Ur. 361. Erscheint täglich oulet Montag». Preis pränumerando: Viertel- jährlich z.zo Mark, monatlich i.io Ml., wöchentlich SS Pfg. frei in'» HauS. Einzelne Nummer e Pfg. Eonntags-Nummer mit illustr. Sonntags. Beilage„Neue Welt" ig Pfg. Post. Abonnement! S.So Mb pro Quartal. Unter tbreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 M.. für dos übrig« Ausland 3 Ml. pr. Monat. Eingetr. in der Pos»- Zettung«- Preislift» für 1895 unter Nr. 7iu. 13. Jahrg. JnserlionS-Sebühr beträgt für die sünfgespaltene Petitzetle oder deren Raum to Pf., sür Vereins- und Versanimlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedilion abgegeben werden. Tie lirpedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und fsesttagen bis s Uhr vormittags geöffnet. L»r»svr«ch«r: Zimt 1, Ztr. 1508. U«lepramm-Zidrrss»: nf alUUfttMkrat OerUn". Berliner VolKsblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. YedaKtion: SW. 19, Wettty-Straße 2.||| Donnerstag, den 7, November 1895. III Spedition: SW. 19, Weuty-Siraße 3; Die oeienkaliMe ist lvieder aufgerollt, so schriebeil wir gestern; und daß dies richtig, kann angesichts der Thatsachen und der gcsanimten politischen Konstellation niemand bestreiten. Und zn keiner Zeit früher war die orientalische Frage so vollständig. ihrem ganzen Unifange nach, aufgerollt, wie das gegen- lvnrtig der Fall. Die� orientalische Frage wird von den Engländern, die in erster Linie an ihr interessirt sind, die Eastern Question genannt— die ö st l i ch e Frage, die O st f r a g e. Sie umspannt den Osten— den Osten Europa's, von der Türkei an bis südlich nach Egypten, mit der Levante und allein was wir unter dem Wort Orient begreifen: Mittel- und S ü d a s i e n mit Indien, und O st a s i e u. Das Ringen um die Herrschaft über diese ungeheueren Gebiete — das ist die orientalische Frage. Und die beiden Mächte, zwischen denen der Hauptkampf liegt, sind England und Rußland. Durch den Krimkrieg, vor jetzt 40 Jahren, wurde dem Vordringen Rußlands ein Damm gesetzt. Jener Krieg, der Frankreich an der Seite Englands sah, enthüllte die innere Schiväche des„Kolosses auf thöuernen Füßen", und war für Rußland eine noch größere moralische als militärische Niederlage. Die russische Flotte im Schwarzen Meer ward vernichtet, die Feste Sebastopol zerstört, und Rußland durch Vertrag zum Verzicht auf Herstellling einer neuen Kriegs- flotte gezwungen. Der Europa bedrohende Kopf des russi chcn Doppeladlers schien abgehackt. Aber es war wie mit den Köpfen der Lernäischen Hydra, die bekanntlich immer nachwuchsen, bis schließlich der HalbgottHerkules dasWciterwachsen gründlich verhinderte. Mit den Köpfen des russischcnToppclaars hat auch ein Herkules zil thun gehabt— aber„der Herkules des 19. Jahrhun- derts" verübte das umgekehrte Kunststück wie der griechische Original-Herkules: er machte den abgehauenen Kopf wieder wachsen. Der russische Fürst Gortschakow wußte, was er sagte, als er dem„deutschen" Fürsten Bismarck für seine Rußland geleisteten Dienste voll Rührung mit den Worten dankte:„Sie sind russischer als wir Russen!" Es war im Jahr 1870— im Jahr des„Heilige» Krieges", der die zwei vornehmsten Kulturstaaten des Fest- lands von Europa sich gegenseitig zerfleischen ließ. Die russische Tiploniatie begriff sofort— was außer ihr nur die deutsche Sozialdemokratie damals begriff—, daß dieser brudermörderische Kampf der beiden Kulturvölker dem russischen Halbbarbaren-Rcich zu gute kommen mußte, es zum Schiedsrichter Europa's zu erheben versprach. Und wenige Wochen, nachdem der Krieg entbrannt war, erklärte Rußland feierlich den Pariser Frieden und alle Verträge, die seine Macht beschränkten, sür aufgehoben. Hätte Fürst Bismarck, durch dieses Vorgehen gewarnt, nach der Schlacht von Sedan Frieden geschlossen und auf 18 Ein Vrvvückkev. tN°chdr.-erb°l.n. Kantpf und Ende eines Lehrers. Roman von Joseph Ruederer. Lange blickten die beiden von dem schwachen Ge- bälk auf die stürmenden Wassermengen hinab und standen in schiveigender Befangenheit vor der erdrückenden Größe dieser düstern Szenerie des Todes und der Abgeschiedenheit. „Das is scho großartig," sagte Gattl endlich leise. Das gewaltige Bild der tiefeinsamen Hochnatur regte ihn auf. Allna rückte an dem morschen Geländer näher zu ihm. »Ja, ja", fuhr der Lehrer fort und holte Athem, „unser Herrgott hat die Welt wunderbar g'schaffen. Sic ,vär' scho schön, wenn die Menschen net die Höll draus machen wollten." Was er in letzter Zeit verlebt hatte, trat deutlich wieder vor seine Seele. „Ist's am End net so?" fragte er, als Anna noch inimer schwieg.„Red' doch!" fuhr er heftiger heraus und neigte sich an den Gcländerbalken. Sie sah schüchtern zu ihm auf: „San wirklich alle Menschen so schlecht, Franz?" Gattl lachte: „Du freili net, der Vater auch net, aber schau die andern an, die Du kennst, schau das ganze Dorf an,'n hochwürdigen Herrn und... „Geh, Franz, fangen wir doch heut net davon an," bat sie flehentlich. „Warum denn nett?" Sie errötete vor seinen Blicken. „Aha!" rief er,„jetzt versteh' i schon. Du warst ja erst küqfli wieder in der Beicht! Hat er Dir wieder aller- haild g'sagt. der..." das unheilvolle Projekt der Annexion von Elsaß-Lothringen verzichtet, dann wäre die russische Erklärung eine ohn- mächtige Demonstration ans dem Papier gewesen. Aber in seiner Unfähigkeit, die Weltpolitik zn überschauen, handelte der Blut- und Eisenmann so wie er gehandelt hat. Elsaß- Lothringen wurde annektirt, Frankreich in die Arme Ruß- lands getrieben, und der Schwerpunkt des europäischen Kontinents nach Petersburg verlegt. Die russische Diplomatie wurde Herrin der Situation; sie baute die Festungen am Schwarzen Meer wieder ans; schuf eine gewaltige Flotte iui Schwarzen Meer; und als sie vor 20 Jahren sich stark genug zu einem neuen Türkenkrieg fühlte, da benutzte Fürst Bismarck mit Be- geisternng die Gelegenheit, sich durch sein denkwürdiges Wort vom„Bischen Herzegowina" unsterblich zu blamiren. Dank dem Eingreifen Englands und Oesterreichs ge- lang es 1878 noch, das Vordringen Rußlands auszu- halten; jedoch nur für den Moment und nur in Europa. In Asien dehnte Rußland seinen Einfluß und sein Gebiet sortwährend aus und nach wenigen Jahren nahm es auch die Manlivnrfsarbeit in Europa ivicder auf. Und, was die gegenwärtige Situation so gefährlich macht, jetzt hat es Frankreich zum Verbündeten und— das Deutsche Reich zum Mitläufer. Mit der Ermordung Stambulow's und der Jnszcnirung der„armenischen Greuel" wurde die Krisis in Enropa akut, und in Asien wurde sie es dnrch die Folgen des Krieges zwischen Japan und China. Ter englische Feldzng gegen T s ch i t r a l am Hindukus.h zeigte, daß England sich der Gefahr beivußt war— es verschloß das Thor I n d i e n s. Von dem rilssisch- englischen Federkrieg brauchen wir hier nicht zu reden. Es ist kein bloßer Theaterlärm. Ein gutes Bild der Lage giebt die„Satnrday-Review", die angesehenste der konservativen Wochenschriften Eitglands, die an der Spitze ihrer letzten politischen Uebersicht schreibt: „Lord Salisbury's Rede vom vorigen Mittwoch war etwas enttäuschend, wenn auch nur wegen dessen, was sie nicht sagte. Jedermann erwartete irgend einen Aufschluß über die Fragen, die jetzt das ganze Land fieberhaft ge- spannt halten. Aber Lord Salisbury schwieg über die auswärtige Politik, und sein Schweigen ist ein Be- weis für den Ernst der Lage. Glücklicherweise war ein anderer Minister: Lord Devonshire, der denselben Abend redete, nicht ganz so schweigsam. Nach- dem er Lord Rosebery gelobt hatte, daß dieser der jetzigen Regierung in Fragen der auswärtigen Politik seine ganze Unterstützung versprochen, fuhr der Herzog fort:„E s wäre thöricht, die That fache verhehlen zu wollen, daß sowohl in» Osten Europas als im O st x n Asiens E r e i g n i s e vor sich gehen und Fragen austauchen, welche die L e b e n s i n t e r e s s e n tlnsercs Vaterlands aufs engste berühren, und daß der Augenblick nahen kann, wo es für uns zur Nothwendigkeit wird, an die Atänner aller Parteien uns zu wenden, daß sie der britischen Regierung das Wohl- „Franz, jetzt hörst auf." Sie sprach sehr entschieden. „Sei nur gut! Du ninßt mir's net krumm nehmen, wenn i den Menschen, der mls scho so viel zug'fügt hat..." „Von ihm is jetzt gar kei Red', also hör'n wir ans, Franz, i bitt' Dich drum!" Er behielt für sich, was ihm ein Gefühl von Neid und Acrger auf die Lippen gelegt hatte. Auna's religiösen Sinn kannte er wohl. Er schonte ihn ebenso ängstlich, wie ihr Vater und wäre der letzte gewesen, dcni Mädchen gegen die Erfüllung ihrer kirchlichen Pflichten ein Wort zu sagen. Auch das ertrug er noch, daß sie immer den Dienrr des Heilands von dem Vorgesetzten des Lehrers zu trennen versuchte. Bei dem tiefen Glauben, von dem sie durch- druiigen war, verstand sich das eigentlich von selbst. Daß sie aber demselben Menschen im Beichtstühle ihr inneres Gewissen erschließen mußte, das war ihm bei aller Festig- keit ihrer reinen Seele doch ein peinigender Gedanke, der ihn oft tief verstinimte. Kam sie doch an solchen Tagen jedesmal so nieder- geschlagen von der Kirche nach Hause und redete lange kein Wort. Tage dauerte es oft, bis sie sich wieder aufraffte und mit ausgebreiteten Armen auf den Vater zuging. Auch gegen Gattl war sie dann ängstlicher und zurückhaltender. Klagte er aber über eine neue Unbill und lief rasend und tobend durch das Zimmer, so unischloß sie ihn mit der allen Herzlichkeit, weinte bitterlich über seinen Kummer und suchte ihn zu trösten so gut es ging. Wenn sie nur erst sein Weib wäre! Tausendmal hatte der Lehrer den Augenblick herbeigewünscht, da er sie weg- führen konnte von dem Orte, wo ihm, er fühlte es instinktiv, die gleiche Macht, die über ihn selbst schrankenlos gebieten konnte, auch in dem Wesen feindlich gegenübertrat, das ihm das Theuerste war. Jetzt, auf der einsamen Schlnchtbrücke, bohrte sich diese wollen und Vertrauen schenken, das Lord Rosebery in seinem und seiner Freunde Namen für diesen Fall ver- sprochen hat. „Der beste Charakterzug der britischen Parteipolitik in der Gegenwart ist in der That der, daß die auswärtige Politik jetzt als über den Parteien stehend betrachtet wird, und daß die Regierung, welche die britischen Interessen ver- theidigt, aus die Unterstützung aller Parteien rechnen kann. „Es hat, seit unser» Konstitution ihre jetzige Gestalt an- genommen hat, keinen Augenblick gegeben, wo es noth- wendiger war, die Regierung zu unterstützen, als im gegen- wärtigen. Unsere Interessen sind in allen Theilen der Welt durch die Vereinigung(rnücrn) Frank rcichs u n d Rußlands so schiver bedroht, wie niemals seit Trafalgar. Es ist wahr, das Hongkong-Telegramm der„Times", betreffend den Geheim- vertrag zwischen Rußland und China, ist von der höchsten russischen Autorität für falsch erklärt worden, allein die Rede des General-Gouverncurs von �Ost-Sibirien, des Generals Dukhoffskoy, mit ihrer Anspielung auf die Ueber- führung der russischen Flotte von Wladiwostock nach Port Arthur, genügte für sich allein schon, um zu beweisen, daß die Angaben der„Times" nicht so weit von der Wahrheit entfernt sind, wie die russische Gesandtschast uns glauben machen will. Und nun kommt der„Temps", der bei vielen Gelegenheiten das volle Vertrauen der französischen Regierung genossen hat, und bestätigt unsere Befürchtungen. Er verspottet die„TimeZV daß sie dem russischen Dementi überhaupt Werth beigelegt hat, und sagt mit dürren Worten:„Wenn der von der„Times" angekündigte Ver» trag noch nicht abgeschlossen ist, so w i r d er es werden. Wenn die Bestimmungen des Vertrages nicht ganz richtig angegeben sind, so ist der von der„Times" gegebene Text doch gewiß nicht weit von der Wahrheit entfernt, denn er entspricht den Verhältnissen und den Interessen Rußlands. „Wir stehen also der Thatsache gegenüber, daß Ruß- land von Nordchina so viel sich einverleiben will, als es bewältigen zu können glaubt, während Frankreich ent- schloffen ist, seine Herrschaft von Tongking und Siam so weit als es ihm nützlich erscheint, über Südivcst-China auszudehnen; und diese L a n d t h e i l u n g können wir nicht erlauben. Aus der Sprache, die Frankreich und Ruß- land führen, und aus den Erklärungen der amtlichen beut- scheu Presse ist niit Gewißheit zu schließen, daß wir von Deutschland keine Hilfe zu erwarten haben. Wie wir wieder und wieder vorausgesagt haben, hat England in der Stunde der Gefahr keinen Freund in Europa, und muß sich auf seine eigene Kraft verlassen. Zum Glück setzt die Vermehrung unserer Flotte während der letzten zehn Jahre Lord Salisbury in den Stand, sür die britischen Interessen nicht blos zu reden, sondern, ivenn nöthig, auch zu handeln. Wenn Rußland einen Theil der Mandschurei zu nehmen versucht, so können wir damit antworten, daß wir von nagende Ungewißheit wieder in sein Hirn und ließ ihn nicht mehr los. Was hatte er denn gesagt, daß ihn Anna gleich unterbrechen mußte? Vor einigen Tagen hatte sie keine Silbe erwidert und ihm stillschweigend recht gegeben. Heute aber stand sie natürlich ivieder im Banne des Geist- lichen und was galt da der Verlobte? Ter Gedanke quälte ihn immer mehr. „Anna," sagte er plötzlich und lehnte sich fester an! ihren vollen Arm.„Anna!" er deutete mit sonderbarem Blicke in die Tiefe hinab.„Wenn ich jetzt zn Dir sagen thät. Du sollst niit mir da hinunterspringen?" „Aber, Franz! Was red'st Du denn?" Ihre sanften Augen, die oft einen müden Ausdruck hatten, waren auf« geblitzt. „Ich frag' Dich ja nur? Heut ist's ja gottlob net nothwendig, aber ich will annehmen, wir hätten aus der Welt nix mehr zu suchen, alles wär' für uns verloren und die Verzweiflung trieb uns von den Menschen weg, thät'ft Du's dann auch net?" „Nein", sagte sie fest,„das thät' ich net." „Warum?" „Schon wegen mei'm armen Vater nett." „Gut. Dann sag' ich, der Vater wär' todt." „Dann thät' ich's auch net. Schäm' Dich. Franz, daß d' solche Worte überhaupt in den Mund nimmst." „Warum schämen? Meiner Ansicht nach müssen zivei Menschen, die sich gern haben, auch freiwillig mit'nander sterben können, wenn s' auf der Welt nix mehr zu hoffen haben." „Franz, i bitt Di noch amal, hör' auf!" „Warum soll i aufhören?" schrie er unwirsch und stampfte auf den Boden der Brücke.„Warum? Sag' mir's Is Dir des so was Schrecklich's, wenn i Dich frag', ob Tu mir auch's letzte Opfer noch bringen könntst?" Sie gab ihm keine Antwort. de r I n s e t Tschusan Besitz ergreifen, die wir im Jahre 1846 thörickterweise aufgaben; und Frankreich findet vielleicht, daß es leichter ist, unsere Diplomatie zu verhöhnen, als einen Krieg zu wagen, durch den es für inimer zu einer Macht zweiten Ranges erniedrigt würde." So die„Saturday Review", die, wohl gemerkt, den letzten Satz nicht als Vermnthung, sondern als Gewißheit hingestellt hat. Man sieht, in England macht mau sich weder Illusionen, noch ergeht man sich in pathetischen Phrasen. Aber gerade diese nüchterne Sprache bekundet den Ernst der Lage ungleich eindringlicher als die pathetischsten Phrasen es vermöchten. Und sie zeigt auch die kühle Entschlossenheit, welche in stolzem Selbstvertrauen vor keinem nothweudigen Handeln zurückschreckt. Tie Insel Tschnsan, deren Besetzung hier in Aussicht gestellt wird, liegt an der Ostküste Chinas, nicht weit von der Stadt Ningpo und der internationalen Kolonie Shanghai. Mit der Jsolirtheit Englands ist es übrigens nicht so genau zu nehmen. Die Türkei und Japan sind unter allen Uniständen durch den Selbsterhaltungstrieb auf die Seite Englands gedrängt; und auch Oe st erreich würde sich der Parteinahnie sfür England, oder wenn man das lieber will: gegen Rußland nicht entschlagen können. Gelänge es den Russen, ihr griechisches Kreuz auf der Uagia Sophia— auf der Sophienkirche von Konstan- tinopel auszupflanzen, so würde Oesterreich ebenso der Zer- ftückclnng verfallen wie die Türkei. Und Deutschland? Der Zickzackknrs ist als Ver- bündetcr Rußlands nach Ostasien geschwirrt— kann er, wenn der erste ernsthafte Kanonenschuß sein dröhnendes Echo von Konstantinopel durch den asiatischen Erdtheil bis nach Japan findet, in russischer Gefolgschaft bleiben? Die Völker Europa's, vor allem unser deutsches Volk, haben jetzt aber darüber zu wachen, daß ihnen, daß der Zivilisation kein unheilbarer Schade geschieht, wenn die Pandorabüchse, welche die kurzsichtige Eroberungspolitik eines Bismarck in den Jahren 1864, 1866 und 1870/71 gefüllt hat, Tod und Verderben über die Welt ausgießt. z�olikifche Mebevfichk. Berlin, 6. November. Die Dortmunder Wahl ist unseren Gegnern wie ein Ziegelstein auf den Kopf gefallen. Ein Bild hochkomischer Ver- blüfftheit bieten die Nationalliberalen dar. Sie können das Ungeheuere gar nicht fassen und niachen ihrem Ingrimm Luft in Denunziationen gegeil das Zentrum, das fia — mit einem offenbaren Hinblick auf den Staatsanwalt�� der Nichtachtung des kaiserlichen Willeils anklagen, f Daß die Dortmunder Wahl eine sehr kräftige und nicht niißznverstehende Antlvort auf den neuesten gegen die Sozialdemokratie inszenirten Kreuzzug ist, wird allseitig anerkannt. Die„Vossische Zeitung" versucht in einem scharf geschriebenen, uianches Treffende enthaltenden Leitartikel den Nachweis zu liefern, daß dieser Kreuzzug, mit den harten, das Rechtsgesühl verletzenden Verfolgungen, welche er brachte, der Sozialdemokratie genützt und ihr den Dortmunder Sieg verschafft habe. Uns genützt— kein Zweifel. Aber daß wir diesem Krcuzzug die Dortmunder Wahl ver- danken, ist gewiß eine Ueberlreibung. Den Sieg verdanken wir dem mehr und mehr erwachenden Klassen- bewußtsein der Arbeiter, die sich durch kapitalistische Demagogen— seien es Zentrumslente, seien es Nationalliberale— nicht länger nasführen lassen. Ganz auf dem Holzweg ist aber die„Vossische Zeitung", wenn sie meint, unsere Haltung der S e d a n- f e i e r gegenüber habe die Partei unpopulär gemacht. Das Gegentheil ist der Fall. Tie Kreise, aus denen wir unsere Armee rckrutiren, sind frei von dem Bazill des Chauvinismus. Genug— Dortmund, das uns schon seit langen, von Rechtswegen gehört, ist jetzt auch formell unser. Und der Dortmunder„Antwort" sollen noch andere folgen! Nach der endgiltigen Zählung hat Lütgenau 24 465, Möller 21 408 Stimmen erhalten. Das Ergebniß des „Siehst, Anna," fuhr er noch heftiger fort,„wenn Du mich so lieb hätt'st, daß Du nix anders wie mich auf der Welt kenneil thät'st, dann sprängst auch niit mir da'nunter, aber ich weiß scho. Du hast mi net so lieb. Du...." „Franz!" schrie sie auf und schlug die Hände vor's Gesicht. Ihr ivar es, als wankte die Brücke unter ihren Füßen, als müsse sich das verwitterte Gebälk jeden Augenblick von den Felsen lösen und in das tosende Gewässer hinunter- schlagen. Ein jäher Schwindel erfaßte sie auf dem luftigen Stege und sie eilte, ohne umzusehen, zum Schlnchtsteig hinaus. Als sie merkte, daß Franz hinler ihr ging, zuckte sie leise zusammen und bog den Kopf nach den Felsen, um ihn nicht sehen zu müssen. So gelangten sie wieder vor den Stangenwald, wo die Steilwände zurücktraten und der Blick sich weitete über das mit langen Tunslstreifen durchzogene Thal. Er versuchte sie am Arm zu fasseil und zurückzuhalten, aber sie entwand sich ihm hastig und eilte den abschüssigen Weg hinunter. Schon war das Forsthans nicht mehr fern. „Anna," keuchte er,„geh, Anna, was ist's denn?" Sie drehte sich nicht um und fing zu laufen an. Da verletzte ihn ihr widerspenstiges Benehmen. „Adje," schrie er ihr ivüthend nach und ließ sie fortstürmen. Ein unbändiger Trotz raste in ihm empor. Er bog in eine andere Richtung und eilte ins Dorf. Als er am Wirthshaus vorüber kam, das er seit seinem Streite mit Göpfert nicht wieder betreten hatte, kam ihm der Gedanke einzutreten und seinen Aerger fortzutrinken. Er warf sich in eine Ecke der leeren Gaststube und ließ sich Bier bringen. Hastig stürzte er mehrere Gläser nachein- ander hinab und rauchte dabei. Kreitimayer erschien in Hcmdärmeln und machte große Augen, als er den Lehrer gewahrte. Gattl bemerkte sein Erstaunen und sagte sich bitter, daß ihn Anna's Starrsinn so weit trieb, daß er sogar das Haus dieses Schuftes wieder betrat, den er seit der Vernehmung in Mariakirchen nicht mehr angesehen hatte. Er wunderte sich, daß er dem er- bärmlichen Menschen, der jetzt höflich um ihn herumkroch und ihn freundlich willkommen hieß, nicht in die teigsarbene, devote Fratze spie. „Gelt, Kreittmayer, da schaugst und niachst wieder 'n Buckel, weil a Mirnster bei uns droben war?" rief er böbnisch. (Fortsetzung folgt.) ersten Wahlaanges war folgendes gewesen: Möller 17 117, Lütgenau 17 182, Lensing(der klerikale Kandidat) 14 663. Bei der Hauptwahl von 1893 hatte ini ersten Wahlgange der nationallibcrale Kandidat 16 284, der sozialdemokratische 17 170, der klerikale 13 188; in der Stichwahl siegte damals der nationalliberale Kandidat mit 21 589 über den sozial- demokratischen, der 21 525 Stimnien erhielt. Alle Mittel, die unsere Gegner noch in letzter Stunde anwandten, sind fehlgeschlagen. Die Wahlbeeinflnssung der Grubenbesitzer und Fabrikanten hat wieder niit Hochdruck gearbeitet. Alles vergebens. Interessant ist es auch, daß durch eine sonderbare Fügung des Schicksals in den letzten Tagen der Wahl- bewcgung eine Sache zum Austrag gebracht wurde, die vielen Bergleuten sicher recht unangenehm gewesen ist und die auf weniger feste Charaktere eine Wirkung zu Ungunsten der Sozialdemokratie hätte ausüben können. Beim Amtsgericht in G e l s e n k i r ch e n war in diesen Tagen ein Termin an- beraumt, zu dem etwa 3000 Mitglieder alles noch hast- Pflichtige frühere Mitglieder des Konsumvereins rheinisch- westfälischer Bergleute geladen waren. Iwch den Darlegungen des Konkursverwalters muß jedes Mitglied zwölf Mark nachzahlen, um die Schulden des Vereins und die Kosten des Konkursverfahrens zu decken. Um den Mitgliedern, die nicht in der Läge sind, den Betrag sofort ganz zu zahlen, die Erfüllung ihrer sVer- pflichtungen zu erleichtern, soll gestattet werden, daß der Betrag in moitatlichen Abschlagsraten bis zum 1. Juni k. I. gezahlt werde. Der Konsumverein war bekanntlich eine Gründung des Verbandes der Bergarbeiter. Hoffentlich ziehen die Arbeiter'ans diesem Vorkommniß die Lehre, daß man nur niit der größten Vorsicht sich au solche Unternehmungen wagen darf.