Ur. 364. Eischcint täglich außer Montag». Preis pränumerando: Viertel- jährlich z.so Mark, monatlich l.io Ml., wöchentlich 2S Pfg. frei tn�s Haus. Einzelne Nummer ö Pfg. Eonntags-Numiner mit illustr. Sonntags-Veilags„Neue Well" l0 Pfg. Poft-Abonnement: 3,30 Ml. pro Quartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Ml. pr. Monat. Eing.tr. in der Post- Zeitung«- Preislift« für tS9S unter Nr. 7128. 12. Jahrg. Jnfsrtloni-Eebuhr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Naum 40 Pf., für Vereins- und Veriammlungs- Anzeigen so Pfg. Inserats für die nächste Nummer nniffe» bis 4 Ubr nachiniltags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist a» Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- uiid Festtagen bis o Uhr vormittags geöffnet. Lex» Sprecher: Amt 1, Zlr. 1508. Tclexramm-Adress»: ,A«liald«m»l>r»t Kirlin". Berliner Volksblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: LV. Ig. Weulh-Stmße s. Sonntag, den 10. November 1893.! Spedition: 8V. lg, JZeuth-Slraße 3. Die deutsche Gemeebe�Fuspetikiott. Eudlich siud jetzt— im Novcm'bcl.- 1895!— die„Amt- lichcn Mitthcilllngen aus dcn Jahrcsberichteil dcr Gewerbe- Zliissichtsbeamten für 1 8 94" crschieuen. Das Rcichsamt des Juueru, das dieselben aus deu Einzelberichten der Laudesiuspektioucu zusammcustellt, trifft für diese schuecken- hafte Laugsamkeit eiu Thcil der Schuld; ein anderer Theil fällt deu Gcivcrbe-Aussichtsbcamteu der meisten Einzelstaaten zur Last, besonders denen Preilßeiis, deren Landcsbericht glücklich im Juli erschien, während die diesjährige badische Fabrikinspcklion ihre mit werthvollerem und mit statistischem Material reichlicher versehenen Berichte schon im Februar der Oeffentlichkeit zu übergeben gedenkt. Wenn diesmal gerade das Rcichsamt des Innern auch recht viel Zeit brauchte, um seine Zusainmenstellung zu fabriziren, so ist das allerdings erklärlich. Waren doch in diesem Jahresbericht die unsere Staatssekretäre des Reichs- amts des Innern dcsavonirenden Proteste der preußischen Gewerbe- Inspektoren zu verzeichnen, die über die Verkuppelung von Kesselrcvision und Fabrikilispcktion so bc- gründete Klage erheben, wie wir in Nr. 167 des„Vorwärts" vom 29. Juli d. I. ausführlich darlegten. Und gerade Herr v. Böttichcr hatte ja diese Nen-Einrichtung als zweckmäßig vertheidigt! Um so blamabler mußte es nun sein, wenn die Zusammenstellung nachweist, daß selbst die Beaniten sie für eine ganz verfehlte Maßregel bezeichnen! Aber— man muß sich nur zu helfen ivissen, und die Zusammenstellung der Berichte ini Reichsamt des Innern hat stets zu helfen geivnßt, so schön, daß im Reichstag nicht von zusammen gestellten, sondern von„zusammen- gefärbten" Berichlen die Rede war. Und so ist denn auch diesmal etwas„redigirt" worden! Woht wird mitgetheilt, daß die Beamten erklären, die Kesselrevision raube ihnen den größten Theil ihrer Zeit und Kraft; aber eine Reihe wichtiger Urtheile blieb fort, so das Urtheil ans Pommern:„Die Geschäfte dcr Dampfkessel- Revisionen nehmen fast die ganze Zeit der Gcwerbe-Jnspektorcn in Anspruch; ans dcn eigent- l i ch e n Gewerbe- Aufsichtsdienst konnte leider nur eine verschwindend geringe Zeit verivendet werden. Auch Minden, das gemeldet hat,„dreiviertel der Thätigkeit werde durch Kcffclgeschäfte beansprucht", kommt nicht zum Wort, ebensowenig Kassel:„Die Thätigkeit war vorwiegend durch Kcssclprüfungs-Geschäste in Anspruch genominen", und Köln:„Trennung dcr Gewerbe- Aussicht von der Tampfkessel-Prüfnng bleibt nach ivie vor wünschenswerth". Dafür sind mit behaglicher Breite die wenigen Gut- achten ausführlich wiedergegeben, die jene Verbindung nicht ganz entschieden tadeln, sondern hoffen, es werde schon gehen. Prüft man übrigens diese zwar der unnatürlichen Verkuppelung günstigen Urtheile genauer, so ersieht man, daß z. B. L i e g n i tz eine Besserung nur von einer ent- sprechenden Vermehrung der Hilfskräfte in der Inspektion LI Ein Vovvückkev. lNachdr. p-xbot-n. Kampf und Ende eines Lehrers. Roman von Joseph Rncdcrer. Eine mächtigere Gewalt hatte dcn Boden bearbeitet, nnd zwar, wie er sich überzeugen konnte, nnt dem besten Erfolge. Ter Junge sollte im Sommer in ein Benediktiner- kloslcr geschickt werden nnd dort sludiren. Das war der Bescheid, dcn der Lehrer empfing. Er konnte es nicht über sich bringen, dem armen Buben, der draußen gewartet hatte, die volle Wahrheit zu sagen, als er das dumpfe Krankenzimmer verließ. Er machte Ausflüchte, zuckte die Achseln und vertröstete ihn ans den Maler, der vielleicht noch helfeil könne. In seinem Innern aber stieg ein furchtbarer Aufruhr empor. Es ivarf ihn zu Boden, daß man dieses hoffnungsvolle Kind mit verbohrter Grausamkeit in eine Zwangsjacke stecken wollte, in der die vortrefflichen An- lagen alle erstickt werden mußten. Ein junges Leben schien ihm verllichtet, das er mit wahrster Freude erziehend geleitet hatte,.und dieser Gedanke hetzte ihn förmlich zur Raserei. „Sie haben sich nicht um die Zukunft des Kindes zu bekümmern!" schrie ihm dcr Geistliche entgegen, als er ihm spät Abends gegcnübertrat.„Warum regen Sie einen armen, kranken Mann niit so überspannten Ideen aus? Schweigen Sie nur, ich weiß alles!" Er wußte alles! Wie sollte er auch nicht? Ter alte Bauer hatte ja nur als guter Christ gehandelt, indem er seinem Tröster mit aller Ehrlichkeit beichtete. So dachte der Lehrer, während der Geistliche mit heftigen Worten weiter redete. Ganz entschieden verbat er sich eine fernere Einmischung in seine Wirksamkeit als Seelsorger, ja er erwartet. Ein niedliches Nednktions-Kuuststück ist es auch, daß der Düsseldorfer Bericht, der sich ganz entschieden, und zivar scholl ini Vorjahre, gegen die Verbindung von Kesselrevisivli und Gewerbcanfsicht aussprach, unter die jener Maßregel g ü n st i g e n Berichte gestellt ist, weil dcr Beamte erklärt, daß trotz der außerordentlichen Belastung,„die den größten T heil dcr Zeit lrnd Arbeitskraft der Beamten in Anspruch nahm", die Zahl dcr Fabrikrevisionen zugenommen hat. Gleichzeitig wird aber zugegeben, daß z. B. in Duisburg von 418 Reisetagen nur 47 ans Gcwerbeanfsichtsgcschäfte allein und 113 auf Kesselrevisioncn, mit denen Fabrik- revisionen verknüpft wurden, entfielen! So begreiflich es erscheint, daß Herr von Böttichcr als Staatssekretär des Reichs vcrtheidigen läßt, was er als preußischer Minister befürwortete, so hinfällig nehmen sich diese kleinen Vertuschungsversuche ans neben dem großen Krebsschaden, an dem die preußische Gewerbeanssicht leidet. Herr von Böttichcr wie Herr von Berlepsch, dcr im preußischen Landtage jenen Fehlgriff verlheidigte, wiesen dabei aus das Königreich Sachsen hin, in dem jene Ver- bindung zwischen Ke'sselrevision nnd Fabrikaufsicht schon lange bestehe nnd keine 5llageii veranlasse. Eine schlechtere Vertheidigung kann es gar nicht geben! Ganz abgesehen davon, daß Sachsens Gelverbcanssicht in der Art ihrer Ausübung noch recht, recht viel zu wünschen übrig läßt, übertrifft es an Z a h l d e r R e v i s i o n e n Preußen fast um das achtfache! Und zwar trotz der den Gcivcrbe-Anfsichtsbcamtcn obliegenden Kesselrevision— ans dem einfachen Grunde, weil die Zahl der in Sachsen vor- handelten Anssichtsbeamten im Berhältniß zu denen Preußens mehr als fünfmal so groß ist! Die Zusamnienhaltnng des Rcichsberichts über die Organisation des Anfsichtsdienstcs zeigt dies nurindirekt, da Preußen seit Jahren es vernachlässigt, eine Zählung s ä m m t l i ch e r, der Gewerbeaufsicht unterliegenden Betriebe vorzunehmen nnd zu veröffentlichen, während Sachsen dies thut. Bei Preußen sind wir gezwungen, ans die Ergebnisse der Zählung von 18 82 zurückzugehen! Daß seitdem die Zahl der Betriebe sich sehr vermehrt haben wird, ist sicher. Nehmen wir aber auch an, sie wäre dieselbe geblieben, so würden auf die damals(1882) gezählten 635 795 Haupt- betriebe mit mehreren Inhabern, Gehilfen oder Motoren*) im Jahre 1894 gekommen sein: 27 Gcwcrberäthe, 87 Gewerbe-Inspektoren nnd 52 Assistenten, zusammen 166 Bc- amte, sodaß ans jeden 3839 Betriebe entfallen ivürden! Im Königreich Sachsen waren 1894 vorhanden: für 15 268 Anlagen 13 Gcwerberäthe mit 17 Assistenten und 4 chemischen Sachverständigen. Ohne die letzteren waren also 39 Aufsichtsbeamte vorhanden, sodaß aus jeden 599 Betriebe kamen! Denmach hätte Preußen, wenn es soviel Anfsichts- personal wie das Königreich Sachsen stellen wollte, nicht ") Statistisches Handbuch für den preußischen Staat 1(18S8) S. 250. drohte sogar im Wiederholungsfälle mit einer neuen Klage an das Bezirksanil. Gattl hörte ihn kaum. Immer und immer wieder trat das Bild des Knaben vor ihn: eine vernichtete Existenz! Gicbt es denn keinen Ausweg, keine Hilfe mehr? Nein! Da ivar alles vorbei, die Zukunft lag schwarz nnd finster, hart nnd gransam, wie dorr dcr Mann im engen Talare, der scheltend um ihn herunischlich, ein wütbendes Ranbthier, das sich die Beute nicht mehr entreißen ließ. Wankend ging der Lehrer hinaus in das Dunkel dcr Nacht. Als er ans dem glattgefrorenen Bühel dahineilte, rutschte er ans nnd schlug kopfüber den abschüssigen Weg hinunter. Mit beiden Füßen fuhr er in eine auf- geschüttete Schneemasse hinein, Ivo er gleichgiltig liegen blieb. Am liebsten hätte er sich gar nicht mehr erhoben, eine solche Verzweiflung war über ihn gekommen. Gellend lachte er ans, als vom Wirthshans die schaukelnden Klänge des Donanwalzers herüberzogen, den das Dorforchester in schlechtem Tempo abdndclte. Richtig, heute war ja Faschingssonntag! Karneval! Das war recht! Das paßte ans diese verrückte Welt nnd ans die Menschen, die zu- sammen ein einziges, großes Narreilhaus bildeten. Ein seltsamer Unuinth faßte den Lehrer. Es juckte ihn umzukehren, ins Pfarrhans zu stürzen, dem Geistlichen und sich selber eine Schellenkappe aufzusetzen und mit ihm in rasendem Tanze nni die ganze Erde zu hüpfen. Ha! ha! ha! Wie die dürren, hochwürdigen Knochen wohl krachten, wenn er seinen Peiniger wüthend an sich preßte, so lange, bis der Geängstigte keinen Schnaufer mehr machen konnte, so lange, bis das abgefaulte Gerippe ihm in den Händcil bliebe mit der rothen Mütze und den bimmelnden Glöckcheu auf dem grinsenden Todtenschädel! Keuchend kroch der Lehrer ans allen Vieren aus dem 166, sondern an 999 Beamte anstellen müssen! Dann wäre für dieselben auch so viel Zeit für Kesselrevision ge- blieben wie in Sachsen, denn auch dort konnten nicht alle Gewerbebetriebe inspizirt werden; aber immerhin sind 74,7 Prozent revidirt worden! Wieviel Prozent in Preußen revidirt wurden, läßt sich nur ungefähr abschätzen, da, wie gesagt, verheimlicht wird, wieviel Betriebe hätten revidirt werden müssen! Wahr- scheinlich scheut man sich, diese, au 599 999 streifende Zahl zu.nennen gegenüber der lächerlich winzigen Anzahl von Revisionen, die im ganzen Königreich Preußen nur 43 432 betragen haben, also kaum 19 P r o z e n t! Dieselbe schamhafte Verschwiegenheit wie Preußen zeigen die Berichte dcr meisten Bundesstaaten— und offenbar alle aus demselben Grunde! Die Zahl der Revisionen ist zu gering im Verhältniß zur Zahl der zu revidircnden Betriebe! Staaten, die sich ihrer Revisionsthätigkeit nicht so zu schämen brauchen, theilen die Zahl der Revisionen ii n£> der Betriebe mit, so z. B. Baden. Die ganze Berichterstattung über den Umfang der Revisionsthätigkeit, der doch allein die richtige Grundlage für die Benrtheilnng der Berichte bieten kann, bleibt ein kindisches Paradcspielen mit nichtssagenden Ziffern, wenn nicht angegeben wird, ivie viel Prozent der vorhandenen Betriebe revidirt wurden. Die umfang- reichen Tabellen, ivelche die„Mittheilungen" über die Zahl dcr Revisionen und ihre Vertheilung auf die einzelnen Industriezweige bringen, sind geradezu werthlos. Denn auch ans den mitgctheilten Ziffern über die Zahl der in den rcvidirten Anlagen beschäftigten jugendlichen Arbeiter und erwachsenen Arbeiterinne n läßt sich kein Schluß ans die Zahl der solche Arbeitskräfte beschäftigenden Betriebe ziehen, weil„bei den mehrfach nehr- rcvidirten Anlagen die Arbeiterzahl zum theil m l fach aufgenommen lvurde." Solche Zahlcuspielerei, wie sie in diesen Berichten ivieder geboten wird, möge das Reichsamt lieber unter- lassen; es täuscht damit doch keinen, der sich ernstlich ein Bild der deutschen Gcivcrbe-Anfsicht schaffen will. Was die übrige Zusammenstellung aus den Einzel« berichten anbetrifft, so ist auch hierbei nicht stets Sonne nnd Wind gleichmäßig verthcilt worden, doch sind wenigstens die entschiedensten Anklagen wiedergegeben, welche die Geiverbe- Anssichtsbeamten gegen dasjenige Unter- nehmerthnm aussprechen, das die Arbeiter maß- regelt, wenn sie beim Beaniten Hilfe suchen. Bei unserer Erörterung dcr preußischen Berichte wiesen wir bereits ans diese kapitalistische„Verhöhnung von Gesetz und Ordnung" hin und erwähnten, daß einige Beamte an- erkennen, den Arbeitern müsse durch Beschwerdekommissionen Gelegenheit gegeben werden, sich mit dcr Inspektion in Ver- bindung zu setzen. Die„Viittheilungcil" geben den größten Theil dieser Urtheile wieder nnd fügen noch die deutlichen offenen Worte der b a d i s ch e n Fabrikinspektion hinzu:„Die Arbeiter bekommen es manchmal schivcr zu s ü hie«, wenn sie etwa unsere Intervention herbeigeführt haben.-- Sofern sich I Schnee hervor und blickte zur Höhe, während er hastig nach 'Athen! rang. Die Nacht war hell und auffallend mild. Im Westen wuchsen phantastische Wolken herauf, aber sie verdeckten noch nicht die reine Mondscheibe, die die ge- waltigen Berge niit zauberhaftem Lichte übergoß. Auf den weißen, duftigen Schncemänteln der jetzt riesenhaft heraus- ragenden Fdscn blitzte es mit tausend Pünktchen in eigen- thümlicheni Wechselglanz ans, und in dcn Klüften nnd Schluchten zuckten blauschwarze Schatten. In weitem Bogen taumelte Gattl um das Dorf. Er hatte lein Ziel nnd wußte kein Ende dieser nächtlichen Wanderung. Seine Verbitterung wuchs mit jedem Schritte, den er vorwärts machte. Als er vor Poiten's Hans kam und im ersten Stockwerk das niatte Licht sah, durchzuckte es ihn mit einer Art barbarischer Wollust, daß der alte Bauer da oben seinem sicheren Ende haltlos cntgcgenvegetirte. „Wenigstens einer im Dorfe, dem heute auch nicht wohl ist," dachte er, und wollte weitergehen. Da hielt er ein nnd blickte erschreckt um sich. Erstand vor einer kleinen Feldkapelle, die dem Anwesen des Bauern hart gegenüber lag. Rings um das weiße, verschneite Maneriverk flnthete das Mondlicht und spiegelte sich in der eisigen Schncefläche, deren grobkörnige Fasern wie leuchtende Schuppen einer Wassernixe glänzten. Gattl horchte ge- spannt in die Nacht hinaus. Er hatte von der anderen Seite her ein seltsames Tappen im Schnee vernommen irnd verbarg sich eilig in die Kapellennische, weil ihm eine Begegnung niit anderen Menschen zu dieser Stunde ganz schrecklich gcivesen wäre. Nun ivartete er nnd strengte sein Ohr an, aber er hörte nichts mehr als die Tanzmusik, die vom Wirthshaus ins freie Feld drang und eine Mazurka leierte. Schon wollte der Lehrer sein Versteck verlassen, als er ganz dicht an der Nische einen Menschen vorüberschleichcn die Arbeiter von sich ans an die Fabvikinspektion wenden, b e f ü r ch t e n s i e entlassen o d e r s o n st q e m a ß- regelt z n iv e r d e n.-- Es ist kein Mangel an in o r a l i s ch e m M ut h, wenn sie sich die Frage vor- legen, ob die Verfolgung einer einzelnen Beschwerde es recht- fertigt, daß sie deswegen ihre und ihrer Familien Existenz anfs Spiel setzen.-- Es befestigt sich in ihßen die Ansicht, daß der Staat nicht genügend M acht habe, nm sie in ihren berechtigten Interessen genügend zn schützen." Eine sehr richtige Ansicht, die sich da, nach Beobachtung der badischen Fabrikinspektion, bei den Arbeitern befestigt. Der Staat hat nicht die Macht— oder, was noch richtiger siVer fjat nicht den Willen, denn den Staat, der ans diesem Gebiete einschneidend vorgehen kann, bildet die fast überall ans der besitzenden Klasse hervorgegangene Ver- tretnng in den Einzellandlagen, die ja über Zahl und Wahl der Gcwerbe-Jnspektion zu entscheiden haben. Gegen ihre eigenen Interessen geht aber die besitzende Klasse bewußt nicht vor. Und daher die Mangelhaftigkeit der In- spcktionen wie der Berichte. Ausnahmen(wie Baden) be- weisen nur die Regel, denn die Ausnahmen werden vom Unter- nehmerthum gründlich verketzert und zu verdrängen gesucht. Auch die diesjährige Zusammenstellung der Einzclberichte beweist, wie.dringend nothwendig es ist, die Gewerbeaussicht zu einer R e i ch s e i n r i ch t u n g zu machen, die einheitlich organisirt nur dem Neichsnnnisterium und damit dem Reichs- bndget und dem Reichstage untersteht. Eine schärfere Kon- trc.lle der Inspektion wäre dann schon eher möglich— zn große Hoffnungen knüpfen wir allerdings daran auch nicht, denn wenn wir jetzt auch einen Möller los wurden, die Möller, Stumm und Konsorten, die den Unternehmer- Schutz als wichtigste Aufgabe des Staates erklären, haben vorläufig noch die Mehrheit. Welche Früchte dieses System in deutschen Landen zeitigte, ist sogar aus den im Reicbsamt des Innern zn- sammengcstelltcn Mittheilungen ersichtlich und iverden wir auf einige derselben noch näher eingehen. polU'schr Mebrrstchk. Berlin, 9. November. Lockspitzel Neust verzichtet ans gerichtliche Fest- stcllnng seiner Ehrenhaftigkeit. Er hat seine Privatklage gegen unseren Redakteur Dierl kurz vor dem Gerichts- termin zurückgezogen. Und Herr Reuß hatte sich doch in seiner Ehre so sehr gekränkt gefühlt, daß er sogar gegen die Bezeichnung„Anarchist" Klage erhoben hatte. Als wir aber den Beweis für unsere Anschuldigungen an- traten, erbat sich dieser Gentleman erst drei Monate Frist zur Beantwortung unserer Beweisanträgc, und nun, da die Frist herum ist, zieht er es vor, vom Kampfplatz sich zil drücken. Herr Reuß wandelt da nur in gewohnten Bahnen. Erst gottesfürchtig und dreist, dann— kneifen! Als wir ihm vor zwei Jahren das Brandmal der Lockspitzelei ans- drückten und seine Indasrolle bei der Auslieferung Ncve's an die preußische Polizei ausdccktcn, schwadronirte Herr Reuß in der Genossenschaft deutscher Schriftsteller gar gewaltig von der Klage gegen den„Vorwärts". Aber diese Klage ist nie erhoben worden und die Genossenschaft deutscher Schriftsteller hat Herrn Reuß unseres Wissens bis heute noch nicht ausgeschlossen. Es ist auch nicht das erstemal, daß Herr Reuß in solcher Weise den Gerichten aus dem Wege geht; interessant ist diesmal nur der Ausweg, den er wählt. Er läßt sich von Herrn Polizeiminister Köster eine Art schriftliehen Ehrenscheincs ausstellen und ruft nun trinmphirend: Seht, welch' ein Ehrenmann bin ich! Herr Mimster v. Köller giebt es mir nicht blos schriftlich, er wird es vielleicht beeiden! Nur schade, daß dieser Köller'schc Ehrenschcin kein Wort über die Zeit verliert, da Reuß von der Berliner politischen Polizei mit festem Monatsgehalt von 450 Mark als Spitzel angestellt war! Wir werden dieses„Leumnudszcngniß" des Herrn Mimsters v. Köller in nächster Nummer seinem Wortlaut nach wiedergeben und dabei auch auf die Art zu sprechen kommen, wie es zn stände kam, was es sagt und ivas es nicht sagt! sah, den er sofort als den Lechner Toni erkannte. Blitz- schnell fiel ihm da ein, was ihm Hansl vor Monaten ausgeplaudert hatte. Er beugte sich ans seinem Versteck heraus, um den Burschen zu verfolgen. Ter wanderte bedächtig die kahlen Standen hinab, die den Gartenzaun umgaben, und schwang sich an einer freien Stelle katzenartig über das hölzcne Geländer. Jetzt wagte sich Gattl auf das Feld. Er konnte den Toni gerade noch sehen. Der stämmige Mensch ging zn der Scheune, die an den Bauernhof grenzte, und verschwand dort hinter der Mauer so plötzlich, als ob ihn die Erde verschlungen hätte. Eattl's erstes Gefühl war Lärm zu schlagen und dem Bauern alles zu sagen. Die maßlose Frechheit des Holz- knechtcs und die Schamlosigkeit der Dirne, die mit ihrem Liebhaber im selben Hause buhlte, wo der schwerkranke Vater lag, empörten ihn so, daß er darüber das eigene Leid ans einen Augenblick vergaß. Doch gab er diesen Plan wieder auf und entschloß sich, noch heute den Förster ans- zusuchen, um ihn erst zu fragen, was da zu thnn sei. Neun Uhr schlug's, als er vor dem Forsthanse an- langte und mehrmals mit dem Metallklöppcl Einlaß forderte. Bald schinnnerte Licht durch die Spalten der Thüre, man schob zwei Riegel zurück und Anna mit der Lampe in der Hand begrüßte den späten Gast. Er trat in den Hausflur und fragte mit zitternder Stimme nach Balder. Der war fortgegangen noch spät abends, weil ihn der Forstmeister dringend nach Mariakirchcn besohlen hatte. Vor morgen früh käme er nicht wieder. Gattl nickte gleich- giltig und wollte wieder gehen. „Js auch recht", sagte er. Sie schaute ihn erstaunt an: „Was willst Du denn vom Vater? Hat's wieder ivas geben drüben?" Er erwiderte nichts und drückte unschlüssig seinen Hut in der Hand heruni. „Geh, komm'rein," fuhr sie hastig fort. Zögernd folgte er der Vorantretenden, er war nicht in der Stimmung, heute noch den Verliebten zu spielen. „Du bist ja hing'sall'n," sagte sie, als sie die Lampe auf den Tisch des Zimmers stellte und seinen schneebedeckten Mantel sah. Bei dieser Gelegenheit wird cS an einer wiederholten Charakteristik dieses Vertraucns-Jonrnalisten des ueB�wit Kurses nicht fehlen.— Ein Fall Jastrow hat sich zunächst ans der AktioiP zur Reinigung der Universitäten herausgeschält, deren Nahen vor wenigen Tagen angekündigt wurde. Es hieß, wie auch wir milgetheilt haben, daß die Staatsregierung zum Schutze von Staat und Gesellschaft für sich das Recht in Anspruch nehmen müsse, aus eigener Machlvollkomnien- heit Privatdozenten ihrer Stcllnng zu entheben. In jener vorläufigen Meldung wurde ans einen Universitätslehrer hingedeutet, der zunächst eine Maßregelung nach dem Muster der gegen Arons vergeblich versuchten zn erwarten habe. Man vermnthete, es sei Professor Delbrück damit gemeint. Jetzt theilt die„Bossischc Zeitung" augenscheinlich auf grund einer zuverlässigen Meldung folgendes mit: „Ter philosophischen Fakultät hat in ihrer Sitzung am Tonnerstag ein Schreiben des U n t e r r i ch I s in i n i st e- r i u ni s vorgelegen, das die E i n l e i t u u g e i n e s D i s z i- plinarverfahrens gegen den Privatdozenten Dr. I a st r o w anregt. Wie wir hören, greift das Ministerium auf eine Schrift zurück, die Dr. Jastrow herausgegeben hat. Die Schrist „Sozial-Liberal" ist im Sepiember 1833 erschienen, also mehr als zwei Jahre alt. Durch eine Auslassung des Verfassers über die Aufhebung der Bergiverksabgabe fühlte sich der Handels- minister v. Berlepsch als Schwiegersohn des Herrn v. Tiele-Winckler beleidigt. Dr. Jastrow wurde angeklagt und zn IM M. Geldstrafe verurtheilt. Das Gericht erkannte an, daß die Darstellung der Aushebung der Bergwerksabgabe einen, rein sachlichen, nicht beleidigenden Charakter'trage. Thatsüchliche lln- richtigkeiien konnte» nicht nachgewiesen werden. Nur wegen des angesüglen, kritisirendcn Schlußsatzes wurde aus eine Geld- strafe erkannt. Wir haben über diesen Prozeß am 17. Februar 189-1 Bericht erstattet. Tie Verhandlung fand am 18. Februar statt. Am 11. Mai 1594 wurde das llrtheil vom Zieicbsgericht be- stäligt. itlnderthalb Jahre lang hat mithin das Unlerrichls- Ministerium keine Nolhwciidigkeit gesehen, das Slrasurlhcil noch durch ein Disziplinarverfahren zu verschärfen. Ilm so aroßcres Befremden mich die jetzige verspätele Anregung an philosophische Fakultät hervorrufen. Nach§ 22 des PreßgeW� verjährt die Sirasrersolgung derjenigen Verbrechen und VerA�n, die durch die Vcrbreilung von Zeitschriften straf baren Inhalts begangen werden, in sechs Monaten. Und da sollte die Verfolgung in, Disziplinarwege noch 18 Monate nach der rechtskräftigen Verurlheiluna im Strafverfahren zulässig, also an- scheinend unverjährbar sein e In der'Angelegenheit des Herrn von Völtichcr hat das Staalsminislerit.m erklärt, daß es der Würde eines Ministers nicht entspreche, gegen Verdächtigungen den Schutz der Gerichte aiizurusen. Herr von Berlepsch meinte, nicht nach diesem Grundsatz handeln zu dürfen. Dr. Jastrow wurde angeklagt und verurtheilt. Aber soll es damit noch nicht genug sein? Wie ist man überhaupt dazu gekommen, die Einleitung eines Disziplinarveriahrens zu verlangen, da doch der Thatbestaud, der ihm zu Grunde liegen soll, längst vergessen ist? In den Kreisen der Universitätslehrer niid man süglich auf die Ver- muthnng kommen, daß diesem Vorgeben ein Plan zu gründe liege, daß man die Personalakten der Dozenten neuerdings aus unbekannten Gründen einer besonderen Prüfung unterziehe und die Schablone der Beanilcndisziplin strenger als seit Jahrzehnten anzulegen für nützlich befinde." Die Angelegenheit wird unseren Lesern in Erinncrulig rufen, daß auch der Nedgktxilp dsß„Vorwärts" wegen einer Besprechung des Herrn Berlepsch ans grnud der Jastrow- schen Broschüre znsainmen mit Herrn Jastrow zn 150 M. Eeldstrasc wegen Berlepsch Beleidigung verurtheilt wurde. Mehr wie auffällig ist jetzt der späte Versuch einer Disziplinirnng dieses sozialresornierisch angehauchten sonst liberalen Privatdozcntcn. Aber so muß es koninien. Ehe der Kamps für Ordnung, Sitte und Religion nicht auch nach den Jastroiv's und Telbriick's greift, kann er seine ganze segensreiche Wirkung nicht entfalten. Wir sehen schon ans andere Professoren und Tozeiitcn den Schatten der Disziplinirung fallen. Und wenn sie in allen Fällen mißlingt wie gegen Arons,— um so besser. Dann ist erwiesen, welches blebel die relative Sicherheit der Privatdozentcn und Professoren in ihren Stellungen ist. Dann kann der Freiheit der Wissen- schast, oder vielmehr den Resten dieser Freiheit, die bei uns noch zn spüren sind, ein Ende gemacht werden, daß den Zentrnmshänptlingen das Herz ini Leibe lacht und sie sich dem Septeniberknrse geneigter zeigen, als bei der Umsturzvorlage. „Das kann schon sein," mnrnielte er, und warf sich ans das Sopha. Tort ließ er beide Arme auf den Tisch nieder und legte seinen 5kopf hinein. Das Miidchen betrachtete ihn mit wachsender Angst. Eilig setzte sie sich neben ihn und legte ihre Hand vor seine Stirne. „Franz! Was hat's denn geben? Echan, sag's mir!" Aber der Lehrer rührte sich nicht. Anna hörte seine schweren, stöhnenden Athcinzi'ige und bemühte sich, seine Augen zu erhaschen. A!S das nicht gelang, neigte sie sich näher zn ihm herab und küßte ihn leise ans die Wange. Ruckweise hob er den Kopf empor und sah sie an. Das Mädchen erschrak furchtbar vor seinem Aussehen. Das Haar hing verwildert in das bleiche, abgespannte Gesicht, die halbgeöffneten Augen waren müd' und ausdruckslos, und die Falten, die sich schon lange in die Stirne des Lehrers gegraben hatten, erschienen tiefer und dunkler wie jemals. Wie ein alter Mann saß er vor ihr. (Fortsetzimg folgt.) Uttevavifches. Marat. Vor der Welt steht nur das Bild Maral's des Revolulionärs— der„Mensch gewordenen Leidenschaft", welche das französische Volk ans der Bahn der Nevolnlion voran- pettschte—, der„volkssrenud", welcher dem Messer der Charlotte Corday erlag. Der Marat. welcher vor der Revolution jahrzehntelang für die Wiss-iisebast lebte, mit demselben ver- zehrenden Eifer, den er in der Revolution betbäligte, die böchfien Probleme der Wissenschaft zu erforschen suchte, neue Probleme auswarf, unermüdlich, die Näcktte dem Tage hinzu- fügend, studirle, arbeitete und das Ergcbniß seiner Forschungen in mehr als 30 Bänden niederlegte— dieser Marat, der wissenschaftliche Bahnbrecher. der über die Encyklopädisten hinausging— er ist für die Welt so gut wie unbekannt. Und unser Genfer Freund und Genosse H e r i l i e r hat sich � ein großes Verdienst dadurch erworben, daß er diesen Marat in einem fleißigen Essay, den die letzte Nummer der„Revue Socialisle" veröffentlicht, uns lebendig vorführt. Wir empfehlen die'Ab- Handlung und die„Rsvne Socialiste" allen uiiseren, des Französischen kundigen Lesern, lind vielleicht findet sich für die Abhandlung ein Uebersetzer; sie verdient es.