BERLIN Sonnabend, 25. Zebruar 10 Pf. Nr. 96 B 48 45. Lahrgang. SrfcfittBt täglich anfer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«„Vorwärts". DezugSorei« für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche. 3 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW6», kindenstr.s yiVrfUtllUh Anteigenprei«: Die einspaltige Nonpareillqeike 80 Pf., Reklamezeile» M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärtt-Verlag G. m. b. Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29» skatastwphe im Kanal. Oer italienische Dampfer„Alcantava" mit Mann und Maus gesunken. Die Metallangestellten im Kampf! Der italienische Dampfer„A l c a n t a r a" ist nach einem im Nebel auf der höhe von Dungenest erfolgten Z u f a m m e n st o st mit dem russischen Schulschiff„Iowa- r i s ch" g e s u n k e n. Es besteht kaum eine Hoffnung, dast von der Schiffsbefahung auch nur ein Mann gerettet wurde. Ein Londoner Telegramm berichtet folgende Einzelheiten: London. 25. Februar. Blättermeldungen zufolge berichtet der britische Dampfer„Mol- davia", der die Stelle, an der gestern abend im dichten Nebel der italienische Dampfer„A l c a n t a r a"(1682 Tonnen) zwei Meilen von Dun gen« h mit dem russischen Schulschiff„Towarisch" zu- sammenstieß. Wi Stunden abgesucht hatte: Wir haben einen Mann tot aufgefischt und sind über- zeugt, daß niemand am Leben geblieben ist. „Dyily Mail" berichtet über den Zusammenstoh: Als der Dampfer „Moldavia" auf dem Wege nach Australien gestern abend in höhe von Dungeneh an der Südkuste von Kent in der Nähe von Lydd vorbeifuhr, ertönten aus der in Nebel gehüllten See schrille Hilfe- rufe. Die„Moldavia" hielt ihre Maschinen sofort an und lieh in fieberhafter Eile Rettungsboote herab. Aus dem mit lvrackstücken besäten TNeer wurde ein sterbender italienischer Matrose aufgefischt. In der Nähe lag der beschädigte russische Dampfer„To- w a r i s ch". Seine Mannschaft versuchte, die Mannschaft der „Alcantara" zu retten. Die„Moldavia" sandte eine drahtlose Mel- dung, die von der Station Dungeneh ausgesange.r wurde. „habe einen Mann ausgefischt, höre andere schreien." Sosort wurden Kanonenschläge abgefeuert und die Nachricht über den Zu- sammenstoh an der ganzen Küste entlang gefunkt und um Hilfe gebeten. Das Rettungsboot von Dungeneh stieß etwa zehn Uhr abends in See und suchte um Mitternacht immer noch den Ort des Zusammenstoßes ab. Kurz nach elf Uhr nahm die„Moldavia" ihre Rettungsboote wieder an Bord und setzte ihren Weg fort. Der ge- rettete italienische Matrose starb bald nachdem er an Bord genommen wurde. Er wird auf See bestattet werden. Schleppdampfer sind aus Dover nach dem Schauplatz der Katastrophe abgefahren. Rellungsbootsstationen und küstenwachen- depots an der ganzen Küste sind in drahtloser Verbindung mit den Rettungsmannschaften. Eine um Mitternacht abgesandte Meldung teilte mit, daß der Dampfer„Towarisch" nicht in unmittelbarer Gefahr ist und versucht, Southampton zu erreichen'. London. 2b. Februar. Genaue Mitteilungen über den Umfang der Katastrophe waren auch heute früh in London noch nicht bekannt. Da Augen- zeugen des Unglücks nicht vorhanden sind(das Unglück geschah bei dichtestem Nebel), ist man über die Zahl der Er- trunkenen nicht im klaren. Es wird behauptet, daß auch Passagiere zu den Opfern zählen. Straßenbahnzusammenstoß in derCiiy. Verlehungen durch zersplitterndes Glas. Die Fahrgäste der beiden Wagen der Straßenbahnlin�n l und 25 wurden heute morgen kurz vor 8 Uhr in Angst und Schrecken versetzt, als die beiden Wagen an der Ecke der Friedrich st raß« und der K a r l st r a ß e mit einem fürchterlichen Krach zusammen- fuhren, so daß sämtliche Fensterscheiben zerplitterten. Gellende Hilfe- rufe ertönten aus dein Innern. Durch die Wucht des Zusammen- pralles wurde der Anhänger der Linie 1 aus den Schi«- nen geworfen und stellte sich quer über den Fohrdamm. Sieben Fahrgäste erlitten Verletzungen, die aber glücklicherweise nur leichter Natur waren. Andere bekamen Nervenschocks. Die Betroffenen begaben sich selbst in ärztliche Behandlung. Die Eingleisungs- arbeiten, die von einer hilfskolonne der Straßenbahn vorgenommen wurden.' dauerten über ein« Stunde. Während dieser. Zeit war der Straßenbahnverkehr in beiden Richtungen gestört, konnte ober später durch Umleitungen durch die Oranienburger Straße wieder auf- genommen werden. Wann endlich werden übrigens Straßenbahn und Ab o a g dazu übergehen, ihre Wagen mit Scheiben aus nicht- splitterndem Glas zu versehen? Die meisten Verletzungen bei derartigen Zusammenstößen rühren von Verletzungen durch Glasscherben her. Um die Solidarität zwischen Arbeitern und Angestellten im Metallgewerb« auch nach außen zu dokumentieren, sprach in einer glänzend besuchten Funktionärversammlung der Angestellten des AfA-Metallkartells im Nordischen hvf der Vertreter des Deutschen Metallarbeiterverbandes, h e n t s ch e l, über„Di« Lehren des mitteldeutschen Metallavbeitersttetks". Der Vortragende gab einen Ueberblick über die Lohnbewegungen der Metallarbeiter und zeigt«, wie in diesen Kämpfe» stets die Solidarität der Arbeiterschaft die wirksamst« Waffe war. Doch auch-die Unternehmer haben die Wichtigkeit des Zusammenschlusses erkannt. Gerode die letzt«, von Mitteldeutschland ausgehende Lohnbewegung ist deutlich ein Kampf zwischen zwei geschlossenen Fronten. Der Vertreter des AfA-Metallkartells. Günther, unterstrich die Ausführungen seines Vorredners und betont« die dringende Notwendigkeit der Solidarität auch besonders für die Ange- stellten,, unter denen leider immer noch ein großer Teil bürger- licher Kollegen sich zur Freude der Unternehmer bewußt von der Arbeiterschaft trennt.— Die Tarifverträge, die für die Angestellten im Metallgewerbe Ende März ablaufen, sind von den Angestelltenvertretern, und zwar von den sreigewerkschafttich organisierten und von denen de» GdA. und des Deutschnationalen handlungsgehilsenverbandes gemeinsam gekündigt worden. Di« Gehälter wie die Löhn« im Metall- gewerbe zählen zu den schlechtesten, die überhaupt gezahlt werden. Eine Gehaltserhöhung ist daher dringend notwendig. Aber der Referent warnte: leicht wird der Kampf nicht sein! Nur geschlossenes Vorgehen der gesamten Angestelltenschast kann zum Siege führen. Nach einer anregenden Diskussion nahmen die versammelte» Funktionär««in« Entschließung an, in der sie ihre Genugtuung über die Kündigung der Gehaltssätze aussprechen. Sie geben der Zuversicht Ausdruck, daß dä« Ergebntsie und Folgen des mitteldeutschen Metallorbeiter- stre i ks der gesamten Angestelltenschaft die Augen darüber geöffnet haben, daß Solidarität und freigewerkschaftliche Organisation ihr, einzigen Helfer in dem bevorstehenden Kampf sein können. Eine Drohung mit Kragezeichen. Mussolini im Zweifel, ob er den Gesandten in Wien abberufen soll. Rom, 25. Februar. Das„Giornale d'Jtalia" meldet in seiner sechsten Ausgabe, daß Mussolini beschlossen habe, den italie» nischen Gesandten in Wien, abzuberufen. An zuständiger Stelle findet diese Nachricht bisher keine Bestätigung. Rom, 25. Februar. Auch die Morgenblätter bringen die gestern abend bereits im„Giornale d'Jtalia" enthaltene Mel- dung über die mögliche Abberufung des italienischen Gesandten in Wien; aber auch die Morgenblätter der- sehen diese Nachricht mit einem Fragezeichen. Die Parlamentstagung, für die die faschistischen Abgeordneten die von Mussolini bestellte Interpellation eingebracht haben, beginnt am Montag. Die Aufgeregtheit der italienischen Presse über die Wiener Tiroldebatte ist eine gar zu künstliche Mache. Alle Redner im österreichischen Nalionalrat befleißigten sich der äußersten Zurückhaltung bei der Debatte über die brutalen Mißhandlungen, der die Tiroler Bevölkerung durch die Schergen Mussolinis ausgesetzt sind. Der Bundeskanz- l e r selbst wand sich förmlich zwischen Verneigungen vor Italien auf der cineil Seite und kleinen, allerdings recht schwächlichen Worten der Kritik. Er lehnte es sogar aus- drücklich ab, Tirol vor den Völkerbund zu bringen;„wir können einen solchen Prozeß weder erfolgreich anhängig machen noch zu einem guten Ende führen". Das höchste. wozu sich Seipel verstieg, war die Formulierung, daß ein enges freundnachbarliches Verhältnis zu Italien n i ch t m ö g l i ch ist, solange die Tiroler Frage nicht gelöst ist. Mussolini läßt seine Pressemeute vorschießen, ohne selbst bis jetzt klar erkennen zu lassen, was er will. Selbst die Drohung, den italienischen Gesandten aus Wien abzurufen, läßt er mit einem Fragezeichen versehen. Aber selbst die Ausführung dieser Heldentat ließe sich ertragen. Im übrigen wird sich Mussolini an die diplomatische Niederlage erinnern, die er sich vor zwei Jahren holte, als er auch Deutschland angriff. Die Zurückweisung, die er damals im Reichstag einstecken mußte, ist noch unvergessen. Je lauter sich Mussolini wegen Tirols aufregt, um so mehr lenkt er die Aufmerksam- keit der Welt auf diese Kulturschande, die 42 Millionen Italiener gegen 200 000 Deutsche täglich verüben. Streik und Aussperrung in der Textilindustrie 2200 Arbeiter im Kampf. Gero, 25. Februar.(Eigenbericht.) In Triebes streiken die Arbeiter und Arbeiterinnen der dortigen Jutsspinnerei wegen Lohndisserenzen. was dazu geführt hat, daß die Belegschaft des Schwestei betriebes in Weida heute ausgesperrt wurde. Insgesamt sind in beiden Betrieben 2200 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt. Gustav Link gestorben. Mit G u st a v Link starb gestern ein unermüdlicher Arbeiter. ein vorbildlicher Gewerkschafter, ein Vorkämpfer des Bauarbeiter- schutzes und ein Bahnbrecher der Vertretung der Arbeiter in der Rechtsprechung. Dem knorrigen, immer noch blonden Westpreußen, den gestern ein Schlaganfall dahinraffte, hätte niemand angesehen, daß er bereits 67 Jahre alt war. In einem Alter, wo andere mit Recht sich zur Ruhe setzen, schlug Link gewissermaßen eine neue Laufbahn ein, die allerdings dort endete, wo seine Lausbahn als Gewerkschafter eigentlich begonnen hatte: im Jahre 189» wurde Link auf der ersten Bauarbeiterschutzkonferenz in Berlin zum Ver- trauensmann gewählt und mit 6S Jahren vertauschte Link seine Stelle als Arbeitersekretär von Berlin mit der des besoldeten Sekretärs der Berliner Bauarbeiterfchutzkommisston. Link war Gründer des' Berliner Arbeiter- sekretariats und in diesem von 1899 bis Ende 1925 als Ar- beitersekretär unermüdlich tätig. Diese Tätigkeit, die ihn vom Morgen bis zum späten Abend in Atem hielt, hinderte Link nicht, nebenamtlich und Zwar im Auftrage der Berliner Gewerkschafts- kommission im Jahre 1991 den„Verein Berliner A s p h a l t e u r e" zu gründen, aus dem im Jahre 1993 der Z e n- tralverband der Asphalteure sich entwickelte, dessen Vor- sitzender und Redakteur Link nebenamtlich war, wie er dann auch bis zu seinem Tode nach der Verschmelzung mit dem Baugewerksbund Reichsfachgruppenobmann der Asphalteure und ehrenamtliches Hauptvorstandsmitglied des Baugewerksbundes war. Mit diesen Angaben ist bei weitem nicht das Tätigkeitsfeld des Verstorbene» erschöpft. Wir fügen hinzu, daß wir in Link einen geschätzten Mitarbeiter verlieren, dessen gründliche Kenntnisse, dessen unermüdlichen Fleiß wir stets zu schätzen wußten. Mit Link ver- liert die Arbeiterschaft, besonders aber die Bauarbeiter, einen bei aller persönlichen Bescheidenheit ausgezeichneten Verfechter ihrer Interessen. Eine Kulturiat Preußens. Ein Westharz-Talsperrengeseh für Hannover.