bereits verkaust waren, anderweitig noch weiter ver- äußert hat. Es handelt sich durchweg um Einrichtunasgegenstände junger Leute, die noch keine Wohnung hatten. Außerdem� ist nacb- gewiesen, daß Friedländer Sachen, die ihm zum Verkauf übergeben waren, in einem A u k t i o n s l o k a l in der Bshrenstroße ver- st e i g e r t, den Erlös aber nicht abgeliefert hat Aus den Büchern, die nur zum Teil vorhanden waren, geht weiter hervor, daß Pfänder, die in Lombard gegeben waren, von Fried- lönder auf den Namen seiner Sekretärin bei anderen Lombardhäusern weiter verpfändet sind. Die mangelhaste Buchführung läßt noch nicht ganz klar sehen Die Geschäftsräume sind von der Kriminalpoli-ci jetzt geschlossen worden. Während der Anwesenheit der Be- aniten erschienen auch viele Gerichtsvollzieher mit Arresten, die Verpsänder schleunigst ausgebracht hatten. Die Privat- iekretärin wurde vorläufig festgenommen und sodann dein Untersuchungsrichter vorgeführt... v Weiter erfährt man, daß die F r a u des Flüchtigen im Lanze des gestrigen Tages eingehend vernommen wurde. Sie sagt nach wie vor, daß sie von den Geschäften ihres Mannes nnd den chm zur Last gelegten Praktiken keine Kenntnis gehabt� hat. S-e will auch nicht wissen, wo sich ihr Mann jetzt aufhält. Eins Durchsuchung der Wohnunq förderte nichts Belastendes zu. tage. Die Prioatsekretärin Friedländers, Agnes Eichhorn, belnuivtet. daß Friedlönder ohne ihr wissen ihm anoerirauies Gut aus ihren Namen anderweitig verpfändet habe. Sie habe um sa weniger wissen können, als er die Lombardscheine f ü r s i ch b e h a l t e n Hobe, ohne sie ihr zu zeigen. Nach Lage der Ding« erscheint dos nicht glaubhaft. Die Kriminalpolizei hat jetzt das gejamte Motenal der Staatsanwaltschaft unterbreitet. Die Bcrhaiwng Artur Keils ist darauf zurückzuführen, day er noch eine R e st st r a f e von neun Monaten Gefängnis zu vor- büßen hat. Er wo.- im Iöhre lk>24 wegen Erpressung verurteilt worden. Keil wurde noch der Strafanstalt Tegel gebrastt. Untersuchungen in der Frage des„Standard Warenkaui» Hauses" nehmen ihren Fortgang. Frau Bergmann ist auf Antrag ihres Verteidigers aus der Haft entlassen worden. Die Hastemlasiung erfolgte. well nach'Ansicht der zuständigen Behörde keine Verdunke-- lungsgefahr mehr besteht und auch eine Flucht �rau Berg- mamis kaum in Frage kommt. Die Vemehnung des Staatsanwalts Jacob!) hat mich den gestrigen Freitag über vor den- Unters, ichungs- richter Dr. Stoeckel angedauert und gestaltete sich au ß e r o rd en t- l i ch u m s a s s e nd, da Iacvby das ganze am Grund der bisherige» Verhöre znjai im- en getragene Belastungsmaterial vorgehal- ten werden mußte'. Die Vernehmung dürfte erst im Laufe des heutigen Sonnabends zum Abschluß kommen. Wie wir in später Abendstunde erfahren, hat Schlewinsky, der früher in Berlin als Kaufmann einen geachteten Namen horte, und sogar als Sachverständiger für die Möbelbranche vor Gericht auftrat, inzwischen die Erössnung des Konkurses beantragt. Dem wird ohne Zweifel stattgegeben werden. Den hohen Postiven steht so gut wie keän Aktiv um gezenüber. Schlewinsky hat von allen möglichen Persönlichkeiten Gelder be- kommen, von einem Leipziger Kaufmann Levinsohn 100 000 M, von einem Homburge r Kaufwann 90 000 M., von einem B« r- l i n e r Geschäftsmann 50 000 M., vom früheren Reichskanzler Bauer 10000 M. Schlewinsky versprach 36 Proz. Jahres- zinfen, konnte dies ober natürlich nicht einhalten. Er soll sich auf unreelle Geschäfte erst eingelassen haben, als er durch seine Frau aus die schiefe Ebene geleite: wurde, die seit dem Jahre 1920 dem Spielteufel versallen ist und große Summen verloren hat. Der Frau eines Geheimen Oberregierungsrats vom Finanzministo, rium will Schlewinsky nicht weniger als 10 Proz. Provision für die chm zugeführten Kredite gewährt haben. ganz geschwind zu der Familie Scheller kommen, der sunge Schelle? liege im Sterben. In sieben bis zehn Minuten war ich am Tatort. Hilde Scheller kam mir aufgeregt auf der Treppe entgegen und rief: Kommen Sie schnell, ich glmche, mein Bruder stirbt. Im Schlafzimmer sah ich Stephan eingeklemmt hinter dem Spind leblos hängen, mährend Günther Scheller, der am Boden lag. noch Lebenszeichen vo« sich gab. Sofort rief ich die Lichterfelder Feuerwehr an, einen Krankenwagen zu schicken nnd klingelte auch die Kriminalpolizei an. weil«in Kapitalverbrechen vorlog. Dann erkannte ich, daß Günther Scheller in den letzten Zügen log, und schickte den Krankenwagen wieder weg. Günther hat auch tatsächlich mrr einen kurzen Moment gelebt. Vors.: Was haben Sic an Hilde Scheller und Krantz wahr- genommen? Oie Aussage des Arztes. Zeuge: Ich begab mich mit beiden in das Speisezimmer imd nagte, was los sei. da ich mir das Motiv nicht erklären konit«. Don Beiden hört« ich übereinstimmend eine Darstellung, die mir von vornherein zurechtgelegt schien: Günther Scheller habe einen Haß gegen Stephan gehabt, habe Stephan aus der Welt schassen wollen und dann selbst Hand an sich gelegt. Aus nieine Frage nach dem Grund des Hasses sagten die Beiden mir übereinstimmend, Stephan lzabe Günther wegen einer Homo- exuellen Geschichte bei den Eltern oder der Polizei ver- raten. Auf meinen Einwand, weshalb man die Beiden angesichts dieses Hasses miteinander habe schlafen lasien. erhielt ich keine klare Antwort. Hilde Scheller machte anfänglich einen sehr erregten imd erschütterten Eindruck, während Krantz mir durch seine außerordentlich« Ruhe, vielleicht auch mir scheinbare Ruhe, aufsiel. Vors.: Aeußerte er sich auch über die Folgen für ihn? Ze u g e: Er sogte, da wird wohl aus meiner Fenenveife und aus meinem Zlbiturium nichts werden. Damr bat er nüch um ein« Zigarette. Das hat mich sehr gestört, ich war so ungehalten, daß ich ihm eine Antwort gab. die einem Tadel gleich kam. Ich setzte auch hinzu: Für Sie kann das ganz andere Folgen haben, und ich würde mich nicht wundern, wenn Sie oerhaftet wer- den. Krantz antwortete mir: Mit dieser Tatsach« habe ch schon gerechnet. Vors.: Haben Sie auch die Waffe ge- ehen? Z e u g o: Ich fragte danach und Krantz sagte, glaube ich, er habe sie aus die Anrichte gelegt. Ich bedeutete ihm, daß der Tat- bestand nicht verändert werden dürste»nd daß er sie wieder cm die Stell«, wo sie gelegen Hab«, hinbringen müßt». llronh legte hie Pistole daraus k hie Hand de» GLokher Sch-ver. Ich möchte noch bemerken, daß ich, als ich«ruf meinen Enrwaeid. weshalb Krantz nicht daMischmgejprungen sei, von ihm die Ant- wart erhielt, daß die Tür zugewesen sei, die Frage«rufmarf, wie er denn nachher in das Zimmer hineingekommen fei. Krantz sagte davaui: Es war fa nicht zugeschlossen, sondern«nur zugemacht. Erster Staatsanwalt Steinbrück: Vor dem Unter- fuchungsrichter haben Sie gesagt, daß Krantz einen kalten Eindruck auf Sie gemacht habe. Zeuge: Ja, kalt und berechnend. Numnehr richtete de? Vorsitzende an Hilde noch die Frage, ob das Gedicht in dem Tagebuch von Krantz, das u. a. die Derfe enthält:„Ein Mädchen wird sich schön bedanken, wenn deine Licbesgbrt nur aus Gedichten spricht" von ihr verfaßt worden ist. Zeugin: Ich habe es mit meiner fünfzehnjährigen Cousine zu- sammengemacht. Im Anschluß daran erfolgte die Vernehmung des Studien» rats Dr. Gladow, des srülzeren Klassenlehrers von Scheller und Krantz. Nach seinem Urteil war Paul Krantz, den er seit 4 Iahren kennt, ein sehr begabter Schüler. Er habe bei Bummelich. keit und Unordentlichkeit immer Nachsicht geübt. Günther Schell er war ein sehr verschlossener Charakter. Es erschien dann am Zeugentisch der inzwischen geladen« Polizeivizepräsident Or. Weiß. der über seine Wahrnehmungen bei der Vernehmung Hilde Schellers sich äußern soll. Der Zeug« sagte aus: Der Fall der Steglitzer Schülertrogödie hatte für'mich eingußerordentlicheskrimi- nalpolizeiliches Interesse. Es war am Tage, glaube ich, nach der Mordtat, da wurde mir mitgeteilt, daß Kräng dem Krimi- nalkommissar Angaben gemacht hatte über seine Erlebnisse im Hause Schellcr in der Nacht, die der verhängnisvollen Nacht vorausging und die Hilde Schellcr mit keinen: Wort erwähnt hatte. Ich ließ mir Krantz vorführen, und er wiederholte alles, was er hier angegeben hat. Wir hotten uns auf der Krüninolpolizei s-ljoit vorher veranlaßt gesehen, der Glaubwürdigkeit der Hilde Scheller nochzugehen. Deshalb habe ich sie selbst noch einmal vernommen. Ich fragte sie nun zunächst, was sie an dem Tage vor dem Vorfall von morgens'ob gemacht hotte. Ich muß vorausschicken, daß Hilde Scheller zu uns hineinkam in einer so unbefangenen Haltung, liebenswürdig, harmlos und lächelnd, daß es mir am Tage nach dem Tode ihres Bruders und ihres Geliebten r---------- gegen Schnupfen CWWXCfÄ Wirkung froppanH unoerstöiÄNch war. Ich ließ fi« mm schildern, was sie den ganzen Tag gemacht habe, und als wir zum Abend kamen, da sagte sie, sie sei zu Hause gewesen und habe die Nacht über geschlafen. Ich wollte darauf hinaus, daß Krantz erzählt hatte, daß sie die Nacht zu ihm hinausgekommen sei und sich zu ihm ins Bett gelegt hatte. Daher iagte ich zu ihr:„Nun entsinnen Sie sich genau, Hilde, ist jemand die Treppe hinaufgekommen?" Da wurde sie stutzig. Aber das war nur einen Augenblick und auch nur für mich erkennbar, denn gleich faßte sie sich und sagte ganz ruhig:„Ich verstehe Sie nicht." Daraus antwortete ich:„Nun gut, dann soll Krantz hereinkommen und er- zählen, was er darüber zu sogen hat." Bevor Krantz zu sprechen an- gefangen hatte, wurde die sehr liebenswürdige, sanftmütige Hilde plötzlich wie umgcwanMt. Sie fuhr auf Krantz wie eine Hyäne las»nd fuhr ihn an:„Was hast du eben diesem Herrn vorgelogen?" Krantz ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen und schilderte die Borkommnisse. Aus dem ganzen Verhallen der Hilde Scheller ging hervor, daß sie ein außerordentlich unglaubwürdiges Geschöpf ist. Die Tatsache, daß sie den Verkehr nicht zugeben wollte, würde ich ihr nicht verargen. Anders ist es aber mit der Art, wie sie sich zu- nächst harmlas und unbefangen zu geben wußte. Wegen des psycho- lagischen Rätsels dieses kleinen Mädchens ließ ich sofort die Polizeirätin Wieking kommen und beauftragte sie, sich der Sache anzunehmen, weil«s ihr eher möglich sein könnte, die S e e l e desMädchenszu ergründen. Weiter habe ich mit der Sache nichts zu tun gehabt. Landgerichtsdirektor Dr. Dust: Ist das Aufbrausen der Hilde Schcller vielleicht damit zu erklären, daß sie empört darüber war, daß zwischen ihr und Krantz vereinbort worden war, daß sie Ihn binsichtlich des Revolvers und des Aufenthalts im Zimmer decken mollte, und daß er doiür ihr eine Schonung wegen der sie betreffen- den Dinge zugesagt hotte? Dr. Frey: Dann muß ich unterbrechen und darauf hinweisen. daß das zugetroffen wäre für die Zeit, wo Hilde noch nicht aus- gepackt hatte. Inzwischen hatte sie aber alles, was sie wußte, gesagt. Zeuge Dr. Weiß: Es hatten sich so schon Widersprüche zwischen Krantz und Hilde ergeben. Es fehlte uns ein Schlüssel für das Rätsel dieser Tat. Da kam erst etwas Licht hinein, als Krantz erzählt hatte, daß sie die eine Nacht bei dem einen Jungen, die ander« Nacht bei dem anderen zu- gebracht hatte. Ee war etwas Auffallendes in der lächelnden Miene und sicheren Art, mit der das junge Mädchen das Blaue vom Himmel herunterlog. Erster Staatsanwalt S t e i n b e ck bittet, auch der Zeugin Hilde Scheller Gelegenheit zu geben, sich zu ver- leidigen, warum sie dieses Benehmen zu Schau getragen hat. Auch möge sie sich dann über die angebliche Tanzorei von vor- gestern äußern. Der Bositzende läßt Hilde Scheller vortreten. Hilde Schell er: Ich habe wohl gelächelt, als ich hinein- kam. Mir war aber gar nicht so zumute. Es liegt mir nicht, jedem Menschen zu zeigen, was in mir vorgeht. Dielleicht habe ich etwas übertrieben gelächelt. Ich wurde gleich gefragt, ob ich schon jemals mit einem Manne intim verkehrt habe und antwortete mit„Nein". Darauf wurde mir entgegengehalten: Dann besinnen Sie sich, was einen Tag vorher geschehen ist. Da wurde ich stutzig. Nachher wurde Paul Krantz gefragt, ob es wahr sei, was er behaupte, daß er in der Nacht vorher mit mir verkehrt habe. Darüber war ich empört, denn es war nicht wahr, und ich habe ihm zugerufen: Paul, wie kannst du so etwas behaupten. Die Ge- schichte von dem Tanzen ist nicht wahn Rechtsamvalt Dr. Frey: Wollen Sie das auf Uren Eid nehmen? Zeugin: Ja. Vors.: Für das Gericht Hot dieser Punkt keine Debeuwng. Erster Staatsanwalt Steinbeck: Nachdem