Morgenausgabe �f.IOl.. A51 45. Jahrgang Wöchentlich 70 Psg� monatlich 8.— Ä im oorous'ahldar. Postbezug 8.72 U. einschl. Bestellgeld. Äuslondsabonne» ment 5L0 M. pro Monat. ♦ Der«Bonn ort 5" erscheint wochentSg« lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Adendausgaben für Berlm und im Handel mit dem Tite«.Der Abend". Illustrierte Deilooen.Voll vnd Zeit" und„Kinderfreuno" Ferner „Unterhaltung und Wissen".„Frauenstimme"...Technik". Blick in die Bücherwell" und.Iugend-Borwärts�. NerUner Volksblatt Mittwoch 29. Februar I92S Groß-Äerlin ps. Auswärts i5 pf. SM« e t«, p a 1 1 ig« 5tonpareiNezeN« 80 Pfennig ReNamezeile 5— Neichv- mark„Kleme Anzeigen" das fettge- druckt» Won 25 Pfennig(zulässig zwe« tettgedruckte Wone). ,edes weitere Wort 12 Pfennig Stellengesuche das erste Wort ld Pfennig, zedes weiter» Wort 10 Pfenntg Won» über l5 Buchstabe» zählen iü» zwe« Won» Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfenntg Famtlmnzeigen fü« Abonnenten Zeile 40 Pfennig Anzetgen» annahm» nn Hauptgeschäft Linden- VrabeS.«ochentägl oo»S»/> dt» t? Uh«. Zentralovgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönbosi 202—287 Telegramm-Adr: Eozialdcmokra« Berlm Vorwärts-Verlag G. m. b. H. PoftscheeNonto: Verlrn 37536— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten Wallslr. KS Diskonto-Geselllchoft. Teposttentasle Lindenstr Z Aussperrung der Metallarbeiter Am Sonnabend laut Beschluß der Berliner Metallindustriellen.— Neue Drohung der Schwerindustriellen. »<« MetaMndustrtelle« haben gestern in ihrer Sihnng beschlossen, daß die Arbeiter der Betriebe, in denen die Werkzeugmacher streiken, am Jonuabend mit Schloß der Tagschicht ansgesperrt werden. Die Aussperrung betrifft rund t(H) 000 Arbefter. • Dle Firma Siemens hat gestern folgenden Anschlag in ihren Werken bekanntgegeben: „Die Werkzeugmacher unserer Betriebe befinden sich seit Montag, dem 27. Februar 1928, im Streik. Ohne diese Arbeits- tröste ist dos Weiterarbeiten der ganzen Betriebe unmöglich. Wir müssen deshalb unsere Betriebe spätestens am Sonnabend, dem Z. März 1928, mit Schluß der Tagschicht schließen. In einzelnen Abteilungen wird dies schon früher nötig sein. Der Belegschaft wird anheimgestellt, während der Schließung ohne Bezahlung auszusetzen. Wer mit de« Aussetze» nicht einverstanden ist, hat sich als entlassen zu betrachten. Papiere und Rcstlohn können von diesen Arbeitnehmern an einem noch bekanntzugebenden Tage in Empsang genommen werden. Sollten die Werkzeugmacher rechtzeitig vor dem genannten Zeit- Punkt die Arbeit wieder aufnehmen, so werden wir die Fortführung des Betriebes unverzüglich bekanntgeben. Berlin- Siemensstadl, den 28. Februar 1928. Siemens und halske Siemens- Schuckerl-werke A.-G. Die Diktatur der Metallindustriellen. Zu dem Ausfperrungsbeschluß der Metallindustriellen läßt die Firma Siemens eine Mitteilung verbreiten, wonach bei ihr die Werkzeugmacher im Durchschnitt 1,29 M. pro Stunde verdienen, daß außerdem Spitzenverdienste von 1,45 M. nicht festen sind, und daß sogar Spitzenverdienste von mehr als 1,50 M. vorkommen. Im übrigen habe die Firma sich bereit erklärt, Einzelfälle nachzuprüfen. Bekanntlich lautet die Forderung der Metallarbeiter für die Werkzeugmacher einen M i n l m a l l o h n von 1,10 bis 1,50 M. festzusetzen. Nach der Auslassung der Firma Siemens scheint zwischen der Forderung des Deutschen Metallarbeiterverbandes und den tatsächlich gezahsten Löhnen bei Siemens eigentlich kaum noch eine nennenswerte Diffe- renz zu bestehen. Trotzdem erklärt die Firma Siemens und die mst ihr auf die Gedeih und Verderb verbundenen Metall- industriellen, daß die Forderungen der Werkzeugmacher so exorbitante seien, daß deswegen die gesamte Metall- industrie stillgelegt werden müsse. Daß es viel einfacher wäre, die wirklich bescheidenen Forderungen der Werkzeugmacher, die die qualifizierteste Ar- beitergruppe darstellen, zu bewilligen, auf diese Idee kommen die Herren im Verband Berliner Metallindustrieller nicht. Die Herrschaften betrachten es also als ganz unerhört und unmöglich, daß eine qualifizierte Arbeiterschaft den an- gesichts der heutigen Teuerungsoerhältnisie bescheidenen Min- destlohn von 1,10 bis 1,50 M. die Stunde verdienen sollen „Die Werkzeugmacher sind die notwendigste Arbeiterklasie für die ungestörte und gleichmäßig verlaufende Durchführung der Fabrikation", erklärt die Firma Siemens in ihrer Ver- lautbarung Wir möchten einmal den Direktor der Firma Siemens sehen, der diese Verlautbarung diktiert hat und der j offenbar nicht unbedingt notwendig ist,„für die ungestörte und gleichmäßig verlaufende Durchführung der Fabrikation", wenn man i h m einen Lohn anbieten würde, wie ihn die Werkzeugmacher fordern. Aber auf solche Ideen kommen die Herren Direktoren nicht. Die Herren, die mehr als das Zwanzigfache des Lohnes eines Werkzeugmachers beziehen, dekretieren lieber die Stillegung der ge- (amten Fabrikation, als daß sie den Werkzeug- machern einen Lohn garantieren, der diese nicht zu einem Elondsdasew verurteilt. Diesem Unternehmerbolschewismus werden die Metall- arbeiter die geschlossene Kampffront entgegen- stellen. Diese Diktatur der Unternehmer muß gebrochen werden! Kommunistischer Arbeiierverrat. Am Montag, dem 27. Februar, traten kn Berlin 1909 Werkzeugmacher in den Streik, trotz vorheriger Drohung der Metallindustriellen mit der Aussperrung aller Berliner Metall- arbeiter. Am Dienstag, dem 28. Februar, schrieb die„Rote Fahne': „Mit Empörung haben die Streikenden erfahren, daß der Metallarbeiterverband es für gut besunden hat, nur ein Viertel der Werkzeugmacher zum Streik aufzurufen. Diese Taktik des Meiallorbcilerverbandes werden sich die Streitenden nicht gesallen lassen.(Wenigstens fordert die„R. F." dazu aus. Red. d..B.' 1 Sowohl diejenigen, die die Arbeit niedergelegt haben, wie auch die Werkzeugmacher, die noch im Betrieb stehen, fordern dringend die sofortige Kampferweiterung, die Einbeziehung aller Werkzeugmacher in den Kamps. Der Alelallarbeilerverband wagte bis heule noch keine Erklärung für sein«„Taktik' vor der Arbeilerössenllichkeil.(Bon uns fett gedruckt. Red. d.„V.".) Es wird sich auch schwer«ine Erklärung für dieses Vorgehen finden lassen.' Tatbestand: die Kommunisten denunzieren die wohl- erwogene Taktik der Verbandslestung den Unternehmern und fordern die Verbandsmüglieder auf. ihrer eigenen Streikleitung in den Rücken zu fallen. Die Arbeiterschaft führt sehr schwere gewerkschaftlich« Kämpfe, dle ein Höckstmaß von Disziplin und Solidarität gegenüber den Unternehmern erfordern— jene Solidarität der Arbeiterschaft, die die Gewerkschaften groß gemacht hat und die Voraussetzung aller ge- werkschaftlichen Erfolge ist. Einheit der Arbeiter im Kamps— sie war nie nötiger als heut«. Di« Kommunisten aber fordern zur Störung der Einheit auf, sie fallen den Kämpfenden in den Rücken, sie denunzieren dem Unter- nehmertum. Wer die Arbeiierfront in diesem Kampfe zerreißen will, der begeht ein Verbrechen an der Arbeiterschaft! Mehrarbeiisabkommen gekündigt. Gemeinsam von den vier Dergarbeiterverbänden. Essen, 28. Februar. Die vier Bcrgarbeiterverbände haben heute gemeinsam das sür den Ruhrbergbau bestehende Mehr- arbeitsabkommen gekündigt. Die Sündi- guugsfrift läuft am 30. April 1028 ab. Die Schwerindustrie droht. Alles soll stillgelegt werden. Die schwerindustrielle Telegraphen-Union meldet aus Dresden: Bekanntlich hatten die Arbeitgeber der sächsischen Hüttenindustrie bei den letzten Verhandlungen am vori» gen Donnerstag neue Vorschläge zur Beilegung des Arbeitszeitkonfliktö in der Hüttenindustrie gemacht, zu denen sich die Gewerkschaften bis zum heutigen Diens» tag erklären sollten. Da eine solche Erklärung jedoch nicht erfolgt ist und die örtlichen Abstimmungen wie man hört eine Mehrheit für die Ablehnung der Vor- schläge ergeben haben, muß diese Nichterklärung als Ablehnung gedeutet werden. Die Arbeitgeber der ge- samten eisenerzeugenden Industrie werden nun zu dieser Lage Stellung nehmen und man muß damit rechnen, daß die Aussperrung in der sächsischen Hüttenindustrie sich auch auf die nordwestlichen Gruppen ausdehnt. * Es handelt sich bei dem Konflikt im wesentlichen um die Sonntagsarbeit und die Anordnung von U e b e r- stunden auf Grund des Schiedsspruchs für die westfälische Schwerindustrie. Die Metallarbetier haben mit Erfolg die Rechtsgültigkeit des Schiedsspruches angefochten. Die Unter» nehmer wollen ihren Machtstandpunkt über das Recht stellen. Die Drohung mit der allgemeinen Aus- s p e r r u n g paßt so recht zu der von den Schwerindustriellen immer betonten Sorge um die„Wirtschaft". Gegen den Achtstundenvertrag. Die Regierung BalOwin verharrt im Widerstand. London, 28. Februar. Im Unterhaus gab der Arbeitsministcr Sir Arthur Steel- M a i t l o n d der Meinung Ausdruck, daß die Washingtoner Kon- vention über das Achtstundenabkommcn zu unbe stimmt sei. Er persönlich sei immer für eine 48stündige Arbeitswoche gewesen, aber er könne sich mit einer so ungenügend ausgearbeitete» Konvention wie der Washingtoner nicht einverstanden erklären; Großbritannien sollte auf Revision des Abkommens bestehen. Notprogramm steigert Not! Der Kampf um das Gefrierfleisch. Das Notprogramm der Bürgerblockregienmg ist in einem seiner wichtigsten Teile ein Programm nicht zur Milderung, sondern zur Steigerung der Not. Wa» der Minister für die Ernährung der Landwirtschast Schiel« auf eigene Faust und gegen das Gesetz begonnen hat, das soll jetzt durch das Notprogramm gesetzlich verankert und vollendet werden: die ratenweise Herabsetzung des zollfreien Gefrierfleischkontingents von 120 000 Tonnen jährlich auf nur 50 000. Der deutschnationale Vizekanzler H e r g t hat sie im Reichstag angekündigt, und die Rechte hat dazu Bravo ge- rufen. Das Zolltarifgesetz vom 17. August 1925, das die Sozial- demokratie auf das schärfste bekämpfte, war im ganzen ein Sieg des Agrariertums. Dennoch hatte man damals noch eine gewisse Scheu, sich an den S o n n t ag s b r a t e n der armen Leute, an das Gefrierfleisch, heranzuwagen. Der 8 5 dieses Gesetzes bestimmt, daß Gefrierfleisch im Rahmen der bisherigen Einfuhr zollfrei zu belassen ist, sofern es durch Vermittlung der Gemeinden usw. den Verbrauchern zum Selbstkostenpreis oder mit mäßigem Aufschlag zugeführt wird. Die Sozialdemokraten verlangten die zollfreie Einfuhr von 140 000 Tonnen jährlich. Nach langem Feilschen und Handeln im Ausschuß kam man im Juli 1926 zu dem Be- schluß, 10 000 Tonnen monatlich zuzulassen. Das genügte bei weitem nicht. Aus allen Industriestädten kamen Anträge auf Mehrbelieferung. Je höher die Kosten der Lebenshaltung stiegen, desto lauter wurde der Ruf nach dem zollfreien Ge- fricrfleisch. Auf der anderen Seite wurden die Rechtspar- t e i e n nicht müde, die zollfreie Einfuhr zu bekämpfen. Man behauptete, der deutsche Viehstand habe sich so gehoben, daß er zur Versorgung der Bevölkerung durchaus genüge Von der Gefrierfleischeinfuhr wurde gesagt, daß durch sie die Landwirte gezwungen würden, ihre Schweine mit Verlust zu verkaufen. Dieser Agitation, die auf ganz unhaltbaren Argumenten beruhte, schien zunächst kein Erfolg zu blühen. Dann aber kam im Enqueteausschuß die Aufdeckung der Wuchergeschäfte, die verschiedene Großhandelsfirmen mit dem Gefrierfleisch getrieben hatten. Eine Regierung, der es daraus ankam die Volksernährung zu sichern, hätte sich beeitt, diese Mißstände abzuschaffen. Für die Bürger- blockregierung waren sie jedoch nur ein» willkommene Ge- legenheit, gegen die längst verhaßte zollfreie Einfuhr von Gefrierfleisch vorzugehen. Was man damtt angeblich erreichen will, der erhöhte Konsum von Friscki'eiscki bei rentablen Preisen, wird nicht erreicht werden.. Die Schweinepreise sind allerdings ge- funken, dock beruht dies auf ganz anderen Ursacken. Nach der guten Roggenernte von 1927 begannen die Landwirt« die Schweinemast aufzubauen. Ein Jahr später war der Schweinebestand um fast 20 n. H. gestiegen, nach abermals einem Jahr wieder um 1« v. H. auf rund 23 Millionen CUM. 20 Millionen Phoebus-Verluste. Das Totschweigesystem des Wehrministeriums bricht zusammen. Das erste Morgenblatt der„Dosffchen Zeitung" meldet: .Die amtlichen Untersuchungen über die Phoebus-Affäre, die übrigens nach immer nicht zum endgültigen Abschluß gebracht werden tonnten, haben inzwischen ergeben, daß erheblich größere Summen durch den Skandal verschlungen werden, der aus dos Konto des Kapitäns Lohmonn kommt, als zunächst zugegeben worden ist. Der Reichskommissar veranschlagt den Schaden jetzt auf etwa mindestens 20 Millionen Mart", wobei noch nicht seststeht, ob diese Summe nicht durch die weiteren Ergebnisse der noch lausenden Untersuchungen überholt wird. Mein die jüngst aufgedeckten Speckgeschäfte machen etwa 1,1 Millionen Mark aus. Mehr und mehr gewinnt jetzt auch bei den amtlichen Stellen, insbesondere auck) bei dem Reichswehrminister Grocner, die Msfassung Raum, daß die Oeffentlichkeit über die Einzelheiten des Skandals informiert werden müßte, um zu vermeiden, daß nicht allwöchentlich durch neue AcröfsenUichungcn neue Beunruhigungen hervorgerufen werden. Diese Auffassung kam auch bei den l e tz t« n p a r l a m e n t a- rischcn Besprechungen darüber zum Ausdruck, und man er- wartet allgemein, daß der Reichswehriuiuister alsbald nähere Mitteilungen über die Ergebnisse seiner bisherigen Unter- juchung der Oessentlichkeit zugehen lassen mird." Zu dieser Meldung der„Vossischen Zeitung" sind einige Ergänzungen und Erläuterungen not- wendig. Der Herr R e i ch s w e h r m i n i st e r hat sich nach un- serer Infonnation für eine hoffentlich die endgültige Bs- reinigung bringende öffentliche Erörterung des Lehmanns- Konzerns oder richtiger der Ausflüge der Marmeleituug in das privatkopilaliftische Gründunas- geschäft deswegen entschlossen, weil er selbst mit seiner Er- klärung vom 10. Februar vor dem Reichshau'haltsausschuß durch die neuerlichen Enthüllungen über d.c Bacon- Company Lügen gestraft worden ist. Die Feststellung, daß bisher zwanzig Millionen Mark an Ver- lüften eingetreten sind, ist nicht von dem Reichssparkom- missar gemacht worden, sondern von sozialdemokra- tischerSeite. Es ist, wie man sich gestern nachmittag im Reichstag leickt überzeugen konnte, ein öffentliches Geheimnis, daß die Erörterung dieser Dinge, auf die die„Vossische Zeitung" De- zug nimmt, gestern. Dienstag, vormittag, in einer Besprochung der Parteiführer und der Fachbearbeiter erfolgt ist. Jene Sitzung war vom Reichswehrminister einberufen. Nach unserer Auffassung handest es sich bei all den Affären, die sich bisher schon aus der Phocbus-Angelegenheit entwickelt haben, weder um einen Fall Lohmann, noch um mißverstandene„vaterländische Interessen", sondern darum, daß der Reichstag aus etatsrechtlichen Gründen gezwungen ist, eine Bereinigung des Reichswehrctats und des Marinectats von allen Schlacken vergangener Finanzjahre vorzunehmen. Es ist unmöglich. daß der Wehretat sich in eine Anzahl Positionen auflöst, von denen jede ihr Eigenleben führt, ohne daß die oerant- wortliche Regierung dafür grade zu stehen vermag. Bei der neuesten in der Oeffentl'chkeit bekannt gswor- denen Lohmannschen Gründung, der Bacon-Company, über die der„Abend"�bertchtet hat, handelt es sich zweifelsfrei um eine w ü st e k u l a t i o n des Kapitäns Loh- mann, die btsmr mindestens 1,1 Millionen Mark V-rlust für das Reich verursacht hat. Zum mindesten dieser Verlust ist völlig uneinbringlich. Zu Friedrich Eberis Ge> Imposante Kundgebung zur dritten Wiederkehr seines Todestages: Ä»s vergrößerte Angebot begann während des Jahres 1027 sich in sinkenden Preisen auszuwirken. Davon hatte der Handel großen, der Verbraucher aber keinen oder doch nur sehr geringen Vorteil. Der Kleinhandelspreis für Schweine- fleisch betrug im Durchschnitt des Jahres 1926 1,39 Mk. pro Pfund und sank im Jahre 1927 auf 1.24 Mk. Frisches Rind- steisch stieg bei gleichbleibendem Angebot in derselben Zeit von 1,14 Mk. auf 1.20 Mk. Indessen beginnt aber auch wieder der P r e i s für S ch-w eine zu st eigen. Auf dem Städtischen Liehhof von Perlin stieg der Durchschnittspreis für 50 Kilo Lebend- gewicht in der ersten Februarhälfte von 57,50 Mk. auf 59 Mk. In der neuesten Voransage der Schweinepreise für das Jahr 1928 kündigt der Spezialforscher Arthur Hanau eine weitere erhehliche Steigerung an. Danach müsien wir uns. darauf gefaßt' machen, daß der Großhandelspreis pro Pfund im März 59 Pf. betragen wird, im September, Ot- tobcr aber schon 74 Pf. Diese Preissteigerung wird infolge des verminderten Angebots vor sich gehen, auch wenn wie bisher in jedem Monat 10 000 Tonnen Gefrier- fleisch zollfrei über die Grenze kommen soMen. Auch ohne Drosselung dieser Einsuhr wird sich also die Ernährungsnot im laufenden Jahre noch verschärfen. Die Drosselung der Gefrierfleischeinfuhr kann nur dazu dienen, sie noch weiter zu steigern. Traf Westarp hat es sich im Reichstag sehr leicht ge- macht, wenn er meinte, dos Gefrierfleisch könne durch das bessere und ebenso billige Inlandfleisch ersetzt werden. Das billige Inlandfleisch haben wir bisher nicht gesehen, wir wer- den es auch nicht zu sehen bekommen. Das Gefrierfleisch ist billig und gut, das inländische Frischfleisch ist gut ober teuer. Wenn es kein Gefrierfleisch mehr gibt, wird das Inland- fleisch deswegen nicht billiger werden— es steigt ja jetzt schon im Preise! Die armen Leute werden dann über- Haupt kein Fleisch mehr auf den Tisch bringen können. In den Kreisen der Arbeitgeber wächst die Neigung, einen- Druck auf die Löhne auszuüben. Recktsstehend« Blätter geben sich große Mühe, sozusagen wisienschaftlich zu beweisen, daß die Löbne zu doch sind und herabgesetzt werden müssen. Von der anderen Seite her verteuert man aber zu- gleich der arbeitenden Bevölkerung die Nahrung. Im Jahre 1926 sind in Deutschland 7,2 Millionen Doppel- zentne? Rindfleisch produziert und 2.2 Millionen Doppelzentner eingeführt worden. Für das Jahr 1927 betragen die entsprechenden Zahlen 7 Millionen med 2.5 Millionen. Es zeigt sich also eine leichte Zunahme des Verbrauches. Jetzt findet man offenbar, daß in Deutschland schon zu viel Fleisch gegessen wird, und versucht, den Verbrauch wieder herabzüdrücken. Die Drosselung der Gefrierfleischeinfuhr nützt der in- Kindischen Landwirtschaft nichts, für die notleidenden Massen der Bsvölkerung bedeutet sie eine Verschärfung der R o t. Der Reichstag würde kurz vor den Wahlen bei freier Abstimmung es kaum wogen, einer soschen volks- feindlichen Maßnahme seine Zustimmung zu geben. Darum hat ihn die Bürgerblockregierung unter einen geradezu erpresserischen Druck gesetzt. Das sogenannte Not- Programm soll ein unteilbares Ganzes bilden, olle seine ein- zelnen Teile sollen am 1. April d. I. in Kraft treten— oder es soll kein einziger von ihnen Gesetz werden. Das heißt also: Wenn der Reichstag. nicht pariert, dann sollen au ch.d i e K l e in reit tnar, dt e Werk spensionäre. 