— Hoch« Wasserschutz, Landesmeliorationen, verbesserte Wasser« Versorgung, Beseitigung der Typhusherde. Die preußische Regierung hat dem Staatsrat den Entwurf eines Westharz-Talsperrengefetzes mit der Bitte um beschleu- »igte gutachtliche Aeußerung überwiesen. Hiernach dürfen der Pro- oinz Hannover aus Staatsmitteln wefenttiche Summe zur Er- richtung einer Talsperre im Sösetal, einer Talsperre im Oder- t a l und eines Rhumepolders bei Northeim als Beihilfen gezahlt werden. Die Kosten des Hochwasserschutzes sind auf insgesamt 8 999999 Mark zu oeranschlagen. In der Begründung des Entwurfs heißt es: Die teilweise lata- strophalen Hochwasser, die das Leinetal fast Jahr für Jahr heimsuchten, bilden eine ernste Gefahr für die fruchtbare Niederung des Leinetales. Die geplanten Hochwasserschutzanlagen sind geeignet, diese Gefahren, wenn nicht ganz zu beseitigen, so doch erheblich zu mindern und den Hochwässern, die zeitweilig bis zu einem gewissen Grade erwünscht sind, ihre schädigenden Wirkungen zu nehmen. Das Vorkommen an brauchbarem reinen Wasser im Leinegebiet ist infolge des geologischen Aufbaues gering, das Grund- wasser des Leinetales infolge chemischer Verunreinigungen nur be- dingt branchbar, die Typhusherde im Leinetal bedeuten eine ständig drohende Gefahr der Bevölkerung, solange Wasser aus der Leineniederung entnommen wird. Diese großen Gefahren bedrohen die Bolksgefundheit in ernster Reise, wie die Epidemien der letzten Jahre beweisen. Der Ausbau der Sösetalsperre bietet die Möglichkeit, unter günstigen Bedingungen eine in jeder Hinsicht gute Wasserversorgung zu schaffen. Bei der Bcschästigung von Erwerbslosen kann voraussichllich mit einem effektiven Zuschuß von 3,6 Millionen Mark aus der produk- tioen Erwerbslosenfürsorge gerechnet werden. Zwischen Staat und Provinz besteht ein grundsätzliches Ein- Verständnis über alle wesentlichen Punkte. Vom Provinziallandtag wird das Zusammenwirken von Staat und Provinz a u f e'lektrizitätswirtschastlichem Gebiet noch durch be- sondere Vereinbarungen im einzelnen näher festgelegt werden. Die Provinz betrachtet ine Urbarmachung aller im Harzgebiet der Provinz Hannooer noch ungenutzten Wasserkräfte als ihre vornehmste Aufgabe: sie hat zu diesem Zweck ein besonderes Borarbeitenamt in Goslar errichtet. Zur Durchführung des Unternehmens hat die Provinz Hannover das West harztal- sperren-Kuratorium als besondere Provinzialkommission gebildet, der eine den Vau projektierende und ausführende West- Harz-Talsperrenverwaltung untersteht. Der Provinz wird das Enteignungsrecht, dessen sie zur Durchführung ihres wasserwirtschaftlichen Unternehmens bedarf, mit gewissen Ein- schräntungen gegenüber der Enteignung an staatlichem Eigentum verliehen. Ein moderner Gokrates. Gelbstmord eines Professors inmitten seiner Schüler. Budapest, 25. Februar. Der Professor an einer jüdischen Bürgerschule. Leo Bruck. hat heute zu Beginn einer von ihm gegebenen Lehrstunde ein« große Dosis Verona! eingenommen. Hierauf nahm er in bewegten Worten Abschied von seinen Schülern, indem er sagte, daß eine Krankheit, die er sich während des Kriegsdienstes zugezogen hatte, sich wieder erneuert habe, und daß Einkommen ohne Arbeit und Risiko Die Geheimnisse des Systems Keil. Man erinnert sich noch des Falles Klante. Und nach Klantes Fall auch seines Prozestes. Der Prozeß erregt« seinerzeit die Oeffentlichkeit nicht weniger als jetzt der Krantz-Prvzeß. Am kommenden Montag wird nun ein Prozeß aufgehen, der offenbar in mancher Beziehung dem Prozeh Klante nicht nachstehen wird. Es handelt sich diesmal nämlich um den in gewissen Kreisen nicht unbekannten Herrn Arthur Keil. Nicht weniger als 225 Zeugen und Sachverständige werden nach und nach vor dem Vorsitzenden der Sonderabteilung des Großen Schöffengerichts in Moabit. Amts- richter Burkert, aufmarschieren, denn auch Herr Arthur Keil scheint es recht bunt getrieben zu haben. Von Montag ab wird man also näheres über ihn und sein„stets gewinnbringendes Wettsystem'— denn darum handelt es sich natürlich wieder einmal— zu hören bekommen. Heute nur soviel darüber: Obwohl das große Publikum durch die trüben Erfahrungen, die es mit Klante. K ö h n und Konsorten, mit deren Wett- konzernen gemacht hatte, ist es Keil gelungen, mit seinem„stets gewinnbringenden Wettsystem", das er als seine„G« l d f a b r i k' bezeichnet hat, wieder eine große Zahl von Leichtgläubigen zu finden. In marktschreierischer Weis« hatte er angekündigt, daß sein behördlich nachgeprüftes, stets gewinnbringendes Wettsystem jedermann ohne Arbeit und Risiko ein« ständige Einnahme- quelle verschaffen �ijnn«. Den Einzahlern stellte er monatlich 19 Proz. Zinsen und«ine Gewinnbeteiligung von monatlich bl» 65 Proz. in Aussicht. Eine Treuhandgesellschaft sollt« angeblich die Verwendung der Einzahlung zu Wettzwecken genau kontrollieren. Binnen ganz kurzer Zeit haben 215 Personen über 27 000 Mark Wetteinlagen gemacht. Nach der Behauptung des Angeklagten soll eine aus acht einwandfreien Fachleuten zusammengesetzt« Prüfungs- kommission die Richtigkeit seines Wettsystems bestätigt und für die Prüfungs zeit einen Gewina von 34t proz. errechnet haben. Die- selben irrsinnigen Behauptungen hat man schon bei Klante unid Köhn erlebt. Nachdem das Strafverfahren gegen Keil schon eingeleitet worden war, richtet« er noch eine Berdienstabteilung ein. Dies« sollte Spareinlagen au» dem Publikum in kleinsten Beträgen bis herab zu 59 Pf. entgegennehmen. Als Quittung wurde eine Sparmarke mit dem Bild Arthur Keils ausgegeben. Eine große Menge Neiner Leute hat die wöchentlichen Ersparniste, die mit 19 Proz. monatlich verzinst werden sollten, auf Nimmerwiedersehen bei dieser Berdienstabteilung«ingezahlt. Die sämtlichen Unter- nehmungen Keils brachen zusammen. Vorher hatte er bereits ein anderes Unternehmen gegründet gehabt, in dem er 221 Personen als Filialvorsteher. Kassierer, Kontrolleure, Kassenboten, Zellelver- teiler eingestellt hatte, die einen bestimmten Geldbetrag als Interessen- einlage in das Unternehmen einzahlen mußten. Innerhalb weniger Monate liefen auf diese Weise 55 000 wart durch die Hände Keils. Auch diese Summe verwirtschaftete er vollständig. Auch bei diesen Einzahlungen arbeitet« Keil wiederum mit dem Versprechen enormer Verzinsung und Gewinnbeteiligung. Die Anklage gegen Keil in dem am Mnotag beginnenden Straf- prozeß wird Staatsamoaltschastsrat Messerschmidt vertreten, während die Verteidiger Keils die Rechtsanwälte Dr. Herbert Fuchs und Arthur Schulz, der vorübergehende Ofiizialver- terdiger im Krantz-Prozeß, sind. Unter den Zeugen befindet sich auch Rechtsanwalt Dr. Frey.(Wir werden über den Prozeß ausführlich berichten.) er sein Leben nicht länger ertragen könne. Wie ein Sokrates wolle auch er in der Mitte'seiner Schüler sterben. Er wurde dann plötzlich von Unwohlsein befallen und mußte ins Krankenhaus gebracht werden, wo er verstarb. Ein Opfer der Gpionenfurchi. Der Reichsdeutsch« Gudermuth endlich freigesprochen! Die polnische Strafkammer in K'attowitz verhandelte unter Aus- schluß der Oeffentlichkeit gegen den seinerzeit listig über die Grenze gelockten Reichsdeutschen Baumeister Gudermuth aus Gleiwitz und den polnischen Staatsangehörigen Buchhalter L o b e r aus Kattowitz, die beide im Zusammenhang mit den Haussuchungen bei der„Kattowitzsr Zeitung" am 9. September v. I. unter dem Ver- dacht der Spionage zugunsten Deutschlands verhaftet worden waren. Die Anzeige war erstattet worden von einem Polizeisergeanten, der angab, daß im Herbst 1926 ihm Gudermuth 399 Zloty in einem Kattowitzer Restaurant angeboten habe, wenn Schulgespräch. Trau einer den Großen. Gestern hat unser Pastor geseufzt: „Mit der Schule ist es vorbei) seit das Schulgesetz gescheitert ist"- und jetzt müssen wir trotzdem zur Schule gehen? er Gudermuth militärische Akten überlaste. Bei dieser Unterhai- tung soll nach Aussage des Sergeanten der Buchhalter Lober, damals bei der Kattowitzer Buchdruckerei- und Verlags-A.-G. beschäftigt, bei welcher Gesellschaft Baumeister Gudermuth damals einen Umbau leitete, zugegen gewesen sein. Die Beweisaufnahme ergab keinerlei Anhalte für die Richtigkeit der Angaben des Sergeanten. Nach zwölsstündiger Verhandlung wurden beide Angeklagte freigesprochen, nachdem der Staatsanwalt je drei Jahre Zuchthaus beantragt hatte. Die beiden Angeklagten haben unschuldig eine Haft von über 5 Monaten verbüßt, obwohl schon bei ihrer Verhaftung sich die Unwahrscheinlichkeit der erhobenen Beschuldigungen ergab. Ein Gnadengesuch. Der Landtag beschimpft und angebettelt. Der ehemalige Sozialdemokrat, jetzig« Hakenkreuzler, Emil K l o t h aus Neukölln, wegen Verleumdung des Genossen Dr. Breit- scheid oorbestrast, war vor einiger Zeit wegen Beleidigung des Genossen Kuttner zu 499 M. Geldstrafe verurteilt worden. Anlaß- lich der Hindenburg-Amnestie erließ ihm das Justizministerium mit Zustimmung des Beleidigten die Hälfte der Strafe. Aber Kloth, hiermit nicht zufrieden, wollt« auch den Rest der Sttafe los sein. Zu diesem Zweck verfaßte er eine Eingabe an den P r e u- ßischen Landtag, die am Mittwoch im Rechtsausschuß zur Beratung stand. Der Vertreter des Justizministeriums machte auf den seltsamen Umstand aufmerksam, daß der inkriminierte Artikel eine Anpöbelung und Beschimpfung des Preu- ßischen Landtages und seines Untersuchungsaus- s ch u s s e s darstellt! Wenn Kloth von dem gleichen Landtag, den er als„Hanswurstiade" und„Gipfel der Lächerlichkeit" bezeichne, jetzt begnadigt werden wolle, so werfe das ein eigeMümliches Licht auf seinen Charakter. Auch der Rechtsausschuß zeigte für diese Charakterathletik kein Verständnis und wies« i n st i m m i g die Eingabe zurück. Die Afghanen in Oöbentz. Vor König Amanullah und seinen a spanischen Begleitern zeigte sich heute vormittag, um all« Mögtichkeiten eines monarchischen Empfangs ganz zu erschöpfen, auch die republikanische deutsche Reichswehr. Es gab in D ö b e r i tz. dem alten Heerlager, eine Art Manöver, wobei Neine Teile der Reichswehr, zum EiftjjästWi der Gäste, um den Hasenheidenberg herum, Krieg spielten. Für dfe. Zuschauer, die nur in beschränkter Zahl zugelastm waren, hatte man auf dem Berg selbst Plätze angewiesen. Durch Draht und Funk. Heute beginnt in Zürich die Tagung des Exekutivkomitees der Sozialistischen Internationale. » Die Aufwertung der polnischen Zölle stört nicht nur die Handelsvertragsverhandlungen mit Deutschland. Jetzt ist aus Prag eine Delegation in Warschau eingetroffen, um über die Störung der Ausfuhr aus der Tschechoslowakei mit Polen zu oerhandeln. » An den Festlichkeiten in Reval anläßlich der zehnjährigen Selbständigkeit Estlands nahm der deuifche Gesandte nicht teii. Das Manisch der Regierung war aus einen deutschfeindlichen To., eingchellt. * Die Ausbeute an Petroleum im M o ssu l- G eb i et wurde von neuem ausgetellt. Neben der amerikanischen Near East Revelopment, den englischen Royal Dutch und Anglo-Persian- Gesellschaften erhält auch die Lcxnätö Eranqaise de Petirol einen Anteil.. Die französische Regierung schloß mit der sowjetrussi- schen Naphia-Gesellschaft einen Dertrag auf Lieferung von 149 999 Tonnen Petroleum für die fronzöstsh« Kriegs- flotte. * Die Unabhängigkeit de r Richter wurde in Polen aufgehoben. Für zehn Jahre bei den unteren Gerichten, für ein bis zwei Jahre bei den höheren Gerichten kann der Justizminister jeden Richter auf jeden anderen Posten gleichen Ranges und auch in den Ruhestand versetzen. * Bei der Nachwahl in I l f o r d(ländlicher Wahlkreis Nordwest- lih von London) behaupteten die Konservativen den Sitz. Ihre Mehrheit ging jedoch von 18 999 auf 4699 zurück. Die A r- bei4erpartei stieg von 8499 aus 8999, die Liberalen von 7899 auf 13 699 Stimmen. * Ob die in Frankreich untergebrachten Anleihen Brasi- li e n s in Goldsranken oder in Papiersranken verzinst oder zurück- gezahlt werden sollen, war streitig. Die Regierungen beider Län- der einigten sich, den Streitfall vom Ständigen Internationalen Gerichtshof entscheiden zu lassen. * Der neu« Botschafter Japans in Paris Adatschi übergab dem Präsidenten sein Beglaubigungsschreiben. Er erinnerte dabei daran, daß seit 1859 zwischen de>n beiden Ländern Beziehungen bestehen. * Huf dem Höhepunkt der südchinesischen Freiheitsbewegung war die Mehrzahl der ausländischen Beamten in der chinesischen Steuerverwalttmz abgesetz' worden. Jetzt berief die Nanking. regierung 17 dieser Ausländer in die Salzsteueroerwaltung wieder zurück. Theater der Woche. Vom 26. Kebruar bis 5. März. Volksbühne. Theater am Bülowplah: 26., 27. Peer Gynt. 28., 1., 2., 4. Die Entkleidung des Zlntonio Carossa. 