BERLIN Montag, 20. Februar 10 Pf. flr. 66 B 43 45. Jahrgang. E rsch e i o t t S g l i ch außer Sonutag«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts". Bezugspreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche, 3 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SWes.Lindenstr.s yy\jofU>W�6 Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis A? Wahlsieg der Linken in Hamburg. Die Sozialdemokratie behält ihren Stimmengewinn.— Stärkung der bürgerlichen Linken durch größere Wahlbeteiligung. Hamburg, 20. Februar. lEigenbericht.) Ter starke Erfolg der Hamburger Sozialdemokratie bei der Burgerschaftswahl im Oktober 1927. der eiueu Gewinn von 10 Mandaten brachte, hatte das Bürgertum in Angst und Schrecken verseht. Nachdem nuu durch das Urteil des StaatsgerichtshofeS nach wenigen Monaten eine Neuwahl erfolgten mußte, rannten die Rechts» Parteien mit den stärksten Mitteln gegen die Sozial- demokratie an, und agitierten unter dem indifferenten Bürgertum mit dem Ruf„Rettet Hamburg". Kein Mittel wurde verschmäht, um de« NichtWähler mit Schrecken vor der Sozialdemokratie zu erfüllen. Nicht geringer war der Ansturm von liuks, der von den Kommunisten mit jeder Sin altes Schildbürgerstücklein. Nachdem die drei Blockbünger längere Zeit beieinander gesessen konnten sie nicht mehr auseinander,«eil keiner feine Beine au« dem Haufen herausfand. Bis ein Mann mit einer peiische ihnen zu Hilf« »am, der schlug etlichemal kräftig auf de« Knäuel, worauf ein jeder von den Blockbürgern feine Beine sofort fand und sich schleunigst au« dem Staube machte. Lüge und veuleumdung geführt wurde. Diesem dereiuig» ten Ansturm gegenüber hat die Sozialdemokratie ihren starken Stimmengewinn vom Oktober 1927 gehalten. 173 338 sozialdemokratischen Stimme« der Wahl von 1024 sind jetzt auf 246 630 angewachsen, während im Oktober v. I. 247 469 Stimme« erreicht wurden. Infolge der verstärkten Agitation der bürgerlichen Parteien, durch die insgesamt 40 000 Stimmen mehr als im Oktober 1927 abgegeben wurden, ist die Vcrteilungszisser für die Mandate im Vergleich zu den lebten Wahlen größer geworden. Aufolgedesien bleibt die Zahl der soziald-mokratischen Mandate hinter der im Oktober erreichten Ziffer von 63 um 3 zurück. Ten stärksten Anteil an der gesteigerten Wahlbeteili- gung haben die Demokraten. Einen Gewinn habe» auch die BolkSpartei und die Nationalsozialisten. Die Demokratische Partei erhält im vergleich zur Oktoberwahl S Sitz«, die Volkspartei 2 Sitze mehr, während der Stimmenzuwachs der Kommunisten keine Veränderung dar bisherigen Mandatsziffer bringt. Di« Teutfchnationalen aber haben wiederum rund 3000 Stimmen, und damit drei weitere Sitze verloren. Tie Splitterparteien find trotz des Urteils des Staatsgerichtshofes»ich« auf ich»» Kost«» Die elf Listen von kleineren Gruppen und GrüPPchen brachten es z. B. nur auf insgesamt 4723 Stimmen. Davon ist die stärkste Gruppe die der Beamten und An- gestellten mit 1601 Stimmen, die mit dieser Ziffer nicht einmal ein Drittel der für ein Mandat erforderlichen Stimmen aufgebracht hat. Stimmenergebnisse und Mandate. Ein Vergleich der Stimmen und der Mandatsverteilung im neuen und im aufgelösten Landtag ergibt das folgend« Bild: Sozialdemokraten.. Deutschnot. Voltspartei Kommunisten... Demotraten.... Volkspartei..., Zentrum..... Voltsrechtspartei.. Rationalsozialisten.. Wirlschaftspartei.. Stimmen IS.F-br.lS2S 9 OK 1827 246630 94030 114223 87522 85471 9393 5535 14739 20048 247469 98817 110239 65295 72432 9774 7762 9754 27163 Mandate 19. Feilt. 1928 9. OK. 1927 60 22 27 21 20 2 1 3 4 63 25 27 16 18 2 1 2 6 Angesichts der Schärfe, mit der das Hamburger Bürger- tum den Kampf gegen die Sozialdemokratie geführt hat, kann diese mit dem Ergebnis der gestrigen Wahl durchaus zufrieden fein. Die Soziademotratie hatte im Oktober vorigest Jahres einen Stimmengewinn von 74 000 oder 42 Prozent verzeichnen können. Wenn es dem vereinigten An- stürm des Bürgertums nicht gelang, diesen Gewinn auch nur in wesentlichen Bruchteilen zu schmälern, so ist das ein Be- weis dafür, daß die damals neugewonnenen Wählermassen fest zur Sozialdemokratie halten, unbeirrt von allen Anstürmen von rechts und links. Doch nicht allein das ist das Bedeutsame dieser Wahl. Im Oktober v. I. hatten die Deutschnationalen berechnet, daß 22SOOO Wähler ihre Stimmen nicht abgegeben hatten, und daß diese den Rechtsparteien zuzuzählen seien. Das Ergebnis der gestrigen Wahl ist, daß anstatt der 28 Deutschnationalen, die nach der letzten gültigen Wahl im Jahre 1924 in der Hamburger Bürgerschaft saßen, nur noch 22 dorthin zurückkehren. Dabei sind gestern rund 41 000 Stimmen mehr abgegeben worden als im Ottober vorigen Jahres. Der Stimmengewinn kam in der Hauptsache den Demokraten und der Deutschen Volkspartei zugute. Das ist ein Beweis, daß auch im Bürgertum eine starke Links- orientierung stattgefunden hat. Das weitere Ergebnis ist denn, daß die bisherige Koalition in Hamburg trotz des Mandatverlustes der Sozialdemokratie um vier Sitze gestärkt aus den Wahlen hervorgeht. Sozialdemokraten, Demokraten und Volkspartei verfügen, über 101 von 160 Sitzen in der Bürgerschaft, gegen 9? nach den beiden letzten Wahlen. Sozialdemokraten und Demokraten allein verfügen jetzt über eine knappe Mehrheit. Dieses Ergebnis ist um so beachtlicher, als die Mehrheit, die sich durch eine Zusammenarbeit der Sozialdemokraten und Kommunisten ergeben könnte, in Hamburg nicht ausgenutzt werden kann. Die Kommunisten haben vielmehr kategorisch erklärt, daß sie zwar ihre Forderungen einer Arbeiterregierung stellen, sich aber an der Durchführung nicht beteiligen wollen. Sie lehnen jede verantwortliche Teilnahme an der Regierung in Hamburg a b. Da zudem gegenüber den Wahlen im letzten Oktober die Kommunisten zwar einen Stimmen- aber keinen Mandats- Rudolf Ross Listenführer der Hamburger Sozialdemokratie und bisheriger Präsident der Bürgerschaft, zuwachs erzielen konnten, bleibt dieses Resultat für die neue politische Gruppierung ohne Belang. Gegenüber den bürgerlichen Parteien hat die Sozial- demokratie ihre Stellung behauptet, da sie innerhalb der bisher regierenden Koalition auch fernerhin die weitaus stärkste Partei ist. Es wird jetzt vor allem darauf an- kommen, sehr bald in Hamburg eine arbeitsfähige Regierung zu bilden. Selbstverständlich ist, daß die Sozialdemokratie ihre früher aufgestellten politischen, sozialen und kulturellen Forderungen gegenüber den Parteien, die mit ihr zu- sammenarbeiten wollen, mit dem größten Nachdruck ver- treten wird. Oer Schiedsspruch abgelehnt. Metallarbeiierkonferenz lehnt den Zünspfennig-Gpmch einstimmig ab.— Morgen neue Einigungsversuche. Halle, 2. Februar. fEigenbericht.) Heule vormittag �12 Uhr trat im volkspark die Funktiouärversammlung des Metallarbeiterverbaudes des bestreikten Gebietes zusammen. Hochspannung lag Schlußwort im Krantz-Prozeß. LlrteU heute abend. Rechtsanwalt Dr. Frey beaalragke nach dem Plädoyer de» Slaalstmwalks den Freispruch des Angeklagten. Der Angeklagte erhall daraus das letzte Wort und erklärt:..Ich habe den Worten meines Verteidigers nichts hinzuzufügen. Ich bin unschuldig und möchte das Gericht nur bitten. mir zu ermöglichen, als Mann das gut zu machen, was ich als Sind gefehlt habe." Der Vorsitzeade verkündete«iue pause von drei Stunden Gegea abend soll da» Urteil verkündet werden. im Saal. Das Mitglied des Stuttgarter Hauptvorstandes, Handle, erstattete einen kurzen Bericht. Danach wurde der Schiedsspruch einstimmig abgelehnt. Die Metallarbeiter haben dem Arbeltsminister gar keiue Antwort auf den unerhörten Spruch des Schlichters erteilt. Die Entrüstung ist auch in den gemäßigten Kreisen der Metallarbeiter schaft so groß, daß hier die entschiedenste Steigung besteht, auch im Falle einer VerbindlichkeitSerklärung den Kampf fortzusetzen. Eine Entscheidung darüber liegt allerdings biS zur Stunde noch nicht vor. Morgen neuer Eim'gungsversuch. Das Reichsarbeitsministerium hat die Parteien im mitteldeutsche» Metallarbeiterkonflikt zu morgen, Diens- tag vormittag 10 Uhr, zu einer unverbindlichen Ans- spräche über eine eventuelle VerbindlichkeitS- erklärung des Schiedsspruches eingeladen. ,/Otx Schiedsspruch ist unannehmbar". Erbitterung der mitteldeutschen Metallarbeiter. ZNagdrturg, 19.{Jfrtriwr.alsstarrigte>t der Unternehmer, er tvenmt auch zum beträchtlichen Teil auf da» Konto der Schlichter, die Ihrer Aus- gäbe nicht gewachsen waren. Der erste Schlichter, Dr. Lütt- g e n s, bekam dos Herzklopfen und übertrug flugs die Erledigung der außerordentlich tompllzierten Streitsache seinem ahnungslosen Vertreter K ö p l. Es kam, was kommen mußt«, die Karikatur von einem vernünftigen Schiedsspruch. Es kam als Folge der Streik, die Aussperrung, unermeßliche wirtschaftliche Schädigungen. Es steht die angekündigt« Aussperrung der 800 000 Metallarbeiter im ganzen Deutschen Reich« b«vor. Die Situation ist furchtbar ernst. Uober 50 000 verbitterte mitteldeutsche Metallarbeiter schauen heut« nach Berlin. Glaubt man dies» durch einen unhaltbaren Zwangsschiedsspruch in die Betrieb« pressen zu können? Und selbst d«m, der diesem tZlauben huldigt, müßte doch gleich die zweite Frag« auftauchen: erstickt man in diesem Falle nicht di« gesamt« ja notwendig« Arbeitssreudigkeit? Wie ist in der Metallindustrie geschuftet worden! Roch d«m soeben veröffent- lichten Jahresbericht der Reichstreditgesellschoft ist In d«r Maschinen- Industrie das Dersandgewicht pro Rormalarbeiter von 100 im ersten Vierteljahr 19LS auf 148 im dritten Vierteljahr 1S27 gestiegen. Daß mit verbitterten Arbeitern solche gewaltigen Mehrleistungen nicht zu erzielen sind, sollte doch dem Arbeitsmlmster vi« auch den Metall- industriellen einleuchten. Also selbst vom Standpunkt des Pro- fit« muß man den Forderungen der Arbeiter entgegenkommen. Was wird im Ofcichsiag? Oeutfchnationale Hetze gegen Frühjahrswahlen. Der Reichstag hat die große Arbeit, di« er vorhat, damit begonnen, daß er zunächst einmal für ein« Woche auf Ferien gegangen ist. Diese Woche Ferien entspringt nicht nur dem Faschings- bedürfnis der Mehrheit, sondern auch ihrer Angst vor dem Kommenden. Gäbe es in dieser Woche wieder Sitzungen, so gäbe es auch in dieser Woche schon wieder Kroch. Also. man will stch erst abregen. Was kommt dann? Die ganze Presse der„bisherigen" Regierungsparteien spricht von einem Versuch, das Not- Programm der Regierung zu erledigen. Nicht all« glauben an da» Gelingen dieses Versuchs. In den Ministerien haben inzwischen di« Geheimrät« Postarbeit. Was bei dieser Gelegenhettsgesetzmacherei her- austommten wird, muß man abwarten. Es kann Ueber- raschungen geben. Viel Kopfzerbrechen bereitet der Regierung auch di« Frage, in welcher Reihenfolge die neuen Gesetze vom Reichs- tag erledigt werden sollen, ferner, ob und wie es möglich ist, das Notprogramm als ein geschlossenes Ganzes" zu behandeln. Dies olles sind— wenigstens für den Augenblick--- spätere Sorgen. Unruhe muh es dagegen erregen, daß die deutschnationale Presse fortfährt, gegen Frühjahrs- w a h l e n zu Hetzen, obwohl die bindende Zusage der Reichs- regi«rung und des Reichspräsidenten vorliegt, daß spätestens im Mai gewählt werden wird. Dle Deutschnationalen sind sonst auf Polen nicht gut zu sprechen, aber doch scheint es, als ob ihnen der Marschall P i l s u d s t i besser gefiele, als irgend ein anderer Marschall. Der aste Reichstag ist nicht arbeitsfähig. Wird nicht bald ein neuer gewählt, dann gibt esüberhauptketnen. Eis rufen„Herbstwahlen" und meinen Staatsstreich! Segen Spionage standen zwei Brüder Düwel» aus Essen vor dem Reichsgericht. Sie sollen 1923 bi» 1926 den Franzosen Mit- teilungen über Vorgänge gemacht haben, di« im Reichsinteresse ge- helmzuhalten waren. Der ein« Angeklagte erhielt sechs Jahre Zuchthaus, der ander« 1H Monat« Gefängnis. Antrag des Staatsanwalts gegen Krantz. ot bis- lOZü«in Leben geführt, da» kein» bemerkenswerte.Züge aufwies. Wegen feiner über den Durchschnitt hinausragenden Begabung wurde er Freischüler an der Oberreolschule und durchlies diese in