BERLIN Sreitag, 12. Februar � sw T r sck e i n t täglich außer Senntag«. Zugleich Abendausgabe des, Vorwärts". Bejugspreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche. 3 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SWes.Lindcnstr.I 10 Pf. Nr. 82 B41 45. Jahrgang. Anteigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile so Pf., Reklamezeile s M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts, Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. S7S3S. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 E Briefe der Ehrhardt-Putschisten „Es Putschelt uns beträchtlich."— Auf der Vefie Koburg.— In jeder Stadt eine Zelle.— Die plutokratie ist die Basis unseres Lebens. Bei den Fememördern in Plötzensee. Bericht in der 1. Beilage. Wir setzen heute die Veröffentlichung interesianter Wikinger-Briefe fort, wobei wir aus Raumgründen allerdings nur Auszüge aus den oft sehr langatmigen Be- trachtungen dieser schreibfeligen Verschwörergesell- s ch a f t bringen können. Eine besondere Rolle spielt in diesen Briefen der persönliche Adjutant Ehrhardts, Leutnant z. S. L i e di g, der schon öfter genannte P l a a s (genannt Dicker) und der ebenfalls genannte Marineoffizier K l i n tz s ch. Alle sind alte Mitglieder der O. C. und gehören Das enttäuschte Bürgertum. Stinklangweilig seit zwei Tagen die Zeitung. Immer nur Bürgerblock-Krise und gar kein Krantz-prozeß mehr! zur nächsten Umgebung des„Chefs" Ehrhardt. Intime Fäden verbinden diese Gesellschaft mit dem ehemaligen Herzog von Koburg-Gotha. Die heute veröffentlichten Briefe geben ein anschauliches Bild der unverminderten Putschsehnsucht und Verschwörer- tätigkeit dieser Geheimbündler, sie zeigen sie bei der Zellen- bildung und schließlich bei einem recht interessanten Versuch. enge Fühlung mit den Mächten der Schwerindu- st r i e zu gewinnen, vor deren Geld die Wikinger-Recken einen gewaltigen Respekt bezeugen. Aber sie zeigen auch, welches Hemmnis ihnen die'Polizei des republikanischen Preußens bereitet. * Wann werden wir wieder Verschwörer? Reinhardsbrunn, den 7. Januar lS2ö. Lieber Plaas! Wr Ihren Brief vom 2. Januar, seit langer Zeit, Nieinen herz- lichsten Dank. Die übersprudeinde Lebhaftigkeit, die aus Ihren Zeilen spricht. läßt mir keine Ruhe, so daß Ich Ihnen gleich antworten muß. Ich weiß zunächst nicht, welchen Artikel des Tod's auf Latschen Sie meinen, nehm« aber an. es handelt sich um die Dichtkunst über den Kaiser Karl Eduard. Wenn Sie dieses Pamphlet meinen, dann stimmt es, daß ich es gesehen habe. Der Latschentod schickte mir gleich zwei Exemplare davon mit dem Bemerken, daß e, eine Er- widerung einer nationalen Zeitung aus einen ähnlichen Artikel des Demokratenblaues fein sollte. Ich möchte mich nicht getroffen fühlen und dem Herzog(von Koburg. Red. d. D.)«in Exemplar dieses Scherzes geben. Dos hat's bei mir auch eingeschlagen. Ich habe die beiden Exemplare in meinen Schubkasten geworfen und nicht daran gedacht, dem Herzog das anzutun. An den Latschentod schrieb ich entsprechend, daß das Pamphlet für geschmacklos und die Ueberreichung an den Herzog für«ine Taktlosigkeit halte... Nun zur Hauptsache: Sie haben recht, es putschest uns schon beträchtlich iu den Gebeinen. Anfangen lieber heut als morgen. Aber wenn uns unsere Die(Funktionäre der Fachgruppe ZNetallindustrie des Bundes der technischen Ange st eilten und Beamten haben die Frage erörtert, ob der gellende Gehaltstarif zum ZI. Blärz zu kündigen sei oder nicht. Bach einem Bericht Günthers und einer sehr ausgedehnten Debatte wurde e i n st i m m i g beschlossen. im AsA-Metallkartell, das am Montag eine Sitzung abhält, für eine Kündigung des Gehaltsabkommens einzutreten. 3n seinem Schlußwort behandelte Günther dann eingehend die Lohnbewegung der Metallarbeiter in Mitteldeutschland und die damit zusammenhängenden bereits durchgeführten und weiter angedrohten Aussperrungen. Rachstehende Eni- schließung wurde einstimmig angenommen: „Die Funktionäre und Mitglieder des Bundes der technischen Angestellten und Beamten der Fachgruppe Metallindustrie versol- gen den Lohnkamps der mitteldeutschen Metall- a r b e i t e r mit gespanntester Aufmerksamkeit und größter An- teilnähme. Die im Verlaus dieses Lohnkampfes bereits durchgeführten und angedrohten Aussperrungen, bei denen die Unternehmer bestehende Tarifverträge völlig außer acht lassen, beweisen mit aller Deutlichkeit die Richtigkeit der sreigewerk- schostlichen Beurteilung der Klassenlage aller Arbeitnehmer. Dieses Beispiel rücksichtslosen Slassenkampses wird aus die bisher noch nicht organisierten Arbeiter und Angestellten nicht ohne Eindruck bleiben. Znsbesonders wird die Zdee der Merks- gemeinschasten und der Glaube an eine vernünftige Verständigung mit dem Unternehmertum, wie er von den christlichen und hirsch- Dunckerschen Gewerkschastsrichtungen immer noch vertreten wird. als völlig abwegig gekennzeichnet. Die Butab-Funktionäre der Fachgruppe Metallindustrie sprechen den streikenden und ausgesperrten Melallarbei- tern ihre wärmste Sympathie aus und geben der Er- Wartung Ausdruck, daß dieser Riesenkamps der organisierten Metallarbeiter mit vollem Erfolg beendet wird. Darüber hinaus erklären sie sich im Hamen der organisierten technischen Angestellten auch zur materiellen Hilfeleistung bereit, falls eine solche vom Metallarbeitervcrband als erwünscht und notwendig bezeichnet wird" Die Gchlichtungsverhandlungen. Heute vormittag begannen die Schlichtungsverhandlungen im Reichsarbeitsministeriums über den großen Arbeitskonflikt in der Metollindustrie. Vom Ausgang dieser Verhand- lungen hängt es ab. ob es zu einer Verständigung oder zu der Riesenaussperrung der deutschen Metallarbeiter und -arbeiterinnen kommt, die das Unternehmertum der Metallindustrie zum 22. Februar angekündigt hat. Die Verhandlungen wurden von dem für diesen Sonderzweck neu bestellten Schlichter H a u s ch i l d aus Weimar mit einer A n- sprach« eröffnet, in der er zunächst die Bitte aussprach, in diesem großen Wirtschaftskompfe von der Frag« nach der Schuld an seinem Ausbruch abzusehen. Die Lage sei äußer st gespannt. Um Hoffnungen nur nicht wieder trügen. Sie haben doch sicher auch von dem Gerücht eines Belagerungszustandes gehört? Dos ist m. E. kein bloßes Gerücht, sondern da liegt Wahrheit drin. Die kürzliche Verschiebung von Schupo von Ostpreußen nach Verlin, von Verlin nach dem Ruhrgebiel ist wohl nicht auf Grund des Sichecheitspaktes geschehen, sondern für mich ein Zeichen der Vorbereitung. (Fortsetzung nächste Seite.) so mehr sei zu erwarten, daß die Verhandlungen sachlich geführt werden und in der Absicht, den Konflikt zu einem guten Ende zu bringen. Bei den Verhandlungen sind die mitteldeutschen Unternehmer- verbände der Metallindustrie in Magdeburg, Halle und Dessau ver- treten, ebenso der Gesamtverband deutscher Metollindustrieller. Die Arbeiterschaft ist vertreten durch das Hauptoorstandsmitglied des Deutsch«: Metallarbeiteroerbandes, Hand ke- Stuttgart, den Be° zirk-leiter des Verbandes in Halle a. d. S., Röhl er, die Bor- sitzenden der Ortsverwaltungen in Dessau und Magdeburg, und je Der Schlichter. Ministerialdirektor liauscbiid(Weimar) ist als Schlichter für den großen Arbeitskonflikt in der Metallindustrie bestellt. Unter seiner Leitung tinden heute die Verhandlungen im Arbeitsministerium statt. ciiicn Vertreter der christlichen und der Hirsch-Duncker- f ch e n Mctallarbeitcrorgamsation. Den Verlauf der Verhandlungen sieht die gesamte deutsche Ar- beiter- und Angestelltenschaft mit dem größten Interesse entgegen. Sollten die Vertreter der Unternehmer von ihrem bisherigen Ver- halten auch jetzt noch nicht abgehen, dann müßten die Verhand- lungen von vornherein scheitern. Denn auch die Androhung der Gesamtcmssperrung bringt die Metallarbciterschajt Mitteldeutsch- lands nicht dazu, sich mit einer D r c i p s e n n i g z u l a ge abzu- finden. Angestellte und Arbeiter solidarisch! Kündigung des Gehalisiarifes in der Berliner Metallindustrie.— Solidaritäts kundgebung.— Gchlichtungsverhandlungen im Arbeitsministerium. Die Putschistenbriefe. Mtselraten um die Auflösung. Der Reichstag in Ltnwiffenheit. (Siehe auch Titelseite.) Dos wäre ein herber Schlag für uns, denn dann würde ein putsch vielleicht wieder im Sejm erstickt werden. Und wir möchten doch die Sache etwa» in Iluh sehen. Also da sind meine Hosfnungen nicht zu weit her. Man kann zwar nicht wissen. wie die Sache laufen wird, aber Bedenken habe ich doch, daß wieder mal die Hoffnungen umsonst sind. Aber komme, was kommen mag, wir bleiben die Alten und den Chef haben wir wieder... Ihre Befürchtungen in bezug auf den Bund und atif den Chef teile ich schmi feit langem. Wie oft habe ich mir beim Chef das Maul verbrannt. Sie erinnern sich wohl noch, daß ich damals fchou, als Sie das erstemal auf der Beste(Koburg. Red. d. B-) bei Klintzsch waren auf der Treppe, daß ich empfahl, alle Briga- diers müßten sich zu einem engen Ring zusammenschließen, damit wir demChefdasRückgratsind. Klintzsch schrieb mir vor einiger Zeit so ähnlich wie Sie, aber auch Scheuer schrieb so. Ich habe mich daraufhin kurz entschlossen, den Besuch des Chefs gar nicht erst abzuwarten, fondern ihm sofort einen Brief zu schreiben, worin ich ihm unsere Befürchtungen klarlegte und ihn bat, uns als feine treue st en Anhänger und als alte Brigadiers nicht zu überhören. Der Brief ist bereits an ihn unterwegs... Ich fürchte nur im geheimen, der Chef ist nicht mehr derselbe wie früher. Die Verbannung, die Hetze und die un- fähige Umgebung haben mich etwas mürbe gemacht. Unser Einfluß ist aber m. E. fast unbedeutend. Die Frage, wann werden wir wieder Verschwörer, habe ich dem Ches schon einige Male vorgelegt. Er hat sich darüber entrüstet. Davon genug, wir oerstehen uns und müssen unsere Ge- danken häufig austauschen... Herzliche Grüße und potsch-heiU Ihr Schmidt. Zettenbilöung. Bund Wiking c. V. München 2, C. 4, den 24. März 1926. Bundesleitung. Sendlinger Torplatz 1. Abteilung Adjt. An die Bezirksleitung des Bundes Wiking. Chemnitz. Dem Chef hat Ihre Meldung vom 6. März nebst Anlage norge» legen. Er hat mich beauftragt, dem Bezirk Chemnitz seine besondere Anerkennung zu übermitteln. Der Chef hosft, bei seiner Anwesen» heit in Sachsen zwischen 16. und 20. April auch die Männer des dortigen Bezirks persönlich kemrmzulernen. Es war ihm eine be- sondere Freude, aus der vorliegenden Meldung zu ersehen, daß man im dortigen Bezirk tatkräftig ans Werk geht, um die Voraussetzung zu schaffen zur Verwirklichung seiner weitgr ei senden Pläne. In diesem Jahre muß es geschaffen werden, daß es keinen Ort mehr gibt, in dem nicht wenigstens«in Vertrauensmann, eine„Zelle" der Ideen des Kapitäns sich befindet. Die politischen Richtlinien sind Ihnen über die Landesleitung zugegangen. Sie geben Ihnen das Material für Ihre weitere Arbeit. -scrr-mur,„�3 Liedrg. '■" Leutnant z. S. und Adjt. 26. April 1926. Zur Kenntnisnahme weitergeleitet. o. Killinger. Ran an die plutokratte! München, den 20. Juli 1926. Lieber Dicker! ... Nun noch zu einem Punkt Deines Briefes, der mir am meisten Freude g macht hat. Do»«st diese nüchterne Klarheit, mit der Du über die Wirtschost und ihr« Macht denkst. Ich sage Dir ehrlich. Du bist der erste Mann im Bunde, der damit meinen Standpunkt teilt. Was Hilst das ganze Geschrei von Plutokratie usw. in einer Zeit, wo die Basis nnsres Leben» von der Gnade und Ungnade dieser Leute abhängt, die da» Geld in den Händen haben. Auch Herr Mcchraun wird mit seinem Geschrei gegen die Pluw- kratie, da» heut« zu seiner täglichen Mahlzeit gehört, nichts daran ändern können, daß die Plutokratie heutedieMachtdarstellt und vor allem auch, daß diese infolge ihrer Macht auch die größeren geistigen Kräfte an sich h« ra nzuz i ehe n vermag. Wenn sich doch bloß diese Leute endlich daran gewöhnen könnten, realpolitisch zu denken... Von sämtlichen Führern der Verbände ist m. W. der Chef der einzige, der bisher zu den führenden Leuten der Wirtschaft Verbindung gesucht und gefunden hat... An dieser Entwicklung maße ich mir persönlich ein gut Teil Berdienst zu. Jedenfalls unterstütze ich« wo ich nur kann, die Entwicklung. Unter allen UmflSnden muß der Chef auf diesem Gebiet weiter arbeiten und gerade auf dieses Ge- biet wird er mehr und mehr sich konzentrieren müssen, das heißt also, er wird sich mehr und mehr von der eigentlichen Bundesarbeit absentieren, um wirkliche politische Arbeit zu leisten. Am 26. findet hier in einem geladenen Kreis eine Konferenz promiaeuler Mrlschaftler statt, zu der auch der Ches und ich«ingeladen sind. Hier wird eine weiter« eingehende Fühlungnahm mit diesen Leuten stattfinden können... Herzlichst stets Dein L i c d i g. Geistlichkeii gegen Schwarzrotgold. Mit Reichsbannerfarben keine kirchliche Beerdigung! Vochnm. 16. Februar.