29., 5. Mann ist Mann. 3. Hinte- mann. Thealer am Schiffbauerdamm: Schieber des Ruhms. Thalia-Thealer: Das Kamel geht durch ein Nadelöhr. Skaalsthealer. Oper am Platz der Republik: 26. Don Giovanni. 27. Der Arzt wider Willen. 28. Der Schatzgräber. 29. Covallerio Rusticana. Bajazzi. 1. V. Klemperer-Konzert/ 2. Strawinfky-Abend: Oedipus Mavra Petrufchta. 3. Rosenkaoalier. 4. Tannhäuser. 5. Luisa Miller. Staatliches Schauspielhaus: 26., 28., 2., 3., 4. und S. Die Weber. 27., 29. Der Kaufmann von Venedig. 28. Die Wupper. Schiller-Theater: 26., 28., 5. Ende gut, alles gut. 27., 29. Wozzek. 1. Die Geschwister. Der zerbrochene Krug. 2., 3. Amphi- trion. 4. Peer Gynt. Städtische Oper: 26. Jonny spielt auf. 27. Rigoletto. 28. Wal- küre. 29. Troubadour. 1. Manon. 2. Meistersinger. 3. Der Frei- schütz. 4. Tristan und Isolde. S. Der Corregidor. 26. Vormittags- konzert. Theater mit festem Spielplan. Deutsches Theater: Zwölftausend.— Sammersptele: Finden Sie, daß Constance sich richtig verhält?— Die Komödie: Marcel Frade- lin.— Theater am Rollendorfplah: Die Abenteuer des braven Sol- baten Schwejk.— Theater in der Königgrätzer Straße: Flucht.— Komödienhaus: Hokuspokus.— Großes Schauspielhaus: Madame Pompadour.— Theater des Wesiens: Münchhausens letzte Liebe.— Komische Oper: Zieh' dich aus.— Deutsches Künstler-Theater: Evelune.— Lustspielhaus: Unter Geschäitsaufsicht.— Residenz- Theater: Frühling am Rhein.— Zentral-Thealer: Die Dame vom Zirkus.— TNetropol- Theater: Der Graf von Luxemburg.— Die Tribüne: Spiel im Schloß.— Kleines Thealer: Gretchen.— Renaistance-Theat er: Coeur-Bube.— walhalla:Theater: Das Ab- steigeauartier.— Rose-Thealer: Der Flif_ü.— Schloßpark-Theater Steglitz: Das süße Mädel.— Thealer im Admicalspalast: Wann und wo! Theater mit wechselndem Spielplan. Lefsing-Thealer: Bis 29. Rose Bernd. Ab 1. Singende Galgen- vögel.— Theater am Kurfürstendamm: B's 28. Bei uns um die Gedächtniskirche herum. 29. Geschlossen. Ab 1. Sonnenspektruwl, Tod und Teufel.— Theater in der Kommandanlenstraße: 26. Die Kreuzelschreiber. 27. bis 4. Familie Schiwek. 5. Das Haus des Schweigens.— Verliuer Thealer: Bis 29. Der Herr von... Ab 1. Kollege Erampton.— Theater in der Kloslerstraße: 26., 27.. 1., 3., 4. Der fröhliche Weinberg. 28., 29. Kindertragödie. 2. Ehar- leys Tante. Zlachmiltagsvorstellungen. Schiller-Theater: 28., 3. Minna von Barnhelm.— Theater am Vülowplatz: 26. Di« Entkleidung des Antonio Earosia. 4. Peer Gynt.— Theater am Schifsbauerdamm: 26., 4. Schieber des Ruhms. — Thalia-Theater: 26., 4. Das Kamel geht durch das Nadelöhr.— Großes Schauspielhaus: 26., 4. Madame Pompadour.— Residenz- Theater: 26., 4. Frühling am Rhein.— Theater in der komman- danlenflraße: 26. Familie Schimek. 3. Die Räuber. 4. Das Haus des Schweigens.— Berliner Thealsr: 26.. 4. Müllers.— Kleines Theater: 26. Lisi!, die Kokotte.— walhalla-Theoter: 26. Dornröschen.— Rofe-Theater: 3., 4. Schneewittchen und die sieben Zwerge. --Theater. in der Klosterstraße: 26. Schneewittchen. 29., 3., 4. Rot- tpMJchtu.— Schloßpark-Theater Steglitz: 26. Di« Faschingssee.— Theater Admiralspalasl: 26.. 4. Wann und wo! Erstausführungen der Woche: Montag. Theater in der Kommandanten st raße: Famile Schimek.— Rose-Theater: Der Flieger.— Donnerstag. Theater am Kurf ürstendamm: Sonnenspektrum. Tod und Teufel.— Berliner Theater: Kollege Crampton.— Lessing-Theater(Gastspiel der Piscator-Bühne): Singende Galgenvögel.— Wallner-Theater: Flandrische Hochzeit. Die bedrohte Sittlichkeit. Die Kunst Hai es schwer. Die Sezession im neuen Haus. Die Berliner Sezession ist vom Kurfürstendamm nach der Tiergarten st raße umgezogen. Sie hat sich dort vom Architektm Leo Nachtlicht ein Haus der dekorativen Zeit um- bauen und erweitern lassen. Die äußere Gestaltung ist anspruchslos, aber gefällig: die innere Gliederung oerdient Anerkennung. Es gibt große und kleine Säle, nicht allzu hoch, mit gutem Licht und neu- Ooer am Platz der Republik. Szene aus dem Slrawinsky- Ballelt, das heute Abend seine Berliner Erstaufführung erlebt. tralen Wänden. Rund 2«/) Werke haben Unterkunft gefunden, während einer kleinen halben Stunde kann man an ihnen vorbei- spazieren. Am Eingang grüßt uns ein Selbstbildnis aus der letzten Periode des Loois Corinth: es ist in seiner geistigen Energie das beste Stück der Eröffnungsausstellung. Im Vorwort des Katalogs ist der gediegene Satz zu lesen:„Die deutsche Kunst hat es gegenwärtig sehr schwer." In aller Be- scheidenheit möchte man hinzufügen: der Kritiker auch. Wie soll er er sich solch ein'em Rendezvous von Gutem und Interessantem, Be- langlosem und Unzulänglichem gegenüber verhalten? Zensuren aus- zustellen hat keinen rechten Zweck; die Getadelten werden's nicht glauben und den Gerühmten wird's hoffentlich nebensächlich sein. Es scheint also nur die Aufgabe zu bleiben, dem Besucher einige Hinweise zu geben: wo stehen zu bleiben sich verlohnt. Das mag hier geschehen im Range des Alphabets. Max Beckmann hat sich von seinen geknautschten Grimassen befreit und nähert sich wieder der Natur; aber er bleibt noch reichlich stumpf und vergißt, daß Menschen, Blumen und Vasen keine Plakate find. Sein Selbstbildnis hat trotzdem einen Zug von freskalem Charakter. Erich Büttner, als Illustrator mitteilsam, erweitert solche Anlage bis zur Lebensgröße, ohne den Zusammenhalt allzu sehr zu gefährden, aber auch ohne den Eindruck einer gedehnten Buchseite restlos zu überwinden. Otto D i x hat erfolgreich feftge- stellt, daß der Dichter Theodor Döubler ein ungewöhnlich dicker Herr ist, deflen massiges Körperrund gegen den Rahmen quillt Eine Apotheose des Fettes und jener neuen Wirklichkeitsmalerei, die schon wieder ein wenig veraltet erscheint. George Groß hat, wie wir wissen, das Bedürfnis gehabt, sich in Südfrankreich aufzufrischsil; er malt jetzt wie ein sorgloser van Gogh, die Bissigkeit scheint dahin zu sein und eine lustige Lyrik meldet sich. Karl H o f e r hat dies und jenes von Cözanne gelernt. Er baut aus Flächen eine organische Fläche, aus klaren' Elementen einen Organismus. Seine Bilder haben nie das römische Pathos antiker Plastik verleugnet, durch innere Wärme aber kommen sie uns nahe. Auch Oskar Kokoschka reißt uns mit. Der Poriser Opernplatz, den er diesmal zeigt, hat durch die tiefen, jäh aufgewühlten Perspektiven und durch die kurvige Handschrift des beglückten Beobachters viel Motorisches zu oergeben. Solch Bild ist moderne Stadtschilderung. Hans Meid dagegen bleibt absichtlich in vergangenen Jahrhunderten hängen; seine Straßen wirken wie Kulissen, in denen unverzagt eine roman- tische Operette sich austun könnte. Max P e ch st e i n. der vieles von seiner Sclbstsicherheit verloren halte, gewinnt in einem Meer- bild wieder sich selbst zurück; in der Wucht dieser stürzenden Welle zeigt sich der frühere Draufgänger. Walter Trier, dessen pro- duktive Begabung in der humoristischen Versöhnung mit den Kuriositäten dieser Welt wurzelt, beweist abermals, daß er«in feines, malerisches Aug« besitzt. Wahrscheinlich nimmt er seine Pinseleien gar nicht so ernst, aber sie enthalten sehr sympathische Qualitäten. Von den Ditdhauern ist Karl A l b i k« r zu rühmen, ihn reizt die Oberfläche der menschlichen Figur, der er gotisches Geblüt ein- strömt. Georg Kolbe verleugnet auch, wenn er wie diesmal sich beinahe an die Unruhe der Natur verliert, keineswegs die geschmeidige Musik, die sein« Figuren von jeher auszeichnet. Diese fein gebän- digten Körper anzuschauen, ihre schwingende Silhouette, ihre geistreiche Zerbrechlichkeit, lohnt einen Besuch dieser Ueberschau. Lederer ist wie meist muskelstark bis zur Peinlichkeit und die Sintenis wie immer eine kluge Träumerin der gekosten Bewegung des Kleintiers:- Josef T h o r a k bleibt zu nennen, dessen wächserne Bode-Büste ein gutes Parträt ist, dessen stehender Mädchenkärper durch die aufmerksam« und liebevoll« Behandlung der-'Hügelland- schast einen erzogenen Sinn für das Plastisch-Wesentliche nachweist. Breuer. „Oer Graf von Luxemburg". Neueinstudierung im Metropol-Theater. Seltsam, daß diese Melodien heute noch so unverwelkt blühen wie vor etwa zwanzig Jahren. Allerdings behandelt jetzt L e h a r etwa in„Frasquita" oder„Paganini" das Orchester opernmäßiger und komplizierter, aber je mehr seine rein formale Sicherheit, sein virtuoses technisches Können gewachsen ist, desto matter scheinen seine Melodien zu werden. Jedenfalls hat er in seinen späteren Werken nie mehr die sprühende Lebendigkeit der„Lustigen' Witwe" oder des., Grasen von Luxemburg" erreicht. Hier sind wirklich Operetten entstanden, die im besten Sinne die Tradition der alten Wiener Operette fortsetzen. Im Grunde ist es oerwunderlich, daß die Ber- liner Theater auf ihrer Jagd nach erfolgreichen Operetten erst heute auf den„Barsen von Luxemburg" zurückzugreifen, und wieder einmal zeigt es sich, daß der Erfolg dieser alten bewährten Werke stärker ist als der einer modernen Jazzoperette, deren Komponist sich meistens durch eine beleidigende Einfallslosigkeit auszeichnet. lim den Erfolg zu erhöhen, besetzt das Mctropol- Theater die Rollen bis in die unbedeutendsten mit Schauspielern und San- gern, die in ihrer Eigenschaft als Star unbedingt volle Häuser machen müssen. Hubert Marischko aus Wien singt die Titelrolle. An sich ist sein kleiner, weicher Tenor wenig ergiebig: aber Ausdruck und vollendete Technik verschleiern diesen Mangel. Dazu ist Ma- rischka ein ausgezeichneter Schauspieler. Kein persönlicher Dar- steller, sonvern immer im Konventionellen bleibend. Doch diese Konvention gibt sich so liebenswürdig, so elegant, so unsentimental und so routiniert, daß man beinahe glaubt, einen wirklichen Gc- staller vor sich zu haben. Alice Hechy und Margit Suchy sind gesanglich und darstellerisch vollendet. Die größte Leistung jedoch kommt nicht von der Operette, sondern vom Schauspiel. Ralph Arthur Roberts spielt den Fürsten Basilowitsch. Gespenstisch geistert dieser idiotisch tatternde Greis über die