— NiitersuchnugShafk. Während es sonst zu den Selten- heilen gehörte, dasj man„politische Verbrecher" in Unter- silchnngShcift nahm, sind seit dein Septemberknrs fast alle wegen Majestäts- und sonstiger Beleidigung angeklagte Zeitiingsredaktenre hinter Schloß und Riegel gebracht worden. illls Grund dieser Maßregel wurde in der Regel Flucht- verdacht angegeben, in einzelnen Fallen auch Kollnsionsgcfahr. Kann schon diese Vegründnng durchaus nicht als stichhaltig anerkannt werden,— denn die Erfahrung hat gelehrt, daß Sozialdemokraten sich einer zn erwartenden Strafe durch die Flucht nicht entziehen— so müssen wir noch energischer proteslircn gegen die ungeheuerlich lange Ausdehnung der Untersuchungshaft gegen eine Anzahl unserer Genossen. So meldet die heutige Magdeburger„Volksstimine", daß gegen ihren Redakteur Genossen Baiimüller, der bereits am 10. September verhaftet wurde, endlich am 12. d. M, verhandelt werden soll. Wenn die Staatsanwälte und die Gerichte den Mnth der Ueberzeiigiing, von dem unsere Genossen getragen iverden, nicht begreifen niid an ihn nicht glauben köiiiien, sie daher zur Verhaftniig der Angeschuldigten schreite», so ist das für die Betroffenen bedauerlich, aber wir können das verstehen. Was wir aber nicht verstehen, das ist die monatelange„Untersnchnngs"haft, wo es nichts zu untersuchen giebt. Die Fälle, die � wir hier im Auge haben, liegen in der Regel äußerst klar: Tie Verantwortlichkeit für den inkriminirten Artikel wird zugegeben, von einer zeitranbenden Vornntersuchiliig, wie etwa in einem Wucher- oder Spielerprozeß kann keine Rede sein. Warum also die lange Hast? Hat doch die Regierung in ihrer Novelle zur Strafprozeß- Ordnung selbst gellend gemacht, daß die Strafe möglichst schnell dem Verbrechen folgen müsse, daß die Ver- »rtheilling selbst bei schiveren Verbrechen schon innerhalb 8 Tagen erreicht iverden könntc, wenn die Staatsanwalt- schäst freiere Hand hätte. Wcuii wir nns auch gegen ein solches summarisches Verfahren, wie die Novelle vorschlägt, cntschiedcii verwahren müssen, so bleibt doch noch die Frage berechtigt: Welche gesetzlichen V e- st i m in il n g e n z iv i n g e u d a z il, die Qualen der U n t e r s u ch u n g s h a s t, so wie in den b e s ch r i e b e n e n Fällen geschehen ist, zu v e r� länger»?—, itclicr den Niedergang des parlamcutaii scheu St) sie ms lcitarlikelt die„Kreilz-Zeitung". Das ist nichts Neues. Neu aber ist, daß daS Zentralorgan der Partei Haninierstein- Nathnsins diesen Niedergang ans der Korruption folgert, welche der Parlainentarismns mit sich bringe. In der Redaktion der„Krenz-Zeitnng" herrscht wohl der Parlainentarismns? Wunderbar selbstverrälherisch ist beiläufig dieser„Kreuz- Zeitnngs"-Artikel, weil er, mit Bezug ans den Ministerwechsel in Frankreich, gerade in dem Moment losgelassen wird, wo der Parlamcntarismns den französischen Hammcrstciiiern, Nathiisiiisscn und sonstigen Biedermännern dieser Art ernslhafr zu Leibe geht.— Tie Goldklausel. Tie größten Männer sind schon über kleine Steinchen gestolpert, und e i n kleines Stcinchen kann sogar viele große Männer, die eine gemeinsame„große Sache" ans ihren Rücken heriimschlevpen, lammt ihrer„Sache" zn Fall bringen. Das ist eine traurige Wahrheit, die jetzt de» Helden des B i ui e t a l l i s in n s, den Kardorfs und anderen großen Agitatoren des verschuldeten Juiikerthilins begreiflich gemacht wird. Als die Herren auszogen, um das Evangcliiini der Töppclivährnng zn predigen, die allen Nothsland ans Erden beseitigen und dem Elend der Landwirthschaft und. der Laiidjuiiker mit einem Schlag ein Ende bereiten werde, da hielten sie sorgsällig in ihrem Bilsen vergraben das große Geheimniß, daß, weun Dank der Toppelwährinig das Gold ans dein Land gc- trieben und das Silber ans 50 und weniger Prozent seines Münzwerthes hcrabgcdrückt sei, die unter der Herrschast der Goldwährnng kontrahirten Schulden bei der geforderten „sreicn Silberprögiing" mit der Hälfte und wenige r des Betrages in der entwertheten Valuta abgetragen werden können. Allein das Kapital ist schlau— es roch den Braten und die Herren Geldleiher entdeckte» die sogenannte Gold- k l a u s e l. Das heißt eine Eintragung in das Grundbuch, welche sür den Fall der Erschütterung der Goldwährung den Gläubiger gegen Verluste durch Rückzahlnng in schlechterer Münze sicher stellt. Die Rcchtsgiltigkeit dieser Klausel wurde bestritten. Jetzt hat nun das Kammergericht, also die oberste Instanz für Preußen, durch Entschcidnng vom 22. Oktober dieses Jahres") die Rechtsgilligkcit fest- g e st e l l t. Das betreffende Urtheil wird in dein neuesten Bande der„Entscheidungen" heransgcgebcn vom Geh. Ober« jnslizrath Johow, unter folacnder Rubrik ansaesührt:„Ab- reden der Parteien über Rückzahlung einer Geldschuld in einer bestimmten Reichsmünzsorte, insbesondere in Reichs- goldmünze», unter Ausschluß der silbernen Ein- und Zwei- thalerstücke als Zahlniigsinittcl sind rechts wirksam. Die Eintragnng solcher Abreden in das Grundbuch ist nicht zn beanstanden."— Und am Schirisse der Begründung heißt es:„Nach alledem kann es keinem Zivcifcl lintcrliegen, daß weder die Ncichs-Münzgcsetzgebung noch sonstige Ec- fetze einer Verabredung der Parteien Über die Zahlung in einer bestiinmten Reichs-Rinnzsorte, also wie hier in Reichs- Goldmünzen entgegenstehen, dieselbe vielmehr durchaus wirksam ist." Damit ist die ganze bimetaNistische Bewegung gegenstands« los geworden. Denn die Schnldenabzahlung in entwcrthetcr Münze war der wirkliche Zweck dieser Bewegung, und wenn alle Gläubiger aus Eintragung der Gold- k l au s e l bestehen, so müssen die Herren Kardorff nnd Genossen bliitciidcn Herzens eiilpacken. Deim dann ist das Geschäft der Silberluige„futscher als futsch".— Diskreditirvng. Die Stellung der denischen Sozialdemo- kralie zur Währung- frage ist eine sehr einfache: sie hat auch bei WährungSaiigelegenheileii die Jiitereffen der von ihr verireienen Arbeitervevölkeriliig zu vertreten nnd das thut sie, iiidein sie iich zur Zeit gegen die agrarischen BimetaUisteii ivendet, die zn Nuy nnd Froiiuneii der v e r s ch u l d e r e n oder überschuldeien Großgrundbesitzer eine Geldverschlechlerung herbeiführen wollen, die zweiscllos sür die Arbeiter schädlich sein würde, da der da- mil verbundenen Steigerung der Preise eine Erhöhung der Löhne nnd Gehälter iiur sehr langsam solge» würde. Daß znsäUiger Weise»och eine Reihe anderer Berufskreise für die Erhaltung der bestehenden Währung eiiilrilt, stärkt die Slellung derSozialdemokratie in dieser Sache, ohne daß es von prinzipieller Bedeutuiig wäre, da ") Nach einer Notiz der„Freisinnigen Zeitnng" wäre die Entscheidung schon a»> 22. Oktober 189-4 erfolgt; das dürste aber ein Jrrthuin sein, da eine so wichlige Eulscheidung kaum ein Jahr lang»»ibekanut geblieben wäre. i-ie k l a s f t ii 0 c gn exf dva f t von solchem theilweise» Nebcn- eiiwiiterlanse» bcstinniitcr Jnleressc» nicht berühre wivd. Es iir darnm«inerseils unglaublich lhöricht, doß die deutschen Bimetnlliste» mit aller Gewalt den Neichsbankpräsideuten Koch zu», Sozialdemokraten stempeln wollen, weil er einmal pelegenllich auf die Stellung unserer Partei zur Währnng-frage, die der seine» entspricht, hingewiesen hat. SIber ec ist andererseits mich charakteristisch, dap in Teutschland eine derartige windige Behauptung ernsthaft gebraucht werden kann,»m eine» hohen Staatsbeamte» zu d i s k r e d i t i r e n, um nicht zu sagen zu d e u u n z i r e»! Wer irgend eine, wenn auch ganz und gar nicht prinzipielle Meinung der Sozialdemokratie zu der seinen macht, ist Sozialdemokrat; der Sozialdemokrat ist ein R e i ch s i c i n d und U in stürzler und darf kein— Staats- hcamter sein: ergo.., Tie Zlustreibuttg der Schwarmgeister wird von der kanservativen Parteileilnng eifrig betrieben..Die erste Er- klürnug der„Konservativen Korrespondenz" gegen die Christ- lich-Sozialen Nannmnn'scher Richtung war nicht durchweg für eine Kundgebung der Parteileitung selbst gehalten worden. Auch Stöcker hatte das bezweifelt. Jetzt schreibt die„Kons. Korrespondenz" unter der Spitzniarke:„Zur Richtig- st e l l tt n g: „lim irrigen Auffassungen entgegenzutreten, wird hiermit festgestellt, dast der Ausruf„An unsere Parteigenossen", betreffend die Auseinandersetzung mit Pfarrer Naumann und'Anhang („Konservative Korrespondenz" Nr. 100) zwischen den vom ge- schäfttsiihrenden(Elfer-) Ausschust des Parteivorstandes an die Spitze der Parteileitung gewählten dreiMiH gliedern vereinbart worden in." Als diese drei Herren werden Landrath Frhr. v. M a n- teuf sei- Crossen, Graf L i n> b u r g- Slirum und Graf M i r b a ch- Sorquittcn genannt. Auch gegen den Pastor N a u h insbesondere hat der Vorstand des konservativen Provinzialvcreins nochmals eine Extra- Erklärung erlassen, in der es heißt, der Pastor werde selbst einsehen müssen, daß sein Weiterwirkcn für konservative Grundsätze in christlich- sozialem Sinne in Zukunft kaum noch innerhalb des Parteiverbandes erfolgen könne. Uns soll wundern, wie viel Getreue schließlich noch bei Naumann und Rauh ausharren werden, nachdem sie in aller Form in die große konservative Reichsacht gethan sind.— Jtalienisch-euglische Enteute. Tie„Times" melden ans Rom: Italien sei mit England im völligen Ein- verständniß die italienische Flotte sei bereit. sich der englischen anzuschließen, wann immer es die Interessen des Friedens erfordern würden. Die in der Regel gut iuformirte Wiener„Politische Corrcspondenz" hält diese Meldung blos für eine Kom- biuation.— Italic« n»d die europäischen Rlliaiize«. Ans Rom wird uns geschrieben: Ata» Halle sich, wie anderwärls, so auch in Italien, seil einer Reihe von Jahren daran gewöhnt, gerade in den starken Kriegsrüstungen aller Staaten eine gewisse Bürg- schaft sür die Fortdauer des Friedens zu erblicken, weil man glaubte, daß niemand den Muth hoben weide, zuerst das Zeichen zu einem Kriege zu geben, den jene großen Rüstungen noch verhängnißvoller machen mußten, als es die letzten Kriege waren. Die neuesten politischen Verwickelungen in Osteuropa und Ostasien haben dieser Sicherheit ein Ende bereitet; zum ersten Male seit längerer Zeit hegt man in Italien wieder ernstliche Kriegs- besürchtnngen. Der rasche Abbruch der kriegerischen Unter- nehmungen gegen Abessynie», welcher bei dem Charakter des Ministeriums Crispi alle Welt überrascht hat, ist mahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß man angesichts der drohenden Ge> slaltung der politischen Verhältnisse in Europa italienischerseits sich nicht in eine kriegerische Unternehmung in Afrika hat festfahren wollen, deren Ende nicht mit Sicherheit abzusehen war. Gleichzeitig wird in der italienischen Presse wie im Ministerralh die Frage der Schkagfertigkeit des italienischen Heeres erörtert; man beschäftigt sich damit, ob die Friedensstärke der Kompagnie» d?s Heeres nicht zu geringfügig sei, um eine rasche Mobili'siruiig zu gestatten, und man fragt, ob für den Kriegsfall hinreichend für das Festnngs- wesen, sür die Bewaffnung und Verproviantirung des Heeres und der Flotte gesorgt sei. Alle diese Erörlerungcii beziehen sich nicht ans'Afrika, wo man den Krieg mit schwarzen Mieths- truppen führt, sondern offenbar auf europäische Möglichkeiten. Noch mehr als die von verschiedenen Seiten verschieden be- antwortete Frage der Kriegsbereitschaft drängt sich der öffent- lichen Aufmerksamkeit der Zweifel darüber ans, auf welcher Seile dann Italien zu kämpfen haben werde? Seitdem die Negierung des Deutschen Reiches in Gemeinschaft mit dem französischen Rußland behilflich gewesen ist, die Japanesen aus ihrer durch die Waffen errungenen Stellung herauszudrängen und diese Stellung für Rußland in Anspruch zu nehmen, ist die Lage Italiens, welches zu dem durch das russische Vorgehen zunächst dedrohten England in enger Beziehung steht, eine peinliche und «ngewisse geworden. Man fragt sich in Italien, ob und in wie weit eine dauernde Parteinahme Denischlands für Rußland und Italiens sür England mit der langjährigen Allianz zwischen Italien und den deutschen Mächten vereinbar sei und ob nicht vielmehr die neuesten Kombinationen in der ostanatischen wie in der osteuropäischen Angelegenheit zu einer Schwächung des mitteleuropäischen Dreistaaten-Biindnisses fuhren werden? Der sorldanernde Anschluß Italiens an England, dessen es zur tAnfrechterhaltung seiner Stellung im Mittelmeer bedarf, ist ja sür sich mit dem Beharren bei dem Treistaateu-Bund bisher nickt nuvereinbar gewesen, ja dieser Anschluß ist vielmehr bis jctzt immer als eine willkommene Ergänzung des Dreibundes angcsehen worden. Aber die Boransietzung für diesen Sach- verhalt war die, daß nicht andere Mitglieder des Dreibundes sich mit den Gegnern Englands verbänden. Eine Lockerung des Dreibundes aus Anlaß der vorder- und hinterasiatischen Wirrnisse könnte leicht auch die Wirksamkeit dieses Bundes für die innercnropäischeii Fragen zweifelhaft machen; mindestens kann eine Wiederernenernng des Bündnißvertrages nach dessen Ablauf unwahrscheinlich werden. Zur Zeit herrscht in Italien über diese Fragen(Uwße Un- gewißbeit; und die Regierung Criepi's, welche sich nicht ioivohl durch eine bestimmte politische Richtung, als durch Einfälle ansiechterhält, ist nirtit geeignet, in dieser Hinnch� nach der eiiill� oder der anderen Seite hin eine Gewähr zu geben.— ♦ Tcntsches Reich. — Amtliches Resultat der am v. d. M. im 6. Wahlkreise(Dortmund Stadt, Land und Heerde) des Regiernngsbezirls Arnsberg stattgehabten Rcichsrags-Stichwabl. Abgegeben wurden insgesammr 46 146 Stimmen. Davon erhielt Dr~ Franz Lütgenau(Sozialdemokrat) 24 632 und Konnuerzienraih Theodor Möller(natl.) 21 514 Stimmen. Ersterer ist iiiilhin geivählt.— — Der B u n d es r a t h hat i» seiner heutigen Sitzung dem Entwurf einer Verordnung wegen Abänderung tcr Verordnung vom 16. April IL83 über die Kaulion der Beamten und Unter- beamte» der Neichs-Pöst und Telegrapbenmwaltungnnd der Reichs- driickerei die Zustimmung erlheilt und außerdem die Enlwürse des Elms der Marineverwallung, derPost-undTelegraphenverwallung. ' der ReichS-Justizverwaliung, der Neichsdruckerei, sowie für den Reichskanzler und die Reichskanzlei zum Reichshaushaltsetat sür 1SS6/97 wie mich die Veranschlagung der Einnahmen des Reichs an Zöllen, Verbrauchssteuern und Aversen sowie an Stempeleinnabnmi für das Etalsjahr 13v6/g7 genehmigt. Ten zuständigen Ansschnssen überwiesen wurden der Eni- wurf eines Gesetzes über den Verkehr mit Butter, Käse, Schmalz und deren Ersatzmitteln(Margarinegeseh), die llebersicbt der Neiebsausgaben und Einnahmen für das Eiatsjahr 18S4/gö und die Uebersicht der Ausgaben und Einnahmen der Landes- Verwaltung von Elsaß-Lothringen sür 1894/95, Von der Fertigstellung des Gesmniniberichts aus den Jahresberichten der Gewerbe- Aussichlsbeainten für 1894 wurde Kenn in iß genommen und über eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt. — Gegen die Z n ck e r p r ä in i e n wendet sich nun auch der„Hamb. Corresp." Er ist der Meinung, daß, nachdem die deutsche Zuckerproduktion sich ans einem landwirlhschaftlichen Gewerbe längst zu einer Groß- und Exportindustrie eutwickelt hat, es entbehrlich und vom volkswirthschastlicheu Standpunkt ans bedenklich erscheine, diese Entwickelnng in gleichem oder vielleicht noch höherem Maße wie früher durch Zuwendungen ans ö f s e n t l i ch e n M i t t e l u zu fördern. Zutreffend wird hervorgehoben,„daß der in Deulschlmid außergewöhnlich starke, in letzter Zeit noch bedeutend gesteigerte und nach Erhöhung der Prämien zweifeillos noch weiter zunehmend» uckerexport eine erhebliche G e s a in in t a u s g a b e für xportprätnien n ö t b i g macht und dadurch die N e i ch s e i n n a h m e n wesentlich beeinträchtigt. Im lausenden Jahre bat, bis Ende September, die Ausfuhr von Zucker aller Art bereits die Höbe von 6 635 438 Doppelzentnern erreicht, gegen 4 670 647, 4 423 613 und 3 906 655 Doppelzentnern in den entsprechenden Zeilrännmi der drei Vorjahre. Um die Mittel für die Prämienerhöhimg anfznbringen, würde es daher nöthig sein, die inländische Verbranchsabgabe ganz bedeulend zu erhöhen. Da aber hierdurch die Preise des im Inland v e r b r a u ch t e n Z u ck e r s— und zwar l e d i g I i ch z n g n n st e ii der ausländischen K o n s« m e n t e u— wesentlich gesteigert werden müsse», so wird ein R'nckgang des inländischen K o n s n i» s und damit ein ?l n s f a l l in der S t e n e r e i n n a h»i e schwerlich z u vermeiden sei n."— — Zur neuesten A n w e n d n n g des„groben N n f ii g"- P a r a g r a p h e n äußern sich verschiedene Gewerk- schaftsblälter. So schreibt die„Bildhaner-Zntiing":' „Nach der Gewerbe- Ordnung sind alle Slrafbestimiiiiingen, die früher die Arbeiterkoalitionen, vor allem die Arbeilönieder» legniigen zur Erzielung besserer Arbeitsbedingungen behinderten, beseitigt. S o l l nun aber ein Erfolg von vornherein nicht aussichtslos gemacht werden, muß auf irgend eine Weise vor Zuzug gewarnt werden. Es geschieht das meistens durch die sog. Fachblätter, die in den einzelnen Gewerkschasten herausgegeben werde», oder durch Jnscrate i» politischen Tagesblätlern. Auch gekört das Verhängen de Sperre über einzelne Werkstätten in dieses Rnbrum. Bisher, d. h. seit dem Enlstehen der Gewerbe- Ordnung, 1860,„ging eS auch so", bis in neuester Zeit das Reichsgericht entschieden hat, daß durch das Warnen vor Zuzug und das Verhängen der Sperie auch nicht direkt daran belheitigte Arbeitgeber beunruhigt werden können und somit der Dolms(eventualis?) des groben Unsugs gegeben ist. Es liegt nun die Absicht vor,„wie man hört", ganz besonders die Gewerkschastspresse aufs Korn zu nehmen, zu deren ständigen vornehmsten Aufgaben es gehört, die organisirten Beriifsgenoffen auf die Städte und die Werkstätten aufmerksam zu machen, wo Differenzen ans- gebrochen, nm auf diese Weise durch das Fernhalte» des Zuzuges die Möglichkeit des günstigen Ausganges überhaupt erst herbei- zuführe». Es ist nun garnicht zu vermeiden, daß nicht auch Leute die beireffenden Zeitungen in die Hände bekommen, sür die sie garnicht bestimmt sind. Man denke nur daran, daß sür gewisse Elemente sogar ein ganz bestimmtes Interesse vorliegt, den Arbeit- gebern derartige Zeitiingsexemplare in die Hände zu spielen, da- mit diese als die„Verletzten", als die„Beunruhigten" eine AN- klage wegen„Groben Unfug" veranlassen können. Der Kreis der Bennrnhigten wäre ja nun da und könnten somit Verurtheilungen erfolgen, wo bleibt aber das Koaliiions- recht der Arbeiter, wenn man es wegen eines so künstlich gezüchteten Personenkrcises z» durchbrechen versucht? Selbst die Warnung, in den Werkstälten anfragen zu gehen, sucht man durch Bestrasnngen ans der Welt zu schassen, was eine Gewerkschaftsorganisation, soll sie Werth haben, so nothweudig braucht, wie ein Mensch das liebe Brot. Der Redaktion der„Breslaner Volkswacht" ist ein Strasbefehl von 100 M. zugegangen, weil sie aufgefordert hatte, das An- fragen i» einer bestimmten Zigarrenfabrik zu unterlassen; ferner hatte sie gewarnt, den Bedarf au Zigarren in einer Fabrik zu decken, deren Leiter mit ihren Arbeitern in Differenzen ge- rathen war. Weiter geht's nun bald wahrhaftig nicht mehr, es übersteigt ein derartiges Vorgehen alles bisher dagewesene. Uebersieht man denn ganz lliid gar, wie dadurch erst wahre Beunruhigmig, wahres Aergerniß in weite Volkskreise hineingetragen ivird? Es muß der deutsche Reichstag bei seiner demnächstigen Tagung zur Wahrung des jtoalilionsrechts energisch gegen diese 'Auslegung des„Groben Unfugs"- Paragraphen protestiren und davor warnen, dem Dolus des„Groben Unfugs" eine gar zu weite Ausdehnung zu geben. Von dem an und für sich schon genug beschnittenen Koalilionsrecht der Arbeiter darf nicht noch Stein sür Stein abgebröckelt iverden."— — N i ch t v i e l Vertrauen auf die Beständig- k e i t der jetzigen Gesellschastsorduniig scheint selbst die Chemnitzer Sl m t s b a u p l nr a n n s ch a f t z» haben. Andernfalls wäre uns nicht erklärlich. warum sie in dem neuen. „Vergnügungsregulaliv" folgende Bestimmung getroffen hat: „Werden bei Vergnügungen die M a r s e i l l a i s e oder andere Lieder„revolutionären C dar altere" gesungen oder vorgetragen, so lönnen die Vergnügungen sofort Polizei- lich geschlossen werden." Die Mauern von Jericho fielen bekanntlich durch ziemlich krästige Posaunenstöße nm. Die reizende jetzige Gesell- ichastsordninig gctranl man sich nicht einmal den Tönen eines kecken Liedes auszusetzen. — Die R e i ch s t a g s- N a ch w a h l für Gröber findet nm 13. Dezetz. der statt.— lieber den Religionsunterricht der s i d e II t e n k i n d e r liegt wiederum ein Urtheil der Siras- Cammer des Landgerichts in Halle vor. Es bandelte sich um den Sozialdcmokraien, Kolporteur Kar! Brandt, der vom Schöffengericht und Landgericht zu 16 Mark Geldstrafe vernrtheilt worden war, weil cr seine Kinder in 32 Fallen vom Religions- Unterricht der Volksschule ferngehalien hatte. Brandt hatte gegen das landgerichtliche Urtheil Revision beim Kammergericht ein- gelegt, das am 8.Zin gnfi cr.das V ordernrtbeil unterAiifrechterhaltnng der ihm zu grimde liegenden ihatsächlichen FeststeUiingen aufhob und die Sache an die Slrafkammer zurückverwies. Letztere ent- schied mm dahin, daß die Frage, ob D i s s i d e n t e nkinder auf Verlangen bedingungslos vom Religionsunierricht fern- g e h a I l e n werden können, zu verneinen sei. Andererseits sei' jedoch die Polizeiverordnuug des O b e r p r ä- s i d e n t e ii der Provinz vom 24. Juni 1881, auf grnnd deren die Berurtheilung des Angeklagten erfolgte, r e ch t s u n g i l t i g, da die Regelung des Schulbesuches nicht zu den im§ 6 des Gesetzes über die Polizeiverwaltniig vom 11. Marz 1850 auf- geführten Gegenständen des polizeilichen Verordnungsrechts ge- höre, sondern, die Aussicht, Verwaltung und Ordnung des Elementarschulwesens vielmehr den Regierungen»nd speziell den Abtheilimgen für Kirchen- und Schulwesen übertragen sei. Es könnten demnach auch nur die Regierungen Strafandrohungen erlassen. Sei das von dtt Merseburger Regierung nicht geschehen, so seien die landrcchtlichen'Vorschriften direkt gegen den Angeklagten in Anwendung zu bringen.— — Für Kirchlich keit der Rekruten wird von den miliiärischen Organen eifrig gesorgt. Von den Militärbehörden ist angeordnet worden, daß aus die e i n g e st e l l t e» R e k r u t e n, welche nur standesamtlich, aber nicht kirchlich getraut sind, seitens der Vorgesetzten in geeigneter Weise einzn- wirken ist, damit sie noch während ihrer Dienstzeit die kirch- liche Trauung nachholen und eventuell vorhandene Kinder, welche noch nicht getauft sind, tanfen lassen. Diese kirchlichen Handlungen erfolgen kostenlos durch die Militär- geistlichen, beziehirngsweise in denjenigen Garnisonen, in welchen ein solcher nicht vorhanden ist, durch den mit der Militärseelsorge betrauten Zivtlgeistlichen. Alljährlich haben die Truppen Übee das Vorkommen solcher Fälle gleichzeitig mit der»«minmäßigen Meldung über die stattgehabten kirchlichen Trauungen von Militärpersonen im Unlerosfizier-Range lind über die stattgehabten Tanfen von Kindern dieser Kategorien den höheren Kommando- behörden zu berichten.— — Iii Mülhausen i. E. wurde vor dem Echwurgericht der katholische Pfarrer B u r tz wegen eines in einer Erbschasls- sacke geleisteten BieineidS zu fünfzehn Monaten Ge- fän gniß vernrtheilt.— Oesterreich. Wien, 0. November. Die Neu wähl des Bürgeris meisters ist sür Mittwoch Vormittag aiiberanint.— — S e l b st in o r d des V e r r ä t h e r s der O in l a d i» Aus Prag wird der„Vossischen Zeitung" gemeldet: Unter den infolge der Amnestie freigelassenen Omladinisten war auch der zu sechsjährigem schweren Kerker veruriheilte Stenograph Wenzel Cziczek. Dieser erschoß sich aus Furcht vor Verfolgungen, weil durch seine Aussagen vor Gericht die ganze Organisation der Omladina aufgedeckt wnr'.e.— Frankreich. — R e s s e g i n e r' s Ablehnung des Schiedsgerichts für den Streik von Carmanx wird die Regierung wahrscheinlich ver- anlassen, obligatorische Schiedsgerichte einzurichten. Es ist merkwürdig, daß diese Forderung, die anfangs von Kapitalisten gegen die Arbeiter rnifgestellt wurde, jetzt von einer Regierung gegen einen rebestischen Kapitalisten durchgeführt werden muß. Angensälliger kann nicht gezeigt werden, daß die Klasse der Kapitalisten es ist, die den Klassenkampf will.— — Die Wiedereröffnung der Pariser Ar- beitsbörse wird, wie das neue Ministerium versprochen hat,„in für die Arbeiter völlig befriedigender Weise erfolgen".