BERLIN MMoch, 22. Februar 10 Pf. Nr. 90 B 45 45. Lahrgang. Erscheint täglich außer Sonutag«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts". Bejugsvreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche, 3 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr.» SficUauMaße xte& Anzeigenpreis: Die einspaltige Nvnpareillezeile 80 Pf., Reklamejeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. w. b. H., Berlin Nr. 37236. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Der König aus dem Mrgenlande Empfang auf dem Bahnhof. Hindenburg in Zylinder und Nock. Alle monarchistischen Herzen können höher schlagen: Wir haben seit heute mittag einen richtigen Emir in Berlin, Amanullah von Afghani st an! Empfangen mit roten Läufern, mit der vorgeschriebenen Anzahl von Äanonenschlägen des alten Königssaluts, mit einem Flaggen- schmuck, wie er großzügiger nicht gedacht werden kann. Der Emir erschien mit seinem Gefolge in einer Uniform, die so bunt und so ordenübersät war, wie sie selbst unser verflossener Wilhelm nicht getragen hat. Demgegenüber kann festgestellt werden, daß der Reichspräsident, als Repräsentant der deutschen Republik, im schwarzen Rock und Zylinder ohne jeden Orbensschmuck auf dem Empfangsbahnsteig des Lehrter Bahnhofs erschienen war. Seit den frühen Morgenstunden schien ein. weim auch nur kleiner Teil des unbeschäftigten Berlin auf den Kops gestellt zu sein. Schon zwei Stunden vor dem Eintreffen des Sonderzuges war es schwer, durch die Ansahrtstraßen hindurchzukommen, und«in« Stunde später half kein Ausweis der Reichsregierung mehr, so waren die Straßen erfüllt von Neugierigen, Schupo und Reichs» wehr. Bei der Ausschmückung wäre vielleicht weni- ger mehr gewesen. Auf dem Vorplatz des Lehrter Bahnhofs war ein großes afghanisches Nationalwappen, umkränzt von Tannenguirlairden, ausgespannt zwischen zwei Flaggenmasten, die das schwarze Banner Afghanistans nnd die schwarzrotgoldene flagge zeigten. Der Borpiatz war auch in seinem weiteren Rund festlich aus- geschmückt. Wenn man bedenkt, daß Hindenburg und der Könsg sich im ganzen höchstens zehn Minuten vor dem Lehrter Bahnhof aufhielten— der Empfang von der Einfahrt des Zuges bis zur Ab- fahrt der Automobile, der übrigens auf die Minute klappte, dauerte 25 Minuten—, dann dürften auch geringere Kosten genügt haben. In der Bahnhofshalle hingen nicht weniger als zweiund- zwanzig mit Tannenguirlanden umwundene lange Fahnen Deutschlands und Afghanistans. Taufende von Menschen umsäumten den Platz, die Schutzpolizei hatte Mühe, für Ordnung zu sorgen, wurde ihrer Aufgabe aber im allgemeinen mit Takt gerecht. Auch die Ansahrtsstraßen find festlich geschmückt. Von allen Regierungsgebäuden wehen Fahnen der beiden Län- der. Die Gesandtschaften haben die Hoheitszeichen ihres Staates Der afghanische Ordenssegen. In tiner Berliner Juwelentirma sind„hohe Orden" angetertigi und ausgestellt, die Aman Ullab an deutsche Würdenträger verteilen will. Er weiss nicht, daß in Deutschland die Annahme von Orden durch die Verfassung verboten ist. Schicksal des Soldaten Humpmair. (Bericht in der Beilage). gehißt. Mächtige Pylone zieven den Platz vor dem Brandenburger Tor. Die Strecke vom Tor bis zur Wilhelmstraße ist besonders reich dekoriert. Kurz vor 11 Uhr trifft der Reichspräsident, von Staats- 40 Opfer beim„Aorge"- Llntergang? Ein neuer Gchiffsuntergang an der englischen Küste. Der Untergang de« norwegischen Küstendompsers für Passagier- und Frachtverkehr.„Ilorge", über den wir berichteten, hat er- heblich mehr Menschenleben gekostet, als man zunächst annahm. Aus Kopenhagen wird berichtet: wie bereits gemeldet, erfolgte das Unglück in der Rächt zum Dienstag kurz vor 12 Uhr. Da, Schiff war in einen starken Schneesturm geraten, als der Steuermann ein« Viertelstunde nach dem Verlassen des Hasens Haugesund einem Motorboot aus- weichen muhte. Es hat den Anschein, als ob der Steuermann dabei die Schären außer acht gelösten hat. die mit ihren felsigen Unter- wasserklippen dem Fjord vorgelagert sind. Mit großer Fahr« lies der Dampfer auf die Schäre Trolsholmen. wobei der ganze Schisssboden ausgerissen wurde. Das Schiff begann sofort zu sinken und ha» sich nur wenige Minute über Wasser geHallen. DiePassagiere.elwa20ao der Fahl lagen>n ihren Kajüten i n« i e s st e m S ch l a s. Bei dem harten Anprall sind alle erwacht und schreiend an Deck gestürzt. Di- Besahuna versuchte in aller Eile die Rettungsboote Narzumachea. was jedoch bei dem schnelle« Sinke« nicht gelang. Die Mehrzahl der Pastagiere hat sich daraus ins Meer gestürzt, wohin Ihnen von der Besatzung Rettungsringe nachgeworfen wurden. Die meisten Passagiere sind von dem Motorboot, das den ganzen Vorgang be» obachtete, ausgenommen worden. Bisher wurden von den Pasta- gicreu drei Mann für tot erklärt, weiterhin sind der Kapitän Oskar Snudsen. ein toste, zwei Sajütensrauen. zwei Mann der Besatzung und ein Strasgesangener. den man nicht rechtzeitig aus der Zelle hat befreien können, ertrunken. Die.Borge" wa« einer der größten Routendampscr. die den Süstendieust versehen. Nach den letzten Meldungen ist die Zahl der bei d«m lliuer- pang der �Norge" ums Leben gekommenen Passagier« und Mann» schaften noch nicht genau festgestellt, da man incht weih, wievisl Personen sich in Haugesund an Bord begeben haben. Gerüchte sprechen von 40 ertrunkenen Personen. Mit dem Schiss sind Postsachen im Werte von 11 000 Kronen untergegangen. Ein Taucher, der gestern versuchte, das Schiff zu unter- suchen, hat noch nicht die Post herausschaffen können. Die„Norge" war für eine halbe Million Kronen versichert. Vie Eisschollen-Fischer gerettet. Der starke Frost in den finnlöndischen Gewässern hat bewirkt, daß 40 der 100 aus den Eisschollen umhertreibenden finnlöndischen Fischer das Laad haben erreichen können. Die übrigen treiben weiter auf den sich immer weiter verteilenden Eisschollen nach Südosten. Die Fischer befinden sich in größter Lebensgefahr. Acht Flugzeuge, die Lebensmittel mit sich führten, haben Erkimdungsslüge über dem Meerbusen unternommen. Nach den letzten eingetroffenen Mitteilungen haben die Nachforschungen des Eisbrechers„Tarao" kein Ergebnis gehabt. Das Schiff hat gestern bei Einbruch der Dunkelheit seine Versuche einstellen müsten und wird heute versuchen, die Fischer zu bergen. Acht Opfer an der englischen Küste. Lyndon. 22. Februar. 3n Grimsby traf gestern die Nachricht ein, daß der englische Fischdampfer„P e t i o i a" bei der D o g g e r b a n k infolge Zu- sammeustoß« mit einem schwedischeu Dampfer gesunken ist. gta Bleu de« Besatzung wurde gerettet, acht erlraakeu. sekretär Meißner und dem Major v. Hindenburg begleitet, auf dem Lehrter Bahnhof ein. Die Vertreter des Reiches, der preuhi- schen Regierung, des Reichstags und der st ä d t i s ch e n Behörden folgen. Auf die Sekunde 11 Uhr 15 Min. fährt langsam der Sonderzug tu die Halle. die offizielle Begrüßung nimmt ihren Anfang. Staatssekretär Meiß- ner überreicht der schönen orientalischen Königin Suruga— sie hat ja auch Zeit und Geld, sich zu pflegen— einen riesigen Blumenstrauß. Draußen auf dem Vorplatz hat sich die afghanische Kolonie ausgebaut, die der König begrüßt. Ein« junge afgha- nische Studentin drängt sich vor, um dem König ein« riesige Schachtel Pralinen zu überreichen, der sie mit liebens- würdigem Dank annimmt. Es folgten das Abschreiten der Ehren kompag nie unter den Klan- gen der melancholisch getragenen afghanischen National« Hymne, die vorerwähnten Böllerschüsie und die Abfahrt in den Autos durch die„Vis rriumpkali!", wie die Rechtspresse so schön sagt. Das militärische Gepränge nahm seinen Fortgang vor dem Prinz-Albrecht-Polais, vor dem die Eskorte kurz vor 12 Uhr eintraf. Die Trommeln wirbelten, die Kom pagin« prüfen- tierte. die Kapelle intoniert« die afghanische Hymne. An der Schwelle des Hanfes begrüßte der republikanische Zeremonie::- meistcr Geheimer Legationsrat K o est e r den Emir und feine Frau. Allzuviel des Guten? Selbstoerständtich ist es, daß auch eine Republik Repräsentations- pflichten hat. die kein Staat umgehen kann. Besucht uns ein aus- ländisches Staatsoberhaupt, so ist es würdig zu empfangen, aber etwas mehr Bescheidenheit, etwas mehr Einschränkung wäre wohl doch am Platz« bei einem Lande, in dem weiteste Bolkskreise schwere wirtschaftliche Rot leiden. Aufwand allein ist noch keine Würde, und bei zukünftigen Empfängen von Staatsoberhäuptern möge man des- halb ruhig die Pflöcke etwas zurückstecken. Zudem sind heute die Staatslenker gar nicht mehr all« auf wilhelminisches Gepränge«in- gestellt. Was würden beispielsweise die bescheidenen Präsidenten Deutschösterreichs und der Tschechoslowakei, Hainisch und Massaryk, sagen, wenn man sie nach dem Muster des heutigen Tages einholen würde? Was aber können sie sagen, wenn sie nicht ebenso prunk- voll empfangen würden wie ihr Kollege au» Afghanistan?, Afghanistan in Derlin. Schlägt man vom Roichskcm�lerplatz aus den Weg in die Ahornallee«in, in das alte Westend, wo die scheußlichsten Blüten des alten Berliner Villenstils stehen, so kommt man bald zu dem bescheidenen zweistöckigen Haus Nr. 40/41, das die afghanischen Studenten bcwohneß. Ist schon die Zahl der in Berlin Studierenden aus europäischen Ländern ein guter Gradmesser für die geistig-kulturellen Beziehungen der Länder zu uns, so gilt dies natürlich in noch höherem Maße dann, wenn es sich um ein außereuropäisches Land handelt, das erst seit kurzem den festen Willen gezeigt hat, mit der europäischen Welt in Vcr» bindung zu treten. Ungefähr 50 afghanische Studenten und Schüler bc- Eine Gruppe der Berliner Afghanischen Studenten finden sich— aus Staatskosten hergesandt— in Deutschland, in Berlin, München, Darmstadt usw. Sie stellen recht eigentlich die afghanische Kolonie dar, da die Zahl der Kaufleute und Vergnügungsreisenben, die Afghanistan verlassen, um eine Europa» tour zu machen, noch recht klein ist. Eine weitere solche Studenten- kolonie befindet sich in iparis, aber mehr mit der Absicht errichtet, sich militärische Kenntnisie anzueignen. Auch in London findet sich eine kleine Zahl von Studenten. Die in Deutschland zum Studium für die Uiriversitäten oder technischen Hochschulen sich vorbereitenden Afghanen werden in dem Westenider Studentenheim, das unter Leitung des„Inspektors der afghanischen Studenten� Rasul steht, von deutschen Lehrern vor- bereitet, und die Regierung hat gestattet, daß die Abschlußprüfung dem deutschen Abi-turium gleichgestellt ist. Zurzeit genießen zwölf Schüler den Berliner Unterricht, dazu kommen noch fünf, die die Lichterfelder staatliche Swdienanstalt besuchen. Alle in Berlin lebenden Jünglinge haben Ihr Heim in dem Westender Häuschen, das durch seinen großen Garten auch Gelegenheit zu körperlicher Ertüchtigung bietet. Das Heim ist ebenso wie die Villa in der Lessingstr. 0 der Sig der afghanischen Gesandschast, Eigentum der afghanischen Regierung. Nachdem Afghanistan wenige Jahre nach dem Weltkriege seine volle Unabhängigkeit erlangt hatte, sind die verschiedenen europäischen Gesand�schosten entstanden. Der gegen« wärtige Chef ist der Gesandte und bevollmächtigte Minister Ahmed Ali Khan, der seit etwa zwei Jahren unter uns weilt. Be- � kannt ist, daß der deutsche Einfluß in wirtschaftlichen Dingen in Afghanistan bereits ein recht erfreulicher ist: unter deutscher Leitung entsteht die an der Peripherie des alten Kabul entstehende neue Residenzstadt Dar°ulamman. Der jetzige Besuch des Königs von Afghanistan in Berlin wird sicher dazu beitragen, die wirtschaftlich« Verbindung beider Länder noch enger zu gestalten. Oer große Aufwand. Der Aufwand, der mit Emir Amanullah getrieben wird, mutet etwas reichlich an.„So waren bei einer bekannten Bekleidungs- firma im Schaufenster Muster der Livreen ausgestellt, die für den Haushofmeister, die Lakaien und die Kraftwagenführer bestimmt sind, die dem Emir zur Verfügung gestellt sind. Goldene und silbern« Achselstücke mit wundervollen, die rechte Brustseite bedeckenden eben- solchen Fangschnüren aus langen Röcken von herrlichem grünen Tuch, seidene und somtne Eskarpms, prachtvolle Schnallenschuhe aus Lack, «in« breit« silberne Schärpe mit dem eingestickten Adler der Republik, ein gewichtiger Hvfmarschallstab— ein höfischer Prunk war da zu sehen, der die Galauniformen der Kaiserzeit in den Schatten stell:. Man hat inzwischen", so schreibt die»Deutsche Zeitung". „alle diese schönen Dinge wieder entfernt, vielleicht, weil man di« Urteile des„arbeitenden Volkes" fürchtete." Die Klagen der„Deutschen Zestung" sind urkomisch. Au»- gerechnet sie wendet sich gegen den Prunk, der zugunsten ein«» fremden'Monarchen entfallet wird, der schließlich doch kommt, um Austräge für die Industrie zu bringen. Land ohne Regierung. Das glückliche Mecklenburg-Strelih. Also heute wurde nun gemeldet: Mecklenburg-Strelitz hat keine Regierung. 