5 i e Im v a l.i d e n die dürftigen Aufbesserun, gän, die ihnen versprochen sind, nicht be- k» m m e n. Der deutschnationale Vizekanzler Hergt hat in seiner Rede am Montag ausdrücklich zugegeben, daß die vor» gescßlägenen Aufbesserungen notwendig sind, um die geringen Bezüge dieser bedauernswerten Volksgenossen den gesteigerten Kosten der Lebenshaltung anzupassen. Trifft das zu— und wer kann daran zweifeln, daß das der Fall ist— dann ist die Aufbesserung dieser Bezüge Pflicht der Regieruno, Pflicht des Reichstages, ist sie einfache Pflicht der sozialen Gerechtig- keil, ganz ohne Rücksicht darauf, was der Reichstag sonst noch beschließt oder nicht beschließt. Die Sozialdemokratie fordert für Kleinrentner. Sozial- rentner und Werkspensionäre die notwendigen Aufbesierun- gen. Die Herabsetzung des Gefrierfleischkontingents ober lehnt sie ab und bekämpft sie auf das alle rentschi ebenste. Wer sich im Reichstag vom sozialen Gewisien leiten läßt, der muß sich zu derselben Haltung entschließen. Für den Reichstag besteht nicht die geringste Not- mendigteit, sich dem Druck der Regierung zu f üg e n. Wir werden also die Ausrede bürgerlicher Helden im Wahlkampf, sie hätten die Herabsetzung des Gefrierfleisch- koniingents„schlucken" müssen, um die Aufbesserungen für die Rentner nicht zu gefährden, keineswegs gelten lassen. Wer unter windigen Vorwänden dazu beiträgt, die Er- nährungsmöglichkeiten für die ärmsten Kreise der Bevölke- rung zu verschlechtern, der wird sich bei den kommenden Wahlen vor dem Volke dafür zu verantworten hoben. Gregory und der Gmowjew-Nrief. Eine Erklärung Namsay Macdonalds. Die Entfernung des Unterstaotsfekretärs Gregory aus dem britische» Lußcnministerium ist eine so interessante Sache, daß wir die.kurze Meldung unserer gestrigen Spätausgabe darüber noch durch folgenden Londoner Eigenbericht ergänzen. Ministerialdirektor Gregory hatte auf Grund seiner amtlichen Kenntnis privat spekuliert und sich beim Frankensturz verspekuliert. Ein anderer höherer Beamter, O'Malley, der vor Jahresfrist Abgesandter der englischen Regierung in Hantau war. hat seinen Abschied nehmen müssen. Endlich ist ein Dritter im Bunde, ein höherer Marineoffizier, um drei 7!ahre zurückversetzt worden. Der Bericht der Unter- sgchungsbehörde sog», es handle sich um Einzelfälle und der britische Beamientörper bleibe von diesen Vorgängen völlig ün berührt. Es war im Zusammenhang mit der Gregory-Afsäte die Ver- mulung ausgesprochen worden, daß die B« r ö f s e n t l i ch u n g des Sinowjew- Briefes und die Absendung der Protestnote an den damaligen Sowjetbotschafter Rakowski auf Betreiben des fanatischen Bolschowistonhasters Gregory erfolgt seien, der damit aber auch spekulativ« Absichten verfolgt hätte. Orr Bericht sprich, Gregory von dem Verdacht frei, die treibende Kraft bei dieser Aktion gewesen zu sein, vielmehr habe der inzwischen ver- storbene damalige Unterstaatssekretär Sir Ayr« Crowe gegen den Rot Gregorys jene Aktion veranlaßt. Ministerpräsident Mac. Die Republik vergißt die toten Vorkämpfer nicht, die ihr Leben, ihr Können, ihre ganze Persönlichkeit eingesetzt haben für den neuen, den demokratischen Staat, der in Weimar geschaffen wurde. Gestern jährte sich zum dritten Mole der T r a u e r t a g, an dem die schwarz- rotgoldenen Fahnen der Republik auf Halbmast sanken und ver- kündeten, daß der erst« Reichspräsident, Friedrich Ebert, heim- gegangen war. Dos Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold hafte auf- gerufen, den Doien durch eine Kundgebung auf dem Cendarmenmarkt zu ehren, und Unzählige waren dem Appell gefolgt... Als die Fahnenträger sich auf d« Freitreppe des staatlichen Schauspielhauses aufgestellt hallen, stimmten die Kapellen das Lied vom gutenKameradenan, es senkten sich die schwor zrotgolds» nen.Zeichen, es entblößten sich die Häupter. Genosse S« v e r i n g führt« aus: Wir haben uns heute hier oersammell, um das Andenken eines guten Menschen, einen unermüdlichen Kämpfers zu feiern. Der Tad des ersten Reichspräsftenten Friedrich Ebert war der schwerste Schlag für die jimg« deutsche Republik. Die Republik verlor ihren ersten Führer, den erprobten Kämpfer für den sozialen Ausbau der Republik und für den Frieden. Friedrich Eberls Werk ist nicht tot. Seine Arbeft steht lebendig vor uns. Wir wollen zur Vollendung führen, was Ebert begonnen hat. Friedrich Eberls Leben war eine einzige Hingabe für den Staat, in dem die bisher Entrechteten, dos arbeitende Volt, d-ie gleichen politischen Rechte erhalten hatten. Er hat stets den Kampf mit reinen Waffen geführt.' in Schild blieb fleckenlos. Er haßte Knechtschaft und Knechts-i Haß gegen Menschen kannte er nicht. Sein Wert und seine Arbeit wurden von denen, die als Erben von Besitz und Bildung am ersten sein staatspolftisches Wirken erkennen mußten, verkannt. Aus Parteien, die sich auch Ehristen d onald habe die Note an Rakowski genehmigt, unter der Voraussetzung, daß die Echtheit des Sinowjew-Briefes erwiesen sei. Genosse Mocdonald bestätigte vor Pressevertretern die Richtig- kcit dieser letzteren Behauptung des Berichtes, aus der klar hervor- gehe, wie unwohrhaftig das Argument der Konservativen im Wahl- kämpf 1924 gewesen sei, daß er aus Bolschcwistensreundlichkcft die amtliche Protestaktion gegen den Sinowjew-Bries zu verhindern versucht hätte. Ungeklärt bleibt allerdings in dem Bericht der Unterstichungsbehörde die Frage, wie die Veröffentlichung des Sinowjew-Briefes in der„Daily Mail" am 25. Oktober 1924 erfolgen konnte, die im damaligen Wohlkamps gegen die Arbeiter- Partei wie eine Bombe wirkte, und ob Gregory mit diesem Vorgang tatsächlich nichts zu tun gehabt hat. Debatte im ltnierhous gefordert. London, 28. Februar.(Eigenbericht.) Der Fraktionsvorstand der Arbeiterpartei im Unterhaus hat be- schlössen.> ein« Debatte über die aus den Sinowjew-Brief bezügliche Stelle des Berichts der Unterhauskommisfion über die Fronkenspekulallon mehrerer höherer Beamler zu fordern. Bor ollem soll oersucht werden, auf diese Weise Klarheft darüber zu schassen, durch wen die„Daily Mail" damals in den Besitz des Sinowjew-Briefes gelängte. Schwere Sorgen im Kreml. Wie empfangen wir Amanuliah? Moskau. 28. Februar. Die Sowjetprest« widmet dem neunten Jahrestage dar Unabhängigkeit Afghanistans wohlwollende Artikel, wobei darauf hinge- wiesen wird, daß die Sowjetunion die Beseitigung der Ab- nennen, kam die Hetze gegen die Führer der Republik, die so lange gesteigert wurde, bis Verblendete den Mordswhl gegen Erzbeiaer und Rathenau führten. Es gibt ein christliches Gebot: Du s o l l st nicht töten. Die den Mordstahl gegen die Führer der Republik lenkten, haben gegen ihre eigenen christlichen Grundsätze gehandelt. Es gibt«in Gebot: Du sollst nicht falsch Zeugnis rede» wider Deinen Nächsten. Gegen dieses christliche Gebot haben die Männer verstoßen, die.zweifelhaste Menschen dingten, um gegen Ebert eine Landcsoerratshctze einzuleiten. Wir rufen zum Kamps! In seinem Namen rufen wir die Mll- lionen Streiter aus, gegen die Verleumder der Republik ziisznnnen- zustehen und am Ausbau der Republik milärbeiten. Friedrich Ebert hat nur die sieden mageren Jahre der Republik erfeben können. Es blieb ihm versagt, den Aufstieg noch zu sehen. Sein Vermächtnis, den demokratischen Dolksstaat mit sozialem Geist zu erfüllen, ist unser nächstes Kampfziel. In den Frühlingstagen, wenn dos Reichsbamter feine schwarzrotgoldenen Fahnen als Kampfpanier in die Dörfer und Stalte trägt, sollen die Geschästorc'-ulftikaner und die Monarchorepubli- kaner erkennen, daß ihre Uhr abgelaufen ist. Wir wollen in diesen Tagen zu leidenschaftlichen Kämpfern werden, und nicht eher ruhen, bis wir wissen» daß an der Spitz« der Republik Männer stehen, die für ihren sozialen Ausbau kämpfen! Diesen Kamps führen wir im Gedächtnis an Friedrich Ebert. Wir wollen sein Werk fortführen. Wir wollen siegen über die Feinde. der Republik. Mit einem Hoch auf die deutsche Republik, in das die Menge begeistert einstimmte, schloß Genosse Seoering seine Rede. Bausender Beifall dankte. Marschmusik, Kainpflftder ertönten: „Mit uns zieht die neue Zeit!" Ja. sie zieht mll uns, und für sie zu arbeiten im Geiste Friedrich Eberls, das soll unsere stolze Aufgabe im kommenden Wahlkompf sein. hängigkeit Afghani st ans von England stets begünstigt hat. Die Reformtätigkeit Amanullohs wird in den Artikeln ebenfalls gewürdigt. Für den Moskaittiesuch des Königs wird die Festordnung sorgfällig ausgearbeitet. Da die Hauptstadt der Sowjetunion noch niemals von einem Monarchen besucht worden ist, so ergeben sich manche Schwierigkeiten in den Z e r e- moniolsragen. Die zahlreichen Artikel der Sowjetpreffe über Afghanistan und seinen Herrscher sollen die Bevölkerung der«owjet- länder auf den Besuch vorbereilen und die Notwendigkeit eines feierlichen Empfangs erklären. Oer Wahlierror in Polen. Gegen Sozialisten und Nich.'polen. Warschau. Februar.(Eigenbericht.) Ja Nowogrodek ist der gewesene weißrussische Sejm- abgeordnete Ja« R o g u la wegen angeblicher antistaat» licher Agitation zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt und sofort im Gerichtssaal verhaftet worden, Ter WaHlterror gegen die polnischen Sozialiste« dauert unvermindert an; fünf Tage vor dem Wahltag hat daS Innenministerium einen sozialistische« Bropaganda» film nach dreiwöchiger Verzögerung ver- boten, obwohl der Film lediglich zur Vorführung in Partellokalcu bestimmt war! Die Regierung zwingt die Äiuobesitzer die Propagandasilme für die R e» giernugsliste t» jeder Vorstellung uncntgelt« lich vorzuführen. Dft Musiollui-Rede über Südklrol wird am Sonnabend in der Kammer steigen. Llngarns Advokatenkniffe. jftede des Außenministers Walko über die Waffenzerstörung in St. Gotthard: Bis zum Ziatsbefchluß volle Handiungs- . freiheit beansprucht! Vudapcsi. W. Fcdruor. Im Auswärtigen Ausschuß des Adgecirdnetenhauses besprach heute der Minister des Aeußcrn Dr. Dalko den Zwischenfall von Tt. Gotthard. Cr betonte, daß„im Sinne des Eissnbahnreglements vorgegangen' wurde und die Vernichtung des beschlagnahmten Ma- lerials unter chin?uziehung richterlicher Organe und beeideter Sach. verständiger erfolgt sei.„Auf diesen Fall wollen/ so fuhr Minister Walto sort,„Mc Nachbarn Ungarns das im Artikel des Vertrages von Tnanon vorgesehene Invcstjgationsversahren anwenden. Im Sinne der in den Jahren 1924 und l9Ztj sestgestellten Investigationsnornt ist jetzt der Rahmen der Inoestigation von dem Bölterbundsrot zu bestimmen. Selbst die vorbereiteten Moßnohinen können nur auf Grund eines Ratsbeschlusses er- folgen. Solange also ein Ralsbeschluh nicht vorliegt, steht der unga- garischen Regierung im Sinne der bestehenden Normen voll- ständige Aktionsfreiheil zu. und sie ist in keinerlei Beziehung von Verpflichtungen belastet. Andererseits Hai kein einziger Staat, aber auch. der Ratspräsident nicht das Recht, gegenüber der ungarischen Re- gierung irgendwelche Ansprüche zu stellen. Wäre dem nicht so, könnte man mit einen, gut ausgebauten System grundloser An. zeigen die ganze Verwaltung eines Landes lähmen zum schweren Schoden der staatlichen Souveränität. Aus diesem Grunde mußte die ungarische Regierung den von feiten der tschechoslowakischen und der jugoslawischen Regierung noch im Januar geäutzerten Wunsch, daß das beschlagirohmi« Kriegemoierial im Interesse einer etwaigen Invcstigaiicm unangetastet bleibe, aus das enischiedenstc zurückweisen. Auch dem Rotspräsidenten steht kein größeres Recht zu als irgend- einem Raismitglied. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Rats- Präsident auch dazu kein Recht hat, im Falle einer beantragten In- vestigation irgendwelche vorhergehenden Maßnahmen zu treffen. So wird die Sache auch von der unvoreingenommenen(?) internatio- nalen Presse aufgefaßt. Bloß einzelne(?) Blätter möchten die Ge- legcnheit zur Schaffung eines Präzedenzfalles ausnützen, der dann auch auf andere Staaten mit Nutzen angervender werden könnte. Ganz anders liegt der Fall, wenn eine unmittelbare Kriegsgefahr besteht. In diesem und ausschließlich m diesem Falle darf der Raispräsident aus Grund des Artikels 11 des Völkerbunds Paktes van dem Rech, der vorlzergehenden Anwendung Gebrauch inachen. Dieses Reäit kann jedoch unnwglich auf die An- gelegenheit der St. Gotthorder Maschinengewehr« angewandt werden, und nicht nur aus dem©rund« nicht, weil in dem gegebenen Fall« die Einleitung des Verfahrens nicht aus Grund des Artikels 11 des Pvlkerbllndspäktes. sondern avs Grund oes Artikels 143 des Friedensvertrages beantragt ist. sondern auch deshalb nicht, weil wohl niemand glauben gemacht werden kann, daß die Vernichtung von Kriegsmaterial— wem immer gegenüber— eine unmittelbare Kriegsgefahr bedeuten konnte. Die Abrüstung Ungarns wurde durch den Trianoner Friedensvertrag angeordnet. Derselbe Vertrag ver- «eist jedoch darauf, daß der Abrüstung der Mittelmächte eme o l l g«- meine Abrüstung frlgen Werves Wir dürfen also mir Füg und Recht daraus rechnen, daß unsere Abrüstung keine einseitig« fem wird. Au» der Abrüstung der anderen ist>edoch bislang nichts geworden. Für fo cinferüg und für so ungerecht wir auch die De- stwnnungen über die Abrüstung erachten, so hat sich Ungarn dennoch auf das Gewissenhafte st« diesen Bestimmungen unter- warfen: das heißt jedoch noch nicht, daß die Kontrolle in kleinlicher und kränkender Weise ausgeübt wird. Die Ausübung des Inoelii- gationsrechts ist für wichtige Fälle von großer Trog- weite vorgesehen, nicht aber zu dem Zwecke, um mit seiner chilse Staaten zu demütigen. Wir hosten fest auf die Weisheit und Gerechtigkeit des Dölkerbundrats, daß er zu solchen Bestrebungen nicht hilfreich die Hand bieten werde. Die These des ungarischen Außenministers läuft darauf hinaus, daß Ungarn das Recht hat, alle Spuren zu ver- wischen, solange kein ausdrücklicher Ratsbeschluß auf Ein- leitung eines Investigationsverfahrens vorliegt. Diese These wird mit Freuden von den französischen Na�tio- na listen aufgegriffen werden, die daraus den Schluß ziehen werden, daß auch dos Jnvestigationsrecht des Völker- bundes gegenüber Deutschland(Art. 213 des Vcrsailler Ver- träges) nur auf dem Papier bestehe und daß infolgedessen die „Sicherheit Frankreichs" gefährdet wäre, wenn das Rhein- land vor 1g.Ä geräumt würde. Schon aus diesem Grunde wäre es im höchsten Grade töricht, wenn sich Deutschland den Rechtsstandpunkt Walkos zu eigen machen würde. Es bleibe dahingestellt, ob der Buchstabe des Friedensvertrages uick, des Völkerbunds- statutes eine Stütze für die juristische Konstruktion der unjja- tischen Regierung bietet. Aber sicher ist, daß es dem Geist des Vertrages und des Paktes widerspricht, wenn ein bei einer Verletzung seiner Verpflichtungen ertappter Staat sich beeilt, das corpu« ctelictä verschwinden zu lassen. Ungarn ist mehr als alle anderen Staaten der Welt auf das Ver- trauen der Mächte angewiesen. Mit derartigen Advo- katenknisfen wird es lediglich erreichen, daß das berechtigte Mißtrauen, das seit dem Frankenfälscherskandal geaenüber dem Regime Horthy-Bethlen in Europa bevor» steht, noch vergrößert wird. Und dann wird es— trotz der hohen Protektion Mussolinis— erst recht nichts von seinen verschiedenen, zum Test zweifellos legitimen Aspirationen erreichen. General TanczoS soll in Genf Auskünste geben. Gens. 28. Februar. Die imgarische Regierung hat durch ihre ständige Vertretung in Gens dem Generalsekretär mitteilen losten, daß sie Generol Tanczos, der bereits seit einigen Tagen hier weilt, damit be- auftragt hat, Auskünfte über die Angelegenheit von St. Gott- Hardt zu erteilen. Die Tschechoslowakei und I u g o s l a» wie» haben auf Aufforderung des Generalsekretär» zur Entsendung von Sachverständigen eben fall» bereit» Vertreter zur Aus- kunstzetteilunq benannt Rumänien als Raismitglied gehört ohnehin dem ständigen begutachtenden M'iitäraus- j ch u ß des Völkerbundes an. dem diese Auskünfte zunächst zu er- teilen wären. Hilfe für Baldwin. Sie englischen tkommunisteu haben auf Seheiß Moskau« die Aufstellung von Sonderkandidaturen beschloffc», was praktisch auf eine Unterstützung der Konservativen hinauslSufi. „Lieber Baldwin, diesen Esel leihe ich Ihnen als Vorspann!" Internationale und Abrüstung. Bericht der Abrüstungskommifsion der GAL. Der Abrüstungsausschuß der Sozialistischen Arbeiter- Internationale, an dessen Züricher Beratungen für die deutsche Sozialdemokratie Genosse Hermann Müller- Franken, teil- genommen hat, hat nachstehenden Bericht ausgearbeitet, der von der Exekutive einstimmig genehmigt wurde und dem Inler- nationalen Kongreß in Brüssel unterbreitet werden wird: I.: Das Ziel, dos die TAI. erstrebt, ist die vollständig« und- gleichzeitige Abrüstung aller Länder zu Land, zu Wasser und in der Luft. Wer die SLI. oersällt nicht in den Irr- tum zu glauben, daß eine vollständige Abrüstung erreicht werden kann, solange die Regierungen der meisten Länder von kapital!- sti s ch e n und imperialistischen Klassen beherrscht werden und solange andererseits in vielen Ländern, nicht jene Demokratie besteht, di« allein die Durchführung intcrnationaler Wrüstungsab- kommen unter die Kontrolle demokratischer Einrichtungen und einer freien öffeirtlicben Meinung zu stellen vermag. Ist aber die p oll ständige Abrüstung dcrzei.t noch nicht, erreichbar, so gibt e? dock) schon in, den gegenwärtigen politislben Verhältnissen Kräfte,.die. stach einer Einschränkung der Rüstungen drängen. Die Fürch» der herrschenden Klassen vor neuen Revolutionen, die jeder Krieg entsesssln müßte, und die Erkenntnis, daß das Wettrüsten den Krieg auunnatisch hsrbeizu- führen droht: die infolge der Umwälzungen der Kriegstechnit ungeheuerlich wachsenden Kosten der Rüstungen und das Sicherheit säe- dürfnis der im Auslande angelegten KopUclien: die Erkenntnis end- lich, daß die Wrüstung der besiegten Notionen auf dk Dauer nicht aufrecht erhalten werden kann, wenn nicht auch die S'egernationen die vertragsmäßig übernommene Verpflichtung zur Beschränkung ihrer Rüstungen erfüllen,— all das drängt nach einer Einschränkung der Rüstungen. Es ist eine der wichtigsten Aufgaben des inier. nationalen Sozialismus, alle Regierungen unter den stärkst- möglichen Druck zu setzen, um die in den herrschenden Klassen selbst wirksamen Tendenzen zum iiüernotionalen Abrüstungsüberein. kommen auszunützen, die ihnen widerstreitenden, nwchUgen imperialistischen und militärischen Gogentcndenzen zu überwinden und auf diese Weise ein internationales Abrüstungsüberein- kommen durchzusetzen. II. Di« SAI. fordert, daß alle internationalen Konflikte dem vbligatorischcn Schiedsverfahren oder einem anderen Verfahren friedlicher Beilegung unterworsen werden. Die TAI fordert, daß, dem Vorschlag Norwegens entsprechend, der Völkerbund einen allgemeinen Schiedsgerichts- vertrag ausarbeite und zur Annahme durch all« Staaten empfehle. Sie betrachtet es als Pflicht aller sozialistischen Arbeiter- Parteien 1. die Aufnahme eines Gesetze» in die Gesetzgebung ihres Landes zu erlangen, das jede mllliärische oder industrielle iNeblll- sierung ausschließt, bevor ein internattonaler SonsUkt dem Völkerbund oder einem anderen Versahren friedlicher Bei- legung vorgelegt ist. 2. den stärkstmöglicheu Druck selbst in der Form der Gewalt gegen jede Regierung aus'uüben. die e» im Falle eines internationalen Konfliktes ablehnen würde, sich einem schiedsgerichtlichen veriatzre« iu unterwerfen. Die SAI. ist sich dessen bewußt daß ihr Kanps um internationale Rüstungsbeschränkungen desto wirtsamer fein wird, je wirksamer sie die Entscheidung aller inicrnotionalen Konflikte durch friedliche Mittel zu siehern vermögen wird. III. Die Abrüstung wird nur dann dem Frieden dienen, wenn sie nicht eine einseitige Verpflichtung ist. die die Sieger den Besiegien auferlegen. Nur zwischen gleichberechtigten Nationen ist dauernder Friede zu erreichen. Die SAI. verlang, daher für alle Nationen hie gleich« Frei heit in der Wahl ihres Heeressystcms Die Herstellung dieser Glcichberech- tigung der Nationen erfordert aber zwingend ein internationales Ab- rüstungsab kommen, das einem neuen Wettrüsten zwischen den Siegern und den Besiegten von 1918 wirksam vorbeugt. Dieses W- kommen muß di« Methoden der Abrüstung den verschiedenen Heeres» systemcn anpassen. IV. Di« Hauptaufgab« eines Rüstunqsübereinkonunens muß es sein, dafür Sorge zu lraqcn, daß kein Staat sofort bei Ausbruch eines internationalen Konflikts groß« Massen ausgebildeter und bewaffneter Truppen zu einem Angriff bereit habe. Daher muß das inter- nationale Abkommen sichern: 1. Möglichst kleine Friedensstände in de» Kaserne«». 2. veschrönkung der Dasscnoorräte. die die einzelnen Staaten bereit halten dürfen. Soll allen Nationen die Wahl ihres Heeressystem» freigestellt werden, so lenkt andererseits die SAI. die Aufmerksamkeit auf die Gefahr, die ein neuer Typus der Heeresorganisation bietet, dereinen starken Kern von Berusssoldaten verbindet mit der Möglichkei« schneller Benutzung großer Massen für ein« An- griffsaklion, so daß er die Gefahren des Milizheeres mit denen des Berufsheeres vereinigt. Man muß also oerhindern, daß sich irgendwo, namentlich aber in den Ländern des.M i l i z s y st e m s, stark« Kerne oon Liaserncn- iruppen bilden und ebenso, daß irgendwo, namentlich in den Ländern der Berufsheere, Vorkehrungen geirofsen werden, die es gestatten, gewaltige Massen zu einem plötzlichen Angriff zu verwenden. V. Wo das Heer auf die Wehrpslicht gegründet ist. ist zunächst der Fricdensstand aus da? zur Ausbildung unerläßliche Maß zu reduzieren. Weiter ist dann auch die Zahl der zum Heeres- dienst Auszubildenden.zu beschranken. Für die Länder, die Söldnerheere halten, ist ln analoger Weise der Friedensstand zu begrenzen. Für alle Länder hat das internationale Abkommen überdies vorzuleben: 1. Verbot des Gaskrieges und der Verwendung von v a k 1 e r i e n zrtr Krieg ftibrnng 2. Beschränkung der.zahl der schüren Geschütze. Donk». Flug. zeuge. Beschränkung der Flotte bezüglich der Gosamtgrbsic ols auch nach vorschieden er> Schissskategorien. Z. Beschränkung der finonzicilc» Aufwendungen für Heer und Flotte. 4. Nationale und Ivternaliorwle Kontrolle der Erzeo. g u n g, des Handels und des Dransportes'von Srleqsmittein. 5. Die Bestrafung von Veröffentlichungen über geheime Rüstungen ist zu verbieten. 