normaler Weise. Die Eltern erfüllten ihm fast jeden Wunsch. Im Mai 1927 erfolgte di« Einladung von Günther Scheller nach Mahlow, um dort dem Freiheitsdrange, der stch beider beseelte, frone» zu können. Leider folgt« der Ange- klagt» dieser Einladung und geriet dort in ein« recht lockere Gesell- schaft. Di« Verhältnisse In dem Scheüerschen Hause waren eigenartig gelagert. Die Erziehung der Kinder war ein« recht lockere, und die Umstände, unter denen die Kinder ohne Aufsicht dort lebten, waren auch nicht gewöhnlich. Für die unzureichend« Sorge ist bezeichnend, daß dl« Jungen in einem Bett schlafen mußten. Dle Schellerschcn Kinder waren frühreif«, hemmungslose Geschöpfe, in sexuellen Dingen früh erfahren und vorgeschritten. Der Angeklagt« schwänzt« die Schule, fälscht« Entschuldigungszettel. Schließlich verliebte er sich tn Hilde Scheller und trat in engere Beziehungen, di« ja hier lang und breit erörtert worden sind. Ihretwegen läßt der Angeklagte feine früher« Geliebt« laufen. In der Nacht zum 27. Juni spielten sich in der Villa jene long und breit erörterten Vorgänge ab, die. wie der Angeklagte darstellt, einen starken Eindruck auf ihn machten. Am 27. Juni forderte Günther Scheller ihn auf, noch einmal noch Steglitz zu fahren und stch richtig zu amüsieren, da der Angeklagte am nächsten Tag« nach Hause zurückfahren wollte. Hilde hatte im Laufe de» Tages vergebens versucht, ihren alten Freund Hans Stephon wiederzutreffen. Es gelang ihr erst am Abend die Verbindung. Als Stephan vor dem Hause war, trafen auch Günther Scheller und Kräng dort«in, und Stephon oersteckte sich. Hilde kam den beiden jungen Leuten sichtlich verlegen entgegen. Der Staatsanwalt ging dann auf die Einzelheiten der Vorgänge in der Schellerfchen Wohnung näher ein. Der Staatsanwalt ging dann zur Würdigung des Sochverholles über. Er mochte jetzt die Geschworenen besonders darauf ausmerk- sam, daß sie nach freier Ueberzeugung und freiem Ermessen zu ent- scheiden hätten. Sie haben da» Recht, einem Zeugen zu glauben oder nicht zu glauben, auch wenn es sich um«in« beeidet« Aussage handelt. Das gleich« Recht nehme ich für mich in Anspruch. Die Anklage wirst dem Krantz nun drei Straftaten vor: Verabredung zum Mord«, Mittäterschaft an einem Mord« und unbefugten Waffen- besitz. Was den ersten Vorwurf anbelangt, so liegt ohne Zweifel eine Verabredung vor. Das beweisen die eigenen Angaben und di« Brief«: daß nach der Niederschrift der Plan geändert worden ist, spricht auch dafür, daß es sich um eine Verabredung mit Ueberlegunz handelt. Das Strafgesetz verlangt nicht, daß diejenigen, die sich ver- abredet haben, selbst an der Tat beteiligt sind. An sich wären also alle Talbestandsmerkmale des§49b erfüllt, wo- nach der Angeklagte mit mindesten» 1 Jahr Kesöngnis zu bestrafen wäre. Nun ist aber nach der Rechtsprechung des Reichsgerichtes jest- zustellen, daß jeder der Verabredenden ernstlich darauf gerichtet sein muß. ei» verbrechen zu begehen. Hier aber liegen nach dem Gut- achten der Sachverstandigen zum mindeste» Zweifel vor. ob eine ernste Abjichl bei den beiden bestanden hat. Beide befanden sich zweifellos unter der Wirtung des Alkohols, Insbesondere war Krantz in gedrückter Stimmung, die durch Hildes Untreue und die Eifer- sucht auf Stephon bedingt war. Den Inhalt der Briese erklären nun di» Sachverständigen für eine renommistische Pose. So sprach Prof. Spronger von einem Holbernst, von einem Halbtheoter. Bei Paul Krantz kommt auch hinzu, daß ihm die bester« Erkenntnis kam und er dos Unsinnige einsah, obwohl er nichts dagegen tat und den Günther Scheller die Pistole nicht fortnahm. Immerhin gebe ich zu, daß begründete Zweifel an seiner ernsten Absicht bestanden. Des- halb sage ich: in ckubio pro reo. Demgemäß beantrage ich Freisprechung»an der Anklage des Pergehens gegen§ 49 h". Die Anklage wegen Mittäterschaft am Morde habe ich beretis fallengelassen, weil dos Merkmal der Ueberlegunz nicht durch die Beweisaufnahme gegeben worden war. Di« kühl« Abwägung war hier nicht vorhanden, und im wahrsten Sinne des Wortes haben Günther Scheller und Krantz unüberlegt gehandelt. Dennoch bleibt ein schweres verbrechen bestehen: Der Angeklagte ist der Mit- t ä t e r f ch o f t schuldig. Er war an dem Täterwillen beteiligt. D«r Staatsanwalt sckiloß sein Plaidoyer mit dem Antrag: Gegen Paul Kranh unier Zubilligung mildernder Umstände wegen gemeinschaftlichen Totschlages 1 Zahr Gefängnis sowie wegen Vergehens gegen dle Wasfenverordnuug 1 Monat Gefängnis. Daraus die Bildung einer Gesamtstrafe von l Zah: und einer Woche Ge- fänguis. Di« Untersuchungshaft fei mit 6 Monaten und 1 Woche anzurechnen. Akienschwund im Barmai-prozeß. Eine überraschende Wendung- Die Rolle des Staats» anwalts o. O. Kußmann. Sm Bamot-Prozeh, in dem seit fast zwei Wochen die Staatsonwälle gegen di» Angeklagten plädieren, kam es heut« früh zu Beginn der Sitzung zu einem überraschenden Vorstoß der Verteidigung gegen dle Staatsanwaltschaft. Di« Verteidigung stellt sich auf den Standpunkt, daß man den Fall Barmat nicht als ein« von allem Politischen losgelöst« Kriminolaffär« betrachten könne, sondern daß der Prozeß»inen stark politischen Hintergrund habe. Rechteanwalt Lullusbergerals Vertreter des Hauptang«. klagten Julius Barmat begründet« heute morgen, bevor die Plädoyers der Staatsonwälle fortgesetzt wurden,«ine ganze Reih« von An« trägen. Das Gericht müsse sich, so erklärte er, noch einmal mit der bisher nicht gewürdigten Tatsache beschästigen, daß au» den Dormal- Akten Material verschwunden sei, das man bisher nicht habe herbeischaffen können. Ein Teil der Akt«», der seinerseits von dem Assessor Dr. Kuß» mann bearbeitet worden sei. ließ« stch heute nicht mehr auffinden. E» handele sich tn erster Reihe um di« Ermittlungen im Fall de» verstorbenen Reichspostmlnisters H ö f l«, und zwar hauptsächlich um den Briefwechsel zwischen Höft« und Barmat. Dieses Material habe Dr. Kußmann an einen bestimmten Personenkreis weitergegeben und zwar zunächst an ein politisches Informations- bure.au, dem er persönlich nahegestanden habe. Durch dieses Bureau habe die Presse Nachricht erhalten, ferner feien Abgeord- nete der Rechtsparteien, die damals in Opposition zur Rclchsregierung gestanden hätten, in unerlaubter Weise informiert worden. Gegen Kußmann ist seinerzeit ein Disziplinaroerfahren«in» geleitet worden. Rechtsanwalt Dr. Iuliusberger beantragte, di« Akten des gegen den Assessor Kußmonn noch schwebenden Diszi- plmarversahrens, au, denen die erwähnten Tatsachen hervorgingen, heranzuziehen oder den mit der Führung des Verfahrens beauf- irogten Referenten als Zeugen zu hören, der aussagen könne, daß Assessor Kußmann und ander«'Beamte der Staatsanwaltschaft(ge» meint sind Assessor Dr. E a s p a r y und Gtaatsanwaltschoftsrat Pötzer) einer propagandistischen Zentrale sehr nah« gestanden und ihr Material übergeben hätten. Hauptsächlich fehlten, vi« bereit» im Verlauf des Prozesses mehrfach moniert, die Unterlagen für di« Buchungen usw. Durch die Feststellung der Tatsache, daß Material in unrechte Hönde gekommen sei, werde di« am Anfang der Plädoyers von Oberstaatsanwalt Dr. Troutmann vertretene An- ficht widerlegt, daß der Prozeß nicht, mitpolitischen Hin» gen zu tun Hab«. Der von der Verteidigung setzt gestellte Jewei», antrag hätte eigentlich schon von der Staotsanwallschaft im Laufe des Verfahrens gestellt werden müssen, da sie von dem schwebenden Dssziplinarverfahren Kenntnis und di« Pflicht habe, olles Material, was den Prozeß betrisst, h er b s t z u s cha s f e n. Die Verteidigung stellte hieraus noch ein« Reihe weiterer Le» veisanträg«, die sich auf Behauptungen in den Plädoyers der Staatsanwälte beziehen. U. a. wurde unter Beweis gestellt, daß di» Preußisch« Staatsbank ün Dezember 1924 an dos Reichspostmlni- sterium herangetreten fei, um es zur Uebcrnohme des Barmat ge- währten Kredits zu bewegen. Als Zeugen wurden Ministerialrat Lünemann vom Reichspostiinnisterium und Geheimrat Rttgge von der Preußischen Staatsbank benannt. Außerdem wurde ein An- trog In Aussicht gestellt, der sich auf den bekannten Fall der Phöbus-Film A.-G. stützte und aus dieser Angelegenheit den Schluß zog, daß auch in anderen Fällen als bei Barmat Reichsstellen die Bürgschaft für Prloatkredlte übernommen hätten. DI« Verteidigung berief sich u. a. auf das Zeugnis des Aus« wärtigen Amtes, das Barmat während des Krieges Infolge feines Eintretens für die deutsche Sache auf die Schwarze Liste der Entente gesetzt worden sei. Rechtsanwall Dr. Iuliusberger benannte für die Geschäftsmorol Barmat» eine Reihe von Leumundszeugen. Die Stootsanwaltschaft nahm zu den Beweis- anträgen vorläufig noch keine Stellung. Die Plädoyers wurden so- dann fortgesetzt._ Das Reichswehrministerium aniworiet. Sie Einnahmen aus dem Weltkriegsfilm. Zu den Anfragen im„Abend" wegen de» neuen Welt» k r i e g s f i l m» erklärt die betreffende Regierungsstelle, daß die zu diesem Film verwendeten Aufnahmen au? dem Weltkrieg vom Reichsarchiv gegen Entgelt zur Verfügung gestellt worden sind: die Einnahme daraus stieße dem betreffenden Etatskapitel zu. Die Aufsicht über den Filmverleih aus dem Reichsarchio führt da» Reichsministerium des Innern. Oampferuniergang in Ostasien. Oreihundert Ehinesea ertrunken. Schanghai. 20. Februar. Der chlneflsche Dampfer„hstnlamlng" Ist In der Rächt zu Same» abend 1« der Röhe von Schlnkiang mit einem japanischen Dampfer zusammengestoßen. Roch den vorliegenden Berichten sollen 300 Ghiuesen ertrunken feto. „Hoftust" in der Wilhelmstraße. Aman Llllahs Einzug im Prinz-Albrecht-Palais. Das Prinz-Albrecht-Palais, das dem König Aman» vllah von Afghanistan, der Mittwoch in � Berlin eintrifft, während seines hiesigen Aufenthalts zur Verfügung gestellt wird, hat eine nicht uninteressante Vorgeschichte. Es ruht nämlich keines- wegs die Tradition eines altehrwürdigen E r b s i tz e s darauf. Sein Das Palais, Erbauer war ein reicher französischer Spekulant namens Derne. zobre. dem durch nicht ganz einwandfrei« geschäftliche Trans- aktionen der Boden der Heimat zu heiß wurde, und der man in Berlin Zuflucht sucht». Hier wurde er vom damaligen Landesvater Friedrich Wilhelm l., dem Prügelkönig, seines Reichtums wegen mit offenen Annen aufgenommen. Der König schenkte ihm auf seinen Wunsch noch einem stattlichen Wohndau dann das Gelände in der Nähe der Kochstraße, und Ende der dreißiger Jahr« des 18. Jahrhunderts erstand ein prächtiger Palast mit Garten- anlagen, der nach vielfachem Besitzerwechsel erst im Jahre 1773 durch Kauf in den Besitz der königlichen Familie überging. Das Auswärtig« Amt, als Hausverwalter des königlich ofghanistanischen Absteigequartiers, delegierte den Chef des Proto- kolls, Köster, als Führer bei der Besichtigung der Wohn- und Die Ansicht in der Wilhelmstraße. Empfangsräum« Im Paloie Prinz Albrecht. Im Parterve befinden sich die Wohnräume des Königspaares. Im ersten Stock sind die Cmpfangsräume und die Wohnräume für die Prinzessinnen. Da« Gefolge wird in den übrigen Räumen untergebracht. König Amon- ullah scheint so eine Art Versuchskaninchen zu sein, und man hofft, das Befuch-geremonieli werde� sich so abrollen, wie es den Erforder. msfen einer Republik entspricht. Nicht zu wenig, aber auch sa nicht zu viel! Wünsch« und Beschwerden aus dem Publikum, dl« sich etwa ergeben sollten, will man au» dem Munde der Press« gern entgegennehmen und für künftige Fälle als Richtschnur betrachten. Vorläufig wird noch feste gesäubert, gestrichen, Blumen und Tannenreisig werden o>ngesahren. und alles rüstet zum festlichen Empfangt Siiilichkeiisverbrechen. Sine Vierzehnjährige in Lankwih überfallen. In einer Lankwitz«? Siedlung wurde am Sonnabend abend»in 14 Jahre alles Mädchen, Else W.. von elnem UnHuld überfallen. Das sung« Mädchen war mit ihrer Schwester und einem Schüler zusammen gewesen Alle drei kehrten gegen 8 Uhr abend» zurück. Auf dein spärlich bebauten Gelände am Königsgraben. da» zum großen Teil mit Lauben besetzt ist, begegnete den jungen Leuten ein Mann, der sie ansprach. Ohne weitere» umfaßte der Fremde die in der Mitte gehend« Else, hielt sie fest und versuchte, si, zu küssen Da» Mädchen sträubt« sich energisch, und auch ihre Schwester und der Schüler schlugen auf den Wüstling ein. tonnten aber nichts gegen ihn ausrichten, da er mit Box- hieben auf si« eindrang. Lina W. und der Schüler wußten sich schließlich nicht anders zu Helsen, al, daß sie zum nächsten Fern- f p r e ch e r rannten und das Ueberfallkommondo alar- mierten. Ihre Abwesenheit und den schwächer werdenden Wider- stand der festgehaltenen Else W. benutzte der Unhold, um das Mäd- chen zu Boden zu werfen, ihr die Kleidungsstücke zu zerreißen und sie zu vergewaltigen. Um etwaig« Hilferufe zu ersticken, stopfte er ihr ein Taschentuch in den Mund. Das Mädchen, dos sich o« r z w e i f e l t w e h r te. biß ihn zwar tüchtig in den Fiüger, kannte aber gegen seine körperliche Ueberlegenheit nichts ausrichten. Als da» herbeigerufen« Ueberfalltommando erschien, war der Strolch schon verschwunden. In der Dunkelheit war auch keine Spur meiw von ihm zu finden. DaSjjjßbrauchte Mädchen wurde einem Arzt zugeführt da der Verbrecher es übel zugerichtet hatte. Das Gesicht war von seinen Faustfchlägen geschwollen und mit Krotzwunden bedeckt. Später tonnte da» Mädchen nach seiner Wohnung ent» lassen worden. Die Beschreibung, die von den drei jungen Leuten gegeben' wird, ist unvollständig, kann aber vielleicht dach dazu bei- trogen, chn ausfindig zu machen. Er war etwa 19 bis 20 Jahre alt. 1.75 Meter groß und schlank und trug einen dunklen Jackett. onzug. Wahrscheinlich hat er Kratzwunden im Gesicht und«in« Biß. wund« am Finger. Kunst, Kultur, Leben. Gegenwart und Historie. Zwei Llraufführungen.