110 000 Einwohner suchen jemand, der regieren kann. Zweimal mußten sie wählen im Abstand von wenigen Monaten. Die Wahlen brachten einen Ruck nach links. Die Hetzer, die das flache Land gegen die Stadt aufputschen wollen und die„Bauernreoolution" proklamieren, erlitten cine katastrophale Niederlage. Die Sozialdemokratie hatte ihre Stimmenzahl gegen 1924 um zwei Drittel, ihre Mandate von 8 auf 13 erhöhen können. Die Deutschnationalen bliesen jetzt Alarm. Sie wollen sogar ihren seit Iahren behüteten Ministersessel an die Splitterparteienin dem Haus der 33 Männer abgeben, wenn diese einen geschlossenen B l o ck z u r Abwehr der Sozialdemokratie und— o Tragik des Schicksals— des einzigen daselbst vorhandenen V ol t s- parteilers bildeten! So etwas ähnliches ist nun gestern herausgekommen. Das Ergebnis steht einzig in der parlamenta- rischen Geschichte da. Bisher hat man sich durch alle Not geholfen, indem man bis zur Neuwahl einer Regierung das alte Kabinett amtieren ließ Diese Beugung des Mehr- heitswillens war auch jetzt geplant. Die Sozialdemokratie hatte nicht die geringste Veranlassung zuzusehen, wie auf solche Weise die Existenz des alten Rechtsblocks künstlich auf- rechterhalten werden sollte. Die Kommunisten machten überall mit der Opposition. Der Erfolg war: die neuae- wählte Regierung v. Reibnitz-cheipertz scheiterte an dem Mcß- Freitag wieder Beschluß der Bezirkskonferenz der Halle, 22. Februar.(Eigenbericht.) Itachdem um 10 Uhr bereits die engere und weiter« Bezirks. kommission des Streikgebietes im Volkspark zusammengetreten war, versammelten sich um 1t Uhr die Funktionäre der mitteldeutschen Metallarbeiter, um zur Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruch» Stellung zu nehmen. Aus dem den Funktionären vom Mitglied de» Hauptvorskandes, hanschke, gegebenen Bericht heben wir folgende Gedankengänge hervor: 3m Hinblick aus die nunmehr geschaffene Rechtslage kam die Verhandlungskommission gemeinsam mit dem Haupt- v o r st a n d und ebenso auch die heute in Halle tagende K o n s e. re nz der Funktionäre aus dem Halleschen Bezirksgebiet zu der einmütigen Auffassung, den Kollegen die Aufnahme der Arbeil zu empfehlen. Mir wissen, die kämpfenden Kollegen sind gleich uns von dem Aus- gang der Bewegung nicht voll befriedigt. Aber wen» wir die Frage auswerfen, wer aus diesem Kampf als Sieger hervorgeht. so können wir aus vollster Ucbcrzeugung erklären, daß es die Metallarbeiter sind, die sich in diesem Kampfe muster- gültig geschlagen haben. Der Kollegenschafl ist der im hcrbsl v. 3. für die Schwer- eiseninduslrie gesällle Lohnschiedsspruch bekannt, der eine Lohnerhöhung von 2 Pf. in der. Spitze vorsah, so daß der Mindestlohn für den Facharbeiter in der Spitze 78 Pf. pro Stunde beträgt. Alle mit der Bewegung Vertrauten wissen, aus welchen Ursachen heraus damals der Kamps gegen diesen Schiedsspruch nicht ausgenommen werden konnte. Die verantwort- lichen Führer unserer Organisation, gemeinsam mit dem hauplvor- stand, waren sich damals darüber klar, daß dieser Schiedsspruch, diktiert vom Reichsarbeilsminisler, richtunggebend werden sollte für die Metallindustrie im übrigen Reich, wie für die Arbeiterschaft Deutschlands überhaupt, und wir sahen von Anbeginn unseres Kampfes in MItleldeutschland. daß die Metallindustriellen, sich auf den Lohnschiedsspruch in der Schwereisenindustrie stützend, ver- zweifelte Anstrengungen machten, damit diese Richtlinien nicht durch- brochen wurden. wir erhielten im ersten Schiedsspruch statt 2 ps. d r e i Pfennige Grüne Gruß'SäuIen mit der Reichsflagge und der schwarzen afghanischen Flagge hat Berlin in großer Zahl aufgestellt, um den König aus dem Morgenlande zu bewillkommnen. trauensvotum, das die Deutschnationalen, Kommunisten, Demokraten und Mittelständler durchsetzten. Die alte Re- gierung Hustedt-Schwabe aber wurde von den Gegenparteien zu Fall gebracht, die in dieser Frage von den Kommunisten unterstützt wurden. Jetzt hat das Land der 110 000 keine Regierung. Die Landbündler haben nichts als das Parlament, vor dem sie demonstrieren könnten. Das Land kann keinen Haushalt beschließen. Es kann seine Belange nicht in Berlin vertreten lassen, well keiner weiß, welches denn eigentlich diese Be- lange sind. Doch im Ernst: Die Krise war entstanden, weil der sogenannte Demokrat H u st e d t nicht mehr Staatsverstand und demokratisches Gefühl ausbrachte als die Kommunisten, weil die Splitterparteien kopflos sind— well eben 110 000 Einwohner einen eigenen Staatsapparat höchstens zu so niedlichem Unfug gebrauchen können, wie er gestern geschah. Vielleicht lohnt es deshalb, die Episode festzuhalten. Das kleine Land, dessen früheres Herrscherhaus den Ochsen» köpf in seinem Wappen führte, beweist besser als noch so gelehrte Abhandlungen, daß es so eben nicht mehr geht, und daß wir endlich das Einheitsreich bekommen müssen. lrbeitsaufnahme. Metallarbeiter Mitteldeutschlands. Lohnerhöhung. Durch die Aufnahme des Sampfes ist diese Zulage gesteigert worden von Z und 5 ps. pro Stunde in der Spitze, so daß sür unser Gebiet nunmehr ein vlindestlohn von 80 Pf. für den Facharbeiter in der Spitze in Frage kommt. Damit haben wir nicht nur den Willen der wetalliadnstriellen durchbrochen. sondern darüber hinaus auch die Absicht des Reichsarbeitsministe- riums. diese Lohnerhöhung von zwei Pfennig in der Schwereisenindustrie richtunggebend werden zu lassen, durchkreuzt. Wik dem Ausgang unserer Bewegung haben wir den Weg sreigc- macht für die übrige Arbeiterschaft Deutichland». Als Folgen unseres Sampfes sind anzusehen die Schiedssprüche, die in letzter Zelt nicht mehr allein in der Metallindustrie, sondern auch in anderen 3ndustrien gefällt worder. sind. Kolleginnen und Kollegen! 3hr habt den Meiallindustriellea eine bedeutsame Schlacht gelieserf. die sie nicht erwartet haben. 3hr habt euch lapser geschlagen, so daß die übrige Arbeiterschaft Deutsch- lands bis weit in die bürgerlichen Kreis? mit Bewundernng auf euch blickte. Dieser moralisch« Sieg ist noch höher zu werten als der aus materiellem Gebiet. Soll dieser Sieg nicht in das Gegen- teil umschlagen, so ist es notwendig, daß ihr wie bisher weiter einig und geschlossen zusammensteht. und euch von keinerlei Parolen, oSn welcher Seile sie auch kommen mögen, beirren laßt. Einigkeit und Geschlossenheit ist nicht nur not- wendig im Hinblick, aus die Verfechtung unserer höheren Ziele, wie vom menschlichen Gesichtspunkt überhaupt, sondern Insbesondere auch deswegen, weil jetzt mit der Ausnahme der Arbeit der K a m p f i n den Betrieben beginnt. Laßt euch nicht von phraseuren. Kritikern aus Prinzip oder parteiegoistischen 3nteresscn auseinander- treiben, denn das würde den Sieg in eine Niederlage umwandeln. Unterzieht vielmehr den Verlans und Ausgang der Bewegung einer objektiven Würdigung, dann wird sich der Erfolg innerhalb der Beiriebe weiter vervollständigen, und darüber hinaus wird das eine weitere Stärkung der Organisation und damit der Erhöhung der Schlagkraft der Arbeiterschaft zur Folge haben. Die Aussprache war kurz. Die Konserenz beschloß, die SKel- tenden anszusordern. die Arbeit wieder auszn- nehmen. Als frühester Arbeilstermin gilt derFreilagdieser Woche. Gefängnis für kommunistische Gchulmädel. Warschau. 22. Februar.(Eigenbericht.) vor dem Lodz er Bezirksgericht fand ein Prozeß gegen sechs Schulmädchea im Aller von 17 bis 19 3ahre« statt, die aage- Nagt waren, der Kommunistischen Partei anzuge- hören. Die Mädchen bekannten sich nicht schuldig. Das Gerietst verurteilte eine» von ihnen zu zehn, zwei andere zu je sechs Mo- naten Gefängnis, die drei anderen wurden freigesprochen. Funksprüche aus Europa und Amerika, In Mexiko wurde der Bischof von TamauliPaS. der seit vier Monate« unter falschem Name« sich im Lande aufhielt, und einige andere angesehene Katholiken verhastet. Alte Meldungen über Verhandlungen zwischen der mexikanischen Regierung und der Kirche über eine Beilegung des Religionskonsliktes sind falsch. Tic Auf- fassung des Präsidenten Calles geht dahin, daß der Konflikt vom Klerus provoziert ist und Berhandlnnge« unnötig sind: der Klerus habe der Verfassung z» gehorche«. * Räch dem der Sammer vorliegenden Gesetzentwurf soll Frank- reich» heeresslärte 525 000 Mann betragen, davon 106 000 Berufs- soldaten. 178 000 Mann Koloniallruppen und 30 000 Mann Flieger- trappen. Der italienische Gesandte erschien bereit» zum zweiten Male im wiener Bundeskanzleramt, um sich über die Reden zweier Abgeordneter de» Tiroler Landtages zu beschweren. Seipel erklärte, diese Abgeordnete« seien keine amilichen persönlichkeiien; man könne ihnen die Redefreiheit nicht unterbinden. * Einen Antrag, das Seebeuterecht im Kriege einzuschränken. brachte Vorah im amerikanischen Senat ein. * Albanien beantragte beim Völkerbund eine Hilfsaktion gegen die Hungersnot in Rordalbonien. » Im Unterhaus erklärte der Wirtschaftsminister auf eine kleine Anfrage, ob es angemessen sei, wenn Engländer Sowjetpetroleum kaufen: die Regierung kaufe zwar keine Waren, die früher im Besitze von Engländern waren und beschlagnahmt wurden, aber jeder Kaufmann könne tun und lasten, was er wolle. * Nordameritanische Petroleumkapitalisten beklagten sich über die Beschlagnahme ihres Eigentums in der südamerikanischen Republik Columbien. Im� Washingtoner Außenministerium begann über diese Vorgänge eine amtliche Untersuchung. * Die Verhandlungen zwischen Madrid und Paris über die inter- nationale Verwallung der zwischen Französisch- und Spanisch- Marokko liegenden Hafenstadt Tanger wurden beendet. Spanien erhielt größere Rechte als es bisher hatte. Jetzt wird mit London und Rom über die Zustimmung zu diesen Veränderungen verhandelt. « Der„Oelmagnat" Harry Sinclair hatte im Teapot-Roine» Skandalprozeß die Geschworenen zu leinen Gunsten zu bestechen oersucht. Er wurde zu sechs Monaten Gefängnis oerurteilt. * Sir William Tyrell, feit drei Jahren Staatssekretär des«ngsi. sehen Außenministerium», wird Botschafter Englands in Frankreich. Der englische Botschafter in Berlin, Lmdsay, soll sein Nachfolger werden. Sportdreß und Politik. Die„Reichsfarben" des Reichsausschusses für Leibes- Übungen.- Steuergelder für Schwarzweißrot? Auf der Winterolympiode in St. Moritz hoben, wie gemeldet, die deutschen Vertreter unter 2? Staaten als z w e i t s ch l e cht e st e Nation abgeschnitten. Letzte war Italien. Sportlich gibt es an diesem Ergebnis totsächlich nichts zu beschönigen. Es ist eine schwere Schlapp«, die an, wenigsten von den Anhängern des Wettkamptsporlcs bestrirten werden kann. Zugleich ist es ein wenig verheihungsvoller Auftakt für die olympischen Spiele in Amsterdam. Dos alles wag hingehen, wenn man dos Ergebnis als ein zufälliges ansehen und es besonders der scharfen Konkurrenz der weit überlegenen Wintcrsportler anderer Länder zuschreiben will. Ein Teil der Kritik hat das auch getan. Hervor- gehoben wurde dabei, daß die Pslicht der Repräsentation Deutschland gezwungen habe, an den Schweizer internationalen Kämpfen teilzunehmen.. Desto unverständlicher Ist das Auftreten der deulscheu Delegation In St. Moritz. Die jetzt vo-rstegenden Berichte und Photographien zeigen mit aller wünschenswerten Deutlichkeit, daß die bürgerlichen Sporlverbände es noch immer darauf abgesehen haben, folche internolionolrn Veranstaltungen zu regelrechten Demonstrationen für Schwarzweißrot auszunutzen. Der vom Rcichsausschutz für Leibesübungen be- stimmte Sportdreh— er ist auch für die Amsterdamer Olympia vorgesehen— ist außerordentlich geeignet, diesen Eindruck zu verstärken. Der Sportanzug ist nämlich in Weiß geholten, von dem sich der schwarze Adler aus rotem Brustslreisen recht deutlich abhebt. Zwar ist dieser Adler auf einem gelben Grund ausgesetzt. Aber diese Farbe tritt in den weißen Anzug nur so wenig hervor, daß der Eindruck einer bewußt schwarzweihrot angelegten Sportuniform ratsächlich im Ausland bereits entstanden ist und lebhast kommentiert wurde. Daran ändert auch das Dementi nichts, das Staatssekretär L e w a l d namens des Reichsaugschusses für Leibesübungen gestern der Presse übergeben hat. Jedenfalls ent- trösten sie den Protest, der kürzlich auch im„21 b e n d" gegen diesen Sportdreß veröffentlicht wurde, in keiner Rlchrung. In 5(. Moritz nun leisteten sich die Vertreter Deutschlands ein besonders