Bührfe mit eckigen, mechanisch abgehackten Bewegungen, eine menschliche Gliederpuppe, die von Steinach und Woronzoff einen letzten Hauch vom Leben er- halten' hat. Das Orchester unter L e h a r s Leitung spielt farbig und glutvoll, mit feinster Exaktheit. Nur die Regie ist noch im Schema der Vorkriegszeit stecken geblieben. Der Chor, der übrigens gut singt, bleibt entweder bewegungslos oder zappelt unentwegt über die Bichne. Auch die Dekorationen sind wenig erfreulich. L. 8. Der Reichspostminister S ch ä tz e l, der als Mitglied der Bayerischen Bolkspartei besonders dazu berufen ist, die Sittlichkeit zu schützen, hat folgendes verordnet: Um Einheitlichkeit zu schaffen, bestimme ich, daß das gesamte im Fernsprech-, Telegraphen-, Postscheck-, Postbetriebs, und Verwaltungsdienst beschäftigte weibliche Personal einschließlich der Helferinnen während des Dienstes ein Berusskleid anzulegen hat, da» der anliegenden Zeichnung und Beschreibung entspricht. Der Rock muß mindestens 20 Zentimeter unter das Knie reichen. Das Ideal des Herrn Schätze! ist offenbar der Schleifrock und das Korsett, wie anno dazumal. Gin amüsanter Film. „Or. Monnier und die Frauen." Ist das noch eine Filmkomödie oder schon eine Filmstrtire? Das Premierenpublikum kannte im Ufatheatcr Kunürstendamm sich nicht recht aus, als der im Film vorkommende Revuedichter zum Schldß die Mitspiellenden lenkte, als ob es Marionettensizuren wären. Da steht der ernste und gediegene Dr. Monnier dem besagten Revue- dichter gegenüber, den er eben als geheilt erklärt hat von einem angeblichen Revolverattentat seiner Schwägerin Ieanne Duval, und muß nun erfahren, daß die Frau, die hinter dem Borhang warte', nicht seine Schwägerin, sondern seine eigene Frau ist. Aber es er- folgt keine Szene, auch als die Schwägerin dazu kommt, alles löst sich in Wohlgefallen auf. Dr. Monnier kann nun seiner Liebe zu seiner Schwägerin freien Lauf lassen, weil er sie von allem Ver- dachte befreit sieht. Sein« eigene Frau Rita hatte aus Versehen ihren früheren Geliebten, zu dem sie nach ihrer Hochzeitsreise mit Dr. Monnier zurückgekehrt ist, angeschossen, und ihre Schwester Ieanne hatte sich für sie geopfert, indem sie sich als Gesichte des Dichters ausgab. Es erfolgt also ein einfacher Austausch der Frauen und alles ist in schönster Ordnung. Ist das nun ein Schwank oder eine Satire? Niemand weiß es, und wahrscheinlich wird es dem Manufkriptversasser Paul Merzbach ganz willkommen sein, wenn seine amüsante Ge- ' schi che so und so gedeutet werden kann. Amüsant und unter- haltend ist der Film aus alle Fälle, mag er auch die Frivolitäten der bürgerlichen Ehe aufs äußerst« bloßstellen. Gustav M o l a n- der hat es prächtig verstanden, den gegebenen Stoff filmisch auszugestalten und uns durch hübsche Episoden(z. B. das Benehmen des jungen Paares bei Antritt der Hochzettsreife und bei der Rück- kehr)« zu erfreuen. Der Mann zwischen zwei Frauen oder die Ehe auf Probe ist ja im Film nichts Neues mehr, ober hier wird dt« Sache doch einmal ganz anders eingefädelt. Es ist ganz witzig, wie die beiden Familien, die nebeneinander auf der gleichen Etage wohnen und sich nicht kennen wollen, durch das Kind der einen und durch die Töchter der anderen miteinander in Fühlung kom- men. Dr. Monnier läßt sich von der Schauspielerin Rita, die gerade mit ihrem Dichter einen kleinen Krach hat, einsangen und erkennt erst, als er schon mit ihr oecheiratet ist, daß er im Grund« ihre Schwester Ieanne liebt. Die in ihrem Kontrast sehr wirksame Darstellung der beiden Frauen, der koketten flatterigen Rita, die in eine bürgerliche Ehe nicht paßt und daher auch zur Bühne zurückkehrt, durch Margit M a n st a d, und der ernsten gefühlvollen Ieanne durch Ruth Weyher, bedingt den Erfolg des Füms. Der Re-» gisseur hat beide sich voll ausspielen lassen und auch dafür gesorgt. daß Louis L e r ch als Doktor Monnier nicht allzu sehr die Auf- merksamkeit von ihnen ablenkt. Mikes Mander gibt den Dichter nicht mit der üblichen Blässe, sondern als markante Figur. Die Berliner Oürer-Ausstellung. Des 499. Todestages Albrecht Dürers im April d. I. werden auch die Staatlichen Museen gedenken. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, bereiten die Berliner Museen in Gemeinschaft mit der Akademie der Künste eine repräsentative Dürer-Ausstellung vor. Sie wird aus dem Besitz des Kupferstich- kabinetts die Holzschnitte, Kupferstiche und Handzeichnunqen Dürers, und aus dem Besitz der Gemäldegalerie die Berliner Gemälde des Meisters enthalten und in den Ausstellungsräumen der Akademie der Künste am Pariser Platz stattfinden. Als Eröffnungstag ist der 19. März in Aussicht genommen. Die Ausstellung wird am 2. Osterfeiertag geschlossen. Ein Teil der ausgestellten Werke wird dann zur Dürer-Ausstellung des Germanischen Museums in R ü r n- b e r g geschickt werden._ vottsbühne. Edmund Melle! bat die Mufik slir die Tamdichtimg„Di Beiniiing" von Heriha Feist kvmponicri. die am Sanniniu dem 4. Äaiz, voimiitags Il>/, Uhr. im Theater am«ülowpiatz zur Ausführung gelangt. Der Lomponist hat selbst die musikalisch» Leitung übernommen. Die tausendjährige Stadt. - r*-,; v v. Drei Kilometer von der württembergischen Grenze entfernt, in über �00 Metern Höhe, liegt im fruchtbaren Virngrund das schöne mittelfränkische Städtchen Dinkelsbühl, das knapp 6000. Seelen zählt. Aus der Ferne grüßen den Wanderer die schlanken Türme der Ringmauer, mit der schon im Jahre 9 28 die Stadt umgeben wurde. Von diesem Zeitpunkt an zählt Dintelsbühl in der Geschichte als b e f e st i g t e Stadt, die in den Iahren 1351 bis 1802 als freie Reichsstadt ihre Bonner über das Land flattern ließ. Das romantische Bild, das die alten, sich um einen ehrwürdigen Dom gruppierenden Bauten dem Auge bieten, verrät nichts von den kriegerischen Ereignissen, in die auch dieses Städtchen wieder- holt verwickelt worden ist. 1632 eroberte der schwedische Oberst v. Sperreut die Stadt. Religiöse Kämpfe erschütterten dann lange Zeit den Wohlstand des Ortes, bis es endlich zur Gleichstellung der Protestanten und Katholiken kam. 1802 fiel die Stadt an Bayern, 1801 an das preußische Fürstentum Ansbach, und 1806 wieder an Bayern zurück. Zum Andenken an die von Kindern erwirkte Be- gnadigung der, Stadt im Jahre 1632 findet am dritten Montag im Juli jeden Jahres ein B o l k s- u n d I u g e n d s e st, die„K i n d e r- zeche", statt, dem seit 1897 ein Festspiel mit Umzug eingefügt ist. Als ein Wahrzeichen der Stadt kann auch das.Deutsche Haus" gelten, ein Prachtbau deutscher Renaissance. Für den Wissenden ist Dinkelebühl die Stadt, in der sich ein gewaltiges Stück deutscher Geschichte widerspiegelt. Durch ihre Gassen ritten Kaiser Karl V., Maximilian II., der Schwedenkönig Gustav Adolf und Piccolominis schwer« Reitei scharen. Und in den Turmgewölben der Kirchen sind noch heute die eingemeißelten Handschriften der Kreuzfahrer zu sehen. So lebt dieses Städtchen in diesem Jahr ins dritte Deutsche Reich hinein und feiert in seinem Frieden, unter den Fahnen der Republik, sein lOOOjähnges Jubiläum. Sine gute Partie. Die Braut ist doof, hat aber Geld. Im Hausholt eines Bäckermeisters besorgte Fräulein Olga, die Nichte der Frau des Meisters, die Hausarbeit. Sie bekam ihren Lebensunterhalt, aber keinen Barlohn. Man betrachtete sie nicht als Hausangestellte, sondern als Haustochter. Bier Jahre bestand dies Verhältnis ohne jede Störung. Ja, der Meister hatte sich der Olga so„freundschaftlich" genähert, daß die Meisterin allen Grund zur E i f e r s u ch t zu haben glaubte. Natürlich war nun das gute Einoernehmen im Bäckorhause gestört. Olga dachte daran, sich zu verändern und kam aus den Gedanken, daß sie doch für ihre Arbeit in vier Iahren Lohn zu beanspruchen habe. Davon wollte aber der Meister nichts hören, doch erklärte er sich bereit, wenn Olga sich verheiraten werde, ihr ein« Ausstattung zu beschaffen. Auf diese Aussicht hin fand sich dann bald ein Bewerber für Olga, oder doch für die erwartete Mitgift, denn der Bräutigam sagte zu Be- kannten: „Ich heirate das Geld, an dem Mädchen liegt mir nichts, die ist doof." Eines Abends saß der Bäckermeister mit Freunden und Nach- barn in der Kneipe. Auch Olga und ihr Bräutigam nahmen an dem Gelage teil. Um die Mitternachtsstunde, als die Tafelrunde stark unter dem Einfluß des Alkohols stand, brachte Olga die Frage der Ausstattung wieder zur Sprache. Da erklärte der Bäckermeister, er werde ihr bei ihrer Verheiatung 2000 M. zahlen als Lohn für ihre Arbeit und für die Annehmlichkeiten, die er durch sie gehabt habe.— Als der Rausch verflogen war und Olga Sicherheit für die Erfüllung des Versprechens forderte, da wollte der Meister von nichts mehr wissen. Nun ging Olga im Beistände ihres Bräutigams nach dem A r- beitsgericht und verklagte den Bäckermeister auf Erfüllung seines Versprechens. Dem Meister stand seine redegewandte Frau zur Seite. Es gab sehr erregte Auseinandersetzungen zwischen den Parteien. Die Rechtslage war zweifelhaft. Der Richter riet deshalb zu einem Vergleich, der denn auch nach langem Handeln und Feilschen zustande kam. Olga erhält sofort 700 M. Ob der Bräutigam die Braut, die ihm mit 2000 M. annehmbar erschien, auch mit 700 M. noch nehmen wird, ist allerdings nicht ent- schieden. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend.(Nochdruck verboten.) Heiter und trocken, stellenweise Moraennebel, nachts weiterhin Frost. Südöstliche Winde. Für Deutschland: Fortbestand des heiteren und trockenen Wetters bei wenig geänderten Temperaturen. Verantwortlich für die Redaktion: Eugen Prager, Verlin: Anzeigen: Th. Slockr, Verlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW KS, Lindcnftrage Z. Sierzn 1 Beilage Sonnab., 25. 2 28 S)aats-Oper Am PI.d.Republ. 7 Uhr Strawinsky-Illil; Ödipus. Mavra, Petrusehka itiatl. SdiiDsuielli. StUckt Zieh' didi aus! 200 Mlfwtrkende- Sonntag 2 Vorslellunren. nachmittags 3''t Uhr bcdeut. ermäB. Preise Theater am Kottbusser Tor Kottbusser Straße 6« Täglich st Uhr Elite- Sänger Febrnar in pSer Form! Jeden Sonntae nachm; 3 Uhr; Grotte Familien-Torsiellnng '(ungekürzt). wo ksor 0.4". n,7S. I.—. 1,25, 1,501,75 Mk. Kommt alle zum Volksfest im Relchshallen•Theater 8 Uhr. Sonntg. nachm. 3 Uhr. .# Stettiner Sänger ..Kdtts Voehenendc" nachm. halbe Preise. Dönhoff•Brett'li 28. Februar: 100«. Falkner- Konzert. Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen. CASINO-THEATER s um Lothringer Str. 37 Nor noch wenige Auffülirangen! Die spankche Fliege. Aasschneiden i Gutschein I—» Pers. Fauieuil nur 1,10 M.. Sessel nur 1.60 M. am Sonntag, dem 26. Febr., 5 Uhr nachm., ins Funkhaus Kaiserdamm Stimmung/ Tanz Dar ietS-programm Gintrttt 2.50 M./ Vorverkauf im Verkehrskiosk ll. d. Linden Ecke Kriedrichsirahe und Auskunftsstelle des KremdenvertehrsamteS,Ehbg.,König.'Elisabeth>StrL2 dlur nock venig«: Taget Freddy Rieh m. seinen 14 unerreicht. Künstlern Hierzu das große Variete-Progr. SonmaA 2 TorstenunOen 2 3-° u. 8 Uhr. 3" kleine Preise! Plscaiorbflhne fheat. d. Hollendorfpial) Kurfürst 2091/93 Anf. 8. Ende geg. 1 1 Die Abenteuer des braven Soldaten Schwrjk mit Max Pallenberg insc. Ervin Piscator Roa-THeaisr RBid,1I.IhMi„.*■««■»» Gr. Frankf.-Str. 132. 