diese Frage einmal aufgetaucht ist, muh sie auch ganz aufgeklärt werden. Land- qerichsdirektor Dust: Meinetwegen mag der Rahmen des Prozesses immer weiter ausgedehnt werden. Dieser Punkt führt uns aber in der Förderung der Sache Krantz nicht weiter. Dr. Frey erneuerte nunmehr feinen vorher bereits abge- lehnten Antrag, den Geschäftsführer des Europa-Hauses zu laben. Zeugin Hilde: Dort war ich ja noch nie. Palizeioizeprästdent Dr. Weiß: Darf ich Fräulein Echeller in Erinnerung bringen, daß ihr lächelndes und unbekümmertes Wesen, mit dem sie vor mir erschien, mich veranlaßte, ihr ins Gewissen zu rede». Dormtf fing sie m z»«einen. Ich hatte aber den Eindruck, daß es nur Krokodilstränen waren. Meiner lleberzeuguug nach hat sich das junge Mädchen mit einer llnbesangenheit benommen, die in Wirklichkeit sie als vollkommen gefühllos kennzeichnet. Fräulein Scheller stellt es so dar, als ob sie die Wahrheit gesagt hat. Sie hatte aber olles vollkommen abgestritten. Hilde: Ich habe nur den Verkehr bestritten. Zeug« Dr. Weiß: Es waren auch andere Herren zugegen. Hilde Scheller behauptete darauf, daß sie sich in der Aufregung zunächst aus diese Einzelheiten nicht besinne:: konnte. Erst als sie dann näher gefragt wurde, sei ihr die Erinnerung wiedergekommen und da habe sie dann auch das zugegeben. Bis dahin habe sie immer nur geglaubt, daß es sich um etwas anderes drehe. Dr. Frey: Sie haben vorhin ober des glatt bestritten und positiv dm Herrn Polt- zeivizepräsidenten der Unwahrheit geziehen. Das Gericht beschloß darauf nach kurzer Beratung von der Vernehmung des Polizei- Vizepräsidenten als Sachverständigen Abstand zu nehmen. Als Zeuge erklärte Dr. Weiß auf eine Frage des Dorsitzmden, daß die von ihm gegebene Eharakterisierung der Zeugin Scheller sich auf seine jahrelangen Erfahrungen bei der Kriminalpolizei stütze. Dr. Frey wollte, daß der Zeug« auf Grund seiner Erfahrungen auch Auskunft gebe, ob leichtsinnige Leute vorwiegend nuglanb- würdig feien. Dr. Weiß kann das weder befahren noch oerneinen. es hänge das von dem Einzelfalle ab. Damit war die Vernehmung dieses Zeugen beendet. Hierauf wurde die Kriminatpolizeirätin W i« k i«g ef» Zeuge» aufgerufen, die in der Sache Krantz Ermittelungen angestellt und Hilde Scheller vernommen hat. Zeugin: Hilde Scheller machte bei ihrer Vernehmung einm sehr unbefangenen Eindruck. Sie kam mir lächelnd und durchaus zum Scherzen und zur Unterhaltung gmeizt entgegen.—• Vors.: Was meinen Sie mit Unbefangenheit?— Zeugin: Sie war harmlos, als wenn nichts geschehen wäre, und das zwei Tage nach der Tat. Sie sprach sich offen darüber aus, daß sie beim Küsten eine Entspannung gefühlt hätte. Da sie an den Verkehr mit zungm Leuten dadurch nun gewohnt sei, brauche sie so etwas, und dcswegm habe sie sich immer neu« Freunde gesucht." Weiter erklärte die Zeugin, daß der Vater Scheller ihr schilderte, wie Hüde ihrer Mutter entgegentrat, als sie diese zum erstenmal nach der Tot wiedersah. Sie habe getan, als sei nichts gewesen. Erst als sie gesehen halle, daß die Muller sehr er- regt war, fiel es ihr ein. daß auch sie ernst sein müßte. Dann aber war sie gleich wieder so, als wäre nichts geschehen. Sie zeigte eine innere Unbeteiligung. Bors.: �Oer Vater tadelt« also feine Tochter,«Nd dabei verhiell er sich doch ebenfalls so, nach Ihrer Ansicht." Zeugin:„Das habe ich auch angeführt. Mir fiel auf, daß der Bater. dessen Sahn doch tot war, vor einer Zeitung beim RRfelratev saß." Dr. Frey: Interessierte er sich nicht am meisten dafür, daß sein Geschäft keinen Schaden erleid«? Ich könnte nur auf diese Frage verzichten, wenn der Staatsamvall auf de» Dater als Zeugen verzichtet und das Gericht sich der Ansicht anschlösse, das Sind sei weniger schuld als die Ellern." Zeugin:„Als ich mit dem Bater über die nächste Zu» kunft seiner Tochter sprach, gab er mir zur Antwort, daß sein Geschäft wohl Schaden durch die Sache leiden würde." Dr. Frey: Paßt e, in Ihre Erfahrung, daß jemand als glaubwürdig erscheint, der sich so benommen hat, wie hier? Zeugin: Ich hiell Hilde Scheller für außergewöhnlich wenig bo- eindruckt und meine daher, daß ihre Glaubwürdigkeit sehr stark bezweifelt werden muß. Dr. Frey: Ich bitte nun. Hilde Scheller vortreten zp lasse» und zu fragen, ob sie auch diese Zeugin Lügen strafen o5ill. Hilde tritt darauf hervor und erklärt unbeirrt: Als ich damals verhört wurde, habe ich gar nicht gesprochen, sondern ich wurde nur gefragt. Zeugt« Wieling: Ich muh dem ganz entschieden widersprechen. Hüde hat manchmal bei ihrer Aussag« abvas gestockt, wen»«s sich lvn sexuelle Dinge handelte. Sie hat ganz harmlos erzählt. Damit war die Bernehtnung der Polizeirätin beendet. Di« Verhandlung, die ins Uferlose zu gehen schien, nähert sich nun- mehr doch einen: absehbaren Ende, so daß man Mitte der nächsten Mache das Urteil erwarten darf. Von der Verteidigung und der Staatsanwallschaft wurde auf ein« ganze Reihe von Zeugen ver- zichtet, darunter auf verschiedene Mitschüler des Angeklagten und der Zeugin Hilde Scheller, sowie aus Freunde beider. Auch Frau Scheller und den Vater Krantz will man nicht ver- nehmen, sondern nur den Vater Scheller und die Muller des An- geklogten. Dr. Frey bestand jedoch ans der Ladung des Geschäfts- sührers vom„E u ro p a h a u s". Das Gericht beschloß die Ladung, und darauf vertagte Landgerichtsinrektor Dr. Dust nach IS Uhr die Weiierverhandlung des Prozesses auf Sonn- abend früh 9�3 Uhr. Genossenschastswahlen gültig erklärt! praktische Wohlfahrtspflege der Konsitmgenoffenschast. Eine außerordentliche Generalversammlung der Konsumgenossenschast Berlin fand am 7. Februar im Gewerkschaftshaus statt: sie war erforderlich geworden, um den von kommunistischer Celle durch angestrengte Prozesse veranloßten Reichsgerichtsentscheidungen zu genügen. Nicht weniger als zwölf Tagesordnungspunkte wurden verhandelt, bei denen es sich in der Mehrzahl um Bestätigung von Beschlüssen handelte, die in früheren Iahren beretts gefaßt worden waren. Mll großer Mehrheit, zum Teil einstimmig, wurde einer Reihe von statutarischen Aenderungen zugestimmt, wurden die Bilanzen für die Geschäftsjahr« 1925/26 und 1926/27 genehmigt und der Erwerb von Grundstücken in Berlin. Sperenberg, F i n k e n k r u g und E i ch k a m p gutgeheißen. K o m m u n i- stische Dorstöße, die teilweis« recht unsachliche Formen an- nahmen, erfuhren ihre Erledigung durch Uebergang zur Xogesord- nung. Dem Bericht des Zentralwahllellers über die vor kurzem vollzogenen Wahlen zur Vertretergeneralversommlung ist zu enl- nehmen, daß nur ein Protest eingereicht worden ist, der sich zudem als unbegründet erwiesen hat: die Wahlen wurden von der Generalversammlung für gültig erklärt Infolge Stimmengleichheit in zwei Wahlbezirken hatte dos Los über zwei Mandate zu entscheiden, die beide der„Opposlliou"(Kommunistische Partei) zufielen. Die Generalversammlung zählt nunmehr 42 9 Vertreter der Gruppe„Genossenschastsausbau" und 179 kommuni st ische Vertrete r. Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat entfielen 499 Stimmen auf die Borschläge der Gruppe „Geitossenschastsausbau", 171 Stimmen wurde:: für die kommumsti- scheu Vorschläge abgegeben. Der 21 Köpfe zählende Auf» j i ch t s r a t setzt sich für die Folge aus 16 Vertretern der Gruppe„Genossenschastsausbau" uill> 5 Kommunisten zusammen. Die Wahlen der Bertreter zu den Genossenschasts- tagungen, ebenfalls aus Grund des Verhältniswahlsystems vollzogen, ergaben: für den Revisionsverbandstog 2 Genossenschastsausbau- Vertreter, 1 Kommunisten, für den Zeillralverbaiüzstag 2 Genossenschaftsaufbauvertreter. Im Laufe der Berhandlungen machte Geschäftsführer Mirus die Mitteilung, daß Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen haben, aus Anlaß der am 15. Februar erfolgenden Eröffnung des neuen Konsumwarenhauses am Oraniepplatz den erwarb s- losen Genossenschaftsmitgliedern eine Sonder- Zuwendung von 5 Mark zuteil werden zu lassen; für dia Berechtigung zum Bezug der Spende fft der Nachweis einer vier- wöchigen Erwerbslosigkeit und eines Umsatzes von 499 Mark im Geschäftsjahr 1926/27 erförderlich. Neuregelung der Sonntagsruhe. Der Polizeipräsident von Berlin hat durch Der- ordnung vom 8. Februar mit Wirkung vom 1. Mörz dieses Jahres die Sonntagsruh« im Handelsgewerb« neu geregelt. Danach fft der bisher an allen Sonn- und Festtagen gestalleta oll- gemeine Nohrungs- und Gmußmillal Handel künftig im wesentliche« auf den Handel mit frischer Milch(Milch jeder Art sowie Sahne) sowie mit Bäckerei-, Feinbäckerei- und Kondi» torwaren(mit Ausnehme von Bonbons, Schokoladen und Kon- fftüren) beschränkt. In den Monaten Juni bis September ist außerdem der Handel mit frischem Obst und mll frischem Gemüse in zwei Donmttagsstunden zugelassen. Verfangen Sie das verstärkte Formal und überzeugen Sie sich von der verbesserten Qualität! «ULlAf Beirugerische Wohnuugsvermiiiler. Wohnungsamt und Polizei schreiten ein. Das Nachrichtenamt der Stadt Berit» teüt mk; B« der Ae» arbaitung von ZlotrSHeo und Beschwerde» durch das Aentrch- Mohmmgsamt ist in letzter Zeit die Erftchrim« gemocht worden� daß die AnlrachteUer und Beschwerdeführer zur Erledigung ihrer Wohnmtgsangslegelrheiten sich in steigendem Maße«»geblicher „Wohnungsvermittler� oder �Dohn ungsvcrmitt, luugsbureaus� bedienen. Wederhost« öffentliche Hinweis« darauf, daß es den meisten dieser„VermMcr" nur um die „Einschreibegebühr" und die �Prooisian� zu tun ist, haben leider nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Dies«.�Vermittler", unter denen sich sogar solche befinden, die mit erheblichen Gefängnis- und Zuchthausstrafen vorbestraft stnt�»erstehen« immer wieder, ihre Auftraggeber durch das Märchen von den „guten Beziehungen" zu maßgebenden Woh- nungsbeamten.bei denen st« angeblich stets vorgriaffen werden, zur Hergabe neuer„Borschüsse" oder dergleichen zu bewegen. Ein- fachste, durch die Vermittler gestellt« Anträge, ein Gang des„Der- Mittlers" zum Zentralwohnungsamt werden oft mit vielen hundert Mark bezahlt in dem Glauben, daß nur die angeblich guten Beziehungen des„Vermittlers" die Sache zu einem guten Ende führen könnten. Es ist bedauerlich und erstaunlich, daß hierauf immer noch sehr zahlreiche Antragsteller und Beschwerdeführer hereinfallen, die. wenn sie ihre Sache selbst vertreten, sehr viel Gest» sparen und manche un- angenehme Enttäuschung vermeiden würden. Dem vereinten Vorgehen des Zentralwohnungsamtes und der Polizeibehörden ist es zu verdanken, daß einer ganzen Reihe derartiger„Wohnungsoermittler" durch Nntersazung des Gewerbebetriebes das Handwert gelegt wurde. ! parteinachnchtsnM�fürGroß-Berli»'?-« Genosse Hermann Ditlmanu KS Zahre alt. Heute begeht der Genosse Hermann Dittmann, Köpenick, Dorothsenstraß« 10, seinen 6.5. Geburtstag. Der Genosse Dittmann ist seit mehr als .50 Iahren im Dienste der Partei, Gewerkschaft und Konsum- bewegmig. Besondere Verdienste hat er sich in der Land- a g i t a t i o n erworben. Jetzt ist er wieder ausschließlich unter dem städtischen Proletariat totig. In der letzten Werdewoche war er einer dar erfolgreichsten Werber in Köpenick. Goldene Hochzeit eines Parleivelermien. Einer unser asten bewährten Kämpfer, der Genosse Otto Roack, Baumschulenweg, Baumschulenstroße 77, begeht am heutigen Tage mit seiner Frau Johanna das Fest der goldenen Hochzeit. Wir wünschen dem Paare noch recht gesunde Lebensjahre und danken ihnen für die bis zum heutigen Tage in unseren Reihen geleistete Arbeit. Sport. DomZor�cn behält dasblaueltand Breilensträier schlägt Buffi knapp. Im Sportpalast verstand es gestern abend Mittelgewichlsmeifler Domgörgcn, feinea JMfel gegen Hermann Hers« zu hallen. Noch einem bis zur dreizehnten Kunde völligen offenen Kampf schwamm in der 14. Runde Domgörgen. während die letztck Runde haushoch sgr Domgörgen entschied. Rreitcnsträker beschränkte sich im Kampf gegen den Italiener Vufsi aus Zermürbungstaktit etetentuig*» für dies« Sxdcü stvd Btcil» CS«. Liudrujtraße j, ftrl, a bat CcPxIttetntaxtat i-Kot,' Trr».«cht», z» richte». Sevft, EsiraaSrnd, IL ffebnunt, osn rlbttca&ura, üwlwqnftr. 4, Sarlfttfdx 7. Stet» adariottrvüurn ttttb �sAnbca. 17 bis IS Uhr, t-n Zus«ichh-W> Chorlsttenhurg, Rolwchiitr. SvrrchtwnS«. IB. Abt. Kanlsdsrf. Eenndrs, 12. Februar, 10 Uhr, Dtfichriguva der«-»»» Schul» in gaulsdorf-SSd. Treffpunkt S Uhr bei Efchcrrch. "" �-----"----"-b, U. Februar.» Uhr. .Die puntifda cr sowie ______ WWi..„ Stieglitz.