starkes Stück. Die schwarzrotgoldene Fahne mußten sie wohl oder übel führen, da sie von der Schweiz geliefert worden war. Dafür wurde der Aahnensliel schwarzweihrot bebändert. Mit an der Spitze der deutschen Delegation marschierte ein Mann in dunkler Mütze, auf der die schwarzweißrotc Kokarde prangt. Don dem «portdreß, der angeblich maßgebend sein sollte, sah man über» Haupt nichts, da unmittelbar hinter dem Fahnenträger eine Reichswehrsportabteil nng marschierte. Offenbar war diesen Festtestnehmern schon das Gelb zuviel, auf dem der schwarz« Reichsadler gebettet ist. Jedenfalls trug ihn nur einer der an der Spitze des Zuges marschierenden„Prominenten", die Deutschland oertraten. Das Empörend« an dieser Demonstration ist, daß sie guten Teils auf Kosten des Reiches und seiner Steuerzahler ersolgte. Die Deutschen hätten sich an der Veranstaltung nicht beteiligen können, wenn nicht das Reich für diese sportlichen Zwecke erhebliche Auswendungen machte. So ist in den Etat des Reichs» Innenministeriums ein Betrag von 1 Million Mark vorgesehen, der ausdrücklich zur Pflege des Sports pnd zur Gewährung von Beihilfen für Internationale Konkurrenzen bestimmt ist. Daneben wird der Sport in der Reichswehr natürlich mit öffentlichen Mitteln gefordert. Der Freistaat Preußen wirft jährlich zur Pflege der Leibesübungen 70000» Mark aus,»ine Summe, die nach dem Wunsche des Haushaltsausschusies des Landtags auf 8 Millionen Mark erhöht werden soll. Reakliouärc Demonstrationen, wie sie in St. Moritz augeuschcln- lich boabstchkigt waren, schaden dem deutschen Ansehen im Auslände. Sie sind aber auch eine grobe Taktlosigkeit gegenüber dem republikanischen Staate, der feine Mittel für die Sports ache hergibt und dafür von den eigenen voltsgenossen im vo-land mit Nichtachtung bedacht wird. Jedenfalls zeigt auch die Tatsache des sportlichen Mißerfolge« dem, der sehen will, genug, daß es für die verantwortlichen Führer und Förderer des Sports Besseres zu tun geben sollte, als die Unterstützung und Duldung von Treibereien, die bei einem großen Test des Voltes nur ein Gcsühl der Beschämung hervorrufen können...... Die Zensur im neuen Rußland. Es Hai sich nur wenig gegen früher geändert. D.e in England bereits 1604, in Deutschland 1848 obgeschoffi« Zensur für Drucksachen hat bekanntlich noch lange nachher im zarl» stischen Rußland eine durchgreifende Rolle gespielt. Sic war Haupt- sächlich gegen olle indiskreten und unerwünschten Mitteilungen über Rußland gerichtet, vor allem gegen literarische Auslosiimgen, die irgendwie geeignet erschienen, die Grundlagen der Selbstherrschost und der orthodoxen Staatskirche zu erschüttern. Wütete sie auch am schlimmsten unter der Regierung Nikolaus I., so veoanlahte doch der Ucbcreiser der Beamten noch viel später oft die scllsamsten. kaum glaublichen Zensurkurtosa. Abgesehen von der Residenzprcsse, konnten sämtliche Drucksachen, selbst hormlose Theater- und Konzertprogromme, nur unter Prä- ventivzensur erscheinen. Einen gewaltigen Kontrollapporot, einen großen Aufwand an kritischer Arbeil erforderte namentlich die Aus- landliteratur. Mit Strömen von klebriger Druckerschwärze wurden in Zeitungen und Büchern solche Stellen übertüncht, die über ver- botene Dinge berichteten oder das monarchische und religiöse Gefühl verletzen konnten. Ein Beispiel: In einem seiner Bücher erzählt Wolzogen eine heitere Geschichte von einem Pastor, der eine alte 2lltardccke durch eine neue ersetzen ließ. Die sehr sparsame Frau Pastor meinte, aus der alten Deck« ließe sich noch recht gut eine Sammthose für den Gatten schneidern. 2lls ober der Pastor ohnungckos in dieser Hose ausging und ein tückischer Windstoß sein« Rockschöße auseinander- wirbette, wurde auf der Hinterfront der Hose die goldgestickte In- schrift sichtbar:„Ehre sei Gott in der Höhe!"— Auch dieser ziemlich harmlose Scherz mußte in Rußland nnier der finsteren Tünchender Zensur verschwinden. Roch viel weniger verständlich war das Vorgehen eines Zensors in Reval, der Wilhelm Hauffs„Mann im Monde" auf den Index der verbotenen Bücher setzte. Freilich zog er das Verbot sofort wieder zurück, als man ihn daraus aufmerksam machte, daß„astronomische"(I) Werke doch nlchf verbalen werden könnten. Im allgemeinen wurde In der letzten Zeit die Zensur der in Ruß- laind weitverbreiteten deutschen und französischen Literatur wohl viel milder gebandhabt, doch waren russische Uebersetzungen politischer Schriften meist streng verboten. Diese Zustände dauerten bis 1907. als die Zenfur offiziell abge- schafft, aber durch ein„Presiekomitee" mit Presseinspektoren zur Prüfung aller Neuerscheinungen ersetzt wurde. Auch Sowjetrußland Hot ein solches Presiekomitee, nur in etwas veränderter Form, beibehalten. Bei der Umwertung aller politischen, sozialen und religiösen ZZegriff« sind die Richtlinien der Sowjet- .zensur natürlich der zaristischen vollkommen entgegengesetzt. Gegen das monarchische und religiös« Gefühl gerichtete Schriften dürfen heute von maßgebender Seite der wärmsten Empfehlung gewiß sein. Dies ollein genügt allerding» noch nicht: so ist z. V. der„Vorwärts" in Rußland heute noch strenger verboten, als ehemats im Zarenreich. Trotzdem läßt sich bereits ein« Lockerung des starren Systems der schwarzen Listen beobachten: so wird die zur Tolstoi-Jahrhunderi- feier vorbereitete groß« Jubiläumsausgabe des Moskauer Staats- Verlages auch sämtlich« morol- und religionsphilosophischen Schriiten Tolstois umfassen, die s«t 1917 nicht mchr neu aufgelegt werden sind. An sich ist die Sowjetzensu? im vergleich zur früheren, dank der staatlichen Zentralisierung des Druckereiwesens und des Buch- Handels, vor eine wesentlich einfachere Aufgabe gestellt. Die meisten ausländischen Zeitungen sind verboten. Tatsächlich hat aber gegenwärtig d!« illegal« Literatur, namentlich in allen größeren Stödten, einen beträchtlichen Ilmsong angenommen. Noch In der ersten Hälfte des Jahres 1927, als diese regierungs- feindlichen, meist in Rußland geheim gedruckten Schriften wenig verbreitet waren, verhielt sich die Bevölkerung ihnen gegenüber ängstlich und zurückhaltend In den letzten Monaten des vorigen Jahre, sind ober alle städtischen Postanstalten mit solchen verbotenen Drucksachen derart überschwemmt worden, daß all« Repressalien un- wirksam blieben, und die Bevölkerung sich schon daran gewöhnt hat, diese Schriften zu lesen und offen zu besvvechen. Der Löwenanteil an dieser illegalen Produktton entfällt w-chl auf die konmiunistischc Opposition, und nur die erbitterten Kämpf« innerhalb der Partei haben diese gewaltige Uebersluwng ermöglicht. Abgesehen von den gleichfalls weiwerbrelteten religiösen Werbeschriften, ist an der Her- stellung der rein politischen, rcgiening-fcindlichen Druckschriften und Flugblätter auch die Mast« der Parteilosen stark beteiligt. Welche Entwicklung diel« neue Erscheinung schließlich nehmen wird, läßt sich noch gar nicht übersehen. „Freiwild." (Primns-palast.) Arthur Schnitzlers gleichnamiges Schauspiel„Freiwild", da» 1896 als Tendenzstück geschrieben wurde, liegt diesem Film zu Grunde. Obwohl die Tendenz de» Schauspiels, die sich gegen das Duell wendet, heuzutag« für jeden nicht mittelalterlichen Normal- menschen überholt ist, Hot der Film doch unbestreitbare Verdienste, weil er einmal wieder die Unhaltbarkeit gewisier Sonderehrbegriff« nachweist. Ein Offizier benimmt sich brutal aufdringlich einer jungen Schauspielerin gegenüber, weshalb es zwischen ihm und dem Jugend- freund der Beleidigten zu einem Austritt kommt. Der Offizier will den Zioiiisten zu einem Duell zwingen, der aber denkt gor nicht daran, sich mit seinem Gegner zu schlagen. Der Offizier aber muß auf das Duell bestehen, denn nicht durch feine ungehörige Tot, sondern durch den wohlverdienten Schlag, gilt sein« Ehre für ver- letzt. Da ihm, dem Trinker und Spieler, der seinen Ehrenhandel nicht ins Rein« bringen kann, doch nichts anderes wie die Kugel überbleibt, mordet er seinen Gegner, um dann durch Selbstmord zu enden. Holger- Madsen ist der Regisseur. Ihn reizen oft Bühnenstoffe, und wenn einer, so wird er ihnen gerecht. Er ist selbst Seele, und daher werden bei ihm dt« Handlungen im Film nicht knallig, sondern sie sind stets entwickelt und wirken folgerichtig. Die Schauspieler hat er gut in der Hand, er schafft ein Ensemble von gemeinsamen Willen. Evelyn Holt, die Houptdarstellerin, gab schob einmal, und zwar in„Liebelei", einer Schnitzlcrfchen Figur Leben. So wie damals macht auch diesmal wieder ihre innige Art starken Eindruck. Hilde Mar off ist sesch al, Soubrette, während sich Bruno Kastner, dank seiner langjährigen Ersohrimg. mit der wenig sympathischen Rolle des von Karinski recht filmgemäß und wirkungsvoll abfindet. Ein« beachtenswert« Leistung bietet serner Fred Louis L c r ch als Maler Röntng. Wes in allem handelt es sich auch rem künstlerisch, obzwar das Spielfilmniveau nicht über- schritten wird, um einen nicht ganz alltäglichen Film. e. b. Lyrischer Tanzabend. Im B o ch» S a a I tanzte Edith von Schrenck. Sie ver- mittelte den Zuschauern nicht das ganz große Erlebnis. Was sie gab, war reif«, ausgeglichene Kunst, beruhigend schön« Harmonie, die aber nicht grellen, quälenden Disharmonien als unbedingte Rot- wendigkeit folgte. Jede Ekstase ist ihrem Tanz fremd. Er gleitet fromm hin und her zwischen Dur und Moll wie die Klänge eine« alten Qolkslicdes. Aber in diesen nicht sehr weiten Grenzen bietet Edith von Schrenck vollendet schönes: Gebärden, die nicht von der Befreiung des Körpers, sondern von einer vollendete« Erziehung, im wörtlichen Sinne„Beherrschung" des Körpers reden. Sie sind streng, klar: bisweilen schwingt in ihnen schmerzlich, entsagend« Re- signativn. Aber es gibt auch Augenblicke in diesen Tänzen, wo der Zuschauer nur die kühle Ausgeglichenheit spürt, ihr bewundernd, ober innetlich ganz unberührt gegenübersteht. Doch diese Momente sind selten. Edith von Schrenck, diese Tänzerin mit den beherrschten und dcch weichen Bewegungen ist ein erlebnisfähigcr Mensch: kein« ehrgeizige Artistin. T e 5. Ein neues Kunstausstellungsgebäude in Verlin. Die Berliner Kunst hat schon seit Jahren kein geeignetes Zlus- stellungsgebäud« mehr. Der Glaspalast am Lehrter Bahnhos liegt außerhalb des Verkehrs, und das Publikum geht kaum noch hin. Auch ist er veraltet und baufällig und erfordert jährlich enorm« Reparaturkosten, die der preußische Fiskus nicht mehr länger zahlen will. Drei Projekte stehen zur Diskussion: eins im Zentrum der Stadt, neben dem Brandenburger Tor, das zweite weiter westlich auf dem Gelände des Zoo, das drill« ganz im Westen, in W i tz l e b e n. Das erst« ist vom Standpunkt der Künftlerschaft und de« Kunstmarktes bei weitem dis beste; dos Grundstück, das hierfür ousersehen fft, stößt an der RückjroM an die Preußische Akademie der Künste, und es liegt in der Gegend, in der sich überhaupt der Berliner Kunsthandel konzentriert. Hier kann die Berliner Kunstausstcllung wieder das werden, was sie sein soll, ein für das gesamte deutsche w>« auch für das inter- nationale Kunstleben führender Faktor, der den Markt bildet und der maßgebenden Kritik dos Material unterbreitet. Der Zoo liegt außerhalb des Berliner Kunsthandels, die Vereine und Galerien, die sich dort niodergelosien hatten, haben sich alle wieder dem Zentrum.zugewandt. Außerdem wäre hier als Entschädigung für den Zoologischen Garten ein Stück des Tiergartens zu opfern. Witzleben vollends, halb Ausflugsort, halb Messcrummelplotz. ist völlig abwegig und kommt für Künstler, Händler und Kritiker nicht ernsthaft in Frage._ (Sine kurze Antwort auf eine kleine Anfrage au piscator. Bon der Piscator-Bühne wird uns geschrieben: Zunächst war die Adresse falsch, an die Herr Kröning seine Anfrage richtet«. Nickt Piscator, sondern die Piscator-Bühne hatte den Vertrag mit den Veranstaltern des Hirfch-Wends geschlossen. Der Preis von 500 M, der sich aus den allgemeinen auf dem Theater liegenden Lasten ohne weiteres rechtfertigen läßt, war den Veranstaltern vorher bekannt. Dementsprechend hatten sie die Eintrittspreise festgesetzt. Bei der Qualität der Mitwirkenden und der Darbietung hätte die Einnahme 3000 M. übersteigen müsien, wenn die Organisatoren der Deranstal- tung eine etwas geschicktere Hand bewiesen hätten. Als jedoch am Tage nach ver Veranstaltung die Sekretärin der ZZerwoltungs- direktion meldet«, daß dieser Ertrag nicht annähernd erreicht sei. bot Direktor Katz von sich aus die Gewährung eines Nachlasses an, was auch dckntend akzeptiert wurde. Lieblinge des amerikanischen Rundfunks, Die größte amerikanische Rundsunkgesellschost, die Edison Tom- pazny, hat unter ihren Hörern ein« Umfrage über diejenigen Kom- ponisten und Musikstücke veranstaltet, die sie am liebsten hören. Von den 79800 abgegebenen Stimmen erhielt die meisten, nämlich 3245, Beethoven. Als Lieblingstomposttion wurde von der größten Anzahl Wagners Ouvertüre zum„lannhäuser" bezeichnet. Roch Beethoven erhielt Schubert die meisten Stimmen, nämlich 2970. An dritter Stelle steht mit 2935 Stimmen«in bei uns ganz unbekannter Komponist Dictot Herbert. Es folgen dann Wagner, Felix Mendels- söhn, Liszt und Gounod, Johann Strauß steht unter den Lieblings- komponisten de» amerikanischen Rundfunks an 15. Stelle. Unter den Musikstücken, die am häufigsten genannt werden, folgt auf die „Tannhäus«r"-Ouvertür« die Ouvertüre zu„Dichter und Bauer" von Euppä, dann ein„Militärmarsch" von Schubert. Beethovens„Fünfte Einfonte". Gounods Ballettmusik aus„Margarete", die Meditation aus Massenets„Thais" und.