Abendausgabe Nr. 74 B 37 4S.Iahrgang Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich 3.— Reichsmark, im voraus zahlbar. Unter Streifband im In- und Aus» land 5.50 Reichsmark pro Monat. *- Der.Vorwärts� mit der illustrier» ten Sonntagsbeilage»Volk und Zeit� sowie den Beilaoen„Unterhaltung und Wissen",„Aus der Filmwelt", „Stadtbeiloge".„Frauenstimme", „Der Kinderfreund"„Iugend-Dor» wörts"„Blick in die Rücherwelt", „Kulturarbeit" und„Technik" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Vevlinev Vowsblatt Montag 13. Februar 1928 10 Pfennig Sie etil p a I ti z« Nonporellkezelle 80 Pfennig. Stedanwjeite 5.— Reichs» mar?..Kleine Anzeigen" da, fetlge- druckt« Wart 28 Pfennig(.zulässig zwei fettgedruckte Worte), jede, weitere Wort 12 Pfennig. Stellengefuche da» erste Wort Ii Pfennig, fede» weiter« Wort lv Pfennig. Worte Oder Ii Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeitsmarkt Zeil« 80 Pfennig. Famillenanzeigen für Abonnenten Zeile äO Pfennig. Anzeigen» annahm« im Hauptgeschäft Linden- strafe äd Wochentag!, von 8'/, dl» 17 Uhr. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Ftlrnsprecher: Dönhoff 292—297 Telegramm-Adr.: Eozialdemokrot Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin S75S6.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellte« und Beamten Wallstr. KS. Dikkonto-Gesellschaft. Deposttenkaffe Lindenstr. S Der Reichstag vor der Auflösung. Auch die Verabschiedung des Etats ungewiß.- Schulgesetz endgültig gescheitert.- Völlige Zerfahrenheit im Bürgerblock.— Kein Ausweg mehr. Deutschlands innere Politik ist in eine kritische Woche er st er Ordnung eingetreten. Der Reichsschulausschuß der Deutschen Volkspartei hat am gestrigen Sonntag eine Ent- schließung angenommen, die das bisherige Verhalten der Reichstagsfraktion billigt. Dadurch sind die Aussichten, noch in allerletzter Stunde zu einer Einigung zu kommen, noch weiter zum Nullpunkt herabgedrückt. Ton und Inhalt der bei dieser Gelegenheit gehaltenen Reden lassen darauf schließen, daß man in der Voltspartei mit der Auflösung des Reichstags rechnet. Aus taktischen Gründen ist man dabei allerdings, im Sinne des Briefes des Reichspräsidenten, für einen Versuch eingetreten, die gegenwärtige Regierungskoalition auch über den Fall des Schulgesetzes hinaus fortzusetzen. Man war aber dabei offenbar nur von der Absicht geleitet, die S ch u l d für das A u s e i n a n d e r b r e ch e n des Bürger- b l o ck s der anderen Seite, dem Zentrum und den Deutsch- nationalen, zuzuschieben. Heute nachmittag setzt derinterfraktionelleAus- schuß der Regierungsparteien seine am Freitag unter- brochenen Beratungen weiter fort. Es scheint, daß man sich auch bei dieser Gelegenheit nur über die Frage unterhalten wird, wer jetzt die Pflicht hat, die Türe von außen zuzu- machen: die Volkspartei oder die anderen. Die Volkspartei hat die freundliche Aufforderung des Zentrums, ihre Minister zurückzuziehen, entschieden abge- lehnt. Die logische Folge davon müßte nun eigentlich sein, daß das Zentrum selbst seine Minister zurück- zieht. Das bedeutet Gesamtdemission und Fortführung der Geschäfte durch die zurückgetretenen Minister bis zu den schleunigst vorzunehmenden Neuwahlen. Eine ordnungsmäßige Verabschiedung des Reichshaus- Halts wäre dann nicht mehr möglich, man müßte sich mit einem Notetat begnügen. Von einer Erledigung des Liqui- dationsschädengesetzes und der geplanten Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft könnte erst recht keine Rede sein. Wird also der Bürgerblock auseinander- laufen, ohne feine Arbeiten auch nur äußerlich zu einem , einigermaßen ordnungsmäßigen Abschluß gebracht zu haben? Die Opposition war im staatlichen Interesse bereit, ihm dazu Zell zu lassen. Läuft er jetzt auseinander, so zeigt er damit seinen Wählern zur rechten Zeit, was er wert war. Die Opposition war bereit, mit den Neuwahlen zu warten, bis der sterbende Bürgerblock das Haus notdürftig bestellt hatte. Zeigt er sich aber selbst dazu unfähig, dann darf keinen Augenblick mehr mit dem Aufräumen gewartet werden. Die Frage kann nur noch sein, wann ausgelöst wlrd: erst nach Verabschiedung des Etats Ende März oder jetzt gleich. In der Rechtspresse werden gefährliche Pläne erörtert. Einsetzung einer Geschäftsregierung, einer B e- a m t e n r e g i e r u n g, die so lange zu regieren hätte, bis der Reichstag am Jahresschluß seinem natürlichen Ende ver- fällt. Auch eine Geschäftsregierung, eine Beamtenregierung kann nach der Verfassung nur regieren, wenn sie das Ver- trauen des Reichstags besitzt. Wer soll ihr das Ver- trauen geben?'Das könnte doch nur die alte Bürger» blockmehrheit sein. � Eine Geschäftsregierung wäre nichts als eine Bürger- blockregierung von etwas zweideutiger und verfassungs- mäßig höchst bedenklicher Gestalt. Sie wäre vom Reichsober- Haupt ernannt, von der Mehrheit nur aus Schwäche und Ver- legenheit geduldet. Das wäre ein gefährlicher Schritt in der Richtung zu den Verfasiungszuständen der K a i s e r z e i t. Ueberflüsstg zu sagen, daß es für die Sozialdemokratie dmm nur eine Aufgabe gäbe: die Geschäftsregierung zu stürzen, Neuwahlen und eine echt parlamentarische Regierung zu erzwingen. Alle Landtagswahlen haben gezeigt, daß das Volk diesen Reichstag nicht mehr will. Die alte Reichstagsmehrhäit, hinter der keine Dolksmehrheit mehr steht, zeigt sich unfähig, auch nur die einfachsten Ausgaben zu lösen. Da gibt es nur eine Parole, die dem Geist der Verfassung entspricht, und die heißt: Weg damit! Die Volkspartei macht mobil. Oer Neichsfchulausschuß für die NeichStagsfraktion. Der Reichsschulausschuß der Volksporte! hielt gestern im Preußi- scheu Londtog ein« Tagung ob. Reichstogsabgeordneter Runkel erklärte, dag die Haltung der Deutschen VoUspartei von drei fach- lichen Gesichtspunkten bestimmt wurde: Ablehnung einer Verweltlichung des Volksschulwesens, Wlehnung einer Ver- tirchlichung des Volksschulwesens, und endlich Sicherung der Schulhoheit des Staates. Der Entwurf hatte zu Be- denken dieser Art reichlich Anlaß.gegeben. Der Redner betonte, daß bei einer Schlußabstimmung auch die Deutsche Volkspartei die jetzt vorliegende Fassung des Entwurfs ablehnen müßte, da eine Reihe berechtigter liberaler Forderungen noch nicht berücksichtigt sei. Die Deutsche Dolkspartei habe darum für die zweite Lesung nach Forde- rungen zu erheben, von deren Berücksichtigung oder Ablehming ihre endgültige.Stellungnahme bestimmt werde. Ausgeschlossen sei. über die jetzige Fassung hinaus auf kosten ihrer liberalen Grundsähe weitere Konzessionen an Zentrum und Deutschnationale zu machen. An diesen, so erNärt er, dürfte es sein, mit Zugeständnissen an die Deutsche Volkspartei heranzutreten. Graduelle Unterschiede seien durch ein Kompromiß auszugleichen, nicht aber grundsätzliche, auch nicht durch Rücksicht auf Koalitians- und Regierungskrise, ohne daß eine Partei sich selbst aufgäbe. Das sei bestimmend für die Haltung der Deutschen Volkspartei. Als erster Diskussionsredner nahm der Vorsitzende der Reichs- lagsfraktion, Abgeordneter Dr. S ch 0 l z, das Wort, um festzustellen, daß die Fraktion mit Dr. Runkel in allen Punkten vollkommen einig sei. Er überbrachte die Grüße des Parteiführers Dr. S t r e s e m a n n. Bei dem Schulgesetz, so führte er dann ans, handle es sich fehl um dir Frage der KoaiMoa und unier Umständen um die Frage der Reichslagsauslösung. Der Redner lehnt in diesem Zusammenhang unter Hinweis auf die Ausführungen der„Germania" grundsätzlich Belehrungen von anderen Parteien darüber ab, wie sich die voltsparteilichen Führer, die Partei und' die Fraktion zu den politischen Fragen einzustellen hätten. Nie und nimmer könne man behaupten, daß etwa der Kampf der Volkspartei für die Simultanschul« den Richtlinien irgend- wie widerstreite. Die Richtlinien können auf keinen Fall so aus- gelegt werden, daß die Partei bei ihrer bisherigen Tätigkeit sie auch nur irgendwie verletzt habe und daraus die Konsequenz der Zurückziehung ihrer Minister ziehen müßte. Der Brief des Reichspräsidenten könne nach seinem ganzen Wortlaut nur so aufgefaßt werden, daß zwar zunächst versucht werden müsse, über das Schulgesetz eine Einigung zustande zu bringen, daß aber auch für den Fall des Scheiterns dieses Gesetzes der Reichspräsident das Zusammenbleiben der Koalition befürworte. Deshalb habe sich die Fraktion auf diesen von staaispolitischen Interessen diktierten Standpunkt gestellt. Eine lange Reihe von Rednern, unter ihnen der preußische Londtagsabgeordnete v. Campe, sprachen ihr Einoerständnis mit den Vorrednern aus. Dann nahm man einstimmig folgende Reso- lution an: Der Reichsschulausschuß billigt die Hallung der Reichstags- fraklion. Er erkennt an. daß sie nach Kräften bemüht gewesen ist, ein den christlichen, nationalen und liberalen Schul- und Kultur- forderungen entsprechendes Schulgesetz zustande zu bringen. Er spricht ihr und insbesondere ihren Vertretern im vildungsausschuh den Dank für ihre Tätigkeil aus und erwartet, daß sie in ihrer weiteren Mitarbeit wie bisher für die großen Schul- und Kulturideale der Deutschen Volkspartei eintreten wird. Zu dieser Tagung schreibt die„Kölnische Voltszcitung": „Die Ausführungen Runkels kann man ruhig als den Grab- gesang für das Reichsschulgesetz betrachten. Es dürste wenig Wert haben, noch weiter mit den Vertretern einer Geistes- richtung zu verhandeln, denen sogar die jetzige Fassung des Gesetzes nicht genügt." Aussperrung der 800000! Gesamtaussperrung in der Metallindustrie am 22. Februar. Wie die Unternehmer mitteilen, hat der Gesamt- verband deutscher Metallindustrieller beschlossen, zur Unterstützung der bereits seit vier Wochen im Ab- wehrkampfe befindlichen mitteldeutschen Metall- industrie die Gcsamtaussperrung in der deutschen Metallindustrie ab 2 2. Februar vorzunehmen. Von dieser Maßnahme wer- den insgesamt 760 000 Arbeiter betroffen, so daß von diesem Zeitpunkt ab einschließlich der in Mittel- dcutschland ausgesperrten Metallarbeiter 800 000 Arbeiter ausgesperrt sein würden. (Streiklage in Mitteldeutschland. Oer Kampf in der fünffen Woche. H a l r e a. d. S.. 18. Februar. tEigenberkcht.) Vier Wochen lang haben die streikenden Metall- arbeiter die Versuche der Unternehmer, ihre Reihen zu zermürben, mit großer Entschlossenheit zurückgewiesen. Am Ende der vorigen Woche erhielt wieder ein Teil von ihnen eine schriftliche Eiuladung. am Montag zur Arbeit zu erscheinen. Vereinzelt wurde diese Arbeit verschämt als Notstandsarbeit bezeichnet, aber alle Mühe der Metallindustriellen ist vergeblich. Soweit die Berichte der heute morgen aufgestellten Streikposten einliefen, ist auch in der fünften Woche keine Abbröckeluug der Streikfront zu ver- zeich»«». Di« Ergebnislostgkett de« Verhandlungen der worigen Woche hat-- das läßt sich heute schon behaupten— eher aufrüttelnd als miederdrückend gewirkt. Tie große Mehrzahl der Kämpfenden steht trotz der beispiellosen Hetze der KPD. und ihrer Presse unerschütterlich hiuter der Zentralstreikleitung. Sie er- kennt, daß es der größte Fehler wäre, vom Geschrei der grundsätzlich O Positionellen nervös zu werden. Der Kampf wird mustergültig zu Ende geführt wer- den, wie er begonnen worden ist. Gewiß kann sich die Erbitterung, veranlaßt durch das starrköpfig ab- lehnende Verhalten der Unternehmer, steigern, aber sie wird nur eine weitere Ursache sein, entschlossenans- zuhalten. Die Drohung der Scharfmacher. Di« Unternehmer liefern zu ihrer Androhung eine Begründung, die eineK ampfansage gegen jede Lohnforderung der Arbeiter überhaupt ist: "Der Zustand, daß jeder Tartfablauf die Gewerkschaften zu einer Lohnforderung veranlasse, ist volkswirtschaftlich untragbar, da er zu dauernder Beunruhigung der Wirtschast und. falls den Forderungen immer wieder nachgegeben wird, durch die aufeinanderfolgenden Lohn- und Preiserhöhungen auf die Dauer zu einer Schraube ohne Ende und damit zu einer vollkommenen Unterbindung der Weit- bewerbsfähigkeit der deutschen Industrie auf dem Weltmarkt führen nmß. Daraus ergibt sich, daß die Auseinandersetzung in Mittel- deutschlond richtunggebend für die Lohnpolitik der deutschen Industrie werden muß." Das ist also die Absicht: di» Scharfmacher wollen«ineu Haupt- schlag gegen die Arbeiterschaft führen! ©er Tod in der Grube. poincare in Giraßburg. Vrandrede gegen Autonomie. Slraßburg, 13. Februar. UXinisterprösident Poincare hielt gestern mittag aus einem »an den elsässischen Bürgermeistern veranstalteten Bankett eine Rede, rn der er auf die Autonomistenbewegung zu sprechen kam und erklärte, wenn bei der nächsten Schwurgerichtsperiode die traurigen Gesellen, die unter Anklage stechen, und von denen ein Teil so vorsichtig gewesen ist, über die Grenz« zu gehen, sich verantworten müssen, werde das Elsaß erstaunt sein über die Infamie, die in ihr enthüllt merden wird. Das Elsaß werde dann nicht mehr zulassen, daß unter dem Borwand, die weitest- gehende Freiheit zu fordern, verdächtige Agenten Zeitungen ver- breiten, die aus ausländischen Quellen gespei st wür- den, und die mit ausländischen Organisationen Fühlung hätten und unter dem Deckmantel der Autonomie dcs Elsaß eine neue Amputation Frankreichs vorbereiten. Das Elsaß werde dann nicht mehr dulden, daß eine Handvoll Individuen mit dem Janus- köpf die Freiheit und Tollheit besäßen, sogar Helfershelfer in der Bretagne, in Flandern und in Korsika zu suchen, als ob die durch die Jahrhunderte sestgesüzte Einheit Frankreichs nicht gegen so absurd« Versuche spräche und als ob die verschiede- nen unbehindert gebrauchten Sprachen in mehreren französischen, und zwar den patriotischsten Provinzen das Symptom illr die Zerstückelimg der nationalen Unverletzlichkeit wären. Poincarä sprach weiter von den Belgiern, Schweizern und Kana- diern, die bei ihrer französischen Sprackz« doch Belgier, Schweizer und Kanadier blieben. Das Elsaß habe sich schon wiederholt über sein Schicksal aus- gesprochen. Das französisch« Lolt sei nach 1871, aus Furcht, den Frieden zu stören, streng auf die geringsten seiner Handlungen, Gesten und Worte bedacht gewesen und habe, um einen Konflikt zu vermeiden, alles getan, was nur mit der Würde Frankreichs vereinbor war. Der Redner bestritt, daß Frankreich auch nur«inen Revanchegedanten habe aufkommen lasten, und schob die Schuld für den Kriegsausbruch den Gegnern zu. Poinearö fuhr nach einem Hinweis auf seinen Einzug in Straß- bürg mit Clömenceau zusammen fort:„Elsaß und Lothringen haben Männer gewählt, die in der Politik die verschiedenen Ansichten ver- treten können, die aber von der gleichen Liebe für Frankreich be- scelt sind. Ist das nicht ein sortgesetztes Plebiszit?"