Morgenausgabe Nr. Sit_. 45. Iahrgang Wöchentlich 70 Pfg., monnfffch 8,— SR. im voraus zahlbar. Postbezug 2,72 SR. einschl. Bestellgeld. Auslondsobomie- ment 5.50 SR. pro SRonat. * Der.Vorwärts- erscheint Wochentag- lich zweimal. Sonntags und SRontags einmal, die Lbendausoaben für Berlin und im Handel mit oem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilaaen.Volk und Zeit" und„Kinderfreuno". Ferner .Unterhaltung und Wissen",.Frauen- srimme",.Technik", Blick in die Bücherwelt" und.Iugend-Vorwärts". Berliner voltsblati Krettag 12. Februar 1928 Groß.Äerlinlv Pt. Auswärts 15 pf. Die r t■ t f a 1 1 1 g c NonpareivezeN« 80 Pfennig. Reklomezeile Reims- mark»Kleine Anzeigen" das fettae- druckte Wort 2b Pfennig(zu lästig zwe' fettaedruckte Worte), zedes weitere Wort 12 Pfennig Stellengesuche das erii» Wort 1b Pfennig,(edes weitere Wort 10 Pfennig Worte über 15 Buchstaben zählen für zwet Worte Arbeitsmor!: Zeil» 60 Pfennig Familianzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen- annahm» im 5iauptgeschö't Linden- straf;» 3. Wochentag! von 8Vj dt» 17 Uhr. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhofs R2— 2S7 Telcgramm-Adr.: Eozialdemotral Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonio: Berlin Z7SZK.— Bankkonlo: Bant der Arbeiter. Ängestcllien iknd Bcamien Wallstr. KS. Dittomo-Geselllchafi. Tepositenkasie Lintinsir 3 Spätester Wahltermin 13* Mai Heute Entscheidung über das Notprogramm.- Die Bedingungen der Sozialdemokratie.- Preußenwahlen und Reichstagswahlen gleichzeitig. Das Reichskabinett wird heute endgültig das Notpro- gramm feststellen, das der Reichstag vor seiner Auflösung noch erledigen soll. Dann müssen sich die Fraktionen der bisherigen Regierungskoalition entscheiden, ob sie dies Programm unter strenger Innehaltung der darin gezogenen Grenzen durch- führen wollen. In der Zentrumsfraktion wie in der deutschnationalcn Reichstagsfraktion wünschen Minderheiten eine sofortige Auflösung des Reichstags. Die Deutschnationalen, die plötzlich Sehnsucht nach sofortigen Wahlen haben, wollen die Agitation des Landbundes in der Landwirtschaft für den Wahlkampf ausnutzen, sie stellen das parteipolitische In- tercsse über das Interesse derer, denen sie angeblich helfen wollen. Die deutschnationale Reichstagsfraktion hat dem Reichs- kabinstt Anträge zum Notprogramm für die Land- Wirtschaft unterbreitet, die von Zentrum und Deutscher Volks- Partei abgelehnt werden. Wenn die Verständigung über ein Notprvgramm an diesen Anträgen scheitert, will heule das Zentrum die sofortige A l 1. Die Gewerkschaften haben die Wahlen zu den Betriebs- röten planmäßig vorMbereiten. Die?lufstellung der Borschlags- listen erfolgt durch die für die fraglichen Betriebe zuständige» Gewerkschaften, wobei die verschiedenen Berufsgruppen der im Betriebe beschäftigten männlichen und weib- lichen Arbeitnehmer bei der Zusammensetzung des Betriebsrates nach Möglichkeit zu berücksichtigen ist. Sind, in dem Betriebe mehrere Gewerkschaften vertreten, so haben sie sich über die Kan- didatcuaufstellung zu verständigen. 2. Die ausgestellten Kandidaten müssen einer Gewcrk- s ch a f t des ADGB. angehören, oder, wenn sie Angestellte sind, bei einer dem AfA-Bund angeschlossenen Organisation Mitglied sein. Bei der Auswahl der Kandidaten darf nicht die politische Richtung maßgebend sein, sondern es müssen berufliche Tüchtigkeit, geistige Strebsamkeit und gewerkschaftliche Erfahrung entscheiden. 3. Bei den Wahlen zu den Betriebsräten ist ein felbstän- diges Vorgehen der Gewerklchaste« des ADGB. notwendig und eine Derstänhigung mit den Organisationen des AfZt-Bundes anzustreben. Wohlabkommen mit anderen Gewertschans gruppen und Organisationen s i n d z u vermeiden. 4. Ist in einem Betriebe eine gewerkschaftliche Borschlogsliste »ach diesen Grundsätzen ausgestellt, so darf kein Mitglied einer dem ADGB. angehörenden Gewerkschaft sich als Kandidat auf eine Gegenliste ausstellen lasten." Berliner AsA-Kollegen, die diesen Beschlüstcn zuwider- handeln und ohne Zusttmmnng ihrer Gewerkschnkt bei der Aus. stellung der Kandidaten vorgehen, können nicht weiter als Funktionäre betrachtet werden. Verhandlungen im böhmischen Bergbaustreit. Annäherung zwischen den Parteien. Drag, 16. Februar. Wie das Tschechoslowakische Pressebureau von verläßlicher Stelle erfährt, ist bei den Brüxer Verhandlungen über den Lohnstreit im nordwestböhmischen Bergbau eine gewisse Annäherung der Standpunkte der beiden streitenden Parteien erzielt worden. Brüx. 16. Februar. Bon den Verhandlungen, die augenblicklich zur Beilegung des Brüxer Grubenarbeiterstreiks geführt werden, wird es abhängen, ob der Beschluß, am Freitag abend keine Sicherheitsmannschaften mehr in die Schächte einfahren zu lassen, verwirklicht werden wird. Die Einstellung der Sicherheitsarbeitcn würde das Ende der Gruben� und dle Existenzunrnöglichkeit für Taufende Bergarbeiter bedeuten, schon jetzt sind in einigen Schächten des Reviers kleinere Brände ausge- brächen, die einen katastrophalen Umfang annehmen können, wenn die Löschungsarbcitcn nicht rechtzeitig einsetzen. Die Wiederaus- nähme der Beratungen des engeren Komitees, die heute mittag abge- brachen wurden, wird morgen stattfinden. Es besteht nach wie vor die Hoffnung, eine Annäherung der vorhandenen Gegensätze zu er- zielen. Aus den Schächten selbst herrscht Ruhe. Der Betrieb'aus dem Elisabeth-Schacht, der das nordböhmische Elektrizitätswerk mit Kohle versorgt, ist gestern auf Weisung des Zentralstreikkomitees eingestellt worden. Verbindlicher Schiedsspruch für Oberschlesien Lohnerhöhung in der Schwerindustrie um 6'/? proz. Der Reichsarbeitsminister hat den Schiedsspruch des Schlichters für Oberschlesien für verbindlich erklärt, der ab 1. Januar aus die bisherigen Lohnsätze in der oberschlestschen Schwerindu- st r i e eine Erhöhung von 61, Prozent vorsieht. Der Schiedsspruch war von den Unternehmern abgelehnt worden. Ausgehobene Sperre. Die Sperre über den Betrieb Sophien- sälc, Sophli?nstr. 17/18, sür die Mitglieder de- Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Easeangestellten wird hiermit ausge- hoben, ebenso, die Sperre über dos Cafe„Komet", Inhaber Wiirter- stein, Warschauer Str. 33. Der Tarisocrtrog sowie der paritätische Arbeitsnachweis find anerkannt. Der Streik bei den„Breslauer Neuesten Bachrichten" ist beige- legt. Das gesamte Personal niimnt die Arbeit zu den bisherigen Be- dingungen wieder aus. Achtung, Dr. Paul Meyer, Dronthcimer Strahe! Versammlung z\ M der SPD.-Genossen am Sonnabend, Ib. gebruar, 13?, Uhr, bei gritsch, ß I Dronlhcimcr Str. j. Vollzähliges Erscheine» erwartet Der grattionsvorstand. s � Freie Gcwcrtsck-aftsjugcnd Groß Berlin. Heute, Freitag, 191-1« Uhr, tagejt die Gruppen: Dcdding: Gruppe ndeim Ltadtbad Beddina. Gerichtttr. 6.V Wf. Satirischer Abend:.,�tc lieben Verwandten."— Zeppclinplatz: Jugendheim Turiner, Ecke Scestraßc. Schachspiel-Lehrabend. Hermaunplaß: Jugendheim Sandcrstr. U, Ecke Hobrechtstraße. Bunter Abend.— Nordring: Schule Greifenhagener Str. 58. Literarischer Abend:„Gerrit— Engelke."— Lichtenberg: Fugcudheim Scharnweberstr. 29. Um 19 Uhr Brettspielabend.— Vor. anzeige! Sonntag,!9. Februar. 19 Uhr, Schriftfithrer-Schulungütag im Ummer 7 A, Iugendzentrale, Eugelufer 24—25.—. Voranzeige! Ach.una. Mädel»! Die Genossin Irma Fechenbach spricht am Montag, 29. Februar, um 29 Uhr im Jugendheim des MetaUarbeiterverbandcs, Limenstr. 83—85, üben. „Die Stellung der Frau im Orient."..... Fugen dgrnppc des ZdA. Heute, Freitag. 194» Ubr, finden folgende liche' Pe ran Haltungen statt: Lichtenberg Gelaugsraum des Realgymnasiums Vorkaue 12. Literarischer Abend. Wir lesen aus Büchern..— Südo«.T«Pto»: Jugendheim Vrißer Str. 27-39. Vortrag:„Fack London und seine Werke" (Georg Heilbrunn). � Südwest: Füge�dheim �Belle-Allianee'Stit. 7— 10. Bot» trag:„Alte und moderne Baukunst"{Architekt Waloschcl». Verantwortlich für Politik: Dr. Eurt Geyer: Birlfchaft: G. AlingclhSfer: Gewerkschaftsbewegung: Fr. Etzkorn: Feuilleton: tf. H. Döscher: Lokales und SonMaes: Fug Rarstadt: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts-Bcrlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwarts-Buchdruckexet und Berlaasaustalt Vau! Singer u Co.. Berlin SW 88. Lind'ultraße ll. Hierzu 3 Beilagen.„Stadtbeilage- und„Unterhaltung und Wissen". WERTHEIM Leipziger Str. KömgstraQe Rosenthaler Str. Moritzplatz Preise soweit Vorrat; Fleisch, Fische, Obst u. Gemüse werden nicht zugesandt. Abt. Frische Blumen'""Ä"" Blühender Krokus ropi 60 pf. Blühende Tulpen Wi 75 n Blüh. Hyazinthen Topi 95 pr Primeln ,«>» bimiend Farne . Topt TSpi •JB Pf. verschied Sorten, Topf v f«s an Araukarien Äcm.'t 2.50 u 3 m ffiWscfecs$teSseh Kalbskamm Brost o, Rficken. Pfnad 7 5 PI. Kalbskeule««>«»«... pw»-, 90«. Querrippe.......... nood TOpt. Rinderkamm u. Brust pfm.d 80 Ft. Schmorfleisch �«"'""'pfo"" 90 p». Schweinebauch 80 p,. Schweinekamm»»d»>.«. pm°a 85 pl Hammelvorderfleisch pw-d 90«. Kaßler, Speer u. Kamm»«.d 98 pt Liesen pm. 70p». Gehacktes paad 75 p:. Kuheuter.............. ptoad 26» Seflüget Tauben................. s.ad, 92 r». Enten pioad 1 10 1 25 Wolgahühner...... p»°ad I10 las Hasilhühner»e»»»«... pm«« 13s»a Gänse(efroreo.... Pfond 53, 70, 80 PL {Konserven (tCein Preise för M Flasche « ohne Glas Vi Dose Br.- u. Schnittbohn. I 74P' 45pi 95pi 66 pi 1.25 92 pi Spinat..... Pfefferlinge I... QemQse-Erbsen Junge Erbsen lein Leipziger Allerlei- Karotten klein» lung«. 80pi Br.-Spargel»xi™ stark 3.10 St.-Spargel»-«osiang 2.60 &€onfHür9, Pflaumen Im Aprikosen 1.10 � Dose Apfelmus........ 62?' Pflaumen....... 65 pi Birnen halbe Frucht... 1,10 Preiselbeeren..... 1.10 Ananas Hawaiis Scheiben 1.20 Oelsardinen Kiubdose 42 pi Brat- u. Bismarckheringe, Rollmöpse, Krön- CÄ Sardinen t uier-Dose OD Pf- 2«Pfund«Eliner Erdbeer. 1.35 Ananas 1.60 Rotwurst Pfund Oberhaardter saifi«er Tischwein.......... Oomaine St. Coloma milder, spanischer Botwein s 1925 Niersieiner angenehme Ar»| 924 Chät. de Reignac milder vordeauxwein..) 1922 Brauneberger Palkenberg»ehr hiumtg � 1922 Ruppertsberger Braben �"auw' f 1920 Beaujolais Superleur aaniger Burgunder.. 1924 Chät. Clarke telnstiller, weiller Bordeaux.... Deutscher Weinbrand„Klosterbrand"...... 3 70 Johannisbeerwein vom Fai?............ uter 95 Pf- Gold-Muskateller sU» u. kranig, vom Fall..... Liter 1.60 Für Oiatkuren» Süßer Wormser Weinmost,-Ikohotret Marke Riesling 1.60 Oppenheimsr 2 m lio 140 1 70 2M 1.80 .andieberwurst P'und 1.15 Dampfwurst Pfund 1.15 Speck fc". P'd. 1,10 mager 1.20 Hildesheimer Pfund 1.35 Mettwurst 135 Jagd- u. Filetwurst Pia 1.45 SchinkenpolnischePid 1.45 Schinkenspeck pmnd 1.55 Leberwurst leine. Pfund 1.60 Bierwurst. Pfund 1.60 Zervelat u. Salami d i 1.80 holsteinische, HIlukI 1-65 " i'iWid. z f Blut-Orangen (Mettina) £ II Kitte 50 u 75 St. 075 Nußschinken ca' prUnd Zervelat u. Salami hannoversche, Ptund 1.90 KöaKstrate. Rossnfliiler Slraöe. Horlixulaii: Weiche Mettwurst Pid 1.20 Teewurst.■ p und 1,55 ( Allg., La'btelt 40 pid. 94 Pf- Steinbuscher voiir. ono, drelvIertcltcK. Ptd.' O Pid. 99 Edamer haiwet»,»»fund 78 p' Holländer halbfett, Md jqpi TllSiter vomeit.Pd. 95 pi. 1.10 Schweizar 95 Pt Tilsiter ohne Rinde, Ptd 1.39 Cremakäse vomeit, Pid. 1.39 Schweizer)b�T . voll-. Pfund 1.45»n Molkerei-Butter Pfund 1.80 Tafelbutter Pfund 1.90 Dänische Butter Pfund 2.04 Margarine"»->>» 59, 53 pf. Speisetalg i-Pfd Pak 59 pi Bratschollen I p und 20 Pt Rotbars ohneKopt.piund 28 Pf- Seelachs0Sopp!Sn"24w. Schellfische P'und 30". Kabeljau0Frs1;h°,pnSnae28Pf. Lebend. Hechte P'd 35Pf-n FattbücküRge 2%, Flundern Ptund von 35 Pl an Bücklinge Kieler, ptund 45 Pf Fleckheringe ger, Pfd 42�'- Seelachs' siuckcn.Pid 43 Pf Tit. 51* 45. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Freitag, II. Februar 192S Das Wort hat Dr. Frey! Ein Appell an den Verteidiger. Crantz liegt im Auguste-Biktoria-Krankenhaus an einem schweren Nervenzusammenbruch danieder. Di« Unterernährung und der übermäßige Nikotinverbrauch. die groß« Nerven- anspannung während der Gerichtsverhandlung, der jähe Uebergang in eine veränderte Umgebung nach der yjuitentlcniiing und schließlich der plätzliche Abbruch seines Prozesses, als er sich nun seinem Ziele, dem Urteil so nahe sah— das alles war siir die schwächliche Konstitution des jungen Menschen, der ohnehin zu Nervenzusammen- brächen neigt, zu viel. Einen Nervenzusammenbruch erlitt auch Paul Krantz' Mutter: sie liegt zu Bett, und befindet stdf in ärztlicher Behandlung. Hotte sie doch schoir im Gerichtssaal gesagt:„Rur in Er- Wartung der Gerichtsverhandlung habe ich mich aufrechterhalten". Sie ist in ihren Erwartungen schwer getäuscht worden... Dies die vorläufigen Folgen davon, daß Nechlsanwali Dr. Frey die Per- teidigung niederlegte. Er hat sowohl die seelische Spannkraft der Frau, die Ihm das Schicksal ihres Sohnes anvertraut hatte, als auch diejenige seine» Mandanten überschätzt. Rechtsanwalt Dr. Frey hat das Menschenmögliche getan, um dos Gericht vor einem psychologischen wie ju- ristischen Fehlspruch zu bewahren. Er hat die Glaub- Würdigkeit der Kronzeugin der Staatsanwaltschaft erschüttert: er hat der Anklage die Gtftzähn« ausgebrochen-, er hat Leumundszeugen in Fülle herbeigeschafft und psychologisch« wie pädagogische Sachver- ständige geladen. Hatte er so weit seine Pflicht getan, so durfte er jetzt nicht gehen. Das schuldet« er dem Angeklagten, das schuldete er der Oeffentlichteit, die die häßliche Sache ein für ollemal erledigt sehen und sie nicht noch einmal über sich ergchen lassen will. Paul Krantz aber muß endlich vom Gericht Ruh« haben, damit das Erlebnis Im Schellerschen Hause von anderen jugendgemäheren und gesunderen Erlebnissen überwuchert wird. Die Strafprozeßordnung gibt keine Mäglichkeit, ein« Gerichtssache außerhalb der Houptver- Handlung zu einem Abschluß zu bringen. So muh sie bis zum End« ausgetragen werden. Als Rechtsanwalt Dr. Frey die Verteidigung niederlegte, glaubte er, dies der Würde seines Standes schuldig zu sein— das besagte wenigstens seine Erklärung vor Gericht. Nun, da er sich überzeugt Hot, welch unheilvolle Folgen sein' Schritt hatte, ist es seine Pflicht, in der Kollision zwischen Standesehre und Interessen des Klienten, diesen den Vorrang zu geben. Ist er durch den Vor- sitzenden in seinen Verteidigerrcchten beschränkt, in seiner Anwoltsehr« gekränkt worden, so gibt es noch andere Mittel und Wege, sich Genugtuung zu verschaffen. Der Rücken des Mandanten ist keine geeignete Plattsorm dazu. Dr. M a g n u s H i r s ch f e l d Hot gestern im Namen seiner me- dizimschen Kollegen, Prof. Cromcr, Dr. HodattN, Dr. Mohrenholz — Dr. Platzet war darüber anderer Ansicht— den Landgerichts- direktor Dr. Dust gebeten, es zu ermöglichen, daß Dr. Frey die Verteidigung«teder aufnehme: dies verlange der Ge- fundheitszustand de» Angeklagten. Dr. Dust erklärte darauf, daß dem Wiedereintritt Dr. Freys in den Prozeß als Verteidiger nichts im Weg« stehe. Di« gesamte Oesfentlichkeit weih sich mit diesem Wunsche der medizinischen Sachverständigen im Prozeß Krantz einig. Rechtsanwalt Frey muß die Sache» die er mit so großem Erfolg« begonnen, trotz aller inneren Wider st änd« zu Ende führen. Hoffen wir, daß es ein glückliches Ende fein wird. Der Wiedereintritt Dr. Frey» in den' Prozeß wird zweifelsohne dem Angeklagten Krantz in eine psychische Verfassung versetzen, die es ihm möglich machen wird, der Gerichtsverhandlung beizuwohnen. Die hauptsächlichste Ursache seines Nervenzusammenbruchs wird durch die ungestörte Fortsetzung des Prozesses beseitigt sein. Das Wort hat jetzt der Rechtsanwalt Dr. Frey! » In M o�a b i t gab es heut« keinen anderen Gesprächs- st off als den Krantz-Prozeß. Der vorgestrige Zusammen- stoß zwischen dem Landgerichtsdirektor Dr. Dust und Rechtsanwalt Dr. Frey und die Niederlegung der Verteidigung durch den letzteren wurden eifrig kommentiert. Man war allgemein' der Ueberzeugung, daß irgend ein Ausweg gefunden werden müsse, um den Wiederein- tritt Rechtsanwalts Dr. Frey zu ermögliche». Es gab auch nicht zwei Ansichten darüber, daß ein Offizialverteidiger als Lückenbüßer in solch einem Prozeß ein Unding sei. Krantz' Nervenzusammenbruch ließ natürlich die Frage auf- tauchen, ob dadurch nicht die Fortsetzimg des Prozesses gefährdet werde. Eine Aussetzung der Gerichtsverhandlung kann' laut Strasprozeßordnung nur für drei Tage stattfinden. S p.