6. Internationale Kontrolle der Durchführung aller dieser Beschränkungen durch den Völkerbund oder durch eine weitere, auch die dem Völkerbund nicht angeschlossenen Nationen umiasjendc Organisation. Die technischen Schwierigkeiten, die die Abrüstung bietet können nur unter dem stärksten poliiischen Druck überwunden werden Diesen Druck durch eine ständige und energisch« Aktion in den Massen und Parlamenten zu üben, ist die Aufgabe der sozialistischen Arbeiter- Parteien. Sic werden zu wachen haben, daß die technischen Schwicrigkeiren nicht als Dorwand für das Scheitern aller Abrüftung&dcstrebungen benützt werden. VI. Unbeschadet des Kampfes um internationale Abrüstungsab- kommen werden die sazialisiischen Arbeiterparteien darum kämpfen, daß jeder Staat aus eigenem Willen seine Rüstungen vorher schon einstelle, ober soweit einschränke als dies seine be- sonderen Umstände gestatten. Die Abrüstungsoerirägc dürsev für jeden Staat nur das Höchst- «naß feiner Hecresrüstungen vorschreiben. Kein Staat darf durch internationale Verträge verhalten werden, größere Slrc-itkraste zu unterhalten, als er selbst es für notmenbig finde!. Kein Staat darf für die Einschränkung seines Heercsstandes unler das ihm durch die interuakionalen Verträge zugebilligt« Höchstmaß mit dem Entzug irgendwelcher internationaler Garantien bestraft werden. VIk. Angesichts der durch die Entwicklung der modern«» Waffen- technil wesentlich vermehrten Gefahren, die jede miN- tärisä)« Organisation, selbst bei der demokratifchesten Heeresoer- sassung, für die Demokratie und für die Arbeiterklasse in sich schließt, müssen die sozialistischen Arbeiterparteien m» dem Kampfe um die Abrüstung den Karnpf um di« Demokratisierung der Der- sügungsgewalt über dos Heer und der Flotte und um die Demokratisierung der inneren Organisation des Heeres und der Flotte verbinden. Zu diesem Zwecke fordern die sozialistischen Arbeiterparteien: 1. Verfügungsgewalt der parlameule über Heer und Jlolte. keine, auch keine letUvetse Rlobil- », a ch u n g ohne Barlamentstzcschluß. konttolle der inneren heeresorganisalioa durch besondere parlamenlskommissionen. verbot der Verwendung der miliiärischen Kräfte in Kon- flikcen zwischen Sapilal und Arbeit. 2. Beseitigung aller Schranken, die das Heer vom Volks trennen. Zu mesem Zwecke bei möglichst kurzer Dienst. zeit volle Sicherung der staatsbürgerlichen Rechte der Soldaten. Schuh der Rechte der Soldaten durch von ihnen gewählte Verttouenemäaner. Dcmokratillerung der Ergänzung des Offizierskorps, Demokrak'sieruug de» Disziplinarrechtes und des RMsärsirasrechke». Aufhebung der besonderen ZNilWärgerichle in Friedenszeilen. VIII. Zur Dcrhüiimg der Umgehung der internoiieinalcn Abrüstungs- abkommen und zur Abwehr der faschistischen Gc- fahren ist die Aufstellung und Erhaltung safchst, icher bewaffneter Milizen und Wehrorganifationen zu verbleien und die Durch- führung des Verbots unter internationale Kontrolle zu stellen. Die Berliner AfA-Gewerlschasten« Festigung und Ausbreitung. Einen Ueberblick über die umfangreiche und zugleich vielseitige Tätigkeit des Berliner AfA-Ortstartells gibt der G e- fchäftsbericht für das Jahr 19Z7, der in der Bertreterver- fammlung am Montagabend vom Genossen F l a t a u erläutert wurde. Dieser Geschäftsbericht zeigt so recht, welche Arbeit von den Or- ganisationen geleistet wird, ohne dah in der Oeffentlichkeit viel Auf- sehen davon gemacht wird. Dazu gehören z. B. die Bemühungen um die Linderung der Not der erwerbslosen und besonders der älteren erwerbslosen Angestellten, die selbst während des guten Geschäftsganges im Vorjahre die Arbeitsnachweise zu Taufen- den bevölkerten. So waren in Berlin nach Schätzungen im Monats- durchschnitt 1927 rund 35099 Angestellte arbeitslos, während es in dem Krisenjahr 1929 etwa 4 9 9 9 9 waren. Die dem AfA-Bund nahestehenden Reichstagsabgeordneten haben zur Be- Hebung dieser Not schon im Jahre 1926 Matznahmen von der Reichs- regierung gefordert, von denen bisher aber nur die Forderung noch der Verbesserung des K ü n d i g u n g s s ch u tz e s der älteren Angestellte» vcrwirllicht worden ist, was bei der politischen Konstellation im Reiche weiter nicht verwunderlich ist. Der Geschäftsbericht geht dann näher ein auf die Neu- organisation der Landesarbeitsämter, die Ar- beitsvermittlung und Berufsberatung für die Angestellten, die Tätig- keit der AfA-Vertreter in den gesetzlichen und anderen Körperschaften sowie in den Institutionen, die der Pflege der Kultur und der Weiterbildung der Funktionäre und Mitglieder dienen usw. Erfreulich ist auch die Feststellung, daß die Zahl der AfA-Mit- glieder in den Betriebs- und Angcstelltenräten ge- si t e g e n ist. Während im Jahre 1925 in Berlin erst 897 AfA- Betriebs- und Angestelltenräte registriert werden konnten, stieg diese Zahl im Jahre 1926 aus 1923 und im Jahre 1927 auf 1292. In der Mitgliederbewegung haben die Berliner AfA-Gcwerk- schaftcn allerdings nicht so große Erfolge aufzuweisen wie die Bcr- Nner Arbeitergcwerkschaften. Am Schluß des Berichtsjahres zählten die dem AfA-Ürtskartell angeschlossenen AfA-Gewerkschaften 49 799 Mitglieder gegenüber 47 993 am Schlüsse des Jahres 1926. Ein Erfolg ist dieser Mitgliederzuwachs aber immerhin, wenn man bedenkt, wie schwer die Angestelltenschaft für die freigewerkschastllche Bewegung zu gewinnen ist. In der Diskusston wurde an der Tätigkeit des AfA-Ortskartells keine Kritik geübt. Die Versammlung beschloß dann noch einige Satzungsänderungen und wählte schließlich als besoldeten Vorsitzenden des AfA-Ortskartells den Genossen F l a t a u wieder und zum 2.(unbesoldeten) Vorsttzenden den Genossen Hugo Petersdorf vom Werkmeisterverband. Die übrigen Verbands- Mitglieder wurden entsprechend den vorliegenden Vorschlägen eben- falls einstimmig wieder- bzw. neugewählt. Herr v. Kendels gegen die Freizügigkeit. Er fördert die Landflucht. Wie der Deutjche-Landarbeitsrverband wiederholt nachweisen konnte, wird von den landwirtschaftlichen Unternehmern ein scharfer Feldzug gegen das Recht der Freizügigkeit geführt, das jedem beut- schon Arbeiter einschließlich der Landarbeiter im Artikel III der Reichsversassung garantiert wird. Merkwürdig dabei Ist die chaltung des Reichsinnen Ministers. Obwohl er in erster Linie dazu berufen ist. die Bestimmungen der Reichsversassung schützen zu helfen, tut er nichts gegen die Bestrebungen der landwirtschaftlichen Unternehmer. Die Erklärung dafür liefert ein Schreiben, das am 39. Januar 1928 einem Arbester aus dem Gute des Reichsinnen- Ministers von Keudell, chohenlübbichow, durch den Rechnungs- fllhrer ausgehändigt wurde. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: „Gemeldet am 17. Januar 1928 für Gut chohenlübbichow. Da jedoch seitens des früheren Arbeitgebers Walter Schulz in Güttmannsdorf b. Reichenbach gegen die Einstellung bei hiesiger Gutsverwaltung Einspruch erhoben worden war. mußte Anwesenheit als voriibergebend angesehen werden und Entlassung heute erfolgen. chohenlübbichow, den 39. Januar 1928. (Stempel.) I. B.: gez. Valentin." Der Arbeier hatte mit seinem früheren Unternehmer Streit ge- habt. Das genügt der Gutsverwaltung in chohenlübb chow, ihm einfach zu«"klären, daß desbalb die Entlassung zu erfolgen bat. Man sieht, Herr von Keudell boykottiert nicht nur Standesgenossen. Die Frauen im Beruf. Zur Werbung der weiblichen Angeflellten. Die Werbung der kaufmännischen Angestellten ist im ollge- meinen mst west größenen psychologischen Schwierigkeiten oerbun- den als die gewerklchaftliche Gewinnung der Arbeiter: d es gilt in ganz besonderem Maße von den weiblichen Angestellten. Die Schwierigkeit der Organisierung der weiblichen Angestellten hängt mit monn'gfachen Erscheinungen soziologischer Natur zusammen, nicht zuletzt mit der Tatsache, daß die erwerbstätigen Frauen in Wahrheit doppelt belastet sind. Von ihnen wird nicht nur die berufliche Leistung in voller s'öhe verlangt, sondern auch die an Kraftaufwand oft unmeßbare Tätigkeit in Haushalt und Fa° m I l i e. Zudem werden die weiblichen Angestellten von den Unter- nehmern als die schwächere Gruppe der Angestelltenschaft angesehen, bei welcher man bei sozialreaktionären Vorstößen den geringsten Widerstand findet. Die zahlreiche weibliche Mstgliedschaft im Zentralverband der Angestellten hat in vielen Kämpfen bewiesen, daß sie im gleichen Maße wie ihre männlichen Arbeitskollegen bere't und in der Lag« ist. für Ihre Interessen als Angestellt« einzutreten. Zudem gehört es zur freigewerkschaftlichen Tradition des ZdA., daß in ihm die männlichen und weiblichen Angestellten nicht nur die gleichen Rechte haben, sondern auch in gle'chem Maße zur g e w e r k- schaftlichen Arbeit herangezogen werden. Die bevorstehende Werbeaktion des ZdA. unter den weibliche i Ang est eilten bezweckt die Aktivierung der weib- lichen Mstgliedschaft des Verbandes, vor allem aber die Gewinnung und gewerkschaftliche Ausklärung derjenigen weiblichen Angestellten, die heute noch der fveigewertschoftlichen Bewegung fernstehen. In den Dienst dieser Werbeaktion haben sich die 39 örtlichen Bezirke der Ortsgruppe Berlin des Zentralverbandes der Angestellten ge- stellt. In sämtlichen Anfang März stattfindenden Monatsver- sammlungen werden von ersten Re�erentinnen Fragen behandelt werden, die das Problem der weiblichen Erwerbsarbeit be- rühren. Es werden u. a. sprechen Marie Kuhnert. MdL., Ober- schulrätin � Dr. Hildegard Wegscheidcr- Ziegler, MdL., Stadtverordnete Minna Toden Hägen, Wally Z e p l e r. Klara B o h m- S ch u ch, MdR.. Herta G o t t h e l f, Luise K ä h l e r. MdL., Anna Geyer, Dr. Dora Fabian. Diese Werbearbeit des Zentralberbandes der Angestellten unter den weiblichen Angestellten verdient stärkst« Unterstützung aller freigewerkschaftlichen Kräfte. In alle» Bersaminlungen sind mteressierte NichtMitglieder ebenfalls gern gesehen« Gäste. Regierung und Kohtenkrise in Belgien. Den Zechenbesihern soll geholfen werden. Brüssel. 28. Februar.(Eigenbericht.) Der Ministerpräsident und der Arbeitsminister empfinge» am Dienstag die Vertreter der Bergarbeiterorganisa- tionen, um sie von den Ergebnissen der Besprechungen zu unter- richten, die zwischen der Regierung, den Zechenbesitzern und den Eisenbahn Verwaltungen stattgefunden haben. Es ergab sich dabei. daß die Regierung den Zechenbesttzern oerspricht, bei Kohlenlief«- rungen für das Heer die belgische K'ohle zu bevorzugen, sofern dw belgischen Preisangebote die ausländischen nicht um mehr als zehn Prozent übersteigen. Bedingung dabei ist, daß die Zechenbesttzcr der Aufrechterholtung de.r gegenwärtigen Löhne für die Bergarbeiter bis Ende Mai zustimnien. Ueber an- der« Zugeständnisse an die Zechenbesitzer, namentlich eine Herab- setzung der Steuerlasten und Eisenbahntoris e, wird noch verhandelt werden. Bon den Arbeiteroertrelern verlangten die Minister, daß sie auch ihrerseits auf neue Lohnforderungen für die Dauer von drei Monaten verzichten. Die Arbeiterveit�cter haben sich ihre Entschließung bis nach der Konserenz des Bergarbeiteroerbandes. die am Donnerstag stcsttfindet, vorbehalten. Achtung vauarbeikeri Di« Differenzen auf dem Neubau des Telegraphentechaischen Reichsamts Tempelhos. Schöneberger Slraße Nr. 11/15, sind beigelegt. Die Sperre über diese Baustelle ist somit aufgehoben. Deutscher Baugemerksbund Baugewerkschaft Berlin. Zentraloerband der Zimmerer Zahlstelle Berlin. SPD.,tzraktio» Turbine. Mittwoch, 2S. grbri'or, 18 Ubr, bei M Oehlschlägcr, kerl'chtngcnstr. 5, wtchtigr tzratt onssitzung. Ertcheitieu Z- unbedingt notwendig. Der graUiououorsUlod. W Zuger dgrunpe de« tzbA. Kci-te, Mittwoch, IS'H Uhr, finden fotgende be- zirkl.che Veranstaltungen statt: SsteU: Jugendheim der Schule Litauer Str. IS. Vortrag:„Die Bildung einer S egirtuntr(Leicht).— Lichtenberg □: Jugend» heim der Schule Eostlerstr. Sl(Nähe Rudalfvlah). Satirischer Ab'nd:.Seme und GlaiSbrenner"(fficatg Heilbrunn).— NeuISIn: Jugendheim Böhm(che Straße 1— t. Dislusston:„Unser Neichstag.*— Nordwest: Realgum rastum Echlesw'ger User 14. Vortrag:. Friedrich Ebert"(Dr. Schütte).— Sronboni Jugendheim Lind'nuser 1. ssortseßnng der Arbeitsgemeinschaft.— W-dd'ng» Eelurdbruuueu! Jugendhe-m SchönsteMstr. 1(Ledigenheim, 5 St.). Vortrag: „Der sopar» Wohlstand Wiens"(Weigelt). Der Vllgemetnc Verband drr Deutschen Bankangestellte» hat zu Donner» tag, 1. März, IS Uhr, in den Germania-Prachtsälen, Shausseestr. IM, eine große Sffeuti' che Vankangcstelltcrkundgebung einberufen. Tagesordnung: llamvf im Vankgewerbe. Segen Rensur, Verbot und W'llkilr. für ssrc he:t, Tarif und menschenwiirdigr Entlohnung. Nefcrentcn find die Verbands- geschäft-fiibrer Marx und Emonts. Die Vertreter der gewerkfchattl'chcn Svißcnoraanisat'onen werden.in der Kundgebung ebensalls ZU den oersammel- ten Bankangestellten sprechen. Zkre!« Sewerkschastsjugcrb«roß-BerN». Heute. Mittwoch, 1S'4 Uhr, tagen dle Eruppen: Reatrum: Ii-q-ndhe�m Rehd'nickcr Str. 24— 2S. Kamofliedcr- abend.— Nordring: Jugendheim Eberswakder Str. 10, Rimmer 12. Vortrog: „Die Znval'denvcrsichcrung."- Weißrnlee: Erupp-nhrm Varkstr S6. Ein Schattensv'elabend.— Renlälln: Jugendhe'm Bergstr 29(Hof), Fortsetzunz der Verufooortraosrcihe„Baumwolle und Seide."— Süden, Siidwett»»: Stödt. Jvgcntbeim Dorckstr. U. Liederabend.— Baums-enlenwea: Jugendhe'm Ernststraße 16. Heiterer Zlezitat'oneabend.— Inner docranstaltung in der Kultur- abteilung des DMB.» Linienstraßc, um lg Uhr. Verantwortlich kür Volitlk: Dr. Bnet Scner: Wirischalt: S. Kliogclh'ser: Gewerkschaftsbewegung: Re. Eßkor»: Feuilleton: K. K. DSsche»! Lokales und Sonstiges: Rri» Karstadt: Anzeiaen: lh. Gliche, sämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts-Veriag GmbH.. Verlin Druck: Vorwärts-Buchdruckerct und Verlaasanstalt Paul Singe? u Eo. Berlin SB 68 Lindcnftraße ii. vier»» 2 Bellaaea nah.Unterbaltnno und Wiste»" m EMMdEM|l| Z0WtvoMyf?g ■ iir NamenwMKe Bastseide nstati� .V.. KIB-6- Ä' Waschsamt � M Mor�dcue. ��5« 1 Mantel]acquara � g �!Z.w«-.�rtav.«w.........*50 Bastseide | faffetich��O " sssäää...... ßso Baotseide-Bordüre�g i«.ueut,». 120® br.it..... 4S0 ip Musseline � ■ 0�: 00 i'nster..... JP 90 MM Creno rv,..............' D �ZP.Znarocainjß ■l ZW m v � mm Zephir �' Wal,l. bHUnthren** lr,,ste'*B» mm i« mm Kunstseide» te'rfr- 1 _,...... Meter I eng Wp Ou.■ Ig ___ ettr NM 95 K aS ha in(einen Pastellfarben................................. Meter K aS h a-T r a V e r veisebieäene Stellungen................ Meter 2 Wollmusselin neue axorto vrnobmnzter.............. Meter �2 N Oppen- Kas h a relnewollc, der modemeKIelderstoff.Mtr. N a tt 0- 0 m p 0 S 6 reine Wollet Frühjihruneuheit.. Meter ante I StO 1 I e moderne Karo« teil ancen, ea. 190 cm breit, Meter XräSCPMöIWd elegant garniert................................... 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Es wurde ursprünglich auch nicht sür diesen Zweck erbaut,„chans Sinderschutz" wurde 1906 als Stiftung zweier Mäzene dem„Verein zum Schutze der Kinder" übergeben und sollte ausschließlich ein Heim für mißhandelte Kinder sein. 123 Kinder wurden hier auf Kosten des Vereins unterhalten. In der Inflation nmßte der Verein das Haus an die Stadt Berlin verkaufen Nun ist es, wie gesogt, die erste Station für alle der Fürsorgeerziehung irnterstellten Kinder, d. h. der Kinder van 3— 14 Jahren. Die Kinder fcis zu 3 Iahren übernimmt das Waisenhaus: die Jugendlichen, die dereits das vierzehnte Lebenswahr überschritten haben, kommen direkt rn ein« der Erziehungsanstalten. Wie die Aerteiwngstelle arbeitet. Di« Verteilungsstelle soll vor allem dafür sorgen, daß jedes Kind auch zu einer seiner Veranlagung angepaßten Erziehung kommt, und dazu ist eine längere Beobachtungszeit nötig. Denn dos Material, aus dem sich diese Kinder zusammensetzen, ist ein denkbar vcr- fchiedenes. Neben geistig sehr begabten Kindern mit moralischen Defekten stehen g« i st i g minderwertige, neben normalen Kindern, die nur der Fürsorgeerziehung unterstellt werden vmßten, um sie aus einem schlimmen Milieu zu befreie», st«Heu jugendlich« Vagabund en oder Kinder mit all zu früh entwickeltem Geschlechtsleben, oft die Opfer irgendeines 2lngchörigen. Im Haus Kinderschutz werden nun alle diese Kinder S—-10 Wochen einer eingebenden Beobachtung unter- stellt, freilich einer Beobachtung, von der sie selbst kaum etwas merken. Und das geht so vor sich: Wenn der in Zivil gekleidete Transporteur— ein Schutzmann oder eine äußerlich kenntliche Amtsperson kommt nicht mehr in Frage— Fritz oder Lotte eingeliefert hat. dann ist die erste Begrüßung... eine möglichst reichlich und wohlschmeckende Mahlzeit. Denn das stärkt ungemein das Vertrauen! Dann kommt das unvermeidliche Bad und die Ncueinklcidung und ichlietzlich die ärztliche Untersuchung. Schon bei der ersten Unter- sachung pslegt sich bei den meisten der Kinder irgendein Leiden herauszustellen, für dessen Beseitigung sofort gesorgt werden muß: Augenleiden. Ohren- und Uasenleiden oder Verkrüpplungen leichteren oder s6)wereren Grades sind außerordentlich häufig. Hier wird vom Arzt sofort die notwendige Behandlung festgelegt, auch eventuell der orthopädische Turnkurs, der zu besuchen ist, bestimmt. Dann werden di� Kinder möglichst sich selbst überlassen, trotzdem für diese 125 Kinder 26 Lehrer und Erzieher im hause sind! Die Kinder sollen hier nicht gedrillt, sondern beobachtet werden. Die Schule ist in der Anstalt, zwei Klassen mit dem Lehrplan einer normale» zwei- klnsfigcn Schule, an der Knaben und Mädchen gemeinsam unter- richtet werden und eine Klasse, die mit den Misteln der Hilfsschiüe arbeitet. Die ist sehr notig, dem? fast«in Drittel der Sinder ist geistig minderbegabt! Lehrer und Erzieher tragen nun in Wochenkonfe- renzen das Leobachtungsmaterial zusammen. Natürlich arbeitet niemand etwa mit Bleistift und Notizbuch in Gegenwart der Zog- linge, trotzdem von jedem sorgfältig Tagebuch geführt wird. Diese Beobachtui?gen und die vorher vorliegenden Akten bilden dann die Grundlage sür das abschließende Urteil des Pinckpaters Freilich sind st« nicht die alleinige Grundlage: denn sedes Kind wird von dem Psychiater auch noch persönlich, oft sogzr mehrmals untersucht. Ist ein Kind als geistig minderwertig, epileptisch usw. befunden, so bestimmt der Psychiater die entsprechende Heil- oder Pflcgeanstalt. So gliedern sich bei der Entlassung aus dem Haus Kinderschutz die Kinder in vier Gruppen: Die Kleinkinder von 3— 6 Jahren werden, wenn sie sonst gesund sind, in Kinderheime übergeführt, Epileptiker, Psychopathen, Krüppel kommen üi geeigizete Heilanstalten: normale, mir etwas schwer erzichbare Kinder koinmen in Erziehungsanstalten, und ein beträchtlicher Teil der Kinder wird in Privalpslege gegeben. Aber auch hier wird gut differenziert. Es wird darauf geachtet, daß intelligenten Kindern überall, in der Anstalt wie in dem Wohnort der Pflegelleril, mindestens eine achtklassige Volksschule zur Ber- fügung steht, daß Kinder, die bereits eine höhere Schule besuchen, auch ihre Zlusbildung vollenden können, daß schwächliche Kinder in Anstalten mit Gartenbau kommen usw. Sogar die Pflegeeltern werden entsprechend der Eigenart des Kindes ausgesucht. Die Mehrzahl der Pflegestellen sind„beim Bauern aus dem Dorf". Das darf abar n'emond verleiten, darin so etwas wie eine billige Hütekinderoerinittlung zu sehen. Wenn das Kind auch an den gewöhnlichen Wirtschaftsarbeiten in demselben Maße, wie ein Hauskind auf dem Lande teilnehmen soll, so sind vor ollem zwei Dinge verboten: Arbeit vor der Schulzeit(Stollarbeüen usw.) und Sonntagsarbett, besonders auch Sonntagshüten. In jedem Dorf, in den? Fürsorgekinder in Pflege gegeben werden, ist ein Aürjorger, der angewiesen ist, die Kinder wie die Pslegestcllen dauernd zu beob- achten und bei berechtigten Beschwerden der Kinder sür sofortige Abstellung zu sorgen. Die Adresse des Pflegers wird den Kindern beim Abschied von Haus Kinderschutz in Gegenwart der Pflegeeltern bekanntgegeben: außerdem wird jede Pflegestelle einmal jährlich vom Direktor des.Linders chutzhaufes" unangemeldet besucht, gleich- falls auch vom Bezirksamt. Im äußersten Notfall hat jedes der Kinder das Recht, sich mit der Bitte um sofortigen Besuch an dos .Laus Kinderschutz".zu wenden. Bei diesen westgehenden Vorsicht'- maßregeln ist es kein Wunder, daß die Erfahrungen, die man mit diesen ländlichen Pflegestellen gemacht hat, durchweg gute sind, zumal die Stadt Berlin jetzt die Auswahl hat, denn das Angebot an Vstege- stellcn ist weit größer, als die Anzahl der zu vergebenden Kinder. So werden die Kinder fast immer wieder in die alten, feit Jahren erprobten Pslegestellen gegeben. Die Einwirkung der Landerziehung ans die Stadtkinder ist in fast allen Fällen eine sehr gute: die Kinder verlieren ihre Nervosität, die Isolierung von der eigenen(oft durchaus schädlich einwirkenden) Familie bewirkt einen engeren Anschluß an die Pflegeeltern, so daß das Band zwischen diesen? und dem Kind zumeist noch lange nach der Schulei?tlassung fortbesteht, und der erste Urlaub wird sali immer bei den Pflegeeltern verbrocht. Trotzdem»erden die Kinder nicht länger als bis zum vierzehnten Lebensjahr auf dem Land« belasten. Sic solle?? all« ein Haitdwerk lernen. Eine Unterredung mit dem Direktor. Leiter des.Laufes Kinderschutz" ist Direktor Schlösser schon seit dem Jahre 1909, als es noch ausschließlich das Heim der mißhon- delten 5Ünd«r war.