Morgenausgabe Tit. 75 A38 45. Iahrgang Wöchentlich JO Pfema�«vvaSch 5/- Reichsmark tm»orau» zahld«. Unter Streifband un In- und Äu»» land Ö.50 Reichsmark pro Monat. Der.Dorwörts* mit der illustrier, ten Sonntagsbeilage»Boll und Zeit* fomte den Beilagen.Unterhaltung und Wisiett*.Aus der Filmwelt". .Stadtbeilage�.Frauenstimme*» .Der Kindelfreund*.Iugend-Vor» wärts*.Blick w die Büchenuelt". .Rulturorbeti* und.Techni?* erscheint wochentäglich qweivlal» Sonntag» und Montag» einmal. Aerlinee volssblatt Oiensiag 1.4. Febmar 1928 Groß-Äerlin 1k) Pf. Auswäris ilS Pf. Dw• I fl t p• 1 1 1 g• Ronpareillezest» 90 Pfennig. Retlameteile 5.— Reichs« mark.Klewe Anzeigen" das fettge« druckte Wort 2S Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Wortes, jedes weitere W«n1 J2 Pfennm Stelleng sfuche das erste Won 13 Pfennig, jedes weitere Wärt 10 Pfennig Worte übet 15 Buchstab' n »ählen für zwei Dmie Arbeilsmorli Zeile 60 Pfennig Familionzelgen iur Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen» annahm»»m Lsäuptgeschökt Linden» straße3. wochentagl. von S'/s bi» 17 Utx Jentvalovsa« der SoziawemyKvaMOen Vaviei Dentschtands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernspreche:: Dönhoff 292—297 Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Verlin 87 SSS— Dankkonto: Bank der Ardeiter, Nngeltellien tind Beamten iLallstr. Kö. Diökonto-Ecsestschoft, Teposttenkaffe Lindenslr S Der Bürgerblock wieder einig. Aber nur zur Verschlechterung der Arbeitslosenversicherung! 3« geschchsn Zeichen und Wunder. Der Bür�erblock meldst sich auf ginmal wieder gesund. Er interpelllert— sogar gegen feine eigene Geseßgebung! Gegen sein sozial- politisches Paradepferd, gegen die Arbeitslosenversicherung! Alle sind sie wieder beisammen, olle sind sie sich darin einig, daß es so nicht weitergeht. Die Metallindustriellen kündigen die Aussperrung von 800 000 Arbeitern an. Gleichzeitig erheben die Bürgerblock- Parteien den Schrei nach der Herabsetzung der Unterstützungen für die Arbeitslosen. Aber, wenn wir von sozialer Reaktion sprechen, nennen sie das eine „sozialdemokratische Hetzphrase". Bei der Beratimg des Haushalts des Reichsarbeits- Ministeriums steht heute folgende Interpellation mit auf der Tagesordnung: Die Durchführung des neuen Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat auf dem platten Land« Folgen gezeitigt, die den ländlichen Arbeitsmarkt höchst ungünstig beeiv» fiufsen. Arbeitsträste, die früher alljährlich in der Landwirtschaft, vor allem in der Forstwirlschast, den Winter über gearbeitet haben, entziehen sich i«tzt auf Grund des Wegfalls der Bedürft lg- teltsprüfung und wegen der höheren Versicherung«» l« i st u n g e n derartigen Arbeiten. Außerdem birgt der jetzig« Zu- stand die Gefahr in sich, daß auch die bodenständigen Arbeitskräfte veranlaßt werden, einer ständigen und damit geringer bezahlten Ar- beit aus dem Wege zu gehen und durch Uebernahm« von verhältnismäßig hoch entlohnter Saisonarbeit in ein« möglichst hohe Unterstützungsklasse zu kommen, um dann möglichst großen Vorteil von der Arbeitslosenversicherung zu ziehen. Sind diese Mißstände und Gefahren der Reichsregierung be- kannt? Welche Maßnahmen gedenkt sie im Einvernehmen mit der Relchsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenoer- ficherung zu treffen, um die den Arbeitswillen lähmen- den Mißstände zu beseitigen und um die Arbeitsbe- schaffung. als wichtigst« Maßnahm« in der Bekämpfung der Arbeits- losigkeit, wieder in den Vordergrund zu rücken? Graf v. Westarp und Fraktion. v. Guerard und Fraktion. Dr. Scholz und Fraktion. Leicht und Fraktion. Drewitz(Berlin) und Fraktion. Noch vor wenigen Tagen hat der sich radikal gebärdende Herr I m b u s ch vom Zentrum die Sozialpolitik des Bürger- blocks gelobt und die Schaffung der Arbeltslosenoersicherung gefeiert. Er hat dabei verschwiegen, daß die erreichten Verbesserungen nur unter dem starken Druck der Sozial- demokratie zustande kamen. Das gilt auch für die Einbe- zichung der Land- und Forstarbeiter in die Arbeitslosen- Versicherung. Die deutschnationalen Bundesgenossen haben das mit allen Mitteln zu verhindern versucht. Die Arbeitslosenversicherung ist wenige Monate in Kraft. Sie gibt allen Versicherten, die eine versicherungspflichtige Be- schäfiigung von 26 Wochen nachweisen können uitd unverschul- det arbeitslos werden, einen Rechtsanspruch auf Unter- stützung. Das paßt den Agrariern nicht. Sie wollen billige und willige Arbeitskräfte.' Die Aushungerung der Arbeits- losen soll oen landwirtschaftlichen Umernehmern die erforderlichen Dienste leisten. In den nächsten Wochen setzt die erhöhte Nachfrage nach landwirtschaftlichen Arbeitskräften ein. Da ge- braucht man die Bedürftigkeitsprüfung, um auf die Arbeitslosen einen Druck auszuüben, auch zu den schänd- lichsten Arbeitsbedingungen Arbeit anzunehmen. Der Bürgerblock hat den Mut, den Wegfall der Be- dürjtigteitsprüfung zu beklagen und von den hohen Ver- sicherungsleistungen zu sprechen. Dabei richten sich die Lei- stungen nach dem bisherigen Einkommen, berücksichtigen auch die miserabelsten Löhne, so daß es möglich ist, daß der wöchentliche Unterstützungssatz in der Lohnklasse I nur 6 Mark beträgt. Daran kann man ermessen, wie die Unter- stützungssätze beschaffen sein müssen, die den Beifall des Bür- §erblocks finden. Die Unterstützung soll beseitigt oder erabgesetzt werden,»um die den Arbeitswillen lähmen- den Mißstände zu beseitigen", wie es so schön in der Inter» pellation heißt Dieselben Parteien, die jetzt den Arbeitslosen ihre Unter- ftützungsgroschen schmälern wollen, haben es abgelehnt, die Pensionen von Ossizieren und Beamten zu kürzen, die neben der Pension auch noch Riesengehälter aus der Privat- industrie beziehen. Ihnen scheint es auch unmöglich, für die Pensionen, die das Reich bezahlt, eine Höchstgrenze von 12000 Mark pro Jahr einzuführen' Die Interpellation ist ein Deweis mehr für die Richtigkeit des Satzes, daß die Götter den mit Blindheit schlagen, den sie verderben wollen. Eine praktische Auswirkung kann ihr in diesem Reichstag nicht mehr beschieden sein. Der Bürgerblock hat nicht mehr die Kraft zu schaden, er zeigt dafür noch im Sterben, was die Arbeiter von ihm zu erwarten haben, wenn er wieder aufersteht. Die Interpellation ist von a l l en Bürgerblockparteien unterzeichnet. Auch vom Zentrum! Wer bei den Wahlen für eine dieser Parteien seine Stimme abgibt, unterstützt da- mit ihren Anschlag auf die Arbeitslosenversicherung. Wann wird aufgelöst? Ueber die gestrigen Besprechungen des interfraktionellen Ausschuffes der Regierungsparteien wird offiziell bekannt- gegeben: Die gestrigen interfraktionellen Besprechungen im Reichstage über die mit dem Reichsschulgesetz zusammenhängenden Fragen begonnen um vier Uhr und dauerten bis kurz vor sechs Uhr. Bon der Rcichsregierung nahmen daran teil der Bizekonzler Hergt, der Reichsinnemninister Dr. v. Keudell sowie der Staatssekretär der Reichskanzlei Dr. Pünder. Die Desprecknmgen erstreckten sich auf den gesamten Umfang der strittigen Fragen und konnten daher noch nicht zu Ende geführt werden. Sie werden heute vormittag um zehn Uhr wieder aufgenommen werden. Es handelt sich dabei in Wirklichkeit nur noch um die Formalitäten eines Begräbniffes. Der 29. AprU bleibt nach wie vor der wahrscheinliche Wahltermin. Deutschnationale und Zentrum hatten gestern abend Fraktionssitzungen, bei denen natürlich auch nichts End- gültiges herauskann. Im Zentrum spricht man jetzt von einer Beschleunigung der Etatberatungen, damit Ende März aufgelöst werden kann. Metallindustrielle gegen Staat. Warum die Metallindustriellen aussperren. Stuttgart, lZ. Februar.(Eigenbericht.) Infolge der Verschärfung des Kampfes ln Mitteldeutschland durch die Ankündigung de» Gesamloerbande» Deutscher Metallindustrie ller, eine Generalavssperrung vorzunehmen, hat der Deutsche Metallarbeiter verband zu Dienstag eine Belralssihung nach Stuttgart einberufen. Der Beirat wird zu der verschärsten Kamps- tage Stellung nehmen und die notwendigen Beschlüsse fasten. Die„Nordwestliche" macht nicht mit. Bochum, lZ. Februar.(Eigenbericht.) von dem Seneralaussperrongsbeschluß des Gesamtoerboodes Deutscher Metalliudostrieller wird die nordwestliche Gruppe, die die Betriebe von Hamm bis Düsseldorf umfaßt, sowie die Siegerländer Industrie und die In» dnstrie zwischen Aachen und Düren nicht betroffen, da diese Induftriegruppen nicht dem Gesamtverband der Deutschen Metall- industriellen angeschlosfen sind. * Die Metallindustriellen haben das Bedürfnis gefühlt. die ihnen sympathisch erscheinende Presse zu einer Be- sprechung einzuladen, um die Gründe darzulegen, die nicht nur für den Riesenkamps in Mitteldeutschland, sondern auch zu dem wahnsinnigen Beschluß geführt haben, die Gesamt» ausspcrrung in der Metallindustrie Deutschlands am 22. Februar vorzunehmen. Entweder müssen diese Gründe so schlecht gewesen sein, daß die Vertreter der eingeladenen bürgerlichen Presse sich schämten, sie der Welt bekanntzugeben, oder aber der Direktor der G r u s o n- W c r k e in Magdeburg, der den Auftrag hatte, die Presse zu informieren, hat wirklich nur die paar sinnlosen Argumente vorgebracht, die man in einigen Abendblättern gestern lesen konnte. Di? Gründe sind danach folgende: t. den Metall- industriellen geht es sehr schlecht, sie verleilen entweder gar keine Dividende oder nur etwa den zehnten Teil deffen, was sie vor dem Kriege verteilen konnten: 2. müsse das Schlich- tungsoerfahren ein für allemal vor gewaltsamen Eingriffen sichergestellt werden. Auf das erste Argument verlohnt es sich kaum, auch nur mit einem Wort einzugehen. Die Abschlüsse in der Metall- industrie, die in den legten Wochen bekannt wurden, sind zu sehr in aller Erinnerung, als daß sie von eineni Direktor eiues Krupp-Werkes in Vergessenheit gebracht werden könnten. Daß es insbesondere auch bei Krupp nicht auf die Höhe der verteilten Dividende ankommt, wenn man die G e w i n n e feststellen will, weiß schließlich jedes Kind. Wenn die Metallindustriellen bei der Gelegenheit auch wieder ausgerechnet durch einen Direktor eines Krupp- Werkes über die hohen E i s e n p r e i s e klagen, so mutz mau staunen, was die Preffevertreter da alles geduldig an- hörten. Bei den Verhandlungen im Dezember für die Schwer» mdustrie des Ruhrgebiets sind die Arbeiter benachteiligt worden» weil die Unternehmer zu verstehen gaben» daß sie von einer Erhöhung der Eisenpreise absehen würden. Als der Schiedsspruch verbindlich erklärt war, haben die Unternehmer die Eisenpreise erhöht. Und jetzt sagt der Direktor von Krupp, man könne die Löhne nicht erhöhen wegen der erhöhten Eisenpreise! Roch verblüffender ist das Argument mit der Sicher» stellung des Schlichtungsverfahrens. Seit Jahren haben die Unternchmeroerbände immer wieder Protest erhoben gegen die sogenannten„Z w a n g s s ch i e d s s p r ü ch c". Run wollen sie aussperren, weil der Schiedsspruch von Magdeburg nicht für verbindlicb erklärt worden ist... Und der König absolut, wenn er unfern Willen tut. Der Verband Berliner Metallindustrieller würde sich „nur" über den Lohnvertraq für die H i s s a r b e i t e r hinwegsetzen, wenn er den Aussperrungsbeschluß durchführen würde, von dem in Berlin etwa 180 000 Arbeiter und Ar- beiterinnen betroffen würden. In den anderen Bezirken, die dem Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller angcschlos- sen sind, bestehen aber außer den Mantelverträgen auch Lohn- vertrage. Es macht den Metallindustriellen offenbar nichts aus, tarifbrüchig zu werden. Die Metallindustriellen sind der Meinung, daß der Staat dazu da ist, uin die Arbeiter niederzuhalten. Wenn der Staat das nicht tut, dann kann er den Metallindustriellen gestohlen bleiben. Das ist in Wahrheit der Sinn des Aussperrungsbeschluffos. Gegen die Gefrierfleischdrosselttng. Sine sozialdemokratische Interpellation. Die sozialdemokratisch« Reichsmgssraktion w«nd«t sich ln folgen- der Interpellation gegen die Verknappung der Ein- fuhr von Gesrterflelsch: .Die Reichsregiening hat in der Sitzung des Handelspolitischen Ausschusses vom 2. Juli l92ti crkiän, daß sie die zollfreie Ein- fuhr von 10 iM» Taimen Gejrierfleisch monatlich für erjorderlich halte. Demgemäß beschloß der Ausschuß. Trotzdem hat das Reichsmintsterium für Ernährung und Landwirtschaft In den letzten Ianuartogen dieses Jahres diese Menge auf 8500 Tonne» monatlich herabgesetzt, eine Maßnahme, die im schroff?» Widerspruch zu dem§ 5 des Gesetzes über Zolländecuiigen vom 17. August 1925 steht. Nach diesem Gesetz ist die Gesrierfleisch«!»- fuhr.im llmsangc der bisherigen Einfuhr" zollfrei. Diese Ein- fuhr betrug aber in dam der Kontingentierung vorangehenden Jahr 148 000 Tonnen. Da bisher bereits die zollfreie Gesrierfleisch- einfuhr bei weitem nicht ausreichte, um den Bedarf der minder- bemittelten Bevölkerung zu decken, muß die jetzt vorgenommene Kontingentskürzung zu einer weiteren Verknappung und Verteuerung des Gefrierfleisches und damit zu einer schweren Schädigung der minderbemittelten Verbraucher führen. Was gedenkt d>« Reichsregierung zu tun. um ihre eigene, erst vor kurzer Zeit zum Ausdruck gebrachte Auffassung über die aus- reichende und billige Ernährung der minder kauffähigen Bevölkerung durchzuführen?" Die Fememörder begnadigt. Ltmwandlung der Todesstrafe in langjähriges Zuchthaus. Wie der Amtliche preußische Pressedieust mitteilt. sind durch Beschluß des preußische» Staatsmiuisteriums vom IS. Februar d. I. die wegen Ermordung des Kauf- manus Wilms rechtskräftig erkannte« Todes- st r a f e u für die verurteilten Fuhrmann. Klapp- r o t h und Schulz i» lebenslängliches Zucht- Haus, für den verurteilten Umhofer in eine Jucht» hausstrafe von 13 Jahren umgewandelt worden. » Es mar nach der Gnadenpraxis des Preußischen Staats-- Ministeriums zu ermarten, daß die Todesstrafe gegen die Fememörder nicht vollstreckt würde. Auch ohne die deutsch- national-völkischcn Rununel zugunsten dieser Zierden der Schwarzen Reichswehr war mit der Umwandlung der Todes- strafe zu rechnen. Da die Sozialdemokratie grundsätzliche Gegnerin der mittelalterlichen Todesstrafe ist, so hat sie auch in diesem Falle keine Einwendung gegen die Strafmilderung zu erheben. Nach der erwähnten, schon seit längerer Zeit geübten preußischen Gnadenpraxis ist damit zu rechnen, daß nach Verbüßung eines Teiles der Zuchthausstrafen geprüft wird, ob eine weitere Ermäßigung möglich ist. Wir zweifeln nicht daran, daß die gleichen„patriotischen" Kreise, die sich bisher so liebevoll der ZOtfordgesellen angenommen haben, auch weiterhin sich bemühen werden, den Eintritt dieser Ermäßigung möglichst frühzeitig zu erreichen. Aber es bedarf kaum der besonderen Betonung, daß zwischen grundsätzlicher Gegner- schaft gegen die Todesstrafe und grundsätzlicher Straf» freihält für völkische Mordgesellen eine un- überbrückbare Kluft gähnt. Dem verletzten Rechtsgefühl des Volkes entspricht es durchaus, daß die bestialischen Taten eines Klapproth und die befehlsmäßige Anstiftung durch feine sogenannten Vorgesetzten nicht milder behandelt werden, als andere Verbrechen"ähnlicher Art. Die„Gesinnung" dieser Verurteilten mag den Putschisten von Beruf als lobens- wert erscheinen, für die übrige Mitwelt ober stellen sich die Taten der Fememörder dar als brutale A b s ch l a ch- tung vo n Wehrlosen� die man in verlorene Gegenden lockte, sie dort kaltblütig niedermetzelte und dann verscharrte. wie verendete Tiere! Selten ist viehische Roheit so mit dem Mantel„vaterländischer" Gesinnung drapiert worden, wie im Falle dieser Fememorde.. Deshalb hat die Verurteilung zum ersten Male seit langer Zeit die Empfindung ausgelöst» daß die Republik sich auch gegen die„vaterländisch" verzierten Rohlinge zu wehren weiß. Diese Empfindung würde jedoch völlig verlöscht werden» wenn den unablässigen Bemühungen der Mörder-- freunde nach weiterer Begnadigung und gar nach Freilassung der Verurteilten nachgegeben würde. • Die Fememorder haben sich ohnehin nicht zu beklagen. Trotz- dem sie rechtskräftig verurteilt sind, genießen sie. wie wir schon einmal kurz andeuteten, eine Lorzugshehandlung in der Strafanstalt, wie sie sich wahrscheinlich selbst nicht erträuint haben. Es werden uns neuerdings Mitteilungen über zahlreiche Besuche von Männern und Frauen bei de in jetzigen Zuchthousgefangenen Schulz gewacht. Mitteilungen, die geradezu erstaunlich sind. So hatte Schulz am 5. Februar den Besuch von siebe« Männern und drei Frauen: �>n> 6. den von zwei Freunden und einer Dame: am 7. den Besuch dar bekannten Namen Knoll und Brcithaupt: am 8. waren zwei Damen u» wieder Vre-thaupt da-, am S. erschienen drei Männer und vier Damen: am 10. waren wieder zwei Männer und vier Damen bei diesem Häuptling der Feme. Andere, die wegen geringerer Vergehen eingesperrt sind, hoben weniger Gelegenheit, mit der Außenwelt in Berührung zu kommen. Sie haben auch nicht völlig renoviert« Zellen, wie Schulz, dem man in Erwartung„hoher Besuche" die Neueinrichtung scinÄS Ausent- Haltsraumes im voraus gewährte. Er ist nicht lange in ihm ge- blieben, denn er erreichte bald seilt« Ueberführung.in das Lazarett des Untersuchungsgesängnisse» in Moabit. Soll jetzt, nach der Umwandlung der Todesstrafe in Zuchthaus, die Dorzugsbehandlung der Verurteilten auch weiterhin gewährt werden? Soll der Obcrmacher der Feme auch in Zukunft mit JHrr Oberleutnant" angeredat werden? Oder wird jetzt endlich die Gleich. heit vor dem G.chetz auch in der Strafanstalt angewendet? Mängel in der Sozialpolitik. Die Sozialgesetzgebung vor dem Reichstag. Oer reaktionäre Geist im Heere. Kritik am Reichöwshrhaushali. Die allgemeine Aussprache über den Heeresetai nahm auch am Montag den Ausschuß für den Reichshaushalt in Anspruch. Gegen- über Angriffen des Abg. Crsing lZ-) erklärte Genosse S ch ö p f l i n, daß die sozialdemokratischen Sireichuugsantrüge aus sachlichen Erwägungen und nicht aus politischer Einstellung gegen die Reichswehr eiüstonden feien. Die finanzielle Loge Deutschlands sei derart, daß nicht nur bei der Reichswehr, sondern bei allen Ver- waltungen gespart werden müsse. Herr Groener habe bei feiner Programmrede vor einer schwierigen Aufgabe gestanden. Die Rede hotte für den Bürgerblock passen müssen, sie mußte zugleich aber so gefaßt sein, daß eine kommend« neue Koalition an ihr nickst 'Anstoß zu nehmen braucht. Für Dr. Geßler wäre das eine wundev- schöne Aufgabe gewesen. In der Groencrschen Rede z« r st ö r e leider der zweit« Teil vielfach den sehr guten Eindruck des ersten Teiles. Zu unterstreichen sei der Ausspruch des Ministers, nach dem die Reichswehr ein treuer Diener der versa ssungsmäßi- gen Regierung zu sein habe, ebenso sei«s zu begrüßen, wenn der Minister mit aller Strenge darauf achten wolle, daß den Symbolen der Republik volle Achtung entgegengebracht werde. Um die Reichswehr aus der politischen Drecklinie herauszubringen, sei dar einzige Weg, daß diese sichvonallenilkegalenOrgani- sotioncn fernhalte. Sehr bedauerlich sei, daß der Minister im zweiten Teile seiner Red« u. a. den Besuch des früheren Prinzen Heinrich auf dein Kreuzer„Berlin" so gänzlich als Bagatellesache behandelt habe. In breiten Kreisen des Volkes wurde darüber durchaus mit Recht sehr viel und sehr unliebsam geredet. Nach der Einstelliiug eines Hohenzollernprinzen in die Reichswehr durch den General Seeckt sei die-Haltung des Ministers zu diesem Besuch ganz unbegreiflich. Dr. Geßler habe seine Laufbahn als Minister mit dem Eingeständnis abschließen müssen, daß er in seinem eigenen Hause angelogen und betrogen worden ist. Das sei die Folge davon, daß Dr. Gaßler höchstens einmal mit cineni Leutnant oder Hauptmann Fraktur geredet habe, aber vor allen höheren Stellen änglilich zurückgewichen fei. Man wird abzuwarten haben, ob der neue Minister anders als fein Amts Vorgänger durchgreifen wird. Erst wenn er das tut, werden seine Worte mit seinen Taten übereinstimmen. Die Sozialdemokratie kämpfe nicht gegen, sondern u in die Reichswehr. Im weiteren Verlaus der Debatte brachte Genosse Künstler noch ein geradezu skandalöses Verhalten eines Oberleutnants Heile- mann der 3. Kompagnie des 17. Regiments in Brounfchweig zur Sprache. Dieser habe seine Kompagnie ausgesprochen antisemi- tische und republikfeindliche Lieder singen lassen, und sogar öffentlich gesagt, der Chef der Heeresleitung, General Heye, sehe aus wie ein K ü ch e n u n t e r o f f i z i e r. Was wäre früher mit einem solchen Mann geschehen? Der Demokrat Dr. Haas sagte u. a., man könne den Eindruck nicht los werden, daß die Reichswehr sich noch immer der Republik jchäme. Anschluß Waldecks au Preußen. Entwurf eines Stoatsverkrages. Kassel, 13. Februar. Wie die„.Kasseler Post" aus Arolsen meldet, ist der preußische CntjByrf zu einem Staats vertrag zwischen Watdeck und Preußen.