(Eigenbericht.) Bei der Beerdigung des Bergmanns Rosenberg in Altenbochum kam es zu einem aussehenerregenden Zwischenfall. Der Ber- storbene war Mitglied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Seine Kameraden vom Reichsbanner gaben ihm das letzte Geleit. Zwei Reichsbannerfahnen wurden im Trauerzug« mitgeführt. Der katholische Geistliche forderte die Entfernung der Fahnen. Als das Nicht geschah, wurde die Beerdigung verweigert. Der Borfall hat in republikanischen Kreisen außerordentliche Er- reguug hervorgerufen, Man munkelt, daß die Sitzung des Reichstags, die heute um 12 Uhr mittags begonnen hat, feine letzte fein könnte. Man könnte nun wohl schildern, daß eine nervöse Spannung über dem Hause lagere, ein nervöses Hin und Her in den Wandelgängen sich abspiele, aufgeregte Gesichter zu sehen seien und dergleichen. Eine solche Schilderung könnte sehr spannend sein, wäre aber leider mit keinem Wort wahr. Bon einer Störung der seelischen Gleichgewichtslage dieses Hohen Hauses ist in Wirklichkeit nicht das gering sie zu bemerken. Man fährt fort, den Haushalt des Arbeitsministeriums zu erledigen, als ob gar nichts passiert wäre, als ob keine drohende Wolke am Himmel hinge, aus der in jedem Augenblick der Blitz herabzucken kann. Ein- kleines Vorspiel lieferten nur die Kommunisten, indem sie ihren T o r g l e r vorschickten, um sich darüber zu entrüsten, daß „dieser Klassenetat durchgepeitscht" werden solle. Tovgler vergißt hinzuzufügen, was geschehen würde, wenn man diesen „Klassenetat" nicht durchpeitschte. Dann würde die Klassenregierung des Bürgerblocks freieBerfügung über die Steuergelder haben. Torgler legt einen Mißtrauensantrag gegen die Regierung vor und wünscht, daß er auf die Tagesordnung der heutigen Sitzung gesetzt werde. Herr Leicht von der Bayerischen Volkspartei widerspricht und so wird die Beratting des kominunistischen Antrages schon in der heutigen Sitzung unmöglich. Inzwischen berät das Reichskabinett. Auch das Reichs- kabinett kontingentiert seine Beratungen— und wird trotzdem nicht fertig. Erst heute Nachmittag um S Uhr soll das Notprogramm vorgelegt werden, von dessen Annahme oder Nichtannahme durch Hessens neuer Staatspräsident Bürgermeister Adelung(Soz.) aus Mainz wurde als Nachfolger des wegen hohen Alters zurückgetretenen Abg. Ulrich zum Staats- und Ministerpräsidenten des Freistaates Hessen gewählt. parteizerfall vor den Reuwahlen. Oeutschnationale, die sich schämen.- Zwei neue Bauern- Parteien im Wahlkampf! Die bisherige» deutschnationalen Reichstagsabge- ordnete D ö b r i ch, Hänse und Dorsch haben heute vormittag dem Steichstagspräsidentcn ihren Austritt auS der Deutschnationalen Volkspartei mitgeteilt. Sie haben sich als eine Christlich-nationale Bauernpartei konstituiert. Das ist natürlich nur als ein demagogischer Schachzug zu bewerten. Tie Herren wollen nicht mit der zerfehten und besudeltem deutschnationalen Parteifahne in den Wahlkaurpf ziehen. Vor einigen Tagen sind der frühere ReichsernLH- rungSminister F e h r und vier weitere Bauernabge- ordnete auS der Wirtschaftspartei ausge- schieden und haben sich als Deutsch«Bauernpartei aufgetan. Sie haben schon nach Schlesien einen Vorstoß unternommen, um dort für ihre Kandidaten zu werbe». Die Dcutschnationalen befürchten, daß diese Deutsche Bauern- Partei im ganzen Reiche der Deutschnationalen Volkspartei Kon- turrenz machen könnte. Darum haben sie die erwähnten drei Abgeordneten zu einer Ehristlich-nationaien Bauernpartei abkommandiert. Nach den Wahlen werden die auf eine christlich- nationale Liste etwa gewählten Bauern selbstverständlich wieder bei den Deutschnationalen Platz nehmen. Die Abgeordneten Seifsert und Best, die bisher völkisch waren, haben als Deutsch« Voltsrechts- und A u f- wertungspartei einen Laden für den beginnenden Wahlkampf aufgemacht. Das Zehrgeld der Vaierlandsretter. Die deutschnationale Korruptionsaffäre vor dem Württem- bergischen Landtag. Stuttgart, 17. Februar.(Eigenbericht.) Die schweren Unregelmäßigkeiten in der Stuttgarter Handwerkskammer, die schon seit längerem die Oessentlichkeit Württembergs beschäftigen, kamen gestern im Württembergischen Landtag zur Sprache. Der Staatsamvalt hatte einen Antrag auf Aushebung der Immunität des deutschnationalen Abgeordneten Theodor Fischer gestellt. Die Entscheidung darüber fiel gestern. Die Debatte rollte die für die veutschnationale Partei und für die Praktiken der sogenannten Mittelstandsretter recht bezeichnenden Zusammenhänge auf. Als der sozialdemokratische Berichterstatter des Geschäfts- ordnungsausschlisses den von der Staatsaimwltschoft mitgeteilten Tatbestand vortrug, wonach der Abgeordnet« Fischer in vier die bisherigen Regierungsparteien alles weitere abhängt. Man hört, daß die Dcutschnationalen ungeheuerliche Forderungen zugunsten der Landwirtschaft erheben. während das Zentrum erklären soll, man könne die Landwirt- schaft und die Kleinrentner nicht einseitig bedenken, man müsse dann eben auch für die Sozialrentner etwas tun. Unter solchen Umständen scheint die Einigung allerdings höchst problematisch. Wenige glauben noch daran, daß es diesem Reichstag und dieser Regierung noch gelingen wird, ihr Haus notdürftig zu bestellen, bevor der Sensenmann sie abruft. Wann soll nun aufgelöst, wann soll gewählt werden? Würde noch heute ausgelöst, so müßte am 25. März gewählt werden. Denn danach kommen die Ostern, und dann gehts nicht. Das Reichs- Ministerium des Innern aber und ebenso die preußische Regierung zweifeln daran, ob man mit den behördlichen Vorbereitungen bis zum 25. März fertig werden könnte. Wenn nicht, was dann? Würde heute aufgelöst, so wäre der Sonntag nach Ostersonntag, der sogenannte„weiße Sonntag", der letzte mögliche Wahltermin. Aber unmittelbar nach Ostern will niemand Wahlen. So spricht man also schon davon, daß der Reichstag heute auf keinen Fall a u f g e l ö st werden wird. Auch dann nicht, wenn heute die Ver- Handlungen über das Notprogramm scheitern. Man wird den Reichstag, der heute sowieso bis zum Montag der übernächsten Woche in die Ferien gehen will, entweder noch eine Weile weiter Wirtschaften lassen oder vertagen und erst auflösen, bis eine Wahl Ende April oder Anfang Mai möglich wird. Fällen gemeinsam mit den übrigen Mitgliedern des Kammer- Vorstandes sich eines Vergehens der erschwerten Un- treue schuldig gemacht haben soll, wurde man auf den Bänken der Rechten unruhig und suchte den Berichterstatter durch lärmende Geräusche zu übertönen. Als er dann berichtete, daß der Kammer- vorstand aus den Einnahmen bei den Meisterprüfungen eine sogenannte schwarze Kasse gebildet hatte, daß aber die Pro- t o k o l l e der betreffenden Borstachssitzungen fehlen und mindestens eins davon bestimmt vernichtet worden sei, daß«in Fonds für Repräsentationszwecke gebildet worden war, ohne sachgemäß die Zustimmung der Vollversammlung und die Genehmigung der Auffichtsbehörde einzuholen, da rief man dem Berichterstatter von der Rechten aus zu, er begehe eine Taktlosigkeit. Der Bericht- erstatter erklärte seine Mitteilungen für notwendig, da ohne ihr« Kenntnis dem Landtag nicht zugemutet werden könne, die Jminu- nität eines Abgeordneten aufzuheben. Der weitere Bericht ergab noch die besonders eigenartige Tat- fache, daß von den Geldern der kursuskasie Rauchwaren und Alkoholika gekaust und an die vorslandsmitglieder verteilt worden waren. In die sogenannte schwarze Kasse sollen 37 000 M. geflossen sein. Eine Revision dieser Kasse, als deren Revisor der Abgeordnete Fischer bestellt worden sei, habe jedoch nie stattgesunden.■ Des weiteren werden Fischer und die' übrigen Vorstandsmitglieder beschuldigt, weit mehr an Diäten und Zehrgeldern für Sitzungen und Reifen liquidiert zu haben, als ihnen nach dein Regulativ zu- gestanden hätte. Ebenso war Fischer als Revisor sür den freien Verfügungsfonds des Kammerpräsidenten Wolf bestellt, der nach der Behauptung des Wolf an die Landwirischastliche Stelle des württembergischen Handwerks abgeführt sein sollte, den diese aber nie erhalten hat. Der Berichterstatter beantragt«, namens des Ausschufies wegen des ehrenrührigen Charakters der Beschuldigungen die Z u st i m- mung des Landtags zur Durchführung des Strofver- fahren? zu erteilen. Der Aulrag auf Aufhebung der Immunität des Abg. Theodor Fischer wurde mit ollen Stimmen gegen die der Kommunisken. die grundsätzlich dagegen zu sein behaupten, genehmigt. Ein gleichartiger Aittrag der Staatsanwaltschaft gegen den deutschnationalen Reichs- tazsabgeordneten S i l l e r ist zurzeit noch beim Reichstag anhängig. Durch Draht und Funk. Die Kommission zur Vorbereitung der Abrustungs- konfcrenz wurde zum fünften Male einberufen. Sie ver- sammelt sich in Genf am 15. Marz. CS sollen geprüft werden die Vorschläge des demnächst zusammentretenden SicherheitsauSschusseS und die Vorschläge der Sowjetdclegation vom Dezember. * Im Oberhaus griff Graf Cecil die Regierung wegen ihrer Schiedspolitik an. Die Regierung Baldwin sei dem Schiedsgedanken so feindlich wie einst das kaiserliche Deutschland. Das sagte ein Konservativer und ehemaliger Ministerkvllcge von Baldwin und Chamberlain. e Der deutsch-litauische Schiedsvertrag wird verösfent- licht. Cr sieht ein Schiedsverfahren für Rechts streitig» keiten und ein Vergleichsverfahren für politische Streitig keiten vor. Cr gleicht den übrigen elf beut- schen Schiedsverträgen. » Ein Verbot des Miß-Cavell-Films wegen feiner internatio- nalen Gefährlichkeit regte der englische Innenminster bei den Ge- mcindebehörden an. Er selber kann keinen Film verbieten, da in England eine Filmzensur nicht besteht. * Die Genfer Kommission zur Kodifizierung(Zusammenfassung) des Völkerrechts hält sich nur mühsam am Leben. Sie beriet nur über drei Fragen: Staatsangehörigkeit, Küftengewässer und Schadenersatz sür Ausländer. Darüber sollen die Regierungen ihre An- sichten mitteilen. Erst in einem Jahr tritt die Kommission wieder zusammen. 4-' Hagen in Westfalen ist Deutschlands jüngste Großstadt. Der 100 000. Einwohner war das Kind eines Eisenbahnzugsührers. Der Magistrat stiftete ihm ein Sparkassenbuch über 250 Mark. >» Die Mecklenburg- Schiveriner Regierung hat den Reichsspar- kommissar in ihr Land gebeten, um zu hören, welch« Sparmaßnahmen dort möglich sind. Ein übler Scherz. Der neue Kranh-Verteidiger Dr. Schulz mystifiziert! Der Offizialverteidiger von Paul Krantz, Rechtsanwalt Dr. Arthur Schulz, ist heute morgen das Opfer einer Mystifikation geworden, deren Urheebr nicht scharf genug angeprangert werden können. Er wurde telephonisch angerufen, und„im Auftrage des preußischen Justizministers" wurde ihm eröffnet, daß der Minister sich, in dem Bestreben, den leidigen Prozeß Krantz möglichst bald zu Ende zu führen, mit Landgerichtsdirektor Dr. D u st persönlich in Berdindung gesetzt habe, um den Konflikt zwischen dem Gericht und dem früheren Verteidiger von Krantz, Dr. Frey, zu beenden. Das Gericht solle«ine Erklärung abgeben, wonach es ihm bei dem Zusammenstoß zwischen dem Gericht und der Verteidigung vollkommen fern gelegen habe, den Anwaltsstand herabzusetzen.' Dann könne Rechtsanwalt Frey die Verteidigung wieder ülbernchmen, was vor allem in Anbetracht des Gefundheits- zustandes von Krantz durchaus wünschenswert wäre. An der ganzen Sache ist kein wahres Wort. Ganz abgesehen davon, daß es zum mindesten umstritten ist, ob der Minister a m t- Der neue Stadtrat Der sozialdemokratische Stadtverordnete Czeminski wurde zum Stadtrat von Berlin gewählt. Kunst, Kultur, Leben. l i ch überhaupt zu einem solchen Schritte befugt wäre, würde Herr Schmidt bestimmt nicht in dieser Weis« in ein iin Fluß befind- liches Verfahren eingreifen. Auf Anfrage im Justizministerium wird erklärt, daß dort von dein Anruf an Dr. Schulz nicht das Geling ste bekannt sei, der Anwalt fiel einer Mystifikation zum Opser. Man weiß nicht, ob es sich um einen üblen Scherz handelt oder ob jemand wirtlich so töricht war, daß er glaubte, aus diese rnqualifizierbare Weise den Iateresfen des Angeklagten krantz dienen zu können. Heber den Gesundheitszustand des krantz, der noch innner»m Augustc-Viktoria-Krankenhaus liegt, gehen die Meinungen aus- einander. Erst die ärztlichen Untersuchungen am heutigen Nachmittag werden hier Klärung schassen. Im Tunnel verschüttet. Aus dem Preußen- Sportplatz in der Berliner Straße in Tempelhos stürzte heule vormittag ein im Bau befindlicher Tunnel eän. Ein Arbeiter wurde dabei verschüttet und mußte durch die Feuerwehr aus feiner furchtbaren Lage befreit werden. Cr wurde in das Urban-Krankenhaus gebracht, wo er hoffnungslos darniederliegt. Hohenzoltern für Fememörder. Prinz August Wilhelm auf dem Dauerntag bei den Dater- ländischen. Frankfurt(Oder), 17. Februar.(Eigenbericht.) Am Mittwoch abend hielten die Ualerländischen verbände im Tauzlokal„Sanssouci- eine Bcfreiungsseier für die Fememörder ab. Der Saal war von den valerläudischen. die zum großen Teil mit Autos aus den umliegenden Dörfern herangebracht worden waren, beseht, um der Gastrolle des Prinzen August Wilhelm beizuwohnen. Der Aufzug der Veranstaltung entsprach den schönen Gewohn- heiten des Stahlhelms und des Landbundes: Stahlheimmarschmusik, Fahneneinmarsch. Rummel. Oberstleutnant(St ritze r hielt die Begrüßungsansprache. Dann folgte eine Brandrede des völkischen Dr. Stadtler- Bertin und eine Ansprache der Freifrau v. Kzadeln an die Frauen des Volkes. In einer weiteren Rede feuerte der Stahlhelmführer Rittmeister v. M o r o z o w i c z die Gebildeten allerorts auf, es dem hohen Prinzen gleich zu wn. und Schüller an Schulter zu den Arbeitern und Bauern zu stehen. Zum Schluß stieg Prinz August Wilhelm auf die Bühne und sprach ähnlich wie sein Bater ehemals zu den Märkern. Es fei fein schönster Tag feit der Revolution, den er hier erlab«: dennoch beklagte er sich über die Verachtung, die ihm vom Bolke bis- her zuteil wurde.