— — Z n r L a g e in C a r m a u x. Aus Paris wird ge- schrieben: Der Direktor des Sicherheitswesens, Poirson, traf am 7. d. M. nachmittags mit dem Präfekten des Departement Tarn in Carmanx ein und hatte sofort Unterredungen mit dem dortigen Vürgenneister, dem Farikdirektor Moffre und dem Aiisstandskomilee. Ueber deren Inhalt wird Stillschweigen bewahrt. Herr Poirson gedenkt nach Toulouse zu reisen, um sich dort mit Herr» Refföguier zu besprechen. Die Ruhe in Carmanx ist vollständig. Nächsten Montag wird der Hochofen Nr. 6 in Betrieb gesetzt. Für heute erwartet man die Ankunft des sozialistischen Abgeordneten Janrös. Jtnlie». Noll«, 9. November. Die Ankündigung Giolitti's, cv werde in der Kammer erscheinen und eine Interpellation über die D o k n m e 1, t e C r i s p i's einbringen, hat in ministeriellen Kreisen großes Aufsehen hervorgerufen. Es wird behauptet, Crispi werde verlangen, daß vor Berathuug der betreffenden Jiiterpellalion die Aeiidening der Kamnier-Ordnuiig gutgeheißen werde, damit die Wiederkehr aufregender Szenen in der Sitzung verhindert werden kann. Man ersieht hierans, daß Herr Crispi noch immer eine große Angst vor den Enthüllungen Giolitti's hat, daß er es für nöthig hält, die parlamentarische Redefreiheit in der Kammer zu beschranken.— — Zur Charakteristik der Crispinischen S ch a n d w i r t h s ch a s t wird der„Frankfiirter Zeitung" aus Rom geschrieben: Die als hochministeriell bekannte„Tribuna" veröffentlicht nach der sozialistischen„Riscossa" ans Palermo zwei Briefe des zum Zwaiigsaufenthalt verurtheilten Francesco Colnago, der sich bekanntlich strafbar gemacht haben soll, weil er Mitglied des antiministeriellen Wahlkomitees war. In diesen Briefen erzählt der sozialistische Advokat, daß er und sein Freund Aurelio Drago mitten in der Nacht geweckt und ohne jegliche Förmlichkeit ihnen bedeutet wurde, sich zur Abreise ans dem Palermitaner Gefäng- nisse bereit zu hallen. Ihr Bestimmungsort wurde nicht bekannt gegeben, ebenso wenig die Er- laübniß ertheilt, von den Verwandten Abschied zu u e h m e n, was sonst, wie der Briesschreiber erzählt, g e- inje inen Verbrechern sogar gestattet zu werden pflegt. Die beiden Sozialisten wurden gefesselt und außerdem noch durch eine Kette miteinander verbunden, dann in einen Wagen gesetzt und zum Hafen gefahren, wo ein Boot sie aufnahm, das sie zum Kriegsschiffe„Rapido" führte. Am Morgen ging die ßieise nach Reggio, wo Aurelio Diago ausgeschifft wurde; da er al der Gefährlichere galt, wurde er nach dem schlechieren Zvangs- ausenlhalt auf der adrialischen Insel Trennti gebracht, während Colnago weilerreiste nach der Insel Ponza, die zwischen Rom und Neapel liegt. Tie„Tribuna" veröffentlicht die Briefe wohl nur, weil Colnago nicht geniig das freundliche Verhallen der Seeleitte schildern kann, die ihre Rolle als Kerkermeister nur schlecht zu spielen wußten. Für uns ist der Brief aber interessant. weil er beweist, wie in Italien das Geld verschleudert wird. Colnago beschreibt nämlich, wie die Seeosfizicre sich wunderten, daß sür den Traneport von zwei so milden politische» Ver- brechern fünftausend Lire(4000 Mark) aufgewendet werden konnten. Da Colnago weiter seine Ankunft in' Ponza zu einer ergreifenden Schilderung des dortigen Elends benutzt, sieht sich die„Tribuna" zu der Bemerkung veranlaßt, daß die Einrichtinig des Zwangsansenthaltes schändlich, die Mißhandlung der Zwangs- häfller aber eine Infamie sei. Und das ist der Hunior davon. Die „Tribuna" macht ja sonst nicht in Opposition; wie würde sie erst schreiben, wenn sie nicht ministeriell wäre! Die Frage gicbt zu denke». Nnsjlaud. — Nene I u d e n hetzen. Ans St. Petersburg meldet das Bureau Herold: Seit mehreren Tagen zirknliren hier Gerüchte über eine Jndenhetze in Kutais am 29. Oktober, die sich als richtig erweisen. Durch einen unwesentlichen Streit zwischen einem alle» Weib und einem Jndenknabcn entstand ein Tumult von solchen Dimensionen, daß der dortige Gouverneur Kosaken requiriren ninfite. Bis 2 Uhr nachmittags wurde demolirt, daiiu trat Ruhe ein, welche aber schon nm 4 Uhr wieder gestört wurde. Bis 9 Uhr abends dauerten die Angriffe auf die jüdische Bevölkerung fort. Mehrere Juden sind gefährlich verwundet worden. Erst durch das Einschreiten eines Bataillons Infanterie nnd Verstärkung der Kosaken konnte die Ruhe wieder hergestellt werden. Am folgenden Tage mußten säminttiche jüdischen Magazine geschlossen bleiben. Das von den Inden bewohnle Stadiviertel ist von Truppen zernirt. Wegen der Ermordiliig eines Russen, der i» dem erwähnten Streit für die alle Frau eingetreten war, wurden zehn Juden verhastet.— Bulgarien. . Sofia, 8. Noveniler. Die Sobranje nahm den Straf- g e s e tz- Eni w>i r f in erster Lesung fast einsiimiiiig an. Ministerpräsident Stoilow erklärte, der Entwurf sei nach aus- wärtigen Mustern ausgearbeitet, aber den Bedürfnissen des Landes angepaßt worden. Die T 0 d e s st r a f e sei nur für vier Verbrechen aufrecht erhalten worden. Aincrika. — Die Partei für die republikanische Strönning in den Vereinigten Staaten ist im Wachsen. Darüber läßt der Ausfall der neuesten Kommunal- und Staatswahlcn in ver- schiedenen Staaten der Union leine Zweifel bestehen. Wahr- scheinlich wird der nächste Bundespräsident wieder der republikanischen Partei angeboren. Die Republikaner haben im Staate New-Jork 87 000 Stimmen Mehrheit, in Massachusetts 70 000, in Penusylvanien 176 000, in Ohio 100 000, in Ja Iva 80 000, in New-Jersci 24 000 und in Maryland 15 000. In der Stadt Neiv-Iork hat, wie bekannt, Tammany Hall ge- wonnen, weil die Deutschen hinübergingen. Sie wollen auch am Sountag ihr Bier trinken. Der jetzigen New-Iorker Reform- Verwaltung tlmt übrigens das Ergebuiß der Wahl wenig Ein- trag. Sie bleibt bis 1837 im Amte.— Kuba. — M a r t i n e z C a m p o s, der vor einem halben Jahre auszog, um die kubanischen sttebellen zum Frühstück mit Haut und Haar zn verspeisen, hat jetzt in einem längeren Gutachten das Geständniß gemacht, daß besten Falls die gewaltsame Unter- drückung des Ansstandes 150 000 Mann und niedrere Jahre erheischen, aller Wahrscheinlichkeit nach aber durch die Ein- Mischung der Vereinigten Staaten unmöglich gemacht werden würde, und daß er das einzige Heil in einer gütlichen Ver- ständigung mit de» Rebellen sehe. Wir hätten den alten Haudegen nicht für so vernünftig gehalten. Für eine„gütliche Vtrständigung" ist es jetzt freilich zu spät.— — Spanische Blätter suchen die Aktion der In- surgenten nach jeder Richtung zu verdächtigen. Deshalb sind die aus dieser Quelle stammenden Nachrichten mit größter Vorsicht aufzunehmen. Dies gilt wohl auch für die folgende Meldung: Ter Madrider„Hetnldo" meldet aus Havana, Gomez habe ein Rnidschreibe» an alle Abtheilungssührer der Aufständischen ge- richtet, in welchem er anordnet, das Eigenthnni derjenigen z» zerstören, welche keine Abgaben an die Ansständischen zahlen.— Der Mulatte Maceo fordert enorme Tribute von der Land- bevölkerung, indem er die Zuckerplautagcn bedroht. Die Banden der Aufständischen sind in der Provinz Havana zerstreut, der Ausstand gewinnt jedoch in der Provinz Matanzas an Boden. Die Insurgenten befolgen die Taktik, jeden Zusammenstoß mit den spanischen Truppen zu vermeiden. China. — Shanghai. 9.. November.(Meldung des Neuter'schen Bureau's.) Der„Mercury" meldet de» Ausbruch einer Meuterei unter den chinesischen Soldaten in Kiu-Kiang, welche sich weigern die Waffen auszuliefern und ihren Vorgesetzten, die ihnen gegenüber machtlos sind. Trotz bieten. Die Lage ist be- denklich, die Eingeborenen sind von einer Panik ergriffen, die wohlhabenderen von ihnen verlassen die Stadt, die Ausländer haben sich bewaffnet und sind aufgefordert, für den Nothfall bereit zu sein.— Indien. — Der A u f st a n d in G o a hat die ganze Kolonie er- griffen, die Einwohner stehen auf feiten der Soldaten, und die Engländer, in deren Gebiet diese portugiesische Kolonie eine unbequeme Enklave(eingeschlossenes Gebiet) bildet, unrerstützcn augenscheinlich de» Aufstand. So dürfte dann Portugal den letzten Rest seines großen und glänzenden Kolonialreichs in Indien bald verloren haben.— Afrika. Kapstadt, 3. November. Ans die Vorstellungen der briti- schen Reichsregieruug, daß die Abschließung der Furten des V a a l s l u s s e s durch die TranSvaalregiernnz(der Vaalflnß trennt das Transvaal vom britischen Gebiet und vom Orange- Freistaat) ei» vertragswidriges Vorgehen sei, erwiderte Präsident Krüger, die Furten würde» ohne die Zustimmung der englischen Regierung nicht wieder geschlossen werde».— Wir erhalten folgende Zuschrift: Genosse I. Auer nimmt im„Vorwärts" das Wort zu einer Erklärung gegen unseren Leitartikel vom 6. November über die Resolution Kautsky, als dessen Verfasser er zutreffend mich vermnthet. Er hebt dabei die Stelle hervor, i» der ich die Taktik der b a y c r i s ch e n L a» d t a g s s r a k l i o n anerkennend bespreche und sie als die einzig richtige und einzig mögliche bezeichne, und stellt diesem„mit der ganzen Verve eines Neubekehrten geschriebenen Artikel" meine gegen die von Volkmar 1831 vorgeschlagene Taktik auf dem Erfurter Parteitag geäußerten Bemerkungen (Protokoll S. 219) gegenüber, in denen ich die Münchener Rede Vollmar's als opportunistisch bezeichnete und die darin empfohlene Taktik als»inrevolutionär bekämpfte. Er bemerkt dazu:„Anmerkungen zu diesen beiden sich so schroff gegenüber stehenden Urtheilen erübrigen sich»vohl. Stur so weit von I r r w i s ch p o l i t i k die Rede ist, sei die Bemerkung gestattet. daß gegen Vollmar und seine bayerische» Freunde dieser Vor- wurf rnrgends erhoben ist. Wenn es irrlichlert, so ist das sicher Midenpärls der Fall." Dazu habe»cb zn bemerken: 1. Meine von Auer zitirle» Ausführungen in Erfurt richteten sich gegen die von Vollmar damals in Ueberschätzung des neuen Kurses empfohlene Taktik, die ich noch heule für irrig Halle. Von der Agrarfrage»var damals nicht die Rede. 2. Genosse Auer hätte zur„Festnagelung" meines damaligen Standpunktes nicht uuterlasseu dürfen. auch meine gegen die Unabhängigen gerichteten Ausführungen anzuführen, in denen (Protokoll, S. 220) es heißt: Wenn Auerbach sich nnt Süffisance von de» Bauern und Kleinbürgern abwendet und die Berliner und die Magdeburger für die Hauptsache erklärt, nach denen sich alles zu richten habe, so muß man doch fragen: Was»vollen sie eigentlich von der Partei? Soll das eiiie geschlossene Gesellschaft»Verden,»vie etiva ein Stammtisch mit der Warnungstafel: Reservirt! Djeser Standplinkt»var schon damals nicht der eines Neu- bekehrten, wie an» allerbeste» den» Genosse» Auer aus meiner feit 1883 in Bayern, auch auf dem Lande betriebenen Agitations- »hätigkeit bekannt ist. Er selber hat kurz vor dem Breslauer Parteitag in einer Berliner Versammlung,»ach dem Berichte des„Vonvärts", meine P.ufsafsung der Agrarfrage aus»»einer s ü d d e n l s ch e n V e r g a n g e n h e i t zn erklären gesucht. L. Meine Bemerkungen in den» Artikel vom 6. November reden von der praktischen revolutionären Politik der b a y e r i- schen Landtagssraktion. von deren Thätigkeit Genosse A»i e r auf dem Parteitage in Frankfurt anläßlich der Budgetdebatte(Protokoll, S. 124) sagte: Im bayerischen Landtage»st die sozialdemokratische Fraktion so hervorragend thälig gewesen, daß sie das Augennlerk der ganzen sozialdemokralischen Welt auf sich gezogen hat. Die Thätigkeit unserer Genossen in anderen Landtage», die avch in, vollen Maße ihre Schuldigkeit lhun, hält nicht entfernt den Vergleich damit aus. Die bayerische Landtags- Fraklion besteht bekanntlich ent seit 1893. Was habe» also meine Altssührungen von 1891 mit ihr zu thnn? Die Landtags- Fraktion ist nicht Vollmar. und ich, der ich Vollmar's Verdienste rückhalilos anerkenne, verwahre mich entschiede» gegen die Verqnickung von persönlichen Angelegenheiten mit sachlichen. 4. Es ist ei» Mißverständniß des Genossen Auer, wenn er den Anschein zn erivecken sucht, als unterstellte ich anderen Leuten den Vorwurf der I r r»v i s ch p o l i t i k gegen die Bayer». Im Gegenlheil sage ich, daß eine A e n d e r u>, g der bat)crischen Taktik,»vie sie vergeblich von einigen Seiten ge- »vünschl»vird, eine Jrrivischpolitik darstellen würde. Ob es danach bei mir„irrlichlert", oder ob von anderer Seite irre- geführt»vird, niag der Leser beurthcilen. B r n n o S ch o e n l a n k. Es ist Ersatz geschaffen. Wie uns mitgetheilt»vird, hat der Vorstand der sozialdemokratischen Partei aus Fonds,»velche ihn» zu Unterstützuiigszivccken zur Verfügung stehen, dem siebzig- jährigen Genossen August Klingberg in Steinseifersdorf in Schlesien die Mittel zur Verbesserung des Webstuhls seiner Tochter überwiesen,»achdem,»vie»vir gestern berichteten, den» Klingberg von dem kgl. Leggemeister Fraukcnberg„aus den von Sr. Majestät zu dem qu. Ziveck allergnädigsl zur Verfügung gestellte» Geldmitteln" keine Unterstützung werden konure, weil K. als Führer des dortigen sozialistischen Arbeitervereins einer solchen Unter> stühung„nicht als würdig erachtet"»vorden ist. Neber Klingberg schreibt der„Proletarier aus den» Eulen- gebirge", daß er ein armer ilnterstützuugsbcdiirftiger Weber ist. Derselbe hat sich aber trotzdem nicht für sich, sondern wegen des verbessernugsbedürfligen Webstuhls seiner Tochter an den Herrn Leggemeister gewandt,»nid dies auch erst dann und niir deshalb,»vcil dieser»vie auch sein Ver- treter ihn in seiner Behansuua aufgesucht, zivecks Fest- stcllnng, ob die Weberstüdle seiner Behausung reparaturbedüifiig seien. Wenn der Herr Leggemeister, wie er sagt, die Instruktion hat, sozialdemokralisch gesinnte» Webern nichts zukommen zu lassen, so wäre es doch jedenfalls korrektor von ihm,»venu er dieselben auch überhaupt nicht erst besuchen und dadurch den Glauben erivecken»vürde, als könnte auch ihnen etwas zugewandt »verde»». Der letzteren Meinung sind»vir auch. Wie angedeutet, ist ja für dieses Mal der Schaden in anderer Weise reparirt »vorden. Zu der Angelegenheit der Tpandaner Ttadtberordneten- tvahl lheilt uns noch der Vorstand des doriigen'Arbeiter- Bezirksvereins mir, daß dieser Verein sich lediglich uiit kommunalen Dingen besaßt und daß Z 1 seines Statuts lautet: „Religion»ud Politik ist streng ausgeschlossen". Wir halte» die betreffende irrthümliche Meldung bereits berichtigt. Theodor v. Wächter. Hiesige Zeitiingen bringen si Notiz i„Ter sozialdeuiokratische Kandidat der Theo! Th. v. Wächter ladet zu Montag 8 Uhr nach Keller's Festsälen i» der Koppenstraße zur ersten sozial- christlichen Versaininlung ein. Er»vird über die sozialen Forderungen des»Vahren Cristenthums gegenüber den von der rechtgläubigen, ehrbaren und besitzende» Welt Ausgeschlosseuen sprechen. Der Aufruf ist überschrieben:„An alle Hungernde» und Frierenden! An alle mit leiblicher, g e i st i g e r und sittlicher N o t h 5k ä in p f e» d e n!" In dem Aufruf heißt es:„Ernste Christen jeder Konfession und jeder politischen Jtichtung(auch der sozialdeinokratischei»)»vollen sich zu einer sozial- christ- lickc» Vereinigling zllsäinnien schließen,»velche einmal Ernst machen»vill mit den Forderungen eines»vahrhaft sozialen Christenthums, gegenüber den» Glaubens-, Moral- und Besitz- pharisäcrthum heutige» Kirchenthums. Diese unsere sozial- christliche Vereinigung ist eine rein religiöse Ver- einigung, und hat mit der polilisch->virlhschaftlicheii Gruppe der sogenannten„Christlich- Sozialen", vollends n>!t christlich- sozialer Stöckerei absolut nichts zn schaffen." Die Berliner Studentenschaft wird besonders eingeladen. Ferner»vird bekannt gemacht, daß in den Versammlungen unentgeltlicher Ans- s ch a n k von Kaffee(und Gebäck) an alle Theilnehmcr stattfindet." Uns ist es neu, daß Herr v. Wächter wieder hier ist, und ebenso sind»vir überrascht, daß er, trotz gewiffer Vorkommnisse, schon»vieder den Muth findet, öffentlich aufzutrelei». Welcher Art diese Vorkommnisse sind, niag bis auf weiteres uuerörtert leibe»; anführen»vollen»vir nur, was Wächter in einer von i» herrührenden Flugschrist als persönliche Bemerkung dies- b?Uolich von sich selbst sagt. Er schreibt:„Schivere innere sitt- lich�kämvfc, in denen ich persönliche Verfehlungen mir zu schulden kommen ließ(»ver ohne Fehl ist, »verse den erste»» Stein ans mich!) veranlassen mich, von der öffentlichen politischen Thätigkeit mich vorerst zurückzuziehen, andererseits Hahe ich aber gerade in diesen sitt- lichen Käiypsen, da ich an mir selbst verzweifeln»nußle, erfahren, »vie das,»vas das»vadre Christenthum uns bietet, allein mir frische 5k'rast und neuen Mnlh zum Weiterkämpfen schenkte. Nicht im Politiker, sondern im Theologen sehe ich wie meinen an- sänglichen, so meinen künftigen Beruf, dem ich allein alle meine Zeit und Kraft nun ividmen»verde." Wir können unseren Genossen, besonders den jüngeren, nur de» dringenden Rath geben, Wächter in seinem„theologischen(k Berufe nicht zu stören, sondern sich von ihm und seine»» Treiben streng fern zu halten. Tie Wahrheitsliebe der„Post"»nd ihrer Hinter- männer. Das Organ der Stumm und Genossen betrachlet es seit einiger Zeit als seine Hnuplausgabe. zu versuchen, iinscre Parlei, bezichcntlich einzelne sührende Genosse» durch die Per- öffentlichung von allerhand ihn» ziigetrageneii Räiibergefchichtei, zu loiuprouiiltirc». Dabei passirt es der„Post" ualürlich i» der llicgel, daß sie für ihr„koscheres Geld" von ihren Kumpanen gehörig angelogen»vird. Das»st ihr denn auch mit solgender Schauirnotiz. die vor kurze»» ihre Spalten zierte, wiederum geschehen. Diese Notiz lautele: „Was schließlich aus den„alten, beivährten Genossen" »verde» soll, künimert den Parlcivorstand nicht, von dessen An- erkennnng für geleisteie Dienste auch der frühere Redallenr der „Arbeiterstimme" in Solingen, Wilde, ein Lied singe» kann. Dieser halte sich in seiner jahrelangen Thätigkeit 1>/e Jahre Ge- sängniß zugezogen, nach deren Bcrbüßnng er die Hilfe des Partei- Vorstandes in Anspruch nahm; Auer aber»ries ihn, trotzdem die Pnrlcikasse gut gefüllt ist»nd Geld»n einer englischen Bank liegen hat. rundweg ab:»ve»»» Wiide etivas verdienen»volle, solle er seine Gefängiiißeriniierungen scbreiben." Die„Berg. Arb.-Stimme" konstalirt dkingcgenüber, daß Wilde »ach seiner Entlassung aus den» Gefäiigniß soivohl vom Partei- vorstände sofort und ohne darum vorstellig zu»vertcn, eine größere Geldunterstütznng erhalle», als auch vom ersten Tage ab von der Gcnosseiischafls-Buchdruckerei sein früheres volles Gehalt bezogen hat, bis z» seiner freiwillige» Abreise»ach Berlin,»vo er ansaugs September»u einen» Kraukenkasseii-Bureau in Stellung trat. Die Notiz der„Post" beruht also auf grober Unwahrheit und hat ailgenscheiulick den deuunziatorischei» Ziveck, den Partei- vorstand bezüglich der Berivendung der Gelder>» den Augen der Genossen herabzusetzen. Die Mitlheilimg der„Post"»st in allen ihren Theile» erlogen, einerlei»ver der Urheber sein mag. Bei den Gcwcrbegcrichts-Wahlen in Weißenfels siegle» i» der Klaffe der Arbeilerverlretcr in Gruppe la(Schuhmacher) die von liuserer Partei aufgestellten Kaudidate» mit 220 Stimmen über die Kandidaten des Hirsch-Dnncker'schcn Gewerkvereiiis, die nur 15 Stimme» erhielten. In Grost-Lichterfclde-Lankwit; halte der Vertrauensmann L a b j u l, i» im abgelaufene» Verivnltungejahr eine Einnahme von 139,15 M. Nach Abzug der Ausgabe» im Betrage vo» 137,23 M. blieb ei» Ueberschuß von 1,92 M. Da Labjuhn eine Wiederwahl ablehnte,»vurde Fritz Niets che. Groß-Lichter- selbe. Berlinerstraste, zuin Vertraueusman» bestiinmt. Revisoren sind Röder und H a e s e, Mitglieder der Lokalkomniission Nie udorf, Fraucke und M a r k a r t. Die Parteigenossen in Groß-Lichterfelde-Laukwitz stiid leider wieder ohne Versannn- lungslokal und daher auf die'Agitation von Mund zu Mund augeiviescn. Es ist darum uöthig, daß jeder Geuoffe in dieser Beziehung seine Pflicht um so eifriger erfüllt. I» den genannten beiden Orten verkehren die Parleigeuossen in alle» Lokalen, ausgenoinnien den» von Heyne in Lanklvitz und dem vo» Arnold in Groß- Lichterselde,»vo ina» von den Sozialdemo- traten nichts wissen»vill. Ter Stcttincr Vertrauensmann linserer Partei halte im verflossenen Jahre eine Einnahme von 1254,17 M., der eine Ausgabe von 884,20 M. gegenüberstand. Von den Ausgaben gingen 500 M. nach Berlin, zur Landngitation»vurden 100 M. beivilligt. Polizeiliches, Gerichtliches zc. — Wegen Beleibignug des Orts- Kraiikenkassen- Kassircrs Arve in Uetersen durch die in Kiel erscheinende„Schleswig- Holsteinische Volks-Zeituug"»vurde der frühere veraniivortliche Redakteur Poller vom Schöffengericht in Uetersen z»l 100 M. Geldstrafe verurtheilt. Wege» Beleidigung des Geiverbe- gnichtsbeisitzers Knecht in Elmshorn durch dasselbe Blatt»vlirde der frühere verautivortliche Redakteur Geuoffe K l ü ß vom Schöffengericht in E l»» s h o r n zu 50 M. Geldstrafe eventuell 10 Tagen Gefängniß verurtheilt. Der klägerische Rechtsanivalt hatte 4 Woche» Gefängniß beantragt. Die Beleidigung soll durch die Wiedergabe eines Gerichtsreferats geschehen sein. — Die Beleidigungsklage, die H a>» s B l»» in gegen den Redakteur der„Voigtländischen Volkszeitnng", Genossen M e i>»- hold angestrengt hatte, kam am Mittwoch vor dem Schössen- gericht in F a l k e n st e i n u V. zur Verhandlung. Die An- gelegenheit datirt von der letzten Reichstagsivahl in Plaue n her. Damals hatte Hans Blum in einem Flugblatle, das be- zeichnenderweise am letzten Tag vor der Wahl verbreitet»riirde, die Behauptung anfgeftellt, die deutsche Sozialdemokratie habe ziisamme» mit dem ehemalige»» französischen General Boulanger hochverrätherische Pläne gegen das Deutsche Reieb geschmiedet. Als Antivort aus diese Aiifchllldiguiig, für die selbstredend auch nicht der Schatten eincS Beiveises erbracht werden kann, erschien »in„Vorivärts" und in der„Bogtländischen Volkszeitnng" ein Abivehrartikel, betitelt„Ein Bubenstück", durch de» sich Blum beleidigt fühlte. Gen. M e i n h o l d wurde zu 50 M. Gelb» strafe verurtheilt»vege» der darin enlhalteiien förmellei» Bc» leidigung, Blum's Forderung aus 1000 M. Buße aber natürlich abgc>viesen.... Soziale Ltel»eelulzk> Die Arbcitcrbcisitzcr des Hamburger Gewcrbcgcrichts i»»il ihrer Sitzung am 31. Oktober beschloffen, zu der von ikkUxl aus erfolgten Anregung, einen Kongreß der Geiverbegerichts- 'r zu veranstallen, erst dann enlscheideude Stellung zn nehm?», wenn erstchilich ist, ob und evenlnell»velche Stellung der bevorstehende Geiverkschaflskongreß zu dieser Frage ein- nehme» wird. Ei« schränk««g der Gcfängnißarbeit. Die„Berk. Korr." schreibt: Die Minister des Innern und der Justiz haben An- orduung getroffen, daß die Beschäfligung von Gefangenen in Strafanstalten»»nd Gefängnissen mit der Strickerei aus Strick- Maschine» für Privatuuteriichmer nach Möglichkeit eingeschränkt »verde. Gleichzeitig sind die zuständigen Behörden angewiesen »vorden, ih»e besondere Aufmerksamkeit darauf zu richten, daß in denjenigen Fälle», in»velche»» eine Vergebung von Arbeilskrästeu vo» Gefangenen zum Zivecke des Strickens auf Maschinen für die Zukunft noch stattisindel, die Höhe der von den Unternehinern zu zahlenden Lohnsätze zu den Lohnsätzen der freien Arbeiter in angemessenem Verhältniß steht. Gemevklilzaftlulzes. Achtung, Schuhmacher, Filzschuh und Schäftc-Arbciteri Montag, den 11. November, finden die Delegirten» »vahlen der Orts- Kranken lasse der Schuh- in a ch e r im Lokale Auneustr. 16 bei Bergner statt. Da kman von einer bestimniten Seile rührig agitirt, um»veu» möglich den Vorstand i» die Hände zu bekommen, ist es Pflicht jedes or- gaiiisirteu Kollege», in der Versammlung zu erscheinen und seine Stimme nur organisirten Kollege» zu geben, damit der Vorstand nur aus solchen zusammengesetzt»vird. Die Agilatio»slomu»»ssio>» der Schuhmacher Berlins. Handlungsgehilfe»! Der Verlag des„Hmidels-Angestellten" befindet sich»ich»»nchr Berlin, Blumeustr. 21. Alle Zuschriften für die Redaktion und Expedition sind zu richten an den Verlag August Penn, Berlin, Friedensstr. 46, 2 Tr. Tic Lohnbewegung der Maurer in Zivickan und Schmölln in Sacbsen- Allenbnrg ist,»vie der„Grundstein" mitlheilt, zu gunsteii der Gesellen beendet. Ucbcr den Konflikt im irisch-schottischen SchiffSbnn- Gcwcrbc»vurde aus GIasgoiv n»term 8. November telegraphirt: ach einer hier eiugeaaugcncu Privaluachri.cht hätte die Regierung Lk�Chefsekrelär für Irland. Gerald Balfour, angeiviesen, bei den�oßen Rheder» Harlaud und Wolfs Vorstellungen zu inachen. »m cff�Lösiliig der gcgeinvärtigc» Krise herbeizuführen. Auch wird versichert, daß die Rheder von der Themse, vom Tyne und dem Wcar ihre Absicht ausgedrückt hätten, durch Schließung ihrer Werkstätten mit de» Rheder»» von» Clyde und von Belfast zusaiiniicnzuivirkeii.— Eine Wolff'sche Depesche vom 9. November meldet dagegen aus Glasgoiv: Man »imml an. daß der Streik in den nächsten Tagen beendet sein »vird. Und das Hervld'sche Bureau berichtet: Nach einen, Londoner Telegramm der„Franks. Ztg." hat eine Werft am Cl»ide bereits die iAbmachnnge» mit de» Firmen in Belfast gebrochen. »achdem eine sonst in Glasgow ausgeführte Reparatur vo»» 16 000 Lstrl. nach Neivcastle vergeben»vorden ist. Nunmehr dürfte die Aussperrung der Arbeiter recht bald beendigt sein. Vepeschvtr und lvhke Nachvichken. Hamburg, 9. November. Hellte Abend 6 Uhr brach in Altoua-Otienice in der Holstcuiviete ei» Feuer aus, durch»velchcs die Dachpappenfabrik von Sleinert und die Eisengießerei von Tietz und verschiedene nahe gelegene Gebäude zerstört»vnrde». Der Ge- sammtschaden»st bedeutend. Die Pferde und sänimtlicheS Bich »vurden nur mit Mühe gerettet. Mensche» sind nicht verletzt ivorde». Nack drei Stunden wurde der Brand beivälligt. Seit Nackmittag 4 Uhr herrscht hierein starker Süd-West-Slur»», durch »vclcheu in Hamburg und?lltonn verschiedene große Ladeufeuster zertrüminert wurden. Auch sonst»vurde mehrfach Schaden au, gerichtet. München, 9. November.(W. T. B.) Prozeß in Angekegen» beit der Lenbach'scheu Bilder. Die drei angeklagten Kuiisthäudln: Läpp, Ackermann und Heinema»»»»vurden freigesprochen. Die Kosten wurden der Staatskasse auferlegt. London» 9. November. Wie das„Neutcr'schc Bureau" von gestern meldet, erhielt der deutsche Unrerthan Felix Dioral eine Konzcssion auf 75 Jahre für den Bau einer Chaussee von Teheran nach Bagdad und für die Errichtung eines TrauSportdienstes auf derselben, ferner eine Konzession von 90 Jahren für eine etiva 10 Meilen lange Dampf- oder elektriscbe Straßenbahn von Teheran nach den Dörfern nördlich der Stadl. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kuncr», Schönebeig-Berlin. Für den Jnseiatculheil verantwortlich: Th. GIrckc in Berlin. Druck und Verlag vcn Max Padiug rr» Berlin. Hierzu 3 veilagr« 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 364. Sonntag, den 16. Uovember 1893. 