«De©cnoitiurrn urib Senosse» »BnrwLrtr�.Leser und Snmpathifierrnd« find herzlichst e!nzelai>en. erwarten zahlreiches LrJcheioen. Sir Feaueaveravstaltullgea: Mb UM.«e Rott, des«reisbiwungsausschuffe» üb« hk 91 rf>rtif MKBhwt» schale trixt bzingeni) der Beachtuas empföhle». Bezirksausschuß für ilrbeiterwohlfahrt. I. Kerl» Wtl»e«dmf. Montag. 1». Februar, 20 Uhr pünttN». bei««iß, Holsteinisch« Str. so. Ecke Dafteiner Straße, Schnlungskurfuo. Thema: �Aufbau und Aufgaben ber DohIfahrtRapiter." Refcrcntin Senossin Minna Todenhagcn. Zahlreiche Beteiklanng wirst erwartet. Iungsozialisten: Senß. Berlin. Voranzeige: Montag, A. Februar, ISZH Ahr pstnMIch, i» Brrnßischr» Landtag, Priirz-Slbrecht-Str. Zimmer 12, Sefamtveranstaltnng. iöortrag:.«lageulampf und stulturpoluit." Refcreat Alexander Stein. Sinderfreunde Sroß-Verlin. «rri»«renzberg. Sruppe Südost: Seilte Rote-ssalken-Fahrt. Treffpunkt Gorck- Ecks Delle-Alliance-Straße, um 15% Uhr. Cä sind DO Pf. Fahrgeld und das Essen mitzubringen. Die Gegenwart hat den Sinn für das Tragische und Pathetische verloren. Dies ist der Grundgedanke der Aufjührungen, die Dr. Arnold Hahn unter dem Titel„Die Ausrottung des Tragischen" niit einer blendenden Dialektik den Hörern unterbreitet. Hahn sieht in der Liebe zum Tragischen eine erotische Perversität, etwas dumpf Barbarisches. Die Relativität aller Wertungen morali- lischcr Begriffe und der Siegcszng der Technik haben die Tragik zum Untergang verdammt. Tragik basiert aus Unklarheit der Gefühle, auf einer Bergewattigung des Verstandes durch das Gefühl. Klares Bewußtsein, das heute ausschlaggebend ist, bleibt, der Gegner alles Tragischen. Die Erkenntnis der Kräste, die das Weltall regieren, die Einsicht in die- sozialen, wirtsclMrlichen, künstlerischen und kulturellen Ideen zerstören die Liebe zur Tragik. Lachen notiert höher als Weinen oder edles Resignieren. Mag manches in Hahns Beweisführung überpaintiert erscheinen, der Hörer muß unbedingt den Willen zur Klarheit und Sachlicheit des Redners anerkennen: denn die meisten, die heute über die Vergangenheit spotten, opfern irgend- einem neuen Fetisch, und Hahn scheint von dieser Neigung frei zu sein.— Wends wird Handels Ezio aus der Städtischen Oper übertragen. Was gegen die Bühnenoufführung spricht, das Stag- niersn, die Trzpisierung der Handlung, die im Grunde schematische Musik, die streng den Regeln der klassischen Schule folgt, gereicht der Oper in der Ueberiragung zum Vorteil Man hört nur die Musik, die Handlung ist gleichgültig. Und gerade, well man nicht das Bühnenbild sieht, ist es belanglas. ob der Sänger bei Racheschwüren und Drohungen schmelzende Kantilenen sin#. Der Zwiespalt zwischen schauspielerischem Ausdruck und Musik kmpmt dem Hörer hier nicht zum Bewußtsein. Handels Ezio erscheint dem modernen Menschen, der durch die Schule des Musikdramas gegangen ist. wie ein Ora- torünn. Der Rundfunkhörer erkennt aber von neuem, daß die alt« Oper im Rundfunk die'stärksten Wirkungen erzielt. F. S. 43. Abt. Unser lonziLhrigcr Senosse und Mitkämpfer Sottkrteb «» s! i ck, Srstnauer Str. 85. ist nerstorde». Ehre seinem Anbenke». Ein. uschernng heute, Sonnabenst, IL Februar, ISZß Uhr, im Krematorium Baum- schulcnweg. Rege Beteiligung wirb erwartet. Sozialistische Ardeiterjiigend GwK-Ssrliii. Werbe bewirk Bedbiug.. Schiller-Liueume, Pank- Eck« träum». Mitwirke nbe: das und die Splelgemeiti'cko't der ""-%f. zu ha' iber.ö heute, 30 Uhr, Preise non 40 Pk. zu haben. «arte» zur Proletarischen Feierstunde am Sonntag, «näßigte« Preise im Zugendsekretaiiat zu haben. in der Aula de» .._s, Auffiihrurig des Sommernacht». r der Aufbauschule Reukölln, der Singlrei» 3.«arten find an der Abendlasse zum 12. Februar, find zu heute. Sonnabend. II. Februar. 1914 Ahr: .eim Litauer Str. 18. Wanderleiterknrs«. nziger Str. 62. Hebung der Tambourkapelle. Werbebezirt vsten: Zugendb Falkplatz H: Jugendheim Danzic Morgen, Sonntag. 12. Februar: Werbetezirk Osten: Zuaendheim Tilfiter Str. 4. Lichtbildervortrag:»Di« Ruhr von der Quelle bis Arnsberg."— Vannfee: Jugendheim im Zeiisiensaal der Schule Charlottenburger Straße. Lichtbildervortrag:.«inderrepudlil See- tamp.* Beginn 18 Uhr.— Werbe bezirk Prenzlauer Berg: Treffpunkt zur Fahrt nach dem Crvssinsee 7% Uhr Bahnhof Schönhauser Allee.- Renlölln VI: Spielen in der«önigsheibe. Treffpunkt S Uhr Hertzbergplatz, Zeitunask'osl. — Tegel: Jugendheim Bahnhofftr. IS, 20 Uhr.„Bor fünfzig Jahren."— Werbe bezirk Neukölln: Heimabend in Britz, Chausseestr. 48, IS:? Uhr. Bne- trag:„siulturlehre des Sozialismus."— Zempelhos: Treffpunkt zur Fahrt 7h Uhr Bahnhof Tempelhof. Abend» kein Heimabend.— FraaZiurter Bicrtel: Treffpunkt zur Fahrt fe Uhr Baltenplatz.— Mitte, KSlluiicher Park, Zentrum: Jugendheim Zehdenickcr Ecke iSormanusiraße, IS Uhr. Eemeinfomer(Sruppeu- ______ WWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWMW�W bezirk Schöneberg: Jugendheim Blllowstr. 88. Seimabend.— Steglitz: Jugend- heim Albrechtstr. 47. Treffpunkt zum Gruppen besuch um 15 Uhr am Heim.— Hurnaanplatz: Fahrt. Treffpunkt 7% Uhr Prenzlauer Allee. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Zteiche-Jmpfgegverzentrole, Sitz Berlin. Schöneberg. Eotenstr. 82. Dien». tag, 14. Februar, 20 Uhr, im große» Saal de»«riegervereinohouses, Berlin 31, Chausseestr. 94, Lichtbildervortrag zur Frage der Zwangsimpiung. Referenten Dr. med. Steintcl und Schriftsteller Reinhold Gerling. Eintritt frei. «»»t.Seselllibait, vrt»grnppe Groß-Berlin. Ilnioersitüt. neue, Aula-Ge. baude, Franz-Josef-Piatz igeocnüber dem Opernlmus). Hörsaal 1, Mittwoch, 15. Februar, 104 Uhr, Vortrag Rr. 123:„«onstitutionstppeu(vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt)". Prof, Dr. E. Otto, o. ö. Professor an. der deutschen Universttiit Prag. Eintritt für die Studierenden der Berlmer Hoch. Charakteeologie. Donnersiag. MW_______________ J3 Dt Gllnther stber:„Schau- spielerinnen.* Anmeldung von Gästen an Geh. Sanitätsrat Dr. Albert Moll, Berlin W 15,«urfürstrndamm 45. erbeten.. � Tierfreunde heran»! Berfammlung Mittwoch. 15. Februar, 20 Uhr. Wer. nicke» Festsool sJbachhan»), Potsdamer Str. SSM-, 2. Hot.«reistterarzt Veterinärrat Dr. Ltebert:.Praktisch- Wink- für die F-stst-llung von Tier- gnälereien." Fritz B-rfchak:.Die Erziehung de» Hundes' Aussprache. Ein- tritt frei,«äste willkommen.___ Arbeitsgemeinschaft für Forstschutz»ab Naturkunde S-nntag. 12. ff». bruar, B-stchtiaung der Landezanstalt für Binnenfischerei. Trerrpunft 914 bis 9*4 Uhr am Eingang der Landesanstalt in Berlin-Friedrichohagen, Seestraße, hinter dem Wasserwerk. Führung: Geheimrat Prof. Dr. P. Schiemenz. Briefkasten derRedakiion. Nein.- H.«.»7. ag oder Erlaß der Häuszinssteuer, da Ihr Gesamteinkommen mehl wöchentlich beträgt. 2. Rein.- A. 12 Der Hauawirt ist zur g der Mängel verpflichtet, da.es stch um laufende Insta-chfetzr L Sie habe» leine» Anspruch«ck ",t Gesamteinkommen� mehr �nl» T& «. F. 59. StmiÄung' 27 M."' atbatc'h" hudelt'' är"L"Reim"2 3-7 tz'Der SSuswirt rechtist, den Semeindezuschl-q i» Höh-»vn 100 Pro?., d-r Grundvermögen» steue? aus die Mieter umzulegen.— C, 12. Ja. Dre Steuer ist de» Zvu« IL Mär, 1927 zu entrichten.__ Wetterbericht der«ff er Mick) en wefferdienskstekle Setfln«nd Hmgegerb fRachdr. verb.). AnIanzS deivolkt mit geringen Niederschläge»«nd frisch» westlichen Wind», später etwa« Aufheiterung mit Ablühwug.— J8r_ fand: ßn Mittel-, Süd- und Ostdeutschland bewölkt Rorddeotichland unbeständig. � Rexensälle«, Ain ... Donnerstag, dem 2 Februar. derstard unser lieber Mitorbefter und stolleg«, der Buchbinder KerWMM vismsm im Alter von 71 Zähren. Den plötzitchen und unerwarteten Heimgang diese» schätzenswerten Menjchen betrauern wir aufs tteiste und werden fimer stet» ehrend ge- den kei, Berlin, den 10. Februar 1029. kesebitttLlellllllg«oä Sslri«d!i'»f der Vorwurfs Bu�bdraeterel. Beerdigung: Montag, den 18 Fe- bruar. 10 Uhr. von der kleinen Halle de» Istdifchen Friedhof» in Weißensee, Lothrwgenstraße. TKonlag.»«, 13. Jebruae, noch- nellkan* 5 Übe, Im Jtarlereafaal bn vaevoubshouse». t aiauffr.«3/3» Branchen Versammlung aller in der Ge!d!chr/z Uhr Reltel« deckpiatz. «rbefter» Sport»Vcrola Ptsbte I.A.!«irsch. Lreisrat des f. Kreises A T.-«. S.-B. J A: Reichert Möbel- Kameriing Kastanienailee 56 Hr-ubgrleßte Ptttlc. ZoMungserlfichier. lNoi lag. bem 13. Z»bruar. Z Ahr. in bea„atufftecfdt»»' »aifee-wtthefm-SfeoH» 31 - Versammlung � aller in den Znnungsbetrieben beschäftigieu Klempner. Tagesordnung: Stellungnahme zum Rahmen- und Lohntartf. Ohne Mitgltebsbuch kein Zutritt. Da» Erscheinen aller Kollegen ist Pflicht. Sie Otlsoernwiltnim. Leihhaus Hans Klekbaiseh[Q F" bübile Beleibmio ieds Wertsadie_ Danzl�er Slr.2ÄÄ »peziai- lehn«. >g UMU7„»! üinderbetlen 8,75! Bettwäsche! Inietlsl spotlbillig und gut! steine Lombardwareu. Leibhaus, Bruunenftraße 47.'* Nähmaschinen Liukpiano», llderaus preiswert. Piano» labrik Link. Brunnenstraße BS. Piano» 200,—, 175,—, 575,—, gebraucht. große Auswahl tu neuen; fang- 'ährige Garantie. Herer, Brunnen» iraße Hl. I Treppe. Rosenthaler Platz. Teilzahlung.' fahrrüder Teilzahlung. Riesenauswahl! Diamanträder. Görickcräder, Spellahrrader, Triumphräder, Multtplegräder, Wittler- rädet. 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Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 11. Februar 1928 Krankreichs Finanzen und Währung Gorgen und Probleme. 5n der ganzen Nachkriegszeit haben die französischen Staats- finanzen an einer Ueberbelastung durch iimerc Schulden gelitten, deren Fälligwerden zu allem Uebel meistens verhältnismäßig rasch aufeinander folgte. So hingen die Geschicke der sranzösischen W ä h- r u n g stets davon ab, ob es der jeweiligen Regierung gelang, soviel Vertrauen bei den Anlethegläubigern zu erwerben, daß diese mit dem Umtausch fälliger Sloatsschuldverschreibungen in neue— ebenfalls kurzfristige— Renten einverstanden waren und den Staat der peinlichen Verpflichtung enthoben, Barrückzahlungen aus Anleihen vorzunehmen, die er aus den Mitteln des an sich stark angespannten Staatshaushalls nicht Hölle bestreiten können. Die große Menge der in jedem Jahr fällig werdenden staat- Nchen Schuldtitel bedeutete eine Gefahr für jede Regierung, zumal recht erhebliche Beträge sich zusammengefaßt im Besig der Banken befanden, die gegebenenfalls in der Lage waren, mit ihrer chilfe eine allgemeine Panik zn inszenieren. Der große WSHrungssturz, der im Sommer 1926 in Frankreich eintrat, ist auf ein Manöver der Großbanken zurückzuführen. Seit dem Frühjahr 1926 legten die Banken fällige Staatsschuldtitel an den Kassen des Staats zur Zahlung vor, anstall sie, wie bis dahin, zu verlängern. Die Folge war, daß die kleinen Rentner un- ruhig wurden und ebenfalls zum großen Teil auf Barzahlung be- standen. Da ernstlich zu befürchten war, daß der Staat die Milte! zur Bezahlung der später fällig werdenden inneren Schuld aus der Rotenpresis werde nehmen müssen, fiel der Frantenturs well Wer ein den wirklichen Berhällniffen entsprechendes Maß hinaus. Als es Poincart später gelang, das Vertrauen in die Zah- kungskähigkell des französischen Staate» wiederherzustellen, konnte er darum nicht allein eine Stabilisierung des Frankenturles durchsetzen, sondern brachte es ohne Schwierigkeiten fertig, die Währung auf den Stand wiederaufzuwerten, den sie vor Beginn des großen Sturzes innegehabt Halle. Die französische SkabilisiernngspoNtik, die seil dem derbst 1926 eingesetzt hat, ist nicht, wie in anderen Ländern, in erster Linie Währungspolitik, sondern vielmehr Finanz- Politik gewesen. Das wichtigste Problem, das Poincarö bei der Uebcrnahme der Regierungsgeschäfte zu losen hatte, war, die Berrrauenskrise der Anleihegläubiger zu beheben. Er hat sich dieser Aufgabe zu entledigen gesucht, indem er systematisch die Laiifzeiten der inneren Schuld verlängert hat, um so— jedenfalls in der ersten Zeit— des lästigen Drucks entledigt zu fein, den dauernde Fällig- keilen innerer Schuld auf die Politik des Staates ausüben können. Darüber hinaus hat er sich bemüht, die Lage der französischen Staatsfinanzen in einem so günstigen Lichte erscheinen zu lassen, daß die Anleihegläubiger mll einer Verlängerung der fällig werdeirden Airleihetitel einverstanden waren. Mit dieser Politik der Konsolidierung hat Poincart bisher einen sehr weitgehenden E r s o l g g e h a b t. Sie ist aber noch nicht be- endet, und besonders im ersten Halbjahr 1928 häufen sich die Fällig- kellen der inneren Schuld