über die lB« r ei» i gu n g W a l d e ck s mit Preußen am T Februar 1928 bei der wald-icksscken Landesoertrebing ein« pezangin. Der Entwurf, dessen einzelne Bestimmungen seit längerer Zeit Gegenstand eingehender Beratungen waren, ist von der wal- deckischen Landesvertretung und vom Lerfassurrgsausschuß gemein» icrn besprachen worden. Bezüglich des! leberganges des Eigentums von Bad Wildungen an Preußen(§ 9 des Lsrtrages) soll später noch verhonMt weichen. Der Entwurf besteht aus zehn Artikeln, zu denen et» Schluß- Protokoll eingehend« Erläuterungen gibt und einzeln« Fragen be- bandelt. Der Staatsvsrtrag gewinnt dadurch für die Provinz Hesssn-Nassau besondere Bedeutung, daß der gesamte Freistaat Wa'beck der Provinz Hessen.Nassau und zwar dem Regierungsbezirk Kassel angeschlossen wird. Aus dem Vertrag, der om 1. April 1SM in Kraft treten fall, teilt die.Kasseler Post" u. a. mit: Nach Artikel Z. § 5 sichert Preußen das Be stehenbleiben der drei w a l d e ck i s ch« n Kreise auf die Dauer von fünf Jahren zu. Ein« frühere Bereinigung darf' nur auf Wunsch der beteiligten Kreise erfolgen. Der oder die bestehenblcibenden Kreise sollen den waldeckischen Wappenstern weiterführen. Nach dem§ 6 geht dos allgemeine waldeckische Staotsvermögen einschließlich des Staatsgutes Keppel mit allen auf ihm ruhenden Lasten und Verpflichtungen auf Preußen über. Das Svnderoermögen des waldeckischen Domouiums geht mit allem Sondereigentum an Bad Wildungen und einigen Forsten und Dominien auf einen von deck drei waldeckischen Kreisen gebildeten Zweckverband über, der spätestens drei Monate vor der Vereinigung gebildet werden muß. .Hattöelsverirag für polen wertlos ... ohne agrarische Zugeständnisse. . Warschau. 13. Februar.(Eigenbericht.) Der polnische Landwirtschastsmmister hat am Montag als Ant- wort auf die Befürchhmgen laickiwirtschaftlicher Organisationen bezüglich der Auswirkung des deutsch- polnischen Haudetsvertragcs eine bedeutende Rede gehalten, in der er die Bedenken der deutschen Landwirte vor der Einfuhr polnischer landwirifchafUicher Erzeugnisse zurückweist. Vertreter der polnischen landwlrtschaftlichen Organisationen haben erklärt, daß sie mehrfach für den Abschluß eines Handelsvertrages eingetreten feien, der für sie neu« Export- Möglichkeiten bedeute. Indessen häuften sich die Meldungen aus Deutschland, daß mau dort besonders auf den Tagungen des Laad- bundcs in Anwesenheit von Regierungsvertretern gegen die Oesfnung der deutschen Grenz» für polnische landwirt- schaftliche Erzeugnisse agitier«. Der Handelsvertrag mit Deutsch. land könne aber nur darauf beruhen, daß er die Einfuhr deutscher mdvstrieller Erzeugnisse nach Polen und die Ausfuhr polnischer lendwiriscklasllicher Produkte usw. nach Deutschland regele. Ohne entsprechende Ausftchrmöglichkeitea für die Erzeugnisse der polnischen Landwirtschaft wäre der Handelsvertrag für Polen wertlos, indessen beabsichtige die polnische Landwirtschaft keines- n-egs. den Export derart auszudehnen, daß hierdurch die deutsche landwirtschofchiche Rentabilität beeinträchtigt werde. Die polnische Landwirtschaft strebe lediglich K o n k u rr« n zm ö zli ch° t e> t an. Sozialdemokratischer Senator in Lübeck. Die Bürgerfchaft Lübecks wäiüte das sozialdemokratisch» Bürgerschaftsmitglied. Hon- Mstontrolleur Haut, mit den Stimmen der Sozialdemokraten und Demokraten an Stelle des verstorbenen Senators Hoff zum Senator. Der Reichstag fetzte gestern die sozialpolitische Debatte beim Kapitel Sozialversicherung fort. Hierzu liegen ein« Reihe Ausschußentschließunqen vor: Existenz sichcrung der älteren Ange. stellten und Arhester. Erhöhung der Lahnp s ändun g? grenze. Beseitigung der rechtlichen Benachtellizunz ixx technischen Angestellten in der Gewerbeordnung. Berwalmna xvereinla chung in der Sozialoen. sicherung. besser« Berücksichtigung Deutschlands im Internationalen Arbeitsamt. Di« Kommunisten haben ein Mißtrauens- votum gegen den Reichsarbeitsminister eingebracht. Frau Abg. Schröder(Soz.): Der Schutz der Arbeitskraft gegen Krankheit und Ast er muß viel stärker werden als bisher. Der Kreis der Schutzbsdürftigen muß möglichst weit gezogen werden. Wenn die Arbeitgeber immer wieder Wer ihre Bellrstung durch die Sozialversicherung stöhnen, so muß demgegenüber daraus hingewiesen werden, daß vornehm- lich die Arbeitnehmerschast es ist, die die Lasten zu tragen hat. So ist es auch im Bergbau. Di« Lasten der Knapp- schastsversicherung ruhen vor ollem aus den Schustern der Arbeiter. Wann endlich wird die von den Sozialdemokraten beantragte Er» höhung der Re fiten erfolgen? Dos ist eine wirksamere Aus- Hilfe als die Inonfpruchnahme der Fürsorg«. Es geht nicht an, daß man einer Witwe mit fünf Kindern von 1 bis 3 Iahren die Reiste vorenthäst. Diese Frau kann nicht arbeiten. Wovon soll sie leben? Gerade bei den kinderreichen Familien muß bei der Gewährung der Rente größere Rücksicht genommen weiden. Meine Fraktion legt hiermit einen Gefeßeulwurf vor. der auf das Wochengeld einen Zuschuß gewährt, wenn die Schwangere während sechs Wachen vor der Niederkunft arbeitslos ist. Angesichts des vom preußischen Wohlsahrtsnnnister eben erst fest» gestellten Geburtenunterschusses in Berlin liegt die Dringlichkeit des Antrages auf der Hand. Nach Ausführungen des Deutschnatianalen Bekelbaum verlangt Abg. Ziegler(Dem.) Rationalisierung der Sozialversicherung: Die Selbstverwaltung steht noch aus dem Papier. Sie wird durch die Aulsichisbehärden der Länder geradezu aufgehoben. Das preu- ßifche Wohlfahrt? Ministerium z. B. ist geradezu eine Stätte gegen die Selbstverwastuug. Wenn von reaktionärer Seit« behauptet wird, die Innungstrankenkassen arbeiteten billiger als die Ortskrankenkasjen, so braucht man nur darauf hinzuweisen, daß bei den Ortskrankenkassen aus den Kops des Derstchetten 3,8» M., bei den Inmmgskrankenkassen 6,90 M. kommen.(Hört, hört.! Der deutschnationale Sedarfmacher Leopold meldet sich zum Wort, um gegen die Knappschaftsversicherung eine Attacke zu reiten. Seit im Reichsknappschaftsverein statt der Unternehmer der Lergarbeirerverbaird herrsche, seien d-e Beitragslosren für die Arbeitnehmer nicht mehr erträglich. Es sei soweit, daß sich die Arbeiter direkt scheuten, in den Bergbau hinüberzuwechseln. Abg. Frau Tausch(Z.) boantragt ErtMung der Renten in der Invaliden- und Angestelstenversicherung, wobei die Rentner nicht durch Ausgleichsmaßnahmen der allgemeinen FürsorgebehSrden um ihr« Besserstellung betrogen werden dürfen. Im übrigen wendet sich Frau Teusch gegen die scharfmacherischen Behauptungen Leo- polds. Ursache der schlechten Lag« der Knappschaftskassen sei zum großen Teil die Tatsach«, daß ine Leistungen dieser Kasse auch vielen nicht Versicherten zugute kommen. Roch Ausführungen des Kommunisten Zarrasch kündigt Reichs- arbeitsminister Dr. Brauns Aenderungen in der Praxi? des Reichs» persicherungsamts zwecks Vereinfachung des Ausgleichsverfahrens bei Streiligkeilen an. Nack weiteren Auzfühvungen der Abgg. Slohr(Nat.-Soz.) und Rädel(Komm.) geht man zum Kapitel Arbeitsvertragsrechk. Arbett»- gerichtsbarkeil. Schiichstrng und cohapvMik übex. Abg. Iiwschek(Soz.): Da, Arb«it?z«itne>tgcsetz hat«ne Ausdehining der A» beitszest und damit eine noch größer« Ausbeulung der Arbeiter» Ichakt zur Folg« gehabt. Nicht einmal im Bergbau ist die freiwillige Mehrarbeit beschränkt worden. Unter dieftn Umständen ist der Streik im mitteldeutschen Braunkohlen- gechiet ein» LebenSnotwerchigkeit für die Arbeiterschaft gewesen. Das Streikreäst werden wir uns vi« und mmmer nehmen lassen. Ist es nicht bezeichnend, daß in den an Polen gefallenen Teste« Ober- ichleflais die Arbeitszeii kürzer ist als in de« deutfchm? Und wi« ist es mit der Bezahlung der Mehrarbeit? In melen Fällen ist man unter den vom Arbeitsminister festgelegten ZSprozen? tigen Zuschlag gegangen. Nur sehr selten ist man darüber hinaus» gegangen. Wie wenig man sich in der Praxis mn das Arbeitszeit- nvtgesetz kümmert, dafür ist die sächsische E i s e n i n d u st r i g ein Beispiel, in der durch Schiedsspruch sogar die Sonntag?» arbeit wieder eingeführt ist. Da? Versagen der Schlich» tungsstellen, die zynische Haftung der Arbeitgeber— zurzeit droht die Aussperrung von 1 LOA 000 Arbeitern der gesamten mittel» deutschen Eisenindustrie— treibt die Arbeiter geradezu in Strnks hinein. Wenn man sich ein Bild von der Lag« der deuijchen Ar» bester machen will, darf man die Landarbeiter nicht vergessen. Nirgends sind die Löhn« so unzulänglich wie auf dem Laude. Wenn nicht Frau und Kinder in einer jeder Kultur spottenden Weise mitarbeiten, könnten die Arbeiter auf dem Lande verhungern! Da ift es kein Wunder, wenn die Landflucht nicht abbrechen will. Und wie steht es mit dein Schutz der Bergarbeiter? Ein Schutzgesetz ist seit langem angekündigt, aber dabei ist es auch gc- blieben. Ctne dentschnatumale Nührszcnc. Abg. Frau Dr. Lehm(Dnat.) betritt die Tribüne, mn die Ar. besterfroundlichkeit der Deutschnationaten durch«in Klagelied über die tragische Lag« der Heimordeiterinnen zu dokumentieren. Ein Hausarbeitsgesetz besteht zwar seit 1923, aber.ein tatsächlicher Schutz der Heimarbeiter ist bis heute nicht erfolgt. Wie sollen die Heinnrrbeiterinnen leben, wenn z. B. in der Textilindustrie noch ein Stundenlohn von Z Ps. gezahft wird? Die H.ltun g der Arbeitgeber ist unerträglich. Den armen Heim» arbeite rinnen, die sich selbst nicht schützen können, muß vom Reich geholfen werden. Die meisten Arbeftgeber kümmern sich den Teufel um das Gesetz von 1923. und die oerängsllgteu Heimarbeiterinnen wagen gar nichi, ihr Rächt zu suchen, well sie mit vollem Recht sürchken, daß sie dann von dem Arbeitgeber keine Arbeit mehr be- kommen. Hier müß das Arbeitsministerium«ingreisen. In Eng- l a n d werden Arbestgeber, die den gesetzlichen Lohn nicht leisten, nnt Gefängnis bestrast. Soweit will ich nicht gehen, aber die Verantwortlichen müssen stark««nacht werden. Sprach? und verließ unter lebhaftem Beifall der deutschnatio- nalen und oolksparteilichen ArbfttgeSer die Tribüne, um dem Ar. b« i t s m i n i st e r in die Arme zu laufen, der ihr kräftig die Hand schüttelte. Abg. Dr. Pfeiffer(DBp.): Die Arbeitgeber sind im Schkichwnas» wesen den Arbeitnehmern gegenüber benachteiligt. Der Streik war« durch Berbindlichkestserklarungen nicht verhindert, wohl aber die Aussperrung. Ganz energisch müsse eine Erweiterung der Rechte der Betriebsräte abgelehnt werden. Im ganzen ern vortreffliche» Beispiel dafür, was man von der praktischen Wirkung des Appells der Frau Behm ack ihre Gesinnungsgenossen zu haften bat. Reichsarbeitsminister Dr. Brauns erhebt sich, um auf die sozial- demokratisch« Anfrage zu antworten: Da» Bergarbrtlerschuhgeseh sei zwar sertiggestellk. ober es soll» im Zusammenhang mit dem großen Arbeitozeitgeseh behandelt werden, und ob der Reichstag diese Materie noch verabschieden werde, sei zweifelhasl.(Verständnisvolle Zustimmung und Zu- rufe:„Sie müssen es ja wissen!") Im übrigen bedauert der Minister das Borgeheck der Metallindustrie, bezeichnet es als oußexorderulich bedenk! ich und versichert,(ein Mi- nisterium behalte die Situation im Auge, um gegebenenfalls ein- zugreisen. Um 19% Uhr vertagt sich das Haus auf Dienstag 14 Uhr. Asquich gestorben. Einer der letzten liberalen Staatsmänner. Londo«. 1Z. Februar. Der liberale Politiker Lord Oxford(Asqutth) ist beute nach kurzer Krankheit fLwftrZhreukatarrh und Bronchitis) im Alter von 76 Jahren eines sanften Todes gestorben« * Als der englische Liberalismus auf dem Höhepunkt seiner poli- tischen Macht und intellektuellen Anziehungskraft stand, war Asquich noch ein junger Mann. Das war in de.t achtziger Jahren unter G l a d st o n e. Schon damals spielte Asquich, der 1886 mit 34 Jahren zum Abgeordneten gewählt worden war, eine politische Rolle. Im Jahre 183» wurde er zum ersten Male noch unter(Bkiih stone Mitglied einer liberalen Regierung, zunächst als Staatssekre- tär für Inneres. Seitdem gehörte er fast jeder liberalen Regierung an, 1962 bis 199Z als Säiatzkanzler und endlich 1968 als Mi- nisterpräsident. Zu dieser Zeit war aber der Stern des Liberalismus bereits im Sinken, während die Sonne der Arbeiterpartei immer schneller und gewaltiger ausging. Die Regierung Asquich konnte nur mit Hilfe der irischen Stimmen leben. Diese Hilfe wurde ihr aber gewährt als Preis für die Unterstützung der irischen Autonomiebestrebungen durch die liberale Partei. In diese Zeit fällt auch außenpolitisch der zweifellos aufrichtige Versuch der Regierung Asquith, zu einem freundschaftlichen Einvernehmen mit Deutschland zu gelangen. Das war der Zweck der Mis- sion des Kriegsministers Haldane nach Berlin. Die von Eng- länd vorgeschlagene Verständigungsfonncl für das beiderseitige sKottenoerhältnis 16 zu 19 scheiterte an dem größenwahnsinnigen Panzerschiffssinnnel der Wilhelm, Tirpitz und Konsorten. Von diesem Augenblick an näherten sich die Engländer wieder den Fran- zofen und suchten sie den Ausgleich mit Rußland. Die Regierung Asquith war reich an führenden Köpfen: sie umfaßte Männer wie Lloyd George, Churchill, Grey, Lord M o r l e y und andere, die es zweifellos aufrichtig vorgezogen hätten, den innner drohenderen Weltkrieg zu vermeiden. Als jedoch Deutschlaikd die belgische Neutralität verletzte, da körnte das Kabi- 'nett dem Druck der Konservativen und der öffentlichen Mei.rung nicht widerstehen. Nur einige Kabinettmitglieder wie Morley und Burns legten lieber ihre Aemter nieder, als daß sie ihve Zustim- nmng zu einem Kriegsbeschluß gaben, der ihrer Ueberzeugung nach nicht unbedingt notwendig war. Asquith selbst stand irnerlich diesen Pazifisten näher, aber er wurde mitgerissen durch die jüngeren Heißsporne wie Lloyd George und Churchill. Von diesem Augen- blick an war Asquith nur noch der Schatten eines Premier- Ministers. Lloyd George und Churchill fanden ihn„zu schlapp" und intrigierten gegen ihn: sie hetzten einen Teil der Presse gegen ihn auf, als er der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht wider- strebte. Anfang 1916 mußte Asquith nach achtjähriger Minister- Präsidentschaft zurücktreten, um Lloyd Gcarge Platz zu machen, der ein Koalitionskabinett mit dm Konservatwm bildete, an dessen Spitze er bis zum Sommer 1922 blieb. Seitdem ist Asquith nie wieder Minister gewesen. Sern berechtigter Groll gegen Lloyd George führt» sogar zu einer jähre- langen Spaltung zwischen den„echten" Liberalen, deren Führer er blieb, und den Koalitionsstberalen unter der Leitung von Lloyd George. Erst kurz vor den Wahlen vom Dezember 1923 wurde zwischm den beiden Rwalm Burgsriede geschlossm. Diese Aersöhming gab sogar der Lrderaien Partei vorübergehend neue Kraft. Aber sie war nur von kurzer Dauer. Denn in England kann jede Partei nur«inen Führer haben und der alte Streit brach nach langer Zeit von neuem au». Asquich hatte dos größere 2liffehsn. aber Lloyd George verfügte über die großer« Partsitasse. Ein« neue Spaltung schien unvermeidlich. Sie wurde aber dadurch vermieden, daß bei dm letzten Wahlen Asquich in seinem Wahl. kreis durch dm Arbeiterkandidaten besiegt wurde. Das war ihm zwar schon mehrmals passiert, aber immer wieder hatte man ihm schnell einen sicheren Ersatzwahlkreis zur Verfügung gestellt. Ans ferner letzten Niederlaz« im Herbst 1924 zog er jedoch als Zweiund- siebzigjähriger die Konsequenzm und er verzichtete auf jede weitere Kandidatur. Auf Vorschlag dar konservativen Regierung ernannte ihn der Kom'g zum Pear, und so wurde der neue Lord Oxford aud Asquith Führer der Liberalen im Oberhaus, während der jüngere Lloyd George enM-ch sein Ziel erreicht hatte: die alleinige Führerschaft in der liberalen Unterhausfraktion. Bei den Lords ist Asquich hin und wieder noch rednerisch ausgetreten und seine Aus- führungm wurden allgemein beachtet, aber das Schwergewicht des politischen Lebens liegt nun ernmal in England bei dm Erwählten des allgemeinen Wahlrechts. So verkörpert« Asquich in den letzten Monaten seines Lebens eigentlich nur noch die Erinnerung an dos Zeitalter des Liberalismus, zu dessm fähigstm, ehrlichsten und sympathischsten Köpfen er zählte. Mag auch der Zauberkünstler Lloyd George bei den nächsten Wahten von den unzähligen Fehlern der konservativen Reaktion profitieren und seine Partei vorüber- gehend wieder in die Höhe bringen, die liberale Epoche ist vorbei. Asquich ist ihr mit seinem Tode nur um einige Jahre vorangc- gangm. Das neue Zeitalter gehöht der Arbeiter. schast, dem Sozialismus. Regierung Mowmkel. Wieder oia Minderheitskabinett in Tlorwegeo. Oslo, 13. Februar.(Eigenbericht.) Die neue norwegische Regierung Mowinkel ist am Montag vom König ernannt worden. D«r Führer der radikalen Linken Mo» winkel übernimmt neben dem Ministerprästdium gleichzeitig das Auswärtige Amt. Das neue Kabinett, das sich ebmfalls nur auf eine Minderheit im Parlament stützt, wird dem Stor- thing am Donnerstag fein Programm mitteilen. Oer Wahlkreis des Kriegsmmiflers. Vicht bei der IriedeuSstadt. Parks, 13. Februar.(Eigenbericht.) Der französische Kriegsminister Painlevä. der seine San- didatur zur Kammerwahl im Wahlkreis Cannes(Riviera) schon nach seiner ersten Propagandarede zurückgezogen hatte, hat sich nunmehr bereit erklärt, ein Angebot des radikalen Parteioerbandes im Departement Am anzunehmen. Dies Departement liegt un- mittelbar an der Schweizer Grenze bei Genf. Madrid verbietet katalaalsches Predigen. Die Regierung hat dre Sirchenpredigten in katalanischer Sprache verboten. Diesem Verbot sitzt der Erzbischof vm, Barcelona. k�bst eis Katalane, de« heftiglte» Widerstand entgegen. Behütete Jugend. »Skandalös, diese Arbeiterjugend, Zungen und Mädchen durcheinander. Meine Liebe, da heißt es, seine eigenen Kinder streng fernhalten, damit sie von diesen Proletarierkindern nicht verdorben werden.� Sozialdemokratie fiirLandwirischast Vorschläge der Reichstagsfraktion zur Behebung der ländlichen Notlage. Die sozialdemokratische Reihstagsftaktion hat zum Etat des Reichsministerrums folgend« Entschließung beantragt: Der Reichstag wolle beschließen, die Reihsregierung aufzufordern, im Hinblick auf die Notlage in einem Teil der landwirt- schaftlichen Betriebe folgende Maßnahmen zur Hebung der land- wirtschaftlichen Produktion zu erwägen und dem Reichstag ent- sprechend« Gesetzesvorschläge zu unterbreiten: 1. An Stelle der Getvcidezölle ein ReUhsmouopol für die Ein- fuhr und Ausfuhr von Getreide und Mühleaprodukle« einzuführen. Für die Prerspalitik dieses Monopols durch ein Reichs gesetz bin- dende Richtlinien auszustellen, die dem Erzeuger ehren angemessenen Ertrag seiner Arbeit und einen Ersatz siiner Aufwendungen sichert, ohne daß dem Verbraucher unnötige Lasten auferlegt werden. Die Monopowerwaltung»nt dem Rechte auszustatten, ausländisches Ge» treibe zollfrei einzuführen: sie soll oerpflichtet sein, auch inlän- d i s ch e- Getreide zu erwerben, soweit dies zur Sicherung der in- ländischen Erntebewegung und zur Stabilisierung der Inlandspreise erforderlich ist. 2. Alle Futtermikkelzöllc aufzuheben. 