13. Jahrg. UoKales. Kommerzienrath Jacob. In der Nummer vom Mittwoch den(>. November, brachte der„Vorwärts" einen Bericht über eine Verhandlung des Gewerbegerichls, in welcher die Arbeits- Verhältnisse der Speditionsfirma Jacob u. Vallentin beleuchtet waren. Dieselben waren so Haarstraubend und fast unmenschlich. daß sich das Gericht durch den Mund des Herrn Assessor Unger zu den Worten verstieg:„Das Gericht kann es sich nicht ver- bohlen, daß dies ein Betrieb(Jacob u. Vallentin) ist, der die Kräfte der Arbeiter weit über alle Maßen in Anspruch nimmt." Nun ist der Chef dieser, in aller Fori» moralisch geohr- seigten Firma ein Herr Kommerzienralh Jacob. der diesen Titel aber erst seit kurzer Zeit führt. Wie er zu demselben gekommen ist, wissen wir nicht, ist aber auch für die heutige Sache nicht von Belang. Es handelt sich heute nur um ein Vergnügen, welches ungefähr im Monat Aug.st dieses Jahres im„Zoologischen Garten" stattfand. Unsere Leser werden sich wohl noch des furchtbaren Unglücks crinuer», welches durch Ueberschwemmnngen ganzer Länderstrecken des von der Natur so reich gesegneten württembergischen Landes im Hochsommer dieses Jahres hauptsächlich die Stadt und den Landkreis Balingen heimsuchte. Zur Linderung der dadurch in jenem Städtchen entstandenen Noll) wurde von einem„ M e n s ch e» s r e«» d e" die Berliner Bourgeoisie zu einem Fest nach dem„Zoologischen Garten" ans- gerufen und siehe,„alles, was'n bischen was ist", kam. Man amüsirt sich gern und der Spaß ist noch einmal so groß, wenn man weiß, daß es für einen guten Zweck ist. Berühmte Sänger sangen, Kapellen musizirten, die Damen unserer große» und kleinen Theater in duftigen Gc- ivüudern boten Sträuße dar und wurden sie reißend an die Herren von der Burgstraße los, die in den Pausen Dnx-Boden- bacher und Harpener diskutirteu. Alles in allem, es war ein geliiiigenes Fest. Und überall tvar der große Menschenfreund. hier dem einen zulächelnd, dort den andern zum Kauf einer Blume für 10 M. animirend, immer und immer beschäftigt, ruhelos jagt er in den Sälen umher, erschöpft droht er nmzu- sinken, doch weiter und weiter bis in den frühen Morgen, fast wie seine armen Arbeiter, denn der große Menschenfreund ist niemand anders, als wie der Kommerzienrath Jacob, Chef der Finna Jacob u. Vallentin, von welcher es gerichtlich fest- gestellt ist, daß sie ihre Arbeiter von morgens 0 Uhr bis 2 und '/ell Uhr nachts beschästigt, ohne Ueberstunden zu bezahlen. Gott! wie'n feiner Mann! Z» den gestrigen Ttadtverordnetenwahlen ist noch nach- zutragen, daß für sozialdemokratische Kandidaten im ganzen 12 638, für liberale 11 IIa und für antisemitisch-reaktionäre 2939 Stimmen abgegeben worden sind. Ein geradezu kläglicher Neinsall der Antisemiten! Berliner Stadtvcrordncteuwahlen in der zweiten Abthciluug. Stach den vorliegenden Meldungen sind in allen Wahlbezirken die liberalen Kandidaten gegen schwache antiseniitische Minoritäten gewühlt worden.— In der ersten Abtheilung wählt man am kommenden Montag. In der ersten wie zweiten Abtheilung entscheidet bekanntlich ausschließlich der Geldsack. Den Kämpfer» für Ordnung, Religion und Sitte, die in de»„Berliner Neueste» Nachrichten" ihr Hauptquartier auf- geschlagen haben, ist ein böser Unfall passirl. Zwei Nedaktenre dieses die Sozialdemokratie mit am schamlosesten bekämpfenden Blattes mußte» plötzlich entlassen werden. Die Gründe der Eni- lassung sollen nicht in einem Nebermaße von Neligion, Ordnung und Sitte zu suchen sein. Wie ei» Edelster und Bester sich zeitgemäß zum Kamps für Ordnung, Neligion und Sitte zu stärken Hat, lehrt eine Annonce in Nr. 523. 4. Beil. des„L.-A.":„Suche für einen Freiherrn(50 Jahre) vonr alten Adel, eine ver- in ö g e n d e Dame behufs Heirath. Unter M. 43, Postamt 24." — Arm in Arm mit der angekuppelten„vermögenden Dame" kann nunmehr der Kreuzzug für die heiligsten Güter der Nation vor sich gehen. Die Sprechstunden der Gewerbc-Jnspektio» für Berlin- Charlottcnbnrg sind, wie amtlich bekannt gegeben wird, rvie folgt sengesetzt: I. Inspektion, Sprechzimmer im Polizei- Dienstgetäade am Alexanderplatz, 1 Tr., Zimmer 138(um- fassend t ie Polizei-Reviere 22—26, 28, 30, 41— 45, 47—49, 52—54, 65, 66, 70. 79. 86, 87 und 93-96).— ll. Inspektion, Geoigenkirchplatz 21(Reviere 1, 2, 9—21, 27, 29, 38, 40, 46, 50, 51, 55, 59, 62, 88, 80, 81, 38-90 und 92).— III. Inspektion, Linkstr. 22(Reviere 3-8, 31—37, 39, 56-58, 63, 64, 67, 69, 71— 78, 82—85, 91 und die Stadl Charlottenburg). Dienstag und Freitag 12t/e— IVe Uhr, Donnerstag 7—8 abends. Am 1. und 3. Sonntag im Monat im Sommerhalbjahr 8—10 vormittags, im Winter bei der l. und M. Inspektion 12—2, bei der ll. 3—10 vormittags. Ter Nrbeiter-Bcrkehrö-Almanach für Berlin und Um- gebung(Verlag von ßans Vaake, Berlin 8., City-Passage) ist dieser Tage in neuer Auflage erschienen. Auch die Winteransgabe dieses nützlichen Büchleins bietet der organisirten Arbeiterschaft und allen, dre mit ihr irgendwie in Verbindung stehen, ans kleinein Raum eine Fülle von ivissenswerthem Material. Ter bisherige Inhalt ist vortheilhast ergänzt und namentlich die Adressen der Parteiorganisationen, Geiverkschaften, Krankenkassen ic. sind so genau als möglich berichtigt worden. Wie früher schon, so ist »uch diesmal ein übersichtlicher Plan von Berlin als Gratisgabe dem Büchlein beigefügt ivorde». Ter Preis des Arbeiler-Berkehrs Alin.rnachs ist wie bisher 20 Pf. Tic Urania hat für die nächste Woche ein sehr reichhaltiges Programm aufgestellt. Heute, morgen, Donnerstag und Sonn- abeiio kommt der neue dekorative Ansftatlungsvortrag„Vom Fels zum Meer" zur Aufführung. Dienstag wiederholt Herr P. Spies seinen Experimentalvortrag über„Die Lichtmeßkunst in ihrer Bedeutung für Wissenschaft und Technik", Mittwoch Herr Dr Naß den Cxperinientalvortraa über„Gasglühlicht, Spiritnsglühlicht, Aeeliilen je." und Freitag wirb Herr Dr. M. Wilhelm Meyer, der Direktor der Urania, persönlich über seine amerikanischen Reise-Erlebnisse unter dem Titel„Vom !j).llo>vstcnepark bis zum Großen Ozean" sprechen. Dem Berliner Agnarium sind durch seine Station Rovigno weitere Ergebnisse der mit dem Stationsboot unter- noinmenen Sarninelreise zugegangen, und unter diesen befinde» sich neben werthvolten Seltenheiten völlig neue thierische Lebe- wesen, welche hier und wohl überhaupt in einem derartige» Institut noch nicht gezeigt werde» konnten. Eine Anzahl der- selben ist in einem Basaltbecken nahe dem Seehundsteich ver- einigt. Das für de» Forscher wie für den Naturfreund an- ziehendste Geschöpf ist ein in zwei Exemplaren angekommenes durchsichtig-weißes, außerordentlich fein verästeltes fußhohes Gebilde von geradezu berückender Schönheit und Zierlichkeit, das an weißbereifte Grasrispen oder an die feinsten Glas- und Filigran- Arbeiten erinnert. In jedem der beiden Stöcke haben wir eine Kolonie zahlreicher mikroskopisch kleiner Thierchett, welche der Gattung Zoobotryon angehören, vor uns. Nebe» tewser bieg- samllt und leise sich bewegenden Mooskoralle beherbergt dasselbe Becke�toch einige Stöcke verwandter Moosthicrchen, insbesondere der GaAungen Flustra und Retepora(Blatt- und Netzkoralle), so daß dieser Behälter die seltene Gelegenheit zu Beobachtungen an einer der merkwürdigsten Thiergruppen bietet. Außer den Moosthierchen wurden in ihn seltene Weichthiere gesetzt, unter ihnen als ganz neu eine Art Nabelschnecke(Natica), deren fast kugelrunde gelbliche Schale mit rothbraunen Punkten dicht be- deckt ist. Laiidtags-Ersatztvahl in Berlin. Für die Ersatzwahl im hiesigen IV. Landtagswahlbezirk hat der Oberpräsident den Ter- min für die Wahlmännertvahl auf den 21. Januar, für die Ab- geordnetenwahl auf den 23. Januar kommenden Jahres an- gesetzt. Gegen den Heransgcbcr der„Ethischen Kultur" Herrn Dr. Förster ist der„Volks-Ztg." zufolge aufs neue aus Anlaß des bekannten Artikels das Verfahren wegen Majestälsbeleidigung eröffnet. Die„Ontnibuökompagnie Berlin", welche bekanntlich den Nachtbetrieb in Händen hat, giebt bekannt, daß von Montag an Arbeiter- Fahrkarten bei den Schaffnern zum Preise von 60 Pf. pro Woche erhältlich sind, welche zur Benutzung der Tour Gnetsenaustraße— Chansseestraße von 4 Uhr morgens an berech- tigen. Die Wagen sollen im Winter geheizt werden. In der Zeit von 11— 2>/2 Uhr verkehren sie alle 10 Minuten. Die Stadtverordnete»- Versammlung und die Ans- stellung. Die Stadtverordneten Dinse und Genossen haben folgende» Antrag in der Stadtverordneten- Versammlung ein- gebracht:„Die Versammlung beschließt, den Magistrat um Ans- kunst darüber zu ersuchen, welche Schritte er gethan hat oder zu Ihun gedenkt, um die Geschäftsleitung der Berliner Gewerbe- Ausstellung von 1896 zu einer der Stadt würdigen Durchführung dieses Unternehmens, für welches die Stadigemeinde so große Aufwendungen gemacht hat, zu veranlassen." Nuserc gestrige Mitthcilnng über die Koitfistation des „Sozialist" ist ans grnnd einer uns zugehenden Mittheilung ivie folgt richtig zn stellen: Konsiszirt wurde nur ein Theil der für die Berliner Zeitungsspediteure bestimmteil Exemplare in der Höhe von 754 Exemplaren. Soweit bis jetzt bekannt, soll in drei Fällen gegen§ 130 verstoßen sein. Beanstandet sind: 1. der Leitartikel„Zum elften November", 2. der Artikel im Bei- blatt:„Der Spitzel geht um", 3. das leitende Gedicht in der „literarischen Beilage":„Zuversicht" von Robert Seidel(zum 11. November). Znr BelenchtnugSfragc meldet das„Verl. Tgbl.": Die Konserenz des Syndikats Berliner elektrotechnischer Firmen mit dem Arbeitsausschuß der Berliner Gewerbe- Ansstellnng, welche Sonnabend Vormittag zu einer weiteren Sitzung in dem Bureau des Vereins deutscher Elektrotechniker zusammengetreten war, hat abermals nicht zu einer endgiltigen Erledigung der Frage der Beleuchtung der Ansstellnng geführt, sie aber ihrer Lösung doch naher gebracht, als sie es je gewesen. Die unterhandelnden Körperschasteu werden am Montag zu einer Schlußsitzung zu- sammentreten. Als Ergebnis) der seitherigen Verhandlungen ist zu erwarten, daß das Syndikat am Montag die Erklärung abgeben wird, selbständig und außerhalb des Aus- stellungsterrains eine Kraftstalion errichten und von dieser aus die elektrische Energie für die glanzvolle Beleuchtung des Haupt- industriegebändes sowohl als auch für den Betrieb der elektrischen Bahn liefern wird. Die Firma Gebr. Naglo in Treptow, von welcher das Anerbieten, das zu den Verhandlungen geführt hat, ausgegangen ist, würde mit einem derartigen Arrangement ein- verstanden sein. So scheint denn endlich die Beleuchlnng der Ausstellung gesichert, dank dem guten Willen und dem gegen- Zeitigen Entgegeiikomme», welches alle betheiligten Faktoren neuer- dings bewiese» haben. Bon« Heilserum. Die amtliche„Berliner Korrespondenz" vom 8. Slovember meldet: Ein Erlaß des Kultusministers vom 4. November bestimmt in Ergänzung der Erlasse vom 25. Februar und 4. April d. I., daß, nachdem die„Farbwerke vorm. Meister, Lucius u. Brüning" zu Höchst a. M. ein Diphtherie-Sernm her- gestellt haben, welches mehr als 200 Jinmnnisirungs-Einheiten in 1 Knbikeentimeter enthält, auch ein auf einen höheren Werth geprüftes Serum in den'Apotheken abgegeben werden darf. Die Werthbemessnng des über 200 Einheiten in 1 Kubileentimeter enthaltenden Serums findet nach einer Steigerung um mindestens 100 Einheiten oder einem Mehrfachen von 100 Einheiten in 1 liubileentimeter statt. Der Preis dieses höherwerthigen Serums ist nach Vereinbarung mit den beiden preußischen Fabrikalionsstätten(Farbwerke vorm. Meister, Ltteius it. Brüning zu Höchst a. M. und Chemische Fabrik auf Aktien, vorm. E. Schering zu Berlin) bis auf weiteres, wie folgt festgesetzt: 1. Serum mit mindestens 300 Einheiten in 1 lindikeentinieter 100 Einheiten 45 Pfennig; 2. Serum mit mindestens 400 Ein- heilen in 1 Kubileentinieter 100 Einheiten 60 Pfennig; 3. Ser»»i mit mindestens 500 und mehr Einheiten in 1 Kubikeentiineter 100 Einheilen 80 Pfennig. Hiernach kostet 1 Kubikeentiineter von Serum 1: 1 Mark 35 Pfennig; Serum 2: 2 Mark 40 Pfennig; Serum 3: 4 Mark. Eine Ermäßigung des Preises zu gunste» der Krankenanstalten ze. wird zunächst von den Fabrikations- stätten nicht gewährt; eine solche ist erst dann zu gewärtigen, wenn es möglich und nach der weiteren Entwickelung der An- gelegenheit berechtigt ist, das hochiverlhige Serum auch weiteren Kreisen des Publiknms zugänglich zu machen. Die bisherigen Bestiiniiinngen hinsichtlich der Werthbeniessnng und des Preises des Serums mit einem Gehalt bis zu mindestens 200 Einheiten in 1 Kubikeeiilimeter bleiben in krast. Tic vcrräthcrischcn Bricfkastctttiotizcn. Der Antisemit Schweinhagen ist, wie gemeldet wird, noch in Wien. Auf illequisition der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Berlin finden gegenwärtig zwischen dem hiesigen Auswärtigen Amt und den Wiener Behörden Verhandliingen wegen Auslieferung des Schweinhagen statt, der im Marz vorigen Jahres wegen Beleidigung des Finanzministers Dr. Miqnel und des Reichskanzlers Grafen v. Caprivi abzüglich der in Anrechnung gebrachten Untersuchungshast zu sechs Monaten Gefängniß ver- nrtheilt wurde. Schweinhagen entzog sich der Verbüßung seiner Strafe dadurch, daß er sogleich, nachdem das Urtheil rechtskräftig wurde, ins Ausland ging. Dtirch B r i e s k a st e n n o t i z e n im„Antisemitischen Generalanzeiger" anfmerk- fatii gemacht, kamen die Behörden dahinter, baß Schweinhagen in Wien lebe und konnten so seine Auslieferung beantragen. Gegenwärtig befindet er sich in Wien in Präventivhaft. Der Staat der Sozialrcform ließ am Freitag Mittag wieder eininal das versteckte Elend aufstöbern. Durch zwei Kri- minalbeainte und sechs Schutzleute wurden vorgenern Mittag nicht weniger als 15 Personen niännlichen Geschlechts aus dem Volkskaffeehause in der Niederwallstraße herausgeholt und nach der Polizeiivache am Spittelmarkt geschafft, da sie sämmtlich ohne Legitimationspapiere sich befanden. Unter denen, die sich später ini grünen Wagen nach dem Polizeigewahrsam am Alexander- platz'begeben mußten, befanden sich auch zwei Knaben im Alter von 14 bis 15 Jahren, welche keine Auskunst über ein Obdach zu geben vermochten. Die Hochbahn soll bekanntlich die Gegend der Kirche am Zoologischen Garten nicht„entweihen". Die Entscheidung über die einzige noch nicht ganz feststehende Strecke der projeltirten elektrischen Hochbahn von Siemens und Halske liegt, wie die „Nat.-Ztg." erfährt, jetzt im Fiiiaiizmimsterium. Es handelt sich um die Entschädigung, welche für die Erlaubniß zu bezahlen sein wird, den Zoologischen Garten mit der Hochbahn zu durch- queren und dann im Garten selbst eine Station anzulegen. Nach den dem genannten Blatte bestimmt gewordenen Jnsormationen hat der Beginn der Arbeiten für die Hochbahn infolge der vielen Schwierigkeiten, die sich ihr in den Weg stellten, sich nur verzögert. Man ist aber schon eifrig an der Ausarbeitung der Einzelheiten. Der Beginn der Arbeilen soll im Frühjahr stattsindeti und dann mit aller Macht gefördert werden. Das Projekt einer Sckuitdärbahn von Mittcnwalde nach Rixdorf ist als gescheitert zu betrachten, da die in betracht kommendeit Gitnidbesitzer die unentgeltliche Hergabe von Terrain abgelehnt haben, die betreffenden Unternehmer aber nicht im stände sind, den erforderlichen Grund und Boden käuflich zu erwerben. Unter pockeuähnlicheit Erscheinungen sind im städtischen Krankenhanse am Friedrichshain abermals zwei Personen erkrankt und zivar zwei Kandidaten der Medizin, die zu ihrer Ausbildung im Krankenhause beschästigt waren. Ob es sich wirklich um schwarze Pocken handelt, ist noch nicht festgestellt. Im ganzen sind bis jetzt neun Personen erkrankt. Die Hoffnung der Invaliden. Gesuche um Unterstützung aus dem Reichs-Jnvalidenfonds, zu denen durch Anschlag an den ösfenllichen Säulen aufgefordert worden war, sind beim Polizeipräsidium 6000 eingereicht worden. Wie verlautet, sind nur 800 Gesuche berücksichtigt worden, und zwar nur von dauernd gänzlich erwerbsimfähigen Personen. Die Garden. Bon einem Berichterstatter wird gemeldet: Die Rekruten der hiesigen Garde- Regimenter werden jetzt sämmllich in den„Christlichen Verein jnnger Männer" in der Wilhelmstraße geführt, damit sie sich ansehen, wie es dort zugeht. Es bleibt ihnen dann a n h e i m g e st e l l t, ob sie der inner- halb dieses Vereins bestehenden Abtheilung für Soldaten bei- treten wollen. Den Anfang mit dem Besuche machte gestern Nachmittag um 5 Uhr das Kaiser Fratiz-Garbe-Grenadier-Regi- ment Nr. 2. Selbstmord hat ein Deserteur voni i. Garde-Feldartillerie» Negiinent verübt. Der Fahrer Moosdorf von der 2. fahrenden Batterie hatte sich am 31. Oktober heimlich von seinem Truppen- theil entfernt. Man telegraphirte nach seiner Heimath in der Nähe von Torgan, wo sein Vater eine Mühle besitzt, und erhielt von dort vor einigen Tagen die Antwort, daß Moosdorf sich in der Mühle seines Vaters erschaffen hat. Der Deserteur, ein gelernter Müller, diente im zweiten Jahre. Im ersten Jahre hatte er sich wiederholt im Lazareth und auch im Arrest befunden und daher wenig Dienst gemacht. Da man Simulation bei ihm annahm, so sollte Moosdors noch einmal das ganze Rekruten- Pensum durchmachen. Das scheint ihm Veranlassung gegeben zu haben, zu desertiren und sich das Leben zu nehmen. Noch nicht aufgeklärt ist ein Todesfall in der Köthener- flraße. Dort wohnt im Hause 46, Hof 2 Treppen, der prinzliche Kutscher Schramm mit seiner Frau und zwei Söhnen von 4 und 5 Jahren. Am Dienstag Morgen um 3 Uhr tranken die beiden Knaben Kaffee und aßen dazu jeder eine„Schnecke". Dem vier- jährigen Erich wurde danach unwohl, sodaß er beim zweiten Frühstück um 11 Uhr nichts mehr genießen wollte. Gegen I Uhr bekam er Brechdurchfall. Außer dem Dr. Kayser ans der König« arätzerstraße wurde auch noch ein Arzt der Prinzessin Friedrich Karl zu Rathe gezogen, bei der Schramm bedieiistet ist. Um 2 Uhr nachts starb der Knabe. Ob ein Brechdurchfall oder Blind» darnientzüiiduiig vorliegt, steht noch dahin. Der behandelnde Arzt hat den Todtenschein nicht ausgestellt, weil er eine Ver- giftung nicht für uiiuiöglich hält. Die Leiche ist daher beschlag- nahmt worden, die Oessnung hat jedoch bis jetzt noch nicht statt« gesunden. Einen guten Fang machte in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend die Rixdorier Polizei. In einer neu angelegten Straße am Bahnhof Ripdorf traf ein Gendarm zwei Männer mit einem großen, schweren Korbe. Beim Anblick des Gendarmen ergriff einer von ihnen die Flucht, während der zweite fest- genommen wurde. In dem Korde befanden sich Flaschen mit Branntwein und Bier, allerhand Nahrmigsmittel, Zigarren je., welche ans einer in der Nähe belegenen Batikantine des Restaurants Schulze ans Rixdorf herrührten, die von den beiden Männern erbrochen und ausgeränint worden war. Was die Einbrecher nicht sortschaffen konnten, hatten sie zerstört, ein Faß Bier aus- lausen lasse», den Kochapparat in nicht anzitdeulender Weise vernnreinigt, kurz, in der Kantine wie die Vandalen gebanst. Der Verhaftete entpuppte sich als der 2ljährige Bildhauer Paul N o w o s ch aus Berlin, ein berüchtigter Dieb und Ausbrecher, der vor einiger Zeit ans dem Strafgefängniß zu Neustadt in Mecklen- b»rg, ivo er noch 3 Monate Gefängniß zn verbüßen hat, ausgebrochen und seitdem steckbrieflich verfolgt wird. Inzwischen soll er bereits in der Umgegend Berlins zahlreiche rafsinirte Diebstähle ausgeführt baten. Vor einigen Tagen hatte Nowosch bei dem Dlestanrateiir Schulze eine Stellung aiigittommen, jedenfalls um den vorher geplanten Diebstahl leichter ausführen zu können. Schulze war daher nicht wenig verblüfft, als er erfuhr. daß sein eigener Hausdiener den Einbruch verübt habe. Als Komplize bat Nowosch einen gewissen W e i ß g e i e r aus Berlin genannt, der ebenfalls ein gewiegter Verbrecher sein soll, bis gestern Nachmittag aber noch nicht gefaßt war. Witterungsübersicht vom S. November 18SZ. Wetter- Prognose für Sonntag, den It>. November 18!).°;. Mildes, zeitweise ausklärendes, vorwiegend trübes Wetter mit Regeufälleii und mäßigen westlichen Winden. Berliner Wette rbureau. Itufct merkwürdige» klmstiinden ist des löjcihrige Kinder- madchen des Majors von P. aus der Neuen Winterfeldstraße in Schöueberg verschwunden. Das Mädchen erhielt am ver- gangenen Montag den Auftrag, ein kleines Kind seiner Herr- schaft mit dem Kinderwagen auszufahren. Man wartete lange vergeblich auf die Rückkehr und stellte endlich umfassende Nach- forschungeu an. Weder der Wagen mit dem Kinde noch das Mädchen waren anfangs zu entdecken. Schließlich fand man den ersteren auf einem Hausflur in der Nähe der v. P.'schen Wohnung und das Kind lag wohlbehalten darin. Das Mädchen aber ist bis jetzt noch nicht wiedergefunden. Polizei- Bericht. An« 8. b. M. Vormittags fiel in der Gipsstrhße ein Bierfahrer beim Abspringen von einem Wagen hin und brach ein Bein.— Im Laufe des Tages fanden zwei unbedeutende Feuer statt. T Herker. Theater- Wochcnchronik. Opernhaus: Sonntag, 10. November. Fidelio. Anfang 7�/- Uhr. Kroll's Theater: Häusel und Gretel. Die Pnppenfee. Anfang nachmittags 2/23 Uhr. Gretel: Frl. Martha Thorson als Gast. Montag. II., Ter Ring des Nibelungen. 2. Abend: Siegfried. Anfang 7 Uhr. Dienstag, 12.. Carmen. Don Jose: Herr Emil Götze als Gast. Mit>woch, 13.: Der Ring des Nibelungen. 3. Abend: Götter- dämmerung. Anfang 6V2 Uhr. Donnerstag. 14.: Ter Evangelimann. Phantasien im Bremer Rathskeller. Anfang 7 Uhr. Freitag, 15.: Alessandro Stradella. Phantasien im Bremer Rathskcller. Stradella: Herr Emil Götze als Gast. Sonnabend, 16.: Cavalleria Rusticana. Das goldene Kreuz. Sonntag. 17.: Im Opern hause: Lucia von Lammernioor. Lucia: Frl. Mary Howe aus Newyork als Gast. Anfang 7 Uhr. In tdroll's Theater, nachmittags Vl3 Uhr: Hänsel und Gretel. Die Puppenfee. Montag, 13.: Die verkaufte Braut. Phantasien im Bremer Rathskeller. Anfang 7 Uhr. Dienstag. 19.: Zum ersten Male: Jvanhoe.— Schauspielhaus. Sonnlag, 10.: Maria Stuart. Anfang 7 Uhr.— Kroll's Theater: Wie die Alten snngc». Anfang 7 Uhr. Mo»- lag. 11.: Frauenlob. Der Diener zweier Herren. Dienstag. 12.: Wallenstein's Lager. Die Piccolomini. Mittwoch, 13.:' Wallen- stein's Tod. Donnerstag, 14.: Frauenlob. Der Diener zweier Herren. Freilag, Ib.: Egmont. Anfang 7 Uhr. Sonn- abend, 16.: 1812. Sonntag, 17.: Schauspielhaus: Zum I.Mal: Doktor Klans. Ansang 7'/- Uhr. Kroll's Theater: Wie die Alte» sungen. Anfang 7 Uhr. Montag, 18.: Romeo und Julia. Dienstag, 19.: Doktor Klans.— Im D e u t s ch e n Theater wird heute Zlbend Robinsons Eiland gegeben und Dienstag wiederholt. Ausführungen der Mütter finden am heutigen Sonntag Nachmittag, sowie morgen Montag Abend statt. Milt- woch geht Der Meister von Palmyra in Szene, am Tonnerstag ist die erste Ausführung der Komödie Tedcum von Ernst Nosmer, die am Sonnabend und nächsten Sonntag Abend wiederholt wird. Freitag wird Romeo und Julia gegeben, nächsten Sonntag Nachmittag Don Karlos mit Herrn Kainz.— Im Lessiug- Theater gelange» die beiden Novitäten Die Venns von Milo und Die iliomantischen heute Sonntag, Dienstag, Donnerstag und nächsten Sonntag zur Ausführung. Oskar Blumenthal's Gräfin Fritzi wird Montag und Freitag wiederholt, während am Mittwoch das Schauspiel Ein Tropfen Gift mit Herrn Stahl und Frau Reisenhofer zum ersten Mal in den Abendspielplan wieder aufgenoinmen und am nächsten Sonn- abend Madame Sans-Güne mit Fränl. Groß in der Titelrolle gegeben wird. Als Nachmittagsvorstellung gelangt am heutigen Sonntag Madame Sans-Göne, am Sonntag, 17. November, Heimath zur Aufführung.— Im Berliner Theater -geht heute Nachmittag Götz von Berlichingen i» Szene, abends � Nachruhln von Robert Misch. Die Novität wird in nächster Woche ferner noch Montag, Mittwoch und Sonntag (nachmittags) wiederHoll. Das vieraklige Volksstück Hansemanns Töchter von l'Arronge wird Dienstag zum ersten Male auf- geführt und Donnerstag, Freitag und Sonntag wiederholt. Die erste Aufführung des Grillparzer'schen Trauerspiels Des Meeres und der Liebe Wellen ist aus Sonnabend festgesetzt.— Der Spiel- plan des R e s i d e n z t h e a t e r s wird von dem Schwank: Ter Rabenvater, dem allabendlich die Komödie: Aber die Ehe! voran- geht, beherrscht.— Ter Spielplan des Neuen Theaters ist Sonntag, nachm. 2l/z Uhr: Kabale und Liebe, abends 7Vs Uhr: Seine Gewesene. Vorher: zum ersten Male: Illusionen. Plauderei in 1 Akt von Arpad von Berzik. Deutsch von Josef Jarno. Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag: Seine Gewesene. Vorher: Illusionen. Sonnabend: zum ersten Mal: Die neue Zeit. Schauspiel in 4 Akten von Richard Woß. Sonntag, nachmittags 3 Uhr Frau Müller, abends 7>/2 Uhr:„Die neue Zeit".— Das Schiller-Theater bringt heute, Sonntag, zur Schillerfeier nachmittags 3 Uhr:„Die .Räuber, abends 3 Uhr: Wilhelm Teil. In beiden Vor- stellungen spricht den Prolog Herr Bach. Abends 7>/2 Uhr ist im Ralhhause Mozart- Abend. Montag, Mittwoch und Donnerstag finden Wiederholungen von Der stianb der Sabinerinnen statt, Dienstag werden Tie Maler wiederholt, Sonnabend wird das Lustspiel Durchs Ohr in Ver- bindung mit Ohne Liebe wieder aufgenommen.— Im Thealer Unter den Linden bleibt Zeller's Obersteiger bis einschließlich Dienstag ans dem Spielplan. Am Mittwoch geht in neuer Einstudirung Sullivan's Operelle Der Mikado in Szene.— Das Zugstück des Adolf E r n st- T h e a l e r s Paradebummler erreicht im Laufe der nächste» Woche das Jubiläum der 7S. Aufführung.— Im Bellealliance-Theater werden für die nächste Zeit zur Aufführung vorbereitet Der Silberkönig, Charakterbild von Jonas, Familie Schnabel, Fanulieiigemälde von Kreutzer u. s. w.— Im National- Theater wird heule iilbend Das Kälhchen von Heilbronn mit Herrn Krüger vom Hoftheater zu Braunschweig als Friedrich Welter von Strahl gegeben; nachmittags 2Vs Uhr geht als Volksvorstellung Ein Volksfeind in Szene.