�Ziebesfreude" von Fritz Kreisler. In- strumentaffolo, find beliebter als Gesangsvorträge von Solisten, denn die ersteren erhielten 2720 Stimmen, die letzteren nur 1422. Künstlerhilfe der Stadt»erlitt. Die Stadt Berlin hat der Darlehns- und Unterstützungskasie des Gauveibandes Berlin des Reichsverbandes bildender Künstler für dieses Jahr einen Betrag von 30 000 M. bewilligt. Borbedingung für Darlehen und Beihilfen ist die künstlerisch wertvolle Produttion. Künstler, die sich scheuen, ihre wirtschaftlichen Schwietigkeiien öffentlich preiszugeben, können auf vertrauliche Behandlung durch Kom- Mission und Aorstand zählen. Veltsbühve. Heinrich DchluSnuS wird im VII7. Konzert der Dolke- bübne Sonntnfl den 26. Februar mittags 12 Uhr im Theater am Hülowplatz Lieder von Zchubert. Hugo Vols. Richard Strauh und«rien von Mar'chner und Verdi(out der Opert Die Äacht deS Schicksal«) zum Vortrag bringen. ver volkebbhninball findet am Sonnabend, dem Lb. Februar tSSS, abend« II'/« Uhr, im Foyer de« Theater« am Sülowplah statt. Der ae» lawt« Reinertrag kommt dem Echaulptelerhei» erwerbsloi« Schauspieler in Berlin zugute. £ batlalle vuchowhomeyer, der Verfasierin der.Zeiiedc", zum Ge- dächtni« veranstollct die ArbeilSgemeinschasl Neukölln der volttbadn« eine Feier am Freilag. dem 24. Februar.>9 45 Ubr. in der Aula der Mädchen« Mitteitchule, Neukölln. Donmiilr. 127. Nora Zepter wird Ungedruche» au» dem Nachlaß oorlragen. Den musikalischen Teil h»t Curt Gebhard üdernommen. Die Liebestragödie in Wilmersdorf Oer Täier in der Aachi verhastet. Vor dem Hause Düsseldorfer Straße 43 spielte sich gestern abend, wie heute früh berichtet worden ist, kurz vor 20 Uhr eine Liebestragödie ab. Nach einem vorangegangenen Streit gab dort der 27jährige Buchhalter Rudolf K ü r ch n e r aus der Frankenftroße, aus seine 24jährige Verlobt«, die Stütze Elli S t o l l b e r g, zwei Schüsse ab, die beide in den Kops trafen. Das Mädchen wurde durch die Feuerwehr sterbend in das Wilmersdorser Krankenhaus in der Achenbachstraße gebracht. Küchner, als er sah, was er angerichtet hatte, flüchtete und irrte zunächst planlos in den Straßen umher. Als er dann in den ersten Morgen- stunden seine Wohnung aufsuchte, konnte er von Kriminalbeamten verhaftet werden. Der Täter, der unter der Einwirkung des furchtbaren Geschehens völlig zusammengebrochen ist, wurde heute vormittag einem ein- gehenden Verhör unterzogen. Wenn seinen Worten Klauben ge- schenkt werden darf, ist er nicht mit dem Vorsatz noch der Dössel- dorser Straße gegangen, um seine Braut zu erschießen. Erst im Lause der Auseinandersetzung, bei der er zuletzt durch das Benehmen seiner Verlobten in sinnlose Wut geraten sei. will er zur Waffe gegriffen und sie durch zwei Kopfschüsse, di« jeder tödlich wirkten, niedergestreckt haben. Elli Stollberg war seit längerer Zeit bei einem Kaufmann im Hause Düsseldorfer Straße 43 als Stütze beschäftigt. Sie war seit etwa zwei Iahren mit dem Buchhalter Rudolf Kürchner verlobt. In den letzten Monaten kam es zwischen den Verlobten mehrmals zu heftigen Auseinandersetzungen, die schließlich dazu führbn, daß Elli Stollberg die Verlobung wieder auslösen wollte. In einem längeren Brief legte sie dem Manne di« Gründe dar, die sie zu diesem Entschluß veranlaßt hätten. Gestern nachmittag führte das Mädchen mit ihrem Verlobten ein Tclephongespräch und bat ihn, ihr den Hausschlüssel zurückzugeben. Dadurch fand Kürchner. der sich gern wieder aussöhnen wollte, nochmals Gelegenheit, zu einer Zu- fammenkunft. Das Paar traf sich in der Düsseldorser Straße, wo d.n n im Lause des Streite« die tödlichen Schüsse fielen. Erst nach- dem Kürchner geflüchtet wa-, wurde das schwerverletzte Mädchen in ihrem Blute von lsausbewohnern, die von der Tragödie über- Haupt nichts bemerkt hatten, vor der Haustür bewußtlos cusgefu'>den Die Aerzte des Krankenhauses tonnten der Unglücklichen jedoch keine iVV mehr bringen, sie starb kurz nach ihrer Aufnahme, Die Waffe, einen veralteten Trommetrevoloer, kichri: Kürchner, der, nach seiner Aussage, auf seiner Dienststell« mit größeren Lohnsummen zu tun hatte, zum Schutz gegen etwaig« Uebcrfälle stets bei sich. Ob dies zutrifft, oder ob er die Was'« erst gestern zu sich steckte, mit dem Vorsatz, seine Verlobt« zu töten, bedarf noch der weiteren Klärung Artistenlos. Artisten gleichen verzweifelten Spielern, die ihr Geschick auf eine einzige Karte setzen. Aber uxihrend den Hasardeur in des Wortes «igentltchem Sinne meist ein Rauschzustand wirrer Phantasiegebilde, geboren aus der Gier nach unerreichbaren,-materiellen Lebens- werten, dazu treibt, bedeutet bei dem Artisten das Herausfordern des Schicksals auf Leben und Tod den harten, nüchternen KampfumstäglicheBrot. Tollkühnheit und Todesverachtung find hier nicht Augenblickseingebungen einer überhitzten Gedanken- weit, sondern die Frucht mühsamster, angestrengtester Arbeit bei klarem Kaps und kühlster Berechnung. Ueber diesen Rechenexempcln hängt stündlich das Damoklesschwert plötzlichen Versagen«. Erst in den letzten Wochen passierte einer Artistin im Zirkus Busch wieder ein schwerer Unglücksfall, der di« Betroffen« unter große» Schinerzen an ein langes Krankenbett fesselt, noch dazu mit dem ständig quälenden Angstbewußtsein im Herzen, ob die Verletzungen nicht etwa dauernde Berufsunfähigkeit noch sich ziehen. Zu oll diesen schwerwiegenden körperlichen und jceiischen Schädigungen tritt aber beim Artisten dann noch das furcht- bare Moment völliger Rechtlosigkeit auf irgendeinen Ersatzanspruch. Er ist gänzlich dem moralischen Benrntwortungsgefühl seines Arbeitgebers ausgesetzt, ob dieser sich zu einer Ersatzpslicht versteh«, will oder nicht. Der Artistenberuf untersteht nicht der Reichsversicherungs- ordniung, ebenso sind Artisten, wie alle Mitglieder freier Berufe, nicht krankenkassenpflichtig. Hierzu kommt noch, daß nichtorganisiert« Artisten im Streitfalle vollständig auf sich selbst angewiesen sind. Organisierte Mitglieder, die neben ihren Mitgliedsbeiträgeck auch noch Sterbemarten kleben, erhalten bei töd- lichen Unfällen lölX) M. Sterbegeld, außerdem tritt natürlich di« Organifaiion bei Unstimmigkeiten zur Wahrung Ihrer Interessen für sie ein. Es ist ja sonnenklar, daß bei BeMebsunfällen der Arbeitgeber stets versuchen wird, den Nachweis zu erbringen, daß ihn dabei kein Verschulden trifft, und daß er somit gegen den§ St8 BGB., der besagt, daß Räume, Vorrichtungen und Gerätschaften so einzurichten und zu unierhallen sind, daß der Verpflichtete gegen Gefahr für Leben und Gesundhell soweit geschützt ist, wie die Natur der Dienstleistung es gestaltet, nicht verstoßen hat. Wenn nun der Arbeitgeber genügende Na�weise nach dieser Richtung hin erdringen kann und er auf der anderen Seite, vom rein menschlichen Stand- puntt betrachtet, keinen Ersatz leisten will oder kann, so ist der Arbeitnehmer völlig recht- und schutzlos seinem traurigen Schicksal ausgeliefert. Man kann alledem natürlich gegenüberhalten, daß kein Mensch gezwungen wird, solch lebensgefährliches Kunststück vorzuführen, andernteils besteht aber doch der Ehrgeiz eines Artisten darin, Proben besonderer Kraft, Geschicklichkeit oder waghalsiger Leistungen abzulegen, die ihn für seinen Beruf besonders geeignet erscheinen lassen und ihm dadurch eine erhöhte Existenzmöglichkeit bieten. Wenn er-10-1 Jahre ali ist.«. Sdison gegen Aberglauben und Kirchenfrömmigkeit. Fort Myers, eine mittelgroße Stadt in Florida, der langgestreckten Halbinsel im Südosten der Vereinigten Staaten, feierte letzthin den 8l. Geburtstag Thomas Aloe Edison s. 4000 Schulkinder spiellen in Wettkämpsen. führten Theaterstücke auf und sangen Lieder vor, olles zu Ehren des berühmten Er- finders. Dos Geburtstagskiird. dos sich noch immer der größten Frische erfreut, plauderte zu der Presse über Religion, Ethik und Oberst Lindberg h. Der Erfinder des Grammophons und der elektrischen Birne erklärte, doß das Volk sich vom Aberglaube abwende. Die Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse und Erkenntnis vertreib« den Glauben an übernatürliche Kräfte. Im vergangenen Jahre hätten über II 000 Kirchengemeinden in den Vereinigten Staaten keine Zunahmen an Mitgliedern mehr be- richtet. Lindbergh nannte er den feinsten Kerl der jüngeren Generation des Landes. Die Fliegerei sei noch in ihren Anfängen. Er hoffe in zwanzig Jahren— er würde dann 101 Jahre zählen— den Ozean so sicher in der Luft zu überfliegen, wie man ihn jetzt mll den Riesenschiffen zu Wasser überquere. NEWLEADER Wid. Whidi i. IncofporaKd"LANSBURVS LABOUR WEEKLV VC*. W. Not S-Hot Na.« nUDAV. FEORUAÄY IT.»U TTV-S Eine Karikatur zum Kampf der englischen Bergarbeiter um das Existenzminimum. Achtung Mieter! Neue Bestimmungen beim Mieterschuh. Zugleich mit den Bestimmungeck des neuen Mieterschutzgesetzes. die kürzlich hier besprochen wurden(„Abend" 18. Februar 1928> sind auch Aenderungcn des Reichsmietengesetzes herausgekommen. Wenn sie auch für die Menge der Mieter nicht von besonderer Wichtigkeit sind, wie die bereits besprochenen und noch zu besprechenden neuen Borschristen des Mieterschutzgesetzcs, so müssen doch wenigstens die Mieter von Geschäftsräumen, Läden, Bureaus, Lagerkellern usw. sich mit diesen Lorschriften vertraut machen, um Unannehmlichkellen zu entgehen, um so mehr, als die Vorschriften wieder einmal so verklausuliert abgefaßt sind, daß auch Juristen sich nur sehr schwer durchfinden. Das Wichtigste ist also folgendes: Wer nach dem 31. März einen Geschäftsraum mietet, und zwar aus mehr als zwei Zahre, muß mit dem vereinbarten Mietszins, so- lange der Vertrag läuft, zufrieden sein: er kann, anders als bisher, in Zukunft nicht mehr verlangen, daß trotz des verabredeten Miets- Preises im vertrage die gesetzliche Miete gelten soll, so wie dies nach Z 1 des Reichsmietengesetzes bisher zulässig war und weiter für Wohnungen(mit Ausnahme sogenannter Großwohnungen, das heißt, für Wohnungen mit mindestens sechs Zimmern) und Geschäfts- räume mit kurzer Vertragszeit zulässig ist. Wichtig ist noch folgende neue Borschrisk über den Mieterschuh, die im Gegensatz zur ganzen Richtung des Gesetzes, wohl, um die bittere Pille etwas zu versüßen, zugunsten der Mieter getroffeck ist und von der sie daher im Notsall Gebrauch machen können und sollen. Ist nämlich der Mieter zur Räumung verurteill unter Zu- billigung einer Räumungsfrist, so kann er zwei Wochen vor dereck Ablauf Verlängerung verlangen, bis zur Frist von drei Monaten. Dagegen ist bei Dienst- und Merkwohaungen wieder eine Verschlechterung für die Mieter eingetreten, insofern, als es dem Inhaber des Werkes oder des Hauses in Zukunft leichter ist, die Räumung zu erreichen. Schließlich soll noch bemerkt werden, daß abgesehen' von den er- wähnten Aenderungen(und einigen weiteren Aenderungen, die jedoch nicht von besonderer Wichtigkeit sind) das Reichsmietengesetz und das Mieterschutzgesetz im ganzen bi» zum ZI. Mär; 1930 In Kraft bleiben. Dr. Albert Vaer, Rechtsanwalt und Notar. Wehe, wenn du Vetn'ebsrai bist! Ein Glas Bier als Entlassungsgrund. Ein bei der Handelsgesellschaft deutscher Apo- theker beschäftigter Chauffeur, der auch Mitglied des Betriebsrats ist, soll angeblich während der Arbeitszell betrunken gewesen sein. Deshalb wurde beim Arbeitsgericht die Zustimmung zur Kündi- gung beantragt. Die Trunkenheit sollte durch das Zeugn's des Inspektors der Handelsgesellschaft bewiesen werden. Doch der Inspek- tor sagte:„Betrunken war der Chauffeur nicht, aber ich konnte ihm ansehen, daß«r etwas getrunken hatte." Daß er etwas getrunken hatte, gab der Chauffeur ohne weiteres zu. Er halle, als er von seiner Tagestour um 6 Uhr abends zurückkam, noch ein« zweite Tour bekommen, die nach 10 Uhr abends beendet war. Als ihn kurz vor dem Ende dieser Tour ein natürliches Bedürfnis nötigte, anzuhalten, ging er in eine Schankwirtschaft. Bielleicht hatte er auch dos nicht minder natür- liche Bedürfnis, nach einer 14stündigen Arbeitszeit eine kleine Er- frischung zu sich zu nehmen. Genug, er trank ein Glas Bier und ein Gläschen Korn. Bon Trunkenheit, di« doch als Kündigungsgrund angegeben war, koimte nach der Bekundung des Inspektors keine Rede mehr sein. Dennoch erteilte dos Gericht die Zustimmung zur Kündigung des Chauffeurs, well die Arbeitsordnung bestimmt, daß er während der Arbeitszeit keine alkoholischen Getränke zu sich nehmen und kein? Wirtschaft aussuchen darf! Also der e i n m a l i g e Berstoß gegen diese Bestimmung— mehr ist nicht erwiesen— rechtfertigt nach Anficht des Gerichts di« Kündigung des Betriebsratsmitgliedes.