„Glauben Sie mir," so sagt er dem Verfasser. „das Problem der Fürsorgeerziehung ist in? Massenbetrieb nicht zu losen. Auch mit den bcst�cleiteten Anstalten nicht, vor allein nicht bei Kindern. Denn roa? wird nicht all4s unter dem Begriij„Fürsorgezögling" zusammengefaßt! Alle, die zu mir koinmen, sind Opjer des Milieus oder tragen an den Sünden ihrer Väter, sind Säufer linder, Psychopathen, Perioohrloste und von den Eltern selb st gesöhrdcte.Kinder. Und dach muß ich sogen: Sie sind alle besser als ihr Ruf! Disziplinschwierigkeiten habe ich überhaupt nicht. Es wird freilich hier auch prinzipiell nicht geschlagen, d. h. geprügelt. Sehr selten ist ein Fluchtversuch, trotzdem Türen und Tore offenstehen. Und auch bei diesen Fluchtversuchen muß man nicht immer schlechre Motive uiiterschieben. Es ist mancher Junge schon.zur Alutter zurückgegangen, um sie vor dem trunksüchtigen Vater zn schützen. Man sollte endlich mit dem alten Vorurteil Schluß machen: Das Kind, das rechtzeitig„in Fürsorge" kommt, ist leicht zu retten. Der Jugendliche, der zu spät„der Fürsorgeerziehung überwiesen" wird. der schon an drei, vier ungeeignete!? �stellen hcrumgesioßcn wurde, ist meist verloren!"___ Wieder Straßeubahu durch(Vro�bccrenftra�e. Am 1. März wird der Straßenbahnbetrieb durch die Graß- beeren st raße wieder aufgenommen. Es wird von diesem Tage an die Linie 2 3, Tegel— Mariendorf, von der König- grätzer Straße durch die Großbeeren st raße, Kreuz borg- st raß e, B e l l e- A l l i o n c e- S t r a ß e(statt über Hallesche-' Tor) geführt. Die Zeitkarten der Linie 23 behalten lwch weiter Gültigkeit auf dem Wege über Königgrätzer Straße, Hallesches Tor, Belle-Alliance-Straße. Alnt..Steglitz" und„Albrechl". Zieich einer Mitteilung der Oberpostdircktioi? ist geplant, ü? Steglitz zwei Fernsprech- v« r in i t t l u n g s st e l l e?? für S e l b st a n s ch l u ß b e t r?« b einzurichie», die gemeinsam die Anschlüsse aus dem Anschlußbereich der in Wegfall kommeiiden Handoerinittlungsstelle Steglitz aufnehmen sollen. Für eine der neuen Vermittlungsstellen wird der alle Name„Steglitz" beibehalten, sür die zweite ist der Name „Albrccht" in Aussicht genommen worden. Menschen, Göttern gleich... Roman von kserbert George BDells. „Sind die Leute denn nicht verblüfft?" „Romantik ist nicht Wirklichkeit," sagte Mr. Bornstaple. „Er gehört zu jener Zahl betriebsarmer, korrumpierender, reicher Männer, die sich selbst eine Last und für die übrige West eine unerträgliche Plage sind. Sie tun gern etwas, was allgemein Aufsehen erregt. Dieser Mann Barralonga war Photographengehilfe und eine Art Schauspieler, als eine Erfindung, die man lebende Bilder nennt, in unserer Welt auftauchte. Er wurde ein großer Unternehmer auf dem Ge- biete der Vorführung dieser Bilder, teils durch Zufall, teils dadurch, daß er verschiedene Erfinder skrupellos betrog. Dann stürzte er sich in Schiffahrtsspekulationen und in einen Handel, den wir in unserer Welt mit Gefriersleisch, das aus großen Entfernungen herbeigebracht wird, betreiben. Er machte die Ernährung vielen Menschen kostspielig, einigen unmöglich, und so wurde er reich. Denn in unserer Welt wer- den die Menschen eher dadurch wohlhabend, daß sie etwas verhindern, als daß sie dienen. Und nachdem er auf unedle Weise reich geworden war, adelten ihn gewisse Politiker, denen er zur rechten Zeit gefällig war, indem sie ihm den Titel eines Lords verliehen. Berstehst du, was ich dir sage? War euer Zeitalter der Verworrenheit auch so wie unseres? Du wußtest nicht, daß es so häßlich war. Verzeih, wenn ich dir die Illusionen vom Zestalter der Verrvorrenheit ?md seinen romantischen Möglichkeiten raube Aber ich habe eben erst einen Schritt aus dem Staub, der Unordnung und dem Lärm seiner Zügellosigteit getan, aus Einschränkung, Grausamkeiten und Nöten, aus einer Trost- losigkeit, in welcher die Hoffnung stirbt... Bielleicht Haft du jetzt, wenn dich meine Welt a??zieht, Gelegenheit, um von hier Ii'naus auf abenteuerliche Fahrten in ihre Wirnrisse zu gehen. Das wäre wirklich ein Erlebnis... Wer weiß, was sich noch zwischen unseren Westen ereignen mag?... Aber ich fürchte, sie wird dir nicht gefallen. Du kannst dir nicbr vor- stellen, wie schmutzig unsere Welt ist... Schmutz und Krankheit ist es. was die Romantik in ihrer Schleppe hinler sich herzieht." Es entstand eine Stille zwischen ihnen. Er verfolgte seine eigenen Gedanken, und das Mädchen faß da und wun- dcrte sich über ilv?. Schließlich sprach er wieder. „Soll ich dir sagen, woran ich dachte, als du mich an- sprachst?" «an- „Eure Welt ist die Verwirklichung einer Million uralter Träume. Sie ist wundervoll. Sie ist ein himmelhohes Wunder. Aber es ist mir ein großer Kummer, daß zwei liebe Freunde von mir nicht hier sein können, um das zu sehen, was ich sehe. Es ist merkwürdig, wie stark ich an sie denken muß. Der eine ist schon über alle Universen hin- aus, leider!-- Aber der andere lebt nach in meiner Welt. Du bist eine Schülerin, meine Liebe. Ich glaube, in eurer Welt ist jeder ein Schüler, aber in unserer bilden die Studen- ten eine Klasse für sich. Wir drei waren miteinander glück- lich, weil wir alle miteinander erbärmlich arm und oft hungrig waren. In unserer studentischen Debattiervereini- gung unterhielten wir uns und disputierten miteinander, in- dem wir die Ungerechtigkeit unserer Welt besprachen und wie sie eines Tages verbessert werden könnte. Gab es hier in eurem Zeitalter der Verworrenheit auch jene Art eifernden, hoffnungsvollen, verhungerten Studententums?" „Fahre fort," sagte das Mädchen, die Augen auf sein verschwommenes Profil gerichtet.„In alten Novellen habe ich von ganz derselben hungrigen, träumenden Studenten- welt gelesen." „Wir drei stimmten darin überein, daß das wichtigste Bedürfnis unserer Zeit Erziehung sei. Wir stimmten darin überein, daß dies der höchste Beruf sei. dem wir uns widmen könnten. Wir alle verfolgten ihn auf unseren verschiedenen Lebenswegen, ich am wenigsten nutzbringend von uns dreien. Meine Freunde und ich kamen später ein wenig auseinander. Der eine gab eine große Moiratsschrift heraus, die dazu bei- trug, die West der Wissenschaft zusammenzuballen. Und der andere, der einer sparsamen und geizigen Firma von Ber- legern diettte, gab Schulbücher für sie heraus, redigierte eine Unterrichtszeitung und inspizierte auch Schulen sür unsere Universität. Er achtete zu wenig auf Bezahlung und Verdienst. um jemals halbwegs gut dabei wegzukommen, obwohl die Verleger durch seine Arbeit sehr viel verdienten. Sein ganzes Leben war eine ununterbrochene Hingabe seiner vollen Arbeitskraft an den Lehrberuf. Er nahm in den ganzen Iahren feines Lebens kaum einen Monat Urlaub. Während er lebte, hiest ich nicht viel von der Arbeit, die er leistete, aber seitdem er tot ist, hörte ich von den Lehrern, deren Schulen er inspizierte, und von den Schriftstellern, denen er Anweisungen gegeben hatte, über die nie nach- lassende hohe Qualität seiner Arbeit und über die Geduld und das Mitgefühl, mit denen er ans Werk gegangen war. Auf solchen Lebensschicksalen, wie es seines war. Ist dieses Utopien. in welchem sich euer holdes Leben enifaltet. gegründet: auf solchen Lebensschickfaien wird auch unsere West aus Erden ihr Utopien aufbauen. Aber das Leben meines Freundet endete plötzlich auf eine Weife, die mir da» Herz zerriß. Er arbeitete zu lange und zu anstrengend, bis eine Krisis eintrat, ohne daß er Gelegenhest gehabt hätte, Urlaub zu nehmen. Sein Nervensystem brach mit erschütternder Plötz- lichkeit zusammen, sein Geist gab nach, er geriet in einen Zu- stand tiefer Melancholie und starb. Denn es stimmt voll- kommen: die alte Natur kennt rveder Gerechtigkeit noch Mit- leid. Jener andere alte Freund, ich und die Frau des Toten, die seine unermüdliche Helferin gewesen war. waren bei seiner Bestattung die Hauptleidtragenden. Heute abend überkommt mich dl? Erinnerung daran mit außergewöhnlicher Lebendigkeit. Ich weiß nicht, wie ihr über eure Toten vor- fügt, aber auf Erden werden die Toten meistens in der Erde begroben." „Wir werden verbrannt," sagte das Mädchen. „Diejenigen, die freigeistig sind, werden auch in unserer Welt verbrannt. Unser Freund wurde verbrannt und wir standen da und nahmen teii an Zeremonien unserer alten Re- ligion, an die wir nicht mehr glaubten, und bald sahen wir seinen mit Blumenkränzen bedeckten Sarg aus unseren Augen durch die Tore, die zu den Oefen des Krematoriums führten, entschwinden: und als er fort war, soviel von meiner Jugend mit sich nehmend, sah ich, daß mein anderer lieber, alter Freund schluchzte, und auch ich rang mit den Tränen, als ich daran dachte, daß ein so tapferes, hingebungsvolles und fleißiges Leben anscheinend so elend und nnbedantt enden sollte. Der Priester las eine lange klagende Abhand- lung von einem theologischen Schriftsteller namens Paulus, voll von schlechten Analogiebeweisen und schwachen Behaup- tungen. Ich wünschte, daß wir an Stelle der Gedanken dieses spitzfindigen alten Schriftstellers eine Rede über den wirk lichen Adel unseres Freundes, über den Stolz und die Kraft seiner Arbeit und über seine Geringschätzung feiler Dinge hätten hören können. Sein ganzes Leben hindurch hatte er mit unbegrenzter Hingabe für eine solche Welt, wie es diese hier ist, gearbeitet, und doch zweifle ich, daß ihm jemals dos hellere, edlere Dosen?, das fein mühevolles Leben und die Arbeit solcher Menschen, wie er einer war, für kommende Tage gesichert haben, zu vollem Bewußtsein gekommen ist. Er lebte vom Glauben, zu sehr vom Glauben. Es gab nicht genug Sonnenschein in seinem Leben. Wenn ich ihn jetzt hier haben könnte— und jenen anderen lieben Freund, der so tief um ihn trauert: wenn ich beide hier haben könnte: wenn ich ihnen hier meinen Platz überlassen könnte, damst sie zusehen, was ich sehe, wie die wahre Größe ihres Lebens- werke? sich in diesen großen Ergebnissen widerspiegelt— dann dam? könnte ich wirklich in Utopien froh sein... Aber ich habe jetzt das Gefühl, als ob ich die Ersparnisse meiner asten Freunde genommen hätte und sie nun für mich selbst ausgäbe."(gortjetzmi folßt.) Gefängnis für Goebbels. iOemonjTrofion des publttmns im Gerichtssaal. va» Gericht verurteilte Dr. Göbbels wegen össenklicher Lvfforderung zur Vegehuug strafbarer haudluugeu zu fechs wocheu Gefängnis und den Angeklagten Schulz wegen gemeinfchaftlicher Körperverletzung zu vier Wochen Gesäug. nls. 3n der Urteilsbegründung führte der Vorsitzend«, Amtsgerichts- rot Bergmann, u. a. aus: Die noch so ehrliche Ueberzeugung darf nicht zu strafbaren Handlungen führen. Solange wir in einem ge» ordneten Staatswesen leben...(Lautes Lachen im Publikum. Der Vorsitzende drohte, bei einer erneuten Kundgebung jedem, der sich daran beteiligt, wegen Ungebühr sofort in eine dreitägig« Hast abführen zu lassen. Schon vorher hatte man im Publi- kum, als der Vorsitzende dos Strafmaß gegen Dr. Göbbels vertun- dete, laut gemurrt und undeutliche Zurufe gemacht.) Amtsgerichts- rat Bergmann fuhr dann mit erhobener Stimme fort:„Solange mir tn einem geordneten Staatswesen leben, ist die Befolgung der Strafgesetze zu beachten und zu erzwingen. Nur die Tatsache der Ehrlichkeit seiner Uebcrzeugung und daß er noch nicht vorbestrost ist, hat das Gericht veranlaßt, bei Dr. Göbbels nicht über den milden Antrag des Staatsanwalts hinauszugehen! wenn es sich um«ine Wiederholung gehandelt hätte, dann würde die Strafe um ein Vielfaches höher ausgefallen fein. Es muß einmal allen Richtungen in Deutschland klargemacht werden, daß Politik nicht durch Mß. achluug der Strafgesetze getrieben werden darf. Den Angeklagten Schul; ha» das Gericht nach den Zeugenaussagen für überführt erachtet, sich an der Mißhandlung des Pfarrers Stucke beteiligt zu hoben. Ihm wurde zugute gehalten, daß er sich in Erregung be- iand. Diese Erregung ist wieder ein Beweis, wie aufreizend die wort? des Dr. Göbbels gewirkt haben. Die Ausflüchte des nationalsozialistischen Führers haben ihm wenig genützt. Das Gericht hat mit Recht den Anstister zu einer höheren Strafe verurteilt als dessen blindes Werkzeug. Keil„iipt"! llnd am Donnerstag werden die Tips geprüft. In dem Betrugsprozeß Arthur Keil wurde gestern dem Ange- klagten Gelegenheit geboten, den ersten Versuch mit seinem„tot- sicheren Tipsystem� dem Gericht vorzuführen. Nachdem Keil bei Beginn der Sitzung die Sportzeitungen vom Morgen übergeben worden waren, wurde er in ein Zimmer elnge- schlössen, um au» den Starterlisten die Sieger für seine totstcheren Tips zusammenzustellen. Als dann die Sitzung wieder aufgenommen worden war. überreichte er dem Gericht ein« Liste, die für sedes der vier Rennen in Frankreich am Montag vier Pferde aufwies. Die Einsätze für die Wetten waren von ihm in der Folge von 1:2:4:8 gestaffelt. Im ZuhSrerraum war schon eine ganze Anzahl von Wettlustigen mit gespitzten Ohren, Notizzettel und Vleistist in der Hand. Amtsgerichtsrat Burtert verbat dem Publikum jedoch, sich irgendwelche Notizen zu machen. Außerdem aber kamen die guten Leute auch nicht auf ihr« Rech. nung, denn das Gericht sah von einer Verlesung der List« mit den angeblich siegreichen Pferden ab und legte den Zettel zu de» Akten. Da am Mittwoch keine Sitzung ist. wird der Erfolg der Keilschen Wettvorhersagen erst am Donnerstag geprüft werden. Kell wird noch etwa acht bis zehn Tage mit seinen Siegesvoraussagen und der Erprobung seines Systems fort- fahren.- • Im Verlaufe der gestrigen Sitzung wurden auch die Reklamen verlesen, die Keil für sein„behördlich nachgeprüftes, stets Gewinn bringendes System" in den Straßen Berlins verteilen ließ:„Kein Mensch braucht zu arbeiten. Wir arbeiten für sie. Jeden Wann eine Rente. Die Sensaiwn Berlins. Bei kleinen Einlagen lü Proz., bis 10k!i"> M. 20 Proz., bei größeren Betrögen bis üb Proz. Monats- zinscn." Es wurde weiter aufgefordert, sich die Prospekte des Well- syftcms kommen zu lasten. Und per Nachnahme erhielten dann die Leute ein» Abschrist des Berichtes der Prüfungetommission und sie muhten 2 M. für Porto und Schreibgebühren erlegen. Der Vor- sitzende meinte, es waren 20 Pf. auch noch reichlich genug gewesen. Der Bericht ging dahin, daß festgestellt worden sei, daß tn drei Tagen 244 Proz. verdient worden wären. Beglaubigt war der Bericht von Direktor Rösch von der Treul)ondgesellschaft. Ein Expsrimeni, das sich nicht wiederholen darf Genosse Dr. Vreitscheid über den Äürgerblock. Mit einer vom Reichsbanner geführten Kundgebung, die sich durch eine starke Beteiligung der Arbeiterschaft aus- zeichnete, eröffneten gestern abend die Adlershofer Parreigenosten den Wahlfeldzug. Im großen Saal« des Rostauroms Wöllstein sprach der Reichstagsabgeordnctc Genosse Dr. Bretts che id. Vor Beginn seines Vortrags gedachte er des vor drei Iahren verstrr. denen Reichspräsidenten E b« r t, zu desson Ehren sich die Ver- sammelt«!, von den Plätzen erhoben hatten. Der Redner beschäftigte sich dann in seinem Reserat mit der B ü r ge r b l o ck r e g t« r u n g, ihrem Verfall und mit den kam- inenden Wahlen. Er gab einen Rückblick auf die Entstehungsge- schichte des Bürgerblocks, äußerlich gesehen, zwar am Schulgesetz zerbrach, jedoch in Wirklichkeit an dem Wider st and der Arbeiterschaft zersplitterte. Wie mif innerpolitischem, so hat auch die Bürzerblockregierung auf außenpolitischem Gebiet rncht» erreicht. Auch hier ist das Bürgerblockjahr ein Jahr des Defizits und im besonderen ein Bankrott der Dsutschnationalen. Der Bürgerblock ist ein Experiment gewesen, das sich In Deutschland nicht wiederholen darf und wird. Als fein« schlimmste Folge ist «ine Verschlechterung der sozialen Lage der arbeitenden Masten*u nerzeichnen, die vor schweren Wirtschaftskömpfen stehen. Die !>ieichstagswahl ist hier die wichtigst« Waffe im proletarischen Be- freiungskamps, der besonders auf dem Lande ein schwerer sein wird. Alle Kräfte für den Wahlsieg der SPD. einzusetzen, ist das Gebot dxr Stunde. Die versel wundcnen Dokumente. Wie bereits Im„Abend" mitgeteilt, ist gegen einen Beamten des Reichsarbeitsministerium,, bei dem man unter vorläufig noch ziemlich mysteriösen Umständen aus dem Inoalidenhaus stammende Dokument« der sriderizianischen Zeit beschlagnahmt hat, ein Er- mlttlungsversahren wegen Aktenbeseitigung«in- geleitet worden. Entgegen anderslautenden Meldungen befindet sich unter diesen alten Schriftstücken nur eins, das die Unterschrift Friedrichs II. trägt. Nach Darstellung des betresfenden Beamten, der sich auf freiem Fuß befindet, handelt es sich bei dieser ganzen Affäre um einen angeblichen Racheakt. Wie der Rechtsbeistand des betreffenden Beamten, Recblsanwalt P. Bloch, mit' eilt, ist es auch unrichtig, daß diese alle» Dokumente in dessen Privatwohnung de» Noch einmal Prozeß Krantz. Von Prof. Gustav Radbruch-Heidelberg. Das Artest im Srantz.prozeß ha» gestern Rechts- kraft erlangt. Die Gertchtsakten wandern nun ins Archiv. Dos Echo ober, das die unselige Zugendtragödie in der breiten Oeffeullichkeit hervorgerufen hat. wird noch tausendfach nachhallen. Dir bringen hier die Ausführungen des Genossen Profestor R a d b r u ch. der sich aus unser Ersucheu zum Srantz-Prozeß in den fohzeudeu Ausführungen äußert. Im Prozeß Krantz hat die Rechtsmoschine gerade in ihrer pflichtgemäßen Sachlichkeit, hat das Publikum durch ein selbst fast pubcrtötsartig übersteigertes sexuelles Jntereste und ein Teil der Presse dadurch, daß er diesem Jntereste oft wohl allzuweit entgegen- kain, Verheerungen unübersehbaren Ilmfanges in den Seelen der beteiligten jungen Menschen angerichtet. Was kann gegen eine Wiederholung solcher Dinge geschehe«? Daß mit 18 Jahren die körperliche Pubertät erreicht sein mag, aber damit keineswegs die geistige Pubertät, daß sunge Menschen zwischen 18 und 20 Iahren einer besonderen strafrechtlichen und strasprozestualen Behandlung bedürfen, daß sie insbesondere nicht vor den gewöhnlichen Strosrichter. sondern vor das Jugendgericht gehören, darübe? haben sich die Deutsche Vereinigung für Jugend- gcricht« und Iugendgerichtshilfe und der Allgemeine Fürsorge- erziehungstag, haben sich die drei Sachverständigen des Strafrechts- ausschusjes und schließlich auch das Justizministerium in vollem Einklang« geäußert. Der Prozeß Krantz gibt dem voll ausgereiften Gedanken den Anstoß, schnell zur Tat zu werden. Er gibt serner Aillaß zu überlegen, ob es zweckmäßig fei. mit dem 16. Ge- burtstag sofort die unbedingte Eidesmündigkeit beginnen zu lassen, ob es nicht vielmehr angezeigt sei. zwischen die unbedingte Eidesunmündigkeit und die unbedingte Cidesmündigkeit einen Zeitraum bedingter Eidesmündigkeit ein- zufügen, in dem dem Richter die Prüfung der Eidesreife im Einzel- falle obliegen würde. Schließlich mögen wir auch Gelegeaheit nehmen zu erwägen, ob es nicht stärkere Mächt« gebe als den Zwang des Eides und ob es sich nicht«mpsehl«. die Möglichkeit zu eröffnen, in solchen Fällen lieber auf den doch nutzlosen Eid zu verzichten, als einen Zeugen sehenden Auges in die Grube des Meineids stürzen zu lasten. Das juristische Ergebnis des Prozesses Kranh läßt sich zusammensaslen in das Wort des Gutachters Pros. Spran- ger, daß es.beinahe niemals möglich ist, die Psyche des Jugend- lichen in Einklang zu bringen mit der Fassung juristischer Paragraphen"— wenn man nicht eben diese Paragraphen ganz besonders auf die Psyche des Jugendlichen zuschneidet. Aber die Bedeutung des Strafverfahrens Krantz geht weit über sein« juristischen Lehren hinaus. Es gehört zu jenen großen Prozeflcn, in denen gegenwärtige und ewige Gegensätze sich vor den Gerichtsschranken auseinandersetzen. Der Sachlichkeit der Juristen— gewiß, sie ist nötig— trat in den Gutachten ergreifend die Menschlichkeit des Psychologen und Pädagogen gegenüber— ach, wie nötig ist sie! EssindWorte gesprochen worden. wie man sie in Gerichtssälcn selteo gehört hat. Mir wird immer die erste Rede Rathenou» In der ungewohnten Umgebung des Reichstags in Erinnerung bleiben. Er sprach von der Lanze des Amfortas, welch« die Wunden heilt, die sie schlägt, ganz und gar nicht dem Orte gemäß, an dem er stand— und gerade deshalb legte sich über die Versammlung plötzlich das atemlos« Schweigen gebannten Aufmerkens. Achnlich mag es gewesen sein, als in diesem Prozeß Spranger von der Todes- Nachbarschaft des Jugendlichen oder Goldbeck von dem Erlebnis- kummer des jungen Menschenkindes wundervoll menschliche Worte sprach, als Spranger von der Mordeckc redete, die in uns allen vorhanden fei, und Goldbeck sagte, daß er den Angeklagten ganz verstehe, daß er keinen Zug ausweise, den er nicht selbst erlebt habe. Angesichts diesg? Gegensatzes von Menschlichkeit und Sachlichkeit suhlte man sich gemahnt an das Wort Albrecht Schäffers in seinen „Brüdern Ehamade":„Die Menschen haben kein so inniges Be- streben, wie das, unmenschlich zu sein, und dos unter dem Vorgeben, gerecht, oder schlimmer, sachlich zu sein. Niemand war jemals sachlich, denn eine Sache ijjj eine Unmenschlichkeit." Und Inmitten dieser SM? der Ergrisfenheit richtet« sich aus. unübersehbar und Antwort Heischend auch für die, denen die Be- wegung der Jugend es noch nicht nahezubringen vermocht Halle, die Iugendnot dieser Generation, die Geschlechtsnot des gegen- wärtigen Menschen und die völlige Rat- und Hilflosigkeit der Gesellschaft diesen Tatsachen gegenüber. schlagnahmt worden seien. Man hat die Dokumente im Dienstzimmer des Beamten in einem Schrank gefunden, der jedermann in dieser Behörde zugänglich gewesen sei. Die polizeilichen Ermittlungen in dieser Affäre sind zum Abschluß gekommen und die Akten gehen nunmehr der Staatsanwoltschost III zur weiteren Veranlassung zu. Gastod einer Greisin. Lerhäaguisvolle Fahrlässigkeit emeS Mieters. Die 77sährige Ditw« Elise Thum«? wurde in ihrer im Haus« Porckst rah« 2 gelegenen Wohnung gestern durch Ga» ver- giftet bewußllos ausgefunden. Wiederbelebungsversuch« der zu Hilfe gerufenen Feuerwehr waren ohne Erfolg. Nach den polizeilichen Feststellungen ist die Greisin das Opfer unverontwort- licher Fahrlässigkeit des Misterz der darunterliegenden Wohnung geworden. Am Montag wurde dort eine schadhast« Gaskrone ab- genommen. Dabei wurde vergessen, einen Sicher ungs- stöpfel einzuschrauben. Die ausströmenden Gase erfüllten bald dos ganz« Zimmer und nahmen ihren Weg durch die Decke in die darüberliegend« Wohnung. Die Wohnungsinhabcnn, die 77jährige Witwe Thuine», wurde von den in das Schlafzimmer eindringenden Gosen zuerst betäubt und dann getötet. Als die Mieter ihre fahr- lästig« Handlung bemerkten, war es bereits zu spät. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und in das Schauhaus gebracht. Dieser Unglücksfall wird für den Urheber zweiseleohne ein« Anklage wegen fahrlässiger Tötung nach sich ziehen. Es ist erstaunlich, mit welcher Leichtfertigkeit immer wieder von un. berufeiier Hand Arbeiten an Gasaillagen vorgenommen werden. Noch ist die furchtbar« Aaskatastroph« in der Landsberger Alle«, die zahlreich« Todesopfer forderte, in frischer Er- innerung. In diesem Falle hätte unter unglücklichen Umständen ein« ähnlich« Katastrophe herbeigeführt werden können. V) Zahre In der Partel. Heute feiert der Genosse Hermann Elias, Berlin v, Blumentholstroße 24, sein SOjästrtgcs Partei subiläum. Als armer Leute Kind in Triestcwitz. Kreis Torgau, ge- boren, kam er 1872 nach Berlin und«rlerntc die Weberei. Seit Istüg gehört Elias dem Stadtparlament an. Die Persönlichkeiten Alfred Döblins und Leonhard Frauks umriß Hermann Kasack in seinem Vortrag „Köpfe der D i ch r e r a k a d e m i c". Der Vortrag, der sehr verständig in die Welt der beiden, nach Inhalt und Ausdruckssorm ihrer Werke„jungen" Dichter«insühtt«, halle in das Programm der Abendstunden gehört. Es ist eine volkstümliche Ausgabe, für nio- dernc Dichter zu werben. Kasack hätte sie in diesem Fall« aufs beste erfüllen können— wen» nicht die frühe Nachmittagsstund« ihm gerade die werktätigen Hörer entzogen hätte, auf die es in erster Linie ankam.— Heber die Gestaltung des modernen Schul- Musikunterrichts sprach Oberschulrat Doblin. Cr schilderte, wie das Kind heute nicht mehr zur sinnlosen Musiknack)ahmung, sondern zu lebendigem Musikoerständnis erzogen werden soll. In seiner Vortragsreihe„Arbeitsstätten in der Dichtung" behandellc Dr. Wolfgang Hoffmann-Harnisch an Hand gut ausge- wählter Literaturprobon dos Thema„Von Schreibstuben und Re- daktionen". Sehr hübsch war das Abendprogramm, das den Sammellllel„Grotesken" trug. Musikalisch« und literarische Darbietungen vereinten sich zu' erheiterndem Ganzen. Lothar Müthel las eine Auswahl Prosa-Grotesken mit der sachlichen Trockenheit, die notwendig ist. um diesen Stoff zum Selbstkeuchten zu bringen. Konzertmeister Julius Borger und Bruno Seidlcr- Winckler spielten zwei Wirkung- volle Grotesken für Cello und Klavier von Josef Haas. Paul Graemerts gelungene Vertonungen Morgen st ernscher Galgenlteder und P a l st r ö- miaden sang Cornelius Bronsgeest, vom Komponisten am Flügel begleitet. Ucber die in das Programm geschickt eingestreuten er- läuternden Sätze sei besonders dankend quittiert. Am Nachmittag las Felix Satten aus seinem Buch JBambi" fein« Tier» und Natur- schllderungen. ux Was sie hängen sehen, hängen sie ab. ' Zu der Festnahme einer Dlebeskoloaoe. Alle Well muß sich spezialisieren, also auch die Zunft der Diebe. Verhollmsmäßig wenig hört man von der Spezialität der fozenamllen Abhöngedicb«, dos sind Lepte, die irgendwelche zu Reklamezweckcn an die Außenseiten der Läden gehängte Gegenstände„abhängen", also mitnehmen. Der Schrecken der Geschäfts- lcute im Norden und Nordosten Berlins war sell Monaten ein« solche vier Mann starke Kolonne von Abhängedieben. die setzt endlich unschädlich gemacht wurde. Zwei von diesen vier kamen erst vor einiger Zell nach Berlin, suchten Arbeit, fanden ober kein« und hiellen sich zunächst mit K o s s« r t r a g« n auf dem Stettin« Dahnhof und anderen Gelegenheitsarbeiten' über Wasser. Im Wartesaal des Bahnhofs lernte der Anführer der Bande, ein gewisier Thiel, sie kennen. Er hatte gerade eine größer« Beute gemacht und traute sich nicht, sie selbst zu seinem Freund Groschke zu bringen, der nicht nur sein Hetsershclser bei Dieb- stählen, sondern auch sein Hehler war. So brachte er beide bei Groschke unter. Beide waren nun bald ihm willfährig und ließen sich„fachmännisch" zum„Abhängen" anleiten und ausbilden. In den Abcnstunden, wenn die Strahenlcmpen angezündet wurden. wanderte die Kolonne im Zwielicht umher und nahm überall, was sie bekommen konnte, Kleidungsstücke, Stiesel, Ge- m ü s c und andere Lebensmittel» kurz, alles, was sie vor den Geschäften hängen oder st ehe» sahen. Die ganze Beute wurde stets zu Groschke gebracht, der in der Münz. straße und ihrer Umgebung Abnehmer für alles mögliche an der Hand halle. Es bedurfte langer Beobachtungen der Beamten, um diesen Spezialisten auf die Spur zu kommen und ihren Schlupfwinkel in der Drontheimer Straße zu ermitteln. Gestern fielen sie dort ein und überraschten die ganze Gesellschaft bei einem Zech- gelage, dos sie mit Mädchen zu veranstallen pflegten, wenn der Erlös für die gestohlenen Waren dazu reichte. Die Festgenommenen wurden all« vier dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Rund 200 D i e b st ä h l e sind ihnen nachgewiesen worden und den größten Teil geben sie auch zu.__ Folgen antisemitischer Hetze. Ein tausendjähriger jüdischer Friedhof geschändet. eandau(Pfalz), 28. Febniar. Don Bubcnhänden wurde vor wenigen Tagen der jüdische Friedhof In E s s i n g e n bei Landau in der Pfalz(und zwar von Burschen im Alter von 17 bis 19 Jahren) verwüstet. 42 Grab st eine wurden umgeworfen und teilweise z e r st ö r t. Der Friedhof ist nahezu 1000 Jahre alt. Die Staats- anwaltschafi hat die Ermittlungen eingeleitet. Diese Meldung ist in der erschütternden Liste der Schändungen jüdischer Friedhöfe die 52. Oauerflrg des„Los Angeles". Nach 2200 Meilen gelandet. Das Aeppelln-Luslichiff„Los Zlngeles" landete um 10.40 Uhr abends nach einem?Z00-Meilen-Ohnehaltslug aus dem France-Ficld (Panama). Der Flug verlief ohne Zwischenfall bei günstigem Wetter. v«r Prozeh Äronh un» le'ne Lehren Dl« Deut'ch« SIga Mr Mensck«». recht» veramiailit beute. Kiitwoch. Seri jS. bnmr. um 20 Uhr. in den Sbi�ern-Sälrn. Svilkernslr. g. ein Meetina zu obiciem Tbema. 24 weiden shiechen Rcicheia>i4abr>eordnelt:?r. Paul llrvi. Zlaü'pcrordiictt Minna Todtndag�n. ÜflnbtaiSa�fifcrbnete®cn'c6ciber u a. Dab(Rubitz- Ministerium, der Eiiie SwatSaiiwalt Dteinbeck ba« Schwurger cht sind ein» geladen. Ter Verteidige, Dr. Frey bat Um Erscheinen zngcsagl. lypogr-vhtn. Ab DonneiStag. dem t.®är», beginnen»Uber blt VoimillagSiwiingsstmidcn m„Ti-olll. Der Vorttanb schickste dieser wunschoollen Menschen, die jetzt da unten schlasen, die Legende ihrer Seelen, wie sie lieben, lauien und leiden, wenn sie wachen, aber auch die ihrer Brüder draußen in Frankreichs Pro- vinzen, den engen und den weiten, denn so weit reicht sein Blick aus der Mansarde. Und wie er hier sitzt, beinahe ein Menschenalter, mehren und sammeln sich die Gestalten, und wie er sie durcheinander schiebt, Menschen von jeder Art, bilden die Hunderte, es bilden zwei- tausend eine durchwiinmelte Welt jür sich, Abbild der Gegenwart, Mikrokosmos. Jetzt steht er auf, seinen Kameraden aus.zirweckcn, denn diejer ganz westliche Mensch hat zum einzigen. Gefährten in den langen Nächten einen Morgenländer, ohne de» kann er nicht sein, den Äosfee, der ihn immer belebt. Wenn er jetzi vor den Spiegel träle, der beim Bette hängt, es würde ihm eine Mönchspeftast entgegen- treten, klein, in weißer Kapuzincrkutt«, die Kordel weit gelassen, denn er ist schon recht dick geworden von so vielem Sitzen, auch der immer offene Hals, dieser Stiernacken ist zu fett für einen Mann von ?lnfang dreißig, und das Gesicht ist gerötet wie bei kurzatmigen Menschen. Eine große Nase ragt aus dem Riesenschädei, unter Ihr wölben sich stnnllch dick« Lippen, olles, Doppelkinn und buschig schwarze Haare, scheint an diesem Mönck Genußsucht zu verraten, Genüsse von grober Substanz. .Aber nie gab es etwas,' erzählt sein Freund, der Dichter Gautier,„wie diese Augen. Sie hotten Leben, Leuchtkraft, Mag»«- lismus, trotz täglicher Nachtwachen war die Sklera rein, durchsichtig, blau durchädert, wie die eine« Kindes oder einer Jungfrau, und faßte zwei schwarze Diamanten ein. die für Augenblick« Goldrcjlexe durchblitzten: Blicke, um durch Mauern und Herzen zu stechen, um Tiere zu zähmen, Augen eines Herrschers, eines Dompteurs.' Und doch ist die Kutte keine Verkleidung. Dieser Mann, der weder wie ein Dichter aussieht noch eigeittlich wie ein Franzose, dieser gedrungene, kleine Mensch mit den grobe» Zügen eines Empor kömmlings, der nur aufwärts drängt, um oben.zu taieln. dieser halbe Mönch, den selbst sein raffendes, feuriges Auge.zwar aus der Reihe brutaler Energisten, doch nicht in die Reihe betrachtsamer Geister zu führen scheint, verbringt in Wahrheit drei Viertel jeder oierund- zwanzig Stunden, verbringt Jahrzehnt« in der Klausur, die er sich auferlegt, einsam schreibend. Denn wenn es jetzt bald Morgen wird und laut, wenn die Setzer an ihre Kälten treten, noch müde und mürrisch, dann finden sie Stöße von Bogen mit der herrlichen aber wechselvollen Schrift von Balzac, und sie seufzen, denn das ist schwer zu lesen, und doch muß cs rasch sein, denn dieser Autor hat nie Zeit; ein halbes Dutzend mal läuft der Jung« von der Druckerei zum Autor und nirück, nun langen die Korrekturen an und nehmen kein End«. Was er nacht» im Rausch der Stille hingeworfen, da» dämmert er im kühlen Licht des Morgen» neu, da werden ganze Seiten eingeschoben, angesteckt. Krev,» und Sternchen. Pfeile und Tierzeichen weisen aus neue Sätze und Wort«, alles wird durchgeklopst und abgeborchi. lechs- acht-, selbst zebnmal geht ein Bogen zurück, und alle» scknell wie für einen Journalisten. Denn die Zeitungen warten meist schon auf da» neue Romankavitel. die Verleger aus da» Ende«ine» lange v«rsp''ochenen Buck-es. Aber auch obnedies verlangt er dos Geschriebene sofort in der Distanz de» Druckes zu sehen, läßt aus seine Kosten tagelang Korrekturen machen, bi« die grollenden Setzer erklären, sie arbeiten nicht länger als eine Stunde Balzac. das ist ciiic niederträchtig« Rarität, und ausgerechnet mir in solchem Moment mußte sie zustoßen.... Die Leute unten kicherten, einige Spaßvögel auf den Steh- platzen konnten es sich nicht verkneifen, ungeniert„Gesundheit!' und„Prösterchen!' zu rufen, die ganze erhebende Stimmung war zum Teufel. Doch das war schließlich noch nicht dos schlimmste für mich, was kümmerten mich die albernen Leute? Nein, dos schlimmst« war der Meister, den ich an seinem Ehrentag in diese Verlegenheit hatte bringen müsse» Zwar ließ er sich jetzt und später nichts nierke», vielleicht nahm er den Zwischenfall sogar von der humoristischen Seite, sehr wohl möglich; aber ich selbst konnte es mir nicht verzeihen, daß ich ihn mit meinem fünffachen Gepruf!« beleidigt, feine hehre Künstlerfchaft tödlich profaniert, sozusagen Blasphemie verübt hatte! Es ging gegen jede» künstlerischen An- stand und Stolz.... Als ich am nächsten Morgen noch in einer Kritik den Satz los: Bezaubernd geriet das melodiöse Duett zwischen Flöte und Klari- nette, wozu Koitzertmeister Mallon eine reizend« Schnupfenbeglei- tuiig lmprooisiertr..„ da stand mein Entschluß endgültig fest. Ich packte meine Sachen und verschwand auf Nimmerwiedersehen.' Der Klavierspieler schlug einen Akkord an, Mallon erhob sich wie auf«in verabredetes Zeichen. „Das Ucbrige, mein Herr, wird Sie nicht interessieren. Ich wollt« Ihnen ja auch nur erklären, weshalb ich gegen Ihre Ertäl tung solchen seltsamen Abscheu zeigt«. Es ist«ine Ungezogenheit. die ich mir bis heut« nicht habe abgewöhnen können: ich vermag niemanden ruhig niesen zu lassen, es regt mich immer von neuem auf.... Verzeihen Sie nochmals, mein Herr!' Jedenfalls war jetzt die Serenade von Tofelli fällig. Um Mittag tritt ein Freund ein, ihn abzuholen: da steht er glühend, dampfend da. in der Ueberhitzung des Siegers, denn sedc Nacht ist eine neue Schlacht, dann hat er Riescnhunger, ißt viel und einfach, streicht sich Butter mii Sardinen auf« Brot, erzählt und ist meistens guter Dinge, immer der Unterhaltende, immer in Bewegung, in Plänen, Geschäften, Projekten, in Ruhe nie, faßt niemals im Genüsse. Balzac war immer ein Gehetzter. (Mit befontem Srlautnis tc« Stoluats Cxnft zemvelsst, SZcrtin, trtH Buche„Kunst und Schicks«!" von Cm» Ludmig entnemmen.) Die emseiiigen Verbrecher. Die Ausfpürimg der Verbrecher würde der Polizei noch scW viel schwerer gemacht wenden, wenn nicht die Derletzer des Gesetzes eine Eigenschaft besäßen, die nicht gerode für ihre Intelligenz und Vielseitigkeit spricht: der Verbrecher bleibt fast immer.bei seinem Leisten'; er verändert selten seine Methoden. Man würde seine Zeit wergeubcn, wenn man nach einem Einbrecher unter den Hoch- staplern, Taschendieben oder Fälschern suchen würde. Durch diese ..Spezialisierung' in den einzelnen Arten des Verbrechens ist es der Polizei möglich, genaue Listen der einzelnen Kategorien zu führen und aus der Arh wie ein Derbrechen ausgeführt ist, aus den Ur- ltz-ber zu schließen. Ein Verbrecher, der neue Methoden einführt und seine Ziele wechsott, ist ein weißer Rabe, der den Kriminalisten denn auch meist viel zu schassen macht Man kann die Intelligenz eines Verbrechers schon au? der Art seiner Untaten erkennen. Ein englischer Fachmann, Hugh Bradn. der eine Klossisizicntng der Ver- brecher unter diesem Gesichtspunkt vorgenommen l)at, erklärt die Hochstapler für die Klügsten ihres Standes. Das sind oft Menschen von großer Bildung und seltener' Klugheit, die die ganze Welt durchreisen, um ihre Opfer aufzusuchen, und selten gcsaß! werden. Auch der tüchtige Iuwelendieb arbeitet mit großer Vorsicht und Ge- schicklichkeit; er begnügt sich mit nxnipen. aber einträglichen Ulster- rnchmungen und läßt nichts unberücksichtigt. Er oerwendet Monate darauf, um einen„großen Schlag' vorzubereiten, und sorgt für einen geschickten Hehler, dar die Beute dann sofort in einer Weis« unterbringt, daß die Spuren schwer zu finden sind. Der Detektiv weiß sofort, ob ein solches Derbrechen von ainem geübten Diebe ausgeführt ist. Pelzdiebe sind meistens Sachkenner. Wenn sie bei einer Firma einbrechen, dann wählen sie unter dem großen Lager nur diejenigen Stücke aus, die einen bedeutenden Wert haben. Die meisten Einbrüche, wie sie tagtäglich die Spotten der Polizeiberichle füllen, sind„Fuschwerk", dessen Urheber leicht aufzufinden sind Be- sonders werden die Einbrüche in Warenhäusern stets in den gleichen Formen durchgeführt, und man kann aus gewisien Einzel heilen darauf schließen, welch« Bande hier beteiligt war. Der Banknoten'- fässcher gehört zur Intelligenz der Borbrecherwelt; er hält sich fast immer im.Hintergrund, arbeitet mit verschiedene» Gehilsen. die für ihn die Kastanien au» dem Feuer holen müssen: er selbst ist nur ainem Vertrauensmann bekannt, der dann wieder andere Personen zur Verwertung der gefälschten Noten irnd Schecks ausschickt. Taschendiebe sind oft Virtuosen in ihrem Fach, aber den geschickten Langfingern entspricht nicht eine ähnliche Ausbildung de» Gehirns, und während sie den Diebstahl selbst tadellos ausführen, lassen sie sich von den Polizisten leicht ertappen. In den Listen der Kriminal- Polizei sind die einzelnen Spezialitäten genau verzeichnet, und so weiß man. wenn ein bestimmtes Derbrechen gemeldet wird, messt ziemlich sicher, um welche Persönlichkeit«« sich da handeln kann Die 2ö0.7Uillioueu. Ztiflung einer Herrscherin. Die Begum von Bhopert, die berühmt« Beherrscherin des indischen Staate», in dem seit Anfang de» 19. Jahrhundert» nur Frauen regieren, hat ihr ganze» Vermögen im Werl« von 259 Millionen Mark für die Pro- pagando des Islam gestiftet. Bis zu ihrer Abdankung war sie die einzige �Herrscherin in ganz Asien und genoß die größte Verehrung ihrer Untertanen. Als die treu« Anhängerin de» Propheten ging sie stets verschleiert und besichtigte so ihr Heer, sprach Urte-le und hielt Reden, ohne semcrlz den Schleier.zu heben. Selbst ibre Minister haben sie niemals von Angesicht zu Angesicht gesehen. Sie hat jetz: dem Thron entsagt, um sich und chr ganzes Bormög«! der Sache de« Islam zu widmen. Wie Balzac arbeitet. Von Gmil Ludwig. f Zuschristen vom Lande:„Wi, Lcindbunddcmagogie uird deut�chnationole Interessenpolitik arbeiten zusammen, um Bild und Ausmaß der tatsächlich vorhan» denen Aqrartris« zu vergröbern und aus den anerkannt notwendigen Hilfsmaßnahmen zur Förderung der gesamten Landwirtschaft sinnlose Subventionen für einzelne bzw. planlose Unterstützungen für einzelne Kruppen in der Landwirtschaft zu machen. Wir be- ginnen deshalb heute mit dem Abdruck von Zuschriften aus dem Lande, die beweisen, daß man weder mit der Demagogie des Land- bundes einverstanden ist, noch die planlosen, vom preußischen Staats- Ministerium aber glücklich korrigierten Maßnahmen der Rcchtsblock- rcgierung des Reiches für zweckmäßig hÄt. Sie stellen in manchen Teilen auch das Bild richtig, das unverantwortliche politische Hetze van der Not„der" Landwirtschaft entworfen hat. Eine Stimme aus dem südlichen Westfalen. „Gewiß hat der Friedensvertrag im Osten ein unnatürliches wirtschaftliches und politisches Gebilde geschaffen! daß aber nun gerade die Landwirtschast am meisten unter diesen Lcrhältnisien zu leiden hat, ist mit dem besten Willen nicht einzusehen. Mag ein Kneg ausfallen wie er will, fallen einmal die Hauptbelastungen «Kontributionen, Znxmgsbewirtfchaftungsvorschriften), muß sich jeder Landwirt bei vernünsiiger Bewirtschaftung emporarbeiten können: denn das Urelemcnt der landwirtschaftlichen Produktion, der Boden, die primäre Quelle des Wohlstandes, kann, falls sie verschüttet wird, jederzeit freigegrabcn werden. Man gehe einmal in typisch bäuerliche Gegenden, aber nicht in solche, wo der Boden in die ersten Bonitätsklasten eingereiht ist. fondern dorthin, wo in klimatisch ungünstigsten Landstrichen der Bauer einen horten Kampf um seine Existenz zu führen hat. Ich denke gerade an die südlichsten Kreise Westfalens, die sich um das Rothaargebirge gruppieren, und die hochgelegenen Westerwald- bezirke. Hier muß die Quelle des landwirtschaftlichen Reichtums, die von der Unounst des Klimas zugeweht wird, ständig freigegroben werden. Die Menschen haben hier zu kämpfen und können sich gewiß nicht rühmen, unverschuldet zu sein: aber eine Derschuldung, wie sie in der Großlandwirtschaft, speziell im Osten, bestehen soll. kenn» man nicht. Die Schulden, die in diesen Bauernkreisen bestehen, haben größtenteils ihre Ursache in der Erbteilung, und für deren Ent- stehung ist die Wirtschaftsführung nicht verantwortlich zu machen. Die Schulden, die heute in der Großlandwirtfchaft bestehen, sind — dessen muß man sich erinnern beim