ä t e st« n s am Sonntag müßte daher ein Termin wahr- genommen werden. Die Verhältnisi« im Augnsle-Viktoria-Kranken- Haus würden sich jedoch zur Abhaltung einer Gerichtsverhandlung schlecht eignen. Wenn irgend möglich, soll deshalb der Zlngeklagte im Krankenwagen nach Moabit geschafft werden, damit hier»ach einer kurzen Gerichtsverhandlung ein neuer Termin' angesetzt werden kann. Sollte bis Sonnabend die Verständigung zwischen dem Landgerichts- direktor Dr. Dust und Dr. Frey noch nicht erzielt worden sein, so wird Rechtsanwalt Dr. Schulz als Offizialverteidiger fungieren müssen. Man hofft, daß bis Dienstag oder Mittwoch der Wieder- eintritt Dr. Freys in den Prozeß möglich sein wird. Porläusig scheinen jedoch alle Widerstände noch nicht beseitigt zu sein. Von einer tatsächlichen Uebernahme der Verteidigung durch Rechstanwalt Dr. Schulz kann in diesem Augenblick schon aus dem Grunde keine Rede sein, weil Krantz wegen seines Nervenzusammenbruchs nicht imstande war, ihm die erforderlichen Informätionen zu geben. Keine Verfilmung des Kranh-Prozesses. Sowohl In Moabit als auch in der Presse wurde eifrig die Nachricht verbreitet, daß die im Krantz-Prozeß behandelte Schüler- tragödie verfilmt oder daran beteiligte Personen als Filmschauspieler beschästigt werden sollen. Die Spitze norganisation der deutschen Filmindustrie Hot in ihrer gestrigen Sitzung gemäß ihrer grundsätzlichen Ausfassung sich wiederum dahin aus- gesprochen, daß derartige Ereignisse zur filmischen Verwertung ungeeignet seien, und daß die Beteiligung an' einem Sensationsprozeß nicht die Qualifikation zum Filmschauspieler erweise. Demznsolge hat der Z e n t r a l v e r b a n d der F j l ni- Verleiher beschloilen, derartige Filme nickst in Verleih zu nehmen, und der Vorstand des Reichsverbandes deutscher Lichtspieltheatern besitzer erklärt, wenn ein solcher Film von verbondssreien Firmen in Verleih gebrocht würde, ihn nicht zu spielen. Di« Vorstände beider Verbände hoben übereinstimmend erklärt, daß sie über zu- widerhandelnde Verleiher oder Theatcrbcsitzer die Sperre verhänge» würden. Ein junges Mädchen verschwunden. Die 18 Jahre alt« Mar- qarete Reimann aus der Fmnksurter Allee 261 wird seit dem 1. Februar vermißt. Sie war bekleidet mit blaugrau gestreif- tem Rock, kariertem Pullover, weinrotem Mantel mit schwarzem Pelzbesatz am Kragen, hellmodfarbenen Strümpfen, braunen Krepp- spangenschuhen. Nachrichten an die Eltern erbeten. Lieber tausend Kirnten geschädigt! Die Betrügereien der Wirsschastskreditgesellschast. Die Betrügereien der sogenannten Wirtschasislredil- g e s e l l s ch a s l und des BankgeschäflesBinsu. E o. in der Sanonierslraß«, die jetzt durch da» Eingreifen der Kriminalpolizei aus- geflogen sind, haben einen ungeheuren Umfang: nicht weniger als 1000 Firmen sind nach sehr vorsichtiger Schätzung betrogen wordenl Aus die Veröffentlichungen der Presse hin hat sich jetzt eine große Anzahl von Geschädigten aus dem ganzen Reiche gemeldet. Es handelt sich besonders um thüringisch«, bayerische, badische und h a in b u r g i s ch e Firmen, aber auch in anderen Bezirken des Reiches finden sich Geschädigte. Die Art der Betrügereien erhellt aus der beschlagnahniten K o r r e- spondenz der Schwindelsir men vollkomnien. Die Auftrag- gcber in Berlin, die sogenannten S t o ß s i r in e n, schrieben in ihren Briefen, daß sie bei ihrer Bank eine Aktie hinterlegten, die zurzeit mit 16l> Proz. an der Börse gehandelt würde. Erkundigte sich der Lieferant nun bei der Bank, eben bei dem famosen Geschäft Bins u. Co., bekam er eine Bestätigung dieser Hinterlegung übersandt. 3n diesem Schreiben freilich war die genaue Iverlangabe „aus Versehen" ausgelassen. Die Lieferanten glaubten nun, alles sei in Ordnung, das Wertpapier stehe in gutem Kurse. Bei einem Nominalwert von 2000 M. nahmen sie also«inen Kurswert von 3 2 0 0 M. an. In Wirttichteit aber wurden die Papiere nur nach Stückzahl gehandelt und die angegebenen Papiere im Werte von 3200 M. hatten also einen Realwert von ganzen 320 M., ganz abgesehen davon, daß manche dieser Papiere mehrer« Male bei verschiedenen Firmen als Sicherheit angegeben wurden. Schon vor dem Eingreifen der Polizei waren vier der Stoß- firmen bereits wieder völlig verschwunden, die Seisenfirmn H e i n e m a n n in der Gartenstraße mit über 15 Filialen in ganz Berlin, die Firma Schulz u. Golde wein in der Mahenstraße, die mit Drogen handelte, die schon gestern erwähnt« Firma Biesen- t h a l in der Annenstraße und Frant-Weidendamm, Spiel- waren eu xrr>s. Frank hat seinen Laden schon vor Weihnachten zu- gemacht, um Berlin fluchtartig zu verlassen, Wiesenthal sitzt in 1l n te r s u ch u n g s h a s t. Bon den anderen fünf Stoß- firmen sind der O st deutsche Warengrvßhandel, Alte Jakobstraße, die Firma Hartmetz. Artilleriestraße, und Fritz Dörr, Neue Friedrichstraße, in Konkurs geraten. Alle diese Firmen handelten neben den Waren ihrer angegebenen Branche mit allen möglichen Dingen, in deren Besitz sie eben auf be- trügerische Weise kommen konnten. Der Schaden, den die neun Stoßftrmen angerichtet haben, be- trägt pra Firma bis zu 90000 Mark, insgesamt also vorläufig beinahe 1 Million Mark. Mar liegt die Angelegenheit noch nicht, und die Polizei hat vollauf zu tun. Bon den ergaunerten Waren wurde nur noch ein ganz g e- r i n g e r T e i l b e s ch l a g n a h m t, mn für die Gläubiger sicher- gestellt zu werden. Das meiste ist weit unterm Wert sofort»ach Eintrcfsen verschleudert worden. Reichsban»cr-Grü«do«gSfeier im Zirkus Busch Die am Sonntag, dem 19. Februar, vormittags 11 Uhr 30 Min., im Zirkus Busch stattfindende 4. Begründungsfeicr des Gaues Berlin-Brondenhurg des Reichsbanners Schrvarz-Rot-Golb wird durch den Einmarsch der Fahnen und der Sportgruppen des Reichs- banners eröffnet werden. Sodann singen die Massenchöre des Ber- liner Sängerchores, M. d. ASB..„Krönt den Tag" und„Sturm". Als Redner ergreifen alsdann das Wort: Ministcrprösident a. D. Ioh. Stelling. M.d.R., Chesredokteur Georg Bernhard und Rektor Kellermann. Die Feier schließt mit dem allgemeinen Gesaist; des Bundesliedes unter Begleitung der Reichsbannerkapelle Steglitz. Di« einzelnen Ortsvereine versammeln sich krcisweis« und marschieren geschlossen mit Fahnen und Musik zu der Veranstaltung. Menschen, Göttern gleich... 211 kloman von yerbert George Wells. Er machte eine Pause und währenddessen drang die Ant- wort der Utopen zu Mr. Barnstaple:„In Utopien gibt es keine Bindungen." Aber Pater Amerton wünschte gar keine Antworten auf seine Fragen: er stellte Kanzelfragen. „Ich möchte wissen." schmetterte er hinaus,„ob jener heilige Bund, der unseren Ureltern im Garten Eden offenbart wurde, hier noch hoch gehalten wird, ob jene gchei'igte Ber- oinigung fürs Leben zwischen einem Manne und einem Weibe in Glück und Unglück, jede anderweitige Vertraulich- keit ausschließend, als das Geseg eures Lebens gilt. Ich möchte wissen..." „Aber er will ja gar nichts wissen..." kam ein utopischer Zwischenruf. „... ob jene behütete und bewachte Reinheit zu zweit..." Mr. Burleigh erhob«ine lange weihe Hand:„Pater Amerton, ich bitte I" protestierte er. Die Hand von Mr. Burleigh war eine mächtige Hand, die noch Beförderung zuwinken konnte. Es gab wenige Dinge unter der Sonne, die Pater Amerton aufhalten konnten, wenn er sich einmal in einen seiner Seelenstürme gestürzt hatte, aber die Hand von Mr. Burleigh gehörte zu diesen wenigen Dingen. .. gleich einem anderen noch köstlicheren Gut hier von den Menschen beiseite geschoben und völlig verachtet wird'? Was gibt es. Mr. Burleigh'?" „Ich möchte, daß Sie diesen Gegenstand nicht gerade jetzt weiter verfolgen, Pater Amerton, solange wir nicht etwas mehr erfahren haben. Di« Einrichtungen sind hier offenbar ganz andere. Auch die Einrichtung der Ehe mag hier anders sein." Das Gesicht des Priesters verfinsterte sich.„Mr. Bur- leigh," sagte er,„ich muß! Wenn mein Verdacht stimmt. dann will ich diese Welt ihrer fadenscheinigen Vorwändc entkleiden und sie zum Heil und zur Tugend führen." „Da braucht man nicht mehr viel zu entkleiden," bemerkte Mr. Burleighs Chauffeur sehr vernehmlich. In Mr. Burleighs Worten machte sich eine gewisse Ver- stimmung bemerkbar,_,. „Dann stellen Sie bitte Fragen," sagte er,„fragen Sie, aber halten Sie keine Predigten. Die hier brauchen keine Predigten von uns." „Ich habe meine Frage gestellt," sagte Pater Amerton mürrisch mit einem vielsagenden, durchbohrenden Blick auf Urthred, und blieb stehen. Die Antwort kam klar und deutlich. In Utopien besteht kein Zwang für Männer und Frauen, eine unlösbare Paarung einzugehen. Für die meisten Utopen wäre es unangenehm. Sehr oft find Männer und Frauen, deren Arbeit sie in nahe Berührung miteinander bringt, Liebespaare und halten sehr fest zueinander, wie Ardenn und Chrysolagone es getan haben. Aber sie werden nicht dazu gezwungen. Nicht immer hatte diese Freiheit geherrscht. In den alten, kampferfüllten Zeiten und besonders unter den Land- arbeitern und Angestellten Utopiens wurden Männer und Frauen, die eine Liebesbeziehung zueinander hatten, unter schweren Strafandrohungen fürs Leben aneinander gekettet. Sie lebten miteinander in einer engen Häuslichkeit, welche die Frau für den Mann in Ordnung halten mußte, sie war seine Dienerin und gebar ihm so viel Kinder wie möglich, während er für die Ernährung sorgte. Die Kinder waren er- wünscht, weil sie auf dem Lande oder als Taglöhner früh eine Hilfe waren. Aber die Bedingungen, welche die Frauen zu dieser Art Paarung gezwungen hatten, sind nun vorüber. Es ist wahr, die Leute paaren sich mit den von ihnen erwählten Gefährten, aber sie tun es aus inncrem Bedürfnis und nicht unter irgend einem äußeren Zwang. Pater Amerton hatte mit schlecht verhehlter Ungeduld gelauscht. Jetzt sprang er aus:„Dann hattL ich also recht. Sie haben die Familie abgeschafft'?" Er deutete mit dem Finger auf Urthred und machte so eine persönliche Anklage daraus. Nein, Utopien hat die Familie nicht abgeschafft, es ha: die Familie erweitert und veredelt, bis sie die ganze Welt umfaßte. Diese wahre Ausbreitung über die altertümliche, häusliche Enge war schon vor langem von jenen Propheten des Rades, den Pater Amerton zu verehren schien, gepredigt worden. Während jener einmal eine Predigt hielt, sagte man ihm, seine Mutter und Brüder ständen draußen und forderten Beachtung von ihm, aber er ging nicht zu ihnen, sondern wandte sich der ihm lauschenden Menge mit den Worten zu:„Siehe, meine Mutter und meine Brüder!" � Pater Amerton schlug laui und oufsahrcnd auf die Sessellehre vor sich:„Eine Ausslucht," schrie er,„eine Ausflucht! Auch Satan kaim die Schristeu deuteiU". Mr. Barnstaple war es klar, daß Pater Amerton sich nicht mehr ganz in der Hand hatte. Dieser war selbst er- schreckt durch seine Handlungsweise und doch wurde er dazu getrieben. Er war zu aufgeregt, um klar zu denken oder seine Stimme vollkommen zu beherrschen, so daß er in der wildesten Weise schrie und brüllte. Er ließ sich gehen und vertraute auf die Gepflogenheiten der Kanzel von St. Bar- nabas, um sich durchzusetzen. „Jetzt sehe ich, wie ihr dasteht! Nur zu gut sehe ich, wie weit es mit euch gekommen ist. Von Anfang an ahnte ich es, wie es um euch steht. Ich wartete— ich wartete, um vollkommen sicher zu sei», ehe ich Zeugnis ablegte. Aber es spricht für sich selbst— die Schamlosigkeit eurer Kleidung, die zügellose Freiheit eurer Sitten! Junge Männer und Weiber, lächelnd Hand in Hand, fast einander liebkosend, während doch abgewendete Augen, abgewendete Augen der mindeste Tribut mären, den ihr der Sittsamkeit zollen müßtet! Und dieses leichtfertige Geschwätz— von liebenden Pärchen — ohne Bindungen oder Segen, ohne Gesetz oder Zwang. Was soll das heißen? Wohin führt das? Denket ja nicht, daß ich nichts davon verstehe, weil ich ein Priester bin, ein reiner und keuscher Mann, trotz großer Versuchungen, glaubet das ja nicht! 5)abe ich nicht Einblick in die Geheimnisse des Herzens? Schleichen nicht die reuigen Sünder» diese zer- brochenen Topfscherben, zu mir mit ihren jammervollen Be- kenntnissen? Aber ich will euch offen sagen, wohin ihr geht, und wo ihr steht! Diese eure sogenannte Freiheit ist nichts weiter als Frechheit! Euer sogenanntes Utopien, ich sehe es klar, ist nichts weiter als eine Hölle hemmungsloser Zucht- losigkeit, hemmungsloser Zuchtlosigkeit!" Mr. Burleigh hielt die Hand hoch, um Einhalt zu ge- bieten, aber die Beredsamkeit Pater Amertöns hob sich über jeden Einspruä) hinweg. Er schlug auf die Sessellehue vor sich:„Ich will Zeugnis ablegen," brüllte er,„ich will Zeugnis oblegen. Ich werde keine Rücksichten nehmen. Ich verschmähe es, das, was ich euch zu sagen habe, zu beschönigen. Ihr lebt olle— in Unzucht, das ist das Wort dafür. In tierischer Unzucht! In viehischer Unzucht!" Mr. Burleigh war empor gefahren: er hielt beide Hände in die Höhe und bedeutete dem Londoner Zeloten sich hin- zusetzen:„Nein, nein," rief er,„Sie müssen aushören, Mr. Amerton, wirklich. Sie müssen aufhören, Sie sind ausfallend, Sie mißverstehen! Setzen Sie sich, bitte. Ich bestehe darauf." (Fortsetzung solgt.) Nicht auf Moorboden. Eine unbegründete Falschmeldung. Ein Berliner Abendblatt veröffentlichte eine Meldung, nach der das Eharlotten burger Wasserwerk bei Tiefwerder imolge von Bodenschwankungen stark gefährdet sei. Nach dieser Meldung sollte bereits die Räumung der Maschinenhalle begonnen haben. Wie wir von der Direktion der Charlottenburger Wasser- werke erfahren, entspricht diese Meldung in keiner Weise den Tat- sachen. Dos Charlottenburger Wasserwerk bei Tiefwerder liegt aus gutem Baugrund, die Moorstellen sind ungefähr einen Kilometer von diesem Werk entfernt. Veranlassung zu dieser Meldung mag die Tatsache gegeben haben, daß in diesem Werk die großen Pumpen neue Fundamente erhalten. Zurzeit ist eine der vier großen Pum- peir stillgelegt, um das Fundament dieser Maschine zu verstärken. Wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, werden nacheinander die Fundamente der übrigen Pumpen gleichfalls verstärkt. Im Anschluß an diese Arbeiten wird im gleichen Raum eine fünfte Pumpe auf- gestellt. Eine Unterbrechung der Wassersörderung tritt durch diese Arbeiten nicht ein. Vor dem Bau des Wasserwerkes ist der Boden genau untersucht worden, und Bohrproben bis zi« 40 Meter Tiefe hallen ergeben, daß der Gnmd und Boden, auf dem heute das Wasserwerk steht, fest ist._ Das nächtliche Autobusunglück. Die Verlehten außer Gefahr.— Schuldfrage ungeklärt. Zu dem Verkehrsunglück in der Friedrichstadt, bei dem, wie der„Vorwärts" gestern morgen ausführlich berichtete, 21 Fahr- gäste verletzt wurden, werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Ein Straßenbahnwagen der Linie 70, der in Richtung Westen fuhr, hatte bereits die Mitte der Straßenkreuzung Französische und Friedrichstraße erreicht, als plötzlich ein Autobus der Linie 3 herannahte und mit großer Wucht auf den Hinteren Teil der Straßenbahn auffuhr. Der Kühler des Autobus wurde hierbei zertrümmert und die Straßenbahn erheblich beschädigt. Sämtliche Scheiben zersplitterten. Ein Öagel von Glasscherben ergoß sich über die erschreckten Fahrgäste beider Fahr- zeuge. Aus dem Jimern der Wagen ertönten laute Schmerzens- schreie. Zum Glück stellten sich die Folgen des Unglücks als nicht so schwer heraus, wie es zuerst den Anschem hatte. Insgesamt wurden 21 Personen, die st ark blutende Fleischwunden durch herumfliegende Glassplitter, Quetschungen und innere Verletzungen erlitten hatten, den Rettungsstellen 2, 12 und 14 zugeführt. Von den Verletzten, die zum Teil mit Notverbänden versehen werden mußten, konnten 10 wieder entlassen bzw. auf eigenen Wunsch in ihre Wohnungen gebracht werden. Zwei schwerverletzte, eine Frau Frieda Malz aus der Halske- st r a ß e 2 2 in S ii d e n d e, wurde durch einen Wagen des Städtischen Rcttungsamtes in das Schöneberger Krankenhaus und ebenso eine Frau Helene K r ö d e l aus der Kaiserallee 16 in das Wilmcredorscr Krankenhaus in der Achenbachstraße übergeführt. Die Unfallstelle, die mit Glasscherben dicht übersät war, war von der Polizei auf längere Zeit abgesperrt. Der schwerbeschädigte Autobus, der an den BUrgersteig geschoben worden war, mußte später abgeschleppt weiden. Nach den polizeilichen Feststellungen und den bisherigen Zeugen- vcrnehmungen soll den Führer des Autobus die Schuld an dem Unglück treffen, da er angeblich zu schnell gefahren ist. Die Schuld- frage.ist jedoch noch keineswegs eiuMandicci geklärt. a„ist,"'cht. mikgelchlossenj' daß dc'r' Fahrer' rechtzeitig'gebreinst'hat, seinen Wagen aber auf dem durch den Regen sehr schlüpfrig gewordenen Asphalt nicht mehr in der Gewalt hatte. Zu dem Zusammenstoß teilt uns die Berliner Straßenbahn mit: Der Triebwagen, der an der Haltestelle in der Französischen Straß« gehalten hatte, befand sich in langsamer Fahrt auf der Kreuzung der Friedrichstraße, als der Omnibus von rechts kommend g« g e n s e iu e B'o r de ra chse st i eß. da der Chauffeur anscheinend auf dem nassen Asphalt seinen' Wagen nicht rechtzeitig zum Halten bekam. Durch de,, Anprall schleuderte der Omnibus nach hinten herum, so daß er in der Breite gegen den Straßenbahnwagen slag, wobei seine sämtlichen Scheiben zertrümmert und acht Fahr- gaste leicht durch Glassplitter und Stoß verletzt wurden. Der Straßenbahnwagen blieb unbeschädigt, verletzt wurde auf ihm nie- rnrnid. Der Bremsweg des Straßenbahnwagens betrug vier Meter, wie einwondirei festgestellt worden ist, so daß die Schuld an dem Zusanunenstvß dem Kraftwagenfahrer zuzuschreiben ist." Konzert des Volkschors„Harmonie". Sa ein Chorkonzert mit dem Programm„Humor und Scherz" war vor zehn oder zwanzig Iahren, so sehr auch schon damals das„naive" Publikum jeden Schmarren mit lautem Hurra begrüßte, für den Musiker eine höchst langweilige Sache. Kokett und selbstgefällig stolzierten die bürgerlich-sattcn, behäbigen Ploti- luden dahin, bis sie an der unfehlbaren Pointe anlangten, die doch zudem Verdienst des bescheidenen Dichters ist, und nicht des Musikers. .i>6utc hat sich das geändert. Wie mancherlei, hie und da verfehlte, meist aber meisterliche Bearbeitungen anerkannter Tondichter haben aus diesen altväterlichen Lärvchen Gesichter gemocht, in denen ein gewisser Lebenskampf eingegraben ist! Imitatorische pnd poly- phan« Kunst Hot die nötige Dosis Emst dazu gegeben. So sind sie uns genießbar geworden.(Natürlich gibt es auch einzelne Perlen, die dieser Bearbeitung nicht bedürfen.) Was wäre zum Beispiel m Urform„Hab mein Wagen" von den, jüngst verstorbenen Felix Molden oder das„Käferlied" ohne die prachtvollen Brumm- Modulat'onenMartin Blumners, oder die„Schnciderwanderung"oh»e den kühneren Moll- und Durwcchfel Julius Röntgens, oder der „Trübsinn" ohne die köstlichen verzögernde» Bvckbeinigkeiten Othe- gravens, Karl Lütgens doppelten Kontrapunkt im„Zum Spaß" nicht zu vergesse»? Reinickes„Samson" allerdings und Laurentius Lcinblins„Der Kuckuck" wiegen wohl eine ganze Anzahl von Bc- arbeitungen auf. Dieses sorgsam ausgewählte Programm wurde durch die drei Chöre der„Harmonie", Männerchor, Jugend- und Kinderchor, schließ- lich den gemischten Chor, der in den Massenchören sich init den ersteren vereinigte, aufs sorgfältigste und aufs freudigste ausgeführt. Die Männerchöre entfalten, nachdem sie einmal recht eingesungen roareit,«inen prächtigen Chorklang und waren nur in den Kopf- stimmen der Tenöre nicht immer tadellos. Der Kinder- und Jugend- chor arbeitete mit großer Frische und erstaunlicher Sicherheit bei den mancherlei Schwierigkeiten sich siegreich durch. Und wenn der „Kuckucksrus" ziemlich schüchtern und etwas unrein war, wie auch zwei andere Lieder, so war das im Feuer des Gefechts wohl ver- zeih lich. Die Mönnerchörc waren überraschend gut. Max Schaar- s ch m i d t hat ein« vortresftiche Arbeit geleistet, nur huldigt er spe- ziell bei den Männerchören ein wenig der letzten Mode, die aus das „Austüfteln" und di«„Borsichtelei" eingesetzt hat, der zu lustigen und schnelle», manchmal den Ausdruck oermindernden Tempi.