Ar. 26>. Sifdirint täglich außer Montag». Preis pränumerando: Vierteljährlich z.zo Mark, monatlich l.iv Ml., wöchentlich LS Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer s Pfg. Sonntags-Nummer mit illustr. Sonntags-Bcilage„Neue Weil">0 Psg. Post Abonnement: 3,31) MI. pro Quartal. Unter Sreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 M., für das übrige Ausland Z Mt. pr. Monat. Stngetr. in der Post- ZetlungS-Prctsltst« für issö unter Nr."128. 12. Jahrg. ZnsertionS-Ssbühr beträgt für die sünsgespaltsnsPetitzsile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und BerlammlungS- Anzeigen 20 Pfg. Zufsrate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Dt- Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Tonn- und»esltagen bis» Uhr vormtltagS geöffnet. fttnfpttAttt- Amt 1,|tr. 1508. Ketegranlin-Adrrss«: «Koiinideinoln nt Berlin". BolKsblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Wedaktion: SW. 19, Weuth-Straße 2. Freitag, den 8. Uovemder 1893.\\\ Spedition: SW. 19, ZZeuty-Slraße 3i Morgenluft. Johann Jacoby, das Mensch gewordene Nechtsprinzip, der Schüler und Landsniann Kant's, des Apostels der reinen Vernunft und der idealen Menschlichkeit, sprach vor 29 Jahren inmitten der wilden Orgien des Chauvii i-mus, die dem Krieg von 1866 folgten und den Krieg von 1870/71 einleiteten— zu Arbeitern das denkwürdige Wort: „Die Gründung des kleinsten Arbeitervereins ist eine größere That als die Schlacht von Königgrätz." Das Wort ist oft erwähnt worden und kein gebildeter Mensch bestreitet dessen Wahrheit. Heute können wir ähnlich sagen: die Ablehnung der eidgenössischen Militärvorlage durch die Mehrheit des schweizer Volks ist eine größere That, als alles, was das lnouarchische, in Waffen klirrende Europa auf tausend blutgedüngtcn Schlachtfeldern geleistet hat. Nicht, daß wir. den von dem schweizer Volk verworfenen Gesetzesvorschlag durchaus mißbilligten. Wir haben wieder- holt erklärt, daß er nach manchen Richtungen hin Ver- besserungcn enthielt. Aber gerade das erhöht die Be- deutung der Kulturthat des 3. November. Das schweizer Volk hat sich durch diese unleugbaren Verbesserungen in technischer Hinsicht nicht von dem eigentlichen Kernpunkt der Frage ablenken lassen: es hat mit richtigen! Instinkt herausgefunden, daß in dem Entwurf, trotz all seiner sachlichen Vorzüge, der Keim des Militarismus verborgen war. Und dieser Keim, der sich zu einer die Freiheit und Wohlfahrt der Eidgenossem schaft bedrohenden Macht hätte entwickeln können, ist am 3. November von dem wachsamen, durch Deutsch lands Beispiel gewitzten schweizer Volke zertreten worden. Es war ein Sieg des demokratischen Gedankens, es ivar ein V o l k s g e r i ch t. So nennt es auch das Hanptorgan der schweizerischen Demokratie, die„Züricher Post", welche in ihrer vorgestrigen(Dienstags-) Nummer, am Tage nach der Abstimmung, also schreibt: Nicht über die Zentralisation der Militärverwaltung hat gestern das schweizer Volk entschieden— sein wuchtiges M i ß l r a u e n s v o l u in galt den Symptomen eines keimenden Militarismus in unserer Armee. In langen Jahre» hat der Groll gegen u n d e m o k r a t i s ch e Zu- st ä n d e in unserem Milizheer sict, langsam festgefressen. kaum beachtet von de» leitenden Personen oder mit einem Achselzucken abgetha». Keine Gelegenheit hat sich dem Volk seit 1874 geboten, sich über seine Heereseinrichtungen aus- zusprechen; gestern war sie da und sie ist gründlich aus- genutzt worden. Die 70 000 Mehr-Stimmen der verwerfenden Majorität und die Dreiviertelsmehrheit der verneinenden Stände haben mit brüsker Hand den Schleier von der Volksseele weggerissen und Wenige nur können sich rühme», so viel Groll und Zorn darin geahnt zu haben. Ls war ein Volksgericht; sein Urtheil zu begründen, bedars es nicht vieler Worte. Unser Volk ivill iv e h r h a s t sein, aber aus seine Art; es will, daß auch die 19 Ein Vvvvitlükcv. INachdr. verboten. Kampf und Ende eines Lehrers. Roman von Joseph Ruederer. Der Wirth fühlte sich gekränkt und zog die Augenbrauen in die Höhe: „Ich Hab' nie was g'habt gegen'n Herrn Lehrer." „Natürlich net," spottete Gattl,„wir zwei sind ja immer die besten Spezi gewesen! Gelt?" Herr Kreittmaycr war ein Freund der Ruhe und de? Friedens. Als guter Bürger haßte er jeden Streit und ließ deshalb den Lehrer bald wieder in der Stube allein. Gattl lachte dem Abziehenden nach und trank sein Bier weiter. Mit dem hereinbrechenden Abend, der von der Dorfstraße seine Nebel aufsteigen ließ, überkam ihn all- iiiälig eine unsägliche Ocde uild Verlassenheit in dem muffigen Räume. Alles schien hier von Schmutz zu starren. Die klebrigen Bänke und Tische, von denen ein fader Geruch verschütteten Bieres ausging, der hölzerne, braune Wandschrank mit der offenen Glasthüre und den umgestürzten Krügen und Seideln und der kupferne Spül- kessel daneben, den trübes Wasser bis zum Rande füllte. Gattl ekelte es. Er warf seine Zigarre weg und schritt mißmuthig durch die dämmerige Stube, uni sicy zu beruhigen. Aber, was ihn hier umgab, widerte ihn immer heftiger an, er hielt es nicht mehr ans in deni dumpfen Kasten, der ihm alle Luft zu nehmen schien. Darum bezahlte er rasch und begab sich vor die Thüre. Möhler ward ihm hier und er erwachte langsam aus seiner Betäubung. Als er aus der Hochwiese das Forsthaus im Halbdunkel liegen sah, packten ihn Reue und Scham über seine Grausamkeit gegen das Mädchen. Er faßte einen raschen Entschluß und sprang mit Ivetten Sätzen über den Bühel ins Forsthaus, wo er alle Thüren ausriß und Anna's Namen brüllte. Als er endlich die Gesuchte fand, Einrichtungen seines Heeres den politischen Einrich- tungen, die es sich in langen, zähen Känipfen geschassen, entspreche. Das haben die Führer miß- achtet. Sie bildeten das Heer einseitig militärisch aus, von den st ehe n den Heeren die Grundsätze holend und mit diesen all die n n d e m o k r a t i s ch e n Gebräuche, die mit einer zweijährigen oder dreijährigen Dienstzeit hinter den Kasernenmauern geübt, für das Zivil leben der Leute blos die Bedeutung einer unliebsamen Er inncrnng haben, bei unserer kurzen Instruktion aber und dem viel engeren Zusammenhang von Zivil und Militär zum Angel- punkl der Beurtheilung des ganzen Systems geworden sind. In Bern hat man die Klagen über schlechte BeHand lung der Mannschaft, über das Gigerl thum der Offiziere, über P r e u ß e n t h u ni und dergleichen als natür- liche Begleiterscheinungen jedes Wehrwcsens aufgefaßt; man gab sich keine Mühe, den Ursachen nachzuforschen, man handelte von Fall z» Fall, lax und langsam, verdrießlich über die nn- angenehmen Geschichten, gab widerwillig zu, wenn eine Bc- schwerde begründet war und posaunte jeden unbegründeten Fall demonstrativ in die Welt hinaus. Die verschleppten Unter- snchungen gegen G e r t s ch—(den bekannten Verleumder des Milizheeres. R. d. V.)— sind typische Beispiele dieser ver- kehrten Auffassung; ist doch, so gefährlich es war, die neueste Gertsch-Affäre nicht vor der Abstimmung zu Ende geführt, sondern über den 3. November hinübergezerrt worden. Der unglückliche preußifcheStandpunkt, im Zweifel jede Beschwerde für unbegründet anzusehen, bat sich bitter gerächt. Die Herren in Bern stehen vor einem M a s s e n p r o t e st, von dem sie sich in den schlimmsten Nächten, die dem 3. November vorangingen, nichts träumen liepeu. Sie haben ein Volks- urtheil in den Händen, das sie, wenn anders sie Lenker eines demokratischen Staatswesens sein wollen, zu vollstrecken haben. Im weiteren Verlauf des Artikels sagt die„Züricher Post": Ob es die Zentralisation prinzipiell will oder nicht, hat das Volk nicht ausgesprochen, es will sie jetzt nicht, es will e r st i n n e r e N e f o r in e n im S y st e m u n d es w i l l—• das Resultat von Glarus ist dafür der sicherste Beweis—, daß die M i l i t ä r f r a g e n hinter die sozialen N e- formen zurückgestellt werde n. Und das Blatt schließt mit den Worten: Statt falsche Schlüsse aus diesem Volum zu ziehen, köiinte das Ausland etwas daraus lernen. Wenn im schweizer Volk, das ein den Einzelnen nicht allzu sehr belastendes, in seinem Prinzip durchaus demokratisches Milizsystem besitzt, schon die Symptonie eines keimenden Militarismus eine» solchen Ausbruch des Grolles erwecken, wie müßte das Urtheil der Volker ausfallen, die unter dem Joche unerträglicher Militär- l a st e n, langjähriger D i e n st z e i l und eines die Menschenwürde--- Militarismus st e h en? In ähnlichem Sinne sprechen sich auch die anderen demokratischen Blätter der Schweiz ans. Und kein Zweifel: das Votum des 3. November war ein Volksnrtheil über den Militarismus— es war ans der Seele eines freien Volkes heraus ein elementarer Protest gegen eine Einrichtung, deren Wirkungen kein Volk der umschlang er sie so leidenschaftlich, daß sie kaum zur Be- sinnung kam über sein nnvermuthcteS Hereinstürmen und willenlos in seinen Armen ruhte. „Sei gut, sei gut!" lispelte er. Jetzt erwiderte sie seine Liebkosungen und lachte glück- selig zu ihm hinauf. Er preßte sie noch fester an sich und sah erregt in ihre Augen. „Ein Jahr nur noch.... dann.... dann g'hörst endlich mir!" Anna nickte und entwand sich ihm nicht. Er athmete schwerer: „Tann brauch' ich am Abend nimmer von Dir weg- z'gehen, gelt, Anna?" flüsterte er und neigte sich zu ihrem Ohr. Leicht errölhete sie und ließ den Kopf hängen. Er neigte sich herab und herzte und küßte sie auf's neue, hastig arbeitete seine Brust. Da löste sie sich ängstlich los und trat zurück, indem sie ihr wirres Haar ordnete. Beide sahen sich aufathmend an. Stürmische Wellen hatte ihre Leidenschaft geworfen und Herz an Herz in mächtigen Schlägen pochen gemacht. Wie ein wilder Rausch war es über das Paar hinwcggezogcn, wie ein Wirbelwind. der beide Menschen für einige Momente so nahe brachte, daß sie sich fast bewußtlos umfingen und nichts anderes mehr fühlten, als das rasende Verlangen nach dem Besitze, das niit Glnthströmcn über sie hereingebrochen war und ihre Körper durchtobte. Gattl fragte sich,.warum er so leise und vorsichtig dahinschlich, als er gleich darauf nach einem zärtlichen Abschied das Haus verließ, um die Abendglockc zu ziehen. Er ging wie auf verbotenem Wege, schüchtern und ängstlich, als müßte er ein schweres Gcheimniß bewahren, und freute sich diesmal wie ein Kind, als er beim Nachtmahl vom Geistlichen keinen Vorwurf bekam über das stark verspätete Gebctläiiten. Am andern Morgen ging er in die wiederbeginncnde Schule hinüber, mit eimni eigenthümlichen Lächeln auf den Erde besser kennt und bitterer empfunden hat und empfindet, als das deutsche. Doppelt erquickend und doppelt lehrreich ist diese Bc- thätigung demokratischen Geistes in dem gegenwärtigen Augenblick, wo das der Demokratie todtfeindlich gegenüber- stehende System der Personen- und Klassenherrschaft, aus welchem der Militarismus hervorgegangen ist, die Verderb- lichkeit seines Wesens und seiner Früchte aller Welt offenbar und inimer weiteren Kreisen fühlbar macht. Da klingt dieser Protest des schweizerischen Volks wie Helles Trompetengeschmetter in die stickige Nachtluft, den nahenden Tag ankündigend und die Schläfer erweckend. Und der Protest steht nicht vereinzelt da. Au das Votum des 3. November in der Schweiz schließt sich an der Sturz des Kabinets Ribot und die Bildung eines demokratischen Ministerinnis in Frankreich, und der Dort- nmnder Wahlsieg in Deutschland. Das sind drei Stöße ins Herz des Systems der Personen- und Klassenherrschaft. Der demokratische Geist lebt noch; und die Sozial- demokratie erkämpft ihm den Sieg. polikische Mebevltchk. Berlin, 7. November? Der Neichstags-Abgcordnete Dr. Lütgenau, Re- daktenr der sozialdeniokratischen Arbeiterzeitung, ist, wie ein offiziöses Telegramm aus Dortmund meldet, von der Strafkammer in Dortmund wegen Majestätsbeleidignns, begangen durch den Abdruck des Artikels„Wieder eine Kaiserrede", zu 5 Monate» Gefängnist verurtheilt. Das Urtheil erfolgte einen Tag nach der Wahl, in der Lütgenau im Wahlkampf über den ordnungsparteilichen Kandidaten Möller den Sieg davontrug. Nach der letzten Wahl in Dortmund wurde ein anderer Sozialdemokrat, der Maler Voigt zu einem Jahr G e f ä n g n i ß verurtheilt, weil er angeblich das national- liberale Wahlkomitec beleidigt hatte. Uebrigens widerfuhr auch dem Genossen S ch i p p e l das Mißgeschick, kurz nach seiner Wahl in Chemnitz vom dortigen Landgericht zu 9 Monaten Gefängniß verurtheilt zu werden. Ans das Nebel folgt stets das Weh, Das ist die Ordnung im Abc.— I» der„Deutschen Tageszeitung", dem Organ der Agrarier lesen wir folgendes: „Sozialdemokratisches. Berlin, 7. November. Man schreibt uns:„Die gestern beschlagnahmte Numnier des„Vorwärts" sowie etwa dreißig vorhergehende hat„Genosse" Fritz Knnert aus Schöneberg, ei» ehenialiger Lehrer, als verantwortlicher Redakteur gezeichnet. Im Prozeß Dierl n. Gen. wies der Vcrtheidiger den Vor- wurf, die Angeklagten seien Sitzredaktenre gewesen, entrüstet zurück; Pfund sei im politischen Ressort, der Schriftsteller Dierl belletristisch Ihätig gewesen und Raiitmann der einzige Redakteur seiner Zeitung; die Redakteure des„Vorwärts" betrachteten Lippen, und amüsirte sich über die neueintretcnden Kleinen, die ihm noch niemals so viel Vergnügen bereitet hatten, wie in diesem Herbste. Die pausbackigen, runden Geschöpfe standen an der Hand von Erwachsenen erwartungsvoll vor seinem Pulte und guckten befangen in diese neue Welt hinein, die sich heute vor ihnen austhat. Steif und nn- beholfen bewegten sie sich, als sie der Lehrer in die Bänke schob und ihnen die Plätze anwies. Die Feierlichkeit des ungewohnten Ortes, dessen Wände mit Käfersammlungen und Landkarten bedeckt waren, schien ihnen völlig die Sprache geraubt zu haben, und stannend sahen sie zu deni großen Wandkruzifix empor. In den folgenden Wochen niußte Gattl bei diesen kleinen Wesen weniger das Anit des Unterrichtenden, als die Dienste einer Kindsmagd versehen. Es war keine kleine Arbeit, aus solchen Urwaldsgeschöpfen Menschen heranzubilden, die schreiben und lesen sollten. Aber der Lehrer unterzog sich gerne dieser Aufgabe, der er jetzt mit ganz besonderem Eifer oblag. Seine Schule war sein Stolz auch in den härtesten Tagen seiner Laufbahn gewesen. Er hätte sie jeden Augenblick unvorbereitet zeigen können und selbst eine strenge Prüfung nicht zu scheuen brauchen. Freilich auch vor einem un- parteiischen Richter, und ein solcher war der Bencfiziat nicht, der nur Tadel, niemals ein Lob hatte. Der Distrikts-Schnl- Inspektor von Mariakirchen, ein schwerhöriger, einfältiger Greis, pflegte ohne eigenes Urtheil blindlings die Aussagen seines jüngeren Kollegen zu bestätigen, wenn er ins Dorf kam, und so hatte Gattl, weil der höchste Prüfungsbeamte durch die schlechten Zeugnisse des geistlichen Vorgesetzten inimer fern gehalten blieb, nur ein einziges Mal seine Schule vor einer weltlichen Instanz zeigen können, vor dem Bezirksamtmann, der einer Schlußfeier beiwohnte und freund- liche Anerkennung zollte, dann aber nie mehr etwas von sich hören ließ. Gattl wunderte sich, daß der Bencfiziat im neuen Schuljahre so selten in die Lehrstuudcn kam und ihm nur ? crg GljrniifticH, als SBevaiilnicrtlidicr zeichnen zu können. Zu dieser Erklärung können wir feftstellen, daß„Genosse" Kunerl nicht Redakteur des„Vorwärts", sondern dort nur Redaktionssekretär ist. Er ist von der ihm aufgedrungenen „Ehrenpflicht" durchaus nicht so sehr erbaut gewesen und hat den nun eingetretenen Fall gefürchtet. Die Absicht zu beleidigen, hat der„Vorwärts" wohl kam» gehabt. Es kann im Gegentheil versichert werde», daß angesichts der bekannten Vorgänge das fast ängstliche Bestreben vorgeherrschl hat, alles zu vermeiden. was zu einer neuen Anklage Anlaß geben könnte."— Wenn die hier au den Tag gelegte» Anschauungen de» Thatsachen entsprechen, so wäre ja schon durch das festere Zugrei-eu der Slaatsgeivalt gegen- über den sozialdemokratischen Ausschreitungen iveuigsteus die gute Wirkung erzielt, daß sich die sozialdemokratischen Tinteukulis zu fürchten beginnen. Das könnte nur ein Sporn sein, aus jenem Wege fortzufahren." Tie unanständige Freude über die Strafverfolgung sozialdemokratifcher Redakteure, die aus den letzten Zeilen hervorbricht, überhebt uns der Nothwendigkeit, auf diesen Theil der Ausführungen näher einzugehen. Wir wollen uns nur nstt den behaupteten Thatfachen befassen, deren Mittheilung augenscheinlich von einem jener halbhörenden Horcher herrührt, die durch den Verkauf von zurecht- gestutzten Notizen über innere Vorgänge in der Redaktion des„Vorwärts" sich hier und da bei bürgerlichen Blätterst nach ihrem eigenen Eingeständniß „einen koscheren Thaler" zu verdienen suchen. Unser Kollege K n n e r t, ans dessen Diskreditirung für seinen bevorstehenden Prozeß wegen Majestätsbeleidiguug das ganze schofele Ge- fchreibse l angelegt ist, war allerdings bis zu seinem Rücktritt vom Amte Lehrer, ist aber seit Jahren als Redakteur thätig gewesen. So hat er die„Schlesischen Nachrichten" und die„Schlesische Volksmacht" Jahre hindurch geleitet. Später hat er wiederum jahrelang als Schriftsteller durch die Behandlung sozial- politischer Fragen sich seinen Unterhalt erworben. Als er in die Redaktion des„Vorwärts" eintrat, übernahm er zunächst den Sekretärposten. Er hat es dann als eine Ehrenpflicht betrachtet, in dieser politisch bewegten Zeit das schwierige Amt des verantwortlichen Redakteurs zn übernehmen, das bei einer Zeitung in der gefahrvollen Lage des„Vorivärts" die Arbeitskraft eines Mannes vollständig in Anspruch ninimt. Der ver- antwortliche Redakteur hat jeden Artikel, jeden Satz sorg- sältig zu prüfen, nöthigeu Falls zn ändern und über Aufnahme oder Ablehnung cudgiltig zu entscheiden! Wir würden auf alles dies hier nicht näher eingehen, wenn es sich bei jenen» perfiden Angriff nicht offeilbar darum ge- handelt hätte, der Staatsanwaltschaft sreiivillig Hilfe zu leisten.— Militär- Strasprozcffreform. Vor einigen Tagen »var von einer angeblichen Bcrathuug des preußischen Staatsininisterinnis über die Frage der Refonn des Militär- Strasprozeßverfahrcus berichtet»vorden. Das Staats- Ministerium hatte sich danach auf eine beschränkte Oeffentlichkeit des Verfahrens geeinigt, obivohl merklvürdiger Weise die einzelnen Minister für u n- beschränkte Oeffentlichkeit geivesen seien. Zu der ganzen Angelegenheit, die von den„Münchcner Neuesten Nachrichtei»" verbreitet, dann offiziös demeutirt und abermals wieder aufrecht erhalten wurde, bringt nun die„Biilitärische u. Politische Korrespondenz" die Nachricht, sie sei in» besten Flusse und es sei auch alle Aussicht vorhanden, daß der betreffende Entivnrf noch im Lause des Winters an den Bundesrath gelangen kann.„Ob es dann aber möglich sein dürfte, ihn anch noch an den Reichstag zn bringen, nmß schon uin des- willen als f r a g»v ü r d i g bezeichnet»verde»», weil die Reichstags-Session ohnedies in einem Maße belastet erscheint, daß es als völlig ausgeschlossen betrachtet werden darf, es»verde anch mir die Hälse des Pensums z»lr Er- lediguug kommen." Das scheint ein recht bcgneines Mittel zu sein, die Reform des Militär-Strafprozesses, über deren Nothivendig- keit eigentlich bei niemandem»nehr Ziveifel bestehen können, auf den St. Nimmerleinstag zn verschieben. Der schwer- bei einer Gelegenheit dreinredete, als der Poiten Hansl an einem freien Nachinittage ans de»»» Pulte des Lehrers Zeichen- Unterricht erhielt. Das»var als nutzlose Zeitverschwei»d»»g, im Schulzimnicr»vcnigstens, ein für alleinal verboten »vorden. Gattl sollte den Jungen lieber in» Ministränten- dienste unterweiseil, der noch sehr viel zu wünschen übrig lasse, meinte der Geistliche. Nun verlegte der Lehrer die Stunden i»»s Forsthans, um die aufblühei»de Gabe des Ki>»des so»veit zu fördern, als es sein eigenes Geschick erlaubte. Er mußte sich sagen, daß Hausl ihn bald überflügeln»verde, solch srappmite Fortschritte wies der fleißige Junge auf. Hier hatte schon bald eine geübtere Hand einzugreifen, die dieses urivüchsige Talent in die richtigen Bahnen lenkte. Aber vorerst»var noch keine Atissicht dazu, dies zu erreichen. Poiten»var noch immer hinfällig und kränklich, und man mußte um so mehr einen geeigneteren Zeitpunkt abwarten, als der schlimmste Gegner solcher Pläne, der Beuefiziat, jeden freien Augenblick bei dem Kranken zubrachte. Wie für sich und für Anna, so hoffte der Lehrer anch für seinen Schüler vom nächsten Jahre,»vo ein Maler wieder ins Dorf koninien sollte, der vor zivei Jahren bei seiner kurzen Auivcseuheit in Oberkarbach ans Gatll's Bitte die damaligen Leistuilgen Hansl's betrachtet und für un- gewöhnlich talentvoll bezeichnet hatte. Durch ihn dachte es Gattl durchzusetzen, daß die nöthigeu Schritte zur iveuerei» Ausbildung unternommen werden konnten. Kaum verinochte der eifrige Jimge diesen Zeitpunkt zn erivarten. „Gelt, Herr Lehrer, da komm i in d' Stadt nein?" fragte er oft und lachte über das ga»izc Gesicht.