— Abermalige Kousiökatiou des„Vorwärts". Das Hauptblatt der letzten Nummer des„Vorivärts" tvnrde heute Nachmittag auf Antrag der Staatsanwaltschaft und auf Beschluß des Amtsgerichts in unserer Expedition be- schlaguahmt. Die Zahl der konsiszirten Exemplare be- trägt 550. Wie uns mitgctheilt ward, soll in einer die Begnadigung zweier wegen Körperverletzung verurtheilten Polizeibeamten betreffenden Notiz der„Politischen Ueber- ficht" unter der Rubrik„Deutsches Reich" eine Majestäts- beleidigung vermuthet werden. Da wir für diese Ver- muthung keinen Anhalt entdecken können, so erwarten wir die bajMe Rückgabe der beschlagnahmten Nummern.— Nechtsgntachten über„Majestätsbeleidi- fingen". Die Majestätsbeleidignngs- Prozesse nehmen reißend zn wie in den schlimmsten Reaktionsperioden früherer Zeiten. Da ist ein Rcchtsgutachten der juristischen Fakultät der Universität Heidelberg aus dem Jahre 1864 von hohem Interesse, um so mehr, da es von dem berühniten Rcchtslehrer M i t t e r m a i e r unterzeichnet wurde. Es heißt darin: „Kein Unterthan ist rechtlich verpflichtet, weder die religiöse» noch die philosophischen noch die politischen Grundansichten des Slaatsoberhauples zu theilen, nnd vielmehr jedermann berechtigt, seine eigene individuelle Meinung auch dann zn behaupten und zn äußern, wenn sie mit der des Königs in Widerspruch ist. Die Meinungen sind kein Bestandtheil der Sraatsordnnng, in welcher der König die oberste Stelle einnimmt, sondern das E r z e u g n i ß des persönlichen Denkens, welches der geringste Unterthan niit derselben Freiheit üben kann wie der m ä ch t i g st e Monarch. Selbst ein M a n g e l an Ehrfurcht gegen den König darf noch nicht als eii. Vergehen betrachtet werden, sondern erst die Verletzung der Edriurckt; denn die Rechtsordnung und insbesondere die Strafgerichlsbnrkeit beherrscht so wenig die Gesinnung nnd Stimmung der Geister wie ihre Meinungen, und darf erst dann nöthigend und strafend ein- schreiten, wen» die für nothwendig erkannten äußeren Formen deö Gesammt- oder Einzelbaseins einen Bruch erfahren haben. Wenn sich ein Unterthan jeder Gelegenheit absichtlich entzieht, dem Könige seine Ehrfurcht zu bezeugen, oder wenn einer aus Ungeschick oder selbst ans Abneigung gegen den König die her- kömmlichen Formen der Ehrbezeugung nicht beachtet, so ist das zwar Mangel an Ehrfurcht, aber noch keine st r a f b a r e Verletzung der Ehrfurcht. Ebenso iväre es eine arge Tyrannei, vor welcher jederzeit gerade die ausgezeichnetsten Fürsten sich am meisten gehütet und vcrwabrt haben, jede mißfällige Bemerkung, jede» un- ehrerbietigen Witz, jede unschickliche oder unhöfliche Aeußerung gegen den König als„Verletzimg der Ehrfurcht" oder als Majestätsbeleidigung zur Verantwortung zu ziehe». Je höher die Würde des Königs steht, und je fester sie in de», allgemeinen Rechtssinn des Volkes gegründet ist, um so weniger leicht darf man die Aeußeruugen der Unterthanen als unerlaubte Angriffe gegen die Majestät auffassen� uud auslege», nnd je niehr der Begriff der Majestätsbeleidigniig ein ganz vereinzelter und über das gemeine Recht empor- ragender Ausnahmebegriff ist, un> so geneigter wird ina» sein, denselben möglichst enge zu fassen. Man muß es mit den Injurien gegen den König daher, um der königlichen Würde willen, strenger noch nehmen, als mit den Injurien gegen Privat- persone»; nur wenn die Form der Verletzung der Majestät nn- ziveiselbast vorliegt, ist das objektive(gegenständlicbe) Merkmal dieses Vergehens vorhanden. Es muß aber überdem das subjektive (persönliche) Merknial der beleidigenden und verletzenden Absicht klar sein. Es ist wohl möglich, daß aus der beleidigenden Form aus die entsprechende Absicht geschlossen werden darf, aber es ist auch möglich, daß die Form beleidigend und trotzdem, wenn auch nur ausnahmsweise, die Absicht nicht beleidigend ist. Im letzteren Falle ist keine Majestätsbeleidigung anzunehmen. Tie Verletzung der Ehrfurcht muß unmittelbar gegen die Person des Königs gerichtet sein." Diese AnZsüHrmigen sind um so beherzigenswerther, bemerkt dazu die„Vossische Zeitung", als heute nach Z 95 des Strafgesetzbuchs nur die Beleidigung, die Ehrenkränkung, nicht mehr die Ehrfnrchtsverletzung strafbar ist. In der Praxis hat es unsere heutige Judikatur indeß längst wieder dahin gebracht, auch die Ehrfurchlsverletzung, ja schon den ans der angeblichen Tendenz eines Blattes hervorgehenden Verdacht einer Ehrfurchtsverletzung strafbar zu niachen.— Ei» Verbot des Waffentragens. Auch die„Köl- nische Volkszeitung" sucht ihr Scherflein zur Staatsretterei beizutragen durch folgende Erörterung: „Gegen den Umsturz wird von einigen einflußreichen Seiten eine Maßregel geplant, von der allerdings»och nicht sicher ist, ob die Regierung sie annimmt. Es handelt sich um ein Verbot des Waffen trage ns. Gerade von nicht „reaktionärer", gemäßigter denkenden Seite tritt man dafür ei». Man weist darauf hin, daß durch die strengsten Sozialisten- und Umsturzgesetze keine Attentate verhindert werden können, dagegen sei nicht nölhig, daß jeder „dumme Junge" eine Waffe besitzen dürfe. Wenn es eine Möglicbkeit gebe, Attentaie, wie das in Mülhausen oder das Ziegenbalg'sche in Leipzig zu verhindern, so lasse es sicb noch am ersten durch ein Wafienverbol erreichen Auch in den Industrie- �ezirken, wo brutale Uebersälle sich uuhrlen, werde vielfach ein Waffenverbot gewünscht. Wir wollen diesem Gedanken zevar nicht ohne weiteres zustimmen, meinen aber, daß das eine Maß- regel zur„Bekämpfung des Umsturzes" ist, über die sich noch am ehesten reden ließe. Jedenfalls liegt hier ein p r a k t i s ch c r Versuch vor, Attentate zu verhindern." Das Verbot des Waffentrageus wurde dauii besonders sehr nützlich sein, wenn es auf das Militär ausgedehnt würde. Dadurch könnte man vielen lebensgefährlichen Raufereien vorbeugen. Es zeugt aber von einer sonder- baren Naivetät, wenn man davon eine Verhinderung der Attentate erhofft. Wer ein Attentat plant, wird sich ebenso leicht eine Waffe trotz des Verbots des Waffentrageus ver» schaffen können, wie der Einbrecher einen Dietrich. Der Vorstand des Bundes der Landwirthe ver- öffentlicht in der„Deutschen Tageszeitung" eine Er« k l ä r u n g, die den Charakter eines Programms trägt. In der langathmigen Einleitung wird versichert: „Nur durch möglichste Ausbreitung eines gesunden Mittelstandes wird die soziale Frage gelöst, weil nur der Mittelstand Kapital und Arbeit organisch in einer Person ver« einigt. Auf Maßregeln für die Gegenivart kommt das Pro« gramm dann in den folgenden Worten zu sprechen: „Die vollständigeLösung derAgrarfrage kann nur geschehen mit der Durchführung sämmllicher agrarischer Forderungen bis zur systematischenAusgestaltuugdesAgrarrechls; aberun- erläßliche Voraussetzung einer heilenden Wirksamkeit aller agrarrecht« lichen Maßregeln ist die Besserung berPreisederland- wirthsch östlichen Produkte. Nur aus der wieder her- gestellten Ncutabilirät der Landwirthschaft können die Mittel zu deren Schuldenllastuug fließen. Deshalb gehört es jetzt zur wichtigsten Aufgabe des Bundes, für die Maßregeln zu kümpsen, welche zur Besserung der Preise der landwirlhschafl- lichen Erzeugnisse führen und hier wieder an erster Stelle zur Besserung der Preise des wichtigsten derselben, des Getreides. .... Der Bund will mit durchgreifenden Reformen auf dem Gebiete der Waare»- und Geldbörse, der Währung, des Steuersystems und der Frachten die krankhast extremen Preis- schwankungen nach unten und oben thunlichst beseitigen zwecks Herbeiführung einer unser»» geschäftlichen Eittwickelnngsgange entsprechenden gesunden und natürlichen mittleren Preis- beivegung,»velche die Produzenten und Konsumenten gleichmäßig in sich vereinigt. Dies ist das Endziel der Bundesbestrebungen ans dem Ee- biete der Getreidepreisbildung. VI. Die heutige ernste Nothlage der Landwirthschaft er- fordert in der Richtung dieses Endzieles sofortige ZlbHilssmaß- regeln. Der erste zielbeivußte Schritt auf dieser Bahn geschah durch den Nebergang zum Schutzzoll-System iin Jahre 1879, dessen später erfolgte Durchbrechung nicht tief genug beklagt werden kann. Der weitere zur Wiederanbahnung einer Gesundung unserer nationalen Wirthschaftsverhältniss« jetzt gebotene Schritt ist der in der Sitzung des Gesaunntausschusses des Bundes der Land- ivirthe vom 3. und 4. Dezember 1834 formulirte Antrag Kanitz zur Befestigung der Getreidepreise. Die darin beabsichtigte direkte gesetzliche Preisbestiuunung für den inländische» Verkauf von ausländischem Getreide zum Zivecke einer Ausgleichung der Getreidepreise auf mittlerer Höhe bleibt die dringlichste zur Zeit durchzuführende Mahregel zur Erhaltung der deutschen Landivirthschafl." Neues über die Bestrebungen des Bundes bietet diese Erklärung kaum. Interessant ist nur, daß sie den Bund auf die Durchführung des Antrages Kanitz festnagelt.— Einen Sieg des Volkes nennt unser schweizerischer Kollege uud Namensvetter, der„Vorwärts" von Bafel, die Verwerfung der eidgenössischen Militär» vorläge. Er schreibt: In den Städten und industriellen Ortschaften haben die sozialdemokratischen Arbeiter die große Mehrheit der Ver- werseiideu gebildet uud so zuin Heile des Vaterlandes dafür ge- sorgt, daß der früher bisweilen schroff hervorgetretene Gegensatz zivischen Stadt und Land diesmal nicht so stark zu tage trat. Arbeiter uud»K leinbauern standen Schulter an Schulter in der Bekämpfung des alles überwuchernden Militarismus. Mitten im ivaffeustarrende» Europa hat das kleine Schiveizervolk— fürivahr ein herrliches, ein erbebendes Schau» spiel!— mit Donnerstimme erklärt, daß die Säbelraßlerei in ihren Anforderungen sich zu bescheiden habe und keine» An- sprnch darauf besitze, im Staats- und Volksleben immer die erste Violine zu spiele», wie sie zu fordern sich erdreistet. Nach wie vor ist das Schweizervolk fest entschloffen, die Nn- abhängigkeit des Vaterlandes gegen jedermann und unter allen Umständen zu vertheidigen. Aber es will das Heft in Händen behalten und seine Kriegsobersten nicht nach Willkür und Laune schallen und wallen lasse». Es ist zu Opfern für die Hebung seiner Wehrfähigkeit nach wie vor bereit: aber seine Heereseinrichlungen sollen die Selbst- bestinunuug des Volkes nicht antaste», die Lasten für die einzelnen nicht zu unerträglichen gestallen und allezeit im Einklang bleiben mit den freiheitlichen Ueberlieferungen unseres Volkes uud den demokratischen Ein« richtungen unseres Lande?. Auch im Wehrmaun, wenn er das Waffeukleid trägt, soll der Bürger einer demo- kralischc» Republik geachtet werden und die militärischen Oberen solle» zu keiner Zeit mehr sein wollen alZ veschndeue Diener der Republik. Die Nachäfferei monarchischen Unwesens soll unserem Heerwesen fremd bleiben. Darin liegt die Hauptbedeutung des denkwürdigen Volks- entscbeides vom 3� November 1895. Die Wehrfähigkeit des Schweizer« volles, lehrt der Volksentscheid weiter, hängt nicht allein ab von der Organisation des Heeres, seiner Instruktion, Bewaffnung und Verwaltung, sonder» in höherem Grade noch von seine» politiscden, ökonomischen und sozialen Zuständen. Ockononiische und soziale Hebung nnd schließliche Befreiung der gedrückte» Volksmaffen,»tchk minder politisch-freiheitliche nnd demokratische Emricbinngen sind die unerläßlichen Vorbedingungen der Wehrhnitigkeit eines kleinen Volkes. Die sozialen Reformen und die Demokratisirung der Viindes» Verwaltung trete» nun als die dringlichsten und wichtigste» Auf« gaben an die Bundesbehörden heran. Mögen diese aus dem Volksentscheid lernen! So das schweizerische Arbeiterblatt. Wenn die„Nord- deutsche Allgemeine Zeitung" sich die Mühe nehme» will, diesen Artikel zu lesen, dann kommt sie vielleicht dahinter, daß es noch einen anderen Standpunkt zur Beurtheiluug der Wehrfrage giebt, als den des Junkers und Unter» Offiziers. Was der Baseler„Vorivärts" sagt, gilt übrigens für große Völker ebenso gut wie für kleine.— Zweimal todtgeschlagen. Die gestern schon von uns gemeldete Bestätigung der Wahl Lueger's zum Bürger- meister von Wie» ist für den österreichischen Libe- r a t i s m u s noch zerschmetternder, als die Wahlniederlage selbst es war. Nachdem dle Herren Liberalen sich durch ihr Gewinsel an die Regierung, sie möge doch dem antisemitischen Führer die Bestätigung versagen, vor aller. Welt unsterblich blamirt hatten, ist ihnen jetzt von der österreichischen Regierung der Genick» fang versetzt worden, indem diese die Bestätigung er- t h e i I t e und dadurch bekundete, daß sie l i b e r a t e r i st als der österreichische Liberalismus. Von der österreichischen Regierung durch eine Lektion im Liberalismus moralisch niedergeknüppelt zu werden— das ist das verdiente Ende des österreichischen Liberalismus.— Tie Weigerung des Fabrikpaschas von Carmaux, eineul Schiedsgerichl sich zu unterwerfen, scheint, außer von kapitalistischem Größenwahn nebenbei auch von der Absicht diklirt worden zu sein, der neuen Regierung Verlegenheiten zu bereiten. Und in der Tdat: geht sie scharf gegen Rcsseguier vor und stellt sie sich entschieden auf die Seite der Arbeiter, so hat sie die ganze Meute der Bourgeoisie am Halse. Da gilt es Festigkeit mit Klugheit zu einen. Einstweilen haben die sozialistischen Abgeordneten heute ein M a n i f e st an die Arbeiter und Republikaner Frank- reichs über den Streik in Carmaux erlassen. Das Manifest — so meldet ein Telegramm der»Frankfurter Zeitung"— brandmarkt das Verhalten des Direktors, welcher durch die abermalige Ablehnung des Schiedsgerichts die Regierung herausfordere. Die Volksvertreter werden in den republikanischen Gesetzen Mittel suchen, um den unversöhn- lichen Absolutismus dieses Mannes zu brechen. Im weiteren werden die Arbeiter von Carmaux ausgefordert, den Widerstand bis zum äußersten fortzusetzen. Die Ar- bcitcr Frankreichs rind diejenigen anderer Länder werden aufgefordert, die Ausgesperrten zu unterstützen.— ** * Deutsches Reich. — Auf der Anklagebank wird demnächst der bekannte frei- konservative Professor Hans Delbrück zu erscheinen haben. Er soll in den von ihm geleiieten„Preuhischen Jahrbüchern" anläßlich einer Besprechung der jüngsten politischen Prozesse die polilische Polizei beleidigt haben. Prof. Delbrück macht in dieser Zeilschrist selbst Mittheilung davon, daß er vorgeladen und bereits vernommen worden ist, und bemerkt dazu:„Da mein Name mit demselben Buchstaben ansängt, wie der des Sozial- demokrateu Dierl, so werde ich nächstens vor eben dem Gericht zu erscheinen haben, das über dessen Strasthat geurtheill hat." — Zwei neue Staatsanwälte sollen für Hant- bürg angestellt werden, nur den Ansprüchen des allerneuesten Kurses genügen zu können. Im Budget für 1396 Art. 106 be- merkt der Senat das folgende:„Bei Ansehung der Gehälter für die beautragte» neuen Stellen ist der Fall vorgesehen, daß die jetzigen, eventuell zu Alterszulagen berechtigten Staatsanwalts- gehilsen zu Staatsanwälten ernannt werden sollten. Die Noth- rvcndigkeit der Neuanstellung zweier Staatsanwälte ergiebl sich aus der Zunahme der Arbeilen. Im vorigen Jahre mußte eine vierte Strafkammer geschaffen werden. Das Bedürsniß ist ei» duierndes, die Verwendung von wechselnden Hilfskrästen als Staatsanwälte ist mit dem dienstlichen Jntereffe nicht vereinbar." — Gegen den unlauteren Wettbeiverb. In der gestrigen Sitzung der bayerischen Kammer der Abgeordneten betonte der Justizminister Freiherr v. Leonrod, daß der Gesetz- entwurs über den unlauteren Wettbewerb die erste Vorlage sein werde, welche dem Reichstage nach seinem Znsauunentritt zu- gehen werde.— — Revision des Alters- nnd I» v a l i d itä ts- g e s e tz e s. Ueber die Sitzung der Konferenz über die Revision des Alters- und Jnvaliditäts-Versicherungsgesetzes und die Vorschläge zur Verschmelzung der Arbeitergesetze, die im Reichsaml des Innern zusammengetreten ist, wird berichtet: Ter Vorsitzende Staatssekretär Dr. v. Bötticher richtete an die Theilnehmer eine Begrüßungsrede, worin er hervorhob, es sei in der Presse und im Pitblikum der Wunsch rege geworden, daß die Arbeiterversicherungs-Gefetzgebung vereinfacht werde. Zur Erörterung wurde zunächst die Frage der Verschmelzung der Arbeiterversicberungs-Gesetze auf grnnd der vom Reichs-Ver- sichernngsamt ausgearbeiteten Vorschläge gestellt. Geheinnath v. Wödtke aus dem Reichsamt des Innern gab eine aussühr- liche Darlegung der drei Arbeilerversichenings' Gesetze und belegt« sie rnit Zahlen. Es ging nun daraus hervor, daß die Eelbstverivallung und das berussgenossenschaftliche Prinzip sich sehr gut bewährt hätten. Geheimralh Caspar aus dem Reichs- amt dos Innern stellte eine Uebersichl der Literatur, welche die Vereinfachung und Verschmelzung herbeigeführt wisse» will, zusammen. Magistratsastessor Dr. Freund, welcher in der Konferenz anwesend war, hatte Grundsätze für eine Vereinfachung der Arbeiterversicherung ausgestellt, die im wesentlichen alles zusammenwerfen ivollen, und erläuterte sie in der Versammlung. Präsident Dr. Bödiker(Reichs Ver- sichernngsamt) nahm das Wort zur»ingehenden Darlegung der Verhältnisse und hob hervor, daß dieMerussgenossenschaflen und das Selbstverwallungsprinzip die Probe gut bestanden hätten. An der Krankenversicherung sei nicht viel auszusetzen. Schlechter stehe es mit dem Alters- und Jnvaliditätsgesetz. Das Marlen- kleben sei unhaltbar. Beim Mirrkenkleben bestehe die Gefahr, das bewußt oder unbewußt das Gesetz überlreien werde. Es werde aus diese Weise Jmmoralität hervorgerufen. Tie Beruw- genossenschaften könnten nach seiner Ansicht den größten Theil des Alters» und Jnvaliditäts-Gesetzes übernehme», daß ein bestimmter Prozentsatz(etwa I vom Hundert) am Säili sie des Jahres angelegt und von den Berufsgrnossen- schaflen eingezogen werde. Redner sprach sich sodann über folgende Punkte aus: Rentenversicherung, Angliederung der Krankenversicherung. Beseitigung der Beilragsmarten, rveitere Kapitalsanfaiirmlung, Abrechnung unter den Austalten, Miudi- rung der Zahl der Vorstände, der Schiedsgerichte und der Ver- trauensmänner, Vereinfachung des Verfahrens, Minderung der Kosten. Handelsminister Frhr. von Berlepsch sprach im Interesse der preußischen Regierung und hob hervor, daß an den Berufs- genossenschaften nichts auszusetze» sei, dagegen manches an den Orts-Krankenkassen, insofern, als trotz erheblicher Beiträge die Falle der Unzulänglichkeit sich mehren. Ueber das„Klebegesetz" herrsche allgemeine Unzufriedenheit.— — Das Spielen in n i ck> tp r e u ß i sch e u Lotterien sowie der Handel mit Loosen solcher Lotterien sollen käusligbin mit höheren Strafen belegt werde», als dies bisher der Fall war. Eine entsprechende ministerielle Anweisung ist den Staateanwalt- schast«! zugegangen. Auch werden jetzt auf Veranlassung der Minister des Inner» und der Finanzen die Lolteriegeschäite fort- gesetzt behördlich kontrollirt und Tnrchsnchunejen unlerivorsen. Diese Maßnahmen werden mit der Absicht der Regierung in Ber- bindung gebracht, eine Deutsche Reichs-Lotteri« zu be- gründen; doch haben die bislang geführten Verdandlui gen wegen Gründung einer Reiebs-Lotierie zu einem Resultat noch nicht ge- führt, weil die betreffenden Bundesstaate», welche Landeslotlerien besitzen(Sachsen. Braunschweig, Mecklenburg, Gotha und Hain- bürg) Abfindungssummen verlangen,'welche die Regierung für zu hoch hält und mit Rücksicht darauf, daß jene Lotterie» zum theil gar nicht bestehen könnten, wenn sie nicht außerhalb ihrer Landesgrcnzen ein großes Absatzgebiet fänden, abgelehnt hat. Miilhansen i. Elf., 5. November.