„Und doch will ich— so fuhr er fort— dasselbe wie ihr, und ihr das, was ich will. Wir gehörenzusammen! Darum, ihr Brandenburger und JDlärker, haltet tow alte Treue hoch in Ehren! Nehmt euch die Fahne der Märker, die unter dem großen Kurfürsten aus allen Teilen Preußens geschaffen wurde, zum Symbol der Treue und Einigkell!' Daß der Prinz a. D. bei seinen Leuben Beifall erntete, ist an- gesichts der Geistesoerfassung der Stahlhelmer nicht weiter ver- wunderlich. Um so bemerkenswerter war es, daß sich die übrigen Frankfurter um den hofirnngsvollen Exkaisersprößling nicht tümmerten und feine Anwesenheit gänzlich unbeachtet ließen. Harry Domela auf der Bühne. Im Trianon-Theater findet augenblicklich ein sogencrnn- tes Revue-Ga st spiel statt. Man spielt„Eine fröhliche Revue von Frühling, Liebe und was dazu gehört- von Victor Corzilius mit dem bescheidenen Titel„Die ganze Welt lacht". Geschmack, J>i- halt und Aufmachanz dieser Revue sind derartig von vorgestern, daß die ganz« Welt weinen könnte. Der Theaterabend hält sich von Bühnenkunst einer sonstigen Art Kunst ängstlich fern. Darüber braucht man kein Wort weiter zu verlieren. Aber es gibt«ine Sen- fation: in einem eingcflochtenen Sketch„Der falsche Prinz" tritt Harry Domela persönlich auf. Vor airderthalb Jahren ist er eine Berühmtheit gewesen. Er hat damals nichts dagegen unter- nommen, als Sohn des ExkronPrinzen zu gellen und die Huldi- gungen monarchisch empfindender Republikaner leutselig entgegen- zunehmen. Er hat von neuem den Beweis geliefert, daß manche Deutschen ein wollüstiges Vergnügen empfinden, wenn man'ihnen gestattet, Speichel zu lecken und sich ducken zu können. Schon vor einigen Monaten hat ein rühriger Geschäftsmann Harry Domela auf der Bühne zur Schau stellen wollen. Die Schauspieler haben sich aber geweigert, sich mit einem Hochstapler zusammen zu zeigen. Dieser Standpunkt ist nicht ganz verständ- lich. Der falsch« Prinz besitzt ein größeres Recht auf Volkstümlich- keit als der echte. Sein genialer Streich ist für den Wellsortschritt wertvoller gewesen als manches andere. Seine Erlebnisse als Prinz Wilhelm hat er in einem Buch niedergelegt(Molik-Verlag), dessei Auslage bereits das erste Hunderttausend überschreitet. Das Buch ist wahrhaft erschutienib. Erschütternd in der Tragik eines vom Leben Enterbten, eines Entgleisten, der trotz allar modernen Sozial- einrichtungen mehrmals dicht vor dem Hungertodc steht, und er- schütternd in der Ofienbarung der grandiosen Dummheit seiner Zeitgenossen, die keine andere Sehnsucht kennen, als wieder zu unterwürfigen Untertanen zu werden. Ich habe das 307 Seiten starke Buch in einem Tage durchgelesen. Das Panoptikum hat sich überlebt. Der irgendwie aus dem Durchschnitt herausragende Zeitgenosse imiß daher seinen Mit- menschen auf andere Art nähergebracht werden. Seine Vergehen hat Domela abgebüßt. Warum soll er sich also nicht auf die Bühne stellen? Der' Sketch gibt nur die Wirklichkeit wieder. Ein junger Mann heimst die unbegrenzte Hochachtung ersterbender Republikaner ein, nicht kraft seiner Persönlichkeit, sondern kraft eines Titels, der nicht einnml echt ist. Aus der Bühne sieht diese Nachahmung der Wirklichkeit ganz unwahrscheinlich aus. Soviel Dummheit kann es nicht geben. Domela hat gezeigt, daß viele Menschen tatsächlich so dumm sind. Er ist ein schmächtiger, be- scheiden aussehender junger Mann mit fein geschnittenem Gesicht, einem kleinen Sprachfehler und osfiziersmäßig schnarrender Stimme. Er war gestern noch etwas besangen. Er wunderte sich wohl über den frenetischen Jubel, der bei seinem Austreten einsetzte. Domela besitzt entschieden schauspielerische Begabung. Er ist— mit Recht— populär. Ernst D c g n c r. Ltrausfuhrung in Dresden. Die aktuelle Bühne des Staatlichen Schauspiel- Hauses in Dresden brachte— gleichzeitig mit den Theatern in Liegnitz und Halberstadt— das mit dem Kleistpreis 7927 aus- gezeichnete Stück„Toboggan" von Gerhardt Menzel zur Uraufführung.— Ein Drama?— Nein!— Bielmehr der endlose Monolog eines tödlich verwundeten deuffchen Artillerieoffiziers, der plötzlich erkennt, daß er ja noch gar nicht gelebt habe. Mit äußerster Willensanspannung versucht er, wieder in das Leben zu ff ächten. Aber sein Platz bei der Batterie ist schon besetzt, seine Befehle werden mißachtet. So kehrt er in die Heimat zu seiner Geliebten zurück, unterwegs von den Kameroden wie eine Leiche gemieden. Doch auch die Frau, bei der er Wärme, Rettung, Leben zu finden hofft, hat sich bereits anderweitig versehen, und jammernd über sein verfehltes Dasein stürzt er in die Schncenacht dem Feinde Tod an die kalte Brust. In einer filmartig abrollenden Folge von neun Bildern vollzieht sich Toboggans Sterben. Eine ungeheure Verschwendung von Staffage wird von dem Autor getrieben. Artillerie- unterstand und tobende Schlacht mit baumhoch springenden Granaten, zwei Lastautos auf der Landstraße, einem Bahnhos mit einfahrendem Schnellzug, fünfzig oder mehr Chargen und Statisten braucht er als Rahmen für ein Nichts. Das Dresdener Schauspiel- haus gibt ihn aus dem Vollen. Was Adolf Mahnte, der Bühnenbildner, und Josef G i c l e n, der Regisseur, an Arbeit ge- leistet haben, verdient höchste Anerkennung. Erich P o n t o konnte trotz seiner Virtuosität den in neun Abschnitten sterbenden Toboggan nicht vor Eintönigkeit bewahren. Er erschütterte nicht, er ermüdet« aus die Dauer. P. M. �Ledige Mütier". (primus-palast) Dieses Thema ist heute derart aktuell, daß die Filmindustrie wohl zu Recht sich von seiner Ausschlachtung ein gutes Geschäft oerspricht. Und das Manuskript, das zwei Verfasser und zwei Parallelhand- lungen hat, bewegt sich auf gut bürgerlichem Niveau mit starker Rück- sichtnahme auf die Provinz. Dort verzeiht man nämlich dem Film, selbst wenn«r von unbestreibarem Verantwortungsgefühl getragen ist, keinen Verstoß gegen die Ehe. So etwas sieht man. sich dort und sieht sich der gute Spießbürger allerorts überhaupt nicht an. Dorum bekommen beide ledigen Mütter Männer. Trotz der so über- aus vorsichtigen Behandlung des Themas kommt sich'die Filmgesell- schaft noch wunder wie verwegen vor und verkriecht sich deshalb hinter den alten Fritz, dessen freimütiges Austreten für die unehe- liche Mutter, dokumentiert in einem Brief on Boltaire, sie als so eine Art Entschuldigungszettel für sich benutzt. Der Regisseur Fred Sauer zerreißt oft Stimmung und Hand- lung durch zu genau ausgemalte Kleinigkeiten, auch läßt er feine Schauspieler zu viel reden. Im großen und ganzen aber liefert er eine saubere Arbeit und versteht es sogar, eine Kabarettszene(indem die Hauptakteure einen schlechten Platz hinter einem Pfeiler be- kommen), durch«ine neue Idee interessant zu gestatten. Die Haupt- darstellennnen Margarete Schlegel und Helga Thomas wissen durch ihr einfaches, jedoch überzeugendes Spiel sehr für sich zu ge- Winnen. Walter S l e za k ist ein netter, rechtschaffener, lebensfroher junger Mensch. Werner F netter er macht sich immer mehr heraus, und noch ein par solcher gefälliger Rollen, und er ist Harry Liedtkes größte Konkurrenz. Frieda Richard ist wieder wunder- bar als Mutter und Margot Walter-Landa fällt in einer kleinen Rolle unbedingt auf, denn so frech und so süß zugleich kann so leicht niemand aussehen. e. d. Dänisches Porzellan. Die Ausstellung im Kunstgewerbemuseum. Im Lichthof des alten Kunstgewerbemuseums(Prinz-Albrecht- Straße) zeigt die Kopenhagener Porzellan in anufak- tue in einer umfangreichen und sehr manierlich aufgebauten Aus- stellung die Leistungen von rund 15l) Jahren. Ihre Gründung fällt also ungefähr zusammen mit der Gründung der Berliner Manufaktur, ihre Geschichte durchlief die gleichen Abwandlungen der Stile vom verspäteten, rokokohaften Barock, durch das Empire, durch einen irreirden Naturalismus und eine schwächliche Imitation bis zu einer bewußten Erneuerung des technischen Gewissens und jener inter- nationalen Kultur des Geschmacks, die das sogenannte moderne Kunstgewerbe mit seinem Sinn für Materialgerechtheit, Zwecksorm und weise Zurückhaltung entstehen ließ. Doch möchte man meinen, daß die Dänen in all diesen Etappen eine größere Schmiegsamkeit einen besseren Instinkt für das Keramische und sür die beschaulichere Stille ihrer Landschaft bewahrt haben. Das günstige Schicksal der Abseitigkeit, der feine Geister, wie Andersen und Jacobson entstehen ließ, hat sie gezügelt. Eine milde und lichte Atmosphüre umhüllt diese zweieinhalb Jahrhunderte handwerklichen Wirkens. Bei Kopenhagener Porzellan denken wir feit etwa 29 Iahren an eine delikate Manier der Unterglasurmalerei, an hauchdünne Töne, die mit musikalischem Klang aus der Tiefe leuchten, an gleißende Tiere, Möven, Fische, Eisbären, deren Körper einen jchwin- genden Zwischenzustand, intim beobachtete Natur und bewußte Mähi- gung der Form, aufweisen. Diese Stücke sind auch heute noch nicht veraltet. Wenn man sie aber zum Dogma erhob, und wenn man gar so weit ging, für alle kommenden Zeiten, das Malen über der Glasur für.eine materialwidrige Barbarei zu erklären, so hat die dänische Manufaktur von sich aus solche Doktrin aufs beste widerlegt. Sie zeigt ebenso interessante wie raffinierte Ueberglasurmalerei. In der Krakelierung hat sie ein probates Mittel gefunden, um den Farben, die auf dem glatten Grund hart und fremd standen, ein beinahe mysteriöses Ungefähr, ein äußerst inniges Zusammengehen mit dem prickelnden Netzwerk der Sprünge zu geben. Meisterhaft sind Gefäße aus grauem Porzellan, die Krakelüren sanft getönt, und über der Glasur, die Form begleitend oder die Fläche mit sicherer Hand schmückend, Gold angebracht. Sehr beachtlich sind große Basen und Schüsseln, von Kupfer- glasur umhüllt oder überfangen von der meergrünen Paste des Seladon. In diesen Arbeiten, deren Tradition auf das Heimatland des Porzellans, auf das östliche Asien hinweist, bewährt sich das sichere Flächen- und Schwingungsempfinden des jetzigen künstlerischen Direktors Joachim, dessen zivilisierter Hand auch ein Gebrauchs- porzellan entstammt, steil in der Silhuette und von verführerischer Dünnheit des Scherbens. Eindringliche Kraft ist in den neuesten Steinzeugfignren ge- speichert. An diesen Stücken kann man lernen, wie jedes Material sein eigenes Gesetz Hot. Steinzeug ist schwerer und wuchtiger als Porzellan: es bedarf massiver Formen, einer gedrungenen und plakat- haften Sprache. Menschliche Typen von Bode W i l l u m s e n sind Tiere von Knut Kyhn überragen durch die gezähmte Tragik ihrer Energie. Das ist eine ganz ander« Welt als die jener uns geläufig gewordenen Kopenhagener Tiere. Diese Stein, zeugbfftien, grimmige und wütende Charaktere, knurrend und brummend, sind Nengetküricki gotischer Wasserspeier und all jenes animaliscben Gefindels, das. mit teuflischer Heiterkeit aus den Gesimsen der Kathedralen bockt. Die Illusion des Düsteren wird durch«ine flockige, stumpf« Glasur noch gesteigert. Breuer. „Iahrmarki des Lebens." (Echauburg.) Das Persvneiwer.zeich'nis enthält zwei Darstellernamen von besonderem Ruf, Gustav F r o e h l i ch und Alsred Abel. Beide .sind silmsichere und ganz besonders silmwirkungsvolle Schauspieler. Gustav Froehlich hat nicht Dekadentes an sich, er trägt ungewollt und doch sichtlich eine sehr gesunde Körperlichkeit zur Schau, und dieses gewisse Phflegma, mit dem er seine Liebhaber und Herren- menschen gibt, steht ihm vorzüglich. Alfred Abel ist ein glänzender Vertreter für Figuren, die er seelisch zeiiknen kann. Beide konnten diesmal gestatten. So ist Gustav Froehlich glaubhasl als Herren- mensch, dessen Brutalität durch die Liebe gewandelt wird, und Alfred Abel ist der durch Sorgen und Beizwefflung zu einem Selbstmordversuch getrieben« Bankdireklor. Bela v. B a l o g b räumt« man äußert günstige Chancen ein, denn er durfte nach seinein Roman„Drei Wünsche" das Film- Manuskript schreiben und dieses als Regisseur in Bilder umsetzen. Das gelang ihm teilweise recht out, wenn er auch ohne jeden Ueberaang zwischen Spiet- und March« nsiim hin- und hergondelt. Das Maiiusknpt sagt weniger zu, denn diese plötzliche Wandlung des hartherzigen, geldgierigen Kapitalisten aus einen Gesühlsausbruch hin, fordert zur ironischen Ablehnung heraus. Der neue Star Vera Schmiterlöf sseht in Großaufnahmen wirklich gut aus, ihr Spiel ist auch anmutig, doch ist sie gar zu unterschiedlich vor die Ka»n«ra gebracht. Alles in allem handelt es sich um einen Film, bei dem man merkt, alle Beteiligten gaben sich Mühe.