— Bei einem Unternehmer ist es nicht zu verwundern, wenn er ein Betriebsratsmitglied los- zuwerden sucht auf Grund einer so unsinnigen Arbeitsordnung, die dem Chauffeur, der8bis 14 Stunden unterwegs Ist, das Betreten einer Wirtschaft verbietet. Daß aber Arbeitsrichter dem noch den Stempel des Rechts aufdrücken, das zeugt nicht von sozialem Verständnis. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Um- gsgend.(Nachdruck verboten.) Trockenes und zeitweise heiteres Frostwetter. Für Deutschland: Im Westen heiteres, im Osten noch wolkiges Frostweller. Zt Stil»» t»«ilaae. Mittwoch,Z2.2 28 Staafs-Opsf Arn PI.d.Rtpabl. 8 Uhr: Tosca staatl. Siiaaspielh. ta jimtimiunirkl SUhr A\ 1 ttw och ,22.2.28 Slidtistte Oper Blsrnarckstr. to.-tm. H. toi. TV* Der lomiiidoi Staatl. Sdiillertta. Charlottenburg 8 Uhr Ende gut alles gut Volksbühne ID. ib toiffbmrtrn» 8 Uhr Schieber lies Rahms (Mstai an nimlitr 8 Uhr MM'iöW desflatonioDirossa CASINO-THEATER uw Lothringer Str. 37 Die spankcfae Fliege. Anudmeldea i Gutschein 1—4 Pers Fauteuil nur 1,10 M. Sessel aar 1.60/4 WM MW Norden 12 310 AbonnemcntsbUro: Norden 10138—30, 101« 81/, L', Ende nach 10 ZwÖlftaroend von Bruno Frank Katmnerspiele Norden 12 310 8', U„. Ende 10 Uhr »0 Sie, da! Constaaca sidi riditig nrtidlt? Die Komödie Bismarck 2414,7310 8'/, U. Ende 10',, U. Marcel Fradelia (Der Eunuch) BiTlion NM Direktion Kuhnert. to>MMr.lsai.0M.17t . Uhr Hai Adalbert als Oer Harr tob.. Thalia-Theater Orhsdnerslr. 72-73 SB.: Das llamIBt fcnfctoUililii Piscatorhühoe rknL l IHUntirfiliti Kurfürst 209U93 Anl.8, Ende geg. 11 Die Abeniencr de, brnTcn«oldelea Sdtwelk iB In hlleabr) loa. Enrii Phat« tUnUiiintspalas Tägl.8'/4l*ir flALLER REVUE JaniiBDiiwsr finamdtsffRtns Täglich SV, Uhr: »Snananroens letzte UeM Win, Hottmaan, Jolan, Qin«, Atbn NlIntirrUUM Jis. Kflnstter- fl> 8 Uhr nEteiyne" essing-Tbeaier 8 Uhr „Rose Bernd" tonMitr-totoei Th.KOhieeräii. St. Bergm. 2110. »>,, Uhr: Pladit m Mi Uhaath) i,i»' akMEranti KoBAdicBhaos Norden 6304. 8.15—10.40 Uhr Hokuspokus von Cun Götz Vaihalia-Th. Weinbergsweg 19/20 Täglich 8'/, Uhr: Das Schwank in 3 Akicn toitn totrill Vorzeiger dieses iahten für Parkett auch Sonntags statt l,— Mk nur#0 PI. Sonntag nehm. 4 U. DararOediea Parkettv. Z» PI. an. RisUnz-Thuler Tägl. 8", Uhr Wiederauftreten d. Rundfunktenors Fraat Baumaan In der Opereue frllüB am Md Metropel-Tb. Rur soeb m Tage Uhr: „Dil sdiiee fiBlaia' Freitag>,*8 Uhr Der Graf von Luxemburg Swhr, Brtn. Intrsd, ■imailu. Ralpb Irtor Uiltirit Hill. Psalif Kleines TBeatei Täglich 8'', Uhr Erika Glähner in Gretchen Für Jugendliche nicht geeignet Planstanam am Zoo '«Iii;, auh.aiitoln itra! Noll. 1578 16'/, und 21 Uhr Oer Sternta mmei der Heimat 18 Uhr Reise z. Aeqaator 10'/, Uhr (in Beiehe der MIUerDaehlssonBe Eintritt 0.10 M. Kiator nt.o uhr Coeur Bubs. Berliner UKk-Tria Neukölln, w uimitr.74/7ii (Oeälage Mittwoch, 22, Februar 1928 StVÄWnd SjudaukQaße dai ibumsdi Die Vorgeschichte des»Fall Humpmair". Der Hilfsorbeiter Max Humpmair, Kriegsfreiwilliger des 6. bayerischen Reseroe-Fellxirtillerie-Regiments, verließ am 2. April l913 die Beobachlungsstelle seiner Batterie in der Gegend von Loon, um in der Nähe der Jnfanteriestellung Holz zu holen, überschritt den Ailette-Bach und den Kanal, der sich zwischen den deutschen und den französischen Stellungen hinzog und wurde dann schließlich von einem französischen Posten gefangen genommen und abgeführt. Nach Rückkehr in die Heimat wurde Humpntair auf tBrmid einer unvorsichligen Aeußcrung festgenommen und vom bayerischen Obersten Landgericht wegen„Kriegsverrats* zu zehn Iahren Zuchthaus verurteilt, die er augenbluflich in Straubing verbüßt. Humpmair bestreitet, zum Feind„übergelaufen" zu sein. Die Zeugenaussagen sprechen jedoch gegen ihn: Er soll das in Frage kommende Gelände mit dem Scherenfernrohr aufmerksam betrachtet und sich ein Paar neue Wickelgamaschen kurz vor seinem Aufbruch niitgenommen haben. Ein militärischer Sachverständiger gibt weiter an, daß eirk„Verirren" angesichts der Bach- und Kanal-Linie unmög- I.ch gewesen sei. Kurz und gut: Humpmair, der 19jährige..Kriegs- freiwillige" des Jahres 19lS, den man wegen belangloser Unregel- Mäßigkeiten von der Schreibstube des Regimentsstabes zum Beob- achtungsposten der 1. Batterie versetzt hat, wird doch wohl im April 1913, als man von einer bevorstehenden Großkampsperiod« zu reden wußte, in voller Absicht zum Feind übergegangen sein. Der Tatbestand derFahnei�slucht liegt also zweifellos vor. Der„Fall" liegt natürlich nicht vereinzelt I Im Frühjahr und im Sommer 1918 find aus der vordersten Kampffront des deutschen, französischen und englischen Feldheeres Zehntausende„zum Feind" übergegangen, ohne daß sich die Feldgerichte damit beschäftigen konnten. Jedes Generalstabswerk belegt diese Tatsache mit nüchter- nen Zahlen und jeder Truppenführer mußte im Jahre 1918 damit rechnen, daß jei�e„Offensive" durch die übliche„Ueberläuserwelle"- an den Feind verraten wird, soballi die eigene Truppe Gewißheit über den bevorstehenden Angriff besitzt und der nervenschwache Teil der vordersten Truppe noch Zeit zum Ueberlaufen Hot. Dom»lleberlaufen�. Das„Ueberlaufen" an sich ist natürlich eines der unsympathisch- sten Kriegsvergehen. Es kann im Zusammenhang mit der üblichen„Gefangenenvernehmung" schlachtentscheidend seinl So wurde die letzte deutsche Reims-Osfensioe im Juli 1918 durch über- laufende deutsche— Offiziere, nicht etwa Mannschaften, den Franzosen verraten und nach Zehntaujenden von deutschen Todesopfern adge- stoppt. Also— eine„Heldentat" ist das„Ueberlaufen" nicht! Die „Kriegsdienstverweigerung" und die Uebernahme der In Frage kommenden' Konsequenzen vor dem Kriegsgericht zeigt sicher größeren persönlichen Mut! Das„Ueberlaufen" ist vielmehr eine„Verzweiflungstat" der- jcnigen, die dem 70prozentigcn Schlachtentod den Zvprozentigen Ileberläufertad vorzogen! Ein ganz erheblicher Bruchteil der„lieber- läufer" ist nämlich von dem überraschten, meist fassungslosen„Feind" oder von deni zornigen, im Stich gelassenen Freund in dem höchst unpassierbaren„Niemandsland" erschossen worden! Wie der»Nachrichtenoffizier� Aussagen erpreßt. Jeder alte Truppenpraktikcr weiß nun gapz genau, daß dieser „Ueberloufer" als Nachrichtenquelle nur in den ersten Stunden der „Gefangenschaft" unter dem Eindruck der seelischen Erregung der überstandenen Todesgefahr im Kampfraum der fechtenden Truppe zu gebrauchen ist! So hat sich mit der Zeit, vor allem bei den Fran- zrfen. eine förmliche„Ueberläufer-Vernehmungs- Taktik" herausgebildet! Der an allen Gliedern zitternde, mit Mühe und Not durch den Drahtverhau gekommene Schächer wurde sofort zum nächsten Bataillons- oder Regimentcstab geschleppt und nach allen Regeln der Kunst gefollert und ausgequetscht. Die „Spezialisten" der Nachrichtenabteilung legten die frisch Gefangenen zu verkleideten„Vigilanten", fremdsprachlich geschickten Militär- spitzeln. die man in die andere Uniform gesteckt hatte, in„Unter- suchungshast" und preßten sie nach allen Regein der Kunst aus. Widersprüche wurden konstruiert, Maulschellen und Peitschenhiebe ausgeteilt und Erschießungen markiert. Nach der dritten leeren Salve vor der Türe oder nach dem zweiten Pistolenschuß am Hinterkopf vorbei packt« jeder Gefangene aus! Kurz und gut: Jeder Kenner der Truppenpsychologie weiß sehr wohl: Bis auf ganz verschwindende, besonders abgebrühte und charakterstarke Ausnahmen sagt in der ersten seelischen Depression der Gefangennahme oder des Ucberlaufens jeder Gefangene einen Teil dessen aus, was er weiß! Nun zu Humpmair k Auch Humpmair wurde, wie üblich, sofort zum„Nachrichten- offizier" des 11. französischen A. K. gebracht und dort mit Reitpeitsche und Pistole„ausgepreßt". Der Offizier hotte eine Karte am Tisch, wollte Batteriestcllung und Beobachtungsstellen wissen und zeigt« sich, wie üblich, höchst insormiert, um damit den Gefangenen zu bluffen und in ein mehr oder minder verfängliches Gespräch zu verwickeln. Humpmair gesteht, allerlei Dinge erzählt zu haben, die der Offizier bereits gewußt habe. Man habe- ihn durch Todesdrohung dazu gepreßt. � Kurz und gut: Man hat nach dem Studium der Akten den Ein- druck, daß hier ein ganz alltäglicher Ueberläuserfall mit der üblichen Gefangenenvernehmung und als deren Ergebnis ein höchst belang- loser„Schießbefehl" für die Feuertätigkeit des in Frage kommenden französischen Feldartillerie-Regiments für den tz. April 1918 vorliegt. Ein Fall wie Dutzende, Hunderte, Taufende andere auch, der lediglich als ein Symptom der verfallenden Kampfkraft der deutschen Truppe im Frühjahr 1918, keineswegs aber als eine mit Zuchthaus zu ahnend« Hochverrats-, uird Staatsaktion zu werten ist. Fahnenflucht oder Kriegsverrat? Was hat nun dasboyerischeObersteLandesgericht daraus gemocht? Zunächst galt es. den Tatbestand der„Fahnenflucht" in den des„Äriegsverrats" umzubiegen und die A m» nestie der volksbeauftragten für militärische Iverbrechen im Welt- krieg auvzuschallen. Die„Verordnung über die militärische Amnestie vom 7. Dezember 1918"(„ReichsgesetzblaU" Nr. SS78) hat nämlich folgenden Worckaut: „Der Rat der Volksbeauftragten hat mit Gesetzeskraft für das Reich folgende Verordnung erlassen: Alle Untersuchungen gegen Personen, die zum aktiven Heere ge- hörten, werden niedergeschlagen, soweit sie betressen... § 1... Verbrechen der Fahnenflucht und der Feigheit. § 2. Bei Fahnenflucht, Feigheit sowie bei strafbaren Izandlungen gegen die Pstichlen der militärischen Unterordnung ist dle Strafe ohne Rücksicht ckuf Ihre Art undHöhe, einschließlich aller Nebenstrafen erlasien, soweit nicht eine Tättichkeit gegen Vorgesetzte in Frage kommt." Der Unterfuchungsgefangene Humpmair war also aus Grund dieser Verordnung sofort auf freien Fuß zu setzen. Was macht der Untersuchungsrichter daraus? Wie hilft sich der Untersuchungsrichter beim Münchener Amts- gericht? Cr ignoriert den Reichsomnestie-Erlaß, kurz dieses blamable Reich überhaupt: schreibt am 16. Juli 1924 aus den Akt:„Von einer Mitteilung an den Herrn Oberreichsanwalt wurde abgesehen" und gräbt eine bayerische Amnestieverordnung vom 22. November 1918 aus. Dieser bayerische Erlaß schlägt zwar olle militärischen Vergehen und Verbrechen, also sowohl die„Fahnenflucht" wie den„Kriegs- verrat" nieder, läßt jedoch eine Lücke:„soweit sie nicht aus ehr- loser Gesinnung begangen worden sind". Hier hakt das bayerische Oberste Londesgericht ein und macht die beiden Amnestie-Erlcss« gegen den klaren Willen des Gesetzgebers illusorisch, indem es In der Urteilsbegründung sagt:„Feigheit eines Soldaten im Feld verrät eine ehrlose Gesinnung"— also zehn Jahre Zuchthau» als Minimum! Im übrigen wird der simple Ueberläuserfall mit einem großen, von keinerlei Kenntnis des Alltags an der Front beschwerten Wortschwall in«inen„Ä r i e g s v c r r a t" umgebogen! Die Zeugen bekunden samt und sonders, daß Humpmair offen- sichtlich den„Kram satt hatte" und eben„abschob"— wie Zehn- tausende andere auch! Eine„schwere Schädigung" der deutschen Truppe ist durch die Verzweiflungstat des Humpmair beim besten Willen nicht festzustellen gewesen. Oer Batterieführer für Humpmair. Der Batterieführer bekundete vor Gericht:„Ich bekam nicht den Eindruck, als ob nach dem Ueberlaufen des Humpmair eine planmäßig« Beschießung der Batterie erfolgt sei.