— Unter Hinweis auf die kommenden Wahlen, in denen die Wähler des Eisaß wiederum ihren Willen kundgeben würden, schloß die Rede wie folgt: Bei der nächsten Wahl weri>en diejenigen, die eure Stimmm bekämen, euch fragen:„Seid ihr Franzosen, rückhaltslos Franzosen, bedingungslos Franzosen, ohne Hinterhalt Franzosen?" Diejenigen, die nicht klar antworten werden, die den Mut haben-sollten, sich hinter Wenn und Aber zu verschanzen, sie werden, davon bin ich überzeugt, vom Elsaß schroff abgelehnt werden. Kommunistisch-chauvinistische Prügelei. Bei den Kundgebungen gegen Poincart wurden der Depu- t i e r t e H u e b e r, der auf dem Dahnhofsplatz„Nieder mit Poincarä!" rief und seine Freunde, die Poinearä auspfiffen, von der Meng« mißhandelt und mußten von der Polizei bis zum Gewerkschaftshaus begleitet werden. Als ein- Musikabteilung vorbeizog, wurde sie von der Menge angel)alten und gezwungen, die Morseillais« und„Ihr sollt Elsaß-Lothringen nicht haben" zu spielen. Oer herrschaftliche Trotzki. Moskau, 13. Februar.(Sowjctagenwr.) In F r u n s e an der Kirgisen-Steppe(vormals Pischpck) ist Trotzki mit' Familie im Sonders chla f w a g e n«ingetroften Das Publikum hat über die große Menge Gepäck und den Herr- schaftlichen Komfort gestaunt, mit dem der aus Moskau verschickte Trotzt! reiste. Orei schwere Bergwerkskatastrophen London, 13. Februar. In einer Grube bei Whithaven(Nordengland) in der Grafschaft Cumberland sind durch eine Explosion 13 Mitglieder einer Tachverständigenkom- Mission unter sonderbaren Umstanden verschüttet wor- den. In der fraglichen Grube hat sich vor zwei Mo- n a t e n eine Explosion ereignet, wodurch vier Ar- beiter getötet wurden. Tie Grube war seither ge- schlössen. Die Sachverständigenkommission sollte nun eine Untersuchung' anstellen und darüber entscheiden, ob die Grube wieder geöffnet werden soll. Als sie in die Grube hinabstieg, ereigneten sich aus unaufgeklärter Ursache vier aufeinanderfolgende Explo- s i o n e n. Es war unmöglich, die Verschüttete« zu retten. Sie gelten als verloren. Alle sind Familien» Väter. -i- Ueber dos furchtbare Unglück werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Die vor wenigen Wochen außer Betrieb gesetzt« Grube „H a i g" sollte in den nächsten Tagen wieder befahren werden. Aus diesem Grunde stieg eine staatliche Jnspektionskommission aus S Ingenieuren und S Obersteigern am Sonntag in die Grube hinab. Kaum war die erst« Gruppe einige hundert Meter in den Haupt- stallen vorgedrungen, als eine Explosion mit ungeheurer Wucht er-. folgte. Der Stollen wurde vollständig vevschullel. Alle Mitglieder der Jnspektionskommission wurden getötet. Die Regierung hat nach diesem Vorfall die Grube„Haig" endgültig geschlossen. Die Kommission war bei ihrem Besichtigungsrundgang in einen Schacht gekommen, der mit Gas angefüllt war, das sich ent- zündete und eine Explosion he: vorrief. Die Mitglieder der kam- Mission wurden dadurch im Schacht eingeschlossen. Die sofort ein- geleiteten Rettungsarbeiten mußten später wegen des ausströmenden Agrarpreise und Arbeiieriniereffe. Die britische Arbeiterpartei gegen verteuernden Zwischen- Handel. London, 13. Februar. Auf einer arbeiterparteilichen Bezirkskonfcrenz in Gloucefter setzte sich Ransay Macdonald für den Ausbau der Landwirt- schaflepolitik der Partei ein. Die Arbeiterpartei sei bereit, mit den Landwirten für Stabilisierung der Tarife zusammen zu arbeiten. Aber die Landwirte müßten weit größeren Anteil an der Zusammenarbeit nehmen als bisher. Im anderen Falle würde jede von der Regierung ausgehende Hilfe für die Landwirtschaft in den Taschen der Mittelsmänner verschwinden. Die Preis frage sei von grundlegender Bedeutung. Wenn die Mittelsleute in der Lage seien, die Preise der landwirtschaftlichen Produkte in die Höh« zu treiben, dann sei es Pflicht der Arbeiterpartei und der Landwirte. diesen Dingen nachzugehen. Das Ziel müsse sein, für die Landwirt- schast gesunde, ober stetige Preise zu schaffen, deren Schwankungen sich in ganz kleinem Rahmen hielten. Auch ein Raiionaldeutscher. Oer Oeutschnationale, der die DReichSfarben nicht kennt. Halle a. d. S., 13. Februar.(Eigenbericht.) Rationale Gesinnung und politischer Takt sind bekanntlich aus- schließliche Vorrechte der Herren von rechts? namentlich gegenüber dem Ausland spielen sich diese Herren als die einzig wahren Hüter der Würde des Deutschen Reiches auf. So auch der in Halle wohl- — Zu England, Kanada und Rußland. Gases ausgesetzt werden. Bald mußte die Hoffnung, dig 13 Menschen zu retten, aufgegeben werden. Grubenbrand in Kanada. 39 Todesopfer! Northbay(cntario), 13. Februnr. Ein schweres Unglück ereignet sich gestern in dem großen Goldbergwerk Hollinger, einem der größten der Welt. Es brach ein Grubenbrand aus, bei dem zehn Arbeiter ums Leben kamen. Bis Mitternacht waren aus dem von einem Brande heimgesuchten Stollen des Hollinger Bergwerks 30 Leichen geborgen worden. Tie Zahl der Toten beträgt im ganze» 3 0. Oynamitexplosion im Oonez-Gebiei. 12 Arbeiter tot. Moskau. 13. Februar. Auf einer der Gruben der Rutschenkowbergwerke in Stalino im Donezbecken, wo die deutsche Firma Thyssen arbeitet, ereignete sich eine Explosion, als ein deutscher Steiger im Bureau trotz der Warnungen seines Ehefs eine Kiste Dynamit mit Hilfe eines eisernen Hammers zu öffnen suchte. Z wo l f Mann wurden getötet, darunter Chefingenieur S i e v e r s. der Steiger, ein deutscher Arbeiter und neun russische Arbeiter. Slcht Arbeiter, darunter ein deutscher, wurden verletzt. bekannte deutschnationale Stadtverortmeie und Bankier Dr. Leh» mann, der zugleich schwedischer Konsul ist. Am 80. Geburtstage Hindenburgs zeigt« Dr. Lehmann zwei Flaggen, die schwedische Nationalflagge und die schwarzweihrote Fahne der ehemaligen deutschen Monarchie. Diese politische Taktlosigkeit oeran- laßt« den Regieruungspräsidenten in Mersebung, den Herrn Konsul aus sein der Verfassung widersprechendes Ber, halten schriftlich aufmerksam zu machen. Der Schritt des Regierungspräsidenten verlief ergebnislos. Darauf wurde die Angelegen- heit an die direkt zuständigen Stellen mit dem Erfolg weitergelcitet, daß die S 6) wedis che Gesandtschaft in Berlin dem Aus- wältigen Amt mitgeteilt, hat, Dr. Lehmann sei angewiesen, in ollen in Frage kommenden Fällen neben der schwedischen Flagge die ver» sassungsmäßigen deutschen Reichsfarben zu zeigen. Der Krnsul Dr. Lehmann, der Wann deutschnationaler Ge- sinnung, muß also erst von dem Vertreter einer auswärtigen Macht belehrt werden, wie er sich als deutscher Staatsangehöriger zu benehmen hat. Das deutsche Boll kann auf diese Art von konsu» larischer Tätigkeit eines Staatsbürgers stolz sein. Danisches Parteijubiläum. Kopenhagen, 13. Februar.(Eigenbericht.) Die dänische Sozialdemokratie feierte am Sonntag ihr SOjahriges Jubiläum. Sie konnte an diesem Tage eine Gesamtmitgliedschaft von ISO«» feststellen, doppelt so viel als 1918. Bei der letzten Paria. mcntswahl tonnte die dänische Sozialdemokratie 37 Prozent aller Stimmen auf sich vereinigen. Sie hofft, bei der nächsten Volks- abstimmung diesen Prozentsatz wesentlich zu erhöhen. Eine Giräflingsrevue. Zu den zwei Berliner Bühnen, die sich in dieser Spielzeit mit dem gefeierten englischen Erzähler und Dramatiker John G a l s- w or t h y verspekuliert haben, ist am Sonnabend«ine dritte ge- kommen. Das, Theater in der Königgrätzer Straße" wird die hätzliche Erfahrung machen, daß die Szenenfolge„Flucht" ebensowenig die Schlagkraft der„Gesellschaft" erreicht wie die Schau- spiele„Sensation" und„Justiz", die vor wenigen Monaten ganz oder halb durchgefallen sind. Galsworthy ist«in Menschenfreund. Er setzt sich für Entrechtete und ander« Gequälte ein, die sich im Präzisionsmechonismus der Justiz versangen oder sonstwie unter die Räder der hochgezüchteten Zivilisation kommen. Cr plädiert mit warmem Herzen für ein bißchen menschliches Verstehen und wendet sich gegen die herzlose Korrektheit in der Anwendung der Gesetze. Das ist ein edle» Bemühen und wieder sehr aktuell in diesen Tagen des Priinonerprozesses, in dem ein zahlreiches Aufgebot sehr ge- bildeter Herreu und Damen an der Aufklärung eines tragischen Vor- falles arbeitet mit dem Ergebnis, daß die seelischen Hintergründe verschwimmen und die Zusammenhänge abhanden kommen. In der„Flucht" ist ein ehrenwerter Hauptmann, Denant, ohne eigentlich« Schuld in die Gcrechtigkeitsmaschineri? geroten. Im Schutz des rühmlich bekannten englischen Nebeis entflieht er dem Zuchrhau». Die Jagd auf einen Menschen, den unstillbarer gretheits- dürft vorwärtstreibt, schildert Galsworthy in acht Bildern. Da Denant ohne Mittel ist und die Sträflingstracht trägt, ist er aus die Großzügigk-it des Menschen angewiesen, die er aus seinem Leidens- weg« trifft. Das meist« Verständnis für feine verzweifelte Lage bringen Frauen auf. Eine schenkt ihm Mantel und Hut, so daß er wenigstens de verräterische Kleidung verdecken kann, ein« ander« versieht ihn mit Wegzehrung, ein« dritte verbirgt ihn vor dem ver- folgenden Büttel. Hauptmann Denant erweist sich dabei stels als untadeliger Kavalier. In der Korrektheit feiner Gesinnung geht er sogar weiter, als zum Gelingen der Flucht dienlich wäre. Eine der Damen überläßt ihm Anglerwerkzeug. Auf keiner Station der«nt- fagungsreichen Flucht stiehlt er einen Anzug, noch trennt er sich von der Angelrute, ein Derhatten, das an Dummheit grenzt, da diese Angelrute«in Erkennungszeichen darstellt. Die Männer haben für den armen Gehetzten im allgemeinen weniger menschliches Verstehen übrig. Ihr Pflichtbewußtsein führt sie in schlimm« Gewissens- konflikte. Ein Priester lügt ihn aus einer heiklen Situation heraus. Mit einer solchen Schuld will ihn aber der Verfolgt« nicht beladen wissen. Er liefert sich selbst aus. Man sieht, der hachedle Hauptmann Denant ist geradeswegs au« dem Papier eines Backfisehbuches aus die Bretter gestiegen. Galsworthy will, daß wir die Angst des gejagten menschlichen Wildes miterleben, indem«r die Schilderung mit humoristischem Beiwerk durchsetzt. Das ist dos Schlimmste. In de« Inszenierung Viktor Barnowskys.der seine Schau- spieler nach berühmten Mustern verschiedene Rollen agieren läßt, wird auf die Herausarbeitung der komischen Stellen das Haupt- gewicht gelegt. Jedes der einzelnen Bilder erhält seinen Abschluß durch einen Funkspruch, der die Oesscntlichleit über den gegen- wärtigen Stand der Sträflmgsoerfvlgung unterrichtet. Dabei blamiert sich die Polizei, und das Publikum lacht. Ein billiges Mätzchen. Ernst Deutsch gibt den fliehenden Sträfling als wundes Nervenbündel und rührt damit einen Teil der Zuschauer. Julius Falken st ein, Kurt D o i s und Franz Herrmann- Echaufuß sorgen für eme Erheiterung des Publikums ebenso wie Camilla Spiro. Margarete Schlegel bleibt etwas farblos in der Dar- stellung mitleidsvoller junger Mädchen. Die Dekorationen des Traugott Müller verleugnen nie ihre Herkunft aus Poppe. Ernst Degner. Steglitz. Es ist ein Ort am Rande von Berlin, Primaner tragen weiß und rote Mützen, Die Jungfernnhaft ist schwer darin zu schützen. Es gärt vor Sinnlichkeit. und Nikotin. Hier herrscht vor kurzem Zucht und deutsche Art, Der Draschkengaul will immer noch nicht welchen, Am Stammtisch weht das schwarzweißrote Zeichen, Und am Pennal regiert der Rauschebart. Hier herrscht noch Ordnung, Sitte, Disziplin, Das Hakenkreuz verziert die Toilette, Hier geht man mit dem Trauschein nur zu Bette Und denkt im schönsten Schlummer nur an„Ihn". Dann kam in jener Rocht die Polizei. Ein freches Göhr hat jetzt die Stadt blamoren, Ganz schamlos klingt sie allen in den Ohren. Herr, mach uns frei! P i e t e r Pott. Paul wegener wurde on daZ Tv'ater am Kurfiirstendamm siir die nächste Premiere.Sonnenlpeslrum' und„Tod und Tcusel' von Frank SSedekind verpflichtet. Regie: Karlheinz Ptartin. Frtdllol Jlan(en spricht Mittwoch. 7'/. Uhr. in der Prcuizischen ZIkademie der Wissenschaften über da-Z Thema:.Die iloflatilche» Bewegungen der Erd- frufle und der Oberflächen der Kontinente". EmtrillStarten beim Pjörlner der Akademie(Unter den Linden 38). 