->-e. Die TNarkuspassion de-? mit dem Beelbovemneis ausgezeichneten Kurt Thomas, wird im 7. Konzert der Voltsbübne am Soiinlag. dem 19. Februar, mittags 12 Ubr, im Tbcalcr am Bülowplatz unter Leitung von Hugo Rädel zur Aussührung gelangen. Die„Gelelllchall Neuer ZUm» führt Sonntag vorm'tiag Y.1 Uhr im Usa- Tbcatcr am Kurlürstendamin neben abüi allen Filmen von Eggeling und Hans Rirbtcr auch iotche gegenständlicher«rt aus. Eintrittskarten zu 2,- RM. im U. T, Kursärstrndamm. Morgeufeler de» verlxmde» Deutscher Erzähler. Allred Braun. Arthur Krausjneck und Tbeodor LovS lcjeu im Herrenhause aus Werten von: Hans Metsel, Otto Gmelin uud Georg von der vring. Da» Theater i. d. Lähowlirohe wird unter der Direktion Kurt Lebatt, nach umsaffcnden Renovierungsarbciten Ansang März neu crössnet. Kunslvorträge. Sonntag 10 Ubr sprechen im Allen Museum Dr. Blämel über„ArbeiiSweisc griechischer Bildhauer", im Kaiser Friedrich-Maseum Dr. Bange über.Tilman Rirmenschneider» und im Allen Kunstgewerbe. mujcum Dr. Reidemeistcr über.Chinesische Keramik". Die Lerlluer Sezession im neuen Hause. Die Berliner Sezession bat sich das HauS Tiergartenstraste Li a. Ecke Hildebrandstraste, als AuSNellungs. bans gesichert und die Räume von dem Archilellen Nachtlicht für ibteit neueii Zweck umgestalten tosfcn. Als Ervssnungsausstelliiiig ist eine Aus« stellung der Muglirder der Vereinigung und cuilger Gäste votbcreitet worden. Die Eiossnimg findet am 25. Februar statt. Wilhelm Furlwäagler wurde sür«ine Anzahl von Abenden in jeder «aison der Wiener Staatsoper als Gastdirigent verpstichtet. Seinen Vertrag mit dem Leipziger Gewandhaus hat er nicht verlängert. Berantwortlich für die Redaktion: Eugen Präger, Berlin: Anzeigen: Th. Stocke, Berlin. Perlag: Vorwärts Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckrrci und Bcrlagsanstolt Paul Eingrr& do., Berlin 638 68, Linden straße 3. Hierzu 2 Beilagen. GROSSER SONDER-VERKAUF Lauf / Vereinbarung\ mit den Berliner Elekfrizitäf s- Werken samtliche elektrische Artikel, Lampen usw. auf bequeme �Teilzahlung!� Beachten Sie bitte die staunend billigen Preise in unseren Schaufenstern! enorm billig? Meusöttn ch Berliner StrZt 55 mit kleinen Sdiönheifsfeblern rfrischungsraum PS 1 1 a«c»M»» da von'.*2- 41 Vlar Oeded« 90 1*1. Bestehend aus Sopi>€ oder Doulllon. Braten mit oemdse, NorlolleiB ond Kompott (Mcnu täglich wechselnd) rr C. G. Bruchmüller � BerüD, OroSe Frankforter Me 100- Pankow, Breite Me 4 a Für Fastnacht Äi, We Wien. Auszugmehl G.28 Welz. Auszugmehl 0.26 Kartofieimehl.. U.32 Feine Raffinade.0.31 Suitana-Rosinen. 0.95 Mandeln, sQB n. bitter 2.59 Befe, täglidi triub.. 0.00 Pflaumenmus, törk. 0.45 Vierfr.-Narmeiade0.50 Jobannitbeer-üptelgelee 0.65 Aprikos.-ConfitQre 0.95 Rum-Verschn. 40o/o3.25 Rum Versöhn. 45% 4.00 Airak Versöhn. 45°/o4.0 Spanische Rotweine: Espagna,voll. El-Vira, kräftig. . 0.95 La Corona, wQrzig. 1.25 . 1.10 Aiicante, feurig.. 1.40 ohne Flasche 2>.!S.X. 2>er bunte JCaden Wolle, Strümpfe Spezialgefchift 107 Trikotagen SO., Oranienftr. 202. N, Chaufjeeßr. 50. W, Moizflr. 20. O, Könlgsherger Str. 11 Charlottenburg: Scharren/h. 58. Friedenau: Haupt/h. 74. a> s 'S PALAIS DES ZENTRUMS Berlin C., Rosenthaler Straße 36[147 Täglich außer Msutagi Altdeutscher Ball Stimmung und Humor ohne Ende zum freien Eintritt Bettfedern Inletts und Bezüge, Daunen, Steppdecken. Schlafdecken una Babywäsche Dampf' Bettfedern« Reinigung Carl Nenze, Berlin 0 27, Andreasstraße 53 nahe Andreasplatz.— Telephon: Königstadt 9217.— Gegründet 1881. 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Die Jungfernheide war nicht weit, die kümmerlichen Kiefern, die nur durch Großmut als Wald bezeichnet werden können, wuchsen auf dürrem Sand am Plötzensee, dem hellblauen, schmalen Gewässer mit den heimtückischen und eiskalten Sprudeln. Die Stadt Berlin aber war weit. Aus der Stein- wüste ihrer Proletarierquartiere kamen die Leute, die man Verbrecher nennt, in die Steinwüste der Plötzenseer Straf- anstatt. Und wenn sie nach dem Gefängnis kamen, passierten sie die vielen Friedhöfe, die sich mit der Zeit an der breiten Seestraße und an dem kleinen, kühlen See selbst ansiedelten. Auch heute passiert man bei einem Besuch in Plötzensee die Friedhöfe, die kümmerlichen Wälder, aber aus Sand und Wüste wächst ein großartiger Bolkspark hoch, am Plötzensee hat sich ein schönes Freibad aufgetan und der nahe Westhafen mit den vielen Wasserbecken, Kranen, Lagerhäusern und Schiffen erinnert daran, daß Berlin eine Hafenstadt mit guten Verbindungen zur See ist. Das Strafgefängnis aber steht genau so häßlich und nüchtern im Tag wie vor vierzig Iahren. Die hohe Ziegelmauer umschließt die vier Gefängnisse und die vielen Höfe. Die Gefängnisse sind auch Ziegelbauten wie die Mauer, sie sind ja letzten Endes auch Mauern, die gegen die Freiheit da draußen errichtet sind. Hinter den Mauern aber hat sich, genau so wie an jenem Rande der Stadt, das Leben in den letzten Jahren mächtig verändert. Dürrer Boden ist fruchtbar geworden. Aus Schutt und Abfall springt neues Wachstum. Der neue Strafvollzug. Am Haupteingang zur Strafanstalt händigt der Pförtner dem Besucher eine große rote Karte aus, und empfiehlt, sie sicher zu oerwahren, da ohne Rückgabe dieser Karte das Tor in die Freiheit verschlossen bleibt. Schön, man verwahrt diese Karte und meldet sich bei der Direktion an. Vor dem Direk- tionsbureau liegen eine Anzahl Bureauräume, schließlich sind Zellenflügel im Strafgefängnis. so achthundert Menschen hier eingesperrt, die verwaltet werden müssen. Auch ein Postzimmer mit eigenem Telegraphen gibt es und natürlich viele Telephone und eigene Leitungen nach der Strafvollzugsbehörde, nach dem Justizministerium. Dann läßt der Herr Oberdirektor bitten und man hört auf Wunsch einen kleinen Vortrag über den neuen Strafvollzug, der im Gefangenen durchaus nicht mehr das fluchwürdige Subjekt erblicken will, das mit eiserner Strenge bestraft und gebessert werden muß. Zuerst ist der flüchtige Gast noch skeptisch, aber dann erinnert er sich an das bekannte Gefängnis in Fuhlsbüttel-Hamburg, in dem sich wirklich ein neuer Geist hinter den Mauern manifestiert, der wohl die Ketten der Strafe nicht unsichtbar machen kann, aber doch ihren Druck durch den Samt menschlichen Verständnisses lindert. Auch in Plötzensee basiert der Strafvollzug auf dem Dreistufensystem. Alle Gefangene, die mehr als sechs Monate abzubüßen haben, kommen in die erste Stufe, die sie nach sechs weiteren Monaten verlassen können, wenn sie sich„gut" führen, wenn sie willig sind, die Vorschriften genau beachten und was sonst noch dazu gehört, um„Musterschüler" zu sein. Der für würdig Befundene der zweiten Stufe trägt als Zeichen und Auszeichnung zwei gelbe Streifen am Rock- ärmel. Die Erleichterungen dieser Klasse bestehen in schnellerem Briefwechsel, mehr Freizeit öfteren Besuch, abends mehr Licht in der Zelle(überall brennt noch Gas, das ganze Gefängnis wird jetzt elektrisch installiert), hier und da ein Bild an die getünchte Wand, eine Blume, ein wenig mehr Freizeit und Selbstbestimmung in der Freizeit. Die Männer der dritten Stufe(es sind ungefähr drei Prozent aller Gefangenen) sind die Aristokraten der grauen Masse. Ihre Zellen sind freundlich ausgeschmückt. Bilder hängen an den Wänden, Ausschnitte von Zeitungen und Zeitschriften, arme Illusionen vieler Träume: Photos von Frauen und Mädchen. In der Zelle eines Mannes, der zehn Jahre abzusitzen hat, sieht man neben freundlichen Mädchen- bildern das gebleichte Blond einer Frauenlocke. Gemeinsam für alle Gefangenen wird die Traurigkeit und Langeweile des Sonntags ab und zu durch ein gutes Konzert oder durch sine künstlerische Veranstaltung gelockert. Die Sträflinge der dritten Klasse haben ein nettes Klubzimmer und eine Radio- anlage mit Lautsprecher. Botschaft aus dem schönen Tumult der Welt und großen Stadt in die vorgeschriebene und kühle Ordnung der steinernen und vergitterten Häuser. Rückgang der Kriminalität. Ein Gang durch die drei Gefängnisse(das vierte Gefäng- nis steht leer, die Kriminalität ist in den letzten Iahren zurück- gegangen!) überrascht. Diese Ueberraschung ist selbstverständ- lich kein Lobgesang an das Gefängnis an und für sich, ist auch kein Maßstab für die Gefängnisse oder Zuchthäuser in der Provinz. In Plötzensee herrscht Sauberkeit. Die Zellen sind Handballspiel im Jugendgefängnis. groß und luftig(im ersten Augenblick und im Vorübergehen, zehn Jahre Haft rücken die Mauern zusammen), man sieht Einzelzellen und Gemeinschaftszellen und darin manchmal nichts als die nackten Wände oder kleine Arbeitsmaschinen, dann aber wieder Blumen, Bilder, kleine Zierarbeiten und auch ab und zu einen Zwitschervogel im Käfig. Das Besuchs- zimmer im Hause 3 zum Beispiel ist ein freundlicher Raum, wohnlich hergerichtet. Blumen blühen an den Fenstern. Die berüchtigte Schranke zwischen dem Besuch ist auch gefallen und beseitigt. Das Haus 3 ist das Gefängnis, in dem äugen- blicklich die Fememörder untergebracht find. Bei Klapproth, Llmhofer und Fuhrmann. Der Herr Direktor schließt einige Zellen auf, auch die Zelle, in der Böttcher sah. Es ist genau so eine Zelle wie die der anderen Gefangenen. Es gibt, wie versichert wird, keine sogenannten Mörderzellen in Plötzensee. Sie bestehen nur in der Phantasie der Reporter. Das Haus 3 ist ein Sterngesängnis. In ihm liegen in den Zellen Kriminelle, Ueberzeugungstäter und augenblicklich auch K l a p p r o t h, U m h o f e r und Fuhrmann. Die Zellen werden aufge- schlössen. Umhofer liegt auf der Pritsche und rührt sich nicht. Klapproth bleibt unsichtbar. Fuhrmann hat seine Wanderung unterbrochen, er steht halb militärisch da, als erwarte er Be- such. Man erkennt in ihm den Leutnant auf den ersten Blick. Eine andere Zelle im selben Korridor faßt einen Mann, der Bei der Unterhaltung. schon sechs Jahre sitzt. Seine Zelle ist mit unzähligen Bildern ausgeschmückt, mit Ausschnitten von Zeitschriften. Auch hier findet man viele Frauen- und Mädchenbilder. Sechs Jahre schon ohne Frau! Diese ausgezierten Zellenwände und stummen, verblaßten Bilder sind schreiende Klage und An- klage. Sie stoßen mit auf das Grundproblem neuer Straf- ordnung: auf die sexuelle Frage. Böttchers Zelle ist leer. Sie ist genau so ein Raum, wie der andere. Rein, es ist doch eine andere Zelle: eine grausige Kammer letzter Not, eine Folterkammer der Tage und Nächte und Stunden vor dem Beil. Der Herr Direktor erzählt ein wenig von jener Hinrichtung. Es war die erste und auch die letzte, die er mit ansah. Der Herr ist auch ein Gegner der Todesstrafe. Der Hof, auf dem bis jetzt in Plötzensee 26 Leute geköpft wurden, liegt am Hause 3 und ist ein gewöhn- licher Hof wie viele andere. Er unterscheidet sich am hellen Tag von den andern nur darin, daß rechts an der Gefängnis- tür eine Steinplatte in der Erde liegt, der schauerliche Stand- punkt des Henkers, der von da aus sein scharfes Beil auf den Richtblock sausen läßt. Dem Richtplatz gegenüber steht ein schwarzweißgestreiftes leeres Schilderhaus. Wenn der Verurteilte in den Hof tritt, sieht er wahrscheinlich als letztes Zeichen der schönen Welt das hölzerne Häuschen. In einer Minute sieht er nichts mehr. Da ist er hingerichtet. Der Platz, der Block und das Beil werden vom Blute gesäubert, der Tote wird weggetragen, die Herren Zeugen gehen fröstelnd durch den frühen Morgen. Wieder liegt der kleine Hof nichts- sagend im Tag. Das kleine leere Schilderhaus steht wie ein aufgerichteter Sarg da und wartet. Auf die nächste Hin- richtung? Im Gefängnis der Zugendlichen. Wir verlassen den von unsichtbarem Blute bespritzten Hof und gehen durch eine verschlossene Tür scheinbar in eine neue Welt. Wir kommen in das Gefängnis der Jugendlichen, der 99 Leute bis zu 21 Iahren. Im Hause der Jugendlichen spürt man die Anstrengungen einer neuen Strafordnung am deutlichsten. Turnstunden sind obligatorisch, Schulunterricht, Spielstunden. Als wir durch das Tor traten, sahen wir ein Bild, das man auch am Rande der Stadt hätte sehen können, natürlich ohne Mauern und ohne die Gefängniskleidung: dreißig— vierzig junge Leute tobten sich laut und lachend im Ballspiel aus und verschleuderten die überschüssige Kraft in großartigen Schwüngen und Würfen. In Plötzensee herrscht Arbeitszwang. Der Lohn(es wird ungefähr zwischen zehn und zwanzig Mark im Monat ver- dient) kann bis zur Hälfte in Lebensmitteln zur Aufbesserung der Kost angelegt werden. Die andere Hälfte bildet den kleinen Fonds für den Gefangenen, wenn er entlassen wird. Viele der Jugendlichen sind entflohene und wieder gefaßte Für- sorgezöglinge. Diese Tatsache spricht nicht gegen die Jugend- lichen, sie spricht sehr laut und deutlich gegen die Fürsorge- anstalten. Zum Schluß einige Zahlen aus der Gefängnis- bibliothek. Am meisten werden Fachbücher verlangt. Dann Unterhaltungsschriften, Reisebeschreibungen, wissenschaftliche Werke. Um einen Querschnitt durch die Bibliothek zu geben, sei notiert, daß es unter anderem 1741 Unterhaltungsschriften (viel Klassiker, wenig neue Schriftsteller) gibt, dann 1427 wissenschaftliche Werke, 699 religiöse Schriften(katholische, evangelische und jüdische), 68 Reisebeschreibungen, 84 philo- sophische Werke und gegen 299 Lehrbücher freyider Sprachen (hauptsächlich englisch und französisch.) Der Pförtner nimmt die rote Karte in Empfang, das große Tor öffnet sich, die Backsteinhäuser der Strafanstalt liegen hinter uns. Vor uns entschleiert sich der Westhafen mit Lagerhäusern, Kais, Kranen und Schiffen. Bald liegen auch die Friedhöfe hinter uns. Die Stadt braust, der Hexenkessel der vier Millionen, in dem die Brotsuppe des Lebens gekocht wird, die heulende Wildnis des Daseins erbraust, die ihre Opfer meistens in die Proletarierbezirke schleudert, in die Fabriken, in die Kontore und manchmal auch hinaus in die Strafanstalt Plötzensee. Msx Barthel. Das Lachkabinett. Bayerische Einstufung. Der bayerischen Reaktion beliebte es in der Republik— was sie in der Monarchie nie getan hätte, zumal man damals m München zum Trotz liberal mar—, Preußen auszuweisen und gegen da» deutsche„Ausland" im Norden eine Einreisegenehmigung oorzu- schreiben. Wird da in Hof der alte Oesterreicher B. danach gefragt und hat sie nicht. Man erlaubt ihm, weiterzufahren, trägt ihm