— Im Alexander- platz-Theater gelangt neben dem Vaudeville: Die kleine» Lämmer zum letzten Male an einem Sonntag die Ope- rette: Nr. 66 zur Aufführung. Gevilszks Gegc» die KaufntannS-Ehefrau Martha Volker, geb. Zander, deren Verchastnng in einem Badeorte im August v.J.. Aufsehen erregte, sollte gestern vor der IX. Strafkammer des Landgerichts I verhandelt werde». Sie ist der Urkundenfälschung in zwölf Fällen beschuldigt, dadurch begangen, daß sie auf grund gefälschter Unterschriften eines reichen Angehörigen von dessen bei der Deutschen Bank hinterlegtem Kapital bedeutende Summen abhob. Es kam nicht zu einer Verhandlung, da der Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. L ö w e n st e i n, die Geistesgesundheit der Angeklagten in Zweifel zog und der Gerichtshof nach seinem Antrage beschloß" sie auf ihren Geisteszustand nutersuche» zu lassen. Die Heiligkeit des Eigeuthnms ist, wie wir im Gerichts- theil der„Sächstscheu Arbeiter- Zeilung" sehen, zwei Proletarie- rinnen recht gründlich zu Gemälhe geführt worden. Die 32 jährige, erst seit diesem Sommer verbeirathete Florentiue Wanna« war in Dienst bei dem Gutsbesitzer Bechler in Copitz. Sie ist in früheren Jahren einige Male wegen Eigen- thumsvergehens vorbestraft. Im Juli dieses Jahres fand sie eine Kartoffelhacke, eS fand sich kein Eigen thümer, »nd so behielt sie dieselbe. Am 10. August vergriff sie sich an einem kleinen Holzrechen; der Werth ist auf 75 Pf. angegeben, jedoch werden solche landwirthschastlichen Werkzeuge auch noch viel billiger verkauft. Endlich nahm die Frau, die es sicher sehr nothivendig gebrauchte, von der Magd Karsch 2 Liter Milch, drei Pfund Brot, ein Päckchen Kaffeezusatz und einige Kartoffeln, wobei sie wußte, daß diese Gegenstände gestohlen waren. Das Gericht nahm mildernde Umstände an, mußte aber trotzdem die Wannack wegen Rückfall- Diebstahls zu drei Monaten Gefängniß verurtheilen. Wegen der Hehlerei erkannte es auf drei Wochen Gefängniß. Die Strafe wurde auf 3 Monate 2 Wochen zusammen- gezogen, 1 Monat auf die Untersuchungshaft angerechnet.— Die Näherin Gertrud Agnes Uhlich arbeitete bei dem Baudagisten Rost gegen einen Wochenlohn von 6, später 7 Mark. Sie wohnte bei ihrem Stiefvater, dem Schmiedemeister Bär, und gab ihren ganzen Lohn hin. Nur ein Taschengeld von etwa 1 Mark wöchentlich erhielt sie. Wie alle jungen Mädchen hat aber auch die Uhlich— sie ist 18 Jahre all— Bedürfnisse ge- habt, die von der einen Mark nicht zn bestreiten waren. Sie wußte, daß die Direktrice des Rost'schen Geschäfts stets geringe Geld- summen an ihrem Arbeitsplatz verwahrte, um daniit die Haus- arbeiter zn entlohnen. Diesem Gelds entnahm die Angeklagte Uhlich in 8 Fällen kleine Beträge von 30 Pf. bis 9 M., ins- gesammt 17,66 M. Da sie bereits zweimal wegen Diebstahls mit geringen Strafen belegt wurde, kommen auch für sie die Rückfalls- bestimmungen in Anwendung und lautet das Urlheil unter An- nähme mildernder Umstände auf 3 Monate Gefängniß! Gin abscheuliches Bergchen gegen das Nahrnngö- mittel-Gcsctz beschäftigte am Tonnerstag, den 7. November er., die Strafkammer in Saga n. Die verehelichte Getreidehändler Fanny B.(den vollen Namen verschweigt der Berichterstalter) wurde trotz aller Einwände gerichtsseitig für überführt erachtet, daß sie im Juni d. I. Scheiben von Speck, die sie ihrem an Halsentzündung erkrankten Gatten Nachts über als Heilmittel auf den Hals gelegt hatte, dem Dienstmädchen anderen Tages auf die Frühslücksstullen legte. Der Staatsanwalt nahm nur fahrlässiges Vergehen gegen§ 12 des Nahrun gsmittclgesetzes als vorliegend an, wofür er SO M. Geldstrafe beantragte. Tex KrciSphysikus Dr. Liebert hatte aber die Verivendung des ekelhaft gewordenen Gcnußmiltels alS gesundheitsschädlich begutachtet und der Gerichtshof nahm au, daß hier ei» wissentliches Vergehen vorliege. Es wurde daher auf drei Tage Ge- f ä» g n i ß-erkanut. Im SedaiipatriotismuS. Ein tragikomisches Abenteuer bei der Sedan-Jllumination hat dem Rentner Wüllner eine An- klage eingetragen. Wüllner spazierte am Sedanabend in vollem Wichs, die funkelnagelneue Angströhre auf dem Patrioten- Haupte, die Linden entlang, um sich die leuchtenden Zeichen nationaler Kriegserinnerunge» zn betrachten. An der Kranzler- Ecke staute sich der' Verkehr, und Herr Wüllner war ebenfalls zum Stehenbleiben gezwungen und hatte Muße, über die Fortschritte der modernen Bclenchtungs- lechnik nachzudenken. Als er eben die Entscheidung treffen wollte, ob Auer, Meteor ze. wirklich den Sieg über das „Elektrische" davontragen würden, erhielt er einen gewal- tigen Hieb über die funkelnagelneue Angströhre, so daß dieses Möbel ihm fast über die Ohre» rutschte. Ein Strolch hatte ihm den„Gcdankenschorustein" angetrieben. Wüllncr wendete sich seinem tückischen'Angreifer zu und schwang seinen dicken Spazierstock mit wuchtigem Streiche nach ihm. Da kreischten zwei Weibersiimmeu ans— 0 Unglück, der Missethäter, dem der Hieb gegolten, hatte sich blitzschnell geduckt, und der Stock hatte zivci zarte Damenköpfe getroffen. Wüllner ivurde ob dieses brutalen Angriffs auf zwei harnilose Bürgersrauen sestgenoinmen und der vorsätzlichen Körperverletzung mittels eines gefährlichen Werk- zeugs augeklagt. Die 140. Abthciluug des Schöffengerichts ver- urtheilte den Angeklagten zu 30 M. Geldstrafe. Die olle ehrliche Fr.r« vom Laude.„Ach Jotte doch, det mir det so jehen muß in ineiiie Jahre, u» muß hier vo)> alle Leite als Bedricjer hinjestcllt wer'», wo mein Herze doch rein is nn ick doch blos eene olle ehrliche Frau vom Lande bin!" So lamentirte sie, mährend sie auf Geheiß des Vorsitzenden ihren Kopf von einem dicken Tuch befreite. Alt mar sie und ihrem Aussehen nach auch„vom Lande", aber mit ihrer so häufig betonten Ehrlichkeit hatte cS einen Hake». Bor- sitzender: Sie sind die 68 jährige Arbeiterehesrau Minna Schuster?— Angeklagte: Jawohl lieber Herr, ick bin die Schuster»,„die olle ehrliche Frau vom Lande".— Vors.: Ach was, Sie sind aus Lichtenberg, das ist doch kein Land, sondern ein großer Ort, der unmittelbar an Berlin stößt. Sind Sie nicht schon vorbestraft?— A» g e k l.: Als wie icke? Aber Herr Jcrichtshof, ick bin eene olle ehrliche Frau.— Vors.: Das werden wir bald sehen. Also hier haben wir die Akten. Da ist im Jahre 1873 eine Bestrafung wegen Be- trugs zu einer Woche Gefängniß. Sie hatten damals die Berliner betrogen, indem sie ihnen Mindcrgewickit bei der Lieferung von Stückcnbnltcr verabfolgten. Wissen Sie das nicht mehr?— lllngekl.: Ick bin'ne olle Frau un schon cen bisken schwach in'n Kopp, ct kann möglich sind.— Vors.: Tann solgi aber eine zweite Bestrafung mit einem Monat Gefängniß, im Jahre 1886.— A n g e k l.: Collie det die Geschichte mit die Heringe jewescu sind?— Vors.: Jawohl und damals haben Sie eine» Betrug in einer so raffinirten Weise begangen, daß es uölhia ist, ein bischen näher darauf einzugehen, damit die Herren Schössen sehen, was es mit der alten ehrlichen Frau vom Lande für eine Bewandlniß hat. Damals ist die Au- geklagte bei einem Kolonialwaarcu Händler in der Gr. Fraukurter- slraße erschienen und hat zwei Mandeln Heringe verlangt. Sie hatte einen Topf dazu mitgebracht, der etwas fest in die Kiepe eingezwängt war, die sie auf dem Rücken trug. Sie ließ des- halb den Topf in der ikiepe und stellte die letztere neben das Faß mit Heringen. Ter Kaufmann packt den Topf voll, den die Angeklagte dann wieder sorgfältig überbindel. Daun fällt ihn plötzlich ein, daß sie noch', etwas in einem andere» Laden kaufen und dazu die Kiepe gebrauchen muß. Sic hebt den anscheinend schweren Topf mit Mühe hrraus, setz: ihn aus den Ladenlisch in eine Ecke und entfernt sich mit dem Bemerken, daß sie gleich wiederkomme. Bezahlt hatte sie natürlich nicht. Sie kommt einfach nicht wieder. Als der Kaufmann nach mehreren Stunden den Topf bei Seil? schiebl, macht er die Entdeckung, daß-er leer ist. Der Topf Halle keine» Boden. Ist es nicht so gewesen, Angeklagte? — Auge tl.: Damals halten die junge» Leite cenen Scherz mit mir jemacht.— Bor sitze»der: Nun wollen wir auf den heutigen Betrugs fall kommen. Diesmal handelt es sich lim Pflaumen. Sie haben ain 26. September in der Markthalle der Schankwirths-Ebefrau M. einen Korb Pflaumen verkaust?— Angekl.: Die Leite sagen ja, sie ivllcn fariiich verheirathet sind. Sowat kennen wir nf'n Lande»ich.— Vors.: Darauf kommt es hier garnicht an. Haben Sie die Pflaumen verkauft? Nein oder ja!— Angekl.: Jaivoll, nn schecne Waare is et jewesen, sie konnte sich ja die Pflaumen vorher besehen.— Vors.: Das hat sie auch gethan, aber wiederum haben Sie alte ehrliche Frau vom Laude einen betrügerischen Kunstgriff zur Auwendiing gebracht. Obenauf in Ihrer Kiepe bat gute Waare gelegen und unten ebenfalls, sodnß die Käuferin nur gute Pflaumen sah, als sie dieselben umschültele. Aber zu Hanse besah sie sich de» Schadens, in der Mitte Ihres Korbes befanden sich schlechte Pflaumen, lauter Fallobst, welches die Käuferin zum Einmachen garnicht gebrauchen konnte.— Angekl.: Wenn ick die Pflaumen zwee Stunden lang in der Kiepe trage, denn kann et woll kommen, det die mitlelsten sich een bisken drücken un kleeue Stellen kriejen. Sie lassen sich aber noch janz schön schmoren.— Vors.: Sie sind aber minderwerthig.— Angekl.: Davor kann ick»ich. Ick habe die Pflaumen so nach die Stadt jedragcn, wie mir meine Kinder sie in der Kiepe ieberjcben haben. Ick habe nischt mit vorjehalt, weder oben, nock unten, noch in der Milte.— Vors.: Ja, wenn nur Ihre Vorstrafen nicht wären!— A n g e k l.: Jh. die sind längst verjähren. Sie wer'» eene olle ehrliche Frau vom Laude doch »ich wejen so'n Paar Pflaumen verurdeele»? Die Zeugin bekundet, daß sie von der Waare nur etwa ein Drittel hat zum Einmachen verwerlhen können, den größten Theil habe sie zu Mus verkocht.— Angekl.: Sie jlooben »ich, Herr Jerichtshof, wie jesund det für die lieben Kinder is, bei die Butler muß man heitzudage sehr vorsichtig sind, indem sie meerschtendeels aus Marjarine zusammenjesetzt is. Aber so'n Stulleken mit Pflaumenmus, det is jerade wat Schönet.- Der Staatsanwalt will die Angeklagte mit einer Woche Gefängniß bestraft wissen. Der Gerichtshof erkennt dagegen auf Freisprechung, da einestheils die Zeugin den ihr zugefügten Schaden nicht anzn» geben vermochte und anderntheils nicht erwiesen war, daß die Angeklagte selbst die Beschaffenheit der Waare kannte. Die olle ehrliche Frau vom Lande verläßt mit einem ver« schmitzten Lächeln den Saal. Ter Fachvercin der Ttnckatcure Berlins und Umgegend hielt am 4. November eine Wanderversammlung für Char- l 0 t t e n b u r g im Lokale„Bismarckshöhe" ab. Der Antrag t ee Charlottenburger Kollegen auf Wahl eines anderen Hilsskassircrs und Verlegung der Zahlstelle fand, nachdem der bisherige In- haber jenes Amtes dieses freiwillig niedergelegt hatte, seine Erledigung durch Wahl des Kollegen Z i e in e tz k i. Dieser nimmt im Lokal von A. Kriele, Stuttgarter Platz 4, Sonntags vormittags von 10— 12 Uhr Beiträge entgegen; auch können sich dort neue Mitglieder aufnehmen lassen; die Charlottenburger Stuckateure werden besonders darauf aufmerksam gemacht. Ein zweiler Antrag, betr. Abhaltung ständiger Versammlungen am Ort in Zwischenpausen von vier Wochen, wurde auf Vorschlag des Kollege» Rösner mit der Abänderung angenommen, daß dr� Frist statt vier Wochen acht Wochen betragen soll. Die hiesige Filiale des Allgemeinen Verein? dcr Töpfer und Bernfsgeiiosscn Teutschlands hatte zum ö. d. M. nach Brüning's Lokal. Roseulhalerstraße, eine Versammlung ein- berufen, wo Genosse P f a 11 11 k n ch über„Kapital und Arbeil" referirte. Man schreibt uns Über die Versammlung: Die höchst interessanten Anssührmige» des Referenten wurden von den Zuhörern mit großem Beifall aufgenommen. Hierauf kam die leidige Fenstersrage, die wohl im Augenblick alle Kollegen interessirt, im allgemeinen und die dieser- halb erfolgte Arbeilsniederleguug dcr Kollegen bei der Hcnnigsdorser Firma im besonderen zur Sprache. � Di- Versammlung war der Ansicht, daß an dem bereits gefaßten Bc- schlusje, wonach die Kollegen ans den einzelnen Bauten sich über event. Schritte in dieser Sache selbst einigen und darüber be- finden sollen, nichts zu ändern ist, denn es sei, wenn der Lohntarif nicht zu halten wäre, auch nicht niög- lich, in der Fensterfrage mit Erfolg durchzudringen. Bei der Hennigsdorfer Firma halten am 23. Oktober die auf einem Bau beschäftigten ca. SO Kollegen(Zeutralisten, Lokalisten und Wilde) die illrbeil niedergelegt, weil die Fenster nicht ver- glast waren und auch keine'Anstalten dazu getroffen wurde». Mangels einer handfeste» Organisation gab es sebr bald Wankcl- müthige, wozu auch wohl der Umstand beigetragen haben mag, daß der Eeschäflsffihrec denen, die unter solchen Umständen nicht arbeiten wollten, die Entlassung in Aussicht � gestellt hat. Es haben nun die Mitglieder des Verbandes ans jenem Vau nicht weiter gearbeitet, sondern sich am 5. d. M. ihre Ent- lassung geholt. Wie nun das Unternehmerthum versucht, den einen Arbeiter gegen den anderen auszuspielen, um seinen Vor- theil zu siudeu oder auch nur seinen Willen durchzusetzen, damit die„iAutoritnt" nicht leide, zeigt folgender Vorfall: Auf einem anderen Bau der Hennigsdorfer Firma, der aber verglast war, Arbeiteten ebenfaüs Mitglieder von uns. Diesen wurde TWn von der Firma aufgegeben, nach dem Bau, der feiHmlos war, zu geben und dort zu arbeiten. Tie Kollegen wußten, wie die Sache lag, glaubten aber, es sei bereits Remedur geschaffen. Das war aber nicht der Fall, sie begannen deshalb die Arbeit nicht, die von den vorher bezeichneten ver- lassen war. Jedenfalls wird ihnen andere Arbeit nicht an- gewiesen und so werden sie als Gemaßrcgelte zn betrachten sein, denen die Organisalion beizustehen hat. Ferner kam zur Sprache, daß in der Veröffenrlichiing im„Vorwärts" Nr. 259, 2. Beilage, über die„Mißstände im Baugewerbe Berlins" gesagt sei, daß die Töpfer pro Tag 7 M. verdienen. Das ist ein Unding. Die Bersammliing war cinmüthig der Meinung, daß das nur ein Druckfehler sein könne. Zn wünschen wären die angegebenen 7 M. Es wird der Vorstand beauftragt, Erkundigungen einzuholen, rvas es mit den 7 M. für eine Bewnndniß habe, wie man zu dieser'Zahl gekommen ist, und dann, wenn sie wirklich angegeben gewesen sein sollte, energisch Protest gegen die falsche Angabe cinzulegc». Wir wären die reinen Bourgeois, verdienten wir jahraus, jahrein täglich 7 M. Die Sacke ist anders. In Berlin nagen die Töpfer fortgesetzt am Hiingcrlnche, nur einige wenige aus- genommen.(Unserer Eriniiernng»ach war in dem rms zu- gesandlen Manuskript die erwähnte Lohncmgabe so, wie sie ver» öffeiitlicht wurde. R. d.„V.") Nach dieser Anseiriandersehung wurde die Versammlung ge- scklosse». Nnu noch eins. Alle Ihr Kollegen in Berlin, Ihr wißt, wie Ihr bedrückt iverdet. wie der Lohn täglich herabgesetzt wird, wie Ihr in gesundheitswidriger Art arbeiten müßt, aus zugigen Bauten, bei offenen Fenstern. Ihr wißt, daß Ihr so und so oft, wo Ihr die Woche über fleißig gearbeitet habt, gar keine» Lob» erhieltet. Ihr wißt, daß Ihr»nr Ansbentnngsobjekte seid im rvahren und richiigcn Sinne des Wortes. Wollt Jirr nichts dagegen tbun? Wolli Ihr Euch zur völligen Preisgabe Eurer früheren Errnngcnsckaften entschließen? Nein, und abermals i>eiir?T!as darf nicht geschehen. Wir wissen, daß heute noch, wie vordem, ein ouicr, gesunder und energievoller 5!eru in den Berliner Töpfern steckt; bringen wir ihn zur Enlfaltnng, zum Nutzen für uns alle, zum Nutzen für unsere Familien. Die Töpfer Berlins müssen ivieder eins werden und nichl nur unter sich, sondern auch mit den anderen deuischen Kollegen einig werden durch den Anschluß an den Zentralverbnud. Es ist durchaus unrichtig, z» sagen, man solle sich nur örganisiren, da sei es schon gut; es sei gleichgiltig, wie die Organisation beschaffen ist. Das ist durchaus nicht gleichgiltig. Wir halten es für besser, wenn wir alle zusammen geschlossen vorgeben können, wenn wir alle zrisammen fest vereinigt sind. Deshalb haben wir lins dem Zenlralverbande angeschlossen und ei suchen auch E uck, diesem beizuircten. Milglieder werden stets im Lokale des Heren Wernau, Roscnthalerstr. 57. aufgenommen. Unsere nächste Vcr- sammliing werden wir rechtzeitig bekannt geben und wir rechnen darauf, daß Ihr Euch alle zn dieser einsinden werdet, um die Organisation der Töpfer Berlins durch den Beitritt zum Ver» bände mit anfrichie» zu Helsen. In der Einigkeit liegt unsere Macht!_ Eisenbahlt-llttfall-Statistik. Die aufgestellte Nachweisung des Reichs-Eisenbahunmies über alle auf deutschen Eisenbahn«», nnsschließtich Bayerns, inr Mona! Anglist d. I. vorgekoinmenen Beiriebslin älle veranschanlicht folgendes Bild: 8 Entgleisungen auf fr-icr Bahn, 21 Entgleisungen und 11 Zllsammcnsiöße in Slalionen und 136 sonstige Betriebsunfälle, in Summa 176. Gelüdtet wurden dabei 5 Reisende, verletz! 13 Reisende. Von Bahnbeamten und Bahnarbeitern im Dienst büßten dabei 25 ihr Leben ein, wogegen 90 verletzt wurden. Von fremden Personen einschlieölich der nicht im Dienst befindlichen Beamlcn und» Arberier, aber ausschließlich der Selbstmörder, wurden 13 ge lödtet und 13 verletzt, zusammen also 43 gctödlet und 116 verletzt. Abermals ein Ban-Ungliick. AuS Mainz wird vom Soiniabeiid berichtet: Mainz, 9. November. In der Wallau- ilraße stürzte ein vierstöckiger unbewohnter Neubau zusammen. Man vermulhet, daß zwei Dachdecker, welche auf demselben arbeiteten, unter den Trümmern begraben sind. Aus Eislcbcn wird berichtet: Die Erdcrschütternngen der letzten Tage baben geradezu verheerende Wirkungen zur Folge gehabt. Tie Senkungen machen sich jetzt vorwiegend in der„bösen Sieben", in der Rammthorstraße und dem„Rammerberge" geltend, wahrend die früher so schwer heimgesuchte Obere Zeistngstraße fast völlig verschont bleibt. Das Gebäude des ani Rammthor wohnenden Bäckermeister Thormann, welches sich an den Nach- bargebäuden gelockert und so völlig freisteht, ist theilweise ge- klüftet und am Dienstag ist sogar das große Backofen- Gewölbe eingestürzt.— In den obengenannten drei Straßenzügen, sowie in der Sangershausener Straße gleichen zahlreiche Häuser, von denen die Bekleidung herabgestürzt, Fenster und Thören schief hängen, mit ihren abgesteiften Fenstern und Thüröffnungen förmlich Ruinen. Ausnutzung der Wasserkraft des Trollhättafalles. Es ist noch nicht lange her, seil der berühmte Trollbältafall als Zielpunkt der Sommerrcisenden und Tonristen entdeckt ist, und schon will man sich nicht mit den Vortheilen begnügen, welche dieser Wasserfall seinen Anwohnern durch den großen Fremden. verkehr bereitet, sondern man will seine gewaltigen Kräfte auch industriell verwerthe». Wenn auch bis jetzt noch einige Zweifel darüber bestehen, wer das Besitzrecht auf die ganze Wafferkrasl beanspruchen darf, so hat doch die schwedische Regierung für den Theil, der unzweifelhast ihr Eigen- tbum ist, bereits die nöthigcn Arbeiten in Angriff ge- nrm» in. In der oberhalb dcS Wasserfalles gelegenen f eiseninsel Glon soll ein mächtiges Reservoir in den Fels ein- gr sprengt werde». In diesenr wird das Wasser ausgespeicherl nnd durch einen ebenfalls in den Fels eingesprengten Tunnel den Tnrlincn zugeleitet. Bon de» 49 900 Pferdekräflen, die zweisel- los der Regierung gehören, können auf diese Weise L9909 verwerthe! werden, es sollen jedoch vorläufig nur die Einrichtungen für 19 999 Pferdekräste getroffen werden. Es werden II Turbinen aufgestellt werden, von denen eine als Reserve dienen soll, - während die anderen zehn zum Betriebe elektrischer Maschinen verwandt werden, welche Ströme von 15 999 Volt Spannung liefern sollen. Diese gewaltigen Ströme werden dann nach Bedarf zur Herstellung elektrischer Slädtebeleuchlung oder zur Bclhäligung von industriellen Maschinen benutzt werden. Eingelaufene Druckschriften. - i*«« Hisr w S. 289-320, Preis pro Heft 20 Pf, von ilrwlir S t a d t h a g- n. Verlag von Hans Vaake, Berlin. Tas erschienene H>fi enihäll eine grobe Anzahl prallilcher Beispiele nnd Forinnlare für illage» und Anlräpe aus dein Arbeilsvcrlrag, der Hnvalidttäis-Bcrsichcruna, fcr»>r Formular« für Vollmachten, für Einspruch gegen Bersäumniburlheile beim Ecwerbegcrichr und beim Amtsgericht. Armenrechtsgesuche, Znler- veullouktlagen, Pfändungen, Erlab eineS Zahlungsbefehls, für Belcidi- pungsklagen, für Anträge, Berufung u. f. w. betreffend Alters- und Invalidenrenten. Briefkasten der Redaktion. Wir bitte» bei jeder Anfrage eine Ehisfre fzwei Buchflaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort ertheilt werden soll. Die juristische Sprechstunde findet am Montag, Mittwoch, Freitag und Sonnabend abends von 7—3 Uhr statt. P. 19. Die Stadtbahn ist 1832 eröffnet worden. Tischler, Wciffcnsee. Sie müssen den Erfolg des Polizei- lichen Bericktiguugsversahrens leider abwarten. Tie weißen Sklavinnen Teutschlands sind leider fast schutzlos.— M. R. 11. Ein Anspruch auf Entschädigung steht Ihnen nicht zu.— Straffe ab. 1. Sie können die Klage einreichen oder die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft unterbreiten. 2. Die Nichtzablung der 49 M. Vergleichskosten kann Zwangsvollstreckung, nicht aber Haftstrafe nach sich ziehen.— A. N. 19. Gewiß können Sie wählen.— H.W. 109. Für Wechselschulden sind Zinsen zu zahlen. — W. K. Jni Jahre 1893 gemachte Schulden für Eßwaaren die nicht zum Weilervcrkaus eingekauft waren, verjähren in Preußen mit dem 31. Dezember 1895.— M. R. Legen Sie Beschwerde ein: war seit dem Jahre 1889 keine Pfändung vor- genommen, so liegt nach richtiger Ansicht Verjährung der Ge- richtskosten vor.— O. H. 29. Die Klage wäre aussichtslos: der Vater hastet nur für die zu guustcn seines minderjährigen Sohnes gemachten nothwendigen Auslagen.— E. K. VI. Jeder Miethsvertrag über 159 M. ist stempelsteuerpflichtig. Auch die stillschweigende Verlängerung wird als wiederum stempelsteuerpflichtig angesehen, desgleichen die Uebertragung der Rechte aus dem Vertrage auf Sie. Für richtige Stempelung hastet Vcrmielhcr u» d Miether. Der Stempel muß innerhalb 14 Tagen verwendet werden. Die Unter- lassung des Stempelns ändert die Giltigkeit des Vertrages nicht. Ter Miethsstempel beträgt Vw pCl.— A. Spr. 1. Die Ehefrau ist hier nicht berechtigt, ohne Einwilligung des Ehemannes in Stellung als Verkäuferin, Arbeiterin, Diensimädck.en u. s. w. zu treten. Auf Verlangen des Ehemannes muß sie aus der Stellung entlassen werden. 2. Ter Ehemann ist lercchtigt, gegen seine Ehefrau, die vergißt, daß sie mit ihrem Mann und nicht mit ihrer Mutter verheirathet ist, beim Auusgericht zu beantragen, daß ihr aufgegeben werde, das eheliche Leben herzustellen; kommt sie dem Befehl nicht nach, so liegt Grund zur Ehescheidung vor. — P. L. 219. Ja.— G. M. 191. Die Reichsbank ist nur auf Privatkapital, nicht aus Reiche-kapital gegründet. Tas Grund- kapital der Reichsbank besteht aus 129 Millionen Mark, die in 49 999 auf Namen lautende Anthcile von je 3999 M. gelheilt sind. Ans dem beim Jahresabschluß sich heraus- stellenden Reingewinn crchallen die Aniheils- Eigenthümer zunächst eine Dividende vo» 3Vs pCt. des Grundkapitals. Dann wird von dem Mehrbeträge eine Quote von 29pCt. dem Re- servefonds zugeschrieben, soiange derselbe nicht 39 Millionen be- trägt. Der dann verbleibende Ueberrcst wird zur Hälfte an die Anlheilseigner und zur Hälfte an die Reichskassc gezahlt, soweit die Gesammtdividende der Anthcilseigner nicht KpCt. übersteigt. Von dem weiter verbleibenden Rest erhalten die Antheilseigner V«, die Reichskasse 3/4. Die Reichsbank steht unter Aussicht und Leitung des Reichs. Die Aufsicht übt ein Bankkuralorium aus, das aus dem Reichskanzler und vier Mitgliedern(drei vom Bundesrath, der vierte vom Kaiser ernannt) besteht. Die Leitung steht dem Reichskanzler oder dessen Stellvertreter und dem ihm unterstellten Reichsbank-Direktorium zu. Die einzelnen gesetzlichen Bestimmungen über die Reichsbank finden Sie in §{; 12—66 des Bankgesetzes vom 14. März 1375 und in dem Statut der Reichsbank vom 21. Mai 1875(in der Guttentag'schen Sammlung Nr. 26 enthalten).— Bohrend. I. Ob der Verein geschriebene Statuten hat oder nicht, ist unerheblich. 2. In der Buchhandlung des„Vorwärts" finden Sie mehrere Kommentare znni preußischen, auch eine Uebcrsicht über alle deutschen Vereins- gesetze. 3. Nein._ Besuchszeit verschlodenor Museen und sonstiger Sehenswnrdigkeitei« Altes und NeueS Museum am Lustgarten. Besuchszeit täglich, mit Ausnahme des Montags in den e Wintermoiiate» von 10—3 Uhr, tn de» 3 Sommeruionalen von 9—3 Uhr: Eon»tags in, Aprtl— Septeniber 12 bis e Uhr, Oktober und März 12—0 Uhr, November und Februar 12— t Uhr, Dezember und Januar 12-8 Uhr< Unentgeltlich).— Die National- g all e rt e in der Wuseumsstrabe. Besuchszeit Wochentags von ro— 3 Uhr lMontag« ausgenommen). Sonntag« im Aprtl— September von>2 bis 3 Uhr, im März und Oltober 12—5 Uhr, Februar und November 12 bis 4 Uhr, Januar und Dezember 12—3 UhrsUnentgeltlich).— Kun st gewcr b e- Museum, Pri», Albrechtstr. 7. Eevffnet an den Wochentagen(Moutags aukger.cmmen) Im Sommer von s— 3 Uhr, im Winter von 10— 3 Uhr, Sonntags, April— September von 12— 3 Nhr.OItober lliidMärz 12—3 Uhr, Novcmber und Februar 12—« Uhr, Dezember und Januar 12—3 Uhr(Unenl- gclllich).— Museum für B ö l l e r l u II d e, Köiiiggrckherstr. 120. Besuchs- zeU wie(in iiunstaewerbe-Museum lUncitlgeUIich).- H r> g 1 e n e- M u s c u m, Klostcrstr. ro. Besuchszeit Sonntags wie im stunstgewerbe-Mufeum. Auher- dem Dtenstags und Freitage von 10—2 Uhr sUneuIgeliltch).— Museum für Naturkunde, Jnralideuftr.«2. Besuchszeit Sonntags wie im Kunst- aewerbc-Musem». Auberdem Montags und Eonnabends von rr— 3 Uhr.— Museum für deutsche Vollst rächten und Erzeugnisse des Hausgewerbes, Klosterstr. 33, Jeden Tag mit Ausnahme des Mittwochs von II— 2 Uhr glöstnet. EtittrtttSgeld: Erwachsene 60 Pf., Kinder 20 Pf., Vereine Sonntags 10 Pf.— N c> ch S p 0 st- M u s e u»>, Leipzigerstr. IS.(Sc- öffnet Sonntags 12—2 Uhr, Montags, Dienstags, Donnerstags, Freitags von Ii— 2 Uhr tUncntgeltlich).— Rath Hans, Königstrarie.«Levssnet lägUch ausicr Toimerstag und Freitag von II— 3 Uhr. tUncntgeltlich). AuL- si ch ts lhurm(ebenfalls unentgettl ich).— j? unst a u s st e ll u» g des Vereins Berliner Künstler, Wilhelmstraste«2. Sonnlags 11 bis 2 Uhr, Wochentags 10 bis 4 Uhr. 60 Pfennig Enlree.— Sternwarte, Encleplatz 3a. Mittwochs und Sonnabends von 0 bis II Uhr Vvrmttlagz.— Urania, Wissenschaslliches Theater. Slermvarie. Jnvalidenstr. 67—32. Monat 26 Pf.— Ea st an' s P a n 0 p t i l u m, Friedrtch- strabe. Geöffnet 10—10 Uhr. Eintrtttspreis 60 Pf.— P a l s a g e- Panopttlum ro-ro Uhr. Eintrittspreis 60 Pf.— Marine- Panarama, Am Lehrter Bahnhof. Sonntag« vo» 9—9 Uhr. Entree 60 Pf.— tt a i s er- P a» or a»I a, Passage(Unter den Linden). Geöffnet von 9 Uhr Morgens bis lo Uhr Abends. 300 verschiedene Reisen, Landschaftsbilder. Jede Reise 20 Pf.— Zoologt scher Garten, Lü ownfer. Sonntag« 60 Pf.