„Ah, da muaß schön sein, de Wagen, de Roß und de hoch'»» Kirchna, von dene hat nier der Vater scho alleiveil verzählt, daß s' viel höher san»vie de uns'rige. Js a so, Herr Lehrer?" Und als dieser lächelnd bejahte, fuhr er fort: „Was»nal i da nacher,»veun i a Maler bin, Hans, Herr Lehrer?" Das fände sich, meinte Gattl. Ter Junge machte pfiffige Augen: „I»voaß scho,»vas» mal. D' Mnattergottes mal i, lvia's mit zivoa goldene Roß in'»» Himmel aufifahrt." „Warum grab mit zwoa goldene Roß." „Ja, des hat uns der Herr Beuefiziat ain Hitiimel- fahrtstag verzählt, daß sie so'uausg'sabr'n is." „Aha! Ja, dann»nal's nur a so!" Hansl kritzelte mit dem Bleistift auf der Tischdecke herun». geplagte Reichstag würde es doch vielleicht noch möglich inachen können, in die Berathnng der Materie einzutreten, warum versucht's de»»»» die Regierung nicht»venigstens einmal? Warum beruft sie ihn übcrha»ipl so spat ein, daß er nur ,vei»ig Zeit hat?? Friirst Bismarck und das Klebegcsetz. Wie koi»nte der alte Groller in Friedrichsruh doch so tapfer schniälen über das Klcbegesetz und die„Kleber", die daran schuld sein sollten. Da hat ihn seine sonst so gute Emnernng einmal wieder in Stich gelassen. Ter sreikouservative Ab- geordnete Herr v. Kardorff platzt nämlich jetzt mit einer Enthüllung heraus, nach der Fürst Bisniarck mit nniidestens ebensoviel Recht wie seilte dainaligen Kollegen die Ver- antivortnng für das Klebcgeietz trägt. Arg verspätet,»vahr- scheiulich aris zarler Rücksicht gegen den ehemaligen Reichs- kanzler, bringen die„Berliner Neuesten Nachrichten" nämlich folgeltde Zuschrift: „W a o n i tz, 29. Oktober 1895. In verschiedenen Zeitungen wurden angebliche Aeußerunge» des Herrn Atinisiers v. Bötlicher über das Zustandekoinnrcn des Alters- und Jnratiditätsversicherniigs- gesetzes veröffentlicht, welche de» Anschein hervorrufen, als ob Fürst Bisniarck der Abstimmung über das Gesetz trotz seiner Be- sürworlung desselben iin Plenum doch»»ehr passiv gegenüber« gestanden habe. Den» beireffenden Berichterstatter und ebenso dem Herrn Mmister ist wahrscheinlich unbekannt, daß einer oder der andere Abgeordnete vor jener Abstimmung sich verpflichtet hielt, dem Fürsten Bismarck mitzutheilen, daß er gegen das Gesetz stimmen zu müssen glaube, weil er, obschon mit der Tendenz ein- verstanden, doch eine ganze Reihe von Elnzelbestiinmunge» für so mangelhaft durchgearbeitet erachte, daß eine»ochnialige Durch« beratbung des ganzen Gesetzes sehr cruüiischt erschiene. Diesen Bedenken gegenüber machte Fürst Bismarck gellend, daß Fehler des Gesetzes sich anch später beseitigen ließen, daß seine A b l e h n u n g a b e r ein p o l i t> s ch e r A k t v o» g r o ß e r Tragweite sei. Die Stellung des Ministers v. Bölticher, der das volle Verlrnuen seiner Majestät des Kaisers besitze, der durch sei» großes Talent mit dem Biindcsralh zu verhandeln und diirch seine hervorragende Arbeitskraft ihm im Augenblicke ein sehr werlhvoller Mitarbeiter sei,»vürde durch die Ab- lehnung so erschüttert werden, daß er kaum glaube, ihn dann noch hallen zu können. Herrn v. Böltichei's'Abgang bedeick aber eine Erschwerung des Verkehrs seiner Majestät init ihm, dem Reichskanzler, und so»venig er ans die gefaßte» Ent- schließnngen von Abgeordneten irgend welche Einivirkmig ausüben wolle, so bäte er seine persönliche» Freunde doch, diejenigen Folge» eriväge» zn»vollen,»velche das Ausscheiden des Ministers v. Bötlicher nach sich ziehen könne. Fch bin ineinestheils noch heute der Meinung, daß diese Erwägungen es ge- >v e s e n sind,»velche die Äl n n a h»> e des Gesetzes ermöglichten, u>i d daß ohne diese Intervention des F ü r st e» Bismarck die Ablehnung des G e- s e tz e s damals e r s.o l g t>v ä r e. v. K a r d o r f f- WabPtz." � t itikcl d Die„Fränkische Tagespost" bemerkt zu dem Artikel Ledebonr's über die Kautsky'sche Resolution: „Genosse L e d e b o ur, der uns mit seinen Aussührungen in der Hauptsache aus der Seele spricht, hat unrecht, wenn er behauptet, die bayerischen Laiidlags-Abgeordiicteii hätten mit ihrer Erklärung„die agrarpolitischen Gnmdsätze der Frankfurter Resolution sich zur Richtschnur nehme» wollen". Dieselben haben lediglich erklärt, in ihrer praktische» Thätigkeit im Landtag genau dciisclvcn Slaiidpuukt eiuiiehineii zu wollen»v i e bisher; eine Thätigkeit, die— mit Ausnahme der vielbernseiien Adstimmung über das Finanzgesetz— die allseitige A n e r k e n»»> n g der Partei gesunde» hat. Die Erklärung ist außerdem in ihren Haupt- pmikteu gleich lauiend mit Aiislassuiigen des Geuossen Engels, welche bisher als leitend für die Agitation in puncro Landeskultur- und Agra» fragen für die Parteigenossen in Deulschland gegolten haben und läßt überdies aufs unzweideutigste erkennen, daß die bayerische Fraktion bei jeder a» sie heran- tretenden diesbezüglichen Frage prüfen werde, ob und in wiefern eine Betheiligung an deren Lösniig init unseren Prinzipien vereinbar sei. Eine„Auflehnung" gegen Parteitags- beschlüsse war nicht darin enthalten, höchstens eine indirekte abfällige Kritik der„widersinnigen",„verpfuschten" Re- solution Kaulsky, welche Kritik aber nicht entfernt die Schärfe der Ledebottr'schen Ansfährnngen annahm. Und da ja nach den neuesten„anthenlischen Interpretationen" von„Neue Zeit" und ,vüßl' scho no a»vas anders zum maleu, Herr- Lehrer/ Was deilu?" In Mariakircheu drill," er lachte wieder schlau,„da Hab i ainal allf'm Bildl an Buabi» un a Deandl g'seh'n, wias' anander abbnsscli». Grad so iiial i de Kathi, mei Schwester, a." „Wen malst denn aber da dazu?" fragte scherzc»ld der Lehrer. „No, ihren Schatz halt." „Wer is denn das?" Halls! that sehr wichtig. „Ja, des sag i net." „'Nacher laßt Dil's halt bleiben � Der Junge verbesserte sich eilig: „Na'm Herrn Lehrer darf i's scho sagen!'3 is dt der Lcchner Toni von Unlersteinau." „Der Toni, der Holzknecht?" „Ja, der is!" „'Aber»vas. stigt deiiil.tm. Tei Vater dazu?'' „O, der spannt nix, es woaß's niemand außer mir." Der Lehrer sah den Jllilgen scharf an. Haust er- röthete. „Js dein» da»vas Unrechts dabei?" stotterte er. „Das Hab' i net zu entscheiden," sagte Gattl, der bald darauf die Stunde beendete. Die nierkivürdigenBeobachlliilgc»», die ihin der Junge ansgeplalldcrt hatte, spukten ihm»»och eine Weile im Kopfe. Poitens Kathi und— ein Holz- knecht,»nid»»och dazu dieser nichtsuutz'ge Toni, der als schlimmster Dorf-Don-Juan allgemein verrufen war nnd abivechselud bald mit der, bald mit jener Dirne nächtliche Spaziergänge veranstaltete, unter anderen anch mit der drallen Marie, der Magd des Forsthanses. Wenn das der alte, eigensinnige Poiten erfuhr! Wie schlau mußten die beiden zu Werte gegangen sein, daß außer dem Bruder noch menmnd im Torfe davon wußte, denn solche Ver- hältilisse wurden sonst sofort zum öffentlichen Gespräche. Gattl trug die Neuigkeit mehrere Tage mit sich herum. Sollte er den Poiten vielleicht?... Ach,»vas ging's ihn au? Seine Schule war ihm jetzt»vichtiger, als müßiger Klatsch über eine verliebte Bauerndirne. In eifriger Thätigkeit vergaß er bald die ganze Er- Zählung und"nistete sich in seine Lebrstnbe eil», un» die der hera»ibranse»de Winter ein»»»durchdringliches Flockenmeer vom schmutzigen Himmel hetzte. (Fortsetzung folgt.) „Sozialdemokrat" sowohl als durch den Artikel Ledebour'S an- erkannt ist, daß auch durch die Kautsky'sche Resolution und trotz derselben„alles beim allen" bleibt, so wäre»»lnsere Landtags-Abgeordneten zu ihrer Erklärung, die noch dazu dnrck die Geschäftslage iin Landtag hervorgerufen war, vollauf be- r e ch t i g t und Genosse Ledebonr hätte sich seine tadelnte Be- merknng ersparen können. Dasselbe gilt auch für die Re- daktions- Erklärung des„Vorwäris" in dessen neuester Nu»»uer. Ehe man etwas„mißbilligt", möge man es be- greifen lernen. Wozu noch bemerkt werden mag, daß wir der Redaktion des„Vorwäris" uiiter gar keinen Uniständen das Recht zugestehen, sozusagen eine„amtliche'' Erklärung gegen irgend eine Parteigruppe abzugeben. Das ist lediglich Sache des Parteitages, in diesem Falle also des Partei- laaes zu G o t h a. Und wie der entscheide» wird, das»mß erst abgewartet werden. In, übrigen ist, wie kürzlich schon er- wähnt, diese Angelegenheit für die bayerischen Parteigenossen a b g e t h a»." So die„Fränkische Tagespost". Was sie zu dem Artikel unseres Redaktionskollegen Ledebonr sagt, lassen wir hier unberührt. Uns geht blos der Echlußtheil der Notiz an. Ueber den Begriff des Wortes„begreifen" wollen wir mit der„Fr. Tagespost" nicht streiten. Sie hätte aber aus unserer Veröffenttichung des von ihr im wesentlichen ge- billigten Artikels von Ledebonr doch wirklich„begreifen" können, daß es dem„Vorwärts" fern liegt, die Kritik der Resolution Kautsky beschränken zu wollen. Wie die„Fränkische Tagespost" dazu gekommen ist, die Erklärung des„Vorwärts" für„amtlich" zu halten, das„begreifeit" w i r nicht. Wir haben in ihr die An- schauung der G e s a m m t- R e d a k t i o n zu»»» Ausdruck gebracht; und daß wir uns iin Interesse der Partei- disziplin gegen die„Art und Weise" des Vorgehens der bayerischen La»»dtagsfraktion ausspräche»», das»var nnser gutes Recht nnd unsere Pflicht. Daß wir inlolcrantes Gehetze und engherzige Ketzerrichterei gebührend verurtheilen, das haben»vir»vohl deutlich genug bekundet. Bei dieser Gelegenheit noch ein Wort: Bon unserem Breslauer Parteiorgan wird uns der Vorivnrf gemacht, nach den» Frankfurter Parteitag seien »vir n i ch t für die Parteidisziplin eingetreten,»vie jetzt nach dc»n Breslauer Parteitag. U»>ser schlesischcs Partei- organ denkt offenbar an die Kritik, welcher die Frank- f u r t e r Agrarresolution seinerzeit von Bebel unter» ivorfei»»vard. Der„Vorivärts" hatte jedoch dainals keine» Gr>lud, Bebel gegenüber die Parteidisziplin zn betonen,»veil Bebel ans- drücklich erklärte: er r e s p e k t i r e die F r a>» k f u r t e r Resolution als Beschluß der höchsten Partei» b e h ö r d e. Hier liegt der Unterschied. Und die Haltung des„Vorivärts" soivohl in be�ug auf die absolute Freiheit der Kritik als auf die Parteidisziplin ist heute dieselbe, welche sie immer»var.— ** Deutsches Reich. — A r b e i t e r f ü r s o r g e in» preußischen Krieg?» in i» i st e ri u«>. Es»var in einzelnen Zeitungen»nitgetheilt »vorden, daß»in Kricgsministeriiim eine„neue Abtheilnng,»veun nicht gar ein Teparleinent" ins Leben gerufe»»verde« solle, um alle Angelegenheilen, die sich aus der sozialpolitischen Fürsorge für die'Arbeiter in de» dt»» Kriegsministerium unterstellte» Fabriken und sonstigenAnstalten ergeben, einer Instanz zu unterstellen. Ferner war initgetheilt worden, in dem„nächstjährige» Mililärelnt" werde aller Wahrscheinlichkeit nachfolgender, bereits in Ausführung begriffener Plan zum'Ausbau der Heeresverwaltung zum Aus- druck komme»: Die Verwaltnng des gesammten, auf 39 Platzen verlheilten Artilleriematerials, der 17 Traindepots, zu denen demnächst noch die Depot- Verwaltung der Eisenbahn- Brigade und die Verwalinng der bei den Pinilier- Baiaillonen lagernden Bestände treten, würden zu einer eiiiheiilichen Verwaltung vereinigt»verde», deren zulrefsende Bezeichnung„Feldzeugnieisier-Etat" wäre. Wie die„Nat..Ztg." jetzt hört, ist die letztere Mittheilung vollständig»»richtig; ein derartiger Plan besteht nicht, wird also auch nicht iin nächsten Etat erscheinen. Von der ersteren Nachricht ist nrir so viel zu- treffend, daß in dein nächstjährige» Etat eine nicht erhebliche Snuune gefordert ist,»in eine Zentralstelle für die Aufgaben zu schaffen, die sich ans der F ü r» sorge für die Arbeiter in den Heereswerkslätten und Beirieben ergebe». Daß es sich aber dabei um eine„Ab- lheilnng" oder gar ein„Depariement" handle, ist irrlhmnlich,— ist anch ganz nebensächlich. Wenn sich die Arbeiterfürsorge des preußischen Kriegsininisters darin zeigen würde, daß er z. B. seinem englischen Kollegen i» der Einführung des Achtstunden- Arbeitstages in den Staatsbetriebe» nachfolgen würde, dann wäre das mit Freude» zu begrüßen. Vorläufig scheinen dieAu?» sichlen dazu aber iveniger als gering zu sein, und einstweilen werden wir deshalb der königl. preußischen kriegsministerielleu Arbeiterlürsorge sehr gelassen gegenüberstehen» auch»venu sie in einer Zseckralstelle konzenlrirl wird.— Die Beschränkung der Lehrfreiheit der e r s i t ä t e n scheint zur Rettung von Staat und Gesell- ftiast vor den Gefahren des Umsturzes dringend erforderlich zu Ueber neue Pläne wird der„Frankfurter Ztg." aus Berlin geschrieben: „Die Beschränkung der Lehrfreiheit an den preußischen Universitäten, von der es eine Zeit lang still gewesen ist, ilt Parum nicht aufgegeben. Nachdem das Vorgehen gegen den Vertiner Privatdozenten Dr. A r o n s mit einem gänzlichen Rtißerfolge geendet, haben, wie wir zuverlässig erfahren, im Scbooße des Ministeriums erneute Erwägungen darüber statt- aesiinden, was sich gegen oppositionell gesinnte Universitätslehrer unternehnie» lasse. Wie es scheint, kommt jetzt das Ministerium ans seine» ursprünglichen Plan zurück, die Fakilltälsstarnren so zu ändern, daß der Minister wenigstens die Privatdozenten beliebig beseitigen kann, ohne an den Spruch der Fakultät gebunden zn sein. Daß der Universitäis- richter Daude mit der' Abfassung einer Schrift über die Stellung der Privatdozenten an den m.ßerpreußischeu Universitäten beauftragt ist. läßt darauf scbließen, daß inan außerpreußische(sächsische und süddenlsche) Vorbilder nachahmen will. Die Stellung der preußischen Universitäten zn diesen Planen ist keineswegs ein- beitlich. Wäbrend die Universität Berlin auch weiterhin an dem Grniidsatze sesthalleu dürfte, daß Gelehrte aller Parteien an der Universiiät lehren dürfen, heißt es, daß das Ministeriuni mit seinem Bestreben, diesen Satz zn durchbrechen, an der Universität Breslau gewissen Sympathien begegnen Uebrigens unterstellt dasMinisterinm die außernintliche Thätigkeit der Universitätslehrer neuerdings einer verschärften Kontrolle, welch« ihr Material geben soll, um gegen mißliebigen Freiinuth anch die Strafrichter z» Hilfe zu rufe». Unsere von vornherein ausgesprochene Ansicht, daß eS sich keineswegs um die Bekämpfung der Sozialdemokratie, sondern um die Nicderhalluug un abhängiger Meinungsäuße» r u» g e» überhaupt handelt, bestätigt sich vollständig. Gegen- wärtig bereitet die Staatsanwaltschaft einen Preßprozeß gegen einen angesehenen akadeinischen Lehrer vor, der»veder Sozialdemokrat noch auch liberal ist, dessen freimüthige Urtheill aber hohes Mißfalle» erregt haben."— — Militärischer Boykott. Mehreren Blättern»vird übereinstimmend aus T h o rn berichtet, daß»»Westpreußen durch Korpsbefehl, der bei den Kontrollversamnilungen verlesen wird, teu Reservisten der Beiuch von Lokalen verboten ist, in denen sozialdemokratische Versammlungen stallfinden oder deren Wirlh sozialdemokratische Gesinnungen gezeigt hat. Ferner ist ihnen nicht nur das Halten, Lesen und Verbreiten sozialdemokratischer Schriften, sondern auch die Beiheiligung an Geldsammlungen zu sozialdemokratischen Zwecken und die Theilnahme an sozial' demokratischen Aufzügen und Festlichkeiten verboten. Jever Reservist wird schließlich verpflichtet, Uebertretungen der Militär- behörde anzuzeigen, und diese llebertreiungen sollen nach der Strenge der Militärgesetze bestraft werden. Tiefes Verbot kann sich natürlich nur auf die Zeit der Reserve- Übungen erstrecken. Ein Reservist außer Dienst unterstehl nicht einer derartigen Kontrolle militärischer Vorgesetzter über seine Lebensfübrung. wie sie in diesem Korpsbefehl beansprucht wird. Unter anderen Wirkungen kann der Erlaß auch den haben, unter- schiedliche, etivas rückständige Reservisten zur Lesung sozial- demokratischer Schriften»ach ihrer Entlassung anzuregen. — Ein bimetallistisches Manöver. Um die Aus- sichlen der deutschen Bimetallisten muß es wahrlich schlecht stehen, denn um ihnen aufzuhelfen, scheut sich ihr Führer, Dr. Arendt, nicht, mit, gelinde gesagt, nicht unverfänglichen Mitteln vorzugehen. In der zweite» Hälfte des Oktober veröffentlichte der Abg. Arendt einen Brief des englischen Ministers Balfonr über die bimetallistischen Bestrebungen. Der erste Eindruck mußte sein, daß Herr Arendt selbst der Empfänger war. Darauf schrieb Herr Arendt an verschiedene Blätter, diese Annahme sei ein Mißverständniß. So hieß es wörtlich in seinem Briefe an die „Kraiz-Zeilmig": «Der Brief wurde in der englischen Presse veröffentlicht und von mir mit der Bemerkung in Uebersetzung abgedruckt, «daß er v e r m u t h l i ch an eine deutsche Adresse gerichtet sei". Zu dieser Vermulhung habe ich einigen Anhalt, ich selbst bin der Adressat nicht." In einem Artikel der«Bimelallist. Monatsschr." schreibt er aber gleichzeitig:...... Jedenfalls wird nach der Ver- öffenllichiing des Balfour'schcn Briefes, der übrigens deshalb verumihlich an eine deutsche Adresse gerichtet war....." Nur ei» Wörtchen sieht in dieser Formulirung der Vermulhung mehr als i» den neuesten Zuschriften des Herrn Dr. Arendt:«des- h a l b". Aber wie charaklerisirt dieser anscheinend geringfügige Unterschied den Mann! In dem einen Falle spricht er nur die Vermuthnng aus, daß der Brief an einen deutschen Adressaten gerichtet sei; im anderen Falle sagt er positiv, daß der Brief an eine deutsche Adresse gerichtet sei. Das sind schon schöne Proben «iiier«geschickte» K a m p f e s w e i s e": das Schönste aber ist, das in dem englischen Originale(„Times") der Name des Adressaten groß und deutlich angegeben war.— — Die Landtags-Ersatzwahl in Elberfeld für den 2. Düsseldorser Wahlbezirk Elberseld-Barmen ergab gestern: Nach amtlicher Feststellung wurde Heinrich v. Knapp(natl.) mit 523 Stiininen zun, Mitglied des Hauses der Abgeordneten gewählt. Der Gegenkandidat Eickworth(sreis.) erhielt 277 Stimmen.— — Besserung der Lebenshaltung. Aus Sachsen schreibt man der„Kölnischen Zeitung":„Wenn die Sozial- deniokratie auch in wissenschaftlichen Anseinandersetznngen zu- weilen die Besserung der Lebenshaltung der arbeitenden Klassen in den letzten Jahrzehnten zugiebt, so sind ihre Wortführer doch bei der politischen Wühlerei meistens eifrig emnht, in ihren Hörern den Glauben zu erwecken, als verschlechtere sich die Lage der arbeilenden Bevölkerung ständig. Ja, es wird diese angebliche„Verschlechlerung" als eine naturnothwendige Folge des„kapitalistischen Klassenstaates" bezeichnet und den Arbeiter» ein immer weiteres Herabsinken des Lohnes in Aussicht gestellt. Die Erfahrung besonnener Arbeiter spricht allerdings gegen diese Trugschlüsse. Aber das ist gerade das bezeichnende und gefährliche an der sozialdemokratischen Wühlerei, daß sie durch ihren ausreizenden Wortschwall dem Ar- beiter die Fähigkeit des ruhigen Denkens raubt. Auch die wissen- schaftliche Statistik beweist, wie hinfällig jene Redensarten von der„Verschlechterung" der Arbeiterlage in ihrer Allgemeinheit sind. So hat sich nach den Feststellungen der Dresdener Handels- kaninicr in dem Bezirk der letztern das Einkommen an Ge- halt und Löhnen, an dem die F a b r i k a r b e i t e r am meisten belheiligt sind, von 1881 b i s 1884 beinahe verdoppelt. Während 1877 in dem genannten Bezirk der selbständige Betrieb von Handel und Gewerbe noch 15 Millionen mehr einbrachte als das Ei»komnien der Angestellten und Arbeiter betrug, beziehen diese jetzt, also nach nur 17 Jahren, bereits 1l2 Millionen Mark Eiiikommen im Dresdener Handelskanimerbezirk mehr als die selbständigen Handel- und Gewerbetreibenden. Bei dieser glänzenden Unikehrung der Lage sind die Vortheile, welche den Arbeitern aus der Versicherung gegen Krankheit, Unfall und Invalidität zufließen, nicht einnial mitgerechnet. Während im vorigen Jahre im Kamnierbezirk das Einkoinine» ans Grund- besitz»m 2,78 pCt. und das aus Handel und Gewerbe um 2,77 pCt. stieg, erhöhte sich das Einkommen aus Gehalt und Arbeiterlöhnen um 4,52 pCt. Diese Zunahme des Arbeiter- eiiikoinmeiis entfällt allein auf Dresden; es sind also namentlich die großstädtische» Industriearbeiter a» ihr betheiligt, und das trotz der in, vorigen Jahre noch sehr gedrückten Lage der nieiste» Großgewerbe." Mit dieser Nachricht krebsen natürlich die Blätter der Bourgeoisie umher und meinen damit wieder einmal einen Haupt- schlag gegen die böse Sozialdemokratie austheile» zu können. In Wirklichkeit kann man daraus höchstens lernen, wie man nicht mit statistischen Zahlen umgehen soll. Zunächst fehlt jeder Nachweis, mit wie viel die Arbeiter an dem Einkoinine» aus Gehalt und Loh» belheiligt sind; und aus dem Vergleiche der Einkoninien der Handels- und Gewerbetreibenden einer- und der Angestellten und Arbeiter andererseits ließen sich erst dann sichere Schlüsse ziehen, wenn man die Zahlen der Betheiligten aus dem Berichte ersehen könnte. So wie die Ziffern hier ge- geben sind, scheinen sie eher zu beweisen, daß die Akknmnlation des Kapitals seit 1377 im Dresdener Handelskammer-Bezirk sehr rasch vor sich gegange» ist, wodurch die Anzahl der Proletarier in noch größerem Verhältnisse zugenoinnien hat. Daraus aber, daß die G e s a m in t h e i t der Arbeiter mehr G e s a m m t- E i n k o m in e n hat, nun zu folgern, daß der einzelne auch ein größeres E i n z e l- E i n k o m m e n haben müsse, das ist zum mindesten sehr voreilig. Unsere Agitatoren haben gar nicht nöthig, wie es ihnen in dieser Notiz vorgeworfen wird, der Bevölkerung ihre schlechte Lage«wühlerisch" klarzumachen, sie spürt das schon am eigenen Leibe hinlänglich. Wir werden uns aber an das Wohl- oder Uebelwollen der Herren Bourgeois sehr wenig kehren und nach wie vor dem Proletarier klar zu machen suchen, daß er dank dem heuligen Produktionssystem niemals die Lage seiner Klasse dauernd heben kann, sondern immer relativ und absolut auf einem niedrigen Lebensstand gehalten wird,— bis eben die heutige Wirlhschaft einer sozia. istischen Platz machen wird.— — Der Zentralverband deutscher In du- strieller erläßt ein heftiges Rundschreiben an seine Mitglieder gegen den neuen„Bund der Industriellen". Das Rniidschreiben wirst dem neuen Bunde vor, daß er aus die kleinen und kleinsten Unternehiner berechnet sei und auf die Erregung der Leidenschaften spekulire. Daß die kleinen uiil den großen Geschäftsniäniierii sich nicht vertrageiyist eine alte Cache. Beide sind aber stets eins, wenn es gcg�>v,e Arbeiter geht.— Das Beschwerdeverbot des Strafanstalts- 9» ü t h l i ch e bürgerliche Arbeiterpartei 'ehe», er will uns abspeisen mit kleinen Brocken! ' Bon niemand niehr als von ihm hat mich das gewundert, solche Ausführungen zu hören. Vollmar war als einer der Ra- dikalsten in der Partei bekannt und plötzlich entpuppt er sich als ein Opportunist, wie er schöner nicht gedacht werden kann. Er Hot sich früher doch ein bischen anders fest- gelegt. Im Jahre 1682 hat er in Zürich eine Vroscbüre erscheinen lassen, worin er ausführt, daß es schädlich wäre für die Partei, wenn das Ausnahmegesetz aufgehoben würde, wir müßten nicht nur die Evolution, sondern auch die Revolution wolle», wir akzepliren zwar alle Zugeständnisse, gäben uns aber dainit nicht zufrieden. Noch im vorigen Jahre galt Vollmar in Halle als Schirmherr und Schutzpatron der Berliner Opposition. Ich kann mir daher den Seelcnschmerz der Berliner„Jungen" schon vorstellen, der sie ergriffen hat, als sie diese Rede vom I. Juni lasen und nun sahen, wie Vollmar vom großen Si e v o l u t i o n ä r zu einem Sozialdeniokraten in Schnallenschuhen und E s k a r p i n s gekommen i st." So Schoenlank über Vollmar vor vier Jahren. In der letzten Mittwochs-Nuinrner 258 der„Leipziger Volkszeitung", deren Chefredakteur bekanntlich Genosse Schoenlank ist, befindet sich nun ein Leitartikel, in dem die Gegner des Agrarprogramms im allgemeinen und die Resolution Kautsky im speziellen mächtig heruntergeputzt werden und dessen Stil und Inhalt zweifellos auf den Chefredakteur als Verfasser hinweisen. In diesem, mit der ganzen Verve eines Neubekehrten geschriebenen Artikel bkfindct sich folgende Stelle: „Mit eineni glänzenden Erfolge, den niemand bestreitet, haben unsere bayerischen Genossen im Landtage, die die Eigenart ihrer Berhältniffe von Grund aus kenneu, die Sache der Sozialdemokratie gefördert. Ihre Taktik hat sich bewährt, die Partei in Bayern ist damit einverstanden, den Wählern gegenüber haben sich die Erwählten zu einer bestimmten Politik verpflichtet. Sie handeln im Einverständnis mit jenen und nach ihrer eigenen lleberzeugung. So versteht sich die Scherni'sche Ertlärnng. D i e Bayern haben eine praktisch-revolritionäre Politik getrieben, die einzig richtige und die einzig mögliche. Und auf einmal sollten sie Jrrwischpolitik treiben? Das sind doch Menschen von Fleisch und Blut, und nicht Figuren in» Puppentheater, die der Draht bald hierhin, bald dorthin lenkt." Anmerkungen zn diesen beiden sich so schroff gegenüber stehenden Urtheilen erübrigen sich wohl. Nur so weit von Jrrwischpolitik die Rede ist, sei die Bemerkung ge- stattet, daß gegen Vollmar und seinen bayerischen Freunden dieser Vorwurf nirgends erhoben ist. Wenn es irrlichtert, so ist das sicher anderwärts der Fall. I. Auer. Parteisinanzcu. In der Mitgliederversainiiilung des Sozial- demotratischen Vereins siir den 3. H a in b u r g e r W a b I k r e i s wurde berichtet, daß die Einnahme im 3. Quartal 7826.10 M., die Ausgabe 5951,61 M. betrug. Von dem verbleibenden Be- stand von 1674,49 M. bewilligte die Versammlung dem Ver- trauensinann 590 M. zur Agitation.