(Eigener Bericht.) Seit gestern bes>nden sich auch die letzten zwei von den wegen Mit- tvissenschaft an dem Morde des Fabrikanten Echwartz Verhasteten auf freiem Fuße. Die„sechs Genossen des Mörders", welche in der klatschsüchtigen gegnerischen Presse eine so hervorragende Rolle spielten, haben sich sonnt durch die Bank als unglückliche Opfer des Polizei-Eifers ent- puppt und daS schreckliche Komplott der Sozialisten und Anarchisten hat sich damit endgillig verflüchtigt. Von den sechs Verhaftete» haben einige zwei, andere drei Woche» gesessen, einer ist ein armer Schuhmacher, der von seiner bornirten Kundschaft nun ge- mieden werden wird, und drei andere sind Reisende, welche ihre Engagements verloren haben, denn kein sogenanntes solides Haus mag sich durch derartig kompromitlirle Personen ver- treten lassen. Der Mangel jeglicher Entschädigung für un- schuldig Verhaftete offenbart sich auch i» diesem Falle.— — I n M ü l h a u s e n i. E l s. ist der Ansetzer V i n c e n z Binder ivegen M a j e st ä t s b e l e i d i g u n g zu 3 Monaten Gefängniß verurlheill worden.— Italien. — Der Feldzug gegen Abessynien. Nach vier- wöchentlichem Kampfe gegen die Abessynier ist General Baratieri am 30. Oktober nach Massaunh zurückgekehrt, nachdem er, wie wir schon gemeldet haben, die Grenze» ber Kolonie um ein gutes Stück nach Tigre vorgeschoben und mit neuen Befestigungen in anscheinend günstigen strategischen Punkten gesichert hat. Dieser Erfolg entspricht aber nicht den gehegten Erwartungen; nach Baratieri's eigenster Meinung, die er wiederholt unzweideutig aus- gesprochen hat, verlangte die Lage in der erythräischen Kolonie einen entscheidenden Schlag gegen die feindlichen SrämMe, der einen dauerhaften Friedensschluß ermöglicht haben würde. Weder der Schlag, noch der Friedensschluß ist erfolgt, die Ent- scheidung und cndgiltige Sicherung der italienischen Stellung am Rothen Meer sind einstweilen ausgeschoben. Das Warum liegt bis heute noch im Dunkel, wie auch die Verhältnisse im Reiche Meneliks und seiner Häuptlinge mit völliger Nacht umhüllt sind. Die öffentliche Meinung in Italien ist, wie man der„Köln. Ztg." berichtet, infolge dessen wenig be- friedigt und verlangt vergebens von der Regierung Aufklärung über die letzten Vorgänge in Erythräa und ihre Absichten für die Zukunft. Die„öffentliche Meinung" in Italien thnt sehr recht daran, nnbefriedigl zu sei», denn, wenn sie auch sonst nichts weiß, so kennt sie doch sehr genau die Menge von Mensche» und materiellen Mitteln, die unablässig von der Regierung zur Siche- rung der öden Sandfläche am rothen Meere verpulvert werden; während das Volk im Lande unter dem Drucke der Steuerlast beinahe zusammenbricht, wirthschaftet die Regierung in der Ferne aus dem vollen, und nach den bisherige» Erfahrungen wird sie wohl Baratieri's Meinung sich anschließe» nnd zu dem„ent- scheidenden Schlage" aushole». Frankreich. Aus Paris 6. cl. den 5. November morgens schreibt uns eine Pariser Korrespondenz: Die gestrige Erklärung des M i n i st e r i u m s im Parlament hat nicht viel Neues gebracht. Allerdings ist es heutigen Tages auch für ein französisches Ministerium schwer, Neuheiten zu erfinden. Das Programm der neuen Minister war deswegen nicht weniger reichhaltig. Wird auch nur der zehnte Theil von dem, was sie darin versprechen, ans- geführt, so kann man sie gewiß beglückwünschen. Gewisse Punkte des Programms waren dunkel, so derjenige betreffs der Maßnahmen, die zu ergreise» sind, um die fran- zösischen Landwirihe gegen verschiedene internationale Spekula- tionen zu schützen. Eine Gesetzvorlage über das Vereinsrecht soll ferner die Trennung der Kirche vom Staate herbeiführen. Daß das neue Ministerium bestrebt ist, das Budget noch bis zum 31. Dezember fertig stelle» zu lassen — die„vornehmste seiner lltesormen"—, ist gewiß eine löbliche Absicht. Nur frag: es sich, ob ihre Durchführung mög- lich sei» wird. Denn vorher soll die Kammer' noch über die Erbschaslssteuer-Ncsorm berathe» und außerdem sind noch einige Interpellationen, die gestern erst wieder um eine neue vermehrt wurden, im Rückstände. Man hätte erwarten können, daß das Ministerinin dieser Arbeitslast gegenüber»un auch sofort ans Werk geht. Doch war die Abgabe seiner Er- klärnng ge« ern das einzige, was die Kammer von ibrer Tagesordnung erkedigle. Herr Bourgeois bat sie, die Regelung derselben ans nächste» Tonnerstag zu ver- schieben,»nd so wird die eigenlliche parlamentarische Arbeit erst in einer spätere» Sitzung beginnen. Auffallend war es, daß die Madagaskar- Frage, die doch jetzt im Vordergrunde der fran- zösischen Politik sieht, fast kaum berührt wurde. Herr Bourgeois sprach nur von dem„bewunderungswürdigen Marsche" nach Tananarivo, der mit recht mit einige» Frage- zeichen versche» wird. Von dem Friedensvertrag war nicht die Rede. Ob es' sich daraus erklärte, daß die Tellarntion des Ministeriums nur von etwa einei» Viertel der Virsammlung beifällig miigenoinmen wurde, während sie die übrigen drei Viertel vollkommen kalt ließ, wissen wir nicht. Herr Bourgeois zänlt jedenfalls besonders auf das republikanische Zentrum be- ireffs der Erlangung der Majorität und gerade da rührte sich auch nicht eine Hand.»m Beifall zu klatschen. Auch die Aenßeuing betreffs des„Geistes der alten Republikaner" nahm sich im Munde des SLsährige» Ministerpräsidenten etwas sonder- bar ans. Vielleicht sollte sie den Gegensatz zu dem„neuen Geiste" bilden, von dem bisher viel die Rede war. Doch wird dieS- bezüglich Herrn Bourgeois bereits vorgehalten, daß der„alle Geist" nur znm Botllangismns geführt. Die Ansichten der Presse über die Erklärung des Ministeriums sind überhaupt sehr getdeilt. Die Meimiiig der Regierungs lltepublikaner spricht das „Journal des DebatS" mit folgenden Worte» ans: „Tos neue Ministerium hat versprochen, die Ordnung„in der Straße" aufrecht zu erballen. Hoffen ivir, daß es für diese Ausgabe genügende KraU besitzt! Was die Majorität betrifft, io sah man gesler», ohne dieMöglichkeit eines Jrrlhums, daß es dieselbe nicht balle. Zille leine Projekte im Sinne des„alte» Geistes" brachte» eine erkältende Wirkung hervor. Wenn irgend ein Ministerium von allen denen gestützt wird, die gestern mit über die Brust ge- kreuzten Armen Herr» Bourgeois den Beifall verweigerten, so hätte er die beträchtlichste und homogenste Majorität. Und gerade die Majorität ist es, die Herr Bourgeois sucht."— Der „ G a n l o i s" äußert, daß die Erklärung des Ministeriums zivar scheinbar substantiell, aber in Wirklictkeit nichts ist. Das„Journal" meint:„Wir sagten schon bei der Bildting des Kabinels, daß wir vor einem interessanten.„Ber- such" der radikalen Politik stehen. Jetzt fürchte» wir nur für Herrn Bourgeois nnd feine Mitarbeiter, daß ihnen die Kammer nicht einmal Zeit lassen wird, mit diesem Versuche zu beginne». Indem er zu viel thun wollte, hat Herr Bourgeois jede Neu- tralitäl unmöglich gemacht und seit beute ist zmzjche» de» Gemäßigte» und der äußersten Linken der Krieg erklärt". Die„Petile Rs publique" schreibt:„Wir bleiben stets dieselben. Bon allen Regierungsmännern, die auf der Miuisterbank einander folgen, veelangen wir zwei Tinge: Volle Freiheit für die sozialistische Propaganda und unbedingte Respektirung der Rechte der Arbeit." Henri Rochefort schreibt im„ I n t r a n s i g e a n t":„Wir bitten Sie um Ihr Vertraue» nicht zum Leben, sondern zum Handeln", sagte Herr Bourgeois zum Schlüsse. So handele er doch und zwar schnell nnd ohne Zögern. Frankreich gleicht gegen- wärlig einem Verunglückten aus der Tragbahre, ber unterwegs zu sterben droht, wenn die Träger nicht fo bald als möglich das Spital und die ärztlicde Hilfe erreichen."— Die „P a i x" erklärt,„daß drei Viertel der Erllärung auch von Ribot oder Dupuy unterschiieben worden wäre». Das Kabinet und Bourgeois werde nur unter der Bedingung Kredit erlange», daß es den Kampf gegen die revolutionären Sozialiften und die„saus pabris"(„Vaterlandslosen") aufnehme." Nur der„R a d i c a l" äußert unverhohlen seine Freude und sagt,„daß zum ersten male seit langen Jahren wieder ein wirklich reformatorischer Wind durchs Parlament weht". So die Pariser Korrespondenz. Wir können hinzufügen, daß die radikale und die sozialistische Presse sich ausnahmslos dem Ministerium sehr sympathisch zeigen. Die„Petite Republik" er- klärt ausdrücklich, das Kabinet Bourgeois, habe sich bis. jetzt durchaus korrekt verhalten. Sie schließt ihren heutigen Leitartikel mit den zitirten Worte» eines Parteigenossen: „Mögen die Minister republikanische Politik machen! Wir unterstützen sie. Die sozialistische Politik machen w i r!"— Morgen— Donnerstag— wird die Abschaffung d e 3 A n a r ch i st e n g e s e tz e s in der Kammer von dem Dcpntirtcn Bazille beantragt werden. Da die Motion keine dringende, wird die Debatte nicht sofort beginnen. Die Regierung will den Antrag nnterstütze». — Der Pariser Gemeinderath und die Arbeitsbörse. Man schreibt uns aus Paris: Die sozia- liflische Gruppe des Pariser Gemeinderaths hat in der Montag- sitznng einen Antrag eingebracht, der das Präsidium ausfordcrr, mit dem Ministerpräsidenten in Unterhandlung zu trete», um die Wiedereröffnung der Arbeiisbörse zu gnnsten der Arbeitergeiverk- schaflen und korporative» Gruppen zu erlangen. Ich zweifle um so weniger daran, daß Herr Bourgeois den Willkürakt Dupuy" wieder aufheben wird, als er Herrn Mesureur, der so viel für die Errichtung dieser Arbeitsbörse gethan, zu den Mitgliedern seines Kabinets zählt. In jedem Falle wäre dies das fröhlichste Angebinde, daS er zu seinem Antritt den Arbeitern bieten könnte.— Belgien. — Sozialisten in der Armee. Aus Brüssel wird dem„Hamburger Korresp." geschrieben: „Ein bedauerlicher Vorgang in Möns, der Hauptstadt des Hennegau, beweist abermals, imt welchem Erfolge die Sozialisten die belgische Armee bearbeiten. Die Sozialistenpartci errichtet nach nnd nach in allen größeren Städten und Jndustrieorten sozialistische Volkshäuser als„Festungen des Sozialismus". Diese sozialistischen Sammelpunkte sind schon heute in Belgien sehr zahlreich vorhanden. Dieser Tage wurde in Möns ein Volkshaus eingeiveihl; aus alle» Theilen des Landes kamen zur Theilnahme an der Feier Deputationen mit ihre» rotben Fahnen nnd Musikkorps nach Möns und zogen unter den Klänge» der Marseillaise durch die Sladt. Der Soldat Mathien des in Möns stehenden Jäger- Regiments, ein Brüsseler, begrüßte diesen Aufzug mit den Rufen: „Es lebe die soziale Revolution! Nieder mit dem Papierkönig!" Ein Polizist meldete diesen Vorgang, und Malhicu ist gestern, zum große» Zorne der sozialistischen Presse, in die Straf- kompagnie eingestellt worden. Ter Sozialismus macht in der nur aus Arbeitern und Bauern zusammengesetzten Armee schlimme Fortschritte." Die ganze schlotternde Angst des Bürgerthums leuchtet aus diesen Zeilen hervor; nichts ist selbstverständlicher, als daß bei der sortschreitenden Verbreitung des Sozialismus auch schon die in die Armee eintretenden Rekrute» häufig„von des Gedankens Blässe angekränkelt" sind. Die Verbreitung solcher Notizen in der deutschen bürgerlichen Presse hat natürlich immer den geheimen Nebenzweck, den militärischen Behörden durch diese ausländischen Beispiele von der Verbreitung des Sozialismus in den Heere» den Schluß auf etwa ähnliche Zu- stände in unserer Heimath nahe zu legen.— Oesterreich. — Staatshilfe für landtvirthschaftliche Meliorationen. Im österreichischen Abgeordnetenhanse sagte der Ackerbnuininister Graf Ledebur im Laufe der VerHand- lung über die Regierungsvorlage betreffend die Melioralions- darlehen, jeder Landwirth stimme dem zu, daß die Verbesserung der Ackerkrume das Alpha und Omega der Landivirlhfchaft sei. Die Vorbedingung für jede höhere Kultur sei, wie der Minister- Präsident hervorgehoben habe, daß zunächst den wirthschafllich schwächeren Ländern nnd der wirtschaftlich am schwächsten Landwirthschaft unter die Arme gegriffen werden müsse. Dies sei der Zweck des Gesetzes. Der Großgrundbesitz brauche zu Meliorationen keine gesetzliche Hilfe; gerade dem Kleingrundbesttz solle das Gesetz zu Hilfe kommen; diesem habe es bisher an Geld gefehlt und da solle daS Gesetz einspringen. Welchen Erfolg das Gesetz haben werde, sei im voraus nicht zu bestimmen. Die Viehzucht könne erst gedeihen, wenn Futtermittel vorhanden seien, joierz» sei die Vorbedingung das Meliorationsgesetz, das der Wiesenwirthschaft aufhelfen solle. Anknüpfend an die jüngste Rede des Rektors Menger be- grüßte der Minister unter Hinweis auf die Sozial« Wissenschaft den im Interesse der Landwirthschaft gelegenen Um- schwuug, der sich auch in dem vorliegenden Gesetze kundgebe. Der Minister hofft, daß der neue Geist des Gesetzes weitere segensreiche Früchte für die Agrargesetzgebung hervorbringen werde. Die Aenderungen deS Ausschusses an der Vorlage seien durch das Entgegeiikomnien der agrarischen nnd juristische» Strömung im Ausschusse zu stände gekommen, es feie» thatsäch- liche Velbesserungen vorhanden. Der Minister enipfahl schließlich die Annahme der Vorlage. Nachdem dann noch der Finanz- minister Dr. von BilinSki sich bereit erklärt halte, mit Liücksicht auf die Bedeutung des Melioralionsivesens volle Stempel- und Gebühreiifreiheit zu bervillige», wird die Vorlage über die Melioralions-Darlehen in zweiler Lesung angenommen.— Ungarn. — Abgeordnetenhaus. Im ungarischen Abgeord- netenhanse begann am Mittwoch die Debatte über das Budget. Die äußerste Linke forderte den Ministerpräsidenten auf, zurück- zutreten, da seine Mission durch die Beendigung der kirchenpolitische» Reformen erfüllt sei. Der Ministerpräsideut erklärte, er»verde gehen, wenn das Vaterland seiner Dienste nicht mehr bcuölhige.— Terbien. — S ch w e i» e h a n d e l» Die„Vossische Zeitung" meldet ans Belgrad: Die„»garische Regierung hat gleichzeitig mit der Eröfsnung der Grenze für die Schweine-Einfuhr aus Serbien die Durchfuhr serbischer Schweine nach Italien und Rumänien verboten. Der Ministerpräsident Nowakorvitsch richiete eine Be- schwerdenote über die vertragswidrige Handelshemmung an die Wiener Reichsregierung.— Bulgarie«. — Verhandlungen der S o b r a n j e. In der Sobranje zu Sofia streiten sich die großen und die kleinen bulgarischen Volksvertreter wacker herum über die interessante Frage, ob der einzige Prinz Boris mit den, Tapferkeilsorden den Uebertritt zum orthodoxen Glauben„vollziehen" wird oder nicht, wie die Regiernrig durch den Fürsten Ferdinand in der Thronrede hatte verkünden lassen. In der letzten Sitznng der Volksvertretung wurde der Entwurs einer Adresse an den Fürsten bcratbe»; darin wird die Hoffnung ausgesprochen, daß der Wunsch des Volkes nach einer orthodoxen Dynastie erfüllt rverde» möchte. Der Sozialist Gabronski spricht gegen die russenfreuirdliche Politik. Der Vizepräsident der Sobranje, Dr. Danew, vertheidigt in längerer Rede diese Politrk. indem er an der Hand der jüngsten Thatsachen nach- rveist, daß die Politik Rußlands uneigennützig ist. In der Diskussion widerlegte der Ministerpräsident Stoilow die in der Frage des Handelsvertrages gegen Oesterreich-Urrgarn er- hobenen Vorwürfe. Nach seiner Meinung habe der Vertrag für Bulgarien vom Gesichtspunkte der internationale» Stellung Buk- gariens hohe Bedeutung. Da Bulgarien nicht dieselben Rechte, wie die anderen Mächte habe, körnre es nicht seinen Willen ganz Europa aufzwingen wollen. Er stellte weiter fest, daß die Beziehrmgen zur Türkei gute seien. Einen Beweis des Wohlwollens des Sultans dem bulgarischen Agenten gegenüber bilde die Abtretung eines Territoriums von 20 Kilometer im Umfang im vergangenen Sommer. Auch mit Serbien beständer» gute Beziehungen. Der Abschluß des Handelsvertrages verzögere sich infolge der inneren Ve>a»der»ngin m Serbien. Die Beziehungen zu Rumänien seien die besten. Was die Frage der Annäherung an Rußland be treffe, so seien darin alle Parteien einig. Die Regierung werde alles niögliche aufbieten, mir eine Versohi«.iig zu erreichen.— Alle von der Kommission zur Untersuchung der Geschäfts snhrung unter Stambulow in den verschiedenen Zlrchiven Bulgariens vorgefundenen Schriftstücke wurden zu einem Bande von über MO Seiten vereinigt, der gestern dem Bureau der Sobranje unterbreitet worden ist; unter den Dokumente» befinden fich� viele von der Hand Stambulow's. Außer den auf Politik bezüglichen Schriftslücken enthält der Band die ganze Kor respondenz, welche den Ankauf von Mannlichergewehren, von Munition und Kruppgeschützen betrifft. Der Bericht über Beschlüsse der Untetfuchungskominission befindet sich noch im Türkei. — Was mit den Waffen der Armenier nicht gelungen ist, sollte mit ihrem Gelde versucht werden. Die Türken sind s ch l e ch t e F i n a n z l e u t e; der Koran verbietet, gleich der Bibel, das Zinsennehmen und den Wucher, und die Türken find so wenig kultivirt, daß sie die Gebote der Religion auch auf das praktische Leben ausdehnen. Die Folge dieser kläglichen Rückständigkeit ist. daß das ganze türkische Finanzwesen in den Händen der C h r i st e n ist, die für den Wucher und das Geldschneiden ein besseres Versländniß haben, als die „aoitverflnchten Heiden", um in des alten Gladstone elegant staatsmännischer Sprache zu reden. Die schärfsten und reichsten Finanzleute sind aber Griechen und Armenier, die beide vielfach innig zusammenhängen. Wohlan, die armenischen Bankiers und Börsenlente wollten den mißglückten Straßen putsch auf das finanzielle Gebiet übertragen und durch Kreditentziehung und Kreditschädigung den Türken möglichst Verlegenheiten bereiten. Und das ist ihnen denn auch bis zu einem gewissen Grade gelungen. Einige Tage lang war in Kon stanlinopel eine wahre Gcldpanik. Allein eins war bei dem schönen Plane vergessen: daß John Bull noch mehr Geld hat, als die Armenier sammt Griechen und sammt dem „Väterchen" in Rußland. Und so ist denn der Finanzputsch ebenso unglücklich verlaufen wie der Straßenputsch. Wenn es zum Krieg kommt, wird es dem Sultan nicht an Geld fehlen. Eine Depesche aus Rom meldet,„die Mächte" seien. wen» die Pforte die versprochenen Sieformen nicht ungesäumt durchführe, zum bewaffneten Einschreiten ent- schloffen. Das ist dummes Zeug.„Bewaffnetes Einschreiten der Mächte" bedeutet die T Heilung der Türkei. Und glaubt man, daß England so verrückt sein könne, das Spiel Rußlands zu spielen und seinein Todfeinde seinen sichersten Bundesgenossen zu opfern? Und einen Bundesgenossen, der sich in allen bisherigen Feldzügen als militärisch tüchtig und den Ruffen sogar insbesondere militärisch überlegen gezeigt hat.— Amerika. � Legislatur wählen in den Vereinigten Staaten. Die Legislatnrwahlen ergaben nach den vorliegen- den telegraphischen Meldungen mehrere bemerkenswerthe republikanische Siege, besonders im Staate Maryland, in welchem der Republikaner Lowndes zum Gouverneur mit einer Majorität von 20—30 000 Stimmen gewählt wurde. Nach Berichten aus Kentucky gewannen die Republikaner erheblich; der Posten des Gouverneurs und die Legislatur sind noch zweifelhaft; beide Parteien beanspruchen den Sieg; indessen wird sich voraussichtlich eine republikanische Mehrheit ergebe». Im Staate New- Jork sind die 7S 000 Stimmen sür die Legislatur überwiegend republikanisch; in der Stadt New- Jork sind sänimtliche Tammany-Hall-Kandidaten mit einer Mehr- heit von über 20 000 Stimmen gewählt. In dem Staate Massachusetts wurde der republikanische Gouverneur mit einer Mehrheit von ungefähr 00 000 Stimmen wiedergewählt. In dem Staate New-Jersey wurden für den Gouverneur-Posten so- wohl wie für die Legislatur Republikaner gewählt. Der Republikaner Bushnell wurde mit einer Mehrheit von 90000 Stimmen zum Gouverneur des Staates Ohio ge- wählt. Die Legislatur ist überwiegend republikanisch. In dem Staate Pennsylvanien wurde ein Republikaner mit einer Mehr- heit von ISS 000 Stimmen zum Schatzmeister gewählt. In den Staaten Iowa und Kansas sind die Wahlen ebenfalls republikanisch ausgefallen. Ju dem Staate Mississippi wurde der Demokrat Mac Laurin zum Gouverneur gewählt. In dein Staate Nebraska wird die republikanische Mehrheit voraussichtlich ungefähr 20 000 Stimmen betragen.— — A u f st a n d in Kuba. Aus Santa Maria ist die Draht- Nachricht eingetroffen, daß die spanischen Truppen verschiedene Banden von Rebellen unter der Führung von Peego, Floites und Dermudoz bei Minasricas, Siguanca und Matagua mit schweren Verlusten für die Rebellen zurückgeschlagen haben. Floites wurde getödtet.