(Voltebuhne und Deutsches Theater) Am Sonnabend kamen zwei Dichter zu Wort, die manch« Literar- Historiker in dieselbe Richtung rubrizieren, Rolf L a u ck n e r(in der Volksbühne) und Bruno F r a n t(im Deutschen Theater). Zwischen den aufgeführten Werten steht«in merkwürdiger Unterschied: Frank behandelt einen Gegenstand aus längst vergangener Zeit und weckt damit brennendste Anteilnahme, Lauckner gestaltet ein Stück Gegen- wart und bleibt unserem heutigen Empfinden meilensern. «.Die Entkleidung des Antonio Earossa.' Die Komödie.Die Entkleidung des Antonio Carossa" schildert ein Milieu, das wenige kennen, und dessen Sorgen uns allen völlig gleichgültig sein können. Der münzentundige Profesior Antonio Carossa ist von krankhaftem Geltungstrieb besessen. Er heißt eigent. [ich Anton Wagner, nennt sich aber, weil es großartiger klingt, Antonio Carossa. Seine Geliebte, eine verwitwete Frau Geheimrat, hält sich einen schöngeistigen Salon, in dem der Profesior mit ge- lehrten Vorträgen und geistreichen Gesprächen paradiert. Die Unter- Haltung des Professors und dieses Salons Ist kostspielig. Aber das nimmt sie gern in Kauf. Denn auch sie möchte eine Rolle spielen. In der Sucht, mit einem originellen Einsall von sich reden zu machen, greifen sie eines Tages gründlich daneben. Sie laden zu etner Hunde- taufe ein. Das soll dem Professor den Anlaß geben, eine seiner ge> lehrten Reden vom Stapel zu lassen. Mit der Veranstaltung machen sie sich natürlich lächerlich. Die Frau Geheimrat zieht ihr« unter- stützende Hand von Carossa zurück, da er noch dazu«in« Liebschaft mit einem Mädel beginnt, das er auf der Straße aufgelesen hat. Martha ist ihm blind ergeben. Für st» bleibt er das Idealbild eines großen Mannes, obwohl sich die Jämmerlichkeit des eitlen Poseurs immer weiter enthüllt. Er fälscht Münzen, er verschachert Martha an reiche Männer und entpuppt sich schließlich als gemeiner Erpresser. Sie aber glaubt an die Reinheit ihre» Carossa, ein moderne» Käth- chen von Heilbrpnn. Rolf Lauckner stattet die Geschichte des distinguierten Aben- teurers mit reichen Farben aus, jn kultivierter Sprache, mit minu- tiöser Ausarbeitimg der einzelnen Charaktere, mit geistreich schillern- dem Diplog. Man merkt, der Dichter ist ein kluger, in Bühnendingen gewitzter Mann. Aber betreten srogt man sich, was uns das Ganze soll. Wo gibt es heutzutage einen Kreis, der einen so hohlen Schwätzer wie Carossa, nicht längstens noch zwei Tagen zum Tempel hinausjagt? Lauckner nimmt sich fast so ernst wie Earossa. Noch- dem der Professor endgültig als Schwindler entlarvt ist— Lauckner nennt das geschraubt„Entkleidung"—. schwingt sich sogar zu fünf- füßtgen Jamben auf,«In«r Feierlichkeit, die im schreienden Mißver. hältnls zu dem bescheidenen Anlaß steht. Denn nirgendwo kommt etwa» von dichterischem Schwung auf. Die beiden letzten Bilder hat der Negisieur Günther Stark zusammengelegt und dem Stück damit viel von seiner Bühnemvirk- smnkelt genommen. Im übrigen ober holt er äü? der Komödie immer Noch s« viel heraus, daß die Zuschauer in die vergnügteste Stimmnug geraten. Heinz Salfner verleiht seinem.Carossa" mehr menschlich« Züge als die Rolle bietet. Er überstrahlt die groß- sprecherische Eitelkeit mit HerzenswSrme. Moya Hart ist etne demutsvoll ergebene und anschmiegsame Martha, die Frau Geheimrat, Leontine Sagau, ein« vollendete Dome von Welt. In seinen Bühnenbildern hat Edward Suhr die originellen Einfälle, die Carosia (und Lauckner) fehlen. »ZwSlftoiiseitd*. Auch das Schauspiel.Zwölstauseitd" von Bruno Frank ist nicht letzte dramatische Erfüllung. Aber es hat«inen gewaltigen Stoff zum Vorwurf, dessen eindringlicher Wirkung sich niemand«nt- ziehe» kann. Es spielt im Jahre 1776, zur Zeit de« amerikanischen Freiheitskrieges. England braucht Soldaten und verschafft sie sich aus dem Deutschland von damals, dem heftigen römischen Reich deutscher Nation, dessen Länder von einigen hundert Fürsten regiert werden. Von denen kauften englische Unterhändler die Soldaten, zwölftausend, Stück für Stück sünszig Taler. Es ist ein trübes Kapitel deutscher Geschichte, auf das Schiller in„Kabale und Liebe" in einer kleinen Episode hingewiesen Hot und auf das Frank hier un- erbirtlich den Scheinwerfer richret. Der Herzog ist unumschränkter Herrscher. Seine durch verschwenderischen Pomp zerrütteten Finanzen werden glänzend ausgebessert, wenn er mit seinen Untertanen Handel treibt. Ein glänzendes Geschäft für den Herzog. Aber den Jammer der Ausijehobcnen kann der geheime Sekretär Piderit nicht mehr mit ansehen. Er benutzt einen diskreten Auftrag der herzoglichen Mätresse, Gräsin Spongenberg, den König von Preußen, d«n großen Friedrich, von dem Soldatenhandel zu benachrichtigen. Im letzten Augenblick erscheint der königlich« Abgesandte gerade noch zur rechten Zeit, die Schändlichkeit zu verhindern. Er entreißt auch den tapferen Piderit der Rache des Herzogs, der ihn für seinen Hochverrat grausam bestrafen will. Bruno Franks Schauspiel ist reich an dramatischen Höhepunkten. Am eindrucksvollsten ein« Szene zwischen Piderit und der Gräfin Spangenberg, in der er, scheinbar«in unterwürfiger Höfiins, die jämmerlichen Maßnahmen seine» Herzogs verteidigt, aber hinter seine Worte den Ausschrei der gequälten Kreatur versteckt..Ja, ein wenig, sagt er, ein ganz klein wemg tonn man im geheimen an einen Vieh- Handel denken, wenn die Leute so in einer Art Käsig übers Meer ver- frachtct werden, stinkende Nahrung bekommen und drüben für eine Sache umgebracht werden, von der sie gar nichts verstehen. Solä)« Vergleiche sind ja auch gang und gäbe im Lande. Zu unrecht natür- lich. Es ist wahrer Unsinn. Erstens einmal die Waffcnehrel Schlacht- vieh Hot feine Waffenehre. Schließlich leisten die Leute ja ihren Eid. Das ist sehr hübjch, sehr feierlich. Schlachtvieh wird nicht vereidigt. In den modernen Kriegen ist es mit der Beschassund und Lieferung von Kanonenfutter nicht viel anders. Dos Kapital ist Käufer und Verkäufer, die betreffende Staatshoheit nur der Bermittler. Bruno Franks Theaterinstinkt und die Begeisterung für die gut« Sache Hot ihn schließlich verseitet, die Figur de» Schreibers Piderits allzu knallig hinzusetzen. Er strömt über vor Edelmut und das nimmt ebenso wie der Lesebuchschluß der Komödie einen Teil ihres künstterischen Wertes. Bruno Frank hat sich mehr um Effekte als um Kunst gekümmert. Dennoch wird das Schauspiel seinen Weg machen. Unter Heinz Hilperts Regie erstehen erschütternde Wirkungen. Werner Krauß ol» Piderits spielt zunächst zurückhallend und gedämpft. dann aber, wenn die verkauften Regimenter am festlich erleuchteten- Schloß im Gleichschritt vorbeistampfen, wächst aus ihm fast über- menschlich« Größe und Kraft. Er unterstreicht seine Worte, indem er voll verhaltener Wut km gleichen Takt mit den Schritten auf den Tisch hämmert. In seinem Geiprgch mit der Gräfin Spavgevberw, wird a eindringlicher und eindringlicher bis zu bezwingender lieber». zeugungskraft. Dagny Servaes als Gräfin Spangenberg strahlt in Schönheit und Anmut. Sie bezaubert durch die Innigkeit und Würde ihres Spiels nicht weniger als durch ihr Aeutzeres. Da» Publikum jubelt diesen beiden Darstellern sowie Albert S t e i» r ü ck (Herzog) und Paul Otto(Unterhändler) begeistert zu. _ Ernst Degner. Was Berlin ertragen muß. Das„Slztelifche Fenerfesi". Buntbemalte Riesenplokat« verheißen«ine Sensation: Das Aztetische Feuerfest. Alt-Mexito, so läßt die Aufmachung erwarten. wird sich in einer prachtvollen Ausstattungsrevue dem Auge Europas präsentieren. Was ober begibt sich? Antonio Gomezanda au» Mexiko setzt sich an den Flügel, der die Piscotor-Bühne bedeckt, und spielt Klavier im verdunkelten Hause, eigene Kompositionen, etwa eine Stunde lang. Maria B o n i l l a singt zwei„Romanzen". Dann, nach der Pause, ist der Flügel in die Kulisse oerschwunden und Adelina Gomezanda produziert einen Tanz, der„Iarobe Racional" heißt. Zuletzt führen ein paar Berliner Dilettanten etwas auf, was weder Tanz, noch Ballett, noch Pantomime ist. sie tragen Kostüm«, die, wie Kenner versichern, mexikanisch sein sollen: hinter der Szene wird dazu von ein paar Instrumenten Musik gemocht, die nicht der Rede wert ist. Das Ganze, In der Anlage so läppisch, wie ahnungsios-ohmnächtig in der Aueführung, dauert knapp fünf- zehn Minuten und das ist„Das A z t e k i s ch e Feuerfest, hijtorilch-musikalische Dichtung in Form einer Pantomime mit Ballett für großes Orchester oder große Militärkapelle mit Chören." Man hätte diesem Mexikaner, der hier fremd sein mag, sagen sollen, daß sein« Musik, gewiß gut und ehrlich gemeint, sich so wenig wie sein Spiel«igiret, mit der Berliner Oesfentlichkeit konfrontiert zu werden. Man hätte ihn darüber aufklären müssen, daß es in Berlin nicht angängig ist, eine Tanzkompositionrnnt einem so völlig unzulänglichen Tanz- und Musikapparat zur Aufführung zu bringen Man hätte Ihm und seinen Landsleuten den peinlichen Eindruck er- sparen müssen, den sein« Dari'ietung auch auf«ine gutwillig« B«° sucherschast machen mußte. Er war schlecht beraten, und wie sein Vertrauen ist das Vertrauen des Publikums getäuscht worden, das sich durch großsprecherisch« Ankündigungen irreführen ließ. Die Sache war von der Konzertdirektion Hans Adler veranstaltet:«» Ist notwendig, ihre Verantwortlichkeit festzustellen. Klaus Pringsheim. Alfred Oöblin, der Angreifer. Dritte Morgenfeier der Jugend. Zum drittenmal in diesem Winter veranstaltei der Verband deutscher Erzähler im Plenarsaal de, ehemaligen Herren- hause? eine Morgsnscier für die Jugend. Allerdings werden dies- mal kein« neuen Begabungen entdeckt, sondern bereits betannts Leute, die auch nicht einmal mehr ihre Kinderschuh« austreten, kommen zu Wort. Sowohl Georg von der Dring, wie auch Hans Weiset und Otto G m e l i n sind durch ihr« Roinane„Soldat Suhren" und„Torstenson" und»Das Angesicht des Kaisers" be- kaimtgeworden. Alfred Broun, Theodor Laos und Arthur Kraußneck lesen ein paar Kapitel aus diesen Werten, und der Schriftsteller Frank Th i e ß entwirst in zarten Farben vorsichtig tastend und liebevoll streichelnd das Bild von der Vrings. Alfred Döblin spricht di« Einführungsworte zu Hans Meisel. Daneben aber— und dies ist die Hauptsache— liefert er eine scharf« Kritik über den Kultus, der heute mit der literarischen Jugend getrieben wird. Döblin er- klärt, daß ältere bekannte Schriftsteller heute schwer