— Borsig's Garte» nitt P a l»I e n h a u s, Alt Moabtl 86— ss. EttitrtttspretS 60 Pf. Für deiiJntzcrlt der Jnfernte über- liimiilt die Ncdaktio» demPnbliknm liesteniiber keinerlei Berantwortilug Tljeater. S 0 u u t n g, 19. November. Gprriitzinio. Fidelio. Nachm. LVz Uhr;(Kroll's Theater.) Hansel und Grelel. Die Puppensee. Montag: Der Ring des Nibelungen. Zweiter Abend: Siegfried. Kitzanfpirltzans. Maria Stuart. Abends 7 Uhr:(Kroll's Theater.) Wie die Alte» sungen. Montag: Frauenlob. Der Diener zweier Herren. Arntschr» Ttzrater. Robinson's Eiland. Nachmittags LVs Uhr: Die Mütter. Montag: Robinson's Eiland. Krrlinrr Theater. Nachruhm. Nachmittags LVz Uhr: Götz von Ber- lichingen. Montag: Nachruhm. Lessinip-Thratrr.'Die Venus von Milo. Die Romantischc». Nachmittags 3 Uhr: Madame Sans-Göne. Montag: Gräfin Fritzi. Frirdrilii-Ulilhrltttstädt. Thealer. Die Reise nach dem Mars. Nachmittags 3 Uhr: Dieselbe Vor- slcllung. Dkontag: Dieselbe Vorstellung. ZU««« Theater. Seine Gewesene. Illusionen. Nachmittags LV, Uhr: Kabale und Liebe. Montag: Seine Gewesene.— Jllu- fionen. Schiller- Theater. Prolog. Wil- Helm Teil. Nachmittags: Prolog. Die Räuber. Montag: Der Raub der Sabine- rinnen. Zkestdenz-Theater. Der Rabenvater. Vorher: Aber die Ehe! Montag: Dieselbe Vorstellung. Adolph Crnst- Theater. Parade- bniiiiiilcr. Millags 12 Uhr: Der kleine Lord. Montag: Paradebununler. Central-Thratcr. Eine tolle Nacht. Montag: Dieselbe Vorstellung. A leranderplnh-Thrat cr Die kleinen Lämmer. Vorher: Nummer 66. Montag: Dieselbe Vorstellung. Akalisual- Theater. Das Kälhchen vo» Herlbron». Nachmittags 2', 2 Uhr: Volksvor- vorstellnng: Ein Volksfeind. Montag: Dieselbe Vorstellung. Theater Unter den Finden. Der Obersteiger. Hierauf: Im Reiche der Mitte. Montag: Dieselbe Vorstellung. Amerira»- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitäle»-Vor- stelluug. Aanfmann's Uarietö. Spezialitäten- Vorstellung. Schiller-Theater. (Wallner-Theater.) Sonntag: Zur Kchiller-Frier: nach- mittags 3Uhr: Prolog. Die Uänber. Abends 8 Uhr: Prolog. Atilhelm Teil. Montag: Der Uanl> der Sabine- rinne». Ntolitmal-'I'Ilkater. Graste Frantzfnrterstraste 133. Direktion: Max Samst. Volksvorstellung zu bedeutend er- mäßigten Preisen. Gastspiel des Herrn Golrar Krüger vom Hoftheaier zu Braunschiveig. Das UWtll von Heilbronn. Romantisches Rillerschnuspiel i» 5 Akten, einem Vorspiel(11 Bildern) von H. von Kleist. Regie: Max Sa m st. Nachmittags 2>/s Uhr:„Ein Volks- feiud". Regie: Julius Türk. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Zuin 99. Male: Paladkittttmilltl. Lesstarmg äer Uauptrollen: Anna Bäckers, Josefine Tora, Ida Schlüter, Adolph Ernst, Julius Eyben, '»go Haßkerl, Richard Jürgas, Guido ielscher, Karl Weiß, Georg Worlitzsch. Anfang 7Vs Uhr. ZM- Kein Aufgeld.<90 Morgen: Dieselbe Vorslellniig. Sonntag, den 19. Novcmber, miltags 12 Uhr, zum ersten Male: „Der kleine Ford". gV Billets zur Utatin ee sind an der Theaterkasse von 19—1 Uhr zn haben. Kinder zahlen die Hälfte. I(siLer-?AlloramA (Pasasge). Cicilien, Savoyen, Alpen, Montblanc- Besteigung. Eine Reise nur 29 Pf. Abonnements und Vcreinsbillels. centrsl-llieglei'. Alte Jalrobstr. 39. Cniil Thomas a. G. stovität! Zum 97. Make: liovität! Eine tolle Aallit. Große Ausstattungsposse mit Gesaug und Tanz in 5 Bildern von Vilb. Manustiidt und Julius Frenud. Musik von Julius Einödsliofev. In Szene gesetzt v.Dir. RicliardScItuIta. Aufaug 71/2 Uhr. Alexanderplatz-Theater. Alexauderstraöe 49. Tägltch abends 8 Uhr: Die Kleinen Lammer. Vandeville in 2 ülkten vo» Varney. Vorher: Tlnittinev 66. Operelte in 1 Akt von Offenbach. zriedrilb-Wilhtlliistiibt. Thtoter 35/39 Chaustrestraste 33/39. Jeden Abend T/z Uhr: Gastspiel der Uiliputaner. Heute 2 Vorstellungen. Nachmittags 3 Uhr, l Abends T/a Uhr, zum 83. Male:( zum 84. Male: Die Reise iich bei» Mars. Kinder nachmittags halbe Preise. Montag: Tieselbe Vorstellung. Mittwoch, nachm. 3 Uhr: Schnee- mittchku tznd di e 7 Iweege. Apollo-Theater Cremo's Tentoiienspiele. Mlle. Philo-Durand comique Exceutriques. The Monileys phänomenale LnltgymuasUker. Bella Rose. Miss Rosi Rendel- The Harweys. Familie Kräusel. Miss Ethardo. Rozsika Horwath. Heinrich ßlanck. Mizi Schütz. Abbas-Mirza-Troupe. Kaffeneröffnuug 9 Uhr. Anfang der Vorstellung 7'/s Uhr Aktien-Brauerei Friedrichshain (Königethor). Heute Sonntag: grosses Militär- Xon�eri Frzv«arski. Eintritt 29 Pf. P r 0 g r a in m u n c n t g e l t l i ch. U 1» S IH I S Anstalt für volksthümliche Naturknude. Am Landes-Ausstcllungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Torstellang im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Berliner Aquarium. Unter den Linden 68a— Ecke der Schadowstr.— Bing. Schadowstr. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis; 50 Pf,-WD Reichhaltige Ausstellung von Land- und Seethieren, wie Affen, Riesenschlangen, Krokodile, Hai- u. Tintenfische etc. Passage- Paitepticum. 42 Feen-Palast Gnrgstrasso 22. 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Abends 7(2 Uhr: Eestxug des gesawmten Personals, vor Elephant als Kapellmeister und Arrangement von 19«) Pferde», von keiner Konkurrenz erreichbar, bteff. u. vorgef. vom Direktor Busch. Line Damen- Kchnlgnadrille. vre iünk- fache Jockey- Xonkurrenz. Leopard, Pferd mecklenb. Raffe, dresfirl und geritten von Herrn Ecottrt-Bnrghardt. Auttr. sämnrll. Clowns. NB. Ans Balkon, 1.«. 2. Platz zahlen Kinder in Begleitung Erwachsener halbe Preise. Dienstag: Kr. Extra- Vorstelluug, Mtilier Säuger (Meysel, Pietro, Britton, Steldl, Krone, Röhl nnd Schräder). Kente sowie jeden Sonntag und Donnerstag: Soiree im eoucertdaniä Sanssouci, Kotlbuserstraße Nr. 4a. Anfang 7 Uhr. Entree 59 Ps. Brillantes Programm. dlontag: Viktoria-Brarrorsi. Dienstag: Böhmisciies Brauhaus. Berl. Bockbrauerei Ternpelhofei* Berg. ßeiit». sowie Dq�jcde» Son»tag"?UIi StettiRerSänger Herren Hippel, V7agner, Ludwig, Küster, Linie- Bobby, CUlehus und Blank. zlrkomilchea nenco Programm. A>»..irg 9> 2 pur. Gntrce 39 Pf. 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M. verstarb nach längerem Krankenlager unser Kamerad und lang- zähriges Mitglied des Vereins, der Zimmerer Herr dosopd Schmidt. Die Beerdigung findet am Montag, den II. d. M., nachmittags 2�2 Uhr, von der Leichenhalle des St. Hedwigs- Krankenhanscs, Gr. Hamdurgerstr. 10 ans nach dem Alten Michaelis-Kirch- hose in Britz statt. 1236b Der Dorstand. Statt jeder besonderen Mittheilnng. Allen Parleigenossen, Freunden und Bekannten die traurige Mittheilnng, daß meine liebe Frau Anna Keil geb. Keil am 9. d. M. früh 4 Uhr nach langem Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 12. d. M., nachm. 3Ve Uhr, von der Leichenhalle des Freireligiösen Friedhofes, Pappel-Allee aus statt. Rud. Keil, Zimmerer, nebst Kindern. Ich warne hiermit jeden, meiner Frau auf meinen Namen etwas zu borgen, da ich für nichts anfkomme. Hermann Beifincr, Bensselftr. 10. Mrmrze, Cnirlande» empfiehlt[361 iL* F. Jacobitz, KWtHr. 46. 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Ur. ä64. Souutag» de» 10. November 189A� 12. Jahrg. MlttzMove im VelngemvvVe Vevlins. VI.(Schluß.) Der großen Stand» oder Stangengerüste, die hauptsächlich znm Putzen der Fassade benutzt werde», sei weiter Erlvähnung gcthan. Tie baupolizeiliche Verordnung macht auch hier be- stimmte Vorschriften. Eine derselben ist, daß die zit benutzenden Staugen, Netzriegel n. s. w. an ihrem scl)wacheii Ende nicht unter 4 Zoll oder 10—11 Centimeter stark sein dürfen. Die Seitenverschiebung soll durch Diagonalverstrebung(Ver- schwertung) verhindert werden; zulässig sind hier auch starke Bretter. Zum Beweis, wie jämmerlich die Fassaden- gerüste oft ausgeführt werden, genügt es, von den vielen hierfür vorliegenden Beispielen nur ein paar anzuführen. Auf einem Bau waren an der Fassadenrüstung die Steh- stangen oder Aufrichter ungefähr 9 Meter lang, an ihrem dicken Ende 11—14 Centimeter und an dem schwachen 5 bis 7 Centimeter stark. In derselben Stärke waren die Streichstangen. Knaggen unter denselben waren nicht angebracht. Daß man es bei einem derartig schwachen Material noch nicht eininal der Mühe werth hält, Verschwertungen anzubringen, scheint unglaublich und doch ist es so. Es ist geradezu eine Heransforderung der Gefahr, auf solchen Gerüsten arbeiten zu müssen, denn die Möglichkeit des Zusammenbrechens ist durch das Fehlen der Verschwertung noch erhöht. An einem andern Bau waren alle Fronten mit Stangengerüsten versehen, weil von außen gemauert. Während nun in den Uniallverhütungs-Vorschriften Brüstungslatteii oder Bretter in Höhe von 70—89 Zentimeter vom Rüstungsbelag vorgesehen sind, waren solche doch durchweg nicht vorhanden, ebenso war nicht eine einzige Verschwertung angebracht. Bei kleineren Reparaturen und beim Fassadenanstrich kommen jetzt fast ausschließlich Leitergerüste in Anwendung, nur tu sehr vereinzelten Fällen Hängegerüste. Wo größere Reparaturen vor- kommen, werden sie auf Stangengerüsten ausgeführt. Roch schlimmer steht es mit de» Malergerüstcn im inneren Bau. Sind bei den anderen Arte» von Gerüste» immer noch Vorschriften in irgend welcher Beziehung gegeben, so ist bei diese» gar nichts vorgesehen. Gewöhnlich haben die Maler a.ißer mehreren Leitern gar kein Gernstmaterial auf dem Bau und müssen dann aus den schlechten Brettern u. s. rv ihre Gerüste selbst herstellen. Meist unkundig des Gerüst- baucs und nicht im Besitz von gutem Material, bauen sie sich dann Rüstungen, die oft schon beim Betreten einstürze». Hinz» kommt, daß die Deckenarbeiten meist in Akkord ausgeführt werden und dann zum Gerüstbauen nicht viel Zeit übrig bleibt. Darum ereignet es sich denn auch täglich, daß auf Baute», wo Maler beschästigt sind, diese mit ihren Rüstungen z> sammcnbrechen; Verstauchungen und Knochenbrüche sind bei solchen Unfällen nichts Neues. _ Die Stuckateurrüstungen für den inneren Stuck sind meist denjenigen der Maler ähnlich. N. a. wurde eine bemerkt, wo die Bretter fußweit auSeinanderlngen und die nicht mit Steifen unterstützt war. Auch von den Töpfern wird über sehr schlechte Gerüste und Leitern lebhaft Klage geführt. Diese sind von der fragwürdigsten Beschaffenheit, werden oft erst aus dem Bau von den Töpfern selbst hergestellt und geben Veranlassung zu den verschiedensten Nnsällen. Die größten Gefahren für Leben und Gesundheit sind aber wohl im Dachdecker- und Klempnergewerbe zu verzeichnen. Trotz- dcin auch nach dieser Richtung hin in dem Unfallversicherungs- Gesetz Vorschriften, wenn auch sehr primitive(nur Gurt und Leine betr.) erlassen sind, so bringt es doch die überhastete Pro- duktionsweise, diejaunserer Zeiteigen ist, mitsich, daßselbstdieseVor- schriften nicht befolgt werden, resp. nicht befolgt werden können. Die Erhebungen haben ergeben, daß bei ca. 20 Neueindeckunge» von steilen Schiefer- und Ziegeldächern 14 absolut keine Schutz- Vorrichtungen für Arbeiter hallen. Gurt und Leine waren blos ganz vereinzelt in Anwendung, was nicht verwunderlich ist, wenn man daran denkt, daß ein großes Dachdcckergeschäft Berlins vor einigen Jahren die dort beschäftigten Gesellen ein Zirkular SonnkÄlZspInudevei. Leicht neigt die Seele des Mensche», der in Ergebenheit höhere Mächte für sich und leinesgleichen denken und sorgen läßt, zu fronimen Schauern. Gegenwärtig liest er Tag für Tag von den Kämpfe» gegen die„Rebellen im Innern", von Prozessen und Verurtheilungen der Empörer. Ihn beruhigt die außer» ordentliche Energie derer, die über seinem theuren Haupte geheimnißvoll walten; und wenn er etwa den Namen Bransewetter aussprechen hört, so stellt sich seinen Begriffen nicht blcs der einzelne Mann, der einzelne Richter dar. Ihn ersaßt zugleich besondere Feierlichkeit. Er empfindet Schauer, als stände er vor einem Theil des unerbittlich wallenden Schicksals. Wenn nun solcher Mensch ein Deutscher ist, so berührt es ihn ebenfalls seierlich, hört er den Titel Prosessor. Da Hilst kein Widerspruch und kein Jammern des Abgeordneten, Lerno. Sein ultramontanes Gewissen mag noch so sehr beun- rnhigt fein über die Wissenschaft der Professoren: Im all- geineinen wird der wohldisziplinirte deutsche Mann einen Hauch andächtiger Verehrung vor dem Begriff Professor an sich verspüren. Nun geschieht das Merkivnrdige: Ein Professor, ein leibhafter Professor., Herr Delbrück, wird vor die streuge Kammer Bransewetter gerufen. Eine Feierlichkeit wird also im Gemüth der Philiströse» zerstört. Verschüchtert sind sie und geängstigt fragen sie: Was soll daraus werden In ihrem Bedürfniß, andächtige Vorstellungen zärtlich zu hegen, waren dieselben Leutchen auch sonst noch in der jüngsten Zeit arg gestört worden. Was nützt aller Eifer im Kamps gegen die Mistel häter, was nützt es, wenn die Wohlmeinenden sich ausraffe» und den Catilinariern mit Donnerworlen zurufen: Wie lange wollt ihr noch unsere Geduld»lißbranchen V Und wenn dann dennoch Erscheinungen möglich sind, wie der Dortmunder Wahlsieg und das mächlige Anschivellen von sozialdemokratischen Stimme» in einzelnen städtischen Wahlbezirke» Berlins? Wir donnern, denken die Gutgesinnten bei sich, wir schwingen uns zu Krasläußerungen auf, wie scl!en zuvor; und dennoch wollen sich die Infamen nicht in Mäuselöcher verkriechen. Sie tragen Scheu davor, mit scharfen Augen zuzusehen; sie brauchen ihren andächtigen Glanben, sonst würde ihnen um ihre Herrlichkeit bange. Sonst würden sie mit einer Deutlichkeit, die sie erschrecken müßte, erkennen: Selbst starke Gefühle, die sich trennend aufbauen, verschwimmen vor einer mächtigeren Em- pfindung, die zum Zusammenschluß mahnt und drängt. Lange vor dem jetzigen Auftreten der geächteten evange- lischen Pastoren, die soziale Reformen predigen, um der Welt, die ihnen völlig zu entrinnen droht, die alle Gläubigkeit mit ihren demüthrg-fronimen Schauern zu erhalten, hallen kalho- tische Kleriker aus gleichem Gedankengang heraus ähnliches ver- sucht; und trotzdem die Dortmunder Wahl! Vor der Roth- wendigkeit des Zusammenschlnsses brachen die Schranken, die man mit so heißem Bemühen künstlich aufrecht halten möchte, dennoch zusammen. Der Proletarier, mochte unterzeichnen ließ, wonach sie verpflichtet wurden, die Leine und den dazu gehörigen Gurt selbst zu beschaffen. Derselbe Revers wird seitdem jedem dort in Arbeit tretenden Gesellen zum Unter- zeichnen vorgelegt; die Verweigerung der Unterschrift hat den Verlust der Arbeit zur Folge. Aus den angegebenen Gründen ist es kaum nöthig noch zu bemerken, daß man sich seitdem wenig oder garnicht um das Vor- handensein der Leine gekümmert hat; war doch der Zweck jener Maßregel, jede Verantwortlichkeit des Unternehmers aust die Schultern der Arbeiter zu wälzen. Ueberhaupt wird Leine und Gurt nach den eigenen Aussagen einiger im betreffenden Gewerbe beschäftigten Arbeitern mit mißtrauischen Augen angesehen. Folgender Fall diene zur Ausklärung: Auf einem Bau stürzte ein beini Abdecken des Daches beschäftigter Dachdecker herab, trotzdem er sich in vermeintlich bester Weise nnt Gurt und Leine befestigt hatte. Die Leinen werden nämlich durch den Einfluß der Witterung sowie durch das immerwährende Hin- und Herschleisen über scharfe und sandige Dachpappe, über scharskantige Zink-, Stein- oder Holzgesimse, insbesondere aber über frische Löthstellcn, wo sich noch Ueberreste von Salzsäure befinden, sehr bald so weit abgenutzt, daß sie den durch das Herabstürzen des Arbeiters entstehenden Ruck nicht mehr aushalten. Es kommt weiter in betracht, daß, wenn der Arbeiter ca. 5—7 Meter vom Befestigungspunkte der Leine entfernt ist, diese mindestens 8—10 Meter lang sein muß, damit der Arbeiter so wenig wie möglich in der freien Bewegung ge- hindert wird. Beim clwaigen Absturz wird die Leine stramm augezogen, sich dann ausdehnen und so den Arbeiter meist über das Gesims hinwegschlagen, was genügt, um einem Menschen das Rückgrat zu brechen oder ihm(beim Anschlage gegen das Mauerwerk) erhebliche Verletzungen zuzu- fügen. Das beiveist, wie unzweckmäßig die Leine zum Schutz der an steilen Dächern beschäftigten Arbeiter ist. Viel größere Sicherheit würde dagegen eine aus der letzten Etage hinaus- gestreckte.inöglichst breite und mit einer Schutzwehr versehene Rüstung bieten, die zugleich die Passanten und die unten beschäftigten Arbeiter gegen herabfallende Schicferslücke, Werkzeuge u. s. w. schützen würde. So umfangreich auch diese im Berliner Bezirk vor- genommenen Erhebungen über die Mißstände im Bangewerbe sind, so können sie doch keinen Anspruch aus Vollständig- keit machen, da das Material gewissermaßen heimlich zu- sammengctragen werden mußte. Stellt man nun dem gegenüber, was ein vom Staate mit Legitimation versehener Revisor, unterstützt von den Arbeitern, bei genauer Kontrolle an Mißständen ermitteln würde: welche Summe von Gefahren, denen der Bauhandwcrker in seinem täglichen Berus ausgesetzt ist, müßte sich da herausstellen! Mögen nun durch Veröffentlichung dieses die Bauarbeiter Berlins sich dieser Sache für die Zukunft mehr annehmen als bisher und immer wieder mit neuem Material der Forderung der Arbeiter nach Ausdehnung des Fabrik- inspektornts ans das Baugewerbe und nach genügenden gcsetz- lichen Vorschriften den nölhigen Nachdruck verleihen, damit sie endlich besser als jetzt gegen die Gefahren geschützt werden, die auf den Bauten ihrem Leben und ihrer Gesundheit drohen. VevVammlmtJgem Eine öffentliche Versammlung der GastwirthSgehilsc» tagte am 7. November bei Cohn, Beulhstraße. Die Telegirten vom 2. Kongreß der Angestellten im Gastwirthsgewerbe zu Harn- bürg, der Delegirte der Gewerkschaftskommission und die'Ver- trauensmünncr gaben ihren Bericht. Eine Resolution, worin sich die Versammlung mit den Beschlüssen des Kongresses und mit der Haltung der Telegirten einverstanden erklärt, wurde ein- stimmig angenommen. In die Agitationskommission, die auf Beschluß des Hamburger Kongresses auch ferner ihren Sitz in Berlin hat, wählte man nach längerer Debatte die Kollegen Schröder, Großer, Mörschel, Felgen trefs und Str öhlinger. Ale Vertreter in der Gewerkschaflskoinmission wurde der bisherige Delegirte W e i n a ch t, als dessen Vertreter Z e i s k e, als Vertrauensmänner P ö tz s ch und Z e i s ke wiedergewählt. Zum Schluß wnrde noch ans die Stadtverordnelen- sein Gefühlsleben noch so sehr von strenggläubigen An- schanungen erfüllt sein, erschrak nicht vor dem proletarischen Genossen, der vielleicht sreigeistig empfand. Gemeinsames Geschick hat sie aneinandcrgeschmiedet und wird sie nicht mehr auseinander- sprengen. Nicht die milden und nicht die eifernde» Prediger können daran etwas ändern. Nicht die mit einigen Tropfen sozialistischen Oeles die unruhvolle Bewegung unserer Tage glätten möchten, nicht die erbittlichen Rufer im Streit, selbst wenn sie noch so ingrimmig und pathetisch deklamiren: laßt Euch vom Linken nicht um- garnen. Er vertritt das Prinzip des Bosen. Sie deklamiren, sie stellen Theorien ans; und das wirkliche Leben mit seinen Bedürfnissen führt den Arbeiter zum Arbeiter. Vor der Er- kennlniß, die durch kritische Beobachtungen gewonnen ist, schwindet endlich mancher Zauber und mancher autoritative Einfluß. Man hat den Kirchlichen vor dem Unkirchlichen gewarnt, man hat ihm eindringlich vorgehallen: das ist Dein Bruder nicht, denn er ist ein Zweifler ini Gemüthe, in sich zerfallen; und wer mit sich zerfällt, wird unsittlich. Aber der Kirchliche muß schließlich hingehen und prüfen; und der Schauder, den man ihm vor dein sozialdemokratischen Proletarier, wie vor einem Satanisten beizubringen versuchte, verschwindet bei näherer Betrachtung; und er erkennt in den Zügen des Geschmähten die brüderlichen Züge. Ob der Wahl zu Dortmund haben die Zentrumsleute und die Nationalliberalen ei» frisch-fröhliches Gezänke begonnen und indcß sie je nach ihrem Temperament einander begeifern oder tiefsinnig erörtern, welche Umstände die Dortmunder Wahl ermöglichten, wagen sie es nickt, sich die einfachsten und so klar begreiflichen Motive ein- zugestehen. Auch anderwärts und aus anderen Gebieten möchte fromme Schwärmerei die Geister scheiden, wo sie die Erkenntniß von der Nothwendigkcit gemeinsamen Schaffens einigen sollte; und seltsame Symptome offenbarten sich gerade in den jüngstvergangenen Tagen im Bereich einer jungen, wie in dem einer altgesestigien nationalen Kultur. Das nationale Gefühl steigert sich da zu einer Art mystischer Verzückung. Das äußerte sich in den politisch bewegten Vorgängen nach der WahlLueger's zum Oberbürgermeister von Wien, wie in den psychologisch interessanten Vorkommnissen während des aussehenerregenden Prozesses Nayve in Frankreich. Ueber den Wiener Liberalismus verlohnt es sich kaum zu sprechen. Er hat zu seinen alten Sünden noch die Feigheit gefügt, und er hätte schwerlich die Stichtbestäligung Lueaer's durchgesetzt. Da aber sprangen den Liberalen, die ihre Greisenhailigkeil würdelos tragen, die Magyaren bei. Sie baben schwer und tapfer um ihr nationales Recht gerungen, das ist wahr, und manche ihrer Empfindsamkeiten wird dadurch erklärlich. aber wie kam die junge, magyarische Bonrgeoisknltur zu so krank- bastcr Reizbarkeit, wie sie im Falle Lucger bewiesen wurde. Lncgcr haßt die Ungarn; er hat sie geschmäht und geschmacklose Aeußerungen gethan. Ein Einzelner, ein Agitator, der mitten in wilden Kämpfen steht! Niemand weiß, ob bei erhöhten, Maß der Verantwortung Lueger's Anschauungen sich nicht Wahlen hingewiesen und aufgefordert, sich recht rege an der Agitation für die sozialdemokratischen Kandidaten zu betheiligen. Schöneberg. Der hiesige Arbeiter- Bildungsverein vollzog in der Versammlung vom 4. d. Mts. die Wahl des Gesammt- Vorstandes. Sie hatte folgendes Resultat: G u st a v R e i n k e, erster. H e r m. K ö st e r, zweiter Vorsitzender; H i n r i ch s e n. Schriftführer; G ü u t h e r, erster. W e r b a ch. zweiter Kassirer; L ö h r i ch, Bibliothekar; Klinge, Fr. Schmidt und Hanne mann, Mitglieder des Ausschuffes zur Prüfung der Rechnungen. Es folgte eine Vorlesung aus Hauptmann's „Weber", die von der äußerst gut besuchten Versammlung mit großer Aufmerksamkeit angehört wnrde. In der nächsten Ver- sammlung am 13. d. Mts. wird die Vorlesung fortgesetzt. AUg«mei»e K,ichi>r»rI>er-N-r>'>«nmI»»g. Heute, Sonntag, 10. Nov., vormittags präzis wjc Uhr tn Keller's Festsälen. Wichtige Tagesordnung. KerUnrr Kranken-Nnterstiitzung»-»ud KrgräbnrKver»», snr Frauen»nd Mädchen. Heute, Sonntag, den lo. November, im Louisenstädl. Konzerthaus, Alte Jakobstr. Z7 I Abend-Unterhaltung. Anfang o Uhr. Kterbettatpe no» Arbeitern der K-rliner Maschinenban-Aktien- gesrltschaft. Heute Zahltag: Acterstr. 12z bei Marten. Urrgnngungsktiib„Gftciid". Sonntag, den lo. November, nach- mittags 5 Uhr, bei Birk, Straußbergcrstr. 3: Sitzung. Nachdem: Ftdelttas. ldyeatrr->>»d N«rg»üll»»gsuerei»„Kerolina". Sonnlag, den 10. November, nachmittags 4— ö Uhr, tm Klubhaus„Nordost", Große Frank- furtcrstr os: Sitzung. Nach derselben: Fidelitas. Arbeiter-Kildungolchiile. Sonntag lein Unterricht. Tie Lessräume sind von to—12 Uhr vormittags geöffnet. Unterricht am Wontag: Sü dost- S ch ule, Waldcniarstr.it: Ocffcntliche Mesundheitspflege.- Nord-Schule. Müllerstr. me: Nalionalätonomte. Beginn abends s Uhr, Schluß lojs Uhr. Die Schulräume sind zur Benutzung der Bibliothek und des reichhaltigen Zeilschrtftenmaterlals schon von s Uhr an geöffnet. Arbriter- Siiiisrrbuiid Kerlin« und Zlmgegend. I. Borsitzender: Ad. Neumann, Pasewallerstr. S. Alle Aenderungen im BercinSIalender sind zu richten an Friedrich Kortunr, Manteusfelstraße 49, v. 2 Tr. Montag, Abends s— n, UebungSsiunde und Ausnahme neuer Mitglieder. Liedertafel der Maler, Annenstraße o. bei Ehrenberg.— Wied erhall, Köpenillerslr. 191 bei Foge.—Zukunft I, Steglitz, Ahorn» ftraße 15», Cchcthose's SambriuuS.— Arbeiter-Gefangvercin B o r w ä r t SIII, Lichtenberp-Friedrichsfelde, PrinzenAllee 0 bei Karl Schulz.— Lieder- z iv e i g, Waidmannslust, Bcrlinerftraße bei Zerbe.— Liedesfreihett II, Strausberg, Sivsenslraße i bei Brammbach.— Glockenretn t jeden Montag s bis tt Uhr bei Herrn Panks, Schiestschestr. 38.— Rauchklub P feifenkopf, Sitzung 9 Uhr hei Wolf, Friedrichsbergerstr. 24. Gäste willkommen.— Arbeiler-Stenographi«- Verein„E t n r r a ch l", Unterricht und Uebungsslunde Montag abends 8Jj Uhr bei Roihcs, Bullmannstraße 17.— Privat-Theaterveretn Frcthetts- h o s f n u n g. Sitzuyg mit Damen jeden Sonntag um 6 Uhr nachmittags bei Baumann, Lychtierstr. 2—3.— Klub Freya. Jede» Sonntag von 6 Uhr, nach» mittags an Sitzung mit Fidelitas tm Saale des Restaurants Kietelyahn, Dresdenerstr. 38.— BergnügungSveretn Fiducta. Jeden Sonntag von 6—6 Uhr nachmittags Sitzung. Nachdem Fidelitas im Nsstaurant Jan?» Blumenstr. 64.— Vergnügungsverein Flora. Jeden Sonntag Uhr, Sitzung, nachdem Fidelitas tm Restaurant Mtethe, Mendelssohnstr. s.— Slailluv Bruder Heinrich. Sitzung Montag abends o Uhr bei Wernau, Liosenthalcrstr. 67.— Turnverein Fichte. Jeden Sonntag von 3 Uhr an volkslhünilichcs Turnen in Lichrenderg, Wetßenseeer Weg bei Asche.— Bei- ftnüauiigsliub A bler. Jeben Sonntag, ab.nds 6 Uhr, Englischer Hof, Neu»: lltoßstr. 3: Sitzung und Tanz. Gäste sehr willlommcn.— Jugend-Arhleteir- kiub Junge Kraft jeden Montag»nd Freitag abends«X— 10 Uhr bei Jtckerl, Etallschreiberstr. 19. geläutert hätten. Thnt«ichts. So wenig kraslbewußk und stetig äußert sich der magyarische Nationalstolz, so sehr ist im magyarischen Bttrgerthum die Neigung zu frommen, natio- nalistischen Schauern ausgebildet, daß ein Groll, wie über ver» letzte Majestät, gegen Lueger ausbrach; alle Welt schrie gereizt: Steinigt ihn, er hat ein Pamphlet gesprochen; und des selbst» bewußteren Gedankens war man nicht sahig: Achtet seiner nicht, des Pamphletisten. Dieselbe» frommen Schauer, die Klarheit und Gerechtigkeit zu verscheuchen vermögen, lagerten über dem Schwurgerichts-Saal zu Bourges in Frankreich. Ein düsteres Kulturbild war auf- gerollt im alterthümlichen Bourges. Ein Marquis treibt Prostitution mit Namen und Ehre. Er läßt sich an ein Mädchen verkuppeln, das er nicht liebt und das nach den Anschauungen seiner Kreise ein so schwer zn sühnendes Ver- brechen begangen hat. Das Mädchen hatte einem unehelichen Kinde das Leben gegeben. Senile Kultur kann fürchterlich grau- sam sein. Das uneheliche Kind ist der Flecken an der Ehre. Sein junges Leben wird erbarmungslos und ohne Schonung des Rechtes der Werdende» vo» den Welken, den Abgelebten nieder- getreten. Die Tragödie des-Kindes beginnt. Ob der Marquis de» armen Menaldo bei Sorrent gemordet, ob der Knabe in nervöser Ueberspannnng sich selbst das Leben genommen baite, das ist für die Tragödie dieses Kindes, die sich in ungezählten Fällen, nur oft minder esfeklreich, voll- zieht, ohne Belang. Bon der große» Sünde einer greisenhaften Gesellschaft war in dem Gerichtssaal zu Bourges nicht die Rede. Wozu auch hohe Gesichtspunkte? Ein aufregender Wettsporr begann um den Angeklagten. Ueber dem Kampf der Juristen verblaßte das sozial-ethische Moment; und als der findigere Bertheidiger vollends aus eine Schwäche seiner Landsleute, die nationalistische Reizbar- keil spekulirte, da war es um alle klare Betrachtung geschehen. Äibbs Rvsselol soll der treibende Dämon ini Hause des Grafen Nayve sein. Abbe Roffelot bat deutschfreundliche Aeußerungen gcthan; das chauvinistische Gelüste beginnt in ihm einen„Spion" zu wittern. Zwar wird ein Spion schwerlich die Beschränkien prov» zircn wollen und gewiß nicht mit Dentschfrenndlichkeit unter Philistern und Chauvins renommiren. Aber die fromineu Schauer benehmen die Klarheit des Denkens. Die nationalistische Anti- palhie kehrt sich gegen den geheimnißvollen Abbö und natur- gemäß regt sich ei» günstiges Vornriheil für den Angeklagten. Ich möchte gewiß nicht in die lächerlich zornige Art deutscher ChanvinS verfaUen, die erbitterte Betrachtungen anstellten, weil der Graf Nayve freigesprochen wurde. Es läßt sich von der Ferne schwer beurtheilen, was dort in Bourges vorging; und bei so verschleierten Thaten, die Jahre lang zurückliegen, wer will da absolute Wahrheit wissen? Nickt um den Marquis handelt es sich; nicht um seine Person. Merkwürdig nur ist es, welchen Einflüssen niid Einflüstcrunge» die gegenwärtige Bourgeoisie unterworfen ist, selbst wo sie zu Gericht sitzt über Leben und Tod. Kur-Bade-Anstalt und Massage von tt. MSNSK, Brunnenstr. 