3. Bestrebungen zu fördern, welche auf Grund fachmännischer und sorgfältiger Prüfung die Ouallkälsoerbeffenmg und die Stau- dardlfierung der landwlrischas flichen Produkte bezwecken. 4. Zum Zwecke der Verringerung der Spann« zwischen Cr- zeuger- und Verbraucherpreis einzutreten für Unterstützung schon bestehende? und Gründung neuer Erzeuger-, Absah, und Per- brauchergenossenschafleu. Bestrebungen zu unterstützen, die durch Selbsthilfe bäuerlicher Betrieb« rationelle Technik in der Betriebs- führung zur Anwendung bringen. S. Die Milch- und Viehwirtschaft und der Moltereibetrieb sind im genossenschaftlichen Zusammenschluß zu fördern und betriebstechnisch auf eine höhere Stufe zu bringen. 6. Die Gemüsekultur zu fördern, insbesondere dann, wenn es sich darum handelt, den Ertrag zu steigern und Früherzeugniss« zu erlangen. Im O b st b a u muß das Streben dahin gehen, durch die Auswahl einiger für unser Klima geeigneter Sorten den Ertrag und die Aufnahmefähigkeit des Marktes zu erhöhen. 7. Bereitstellung öffentlicher Mittel für Meliorationen, Oedlandtultur und alle geeigneten Maßnahmen zur Besse- rung der Wasserwirtschaft. 8. Um in der Betriebsfllhrung die Landwirffchqft zu den höch- sten Leffwngen zu bringen, ist der Ausbau der landwirtfchafMcheu Schulen, der Zwang zum Besuch der Schulen, die Betehrung durch Wandervorträg« zu verlangen. In der praktischen Ausübung ist die Bildung von Ringwirtschaften und weiwerzweigten Beispielwirtschaften zu bevorzugen. 9. Staatliche und genossenschaftlich« Dersichenmg gegen Der- luste bei Viehseuchen und anderen Sachschäden in Verbindung mit einer Gefahrengemeinschaft Wer das ganze Reich. 19. Eine öffentlich« Kontrolle über die Erzeugung und den Bertrieb der für die Landwirtschaft erforderlichen P r o d u k t i on s- mittel einzuführen, besonders für Kunstdünger, Saatgut und landwirtschaftliche Maschinen mft dem Ziel, dadurch die Verbilligung der wichtigsten landwirtschaftlichen Produktionsmittel zu erreichen. 11. Bei übermäßiger Verschuldung landwirtschaftlicher Großbetriebe für den Ankauf durch Reich oder Länder aus der Gruüdlage des Steuerwertes zum Zweck« der Siedlung ein- zutreten. Weitergabe des Besitzes.zur bäuerlichen Sied« l u n g in Erbpacht mit der Sicherung, daß der neue Besitzer bei der eventuellen Abgabe des Besitzes mir die Berechnung eigener Auf- wendunzen beanspruchen kann, nicht aber einen Spekulationsgewinn. 12. Di« Pächter durch ein Gesetz gegen zu kurze Pacht- fristen, gegen willkürliche Kündigung und gegen Pachtwucher zu schützen. Der Nutzen, den sie durch eine besser« Bodenkultur dem Besitz gegeben haben, muß ihnen bei Aufgabe der Pacht ersitzt werden. 13. Vereinfachung des Steuersystems: öffantlichc Aus, läge der Steuerlisten. 14. Reichszesetz für die Errichtung van Landwirtschofts» ka m m e r n. die eine gleichmäßig« Vertretung aller land Wirtschaft- Lchen Berufsstände aufnehmen, und zwar in der Weise, daß Ilmer- nehmer und Arbeiter in gleicher Zahl vertreten sind unter Berück« sichitigung der Betriebsgrößen bei der Vertretung der Unternehmer. IS. Bau von Landarbciterwohnungen, in erster Linie Mietwohnungen, aber auch Eigenheime der Landarbeiter. Beim Besttzwechsel landwirtschaftlicher Unteritehnrungen ist der Staatszuschuß abzulösen, der zum Bau von Landarbeiterwohnun- gen gegeben wurde, die im Besitz des Unternehmers bleiben 16. Der Abwanderung aus den landwirtschaftlichen Betrieben zu begegnen durch Ausdehnung der bäuerlichen Sied- lung und durh Hebung der sozialen Lage de? Land- arbeite?. Es muh die Stellung des Landarbeiters in der Gesetzgebung gleich sein der der übrigen Arbeiter und de? Lohn sich' über das Niveau des gegenwärtigen Zustandcs erheben. Jnsbeson- dere ist der Abschluß von Tarifverträgen filr die land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter zu fördern. » Um die deutsche Schweinezucht zu fördern und die Ausfuhr von Schweinefleisch zu ermöglichen, hat die sozialdemo- kratische Reichstagsfraktion beantragt, daß diejenigen Mengen von Futtergetreidc, die zur Erzeiigung des ausgeführten Schweinefleisches erforderlich sind, zollfrei eingeführt werden dürfen. Der Antrag bezweckt also, die Belastung der Schweinezucht durch den Zoll auf Futtermittel zu beseitigen. »■■»»»»»»■»■■»■—' r i i— „Ich bin nur ftoh.. Schlange von Schöningen windet sich durch. In die Zeit der Abstimmung über die Dawe»»Gesetze wurde kürzlich durch einen Beleidigungsprozeß zurückgeführt, den der v S l- tisch« Abg. von Graefe gegen einen deutschnationalen Parteiredner aus Mecklenburg angestrengt hatte� Bei der Gelegen- heit wurde auch der deutschnationale Abg. Schlange-Schönin- gen über gewisse Vorgänge in der„Fraktion Mampe" vernommen, und er mußte unier seinem Zeugeneide zugeben, daß er unmittel- bar nach der halbbierten Abstimmung seiner Fraktion erklärt Hab«: „Zch bin nur froh, daß genügend 3a- Sager da waren und ich mir das Nein leisten konnte!" Freilich wollte Schlange-Schöningcn als Zeuge diese Redensart nur als„Scherz" gelten lassen. Mer der mecklenburgische Richter hat sie doch sehr e r n st genommen, denn er riet— wie im Graefe» Blatt zu lesen— dem beklagten Deutschnationalen zu einem Der- gleich, weil e$„doch[ehr peinlich w«deck könnte, wenn die Angelegenheit Schlange nach dessen Aussagen noch weiterim einzelnen verhandelt werden müßte." „Ich bin nur ftoh..." ist die Parole der Deutschnationalen, nicht nur beim Dawes-Gesetz, sondern auch bei dem Älufwertungs- schwindet und dem Antikarsergesetz:„Ich bin nur froh, daß genügend Jasager da waren, damit— Ich mir dos Nein leisten konnte." Ei.ie wundervolle Partei mit solchen wundervollen Grundsätzen! Fabrikfeuer in Charlottenburg. Vier Löschzüge der Feuerwehr wurden gestern abend gegen 22 Uhr nach der Murchstraße 23 in Eharlottenburg gerufen. Dort war in der vierten Etage des Onerqebäudes in der Schmelzerei einer Moschmcnfabr'k aus noch unbekannter Ursache Feuer ausgebrochen, das sich in kurzer Zeit auf die anschließenden Räume ausbreitete. Di« Feuerwehr gab aus zahlreichen Schlauchleitungen großm Kalibers Wasser. Nach etwa zweistündiger Tätigkeit war die Gefahr de seitigt. Der Schaden ist hoch. Die Eisenbahner fordern. LLuerträglicher Raubbau mit der Arbeitskrast. Auf allen Eisenbahnerkonferenzen der letzten Zelt wurde bittere Klage darüber geführt, daß ein geradezu unerträg- liches Mißverhältnis zwischen der Arbeitsleistung und der Entlvhnung bei der Reichsbahn bestehe. Die Anwendung besonderer Apparate, wie die des Diagnostikers zur Ermittlung der Stückzeiten, mache den Menschen völlig zum Teil einer Maschine. Die Verwaltung treibe bei diesen» Arbeitssystem einen unerhörten Raubbau an der Arbeitskraft. Unter diesem 'Raub bau müsse auf die Dauer die Qualität der Arbeits- l e i st u n g leiden urrd dadurch gehe der Wert der erstrebten Ratio- nalisierung in der Arbeitsmethode wieder verloren. Trotz der»nge- heurcn Ausnutzung der Arbeitskrast habe die Reiihsbahnverwaltung bis jetzt sich immer wieder mit Händen und Füßen dagegen geroehrt. die stärkere Abnutzung der Körperkräfte durch einen höheren Verdienst der Arbeiter zu entgeUen. Mit allen Mitteln ver- suche sie, auch den Gedingeüberverdienst möglichst niedrig zu hasten. Das herrschende Lohnsystem ist in der Tat völlig unhaltbar geworden. In vielen Dienststellen stehen heute die Arbeiter unter dem ortsüblichen Lohnsatz. Es ist beschämend, daß ein Unternehmen rvie die Deutsche Reichs bahngesellschaft ihre Arbeiter so hundsmiserabel bezahlt. Durch das Dazwischenschieben der O r ts- lohnzulogen hat die Verwaltung das ganze Lohnsystem völlig verzerrt. Durch Ortslohnzulogen, Ortsklassen, Lohngnipperi und Wirtschaftsgebiete sind völlig unsinnig« Unterschied« im Lohn der Ersenbahner entstanden, die vom wirtschaftlichen Stand- puntt aus in keiner Hinsicht eine Berechtigung haben. Bei der kommenden Neuregelung der Löhne der Eisenbahnarbeiter muß mit diesem Lohndurcheinander gründ- lich aufgeräumt werden. Worauf die Reichsbahiwerioallung»nit diesem Durcheinander hin will, ist klar: sie will den Lohn hier senken, dort scheinbar befriedigen und möglichst viel Gegensätze zwischen den Eisenbahnern der einzelnen Orte und Bezirke herbei- führen. Die Lohnregelung noch der noch bestehenden Einteilung der Wirtschaftsgebiete ist sinnlos geworden. Die Einteilung muß grundlegend geändert werden, wenn dos System überhaupt noch bestehen bleiben soll. Aus allen Teilen des Reiches laufen von den Eisenbahnerkonfe- renzen überaus scharf gehoUene Forderungen beim Vorstand des Einheitsvcrbandes ein, roorin dieser dringend ersucht wird, dafür zu sorgen, daß bei der kommenden Neuregelung der Löhne klar« und sozial erträgliche Verhältnisse geschaffen werden. «- Der Einspruch d«, C i n h ei t s v o r ba n de s gegen das Besoldungsdittot der Reichsbahn ist nunmehr auch den Parteien des Reichstages und der Reichsbohngesellschast zur Kenntnisnahme übermittelt worden. In dem Schreiben wird gleichzeitig an die Vorschläge erinnert, die vom Allgemeinen Deutschen Beamtenbund und vom Einheitsoerband der Eisen- bahn er Deutschlands seit Icchrcn wiederholt gemacht worden sind, um den Zustand der Willkür zi» beseitigen, dem die Reichsbahn- beamten feit Gründung der Reichsbahngesellschaft unterworfen sind und der zu Benachteiligungen der Reichsbahnbeamten auf fast allen Gebieten ihrer Rechts- und Dienstverhältnisse geführt hat. •100000 Kabrikarbeiier in Bewegung. Bevorstehende Kündigung der Lohoverträge. Köln. lZ. Februar.(Eigenbericht.) 3n ein« vom Fabritarbeikerverband einberufenen Konserenz ln Köln wurden die örtlichen Tarifinstanzen der einzelnen Sektionen beauftragt, unverzüglich die Tarifkommissionen einzuberufen und sich mit der Sündigung der Lohnverlräge za beschäftigen. Es kommen In Betracht: die Sektionen tudwigshasen. Frankfurt am Alain, Köln-Stadt und-Land, Elberfeld, Essen, Hamburg und 2Nilkeldcutsch'and. Insgesamt sind in diesen Sektionen über 100 000 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt. Die christlichen Gewerkschaften haben sich diesem Bor- gehen angeschlossen. OieLohnHewegungöerWerkzeugmacher Sie Verhandlungen in die Betriebe zurückverwiesen. Der Vorsitzende des Schlichtunzsausschusies hatte zu Montag eine ordentliche Kammerverhandluog angesetzt, um in dem Sonflikl zivifchen dein Mctallorbeiterverband und dem VBMI. wegen der Löhne der Werkzeugmacher eine Einigung herbeizuführen. Trotz mehrflüiidiger Verhandlungen kam eine Verständigung nicht zu- stände. Der Vorsitzende des Schlichtungsausschnsse, wachte daraufhin den Vorschlag, in den Betrieben sofort Verhandlungen zu führen, um die Lohnverhältuisse der Werkzeugmacher zu regeln. Die Ortsverwaltung der DMV. wird in den nächsten Tagen eine Vertrauensmännerkon sercnz abhalten. Es wird sich dann zeigen. w'e weit die Unternehmer die Verdienstverhältnisic der Werkzeug- wacher neu geregell haben. Der Vorschlag ist schließlich nur eine Wiederholung desica, was die Unternehmer„angeboten" haben. Es wird sich jetzt herausstellen, ob dieses Angebot ernst gerneinl, oder nur eine verhüllte Ablehnung ist. �Einmischung in die KpO." Der alte Spitzbubentrick. vi« Ungeniertheit, mit der die KPD. den Gewerkschaften vor- schreibt, wie sie es machen müssen, um den Beifall dieser Partei zu finden, ist hinlänglich bekannt. Insbesondere bei Lohnkämpsen der Gewerkschaften sucht die KPD. sich einzuschalten und hier wird ihre „Freundschaft" unerträglich. Im Streik der mitteldeutschen Braunkohlenarbeiter hat daher die Streikleitung von vorn- herein jode Einmischung der KPD. zurückgewiesen und der Erfolg hat gezeigt, daß sie gut daran getan hat. In dem gegenwärtigen Kampfe der Metallarbeiter in Mittel- deutschland, in dem die Unternehmer das kommumstische Rezept der Verbreiterung des Kampfbodenz anwenden wollen, hat die Streikleitung sich ebenfalls jede Einmischung der K P D. und ihrer Stratogen mit aller Entschiedenheit oerbeten. Die Weltrevolutionäre sehen sich dadurch in ihrem Tatendrang etwas behindert. Sie suchen deshalb den Spieß umzudrehen, indem sie die Zurückweisung der Einmischungsversuche der KPD. in diesen Komps als eine Einmischung der Gewerk- schaften in die Am gelegenheitcn der KPD. hinstellen. Zu diesem kommunistischen Kunststück gab sich— falls die „Rote Fahne" richtig berichtet— ein Ortsausschuß des A D G B. her und zwar in Hanau a. M. Dieser kommunistisch beeinflußte Ortsausschuß nahm in einer einstimmigen Entschließung Kenntnis von dem Versuch der Verbandsleitung des DMV., sich in parteipolitische Angelegenheiten der KPD. einzumischen, den kam- munistischen Vertretern in den Parlamenten Vorschriften zu machen und kommunistische Angehörige de- DMV. unter Androhung von Maßregelungen zur Richtdurchführung ihrer proletarischen Pflichten zu zwingen. Infolge der grundsätzlichen Bedeutung dieser versuche gegen eine bestimmte Richtung innerhalb der Geroerksthaften erklärt die Kartellversammlung: „Die Einmischung vou Geiverkschafken in parteipolitische Ange- lcgenheitcn einer proletarischen Partei widerspricht den Grundsätzen der freien Gewerkschaften und muß daher aufs schärfste zurückge- wiesen werden." „Folgt dem Beispiel des Hanauers Ortskartells"— überschrieb die ,,Rote Fahne" den abgebrauchten Trick des davonlaufenden Spitz- buben:„Haltet den Dieb!" zu schreien. Uebcrflüssig zu bemerken, daß es den Gelverkfchaften nicht im Traum«infällt, sich in die parteipolitischen Angelegenheiten der KPD. einzumischen. Solange aber die Lohntämpfe der Gewerkschaften, die Ge»vert- schasten und ihre Taktik überhaupt, nicht zu den Partei- politischen Angelegenheiten der KPD. zählen, solange müssen die Gewerkschaften und die Ortsausschüsse des ADGB. dafür sorgen, daß die KPD. sich nicht in die Ange- legenheiten der Gewerkschaften»inmischt. Jeder Versuch dazu muß mit aller Entschiedenheit obgemehrt«erden. Jetzt erst recht, wo das Unternehmertum mit der Aussperrung der gesamten deutschen Metallorbeiterschast droht! Ein Lahr erfolgreicher Arbeit. Solidarität mit den Metallarbeitern. Die Berliner Fabrikarbeiter hatten am Sonntag vormittag im Gelvertschaftshaus ihre ordentliche Iahresgeneralver- s a m m l u n g. Aus dem Geschäftsbericht, der zum erstenmal seit 1914 wieder gedruckt vorlag, ist zu emnehmen, daß das Jahr 1927 für die Zahlstelle Berlin ein Jahr des Aufstieges und des Erfolges gewesen ist. Es wurden rund 4999 neue Mit- glieder aufgenommen. Leider ist die Fluktuation in der Mitgliederbeivegung immer noch sehr groß. Dennoch tonnte die Zahlstelle am Slhlusse des Jahres rund 899 Mitglieder mehr buchen als im Vorjahre. Auch die Kassenverhältnisse haben sich wesentlich ge° bessert. Der Lokalkasienbestand betrug am Schluß des Berichtsjahres 33 428,39 Mark gegenüber 12 353,14 Mark am Schlusi« des Jahres 1926, ist also um ruird 21 999 Mark gestiegen. Es wurden insgesamt 59Lohnbewegungen in 332 Betrieben mit 19 349 Be- teiligten geführt, durch die eine Lohnerhöhung von 53914,88 Mark pro Woche erzielt wurd«. In seinen Erläuterungen zu dem gedruckten Geschäftsbericht wies der Bevollmächtigte, Genosse Rück er, darauf hin, daß das Jahr 1927 in der deutschen Wirtschaftsgeschichte einen besonderen Platz einnehmen wird. Die Produktion hat nach der Stabil'»- sierung im Berichtsjahre den höchsten Stand erreicht, so daß sich die R e n t a b i l i t ä t der Unternehmungen außerordent- lich gesteigert hat. Trotzdem zetern die Unternehmer dauernd über die„zu hohen Löhne" der Arbeiter. Es kann zivar nicht be- stritten werden, daß die Löhne, namentlich die der ungelernten Ar- beiter, durch die Tätigkeit der Geivsrtschaften gegenüber der Vor- kriegszeit gestiegen sind. Daraus darf jedoch nicht gefolgert werden, daß der ungelernte Arbeiter nunmehr ein auskömm- liches Leben führen könne. In diesem Zusammenhang ging Genosse Rücker auch auf die kommenden Lohnbewegun- gen, namentlich in der chemischen Industrie ein und brachte zum Ausdruck, daß es diesmal infolge der Hartnäckigkeit der Unternehmer gegenüber den Lohnforderungen der Arbeiter besonders in der chemischen Industrie zu ernsten Konflikten kommen dürfte. Er forderte deshalb alle Anwesenden auf, agitatorisch und organi- satorisch alles daran zu setzen, damit die etwaigen Kämpfe erfolgreich für die Arbeiterschaft bestanden werden können. In der Diskussion versuchte die sogenannte„O p p o s i t i o n", der infolge ihrer Niederlage bei den Delegiertemvahlen die Felle»veg- geschwouunen martn. Ihr« Enttäuschung durch«wen besonder« großen Wort- und Phrasenschwall zu bemänteln. Unsere Genossen Sewekow, Kämmer ui»d Rücker gaben ihnen unter dem Beifall der übergroßen Mehrheit die verdiente Antwort. Die a»»» schließend im dem Geschäftsbericht vorgenomrnene Wahl der Ortsoerwoltung ergab mit 125 gegen 31 Stin»men di« Wiederwahl der alten(A m st e r d a m e r) Ortsverioaltung. Mit demselben Stimmenverhältnis wurde auch der Gewerk- f ch a f t s r a t wiedergewählt. Zum Schluß wurd« folgende Eick- fchlicßung angenommen: „Die Generalversammlung des Fabrikarbeitervcrbandes, Zahl- stelle Berlin, spricht den mitteldeutschen INciallarbeilern im Namen aller Kollegen die vollste Solidarität zu ihrem heldenmütigen Kampfs aus. Sie hofsl, daß dieser Kampf um eine berechtigte Lohnerhöhung bei den gesamleu proletarischen Massea ein Echo findet und bis zum endgültigen Sieg durchgesührl wird. Der beabsichtigten Aussperrung aller TNelallarbcilcr muß mit aller Energie ein Damm entgegengesetzt werden." Die Ltniernehmer haben Geld. Llm die Gelben zu belohnen. Seit Jahren bemüht sich das deussche Unternehmertum, die Be- Hörden zu beroegen, di» gelben Werkvereine als tarif. fähig» Organisationen cmzu»rte>men. Diese Bestrebungen haben bisher noch keinen Erfolg gehabt. Die Behörden haben sich stets auf den Standpunkt gestellt, daß als wirtschaftliche Dereini- giingen der Arbeiter und Angestellten nur Organisationen in Frage kommen können, di« in jeder Absicht von den Unternehmern u na b» hängig sind. Damit ist der Streit ober noch nicht aus der Welt geschafft worden. Die Unternehmer versuchen immer wieder, nachzuweisen. daß di« gelben Werkvereine unabhängig seien und ihnen deshalb auch die gleichen Rechte zugesprochen werden müßten wie den Ge» werkschaften. Wie es aber mit der Unabhängigkeit der Werkvereine bestellt ist, können wir an einem Schreiben nachweisen, dessen W» schrist in der Nr. 6 der.Bergarbeiterzeitung" dem Organ des Der- bandes der Bergarbeiter Deutschlands» veröffentlicht ist. Die Ab- schrist hat folgenden Wortlaut: Auf Antrag des Dorstandes der Derksgemeinichast sowie des Herrn Betriebsrotsvorsitzenden Werner haben wir uns ent- schlossen.�denjenigen unseren Mitarbeitern, welche während de? ganzen Streiks gearbeitet hoben, außer den schon gemachten Zuwendungen noch einen besonderen Betrag zu- kommen zu lassen. Die auf Sie entfallende Summe in Höhe von fünf Reichsmark haben wir in der Sparkasse des wcrkver- eins auf Ihren Namen eingezohit, um Ihnen Gelegenheit uird Anreiz zu geben, diese außerordentlich gute Einrichtung kennenzulernen. Durch die Annahme dieses Sparbuches verpflichten Sie sich, bei der Sparkasse des Werkverins wöchentlich einen Betrag von mindestens 9,59 M. zu sparen. Das gesparte Guthaben b l ei b t mindestens ein I a b r gesperrt, kann also srübestens am 31. Dezember 1928 abgehoben werden. W i r hoffen aber bestimmt, daß Sie ourckt die außerordentlich gute Verzinsung, weiche die Sparkasse des Werkvereins zahlt kin den letzten beiden Jahre» betrug die Verzinsung 19 Proz.), sich für dys Weitersparen auch nach dem 31 Dezember 1928 ent- schließen. Sie schaffen sich durch diese Einrichtung, ohne den abge- zogenen Betrag besonders zu empfinden, einen Grundstock, der Ihnen in den Zeiten der Not Hilf» gewähren kann. Sollten Sie sich zu den wöchentlichen Sparbeträgen nicht entschließen können, so en t f ä ll t auch unsererseits die beabsichtigte Zuwendung. Sie wollen uns daher auf beigefügtem Formular von Ihrer Entschließung Kenntnis geben. Braunkohlen- und Drikett-Industrie-A.