— E r k l ä r u» g. Nach dem Bericht in dem heute erschienenen„Vorwärts" über die Verhandlungen im vierten Berliner Wahlkreis, be- treffend den Breslauer Parteitag, äußerte Genosse Schneider unter anderem folgendes: „Im Protokoll des Parteitags sei Bebel's Rede in manchen Theilcn ganz anders, als wie sie gehalten worden, viele heftige Wendungen und persönliche Ausfälle seien fort- gelassen." Der Genosse Schneider irrt. Da der Bericht zu meinem eigenen Bedauern nicht stenogvaphisch aufgenommen worden war, mußte derselbe, namentlich bei einem so rasch sprechenden Redner wie ich, sehr unvollständig sein. Ich mußte daher den Bericht nach Möglichkeit ergänzen und dabei habe ich eine Reihe fehlender„hestigcr Redewendungen und Ausfälle" nicht fortgelassen, sondern mehrfach wahrheitsgemäß ergänzt. Die ganze Rede zu geben war Raumes halber unmöglich. Wer mich kennt, weiß, daß es nicht zu meinen Ge- pflogenheiten gehört,„heftige Wendungen und persönlich k Ausfälle", zn denen ich mich berechtigt halte, zu mildern oder gar zu streichen. Berlin, den 6. November 1ö9S. A. Bebel. auch an den Gemeinde-Angelegenhcilen seiner Vater- stadt F ü r t h, die unter der früheren 5llassenvertretilng an den Rand des materiellen und politischen Bankrotts gelangt war. Sein Verdienst als Gemeinde-Bevollmächtigter und Magistratsrath ist es, daß diese Mißwirthschasl durch einen geordneten Haushalt ersetzt wurde; ihm besonders verdankt die arbeitende Bevölkerung die Aushebung des Schulgeldes, das sie so schwer belastete. Nachdeni damals die arglistigen Gegner, die nur reiche, aber keine ehrlichen Leute brauchen konnten, Löweiffieiiüs Wiederwahl hintertrieben hatten, rief er die„Fürther Bürger- zeitung" ins Leben, als Echutzwehr des darbenden Volkes. Ans taktischen Gründen wählte er später Nürnberg zum Wohnsitz, wo er die Herkulesarbeit übernahm, den städtischen Augiasstall von dem seit Jahren angehäuften Unrath zu säubern. Auch hier waltete er seines Amtes mit unermüdeter Energie und rast losem Eifer— nicht mit unschädlichen Nadelstichen, sondern mit wuchtigen Keulenschlägen ging er den gefürchteten Widersachern zu Leibe, mochten es Vollblutjunker oder Empor- kriechlinge sein. Was unseren Freund aber ganz besonders aus zeichnet, das ist die jederzeit bekundete Uneigennützigkeit und Selbstlosigkeit. Niemals suchte er aus seiner vielseitigen Thätig keit Bertheil zu ziehen, er war lediglich bestrebt, den Besitz- und Rechtlosen als hilfreicher Berather und Beschützer zur Seite zu stehen. Möge der treubewährte Genosse in gleicher Weise noch lange mit uugeschwächter Kraft wirken— möge ihm insbesondere beschieden sein, den Sieg der Sozialdemokratie mit uns znseiern. Wir schließen uns diesen Ausführungen unseres Nürnberger Bruderorgans aus vollem Herzen an und wollen nur noch hinzu- fügen, daß auch die Parteigenossen an der Spree den lebhaften Wunsch hegen, es möge dem Genossen Löwenstein vergönnt sein, zuführen hoffe. r»rz««& vttaTa CVrtfivd hev flir hlP IRPi I_ noch nicht vorhanden ist, unverzüglich einen solchen zu wählen. Wo sich die Kollegen nicht zur Wahl verstehen können, bitte ich, daß jemand von ihnen aus eigenem Entschluß in der am Donnerstag, den 7. November, im Lokale Kinz u. Ko., Alte Jakobstr. 83, stattfindenden Vertrauens- männer- Sitzung erscheinen möge.(Siehe auch Inserat in der Mittwoch- Nummer.) Die Einladung zu dieser Sitzung erfolgt ausnahmsweise nicht durch Karten, weil ich allen Werkstätten zu gleicher Zeit die Möglichkeit geben wollte, in dieser Sitzung ver- treten zn sein. Kollegen, bei der so wichtigen Sache, die wir zu besprechen haben, bitte ich Euch, dafür zu sorgen, daß Ihr alle vertreten seid. Im Anschluß daran theile ich Euch gleich mit, daß meine Adresse lautet: Berlin, Schillingstr. 30a, Restaurant Emil Köpnick; ich bin dort jeden Abend von 0—7 zu sprechen Paul L i t f i n, Vertrauensmann der Drücker Berlins. In Gcnthin ist in der Thonwaarenfabrik von Wilkew, d o r f' s Nachfolger ein Streik der Scheiben» a r b e i t e r ausgebrochen. Die Ursache war ein Lohnabzug. Die streikenden Sattler Barmens faßten am Sonnabend in einer zahlreich besuchten Versammlung einstimmig folgende Nesolntion:„In Erwägung, daß die Berliner Kollegen sich in einem Streik befinden und 0 M. Arbeitslohn für einen Tornister verlangen, ferner, daß in Raisdorf und anderen Orten 0 M. bezahlt werden, so beschließt die Versammlung, an ihren gestellte» Forderungen festzuhalten und den Streik so lange fortzusetzen. bis diese bewilligt werden." Der Vorsitzende der Lohnkommission machte übrigens die Mittheilung, daß der Gewerberath sich der Angelegenheit angenommen habe und eine Verständigung herbei- noch viele Jahre imit der gewohnten Geistessrische sür die Be- freiung des Proletariats zu kämpfen. Partcilitcratur. Vom Protokoll des Breslauer Parteitags ist bereits die vierte Auflage(30.— 40. Tausend) nöthig geworden. Weiter hat die Buchhandlung des„Vor- >v ä r t s" soeben in neuer Auflage erscheinen lassen:„Karl Marx vor de» Kölner Geschworenen", welche Schrift unser ver- storbeue Engels mit einer Einleitung versehen hat. In seiner meisterhasten Kürze skizzirt da Engels die Hauplereignisse von 1848/49 bis zur Kontrarevolution und legt der Marx'schen Rede um des willen nachträglich noch so große Bedeutung bei, weil sie gegenüber der heuchlerischen Gesetzlichkeit der Regierung den revolutionären Standpunkt wahrte. Die unter der Aera des Ausnahmegesetzes und mit Bezug auf dasselbe geschriebenen Er örterungen erhalten gerade heute, da das Geschrei nach Aus- nahmegesetzen immer wieder angestimmt wird, historische Be- deutung. Auf das Grab Wilhelm Dölcke'S legten am Morgen des 0. d. M. die zur Agitation sür die Reichstags- Nachwahl nach Dortmund gekommenen Redner und Vertreter der Dortmunder Genossen einen Kranz mit weißer Schleife nieder, die in rolher Schrift folgende Worte trug:„Nach langen Kämpfen ward uns endlich der Sieg. Dortmund, S. November 1895. r' Wege» der bevorstehende» Berliner Stadtverordneten- Wahlen wird, wie uns die Vertrauensperson Frau G e r n d t mittheilt, die Volksversammlung, wo die Berliner Delegirtinncn zum Breslauer Parteitag über dessen Verhandlungen berichten sollen, erst am 14. November abgehalten. Der Sieg, den unsere Spandau er Parteigenossen bei den Stadlverordnelen-Wahlen der dritten Abtheiluug errungen haben, ist um so bedeutungsvoller, als die Wahl nnter großer Betheilignng vor sich ging. Die Kandidaten des Arbeiler-Bezirks Vereins, sechs an der Zahl, wurden sämmtlich gewählt, und zwar mit durchschnittlich 1110 Stimmen. Die 5iaudidaten des unter Protektion des Magistrats stehenden Städtischen Vereins blieben mit durchschnittlich 82S Stimmen in der Minderheit. Orts-Krankenkasseu-Wahlen. In Mainz wurden als Delegirte zu den Generalversammlungen der Orts-Krankenkasse die Kandidaten des Gewerkschaftskartells und des Vereins selbständiger Gewerbetreibender ohne Gegenvorschlag ge> wählt. Die Wahlbetheiligung war übrigens sehr schwach. Von 11 S00 Versicherten stimmten nur 437, von 2S00 Unternehmern blos 75 ab. Beim Dresdner Vildhauerstreik hat ein Ausständiger gegen einen fortarbeitenden Kollegen ausgerufen:„Schäme Dich. daß Du arbeitest; Du wärest werth, man gäbe Dir ein paar Schellen." Diese unvorsichtige Aeußerung kostete dem Betreffenden 3 Wochen Gefängniß. Tie Unternehmer des Schiffsbauergewerbes im schottischen Clyde-D»strikt haben am S. November mit der Aussperrung ihrer Arbeiter begonnen. Am 0. No- veurber waren nahezu sämmtliche Schifssbauer am Clyde außer Arbeit. In Glasgow war vorher noch das äußerste auf- geboten worden, um den Ausstand abzuwenden. Betreffs der Dauer der Sperre sind die Meinungen sehr verschieden, einige glauben, daß Versöhnungsversuche bald eine Einigung herbei- führen dürften. Der Schaden, den eine andauernde Aussperrung den verschiedenen Industriezweigen, namentlich der Kohlen- und Eisenindustrie, zufügen würde, ist unberechenbar. Mehrere Firmen haben Austräge für die Admiralität auszuführen. Vsvkei-Nackzvirlztett. Gabriel Löwenstein's 70. Geburtstag feiern heute die Nürnberger Parteigenossen. Die„Frankische Tagespost" widmet dem Jubilar einen seine Verdienste um unsere Partei ins rechte Licht setzenden Artikel, dem wir folgendes entnehmen: Wir seiern den 70. Geburtstag eines Mannes, der sein ganzes Leben, feine volle Kraft der Freiheit und Volkswohlsahrt ge widniet hat... Er war in bescheidenen Verhältnissen erzogen und genoß nur den gewöhnlichen Unterricht, halte jedoch einen Vater zum Vorbild, der seiner Wellklugheit und Einsicht halber sich allseitigen Vertrauens erfreute und selbst in schwierige» Rechtsfällen zu Rathe gezogen wurde. Diese schätzbaren Vorzüge gingen unverkürzt auf den Sohn über und haben auf dessen Lebens- lauf folgenreichen Einfluß geübt. Durch entsprechende.Lektüre früh- zeitig zu politischer Reife gelangt, blieb Löwenstein gleichwohl der Revolution von 1848 fern, weil das Volk den sürstliche» Versprechungen vertraute und ein kläglicher Ausgang voraus- zusehen war. Desto eifriger und opferwilliger betheiligte er sich an der in den 00 er Jahren zu neuem Leben erwachten so, inldeni akratischen Bewegung, gleichzeitig aber Polizeiliches, Gerichtliches te. — Genosse Hülle in Erfurt hat die gegen das Schöffen- gcrichts Urlheil in Sachen kontra Staatsanwall Lorenz eingelegte Berufung zurückgezogen. — Wegen M a j e st ä t s b e l e i d i g u n g ist der Redakteur unseres Breslauer Partei-Organs„Volksmacht" unter Anklage gestellt wegen einer Notiz, welche unterm 12. September von den „Hamburger Nachrichten" veröffentlicht wurde und von da die Runde durch die gesammte deutsche Presse machte, auch in Breslau von mehreren bürgerlichen Blättern gebracht wurde. Die Notiz besprach die Amtsentsetzung des welsisch gesinnten Pastors Danckwert. Sozisrlv Mebevslcht. Der sächsische Militärvereinsbund hat bekanntlich be stimmt, daß diejenigen Mitglieder ausgeschlossen werden sollen. die einem Konsumverein angehören, in deffen Leitung Sozialbcmokrate» sitzen. Es ist immerhin bemerkenswerth, daß dieser gehässige Beschluß selbst bei den Militärvcreinen auf Widerstand stößt. So hat sich der Militärverein in dem 0000 Einwohner zählenden Orte Schedewitz bei Zwickau sich gegen den Beschluß des Bundes erklärt. Ter Kousnmverein rheinisch- westfälischer Bergleute ist bekanntlich in Konkurs gerathen. Es waren die etwa 3000 früheren Mitglieder sämmtlich geladen und etwa 100 ans allen Theilen des Kohlenreviers erschienen. Vo» dem ltonkursveriralicr wurde mitgetheilt, daß bei einer Nachzahlung vo» 12 Mark pro Mitglied die sämmtlichen Schulden und Kosten des Konkurses gedeckt werden könnten. Ein Theil der anwesenden Mitglieder erklärte sich zur sofortigen Zahlung bereit, andere erhielten bis zum I.Mai 1890 Ausstand, um bis dahin den Betrag in Raten zahlen zu könne». GemerkschAfklickzes. SSuttiitltche Mttlhetlungen von Organtsalionen. vor allein solche über Ausstände oder Aussperrungen, müssen stet« den Stempel der betreffenden Oiganisatio»»ragen. Achtung, sechster Wahlkreis. Parteigenossen! Die Wahl leitung für die einzelnen Kommunal-Wahlbezirke befindet sich am 8. November: für de» 33. und 3S. Bezirk bei Witzel, Acker- straße I4S und für den 42. Bezirk bei Kranz, Badstr. 12. Heute Abend drei große Versammlungen. Siehe Inserat. Energische Älgitation ist nothwendig. Diejenigen Parteigenossen, welche am Tage der Wahl thätig sein»vollen, müssen sich pünktlich morgens 8 Uhr in den obengenannten Lokalen einfinden. Achtung, Metalldrncker! Kollege»! Die letzte öffentliche Versammlung der Drücker Berlins hat beschlossen, in die Lohn- bewegung einzutreten und zunächst d i e Werkstätten vorzunehmen, wo die Arbeitsverhältnisse am ungünstigsten sind. Um dies durch eigene Kraft ausführen zu können,»vurde ferner bcschloffe», daß die Kollegen in allen Werkstätten vom 4. November au bis zur Aufhebung dieses Beschlusses einen freiivilligen Bei- trag von SO Pf. wöchentlich leisten. Zur wirksamen Durchführung dieses Beschlusses ist es nothwendig, daß in allen Werkstätten Vertrauensmänner ernannt werden. Ich fordere Euch daher auf, überall da,»vo ein Vertrauensmann Dezreftszon und letzke Nncheichken. Köln, 0. Nov.(W. T. B.) Der„Köln. Ztg." wird aus Konstantinopcl von ihrem Korrespondenten geschrieben, der Groß- Vezier Kiamil Pascha habe ihm(dem Korrespondenten) erklärt, die Nachrichten aus den Provinzen verstärkten die Beweise da- für, daß die Armenier nach einem festen Plane vorgehen, um die Mohamedaner zu Verbrechen zu reizen, welche die Ausmerk- samkeit Europa's erregen sollen. Die von den Armeniern be- gangenen Verbrechen seien aber viel schrecklicher als die von den Türken begangenen. Die armenische Bewegung werde von Ver- schworenen geleitet,»velche verschwänden, sobald es ihnen ge- lungen sei, die guten Beziehungen zwischen Türken und Ehriste r» zu zerstören. Elberfeld, 6. Nov.(W. T. B.) Bei der heute hier statt» gehabten Ersatzwahl eines Landtags- Abgeordneten für den Wahlkreis Elberfeld- Barmen»vurde nach amtlicher Feststellung Heinrich von Knapp(n a t i o n a l l i b e r a l) mit S23 Stimmen gewählt. Der Gegenkandidat Eickworth(freisinnig) erhielt 277 Stimmen. Wien, 0. November.(W. T. B.) Die„Neue Freie Preffe" verzeichnet die in bestinformirten parlamentarischen Kreisen auf- getauchte Meldung von der Nichtbestätigung Luegers als Bürgermeister von Wien und fügt hinzu, die Ent« scheidung solle abends veröffentlicht werden. Wien, 0. November.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus. Bei der Berathung des Berichts des landwirthschaftlichen Ausschusses über die Anträge a»»f Abhaltung einer landwirthschaft, lichen Enqnete, betreffend den Niedergang der Landwirth- schaft erklärte sich der Ackerbauminister Graf Ledebur für die Enquete. Die Regierung stehe den» Unternehmen wohlwollend gegenüber und sei bereit, die Enquete durch die staatlichen Organe unterstützen zu lassen. Wien, 0. November.(W. T. B.) Heute Abend traf beim Präsidium des Magistrats die amtliche Mittheilung ein, daß der Kaiser die Wahl Dr. Lueger's zum Bürgermeister nicht bestätigt hat. In einer am Freitag abzuhaltenden Sitzung wird sich der Beirath mit den Modalitäten der Neuwahl eines Bürgermeisters befchäsligen. Paris, 6. November.(B. H.) Nachdem die Forderung. ein Schiedsgericht einzusetzen, seitens des Glashütten-Diiektors Ressöguier in Carmaux abgelehnt»vorden ist, haben mehrere radikale Zlbgeordnete beschlossen, in der Kammer den Antrag zu stellen, daß in Zukunft in allen solchen Fällen Schiedsgerichte obligatorisch sein sollen. London, 0. November.(B. H.) Die Meldung, die Werftbesitzer von Clyde hätten sich mit denjenigen von Belfast solidarisch er« klärt und ihre Werften geschlossen,»vird jetzt bestätigt. Rotterdam, 0. Noveinber. Heute»vurde das U r t h e i l des Gerichtshofes in dem Prozesse wegen des Z u s a in m e n st o ß e s der„Elb e" und der„Cralhie" ge- fällt. Das Gericht erachtet die Thatsache des Zusammen- stoßes der beiden Schiffe sür erwiesen und erklärt die„E r a t h i e" für allein schuldig an demselben. Die„Elbe" habe allen Vorschriften Genüge geleistet und in der von ihr eingeschlagenen Weis» fahren dürfen. Es war sür die„Elbe" kein Anlaß, Signale zr geben,»velche nur bei Nebel obligatorisch sind. Daher falle di» ganze Verantwortlichkeit auf die„Crathie". Alle durch de» Norddeutsche» Lloyd gemachten Angaben seien bewiesen»vordem daher müsse dessen Anspruch als zu Recht bestehend anerkannt werden, besonders der aus Schadloshaltung sür der e s a in m t v e r l u st der„E l b e". Der Betrag sei noch fest« zustellen und 0 pCt. Zinsen dazu zu rechnen. Die Eigenthümer der„Crathie" wurden nach dem Verhältnisse ihres Aniheils ver- urtheilt. Beschlagnahme der„Crathie" bis zur erfolgten Zah lnng wurde für zulässig erklärt. Rotterdam, 0. Nov.(B. H.) Heute ist Hierselbst eine groß» Oelfabrik vollständig niedergebrannt; desgleichen ist ein an liegendes Fabrikgebäude ein Raub der Flammen geworden. De» Brand theilte sich auch mehreren im Hasen liegenden Schiffe» mit, welche starke Beschädigungen erlitten. Konstantinopel, O.November.(W.T.B.) Neue Ge waltthaten und Plünderungen seitens der Kurden werden aus den Vilajets Erzerum, Billis, Mamuret-Aziz mit Diarbekr gemeldet. Gleiche Nachrichten über blutige Er. e i g n i s s e kommen aus den östlichen Theilen Silva» und den nördlichen Theilen Aleppo's. Gerüchiweis« verlautet, daß auch im Vilajet Man Metzeleien vorgekommen seien. Detroit, 8. November.(W. T. B.) Heute früh Ol/e llh stürzte infolge einer Kesselexplosion ein Theil des Gebäudes de Zeitung„Journal" ein. Viele Personen wurden verschütter. bisher sind 4 Leichen geborgen worden. In dem Gebäude waren viele Mädchen und Frauen beschäftigt; man glaubt, daß üch in dem eingestürzten Theile 25 Personen befanden. Die Trümmer gerietheu in Brand; die aufsteigenden Rauchwolke» erschweren die Rettungsarbeiten. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kuncrt, Schöneberg-Berlin. Für den Jnseratenlheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 2 Beilagen 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner VoWlatt. Ur. 361. Donnerstag, den V. November 1893. 13. Jahrg. Parteigenossen? Arveiter! Wähler der III. AbtheUnngZ Ails jnt Sllldtttrirdniteü-Blihl, die Morgen Freitag von 9 Uhr früh bis 7 Uhr abends in Dm milm bezeWetm Lokülen ßüttftDtt. Geht Müliü für Mllülf üll hell Wühltisch ullD gebt Eure Stilllme uur Deu svziülDelllvkratischeu KüllDlDateu. Es gilt nicht uur, Die iu unserem Bejit besiuDlichen Bezirke mieDec zu geuiiuuen, nein, auch Die übrigen Bezirke Der III. Abtheilung ulüsseu erobert merDen. Nur bei starker Vermehrung Der sozialDeiuokratischeu StaDtuerorDueteu mirD es gelingen, iu Verlin bessere Verhältnis in Den Schulen, bei Der KrankenHege, somie beim Armeumesen uuD Der Vergebung jtäDtischer Arbeiten zu schassen, mirD es möglich sein. Die ForDeruugen Der Arbeiterklasse aus vernünftige Lohn- nuD ArbcitsbeDiuguugeil Durchzusehen, mirD Der Ausbeutung stäDtischen Veihes Durch Das Privatkagital ein EnDe gemacht merDen können. Parteigenossen! Lagt Euch Durch NiemanDen znrülkhalten. Eure Wicht zu ersüllen. Werbt neue Streiter sür Die Sozial- Demokratie, iuDem Fhr Dasür sorgt, Daß Die Wähler Der Iii. Abtheiluug ihr Wahlrecht ausüben nnD ihre Stimmen Den Vertretern Der Arme» unD BeDrülkten, Den sozialDemokratischen KanDiDaten geben. Arbeiter! Parteigenossen! Folgt Dem Beispiel Der tapseren MtmuuDer Geuossen. Somie Diese Die nationalliberale Hochburg geilürmt haben, so wollen mir in Berlin � Morgen Freitag Der sreisiunigen Kommunalmirthschast Die verDiente NieDerlage bereiten. Vorwärts also zum Kampf nnd Sieg! Koch die Sozialdemokratie! Wir veröffentlichen nachstehend das Tablean der bevor stehenden Ctadtverordneten-Ersatzivahlen und bemerken ausdrück- lich, daß diejenigen Wähler, welche seit dem I. A u g u st verzogen sind, in demjenigen B e zirk zu wählen haben, in welche msiezurZeit der Ausstellung der Wählerlisten— also im Juli d. I.— g e iv o h n t haben. Wähler ist jeder Preuße, ver 24 Jahre alt, seit einem Jahre in Berlin wohnt, seit dieser Zeit keine Armen-Unterstützung ans öffenllicheu Mitteln erhalten und die ihn betreffenven Ge- meinde-Abgaben bezahlt hat, sowie mindestens in die zweite Steuerstufe(600—900 M. Einkommen) eingeschätzt ist. S. Kommunal- Wahlbezirk, enthaltend die Stadtbezirke 6—10 und vom Stadtbezirk 144: Kleine Kurstr. 9, Niederwall- strafte 24 u. 25, Spittelmarkt 14 u. 14a, in welchem ein Haus besitzer zu wählen ist. Wahllokal: Nioderwallstr. st) bei Kühne. Kandidat: Expedient August Jacobey, Hochstr. 33. 3. Kommunal-Wahlbezirk und zwar: Thcil I, enthaltend die Stadlbezirke 21, 29 u. 3V und von Stadtbezirk 22: Wilhelm- strafte 42a, Zimmerstr. I, mit Ausschluß des Grundstückes König- grätzerstr. 121 von Stadtbezirk 21. Wahllokal: Albrechtsgarte», Wilhelmstr. 103. Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 26, 27 und 2S, mit Ausschluß der Grundstücke Charlotlenstr. 11—12 von Stadt- bezirk 26, Lindenstr. 39, Markgrasenstr. 10—16 und 85—94; Junkerstr. 1 von Stadtbezirk 27. Wahllokal: Friedrichstr. Äs8 bei Frist. Kandidat: Zigarrenhäudler Otto Antrick, Steinuietzstr. KV. 7. Kommunal-Wahlbezirk, in welchem ein Haus besitzer zu wählen ist, und zwar: Theil 1, enthaltend die Stadtbezirke 31. 32, 33 und 39 und von Stadtbezirk 46: Bülowstr. 93; von Stadlbezirk 45: Frobenstr. 1—11 und 41, Au der Apostelkirche I, Kursürstenstr. 29—46»nd 139—150; mit Ausschluß des Grundstückes Linkstr. 46 von Stadtbezirk 31. Wahllokal: Potodamerstr. ISZ A bei Zimmermann. Theil II. enthaltend die Stadtbezirke 33—37. Wahllokal: Friedrich Zpilhelmstr. IS bei Grnudma»». Kandidat: Stadtv. Fritz Znbeil, Lindenstr. 106. 11. Kommnual-Wahlbezirk, in welchem e i n H a u s- besitzer zu wählen ist und zwar: Theil I enthaltend die Stadtbezirke 63, 65 und 67; mit Ausschluß der Grundstücke Belle-Alliancestraße 90, Gneisenaustr. 1 vom Stadtbez. 63. Wahllokal: Habet'« Krauerei, Kergmannstr. 3—7. Theil II enthaltend den Stadlbezirk 64. Wahllokal: Kockbrauerei, Fidicinstr. 2—6. Theil III enthaltend den Stadtbez. 66. Wahllokal: Zostenerstr. 30 bei Zaap. Theil IV enthaltend den Stadtbezirk 75. Wahllokal: KiKtoriaparK, Gneisenaustr. 67. Theil V enthaltend die Stadtbezirke 74 und 77. Wahllokal: Grimmstr. 6 bei Schräder. Theil VI enthaltend den Stadtbezirk 76. Wahllokal: Happoldt'« Krauerei, Hasenhaide 3s— 38. Theil VII enthaltend die Stadtbezirke 73.Ä. und 78 B, Wahllokal: Gräfestr. 76 bei Liebherr.' Kandidat: Stadtv. Fritz Znbeil, Lindenstr. 10«. 13. Kommunal-Wahlbezirk, in welchem ein Haus- besitzer zu wählen ist, und zwar: Theil I, enthallend die Stadtbez. 83, 89, 90 und von Stadtbez. 87: Adniiralstr. 36—40», Bcitzerstr. 25, Kottbuserstr. 7 und 3; mit Ausschluß des Grund- stückes: Reichenbergerstr. 