— Der Sozialdemokratische Verein sür den 1. Hamburger Wahlkreis halle in demselben Quartal eine Einnahme von 7449.10 M., eine Ausgabe von 3202.05 M. Ein Antrag des Kassirers, dem Vertrauen-mann 2000 Mark zu überweisen, wurde mit großer Majorität an- genommen. Polizeiliches, Gerichtliches Zt. — Zum Prozeß gegen Genossen G ü l d e n b e r g m Erfurt(siehe„Vorw." vom Donnerstag d. 7. d.) entnehinen wir dem Verickte der„Thür. Tribüne" noch folgende Einzelheiten: Den 18 Fällen von Majestätsbeleidigungen, welche in der An- klageschriit aufgezählt waren, wollte der Staatsanwalt noch zwei weitere zugefügt wissen. Alle inkriminirlen Artikel waren aus der„Thür. Tribüne" auch in das Kopsblatt„Nordhäufer Volks- blatl" übergegangen. Da das letztgenannte Blatt eineiig anderen Leserkreis babe, so fübrte der Staatsanwalt aus, so lägen auch bei jedem Blatte selbständige Handlungen vor. Dieser Auffassung traten die Vertheidiger entgegen. Rechlsanwalt Zander weift nach, daß hier unzweifelhaft nur eine fortgesetzte Handlung vorliegen könne. In allen Artikeln sei nur auf die Rede einer Person Bezug genommen. Wenn die Staatsanwaltschaft die mehrfache Handlung darin suche, daß das Lkopfblatt„Nordh. Volksbl." sür einen anderen Leserkreis bestimmt sei, so müsse man schließlich zu dein Schluß kommen, daß die Herstellniig jedes einzelnen Exemplares einer Zeitung eine selbständige Handlung bedeute, sei doch jedes Exemplar auch für eine» anderen Leserkreis bestimmt.— Diesen Ausführungen schloß sich das Gericht an und verurtheilte den Angeklagten, wie bereits mitgetheilt, wegen einer fortgesetzten Handlung zn 5 Monaten Gefängniß, während der Antrag des Staatsanwalts zusammengezogen ans 13 Monate lautete. Bon der seit 19. Sep- tember erlittenen Untersuchungshaft werden 6 Wochen angerechnet. Genosse Güldenberg wurde auf seinen Antrag vorläufig auf freien Fuß gesetzt, da ein Fluchtverdacht nicht mehr begründet schien.— Schließlich sei noch erwähnt, daß es der Staatsanwalt Schubert für gut fand, Genossen G ü l d e n b e r g einen„gewerbs- und geivohnheitsinäßigen Beleidiger"(nicht„Verleumder", wie im Falle Hülle) zu nennen, gegen welchen Vorwurf Rechtsanwalt Herne entschieden protestirte. GemevkschAftliches. SämuNllch« Mittheilungcn von Organisalionen, vor allem solche fiier Ausstände oder Aussperrungen, müssen stcl» den Sleinpel der belresscnden Organisation tragen. Au sämmtliche im Malcrgctvcrbc beschäftigten Arbeit» uchmcr Berlins und sämmtlicher Vororte! Kollegen, Berufsgenossen! Nachdem in de» Versannnlungen vom 11. und 27. September beschlossen worden war, im kommenden Frühjahre in eine Lohnbewegung einzutreten, wurde» in der Versammlung vom 29. Oktober die von der Lohnkonimission im Lohntarif formulirten Forderungen einstiinmig genehmigt. Mit der Versendung des Lohntarifs an die Prinzipale sind die Würfel gefallen. Jetzt bereits wird der Kamps entbrennen. Ilm nicht ohne Eubsistenzmittel, sondern allen Anforderungen ge- wachsen zu sein, beschloß die Versammlung mit großer Majorität, daß von Sonnabend, den 2. November ab jeder im Malergeiverbe beschäftigte Arbeiter 25 Pfennige wöchentlich zum Streikfonds zahlen solle. Nun, Kollegen, kommt diesem Beschluß auch nach; diejenigen, denen der Betrag zn hoch schien, dürfen nicht vergessen, daß die Majorität erkannte, daß mit den niedrigen Beiträgen nicht mehr auszukommen sei, weshalb die Beiträge zum Streik« sonds auf 25 Pf. zn erhöhen wären. Für diejenigen Kollegen, die in Werkstätten arbeiten, wo keine Werkstattdelegirlen vor- Händen, sind die neuen Streikmarken ä 25 Pf. und abgestempelte Streikkarten in ollen Zahlstellen und Filialen zu entnehmen und es ist dabei Wohnung und Name genau anzugeben. Die Werkstattdelegirten haben jedoch ihren Bedarf an Karten und Marken nur von den Lohnkommissions- Mitgliedern zu entnehmen. Die Abrechnungen müssen wochentäglich geschehen. Wir möchten jedoch bitten, daß in allen Werkstätten, wo noch keine Werkstatt-Delegirten ernannt sind, die Kollegen unverzüglich Delegirte wählen. Zur Entnahme von Marken werden die Lohukommissioiie-Mitglieder an folgenden Stellen zugegen sein: I. D ü k e r in C h a r l o t t e n b u r g im Lokale Bismarck- und Rückerstraßen-Ecke, Sonn« tags vormittags 10—12 Uhr. Carl Rüffer für Frie- d e ii a u und U ni g e g e n d in F r i e d e n a u, K i r ch st r. 15. Restaurant Hohl, Sonntags 10— 12 Uhr vormittags. I. Kroll sür Moabit und Norden, bei Gieshoit, Boyenstraße, Sonntags 10—12 Uhr vormittags. H. B ö h l i n g für Ost und N o r d- O st. bei W i e d e» man n, Btumenftr. 33, Sonntags 10—12 Uhr. Ä. Link. Süden und Südost bei Stramm, Ritter« straßeI23. Sonnabends abends 5— 7Uhr. G. Zie- iiarthfürRixdorfbeiThomas, Bergstraße. Sonn» tags 10—12. Die Abstempelung der Streikkarten für Ar» b e i l s! o s e geschieht an jedem Freitag vormittags von 10— 11 Uhr für Berlin im Restaurant Röllig, Neue F r i e d r i ch st r. 44; für C h a r I o t t e n b u r g, Friedenau und Rixd orf an allen Freitagen von 10—11 Uhr in oben genannten Lokalen. Sämmtliche Zuschrisleu und Anfragen sind an Unterzeichneten zu richten. Die L o h n k o m m i s s i o n. I. A.: G. Link, Nitterstr. 123, Restaurant Stramm. Der Korbmachcrstrcik in Halle«. S. ist siegreich be- endet. Tie Firma Hai die Forderung der 10 ausständigen Korb- macher voll bewilligt. Er handelte sich um den Prcis der Körbe für Süurcballons. Bisher wurden pro Stück 21 Pf. bezahlt, jetzt ist der Forderung der Gehilfen auf 25 Pi. voll Rechnung getragen worden. Ter Sluik hat genau drei Wochen gedauert. Depvftsxen und lehke Auchvichten« Wcißcufels, 7. November.(B. H.) Durch eine Feuers- brunst wurden der Förderlhurm, das Maschiiienhans und das Naßpreßhaus der Geiioffenschaftsgrube„Neuglück" zerstört. Der Materialschaden ist bedeutend. Wien, 7. November.(B. H.) Der Jnimunitäts- Ausschuß beschloß in seiner heutige» Sitzung, dem Hanse vorzuschlagen, es sei dein Ansuchen des Kreisgerichts Koruenburg um Ans- liescrung des Abgeordneten Schneider wegen Vergehens nach § 302, sowie auf Ansuchen des BezirlSgerichts Wieden um AuS- licferung des Abg. Dr. Lueger wegen Ehrenbeleidigung statt- zugeben. Paris, 7. November.(B. H.) Die Nachricht, daß die Regierung gegen alle Parlamentarier und Verwalter der Süd- bahn eine neue Untersuchung eingeleitet hat, erregt hier ungeheure Sensation. Wie noch gcmetdel wird, ist der Gouverneur Christofle vom Credit lonZer seines Postens enthoben und an einer Stelle Labery znin Gouverneur ernannt worden. Paris, 7. November.(W. T. B.) Die Regierung wird die Ardeilerbörse wieder eröffnen unter der Bedingiing, daß nur gesetzlich konstituirte Syndikate auf derselben seien und daß diese sich nicht mit politischen Fragen beschäftigen. Glasgow, 7. November.(W. T. B.) Die strenge Ausrecht« erhallung der Ausscvließuiig seitens der Schiffsbauer am Clyde hat den Einfluß gehabt, daß noch andere Arbeiter sich bem Ausstande anschloffen. Man glaubt, daß die Regierung wegen der am Clyde im Bau befiiidllcheu Schiffe sür die Marine ein» greifen wird. Es ist jedoch trotzdem keine Aussicht auf nahe Bei- legung vorhanden. Ter Slreil verspricht sich lang und erbltlert hinzusieben, da die Ausständige» größere Fonds besitzen. Koustantiuopel, 7. November.(B. H.) Der Bolschafter am Berliner Hofe. Teivss Pascha, zum Minister de» Aeußern er« iiannt worden. Beramworllicher Redakteur: Fritz Knnert, EchLnebeig-Berlin. Für den Jnjiratentheil veranln örtlich: Zh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 2 Beilage« 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Uv. 362. Freitag, den 8. Uovemdev 1893. 13. Jahrg. 'Farleigettossett! Arbeiter? Mahler der III. Adtheilung! Mj zur EtadKttnKctttl-Wchl, die Heute Freitag von 9 Uhr früh bis 7 Uhr abends in Im ntdkii beztichlieitll Lokllltlt sillttsiMt. Ckht Milllll sör Mllllit all de« Wahltislh lllld gebt Ellre Stllllllle«ur den Mldeiltskeatlschell Kalldldate«. lls gilt«ißt«ilr, die i« linserelll Beft lllsiiidlicht« Bezirke lvieder zn gelliillnen,«ei«, aulh die«brige» Bezirke der III. Adtszeiluitg ltillgell eradert lverde». Nur bei ßarker Beriilthrllug der sazialdeiilokratisibe« Stadtverarduete« wird es gelinge«, i« Berli« bessere Berhältuisse i« de« Schule«, bei der Kraukeupslege, sowie beii« Nriueuweseu«ud der Bergebuilg städtischer Arbeite« zu schasse», ivird es«lliglich sei«, dir Forderungen der Arbeiterklasse aus«cruiluftige Lohn- und Arbeitsbedingungen durchzusehen, wird der Ausbelltnug städtische« Besitzes durch das Privatkapital ein Eude gemacht werden könne«. Parteigenossen; Lagt Euch durch Nieinande« zuriilkhalteu, Eure Wicht z« ersiille«. Werbt neue Streiter für die Sozial- demokratie, iudei« Ihr dafür sorgt, daß die Wähler der III. Abtheilnug ihr Wahlrecht ausüben und ihre Stilnme« den Bertretern der Arine« «nd Bedrülkten, den sozialdeiuokratischeu Kandidaten geben. Arbeiter! Parteigenossen! Folgt dein Beispiel der tapsereu Minunder Genossen. Sn wie diese die nationalliberale Hochburg gestürmt haben, so wollen wir in Berlin Hente Freitag der sreisinlligen KolUlnunalwirthschast die verdiente Niederlage bereiten. Vorwärts also zum Kampf nnb Sieg! Doch die Sozialdemokratie! Mir veröffeiltlichen nachstehend das T-ibleau der bevor- siehenden Sladlverordneteu-Ersatzivahlen und bemerken ausdrück- lich. daß diejenigen Wähler, welche seit de in I. August verzogen sind, in demjenigen Be- zirk zn wählen haben, in welchem sie zur Zeit der Aufstellung der Wählerliste»— also im Juli d. I.— gewohnt haben. Wähler ist jeder Preuße, Der 24 Jahre alt, seit einem Jahre in Berlin wohnt, seil dieser Zeit keine Armen-Unterstütznng aus öffenllichen Mitteln erhalten und die ihn betreffenven Ge- incinde-Abgaben bezahlt hat, sowie mindestens in die zweite Steuerstufe(600— 900 M. Einkommen) eingeschätzt ist. 2. Komninnal- Wahlbezirk, enthallend die Stadtbezirke 6— 10 und vom Stadtbezirk 144: Kleine Kurstr. 0, Niederivall- straße 24 u. 25, Spillelmarkt 14 u. 14a, in welchem ein Haus- besitzer zu wählen ist. Wahllokal: Uiederwallstr. 20 bei KLHue. Kaudidat: Expedient August Jacobey, Hochstr. 33. 8. Komniniial-Wahlbezirk und zwar: Thrill, enthaltend die Stadlbezirke 21, 29 u. 30 und von Stadtbezirk 22: Wilhelm- straße 42a, Zimnierstr. 1. mit Ausschluß des Grundstückes König- grätzerstr. 121 von Stadtbezirk 21. Wahllokal: Albrechtsgartru. Mill/elmstr. 105. Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 26, 27 und 2S, mit Ausschluß der Grundstücke Charlolienstr. 11—12 von Stadt- bezirk 26, Lindenstr. 89, Markgrasenslr. 10—16 und 63— 94; Junkcrstr. 1 von Stadtbezirk 27. Wahllokal: Frirdrichstr. 228 bei Fritz. Kandidat: ZigarrenhLndler Otto Autrick, Steinmctzstr. 00. 7. Koinmnlial-Wahlbezirk, in welchem ein Haus- besitzer zn wählen ist, und zwar: Theil 1, enthaltend die Stadtbezirke 31. 32, 38 und 39 und von Stadtbezirk 46: Büloivstr. 93; von Stadtbezirk 43: Frobenstr. 1—11 und 41, An der Apostelkirche 1, Kurfürsten str. 29—46 und 139—150; mit Ausschluß des Grundstückes Linkstr. 46 von Stadtbezirk 31. Wahllokal: potodamerstr. 123 A bei Zimmermann. Theil Ik, enthaltend die Stadtbezirke 33—37. Wahllokal: Friedrich Withelmstr. 13 bei Grnudmauu. Kandidat: Stadtv. Fritz Zubeil, Lindenstr. 106. II. Kommnual-Wahlbezirk. in welchem ei» Haus- besitzerzu wählen ist und zwar: Theil I enthaltend die Stadtbezirke 63, 63 und 67; mit Ausschluß der Grundstücke Belle-AUinncestraße 90, Gneisenaustr. 1 von, Sladtbez. 63. Wahllokal: Hnbel'o Kraurrei, Kergmannstr. 5—7. Theil II enlhaltend den Stadibezirk 64. Wahllokal: Kochbrauerei, Lidirinstr. 2— G. Theil III enthaltend den Stndtbez. 66. Wahllokal: Zosseuerstr. 30 bei Inap. Theil IV enthaltend den Stadtbezirk 73. Wahllokal: Uilttorinparli, Gneisenaustr. 07. Theil V enthaltend die Stadtbezirke 74 und 77. Wahllokal: Griuimstr. 0 bei Schröder. Theil VI enthaltend den Stadtbezirk 76. Wahllokal: Kappotdt'o Srauerei, jjasentzaide 32— 38. Theil VII enthaltend die Stadtbezirke 73.A. und 78 B. Wahllokal: Criifrstr. 76 bei Liebherr.' Kandidat: Stadtv. Fritz Zubeil, Lindenstr. 106. 13. Komutnnal-Wahlbezirk, i n w e l ch e m e i n H a u s- besitzer zu wählen ist, und zwar: Theil l. eulhallend die Stadlbez. 83, 89,90 und von Stadlbez. 87: Admiralstr. 36—40», Britzerstr. 23, Kottbuserstr. 7 und 3; mit Ausschluß des Grund- stückes: Neichenbergerstr. 173 von Stadtbez. 89. Wahllokal: Mariaunenstr. 10 bei Kiltscher. Theil II enthaltend die Stadtbezirke 91—94; mit Ausschluß der Grundstücke: Lausitzcrstr. 1, Skalitzerstr. 39, 40 und 46, Wienerstr. 63 uud 69 von Stadtbez. 94. Wahllokal: Reichenbergrrstr. 147 bei Gansewig. Kandidat: Stadtv. Gottfr. Schulz, Admiralstr. 46s. 15. Komninnal-Wahlbezirk und zwar: Theil I, enlhaltend die Stadtbezirle 82 und 83 und von Stadtbezirk 81: Elisabeth- User 36 mit Ausschluß der Grundstücke: Adalbertstr. 33, Naunyn- straße 39 von Stadtbezirk 83. Wahllokal: Adalbertstr. 21 bei Roll. Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 84 und 83 und von Stadlbezirk 86: Oranienstraße 24— 26 und 130— 133; von Stadt- bezirk 93: Mantenffelstraße 42, Oranienstraße 1; von Stadt- bezirk 97: Marianuenstr. 51—53, Naunynstr. 2—13, Mariannen- platz 6a. Wahllokal: Granienstr. 100 bei Zscheyge. Kandidat: Stadtv. Th. Mctzner, Oranienstraste 184. 17. Kommiilial-Wahlbezirk und zwar: Theil I, enthallend die Stadtbezirke 115. 116 und 117; mit Aueschluß der Grund- stücke: Brandenburgstr. 17 und 64, Wasserthorstr. 25a von Stadt- bezirk 116. Wahllokal: 57/72. Geineindeschule» Kra»dr»b«rg> ll raste 78/79— TnrnhaUr. Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 114, 123»nd 124; mit Ausschluß der Grundstücke: Prinzenstr. 91, Ritterstr. 19a— 29 und 96—105 von Stadtbezirk 123. Wahllokal: Fürstenstr. 10 bei Uillt«. Kandidat: Zigarrenhändler Wilhelm Börner, Nitterstraste 15. 24, Konimmiak-Wahlbezirl und zwar: Theil l, enthaltend die Stadtbezirke 163, 169 uud 172; mit Ausschluß der Grund« stücke: Breslanerstr. 17, Frnchtstr. 9—10 und 81—82, Schlesischer Bahnhof, Empfangsgebände und Bahnanlagen bis zur Warschauer- straße von Stadtbezirk 168, Rüdersdorferstr. 41—51 vo» Stadt- bezirk 172. Wahllokal: Fangestr. 65 bei Gwezareb. Theil II, enthaltend die Stadtbezirks 170, 171 und 173; mit Ausschluß des Grundstückes: Koppenstr. 34 von Stadtbez. 173. Wahllokal: Kranerei Kilsebei», Koppenstr. 68. Kandidat: Bildhauer Paul Tupont, Solmsstr. SS. 27. Kommunal- Wahlbezirk, und zwar: Theil I ent- haltend die Stadtbezirke 152, 154 und 155 und von Stadlbez. 146: Große Frankfurterstr. 70, Schilliugstr. 20; mit Ausschluß der Grundstücke: Gr. Frankfurterstr. 49 und 89, Markusstr. 30 von Stadtbez. 152, Pallisadenstr. 83—89, Slraußbergerslr. 9 und 35 von Stadlbez. 155. Wahllokal: Weberstr. 24 A bei Kreithanpt. Tbeil II enthaltend die Stadtbezirke 153, 156 und 139 und von Stadtbez. 151: Krautstraße la— 2 und 54a— 55a; von Sladtbz 162: Andreasstr. 41—44 und 47, Blumenstr. 34»— 41 und 43— 51, Kraulstr. 53— 54; mit Ausschluß der Grundstücke: Große Frankfurterstr. 90—100 und 127, Markusstr. 29, Koppen- straße 35 von Sladtbez. 153, Gr. Frankfurterstr. 33—43, Weber- straße 64 von Sladtbez. 156, Gr. Frankfurterstr. 19, Koppen- straße 37—40, Pallisadenstr. 33 von Stadtbez. 159. Wahllokal: Gr. Frankfurterstr. 00 bei Martini. Kandidat: Stadtv. Julius Henke, Naunynstr. 27. 30. Kommnual-Wahlbezirk und zwar: Theil I, enthaltend die Stadlbezirke 202— 206, mit Ausschluß der Grundstücke: Alexanderstr. 53, Prenzlauerstraße 80/31 von Stadtbezirk 202, Münzstr. 8—9 von Stadtbezirk 205, Münzstr. 1—7, Rochstr. 1 bis 6 und 15—19, Neue Schöichauserstr. 21, An der Stadtbahn 40 vo» Stadlbezirk 206. Wahllokal:..Münzhof", Münzstr. 20« Theil II, enlhaltend die Stadtbezirke 207—209 und von Stadtbezirk 213: Linienstr. 202; vo» Stadibezirk 210: Gipsstr 18, Iiosenlhalerstr. 25; mit Ausschluß der Grundstücke: Neue Schön- hauserstr. 1 und la, Weinmeisterstr. la— 8 vo» Stadtbezirk 207, Wahllokal: Rofenthalerstr. 4 bei Fiedler. Kandidat: Tischler Rudolf Millarg, Prinzessinnenstr. 8. 33. Koinmunal-Wahlbezirk und zwar: Theil I, enthaltend die Stadtbezirke 220, 227 und 255 und von Stadtbezirk 221: Angerniünderstr. 1, Christinenstr. I, Lothringerstr. 23—27; von Stadtbezirk 225: Chorinerstr. 4—6 und 78—36, Zehdenickerstr. 9, Stadlbezirk 257: Ackerstr. 27—23 und 143, Jnvalidcnstr. 5 und 153—163; mit Ausschluß der Grundstücke: Fehrbelliuerstraße 33 bis 62 von Stadtbezirk 226. Wahllokal: 67. Gemeindefchnle, Acherstratze 28 A— Turnhalle— Eingang: Etisabethkirchstr. 19. Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 236, 268 und 269 und von Stadtbezirk 237: Jnvalidenstr. 148—152, Bergstr. 30 u. 31, Pnppelplah; von Stadtbezirk 267: Bergstr. 62; mit Ausschluß der Grundstücke: Gartenstraße 26—35 und 145—155, Invaliden- straße 18-23 und 129-132 von Sladtbez. 263, Elsasserstr. 27 bis 30 von Stadtbez. 269. Wahllokal: 67. Geinrindefchule, Ackerstr. 28 s Aula— Eingang: ElifabethKirchstr. 19, Kandidat: Uhrmacher Otto Naether, Anklamcrstr. 44. 33. Kommnual-Wahlbezirk und zwar: Theil I, enthaltend die Sladbezirke 229 und 230. Wahllokal: Fehrbellinerstr. 23 bei Dahlenburg. Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 231, 232 und 233; mit Ausschluß der Grundstücke: Kastauien-Allee 36 und 70, Schwedter» straße 29 von Stadtbez. 283. Wahllokal: Swinemünderstr. 140 bei Köln». Theil III, enthaltend die Stadtbezirke 234, 235 und 236; mit Ausschluß der Grundstücke: Bernaucrstr. 26 vo» Stadt- bezirk 235, Jiheinsbergerstr. 79 von Stadlbez. 236. Wahllokal: Kheinsbergerstr. 64 bei Kroll. Kandidat: Stadtv. Robert Herzfeldt, Plan-Ufer 41» 39. Kommnual-Wahlbezirk, in welchem ein Haus- besitzer zu wählen ist, und zwar: Theil I, enthaltend die Stadtbezirke 216, 217 und 230 und vo» Sladtbez. 211: Artilleriestr. 13—16, Ziegelstr. 14—21; von Stadtbezirk 215: Arlilleriestr. 4a— 40, 21 und 31— 31a, Auguststraße 4, Oranien- burgerstraße 35—89 und 64—69; mit Ausschluß der Grund- stücke: Augnststr. 1—2 und 89—93 von Stadtbez. 216. Wahllokal: Friedrichstr. 123 bei Krämer. Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 279, 281—283 und 285 und von Stadtbez. 286: Alt-Moabit 129, Werftstr. 21; mit Ausschluß der Grundstücke: Jnvalidenstr. 80—83 von Stadlbez. 282. Wahllokal: Lnifenstr. 33 bei Kreuz. Kandidat: Stadtv. Robert Herzfeldt, Plan-Ufer 41, 42. Kommunal-Wahlbezirk, in welchem ein Haus- b'e s i tz e r zu wählen i st, uud zwar: Theil I, enthaltend die Stadtbezirke 276, 277 und 273. Wahllokal: Zleur Kochstr. 49 bei Altmann. Theil II, enthaltend die Stadtbezirke 319 uud 320, mit Aus- schluß der Grundstücke: Pankstr. 7 und 47 vo» Stadtbezük 319. Wahllokal: 118, Ermeinbefchnle Kankflr. 8(Turn- halle). Theil III, enlhaltend die Stadtbezirke 321—323. Wahllokal: Strttinrrstr. 37 bei Zchnlz. Theil IV, entbaltcnd die Stadlbezirke 324—326 und von Stadlbezirk 313: Exerzierstr. 12, Schnlstr. 61—86. Wahllokal: Marirubrd, Kadstr. 33/36. Kandidat: Expedient Angnst Jacobey, Hochstr. 33. MommunAres. Stadtverordneten Versammlung. O e f f e n t l» ch e Sitzung vom Donnerstag, 7. Nov. nachmittags 5 Uhr. I» der letzten Woche sind die Stadtverordneten G und er mann und Pincussohn gestorben. Der Vorsteher widmet ihnen einen ehrenden Nachruf. Nachdem erst vor wenig mehr als Jahresfrist die neue V e soldungsordnung für die städtischen Lehrer und Beamten in kraft getreten ist, hat der Magistrat bei der Versammlung eine Abänderung derselben beantragt, welche sich auf die Normirung des Gehalts für die ordentlichen Lehrer an den Real-(höheren Bürger-)schulen bezieht_ und zugestandenermaßen von Ersparnißrücfsichten biktirt ist. Magistratus will nämlich die vier untersten Lebrer- stellen an jeder der 12 Realschulen in Zukunft mit seminaristisch vorgebildeten Lehrern besetzen, während diese Stellen jetzt wie alle übrigen mit akademisch gebildete», den Titel„Oberlehrer" führenden Lehrkräften besetzt sind. Das Gehalt soll, um nicht die tüchtigen Lehrkräfte ans dem Gemeindelehrerstande ab- zuschrecken, mit demjenigen der Elementarlehrer an den höheren Mädchenschulen gleichgestellt werden. Der Ausschuß für die Vor- tage hat sich indeß weder mit der beabsichtigten Neuordnung an sich, noch mit der Ersparniß von 4— 500 M. pro Stelle be- freunden können und die Vorlage einstimmig abgelehnt. Der Versuch des Stadtschulraths Bertram, sie zu retten, bleibt erfolglos; ohne Debatte wird die Verwerfung beschlossen. Vom t. Januar 1896 ab soll als Berechnungsnorm für den gesammten Verbrauch von Elektrizität die Kilowatt stunde(= 100Ö Volt-Ampere) gelte» und diese mit 60 Pf berechnet werden, zugleich solle» verschiedene Tarifermäßigungen in kraft treten, die bisherigen Grundtaxen(Lampengebühren) fortfallen und die Normallampen-Vrennstunde(der stündliche Verbrauch einer Glühlampe von 16 Normalkerzen Leuchtkraft 50 Watt) allgemein als 50 Wattstunden dcfinirt und mit 3 Pf. berechnet werden. Die Tarifermäßigungen bestehen hauptsächlich in erhöhten Quantitätsrabatten, wodurch u. a. die Stadl selbst an den Kosten für die elektrische Beleuchtung der städtischen Ge- bände, Straßen, Plätze ze. etwa 20 pCl. ersparen wird. Der Magistrat hat die vorstehenden Aenderungen genehmigt und macht davon der Versammlung Mittheilung, weist auch bei dieser Ge- legenheit auf die seit einigen Monaten von den Berliner Elektrizitätswerken getroffene Einrichtung hin, wonach diese zu- nächst versuchsweise auch im Innern der Häuser elektrische Leitungen anlegt und dieselben gegen Zahlung einer Beisteuer zu den Jnstallalionskoste», im übrigen unter den tarifmäßigen Bedingungen den Abnehmern zur Benutzung überläßt. Die Vorlage ivird ohne Debatte zur Kenntniß genommen. Mit der Gemeinde B o x h a g e u- R u m m e l s b u r g soll städtischerseits ein Vertrag über die Lieferung v o n G a s aus den städtischen Gasanstalten zur öffentlichen Beleuchtung und zur Abgabe an Private in diesem Gemeindebezirk auf die Dauer von 30 Jahren abgeschlossen werden. Als besondere Konzession hat dem Gemeiudevorstand der ermäßigte Preis von 12 Pf. für den Kubikmeter Gas zur Beleuchtung der Straßen und Gemeindehäuser bewilligt werden müssen. Zu neuen Rohr- leitungen sind 65 750 M. erforderlich. Die Versammlung giebt dem Vertragsentwurf ihre Zu- stimmung und bewilligt die geforderte Summe. Der Stadtv. S a ch s II beantragt, unterstützt von 37 Mit- gliedern: Den Magistrat zu ersuchen, der Versammlung schleunigst eine Vorlage betr. Festsetzung einer die spätere Errichtung einer U f e r st r a ß e ermöglichenden Baufluchtlinie zwischen Mühlendamm- und W a i s e n b r ü ck e am rechten Spree-Ufer zu unterbreiten. Stadtv. Sachs II hebt hervor, daß die äußere Veranlassung seines Antrags der Umstand sei, daß privaterseits das an das städtische Waisenhaus grenzende Grundstück angekauft ist zu dem Zwecke, darauf eine große Fabrikanlage zu errichte», die natürlich auch den betreffenden Uferstreifen okkupiren wurde. Um dem vorzubeugen resp. un» zu verhindern, daß später nach dem bezeichnenden Borgaug mit der„Alten Post" die inzwischen aufgeführten Gebäude mit unverhältnißmäßigen Kosten für die Stadt zurückerworben werden müßten, habe er den Antrag eingebracht. Nach einer kurzen Bemerkung des Stadtraths Voigt, der erklärt, daß es innerhalb des Magistrats in der Sache noch zu keiner abschließenden Entscheidung gekommen sei, wird der An- trag einem Ausschuß überwiesen. Vom Stadtv. U l l st e i n liegt der Antrag vor, den Magistrat zu ersuchen, die projektirte Steigung der Königin- A u g u st a st r a ß e an der von der Heydtbrücke mit Rücksicht auf die dem Wagenvcrkehr, insbesondere dem Lastfnhrverkehr drohenden übermäßigen Schwierigkeiten einer Prüfung zu unterziehen. Ter Antrag wird nach einer entgegenkommenden Erwiderung des Stadtbauraths H o b r e ch t zurückgezogen. Schluß'/2 7 Uhr. schreibt, erreicht„ohne jede Krempelspesen an Platz Kraft. Kratzenkonsum, Arbeits- und Meisterlohn u. f.