-Aber ' gegen die führenden Todsünden so vieler Chormeister sind das immer- hin nur ganz„läßliche". Das Konzert wird ebenfalls in der Hochschule am 24. März wiederholt werden._ H. M. Naus aus dem Kasten/ rein in den Kasten. Und nur, weil er nichts mehr vertrug. Einen verhängnisvollen Verlauf nahm gestern für einen 32 Jahre alten Tischler L., der drei Jahre Gefängnis „abgemacht" hatte, gleich der erste Tag seiner wiedergewonnenen Freiheit. Des Alkohols entwöhnt, brachten ihn ein paar Glos Bier, die er trank, auf böse Gedanken. Er steckte seine Tasche voll Steine, begab sich nach einem Grundstück in der Garten- straße, mit dessen Besitzer er von früher her nicht aus dem besten Fuße stand, stellte sich auf dem Hase aus und warf alle Fen st« r- scheiden ein, die er erreichen konnte. Als der Wirt versuchte, ihn u. Gewerkschaftsfunktionäre sowie Beamten-Werbeausschüssel Am Dienstag, dem 21. Februar, abends 7V,(I91/,) Ahr In den.Mnslkersälen", Saiter-Attlhelm-Slraße ZI: FUNKTIONiKR.KONFERENZ aller Betriebs- unb GewerkschafksfnnktionSre sowie der Veamlen-Werbeansschüfse. Tagesordnung: 1. Da» große wahlmhr ISZS. Ref.: Dr. Znlins Mose», M.b.H.— 2. Aussprache.— 3 Wahl der vertreier zum Vezirksvarstanb.— 4. verschiebenes. Es wirb um regen Besuch gebeten.— Ohne Parteiauswei» und Junkfionärfarle kein Zutritt. Es gelten noch die Karlen van 1927 Betriebs- und Beamtensekretarlet. zu verjagen, griff er in die Tasche, als ob er eine Pistole darin gehabt hätte und rief ihm zu, er Möge sich schleunigst entfernen, wenn er Wert darauf lege, am Leben zu bleiben. In Wirklichkeit besaß er natürlich keine Waffe. Der Wirt aber ging rasch ins Haus und rief das Ueberfallkommondo an. Als es erschien, war L. schon ver- schwunden. Cr hatte sich unterdessen nach der T i eckst ra ß e be- geben, um seine frühere Braut, die er vor drei Jahren unfreiwillig oerlassen mußte, aufzusuchen. Weil er sie nicht zu Hause traf, ichlaß er mit einem Nachschlüssel auf und packte ihre ganze Wäsche zusammen, um ste zu Geld zu machen. Noch in der Tür aber begegnet« ihm mit'dein Paket ein Schlosscrlehrling, der Untermieter der Bestohlencn, der geistesgegenwärtig war und ihn kurzerhand fest- nahm. So kam es, daß L. noch vor Ablauf des ersten Freiheitstages wieder im Gewahrsam der Kriminalpolizei war. Coudenhove Calergi über paneuropa. In der Deutschen Hochschule für Politik sprach Graf C o u d e n- hove-Calcrgi im Rahmen der Pancurapovorträgc über„Pan- curopa". In klaren Ausführungen behandelte er vor allem das Problem der Besriednng Europas. Der Zustand Europas ist so verfahren, weil der Ehrgeiz der Politiker meist stärker ist als ihr Gewisse». Politik ist aber nicht Selbstzweck, sondern ein Mittel, die moralischen und materiellen Lebensbedingungen der Gemeinschaft zu verbessern. Die Aussichten für di« Zukunft sind trostlos. Moralisch gehen wir dem Chaos und der Auflösung ent- gegen, wirtschaftlich dem Elend und der Abhängigkeit, politisch dem Krieg und der- Tltf, ljr'"r"�lC"''"5 W dem. Mißverhältnis nvifcheii beirr räfcndrm' T r i n p v' chrr echmk'-und—dem-langsamen Tempo der Politik. Europa ist infolge der verkehrstechnischen Ent- wicklung heute kleiner als vor 100 Iahren, ein Krieg von heute bedeutet Doppel selb st mar d.(Giitgastechiiik, ferngelenkte Lustschiffe, Lufttorpedos.) Di« technische Entwicklung wird der Politik zuliebe ihr Tempo nicht verlangsamen. Europa ist nur dann zu retten, wenn der zeitgemäßen Technik ein« zeitgemäße Politik an die Seite gestellt wird. In 30 Jahren wird es Millionen von Flugzeugen geben, die die Zoll- grenzen hinwegfegen werden. Das Flugzeug wird im 20. Jahrhundert vielleicht Europas Einigung erzwingen. Mit dem Abbau der Zollniauern müsse schon jetzt begonnen werden. Für Deutschland gibt es politisch zwei Möglichkeiten: Bündnis mit Ruß- land oder Paneuropa. Da erstere bei dem ungewissen Schicksal Rußlands ein untragbares Risiko bedeutet, bleibt nur Paneuropa. Boraussetzung dafür ist die Verständigung Deutschlands und Frank- reichs. Zu den bevorstehenden Wahlen wird hüben und drüben viel Haß gesät, um Stimmzettel zu ernten. Das Grundmotiv der fran- zösifchen Nachkriegspolitik ist die Sorge um die Sicherheit, das der deutschen: die Gleichberechtigung. Je sicherer sich Frankreich fühlt, desto leichter kann es Deutschlands Gleichberechti- gung anerkennen. Nur durch Paneuropa ist ein« Verwirklichung dieser beiden Forderungen möglich. Zu verlangen, daß Frankreich und Deutschland sich lieben, ist Unsinn. Mindestens eine Generation wäre nötig, um diese Liebe reifen zu lasse». Aber Paneuropa Professor Ferdinand Gregory begann eine Vortragsreihe „Aus der Werkstatt des Schauspielers". Es ist mißlich, einen Zyklus vor seinem Abschluß zu loben. Wenn ober die späteren Vorträge Gregorys das halten, Ivos der erste versprach, so dürfen wir dank- bar sein. Es würde damit mindestens eine pral tische Erziehung des Theaterpublikums— oder richtiger zum Theaterpublikum— gc- boien, die sehr notwendig ist. Nicht im Simie einer besonderen weltanschaulichen Theatereinstellmtg: die muß jeder von sich aus finden. Aber dieser erste Vortrag gab eine Einführung in das Wesen der Schauspielkunst, von der man wünschte, daß reckt mele Theaterbesucher sie gehört hätten. Gregory bot eine Darstellung des�Mate- rials, aus dem der Schauspieler schasst, des Wortes und der Sprech- technik, mit der er diesem Material den künstlerisch?»'Ausdruck gibt. Das kann aber kein Handwerker, sondern nur ein Künstler, ein vom Material, vom Dichtcrwort Besessener, der der Bühnen- atmosphä.re auf Wohl und Wehe versallen ist.— Dr. Herbert 5) c y d e s Vortragsreihe„Nalurkräfte und Nanirkaiastrophen" be- schränkte sich diesmal� nach einer etwas trockenen Behandlung der großen, in unserem Sonnensystem schlummernden welidramatischen Möglichkeiten aus eine Auszählung der Wirbelsturmkarastrophen der letzten Jahre.— Lebendig wußte Ministerialrat Prof. Dr. Richter die Porträts der beiden Brüder Schlegel zu zeichnen. — Der Abend bescherte uns eine musikalische Uraussührunq: Dietrich Steinbeckers Requiem, das erste veröfsentlick'te Werk des jungen Komponisten. Dr. Kurt Singer, der die Ein- leitung gab, führte die Funkhörer verständnisvoll zu ihm hin. Be- sonders dankbor empfand man es, daß Dr. Singer durch zahlreiche kurze Musikbeispiele die Einführung auch solchen Hörern wertvoll machte, die keinerlei' musiktheore ische Kenntnisse besitzen. Die Kam- Position erlebte unter Prof. Hugo R ü d c l s Loitung eine außer- ordentlich schone Aun'ührunq. Zum Funtchor und Funkorchester hatten sich als Solisten Emmy v. Stetten, Lily Dreyfus und Louis van de Sande gesellt, die stimmlich 5)ervorraocndes leisteten.'-Tes. muß bald verwirklicht werden. Gefährlich« KonfkSts lauern im Osten. Hoben sich erst Deutschland und Frankreich über die Schaffung eines Paneuropa geeinigt, so würden sich Schritt für Schritt die übrigen Staaten anschließen. Durch ein Vertragssystem müht« die Stellung Paneuropas.zu England geregelt sein, das heute zu einem interkontinentalen Staatenbund geworden ist, der ein Viertel der Bevölkerung der Erde umschließt. Rußland, dos viermal so groß ist wie Paneuropa, kann sich nicht einseitig an Europa binden: seine Westgrenze wird nicht mehr der Ural sein, sondern die russisch-polnische Grenze oder der Stille Ozean. Europa ist nur zu retten, wenn die neue Führergeneration den Mut findet, für die neue Ueberzeugung einzutreten, zu leiden und zu kämpfen. Vier Häuser in New �ork eingestürzt. 30 Arbeiter darunter begraben. New 5 o t f. 16. Februar. Heute nachmittag siürzien mit ungeheurem Getöse drei unbewohuie Gebäude am wesiraude des New Jorker Theaiervieriels in die für den Bau der Untergrundbahn vor» genommene Ausschachtung in der L. Straße. Es wird angenommen. daß sich in dem Schachi 30 Arbeiter befunden haben, die unier den Trümmern begraben wurden. Zuerst stürzte ein vierstöckiges, als Gerätchaus benutztes Gebäude in den darunter besindlicheu Schacht. wenige Aliuuien später stürzten dann die beiden Nachbargebäude. die anläßlich des Bahubaues abgebrochen werden sollten, ebenfalls in den Schachi._ Eine ganze Familie ermordet. Wegen drei Mark. Bielitz. 16. Februar. In S a i b o s ch bei Bielitz wurde ein ungewöhnlich grausamer Mordübersall ausgeführt. Ein Schlosser mit zwei Söhnen drang in ein Haus ein und erschlug den Besitzer mit der Axt. der sich den Eindringlingen gegenüberstellte. Dasselbe Schicksal iras den Sohn und die Tochter des Besitzers. Die Frau wurde schließlich in der Wohnung ermordei. woraus die Räuoer i«- Wohnung plünderten. Die Räuber vermuteten eine große Summe Geldes, fanden aber nur— 6 Zloiy(etwa 3 wart). Die Polizei konnte sämtliche Täter bereits verhasten. Lleberfahren und hilflos liegen geblieben. Auf der Charlottenburger Chaussee wurde am Donnerstagabend gegen' 8 Uhr ein 2öiähriger Hausdiener von dem Expreß-Autobns überfahren: er war in Richtung Charlotten- bürg mit einem Handwagen unterwegs, den er dicht neben dem Straßenbahngeleise cntlangschob, als ihn der vom Brandenburger Tor kommende Autobus erfaßte und zu Boden warf. Bemerkens- wert ist, daß keiner der zahlreichen Kraftwagenführer, die um diese Zeit die Gegend passierten, sich bereit erkltiren wollten, den' Ber- letzten ins Krankenhaus zu transportieren. Erst nachdem der Be- dauernswerte zehn Minuten hilflos auf der Straße gelegen hatte, gelang es einem Schutzpolizisten einen Privat- krafiwagen zu requirieren. Mit schweren Bcrletzungcn wurde der Ucberfahrene in ein Krankenhaus eingeliefert. Tragischer Tod eines Schülers. Einen tragischen Tod. fand gestern der 12jähriqe Shulcr Herbert Görke aus der Hauptstraße 41c zu Buchholz. Der Junge, der di« in der Wollankstraße in Pankow gelegene Mittel- ildnle best«die, stdmttelte sid, gestern vormittag in der Il-Ufrr-Ikntie in jugendlichem Uebermut in der Klasse zwischr: zwei Bantea. Plötzlich rutschte er mit der einen Hand ab und schlug mit dem Hinterkops heftig auf die Bank kante aus. Herbert G. wurde von dem Unfall so stark mitgenommen, daß er unmittel- bar danach in die elterliche Wohnung gebracht werden mußte. Man zog, da sich sein Zustand verschlimmerte, einen Arzt hinzu, der aber keine Hilfe mehr bringen konnte. Das unglückliche Kind starb gegen 10 Uhr an den Folgen eines schweren Schädelbru chs. Aus dem zweiten Stockwerk des Lyzeums in Spandau, Askonia- ring, stürzte sich die IZjährige Schülerin Anm G, die am Hohen- zollernweg in Spandau wohnt, auf den Schuihos hiiwb. Das Mäd- chcn wurde init schweren Verletzungen in das Krankenhaus überge- führt, wo es bedenklich daniederliegt. Furcht vor einer schlechten Zensur und Nichtvcrsetznnq sind die Gründe, di- das 5"nü zu dem Aerzweiflungsschritt veranlaßten, Hochwasser im obere» Erzgebirge. Infolge der großen Niederschläge traten in der letzten Nacht alle Flüsse des oberen Erzgebirges über die Ufer. In verschiedenen Orten— insbesondere in Frohnau bgi Annaberg— wurde die La g e für die Hausbewohner bedrohlich, da die Wassermajjen in die Häuser eingedrungen waren. Amerikanisches Passagierflugzeug abgestürzt. Ein Secflugzeug der Euba— America-Lines stürzte an der Küste von Florida aus 200 Fuß Höhe in die Biscayue- bai, zwei Seemeilen von der Küste entferitt. Die 10 Insassen des Flugzeuges konnten gerettet werde». Einer von ihnen wurde schwer verletzt. Es war nicht möglich, den Apparat.zu bergen. Barkel, nicht Barth« l. In dem Bericht, den wir gestern morgen über die ZlSP-Dersoinnilung vcröffentlichlc», ist infolge eines Hör- fehlers unser Freund und Mitarbeiter Max Barthel in eine üble Gesellschaft gebracht worden. Der Referent in der ASP.-Ber- sommlung war der aus der Partei ausgetretene, vor kurzem im „Vorwärts" charakterisierte Freund Winnigs, Adolf Bartel aus Königsberg. Von unserem'Arbei-erdichtcr Genosse» M a x Barthel wird der heutige„A den d" eine interessante Studie über das Gefängnis in Plötzense« veröffentlichen. »Die Freie Arbeiler-Stenogeaphen-vereivigung Groh-DerN»» weilt noch- mals daniuj bin, dich Anmeldungen zu den begonnenen Anlängerkurlen in der ReichSkilrzlchrijt letztmalig entgegengenommen werden, und zwar: Nordosten: ani Dienstag. 21. Februar. abend-Z".8 Ubr, in der Schule, Seneselderstrahr g: O st e n: am M o n t a g. 20- Februar. abends'/.« Ubr, in der Schule. Frankfurter Allee 37; Neukölln: am F x e> t a g, 2t. Februar. abend-Z lIJi Ubr, im Realgymnastum, Kaller- ,sir. 200. TaS Kunnsgeld beträgt cmschliihlich Lehrmaterial für Erwochsenc 10 M., für Jugendliche 7.50 M. Erwerbslose haben. 50 Proz. Ermäßigung.— Alle» P e r c i n z m i t a-I i e d e r n sei der nächste KursuZ- abend zur Pflicht gemacht, da in der Woche vom 10.— 25. Februar unser PerbandS-Fernwettschreiben statliinder. Schriftliche Anfragen beantwortet Waller Olirdcl. Berlm-spaiidan, Wuslermarlcr Str. 10 I. Einen vergnügten Abend von Hau» Brennert nennt die Kuiisldepu- tation des Bezirke« Berti» Mitte einen BolkSunterHaltungS. abend.�den sie heute, Freitag, den t7. Februar, abend« 8 Uhr, im Großen Sitzungssaal de« ehemaligen Herrenhauses veranslallet. Der Tickler selber,«in Stück jene« Ur-Beriin, das wir, lieben und locben noch in Heinrich Zille feierten, bringt Stücke aus seinen eigenen Werten zum Vortrag. Karten an der Abendtasse zu 50 Ps. ♦flIIIISIIIIIIIIIlllV»elch-ft.,.»»-5. Sonntag, 10-J Uhr. «u{ Wunsch: Beetreterbeluch. Oer Magistrat von Berlin. Seme Zusammensehung und seine Bedeutung. In der ffestngm Stadtoerordnetenoersammlung ist an Stelle ausgeschiedenen Genossen Brühl Genosse C z e m i n s t i als Stadtrat in den Berliner Magistrat gewählt worden. Es gab keine Neuauflage jener erbitterten Parteikämpse, wie wir sie in früheren Jahren bei solchen Gelegenheiten erlebt haben. Der Kandidat der Sozialdemokratie wurde nur von denen bekämpft, die auch hier die Wut über ihre politische Einsluhlosigkeit nicht glaubten verbergen zu können. Gerade diese Tatsache lenkt aber wieder einmal den Blick auf die parteipolitisck)e Zusammensetzung des Magistrats und ihre Bedeutung für oll die großen und Ncinen Entscheidungen innerhalb unserer Reichshouptstadt. Man niog die Magistratsvcr- fassung für veraltet, für überholt ansehen— einstweilen besteht sie jedenfalls und wirkt sich in vollem Umfange innerhalb der städtischen Verwaltung aus. Wir vergessen nur zu leicht, daß der Magistrat eine selbständige Körperschaft ist, unabhängig vom Vertrauen des Stadtparlaments, daß jede Stadtrats- wähl auf voll« 12 Jahoe hinaus bindend ist und daß keine irgendwie geartete Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung dem so zu- sammengesetzten Magistrat ihren Willen aufzuzwingen vermag. Es liegt im freien Ermessen des Magistrats, welchen Beschlüssen der Aersammiung er beitreten, welch« er ablehnen will(wie umgekehrt natürlich die Versammlung nach ihrem Ermessen über Magistratsvorlagen entscheidet). Die stereotype Formel:„Auf Be- schluß beider städtischen Körperschaften" Hot auch heute noch keineswegs nur eine theoretische, sondern eine eminent praktische Bedeutung. Die parteipolitische Zusammensetzung des ZNagistrats ist daher nicht weniger wichtig als die der Stadtverordnctenvsr- ianimlung. Wir sagen mit Bewußtsein: parteipolitisch. Denn die Zeiten sind— glücklicherweise!— vorbei, in denen sich d:e Atachtonsprüche bürgerlicher Parteien hinter der angeblichen polili- ichen„Neutralität" des Magistrats verschanzen konnten. Ein« solche Neutralität hat es in Wahrheit niemals gegeben. Die So- zialdemokratie hat mit diesem innerlich unwahren Versteckspiel g e- brachen, sie sagt es frei heraus, daß für sie bei gleicher sachlicher Tüchtigkeit die politische Einstellung eines zu wählenden Mazistratsmitgliedes entscheidend ist— eben well der Aiogistrat in seiner Gesamtheit, unabhängig vom Ressort des einzelner'Mitgliedes, durch Mehrheitsbeschlüsse po- li tische Entscheidungen zu fällen hat, die durch eine,: Mehrheitsbeschluß der Stadtvcrordneteiwersmnmlung nicht zu korrigiere!