3n der Se!,llsch-st für 0sl-siallsche Sonst spricht am Dienstag. S Uhr, Prinz-Albrecht-Str. 7a. Hos. Generaikonstil Schirmer(Tiingtaut. Tbema: „Aus den Spuren Marko Polos zur Urlprungsställe des seladon-Porzellan." Vorlesung. Am Dienstag um'IJi Ubr liest P. T. T p n d a I l vom Deutschen Voiksthealer in Wien lein Drama„Julius Eäsar Banini" im großen Saal Am Friedrichshain 29. ver Znlernationale Autoren-K oagreh findet in der Zeit vom 15. big 25. April 1928 in Berlin in den Räumen de» Herrenhauses statt. „Der Eorregidor." Städtische Oper. Schauplatz: Gegend in Andalusien. Zeit: 1804— schreibt das Textbuch: eine Novelle des Alarcon liegt ihm, der Novelle liegt eine spanische Volkserzählung zugrunde. Die Obrigkeit wird oerhöhnt, ihr unwürdigster Repräsentant, eben der Corregidor, ist Held eines höchst unrühmlichen Abenteuers: lacherlich als Ehemann, doppelt lächerlich als verhinderter Verführer, der lrotz Amtsmißbrauch und behördlicher Unterstützung nicht ans heimlich-außerehelich« Ziel, aber in die peinlichste Loge kommt. Indes er bei der Müllerin Fras- quita kein Glück und viel Malheur hat, hat, in seinen Kleidern, seine Schlüssel in der Tasche, Frasquitas Mann, der Müellr Lukas, sich ins Haus des Corregidors, geradewegs in sein Bett geschlichen. Die Sache ist lustig, wenn auch ein bißchen dünn für vier Akte: und durch den Operntext, zu dem Rosa M a y r e d« r sie verarbeitet hat, scheint sie eher verdünnt als verdichtet. Vom ausrührerisch-kräftigen Ton der Volkserzählung ist nicht viel mehr zu spüren: ober eine Reihe charaktervoller, oolistümlich-amüsanter,� theaterlebenssähiger Figuren sind für die Bühne gerettet. Und das Spanisch-Volkstüm- liche klingt stark und naturhast in dem Grundton der Musik wider, zu der Hugo Wolf durch den Texl inspiriert worden ist. Das Spanisch« wor von je sein« Spezialität gewesen, von den Liedern, die in verschwenderischer Fülle in dieser Oper verstreut sind, kennt man viele aus seinem„Spanischen Liederbuch". Hugo Wolf, der Liederkomponist, hat seinen musitgeschichtlicben Platz: er hat das Resormwcrk Wagners— die Einheit von Dichtung und Musik als höchste Forderung— im Bezirk des Liedes fortgesetzt und vollendet. Das also war ein Schritt vorwärts, über Wagner hinaus. In der Oper— in dieser ersten und letzten Oper, die wir von ihm haben-» blieb er im Wagnerischen besangen: im Meistersingerstil, und ein wenig im Orchesterpathos der Nibelungen. Aber nichts wäre darum verkehrter, als diesen„Corregidor" als Epigonenwerk, als Neben- werk des Lyrikers Wolf abtun zu wollen. In der musikalischen Ein- gebung ist er immer ein Eigener, und eine Szene in dieser Oper, der große Monolog des Lukas, dos dramatische Hauptstück, ist ein Stück von unzweiselhaftestcr. großer Dramatik. Und in der Art, wie dos ßyrisch-Liedhaste sich dramatisch fortspinnt und auswirkt, kündigt sich etwas wie ein neuer Stil der lyrischen Komödie an, die Hugo Wolf uns, leider, schuldig bleiben muhte. Der„Corregidor" ist, als er neu war, vor einem Wenlchenalter etwa, von vielen großen Opernbühnen gespielt worden, doch von den meisten bald wieder verschwunden. Wir müssen der Städtischen Oper aufrichtig donkbor sein für diese Erneuerung— die in de? Tot, als dramaturgische Bearbeitung und behutsame Uminstrumen- tierung, da wo es not tot, eine wohrhalt glückliche Erneuerung des Werkes geworden ist: dies in einer Aufführung, von der kaum mehr zu sagen ist. als daß sie den Eindruck absoluter Vollkommenheit hinterläßt. Dank dem idealen Zusammenwirken Bruno Walters, des musikalischen, und Karl �>cinz Martins, des szenischen Leiters. zu denen als Dritier der Scbövler der wahrhaft schönen Bühnen- bilder kommt, der Maler Ernst Stern. Und dank einer schlechthin idealen Besetzung aller Rollen. Ein Opernabend, wie wir ihn lang« nicht erlebt. Klaus Pringsheim, Oer bayerische Giaat hat Zeit. Neue Verschleppung des Prozesses der Witwe Eisner. München, 13. Februar.(Eigenbericht.) Der Prozeß, den die Witwe E i s n e r s im Armenrechl gegen den bayerischen Staat um Zahlung einer Rente führt, sollte heule vor dem Landgericht München I beginnen. Bei der Eröffnung der Verhandlung teilte der Gerichtsvorsitzende mit, daß der beklagte bayerische Staat noch keinen Anwalt benannt habe, was eine Aussetzung und Vertagung des Prozesses um etwa drei Wochen notwendig mache. Der genaue Termin des Prozesies ist noch nicht festgesetzt. Hugenbergs unerreichbares Vorbild. Oer englische ZeiwngSkönig. Paris, 13. Februar.(Eigenbericht.) Än der Pariser Ausgabe der„Daily Mail" kündigt Lord Rothermeredie Gründung eines neuen großen Aeitungstonzerns an, der vorläufig mit drei, später mit fünf Millionen Pfund Kapital arbeiten soll. Eine große Reihe Provinzblätter in Manchester, Dir- mingham, Glasgow, Edinburg, Liverpool usw. sollen angeschlossen werden. Für den Kauf von neuen Zeitungen werden vor- läusig nicht weniger als 1,5 Millionen Pfund ausgeworfen. Begegnung Siresemann-Titulescu. An der jRtoiera. Paris, 13. Februar.(Eigenbericht.) Wie der„Petit Parisien" berichtet, reist der rumänische Außen- minister T i t u l e s c u am nächsten Mittwoch nach San R e m o ab, wo er einige Tag« zur Erholung bleiben will. Bei dieser Gelegen- heit soll dann die angekündigte Aussprache mit Stresemann stattfinden. Schiedsvertrag Berlin-Washington. Amerikanische Initiative.- Deutschland ist bereit. Der Abschluß eines deutsch-nordamerikanischen Schiedsvertrages ist von Amerika vorgeschlagen worden, Deutschland ist grundsätzlich dazu bereit: Verhandlungen der Juristen über die Einzelheiten haben noch gar nicht begonnen. Hoover präsidentfchastskandidai. Washington, 13. Februar. Ter Staatssekretär für das Handelsdepartcment Hoover hat seine Kandidatur für den Präsidenten- Posten bei der Republikanischen Partei offiziell an» gemeldet. Die erste Erklärung Doooers besagt, er werde fortfahreen, die Grundsätze der Republikanischen Partei zu beobachten und die großen Ziele der Politik des Präsidenten E o o l i d g e zu verfolgen, choover erklärt« außerdem, er beabsichtige, für den Augenblick seinen Posten als Leiter des Handelsdepartements beizubehalten. Der Hcrarsg?ber de?.Deutschen Rundschau", Dr. Pechel, der kürzlich seine gegen Ministerialdirektor Dr. Spiccker erhobenen Beleidigungen vor Gericht zurückzog, legt Wert aus die Feststellung, daß er, entgegen unserem Bericht, nicht der Deutschnatio- nalen Partei angehört.— Es sclzeint da wer von wem abzu- rücken, man weiß nur nicht ganz genau wer und von wem. „Oer gespaltene Mensch." Erstaufsühruug der Volksbühne. Der Sprech- und Bewegungschor der Volksbühne, der in dieser Matinee zum ersten Male in großem Ausmaße in Berlin in Aktion trat, ist Träger einer ganz neuen Kunst. Denn die beiden bekannten Elemente, der Sprechchor wie der Bewegungschor, sind hier zu einer völligen Einheit zusammengeschmolzen. Sprache und Bewegung gehen in einem Rhythmus, ergänzen sich: eins gleitet in das andere über. Dem Zuschauer wird es nicht mehr bewußt, wann das eine, wann das andere vorherrscht, lind dieses völlige Zusammengehen zweier verschiedener Kunstmittel scheint so natürlich, daß man es kaum als etwas Besonderes, etwas Neues empfindet. Damit aber Hot der Sprechchor seine Feuerprobe bestanden. Das Publikum jubelte einer Kunst zu. die in schönster Lösung vollendeten Ausdruck gefunden hat sür Massenempfindungen, Massengefühle, Massenerlconis. Bruno Schönlanks Sprechchorwert„Der gespaltene Mensch" ist aus sicherer Erkenntnis der Sprechchorkunst aufgebaut. Massen können keine Sätze sprechen: sie müssen einzelne Worte häm- mern, Worte, deren Sinn wieder auf das schärfste, klarste ersaßt fein muß. Schönlank läjzt sie Sätze, Silben aneinanderreihen, wiederholen, er schafft daraus Massendialoge, dramatische Steigerungen von un- erhörter Kraft. Auch einzelne Sprecher bleiben in diesem Stil, wenn er auch hier gelegentlich etwas mehr gerundet« Weichheit, etwas Persönliche» bekommt, weil er eben stärker ein Individuum betont. Aber Träger der Handlung— und hierin unterscheidet sich der be- wegte vom unbewegten Sprechchor— ist i n W a b r H e i t die Masse. Sie zeigt und betont durch die Bewegung Gegensätze, tritt aus dem Dunkel des Hintergrundes, in dos sie sonst oerbannt mar, hervor. Der bewegte Sprechchor ist der erste wirklich gelungene Ausdruck einer dramatischen Kollektivkunst. K o r l V o g t, der die sprachliche Regie, und BeraSkoronel und Berthe Trünüpy, die die Bewegungsregie führten, haben aus das erfreulichste Hand in Hand gearbeitet. Das Gegeneinander und Zueinander der Massen, für dos di� Bewegungsregic stärksten dramatischen und künstlerischen Ausdruck fand, wurde von Sprechton und Sprochführung packend untermalt. Der Laienchor der Volks- bübne, unterstützt von der Tanzgruppe Skoronel-Trümpy, zeigte, daß diese Mossenkunst gerade von Laien, die hier sich selbst, iyr eigenes Erleben gestalten können, auf das eindringlichste nachgefühlt und nach- geformt werden kann. Der Dichtung Schönlanks gingen noch einige andere Darbietungen voran, einzelne Gedichte, vom bewegten Sprechchor gestallet. Hier zeigt« sich, daß strengste, klarste Bewegungsdurchführung für den Ehor ebenso notwendig ist wie Verzicht auf dos Nachformen von Sätzen. Diese müsien stets von Einzelsprechern gebracht werden. Die Matinee war ein glänzender Erfolg für olle Mitwirkenden. Ilse Scheder und W o l f g a n g Z e l l e r, die die musikalische Leitung hatten, sollen nicht ungenannt bleiben. __ Truhe E. Schulz. vo» Moskauer hebräische Söustterthealer habimo piit im Tbeater am Kursürstindamm vor seiner Abreise nach Palästina S Feftoorstellungen, und zwar a« Freitag. Sonnabend und Sonntag. Zur Aufführung gelangen: Galt«, Dhbut und Jakob» Trau» Deussch-polnifche Arbeiterpolitik. GememsamerWahlaufms.� Emstehen für gerechte Behandlung der Minderheiten Warschau, 13. Februar.(Eigenbericht.) Die zentralen Sozialdemokraten der Gebiete von Lodz, Qstoberschlesien und die Polnische Sozialistische Partei haben einen gemeinsamen Wahlaufruf erlassen, in dem gesagt wirb, daß das gegenwärtige Wahlbündnis auch für die künftige parlamentarische Tätigkeit beibehalten wird. Die Arbeitermassen müßten zum Kampf für den Frieden, die Demokratie und den Parlamentarismus vereinigt werden. Der gemeinsame Wahlkampf ver- pflichte zur Lösung der Frage der deutschen Minderheit in Polen. Daher werden die PPS. und die TSAP. im künftigen Parlament anstreben: 1. vollkommene Gleichberechtigung der deutschen Minderheit ans sämtlichen Gebieten des Rechts und des täglichen Lebens sowie das Anrecht deutscher Arbeiter und Angestellten auf Arbeit in staatlichen Unternehmungen; 2. die gleiche Behandlung der deutschen Minderheit mit den Polen hinsichtlich der sozialen und Wirtschaftspolitik; 3. Benutzungsrecht der deutschen Sprache im Ver- waltungs- und Gerichtswesen der Gebiete mit größerer deutscher Minderheit; 4. freie Entwicklung des Kultur» und Schulwesens und der Sprache sowie Anrecht aus eine entsprechende Anzahl deutscher Schulen; 3. autonome Organisierung des nationalkulturtllen Lebens der deutschen Minderheit. pilsudskischützen als Versammlungssprenger. Warschau, 13. Februar.(Eigenbericht.) Am Sonntag wurde hier eine Wahlversammlung des katholischen nationalen Blocks von Mitgliedern der Pilfudfki-Schützenverbände gesprengt. Dabei kam es zu blutigen Schlägereien, es wurden 30 Personen verwundet. Mehrere Versammlungsteilnehmer und Anhänger der Schlltzengilde würden verhaftet. Scharfer Ton gegen Woldemaras. Außenminister Zaleski Hot am Sonntag an Woldemaras einen P r i o a t b r i e f geschickt, der durch seinen Ton auffällt. Zaleski weist zunächst den Vorwurf zurück, daß e r die Genfer Besprechungen falsch wiedergegeben habe und erklärt mit Woldemaras in Zukunft nur noch in Gegenwart von Stenographen verhandeln zu können. Der polnische Außenminister fordert Woldemaras auf, klar und eindeutig zu erklären, ob er endlich im Sinne der Genfer Vereinbarungen sofort Verhandlungen mit Polen über die Wiederherstellung normaler Beziehungen zwischen beiden Län- dcrn aufnehmen wolle oder nicht. Bauern gegen Landbündler. Schallende Ohrfeigen für die Macher der„Bauern- revolution." Breslau, 13. Februar.(Eigenbericht.) Aus dem S. schlesischen Lauernlag, der hier im übcrsülllen Schießwerdersaal gestern slaltsand, ging der Vorsitzende des Schle- fischen Bauernvereins, fierrmann, In seiner Begrüßungsansprache aus die Rokkundgebungen de» Reichslandbundes ein. Er wies den versuch, die Roilage der Landwirkschast zu einseitigen po- lllischen Zwecken auszunutzen, auf das Entschiedenste zurück. Der Reichslandbund wolle einen„Marsch nach Berlin" organisieren. Zu den Kundgebungen in den Kreisstädlen wurde, vm genug Volk aus- zubringen, den auf den Gütern beschäsligten Arbeitern Lohn und Urlaub sür diese Tage gegeben. Hermann wandte sich gegen eine solch: Sampsesweisc und gegen den Versuch, die Politik mit s o primitiven Mitteln zu beeinslusieu. hätten die Bauern ähnlich vorgehen wollen, so hätten sie schon seit Jahren in dieser weise protestieren müssen, denn es gehe ihnen schon seil langem schlecht. Gegen wen sollte sich auch der Marsch nach Berlin richten? Wolle der tandbund etwa vor das Krnährungsminifte. riu m ziehen, wo einer feiner Leute amtiert: Herr Schiele sei es ja gewesen, der die vom Londbund angefeindeten Handelsverträge mit unterzeichnet hat. Diese Abkehr vom Landbund Ist um so beachtlicher, als sie die Billigung der Vertreter von 25 000 schlesischen Bauern fand. * Die große Protestaktion des Reichslondbu ndes, die dazu bestimmt ist, die Aufmerksamkeit der Landwirte von der ograr» politischen Unfähigkeit des Rechtsblocks abzulenken, hat auch gestern, Sonntag, angedauert. Eine derartige Kundgebung fand u. a. auch in Grimma in Sachsen statt, wo angekündigt wurde, daß die deutsche Landwirtschaft oft zur„offenen Opposition" über. gehen würden, wenn die Regierung den Forderungen des Land» bundes nicht Rechnung trage. Roch deutlicher wurde der Landbund in Stade, hier verstieg sich«ine Entschließung zu der Drohung, der Landbund würde zur Erhaltung von Haus und Hof"zu den äußersten Mitteln greifen" und er mache für die Folgen die Regierungen und Parlamente verantwortlich. Der erpresserische Druck der Großlandwirtschoft auf die Reichsregiening findet bekanntlich die Billigung der Minister Schiele und Keudell. Wiederholl habe nwir betont, daß der Landbund mit seiner Protestaktion die werktätigen Landwirtschaft in ihrem überwiegneden Teil gor nicht hinter sich habe. Bestätigt wurde diese unsere Aussafsung in der Generalversammlung des Schlesischen Bouernbundes. die gestern unter großem Andrang in Breslau stattfand, und die eine ganze Reihe von For- derungen im Gegensatz zu der Landbuniagitatioii aufstellten. Mit besonderem Nachdruck folgte der Schlesische Bauernbund eine tatkräftig« Siedlungspolitit und ermahnte insbesondere die Re- gierungsstellen dazu, die Staatsautorität gegen widerspen» st ige. unfähige Siedlungsbehörden geltend zu machen. Es sind das gerode die Stellen, die dem Einfluß der Groß» agrarier unterliegen. Neben einer Zollbegünstigung für bäuer» liche Produkte verlangen die schlesischen Bauern— wieder in offenem Gegensatz zum Lcmdbund!