>v." z der Steigerung der Produktivität steht also absolut keine vermehrte Ausgabe gegenüber, wodurch die Mehrproduktion vermindert würde. Vielmehr beträgt bei einer täglichen Produktion von 500 Pfd. die Mehrproduktion ca. 200 Pfd., das Pfund Krempeb lohn zu 10 Pf. hierbei gerechnet, eraiebt täglich 20 M., wöchenl lich 120 M. Gewinn. Zusammen also beträgt der Nutzen des neuenSystems durchErsparniß anAbfall nndGewinn an Mehrleistung pro Sortiment und Woche 210 M. und jährlich in 300 Arbeits tagen 10 500 M. Eine der ersten Firmen, welche das System praktisch verwerthet bat, ist C. G. Schön in Werdau. Sie hat in ihrer russischen Filiale nach Prüfung eines Probesortiments gleich 7 solcher Sortimente aufgestellt und beabsichtigt mit der weiteren Durchführung des Systems fortzufahren. Der Texlib industrielle I. Ginzky in Maffersdorf bei Reichenberg arbeitet schon seit l�/s Jahren mit einem solchen Sortiment und äußert sich darüber:„Der Vorzug dieses Systems gipfelt besonders in einer nicht unbedeutenden Mehrleistung gegen andere Maschinen gleicher Breite." Auch in Hof und Spremberg sind Sortimente dieser Art in Thätigkeit. Noch ist in betracht zu ziehen, daß die Einführungsbedinguugen verbältnißmäßig günstige sind und nur eine bescheidene Summe zur Umänderung des bisherigen Systems nöthig ist, so daß nach den bisherige» Erfolgen gar kein Zweifel an der rafchen Einführung des Systems in der Textilindustrie aufkoinmen kann. Nur kurze Zeit also kann noch darüber vergehen, bis sich die Folgen dieser technischen Umivälzung bemerkbar machen Mag auch eine Verbilligung der Textilwaaren eintreten, mag der Konsum dadurch eine Steigerung erfahren, nie wird der Unisatz in Textilwaaren sich um 50—75 pCt. innerhalb kurzer Zeit erhöhen lassen. Nun aber wird sich infolge der Neuerung die auf den Markt geworfene Waarenmasse mindestens um 50 bis 75 pCt. vermehren; es wird daher überschüssige Waare vor- Händen sein, die in ihrer Rückwirkung nothwendig die Produktion in ihrem Heuligen Umfange unmöglich machen wird. Betriebe werden eingehen oder die Arbeilerzahl einzelner Betriebe wird beschränkt werden müsse»; jedenfalls werde» die nachtheilige» Folgen in letzter Linie den Textilarbeiter treffen. So wird dieser technische Fortschritt das Proletariat ver- mehren, die Arbeitsgelegenheit vermindern, den Gegensatz zwischen Produktionsbedingunge» und Produktionskosten verstärken und verschärfen, rückivirkend den Klassengegensatz steigern und damit die unaufhallsaine Vorwärtsbewegung des Proletariats auch auf politischem Gebiete beschleunigen. Ttflictlvs. Nchtung, Wahlresultatc! Au die Parteigenossen, in deren Händen die Agitation zur heutigen Stadtverordneten- Wahl ruht, ergeht.hiermit das dringende Ersuche», uns die Wahlresultate aus jedem Bezirk sofort nach deren Be kanntwerden durch einen mit Legitimation versehenen Boten genau miltheilen zu lassen. Auch wolle man die Boten, die er- mächtigt sind, über den Ausfall der Wahl aus den andere» Kommunalwahl-Bezirken auf unserer Redaktion Erkundigungen einzuziehen, mit entsprechender Legitimation versehen. Die Redaktion des„Vorwärts". Ngitatio» zur Stadttierorductcu-Wahl. Die Partei genossen und Genossinen, die heule bei der Stadtverordneten- Wahl agitatorisch thätig sein wollen, werden ersucht, sich morgens zeitig an folgenden Stellen zu melden: 11. Wahlbezirk: Zubeil, Liudenstr. 106. 13. Wahlbezirk: Brödenfeld, Mauteuffelstr. 60, v. p. 15. Wahlbezirk: Th. Metzner, Oranienstr. 184, Hof geradezu. 17. Wahlbezirk: Lindemann, Moritzstr. 0; Börner, Ritter- straße 15. 24. Wahlbezirk: ZGastivirth Ehrbach, Langestr. 64; W. Lock, Grüner Weg 46. 27. Wahlbezirk: W. Maigilt, Weberstr. 42; Jost, Kintz'scher Bierausschank, Gr. Frankfurter str. 39. 30. Wahlbezirk: Wernau, Rosenthalerstr. 57. 33. und 35. Wahlbezirk: Witzel, Ackerst». 145. Zlchtnng, Rixdorf! Die Parteigenossen und Genossinnen, welche bei der Verbreitung des Flugblattes helfen wollen, werden ersucht, sich am Sonntag, den 10. November, vormittags 7'/2 11h-, im Lokal des Herrn Kummer, Berlinerstraße, zu melden. Das Gewerkschastskartell. Gebrauchs- Musterschutz für die Komniutial- Wahle- karte. Durch einen rafsinirten Geschäsiskniff suchen die„Frei- sinnigen" die Ruinen ihrer Hochburg, soiveit deren Trümmer noch im sechsten Wahlkreis umherliegen, wenigstens bei den Kommunal-Wahlen zu rellen. Im 33. Bezirk verbreitete in letzter Stunde das liberale Wahlkomitee Wahlkarten zur Stadt- verordneten- Wahl. ivelche den amtlichen Wahlkarten bis ans einige kleine Weglassungen genau nachgebildet sind. Es ist nur das Wort„Anitlich" am Kopf und die Unterschrisl „Magistrat" am Ende fortgelassen. Ferner ist der Satz diese Karte dient zur Legitimation bei der Wahl" ge- ändert in:„diese Karte dient zur Information bei der Wahl". Außerdem aber enthält die Karte den Zusatz:„Zu wählen der bisher...... Da dieses Falsifikat hoffentlich nicht gar darauf berechnet ist, dieses Jahr" ein entschiedener Ausschwung zu verzeichnen; deiH�s giltige Legitimation anstelle der anitlichen Karte anerkannt Jnlandskonsum hat sich vergrößert, der Export stieg wesentlich, fli, verde», so warnen wir hiermit davor, dieselbe überhaupt zur Eine Mtttnmljung auf dem Gedieke dee Texkr� d° indujleie. ift Im Gegensatz zu den letzten Jahre» ist in der Textilindust� Die Fabriten haben vollauf zu thun, neue Etablisscinents werden angelegt und betheiligen sich an dem Erfolge aussteigender Konjunktur. Auch für die Arbeiter der Textilindustrie ist diese Wendung zum besseren ein Anlaß, weniger von der Sorge der Arbeitslosigkeit bedrückt in die Zukunft zu blicken. In den letzten Jahren war der Verdienst klein; entweder trat in gewissen Monaten verkürzte Arbeitszeit mit Lohn- kürzung ein oder standen gar die Spindeln ganz unthätig, und das nackte Elend der Arbeitslosigkeit suchte eine» zieni- lichen Theil der im Textilgewerbe beschäftigten Personen heim. Angesichls dieser tristen Vergangenheit wäre der frohe Ausblick in Gegenwart und Zukunft der Arbeiterwelt, soweit sie von der Spinnerei lebt, wohl zu gönnen, aber die Folgen des kapitalistischen Systems sind nnerbittlich und jeder technische Fortschritt verwandelt sich zum sozialen Nachtheil der Arbeiterivelt und den Arbeitern der Textilindustrie steht ein solcher Schlag jetzt bevor. Im Jahre 1860 erfand Ernst Geßner in Aue eine ganz einfache, aber damals noch ziemlich unbrauchbare Maschinenverbesserung, den sogenannten Flortheiler. Im Laufe der vergangenen 34 Jahre ist dieser Flortheiler derart verbessert und modifizirt worden, daß er de» Krempelprozeß einer totalen Aenderung unter. werfen wird. Auf die technischen Einzelheiten haben wir nicht «inzugehen, wohl aber interesstrt uns die Leistungsfähigkeit des Geßner'schen Flortheilers, die durch ihn bewirkte Erhöhung der Produktivität, speziell der Streichgarn-Spinnerei. Tie ersten praktischen Proben haben ergeben, daß die Vortheile des neuen Krempelprozesses sich nach zwei Seiten äußern: einmal werden die Abfallstoffe um nicht weniger als 6 pCt. reduzirt; bisher betrug der Abfall 8 pCt. des verarbeiteten Materials; nach Einführung des Flor- theilers beträgt er nur noch 2pCt. Dann aber erhöht der neue Krempelprozeß die Leistungssähigkeit der Maschine um nicht weniger als 50— 75pCt., eine Sleigerung der Produktivität, die unter dem heutigen Produktionssystem geradezu einen ver- nichtende» Schlag auf die Arbeiterschaft bedeutet, welche in den von der Umwälzung betroffenen Spinnereien beschäftigt ist. Denn diese Mehrproduktion wird, wie ein Fachblatt Wahl milzttbringen, und fordern die Wähler auf, nur die amtliche mit„Magistrat" uuterzeichnete Wahllegitimation resp. eine eigene Legiliniatioii, am besten den Sleuerzettel, mit- zubringea. Mauncsscelen. Ein Kandidat der freisinnigen Volks- partei,„der sich nicht durch p v l i l i s ch e oder religiöse Meinungen beeinflussen läßt," wird den Kommunalwählern des 35. Wahlbezirks in der Rosenthaler Vorstadt vom„liberalen" Wahlkomitce in einem mit dem üblichen Adreßkalender freisinniger Mannes- seelen unterzeichneten Flugblatt offerirt. Da dem braven Bäckermeister auch nicht zugemuthet iverden wird, daß er sich etwa gar durch eine wirthschaftliche Meinung, die bei einer Stadtverwaltung unter Umständen entscheideud sei» soll, beeinflussen ließe, so sehen wir hier das Ideal von einem Gemeindevertreter aus dem Lande der Philister, von dem das betr. Flugblatt die hoffnungsvolle Vebanptung ausstellt, daß es bestrebt sein wird,„unsere freiheitlichen bürgerlichen Rechte » a ch d r ii ck l i ch zu behaupten resp. zu ergänze n." Wer da»» noch nicht an die Qualisikation des Kandidaten glaubt, der wird sicher aber ganz„baff" sein, wenn er die besondere Anpreisung liest, daß besagte Unschuld„ein Bürger der Rosenthaler Vorstadt" ist. Zur Richtigstellnug erhalten wir von den in der Offizin unseres Blattes beschäftigte» Stereotypeuren die folgende Zu- schrift: Einige bürgerliche Blätter brachten dieser Tage eine Notiz, wonach die unterzeichneten Slereotypeure des„Vorwärts" in den letzten vierzehn Tagen 200 Ueberstunden gemacht haben solle». Das entspricht nicht der Wahrheit. Wir sind von der Geschäfts- leilung engagirt worden zur Herstellung der Platten des„Vorwärts" und der dainil zusammenhängenden Arbeiten, als wie Herstellung der Platten für den Roman-Nachdruck siir neu hinzukommende Abonnenten u.'s. w., während etwa vorkommende andere Arbeiten nach den hier am Platze übliche» Sätze» besonders bezahlt werden, gleichviel ob dieselben in der laut Arbeitsordnung vor- geschriebenen achtstündigen Arbeitszeit fertig gestellt werden oder nicht. Die Herstellung der Zeitung nimmt im Durchschnitt nicht mehr als fünf, höchstens sechs Stunden in Anspruc?.. von uns während unserer achtstündigen Arbeitszeit geleistete, nicht für die Zeitung bestimmte Arbeit wird uns in Form von Ueberstunden besonders bezahlt. In den letzten vierzehn Tagen sind wir ausnahmsweise einen Tag um den andern drei Stunden früher gekommen, um eine Arbeit fertig zu stellen, und haben die üblichen Preise hierfür in Stunden um- gerechnet aufgeschrieben. Thatsächlich haben wir während der vierzehn Tage an sechs Tagen je drei Stunden länger, also durchschnittlich SVe Stunden pro Tag einschließlich der Pausen gearbeitet. Wir wünschen nur, daß die Stereolypeure anderer Zeilungsdruckereien dieselben koulauten Arbeitsbedingungen hätten wie wir. A. H e y n e. T h. W e y l a n d. C. B i e l e f e l d. Mit der neuesten Verleumdung unserer lieben Feinde ist es also wieder einmal nichts. Ein alter Freiheitskämpfer, der Kaufmann S. L e v i, ist, wie wir in der„Volkszeitung" sehen, dieser Tage gestorben. Levi hat im Kampfe sür die bürgerliche Freiheit schwere Tage durchzumachen gehabt. Er war lebhaft an der 1343er Bewegung betheiligt und galt nachher, als die Kontrerevolution gesiegt hatte, bei den Volksfeinden als ein Mann, an dem man von rechlswegen nach Kräften sein Müthchen kühlen müsse. Und Levi ist hart getroffen worden. Im März 1353 wurde er in den Ladendorf'schen Hochverraths- Prozeß verwickelt, und das Zeugniß eines notorischen Schuftes, des berüchtigten Henze, genügte den Richtern, Levi gleich den andern im Prozeß verwickelten Ehrenmännern auf Jahre ins Zuchthaus zu bringen. Erst beim Regierungsantritt Wilhelms I. wurde Levi gleich seinen Leidensgefährten durch'Amnestie aus der Ge- fangenschast befreit. Levi war kein Sozialdemokrat; als aber 1873 das Sozialistengesetz unser Vaterland mit tiefer Schmach befleckte, und als der kleine Belagerungszustand hunderte schuldloser Männer von Weib und Kind riß und sie ins Elend jagte, da war Levi mit rühmenswerthem Eifer thätig, die Roth unter den Opfern des Ausnahmegesetzes zu lindern. Der Theil der Parteigenossen, denen sein Wirken aus dieser Zeit in Er- innerling ist, wird das Andenken des Verstorbenen in Ehren halten. Die Achtung, die Levi auch in bürgerlichen Kreisen genoß, gab sich u. a. darin zu erkennen, daß ihm, dem Zuchthäusler, von der Stadt das Amt eines Schoppen übertragen war. Der Fall Haminersteiu auf der Kanzel. Aus Hermsdorf an der Nordbahn berichtet die„Staatsbürger-Zeitung":„Hier ist man sehr erstaunt über die Art und Weise, in der sich ein Be- werber um die hiesige Predigerstelle am letzten Sonntag ein- geführt hat. Am letzten Sonntag predigte ein Bewerber,»amens Bollert, der zum Erstaunen der andächtigen Gemeinde plötzlich in 'einer Predigt auf den— F a l l H a m m e r st e i n zu sprechen kam und diesen in seine Probepredigt verflocht. Er nannte zwar den Namen nicht, meinte aber, daß ein Mann aus den höheren Kreisen, der im öffentlichen Leben und namentlich im Zeiiungs- wesen eine große Rolle gespielt, sich schwerer Verbrechen schuldig gemacht habe; zwar sei er entflohen, aber wenn er gefaßt würde, harre seiner schwere Zuchthausstrafe. Es ist nicht die schlechteste Idee eines Pastors, das Glück und Ende des frumben Lands- knechts Hammerstein seinen andächtigen Zuhörern zu Gemülhe zu '»ihre». Herr bo» Hainmerhah»«ud bou Lieberstein heißt ein Kouplet von B. Strzelewicz, das jetzt auf dem Wege Rechtens verfolgt werden soll. Als wir das Poem gestern lasen, dachten wir zuerst, daß Apoll sich in höchst eigener Person wegen der entsetzlich holperigen Verse beleidigt gefühlt habe; nachträglich wurden wir jedoch dahin aufgeklärt, daß das königlich preußische Kriegsministerium wegen angeblicher Beleidigung des Offizier- korps gegen den Verfasser und den Verleger Genosse Hosmann Strafanlrag gestellt hat. Worin diese Beleidigung liegt, wir nicht entdecke». st. kimnten epfänd�e latters zi� Die Geudarme» gegen die Staatskasse. Ausgepfande Gendarmen dürften, der Mmheilung eines Berichterstatters olge, die neueste Erscheinung der nächsten Zukunft bilden. Seit Jahren besteht nämlich ei» Rechtsstreit derjenige» Gendarnien, ivelche in den nächsten Vororten Berlins stationirt sind und den Staatsbehörden. Es handelt sich dabei um die Rückzahlung vor- geblich zuviel oder zu unrecht empfangener Zeugengebühren. Schon früher bestand für alle unmittelbare» Staatsbeamten, welche lediglich auf festes Gehalt angewiesen sind, eine Verfügung,»ach welcher derartige Beamte, wenn sie als Zeugen vor Gericht geladen wurden, mir dann Ge- Bühren, Marschkompetenzen u. f. w. erhalten durften. wenn die Entfernung von einem Orte zum anderen mehr als j.ivci Kilonieter betrug. Vor etwa vier Jahren erließ aber der Justizminister eine neue Versügniig bezüglich der Stadt Berlin und Umgebung, dahingehend, baß nur die Entfernung von der Berliner Weichbildgrenze bis zum Mittelpunkte des Ortes ge- rechnet würde, in welchem der Beamte stationirt ist, während rüher vom Mittelpunkte Berlins, dem Dönhoffsplatze ans, ge- cchnet wurde. Ehe die neue Verfügung zur Ausführung ge- langte»ud richtig interpretirt wurde, hatten die betreffe»» den Beamten in zahlreichen Fällen Gebühren empfangen, welche später von der Ober- Rechnungskammer beanstandet wurden. Es war z. B. bei der Gebührenberechnnng die kataster- amtlich fcstgesteUle Entfernung zu gründe gelegt worden, während es in der Verfügung heißt, daß derjenige Weg in be- tracht kommen soll,„ iv e l ch e r die Staatskasse a in wen ig sie n belastet". Die Entwickelung der Bauthätigkcit an der Peripherie hat aber eine Menge netter Straßen und Wege geschaffsn, ivelche unter Umständen die Enlfernnng ab- kürzen. Z. B. wird im Zuge der Frankfnrterchaussee die Ecke dcr Proskancrftraße als Weichbildgrenze angenommen. Die Dorf- kirche gilt als Mittelpunkt des'Amtsbezirkes Lichtenberg-FriedrichS- berg. Die Frankfurter Chaiissee entlang beträgt die Entfernuiig über 2Kilo»teter, die Eldenaerstraße entlang dagegen weniger als 2 Kilo- nieter. Derartige Verhältnisse finden sich in allen Zonen. Die Ober- Nechnungskamnier verlangte daher Riickzahlinig der zu viel erhobenen Gebühren, machte aber dabei einen b e n s o auffälligen w i e befremdlichen Unter« chied zwischen der Staatskasse und dem Beutel er Staatsbürger. Die Rückerstattung wurde nämlich nur i» denjenigen Fällen verlangt, in denen die Kosten des Ver- 'ahrens durch richterliches Urtheil der Staatskasse auferlegt worden waren, oder in denen die Kosten- Zivangsbeitteibiing ruchtlos ausfiel. In denjenigen Fällen dagegen, in denen die V e r u r t h e i l t e ii die Kotten bezahlt habe», wird die Rück- zahlung nicht beansprucht, mögen die Bürger auch durch die vor- 'christswidrige Gebührenerhebung geschädigt worden sein. Nun giebt es Beamte, welche mehr als 200 oder gar 300 M. zurückzahlen sollen, wozu dieselben garnichl in der Lage sind. Die Gendarnien haben sich daher an das Brigade- Kommando ge- ivendet und sich darauf berufen, daß sie nur die vom Kommando stipulirlen Sätze erhoben hätten. Das Kommando ist aber nicht für seine Beamten eingetreten, sondern hat den Petenten anheim gestellt, daß jeder für sich allein seine Ansprüche bei Gericht geltend»lachen solle. Dieselben haben sich d � beschwerde- ührend a» das Amtsgericht, dann an das Landgericht im!» n das Kammergericht geivandt, wurden aber überall abgewiesen. Zuletzt gingen sie an die Ober-Rechnnngskammer. Letzlere Be- Hörde verwies die Entscheidluig der Sache an den Kamniergerichts- Präsidenle», welcher dieselbe dem Strafsenat unterbreitete. Dieser bat die Petenten kürzlich k o st e n p s l i ch t i g abgewiesen. Da nun die Beamten nicht so gestellt sind, um erhebliche Er- parnisse zu»lachen und aus dein vollen Beutel heraus das Geld zurückzuzahlen, so wird es— da die Vorbereitungen dazu bereits im vollen Gange sind— demnächst zur Pfändung kommen. 'Alsdann tvird man vielleicht einen Ausweg finden, die Streit» frage beizulegen. So? Die Ucberfüllnng der Genieindeschiilcn wurde in der Stadlverordneleu- Sitzung r�-m 31. Okiober vom Stadtschulralh Bertram wieder einmal bestritten. Die Durchschnitlsfrequenz sei stetig herabgegangen und stelle sich jetzt auf ö2,8 Kinder pro Klasse. Leider beweist aber der Durchschnitt herzlich wenig. In den oberen Klassen liegt nömlich die Frequenz erheblich unter, in den unteren ungeiähr ffbenso weit über dem allgemeinen Durchschnitt. Wie sie sich augenblicklich für die einzelnen Stufen stellt, ist uns nicht bekannt. Aber nach dem letzten bisher ver- öffenllichten Bericht der Schilldeputation(über 1833/94) war Ende I89Z die Durchschniltsfrequenz aller Gemeinde- Schul- klassen S3,3, dagegen die der Klassen I 40,3, II 47,0, III S2,K, IV 56,5�|V 59,8, VI 60,4. Schon der allgemeine Durchschnitt 53,3 ist aus pädagogischen und sanitären Gründen sehr bedenklich. Für den Durchschnitt 60,4 der Klassen VI gilt das in noch höherem Maße, und selbst eine Frequenz von 40,8, wie sie die Klassen I aufweisen, ist noch zu hoch. Auf den höheren und mittleren städtischen Lehranstalten hütet man sich denn auch, solche Massen von Kindern in die Klassen hinein- zustopfen. Ende 1833 kamen durchschnittlich aus eine Klasse: auf de» Gymnasien 31,6(!), Realgymnasien 33,0, Oberrealschulen 35,5, Realschulen 36,0, höheren Mädchenschulen 46,0. Warum drückt man nicht auch die Gemeindeschul-Frequenz auf die Zahlen herab, die einen volleren Unterrichtserfolg und größeren Schutz gegen die gesundheitlichen Gefahren des Schulbesuchs gewähren? Run giebts natürlich noch innerhalb jeder Stufe große Ab- weichungen vomTurchschnitt. Auf den Gemeindeschule» betrug fürdie Klassen V und VI, wie gesagt, schon der Durchschnitt 59,8 und 60,4 Kinder. Als Biaximum ist aber hier 63 gestattet! Ist das etwa keine Ueberfüllung? Doch für den Magistrat sammt der „liberalen" Stadlverordneten-Majorilät fängt die Ueberfüllung ja erst an, wenn das festgesetzte Maximum überschritten ist. Wie vir das— nothgrdrungen, weil zu wenig Räume und Lehrkräfte bereit gestellt werden— geschieht, das läßt sich ans den von Zeil zu Zeit immer wieder austauchenden Klagen beurtheile». Herr Bertram freilich glaubt nicht, daß so etwas vorkommt. Wie weit bei anderen Lehranstalten das Maximum vom Durch- schnitt abweicht, ist aus den Berichten leider nur für Real- und höhere Mädchenschulen zu ersehen. Ende 1893 saßen in den Realschulen nur in 14 von 114 Klassen über 50 Schüler und das Maximum war(in eiV.em Falle) 61. In den Mädchenschulen saßen in 29 von 95 Klaffen über 50 Schülerinnen und das Maximum war(ebenfalls in nur einem Falle) 56. Das ist doch er- bcblich weniger als 63! Warum übrigens die unteren Klassen >er Gemeindeschulen stärker besetzt werden als die oberen, das uäre schwer ersichtlich— im Interesse des Unterrichts müßte das Umgekehrte geschehen— wenn man sich nicht erinnerte, daß kleine Kinder weniger Platz brauche» als große. Es gehen mehr ru» in die Klasse, also rein mit ihnen! Doch die Frequenz hat ja in den letzten Jahren abgenouimen. Herr Bertram sagt's, und es stimmt auch; der allgemeine TnrchschniU ist in 1889—93 von 55,4 aus 53,3 gesunken, niacht 2 Kinder pro Klasse. Soll das »ine„Bessermig" sein? Aber selbst diese unbedeutende Ab- nahnie ist nur zum geringsten Theile das Verdienst der Schul- rcrmaltiing; die Sache hat sich vielmehr so gut wie von selber gemacht. Der Rückgang der Geburtenziffer hat den Zugang an Schulkindern verringert. Merkwürdiger Weise haben aber gerade die untersten Klassen am wenigsten davon profitirt. In 1889-93 ist der Durchschnitt gesunken in den Klassen I von 43.3—40.6, II von 50.0-47,0, III von 55,2-52.6, IV von 57,4-56,2, V von 61 ,1—59,8, VI von 61,7—60,4. In VI. V, VI ist die„Besserung" ganz winzig, das Meiste kommt auf I, II, III. Wahrscheinlich hat man in den oberen Klassen die Abnahme des Zuwachses nicht so leicht durch Umschulungen«. wett machen können, wie in den unteren; denn 600 sechste Klassen lassen sich, wenn sie nicht„hinreichend" voll werden, leichter durcheinander würfeln, ur.d dann, unter Wegfall einiger„überflüssig" gewordener, aus andere Art gruppiren, als das bei 4—500 ersten Klaffen möglich ist. Darauf deutet auch der Umstand hin, daß in 1839—33 die Klassen I, II. III um 11,2 pCt., die Klassen IV. V, VI aber nur uni 8.4 pCt. zugenommen haben, während die Zahl der Kindel in I. II, III um 4,7 pCt., in IV, V, VI dagegen uni 6,3 pCt. zunahm. Verringert hat sich die Frequenz pro Klasse, aber, wie gesagt, in nennenswerther Weise nur in den oberen Klassen, wo man es nicht hindern konnte. In den unteren, wo das möglich war, hat man einfach in der Vermehrung der Klassen nachgelassen und dann fleißig umgeschult. Hätte wirklich eine allgemeine wesentlichc Herabsetzung der Frequenz in der Absicht der Schulverwaltung ge- legen, so hätten umgekehrt dieunterenKlassenslärkervermehrt werden müsse» als die oberen. Das ist nicht geschehen und die Ueber- sülluug besteht daher namentlich in den unteren Klassen in der Hauptsache fort zum Schaden der Kinder und der Lehrer. Fürdie letzteren komnit noch ein besonderer Umstand in betracht. Tie Abneigung der städtischen Behörden gegen Herabdrückung der Gcmeindeschulsrcqucnz auf ein verständiges Maß wirkt auf die Lehrerschaft, wie die Weigerung industrieller Unternehmer, die Arbeitszeit in ihren Betrieben zu verkürzen, auf die Arbeiterklasse wirkt. Es werden weniger Lehrer gebraucht, wenn man 60 Kinder statt 30 zu einer Klasse vereinigt. genau so, wie weniger Arbeiter Beschästigung finden, wenn der Unternehmer zwölf Stunden statt acht arbeilen läßt. Mir einem Wort: die Sache wird billiger! Gewiß. Sparsamkeit ist ganz schön, aber sie muß mir an der rechten Stelle geübt rverden. Wenn aber durchaus im städtischen Schulwesen nach dem Prinzip, jeden Groschen vor dem Ausgeben dreimal umzudrehen, verfahren werden soll, dann muß man sich doch wundern, daß bei den höheren Schulen wenig davon zu merken ist. Einstweilen zahlt die Stadt für die Kinder der Wohlhabenden, die die höheren Schulen besuchen, immer noch beinahe dreimal so viel Zuschuß, wie für die Kinder der Unbeniitiellen, die sich mit der Gemeinde- schule begnügen müssen. 