� sind. Hinzu kommt, daß das einzelne Magistratsmitglied innerhalb seines Dezernats eine erhebliche Selbständig- keil besitzt, daß eine große Zahl sehr ei ns6>n erdender Maßnahmen ohne jede Befragung einer kollegialor Kärpenchast getroffen wer- den können und daß darüber hinaus ja auch schon das Recht einer weitgehenden Einflußnahme in sich schließt. Auch hier also ist die parteipolitische Einstellung des Dezernenten von weittragender Bedeutung. Es ist bekannt, daß die Sozialdemokratie bei den letzten Ergän- zungswahlcn zum Magistrat eine Zusannnsnsetzimg erreicht hat, die annähernd den Mehrheitsverhältnissen im Stadt- Parlament e e, t s p r i ch t. Allerdings stehei: sich im Magistrat die sozialdemokratischen und kommunistischen Mitglieder aus der einen Seite und die bürgerlichen auf der anderen nur mit gleicher Stim- menzahl gegenüber, während in der Versammlung bekanntlich die bürgerlichen Parteien nur etwa 45 Proz. der Stimmen besitzen. Die Uebcrtrazung d i« s e s. Mehrheitsvcrhältnisses auf den Magistrat war nicht möglich, weil die Kommunisten sich bisher be- harrlich geweigert haben, dem Haushalt der Stadt ihre Zustimmung zu geben:r:d damit sich selbst aus jeder praktischen kammunolpoli- tischen Zlrbeit im Interesse der werktätigen Bevölkerung a u s g e- schaltet haben. So besteht der Magistrat augenblicklich aus li bürgerlichen, 6 sozialdemokratischen besolde- ten Mitgliedern und 6 bürgerlichen, 4 sozialdemokratischen, 2 kommunistischen unbesoldeten Stadträten. Da es aber nicht nur auf die Zahl, soitden: auf die Bedeutung der einzelnen Aemter ankommt, so sei noch kurz die Dezernatsverteilueig innerhalb des Magistrats erörtert. In bürgerlichen Händen befindet sich außer dein Amt des Oberbürgermeisters die Berwol- tui:g der Finanzen(Stadtkämmerer Dr. Lang e). Beide Magi- stratsmitglieder gehören der Demokratischen Partei offiziell als Mit- glicdcr an. Weiterhin wird das Stadt medizinalomt von Dr. v. D r i g a l s k i, dos Tiefbau amt von Stadtbaurat Hahn verwaltet, deren Parteizugehörigkeit„offen" ist. Dem Zentrum gehört Dr. Adler an, dessen Tätigkeit sich jetzt in: wesentlichen auf Maschinentechnik m:d Flugverkehr beschränkt, nachdem das Berkchrz- dezernat in die Hände unseres Genossen Reuter übergegangen ist. Am weitesten rechts steht dar Bürzennsister S ch o l tz, oisizielles Mitgliod der Deutschen Volkspartei, dessen Wahl seinerzeit leider durch die hirnvcrbrowüe Taktik der Kommunisten ermöglicht wurde, weil sie aus keinen Fall einen: Sozialdemokvatei: ihre Stimme geben wollten. Zu allem Ueberfluß verwaltet der Bürgenneister auch noch das Wohlfahrtsdezernat, dos in allererster Linie doch i: die Hände eines Mannes oder einer Frau gehörte, denen die so- zialen Nöte unserer Bevölkerung aus eigener Erfahrung heraus ner- traut sind, die die Zusammenhänge zwischen sozialein Elend und un- sozialer Wirtschaftsordnung erkennen und in der Wohlfahrtspflege eine Aufgabe der Allgemeinheit, nicht der prinaten„Fürsorge" sehen. Damit ist die Zahl der bürgerlichen besoldete': Stadträte erschöpft. Die Sozialdemokratie hat als Gegengewicht die folgenden wichtigen Dezernate in der Hand. Das Syndikat und mit ihn: zugleich das General- dezernat der allgemeinen Verwaltung sowie der Beamten der Stadt verwaltet unser Genosse Lange. Das Hochbauamt liegt in den Händen des Genossen Dr. Wagner, das gesamte Schulwesen uillereht dem Genossen N y d a h l. Genösse Brühl hatte das Dezernat für alle Gewerbe- und Kranken- k o s s e n s a ch c n, für die Arbeiter uiü> Hilfskräfte der Stadt u:ll> für die Tarisoerträge. Berkehrsdezernent ist seit dem vorigen Jahre Genosse Reuter, Dezernent für dos Wohnungs- und SieMungswesen Genosse W u tz k y. Was alle diese sozialdemo- kratischen Stadträt« für die Stadt und insbesondere sür die Arbeiterschaft Berlins geleistet haben, findet je länger je mehr die Anerkennung der breitesten Massen der Bcvölkc- r u n g. Die unbesoldeten Stadträte werden bekanntlich nach dem Berhältniswahlsystem gewählt, so daß zurzeit 2 Deutschnatio- ua l e amtieren(Z a n g e m e i st e r und Frau Kaust« r), ein Bolksparteiler(Benecke), dessen verhängnisvolle Tätigkeit als Schulzedcrnent feit der Wahl des Genossen N y d a h l glücklicher- weise beendet ist, 1 Wirtschaftsparteiler bzw. einer, der es gewesen ist,(Busch) als Grundstücksdezerncnt, an dessen Amtsführung die Sozialdemokratie mehr als einmal berechtigte Kritik zu üb«': gezwungen war, 1 Demokrat(K a tz). Die bei- den Kommunisten(Dr. Ausländer und G o e b e l) verwal- tei: Dezernate von beschränkter Bedeutung. Bon unseren 4 Genas- sei:, die unbesoldete Stadträte sind, betreut Genosse A h r e n s in der stäl DONJEN" ßllt als das Land, uiweL- chem die, amerikanische TabakpfUmzo zuerst im Orient heimisch müde- Heben Um darf man auch die Distrikte um Samsoun, und Smyrna. als Zentren einer alienTabak Kultur nennen, wenn sie auch nicht die Bedeutung Maeedoniens erlangten- Als der Zigaretten- Konsum eine gewatiity Steigerung erfuhr, und der Weltbedarf an, Orienttabdc immer grösser wwzkrddäendiese Anbauflächen nicht mehrausWie bei andern edlen Katurproduklen,die der Menschheit zu einem Bedürfnis wurden- zum Beispiä beim Weinrso vollzog es sich auch hier Aus dem ursprünglichen Anbaugebiet ging man in die? Machbardistrikle, aus demLü des Hauptflusses in die HebentiMer. vom Festland auf die Insel Schliesslich überflutete die LcsungTabaJc-Ahb bau wie eine Welle alle benachbarten Länder- Nach dem Dunhsdmiit der letzten drei Jahre wurdenfolgenäe Tabakmengen produziert: üiGRIECHENLAtJD ßhrLdifO Millianen Kilo in der TÜRKEI Jährlich Aß Millionen Kilo inBUlJJAIUEHjähriich)! Millionen Kilr� Auf, ECHTEN AiACEWNEN-TABAfc-' dm Begriff möchten wir in der nächsten,' An2eige noch genauer erklären- eiitiallt'' heute nur etwa der sechste Teil der ge-* samten Orient-Ernte- Sein Preis liegt EIN DRITTEL und mehr über dem Durchschnitt des übrigen Orient-Tabaks- Es ist deshalb nicht verwunäerlich,wenn er im allgemeinen zu Konsum-Zigaretten nicht verarbeitet- wer? dm karuv- SCum ersten Mal gibt unsere OVERSTOLZ» auch dm Raucher der fPffrZigdrette die Gelegenheit, eine echte Macedonen-Misdmg zu erhalten- dBie starke Nachfrage, durcha welche erst die Vorbedingung für einen so hohen Tabak-Aufwand gegeben wurde,hat bewiesen, dass der Raucher die Qualität desMa.- cedonen-Tabaks erkamt hat und seine Vor* Züge zu würdigen versteht- deshalb möge er auch in Zukunft unkischä- den zwischen dem Sammel-Namcn Orient* und dem edlen Tabak aus Aiacedonien,- Danüt hat er sich einen wichtigen fachlichen Orunäbegriff zueityn gemacht- rnrourn h Infektionskrankheiten in Schulen. Maßnahmen zur Bekämpfung. Di« ansteckenden Krankheiten haben in Deutschland, namentlich in Berlin, unter der schulpflichtigen Jugend in letzter Zeit erheblich zugenommen. Die Diphtherie und der Scharlach sind es, die durch ihr häufiges Auftreten die Aufmerksamkeit erregen. Doch nicht nur die Zahl der Erkrankungsfälle ist gestiegen: als bedenklich und be- deutsam zugleich muß insbesondere die Tatsache hervorgehoben werden, daß schwere Diphtherieerkrankungen, die nur allzuoft und schnell tödlich verlaufen, sich erheblich gehäuft zeigen. Die Zahl der in Berlin gemeldeten Erkrankungen an Liph- thcrie betrug 2103 im Jahre 1S2?. 2482 im Jahr« 1926 und 5161 im Jahre 1927. Die Scharlacherkrankungen stiegen von 4156" im Jahre 1925 auf 6246 im Jahre 1926 und 8461 im Jahre 1927. Diese— absoluten— Zahlen sprechen ein« nur allzu deutliche Sprache. So wichtig sie sind, so dars man aber dennoch aus Grund eines rein zahlenmäßigen Vergleichs ihre Bedeutung auch nicht überschätzen. Die Struktur der Bevölkerung, ihr Altersaufbau, hat sich nämlich in den letzten Jahren gewaltig verändert. Dem Gc- blirtemiefstand der Kriegsjahr« sind die verhältnismäßig geburten- reichen Jähre 1919, 1920 und 1921 gefolgt: diese Geburtenjahrgänge sind aber in den Jahren 1925, 1926 und 1927 schulpflichtig geworden. In sehr treffender Weise konnte deshalb der Berliner Stadtschularzt Dr. Georg Wolfs in einen. Vortrage über ,.D i e BetSM- pfung der ansteckenden Krankheiten in den Schulen", den er kürzlich in dem Berliner Verein für Schul- gesundheitspflege hielt, darauf hinweisen, daß man sich nicht allzusehr zu wundern braucht, wenn dem Tiefstand der Infektionskrankheiten im Schulkindalter, wie er in Deutschland in den Jahren 1929 bis 1924 zu verzeichnen war,«in Zlnftieg in den letzten Jahren gefolgt ist. Die absolute Zahl derer, die für die Erkrankung in Frage kommen, ist heute viel größer als vor drei oder vier Jahren. Schorlach und Diphtherie find ober in besonderem Maße Erkrankungen des lind- lichen Alters, in hohem Grade„Schulkrankheite n". Man wird also hinsichtlich der weiteren Entwicklung dieser Seuchen nicht allzu schwarz zu urteilen brauchen: hat doch der neuerliche Geburten- rückgang, der schnell auf die geburtenreicheren Jahre 1919, 1929 und 1921 gefolgt ist. schon dafür gesorgt, daß die Jahrgänge d«r Schul« linder für die nächste Zeit nicht mehr allzu dicht werden. Aus diesen wichtigen Zusammenhängen kann man, wie Dr. Wolff mit Recht betonte, ohne weiteres ersehen, daß man sich mit den Problemen der Scuchcnlehre in zweckdienlicher Weis« nicht zu beschäftigen ver- mag, ohm sich«inen Einblick ln die Bevölterungszusammensetzung zu verschaffen, die seit Ausbruch des Krieges fo einschneidende Der- änderungen erfahren hat, wie nie zuvor. So interessant und fruchtbringend solche medizinalstatistischen Untersuchungen auch sein mögen, im Augenblick gilt«», den gegen- wältigen Berhältnisien Rechnung zu tragen und einen verstärkten Komps gegen di« Diphtherie- und Scharlocherkrankungen der Schul» kinder zu führen. In diesem Sinne ist die neue Verfügung des Ministers für V ol ks w o hlf a hr t, die sich mit der Seuchenbekämpfung in den Schulen beschäftigt, sehr zu begrüßen. Sie enthält eine Zusammenstellung oller An- Weisungen, die für den beamteten Arzt, insbesondere den Schularzt, auf diesem Gebiet« von Wichtigkeit sind. Di« Maßnahmen gegen Diphtherie und Schar- loch sind von besonderer Wichtigkeit. Aber auch der Bekam- pfung der Genickstarre, der Kinderlähmung, der Ruhr und des Typhus, der Masern und d«s Keuchhustens sind viel« Anweisungen gewidmet. Bei diesen Seuchen und«inigen selteneren infektiösen Krankheiten erstrecken sich die vor- beugenden Maßnahmen und der Sckyilausschluß auf das ertrankt« Kind und seine gesunden Geschwister, sowie sonstige schul- Pflichtige Hausangehörige. Bei Röteln. Windpocken uiü» Ziegenpeter wird im allgemeinen nur der Schulausschluß de» erkrankten Kindes für ein« bestimmte Zeit gefordert. Recht bedsut- sam sind auch die Maßnahmen, die dann getroffen werden sollen, wenn Schulkinder von Geschieckstskrankheiten oder ausgesprochenen „Schmutzerkrankungen" befallen werden. Di« Bestimmungen über di« Wiederzuiasiung erkrankt gewesener Schulkinder zum Schul- besuch sind verschärft worden. Weitere Anweisungen beziehen sich auf die Klassenschlteßungen. Die Waschgelegenheiten und die Bedürfnis- an st alten in den Schulhäuser n sind meist keines- wegs«auf der Höhe". Dr. Wolff wies deshalb mit«in- dringlichen Worten auf di« Stotwendigkcit hin, gerade auf diesem Gebiete Abhilfe zu schaffen und serner auch dafür zu sorgen, daß möglichst in ollen Schulen Duschräume angelegt werden. Ist doch das Schuldrauseboü ctnes der besten MittÄ der Erziehung zur Rein- lichkeit und damit einer der wirksamsten Helfer im Kampfe gegen die Seuchen, von denen unsere Schuljugend leider setzt so häufig befallen wird. Dr. A ls re d K or a ch. Hauptsache das Feuerlöschwesen. Schlicht« ng die Marke zusammen mit Dr. Treitel, dem außerdem da» Pressewesen untersteht, Genossin Wcyl die Iugcidwohlfahrt. * So sind also sowohl de» besoldeten wi« den ehrenamtlich täti- gen sozialdemokratischen Mitgliedern des Magistrats außer- o�r deutlich wichtige Aerwoltuiigszweige anvertraut. Sie dürfen für sich in Anspruch nehmen, daß sie d a s n e u« B° r- lin an führender Stelle gestaltet haben und daß sie — jeder auf seinem Gebiete— das Bestmöglicheim Jntcr- esse der Arbeiterschaft Berlins geleistet haben. Sie können getrost dem Tage entgegensehen, an dem sie das Geleistete vor der sozialdemokratischeu Wählerschaft unserer Stadt vertreten und verantworten dürfen. Woher der üble fluf öer Fürsorgeerziehung? 2Sor ein junger Mensch einmal in Fürsorgeerziehung, so haftet ihm die Bezeichnung„Fürsorgezögling" sein Leben lang an und bildet für ihn ein ganz bestimmtes Charakteristikum. Hat er das Unglück, später einmal mit dem Gericht in Konflikt zu kommen und ersährl man auf diese Weise, welch« Erstehung er genossen hat, so sagt gleich jeder Laie:„Natürlich, wieder einmal ein Fürsorge- Zögling!" Man setzt also bei einem Fürsorgezögling die kriminelle Veranlagung fast als selbstverständlich voraus. Und doch ist die Für- sorgcerziehung eine staatlich anerkannte und geförderte Einrichtung zum Wohl sittlich verwahrloster oder gefährdeter Kinder. Wi« tonnte es kommen, daß man eine staatliche Einrichtung so gründlich verkannte? Vieles wird klar, wenn man hört, daß ül>«r 90 Proz. oller Fürsorgcanstallen kirchliche Einrichtungen sind, von der Inneren Misston oder den katholischen Karitasverbänden ausgehend. Vielfach auch Stiftungen von Grasen, Herzögen usw., aber auch dann unter kirchlickwm Protektorat. Die überwiegende Anzahl sind groß« landwirtschaftliche Betriebe mit jugendlichen Arbeitskräften, die häusig über Gebühr ausgenutzt werden. Diese Anstalten umgaben sich nach außen mit dein Mantel der Wohltätigkeit. Außerdem zahlen die Städte bzw. Gemeinden pro Kind bis 2,59 Mari Pilegcgelder für den Tag. Cs ist also dann nicht mehr so schlimm mit der Wohl- tätigkeit Das Anstaltspersonal hcu bei sehr niedrigem Gelmlt täglich 12 Stunden und mehr Dienst. Es arbeitet für„Gotteslohn". Bei den Katholiken ist das wortwörtlich zu Nehmen» denn deren Erziehungs- Heime werden von Ordrnsleuten geleitet. Es gibt da noch Häuser. in denen die Zöglinge und deren Besuch durch ein Holzgittcr vonein- ander getrennt sind. Also nicht viel anders als im Gefängnis. Zwölsmal am Tag wird gebetet.(Die Zahl stimmt genau, als Minimuni.) Kein Bissen, kein Schluck ohne Gebet. Religiös« Er- Ziehung ist oberstes Prinzip. Es ist keinem zu cmpfelsien. sich dagegen aufzulehnen, denn Gott läßt dort nicht mit sich spaßen. Die Leiter der evangelischen Fürsorgean st alten sind Dia tone. Was find das für Herren? Alle sind treue Abonnenten des„Reichsbotcn". Wer dieses Blatt auch nur einmal gelesen hat, der weiß genau, was ma» sich unter einem Diaton vorzustellen hat. Keiner ke n n t die Bibel so gut wie sie, sie sind bewandert in Ackerbau und Viehzucht und „gebe n" Religionsunterricht. Wer hat sich bisher für die pädagogische Ausbildung dieser„Pädagogen" interessiert? Niemand! Erst in letzter Zeit lämpst der„Verein preuß'icher Anstaltslehrcr" erbittert gegen das Untcrrichtsprivileg dieser„Lehrer". Heute muß jeder Lehrer, der normale Kinder unterrichten will, die A k o d e in i e l>esuch«n. In den Fursorgeanstalten sind Menschen mit kranken Seelen, moralischen Defekten und' schwachem Geist. Rur höchst- qualifiziert« Lchrkräste mit umfaisendenl psychologischem Wissen dürften Erzieher und Lehrer von Fürsorgezögling«! sein. Wie sieht es aber in Wirtlichkeit aus? In sogenannte» Brüderhäusern nehmen dies« Diakon« an pädogogischon Kursen teil, lernen etwas Gc- schichte der Pädagogik und gehe» einen psychologischen Leitfaden durch. So ousgerusiet legen sie die Prüfung„pro loco" ob, d. h. aus Grund dieser Prüfling sind sie berechtigt, an«Ueg?tnstotten der Inneren Mission den Schuluntcricht zu erteilen. Und das gibt es noch im Zeitalter der Psychoanolys«. Bor Gericht aber übergibt man den schuldig gewordenen Menschen dem Psychiater. Dieser bestimmt dann die Diagnose, d. h. er stellt im Grunde genoniincn fest, daß es zu spät ist. In die Anstalten gehören als Erzieher Menschen, die den seelischen Krankheitsverlaus im voraus erkennen und nach helfen können. Es hat gar keinen Zweck und es wäre ungerecht, auf die Diaköne zu schimpfen. Sie erfüllen, soweit sie dazu imstande sind. ihre Pflicht, �lnser Kampf kann sich nur gegen das System richten und gegen jene, die cs schützen. Ist c» nicht erschütternd, wenn man in einem Gerichtsbericht liest, daß ei» 29jährig«r Mensch den Richter flehentlich bat, van einer Bewährnngssrist abzusehen und ihn lieber sechs Monate Gefängnis absitzen zu lassen, aber ihn nicht in die Fürsorge zurückzuschicken. Die Kirchen aber stellen ihre An- stalten unter Leitungen, di« vielfach nicht dazu befähigt sind. In ihrer Hilflosigkeit entstehen furchtbare Mißgriffe und durch falsche Behandlung wird den Zöglingen das Leben zur 5?ölle gemocht. Cs muß aber an dieser Stelle daran gedacht werden, daß es auch andere Fürsorgconstalten gibt. Häuser, zu denen entlassene Zöglinge wieder zurückkehren und um Zlufnohm« bitten. Es sind die staatlichen Erziehungsheime. Sie unterscheiden sich innerlich und äußerlich und vor allem in der Qualität des Lehr- und Erzieherpersonals ganz erheblich von den sogenannte»„Privat- anstalten". Staat u»d K o m in u n« n sind eifrig bemüht, eigen« Häuser zu errichten und durch Zurückziehung der Zöglinge den rückständigsten„Priootanstalten" dos Lebenslicht auszublasen. Doch die Geldfrage verlangsamt leider diese Entwicklung. Kreisversammlung in Charlottenburg. Bor kurzem tagte in der Schitle Schillerstrahe 26 di« diesjährige 1. Kreisvcrtreterversammlung de» Kreise» Eharlottenburg. Die Der- sanmreUen. waren im Hinblick aus die Wahlen von frischem. frohem Kampfgeist erfüllt. In wormempsündencn Worten gedachte der Vorsitzende Genosse Wktk der erstorbenen Genossen des letzten Geichäjtsjohres. In kurzen Darlegungen gab er dann einen Uebcrblick über die Versammlungstätigkeit des letzten Jahres. Die Werbung»euer Mitglieder machte gute Fortschritte, Genosse Hammer gab den Bericht über die Jugend-, Bildungs- und Zeitungskommission. Die Arbeiterjugend hat sich ein zweites Heim geschaffen, ein Zeichen, daß es auch hier vorwärts geht. Die B i l d u» g s ko m m i s f i o n hat Bibliothek und Lesesaal neu eingerichtet und durch Kurs« und Borträge ihre Pflicht erfüllt. Fort- schritt ist in der Ktnderfreundebeweguiig zu oerzeichiun, ebenso in der Zeitungskommission. lieber die Arbeit der Preß- k o m m i s s i o n berichtete Genosse B e i d l e r. Viele Anregungen' und Anträge aus den Mitgliederkreisen gaben der Preßkommisfion eine reiche Arbeit. Genosse K a w e r a u gab den Bericht über die Tätigkeit der Bczirtsverordnetcn. 16 Genossen unter 98 Bürgerlichen und Kommunistcu können nicht viel erreichen. Aus j dem Bericht ging hervor, daß trotzdem die Rathausfraktion mit Eifer und Energie vieles für die arbeitende Bevölkerung durchgesetzt hat. Die Neuwahlen ergaben, daß der bisherige Krcisoorstand mit Ergänzungen wiedergewählt wurde. 