16. Dampf- und Zriszluft-Kastenbädev, Wannen» und medizinifltye jZäder. WST Fuss-, Am- llnll ciiijclnc Glieder-Mer cljue den ganzen Körper zu strapaziren. Lieferant und Masseur sämmtlicher Orts-Krankenkassen und freien Hilfskassen. 22322" Dienstag und Freitag von 1 Uhr ab nnr für Damen. Die Filiale nnr für Massage ist T h u r m st r a ß e 4S, 4 bis Si/e Uhr. Damen- u. Mädchku-MSutel-Iabrili... Alh. Hartmanu, Weinbergsweg 5, PaS!8kne\nal Jaden. Stets großes Lager in allen Neuheiten der Konfektion zu den billigsten Preisen. 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Lade crgebeult zur Kestchtizung meiner iefchäftsränme ein. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Klittert, Schöneberg-Berli». Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max«ading in Berlin. 3. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblat Ur. 364. Sonntag, den 16. Uovemder 189 GewevftMciftlirszeS. �cber die Hirsch- Dunckcr'scheu Gewerkvereine spricht sich Professor Baum garten, den jüngeren Christlich- Sozialen zugehörig, in einem Briefe an die„Hilfe" auf grund crgcner Beobachtung aus. Sein abfalliges Urtheil ist um so be- merkenswerlher. als er den„Gewerkvereinen" befreundet zur Seite treten wollte. Es heißt in seinem Brief:„Zwischen Sozial- demokraten und Gewerkvereinlern in einer unangenehmen Mitte befanden sich am 14. Oktober mehrere Mitglieder des Evangelisch- sozialen� Slrbeitervcreius zu Kiel. Da bisher zwischen uns und den hiestgen Gewerkvereinen ein freundliches Verhnltniß geherrscht hatte, da sogar Mitglieder unseres Vorstandes dem dortigen angehörten, so bestand bei uns die Absicht, bei der öffentlichen Versammlung den befreundeten Verein nach Kräften zu unter- stütze». Der letzte Thätigkeitsbericht des Amvalts Dr. Hirsch kvnnte zwar nur von wenig großartigen praktischen Erfolgen, immerhin von respeklablem Streben, von ernstlichem Eintreten für die Arbeiterinlereffeu bezüglich Umsturzvorlage und freies Koalitionsrecht und von einem stetigen Anwachsen der Vereine berichte»; und besteht nicht auch in der Abwehr der materialisti- scheu und kolleltivistischcn Bestrebungen der Sozialdemokratie erhebliche Jnlercssengemeinschast zwischen uns und ihnen? In dieser letzteren Annahme aber erschütterte viele das Erlebniß dieses Älbcnds, der mit einem kaum verdeckten Fiasko der Gewerk- vereinter endete. Die Hauptschuld daran trug der Referent der von Berlin geholteVorsitzende des Gewerkvereins, der Maschinen bc.ner und Metallarbeiter Manch. Nicht genug, daß er an Vorbereitung und Nedesähigkcit von fast allen sozialdemokratischen Rednern übertroffen wurde; das schlimmere war der Eindruck des Spießbürgcrthums, der von all seine» wenig bestimmten Er- örterungen, und der Eindruck des phrasenhaften Verweilens an der Oderfläche und bei 5kleinigkeiten, der von all seinen scheinbar überlegenen Erwiderungen im Reste blieb. Herr Manch redete über:„Welche Organisation der Arbeiter ist die beste Er suchte zunächst ans der Charlistenbewegung zu er- weisen, daß die politische Organisation nicht, oder doch zu langsam zum Ziele sühre, und daß derweilen der Arbeiter verhungere Tagegen erhob er die, wie er meinte, von den englischen Trade Unions einfach kopirte Organisation der Gewerkvereine in den Himmel, als eine nicht politische, sondern rein gewerkschaftliche Orgamsirmig der Selbsthilfe. Daß die englischen Trade-Unions ganz andere Kräfte und Erfolge anfweisc», gab erzwar zu, wagte aber nicht, der deutschen Arbeiterschaft nachzusagen, daß es ihr an der Intelligenz und Nüchternheit der Engländer mangle und darum an Verständniß für diese Reformbeivcgnng. Dagegen wagte er, durch die Gewerkvereine den Beweis erbrach: zu behaupten,� für die Möglichkeit, eine Versicherung gegen Arbeitslosigkeit rein ans dem Wege der Selbsthilfe durch- zuführen; wie konnte er da die Zusammensetzung seiner Vereine aus überwiegend gualifizirten und wenigen(ca� 12 000) Hand- und Fäbrikarbeitern außer Augen lasse»!? Die sehr billigen Anzapfungen der Sozialdemokraten wegen ihrer inneren Reibungen, Terrorismus und Selbstzersetznug konnten doch die Gedanken nicht ablenken von dem durch gegnerische Redner sehr geschickt vorgeführten Vergleich der Gewerkschaften und der Ge- werkvereine. Mehr aber als dieser banansifche, eng praktische Gesichtspunkt bedeutet doch die Vergleichuug der beiden Organi- sationen vom Standpunkte des Klassenkampfes. Da ist die vom politische» Freisinn geleitete zahme, arbeitgeberfreundliche, von der „Harmonie zwischen SfapilaI und Arbeit" träumende Taktik der deutschen Gewerkvereine in der Streikfrage, worin sie sich wesent- lich von den englischen Trade-Unions unterscheiden, und die opfer- willige, energische, ausdauernde Solidarität der kämpfenden Ge� werkschasten auch nur zu Ungunsten ersterer zu betrachten. Go schickt wurde die zum mindesten passive Haltung der Kieler Ecwerkvereinler gelegentlich der Hiuaufsctzung des Zensus für die Stadlverordnelenwahlen als Anklagcmatcrial verwendet. Die Versuche des Vorsitzenden, diese Hallung als mit den unpolitischen Gewerkvereinen nichts zu schaffen habende Privatsache der Neue Verefe von Uastalle. (Schluß.) Sie werden sage»: ich gehe ja mit Ihnen um wie mit einem Pferde, gönne Ihnen nicht einmal die Zeit, um einen Schmerz zu verwinden. Aber nennen Sie mich einen Unmensch so viel Sic wollen, ich habe Ihr Wort. Die Suspension desselben, die eingelreten war, ist sortgefallen, und ich wiederhole Ihnen, was ich schon von Italien aus schrieb, ich flehe aus diesem Wort wie Shylvck auf seinem Schein. Es muß sein. Und glauben Sie mir, es ist gerade das Verm'instigste und Lieberollste von mir, wenn ich Ihne» keine Zeit lasse, zuvörderst über jene Wunde, und die Stimmung, die Ihr natürliches Pro- dukt ist, hinwegzukommen. Sie dürfen sich eben keine Zeit dazu lasse». Das beste Heilmittel, das der Mann auf eine Wunde, die ihm geschlagen legen kann, ist: fieberhafte, rasende,. rasende, fieberhafte Thätigkeit, mit aller jener Unterdrückung von Empfindung, die solche Thätigkeit von selbst nach sich zieh:. Ich hab's oft ausprobirt und kann Ihnen sagen: prodatum esb! Und sich nicht Zeit gönnen, zu empfinden! Nur ronvärts, und vorwärts, und gearbeitet mit fliegender, zitternder Hast, wie unter dein Slock, wie unter der Frohn- peitsche, wie unter dem Stachel! O wie das hilft! Die Wunde ist vernarbt während der Fröhnds, die nian sich auferlegt; nicht nur der Schmerz ist gemildert, sondern das ganze Stück G e- f ü h l s f ä h i g k e i t, in dem er haftete, ist in i t verknorpelt— tanb mieux, eine Unempfindlichkeit mehr, eine Blöße weniger, »ind vorwärts, nur vorwärts auf dieser rasenden, sinnlosen Jagd, die unser Leben heut darstellt. Wahnsinnige Arbeit ist das beste Betäubungsmittel, das drastische Betäubungsmittel des Abendländers. Empsiiidung ist für Weiber, Opium für Orientalen. Also auf, vorwärts, ich knalle n>it der Peitsche, auf mein Ehrenwort, ich lasse S i c und I h r Ehremvort nicht, voran, in sechs Wochen muß ich oder Brockhans Ihr Mannskript haben. Ich verlange die umgehende lakonische Anzeige von Ihnen, daß ich es in dieser Zeit haben werde! Ach, wenn Sie wüßten, irelche Illusionen und welche Schmerzen ich schon in dieser Woche niedergelebt, nieder- getrampelt habe!!! Meinen Dank für Ihre Thätigkeit in Bezug auf de» „Sickingen". Anbei folgt D i n g e l st e dt's Brief") zurück, da ich inzwischen neue Streichungen, wahre Radikalstreichungeu an dem Stück vorgenommen habe— es dauert jetzt nicht mehr *) D i n g e l st e d t schreibt in demselben am 20. Marz 1862 an H e r w e g h:„Erst vor acht Tagen bin ich au den„Sickingen" gegangen und finde ihn mit Dir ein sehr tüchtiges Stück un- v-rgleichlich besser als die gleichnamigen von Bauernfeld, Meyer und vielen Andern; doch muß er für unsere„bescheidenen" Ver- Hältnisse znrecht gemacht werden, nicht blos gestrichen, sondern organisch zusammengezogen. Ich will ihn, da er für diese Saison docki zu spät gekommen, in de» Ferien vornebmen und mich ernstlich mir ihm abgeben. Dir und ihm zu Liebe. Vielleicht, d-'ß ich nächsten Herbst damit anfange! Ich werde mich seiner- id- mit dem Dichter selbst in Verbindung setzen." Il 13. Jahrg. einzelnen außer Diskussion zu stellen, mißlangen; handelt es sich bei jener Vereitelung der Wahl von Arbeitervertretern doch um ein erhebliches Interesse der Arbeiter, z. B. bei Nothstands arbeiten, Löhnung städtischer Arbeiter:c. Je weiter die Diskussion ging— sozialdemokratischerseits mit dem schwersten Geschütz von prinzipiellen Forderungen und Ideen, von Gewissens- anklagen und weiten Perspektiven, andererseits mit dem leichten Geplänkel einzelner Vorhaltungen(abgefallene Sozialdemokraten, veruntreute Parteigelder, persönliche Beleidigungen gegen Legten und selbst gegen Anwesende) geführt— desto unmöglicher war es einem überzeugten Christlich-Sozialen, seine Stimme zu gunsten der Gewerkvereine zu erheben. Konnte man den Sozialdemo- traten die Siegesgewißheit verdenken, womit sie auf ihre Erfolge hinwiesen, auf ihre größeren Opfer, aus ihr tiefergreifendes, bewußtes Eintreten für die Arbeilerbrüder? Wer wagt es noch zu leugnen, daß wir der politischen Organisation der Zlrbeirerpartei fast alle arbeiterfreundlichen Gesetze, die Ver- sicherungs- wie Schutzgesetze verdanken, während die Führer der Geiverkvereine mit Eugen Richter von der Selbsthilfe der freien Kassen und dem Selbstschutz durch Bildung träumten? Daß nun aber gegen Ende der Verhandlungen statt der nnge- duldig erwartete» Vorführung der grundsätzlichen Verkehrtheit der sozialdemokratischen Utopien und ihrer fanatischen Agitation, ihrer materialistischen Ocde und gemülhlichen Rohheit, vielmehr persönliche Ausfälle ungerügt die Zeit wegnahmen, das tödtete den letzten Rest von Sympathie. Mögen die einzelnen Mit- glieder unsere Freunde bleiben, die Organisation als solche, für welche übrigens der kümmerliche Besuch und das spärliche Mit- reden der eigenen Leute kein großes Zeugniß ablegten, steht uns nahezu ferner als die Sozialdemokratie. Denn von unserem Programm:„Gotteshilfe, Staatshilfe, Selbsthilfe, Bruderhilfe" theilen wir zwei Stücke mit der letzteren, nur ein Stück mit der ersteren. Wenigstens der gewiß berufene Vertreter der Gewerk- vereine, Herr Manch, ritt wohlgefällig nur das Steckenpferd der Selbsthilfe. Von Bruderhilfe war nur nebenher und im engsten Sinne des wohlverstandenen, eigenen Juteresses die Rede. Von Staatshilfe verspricht er sich noch immer wenig, ja im Grunde verabscheut er sie als den Tod der Selbsthilfe. Von Gottcshilfe aber weiß er nicht mehr als die Sozialdemokraten, die noch zu vornehm waren, um die Umsetzung des„Bete und arbeile" in„Thue deine Schuldigkeit und schaffe" und seinen Spott über das aussichtslose bloße(!) „aus den Knien rutschen" zu belächeln. So vollendet sich denn das Bild eines s ch w u n g- und ideenlosen Philisterthums, einer selbstgefälligen, kurz- sichtigen, k l e i n k r e i s i g e n Bourgeois- Auf- f a s s u n g; der niemals die deutsche Arbeiter- bewegung anheimfallen wird. In der That machte die vertretene Arbeiterschaft mehr den Eindruck von selbst-, und weltzufriedenen Leuten, als von Vorkämpsern der erst zu er- ringenden Arbeilerrechte." Sozieills MebeMchk» Zur Alters- und Juvnlidenvcrsicheruiig. Ans Nürn- berg berichtet die„Franks. Ztg.": Die neuerliche Revision der Q u i l t n n g s k a r t e n der Jnvalidiläts- und Altersversicherung hat ergeben, daß nicht nur in bezug aus unordent- liches Bekleben der Karten keine Besserung eingelreten ist, sondern auch, daß eine Anzahl Personen sich seit Jahren der Beitrags- Pflicht entziehen. Es sind gegen 300 Slrafversügungen ergangen. Bei 26 203 kontrollirten Karten ergab sich ein Manko von 52 614 Beitragsmarlen, was einen Werth von 11823 M. ausmacht. Die Redaktion genannten Blattes bemerkt dazu: „Diese Erfahrungen sprechen doch sehr deutlich gegen die Bei- beHaltung des Klebesystcms, sie zeigen aber auch die Wirkung der lhörichten Agitation gegen das Gesetz, wie sie gerade in Mittel franken betrieben wurde." als drei Stunden—, so Hab ich heut ein solches Exemplar, Be- zng nehmend auf eine Benachrichtigung von Ihnen, an Dingel stedt eingesandt. Wir werden sehen, ob er Ihnen besser Wort hält, als Herzog E r n st Rüstoiv gehalten hat.') Vergessen Sie ja nicht, ihn zu treiben wie sein böses Gewissen. Das wird jedenfalls nöthig sein.— Was sind denn das für neue Infamien, die Sie in Er- ahrung gebracht? Darf man das nicht wissen? Bitte, schreiben Sie mir davon. Sie wissen, ich interessire mich für Alles, was Ihnen geschieht, und Sie haben ja wohl keine Geheimnisse vor mir. Sie Glücklicher übrigens, daß Sie blos hie und da wieder Infamien erfahren, so daß Ihnen das noch einen Eindruck ge- macht! Ich bin daran schon so gewöhnt, daß alles verknorpelt ist, alles verknorpelt; spüre kaum noch! Grüßen Sie mir Ihre Frau, schütteln Sie Horace die Hand, küssen Sie Ada und Marcel, trinken Sie für mich eine Flasche mit Rüstoiv, von dem ich noch Antwort aus mein Letztes erwarte, empfehlen Sie mich seiner Frau und antworten Sie bald, bald, bald Ihrem F. Lassalle. Ferdinand L a s s a l l c an O b e r st N ü st o w und Georg H e r w e g h. Lieber Rüstoiv Und Georg! Euch beiden gemeinschaftlich diesen Gruß und diese Sendung. Da habt ihr nun meinen Julian,") über den der Drucker viel länger gesetzt hat, als ich geschrieben. ") Herzog Ernst von Koburg-Gotha. ")„Herr Julian Schmidt, der Literarhistoriker", mit Setzer- Scholien herausgegeben von Lassale(Berlin 1862). IlL. Erwähnenswerlh ist hier folgender Passus aus einem Briefe eines Freundes von Georg Herwegh. Mr. C Halleniel- L a c o u r, ehemals(während seines Exils nach dem 2. De- zember) Professor der sranzösischen Literatur am Polytechnikum a Zürich, gegenwärtig Präsident des Senats der r a n z ö s i s ch e n Republik:„Do bravo bommo grio votro ami Lassallo! Quol bion il ni'a fait avoc sa brochuro. Voilä girr s'appelle fouetter conirne il faut un faquin. II y a dix huit rnois, j'ai rencontre dans une inaison rin brave j'ai rencontre dans une inaison dUemaud, grand admirateur du sieur Julian, ä qui j'ai ose soutenir quo le susdit etait un paltoqüet. Nous avions pour auditoire une galerie francaise qui sans doute n'avait las foi dans ma competeuce Sur un livre allemand: 'Allemand a triomphe. J'ai ma revancbe aujourd'hui friice a Monsier Lassalle. Mais combien sont- ils de ulian, en ce nionde, alleniands et franqais? Pour un qu'on demasque, vingt autres se produisenc et reussissent. Iis sont faits pour leur public; la vermine pullulo et engraisse ehez les mendiants. Je ne connais pas le livre de Schmidt sur la litterature franqaise; mais, s'il est traduit, il n'cst guere connu, et d'ailleurs ne vaut pas la peine d'etre attaque. En valüt- il la peine, je n'en aurais pas la patience.".,, Paris, 29 aoüt 1862, Eine Mnstcrgeschiiftsordmmg für Handlungsgehilfen wurde von der in Frankfurt a. M. erscheinenden„Kaufmännischen Presse" ans Tageslicht gezogen. Sie ist deshalb von ganz besonderem Interesse, weil es sich dabei um eines jener kleinen Geschäftshäuser handelt, wo noch die vielberühmten„patriarcha- tischen Verhältnisse" der„guten" alten Zeit vorherrschend sein sollen. Die Geschäftsordnung ist bei der Firma M. Hartag in Herne i. W. in Giltigkeit und schreibt in ihren 14 Paragraphen u. a. vor: eine 12— 14stündige tägliche Arbeitszeit„ohne Unterbrechung"; für Zuspätkommen sind ganz neumodischer Weise Geldstrafen in Aussicht genommen; höchstens viermal im Monat darf der Glückliche bis nach 1 1 Uhr außer dem Hause bleiben, zu welchem Zweck er gütigst den Hausschlüssel erhält, den er aber am nächsten Morgen wieder abgeben muß. Von hervorragendem Interesse ist der ß 12, den ivir hier wörtlich folgen lassen:„Es darf kein Käufer ungekaust das Geschäftshaus verlassen; kommt dieses jedoch dreimal vor, so kann der betreffende Verkäufer die Kündigung erwarten."— Die „Kausm. Presse" hängt dieser herrlichen Geschästsordnuug fol- gende Bemerkung an:„Alle diese kleinen Unaiiiiehmlichleiten, die eigentlich nur„verhetzte" Gehilfen als solche empfinden können, werden bei jedem„besseren" Kommis aufgewogen durch die unendliche„Humanität, welche sich ini§ 8 ausgedrückt findet:„Dem Personal ist es gerne gestattet, sich nach der Geschäftszeit in der Privatwohnung des Chefs aufzuhallen." Wer nach solcher Ausbeutung auch noch beglückt in der ivackeren Familie seines Ausbeuters sich aufhalten darf, der ist dreimal gebenedeiet. Hoch lebe die„Muster"-Geschästsordiiuiig der„patriarchalischen" Firma M. Harlog zu Herne in West- falen!" Der Streit der Vardowieker Häuslittge um die Schul- steiler, von der Ivir vor einiger Zeit berichteten, hat eine für die Hänslinge günstige Wendung genommen. Den Häuslingeir waren bekanntlich verschiedene Sachen gepfändet und versteigert ivorden, weil sie sich weigerten, die von den Bauern aus sie ab- gewälzte Schulsteuer zu zahlen. Nachdem sie von den Lüne- burger Rechtsanwälten in Stich gelassen worden waren, wandten sie sich an einen Hamburger Anwalt, und dieser führte einen Be- schluß herbei, der die Bauern zwang, die zu unrecht gepfändeten Sachen zurückzuerstatten. Die Häuslinge jedoch verlangten Ersatz aller ihnen durch den Streit erwachsenen Unkosten. Hierzu scheinen sich die Bardowieker Bauern nun auch bequemen zu wollen, wie aus einem von ihnen an den Regierungs- Präsidenten in Lüneburg gerichteten Schreiben hervorgeht. Nach der Schil- derung der Entivickeluiig des Streitfalles heißt es in diesem Schreiben: „Schließlich, um die Sache zur Steuerheranziehillig nicht stecken zu lassen, wandten sich die Häuslinge an die Sozial- d e m o k r a t i e, welche für d e r e n S a ch e in i t I n t e r- esse um d e st o freudiger eintraten. Ein Rechts- anwalt in Hamburg leitet jetzt die Sache. Die Leute haben ihr ausgelegtes Geld wieder erhalten, auch die gepfändeten Sachen sollen bezahlt werden. Außerdem verlangen die Gepfändeten, wovon noch einige ins Gefängniß geführt wurden, auch dafür noch Entschädigung und die Kosten für den Anwalt. Das E n t g e g e n k o ni m e n z u r S o z i a l d e m o- kratie ist hier von den Häuslingen ebenfalls großartig geworden, es werden durch diese Veranlassung schon sechzig bis siebzig Volksblätter hier im Orte gelesen von den Häuslingen. Die Regierung will die Sozial-! demolralie gerne bekämpft wissen, aber hier bei uns werde» sie dutzendiveise gesäe t." Das„Lüneb. Volksblatt" erblickt darin wieder einen Beweis dafür, daß einzig und Sozialdemokratie es ist, bei der alle Unter- drückten Beistand finden. Die Gubener Arbeiterschaft hat schon mehrfach Versuchte gemacht, die städtischen Behörden von der Nothwendigkeit der Errichtung eines Gewerbegerichts zu überzeugen. Ilm der Sache mehr Nachdruck zu geben, war eine Reihe von Fällen, die für die Nothwendigkeit eines Gewerbegerichts sprechen, registrirt mid Wenn es mir nur nicht geht wie dem Euripides, daß nämlich von wüthenden Hunden zerrissen werde, so habe ich zähes Dasein. Aber es ist ganz egal. Der Bursche verdicnle es um uns Alle und es mußte ihn endlich Einer abthun. Thut nun auch das Enrige, dem Buch so viel Absatz und Verbreitung als möglich zu schaffen und Euch, wie Plate» sagte,„rettend zu flüchten". Ich vermuthe übrigens, das Gesindel wird bei dieser Gelegenheit aus Angst stillschiveigen, denn ich habe gar zu stark geklopft. Dafür rächt es sich wieder nächstens indirekt bei der ersten besten Gelegenheit. Immer d'rauf! An Herwegh habe ich gleichfalls ein Exemplar geschickt, aber nur unter der Adresse: Herrn Georg Herwegh, Zürich, da ich seine neue Wohnung nicht weiß. Er muß also Sorge tragen, daß er es erhält. Euer F. L a s s a l l e. Ferdinand L a s s a l l e an Emma Herwegh. Berlin, 6. November 1862. Liebe Frau Emma! Ihren Brief fand ich vorgestern vor bei meiner Rückkehr aus Breslau, wo mich am 21. v. M.— der furchtbarste Schlag betroffen hat, den nur das Schicksal überhaupt jeuials zufügen kann. Ich habe meinen, ach wie unaussprechlich geliebten Vater verloren! Es würde ganz umsonst sein, wenn Sic versuchten, sich eine Vorstellung davon zu machen, was dieser Verlust für mich bedeutet. Denn Sie haben keine Ahnung, was der Verstorbene mir war! Die bloße Vatercigenschaft war das Wenigste dabei. Wenn ich diesen Verlust werde innerlich verwunden haben— ich weiß nicht wann, aber kommen wird ja wohl die Zeit was will mir dann das Leben noch eigentlich nehmen? Wollen Sie die Güte haben, Ludinilla diesen Schlag in meinem Namen anzuzeigen. Ich würde ihr selbst geschrieben haben, aber ich weiß niä,t wohin. Sie kannte mein Verhälknft zu ihni, wenn auch nur ganz von Weitem, sie wird eine schwache Ahnung dessen haben, was mich betroffen. Ich habe mich heute trotz meiner Beriiichtnilg' mit Janke wieder wegen Ihres Manuskriptes in Verbindung gesetzt. In -6 Tagen soll ich entschiedene Antwort haben. Ich hoffe be- jahende, denn neue Aerbiiiduiigen anzukiillpsen mit Leuten, die ich noch nicht kenne, würde überhaupt sehr schwierig, i» meiner jetzigen Stimniung ganz iiiiniöglich sein. Herwegh, dem ich die Hand drücke und dessen Thcilnahme ich gewiß bin, schrieb mir einst, er wolle Dinge Ist edt an die Erfüllung seines Versprechens mahnen wie sein böses Gewissen. Jetzt wäre die höchste Zeit dazu. Bei meiner Rückkunft von Wildbnd, 23. September, batte ich an Dingelstedt geschrieben und angefragt. Ich habe nicht einmal eine Antwort bekommen. Ich übergebe ihn also den Händen Herwegh's. Adieu. Liebe! Sie wissen nicht, wie es mich berührte, daß Sic in Ihrem Brief, unwissend, wie sehr diese Worte sich auf den Leser selbst anwenden würden, ausriefen: Das Leben will ertragen sein! Adieu! Ihr F. Lassalle. nid :ntc H d cv königl. Regierung mit dem Ersuchen, auf die Gubener Be- Hörden in diesem Siuue ciuzumirken, mitgetheilt worden. Auf diese Eingabe ist jetzl die Antwort eingegangen, daß der Rcgierungs- Präsident in Frankfurt a. O. ebenfalls der Ansicht ist. daß ein Bedürsniß nicht vorliege. Die Gubener Arbeiter sind weit entfernt, damit die Sache als abgethan zu betrachten, sie werden im Gegentheil alles aufbieten, das Gewerbegericht doch noch zu erhalten. Außerdem sind wir der Ansicht— so schreibt der Gubener Korrespondent in der„Märk. Volksstimme"—. daß wenn man die 3695 M., welche die Stadl für die Sedanfeier ausgegeben hat. für das Gewerbegericht verwandte, diese Summe eine Reihe von Jahren gelangt hätte, dieses Institut in Thätig- keit zu erhalten. Soziale Llechkspflege. ab x, w Eine» interessante» Prozeß gegen die Nene Berliner Omnibus- nnd Packetfahrt-Aktiengesellschaft erledigte am Dienstag die Kammer VII des G e w e r b e g e r i ch t s. Der Kläger. Schaffner W., klagte auf Herausgabe seiner Kaution in Höhe von 4v0 M. und der Summe von Lv M., die ihm nach seinen Angaben ratenweise vom Gehalt abgezogen worden ist. Der Vertreter der Beklagten, Hauptmann a. D. v. Mühlen. erklärte, daß dem Kläger' die ganze Kaution durchaus nicht vor- enthalleu wurde, die Gesellschasl wolle vielmehr nur 40 M. von den 400 M. haben. Kläger solle lediglich dafür bestrast werden, daß er vier Tage lang ohne Genehmigung seinen Dienst ge- niieden habe. Ter Herr Hauptmann legt einen vom Kläger unter- schriebcncn Vertrag vor, worin zu lesen ist. daß sich der Unter- zeichnete verpflichtet, für jeden Tag eigenmächtige» Fortbleibe»- eine Strafe von 5 bis 10 M. zu zahlen, die von der Direklion festzusetzen und von der Kaulion i» Abzug zu bringen sei. Ter Kläger habe nun, fährt der Herr Hauptmann a. D. fort, wohl seinen Aetricbcchef Wolsssohn bei Gelegenheit seiner Ablösung vcin Bahnhos Friedrichstadt darum ersucht, ihn gleich zu enl- lassen, sei aber dessen Weisung, sich au den Direktor Major v. L i n d h e i m zu wenden, nicht gefolgt, sonder» einfach vier Tag dem Dienst ferngeblieben. Die weiter geforderten 20 M. rvärei dem Kläger nicht vom Lohn abgezogen worden, derselbe habe sie vielniehr sreillig als Schadenersatz gezahlt. Durch seine SchnU fei ein Packet an die falsche Adresse gelangt und die Gesellschas habe dem wirklichen Adressaten de» infolge dessen entstandener Schaden ersetzen müssen. Die Frage des Vorsitzenden, ob un! wie der angeblich geschädigte Mann der Gesellschas seinen Schade» nachgewiesen habe, weiß der Herr Hauptmann nicht zu beantworten; er unterläßt es auck zu erkären, daß er den Beweis für seine Behauptung antrelei wolle. Bezüglich dieses letzteren Punktes bleibt der Kläger bei seiner Behauptung, daß er an dem von ihm außerdem a» gezweiselten Schaden nicht die Schuld trage. Daß er Wolfs söhn um seine Entlassung gebeten, bestreitet er. Es sei ihm dir sehr schwere Bodenarbeit zugemulhet worden, und diese hätn er nicht ausführen können, weil eine Knieverletzung ihn arg g> peinigt habe. Er sei deswegen bei Herrn Wolfssohn vorslellu geworden, ihm doch die schwere Arbeit zu erlassen. Dem Hii weis auf Direktor von Lindheim fei er einfach dr- halb nicht gefolgt, weil er nicht länger hätte warten können. Aus dem Zeugniß einer Frau Mühle, die über den damaligen Zustand des Klägers vernommen wird. erhellt mit großer Bestimmtheit, daß Kläger zur sraglichen Zeit lhatsächlich unfähig war, anstrengende Arbeiten zu leisten. Ter Vertreter der beklagten Gesellschaft will sich namens derselben herbeilassen, W. die Hälfte des geleisteten Schadenersatzes zurück- zuerstatten; weiter kann er mit Rücksicht auf die ihm gewordene direktionelle Instruktion nicht entgegenkommen. Im übrigen be- ruft er sich noch auf die letzte Quittung des Klägers über den Lohn für 21 Tage(ä 2,50 M.), welche den Vermerk enthält: und habe ich keine Forderung mehr ec." Der gute Mann wurde sofort darauf hingewiesen, daß mit dieser Quittung doch nicht alles gemacht sei; denn wenn sie alle Forderungen des Klägers wirklich ausschließen würde, könnte ja die Gesellschaft auch rit gutem Recht verlangen, daß sich W. die ganze Kaution in n Rauch schreibe. Die Beklagte wurde zur Zahlung der g e s a m m t e n K l a g e s u m m e v e r u r t h e i lt.