4 Zn der Angelegenheit Calaniä wird uns aus Königs- berg i. Pr. miigetheili, daß dieser Mann, der auf so tragische Wei>e im Leben Schiffbruch gelitten, unter den dortigen Partei- genossen als ein begabter und eifriger Agitator für unsere Sache gegolten hat. Zum Befreniden derer, die mir Calamö näher in Berührung kamen, stellte sich im Frühling dieses Jahres die be- dauerliche Thatsache heraus, daß sein Ncrveusysiem in gesähr- lichster Weise zerrüttet war und nian sah sich daher der traurigen Nothwendigkeit gegenüber, ihn schon um seiner selbstwillen von der Vertrauensstellung, die er innegehabt, zu entfernen. Er war leichtfertig in seinem Lebenswandel und unzuverlässig in Geldangelegenheiten geworden. Ende Mai war Calamö plötzlich aus Königsberg verschwunden; die ihm obliegenden Parteigeschäfle halte er in größler Unordnung zurückgelassen. Eine Woche nach seiner Abreise tauchte er in Mailand auf, von wo er aber»och einmal wieder nach Königs- berg zurückkehrte. Seitdem hat er sich an verschiedenen Orten ausgehalten; in dieser Zeit war er mehrfach in ärztlicher Be- banalung, bis er dann vor drei Monaten in Berlin seinen Wohn- sitz nahm. Seine Frau, die in zwei Monaten niederkommt, lebt in Jnoivraczlaw, ein Töchterchen im Alter von anderthalb Jahren ist in Königsberg in Pflege. Für die dortigen Parteigenossen war der Unglückliche, der bekanntlich noch ein zweites Mensctien- leben in den Tod gezogen hat, schon seit Monaten ein geistig todler Mann; wer ihn näher kennt, sucht sein sittlich tadelns- werthes Verhalten aus der Kranlheit heraus, an der er schwer gelitten haben muß, zu begreisen. Tie Rekrntcnbereidigung wurde gestern Morgen, nachdem die gcwohnien Straßenabsperrungen streng durchgeführt waren, unter dem üblichen militärischen Aufwand vollzogen. Ein evan- gelischer und ein katholischer Pastor hatte die jungen Männer auf die Bedeutung des Treueides aufmerksam zu machen, nach- dem vorher schon, wie es hieß, die Soldaten in Abendandachten auf die Erfassung dieses Gegenstandes vorbereitet worden warm. Auch der deutsche Kaiser hielt, gleichwie in den vorher- hc ,11 du, Jahren eine Rede an die Retruten. Nach seinen Aus- führungen gereicht es den Mannschaften zur besonderen Ehre, daß sie in das Gardekorps aufgenommen worden sind; als eine besondere Auszeichnung hätten sie es zu betrachten, daß sie oben- drein gerade in diesem Jubiläumsjahre berufen seien, dem Kaiser den Treueid zu leisten. Die Rekruten sollen fest nach Innen und nach Außen bleiben.--- Nach 12 Uhr hatte die Straßen- absperrung ihr Ende erreicht. In der Aera der„indirekten und direkten" Majestäts- bcleidigungs-Prozcffe kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, daß sich ein jeder sorgfältig vor allen leichtfertigen Aeuße- rungen über fürstliche Personen hüten möge. Es ist sehr thöricht, das eigene Wohl und das der Familie auf das Spiel zu setzen, blos um etwa einen Witz oder eine unwillige Bemerkung von sich geben zu können. Derartiges soll man in zetziger Zeit sorgfältig im stillen Busen bewahren. Als gestern Morgen bei der Ankunft von Personen, deren Ansehen durch den Majestätsbelcidigungs- Paragraphen gewahrt werden soll, der Potsdamer Platz für einige Zeit für Fuhrwerke gesperrt war, wurde au' den angestauten Omnibusjen und Pferdebahnwagen so manche th«ichte Bemerkung gemacht, so daß der Staatsanwalt alle Hände voll zu thun bekommen hätte, wenn— nun wenn er eben Ohrenzeuge gewesen wäre. Da aber niemand unter solchen Verhältnissen den Charakter seines Nebenmannes erkennen kann, so warnen wir nochmals ausdrücklich davor, wo es auch immer sei, Redewendungen zu gebrauchen, die Denunziantenseelen Anlaß geben könnten, ihr trauriges Handwerk zu üben. Abermals ein Opfer unserer herrlichen Weltordnung. Wegen Arbeitslosigkeit hat sich vorgestern Nachmittag der 49jährige Maurer Karl Roggow, der aus Demmin stammt und in der Rostockerstr. 7 wohnte, erhängt. Hausbewohner fanden ihn auf dem Hausbode» an einem Dachbalken hängend auf. Sie ricsen einen 3lrzt herbei, der nach erfolglosen Wiederbelebungsversuchen nur den Tod feststellen konnte. Der Mann hatte bereits längere Zeit keine Arbeit mehr und Bekannten und Hausnachbarn gegen- über schon wiederholt geäußert, daß er sich das Leben nehmen werde. Bedarf ein Konsumverein einer besonderen Polizei- lichcn Anmeldung? Diese Frage hat das Polizeipräsidium aus eine vom„Verein selbständiger Bäckermeister in Moabit" gegen den daselbst domizilirenden Konsumverein„Nordwest" ge- lichtete Eingabe, weil der Verein polizeilich nicht genehmigt war, verneint, und folgenden Bescheid an den ersten Vorsitzenden, Bäckermeister Wolf, gelangen lassen:„Dem Vorstande gereicht auf die Eingabe vom 19. August d. I. ergebenst zum Bescheide, daß der hiersclbst bestehende Konsumverein„Nordwest" einer be- sonderen polizeilichen Genehmigung nicht bedarf, sowie daß ein gesetzlicher Zwang für den genannten Verein, sich den Bestimmungen des Reichsgesetzes vom I. Mai 1889 betr. die Erwerbs- und WirthschaftSgenossenschasten zu unterwerfen, nicht besteht. (gez.) v. Windheim." Eiseubahnfiskus und Bahnsteigsperre. Die von der königlichen Eiseubahnverwaltung jetzt durchgeführie Bahnsteigsperre hat jüngst zu zwei Wetten Veranlassung gegeben, worüber die „Bresl. Ztg." berichtet: Zwei Reisende waren in lebhafter Unter- Haltung über die neue Verkehrsordnung und deren Vorlheile und Nackitheile begriffen, vertheidigten ihren entgegengesetzten Standpunkt inil Eiser und machten schließlich eine Wette, denn Thalsachen be- weisen. Es handelte sich um das Wagniß, eine Eisenbahnreise von 370 Ihn ohne Fahrkarte auszuführen. Der Anstifter ging als Sieger hervor, denn er löste in K. eine Bahnsteigkarle für 10 Pf. und langte unbehelligt in Berlin an, Ivo der Ausgang im An- dränge der ZIeiscnden nicht genau überwacht wurde. Weniger glatt verlief die zweite Welte, von Breslau bis G.(Oberschlesien), auf eine Fahrkarte für 20 Pf. zn reise». Auch in diesem Falle blieb der Thäter unentdeckt, meldete sich aber nachträglich, um seine Ehrlichkeit durch Nachzahlung des Fahrpreises an den Tag zu legen. An zuständiger Seile fand man aber die„Reisesreiheil" so wenig zeitgemäß. daß man ihn außerdem um die üblichen 6 M. Strafe erleichterte. Arbeitcrrisiko. Ein Unfall ereignete sich am Donnerstag Vormittag beim Verlegen der Schienen für die elektrische Straßen- bahn in der Reichenbergerstraße. Der 46 jährige Schlosser Franz Schulz aus der Münchebergerstr. 11 war damit beschäftigt, zwei Schienen mit einander zu verbinden. Dabei siel eine Schieue ihm auf den Daumen der rechten Hand und quetschte ihn be- deutend. Der Verletzte erhielt einen Verband auf der nächsten Sanitätswache. Nach Unterschlagung von SOOtlO M. ist der Mitinhaber der Firma Lagojs u. Seibert, Kaufmann Georg Lagois, Schiller- straße 88 wohnhaft, flüchtig geworden. Lagois, dessen Ehe dem- nächst geschieden werden sollte, hat sich vor etwa 8 Tagen in Be- gleituug einer Frauensperson heimlich von hier entfernt, nachdem er sich von den an die Firma eingesandten Geldern etwa 50000 B!. angeeignet hatte. In einem zurückgelassenen Briefe an seine Frau hat er diese von seinem Vorhaben unterrichtet. Sie wisse, heißt es in dem Schreiben, daß er Unterschlagungen begangen habe. und da er voraussetze, daß sie bei ihrer gerichtliche» Vernehmung von dieser Kenntniß gegen ihn Gebrauch machen werde, so ziehe er es vor, sich in Sicherheit zu bringen. Uebrigens habe er für alle Fälle zwei Pistolen bei sich, deren er sich sollte man ihm auf die Spur kommen, bedienen würde. Bisher scheint sich diese Voraussetzung noch nicht erfüllt zu haben; wenigstens ist von einer Entdeckung des Flüchtigen noch keine Miltheilung ein- gegangen. Eine nilangeiiehuie Ucbcrraschung wurde, wie ein Bericht- erstaltcr meldet, dem Gastivirth Bartczak in der Straße XII vor dem Landsberger Thor zn tbeil, als er am vorgenrigen Vor- �ttag von einer Reise zurückkehrend in seiner Wohnung eintraf u��ieielbe fast ausgeräumt fand. Mit dem Mobiliar war aber nuch�� Frau B. verschwunden, welche, wie der verlnsseue Gatte alsbald erfuhr, mit einem Stammgast des 3ie- staurants eine„Reise nach außerhalb" angetreten hatte. Ter Schmerz des betrogenen Ehemannes ist niu so größer, als mit der besseren Ehehälfte auch sein ganzes Baar- vermögen, ca. 30 0t.0 M., abhanden gekouimen ist. Da Herr B. das letztere nicht zu missen gewillt war, so unterrichtete er die KriminalpolNei von de», Toppelverlust, der ihn betroffen und schon nach«enigeu Stunden stellte die Behörde fest, daß Frau B. den„milhenommenen" Gast bereits in Hannover—„versetzt" habe. Ter unglückliche Liebhaber, der die Ehre gehabt, die Fahrt für sich und die Dame seines Herzens verauslagen zu dürfe», ist um eine Erfahrung reicher am gestrigen Abend nach hier zurück- gekehrt, der Aufenthalt der Frau B. aber ist bis jetzt noch nicht ermittelt worden. Zeugen gesucht! Passanten, welche am 2. September, nach- mittags 3 Uhr, in der Große» Frankfurierstraße, am Straiisberger Platz, Zeuge eines Auftrittes zwischen einem Schutzmann und mehreren Zivilpersonen gewesen sind, werden gebeten, ihre Adressen an Franz Julin, Thaerstraße 4, gelangen zu lassen. Verhasttt wurde ein Berliner Zahlincisicr in einem Gasthause zu Wriezen. Wie eine Korrespondenz meldet, war er nnch Unterschlagung von 1600 M. vor einigen Tagen flüchtig geworden. Der Verhaftete diente bereits 30 Jahre bei der Armee; durch einen Prozeß, den er gegen seinen Hauswirlh ge- führt hat, soll er sich in Unkosten gestürzt haben, die ihn zu der Tbat verleiteten. Er trug auf seiner Flucht noch die Uniform. Einer seiner Söhne besucht die Prima eines hiestgeu Gymnasiums. Herr ZiNlmcruleister Paul Müller, Elbingerstr. 30. theilt uns mit, daß er mit dem Bauunternehmer gleichen Namens, der einem Lokalberichte zufolge an einem Bau die Aborte nicht im richtiaen Zustande aebalieu hat, nicht identisch ist. An einer Kokainbergiftung ist der Hausdiener Karl Plmitz aus der Schönknechl'schen Apotheke schwer erkrankt. Plantz, der schon längere Zeit kokainsüchlig ist, nahm vorgestern Nachmittag wieder eine Einspritzung, die ihn bewußtlos machte. Nachdem ein Arzt ihm Gegenmittel gereicht hatte, erbrach er sich zwar, kehrte aber doch nicht zum Bewußtsein zurück. Man mußte daher den Schwerkranken mit einer Droschkej in ein Krankenhaus bringen. Polizeibcricht. Am 6. d. Mts. wurden vormittags ein Arbeiter auf dem Boden eines Hauses in der Havelbergerstraße und nachmittags ein Maurer auf dem Boden eines Hauses in der Rostockerstraße, sowie ein pensionirter Beamter in seiner Wohnung, in der Lehrterstraße, erhängt vorgefunden. Letzterer hatte sich außerdem die Pulsader an der linken Hand geöffnet. — Auf der Mühlendammbrücke fiel vormittags ein Kaufmann infolge eines Fehltrittes hin und verletzte sich bedeutend am Kopfe.— In der Langenbeckstraße fiel mittags ein Theil eines Bauzaunes um und traf einen achtjährigen jsnaben, welcher einen Bruch des Oberschenkels erlitt.— Im Laufe des Tages fanden zwei unbedeutende Feuer statt. WitterungSübersicht vom 7. November 1895, Wetter-Prognose für Freitag, de» 8. November 1895. Etwas kühleres, zeitweise ausklärendes, vorwiegend trübt? Wetter mit Regensällen und frischen westlichen Winden. Berliner Wetterburean. Der fidcle Tag im Bankhause Scholl. Der Zusammen- bruch des„Bankhauses I. Scholl", dessen Inhaber, der frühere Weber Joseph Scholl, wegen umfangreicher Betrügereien mit Serienloosen zn längerer Gefängnißstrafe verurtheilt wurde, hatte gester» noch ein kleines gerichtliches Nachspiel vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I. Der Kaufmann Hermann Leder, welcher einer der Prokuristen der Firma Scholl war, sollte sich einer Unterschlagung in Höhe von 1200 M. schuldig gemacht haben. Am 21. Januar d. I. kam der Dr. med. Conrad aus Biesenthal nach der in der Friedrichstraße gelegenen Filiale des Scholl'schen Geschäfts. Er wußte nicht, daß sich der Chef des Bankhauses schon seit dem November des vorigen Jahres hinter Schloß und Riegel befand. Dr. Conrad übergab dem Personals 1200 M. in baar und ebenso viel in preußischen Slaatspapieren mit dem Auftrage, für die Gesammtsumme italienische Aktien zu kaufe». Es wurde ihm baldige Erledigung versprochen. Als dies nach drei Tagen noch nicht geschehen war, fragte Dr. Conrad telegraphisch an und erhielt aus demselben Wege den Bescheid: Abrechnung erfolgt morgen, die Papiere nach drei Tagen." Inzwischen war die Scholl'sche Filiale am 22. Januar, also am Tage, nachdem Dr. Conrad die Einzahlung gemacht, vom Gerichtsvollzieher wegen rückständiger Mielhe geschloffen worden. Das Personal machte sich einen vergnügten Tag, auf Veranlassung des Angeklagten Leder begaben sich sämmtliche Prokuristen— es gab deren nicht weniger als vier— sowie die Buchhalter nach einer benachbarten Restauration, w o s i e a u f K o st e n d e r F i r m a kneipten. Der Angeklagte Leder gab jedem dazu einen Vorschuß. Wie der letztere im Termin behauptete, hat er diese Maßregel für zweckmäßig ge- halten, weil er hoffte, den Wirth bewegen zu können, das Geschäft wieder öffnen zu lassen. Der Angeklagte wollte in diesem Falle das Personal wieder zur Stelle haben. An demselben Nachmittage wurde das Geschäft auch noch ans einige Stunden geöffnet, um am folgenden Tage definitiv wieder geschlossen zu werden, da über die Firma Scholl der Konkurs verhängt worden war. Einer der Ange- stellten, der Buchhalter Seydler, hatte inzwischen den vom Dr. Conrad ertheilte» Auftrag erledigen wollen und sich deshalb vom Angeklagten die Papiere und das Geld erbeten. Leder soll ihm nur die Papiere übergeben, das Geld aber zurückbehalten habe» mit dem Bemerken, daß er dasselbe noch im Geschäft gebrauchen könne, da die Papiers ja erst nach drei Tagen ab- genomnien zu werden brauchten. Bei der Kassenreviston nach der Eröffnung des Konkurses fanden sich nur 1033 Mark vor, diese verfielen der Masse und Dr. Conrad wurde nm 1200 Mark ge« schädigt, während er für die hinterlegten preußischen Staats- papiere Ersatz in italienischen erhielt. Der Angeklagle gab zu, daß er einen geringen Theil des Conrad'schen Geldes dazu be- nutzt habe, den Wirth zu befriedigen, es seien aber täglich 300 bis 400 Mark durch die Post eingekommen, so daß er mit Sicherheit habe annehmen können, daß er den Betrag jederzeit habe decken können. Das Geschäft für Dr. Conrad würde auch glatt abgewickelt worden sein, wenn die Konkurscröffniing nicht dazwischen gekommen wäre. Der Slaatsainvall hielt eine Unterschlagung für vorliegend und den Fall so schwer, daß er ein Jahr G e f ä n g n i ß be- antragte. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt C h o d i z i e s n e r, plädirte aus Freisprechung, da das vom Dr. Conrad gezahlte Geld in den Besitz des Bankhauses als Eigenthum übergegangen und vom Angeklagten theilmeise auch nur zu Geschästszwecke» verausgabt worden war. Ter Gerichtshos trat diesen Aussühruuge» bei und erkannte aus Freisprechung. In dem Prozeß gegen den Bürsienmacher Weber, welcher im September d. I. vom Schwurgericht des Landgerichts I ivegen versuchten Giftmordes zu fünf Jahren Znchlhans und Ehrverlust verurtheilt wurde, ist vom Vertheidiger Rechtsanwalt Sand- berg Revision eingelegt worden. Ein kleiner Zwischenfall während der Bcrhaiidlnng dient zur Begründung. Der An- geklagte behanptele u. a., daß er das in seiner Behausung vor- gefundene Cyankali als stiiechmitlel gegen Kopsschmerz benutzt habe. Einer der Geschworenen erhob sich darauf und erklärte, daß er als Photograph viel mit Cyankali arbeile und versichern könne, daß Riechen an dasselbe eher Kopfschmerz erzeuge als vertreibe. Der Vertheidiger beantragte darauf, daß diese Erklärung des Ge- chworenen zu Protokoll geuomwen werde, da sie den Charakter eines Gutnchlens habe und für einen Geschworenen unzulässig ei. Ter Vorsitzende lehnte diesen Antrag ab und hierauf stützt der Vertheidiger seine llievision. Seitens des Reichsgerichts cheint der Sache näher getreten werden zu sollen, denn der be» treffende Geschworene ist bereits vernommen worden. Zum Kampf der Gasaliihlicht-Gesellschqftc». Wir er- halte» folgende Meldung: In den gestern verhandelten Nichtig- keilsklagen gegen Auer ist erkannt worden, daß die Auer'scken Paicnle, und zwar das Haiiptpatcnt und das Thorium-Zusatz- Patent in dem wesentlichsten Punkte Rr. 3 theilweiie vernichtet werde. Ls ist nach der Meinung des Patentamtes dem Auer im eine bestimmte Mischung von gewissen Edelerden geschützt. Diese Mischung wird ober weder von Auer noch von der Konkurrenz jetzt mehr verwendet, vielmehr besteht die Jmprägnirung wesentlich ans Thorium. Die Verwendung von Thorinni, welches keine Beimischung anderer Erden hat, ist nicht geschützt. Wichtig ist ferner, daß die Auer- Gesellschaft in der Verhandlung erllärt hat, daß sie einen Anspruch aus das Fluid und auf die Jmprägnirung nicht erhebe. � Es ist zu vermuthen, daß keiner von beiden Theilen sich bei die'er Entscheidung, welche im übrigen die Auer'sche Erstndung nicht monopolisirt, beruhigen wird. Wie das Reichsgericht de» Boykott für strafbar erklärt. Die öffentliche Aufforderung zum Boykott der Gewerbetreibenden eines bestimmten PersoneukreiseS oder auch nur eines bestimmten Gewerbetreibenden kann, nach einem Urthcil des Reichsgerichts. IV. Strafsenats, vom 14. Juni 1895, bekanntlich als die Ver- Übung groben Unfugs bestraft werden. Die Entscheidung hat folgenden Wortlaut:„Versteht man unter dem Boykott eine Art Verrufserklärung, durch welche das Lokal des zu boykottirende» Gewerbetreibenden für alle diejenigen, welche den Boykott aus- fnhrensollcn, gesperrt und dadurch der Gewerbebetrieb beinträchtigt und der Umfang desselben geschmälert wird, so wird, der Regel nach und von besonderen Ausnahme» abgesehen, in der durch die Ver- vffentlichnng allgemein bekannt gemachte» Aufforderung an die Parteigenossen oder an die Arbeiter überhaupt eine Handlung gefnnden werden müssen, welche geeignet ist, die von dem Boykott betroffenen Personen zu beunruhigen. Sie wird aber auch nicht allein diese Personen, sondern auch andere Gewerbetreibende in mehr oder weniger weilen Kreisen in Unruhe versetzen, indem sie in ihnen den Glanben hervorruft, daß auch ihnen eine gleiche Beeinträchtigung ihres Gewerbes in Aussicht stehe, sobald sie den Wünsche» und Willen der Partei, von deren Angehörigen die Aufforderung zuin Boykott ausgeht, entgegenhandeln. Ob diese Erklärung im konkreten Falle geeignet war, diese Wirkung herbeizuführen, ist Sache der thatsächlichen Feststellung. Daß aber die öffentliche Aufforderung zum Boykott au sich, wie mit Rücksicht auf diese ihre Wirkungen als eine gegen die öffentliche Ordnung verstoßende Ungebühr sich darstellen kann, ist nicht zu bezweifeln, ebensowenig, daß die durch solche öffentliche Auf- forderung verursachte Beunruhigung und die damit verbundene Belästigung der zunächst betroffenen Gewerbetreibenden sich sehr wohl zu unmittelbarer Beunruhigung und Belästigung des Publikums ausgestalten kann. Unter dem Publikum hat man nur den Gegensatz zu den einzelnen Personen und individuell begrenzten Personcnkreiscn zn verstehen, und es würde nicht rechlsirrthümlich sein, die weder ihrer Person noch ihrer Zahl oder ihrem Gewerbebetriebe nach bestimmten Gewerbetreibenden unter de» Begriff des gefährdeten und belästigten Publikums zu bringen." Im Prozesse Schuntz erfolgte am Mittwoch die Ver- nehmuug der Zeugen, unter ihnen auch des Stadtdirektors Tramm, die im wesentlichen sänimtlich zu Ungunsten des An- geklagten aussagten. Unter anderem bekundeten Oberrevisor Schmedes und Buchhalter Körtling, sie hätten nach nochmaliger Prüfung der Bücher festgestellt, daß sämmlliche Gebühren für von Dr. Skalweit, den» Vorgänger des Dr. Schmitz, gemachte gerichtliche Analysen in die Sladtkasse geflossen seien. Auch der Chemiker Klemm, Assistent an der hiesigen Technischen Hochschule, und Dr. Schneider, jetzt Gewerbe-Jnspektor in Köln, erklärten, unter ihrer(der Zeugen) interimistischen Leitung des Lebensmittel- Untersuchungsamles hätten sie alle Gebühren für im Amt vorgenommene Untersuchungen, ein- schließlich der analytischen gerichtlichen Untersuchungen, an die Amtskasse abgeführt. Chemiker Lange erzählte: die Aufsichts- kommission habe einmal angekündigt, daß sie die Räume des Untersuchungsamts in Augenschein nehmen wolle. Dr. Schmilz habe deshalb den Auftrag crtheilt, derartig Dämpfe zn«nt- wickeln, daß die Kommissionsmitglieder es im Untersuchungsaml nicht aushalten sollen. Der Angeklagte bezeichnete diese Be- hauptung als unwahr. Es habe in den Amtsräunien stets ganz naturgemäß ein schlechter Geruch geherrscht. Der Gestank an jenem Sonnabend Nachmittag, an dem die Aufsichtskommissiou die Amtsräume besuchte, war nicht schlimmer als sonst. Ein günstiges Leumundszeugniß erhält der An- geklagte von dem Bürgervorsteher Winkelman», der ihn für einen sehr energischen Mann erklärt, der auch seinem Amte voll- ständig gewachsen war. Der Angeklagte sei ein offener und lauterer Charakter gewesen, der in jeder Beziehung wahrbeits- liebend war und jeder Unwahrheit schroff gegenübergetreten sei. Ans die Frage des Präsidenten, was der Zeuge von der Ehe- scheidungsgeschichte des Angeklagte» wisse, erwiderte er: Der Angeklagte habe mit seiner Frau oftmals bei ihm verkehrt. Tort hätten sich die Schnutz'schen Eheleute derartig benommen, daß er, als er von der Ehescheidung gehört, ganz erstaunt darüber gewesen sei. Donnerstag hofft man mit der Verhandlung zu Ende zu kommen. Wegen Misihandlnng wurden die Polizeisergeantcn Vieneck und Schulz aus Östrowo von der dortigen Straskammer zu je vier Monaten Gefängniß verurtheilt. Ein biederer Bäckermeister aus Raschkow, namens Dombrowski, wurde vor einigen Wochen von den beiden Angeklagten wegen angeblicher Beleidigung verhaftet und auf der Wachtstube von diesen beiden Gesetzeshütern derart zugerichtet, daß er längere Zeit im Ostrower Kreis-KrankenhauS zu seiner Wiederherstellung zu- dringen mußte. VevsÄMtttlunsen. Im fünfte» Reichstags-Wahlkrcis wurde am Mittwoch eine Versammlung der K o m munal Wähler bei Buske, Gcenadicrstr. 