einen Verleger finden, weil diese mit Werten der Jungen überschwemmt sind. Ketnesw«gs meint er tatsächlich begabte jung« Schriftsteller, wie Meisel, von der Dring oder Gmelin, sondern«inen gewissen literarischen Kreis, der sich um Klau» Mann gebildelt hat und sich als Erbpächter der deutschen Literatur aufspiett, trotzdem er nur Stimmungen und Seelenprobleme der Vorkriegszeit in durchaus un- fertiger Form bringt. Es wirkt erfrischend, wenn sich einer unserer besten Romancier» über diese Kliquenangclegenheit entrüstet, neben- bei bemerkt nennt Döblin keinen Nomen. Ueberhoupt wirkt die Der-. anstalwng durchaus erfreulich. Von der Bring, Meisel und Gmelin, entgegengesetzte Begabungen, der eine im Grunde Lyriker,«i» Stiller, ein Abseitiger, der andere Großstadtmensch von kühler, ironischer Haltung, von trittscher Einstellung Wett und Mensche» gegenüber und der dritte Historiker, rückwärts gewandt auf der Such« noch Gestatten, zeigen doch ein gemeinsames Moment: die Abkehr vom Pathetischen, die Liebe zur Sache, zu dem Gegenstand, den sie behandeln. Es fehlen olle Phrasen, olle Schönredereien. Da- zu bemüht man sich diesmal, keine Trauerreden über Verlage und ähnlich« Einrichtungen zu schwingen. Theodor Loo» und Arthur Kraußneck sind musterhafte Sprecher, und dann darf der dankbar« Zuhörer noch Alfred Braun in das göttliche Anllitz schauen,—t. Oankbarkeii. Selbfe bot. joflonflrn etoer Srnrnton» fte M( Aememirber. eine Umlage ntn S pinaif auf je»«» Stabthelmmllgllefe befohlen. Man sieht mit derangierter Visage Seldten jetzt. Di« lieben Fem�brüder Sind gründlich festgesetzt. Er sieht sie überkleistert Vom Komeradenblut. Dos macht ihn ganz bogeistcrt, Das tut ihm richtig gut. Sie wühlten in Gedärmen, Sie hackten mit dem Beil. Der Sei dt« kommt ins Schwärmen: „fjeil, deutsche Männer, heil!" Und beim Likörgebräu« (Der Marke: eigne» Hau»!) Da sagt er: Treu um Treuel Komm, Stahlhelm, packe au»! Komm, nahe dich als Segner. Zwei Tote liegen stumm! S i t legte» Wil«s und Legner, Leg du fünf Pfennig um. StaM S*««* Gründungsfeier»«« Reichsbanners Die imposante Kundgebung im Zirkus Busch. ..In Kümmernis und Dunkelheit, da muhten wir sie bergen Jim haben wir sie doch befreit, befreit aus ihren Särgen", so sangen die ersten Reichsbannergruppen, die mit ihren schwarz- rotgoldenen Sturmfahnen, umjubelt von der republika- nifchen Bevölkerung, gehöht nur von dem Stahlhelm und seines- gleichen, durch die Ströhen Verlins zogen. Schon bei den ersten Kundgebungen des Reichsbanners zeigte die Bevölkerung in Verlin und im ganzen Reiche ihre Ireude über die Schuhlruppe der Republik, die ihr höchstes Ziel darin erblickte, die Ströhen von dem Terror der �vaterländischen" Verbände zu säubern. Vier Jahre schon war Deutschland eine Republik, und erfüllt. Der Terror der Rechtsverbände ist gebrochen. Doch die Wikingerbriefe, die in den letzten Tagen veröffentlicht wurden, haben deutlich gezeigt, daß von dieser Seite immer noch oersucht wird Reichswehr und Marine zu verseuchen. Die Tagungen des Landbundes haben uns gezeigt, daß die Aufklärungsarbeit des Reichsbonners noch lange nicht abgeschlossen ist. Gegen den Landbund und Stahlhelm, der sogar Fememörder unterstützt, muß die Aufklärungsarbeit einsetzen. Das Jahr 1928 bringt uns große Aufgaben. Der Reichstag liegt im Sterben, wir müssen den republikanischen Parteien Helsen, dah der Zustand für immer beseitigt wird, dah ausgesprochene Feinde der Republik in noch Immer war die Fahne des volksstaates nicht gebührend gezeigt morden. Unermüdlich schlugen nun die Reichsbannertruppen die Werbetrommel. Zu Tausenden schloffen fich wehrhafte Männer zu- sommen, vor allem in den Arbeiterbezirken wurden starke For- mationcn aufgestellt. Am 22. Februar 1924 hatte Otto chö r s i n g zur Gründung der republikanischen Schutztruppe aufgerufen. Vier Monat« später, am 24. Juni 1924, zeigte stch das Reichsbanner zum ersten Male der Berliner Bevölkerung. Mit 79 Lastwagen, mit wehenden Fahnen und lodernden Fackeln, fuhren die Kameraden nach Ober. fchöneweide, den taten Kämpfer der Republik, Waller R a t h e n a u, zu ehren. In Berlin stand nach wenigen Wochen eine starke Organisation da. Sonntag für Sonntag zogen die Kameraden auf das Land, um den Landarbeitern beim Aufbau der Organisation zu helfen. 1925 war das werk vollbracht, auch im kleinsten Dorf waren die Anhänger der republikanischen Staalssorm gesammelt. Taufende von Ortsgruppen waren gegründet, der Terror der»wehr- verbände" war gebrochen. In Magdeburg, Berlin, Nürnberg, fjam- bürg und Leipzig zeigte das Reichsbanner in Kundgebungen von Hunderttausenden seine Macht. Heute wehen von allen Zinnen, aus den ärmsten Mietlstiusern die Zeichen der Republik! Heute steht das Millionenheer des Reichsbanners wieder bereit, den republikanischen Parteien im Wahlkampf zu helfen, die Macht des Bürgerblockcs zu brechen. Gestern mittag traten Kameraden und Freunde im Zirkus Busch zusammen, um den B u n d e s g rü n d u n g s t a g zu feiern. Von der großen Bühne wehen in längen Bändern die Reichsfarben. Das riesige Rund war hoch hinauf bis auf den letzten Platz besetzt. Auf dem Vorplatz warteten noch Tausende auf Einlaß. Vergeblich. Vor dem Zirkus spielte das Musikkorps Reichsbanner Neukölln und das Tambourkorps des Ortsvereins Wedding. Um'412 Uhr kündete ein Fanfarenmarsch den Beginn der Feier im Zirkus an. Unter den. Klängen des Reichsbannermarsches, gespielt von der Reichsbannerkopelle Steglitz, marschierten die Fahnenabordnungen und Sportler unter Leitung des Gauwehrwarts Oberst o. D. L a n g e in den Zirkus und nahmen auf der Bühne Aufstellung. Der Berliner Sängcrchor brachte, Krönt den Tag" und„Sturm" zum Vortrag. Gaugeschästssührer Neid Hardt begrüßte die Ehrengäste, unter denen man u. a. Frau Ebert und Polizeipräsident Zörgiebel sah, und gab dann den einzelnen Rednern das Wort. Zuerst sprach Gauvorsitzender Stelling Unter stürmischer Zustimmung führte er mis:„Den ersten und wichtigsten Teil seiner Mission hat das Reichsbanner sieghaft ihr regiere«. Wir müffen vorwärts ans Werk, den sozialen V o l k s st a a t zu schaffen. Wir wollen und nniffen über den Bürgerblock siegen."— Von der demokratischen Partei sprach Chef- redakteur Georg Bernhard „1918 waren die„Volksbefreier" still geworden. Erst als die Republik all zu tolerant gegen ihre Feinde war, kamen sie aus den Löchern hervor, um 1924 wieder bescheiden zu werden, als das Reichsbanner auftrat. Man sieht ja noch Stahlhelmer in Berlin. Neulich hoben sie sogar eine Kundgebung veranstaltet. 3999 Stahl- helmer sind von 4999 Schupos begleitet, durch die Straßen Berlins gezogen und haben sich angehört, wie die Berliner Be- völkerung über sie denkt. Das Reichsbanner ist heule zur festen Stütze des Staates geworden und muß es auch bleiben, lieber die Weltanschamingen, über die Pärteigrenzen hinaus, haben sich im Reichsbanner-Männer zusammengefunden, die den von ihnen ge- schaffenen Staap mtt Gut und Blut verteidigen wollen. Ist der Kampf geschlagen, dann gilt es die schwarzrotgoldene Front zu bilden, die Republikaner zu sammeln, und zwar nicht nur im Reichsbanner.— Als dritter Redner nahm der Vorsitzende der Windhorstbünde Kellermavo das Wort für das Berliner Zentrum. Sein« temperamentvollen Worte gegen den Bürgerblock, fein Bekenntnis zum Reichsbanner lösten Beifallsstürme aus. Er ist der Führer der Berliner Zentrumsleute, die immer am Reichsbanner fest- gehalten haben, und immer gegen den Bürgerblock woreiu Es war kein Zufall, daß er den stärksten Beifall fand. Dos Berliner Reichsbanner wollte dem überzeugten republikanischen Streiter im Zentrum Dank sagen. Äellermann führte aus:„Die Berliner Zentrumsleute haben niegeschwanttin ihrer Stellung zum Reichsbanner. Wir haben immer mit Freude mitge- arbeitet. Der RechtskoaNtiou haben wir immer unsere stärkste Mißbilligung ausgesprochen, weil diese koalitlon keine soziale Arbeil leisten wollte. Wir sehen keine soziale Tat darin, wenn man einige kleine Löcher zukleistert. Der Reichstag stirbt nicht am Schul- gefetz. Wir waren immer der Ueberzeugung. daß kein Schulgesetz gemacht werden darf gegen die Hälfte des Volkes. Das Schulgesetz soll ein Friedens- und kein Kampfgesetz sein. Di« Koalition ist gestorben, weil die katholischen Arbeiter nicht nur soziale Worte und Zeitungsartitel vorgesetzt haben -wollten. Damit stillt man teinenHunger. Wir weinen dieser Regierrmg keine Träne nach. Sie möge nur bakd verschwinden! Dann können wir beginnen, die Verwaltung zu säubern. Wir haben eine Schlacht zu schlagen, einen Staat zu gewinnen und ein Volk zu führen!" Mit eines dreifachen Hoch auf die Republik schloß Neidhardt die Kundgebung. Die Teilnehmer erhoben sich von ihren Plätzen und sangen gemeinsam das Reichsbannerbundeslied. * Nach der Kundgebung gab es nur einen einzigen Zwischen- fall, der auf das Schuldkonto der Kommunisten fällt. Zur Abhaltung eines Platzkonzertes des Roten Front- kämpferbundes hatte sich eine Anzahl von Kommunisten auf dem Iüdenhof angesammelt. Da das Konzert jedoch verboten worden war, rottete» sich um 13,49 Uhr 29 bis 25 Kommunisten zusammen und begaben sich zur Parochialkirche und in die Spandauer Straße, wo sie von der Kundgebung des Reichs- banners zurückmarschiercnde Rcichsbannerzüge beschimpften. Die Kommunisten wurden jedoch durch das Begleitkommando zurück- gedrängt, und der Führer des Kommuniftenzuges, der 23 Iahre'alte Kontorist Max Kussel aus der Dresdener Straße, aufgefordert. den Zug aufzulösen. Da dieser Aufforderung nicht Folge geleistet wurde, mußten die Polizeibeamtcn von ihren Gummi- knüppeln Gebrauch ntochen. Der Führer des Zuges wurde der Abteilung I a zugeführt. Dieser Vorfall charakterisiert am besten das verlogene Einheitsgefchwafel der Kom- m u n i st e n. Wieder Lugendtragödie. Selbstmord mit dem Jagdgewehr des Vaters. Abermals ist die Zahl der A u g e n d tra göd i e ir um einen neuen, rätselhaften Fall bereichert worden. In der elterlichen Wohnung in Siidende machte gestern abend der 17jährige Karl 3L seinem Leben durch Erschießen ein Ende. Der junge Mann war in einem Berliner Betrieb als kauf- männischer Lehrling angestellt. Auch das Verhältnis.zu den Eltern war denkbar gut. Am Sonntagabend begaben sich die Eltern des jungen Mannes m ein K i n o in Südende. Als sie nach Schluß der Vorstellung in die Wohnung zurückkehrten, fanden sie ihren Sohn in seinem Zimmer im Bell mit durchschoffener Brust aus. Karl A. hatte sich mit dem Jagdgewehr seines Vaters einen Schuß in die Herzgegend beigebnacht, der ans der Stelle tödlich gewesen sein muß. Auf dem Tisch lag«in Z e t t e l, auf dem sich der jugendliche Selbstmörder in fünf Zeile» an seine Eltern wendet.