Produktionsprozeß entstanden. Wenn es nun aber dem Bauer in den schlechtesten Gegenden Deutschland? möglich ist, sich nicht nur über Wasser zu halten, son- dcrn, falls die Familienvei Hältnisse nicht ,zu ungünstig sind, auch noch einen bescheidene» Wohlstand zu erwerben, hat man doch alle Ursache, sich mit dem Problam der geplanton Stützungsaktion gründ- lich zu belassen. Indessen scheint mir, daß noch ein weiterer Faktor mitwirkt, den Großbetrieb in eine ungünstige Lage zu bringen. Ich gehe wohl nicht fehl, wenn ich annehme, daß in der ganzen Struktur des landwirtschaftlichen Großbetriebes ein starker Passipposten zu erblicken ist. In keinem Wirtschaftszweig als gerade in der Land- wirijchait spielt das persönliche Clement beim Arbeitsprozeß so eine große Roll«. Bon der individuellen Beobachtung von Zeit- und Wittcrungsncrhältnifsen hängt bei Saat imd Ernte der Erfolg geradezu ab. Daß der selbständige, für feinen eigenen Vorteil arbeitende Bauer mit ganz anderer Liebe an seiner Arbeit hängt, als der fchlechtbezahlte Landarbeiter— besser Ackersklal>e—, ist nux natürlich. Nicht Besitzbefestigung, sondern eine Besitz- wcchsclaktion ist durchzuführen. E ine du rch g re t- sende Kolonisation, verbunden mit ausreichender Melioration, ist bcvölkerungs- und wirtfchafts- politisch zu verteidigen." Erfahrungen aus Mecklenburg-Strelitz. „Jeder, der der Landwirtschaft nicht nahesteht, behauptet, daß die Inflationsjahre ihre Glückszeit waren. Es ist jedoch ganz dos Gegenteilige richtig. Wohl waren es Jubeljahre der Besitzer, aber nicht der Betriebe. Die Schulden verschwanben zwar fast ganz, aber es ivar niemand da, der den für die Leitung Verontwart- lichen sagte:„Nützt diele Zeit aus, baut, drainicrt, stellt die Gräben- fysteine wieder her, schafft neue Eni- und Bcwäslerungsanlagen. kauft Maschinen, kalkt den Boden, bringt ihn wieder in Kultur, jetzt habt ihr die Mittel. Es kommen schlechtere Jahre!" Nach der Inflation lialf man sich durch Dump. Die Lasten wurden dadurch nur größer. Nur in manchen Fällen benutzte man diese Mittel zur Anschaffung von Zuchtvieh, zur Hebung der Einnahmen oder zu anderen Berbessernngen. Unbedingt mußte eine Mißernte zur Kala- strophe führen. Dies konnte durch sehr trockene oder sehr nasse Witterung kommen. Letzteres ist schlimmer, da dadurch nicht nur die Frucht des«inen Jahres vernickitet werden kann, sondern vor allem der Boden aus Jahre hinaus in seiner Ertragfähigkeit herab- gemindert wird. Heute sieht man vor der Tatsache, daß die Betriebe sich nicht mehr halten können, und Hilfe vom Staat wird überall verlangt. Es mag schon richtig sein, daß der Staat«ingreift, denn Käufer sind nur sehr selten. Was für eine Garantie bieten aber die Land- wirtc dafür, daß diese Milte! in erster Linie zur Beseitigung der Kohlenpreiserhöhung auf Ltmwegen. Oer Märzabschlaq um 1 Mark pro Tonne erfolgt nicht. Wie wir erfahren, ist eine Erhöhung der Braunkohlenpreise auf Umwegen vom großen Ausschuß des Reichskohlcnrots und des Rcichskohlenverbands beschlossen worden. Nach der bisherigen Uebung war iin März, um zur Eindeckung in ruhigeren Zeiten zu ermuntern, eine Preissenkung für Briketts um 1 M. die Tonne fällig. Die Organe der Kohlenbewirtschaftung hoben beschlosten. diese Ermäßigung in diesem Jahre nicht eintreten zu lasten. Damit erfolgt für Sie Verbraucher eine allgemeine Verteuerung und Mehr- belaslung uni 5 Pf. je Zentner. Was sagt der Reichswirtschafts- minister zu diesem Bargehen? Die Konjunktur noch nicht erschüttert. Kürzlich hat die Deutsche Bank in ihrem Monatsbericht für Februar daraus hingewiesen, daß es für die Befürchtung einer Konjunkturwsnde noch durchaus an greifbaren Anzeichen fehle. Auch die Dresdner Bank sagt zur Wirtlchoftsloge in, Monat Februar, daß das erreichte Äonjunkturniveau sich ,m allgemeinen noch durchweg behauptet habe. Die Loge der Wirtschast widerspreche keineswegs der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, da die absolute Höhe der Arbeitslosenziffer und ihr starkes Ansieigen in den vor- hergehenden Monaten zun, großen Teil auf statistische Moniente zurückzuführen seien, d. h. in dielen, Falle nn? Aenderungen in gesetzlichen Grundlagen der Enrn bslosci.fürsorge. Ii, der Tat wird man diesem Mangel bei d?r Verwendung der Arbeitslosenziffern für die Beurteilung der Wirtschaftslage ganz be- sondere AusmerksamkeU zuwende» müssen. Den« auch au« den Be- 9 es steht und woran es fehlt." den Ertrag mindernden Hinderniste in Verwendung gebracht wer- den? Was hilft es der allgemeinen Volkswirtschost, wenn persön- liche Schulden dadurch abgedeckt werden, die Unproduktivität des Betriebes aber bestehen bleibt? Ein ungeheures Geschenk haben die Landwirte teilweise erhalten, ohne daß eine Gewohr über die Ber- Wendung der Mittel gefordert wurde. Dort, wo dieses Geld hin- gegeben wurde, hört man Klagen über ungerechte Verteilung. Der Kleinbesitz wurde fast gor nicht oder an anderen Stellen nur tell- weise bedacht. Der jetzt versauerte und verqueckt« Boden bringt keine Rente, das zugeteilt« Geld aber langt nicht sehr weit. Hier hätte der Staat in erster Linie eingreifen sollen. Nicht Auszahlung der Mittel, sondern Borbeugung gegen Wiedereintritt der Schäden in jeder Hin- ficht und Durckführung jeder nur möglichen Hebung der Ertrag- fähigkeit des Bodens und Erleichterung der Bewirtschaftung durch Schaffung von günstiaen Wegeverhältnrssen, Feldscheunen und Ma- schinen: ferner Anschosfimo von guten Aussaaten und Zuchtvieh. Das wären die besseren Hilfsmittel gewesen. Jetzt wird es kommen, daß der Besitzer einen Teil seiner Schulden tilgt, Arbeiter entläßt und dann zur extensiven Wirtschaft zurückkehrt, um sich über Wasser zu halten. Es tonn nicht angehen, daß unfähige Landwirte vom Staat« verlangen, daß er sie als solche erhält. Wer wird dafür sprechen, daß ein Beamter, Arbeiter oder Angestellter, der die ihm übertragene Stell« nicht ausfüllen kann, unbedingt dieselbe Stellung innebehalten muß? Die Volkswirtschaft kann sich an keiner Stelle, sei es wo es fei, den Luxus erlauben, Unfähigkest zu unterstützen. Der Staat hat die unbedingte Psstcht der Landwirtschaft, nicht aber den Land- wirten zu helfen. Es ist Sache des Staates bei der setzigen Lag« der Landwirt- fchost die für die gesamte Volkswirtschaft günstigsten Maßnahmen zu treffen und mcht einfach Gelder als Geschenke auszuwerfen. Weit- gehende Unmestaltung der Betrieb« aus Gründen der Rentabilität muß in die Wege geleitet werden, wie es in der Industrie ganz von selbst geschieht ohne Eingreifen des Staates." Die Stimme aus der Grenzmark. „Bis oui zwei Bauerngutsbesitzer meines Bekanntenkreises, die ein Leben führen, dos über ihre Verhältniffe geht und die denn auch ziemlich hoch verschuldet sind, hoben diese olle trotz der vom Land- bund behaupteten Roilage seit der Einführung der Festmork zum Teil sehr bedeutende Erspornist« und Anschaffungen gemacht Der Aufwand, der bei Faniilienfestlichkeiten(Hochzeiten, Taufen, Beerdigungsschmäulen usw.) getrieben wird, verursacht oft eine Aus- gäbe von zirka ISVl) bis 3000 Mark. Diese Zahlen sind mir, da ich zu derartigen Feiern in der Regel eingeladen bin, von den jeweiligen Veranstaltern persönlich zugegeben worden und dürften auch zu- treffen... We Leute hier such ruhig und vernünftig. Sie geben selbst zu, daß es ihnen gut geht und denken nicht an Revo- lution usw. Allerdings losten sie sich in ihrer politisch größtenteils völligen Urteilslosigkeit von den londbüichlerffchen Großagrariern, deuffchnationalen Drahtziehern usw. für deren Zwecke mißbrauchen. Bei Demonstrationen vor Finanzämtern usw. besteht z. B der Brauch, daß von den großen Gütern Lastkraffwagen durch so viel Ortschaften fahren, bis der Wogen voll ist. Dann fährt e, seine Last in die Kreisstadt zur„Demonstration". Aus dem Kreise Qebenwerda in der Lausch. „Der hiesige Kreis ist als Hundetürkei übelbeleumdet. Der Boden ist im ganzen recht dürftig. Aber selbst hier ist es un- berechtigt zü klagen, daß die Landwirtschaft völlig unlohnend und auf den Hund gekammc» sei, wie das der Lanobuich allgemein ausposaunt. In, hiesigen Kreise werden ziemlich viel Neubauten errichtet. Aber von den Bauern Bauland zu bekommen hält in der Regel recht schwer. Denn die Bauern sagen, sie hätten keinen Grund. Land zu verkaufen, auch wenn«s nur klein« Stückchen sind. Das einzige worüber die Bauern hier klagen, sind zurzeit die niedrigen Schwcinepreise. Aber auch da Helsen sie sich dadurch etwas, daß sie die Schweine nicht an die Fleischer verkaufen. sondern sie sebst schlachten und das Fleisch vcrtausen, um die große Spannung zwischen den Vieh- und Fleischpreisen auszunutzen." Und schließlich aus Niederschlesien. „Der Landwirt als Erzeuger soll sich die erste Schnitte vom Brote abschneiden, er hat keinen leichten Beruf, aber er soll nicht übertreiben und den Bogen zu straff spannen. Wenn es heißt, die Landwirtschaft bringt nichts, warum zahlt man da so hohe Preise für Pachtungen. In unserem Orte ist 1036 und 1927 je ein großes Dominium in kleinere Parzellen von(0, 60 und 80 Morgen Größe verpachtet worden an kleine und mittlere Landwirte, und dafür sind Preise von 24 M. durchschnittlich pro Morgen gezahlt worden. Das ist ein Widerspruch. Der Großagrarier als Besitzer kommt nicht zurecht, und die Pächter müstei, bei solchen Preisen doch noch Ileberschüsse erzielen, denn umsonst arbeitet doch niemand." Leider hat der arbeitende Landwirt nicht soviel Zeit zum Reden und Schreiben wie Präsidenten des Landbundes, des Land- wirtschaftsrats und deutschnattonale Abgeordnete. Diese wenigen Stimmen zeigen aber schon, daß die Vernunft auf dem Lande noch lange nicht so tot ist, wie es der Reichslandbund und seine Hinter- mönner erscheinen lasten wollen. richten der Industrie- und Handelskammern, wie aus den letzten Darstellungen des Reichsarbeitsblattes ergibt sich, daß der Rückgang in der industriellen Beschäftigung sehr viel geringer ist als es noch dem scharfe,, Anstelgen der Erwcrbslosenzifsern und dem späteren relativ sehr langsamen Absinkeck derselben erscheinen inöchte. Hennigsdorf verdreifachie Llmfätze. Anhaltend gute Reschäftignng im neuen Jahr. Der neue dioidendenlose Abschluß des Stahl- und Walz- werts Hennigsdorf kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß es mit diesem Unternehmen im letzten Jahre st a r k bergauf ge- gongen ist. Iahrclpng war die dauernde Exi st enzunsicher- hcit bei diesem Werk der Schreckeck der Belegschaften. Bon 1024 bis 1026, also drei lange Jahre folgten Neueinstellungen, Cinschron- kungen und Betriebsstillegungen in buickem Wechsel, ohne daß Ar- beiter und Angestellte zur Ruhe kamen. Mit der im Jahre 1026 durchgeführten finanziellen Sa- n i e r u n g, bei der dos Kapital von 6 auf 2 Mtll. Mark zu- sammengclegt wurde und durch Wiedererhöhung auf 8 Mill. Mark neue Geldmittel Hereinflossen, begann der Wiederausbau der Gesellschaft. Er fand seine Fortsetzung in einer systematischen U m- stellung und Rationalisierung der Betriebe, die bis jetzt angehalten hat. So wurde bei der allgemein schlechten Log« der Lokomotivindustric die große Lokomotiv-Radlatzfobrik gänzlich stillgelegt, dagegen die Walzwerk- und Gießereibetriebe auf das modernste ausgebaut. So verfügt die Gesellschaft heute über drei große Einzelbetriebe, das Feinblcchwalzwerk, die Stahlgießerei und Kleingußwerk. Natürlich hat Hennigsdorf seinen kräftigen Aufschwung zun, großen Teil der anhaltenden Eisenkonjunttur zu verdanken, die nach der Umstellung des Betriebs für das Werk gerade u» richtigeck Moment einsetzte. Bezeichnend jür die Stärke dieser Konjunktur und die Aufnahmefähigkeit des hauptsächlich belieferten Inlandsmarktes ist, daß die Umsätze un, 200 bis 2-50 Proz. gestiegen sind. Zur Zeit sind in den Betrieben etwa 2000 Arbeit ez: und über 150 2Ingc stellte beschäftigt, während Anfang 1926.die Gesamtbelegschaft auf etwa 450 Mann zusammengeschmolzsfi war. Diese Besserung der Verhältnisse kommt auch in der Bilanz zum Ausdruck. So c r h ö h t e n sich die Betriebsgewickne votz 1,4 auf 2,3 Mill. Mark, und der Reingewinn, der mit 8700 M. ausgewiesen wird, ist nür deswegen so niedrig geHallen, well die Lerwoltung 760 000 M. vom Gewinn auf die Anlagen abschrieb. Daher beträgt der Buchwert der Anlagen auch nur 12,9 gegen 12,6 Mill. Mark im Borjahr, obwohl über eine Million im Laufe des Jahres neu in die Werksanlagen gesteckt wurde. Da schon bei der Sanierung seht' hohe Abschreibungen auf die Anlagen stattgefunden hatten, stnp hier zweifellos beträchlliche Reserven enthalten. Auf der Generalversammlung stellte der Vorsitzende die Lage der Betriebe ziemlich günstig dar. In den bisherigen fünf Monaten des neuen Geschäftsjahres feien die Anlagen an- nähernd voll ausgenutzt worden und die Betriebsergebnisse, also die Erlöse, Höllen sich gegen 1927 noch gebessert. Wenn keickc Störungen einträten, könne mll einem guten Abschluß für 192B gerechnet werden. Die Störungen scheint uns, könnte die Direktion in erster Linie vom Verband Berliner Mekallindu- st r i e l l e n erwarten, desien Befehl zur Aussperrung auch die Hennigsdorser Derma ltung gehorcht Hölle. Qbwohl Heirnigs- iwrf kaum ei« halbes Tutzead Werkzeugmacher hat. werde« jetzt bei dem neue« Konflikt wiederum die Aus- sperrungspapiere für über 3000 Mann bereitgehalten: ein Beispiel für den Wahnsinn, den der VBMI. scheinbar ernsthaft auszuführen gedenkt. Es klappi nicht ganz bei Kord. Oos Produktionsprogramm nicht erreicht.— Kords Gunnul- Plantagen in Brasilien. Nachdem Ford seinen neuen Wagen herausgebrackst hat. sollte auch seine Produttion in Detroit wieder voll In Schwung kommen. Aber obwohl er Ende Februar bereits 3000 Wagen täglich prodw zieren wollte, hat die Produktion kaum lOOO Wagen erreicht- Die Verzögerung ergab sich in den Montagebetriebe», unb soll teilweise auf noch notwendig gewordene technische Derbefferungen, darunter auch der beonftondeten Bremsvorrichtungen zurückzuführen sein. In Brasilien scheint Ford die eigen« Gummiproduttion, die er im Kampf gegen die Monopolpreise des englischen GuinmikapilalS aufnehmen will, allmählich in Schwung zu bringen. In den zu er- schließenden Gebieten sollen im Juni d. I. die erforderlichen Maschinen für den Straßenbau, die Gummigcwinnung und die'Verladung eintreffen. Es kriselt bei der italienischen Saia Viscosa Die Kuistrsecde- aesellschast Snia Biscoso ist für Italien dasselbe wie Glonzstoff Bem- berg sür Deutschland und die Eourtoutd-Gesellschaft für England. Di« enge internatio»ale Arbeitsgemeinschaft der große» Kunstseide»- tonzcrne kommt auch darin zum Ausdruck, daß der deutsche Glanz- stofstonzern zusammen mit der englischen Courtauld-Gesellschast die italienisch« Snia Viscosa mll der Majorität des 1 Milliarde Lire: betragenden Aktienkapitals kontrollieren. Aber die rtatienilche Tochter, die währeitd der Licainflaiian außerordentlich stark sich ent- wickelt h-stte, scheint doch nach der Siabilffiedung der lkaliMischen Währung einige Ilniftellungslcbwiengkeiten zu haben. Schon in, Jahre 1926, wo noch 10 Proz. Dividende verteilt worden sind, wurde das Kapital einmal von 1000 auf 800 Millionen Lire hcrobgeseHt und durch Wiedererhöhung des Aktienkapitals auf eine Milliarde den, Betriebe neues Geld zugeführt. Im Jahre 1927 soll es nach den vorliegenden Meldungen so werden, daß die wnia Biscoso über- Haupt ohne Dividende bleibt und dieselbe Kapitalherabsetzun-I und-erhöhung wie im Jahre 1926 wiederholt wird. Man wird daraus nicht schließen dürfen, daß die Snia Biscosa nichts verdient hat, aber offenbar drängen die deutsche und die englische Mutter gescllschast bei ihrer italienischen Tochter darauf, daß diese finanziell ans eine gesunde Grundlage gestellt wird, un, später um so mehr einzubringen. Di« deutschen und engliicher, Börsenlcute werden die Dividendenlostgkeit und der neue Kapitalschnitt allerdings einige T r ä n e n k o st e n. Wohnungsbau für Londarbeiler. Eine Berordming des preu- ßiichen Wohlsah rtsministers bestimmt, daß in Zukunft versuch»- weise auch der Wohnungsbau solcher ländlichen Hand- werker aus Mitteln der produktiven Arbeitslosensürt'orge unterstützt werden kann, die in landwirtschaftlichen Betrieben tötig sin?. Die Vergünstigung kommt nicht in Frage, wo die Arbeitskraft der ländlichen Handwerker zur Befriedigung persönlicher Bedürfnisse der Arbeitgeber in Anspruch genommen wird. Auch Bauvorhadc-n ländlicher Ba» Handwerker können unterstüsht werdeck. wenn sie vorzugsweise in landwirtschaftlichen Betrieben arbeiten und Arbeitskräfte sür die landwirtschaftlichen Saisonarbeiten stellen. Zur Elektrifizierung Ostpreußens. Der Provinziallandtag be- schloß eine Anleibe bis zur Hjjhe von 2 068 000 M. zur Elektrintäts- versorgung der Provinz Ostpreußen durch die Ostpreußenwerk-A.-G. aufzunehmen und den Provinzialausschuß zu ermächtigen, sich a» einer Ausländsanleihe der Deutsche Landesbankenzentrole A.-G. in Berlin im Nahmen dieses Beschlusses.zu beteiligen. Ferner beschloß der Provinziallandtag, für eine von der Ostpreußenwerk-A.-G. auf- zunehmende Auslandsanleihe bis zum Betrage von 5 Millionen Dollar gemeinsam mit der Vereinigte Industrie- Unternehmungen-A-G. und der Preußischen Elcktrizitäts-A.-G. die selbstschuldnerische Bürgschaft zu übernehmen. Konsumvereine als vrelsregler. Es werden uns zwei Fälle be- könnt, in denen unsere Konsulnvereine beabsichtigte Preiserhöhungen verhindert haben Im Januar wollte die Bäckerinnung in Zwickau das Dierpfundbrod von 88 auf 92 Ps. verteuern Da der Konsumverein für Zwickau und Umhegend den mit 84 Pk. an sich schon niedrigen Preis für dasselbe Pierpfundbrod nicht erhöhte. machte die Bäckerinnung ihren Beschluß wieder rückgängig>md mußte sogar den bisherigen Breis von 88 auch auf 84 Pf. herabsetzen— Im Bezirk des Konsumvereins Schopfheim-Fahrnou wurde die Ankündigung von Brikeftverkäusen zu 2,20 Mark pro Zenker daburch unwirlsam gemacht, daß der Konsumverrtn für 1.70 Mark den Zentner Briketts als abholunusbereit ankündiate. Daraufhin wurden die privaten Briketts ebenfalls zum glsichen Preise angeboten Eine lnaunschweiglsche Zebnmilllonen.SlaaEcnileihe wird nack, amtlichen Meldunosn von der Pr-"ißislben Starcksbank, der Braun- schweinischen Staatebant und der Deutschen Bark übernomme,' und aiisael-'at werden. Die Kapitalverknavmina durch die Scha�ilbe Politik bat auch h!?r dazu geführt, daß die Anleihe mit dem bah«» Zinssatz von 8 Broz ciusgeschaOst und dabei noch zu einem Kars von nur 94,75 Proz. aufgelegt werden muß., Reue Preußenhilse für Ostpreußen Da die Provinz Oft- pveußen trotz dringendster Ausgaben für bereits beschlossene Me- lioroticnen und unerläßliche Wegebauten große Slbwierigkeitten beim Ausgleich de? Provi uzialhaushal's hat. beschloß das preußische Staolsministerium nach dem amtlichen preußisch,,, Pressedienst einen Zuschuß von 1 P> i l l i o„ M. zum P r o v i n z i a l- etat und ein befristetes Darlehen über eine weiter« Million Mark auf die Dauer von Z Jahres. Nr. 101* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch. 29. F�b.'nar 1925 Reichstag für pensionskürzungsgesetz! Sozialdemokratischer Antrag mit großer Mehrheit angenommen.- Versorgung der Kriegsopfer. D«r Reichstag beriet gestern den Haushalt für Versorgung und Ruhegehälter. Der Ausschuß ersucht die Reichsregierung auf einen sozialdemokratischen Antrag hin, unver- züglich einen Gesetzentwurf über die F« st s e tz u n g« i n e r ch ö ch st- Pension und Regelung der Pensionekürzung bei hohen Arbeitseinkommen vorzulegen, ferner«in Pensionsgesetz für politische Beamte. Abg. Noßmann(Soz.): Der Haushalt für Versorgung und Ruhegehälter weist im Vor- anschlog für 1328 eine Nettoausgabe von 1783 Millionen Mark auf. Das sind 42 Proz. der fortdauernden Ausgaben des Reichs nach Abzug der Steuerüberweisungen an die Länder, der inneren Kriegslasten und der Reparationszahlungen. Auf die Versorgung der Kriegsopfer entfallen von dieser Summe 1463 Millionen Mark. Nach der Anlage zum Pensionsfonds find 1328 immer noch 735 333 Kriegsbeschädigte des alten Heeres ,zu versorgen. 1324 waren es nur 771 335. Alljährlich schickt die große Armee des Krieges von neuem Zehntavsende in die Versorgung. 