1. Vorsitzender Genosse A. Will, 2. Vorsitzender P. Hammer, Kassierer Seifert und Iainz, Schrtftsuhrer H e i d r i ch und Frau Rub«kohl. Frauen- leiterin Frau S ch c n k a l o w s k i. In der Diskussion wurde der Meinung Ausdruck gegeben, daß eine Kandidatur Noske nicht er- Iroglich fei. Ferner wurde beschloiien, in bestimmte» Zeitabständc.i im„Borwärts" die Verkehrslokole der Partei zu veröffentlichen. Mit einem Hoch auf die Partei wurde die Versammlung geschlossen. Aus den Bezirken. Z. Bezirk— Wedding. Di« letzte Bezirksverseumnlung erledigte.zuerst We Wahl ihres Vorstandes. Nicht nach ixr Anregung der Kommu- nisten, dos Bureau nur mit Kommunisten und Sozialdemokraten zu besetzon. sondern noch der Stärke der einzelnen Bezirksiraktionen. wie es ebenfalls in der Stadtverordnetenversammlung üblich ist. Die KPD. lehnte es ab,«ine Wahl nach dem Berhältinssystem mitzumachen und blieb demzufolge mit ihren Demonstootionskandidaten iadesmal in der Minderheit, so daß der Vorstand i in lausen- den Jahr« ohne Kommunisten ist. Vorsteher wurde Genosse B r o l a t, außerdsm erhielt die SPD. dreiwcitereSitzo im Vorstand. Darauf wurde erneut zu dein Bezirkshaushalt 1928 Stellung genommen und allseitig bedauert� daß besonders auf dem Gebiete Iugendwohlfahrt. Sozialhygiene äußerst bedauerlich« Abstreichungcn von der Zentrale norgenammen worden seien. Ein« entsprechende Entschließung fand einstimmige Annahme. oroß�lf�ÄliiS für unsere ober i'u Bullen • mij] mlichfeo* Bis Donners fag den£5. Februar» vcrobfolcjcn wir» jpr aufjede« Pfiind �dieser Spezial Serien"n ein Pfund Zuclier Kaffee über 150 eigene Läden in Groß- Berlin Nr. 81» 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freitag. 17. Februar 1928 Abrechnung mit der Volkspartei. Innenminister Grzesinskimber die Politik der Preußenregierung. Der Preußische Landtag setzte in seiner Sitzung vom Donnerstag die Beratung des Etats des Ministeriums des Innern fort. Abg. Dr. v. Eyaern(D. Bp.): Die Rede des Ministers Erzcsinski auf dem Preußentag der Sozialdemokratie reigle in der Pcrsonalpolitik das nackte Machtstreben seiner Partei. Die Flaggenverordnung hat brutal in die Selbstverwaltung der Gemeinden eingegriffen. Jetzt wollen die Koalitionsparteien den Gemeinden gar noch vorschreiben, wie sie Straßen und Plätze zu beflaggen haben. Die Freiheit der Beamten wird ver- fassungswidrig beschränkt, so hol man ihnen verboten, in den Aus- y fchuß für das Schlageter- Denk mal einzutreten. Dabei tut ' dem deutschen Volke nichts mehr not, als Nationalhelden aus Deutschlands schlimmster Zeit, der Nachkriegszeit, Nationolhelden von der Art Schlageters zur Erhebung und Kräftigung der teut- sehen Nation.(Lebhafter Beifall rechts. Lachen und Unruhe links.) Innenminister GrzesinSki: Alle hier im chausc vorgebrachten Beschwerden sind bereits einmal im chouptaisschuß vorgetragen worden. Soweit sie be- rcchtizt waren, sind sie längst abgestellt. Aber mein Verbot an die Slaatsbeomten, dem Schlageier-Ausschuß beizutreten, bleibt bestehen.(Bravo! links.) Ich bin ja nicht daran schuld, daß selbst an sich berechtigte und vertretbare Empfindungen von gewissen Kreisen stets ins v ö l k i s ch- n a t i o n a l i st i s ch e Fahr« wa s s« r geleitet werden. Heute sind die Schlageter-Ausschüsse jedenfalls einseitig rechtsradikal, ein Sammelbecken aller derer, die den heutigen Staat auch mit Gewalt stürzen wollen. (Sehr wahr links, große Unruhe und lauter Widerspruch rechts.) In diesen Kreisen haben die politischen Beamten des Freiswates Preußen nichts zu suchen.(Bravo! links, große Unruhe rechts.) Ich werde die preußischen Beamten nicht der Gefahr aussetzen, daß es ihnen ergeht, wie dem Regierungspräsidenten von Düsseldorf im Jahre 1923, als er am Sarge Schlageters einen Kian,z mit schwarzrotgoldener Schleife niederlegen ließ und ihn mit den Worten zurückbekam: „Annahme verweigert. Zur Verwendung beim Ve- gräbnis der dentschjiidischen Republik« In wonniger (Erwartung des Tages.— Ter Denkmalsausschuß." (Lebhaftes Hört! hört! links) Die meisten preußischen Beamten haben übrigens Dokt genug gehabt, schon vor meinem Erlaß jede Berührung mit diesen Kreisen abzulehnen. Wenn mm die Rechts- Parteien darüber klagen, auf die preußischen Beamten werde ein unerhörter Druck ausgeübt, so finde ich das einfach komisch. (Unruhe rechts.) Die Beamten haben jetzt volle Koalitionsfreiheit und volle Freiheit der politischen Bctätigckng. Aber wie sah es im alten konservativen Staat aus? Das M i n i st e r i u m Bismarck hat im Jahre 1873 zwei Landräic zur Disposition gestellt, weil preußische politische Beamte als Ab- geordnete nicht wichtige Vorlagen der Regierung bekämpfen dürften. Den gleichen Grundsatz hat ein« Botschaft Wilhelm l. und ein Beschluß des Staatsministeriums vom 31. August 18W aus- gestellt: der Diensteid der Beamten verpflichte sie zur Unterstützung der Regierung, auch bei den Wahlen.(Hört! hört! links.) Noch im Jahre IBIS ist Regierungsrat Bartels von einer Beförderung ausgeschlossen worden, weil er sich bei den Neichstagswahleu zu weit nach links vor- gewagt hatte— er hatte nationalliberal gewählt. (Große Heiterkeit! links.) Bei dieser Sachlage sollten die Deutschnotionalcn von politischer Bedrückung der preußischen Beamten lieber nicht reden. Die Herren der Rechtsparteien werfen mir Uebergriff« gegen die Selbstverwaltung vor. Auf der anderen Seite machen sie mich für die sogenannte Luxusausgaben der Städte ver- antwortlich und fordern Uebergrisse gegen die Selbstverwaltung. Die Beschwerde des Abgeordneten v. Eynsrn gegen die Flaggen.- Notverordnung verstehe ich nicht. Die Notverordnung ist nur die wörtliche Wiederholung eines Erlasses, dem im Zahre 1922 die volkcparlellichen Minister von Richter und Bölitz zugestimmt haben. (Stürmischer Widerspruch rechts, insbesondere des Äbg v. Richter.) Der Erlaß von 1S22 sprach auch einen Zwang gegen die Gemeinden aus. Bei Berfassungsfeierii und anderen amtlichen Anläsien die Reichsfahne zu zeigen.(Erneuter lebhafter Widerspruch rechts.) Uebrigens wäre das in der ganzen Welt eine Selbstverständlichkeit: nur deutschnationolc Kreise besitzen die Schainlosigkeit, zur Nichtachtung der deutschen Reichssarben aufzureizen.(Stürmischer Bei- fall links, großer Lärm rechts.) 5)err v. E y n e r n hat die Hauptschuld an den Kom'likten mit dem Reich Preußen zugeschrieben. Will er das im Fall Luther oder im Fall der steuerlichen Sonderbegünstigung Bayerns wirklich aufrechterhalten? Ich höre aus diesen Lor- würfen nur die Wut der Rechtsparteien heraus, daß auch ihr Eintritt in die Reichsregierung ihnen keinerlei Einfluß auf die preußische Staatsvegierung verschafft hat.(-sehr gut! links.) Wir werden ganz ruhig abwarten, ob nach dieser kurzfristigen Rechts- regicruag lm Reich die Reuwahlen diesen Herrschaften ein Wieder- kommen ermöglichen.(Bravol links, llnruhe rechts.) Meine Perlonolpolitik ist durchaus loyal und objektiv. (Lochen rechts.) Die Beamten des neuen Bolksstaates bedürfen vor ollem des Vertrauens der Bevölkerung. Der alte Staat Hot nicht nur die Arbeiterschaft, sondern auch dos liberale und katholische Bürgertum von der Verwaltung ausgeschlossen. In den Kreisen mit Rcchtsinehrheit wird mir auch der sachlichst geeigneteste Demo- krct oder Sozialdemokrat als Landrat abgelehnt. Danach sind die Deutschnationalen die Letzten, die mir den Vorwurf parteipolitischer Auswahl ter Beamten machen dürsten.(Sehr gut! links.) Gerade aus der Statistik, die ich aus dem Preußentag oerlesen habe, geht hervor, daß der Anlell der Deutschen Voltspartet an der politischen Beamtenschaft ganz unverhältnismäßig groß ist. Wenn die Voltspartei aber jetzt nicht einmal mehr die Neichsfahne geachtet sehen will, kann das unsere Neigung nicht verstärken, die Deutsche Volkspartei je wieder in der Preußische« Negierung zu sehen. (Große Bewegung, lebhafter Beifall links.) Im Fall Claas hat dos Reichsgericht ausdrücklich ausgc- sprochcn, fosz der Verdacht des Hochverrates bestehen bleibe. Dos Reichsgericht hat insbesondere festgestellt: daß Claas den General o.©eett für ein hochverräterisches Unternehmen ver- geblich.zu gewinnen versucht hat. Das Borgehen der Polizei war daher durchaus berechtigt.(Lärm rechts.) Im Gegensatz zu den Rednern der Rechtsparteien, ist es mir mit der Auflösung der Gutsbezirke eilig, und glücklicherweise entscheidet darüber end- gültig das Staatsministerium, und nicht der Wille der Rechts- Parteien. lBraro links.) Zum Schluß verlese Ich die Flaggcnver» ordnung, die im Jahre 1922 die Zustimmung der damaligen Minister n. Ricbter und Dölitz gefunden hat. Nach einer Einleitung, in der ausgeführt wird, daß alle, die das Daterland ehrlich lieben und an seiner Mederaufrtchtung ehrlich mitarbeiten wollen, die Reichsflagge ackten müssen, fahrt der Erlaß fort: ,/ks wird daher angeordnet, daß sämtliche Gemeindegebäude am 11. August in den Reichsfarbcn i zu flaggen haben." Wenn jetzt die Lolksparteiler noch bestreiten: daß sie in genau derselben Weise in die Selbstverwaltung einqe- griffen haben wie die Notverordnung, dann sind die Herren um ihr« Eisenstirnigkeit nicht zu beneiden.(Lebhafter Beifall links, an- dauernde Unruhe rechts.) Abg. Schwenk-Berlin(Komm.) führt Klage über die Nichtbe- stätigung kommunistischer Gemeindevorsteher durch einzelne Regierungspräsidenten. Der sozialdemokratische Minister sichere in Wahr- heit nur die Hertschast der Bourgeoisie und Reaktion.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Grzimik(Dem.): Nach den Proben der Pcrsonalpolitik, welche die Deutschnationalen im Reiche gegeben haben, sollten sie von diesem Kapitel schweigen. Der Gedanke des Einheitsstaates marschiert, auch wenn dos Zentrum mit Rücksicht auf die Bayerische Volkspartei abgeschwenkt ist. Der radikalste Unitarist ist jedenfalls der Zentrumsminister Dr. Brauns mit seiner Reichsarbeitsoerwol- tung.(Sehr wahr! links.) Regierunxsrat Faust beantwortet im Austrage des Ministers die große Anfrage der Sozialdemokraten über das Eindringen des RWE. ins Saorrevier. Geschäftliche Gesichtspunkte dürsten nicht ausschlaggebend sein, das RWE. dürfe sih seiner nationalen Verantwortlichkeit nicht entziehen. Abg. Zordan(Wirtschaftsv.): Wir lehnen den Einheitsstaat ent- schieden ab. Wir wollen im Gegenteil die StrucrboKeit der Länder wieder herstellen. Im übrigen verlangen wir völlige Aufhebung der Polizeistunde. Abg. voß(Volk.): Die Rede des Ministers gegen Schlageter hat uns empört.(Zuruf links: Aber völkische Schweinehunde haben ihn verraten!) Das Ministerium des Innern ist total verjudet. Abg. Biester(D. Honnov.): Hannover war im allen und im neuen Preußen zurückgesetzt. Ministerialdirektor Dr. v. Leyden erklärt, daß die Sonder- fonds in der Branden burgischen Vrovinziglver- w a l t u n g e t a t w i d r i g seien: aber für strafbaren Eigennutz habe sich kein Anhalt ergeben. Abg. Steuer(Dnat.) verlangt Eingveisen des Ministers gegen die unerhörte Karruption in der Stadtverwallung van Berlin. Die Demokraten sollten nibt so viel von Republik reden: die Kaiser- geburtstogsreden von Koch-Wcser seien ein in poetische Form zu- sammengedrängter Schrei noch dem Kroncnordcn gewesen Die weitere Debatte wird aus Freitag mittag 12 Uhr vertagt._. Siedlung und Landflucht. Die Agrardebatte im Reichstag. Im Reichstag richtete Abg. Stoecker(Komm.) vor Eintritt in die Tagesordnung an das Haus die Frage, oh dieser Reichstag noch sortbeftcycn oder ob er gleich ausgelöst werden solle. Wir fordern die BeratMig unsere» Antrag», der die Auslösung des Reichstags verlangt. r Gegen die sofortige Beratung des Antrags wird aus der Bayer. Bolkspartei Widerspruch erhoben, so daß der Antrag heute nicht auf die Tagesordnung gesetzt werden tonn. Di« zweite Beratung des Haushalts des Relchsarbcitsministe- riums wird fortgesetzt beim Käpitel Wohnungs- und Sied- l u n g s w e s e n. Abg. vülow(Soz.) beantragt die Einstellung von ä Millionen in den Etat zur Förderung der Landorbeiterlirdlung für Zinsoer- billigung bei"Ausnahme von Baudarlehen. Cr stimmt der vom Siedlungsausichuß eingebrachten Entschließung zu, die staatliche Förderung der Siedlung verlangt. In einer sozialdemokratischen Entschließung wird eine F r o ch t v e r b i l l i a u n g für die für Sicdlerbauten bestimmten Baumaterialien gesoroert. Die Wirtschast nieler staatlich subventionierter Siedlnngsgesellschaiten sei unter aller Kritik. Hier müsse eine strengere Aussicht einsetzen. Abg. Jäcker(Soz.) kritisiert die Löhne der Landarbeiter, die viel zu niedrig seien Auch die Mißhandlung von Landarbeitern komme noch oft genug vor. Der Redner fordert in einer Entschließung Maßnahmen, um der Landflucht der Landarbeiter und ihrer Ver- drängung durch ausländische Wonderarbeiter mittels Verbesserung der Lohn-, Wohnungs- und Arbeitsverhältnisse für die einheimische Landorbeiterschast entgegenzuwirken. Abg. Leck-Oppeln(Ztr.) begründet Entschließungen, in denen verlangt wird, daß die subventionierten Siedl ungs- g e s e l l s ch o s t e n bis zum 1. Juli eine genaue Geschäfts- Übersicht für dos obgelousene Kalenderjahr vorlegen. Aus die Länder soll dahin eingewirkt werden, daß sie ihre Siedlungstredite zu den gleichen Bedingungen gewähren wie die Reichskredite. Abg. Westermann(D. Vp.): Mit Krediten allein könne die Siedlung nicht gefördert werden, denn die auf der Landwirtschaft im allgemeinen liegende Zinsenlast drücke noch in stärkerem Maße die Siedler. Den Siedlern mühten 90 proz. des Kapitals zinslos gegeben werden. Ein dcutschnntionales Geständnis. Abg. Vehrens(Dntl.) wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. Iäcker. die viele llebertrcibungen enthallen hätten. Gewiß seien viele candarbeilerwohnungen in sehr schlechtem Zustand: ober die Schuld daran trage zum großen Teil die preußische Regierung,-/!!) die niemals ausreichende Mittel für den Wohnungs- bau auf dem Lande zur Verfügung gestellt habe. Die Verbesserung der Londarbeiterwohnungen werde erst möglich sein, wenn die Wirtschaftlichkeit des Landwirtschaftsbetriebes gesichert wird. Abg. putz(Komm.» erklärte, die sozialdemokratischen Ver- besscrungsonlräge seien nicht ernst zu nehmen, denn dir unter dem maßgebenden sozialdemokratischen Einfluß stehende preußische Regierung habe auch keine befriedigende Siedlungspolitik getrieben. Abg. Weyer-Hannover(W. Vgg.) wünscht' die Unterstellung des Siedlungswesens unler die Zuständigkeit des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Am besten gehe es vorgn in den kleineren Ländern, während das große Preußen bisher wenig Erfolge erzielt habe. Abg. Giese(Dntl.) führt aus, die ausländ ischenWander- arbeiter seien solange nicht zu entbehren, wie die beut- scheu Arbeiter in ihrer Mehrheit die Landarbeit meiden. Präsident Löbe schlägt um 17 Uhr vor. die Weiterberatung auf Freitag. 12 Uhr. zu vertagen. Abg. Skoecker(Komm.) beantragt, aus die Tagesordnung der Freilagsigung den kommunistischen Antrag zweck, Auslösung des Reichstags zu setzen. Gegen die Stimmen der Zkommunisten und Nationalsozialisten wird der tommunistifche Antrag abgelehnt vnd der Vorschlag des Präsidenten angenommen. Rückgang der Gaisonarbeiislosigkeii. Sie Arbeitslosigkeit in den Gewerkschaften. Nach den Ermittlungen des Allgemeinen Deutschen Gewerk, schofisbundes stellte sich Ende Januar 1928 bei 19 2S9 berichtenden Zweigvereinen(im Dezember 19 985) mit 3 836 898 Mitgliedern (3 747 913), die Zahl der Arbeitslosen aus 437 442(484 592) oder im Prozenten der Mitgliederzahl aus 11,4(12,9) und der Kurzarbeiter auf 133 338(112 618) bzw. 3L Proz.(3,9). Die höchsten Prozentziffern der Arbeitslosenzahl(in Prozenten der Mitgliederzahl) sind festzustellen bei: Dachdeckern 56,8 (66,1), Zimmerern 49,9(35.2), Baugewerksbund 36,8 (52,7), Steinarbeitern 29,5(32,9), Malern 31,3(31,4), Gärtnern 28,5(33,8), Hutarbeitern 23,3(39,0), Sattler, Tapezierer und Portefeuillern 17,2(15,2), Fleischern 16,5(17,6), Bekleidungsarbeitern 15,9(15,3). Bei den Kurzarbeitern erreichen die Höchstzissern: Schuhmacher mit 19,8(26,6), Hutarbeiter mit 13,7(16,3), Bekleidungsarbeiter mit 12,1(10,7), Sattler, Tapezierer und Portefeuiller 11,4 (8,2), Lederarbeiter 10,3(6,1). Nachstehende Tabelle gibt eine Uebersicht über die Gestaltung der Arbeitsmorktloge hinsichtlich der Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit seit Anfang 1927 nach den Ermittlungen de- ADGB. in den ihm angeschlossenen Gewerkschaften. „. Arbeitslose Kurzarbeiter w P. oz. in Proz. Februar 1927 15,9 5,7 Mörz......... 11,8 4,3 April......... 9,0 3,6 Mai.......... 7,1 2,8 Juni........ 6,4 2,6 Juli.......... 5,6 2,6 August......... 5,1 2,8 September 4,7 2,4 Oktober........ 4,6 2,9 November........ 7,6 2,1 Dezember........ 12,9 3,0 Januar 1928....... 