— Zollfreiheit f ü r Futtermittel. Weiter wurde die Schaffung eines felbstän» digen Bauerntreditvertehrs und die Umgestaltung der Rentenbank- tredltanstalt auf ein rein bäuerliches Beleihungswefen als not- wendig hingestellt,— Auch hier wieder die Auflehnung gegen die Praktiken des Landbundes. Neben weitgehenden Steuercrleichte» rungen fordert schließlich die Bauernorganisotion die O f f« n» legung der Steuerlisten. Wurde sie durchgeführt, so gäbe es sicherlich bald saure Gesichter unter den Landbündlern. Die Stellungnahme des Schesischen Bauernvercins ist aso eine schallend« Ohrfeige für die Großgrundbesitzer, die zur „Bouernrevolution" aufputschen, aber für die Bauen: nichts übrig haben und deren Interessen sogar schädigen. Die Groß- agrarier haben in weiten Kreisen der schaffenden Landwirt- schast keiner! ei Kredit mehr. Die Reichsregierung hat die Pflicht, diesen Tatsachen Rechnung zu tragen. Von dem Land- bundsunktionär Schiele allerdings und von seinen deutschnationalen Freunden wird die deutsche Bauernschaft keine Hilfe zu erwarten haben. Cornelius Langhorst gestorben. Gestern, Sonntag abends 5 Uhr, starb der longjährig« Vor- sitzende der Preßtommission der«Dresdener Voltszeitung", Genosse Cornelius Langhorst, im Alte von 02 Jahren. Langhorft gehörte seit etwa zwei Jahrzehnten der Preßkommission der „Dresdener Volkszeitung" an und war seit etwa 13 Jahren deren Vorsitzender._ Die Gießencr Reichswehrsunker au» der hast entlassen. Am Sonnabend wurden die beiden letzten wegen der bekannten Funkeraffäre in Gießen noch in Untersuchungshaft befindlichen Reichswehrsunker auch in Freihelt gefetzt. Alles wegen Anastasia! Nechtsblättör unter sich. Der Kampf um die angebliche Großfürstin Anastasia alias Fräulein T s ch a i k o w sk y, alias Fräulein Tschanchowski, ist nun glücklich im Moabiter Eerichtsfaal gelandet, heute morgen war es der Chefredakteur der Scherlfchen„Nachtausgabe", Herr Schwartze, der gegen die verantwortlichen Redakteure der„Tägliche� Rundschau", Dr. Man z und Dr. Cuno, und die Verfasserin' Anastasia-Artikelserie, Frau R a t l e f f» K e i l m a n n, n Verleumdung vor dem Amtsgericht Bntin-Schöneberg In ollernächster Zeit steht übrigens noch ein zweiter Anastasia-Prozeß bevor. Frau Ratlcff-Kcilmann und ein Kriminal- beomter sollen sich wegen aknver bzw. passiver B« st e ch u n g auf Grund einer Strafanzeige der Scherlfchen„Nachtausgabe" vcrant- warten. Dem heutigen Prozeß liegt folgender Tatbestand zugrunde: Di« Scherlsche„Nachtausgabe" hatte, wie wir unseren Lesern spaßeshalber mitteillen, das Publikum mit einer Artikelserie der Frau Ratleis-Keilmann zu unterhalten versucht, in der die Jden- dität des Fräuleins Tschaikowsky mit der Großfürstin Anastasia, der Tochter des Zaren Nikolaus, haarklein nochoewiejen wurde. Aber wichrend diese Artikelserie>:och in den Provin.z- blättern lief, begann die„Nachtausgabe" mit der Veröffentlichung einer neuen Artikelserie, In der mit ebenso großer Energie der Nachweis geführt wurde, daß die Tschaikowsky nicht die Groß- sürstin Anastasia, sondern eine polnische Landarbeiten: Tschan» chowski sei. Einige Zeit darauf erschien in der„Tägliche,: Rund- schau" ein Artikel der Frau Rotlcsf-Keilmann, in dem unter ande- rem behauptet wurde, daß der Redakteur der„Nachtausgabe", Herr Lücke, gegenüber dem Herzog v. Leuchtcnberg behauptet hätte, der Scherl-Verlag Hobe vom Großherzog von Hessen 20 000 oder 25 000 M. zum Zwecke der Entlarvung der angeblichen Anastasia ei ballen. Die Scherlsche„Nachtausgabe" bebandelte darauf die „Täglich« Rundschau" nickst eben glimpflich. Sie sprach von ver» leumdcrischen Behauptung«::, journalistischer Ehrabschneiderei, von unsinnigen Lüg«-: und ähnlichem. Die„Tägliche Rundschau" erwiderte darauf, daß die Scherlsche„Rachtousgadc" doch, anstatt Redereien zu machen. Nipp und klar erklären möge, ob Dr. Lücke das von den 20 000 M. gesagt habe oder nicht. So kam die Sache schließlich vor das Gericht. In der heutigen Berhandlung versuchte der Richter«inen Der» gleich anzuregen. Die Verteidigung schien nicht dazu geneigt zu sein. Rechtsanwalt Dr. P i n d a r als Vertreter der Ratless-Keil- mairn hielt ein Plädoyer für die„Großfürstin Ana st o- s i a" und erklärte, es stehe doch fest, daß die„Nachtausgabe" sich zuerst mit aller Entschiedenheit für die Jdendiläl eingesetzt Hobe und drei Tage später gegen diese Jdendität Stellung genommen habe. Nechtsanwalt Alsberg als Vertreter des Klägers Schwartze meinte dazu, daß es ja allein daraus ankomme, ob die Behauptung von de: 2 0 000 M. richtig sei und ob Dr. Lücke die Mittellung von diesen 20 000 M. an den Herzog von Leuchtenberg gemacht habe. Nach längerem Hin und Her wurde schließlich Dr. Lücke ver» Nammen. Da erfuhr man ganz amüsante Sachen. Dr. Lücke sagte aus: Es sei durch Ermittelungen festgestellt worden, daß die Tschaikowsky nicht die Großfürstin Anastasia, sondern die Land- arbeiterin Tschanchowski sei. Der Indizienbeweis wäre lückenlos. Ilm die Tschaikowsky endgültig zu überführen, sollte sie der Frau Winninger, bei der sie als U n t e r m i e t e r i n gelobt hatte, gegen- übergestellt werden. Der Herzog von Leuchte, cherg, auf dessen Schloß die angebliche Großfürstin Anastasia Unterkunft gefunden hatte, gab schließlich sein« Einwilligung zu ihrer Gegenüber- stellung. Dr. Lücke begab sich mit dem Detektiv Knopf nach Paris. Herzog von Leuchtenbcrg machte aber Schwierigkeiten. Von Paris fuhr man nach München, von dort auf das Schloß des Herzogs von Leuchtenberg. Man wurde schließlich hineingelasien, durste auch an dem Abendessen teilnehmen, bei dem die ge- samt« Verwandtschaft des Herzogs von Leuchtenberg versammelt mar, und erhielt schließlich das Versprochen, daß am nächsten Morgen die Gegenüberstellung stattfinden würde. Die Gegenüberstellung kam aber nicht zustande. Der Herzog und die Herzogin zeigten sich äußerst feindselig. Dr. Lücke bestritt. daß er im Verlauf der Unterhaltung überhaupt ein Wort über die 20 000 M., die der Scherl-Verlag bekommen hätte, habe sallcn lassen. Rechtsanwalt Dr. Pindor hält dem Zeugen einen Brief des Rs ch t s b c i st a:: d e s des Herzogs von Leuchtemberg entgegen, in dem dieser erklärt, daß die Aoußerung der Herzogin gegenüber doch gefallen sei. Rechtsanwalt Dr. Alsberg hall dem einen Brief des Grohherzogs von Hessen entgegen, in dem dieser be- streitet, dem Scherl-Derlag für Ermittelungen Geld zur Der» fügung gestellt zu hoben. Die Parteien traten in Vergleichsnerhandlungen ein, die jedoch zu keinem Resultat führten. Die Gerichtssitzung wurde oertagt, damit die Verglcichsvsrsuche außergerichtlich sortgosetzt wer» den. Sollten sie trotzdem zu keinem Ergebnis führen, so soll ein neuer Termin anberaumt und 11 Zeugen, darunter auch die herzogliche Familie der Leuchtenberg, vernommen werden. Der Robel-Friedensprcis soll nach einem Vorschlag von 130 schwedischen Parlamentariern der Linken dem sozialistischen„Büroer- meister", d. h. Stodtgerichtspräsidentcn Karl Lindhagen- Stock- Holm zuteil werden. Eine Boykott- Schadenersatzklage. Oer Kellnerverein zur Ltmgehnng des Arbeiisnachweises. Der Berlmer Kellnervercin forderte durch Klag« beim Arbeitsgericht für zwei seiner Mitglieder Schade nersog vom Zentralverbond der Hotel-, Restaurant- und C a f e a n ge st e l l te n. Die Vertreter des Äellnerversins erhoben ein großes Lamento, dem die Behauptung zugrunde lag, der Zen- trclverband mache es durch Boykott und Terrorismus den Mit- gliedern anderer Organisationen unmöglich, Arbeitsstellen zu be- festen. Der Zentralverband habe die beiden Kläger aus ihren Stellungen verdrängt und solle deshalb Schadenersatz leisten. Die Verhandlung zeigte, daß die Darstellung des Kellnervereins eine kolossale Uebertrcibunq und«ine falsche Beurteilung der tatsächlichen Verhältnisse ist. In Wirklichkeit verhält es sich so: Der Kellnerverein segelt zwar unter Hirsch-Duncker- scher Flagge, seine hauptsächlichste Betätigung besteht ab«r darin, daß er seinen Mitgliedern unter Umgehung des städtischen Arbeitsnachweises Stellen vermittelt. Der Zentralverband dagegen hat einen Tarifver- trag mit dem Arbsitgeberoerband, welcher bestimmt, daß das Personal vom städtischen Arbeitsnachweis zu holen ist. Auch bei nicht organisierten Arbeitgebern hält der Zen- trolverbond auf chie Erfüllung dieser Bedinguno, die er nötigenfalls dadurch zu erzwingen sucht, daß er die betreffenden Betriebe für seine Mitglieder sperrt und dies in der Arbeiterpresse bekannt gibt. Das hat dann meistens die Folge, daß der gesperrte Betrieb in seinem eigenen Interesse auf die Beschäftigung von tariffei ndlichcn Kellnern verzichtet und larifkreues Personal einstellt. Auf zwei derartige Fälle beriefen sich die Kläger. Der eine betrifft die Wirtschaft von Wollcnberg auf dem Zentralvieh- Hof. Hier soll laut Tarif und Pachtvertrag mit der Stadt Berlin das Personal durch den städtischen Arbeits- Nachweis eingestellt werden. Als der Verstoß gegen diese Be- stimmung durch die Presse bekannt wurde, setzten sich zwei Stadt- verordnete, die einer für den Viehhof bestehenden Kommission an- gehären, mit Wollenberg in Verbindung und zogen auch einen Bcr- treter des Zentraloerbandes hinzu. Als dieser kam, war die An- gelegcnheit bereits im Sinne des Tarifvertrages geregelt. Die Vereinsmitgliedcr wurden ober auf Veranlassung des Ver- bondsvertreiers nicht sogleich und nicht auf einmal entlassen._ Dem Kläger, der im Betrieb« die treibende Kraft gegen den Tarif und den Zentralverband war, wird nachgesagt, daß er schon vor- mittags bei der Arbeit total betrunken war. Der zweite Kläger war bei dem Gastwirt Süring in der Lands- berger Allee beschäftigt. Wie Süring als Zeug« angab, Hatto die Anzeige der Sperr« die Wirkung, daß der Besuch seines Lokals so nachließ, daß er sich genötigt sah, dasselbe zu ver- pachten. Der Pächter erfüllt die Tarifbestimmung und steht sich gut dabei. Das Gericht wies die Klage ab mit der Begründung. im Falle Wollenberg sei es ganz klar, daß der Zentralverband in keiner Weise einen Druck zum Zweck der Entlassung des Klägers ausgeübt habe. Im zweiten Falle sei vielleicht der Gastwirt Süring, aber nicht der Kläger in unzulässiger Weise geschädigt, denn dieser habe ja die Möglichkeit, durch den städtischen Arbeits- Nachweis Arbeit zu bekommen. Oer Bergarbeiterstreik in Böhmen. Prag. 13. Februar. heule früh begann der Streik in den Aeaieren Brüx. Du;, Teplih und fc o m o I a u. Don den rund 31 090 Streikenden entfallen auf den Revier-Amtsbezirk Driix rund 21999, auf Teplitz 'iOC und auf Somoto» 3900. Di« Zahl der durch den Streik in 'kle WUleidenfchaft zezeqenen AanüLeaan gehörigen der Arbeiter auf tOSMS geschäht werden. Die llnUeguNifierken, �erhallen bei längerer Slreikdauer von großer Sedeutnng .v» runn, werden von den Bergarbeitern auf 6000 bis 7000 geschäht. Prag. 13. Februar. Der Streik aus den Gruben im Brüxer. Somolauer und Tepliher Revier ist ein vollständiger. Die Grubcnerhaliungsmannschaslen haben sich aus ollen Gruben eingefunden, nur aus den staatlich» Gruben Julius 2 und Julius 3 sind die Maurer nd Zimmerlcute nicht angefahren. Die Itolstands- arbeite» werden auf diesen Gruben von den Aussehern verrichtet. Aus der Grube Prinz Eugen stellten sich zwei Leute zu den Er- holtungearbeiten ein. Im Sladnoer. pilsener und 0 ft r a u c r Steinkohlenrevier 4 wird normal gearbeitet. Auf der Grube in handslova in der Slowakei finden noch Ver« Handlungen über die Lohnforderungen der Bergarbeiter statt. Das Revicrbergamt in stultenberg vermittelte die Verhandlungen mit 52 Angestellten der„Sleinen Grube" in hradek bei Reichenbcrg, wo feit dem S. Januar gestreikt wird. Das Zlrbeitsministsrium versucht, die Parteien wieder zu- sammcnzubringen. Seine beiden Vertreter sollen zunächst versuchen, durch getrennte Verhandlungen mit den Arbeitern und den linier- nehincrn eine Dosis zu finden, auf der die gemeinsamen Verhandlungen fortgeführt werden kömten. Es wird behauptet, daß groß« Kohlenvorrät« gesichert feien, da man feit Wochen mit dem Aus- bruch des Streits gerechnet habe. Bei öen organisierien Frifeurgehilfen. Auch hier„Oppssittsu". ZU der Iahresversanimlung des Zweigoereiiis Berlin vom Llrbcilnshmcrverband des Friseur- und Haargewerbes lzatte die „Opposition" in den, Stalin-Blatt eine„große Abrechnung" angekündigt und behauptet, im vorigen Jahre hätte es ihr nur an fünf Stimmen gefehlt, um den Zweigverein zu„erobern". In der Versammlung am Donnerstag abend wurden zunächst die Kandidaten für die Delcgicrtcnwahlen zum Verbandstag im Juni . aufoestellt und so gleich die Probe aufs Exempel gemacht. Die Kan- didaten der Amsterdamer Richtung wurden mit 71 bzw. 54 Stimmen nominiert, während die Moskauer Richtung 13 bzw 12 Stimmen aufbrachte. Der Vorsitzende L! e r e gab dann einen ausführlichen Geschäfts- bericht. Es werden etwa 5000 Friseurgeschäste in Berlin gezählt, wovon 1080, in denen der Inhaber allein arbeitet, und 1930, in denen nur Lehrlinge, keine Gehilfen gehalten werden. In den etwa 1075 Gehilfcnbetrieben werden 4280 mann- liche und 2160 weibliche Gehilsen beschäftigt. Die Zahl der Lehr- l i n g e, die sich aus rund 3000 Geschäfte verteilt, beträgt 1500, die der Lehrmädchen 730. Die Lehrlingszlffern würden weil höher sein, wenn nicht die Verordnung über das Lehrlingshalten der Lear- lingszüchterei einen gewissen Damm böte. Die Entschädigung, vi« den Lehrlingen als Kostgeld gezahlt wird, bleibt vielfach noch unter den Richtsätzen der Handwerkskammer. Natürlich wird versucht, den Lehrlingen den Beitritt zu der Lehrlingeabteilung des Sehtlfcnoerbandes zu verbieten, weshalb Liere besonders betonte, daß derartige Der- böte unrechtmäßig und daher nicht zu beachten sind. Doch selbst die Rechte der Gehilfen werden noch nurist mißachtet. Nur In zwei der größeren Betriebe sind Betriebsräte, und nur u« 10 der mittleren Geschäfte Betriedsobleute. Der Tarifvertrag ist seit November 1927 nicht mehr verbindlich. Für die Lehrlinge gilt damit die gesetzlich« achtstündige Arbeitszeit und nicht die längere tarifliche Arbeftszeit. Die Unorganisierten Ge- Hilfen und Gehilfinnen, die unter Tarif bezahlt werden, können die Disferenz nicht mehr einklagen. Gegen die Sonntagsruhe im Friseurgewerbe hat sich eine sogenannt«„P r o t c st o c r e i n i- gun�" gebildet, vorgeblich aus den'Reihen des Publikums, während in Wirklichkeit selbständige Friseure dahinterstecken. Dem Herrn Schumacher mit dem eigenen Schneiderverbandshden hatten einige von den Oppositionellen die Hoffnung gemacht, daß er eine Sondervereinigung der Friseurgehilien gründen und sie mit seinem „Jndustrieoerband" verschmelzen könne. Daraus wurde nichts, da die richtiggehenden„Opposilionellen", die ihre Parolen von der KPD. bezieben, sich dagegen wandten. Wie auch aus dem Kassenbericht von R o g g e hervorging, hat der Zweigverein im letzten Jahre einen zwar nicht sehr großen, ledoch stetigen Ausstieg zu verzeichnen. Besonders rührig ist die Organisation auf dein Gebiete der fachlichen Ausbildung tätig. In der Diskussion gingen die„Revolutionäre" an dem Bericht vorbei. Sie vertraten ihr« Aittragsproduktion, die darauf abzielte, ihnen ein besseres Sprungbrett für ihre Erobernngsübungen her- zurichten. Vorsitzender, Kassierer und Schriftiübrer wurden wiedergewählt. Die Wahl eines der Revisoren mußte oertagt werden, da die recht bettübte Opposition ihr« Durchfallsschmerzen austobte. Oer Gesunöungsprozeß reist. Die Metallarbeiierwahlen in Essen. Essen, 12. Februar.