4 dir: Sth leewittdisn 8>/. Uhr Der Pfarrer von Kirdileld Heute SV, Uhr: tum 24. Male> Franz Baumann in der Operette frainiog am Rhein Sonntag 3'/, Uhr die ganze Vorstellg zu halben Preisen ffflla;. Jndiuntkil« Strrh Noll. 1578 fens, fit Sdiwester der Erde. Vorführungen: Ift'/fc 18. IS',,. 21 Uhr Eintritt I M. HiOr nt. N latm 1,41 II. Beatsdies Theater Norden 12310 Abonnementsbüro: Norden 10 338-30. 3'/, U-, Ende nach 10 ZwSlftaajcnd Kammerspiele Norden 123(0 8' ,U„ Ende 10 Uhr FipdenSie.dafi Constaece sidi riditig eeiM? Die Komödie Bismarck 2414,751h 8',«U. Ende 10',, U. Marcel Fradelln (Oer Eunuch) Beriiner Theater Direktion Kuhnen. furlittenlt.SÜ St. Utah. 170 8',« uhr- Max Adalbert als Der Herr toh... ferne Witt-fölar Th. KßnletrSlz Sl. Bergm.2110. 8", Uhr riucht IM Ml! CihwoitliT hgli- fiel* SuMwittr Komßdlcnh.at Norden 5304. 8.15—10 40 Uhr von Curt Götz Metropol-Th. 8', 4 Uhr Premiere Der Graf von Luxembarg Saphr. Heck--. Inlrod. HamiMi. Rjlth Irtar Räber- Hill."»IIa So.'1.4 Uhr kl Pr. Orailn Marllia Kletnn Theater Täglich 8',. Uhr Erika Gl&�ner in Gretchen Für Jugendliche nicht geeignet So. nachm. 4 Uhr Erika eiaoner in Uuy die Hobotte kleine Preise Th. im Admiralspalill Tädl.k'.UhT mm REVUE MlIlllütW'' -heater des Westen: Täglich 8'/, Uhr Nflndiluiagen« letzte Liebe Wirt, Hoffmann. Jolan, fülle. Albu 2 Sonntag Vorstelle. 3 Uhru.lh.Uhr fufim. Hie qiati*»r- dflliw in l-ilh D.ri Lustspielbaos 8', 4 Uhr iuldn Thielscher „Unter Gestfiäflsaafsidit" Thaila-TIieater Dresdnerstr. 72 73 80.: Das Kamel gehl datdi das Nadelöhr iaitEnoun-diinnr Jts. Künstler- Ii1 8 Uhr- „Eveiyne" Lessing-rticaier 8 Uhr „Rose Bernd" Berl!iser||ik-TriS M au k dl In. mm Lahns", r. 74 7s k Walhaila-Th. Weinbetgsweg 10,20 Täglich Sy, Uhr Das WemMiet Schwank in 3 Akten Jg�edildn hon latntt! Vorzeiger dieses zahlen für Parkett auch Sonntags statt 4,— Mk nur 00 PI. Sonntag nehm 4 U. Dornrördjen Parkett V. 30 Pf. an. Renaissance- Theater Steinplatz 001 8io uhr Coeur Bube. NOtltSliUUl l iMO. UMna Rasch-Girlsj im Rahmen des groBen Varlete-Programiiis! Sonnabends u. Sonntags 1 |e 2 Vorstellungen I« u. I Uhr— 3" zu ermäßigten Preicen dar gerne Programm. 2 Pfd. r C. G. Bruchmüller Berlin, Mi frankforfer Straße 100- Pankow, Breite Straße 4 a Gemüse-Konserven 2 Pfd. 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CARL TAMASCHKE Berlin SO, Dresdener Strafe 121—123 ,XONS' Wer ist Traven?— In dem Lande des Frühlings. Die Redaktion des„Abend" hat sich entschlossen, künftig spannende wertvolle Erzählungen in laufenden Fortsetzungen zum Abdruck zu bringen und glaubt mit der Wahl des ersten Werkes bereits ihren Lesern eine besondere Freude zu bereiten. Es hanveltsich um den Goldgräberroman„DerSchatzder Sierra Madre" aus der Feder des deutschschreibenden, in Flußlandschaft in Mexiko. Mexiko lebenden Schriftstellers B. T r a v e n, der sich bereits durch drei andere Bücher, die sämtlich in der Büchergilde Gutenberg, Berlin SW. 61, Dreibundstraße 5, erschienen sind, einen guten Namen verschafft hat. Es steht fest, daß der an seine Alltagsarbeit gefesselte werktätige Mensch von heute be- sonders nach außergewöhnlichen Erlebnissen und nach dem Erleben der weiten Welt sich sehnt, da er es nicht anders kann, einen Ersatz im Buche sucht. Das beweist am besten die Begeisterung für die Werke Jack Londons, die jetzt von den Büchern B. Travens fast schon überragt werden. Wir können leider über das Schicksal und die Herkunft dieses , Schriftstellers unseren Lesern keine näheren Angaben machen, "dV fikbst der Verlag der Büchergilde Gutenberg nichts über il"ötfwi&Mlasfer zu berichten weiß..Nicht uninteressant ist aber«, mit welchen Begründungen Traven jede Auskunft über seine Persönlichkeit abgelehnt hat. Er schrieb einmal: „Wer sich um einen Posten als Nachtwächter oder als Laternen- anzünder bewirbt, muß einen Lebenslauf schreiben und ihn inner- halb angemessener Frist einreichen. Von einem Arbeiter, der geistige Werte schafft, sollte man nie einen Lebenslauf verlangen. Es ist unhöflich. Man verführt ihn zum Lügen. Besonders dann, wenn er aus irgendwelchen Gründen glaubt, daß sein wahrer Lebenslaus eine Enttäuschung für die Menschen sein muß. Hier freilich treffe ich mich nicht selbst. Mein Lebenslauf würde nicht enttäuschen. Aber mein Lebenslauf ist meine Privatangelegenheit, die ich für mich be- halten möchte. Nicht aus Egoismus, vielmehr aus dem Wunsche heraus: in meiner eigenen Sache mein eigener Richter zu sein. Ich möchte es ganz deutlich sagen: die Biographie eines schöpferischen Menschen ist ganz und gar unwichtig. Wenn der Mensch nicht in seinen Werken zu erkennen ist, dann ist entweder der Mensch nichts wert oder seine Werke sind nichts wert. Darum sollte der schöpfe- rische Mensch keine andere Biographie haben als seine Werke. In seinen Werken setzt er seine Persönlichkeit und sein Leben der Kritik aus." Und damit, daß er feine Bücher sprechen lassen will, hat B. Traven vollkommen recht, denn sie reden eine unverfälschte klare Sprache und befriedigen unseren Drang, von unseren Arbeitskameraden in anderen Erdteilen Wahres und Selbst- erlebtes zu erfahren. Gleich das erste Werk B. Travens„D a s T o t e n s ch i f f" überraschte durch die ungeschminkte Darstellung einer grauen- erregenden Seemannsromantik und seltsamster Erlebnisse eines Seearbeiters, der arbeitslos und ohne Ausweispapiere gezwungen ist, sich auf ein Totenschiff anheuern zu lassen. Ein Schiff, das der Reeder wegen der Versicherungssumme! untergehen läßt, ohne Wissen der armen Teufel, die in seiner Hölle arbeiten müssen. Dieses Buch wird wohl noch für lange Zeit einzig in seiner Art bleiben. Dieselbe eigenartige Stel- lung innerhalb unserer Literatur nehmen auch die anderen Bücher B. Travens ein:„Der W o b b l y" und„D e r Schatz der Sierra Madr e". Beide Bücher geben einen liefen Einblick in die Arbeiterverhültniffe Zentral- amerikas und Mexikos, wie sie in keinem anderen Buche, ganz gleich welcher Sprache, bis heute gefunden werden °nn(C,£)er Wobbly", das ist der bei der revolutionären Ge- werk'f'chaft Amerikas organisierre Mann, geächtet von allen Antreibern, verfolgt auch von der Polizei. Wir sehen ihn als Baumwollpflückcr und sind erschüttert, wenn wir in dieses Hundeleben dieser Arbeiter sehen müssen. Wir lernen auch die Arbeitsverhältnisse in einer Bäckerei kennen, wo 18 Stun- den gearbeitet wird um einen Schundlohn, den der Meister bezahlt wann er will. Aber plötzlich kommt in ein Cafö ein Mexikaner: ein Streik bricht aus und nun kann man lesen, wie die Polizei unter der Regierung des Präsidenten Calles mit dem Unternehmer umgeht, der da glaubt, mit Streik- brechern arbeiten zu können. Auch mit seinem großen Reisewerk„L a n d d e s F r ü h- l i n g s", das mit vielen Originalaufnahmen des Verfassers versehen ist. hat Traven ein Buch von besonderem Format gegeben. Es hat bisher in seiner Art keine Vorgänger ge- habt und wird wohl auch für lange Zeit noch keine Nach- fahren haben. Denn alle Reisebücher, die bisher geschrieben wurden, waren entweder nüchtern wissenschaftlich oder aben- teuerliche Unterhaltungslektüre oder irgendwie kapitalistisch gefärbt. Ihr Grundcharakter war, daß die kapitalistischen Ausbeutungsmöglichkeiten geschildert oder in verschleierter Form angedeutet wurden; sei es, daß man die erforschten Gebiete als Auswandererland, für den Import, Export oder für die Annexion empfahl. Aber in diesem Reisebuche ist zum erstenmal eine Forschungsreise dargestellt vom Standpunkte der proletarischen und der antibürgerlichen Weltanschauung aus. Das Buch weicht sogar in der Art der Darstellung des Stoffes von den Formen der bürgerlichen Reiseliteratur völlig ab. Niemals kann ein solches Buch etwa von Touristen als„Reiseführer" gebraucht werden. Es kann nicht„gebraucht" werden. Das ist einer seiner großen Vorzüge. Dem Leser wird vielmehr vor seinen Augen eine ganz neue Welt er- stehen, von deren Vorhandensein er bisher nichts wußte. Ihm wird diese neue Welt nicht nur in körperlichem Sinne, sondern erst recht im geistigen Sinne als eine neue Ideenwelt er- scheinen. Der intelligente europäische Arbeiter wird aus dem Buche herauslesen, daß es in Mexiko wie bei allen fremden Völkern nur„anders gemacht" wird als daheim, daß aber die Lebensziele, die Motive, der Wille und die Sehnsucht zum Licht, zur Schönheit und zur Freiheit überall die gleichen sind. Als letztes Buch, auf das. wir an dieser Stelle besonders hinweisen wollten, da wir es für die Leser des„Abend" zur Veröffentlichung bringen, nennen wir den Goldgräberroman „D e r S ch a tz d e r S i e r r a Madre". Die Sierra Madre ist das wildromantische Gebirge, das Mexiko zu einem großen Teile durchschneidet. Die Bilder, die wir an dieser Stelle bringen, eigene Aufnahmen B. Travens, geben ein anschau- liches Bild von dem Schauplatz der Geschehnisse unseres Romans. Der Kern der Erzählung ist eine mexikanische Goldgräbergeschichte. Abenteuer, Banditentum, Goldjagd, Entbehrungen, blutige Kämpfe— das alles hat in diesem Abenteuerroman so gut Platz wie in allen früheren ähnlichen Geschichten. Und doch hat er mit diesen nichts gemein. Denn dir nichts ihr Leben in die Schanze schlagen und das des Nächsten nicht besonders hoch schätzen, da sie ja sehen, wie diese Welt mit ihrem, mit dem Leben der Millionen umspringt. Das Buch zeigt in einem grandiosen Film, wie der einzelne, der die Jagd nach dem Golde verdammt, der selber ihr elendstes Opfer geworden ist, selbst zum Goldjäger(hier in Indianisches Gebirgsdorf. hier erzählt einer, der es selber erlebt haben muß, vom Da- seinskampf jener, die die kapitalistische Walze ganz zu unterst oder ganz abseits des Proletariats geschleudert hat, die um den Bissen Brot und die tröstende Zigarette vor keinem Grauen zurückschrecken, die, skrupellos geworden, mir nichts, Indianer beim Straßenbau, des Wortes ursprünglichster Bedeutung) geworden, in der schrecklichsten Weise sofort den Fluch des Goldes auf sich zu nehmen gezwungen ist, wenn ihn nicht eherne Sittlichkeit da- vor bewahrt. Und woher sollten die Ausgestoßenen, die Ver- achteten, die Gehetzten diese Sittlichkeit nehmen? Traven spricht nirgends diese oder eine andere ähnliche Tendenz aus. Keine Reflexion, keine ökonomische, politische Erwägung hält den Fluß der Erzählung auf. Du wirst den Autor nirgends gewahr und doch spürst du das Gesicht der Zeit. Fürchterlich tritt es dir entgegen in der Schilderung des beispiellos grausamen Ueberfalls der Banditen auf den mexikanischen Eisenbahnzug, jenes entsetzlichen Ereignisses aus der jüngsten Zeit, das im Roman vorgeahnt ist. Hier wie überall, wo der Autor Schreckliches beim wahren Namen zu�neVirfeN w�lst, Mit Sarkasmus die Dinge, die eb'en da sind, vor dich hinstellt, lernst du tief blicken, bis auf den Urgrund, lernst oerstehen und verfluchen. Und mit den halb frei- willigen, zur größeren Hälfte aber unfreiwilligen Aben- teurern möchtest du dich vor dem scheusäligen Antlitz dieser weißen Kulturwelt hinüberretten zu den Indianern, die doch bessere Menschen sind, wenn du nicht eben wieder hinter allem Grauen eine bessere Zeit kommen sähest, auch, wie Traven es erkennen läßt, in Mexiko, wo der Ungeist des Räubertums immer deutlicher dem Geist der Revolution zu weichen be- ginnt. Was einst der junge Schiller seinen„Räubern" zum Motto hinschrieb, es könnte auch, nur in einem umfassenderen, neuen Sinne auf diesem Buche stehen:„In tzrannosi!" Jeder, der gewillt sst, sich vom Zwange dieser Welt durch