— Mir ist nichts bekannt davon, daß unsere Beobachtungsstelle vom Feiich beschossen wurde, nachdem Humpmair übergelaufen ist." Ja— und wenn die„Beobachtungsstelle" einer Batterie, die notabene vier bis fünf« besesien hat, mal beschossen worden wäre, was bedeutet denn das? Man hat die Beobachtungsstelle wöchenllich, fa täglich gewechselt— jeder Muschkote lacht dazu, wenn die hohen Richter des bayerischen Obersten Landgerichts aus der Möglichkeit der Beschießung einer Beobachtungsstelle den Tatbestand des Kricgsoer- i rat» herzuleiten, suchen. Der Batterieführer, der ,�ront"-Kanonivr�macht übrigens vor Gericht immer noch die beftc Figur! Der„Kriegsverrat" des Hump- mair leuchtet ihm absolut nicht ein! Gegen die künstliche Konstruktion des Gerichts wendet er ein:„Ich erkläre es für möglich, daß Hump- mairs Darstellung über die Angaben beim Feind richtig sind", d. h., daß ihm die Angaben erpreßt wurden und daß sie zudem belanglos waren, da der französische Offizier bereits über olle Einzelheiten der Batteriestellung� unterrichtet gewesen ist. Das Neichswehrministenum»begutachtet� wieder einmal! Ganz anders das„Gutachten" des sattsam bekannten Obersten Gempp des Reichswehr Ministeriums, des militärischen Inspirators der unsinnigsten Landesverratsversahren der letzten Zeit. Herr Gempp hält durch dos Ueberlaufen eines Kanoniers die Verteidigungsmaßnahmen aufs schwerste geschädigt. Er hält es aber immerhin für möglich: daß Humpmair bei seiner Vernehmung noch den Methoden des französischen Nachrichtendienstes bedroht und zu seinen Angaben gepreßt worden sei. Schneidiger wie der Batteriesührer und der Reichswehroberst geht nun das bayerische Ober st e Londesgericht, besetzt mit fünf altersgrauen Landgerichtsräten, mit dem armen„Kriegs- freiwilligen" Humpmair ins Gericht! Es konstatiert, daß die„Angaben des Angeklagten für die Fran- zofen von größtem Wert" gewesen seien, daß die„Namen der Truppenführer bis herab zu den untersten Chargen"(wer lacht da nicht?) dem Feind wichtige Anhaltspunkte gegeben hätten, beruft sich auf die„Äriegsartikel", stellt fest, daß sich Humpmair durch sein Ueberlaufen selbst in die Zwangslage versetzt habe, dem französischen Offizier unter dem Druck der Bedrohung Angaben machen zu müssen, dekretiert, daß Humpmair dem Feind als„Spion" gedient habe und oerurteilt ihn zu zehn Jahren Zuchthaus. Heraus mit Humpmair! Man kann zum Thema der Selbsthilf« des Muß-Soldaten, zur .Hahnenflucht" stehen wie man will— der Fall Humpmair enthält die schwersten Anklagen, die man gegen ein Gericht erheben kann! Humpmair ist unter Mißachtung der Reichs-Amnestte-Verord- nung und unter, völliger Vcrkcnnung des Tatbestandes unschuldig verurteil!, Heraus mit ihm! Hermann Schützinger. !) Der Sdiatz der Sierre Madre Der spannende, illustrierte Goldgräberroman von B. Traven erscheint ab nSchster Woche im„Abend" „Höhensonnenmilch." Restrahlte Milch als Mittel gegen Rachitis. Alle Kinder vom 1. bis 6. Lebensjahr sind in unseren Breiten von Rachitis(englische Krankheit) bedroht, auf dem Lande wie in der Stadt. Die englische Krankheit hat bekanntlich Knochen- und Rück- gratoerkrümmungen uick> viele andere Entstellungen zur Folge und schädigt den Organismus so erheblich, daß der Widerstand des rachiti» scheu Kindes auch gegen Infektionskrankheiten, wie Masern, Gripp«, Lungenentzündung und andere sehr geschwächt wird, und darum rachitische Kinder allen Erkrankungen besonders leicht zum Opfer fallen. Bor 1919 war die f)«ilung der Rachitis schwierig und tonnte nur durch Lebertran, Solbäder, frische Lrift usw. langwierig behandelt werden: die Wirkung dieser Heilmittel blieb häufig ganz aus� Seit 1919 aber ist es möglich, jede, auch die schwerste Rachitis, durch Ultraviolettbestrahlung mit der sogenannten künft- lichen Höhensonne zu heilen. Diese erste sickere Heilmethode der Rachitis verdankt die medizinische Wissenschaft aller Länder an- erkanntermaßen den Untersuchungen des deutschen Kinderarztes Dr. Huldfchinsky, Berlin-Charlotteirburg. Seither wurde diese Me- thode der Rachitisheilung durch Bestrahlung mit großem Erfolg in allen Ländern angewendet, sie ist auch relativ billig, aber die Kinder mußten zu jeder Bestrahlung zum Arzt gebrocht werden, was Um- ständlichkeiten für die Eltern zur Folge hat und bei Borliegen anderer Krankheiten leicht Ansteckungsgefahr für andere Kinder er- geben kann. In Amerika kam der dadurch berühmt gewordene Dr. Heß auf den Gedanken, die Nahrung der Kinder, vor allem Paris im Zeichen der Wahlen. Der Wahlkampf hat in Frankreich bereite mit aller Macht ein. gesetzt. In blutrünstigen Plakaten tobt sich auch dort fanatischer Haß gegen dig arbeitende Klasse aus. In riesigen Abbildungen wird dem schauernden Bürger gezeigt, wie Sozialisten und Kommunisten die Republik erwürgen wollen. Diese verlogene Propaganda ver. mögen nicht einmal die Deutschnationalen zu übertreffen. die Milch, zu bestrahlen. Die Wirkung dieser Heilmethode war ausgezeichnet. Sie hatte nur den einen schweren Fehler, daß die Milch einen sehr schlechten Geschmack und Geruch bekam, wie von oerbrannten Haaren, und nur mit Widerwillen von den Kindern genommen wurde. Jetzt ist von dem deutschen Biologen Dr. Scholl, Bad Tölz, ein Apparat erfunden worden, der zunächst der Milch den Sauer- stoff fernhält, da dieser als Quelle des späteren üblen Geruches erkannt ist. Die Ultraviolettbestrahlung mit dem Quarzbrenner der Höhensonne erfolgt in Kohlcnsäureotmosphäre, und durch dieses Ber- fahren bleibt der Naturgeschmack der Milch unverän- d e r t. Für die rachitischen Kinder vermag diese Milch jede Be- strahlung.zu ersetzen. Seit einem Jahr schon wird solche Milch von der Frankfurter Universitäts-Kinderklinik unter Leitung von Prof. Scheer zur Heilung der Rachitis verwandt. Die Erfolg« sind nach den Angaben van Prof. Schcer überraschend gut. Bon Woche zu Woche bessert stich das Knochensystem der erkrankten Kinder, wie an über 100 Röntgenaufnahmen zweifelsfrei zu sehen ist, und nach vier bis sechs Wochen ist die Heilung vollendet. Selbst Kinder, die bereits vom Arzt aufgegeben waren, find wieder hergestellt worden. Das Scholl-Berfahren verteuert die Milch, die die Kinder ja ohnehin als Kost erhalten müssen, nur um 19 bis V) Pf. pro Liter. Die städtisch« Osthafenmolkerei in Frankfurt bringt diese Rachitis. hellniilch jetzt als„H ö h e n s o n n e n m i l ch" in den Handel. Nach den in den Frankfurter Universitätskliniken festgestellten Ergebnissen wird sede, auch die schwerste Rachitis, in vier bis sechs Wocken zur Heilung gebracht. In jedem einzelnen Falle wurde der Heiluugs- prozeß syststematisch durch Messung der großen Fontanelle, im Röntgenbild usw.,- verfolgt. Es vollzog sich eine absolut« Wieder- berstellung des gleichsam ausgesogenen Kinderkörpers. Patienten, die vor Beginn der Behandlung hinwelkten, waren nach wenigen Wochen als durchaus geheilt anzusprechen. Es wird von einem Fall berichtet, in den, eines dieser armen Würmchen zudem von der Lungenentzündung besallen und von den Aerzten aufgegeben wurde. Herrscherbesuch. Als zum erstenmal ein.König der Könige", ein persischer ,.Schah-in-Schali\ Europa besucht«, da war dies Nasr-ed-Din, und er kam zuerst noch Wien, wo man ihm das Schloß Schönbrunn einräumte. Seine Leute hausten dort recht ungeniert, schlachteten und brieten Hammel in den Salons, die nachher gründlich renoviert werden mußten. Bei einem Hofkonzert fragte man den Schah in der Pause, welches Stück ihm am besten gefallen habe?„Das Vorige." sagte er,„möchte er gern wieder hören." Man spielt« es: „Nein, das nicht, noch ein früheres." Wieder nichts, wieder ein früheres. Das ganz« Programm durch— vergebens. Da mußten die Instrumente für die Fortsetzung wieder gestimmt werden, und freudig rief der Herrscher aus:„D a s ist es, da s ist das Schönste!!" . Aber man ickrieb so ungefähr 1890, und seitdem hat sich Asien mächtig europäisiert. Einschätzung. Die altösterreichischen Reichstagsabgeoadneten bekamen pro Tag zehn Gulden Diäten. Als einmal die Sitzung aus war, hörte ein heimgehender Galeriebesucher, wie einer der Fiakerkutscher an der Ecke, die Abziehenden abfällig musternd, sagte:„Kumman denn hett gor kane ZehnguldenmSnna mißaT* Von p. Schirjajew. 6. Fortsetzung. „21— ach!" schrie Nikolai schrill und erstaunt aus und ver- suchte sich umzudrehen. Sein rechtes Bein hob sich bei der Wendung hoch in die Luft. Seine hellblauen, wahnsinnig auf- gerissenen Augen starrten Semjon an. und ungeheuer war das Entsetzen in diesen Augen. Noch einmal schössen Semjon und Wanja fast gleichzeitig, ohne zu zielen, in diese Augen. 2lls in der Dämmerung, die durch das Licht der Straßen- laterne erhellt wurde, die Korridorklingel ertönte und wie ein gefangener Bogel zu zucken anfing, fuhr Natascha er- schreckt auf. Mit schweren Schritten trat Semjon ins Zimmer und blieb in der Mitte stehen Das Licht der Straßenlaterne fiel auf sein Gesicht. Natascha ging dicht, ganz dicht an ihn heran. Sein Gesicht, seine Augen sagten ihr alles. Schweigend reichte er ihr einen Zettel, der zur Hälfte mit kleiner, zierlicher Schrift bedeckt war. Natascha zündete das Lämpchen an. Ihre Hände zitterten, als sie das Papier entfaltete... Nikolai hatte den Brief an fein„liebstes Schwesterchen Lisa" nicht zu Ende geschrieben. Nicht zu Ende geschrieben hatte er seinen Bericht über Moskau und über die neuen Ge° nassen, unter denen es eine herrliche Frau gäbe, für die er das größte Opfer zu bringen bereit war... „... in ihren Augen sieht man denselben reinen, end- losen Himmel wie im Felde, wenn man auf dem Rücken im Korn liegt. Sie heißt Natascha, sie. Hier brach der Brief ab. In diesem Augenblick war in sein kleines Zimmer, in dem der Tisch noch mit Speiseresten bedeckt war, jene herrliche Frau mit den Äugen, die so rein waren wie der Himmel, gekommen, um ihm den letzten Be- fehl zu erteilen. Natascha strich mit der Hand über das zerknitterte Papier mit dem dunklen Fleck in der einen Ecke... Flüsternd fragte sie: „Hast du es geleselr?" Natascha fuhr mit der Hand über die Stirn. Semjon blickte sie noch immer starr am Sie setzte sich an den Tisch und glättete lange und behutsam den schmalen Papierstreifen mit dem dunklen Fleck. „Du hast das aus seiner Tasche herausgenommen, aus der linken?" fragte Natascha und fügte leise hinzu,„er hatte es damals in die linke Tasche gesteckt. Jetzt erinnere ich mich... Gestern war es... Warum blickst du mich so an?" Schweigend stand Semjon vor Natascha. Noch einmal strich sie mit der Hand über die Stirn— inrt ihren schmalen, bebenden Fingern. „Semjon?" Semjon war chr Schüler gewesen. Sie halte seine ersten Schritte in seiner revolutionären Tätigkeit geleitet. Er betete sie an und war ihr ergeben, so wie der Mensch dem Tod er- geben ist— unabwendbar. „Semjon, und wenn wir... uns... geirrt haben sollten?" sprach sie kaum hörbar, während sie ihre Hand auf seine Schulter legte und flehend in seine fremden, starren Augen blickte. Ein Röcheln entrang sich seiner Brust. Seine Lippen zuckten. Er nahm Nataschas Hand von seiner Schulter und wich einen Schritt zurück. Dann noch einen und noch einen. Zur Tür hin. Bon der Schwelle blickten seine Augen kalt und böse, wie die Klinge eines Dolches, auf Natascha. „Ich habe den Befehl des Komitees ausgeführt," sprach er mit harter Stimme. Natascha wiederholte langsam: „Ja. Genosse, Sie haben den Befehl des Komitees aus- geführt." Aus dem Russischen von Nina Stein. Die Tür schlug zu und schnitt das Geräusch der davon- eilenden Schritte Semjons ab. Natascha war allein. * Ins Arztzimmer trat geräuschlos die Schwester und wandte sich mit leiser Stimme an den Arzt, der in die Zei- tung vertieft war.