173 von Stadtbez. 89. Wahllokal: Mariauuenstr. 10 bei Hiltscher. Theil N enthaltend die Stadtbezirks 91—94; mit Ausschluß der Grundstücke: Lausttzerstr. 1, Skalitzerstr. 39, 40 und 46, Wienerstr. 68 uud 69 von Stadtbez. 94. Wahllokal: zirichrnbergerflr. 147 bei Eausewig. Kandidat: Stadtv. Gottfr. Schulz, Admiralstr. 40 a. 13. Kommunal-Wahlbezirk und zwar: Theil I, enthaltend die Stadtbezirle 32 und 33 nnd von Stadtbezirk 81: Elisabeth- Ufer 36 mit Ausschluß der Grundstücke: Adalbertstr. 85, Naunyn- strafte 59 von Stadtbezirk 33. Wahllokal: Adalbertstr. S1 bei Uo». Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 84 und 85 und von Stadlbezirk 86: Oranienstraße 24— 26 und 180— 183; von Stadtbezirk 95: Manteuffelstraße 42, Oranienstraße 1; von Stadtbezirk 97: Mariannenstr. 51—53, Naunynstr. 2—15, Mariannen- platz 6a. Wahllokal: Granienstr. 100 bei Zscheyge. Kandidat: Stadtv. Th. Metzner, Oranienstraße 184. 17. Kommunal-Wahlbezirk und zwar: Theil I, enthaltend die Stadtbezirke 115, 116 und 117; mit Ausschluß der Grund- stücke: Brandenburgstr. 17 nnd 64, Wasserthorstr. 25a von Stadt» bezirk 116. Wahllokal: 57/7s. Gemeindeschule, Krandenbnrg- straffe 78/70- Turnhalle. Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 114, 123 und 124; mit Ausschluß der Grundstücke: Prinzenstr. 91, Nitterstr. 13a— 29 uud 96—105 von Stadtbezirk 123. Wahllokal: Furstenstr. 10 bei LMUlre. Kandidat: Zigarrenhändler Wilhelm Börner, Nitterstraste 13. 24. Kommnual-Wahlbezirk und zwar: Theil I, enthaltend die Stadtbezirke 163, 169 und 172;»nt Ausschluß der Grund- stücke: Breslauerstr. 17, Fruchtstr. 9— 10 uud 81— 82, Schlesischer Bahnhof, Empfangsgebände und Bahnanlagen bis zur Warschauer strafte von Stadtbezirk 168, Nüdersdorferstr. 41—51 von Stadt- bezirk 172. Wahllokal: Laugestr. 65 bei Gmezarelr. Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 170, 171 und 173; mit Ausschluß des Grundstückes: Koppcnstr. 34 von Stadtbez. 173. Wahllokal: Kranerei Hilsrbein, Koppenstr. 68. Kandidat: Bildhauer Paul Dupont, Solmsstr. 33. 27. Kommunal- Wahlbezirk, und zwar: Theil I ent haltend die Stadlbezirke 152, 154 und 155 und von Stadtbez. 146: Große Frankfurterstr. 70, Schillingstr. 20; mit Ausschluß der Grundstücke: Gr. Frankfurterstr. 49 uud 89, Markusstr. 30 von Stadtbez. 152, Pallisadenstr. 88—89, Straußbergerstr. 9 und 35 von Stadtbez. 155. Wahllokal: DOrberstr. 244 bei Kreithaupt. Tbeil II enthaltend die Stadtbezirke 153, 156 uud 159 und von Stadtbez. 151: Krantstraße la—2 und 54a— 55a; von Sladtbz. 162; Andreasstr. 41—44 und 47, Blnmeustr. 34a— 41 und 43—51, Kraulstr. 53—54; mit Ausschluß der Grundstücke: Große Frankfurterstr. 90—100 und 127, Markusstr. 29, Koppen- strafte 35 von Stadtbez. 153, Gr. Frankfurterstr. 33—48, Weber- lrafte 64 von Stadtbez. 156, Gr. Frankfurterstr. 19, Koppen- strafte 37—40, Pallisadenstr. 33 von Stadtbez. 159. Wahllokal: Gr. Lranlrfnrterstr. 90 bei Martini. Kandidat: Stadtv. Julius Henke, Naunynstr. 27. SO. Kommuiial-Wahlbezirk uud zwar: Theil I. enthaltend die Stadtbezirke 202—206, mit Ausschluß der Grundstücke: Alexauderstr. 53, Preiizlanerstraße 30/31 von Stadtbezirk 202, Münzstr. 8—9 von Stadtbezirk 205, Münzstr. 1—7, Rochstr. 1 bis 6 und 15—19, Neue Schönhauserstr. 21, An der Stadtbahn 40 vo» Stadtbezirk 206. Wahllokal:„Münzhof", Münzstr. 20. Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 207—209 und von Stadtbezirk 213: Linienstr. 202; vo» Stadtbezirk 210: Gipsstr 13, Rosenthalerstr. 25; mit Ausschluß der Grundstücke: Neue Schön- hauserstr. 1 uud 1a, Weiumcisterstr. 1a— 3 von Stadtbezirk 207, Wahllokal: Nosenthalerstr. 4 bei Fiedler. Kandidat: Tischler Rudolf Millarg, Prinzessinnenstr. 8. 33. Kommunal-Wahlbezirk und zwar: Theil I, enthaltend die Stadtbezirke 226, 227 nnd 255«nd von Stadtbezirk 221: Angermüuderstr. I, Chriftinenstr. 1, Lothringerstr. 23—27; von Stadtbezirk 225: Chorinerstr. 4—6 und 73—86, Zebdenickerstr. 9, Stadtbezirk 257: Ackerstr. 27—23 uud 143, Jiwalidenstr. 5 und 153—163; mit Ausschluß der Grundstücke: Fehrbellinerstrafte 53 bis 62 von Stadtbezirk 226. Wahllokal: 67. Gemeindefchnl«. Ackerstraffe 28A— Turnhalle— Gingang: G.tsabethkirchstr. 10. Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 256, 268 und 269 und von Stadtbezirk 257: Jnvalidenstr. 143—152, Bergstr. 30 u. 31, Pappelplatz; von Stadlbezirk 267: Bergstr. 62; mit Ausschluß der Grundstücke: Gartenstraße 26—35 uud 145—155, Invaliden- strafte 13—23 und 129—132 von Stadtbez. 268, Elsasserstr. 27 bis 30 von Stadtbez. 269. Wahllokal: 67. Gemeindefchnl», Ackerstr. L8s— Anla— Eingang: Ellsabethllirchstr. 10. Kandidat: Uhrmacher Otto Naether, Anklamerstr. 44. 33. Kommnual-Wahlbezirk und zwar: Theil I, enthaltend die Stadbezirke 229 und 230. Wahllokal: Fehrbellinerftr. 85 bei Dahlenburg. Theil II, enthaltend die Stadlbezirke 231, 232 und 233; mit Ausschluß der Grundstücke: Kastanien-Allee 36 und 70, Schwedter- strafte 29 von Stadtbez. 233. Wahllokal: Kwinemünderstr. 140 bei Holm. Theil III, enthaltend die Stadtbezirke 234, 285 und 236; mit Ausschluß der Grundstücke: Bernaucrstr. 26 von Stadt« bezirk 235, Rheinsbergerstr. 79 von Stadtbez. 236. Wahllokal: Uheinvbergerstr. 64 bei Dröll. Kandidat: Stadtv. Robert Herzfeldt, Plan-Ufer 41. 30. Kommunal-Wahlbezirk, in welchem ein Haus- besitzer zu wählen ist, und zwar: Theil I, enthaltend die Stadtbezirke 216, 217 und 280 und von Stadtbez. 211: Artilleriestr. 13—16, Ziegelstr. 14—21' vo» Stadtbezirk 215: Artilleriestr. 4a— so, 21 nnd 81— 81a, Auguststrafte 4, Oranien- burgerstraße 35—89 und 64—69; mit Ausschluß der Grund- stücke: Auguststr. 1—2 und 89—93 von Stadtbez. 216. Wahllokal: Friedrichstr. 123 bei Krämer. Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 279, 231—283 und 285 und von Stadtbez. 286: Alt-Moabit 129, Werftstr. 21; mit Aus- schluß der Grundstücke: Jnvalidenstr. 80—83 von Stadtbez. 282. Wahllokal: Lulfenstr. 55 bei Kreuz. Kandidat: Stadtv. Robert Herzfeldt, Plau-ltfer 41. 42. Kommunal-Wahlbezirk, i n w e l ch e m e i n H a u s« b'e s i tz e r zu wählen i st, nnd zwar: Theil I, enthaltend die Stadtbezirke 276. 277 und 273. Wahllokal: Zlene Kochllr. 40 bei Altman». Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 319 und 320, mit Aus- schluß der Grundstücke: Pankstr. 7 und 47 von Stadtbeziik 319. Wahllokal: 118» Eemeindefchule Panhstr. 8(Turnhalle). Theil III, enthaltend die Stadtbezirke 321-323. Wahllokal: Ktettinerftr. 57 bei Schul?. Theil IV, enthaltend die Stadlbezirke 324— 326 und von Stadtbezirk 313: Exerzierstr. 12, Schulstr. 61— 36. Wahllokal: Marieubad, Kadstr. 35/36. Kandidat: Expedient August Jacobey, Hochstr. 33. Voksrles. Fiir die Kommunalwähler der hier aufgeführten Bezirke ist noch Gelegenheit, die Wählerliste einzusehen: 2. Bezirk bei Sommer. Grünttr. 2l. II. Bezirk für den Stadtbezirk 73 bei Sdjo»he»n. Gräfestr. 8. 13. Bezirk bei Gottfried Schulz, Admiral strafe 40». IS. Bezirk bei Metzner. Oranienstr. 184. 17. Bezirk bei Börner, Ritterstr. 15. 24. Bezirk bei A. Böhl, Rüdersdorfer straße 8. 27. Bezirk bei Schulze, Weberstraße 10. 30. Bezirk bei Wernau, Siosenthalerstr. 57. 33. Bezirk bei Witzel, Acker straße 145. 35. Bezirk bei Rosenthal, Granseerstraße 0. 42. Be� ztvf der Tauschel, Grenzstr. 4, Raschke, Hochstr. 32, Haserland, Bellermannstr. 37, Wolframin, Prinzen-Allee 21. Parteigenosse» und Genossinnen, welche gewillt sind, am Tage der Stadtverordnetenwahl im zweiten Wahlkreise zu helfen. werden gebeten, sich im Zentralbureau, Lindenstr. 106. zahlreich einzufinden. Im selben Lokale findet am Freitag Abend 9 Uhr emc Versammlung statt, in welcher das Wahlresultat verkündet wird. Die Vertrauensperson. Parteigenossen und Genossinnen, welche am Freitag bei der Stadtverordneten-Wahl im 17. Kommunal-Wahlbezirk helfen wollen, werden ersucht, sich bei Lindemann, Moritzstr. 9, oder bei Börner, Ritterstr. 15. zu melden. Achtung, 13. nud 15. Wahlbezirk! Parteigenossen und Genoisinnen, welche gewillt sind, in obigen Bezirken am Tage der Stadtverordneten-Wahl zu Helsen, werden ersucht, sich Freilag Wh 8 Uhr i» den folgenden Wahlbureaus zu melden: Im 15. Bezirk bei Th. Mehner, Oranienstraße 184, Hos geradezu, im 13. Bezirk bei Brödenfeld, Manteuffelstraße 09, vorn part. Achtung, vierter Rcichötags-Wahlkreis(Osten)! Die Parteigenosse», welche am Tage der Sladlverordneten- Wahl in dieser Gegend thätig sei» wollen, werden ersucht, sich an solgeiu de» Stellen Freitag früh 9 Uhr zu melden: 24. Kommunal Wahlbezirk bei Gastwirth E h r b a ch. Langestr. 04, W. L o ck. Grüner Weg 40; im 27. Kommunal-Wahlbezirk bei W. Maigut, W-berstr. 22. und I o st. Kintz'scher Bierausschank, Gr. Frank- surterstr. 39. I. A.: H. B o l z e, Landsbergerstr. 41. Parteigenossen und Genossinnen, welche gewillt sind, am Tage der Stadtverordnetenwahl im fünften Wahlkreise zu helfen, werden gebeten, sich im Zentralbureau, Roseuthalerstr. 57, dein« Genossen Wernau, von früh 7 Uhr an, zahlreich einzufinden. Am Freitag, abends 9 Uhr, findet im Lokale des Herrn Buske, Grenadierstr. 33, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher das Wahlresultat verkündet wird. Das Komitee. Achtung, K.Wahlkreis! Genossen, welche gewillt siiid, km 33. und 35. Kommunal-Wahlbezirk am Tage der Wahl mit» zuwirken, werden ersucht, sich bei Witzel, Ackerstr. 145, zu melden. Das Wahlkomitee. Im Kampfe gegen die Sozialdemokratie! Bei den vor- gestern abgehaltenen Kontrollversammlungen wurde, wie ein Berichterstatter meldet, zum ersten Male ein neuer Befehl zur Verlesung gebracht, in welchem ausdrücklich betont wird, daß der Besitz und die Verbreitung revolutionärer, auf- reizender Schriften nicht nur in der Kaserne verboten ist, sondern daß die dasür getroffenen Bestimmungen und Slrafen auch für die zur Kontrollversammiung er- scheinenden Mannschaften Geltung haben. Wir gehen wohl nicht fehl in der Annahme, daß man im herrlichen Kriegsheer heutigen Tages auch sozialdemokratische Schriften als solche von revolutionärer, ausreizender Natur betrachten wird. Unsere Parteigenossen, die zur Kontrollversammlung erscheinen müsse», werden selbstvernändlich die nöthige Vorsicht üben, zumal rsie wissen, daß auch diese Maßnahme den naturgemäßen Gang vr ökonomischen und politischen Entwickeluug nicht einen Augenb! aushalten wird. Aus dem Anschluß des„Kleinen Journals" an die deutsche Volksparler ist nichts geivorden. Die unvorsichtigen Stuttgarter haben, als sie erfuhren, was für einen Vogel sie ins Haus lassen wollten, ihm flugs die Thüre vor der Nase zu- geschlagen. Dafür rächt sich der Vogel auf seine Weise. Wir hatten die Frage aufgeworfen, ob Dr. Leipziger die ihm von der„Frankfurter Zeitung" dargereichte Pille mit Anstand herunterwürge» werde. Das war sehr überflüssig. Wie konnten wir auch noch darüber im Zweifel sein, ob Herr Dr. Leipziger mit Anstand überhaupt irgend etwas thun könne. Das„Kleine Journal" giebt heute gleich einen ganzen Leitartikel voll ebenso gehässiger wie alberner Schmähungen gegen alle möglichen Per- sonen von sich. Dabei rüpelt das Blatt als augeblichen Redakteur des„Vorwärts" einen unserer literarische» Mitarbeiter an, der nienials unserer Redaktion angehört und selbstverständlich auch nichts mit unserer Erörterung des neueste» Herein- Falles Leipziger zu thun hatte. Das wollten wir hiermit nur konstatiren. Die PeleuchinngSfragc auf der Ausstellung betreffend, finden wir in der bürgerlichen Presse eine kuriose Meldung, die wir nach dem Wortlaut, der ihr in der„Verl. Abendpost" gegeben, nachstehend regiftriren: Das Komilee der Aussteller von 1396 hatte gestern Abend nach dem Ralhskeller eine Sitzung berufen, um weitere Beschlüsse wegen der Abendbeleuchtung der 1890 er Geiverbe- Aus- stelliliig zu fassen. Die Tagesordnung dieser Sitzung sollte sich aüf den Beschlüssen aufbauen, die etwa in der kurz zuvor stattgehabten Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses gefaßt worden waren. Diese Sitzung des geschäftssühreuden Ausschusses hat nun gestern gar nicht stattgefunden. Wie dem Komitee milgethcilt wurde, hat man die Mitglieder des?lus- schusses durch Rohrpostkarte benachrichtigt,„daß zwingende Gründe es nothwendig gemacht haben, die Sitzung aufzuheben!" Heber diese Gründe wurde nun folgendes bekannt gegeben: Die technische Möglichkeit, die Beleuchtung zu installircn, sei ans eine große Schwierigkeit ihrer Durchführung gestoßen.— Die Maschine», die mit einer Kraft von 1800 Pferdekräflen bis gestern zur Verfügung gestanden hätten, seien von den betheiligten Firmen nunmehr zurückgezogen worden, die Aussicht, von auswärtigen Firmen Ersatz zu beziehen, sei durch die Erklärung des stell- vertretenden Vorsitzenden der Mnschinengruppe, Direktor Blum, zerstört worden. Herr Blum erklärte nämlich, daß die ge- sauimte Gruppe des Maschinenbaues sich auflösen werde, sobald die Maschinen in fremden Städten bestellt werden sollten. Ans grund dieser Mitlheilungen trat das Komitee hinter ver- schlossenen Thüren in die Berathung ein, deren Ergebniß dann in folgendem Beschluß bekannt gegeben wurde: „Das Komitee der Aussteller und Interessenten hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, den geschäitsführeuden Ausschuß zu ersuchen, da bedauerlicherweise die zu heule anberaumte Sitzung des letzteren aufgehoben worden ist, innerhalb dreier Tage zu der dem geschästsführenden Ausschuß übermittelten Reso- lution der Sonntagsversammlung durch eine Abstimmung Stellung zu nehmen. Die verbreitete Nachricht, als seien die Maschinen zur genügenden Beleuchtung der Jndustriehallen nicht mehr zu beschaffen, hält das Komitee für unrichtig und nur geeignet, die Berliner Maschinen-Industrie in den Augen der Welt herabzusetzen." Die Sache wird ja sehr erbaulich! Platz fiir die Soldaten! Die Vereidigungen der Rekruten. die Tonnerstag im Lustgarten slaltfinde», gebe» zu ernentcn Straßenabsperrungen Veranlassung. Der Polizeipräsident gicbt bekannt, daß der Lustgarten, die Schloßfreiheil, die Schloßbrücke und die Kaiser Wilhelmbrücke voraussichtlich von 10 Ubr vor- mittags ab für jeglichen Verkehr bis nach Beendigung der Feier gesperrt bleiben wird. Die Kollegen der 19 Polizei- Offiziere, die sich bei den Absperrungsmaßregeln am Sedantage besonders ausgezeichnet haben und— wie Zeitungen zu melden wissen— denen jetzt dieserhalb Orb verliehen worden sind, haben somit Gelegenheit, auch ihrerseid die nöthige Schneidigkeit zu entwickeln. „Vertreter der Presse". Gegen das Treiben von Per sonen, die sich im Gerichtsgebäude Äugeklagten oder Zeugen als Vertreter der Press« vorstellen, und sich„Gefälligkeiten" mit Geld und guten Worten abnölhigen lassen, ist schon wiederholt in den Zeitungen ernstlich Front gemacht worden, und die wirklich akkreditirten Vertreter der Presse sind stets eifrig bemüht, solchen Herren das Handwerk zu legen. Thatsächlich ist es gelungen einige derartige Fälle zu ermitteln, und damit auch dem Publikum durch eine öffentliche Gerichtsverhandlung die Augen geöffnet werden sollten, ist gegen einen dieser Herren Anzeige erstaltet worden, und zwar gegen Oskar Föllmer. Der stellvertretende Präsident des Landgerichts I, Landgerichtsdirektor Rieck, soll sich anerkennend über diesen Versuch, die ge richtliche Bcrichterstaltnug von unpassenden Elementen frei zuhalten, ausgesprochen haben, und es dürfte deshalb besonders inleressiren, wie sich die Staatsanwalt s ch a f t oder doch wenigstens der Dezernent zu der Sache gestellt hat. Er hat die Verfolgung abgelehnt. Der Wortlaut des ablehnenden Bescheides lautet: «Im Falle des'Schläcklermeisiers Max Schnabel ist folgendes erwiesen: Anfangs April 1895 erschien in der„Älllgemeinen Flcischerzeitung" ein stark übertriebener Artikel(von Föllmer) über eine bei Schnabel erfolgte Beschlagnahme von angeblich verdorbenem Fleisch. Schnabel bat darauf die„Fleischer zeitung" um Berichtigung und Aufnahme eines Widerrufs ersucht und gebeten, ein Gleiches bei der Redaktion der „Staatsbürger-Zeitung", die den Artikel abgedruckt hatte, zu rer.rnlasse». Mit dem letzteren Verlangen ist Schnabel an Föllmer verwiesen worden, zu dem er zunächst seine Ehefrau sandte. Diese hat den Beschuldigten nicht angetroffen, der nunmehr den Schnabel um seinen Besuch in einer wichtigen Angelegenheit bat, und zwar nachdem der Widerruf in der ,',St. Z." schon erfolgt war. Föllmer gab zu verstehen, daß es viel Arbeit. Mühe und Scherereien gekoster habe, den Widerruf in die Zeitung zu bringen, worauf Schnabel freiwillig 20 M. gegeben hat, ohne daß Föllmer irgend etwas gefordert hätte. Nach drei Tagen hat Föllmer den Schnabel nochmals bestellt und ihm gesagt, daß der erste Artikel doch richtig gewesen sei; der Widerruf entspreche nicht drn Thatsachen. Er, Föllmer, sei amtlicher Berichterstatter(?) und dürfe keine unwahren Angaben bringen. Schnabel hat entgegnet, daß der Widerruf auf Wahrheit beruhe, und dem Beschuldigten noch 10 M. hingelegt, die dieser als zu wenig nicht hat nehmen wollen, schließlich aber doch genommen hat, nachdem er gesehen, daß Schnabel das Geld wieder einsteckte, und fortgehen wollte. In diesem Sachverhalt kann der Thatbestand der Erpressung nicht gefunden werden. Ter Beschuldigte hat weder Gewalt noch Drohungen angewendet, um sich für seine schriitstelle- rischen Arbeiten rechtswidrige Vermögensvortheile zu verschaffen. ist nur als erwiesen anzusehen, daß Föllmer mit großer Ge- schicklichkeit(!) seinen Einfluß darzustellen verstanden hat. und daß infolge der geschickten Darstellung der Geschädigte jreiwillig Geld gezahlt hat. Zudem>var bei Hingabe der 20"M. der Widerruf in der„St. Zig." schon erschienen, und die Hingabe der 10 M ist jedenfalls nicht durch eine Drohung des Beschuldigten ver. anlaßt worden, wenngleich der Geschädigte aus dessen Redens- arten befürchten mochte, daß in einem weiteren Artikel der Wlder- ruf würde widerrufen werden." Die weitere Begründimg bietet kein Interesse. Gegen die Rechtsdarlegung hat der Antragsteller Beschiverde eingelegt, und dargethan, daß das Gesetz, wenn die zugegebene versteckte Drohung selbst nicht ziim Thatbestande der Erpressung für aus- reichend erachtet werden sollte, in der„geschickten Darstellung" einer offensichtlich falschen Thatsnch» im vorliegenden Falle en Betrug sehen mußte. Die Ober- Staalsanwaltschast 'at sich der Nechtsaufsassung des Beschwerdeführers nicht verschlossen und eine weitere Verfolgung der Sache angeordnet. Nun ist aber wiederum die Einnellung des Verfahrens verfügt und diesmal ohne jede Begründung dem Antragsteller hiervon Miltheilung gemacht worden. Ist diese Tarstellung richtig, so wäre die Handlung des beireffenden Berichterstatters nicht scharf genug zu verurtheilen. Das Publikum sollte sich bei Richtigstellung von Jrrlhnmern, die wie jeder Einsichtige weiß, überall in Zeitungen unterlaufen können, direkt an die Redaktionen tuenden und jede Hilfe von Mittelspersonen, die sich etwa aufdrängen, energisch zurückweisen. Ein anständiges Blatt nimmt von sachlichen Berichtigungen immer und selbstverständlich völlig kostenlos Noiiz. Ter Stadtverordnete Rentner Pinkrtssohn ist der„Voss. Ztg." zuiolge am Dienstag gestorben. Er war Vertreter des 6. Wahlbezirks I. Abtheilung. Pfui Teufel? Gegen die Resolulion des Vereins Berliner Volksschnllehrerinnen in Sachen der jüdischen Lehrerinnen ereifert sich das Stöcker'sche„Volk" in einem längeren Denunziations- sermon, der mit folgenden Worten schließt: dem Provinzial- S ch u l k o l l e g i u m aber und dem Minister Bosse rnsen wir zu: Landgraf werde hart! Was sich doch alles christlich nennt! Ter Fall, daß eine Polizeiverordunng für das Militär wie für Zivilisten dieselbe Giltigkeit hat, ist dieser Tage von amls- wegen konstatirt worden. In Radsahrerkreisen war es lebhaft diskuiirl worden, daß es Ziveiradsahrern der Garnison und der Feuerwehr gestaltet sei, auch die Straßen zu befahren, welche den übrigen Zweiradfahrer» gesperrt sind. Nunmehr stellt die „Radwelt" fest, daß nach einer vom Polizeipräsidium gewordenen Mittheilung das Radfahren den Mannschaften der Garnison ebenfalls nur nach Maßgabe der bestehenden polizeilichen Bor- schrifteu gestattet ist, während andererseits festgestellt wurde, daß Beamte der Feuerwehr sich zu dienstliche» Zwecken der Fahrrader nicht bedienen. Grober Unsiig. Großes Aergerniß erregt in Arbeiter- kreisen das seltsame' Verfahre» eines hiesigen Tanzlehrers, für seine Veraiistaltungen die erforderlichen„jungen Damen" zu ge- winnen. Besonderer Aufmerksamkeit hat sich eine hiesige Ar- beiterin, Schneiderin, die bei ihren Eltern in der Jnvalidenstraße ivohnt, seitens des ihr gänzlich unbekannten Tanzlehrers zu er- freuen. Nachdem schon wiederholt an ihre Adresse auf offenen Postkarten Einladungen zu Tanzkränzche», Gesellschastsstunde» und dergleichen gelangt waren, erhielt sie dieser Tage wlederum eine geschriebene offene Postkarte solaenden Inhalte: Berlin, 4. November 1895. Sehr geehrtes Fräulein! Erlaube mir Sie zu de» Beamten- und Studenten-Tanz- zirkel, welche jeden Ticnslag und Freitag in Keller's Festsälen staltsinden, erg. einzuladen. In diesen Tanzstunden könne» Sie Kontretauz, Quadrille und Menuetts nnentgeltlich erlernen. Indem ich bestimmt auf Ihr Erscheine» rechne zeichne mit Hochachtung A. Migae, Tanzlehrer, Rosenryalerstr. 