aber auf und stempelt ihm in den Paß hinein, daß er sich in Nürnberg sofort bei der Polizei zu melden hat. Geschieht unter folgenden Umständen:. „So, alsdann a Oeftreicher fan's und ka Einreifebewilligung ham's net? Zwanzig Mark!" „Aber wieso denn gleich so viel!" „Weil's a Kommerzienrat fein tun." „Aber ich bin ja gor keiner." „Was! Steht doch da in Ihr n Paß!" „Rein, steht Kommer z i a l rat." „Ro und was is denn nachher dös?" „Das war ein Titel im alten Kaisertum Oesterreich, das nicht mehr besteht." „Und was war so a Kommerziotrat, haa?" „Ja, ich war ein Hilfsorgan des t. k. Handelsministeriums." „Ah so, alsdann a Beamta? Zwanz'g Pfennig!" Parlamentarische Höflichkeit. Diederich Hahn, der Agrarier ohne Halm und Ar, war ein selten flotter Debatter. Sein Notizbuch schwingend, polemisiert er mit vollendeter Demagogie gegen eine Rede des Sozialdemokraten L e i n e r t und läßt an ihm, dem Malergehilfen, der was von der Landwirtschaft verstehen wolle, kein gutes Pinselhaar, schimpft auch im Bewußtsein des sicheren Debatteschlusses nach seiner Rede ganz gehörig, um dann— als die kleine Sozisraktion protestiert— im selben Atemzug hinzuzusetzen:„Aber wir Hannoveraney, nicht wahr, Herr Leinert, lagen auseinander n Ich ts k am m«riT Gleichgewicht der Erdrinde. Ein Vortrag von Fridjof Nansen. Fridjof Nansen ist den Arbeitern und nicht nur den deutschen Arbeitern kein Fremder. Liest man die Schilderungen, seiner kühnen Entdeckerfahrten über das grönländische Inlandeis und die kälte- starrenden Regionen des Nordpols, so erkennt man, wie er von einer glühenden Liebe zu seinem Vaterlande Norwegen erfüllt ist. Zu- gleich aber ist dieser Mann wie kaum ein anderer von wahrhaft internationalem Geiste beseelt, ein lebendiger Beweis, daß nationale und wahrhaft internationale Gesinnung keine Gegcnsäge, sondern in jedem wirklichen Forscher vereinigt sind. Mittwoch abend sprach Nansen in der Akademie der Wissen- schasten in öffentlichem Vortrag über ein wissenschaftliches For- schungsgebiet, das ihm als Geographen und Naturforscher besonders naheliegt, über die Veränderungen, welche die recht dünne harte Rinde oder Kruste der Ende fortdauernd erleidet. Gewiß tragen auch die plötzlichen und gewaltsamen Risse und Verlagerungen, die eine Folge der Erdbeben sind, zur Veränderung des Oberflächen- bildes der Erde bei, weit wichtiger aber sind die ungeheuer lang- Fridjof Nansen* samen, aber doch fortdauernd vor sich gehenden Aenderungen, die wir im Laus« eines kurzen Menschenlebens und selbst mehrerer Äenergtipneo kaum wahrnehmen. Nansen entwickelte, wie die so starr erscheinende Erdrinde sich doch als recht plastisch und schmiegsam erweist, wie in den Eiszeiten unter der Wucht der auf ihm lastenden Ei«nassen das Land sich senken mußte noch unter die Höhe des damaligen Meeresspiegels. Mit zahlreichen Bildern, speziell aus Norwegen, erläuterte er seine Darstellung und seine Schluhfolge» rungen, daß sich trotzdem stets ein Gleichgewichtszustand der Erd. rinde(Jsostasie) herstellt. Diese Anschauung führte weiter zu Folgerungen, die auf den ersten Blick, wie er selbst sagte, ganz widersinnig anmuten: daß nämlich die Gebirge durch die Ver- Witterung und Erosion nicht immer abgetragen und in Schutt- Massen zum Meere befördert, sondern umgekehrt durch lang« Zeit- räume gehoben werden. Die abtragenden Kräfte wirken auch aus die umgebenden Landflächen und zwar in viel umfangreicherer Weis«, und die Rinde, dadurch von dem auf ihr lastenden Druck befteit, hebt sich durch die isostatischen Kräfte und hebt damit zugleich die Gebirgs- spitzen, an denen die nagende Kraft der Erosion erst viel später in die Erscheinung tritt. Zu dieser Anschauung ist Nansen namentlich durch das Studium der Gestaltung des Landes und der Küsten seiner norwegische« Heimat gekommen. Dr. Bt. Massenverfolgung aus H 216. Eine Schnüffelei sondergleichen. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Recklinghauseu haben Beamte der Ländeskriminalpolizei ein« eingehende Untersuchung eingeleitet, um Klarheit über zahlreiche in der letzten Zeit im Münsterland und darüber hinaus vorgekommene Ver- gehen gegen Z 218(Verbrechen gegen da s keimende Leben) des Strafgesetzbuches zu schaffen. Di« Ermittlungen er- strecken sich auf das Münfterland und darüber hinaus und hatten zur Folge, daß gegen 140 Personen, darunter Frauen, Mädchen, Friseure und Heilkundige Strasantrag gestellt wurde. Einem in Dülmen verhafteten Heilkundigen konnten 4 0 Fäll« nachgewiesen werden. Es scheint sich hier um eine Riesenschnüffelei zu handeln, die, wenn sie überhaupt einen Sinn hat, nur geeignet sein wird, zum anderen Male nachzuweisen, wie töricht und unzeit- gemäß die Strafbestimmungen des 8 218 Reichsstrafgesetzbuch sind. Wir hatten hier in Berlin den Riefenprozeß des Apothekers Heise, in dem der Angeklagt« überzeugend ausführte, daß er es für seine unabweisbare Menschenpflicht gehalten habe, gegen die gesetzlichen Bestimmungen zu verstoßen. Oreiklassenhaus. Ernährungsdebatte im Krieg. Der Grandfeigneur und schwer- reiche Weinbergbesttz�r Freiherr v. Schorlemer-Lieser sagt als kgl. Landwirtschaftsminister, soviel Fleisch brauche man gar nicht. bei ihm selbst, dem Minister, komme mehrmals in der Woche nur Gemüse auf den Tisch Erster Redner in der nächsten Sitzung ist AdolfHofsmann Auf den leeren Platz des Ministers zeigend, sagt der Redner:„Der Herr Minister for Landwirtschast, Domänen und Forsten scheint unse Debatte hia nich befondas zu intresieren, er ie wenigstens nich da. Na, valleicht hat a heite s e i n I e m ü f e- tach!" Von p. Schirjsjew. Aus dem Russischen von Nina Stein. 2. Fortsetzung. „Es ist alles da. Mein Gott, hatten wir aber Scherereien damit. Wir mußten das Versteck ständig wechseln. Es finden in der Stadt täglich Haussuchungen statt." Sergej blieb bis zum Abend in der kleinen, gemütlichen Wohnung, in der es so angenehm nach Aepfeln und Honig duftete. Während sie Tee tranken, führte er endlose Debatten mit Elisaweta Semjonowna und ihrem Mann, denen er die Unhaltbarteit der Tolstoischen Lehre, wonach man dem Bösen nicht„widerstreben" dürfe, zu beweisen suchte. Der Gatte mit einem grüblerischen Apostelgesicht widersprach ruhig und zu- rückhaltend. Aber man fühlte trotzdem, daß er fest wie Stahl war. Was für liebe gute Leute! dachte Sergej, als er in der Droschke, mit einem schweren Korb auf den Knien, sah. An dem Henkel war mit einem weiHen Bindfaden ein Teekessel aus Blech angebunden. „Eine schöne Stadt Nischni," sagte Sergej zum Kutscher. Er hatte das Bedürfnis sich zu unterhalten. „Eine feine Stadt!" erwiderte dieser mit voller Würde. „So eine Messe findet man nirgends. Sind Sie aus Moskau?" „Ja, aus Moskau. Ich habe meine Schwester besucht. Sie befindet sich hier in Stellung," schwindelte Sergej, während er den Rücken des Kutschers betrachtete und daran dachte, daß die Spitzel sich oft als Kutscher verkleiden.„Was kostet das Heu bei euch?" „Heu ist dies Jahr sehr teuer!" Im Zuge trank er wieder ununterbrochen Tee, aß Wurst, unterhielt sich mit einem ehrbaren Handelsmann im langen Tuchrock, der ihm gegenüber faß, spuckte auf den Fußboden und wischte darüber mit dem Stiefel hinweg. Als der Zug sich Moskau näherte, ging er einige Male durch den Wagen. Aber er bemerkte nichts Verdächtiges. Es schienen nur harm- lose Reisende zu sein. Es scheint alles in bester Ordnung zu sein, dachte Sergej. Ich werde auf dem Kursker Bahnhof zusammen mit diesem Handelsmann aussteigen und mich dabei mit ihm unterhalten. Das wird wohl das Beste fein. Der Korb war schwer, aber Sergej bemühte sich, sich frei und leicht zu bewegen, um so den Anschein zu erwecken, als ob der Korb ganz leicht sei. Eine schwere Hand legte sich von hinten auf seinen Arm. Ein riesiger Gendarm stand plötzlich an seiner Seite. Links von ihm streckte ein Mann in Zivil seine Hand nach dem Korbe aus. Wie scharfe Splitter flog es ihm durch den Kopf: Bahnhof... viele Menschen... untertauchen in der Menge... Durch den Stoß flog dem Gendarm die Mütze von dem Kopf, aber kräftige Hände riffen Sergej zurück und es schien ihm, als lastete die ganze aus dem Bahnhof herumdrängende Menschenmenge mit ihren zentnerschweren, unerträglichen Gewicht auf seinen Schultern. Dutzende von Augen starrten Sergej von allen Seiten an— erschrockene, verständnislose, neugierige, aber lauter fremde Augen. Ein brennendes Ge- fühl der Einsamkeit, das unendlich traurig und dabei doch beruhigend wirkte, umfing Sergejs Herz... Im Zimmer des wachthabenden Gendarmen nahm Ser- gej die Mütze ab, trocknete den Schweiß von der Stirn und während er auf den Korb blickte, an dem der Mann in Zivil in großer Eile herumhantierte, sagte er mit aufrichtigem Bedauern: „Wozu, zum Teufel, habe ich das ganze Zeug hierher- geschleppt?" „Da haben wir weniger Arbeit!" entgegnete höhnisch der Mann in Zivil, während er seinen Blick auf Sergej warf. * Don der Verhaftung Sergejs erfuhr als erster Adolf. Es war Sergej gelungen, aus dem Polizeirevier ein Zettel- chen an seine Freunde durchzuschmuggeln: „Bin auf dem Kursker Bahnhof nach meiner Ankunft oerhaftet worden. Es liegt zweifellos Verrat vor. Sergej." Nachdem Adolf eilig ein halbes Dutzend Zeitungen in feine Tasche gesteckt hatte— ohne Zeitungen fühlte Adolf sich nicht als vollwertiger Mensch—, stürzte er zu Natascha. Während er durch die Straßen ging, schien es ihm, als säße er in der Eisenbahn und höre aus dem Rattern der Räder immer ein und dasselbe Wort heraus:„Ver-rat"... Rata- schas Gesicht drückte Unruhe und Erregung aus. „Gehen Sie schnell fort! Gehen Sie! Bei mir war so- eben eine Haussuchung." Wie eine gegen die Wand der Kegelbahn geschleuderte Kugel, so prallte Adolf zurück, den Zweck seines Kommens völlig vergessend. Wie im Traum flogen zwei Treppenab- sätze an ihm vorüber. „Adolf, Adolf! Einen Augenblick!" rief Natascha von oben, während sie sich über das Treppengeländer beugte. Auf dem dritten Treppenabsatz kam Adolf zu sich. „Sergej ist verhaftet! Verrat!" rief er Natascha zu. Natascha eilte ihm nach, erwischte ihn am Rockzipfel und zog ihn beinahe mit Gewalt in die Wohnung hinein. „Wohin sind Sie davonaerannt? Erzählen Sie� schnell, was eigentlich passiert ist? Man muß Max benachrichtigen. Wir müssen uns sofort zu einer Beratung versammeln. So erzählen Sie doch endlich! Bei mir haben sie die ganze Nacht bis zum Morgen in der Wohnung herumgestöbert. Haben aber nichts gefunden. Die Adressen habe ich noch rechtzeitig vernichten können." Aengsllich um sich blickend, steckte'er Natascha Sergejs Zettelchen zu. „Lesen Sie schnell! Sergej ist verhaftet. Berrat! Haben Sie gelesen?" fragte er hastig. „So, jetzt werde ich gehen!" wandte er sich zur Tür. Natascha hielt ihn abermals am Rockzipfel fest. „Aber so warten Sie doch einen Augenblick!... Wo wer- den wir uns versammeln? Wir müssen es unbedingt tun. Morgen, übermorgen? Man muß unbedingt Max benach- richtigen"... „Sonnabend um sieben, in der Jakimanka!" antwortete er hastig im Flüstertone und stürzte zur Tür hinaus, ohne auf Natascha zu hören. Benjamin Appollonowitsch war nicht zu Hause. Adolf ließ ihm einen Zettel zurück: „Sergej ernstlich erkrankt. Besuchen Sie Tante Natalie. Sie ist sehr beunruhigt und fühlt sich auch nicht wohl." Das Wort„Tante" bedeutete die konspirative Wohnung in der Jakimanka, in der die Komiteesitzungen stattfanden. An diesem Tage hatten sich die Straßen, die Häuser, die Menschen seltsam verändert. Jeder Vorübergehende war ein Verräter. Jede Straße, jeder Stein atmeten Verrat. Man hatte das Gefühl, als schwebte ein Gerüst über dem Kopf, das jeden Augenblick herunterzustürzen drohte. Mitunter schien es, als ob aus dem Straßenlärm eine unbekannte Hand nach ihm griff. Unwillkürlich zog Adolf den Kopf zwischen die Schultern und beschleunigte seine Schritte. Auf dem Nikolski-Boulevard ließ Adolf sich auf eine Bank nieder und entfaltete eine Nummer der„Rußkija Wedo- mosti", hinter der er sein Gesicht verbarg. Seine Gedanken irrten hoffnungslos im verzauberten Kreis herum. Sergejs Verhaftung... Haussuchung bei Natascha... Verrat. Wer war der Schuldige?... Eine Antwort gab es nicht. Das Grauen ringsum wuchs.... Spät abends erst kehrte Adolf in seine Wohnung zurück. Die Wirtin übergab ihm einen Zettel, den ein älterer Herr für ihn zurückgelassen hatte. Max schrieb: „Ich fühle mich heute nicht wohl. Gehen Sie zu Natascha." Die Worte„nicht wohl" waren unterstrichen. Doch auch ohnehin war es klar: auch bei Max war eine Haussuchung suchung gewesen...