(Eigenbericht.) Die Urabstimmung bei den O r t o v e r wa lt u n g s- wählen des Deutschen Metallarbefterverbandes in Essen brachte den Kommunisten ein« empfindliche Niederlage. Auf die Amster- damcr Liste entfielen 2714 Stimmen, auf die der KPD. 2112 Stim- men. Der Erfolg ist um so bemerkenswerter, als bei den Ortsver- waltungswahlen im vergangenen Jahre die Mehrheit nur 250 Stimmen betrug und die Kommunisten in diesem Jahre eine außer- ordentliche Agitation entfalteten. Welche Bedeutung die kommu- nlstische Presse im Ruhrgebiet den Ortsoerwaltuirgswahlen des Deutschen Metallarbeiteroerbandes beigemessen hat. geht aus folgen- den Ausführungen des„Ruhrechos" in d«r Sonnabend-Rummer hervor: „Es ist klar, daß die Entscheidung In Essen von größter Trag- weite für die gesamte Arbeiterbewegung des Ruhrgebiets ist, und daß der Oppositionsdurchbruch durch die revisionistische Front eine beschleunigte Mttoisierung der gesamten Arbeiterbewegung im re- valutionären Sinne bedeuten muß." Die Lohnfrage der Siaatsforstarbetter. Die jüngsten Lohnverhandlungen für die preußi- schen Staatsforstarbeiter find ergebnislos verlaufen. Die Arbeitnehmerorganisationen werden deshalb den Landwirt- fchafisminister ersuchen, nach Erledigung des landwirtschaftlichen Etats verfönlich mit ihnen die Lohnfrage der Staatsforftarbeitsr noch emmol«ingehend zu besprechen. Der negative Berlauf der bisherigen Verhandlungen berührt etwas eigenartig, wenn man sich vergegenwärtigt, daß erst vor kurzem der preußische Landwirtschaftsminister im Landtag selcht nachdrücklich betont hat, daß die Staatsforstarbeiterlöhne in Preußen einer Verbesserung bedürfen. In Bayern wurden die Staatsforstarbeiterlöhne durch freie Vereinbarung um 4 Pfennig erhöht: der Spitzenlohn steigt dort von 54 auf 53 Pfennig._ Deamtenhetze. Oer öeutfchnatwnalen Großgrundbesitzer. Den RuinderLandwirtschafthabendieBeamten verschuldet! Diese neueste Entdeckung zu machen blieb den Großgrundbesitzern Schleswig-Holsteins vorbe- halten. In den von ihnen gegen die Steuererhebung ver- anstalteten Demonstrationszügen wurden Plakate gezeigt jnit der Aufschrift:„De Beamten und de Swien, de sünd uns' Ruin". Dafür, daß die Finanzbeamten ihre Pflicht tun, werden sie von den Großgrundbesitzern beschimpft. Dieselben Agrarier, die sonst immer so gern als Hüter des Ordnungsstaates firmieren, sabotieren diesen Staat. Die christliche Beamtenhetze ist schließlich nur der Niederschlag dieser hinterwäldlerischen Einstellung der Agrarier._ Aus der Textilindustrie. In der Textilindustrie in Triebes(Thüringen) ist ein Lohnkonflikt ausgebrochen. Die Arbeiterschaft hatte den Mantel- und Lohntarif gekündigt. Die Unternehmer machten jedoch keine Miene, Verhandlungen zu führen. Daran- antworteten die Unter- nehmer mit der Schließung der Betriebe. Boa' dem Streik und von der Aussperrung werden rund 1200 Arbeiter und Ardeiterinnen betroffen. Wie verlautet, sollen Anfang nächster Woche Verhandlungen in Gera stattfinden. In Ne u m ü n st e r haben die Tuchweber den Lohn- und Manteltaris gekündigt. Die Tarife lausen Ende Februar ab. Bei der Tarisdewcgung kommen rund 3000 Arbeiter in Betracht. Ein Seherstreik in Breslau. Die„Vrcslouer Neuesten Nachrichten" machten bekannt, daß am Sonnabend mittag die Hand- und Maschinenseger ihres Bettiebcs die Arbeit niederlegten und die Versuche zur Wiederaufnahme der Arbeit erfolglos blieben. Die Drucker und ein Teil des übrigen technischen Personals erklärten sich mit de» Setzern solidarisch. Warum und weshalb die Arbeit oerweigert wu-de, geht aus der vorliegenden Wolss-Meldung nicht hervor. Triumph des Rassenhasses.! (JGB.) Bekanntlich hat der dem Internationalen Gewerk- schaftsbund angeschlossene Verband der farbigen In du- strie- und Handelsarbeiter Südafrikas(JEU.) kürz- lich ein« gründliche Statutenrevision vorgenommen und aus Grund der von seinem Generalsekretär in Europa gemochten Erfahrungen die junge und tatkräftige Organisation in jeder Hinsicht auf moderne, ssreigewerkschaftliche Grundlagen gestellt. Gleichzeitig hat sich die JEU., eingedenk der vom Internationalen Gewerkschaftsbund bei der Aufnahme gestellten Bedingung, wonach sie sich bei der Gründung einer Landeszenttale mit schwarzen und weißen Arbeitern dieser anzuschließen hat, beimSüdasri konischen Gewerk- schaftsbund der weißen Arbeiter offiziell zur Mitglied- schaft angemeldet. Telegraphischen Berichten zufolge ist dieses Anschlußgesuch abgelehnt worden, wobei angeblich Rafsevorurteile nicht un beteilig waren. Dies ist um so bednuerUcher, als gerade in neuester Zeit die südafrikanische Regierung bestrebt ist, das gegen die Eingeborenen gerichtete Verwaltungsgesetz mit aller Strenge durchzuführen. Die Bureaus der Berwaltungs- stellen der Organisation werden durchsucht und die Funktionäre unter Anklage gestellt, während die Farmer in Natal die Hütte» der Mitglieder der Organisation niederreiße» oder niederbrennen. Die Regierung schaut taten- los zu und hat es sogar abgelehnt, der JEU. Land zu verkaufen, damit die unglücklichen obdachlosen Männer und Frauen der far- bigen Arbeiterschaft untergebracht werden können. Alle diese Scheußlichkeiten bewirken jedoch gerade das Gegen- teil von dein, was die Regierung erreichen will. Die JEU. erstarkt, ihre Mitglieder, zahlen steigen, und ihre Führer find kampfas- mutiger als je! Der Gedanke mag sie stärken, daß die im Inter- nationalen Gcwerkschaflsbund vereinigten weißen Arbeiter aus ihrer Seite stehen. Aus die schwarzen Arbeiter drückte die„Zivilisation" der herrschenden weißen Rasse am längsten und stärksten, deshalb dürfen sie doppelt auf die Sympathie jener Mitglieder der weißen Rasse Anspruch erheben, die sich einer solchen„Z i o i l i j a t i o n" schämen, nämlich der Arbeiter. verantwortlich tllr Politik: Dr. Enrt Seoer; Wirtschaft:»... chcwerkschaftsbrwcguna: Fr. Etzkor»: Fcullleton: 8. S. Döichcr: nni) Lonliiac«: Fritz XarffiM; Unjeiatn: Ct. sämtlich in 3 ver lag: LorwSrts.BcrIag<8. m. b. H.. Berlin. Druck: vorwärts.Buc »nd derlaosanftalt Paul Singer u Co.. Berlin SW l Hierzu I Beilage. «lmgelhöfer: i Lokales ... Berlin. «.Buchdruckerct Lindenftroße S. j Monug, 13. 2 28 Steti-fipn | Am Pl.d.Republ. P/s Uhr ! Qsr flnl wißer Willen Staat!. Sdiarspielli. 4m tcechnii-emecll 8 t'hr Maß für Maß MonUig, 13. i 28 MisAiKpr Bismarclistr. IVkoii. I. All. 7i/, Oer fliegende Mlider Staat). Sdiilkrtb. Charlottenburg 8 Uhr OieOesdiwister Der ®2ksbuhne (hasttt an WliTata» 7'/, Utr nm A Tb. au toiffaaiiirtauu S und 8 Uhr Schieber des Böhms Theater am Eetthisser Ter KotlOnsscr SlrsSe 6, Täglich 8 Uhr Eilt«- Sänger Fehmaria zraBar Fsnr! Jede* SflnntiK aachm. S Uhr: firoft« rnanaueii-Tonleuauo (ungekürzt). Volkspr. 0,48, 8, TS, 1,— ,1,2s, 1,50, 1,75 Mk. Reichshallen•Thealer 8 Uhr. Sonntg. nachm. i Uhr. Stettiner Sänger „Rottes«Debenende" nachm. h a i h e Preise. Ofinhoff* Brelt'l i Kaharett, Varlelfc ICnarcrt. Taac. CASINO-THEATER» Uhr Lathrtnxtr Str. 87 Die«panische Fliege. Atmamridm Outseher* t— ♦ Per* fauteull«ur 1.19 Sessel nur 1.M M. LnstspielUans 8V, Uhr Qalda Thlelschtr .Ifffw DKAlffsaafsidif" rheaterd» Veitens Täglich 8>,. Uhr: Hflambaiisea« letzie Lirbe Wlrl, Bergmann, Kflrty, Oille, Alba Wfllhflils-Tli.i* Weinbergsweg 19 2« Eise Itarät OperettenschwanV Laay Pyrmaat in der Hauptrolle Vorzeiget dieses zahlen 7ör Parkett auch Sonniags statt 4,— Mk«urOOJbl. 8«B*tar.■cHir'.40kr SA». Parkettv. Pt. an. ianegüHCimeii Tb. KSnfgeräii. St, Bergm.CllO. 8", Uhr Flocht m hbi Cahtnibr Jesir Tirt«( BilirtiVj KomAdlenhaas Norden 6384. 8.15—10.40 Uhr Hokuspokus von Curt Götz Hose-Theater 8V, Uhr Der Piarrer von ttlrditeui Ifesetirini es in toiiif. Judrtntji'c Stnli Kol!. 1S73 fein, die Sthwnm der Erde. Vorführungen: 19-,» 21 Uhr Einritt I M. Tiilomi. IS«. Der Kenner trinkt das vorzügüdi nach PHsner Art gebraut« Sseiial Hell AochiB Flaschen überall«rhaltlidi Verkäufe Hobel Chaifelangites, Metallbctten. Auflege« Matratzen, Patentmatratzen. Walter. 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Februar 1928 Autokatastwphe am Reichstagsufer Auto in die Spree gestürzt.— Zwei Todesopfer. Am Sonntag nachmittag ereignete sich vor dem I r a n z ö s i. schev Gymnasium am Reichstagsuser 6 zwischen der Neuen D I l h e l m. und Jriedrich-Eberl-Straße ein surcht- bares Autounglück. Der Führer einer mit drei Personen besehten Srafldroschke verlor Infolge eine? Zusammenstoßes die Herrschaft über die Lenkung, fuhr auf den Vürgersteig und prallte gegen das gußeiserne Geländer der Spreeböschung. Das Geländer hielt dem Anprall nicht stand und zerbrach wie Glas. Das Auto stürzte die etwa vier Meter hohe Löschung hinab und versank in den eisigen. schmuhiggrauen Fluten der Spree, während sich der Führer, der kljährige Hansvdebrecht aus der Lrehmestraße 2 und ein Fahrgast, der 40jähnge Saufmann Karl Tinius aus der Harz. goroderstraße 4 zu Pankow unter großen Schwierigkeiten retten konnten, fanden die 40jährige Frau Emma Ttnius und deren «jähriger Sohn den Tod in der Spree, obgleich Hilfe sehr sdjnell zur Stelle ipor. Ein großes Aufgebot von Polizei und Feuer- wehr war lange Zeit an der llnsallstelle mit den Lergungs- und Hilfsmaßnahmen beschäftigt. Zu der Katastrophe werden folgende Einzelheiten mitgeteilt: Der Kaufmann Karl Tinius feierte gestern seinen 4ajährigen Geburtstag, aus desien Anlaß er mit seiner Familie, seine 40jährig«n Frau Emma und seinem achtjährigen Kinde Gerhard, die Nachmittagsvorstellung in der Skala besuchen wollte. T. mietet« i n Pankow eine zweistreisige Taxe und gab dem Führer Anweisung, nach der Martin-Luther-Straße zu fahren. Kurz vor einhalb vier Uhr bog der Chauffeur, vom Bahnhof Friedrichstroße kommend, in die Fahrbahn des Reichstagufers ein. Bor dem Französischen Gym- nasium ereignete sich dann das furchtbare Unglück, dos sich nach den Aussogen mehrer Augenzeugen und der bisherigen polizeilichen Er- «Mtclüngen etwa folgendermaßen zugetrogen hat. Wie das Unglück geschah. Der Unglückswagen, der iu sehr schnellem Tempo fuhr, wurde von einem nachkommenden Auto beim ll eberholen angefahren. Dem Führer des ersten Kraftwagens wurde hierbei das Steuerrad aus der Hand gerissen. Der Wogen geriet ins Schleudern, wurde infolge der eigenen Geschwindigkeit auf den Bürgersteig geworfen und fuhr mit großer Wucht gegen das gußeiserne Geländer der Böschung. Der Lorderteil des Autos verfing sich in dem zertrümmerten Geländer und schwebte sekundenlang mit dem Kühler über dem Wasier. Plötzlich gab das Geländer vollends nach und der wagen stürzte. sich einmal überschlagend, in die Tiefe. Das alles war nur das Ge- schehen von Sekunden. Don allen Seiten eilte dann Hilfe herbei. Bon der Pförtnerloge des Reichstages wurde sofort die Feuerwehr und das Städtische Rctlungsamt alarmiert. In der Zwischenzeit spielte sich unter Wasser eine furchtbare, Trugödie ab., Die in die Tiefe Gestürzten kämpften, verzweifelt um ihr Leben. Nach zwei Minuten taucht« der Kopf des Führers Ode- brecht und fast im selben Augenblick auch Tinius an der Oberstäch« des Wassers auf. Mit Aufbietung aller Kraft hatte sich Tinius durch Zerschlagen der Scheiben zum Führersitz einen weg ins freie Wasser gebahnt und als Schwimmer die Uferwand erreicht. T., der seiner Frau und seinem Kind noch hatte Hilfe bringen wollen, mußte den Versuch unter Wasser wegen der Aussichtslosigkeit bald aufgeben, um sich selbst, völlig erschöpft, zu retten. Schiffer der an der Spre lie- gendcn Spreetähne eilten mit Booten herbei und fischten die beiden Männer aus dem Wasser. Inzwischen war die Feuerwehr mit mehreren Rettungswagen an- der Unglücksstelle eingetroffen. In fiebernder Eil« wurde ein Schlauchboot herabgelassen und gleichzeitig mehrere Boote mit Vergungsmannschaften besetzt. Das Auto, in dem Mutter und Kind noch eingeschlossen waren, lag mit dem Deck etwa einen halben Meter unter Wasser. Bon einen Spreekahn wurde ein Anker herbeigeschafft und in die Tiefe gelassen. Der Anker hakte im Fahrgestell ein und e? gelang, das Auto, das durch die starke Strömung ein erhebliches Stück abgettieben worden war. soweit zu heben, daß die Berun- glückten aus dem Innern geborgen werden konnten. Die leblosen Körpe- wurden in die Erdgeschoßwohnung des Pförtners Derfchel, Reichstagsufer 5, gebracht. Fcucrwehrsamaritcr und Aerzte des Städtischen Rettungsamtes waren dann fast drei volle Stunden lang mit wicderbelebungs versuchen beschäftigt. Alle zur Verfügung stehenden Mittel wurden angewendet, nichts unversucht gelassen, um Leben in die regungslos Daliegenden zu wecken. Alle Bemühungen blieben vergebens. Rachdm Direktor Dr. Paul Frank vom Städti- fchn Rettungsamt als letztes Mittel zwei Herzinjektionen anordnete, die ebenfalls ergebnislos blieben, mußte endgültig der Tod festgestellt werden. Die Leichen wurden ins Schauhaus gebracht. Der Chauffeur wurde als Polizeigefangener in das Staatskrankenhaus in der Scharnhorststraße und Tinius in die Charite übergeführt. An der Unfallstelle hatte sich eine vielhundcrtköpfige Menschen- menge angesammelt, die die Uferböschungen zu beiden Seiten dicht umlagerte. Bon der Feuerwehr, zu deren Unterstützung dos Feuer- löschbot II, das im Westhafen stationiert ist, heranbeordert worden war, wurden im weiteren Verlauf der Bergungsarbeiten alle mög- lichen Versuche unternommen, das abgestürzte Auto zu heben. Da sich die Geräte und Bergungsapparate als nicht ausreichend erwiesen, den Wagen in der fünf Meter hohen Böschung ohne Kran hinauf- zuziehen, mußten die Versuche bei Einbruch der Dunkelheit abge- brachen werden. Da es unmöglich erscheint, die Kraftdroschke an der Stelle, wo sie ins Wasser gestürzt ist, zu heben, soll sie im Laufe des heutigen Tages durch einen Schlepper nach dem Humboldthafen gc- zogen und dort vermittels eines Kranes aus dem Wasser gehoben wenden. An der Absturzstelle wurde noch ein proviforisches Geländer errichtet. Die Unfallstelle liegt nur etwa 200 Meter von der Stelle er fernt, wo im Jahre 1315 eine Straßenbahn aus den Schii- sprang, über den Bürgersteig fuhr und in die Spree stürzte. Da fanden fünf Personen den Tod im Wasser. Dos Befinden des geretteten Kaufmanns Tinius ist im allg meinen gut. Unter der Wirkung der Nachricht jedoch, daß seine Frau und fein Sohn tot sind, hat er einen Nervenschock er- litten. Wer ist der Urheber? Der Führer des rammenden Autos, der Kraftdroschke I. A. 41 089, der sich, zunächst offenbar völlig kopflos geworden, mit feinem Auto entfernt hatte, hat sich inzwischen der Polizei selbst gestellt. Er ist ein älterer Mann namens Friedrich Krakert aus der Manteuffelstr. 