50. Damen und Herren per Handschlch. Wenn die Herren Beamten und Studenten zu ihren „Tanzzirkeln" junger Damen bedürfen und sie nicht gewillt sind, es zu machen wie»Hirsch in der Tanzstunde", so wäre es wohl nahe liegend, Dämen aus ihren Kreisen sich zu besorgen oder durch den Herrn Tanzlehrer besorge» zu lassen. Daß sich dieser au unbescholtene Arbeiterinnen— denn die Postkarte ist an„Geschwister..." adressirt— mit dem Ansinnen wendet, in Beamten« und Studenten- Tanzzirkeln„unentgeltlich" die bezeichneten Tänze zu erlernen, rechtfertigt. Man sollte meinen, wem, der Herr Tanzlehrer schon die Kühnheit hat, derartige persönliche Einladungen an gänzltch unbekannte Damen ergehen zu lasse», so müßte er doch wernguens noch so viel Rücksicht üben, derartige Einladungen»rcht aus ffeuen Postkarten zu verschicken. Es ist dies thatsächlich ein L der Unfug, der nicht scharf genug gerügt werden kann. Für diphtheritiokranke Kinder ist in der Stadt der Kasernen und Paläste kein Platz mehr vorhanden. Eme Lokalkorrespondenz meldet, daß die betreffende Abtheilung der kgl. Cbaritee„vollständig belegt" sei und neue Ausnahmen in der nächsten Zeit nicht mehr möglich sind. Die Ellern oder sonstigen Angehörigen an Dtphtherilis erkrankter Kinder würden gut thun, mit diesen erst gar nicht die Charitee auszusuchen, da sie hier abgewiesen werden müssen. Die Erkrankungen an Pocke» scheinen im Krankenhause am Friedrichshain noch nicht ganz zum Stillstand gekommen zu sein. Neuerdings haben sich dort wieder verdächtige Er» scheinungen bei dem Hausdiener Buttmann gezeigt. Ob es sich aber wirklich um Pocken handelt, bedarf noch der Feststellung. Von der Liebe znm Soldatcnstande. Desertirt war ein Rekrut K. der 2. Schwadron des Garde-Küralsier-Regimeuts am dritten Tage nach der Einstellung. K. war Fabrikarbeiter und ans Bochum gebürtig. Seine Heimathsbehörde wurde durch das Regiment von dem Verschwinden des ManneS benachrichtigt und ergriff diesen zehn Tagen nach seiner Entfernung vom Truppen- theil. Der Deserteur wurde von einem Sergeanten und einem Gefreiten abgeholt und, obwohl er noch nicht vereidigt ist, zu einer Festungsstrafe verurtheilt und»ach Spandau gebracht. Ter Bildhauer Seidel aus Weisicnsee, welcher den Möbel- tischler Brodarsky erüochen hat, wurde sofort nach dem Polizei- Präsidium überführt. Allem Anschein nach hat S. die Thal in einem Anfall von Geistesstörung begangen, da er schon einige feit hindurch am Oslirium tremens litt. Seidel war früher nhaber der großen Spiegelrahmen-Fabrik von Kraus u. Seidel in der Wienerstraße. Die Firma gerieth 1633 infoige bedeutender Verluste in Konkurs. Bald hernach heiraihete S., der bereits Wittwer war. zum zweite» Male und errichtete mit dem Gelbe seiner Frau wiederum eine Spiegelrahmen-Fabrik, die, so lange trau S. lebte, gut ging. Nach dem im vorigen Jahre erfolgten ode der Frau gerieth S. abermals in Vermögensverfall, es ge» lang ibm aber, seine Gläubiger fast völlig zu befriedige», er selbst aber zog verarmt aus seiner Wohnung. Der Verlust des Geldes, der Schmerz um den Tod seiner Frauen, die Trennung von seinen drei Kindern, deren sich Verwandte annahmen, machten den sonst nüchternen und soliden Mann in kurzer Zeit zum Schnapslrinker, der nur noch unter dem Einfluß deL Alkohols arbeite» konnte. Die Wahnvorstellungen des Unglück« lichen waren in letzter Zeit so arg, daß er sich fürchtete, allein z» arbeiten, weil ihm die Geister die Hände festhielten. Todt anfgefmidcn wurde am Montag ein Mann im Keller des Hauses Königstraße 4—0. Als nachmittags gegen 4 Uhr der Psöriner dieses Hauses Egert vom Hofe ans in den Keller hinab- ging, stieß er im Vorderraum aus einen Mann, der dort zu schlafen schien. Egert wollte den Unbekannten wecken, sah nun aber, daß dieser todt war. Der Pförtner benachricbligte den nächsten Schutzmannsposten, und dieser schickte eine» Arzt, der lediglich den Tod fesiflellen konnte. Da der Tobte Sack und „Giilhaken" bei sich hatte, so suchle man in der Nachbarschaft einen„Naturforscher", um vielleicht durch ihn die Persönlichkeit seststellen zu lassen. Dieser Versuch gelang auch. Der erste „Nalursorscher", den man fand, erkannte i» dem Verstorbenen sofort seinen Kollegen Albert Gaida, der 39 Jahre alt und früher Schlächter war und zuletzt beim Drehorgelspieler Leffer in der Neuen Friedrichstr. 6 wohnte. Gaida ist wahrscheinlich an einem Herzschlage gestorben. Schwer verunglückt ist heute, Mittwoch, Vormiitag um 9'/- Uhr, ein unbekannter Mann auf dein Mühlendamm. Der M nn bekam dort einen Krampfanfall, fiel hin und schlug mit dem Hinlerkopfe so unglücklich gegen eine» Latcrnenpfahl an, daß er ans einer klaffenden Wunde sehr stark blutete. Ein Schutz- mann des I. Polizeireviers brachte den Schwerverletzten, der die Besinnung verloren hatte, mit einer Droschke nach der V. Uniallstation in der Brüderstraße. Ausweispapiere fanden sich bei dem Verunglückten nicht vor; in der Tasche halte er nur einig« Speise- marlen der Volksküche. Ans Dalldorf wurde kürzlich berichtet, daß der Leichen- dieuer K. von der dortigen Irrenanstalt wegen unerlaubten Handels mit Leichenlheilen verhaftet worden sei. Wie jetzt be- kannt wird, ist K. gleich wieder entlasse» worden, nachdem er an- gegebe» hatte, daß der Oberarzt der Anstalt vo» der beabsich- tigie» Versendung Kennrniß balle. Der Leichendiener wurde zwar in eine Polizeistrafe von 30 M. genommen, aber ans Be- treiben des Oberarztes der Irrenanstalt, der die Angabe des Leichendieners K. bestätigt hat, ist jetzt nun auch die s. Z. be- 'chlagnahmte Kiste vom Reinickendorfer Amtsvorsteher wieder freigegeben und an das pathologische Institut zu GreisSwald abgeschickt worden. Tie Obduktion der Leiche der 12 jährigen Martha Meier aus Reinickendorf, welche das Opier«i»eS Sittlichkeitsverbrechens geworden zu sein scheint, hat am Mick- woch Nachmitiag stallgefunden und zwar durch die Herren DDr. L e n z, M i t t e n z w e i g, S tra ß m a n n und Stör m er. lieber das Slesultat der Obduklioii verlautet bisher nur soviel, biß die betreffenden Aerzte die Ueberzeugung gewonnen hätten. daß der Tod auf eine Banchfelleiitziindnng zurückzufühien ist, welche durch das Verbrechen herbeigeführt wurde. Der jugeud- iiche Verbrecher befindet sich daher auch noch in Haft. Polizcibcncht. Am 3. d. M. Mittags wurde in der Koppeuilraß« ein dreijähriger Knabe durch einen Geschästsivagen übersadren und innerlich verletzt.— Nachmittags gerieth ein zehnjähriges Mädchen in der Liiiienstraße beim Spielen unter die Räder eines Arbeitsivagens mid erlitt schwere Verletziingen am Arme.— Am Luisen-User lief abends ein siebenjähriges Mädcbea gegen einen Omnibus, wurde überfahren und an, Unterschenkel bedeutend verletzt.— Von der Mühlendamiubincke sprang ein Tienstinädchen in den Schlensenkaiial und ertrank.— Morgens entstand in der'Berliner Musiliiistrunienten-Fabril in der Fehrbellinerstraße ein erhebliches Schadenfeuer. Wittcrnngönbersicht vom K. November 1805, 7T5 H= S fl'SÄ LZ II Z-SiS ZA- Station e ii. Swiuemüud« Hamburg. Berlin.. Wiesbaden. München. Wie»... Hn»aranda, Pemrebnrg. Eofl... Aber been.. Pari... 2 8<= w C.s-Ü•- »Is« 734 750 755 758 765 763 704 764 746 730 •e gJ o s, ~7 -O 5= w H S SW Still NO W SW ö 6 3 4 3 1 0 6 2 Wetter Regen wolkig Regen bedeckt bedeckt halb bedeckt halb bedeckt Nebel heiter bedeckt 9 11 9 13 10 5 -10 —2 12 8 Wetter-Prognose fiir Donnerstag, den?. November 1895. Warmes, zeitweise heiteres, vieUach wolkiges Wetlcr mit Regenfällen und frischen bis starken südivestlichen Wiliden. Berliner Wetterbureau. Ä�heakeV. _ Das Neue Theater brachte am Dienstag wieder eine No- v!tät, de» Schwank«Seine Gewesene", nacv einer französischen Ld.e von Brentano und T e l l h e i m. Welcher Kräfte- Auf- wand um ein lanaweiliges Nicdts, das in wenigen Tagen verschwunden sein wird! Es ist möglich, daß das franzönscti- Vor- bild Witz verrieth; sicher zerrann er dann in den Hänoen der Bearbeiter.— Ein Hans Thunichtgnt bat sich zum zweiten Male ver- heirathet und eine ältliche, eiferfnchtige, aber woblbabende Frau c enommen. Bon feiner ersten, leichtfertigen Gattin war er ge- schieden worden; und seiner Zweiten gegenüber gab er seine Gewesene, ein Muster aller Güte und Tugend. tobt aus. Die abenteuernde, geschiedene Frau kommt aber durch wunder- same Zufälle als Gesellschafterin in's Haus des Herrn Bicornet. Sie wurde von dessen Frau ohne Wissen des Gatten engagirt. Dadurch kommt der arme Bicornet in's Gedränge und von Ver- legenheit zu Verlegenheit. Dies der Spaß der Komödie, mit dem selbst ein so bewährter Komiker, wie Hans Pag.'?(Bicornet) nicht viel anzufangen wußte. Geetffjks-Beifunß* Welche duuundrcisteu Trics bisweilen mt' dem Gebiete des Betruges in Anwendung gebracht werden, zeigt eine Anklage wegen Betruges, die heute vor der 7. Strafkammer verhandelt wurde. Der Kaufmann Friedrich Rennefahrt hatte vor einiger Zeit mit einem gewisse» Geißler im Gefängniß zusammen gesessen und beide hatten die Muße benutzt, um sich von der Muse begeistern zu lassen und das Ergebniß dieser Be- geisterung war ein gemeinsam verfaßtes«Liebesgedicht" von etwa 30 Seiten. Als Rennefahrt das Gesängniß verließ, ging er mit dem Manuskript des Gedicdts und einem schönen Gruße des Geißler zu einem Dienstmädchen Löffel, die die«Braut" des letzteren war und nun mit Thränen der Rührung die wonnevolle Poesie vernahm, die innerhalb der Gesänguißmauern entstanden war. Rennesahrt entwickelte ihr nach angeblicher Verabredung mit seinem Mitpoeten den Plan, durch Drucklegung dieses Meisterwerks der Dichtkunst recht viel Geld zu verdienen. Das Mädchen sah auch bald ein, daß eine solche Drucklegung Geld koste und sie ließ sich leicht über- reden, dem Angeklagten 20 Mark zu diesem Zwecke vorzu- schießen. Tann folgte Brief auf Brief, in welchen der Angeklagte immer neue Ansichten über seine Unterhandlungen mit verschiedenen Druckern und Verlegern und über gemacbte An- Zahlungen erzählte und das Mädchen schaffte immer auf's neue Geld herbei. Endlich kam ihr die Sache verdächtig vor und aus ihre Nachforschungen erfuhr sie, daß weder ihr Bräutigam von der ganzen Sache etwas wußte, noch irgend welche Schritte bei Buchdrucker» unternommen waren. Der Angeklagte hatte das gesammte Geld für sich verivendet.— Der Staatsanwalt beantragte S Monate Gefängniß, der Gerichtshof erkannte aber auf e»n Jahr Gefängniß. Gegen de» Redakteur der zu Erfurt erscheinenden„T h ü r. Tribun e", Genosse» Güldenberg, wurde am Dienstag vor der Strafkammer des dortigen Landgerichts eine Anklage wegen Majestätsbeleidigung verhandelt. Beanstandet waren zwei in der„Tribüne" erschienene Artikel. Der erste war unter Quellenangabe der in Berlin erscheinenden Wochenschrift «Tie Nation" entnommen. Unter Bezugnahme auf die Rede des Kaisers an die Garden war eine Bemerkung hinzugesngt und ebenfalls von der„Tribüne" wiedergegeben worden, welche eine Majestätsbeleidigiing enthalten sollte. Dasselbe Vergehen wurde in einem zweiten selbständigen Artikel gefunden, in welchem wiederholt das vom Kaiser gebrauchte Wort„Rotte" mit Anführungsstrichen vorkam. Der Staatsanwalt hielt die Anklage in beiden Fällen aufrecht und beantragte außerdem jeden Artikel zweimal als Etrasthat zu zählen, weil die„Thüringer Tribüne" zugleich mit anderem Kopse als„Volksblatt für Nordhausen" erscheint. Er beantragte eine Gesammtstrafe von IS Monaten Ge- f ä n g n i ß. Di« Verlheidiger, Rechtsanwälte Zander- Erfurt und Heine- Berlin, erzielten, daß der Angeklagte wegen des der„Nation" entnommenen Artikels freigesprochen wurde. Wegen des zweiten Artikels wurde auf eine Gesängnißstrafe von S Monaten erkannt, indem nur eine Handlung als vorliegend angenommen wurde. Prozcst gegen Dr. Tchunh(2. Verhandlungstag.) Zu Be- ginn der heutigen Sitzung wird der Angeklagte befragt, weshalb er die Aktenstücke beiseite geschafft habe, die bei der Haus- suchnng in seiner Wohnung gefuiden wurden. Er erklärt, daß er bei seinem Weggänge aus dem Amt mehrere ibm gehörige Aktenstücke. die zum theil noch aus seiner Aachener Zeit stammten, mitgenommen habe. Da das Einpacken mit großer Eile geschah, so seien irrthümlicherweise auch mehrere ihm nicht gehörige amtliche Aktenstücke eingepackt worden. Im weiteren Verlauf der Vernehmung hält der Präsident dem Angeklagten vor. daß ein Aktenstück, das sofort als ein amtliches zu erkennen war, bei ihm vorgefunden wurde. Ter Angeklagte bemerkt: Er wisse nicht, wie dieses Aktenstück in seine Wohnung gekommen sei, er könne eine Erklärung hierüber nicht abgeben. Der Präsident geht danach die einzelnen Schriftstücke durch, die bei dem Angeklagten bei der Haussuchung vor- gcfiinden wurden.— Der Augeklagte bleibt dabei, daß die meisten Aktenstücke sich auf Angelegenheiten beziehen, in denen er als Privatmann thätig gewesen sei, daß also diese Aktenstücke auch sein Privateigcnthum gewesen seien. Auch auf die Vorstellung des Präsidenten, daß eine große Anzahl der beiseite geschafften Schriftstücke unterzeichnet gewesen seien „Das städtische Lebensmiltel-Uutcrsuchungsamt. gez. Tc. Schnntz" erklärt der Angeklagte, daß es sich hier um Schriftstücke privaten Charakters handle.— Staatsanwalt: Wer hat das Porto für die erwähnten, vom Angeklagten abgesandten Briese bezahlt?— Angekl.: Das weiß ich nicht mehr.— Präs.: Sie werde» das Porto wohl kaum aus Ihrer Tasche bezahlt haben? — Angell.: Ich wiederhole, daß ich das beute nicht mehr weiß.— Es werden alsdann noch dem Angeklagten eine Anzahl bei ihm vorgefundener Briefe vorgehalten. Auf die Frage des Präsidenten, was ihn überhaupt veranlaßt habe, diese Briefe mitzunehmen, antwortet der A> geklagte, er sei, als die Disziplinaruntersuchung gegen ihn eingeleitet wurde, schwer krank gewesen und es habe ihm ge- schienen, als wolle der Magistrat die Zeit s-iuer Krankheit be- nutzen, um etwas gegen ihn ins Werk zu setzen. Der Präsident macht den Angeklagten wiederbolt darauf aufmerksam, daß dies eine Unterstellung sei, die eine schivere Beleidigung des Magistrats enthalte; der Angeklagte hält nichlsdenoweniger seine Aeußerung aufucht. Dagegen erklärt er, seine frühere Behauptung, daß die in seiner Wohnung vorgefundenen Kassenbücher von einem seiner Feinde dortbin gebracht worden seien, nicht mehr aufrecht et halten zu wollen. Die Vernehmung des Angeklagten erfährt eine Unterbrechung durch folgendes Renkontre zwischen dem Präl sidenten und dem Vertheidiger.— Präs.: Herr Vertheidiger, Sie Hantiren in einer so auffällige» Weise mit den Akten, die hier nicht Sitte ist. Ick muß Sie dringend bitten, dies zu unter- lassen.— Verlheidiger N.-A Dr. N i e m e y e r: Ich muß hierauf bemerken, daß ich weiß, was in einem Gerichissaale Sitte ist, ich kann mir darüber, wie ich mit meinen Akten Hantire, keinerlei Vorschriften machen lassen.— Präs.: Ich will Ihnen keine Vorschriften machen, ich habe aber die Pflicht, Sie darauf aufmerksam zu machen, was hier Gebranch ist.— Verth.: Was in einem Gerichtssaale Brauch ist, weiß ich ganz genau, ich wiederhole, daß ich mir Vorschriften über nieine Aktenhantirung nicht machen lassen kann.— Präs.: Sie wissen doch, Herr Ver- theidiger, daß Sie unter Umständen in eine Ungebührstrafe genommen werden können.— Verth.: Wenn mich der Herr Präsident wegen Ungebühr bestrafen will, so mag er das thun, Vorschriften über mein Verhalten im Gerichtssaale kann und werde ich mir von niemandem machen lassen.— Präsident: Vor- läufig ist von einer Ungebührstrafe noch keine Rede, ich habe >ber das Recht und die Pflicht, jede Ungehörigkeit, die in diesem Saale vorkommt, zu rügen.— Nun, Angeklagter, Sie wissen, Ihre Frau behauptet: Sie haben Aktenstücke mit dem Be- merkcn verbrannt:„Die Kerle dürfen nicht wissen, was ich für Nebeneinnahmen habe, sonst erhöhen sie mir nicht mein Gehalt."— Angekl.: Ich bezeichne die Aussagen der Zengin Schmitz für unwahr, sie entbehren auch sämmtlich des inneren logischen Zusammenhanges.— Präs.: Sie sind von Ihrer Frau geschiede»?— Angekl: Jawohl.— Präs.: Ist das betreffende Erkenntniß schon rechtskräftig?— Angekl.: Nein.— Präs.: Weshalb wurde die Ehe geschieden?— Angekl.: Wegen Ehe- bruchs.— Präs.: Wer wurde für den schuldigen Theil erklärt? — Angekl.: Keiner.— Präs.: Sind Sie auch des Ehebruchs beschuldigt?— Angekl.: Darüber verweigere ich die Antwort. Es tritt darauf eine kurze Pause ein. Leubachprozesi. In der heutigen Vormittagssitzung wurde eine Reihe von Kunstmalern und Kunsthändlern als Zeugen und Sachverständige vernommen, welche zwar ausdrück- lich den guten Leumund der Augeklagten hervorhoben, da- gegen einstimmig das Signiren der Bilder ohne ausdrückliche Zu- stimmung des Künstlers für unstatthaft erklärten. Hofschauspieler Dreher wiederholte die bekannte Aeußerung Lenbach's be- züglich seines Neffen. Professor Defregger hält die Einkaufs- preise für SMcuderpreise. Kunsthändler Schulte hält da- gegen die Preise für nicht auffällig, nur die große Anzahl der angebotenen Bilder hätte stutzig machen müssen. Diese Ansicht wird von anderen Zeugen bestätigt. Zeuge Löwy, in Firma Stettenheim-Hamburg, sagt aus, er habe von Lapp Lenbach'sche Bilder kaufen wolle», wenn Lapp damit einverstanden gewesen wäre, daß Lenbach nachträglich um sein Signum ersucht würde; Lapp habe aber erklärt, es sei ihm nicht erwünscht, daß die Bilder zu Lenbach gebracht würden. Devsammluttgem Ter„Deutsche Holzarbeiter- Verband"(Zahlstelle Berlin) hielt in Keller's Festsälen, Koppenstr. 29, eine gUlbesuchte außerordentliche Generalversammlung ab. Kollege Glocke gab einen kurzen Ueberblick über den Verlauf der Bewegung. Als die öffentlichen Versamnilungen die Führung der Lohnbewegung dem Holzarbeiter-Verband übertragen hatten, beschloß eine von diesem einberufene außerordentliche Generalversammlung, Ver- trauensmänner-Sitzungen und Bezirksversammlungen einzuberusen, um ein klares Bild von der Geschäslskonjunktur zu erhallen. Das ist geschehen, und die Obmänner und Bezirksleiler haben in einer kombinirten Sitzung über das Ergebniß berichtet; danach ist große Lust zum sofortigen Vorgehen nirgends vor- handen, was so kurz vor Weihnachten auch ganz erklärlich wäre. Verschiedene Kollegen hätten sich insbesondere gegen jeden Streik ausgesprochen, da sie nach ihrer Meinung noch genug verdienten, viele andere Kollegen machten sogar Ueber- stunden. Redner meint, da es im Interesse der Kollegen liege, eher eine kürzere Arbeitszeit einzuführen, als Ueberstundeu zu machen, so sei natürlich gegen die Uebcrstundcn Front zu machen. So lange aber noch so viele Kollegen nicht organisirt seien, könne man auf genügenden Beistand nicht rechnen. Tie Kollegen hätten sich im übrigen dahin aus- gesprochen, im Frühjahr, vorausgesetzt, daß die Konjunktur eine günstige ist, in eine allgemeine Bewegung einzutreten. Dazu wären aber auch Mittel zu beschaffen. Redner bittet, bei der Diskussion die gegenwärtige Lage im Auge zu behalten und da nach die Entscheidung zu treffen. Dierke, Helbig, Eichler und S t e g m a i e r sprachen sich dahin aus, daß ein Streik vor Weihnachten aussichtslos wäre; man solle warten bis zum Frühjahr. Vogelgesang meint, die Agitation sei zu spät angefangen worden; man solle jetzt alle vier Wochen eine öffentliche Ver- sammlung abhalten. Neu mann führt aus, die Erhebungen in den verschiedenen Bezirken hätten ein ganz anderes Ergebniß zu tage gefördert, als man nach den ersten Reden, die in den öffentlichen Versammlungen gehalten wurden, habe an- nehmen müssen. Bei der Erörterung der einzuleitenden Schritts solle man nicht die öffentlichen Versammlungen, sondern nur die Oraanisalion sprechen lassen. W i e d e m a n n hätte erwartet, �nachdem die Versanimlungen betreffs Gründung einer Jnnunge-Krankcnkasse vorüber waren, daß sich die Kollegen besser organisirlen. In allen Bezirken wie in allen Werkstätten müsse fleißig agitirt werden, damit ein Fonds geschaffen werde für den Fall, daß man im Frühjahr in den Streik treten wolle. Er ist der Meinung, daß es den Jnnungs- meistern nicht gelungen wäre, eine Jnnungs- Krankenkasse zu gründe», wenn die Mehrzahl der Kollegen organisirt geivesen sei. 5ile»ient(Parkettbodeuleger) berichtet, daß,>vie i» den anderen, so auch in der Parketlbranche fortwährend Abzüge gemacht würden. Schmitz erklärt es für ein erfreuliches Zeichen, daß die Berliner Tischler ivieder daran denken, ihre Lage zu verbessern; die Kollegen müßten sich aber mit dem Ge- danken vertraut machen, bei einem Streik 14 Tage lang aus Unterstützung zu verzichten. Darauf forderten M a a ß, M e ck e, C a n z i u s und andere Kollegen die Versainnilung auf, fleißig für de» Verband zu agitireu, damit im Frühjahr etwas unternomine» werden könne. Sodann kamen die verschiedeneu Anträge zur Ab- stimmung. Zuerst wurde beschlossen, in einen Streik vor Weihnachten nicht ciuzutreien. Ein anderer Antrag, der von G r u» e r t und Helbig begründet wurde, lautete:„Die heulige anßerordent- liche Generalversammlung beschließt, daß in allen Werkstätten, wo die Lohn- und Arbeitsverhältnisse schlecht und die Kollegen ins- gesammt einig sind, sowie nach dem Gutachten der Werkstatt- Kontrollkommission und Ortsverwaltung, die Arbeit ohn< vorherige Beschlußfassung der Generalversammlung niedergelegt werden kann. Die Kollegen verpflichten sich, die Streikenden moralisch wie pekuniär zu unterstützen." Dieser Antrag wurde gleichfalls angenommen und dann gegen einige Stimmen be- schloffen, daß. wenn nöthig und wenn die Konjunktur günstig ist, nach Weihnachten in den Streik getreten werden soll. Ein Antrag Schmitz, alle Verbandsgelder am Orte zu behalten, wurde mit großer Majorität abgelehnt, desgleichen ein Antrag. neben den ausgegebenen Listen noch Karten für die Mitglieder obligatorisch einzuführen. Ein anderer Antrag, alle für den Streik gesammelten Gelder am Orte zu behalten, wurde ebenso wie der Antrag, nicht mehr nach Feierabend zu arbeiten, mit großer Majorität angenommen. Endlich wurde noch die Ver- stärkung der Werkstattkommission beschlossen. Die Posamentircr erörterten am 4. November in einer öffentlichen Versammlung die Frage, wie in ihrem Berufe am besten die Agitation zu betreiben sei. Der Vertrauensmann iheilie mit, daß, wie die bei den Kollegen der einzelnen Werk« stätlen vorgenommene Umfrage ergeben habe, die in Aussicht ge- genommenen nächsten Forderungen: neunstündige Arbeitszeit und 50 Pfennige Stundenlohn, getheilte Aufnahme gefunden hätten. Wen» sich auch der größte Theil der befragten Kollegen dafür erklärt habe, daß diese Forderungen zu geeigneter Zeit gestellt würden, so sei doch der Jndifferciitismus anderer recht zu tage getreten, ja sogar rüpelhafte Auslassungen seien von dieser Seite zu verzeichnen. Schwer sei es serner, die Arbeiterinnen für ihre eigene Wohlfahrt zu interessiren, obgleich sie schlechter bezahlt würde», als selbst die am schlechtesten bezahlten Arbeiter. Im Laufe der Debatte wurde ebenfalls der Jndifferentismus mancher Verufsgeuossen, besonders aus der Möbelbranche beklagt. Der Vorsitzende schlug dann zur Förderung der Agitation die Veraustaliung von Dislutirabeuden vor. Ein Redner betonte, daß jetzt für'inen Tagelohn von 4M. soviel geschafft werde, wie nach einem äl eren Tarif mit 6 M. bezahlt werden müßte. Jetzt für die aufgestellten Forderungen einzutreten, wurde mit Rück- ficht auf die Geschäftslage.für unthunlich erklärt, jedoch hofft man im nächsten Frühjahr erfolgreich vorgehen zu können.