„Ein Patient aus der 4. chirurgischen Station bittet Sie sehr, zu ihm zu kommen Der Arzt nahm den Zwicker ab, rieb sich das Nasenbem, blickte die Schwester an. als ob er sich an etwas erinnern wollte und erhob sich schnell. „Es geht ihm sehr schlecht," sagte die Schwester,„er i,t fast die ganze Zeit ohne Bewußtsein..." Auf dem Bett, unter einer hellbraunen Decke, lag Nike- lai. Der weiße Berband, der Kops und Hals bedeckte, hob sich fast gar nicht vom Kissen ab und unterstrich noch mehr die fieberhaft glänzenden Augen. Als er den Arzt sah, begann er sich zu bewegen, aber der Arzt beruhigte ihn freundlich: „Tssl Regen Sie sich nicht aus und liegen Sie ganz ruhig!" Die Schwester brachte dem Arzt einen Stuhl. Er setzte sich und nahm Nikolais Hand, um den Pu�s zu fühlen. Nikolai schloß die Augen. Er atmete in kurzen, unregelmäßigen Stößen und in seiner Brust hörte man ein unheimliches Rasseln. Als der Arzt behutsam Nikolais Hand auf die Decke legte, öffnete er die Augen. „Doktor... ich allein... mit Ihnen allein..., flüsterte er, indem er mühsam die blutlosen Lippen öffnete.. Die Schwester verlieg das Zimmer. Nikolai legte seine Hand auf die Hand des Arztes. „Ich werde bald sterben... ich flehe Sie an... schicken Sie einen Zettel... ich kann nicht so sterben... Schicken Sie, sie wird kommen... sie wird ganz bestimmt kommen... ich flehe Sie an, Doktor..." Nikolai schwieg und seine Augen schlössen sich kraftlos. Der Arzt runzelte die Stini. Die Stunden dieses Jung» lings, der mit drei schweren Wunden ins Krankenhaus ein- geliefert worden war, waren gezählt. Nichts konnte ihn mehr reifen. Wer war er, wer hatte ihn verwundet? Weshalb? — Der Arzt wußte es nicht, aber die ganzen Umstände und seine Worte zeugten von einem schrecklichen, ungewöhnlichen Drama. „Geben Sie... Papier... Bleistift." flüsterte Niko- lai von neuem,„ich kann nicht so... Versprechen Sie mir. Doktor! Ich werde Ihnen alles, alles sagen, sie... wird Ihnen erzählen.. Der 2lrzt nahm sein Notizbuch und einen Bleistift und legte es selbst in die durchsichtigen Finge» Nikolais. Mit qualvollen Anstrengungen kratzte der Bleistift über das Papier, glitt aus und fiel auf die Decke. Zweimal gab ihm der Arzt zu trinken. „Bleiben Sie bei ihm," sagte der Arzt zur Schwester, als er die Station verließ. Er steckte den Zettel in einen Umschlag und schickte ihn sogleich mit dem Pförtner an die angegebene Adresse. Natascha kam nach einer halben Stunde, zusammen mit dem Pförtner, der sie in das Arztzimmer führte. Der Arzt empfing Natascha mit düsterer Zurückhaltung und forderte sie auf, ihm zu folgen. Natascha ging schweigend, ohne irgend- welche Fragen an ihn zu richten, und warf erschrockene Blicke auf die langen Bettreihen mit den ausgestreckten, schwei- genden Gestalten der Kranken. Bor der 4. Station bliebe der Arzt stehen. „Warten Sie hier!"» (Schluß folgt.) Rätsel= Ecke des„Abend. «iiiimuiiiiuuiJuuiiniiimuinuiiiiiuuiiuiiii!iniiniiiiiinHiiiiimimiiuaiuiuiiuiiiuiiiiuijiiinuiiiiiiiiiinimuiiininuiiiuiuiuiiiimiiiiiimiiiiümiiiiimmiinmmiin)iiniHuiiiiiiini Oiamaniräisel. Di« Buchstaben dieser Figur ordne man so, daß die wage- rechten Reihen bezeichnen: 1. Buchstabe, 2. eine Verbind unq, 3. einen bedeutenden Sportsmann, 4. eine Halbinsel in der Adria, 5. einen Fluß in SchiesVig-Holstein, 6.«inen Raubfisch, 7. Buchstabe.— Sind die Wörter richtig gefunden, so nennen die Buchstaben der fettumrandeten Außcnfelder, bei Ziffer 1 anfangend und nacheinander gelesen einen bedeutenden Dichter. Anagramm. 1. Brauch-Fee, 2. Peru-Tee, 3. Lunte-Ringe, 4. Eiland-Amt, 5. Krone-Eis, 6. Wonne-Ger, 7. Polen-Adria, 8. Tala-Ehina, 9. Stab- Hilde, 10. Rang-Linde, 11. Sund-Name, 12. Sais-uß,(Ri)«s, Au(riich, Begründser),(To)n.— Nicht alles in der West kann unfern Beifall finden, doch wer ein Urteil fällt, der muß es auch begründen. Kreuzrätjel:!— 5 Haff, 2— 6 Habe, 3— 7 Lena, 4— 8 Bach 1— 5 Hauff, 2— 6 Haube, 3— 7 Leuna, 5—8 Bauch (Einzusetzender Buchstabe„u".) Splitter. Man sagt, der Sport diene der Ertüchtigung des deutschen Dolkes. Soll ich nun den Photo-, Briefmarken-, Radio- oder Denk» spart betreiben? dfu�uru�QjflLei Frauenspori einst- jetzt! Als im vorig«n Hochsommer Berliner Rudermädels am schönen Rhein entlang wanderten, gab es Aufregung. Man denke sich am alten Bcter Rhein die neue Weiblichkeit im Sportdreß, lustige Lieder singend. Die Landorbeiterinnen blieben entsetzt stehen und entrüsteten sich laut über die Berliner„Menscher", die so, aller Sittlichkeit Hohn sprechend, herumlausen. Als dos Münchener Stadtamt für' Leibesübungen ein Sportfest abhalten wollte, verfügte das bayerische Kultus- Ministerium:»Das Auftreten von Mädchen bei öffent- l i ch e n Borführungen begegnet so starten Bedenken, daß dos Stoatsministerium für Unterricht und Kultus sich oeranlaßt sieht, den Schülerinnen der Volks- und Fortbildungsschulen sowie der höheren Untcrrichtsanstalten die Beteiligung zu unter- sage n." Und noch ein Beispiel: Als der Bayerische Turnerbund im Juli l927 ein»Erstes bayerisches Frauenwrnseft" in der Donau. stadt Neuburg abholten wollte, erhoben die Bischöfe Bayerns»gegen dieses öffentliche Aergernis öffentlichen Einspruch" und verboten den kotho- lichen Frauen und Mädchen die Teilnahme. Wir sehen, daß die„gute alte Zeit" auch heute noch reichlich viel Anhänger hat. Mit besonderem Interesse konnte man daher den Vorführungen der K r e i s s ch» l e des A r b e i t e r- T u r n- und Sportbundes zusehen, die altes und neues Turnen(in Kleidung und Uebungsart) gegenüberstellten. In noch vollendeterer Form wurden die Gegensätze kürzlich von der Preußischen Hochschule für Leibesübungen dargestellt. Uebungs- grundfatz war: keine energischen Bewegungen, die den Körper durcharbeiten, dafür weichliche Lieblichkeitsübungen, wie sie wohl den vorerwähnten Bischöfen und dem bayerischen Kultusministerium vorschweben. Um 1890 waren endlose Ordnungsübungen und Reigen noch die Hauptsache. Dann wandten sich die Turnerinnen immer mehr schwierigeren Uebungen zu: Sprünge und Spreizübungen an Geräten. Dabei verhedderten sich die Turnerinnen aber oft mit den langen Röcken, so daß endlich das Hosenturnen zur Einführung kam. Zuerst recht weite Pluder- hosen und Röcke in grauem Leinen, später blaue Hosen(recht weit) und blaumeiß gestreifte Sweater. In der Nachkriegszeit wandten sich die weiblichen Sport. freund« in großer Zahl der Leichtathletik und den Spielen zu, wobei Pluderhosen und Blusen hinderten. So entstand die jetzige Sporckleidung: ganz kurze Hosen und Sweater ohne Ärmel. Auch der Uebungsstoff des Turnens wurde voll- ständkg verändert durch die Aufnahme von Gymnastik, Spiel und Sport. Als besonders erfreulich kann es bezeichnet werden, daß Frauen über 23 Jahre immer zahlreicher an diesen Uebungen teilnehmen. So sind in einer dieser Turnabteilungen achtzehn Mitglieder im Alter von 24 bis 30 Iahren, sechzig zwischen 30 bis 40 Jahre, vierzig über 40 Jahre(bis 30 und 00 Jahre). Auf die allgemeine Volksgesundheit muß der starke Zustrom weiblicher In- teressenten günstig wirken. Di« 5reie Turnerschafk Graß-Berlin zeigt in einem öffentlichen Araueu-Werbe.Turn- und Sparlsest am Sonntag, 20. Februar, 10 Uhr, in der Zentralturnhalle P r i n z e n st r a ß e 70, wie gegenwärtig von den Frauen geturnt wird. Eingeladen sind all«, die Freude an freier Körperbetätigung haben. Unkostenbeitrag 40 Pf. Mcisicr-Schachhirnier. Das Meisterturnier des Berliner Arbeiter-Schach-Klubs ist in vollem Gange. Ein interesianter spannender Verlaus ist zu verzeichnen. In der 13. Runde spielte Junge gegen Arendt Domen- fioncheto und gewann es durch gutes Kombinationsspiel. Kuöiczek verlor gegen Grammatikoff in einer spanisch gespielten Partie durch starken Angriff des letzteren. Osten, der in dem Turnier sehr gute Aussichten Hot(bisher ohne Derlustpunktel, spielte gegen Rauch sein beliebtes Damenfiancheto, das er auch nach hartnäckigem Kampfe gewann. In einem Damengambit Czach gegen Spengler gewann der erftere. Die sizilianifche Parti« Eyber gegen FaUcnhagen endete remis.— Stand nach der 13. Runde: Osten 0 Terluftpunkte(2 Hänge). Vogt 3�(3), Rauch 3(2), Czach 3H(1), Eyber 4, Grammatikofs. Kubiczek,'Gädicke je 4(1). Falken- Hägen 4>1(3). Spengler 6(2). Völker, Schwabe je 3(1). Junge 8(2), Arendt 10 Verlustpuntte._ »Eiche".yomburg—..curich".Verlin. Zu dem Freitag. 24. Fe- bruar, 20 Uhr. stattfindenden Städteboxtamvfinden Andreas- Festsälen ist noch zu berichten, daß Hamburginseiner st ärk- st e n A u f st c l l u n g antritt. Lurich hat noch«ine Umstellung vor- nehmen müsien, die nur zum Dorteil gereichen kann. Zahres-Seneralversammlung der ZTGB. in der Schulcmla. Weinmeisterstrahe 16—17, 19 Uhr. Tagesordnung: 1. Mitteilungen. 2. Berichte, 3. Neuwahlen, 4. Anträge, 8. Verschiedenes.— Jedes Mitglied ist verpflichtet, pünktlich zu erscheinen. Das Mit- gliedsbuch muh vorgezeigt werden.— Betreffs Leipzig- tafjrt sind neue Mitteilungen wogen Quartier eingetroffen, daher Aussprache darüber. Generalversammlung der Freien Ruderer und kanusahrcr im ersten Kreis findet Sonntag, 20. Februar, 10 Uhr, im Gewerkschafts- Haus, Engelufer 24— 25, statt. Sonntag Scfawimmfest in Lichtenberg. Am kommeichen Sonntag veranstaltet die Gruppe Lichten. berg der Freien Schwimmer Neukölln im neu er- öffneten Stadtbad Lichtenberg Ihr erstes Schwimm fest. Trotz ihres noch nicht einjährigen Bestehens wird sie Zeugnis ablegen von der bisher geleisteten Arbeit. In bunter Folge werden die Schwimmerinnen und Schwimmer der Mädchen-, Knaben-, Jugend-, wie der Frauen- und Männerabteilung ihre Kräfte auf der von Rettungsvorführungen, abgewickelt werden. Gleichzeitig werden schneller Folge, unterbrochen von Kinder- und Frauenreigen sowie von Rettungsvorführungen abgewickelt werden. Gleichzeitig werden die Meiste rscha stskämpfe des Vereins erstmalig ausge-. tragen. Da der Derein zu den sporllich stärksten des Arbeiter- Turn, und Sportbund«« gehört, ist guter und horter Kamps zu er- warten, so daß nicht nur gute Zetten. sondern eventuell auch neue «unde-beftzeiteu«reicht werden dürsten. Den Beschluß de- Festes Eissporikämpfe in Berlin. Auf der Heimreise von St. Moritz pellte sich die f ch w e d i s ch e Olympiaeishokeymannschaft gestern abend im ausver- kauften Sportpalast der internationclen Mannschaft des Berliner Schlittschuh-Club' zum Kampf. In einem torreichen, äußerst mter- «sianten und teilweise geradezu aufregendem Spiel gelang es dem Schlittschuh-Club, den aus den Olympischen Eishokeywettkämpfen als Europameister hervorgegangenen Schweden mit 3:3 dos Nach- sehen zu geben, obwohl der sonstige Mittelstürmer des BSC., G. Iohansion auch diesmal noch bei seinen Landsleuten mitwirkte. Im ersten Drittel gab es gleich mehrere kritische Situationen vor dem Berliner Tor. H o l m q u i st stellt« durch eine prächtige Einzelleistung die Führung für Schweden her und aus einem Ge- dränge fiel, für Steinte unhaltbar, der zweite Erfolg der Käste. Innerhalb einer Minute brachten dann die Ber. liner das Kun st stück fertig, auszugleichen. Iaenccke trug in einem glänzenden Lauf die Scheibe nach vorn, flankte genau zu Brück, der zum ersten Tor für Berlin verwandelte. Kurz dar- auf kam Drück gut durch und fand.« zum zweiten Male«in. Das mittlere Drittel war das schönste des Spiels. Es gab einen Pracht- vollen Kampfmoinent nach dem anderen. Mit einem Bombenschuß stellte Jaenecke das Ergebnis auf 3:2 für den Schlittschuh-Club. Hvlmquist war es vorbehalten, den Schweden den Ausgleich zu verschaffen, aber ein Weitschuß von Iaenccke stellte das alte Ver- hältnis wieder her. Im letzten Drittel waren alle Bemühungen der schwedischen Mannschaft, noch einmal erfolgreich zu sein, vergeblich, dagegen brachte ein Weitschuß von Jaenecke den Berlinern nach ein fünftes Tor. In der Berliner Mannschaft, die sich in selten guter Form präsentierte, überragte Jaenecke olle Mitspieler beträchtlich. Die Schweden zeigten sich als kompffreudige, in technischer Hinsicht hervorragend ausgebildet« Mannschaft. Jeder einzelne Mann ver- stand zu kombinieren und zu gegebener Zeit auch zu schießen. �eltmeistersdtätt imiftmstlcurfen Ausgezeichnetes Mcldecrgebnts. weiten Mal« seit dem Kriege werden im Sportpalast die Kun st laus- Weltmeisterschaften ausaetragen. Vom nächsten Freitag bis Montag werden vom Berliner Schsiit- schuh-Club internationale Kunstlaustonkurremen verairstoliet und da- mit die Entscheidung für die Weltmeisterschaft im Herrenkunstlaufen verbunden. Der Termin ist äußerst günstig gewählt, weil die Teil» nehmer an den Olympischen Wimerspielen auf der Rückreise von St. Moritz auch diese Wettbewerb« mit bestreiten können. Daher ist die Beteiligung sehr gut ausgefallen, so daß es zu fast den gleichen Begegnungen wie in St. Moritz kommen wird. In der Herren- Weltmeisterschaft beansprucht das neuerlich« Zusammentreffen des Olympiasiegers Graf ström mit dem Titelverteidiger Böckl das größte Interesie. Am Start werden weiter fein: Dr. Dtsller und Karl Schäfer aus Wien, der Engländer Page, die Amerikaner N. W. Nilcs, R. F. Turner und S. C. Badger, die Kanadier M. S. Wilson, I. C. East Wood, der Böhme Slioa sowie der deutsche Meister Rittberger und Franke. Für das Herren-Seniorenlauscn sind folgende Meldungen eingegangen: Wrede, Wien; R. Kikiewicz, Polen: O. Gold, Prag: M. R. Nikkanen, Finnland: sowie die Ber- liner Haertel, Bayer, Brey. Sehr zahlreich ist auch das Damen- Seniorenlaufen beschickt: M. Brunner und Fritzi Burger au» Wien, die Amerikanerinnen Th. Dlanchard, R. Knapp, B. S. Lough- ran und M. D. Vinson, C. Smith und C. Wilson aus Kanada und die Berliner Domen B r o ck h ö f t.Bernhard, Flebbe und Veit. Das Paarlaufen sieht am Start: Frl. Scholz-Kaiser und Frl. Brunner-Wrede aus Wien, Miß Loughran.