— G r ü n d e: Betreffs des Schadenersatzanspruckics sei die Verurtheilung er folgt, weil es der Vertreter der Beklagten unterlassen habe, den Schaden nachzuweisen. Der Strafabzug für die vier Tage fei unbegründet. Erstlich habe der Gerichtshof auf grund des Ver- träges beider Parteien angenommen, daß W. nnzweifcl- hast bei Wolsssohn in einer Weise vorstellig geworden sei, in welcher eine Entschuldigung für sein Ausbleiben gesehen werden müsse. Ein Prokurist aber wie der Betriebsleiter Wolfs- söhn müsse nach Ansicht des Gerichts soweit mit Vollmachten ausgeslatlct sein, daß er in Abwesenheit der Direktoren in Roth- fällen mindestens Vorkehrungen treffen könne, vorbehaltlich der späteren Genehmigung der Direktoren. Dazu komme noch, daß Kläger nicht aus Laune fortgeblieben sei, sondern einen berech- tiglcn Grund dafür hatte, wie von der Zeugin glaubhast be- kündet wurde. Ein allgemeiu interessanter NnsallversichernngS-Prozcß ist vor kurzem zur Entscheidung des Reichsgerichts gelangt. Am 21. September IKS4 verstarb der Dr. O. an der Cholera. Er war Assistent am hygienischen Institut in Hamburg. Bei der ii dieser Eigenschaft von ihm vorgenommenen bakteriologischen Untersuchung waren ihm Cholcrabnzillen in den Mund aeratheu Er hatte sich bei einer Gesellschaft gegen Unfälle, falls dadurch er Tod oder die Erwerbsunfähigkeit herbeigeführt werde, versichert. Seine Mutter nnd alleinige Erbin verlangte nun von der Ver- ncherungs-Gesellschasl die für den Todesfall versicherte Summe, sie ist aber in zwei Instanzen mit ihrer diesbezüglichen Klage ibgewiesen worden. Tie beklagte Gesellschaft bestritt, daß ein unter die Versicherung fallender Unsall vorliege und die Gerichte ind derselben Ansicht gewesen. Nach§ 1 der Versicherungs- edingniigen wird unter Unsall jedes gewaltsame, plötzlich und mabhängig von dem Willen des Versicherlen von außen her cchanisch auf ihn einwirkende Ereigniß verstanden, welches eine Beschädigung des Körpers zur Folge hat. In dem hier streitige, Falle halte der Arzt, um einen hängenden Tropfen zu bilden nolerabazilleuhalliges Wasser mittels einer Pipette angesaug, ud durch verschcntlich zu kräftiges Sangen dann in den Muni -kommen. Zwei Instanzen uahinen nun an, daß ein unter die Bei cherung fallender Uniall schon deshalb nicht vorliege, wei eine gewaltsame Einwirkung auf den Verunglückten u.chi statt- gesunden habe. In der hiergegen eingelegten Revision wurde ausgeführt, daß der Verunglückte Arzt gewesen sei, sich bei der Versicherung der beklagten Gesellschaft als solcher bezeichnet habe und die Versicherung zweifellos für alle Unfälle, welche ihn in seiner Berufsihätigkeit treffen könnten, habe nchnien wollen. Die beklagte Gesellschaft habe auch darüber nicht im Zweifel sein können, daß er die Versicherung so aufgefaßt wissen wollte.— Das Reichsgericht hat die Llevision verworfeil. In dem von der„Juristischen Wochenschrift" mit- gelheilten Erkenntniß heißt es: Daraus, daß der Ver- slorbene Arzt gewesen, folgt noch nicht, daß er bei der Ver- sicherung sich nicht den ihm mitgetheilten Bediuguiigen hat unterwerfen und sich nur unter der Bedingung hat versichern wollen, daß ihm die Versicherungssumme auch für andere Unfälle, als die nach den Bedingungen unler die Ver- sicherung fallenden, ausgezahlt werde, wenn solche Unfälle ihn in seiner Berufsthätigkeil treffen sollten. Daß er die Absicht, sich nur unler dieser Bedingung zu versichern, der beklagtc» Gesellschaft sonst zu erkennen gegeben, ist nicht behauptet worden. Neichs-VersichcrungSanit. Der Bauarbeiter Kretschmann, welcher bei dem Eigenthünier und Zimmermeister Wittkau in Elbiug beschäftigt war, erhielt von seinem Arbeitgeber am 12. Oktober 1893 den Austrag, die Aufräumungsarbeiten auf einer Abbruchsstälte zu unterbrechen und für die Frau Wittkau Kartoffeln zu tragen. Als Kretschmann dies gethan hatte, trat Frau W. mit einer gefüllten Echnapsflasche zu ihm und reichte ihm dieselbe mit den Worten, er solle sich stärken. Krelschman» lhat einen langen Zug ans der Flasche nnd sank im nächsten Moment unter großem Gestöhn zu Boden; statt Branntwein hatte er Aetzkali getrunken. Nachdem!>. den Folgen des unglückseligen Jrrlhnms erlegen ivar, erhoben seine Hinterbliebenen bei der nordöstlichen Baugewerks- Berufsgenossenschaft Rentenansprüche. Dieselben wurden jedoch mit der Begründung zurückgewiesen, daß zwischen dem Beuiebe, in welchem der Verstorbene thätig war, und seinem Tode kein ursächlicher Zusammenhang bestehe. Die Berufung der K ager halle keinen Erfolg. In der Begründung des abweisenden Nrlheils führte das Schiedsgericht aus, daß das Schnapst, inlen nur die Befriedigung eines persönlichen Bedürfnisses sei und mit den Betriebsgefahren nichts zu lhun habe. Der Rekurs wurde vom Reichs-Versicherungsaml ebenfalls zurückgewiesen, und zivar aus den Gründen bes Schiedsgerichts. Briefkasten der Redakkion. Die juristische Sprechstunde findet am Montag, Mittwoch, Freitag und Sonnabend abends von 7—8 Uhr stalt. G. R., V. S. Seit dem 1. Oktober 1835 werden auf grund . es§ 104 des Gesetzes vom 25. Juni 1833 in Preußen für Aus- lertigungeii über den Austritt aus der Landeskirche je 3 M. ge- nominell. Hinzu tritt eine Stcmpelgebühr von 50 Pf. Der Ans- irilt aus der Landeskirche ist aber gebührenfrei, wenn keine Be- fcheinigung über den Austritt begehrt wird. In solchem Fall werden nur, wie vor dem I. Oktober 1895, Gebühren >ir baare Auslagen und Schreibgebühren erfordert. Krünäung «tor siabril« 1764. Jacob Doussin& Co. Zur Abwehr! Tabak- u-Cigarren-Fabrik Berlin C., Heiligegeiststrasse 21 Gründung der Fabrik • 1764. Als die ättefte Firma der Tabaksbranche am Platze halten wir uns für bercchtizt. gegentiher einer immer dreister hewortre, enden, well bisher ohne Erwidern Iii, gebliebenen Marttschrcieret die Tbatsache feltziistellcn. daß hierorts eine gaiue Anzahl, mit Detail. Geschalte» rerbiiiidene Cigarren-Fabriken besteben, welche unter den bedenleiidstcn Dentschlands rangireii, seit Geschlechter» ihre Tbätlgkeit anSIchlieblich de», Tabak- nnd Cigarren-Fache zuwenden, und bei denen das Publikum stets i» reellster und billigster Welse bedient wird. Wenn nun Seitens einer der allcriüngsten Zeit aiigehörigen Firma neben vielen andern Reelanie» auch sogenannte Fabrikat!», iS-Geheinniissc bezligllch des Inhalts der einzelnen Eigarrenlorten wichligthnerisch mitgethellt werden, so Utht sich dies leicht aus selnen wahre» Werth zurllckfkchren durch den Hinweis auf iedei beliebige CigarrensabrikationS-Buch, in welchem diese großen Geheimnifie liiinmtlich enthalten sind. UeberdieS wird jeder reelle Fabrikant und Händler willig dem Käufer auf feinen Wunsch den Inhalt einer Cigarre offenlegen. Das einzige vorhandene Gehelmnlß dieser marktschreierischen Firmen besteht darin, dem Pnbllkum eine möglichst elegante Bcrpacknng vor Augen zu llchren. hierdurch aber für geringwerthlg« Sorten die höchsten Preise zu erzielen. Das Reilommce»usercr altchrwiirdige» Firuia verbietet uns eine etwaige Sieelame: auch trete» wir mit iiliserer heutige» Erklär, mg keineswegs»ur für»»s selbst, fonbcrn zugleich im Ein»« und Jnterefse der zahlreiche»»»S befreundete» Fabriiaiitc»»nd Händler hervor. Doch,»in iene», Gebahren gegenüber den Beweis z» liefern, daß gerate an erster Quelle da» Publik, im in reellster»nd billigster Weife bedient wird, haben wir die Einrichtung getroffen, daß fortan in unserem Detail-Geschäste se 10 Cigarre» zum Kisten-EngroS-Presse abgelaffen werden. Hierdurch kau» sich da? geehrte Publikum nus's Leichteste Ubersiihrcn, dast die bei»»S zm» Preise vo»»— 4'Pfennig pro Stuck käuflichen Cigarre» völlig ebrnbisrtig sind den Sortc», welche in den erwähnten marktschreierische» Hniidlnngc» zu l» n»d« Pf. verkauft werde». Dai gleiche Vcrbäliiiitz herrscht hii zu den höchsten Preislagen. So werden Misere unter unserer Lulstcki in unserem Hanse anS den feinsten Vuelta Unbanna-Tabaken angefertigten Karanna-Cigarre» zu 80-150 Mark pro Mille wegen ihrer vorzüglichen Qualität, thre» lchnccweißcn Brandes und feinsten Geruchs von vielen Kennern den tbenerstcn Schien llavanna-lligarren vorgezogen. Wir ersuchen hiernach das verehrte Publik»»,, das Ente zu prüfen und das Beste z» wähle». Aufsehen erregend billig gut offerire ich ein durch eigeuthumliche Ucraulalsung trstikiidents Luger turn zirlia 80000 M. Herren- und Uen-Oarderobe. 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Killet» für Herren a 50 Pf., für Damen ü 25 Pf. sind bei den unter zeichneten Komiteemitglieder vorher zu haben: Kiobd, Mariendorferstrape 2, Gieche, Andreasstr. 59. 3 Tr.; Girke, Naunynstr. 62, 3 Tr.; Mahn, Eisenbahn- heaße 31, 2 Tr.; Schacht, Tresckowstr. 23, Seitensi. I Tr.; Schnlis, Pappel- Allee Sa, Quergeb. 3 Tr.; kau, Langestr. 33, Hof pt.; Richter, Diedenhofener- straße 9, Stfl. 2Tr.; außerdem bei Hrn. Lanüeiov, Langestr. 13 im Restaurant und Herrn Silherhsrg, Barnimstr. 2 im Restaurant. Anfang SVa|Chr. Um 13 Uhr Kajfer- Dans«. Während derselben Komische Vorträge. 239/5' Das Komitee. I.A.: stug. Mledd, Mariendorferstr. 2. Sonntag, den 17. November 1895: Große Wohlthiitigkeits- Matinse. Arrangirt vom FISter'schen Besang-Verein(Mitgl. d. Arb.-S.-B.), unter gütiger Mitwirkung der Gefang-Vereins ,,lleutsche Liehe", ,,ltun«n«er'scher Besangverein" und ,,IH>rthenhlätter",(Mitgl. d. Arb.-S-B.), sowie des Musik-Vereins „Oetknung"(Ost). Anfang 13 Uhr vormittags. 65/20 Urogramm 35 Uf. IM" Gesang-Dirigent."MD Dirigenten sucht ein Arbeiter-Gesang-Vereui. 1239b Nur erste Kräfte mögen sich melden bis Freitag bei Neumann, Pascwalkerstrastc 3 pari. r Täglich bis 10 Uhr abends und SSF' Ausverkauf!*90 Wegen Todesfall sollen die vorhandenen Lagerbeslände, be- ta' stehend in allen Arten klehel» � £ Stoffen, Teppichen, Bar-£. � tlinen, Portieren, Länfer- B B Stoffen, Tisch-, Stepp- und»* 'S Pferdedecken etc. etc. unterm 2" us Rostenpreise schleunigst aus- "" verkauft werden. 8604L* G. Littmann's Special Geschäft, � Landsbergerstr. 97 pari. Sonntags 3— 10 u, 12— 2 Uhr geöffneT t« i 1 i MttWW-BlM„Bllh" I. Landsbergerstr 70 (am Alexanderplatz), II. Eharlottenbnrg, Kaiser Friedrichsir. Sir. 52, am Vahnho', Zpezialgeschäft für Kinderwagen, Kindcrbcttstcllcn, .c» Puppenwagen. Olrosiart. Ausw. Billiger wie jede Konk., da keine» Laden. Auch Theil- zahlung IM. wöchentlich. Katalog franko . Noack's Konzert- nnd Gesellscliafts-Säle, Krunnenstr. 10. 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Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Drechsler und Bürstenmacher sind besonders eingeladen. Die Drtsverwaltung. Referent 78/17 Carl Schindler Chausseestr. 55 Empfehle alten Ltr.-FlaschelM. Liköro, Cognac, + !, Rum, Amt III 8917. Nordhäuser 5 Fl. 4,80 M. üm, Uugarwein etc. ! BCistenmacheis Wtilttg! Montag, de» 11. November, abends S'/ä Uhr: Gtmal-UerfWMW im Lokale des Herrn Joel, Andreasstraße 21, Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Wahl der ausgelooste» VorstandZ- Mitglieder. 3. Vereinsangelegenheiten. 94/12 Bnü kr gesellige!! Arbeitmermle Verlitls il»� lltilgegenh. Erperimental-Uortrag am Sonntag, den 17. Rovernber, vorm. 10 Uhr, A»»n«»Kr. 10. flii.seroxt!?? Ausnahme neuer Vereine, Bundesangelegenheiten und 53/5 Neserent: Fragekasten. Oranien-KaUen und Festsäle Orauienstrafse Nr. 51, am Moritzplatz. Empfehle meine renovirte» Säle zu Hochzeiten, Versammlungen, Kränzchen. Weißbier, Münch. Bürger-Bräu, hiesiges Bier, Brauerei Earlsberg-Eharlottenburg Uereistishan», Waidrmorstraße 75. Uestanrant � I! II« ll V?(Speisen ä la carte) mit Billard und Regelbahn. Saal W«»*(50ü Personen fassend) und Vereinszfmmer zu Versammlungen und Festlichkeiten. WM" Irden Sonntag: Grosser Ball"VL bei guter Musik. Anfang 4 Uhr. s3481I.'j Hermann BrOder. Kaiser Wilhelmstraße 18 M, 2. Eiug. Grenadierstraße 38. "'S?,?, I'ag.w'r" SmiMluiiis I» iiftnelitii. Joseph Wiedemann, empfiehlt sei» Restaurant nebst Destillation it. gr. Urrrinszimmer. _ Jeden Sonntag: Musikalische Abeudunterhaitung.(346621,' k. kllSlle(Seeleld) Fortuna-Säle, Straußbergerstr. 3. Inhaber:«. Birk. 33498* «Sonutagg: Grosser Ball. Dounerftags: Damen-Kränzchen. Außerdem empfehle meine Säle zu Uersammlnugen und Vergnügungen. Kleiner Saat(40—70 Personen) noch einige Tage an Vereine zu vergeben „Märkischer Hof", Admiraistv. 18 o. Jeden Sonntag im prachtv. Spiegelsaal: Grosser f Festbali. Anfang 4 Uhr.— Ende 2 Uhr.— Große Hörn« und Streichmusik.— Empfehle meine beiden Säle zu allen Festlichketten und Versammlungen. Mehrere Vereinszimmer mit Piano und zwei Kegelbahnen sind noch frei. Die Urstauvationsränme st ehe» den geehrte» Familie» Sonntag« zur Verfügung. frAnke's Volkskaffee und Speisehau s» Gr. Frankfnrterstr. 73, an der Kaiserstraße. Siiliger Mittag«- nnd Abendtifch. Größte Aus- ivahl äußerst schmackhaft bereiteter Speisen; täglich 8—10 verschiedene Gerichte von 10—80 Pf. Kier, �/w 10 Pf., 2/io 5 Pf. ans der Brauerei Reiohenkron. VolKskniffee«. Spoifell«llo Roseuthalerstratze CO, Ecke Steiustratze. 3121L* Größte Ausivahl höchst sauber und schmackhaft bereiteter Speisen. Täglich 3 bis 10 Gerichte im Preise von 10 bis 30 Pf. Buge» Schultz. Brauern- Ausschank Stralau. Mn Smtiig: Großer Kali. 3442L* Kaifohenn. Restaurant Ravenstein bei Friedrichshagen empfiehlt sich Vereinen und Gesellschaften. s3386L'j F. Kautsch. AjjMlck W. Gaerisch's NtKliilraiit empfiehl! den Vereinen und Gesellschaften sei» 3335L* Weist- und Bairischbier- Lokal zur gefällige» Beuntzuttg. Lönsnick Gasthof„zum goldenen Hirsch empfiehlt sein Weiß- und Bairisch Bierlokal // 3334L* Frirdriihohageurrstr.|tr. 1, A. Palbritz. C. Bolzmanu's Gesellschafts- Säle, Lichtrubrrgerstr. KS. Lleu renovirte Säle nrit Bühne für 20—500 Pers. Tanzunterr. j. Sonntag v. 4-6 U. nachm., Donnerstag v. 3-ll U. abds. Jeden Sonntag Laii. Montags Frei-Theatervorstellnng. 3150L Mriottkilbiirg. Weist- und K a i r i s ii»- K i e r. Rräitiger Prühstück-, Litiag und Rdendüech. Zabstellen des WaHlvereins, der Bau- Handwerker-Krankenkasse, des Deutschen Metallarbeiter-VerbnndeS u. des Vereins deutscher Schuhmacher bei v. Beyer, Lveillstv. 96» _ Billard, Kegelbahn. 0�- Bereinszimmer noch frei.-WUs Jeden Sonntag: sll26b ülusilillliselie /ldeuänuterliallniix ßesellschaftslians 35» Swinemünderstrasse 35. Scilfii Soniltag: Gr. Kall. Einige Sonnabende sind noch an Vereine zu vergeben. _____ Hübner. Wo speisen Sie' Pominersche Küche Oranienstr. 181. Mittag mit Bie 50 Pf. Gr. Aus- wähl. Abendessen von 30 Pf. an. Sonnabend u. Sonntag: Gänsebraten. F. Nagels Festsäle, Schwedterstr. 23(24. Gr. Saal mit Biiliue(400 Pers.) Kl. Saal mit Bülme(200 Pers.) Kleine und g roste Vereinoziinmcr. IL Wahlkreis. AZeuk Abvttd 6 Mhv bei Zubeil, Lindenstr. j_06: Leffentliche Versammlung. Bockllg Ks Ceiisjjtit Fritz Hansen. : Gemnthliches Keisammensein. 210/19 v. Wahlkreis. DottnevflnA» 14. Novbv.. erbeuds 8 Mhv: Deffentl. Partei-Versammlnng im Alte» Schützenhanse, Zinienstraße 3. TageZ-Ordiiluig: 1. Diskussion über dru Kericht des Detegirten vom Krestaner Dnrtritug. 2. Wahl der Revisoren. 3. Verschiedenes- Zahlreiches Erscheine» erwarten 217/2 Die Vertrauenspersonen. Achtung! Moabit. Achtung! mr Gvo�e öffentliche im Volks Versammlung mu Molltag, 11. Nov., abends 8Uhr, inderXrollelldrAaerei, Alt-Monbit 47/49. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Rfilkslen Liebknecht über: Die Hetze gegen die Sozialdemokratie. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes Zahlreiches Erscheinen erwünscht. 219/6 Der Uertranensmann. Achtung! Achtung! FaiteiZenossen cker Lekönliauser Vorstackt. Montag, den 11. November 1895, abends 8'/, Uhr, im Vevlinev VrAtee» Kastanien-Allee 6— 9: (I9IIU9IU4 Tages-Ordnung: 219/7 1. Die Stellung der Mittelschichten znr gewerkschaftlichen und politischen Bethätigung. Referent Genosse Gtto Schmidt. 2. Diskussion. Zahlreiche Betheilignng der Parteigenossen erwartet Der Einl> erufer. SoziAldrntokvntifrkev DigitAltionsklubl für von Osten Weelins. Sonntag, dcu 19. November, abends G'/s Uhr: Zmi össentlilhe VerslliilmlNilelt sßr Miiluier uill> Zrinle». Tages-Ordnung: In tUbrecht'. Salon, Meinelerstraße 67. Referent Genosse Dr. JoSI über:„Die Ergebnisse der inodernen Forschung." Diskussion. engli.chei- Karten, Alexanderstr. 27o. Referentin Genossin Frl. Saaltei- über:„Welche Pflichten Hat die Frau als die natürliche Erzieherin der Jugend." Diskussion. Nachdem: Geselliges Beisammensein und Tanz. 12g0b Lnti-ee 10 Pf."Wtt Sozialdemokratischer Wahlverein für den 2. Berliner Reichstags-Wahlkreis Versammlung am Mittwoch, den 13. November, abends SVe Uhr, im Lokal ,,Ktimoshcf", Bülowstraße 37. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Genosse» Max Schippel über: Agrarkrisis und Bauernbeivegung. 1. Die Landwirthschaft und Farmerbewegnng in Amerika. 2. Diskussion. 3. Event. Fragen. 233/10»er Veretanel. Sozmldemohrati scher Wahl verein fnr den 1. Kerl. Reichstags-Wahlkreis. Dienstag, den 12. November, abends 8'/- Uhr, im Lokale des Herrn Köllig, Neue Friedrichstr. 44: Cieneral- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Di» Agrarfrage nnd ihre Behandlung auf dem Krevlaner Darteitagr. Referent: J. Timm. 2. Diskussion. 3. Bericht des Vor- standes und Kassirers. 4. Neuwahl des Vorstandes, b. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 236/6' Den Vorstand. Sozialdemokratischer Wahwerem fnr den 6. Kerl. Ueichstags-Wahlkreis. Dienstag, den IS. November, abends Uhr, ) im Saale des Herrn.lennich(früher Kehlitz), Bergstraße Nr. 12; WM" Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen W. Pfannkuch über:„Die Entwickelung der Sozialdemokratie und die Zersetzung der bürgerlichen Parteien." 2. Dis- kussion. 3. Verschiedenes. 246/20 Gäste Willkommen. Um zahlreichen Besuch bittet Der Dorstand. Den Ulitgliedern zur Nachricht, daß die DrotokoU« von» Drestauer Parteitag»»entgeltlich von den beir. Bezirksführeru verlheill werden. Auch sind zu de» Alrania-Uorltellnugri» am I., 3. nnd 15. Dezember Billets k 60 Pf. bei sämuitlicheu Bezirks- und Abiheilungsführern zu beziehen. Mvbtung� Hobätte»Arbeiter I Sonnabend, den Ä3. Povember 1890 findet in ädert's Festsälen (Neues Klubhaus) Uommandantenstraße 72(Ecke Beuthsiraße) ein 0� Tanz-Kränzchen stall, arrangirt von»„Verein der Schüstebranche". LiUeis sind beim Vorstand, sowie im Vereinslokale, Rosenthaler- straße 57, zu haben. 173/10 Große öffentliche Versammlimg oller in der Niitlniuill rie beschäst. Weiter u. Weiteriiuwi am Montag, den 11. November 1895, abends 8 Uhr, im großen Saale des Lödwiseliell LrandauLes, Landsberger Allee 11—13. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten£. Wurm über:„Kapital nnd Arbeit." L. Diskussion. 3. Verschiedenes..... Da auch diese Versammlung den Zweck hat, sämmtliche Kollegen und Kolleginnen zu verermgen, so»rächen wir es den organisirten Kollegen zur Pflicht, dafür Sorge zu tragen, daß alle in dieser Versammlung erscheinen. Ausnahmen können in dieser Versammlung angemeldet werden. Ter Einbernfcr. Aljtlillg! Montag, II. d. M., abends LVe Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29(oberer Saal): Crkiiei'al-Versaninilung des Vereins der Interesse» Tages- 1. Vortrag. 2. tuten- Aeuderung. 5. Vorstandswabl. Um zahlreiches 175/6 zur Wahrung der Ttockarbeiter. Ordnung: Diskussion. 3. Sta- 4. Abrechnungen. 6. Verschiedenes. Erscheinen ersucht Der Vorstand Kürschner. Montag, den 11. November 1893, abends 8V-> Uhr, Mitglieder-BttstMlUlg im Restaurant Feindt, Weiustr. 11. Vortrag. 93/7 Die Ortsverwailung- W-KrllnkeMe her Schchncher ll. lieriv. toerbe. Montag, den II. d. M, abends 8 Uhr, Mitglieder-Versammlung Anneustr. 16 im Lokal Bcrgner. Tagesordnung: Ergänzungswahl von 71 Vertretern. Quittungsbuch legiumirt. Ferner findet in demselben Lokale am 13. Nov., abends 7 Uhr 1240b Versaminlnug von Vertretern der Arbeitgeber. statt. Tagesordnung: Wahl znr Prü- fung der Jahresrechnung. 1. Wahl v. 3 Vorstandsmitgl. Hieraus v. 8 Uhr ab: Versammlung der Vertreter der Kasscninitglicder. T.- O.: 1. Wahl zur Prüfung der Jahresrechnung. 2. Wahl von 6 Vorstandsmitgliedern. Zur gemeinschaftlichen Verhandlung stehen auf Tagesordnung: I. Statuten- änderung(ss 12. 19. 37. 40). 2. Be- schlußsassuug über Liquidation laut Z 53 des Statuts. 3. Verschiedenes. Vertreter- karte legilimirt. Der Vorstand. Zelltrlll-Arailkell-ll.TterbtW der Tischler lt. (Eingeschr. Hilfskasse Nr. 3 Hamburg.) Dertl. Verwaltung Berlin G. Montag, den 11. November, abends 8�2 Uhr: Mitgliederversammlung. ,ini Saale des Herrn Wllke, Audreasslr. 26. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 3. Quartal. 2. Verschiedenes. Die Sprechstunden finden an diesem Abend nicht statt. Um rechtzahlreiches Erscheinen ersucht 134/6_ Die Ortsverwaltung. Eine hiesige leistungsfähige Lager. bier-Brauerei ivill noch gute größere R e st a u r a t e u r e, Destillat e u r e und Schankrvirthe zu Kunden durch Gewährung baarer Darlehen nnd Jnventaricn erwerben und er sucht, schriftliche Anträge unter Dis� kretion vertrauensvoll unter Chiffre Y. 10 an die Expedition des„Vor- wärts", Berlin, Bcuthstr. 3, zu richten. Es erfolgt schnellste Erledigung. ■—■mmm— iiwiniffi ir De» Genossen von Friedenau und Umgegend die ergebene Mitthcilung, daß ich die erste Friedcnaucr Stiefel- Klinik übernommen habe. 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Wenig gebrauchte Möbel zu halben Preisen und sollte es niemand versäumen, der gut und reell laufen will, mein großes Lager zu besichtige». Äe- laufte Möbel werden drei Monat losten- frei aufbewahrt, transportirr nnd aufgestellt. SchÜtzenstr. 2, Ulöbelfabrik. All alle Hungernden und Frierenden� an alle Arbeitslosen! Deffentliche Versammlung fixv Isenuen und ZMiinner. Auch eine Predigt, aber eine Predigt mit freier Diskussion hält Kandidat TlieeiZar v. Wächter am Montag, den 11. November, abends 8 Uhr, in Louis Keller's Festsälen, O. Koppenstraste 29 über:„Die sozialen Forderungen»vahrc» Christcnthnms gegenüber den von der rechtgläubigen, ehrbaren und besitzenden Welt Ausgeschlossenen." Dnentgehlicber Ausschank von Kaffee mit Backwerk an jedermann. Der Ginberuser. Theodor v- Wächter, N., Hussitenslr. 21. Bwui gvotze öffentl. Uersammlmrgen alle»* im HünklS- li. TmöMt-MerbebeMigtel! ßilssttbeittk. 1. Schönebevq. Soinitag', den 10. Novbr., nachm. 5 Uhr, bei vkst, Grunewaldstr. 110. Tagesordnung: 1. Die Lage der Handels-Hilssarbeiter und wie schassen wir Abhilfe? Referent: Gsmald Schumann. 2. Diskussion. 2. Chsrlobtenburg. Somitag, den 10. November, nachm. 6 Uhr, in Lismarefcsdolie, Wilmersdorferstraße. Tagesordnung: 1. Die Ursachen der wirthschaftlichen Krisen im Handels- gewerbe mit besonderer Berücksichtigung unseres Berufes. Ref.: E. Ka stier. 2. Diskussion. 75/10 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Her Einheruler, -ttckzkttltg! Achtung! t glche öfftiltlilhe Nelillilluililiige» der in der Damen- u. Kinder-Konfektionsbranche beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und Umgegend sowie Kiialer, Stepprr n. Stepperinnen, Mäntel-, Klausen-, Unter- röche-, Damen- und Knabenkostnm- Arbeiterin«»« Montag, dru 11. November, abends 8'/2 Uhr, Swincmünderstr. Nr. 35. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Bollmann über:„Glaube nnd Vernunft". 2. Diskussion. 3. Ergänzungswahl der Agitationskommission. 4. Die Miß» stände in verschiedenen Werkstuben. 5. Verschiedenes. Dienstas, den IS. Uavember 18SS, abends 8'/- Uhr, in �oel's Salon, Andreaostr aste Äl. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Hoflmann über: Glaube und Vernunft. 2. Diskussion. 3. Wie stellen sich die in der Damen- und Kiiider-Koiifektionsbranche beschäftigten Arbeiter und Zlrbciterinnen zu der Be- schickung der Konferenz in Erfurt, resp. Wahl der Delegirlen zu derselben? 4. Wahl der Gewerkschafts-Delegirten. 5. Bericht ans der Betriebswerkslelle von Bartmann. 6. Verschiedenes.— Um zahlreiches Erscheinen bittet Die Agitations-Kommission 58/2 der in der Jamr» nnd üindrr- Kpnfcktionvbranche beschäftigten Arbeiter und Arbriterinne»._ Große öffentliche Uersammlnng siimtlichtr Mitglithtr her Ll'tg-Klailkellklljse sür hie Wäschefabrikation am Montag, den 11. November, abends 8 Uhr, im große« Saale der Brauerei F r i c d r i ch s h a i» (Am Kö»io»thor.) Tages-Ordnung: 1. lüiU'um werde» die ilteiträge erhöht? Ref.: Ililöhring. 2. Diskussion. 3. Verschiedene Kassenangelegenheiten. Also nochmals! Kein Ulitglird darf fehlen!!! 251/2 Der Linheruler. Dienstag, den 12. November, abends 8'/- Uhr: Große öffentliche Versammlung s ä m ni t l i ch e r der in �uvhhlnsßKrslSn, tUImin-, Karton-, Kontobuch-, Leder- u. Galanteriewaaren- u. Luxnspapier-Fabriken bescü. Arbeiter u. Arbeiterinnen im„Louisenstädt. Konzertlians", Alte Jakobstr. 37. Tages-Ordnung: l. Die Ethik der heutige» Gesellschaft. Ref.: Gen. Id.«etsner. 2. Diskussion-. 3. Die Mißstände in unseren Berufen nnd deren Beseitigung. 4. Verschiedenes. 24 6 Um zahlreiches Erscheinen ersuchen Die Derl ranenspersonen. A-chkung! Nchtuttg! FettettlMner nlid Berufsgenossen. Ulontag, den 11. Uovember, abends 8V2 Uhr. bei S c h ä p a, Kochplast-Kasiu», Grrillitstr. 10. Große öffentliche Versammlung Tages-Ordnung: 1. Die wirthschaslliche Lage der Feilenhauer und Berufsgenossen und welche Schritte gedenken wir zu unternehmen. 2. Diskussion. 116/9 Es ist Pflicht aller Kollegen, ,u erscheinen. Der Einberufer. RimiH öäll»» vorzügl. u. Garantie, schmerzl.. Zahnschmerz beseitigt, schmerz- elllll|(i. ,sItiIlN, loses Zahnziehen. Theilzahlung. Geldstein, Oranienstr. 123 Verantwortlicher Redakteur: Fritz Knurrt, Schöneberg-Berlin. Für de» Jnseratentheil verantwortlich: Th. Eilorke in Berlin. Druck nnd Verlag von Max Vading in Berlin.