— C h a i m, Beisitzer im Berliner Gewerbegericht, gab dann der Vcrsanimlung ein Bild von der Praxis des„Laiengerichts" im Köllnischen Rathhause, woraus der Vertrauensmann Rechenschaft über die Einnahmen und Ausgaben ablegte, die er im ab- gelaufenen Jahre seiner Amtirung gehabt hat. Eingenommen hat er 58.33 M., ausgegeben 46,80 M, so daß ein Bestand von 13, S M. blieb, wozu noch 2,50 M. kommen, die nachträglich eingenommen wurden. Zum Vertrauensmann wurde M a h l k e wiedergewählt, in die Eewerkschastskommission Wille. Die Verhältnisse in der Auilinfabrik(Treptow) und in der Vclvetfabrik(Köpnickerstraßc) beschäftigten am 4. November im Lokal„Königsbank" eine von etwa 500 Personen besuchte öffentliche Versammlung. EchubmaMx Menzel erläuterte in einem beifällig aufgenommenen Wie ag den Nutzen der gewerkschastlichen Organisation und betonte hierbei, daß die Arbeiter und Arbeiterinnen nur durch diese in die Lage kommen, bessere Arbeitsverhältnisse zu erringen. Seine Angaben über Uebelstände. die m sden genannten beiden Fabriken vorhanden seien, wurden in der Diskussion bestätigt. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Anilinfabrik klagen über lange Arbeitszeit, niedrige Löhne und mangelhafte Waschvor- richtuugen. Bei 11 stündiger Arbeitszeit schwanke der Lohn bei den Männern zwischen 2,60—3,00 M., bei den Frauen soll er noch bedeutend niedriger sein. Von de» in der Velvetsabrik Be- schäftigte» wurde besonders das Verhallen des Portiers Arbeit- suebeude» gegenüber und auch die Behandlung der Arbeiterinnen durch die Meister geradelt, wobei man darauf hinwies, daß beigrößererBe- lheiligung an der Organisation in diesen Dingen sehr leicht Remcdur geschaffen werde» könne. In einer späteren Ver- sammlung soll mit mehr Material aufgewartet werden. Der Vertrauensmann O. Schüler, Hochmeisterstr. 5, ersuchte, ihm dahingehende MiltheUungen ungesäumt zu machen. Ein Ar- beiter der Anilinfabrik bezeichnete im Gegensatz zum Referenten und zu den Diskussionsrednern die Verhältnisse jener Fabrik als zufriedenstellend und protestirte gegen eine Resolution, welche be- sagte, daß die Versammlung sich mit dem Referenten eiiiverstanden erkläre und zum Anschluß an die Organisation verpflichte. Die Resolution wurde indeß einstimmig angenommen. VevmiMzkes. Die im Giftmord-Prozeß Springstein Mitangeklagte Bock hatte, nach der„Deutschen Tageszeitung", kurz vor ihrer Ver- Haftung i» verschiedenen Zeitungen ein Heirathsgesuch veröffent- licht. Auf dieses war u. a. auch ein Schlächtermeister aus Ebers- walde, der früher in Prenzlau als Geselle gearbeitet hatte, auf- uierksaiu geworden. Die Offerte schien verlockend z» sein und er incldete sich unter der aufgegebenen Chiffre. Hieraus ent- spann sich zwischen dem Schlächtermeister und der Bock ein Briefwechsel, der schließlich dahin führte, daß der Heirathslllstige von der Wiltib»ach Prenzlau zu einem Rendezvous eingeladen wurde, dem er auch Folge leistete. Bereits bei der ersten Zu- samnienkunft waren die beiderseitigen Bedingungen aufgestellt worden und beim nächsten Hiersei» des„glücklichen" Bräutigams sollte der Hochzeitstermin festgesetzt werden. DemHeirathskandidaten war zur Bedingung gestellt, eine LebenSversichernngs-Police, auf sich ausgeschrieben, mit in die Ehe zu bringe». Inzwischen war aber die Verhaftung der Bock erfolgt. Der ehemalige Heiraths- kandidat war gestern nach hier gekommen, um sich den Prozeß Spriiigstein anzuhören. Die Bock, welche dicht bei ihm vorbei- geführt wurde, warf ihm einen frechen Blick z». Ihr ehemaliger Verehrer aber ist recht zufrieden, daß aus der Heirath nichts ge- worden ist,„den»," so äußerte er sich,„ihm wäre doch gewiß auch nur'ne Portion Strychnin zugedacht gewesen". Der Direktor der Provinzial-Jrrenanstalt Leugerich, Dr. Schäfer, wurde, der„Köln. Ztg." zufolge, von einem Geistes- kraukeii angefallen, der ihm mit eine», Messer, das er verborgen gehalten hatte, eine lebensgefährliche Halsivunde beibrachte, Dr. Schäfer hat sich zur Pflege nach Osnabrück begebe». In derselben Anstalt wurde vor einigen Tagen ein Kranker von eine», anderen Krauken so arg verletzt, daß er bald daraus seinen Wunde» erlegen ist. Briefkasten der Redakkion. Chr. Illing, Pößneck. Da Genosse Wehder bestätigt, daß das Telegramm auf dem Breslauer Parteilag eingetroffen ist, ist doch die Sache abgeihan. Bei den vielen Telegrainmeii, die dort einliefen, ist es nicht wunderbar, daß eines verloren oder verlegt wurde. KstäGnsS-Theater- Varlste- n. Spezialitälen-Vorstellfl. Dresdciierstr. 52/53, Annenslr. 42/43 (City-Passage). Iteu! IU«! Die EebkQNte. Posse in I Akt von Alf. Schmasow. Lobeltler Vrongo, Hias Barbera, die Mulattin. Clara und Hans Satno, Duettisien, Martha Peters, Konüm-Soubrette. Ans. Wochent. 7>/s, Sonnt. 6 Uhr. Entree„ 10 Pf... 30 Pf. nBR.Vinkler. Gv. �rankfuekevstv. I3S. Tountag, de» 1«. November I8VS, uachmittags 2'� lthr: Volksvorstelluug unter Regie von«Jalius Türk: Ein Volksfeind. Schauspiel in ö Akten von Henrik Ibsen. 223/10 V.Luperc�NLki. kWilicheZHiie, Znvllliiienßr.lljs,!!. Freie Vereinigung der Graveure, Ciseleure und verwalldten Berufsgenossen. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Ciseleur 74/S Fritz KageS, »ach kurzer schwerer Krankheit ver- storben ist.— Die Beerdigung findet am Freitag, den 8. November, nachm. 4 Uhr, vom Krankeiihans„Urban" aus»ach dein neuen Jakobikirchhof (Rixdorf) statt. Um rege Betheiliguug ersucht Bni» Vorstand« Danksagnttg. Für die überaus reiche Theilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau 11920 Iotzantrn Mönig» geb. G o l ch e r t, sagen wir Freunden und Bekannten herzlichsten Dank. _ Carl König und Sohn. Fiir die hiestge»$tftv liegt den heutigen zlnmmer»njerc» jünttro die gestrige Gewinnliste der pr-nh. Lotterie bei, Für deuJnhnlt der Inserate über nimmt die Nedaktio» demPnblikum gegenüber keinerlei Perantwortnug Theater. Donnerstag, 7. November. Gpernljan». Der Ring des Nibe- lnngen. Vorabend: Das Rhein- gold. S'Iiaul'pirllians. Faust. Deuisches Theater. Die Weber. berliner Theater. Der Pfarrer von Kirch seid. Lesstng-Tlieater. Gräfin Fritzi. Fmdriih-WUHelmstiidt. Theater Die Reise nach dein Mars. AI cur» Theater. Seine Gewesene Schiller- Theater. Der Raub der Sabinerinnen. Residenz-Theater. Der Nabenvater. Vorher: Aber die Ehe! Adolph Trnst- Theater. Parade bnnimler. Central-Theater. Eine tolle Nacht. Aleranderplatz-Theatrr Die kleinen Lämmer. Vorher: Nummer 66. Uational- Theater. Der Glöckner von Notre-Dame. Theater Unter de« Zinde». Die Karlsschülerin. Hierauf: Im Reiche der Mitte. American- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Ueichahallru-Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Apollo» Theater. Spezialitäte»-Vor stelluug. Schiller-Theater. tdksllne»>>Theater,) Donnerstag: Der Ra»d der Sabi- nrrinne». Freitag: Der Naud der Sadi««- rinnen. zrieilrich-Wilhelmstiidt. Theater SS/S« Chausterstraße SS/S«. Jeden Abend 7Vs Uhr: Gastspiet der d-iliputsnee». Die Reise Ndj iicm Mars. Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Kchner ivittchen«nd die? Zwerge. Sonntag, nachmittags: Die Reis« nach den» Mar». Kinder nachmittags halbe Preise. Natirnl-'niealsr. Große Franiifurterstraße 138. Direktion: Max Sarnst. Volks vors teilnng zu bedeutend er mäßigten Preisen. Der Glölkner von Notre-Dame. Schauspiel in S Akten von Charlotte Birch-Pfeiffer. Regie: Max Sau« st. Morgen: Das Käthchen von Heil broun. Sonntag, nachmittags LVsUhr: Volks- Vorstellung. Lm Volkstoinä. Schau- spiel in 5 Aufzügen von Henrik Ibsen. _ Regie: Julius Türk. I EdU ist da!!! D« Mm m Eise«?? wird bald das Tages- gespräch sein. Jeden Abend 10 Uhr i» RsuFnnsnti's Variete» Theater Königstrasse, Kolonnaden. Bollständig neues Prograinm. Die Lerliller Lsrrissoo, der grossaitige Eqnilibrist Vallo, der verrttckte Musiker Jones, der dicke Liebling Edi Blum, das schöne Modell Miss Luciani, der Dampidichter Samson, die vorzüglich. Gymnastiker Eegino, kurz und gut, ein Programm, wie es noch nie da war. ■■■ Neuer Circus.»»» Circus Busch. (Bahnhof Börse). Donnerstag, de» 7. November, abends 7>/8 Uhr: Gr. Komiker-Vorstellung. Motto: Witz, Humor und Laune. Klles komisch, alles spaßhasl, alles interessant. Zum l. Male: Dir. Busch mit seinem komisch dressirten Elephanten als Kapellmeister und 8 Hengsten. Zum X. Male: Der berühmte Reit- känstler Mr. A. Wells. Bär und Schildwache. Die amerikanischen Freunde, Höchst komische Episoden. Zum I.Male: Mr. Veldeman als Mme. Perrichon. Auftreten der tilowns Gebr. Rossi, Gebr. Cavaliini. Das boxende Känguru. Ki» equrstrischeo Arrangement von 10« Pserden, vorgef. vom Dir. Busch, von keiner Konkurrenz erreichbar. Eine Damen-Schulquadrille, ger. v. 6 Dame» w. f. 10. Freitag: Große Vorstellung. Neues Programm. Sonntag: 2 Vorstellungen. Nachm. 4 Uhr(ermäßigte Preise und 1 Kind srei) und abends V1/» Uhr. Centrai-Theater. Alt« Jalrobstr. 30. Emil Thomas a. G. Eovitat! Zum 64. Male: Novität! Eine tolle UM Ausstattungspofie mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Willi. Mannstädt und Julius Freund. Musik von Julius Einödshofer. In Szene gesetzt v. Dir. Bichard Schultz. Anfang 7V2 Uhr. Adolph Ernst-Theater. Zum 65. Male: UMelNiMNIer. Besetzung der Hauptrollen: Anna Bäckers, Josefine Dora, Ida Schlüter, Adolph Ernst, Julius Eyben, Hugo Haßkerl, Richard Jürgas, Guido Tielscher, Karl Weiß, Georg Werlitzsch. Anfang 7V2 Uhr. Kein Aufgeld.*9® Morgen: Dieselbe Vorstellung. Alexanderplatz-Theater. Alexanderstraße 40, Täglich abends 8 Uhr: Die Kleinen Liimmev. Vaudeville in 2 Akten von Varney. Vorher: Nutttinev N«. Operette in 1 Akt von Offenbach. U n an i a Anstalt für Tolksthnmliche Naturkunde. Am Landes-Ausstellungspark (Lehrter Bahnbot). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Vorstellung im Wissenschaft liehen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Konzerthaus Sanssouci Kottbusepsfp. 4a eute Donnerstag: (Meysel, Pietro, Britton, Stoidl, Krone, Röhl und Schräder) Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf.(siehe Plakate). Freitag: Viktoria-Brauerei. Passage- PanDpticiiin. 42 WM« vom andern Ende der Welt (Kamoa). Zlltt-UM Burgstraße Nr. 22. Direktion R. Winkler u. W.Fröbel. Das brillante November-Programm: UM- 14-WU für Kerlin neue 8ensations-Kumniern. Oinvus Carola in solcher Vollendung hier noch nicht gesehen. Anfang: Sonntags 6 Uhr, Wochen- tags 7>/s Uhr. Entree 30 Pf. h J Kaiser-Panorama (Passage). Zum 1. Male; Reise Malta. Smyrna, Kairo, Alexandria. Seeparthieu. Hochinteressante VI. Reise: Savoyens Alpen, Koutblanc-Besieiguug. Eine Reise nur 20 Pf. Abonnements und Vereinsbillets. Casfan's Panopticum. Friedrichstr. 165. ISalambo? Apollo-Theater Cremo's Teutonenspiele. Nile. Philo-Durand comiqne Excentriques. The Wortleys phänomenale Luftgymnastiker. Bella Rose. Miss Rosi Rendel. The Harweys. Familie Kräusel. Miss Ethardo. Rozsika Horwath. Heinrich Blande. Mizi Schütz. Abbas-Mirza-Troupe. Kasseneröffnung 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Berliiitt Krirnkeii-Uiiterpdilugs- mi» BegrSbuiß- Verein für Frauen und Wlüditzen. Sonntag, den 10. November 1803, im Lonisenstädtischen Konzerthaus, Alte Jakobftr. S7: Abenh-Unterhaltung unter Mitwirkung des Zitherklubs„Kochland", eines Männer- Gefangvereins und des Humoristen Herrn Röhn._ Nach dem Konzert: HWjr Uran*.-WZ Gntrre 30|lf. Anfang« Uhr. Billets sind in den Zahlstellen, im Setzersaal des„Vorwärts" und an der Kasse zu haben._ 1196b Orts-Krankenkasse der Dachdecker Berlins. Sonntag, den 10. Novembep, vormittags 9V, Uhr, im Oaal« de« Herr» Feind, Weinstr. 11: Zweite ordentliche General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Wahl eines 1. Vorsitzenden. 2. Wahl von 2 Vorstandsmitgliedern. 3. Bericht über die Medizinscheine. 4. Kassenbericht des Nendanten. 5. Verschiedenes. Die Mitglieder ladet hierdurch ein Der Vorstand. 1i3Sb G u st a v H o h d o r f._ Änrf ÜHpll fürSM. liefere feinsteHose Kvll, Ijvrl!». MaaßKrausenstr. 14, 1 Orts-Krankenkasse der Nadler u. Siebmacher zu Berlin. Sonntag, den 17. Novembep, vormittags 10 Uhr, tut Restaurant U a a fch, b' Ausschank, Alte Jakobftr. 33: General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Verlesung der Prolokolle. 2. Neu- wähl von drei Vorstandsmitgliedern (1 Arbeitgeber, 2 Arbeitnehmer). 3. Wahl des Ausschusses für die Prüfung der Rechnung des laufenden Jahres. 4. An- trag des Vorstandes auf Erhöhung der Beiträge. 5. Verschiedenes. 1187b Der Borstand. W. Kusche, Vorsitzender. L. Hüpenbecker, Schriftführer. Achtung! Wnirgilchk Vmchk. Achtung! Konnerstag, den 7. November, abend» hWe Uhr, im Lokale des Herrn Vuskr» Grenadierstraße Nr. 33: Oeffentliche Versammlung aller in iier ljirilrgWti! Branche beschästigtea Berussgeiiojsea. Tages-Ordnung: 1, Abrechnung vom Streik bei der Firma Dewilt& Herz. 2. Bericht des Delegirren zur Gewerkschasiskomnnssio». 3. Verschiedenes. Um pünktliches und zahlreiches Erscheine» ersucht 48/15 Der Uertraue««»mann. II. Wahlkreis. Zwei öffentliche Versammlungen. I. Donnerstag, den 7. November, abends 8,/2 Uhr, im Lokale des Herrn NeinhAvdst» Hasenhaide 59. Tages-Ordnung: 1. Die bevorstehenden Stadtverordneten-Wahlen. 2. Diskussion. Referenten: Fritz Zubeil und Otto Antrick. 2. Freitag, den 8. Oktober, abends S Uhr, im Lokale des Herrn Zubeil» Lindenstraße Nr. 106. IM- Derdundung des Wahlrefnltats. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen, auch der Frauen, ersuchen 270/19 Die Nertraurnspersouen. Achtung! Am Wahlkreis. Achtung! Donnerstag, 7. November, abends 8I/2 Uhr, in Fiebig's F e st s ä l e n, Große Frankfurterstr. 85: GvoHe öffenkliltze Illlllllg. Tages-Ordnung. I. Die bevorstehenden Stadtverordneten-Wahlen. Heiiste und Dupont. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen, auch der Frauen, ersucht Ras Wahlkomitee. Referenten Genossen 273/1 Achtung! Süd-Ost. Achtung! Imei öffentlirtze"Wt Uolks- Uersammlungen. 1, Donnerstag, 7, Nov., abends 8�- Uhr, bei Rantenberg, Granienstr. 180. Tages-Ordnung: Die bevorstehenden Stadtverordneten-Wahlen. Freie Diskussion. 2. Freitag, 8. November, abends 8'/- Uhr, bei Henke, Dannqnstr. SV. DerKLudung der Mahlresultate sänemtlicher KefirK«! Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen, auch der Frauen ersucht 273/2«uu Komitee. «. ZWahlkreis. 3 pfe üfentliile KerstiimliiiW. Donnerstag, den 7. November, abends 8'/» Uhr: 1. Krunnenstraße 188, bei Gründet. Referent Otto NAthen. 8. Iwinemünderstraste 35 sKwinemiinder Gesellschastshau»). Referent Stadlv. Ae-thoi» Stadthagen. 3. Kadstraße 35/36, Gesundbrunnen(Marienbad). Referent Stadtv. Sneald Vogthern. 270/20 Tagesordnung in allen Dersammlnugen: Der 8. November und seine Bedeutung für die Berliner Kommune. Jedermann Hat Zutritt. Freie Diskussion. NB. Am Freitag, den 8. November, abends 8t/z Uhr, finden behuss Resultatverkündung 3 Versammlungen statt: Kolberaer Salon, Kolbergerstr. 23, Swinemünder Gesellschaslshaus und Gründel's Salon. Kolks Uersammtung am JfaeiksiJg» den 8. Nooembev 1895, abends 8 Uhr, im„Louisenstädtischeu Konzerthaus", Alte Jakobstraße 37. Tages-Ordnung: _ Wahlresultats-Verkundigung. 273/0 Deutscher Holzarbeiter-Berband. (Zahlstelle Berlin.) Sonntag, 10. Nov., vorm. 9'/- Uhr, bei Herrn Aiefk» Meberstraß« 17: Kezirks-Uersammlung für den Osten. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Vorschläge zu Werkstatt-Kontroll- Kommissiousmitgliedern. 4. Verbandsangelegenheiten. 73/16 jM- Hierzu sind die Kollegen folgender Werkstätten eingeladen: Klug. Fruchtstr. 31 u. 32; Jahnke, Fruchtstr. S4 u. S9; Kühne, Fruchtstr. 25; Friede, Bnschingstraße 6; Roll, Landsbergerstraße 112; Rohde, Weberstraße 52; Zölder u. Plathen, Königsbergerstr. 10- Anders, Königsbergerstr. 29; Keller, Königsbergerstr. 4; Mernes, Rüdersdorferstr. 41; Tromler, Rüdersdorserstr. 7. Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheine», da die Versammlung pünktlich eröffnet wird. NB. Die Bautischler, Drechsler und Bürstenmacher sind hiermit be- sonders eingeladen._ Freitag, 8. Nov., abends 8'/» Uhr, bei B r o ch n o w, Kebastiaustraß« 30: M?" Nombinivke Sitzung"DE der Ortsverwaltung und der Werkstatt-Kontrollkommissiou. Deutsch. Schneider- n. Schneiderinnen-Verband (Filiale Berlin). am Sonntag, 10. November, in der Berliner Ressonree, Kommandanteustr. 57. Lrosses Konzert, ausgeführt von der Hauskapelle unter Leitung des Musikdirektors Herrn Campi. Gesangswortrüge von einem Quartett des Gosangvoroina„rzipographia" und des Konzerlsängers Herrn Max Aschinger. Delllaumtorirche Dorträge. Festrede. Nach dem Konzerl: Grosses Tanzkränzchen, Herren, die daran rdeilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Kaffeepause 12 Uhr. Eröffnung 5 Uhr. Anfang 6 Uhr, Billsts ä 80 Pf. sind zu haben beim Kollegen Zander im Zentral- Arbeitsnachweis- und Auskunfls-Bureau, Alte Jakobftr. 83, Gartenhalle rechts, in fämmtlichen Zahlstellen, sowie bei den bekannten Kollegen und Kolleginnen. 162/6 Di« Kevollmächtisten. Verantwortlicher Redakteur: Frist Knnert, Schöneberg-Berlin. Für de» Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. 