33, abgehalten. Der Saal war so überfüllt, daß noch vor Beginn der Versammlung die Tische entfernt werden mußten. An stelle des durch andere wichtige Verhandlungen be- hinderten Genossen Paul Singer hatie der Stadlverordnete V o r g m a n n das Referat übernommen. Er leitete seine wirkungsvolle Rede mit einem Hinweis auf den Dortmunder Sieg ein, der uns ein gutes Vorzeichen zu den Stadt- verordneten- Wahlen sein solle. Die Stadtverordnete»- Wahlen hätten sich früher keiner großen Beliebtheit erfreut, weil sie auf grund eines volksfeindlichen Wahlsystems vor sich gehen, immerhin aber böte es etwas mehr Bewegungsfreiheit als das Landtags-Wahlrechl. Unsere positiven Erfolge im Rothen Hause seien zwar nicht immer sehr bedeutend gewesen, aber viel Schlechtes sei verhindert und schon die bloße Angst vor den „Rothen" habe einen heilsamen Einfluß ausgeübt. Man habe den Sozialdeuwkraten häufig— und auch jetzt wieder im Wahl- kämpfe— vorgeworfen, sie verträte» nur einseilige Klasseninteresscn; aber diesen Vorwurf könnten sie mit mehr Recht der Majorität der Stadtverordneten- Ver- sammlung zurückgeben, die doch statutengemäß zur Hälfte aus Hausbesitzern besteben müsse, jedenfalls also aus- gesprochenen Vertretern des bürgerlichen Klasseninteresses. Diese Majorität nenne sich zwar„freisinnig", aber ihre Hand- lunge» seien eine einzige lange Kette von Verleugnungen frei- sinniger Grundsätze; zu wirklich weitausschauenden Verbesserungen auf dem kommunalen Gebiete hätte» sie selten die Anregung ge- geben. Sie brüsteten sich mit der Behauptung, daß von der Stadt„so viel für die Armen gethan würde". Die Sozial- demokrateil hätten diese Bestrebungen stets unterstützt, aber im Grunde wollten sie doch nicht Wohlthaten für Arme geben, sondern die Ursachen der Verarmung der arbeilenden Klassen aufheben.(Beifall.) Auf die Schulfrage eingehend, bemerkte der Redner, daß auch aus diesem Gebiete, trotz des freisinnige» Rühmens, vieles faul sei; er wies darauf hin. daß die Stadt für den Gemeindeschüler nur 53 M., für den Schüler der höheren Lehranstalten dagegen ca. 200 M. zuzahle; hier läge Verantwortlicher lliedakteur: Fritz K«»ert, Schöneberg-i eine offenbare Bevorzugung der besitzenden Klasse vor: auf Kosten der Gesammtheit würde den Kindern der Bourgeoisie die an sich ja sehr wünschenswerthe Möglichkeit zu höherer Ausbildung gegeben, die»ach unserem Willen allen befähigten Kin- der», auch den ärmsten, freistehen müsse. Aber dafür sei die Majorität im Rothen Haufe nicht zu haben; unsere Forderungen: freie Lieferung der Lehrmittel, Frühstück für arme Kinder, Be- feitigung der fliegenden Klassen, Oeffnung der höheren Schulen auch für arme Kinder». s. w. würden immer zurück- gewiesen. Aber für andere, nach Meinung weitester Volks- kreise vollkonimen überflüssige Zwecke, da hätte die städtische Ver- waltung immer noch Geld übrig gehabt. Nachdem Genosse Borg- mann dann noch die Ste»erfrage eingehend behandelt und besonders unsere Stellung zur Mieths- und Gewerbesteuer erläutert hatte, wandte er sich zur Kritik der bestehenden Ver- kehrsverhältnisse. Hier müsse energisch eingegriffen und der Ausnutzung städtischer Straßen und Anlagen durch einige große kapitalistische Gesellschaften ein Ende de- reitet werden. Wenn Gas- und Wasserwerke in Regie der Stadt gediehen, dann könnten es auch die Verkehrs- anlagen. Freilich müsse man nicht auf eincmjlStaiidpiinkt stehen wie der bisherige Stadtverordnete des Bezirkes, der gemeint habe, man dürfe'den Zehnpfennigtarif auf der Pferdebahn nicht einführen,„w eil dann die Wagen noch voller würden und man an den H a l t e st e l l e n noch länger warten müßte!"(Schallendes Gelächter.) Ein frischer Geist müsse in die Stadtverwaltung einziehen, und wie hier große Gesichtspunkte nöthig seien, so auch bei der Frage der Eingemeindung der Vororte. Der Redner zeigte, wie auch hier die Sozialdemokraten den einzig richtigen Standpunkt ein- nehmen. In der Diskussion wies Roseuthal nochmals auf die Schulverhällnisse hin. Dann suchte ein junger Mann, der sein Aller offenherzig auf neunzehn Jahre angab und sich als Ver- treter der freisinnigen Volkspariei einführte, in recht unglücklicher Form die von Borgmann als passabel vernünftig bezeichnete „Volks-Zeitung" zu desavouire»; es erregte nicht geringe Heiter- keit in der Versammlung, als er behauptete, er träte„nun auch schon 19 Jahre das Berliner Pflaster und kenne demnach die Verhältnisse". Nachdem Borgmann ihn mit einigen schlagenden Witzen abgeführt hatte und die Diskussion noch niehrere be- achtenswerthe Punkte berührt hatte, nahm der Kandidat des Bezirks, Genosse M i l l a r g, das Wort, um sein Programm kurz vorzulegen; jedenfalls gedenke er, wenn die Wahl aus ihn falle, es nicht zu machen, wie die Freisinnige», die sich zivar wählen ließe», aber dann 6 Jahre laug ihren Wählern keine lllechenschaft ablegte». Ter Freisinnige Jacoby tadelte in scharfen Worten ebenfalls das Benehmen seiner Partei- freunde und meinte, einem echte» Volksvertreter würden die Stimmen aller Wähler znsalle», ob er Sozialdemokrat sei oder nicht. Borgmann stellre demgegenüber nochmals unsere prinzipiellen Anschauungen fest und erklärte, daß es uns nicht um Slimnienfang zu thun sei. Folgende Resolution wurde einstinnuig angenommen:„Die heutige Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Stadtverordneten Vorgmann durchweg einverstanden und ver- spricht, mit aller Energie für die Wahl) der sozialdemokratischen Kandidaten zur Stadtverordneten-Versammlung einzutreten." Die Telegirte» des Fachvcrcins der Mnsikinstrnmcllte»- Arbeiter waren am 31. Oktober im Saale von Rautenberg, Ornnienstr. 180, zahlreich versammelt, um über die Arbeits- niedcrlegung der Kollegen der Pianofabrik von Steuer u. Comp., Krautsstr. 52 und über die llnterstützungssrage bei ferneren Streiks Beschluß zu fassen. Wustrow gab den Bericht der Agitations- und Werkstatt-Kontrollkemmission, worin er die Er- folge schilderte, die durch die Thätigkeit der beiden Komn>issione» schon erreicht worden sind. In mehreren Fabriken sind Lohn- sordcrungen durchgesetzt worden und nur zwei Fabrikanten haben es zum Ausstand kommen lassen, der indeß infolge der Ein- müthigkeit der Kollegen nur einige Tage dauerte. Die Arbeits- niederlegung in der Pianofabrik von Steuer u. Comp, wurde für gerechtfertigt anerkannt und den betheiligte» Kollegen die Unter- stützung des Vereins zugesichert. Wegen der Unterstützungen wurde von sämmtlichen Redner» die Gründung eines Streik- fonds gefordert, damit derartige kleine Streiks von der Organi- sation geführt werden könnten. Vlossies beantragte, daß von jetzt ab bis Weihnachten jeder Kollege 50 Pf. zu zahlen habe, wovon alle i» den Streik tretenden Kollege» unserer Branche unterstützt werden sollen. Der Antrag wurde gegen 6 Stimmen angenommen. Der Vor- sitzende Drabnik theille daraufhin mit, daß vom Verein Sammelliste» zum Streikfonds ausgegeben werden. Diese werden an die Werkstatt- Delegirten nur nach Vorzeigung der Delegirtenkarte verabfolgt. Mit den Listen muß jede Woche ab- gerechnet werden und s ä m m t l i ch e Kollegen habe» darauf zu achten, daß ihnen die Quittung über die abgelieferten Gelder gleich vorgezeigt wird.— Es fehlten die Delegirten dcriFabrikcn von O. Köhler, Kula, Otto, Hause», Hoffmann, Nenseld, 5�»k- mann, Laurinas». Ko.\ In einer Volksbcrsammlung i» Wcisicnscc hatte da� Delegirte Schilling aus llieinickeudors in seinem Bericht über" den Breslauer Parteilag bedauert, daß sowohl in dem im„Vor- wärts" erschienenen Parteitags- Bericht wie auch im Parteitags- Protokoll die Begründung seines Antrage?, daß Versammlungs- reserenle» am 1. Mai riiienigeltlich zu arbeite» haben, falsch wiedergegeben sei, so daß es de» Anscheiir gewinne, als habe er gegen seinen eigenen Antrag gesprochen. Wenn er auch eine Böswilligkeit des betreffenden Berichtersiallers nicht an- nehme, so prolestire er doch gegen eine solche grobe Fahrlässig- keit. Wir halten zu diesen Auslassungen bemerkt:„Wenn Schilling's Aeußerungen zn deni ltlntrage in dem uns aus Breslau zugegangenen Bericht unzutreffend wieoergegeben waren, so hätte er eine Berichtigung einschicke» sollen; dann wäre es auch mög- lich gewesen, die betreffende Stelle im Protokoll zu berichtigen. Den Vorwurf der„groben Fahrlässigkeit" müssen wir übrigens auch namens unseres Parieitags-Berichterstatlers zurückweise». Die ungcblich ungenaue Wiedergabe von llteden beruht nur allzu oft auf unklare Ausdrncksiveise der betreffenden Redner selbst. Dann sollten die Genossen doch auch bedenken, daß über die Reden, die nachmittags in Breslau gehalten worden sind, schon am nächsten Morgen im„Vorwärts" berichtet wurde. Daß da Jrrthümcr mit unterlaufen können, liegt doch ans der Hand. Statt daß die Genossen nun mit ihren Beschwerden i» Versammlungen hausiren gehen, hätten sie, wie schon angedeutet, vernünftiger gethan, für das Protokoll Berichtigungen einzusenden." Zu dieser Bemerkung sandte uns Genosse Schilling eine Be- richtigling, die ivir hier wörtlich folge» lassen, einerseits, damit er nicht sage» kann, er sei im„Vorwärts" nicht zu Worte ge- kommen, andererseits um den Genossen in diesem einen Fall ein Urthcil zu ermöglichen, das für die meisten der so zahlreiche» Klagen über„ungenaue Berichterstattung" zutreffen dürfte. Die Schilling'sche Berichtigung lautet: „In der Nr. 260 zweite Beilage des„Vorwärts" vom Mitt- woch, den 6. November 1895 befindet sich der Versanimlungs- bericht betreffs Berichterstattung vom Brcslauer Parteitag, der am 2. d. M. in Weißensee im„Prälaten" von»achstehendein ge- geben wurde. Im zweiten Absatz fünfte Zeile von oben heißt es:„Wenn Schilling's Aelißerungen zu dem Antrage in dem uns aus Breslau zugegangenen Bericht unzutreffend wiedergegeben waren, so hätte er eine Berichtigung einschicken sollen, dann wäre es auch möglich gewesen, die betreffende Stelle im Protokoll zu berichtigen." Zur Sache selbst muß ich be- merken, daß nach Fischer's Ausführungen auf dem Parteitag möglich! so viel wie nichts beißt!— Weiter erkläre ich, daß ich nach meinem Dafürhalten nicht mehr in der Lage war, eine Berichtigung init Erfolg ein- senden zn können, wie ich nachstehend zu beweise» glaube. Am jerliu. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in B Freitag, den II. Oktober, nachmittags, kam ich erst zum Worte resp. zur Begründung des Antrages 87. Am Sonnabend, de» 12. Oktober, mittags, wurde der Parteitag geschlossen, so daß icd also erst an, Sonntag, den 13. Oktober, Gelegenbeit batle, mich von der Wiedergabe meiner Ausführungen im„Vorwärts" zu informiren; ich nahm sofort Rücksprache mit mehrere» Genoffen über die Aussührungen des Antrages 37 im„Vorwärts", und wir wurden uns dahin schlüssig, daß die Einsendung einer Berichtigung keinen Zweck mehr haben könne, erstens weil das Protokoll gar zu gleicher Zeit mit der Zeitung am selben Tage gesetzt wurde, zweitens nahmen wir auch an. daß das Protokoll die Ausführungen richtiger bringen würde, wenigstens ausführlicher als der„Vorwärts". Außerdem muß ich erklären, daß ich nicht gewillt war, meine Aussührungen erst nachträglich mit der Feder zn machen, wie das von vielen geschehen ist, sondern verlangte das von dem betreffenden Berichterstatter des Parteitags, der dazu beauftragt ivar. Weiter wird gesagt:„Ten Vorwurf der groben Fahr- lässigkeit müssen wir übrigens auch namens unseres Parteitags- Berichterstatters zurückweisen." Das mag die Redaktion thun, aber die Meinung der Parteigenossen wird sie damit nicht aus der Welt schaffen. Weiter wird gesagt:„Die angebliche un- genaue Wiedergabe von Reden beruht nur allzu oft ans unklarer Ausdrucksweise der betreffenden Redner selbst." Daß vorstehendes nicht zutrifft, werde ich sofort beweise». indem ich meine Aussührungen, die ich auf dem Partei- lag über Autrag 37 gemacht habe, hier folgen lasse. Muß jedoch hier noch vorausschicken, bevor ich zum Wort kam. mclvete sich Genosse Bebel zur Geschäftsordnung und sagte, der Antrag wäre anzunehmen, aber?— Wie wird's am 1. Mai werde», wenn einer oder der andere sagt, daß er keine Zeit habe? Ich lasse nunmehr die Begründung meinerseits über Autrag 87 folgen, ich sagte: Parteigenossinnen»nd Genossen, wenn Genosse Bebel schon auf dem Standpunkte steht, daß die Sache so liegt in unserer Parle!, dann selbstverständlich muß ich das bedauern. Weiter sagte ich: Wir wären nicht dazu gekommen, einen derartigen Antrag zu stellen, wenn wir nicht gerade in unserem Kreise die Ersahrung gemacht hätten. daß einzelne Pers onen daraus suchte» ein Geschäft zu machen, daß sie an dem Tage drei und vier Versammlungen abHallen und sich in jeder Versammlung so bezahlen lassen, daß dieses zu- sammen ein anständiges Wochenlohn ergiebt. Wohingegen gar doch der einzelne Arbeiter viel größere Opfer zu bringen hat, indem er an dem Tage seinen Arbeits- vcrdicust einbüßt und die Sache noch pekuniär fördert, also sozusagen doppelt für den Zweck der gute» Sache eintritt. Jedoch will ich den Antrag dahin erweitern, daß die belreffenden „Referenten" am 1. Mai ihre pekuniären Auslagen ersetzt er« halten. Aus all' diesen angeführten Gründen ersuche ich den Parteitag, unseren Antrag anzuuehmen.— Dieses waren meine Ausführungen über den Antrag 87 der Maifeier und überlasse es nunmehr den Genossen, sich selbst ihr Urtheil über diese lendenlahme Vertheidigung der Redaktion, die da spricht, daß die Delcgirlen in den Versammlungen mit ihren Beschwerden h a u s i r e n gehen, wo sich die Redaktion vielleicht sehr gut drauf versteht! Was allen Anschein erweckt Z Selbst zu bilden und zu urlheilen." Zu dieser Erwiderung Schilling's bemerken wir nur, daß das Protokoll über den Parteitag erst zwölf Tage nach Schluß des Parteitages erschienen ist, Schilling also noch vollauf Zeit zur Berichtigung gehabt hätte. Wenn er eine Aussührungen für to wichtig hielt, um aus deren ver- kürztcr Wiedcrg abe einen schweren Vorwurf herzuleiten, so hatte er selbst die Pflicht, dem„Vorwärts" eine Berichtigung zuzu» senden, die dann selbstverständlich sür das Protokoll benutzt worden wäre. Im übrigen bestärkt uns seine heutige Zuschrift in unserer ursprünglichen Vermulhung, daß seine Ausführungen in Breslau unserem Berichterstatter schwer verständlich waren. Eiiigekanfcne Druckschrift«». Soiiitltxrnohvnt. Ze»tral-Woche»l>latt der sozwldemokralilche» Partei Teallchlaiids ttkrpedttioii in Berlin LXV., Beuthsirabc 3). Tie Nr. tt hat folgenden Jnliali: Wochenschau.— Englische Plnterton'S.— Aus dem Reiche des Zaren.— Die Kiiiisilcr unter der ttonnnune.— Die Sogaldemo- lraiie und die jüdischen Arbeiter.— Parteinachrichten.— Wie man UNS de- handelt.- Todtcniifle. Die Pelilion der Bäcker an den deutschen Reichstag.— Ueber die Ruhe- tagSpolittl der Bahnverwallungen.— Woher stammt die Bezeichnung Boykott?— Arbeiterorganisationen.— Arbetterchnh.— BermischieS.~ Literarisches. Von der Zeit"(ElnUgart, I. H. W. Dietz' Verlag) ist soeben da» o. Hesi drS I«. Hahrganges erlchtencn. Ans dem Inhalt hebe» wir hervor: Ter SsptcmberlnrS.— Der BreSiaucr Parteitag und die Tatiit>n den Landlagen.— Die böhmische Frage. Von Gustav Poliaischek.— Die BnSianer Agrar- R esolution. Von Eduard David.— Die BrcSlauer viesolutiv» und ihre Kritik. �Von K. nautSli).— Notizen.— Feuilleton: AuSgestohen. Novelle von Erich Schiailjer. Vo» der Wiener Wochenlchrift..AU Zeit" ist soeben daS 37. Hest erschienen. AuS beul Inhalt desselben beben wir hervor: Die erste Enischeidnng. Von<3-— Banhelemy-St. Hilaire und der Krieg von 1870. Von Karl Blind.— Ersah von Bergschäden an Arbeiter. Von Dr. Jultn« Osner.— Die neueste ArbeUerschutz-Gesrtzgebung England?. Bon Dr. Joseph Redlich. — DaS philosophische Staunen. Von Prosessor W. Jernsalem.— Neue sranzöfilche Lyrik. Von Edmond Pilo».— Hllberseidlreiven. Bom Hos- schauspieier Konrad Dreher.— Drei Rezepte. Bon Olto Julius Bierbaum. —»3>lchcn".— Bon Oikar Blnmenlhal»nd Paul Lindau.— KüustierHauS. Von Hermann Bahr.— Tie Woche.— Bücher.— Revue der Revuen— „ Das Märchen der tili. Nacht. Von Hugo von HosmannSIhal. Vevulifchkes. Wie der adelige T'hcatcrilltcndant den Redakteur ans einer bürgerliche» Zeitung hcransbcifft. Ans Weimar, 3. November, wird der„Frnnlsiirler Zeiiung" berichtet: In den hiesigen„Neuesten Stachrichten" erzählt der frühere Re- daktenr der hier erscheinenden Zeitung„Deutschland", Paul Böhler. den Hergang seiner plötzlichen Entlassung als Redakteur dieses Blattes. In mehr als einer Beziehung ist diese Dar- slellung auch für weitere Kreise von Interesse. Böhler halte in „Deutschland" beim Weggang des Kapellmeisters Richard Strauß der Verniulhung Ausdruck gegeben, daß dies vielleicht mit aus die Fran des früheren Intendanten, Jngcborg v. Bronsart, zurück- zuführen sei. Ter Intendant v. Bronsart schrieb darauf an den Verleger von„Deutschland", Oberst z. D. Pause, etucn Brief, in dem er für die„schwer beleidigte Ehre" seiner Fran Genug- thnnug verlangte, die entweder durch Entfernung des Redakteurs Böhler oder durch einen Kugelwechsel zu erfolgen habe. Es erschien auch in der Wohnung des Obersten z. D.'Pause, der sich um die Redaktion der Zeitung„Dentschlands" übrigens gar nicht kümmert. Gras Bothmer als offizieller Kartellträger mit dem Entweder— Oder. Oberst z. D. Pause gab darauf Herr» v. Bronsart das ehrenwönliche Verspreche», den Redakteur Böhlcr zu entlassen, falls er noch etivas gegen Herrn v. Bronsart und seine Leute schriebe. Als Böhler ans dem Sommerurland zurückkehrte, theilte ihn, Oberst z. D. Pause mit. daß er ihm kündigen müsse. Böhler nach einigem Zögern miltheilend, daß v. Bronsart(der, wie bekannt nicht«»ehr Thealerleiter ist) seine Entlassimg fordere. Einige Tage darauf drückte Graf Bothmer in einem Schreiben seine Verwunderung aus. daß Böhlcr immer noch als verantwortlicher Redakienr zeichne, und kategorisch wurde dessen sosvrlige Entlassung ver- langt. Noch an demselben Tage mußt« Böhlcr die Redaktion niederlegen. In dem. wie Böhlcr sagt,„von lobenden Attributen ordcutllch wimmelnden Attest", welches Oberst z. D. Pause bei Böhler's Weggang diesem ausstellte, befindet sich folgende Stelle: „Wir bekliigc», daß durch einen Konflikt mit der LeUmig des Hosthealers Böhler's Entlassung nöthig wurde." Pariser Wcltansstclliing ISOtt. Die Garantie für die Errichtung der Gebänlichkeileii der Weltausstellung von 1900 in der Gesamnilhvhe von 65 Millionen ist nun definitiv gesichert. Die Regierung wird daher demnächst das diesbezügliche Gesanimtprojekt, welches die Erinächtigiing zur Ausgabe von Bous und eine Kreditforderung von Li) Millionen »mfaßt, dem Parlament unterbreiten können. i. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. 2. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 36S. Freitag, de» 8. Uavembrr 1898. 12. Jahrg. Linkerin ncnesten Lines. Ottober. 1. Rudolstadt. In der Berufungsinstanz Genosse Hof- III nun- Saalfeid wegen Beleidigung eines Hauptmanns 100 M. Geldstrafe. L. Chemnitz. Genosse Hafner wegen Verübung groben Unfugs— Plakat anheflens— 20 M. Geldstrafe. * Nürnberg. Sechs Wochen Gefängniß Genosse O e r t e I wegen Beleidigung des Magistrats. 2. Frankfurt a. M. Wegen groben Unfugs(Boykott- auffordcrung) Genosse Meyer 4 Wochen Haft. „ Zwickau. Wegen des gleichen Vergehens Genosse Gold- stein Ivo M. Geldstrafe. „ Lderberg. 15 M. Geldstrafe Genosse Baum wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz. S. Stettin. Von der Slnklage der Majestätsbeleidigung Ge- nosse Herbert freigesprochen. Nürnberg. S1 Mitglieder des Frauen- und Mädchen» Bildunge vereins eine Gesammt.Geldstrase von 271 Mark U'egen Vergehens gegen das Vereinsgesetz. Halle. Genosse Jllge wegen Majestätsbeleidigung 5 Monate Gesängniß. 4. Karlsruhe. Je 15 M. Geldstrafe die Genossen Rein- s r i e d, Marx und Schau felberger wegen Ver- vcheiis gegen das Vereinkgcsetz. „ Frankfnrt a. M. Wegen groben Unfugs, Boykott- anfforverung, Genosse Schmidt 4 Wochen Hakt. Ju der Revistonsinstanz Genosse Trompeter wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz 25 M. Geldstrafe. 5. Altona. Die Tischler Schutt, Strack und Maaß von der Anklage der Majeslätsbeleidignng freigesprochen „ Lörrach. Von der gleichen Anklage Genosse Schau freigesprochen. Berlin. Wegen dergleichen Strafthat Genosse Roland k> Monate Gefängniß. 8. Leipzig. 3 Monate Gefängniß der ausständige Maurer Keller wegen unbefugten Betretens des Baues. „ Nürnberg. Genosse Segitz wegen Führung des Titels „Arbeilerjelretiir" 30 M. Geldstrafe. „ Osscnbach. Wegen Beleidigung eines Kirchenchors Ge nosse Bender 50 M. Geldstrafe. . Breslau. Je 15 M. Geldstrafe die Genossen Zahn und S ch n tz wegen Veraustallung einer öffentlichen Kollekte. „ 300 M. Geldstrafe Genosse R e u k i r ch wegen Beleidigung des Ministeriums. 