3m ganzen sind rund 2 200 000 Menschen in der Versorgung. Zum ersten Male Hot dieser Etat im Haushaltsausschuß eine gründliche und ausgedehnt« Behandlung erfahren. Der Inhalt der geführten Debatten war eine einzige Ueberrafchung, die so weit ging, daß der deutschnational« Redner, Q u a tz. in diesen Summen stille Reserven vermutete und eine klare Durchleuchtung des Vor- anschlages fordert«. Im Gegensatz hierzu glaube ich persönlich, daß die Zahlen im allgemeinen stimmen. Allein im letzten Jahre waren 183 333 Neuanträge zu erledigen. Die Beweiserhebunqstosten müssen in diesem Jahre um 433 333 M. erhöht werden. Beim Reichs- Versorgungsgericht liegen 43 333 Rekurse, bei dm Versor- gungsgerichten 83 333 Berufungen unerledigt. Das ist« i n u n h o l t- barer Z u st a n d. Was soll geschehen, sagte im Ausschuß der Redner der Demo- kraten. wenn auch im Rechnungsjahr 1323 auf einmal 183 333 ehe- malige Soldaten aufmarschieren, die Rente beanspruchen? Das könne ja zu den unmöglichsten Folgen führen. Diese angstvolle Frag« be- leuchtet die ganze Situation. In vielen Köpfen lebt die Illusion, daß die Versorgung der Kriegsopfer eine vorübergehende, rasch abfallende Sache sei, und in den Milliarden dieses Haushalts er- blicken sie eine Art Apotheke, die für alle später auftretenden Be- schwerden des Reichshaushalts die Medikament« zu liefern habe. Diese Hoffnungen werden sich, wenn überhaupt, erst in vielen Iahren erfüllen. Ein« radikale Verminderung der Rentenlast würde nur möglich sein: 1. Durch eine rigorose Verschärfung der Fristen für die An- Meldung des Anspruches. 2. Unterbindung jedes weiteren Ausbaues der Rentenversorgung. Z. Durch ein« Vei-schärsung der fiskalischen Gesichtspunkte bei der Durchführung der bestehenden Gesetzgebung. Die Art und Weise, wie im Haushaltsausschuß die Debatten geführt worden sind, führt, ohne daß ich den Rednern solche Ab- sichten unterstellen möchte, ganz automatisch zur Unterstützung dieser ? endenzen, die ich namens meiner Fraktion mit aller Entschiedenheit ablehne. Als Sozialisten steht für uns auch hier im Mitteipuntt der Mensch und nicht das Geld. Der Mensch erst recht bei diesen armen und verdienten Menschen, die sür den Bestand des Staates ihre Haut zu Markte getragen und ihr Glück geopfert haben und nun ohnehin sehr häufig den schmerzlichsten Enttäuschungen ausgesetzt sind.(Lebhaste Zustimmung b. d. Soz.) Ich gehe noch weiter und spreche es mit einer gewissen Rücksichts- losigkeit aus: Die Versorgung der Kriegsopfer muß Geld kosten: sie darf nicht billig sein. Das Volk soll wissen, welche finanzielle Geißel aus ein Menschenalter hinaus auch hier der Krieg bedeutet, damit es mit Haß und Abscheu gegen die Kräste erfüllt wird, die wir als die intellektuellen und politischen Urheber dieses unsäglichen Elends erkannt haben.(Zustimmung b. d. Soz.) Hier gibt es nichts zu sparen, hier gibt es nur noch zu verbessern und gutzumachen. Die Zivilversorgung ohne Post und selbstverständlich ohne Reichsbahn erfordert 113 bis 123 Millionen Mark. Für die Offi- ziere und Beamten der alten Wehrmacht sind 243 Millionen Mark erforderlich, und die neue Wehrmacht macht sich mit 53 Millionen Mark auch schon ganz nett. Möchten Sie Ihren Spar- sinn, meine Herren vom Bürgerblock, der sich so oft an falschen Objekten erprobt» nicht einmal auf diese Dinge lenken? Di« Rechte der Ruhestands- und Wartestandsbeainten sollen und dürfen nicht angetastet werden. Der Beamte und der Soldat der Wehrmacht, der der Republik und ihrem Volke jahrzehntelang treu und gewissen- hast gedient, hat keinen 2lnlaß, in der Sozialdemokratie einen Feind seiner Interessen zu sehen. Wogegen wir uns wenden, ist die Maßlosigkeit nach oben, die im schreienden Widerspruch steht zu den schweren sozialen Röten unseres Volkes.(Lebhaste Zustimmung b d. Soz.) Wir hatten bei der Besoldungsvorlage eine Hoch st Pension von 12 333 M. beantragt, wir wollten eine Kirrzung der Pen- s i o n e n, wenn das Prioateinkommcn neben der Pension etwa 6333 M. im Jahr« übersteigt. Pensionen, die 3333 M. im Jahre nicht übersteigen, wollten wir grundsätzlich von der Kürzung frei- lassen. Sie. meine Herren vom Bürgerblock, denen eine wöchentliche Arbeitslosenunterstützung von 6 bis 8 M. als Rechtsanspruch so unerträglich erscheim. daß Sie für seine Beseitigung interpellieren, haben im Ausschuß und in diesem Hause gegen diesen AMraa gekämpft, als gelte es die heiligsten Güter der Nation zu verteidigen.(Lebhaste Zustimmung b. d. Soz.) Und gerade die Landbündler innerhalb und außerhalb der Deutschnationalen Volkspartei, die die Landwirte draußen gegen die Bezüge der Beamten in der demagogischsten Weise aushetzen und davon sprechen, daß die Beamten den Staat ausfressen, haben hier im Hause gegen jede Kürzung der Pensionen ge- st i m m t!(Stürmisches Hört, hört! links.) Die Bauernführer als Schützer der Pensionen, die mehr als 12 333 M. betragen, als Schützer ungekürzter Pensionen, auch wenn Zehntausende von Mark Prioateinkommcn fließen, das ist jedenfalls ein Bild, das manchem der von Ihnen aufgehetzten Bauern die Augen öffnen wird. Wir werden jedenfalls in den nächsten Wochen dafür sorgen, daß recht vielen der Star gestochen wird.(Lebhafte Zustimmung b. d. Soj.) Wie lange soll eigentlich der Unfug der vensionszahlung für Putschisten noch fortbestehen? Traditionelle Hochverräter, wie Herr Ehrhardt, und Gcsegenheilsputschislen. wie Herr von Lütt- witz, wagen es noch immer, den Fiskus mit Vrozessen zu über- ziehen. Verqleichsvorschläge und Verglcschxangebole werden gemacht. ZNeincs Erachtens ist es eine ganz unwürdige Lage, in die durch solche Dinge die Republik und ihre Slaalsautorität gebrach» wird.(Lebhaste Zustimmung b. d. Soz.) Bor einigen Monaten habe ich in diesem Hause � den Fall des nationalsozialistischen Freibankmetzgers Graf in Mün- chen mitgeteilt. Die Beachtung, die dieser Fall in der Oeffcntlichkeit gefunden hat, und die Ablcugniingsversuche in der Hitler-Presse machen es nötig, ihn auch hier noch einmal kurz zu streifen. Graf war der Adjutant Hitlers. Zln seiner Seite machte er den berühmten Spaziergang am 9. November 1923 in München mit. Er wird an der Brust, am rechten Oberarm und an beiden Schen- kein durch Reichswehrschüsse verletzt: er kommt ins Krankenhaus, stellt beim Berforgungsamt Antrag auf Versorgung, erhält daraus eine Gesomtrente von 63 Proz., dazu Krankenhausbehand- lung und Arztkostcn auf öffentliche Rechnung und die Porteil« des Schwerbeschädigtengesetzes.(Lebhaftes Hört, hört! links.) Vor seiner Verwundung bezog Graf als Militäranwärter ledig- sich eine Rente von 33 Proz. Diese Darstellung des Falles ist trotz gewisser Ableugnungsversnche absolut unanfechtbar. Nun haben in der Sache zwei Verfahren stattgefunden. Ein vom Stadlrat München betriebenes Dienftentlafsungsverfahren gegen Graf wegen Beteiligung an hochverräterischen Ilmtrieben in München und ein Versorgungsversahren. In diesen Verfahren hat die Regierung von Oberbayern eine höchst merkwürdige Roll« gespielt. In dem Dienstentläsfungsverfahren vertrat— ich solg« allerdings einer Darstellung des„Völkischen Beobachters"— die Regierung von Oberbayern den Standpunkt, daß Graf als An- gehöriger der damaligen Kampsverbände zur militärischen Disziplin verpflichtet war, denn die damals Himer Hitler stehenden Verbände waren, so sagt die Regierung von Oberbayern wörtlich,„lalsächlich nach militärischen Grundsätzen ausgebildet und zu militärischem Gehorsam gegenüber ihren Führern verpflichtet-.(Hört, hört! bei den Soz.) Mit dieser Begründung, die also«in subjektives Verschulden Grass verneint, wurde der Stadtrat München dazu verurteilt, die Dienstentlassung auszuheben. Es wird also hier von der Regierung zugegeben, daß Gras in höchstem Maße aktiv an dem Putsch beteiligt war, ja daß er sich dieser Beteiligung aus Gründen der militärischen Disziplin gar nicht entziehen konnte. In dem Versorgungsverfahren dagegen hat das Versorgungsamt noch den Mitteilungen, die der Regierungsvertreter im Ausschuß gemocht hat, bei der Prüfung der Frag« des Verschuldens angenommen, daß Graf nicht in die Hitler-Pläne«ingeweiht gewesen sei, an dem Zug unbewaffnet teilgenommen habe und als Unbeteiligter an- zusehen sei. Dieser Entscheidung des Versorgungsamts hat sich die Regierung von Oberboyern, die in dem anderen Versahren höchste Beteiligung zugegeben und cntschuldigt hat, angeschlossen, mit dem Effekt, daß der Staat Bayern die weiteren 33 Proz. Rente aus seiner Staatskasse zu zahlen hat. Diese Stellungnahme einer Regierung, die die Witwe und die Waisen eines meuchlings gemordeten Ministerpräsidenten im Armcnrecht um ihre Bezüge Nagen läßt, fordert zu schärfster Kritik heraus.(Lebhafte Zustistmmung b. d. Soz.) Wenn man bedenkt, daß die Uebergangsgelder für die nicht unter- gebrachten Vcrsorgungsanwärter 33 Millionen Mark im Jahre be- tragen, wird man die erhebliche finanzielle Bedeutung dieser Frage erkennen. Es ist reizend, meine Herren von der Rechten, wie Sic immer wieder versuchen, den Sorgen der Versorgungsanwärter mii inhaltslosen Entschließungen abzuhelfen, an deren Er- sllllung Sie selbst nicht denken. Wir haben das ja bei der Befol- dungsvorlage erlebt. Schutzpolizei und Reichswehr sind gleicher maßen an ihrer befriedigenden Lösung interessiert. Zunächst muß sich aber die Regierung selbst einmal über das Programm Nai werden. Sie soll uns einwandfreies Material in Form einer Denk- schrift vorlegen, die die Basis zu einer eingehenden Aussprache irr Ausschuh abgeben kann, in der man versucht, sich über die Rich- tung des gesetzgeberischen Vorgehens zu verständigen. Die Anlage zum Reichzhaushallsplan zeigt, daß in der neuen Wehrmacht bereits 75 Ossiziere im Range des Generalmajors. 37 Ossiziere im Range des Generalleutnants und 15 Ossiziere im Range des Generals pensioniert worden sind. Es scheiß aber auf diesem Gebiet doch nicht alles zu stimmen. Vor einigen �Lochen ist der General Reinhardt pensioniert wor- den. Er ist erst 57 Jahre alt und aus der Höhe seiner Leistung?- fähigkeit. Es wird erzählt, daß er lediglich in Pension gegangen sei damit der nächste Kamerad in sein« Gehaltsbeziige einrücken kann (Lebhaftes Hört, hört! b. d. Soz.) Nach Zlblauf von zwei Jahren soll aber auch der Nachfolger von Reinhardt ohne Rücksicht aus Alter und Leistunasfähigkeit in Pension gehen. Dann kommt nach Zlblaus desselben Zeitraums der nächste dran. In der Marin« erleben wir dieselbe Praxis, wenn das so iveiler gehl, s« haben wir in kurzer Zeit zehnmal soviel pensionierte Generäle als aktive. Gegen diese eigenartige Pensionierungsmethode auf Kosten des Volkes legen wir Verwahrung ein. Sie paßt zu den schönen Reden von der Sparsamkeit, wie die Faust aufs Auge.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Laverrenz(Dnat.) erklärt, bei der notwendigen Neurege- lung des gesamten Pensionsrechts werde zu erwägen sein, ob nicht eine Höchstgrenze für Pensionen festgesetzt werden könne. Aus grundsätzlichen Erwägungen sei aber die deutschnationale Fraktion gegen jeden Versuch einer Pensions- k ü rz u n g. Eine solche Kürzung würde ein« Verletzung der wohl- erworbenen Rechte sein. Das in der Ausschußentschließung verlangte Pensionsgesctz für die politischen Beamten werde auch von den Deusschnalionalen gewünscht. Abg. Lücke(Wirtsch. Vgg.) verlangt. die Anrechnung der Warte st andszeit der Beamten auf das penstonsfähige Vienft. alter. Die übermäßig hohen Pensionen von Leuten, die daneben noch hohes Privateinkommen haben, seien untragbar und wirkten in der Zeit der allgemeinen Notlage des Volkes besonders er- bitternd auf den schwer um seine Existenz ringenden städtischen und ländlichen Mittelstand. Wenn die Pension 12 000 M. übersteigt, dann sei eine Kürzung wohl am Platze. Abg. Ersing(Z.) erklärt, seine Fraktion wolle nicht die wohl- erworbenen Rechte der Beamten antasten: aber die Auswüchse und Mißbräuch« im Pensionswesen müßten beseitigt werden. Leider habe die Regierung trotz des wiederholten Verlangens des Zentrums nicht das Pensionsgesetz für politische Beamte vorgelegt. Auch das Zentrum sei nicht für die dauernde Aufrechterhaltung von Pensionen, die 20 000 M. und mehr betragen. Abg. Brünlnghaus(D. Vp.) erklärt: Eigentümlich habe bc- rührt, daß Herr Lücke von der Wirtschastspartei die Pensionserhöhungen als zu gering bezeichnete, während gerade die Wirt- fchaftspartei bei der Besoldungsregelung auch die kleinste Ver- besserung abgelehnt habe.(Hört! hört! rechts.) Ein Pensionierungs- gesetz für politische Beamte müsse bald kommen. Unerträglich sei die bisherige Regelung, daß pensionierte Offiziere verhindert wür- den, mehr zu oerdienen, als ihr Gehalt betragen würde, wenn sie noch im Amt wären! Abg. Brodaus(Dem.): Der Entschließung, die ein Pensions- gesetz für politische Beamte fordert, stimmt die demokratische Fraktion zu: sie habe schon vor Jahresfrist ein Minister- fmsionsgefetz gefordert, das damals vom Zentrum bis zu en Deutfchnationalen abgelehnt wurde, während es heute vom Zentnim und der Wirtschaftsvartei dringend oerlangt werde. Bei den Deutschnationalen sei es in dieser Beziehung jetzt, nach ihrer eigenen Beteiligung an der Regierung, still geworden. Dazu mag wohl auch jene Denkschrift beigetragen haben, die feststellt. daß von den bisherigen Minlstern Pension beziehen: alle drei bayerischen Volksparteiler und alle sechs Zentrumsminister: da- gegen erhallen von den acht bisherigen demokratischen ZNinistern nur vier Pension und von den vierzehn sozialdemokratischen nur drei. Einem deutsch n ationalen Mini st«r habe man eine Pension von 17 000 M. errechnet, indem das Reichsfinanzmini- fterium die zehn Leutnantsjahrc dieses Herren bei der Berechnung zu Hilfe nahm. Andere bekannte Rechtsparteiler bekämen hohe Swatsbezüge, nur, weil sie sechs bis sieben Wochen Staatssekretäre in der Reichskanzlei waren.(Hört! hört! bei den Demokraten.) In der Oeffentlichkcit verstärke sich daher immermehr der Eindruck, daß man in Deutschland bei der Regelung der Staatspensionen jedenfalls nach oben hin zu freigebig ist. Dringlich fei die. Neuregelung der Ministerpensionen, das auch die Pensionskiirzun/tn bei hohem Arbeitseinkommen regelt.(Beifall bei den Demokraten) Abg. Wcber-Düsfeldorf(Komm.) verlangt noch weitere Er- höhung der Bezüge der Kriegsopfer und Streichung der Generals-, Admirals- und Ministerpensionen. Ein völkischer Provokateur. Abg. Dr. Frick(Nat.-Soz.) erklärt, die Pensionierung parlamen- taris6)er Minister gebe es nur in Deutschland, aber sonst in keinem parlamentarisch regierten Staat: sie sei ein ungeheurer Skandal. In der Presse tauche sogar schon der Wunsch nach einer Pension für Reichstagsabgeordnete auf. Eine Pensionsgrenze von 12 000 M. sei nicht unbillig. Der Fall des ehrenhasten Kriegs- beschädigten Graf sei von den Regierungsvertretcrn im Ausschuß vollständig ausgeklätt worden. Man dürfe jedenfalls diesen Mann nicht in einem Atem nennen mit jüdischen Literaten wie Ejzncr oder Männern wie Erzberger und Rathenau.(Großer Lärm links: Rufe: Schuft! Leichenschänderl).■- Präsident Löbe ersucht den Redner, nicht Ausführungen zu machen, die gerügt werden müssen, und erklärt weiter: Im Aeltestenausschuß ist niemals über eine Pensionierung der Reichstags- abgeordneten verhandlet worden. Abg. Knoll(Z.): Es gehört viel dazu, wenn hier ein Abgeord- neter verstorbene und Ermordete beleidigt, die sich zweifellos um das Wohl des Vaterlandes große Verdienste erworben haben.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum, bei den Soz. und bei den Dem.) Damit ist wohl der Hinweis des Abg. Frick genügend gekennzeichnet.(Sehr gut! im Zentrum: Zuruf bei den Völt.: Nebbich.) Für die Kriegsbeschädigten ist gerade in den letzten Iahren sehr Großes geleistet worden: was R o ß m a n n früher verlangte, ist fast voll durchgeführt.(Hört, hört! im Zentrum.) Abg. v. Ramin(Dölk.) ist mit Pensionskürzungen einverstanden. Noch ein Zwischenfall. Abg. Loibl(Bayer. Bp.): Die bürgerlichen Parteien haben alles für die Kriegsbeschädigten getan, was überhaupt möglich war. Für weitergehende Anträge hat auch der Sozialdemokrat Keil im Aus- schuß keine Dcckungsvorschläge machen können. Die gegenwärtige Versorgung ist in den weitaus meisten Fällen besser als die nach dem alten Mannschaftsversorgungsgesctz. Bei diesen Worten des Redners erhebt sich auf der P u b l i- kumstribün« ein Mann in grüner Joppe und Hemd mit Schillerkragen, das Gesicht von dichtem Dollbart umrahmt: er schüttelt die Fäuste und rust in den Saal hinein: „Wann werdet Ihr mir meine Kriegsbeschädiglenrenle geben? Wie lange soll Ich noch warien? Ich werde euch verfluchen, wenn ihr uns nlchl unsere Renke gebt." Der Mann wird, ohne daß er Widerstand leistet, von der Publikumstribüne geführt. Abg. Loibl(fortfahrend): Solche Zurufe sind eine Folge der verhetzenden Tätigkeit, die wir leider im Lande draußen beobachten müssen.(Lärmender Widerspruch bei den Kommunisten und Zuruf: Sic gerade haben die Kriegsbeschädigten belogen und betrogen!) Abg. Rohmann(Soz.) weist die Unterstellung, daß der Vorfall auf der Tribüne auf oerhetzend« Agitation seiner Worte zurückzu- führen fei. mit aller Entschiedenheit zurück.(Beifall bei den Soz.) Der Redner wendet sich ferner gegen die Angriffe der übrigen Vor- rcdner. Der Putscht st Graf fei kein Kriegsbeschädigter, sondern er habe eine Kapitulantenrente von 30 Proz. bekommen. Damit schließt die Aussprache. Die Anträge und Entschließungen der Kommunisten, Demokraten und Nationalsozialisten werden abgelehnt. Die Abstimmungen. Der Teil der Ausschußenlschließung. der ein Gesetz über(fest. s e h u n g e i n e r hö ch sl p e n s I o n und Regelung der Pen- sionskürzung bei hohen Arbeitseinkommen sorderl, wird in namenilicher Abstimmung mil 27Z gegen 120 Stimmen bei S Enthaltungen angenommen. Dagegen haben dle Deulschnalio. «alen, die Deutsche und Bayerische Bolksparlci gesilmmt. Angenommen wird auch der Teil der Entschließung, in dem ein Pensionsgesetz für politische Beamte gefordert wird. Di« weiteren Ausschußentschließungen auf Beihilfen für die alten Veteranen und auf vermehrt« Einstellung Versorgungsberechtigtsr bei den Reichsbehörden werden gleichfalls angenommen. Nach Ab- lehnung aller Aenderungsanträge wird der Versorgungsetat bewilligt. Um 18�. Uhr vertagt sich das Haus auf Mittwoch 14 Uhr. Auf der Tagesordnung steht der Landwirtschaftsetat. (Schiedsspruch in der Kanalschiffahri. Maßige Lohnzulagen. Im Lohnstrest der westdeutschen Kanalschisfahrt ist am Dienstag ein Schiedsspruch gefällt worden, der den Gehalts- und Lohn- tarif vom 1. März 1927 mit einer Reihe von Aenderungen wieder in Kraft setzt. Die GeHalls- und Lohntabelle vom 1. März 1927 erhöht sich für die Zeit bis zum 30. September 1928 für Ka- pitäne und Maschinisten um 11 Prozent, für das übrige Per- sanol um 4 Prozent und für die Zeit ab 1. Oktober 1928 für alle Gehalts- und Lohnempfänger um weitere zwei Prozent. Die Prämiengelder für Kapitäne, Schiffsführer und Masch!- nisten kommen in F o r t f a l l. Die Neuregelung tritt vom Tage der Wiederaufnahme der Arbeit an in Kraft. Sie ist erstmalig am 1. März 1929 mtt einmonatiger Frist kündbar Die Arbeit ist baldmöglichst wieder aufzunehmen. Die Arbeitnehmer sind, sobald und soweit die Betriebsmöglichkeiten es gestatten, wieder einzustellen. Laden, Löschen, Ueberschlagen, Leichtern, Reparatur- und Instand- setzungsarbeiten an Fahrzeugen, soweit sie in üblicher Weise von Schiffsleuten ausgeführt werden, sowie Fahren gilt als Inbetrieb- nähme des Fahrzeuges und bedingt die Wiederaufnahme der Arbett bzw. die Wiedereinstellung. Maßregelungen aus Anlaß des Streiks oder der Aussperrung finden nicht statt. Die Wieder- etnstellung bewirkt, daß das Arbeitsverhältnis als nicht unter- brachen im Sinn« des Tarifvertrages gllt.— Die Erklärungsfrist für die Parteien läuft bis 7. März einschließlich. Kundgebung der arbeitenden Zugend! Freilag, 2. März, 20 llhr, Stadlhalle Klosterstr. Jugend— Schule— Familie Krantz- Prozeß- Was nun? 5 Uhr. Aska. nischcs Enmnasium, oäS., Hollelche Str. 26, Vortrag Dr. P. Krilche:„Amer ka und wir."„ Berband Ehereckitsrefor». O-ftentllch« Versammlung Frettag. Marz. 29 Uhr, tm Restaurant„snrcikfenheraer". Berlin, Ierlstalemer Sit. s I unterer Saal). Vortrag ron Rrcht-anwalt und Notar Dr. Eonrad Mendrlsohn:„Das neue Eheschcidi'nosgcfed" Frr'e Aussprache. Käste dürfen eingeführt wer»'». alrS«itrr.«bst>n»nten.Bund, vrtsaruppe Lichtenberg, zu.samiu'rkunit sed'N Mittwoch 1914 Uhr im Iugendhe'm Lichtenberg, Dossestr.,—.- mmer 3, Vor» trag des K-nossen Simon Kadenftein:..ErS«'rk>>ng>n des»tt»»»*«*«itt. wow, 29. Februar, 1914 Ubr, im Iug'udheiNi Doffcstr. 22. öl"'"'" 3.., «esellsckast stir Sezuolresorm. Am 29..Februar. 29 Uhr, stndrt In der «chulaula Friedr'chst?., 126 ein Diskusston-ab-nd Über„Van de Beide- Di« vollkommene Ehe" statt. Kr»op« freier Mcnt-tt». Mittwoch, 2». Febrnnr. Vcz'rf Norden: Dum. nast k. Seim Eisen, ahnstt. 23, 18 Ubr. Vezttk Mitte: Nestab-.' d, g>t/« uhr- Max Adalbert als Der Herr tob. PiscatorbObne TbuL«. Hiilußartßlth Kurfürst 2091/93 Anf.8, Ende geg. Ii Die Abenieoer de« braves Soldaten Stbwcfk Bit Nu Palletberj iBLEnrii Pisattf Täglich N/« Uhr rfflachlianienf lerne Liebe Wirk Oolfmaoo, Jofan. Otlle, Afbu Tägl. 7'i, Uhr: Das gr. Clrensprogramn 4er Salsa» I Min: Premlere W-Ät Die Himcb des Herrn v. Bredow Im neuen Gewände UM WM Th. sn StfiilfbsDerjinin! 