41, der schon seit 25 Zahren seinen eigenen wagen fährt. Kriminalkommissar Herber von der Inspektion Mitte, der die Untersuchung leitet, hielt heute morgen an der Unglücksstelle einen Termin ab, zu dem Krakert, mehrere Sachverständige und Zeugen hinzugezogen wurden. Krakert hatte, wie er sagt, eine Fuhre mich dem Bahnhof Friedrichstraße gemacht und fuhr mit dem leereu Wagen langsam zum Reichstagsuser zurück. Aus dem schlüpfigen Holzpflaster an der Brücke überholte ihn Odebrecht auf der linken Seite. Dann bog er gleich wieder rechts ein, um auf die richtige Fahrbahn zu gelangen. Krakerts Wagen geriet jetzt ins Schleudern. Der Mann behauptet aber, daß sein Wagen die vor ihm fahrende llnglücksdroschte nicht angefahren habe. Zlls Krakert sah, daß der Wagen vor ihm über den Bürgersteig gegen das Geländer flog, das Schutzgitter durchbrach und ins Wasser fiel, fuhr er davon, aber nicht, weil er sich einer Schuld bewußt gewesen wäre, sondern um die Feuerwehr und den Reichswasserschutz zu benachrichtigen. Bei seiner Rückkehr war die Feuerwehr schon da, und er konnte, wie er sagt, nicht mehr heranfahrcn. 5zeiite morgen ging er dann zur Polizei. Ob diese Darstellung, die zum Teil von Zeugen bestätigt wird, in allem richtig ist, bedarf noch der näheren Prüfung. Krakerts Droschke 'ZMV und Sttdnv wmjtfa das Sgmöor h-MerLnstung. verpflrchtekallch'rm Mirtfthajrsleöen zu ünmer neu- »r�asteutfastlmg. Ansere ASTOR-HAUS 6/Ä OBERST 9* BLAU PUNKT 6 aÄ NEUE ARBEIT"! A KUSCHE «ltM m.neuer ArbÄ" nicht nur oflfes KMche.WUÄ der Omnt an Dlöaken Zu öieteu vermag-, sie ijr auch mit.jener zieGemußten �chaDmssreude hergestM.öie �verövudeu Mit jn ifojfflpfl SchjÜEpgtr ÄaVaf-Aatorw 3i$Qrcttoifa&rUl Raubüberfall im Cafe Zielka. -1000 Mark erbeutet. wurde beschlagnahmt, um auf eine etwaige Beschädigung hin genau untersucht zu werden. Diese muß vorhanden sein, wenn er den Darderwagen schwer angefahren hat. Die Zeugenvernehmungen an Ort und Stelle und auf dem Revier dauern noch an. Schwarze nimmt das Todesurteil an. Vekanntlick) wurde der Zöjährige Mechaniker Albert Schwarze aus Caputh vom Potsdamer Schwurgericht wegen Ermordung der 2Zjährigen Hausangestellten Martha Zahn zum Tode verurteilt. Schwarze hatte gegen das Urteil Revision angemeldet: heute hat er einen Verzicht erklärt. Es wird eine Begnadigung erstrebt, die auch von den Geschworenen befürwortet werden wird. Kreiheitsjahr-1848! Das arbeitende Volk feiert Deutschlands' erste Revolution. Der am gestrigen Vormittag vom Berliner Bezirksausschuß für sozialistische Bildungsarbeit im Großen Schauspiel- Haus veranstalteten Proletarischen Feierstunde hatte man das Reoolutionsjahr 1K48 zum Thema gesetzt. Zu einer tausendköpsigen Menge war die Zuhörerschast angewachsen, als dumpfe Paiikenschlöge den Beginn der Feierstunde verkündeten und Albert Florath herwezhs Gedicht„Achtzehnter März 18 48" zu einem packenden Prolog gestaltete. In der Dämmerung eines sohlen Morgenhimmels stand die zu einer dunk- lei, Masse zusammengeballte Schar des„Sprechchores für proletarische Feierstunden", der das„W e b e r l i e d" und Heine? anklagendes Gedicht„Die Weber" sprach. Lothar M ü t h e l s scharsgeschiiffene, sieghafte Stimme sprach Herwegbs Verheißung „O wog' es doch nur einen Tag!" Nach den Sprechern sang, von dem jungen Georg Schumann meisterhaft dirigiert, der„Berliner L e n d v a i- C h o r" Herweghs„Bet' und oibeit'...", das Wendelin Weißheimer einzigartig komponiert hat, und Freiligrathz„S ch w a r z- R o t- G o l d" in vollendeter Weise. Die hierauf folgend« Festansprache hielt Landtagsabgeordnetcr Hermann L ü d e m a n n, der daran erinnerte, daß die Freiheitskriege nicht die Erlösung von dem Despotismus der eigenen.Fürsten, die ''de freiheitliche Regung brutal unterdrückten, gebracht Haber. Die chsent-e Not der Bürger und Bauern und die Verzweiflungs- rse der schlesischen Weber brachen dann der Revolution, die in " cht zum 19. März 1848 nach blutigen Kämpfen den Sieg „ie Bahn. Die Reaktion verstand es aber nur zu gut, das Bürgertnni gegen die Arbeiterschaft, die im Kampf die meisten Opfer gebracht hatte, zu Hetzen und es mit einer schcinkonstitutioncl- lcn Verfassung zu beruhigen. Erst die Revolution von 1918 eroberte dem Volke die Rechte: das Proletariat muß aus der for- malen Demokratie eine sozial« machen und durch sie den sozio- lcn V o l k s st o. a t herbeiführen, das ist Mahnung und Vermächt- nis der Revolution von 1848! Brausender Beifall erhob sich wie ein Gelöbnis nach den letzten Worten des Redners. Weitere Liedervorträg« und Rezita- tianen— Lothar Müthel las 1848er Dokumente, Heinrich Witte sprach prachtvoll das satirische„Lumpensammlerlied" und erschütternd Freiligraths Dichtung„Die Toten an die Leben- d e n". Albert Florath den heiteren Dialog über„Die k o n- stitutioellen 19 Gebote", Margarete Schön Freiligraths „Revolution"— beendeten die Feier, die mit der gemeinsam gesungenen„M a r s e i l l a i s e" einen machtvollen Ausklang fand. Die Klagen der Laubenkolonisten. Die Sozialdemokratie vertritt ihre Interessen. Weit über 1999 Treptower Laube nkoloni st en v«r- sammelten sich am Sonntag vormittag in Jrmncrs Festsälen, um gfgen die Gcländekütrdigungeii des Bezirksamtes Treptow zu protestieren. Veranstalter dieser Kundgebung, die so recht zeigte. daß auch die Laubenkolonisten längst den Wert einer geschlossenen Organisation erkannt haben, war der Bezirksoerband Neukölln- Treptow e. V. im Prooiiiziolverband Groß-Berlin des Reichs- Verbandes der Kleingartenvereine Deutschlands. Aus einem Referat des Bezirk-verbar-dsvorsitzcnden Korsch konnte man entnehmen, daß vom Bezirksamt Treptow bei Vor- nahnie der Kündigungen nicht einmal die gesetzlichen Termine bc- achtet werden. Warum wurde gekündigt? Das Bezirksamt Treptow berief sich darauf, daß das Bauvarhaben 1928 jetzt zur Durch- führung gelangen soll. Und so wurden die Kündigungen zum 81. Dezember 1927 ausgesprochen. 37 Kolonien solllcn räumen! Dos Bezirksamt Treptow erklärte weiter, daß der zentrale Magistrot mit dieser Maßnahme einverstanden wäre. Eine Nachfrage ergab jedoch etwas anderes. Beim Berliner Magistrat wollte niemand etwas von diesen Kündigungen wissen, die dann schließlich auch z u r ü ck g« n o in in e n wurden. Der Redner verwahrte sich entschieden gegen dieses eigenartige Lorgehen des Bezirksamtes Treptow. Als zweiter Redirer sprach der Vorsitzende des Provinzial- Verbandes, Genosse R e i n h o l d. Die Sünden der Kommunal- Wirtschaft der Vorkriegszeit machen sich jetzt bitter bemerkbor. Planlos ließ man damals Kleingärten anlegen. In emsiger Arbeit schufen sich die Kolonisten Crholungsplätze, die nun teilweise verschwinden sollen. Graß-Berlin hat über 19 Millionen Quadratmeter brachen Landes. Warum will man nicht erst diese gewaltig« Flächen bebauen, ehe man die Lungen der Groß- st o dt, die Laubenkolonien oerschwinden läßt? Bei Vornahme der Kündigungen dienen fast immer die Bauvorhaben als Grund. Und wie sieht es damit aus? Nach der Räumung zeigt es sich, daß das Bauvorhaben— Bau vorhaben bleibt! Brach liegt das Feld lange Zeit, eh« überhaupt der Bau beginnt. Der Provinzial- verband ist sich darüber klar, daß er in Zukunft bei irgendwelchen Kundigungsgesprächen nur dann mitreden wird, wenn Geld zum Betauen des zu räumenden Geländes auch wirklich vorhanden ist! r-, v" vfr �kusfion sprachen als Vertreter der SPD. der Vor- sitzende der Treptower� Be.ziksverordnetenversammlung, Genosse Strieder, Stadtrat Genosse S ch r ö d e r- Neukölln, Stadtrat Genosse <)» tz s ch o l d- Krcuzberg und stodtrat Genosse Schwarz- Treptow. Alle Redner vcrfickierlcn. daß die SUD. wie Immer die Arbeit der Laubenkolonisten zu würdigen und kräftig zu unterskäizeu wüßte! Nachdem noch mehrere Daskussionsredner— unter ihnen ließ auch Herr Kl eins chmi dt von der KPD. seine sattsam bekannten � Kündigungsangelegenheit gesprochen hatten, hielten Korsch und Reinhold ihr Schlußwort. Eine Entschließung, die sich u. a. gegen das rigorose Aoraehen der Be- Horden aegen Kle.ngartiier verwahrt und verlangt, daß bei eoen- lucllen Kündigungen angemessene Entichädionnqe» zur Auszahlung geangen sollen und vor der Räumung Zuweisung von Dauer- gelande zu erfolgen hat, gelangt« einstimmig zur Annahme. Zwei Lpfer einer Gasvergiftung. In seiner Wohnung in dem Hause Schreinerstraße 29 wurde gestern ein Schlosser Friedrich H. mit einem noch unbekannten Mädchen tot aufgefunden Durch Gasgeruch wurde man auf die Wohnung aufmerksam, und als man eindrang, fand man das Paar Ein Raubüberfall wurde heule früh um k Uhr in deu Bureau- räumen der Eafähausbekriebsgefellschaft m. b. h. früher Zielka, in dem Eckhause Friedrich, und Leipziger Straße verübt. Die Räuber find mit 1000 Rlark barem Gelde entkommen: sie müssen mit den ürklichen Verhällnissen sehr verlrauk gewesen sein. Bei der Betriebsgesellschaft ist ein 64 Jahre alter Mann namens H. als Kassierer angestellt. Er tritt seinen Dienst stets erst in den spülen Abendstunden an und nimmt nach Schluß des Ge- schäftes die Kassen der verschiedenen Abteilungen entgegen, der Kellner, des Varietes, der Billard- und Schachsäle u. a. m. Nach Empfang dieser Einzelkaisen bleibt er regelmäßig bis in die Morgen- stunden hinein, um die Abrechnungen auszustellen. Heute früh um 9 Uhr begab sich H. auf die außerhalb des Bureaus, das im vierten Stock liegt, im Flur untergebrachte Toilette und verschloß die Bureautür hinter sich. Als er wieder herauskam und gerade auf- schloß, traten zwei Männer, die sich im Dunkeln schon früher ver- steckt haben müssen, mit dem Rufe:„hall! Hände hoch!" an ihn heran. Mit erhobener Pistole forderte der ein« ihn auf, mit ihm in das Bureau hineinzugehen, währeiü) der andere draußen an der Tür blieb. Unier Bedrchuugen mit der Waffe wurde der Kassierer gezwungen, seine Kasselle auszuschließen. Der Räuber entnahm ihr gegen 1009 Mark und zwcing den Beraubten unter fortgesetzten Drohungen mit der Pistole, sich ruhig zu verhalten. Da nilmand bereits tot im Bett in der Küche liegen. Allem Anschein nach liegt ein Unglücksfall vor. Die Person des Mädchens konnte noch nicht festgestellt werden. Sie ist etwa 29 bis 24 Jahre alt und hat einen blonden Bubcnkvpf. Ein schwerer Unfall mit tödlichem Ausgang ereignet« sich heute früh kurz nach sechs Uhr in der Nähe desBahnhofsPapc- ftraße. Beim Uebcrfchreiten der Gleise wurde der 47jährige Weichenwärter'August S t e u ck aus der Teltowcr Straße 41 von dem herankommenden Fernzug Berlin— Dresden überfahren und aufderStellegetötet. Die Leiche wurde in das Schauhaus gebrocht._ Lacoby und der schwarze Freitag. Oer Zusammenbruch Schlewinskys. Vor dem Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Tr. S t a c ck e l findet heute der mündliche Haft- Prüfungstermin statt, der von der Verteidigung des- in der Firma Bergmann angestellten Kaufmanns «alinger angestrengt wurde. Gegen den Kaufmann Max Tchlewinskh hat das Amtsgericht Berlin-Mitte inzwischen offiziell das.Konkursverfahren eröffnet. Ueber den Haftentlassungsantrag des Staatsanwalt- fchaftsrats Dr. I a c o b y wird am Mtitwoch verhandelt werden. Die Rechtsanwälte Dr. P i n d a r und Dr. Klee, Iacobys Verteidiger, wallen den Beweis erbringen, daß Iacoby bis zum Zusammenbruch fest geglaubt habe, bei Bergmann sei a l l es in Ordnung. Sie stützen sich dabei aus den Umstand, daß Berg- mann Iacoby eine Beteiligung einräumte. Eines Tages habe Bergmann Iacoby übcredet, die H a u s s e an der Börse auszunutzen und durch einen Makler namens B o l f a m bei einem Berriiner Bankhaus 2999 Mark, die seiner S ch w c st e r gebörtcn, zu hinter- legen. Der vielgenannte„schwarze Freitag" kam mit seinen ungeheuren Kursrückgängen, und als Iacoby dann feine L i q u i- d a t i a n erhielt, sah er zu seinem Schrecken, daß nicht nur die 2999 Mark weg waren, sondern daß er auch noch 18 099 Rlark Schulden halle. Um ihn zu entschädigen, hat ihm Bergmann eine Einlage von 2999 Mark gegeben, die mit 48 Proz, verzinst werden sollten. Diese 48 Proz. sind auch tatsächlich laufend b e- zahlt worden. Auch für die ersten 2999 Mark hat Iacoby Low- b a r d s ch e in e erhalten, die Salinger ausfertigte. Jetzt hat sich freilich herausgestellt, daß diese Lombardscheine nicht«inen Heller wert hatten, weil sie gefälschie Duvlikate waren. Wenn, so sagt die Verteidigung, Iacoby über die Verhältnisie bei Bergmann B e- scheid gewußt hätte, so hätte er doch sicher daraus gedrängt, wenigstens selbst echte Scheine zu erhalten. Lebtbin berichteten wir, daß auch der frübere Reichskanzler Ge- nosse Gustav Bauer beim Lombardhaus 3 ch l e w i n s k y eine Einlage von 19999 Mark gehabt hätte. Hierzu teill uns Genosse Bauer mit, daß die 19 999 Mark ihm nicht gehörten. Er hob« sie im Auftrage eines im Auslande wohnenden Verwandten bei der Firma Schlewinsky im Dezember vorigen Jahres angelegt, nachdem eins namhafte Auskunftei, drei Rechtsanwälte,«in Reichsbankrat