die Kunst, durch das Buch zu entspannen, wird in einem Roman wie„Der Schatz der Sierra Madre" immer auch hinter der schlimmsten Harte und Grausamkeit und Brutalität dieser harten Zeit doch auch das Herz des nach Freiheit sich sehnenden, zum Guten und Schönen gewillten Menschen fühlen. Und in diesem Sinne erfüllen B. Travens Bücher einen höheren Zweck als jene Werke, die kraftlos und un- erlebt nur am Schreibtische erstanden sind. Ich bitte ums Wort! Zuschriften aus dem Leserkreise an den„Abend Mein Mann versteuert als Handwerker die vorletzte Einkommens- stuse. Wir müssen darum für unseren Jungen, den wir auf ein städtisches Realgymnasium schicken, monatlich ein Schulgeld von 11,23 M. bezahlen. Es wird immer den Kindern bekanntgegeben, wann sie das Schulgeld mit in die Schule bringen müssen. Aber jedesmal, wenn ich meinem zwölfjährigen Jungen das Geld mit- gebe, tue ich es mit ängstlichem Gefühl, denn wer vertraut einem unreifen Kinde gern das Geld so lose mit? Wenn man bei wohl- erzogenen Kindern auch nicht fürchten muß, daß sie das Geld ver- ludern— obwohl bei der heutigen Jugend die Verführung groß ist—, so kann es doch passieren, daß das Geld dem Kinde aus der Tasche gestohlen oder von ihm verloren wird. Jedenfalls sind die Aengste nicht unbegründet und es ließe sich wohl die Einrichtung treffen, daß der städtische Kassierer es wie andere städtische Ab- gaben erhebt, man könnte das Geld ja auch an einer Zahlstelle im Bezirk einzahlen. Im weiteren sehe ich in dem Kassieren des Geldes während einer offenen Schulstunde einen argen Miß- stand. In der Schule, die mein Sohn besucht, hat ein Lehrer, zu- fällig sein Klassenlehrer, das Amt des Schulgclderhebers. Es passiert da oft— und ich sage es ohne Scheu, daß es uns auch schon passiert ist—, daß man das Geld zum Termin gerade nicht bei- sammen hat. Da muß sich dann das Kind gefallen lassen, daß der Schulgelderhsber, in diesem Falle der Lehrer, das Versäumnis offen rügt. Kinder sind immer sehr hellhörig, und ich finde, es brauchten die anderen Kinder der Klasse nicht zu wissen, wie es bei dem einen oder anderen mit der Kasse zu Haufe bestellt Ist. bl. » Die vor einiger Zeit erörterte Frage der Vereinfachung in der Postzustellung durch Hausbrieskästen hat bei uns im Gegensatz zu >v Hamburg vorläufige Ablehnung gefunden. Es ist zu hoffen, daß darüber noch nicht das letzte Wort gesprochen wurde, und schon jetzt bei Neu- oder Umbauten von Häusern an die Anbringung der Hausbriefkästen gedacht wird. Unabhängig hiervon läßt sich aber auch in anderer Weise durch uns selbst sehr viel zur Erleichte- rung der Zustellung beitragen. Wer beruflich gezwungen ist.«äg- lich in die Häuser zu gehen und einzelne Mieter aufzusuchen, wird immer wieder einen Mangel entdecken, der die Orientierung äußerst erschwert sowie auch unnötige Zeit- und Kraftvergeudung bedeutet, sich aber mit geringem Aufwand abstellen läßt. In nahezu allen Häusern hängt im Hausflur der„Stille Portier". Gerade tin Stadtinnern mit seinen vielstöckigen Seitenflügeln und Quergebäuden kann er gute Dienste leisten— wenn er sich in Ordnung befindet. Sehr oft trifft dieses aber leider nicht Zu, und der Fremde ist auf die Auskunft neugieriger Haus- bewohner angewiesen oder muß im Hause selbst hcrumsuchen. Außerdem läßt auch die Namensnennung der Mieter und Untermieter auf sichtbaren Schildern an den W o h- nungstüren selbst manchmal recht zu wünschen übrig. Der� Briefträger lernt zwar, wenn er eine Zeitlang in einem bestimmten Bezirk bleibt, seine Kundschaft kennen. Aber es ist ihm in vielen Fällen gar nicht möglich, seine Postsachen abzuliefern, sobald der Empfänger und seine Mitbewohner einmal nicht persönlich anwesend sind, da es noch immer Wohnungstüren gibt, die weder den prakti- schen Briefschlitz besitzen noch einen Briefkasten tragen. Dann muß der geplagte Briefträger, wenn er nicht das Glück hat, den Emp- fänger aus seinem Wege noch zu treffen, die Sendungen ein zweite' Mal mitnehmen. Ch. E. Kr., Hamburg. Ein seltsames Erlebnis. OaS zweite Ich der Agatha Ehristie. Bor über einem Jahr erregte in London das rätselvolle Ber- schwinden der Verfasserin vielgelesener Detektivromane, Agatha Christie, das größte Aufsehen. Nachdem man 12 Tage lang ganz England noch ihr durchsucht hatte, fand man sie in einem Hotel zu Harrogate in Dorkshire in einem Zustand völligen Gedächtnis- schwundes, in dem sie sich an ihre Persönlichkeit nicht mehr erinnerte. Es wurde schon damals die Vermutung laut, daß diese ganze geheim- nisvolle Flucht ein Reklametrick von ihr gewesen sei, und diese Behauptungen, die in neuester Zeit wieder erhoben wurden, haben zu einer Beleidigungsklage gegen die Verbreiter des Gerüchts ge- führt, bei der Frau Christie vollgültige Zeugnisse der Merzte über ihren krankhaften Zustand vorlegen konnte. Auf Drängen der Ve- richterstatter hat sie nunmehr selbst eine ausführliche Darstellung des Vorfalls gegeben, der vom psychologischen Standpunkt in vieler Hinsicht bemerkenswert ist. Frau Christie Kit seit dem Frühling 1926, seit dem Tode chrer Mutter, an nervösen Störungen, die durch andere traurige Erleb- msse gesteigert wurden. Sie war lang« Zeit fast schlaflos, unfähig zur Arbeit und erlitt im September einen nervösen Zusammenbruch. Dcrscyicdene Male ließ sie ihr Gedächtnis völlig im Stich: das dauerte gegen acht Stunden: schließlich reifte in ihr der Gedanke, aus dem Leben zu scheiden, und als sie in solch verzweifelter Stimmung bei einem Besuch von Verwandten mit ihrer kleinen Tochter an einem Steinbruch vorbeifuhr, dachte sie, daß hier der günstige Ort gegeben sei.„Des Abends/ so berichtet sie,„fühlte ich mich furchtbar elend und glaubte, nicht länger leben zu können. Ich verließ um zehn Uhr in meinem Wagen mein Heim mit ein paar Kleidungsstücken in einem Koffer und etwa 66 Pfund in meinem Beutel. Die ganze Die neuen Haltestellensäulen, Die Berliner Straßenbahn macht seil einiger Zeit Versuche mit neuen, am Abend erleuchteten Haltestellen- anseigem. Nacht fuhr ich ziellos herum. Ich hatte den unbestimmten Gedanken, daß es irgendwie zu Ends gehen müsse. Ich fuhr in London hin und her und schließlich kam ich auf einen Weg, von dem ich glaubte, er führe mich zu dem Steinbruch, den ich am Nachmittag gesehen. Ich ließ das Steuer los: der Wagen schoß vorwärts und stieß gegen etwas. Ich flog gegen das Steuer, und mein Kopf schlug schwer auf. Bis dahin war ich Frau Christie gewesen. Nach diesem Unfall aber verlor ich das Gedächtnis. Etwa 24 Stunden lang war mein Geist wie vollständig ausgewischt. Seit ich wieder gesund geworden bin, habe ich mich ganz langsam an die Vorgänge während dieser Zeit erinnert. Ich weiß jetzt, daß ich nach einem großen Bahnhof kam und etwas fragte. Merkwürdigerweise haben die Beamten sich bei den Nachforschungen nicht an mich erinnert, obwohl ich mit Schmutz bedeckt war und Blutfpuren im Gesicht trug von einem Schnitt an meiner Hand: wie dieser entstand, weiß ich nicht mehr. Ich glaube, daß ich durch London wanderte, und erinnere mich, daß ich in einem Hotel in Harrogate ankam. Nun plötzlich war mein Bewußtsein wieder da, und ich hielt mich für eine Frau Tessa Neele aus Südafrika. Ich hatte die unklare Vorstellung, daß ich irgend- «inen Unglücksfall erlitten hatte. Das zeigten mir schon die starken Beulen, die ich am Kops und an der Brust aufwies. Als die Frau aus Südafrika war ich glücklich und zufrieden. Es war mir, als wenn ich ein ganz neuer Mensch wäre. Alle die Leiden und Beängstigungen der Frau Christie hatten mich verlassen. In Harrogate las ich jeden Tag die Meldungen über das Verschwinden der Frau Christie und war fest davon überzeugt, daß sie tot war. Ich hielt chr Handeln für überaus dumm. Meine große Aehnlichkeit mit chr fiel mir auf und wurde auch von anderen Leuten im Hotel bemerkt. Niemals kam ich auf den Gedanken, ich könnte diese Frau sein, denn ich war vollkommen befriedigt mit dem. was ich war. Ich hielt mich für eine Witwe und wußte, daß ich einen Sohn gehabt hatte, der gestorben war. Darauf kam ich durch die Photographie meiner Tochter, die ich bei mir führte, und unter der der Name Teddy stand. Ich hatte sogar den Wunsch, ein Buch dieser Frau Christie zu lesen. Als ich entdeckt und von den Aerzten behandelt wurde, brachte man meine Erinnerungen langsam wieder aus meinem Unterbewußtsein hervor. Zuerst erinnerte ich mich an meine Kinder- tage, dann an Verwandte und Freunde aus der Zeit, da sie Kinder waren. Ganz atmählich dämmerten mir die späteren Ereignisse meines Lebens auf. bis ich alles wußte, was vor dem Unfall geschehen war. Die Aerzte ober drängten mich dazu, auch noch die Ereignisse zu rekonstruieren, die mir in den„leeren" 24 Stunden begegnet waren. Jetzt bin ich wieder vollständig gesund, aber Ich habe noch nicht jenes große Glückszefühl wiedergefunden, das mich erfüllte. als ich die Frau aus Südafrika war." Copyright HIB by Weltbßcher-Verlag, Be Berlin. Deutsch-amerikanische Groteske von Joseph Oelmont. 1. Fortsetzung. Dabei hielt er Sing das Telegramm unter die Nase. Diese Nase war mit äußerst sensitiven Geruchsnerven aus- gestattet und witterte in dem Papier etwas, was sie interessieren könnte. Sing nickte und nahm die Depesche in Empfang. Der Bote wartete mit einem schiefen Blick aus ein Trinkgeld, während Sing versuchte, die Depesche zu entziffern. Als der Chinese keine Miene machte, dem Boten ein Trinkgeld zu geben, hielt dieser die offene Hand hin. Sing verstand wohl, aber er nahm die ent- gegengestreckte Hand und drückte sie zart. Oh. er wußte, was sich in Europa schickte. Der Radler verschluckte einige Komplimente und strampelte davon. Sing faltete das Telegramm sorgfältig zusammen und trippelte denselben Weg zurück, den er gekommen. Er hatte das große, rote Haus auf dem weiten Platz gesehen. Dort haben viele Männer in Uniform gestanden. Das sind die Polizisten: zu denen wollte er. Der behäbige Wachtmeister an, Tor des Polizeipräsidiums ver- stand Sing nicht ganz, als dieser ihm den Satz vorsang: „Laddy inglis mistel?" Das Wort inglis, das Sing mehrmals wiederholte, brachte ihn vor einem Beamten, der englisch verstand und einen anderen Be- amten zur Stelle schaffte, der den Boxeraufstand in China unter Graf Waldersee mitgemacht hatte und das im chinesischen Jargon gesprochene Englisch enträtselte.' Eine Stunde später saß der gute Wang Ming Tung in einer Zelle des Polizeipräsidiums und sandte zu seinem viele tausend KUometer entfernten chinesischen Gott eine groß« Anzahl Gebete und auch Austräge, wie man diesen Gauner, diesen dreckigen Mist- käfer Sing Lu Hü, bestrafen solle. Er war eben daran gewesen, sich mit der verdächtigen Depesche zu Tschung Ha Winz aufs Konsulat zu bogeben, als er vor dem Haustor von zwei Beamten auf Veranlassung eines jungen Chinesen verhaftet wurde. Aller Protest half nichts. Er mußte mit. Auf dem Präsidium suchte er Sing zu entlarven. Es gelang ihm nicht. Die Depesche, die der Gauner vor dem Haustor abge- fangen hatte, war zu kompromittierend. „Sing Lu Hü verhaften lassen falls Berlin kommt, stop, er hat unser Hamburger Lager ausgeraubt." Wang behauptete, er wäre Wang, während Sing mit singender Stimme lispelte, daß der Verhastete niemals Wang, sondern Sing sei. Der Dolmetscher verstand wenig von dem Kauderwelsch. Er übersetzte, so gut er konnte, und belastete unglücklicherweise den ehrlichen Wang. Sing begab sich in die Alexandrinenstraße und fand dort, in dem Wohnraum hinter dem Lager, eine etwas ältliche, sehr große Dame. Die Holde hatte einige Pfund Schminke und Puder auf Gesicht und Hals und schieir unter dieser Last zu leiden. Sie sah sehr abge- spannt aus. Beim Anblick des jungen Chinesen sprang die Dam« wie neu- belebt auf, schloß den mit Drachen bestickten Kimono und betastete den Neuankömmling eingehend. .La, was war denn dös? Gibts denn so was a? Ja Bürscherl, wer hat denn die da'einilassen zu der feschen Mitzi Kernbichler aus Freilassing? Hast den damischen Ritter, den Herrn Wang hoffent- lich okragell oder is eahm a Liacht aufganga, daß ma eine heiß- blütige Jungstau, wia i bin, nöt imma mit an so an austrickerten Lalli z'samspirrn kann?" Sing besah sich die fesche Mitzi Kernbichler gründlich. Er öffnete ihren Kimono, untersuchte die Festigkeit ihrer Muskeln und sagt« ihr in gutem Pekinger Dialekt, daß sie nach chinesischer Währung, in Reichsmark umgerechnet, noch nicht dreißig Mark bringen würde, wenn er sie einem Herrn offerierte, der mit älterem weißen Fleisch in Hankau handelte.