0. Dresden. Genosse Fleißner aus Pirna wegen Beleidigung der Amlshauptmannschaft und des Amlsgerichls in Pirna 6 Monate Gefängniß. . Stade. Wegen voizeitiger Veröffentlichung eines Theiles einer Anklageschrift Genosse Kaufmann 15 M. Geld strafe. „ Harburg. Genosse Martens wegen Beleidigung in 2 Fällen 35 M. Geldstrafe. 13. Tora». 15 M. Gelbstrafe Genosse Rücker t wegen Ver gehciis gegen das Vereinsgesetz. „ Tnisbnrg. Wegen Majestälsbclcidigung GenosseHensgen 2 Monate Gefängniß. „ Dresden. Genosse Lungwitz aus Pieschen 2 Tage Haft wegen Ungebühr vor Gericht. „ Merseburg. Wegen Beleidigung eines Polizeibeamten der Lohgerber Schmidt 6 Wochen Gefängniß. Autrag 1 Jahr und 14 Tage. II. Berlin. 50 M. Geldstrafe Genosse Stadthagen wegen Beleidigung der Gemeindevertretung in Friedrichs Hägen. 12. Leipzig. Von der Anklage, den Herrn Seiler in Dessau beleidigi zu haben, Genosse Jllge freigesprochen. 1 1. Augsburg. In der Berufungsinstanz 5 Genossen(Boykott- kommissioii) wegen Verübung groben Unfugs je 20 M Geldstrafe. „ Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse Diehl in Burgstädt wegen Beleidigung der Amlshauptmannschasl 4 Monate Gesängniß. „ In gleicher Instanz Genosse B r e c o u r- Kiel 3 Wochen Gefängniß wegen Beleidigung der Kanalkommisston. Vuitz dev Jugend/) Jede Errungenschast, ans welchem Gebiete es auch immer sei, hat ernste Vorarbeiten zu Trägern. Es fällt keine Eich' auf den ersten Streich, das haben auch diejenigen erfahren, denen eine proletarische Jugendliteratur als Nothwendigkeit er- schien. In den letzten Jahren ist im sozialdemokratischen Verlag manch Büchlein erschienen, das auch die jüngsten Herzen des arbeitenden Volkes mit Klassenbewußtsein ersüllen und die gar so unmoralischen Märchen ersetzen sollte. Aber wenn auch manche Gabe darin aus verständigem und wohlmeinendem Herzen gegeben war. so war doch der ganze Versuch bis jetzt als nicht gelungen zu bezeichnen, und die un- moralischen, nicht bearbeiteten Märchen behielten die Oberhand. Wieder naht des Jahres Wende und der Weihnachtsmann, dieser große Zauberer, der ganze Straßen in blinkende Pracht taucht, um verwöhnte Herzchen zu befriedigen, hat auch für die Kinder des Proletariats eine Gabe in seinem Sack und legt sie zur Prüfung in unsere Hände. Ein schmuckes Buch, ans weißem Papier ein klarer Druck. Auf dem geschmackvollen Umschlag sehen wir ein liebliches Aschenbrödel, von Täubchen umgeben. Also wieder ein Märchenbuch für die Kleinen, denken wir und fangen an zu lesen. Das erst« Märchen: Wer zuerst zornig wird, befremdet sehr. Die Geschichte vom dummen Hans, der die Klugen überlistet, wird hier nicht ohne Humor variirt, aber das ist kein Humor für Kinder, und einige ziemlich geschmacklose Grausamkeiten könnten füglich ganz gestrichen werden. Mit leisem Zweifel lesen wir weiter. Aber unser Interesse und unsere Befriedigung wächst mit der Fülle des Gebotenen. Nicht gern unterbrechen wir die Lektüre, doch als wir einmal wieder das Titelblatt betrachteten, hat es sich in unseren Augen verändert. An stelle des kindlichen Aschenbrödels sehen wir eine ernste Frau, die klugblickeude Kornelia, die ihre heran- wachsenden Kinder in die Widersprüche des Lebens einweiht. Sie sagt ihnen auch, daß die Glückseligkeit Aller das Endziel des menschlichen Slrebens ist. daß wir aber erst am Anfang der Laufbahn stehu. und sie weist die Wege, welche einzuschlagen sind. In diesem Sinne möchte ich das„Buch derJugend" gelesen und gewürdigt wissen. Es ist eine werthvolle Gabe, die uns hier geboten wird. Naturwissenschasl und Kunstgeschichte. Kultur- bilder und bedeutungsvolle Lebenserinnerungen reihen sich an» einander. Sagen aus allen Ländern sind darin verflochten. Die Tendenz ist immer in das Gewand des rein Menschlichen gekleidet und ist in dieser Gewandung ihrer Einwirkung auf das Gemüth noch sicherer. Das Stosfliche ist gut. Die Form ist schön. ') Buch der Jugend für die Kinder des Proletariats. Herausgegeben von Emma Adler. Berlin 1835. Buchhandlung des„Vorwärts". Elegant gebunden 2 M. 14. Frankfnrt a. M. Wegen Beleidigung eines OrtS- Vorstehers Genosse Schmidt 300 M. Geldstrafe. „ Stuttgart. In der Revisionsinstanz Genosse Geiger wegen Beleidigung eines Redakteurs 100 M. Geldstrafe. 16. Leipzig. In gleicher Instanz Genosse Tau scher in Siutlgart wegen Gotteslästerung 3 Monate Gesängniß. * Dessau. Genosse Schwerdtfeger wegen Minister- beleidigung 100 M. Geldstrafe. 17. Dresden. In der Revisionsinstanz Genosse W e tz k e r wegen Beleidigimg eines Gendarmen 4 Monate Gefängniß. „ Freibnrg. Von der Anklage, groben Unfug verübt zu haben, Genosse Kräuter freigesprochen. 18. Langenbielan. Je 30 M. Geldstrafe die Genossen Feldman» und Kühn wegen Veranstaltung einer Kollekte. Sammlung für die Familien der Essener Ver- nrtheilten. , Saatfeld. Genosse W a g e m a n n wegen Beleidigung des Oberförsters in Sonneberg 15 M. Geldstrafe. „ Dresden. Wegen mehrfacher Beleidigungen Genosse Horn in Löbtau 10 Monate Gefängniß. „ Frankfurt a. O. Genosse Z a p p e y 2 Monate Ge säugniß wegen Beleidigung des Schöffengerichtes in Forst. „ Elberfeld. Wegen Beleidigung von Vorgesetzten des Heeres Genosse Gewehr 4 Monate Gesängniß. 10. Preuzlan. Genosse Z i s k e in Wriezen 3 Monate Gesängniß wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt. 20. Cffcnbnrg. 20 M. Geldstrafe Genosse S e y f r i tz aus Furtwangen wegen Beleidigung eines Wachtmeisters. 2l. Augsburg. Wegen Beleidigung des Vorsitzenden der Siadtgarieu-Gesellschaft Genosse Brcder 25 M Geldstrafe. 22. Breslau. 4 Monate Gefängniß Genosse Zahn wegen Atajestätsbeleidigung. Antrag 9 Monate Gesängniß. „ Crfnrt. Genosse Wiehle wegen Beleidigung des Staatsministers a. D. Lucius 50 M. Geldstrafe. „ Stettin. Wegen Verächtlichmachung von Slaatseinrich tungen Genosse N a l h u s i u s 50 M. Geldstrafe. „ Bremen. 4 Monate Gefängniß Genosse Holtmann wegen Beleidigung eines Zeugen. Letzterer war der An geber in einem Majeslütsbeleidigungs-Prozeß. „ Düsseldorf. Genosse Wessel wegen Beleidigung des Oberbürgermeisters 500 M. Geldstrafe. „ Jever. 14 Tage Haft Genosse Schicht in Bant wegen Beleidigung eines Gendarm. „ Stuttgart. Wegen Beleidigung eines Güterbeförderers Genosse H i l d e n b r a n d 50 M. Geldstrafe. 23. Essen. Der Redakteur der„Bergarbeiter- Zeitung", Genosse H u e, wegen Beleidigung des Ersten Staats anwalts 150 M. Geldstrafe. 24. 5licl. In der Bernfnugsiiistanz 14 Genössen aus Preetz von der Anklage, an einem nicht genehmigten Aufzug theilgenommen zu haben, freigesprochen. „ Königsberg. Genosse Lorenz wegen Beleidigung des Geueralkommandos, 60 M. Gelbstrafe. , Dresden. 7 Monate Gefängniß Genosse R e i ch e r s wegen verschiedener Beleidigungen durch die Presse. Erst innanzliches Urtheil 15 Monate Geiänguiß. „ Leipzig. Wegen Majestätsbeleidigung Genosse Weichelt in Würzen 6 Monate Gefängniß. „ Dortmund. Genosse Block wegen Beleidigung einer Zechenverwaltung 3 Wocken Gefängniß. 25..Hannover. 4 Monate Gefängniß Genosse Rauch wegen Majestätsbeleidigung. Antrag: 1 Jahr Geiänguiß. 26. Berlin. Wegen Ausreizung zum Klassenhaß Genosse R o h r l a ck 6 Monate Gefängniß. „ Altona. Dnrch Androhung der Sperre, wegen Er pressungsversiichs, der Buchbinder K a m m a n n in Hamburg 8 Tage Gefängniß. 28. Hannover. Bon der Anklage der Majestätsbeleidigung Genosse T h i e l h o r n freigesprochen. „ Neustadt a. H. Wegen Beleidigung eines Kaufmanns Genosse Stein 15 M. Geldstrafe. „ Berlin. Genosse G o l i b r o ck i wegen Preßbeleidignng 150 M. Geldstrafe. „ Hamburg. Bon der Anklage der Richterbeleidigung Ge- nosse Stempel freigesprochen. Aber die Form ist nicht immer gut gewählt. Sie geht oft weit Über das Fassungsvermögen Derjenigen hinaus, denen das Buch gewidmet ist:„der reiferen Jugend des Proletariats". Sätze wie:„Kant hat diesen Ausspruch aus Prinzipien a priori ab geleitel", oder:„Ein geringer Grad von Zivilisation entfernt die Menschen von der ursprünglichen Moral, und vieler Zivilisation bedarf es, sie wieder zurückzubringen", zwingen uns in diesem „Buch der Jugeiid" zu leisem Lächeln. Und sie stehen nicht vereinzelt. Auch ganze Skizzen verlangen zum Berständniß eine recht herangereifte Empfindung, und oft wird sich das verständig lesende Prolelarierkind hilfesuchend an Vater und Mutter wenden müssen. Aber hierin ist eigentlich ein weiterer Vorzug des Buches zu erblicken. Es wird in Proletarierkreisen von Hand zu Hand gehen, denn es bringt vieles und wird daher jedem etwas bringen. Den Erwachsenen die Kultur- und Sittenbilder, die naturwissenschaftlichen Unterweisungen, den Kindern die Märchen. der reiferen Jugend beides. Wir haben also nichts gegen einen über das bestimmte Alter hinausgehenden Inhalt eiiijuwenden, wohl aber gegen eine Form, die dem un- geschulten Geiste nicht zugänglich ist. Möge die zweite Auftage des Buches, die ja wohl der ersten bald folgen wird, in dieser Hinsicht eine verbesserte sein. Den einfachen, aber doch zu Herzen gehenden Ton haben jedenfalls am besten diejenigen Mitarbeiter getroffen, welcke dem Arbeiter- stände angehören. Nach ihnen sich zu richten dürste kein Fehler sein.— Bei den aus allen Landen gesammelten Märchen vermißten wir mitunter eine gewisse poetische Naivetät, die den eigentticden Reiz des Märchens aus- macht. Auch störte das häufig vorkommende häßliche Wort „Leiche". Bei Grimm heißt es: der Wols ist„t o d t". die Sites- mutler war„t o d t". Das ist etwas Unkörperliches und belastet das kindliche Gemüth nicht. Alles in allem genommen ist das„Buch der Jugend" ein großer Schritt weiter auf dein Gebiete der Jngendliteiatiir, und es ist eine vornehme Gabe, sür welche wir der Heran? gebertu dankbar sein müssen. Kunst und Lvistenschnft. Ein Bühnenstreik i» der„guten alten Zeit". Aus Friedrich Ludwig Schröver's Direktionsführniig des Hamburger Theaters sind zwei Schriftstücke, welche damals veröffentlicht wurden, auch heute noch von Interesse. „Es ist heute kein Schauspiel; weil, anstatt sich an die Obrigkeit zu wenden, wenn sie eine gerechte Beschwerde gegen mich haben, Herr King, Jungfer Jaime. Herr und Frau Reinhard, Herr Werty, Herr und Fron Braun sich weigeni, zu spielen, und das Bergungen des Publikums 23. Mainz. Der Tischler Weiler aus Henningen wegen Majestätsbeleidigung 3 Monate Gefängniß. 29. Langenbielan. Wegen Vornahme einer unerlaubten Tamm» lniig Genosse B ö l k e 30 M. Geldstrafe. „ Kassel. Genosse John wegen Privatbeleidigung 1 Woche Gefängniß. » Berlin. 3 bezw. 3 Tage Gefängniß die Genossen Räth er und N e u»i a n n, wegen Aufforderung zu? Arbeits- niederlegung und Verrufserkläriing. „ Wegen Mafestätsbeleidigung Genosse Pfund 6, Genosse D i e r l 9 und Genosse R a u t m a n II 12 Monate Ge- fängniß. 30. Erfurt. Von der Anklage, die Staatsanwaltschaft in zwei Fällen beleidigt zu haben, Genosse V i e r t e l a r z freigesprochen. „ Höchst a. M. Wegen Veranstaltung eineZ nicht er- laubten öffentlichen Auszuges Genosse Knoop au? Frankfurt a. M. 30 M. Geldstrafe. „ Stettin. Genosse Ohl wegen Verübung groben Unfugs 50 M. Geldstrafe. 31. Berlin. Von der Anklage der Aufreizimg zinn Klassenhaß, Genosse Schultz«, Königsberg, freigesprochen. „ Neu Münster. 50 M. Geldstrafe Genosse M e h r e n S wegen Beleidigung zweier Polizeibeamten. Jiisaesainnit wurde erkannt ans 2941 M. Geld- und 10 Jahre und 1 Monat Gesängnißstrafe. Der Parteivorstand. MiZzMude im Vaugemerbv Berlins. IV. In den baupolizeilichen Bestimmungen und zwar im§ 81 der Bauordnung steht:„Im Innern von Neubauten sind die Balkenlagen eines jeden Geschosses sofort nach ihrer Verlegung auszustaakeii, Treppen und sonstige offene Räume aber sicher zu überdecken oder zu umsriedigen." Gegen diesen Paragraphen wird auf den meisten Bauten gesündigt, wovon nur einige Beispiele. In einem Bau waren an verschiedenen Stellen zirka 1 bis 2 Quadratmeter große Löcher, die loihiecht durch alle Etagen gingen, weder abgedeckt noch gestaakt. Jni Seitenflügel waren die ganzen Leitergänge iveggenomme» und die freigeivordenen Balkenfclder standen offen und zeigten gähnende Abgründe. Im Vorderhans desselben Gebäudes war eine 15zöllige Wand liegen geblieben. Die Balken waren an dieser Stelle ca. 70 Zentiineler weit von einander entfernt und durch alle vier Etagen offen. Ein unachtsames Ueberlaufen der Balkenlagen konnte an diesen Stellen den zrgenl welche d in Fal" Loch jiiiiv ter aö oerbn alPed« kt, da' 2p Zentimeter Sturz in die Tiefe zur Folge haben oder dy Ursache konnte ein Stein oder sonstiger Ge kommen und einem zufällig unter einem der gehenden den Schädel oder das Rückgrat einem anderen Vau stellten die Zimmerlente auf. Die letzte Balkenlage war aber so schlecht die Entfernung mancher Bretter von einander 20 betrug und deshalb ein Mann leicht hindurch fallchi lonnlt. Eine Etage tiefer waren Maurer mit der AufsührunK Der Scheide» wände beschäftigt. Wie leicht könnte es da vorkommen,»aß ein Stück Werkzeug oder ein Stück des Vcrbandholzes dur» diese ungenügende Balkenabdeckung hindurch fiel. In der sdritten Etage hing ein etwa 5 Meter langes Schalbrett, das durch einen Drahtnagel an einem über die Balkonträger gelegte» Brett befestigt war und vom Winde hin und her geweht wurde; darunter arbeiteten die Steinträger, ohne irgend eine Schutzvor« richtung über sich zu haben. Ein allgemeiner Mißstand auf vielen Schwindelbauten, der zum größten Theil auf die Zahlungsunfähigkeit der betreffenden Unternehmer zurückzuführen ist, ist folgender. Man benutzt bekanntlich als Unterlage sür Feuerstätten Wellblech, das auf der einen Seite in der Mauer und auf der anderen in einem zu diesem Zweck eingelegten Träger ruht. Gewöhnlich ist es bei Verlegung der Balkenlage wegen Zahlungsmangels des Unternehmers noch nicht am Platze. Infolge dessen bleiben oft die 5—6 Meter langen und ca. einen Meter breiten Oeffnungen 3—4 Etagen über- einander offen stehen, ohne daß ein provisorischer Bretterbelag stören. Kehren sie nicht bis Montag zu ihrer Pflicht zurück, so soll dem Publikum die Ursache ihres Bersahrens dargelegt werden, welche kein Beweis von ewiger Dankbarkeit ist. deren mich die Mehresten unter ihnen wiederholt versichert haben. Hamburg, den 20. Okt. 1797. F. L. Schröder." „Herr Schröder hat sich erlaubt, gegen uns so eben eine Art Anklage vor das Piiblikuin zu bringen; obgleich wir nun völlig von der billigen Denkungsart und der Gerechtigkeitsliebe des Ham- burgischen Publikums überzeugt sind, so daß es uns nicht aus der ein- seitigen Anschuldigung des Herrn Schröder als Pflichtvergessene an» sehen wird, so halten wir es doch ans Achtung für dieses Publikum nothwendig, hiermit im voraus anzuzeigen, daß des Herrn Schröver's unregelmäßiges, nnerlaubtes und ungerechtes Ver» fahren gegen uns, in den ersten Tagen, wohl dokumentirt er» scheinen soll. Hamburg, den 20. Oct 1797. Karl Reinhard. Ch. Henriette Reinhard. Karl Braun. Karoline Braun. E. Jaime. I. Krug. Werdy." Es geht ans diesen Dokumenten nicht hervor, ob es„Lohn- streitigkeiten" waren, welche die sieben Künstler veranlaßt haben. unter dem Szepter des großen Tragöden zu streiken. Aus jede» Fall verdient die Solidarität, welche hier auf weiblicher Seite geübt wurde, Beachtung. Wenn die Polizei in der Kirnst zn bestimme» hat. Herr Emil Meßthaler, Direktor des neuen Deutschen Theaters in München, übersendet der„Franksurter Zeitung" folgenden Be- cheid, der ihm von der Polizeidirektion in Leipzig zugegangen: „Ans Ihr Gesuch vom 15. ds. Mts., betreffend die Aufführung der„Weber" von Gerhard Hauptmann, haben wir Ihnen fol- gendes zu eröffnen: Bereits im Mai dieses Jahres hatte Herr Karl Werkmeister, Mitglied des? ein scheu Theaters in Berlin, um Genehmigung zur Auffiihriina dieses Stückes hier gebeten. Der Rath der Stadt Leipzig und das iinlerzeichnete Polizei-Amt aber haben durch gemeinschastlichen Beschluß das Gesuch abgelehnt. Wenn nun auch in dem von Ihnen überreichten Exemplare einige Streichungen vorgenommen worden sind, so können diese doch nur als Regiekürzungen angesehen werden, so daß nichts geändert ist an dem Inhalt und der Tendenz des Stückes, die aus die Schilde« rung des Elends in den krassesten Farben und aus die VerHerr» lichung der rohen Geivaltthat gegen die besitzende Klasse und gegen die Staatsorgane gerichtet ist. Wir ind deshalb nicht in der Lage, den früheren, vorher erwähnten Beschluß zu ändern, und können Ihnen die Genehmigung zur Aufführung des Stückes hier nicht ertbeilen. Leipzig, am 21. Oktober 1895. Das Polizeianit der Stadt Leipzig. Vret- clpieider, Polizeidirektor." Rath und Polizeianit der Stadt Leipzig würden konsequent handeln, wenn sie auch die Dramen eineS gewissen Schiller auf die Verbrechen ansehen würden, die bei Hauptmann eine Rolle spielen. oder sonst eine Einrichtung getroffen ist, um daZ Hmnbstürzen der Arbeiter zu verhindern. Dieser Uebelstand wurde ans nicht weniger als 36 Bauten bemerkt. Auf 26 Bauten fehlte in mehreren Etagen der Balkeneinschub(Staake) gänzlich und auf 27 Bauten war die Balkenabdeckung eine derartig schlechte, daß es nicht viel besser war, als wenn die Balken ganz frei gelegen hätten. Diese Mißstände bemerkt man sehr oft von den belebtesten Straßen aus und es erregt nachgerade Ber- mmderung, daß ihnen von den überwachenden Polizeibeamtin so wenig Beachtung geschenkt wird. Die Treppenflur-Abdeckung muffen wir hier besonders be- handeln, um zu zeigen, wie groß die Gefahr ist, vie mit der mangelhaften Abdeckung der Treppeuflnre für die Arbeiter ver- Kunden ist. Da in Berlin meist massive Treppen in Anwendung kommen, die Ausmauerung derselben ge- wöhnlich aber erst vorgenominen wird, wenn das Haus gerichtet ist, so steht der hohle Raum, der für die Treppe bestimmt ist, oft wochenlang ohne jede Absperrung offen. Ist nun die Gefahr schon groß, wenn die Treppenflure mangelhaft oder durch mehrere Etagen nicht abgedeckt sind(wie in vielen Fällen festgestellt wurde), namentlich wenn noch Maurer aus der obersten Rüstung arbeiten müssen, so bedeutet es geradezu eine Prämie ans den Absturz eines Arbeiters, wenn Treppeuflnre durch mehrere Etagen oder vom Keller bis zum Dach weder abgedeckt noch die Tbüren und Zugänge versperrt sind. Wie leicht Unfälle in diesen Wolfs- gruben passircn, namentlich im Herbst und Winter, wo die Ar- bclter ineisr im Dunkeln die Arbeit vcrlnffen, zeigt die Unfall« ftalistik der Berufsgenosscnschaften. Diese legt dar, daß die meisten Unfälle kurz vor Feierabend vorkommen. Trotzdem nun die Ban-Polizeiverordnung für Berlin besagt, daß Treppen und sonstige offene Räume sicher zu überdecken oder zu umfriedigen sind, wurden doch 19 Fälle festgestellt, wo der Treppenflur weder abgedeckt noch versperrt war. Zu bewundern ist nur, daß bei solchen Zuständen nicht noch mehr Unglücksfälle vorkommen. Einem im Bauwesen Unbewanderten würden die Haare zu Berge stehen, wenn er sähe, wie die Arbeiter oft ge- zivungen sind, an solchen Abgründen zu Hantiren. Gvviclzks�Äeikttng. StaatSmiwalt, Anklagefall und Schwurgericht. In merkwürdiger Weise hat am Mittwoch ein Staatsamvalt in öffent- licher Gerichtssitzung für die Schwurgerichte propagirt. Ei» Ge« richtsberichterstatter meldet darüber: Eine verhängnißvolle Ohr- feige hat eine Anklage wegen Körperverletzung mit tödtlichem Aus- gange gegen den Arbeiter Max B a n i tz k i veranlaßt, über welche gestern vor dem Schwurgerichte am Landgericht I verhandelt wurde, Der schon mehrfach, auch mit Zuchthaus, vorbestrafte Angeklagte gerieth eines Abends in einem Gartenlokale in der Badstrnße mit einem Schuhmachergesellen Tbiele in Zwiespalt, der sich jedoch nur auf den Austausch einiger wörtlicher Beleidigungen beschränkte. Einige Stunden später traf er den Thiele vor dem Lokale mit mehreren anderen Personen an der Bordschwelle. Er trat auf ihn zu und schlug ihn mit den Worten:„Ah, da ist er ja, der vorhin solche große Schn.... gehabt hat", mit der Hand gegen die Backe in der Gegend der Schläfe. Der Geschlagene taumelte und siel rücklings auf die Bordschwelle, wo er bewußtlos und röchelnd liegen blieb. Man mußte ihn nach der nächsten Sanitätswache schaffen und dort zeigte sich, daß seine sofortige Ueberftthrung nach der Charitee dringend uoth- lvendig war. Er starb bald darauf, und zwar ist nach dem Gut- achten der Sachverständigen Medizinalralh Dr. Long und Prof. Dr. Slraßmann ein Schädelbruch die Ursache des Todes gewesen. Der Staatsanwalt verwies bei seinem Plaidoyer auf einen ganz gleich liegenden Fall, der Tags zuvor das Pots- damer Schwurgericht beschäftigt habe. Dort sei der Aus- theiler einer gleich verhängnißvolle» Ohrfeige freigesprochen wor- den und nach den Zeitungsberichten scheine es sol als seien die Geschworenen der Meinung gewesen, daß die Ohrfeige den Tod nicht unmittelbar veranlaßt habe. Sollte dies richtig sein, dann wäre dieser Fall nur Wasser für die Mühle der prinzipiellen Gegner der Schwurgerichte, dann würde er meine», daß hier ei» bedauerlicher Fehlspruch vorliege. Er beantrage das Schuldig im Sinne der Anklage. Rechtsanwalt Töffling forderte die Geschworenen auf, sich durch diese Kritik eines Wahrspruchs von Geschworenen nicht beeinflussen zu lassen. sondern nur nach bestem Wissen lind Gewiflen zu nrtheilen. Der Vertheidiger suchte dann die Möglichkeit nachzuweisen, daß der Berstorbcne infolge seiner Angctrunkenheit bei dem Angriff durch den Angeklgten gestolpert und dadurch der verhängnißvolle Fall auf die Bordschwelle verursacht worden sei. Die Ge- schworenen sprachen den Angeklagten unter Zubilligung mildernder Umstände schuldig und der Gerichtshof verurtheilte ihn zu zwei Jahren Gefängniß, Wir wissen nicht, ob die vorgesetzte Behörde des Staatsanwalts mit dcffen eigenarligem Plaidoyer in diesem Fall einverstanden ist. Nachtwächter- Prozeß. Bor dem achten Zivilsenat des Kammergerichts gelangte am Mittwoch der in weiten Kreisen mit Spannung verfolgte Prozeß zur Verhandlung, den der hiesige Nachtwächter August Nctsche Hierselbst gegen die Stadt gemeinde Berlin angestrengt hat. Es handelt sich dabei bekannt lich im» die Frage, ob die den städtischen Nachtwächtern anläß. lich des Uebergangs des Nachtwachtwesens auf die Schutzmamn schaft zu theil gewordene Kündigung und Entlassung rechts- verbindlich ist oder nicht. Der Vertreter des Klägers N. beantragte in Rücksicht auf eine dieser Tage gefällte Entscheidung des Reichsgerichts in einer ähnlichen Klage der Nachtwächter zu Magdeburg Vertagung der Sache bis zum Eingange des Wort- lauts dieser Entscheidung, welchem Antrage indeß der Vertreter der Stadtgemeinde mit dem Hinweise widersprach, daß die that- sächlichen Verhältnisse dort anders lägen als hier. Der Senat trat hierauf in die Verhandlung ein, erkannte jedoch heute noch nicht in der Sache, sondern setzte die Publikation der Eni- scheidimg aus den 16. November fest. VevsAmmlunüvn. Für den 3. Kominnnal-Wahlbezirr war am Mittwoch nochmals eine öffentliche Wählerversamnilung anberaumt. Sie wurde im Zubcil'schen Lokale abgehalten; Referent war noch- mals der Kandidat Genosse Antrick, der seinen Wählern in eindringlichster Weise die Nothwendigkeit der Verstärkung der Sozialdemokratie im Rothen Hause vor Augen führte und auf grnnd eines freisinnigen Wahlflugblattes die Praxis der Frei- sinnigen unter Beifall der anwesenden Frauen und Männer einer gebührenden Kritik unterzog. Die Versammlung erklärte sich schließlich mit dem Referenten vollständig einverstanden und verpflichtete sich, bei der Wahl im 5. Bezirk am Freitag für den sozialdemokratischen Kandidaten einzutreten. Hilfskräfte werden ersucht, sich im Lokal von Zubeil, Lindenstraße 106, einzuflnden. Der sozialdemokratische Kandidat für den 7. Wahlbezirk, Genosse Zubeil, hatte das Referat in der öffentlichen Komniunalwähler> Versammlung übernommen, die am 6. d. M. in der Viktoriabraucrei(Lützowstraße) abgehalten wurde. Die von Frauen und Männern gut besuchte Versammlung folgte mit großem Interesse dem ausführlichen Vortrage, worin der Kan- didat den Standpunkt, den unsere Genossen in der Stadt- vcrordneten-Versammlung einnehmen und damit den seinigen behandelte und zur Wahl eines Vertreters unserer Partei auf- forderte. Gegentheilige Ansichten traten in der Versammlung in keiner Weise zu tage und man versprach, für die Wahl des Ge- nossen Zubeil nach besten Kräften zu wirken. An die Genossen erging die Aufforderung, nach Möglichkeit bei den WahlaMiten zu helfen und sich zu diesem Zwecke am Freitag im Lola Zubeil, Lindcnstr. 