11,4 3,5 Aus diesen Zahlen geht klar hervor, daß die starke Arbeits- losigtcit Saison charakter trägt und mit dem Nachlassen des Frostes ganz automatisch zurückgeht. Daneben besteht aller- dings in einigen Beruse» eine anormal hohe und hartnäckige Ar- beitslosigkeit, vornehmlich in der B e k l e i d u n g s i n d u st r> c, was zurückzutührcn ist aus die Auswirkung der Saifonarbeitslosig- keit, die Nationalisierung und das Zurückbleiben der Kauskraft gegen- über der Produktivität. Besonders die letztere Tatsache zeigt, wohin die Unternehmer steuern, wenn sie sich dagegen wehren, daß die Löhne auch der gesteigertm Produktivität angepaßt werden. Generalversammlung der Schuhmacher. Die Berliner Schuhmacher hatten am Donnerstag im Gewerk, schastshaus ihre ordentliche Iohrezgeneralverfammluna. Der Beuoll- möchtigte H ö r tz erläuterte den gedruckt vorgelegten Bericht für dos Geschäftsjahr 1927 unter besonderer Berücksichtigung der einzelnen- Branchen. Aus dein Gelchäjtsbericht ist zu entnehmen, daß an dem all- gemeinen wirtschaftlichen Aufschwung auch hie deutsche Schuhindustrie Anteil hafte, was am deutlichsten aus den Zahlen über die A r- b e i t s l o s e n hervorgeht. Während am 15. Januar des Vorjahres in der Berliner Schuhindustrie noch insgesamt 2514 Arbeiter und Arbeiterinnen erwerbslos waren gegenüber 3717 am gleichen Termin des Jahres 1926, sank diese Zahl bis zum 15. Juni aui 1331 gegen- über 2999 im Jahre 1926. Aon diesem Zeitpunkt ab stieg die Zahl der Arbeitslosen aber wieder aus 1628 bis zum 15. September 1927 und dann sogar bis auf 22:54 am 15. Dezember. Dabei muß jedoch berücksichtigt werden, daß ein großer Teil dieser Arbeitslosen zeft- weise bis zu 899 aus die Handwerksbetriebe entfielen. Immerhin sind diese Zahlen sehr hoch, wenn man bedenkt, daß in den Fabrikbetrieben durchschnittlich etwa 5599 Beschäftigte vorhanden sind und in den Handwerksbetrieben rund 1499, insgesamt also etwa 6999 Arbeiter und Arbeiterinnen. Neu ausgenommen wurden im Berichtsjahr 1913 Arbeiter und 922 Arbeiterinnen, mithin insgesamt 1935. Leider war die Fluktua- tio» in der Mitgliederbeivegung wieder sehr groß, so daß die Orts- Verwaltung am Jahresschluß 1927 nur 52 Mitglieder mehr buchen konnte als am Jahresschluß 1926. Die Berliner Zahlstelle hatte am Schluß des Berichtsjahres 2439 männlich« und 1231 weibliche Mitglieder, zusammen also 3661. Gut entwickelt haben sich die K a s s e n v e r h ä l t n i s s e. Der Bestand der Lokaltafse hob sich von 9974,66 M. am Jahresschluß 1926 aus 17 798,75 M. bis zum Schluß des Berichtsjahres, alja um 7824,09 Mark. Die Zahl der Beiträge ausschließlich der Beiträge der Arbeits- losen ist gegenüber 1926 um 27 397 oder 26,1 Prozent gestiegen. Der Geschäftsbericht wurde ohne Diskussion entgegengenommen. Im Anschluß daran wurden die Neuwahlen der Ortsverwal- tungsmitglieder vorgenommen, die alle Jahre zu wühlen sind. Achtung. Bauarbeiter? Di« Baustelle des Telegrophentechnischen Reichs- amtes in Berlin-Iempelhof, Schönebergcr Straße 11— 15, ist für die organisierte Bouorbeiterschast gc- sperrt. Die örtliche Bauleitung des Teleqrophen-Reichsamtes hat den dort beschäftigten Bauarbeitern den Zutritt zur Baustelle untersagt, solange diese nicht eine von ihr einseitig aufgesetzt« Hausordnung durch Unterschrift anerkennen. Unsere Kollegen haben diese Unterschrift mit Recht verweigert, da sie sämtlich unter eine von ihren Firmen ausgemachte Arbeilsordnung sollen. Wir fordern unsere Kollegen auf, Arbeit dorr nur anzunehmen, wenn auch den anderen Kollegen die Weiterarbeit ohne Auer- kennung dieser einseitig sestgesetzten Hausordnung gestattet wird Deutscher Baugewerksbund, Bougewerkschosl Berlin. Bergarbeiterentlassungen im Saargebiet. Aus Saarbrücken wird gemeldet: Die französischen Berg- Werksdirektionen hoben mit den angekündigten M a s s e n e n t- l a s s u n g e n von Berga rbciteni bereits begonnen. Auf der Grube„L eisen" wurde eine Anzahl Arbeiter mit einer Schicht- Vergütung fristlos entlassen. Auf der Grube„Hostenbach" wurde den Bergleuten, die im Alter von 54 bis 62 Iahren stehen, gekündigt. Man spricht sogar von einer Stillegung dieser Grube. Streik bei der schwedischen Marine. Die seit längerer Zeit schwebenden Lohnverhandlungen des zivilen Marinapersonals bei der schwedischen Marine sind gescheitert. Die Arbeiter forderten eine Lphnerhöhung von 15 Proz. Der Kon- flikt umfaßt insgesamt 2399 Mann Zndustriekonjunttmv Bankgewinne Miieldeuische Crediibank- gleiches Personal bei um 40proz. größerem Geschäst. Seit dem 13. Mai mar das Börsengeschäft der Banken schlecht. Um so stärker aber Hai sich durch die ständig loachsendc bis.;um Jahresschluß fortdauernde große Konjunktur der Industrie das Kredit' und Finanzgeschäft entwickelt. Die' Gewinne der Banken sind zwar nicht ganz so groß, wie wenn auch das Börsengeschäft fortgedauert hätte, aber weil die Banken bei erheblich vergrößerten Umsätzen die Mechanisierung des Bank- betriebes weiter gefördert und dem im allgemeinen eher verringerten als vermehrten Personal die mit den größeren Umsätzen verbundene Mehrarbeit zugemutet hoben, sind auch die Gewinnzisfern der Banken außerordentlich günstig geblieben. Diesen Eindruck bestätigt auch der Abschluß der Mitteldeutschen Ercditbank, die zwar als die kleinste der Berliner Großbanken gilt, die aber im vergangenen Jahre ein« ganz überraschend starke Ausweitung ihres Geschäftes erfahren hat. Der Gesamtumsatz der Mitteldeutschen Creditbank ist von 11.8 auf Iä,Ö Milliarden oder um 2K Proz., die Bilanzsumme ist von 138,3 auf 214,1 Millionen oder um 36 Proz. gestiegen. Die Summ« der von der Mitteldeutschen Creditbank in das Geschäft hereingc- nommenen Kreditorengelder Hot sich von 127,8 auf 179,3 Millionen erhöht oder um nicht weniger als 41 Proz. Damit ist der Kreditorenbestand der Vorkriegszeit(rund 131 Millionen) ganz be- deutend übertroffen worden, was bei der Mitteldeutschen Creditbank deshalb etwas Besonderes bedeutet, weil sie im Gegensatz zu den anderen Berliner Großbanken, abgesehen von der Berliner Handels- gesellschoft, seit der Vorkriegszeit keine Fusionen vorgenommen hat. Entsprechend der bedeutenden Vergrößerung der der Bant zur Verfügung stehenden fremden Mittel ist auch die Anlag« des Geldes in eigenen Geschäften gestiegen. Der Wechselbe st and, vor- wiegend Iiilandswechsel, ist von 22,9 auf 29,8 Millionen, die Summe der auf laufendes Konto gewährten Kredite sogar von 66,2 auf 99,2 Millionen erhöht. Verhältnismäßig stark ist die Bank im Börsengeschäft geblieben, bei welchem die Darlehen von 29,6 auf immerhin rund 16,2 Millionen gesunken sind. Bei dieser außer- ordentlichen günstigen Entwicklung der Geschäfte kann die nicht unerhebliche Steigerung der Gewinne nicht überraschen. Aus Zinsen und Provisionen werden 8,26 geg«n 7,52 Millionen Mark ausgewiesen. Der gesamte Rohgewinn hat sich von 8,79 aus 9,19 Millionen erhöht. Die Gehälter und Geschäfts- Unkosten sind nur leicht von 5,94 auf 6,25 Millionen, die Steuern von 1,96 aus 1,12 Millionen erhöht. In beiden Fällen bei weitem keine die Gcschäftsausdehnüng erreichende Steigerung. Statt 1.79 Millionen im Vorjahr wird ein Reingewinn von 1,82 Millionen ausgewiesen, der natürlich auch hier über die tatsächlichen Gewinne nichts aussogen kann, weil eine ungeschriebene Verein- barung der Banken dieselbe Dividende zu verteilen gebietet, wie im vorigen Jahre. So verteilt auch die Mitteldeutsche Creditbank auf das dividendenberechtigtc Kapital von 16,3 Millionen 9 Proz. Auch die Mitteldeutsche Creditbank hatte nicht nötig, die großen in den eigenen Wertpapieren, noch nicht weiterbegebenen Effekten und dauernden Beteiligungen enthaltenen stillen Reserven irgendwie anzutasten. Man wird im Gegenteil annehmen dürfen, daß diese stillen Reserven noch beträchtlich erhöht worden sind. Auf die Belastung des Personals, das trotz der um rund 49 Proz. vergrößerten Geschäftstätigkeit unverändert geblieben ist, wirft die Bemerkung der Verwaltung ein interessantes Licht, daß die Einzel Posten sehr viel zahlreicher geworden, die Durch- schnstts betröge aber gesunken sind. Ganz cinbeutlg ist hieraus die Tatsache zu erkennen, daß dem der Zahl nach unveränderten Personal eine erheblich größere Arbeitslast zugemutet worden ist. Deutsche GenossenschastShypothekenbank A.nd. Ernähren Sie e< deshalb mit «föttf UN» frischer WRöiÄ» ver gute Erfolg wlrd Ihnen Freude wachen. Zreitag it. FeSwor 1926 Unterhaltung unö �Dissen Beilage des Vorwärts Das Totenlied. Von Alexander Clement,'. Auf dem Schindanger baumelte der Leichnam des Vetiarentomgs Infef Kandula vom Gerüst nieder. Bon drüben, aus der Mörder- schenke, kamen mit dem Wind« wechselnd starke Klänge, die aus der Geige des Zigeuners Piderka, genannt„Die Maus", stammten. Dar Wind ober kam von sehr viel weiter. Irgendwo im Südost batte er in der Kelt« der Karpathen einen Rih gesunden, dort blies er in dos Ungarland herein. Er schnaufte durch Siebenbürgen und brauste über die große Tiesebene. Der Talgen(es war ein olles, vielgedientes Stück) knarrte und Joses Kondulo schlenkerte noch im Tode mit den Beinen und sein Körper schwippt« so hin und her. daß, wenn der Mond gerade zwischen zwei Wolken hindurchsoh, das Weihe seiner Augen wie lebend erglänzte. Es war ein« unruhige, fiebernde Nacht. Auch der Mond halte ein ungesundes, rotes Leuchten, die Wolken flohen wie groß« wunderlich geformte Kähne dahin, in welchen geisterhaste Flibustier über den Himmel fuhren. Etwas weiter west- warts log, ein dunkler Strich, dos Steppendorf schlafend. Nur ein vereinzeltes Licht glomm herüber, vermutlich aus dem Schulhous, UM) der langhaarige, bleiche Schulmeister, der im geheimen ein Poet war. sicher noch Verse macht«. Um Mitternacht verstummt« in der Mörderschenke die Fiedel: ein großes Schreien, Poltern und Krochen hob an. Dann flog mit einem Knall die Türe auf und von Flüchen und groben Ber- wünschungen begleitet rollte eine schwarze Gestalt den Hang hinunter und blieb unbeweglich im Graben liegen. Dann wurde die Tür ge> schlössen und alles fiel in das frühere Schweigen zurück, nur der Wind fang stetig und Josef Kandula schlenkerte mit den Beinen. Gegen l Uhr trat Windstille ein. Michael Pozna aber saß die ganze Zeit über im Schatten der großen Ulm« und starrte auswärts, wo die Konturen des Gehenkten sich scharf vom Nachthimmel abhoben. Don Zeit zu Zeit strich er die dichten Strähnen seines grauen Haares aus dem Gesicht, weil es ihm über die Augen fiel, wenn er sich vorneigte, um die Pfeife auszuklopfen oder neuen Tobak auszulegen. G „Hm,--- hm,* machte er nach einer Weil«,„da hängst du nun—--.# Und wie um irgendwie Antwort zu geben, kam noch ein letzter Windstoß über die Steppe und Joses Kandula pendelte leicht hin und her.„Weiß Gott, wir wußten'? ja beide, daß es einmal so kommen muß— weiß Gott!* Und Michael Pozna, der Betsar und Näuber, Aandulas einstiger Gesell« und Bertraut«, spuckte den bitteren Tabaksaft grimmig vor sich hin. _„Weiß Göll, der Landrichter war daran Schuld, Herr, der ver-- j: fluchte Landrichter. Damit hat es begonnen. Denn es ist ja währ. ". daß er dos arm« Boll badrückic, dem Bauern das Letzte stahl aus "der Truhe und die Weiber dazu. Hch weiß noch gut, wie wir ihn bei deiner Ilusch fanden, die«r sich gefügig machte durch Drohungen. Herr, ich weiß noch, wie du bei uns standest aus dem Muggel von Alsolu damals nachts. Finster war diese Nacht, so daß wir kein« drei Schritte weit sehen konnten, ober dein Antlitz leuchtete dennoch weiß, vor Zorn. Sturm war in jener Nacht, daß wir unser eigen Wort kaum verstanden, aber deine Stimme hackte sich dennoch in uns ein wie ein eiserner Anker und zog uns vorwärts. Du standest vor Uns und wir hörten dein heiseres Lochen: Ein räudiger Hund hat sich - in meinen Garten verirrt, Hungens, sagtest du— hört ihr's?— Ein dreckmäuliger Bluthund!— Wir hören dich. Josef Kandula, sagten wir— alle sägten wir es—, beim Teufel I Wir hören dich!— lind es lief manchem von uns kall über den Rücken, als wir das Kreuz zusammennagelten im Berekwald. Denn wir folgten dir gerne Herr, du warst uns ein guter Führer gewesen, immer. Keiner kam dir darin gleich, die Gendarmen zu täuschen und gute Beute zu wittern, aber unsere Hände waren stets rein von Blut gewesen, bis zu jenem Tage. Und auch du, Herr, war es doch feit jeher dein Stolz, den Armen zu geben, was du den geizigen Schmerbäuchen abjagtest mit List, und wenn'? daraus ankam— je nun— mit Gewall. Nannten dich doch olle König der Steppe, und die Be- drängten segneten deinen Namen. Weiht du's noch, wie wir dem dicken Herrn von Somari die Braut stahlen und«incn Bescnstiehl in das Brautbett legten und ihn selbst obendrauf? Und wie du und ich ihrem Liebsten, der ein armer Teufel. Gatt weiß, ein sehr armer Teufel mar. nach zur selben Stunde einen Sack voll Gold brachten und den Pfarrer dazu? Aber der Herr von Somari war«in mächtiger Mann und seine Besitzungen logen in drei Komitvten verstreut. Und der geistliche Herr hatte' Furcht vor dem Herrn von Somari. Doch du. mein.Herr, lachtest mir und es war ein herzliches, freies Lochen damals und riefst mir zu: Michael— riefst du—, alter Raufbold, heb' doch die Flinte etwas höher, damit dem Herrn Pfarrer die Skrupeln vergehen! Und da konnte er doch nicht anders und segnet« die beiden. Das war früher— das war ein« schöne Zeit. Aber später, lieber Herr, später ist es anders geworden. Es war, als ob der Teufel in dich gefahren wäre an jenem Tage, als wir den Landrichter bei deinem Mädchen fanden. Diel Blut forderte deine teuflische Gesinnung, viel Blut. Und wir hielten zu Dir, Josef Kandula, wurden Mörder und unserer Ehre ledig und sie singen uns einem nach dem anderen, bis nur wir beide mehr übrig waren, du und ich. Und da hängst du nun--- Und Michael Pozna, dem die Gendarmen auf den Fersen waren, und der oersteckt unter der großen Ulme saß, flucht« leise vor sich hin. Die Windstille hielt an. Da geschah etwas. Aus der Richtung der Mörderschenk«, die schon, friedllch und mit schwarzen Fenstern, schlafend lag, kamen Schritte. Katzenartig». tastend« Schritte. Michael Pozna spitzte die Ohren. Er richtete sich leise auf, um Im Notfalle mit einem Sprunge sein Pferd erreichen und fliehen zu können. Ee war eine dunkle Gestalt und sie blieb unweit des Galgens liehen und lugte ängstlich nach ollen Selten aus. Als sie ntemand sah und annahm, ollein zu sein, wandte sich die Gestalt dem Galgen zu und zoa tief den Huh Der Mond war einige Zeit über versteckt hinter Wolkenwänden gelegen, setzt aber lüftete er die Schleier und üherstrahlte die Eben« mit seinem Glanz. „Piderka," murmelte Michael Pozna freudig überroscht,„so hat er doch Wort geHollen." Und vergangene Bilder stiegen vor ihm auf. Das mit Piderka war so gewesen: Bor Jahren einmal fand Josef Kandula den Zigeuner, z«r- schlagen und krank am Wegrand kauernd. Mächtiger Hunger plagte den Armen.— Spiel', Mar«, sagten die Leute zu ihm, wenn er um Brot bat. Piderka aber konnte nickst spielen, denn stark« Schmerzen wühlten in seiner Brust, daß er glaubt«, gleich sterben zu müssen. Do war es, daß Josef Kandula auf seinem Schecken daher- gesprengt kam, stolz und aufrecht wie ein richtiger König. Und Piderka machte nur so ein« unsichere Bewegung mit den Händen. Und schon fiel ein Beutel voll klingendem Silber vor seine Füße hin. Und Piderka warf sich in den Staub vor dem mächtigen Betjaren und sagte: „Herr, was soll ich tun, dir zu danken?" Aber der Husschlag klang schon aus der Ferne. Und aus der Ferne klang auch diese Glockenstimme Joses Kaiürnlas und sein Lochen: „Spiel mir das Totenlied, wenn ich einstens hange--- „Schau, schau, nun hat er Wort gehalten," dachte Michael Pozna und stützte den Kopf in die Hände, um bester hören zu können. Der Mond war wieder verschwunden, aber die Windstille dauerte an. Joses Kandula hing regungslos am Galgen. Und da ertönten leise, leise die ersten Klänge des Totenliedes, das so all ist wie die Steppe, und das Piderka von feinem Dater gelernt hatte, weil es in seiner Familie als ein wertvolles Dermächt- ms weitergegeben wurde von den Dätern an die Söhne. Zu Beginn war es schüchtern und klang wie Rufen au? großer Ferne. Dann ober ergriff ihn dieses Lied, das er einem Mann aus- spielt«, dem sein Herz gehörte und den er, der die menschlichen Gesetze als Angehöriger einer ausgestoßenen und verachteten Rasse nur von der Kehrseite her kannte, verehrt hatte wie einen Helden. Piderka, der Zigeuner, erzählte seinem Helden, was seine Väter und Großväter ihren Helden erzählt hatten: Wie grenzenlos die Ebene ist, wie ober fern, an ihrem Rande irgendwo, der lieb« Goit der Christen sitzt und auf den gehetzten, müden Betjaren wartet, mit mildem Lächeln und offenen Armen. Und Piderka war nur ein Zigeuner und jener Gehängte war dos Ideal seines Lebens, dieses verprügelten, von sehr wenig Freuden erhellten Lebens, und darum war er gekommen, sein Wort einzulösen, obschon er auch heute sehr hungrig war und drei schwarze, schreiend« Rangen daheim auf ihn warteten, uird aus Brot. Und Piderka, die Mau», ließ den letzten, wundervoll zarten Ton aus der Geige rinnen, zog dann den Hut, verneigte sich rickstig und sagte ordnungsgemäß: „Küßt die Hand, gnädiger Herr." Da« Totenlied war ein seltsames Lied. Und c.n seltenes Lied war es. Denn niemals spielte es ein More einem Lebenden auf. Und so kam es, daß unter der großen Ulme ein altes Bctiorenherz in Schmerz und Dankbarkeit erbebte und ein schwerer Beutel voll Gold durch die Luft gesaust kam und vor Piderka? Füßen niederfiel. Und Piderka dachte nicht anders, als daß der Tote ihn auf diese Weis« belohnen wollte für sein Spiel. Und er hob die Augen zu dem Gehängten, was er bis jetzt ängstlich vermieden hatte— war er doch ein großer Herr,«in Held. „Herr,* sagte Piderka,„ich tat nur meine Pflicht— wohl habe ich so ein paar hungrige Rangen daheim— fall ich es also nehmen?" Und da fuhr mit einemmal ein Windstoß über die Ebene, daß die Bäume sich ächzend vornüber neigten und Josef Kandula schlenkert« mit den Beinen und es war, als nickte er mit dem Kaps. Abseits vom Tivoli. Kopenhagener Schifferkneipen. Herz Kopenhagen». Auf maßlos kitschiges Reiter- Köngens Nytaro ist das eigentlich« diesen weiten gewinkelten Platz, dessen denkmal Ehristians V. dichte Lindenkronen schamvoll zu verheün lichen suchen, ergießt sich der Berkehrsstrom von mehr als zehn Stvaßenkanälen und strudell hier zusammen, was auf dem Weg« von Nord«, und Süden bisher weder Ziel noch.Heimat fand. Dazu stoßt hier, gerade gcgeniider von Christiansholm, wo die kgl. dänfltze Kriegsflott« mit heroischem Gleichnmt verrostet, rechtwinklig durch alt« verbogen« Speiche-gassen der Wasserarm de« Nyhavn und stoppt erst erstaunt vor den stumm schreienden Lichtreklamen oben an den Dächern rund um den Kongens Nytorv, die alles, was im Frei- und Christianshafen längst in fem er Koje schlafen sollt«, heran- locken. Uist> hier hol>«n sich in Kellern und Parterres zwischen Kleider- börsen, Heuerbureaus und Schiffahrtskontoren die Schisferkneipen eingenistet, Paradies für olle, t»nen„Tivoli* zu nobel und die übrigen Bodegas zu spießig sind. Zu beiden Seiten des Nyhovns sind sie aufgereiht wie eine bunte Glasperlenschnur. - Um schwarze Klstenungetüme und Fäsierpyramiden, über tückisch verborgene Seilchousen, die hier auf dieser offenen Kaistraße wie herrenlos vor ihren Schiffen lagern, die daneben bedächtig im gluck- senden Wasier schwanken, stolpert man die runden Stufen hinunter. Weiberkreischen und grölende Männerbässe lärmen durch die Tür. Trüb blinzeln die elektrischen Lampen durch die wogenden Schwaden süßlichen Virginiaqualms. Und da hocken sie auf gelben Stülflen vor triefenden Tische-, und schlagen sich klatschend mit großen Faust«, auf die Knie, wenn eins der Weiber mit bierrcmer Stimme enve Zote in den Raum geschmettert hcL. Engländer, die Trcütdelmütze auf den Hinterkopf geschoben, grobknochige Schweden, dänische Werstorbeiter in blauen Kitteln und deutsche Matrosen. In schwärzlichen Gruppen sitzen sie vor den Wairdmalereie:,, auf denen der Desuv qualmt und ein ul'ramarineblouer Himmel sich über Neapel spannt. Und eine Flasche Porterbier nach der* anderen wird schäumend entkorkt und Molend sholl! es: „Prost!