zu einer recht bedrohlichen Summe. B i s zum 3. Juni 1928 wurden im ganzen ungefähr 22 Milliarden Papierfranken— Milliarden Goldmark— zur Rückzahlung fällig. Da im Staatshaushall für die Rückzahlung dieser Schulden keine ausreichende Deckung vorhanden ist, wird man versuchen müssen, den größten Teil dieser Schuld zu verlängern, und zwar mit weit hinausgeschobenen Fälligkeitsterminen, die den französischen Staat davor bewahren, daß er binnen kurzer Frist wieder vor neuen Schwierigkellen der gleichen Art steht. Eine Prolongation fälliger Schulden hängt immer vom Vertrauen des Gläubigers in den Schuldner ab, aber selbst wenn das Ansehen Poincarös und bohe Zinsvcrsprcchen dazu ausreichen, ein« derartige Festigung mit Ersolg durchzusührcn, entstehen aus ihr für die Zukunft der franzöfifchea Staatsfinanzeu Probleme, die heute noch keineswegs als gelöst angesehen werden können. In dem Budget des Jahres 1928, das mit 12 Milliarden Papiersranken im Gleichgewicht ist, sind für den Dienst der Staars- schuld 14i4 Milliarden Popierfranken— also rund ein Drittel des Gesamtbudgets— eingestellt Dieser Betrag, der sich weiter um die Beträge des Schuldendienstee erhöht, den die für die Verwaltung der schwebenden Schuld geschaffene Amortisationskasie durchführen muß, wird in den nächsten Iahten so lange zunehmen, als die Schuldenpolilik der französischen Regierung sich darauf beschränkt, fällig werdende Staatsschulden zu konsolidieren. Schon heute erscheint die steuerliche Belastung der sranzösischen Wirtschast außerordentlich hoch. Es ist darum sehr zweiselhast, ob die französische Wirtschast in den nächsten Jahren in der Lage sein wird, eine noch höhere Belastung des Budgets durch den Dienst der inneren Schuld ohne Gewaltkuren zu ertragen. I Die Sozialisten fordern t zur Crmöglichung einer schnelleren Tilgung der inneren Schuld und zur Entlastung des Budgets die Erhebung einer einmaligen Steuer auf das Kapital, ober sie dürsten mit ihrer Fätderung kaum Ms- sichten haben, da schon die Radikalsozialisten gegen jede Kapital- stener stimmen. Ein anderer Ausweg für die Entlastung des Budgets besteht in einer Herabwsrtung der französischen Währung, wie sie von Caillaux befürwortet wird. Aber auch die Aus- sichten dieses Vorschlages sind nicht sehr günstig, da ein neues Ab- sinken der Währung die Anleihegläubiger veranlassen würde, fällige Staatsanleihen genau wie im Sommer 1926 zur Varrückzahlung vorzulegen. So wird es bei einem geschickten finanzpolitischen Durchlavieren in der nächsten Zeit bleiben müssen, mit besten Hilfe es vielleicht gelingt, den notwendigen Ausgleich des französischen Staatshaushalls unter einer erhöhten Belastung durch die innere Schuld zu erreichen. Die Stabilisiervvg der franzLfifchen Wahrung durch Gesetz würde vor der Klärung dieses großen Budaetproblems zum min- besten alle Möglichkeiten abschneiden, durch eine Wöhrungssenkung die innere Schuld abzuwerten und so das Budget zu entlasten. Die wichtigste Doraussetzung der gesetzlichen Stabilisierung ist. aber die langfristige Regelung der inneren Schuld(Konsolidierung), ohne deren Durchführung es im Prinzip den Anleihegläubigern jederzeit möglich wäre, den französischen Staat zu zwingen, für die Rück- Zahlung von Anleiheschulden die Rotenpreste in Betrieb zu setzen. In der Währungspolitik befindet sich Frankreich heute noch in einem Schwebezustand. Nichts ist gesetzlich festgelegt. Alles beruht auf dem Vertrauen in die gegenwärtige Regierung und auf den Devisenfonds-bei Bank von Frankreich. Ein Fehl- schlagen der Konsolidierungsaktion kann die Währung von neuen, erschüttern, und so wird das Problem der Stabilisierung zu einem rein polltischen Problem. Jede französische Regierung wird in Zu- kunst in ihrem Bestehen davvir abhängig sein, ob sie sich in ihrer Finanzpolitik bemüht, den Wünschen der Anleihegläubiger, vor allem den Wünschen der Banken zu entsprechen, die ohne weiteres in der Lage find, mit Hilfe der Fälligkeiten der inneren Schuld Vertrauenskrisen über Vertrauenskrisen hervorzurufen. Daneben ist aber auch die Regelung der französischen Kriegsschulden nicht ohne Bedeutung für die Wahl des günstigsten Augenblicks für die gesetzliche Stabilisierung. g— b. Wirischastskritik eines Mütterchens. Zum Jahresabschluß der AGG.— Die Sorgen des Alters. Bald nach unserer Besprechung des letzten Gewinnabschlusses der AEG. erhielten wir den Brief einer Arbeiterfrau, den wir wegen der eingestreuten zu persönlichen Bemerkungen glaubten nicht oer- öffentlichen zu dürfen. Aus der anderen Seite ober spricht er viele», besonders alternden Arbeitern aus dem Herzen, deren Lage besonders schlimm ist. wenn sie alle ihre Ersparnisse verloren haben wie in diesem Fall«. Der Brief macht auch auf Fehler in der Be- trieb»- und Personalpolitik großer Unternehmungen bei Schwankim- gen in der Beschäftigung aufmerksam, wo Rücksicht auf die alten Leute vielleicht möglich wäre, und lenkt die össentliche Aufmerksamkeit auch aus das Schicksal der Alters- und Invalidenrentucr, das nach dem unverschuldeten Verlust aller Ersparnisse selbst dann noch traurig ist, wenn zur Atters- und Invalidenrente noch eine kleine Betriebs- Pension hinzuträte. Di« Wirtschaftskritik des Mütterchens geht des- halb viele an, und wir veröfsentlichen sie in allen Teilen, die nicht allzu persönlichen Charakter tragen. Der Brics lautet: „Alles, was mit der AEG. zusammenhängt, hat für mich großen Reiz, was Sie vielleicht verstehen werden, wenn ich Ihnen mitteile, daß niein Mann schon über 30 Jahre dort beschäftigt ist. Als ich nun die Morgenzeitung aufschlage und Ihren Bericht lese, kommt mir die Frage, wie es möglich ist, diese Gewinne zu erzielen, da doch dle Arbeit so schlecht war. Ich kann Ihnen mitteilen, daß auch früher manchmal Krisen eintraten, aber doch nicht so wie heute. Im Iabre 26 hat mein Man» ein Einkommen von 1263 M. gehabt, etwas mehr ist es sa im Jahre 27 geworden, aber den genauen Bescheid bekommen wir erst in den nächsten Tagen. Erst jetzt wieder muhte mein Mann aussetzen, was doch für uns sehr fühlbar ist. Nun heißt es immer, die AEG. hat große Aufträge, was nützt es aber, wenn die E i n t e i l u n g s e h l t. Es ist heut überall dasselbe, die Menschen haben kein Interesse mehr, es geht so rm Schlendrian, ob da einer Schaden durch hat oder nicht, ist den bessergestellten Beamten egal. � � Nun komme ich zum Kern der Sache! Wenn soviel Berdienst vorhanden ist, konnte sich dann die Generaldirektion nicht bereitfinden, ihren alten Arbeitern, die 30 Jahre dort sind, durch ein kleines Geld- Geschenk zu ersreueu? Wer 10» 20 und 25 Jahre bort tTt, bekommt ein Geldgeschenk, warum nun die Aelteren nicht mehr? Gerade setzt. wo wir alt sind, unser bißchen Erspari-s haben wir verloren, wäre »z ein- große Wohltat Aber wie gesagt, e- hat«in Mensch sür den «Nieren kew Herz. Sie haben in Ihrem Blatt schon manches zur Sprache gebracht. vielleicht ist es auch diese- Mal möglich. Da ich nun gerade beim Alte? «nOdanql bin, worum muß der Menjci� der teilleben» geklebt hat, Wohlfahrtsgeld annehmen, denn die Sozialrente ist doch Armengeld, ob das nun solchen Namen trägt oder einen anderen. Mr kennen Leute, die nie eine Marke geklebt haben, bekommen aber monallich 69 Mark Unterstützung, und was bezieht der Rentner? So ungerecht wie jetzr war es noch nie in der Welt. Ich könnte Ihnen so manches erzählen, alles zu schreiben, hat man keine Zeit. Ich bin aus einer Arbeiterfamilie, wir waren 13 Geschwister. Vater war 27 Jahre Arbeiter bei Borstg, als er starb. Mein Mann ist seit über 39 Jahren in Arbeit bei der AEG.. W>r hatten soviel Krankheit durchgemacht, aber Bettelei ist uns fremd, lieber sterben. Nun jagt mein Mann, die Rente, ja, das ist mein Recht, aber das langt doch nicht zum Leben, und Bettelgeld nehm« ich nicht...* Dieser Brief spricht für sich selbst. Er bedarf keiner Erklärung und Berdeullichung. Natürlich ist es falsch, durch persönliche Geld- geschenke einem allgemeinen sozialen Schaden abhelfen zu wollen, wenn es im Einzelfall u. U. auch ein Ausweg sein kann. Aber der Brief weist ja selbst aus die Wichtigkeit wenigstens regelmäßiger Beschäftigung im Alter hin. Er beleuchtet aber vor allem mit großer Würde den seelischen Konslikt. Dutzende von Iahren ehrlich gearbeitet zu haben und dann— nicht zuletzt wegen der verlorenen Ersparnisse— noch aus Wohltätigkeit angewiesen zu sein. Das ist in der Tat auch ein allgemeines soziales Problem, das die Defjsntlichkeit beschäftigen müßte. Neue Festigung des Eisenmonopols. Ausnahmepreise für den Waggonbau. Wie gemeldet wird, hat der Stahlwertsverband mit der Deutschen Wagenbauvereinigung, das ist der die Reichsbahn beliefernde Ring der deutschen Watzgonsadriken, ein Sonderabkommen sür die Stahl-, Formeisen- und Bandeisenbelieserung geschlossen. Die Be- lieferung erfolgt durch eine von den Werkshandelssirmcn gegründete Wagenbaueisenvereinigung. Der Bertrag soll von der Reichsbahn befürwortet worden sein. Es mag für die deutschen Waggonbaufirmen auch vom Stand- punkt der Reichsbahn zweckmäßig sein, niedrigere Preise und bessere Bezugsbedingungen bei der Eisenversorgung zu erhallen. Im voltswirtschaftlichen Interesse ist diese neue Sonderoer- etnbarung aber in hohem Maße unerwünscht. Sie bedeutet zunächst «ine Stärkung des Werkshandels und eine weitere Aus- schollung des freien Ctsenhandels. Weiterhin bedeutet sie eine neue Form und eine weitere Ausdehnung des Monopolist!- schen Gebietsschuhes. Endlich läßt sich, die Erfahrungen mit der Aoi schrecken, nicht absehen, wie derartige Sonderverein- borungen zur restlosen Beseitigung der freien Wirtschaft und die gleichzeitige Einräumung besonderer Vorteile sozial- und innen- politisch ausgenützt werden. Selbstverständlich, daß man sich Ar- bestgeberverbände anderer Kreise durch Preisvorteile gefügig machen kann. Infolgedessen besteht hier ein neuer Anlaß, daß sich das Reichs- Wirtschaftsministerium um die Politik der Eifenverbände kümmert. Das Kartellgefetz von 1923 hat auch einen§ 19,. der es möglich macht, gegen derartige, die Gesamiwigtschait schädigende Sondervereinbarungen vorzugchen. Wir müssen dem Herrn Reichs- wirtschaftsminister auf diese Möglichkeit aufmerksam machen. Entlastung des Gchweinemarkies. Ankündigung des preußischen Landwirtschafisministers. Nach dem amtlichen Preußischen Pressedienst hat Landwirt- schostsminister Dr. Steiger an den Reichsernährungsminister den Antrag gerichtet, zur sofortigen Entlastung des Schweinemarktes der deutschen Fleisch warenindustrie einen Kredit von drei Millionen zur Verfügung zu stellen, und zwar aus deist für die Organisation des Fleischabsatzes in Aussicht genommenen 39- Millionen- Fonds. Die Fleischwarenindustrie könnte mit Hilfe dieses Kredsts wöchentlich einigte tausend Schweine über ihren Be- darf hinaus zu Dauerwurst, Schinken und Speck verarbeiten, die dann in den S o m m e r m o n a l« n Juli— September zum Verkauf kommen könnten, wo stets eine faisomnäßige Erhöhung der Schweine- preise eintritt. Weiter hat sich der Minister für eine Förderung des bereits bestehenden Exportes von fertigen Fleischwaren ein- gesetzt, der im letzten Jahre schon über 13 290 Zentner betrug. Dieser Export könnte dadurch gefördert werden, daß den Fleisch- Warenfabrikanten der Wettbewerb im Ausland durch eine Export- Vergütung erleichtert wird, und zwar in der Form eines Einfuhr- fcheines im Werte derjenigen Gerstenmenge, die für die Herstellung einer gleichen Menge frischen Fleisches erforder- lich ist. Zwei Drittel des Kapitals verlorengegeben. Warnnt?— Die Verwaltung schweigt. Ganz überraschend kommt die Verwaltung der Maschinen- sabrit Germa n.i a A.-G. i n C h e m n i tz mit dem Vorschlag, ihr Aktienkapital von 2,8 auf 0,93 Millionen Mark, also auf ein Drittel zusammenzulegen. Das Unternehmen stellt hauptsächlich Kältemaschinen und Brauereianlagen her, gehört also zu einem Industriezweig, der im vergangenen Jahr sehr gut beschäftigt war. Wenn also die Verwaltung, die ihren Antrag noch vor der General- Versammlung zu vertreten hat, Absatzschwierigkeiten und daraus ent- standene Verluste anführen sollte, so kann das nicht, an der Kon- junktur, sondern nur an der Verwaltung liegen. Andererseits konnte aber noch bei dem letzten Abschluß für 1926, der erst im Mai 1927 der Generalversammlung vorgelegt wurde, von finanziellen Schmie- rigkeiten keine Rede sein. Es wurde ein Reingewinn von über 89 999 Mar! erzielt und die Bilanz schien bei 1,1 Millionen Mark Forderungen gegen 9ch Millionen Mark Schulden sehr flüssig. Dazu erklärte die Direktion damals, daß der Auftragseingang sich gedessert- habe. Irgend etwas muh also bei dem Unternehmen nicht stimmen, von dem die Oeffentlichteit seit Mai 1927, also in der ganzen kritischen Zeit, nichts horte. Di« Generaloersammlung im Marz wird hoffeni- lich in die Dunkelkammer der Verwallung hineinleuchten, was auch im Interesse der Belegschaft, die 899— 1000 Mann beträgt, erforderlich ist._ Die Teuerung in Frankreich. Paris. 