-G.(Bubiag) Werksdirektion Mückenberg. gez.: Dr. Geiger. Dieses Schreiben ist zwar in einem recht zweifelhaften Deutsch abgefaßt, sein Sinn ist aber deshalb nicht weniger klar. Man be- greift, warum die Unternehmer gern mit Werroereinen die Lohn- und Arbeitsbedingungen vereinbaren möchten. Freigewerkschaflliche Schulbeiröle? Dienstag, den 14. Februar 1928, 191? Uhr, im Gewerkschaftshaus(großer Saat), Engel- ufer 24/25, Zusammenkunft der freigewertschastlich organisierten Beiräte an den Berufsschulen. Au' der Tagesordnung steht ein Vortrag über das Ortsgesetz betr. Berufsschule.,'. Reserenr ist Mo- gistratsschulrat Schulze. Es soll aus dieser Zusammenkunft unsere» Kolleginnen und Kollegen die organisatorische Grundlage der Ber- liner Berussschulen ausgezeigt werden, daher erwarten wir da? be- stimmte Erscheinen aller beteiligten Kollegen und Kolleginnen. Ver- bandsbuch und Einladungsschreiben legitimieren. Allgemeiner Deutscher Gewerkschast-bund, Ortsausschuß Berlin. Wkrtmcisierverband, Bezirk X. �unttionZrverfcmmIung des DWL. der Berliner Metallindustrie heute 19 Uhr im Aorduchen Löf, großer Saal, �nvalidenslr. 12g. Tagesordnung: Stellungnahme zur ÄUndigung des Gehaltsabeommens in der BcrllUer Metallindustrie per 31. März il&J. flcla Funktionär darf bei dieser wichtigen Tagesordnung kehlen. Die ScschSitsftelle des Bezirks X: P. Rothe. — SJRiiiMqacr«uee:«raortimes Jugendheim Litauer vtr. 18, Ammer 2. Vortrag:„Moderne Detriebcführuna— moderne Arbeitsmethoden."— Landsberger Vlaß: Iug�idbeim Dicllelmener. K Cltliv•>>. i„ Ci": r i........ �______ c' ...„rvLiu.fi t Älucutiuea.i. ing——«d'onCUJClSc: NIedcrschSneweUn. Berliner Str. 31. 2. Plaudcrabind. z-a-rdaruppe bei Zd«. Scale, lTicnstofl. Tnenabend vou 20—22 Ißt In der Turn!,nll- dcr Lchulc Bvruthcr Str. 20. xilrnilelduua isr mitinbrinaen— In«nbcirocht des dcvorstchenticn Reiib-i»aei'dt fOHHAT ACT ECyPTEN in okp beZüS-Men- Qua/täxt luweränderf: * 'Z/ 6 AR EVEN: FA5R.IK-4.-5 ?tr. 75» 4S. Jahrgang Oiensiag, �4. Februar 492S Draußen in den Außenbezirken Berlins liegen die Obdachlosen- osyle, die riesigen Sammelbecken des Elends. Allabendlich treiben ihnen, wie von einem mahlenden Strudel angezogen, die menschlichen Wrackstiicke zu— allmorgendlich werden sie wieder auf die graue Straße ausgespien, die Tür des Asyls fällt hinter ihnen zu und sie find wieder ihrem Schicksal überlassen. Und dieses Schicksal heißt Obdachlosigkeit. Was wissen wir von ihm? Wir kennen wohl die Asyle, ihre mehr oder minder guten Einrichtungen, aber den Tag des Obdachlosen kennen wir nicht. Wie leben sie— wo bringen sie die endlos langen grauen Stunden der trübseligen Wintertage zu? Der kundige Blick erkennt bald unter den Besuchern der öffentlichen Lesesäle den stellungslosen, obdachlosen Kauf- mann, unter den Insassen der Wartesäle den Asylisten, die hier einzeln oder mit einem Gefährten(auch mit der Gefährtin!) die Tagesstunden verbringen. In der grauen Frühe des Morgens aber und am Abend, in den Dämmerstunden, wenn sich die Türen dem cnisprechenden armen Reisenden nicht mehr öffnen, und wenn es vuch keinen Zweck mehr hat, der Fata Morgans irgendeiner„lohnen- den" Gelegenheitsarbeit nachzujagen, dann füllen sich die Kneipen, hie jedes unserer großstädtischen Asyle umgeben— die Obdach- �josenkneipen, diese Brutstätten all der unendlich elenden Laster 'der Armut. Asylkneipen. Man glaube nicht, daß Kasten und Klassen hier aufhören! Mögen auch die preise all der kleinen und größeren Kneipen alle aus dem t�rnschenniveau stehen, es gibt hier schon noch Unterschiede. Da ist eine der Kneipen, in der zu jeder Tagesstunde die Würfel klappern, in der unsagbar schmierige Karten vom frühen Morgen bis kurz vor Aiylsckiliiß auf nie gewaschene Tische krochen. Es ist die Kneipe der �warfen werden. Gierig starren sie auf die schmutzigen Korten... und merken es nicht, daß sie zumeist das Opfer eines ganz geriebenen „Zockers" sind, dem chre Bettelpfennige sogar noch die Ausgaben für men oder zwei„Spanner" cnnöglichen. Anders sieht's in der . neipc der soliden Leute aus.. Lebhaft genug gehf es auch hier zu, .mn so inehr. als. hier- ein guter Teil der Gäste in Damenbegleitung in. ist er ist die einzige Gelegenheit für die mehr oder weniger I'gitimen Paare, noch kurze Stunden ungeniert beieinander zu sein, nid die wird schließlich gern mit zwei„Mollen" erkauft: es gibt stier auch zu konkurrenzlos billigen Preisen zu essen, verdächtige ..Buletten", Schweineschnanzen und chammclsköpfe, und an der Wand rvahn ein großes Plakat treulich die Tradition:„Der alte Brauch trird nicht gebrochen, hier kommen unter'n Tisch die Knochen!"— Tun Nebenraum aber waltet der verschönerungsral seines Amtes, denn diese Gäste des Asyls legen noch Wert darauf, sich in ihrer äußeren Erscheinung durch nichts von ihren Arbeitstameraden zu unterscheiden, mit denen sie morgen schon wieder an der Werkbank s'ehen oder in den Schnitt ziehen können. Rur darf das Verschöne- rnngsvergnügen nicht teuer werden, und darum läßt man sich hier von einem gleichfalls obdachlosen Barbier rasieren und die Haare schneiden, denn hier kostet das Rasieren ohne„Abonnement nur süns Pfennig. Allerlei Sachen werden mehr oder weniger offen gehandelt. Die Arbeitslosenunterstützung reicht nicht weit, und' so'oerschärst mancher ein Paar gute Halbschäster oder die dicke Lodenjoppe, und den Leichtsinnigen wird hier leicht in den toten Wintcrwochen die ganze Arbeitsausrüstung abgeschwatzt. Bei manchen Sachen aber ist es gut, sich nicht allzu genau nach dem Geburtsschein zu erkundigen... Auch ein«.Altersheim�. Eine dieser Kneipen aber hat ein ganz besondere» Gesicht. Draußen bei der„Wiesenburg", dem Asyl der Frauen und Allen, liegt neben dem schwarzen, glucksenden Wasser der Ponte eine Kneipe: dicht zugezogen sind die gelben Vorhänge. Aber ein merk- würdiges Schild ist an der Tür: „Allersheim, daher der Anfenkhalt jugendlicher Personen unerwünscht." Neugierig versucht man einzudringen. Wirtlich! Der Raum vor der Theke und das lange schmale Nebenzimmer sind dicht besetzt, und die Besucher sind alles nur ältere Leute. An der Wand„künstle- rifcher Wandschmuck", illustrierte Berliner Redensarten, Erzeugnisse der Muse irgendeines Obdachlosen, ein Kasten für Brotreste und die Wandschränke verschiedener„Verein e". La, hier gibt es sogar Der Fünfpfennig'Friseur. Menschen.Göttern gleich... 131 Roman von Herbert George Wells. „Aber wer war dieser Lehrer?" fragte er.„Wo lebte er? Wie wurde er geboren? Wie starb er?" Ein Bild leuchtete vor Mr. Barnstaples geistigem Auge auf, das Bild einer einsamen, blassen Gestalt, geschlagen und blutend, umgeben von bewaffneten Wächtern, inmitten einer stoßenden» drängenden, hirnverbrannten Menge, die eine schmale, von hohen Mauern besäumte Gasse füllte. Dahinter wurde ein riesiger fürchterlicher Gegenstand geschleppt, auf- und niedertauchcnd mit dem Wogen der Menge. „Starb er auch in diefer Welt am Kreuze?" schrie Pater Amerton.„Starb er am Kreuze?" Sie erfuhren, daß dieser Prophet in Utopien unter großen Schmerzen gestorben sei, aber nicht am Kreuze. Er war irgendwie gefoltert worden, aber weder die Utopen noch die Erdlinge wußten genug über die Technik der Folter, um sich eine Vorstellung davon machen zu können: dann war er anscheinend an ein sich langsam drehendes Rad gebunden und bis zu seinem Tode zur Schau gestellt worden. Es war die scheußlichste Strafe einer grausamen und kriegerischen Rasse, und sie wurde über ihn verhängt, weil seine Lehre von der allgemeinen Dienstleistung die reiche und herrschende Klasse, die nicht diente, in Angst versetzt hatte. Mr. Barn- staple hatte die momentane Vision einer verkrümmten Gestall auf dem Folterrad in der blendenden Sonne und— herrlicher Triumph über den Tod— aus einer Welt, die eine solche Tat vollbringen konnte, war dieser große Friede und diese all- umfcüsende Schönheit ringsherum entstanden! Aber Pater Amerton drängte mit seinen Fragen. „Aber habt ihr nicht erkannt, wer das war? Hat es denn eure Welt nicht vermutet?" „Viele Leute dachten, daß dieser Mann ein Gott sei. aber er nannte sich gewöhnlich nur„Gottessohn" oder„Menschen- söhn"." Pater Amerton ließ nicht locker.„Und betet ihr ihn jetzt an?" „Wir folgen seiner Lehre, weil sie wundervoll und wahr ißt." sagte Urthred. „Aber anbeten?" „Rein." „Betet ihn denn niemand an? Gab es auch früher nie- manden, der ihn angebetet hat?" „Es gab solche, die ihn anbeteten. Es gab solche, die vor der strengen Großartigkeit seiner Lehre verzagten und doch das quälende Gefühl hatten, daß er im tiefsten Grunde recht habe. So spiesten sie ihrem eigenen, zaghaften Gewissen einen Streich, indem sie ihn als einen zauberkräftigen Gott, statt als ein Licht für ihre Seele behandelten. Sie verwoben die alten Traditionen der Hohepriester mit seiner Hinrichtung. Anstatt ihn offen und klar in sich aufzunehmen und ihn ihrem Verstand und Willen einzugliedern, gaben sie vor, ihn auf mystische Weise zu essen und ihn zu einem Teil ihres Körpers zu machen. Sie machten aus seinem Rad ein geheimnisvolles Symbol und verquickten es mit dem Aequator, der Sonne, der Sonnenbahn oder mit sonst was Rundem. In Fällen von Unglück, Krankheit oder schlechtem Wetter glaubte man, daß es für den Gläubigen sehr heilsam sei, wenn er mit dem Zeigefinger einen Kreis in der Luft beschreibe. Und da das Andenken an diesen Lehrer der unwissenden Mehrheit seiner Milde und Barmherzigkeit wegen sehr teuer war, bemächtigten sich seiner schlaue und unternehmende In- dividuen, die sich selbst zu Vorkämpfern und Vertretern des Rades nannten, die in seinem Namen reich und mächtig wur- den, die Völker für seine Sache in große Kriege führten und ihn als Deckmantel und Rechtfertigung für Neid und Haß, Tyrannei und dunkle Begierden benützten. Bis man zuletzt sagte, daß sein eigenes, siegreiches Zeichen, das Rad, den alten Propheten von neuem zermalmt und vernichtet hätte, wenn er wieder nach Utopien gekommen wäre... Pater Amerton schien dieser Mitteilung keine Aufmerk- samkeit zu schenken. Er betrachtete diese Sache aus einem anderen Gesichtswinkel. „Wer es gibt doch sicher noch einen Rest von Gläubi- gen," sagte er.„Vielleicht verachtet— aber einen Rest?" Es gab keinen Rest mehr. Die ganze Welt folgte diesem Lehrer der Lehrer, aber niemand betete ihn an. An manchen alten übriggebliebenen Bauten konnte man noä: ein gc- schnitztes Rad sehen, oft mit den phantastischsten Aus- schmückungen. Und in Museen und Sammlungen gab«s einen Theaterverein, und hinten im Nebenzimmer ist das wacklige Podium, auf dem er feine„Galavorstellungen" veranstallet. In den anderen Schränken liegen allerlei Päckchen, die die Mitglieder aus Angst vor der„Verladekommissiou", die alles klaut, hier in Depot gegeben haben, auch die Post lassen sich die meisten lieber hierher, an ihre Stammkneipe, als an das Asyl adressieren. Bei manchem mag Vorsicht, bei manchem Scham vor„denen zu Haus" die Ursache sein. Noch eines fällt auf. Von den fünfzig, sechzig Gästen sind noch nicht einhalbes Dutzend Frauen, und an der Tür zum Neben- zimmer ist sogar ein Schild„Damenvcrkehr polizeilich verboten". „Sehn Se," erklärt der Wirt,„ich habe mir die jungen Leute abgeschafft, weil's immer gleich Keilerei gibt, aber die ollen Herren tun sich nischt. Und darum will ich auch hier keine Damen sehen, bloß die paar alten leide ich hier, denn um die Frauen is immer Krakeel. Und junge Leute sehe ich lieber nich, denn die alten können nicht so aufpassen, und denn nehmen ihnen die jungen alles weg, und denn schlagen sie brutal auf die alten Männer ein, wenn die sich wehren wollen. Lieber will ich weniger verdienen, aber'n ruhiges Geschäft haben. Und einen Ort wollen die alten ja auch haben..."„Hier lebt man billig. Für dreißig Pfennig kriegt man so einen schönen Teller voll Essen... und der Becher Bier kostet bloß 'n Groschen... und keiner kann uns rausjagen und kein Aufseher schimpft uns, wenn wir auch mal lachen." * Obdachlosenkneipen! Verrufene Stätten, gewiß. Hier sind alle Laster doppelt abscheulich, denn hier langt's auch nicht zum Mindest- maß Schminke, das die bürgerliche Gesellschaft nun einmal von dem Laster verlangt, damit es toleriert oder gar konzessioniert werden kann. Aber alle Fürsorgemahnahmen werden sie nicht aus der Welt schaffen, denn einen Ort, an dem er nicht Fürsorgeobjekt ohne eigenes Leben, an dem er Subjekt, Mensch mit eigenem Lachen und Weinen ist, verlangt auch der Ausgestoßene. Das oitsgescheitchie Wespennest. Die Beteiligten melden sich. Während im Augenblick in den Untersuchungen der verschiedenen Lombardskandale eine kleine pause eingetreten ist, melden sich jeht alle die Gesellschaften, die mit den Dingen in einer mehr oder weniger angenehmen Berührung stehen. So liegt uns ein Schreiben des„Verbandes Deutscher Treuhand- u n dRevisionsgesellschasten' C. B-, B er- lin W 9, Potsdamer Straße 22" vor, wonach die Treuhand- gesellschaft für Handel, Industrie und Gewerbe GmbH.. Berlin, Friedrichstraße 78, die anläßlich des Zusammenbruches des„Allgemeinen Lombard- und Lagerhauses Paul Bergmann" häufig ge- nonnt wurde, nicht Mitglied des Verbandes Deutscher Treuhand- und Revistonsgescllschaften sei. Weiterhin aber melden sich auch die am Falle S ch l c w i n s k y beteiligten Gesellschaften zum Wort. So sagt die„Vaterläu- discheKreditversicherungs-A.- G.". sie selbst habe nicht zu den Geldgebern Schlcwinskys gehört. Sie habe lediglich der„G e- fellschaft für Warentredite GmbH. Berlin und später der„Handelsgesellschaft Holsatia GmbH., E h a r- lottenbur g", Schutz für Kreditversicherung gewährt. Diese beiden seien als Geldgeber der Schlewinskyschen Lonibardhäuser aufgetreteii, und die Kreditversicherungspolice mit der Finonzicrungsgefellschait sei in der üblichen Weise zu den normalen Prämiensätzen ob- geschlossen worhen. Die. Einnahmen der.. Vaterländischei,. Lersiche- rungsgesellschast hätteck in achtzehn'Monäten„noch keine 100-tzo Mark" betragen.' Auch soll nach allen diesen Mitteilungen die,„Holsatia" keine übermäßig hohen Zinsen berechnet haben. Diese Zinsen betrugen freilich 30 proz. im Zahr. Die„.Holsatia" bezahlte denen, die für sie rediskontierten. 1 4 Proz. p. a. Sie selbst ging ans einen Gewinn von etwa 1t> Proz. p. a. aus. Die Provisionen betrugen etwa 114 Proz., die Bersichcrungsprämie an die Baterländische Krcditgesellschaft annähernd 4 Proz., und so kainen denn 30 Proz. zustande. Der Fall Schlewinsky scheint nach den bisherigen polizeilichen Ermittlungen doch nicht so sauber zu sein, wie man es noch Ende der letzten Woche annahm. Schlewinsly, der sich inzwischen der Polizei zur Verfügung gestellt hat, v e r st i e ß insofern gegen die gesetzlichen Bestimmungen, daß er öfters Pfänder au? der 5)aad ließ, die der Deckung von Darlehen dienten, die von ihm auf- genommen waren. Hierzu hatte er kein Recht. Wie wir schon einmal sagten, liegt der Grund allen Hebels in den unzulänglichen gesetzlichen Bestimmungen. Hier muß Remedur geschaffen werden, sonst werden wir noch für längere Zeit mit neuen Lombardskandaleck zu rechnen habe». eine große Anzahl Bilder, Denkmäler, Reliquien und ähn- liches. „Ich verstehe das nicht," sagte Pater Amerton.„es ist zu fürchterlich. Ich kenne mich nicht mehr aus. Ich ver- stehe es nicht." 6. Ein blonder und ziemlich schlanker Mann mit einem einen schönen Gesicht, dessen Name, wie Mr. Barnstaple päter erfuhr, Lion war, übernahm jetzt von Urthred die chwere Aufgabe, den Erblingen Aufklärung zu geben und hre Fragen zu beantworten. Er gehörte zu den Beiräten im Erziehungswesen Utopiens. Er erläuterte, daß die Wand- lung in den utopischen Angelegenheiten nicht durch eine Plötz- liche Revolution zustande gekommen sei. Das neue System der Gesetze und Sitten, die neue Methode wirtschaftlicher Zusammenarbeit, gegründet auf den Gedanken allgemeiner Dienstleistung für das gemeinsame Wohl, war nicht plötzlich zur Vollendung und zum Abschluß gelangt. Während eines langen Zeitraums vor und im letzten Zeitalter der Ver- worrenheit wurden die Grundlagen des neuen Staates durch eine wachsende Menge von Forschern und Arbeitern gelegt, die keinen festen Plan und keine vorbedachte Methode hatten, ober in bewußtem Zusammenwirken durch einen gemein- samen Antrieb zum Dienen, durch gemeinsame Erleuchtung und durch Wahrheitsliebe dahin gelangten. Erst gegen den Höhepunkt des letzten Zeitalters der Verworrenheit in llto- pien begann sich die Psychologie mit einigem Nachdruck zu entwickeln, vergleichbar der starken Entwicklung der Geo- graphie und Physik in den vorhergegangenen Jahrhunderten. Die soziale und wirtschaftliche Unordnung, die der Experi- mentalwissenschaft Hindernisse in den Weg legte und eine geordnete Arbeit der Universitäten hemmte, reizte zu Unter- suchungen über die Vorgänge in der menschlichen Gesellschaft und machte die Forschung verwegen und furchtlos. Der Eindruck, den Barnstaple empfing, war nicht der jener heftigen Veränderungen, welche unsere Welt Revolutio- nen zu nennen gelernt hat, sondern der eines allmählichen Hellerwerdens, eines Aufdämmern? neuer Ideen, durch welche die alte Ordnung immer mehr an Kraft und Bedeutung ver- lor, bis man es als eine Sache des gesunden Menschcnver- standes ansah, Neues au die Stelle des Veralteten zu setzen. (Fortsetzung folgt.) Dem Förderer städtischen Gesundheitswesens.! In die Reihe der Siebzigjährigen tritt am 14. Februar auch unser atter Genosse Dr. Zadel ein. Dr. Zadel ist in weiten Kreisen der Terliner Bevölkerung als Arzt bekannt und geschätzt. Im Berliner Rathaus war er vor Jahrzehnten ein Bahnbrecher fiir die fazialdemokratisch« Gesundheitspolitik. Zadels Beziehungen zur Sozialdemokratie reichen zurück bis in die Zeit vor dem Sozialistengesetz, dessen Beginn er »ar einem Halbjahrhundert als zwanzigjähriger Srudent der llnl versität Berlin erlebte. Er gehörte zu den sozialdemokratischen jungen Akademikern, die im„M o h re n k l u b"'(so benannt, weil das Tagungslokal in der Mohrenstraße lag) zusammenkamen. Aus dem„Mohrenklub" heraus wurde Zadel im Jahre 1878 mit anderen Studenten durch einbrechende Polizeibeamte zum Polizeipräsidium geschleppt, das damals noch am Molkenmarkt hauste. Den wirt- schaftlichen und politischen Anschauungen des Genossen Zadel ent- sprach es, doh er der Sozialhygiene schon als Student seine besondere Aufmerksamkeit zuwandte. Auf diesem Gebiet Hot er, nachdem er sich in Berlin niedergclasien hatte, in langjähriger Arbeit reiche Erfahrungen gesammelt, die er in Wort und Schrift für den Kampf gegen die sozialen Mißstände nutzbar zu machen sich bemühte. Seine Borträge, Aufsätze und Bücher behau- bellen u. o. die Tuberkulose, die Frauenkrankheiten, den Alkoholts- mus, die Gewerbekrankheiten, den Achtstundentag als gesundheitliche Forderung. Für unsere.