(Fortsetzung solgt.) Der Herr— Ein Herr im eleganten Gehpelz, mit goldenem Kneifer auf der Nase, tritt vor die Schranken des Arbeitsgerichts. Er ist Geschäftsführer eines bekannten Kaufhaufes. Sein« Haus- angestellte, die«r fristlos entließ, hat ihn verklagt. Was war der Grund der Entlassung? Der Herr sagt: Ich kam nach Hause, das Mädchen öffnete mir die Tür. grüßte mich aber nicht. Na- türlich verlangte ich, sie sollte mich grüßen. Aber sie tat es nicht, sie verweigerte mir sogar den Gruß. Wiederholt habe ich ihr vorgehalten, daß es ihre Pflicht sei, mich zu grüßen, wenn ich nach Hause komme. Sie aber stampfte mit dem Fuße auf und sagte:„Nein, das tue ich nicht."" Da habe ich sie entlassen. Der Richter hielt dem Beklagten vor, es fei doch üblich, daß der, der die Wohnung betritt, den anderen, der zu Hause ist, zuerst grüßt. Auch den Hausangestellten gegenüber solle man diese Anstandsregel beachten. Der Richter riet zum Vergleich, den der Beklagte aber ablehnte. Der Beklagte mußte sich vom Gericht belehren lassen, daß die Zeiten der Gestndeordnung, wo es bevorrechtete Herrschaften und rechtlose Dienstboten gab, vorüber sind. Er wurde der For- derung der Klägerin enffprechend, verurteilt, ihr 08 Mk. zuzahlen. In der Urteilsbegründung sagte der Vorsitzend«, Amts- gerichtsrat Buka: Die Hausange st ellten sind gleich- berechtigt mit dem Haushaltungsvorstand und den Mitgliedern seiner Familie. Also haben sie das Recht, als steie und gleichberechtigte Menschen respektiert zu werden. * Ein Streit zwischen derInhaberineinesKonfitüren- geschäfts Frau B. und ihrer Hausangestellten Fräu- die Gnädige! lein H. gab Aulab zu einer Klage vor dem Arbeitsgericht. In dem Streit, der mit der plötzlichen Beendigung des Arbeitsverhalt- nisies endete, ist«ine Kohlenschippe als Angriffswaffe gebraucht worden. Wer den Kampf mit bewaffneter Hand begonnen hat, darüber stellten die Parteien entgegengejetzte Behauptungen auf. Frau B. war nicht erschienen. Sie ließ aber durch ihr« Vertreterin dem Gericht erzählen, Fräulein H. sei auf sie mit der Kohlen- schippe eingedrungen, sie habe ihr die Schippe entwunden und fortgelegt.— Der Richter wollte wissen, warum denn die Klä- gerin' den Angriff unternommen habe.— Darauf antwortete die Vertreterin der Beklagten:„Das erklären wir uns so: Frau B. war dabei, die Tageskasse zu zählen. Der Anblick des Geldes muß die Klägerin wohl angelockt haben, da nahm sie die Schipp«, um Frau B. niederzuschlagen und sich das Geld anzueignen."— Lächelnd bemerkte der Richter:„Dos sollen wir Ihnen glauben? Ein Raubmordoersuch mit der Kohlenschippe? Dazu pflegt man doch andere Werkzeuge zu benutzen."— Di« Klägerin gab dagegen eine ander«, durchaus wahrscheinlich klingende Darstellung des Herganges: „Frau B. verlangte, ich solle den Salon rein machen, die Wohnung aufräumen und dann noch die Wäsche waschen. Ich sagte, das sei zuviel Arbeit für den Tag. Darauf kam es zu einem Wortwechsel. Frau B. beschimpft« mich mit„Frauenzimmer". Ich sagt«, ich bin kein Frauenzimmer. Darauf erwiderte Frau B., das werde sie mir zeigen, ergriff die Kohlenschippe und schlug fortgesetzt auf mich ein. Durch einen ihr von der Gegenpartei zugeschobenen Eid be- stätigte die Klägerin die Richtigkeit ihrer Darstellung. Dadurch war die Klage zu ihren Gunsten entschieden, sie war berechtigt, die Arbeit fristlos zu verlassen und die Beklagte mußte zahle». Uh&rJl�djuet Weiter in St. Moritz £4 friert wieder! Alle Aufregungen über eine große Verzögerung in der Ab- Wicklung der Olympischen Winterspiele oder sogar«n einen Abbruch waren umsonst, denn am Donnerstag konnte bei fast wolkenlosem Himmel und einigen Kältegraden an die Fortführung des Programms gegangen werden. Die Eishockey-Gruppensicger festgestellt. Für die Entscheidungskämpfe um die Eishockey- Meisterschaft haben sich Schweden, England und die Schweiz qualifiziert. Zusammen mit Kanada bestreiten diese drei Länder nunmehr die Schlußfpiele. Schweiz— Deutschland 1: 0. Das letzte Spiel in Gruppe III führte die deutsche Mann- schaft in der Ausstellung: Steinte, Sachs, Kreisel, Römer, Iänecke, Rammelmaier, Marquardt, Schrötter mit der S ch w e i z zusammen, die in der 1». Minute nach zunächst gleichmäßig verteiltem Spiel durch Toriani zum ersten und einzigen Tor des Tages kam. In der zweiten und dritten Spielzeit machte sich zumeist«ine leichte Ueberlegenheit der Einheimischen bemerkbar, doch konnte Steint« das deutsche Tor rein halten. Chancen zum Ausgleich waren mehrfach vorhanden, wurden durch meist zu frühes Schiehen aber verhindert. Die Schweizer waren damit Gruppensieger über Oesterreich und Deutschland. Nach dem Siege über England, das Belgien am ersten Tage mit 7: 3 bezwungen hatte, erwartet« man allgemein einen Erfolg der Franzosen im Spiel mit Belgien, es kam aber anders. Die Belgier gestalteten dos Treffen mit 3: 1 zu ihren Gunsten. Wider Erwarten gut zog sich UngarnimKampfmitEngland aus der Affäre, denn nur einmal mußten die Magyaren die Scheibe aus ihrem Netz holen. Das ganze Spiel war allerdings ein« Farce, denn das holprige Eis machte jede Scheibenführung fast unmöglich. Kanada und Schweden treffen im ersten entscheidenden Schlußkamps am Freitag früh um 8,30 Uhr zusammen, das zweite Schlußspiel führt um 10 Uhr England und die Schweiz zusammen. PflicfatudungeQ zum Kunstlaufen. Di« am Dienstag vorzeitig abgebrochenen Pflichtübungen zum Kunst laufen für Herren wurden neu aufgenommen. Die weitaus beste Figur machte Weltmeister W. B ö ck l- Wien, der jede Uebung exakt auf das Eis legte. Der Schwede G r 0 f st r ö m, körperlich indisponiert, kam an Böckl nicht ganz heran. Der deutsch« Meister Werner Rittberger hatte insofern Pech, als er beim linken Paragraphen stürzte, was aber den schlechten Eisverhältniffen zuzuschreiben ist. Di« Entscheidung bringt erst die Kür, die am Sonnabend oder Sonntag gelaufen wird. Zu den Pflicht- lausen der Damen stellten sich 23 Konkurrentinnen den Richtern. 6 Tage in Breslau. Glänzende Besetzung der Rennen. Heute abend wird in der Jahrhunderthalle der Startschuh zum S. BreslauerSechstagerennen ertönen. Dreizehn Mann- lkaften schickt der Starter auf die lange Reise. DieBesetzunzde» Fe l d e s ist eine außerordentlich gute. Finden wir hier doch Mann- schoften schickt der Starter auf die lange Reise. DieBesetzungdes hay, Breida-Tietz, Ehmer-Kroschel, Dewolf- Stockelynck, Rausch-Hürtgen, Girardengo-Rieger, Linari- Seiserth, Steter-Richli, Grimm-Iunge, Kroll-Miethe und Krollmann- Skupinfki. Betrachtet man diese glänzende Besetzung, so ist mit einem spannenden Verlauf des Rennens zu rechnen. Kein politischer Sportdreß. Ein Protest gegen die Olympiakleidung. Unter der Ueberschrift„Wir wollen keine politische Olympia- kleidung!" richtet das Organ des Verbandes Brandenburgischer Ball- spieloereine„Die Fußballwoche" folgenden Angriff gegen den Reichs- ausschuß für Leibesübungen: „Der Deutsche olympische Ausschuß hat in seiner letzten Sitzung die Kleidung der deutschen Olympiavertreter fest- Vor» 5t. Moritz zurück! WcUmeistcr Thunberg mit der PrtauJbaUerina de* Sporipaiaite* „Charlotte'. gelegt. Bekanntlich hat der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübungen erst nach langwierigen Verhandlungen sich zu dem Entschluß durchgerungen» in Amsterdam bei allen Gelegenheiten, wo die Hissung einer Flagge in Frage kommt, die Reichsfarben Schwarz- Rot-Gold aufzuziehen. Gleichzeitig wurde aber festgelegt, daß auch die Handelsflagge S chw a r z- W e i ß-R 0 t mit der Gösch zur Verwendung gelangt. Darüber sich aufzuregen, ist nicht mehr nötig, der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübungen ist für diese Einstellung sattsam bekannt. Er ist ja auch die Dachorganisation des„poiiii ich- neutralen" deutschen Sportes und Turnens. Trotz dieser Einstellung gibt die deutsche Republik Geld und nochmals Geld für die absurden Ideen dieses Reichsaussdzusses. Fast ebenso sieht es mit der nunmehr festgelegten Kleidung der Olympiakämpfer aus. Der Grundton dieser Kleidung ist weiß mit roten«streifen und schwarzem Adler, also diejenigen Farben, die gerade entgegengesetzt der heutigen Staatsform und ihrem Hoheitszeichen stehen. Um mm der Republik entgegenzukommen, die man doch in Amsterdam vertritt und deren Geld man haufenweise ohne Skrupel akzeptiert, ttägt man den schwarzen Adler auf gelbem Grund«. Weshalb diese Verbrämung? Die deutschen Olympiakämpfer, die Deutschland, d. h. das heutige Deutschland in Amsterdam oertreten, haben die Farben des heutigen Deutschland zu tragen, und die sind Schwarz-Rot-Gold. Alles andere riecht nach Unehrlichkeit und grenzt an eine gewisse polttische Einstellung. Sollen die deutschen Fußball-Olympia- Mannschaften ebenfalls mit dieser Kleidung ausgestattet werden?" Die Sprache läßt sich hören. Aber die guten Leute im BBD. gleichen den Hunden, die wohl laut bellen, aber nicht beißen. Wenn sie auch den Reichsausschuß nicht leiden können, ein Leid werden sie ihm deshalb nicht antun. Bund um die Jvmgf ernheide. Waldlauf der Arbctterruderer. Noch sind Neptuns Gefilde unwirtlich: die Leute von Riemen und Paddel aber rüsten für die kommende Ruderzeit. Vorüber sind die Zeiten, wo sie den Winter in beschaulicher Ruhe verbrachen. Handball, Laufen u. a. soll ihnen nicht nur die ruderlose Zell ver- kürzen, sondern gute Vorarbeit für den Sport im Doot leisten. Als Abschluß derErgänzungssportsaison— gewissermaßen als Uebergang zur Ruderjaijon— wird am Sonntag der Wald- laus der Ruderer und Paddler„Rund um den Volkspark Jungfernheide" gestartet. Das gute Meldeergebnis, nicht nur in bezug auf die Zahl, läßt guten Sport erwarten. Insgesamt wurden bis jetzt 8b Meldun- gen durch die Vereine abgegeben, an denen fast alle Arbeiber-Ruder- und-Kanuoereine Berlins beteiligt sind. Sieben Frauen, von den Rudervereinen Borwärts, Eollegia und Freiheit, haben für die 2000-Meter-Sttecke gemeldet. Für Jugendliche und Männer ist die Strecke gleichmäßig auf 3000 Meter festgesetzt. Die Meldungen von zwölf Jugendlichen vertellen sich auf die Ruder- vereine Vorwärts und Freiheit. Am stärksten sind natürlich die Männer vertreten, die 67 Meldungen abgaben. Hier steht Frei- heit mit 6 Meldungen an erster Stell«, Eollegia folgt mtt S Meldungen. Leider fehlt die Freie Rudervercinignng 1913 bei diesem Lauf vollständig, obwohl sie über gute Kräfte verfügt, die bei dem vom Ruderverein Freiheit kürzlich in Sadowa veranstatteten Wald- lauf den ersten und den dritten Platz belegen konnten. Hervorzuheben wäre die Mannschaft des Wassersportbezirks der Freien Turuerfchaft Groß-Berlin. in der sich bewährte Läufer befinden. Trotzdem muß aber der Ausgang des Rennens als voll- kommen offen bezeichnet werden, wenn auch mtt harten Kämpfen zu rechnen ist. Die Wertungen erfolgen als Mannschaft- und Einzellauf, und zwar so, daß jeder der drei zu einer Mannschaft gehörenden Genossen auch als Einzelläuser gewertet wird. Start am Sonntag um 14 Uhr im Bolkspark Jungsernheide, Ziel ebenda._, S. C Berolfna boxt! Der ST.„B e r 0 l i n«"-Neukölln, Mitglied im Arbeiter. Athletenbund, veranstattet heute, Freitag, 20 Uhr, in seiner Trainingsstätte, Turnhalle Neukölln, Thomasstraße. Einladungsboxkämpfe. Von„B e r 0 l i n a" steigen in den Ring: Weiß, Obst, Bohll, Teste, Arens, Benthin. Herb, Kosa. Eingeladen sind von �Liberias S6": Kutski, Nikelewski. Schulz, Saupe, Brendt, Döring und von Lichtenberg" Wolski und Dietze. Der H a u p t k a m p f ist das Federgewichtstreffen zwischen Dietze- Lichtenberg und Arens- Berolina. ein Kampf, in dem bestimmt alle Register der Boxkunst aufgezogen werden. Zwei Schüler- liW fteudige Merrascsfung in jeösr 25 er Schachtet' OBERST 5/4 iJMEUE ARBEIT ftnb nnfr» Sundm Kaldm�Lestchm mit ihrem mckrhlMuöea luhcck und ihrem gwM Smmneüvsrt.-Röchst- ittrftinM IM hfor mit einsr ÄZerbuva von fofontorer fadhurri&r 21rh ' Olnfm OBERST• van jehcr drmch ihr* tfaflafinrifcforng berühmt� wiro in/ohje ihrer eutzuckeadcn Mogra für je&n Aaucher zu emcm doppelfcn Genuß. ffafloqßSUforiQ 2L-& A-KUSCMC 'impfe leiten den Abend ein.— Die Lei chtathlctitabtei. . u n q veranstaltet Sonntag, 19. Februar, 15 Uhr» ein öffentliches ,allenwerbetraini«g in der Turnhalle Neukölln, chertzberg- � latz. Treffpunkt für Mitglieder 14� Uhr in der Turnhalle. Handball und Hockey am Sonntag. Der dritte Sonntag der Handball-Seriettjpiele bringt ii einigen Gruppen Klärungen. In der ersten Gruppe spielen Fichte, i. Abtlg. und Niederschöneweide in Hohenschönhausen, Sonnenstr.! Köpenick fährt nach Clausdorf. In der zweiten Gruppe spielen ' Schmargendorf und Nowawes um 12s4 Uhr in Schmargendorf, Hu- >ertusplatz. Fichte-Süd spielt mit seinem Platzrivalen Fichte, 19. Ab- cilung in Mariendorf. Fichte 7. Abtlg. spielt gegen Groß-Berlin iZüden in Baumschulenweg. In der dritten Gruppe spielen in iemickendorf, Scharnweberstr.» Groß-Berlin-Wedding und Groß- Zerlin-Norden. Schöneberg-Sportler besuchen Velten. Bei den rrauen spielt in der 1. Gruppe Spandau und Fichte-Nord in .ipandau, Falkenhagener Chaussee. Groß-Berlin-Wedding spielt legen Fichte 9 B- in Reinickendorf, Scharnweberstraße. In der '. Gruppe stehen sich in Adlershof, verl. Helbigstr. Adlershof und Groß-BerliN-Lichtenberg gegenüber. Hockey. Die Freie Turnerschast Groß-Berlin-Nordring 1 und die freie Turnerschast Charlottenburg tragen um 19.30 Uhr das Rück» p i e l aus. 5: 4 gewann Nordring im Herbst und dürfte auch dies- nal den Erfolg auf feiner Seite haben. Immerhin ist eine Ueber- easchung möglich, denn die in letzter Zeit sehr unbeständigen Char- l zttenburger dürfen keineswegs unterschätzt werden, da sie über ein schnelles Flügelspiel verfügen und sich gut anzupassen verstehen. Der Athlctik-Sportklub und der ATV. Pankow spielen um 14.39 Uhr n der Normannenstraße. Kommt der ASC. mit der vollen Mann- schast heraus, so dürste eine Wiederholung seines Herbstsieges nicht -mwahrscheinlich sein. Die Pankower werden aber alles daran setzen, um ihre bisherige Beständigkeit und Form erneut unter Beweis u stellen und den Sieg mit nach Hause zu nehmen. Mer ASB. Fichte-West soll nun endlich das bereits dreimal dem Wetter zum Opser gefallene Spiel aus der Herbstserie gegen die Sp.-B.