8 Uhr Schieber des Rahms ■€ine Äalbmonatsrchrift Aus dem Inhalt der Nr. 5 Di. HildeW egfscheider. Der Scheller-Krantz-Prozeß Einschulungsfragen- Fr. Weigelt Ob«) Wohnungseinteilung- Irene Frank Der blühende Schleier- Edgar Hahnewald:, Kn Kindermärchen« Robert GrötzsA oaw. Aus dem Inhalt der Nr. 6 und 7 Wilhelm Hansenstein über Dürer Zum 60. Geburtstage von Maxim Gorld Frauengestalten der französischen Revolution Geschichte des Spielzeugs Anna Siemsen über Blasco Ibancx Lustspiel aus dem Sowjetrussischen, von Klabtmd Preis des Heftes 30 Pf., mit Schnittmuaterfaogen 40 Pf. Beste Ihm�en nehmen entgegen alle Volksbuchhandlungen, Bahnhofs- und Zeitungskioske, Kolporteure, Postanstalten oder der Verleg J. H. W. DICTZ NACHFn Berlin SW 68 eneinnansftBfl S. Älafle 30. PreiMch-Südbtuljche fttoffeii'&fferie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten I Anf jede g«»og«oe Nummer sind zwei gleich hob« Gewinne aeiallen. und»war. s««wer aus. die Lose gleicher Nummer in de» beiden Abteilungen I uud ll_ 1 17 Ziehungsfag 27 gebruar 1928 Sn der NachmlttagsMung wurden Gewinne übet 150 M. gezogen R».«inn- ,» 5000 92. 224084 234553 252038 fl ItmSSI 5 3000 m. 231690 366648 361244 14»SraJJlu 2000 92. 25279 70520 145604 166014 248802 269256 »«-rinn« ,» 1000 92. 12817 16049 98384 235656 245060 246190 263�e?».nn�u35003»b38207� 5247 17592 19111 20839 29655 32728 366M 39378 47916 66356 76491 95200 8o472 143189 145479 152114 16�969 163800 164454 170491 176'42 177189 193307 197910 198070 "10630 232583 237310 242055 253686 256011 258472 270294 303524 325404 332662 344840 346545 351 557 359 171 360310 369320 ' 74»«..n..u 300 M. 2192 7751 9675 14957 25619 27326 41001 48M1 52729 56581 64818 67612 74634 79740 88274 89680 90544 98671 96720 97581 100973'02287 107436 110699 114805 124922 130793 132046 142944 144585 150104 153361 160209 165672 173428 182278 184542 193771 200534 202084 203714 204719 205523 207547 2'2784 213380 214768 220656 223703 231051 232689 23316' 233666 2J6282 242627 25' 203 264825 255018 257292 26386' 274687 280102 28'J66 284795 288631 290837 29' 943 292419 300826 30540' 306488 3ii7a95 314762 321370 321559 325523 33585. 34189t 343763 360316 352374 369453 361103 364016 369944 370969 372486 1R Sifbunqstag 28. Februar 1928 an bei Voriniilagszichung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Sewiime»u IUUU0 tU 374363 2 Aeimnn« an 5000-HL 192897 - Xeomu I« 3000 M. 11598 212523 370300 24«» 2000«I. 36132 95043 1 15063 124946 168611 179085 « QQ• 09 25 1 344 271044 314767 336496 364773 -o aTwnitt m 1000®"9578'22613 148924 168537 173776 177676 177894 219314 220716 234688 251683 267621 267898 270276 286905 288941 288989 289893 292695 312545 328094 360222 .,—„ 300 311- 1672 4262 3245 12813 14049 14092 17013 27104 32213 37477 42320 55528 56706 60023 68490 JtT?? 7fi872 76928 90471 92972 94897 93468 100141 100227 103090 iAIbir infil 93' 06681"8004" 9209 126092 128407 136031 138336 9 40577 146347 146710'47291 154690 155'68' 56194 158900 «4053 183296 184)05'95959 198832 200974 20" 54 202305 1°�? iSooöl 913338 21964' 227434 235146 236316 236903 238042 ok iSL 253400 2553' 2 256320 257293 260022 264742 265 05 oSvjft 7�704 266706 266899 269867 272894 290' 45 29' 573 293714 1�4399 30Q9? 317940 322542 323397 324706 324883 333074 338340 1�881 368697 366860 368281 368923 366422 371876 373401 M.. 160 Gewinne zu ,« M.. 34« Gewinne zu ie!)0"0 M.. v«2 Gewinn« zu ,« WO M., 1920 Gewinne zu je öOO M, 4820 Gewinn« zu je 300 M. Leiste» Auftreten Freddy Rieh IN. seinen 14 unerreicht. KDnstlern Hierzu das große Varletd-Prosr. C ASINO-THEATER S Uhr Lothringer Str. 37. Die spanische Fliege. Ab 7. März: Doktor Klans, Gutschein: Faut. 1.10, Sess. 1.60 M. BireratMühgir Tb, Könleerätr. St. Bergm.2110. 8>/. Uhn Flucht m Jeia Gihvrtbi t»d»' Triir Bmnnkr KomSdleahaiu Norden 6304. 8.15—10.40 Uhr von Curt Götz Walhaila-Th. Weinbergsweg 19/20 Täglich 84/, Uhr Das Abiteigemiartier Schwank in 3 Akten Jimiliida tiina Ziiritti Vorzeiger dieses zahlen für- Parkett auch Sonntags stau Mk nur 641 Pf. Lastsplelbans 8-,. Uhr Gnldo Thielscher Gesdiäftsaafsidir Residenz-Theater 8'/, Uhr Letzte Vorstellung. Wliiig am RheiD Morgen 8'/, Uhr Erstaufführung Sthule fa Liebe Schwank In 3 Akten. Fürjugendl.verb Für Funkfrennde halbe Preise! Thalia-Theater Dresdnerstr. 72/73 80.: Das Kamel gellt IzllnuiHtDan 3ts. Künstler- Th 8 Uhr: jEveiyne" Hessing-Theater 8 Uhr „Rose Bernd" Kleinet Tbeater Täglich 8-/. Uhr Erika Glä�ner in Gretchen Für Jugendliche nicht geeignet Hose-Theater Gr. Frankf.-Str. 132. 8V, Uhr PcrFlIciicr Ii. im Admiralspalas Tägl.S'/.Uht KALLER REVUE Jaooondwo! Metropol-Th. Zentrum 128 24 8'/4 Uhr Der Graf von Luxemburg Stphj, Huh», Suörod. Ijhiika, Balpb Irttr Reberh Hell. Patlli Planelarimn am Zoo (irllig. ieadilBilkilir Sinti Noll. 1578 lO'/fc 18,1 9'/j, 21 Uhr Sternhimmel and Kalender' Eintritt I M. Hliilti out. IS labm n.SO I StelienangeDote I finden In fervirts J besteBeaditDiig; ReichshallenOheater 8 Uhr, Sonntg. nachm. 3 Uhr. Stettiner Sänger „Rottes Wochenende" nachm. ermäß. Preise Dönhoff- Brett9! i Variete— Kabarett Tanz. Theater am Kottbusser Tor Kottbusser StraUe 6* Täglich 8 Uhr Elite- Sänger Febronr in gtoBer Forai! Jeden Sonntar nschm. 3 Uhr; Grobe Fanuuen-VortteniinO (ungekürzt). Volkspr. 0,40,0,75, 1,-, 1,25, 1,501,75 Mk, trnolu Sc.tolz. Hasenneide 108/il, Tl glicht liest in den bayr. Alpen 1 Kapeller /Hede Deknrat.�ailliaTi.Miiieln Donnerstags: Gr. SchveioesdilaiMen. im f i fltfte det Ge�rilfideri. Theodor David, der Begründer des Schuhhofes, hat Zeit seines Lebens danach gestrebt, aus seinem Unter' nehmen Volksschuhhäuscr im wahr' sten Sinne des Wortes zu machen. Weitesten Kreisen der Bevölkerung ist es daher seit Jahren bekannt, da$ man im Schuhhot, entsprechend dem Zwange seines Geschäftsprinzips, am günstigsten seinen Bedarf in Schuhwaren decken kann. Das heulige Angebot setzt diese Tradition fort. Wenn alle wußten, wie billig wir sind, würde man nur noch bei uns kauten. Braune Spangeaachuhc Kreppsohlen-Herrenscbuhe Hb Dunen, h&bxh. wilttelbreone brenn und«hvan. moderne Färbt, amerlkanlsdier Diode abtftiz. gute Vertrbeltunf.. M* Boxcalt. englischer Absatz, der moderne Trotteuisdiah.. M 9 isdic 12' Form. Kräftige Auifflhrung, vel» gedoppelt..... M. Randgenftbte Spangenscfaube Lack.Hcrrcnechuhe Mr Domen, prtm..dswon � FM fi< weiß gedoppelt, halb.plt» � a Qft J fcEg Form, prima Verarbeitung. elegantes Modell*•,. M. beige rosi echt Chevreau SCHUHHOF Berlin W 9, Linhstcll LBQri.�ilmersdOrfersI'T.IIT- 5pandau,Breite6rra6se22-: Erklärung. Cegea rote Hände und unIchSne Hautfarbe nerwenhlt man am besten die schneeigwetii« leunete« m»? l�-<»>I»r> welche den Hünoen und dem Helichi iene man« Weist« nerleihL dt« der nornedmen Dame erwünscht ich Tin belon derer«oneil liegt auch darin, hast hies« unsichtbare Maocreme wundernnll fühlend bei Juckreiz der Kaut wirst unb gleich, eilig ein« ooriüglich« Unienoge für Puber ist Der nachhaliige Dust dieler Creme gleicht«mem taufrilch gepflückten Frühlingsstraust oon Beilchen. Maiglöckchen und Flieder, ohne lenen berüchtigten Moiibusgeruch. den die oornehm« Well verabicheut.— Preis der Tube 60 PI und 1 IDU- 3n allen Thlorodonh Berlaulsstellen zu haben.— Bei direiier Tiniendung dieses Jnlerates als Drucklache mtl genauer und beullich geschriebener Abienderobrefse auf dem Um- schlag erhalle» Sie ein« flein« Prabelenbuna losten- lo» ühcr>undi durch Leo Werl« Wich, Dresden R. 6 Hleehurch erflüre ich. da« ich dl« gegen den Gewerffchaftsveilreter de« steniegl» oerdande» der Hoiel- Resiaurani- und Tafd-Angestellten deganaene Handlung». weile auf eine flarie Srregung jutüd- lühre und die Vorgänge auf da» ckvstersi« bebau». Ich Wellie weder dl» Eeweti» fchafi nach deren Vertretet in irgenbelnce Weise deleidigen. Paul ppu« Restaurant O-gng- Badstras« 57 fidergidt man nur o»m Otaihwer, de, Deutschen Muüfero-rbandes. Dcrltn. stam- mandantenftr«5,64 Dänhaff 3277-78 Geschäftszeit 9—3, Sonntag« 10-2 Uhr Auf Wunsch: Dertreterbesud». Auch bis rn IS jffcnalstttloH j Jtaddats,&t9\ Stnlexdlnlgi» ffii diese»Udrik ftud verll»«««. Liudeustrah« i, partemachrichien�MfürGroß'Verlin st»t»-» da, Beztrkisetrrturtai 2. Hof.! Seen, recht», tu richte». snajui______________________________ 19H Uhr, Mitgliederversammlung mit sehr wichtiger Tagesordnung in der Schul« Donziger Str. A. Erscheinen unbedingt erforderlich. Der Vorstand ist»wecks Porberatung ein« Stunde früher im Lokal. 13. ftteis Tempelhof. Mittwoch, 2S. ssebruar, Uhr, Vezirksversamm» luna In Tcmvelhof, Germaniastraste, Lngeum. 17.«rri» Lichtenberg. Sonntag, 4. Mar,, 1» Uhr, bei Schonert, stqnast. strahe, Vortrag mit Lichtbildern:.Sack London, der Name und da» Werk." Vortragender Alfred Beierle. Eintritt 60 Pf. Anschließend ge. sellige, Beisammensein. heute. Mittwoch, den 29. Februar: 55. Abt. Tharlottenburg. 3.»ruppe: 30 Uhr im Lokal Schütz, Wallst?, gg. Sahlabcnd. Vortrag:.Bolkswirtschaft— Trankcnverstcherung." Referent Genosse F. Okraß. Morgen, Vonnerstag. den 1. MSrz: 74. Abt. gehlendorf. lOvi Uhr bei Schnorre, Zehlendorf.Mitte, Potsdamer straße 3, Zusammenkunft der SPD.-Mttglieder de» Berbande» für Frei. dcnkertum und Feuerbestattung. Vortrag:.Unsere Aufgaben bis zum Tage der Urwahk am 25. Mar, 192»." Referent Kurt Gärtner. Freie Aussprache. Erscheinen unbedingt erforderlich, 32. Abt. Am ffeitag. 2. Mär,, 17 Uhr."' Linderfreundegruvp« innerhalb der 32.' und.genossen, schickt eure Linder resilo« zu_ ort: Jugendheim Brommystr. 1, vorn 5 Tr. Frauenveranstaltungen: I.«rri» Mitte. Freitag, 2. Mär», 19s4 Uhr, Fortsetzung i im Bezirksamt Mitte, C. Z,«lofterftr. 68. Reserennn Bohm.Echuch, M. d. R. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. de» Frauenkursu» Senosstn Slara 4.«rei» Prenzlane« Berq. Freitag, 2. Mär� sehr pünktlich'' um I» Uhr, .....«reitfunktionSrinnenkonferenz statt. Ja» Lokal wird durch findet eine «arte den Abteilungsleiterinnen mitgeteilt. 24. Abt. Heut«, Mittwo> Christburger Stra' 29. Februar, l9Vh Uhr, bei Wituier, Win», Ecke ______...., uci Vinzier, Sin». .,-_. fortfetzung de» ftutsn».Di» preußisch« Verfassung". Referentin Genossin Hedwig Wachenheim. «6. Abt. Halens«. Donnerstag, 1. März, j9sh Uhr, bei Sandmann, West. salische Str. 42, Vortrag der Genossin Hcnni) Vewald über.Bürgerlich- Alle Genossinnen und Genossen sind sälische und sozialistische Frauen!. herzlichst eingeladen. Gäste willkommen. 123. Abt.«aulidors. Donnerstag, 1. Mär», bei Hllbner, Ecke Vortrag de» Benossrn Schiemann Uder.Sexualleben in der Ehe/ Genossinnen sind herzlich eingeladen. Gäste willkommen. ZungsoziaNsten: Gruppe Neukölln l: 20' Uhr Fortsetzung der Arbeitsgemeinschaft.Staate. auffassungen des 19. und 20. Jahrhunderts" im«aiser.Friedrich.NcaIgizmna- stum. Leiter Studienrat Erwin Marquardt.— Gruppe Neutöllu II: Heim Bergstr. 29, Zimmer 10, Pünktlich 30 Uhr, Diskufsionsabrnd und Grupprn- angelegenheiten. f > Sterbetafel der Groß«Berliner Partei« Organisation noss« Johannes � Andenken! Beisetzung heute.____________________„ meinliefticdliof der Stadt Berlin iy Buch. Abfahrt Bhf. Adler-chof um 12 Uhr bzw. Bhf. Gesundbrunnen» Borortbahnsteig, um 13 Uhr. Wir biU-n um rege Beteiligung. % reitag, 24. Februar, verstarb unser alter Gr. y e r s�e i n im Hospital zu Buch. Ehre sehtem ittwoch, 29. Februar, 15 Uhr, auf dem Ge» N Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen flle diese ztubeik»m an da« Zugendsekerimtat, Berlin GW 6», Lindenstraß« S «nndgebuug der arbeitend«» Jugend am Freitag, 2. März, In der Stadl. halle,«lostcrstroßc:.Zugend— Schul«— Familie— Krantz.Prozeß!— Was nun?— Die Gruppen beteiligen sich geschlossen an dieser Kundgebung. Alfred Beierle spricht über.Jack London"(mit Lichtbildern) am Sonntw U Beierle spricht über.Jack London"(mit Lichtbildern) an im großen Sitzungssaal de» Bezirksamtes«reuzberg in der Vor- um 19 Uhr. Eintrittskarten» 30 Pf. im Zugendsekretariat zu 11. straße haben. heute. Mittwoch. 19� Uhr: «ottbusser Tor: Jugendheim Britz« Str. 27—30. Miigliei-rversammlung. — Lichtenberg-Rord! Jugendheim Dossestr. 22. Mitgliederversammlung.— Wörter Platz: Glcimstr. 16, beim Genossen Stoldt, Lorstandssstzung.— Wedding: Jugendheim See., Ecke Turincr Straße.„Scelenkämpfe im Jugend» alter."— Hohenschönhausen: Zugendheim ffreienwolder Str. 5—0.„Ebert. Feier."— Nosenthaler Vorstadt: Jugendheim Gipsstr. 23». Mitgliedcrversamm, lung.— Friedrichshai»: Jugendheim Diestelmeyerstr. 5-6..Der Weltkrieg und leine Ursachen.— Waischauer Bicrtel und R»t« Falken: Jugendheim Tilsstcr Straße 4. Elternabend.— Reichend« rger Viertel:.Die Ziele der Reichstags- Parteien."— Charlottenburg-Rord: Jugendheim Olbcrstraß«..Vom Steinbeil zum Fließband, 2. Teil.— Spandau: Jugendheim Lindenufer 1..Rosa Iburg und Karl Liebknecht."— Tempelho'~ Luxemburg Karl Liebknecht."— Tempelhas: Jugendheim Kinderhort Ger. maniastr. 4—6. Zrhn.Minutcn.Referate.— Waaasee: Jugendheim Schule Char- lottenstraße..Friedrich Ebert."— Falke»b«rg: Jugendheim Am Falkenberg 67. Der Spielleiter hat das Wort.— Friedrichshage»: Jugendheim Friedrichstr. 87. Lustiges Monatsende.— flanUdorf: Jugcndh~ nisse.— Lichtenberg-MItie- Jugendheim Sä fahrt."— Lichtenbem-Neu: Jugendheim Pr trag.— Lichtenberg.'' Jugendheim Scharnwebcrstr. 29.»Ederi-Gcd-nkfeiers Neuartige Gardinen bei Israel. Eine Gardinenausstellung im Hause Israel, Königstrahe. bringt eine reiche Auswahl verschiedenartigster, Neuheiten. Hellgrundige, weichsallende Kunstseidenstosse mit Fransenteilen als Kopsbehang. Die Fransenverzierung, die auch an den seitlichen Behängen reichlich Verwendung findet, wird mehrfarbig, dem Stoffmuster entsprechend, gehalten, wadurd� eine sehr schöne, einheitliche Linie in der Muste- rung eitsteht,«ogar den Leisten gibt man eine im Stoffe ent. halten« Farbe. Vollvoile in zarten Pastelltönen und neuartigen Zeichnungen, daneben helle Streisenooile, immer in Verbindung mit Fransengarnierung. Zu den duftigen Uebergardinen wählt man als halbstorcs modern gezeichnete Florentiner Tülle, Margisette- und Voilestosfe. Für Herren- und Speisezimmer kommt hauptsächlich kunstseidener Rips, der sogenannte Noppenrips, kunstseidener Ma- dras usw. zur Verwendung. Durch das Indanthrenver- fahren kann man heute mit einfachstem Ereton oder Voile durch die hübsche und haltbare Musterung auci kungsvollsten f' heiten, die in praktisch an Ort und Stelle vorgeführt werden, erhalten durch ei«ien hübschen, frühlingsmähigen Blumenschmuck aus der Blumenschule von Franziska Bruck einen wirkungsvollen Rahmen. Frühjahrsschau bei Cords. Im Rahmen ihrer Frühjahrsmodenschou zeigt die Firma Cords, Leipziger Straße, in diesen Tagen den Werde- gang des Modestoffes, angefangen vom ersten zeichnerischen Ent- wurs bis zum vertaufsfertigen Gewebe. In hübsch ausgestatteten, wirkungsvoll beleuchteten Mtrinen sind die verschiedenen Stadien dieses recht interessanten Fabrikationsprozesses festgehalten. Es wird hier das sogenannte Iacquard-Berfahren veranschaulicht, das ist die Herstellung gemusterter Gewebe auf dem Jacquard-Webstuhl, der, nach seinem Erfinder benannt, den heute so sehr beliebten Modestoff gleichen Namens liesert. Angefangen vom Zeichner, der das Muster herstellt, über den Graveur, der so viele Handdruckplatten in Holz zu schneiden hat, wie verschiedene Farben im Muster enthalten sind, bis zum Weber, der dann den lieferfertigen Belours-Iacquord in seinen seidig-leuchtenden Farben und Musterungen bringt, ist es«in langer, recht komplizierter Weg. Daneben fielst man wieder Metall- brokat und feine Herstellung in neuartigem Zodiak-Muster: letztgenannte Dessins sind eine Neuheit französischen Ursprungs, die, ähnlich den orientalischen Stoffen, allegorische Figuren, in ziemlich Strotzen Dimensionen gehalten, darstellen. Die Frühiahrsschau ertiger Fabrikate zeigt ein« Fülle bunter, lebensfroher Farben in den verschiedenartigsten Stoffgeweben. Gemusterter Kasha für Mäntel, sehr aparte bunte Strickstoffe für Kleider, bunt« Lrepe äe Cliine und Voile für die kommenden sonnigen Tag«. Als dernier cri groß«, glockenartiq« Hüte zur Beschattung des holden Angesichts, denn man trägt in diesem Sommer vizage naturelle— auf gut deutsch. Gesicht im Normalzustand und den. dazu gehörigen Farben. Sennengebräunt, oder gar schwarzgeschmort ist von der Modekar«--- 1928 gestrichen. Und so werden denn diesmal die modebeflissenen, weiblichen Sonnenanbeter mit unserem Dichterling wehmütig aus- rufen: Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von schönen Togen!_ wellerberlchl der iffevMchcn Wetterdienststelle Berlin und Umgegend. (Nachdr. verb.). Trocken und heiter. Nach» Frost, am Tage Temperaluren über Null. Frische östliche Winde. Morgens Nebel.—?ür Veulschland: Wolkig bis heller, im Osten etwas Abkühlung, nirgends Riedel fchlägc. verbreitete Nachtiröste. Altbewahrt bei Störungen der Verdauung«- und Harnorgane und bei Stoffwechselkrankheiten Fachinger Versandstelle, Benin SW II. 8oh8nebergerStr.16a. Tel. LDUc«876a 61. Wir erfüUen die traurige Pflicht, der gesamten Berliner Bauarbeiterschaft von dem Ableben des Bau- arbeiterschuczsekretärs, des Kollegen Gustav Link Kenntnis zu geben. Kollege Link war seit dem Jahre 1898 bis Ende 1925 ArbeitersekretSr. In diesem Amt bearbeitete der Verstorbene insbesondere den Bauarbeiterschutz nebenamtlich, bis er am 1. Januar 1926 als Bauarbeiterschutz- sekretär berufen wurde. Gustav Link hat die ihm übertragen» Arbeit in unermüdlichem Fleiß zum Wohl der gesamten Bauarbeiterschaft erfüllt Mitten in der Arbeit wurde er von uns gerissen. Ein Schlaganfall setzte seinem Wirken im Dienste der Arbeiterbewegung ein Ende, an dessen Folgen er am 24. Februar 1928 verstarb. Die Sache des Bauarbeiterschutzes verliert in dem Verstorbenen einen treuen und tüchtigen Pionier, dessen Andenken bei uns in dauernder Erinnerung bleiben wird. Berlin, den 28. Februar 1928. Die BaDarbeiterschntzkommisslon. Die Einäscherung findet am Freitag, dem 2. März 1923, nachmittags 6 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Deutscher Baugewerksbund Allen Gewerkschsftsgenossen die Trauermeldnng, daß unser Kollege und Eeichsfachgruppenleiter der Asphalteure Gustav Link verstorben ist. Der so plötzlich verstorbene Kollege war seit der Gründang dos Berliner Arbeitersekretarintes im Jahre 1899 bis Ende 1925 dort Arbeitersekretär. Diese umfangreiche Tätigkeit erschöpfte aber seine große Arbeitskraft nicht, so daß er nebenamtlich noch von 1896 bis 1903 als Obmann der Agitationskommission des Verbandes der Maler und von 1903 bis 1924 als ehrenamtlicher Eedakteur und Hauptkassierer des Zentralver- " an des der Asphalteure tätig sein konnte. Beim Anschluß dieses\erbandes an den Deutschen Bangewerksbund im Jahre 1924 wurde Gustav Link zum Reichs- lachgruppenleiter bestimmt und gehörte damit zugleich dem Beirat unseres Bundes bis zu seinem Tode an. Seinem vielseitigen und erfolgreichen Wirken im Dienste der Arbeiteibewegung setzte ein Schlaganfall einfinde, an dessen Fcl»en er am 24. Februar verstarb. Lnser Bund verliert in dem Verstorbenen nicht nur einen tüchtigen Mitarbeiter bei der Förderung der Interessen seiner Fachgruppenmitglieder, sondern auch einen stets liebenswürdigen und treuen Kollegen, dessen Andenken bei uns in dauernder Erinnerung bleiben wird. Hamburg, den 28. Februar 1928. Der Bundesvorstand. Im Auftrage Nikolaus Bernhard. Die Einäscherung findet am Freitag, dem 2. März. nachmittags 6 Uhr, im Berliner Krematorium, Gericht- straße, statt. Kamt manmclu* vedanoen? 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Nach langem, schwerem Leiden rn'- Ichlies sann am Sonnabend, dem 25 Februar, unier lieber guter Vaier, Schwieg er- und Großpoier. Bruder, Schwager und Onlel, der Maschinen- sührer Adolf Sonntag kurz oor Bollendung seine» 85. Lebens- jähre» In liefiiem Schmerz 01» trauernden Kinder. Berlin, den 25. Februar 1923. Malpiaquetftr. 14/16. Einäscherung am 3 im Krematorium Gedd Nor,. 18 Uhr. Ustraße. Wenl» aetraaene Kavalieraarderobe oon Millionären Aerzlen Anwälien. Fabelhaft billiae Preise. Empfehle Taillenmänlel. Paieioi», Frack» Smo- kinq«, Gehrockanzllae, Hosen Sport-. Gehpelze Gelegenheitskäuse in neuer Garderobe. Weitester Weg lohnend Lothrinaerstraße 5«. 1 Treppe. Slosrn- thaler Platz________• Teilzahlung und gegen bar Kasse'. Liefere elegante Herrengarderobe, reelle, moderne Ausführung, billigste Preise. Tomporowski. Schneidermeister, Drei- bundstraße 47, am Untergrundbahnhof Kreuzberg.' Möbel Ausnahiue-Angrdoiel zu tatsächlich günstigen Preisen nur Mödel-Magazin. 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