„Arbeiter-Gesundheitsbiblio?hek" schrieb er eine beträchtliche Zahl Hefte, und seit langem ist er bei der Heraus- gab« dieser Schriftenreihe auch als Leiter tätig. Als Genosse Dr. Zadel im Jahre 18� getragen von dem Ber- trauen der Arbeiterbeoölkerung, in die Berliner Stadtoer- ordnetenversammlung einzog, wurde er für die noch recht kleine sozialdemokratische Fraktion in allen Fragen des Gesund- heitswesens der sachkundige Ratgeber und ihr Wortführer. Es war nicht leicht, dem damals in der Berliner Stadtverwaltung regierenden' Kommunalfreistnn die Notwendigkeit sozialhygienischer Maßnahmen begreiflich zu machen. Bürgerliche Beschränktheit wehrte sich zunächst gegen jeden Fortschritt aus diesem Gebiet. Auf seiner Seite hatte der fortschrittsfeindliche Kommunalfreisinn den Leiter des Gesundheitswesens selber, dem jedes noch so geringe Zugeständ- nis nur mit Mühe abgerungen werden konnte. Genosse Zadel ge- hörte der Stadtverordnetenversammlung an in den Iahren 1892 bis 1897 und dann wieder in den Jahren 1906 bis 1911. Besonders in dem ersten Abschnitt seiner Stadtoerordnetentätigkeit hatte er scharfe Redekämpfe gegen die bürgerliche Mehrheit zu führen, die sich noch im Besitz ihrer Macht wußte und daher unsere Forderungen an- fangs mit offenem Hohn abtun zu dürfen glaubte. Die Saat, die Genosse Zadek ausstreute, konnte erst später recht aufgehen und hat dann gute Frucht gebrocht. So manche der Reuerungen im Ge- sundheitswesen, die in Berlin in den letzten Jahrzehnten zustande gekommen sind, ist auf die von den sozialdemokratischen Stadtverordneten ausgegangen und immer miederholten Anregungen zurückzuführen. Was ehemals höhnend abgelehnt wurde, ist inzwischen verwirklicht worden— und temer möchte jetzt es missen. Genosse Dr. Zadek, der erste sozialdemokratische Arzt in der Stadtverordnetenversammlung, war einer unserer Bor- kämpfer in schwieriger Zeit. Die von ihm damals vor- bereitete und begonnene Arbelt haben Jüngere fortgesetzt und weiter- geführt. Der Berdienste unseres jetzt sicbzigjährlgeu Genossen Dr. Zadel um die Entwicklung des Gesundheitswesens der Stadt Berlin «ollen wir heute und immer uns in' Dankbarkeit erinnern. polizeihaupimann und Gräfin Bothmer Ein reichlich hartes Urteil. Bor dem Diszipllnarsenat hat gestern eine VerHand- kung stattgefunden, die Beachtung verdieut. Es Handell sich um ein Verfahren gegen den Polizeihauptmann Hefter, der, wie sich unsere Leser erinnern werden, in den Prozessen gegen die Gräfin Bothmer in Potsdam eine Rolle spielle. Hefter, der in der strittigen Zeit beim Polizeipräsidium Potsdam tätig war, hatte mit der Gräfin Bothmer mich noch während ihrer El>e mit dem Regierungsrat Gras Bothmer Beziehungen unterhalten, über die der in dem Prozeß Bothmer vernomniene Polizeiofsizier— was man ihm wirklich nicht als Unanstän- d i g k e i t unterstellen kann— die Aussage verweigert«. Daraufhin mürbe ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet, das gestern unter Vorsitz von Kammergertchtsrat Dr. M e y e r zur Durch- führung kam. Antiagevertreter war Regierungsrat Dr. B o e l i tz. Die Kammer setzte sich aus zwei Kammergerichtsräten, zwei oberen und zwei mittleren Beamten der preußischen Verwaltung zusammen. Man legte dem Pollzeihauptmann zur Last, daß er im Verkehr mit der geschiedenen Gräfin Bothmer während seiner dienstlichen Tätigkeit in Potsdam die Grenzen überschritten habe, die einem Polizeiofsizier gezogen wären. Darüber hinaus wurde ihm zum Vorwurf gemacht, daß er in eurer für einen Polizeiofsizier unwürdigen Weise öffentlich mit Frau u. Bothmer in Gesellschaften, Theatern und Kaffeehäusern aufgetreten sei, daß er weiter- hin die Gräfin in Gegenwart von Hausangestellten geduzt und in Abwesenheit des Gatten Besuche in ihrer Wohnung gemacht habe, die. so heißt es, die Dauer sonstiger gesellschaftlicher Visiten über- schritten hätten. In der Verhandlung wandte sich Hauptmann Hefter vor allem gegen den Vorwurf, Frau o. Bothmer öffentlich kompro- initiiert zu haben. Er habe als Freund des Hauses nichts dabei gefunden, Frau v. Bothmer in Gesellschaften zu begleiten. Er sei es nicht gewesen, der Einzelheiten über seine Freund schast mit Frau v. Bothmer in die Oesfentlichkeit gebracht habe. 3m Gegenteil. diese Dinge seien wider seinen Willen, ohne sein Zutun in dem Strafverfahren gegen die Frau v. Bothmer erörtert worden Der Vertreter der Anklage beantragte Dienstentlassung. Weiter zu gehen, war ja auch gesetzlich unmöglich. Sonst hätte er wahrscheinlich für Todesstrafe plädiert. Diesem unsinnigen Antrag hat sich das Gericht denn doch nicht angeschlossen. Es erkannte auf ein Urteil, das immerhin in diesem Falle noch hart genug ist: Hauptmann Hefter wird nach dem Verdikt des visziplinar- senats für nichtrichterliche Beamte in ein anderes Amt von gleichem Range sleasverseßl, für die Dauer von fünf Jahren wird ihm eine Gehaltskürzung In höhe von 10 proz. aufgelegt. Im Urteil heißt «s. daß er in seinen Beziehungen zu der Gräfin als Polizeioffi.zicr hätte zurückhaltender sein und daß er di? Beziehungen bätle abbrechen müssen, als er erkannte, wie die Dinge lagen. Wann aber sollt« dies der den kriminalen Verschlungen der Gräfin fern- stehend« Hauptmann erkeuncn? Aus der anderen Seite wird ihm zugute geschrieben, daß er sich bisher nach allen vorliegenden Kon- duiten während seiner ganzen Dienstzeit gut geführt hat. Das Urteil muß als ungewöhnlich hart bezeichnet werden. Schon in der Anklageschrift, die der Oesfentlichkeit bekannt wurde, wimmelt es von Dingen, die nur als Indiskretionen auch von Anklagchehörden bezeichnet werden können. So weit, wie es in diesem Falle geschehen ist. In das P r i v a t l e b e n eine? Beamten hinein.zufchnüffeln, das geht nicht am Gewiß, mag Herr Hauptmann Hefter etwas unvorsichtig gewesen sein: An dem Unglück, das er hatte, trägt aber nicht e r die Schuld, son» dern der Zufall, daß seine Freundin, die Gräfin Bothmer, mit den Strafgesetzen m Konflikt kam. Das Auto in der Spree. Die Gchuldsrage noch ungeklärt.— Widersprechende Zeugenaussagen. Das Autounglück am Reichstagsufer, das zwei Todesopfer ge- fordert hat, beschäftigte während des gestrigen Tages die Kriminal- polizei. Eine Reihe von Zeugen wurde vernommen, doch ist die Untersuchung noch zu keinem endgültigen Abschluß gekommen, da die Aussagen sehr widersprechend sind. Einige der Zeugen behaupten, daß K r a k e r t mit seinem Wagen langsam gefahren sei, und daß sie nicht wahrgenommen hätten. daß K. dos ihn überholende und dann vor ihm herfahrend« Un- glücksauto gerammt habe. Der Wagen Krakerts sei vielmehr von Odebrechts Auw, das ebenfalls nicht übermäßig schnell gefahren sei, im Augenblick der Katastrophe mehrer« Meter entfernt gewesen. Das Unglücksauto fei plötzlich ins Schleudern geraten, auf den Bürgersteig hinaufgefahren und in die Spree gestürzt. Andere Zeugen wieder oerharren bei ihrer Behauptung, daß O d e b r e ch t von Krakert gerammt worden ist. Auch die Vernehmung der beiden Ehauffeure hat noch kein klares Bild von den Ereig- nissen gegeben. Odebvechl selbst will zwar einen heftigen Stoß ver- spürt haben, kann aber nicht sagen, daß er gerammt worden sei. In den Nachmittagsstunden wurde der Wagen Krakerts einer ein- gehenden Untersuchung unterzogen. Es konnten jedoch keinerlei Spuren eines Zusammenstoßes entdeckt werden. Die beiden Chauf- feure wurden nach ihrer Vernehmung entlassen.— Der Kauftnann Tinius, der in die Chariw übergeführt worden war, hat das Krankenhaus bereits wieder oerlassen, konnte aber noch nicht»er- nommen werden, weil fein Aufenthaltsort gestern nicht zu er- Mitteln war. Bon einiger Wichtigkeit sind die Wahrnehmungen der Bewohner des Reichstaasbeamtenhaufes, Reichstagsufer 5, die übereinstimmend aussagen, daß sie unmittelbar vor dem Unglück einen scharfen explosionsarligen knall gehört haben. Gleichzeitig gibt der P f S r t- ner dieses Hauses an, der gerade vor der Tür stand, daß die Droschke Krakerts hinter der Unglücksdroschke fuhr. Es besteht die Vermutung, daß vielleicht doch bei einer Berührung der beiden Autos ein Hinterreifen der Droschke Odebrechts beschädigt und mit lautem Knall geplatzt ist: hierdurch geriet der Wagen ins Schleudern, und Odebrecht verlor schließlich die Herrschast über sein Gefährt. Die Unglücksstätte, die in weitem Umkreis durch ein Aufgebot von Schutzpolizeibeamten abgesperrt ist. war in den gestrigen Nach- Mittagsstunden das Ziel zahlreicher Schaulustiger, Von dem guß- eisernen Geländer der an der Unglücksstätte etwa sieben Meter hohen Uferböschung sind drei Stützen mit den Querstangen von der hinab- gestürzten Auwdroschke weggerissen worden. Von den Stümpfen der abgebrochenen Stützen führen zur Berankerung des noch immer in der Spree liegenden Wagens, der etwa einen halben Meter unter der Wasseroberfläche liegt und in den wüben Fluten ziemlich deut- lich erkennbar ist, mehrere starke Seile hinunter ins Wasser. Eine rote Fahne, die von der Feuerwehr angebracht wurde, kenn- zeichnet die Unglücksstelle für die Schiffohrt. Es gelang noch, das Auto gestern abend im Kanal zum Hum- boldthafen zu schleppen. Dort wird es von einem Kran an Land ge- hoben werden. Die Untersuchung des Unglückswagens wird Hassent- lich zur KMrung per Schuldsrage beitragen. * Von einem Augenzeugen der Katastrophe wird es als ein schwerer Fehler bezeichnet, daß die Feuerwehr von dem An, gebot eines Schissers, das Auto sofort mit Anker und Ankerwinde zu heben, keinen Gebrauch machte. Dadurch wäre es vielleicht möglich gewesen, den Verunglückten noch rechtzeitig Hilfe zu bringen. In diesen Angaben liegt ein so schwerer Vorwurf gegen die an der Rettung beteiligte Feuerwehr, daß sie im Interesse ihres Ansehens zu dieser Aussag« schleunigst Stellung nehmen' müßte. „Die teuren Betlstellen des Wirtschaflsparleller» vlollakh." Wir berichteten am Freitag im.vorwärts" aus der Stadtverord- netenoersammlung, daß der Reichstagsabgeordnete der Wirt- schaftspartei Mollath zu teure Bettstellen an' des Ber- linsr Anschaffungsamt geliefert habe. Herr Mollach schreibt uns:„Demgegenüber erkläre ich, daß ich weder die Bett- stellen noch die Kindermatratzen für die Anstalt in Buch geliefert habe, noch zu einem Angebot für die Anstalt Wich vom Anschaffungs- amt aufgefordert worden bin. Die Behauptungen des Herrn Ober- magiitratsrat Schalldach sind unwahr."— Herr Mollath treibt hier ein S p i e l m i t W o r t e n. Er beruft sich darauf, daß er Liefe- rungen für die Anstalt in Buch weder angeboten Noch aus- geführt hat. Wie wir aber von unterrichteter Seite erfahren, hat Herr Mollath Matratzen den, Berliner An- schaffungsomt offeriert und auch geliefert, aller- dings nicht für Buch, wohl aber zu einem Preise, der ebenso hoch war, wie die von dem Wirtschaftsparteller Haake in der Stadt- verordnetenoerfammlung bemängelten Preise. Die Verkaufsstelle der Lindcar-Fohrradwerke indsrOranien- st r a ß e 127(an der Alexandrinensiraße), über die wir vor kurzem berichteten, wurde gestern unter Beteiligung hervorragender Vertreter der Gewerkschaften eröffnet. Die Lindcar-Werke sind be- konntlich von den Gewerkschaften übernomewn und ausgebaut worden. In Lichtenrade, in der verlängerten Viklorlastraße, gehen die neuen Fabrikbauten ihrer Vollendung entgegen. Die Jnitia- tive der Gewerkschaften, im eigenen Betriebe solche Produkte zu erzeugen und zu angemessenen Zahlungsbedingungen an ihre Mitglieder abzugeben, ist sehr zu begrüßen. Hier wird ein Weg beschritten, den man als zukunflsweissnd bezeichnen kanr. Olympiade in St. Moritz. Eishockey und Schnelläufen. Ursprünglich waren am Montag zwei Eishockeyspiele vorgesehen. Da ober die Eisschneilaufen den ganzen Tag ausfüllten, erfuhr da» Treffen Belgien— Frankreich eine Verlegung. Die Begegnung Tschechoslowakei— Polen sah zwei gleich- wertige Mannschaften im Kampf. Das erste Spieldrittel brachte Arn Somitagvormittag spielte in der„Stunde der Lebeirden" das Schubert-Quartett ziemlich unausregende, ober kultivierte Musik englischer Koinponiston, anschließend— für die„Lobenden" keine vorteilhaft? Gegenüberstellung— ein Mozart-Quartett. Ein „Schwedischer Al>md" beschloß' den Tag mit einem geshmackooll aus Orchestermusik, Gesang und Rezitation zusammengestellten Pro. gramm. Unter den Vorträgen des Tages ist, seines sachlichen In- Halts wegen, Anton G ö g g e l s Schilderung„Mit dem Führerhund durch Berlin— Erfahrungen eines Blinden" erwähnenswert. Der Redner schilderte das innige Verhältnis des Blinden zu seinem Hunde, der ihm jederzeit treuer Freund und Beschützer ist. Er warnte aber auch vor gutgemeinten, aber oft gefährlichen Ratfchlä» gen Fremder auf der Straße. Der Blinde gerät dadurch in Zweifel an die Zuverlässigkeit seines Hundes; er vertraut ihm nicht mehr unbedingt und kommt so vielleicht in Gefahr, die ihm der treue treue Hund sonst gewiß rechtzeitig angezeigt hätte. Wekfe Fürsorgomaßnahmen das Deutsche Reich für die Taub- stummen, Schwerhörigen und Blinden trisit, davon unterrichtete der Direktor im Reichsgefundheitsamt, Dr. F r e y. Besonders inter- effierte ans feinen Ausführungen, daß infolge der verbesserten Hygiene der Prozentsatz dieser Gebrechen In den letzten Jahren ganz beträchtlich abgenommen hat. Ueber„Frauenarbeit«in st und jetzt" sprach Gertrud Hanna, Miiglied de» Landtags. Sie behandelte in ihrem Vortrag vor allem die veränderte Ein- stellung, die untere heutige Zeit gegen früher zur Frauenarbeit hat. Ehemals war die Frauenarbeit in Handwerker- und Arbeiierkreisen auch durchaus nicht selten; aber sie wurde meist im Hause aeleistet und, obwohl sie ausschließlich aus»irtichaftfichcr Notwendigkeit geschah, kaum als Erwerbxarbeit erkannt Heute, wo die Frauen- arbeit aus wirtschastlichen Grünten stark zugenommen hat, sst sie der Frau aber auch ein Mittel, sich Freiheit und Selbständigkeit zu schaffen. Eist diejjrau, die sich selbst erhalten kann, hat die Mög- lick'keit, ihre Persönlichkeit nach Willen und Veranlazmng zu«nt- wickeln. Die Bortragend« betonte, daß tätige Selbsthilfe, vor allem bewußte Organisation der arbeitenden Frau, hier noch weit besser die Wege zur Selbständigkeit ebnen könne.— Ein wenig zu ge- wichtig— wenn mich durchweg sehr schön— waren die künstlerischen Darbietungen des Montags. Am Abend hörte man, von Emmy B e t t e n d o r f vollendet gelungen, Wagner-Lieder, vom Funkorchester das Parzival-Vorspiel und Schuberts L-Dur-Sinfonie. Ein gutes Kammerkonzert brachte der Nachmittag. Mit Georg v/>n der Bring menschlich schönem Buch„S o l d a t S u h r e n" wacht Paut Blldt bekannt, der ein Kapitel des Romans, außerdem einige unveröffentlichte Gedichte des Berfaffers in edlem Bortrag zu Gehör brachte. x«s. jeder Partei einen Torerfolg, in den zweiten IS Minuten lesstete sich jede Mannschaft ein Selbsttor. Der siegbringende Treffer für die Tschechen fiel durch Molescek kurz vor dem Abpfiff. Aus den Spielen der Gruppe II ist Schweden als Sieger hervorgegangen. In den frühen Morgenstunden setzten die olympischen Schnelläufen auf dem Eisstadion St. Moritz ein. An Rekord, leisüingen war nicht zu denken, denn es schneite� unaufhörlich. Bor nur wenigen Zuschauern begannen die Zweierläufe über S00 Meter. Im ersten Lauf holte der Amerikaner Farrell die glänzende Zeit von 43.6 heraus, bald folgte das Duell zwischen Weltmeister Thunberg und dem neuen Weltrekordmann Roald L a r s e n. Hierbei legte der Finne Thunberg eine Zeit von 43,4 vor. Nun setzte Norwegen alle Hofsnungen aus Evensen und diesem gelang es dann auch im Lauf mit Oskar Ohlsen, totes Rennen mit Thunberg zu erzielen. Der Amerikaner Farrell. der'Norweger Larsen und der ginne Frlman kamen mit der Zeit von 43,6 gemeinsam aus den dritten Platz. Don den deutschen Bewerbern besetzte I u n g b l u t h in 47,2 den 29. und M a y k« in 49,1 den 24. Platz. Die Ehancen der Läufer im Laus über ölXZÜ Meter waren nicht die gleichen, denn zeitweise fegte ein starker Schneesturm über den Platz, hin und wieder klärte sich dagegen das Wetter auf. Wer bei Schneefall zu laufen hatte, stand vor keiner leichten Aufgabe. Die weitaus beste Zeit erzielte der Norweger B a l l a ng r u d mit 8:60,5. Der Finne Skulna bb besetzte w 8:S9,1 den zweiten Platz vor Eoenfen-Rorwegen mit 9:01,1 und dem Amerikaner Joffee mit 9:01,3. Ausgezeichnet war die Leistung des s P o l a f c e k, der mit einer Zeit von 9:08.9 auf den Oesterreichers achten Platz kam, und sogar noch Thunberg Deutsche Iungbluth besetzte in 9:26.7 hinter sich ließ. Der den 16. Platz. 1 Sozialistisch! Arbeiterjugend Groß-Lerlio ainfcodiiTiAra für diese Ttuirit mir an dae ZugendseNetarlac. rcrlln(533 68, tlndtndrofe 3 Acktieag, Wanderleiter! auf Mittwoch, 22. Februar, i_____._________________> w �________| strafte< stall. Vortrag:„Erologle der Mark." Bussprache öder den Zugendlog. Zack-Loadon-Abend am U. Marz Im©eoften Sikungosaal de» Bezirkoamt« Nrcuzberg. Alfred Beierle spricht an Hand von Lichtbildern Uber„Jack London. Karten zum Preis« von A) Ps. sind im Sekretariat zu haben. Heule. Dienstag, Igt- Uhr: „Proletarische Dichtung." Falkplaft____________ W■ „Reichstag.'— Rordosten: Jugendheim Danziger Str. 82.„Serucll« Fragen.'' I: Jugendheim Cderswalder Str. 10. — Schönhauser Vorstadt: Jugendheim Dricsener Str. 22.„Staatssorm."— Wort her Plaft! Jugendheim Kastamcnallec 81.„Die ssremdenleaw»."— Sasea- Heide: Jugendheim Porckstr. lt.„Bub und Mitdel."— Brift: Jugendheim Chauffeestr.„Nonsessionellc oder freie Schule?"— Reukllln I: Jugendheim Sonder-, Ecke Hodrechtstrafte...Kemerkschastearbeit."— Rcukiilla U: Jugend- Heim Stcinmetzstr. 114.„Rationalisierung."— Renk all» IT: Jugendheim eochierkestr. 44.„Ideen der bürgerlichen Jugendbewegung."— Reuköll» v: Jugendheim Böhmische, Ecke Konncr Strafte.„Die Endoicklung be, llapitali». Rcuköl» Reiaickenbors-i Jelt."— Pankow I: Jugendhel........_ fest."— Falkplaft II: Jugendheim Greisenhaaener Str. HS.„Sozialismus und Christentum."— Nenkölln III.- Jugendheim ZSanzlikstr. 7.„Die Bedeutung des Sports." • Weriebeziri Neukölln: In der Aeltcrengrupp« 2(Helm itanner Strafte) spricht am Freitag, 17. Februar, Senosse Dr. Ldwenstein über„Der Radikali». mus in der deutschen Arbeiterbewegung."(In den Gruppe» bekanntgeben.) «iimi m i j ojC/ v.txc jtc iiiicT. v�ircyc.„i'io vinin.':Ciiui. u ucs jvupikxiit* cnkrlln VI; Jugendheim Hcrftdergplaft.„Etwa, Uder Log'I."-- i-West: Jugendheim Scidelstr. I., Mari, Sngess, Lassalle und ihre inlow I: Jugendheim Görschftr. 1«..Da» kommunistische Moni. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reictisbanncr„Sctiwar, Rot-Gold" SeschZstsstelle: Berlin S. 14. Scbastianstr 87/M. Hof 2 tz. «Sende regelmäßig Ied-N Mittwoch.— Donaer-ta'g, jjj. Februar. Prenzlauer «er«: Versammlungen»m 20 llhr.«omerabschast Robert Blum bei«lug, Danziger u-tr. 71: Kam. Arnswalber Pias,>m Werneuckcner Lch'oft:«am. HeinrlchJBurr bei Varonlki, Pastcurstr. S: Kam. Rordkap bei Sachetzki, Schivel, deiner Str. 10. Wintersport-Abt.: 20 Uhr Monalsoerlammlun» M'.t Vortrag, Cai« Lax, P-tsdamcr Str. 02. einer ruar. Samtliche Rerliner Abteilungen haben ihre Bekanntmachung?» u:id Berichte an die Berliner Prellestelle. Fran, Elifon. Berlin RW. 87, Wa'dstr, 84, recht. zeitig elnzulcnden. Direkt an die Redaktion eingesandte Bekanntmachungen werden nicht me?»: berllckilchtlgt.- Abt. Karten-lat!! M'ttwoch. 18. Februar, M Uhr, Pslugstr. 5, Blitzturnier- Vit.«eftc-: Bülowstr. 33, freiet S-bachverkehr— Abt.«rnitf-nbotf: Donnerstag. 1«. Febr: ar. lS'r Uhr, Residenzstr. IvS. Scossnunasibeorie.- Abt. Moablt: Jetzt Rostocker Str. 1«. Srössnungstheorte.- Abt. Weste»: Sophie�harlot'.e-Str. 88. Mitgliederoer. sammlung.(?aslie Freien Schwimmer in Plauen im B o gtland Batten die Vereine Gera/ Zwickau, Leipzig, Nürnberg, Holle, B e r- liner Schwimm- Union und Neptun-Weihensee zu ihrem diesjährigen Schwimmfest eingeladeck. Di« Berliner Schwimm- Union war jedoch nicht anwesend. Die Plauener hatten das Fest gut vorbereitet, die Schwimmhalle war dicht gedrängt von Zuschauern. Die Eröffnung? st affel sah Leipzig vor Plauen stegreich. Lm Rückenschwimmen vollbrachte ein Plauener Genosse eine Leistung, die als sehr gut zu bezeichnen ist; er schwamm die vier Bahnen in 1: 10 Min. Das S t r e ck e n t a u ch e n sah den 1. und 2- Platz von Berlin besetzt, ebenso wie das Männcrbeliebig- schwimmen. In der Männerlogen st afsette siegte Leip- zia. Ein guter Frauenrcigen sowie eine humoristische Einlage fand bei den Zuschauern reichen Beifall. Den Höhepunkt des Festes bildeten die Wasserballspiels. Neptun-Weißensee gewann gegen Leipzig, dem Gegner in der Bundesmeifterschoft, 9: l. Halbzett k>: 0 und gegen Nürnberg 6: 1, Halbzett 2: 1. Dos Fest war«in voller Erfolg für den Arbetterschwimmsport. !. Pteven auen 1:10; ________________________________ 2. Weinet, Blauen SKi.