- Nordost austragen. Die Westler werden keinen leichten Stand haben, .'umal sie ihre spieltüchtigsten Leute nicht immer beisammen haben. Aber Nordost mutz durchstehen und bis zum Schluß kämpfen, dann werden auch Erfolge nicht ausbleiben. Wellerbericht der öfsentlichen wetlerdienststeUe Berlin und Umgegend:(Nachdruck verboten.) Zeitweise heiter, aber noch ziem- !ich veränderlich und im ganzen etwas kühler, nur unbedeutende Niederschläge bei frischen westlichen Winden.—„für Deutschland: Veränderlich und ostwärts fortschreitende leichte Abkühlung, strich- weise einzelne Regenschauer. Sozialpolitische Maßnahmen. Eine Zntcrpellalion der Bürgerblockparteien fordert Maßnahmen, um die»den Arbeitswillen lähmenden Mißstände' der Arbeitslosenversicherung zu beseitigen. „Ich werde meinen Zigarrenstummel nicht wegwerfen. Wenn ein Arbeitsloser ihn findet, könnte das seinen Arbeits- willen lähmen." Verein, lcalender. Tonristenverci»„Di- Ratursr-undc", Zentral- Wien. Ortsarupp« A-rlin: Donnerstag, 23. Februar in der Etädt. Lichtbildbllhne, Neukölln, Bergstr. 147. »umoc im Film.„Ut Mine Etromtid", Fritz.Reuter.Film in Z Äktcn. Reise. film, 2 Akte. Humoreske. Musik von Mitgliedern des Deutschen Musikervcr» bandes Beginn 1S>4 Uhr. Einlaßkarten«l Pf. an der Abendkasse.—«bt. Eharlottenburg: Freitag, 17. Februar, 20 Uhr, Epreestr. 30. Bolksliederadend mit Erläuterungen.—«bt. Südost: Freitag. 17. Febuar, 20 Uhr, Reichenberger Straße 0«. Lichtbildervortrag.— Abt. tSesuudbruaaea: Freitag, 17. Februar, 20 Uhr, Lorßingstr. 10. Literarischer Abend.— Abt. Südwest: Freitag, 17. Fe. bruar, 20 Uhr, Zugendheim, Yorkstr. 11.— Abt. Treptow: Freitag, 17. Fe» bruar, 2« Uhr, Elsenstr. 3. Hans Baluschck.— Abt. Neukölln: Freitag, 17. Fe. bruar, 20 Uhr, Kopfstr. 55. Vortrag.— Abt. Tempelhos: Sonnabend, 13. Fe- bruar, 20 Uhr,«ermaniastr. 4/Z.— Photogemeinswaft: Montag, 20. Februar, 20 Uhr, Ebertnstr. 12. Naturwissenschaftliche Photographie(Gottsckiav).— Abt. Britz: Montag, 20. Februar, 20 Uhr, Jugendheim Rathaus. Vortrag: „Abstammung des Menschen". Arbeiter-Turn- und.Sportverein„Jahn", Trcptow-Baumschulcnweg. Der Berein ist der größte Arbeitersportverein am Orte. Abt. Treptow turnt fedcn Dienstag und Freitag lFraucn und Männer) 20—22 Uhr Turnhalle Bouche. ftraße:«bt. Baumschulenweg an den gleichen Tagen in den Turnhallen Lyzeum und 4.1b. Bolksschulc. Der Berein hat Kinder- und Iugendabtcilungen, Handball, und Hockeyspiejer. Eigener Sportpjatz. Aufnahme neuer Mitglieder an jedem Turnabend. Sportverein Moabit. Sonntag: Treff zum Kreiswetturnen: Oberstufe 8 Uhr, Mittelstufe 11 Uhr Turmstraßc Ecke Stromstraße. Iuaendpartie: Treff 7 Uhr. Walblauftraining in Zehlendorf-West: Treff 0 Uhr Potsdamer Bahn- Hof. Handballer: Treff 0.30 Uhr Dornbusch. Eeestraßc. Volkstanzkrcis Prenzlauer Berg. Sonntag, 10. Februar, im Altersheim, Danziger Str. 62, von 10—22 Uhr Volkstanzabcnd. Freunde und lSLste will» kommen. Zur Deckung der Unkosten wird ein geringer Unkostenbeitrag erhoben. Altcrsrieoensportlcr und.sportl-rianra. Roch einmal sei darauf hin- gewiesen, daß am 3. März, 20"j Uhr, eine Dampferfahrt von der Iannowitz- brücke aus stattfindet. Die Fahrt hin und zurück inkl. Tanz 1 M. Auskuntt erteilt Richard Sommerfeld, Berlin 0. 17, Paul-Einger-Str. 67, Tel.: Alexander 2333. Wassersportvercin„Helios" e. V. Donnerstag, 23. Februar, Mitglieder. Versammlung bei Reimer. Wilmersdorfer Cttaße Ecke Kanalstraße. Gäste will- kommen. Bootsstände noch frei. Jack London. Ein literarischer Abend bei der AWI.(Arbeitcr-Wintersport- Interessengemeinschaft) Montag, 20. Februar, 10.30 Uhr. im Jugendheim Neu» kölln, Ctcinmctzstr. 114. Sonntag, 10. Februar, 8 Uhr, Treffen Potsdamer Borortbahnhof zur Fahrt»ach Jossen. Eisläufe! jeden Mittwoch im Sportpalast. Freie Rnderer-Bercinigung 1013 e. V. Bootshaus: Oberschöneweidc, Sprccstr. 4/S. Nächste Sitzung: Freitag, 17. Februar, 20 Uhr, im„Folckcn. steiner", Falckcnsteinstt. 40. Mitglieder werden aufgenommen. Anschrift: Willi Pirch, Lichtenberg, Fricdrichstr. 39b. »rbeiter.Radfahrer.Bnnd„Solidarität". 1. Bezirk. Sonntagstourcn am lS. Februar. 1. Abt.: Besichtigung des Reichstags. Treff 13 Uhr, Eingang Wasserscite.— 2. Abt.: 13 Uhr Mahlsdorf. Start Dieffenbachftr. 33.— 3. Abt.: 13 Uhr Tour am Start Lausitzer Platz.— 4. Abt.: 8 Uhr Bei, ig lIugendgruppe): 13 Uhr Uhlenhorst, Start Webcrwiefe.— 5. Abt.: 13 Uhr Hirfchgartcu, Start Landsberger Platz.— 6. Abt. 10 Uhr Müggelbergcl, Uhr Fröhliog am Riiein Operette in 3 Akten. Arden. feiner. Reo». Brahns. Krafft-LortziDg. Maxiniliao So. 3V, Uhr ganze Vorstellg. zu halben Preisen Metropol-Th. lagL 81/« Uhr: „Die schone Helena4 Operettey.Otfenbach Um, Liditensleia. Kettner, Zamsa. Gemn. So. V.4 Uhr kl, Pr. Gräfin Harilza Kleines Toeater Täglich 8V« Uhr Erika Gläßner in Gretchen Für Jugendliche nicht geeignet So. 4 Uhr kleine Preise EriKa Giaftaer in Lissy die Kokotte Berliner IDeater Direktion Kuhnert 'hailottrestr.BD. 9 1. Diiih.1 70 sv, uhr- Max Adalbert als Der Herr von... M Tägl. 7'/, Uhr: 9 Riet.- meiern. Sdtesi.feeiöw. und das übrige grolle Circuspr.! Zum Schluß: „Weibes aold" mit OlgaDesmond. STMlöePr. Pianetariom am Zoo fBlisr. Judiimsihtler StnEc Noll. 1578 lbV, und 21 Uhr Der Sternbimmet der Heimat 18 Uhr Reise z. Aequator 19'/, Uhr Im Reiche der Milternaeblssonne Eintritt 1 M. Kinder not. 15 Jahren 0.50 M. C ASINO-THEATER« Uhr Lothringer Str. 37. Die spanische Fliege. Ausschneiden! Gutschein 1— ♦ Pers. Fauteuil nur 1,10 M., Sessel nur 1,60 M. 8g S£Ai4„ Nollendorf 7360. Albertina Basch-Glrlsl im Rahmen des großen Sonnabends u. Sonntags| Sc 2 Vorsleliunstcn 330 u. 8 Uhr— 3 30 zu ermäßigten Preisen das ganze Programm. miavm Arnold Scholz, llasenheide 108/ IM T& glich: In den bayr. Alpen 7 Kapellen /Neue Dekorationen 30 bayr. Madeln. Sonnabends o. Sonntags; Gr. flpenball. Theater am Kottbusser Tor Kottbusser StraBe 6. Täglich 8 Uhr Elite- Sänger Februar in großer Form! Jeden Sonntae nachm. 3 Ihr: Grobe Familien-VorsieUnnä (ungekürzt). Volkspr. 0,40, 0,75, 1.—. 1,25, ILO. 1,75 Mk Renaissance- Theater Steinplatz 901. 810 Uhr: Coeur Bube. Reichshallen.Theater 8 Uhr, Sonntg. nachm. 3 Uhr. Stettiner Sänger „Holtes Wochenende" ; nachm. halbe Preise Dönhoff* Brett*!: 28. Februar: 1000. Falkner- Konrert. Trauringe 1 Dukaten.. Rm. 14.— IVg„..„ 20.80 2„..„ 28.- 585 Gold von„ 6.- 03 333.. 3.50„ Separaluren in eig.Werkslall.[o.f.i MmaDD WeiDer, 11.58. Pappelallee] Wo treflen wir uns? lm„Pankgraffen" Pankow, SchloBstr. 6. Jeden Sonntag und Donnerstag der beliebte Bollbetrieb, gute stimmungsvolle Haaskapelle und Tanzleliung. gemütlich. Famlllen- aufeothalt bei freiem Blntrltt. Säle für Vereine noch frei. (mm Potsdamer Straße 38 Der alte Fritz(2. Teil) mit Otto Gebühr Für Jugendliche Rheinstraße 14 Im siebenten Himmel Liebesroman zweier Menschen Th. am Moritzplatz Beginn: W. 5,30, 7, 9,15. S. ab 3,30 Die grolle Parade: Jugendliche haben Zutritt ilm-Palast Kammersäle Teltower Straße 1— t Der alte Fritz,(2. Teil, Ausklang) mit Otto Oebubr Odeon, Potsdamer Str. 75 Der alte Fritz(1. Teil) mit Otto Gebuhr Für Jugendliche Turmstraße f2 Der alte Fritz(2. Teil) mit Otto Gebühr Für Jugendliche Alexanderstraße 39-40 (Passage) Mein Freund Harry m. Harry Llcdtke, Maria Paudler j Müden> Luisen=Theater Reichenberger Straße 34 . Das Geheimnis von Genf mit Altred Abel Beiprogramm u. Bühnenscbaa Viktoria=LichtbiId=Th. Frankfurter Allee 48 Der alte Fritz(1. Teil) mit Otto Gebühr Ferner Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt LSP Lichtspiele am Sencfelder Platz Die große Parade mit John Gilbert Jugendliche haben Zutritt KolibrULichtspiele |Belle-Alliance-Platz 2 2 grolle Schlager: Sturmwinds Rache und Entlarvt mit R.Talmadge Jugendliche haben Zutritt PassagcLIchtspiefe Neukölln, Bergstraße 151—52 Tom Mir in Die grolle Zirkusnummer Fcrner:Wlen,Wien,nurDu allein! Buhnenschau Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Der Bettclstudent Auf der Bühne: Die wirkl. prunkv. Ausstatt-Rcvue: Warum, Weshalb. Wieso? Jugendliche haben Zutritt Concordia=Palast Andreasstraße 64 Alraune Beiprogramm u. Bunncnschau Kammerlichtspiele Friedrichsfelde, Berliner Straße 18 Die Spielerin mit Harry Liedtke Buster Kcaton, der Student Welt=Kino Alt-Moabit 99. W. 5,15. Stg. 3 Uhr Scblnderhannes Halt Dich fest Flitterwochen Alhambra Mülferstr. Mein Freund Harry mit Harry Liedtke Orlglnal.Melbourne. Revue t „Die Lichter von Berlin" Pharus» Lichtspiele Müllerstr. 142 Die Liebe vom Zigeuner stammt Alles Schwindel mit Reginald Denis iVletrodPalast Chausseestraße 30 Der alte Fritz(I.Teil) mit Otto Gebühr Auf der Buhne: Im Rausch von Licht und Farbe Kristall-Palast Prinzenallec 1—6 Der alte Fritz(2. Teil) Groll. Frlderlzlanlsches Ballett Buhnenschau „Alhambra" Badstraße 58 Mein Freund Harry mit Harry Liedtke Aul der Bühne; Grolle Ausstattungs.Revne: „IOOO Worte Liebe" Marienbad-Palast Badstraße 35—36 Mein Freund Harry mit Harry Liedtke Haltet den Dieb! Bübnenscbau Prinzen-Palast Prinzenallee 42— 43 So küllt nur eine Wienerin Bühnenschau Humboldt-Theater Badstraße 19 Schinderhanncs 1' Bübnenscbau FilmpalastBallschmieder Badstraße 17 So küllt nur eine Wienerin Der schwarze Satan Bühnenschau Tivoli Lichtspiel Th Berliner Straße 27 Film: Der Gaucho mit Douglas Fairbanks Bühne: Die große Ausstattungsrevue in 12 Bildern: , Kreuz und quer durch Pankow**, Bürgergarten-Lichtsp. Hauptstr. 51 und Lindauer Straße Reinhold Schunzcl in Gustav Mond, du gehst so stille Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 WochenL 7, 9,15. Sonnt ab 4 Uhr Die Jugend der Königin Luise und das erstklassige Beiprogramm Judendliche haben Zutritt Faun-Lichtspiele Krumme Straße 37 Das Geheimnis von Genf mit A# Abel(der große Spionfilm) Der schwarze Satan 1 Palast-Theater Breite Straße 21 a Mein Freund Harry mit Harry Lledke Linden- Lichtspiele Residenzstraße 124 Im Zeichen des Zorro mit Douglas Fairbanks Entfesselte Elemente mit R, Colmnn Emelka-Palast (Alhambra) Kurfürstendamm 68 Uraufführung des großen Fox« Films: Mädchen hütet Euch t O g i t x Titania-Palast Schloßstr. 5, Ecke Outsmuthsstr. Spielzeiten: Wochentags 6.30 und 9 Uhr, Sonnabends und Sonntags 4 6.30 und 9 Uhr. Oer alte Fritz(2. Teil)(Ausklang) Hauptrolle: Otto Gebühr Regie; G.'Lamprecht Auf der Bühne: Alwin Neull Die Erdenfahrt des alten Fritz 2.!ßeita£e Freitag, 17. Febua� 1928. öprNmA SpjUautyaJCtz xfal Vrtv>aS& Der Derliner Z o o Hai einen schweren Derlusi erliiien. Eines seiner Glanzstücke, der junge Drang. Ulan, ein Berliner Kind, ist gestorben. Da« seliene Tier halte in den letzten Tagen durch schweres Almen Anzeichen un- günstigen Gesundheitszustandes gegeben. Auch sein Er. nährungszustand lieh etwas zu wünschen übrig, und so wurde ihm neben der Multerbrust noch die Flasche gegeben. was weder bei ihm selber noch bei der ZIlutter Schwierig. leiten mochte. Dadurch glaubte man schon, mit ihm„über den Berg" zu sein. Da log er morgens tot im B e t t l a st e n. Die Sektion ergab, dojz ihm sast samt- liche Rippen gebrochen waren und dadurch eine Lungenquetschung entstanden war. Das waren die weil über alle Befürchtungen hinausgehenden Folgen wieder- holten Uofugs, den die Alte mit ihrem Kinde getrieben hatte, indem sie es in der Luft herumschlenkerte und auf den Käsigboden sollen lieh. Alan schritt immer gleich ein, konnte von diesen Berlehungen aber äußerlich nichts bemerken. Im allgemeinen ist man der Ansicht, daß die sogenannten „wilden Tiere" in der Wildnis geboren werden, in den Wäldern Bären- Sprößl'nge. Abessinien», am Senegal und Kongo oder fern in Indien und Australien. Das ist heute nicht mehr der Fall! Der Geburtsort so mancher jungen Löwen, Leoparden, Tapire und Klapperschlangen ist eine Großstadt Europas, wobei freilich die Geburt nicht beim zu- ständigen Standesamt, sondern im Bureau eines Zoologischen io a r t e n s registriert wird. Ein jeder Tiergärtner ist mit Recht stolz auf seinen Nachwuchs. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Ausdrücke„geboren wer- den" und züchten" etwas ganz Verschiedenes' bedeuten. Mit dem Ausdruck„im Tierpart geboren" bezeichnet man sür gewöhnlich das Tier, welches mit dem tragenden Muttertier ein- geführt wurde, während das gezüchtete Tier in der Gefangen- schost gezeugt werden ist. Sonderbarerweise kann man alle Großraubticre, mit Ausnahme des Eisbären, in der Gefangenschaft verhältnismäßig leicht züchten, und, was dabei das Erfreulichste ist: die Tierhaltung ist heute so weit vorgeschritten, daß man den Nachwuchs auch großzie.ht. Im Berliner Zoo kamen nun im Jahre lZZ? 63 Raubtiere, und zwar meistens hier gezeugte, zur Well. Von den Großrauhtieren enttäuschten vor allen'Dingen die Tiger, weil sie ohne Nachwuchs blieben. Das kommt eigentlich selten vor,.denn Tiger züchten verhältnismäßig gut, und selbst die Wandermonagerien haben fast jährlich ihren Tigerzuwachs. Die Berliner Löwen hingegen vermehrten sich wieder zahl- reich, wie das bei den Löwen überhaupt Mode ist,, weshalb viele Löwsnkenncr der Ansicht zuneigen, in der Freiheit, vielleicht zur kritischen Zeit des Milchzahnwechsels, müßten zahlreich« Iunglöwen eingehen. Die in der Gefangenschaft gezüchteten werden natür« lich sorgfältigst behandelt, und die 14 Junglöwen des Zoo wurden prächtige Kerle, die allesamt von Ruhe-Älfeld für den Tier- Handel erworben worden sind. Da dieses Haus namentlich den Tier- handel-Inlandsmarkt beherrscht, werden die Berliner Löwen wohl Die Jungen Löwen. In Deutschland bleiben. Die verhällnismäßig leicht zu zähmenden, aber immerhin sehr dummen Pumas hotten fünf Junge, von denen die des letzten Wurfes noch in Berlin sind. Vier Junge brachten die Leoparden, zwei vom Augustwurs sind noch im Garten zu sehen. Als einen ganz besonderen Zuchlersolg muß man es ansprechen, daß eine Pardelkatze, der Ozelot, ein Junges hatte. Ausgerechnet diese panthorähnliche Katzenart pflanzt sich in der Gefangenschaft eigentlich gar nicht fort. Ein eigenartiges Schicksal wurde den jungen Schakalen von ihren Eltern bereitet, die den ersten Wurf, vier an der Zahl, totbissen. Dabei töteten sie die Kinder nicht aus einmal, sondern das e r st e Jungtier bisien si» tot. als es einen halben Monat alt war, und das letzte, als es ein Alter von VA Monaten erreicht hatte. Ein solcher Fall, der uns Menschen unerklärlich ist, ereignet sich selten, da die Tiere, wenn sie zur Tötung ihrer Brut schreiten, dieses Vorhaben g r ü n d- lich und auf einmal besorgen. Damm nimmt man bei den Schakaleltern an, daß sie insolge Störung durch Menschen jedesmal beim Morden innegehalten haben. Recht intereflant sind ferner die L a p p h u n d e, eine Kreuzung zwischen weißer Spitz und Polarhund. Sie vermehrten sich hier um ein halbes Dutzend, das prächtig gedieh. Die Braunbären halten drei Zunge, die insofern den Berlinern viel Freude machten, weil die eine Bärin insotge ihrer äußerst strengen Erziehungsmethade mit den Ohrseigen wirklich nicht geizte. Für die Iungbären jedoch hieß �es:„Nun geh'n wir mal zu Hagenbeck, zu Hagenbeck, zu Hagen- deck. Ei« landeten nämlich alle m Stellingen, und zwar werden sie dort bald in die D r e s s u r h a l l e kommen, wo auch die Dompteurschule ihre Heimstätte hat und wo man immer neue Raubtiergruppen sertig macht. Sie werden entweder mit Dompteur verliehen oder als fertige Gruppen an große Unter- nehmer verkauft. Doch nicht nur im Zoo, auch in der Löwenschau des Kapitäns Alfred Schneider kamen in diesem Jahre in Berlin insgesamt zwölf Löwen zur Welt. Kapitän Schneider hat eine direkt oe- rühmte Löwenzucht und eine Frau, die Dompteuse Betty, leistet nahezu Unglaubliches im Auspäppeln kleiner Löwen. Dabei muh man in Betracht ziehen, daß der Zirkus ständig auf Reisen ist und oft nur drei Tage an einem Ort weilt. Da bedars es tat- sächlich der ausopferungsvollsten Pflege, um Löwenbabys großzu- ziehen. Für sie wird, nebenbei bemerkt, zuweilen im Wohn- wagen Quartier gemacht, damit gleich eine hilfreiche Menschenhand zur Stelle ist, falls das Kleinchen ihrer bedarf. Bon den jetzt ar- bettenden Löwen sind 17 Berliner, zu ihnen gehören ine Filmdiva Hexe und die berüchtigte Europa, die bekanntlich bei einer Film- ausnahm« in Rom einen Menschen tötete. Ein tragisches, jedoch nicht seltenes Löwenschicksal ereille Goliath, der 1921 im Bcr- liner Luna-Park geboren wurde; der gut entwickelle Löwe ist näm- lich, als er sich unpäßlich fühlte, im Hippodrom in Antwerpen von seinen Brüdern ausgesressen worden. Uebrigens trägt ein Löwe, der Siloester 1924 Im Zirkus Busch das Stallicht erblickte, den Namen B er l i n e r. und wenn er nicht gerade etwas rüde ist, macht er seiner guten Erziehung alle Ehre. Im Anschluß hieran soll, wenn es in seiner Art auch gerade nicht dazugehörig ist, ein seltenes Jungtier erwähnt werden, das im Zoo lebt, und zwar ein blaues S t r e i f e n g n u, ein ver- einzelter Nachkomme eines aussterbenden Geschlechts. Bei den Mantelpavianen, die der Zoo hordenweise be- sitzt, hat such starker Nachwuchs eingestellt. Die Jungen klammern sich einstweilen noch an die Brust der Mutter; werden sie etwas älter, hallen sie sich, auch noch immer beim A l t t i e r auf, doch reiten sie dann auf dem Rücken der Aeffin. Jetzt beobachtet man wiederholt, daß. sobald die Muttertiere gemütlich beieinandersitzen, sie ihre Kinder von der Brust nehmen, damit die Kleinen miteinander spielen. Eine freudige und seltene Ueberraschung war es, als im Januar vergangenen Jahres der junge Orang-Utan geboren wurde. Der erste Orang-Utan, der in einem europäischen Zoologischen Garten gezeugt worden ist. Sein zeitiger Tod wird für den Garten als schwerer Verlust gebucht. Das Zebu-Baby. Mit großer Spannung wird Tony, ein E l e f a n t e n w e i b. ch e n, betrachtet, denn man hofft, sie wird Mutter werden. Das wäre das erstemal, daß ein Elefantenpaar in der Ge- fangenschaft züchtet. Aber da ein Elefantenweibchen sast zwei Jahre trägt, wird man sich auf jeden Fall noch etwas gedulden müssen. Oer tolle Gchlossergeselle. „Was man aus Liebe tut." „Was Man aus Liebe tut", beginnt ein bekanntes Lied. Und es fährt fort: ,chas geht noch mal so gut". Daß das nicht immer stimmt, zeigt folgender Dorfall, der dem.Llbcnd" aus Oesterreich gemeldet wird: � Ein zwanzigjähriger Schlossergeselle aus Simmering bei Wien halle sich in die dortige Dorfgasse begeben, um ein Mäd- chen, das er liebte, aufzusuchen. Da er jedoch schon tags zuvor von einem anderen Verehrer der Schönen weggejagt worden war, nahm er ein„Drahtpellscherl" mit, um sich gegebenenfalls zur Wehr setzen zu können. Er halle jedoch auch diesmal kein Glück, wurde viel- mehr wiederum weggejagt, und verfiel nun in eine Art Koller, in dem er die unsinnigsten Sachen machte: er rannte zunächst den Bahndamm- der Nordbahn«nllang, der längs der Dorfgosse hin- führt, erkletterte dort eine Telegraphenstange, kletterte wieder herab und lief dann erst einem Auto, dann einem M i l ch w a g e n nach, ohne sie indessen erreichen zu können; dann sprang er in den Straßengraben, nahm von dort ein altes Blechschaff und legte es auf den Bahnkörper zwischen die Schienen. Hierbei wurde er beobachtet und, da man annahm, daß er«inen Bahnfrevel verüben wolle, von einem Wachbeamten verfolgt. Als der Bursche den Wachbeamten kommen sah, rannte er fort und spWNg zuletzt in den offenen Teil des zumeist überwölbten„See- s chla ch tgr ab e n s", der die Wäsier der Simmeringer Heide aufnimmt. Der Beamte folgte ihm, mußte aber wegen des tiefen Morastes und der giftigen Schwaden von Schwefclwasser- stosf» bald umkehren. Die Feuerwehr wurde verständigt und nun begann eine schwierige Bergungsarbeit: Die Feuerwehrleute stiegen von zwei Seiten mit Fackeln in den Kanal ein und konnten endlich den Burschen, der in dem eiskalten Kanal bewußtlos und halberfroren steckengeblieben war, auf die Straße und ins Wiedener Krankenhaus bringen, wo er nach langwierigen Wiederbelebungsoersuckicn schwach« Lebenszeichen von sidj gab. Der Aoter des Burschen erklärte, daß sein Sohn nur in einem Anfall von Raserei über das Verhalten seiner Geliebten in diesen Zustand geraten sein könne. Auch ein Vertrauensmann. Betrogene ausländische Hausbesitzer. Die kreditschwindeleieu und Belrugsassären der letzten Tage sind um einen neuen Fall bereichert worden. Gestern abend wurde von der Berliner Kriminalpolizei der 32jährige Kaufmann Walter Lein er. Geschäftsführer der Grundstücksgsscllschast„Ilnione Jmmobiliare Z t a l o- T e d e S c a G. m. b. h.". die ihre Bureaurüume in der Z i e t h e n s« r. 2 2 unterhält, unter dem dringenden Verdacht betrügerischer Geschäftsführung und Unlerschlagun- gen in Höhe von etwa 200 000 Mark v e r h a s t e t. Bei L e i n e r wurden zwei Pässe für sich und seine Mutter, mit der er zusammen in der Kleiststraßc eine Zehnzimmerwohnung innehat, sowie zwei Fahrkarton zur Reise ins Ausland vorgefunden. Daraus geht unzweifelhaft hervor, daß Leiner gerade im Begriff stand, den Ort seiner bisherigen Tätigkeit schleunigst zu verlaisen. Durch das Eingreifen der Kriminalpolizei wurde seine,„Geschäfts- reise" jedoch rechtzeitig verhindert. Leiner war als Geschäftssührer der„Unionc Jmmobiliare Zlaio- Tcdesca G. m. b. h." angestellt und hatte etwa öOHäuser im Auftrage von italienischen Besitzern, die die Grundstück: in der Inflation erworben hatten, zu v e r w a l t e n. L. selbst hatte es auf 39 eigene Mietkaserncn in verschiedene» Stadtteilen gebracht. Neben der Immobilienfirma betrieb er noch zahlreiche andere Geschäfte. So sind an dem Hauscingang in der Ziethenstraße nicht weniger als zehn Firmenschilder angebracht, woraus hervorgeht, daß Leiner auch in „Kaugummi en gros",„Vermittlungen" und allen möglichen anderen Waren Geschäfte tätigte. Die Hauptstützen Leiners in diesem außer- ordentlich verzwickten Geschäftsbetrieb waren sein Brüder Kurt L e i n e r und der Italiener de B o r i. Der Stein kam dadurch ins Rollen, daß die Berliner Gesellschaft an mehrere italienische Besitzer die Mieten nicht abführte. Als Mah- nungcn nichts fruchteten, wurde von den inzwischen stutzig gewordenen italienischen Besitzern ein Berliner Rechtsanwalt mit der Wahr- nchinung ihrer Interessen beauftragt und aufgesordert, im Wege des Zioilprozesses gegen die Firma vorzugehen. Der Anwalt stellte zu seiner Ueberraschung bald fest, daß sich die„Union« usw." trotz ihrer großen Einnohincn aus den verwalteten Häusern in Höhe von über 199 999 Mark nionatlich, abgesehen von den' Einkünften der eigenen Grundstücke Leiners, in Zahlungsschwierigkeiten befand. Jetzt wurde die Kriminalpolizei benachrichtigt, die sich den Betrieb genauer ansah. Es wurde ermittelt, daß bares Geld so gut wie gar nicht vorhanden war, daß Leiner über noch vor wenigen Tagen 20 000 Mark auf einer aus- ländischen Bank deponiert hat. Bisher konnte noch nicht geklärt werden, welchen Weg die verein- nahviten erheblichen Summen genommen haben. Leiner soll sich in gewagte Spekulationen eingelassen haben, wozu er die Mietgelder verwendete. Hiermit hatte er aber kein Glück und geriet noch in hohe Schulden. Ob dies zutrifft, werden erst noch die weiteren Nachsorschungcn ergeben. Kurt Leiner und der Italiener de Bon sind bisher auf freiem worden. _ Abu Markub. Bengt Berg über Afrikas Dogelwelt. Bengt Berg, der unvergleichliche Ticrsreund und Schilde- rer, am Bortragspult. Frei und ohne Manuskript spricht der schwedische Forscher und zeigt dabei eine Beherrschung der deut- schen Sprache, die geradezu erstaunlich ist. Es ist herzerfrischend wie der große Kenner der afrikanischen Tierwelt sich über die großeij „Wildtötcr" und ihre g?fahr«nreichen Erzählungen lustig macht'. Bengt Berg haßt das Morden der Tiere, er fordert, daß degenc; rierten Prinzen und sonstigen Eeldsäckcn das unsinnige Schießen des afrikanischen Großwildes verboten werde. Die letzten Reste einer vergangenen Epoche, die Riesentiere Afrikas, sollen erhalten bleiben, und sür diese Forderung zieht Bengt Berg werbend durch die Welt. Unter seinen Büchern nimmt Abu Marküb«ine besondetä Stellung ein. Gestern zeigte er den Verlaus seiner Expedition am Nil, die ihn zu dem geheimnisvollen Urwaldvogel, dem Abu Mar- küb, führte. Wir folgen dem Zug der Vögel, der Kraniche, Slörchd' und Wildenten. Tief unter uns leuchten in geheimnisvoller selt- samer Schönheit die Pyramiden und die Sphinx Aezyptens. Dann öffnet sich eine weite Landschaft, die Landschaft des Nils, ein Gebier von phantastischer Schönheit, das„Himmelreich für die beschwing- te-n Legionen", wie sie Bengt Berg nennt. Millionen von Vögeln schwimmen und baden in den Wassern des Nils, sie sitzen, hüpfen und lausen an seinen Ufern. Auf einer Papyrusinsel, die die Menschen sorgfältig den Blicken der Vögel entzieht, gleiten Bengt Berg und sein Freund, der schottische Major, dessen einzige Waste der Bleistift ist, aus dem Nil entlang. Mit dieser kleinen List gt, lingt es ihnen, die Vögel und auch Abu Marküb, den scheuest�i aller Vögel, zu beschleichen. Wir sehen, wie Krokodile uiflr Flußpferde sich in der Freiheit bewegen. Im Hintergrunds steigen gewaltige Ravchsäulen empor, Zeugen ungeheurer Savan-' nenbrände, und dann tauchen plötzlich Elefantenherdcn auf, auf deren Rücken sich zierlich und graziös kleine Reiher wiegen. Dieser kleine weiße Begleiter der Elefanten ist das einzige untrüg-' liche Zeichen dafür, daß sich diese Urwaldticre nach in der Freiheit befinden. Den zahmen Elefanten verläßt der Reiher. Das schönste, eigenartigste und geheimnisvollste ist aber Abu Marküb,'der Riesenvogel, der mit nichts anderem auf dieser Welt ver- glichen werden kann. Eine Urweltgestalt, die die Zeit vergessen hat,«in« Erscheinung vorgeschichtlicher Jahrtausende. Stundenlang kauert Bengt Berg im Sumpfgras, von Moskitos gepeinigt, bis es ihm endlich gelingt. Abu Marküb vor die Kamera zu zwingen. Kaum 39 Schritte entfernt, steht der Vogel da und starrt auf das» blinkende Objektiv der Kamera. Vielleicht glaubt er, daß es etwa» sei, was er verspeisen könnte. Neugierig, immer beobachtend, aber unaufhaltsam näherte er sich dem blinkenden Etwas. Bis auf fünf Meter kommt er heran. Und Bengt Berg kurbelt, bis eine' unvorsichtige Bewegung das Riesentier erschreckt, so daß es seine gewaltigen Schwingen erhebt und davonfliegt. In Afrika auf Vogeljagd mit der Kamera. Das ist das Erlebnis, das Bengt Berg seinen Zuhörern wie kaum ein anderer zu vermitteln vermochte. (Schluß des redaktionellen Teils.) Dcr«inflc«jtralt btt jugendlich-» Bllit-nw-It, au-scklicßlich von d°>r löicncn aus den Aclchen der Blumen gesammelt, über dessen blutbildende, leicht»erbauliche und heilsame Eigenschafren sich die alte und neue Heilmissen, ichost vollkommen einig sind, dos ist Githler-Honig. �(Befchäft#-Jtijäger � &3ezir& füden-Weften. 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