und ein Kaufmann die besten Auskünfte über die Firma erteilt hätten. oben in dem Gebäude anwesend war, so wären Hilferufe ohnehin nutzlos gewesen. Auch eine Flucht war dem Ueberfallenen, der einen Nervenschock erlitt, unmöglich. So mußte«r olles über sich ergehen lassen, und die Räuber entkamen ungesehen mit der Beute. Reinmachefrauen, die in den unteren Räumen bei der Arbeit waren, hoben von ihnen nichts gesehen oder gehört. H. kann den Aufpasser an der Tür gar nicht und den Räuber mit der Pistole nur sehr oberflächlich beschreiben. Er meint, daß er etwa 39 Jahre alt ist und dunkles Haar und«inen kurzen gestutzte» Schnurrbart hat. Mitteilungen zur Aufklärung an das Raubdezernat im Zimmer 89 des Polizeipräsidiums. Garderobendiebe bei Kroll. Einen ertragreichen Streich verübten Garderoben diebe in der Nacht zum Sonntag in den Festräumen von Kroll am Plag der Republik. Nach bekanntem Muster hatte sich dort eine Bande eingefunden, die beobachtete, wer von den Ballbesuchern «inen wertvollen Pelz abgab. Nachdem sie geschickt die Nummer erkundet hatte, fälschte sie diese auf ihrer eigenen Marke um und ließ sich die kostbaren Kleidungsstücke herausgeben. Bei dem großen Andrang fiel dieses„Tauschmanöver" nicht auf. Die Spitzbuben erbeuteten auf diese Weise vier wertvoll« Pelze, zwei Herrengehpelze und zwei Domenpelze. Als die rechtmäßigen Eigentümer ihre Sachen heraushaben wollten, waren die Diebe natürlich längst nüt ihrer Beute verschwunden. Kokain auf falsche Rezepte. Die beiden letzten Mitglieder einer Bande festgenommen. Eine fünsköpsige Bande von Rauschgislhändlern. die seil An- fang des Jahres 1927 ihr Unwesen irleb, konnke in der Nacht zum Sonnlag endgültig unschädlich gemacht werden. Bier Rkiiglieder der Bande waren junge Burschen zwischen 18 und 22 Jahren, der Anführer aber ein Rlann von 52 Jahren. Zwei Absatzgebiet« hatte sich die Bande erschlossen, die laucnhienslraßc und ihre Umgebung und die Vessclstraße mit ihrer Nachbarschaft. Das Sonderdezernat, dos ständig hinter dieser Schiebergesellschaft her war, konnte im Laufe des vergangenen Jahres drei Mitglieder fasten und hinter Schloß und Riegel bringen. Nur zwei Burschen konnten nicht ergriffen werden. Erschwert waren die Nachforschungen der Beamten dadurch, daß die Rausch- gifthöndler, wenn Gefahr drohte, häufig von den„Damen" der nächt- lichen Tauentzinstroße gewarnt wurden. Sie arbeiteten mlk allen möglichen Tricks, um in den Besitz der gewünschten Gifte zu kommen. Unter felschen Namen erschienen sie bei sechs verschie- denen Aerzten, spiegelten Krankheiten vor und ließen sich Morphium verschreiben. Zln anderer Stelle bemächtigten sie sich einiger Re- zeplsormularc. ließen in einer Druckerei 599 Stück anfertigen und stellten nun je nach Bedarf gefälscht« Rezepte auf Rauschgift« aus. So verfügten sie immer über ansehnliche Vorräte. Ein großer Schlag gelang der Bande vor etwa einem halben Jahre. Damals kam eine Frau aus Düsteldors nach Berlin, um hier 1 Pfund Kokain zu Geld zu machen. Sie siel den Burschen. in die Hände und gab das Rauschgist her, weil es erst auf seine Reinheit„geprüft" werden sollte, ehe man sich zum Ankauf cnt- schloß. Die Burschen betrogen die Frau gründlich. Sie nahmen drei Viertel des reinen Kokains an sich, ersetzten das Fehlende durch Mehl, Borax und Salz und händigten dieses Gemisch der Frau wieder aus mit dem Bemerken, daß sie augenblicklich nichts brauchten. Der Sammelpunkt der„Händler" war in der Woh- nung des einen in der Puttkamerstraße. Nach langen Beobachtungen fielen die Beamten der Dienststelle E. 6 hier überraschend ein und ertappten drei Mitglieder, die emsig dabei waren, gejälschte Rezepte auszustellen. Alle wurden festgenommen und das vor- gefundene Material beschlagnahmt. Von den 599 Formularen waren nur noch wenige vorhanden, olle anderen hatte man schon in den verschiedensten Apotheken untergebracht. Di« letzten beiden Mitglieder waren zunächst in Berlin nicht aufzuspüren. Es gelang jedoch, festzustellen, daß sie sich mir zur Nachtzeit in der Stadt oufhiellen und mit einem der Frühzüg« nach den Vororten abfuhren. Gestern wurde ihr Unterschlupf in einer Laube in hoppegarlen aussindig gemacht und die beiden In- fassen ebenfalls festgenommen. Mehrere der Burschen hatten sich, wie sich jetzt herausgestellt hat« in einer Entziehungsanstalt kennen- gelernt, denn mehr oder minder sind alle selbst dem Rauschgift» gcnuß verfallen. Um die Kontrolle ln der Anstalt zu tauschen, spritzten sie sich gegenseitig die Gifte auf den Toilettenräumen ein. Auch die jetzt Verhafteten werden dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Die Gesellschaft war unter den„Kunden" so bekannt, daß so- gar Bestellungen durch Robrpostbriefe und chissrierte Depeschen an sie gelangten. Einer der Bande macht« sich dann sofort auf, um die Aufträge auszuführen. Mhenschieber und Lndustriesyndikus. Hochmut, dein Ttame heißt Pinkerneil. Der bekannte Kukturpolititer der Deutschen Volkspartei und Landtagsabgeordnete Dr. P i n t e r n e i l propagierte in einer oo» der Deutschen Zentral st ellc für Berufsberatung derAkademiker in den Landtag einberufenen Besprechung von Vertretern vieler akademischer Berussverbände den Gedanken eines zentralen Zusammenschlusses oller deutschen Akademiker, um angesichts der stark organisierten Arbeiter- gewerkschaften einen machtpolitischen Block der Akademiker zu schassen und sich geschlossen kulturell, standesmäßig zu organisieren. De- sonders mühten sich die Akademiker von den staatlichen Instanzen (Landesarbeitsämter und Reichsamt für Arbeitsvermittlung) die Berufsvermittlung nicht aus der Hand nehmen lasten. Es ginge nicht an, daß„der Ritzenschieber bei der Straßenbahn gemeinsam mit dem Syndikus der Industrie vermittelt" würde. Man kann diesem Volts» partciler für diese deutliche Bekundung seines Volksgemeinschafts- gedonkens nur dankbar sein. Ein Kommentar zu dieser die doch- mülige Nastenmäßige Einstellung betonenden Art„volkzparteilicher" Kreise erübrigt sich. Die Einberufer dieser Besprechung kamen aber auch vor den Vertretern der akademischen Berufsverbände nicht ein- mal auf ihe Kosten. Eine dem akademischen Zenttolzusammenschluß zustimmende Resolution konnte nur mit 29 von 39 Stim- m e n zur Annahme gebracht werden, wobei die Einberufer selbst de» Ausschlag für die Annahme ggben. Da»„Internationale Juristische Komitee für Tierschuh", das seinen Sitz in Paris hat und dem bereit- frenzösische, englische, spi- nische, belgische, österreichische, bulgarische und argentinische Ber- treter angehören, hat nunmehr auch einen Vertreter für Deutsch- land in der Person des hiesigen Iustizrots Viktor Froenkl, des Vor- sitzenden der„Deutschen Gesellschaft für Tiemcht", gewählt. Ermordung dreier Deutscher iu Pole«. Wie die„D e u t sch e R u n d s ch a u" in Polen aus W a rsch a u meldet, sind in der Kolonie R y s z e w e k bei W l o c l a w« k am 9. Februar der deutsche Kolonist Julius Wall, seine Köchin und seine Hausangestellte einem fürchterlichen Verbrechen zum Opfer gefallen. Man fand in der Küche die schrecklich zugerichtet« Leiche der 65 Jahre alten Köchin Wilhelminc Winter, im Hofe die an einem Balken aufgehängte Leiche der Z jjährigen Hausangestellte» Grete Bethke. Im Korridor hing die Leiche des Wohnungsinbabers Julius Wall. Nach den bisherigen Ermittlungen sind ein Paar Stiefel und vierzig Zloty von den Tätern geraubt worden. Bis jetzt sind vier Personen verhastet, die der Tat verdächtig er- scheinen. 1. Mrei»— Mitte: Heut« Montaa, 18- Kebruar, 13'/, Kör, dn Rosen» «Haler Hof. RofeiNhalerstraße t1/!2: Kreisveitreterversaumüung. Niewand darf fehlen. Wahl de» Lorftande». Derjchied-nei. . 7 1 DDDO J OPEL| □□□□, □ Vzp1 OODD/ ps» | DDODDOQl/-- r- DOOGOOC A/\X/ --- Qn|gnK|]g]/ gggg�SSiJaSö; o I 3 Iqpf/I''/'/ A 1 □□□DD J tLQOOO � KIDGD Z »□□[fT ÜDac MGDfe- pS3S HEINRICH V( OPEL OPEL p A■' S�NVtr W � A', .ÄMM MMeWk WW M M � � OH FRITIv OPEL -W Ü WS W «WSMAchWR s «-WSS�wl® L BRINGT □□□ananaa □□□□□□□□a iVÖN OPEL /X/V □ G □□□□□□□□n □□□□□□□□□ □□□□□□□ü □ □□C 7\/\/\.�A4ro aa □ D □ □ DIE ENTSCHEIDUNG Ob deutscheoderausländische Automobile: kann heufenichf mehrdieFragesein.Opel gibt dieEntscheidung.Trotj schwerer Erschütterungen der deutschen Wirtschaft durch Krieg und Kriegsfolgen hat Opel nicht nur seine überragende Geltung bewahrt, sondern weit darüber hinaus ALS ERSTE FIRMA DER WELT verstanden, die Methoden der Serienherstellung auf die Höhe deutscher Werkmannsarbeit zu bringen. In Preis, Güte und Geschmack stehen dieOpelwagen ohne jeden Vergleich da. Opel hat alles getan, das wichtige Arbeitsgebiet der Motorisierung des deutschen Verkehrs für die deutsche Wirtschaft fest in der Hand zu halten. Riesige Bauten, ungeheure Parks neuzeitlichster Werkzeugmaschinen stehen bereit. 20000 deutsche Arbeiter finden hier Arbeit und Brot, viele Hllfs« Industrien reichen Absatz. 5-600 Opelwagen verlassen bei vollem Betrieb täglich die Bänder, machen Jede Einfuhr fremder Erzeugnisse überflüssig. NUN HAT DER DEUTSCHE KÄUFER DAS WORT! Seiner Vernunft, seiner Verantwortung ist anheim gegeben, ob die Früchte deutschen Geistes und Fleihes für den Aufstieg und die Freiheit deutscher Wirtschaft genützt werden. Das Automobil ist eine deutsche Erfindung! Sie preisgeben, hie�os ihrer nicht wert seinl Eine Bfihnensdiau. Am Sonntag im Germania-Palast. Das Arbeiter-Sport- und Kultur-Kartell Friedrlchshain hatte für Sanntagvnrmittag einer Werbe- schau in den„Germania-Palast", Frankfurter Allee, eingeladen. Unmöglich, alle Darbietungen des so überaus reichhaltigen Pro- gramms in allen Einzelheiten zu würdigen. Das Gebotene, Gymnastik, Turnen, Spiele ufw. hielten Niveau, was auch der wiederholte starke Beifall bewies. Zu Beginn ging der Film vom Reichsarbciterfporttag(„Rast") über die Leinwand, der einen imposanten Eindruck von dieser Heerschau der Arbeitersportler vermittelte. Das nachfolgende Hometrainer-Rennen brachte Konkurrenten der 4., S. und 10. Abteilung des A.-R.-B.„Solidarität" an den Start. Ueber einen Kilometer siegt« Gläser(4. Abtlg.) in 38,6, über zwei Kilometer A. Zilatus(6. Zkbtlg.) in 1,21,1, über drei Kilometer R. Scheel(4. Abtlg.) in 2,01 und über fünf K il om ete r Patzock(10. Abtlg.) in 3,16,2. Gesamtklassement: 4. Abtlg. 11 Punkte, 5. Abtlg. 9 Punkte, ,10. Abtla. 8 Punkte. Ein Bierer- Kun st reigen der Rad- fahrer, der völlig fehlerfrei gefahren wurde, fand allseitige An- ertennung. Im Reckt urnen zeigte«ine Riege der Freien Turnerschaft Groß-Berlin-Oste» erstklassige Leistungen, die zum Teil von Artistik kaum noch zu unterscheiden waren. In bunter Folge wechselten dann Gymnastik, Seilspringcn, Ringerfreiübungen der Männer und Frauen, Jungen und Mädchen. Der Sportverein Kraft- Heil stellte sehr ge- lungenc Marmorgruppen. In acht Bildern wurde des Berg- manns Leben und Leiden trefflich illustriert. Den Beschluß der ge- lungenen Werbeschau bildete ein Ausschnitt aus Bruno Schänlonks Sprechchor„Wir marschieren!" 5. C.„Einigkeit"~KampfabencL Ringen in der B- und C-Klassc. Der Gewerkschastssportklub„Einigkeit" veranstaltete am legten Freitag in den Andreassestsälen einen Kamps- a b e n d i m R i n g e n. In der L- K l a s s e hatte„Einigkeit" den SC. Landow- Friedrichshagcn als Gegner. Beide Bereine können erst aus ein kurzes Bestehen zurückblicken, und dennoch wurde schon recht Interessanter Sport geboten. Leider machte sich nur Zu sehr die physische Uederlegenheit der„Einigkeit"°Ringer bemerkbar, was auch in ihrem hohen Sieg von 23:5 Punkten zum Ausdruck kam. Es wäre wünschenswert, diese Rinzerschoft gegen einen glekchwertigcn Gegner aus der Matte zu sehen, um ein klares Urteil über ihre Stärke abgeben zu können. Gerungen wurde in zwei Gangen. Im Fliegengewicht legte Konistky(Einigkeit) Rogau(Sandow) nach zwei Minuten durch Kopszug aus die Schultern. Moftlcr(Einigkeit) siegte im B a n t a ni über Elsner(Sandow) nach drei Minuten durch Stüßschleuder. Im F e d e r g e jp i ch t brauchte Steindcl(Einigkeit) secbs Minuten, um Sadowski(Sandow) entscheidend zu legen. Der Leichtgewicht- l o r Kiel(Einigkeit) warf Iödicke(Sandow) in acht Minuten. Im Leichlmittclgewicht siegte Dietze(Einigkeit) über Lepke (Sandow) in sechs Minuten durch Ueberzug. Schlkeßlich erledigte Klawe(Einigkeit) im Halbschwergewicht Weiß(Sandow> nach hartem Ka»npf in neun Minuten durch Ueberwurf. Die Punkte im Schwergewicht fielen kampslos an Sandow, wegen Nicht- antrctens des„Cinigkeit"-Rinqers. Der zweite Gang brachte noch schnellere Entscheidungen. Meßler siegte über Elsner in 36 Sekunden horch Armzug, Konißky über Razan in 1,30 Minuten durch Hüftzug, Reindel über Sadowski nach 1,30 Minuten durch Armzug, Dieße über Lepke in 2,30 Minuten durch Armzug und Eindrücken der Brücke: Klawe-Weiß trennten sich nach abermaligem harten Kampf unentschieden. Jädicke konnte im Retourkamps gegen Kiel wegen plößlicher Erkrankung nicht niehr antreten, so daß die Punkte an SC. „Einigkeit" gingen. In der C- K l a s s e zwischen SC.„Einigkeit" und SC. M a r i e n d o r s siegten Kriening über Bormann, Werner über Bauer durch Schleuder ans dem Stand, ebenso Sawade über Pnetsch. Barschanowiß und Dipp trennten sich unentschieden. Liebener schied wegen Unfalles aus. Der zweite Gang nahm denselben Ausgang, nur daß es Dipp gelang, Barschanonutz durch Schleudergrifs entscheidend zu schlagen. 11:9 für S i c g f r i« d- M a r i e n d o rs. Ausgezeichnet« artistische Darbietungen einiger Mitglieder des SC. „Rardwest" und des SC.„Einigkeit", die im Anschluß an die Kämpfe staltsandcn, wurden viel applaudiert. Die Spiele am Sonntag. Siiari« schlägt Lankwih 6: 3. Zu einem torrcichen?reffeil aeftaNek« sich die Begegnung zwischen t-parra(Ostmeister) unä Docker(SiiöwcsNneifter). TKerMng» Hot hieran in her Kauptsache her Torwart der Lonkwitzer schuld. Bon den« Toren waren 3 ,» halten. Als Entschuldigung mag immerhin gelten, daß der sehr glatt« Boden ihm das Arbeiten sehr erschwerte. Schon nach 10 Minuten geht Sparta durch E7s.Metcr.BaIl in sZithrung. Diese Entscheidung des sonst sehr aufmerksamen Schiedsrichters war zu hart. Wacker laßt sich ader nicht entmutigen. Alle Angriffe scheitern jedoch durch Unentschlosfenheet des Sturmes vor dem Tor. In der 18. Minute erlaubt sich Wackers Verteidigung wieder eine Untairnis. Der daraus verhängte Elf-Meter- Ball wird glatt zum zweiten Tor oerwandelt. Das wirkt auf Wacker, nur der Mittelstürmer arbeitet unermüdlich weiter. Co gelingt es ihm, kurz hintereinander zwei Trcsfer zu erzielen Damit ist aber die Kunst der Lank. wißer erschöpft. Mehr und mehr wird Sparta überlegen, was sich auch durch drei weitere Treffer auswirkt. In der zweiten Spleihälftc ist Sparta fast durchweg in Iront. Das Diüet ist aber beim Schlußmann der Wackcrleute. So reicht es mir noch zum sechsten Treffer.