— Streckentauchea: L Schröter lZIeotun-Welßenlee), i8 Meter in ituanai 4X1 Jahnlängen: L Leipzig 5:06,2: 2. Plauen 5:1'JX, Welikampfc bei„Vorwart4*,-Süden. Die Gruppe Süden de» Schwimmvereins„Vor- wärt»* oeranstaltet« am Sonntag mit ilnjerftützung der Vereins- gruppen ein Internes Schwimmfest im Hallenbad Baerwald- strafte. Reger Besuch, flott ausgetragene Wetttämpfe und ein an- regendes Programm zeichneten die Veranstaltung aus. Alle Leistun- gen waren gut, zeugten von der regen Beoeinsarbett und fanden lebhaften Beifall der Zuschauer. Auch für die, die weniger Fach- kenn» sind, war gesorgt: das Schwimmen der..Siebzig- jährigen*— der humoristische Teil dez Programms— löste dröhnend« Lachsalven und einen wahren Beifallssturm aus und de- wies, wie sich» der Schwimm« fem Element selbst rn gemocht« Unbeholfen heit beherrscht._ Die Naturfreunde rufen! ..ftainr und Freude* nennt sich die Veranstaltung, die die Wtteilung Wedding de» Toirristenosreins.Di« Natur- freunde* am Sonntag. 19. Februar, in Schreibers Festsälen, Triftstrafte ö3(Nähe Bahnhos Wedding> veranstattet. Aus dem Programm(elen kurz«wähnt: Musikalische Darbietungen, Gruppen- oesäng«, Werbelichtbilder. Lieder zur Laut«, Volt»- tänz« der Kinder. Zum Schluft gefelliges Beisammensein mit Tanz. Eintrittskarten zu 0,60 M. sind am Eingang zu haben. Die 'Arbeiterschaft ist hierzu herzlichst eingeladen. Beginn 17,30 Uhr. „Schönheiten d Eigenarten der Mark Vron» den bürg* lautet da? Thema eines Lichtbildervortrages, üb» dos der Genosse B u l a n im Auftrag« des Retfebureaus d«r Touripsnoereins»Di« Naturfreunde* Mittwoch, den 22. Februar, 20 Uhr, im Sitzungssaal der Geschäftsstelle. Berlin W 24, I o h a n n i s st r. 14/15, spricht. Eintritt frei. Ganz besonders sind die Teilnehm« der Ferien- und Wochenendfahrten eingeladen. Neu« Mitglied« werden aufgenommen. Was die Vereine miffcilen! Aiwrsturnen in Lichtenberg. Die Erkenntnis, daft man auch im vorgeschrittenem Mt« Leibesübungen noch treiben kann, bricht sich erfreulicherweise immer mehr Bahn. Die Bedeutung der Leibes- Übungen ist für die Arbeiterschaft mehr als eine„Mode*. Die zweck- mäßige Gymnastik soll gegen die Berufsschäden kämpfen. Bei Wanderungen. Spiel und Sport soll der Körper in Licht, Lust und Sonne baden, um die Lungen von der gefährlichen Fabrik- und Bureauluft zu reinigen. Den Lichtenberger Männern nnd Frauen bietet die Freie Turnerfchast Lichtenberg-Fnedrichs- sclde Gelegenheit hierzu. Die Abteilung der Männer üb» 30 Jahre turnt jeden Donnerstag von 20 bis 22 Uhr in der Turnhalle d« Schule Holtei- und Böcklinstraft«. Die Abteilung der Frauen üb« 25 Jahre turnt jeden Mttttvoch von 20 bis 22 Uhr in der Turnhalle des Jahn-Real-Gymnastums Schreiberhauer Strafte. D« Arbeller-Anglerbund veukschlonds. e. V„ teilt mit: Für das Jahr 1928 ist die Teupitz-Angelerlaubnis wieder unt« den allen Bedingungen erwirkt worden, aber mit ein« Preis«mäftigung für Bundesmiralieder von 5 Mark pro Karte. Die Karte tostet demnach für Mitglieder 25 Mark und ist nebst Fischereischein zu beziehen von Paul Schulz, Neukölln, Kaisn-Friedrich-Strafte 166. Der Schwimmvereia vorwärts, Gruppe Norden, bittet uns mit- zu teilen, daft in dies» Gruppe KPD.-Mllglied« leinen Einstuft haben. Nach dm uns gegebenen Informationen werden tatsächlich in dieser Gruppe alle wesentlichen Funktionen von Mitgliedern unserer Partei ausgeübt. Die Mitglied« dies« Gruppe l e h n e n e s a b, sich vor den festgefahrenen kommunistischen Partei- karren spannen zu lassen. Vcrbandskag der.Freien Segler*. Der Dorstand des Freien Segleroerbandes teill uns mtt, daß unsere Bemerkung im Bericht üb» den Aerbandstog,„Die russischen Segler wären als unge- betene Gäste erschienen*, auf falschen Voraussatzungen b«uht. Tot- sächlich sind die Russen eingeladen gewesen, was unserem Berichterstatter aber beim Bericht des Porsitzenden cnt> gangen war. Achtung. Arbeiletschühen! Unser Parteigenosse Saemerow. Berlin NO. 18. Landsberger Str. SO, tust aus zur Gründung«in» Abteilung des Arbeiterschütz enbunoes. Alle Partei- genossen, dl« sich für den Schießsport interessirnn, sollen ihre Adressen dort angeben. Svv--Sportl« Kreuzberz. Frattionssttzung Donnerstag, den 16. Februar, 19% Uhr. b« Ewald. Skalitzer Str. 126. SPD.-Spartl» Treptow. All« parteigenösstfchen Arbeiter- jporiler treffen sich Mittwoch, 15. Februar, 19% Uhr. in der Epe- dttion de»„Vorwärts*, Graetzstraße 63. Parteibuch vorzeigen. Frei« Turuerschast Graft- Berlin. Zur Gesellschaftsfahrt nach Leipzig, zur Besichtigung der Bundesschule am 17. und 18. März d. I müssen die Voranmeldungen von den fehlenden De» zirten unbedingt spätesten» bi» Mittwoch, den IS. Februar. kt d» Geschäftsstelle:»eickin NO. 18. Lichtei»«g« Str. 3, abgegeben sein. Sportärztliche Beratung. Das Bezirksamt Treptow per- onstallet in Niederschöneweid«, Grünauer Strafte 1 a, Montags von 15 bis 16 Uhr,«ine sportärztliche Beratung. Resultate d« Serimkämpse ln der Woche vom 5. bis l?. Februar 19?S. /t-K lasse: Berolino-Lib«tos 26:2, 1. Gang 13:1: Siegfried-Nordwest 10: 18 1. Gang 5: 9: Köpenick-Alt Wedding 15: 13. 1. Gang 7:7. L- K l a f f e: Rot» Stern-Tegel 8%: 19%, 1. Gang 5: 9: Eoncordia-Krost Heil 16: 12, I. Gang 8: 6. Termine «r ScrienkSnipfe in der Woche vom 12. bis 19. Februar 1928. -Klasse: 17. Februar, 19.30 Uhr, Alt Wedding-Siegsried 09, Turnhalle Utrecht« Straße. K-Klasse: 14. Februar, 20 Uhr. Libertos ll-Berolinc» II. Turnhalle Sprebt. Norden- Dienstag, 14. Februar, fästt au».— Abt. Wcddioge Dienstag. 14. Februar. 20 Uhr, Turiner, Ecke Scestraßs. Geschäftlicklee. Sonntag, lg. Fe. bruar. in Schreibers Festsäleu, Triftstr. SZ,„Natur und Freude". Tintritt »0 Vi. Beginn UM, Uhr.— Abt. Treptow, Dienstag, 14. Februar, 20 Uhr, Slfenstr. ö, Heimabend.— Abt. Pankow: Dienstag, 14. Februar. 20 Uhr. GSrswstr. jt.— Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstag, Ist. Februar, 20 Uhr.. Altersheim Danzlger Str. 62, Baracke 7, Unterhaltungoabend mit Reiseerleb. nisten.— Abt. Tiergarten, Donnerstag. 16. Februar, 20 Uhr, Lehrter Str. 18/1«. — Abt. Südwest: Donnerntag. 16 F, bruar, 20 Uhr. Porckktr. 11, Lichtbilder. Vortrag?.Walzerlednjsse".— Natnrwlssenschaktliche Abt.: Donnerstag. 16. Fe» bruar, 20 Uhr, im Sitzungssaal der Seschäftsstelle, Johannisstr. 1/>. Lichtbilder. Vortrag:.Rothenburg ob der Tauber". Eintritt frei. Gälte willkommen.■— Ortsgruppe Berli», Danners tag. 2S. Februar, w der Städt. LiGtbildbühn« Neukölln, Bergstr. 147, Humor im Film:„Ut«in« Stromtid*. Fritz.Rrutep- Film in 6 Akten. Reifefilm, 2 Akte, Humoreskr, Muff?'>n Mitgliedern d»it Deutschen Mustlerverbande«. Einlaß IS Uhr. Beginn ISIh Uhr. Einlaß- karten 60 Pf. bei de« Fuuktionäreu unh an der Abendkasse. wemd Sssddeutschland kräftige Erwärmung bei trübem Wctt» mtt verewzelten Niederschlägen. Msmmy? J NOCH im Jahre lS9? entfiel auf fünf k Zigayren-Raucher nur ein Anhänger der Zigarette-Sdtdm hatsididas Verhältnis unge- kehn-Heute übertrifft der Zigarettenrerb� um das Fünffache den der Zigarre- x&ah hat leid& die Kenntnis des 2igan*ttenrm- chers von dem edlen Rohstoff, den er tagtdglidi Imsumiert, mit dieser Entwicklung nicht Schritt, gehalten-(Per Zigarren-Raucher weiss genau, was eine Havanna-Zigarre ist, ans Bmsil oder' Sumatra,/ der Zigaretten-Raucher dagegen? kennt nur den&unmelnamen Orient- �nx Grunde ist dasWort Orient ein ganz ober- flädükher Begriff- Es bedeutet nichts anderes als der Osten' der jedem Erdbewohner anders liegt GHur der Europäer versteht darunter das� Lmd zwischen Mittelmeer und dem. Vnäi—' sehen Ozean- CjAber dieser Begriff wäre vid zu Weit gefässi für das, was man mit dem Samen Orient-Zigarette Zu bezeichnen pflegt- Nach den heutigen poütisdm Grenzen sind es die Under GRIECHENLAND/ TÜRKEI und BULGARIEN, in denen derJJrient- Tabak wächslwährend Ägypten keinenTäbak Hervorbringt- Diese Tabakländer sind jedoch M dteinud so gross als Deutschland, und es gibt in Omen unendlich verschiedene Tabaksorten# (Die Cresäimacksunterschiede sind ungefähr* ebenso grosswie bei den Zigarrm-Tabaken, derm Anbau-Länder durch Ozeane voneinander0 getrennt sind- tßcher gibt esvide Raucher, dketms liefer eindringen möchten, in die Kenntnis des Ziga- retten-Thbaks- Wir wollen uns dieser Aufgabe' gern unterziehen- Wir wollen auch nicht den Fehler nuichen,7hjm viele fadmuümischeHer- larnftsbeteidmungen zu nennen, Sie würden) sie doch nicht behatten- Wir wollen Jhnen vielmehr nur einige Grundbegrifie vermitteln- Setmchten Sie deshalb nochmals unser Bild und merken Sie sich heute nur das kleine Fleckchen Erde, das der Sonnenstrahl besdmü � SONNE auf MACEDONIEN-Hier ist das ä-* teste und wichtigste Anbau-Gebiet, welches- den edelsten Tabak hervorbringt- Hier wächst derjiavarma'äes Orients- Minsen Einkäufer sind in diesem Gebiet ziu Hause, denn unsere Firma ist seit Jahnm der grösste europäische Käufer dieser edlen Warn- (Deshalb können wir Jhnen noch einigt inten essanto Kenntnisse von diesem wichtigsten Thbak-Gebkt vermitteln- Europas Außenhandel wächst. Weliwirischastliche Llmschau. Die Ziffern für den Welthandel im Jahre 1927 sind noch nicht pollständig veröffentlicht, doch läßt sich aus der bisher vor- liegenden Statistik eine mengenmäßige Steigerung des Welthandels um m e h als 12 P r o z. gegenüber 1926 feststellen. Die wertmäßige Steigerung ist geringer, weil das Jahr 1927 im Zeichen sinkender Weltmarktpreise stand. Da in den überseeischen Län- den— Dereinigte Staaten, Japan, Indien— eher ein Rückgang als ein« Zunahme des Außenhandels zu verzeichnen ist, kam die Steigen ig den europäischen Ländern zugute, deren Außenhandel sich demnach um erheblich mehr als 12 Proz. ausgedehnt Hot. Die deutsche Hochkonjunktur als Hauptursache. Wurde im Jahre 1926 ein großer Teil des Welthandels von dem englischen Bergarbeiterstreik angeregt, so ist das im Jahre 1927 durch die deutsche Hochkanjunktur geschehen. Der groß« Einfuhr. bedarf Deutschlands gab der Ausfuhr einer Anzahl von Ländern, vor allem der Nachbarländer Deutschlands, mächtige Antriebe. Die französische Handelsbilanz war 1927 hochgradig— um den Betrag von 2% Milliarden Franken— aktiv, gegenüber einem nur ganz geringen Slusfuhrüberschuß im Jahre 1926; rund zwei Drittel der gesamten Ausfuhrsteigenmg entfallen auf Deutschland und Großbritannien. Deutschland hat insbesondere franzö- fische Textilwaren gekauft. Der Einfuhrüberschuß Belgien- Luxemburgs ist trotz der erheblichen Zunahme der Einsuhr in- folge der gewaltigen Ausfuhrsteigerung gesunken; Deutschland ist daran in hohem Maße beteiligt. Fast zwei D r i t t e l der Gesamt- zunahm« der Ausfuhr Hollands entfallen allein auf Deutsch- land. Die tschechische Handelsbilanz war auch 1927 mit 2,2 Mil- liarden Kronen aktiv bei gleichmäßiger Ein- und Ausfuhrerhöhunz. Von der Gesamtzimahme der Ausfuhr entfallen wieder amiäherid zwei Drittel auf Deutschland. Die'Ausfuhr Oesterreichs nach Deutschland stieg gegenüber 1926 um 86 Pro.z. In der Schweiz haben sowohl Einfuhr wie Ausfuhr zuge- Nammen. Während aber in den vergangenen Jahre i Frankreich an erster Stelle im Außenhandel der Schweiz stand, ist es 1927, wie vor dem Kriege, wieder Deutschland. An der Zunahme der polnischen Einfuhr war Deutschland mit 30 Proz., an der Steigerung der polnischen AUsstihr aber mit 75 Proz. beteiligt. Auch die Steigerung der amerikanischen Ausfuhr fällt vor allem auf Deutschland. Die deutsche Konjunktur gab außerdem auch den An- stoß zur Belobung des inneren Marktes in einer Anzahl von Ländern, wie der Tschechoslowakei, Holland, der Schweiz und Oesterreich. Während sonst die Zlusfuhrsteigcning gewöhnlich als jFolgs eines Abflauens oder einer Krise des inneren Marktes einzu- treten pflsgt, hat die deutsche Konjunktur in vielen Ländern nicht nur zur Steigerung der Ausfuhr, sonder i auch zur Entfaltung einer Konjunktur des inneren Marktes beigetragen. Schlechte Getreideernte und Auslandsanleihen. Reben der deutschen Konjunktur waren die zwei hauptursachen für die Steigerung der Wellhondelsumsätze in Europa die schlechte Getreideernte und die Ausländsanleihen. Beide führten zu einer erheblichen E i n s u h rft« i g e r u n g- Deutschland hatte aus verschiedenen Gründen einen stark vermehrten Zuschußbedarf.an Getreide. Polen, sonst ein Ausfuhrland für Getreide, war 1927 ge- zwungen, seine Lebensmitteleinfuhr von 77 Millionen Goldfranken 1926 auf 358 Millionen zu steigern. Der französisch« Ausfuhrüber- schuß wäre ohne die Zunahme der Lebensmitteloinsuhr von 10,4 auf 12,8 Milliarden Franken noch viel größer. In Italien wurde d>« Weizenemsuhr infolge der schlechten Ernte von l,6 auf 1,9 Mil- lianen Tonnen gesteigert. Auf der anderen Seite ist die Getreide- ausfuhr der Vereinigten Staaten, Kanadas, Rumäniens und Ruß- lands erheblich gestiegen. Die im Wirtschaftsjahr 1926/27 erreichte Aktivität der russischen Handelsbilanz ist bei einer Einfuhr von 7 12 Millionen Rubel und einer Ausfuhr von 770 Millionen Rubel der vermehrten Ausfuhr von landwirtschaftlichen Produkten zuzu- schreiben. Diese betrug 1926/27 471 Millionen Rubel, wovon 206 Millionen auf die Aussuhr von Getreide entfielen. Die einfuhrsteigemde Wirkung der A u s l and s a n l« i h e n spiegelt sich in den Handelsbilanzen Deutschlands, Polens, Ungarns, Kanadas und Oesterreichs, Länder, die im Laufe des Jahres 1927 erhebliche Summen vom Ausland erhielten. Slusfuhrsieigerullg in Krisenländern. Außer den erwähnten drei hauptursochen, die für die Gestal- tung des Welthandels im vergangenen Jahre maßgebend waren, deutsche Konjunktur, schlechte Getreideernte und Ausländsanleihen, sind in einer Anzahl von Ländern auch noch andere Ilmstände für die Gestaltung des Außenhandels verantwortlich. So stehen die Handelsbilanzen Frankreichs und Italiens im Zeichen der Wir t- schastslrise als Stabilisierungsfolge. Frankreich hatte eine hoch aktiv« Handelsbilanz zu der gleichen Zeit, wo der Derbrauch des Inlandsmarktes an Erzeugnissen der Eisenindustrie um 25 Proz. zurückging, seine Baumwollindustrie daniederlag, seine Maschinen- und Schiffsbauiiidustrie sich in schwerem Krisenzustand befand und auch seine Kohlenproduktion den Stand von 1926 nicht erreichte. Demgegenüber war die Ausfuhr allein bei Stahl um eine Million Tonnen höher als 1926. Di« Krise des inneren Marktes hat die französische Industrie zu einer Anspannung der Ausfuhr veranlaßt. Allerdings hat dos internationale Eisenkartell— die Strafzahlungen der deutschen Eisenindustrie an die Ausgleichskasse kamen ganz der französischen Eifenindustri« zugute— zur Steigerung der fronzössschen Essenausfuhr erheblich beigetragen. Auch die italienische Ausfuhr ist mengenmäßig gestiegen (die wertmäßige Senkung entspricht ungefähr dem Preisabbau in- folge der Wertsteigerung und späteren Stabilisierung der Lira). Wie sehr aber der Verbrauch auf dem inneren lvtarkt zurück ging, davon zeugt der mengenmäßige Cinfuhrrückgang für Rohbaumwolle um etwa 12 Proz., Rohwolle 20 Proz., Rohessen 33 Proz., Schrott 1% Proz., Stahlbarren 40 Proz., Maschinen 35 Proz., Kupfer 60 Proz. Handelsverträge im Dienste des Welthandels. Es waren wenig neu« Handelsverträge, die im Jahre 1927 ihre gü-isstige Wirkung für die Steigerung des Welthandels geltend zu machen vermochten. Darunter steht der im September abgeschlossen« Handelsvertrag Deusschlands mit Frankreich, dessen günstige Wirkung bereits in den letzten Monaten sichtbar wurde, an wichtigster Stelle. Der Ende 1926 mit der Schweiz ob- geschlossen« Handelsvertrag Deutschlands hat sich erst im Lause 1927 ausgewirkt. Ebenso sind die 1927 obgeschlossenen Handelsverträge Deutschlands mit Japan und. Jugoslawien durch die Meistbegünsti- gung auch dem allgemeinen Wollhandel zugute gekommen. De rzwiscben Oesterreich und der Tschechoslowakei zustanbegekom- mene Handelsvertrag hatte auch für den Auhenhanbel Deutschlands uud die Nachfolgestaaten günstige Wirkungen. Auf der anderen Seite ensstanden neue Schwierigkesten für den internationalen Warenverkehr: neue Zölle in England/ wesent- liche Zollerhöhungen in Norwegen und Australien, Erschwerung der Einsuhr durch Zallschikanen und künstlich« Maßnahmen in Italien und Spanien, Zollkämpfe zwis6)en Frankreich und Belgien, deren Handelspolissche Gegensätze bisher nicht überbrückt werden konnten usw. Als besonders hemmend wird für den europäischen Handel das Verhalten der Der ei n i g t cn Staaten empfun- den, die geradezu eine Zolldiklakur über Europa ausüben, indem sie alle Erleichierungcn, welche die übrigen Länder einander gewähren, für ihre Ausfuhr in Anspruch nehmen, ohne selbst Zugeständnisse zu machen bzw. ohne ihre eigenen hohen Zölle auch nur im geringsten zu ermäßigen. Wird eine Einheitsfront der europäischen Länder gegenüber der amerikanischen Zollpolitik zustande kommen? Vorläufig wartet die Welt noch vergebens darauf, daß die Anregungen der Weltwirsschaftskonfereuz für die Für- derun/ des Welthandels verwirklicht werden. Wir müssen darauf gefaßt sein, daß der europäische Außenhandel, der 1927 infolge des Zusammentreffens einer Anzahl Umstände erheblich gestregen ist, im Jahre 1928 wieder zusammenschrumpfen wird. A: h. Das neue Llsa-�egimeni. Ein Rechenschaftsbericht nach S'/z Monaten. Seit Herr h u g e n b e r g in der Ufa regiert, hört man zwar nicht sehr viel davon, wie es ihr geht, aber eine ganz kleine Besse- rung scheint in der Verwaltung schon vorzuliegen. Für den Ge- schästsbericht des Jahres 1925/26 hatte man zur Fertigstellung noch reichliche 10 Monate gebraucht, für 1926/27 sind es nur noch 8'/•. Da die Aktionäre durch die frühere Mißwirtschaft zwei Drittel ihres Kapitals verloren haben, weiß die jetzige Ufa-Verwaltung vielleicht, daß es den Aktionären mit Neuigkeiten, die unangenehm sein könnten, nicht allzu sehr eilen mag. Doch das ist schließlich eine Angelegen- Hess, die die Ufa-Derwaltung und die Aktionäre allein angeht. Jedenfalls wird in der für den 31. Mai 1927 aufgestellten Schlußbilanz weder ein Reingewinn ausgegeben, noch eine Dioi- dende angekündigt. Es braucht also den Aktionären wirklich nicht zu eilen. Wie bei den riesenhaften Verlusten natürlich— rund 55 Millionen DK. werden als verloren abgebucht— ist die Bilanzsumme von 118.26 aus 76,13 Millionen stark zurück- gegangen. Allein auf fertige und halbfertige Filme werden 33,23 Millionen Mark abgeschrieben. Wir wissen nicht, ob es ein Zufall ist, daß mit 15,27 gegen 15,34 Millionen fast derjelbe Rahüberschuß ausgewiesen wird. Bei der schon im Jahre 1926/27 wohl bedeutend verminderten Produktion ist es aber auffällig, daß die Hand- l u n g s u n t o st e n gegenüber dem Vorjahr noch von 2,67 auf 2,85 Millionen gestiegen sind. Dafür sind allerdings, da man im Laufe des Jahres durch die Kopitalerhöhung und durch Schuld- Verzicht(Deutsche Bank) die Bankschulden vollständig losgeworden ist, diö Zinszahlungen von 5,22 auf 2,84 Millionen zurückgegangen, und den Rückgang der Steuerleistungen von 5,10 auf 3,54 Millionen. die offenbar die ganze Lustbarteitssteuer enthalten, kann man auch iWurUßir2TeUeraPL dann begrüßen, wenn er sich nicht nur aus einem geringeren Besuch der Theater ergäbe. Da die Abschlußbilanz eine Sanierungsbilanz ist, läßt sich über den Erfolg oder Mißerfolg des neuen Regimes noch nichts sagen. Man wird dafür den Abschluß zum 31. Mai 1928 abwarten müssen, der vielleicht dann wieder um ein paar Wochen früher herauskommt, da der Wille zur Besserung doch nicht zu verkennen ist. Ueber den Geschäftsgang wird im Jahresbericht nichts verraten. Bon der Produktion wird gesagt, daß man 1927/28 3 7 Filme hergestellt habe und daß man für 1928'29 2 0 Filme herstellen wolle. Bemerkt wird, daß die Umstellung des ganzen Unternehmens noch in vollem Gange sei und daß in den 130 Betrieben über 5000 Angestellte und Arbeiter beschäftigt seien. Gefordert wird natürlich, daß die Lnstbarkeitssteuer vollkommen beseitigt wird, und es klingt nicht allzu hoffnungsvoll, wenn das zukünftige Schicksal der Ufa als davon abhängig bezeichnet wird. Konsums Vormarsch im Januar. lleber 3000 neue Mitglieder.— 1 Million mehr Spargelder. Das Jahr 1928 begann für die Konsum-Genossenschoit Berlin sehr vielversprechend. 