„Es hat", so heißt es darin,„so fem müffen, forscht nicht noch den Ursachen, die mir di« Waffe in die Hand gedrückt haben." Die Eltern können sich den verzweislungsschritt ihres Kindes nicht erklären und stehen vor einem Rätsel. Bisher ist es auch nicht gelungen, hinter die Motive dieser Iugendtragödie zu kommen. » Im Hause Brunnen st raße 113 wurde gestern abend gegen 21 Uhr die 35jährige Elise Oelze von heimkehrenden Familiev- angehörigen in ihrem Schlafzimmer erhängt aufgefunden. Wie aus einem hinterlasse i«n Brief hervorging, hat die Frau wegen eines schweren Nervenleidens den Freitod gesucht. Gleichfalls wegen einer unheilboren Krankheit stürzte sich am Sonntagabeid kurz vor 22 Uhr die 34jährize Arbeiterin Luise"" W i ch e r t aus dem Küchenfenster ihrer im dritten Stockwerk ge-'" legen«» Wohnung in der Stralsunder Str. 31 auf den Hof hinab. Mit schweren Verletzungen wurde sie durch«inen Wagen des Städtischen Rettungsamts nach dem Lazaruskrankenhaus ge- bracht, wo jedoch der Arzt nur den inzwischen eingetretenen Tod infolge doppelten Schädelbruchs feststellen konnte. Dokumenteudiebstahl auf einem Postamt. Am Somiabend abend sind dem früheren Polizeimeister R. aus der Kantstraße auf dem Postamt W 9 in der Linkstraße wichtige Dokumente entwendet worden. R. zahlt« kurz vor Säialterschluß auf dem Amt Geld ein und stellte seine braun- lederne Aktentasche einstweilen neben sich. Als er späicr danach greisen wollte, war sie verschwunden. Sie enthielt wichtige Urkunden, di« ein Patent betreffen, Gutachten u.a.m. Die Dokumente sind für den Di«b s o gut wie wertlos, für den Verlierer aber sehr werwoll. Er hat für die Wiederbeschafsung «ine hohe Belohnung ausgefetzt. Mitteilungen über ihr Auf. tauchen sind an die Dienststelle C 3 im Polizeipräsidium zu richten._ 14. trris JlrnfSIfn. Heule abend findet die KrelSdelegicrtenvcrsammlung Im Lokal Bergschlotzhöh«, KarlSgartenstr., statt. Berantwortlich fite die Redaktion: Sna«- Peoaee, Berlin: An,.. Berlin. Brrlag: Vorwärts Verlag®. m. b. H., Berlin. Druck: drucke«! und Sei' ;»n: St.»locke, _________________ sor»Srt, Buch» rlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 63, Lindenstraßc 3. » Sicr,u l Vellage Kleines Theater Täglich 8'/, Uhr Erik» GlSchner Ii Grekfaen FOr Jugendliche nicht geeignet WalhaHa-Th. Weinbergsweg I9/g0 Täglich 8»/« Uhr: Das Volksbühne T!i. am Sdiifftmartin» 8 UM: Schieber des Rahms Tkealn am 89lo«|liti 8 Uhr MtkieiiiDiig lies Antonio[arossa Schwank In 3 Akten iomaiidie kiinn l, tritt 1 Vorieiger dieses rahlen für Parkett auch Sonntags statt 4,-Mk nur M PL Plscatorbflhne FkeaL a. HiMtripliti Kurfürst 2001/93 Anf.8, Ende geg. 11 Die Abenteuer des braven Soldaten Schwcfk mit Mn Palleabsr? InU. Ervh Piscator ragi. 8>i. mir Wiederauftreten d Rundtunktenors Frans Baumann in der Operette ftiilnn am Allein ganze «6 ovi ui Vorstettg. Lastspielbaus SVaUhr Guido Thlclscber «OoIbt GnMftuiüidtr Operettci.Olieobach Uu, UfMmtrit. bttMr. tlma. hnw- SinrnntT-SCkni Tb. Klint««ralz. St. Bergm.ZlIO. 8V, Uhr: Flucht na Mn Ciliar Ö7 Ret)«' Tkkr hnmir KomAdlenhana Korden 6304. 8.15—10.40 Uhr Qokospokos von Cun Götz liinUnlrilffialast Tägl-S'1, Uhr HAUER- REVUE Jannondwo'' <) Haute Sonntag ü VorotellK. 3Uhru.8V,Uhr Hidm. die iut( lit- nallm n Hilk Rn'i Montag, den 20 400, Au ff uhr 1 Metropol-Th. TäflL»>,, Uhr; SaMuarrUliaa Dts. Künstler- Th. 8 Uhr �eiync" Lcsslnc-Tbeater 8 Uhr „Rose Bernd" Thaila-Theater Dresdners tr. 72/73 8 U.: Das M geh 801dl das Nadelöhr Berliner Theater Direktion Kuhnert. Qudatlmtr.iO'il.IMib.nO 8V, Uhr Nai Adalbert als Der Herr von, Rose-Theater SV, Uhr Der Plarrer von ittrdileld Planetarimn am Zu 'erlb*. ioxtlnilbilv Strah Noll. 1578 16'/, und 21 Uhr Venös, die SAvoster dor Erde. 18 u. il Uhr im Reiche der MitterntehtssoDBe Eintritt 1 m- UMmUIRJ ung Unat. rbeator dos Westens Täglich 8V4 Uhr: HaadmanseM lerne Uebe Wirt, Hollmann, Jolan, Gllle, Albu CASINO-THEATER« um Lothringer Str. 37 Die spanische Fliege. Anaadwetdeai Gutschein 1—4 Per». pauieuil nur 1,1 DM, Sessel nur 1.00 M. Theater am Kottbosser Tor Kottbasocr StrnBo 6. Täglich 8 Uhr Elite«Sänger Fitav h inier Fsnsl Jeden Soontaa nachm. 3 Uhr: Brofte fnmlUee-VoriteUnns (ungekürzt). volkspr. 0.40. 0,75, lr-. 1,25. 1,50. 1.75 Mk 'Berlm* f rößfer MkM Hefrieb MciSte Tons — junger Frauen Winmcfcr friednchalr. 96 Am ßphnhof". Komische | ov» Ohr Oper tv:Dhr| Allabendlich Uames Klein'sl gewaltiges neues Be vue-S t Q(ha Zieh' didi aus! 200 Hlhvlrlfende- Vorverkaul ab 10 Uhr ununterbrochen. Oroeses SohaUSpiaihaus i Aalaog Endo 8 Uhr �TiE(3IE?ssJ,Uhr IHAHELt DOMPAÖOUH WAKAHY Sonntag um 3 Uhr halbo Prtlio Renaissance- Theater Steinplatz 901. 8.to uhn Coeur Bube. >HEÜEOWELT< Amol* Scnelr. Hasenhcide 108 ,1 in den öayr. Upen und OroDer Alpenball. 1 lipilIiB/lln: Delgnl.ck30bip.limiii Dienstar, 21. Febr., Prämiierung des MI«» Btrlinr tSluri» Pfmiradiiu S Geldpreise 75, SO, 25 RM. und QroSer PastoachtsbalL Fredde Rieh m. seinen 14 unerreicht. Künstlern Hierzu das rrode Varteiä-Pro-r. Reichshallen-Theater 8 Uhr. Sonntg-nachm.« Uhr. Stetiiner Sänger „loites doebenende nachm. b■• b e Preise. Dönhoff- Brett'l: 28. Februar; 1000. Falkner- Konren. (Beilage Montag, 20. Februar 1928 Itorttmid Sfinlaiikgaßc-Jet �otutoifU 6«Hl TV/r Schon vor der Schülerlragödie ln Steglitz hat der alte Vorkämpfer der deutschen Arbeiterbewegung. Ad olph Hossmann, sein Luch„Amoretten", aus dem Zrr- garten der Liebe, geschrieben in dem in erzählender Form die fragen der sexuellen Aufklärung in eindrucksvoller Weise erörtert werden, wir geben daraus mit einigea Kürzungen das Stück„Acht Leine und kein Kops" wieder. Den in der Geschichte enthaltenen Ernst wird niemand verkenneu, dem dos Wohl der heranwachsenden Jugend am herzen Hegt. Ein Nachwort zum Prozeß Krantz. i l d e S ch e ll e r", Tagesgespräch in allen Kaffeekränzchen, S-Uhr-Tees. Theaterfoyers, Konzertpausen, an allen Stammtischen, in allen Amts-, Regierungs- und Mi- nistervorzimmern, in Konferenzen und Parlamenten, in allen Verkehrsmitteln und— auf allen Schulhöfen. Jawohl! Jeder Schulhof ist ein lebendiges, mit tempe- ramentoollen Akteuren angefülltes Kino. O, wenn diese Schulhöfe in der childe-Scheller-Zeit, während des Moabiter Jugenddramas mit Aufnahmestationen am Rundfunk angeschlossen wären, dann könnten die lieben, ahnungslosen Eltern an den Hörern lauschen— denn den Lautsprecher würden sie sicher der noch im Hause sich tum- melnden nicht Schulpflichtigen wegen abstellen. Da hätten die von der sexuellen Unberührtheit ihrer Kinder so felsenfest'überzeugten Eltern und Erzieher er- fahren können, wie falsch es ist, der Jugend gegenüber Vogel-Strauß-Politik zu treiben und zu glauben, die Ge- fahren seien nicht vorhanden, wenn man den Kopf in den Sand steckt. „M ein Kind ist ja noch so unschuldig, so n a i o." In diesem Wahn wiegen sich Millionen Eltern der ganzen Welt. Unbelehrbare Illusionisten, die da glauben, Erzieher zu sein Hört einmal, wie es in den Bienenkörben her Schul- Höfe surrt und schnurrt, wie der Braten der versteckten Zei- tung von den feinen Näschen des so ,. unerfahrenen" Töchter- lein oder Söhnchens längst gerochen ist und deshalb ein viel ! größerer Reiz nach dem Verborgenen und Verbotenen ent- landen ist. Nun kommen die Wunderdoktoren, welche den Eiter- Herd dem Anblick der Oeffentlichkeit entziehen wollen, indem man den Zeitungen die Berichterstattung einschränkt oder am liebsten ganz verbietet. Ja, ist denn die Gefahr für die Jugend nur bei dem Drum und Dran der Hilde Scheller vorhanden? Man könnte gewiß wünschen, daß weniger sensationell und mehr dezent berichtet würde. Aber geschieht das Gegen- teil nicht täglich in vielen Zeitungen bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten? � Andere Moralwächter möchten am liebsten über den auf- gedeckten Fäulnisherd einen großen undurchdringlichen Pa- pierbogen decken, bedruckt mit neuen Strafparagraphen, ohne zu bedenken, daß trotzdem im Verborgenen das Uebel westerfrißt. Cs gibt auch noch viele Menschen, die da glauben, der Sittlichkeit zu dienen,-indem sie verlangen, daß solche Pro- zesse hinter verschlossenen Türen stattfinden. Klare Augen sehen was ist und werden uns Wege weisen zur Bewahrung unserer Kinder und Enkel vor sexuellen Ge- fahren und Verirrungen. Und sie werden im eigenen Jnter- esse lernen, sich selbst für das ganze Leben einen reinen Geist und einen gesunden Körper zu erhalten. Nur vor einem müssen wir uns hüten: Zu glauben, daß Hilde Scheller und ihr Drum und Dran vereinzelt dasteht. Macht die Augen auf, aber laßt sie nicht in die Ferne schweifen, sondern versucht eure Kinder und Angehörigen wirklich kennen zu lernen, und es wird manche Hilde, mancher H i l d e r i ch sich euch offenbaren und mancher von ihnen noch vor sicherem Untergang zu retten sein. �äolpb Hokkmsnn. Acht Deine und kein Kopf. Natürlich acht süße Beine! Schlanke Beine! Höchst mo- derne Beine! Wenig Wade, kerzengerade! Aber doch Sast und Kraft zeigend. Die Besitzer der acht Beine waren, wenn ich richtig ge- zählt habe, vier Menschen. Damen natürlch! Denn mit 16 Jahren erkennt ja selbst ein Altertums- forscher das Prädikat„Dame" einem weiblichen Wesen zu. Also abgemacht! Die Inhaberinnen der acht Beine waren vier Damen,„quietschvergnügt und puppenlustig". Sie waren Töchter besserer Eltern, natürlich Elevinnen der„höheren Schule". Nicht gut— nicht schlecht—, aber lebensbejahend. Die Papas waren in guten Positionen und knickerten nicht mit dem Taschengeld. Die Mamas waren selbst noch jung und lebenslustig, hatten viele gesellschaftlichen Pflichten zu erfüllen, bei denen sie froh waren, wenn nicht immer eine Tochter zugegen war. Daher haben solche Mütter gar nichts dagegen einzu- wenden, wenn das Töchterlein mit Alterstolleginnen sich zusammenfindet und auf eigene Rechnung amüsiert. In der Regel beginnt das mit gemeinsamen Schau- fensterln, Bazar-Flanieren und Konditern. Aber schließlich wird einem die schönste Apfel-, Pfir- sich-, ja selbst Ananastorte mit Schlagsahne über. So war es bei unseren acht Beinen. Sie hatten das letzte Mal bei Josty am Potsdamer Platz„geschlagsahnt" und dort feierlichst gelobt, diesen gleich- mäßig süßen Schleckereien ein Ende zu machen, sich nach etwas herzhafteren Zeitvertreib umzusehen und künftig nur noch in Konditoreien zu verkehren, in denen mehr Aussicht auf männlichen Anschluß war als in den„langweiligen Familientaffees". Man war doch sechzehn Jahre und sie fühlten. daß dies das Alter ist, in dem sich Herren zwangloser jungen Mädchen nähern. Die eine, Nelly hieß der kleine niedliche Käfer, sollte nach Pavas Wunsch Jura studieren, denn, sagte er, die Frauen yätten als Rechtsanwälte eine große Zukunft, weil selbst da, wo alle Begriffe aufhören, sie immer noch Argumente der Verteidigung hätten. Klarifsa, des Professors Töchterlein, sollte Medizin stu- dieren, da Papachen überzeugt war, daß Badeärztinnen in den nächsten Jahrzehnetrn mit Gold aufgewogen würden, denn das Reich würde aus voltsgesundheitlichen Gründen alle Heilquellen übernehmen, um sie Winter und Sommer der wirklich leidenden Menschheit zugänglich zu machen. Papa arbeitete jetzt an einem Buche über„Ungefährliche Verhinderung der Mutterschaft". Er fahre morgen zu einem Kongreß. Und wenn er das Manuskript nicht mitnimmt, dann werde sie es auf einige Tage annektieren und lesen. Die Inhaberinnen von vier Beinen stimmten zu. Das andere Paar, Röschen, die Tochter des Postdirektors, meinte. man müsse dasselbe gemeinschaftlich lesen, denn es sei sicher eine gelehrte Schrift und schwer zu verstehen, aber was die eine nicht begreift, könne die andere auslegen. Ja. so könne man vielleicht manches darin finden um seine Jugend zu schützen,— sagte Nelly mit possierlich ernstem Gesicht. Klarissa versprach, alles zu versuchen, was in ihren Kräften stcht, das Manuskript in ihre Gewalt zu bringen. Nachdem Hildegard, die Tochter des Geheimrats, noch für das nächste Konditern mit ersehntem Herrenanschluß eine Konditorei in der Tauentzienstraße in Dorschlag ge- bracht hatte, meinte sie:„Am Freitag seid ihr ja meine Gäste. Und dann bin ich als die Jüngste auch schon sech- zehn Jahre. Da hat man dann das Alter, sich in das Revier der galanten Abenteuer wagen zu können." Röschen, der Kassenwart, zahlte und die acht Beine pätschelten los. Acht Beine, aber kein Kopf! Sie gingen stets eingehakt in einer Reihe, sahen sich auf der Straße nie um und blieben bei ollen Bemerkungen über sich stumm. Das eine wußten sie, daß ihre Macht und Wirkung unr in den Beinen lag. Alle vier Eltern hatten große Pläne mit ihren Töchtern. Die Papas wollten ihnen fürs Leben einen Halt geben. Deshcklb sollte das Mädel einen Beruf wählen. Die Wahl aber bestand darin, daß Papa nicht nach Neigung und Talent der Tochter, sondern nach seinen Erfahrungen und noch seinem Beruf die Bestimmung traf. So sollte Röschen die höhere Beamtenkarriere ein- schlagen. Die im Direttionsgebäude beschäftigten Damen hatte der Papa im Geiste Revue passieren lassen und in der jedem Vater innewohnenden Eigenliebe für seine Tochter dit wichtigste Stelle gerade gut genug gefunden. Der Geheimrat war überzeugt, daß seine Hildegard sich glänzend als Chemikerin in dem Betriebe bewähren würde, den er leitete. Ja, ja, die chemische Abteilung würde nach seiner Meinung in Zukunft die Seele des ganzen Unter- nehmens werden, wenn Hildegard sie auf die Höhe bringen würde, die er für notwendig hielt, und welches. Ziel unter seinem Einsiuß sicher erreicht würde. Indessen gilt immer noch Wilhelm Büschs Wort: Ader hier wie überhaupt Kommt es anders, als man glaubt. Wer die acht Beine nebst Zubehör beobachtete, wozu ja die Eltern meist wenig Zeit und Neigung haben, dann aber auch in ihre Sprößlinge viel zu verliebt sind, um sie ob- jektiv zu beurteilen, wäre bald dahinter gekommen. Denn selbst der Fernstehende mußte mit ganz wenig Menschen- kenntnissen sagen, die acht Beine werden im glücklichsten Falle sehr schnell ihren ersten Berufsoertrog auf dem Standesamt abschließen. Wenn die acht Beine durch Straßen und Anlagen quirl- ten, oder sich um Konditorsessel schlängelten, und es dann unter den Bienenkörben, welche den Kopf ersetzten, lebendig wurde, kicherte und pruschte es wortlos, so daß schließlich manches kopfschüttelnde alte Mütterchen doch mitlachte und mancher griesgrämige Greis über die tollen Kobolde sich amüsierte, denn es waren ja„zum Glück" nicht seine Enkel. Nackdem die acht Beine zusammen 64 Jahre alt waren und als Mädchen das„schutzlose" Alter erreicht hatten, nahm ihr Allotria doch für das Leben ernstere Gestalt an, ohne daß sie weniger lustig waren. Vier Mädchen, die wie immer Kletten zusammenhielten. überall Arm in Arm gesehen wurden, sich über alles amü- sierend lustig machten, lenkten natürlich die Blicke aller Herren auf sich.