*. Und„Eheeriol* von den Engländern drüben, und „Skoll* kreischen die dä.nschen Mädchen dazwischen. Und kühn greift man den kichernden Weibern in die Kleider. In der Ecke schluchzt ein« Biolin« und wmnnert eine drahtige ZItter Unbeachtet. Bis der Refrain des Schlagers kommt, den alle gerührt wiegenden Hauptes mitpfeifen und den Takt dazu in den Boden stampfen, daß die Gläser zu schwanken anfangen und schnell und besorgt der tetzte Trapsen des Aalborgschnapfes henmlergekippt wird. Großartig setzt sich jeder in Unkosten. Knallend rote Buketts. „kunstige Blomsterz" kauft ein rotgebronntes Jrengesicht unter seiner weißen Tellermütze der kläglich wispernden Frau ab und steckt sie prahlerisch seinem Mädchen ins schwarze Haar. Aber so sieht es nicht überall aus am Ryharm. Nyhavn hat seine Rongunterschiede. In den nobleren Kneipen haben die Mäd chen nicht nur einsa h einen Schal um den Hals geschlungen, da sitzen sie gutsituiert mit Hut und Mantel, und manche demonstrieren ihre gesicherte Existenz durch einen Pelzkragen mit aufgerissenem roten Fuchsmaul und zwei runden Glasaugen darüber. „D ans" kündet ein rotes Plakat von der wackligen Holzstiege zu„Kap Horn", und bunte Abziehbilder mit mondänen Paaren daraus sind an die Fensterscheiben geklebt. Mit hungrigen Augen dränge» sich IZjährig« Jungen am Eingang dieses Lokal» in der düsteren Lille Strandstvaede, die vom Nyhavn abbiegt. Drinnen tanzt, unberührt vom Lärmen, Grölen und Kreischen, zwischen Bänken und Tischen ein longer Finne, großen Schrittes ein«, langsamen Boston, ein« herrlichschöne, große Frau eng an sich gepreßt. Und dann spielt die Musik einen Tusch, und der am Schlag- .zeug schlägt noch extra einmal dröhnend auf dos Kalbiell, und In die Mitte des niedrigen Raumes stellt sitzen. Mann im Regenmantel. Verlegen lächelt er nach all«, Seit«,, nimm!«inen Dolch aus der Seitntasche und steckt das im Licht flimmernde blanke Eisen von oben in die Kehle, zieht es langsam heraus und wiederholt mit einem deutschen Bajonett das gleiche Experiment. Dann kommt räwr kurzer Leutnantsdegen an die Reihe, gerade und spitz. Senk- recht läßt er ihn mit geschlossenen Augen zwischen seinen roten runden Lippen in den Schlund sinken, tief, immer tiefer, bis an den Griff, sekundenlang, und holt nun longsam den schillernden Stahl zurück. Mit starren, Staunen glotzen die jungen Rekruten aus den lächelnden Mann im Gummimantel. Kugelrund die itwslcrtchr.ie., Augen dieser SJfliMtnbnrschen von Fun«, und Falster,. Mit scheuer Bewunderung stiften sie ihren Obolus. Dann aber knallt die Musik in die Stille und die slachs haarigen Ret ritten schwingen wie vorhin ihre Mädchen kreischend herum.— Und am anderer. Morgen stehen in den leer«, Kneipen die Stühle auf den Tischen, und Scheuersrauen ramentern mit Schrub- der und Besen. Die gestern prahlerisch Blumensträuße tauften, feilschen jetzt an der Kleiderbörse um ihren Wollschal. Dar den Heucrdureous drängen sich Matrosen, und auf den Kisten hocken verlotterte Gestalten, blinzeln träge in die Sonne, während die Ladebäume der Dampfer knirschen und stöhnen unter ihrer Last und hupend, klingelnd und lärmend der Verkehr am Köngens Nytorv ans ftnlzehn Straßens chliindcn aufeinaiiderp�allt. Heinrich Braune. OaS Kursbuch im Lehrplan. Einer der zahlreichen Amcrikaentdecker hat offenbar mit einem gewissen kritischen Unterton den Satz geschrieben:„Einen Atlas habe ich nur in wenigen amerikanischen Familien gesunden. Den Gea- graphiennterricht gibt man nach dem Kursbuch." I» der Hand eines rerständigen Lehrers wird das Kursbuch in der Tat ein vartreif- liches Mittel sei», um den Schüler in der vorgcsaßtcn Meinung, daß er nur für den Lehrer und die Schule, nicht für das Leben lerne, zu befreien, denn die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß schon ei» jeder Schüler Gelegenheit gehabt hat, die Geheimnisse eines Fahr- planes kennenzulernen. Für viel« Menschen bleibt freilich dos Kursbuch mit der Fülle feiner Verweise ein ewig unentschleiertes Geheimnis, aber ihre Zahl nimmt doch immer mehr ab, je stärker das Lerönderungsbedürfnis, resp. die Notwendigkeit, seinen Geschäften„nochzufahren", sich ausbreitet. Daß die Schar der Leute, die im vorjährigen Kursbuch die Zugfolge ihrer Reise ousschlage» und es nicht fassen können, wenn die Anschlüsi« nicht passen, eben- falls stark im Sinken begrissen ist, verdanken wir wohl der nament- lich durch die Presse«rsreulich gehobenen allgemeinen Intelligenz. Also: berechtigt ist das Kursbuch im Lehrplan zweiiellos, aber damit sein«-Einführung in den Schule» auch wirklich Segen ver- breitet, muß«in« zweckentsprechende Einstellung des Lehrers aar- Händen sein. Wenn er nur schematisch den Reisewev— sagen wir von Berlin nach Mailand— verfolgen läßt, so wird dos Interesse bald erlahmen, denn sowie man die Geheimnisse, die Tücken und Schliche des Kursbuches erst einmal ersaßt hat. ist das Aussuchen der Reisewege an und für sich etwas Totes, jedenfalls Starres. Leben bekommt es aber, wenn der Lehrer sich die Mühe gibt, den Schülern den Reijeweg vor Augen z» stellen, in großen Zügen den Charakter der Landschaft, die dadurch bedingte Schnelligkeit, die Art der Städte. der Menschen usw. zu schildern. Da er dabei ja vielfach auf frühere Lektionen zurückkommt, ist diese Art der Erklärung zugleich eine willkommene Wiederholung, und der Lehrer wird durch seine Fragen bald Heraussinden, was von dem früher Gelernten»och sitzt. Eine Fahr« nach Wladiwostock schließt zwei Erdteile aus und macht durch die Bezugnahme auf eine Reise mit ihren Freuden iind Leiden ganz anderen Eindruck als die auf der Wandkarte zu ver- folgende theoretische Betrachtung. Wenn dann die Schulbiblioihct dafür sorgt, daß der wißbegierig« Schüler gute Reiseschilderungen au» fremden Gegenden kennenlernen kann, wird auch dem Karl- May-Kuttus in erfreulicher Weise Abbruch getan. Paul Dobert. Ein wichtiger ägyptischer Fund iv Galiläa. Das Fragment einer ägyptischen Boiast-Stele ist an der Oberfläche eines Hügel» zu Tsbaho zwischen Tiberias und Capernaum in Galiläa entdeckt worden. Die Stele zeigt drei verstümmelte Zeilen eines hieroglyphischen Textes, der erzahlt, wie sin Pharao dos Heer der Mitanni vernichtete, eines Dotkes. das im nordöstlichen Syrien lebt«. Räch der Annahme Sach- oerständiger ist der hier qenamtte Pharao Tutmosis III. und stammt etwa au, dem Jahr« 1470 o. Chr. Es ist die älteste der 14 ägyptischen Könegs-Stelen, die bisher m Palästina gefunden wurden. Pa. Schweinebauch Beilage, Pinna 80p<. Pa. Schwelneschulterblatt... Pfand 85pf. Pa. Schweineschinken_______ pinna 94pf. Pa. Schweinekamm und Schutt ohne Schwarte, ohne Beilage, Pinna 98pf. Pa. Schwelnekotelett......... pjand 1.12 Pa. Kassler miia gepöteii..... Pfund 98pf. Pa. Eisbein mit tpltihela, mild, Pfund 88pf. Pa. RilCkenfett bratfertig...... Pfund 76pf. Pa. Rouladen................... Pfund 1.28 Pa. Schmorilelsch Keule o.Km, Pfund 1.16 Pa. Schabefleisch.............. pfnnd 1.18 Pa, Gehacktes................. pfnnd 76pf. Pa. HammelvorderMetsch...pfnnd 90pf. Kalbskeule bla S Plnad schwer. und Blatt.................... Pfand 90pf. Kalbskamvn Ohne Beilage....... Pfand 75pf. Kalbsnierenbraten o. Beilage, Pfund 84pf. Rinderbacken Ohne Knochen... Pfund 43pt Pa. Rlndertalj eeldatanegel..... Pfund S4pf. Pa. Pökelkamm mlld.......... Plund 98pf Pa. Kalbsschnltsel........... 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Februar lgZ8 In der Nachmiilogszithung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2»«xrmte ,» 80(KK) 49002 2 Ottrnont iu IJWOÖÄ 296723 4©ttetaae zu 4 vewinnV zo 3000 16 e«u>tuu« so'i000 M. »«L 70274 255192 ' ��gfaa�eaOSB 176134 26(6(6 3(8059 34 Ä«Pcoilmf3» 1000 rn 3721 2(365 235 59 38008 64122 67077 78468 1&e362 204604 217862 210370 21849» 228377 258747 271878 304505 310030 310068 312192 321118 344843 363548 370470 192«rminn, tu 300 M. 3881 8910 11795 12176 1 25M 4()206 41268 41284 42109 45435 48996 60793 66524 67696 68265 71295 76390 93254 86979 86157 91487 91813 97232 111229 II 8097 l'boiz(21421 122654 13(193 1351(3 136272 142(82 146565 149080 149396>50169 132432 166071 179686 181137 181297 183290 183621'69118>02286 202831 203264 205892 205988 207588 209074 209198 212152 220649 221077 227706 227749 232732 237031 239637 243781 250802 251036 252565 252924 263358 269948----------------- 283927 291190 326328 329703„_____________ 352884 333756 354948 357369 369108 367991 8. Ziehungstag 16. Februar 1929 In der Vormitlagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4«tlDinna|u 5000 W. 4333 49968 8•.minn, ,» 3000 M. 168176 216033 222273 249144 10«»wt»ne tu 2000 ffl. 207839 229762 251971 30344 22 S- inne„ 1000 fflt. 3832 34741----- 136382 218030 231966 322725 74 eeminn. au 500«. 4147 7968 19327 21264 23720 40380 63947 59033 65240 113895 118845 133840 138052 150032 163446 164701 166252 175990 177308 178784 179980 185455>98470 204774 212681 217045 226042 254160 255654 258881 274896 276398 287890 295179 361943 383031 i 229762 25i97f 303441 309694 36826 46262 68897 642 1 3 89832 1Qn0G9 1 2___-___ 159300 173456 f 79450 187506 188946 191127 204030 2 208751 212361 213261 217047 219035 223406 226495 2 237254 238513 2 278235 281466 2 11788 >6853 314728 367632 28 322994 330873 308021 248782 334837 343035 354008 360888 270462 275166 728 305283 309777 Wir geben Kredit! Trotzdem zahlen Sie bei uns keine höheren Preise als in anderen Geschäften, wo Sis nur gegen Barzahlung kaufen können. 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Neben der städtischen Dolksspeisung gibt es in Berliin noch eine von einem Verein besorgte private»W o h l f a h r t ss pe i s u n g" und an leiten- der Stelle steht hier wie dort Stadträtin Kanzler. Gegen sie richteten die Kommunisten heftige Angrisse, weil sie als Vorstizende des Vereins für Wohlfahrtsspeisrmg dessen Arbeitsgebiet zu er- weitern bemüht sei, zmn Schaden de? städtischen Volksspeisung, die sie als Magistrat sde�ern entin zu leiten hat. Auch eine Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion lenkte die Aufmerk- samkeit auf die Gefahr einer Beseitigung der städti- schen Volksspeisung. Daß gegenüber der Stadträtin Kaus- ler Mißtrauen geboten sei und für eine entschiedenere Vertretung der städtischen Interessen gesorgt werden müsse, betonte unsere Genossin Toden ha gen. Nach langer Debatte mußte in vorgerück- ter Stunde die Abstimmung über den zu der Sache vorliegenden Antrag der Kommunisten auf die nächste Sitzung vertagt werden. » In der Erledigung der Tagesordrung besprach die Veifomm- lung zunächst eine Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion wegen der beabsichtigten Schließung der Volksspeisung in der Markthalle Tresckowstraßc. Vom Magistrat betonte Stadt- rätin Sausler sDVp.), daß nicht ritte Schließung, sondern nur«ine Beschränkung insofern beabsichtigt ist. als ein Teil der Räum« von der Markthallenoerwaltung benötigt werde. In der Besprechung nahm sich die Stadw. Hossmonn-Gwinner(Konmr.) die Stadträtin Kausler ordentlich vor: sie stellte fest, daß Frau Kausler es an s 0- z i a l e m Verständnis fehle und man ihr vor, private Volksspeisung svereine zuungunsten der städti» schen Cinrihtung zu bevorzugen. Sie forderte schließ- lich. daß die Unterstützung der privaten Vereine durch die Stadtaushöre mrd daß die Stadt Bedürstige aus eigenen Küchen speise. Die angegriffene Stadträtin verteidigte sich in längeren Ausführungen, die wiederum von Stadto. Deqner (Komm.) in vielen Puirkten angegriffen wurden. Degncr zeigte u. a. an einem amtlich geführten Schristwcchsri, wie Stadtrölin Sausler versucht hatte, die große städtische Volksspeiseslelle in der Tresrkowstraße Sonntags zu schließen und die Vclicscrnng der Speisenden dem kleinen privaten Verein zuzuschanzen, der natürlich da- für von der Stadl gebührend bezahlt werden sollte. Die privaten Wohltäter erhofften davon eine finanzielle Stärkung des privaten Vereins. Der Rodner, der unbesoldeter Stadtrat im Bezirk Prenzlauer Berg und Dezernent dieser Dolkssprisungsanstalten ist, betonte, daß bei einer Preisgabe der privaten Bolksspcisungsocrcine durch die Stadt die städtische Einrichtung in der TeesciawÜ ratze die. Velicsetung .eller sechs Innenbezirl« sofort bewcrkstelllgen keimt e. Eine Unterbrechung erfuhr die Sitzung, als die Dahl eines besoldeten Stadtrates an Stelle des ausgeschiedenen Magistratsmitgliedes Gen. Brühl vorgenommen wurde. Sozialdemokraten, Kommunisten und Deutschnationale benannten Kandidaten: unsere Fraktion prä- sentierte ihren Vorsitzenden, den Genossen Franz<* 5« m i n s! t. In namentlicher Abstimmung wurde Genosse Czeminski gewählt und zwar mit 100 von 187 gültigen Stinmten. Der Kommunist Gabel erhielt 37. der Deutschnational« Dortmann 50 Stimmen. Fünfzehn Stimmen waren zersplittert. Eine dann vorzugsweiie behandelte Dringlichkeitsvorlage des Magistrats forderte die Zustimmung zu einem Erweiterungsbau der Funkhalle. Der Magistrat bat. folgenden Beschluß zu fassen: Die Stadtverordnetenversammlung ist einverstanden mit der Ausführung eines Anbaues au den Nordstügel der F u n k h a l l e in Größe von etwa 3000 Quadratmeter nebst Er- flelluna einer neuen V e r b indung sb rück e über die Qst- preußenalle« zum Vorgelände der Reuen AutoHall« und stimmt der Aufnahme eines Dorlohns bei der Berliner Stadtbank durch die Messeacscllschasi bis zu einer Million Mark zu. " Die Bauarbeiten werden unter Kontrolle der städtischen chochbnu- verwaltun« ausgeführt. In der Begründun« betont der Magistrat. daß ein Erweiterungsbau dringend nötig ist. da die cholzhalle. die die neue AutoHalle jetzt schon vergrößert.!xn Ansprüchen in keiner Weise mehr entspricht und daß«ine Mehrbezchaffung von Ausstellungsraum unerläßlich ist. Die Vorlage wurde angenommen. In der darauf fortgesetzten Aussprache über die Volks- fpeifungseinrichtungen sprach dann noch Bürgermeister Scholtz. Er schob die Verwaltung der Völtsspeifung dem zuständigen Dezernenten(das ist Stodträtin Kausler) zu. Genossiu Todenhagen: Vom Magistrat hören wir schon seit 1% Jahren von einer Reorganisation der Volksspeisung, sehen ober stets, daß die Dezernentin darunter eine Einschränkung versteht. Die Aus- siihrungen Frau Kauslers hoben g«kltingen, wie wenn sie ihr« Ab- fchiedsredc als Magistratsdczcrnentin und als pri- vote Wohlsahrtspslegenn ihre Antrittsrede hielt. Sie hat nichts davon gesagt, daß sie die Volksspeisung aus die chöhe gebracht habe oder in Zukunft bringen wolle. Offenbar geht also ihr Bestreben dahin, privat« Gesellschaften zu züchten und mit Mitteln der Stadt zu erhalten. Frau Stadträtin Kausler hat vor allem die Ver- pflichtung, die Stadt zu vertreten, städtische Einrichtungen zu fördern, oder die Stadtverordneten werden sich ihre Mitarbeit nicht mehr gefallen lassen.— Dem Stadw. Troll(Dnat.) blieb es vorbehalten, festzustellen, daß die Angriffe gegen Stodträtin Kausler„der beste Beweis dafür seien, daß sie im Interesse der Stadt und der zu Speisenden gearbeitet" habe.(Schallendes Gelächter.) Nach weiterer Aussprache schloß der Vorsteher die Sitzung. * Der gestern von der Stadtverordnetenversammlung zum be- soldeten Stadtrat gewählte Genosse Franz Czeminski tritt an die Stelle des Genossen Br.ühl, der als Präsident in das neue Landesarbeitsamt Berlin eingetreten ist. Czeminski wurde 11. Februar 1876 in F l a t 0 w(Westpr.) geboren, erlernte das Zimmercrhandwerk, ist seit 18S3 in Berlin ansässig und seit der Zeit auch in den freien Arbeiterorganisationen organisiert. Zuletzt war er als Leiter einer Krankenkasse in Lichter- fclde tätig. Im Jahre 1913 erstmalig als Stadtverordneter in Schöneberg gewählt, war er dort mehrere Jahre Stadt- verordnetenvorsteher, bis er nach Grüichung der Ein- heitsgemeinde auch ins Berliner rote Haus einzog. Seit 192S ist Genosse Czeminski der Vorsitzend« unserer Stadtver- 0 r d n e t e n f r a k t i 0 n. die ihn auch in den Staatsrat dele- gierte. Er hat in vielen Ausschüssen und Deputationen gearbeitet. MV*.«tl\i»u|l.uu-iCUl+lti, VEmOCUUUC.(Stf d)c t ttctt'ütticftt. StamttQbfdbQlt Fricdrichsfelde: 20 Uhr Versammlung bei Schwarz, pri vi. ollce 42. Alle aktiven und passiven Kameraden haben zu erschein�. � Gooq. WMMMWW"~$tcr" J finb herzlichst eingeladen.— Rowawes: Sonntag, 19. F�ruar'.' 8% Uhr� Antreten am Lutyervlah. Gemeinschaftlicher Prnvaqanöamarsch packt Drewitt Mlt dem Ortsverem Potsdam. Tambourkorps geht mit. •i* Gaavorstand! Soweit keine besonderen Sammelplähe zu der Kundgebuna am Sonntag, 19. Februar, im Zirkus Busch füt die einzelnen Berliner öüw vcccmc angegeben worden sind, erfolgt das Antreten der einzelnen Kreise wie folgt: Krci» Westen: 9% Uhr Gendarmenmarkt, ftret« Süden: Uhr am SL�Cr'ft,?n&nö«reis Osten: 9'- Uhr Äüftrinec Plah. Kreis Xomn: M Uhr Guftav-Meyer-Allee, Anfang an der Brumien strafte. Mitte: A. Uhr Kiistrtner Platz. 6. Kameradschaft: 8'/� Uhr bei Gramsch, Brunnen. strafte 4, zum Ordnerdlenst. Tiergarten, Abt. Moabit: 8 Uhr Kleiner Tier- Urken. Westen: 8 Uhr Hochbahnhof Bülowstrafte. c-xmeinsamer Treffpunkt vi? Gendarmenmartt, Untergrundbahnhof ssriedrichstadt. Prenzlauer Berg: 8� Uhr Bahnhof Prenzlauer Allee mit Fahne,! und Musik. Fricdrichsbain: 9 Uhr auf den Lamm elpl atzen der Kameradschaften mit Fahnen, Tambour. korvs imb SRrHfprfnm«; Wilmmah«»!» C.V. 1,l'v rr:„f,____!' ZZr TlT.: V v'cMr.., Ii I'CC«umccotfinjaiicn mir>raynen, �.anivour- korps und Blafcrkorvs. Wilmersdorf: 8-� Uhr Fchrbelliner Platz. Eintritte b"M«am gaulseit, Landhau-str.