19. Februar.(Eigenbericht.) Die Preis« steigen in Frankreich nach wie vor weiter. Der Index der Großhandelspreise, der im Oktober 1927 eine Aufwärts- bewegung zeigte, hat sich nach der n e u e st« n Statistik auch im Januar dieses Jahres um weitere drei Punkt« erhöht. Auch der Kleinhandelsindex ist um sieben Punki« gestiegen. Trotzdem bringt es das Pariser Statistische Amt, dessen Erhebungen für die Lohn- festsetzung von größter Bedeutung sind, fertig, eine Ermäßigung der Lebenshaltungskosten herauszurechncn. Der Index der Lebenshal- wngskosten sei im vierten Quartal von 591 auf 498 gesunken. Dem- gegenüber ist nur darauf hinzuweisen, daß der gleiche Index in Borde au x aus 571. in Marseille auf 694 steht. Die Relchsbank hat am Ende der ersten Februarwoche mit insgesamt 197,9 Millionen Mark Rückgang für Wechselkredite und Lombarddarlehen nur eine geringe Entlastung zu melden. Das ist natürlich, nachdem die Beanspruchung für den Ianuanlltimo ebenfalls auffällig gering war. Die Wechselbestände sanken um 129,3 auf 2243,6, die Lombardtestände um 68,5 auf 22,8 Millionen Mark. Ms dem Konto der zinslosen Girogelder der Reichsbankkundschost erfolgte eine Zunahme um 11,2 auf 599 Millionen. Der Umlauf von Reichsbanknoten ver- rjngerte sich um 213,3 auf 4937,8. derjenige an Rentenbank- scheinen um 11,3 aus 614,5 Millionen. Di« Goldbestände sind mit 1886,62 um 21,34 Millionen erhöht, der. Bestand ist an deckungsfähigen Devisen mit 292,83 um 3,15 Millionen Mark verringert. Oessenlltche Gelder zur Vermeidung einer Stillegung. Um die Stillegung der Zeche„Johann Deimelsberg' der Adler A,-G. für Bergbau in Essen, bei der 1599 Angestellte und Arbeiter zur Ent- laslung kommen würden, vorzubeugen, hat der preußische Kam- missar, Oberbergamtsdirpktor Dr, Weise in Dortmund, den Borschlag gemacht, die danebenliegende Zeche„Zentrum 4—6" unter Bei- beHaltung als Ein- und Aussah-tjchacht n.it der Bleche„Johann Deimelsderg" zusammenzulassen. Bei glkichbleibender Förderung könnten dabei etwa 399 Mann erspart werden. Die ,zwei Jahre dauernde Umstellung würde etwa 4 Millionen neues Kapital er- fordern, dos eventuell aus öffentlichen Mitteln beschafft werden soll. Der hier vorgeschlagene Ausweg icheint vernünftig zu sei«, Doch wird ernsthaft überlegt werden müssen, ob diese zunächst der Adler-Gesellschast dienend« Lösung nicht auch zweckmäßig von der Adier-Gefellschait zu finanzieren sein wird. Dies« Prüfung ist unbedingt nötig, wenn aus öffentlichen Mitteln verbilligte Kredit« gegeben werden sollen. Geschieht das, so wird man sich ztnn zweiten fragen müssen, welche Leistung der Allgemeinheit für dies« Hilf« zu geben ist. wenn die vargelchlagcnen Maß. nahmen zur Rentabilität führen. Der Zugrifs ans öfientlich« Mittel würde sonst allzu bequem werden. Die wayh u. Zrelkag A..G., die große westdeutsche Bousirmo- hat nach einem von ihr bei der Einführung neuer Aktien an der Börse oeröfsentlichten Prospeit einen Austxagsbestand im In- und Ausland«, der für das ganze laufenve Goschäftssahr eine volle Belchäftigunq sichert und auch für das erhöbt« Aktienkapital eine ausreichende Dividende erwarten läßt, Die soziale Zkattion im Mchtsblock. Die Mieterentrechtung beschloffen.- Kritik am Sozialprogramm des Zieichsarbeitsministers. Der Reichstag behaichelte gestern zunächst m zweiter Lesung die Novelle zum Reichsmietengesetz. Noch den Ausschuß- beschlussen soll das Gesetz rünstig nicht gelten für neue Mietverträge über Geschäftsräume und Wohnungen mit mindesten» sechs Zimmern. Die Novell« soll am 15. Februar in Kraft treten. Das Reichsmieteirgcfetz flMt soll bis SL März 1930 gellen. Abg. Kuhnt(Soz.): Di« Regierung hatte bei der Erhöhung der gesetzlichen Mieten aus 120 Proz. behauptet, o» würden in absehbarer Zeit leine wetteren Mietstelgerungen mehr vorgenommen werden. Nor wenigen Wochen jedoch hat dag Reichsarbeitsministerium ein« neue Denkschrift herausgegeben, in der sich der Satz findet, es müsse immer wieder die Frage aufgeworfen werde«, ob nicht eine weitere Erhöhung der gesetzlichen Miete notwendig sei.(chört, hört! bei den Sozialdemokraten.) So sollen den Haus- und Grundbesitzern neue Millionen zugeschanzt werden. Das ist eine unerhörte Bevorzugung der Häuser« spekulanten und der Besitzer von Grund und Boden. Man beruhigt die Hausagrarier und baunruhigt die hungernden Mieter. Die Sozialdemokratie wtrd demgegenüber im Steuer ousschvh den Antrag stellen, die Miete wieder aus 100 Proz. der Friedensmiete herabzusehe« und die Hausztnssteuer nur für die Förderung von Wohnungsiieu bauten zu verwenden. Dem Unfug der Lockerung der Wohnungswirtschaft muß endlich EinHall geboten werden. Tauseirde und aber Tausende von Geworbetreiben- den sind durch die bisherigen Lockerungsverordnungsn bereits in das arbeitslose Proletariat gedrängt worden. Hier herrscht«in furchtbares Elend, unzählig» Gewerbetrsibende ver» fluchen die Locksrung der Wohnimgswirtfchoft. Im Gegensatz zu den Forderungen der Gewerbetreibenden gehen die Vestrebungcn der Wirtschaftspartei dahin, den Misterschutz völlig auf« z u h e b e n. Kennzeichnend ist. was ein Regierungsver» treter im Ausschuß dazu erklärt hat: Wenn die Antröge der W i rt s ch a s ts pa rt e i an- genommen und durchgeführt werden sollten, dann würde es in Deutschland zu Mord und T v t s 6) l a g kommen.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir uns gegen diese Gewinnsucht wenden, so meinen wir den organisierten Hausbesitz, und nicht die kleineren Hausbesitzer, die ein ganz anderes Interesse haben, und die die Wirtschaftspartci gern vor ihren Wagen spannen möchte. Wir werden diese kleinen Hausbesitzer aufklären und ihnen sogen, zu weichen reaktio- närenZwecken sie van der Mrtschaftspartei mißbraucht werden sollen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nachdem Redner die Hallung der Bolkspartei scharf kritisiert bat, fahrt er fort: Eigenartig ist auch'die Stellung des Zentrums, flm Jahre 1922 hat der Zentrum sabgcordnete Schlack erklärt, daß man in der heutigen Zait den absoluten Eigentumsbegriff nicht mehr a u f re cht« r h akeen könne. Jetzt ober sagt dar Zentrums- abgeordnete Tremmel, daß dos Eigentumsrecht in stärkerem Maße in den Vordergrund treten müste.(Hort, hört! bei den Sozialdemokraten.) Jetzt treibt das Zentrum Wohnung?- politikfürdieHausbefitzer. Der Maler Heinrich Zill« hat einmal ekne Zeichnung von Berliner Methausern herausgegeben. die die Unterschrift trägt:„Ilidtf nur mit der Axt. sondern auch mit den Vohnunge« können Menschen totgeschlagen werden." Viele taufende Menschen sind in der Tat totgeschlagen worden, weil sie nicht genug Licht und Raum hallen. Wir werden nicht ruhen, bis die Forderung verwirkliöst ist: Ein freies Volk auf freiem Boden! (Lebhafter Beifall bei den Sdzjaldemokraten.) Abg. Winnefeld(D. Vp.) begründet den Antrag, das Woh- n u n g s m a n g e l g e s« tz mit dem 1. April 1928 aufzuheben und die Wohnungsämter und Mietemigungsämtcr spätestens mit dem 1. Juli 1928 aufzulösen. Abg. Zapf(D. Vp.) fugt hinzu, die Zwangswirtschaft müsse endlich vers chw i n d e n. Abg. Lücke(Wirtsch. P.) beantragt, dos Reichsmietengesetz nur noch für kaufende Mietverträge weller gelten zu lallen, nicht aber für Mietverträge, die nach dem 1. Januar 1928 abgcschlosien sind oder werden. Der Hausbefitz dürfe nicht länger sozialistischer Bsutegier ausgeliefert sein. Abg. fjölleio(Komm.) meint, der kleine Lücke mit dem Stier- nacken habe dos blödsinnigste Zeug wiedergekaut(schallende? Gelächter), das er schon im Ausschuß vorgebracht hätte. Abg. Dr. Slelniger(Dnat.) weist auf die bedenk!, che Tatsach« hin, daß 16 Proz. des gesamten deutschen Hausbefitzes sich in Händen von Ausländern befinden. Die Opposition wird niedergestimmt. Daraus werde« sämtliche AeuderungsantrSge ab- g el e h n l, das Gesetz selbst in zweiter und drikler Lesung nach den Ausschußbeschlüsseu gegen die Stimmen der Sozlaldemo- k r a l e n. Demokraiea. Kommunisten, Völkischen und Ilalioualsozia. listen angenommen. Annahm» findet u. a. eine Entschließung der Demokraten, auf di« Länder«in�iwirken» damll größere Teile der Hauszinssteuer für die Erhallung des Ältraumhausbesitzes abgegeben werden. Die gestern zurückgestellte Schlußabsttmrnung über dl« Ilo- volle zum Mieterschuhgesetz ergibt deren Annahme mit der Rechts- blockmehrheil. Haushalt des Arbeitsministermms. Es folgt die zweit« Beratung des Haushalte des Reichs- arbeitsministerium«, mit der die erst« Lesung einer vom sozialpolitischen Ausschuß vorgelegten Novelle zum Betriebs- r ä t e g e f e tz verbunden ist. Danach soll der Betriebsrat oder wenn dieser es unterläßt, der Arbeitgebor oder wenn auch dieser oersagt, der Vorsitzende des Arbeitsgerichts nach Ablauf der Wahlperiode einen neuen Wahluorstand bestellen. Den Arbeitgebern wird ferner untersogt, dt« Arbeitnehmer in der Aus- Übung der Rechte aus dem Vetrievsrätegesetz zu beschränken. Reichsarbeitsminister Dr. Brauns: Die Tariflöhne der meisten Berufe haben im abgelaufenen Jahre mindesten» gleichen Schritt gehalten mit der Steuerung der Leben shaltungsko st en. Die wirklichen Ver- dienste der Arbeiter gehen zuist großen Teil noch wesentlich über die tariflich festgesetzten hinaus. Auch in der A r b e 1 t s ze i t s r ag e sind Fortschritte gemacht worden. Mehr ol« 55 Proz der von der Statistik des Allgemeinen Deutschen Gewerkichastlrnndes erfaßten Personen hoben eine Wochenarbeitszeit bis zu 48 Stunden. Der Minister geht dann auf die Frage der internationalen Abmachungen auf dem Gebiete der Sozialpolitik über. Nach setner Meinung kommt es darauf an, ob die ratifizierten Abkommen auch wirklich durchgeführt werden. Sonst buche das Internationale Arbells amt Erfolge ohne inneren Wert. Das International« Arbeitsamt prüfe gegenwärtig Revistonsmöglichkeiten verschiedener Abkommen. Dazu gehöre auch dos Washingtoner Abkommen über den Acht- stundentag. Die englische Regierung wolle dieses offenbar nicht ratifizieren, denn sie habe seine Revision auf der nächst- jährigen Arbestslonferenz beantragt. Trotzdem müsse das deutsche Arbellsschutzgefetz, dessen Beratung im Reichsrat ihrem Ende eut- gegenaebe, weiter verfolgt werden. An der Entwicklung der Löhne und Arbeitszeiten in Deutschland sei das Ministerium höchst aktiv beteiligt gewesen. Allein die Anträge auf Verbindlichksits- erklärung seien gegenüber 1926 von 1000 aus 17 0 9, also um rund 75 Proz., gestiegen. Der Minister erinnert in diesem Zusammenhang an den Konflikt tu der Sroßelsemudustrie. Er stellte fest, daß bei den Verhandlungen im Dezember allerseit» davon ausgegangen wurde, daß nennenswerte Preis st eiqerun- gen vermieden werden müßten. Gerade das sei mitbestimmend gewesen für einen teilweisen Ausschub in der Einführung des Drei- schichtensysterns. Preiserhöhungen würden von den Arbeitgebern häufig damit entschuldigt, daß sie„unter dem Druck der Politik des Reichsarbeitsministeriums" erfolgt seien. Man finde es eben leichter und weniger gefährlich, ein Ministerium anzugreifen, als sich klar und deutlich etwa gegen übersteigerte Monopoltenden.zen anderer Wirt- schaftsgruppen oder auch gegen Mißstände im eigenen Lager zu wenden. Ein W o h n u n g s b a u v r o g r a m m auf viele Jahre im vor- aus hall der Minister für unmöglich, da die Baumöglichkeiten von der jeweiligen Lage auf dem Geld- und Kapitalmarkt abhängig seien. gcranzlehung aupläadischen Geldes zum Wohnungsbau sei gerechtfertigt. wenn es produktiv verwendet würde. Man solle doch anerkennen, daß die Zahl der Neubauten in den abgelaufenen Jahren ständig gesteigert worden sei Auch im kommenden Jahr will der Minister die irgendwie erreichbaren Kapitalien dem Wohnungsbau zugute kommen lassen. Er denke andenErlaßderKapitalertrags- st euer für Pfandbriefe und Koinmunalobligationen, an eine Käpitalerböhnng der Bau« und Bodenbank und eine Reichsbürgschaft für Zwischenkredite. Das Mißverhältnis