(Fortsetzung folgt.) Goldfunde in Deuischland! Deutschland, ein altes Goldgräberfeld.- Die Romantik des Goldes.— Verkannte Hünengräber.— Goldhaltige Flüsse.— Reue Funde in Riederschlefien und in den Sudeten. Das Edergold. Wie ein alles Märchen klingt es, wenn es heißt, daß in Deutsch- land noch vor zwei Jahrhunderten die Goldausbeute des Bodens an vielen Stellen gewerbsmäßig betrieben wurde. Dos„Jahrhundert des Eisens" hat wenig Sinn für diese goldenen Prospekte entwickelt, ja, man könnt« fast von einer Rivalität der Bodenschätze sprechen, die sich in den Dienst des Menschen drängen, denn auch die Kohle Hot dem weniger nützlichen und doch viel romantischeren Gold den Rang abgelaufen. Und doch:„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles!" läßt Goethe das fromme, einfältige Gretchen im„Faust" sagen, um der tiefsten Philosophie seines Weltwissens Ausdruck zu geben. Was wäre unser« Poesie ohne den schimmernden Hintergrund des Goldes, des deutschen Goldes, da» in Märchen und Sagen immer wiederkehrt I Der Ribelungenschotz auf dem Grund« des Rheins, die Gnomen und Zwerge, die goldene und silberne Adern in den Bergen anschlagen, und da» urall heidnische Märchen von „Frau Holle" mit der Goldmarie und Pechmari«/ ohne die tausend anderen im Kranze unserer Volkspoesie, sie weisen alle auf das Gold» land Deutschland hin. Zu allererst sind sie jedenfalls aus dem Munds alter deutscher Goldgräber erklungen. Die Soldmengen der Welt. Doch dieser Zauber verflüchtet, wenn man mit der anerkannten Tatsache aufwartet, daß nächst Eisen und Aluminium Gold zu dem am weitesten verbreiteten Metall zählt, also auch in anderen euro- päischcn Staaten, meist noch in größeren Mengen als in Deutschland, gefunden wird. Es kommt für die Praxis weniger auf die weite Verbreitung des Goldes an als vielmehr auf die Menge, in der es sich im Erdboden befindet. Die 109 Kilogramm gewonnenen Edel- metalls jährlich fallen gegenüber der gesamten Weltproduktion gar nicht ins Gewicht. Ein Bericht nennt die Gesamlausbeute der Welt jährlich mit etwa SZ0 000 Kilogramm, wobei auf die Goldgewinnung in der Südafrikanischen Union, dem zurzeit reichsten Goldland, mehr als die Hälfte, etwa 296lX)9 Kilogramm, entfallen. Der Wert des seit rund 499 Jahren gewonnenen Goldes wird auf 3S 256 Millionen Mar? geschützt und sein Gewicht auf 12636 599 Kilogramm. Man darf bei solcher Betrachtung nicht vergessen, daß die Ausbeute in den früheren Jahrhunderten auch für Deutschland felbstoerständlich wert- voller gewesen ist! der Wert sank bei entsprechender Steigerung der Produktion. Gelohnt hat sich das Goldsuchen in Deutschland nur so lange, als die Tagesauebeute wenigstens dem durchschnittlichen Tagesverdienstes eines Arbeiters gleichkam, was kaum mehr der Fall fein dürfte. Di« Riesenanlagen der kalifornischen Goldbergwerke, die mit hydraulischen Schwemmvorrichtungen arbeiten, errechnen noch eine Rentabilität, von% Kubikmeter Sand oder Gestein nur für 16 Pf. Gold enthalten. Dielleicht wäre der Versuch von Erfolg gewesen, wenn wir Deutschen in der Inflation wieder noch Gold gegraben hätten, wo füllst Splitter dieses kostbaren Metalls einen Tages- oder Wochenverdienst aufwogen. Alte Goldbergwerke. In vielen deutschen Gauen stoßt man auf bergwerklich oder durch Waschen betriebene alte Goldbergwerk«. Aus den Höhenzügen des Hohen Venn glaubt« man Hünengräber entdeckt zu haben, die sich bei näherer Untersuchung nur als alte Goldwaschhalden entpuppten. In schlesischen Chroniken wird der Goldbergbau bereits im 11. Jahrhundert genannt. Schon im 8. Jahrhundert wird Pisek im goldreichen Böhmerwald als Goldwäsche berühmt. Fast jedes Land . unterliegt dem Gesetz des Blühen» und Verschwindens seines Gold- fegens, mögen es nun im Mittelalter Böhmen. Mähren oder Schlesien fein, später Salzburg und Kärnten, darauf folgend Tirol und zuletzt Siebenbürgen, Immer ertönt da» Geschrei von neuen Goldfunden! Die alten Stätten verlieren wie durch Verzauberung sofort an Glanz, es ist, als ob die Glücksader verslegt im Moment der neuen Entdeckung im anderen Bezirk. Fast alle deutschen Flüsse und Teiche führen Gold, manchmal in größeren Mengen, wie der Rhein oder die Ed«, manchmal nur unter dem mikroskopisch feinsten Glas sichtbar. Zm Rhein ist nicht nur oberhalb von Basel bis hinab nach Oppenheim Gold gewaschen worden, son- dern auch am Niederrhein bei Wesel. Im Inn und auch an der Isar unterhalb von München wurde Gold gewaschen, in der Donau bei Regensburg, an der Weser bei Minden, an der Elbe oberhalb von Wittenberg. Diele linksseitigen Nebenflüsse der Oder führen in die breiten Goldloger Schlesiens. Sogar In der vielgelästerten Spree und der Wüggel in der Mark wurde Gold gefunden. Di« ersten deutschen Siedler Schlesiens waren Goldgräber, die, angelockt von dem Ruf der Goldfunde, dorthin kamen und die Städte Goldberg, cöwsnberg, Ziegenhals(Zechenholz?) u. a. gründeten, die im Mittel- alter berühmt wegen ihres Goldbergbauc» waren. In den deutschen Schiefergsbirgen, vornehmlich in Thüringen und im Mansfelder Kvpferbergbau, wird das Berggold als Nebenprodukt ausgebeutet. Wie in den Grundlagern lebender Flüsse findet sich Gold auch tm Sandbetl loker Flüsse. E» ist dies die in Deutschland am meisten vor- kommend« Form. Man nennt die Art des Bergbaubetriebes, wo das Gold mit Hilfe des Wassers aus dem Sand oder zerkleinerten Gestein herausgewafchen wird, zum Unterschied vom Berggold „Goldseifen". Industrielle Ausbeutung. Ob es durch neuzeitlich Industrielle Ausbeutung im großen mog- lich ist, aus Deutschlands Boden mit Nutzen Gold zu gewinnen, steht noch dahin. Die Geologie ist eifrig am Werk. n«ue Goldvortommen zu erforschen, ihren Umfang und Wert festzustellen und die alten auf etwa noch vorhandene Rentabilität zu überprüfen. D« hohe Goldgehalt der Eder, von dem gesagt wird, daß sich ein Abbau be- stimmt lohnt, läßt trotzdem die Aiisfühning noch verzögern, weil, wie schon mehrfach erwähnt, groß« Investierungen in Vetrlebv- Mitteln vorausgehen müßten, deren Verzinsung durch den Gewinn durchaus nicht verbürgt erscheint. Und doch ist früher in der Eder schon einmal so reichlich Gold gefunden worden, daß Graf Philipp II. um 1489 und die Landgrafen Karl von Hessen 1677 und Frisdrich ll. 1777 Dukaten aus Edergold(Edderdukaten) schlagen ließen. Friedrich Natteroth. Gespräch im Krantzprozess. „Ich glaube, die Sache wird auf Freispruch hinauslaufen," „Vorläufig ist erst Frey hinausgelaufen." „Ich meine Kranit kommt frei." „ Vielleicht, sicher bekommt aber Frey keinen Kranz!" Von p. Schirjajew 4. Fortsetzung. „Ganz harmlose Bürger, liebe Leute, weiter nichts. Sie werden sicher einverstanden sein. Uebrigens, Max, Sie müssen sie doch flüchtig kennen! Wissen Sie noch, wie wir sie einmal im vorigen Sommer in der Tichonowstraße be- sucht haben?" „N— neinl" versuchte vergebens Benjamin Appollono- witsch sich zu erinnerst. Er erhob sich und blickte auf die Uhr. „Wir müssen aufbrechen! Wer geht zuerst? Sie, Adolf? Na, wir wünschen Ihnen Erfolg zu Ihrem Unternehmen. Nehmt euch in acht. Freunde, auf euch lastet eine sehr, sehr große Verantwortung. Und Sie, Natascha— er hielt lange ihre Hand in der seinen—,„denken Sie an Klawdia Polja- kowa. Nicht immer spricht das Herz die Wahrheit. Ich weiß, ich spüre, wie schwer es Ihnen zumute ist... Aber auch mir fällt es nicht leicht, liebe Natascha!" » Nach der Sitzung des Komitees fuhr Adolf nach Sotol- niki und nach zwei Stunden läutete er an Natafchas Woh- nungstür:„Alles erledigt. Ich komme aus Sokolniti. Die Leute sind einverstanden. Schicken Sie ihn morgen oder sogar heute noch mit irgendeinem Auftrag dorthin. Ber- qessen Sie aber nicht, ihm irgendwie anzudeuten, wo die Waffen versteckt sind..." Natascha hielt Adolf zurück. „Liebster Adolf, sagen Sie mir... Glauben Sie, daß Nikolai ein Verräter ist?" „Das weiß ich nicht. Wir werden's ja sehen I" sagte Adolf ausweichend und wandte sich entschlossen zur Tür. „Warten Sie noch einen Augenblick... Und wenn die- selben Tatsachen gegen mich sprechen würden, würden Sie dann glauben, daß ich?"... Natascha beendete den Satz nicht. Adolf zuckte unzufrieden mit den Achseln. „Würden Sie es glauben?" „Das— wäre doch unmöglich!" murmelte Adolf. „Warum?" „Das wäre unmöglich!" „Aber warum?!" Adolf schaute Natascha mit einem Blick an, als ließe er wirklich für einen Augenblick die Möglichkeit zu, daß vor ihm eine Verräterin stehe. Dann schüttelte er den eigensinni- gen, kraushaarigen Kopf. „Dann bin ich auch—«in Verräter"— schloß er un- erwartet und fugte hastig hinzu:„Und außerdem wünsche ich prinziviell nicht, auf solche Fragen zu antworten! Das ist dumm! Auf Wiedersehen!" Adolf wohnte in einer schmalen Gasse, in der Nähe der Iesuskathedrale. Er hatte ein Zimmer bei einer alten Be- amtenwitwe gemietet, die als Berkäuferin in einem staat- lichen Branntweinladen angestellt war. Die Wohnung be- fand sich im ersten Stock, unmittelbar über dem Läden. Die einsame und kinderlose Pelageja Jwanowna war ihrem Mieter wie eine Mutter zugetan. Nach Hause zurückgekehrt, teilte Adolf ihr sogleich mit, daß er die Absicht habe, umzuziehen. Pelageja Jwanowna nahm die Nachricht ganz verstört hin und war aufs tiefste gekränkt. «So lange haben wir so nett gelebt... Jetzt gefällt es Ihnen wohl nicht mehr bei mir?" Adolf versucht vergeblich, sie eines Besseren zu belehren. Die alte Frau schüttelte nur immer den Kopf und in ihren Augen standen Tränen. Als Adolf von Natascha erfahren hatte, daß Nikolai seine Adresse kannte, war er sogleich fest entschlossen gewesen, seine Wohnung zu wechseln. Er hatte Max sogar schon seine neue Adresse mitgeteilt— die Wohnung eines bekannten Arztes, wo er zeitweUig Unterschlupf zu finden hoffte. Doch jetzt, als er die verstörte und tiefbetrübte Pelageja Jwanowna sah, wurde er in seinem Entschluß schwankend. „Einmal werden Sie schon alles erfahren, Pelageja Jwanowna!" sagte er, während er in sein Zimmer ging„ich habe mich auch an Sie gewöhnt, es fällt mir auch schwer, mich von Ihnen zu trennen. Ich habe Sie sehr lieb." „Schöne Liebe!" brummte Pelageja Iwannowna, indem sie ihm in sein Zimmer folgte.