3315 Haushaltungen— eine bisher noch in keinem Illonal erreichte Zahl— erklärten im Januar 1928 ihren Beitritt zur Berliner Berbrouchcrorganisation, wodurch der Mit- gliederbestand sich auf 146 264 erhöhte. Seit Juli 1927 sind 17 579 Mitglieder aufgenommen worden. Der Umsatz betrug 4049 091 M.; das ist gegen Januar 1927 eine Steigerung um 945 747 M. oder 30.4 proz. Es ist anzu- nehmen, daß die Monatsumsätze sich auch künftig stets über 4 Mil- lionen Mark bewegen werden. Die KGB.- Ware nhäuser hatten für sich sogar ein« Unssetzsteigerung von 61,7 Proz. Am auffällt gst en sivt> diesmal die ftortfchilkte in genossenschaftlichen Spartätigkeit. Zum ersten Male über- schreitet die monatliche Spareinlagenzunahme 1 Million Mark Einzahlungen in höhe von 1757 284,18 M. stehen nur 379 845,69 Mark Auszahlungen gegenüber» woraus sich eine Zunahm« von 1377 438,49 M. ergibt. Der gesamte Spareinlagenbeswnd betrug Ende Januar 20817 923.79 M. Für 4081 Personen wurden neue Sparbücher ausgestellt, außerdem gelangten 322 heimspar- büchsen zur Ausgabe. Für den 15. Februar ist die Eröffnung des neuen modernen Warenhauses der Genossenschaft am Oranien- platz(Omnicnsir. 164/165) in Aussicht genommen. Mit dem Au?» gebot aller Kräfte wurde von allen Beteiligten gearbeitet, um dieses größte und schönste genosserischaflliche Warenhaus der deutschen Konsumvereine am festgesetzten Tage den Mitgliedern zur Benutzung übergeben zu können. Vom saarländischen Elektrokampf. Widerspruchsvolle Berichtigungen. Die Betriebsverwaltung Saarland des Rheinisch« Westfälischen Elektrizitätswerks sendet uns die Abschrift einer Be- richtigung zu, die sie der„Saarbrücker Bolksstimme*» unserem dortigen Parteiblatt, zugehen ließ. In dieser Berichtigung wird gesagt, daß das RWE. das mit Preußen abgeschlossene Demarka- tionsabkommen nicht verletzt habe und daß es sich bei keine v Gemeinde des Kreises St. Wendel dafür eingesetzt habe, sich nicht an die Saarland-lothringische Elektrizitäts-A.-G., sondern an das RWE. anzuschließen. Diese Berichtigungen erscheinen nach einer Mitteilung der bürgerlichen„Saarbrücker Zeitung" vom 12. Februar in einem merkwürdigen Lichte. Danach hat ein Direktor der Saarländischen Betriebsabteilung noch drei Tage nach dem Beschluß des Kreises St. Wendel, sich n i ch t an das REW. anzuschließen, behauptet, seine Direktion in Essen stehe trotzdem auf dem Standpunkt, noch mit den zum Kreise St. Wendel gehörigen Gemeinden unmittelbare Verhandlungen über Elektrowirtschast führen zu können. Diese offenbar aus bestinformierten Saarkreisen stammenden Feststellun- gen werden durch die Bemerkung ergänzt, daß diese RWE.- Erklärung sowohl zu den Bestimmungen des Dsmarkationsocrtrages als auch zu früheren Erklärungen des REW. im strikten Wider- spruch stehe. Wir haben schon vor etwa acht Tagen einmal festgestellt, daß der Draht zwischen Essen und den Essener Vertretern im Saargebiet offenbor nicht funktioniere. Es scheint noch immer nicht besser geworden zu sein. Zwanzig Millionen Industrietredttel- Äi'S Ende 1927 von der British and German Trust Co� für Oeutschland besorgt. Seit 1926 funktioniert mit einem Kapital von 1 Million Piunk» Sterling(20 Millionen Mark) die von deutschen und bririjchen Banken gegründete British and German Trust Eo. mit dem Sitz in London, die es sich zum Ziel« gesetzt hat, deutsche Industrieunter- nehmungen, die nicht selbst init Anleihen auf den ausländischen Kapitalmarkt gehen können, mit langfristigem Kapital zu nersorgeh. Bis End« 1927 sind von der Gescllscl>ast, an der von deutscher Seite u. a. die Rcichskredit-A.-G., die preußische Staatsbank, die Deutsches Bank und die Berliner Handelsgesellschaft beteiligt sind, insgesamt 19 langfristige Kredite im Nominalwert von 20,8 Millionen Mark an Iildustrieunternehmiingcn vermittelt morden, in 10 bis 20 Iahren rückzahlbar und mit 7Vj Proz nominell zu verzinsen. Davon lauteu drei Kredite aus je 2 Millionen, sieben.Kredite aus je 1 bis 11h Millionen, sechs Kredite aus je 600 000 bis 900 000 Mart und drei Kredite aus je 400!)00 bis 500 000 Mark. Es handelt sich also in der Tat um Beträge, für die Sander- anlcihen im Ausland kaum zu beschaffen gewesen roorRV womit der neue Investmenttrust seine Berechtigung erwiesen hat. Allerdings ist auch recht Niel verdient worden dabei. Die Kredite vcr- teilen sich aus die verschiedensten Industrien in allen Landesleilen Deusschlands. Der Trust legt jetzt in London eine'Anleihe von 750000 Psund Sterling oder rund 15 Millionen Marl ans, um seine Arbeit sortzusilhren. Es wäre immerhin wünsckienswert, daß auch langfristige Anleihen von etwas kleineren Be- trägen, als den hier gewährten, vermittelt würden, da sicher eine sehr große Zahl von durchaus kreditwürdigen Unternehmungen bei dem von dem englisch-deutschen Trust gewahrten Mindestbttrog von 400 000 Mart ausfallen muß._ Kostensenkung macht eine Mengenkonjunktur zur Preis- konjunktur. Die T r i t o n w e r t e Zl.- G., Metallgießerei und Fabrik für sanitäre Einrichtungen, hat seit vier Jahren keine Dioi- dende gezahlt. Bei dem Abschluß für 1927 holt sie aber dieses für die Aktionäre sehr schmerzliche Versäumnis reichlich nach, denn von dem mit 346 000 Mark versünfsachten Reingewinn wird eine Dividende von 10 Proz. ausgeschüttet. Auch in der Bilanz treten die sehr hohen Gewinne des letzten Jahres hervor. Die Verbesserung der Anlagen, die Zugänge von mehr als 100 000 DKark erhielten, geschah aus lausenden Einnahmen. Zlußerdeni wurde die Dreivicrtel-Million Bankschulden bis aus 162000 Mark zurückgezahlt, während die Warenschulden mit 0,4 Millionen Mark und die Forderungen mit rund 1,0 Million Mart sich kaum oerändert haben. Die Verwaltung führt dieses sehr gute Geschäfts- ergebnis auf die durch die große Umsatzsteigerung ermöglichts Senkung der U»kosten zurück. Diese Fessstellung ist inter- essant, weil von der Eisen- und anderen Industrien seit DKonatm mit dem Schlagwort Mengen konjunktur gearbeitet wird, die keine Preis konjunktur sei. hier bestätigt aber ein Unternehmen, daß es eine einseitige Mengenkonjunktur nicht zil geben braucht, sondern daß sich der steigende Umsatz in sinkenden Ge- ftehungskosten und damit auch in Gewinnen auswirkt. Der durch die Erweiterung des Absatzes eingetretene Kapitalbedarf soll oi-ra, Erhöhung des Aktienkapitals von 2,5 auf 3,5 Millionen DKark gedeckt werden. Sunslseiden-Vemberg baut eine neue Fabrik.. Wie aus Bank- kreise» berichtet wird, hat die bekannte I. P. Bemberg-A.-G. be- schlössen, in Baden eine neue Kunstseidensabrik zu errichten. Der Konzern sei auf mehrere Monate hinaus bis zur Grenze seiner Leistungsfähigkeit voll beschäftigt. wer den Frieden will, bereite den Krieg. Nach diesem schlechtesten aller Rezepte zur„Sicherung" des Friedens Hai der polnische Staat die seit etwa einem Jahr stillgelegte private.Gasmasken- f a b r i k„Protetta" übernommen und wird sie in eigene Regie wieder in Betrieb setzen. Die Fabrik wird künftig„MilitärVertstatt für Gasgerät" heißen und die Produktion--- natürlich— erheblich erweitern. MAG GS5 Suppen in Würfeln enthaften alle diejenigen SfahningsstofTe und Zutaten, die im Haushalt selbst zu einer guten Suppe genommen werden. Nr. 75-» 4S. Jahrgang Dienstag, �4. Kebm� 1Y2S Einsendungen für diele Rnbrik find verlt» SS«, Liudeuftraß« Z, parieinachn'chten��fürGroß-Verlin stet» an da» Beztrtsfetmnrial 2. Hof, 2 Zrrp. recht», zu richte». Achtung, Genossinnen! .�unktionarinnen sZr Agitation und der Arbeiterwohlfahrt der Kreise 7 bis 20. Gaskochlehrvorführung am Dienstag, dem 14. Aebraar, pünktlich 14 Uhr(nachmittags 2 Uhri im Vortragssaal des Amtsgebäudes der Städtischen Gaswerke, Berlin C. 2.. Neue Zriedrichstraße 103.(Verbindung: Stadtbahn bis Zannowihb rücke und Untergrundbahn bis Klosterstrahe.) 6.»reis Sremberg. Mittwoch, 15. Februar, Iii Uhr, Bezirksverordncten. Versammlung. Ausgabe der Tribünenkarten um IS>-> Uhr im Zimmer Ai. W 7.«reis Charlottenburg. Heute, Dienstag, It. Februar, lg'.. Uhr, j j Krcisnertrrtcrversammlnng in der Aula de» Tchiller-Realgymnaslums, ß-Z Schillerstr. 26. Taacsordnnng: 1. Scschäst», und Naffenbericht lv27. m 2. Bericht der Auoichiiss« und Kommissionen, g. Neuwahl de» gesamten i— Kretsvorstondcs, der girnisorrn, der«usschiific und ttommiisione». j 4. Stellungnahme zu den eingegangenen Anträgen. Mitgliedsbuch ist l! am Saalcingang»«r»uzeig«n und da» Mandat Mr itrei»»ertr«t»r»cr. r; samminng abzugeben. Der K'«i»»arstaub. ll. ltrei» Tchönebcra-Fricdenau. Heute, Dienstag, 14, Februar. 20 Uhr, in der Spedition Beiziger Str. 27, Sitzung der Zcitungskommisfion. Alle Mitglieder, auch die Iicugewiihllen, haben unbedingt zu erscheinen. ll. ltrei» Neutöll». Dienstag, 14. Februar, 20 Uhr, im Ideol-ltasino, Weichsel. straße tz, Versammlung der Abt-ilungsmi-tcrobleuie, Rielerschöffen, Mieter- ausschiific und aller intercsficrtr» Genossinnen und Senosskn. Referat des Genosse» Londgcr-chtsrats Ernst Rüben über.Aktuelles aus dem Miets. recht." Sympathlsicrendc sind willkommen. Der«rcismietcrobmann. 15. ttrci» Treptow. Mittwoch, lö. Februar, l«'� Uhr, bei Ritlchlc, Am Treptower Part 26,«rrikdeleaieric-versammlung. Bericht«, Reu- sowie Anträge zum Bezirkstag,— Achtn»fl! Nreisoorsland». wahlea sitzuna bereit, um ltz Mitgliedsbuch. Uhr ebendort. Ausweis: Einladungskarte und heute. Dienstag, den 14. Februar: »l. Abt. Neukölln. Di« Funktionäre, die an Mieterfragen interessiert sind. beteiligen sich an der Mieterversammlung im IDcol-Äasino. Morgen. Mittwoch, den 15. Februar: l». Abt. Uhr bei Senskc. Kirchstr. l!!, Mitgli-d-rversammlnng. Bor- trag:„Die weltliche Schule und ihr- Aufgaben." Referent Gustav Rad-te. ll. Abt. llHH Uhr bei Bcrger. llevetzow-. Ecke Zagowstratzc, Mltgliedervcr. sammlung Bortrag:„Strafgesetzreform." Referent Rea)ts„-bendort. Vortrag:„Die Arbeit-schnlc." Referent Lehrer«ogt. Alle Eltern sowie Sympathisierende nad iutcressierte Genossinnen und Ge- nosien sind herzlichst eingeladc».«ir erwarten rege Beteiligung. S2. AM. 19':. Ahr in Schmidts Gesellschastshaus, Frumtstr, Mo, Mitglieder- versammlüng, Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Neuwahl des Abtei. lungsvorswndes. Z, Stellungnahme zur«rcisoertreterveriammlung. 4. Stellungnahme zum Bezirtstag. Alle Mitgliebcr mUssen erscheinen. 35. AM. 20 Uhr bei Otto. Rigaer Sir, 85, Funitionarsitzung. Ab l» Uhr rrchnrn die VczirlsfiiHrer mit dem Kassierer ad.- Voroitzetge! Heiterer Abend am ll. März in den Eomenius-oSle», M-meler Sir. 07. Mit- wirkende i Theo Marek. Rezitationen: Srele Krüger. Lieder zur Laut«. Eintrittskarten zu 50 Pf. sind bei allen Funktionäreil zu haben. 49 AM Schwerhörig«. 19> j Uhr Mitgiicdcrocrsammlung im neuen Jugend. heim. Lindcnstr. 4. vorn I Tr.«ortrag, Referent wird»och dekann«. gegedc». Erscheine» aller Mitglieder dringend erforderlich.„Borwärts. ileser»nd Sympathisicrende sind eingeladen, 74. AM. Zehlendors. 49'.» Ilhr Zoll labend der Gehag-Siedlung ,m Waldaus. övandauer Slrahr, Vortrogi„Srundproblenic dcs Ardcitsrcchts. Rrfe. Genosse Schaum. 76. AM. Dahlem. 20 Uhr bei Schilling, Königin-Luife-Str. 42, Mitglieder, Versammlung und Zahlabend, 80. AM. Schönederg. 4g'„ Uhr Mligliedervcrsommlung im Helmholtz-Gismua. sium, Friedenau, Rubcnsstroße. Bortrag:„Einheitsstaat und Partei," Resercnt Robert Breuer. Alle Mitglieder müssen erscheinen. Gäste will. kommen. 82. Abt. Steglitz. IllV» Ubr bei Schellhase, Ahornstr. 15, Mitgliederversamm» lung, Vorlreg:„Wirtschafisaufftieg und Klassenkämpfe im fernen Osten." IReferrnt Franz Josts Furtwängler. Die Funktionäre werden gebeten, bereits um 19 Uhr ebendort sich einzufinden, Gäste willkommen. 88. Abt. Lichtenrade. l9'b Uhr in der Schule Rooiiftrasie Mitgliederversamm, lu»g. Wichtige Tagesordnung. Erscheine» ist Pflicht. 95. AM, Renköll». Die Genossinnen und Genossen treffen sich zur Eiiulsche» rung der Scnossin Liisch vor dem Krematorium Baumschulenweg lz>'. Uhr pünktlich. 123. Abt.«aul»dorf. 20 Uhr im Lokal Escherisch, Dorfstraße. Ecke Alf-Kauls. darf, Mitgliederversammlung. Vortrag!„Die Arbeitsgerichte." Referent Rudolf Karsten. Gäste und„Vorwärts.Leser sind cwgeladeii. 139. Abt. Tegel, Schulzendorf. Rcn.Keiligeuler, Siedlung am Bahnhof Heiligen. see. 20 Uhr Mitgliederocrfammlung bei Hllhiiert. am Dahnhof Schulzen. bork. Vortrag:„VolksMrsorgevcrsicherung." Wichtig« Besprechungen»nd Mitteilungen über die Wahlen zur Kreisvertreterveriammlung. Alle Mit, glieder werden dringend um bestimmtes Erscheinen gebeten. Rowawcs. 20 Uhr im Eistnbahnhotcl, Eistnbahnstr. ll, wichtige Mitglieder. Versammlung. � Bezirksamt Lichtenberg. SPD.. Fraktion, Mittwoch, 15. Febrnar, h ldiä Uhr, im Lokal«egner, Frankfurter Alle« 236, Versammlung aller f ?k Arbeiter, Angestellten»nd Beamten de» Bezirksamtes Lichtenberg. Bor. � trag:„Die Demokratisicruna der Berwaltung," Referent Reichstag», f: pj abgeordneter Willy Stcinkopf. Sympathisierende find eingeladen. Frauenveranflallungen: l.»reis Mitte. Freitag, 17. Februar, 19V4 Uhr, Fortsetzung des Frauen. kursus im Bezirksamt Mitte, Berlin C. 2, Klosterftr. S8. Rcferentin Ge. noisin Klara Bohm-Schuch, 23. AM. Heute, Dienstag, 14. Februar. 19 V. Uhr. bri König, Otawissr. 57, Tolstoi-Abend. Vortragender: Genosse Heinz Barthcl. Um zahlreiche Br. teiligmig wird gebeten. 91. AM. Reukölln. Heute, Dienstag. 14. Februar, 19 Uhr, Gas. sirj kochlehrvorfühiuiig in de» Ausstellungsräume» des Hansdienstes der rl Städtische» Gaswerke. Am Karlsbad 12—13 fin der Rähe des Pols. D damer Platzes). Einlritt ist frei. Um recht zahlreiche Beteiligung wird fJ grbctrn. � Frauenveranstaltung am Mikkwoch 19� Uhr: 7. AM. In Cornis Festfälen, Eartenstr. 8, Bortrog der Scnossin Helene Michaelis über„Sozialistische«Sesinnungspflegc in der Familie." Uni zahlreiche Beteiligung wird gebeten. 77. und 78. AM. Schönebcra. Bei Jürgens, Barbarossastr. 5a. Licht, k? F-t bildervortrag:„Eine romantische Reist ins Rheinland." Vortragender:: Genosse Bothur. Alle Genossinnen und Genossen sind herzlichst cingc.! i laden. Gäste willkommen. 79. AM. SSöueberg. Bei Groß, Eedonftr. 17, Vortrag dcs Genosse» Dr, Friedcbergcr Uber„Die gesetzlichen Grundlage» der Gefährdeten. fllrsorgc," Uni zahlreiche Beteiliguiig wird gebeten, 130. AM. Tegel. 20 Uhr bei Ehristeilsrn, Schlicpcrstr. 9, Sitzung sämtlicher Funktionärinnen. Fraueaveranstallung am Donnerstag 19'�, Uhr: 141. Abt. Rosentbal. Bei Schmehsmg, Walbcrscestr. 5. Heiterer Abend. Vor. tragriider: Genosse Heinz Barthel. Allö Genossinnen und Genossen sind herzlichst eingeladen. Frauenveranstaltung am Freitag 19>.- Uhr: llik.»dt. Grünau. Bei Werner. Kövenicker Str, 12«. Vortrag der Scnossin Eist Echeidenhuber über„Einfllhrimg in die Gedankenwelt des Sozia- lismus." Bezirksausschuß für Arbeiterwohlsahrt und Kinderschutz: 2. Kreis Tiergarten. Freitag, 17, Februar, 19>: Uhr, bei Echeffler, Bülow- straße 58, SchulungskUrsus. Thema:„Die Bedentiing der Sozialversichc- rung." Referciit Genosse August Karsten. M. d. R. Alle Scnossinnen und Genossen sind hierzu herzlichst eingsladen, 3. Kreis«edding. Dienstag. 14, Februar, 18—19 Uhr. Zütticher Str. 8. Oucrgcb, 1 Tr., Z. 13a, erweiterte Krrisausschußsitzung, Tagesordnung: Stellungnahme zur Wahl des Kreisansschusses, Vorher Aktcnaustauiäi, Alle Abteilungen müsst» unbedingt vertrcte» sein,— Donnerstag, 16 Fr. bruar. 20 Uhr pünktlich, im Ledigenheim Schönftedtstrlißr. Bezirk-vkr. sommlungssoai, I, Schulungetursus. Thema:„Psychologische Ursachen der Gefährdetenfürsorgc. Referent Genosse Dr, Sicgsricd Bcrnstld. 2 Jahre«. bericht über die Tätigkeit der Ardciterwohlfahri des 3, Kreises Weddiim, 3. Züohl dcs Krcisausschuffes. 4, Verschiedene», 2. Kreis Fricdrichshain. Diensiag, 14, Februar. 20 Uhr, im Lokal Comenlns- «alc, Mcmeler Str. 07, konstituierende Sitzniig, Alle von den Abtei. lungen gewählten Ausschußmitglieder müssen erscheinen. 14' Dienstag, 14. Fedruar, 19'i. Uhr, im Zimmer 138 d-s Neuköllner Ratlzausts, Schulungskursus, Thema:„Gesilndheitsfürsorge und Sozialversicherung.' Rcferentin Genossin Dr. Hcnriques. Zungsozialistcn. heute, Dienstag, den 14. Februar: Gruppe Tnnpelh-f.M-ri-nd-r,: Ig't. Uhr im Jugendheim G-rm-niostr. ii. Zimmer 4, Arbeitsgemeinschaft:„Wirtichaftsprobleme."— Gruppe Lichten bero: 20 Uhr in ier Viblivthck. Wcichselstr. 28, Lichtbildervortrag:„Au, Schnee- schuhen durch das Rlcstngcdirgc." Kinderfreunde Groh-Berlin: Kreis Wcdding. Grnppr Leopoldplatz, Rost Fallen: Dienstag Lustiger Abend im Ledigenheim. Freitag Turnen und Tanzen in der Turnhalle Ruheplatz. sstaße— Inngsalkeni Donnerstag Bosteladcnd im Ledigenheim. Freitag(siehe Rote Falken). «reis Mitte: Sonntag, 19. Februar, 16 und 18 Uhr, in der Kulwrabteiluno des Metallarbeitervcrbandes, Linienstratze, lauft der Film„Kinderrevudlik See'. kamp". Parteigenossen sind hcrjslichft eingeladen. Karten sind noch bei den Gruppenleitern erhältlich. Kreis Friedrichshain: Donnerstag, 16. Februar, um 20 Uhr, Kreishelfer. fitzung im Jugendheim Tilsiter Str. 4—3. Erscheinen aller Helfer unbedingt erforderlich. a Kreis Neukölln: Eltern mitgliederversamm lnng heute 19>s. Uhr im i i Kesangssoal des Lyzeunis. Zleuköll», Berlincr Str. 10(nahe Sermaiiii. platz). Vortrag:„Die Aufgaben der Slternorganisatioii in der Kinder.' freundcbewcgung." Referent Genosse Dr. Kurt Löwcnstcin, Wir bilte». t olle Eltern und Freunde unserer Bewegung um vollzähliges Erscheine».' täMgia'Fi 4 ll Sterbetafel der Groß« Berliner Partei- Organisation 93. Abt. Neukölln. Unsere Genossin Laura Lusch, 58. Bezirk, Ttöger- firafte 71, ist verstorben. Ehre ihrem Andenken! Einäscherung am Mittwoch, 15. Febrnar, 11 Ilhr, im Krematorium Baums6)ulenweg. Um rege Beteiligung wird gebeten. * * Die Bibliothek der Arbeiterbildungsschule bleibt wegen Umbau in dieser Woche noch geschlossen. Der Einheilsver banst sozialistischer haudcl- und Gewerbetreibender hat infolge der bevorstehenden Reichstagswahlcn der Partei 15» M. als erste Rate zu Agitationszwecken überwiesen.— Die Versaimnwngen des Verbandes finden an jedem».des Monats im Konferenzzimmer des Gewerkschaftshaufes, Engelufcr 24/25, um 20 Uhr statt. Am Eonnabend, dem ll Februar. nachm 3 Uhr, cntlchltcs plötzlich und unerwartet an Herzxhlag mein« liebe Frau, unsere hcr-cnsgut« Mutter, Großmutter. Schwester, Schwägmn und Tante Auguste Lemme geb. Kröger im Ol, Lebensjahr. Dies zeigt tieibelrllbt an Im Namen aller Hintcrbllebcncn Vrleärlcli Lcmme. Berlin, den 14. F, bruar 1928. Einäscherung: Donnerstag. 10. Februar, l'/j(lö'/j) Uhr. im Krems- tonum Gcrichlftraße Zwangsversteigerung Am l9. Mai 1928, mlktags 12 ühr. wird anGcrichisstellehier, Ri»gstr,9, Zimmer I l". das im Srundbuchc von Teltow, Band 33 B att Sic 1062 cingclraginc Grundstück — Acker an der SSiesrnnratze und dem Weac nach Hetuersdorf und Holraum da- selbst mtk Sommerhäuschen und Haus- garten— zwangsweise versteigert. Rachwcijungen über Bezrlchniing. Lage und Größe usw können hier. Zimmer Iii, eingesehen werden. 7. K 93. 27. Berlin Llchstrstw«, 7, Februar 1923 Do»«mksgeeichk. WMWWMIMl! Achtung: zxtziebsM Gl« �xtri edsräte- Zeitschrilk Skr. 3 lst ,rschi>»»n und kann gegen Bor, cianng der Legstimationskaric des Betriebsrais. vbmanne« in unserem Bureau, Zimmer 5. oder nach 4 Uhr im Zimmer 4 entgegen- genommen werden. Lehrlinge, sugeudliche Arbeiter und Arbeiterinnen des 10. Bezirks des Deutscheu Metallarbeiter-Verbandes! vouaerskag. vaa 10. Februar, narst. «Maas 4", Uhr. im Lokal von Topp. Alte Jatobslratze 1_ sw Versammlung"ws Tagesordnung: 1. Borkrag:.Die Aufgaden»nd Ziele der Jugendarbeit lm Drillichen Melallarbeiier-Berdandtz Ret: Kollege Franz Reumann. 2. Aussprach», Alle Iugendllchen sind sreundltchst etn- geladen.__ Lehrlinge, sugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen der Metall- industrie im Bezirk Charlotten- bürgt Oonnerslag den 10. Februar, nach- mil.cgo S Ahr, lm Lotal von Neliner, Hlilmerovarfer Strofi« 21 Versammlung'ME «gordnung: l. Vorlrag:„Die cn und Ziele der Jugendarbeit im en Wekallorbeilcr.Petband" Ret: Hclnz Marqnark. 