zwischen Kosten des Neu- baues und erzielbaren Mieten möchte der Redner durch ver- bilkigtes Bauen und nicht durch Mietfteigermigen beseitigen. Die ungünstige Entwicklung des Arbeitsmarktes in den Winter- monoten scheine sich wieder zum Besseren zu wenden. Für das A n- wachsen der Zahl der Hauptunter st ützungsempfän« gcr in der Arbeitslosenversicherung auf rund 1.4 Millionen seien offensichtlich besonders starke Saisoneinflüsse verantwortlich zu machen, daneben auch gewisse Reibungserscheinungen bei der Durchführung des Neuen Bersicherungsgesetzes. Das Anwachsen der Arbeitslosen aus dem Land« scheine darauf zurückzuführen sein, daß «in Teil dar Saisonarbeiter im Winter in seine ländliche Heimat zurückkehre. Die Organisation der Arbellslojenversicheruna werde straffer gestaltet werden müssen. Die Angriffe gegen diese Organisa- tion wies der Minister allerdings.zurück. Die Ländesarbeits- ä m t a r seien von 22 auf 12 vermindert worden, die 900 Ar- bsllsämter sollen auf 500 vermindert werden. Di- Verwallungsreform der Sozialversicherung kosten auf«in Mindestmaß herabschrauben. D samkeü habe auch die endgültige Lösung der Kleinrentner» 'rage bisher verhindert. Diö Reichsregierung in ihrer Gesamtheit ei der Auffassung, daß die Entscheidung hierüber nur im Zusammen- bang mit der Verabschiedung des Gesamthaushalls getroffen werden könne. Der Minister beschäftigte sich dann noch mit der Landflucht, die sich bis tief in die bäuerlichen Kreis« hinein erstrecke. Ein? der wichtigsten Mittel, ihr zu steuern, sei das S i edl u n g s we s e n. Hier sei mancherlei geschehen, ober noch lange nicht genug. Die Rentabilität, die Derbilligungsmögllchteiten. die llmwandlung van Zwischenkrediten in Dauerkredste schienen noch nicht befriedigend gelöst zu sein. Der Redner betonte zmn Schluß, die Sozialpolitik verfolg« eine auswärtsgerichtete Linie, da» zeige ein Rückblick aus die Zeit vor vier Jahren Abg. Grotewohl(Goz.). Da» Reichsarbestsministerlum, gegen dessen Bestand noch große Teile unserer deutschen Wirtschast protestieren, ist eine derjenigen Staatseinrichtungen, an der wir nicht rütteln l äffen werden. Formell ist der Etat des Ministeriums übersichtlicher als etwa der Wehretat angelegt. Sachlich können wir diese Anerkennung nicht zollen. Auch wenn wir den guten Willen des Ministers an- erkennen wollen, so ist objektio die Tatsache nicht zu bestreiten, daß im Burgerblock jede sachliche Grundlage für eine erfolgreiche Ausweitung der Sozialpolitik gefehlt hat. Die umfassende Arbeiterfchutzgesetzgebung, die Reichs. kanzler Marx angekündigt hat, ist ausgeblieben. Ebenso ist entgegen den Zusagen die Lag« der Invaliden nicht gebessert worden. Die Sozialpolitik de» Zentrum, ist mit dem Fluch des Bürger- block» belade«. Zwar haben wir eine Reihe sozialer Gesetz« oer- abschiedet, doch hat oft das Verständnis für die Behandlung dieser fragen gefehlt. Ein grundsätzlicher Fortschritt ist die Arbeits- ose n Versicherung, die vom Landbund als Prämie für Faulheit, von dem deutjchuationalen Freiherm von Richthosen solar als perverse Plage bezeichnet wurde. Wir haben der Arbeltslosenversscherung zugestimmt, well sie«in« Selbstverwaltung in einer einheitlichen Reichsorgonisation und den Rechtsanspruch der Versicherten brachte. Doch ist das Gesetz noch nach vieler Rich. (ung unzureichenh. so in der Regelung des Einflusses der Versicherten in der Gestallung der II u t e r st ü tz u n g» s ä tz e, der Wartezeit und in den Bestimmungen über di« Krise n u n t o r- lt ü tz u n g. Bor allem muß bei dar letzteren die Frage der Be- dürstigkell besser geregell werden. Di« zmeimalig« Mieterhöhung um je 10 Prozent hat eine Cr- höhung der Mieten um Insgesamt eine Milliarde Mark gebracht, die weil- Volkskreis ise mit einer Verschlechterung ihrer soziale« cbenslage bezahle« mußten. Auf die Vchassung eines Wohnungsbauprogramms, das die Re- gierung vor drei Jahren als unbedingt notwendig proklamiert hat, können wir nicht verzichten, lieber die künstige Mietenpolitik !>at der Minister in seiner heutigen Red« nicht alle Zweifel be- eiligt. Wir erwarten gerade darin eine eindeutige Erklärung. Arbettslohn und Arbellszeit sind voneinander nicht zu trennen. Wir wissen es aus alten Erfahrungen: Ist die Arbellszeit hoch und ist der Lohn niedrig, don« gehi's mit Tausenden unserer Volks- genossen rasend bergab.(Sehr wahr! bei den Soz.) winkt da- gegen di» Arbeitszeit und steigt der Lohn, dann geht es auf der saziaien Stufenleiter aufwärts, dann steigern sich die Levens- onsprüche, dann ist ein wirtschaftlicher, kultureller, geistiger und seelischer Aufstieg zu verzeichnen. Aus dieser logischen Tatsach« wäre also der eindeutige Schluß zu ziehen, daß die Hebung weiiesler Schichten de» Volkes durch eine gesund« Lohn- und Arbeitszeilpolitik die einzige wahre nationale polltik ist.(Sehr richtig! bei den Soz.) Aber wir haben ja in den letzten Jahren gesehen: bei uns wird ia nicht nationale, sondern d eu tsch- nationale Politik gemocht, und deutschnationale Politik steht häufig genug mll den Interessen breitester Schichten des Bolkes in direktem Widerspruch. Weil die geistige Umstellung de» deutscheu Uuternehmertvmz zu diesen Fragen nicht ersolgt ist, blieb die Rationalisierung in Deutschland eine halbheil. nämlich eine Angelegenheit der Vermehrung der Produkt« und da- mll der Prof U e. Die einzige Wirkung war eine Verstärkung der Klassengegensätze. Ein Beweis dafür ist das Anwachsen der Tarif, und Lohnstrelligkeiten. Dos Arbellsministerium ist häufig genug allzu zaghaft bei der Festsetzung der Lohn- und Ar- beitsbedingungen vorgegangen. Es ist eins scharfmacherische Phrase. wenn gesagt wtrd, wir verbrauchten zu viel und erzeugten zu wenig. Die Gesamterzeugung und die Arbeitsleistung sind in Deutschland gestiegen. Bezahll wurde aber diese Steigerung von der deutschen Arbeiterklasse, von denjenigen Volksschichten, in denen Massen- arbeitslosigteit, zerbrochene Arbeiterschicksale und Trümmer von Arbellerhaushalleu seit Jahren zu verzeichnen sind. Das Unternehmertum erkennt das nicht an. In seinem Jargon gibt«s bei uns immer nur noch den stets begehrlichen und nie zufriedenen Arbeiter. Wir freUich wünschten nur, daß der deutsche Arbeiter nur einen Teil jener anspruchsvollen Lebensweise hätte. die viel« Prosit' und Dividendensch-ucker und viele Generaldirektoren mit 200 000 dt» 400 000 Mark Zahre-aehältern für sich ai» Selbstverständlichkeit in Anspruch nehmen.(Sehr richtig! bei den Soz.) Die Lohnsteigerungen des letzten Jahres haben keines- weg» zu einer wesentlichen Hebung der Lebens- läge beitrogen. Der Reichsinnenminister von Keudell hat ja in der Gesundheitsdentschrift selbst feststellen müssen, daß der Ikahrungsmitlclverbrauch von 1913 noch nicht erreicht ist. Der Ernährungszustand für ein Fünftel der Schulkinder wird als unternormal angegeben. In manchen Gegenden klagt man dar- über, daß nicht selten mehr als drei Personen auf ein Bett' an- gewiesen sind. Geradezu humoristisch wirken die Vorschläge des Innenministers, der unter anderem eine beharrliche Aufklärung über eine volkswirtschaftliche sparsame und gesundheit- ltch zweckmäßige Ernährung als Abhilfe dieser sozialen Mißstände empfiehlt. Es fehlt« nur noch, daß man dem Volke riet, sich mit dem Emieschen Rezept zufriedenzugeben: E s geht mir. täglich besser und b e s se r. Völlig falsch ist der Standpunkt der Unternehmer, die den Lohn als Kostenelement bei Kalkulationen immer in den Mtttelpunkt stellen. Im Gegenteil: 2c höher der Lohn ist, desto größer ist auch der technische Forlsc�ikt. Durch den Lersailler Vertrag haben wir unser wirtschaftliches Hilllerland verloren. Daher sind wir. wie kein andere» Boll der Well, auf die Stärkung des inneren Marktes an- gewiesen, den wir nur über eins aisständige und vernünftige Lohn- polltik erreichen können. Eine Steigerung der Umsätze hat zur Voraussetzung, daß man die kulturellen und die wirtschaftlichen Lebensansprüche d«r M«nscheri hebt. Zu erreichen Ist da« mir dütch«ine vsrnünstig« Regelung der Arbeitszeit. Hierin können wir von dieser Regierung und von diesem Reichstag nicht» erwarten. Man braucht sich nur an das jammervolle Arbeits- zellnotgesttz zu erinnern und an die Haltung der Industriekapitäne. die auf Rsichstog und Reaiorung pfiffen, als das Gesetz in Kraft treten sollte. Keinerlei Resserungserklärung kann uns von der Erkenntnis abbringen, daß der Achtskundentag in Deutschland nur dann sein wird, wenn lha sich die Arbeiterschaft selbst holt.(Sehn wahr! bei den Soz.) Auch wir teilen den Wunsch nach einer Vereinheit- Ii ch u n g der Sozialversicherung. Als Borbereitung dazu wäre je- doch eine Deneinheitlichung der Sozial st ati st ik notwendig. In der Tatsache, daß die Erwerdslosigkell fich mll zunehmendem Aller erhöht, verbirgt sich die Tragödie des allen Arbeiters. Die beiden Worte.zu all" find für viele Volksgenossen zum mirtschastlichea Todesurteil geworden. Hier fft eine Abhilfe dringend notwendig. Redner wendet ftch dann mll aller Schärf« gegen den bös- willigen Kmnpf der Interessenten, insbesondere gegen di« Angrsise von Apochekern und Aerzten gegen die Krankenkassen. Er ist nur ein Teil des Kampfes, der gegen die gesamte Sozial- Versicherung geführt wird. Es ist falsch, wenn das Unter- nehmertilm immer auf dem Wege der individuellen Selbst- Hilfe verweist, der dazu fuhrt, den einzelnen zu ent- wurzeln und ihn wastenlos den viel stärkeren wirtschaftlichen Kräften der Gegenseite auszuliefern. Der Slaal hat die Verpflichtung, die Arbeikskrask zu schützen. Da» deutsche Unternehmertum will mll seinem Kampf gegen di« Sozialpolitik, den Tqrispertrog und die Schlichtungsordnung die organisiert« Selbsthilfe der Arbeiterschaft oer hin. der». Im Grunde ist das ein Kampf gegen die Reichsvsrfassung, die jedem Deutschen ein menschenwürdiges Dasein zu sichern oer- spricht. Die Neuwahlen werden für die deutsche Arbeiterklasse«in Akt der sozialen Selb'lhllse sein mit dem Ziel, die deutsche Sozialpolitik gegen jeden Ansturm der deutschen Unternehmer zu sichern» und ihren weiteren Ausbau zu gewährleisten.(Lebhafter BeifaUt links.) Abg. Zmbusch(Z.) gibt zu, daß«r manchmal anderer Meinung sei als der Axbellsmini ter. Größer sei aber sein Gegensatz zu den Sozialdemokraten. Diese hätten also kein Recht, christliche Gewerk- schaster gegen den Minister auszusptelen. Auf dem Gebiet des Woh- nungsbaus könne noch mehr geschehen. Besonderer Fürsorge be- dürfe dasSaargebiet.wo die Not durch den sinkenden Kohlen- absag noch immer gesteigert werde.(Sehr richtig! im Zentrum.) Im ganzen Reich gehe es dem Bergbau am schlechtesten. Bei den HandelsoertragsverhaMimgen mit Polen müßten Garantien geschaffen werden, damll der ottdeutsche Bergbau nicht zum Erliegen komm«. Groß sei auch die Not der Landwirtschaft. Man Müsse di« Spanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreis ver- ringern, damit die Ändwirtschaft bessere Preise erziele und die Ar- beller doch billigere Lebensmittel erhiellen. Man müsse die Zahl der Drohnen oermmdern, besonders die von der Industrie ge- haltensn Journalisten. Die Verwaltung sei in der Wirtschaft wie bei den Behörden überorganisiert. Alle sozialen Gesetze habe da» Zentrum mll den Sozialdemokraten gemacht. Wie könnte diese also dem Zentrum vorwerfen, es sei reaktionär? Mll den Schieds- s v r ü ch e n hätten die Arbetter mehr Anlaß unzufrieden zu sein, als die Unternehmer. Leider ließen stch die Unternehmer immer lieber erst von den Schlichtungsinstanzen zu Zugeständnissen zwingen. Hie Urttsmehmer fOlsten doch einsehen, daß die heutigen Lohn- Verhältnisse unerträglich seien und daß der?lrbeiter nicht tzauernd in Keller und Dachräumen hausen könne.