-Badger und Miß Th. Blanchard-Niles(Amerika), die Ehepaare Hoppe und Vesela (Tschechoslowakei) sowie Frl. Kishauer-Gnste und Ehepaar 5krüm- ling. Das Weltmoisterpaar Mlle. Ioly-Brunet wird ebensalls er- wartet. Auch die I u n i o r« n l a u f e n für Herren und Damen, ebenso der Tanzwettbewerb haben ein gutes Meldeergebnis zu ver- zeichnen. Das Programm ist folgendes: Freitag vormittag: Pflicht- Übungen Hcrren-Seniorcn, Damen-Iunioren. Abends Schaulaufen, Tanzwettbewerb sowie Eishockey Schweiz— BSC. Sonnabend vormittag: Pflichtübungen Weltmeisterschaft und Domen-Senioren. Abends Kürlaufen.Herren- und Damen-Senioren, Paarlaufen und Eishockey Kanada— Schweiz. Sonntag nachmittag: Kürlaufen WeUmeifterschoft und Eishockey Kanada— BSC. Montag abend: Schaulaufen und Eishockey Kanada— Kanada. Bcncsiz-Golovorstellung im Sportpalast. Die professionellen Eiskunstlaufer und Eiskunstlebrer des Sportpalastes veranstalten am Donnerstag, wle alljährlich zum Schluß der Saison,«men Benefiz, und Galaabend, dem am Nachmittag ein Eis- fest für die Jugend mit Weit- und Hindernisläufen fowre anderen Ueberrafchunaen vorausgeht. Am Abend wird dann das gesamt« artistische Personal«in äußerst reichhaltiges Programm zun» Vortrag bringen, zu dem auch Charlotte, die„Eiskontain, mtt ihrem Partner sowie weitere iirt er nationale Eiskünstle? ihre Mit- Wirkung zuaesaai haben.- Auch Walzerkonkurrenzen mit Prämiicrung sind vorgesehen. Das Ballett„Pierrots FNrt" bildet den Abschluß. werden zwei Wasserballspiele bilden. Bei dem äußerst ge- ringen Eintrittspreis von 30 Pf. ist daher jedem die Möglichkeit gegeben, dieses Fest zu besuchen: es wird In einem der schönsten und modernsten Bäder Deutschlands abgehalten. Die Fohrverbin- dung: Straßenbahnen 09, 70, 89, Autobus 19, Haltestelle Hubertus- straße. Stadtbahn: Lichienberg-Friedrichsseld«. Hochbahn: An- schlußbahn Warschauer Brück«, Wognerplatz, Endstation. Der Schwimmverein„Vorwärts" Berlin 1897 ver- anstaltet Sonntag, 20. Februar, 15 Uhr, im Stadtbad Weddinq (Gerichtstraße), mit den Arbeiterschwimmveroinen Düsseldorf, Gelfenkirchen und„Welle", Berlin, einen K l u b k a m p f. der sich über alle Gebiete der Schwimmerei erstreckt. Arbeiter~Rettungsdienst. Der Arbeiter-Wasserrettungsdienst kann mit Stolz auf seine arbeits- und erfolgreiche Tätigkeit m dem oergange- nen Jahre zurückblicken. Den Rettungsschwimmern ist es gelungen, 90 Personen vom Tode de» Ertrinkens zu retten, oft unter Hintansetzung des eigenen Lebens. Die Zahl wäre sicher noch größer, wenn die Arbeiter-Rettungsschwimmer nicht durch plan- mäßige Ausklärungsarbeit dos badende Publikum gewarnt hätten. In sämtlichen Berliner Freibädern, mtt Ausnahme des Grünauer Bades, stellten die Arbeiter-Rettungsschwimmer ihre Wachen: beteiligt daran waren 300 Schwimmer, die 1 2 00 0 ____ wohl angebracht, der Mannschaften und die Anschaffung von Rettungsutensilien mög- lich wäre. Unser Bild zeigt einen Abwehrgriff des Retters, der so der Gefahr entgeht, von dem Ertrinkenden hinabgezogen zu werden. Vereinskalender. XsuriRcancttin ,»U«dtetftroTbC.«bt.«tmlouet««-> Dl« Abteilung sich geWloITen an der verangallung der Ortsaruvpe am 2B. ff«bruar _~' p« Berlin: Sonntag, 4. Mörz,«n der Schulaulo Grün. betelligt in Neukölln.— OrttataVr.-..... M— tbaler Etr S, EiditbilbcrootftOB:..Durch d-a italienischen Sommer. Uraus- füljtimn. Einlaßkarten» 50 Pf. in den Abteilungen und an der Abendkasse. 'liner Arbeiter-Sidachilnb. Donnrrstaa, 23.»ebruar,«„Uhr: Abt. 3X0«:": ilost-cker Etr 16, Werbeabend. Abt. Schillern« rt: Mllllerstr. 12«, Endsviel«. Abt.«efteitd! Eonhie-Eharlotte�Str. 88. Coctraa.— srettaz, 24 Kebruar, 20 Ulre:«bt. wiuneredert: Berliner Str. 148, Vortrag:„Satire im(Schach.*«bt. Ritt«: Zionokirchplaß 5, Blitzturnier. Abt. Beddtng! Mal. plaauetstr. 16. Vortrag. Tonani sdieidct aus? Eine stürmische Nacht in Breslau- Do» Breslau er Sechstagerennen ist für die Der- anstalter ein ganz großer Erfolg. Weniger auf seine Rechnung kommt dos Publikum, dos Jagden sehen will, während die Fahrer sich in dieser Hinsicht zu große Reserven auferlegen. Nach Veen- digung des vierten Tages hatten die Spitzenpaare 2 4 11,420 Kilometer durchfahren. Beim Anläuten der Abendwcrtung ging plötzlich Tonani davon und entfesielte eine Jagd, die sich über die ersten beiden Spurts hinzog, aber genau so ergebnislos verlies wie der Vorstoß, den im Anschluß daran die Franzosen Wambst-Lacquehay unternahmen. Gleich nach der Wertung holen vewols-Slockeiynk eine Verlnstrunde aus. Nach Mitternacht hatten sich zahlreiche Prämienspender eingefunden. wodurch endlich Leben in das Feld kam. Noch vor der 2-Uhr- Wertung entfeffette wieder Tonani eine wilde Jagd. Do die übrigen Fahrer sich nicht in der Führung einig waren und nicht gleich nachgingen, konnte Tonani mühelos eine halbe Runde ge» Winnen. Sein Partner Frach dehnte den Vorsprung noch aus. Endlich stießen die Schweizer Richli-Suter vors arbeiteten sich an die Davongeeilten heran und konnten schließlich ihr Ucberrun- dungswerk vollenden und zur Spitze aufrücken, während Tonani-Frach nicht nur ihr gewonnenes Terrain— sie waren schock bis auf 00 Meter an das Feld herangekommen— wieder ver- loren, sondern, als Krofchcl�hmer die Jagd fortsetzten, auch noch eine weitere Vertu st runde hinnehmen mußten. Außer ihnen hatten noch Dewols-Stockelynck und Krollmann-Skupinski ein« Dahnlänge eingebüßt. Später wurde diesen beiden Paaren die Ver- lustrunde aber wieder gutgeschrieben, da sich herausgestellt hatte, daß Krollmann und Dewolf wegen Reifenschaden zurückgefallen waren. Die Rochtwertung: 1. Rieger. Ehmer, van Kempen: 2. Girardengo, Lacquehay, Grimm; 3. Rieger. Ehmer. Junge: 4. Girardengo, Lacquehay, Knappe: 3. van Kempen, Ehmer, Ricger: 0. Girardengo. Knappe, Lacquehay: 7. van Kempen, Richli, Ehmer: 8. Binda, Girardengo, Knappet 9. van Kempen, Rieger, Ehmer: 10. Girardengo, Grimm, Binda. Nach genau 100 Stunden Hollen die Fahrer 235 0,040 Kilometer hinter sich gebracht. Nach Ansicht der Rennleitung hatten Tonani-Frach schlecht abgelöst und wurden mit einer Strafrunde bedacht. Das löste beim Publikum eine große Miß- stimmung aus. Tonaal stellte dl« Vetterfahri ein. Um 0 Uhr morgens waren 2004,220 Kilometer bewättigt. Der Stand des Rennens: Girordengo-Rieger 349 Punkte: van Kempen- Knapp« 478: Suter-Richli 825: Ehmer-Kroschel 221: Binda-Tietz 155: Wambst-Lacquehay 82, e i n e R u n d e z u r ü ck: Grimm-Juntze 100: Dewols-Stockelynck 90: Rausch-Hürtgen 52: drei Runden zu- rück: Krollmann-Skupinski 40 Punkte. Uruguay will mit 32 Fvßballsplelern noch Europa kommen und hat die feste Absicht, auch in Amsterdam den Weltmeistertttel zu «robern. Die Ueberfahrt wird Ende April angetreten. Lkebsr dem Abgrund. Schlimme Stunden auf der Lokomotive. In-der Nähe von Vancouver(Kanada) ereignete sich nach Mitteilungen kanadischer Blätter eine Eisenbahnkatastrophe, die durch einen fast unglaublichen Zufall ein glückliches Ende nahm. Di« Schienen der„Canadier National Railmay" stellen eine kühne In- genieurtat dar, da sie durch felsige Gebirge und über Schluchten und Abhänge von mehr als WO Metern führen. Bor emtgsn Tagen sauste der Zug dieser Eisenbahnlinie in der Nacht gerade aus eine der gefährlichsten Stellen dahin, die sich über einem steilen Abgrund von 200 Metern Tiefe befinden. Es hatte während der ganzen Zeit geregnet und die unterwühlten Erd- und Stemmassen waren infolge eines Erdrutsches auf den Schienenweg gestürzt, ohne daß der Loko- motioführer es rechtzeitig bemerkte. Als nun der Zug mit einer Geschwindigkeit von 8V Kilometern in der Stunde in dieses chindernis hineinraste, entgleiste die Lokomotive und stürzte mit fürchterlichem Getöse in den Abgrund. Durch die Erdmassen war aber die Wucht des Stoßes derartig gehemmt, daß die Maschine an dem lender über dein Abgrund Höngen blieb, wodurch verhütet wurde, daß der goi�e Eisenbohnzug mit Hunderten von Menschen in die Tiefe ge- rissen wurde. Die Passagiere erwachten bei dem starken Zusammen- prall des Zuges mit dem Felsen, und als die Eisenbahn nicht weiter- fuhr, stiegen sie aus, um nach der Ursache der Verzögerung zu sehen. Zu ihrem Entsetzen stellten sie fest, daß die ungeheure Maschine wie ein leichter Ball über der tiefen Felsenschlucht schwebte. Man nahm an, daß.lheizer und Führer Entweder getötet oder schwer verletzt seftm, zumal die Lokomotive mit den Rädern noch oben hing. Als sie damit beschäftigt waren, festzustellen, ob vielleicht die beiden Beamten noch zu retten waren, sahen sie plötzlich, daß die Feuers- glut unter dem Kessel hinausgeworfen wurde. Sie erkannten daraus. daß mindestens einer trotz der schrecklichen Lage der Lokomotive noch am Leben sein mußte. Auch hörten sie Rufe um Hilfe. Es war Rächt und aus diesem Grund« waren die Rettungsarbciten, die nun eingeleitet wurden, besonders schwierig, zumal durch notdürftig her- gestellte Fackeln Licht geschafft werden mußte. Die Lokomotive drohte jeden Augenblick durch ihr eigenes Gewicht sich loszureißen und die Menschen, die sich in ihr aufhielten, in den Abgrund zu «igen. Sehr schnelle Hilfe tat also not. Nach langer Mühe gelang es, eine Art von Holzbrücke zu errichten, auf der die beiden Ge- fähröeten sich retten konnten. Nun kamen die entsetzlichsten Minuten, denn die hölzernen Balken hatten keinen festen Halt, sondern schwankten hin und her, und es war darum sehr schwierig, auf ihnen herüberzukriechen, zumal auch der Weg aus der umgestürzten Loko- moüv« für die beiden Beamten mit größter Lebensgesahr verbunden war. Immer wieder mußte der Rettungsversuch aufgegeben werden und es verging eine bange Viertelstunde nach der anderen, bis end- lich der erste aus der Holzbrücke festen Fuß gefaßt hotte. Auch jetzt war noch größte Vorficht notwendig, da jede falsche Bewegung den Tod bedeutet hatte. Schließlich gelang es dem Lokomotivführer trog der Dunkelheit der Nacht im Schein der Fackeln aufs feste Land zu kriechen und nach ihm unternahm der Heizer denselben Versuch mit demselben glücklichen Erfolge. Durch einen Hilfszug, der den Die Ueberschwemmungen in Europa. Aus allen Teilen Europas werden Ueberschwemmungen gemeldet. Unser Bild zeigt eine holländische Landschaft bei Maastricht, in der nur die hochangelegte Landstraße das weite Ueberschwemmungsgebiet überragt. Reisenden aus Vancouver entgegengeschickt wurde, konnten nunmehr alle das Ziel ihrer Reise erreichen. Die beiden Beamten erklärten den Berichterstattern, daß diese Fahrt die grauenhafteste ihres Lebens war. Ein netter Zilmdirettor. Erst die Einschreibegebühr! Große Betrügereien sind in Brunn aufgedeckt worden, wo man den«Filmdirektor" Wladimir Schäfer als einen der skrupel- losesten Betrüger verhaftete. Er hatte elegante Kanzleien, einen Stab von Angestellten, denen er nämlich nichts zahlte, und elegante Auws. Er schickte zu zehntausenden Prospekt« seiner «Filmabtfilung der Schäfer Co." hinaus. Der Prospekt versprach in F i l m t u r s e n ein wahres Paradies von gymnastischen Hebungen, über Filmschminken und Filmhistorik bis zum praktischen Filmen, dazu Tanz und allen Sport bis zum Motorrad, Retten, Boxen und Wassersport. Hauptsache war aber die Ein- schreibegebühr, die SO Kronen bis 450 Kronen betrug. Der Gauner, der feine Bureaumädchen auch vergewaltigte, hat über ZOOO Personen aus allen Sländen und allen Altersklassen g«- schädigt, und die meisten an den Ruin gebracht, da manche Leuts sogar Haus und Hof verkauften. Wegen mehrerer Rolzuchts- fälle wurde Schäfer diese Woche zu 5 Iahren Kerker verurteilt. Der übrige Schaden geht in die Hunderttausende, denn der Gauner hatte auch in anderen Städten Helfer. Zwei davon, Rudolf Hum- pelik und Raimund Wolf, die auch für eigene Tasche arbeiteten, wurden bereits verhaftet. Am stlllen Herd zur Winterszeit Wenn Burg und Hof mir eingeschneit-- 63 ist auch eine innerliche Cnvännunz vonnöten lliiä es geht nichts über ein gläschen(oder einige, oder noch mehrere!)„Fite Relcrve" von Winkclhaulen. vieler vortreffliche und wohlbekömmliche Weinbrand behütet den durchfrorenen Körper vor Erkältung, ift aber auch in allen anderen Lebensiagen ein köstlicher 6enuß. Gin kräftiges Frühltück mit einem herzhaften Schluck„Fite Reserve" hält Leid und Seele zusammen, solange das noch schmeckt, hats keine Hot, Und es Icbmedu immer! File kelleren Geschäfte führen„Rite Reserve", den guten Winkelhauien-wclnbrand. h. fl. Uinkelhaufen'filerhe, Hktien-Gefellldiaft, silagdcbarg. Bettfedern nicht roh, sond. grQndl. Bereinigt fgevO, garant. frei v. Krankheitskeim., Rupf p. Pfd. O.SO, 0.80, 1.40. daun. 1.90. Rupf weiß 2.30. HalbP. weiß 3,80, weiß Schleiß 2.—. Schleißhalbfl. 330, Daunen 5.80, weiße Daunen 7.—. 9.80, gef. Oberbetten mit stark. 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