„Ihr jungen Leute kümmert euch ja nicht um uns alte. Schöne Liebe! Ich spüre es in meinem Herzen, daß irgend was Schlimmes passiert. Heute war ein junger Mann bei Ihnen. Ich hatte ganz vergessen, Ihnen das zu sagen." Aus dem Russischen von Rina Siein. Adolf wurde unruhig. „Wann denn? Wie sah er aus? Was sagte er? War er in meinem Zimmer drin?" „Aber nein doch, aber nein. Wie werde ich denn einen remden Menschen in Ihr Zimmer lassen. Das weiß ich doch elbst! Was Sie denken! Rote Haare hatte er, unsympathisch äh er aus. Wollte wissen, wann Sie zu Hause sind"... Auf den Straßen wurden die Laternen angezündet. Pelageja Jwanowna brachte den Samowar und das auf- gewärmte Abendessen. Adolf aß viel, er aß lange und gierig. Als er satt war, rieselte eine angenehme Müdigkeit durch seinen Körper und er legte sich aufs Sofa. Im nächsten Augenblick war er ein- geschlafen. Sein letzter Gedanke war: bloß nicht einschlafen! A�s er aufwacht?, war es bereits nach Mitternacht. „Heute nacht kann noch nichts passieren... Wenn er wirklich ein Spitzel ist— so hat er heute anderes zu tun, er wird in Sokolniki fein, um die Waffen ausfindig zu machen." Durch das Fenster, das in den asphaltierten Hof ging, drang das gedämpfte Geräusch gleichmäßiger Tritte einiger Personen. Aflolf löschte das Licht aus und schaute durch das Fenster. Der Hof hatte zwei Ausgänge: der eine führte in eine kleine Gasse, der andere— zur Wolchonka. Durch diesen letzteren kamen Leute in den Hof, der vom Licht einer La- terne schwach erhellt war. An ihrer Spitze der graue Mantel eines Bezirkskommissars. „Haussuchung?!" Adolf zog eilig den Rock an und rannte aus dem Zimmer. „Pelageja Jwanowna, Haussuchung!" rief er mit unterdrückter Stimme ins Zimmer seiner Wirtin,„öffnen Sie noch nicht! Ich geh' hinunter in den Laden." In der Küche war im Fußboden eine Falltür und dar- unter eine Treppe, die in den Branntweinladen führte. Vom Lagerraum kam man durch eine Hintertür, die durch einen Haken von innen verschlossen wurde, in den Hof. Adolf rollte wie ein Gummiball die Treppe hinunter und blieb lauschend hinter der Tür stehen. Ein anhaltendes Klingeln ertönte in der Wohnung. Adolf hörte, wie der Schlüssel umgedreht wurde: er hörte schwere Schritte oben, rechts, wo sein Zimmer lag. Geräusch- los öffnete er die Tür, zog die Mütze über das Gesicht und trat über die Schwelle— direkt in die Arme eine Schutz- mann«. Jjali!!" Adolfs Tag war zu Ende?» * In der Nacht von Donnerstag zum Freitag— Adolf war Mittwoch verhaftet worden— näherte sich dem Hause Tichonowstraße 8 ein Trupp von Polizeibeamten. Sie gingen einen schmalen Nebenweg entlang, im Schatten der Kiefern: sie waren kaum zu sehen— die dunklen Gestalten ver- schwammen mit den Baumstämmen. Die beiden ersten unter- hielten sich leise— es waren ein Bezirkstommissar und ein Mann in Zivil. Aus dem Stadtpark von Sokolniki drangen die letzten Klänge des Orchesters hinüber. Der Mann in Zivil sagte leise flüsternd: „Wir werden das Haus umzingeln müssen. Iyi Hof ist eine Vorratskammer oder ein Schuppen. Dort müssen wir hauptsächlich suchen. Wir werden schon etwas erbeuten!" Kurz vor dem Hause Nr. 8 blieben sie stehen. Der Bs» zirkskommissar steckte seinen Browning in die Manteltasche. Der Führer der Mannschaften gab leise Befehle ab, und als die dunklen Gestalten sich geräuschlos auf die ihnen zuge- wiesenen Plötze verteilten, trat er salutierend an den Bc- zirkskommissar heran: „Zu Befehl, Herr Kommissar, alles fertig!" Mit dem Revolver in der Hand� ging er voraus, öffnete die Gartentür und stürmte die Stufen der Terrasse empor, laut mit den Stiefeln klappernd. » Als Natascha ins Zimmer trat, schrieb Nikolai auf einem schmalen Blatt mit kleinen, zierlichen Buchstaben. Vor ihm lag geöffnet ein dicker Band von Aulards„Geschichte der Französischen Revolution". Nikolai wurde sehr verlegen und steckte hastig das schmale Blättchen in die Tasche. „Was schreiben Sie da?" fragte Natascha. Ihre Augen blickten prüfend auf die Tasche, in Lie Ni- tolai den Zettel gesteckt hatte. (Fortsetzung folgt.) Nebenbei bemerkt..• Der große Name. ff« siel, km Krantz-Prozeß, aus dem Mund« der Mutter des Beklagten, die Bemerkung, daß früher, mit Bezug auf ihren Sohn, die Verwandten des öfteren beteuert hätten:„Paulchen wird noch mal ein groß« Mannt" Der Derhandlungsbsricht v«zeichnet „allgemeine Heiterkeit" nach diesen Worten, und diese Heiterkeit hat einen ironischen Untcrton getragen und hat sagen wollen: Run ist er ja tatsächlich ein großer Mann geworden! Fürwahr: das ist er, und« wird nun schon auch einen Perleger für seine.gesammelten Werte" finden, die unter normalen Um- ständen die Fliegen vollgedreckt hätten. Und die Hilde Scheller ist eine berühmte Frau, die Interviews verkaufen kann und schon ihr Filmangebot aus Amerika in der Tasche haben soll. Der Staats- anwalt zerbricht sich den Kopf darüber, wie er den Tatbestand des „gemeinschaftlichen Totschlages" erweisen könne, und die Presse liegt sich mit ihren unterschiedlichen Ansichten über die Sexualnot In den Haaren,»derweilen dürften die Hauptbeteiligten des Prozesses in stiller Stunde denken: Es ist erreicht! Wir sind berühmt! Gott fei Donk, daß da» alles so gekommen istl Der Weg zum Ruhm ist steinig und langweilig, ffs gehört in der Regel viel Arbeit und viel Talent dazu: um ihn zurückzulegen. Aber manchmal schafft'» der Zufall, die eigenartige Lagerung der Umstände— und da stehen dann die Namenlosen urplötzlich im grellen Scheinwcrferlicht des Leitartikels und der Feuilletonspitze, werden von vorn und von hinten potographiert, bekommen von den Telegrophenagenwren ihren Nomen in die Welt gerufen und es tun ihnen die Augen weh und sie sind ganz benommen von dem vielen Glanz. Indessen: Nicht so stolz, Paul Krantz und Hilde Scheller! Das hält so lang nicht vor! Prozeßruhm ist gut, und zuweilen haben ja schon so«freuliche und amüsante Gestalten wie der Haupt- mann von Köpenick und Harry Domela davon profitiert. Aber er sinkt schnell zusammen und über ein Iährchen oder zwei ist auch die schönste Erinnerung an solch eine Sache wie eure, die, wenn schon keine alltägliche, so doch eine alljährliche ist, aus dem frischen Gedächtnis der Umwelt in den Muff dicker Kriminalschwarten hinab- gesunken. Es scheint, daß ihr die Schreckensnacht gut überstanden habt, die euch in aller Munde bracht«. Aber wie wird es nun mit dem Schreckenstag werden, da sich niemand mehr um euch kümmert? Hans Bauer. Die falschen Dollar des Türken. Der türkische Bäckermeister Ibrahim Mustafa Bei kam nach Warschau und wollte eine Konditorei eröffnen. Cr ging aus die Suche nach einem geeigneten Lokal. Dabei fand er eine hilfsbereit« Person, die sich für 29 Dollar bereit erklärte, dem Türken«in ge- eignetes Lokal zu mieten. Der Vermittler nahm das Geld, ließ sich dann aber nicht mehr blicken. Er sollte sich aber nicht lange d« schönen Dollarscheine freuen. An der polnischen Grenze wurden die Dollarnoten als unecht erkannt. Der Vermittlsr wurde verhaftet. Dann interessierte sich ober die Polizei auch für die Dollarscheine des Ibrahim. Bei einer Haussuchung bei ihm fand man noch 1299 solcher falscher Noten. Ibrahim berief sich darauf, die Scheine an der Börse in Bukarest getauft zu haben, was nun festgestellt wer- den soll. '�uyrfLu�oJjuei Der Fufjball-Kreismeisler. Arbeiter fu�ballcr Adler 08 gewinnen 10:0. Zum erstenmal gelang es den Pantowern, die Kreis» me i ft e rsiha ft zu erringen. Harte Vorkämpfe mochten ihnen den Sieg mcht leicht. Wenn dos Resultat auch dem Spieloerlauf entspricht und die technische Ueberlegenheit Adlers voll zum Aus- druck dringt, so muß doch gesagt werden, daß gestern Wacker, wenig. stens bis zur Pause, harten Widerstand leistete. In der Hauptsache war es der Torwart, der sich von der besten Seite zeigte. Rur die letzten drei Tore wären vielleicht zu holen gc- wesen. Ugberanstrengung(oder Lustlosigkeit in den letzten Min-u- ten?) ließen den Nordmeister zu billigen Erfolgen kommen. Aller- dings zeigten die Pankower ein Spiel, wie man es selten von ihnen zu sehen bekommt. Adler 08 hat sich dadurch die Teilnahme an den Spielen um die Burrdesmeisterschast gesichert und dürste auch bei diesen«in ernstes Wort mitreden. * wMm" �' m MWWM Wß mm ' �». A.?\ Vor dem Adler Tor Die Echlußtabelle hat nun folgendes Aussehen: Spiele gm. unentlch. perl. PunNe Adler 08...». 2 2—— 4:0 Sparta 11.,,, 2 1— 1 2:2 Wacker 24.... 2—— 2 0:4 Serlenfpiele. DK Punktekämpse im Osten und Süd» westen endeten im allgemeinen mit den erwarteten Resultaten. Stralau konme über den Verein für Bewegungsspiele mit 2:1 triumphieren. Brandenburg 02 scheint sich aus sich selbst besonnen zu haben: Oberspre« wurde glatt mit 5: 2 geschlagen. Adlershof kennte gegen Lichtenberg III nur ein Unentschieden(2:2) herausholen. Alt-GKenicks gelang es, die sie besuchende Askanio-Mann. schoft mit 5; 2 zu schlagen. Berliner Sportverein 22 zeigte sich gegen Sparta von der besten Seite. Nur knapp, mit 2:0, unter- lagen die Sportvereiuler gegen Sparta 11. �Sein Namensvetter, Bsrtiner Sportverein 16, hatte alle Mühe, sich gegen Wildau mit 5: 4 zu behaupten. Weißensee errang gegen den Treptower Ball- spielklub einen beachtenswerten 3:2- Sieg.— Aus dem Südwesten tomme-n nur einige Resultate. Neukölln mußte sich sehr anstrengen, um gegen Lichtenrade mit 3:0 die Oberhand zu be- halten. Berolina gegen Lindenhof 2: 1. Neuköllner Dallspielklub gegen Schmargendord 1: 7. Tempelhof gegen Fußballring 4: 0. Borwärts-Dahme gegen Fortuna 0: 14. Kveu,zb«rg gegen Stern- Marienfelde 1; 1. Luckenwalde V gegen Stern 24 7: 0. Hertha 22 gegen Lichtenberg II 3:2. Fichte-Treptow gegen Baumschrlenweg 7: 0. Rudow gegen Roter Stern 8; L Sowjet gegen Borussia» Reinickendorf?: 2.__ Der Waidlauf der Ruderer. Ruderverein Collegia in Front. Es war gut, daß für den Waldlauf der Dolkspark Jung- fern Heide gewählt war: die Wege waren trotz des regnerischen Wetters der letzten Tage in gutem Zustande. Da von den 87 De- meldeten nur öl am Start erschienen, hat dos unfreundlich« Wetter wohl doch verschiedene Teilnehmer zurückgeholten, zum Teil ist es aber auch darauf zurückzuführen, daß durch einen Regiefehler einigen Mannschaften der richtige Startplatz unbekannt war. Kurz vor 13 Uhr hallte der erste Startschuh— für die Frauen— durch die feuchtkühle Luft. In flottem Tempo gingen die sünf Teilnehmerinnen auf die 1000-Meterreise. Berger-R. B. Vorwärts ist dem Tempo nicht gewachsen und fällt sofort zurück. Nachdem auch Wachowski-Collegia nicht weit vom Ziel aufgibt, liegt die Entscheidung nur noch bei Vorwärts und fällt zugunsten der Läuferin Thiel, die in guter Form das Ziel passieren kann. Di« beiden Jugendlichen, die sich dem Starter stellen, laufen anfänglich einträchtig nebeneinander, als wenn sie so die 3000 Meter zurück- logen wollen, bis W u t t e- Fichte sich freimacht und mit fast einer Minute Vorsprung landet. Der Start der 44 Männer folgt. Gleich wird Dampf ausgesetzt, so daß sich dos Feld ouseinanderzieht. Hier ist der Sieger Perschke- Collegia, der Ebel von der Kanuabteilung der Freien Schwimmer Charlottenburg mit 10 Me- tern das Nachsehen gibt. Pohl und Zink von Collegia sichern sich den 3. und 4. Platz, wodurch es auch für Collegia zum Sieg in der Mannschaftswertung reicht. Die Zahl der Punkte bei der Mann- schafiswertung wurde durch Zusammenzählen der von den Mann- schaftsläufern erreichten Platzziffer festgestellt. Ruderverein Vor- wärts kam um seine Chance im Mannschaftslauf, weil er vorsichtiger. weise vier Mann als Mannschaft gemeldet hatte, obwohl nur drei zulässig waren. Um jeden Platz wurde hart gekämpft, und man sah vor dem Ziel interessante Kämpfe. Aber schließlich mußte doch einer den letzten machen. Hockey am Sonntag. DK Sportvereiningung Nordost verlor in Grunewald gegen den ASD. FIchte-West 1:3. trotzdem sie durchn�g die Besseren waren. Bokde Mannschaften waren unvollständig und das Spiel begann mit großer Verspätung. Fichte-Wsst kam nicht zur Entwick- lung und nur ihre größere Spielerfahrung schafften schließlich den Torvorsprung. Bei Nordost sah man gm* Aufbauarbeit, die zu chwr Füll« von Torgelegenheiten führte, aber im letzten Moment versagte immer der entscheidende Schuß. Der Kampf war äußerst schnell und besonders oo.r Nordost sehr fair gefahrt. Im anderen Spiet tonnt« der ASC. seinen Erfolg vom Herbst wiederholen und «wann erneut 4: 3 gegen den LTV. Pankow. Don Beginn an I letzt,«tu äußerst fpanneuder und abwechstungsrercher Kampf em. Schlufz in St. Moritz. Das Klassement der Nationen. Das Eiskunstlaufen der Damen hat mit dem erwarteten Siege der jungen, erst 16jährigen Norwegerin Sonja Henie