«. Stc«ti»(Ortsvcrein): 8>� Uhr SS Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Verlin Sinfendungen für diese?tubrik nur an das Zogendftkretaria� Berlin GD üS, itmdenstraße S Abrechnung der Beiträge usw. heute, Freitast, zwischen 17 und IS Uhr. Wanderlcrtertoufcrenz Mittwoch. 22. Februar, 19V5 Uhr, im Heim Linden-- straße i. Vsrtrag:„Geologie der Mqrk/ Referent Schuhhose. heule. Zreilag. lg>s Uhr: Moabit 7: Cchul« Waldonsorstr. A. — Moabit 11: Hcim Lktirtor 6tr. boulrn: Heim gfrcifniealfttt Str. 5—».„striwstagsfiburg."- Dorttabt: Hcim Z-hbenickai: Etr. 2S, ,Echu»t>- und' Schmutilitarniur.— Wcihciisor: Hoim Parlstr. SS.„-ziu-> meiner—«Setjer»I.fc: Echul«««ftamoroitce kU-öetueBt. gtopmi.*'—«Miuüifcnuu«» und»numm.- «lak: Lebigrnbeim Sitionstrdtstr. 1. Äntrizr zur©cncrnlncrfatrunluno.— Baltenplak: Krim Tilsiier Str. 4— 5..SR.idistannrc und SU?.'— Strotanrr Viertel: Ä«>M Gnßlerslr. Sl..Lommunalvolitit."— Schöncbei» I: H'im Hauptstr. 1Z. �toaUlwn— Slassrnkomvt."— kbarlottenburo: Heim Rolinen. itruftc 4.»ziel und lim«! der Arbcitrrmohlfahrt."— Stolcnf«; Schuir ßoachim-�riedrich-Str. S4— So.„Politische Morde und thre Schandjustiz."— Sohntdoei: Heim•ffiochtflftt. 1. bei Mohr. Lichtbildervortraq:„Zugend. wandern." Zoha»»i»tb»l: Rathaus.„Sinwbrung in den Sozialismus."— Riederichöaoweide: Schule Berliner Str.Sl.„Wcrt-Sedrnlabcud."— Lichten, bcrq.Rord: Heim Dosfestr. 22.„Der Sozialismus von der Utopie zur Wissen, sckxitt."— Paolo« l! Heim Edrschstr. lt. Heiterer Abend.— Neukölln l lAcltcrengriivpe): Beteiligung an den! Vortragsabend der Gruppe II im Heim Kanner Strohe.— Reniölln N: Heim Kanncr Straße.„Der Radikalismus in der deutschen Arbeiterbewegung." Kerbe bezirk Rcukölla: Heim Etcinmehstrahc. IS Ubr äußerst michtlge crwci!er!c Wcrbcbczirisvorstandssihmig. Ausgabe der Karten zum Filmadeud. Morgen, Sonnabend: Werbeleztrk ReiaiScnborf und Pankow: Jugendheim in Tegel. Bahnhof. straße Ib. IS Uhr Wanderleiterkurfu». Vorführung von Lichtbildern. An. schließend gahrt nach Raven. Unkosten für ssahrt und Ucdrrnachtung in Vehletanz IM M. Jede Gruppe entsendet sechs Genossen. MMMMb Wcrbebezlrlsmit, Werbe bezirk Lichtenberg: Heim Hauffstraße(Spvrtplaßl glieberversammlung lSZ� Uhr. Serbebe, trk Schöncberg: Beim Genossen Friß Rohdc. e bezirlsvorstandssttzunz um ISZh Uhr. Gdtenstr. 7S, Werbe- Vorträge,Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz- Rot-Gold-. E e s ch ii f t s st e l l e: Berlin E. lt. Sebastianstr. 87/38, Hof 2 Tr. greitag. 17. gebrna». riergarten: 10-23 Uhr baden im«eilen. dad Lunavart. Echwimmanzug mitbringen, da sonst 30 Pf. Leih. gebühr. Ermäßigter tkintrittsprels 30 Pf. Zahlreich« Beteiligung erwünscht.— Steglik(Iugendlameradschast): 1#V4 Uhr Vers-mnilung im Iugendl>e>m Albrcchtstr. 17(Stadtpark). Vortrag Kant. Ministerialdirektor Hißler Ilbcr karten WWWWWWWMMWWWWMDD�DDWDMMMWMWMW Dssppelplok. Nacki-Üglcr SZh Uhr G-ndarmenmärl?. �W�chwcränstallun«� Zehlendors-Dahlem: 8-- Uhr bei Schoorn,.Zchlendorf, Potsdamer Str. 3. Nachzügler und Dahlem 9Z4 Uhr Gcnbarmcnmarkt. Treptow: 0>d Uhr Pla» ,?intristskartcn A> Pf.«öpeniik: Abfal,rt ob Bahnhof Friedrlchshagcn 8.31 Uhr, ab Bahnhof Köpenick 8.38 Uhr. ab Bahnhof Spind. Ursfcm 8.41, ob Bahnhof Grünau UM Uhr. Treffpunkt Echlefifcher Bahnhof. �(Kameradschaft): Abfahrt von Sermsdorf S.lZ Uhr. Naö>. L'»!" vl�llhr Gufwv.Mcver.Allce. Ecke Brunncnstraße. Mahlsbor,: g Uhr Bahnhos Mahlsdorf. Pflichweronstalüißq. Biatersportabt.: 10',- Uhr Mon. btionplaß, Skianzug mit Geräten. stein 2t. F S— I Uhr löstenlos einen Kursus unter der Leitung des Genossen Kurt'Täu- richter-Hamburg Uber..Die politische Macht des Alkoholkapitals" im Jugend. heim See-, Ecke Turiner Straße. Arbeiter-Radio-Biind Deutschland«, e.«. Montag. 20. Februar. IS Uhr. in der Geschäftsstelle, Adalbertstr. 21, erweiterte Borstanbsssßung. m Arbeiter Samaeitcr Kolovnc Bertin, Geschäftsstelle! N. St, Große Lom. burgcr Str. 20, Telephon: Norden 3340. Abt. Reinickendorf: Die Mitglieder. Versammlung Freitag. 17. Februar, muß umständehalber aussallen. Zlächste Versammlung Donnerstag, I. März. Bereinigvag für Schul, und«rziehuagsfrage», Berlin. Treptow. Berfamm. lung Freitag, 2t. Februar, 20 Uhr, Gemeindcfchule Wildenbruchstr. 33.„Was können Eitern von ihren Kindern lernen?" Tqpogiaphifche» Orchester. Direktion: Erich Eutzeit. Uebungsstund« jeden Freitag A> Uhr in Reukölln, Hermannstr. IS». Geplant ist die Erweiterung zum großen Orchester. Spieler aller bezüglickien Infirmnente werden auf. genommen, möglichst Buchdruckcrkollcgen. Auch auf Passive oder Fördernde wird gerechnet. Zuschriften direlt an den B-rsißcndcn, Kollegen Johannes Schulz, Betlin-Briß, Pintschallcc 43. Gäste zu den llcbungsstundcn stets will- kommen. W Bvao Gäste willkommen. Perliaer Sängerchor. Mitwirkung an der Bundesgrilndungsfeier des Reichsbanners im Zirkus Busch Sonntag pünktlich I0>4 Uhr. Zntcressevverbanb der durch Automobil» und andere Berkehrsnnfälle Ge. schädigten E. P. Geschäfisstcsse: Berlin RW 40, Ratbenower Str. 3(am alten Kriminolgericht). Sprechstunden und lostcnlosc Ausluuftcrtcilung täglich von 3 bis 7 Uhr nachmiltags. ' wekterberichi der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend. (Nachdr. verb.). Wechselnd bcwöM mit eüizelncil Niederschlägen, ettvaZ kühler mit frischen Westwinden.— Jflr Deutschland: Im Süden heiler und trocken, im Norden mwcständig mit Niedcrlchlügeu, im Nordosten trübe und regnerisch. .>,a~v$W -eSaenf* fäns! Extrapreise für Sonderqualitäten Herren-Sakko- Anzüge Serie I Blaue und farbige Cheviots mit Ueberkaro Opnjn II mittelfarbige Gabardinestoffe.• UÖl IG II fein gemustert, ein- und zweireihig»«» Cpnin|i| dunkelfarbige Stoffe, Kammgarnmiscbung,£4« OGl IG III mit feinem Karo- u. Streifenmuster... ?0Nill Iii feiofädige Stoffe, in vorzüglicher Qualität, 7dS— OGl IC IW modera dessiniert........... f II«- Cpnjp|| MaBersatz, hervorragende Stoffqualitäti Oft m UUl IG W moderne Muster, neueste Formen... Owe Herren-Sport-Anzüge Serie I Serie Ii eerie m Serie m Serie v Sportanzug mit 2 Hosen, braun-karierter Homespun Grauer und modefarbiger Wollkord, mit Breeches............... Vierteiliger Sportanzug, grauer Cheviot, mit feinem Ueberkaro, lang. Hose, Breeches oder Knickferbocker.......... Sportanzüge mit kurzer und langer Hose, modern gemust. Stoffe in hervorrag. Qual. Sportanzüge, nach engl. Art gemustert, in Farbensteil, f. d. verwöhnt. Geschmack mit Knickerbock. od. Breech., vollst. Maßersatz IDie Anzüge sind in modernsten Fassons meist in unseren eigenen Kleiderwerken unter Leitung erster Meister sachgemäß hergestellt, Jeder Kauf bedeutet einen besond. Vorteil für unsere Kunden. Wir laden alle Leser dieser Zeitung zu einer zwanglosen Besichtigung ein. BAER SOHNS, Berlin N4, OnKteMe 2130 kl»se»d»i>zk» für diese Rubrik sind Berlin SWS». Lindeustratz« Z. parteinachrichien�WfürGroß-Vertin stet» an da» Beziriisetretariat Z. Hos. 2 Trep. recht», zu richte«. 2. Uni» Ti-rgarte». Aeute. Freitag. V. Februar, 20 lldr. Politisch. satirischer Abend in den Arminiushallen, Bremer Str. 72—73. Billett» sind noch an der Abendtafle tu haben. Wir bitten die Seaosfianen und «Srnoflcn, rechtzeitig zu kommen, da nur»och wenige Plätze vorhaudeu Z sind. 2. Are!« Tiergarten. Sonnabend, 18. Februar, 20 Uhr, ermeitcrte Actis. varstondssitzung bei Sriigtr. Putiitzstr. 10. Sämtliche Berichte sowie An- träge der Abteilungen sind dort ab.iugeben. 4. Are» Prenzlauer Berg. Sonntag, 1». Februar,»SalUich 0 Uhr, Pro»». gandaausnadme. Tressvuntt Schule Wehlauer Str.».„Borwärt»" mit» bringen. Erscheinen aller chcnosfinnen und Genofle» driugend ersorderlich. 5.»rei« Friedrich»hain. 32.,»7.. 38. Abt.: Die Bücher sür die Iudilare sind sofort abzuholen von Melle, Petersburger Platz 4. 12. Kreis Pantoo. Die Adressen der neugewählten Abteilungsvorstände und der Kreisdelegierten sind umgehend an den Schriftführer Fritz Silber, Panlow, Steegerstr. 3, cinzuscndc». da dieselben an den Dezirlsvorslaitd meitergeleitet werden müssen....,. 20. St rei» Reinickendorf-West. Montag, 20. Februar, 19 Uhr, im kleinen Sitzungssaal des Rathauses Wittenau. Sitzung des erweiterten«reis- Vorstandes. Zllorgeu, Sonnabend, IS. Februar: 13. Abt. Die Genossen treffen sich pünktlich 18 Uhr Lindcnstr. 3. 1. Aof. zur Besichtiguna der Dorwärts-Buchdruckerei....... 3«. Abt. Die Mitglieder der Abteilung, welch- an der Borwärts-Besichtigung teilnehmen, treffen sich um Iii Uhr und 17 Uhr im 4. Hof des Vorwärts- Gebäudes, Lindenstr. 2...... 123* Ab».»aul-borl-Sud. Wi Uhr Mitgllederverfammlung tm Lokal Sans- souci. Moltlcstraße. Vortrag:„Die russischen Gegensätze." Referent Hans Bauer. Gäste und Sympathisierende sind cingeladen.— Achtung! Am Sonntag, l!». Februar, siudet die Besichtiguna der.sille-Ausstcllung statt. Trcffpuntt 12!-i Uhr an der Wald-, Elte Ahornftratzc. 137. Abt. R-i-ickeudorf.W-ft. 20 Uhr im»olkshaus, Scharuweber. st ruhe ll«. Heiterer Abend. Eintritt frri. Alle Genossinnen uud Ge- Nossen sowie Sympathisierende und„BorwSrj»".LeIer fiad brsouder» ei», geladen. Petershage«. Sonnabend, 13. Februar, 20 Ahr, im Lokal �Radek, Mitglieder- Versammlung. Dortrag des Landrots Genossen F. Schlemminger:„Die Zukunft Pctershagens/' Freunde und Anhänger unserer Partei sind will- kommen. Regen'Besuch erwartet der Borswnd. Frauenveranslallungen: 1. Are» Ritte. Heute, iri-riill«, ,1. uu.,---73 I_ Frauenkursus im Bezirksamt Mitte, C. 2, Äloftcrftr. 68. Rcferrntin Klara Bohm-Schuch, M. s. R. Alle Genossinnen und Genossen sind herzlichst eingeladen. 17. St rei» Lichtenberg. Kreisfraucnabend Dienstag, 21. Februar, 19% Uhr, bei Tempel. Guorunstr. 7. Bortrag der Genossin Gertrud Hanna über „Arbeitcrinncnschutz und Iugcndschutzgcsctz." Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. 17. Februar, 19% Uhr, Fortsetzung des 17. Krei« Lichtenberg. Sonntag, 19. Februar, 11% Uhr, in der Städtischen Iugendbühne. Lichtenberg, Holteistratze, ZÄrstihrung des Films„Krcuzzug des Weibes". Bortragender! Genosse Dr. Georg Läwenstcin. Eintritt ist frei. 24. Abt. Sonnabend, 18. Februar, 19! 7 Uhr, 5m Lyzeum Greifs. waldcr Straße. Film- und Bortraasabend. l.„Kreuzzug des Weibes. 2. Ansprache der Genossin Klara Bohm-Schuch, M. d. R. Di« Bezirks- fiihrcr werde» ersucht, spätestens bis Freitag, 19 lldr, bei der Gcnolsin Sydow, Jmmanuelkirchstr. 12, die Karten abzurechnen. 28. Abt. Montag, 20. Februar, 19% Uhr, im Restaurant Hagenauer Straße 5. Lichtbildervortrag:»Die proletarische Frau— dos prole- tarisch- Mädäjni." Rescrentm Genossin Erna Kresse. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. 110. Abt. Grünau. Heute. Freitag, 17. Februar. 19% Uhr. bei Weimer. Köpe. »icker Str. 123, Vortrag der Genossin Else Schcibenhuber über»Ein- führung in die Gedankenwelt des Sozialismus." Alle Genoiimnen und Genossen sind eingeladen. Iungsozialisien, heute, Freitag. 17. Februar: Gruppe Weddiaq-Gesundbruauen: 20 Ilssr pünMich im Jugendheim Orthstraße 10. Laden, Vortrag:„Regierung und Opposition. Reierent Martin Stein. Parteigenossen sowie ältere SAI.-Mitglieder und Sympathisierende sind willkommen.— Gruppe Mitte: 20 Uhr Schule Gipsstr. 20» oußerordentUcha Mitgliederversammlung. Erscheinen ist Pflickt.— Gruppe Süden: 20 Uhr im Jugendheim Äorckstr. 11 Diskussion über„Unsere nächsten-Aufgaben.-- Gruppe Gchöuebcrg: 20 Uhr im Jugendheim Hauplstr. lo Verteilung der Referenten fixe die Arbeitsgemeinschaft. Sinderfreunde Groß- Berlin: »rei, Reuköl«: Sonntag, l«. Februar, in der Aula des»ailee-Friedrich- Realgymnasiums, Äaiscr-Fcicdrich�traßc. frohes Kinderfrcundcbelsammeuscin: „Lustige Leut". Beginn 13 Uhr pünktlich. Sliern und Freund« der Bewegunti sind herzlich eingeladen. Zur Generalprobe silr das Kinderfrcundebeisammen, sein„Lustige Leu!" trcssen sich alle Mitwirkenden am Sonnabend, 18. Fee bruar, pünktlich 16 Uhr, in der Aula des Saiscr-Friedrich-Realgymuasiums. Jrühjahrsmodenschau. Eigentlich verspüren wir ja vom kommenden holden Frühling noch herzlich wenig. Den Reigen der diesjährigen Frühlingsmoden- reouen eröffnete die Bekleidungsgejellschaft für deutsche Beamte mit einem M o d c n n a ch m i t t a g im Lehrervereinshous-Saal am Alexanderplah. Wie sehr modisches Frühlingssehnen all die weiblichen Gemüter durchzieht, das zeigte der überooll beseite Saal. 1200 Augenpaare harrten ungeduldig all der schönen Dinge, die da kommen sollten. In Form von ge- stellten lebenden Bildern, die eine Confcrenciere mit launigen Vers- kein lllustrierte, wurde gezeigt, wie man sich zu den verschiedenen Zeitpunkten und Gelegenheiieii vorteilhast und praktisch kleidet. Eine Nachbildung der seinerzeit bei der Modeonsstellung am Kaiser- dämm gezeigten Modereoue„Die Dame von Morgens bis Mitter- nacht", nur mit dem Unterschied, dag hier mehr auf dem Boden der Wirklichkeit gestanden wurde und der Modenspiegel das zeigte, was sich ein gewöhnlicher Sterblicher auch wirklich leisten kann. Vom flotten Pyjama oder Morgenrock aus Flanell, Kunstseide, Samt usw. schlupft man ins schlichte Arbeitskleid, das, meist in Jmnperform gehalten, aus gestrickten oder leichten, meist kasha- arngen Stoffgeweben verfertigt ist. Bor Sturm und Regen schiigt ein wasserdichter Regenmantel in karierter oder gestreifter Muste- rung, und nach sechs arbeitsreichen Tagen feiert man in praktischem sportlichen Dreß ein fröhliches Wochenende. Zwischen dos graue Alltagswerk fallen dann die rosigen Daten der verschiedenen Feier- und Festtage, wie Geburtstage, Ferien, Verlobung, Hochzeit usw., die natürlich ein ganz besonderes Augenmerk auf die äußere Fassade erheischen. Die vorgeführten Modelle in wirklich hübscher Ver- arbeitung und annehmbarer Preislage fanden lebhafteste Anerk«»« nung. Im Rahmen der Modenschau jond auch ein Losverkauf statt? dem glücklichen Gewinner des Haupttreffers winkt eine tadellose Dreiziinmereinrichtung. außerdem gelangen 1000 Trostpreise in Fornl von Gutscheinen zu S M. zur Verteilung. Die Ziehung ist am 18. dieses Monats. Iftestcr illdilipieie DIW. •IIIIJII1IIIIIIII WM IHM Norden 12310 Aüonnementsbüro: Norden 10138—39, 10185 letite ftufföhruBgl 8 U.. Ende 10 Uhr. Robert Emmet von Wolfgang Goctz Morgen, den 19. abends 7% Uhr: Zum 1. Male Zwölfiauoend Kammerspiele Norden 12310 Ende 10 Uhr Fissjeo Sie, daß (oostaiice sid) riditig verhält? Die Komödie Bismarck 2414(7516 8", U- Ende 10%, U. Marcel Fradclin (Der Eunuch) Berliner Theater Direktion Kuhnert Ctirlohnür.SIMII. Doiih.i 10 8'/. Uhr Max Adalbert als I>cr Herr von•.. g&�tuuM�Qdsädt Jjdckf man nur in dem echfen Pflanzenfeft htmin jmamgeJtastellet': XScnimctL&Cie.jf& XLunömff Thalia-Theater Oresdnerstr. 72/73 SU..-Das Sainei geht dutdi das Nadelöhr Freitag, 17. 3. 28 Staais-Oper Am Pl.d.Republ. 7 Uhr Die Meistersinger von Nomberg Stutl. Sduospielh. st» Geobnunaurkt 8 Ulm Freitag, 17.2. 28 Städtisdie Oper Bismarcks tr. tt.-Iiini. L 4,1. 7>/z Jnony spielt anf Staatl Srhillerth. Charlottcnburg 8 Uhr Ende gut alles gut Volks büh ne Thcilu am Bülavpliti II. am Sdüffliaiardamm 8 Uhr liamilsliflii 8 Uhr: Schieber des Ruhms Komische |sv3Uiir Oper SVsDhrl Allabendlich llames Kleinst gewaltiges neues R e v ii e• S I U c k: Zieh' didi aus! 200 MitmrKende. | iiiimii/« Uhr: NOniUiaasens letzte Liebe Wirl. Holtmann, Jolan, Hille. Albu Walhaila-Th. Weinbergsweg 19/20 Täglich 8>/, Uhn Das Schwank in 3 Akten Jezndlidw kdein lelritt! Vorzeiger dieses zahlen Tür Parkett auch Sonntags statt 4— Mk. nur 00 PI. Sonntag, nchm.4 Uhr TUcblein deck dfdh Parkett v. 30 PI. an. KleiD« Theater Täglich 8',« Uhr Erika Glähncr io Gretchen Für Jugendliche nicht geeignet So. 4 Uhr kleine Preise Erika OiABuer Um die Kokotle Residenz-Theater Tägl. 8»/, Uhn FrühliDS 3 di Rheio Operette in 3 Akten. Ardea. Feinar. Plczw. Brzhmi, KtafO lorhiDg, Muiniliat So. SV- Uhr ganze Vorstcllg. zu halben Preisen Lustspielbaus 8Vj Uhn guido Thielscher „Unter Gesthäftsanfsidir "T" Tägl. 7>f. Uhr: • Bies-Eletant. 5 dretsSeelSw. und das übrige grolle Clrcuspr.! Zum Schluß: „Wetftes Gold** STüh�fialhePr. y 'verschiedener Bohnensorien wurden geprüft. Die eine Hälfte war mit einer Zutal von„VVe b e rj arlsb ad er" beteilet. Der Fachmann war nicht m der Sage, sie herauszufinden. So einfach und unauffällig gleicht sich„Tfe her's Carls b a der" jeder Geschmacks* Nuance der. Haffeebohnc an. /Uterdings: Der*Prüfe nde- halte die Augen verbunden. sonst hätte die schone goldbraune Färbung und die Klarheit* des Getränkes ihm die Zutat von„Wc b ex-ls(Baxls ba der Kose-7heater SV, Uhr Der Pfarrer von liirdileld Netropol-Tb. TSgL(■/, Uhr: „Die sdifioe Helena" Operetter.Ojfenbach Uli, lidilawlai», Rttto, Zjbpi. 6eim. So.«/,4 Uhr kl Pr. erAflnHarllza Bei Gicht, Rheuma, haben skh Togal-fablet £in Versuch überzeugt! Jithias, Nerven- u. Kopfschnurr, Grippe Erkältungskrankheilen' en hervorragend bewährt Ih. in Uniraispalast Tägl. 8'/, Uhr flAUER- REVUE ..Wappppiwil' i) Sonntag U Vorstcllg. SUhru-S'/jUhr Oidis. di, guu Vw- iMI», n Aalt. Puh Inserieren brlnct ERPOLG Planetarinin am Zoo lifllas. lMdiintttaier Ünlt Noll. 1578 16V, und 21 Uhr Oer Sternhimmel der Heimat 18 Uhr Reise z. Aequator 19'/. Uhr Im Belebe der Milternaehlssogne Eintritt I M. lisdn-aat. IS Jahna O.SO 8. Reichshallen-Theater 8 Uhr, Sonnig, nachm. ä Uhr. Stettiner Sänger „Boltes eoeheDende" i nachm. halbe Preis«. Dönhoff«. Brett9!: 28. Februar: 1000- Falkper- Konrert. Achtung! Gänseverkauf! in der Zentralmarkthalle Reihe I und II findet wegen des großen Andranges heute von 8—1 u. 5—1 Uhr, Sonnabend 8—1 u. 4—7 Uhr statt. am Rr,,een**" Stawlcki —'— ci u. k■ stand Reihcl u.ll d. Firma Gegen rote Häade nnb unschöne Haulfarbe verwendet man am besten di» schneeig- weiße, seuffeie Crenie I.eodor, welch« den Händen und dem Gesicht jene motte Weiße verleiht, di« der uornehmen Dome erwünscht isst Ein besonderer Vorteil liegt auch darin, bah diese unsichlbei« Mallcrem« wundervoll kühlend bei Juckreiz der Haut wir» und gletchzeilig ein« vorzügliche Unterlage für Puder ist. 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