— Borher spielten die Iua-ndlichen von Stralau und Treptow. In der ersten Spielzeit dominierten die etcolauct, um das Kommando in der zweiten paibzeit an Treptow abzutreten. Nach schlagen. Nordisia gewann graen Spandau üä mit J: 1. Amateure und Alemannia trennten sich 0: 3. Tegel 24 gegen Wittenau 3: 4. Iichte-Nordost gegen Selvetia!>: 3. Bavaela gegen Besten 3! 3. Adler 13 gegen Wacker 30 1: 2. Union gegen Pankow US 2: 5. Berliner Sportverein 18 gegen Adler 08 0: 3. Hertha 22 gegen Stralau 6: 2. Kolz. nburg gegen Neukölln I: 1. Linken- wa'de I gegen Teutonia 18 3: 8. Schöneberq gegen Schmargendorf ä: l. Nüstig-Borwärtv gegen Berliß«: 2. Stern gegen Maricndorfer Sportklub 3: 2. Luckenwalde II gegen Teltow 3: 1. Handball. Der in der leßten Nacht gefallene Schnee machte wieder einen großen Teil der Blähe spielunsäbig. So mußten die Neuköllner Spiel« von der Drenzollee nach dem Bcreinspkoß aus dem Dammweg verlegt werden. Die 1. Abt. konnte von der 2. mit 1:8 II: 8) die Punkt« einheimsen. Bei den 2. Mannschaffen brach die 1. Abt durch eine nicht verständliche lln- gehörigkcit nach kurzer Zeit bei 8: 8 das Spiel ab. Bei den fsrau-n konnte h!- 2. Abt. mit 2:1 stegreich sein. Ticht« 3. Abt. statte in Baumschnlenweg Droß-Berlin-Siiden zu Koste. Bei den 1. Mannsibaffen konnte Sroß-Berl-n dureb ihr helleres Stürmerfpiel das Spiel mit 4: 3(3: 8) gewinnen. In der zweiten Halbzeit drückte Iichte etwas, konnte aber doch nur drei Tore an- bringen. Bei den 2. Mannschaftrn gewann ssickte w't 2: 8, was auch die Inqcnd gegen Echöneberg-Sportler mit 2: 1 erreichen konnte. Spandau und tSroß.Bcrlin.Norden 1 trennten stch mit 4:1<1:8). Kroß-Berlin zeigte oroßcn Eifer, konnte aber grgen da« bessere Spiel Spandaus nicht ankommen. Das Spiel war laut und roh. In der 2. Tl-ss« trenntrn stch auf einem morastige» Platz Fichte 32. Abt. und Fichte 18. Abt. mit 3:1(1:1). Itiince Sportschau. Länderboxe« Dei'is-blanb- Schweden. Da« s»kt»insper Zelt m't SpainninV erwartete Zusammentreffen der Amaieurboxmann- sch«ften von Deutschland und Schweden fleht heut« Montag im Saalbau Frsedrichkbain vor sich. Für die deutschen V«r- treter handelt es sich in erster Linie darum, die im Februar 1928 in Stockholm mit 8: 10 Punkten erlittene Schlapp« wettzumachen. Eine« Speerwurs von 88.62 Meter Weite erzielte der Australier S. A. Lay bei den w Wsllingion abgshaltcnen Oeichtothletikmaister- ichnsm, von«uftsalien. Winter- Olympiade in Si. Moriiz. J. M. St. Moritz. 13. Februar. Das Jahr 1928 ist das Jahr der Olympiade. Es ist«ine Gerechtigkeit gegen all« Sportarten, daß man zwei Olympiaden unterscheidet, die des Sommers und die im Winter. 1924 gab es ja auch noch nach der Pchariser eine kleine Olympiade in Chamoix am Fuß des Montblanc. Dieses Mal sind die Gast- ränder geteilt, im Sommer Holland mit Amsterdam und im Winter die Schweiz mit St. Moritz. Jedenfalls hat die Schweiz der Olympiade ihr Möglichstes gegeben.- Wahrlich, die Schweiz versteht etwas vom Wintersport. Die nine Sprungschanze ist zwar in ihrer Anlage genau so um- stritten wie der Nürburgring etwa, allgemein wird aber anerkannt, daß man versucht hat, das Problem mit allen modernen Mitteln der Technik zu lösen. Hoffentlich bringt die Praxis keine Enttäuschung. Die Bobbahn ist m tadelloser Ordnung, und die Eisbahnen werden ständig gut gepflegt. Dieses Jahr war bis zum Februar immer gutes Eis, die Schneeverhältniffe dagegen waren Verhältnis- mäßig schlecht. Aber jetzt hat sich der Schnee für die Schweiz entschieden, so daß der Ort der Winterolympiade blütenweiß vor der Welt dasteht. Man verschenkt sich aber auch wirklich nicht, und die Hotelpreise haben stch sehr dem internationalen Forum angepaßt. Im ganzen Engodintal von Samadcn über Pontresina bis nach Mäloja sind keine Zimmer mehr zu haben, selbst für Phantasiepreise nicht. Es gibt hall viele Menschen, die in ihrer Sportbegeisterung nicht Källe, noch Anstrengungen, noch Geld scheuen! Die zu er- wartenden Leistungen werden für alle Strapazen entschädigen und selbst der Ausfall der eigenen sportlichen Laienbetätigung wird durch die Meisterschaftsleistungen eine Anregung finden. Oder sollte man angesichts der Erfolge der Ehampione an sich zu zweifeln beginnen? Fünfundzwanzig Nationen haben sich zum Start gemeldet. In Chamoix nahmen nur Abgeordnete von 12 Ländern teil. Es ist das erstemal, daß Deutschland wieder an einem so großen internationalen Sportereignis teilnimmt. Deutschland hat für alle Sportarten gemeldet, und die deutschen Teilnehmer werden allgemein als scharfe Konkurrenz betrachtet. Das Training hat in verstärktem Maße eingesetzt, der Tat der Eröffnung naht. Dann überstürzen sich die Ereignisse: Bob, Ski, Langlaus, Springkonturren z; Eis, Kunstlaufen, Paar- laufen, Schnelläufen und noch Hockey. Als Austakt fqnden schon Pferderennen stall rund um den See von St. Moritz. Es ist ausregender als Sommersport, und der Totalisator wird kräftig beschäftigt. Es lohnt sich diesmal, in das Engadin zu gehen. Die Tage sind länger, und selbst Pontresina hat Sonne. Bis zum 19. Februar dauert die Olympiade, dann sind die Kämpfe vorbei. Ein Umzug aller Teilnehmer mit ihren Sportgeräten soll den Abschluß bilden. St. Moritz hat eine glänzende Saison. Wohl dem, der sagen kann:„Ich bin dabeigewesen!" Ein weihevoller Auftakt. Bei unfreundlichem Wetter und heftigem Schneetreiben ging der Eröffnungsakt der II. Olympischen Winterspiele vor sich. Aus allen Richtungen strömten die aktiven Teilnehmer, die offiziellen Persönlichkeiten und die vielen Schlachtenbummler zum Kulm-Hotel. Als sich der Zug formiert hatte, ging es unter Glockengeläut, nach Nationen geordnet, in Richtung Eisstadion. An der Spitze der Zugorbnun g so h man die deutschen Teilnehmer mit dem bayerischen Skiläufer Karl Neucker als Fahnenträger. Bald war das flaagengeschmückte Eisstadion erreicht. Bon der Tribüne herab sprach der Schweizerische Bundespräsident Schultest Herzliche Worte der Begrüßung, dann ging der eigentlich« feierliche Akt vor stch. Don den Fahnenträgern aller Nationen umgeben sprach Hans Eidenbenz- St. Moritz den o l y m p i f ch e n E i d. Eishockeyspiele am Sonnabend. Heftiges Schneetreiben störte zunächst den Verlauf des ersten Spieles zwischen Oesterreich und der Schweiz, das zur Gruppe II zählt, in der auch die deutsche Mannschaft eingereiht ist. Die Schweiz kam durch Fasel zum ersten Tor, dann sandte der Wiener Lederer die Scheibe dreinial ei» und schließlich stellte der Wiener Göbel das Ergebnis auf 4: 1. Als die Einheimischen ihren Torwart Martignoni durch Fasel ersetzten, ging es weit besser. Zunächst hotte Breiter zwei Tore auf, der ausgleichende Treffer(4:4) fiel durch Meng.— Eine ziemlich einseitige Angelgenheit war die Be- aegnung Frankreich— Ungarn in Gruppe I. Bei über- legener Spielführung begnügten' sich die Franzosen mit einem 2: 0- S i e g e, Häßler und Quaglia waren die Torschützen im zweiten Spieldrittel.— Das ebenfalls zur Gruppe I zählende Spiel Eng- land— Belgien dürfte die Frage nach dem Gruppensieger zu- aunsten Englands geklärt haben. Das Resultat 7:3 für Eng- land gibt den Spieloerlauf allerdings nicht richtig wieder.— Das Spiel der beiden kampfstarken Mannschaften Schweden— Tschechoslowakei beschloh den ersten Tag. Schweden er- härtete seine Favoritenstellung in Gruppe II, indem es das Team der Tschechen mit 3:0(l: 0, 2:0) abfertigte. Schöne Anariffs- aktionen der Tschechen scheiterten sämtlich an der vorzüglichen Arbeit der schwedischen Hintermannschaft. Oer Sonntag. Militär-Patrouillenlauf. Als Demonstrations-Wellbewerb zu den Olympischen Winter- Wielen wurde in den frühen Vormillaasstunden der Militär- Potrouillenlauf über eine Strecke von 30 Kilometer aus- getragen. Es war eine äußerst schwierige Ausgabe, die die neun startenden Mannschaften' zu lösen hatten, heftiger Wind und starkes Schneegestöber waren höchst unerfreuliche Begleiter. Der Start befand sich in 2100 Meter Höhe, in ständiger Steigung mußte zunächst eine Höhe von 2877 Meter erklommen werden, dann folgte eine schwierige Abfahrt. Einem Gefälle von nahezu 1100 Meter schloß sich schließlich der Flachlaus zum Ziel nach St. Moritz an. In der Reihenfolge Tschechoslowakei, Deutschland. Polen, Frankreich, Finnland, Italien, Norwegen, Rumänien, Schweiz ging es in' Abständen von je drei Minuten auf die beschwerliche Reise. Die deutsche Mannschaft unter Führung von Lt. Raithel- München zog stch sehr ehrenvoll aus der Affäre und besetzte einen achtbaren fünften Platz tn 4 Std. 16 Min. 03,5 Sekunden. Di« favorisierte norwegische Patrouille mit Lt. Reistad als Führer siegte in 3: 50: 47 vor Finnland(3: 54: 37) und der Schweiz(3: 55: 04). Wiederum vier Eishockeyspiele. Das erste Spiel derdeutschenMannschaftmitOester, reich brachte eine Enttäuschung nach der angenehmen Seite hin. In der Besetzung Steinte, Schmid, Kreisel. Rammelmayer, Römer, Iänecke lieferte sie der starken' österreichischen Vertretung unter Lei- tung des Belgiers Poplimont ein gleichwertiges Spiel, das auf keiner Seite einen Torerfolg zeitigte. Die Angriffe der Wiener oerrieten zwar zumeist mehr Durchschlagskraft, Steinte im deutschen Tor war jedoch nicht zu überwinden.— Die sehr eifrig spielenden Ungarn kamen zwar zum Führungstresser, den drei Torerfolgen der Belgier im zweiten Spieldrillel konnten sie jedoch nur noch ein zweites Tor entgegenstellen.— Die Faoorllen- stellung Englands in Gruppe I ist n'ach der 3:2- Niederlage durch Frontreich stark erscküttert, denn Frankreich hat bereits einen Erfolg gegen Polen auf seiner Seite und sollte das noch aus- stehende Spiel mit Ungarn glkttt gewinnen. In diesem Falle ist Frankreich Gruppensieger. England legte zwar da» erste Tor oor� doch in d«y zweiicn fünfzehn Mjnutcn kam Frgykreichzu öse; Erfolgen und nur durch eick Eigentor siel das Resullat günstiger für England aus.— Nach dem 3:0- Siege über die Tschechoslowakei mußte stch Schweden als Favorit in Gruppe II mit einem unent- lchiedenen Ergebnis von 2: 2 im Kampf mit Polen be- scheiden. Heute Montag wird dos olympische Programm morgens von 8 bis 10 Uhr zunächst die 500-Meter-Strecke der E i s s ch n e l l- lauf er bringen. Um 10 resp. 11 H Uhr spielen dann Polen gegen Tschechoslowakei und Rumänien gegen Frankreich'Eishockey. Am Nachmittag von 1 bis 5'A Uhr werden die 5000 Meter der Schnell- läufer und die 500-Meter-Streckc gelaufen. DMV.- Winterfahrt 1928. Start: Mariendorf; Ziel: Hirsefaberg, Der Motorradklub von Deutschland hatte mit seiner Mint er fahrt Glück: öffnete am Sonnabenömorgen beim Start in Mariendorf Petrus auch die Schleusen, so klärte stch im Verlauf der Fahrt das Wetter ganz erheblich auf. Am Start sammelten sich 88 Fahrer, zum Teil mit Bei- wagen, nur vier erschienen nicht. Um Vz7 Uhr wurde die letzte Gruppe aus die Reise— Ziel Hirschbcrg— geschickt. Drei Kontrollstellen waren zu passieren: Kottbus, Görlitz und Hirschberg. Di« Prüfung selbst zerfiel in zwei Teile: Zuverlä�sigkeits- fahrt und Bergprüfung. Unfälle waren so gut wie gar nicht zu verzeichnen. Rur hinter Muskau stieß der einarmige Fahrer H. Steinfurth mit einer anderen Maschin« zusammen und mußte mit leichten Berletznnaen ws Krankenhaus geschafft werden. Einige Re- sultate: Gruppe I: Zylinderinhalt!l9 bis 349 Kirbik-enttmeter. Strafpunkte mr zwei Fahrer� ausKtichieden zwei Fahrer. Gruppe II: Zytindeiinhalt 350 bis 598 Kubikzentimeter. Strafpunkte für einen Fahrer, ausgeschieden sechs Fahrer. Gruppe III- Zylinderinhalt 478 bis 1200 Kubikzentimeter. Strnfpunkle für fünf Fahrer, aus» geschieden 10 Fahrer. � Eishockey Königsberg— Berlin 2: 1. Vor nur wenigen Zuschauern trat im S p o r t p c t a st dle junge Mannschaft des B e r e i n s für Bewegungssviele, Königs- b e r g einer kombinierten Vertretung des Berliner S ch l i t t- schuh kl ubs, die ober ausfallend schwach war, gegenüber. Trotz aufopfernden Spieles tonnten Dr. Holzboer und Linke ein« Nieder- läge nicht abwenden. Da» einzige Tor für den BSC schoß Dr. Holzboer. für Königsberg waren Koklinfki und Zlbburys I erfolg» reich. Am Montag abend spielen die Königsberaer gegen eine Auswohlmannschaft des Norddeutschen Eissportverbanoes. Kubleben im Schnee. Trotz des Überraschend gekommenen Schneefalls und d«s ebenso schnell eingetretenen Tauwetters ließ man die Ruhlebener Trabrennen stattfinden. Dos Geläuf wurde, so gill es ging, gesäubert, befand sich aber trotzdem keineswegs in einwandfreier Berfastung. Die sportlich« Ausbeute des Tages litt darunter er- hebltch zudem litten die Rennen unter schwacher Beteiligunfl. Beels»SN Neustadt. 1. H Ftt'&t S'nrn-'arnestcr S."reu. drt»(fN.), 2. Bdel'n», 8. o'rnfro" o e 88:13.? aß 15. 19."7; 1Ü. Zern er lief.-;: SB I•»ae,(SiBrfcreo. Ank r I> off nm.i: am erb. Peel« v»n Wittenberg«- 1. Sebr. Knai ers L.ö m.r! n I u e n d o r s f, bei der Auswahl des Borspiels einen besonderen Einfluß gellend gemacht hat oder ob der Inbnlt des Spiels einem auf der Horbichule alloemein herrschenden Geist entsprang. Auf- klärunfl hierüber kann Herr Neuendorff wohl am besdm dem ihm übergeordneten Minister für Wissenschast, Kunst und Volksbildung neben. k- Li Chicago gcsch'agenl Nach seinem e'ndrucki-vollen New Porker Siege am 2. Februar ging Otto P e l tz e r in C h i k a g o zum zweiten Male auf amerika- nssäzein Boden an den Start. Er bestritt ein 1000-Meter- Lausen. Unter dem Jubel seiner Landsleute ging der Amerikaner C o n g e r in 2: 37 als leichter Sieger durchs Ziel, mit 10 Yards Borsprunq mt dem dautfchen Wellretordmau«.