2. Beilage zum„Vowärts" iner Volksblatt. Ur. 361. Donnerstag, den 7. Uonenwer 13. Jahrg. Mißstiindo im Bougemevde Berlins. m. Einen weiterern Mißstand im Baugewerbe bildet die sogenannte F e n st« r f r a g e. die die im Inner» der Bauten beschäftigten Bauhandwerker Berlins seit einer Reihe von Jahren zur Wintere zeit beschäftigt. Schon seit 1883 treten namentlich die Ofensetzer alljährlich in den sogenannten Jensterstreik ein, um die Ver- glasung der Fenster in den Neubauten durchzusetzen und dadurch den nothwendigen Schutz ihrer Gesundheit vor der Unbill der rauhen Jahreszeit zu erlangen. Nenncnswerthe Erfolge sind jedoch bisher nicht- erreicht worden. Auch diese, von allen Par lcie» als ganz selbstverständlich anerkannte Forderung bedars zu ihrer Durchführung erst großer Opfer der betreffende» Arbeuer, die alljährlich darum kämpfen müssen. Es erscheint daher das Eingreifen des Gesetzgebers dringend nölhig, um diesen unhalt baren Zuständen ein Ende zu machen. Aehnlich wie die Fensterfrage liegt die K o a k s k o r b-F r a g e. Wohl hat in dieser Sache die hiesige Polizeibehörde zu gnnsicn der Arbeiter Verordnungen erlassen, die bei annähernd korrelier Beachtung durch die Unternchnier die Arbeiter gegen den R»tn ihrer Gesundheit schlitze» würden. Jedoch erweisen sich die Slrafbcstimmiinge» gegen die Uebertretung dieser Verordnungen als vollständig unzulänglich, und so erscheint auch auf diesem Gebiet eine Regelung im Wege der Gesetzgebung nothweiidia, damit die Arbeiter vor der Vergistung durch ausslrömende Gase geschützl werden. Außer den Staats« und Kommunalbauten oder vereinzelten Ar beiten,>vo die Fassaden von sogenannten Verblendsteincn anfgesührt werden, wird hier durchweg von innen, also, wie der technische Ausdruck lautet, über die Hand gemauert. Schutzvorrich« t u n g t n von Etage zu Etage werden nicht angebracht. Schutzdächer sind im allgemeinen sehr mangelhast, theils gar nicht vorhanden. Auf 45 im Rohbau befindliche» Bauten fehlten die Schutzdächer im Hof sowohl wie»ach der Straße zu, trotzdem der Hof in den meisten Fällen sehr eng und ringsum verbaut wird, und obwohl Steine. Kalk und sonstiges Material größten- theils vor dem Hause aufgestapelt sind. Bon hier aus müssen die Stein- und Kalkträger das Material durch den Thorweg transportiren. Wenn nun gerade an der Vorderfront gemauert wird, so kommt es oft vor. daß ein Stück Stein oder Kalk herabfällt und den unten Arbeitenden arg beschädigt, oder, im andern Falle, daß der unten aufschlagende Kalk auf die Umherstehenden spritzt, wodurch diese sehr leicht des Augenlichtes beraubt werden können. Ein Beispiel, wie unvorsichtig man auf manchen Bauten in betreff der Schutzdächer zu Werke geht, sei hier gegeben; Auf dem Bau Juliusstraße 4 in Rixdorf(Bauunternehmer Günther) war ein Maurer damit beschäftigt, das laut Polizeiverordnung vor geschriebene Stück massiven Dachgesinises zu mauern. Die Aus tadung von zirka 80 Zentimetern muß bekanntlich in höchstens 5 Schichten vollzogen sein. Während dieses gefährlichen Stückes Arbeit luden unten gerade zwei Sieinträger Steine, ohne über sich auch nur die geringste Schutzvorrichtung zu haben. Was ein aus der Höhe von zirka 15—17 Meter herabfallender, wenn auch nur kleiner Stein dem unten Arbeitende» für Schaden zufüge» kann, braucht wohl nicht noch erörtert zu werden. Auch trifft man es oft, daß der Kalk erst aus dem Bau zu bereitet wird. Mau löscht alsdann den Rohkalk in einer ge wöhnlich auf dem Hose befindlichen Grube. Trotzdem nun die Unsallverhütungs« sowohl wie die baupolizeilichen Vorschriften ein hinreichend festes Brustgeländer zur Einfriedigung vor« schreiben, trifft man diese Schutzvorrichtung doch sehr selten an. Auch ist i» den seltensten Fällen ei» Schutzdach über der Stelle, wo die Arbeiter mit Löschen und Kalkzubereiten beschäftigt sind. und auch»ur selten über dem gewöhnlich auf dem Hofe befind lichen Brnnnen vorhanden. Ein Fall zur Auf den« Bau Zwinglistraße 12, Moabit Bethke) war auf dem ersten Hof und front kein einziges Schutzdach sichtbar. Zur Zei Besichtigung durch die Beauftragten der Arbeiter passirte es, daß ei» Maurer auf ein ausgesparrtes Auslegerloch trat, trotz dem dieses noch frisch und nur mit einer Schicht übermauert war. Die Decke brach und vier bis fünf Steine fielen zwei Etagen tief herab und zwar an der Stelle, die die Steinträger eben passirt hatten. Nur durch einen glücklichen Zufall waren diese vor Schaden bewahrt geblieben. Derartige Fälle kommen sehr häusig vor. Geivöhnlich wird aber erst dann ein Schutzdach gebaut, wenn ein Unfall passirt ist. Charakterisirung: (Bauunternehmer an der Vorder- Zur Zeit der Gevi.geriwl gegen de» Tischleriueistcr Sch. verhandelt. Terselbe war vom Maurernleisler R. wegen einer ProvisiouDsorderung von 900 Mark verklagt und ver- »riheilt ivorde» Sch. wußte, daß R. sich vor Jahren in schlechter Verniögenilage befunden und vcnnuthete, daß von dieser Zeit her noch ausgeklagte aber ui>begllcbe»e Forderungen auf R. vorhanden feien. Er gedachte eine solche billig z» er- werbe», um dann die Forderung, die R. rechtskiäftig gegen ihn erst rillen, damit zu begleichen. Er ließ deshalb i» einer Zeitung bekannt machen. daß er ausgeklagte Forderungen a»f de» Manrermeifier 91. kaufe. Es meldete sich daraus auch ein alter Gläubiger d«S R., welcher dem Sch.«in Guthaben an R. sür einen billige» Preis abtrat. In der Ver- öffentlichung des Inserats erblickte R. eine�Kleidigung.z. Der Beklagte bestritt, daß eine solche vorliege, es seis�hm nur dützum zu thu» gewesen, einen durchaus gesetzlichen(Hivknn durch iverb von Forderungen auf R. zu erzielen.. Desi Weg Inserats habe er wähle« müssen, da iS andere Wstze nicht gegeben habe, um Gläubiger des 9k. in Erfahrung zu bringen. Dem gegenüber führte der Vertreter des Klägers, 9icchtsainvalt Hamburger, ans, dgß das an und für sich berechtigte Streben nach Geivinn seine Grenzen au der Ehre eines Menschen haben«iüsse. Es dürfe niemanden erlaubt sei», um einen Gewinn zu erziele», seinen Nebenmenschen an den Pranger zu stellen, wie der Beklagte es durch die Annonce gethan habe. Der Gerichtshof schloß sich diesen Ausführungen an und verurtheilte den Beklagte» zu einer Geldstrafe von 50 M. Bersamntlungett. „Deutsche Landsknechte" betitelte Genosse Manfred W i t l i ch aus Leipzig das Bild aus der deutschen Kultur- aeschichte, das er am 5. d. Mts. in einer von der Arbeiter- BiidungSschule veranstalteten Volksversammlung entrollte. Mit kernigem Humor wußte er die interessante, von einem Hauch der 9!omaittik umwobene Gestalt des Landsknechts lebendig zu gestalten, ohne den reale» Bode» der ökonomischen Verhältnisse zu verliere». In dem Landsknecht, einem Proletarier seiner Zeil, steckte neben dem Stück Poesie auch ein gutes Stück Demokratie, dem die bahnbrechenden Erfolge auf dem Gebiete der Kriegstechnik zum guten Theile mit zu verdanken seien. Von der Ansicht ausgehend, daß die Geschichte daS Gedächtniß der Völker ist und daß man aus ihr zu lernen hat, folgerte der Vortragende, daß das erfolgreiche demokratisch organisirle Zusammenivirken der Landsliiechtschaft ans kriege- rischcni Gebiete dein heutigen friedlichen Wirken der moderiieii Arbeiterschast insofern zum Vorbild dienen könne, als agitirt und orgaiiisirt iverde» müsse, um durch festes Zusaiiimen stehen unblutige Siege zu erkämpfen u ter der Devise: „Einer für alle, alle für eiiieii!"— Tie reiche» Beisalls- bezeugungen beiviesen, daß der lliedner seine Zuhörer in hohem Maße zu fesseln vermocht hatte. In der Diskussion ivnrde mehrfach der naheliegende Vergleich des stehenden Heeres mit dem schiveizenschen Miliz- oder Volksdeere gezogen. An die Arbeiterschaft erging sodann die dringende Aufforderung, die Arbeiter- Bildnngsschnle moralisch und slnanziell thatkräjtigcr als bisher zu unterstützen, da sich die Schule sonst nicht zu halten vermöge. Im Verein der Arbcitcrbertrcter, der am 5. November bei 9iöUig, Neue Friedrichstraße 44. seine Monatssitzung abhielt, verlas der Vorsitzende die vom Reichs- Aersicherungsamt nnlcr dem Namen„9!iickblick auf die bisherige Entwickelung der so zialpolitische» Versicherungsgesetzgebiing* in den„Amtlichen Nachrichten" veröffeiiUichte Zusaliiiiirnstellung, deren Inhalt gelegenl- lich des zehnjährigen Jubiläums der VersicherungSgcsetz- gebung ausführlich tm„Vorwärts" besprochen ivorde» ist Nach der Vorlesung kam Putzer Buch holz aus die enormen Slimmen zu sprechen, die bei der Alters- und Invalidenversicherung aufgrlpcichcrt werden, und erklärte, daß alle Hebel in Bewegung gesetzt werden müßte», daß die Alters- grenze herabgesetzt und auch Bestimmungen gelroffe» werden, die den Bezug der Invalidenrente erleichier».(Beifall.) A» die bieranf verlesenen neuesten„ 9!ek»rseiilscheid»nge>i" des„Reichs- Versicherungsamtes knüpfte sich eine längere Diskussion. Allgemeines Erstaunen erregte es, als milgelheilt wurde, daß in ein und derselben Scilalssitziing häusig einander wider- sprechende Urtheile gefällt würde», obgleich die Art und die Ncbciinmstände der betreffenden Unfälle sich wie ein Ei de»» anderen glichen. Tischler Stiegel- meier wünschte Veröffentlichniig besonders krasser Fälle im . Vorwärts". Der Vorstand erklärte sich bereit, bei der bevorstehenden 9ievision der sozialpolitischen Gesetze unseren Abgeordneten geeignetes Material ziizusteNen. Im weiteren Ver laufe der Sitzung wurde das Vereinsstatut aus Antrag des Vor standes dahin enveitert, daß von jetzt ab auch die Delegirtcn zu de» Generalversammlungen der Orls-Kraiikenkassen Mitglieder des Vereins ver iUrbeiterverlreler iverden können, da sie die eigentlichen Urivähler sind, die ihre Vorstände ivähien, aus denen heraus da»» erst die Beisitzer zu den verschiedenen Ansiallen der Reichs- Versicherung zu bestinimeii sind. Eine längere Debatte entspann sich über den Leitartikel der Ktzte» Soiintagsnummer des „Vorivärls". Es wurde von mehreren 9!ediiern betont, daß der Artikel a» sich gut sei und die Kritik richtig einsetze: indeß hätte sich der Verfasser die„Anrempelung" der Arbeiter-Vertreter„ver- kneifen" solle». Es ivnrde konstatirt, daß vo» den hiesigen ii r ch t st ä n d> g e n Mitgliedern des Reichs-Versicherungsanites (Arbeitervertreter) n i e m a n d zu der„Konferenz betreffend Reforinen in der Arbciterversicheruiig" hinzugezogen worden ist. Maschinenbaiier G n l h e i t bedauerte, daß zu der Konferenz keine Krankenkassen- Bcaiiiten geladen wurde». D ä h n e n»d andere bemängelten, daß der„Vorwärts" nicht hin und wieder Erlänterungen der sozialpolilischen Gesetze enthalte. Der Vorwurf, daß die Gewählte» sich mit ihren Wähler» nicht in Verbindung gesetzt hätten, sei»ach Feststellung der TKalsache, wonach niemand von dar Arbeitervertretern geladen ivnrde, hinfällig und zurückzuweisen. Daß diese sich an einer so wichtigen Konferenz belheiligen würden, ohne etwas verlante» zn laffen, daran sei nicht zu denken. Buch holz behanplete, daß die Arbeiterverlreter nicht als volle Sozial- deniolralcn angesehen werde», rühre daher, weil sie a»S den Orls-Krankenkaffen hervorgeben. K u t h e i t letlcle aus dem Umstand, daß der„Vorwärts" seit etwa einem Jahr einen 9teporler zu den Verhandlnngen im 9teichs- Versicherungsaint sendet, verschiedeiitliche gute Wirkuiigeii ab.(Ten Wünsche», die im Verein der Älrbeiti-ruerlreter in Beziehung ans den„Vorwärts" geäußert wurden, läßt sich leichlcr 9iechi»iiig tragen, rvcmi der Vorstand dieses Vereins mit der Redaklioii möglichst ojl verkehrt. Wir wollen das hiermit gern angeregt habe». 9i. d. V.) p!>-a»>!»»-ßl»t»»-gii>)»»»«-»»d für Frau-N>>»b!»!.->» che». Heul« Slbend 0 Uhr: VortlmwislßlUiki bei Mallchle, And.easiire.sie 18. Atzress«» der tzalilsleven»i-.r> der Äolfiu- de- milillicDei- des SJaeiii«, woselbst BeUrMfirtlaruNae»»lUgegengeuomin«» iverd«», lowle)cbe>ieih«r« Nuttttnst beretlwi strst«riheilt wir»! tzrnii Slolle, Aleraobriiieustr. ee, Hof 8 Tr.) g-inu Voraer, NO.. W>iv»ilM»st>ech«»a, 2 Ir.; ßvem Malchau, N.,chend»rstIirahe 2,32*.; F>au F« I> I ei u«>, SO, xreSbenerft'.oste 18, Hos o Treppe" l sirau Hi lnrtch. SW., autschliie-.str. 2, Keller; Frl. Tchllchli"«, N.. Prinz llugeostr. i.» Tr.; Frau Nleele, SO, Mieniflclliv. 72, i Tr.; Frl. Vchulz, N, Briumen- Jirtifr 172, 3 Tr.: Frau Sachse, 0.. Zkoppeoftr. 87, Keller: D. Fisch er, Vorsitzender, N., Pantbraße 21, e Tr.: lk. Ser la ch, Kasflrer, ÜO.. Ma- itannen-rlfer 6, Hof pa I. Arbeiter Pud t»!»»rocrrlu. Tonnerliaa. den 7. Slovcmber, abend? 9»Ibr. in, Nostauranl Wille. Andre«str. s»; Bsrs-u»NIIi,»g. Arbelirr-01ldn"aasei»lll-. Unterrlchl Tonnerliasi: Südost schule, Walveniaiftr. i»: T-oilch. Nordschule, MÜIIerstr. I79n: OesseoUIche Sesundbeiitzpstege. Bepinn abend» 9 Uhr, Schlich lotz Nd.. Tie Schunäuinc sind»nr Benntzung de- Blbllochel und de» re-chhauitzen Zellschriflenwalerial» lchon oon 8 UDv an aeossnel. Zelr».?>»b»iirl,l»b». Z»»,-»-. Na». Dieyqen, abend»»b Nbr, bei Schröder, Wlelenstr. 89.— Neue abend« 8� Ubr, Borienli!-. ,o, bei G.esboir.— Süd-cst, bei Zolltdort. Goraucr- und Vorllyerli, atzen itele.— Klub der Freund« bei iZuadt, Puttbusirnrade 32.— S o» I a l i st i i ch« r L e i e- und T i« t u I> r l> u b, abend« 8', Uhr, lllelcherbe-rgersir. l«7, Sitzung.— August Weib, abend«« III» im Mestanram Zudeil.— Lese- und Tiöluliiilub Neimer. Sitzimg jede» Tonnerstag, abend» 8 Vi Uhr, bei Seidel, Serichidstr. 19. Arb«it«r-Na»chrrb,»>d«erlin»«nd zl»>sege»i>. Donnerstag«: K a l l e g i a, bei«öder, Naunynftr. 78.— Korea, Zorndorferstr. r? bei Hofsmann.— Mehr Licht, Wechensee, Elsaßstr. 16 bei Swaßburger.— Wahrer Jakob, Stmeonstr. 28 bei Fliek. Arbeiter- Söngrrbnnd Berlin« und Umgegend. Versitzender Ad. Neu» mann, Pasewailerstr, s. Alle Aenderungen im BereinZlalender sind zu richten an Friedrich Korlum, Manieustellir,«s, v. 2 Tr Donneraag. Abend« 9 b!S Ii Uhr: Uedung«stu»de und Ausnahme neuer Miiglieder,— iLesangv. Freund- s ch a f t I, Brunncnstr. res hei Fischer,— B o r w ä r l s II, Schönhauser Allee 2» bei Kelle,— Frühling«tust, Pülowstratze 59 hei Werner,— B r e tz e l- sch lull, Oranlenstr. Illr bei Oswald Srauer.— Torfglödletn, Teulsch-WIImeredorf, Berlinorslratze Nr.«o hei Klittgenberg,— Zaget nicht, Sieglitz, Schlohstr. sea. Zur Bors«,— B o r a r, Manieuffelstr. 9 bei Nowad.—Harmonie I, Tempelhof, Torfstr.»8 b. gierih,— Steinsetzer- S ängerchor, Kasianten-Allee 28 bei Fiebiger.— FlöIer'scherSesang- verein, Koppenstr, e? bei Wilhelm Lorenz.— Sängerchor Berliner Kürschner, Weinstr. Ii bei Feindt.— Arbiiter-Vesangverein Oranien- burger Vorstadt, Aderstr. 123 bei Marlen«.— Ost- und Weftvrenßilch er M änn er-ne>str.b2.— M o r g e n roih I, Rummeisburg. Türr- schmidtstr.ss bei Fechner.— Gesangv. Morgengrauen. Neue Friedrichstr. U bei Nollig.— Gesangv. Lora II, Ebarlollenburg, Wallstr. 102 bei MascheSti.— Gesangverein Vorwärts IX, Charlotlenburg, WilmerSdorforstr. 3»,„Vis- mordsböhe"— Arbeiler-Gesangverein Spanda» in Spandau, bei Radlte, Ncumelsterstr. 5.— Glasarbeiter, Köpenid, Rosenstr. tot bei Trappen«. - Gesangv. Feldblume, Slalitzerstr, 117 bei Breilenfeld.— Gesangverein Sängerlust, Werder a. H,, Kugelweg.— Edelweiß III, Wollinerstr. 62, Restaurant.— Männcrchor Süd-Ost, Köpenlderstr. toi bei Fvge.— ..Kummerscher Gesangveret n", Langestr. 65 bei Owezarcd.— Mäuner-Gesangverciu S ü d- W e st, Ehamtsso-Platz« bei R. Jhlosf.— tr e> h e i t« l I ä n g e III, Ludenwalde, Julerboglstraßo bei W. Hitze,— orbeer zweig. Swtnemünderstr, 85 bei Hubner,— Eintracht I, Nieder-Schönweide, Grünauerstraße bei Streiter.—„St. Urban", Na»»qn- slraße e« bei Lüite— FreiheilSgloden, Wörlherstr, SS bei Buchholz. — E l e t ch h e t t 2, Kl emme», Rest. R, Urad, Knud der aesrliigrn Arbritrrurrrin» Krrli»»»nd jlmgegrud, Alle Zuschriste» den Bund betreffend sind zu richten an: P. Gent, DreSdencrlir. 107/108, I. Eist, IV. zionnrrstag: Rauchllub V r ü d e r l i ch- lett, Püdlerstr.«o bei Schuhmacher.— Geselliger Klub der alten M o a b t t e r, Emdeiierstraße bei Schtrnier. dies»»«-.>»rn»»d grfrlligr perrinr. Aonnersterg. Gesangverein Lyra, abend« 9 Uhr im Restaurant JohanniSstr. 20.— T 11 ch« d 0 r s M ch e r Männerchor ron 8-9 Uhr Siolenstunde! von 9— II Uhr UebungSstunbe bei Brüning, Rosenthalerstr. II— 12.— Gesangverein In g en b fre nd e n, Männerchor. Abend« von 9— II Uhr bei Wernau, Mosevlhalerstratze 57.— Pfropfenveretn W« d d t n a, abend««!( Uhr Sitzung beim Reslauraleur Wolff, Gerichlslr.<«.— BergnügnngSverein Alpengrün, abend« von 9— II Uhr mit Tomen bel Voltmann, Bepffelstiaße 32.— Geselliger Berel» Frohsinn bei Seite, Swinemünderstr. 20, abend«»Uhr, Sitzung mit Domen.— Tambourverein Fr oh-Fr et. UebungSstimde Monlag« und Donner ftag« v Uhr bei Rausch, HussUenstr,».— Geselltger Verein Hertha, abeiid« g Uhr Sitzung Adalberistr. 51. Rauchklub Obziesorge, Abend« 0 Uhr, bei MüuSberg, Louisenufer st. — Rauchllub» e r n I p i tz e. Abend« g Uhr, bei A. Vöhl, RüderSdorser- straße 8,— Rauchklub Pfeife ndedel, Abend« 8 Uhr. bei geraisch, Langestr. i«.— Rauchllub Felsenfest bei$>. Sehmidt, Köpeuiderstr. m. — Stolklub Grand Schwarz, abend» von» dl» ir Uhr bei E. Stein, Ehristburgerstr.«6. Verein Gtenographe» schule, 8— li Uhr: Nnentgelilicher Unter- rlcht und Nebung«st»nde sür Schüler und Erwachsene, Rnnenstraße Nr. 0.— A r« n d«'sdier Sienographen-Verein„Apollobund", Seydelitr. 80, abend» g Uhr, Unterricht und Uebung In der ganz vereinfachten ArcndS'fchen Stenographie. Zithertluh Gleichheit, Uebungsstunden abend« 0 Uhr bei Neumann, Lolhrivgerst' abe 105.— Zitherllub H e t m a t h« 1 l ä n g e>805. Neue Hoeh- stioße<9(Wedding).— Geselliger Arbeilerverein H v sfn un y bei Giuler, Marian»e»stratze es. Alle l« Tage abend« Nhr.— Vergnügung«- und Touriftentiud Freie Brüder, abend« s Uhr bei Roll, Adalberistr. 21.— Ruderverein v or wä rl», abend« 0 Nhr in den Oranienhallen, Oranien- straße 51.— Staltlub Sanfter Heinrich b. H. Brandt, Rilchenberger- fuaßc 122.— StaiNud Süd, abend« 8K»hr, im Loini vo» Paul Müller, Gräfestr. si.— Slalllub Grand Schwarz, abend« von«—>> Uhr bei a. Stein, Ehristburgerstraße«0.— Staltlub Grün Wenzel bei Schmidt, Talldorferstr. 81. stsLerelo eloOonvorsationprangaiso se rassembi« tout los )«Ullis soir a 9 Ii. llans son local.Zum Paizcnhofer-, Leipzijerstr. 136. Vevinifchkes. Eine brasie SccmannSthat. Der 26jährige Matrose Olaf Madsen aus Beile in Jütlnnd fuhr mit einem englischen Barkichiff nach der Sudsee. I» der Nähe von Kap Horn ging das Schiff in einem Orkan»riter und mit ihm 18 Manu der Besatzung. Madse» war der einzige, der sich retten konnte. Nachdem er mehrere Stunden im Mast gesessen hatte, entdeckte er in der Stühe ein anderes Schiff, das ans der Seite lag lind an deff'en Bord sich noch Leute befanden. Es glückie ihm, ei» Boot klar zu mache»,»>lt dem er ganz allein in die Nähe dcS Schiffes ruderte imd 16 Menschen vom Untergange rettete: 13 Seeleute, die Frau des Kapiräns und zivci Kinder. Ka»i» war das 9iettungswerk vollbracht, so ging auch dieses Schiff unter mit 6 Mann, darunter der Kapitän. Madsen brach nncki seiner Hcldciilhal erschöpft zusaimnen. Heber den Vorgang wurde nach England berichtet, und als Madsen vor einigen Tagen nach Hauiburg zurückkehrte, wurde ihm im englische» See- niaiinshause durch den englischen Geueralkoiisill eine große Silbermedaille nebst Diplom, sowie eine größere Summe Geldes namens der Königin von England überreicht. Die Erdölgctvinnnng>vird im nächsten Frühjahr i» der Lüneburger Haide bei Wetze und Sleiuförde in Angriff genommen werden. Schon jetzt ähnelt die Gegend mit ihren Bohrlöchern, Thürmen nnv Lagerräunien für Toiiueii dem immer stiller werdende» Oelheim bei Peine. Nach ei»er Schätzung liegen bei den genannle» Orischasleii im Sande noch gegen hundert Millionen Zentner Oel. Die erste» Bohrnnge» nach'Erdöl wurden hierin» Jahre 1853 gemacht, aber bei etwa 100 Fuß brach der Bohr- »reißel und ma» hörte auf. Bei Steiniörde hat man ein mächtiges Sieinsalzlager entdeckt. Bei einer Tiefe von 263 Fuß fließ man aus ein Lager, welche« sich als 338 Fuß mächlia er» wies. Es ist das eines der geualtigsteu Steinsiilzlager der Erde »lld dürsre im stände sein, einst der Lüneburger Haide eine Zu, kunsl zu geben. Kälte»nd Tchiicesälle im Juneru Arabiens. Da» wasserarme und iviisienreiche Innere der arabischen Halbinsel gilt mit recht als ein heißes Gebiet. Nichlsbesloiveniger tritt anch dort initunter große Kälte, sogar scharfer Frost mit Schnee» fall ein. Der siielsende E. Rolde, welcher das Wüsieiigebiet Stesod zwischen 28 Gr.»nd 30 Gr. n. Br. im Jahre 1833 be< suci.te, fand dort so plötzliche Temperalurftürze von großer Hitze biS zu strenge»! Frost, wie er sie weder im Himalnria, noch im Kaukasus oder in Hocharmeuie» erlebt hatte. ES sind fast „»glanbliche Temperaliirsprünge, die er»lillhcilt. So zeigte das Therm omeler am 1. Februar mittags-f- 5,5 Gr. C. »nd stieg dann langsam auf 7,5 Gr. C.>»» 4 Nhr »achmitlags, dann aber setzte plötzlich große Hitze ein, io daß tiirz vor Soniiemiiitergang, um 7 Uhr abendS, die Liistwäruie 25,5 Gr. C. betrug. Noch viel rascher aber saut jetzt die Temperatur, und in der Nacht trat Frost ei», so daß gegen Morgeu—11 Gr. C. abgelesen wurden. Aehuliche Tcmperaturspriinge zeigien sich oil, fast täglich, nieist bei hefligcm. ialleni Winde, der wie oft in der Wüste plötzlich ein- trar und ebenso schnell aushörte. Am 2. Februar trat ein gewei Niger Echneesall ein, der die Wüste weil n»d breit mit einer mehrere Zoll hohen Schneedecke überzog, so daß man eher au eine ruisische Wiiiterlaiivschnst beuken kouute, als an«ine Gegend nahe dein Milielpunkte Arabiens. Die Beduine» ver- 'ickeileu liiligeus dem 9ieisendtn, daß derartige Schneesälle dort nur sehr selten seien. Die Beleidigung gegen die Tochter und Fciniilie Dörmer neknne ich hier mit zurück und erkläre dieselbe nls acht bare Familie. 118Sb Frall Stephan-Ernest-Zimmick. Die Beleidigung gegen Hrn. N.Stern köpf nehme ich zurück. 113Sb H. Hinz. Achtung k Achtung! Stuiif, I. Zähne v. 3 M. nu, Theilz. wöchentl. 1 M., wird abgeholt. Zahn- ziehen. Zahnreinigen, Nervlödten um- sonst Gucket, Lausitzer Platz 2. Elsasser- strafte 12. TrMlllft-Vttschren D. R.-P. 81 179, Wissenschaftlich durch- forschteneueste Heilmethode� privat-geilsnLtalt Limsi'ssnum Große Hamburgerstraße Ä0 (nahe dem Hacke'scheu Markt). 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Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.