ge- endet, die mit ihrem vorjährigen großen Erfolg in der Weltmeister- schaft einen neuen, nicht minder begehrten, anreihte. Ihre Kür bestach die sieben Preisrichter derart, daß sechs von ihnen ihr den ersten Platz zuerkannten. Nach ihr tonnte die österreichische Meisterin Fritzi Burger am besten gefallen, mit dem dritten Preis wurde die Amerikanerin Loughran ausgezeichnet. Bonden vier deut- s ch e n Löuferinnen machte noch Frau Lrockhösft die beste Figur. Sie kam auf den S. Rang. Die letzten Ergebnisse. Kilian- München, der schon beim ersten Lauf des Bob» rennen? einen ehrenvollen fünften Platz belegt hatte, überbot seine Leistungen im zweiten Lauf beträchtlich� indem er hinter dem Bob.America 1", der die Bahn in 1: 38,7 durchsaust«, auf �Deutschland 1 1* mit einer Fahrzeit von 1:40,2 den zweiten Platz besetzte. Im Gesamtergebnis der beiden Fahrten siegte der Amerikaner Fiske mit 3:20,5 vor Kilian mit 3: 21,3. Wie von vornherein anzunehmen war, war C a n a d a im Eis- Hocketurnier ohne ernste Gegnerschaft. Alle drei Treffen mit Schwe- den, England und der Schweiz gewannen die Canadier mit zwei- stelligen Torzahlen. Ihnen siel wiederum der Titel„Welt- meister' zu, während die Europameisterschaft vom Schweden gewonnen wurde. Nach stundenlanger Ausrechnung lagen etiMich die Resultate der beiden Sprungrennen vor. Im kombinierten Laus siegte Gröttumsbraaten-Norwegen mit der Gesamtnote 17,833 vor seinen Landsleuten Vinjarängen mit Note 15,302 und Snersrud mit Not« 15,021. Von den mitteleuropäischen Läusern schnitt der Deutsche Ludwig Bäck, der mtt Note 13,260 den siebenten Platz besetzte, om besten ab. Klassement der Nationen. Don allen teilnehmenden Nationen waren die Norweger die weitaus erfolgreich st en. Sie nehmen sechs erste,� fünf zweite und. vier dritte Medaillen nach Hause, während Ameri- kaner, Schweden und Finnen je zwei, Canada und Frankreich je eine goldene Medaille errang. Bon den Nationen, die ohne Sieg ausgingen, brachte es Oesterreich auf drei zweit« und einen dritten Platz, Deutschland, die Schweiz, England, Belgien und die Tschechoslowakei mußten sich mit je einem dritten Platz be» gnügen. Die Plazierung der Nationen nach Punkten zeigt folgendes Bild: Norwegen 95 Punkte, Amerika 45 Punkte, Finnland 34 Punkte, Schweden 34 Punkte, Oesterreich 24 Punkte, Canada 14 Punkte, Belgien 8 Punkte, Frankreich 7 Punkte, Eng- land 7 Punkte, Tschechoslowakei 6 Punkte, Schweiz 6 Punkt«, Argen- tinien 5 Punkte, Deutschland 4 Punkte, Italien 3 Punkte. Di« Man.rschastsumstellung gab den ASC.-Leuten das Vertrauen zu sich sellist wieder und hatte der Sturm in seinem Mittelposten die treibend« Kraft. Die Spiel« in der Schönhauser Allee fielen dem Wetter zum Opfer und waren die Plätze in einer spieluntaugliche» Verfassung.— Weitere Resultate: Lichtenberg Sportter II gegen Nordost II 1:0. Athletik Sportklub II gegen ATB. Pan- kow II 4:0. Jugend Charlottenburg gegen Lichtenberg Sportler 8:3. Frauen Lichtenberg Sportter gegen ATB. Pankow 4: 0. In Breslau wird es lebhaft. Grofje Jagden— Rundenverlnsie. Auch die zweite Breslauer Sechstagenacht war eine Enttäuschung für die in Massen herbeigeströmten Besucher. Geduldig warteten zehntausend Menschen wenigstens auf ein« große Jagd, aber fast nichts dergleichen geschah. Allgemein herrscht die Meinung vor, daß die Mannschaften zu gleichwertig sind, daß ein ernst- hafkr Borstoß im jetzigen Anfangsstadium des Rennens nichts weiter als Krästevergeudung bedeuten würde. Die Geduld der Massen wurde jedenfalls auf eine harte Probe gestellt. Bei der Abendwertung zeichneten sich besonders die Schweizer Richli-Suter aus. die sich vom achten auf den zroetten Platz im Klassement vorarbeiteten. Gegen Mitternacht sah es so aus. als ob endlich einmal die„Post abgehen' sollte. Die bisher völlig untätig gewesenen Franzosen Wambst-Lacquehay zogen davon und richteten eine große Berwirrung im Felde ap. Nur zu schnell ebbte der Vorstoß ab, nach etwa acht Minuten war der alle Zustand wieder hergestellt. Dos einzige Resullat der Jagd war eine Straf- rund« für die Belgier Dewolf-Stockelynck wegen schlechter Ablösung. Girardengo-Rieger behaupteten ihre Spitzenposition, van Kempen-Knappe schoben sich wieder auf den zweiten Platz vor. Sehr beifällig wurden Spurtsiege von Rieger und Knappe aufgenommen. Der Sonntagnochmittag. Da das Haus fast bis auf den letzten Platz besetzt war. stiftete die Direktion eine 50 0- M ar k- V o rst o h p rä m i e. und nun kam auch Leben in das Feld. Gegen 4 Uhr hatten Frach-Tonani schon eine halbe Runde Dorsprung, es war jedoch umsonst. Nach einigen weiteren Plänkeleien trat der Belgier Dewols p l ö tz l i ch an. Da die übrigen nicht gleich nachsetzten und Stockelynck schnell zur Stelle war. konnten Dewols-Stockelynck ihre Strafrund« gutmachen. Nach 43 Stunden(1131,140 KUometer) ergab sich so l- gender Stand: Girardengo-Rieger 137 P., van Kempen» Knappe 116 P., Suter-Richli 84 P.. Linari-Seiferth 76 P. Da» Feld gesprengt. Endlich zu Beginn der dritten Nacht erfolgte der lange erwartet« große V a r st o h. Die Direktion der Iahrhunderthalle hatte sich veranlaßt gesehen, den Fahrern hohe Prämien für eine Ueberrun- dung des Feldes z» versprechen. Der Erfolg blieb auch nicht aus. Eintönig verltefen die resllichen Swnden des zweiten Tages, nach Ablauf von 48 Stunden waren 1274,240 Kilometer zurückgelegt. Die erste große Jagd ereignete sich in der Abendwertung. Nach dem zweiten Spurt hielten Ehmer-Kroschel den Zeitpunkt zum Bor. sprung für gekommen und nach etwa zehn Runden hatten sie das große Werk vollbracht. Im gleichen Augenblick legte aber van Kempen los, die starten Fahrer schlössen sich ihm an. Die ganze Wertung hindurch herrschte ein tolles Durcheinander auf der Bahn. Ehmer-Kroschel mußten ihren Borsprung wieder abtreten, zahlreiche andere Mannschaften fielen gleichfalls zurück. Als wieder Ruhe eingetreten war, ließ sich die Situation überblicken. Suter-Richli. Tonani-Frach. Dewolf-Stockelynck, Grimm-Iunge und Hürtgen-Rausch hatten etneRunde erloren, Skupinski-Kroll- mann sogar drei. Kroll war während der Jagd vom Rade ge- stiegen und gab auf. Sein Partner Miethe bleibt vorläufig Cr- satzmann. Kurz vor der Nachtwertung enffesselle Dewolf eine wilde Zogd. Mit van Kempen am Hrnterrade gelang es ihm. einen Darsprunz von 50 Meter herauszuholen. Don den übrigen Mannschaften setzten nun Binda-Tietz. Girardengo-Rieger. Sutor-Richli und Wambft. Lacquehay nach, die Ausreißer wurde» auch bald eingeholt, Dewolf-Stockelynck sogar abgehängt, so daß diese Mann» schaft sogar eine zweite Bahnlänge verlor. Der Stand des Rennens: Girardengo-Rieger 192 P., van Kempen-Knappe 173, Linari-Seiferth 125, Binda-Tietz 83, Ehmer-Kroschel 62, Wambst- Lacquehay 15. Eine Runde zurück: Suter-Richli 119, Tonani- Frach 74, Grimm-Iunge 43, Rausch-Hürtgen 16. Zwei Runden zurück: Dewolf-Stockelynck 34. Drei Runden zurück: Kroll- mann-SkupInski 25. Die Trabrennsaison beginnt. Mariendorf in Rubieben. Dek Troberverein Mariendorf eröffnete gestern offiziell tste Trabrennsaison 1928 auf der Bahn in Ruh leben, wo er Gast» freundschaft in Anspruch nimmt, bis die Beleuchtungsanlage auf seiner eigenen Bahn fertiggestellt ist. Nach außen hin machte sich der Uebergang nicht bemerkbar. Die großen Ställe blieben noch unoertreten. auch die Dreijährigen haben vorläufig noch Ruhe. Trotz der vielen Regenfälle lieh sich der Besuch recht gut an. Das Geläuf war schwer, die Felder fielen meist schmal aus. Das bemerkens- werteste des Nachmittags war der neue Sieg von Belwi» Li» schöner Sprung Arbeitersportler in Schreiberhau i m Faschingspreis. Der kleine Hengst hat sich enorm ve» bessert. Gute Pferde bestritten auch den Preis von Röntgen- tal, ein Herrenfahren, das nach abwechslungsreichem Verlauf mtt dem knappen Siege von Abdullah Silver gegen Erifa und den stark pönalisierten Stapellauf endete. P«i» min Sii«d«rsch>i»hani»n. I. Heimchen(ss. Schmidt): 2. Roscnfrmi: Z. Hortenmädchen. Tot.i i>0! 10. Platz: 20, 2t, 31:10. Ferner liefen: Holo» fernes, Farmer fo. SB.), Leider, M>a Halle, GIllcksvogel, Brigitte, Manostolo». Preis od» Panlow. 1. Morgentau(JB. Schulte): 2. Luftschiffer; 3. Linden. Wirtin l. Tot.: It«: 10. Platz: 20, 14, 18: 10. Ferner licfrn: Friedrich Rex, Panier, SNniadahllpsl, Gerhard. Preis von Heiner-darf. 1. Wagner(9. Elia«): 2. Minni Holl«: 3. Adelino. Tot.: 24: 10. Platz: 1», 24, 34: 10. Ferner liefen: Lefstn», Quintessenz, Pr». peller, Landrat, Lord Volo, Elfentänigin, L'Eaptrun Leerderg, Mantua, Erb- '"'"irei's wn Buch. 1. Leuchtturm(KnSpnadel jr.): 2. Ilona SS.: S. Potsdam. Tot.: 207: 10. Platz: 48, 19, 34. Ferner liefen: Modern falo 3. dioau„ 80 Proz. Platz zurilel), Ostniarl, Propeller, Eoriolanus, Döttrrdote, itartci». spiel«, Erlfpa,(Souiftcis Gloria, Casanova. gosching».Pr«i». 1. Belroin lIautz fr.): 2.»ammersSnger: 8. Wainoea. Tot.: 17:10. Platz 14, 14, 18:10. Ferner liefen: True ssor sai, 2. dioau.. 80 Proz. Platz zurlick), Copal, Crassus, Peter Harvester, Willn 41. Biet»»ou Röntgental. 1. Abdullah Silver(5. Hein); 2, Erisa: 8. Stapel. lauf. Tot.:«3:10. Platz: 24, 22, 14. Ferner liefen: Chrendcrg 3. o. W.>, Susi Lenburn, Goudfter» GNria, Arnfried, Tante, SSarmaid. Prei» mm Bernau. 1..Marie Luise anständig, den Körperteil eines Menschen in die Debatte zu ziehen!" Zum Polizeipräsidenten von Kassel wurde der sozialdemokratische Oberregierungsrat Hohenstein in Elberfeld ernannt. Die lange Hose. Die Mütter haben jetzt ihre Sorgen: Jugendweihe— Konsirma. Hon, selbst da, wo die elterlichen Verhältnisse noch einen weiteren Schulbesuch gestatten, spürt man doch im Hause, daß etwas anders geworden ist. Die Jugend hat die Kindlichkeit abgestreift, ist schon beinahe ein Herrlein ujch ein Fräulein geworden. Aeußertich prägt sich dos auch in der Kleidung aus: bei den Mädchen hat allerdings die Mode, seitdem sie„kurz" diktierte, kaum eine Rolle zu spielen, die Zeiten, wo dem eingesegneten Mädchen dos erste„lange" Kleid gespendet wurde, sind vorüber. Wer beim Jungen macht das Kleid den Mann: heute noch kurze Hofe und Wadenstrümpfe, morgen mit langer Hose in die Schule oder in die Werkstatt... Aber über den Aeußerlichketten, die beim Ii ebergang aus dem Kindesolter in das Alter der Jugendlichen sich umstellen, soll man nicht das Wichtigere vergessen: die Beeinflussung der Iugendpsyche durch Beispiel und Lehre. Es ist ja in diesen Tagen so viel über die Nöte der heranwachsenden Jugend geschrieben und gesprochen worden, daß man glauben könnte, die ganze Generation müsse von den Lehren, die der Schülerprozeß gegeben, profitieren. Aber die Zeit ist zu unheilvoll, zu wechselnd, man vergißt heute leichter, weil die Eindrücke sich so rasch ablösen. Deshalb sollte in jedem Eltern- hause, wo heute oder morgen sich der Uebergang vom Kinde zum Halberwachsenen vollzieht, der Gedanke lebendig sein, daß Eltern irnd Erieher die Freunde und Berater der Jugend sein müstcn, da- mit der in Zweifeln begriffene und mit Nöten sich quälende junge Mensch nicht in verderbliche Schwäche falle. Unsere Zell braucht körperlich und geistig gesunde Menschen, keine Duckmäuser, ober auch kein- Prasser und«chwelger, die womöglich mit ihren Fehlern und Schwächen noch renommieren. So darf die„lange" Hos« als das Symbol einer Entwicklungs stufe bezeichnet wer- den, die für die Bildung von Charakter und Körper gleich bedeut- fam ist. 99 sowie die mannigtaltigen anderen Dörtller Fleischkonserven sind infolge Ihrer an. übertroffenen Qualität o. Preiswürdigkeit der beste Festrorrat 10000 in 4 Monaten verbreitet Soeben erschien die 2. Aufläse ADOLPH HOFFMANN AMORETTEN diftpflsnien aus dem Irrgarten der Liebe— 104 Seiten stark.— V. Pädagogen, Aemen, Juristen und Presse glänzend beurteilt Spaihcrbsfliiflken Gereimte und unger. Lebensbilder Mit Porträt u. Faksimile desVer- fass. sowie 6 Vollbilder uSichel- vignette auf Kunstdruckpapier von WILU STE1NERT [es Buch ostet gebd. HoiiMden 1.00 led kos O M Porto n. Ver- f* II. packg. 0.25 M. Zu beziehen durch; Sämtliche Verwärt». 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