(Beifall im Zsn- trum, Gelächter bei den Kommunisten und Zurufe: Man merkt, es find bald Wahlen! Um 19 Uhr wird die WeUerbsmtung auf Sonnabend 12 Uhr vertagt. Unterhaltung unö �Vissen Das Versprechen. Von Chr. Eogelstost. Ez war ganz still in der Stube. Der Postexpedient Feddsrsen lag im Sterben. Frau Grete schlich auf den Zehen tn der Stube umher. Sie wischte stch die Augen, besonders dos schielende. S« weint«. Wie grausam war sie oft gewesen und hatte Hans ausgescholten; noch keinen Monat war es her, da hatte sie ihm gerade ins Gesicht geschlagen, daß zwei Bordcrzähn« mit drausgingen. Und jetzt lag er im Sterben. „Grete!" rief er mit äußerster Anstrengung. Sie kniete neben dem Bette nieder. „Grete, versprich mir, wenn ich tot bm, baß du dir bann einen zweiten Mann suchst." „Nie!" antwortete sie bestimmt. „Um unserer Kinder willen." bat er:„unsere danischen Beamtemvitwen sind so schlecht versorgt." „ijans! Niel chan«!" „Bin ich so schlecht gewesen... gegen.. Er Sonnt« nicht mehr sprechen und sah sie nur bittend mit seinen starren Augen an. Er schlief ein. Sic drückte chm die Augen zu und schwor in ihrem Herzen, olles zu tun. was in ihrer Macht stand, um seineu Wunsch zu erfüllen. Aber leicht würde das nicht fem, jung war sie nicht, sanst war ii« nicht, sie schielte stark mit dem einen Aug«, und sie hatte zwei .Vnder. Der Expedient wurde begraben. Grete dachte daran, dos Aug« operieren zu lassen, entschloß sich ober dann, ein Pensionat zu er- richten; sie war wirtschofllich und kochte gut, und sie wußte, daß der Wsg zum Herzen des Mannes durch den Magen geht. Da» Pensionat kam eigentlich sofort in Blüte. Aber das ganz« erste Jahr hindurch kannte sie sich nicht entschließen, und die Herren Pensionär« toten auch keine einleitenden Schritte. Abends, wenn sie zu Bell gegangen war, lag sie oft mit ge- falletsn Händen da, und starrt« ins Dunkel und sagte laut:„Hans. ich habe nicht vergessen, was ich dir versprochen habe: ich will alles tun, was in meiner Macht steht." Der Prokurist Schröder zog im März ein. Es war ein kleiner, dicker, ältlicher, zierlicher Mau». Sie merkte sofort, daß ihm ihr Essen außerordentlich gut schmeckte, er aß zwei Portionen von jedem Gericht und sagt« in einem fort„ah" beim Essen. Er war Junggeselle und hatte dreihundert Kronen festos Gehalt nnmatllch, war vollkommen schuldenfrei und muckste nicht, wenn sie mit ihm zankte. Furchtbar häßlich und schauerlich langwellig war er freilich. Die Kinder, Kaspar und Aloilda, brauchten aber jetzt notwendig einen Vater. Sie sagte, als sie eines Abends mit gefalteten Händen im Bett log. energisch:.chans, jetzt halt« ich das Versprechen, das ich dir tief in meinem' Herzen gegeben habe."' V. Tis fing an. Christian zu dem Prokuristen zu lagen,'er lächelte dankbar. Sie fragte die Kinder, wie er ihnen gefiele. „Idiot," sagte Kaspar.—„Gr hat«We häßlich« weiß« Narbe ans der Nase" bemerkte �llollda. Beide aber waren darin eini� daß er die Gutmütigkeit selbst sei.»■ Frau Grete setzte sich, als die anderen Pensionäre das Wohn- gimmer verlassen hatten, mit ihrem Kaff sc zu Schräder auf das TöfB. .Morgen gibt es Erdbeeren, die ersten vom Jahr, Christian. Trotz den Kriegszeiten." Er schmatzt« ordentlich und lachte und sägte:„Sielen Dank, Grete," wurde aber ganz verlegen hinterher. weil sie ihn so ansah.„Entschuldigen Sie, Frau Fcddersen," fügte er hinzu. ,Lch hoffe, Sie haben reell« Absichten." Sie sah ihm, so put sie konnte, gerade in die Augen.„Natürlich," murmelte er. Sie ließ ihn nicht w«..Ähre finanziellen Dsrhältnissc sind sa leidlich Ich weiß Bescheid Ich finde wirklich Sie können es sich erlauben, zu heiraten. Dt« Kinder hängen sehr an Ihnen. Ich halte Sie für einen gebildeten, bescheidenen und ruhigen Mann. Ich will alle Bedenken beiseite setzen. Ich will Ihnen verraten, daß ich meinem Mi den schönsten Baumen der dorfigen Gärten. Dabei sind ihre eigentlichen Blüten ganz unschembar, aber zwei groß«, lanbblatt- artige Deckblätter, die erst grün sind und mit der Entwicklung der Blüte schneeweiße Farbe annehmen, geben ihnen ein eigenartiges Auesehen. Dazu werden' sie von langen Stielen getrogen und sehen, vom Winde bewegt, wi« kleine, weiße Tauben aus, die unter dem grünen Laub hin uich heriflattern. T r' Lm Förderkorb. Von Srnst«reucher. Ich wäre in«nent Elsenbergwerk einmal bemoh« verunglückt. Ich war damals Anschläger an einem Blindschocht. Eines Margen» war etwas weniger zu tun, ich hotte Wagen abzuschieben und mar gerade allein. Sie wissen, daß ein Blindschocht nicht zur Perionem beförderung dient. Der Förderkorb ist nicht gedeckt, er Hot mm Wogen zu befördern. Ich hatte einen leeren Wagen aus die nächste Sohle zu bringen. Do keiner oben mär. der ihn abzog, fuhr ich mit aus. Oben öffnete ich das Schochtgitter. rletterte heraus, schob den Wogen aufs Geleis«, ging zurück und gab Signal: Korb hangt! In dem gleichen Augenblick bemerkte ich. daß ich meine Lampe nicht hatte: obwohl hier Beleuchtung war, brauchte ich sie für dm« Stollen. Der Korb senkte sich bereits, ich konnte noch hineinipringen. Als ich drin stand, als es dunkel wurde, fiel mit etwa? ein. Ich war in den Korb gesprungen und hatte die Schochttür" nicht S«schlössen. Ich hatte gar keine Zeit mehr dazu. Aber tn dem ügenblick, da ich die Sohl« noch sah, hatte ich bemerkt, wie der Wagen zurückzurollen begann. sDa« Geleise senkt« sich ein menig dem Schacht zu.) Im ordetUlichen Verlauf hätte ich einen Sieii, unter die Wagenräder galegt und das Schachtgitter geschlossen. Run konnte der Wagen langsam zum Schacht rollen, kippen und dia Oessnung hinunter sausen. Der Förderkorb hatte kein Doch. Um Gottes willen! dachte ich und damit war alles gemeint. Daß ich verloren war, daß ich zermalmt würbe non dem herebstürzenben eisernen Wagen. Wie soll ich dieses Chaos von Gefühlen beschreiben? Ich weiß, daß ich mich in eine Ecke des Korbes drückte, ins Dunkel starrte, daß ich noch Ueberlegung hatte. Wenn ich die Sohle erreichte, bevor der Wagen oben hineinstürzt«, war ich gerettet.'Aber der Korb fuhr verdammt langsam, der Wagen oben rollte gewiß auch langsam, kam an die Schachtössnung, die Vorderräder fuhren in» Leere, der Wagen neigte sich, kippte.--- Da war die Decke der Sohle! Mit einem Sprung stürzte ich hinaus und hinab, fiel auf Hände und Knie, kroch noch ein Stück weg und blieb liegen. Jetzt mußte der Wagen kommen l Es vergingen fünf, zehn Minuten. Mein« Hände bluteten etwas, es war mir ein wenig schlecht.--- Der Wagen kam nicht. Noch einer halben Stunde mochte ich die Probe. Ich lieh den Korb leer auffahren, signalisierte langsame Fahrt. Diellei äfi halt« sich der Wagen oben festgeklemmt. Der Korb kam oben an und hielt. Dann ließ ich ihn wieder herunter kommen und fuhr setzt selbst mit auf. Als ich oben ankam, wo? da» Schachtgitter geschlossen. Der Wagen stand einig« Meter entfernt still aus dem Geleise. Ich stieg aus und traf einen Hauer, der die Strecke reparierte. Von ihm erfuhr ich e«. Er war aus dem seitlichen S! ollen heraus- gekommen in dem Augenblick, als der Wagen zum Schacht rollt«. Er war hinzugssprungen, hatte da« Gitter zuaeworsen, den Wogen zurückgeschoben und mn Preis untergelegt. Sü»urde. ich(Pfrtfjst. Petersburg- Oie Meiamorpl T*t CdfcifHrtttr k«t„Irttil-Srthrng'. Dr. Otto Fried» laendrr, vrreffcntlilt.t ein Süiilein.�arnntcr. Eichel und Miitze" tTextil-Verlag G. tu. b. H., Verlini, das in vorbildlich abjet. tiver Weise Eindrücke von einer Eommerrcis« IKT? schildert. Eix tninedmen daraus diesen fesselnden Abschnitt. Wir gehen durch die Straßen: der breite Rewski-Prospekt. jetzt Prospekt des 2a. Ottober, ist erfüstt von flanierende» Menschen. Welcher Unterschied zu Moskau! Nicht umsonst haben die Russen diese Stadt ihr„Fenster noch dem Westen" genannt, und nrehr als Zufall dürft« es seht, daß ste einen fremden deutschen Namen trug. der zu ihrem ganzen Charakter iveit besser paßt als die Russifizierung Petrogrgd oder Leningrad. Moskau ist weit«her ein.Leningrad". 'eine Stadt, in der der Wille dieses Großen der russischen Revolution lebt, als St. Petersburg mit seinem fahlen Abglanz westlichen Lebens. Ein« Kleinigkeit sagt mehr als alles andere. In Moskau sind moderne Tänze verboten, in Leningrad wird auf dem Dachgarten des Hotels Europa nach Herzenslust getrottet und gesteppt. Die Menschen aus den Straßen sind mn einige Nuancen eleganter, sagen wir zugleich westlicher als in Moskau. Zwar herrscht auch hier bei den Männern die Mütze vor, aber statt des Kopftuches tragen die Frauen den modernen kleinen Hut. Gerade die größere Aehnlichkeit mit unserem Straßenbild läßt aber die Armut noch erschreckender und deprimierender als in Moskau zutage treten, zumal auch dem Lentngroder Straßenleben jene moralische Reinheit fehlt, die in Moskau immer wieder dem Fremden Achtung abnötigt. In Lenin- grad gibt es wieder Puder und Lippenstift, KasseeHäuser und zweideutig« Promenaden. Wie ist die breit« Prachtstraße des Newski doch durch schlechte Zeiten, Uelxrschwemmungen und den Mangel an Ausbesserung»- Mitteln heruntergekommen! Weite Sprünge tlasfen in den Fußsteigen: Einsenklingen des Pflasters, wie wir ste aus unseren Inslationisahren kennen, verunzieren den Fahrdamm. Trotzdem gibt es Baulichkeiten von monumentaler Pracht, di« auch heute geschont, ja gepflegt werden. Vi« strahlt der mächtige Bau der Admiralität mit seinen gewaltigen Straßenbogen. seiner breiten glatten Häuserfront in frischem gelben Glanz! Bald wird auch das massige Gebäude des Wtmerpalois wieder einen farbigen Aufputz erfahren, und dann wird wieder dem, der auf einem der kleinen Motorboot« die breite Newa durcheilt, da» Venedig des Nördens sein« chcvalereske Front präsentieren, liebenswürdig und heiter wie sin Bild von CanaUtto. Bon weiten Säulengängen umrahmt, liegt dagegen düster di« gewaltige Kasän-Kathedräle am Newski. Eindrucksvoller als st« und ebenso gewaltig beherrscht die Isaak-Kathedrale.«in schwer- blutiger renaissanceartiger Lau. von grandiosen GnmitsSntei gestützt, mit seiner Kuppel das Stadtbild. Nahe der Kathedrale ist das Peter« Denkmal. Zu ihm kontrastiert in schrofsstcr Welse das Denkmal Sllexandere lfl., geschaffen von den: Fürsten Trubetztoj. Welch ein UhUrjchied zwischen den beiden Kunstwerken! Da» ein« schwer und brutal: auf massigem Gaul sitzt plump und streng der Selbstherrscher. Am Zügel de« Nasses ahnt man«tue hart« Faust, und« ist. al» könnt« vom senseifigen Nfer die Schalt« d«r Prter.Pouls-Festung -Leningrad. ose einer(Siadi. bis vor den Sockel fallen. Dagegen da, Peter- Denkmal: stigendfrtsch kühn und zukunftssroh bäumt sich das Roß des gebieterischen Reiter« auf einem stellen Abfcmg von Granit. Ist in dem anderen Bild« stumpfe, dumpfe, deängsfigende Ruhe, so ist hier alles aufgelöst in Leben und Bewegung, dabei liegt doch Sicherheit und Bändigung in allem feurigen DörwärtswolleN. Unter dem Standbild Aleranders vor dem Okiober-Bähnhaf stehen die Worte: Mein Sohn, mein Bater wurden hingerichtet, Ich erntete Verachtung nach dem Tod. Als Dogelfcheuche stehe ich hier aufgerichtet, Al» Schreckgespenst der überwundenen Not. Der vorletzte allrussische Selbstherrscher Alexander III. Mag sein, daß dos Denkmal selbst zu dieser Inschrift heraus- gefordert Hot. Unter die Peters-Statue hat man nichts dergleichen gefetzt. Oder war es vielleicht deswegen, weil es Persönlichkeiten gibt, deren Bedeutung selbst nach Jahrhunderten so unbestritten ist, daß vor ihnen selbst der Spott des Gegners verstummt. Petersburg trug nicht nur den Namen seines Gründers, es war in seltenem Maße sein Werk. Die breiten Straßen und die großen Verwaltungsgebäude in bestem Potsdamer Stil, vor allem auch die Keinen eleganten Palais der Höflinge und die künstlerische Gestallung der Newaufer lassen die Atmosphäre um den großen Stadtschöpfer allerorten fühlen. Für den, der stch einmal mit Liebe w die merk» würdige aufwühlende Dichtkunst eines Tolstoi oder eines Doflssewsti versenkt hat, ist so mancher Straßenname lebendig. Ihm ist der abendlich« Newski-Prospekt. die Fanwnka mit ihrer avertümlichesi Kettenbrücke vertraut, als wären sie liebe alte Kamcrgden aus feiner Kindheit. Am schönsten ist di« Stadt in den Frühsommerwochen der weißen Nächte. Ein silbriges ungewisses Zittern liegt tn de? Luft, kaum, daß eine schmal« Dunkelheit wie ein flüchtiger Schatten über tun, Himmel huscht, und schon hat wieder der neue Tag begonnen, den«ur «in» Ahnung der Nacht vom anderen Tag« trennt. Gerade dies« Ungewissen Stunden der Ahnung und des Dämmsrns sind van wunderlichem Reiz. Sie spielen wie die heurc bleue von Paris eine leichte, unsagbare Freude auf, als möchten sie für die endlosen Wwternächte des Nordens entschädigen. Die Menschen sind von einer ssllsamen Erregthett und Aujgeschlossenheit. Kennen Sie jene end» losen nächtlich«» Gespräche, die am frühen Morgen die Menschen aufreißen wie ein Röntgeillicht? Für diese Gespräche ist da» Lenin« grab der weißen Nächte wie geschaffen, und die berühmten Inseln mit ihren Bänken unter spät knospenden Birke» sind dafür der rechte Ort. Geschlossen sind die eleganten Lokale von einli Kleine rot» bewimpelte Segelboote liegen rings um den Jachtklub, und an di« Spitze der Jelagin-Infel schlagen langsam und eintönig die Wellen. Fort sind Glan» Tanz, Ossiziere. Kurtisanen und Musikanten. Eni- zauberte Welt, entzaubert wie die Versailler Gärte« nach Anna 178». Dr. Ott» KrieölSnder. Sonnab., 11.2 28 Staats-Oper Am Pl.d.Republ. 