2. Aussprache lle Fugend, ichen sind srcundlichst cm- geladen_ Donnerstag. d-».�5"ru« �ach- r ltiags S'-vkir len.zlmnier 20 dr» lierdanbsyanies. Llnieuskrob» 03 M ( lottoi l, 1 Treppen) sst Versammlung m® oller Schoi larbeitcr, Slaozer. preffer. Zieber. Zuschneider. önop ardeiler und-aroeiteririnen, Tagesordnun 6''■®ot,'a%''t�lV .Da» Arb-Usl-sen- Versicherung».Desetz Rest.Nt Kollege Werner. 2. Branchen- angelegenheUe», Segen der Wich igleit der Tage'ordnung mutz ird, Kollegin und jeder Kollege in dieser Bersammlung erscheinen v>» 0rt»a«r»aaltaag. krtSvaer-VvnvürlL strebend Derdienstmöglichletk? Autllärend Broschüre„Gin neuer Geiss" gratis durch Erdmann&C«., Berlin, KönlgpäuerStrJl Hiermit spreche Ich allen Ber- wandten und Bekannten meinen 0/ besten Danl für die Beweist derz- ü) licher Teilnahme am Tag« unserer0 OL 596 2447 6493 12010 13310 14198 17627 22200 2387, 25080 263,3 30608 32032 33720 30289 40937 49564 652iL6??SU,.9i?i) 74807 78623 78765 84,05 94,49 94226 97978 109733 117462 1221 IS 126892 137663, 45506, 52339 153503 ,59400 162673 174910 175879 177001 ,86909 ,87054 ,90,67 ,98858203235 203052 204944 216775 22,133 226076 226826 227370 237637 245339 246076 247252 249274 254579 255403 266273 2622,6 268975 270280 27,497 28,635 281887 284520 288959 3,0366 3,2263 3,5843 323436 326948 330477 3336,2 335676 337367 342,83 343256 345663 346832 347131 349801 3528,6 355997 367487 358846 359366 331501 mit Berichtigung. !a der Tonnittagziehmrg vom 4. Tag � M. gezogen. ist 89933 statt 89833 ORANIENPLATZ KONSUM-GENOSSENSCHAFT BERLIN UND UMGEGEND Dienstag i4. ftebruar 4928 Die Wurzel alles Llebels. Eine Groteske von Awertschenko. (Sin überfüllt?? Tranüxchnwagen. Der Schaffner zieht«toten ftftcht angezogenen düsterem Herrn tirrt zerrissenem Schuhwerk „He. dul Zeig' mal die Fahrkarte!" „He, Dul Zeig' mal die Fahrkarte!" Sin giftiger Herr, der daneben sitzt, sentrüstets: „Du Rindvieh, hast du etwa Bruderschaft mit ihm getrunken, wa?? Sei mal höflicher." Der rasierte Herr smitfühlend):„Diese Schweine, wenn sie sehen, daß einer schlecht angezogen ist, so..." Der giftige Herr(spitzig):„So. so, schlecht angezogon. £ic meinen wohl, wenn Sie sich so einen dummen roten Schlips Umhängen, so sind Sie schon ein feiner Herr?" Der rasierte Herr(rot vor Zorn, schreit):„Wo— os! Sie sind wohl besoffen. Frecher Hund!"(Sich an feine Nachbarin mit verbundener Backe wendend):„Wie finden Sie so etwas?" Die Nachbarin von links:.Hören Sie mal, schreien Sie mir nicht so m die Ohren. Sie machen mich ganz taub." Der rasierte Herr:.Ach lassen Sie mich m Ruhe mit Ihrem Ohr." Der G,ymnaszast(von rechts, streitsüchtig):.Seien Sie höflicher mit Damen, sehr verehrter Herr." Der Handwerker(von hinten, ironisch):.Sie töten besser daran, junge? Herrchen, die Muttermilch von den Lippen zu wischen." Die Rackbarin von links(die nicht recht gehört hat): „Welche Mutter? Was fällt Ihnen ein, mich jedem Ben gel als Mutter aufzuhalsen?" Der Gymnasiast:.Ich. cht Bengel? Und hn übrigen bitte ich Sie...* D i« Nachbarin von link,:.Schoffwr, Schaffner, er beleidigt mich." Der rasierte Herr(auf den Giftigen weisend):.Schaffner, entfern« diesen Menschen! Er beschimpft die Mitfahrer." Der giftige Herr:.Warum hat er denn angefangen? Sich einer an, der Anzug meines Nachbarn ist schlecht! Welch großes Tier!" Gymnasiast(feine Z!af« hat sich gerötet, in den Augen stehen Tränen):.Schaffner, Sie sind Zeuge, daß dies« Dam« wich einen Bengel genannt hat!" Der rasierte Herr:.Und dieser da hat gesagt, daß ich einen dummen Schlips habe. Schaffner:»Schreien Sie doch nicht alle auf einmal. Ihr seid viel, aber ich bin alleine."(Zum rasierten Herrn):.Hat er Sie beleidigt?" Der giftige Herr:»Nein, nicht ich, sondern er mich Bitte schön. Er sagt.. r/ Schaffner:.Bitte, vertossen Sie den Wagen. E« ist nicht der Ort, um Unfug zu treiben." D i« D«m e von link»:.Luch diesen Handwerker schaffen Sie fort. Er ist grob. Er fft betrunken." Handwerker: �Hab nicht auf Dein Geld getrunken." (Es entsteht ein schrecklicher Lärm. Der Wogen bleibt mitten aus der Strecke stehen. Am meisten schreien: der rasierte Herr, der giftige Herr, die Dame, der Gymnasiast und der Handwerker. Der schlecht angezogene Herr drückt sich in die Ecke, schweigt und blickt schüchtern um sich. Man hört die Rufe der anderen, die weiterfahren wollen:„Schutzmann! Schutzmann!" Langsam naht der Schutzmann. Träge mustert er die Insassen und fragt mit apathischein, ausdruckslosem Gesicht): „Nun. worüber kann man sich hier nicht einigen? Du Rot- haariger, was fuchtelst du mit den Armen in der Luft? Bist doch kein Bogel, wirft nicht fliegen." Di« Dame:„Ja, nehmen Sie ihn mit." Der Handwerker:„Mich? Das tat Ihnen so gefallen." Schutzmann:„Na, und was ist denn mit dir? Ich soll dir wohl den Buckel massieren." Handwerker:„Warum denn mir, Herr Schutzmann? Ja und dieser, sagen wir Gymnasiost..." Gymnasiost:„Was habe ich damit zu schassen?" Schutzmann:„Nun, und Sie, junger Mann? Aeh?" G y m n o s i a st:„Bor allem bin ich nicht gewillt, dem Re- Präsentanten des abgewirischasleta, bureaukraiischen Polizeiregimes irgendwelche?l)islagen zu machen. Aber zur Wiederlie-•• Wiederberstellung der Wahrheit muß ich sagen, daß mich diese Dame dureb die ungezogene Bezeichnung«ines Benqels.. Dame:„Aber warum wollen Sie. G y m.n a il a st:„Ich habe Sie in Schutz genommen, dieser Herr Irhrie Ihnen ins Ohr." Der rasierte Herr:„Wie sollte ich denn nüft schreien, wenn dieser Herr sagt, daß ich einen blöden Schlips habe." Der giftig« Herr:„Ich hab's auch gesagt, weil Sie sich erlaubt haben, sich unhöflich über das Kostüm jenes Herrn zu äußern."(Er zeigt aus den schlecht angizogenen Herrn.) Der schlecht angezogene 5)err(konsus, schüchtern): „Ich. ich habe nichts!" Schutzmann(der bisher ftumpssinnig die Beschwerden angehört bot, belebt sich nun, ridsicl einen strengen Blick aus den lchiechi angezogenen Herrn):„Was willst denn du" Aeh? Unfug- tmber. Ich werde dir... Machst du, daß du aus dem Wagen kommst?" Der schl« ckit angezogen« Herr:„Mem Herr ge- statten Sit, warum denn mich?" Schutzmann:„Nu— nu— nu! Red' nicht viel? Mach, daß du varmarts konnnst Schaffner;„So ist, es recht' Der gan.ze Streit kommt nur durch ihn."(Er befördert ihn mit dem Schutzmann hinaus.) Der giftige Herr(indem er dem schlecht angezogenen Herrn nochblickt):„Wissen Sie.«r hat aber auch wirklich etwas Verdächtiges im Gestdh." D er rasierte Herr(freundschafllich):„Run, war ich nicht der erste, der es bemerk: hat?" Dame:„Für einen solchen sst es ein« Kleinigkeit, in fremde Tal eben zu greifen" Handwerker:„Eine ortentliche Tracht Prügel, dann wird-r schon wissen"(Zum Gymnasiasten):„Gestatten Sie ein« ZParette?"... G-y m n os igst:„Bitte schon. Sind Sie S. R. oder U. S.R.?" n.jvueg» t».... ES us icm-ÄufWtfKn von ffioldew« aiein-V, ,-........... Unterhaltung und issen Beilage des Vorwärts Shaw und Tolstoi. Ein unbekannter Briefwechsel. Der Londoner jEvening Standard" veröffentlicht Bruchstücke au, einem bisher unbekannten Briefwechsel zwischen Berncrrd Shaw und Tolstoi, der ein interessantes Licht auf die beiden großen, seelisch und geistig durch«ine ganze Welt noneinander ge» trennten, aber durch das gemeinsame Interesse an religiösen Fragen verbundenen Mäimer wirft. Show selbst erklärt in einer kurzen Einleitung, warum die schriftliche Auseinandersetzung zu keinem Ergebnis geführt habe.„Tolstoi", so schreibt er,.chatte einen mäch- tigen Verstand, einfach durchdringend in seinem direkten Angriff auf allgemeine Tatsachen des Lebens, aber er verschloß sich— dank seiner anerzogenen Gewohnheit, in Trugschlüssen zu denken— gegen jeglichen ihm selbst geltenden Angriff Andersdenkender, besonders solcher, die achtundzwanzig Jahre später geboren sind." Die veröffentlichte Korrespondenz, deren übriger Teil anscheinend für immer verloren gegangen ist, wird durch einen Brief Shaws an Tolstoi eingeleitet, in dem Shaw die Uebersendung eine« Exem- plars seines Einakters„B l a n c o Posnet» Erweckung" zum Anlaß nimmt, unr sich über seine Stellung zum Problem.t'art pour l'art*(Kunst um der Kunst willen) auszusprechen. Shaw schreibt:„Ich bin kein Schriftsteller, den da» Prinzip.Kirnst um der Kunst willen" leitet, und ich würde nicht einmal meinen kleinen Finger rühren, um ein Kunstwerk zu schaffen, wenn es nach meiner Meinung nichts weiter als ein Kunstwerk sein würde." Mit einer Anspielung auf Tolstois.Macht der Finsternis", die er seinem eigenen Stück.Blaneo Posnet» Erweckung" gegenüber- stellt, fährt cr fort:.Aber ich war mir immer darüber klar, daß die übliche Darstellung des richtigen Handelns auf der Bühne nicht nur scheitern muß, sondern sogar alle anständigen und phanto- siereichen Menschen in eine Rim-gerade-Opposition hineintreibt. Wir schämen uns alle, brave Schulkinder zu sein, schämen uns, sanft und verständnisvoll zu sein, anstatt heftig und rachsüchtig, schämen uns, scheue Tierchen zu sein, anstatt rücksichtsloser Idioten; mit einem Worte, wir schämen uns alles dessen, was eigentlich dt« Grundlage unserer Selbstachtung sein müßte. Das alles ist eine Folg« unserer fehlerhaften Erziehung. Wir sagen den Menschen, sie müßten gut sein, und geben dafür keinerlei andere Begründung als die, daß dies nach der Auffassung von anderen Menschen so sein müßte— von Menschen, die für die Belehrten weder an. ziehend sind noch chnen Achtung einflößen, ja, die äller ol» sie sind und ihnen auch lächerlich erscheinen." Bon hier aus stößt Shaw m die Erörterung theologischer Probleme vor und stellt fest:„Für mich existiert Gott noch nicht, aber ich glaube an die Existenz einer schöpferischen Kraft, die ständig daran ardeftet, ein«exekutives Organ* von gottgleicher Erkenntnis und Macht herauszulilden. Da» ist Alhnacht und Allwissenheit, und jeder Mann und jede Frau, die geboren werden, sind ein neuer Versuch, dieses Ziel zu erreichen. Die übliche Auffassung, daß Gott bereits existiere, geht von dem Glauben aus, daß Gott ab sichtlich etwas geschaffen habe, das unter ihm steht, während er doch etwas ebenso Hochstehendes, wie er selbst ist, hätte schaffen können. Das ist eine grauenhafte Auffassung. Sie konnte nur unter Menschen entstehen, die— etwa wie russische Zlnstokraten— Größe darin sehen, daß man von minderwertigen Lebewesen um- geben ist, und die sich dieser Ueberlegenheit über andere Kreaturen freuen. Mir will es scheinen, daß wir uns dos Bild eines oll- mächtigen Snobs vorstellen, wenn wir Gott nicht als ein Wesen betrachten, das ständig daran arbeitet, sich selbst zu übertreffen, und das ständig versucht, in jedem Neugeborenen einen besseren Menschen zu schaffen. Die Theorie, daß Gatt bereits Vollkommen- heit erreicht habe, zwingt uns überdies— da das Böse tatsächlich vorhanden ist—, ihn nicht nur zum Gott, sondern auch zum Teufel zu machen. Der Gott der Liebe muß, falls er allmächtig und oll- wissend ist, auch der Gott des Krebses und der Epilepsie sein... Shaw schließt seinen Brief mit der Feststellung, daß er selbst versucht habe, in feinem Stücke„Mensch und U ebermensch" diese Gedanken auf die Bühne zu stellen, zum Mißbehagen Tolstois, dem die Behandlung nicht ernst genug gewesen sei.„Warum"— so meint Shaw—„sollte ich das nicht tun?(Nämlich die Menschen in den ernstesten Situationen zum Lachen zu bringen. Anmerkung des Uebersetzers.) Warum sollten Humor und Gelächter vom Bann- strahl getroffen werden? Angenommen, die Welt wäre nur ein Witz Gottes— würden S i e deshalb weniger nachdrücklich daran arbeiten, sie zu einem guten Witz Gottes zu machen, anstatt zu einem schlechten?" Tolstoi in seinem russischen Ernst war, wie seine Antwort be- zeugt, nicht wenig verärgert über Shaws scheinbare Frivolität. Nachdem er Shaw für sein Stück gedankt und seine Ueberein- stimmung mit Shaws Theorie betont hat, daß die jungen Menschen sich gedrängt fühlen, das Gegenteil dessen zu tun, was ihnen als .gut" gepredigt wird, fährt er fort, daraus geh« jedoch nickst hervor. daß eine solche Belehrung nun auch unnötig sei. Tolstoi schließt seineu Brief mit einer scharfen Polemik gegen Shaws Schluß- passus in dem oben zitierten Briefe: das Problem Gott und Teufel, Gut nnd Böse sei zu wichtig, als daß man darüber Witze machen dürfe. Die Schlußworte des Briefes von Shaw lstitten ihn tief geschmerzt.— In einem Nachwort zu den Briefen stellt Shaw mit unverkennbarer Selbstironie fest, aus dem Briefwechsel werde klar. daß sich sein Pfeil an Tolstois Stahlhelm gebrochen habe. Di« Mehrzahl der Leser dieses Briefwechsels dürfte allerding« mit Show selbst diese Auffassung nicht teilen. C. 55. Kleine Anfänge großerErfindungen Zur Eröffnung des drahtlosen Telephonverkehrs Oeuischland-Amerika. In diesen Tagen hat man wiederum bedeutsamste technische Fort- schritte verzeichnen können, die wohl geeignet sein dürften, selbst in einer Zeit Aussehen zu erregen, die sich längst an das überstürzte Tempo technisckstr Entwicklung gewöhnt hat. Zwei Ereignisse, wie die Eröffnung des drahtlosen Fernsprechverkehrs von Deutschland nach Amerika und die erstmalig geglückten Versuche, zwischen London und Amerika eine Fernsehverbindung herzustellen, sind zweifellos Marksteine, und es ist nicht zuviel behauptet, wenn man sagt, daß sie, ähnlich wie die erste drahtlose Zeicheiuibermittlung durch Marconi, die llficn Molorenslüge der Brüder Wright, die erste Lokomotive, das erste Telephon usw., eine neue technische Aera einleiten werden. Der geglückte Versuch, über den Atlantischen Ozean zu sehen, wird zweifellos zur Folge haben, daß die Fernsehtechnik ungeahnte An- regungen erhält: wer vermöchte es als Utopie bezeichnen, daß in einem Jahrzehnt der Europäer dos Straßenleben am New-Porker Broadway beobachten kann, und zwar ahne Vermittlung des Films, sondern aus erster Hand? Die Entwicklung geht heute so rasch vor sich, daß im Verlauf eines so kurzen Zeitraums zur Alltäglichkeit geworden sein kann, was uns heute, wenn mich nicht mehr mürchen- I>aft, so doch immerhin noch sensationell düntt. Alle die großen Er- findungen sind ja ans unscheinbaren Ansängen und Versuchen her- vorgogongen, und nur ein kleiner Kreis von Personen hat sich dar- über Rechenschast ablegen können, welche Möglichkeiten einem solchen Geschehnis innewohuten. Wieviele haben die Bedeutung jener Per- suche z» würdigen vermocht, die Marconi im Jahr 1897 zwischen Lavernock Point in der Nähe von Cardisf am Briswl-Konal und dem Jnselchcn Flatholm unternahm?„Es wird mir eine unver- geßliche Erinnerung bleiben," so schilderte Professor Sloby von der Technischen Hocksschule zu Berlin, der sich bei Marconi befand, jene Stunden,„wie wir, des starken Windes wegen, in einer großen Hvlzkiste zu fünfen übereindergekauert, Augen und Ohren mit ge- spanntester Auimerksamkeit auf den Empsangsapparat gerichtet, plötzlich, nach Aufhissung des verabredeten Fkaggenzeichens, das erste Ticken, die ersten deutlichen Morsczeichen vernahmen, lautlos und imsichtbar herübergetragen van jener felsigen, nur in undeutlichen Umrissen wahrnehmbaren Küste, herübergetragen durck, jenes und?- kannte gebeimnisvolle Mittel, den Aether, der die einzige Brücke bildet zu den Planeten des Weltalls. Es waren die Moriezeichen de- v, welche der Verabredung gemäß herüberkamen." Heute, nach dreißig Jahren, empjindet niemand mehr die drahtlose Telegraph!«, den Rundfunk als etwas Unerhörtes. Wie rasch ist die Entwicklung des Flugwesens über die ersten schüchternen Ansänge hinweggeschritten, in welcher schwindelerregen. den Eile hat es sich veroollkonmmet, so sehr, dqh heute ein Flug über den Ozean, ein Flug um den Erdlrnll den an großartige und epochemachende Ereignisse längst gewäbnton Zeilgenossen nicht mehr aus leiner Ruhe aufzustören vermögen! Dabei sind erst zwei Jahrzehnte seit jenem Tag vergangen, da �ie Brüder Wilbur und Orn-llc Wriabt bei Kitt« Howk den ersten Flug'mit einem Motorflug unternahmen. Dieser Tag. der 17.' Dezember 1903. war der größten und bedeute samsten einer in der Geschichte der Menschheit und ihres ruhmvollen Kampfes mit der Nawr. Zum erstenmal erhob sich ein durch Ma- schinenkraft getriebener, ballonfreier Flugapparat in die Lüfte und zeigte an, daß ein« ganz neue Aera der Flugtechnik angebrochen war. Vorbei war die Zeit jahrhundertelangen Dersiichens und Erperimen- tierens, das moderne Flugwesen war geschaffen, und nicht einmal ein Menschenaller hat es gebraucht, um das Flugzeug zu einem der wichtigsten Faktoren des internationalen Verkehrs zu machen. Wer hätte damals auch in seinen kühnsten Träumen zu ahnen vermocht, daß sich nach so kurzer Zeit ein weitverzweigtes Flugnetz über die alte und die neue Welt spinnen würde, daß Menschen über Kontinente nnd Weltmeere zu fliegen vermöchten? Nicht viel länger ist es her. daß Santos-Dumont mit seinem lenkboren Luftschiff den Porisern zunächst ein miileidiges Lächeln, dann aber, als er einen wohl- gelungenen Flug um den Eiffellurm ausgeführt und bei der großen Parade zu Longchamps am 14. Juli 1993 die Exaktheit und Zuoer- lässigkeit seines Schiffes bewiesen hatte, Staunen und Begeisterung abnötigte. Die fünfundzwanzig Jahre, die seitdem vergangen sind, haben eine beispiellose Entwicklung der Luftschiffahrt erlebt, Flüge van Erdteil zu Erdteil gesehen und die Aussicht aus ein noch groß- artigeres Unternehmen eröffnet, den Flug um die Welt, den der deutsche Zeppelin ausführen will, und der seine Vorzüge und viel- seitige Verwendbarkeit dartun soll. Als der Friedrichsdorfcr Lehrer Philipp Reis in einer zur Werkstatt eingerichteten Scheune seinen geheiinuisvollen Apparat baute und von diesem wenig komfortablen Laborotoriinn aus die ersten Sprcchversuche nach dem benachbarten Schulgebäude vornahm, legte sich niemand darüber Rechenschaft ab, daß der Fernsprecher erfunden war, ohne den heute Geschäftsverkehr und Wirtschaftsleben überhaupt nicht mehr denkbar sind. Damals, in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, wurde die Erfindung des Friedrichs- dorfer Lehrers in wissenschaftlichen Zeitschristen und Ilnterhallungs- blättern vieljach erörtert, ober niemand erkannte ihren wahren Wert: weder Wissenschast noch Industrie vermochten ihre Bedeutung richtig abzuschätzen,' und man hielt die Entdeckung für zu unwichtig. um sich ernstlich darum zu kümmern. Durch eine aus der damaligen Zeit erhaltene Anpreisung weiß man, daß ein Frankfurter Mechaniker Reis-Fernsprccher als— physikalisches Spielzeug verkaufte. Nicht viel besser ist es allen großen Erfindungen gegangen, den Vorläufern der modernen Eisenbahn, des Automobils, des Fahrrads, kurz aller Dinge, die wir als unentbehrlich anzusehen gelernt haben, und Heren erste Erscheinungsform den Menschen von damals keine andere Stellungnahme abnötigte als bestenfalls ein mitleidiges Läcbeln. Die großen Taten der Technik wurden erst später in ihrer Bedeutung gewürdigt: und die:. Männer, die sie vollbracht hotten, dürften erst spät, wenn überhaupt, den Preis ihrer Mühe und ihres Ausharrens ernten. Dorum ist Nicht zuviel gesagt, wenn nian sich von dem zum erstenmal geglückten Versuch, über den Ailankilchen Ozean zu schrn, bedeutende und Heine noch gar nicht abzusehende Folgen verspricht. lAUENIZIENPÄLASr LUDW/G KLOPFER DER NEUE GROSS-FILM DER SOWKINO IM DE-RUFA-VERLEIH REGIE* GRIGORI KOSINZOFF undLEONIDTRAUBERG Stei�nach. .REGIE* BRNO METZNER HAUPTROLLEN* ERNAMORENA EL7A TEMAR.y VI VI AN GIBSON LIVIO PAVANELÜ yORSTELLUNOEN // 6.8 IO UHR___ gr.Salk im UZaschkessel t/etnichtet 15 gn Seife! Deshalb>? es sehr wichtig, baß Sie das kalkhaltige Leitungswasser vsr dem Waschen mit einigen Handvoll Henko-Äleich-Eodo veichmochen! -v:.•:■:-• bindet den Kalk Senkv ilk& und erzeugt die Deiche. i Henkels IRascfp und B/eicfisocfa Deiche, des?Regemvassers! Volks büh ne toter in 561oiplati|Th, an SctiifftanerdaBim 8 Uhr: Schieber des Rohms 8 Uhr WWW kleines Tbeater Täglich 8-/. 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