— Ein Händler aus der Dragonerstrahe kaufte den ganzen Lager- bestand des Wang für einig« hundert Mark. Sing wollte ihm auch die fesche Mitzi Kernbichler aus Freilassing verkaufen, aber der Händler verzichtete, da ihm die Ware nicht frisch genug wäre. Während dieser Verhandlungen trat ein Wachtmeister in das Lager, und da er niemand vorfand, kam er in den Wohnraum. Er freute sich. Sing anzusteffen. Wong hatte gebeten, man möge seine Braut mit dem Gauner Sing auf das Polizeipräsidium bringen. Die Dame würde ihn be- stimmt identifizieren. Der Wachtmeister sprach gebrochen englisch, und da Sings Gewissen nicht fleckenlos war, wollte er sich die Sym- pathien der feschen Mitzi Kernbichler erhalten. Er stand an der Seite der Dame aus Freilassing und strich zart mit seiner Hand über das verlängerte Rückgrat Mitzis. Ihr Gesicht strahlte, sie warf .'.____;DD1'+ nur einen Mantel über, und ohne sich die Palette vom Gesicht' zu wischen, folgte sie dem Wachtmeister. Sie drückt« Sings Hand, rieb ihre Hüfte an seiner Schulter und lachte den Kleinen an. Der Händler nickte nur, als Sing ihm einen Wink gab. Auf dem Präsidium wurde der wütende Wong vorgeführt. Er strahlte über das Gesicht, als er seine Braut vor sich sah, und ließ einen Wortschwall über sie ergehen, indem er sie mit den schönsten, wohlriechendsten und farbenprächtigsten Blumen des Orients ver- glich. Stimmen tat nur das dritte Prädikat. „Der Herr sagt, Sie kennen ihn: daß er Ihr Bräutigam wäre. Ist das richtig?" Sing oerstand kein Wort, doch aus der Gebärdensprache des Beamten ersah er, daß es auf die Aussage der wohlriechenden Blume ankam. Wieder griff er zu seinem Mittel: magnetische Striche längs der verlängerten Wirbelsäule der feschen Mitzi aus Frei- lassing. Fräulein Kernbichlers rundes Gesicht leuchtete, die elektrisch- magnetischen Ausstrahlungen, verursacht durch die Streichungen des jungen Chinesen, hatten ihr Bierhirn erhitzt. „Was sagt der gelbe Bazi? I war mit eahm verlobt? Da müassat er schon änderst ausschaun. I kenn eahm nöt. Dös do is mei Brcitigam! Der Herr Wong." Dabei wollte die Holde Sing umarmen, erwischte aber nur seinen Kopf und drückte ihn unter ihren Busen. Sing hatte Mühe zu atmen. Der Oberwachtmeister machte ein dummes Gesicht. (Schluß fo.gt.) RätseI=Ecke des„Abend". iiiiimiiimiiiiiiimiimiiummiiiiiimmuiiumimmimmiiumimmmiuiinmiiiuiiiMiuuiiiiinimiMinmmimiiiniiiiimiiiiiiinniiMimiitmuumiuimiimmiimiiiiuiimiimniiiiiimi Magisches Quadrat. Aus den Buchstaben dieser Figur bilde man fünf Wörter, die von oben nach unten und von links nach rechts gelesen, folgende Bedeutung haben: 1. Berühmter sozialdemokratischer Parteiführer. 2. Schillersche DramengestaU, 3. Teil eines Hauses, 4. Eine durch die jetzig« Wirtschaftsführung immer mehr auftretende Erscheinung, 5. Baum. Silbenrätsel. dach— bei— bert— cher— chi— dam— dant— de— e— e— e— gau— il— in— ir— la— land— le— len— litzsch— ma — ne— rich— JoC— schuh— tan— ten— thur— tiz— zo. Aus diesen Silben bilde man 14 Wörter folgender Bedeutung: 1. Stadt in Mitteldemschlond, 2. allgemein übliche Bezeichnung eines Theaterleiters, 3. Stadt in Holland, 4. französischer Roman- dichter, ö. männlicher Vorname, 6. europäische Insel, 7. Schweizer Kanton, 8. kleines Raubtier. 9. Küchengewürz und Medikament. 16. Waldbaum, 11. Beruf, 12. südamerikanische Republik, 13. berühmter deutscher Maler der jüngsten Vergangenheit, 14. bedeutender deutscher Staatsmann der Nachkriegszeit. Die Anfangs- und Endbuchstaben dieser Wörter, nacheinander von oben nach unten gelsen, ergeben eine zeitgemäße Spruchweisheit. (ch= ein Buchst.) Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. Diamanträtsel: h. Ehe, Nurmi, Istrien, Eider, Hai, ch— Heinrich Heine. Anagramm: 1. Feuerbach, 2. Euterpe, 3. Reutlingen, 4. Dal- matien, 5. Irokesen, 6. Norwegen. 7. Adrianopel, 8. Nachtigal, 9. Diebstahl, 16. Leningrad, 11. Amundsen, 12. Stanislaus, 13. Serpen- tin, 14. Andromeda, 15. Lazarus, 16. Lichtbad, 17. Erdkunde.— Ferdinand Lassalle. Stufenrätsel: 1.2 Lotse, 3, 4 Tegel. 5, 6 Nahe, 7, 8 Iren, 1 Lot. 1,3 Lotte. 2.4 Segel. 5,4 Nagel, 5.2 Nase, 7. 4 Igel. 6. 4 Hegel, 8, 3 Rente, 6, 3 Hete. Splitter. Es bedarf noch der wissenschaftlichen Erforschung, ob Vana- nenstecker oder Glühbirnen vitaminreicher sind. Eislauf-Meistersdiaften. BSC— Davos 5: 5. Die viertägige internationale Veranstaltung des Berliner Schlitt- schuh-Club im Sportpalast hatte schon am Eröffnungsabend einen sehr guten Besuch aufzuweisen. Mit dem Kun st lausen der Damen-Junioren begann der Abend. Alle fünf Ge- meldeten traten in Konkurrenz. Den Sieg errang Frl. Weiler- Wien mit 132.45 Punkten(Platzziffer 7) vor Frl. Laimer-Wien (133,40 Punkte: Platzzifser 9,5) und Frl. Diege-Berlin(128,45 Punkt«: Platzziffer 13,5). Im anschließenden Kürlaufen der Herren-Senioren er- schienen nur drei Teilnehmer, Haertel-Berlin startete wegen einer Fußoerletzung nicht, der Oesterreicher Wrede dagegen hat zur Welt- ineisterschast umgemeldet. So war der Weg für den ausgezeichneten Finnen N i k k a n e n frei, der mit 226 Punkten und Platzziffer 7 Erster wurde vor Bayer-Berlin(218 Punkte: Platzzifser 10) und Dr. Danzig-München(193,1 Punkte: Platzziffer 15). Der Tanz- Wettbewerb, in dem zwei Runden Dreischritt-Walzer und zwei Runden nach Wohl zu tanzen waren, sah vier Paare auf dem Eise. Frl. Staffer-Rtchter(Wien) erhielten den ersten Preis vor den Paaren Malak-Wintersteiner(Wien) und Ehepaar Krümling (Berlin). Das Eisholkeyspiel verlief sehr interessant. Die Internationalen des„Berliner Schlittschuh-Club" waren gut aus- gelegt und legten durch Herbert Brück und Johansson drei Tor« vor, denen die Schweiz bis zur Pause durch M o r o s a n i und I e r o m i n i nur zwei entgegensetzen konnte. Im zweiten Drittel führte Berlin mit 5: 3 Toren. Die letzten 15 Minuten gehörten fast durchweg den Gästen, die das Ergebnis bis zum Schluß auch noch unentschieden 5: 5 gestalteten. Viel bejubelt wurde die norwe- gischc Weltmeisterin und Olympiasiegertn Sonja Henie. In bestechender Manier lief sie ihr St. Moritzer Kürprogramm, das äußerst schwierig war. von ihr aber leicht gemeistert wurde. Benefizvorstellung im Sportpalast. Den Eiskunstläuferinnen und-läufern im S p o r t p a l a st war am Donnerstag eine Sonder- Vorstellung ermöglicht worden, in der all die bekannten Mitwirken- den vom Ballett und den artistischen Barsührungen noch einmal kurz vor Toresschluß in ihren Künsten auftraten. Der Clou des Abends war natürlich wieder„Charlotte", die ihre fabelhafte Kunst bewundern ließ Die Grazie und spielerische Leichtigkeit, mit der diese begnadete Eistänzerin ibre Pirouetten, Spiralen und Tanz- stücke ausführte, ist unerreicht. Sie konnte an dem Chrenabend über einen ganzen Hain Blumen quittieren. Ihre Partner R e i t m e i e r, N e u m a n n und M a s u r a t h brillierten ollein und im Ensemble. „P i e r r o t s Flirt", das große Eisballett, beschloß den für die Künstler ersolgreichen Abend. Deutsche Skimeisterschaft. Norwegisdier Sieg im Langlauf. Unter Beteiligung von nicht weniger als 113 Läufern wurde am Freitag im Feldberg-Gebiet des Schwarzwaldes der erste Teil der Deutschen S k i m e i st e r s ch a f t, der Lang- lauf über 18 Kilometer, durchgeführt. Die Wettlaufbesetzung konnte sich sehen lasten, denn neben den besten Einheimischen aus allen Teilen des Reiches waren zahlreiche ausländisch« Olympiakämpfer aus Norwegen, Finnland, Oesterreich. Deutschböhmen, der Schweiz am Start versammelt. Prachtvolles Winterwetter gestattet« eine ausgezeichnete Sicht, lccher.ließen aber die Schneeverhällniste zu wünschen übrig. Di« Strecke wies eine Gesamtsteigung von 310 Meter und ein Gesamt- gefalle von 695 Meter auf: eingeteilt war die Laufstrecke in 5 Kilo- mcter Flachlaus, 7,5 Kilometer Aufstieg und 5,5 Kiloineter Abfahrt. Auf der Hälfte des Rennens hatten sich der Finne Esko I ä r v l n e n, der Schwarzwälder Dictsche, Bäck-Nestelwang, der Schweizer Büß- mann und der Thüringer O. Wahl schon einen guten Vorsprung ge- sichert. Inzwischen hatte aber auch der Norweger Vinjarängen in großem Stil« Boden gutgemacht und sich immer weiter nach vorn geschoben. Der Ausgang des Langlaufes war bis zum letzten Augen- blick ungewiß. Erst bei Errechnung der Laufzeiten konnte die genaue Plazierung festgestellt werden. Vinjarängen hatte mit 1:08:16 die absolut beste Zeit erzielt, doch waren die Zeiten von Iärwinen und Bußmann nur um 17 bzw. 37 Sekunden schlechter. Auf den vierten Platz kam der Deutsche LudwigBöck- Nesselwang. Der knappe Ausgang des Langlaufes läßt noch keine Scklüste auf den voraussichtlichen Sieger des kombinierten Laufes zu, erst der große Sprunglauf am Sonntag, bei dem es sicher heiß hergehen dürfte, wird darüber entscheiden, weni der Titel „Deutscher Skimeister 1928" zufällt. Berliner Boxkämpfe. Im Kriegeroereinshaus kamen geftern Verufsboxkämpfe zur Durchführung, die nicht resttos befriedigten. Eine Enttäuschung war die neue Schwergewichtshoffnung H a l l e r. In seinem Quali- fikationskampfe gegen Dr. Bach- Köln wurde Haller, der vom Boxen noch wenig Ahnung hat, glatt nach Punkten geschlagen. Einen entscheidenden Sieg errang der Berliner Diekmann, der den Kölner M u s e r zum Gegner hatte. Der Ringrichter brach den Kampf ab. Ebenfalls durch Abbruch, und zwar in der dritten Runde, endete der LeichtZewichtskampf zwischen B. Müller und O. Mohr(Berlin) zugunsten von Müller, der feinem Gegner hoch überlegen war. Unentschieden trennten sich in der Halbschwer- gewichtsausscheidung N ü ß g e n- Köln und Scherls- Mannheim sowie die beiden Berliner D r ä b i n g und Hein. SchwarZt-Bot-Golä auf der HavcL Di« Wassersportabteilung des Reichsbanners, die im oer- gangenen Jahr mit Erfolg die schwarzrotgoldene Flagge auf die Gewässer der Oberspree getragen hat, nimmt in diesem Jahr ihre Tätigkeit auf der H a v e l auf. Sie beabsichtigt den Zusammenschluß der Mitglieder in befreundeten Bootshäusern an allen Wassersport- Zentren der Havel. Zu diesem Zweck findet Mittwoch, 29. Fe- bruar, 20 Uhr, in den Schiller-Sälen. Berlin-Charlottenburg, Bismarck st raße 110, eine Werbeoersammlung statt, zu der alle republikanischen Wassersportler der Havel eingeladen sind. Zuschriften und Anmeldungen an: Erich Christoph, Berlin W 62, Burggrafenstraße 3._ Um einen Tag verlegt. Der Termin des 20. Berliner Sechstagerennens, das� bekanntlich vom 8. bis 14. März im Sportpalast stattfinden sollte, mußte aus technischen Gründen um einen Tag verschoben werden. Das Rennen beginnt nun Frei- t a g, 9. M ä r z, 22 Uhr, und erstreckt sich bis Donnerstag, 15. März. 23 Uhr. i voraussogen ftir vnhleb.m. 1. Einstedler— Fahrt Iauß jr.; >. Henny Cord— Goudster, Gloria: S. Friedrich Rex— Notula: 4. Fahrt I. Mills— Willy A.: 5. Rosenfrau— Harfenmädchen: 6. Fahrt Iauß jr.