106, einzufiuden. I« einer öffentlichen Sattler- Versammlniig, die unter großer Betheilignng am 6. Noveiiider bei Broch» ow in der Scbastianstraße tagte, gab Kollege P ö r s ch einen kurzen Ueber- blick über Verlauf und gegenwärtige Situation der Bewegung, die zur einheitlichen Regelung der Löhne für Militärarbeit unter- nomnien wurde. Aus Mittheilungen im„Vorwärts" sind dar- über die Leser schon untcrrichlet. Es sei daher nur kurz folgendes rekapitulirt: Elberfeld-Barmen waren die Orte, ivohin die meiste Militärarbeit gekommen war. Infolge dessen war es den dortigen Kollegen möglich, nennenswerthe Lohuerhöhunaen zu erreichen. Tie Berliner Kollegen versuchten ebenfalls, bei der günstigen Konjunktur einige Vortheile zu er- ringen. Hinsichtlich der ausländischen Arbeit gelang dies so ziemlich, anders verlief die Sache in Beziehung auf die deutschen Tornister. Die Fabrikanten sträubten sich, den Berliner Kollegen dieselben Löhne zu zahlen, wie die Elberfcld-Barmer Kollegen bekamen. Einige Ausbesserungen sind aber doch zu verzeichnen. Am hartnäckigsten stellte sich die Firma Scholz Nachfolger in Schöneberg. Sie habe unter keinen Umständen bewilligen wollen, nicht einmal die Berliner Preise, wie sie bei Loh z. B. gezahlt werden. Es kam infolgedessen vor vier Wochen zum Streik, von dem 42 Kollegen betroffen wurden. Bis jetzt wären der Firma 7 oder 8 Gehilsen beigesprungen, was aber durchaus nicht hinreiche, um die nothwendige Arbeit fertig zu stellen; in- sofern sei der Stand des Streiks bei dieser Firma nicht ungünstig. Um endlich zu einem Resultat zu gelangen, hätten sich die Schöne- berger Kollegen an das dortige Gewcrbcgericht als Einigungs- amt gewandt. In Elberfeld- Barmen seien nun inzwischen Lohnreduktionen vorgekommen, so daß die Preise für deutsche Tornister sich zum Theil niedriger stellen, als in Berlin. Hierdurch fei die zu Anfang der Berliner Lohnbewegung gestellte Forderung, wonach für deutsche Arbeil in Berlin derselbe Lohn zu zahlen wäre, wie ihn die Elberfeld-Barmer Kollegen bekomme», hinfällig geworden. In- folge dessen und in weiterer Erwägung, daß sich insgesammt 330 Kollegen in Deutschland im Streik befinden, zu deren Unter- stützung wöchentlich 4—3000 M. erforderlich sind, seien sich die Vertrauensleute dahin klar geworden, vorläufig von jeder weitereu Lohnbewegung Abstand zu nehmen und mit allen Kräften dahin zu agitiren, daß die gegenwärtigen Ausstände zum siegreichen Abschluß gelangen. Der Referent trat noch energisch einer Reih- von Vorwürfen entgegen, die der Agitations- und Lohnkommission bezüglich dieses Entschluffes der Vertrauensleute von einigen Kollegen gemacht worden sind; die Tadler gehörten erst kurze Zeit der Organisation an und seien somit nicht mit den prak- tischen und taktischen Gewerlschaftsfragen vertraut. In der Tis- kussion erklärten sich die Kollegen mit geringer Ausnahme mit dem Entschluß der Vertrauensleute einverstanden. In Beziehung auf die Treibriemen- Arbeiter beschloß die Versammlung folgende Forderungen an die Treibriemen-Fabrikanten zu stellen: „Der Minimallohn beträgt bei zehnstündiger Arbeitszeit wöchent- lich 24 M. Die Ueberstunden bis 10 Uhr abends sind mit 23 pCt., nach 10 Uhr mit 30 pCt. Lohnaufschlag zu bezahlen; die Arbeiter auf Montage erhalten, abgesehen von den Spesen. 30 pCt. Lohnaufschlag. Die Akkordarbeit ist abzuschaffen." Nach einmüthiger Zustimmung der anwesende» Treibricmen-Arbeiter wurde die Lohnkommisston beauftragt, diese Forderungen den Unternehmern vorzulegen. Zentral-Kranken- und Kesrnbntgkatr» sitr Franen und Mädchen in Senttchland.(C. H. Nr. 28.) VerwaUungsstelle Berlin III. Ter Orls- vorsitzends F. Tölz wohnt Ii. Bergstr. 79 v. St., die«affl erin Frau SS. Eruncwald Prinzen-Allee 7». Mtiftltcder werden bei beiden aufgenommen. Zentral-Kranke»-«nd Kegräbnihkalse tnr Lrane»»nd Mädchen tn Sentschland. Sesangverein N ord, Usedomstr. ZZ bei Olböter— Buchbinder- Männerchor. Holzmarlliir. s bei Deter.— Sesangrcr. Maiglöckchen I, Lindowerslr. 28 b. Each«.— Gemüthlichteit, Neue Frirdrichsnahe ii, bei Nöllig.— Tnbooraphia, Sesangverein Berliner Auchbrncker und Schrtslgießer, Cohn'? m-staurant(großer Saal). Bculhslr. 2v.— wesangverein Rheingold, Sollnowslr. 48 bei Mlegel.— lH-langv-reln M e l 0 d I a, Nlxdors, Bergslr. ,42 bei Echtmtäse.- Iris- ?!ausilmstraße 88 bei Fritz Zubeil.— Brandenburgir Männer- Wesa n gverein ln Brandenburg a. H., Menge«? VoUSgarleu, Bergsiraße.— Freie Liedertafel, Broße Franlsnrterstraße 74 bei Breuer.— Nordwacht, Ehaufseestr. 72 bei Meißner.— FretcSänger, Schmargendorf, Warncmünderftraße bei M. Schulze.— Arbeiter- Eesangveretn Sängcrtret» lWeißensee), Weißeuburger- straße und Sedanstraßen-Ecke bei Brenner».— Lorelei), Srün- Ihalerstraße 4 dci Hkmmerling.— Lnsttgi Sänger, Potsdam, Bran- ßindurger«ommunilalion t8 bei«laser.— Bteber'fcher Männer- _it, Mose, lhalersir. 87 bei Wers-au.—8 bei Stehmann.— Arbeiler-aelaugverein Nord, Beleranc»- slraße is, Restaurant. ftind der geselligen Arbrlterverein» Kerlin»»nd>l»,g«ge»d. »schriften sind zu senden an P. G- u t, TreSdeuerstr. 107— los, l. Eist. IV. Freitag: Claillub Uatro, abends 8 Uhr bei Fr. Bothe, Restauraleur, Ritterstr. 88.— MuNIverein Hoffnung, Eroße Franksurterstr. lzs bei Eold.— Loltertellub Fortuna, Eörlitzcrslr. 80 bei Siesvert. «rfang-, lßnr»-»nd grseltigr verein». Freitag. Quarletlvercin W e d d t n g, AbendS 8), Uhr, bei Schäfer, Neue Hochstraße 49.— Eesang. verein Hilaria. abends 8)( Uhr, Sitzung Blumeustr. 48 bei Tomascheck. — KarlhauS'scher Eesangverein. UebungSsiunde: abend« S Uhr bei Wtedemann, Blumeustr. 88.— githerllub„A l p e n g r u ß"(Dtrekltou A. Wollewitz), bei C. Äomoll, Waldemarstr. 88, abends 9»Hr.— Privat- Tbeni-rverein Crescendo, 9 Uhr, bei Schulz, Puibuserstr. 88.— Ber- gnüoungsvereln T h u sn e ld a, abend» 8); Uhr, bei Zubeil, Lindenstr. 188. — Mustlverein Hoffnung lOst), abesidS von 9— ll Uhr. UsbungSftuude Eroße Frantslirlersiratze 138 bei fflolb.— Tambourverein Fret-weg. UebungSsiunde bei Oberschmidl, WetnbergSweg ll.— Ztlhertlub W a I d r 0 f e. abends 9 Uhr, Aianleustelstr. 88, Parterre- Restaurant.— verein Wrün« Tanne, abend» v Uhr, bei Kaiser, MarluSstraße 8.— VergisügungSveretn Im Brand, Sitzung abends 9 Uhr bei Feind, Weinstr. N.— Eesang- verein der Bauanschläger Berlins, abend»» Uhr bei I. Wernau. Rosenihalerstr.«7.— Zilherllub Frohsinn, abends H Uhr bei Reich, Blumeustr. 32. Säste willloinmen. Für denJulinkt der Inserate über« nimmt die Redaktion demPnbiikni» gegenüber keinerlei Verautivortiing Theater. Freitag, S. November. Npernhans. Der Ring des Nike- liiiigen. Die Walküre. Kchanspielhan». Frauenlob. Der Diener ziveier Herren. Dentfche» Tlfrater. Die Mütter. Kerliner Theater. König Lear. Lefstttg-Tstratcr. Gräfin Fritzi. Frirdrich-Wilhelttistädt. Theater. Die Reise nach dem Mars. Ac«rs Theater. Seine Gewesene. Kchiüer- Theater. Der Raub der Sabinerlnnen. Nestdenz-Theatcr. Der Rabenvater. Vorher: Aber die Ehe! Adolph Ernst-Theater. Parade- bummler. Eentral-Theater. Eine tolle Nacht. Aleranderplah-Theater Die kleinen Lämmer. Vorher: Nummer 66. Uational- Theater. Das Käthcheu von Heilbronn. Theater Unter de» Linden. Die Karlsschülerin. Hieraus: Im Reiche der Mitte. Ameriran- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Ueichohallen-Theaker. Spezialitäten- Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitälen-Vor- ftellung._ Alexanderplatz-Theater. Alexanderstraße 40. Täglich abends 8 Uhr: Die Kleinen Lämmer. Vandeville in 2 Allen von Varncy. Vorher: Llummev NN. Operette in 1 Alt von Ofscnbach. Schiller-Theater. (Wallner-Theater.) Freitag: Der Uaub der Zabine- rinnen. Sonnabend: Der Rand der Sabi nrrinne». MionAl-Tkeatar. Gvosie FranKfnrterftraße lafc. Direktion: Max Sarnsl. Tolksvorstellung zu bedeutend ermäßigten Preisen. Gastspiel des Herr» Gostar Kriiger vom Hofthealer zu Brannschweig. Dlls Kilthchen von Hcilbronn. NomanlischeS Ritterschauspiel in 3 Akten, einem Vorspiel(11 Bildern) von H. von Kleist. Regie: M a x S a m st. Morgen:„Kabale und Liebe." Sonntag, nachmittags 2V2Uhr; Volks- vorstellung. Ein Voiksfelnd. Schauspiel in 5 Aufzüge» von Henrik Ibsen. Regie: Julius Türk. VivloriA-LrAuerei Eüt�ovktrasoo III UZ. Senk« Lroitag: Stktlim Sliiigcr (dleytzel, pieiro, Brilton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder) Ansang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf.(stehe Plakate). Sonnabend: Potsdam, Konzerthans. Cenlral-Thealer. Alte Jakobstr. 30. Emil Thomas a. G. Novität! Zum 65, Micke: Novität! Eiilk tolle Nicht. Große Ausstatlungsposse mit Gesang und Tanz tn 3 Bildern von Villi. Mannstädt und Jnlins Freund. Musik von Julius Einödshofer. In Szene gesetzt v. Dir. Eichard Sohuttz. Anfang VVa Uhr. zritM-WWlmWt. Theotcr 25/2(t Ghansteestraste 2'j 20, Jeden Abend 7Va Uhr: Gastspiel der I-illputaner. Vic Rtise vch Hm Mors. Sonnabend, nachm. 6 Uhr: Kchnee- wiktchen«nd die 7 Zwerge. Sonntag, nachmittags: Die Reif« nach dem Mar». Kinder nachmittags halbe Preise. tHloIIo-Thester Cremo's Tewtonenspiele. Mlle. Philo-Durand comique Excentrlques. The Wortleys phänomenale Lnltgymnastiker. Bella Rose. Miss Rosi Rendel. The Harweys- Familie Kräuael. Miss Ethardo. Roxsika Horwath. Heinrich Blanck, Mizi Schütz.\ Abbas-Mirza-Troupe. Kassen eröffninig 7 Uhr. Anfang der Vorslellung 8 Uhr. Adolph Lni8t.Theater. Zum 66. Male: Norodtbammler. Eesetzung der Eauptrollen: Anna Bäckers, Josefine Tora, Ida Schlüter, Adolph Ernst, Julius Eyben, Hugo Haßkerl, Richard Jürgas, Guido Tielscher, Karl Weiß, Georg Worlitzsch. _ Anfang VVa Uhr. WT" Kein Aufgeld."WS Morgen: Dieselbe Vorslellung. 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Protokoll des Breslauer Parteitages.....—.30 — Dasselbe, gebunden............ Tie Verhandlungen de»»grar-ProgrammS machen das Protololl zu dem bedeutsamste» der Partei. Csfener Meiueids-Prozest. 2. Auflage. Ter Essener UrtheilSspruch, nunmehr vom Reichsgericht bestätigt, wird imiuer wieder tn den Vordergrund deS öffentlichen Interesses gedrängt, fo daß elne Reu- Auflage nöthig wurde. Die Arbeiterin im Kampfe«msDafein.—,20 Preis 2,- — ,50 Porto —,60 -,10 -,20 ,15—,05 Koppenstr. 29, Louis Keller's Festsäle, Koppenstr. 29. Tottnabend, den 9. November: 34- Stiftungsfest des Eesang-Vereias„Lledesfreibeit I", Berlin (Mitglied des A.-S.-B.) Dirigent: Herr Rudolf Tlets bestehend in Gr. Vokal- it. Instrumental-Konzert u. Tanz. Komische Uorträge, ausgeführt vom Gesangshumoristeu Herr» Otto Koch. Zur Aufführung gelaugt: 65/19 „Sin takintsrnrSrcIrsn" von Heinrich Heine, init Orchesterbegleitung. Entree 25 Pf. Tanz 50 Pf. Anfang 8 Uhr. Ende k Arbeiter, Parteigenossen! 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Achtung! Zürß>vsi. Achtung! Heute Freitag, den 8. November, Abends 8-/, Uhr GvoHe öffenkli�e__ Volks Versammlung in Henke's Lokal, Nannynftraße 27. UerKiindnng der Stadtverordnetenwahl- Resultate. Um zahlreiches Erscheinen, auch der Frauen, ersucht 273/5 Bas Komitee. Ä 5. Wahlkreis. Äl Freitag, de» 8. November, abends 9 Uhr. im Lokal« des Derrn Buske, Grenadierstr. 33 s Tages-Ordnung: Derkündignttg des Mahlresnltats fämmtlicher Bezirke. 273/4 Bas Bomitee, Achtung! Achtung! Parteigenossen der Schönhauser Vorstadt. Montag, den 11. November 1895, abends 8'/- Uhr, im Verlinrr Vrertov. Kastanien-Allee 6—9: im» IS Tages-Ordnung: S13/7 I. Die Stellung der Mittelschichten zur gewerkschaftlichen und politischen Bethätiguna. Neferent Genosse Gtto Schmidt. 2. Diskussion. Zahlreiche Betheiligung der Parteigenossen erwartet Der Ginberufer. Achtung! Achtung! Grotze öffentliche"NJ UolksUersammlung am Montag, 11. Nov., abends 8 Uhr, in der�rvnellbrauerei, Alt-Moabit 47/49. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Wilhelm Liebknecht über: Die Hetze gegen die Sozialdemokratie. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. 219/6 Der Dertrauensman». Seffentliche sozialdemokratische Versammlong am Konntag, den 10. November 1895, mittags IVe Uhr, im Lokal des Herrn Voiwinkel zu N u in m e l s b n r g, Hauplstr. 83, für die Ortschaften rrleSriedsderg, Ltralaa, Kummelsburg-Loxdsgea und rrikSriodsleläe. Tages-Ordnung: I. Bericht des Genossen Sonnenburg vom Breslauer Parteitag. 2. Diskussion. 3. Bericht des Vertrauensmannes von Numinelsburg und Neuwahl desselben. 4. Wahl der Lokalkommission. 222/19 Zur Deckung der Unkosten Entree nach Belieben. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es durchaus nothwendig, zahl- reich zu erscheinen. Der Uertranensmansr. freie Vereinigung der Bauarbeiter Berlins. Sonntag, den 10. November 1895, vormittag» 10 Uhr, im Lokale des Herrn Wilke, Andreasstraste 26:_ MitgUeder-Uerjammimtg."MU Tages-Ordnung: l. Vortrag des Genossen Holtmann über:„Glaube und Vernunft." 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Gäite willkomme». Neue Mitglieder werden aufgenommen. 31/7 Um rege Betheiligung ersucht vor Vorstand. KrM bei Köllig, 42/6 Nrhlung! N öit u nri: Bktti» j. 1. Kltnch« Mer nf Silz-«. bkjchlistilitc» Arititcr nnii Kntsiin Berlins iinS Ilmzegni!. Sonntag, den 10. Uovesnber, nachmittags! 2'/- Uhr, Uesre Lriedrichstrast« 44: Uereins-Nersammwug. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Vereius- angelegenheiten. 5. Verschiedenes.— ÜB?" Gäste haben freien Zutritt. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht Der Norflaird. Beutsch. Schneider- n. Schneiderinnen-Verband (Filiale Berlin). am Sonntag, 10. November, it» der Berliner Ressource, Komuraildantenstr. 37. Brcsees Konssert, ausgeführt von der Hauskavelle unter Leitung des Musikdirektors Herrn C a in p i. Lesangsv-zriräge von eineni Quartett de- Kosaiigvereias,,75i>ogr»piiia" und des Konzerlsäugers Herrn Max�scdüigor. Deklamatorische Uorträge. Festrede. Nach dem Konzerl: Grosse» Tauxkränzclrnn. Herren, die daran theilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Kaffeepause 12 Uhr. Eröffnung 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Hcklsis ä 30 Pf. sind zu haben beim Kollegen Zander im Zentral- Arbcitsnachweis- und Auskunfls-Bureau, Alle Jakobstr. 83, Gartenhalle rechts, in säinmtlichen Zahlstellen, sowie bei den bekannten Kollegen und Kolleginnen. g Dir Sevolliniichtigten. �Ilgvmvinv Orts- Krattltknlillsse (früher Meyrr'sche Kasse). Sonntag, den 10. November, vor- mittags 10 Uhr, im„Englischen Garten", Alexanderstr. 27c: Kersamminng sämmrlicher Mitglieder, welche eine möglichst freie Arztwahl wieder ein- geführt wissen wollen. Tages- Ordnung: 1. Die am 18. Dezember stattfindende Delegirtrmvahl. 2. Diskussion. Bei der Wichtigkeit der Tages- ordnnng und dem Umstände, daß die Gegner der freien Arztwahl mit Hoch- druck arbeiten, um ihre Kandidaten und somit die bisherige Beamtenwirthschaft wieder durchzubringen, ist es Pflicht aller zielbewußten Mitglieder, zu er- scheinen. Es werden deshalb folgende Branchen nochmals aufgefordert, in obiger Versammlung zu erscheinen und ihre Kandidaten in Vorschlag zu bringen, wozu auch die Buchnummcr des Be- treffenden sehr erwünscht ist. Steiufeher, Steinmetzen, Kisteu- m ach er, Färber, Kürstrn- u. pinfet- macher, Klumen- u. Klätterfabri- Kation, puhfeder-Arbeiterinnen, Kilderrahmenmacher. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Alle Mann zur Stelle? Die 13er Kommission. 263/6' MeAlnkern, Schllissel'n, ertheilt Ingenieur billig Unterricht in Elektrotechnik. Off. H.K.lOO. Postamt 24. MMing-MMo. Schnlstr. 29. Todten-Sonntag, sowie mehrere Sonnabende zu vergeben. sI202b Während d.Boykottzeit auch freigcwesen. ArbeitNllrkt. Achiullg, Alllviertirbeiter! Die Kollegen der Pianofabrik von W. Steuer, Krautstr. 52, haben wegen Lohndiffercnze» die Arbeit niedergelegt. Nie Vorkstatt-HontrolNcolllmission. Mökelpolirer. In der Werkstatt von Ueradeck, Grlebenomstr. 3, haben die Kollege» aufgehört wegen Lohndifferenzen. Bilte dieses zu beachten. 145/19 Der Norstanb. Tüchtiger Mittlrer mit sauberer Frau für Portier-, Haus- und Hofreinigungsslelle im größeren Haus- u. Fabrikgrundstück z. I.Januar gesucht. Nur Leute mit besten Zeug- nissen, die gleicher Stelle vorgestanden, wollen sich Sonntag Vormiltag von 9—11 Uhr beim Verwalter Freund, Mühlenstr. 3, vorstellen. 3673L' Peitschenfabrik (Rußland), 15 Minut. v. d. Grenze, sucht tücht. erfahr. Werkmstr. Reise w. vergüt. Offert, an Gntke, Alte Jakobstr. 20, 1. Durchaus tücht. Werkz.-u. Maschinen- schlaffer w. verl. Off. m. Zeugn.-Äibschr. u. Lohuanspr. unk. v. 8. Postamt 13. 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November, abends 81/2 Uhr, im Lokal des �Mlili|utU Herrn Rautenberg, Oranienstr. 180. Tagesordnung: 1. Die wirthschaftliche Lage der Holzarbeiter. Referent Kollege VioSomann. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 78/17 Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Drechsler und Bürstenmacher sind besonders eingeladen. Restchliln miü Wchchr Wait. in Mörschels Salon, Schönhauser Allee 23. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Millarg über: Fortschritt und Armuth. 2. Diskussion. 3. Werkstattangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Alle Möbeltischler des Nordens werden ersucht, pünktlich zu erscheinen. auch nicht organisirte Kollegen haben Zutritt. Heute, Freitag, 8. Nov., abeuds 8'� Uhr, bei Brochuoiv, _ Sebastianstraße 39: pigF Nombinirke Sitzung der Ortsverwaltung und der Werkstatt-Kontrollkommission. befinden sich: Naunynstr. 66 bei Ltrolt. Grünauerstr. 3 bei vole. Görlitzer- und Sorauerstraßen-Ecke bei Volksäork. Pücklerstr. 55 bei Ledilllvg. Dieffenbachstr. 31 bei Vauls. Manteuffelstr. 69 bei LröSentelä.(Da- selbst befindet sich auch die Bibljo- thek der Drechsler.) Für den Mesten: Gneisenauftr. 35 bei Rose». Culmstr. 36 bei Raamann. Belle-Allianeeplatz 6 bei Qilscber. Für Friedrlchsberg: Friedrich-Karlstr. 11 bei Helnicke. Für Rnmmelsbnrg: Kant- und Türrschmidtstraßen-Ecke bei Lokrölisr. __ Jeden Sonnabend: Zahlabend."Öd Alle Werkstatt-Angelegenheiten sind zu melden bei dem Koll. Wiedemann, Annenstr. 39, auf dem Arbeitsnachweis, oder an den Vorsitzenden der Werlstatt- Kontrollkommission, Kollegen vrunsrt, Manteuffelstr. 64. Die vrisverwaltnng. Die Zahlstellen des Verbandes Für de» Uorden: Ruppinerftr. 44 bei Raabs. Tresckowstr. 24 bei Sodmidt. Lothringerstr. 67 bei vielro. Schwedterstr. 31 bei I-tabs. Müllerstr. 7a bei Gleinert. Bergstr. 60 bei Hilgenfeld. Thurmstr. 83 bei Holzbäclier. Birkenstr. 28 bei Buge. Für den Gsten: Friedrichsbergerstr. 19 bei Winkelmann. Blumenstr. 38 bei Wiedemann. Frankfurter Allee 90 bei Zabel. Koppenstr. 47 bei Lorenz. Langestr. 65 bei Tempel. Landsberger Allee 27a bei Lange. Für Süd-Sst: Cuvrystr. 25 bei Bebe. Rilterstr. 123 bei Stramm. Stellmacher Serlins! Sonntag, den 10. November, vormittags O'/a Uhr, in Gründet'» Festsäten» Srnnnenstraße Ur. 188: Vvtffeirtlivlhs IfersammSung, Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Bruno Pörsch über:.Die Bedeutung der Organisation." 2. Abrechnung und Neuwahl der Agitations- Kommission. 3. Werkstattangelegenheiten. Zu dieser Versammlung sind die Kollegen aus den Werkftellen von Reermann, Ditimann und der kgl. Hofwagenfabrik von Bd. Kttblstein eingeladen. 159/6 Die Agitations-Kommission. Deutscher Metallarbeiter-Verbund. Verwaltung Berlin Baten. Miiglieder- Versammlung am Sonnabend, 9. November, abends 8Ve Uhr, bei Birk, Straußbergerstr.s3. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten, Verschiedenes und Fragekasten._ 114 4 PG"r Gäste sehr willkommen. TBSB Um pünktliches Erscheinen ersucht Die Grtsverwaltnng. GM- Die Kollegen werden auf das am 16. November, abendS 9 Uhr. stattfindende F a m i l i e n k r ä» z ch e n bei N i e f t. Weberstr. 17, aufmerksam gemacht. B i l l e t s sind in der Versammlung, in den Zahlstellen und bei den Vertrauensleuten zu haben. Deutscher Metallarbeiter- Verband B i x«I o r t. Sonntag, den 10. November, nachmittags 3 Uhr, bei Herrn Kummer, Berlinerstr. 55: Versammlung."DD Tages-Ordnnng: 1. Vortrag des Kollegen P. Hoffmann über: Das Vertrauensmänner» System. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegeuheiten und Verschiedenes. Nach der Versammlung: Gemiithlichro Keifammensei» mit Tat«?. 114/3 Die Vrtsorrmattnng. Metallarbeiter! Sonntag, 10. November, vorm. 10 Uhr, im Lokal von Lohn(großer Saal), B e u t H st r. 20: Versammlung sämmtlicher Vertrauensleute der Metallarbeiter. Tages-Ordnung: Fortsetzung der Diskussion über: Der gegenwärtige Stand der Berliner Metallarbeiterbewegung und unser ferneres Vorgehen. Ber Vertrauensmann der Berliner Metallarbeiter* 116/8 Otto Kaether, N., Änklamerstr. 44. Sozialdemokratischer Wahlverein für Teltow- Beeskow- Charlottenburg. 6* Skiftungs Feist S o n ii a 1) e ii d, den 9. November 1895, im Lokal„Bismarcksliöhc'-, wrmersdorferstraase No. 39. IConsert.— lfort:ff*äge. Festrede, gehalten von W. Liebknecht. Billets zu 30 Pf. sind zu haben bei dem Hilfskassirer und bei sämmt» lichen Vorstandsmitgliedern.— Freunde können eingeführt werden. Anfang 8 Uhr Abends. Kasse'findet nicht statt. 152/4 Ber Vorstand. R. BUSke(seefeid) Kaiser Wilhelmstraße 18M, 2. Eilig. Grenadierstraße 33. vßi'JttJr' SiEMledl p öttjtlitii. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Knnert, Schöneberg-Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.