8 Uhn Stasll. Sdiauspielli. 4js Gendarnunniarkt 8 Uhr Sonnab., 11.2. 28 Städtisdie Oper Bismarckstr fiesdil. VtrsteJImii. Th Uhr IM» Staat!. Sdiiüertti. Charlotlenburg 8 Uhr Ende gnt alles gut Volks büh ne Ttieito am SSlosplati 8 Uhr Hl. an SüflSneniacro » Uhr Schieber des Rahms mmmm Komische 1 8 Dhr Oper 8 Ubrl Heute! Premiere Harnes KleliTsI gewaltiges neues Revue.StUck: lieft' didt ans! Ein Abend ohne Moral in 39 Bildern Unter Mitwirkung von | preisgekrönten 1 60 fikt-Modeüen! DentsiliuM Norden 12310 Abonnementsbüro: Norden 10138—30, 10 183 SU. Ende nach 10 U. Robert Emmei Kammerspiele Norden 12310 81, U. Ende nach 10 fiaileii Sie, dal Coostaits sidi riditip MZIt? Die Komödie Bismarck 2414/7510 8't. U. Ende 10'/, U. Marcel Fradelh» Berliner Rieater Direktion Kuhnert. Iirlotlent/.SII 9I.Mlh.t70 8'/. Uhr Max Adalbert als Der Herr rot» Plscatorbfihne Hreit. a. Hollwiiorfilih Kurfürst 2001.03 Täglich« Uhr: Zum 25. Male: Die Abeniener des braren Soldatea Sdiwejk nit Mn PsHiDle� In«. Erwin Plsrafnr linXTSkl-OSIain Th.KOnigerStz. St. Bcrgm. 2110. Heute'i'JS Uhr Zum 1. Mala: Flucht m Mo Citnwftj Higlo: Utior hnarAr Komfldlenhaus Norden 0304. 8.13—10�0 Uhr. Bokospokas von Cun Göto Täglich 7* fo Uhr. Sonntag a. S Uhr Sonntag 2 Vorslellunfen. nachmittags 3'/j Uhr bedeut. ermäS. Preise Vorverkauf ununterbrochen geöffnet CASINO-THEATER»Uhr: Lothringer Str. 37. Die spanische Fliege. Auudtneiden: Gutschein 1—4 Pers. Pauleu 1 1 nur 1.10 M.. Sessel nur 1.00 M. 8s icajt-ä Nauendorf 7360. Allsertina Rasch-Glrls im Rahmen des groöen Varlete-Programinsl Sonnabends u. Sonntags le 2 Vorslellmiden 1»«.« Uhr- S» ru ermäBIgten Preisen das gawre Programm. Rsnaissance•�Theater Steinplatz 901. « othr: Coeur Bube. ItlAP-K aalttüinis-.Ribalt- u.ReklamemarkeB egen Nachahmung gesetzt esch. ■■ertigtseit ASJahr. als Spezialität Conrad MOlier ueipzig- Schkeuditz Fredde m. seinen 14 unerreicht XCr/Stfem Hierzu das groOe Varieli-Pregr. Sonnlaö 2 Varsleiinngen 2 S" u. 8 Uhr. 3» kleine Preise' Theater am lottbasser Tor Kottbizi.Mr Strafte». Täglich 8 Uhr Eiste> Süsser Feimaf in FiaSer Fünn! Jeden Sonntae nachm. 3 Uhr; eroQc FOBiinea-VursteUwag k(ungekürzt). Vulkspr. 0.40. 0,73, I,—, 1JK, 1.8V. 1.73 Mk. JmifZfiml Arnold Scholz. Hasenheide 1U8 Itt in den bayr. Alpen und Großer Aipenball. 7 eapellen /Nene Dekorationen 30 bayr. Mädeln. Sanatag: Er. UrtSliierfest P. �Ipeüdzü. 4 C art-circens. 1 3 Höchsflelstg. Vf, Uhr Fakir. Blacamanl SÄgliaIli8Pr. nltnRlacaman-< On Pdniraispalas Tägl.S'i.Uhr BALIER REVUE 2 Sonntag Vorstelle. 3 Uhru.8'/4Uhr nida. tatuu i'ar- itiHmt n iilb. Pn'i 10PfI100 Kleines Mr i Täglich 8'/, Uhr Erika GiLKser in Ctrelchen Für Jugendliche nicht geeignet Sonntag nehm. 4 U. Erika eumer In mir aie Eokotte fbeatar das Westens Täglich 8«,. Uhr Pinnttniansem letzte liebe Wir], Bergmann, XOrtj, QHIe, Albu Walhalla-Th.; Weinbergsweg 19/20| Eine lielieinadit Operettenschwank Lony Pyrmont in der Hauptrolle Vorzeiger dieses zahlen für Parkett I auch Sonntags statt 4,— Mk nur 80 PI. Sonntag, nchm.4 Uhr ädmeewUtdicB Parkett v. 30 Pf. an.| Lostsplelbaos gt/, Uhr Guido Thielscher Li» chemischer Maskenball M Sonnlag ist auch etwas Schönes'. Kommen Sie darum morgen zu dem MKenfest des Rheinischen Mllnergesangverejns>». Funkhaus Eintrittspreis Mk. X— Karuevaiistifche Abzeichen und Maske« am Saaleingang erhölmch Saalöffnung 5 Uhr OesdräflsaiifsliJir Tägl. 8V, Uhr Der Rundfunktenor Franz Haumann in der Operette frBlillDg an Rlieio Mn. f(iair. Ptem, Brihes Inffl-lirtitw. iirmilii» halbe Preise! Thalia-Theater 80.: Das Kamel gsM dutdi das Radelülir SziliotaiirNInn Öls. Künstler- Tb 8 Uhr: jTfiyic" uessing-Thealcr 8 Uhr „Rose Bernd" Hese-Yheater i Dir. SdioeewittdieD nd die 7 Zwerge nV, Uhr Der Pfarrer von iilrdiield PiaBetarima an Zaa (uläsj. /adiuttale Sink Noll. 1578 femis, die SAveslei der Erde. Vorführungen: 15Vj, 18.19-�21 Uhi Eintritt 1 M. tlzOrint. ISinun O.SS». Metropol-Th. TigL«'/, Uhr: Opcreticv.Oiienbacb Uu. lidtoüiii Ihm. Imu. ütmo. Mit!»«. Sonntag V,4 Uhr Kleine Preise erüfln Harauk Reichshalien•Iheaior S Uhr, Sonnig, nachm. 3 Uhr. Stettiner Sänger „Holtes floehenende" I nachm. halbe Preise. Dönhoff■ BrettM t Kabarett, VarlelA Konzert. Tanz. Blidier- Sonderangebot! Analole Pranco. 1. DleBratküche zur Königin Pcdauqne 2. Die Ulme am Wall. 3. Die Prohierpuppe. 4. Der Amethvstring. S. Komödlantengcschlchten. 6. Professor Bergeret In Paris. 7. Aul dem weisen Felsen. 8. Die Götter dürsten. 9. Der Aufruhr der Enget 10. Peter Norierc. U. Die Sehnsucht dos Johann Scrvicn. 12. Cllo Baltasar. 13. Die Perlmutterdose. 14. Der Brunnen van Santa Clara. 13 Blaubarts sieben Frauen. eder Band In Halbleinen geb. nur M. IAO Vlle ts Bände zusammen fürnurM. 2i— Vcrlagsanstalt„Courler" Berlin SO 16, Michaelkirchplatz 4 Damotv äscheret »IDEAL" Rick. B. Steffen Berlin Q34 Weiden weg Mt Mariy.burger Stjaie 10 Telephon Andreas 3326 [184 Verkauf Schwechten-Saal Berlin W. 35, Ldtzowslr. 76 ■■■■■---■■=3=3« Von Sonnabend, 1 1. Februar, bis Dienstag, 14. Februar 1916 täglich 19 und 2-1 Uhr: Filmvortrag Canada das Land der eigenen Scholle Ueberfahrt auf einem Dampfer des Norddeutsch.Lloyd Bremen Der bekannte Vortragsredrur WÄ üoiiüä SpEdm- Mj Der neue große Relsafliin der Dgrlng-FUm-Werke Hannovar zeigt nicht nur die wlrtechaftl. Bedeutung, sondern auch die Schönhelten und Reize,»owie einige seltene Naturwunder des unbekannten Canada Horatafler: Oörfng-FIlni- Werks Hannover In Gemeinschaft mit dem Nordd. L!o>d Bremen Preise Mk. 1.—, Mk. 1.60, Mk. 2— Vorverkauf: Theaterkasse A Wertheim. Bote n. Bock, Leipziger StraBe und Tauentzier.str. Näfteres siehe auch Piakate von RM 25000000- QOjo Denlscfie KominBnal-Gol(lanleilleY.1928 (1 Reichsmark---- 1/2790 kg Fdngöld). Wir stellen hiermit die vorbezeichneten RN 25 000 000.- S% Deutsche Kommonal-Goliianlelhe v. 192S zum freihfindigen Verkauf. Für die Sicherheit der Schuldverschreibungen haften der Deutsche Sparkassen- und Giroverband mit seiner Bankanstalt, der Deutschen Girozentrale— Deutschen Kommunalbank— in Berlin, sowie die Gewfihrs- fräger des Verbandes, zu denen die weit überwiegende Mehrzahl der deutschen Kommunalverbände gehört. Die Zinsen werden halbjährlich am 2. Januar und 1. Juli, erstmalig am 1. Juli 1928 gezahlt. Der Verkaufspreis beträgt bis auf weiteres 96% vom Seunwert zuzüglich Stückzinsen vom 1. Januar 1928 bis zum Zohiungsfage unter Abzug der Kapitalertragsteuer. SchluSschelnstempel Ist von dem ersten Erwerber gemäö§ 36 des Ka- pilalverkehrsfeuergesetzes nicht zu entrichten. Aufträge nehmen sämtliche Girozentralen und die angeschlossenen Landesbanken, sowie sämillefae deutschen Sparkassen entgegen. Verkaufssiellen InBerHn; Deutsche Girozentrale- Deutsche Kommunalbank— Brandenburgische Provlnzialbank und Girozentrale, Berliner Stadibank- Girozentrale der Stadt Berlin Berlin, im Februar 1928. Deutsche CtirOZCIllTÄlc — Deutsche Kommunalbank— rug'eich namens der angeschlossenen Girozentralen and Landesbanken. wmnu* \Ojtaudc:Jsx*jfCtäi.*ff 73.uuuiaeffi.i5Q\ lö-JEDEM' Ausnahme-Preise. MZU Hermann Lorenz InvalidemtraBe 161[73 Kaffee s Tee n Kakao Eigene Rösteret seil 1879 jlfeHjswWMim NaslobsKi Putbusser Straße 6 Qualitätsware/ Billigste Preise Kasseler-Rollen ahnt Knoch..o.'Sch*art 1.00 Bockwurst und Oampfwurst... I.vv velik.'LapdlakerWUrst l.2l> lizusm. Lsi/Orwllrel. 0.95 ff. Leberwurst... 1.40 1k. Teewurst.... 1.40 Hausm. Fleischwu.-sl 1.20 Speckwurst l ScNzSa. 0.90 Zungenw. 1.60 ■ Filetwurst.... 1.40 Jagdwurst..... 1.10 Bierwurst...... 1.40 Hildesheimer.... 1.20 Braunschweiger... 1.20 ßafülltsr Schinken. 1.20 C/estf,Schinkenwurst 1.40 KnÄbiauchwurst 1.211 Berliner Kattwurst tot 1.29 luinkuuclua..... 0.90 Schinkenspeck... 1.50 Mag. Speck«,. 1.10 Fettsr Speck... 1. 00 { Schlackwurst I. SchloSd" 'Otcelu*. Gegen rote HSnde Bttb Itnichbn» chatttforb« oermenbet man am besten M« schneeig wech». tettfiew i retne Leoeior. welch« den»attoen an 6 dem(bepchi jene matte Wetke verleiht, dt» Oer vornehmen Dam« erwünichl ist. Ein besonderer Sorietl Hegt auch darbt, dost dies« vnstchtdar« Manereme wundervoll fühlend bei Iutiretz der Haut wirft' und gleichzeitig ein« vvrtJgilche Unterlag« für Puder ist. Der nachhalltg« Dun dieser Trent« gleicht einem laufrisch gepfiüdlett Frtihiingsiiraust von Betlchen. Maigloachen und Nüeoer, ohne senen derüchltgfen Moichnsgeruch. den die ooniehme Well verabicheul.— Preis der Tube 80 Di und I M— 2n allen THIorodonl- Berfauisstellen zu haben.— Bei dtreiler(Einfcnöuna dieses Inserates als Druchache mit genauer und deutlich aeichriebener Abienderadreise aus dem Um» erhalten En«ine ffeine Probesenduna loiten- durch Leo- Werl« A.-S.. Dresden-SL 8 r C. G. BruchmQller�B Beillo. üroSe fkZvNM Slra3e 183- Pankow, Brslto StraBe 4 a Gemüse-Konserven I Backobst 2 Pfd. 0.69 1 Pfd. Calif.Pflanfflen0.48.'.58 Spinat, difkeiogekodit 0.64: Saota-Oara-Pliaoaieyroao.äS Berliner Allerlei. 0.70 fiemfise-Erbsen. 0.72 Schoten b Karotten 0.80 Wflrfel-Karotten. 0.40 Rote Rüben... 0.54 Schnittspargel. 1.75 Stangenspargel. 1.85 1 Eotstelote Pfianmen 0.55 Californ. Birnen. 0.05 Callforn. Pfirsiche 0.00 : Callf. Aprikosen. UO Amerlk. Ringäpfel 1.15 Oem.Backo�st 0.85, 0.60 Türk. Pflaumenmus 0.45 BratfunflllenFrlllufadisltaKao.feinschni., i Pid 0.05 Brnchmöllers Schokolade-Snezial JSÄ't"« 1.00 >« Mlerbsnlg vewhmduezug 5.{Raffe 30. Pkeustilch-Lubbeiulch««iaffen-Lotterte. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus sede gezogen« Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gesellen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Rümmer tv den beiden Abteilungen l und II 8. Fiehungsfag«- Sedruar IS2S Vn der Nachmittageziehnng worden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinn« M 25000 M. 8831 s 2 Gewinn» ,» Ivovo W 24S588 2 Gewinn» z» 8000 M. 21 144 ,4 Gewinn,»u 2000«l. 61462 94973 148967 205663 261612 322681 867262 32 Gewinne n> 1000«l. 179 30341 36096 47788 69271 1,6633 160993 ,70738 173031 25S24S 234002 293096 346931 347619 38631 1 369776 94 Gewinn« ,« 600 NN. 901 6778 17012 33344 33969 41266 60001 64196 71828 74601 0336S 95783 111433 120176 122333 129121 130338 136198 141440 154162 165320 167892 175015 189827 191074 204983 228855 261518 269092 273269 274834 294404 305795 308088 317024 321787 323260 329381 332698 334017 340587 347509 353503 354533 3650 I 0 3681 I 9 372 I 88 1 66 Gewinn» n> 300 M. 61 7372 21036 27871 30940 34478 41142 41369 4 1531 48034 82677 63132 63164 86866 57433 59404 62572 67733 70042 73926 75667 76116 79930 82507 85104 85906 88135 96141 101937 109679 107523 117090 123048 125355 129068 154576 167134 163438 163514 167490 170145 174331 192865 194661 201305 210761 214490 221418 225928 22S568 231128 236989 038363 251838 253944 259470 263144 268168 269036 271332 276314 277630 284726 206582 298944 300637 311303 316974 317470 319158 323751 332396 364803 37?733 343420 362736 364607 3666� 366376 360054 3. Ziehmigefdg On der Bormittagsziehung worden Gewinne 2 Gewinn» n> 10000«z. 187276 2«evtnn» ,» 5000 W. 340248 14 Otaauu tu 3000 ZL 1261 60459 118269 166071 187219 187272 299099 6»evtnn, ,u 2000 TO. 90498 109334 228797_______ 22»e>»n« gu 10OO TO 23338 69422 100813 104079 167870 190706 199539 229098 231 104 266335 336836______ 78 Gewinne m 600 TO 11171 17463 19788 40530 40548 48653 87620 60399 62997 94247 95976 100585 105276 103034 126797 126977 134472 157081 169657 170807 172301 188247 193S24 237281 249108 250710 251355 272831 285906 302765 303445 312o43 330016 331928 359434 368336 370033 1 94»eivmne m 300 TO 627 2767 7047 10638 18749 20817 31792 36903 37705 39409 41580 46249 49575 36078 57214 58239 3P6'3 63792 63875 65975 71329 77182 80572 81672 87295 �587 1040�6 109861 114620 125153 125813 126798 127357> 29183 132583 1336o3 137176 137679 138364 144756 I 43460 162495 155136'56681 58262 169180 161609 163522 163820 164697 169798 180322 183160 186824 187203 192619 192966 196116 199385 199742 199873 202636 2083Ö8 213929 222390 224013 231159 232366 245129 249059 252692 25604» 263302 265094 276570 276704 277514 285591 293526 290007 30O606 301244 3C8213 303353 310746 312684 319225 322028 32Ö716 327300 328289 328348 340070 350824 3631 31 366888 37048* 1V. Febrnor 1928 über 150 M. gezogen