— Ehrenberg: 7. Stapcllauf— Minni Halle: 8. Fahrt I. Mills— Torrero. c&7cbetter*5po?x't~ Hamburg— Berlin 8:8. Ein guter Boxabend. Den Berliner Arbeiiersportlern wurde gestern ein sportlicher Hochgenuß serviert, wie es leider nicht sehr häusig der Fall ist. Der S. C. L u r i ch hatte die starke Mannschaft des S. C. Eiche-Hamburg zu einem Städteboxkampf verpflichtet, der in den Andreassälen vor ausverkauftem Hause abgewickett wurde. Die Hamburger, die gute Klasse verkörpern, gelten allgemein als Favorit und so wurde mit ihrem knappen Siege gerechnet. Es kam aber anders. Die Lurichboxer belralen in sehr guter Form den Ring und hotten sich ein verdientes Unentschieden. Hätte im Leicht- gewicht Fromm(Lurich) nicht versagt und sich gleich zu Beginn des Kampfes mehr auf den Stil des Gegners eingestellt, wäre das Resultat noch besser ausgefallen. Immerhin ist das„Unentschieden" ein schöner Erfolg der Vertreter Berlins. Während die Lurich- kämpfer durchweg Distanzarbeit bevorzugten, gingen die Hamburger Gäste viel auf den Nahkampf aus. Den ersten Kamps im Feder- gewicht bestritten Karsten(E.) und Greiser(L.). Karsten, ein flinker Hamburger Junge, blieb stets im Angriff, Greiser konnte ihm nie gefährlich werden. Sein Punktsieg war verdient. Große Aktivität zeigte Koniaczny II(L.), der im B a n t a m gegen Wendt (E.) antrat. Wendt leitete die Runde mit einem großen Fight ein, mußte aber bald die Führung an K. abgeben. In der zweiten Runde zog sich W. eine Verwarnung wegen Haltens zu. Auch die dritte und letzte Runde sah K. klar im Vorteil und so wurde ihm vom Punktgericht der Sieg zugesprochen. Im Federgewicht trennten sich Peschke(E.) und Koniaczny I(L.) unentschieden. Die beiden ersten Runden verliefen äußerst hart, beide steckten schwere Kopf- Keffer ein, die auch Wirkung verrieten. Zum Schluß ließen beide nach. Der Hamburger Leichtgewichtier Engelmann errang über Fromm(L.) einen einwandfreien, aber äußerst knappen Punkt- sieg. E., der links und rechts wuchtig und schnell schlug, landete zu Beginn des Kampfes mehrere wuchtige Schwinger, die Fromm zur Vorsicht mahnten. In der zweiten und dritten Runde holte er gut auf, konnte aber einen Punktsieg seines Gegners nicht mehr ver- hindern. Zwei verbissene Kämpfer standen sich in Stendel(E.) und Schlößmann(L.) im W e l t e r- gewicht gegenüber. Nach einer ausgeglichenen ersten Rund« folgt« im zweiten Gang em schwerer Schlagwechsel, der aber keinem von beiden Vorteile brachte. Die letzte Runde gab schließlich zugunsten Schlößmanns, der Stendel völlig beherrschte, den Ausschlag. Im Mittelgewicht gab es den e i n z i g e n ko. des Abends. Schmidt(E") mußte in der zweiten Runde auf einen schweren Rechten auf die Bretter und wurde ausgezählt. Damit hat Frent eine alte Scharte, auf die er lange gewartet hatte, wieder ausgewetzt. Einen sehr harten Verlauf nahm der Halbschwergewichtskampf zwischen Schneider(E.) und Radtke I(L.). Zwei wuchtige Schläger, die auf einen entscheidenden Sieg ausgingen. Schneider, der Radtke schon in der ersten Runde das linke Auge schwer anschlug, deckte den gehandikapten, sich tapfer wehrenden Gegner ein und siegte nach Punkten. Im Schwergewicht brachten Haler(E.) und Kalweii (L.) die einzige Enttäuschung des Abends. Beide zeigten herzlich wenig. Resultat unentschieden. In den Rahmenkämpsen siegten im Federgewicht Radtke II(L.), im Leichtgewicht Moll(L.), im B a n t a m Walter(NO.) und schließlich im Mittel- gewicht Senftinger(L.). Die Hamburger Gäste, die hier den besten Eindruck hinterlassen haben, befinden sich bereits wieder auf der Weiterreise noch Gör- l i tz, um einer Einladung der Görlitzer Arbeiterboxer Folge zu leisten. RhSnrad! „Z o p p e l m o n n", da die Kinder hier nach Herzenslust zappeln können, was sie gerne machen. Das Schimpfen der Kinder ist eine Unart, die nicht angenehm empfunden»ird. Da soll nun«in Scherz. spiel helfen:„Das Schimpflied": Schimpfen, schimpfen tut nicht weh, wer mich schimpft kriegt Läus und Flöh! Beim Spiel lernen hier die Kinder, daß das Schimpfen nicht schön ist. Dieses Singspiel ist sehr amüsant, wir wollen hoffen, daß es außer- dem noch seinen guten Zweck erfüllt! Wer möchte seine Kinder nicht an diesen lustigen Spielen teil- nehmen lassen? Schickt sie deshalb in die Arbeiter-Turnvereine! Versctmelte Vege ru Krall und Schönheit. Kinderspiel und Tanz. Für die sich allein überlassenen Kinder ist jetzt keine rechte Spiel- zeit. Auf der Straße ist es nicht nur gefährlich, sondern auch schmutzig. Auf den Spielplätzen fehlt der grüne Rasen, den uns erst wieder der Frühling bringt. Da bleibt nur noch die Wohnung. Kaum sind die kleinen Rangen aber beim besten Spiel, da ruft auch schon die Mutter entsetzt: Kinder, was macht Ihr für einen Lärm! Dabei müßte die Mutter doch auch wissen, daß Spiel und Freude zusammengehören. Rechte Freude äußert sich schon bei den Er- wachsencn etwas laut, bei den Kindern natürlich erst recht. Am besten sind die Kinder daran, die in einem ArbeiterturnvereinMitgliedsind. Von ihren Spielen wollen wir etwas erzählen. Die„Großen" von II Jahren an bevorzugen die Kampf- spiele, und die Mädchen stehen den Knaben dabei keineswegs nach. Das Drittenabschlagen ist besonders beliebt mit gespreizten Beinen, zwischen denen der Läuser hindurchkriecht,«he er sich vor- stellt. Lustig ist der O m n i b u s: die Kinder sitzen zu Vieren hinter- einander im Kreis und geben den Schlag in der Viererreihe weiter, ehe der Wettlauf im Kreis beginnt. Bei Hase im Nest stehen die Spieler zu Paaren im Kreis, das Gesicht einander zugekehrt: der Hafe geht in das Nest(zwischen zwei Spieler) und springt herum, bis er dem einen Spieler den Rücken zudreht, der dann fortläust in ein anderes Nest. So gibt es noch viele andere Spiele: Tag und Nacht, Schutzmann und Dieb, Drängler usw. Ein Kreisspiel sei noch erwähnt: Alle Spieler haben eine Nummer, in der Mitte steht ein Spieler mit einem Stab. Dieser Spieler ruft nun eine dieser Nummern aus und läßt dann den Stab los. Der aufgerufene Spieler muß schnell hinzulausen und den Stab festhalten. Gelingt ihm das nicht, so bekommt er Schläge.„Bär raus" ist ein altes Turnerspiel, das immer noch sein« Anziehungskrast hat. Dazu kommen dann noch die lustigen StafettenläufemitBällen oder in Verbindung mit den verschiedenen Turngeräten: über den Bock, unter den Schwebebaum oder Barren, den Leitern hinauf usw. Die Singspiele haben gegenüber früher«Ine wesentliche Aenderung erfahren. Das Geruhsame und Pedantische ist zumeist verschwunden, wenn man auch einiges davon noch gelegentlich sieht. Früher gab es: Mariechen saß auf einem Stein: Hier ist grün und da ist grün: Zeigt her eure Fühchen: Wollt ihr wissen, was die kleinen Mädchen machen!!! Alle diese Spiele enthalten wenig Bewegung, sie sind aus das Artigsein eingestellt, ohne doch die recht« Lebensfreude zu bringen, die auch etwas Uebermut enthält. Die Kinder wollen sich beim Spiel au»- a r b e i t e n, das Spiel ist ihre Arbeit! Ein Singspiel für Knaben „Dir machens nach" gibt für die Nachahmung der verschiedenen Bewegungen leichte Anregung. Nicht minder lustig ist der Zum Frauenhirnfcst der FTGB. Die Iungmädchen- und Frauenabteilungen der Freien Turner- schaft Groß-Berlin veranstalleten in den letzten Wochen öffent- liche Turnabende in allen Stadtteilen, die den zahlreich er- schienenen Zuschauern einen Einblick in den heutigen interessanten Uebungsbetrieb dieses Zentralvereins für volkstüm- lichen Sport boten. Alle diese Turnabende sollten aufmerksam machen und gleichzeitig der Auftankt sein zu dem 3 rauen-werbe-Turn- S portfefi, Sonntag, 26. Februar. in der Turnhalle P r i n z e n st r a h e 70. In großzügiger Weise werden hier mit einem Massenaufgebot von Turnerinnen Stich- proben des heutigen neuzeitlichen Turnens vorgeführt. Wer sich für Mädchen- und Frauenturnen interessiert, muß diese Veranstattung besuchen, die nur einmal im Jahre stattfindet und nicht wiederholt wird! Besonderer Wert ist darauf gelegt, daß vor allem auch die F ra u e n a b t et lu n g en mit Mitgliedern über 25 Jahre zahlreich vertreten sind. Die FTGB. wird wie immer ein gut durchdachtes Programm vorführen, das alle Gebiete des Mädchen- und Frauenturnens streift. Alle Freunde, besonders aber die Frauen und Mädchen find herzlich eingeladen. Hallenöffnung 15.30 Uhr. Beginn 16 Uhr.— Un- kostenbeitrag 40 Pf., Erwerbslose 20 Pf., Kinder und Jugendliche gegen Ausweis 10 Pf._ Auswärtige Schwimmer in Berlin. Im Stadtbad Wedding findet morgen, Sonntag, 15 Uhr, ein Klubvierkamps des SV.„Vorwärts" statt. Durch die Teilnahme der Düsseldorfer und Gelsenkirchener Sportsgenossen werden die Besucher die sportlich �leistungsfähigsten Vereine am Start sehen. Harte Kämpfe wird es besonders beim 10l)-Meter- Freistil geben. Leonhardt-Düsseldorf wird kaum zu schlagen sein. Ebenso wird die Schwedenstaffel, die Bruststassel und die 10X50- Meter-Freistilstaffel hart umkämpft sein. Wasserballspiele verooll- ständigen das ausgezeichnete Programm. Ob der Bundesmeister Neptun-Weißensee sein Spiel gegen die Gelsenkirchener gewinnen wird, steht noch dahin: auf jeden Fall dürften die Gelsenkirchener sich hart zur Wehr setzen. Eintritt 75 Pf. Das interne Schwimmfest der Gruppe Lichtenberg der Freien Schwimmer Neukölln findet morgen, Sonntag, 15 Uhr, im neuen Stadtbad, Atzpodien st raße, statt. Mehr Spielplätze! Nach einer neueren Statistik ist zwar die Zahl der Spielplätze in Deutschland seit 1913 um 106 Proz. ge- stiegen, die von den Arbeitersportverbänden geforderte Mindest- menge ist damit aber noch längst nicht erreicht. Auf jeden Ein- wohner entfällt, wenn man die eigentliche Sportplatznutzfläche be- rechnet, etwa 2 Quadratmeter, während als Mindestfläche 3, bzw. 5 Quadratmeter zu gelten hat. Wie traurig es in einzelnen Städten noch mit der Spielplatzfrage bestellt ist, ergibt sich auch aus der Tatsach«, daß es noch immer acht Städte mit über 50 000 Ein- wohnern gibt, die keinen städtischen Spielplatz haben! Arbeitersport au» einer Industrieausstellung. Die Ausstellung?- kommsssion für die Internationale Industrie- und Kunstausstellung in L ü t t i ch 1930 hat den Belgischen Arbeiter-Sportbund ersucht. im Rahmen der Ausstellung eine Turn- und Sportwoch« abzuhalten. Der Bund hat da» für ihn günstig« Ersuchen ange- nommen und dem Untersckretär der Sozialistischen Arbeitersport- internationale, D e v l i e g e r- Fleron, die Organisation übertragen. (föeziriz Jtorden-Cfien. .andsgemeindehaus Neue Schönhauser Strasse 8 /ernünftig denkende Henscnen, besonders Frauen erhalten sich die L lstuns>sfähiEAL" Rieh. ti. Steffen Berlin 0 34 Weidenweg 36 Marienburger StraBe 10 Telephon Andreas 3326 [184 Apotheker LSichting& Emst Bauch G.m.h.H. 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