Morgenausgabe JIM 07 A54 45. Jahrgang Wöch«Mich 70 monaMch 8,— Tl. im voraus ahkbar. Postbezug 8,72 9L «wjchj. Destellgelli. Luslandsadonns« «mü ÜLO M pro Mon«. Der„SorwÄrtt* erlcheim wvchentSg» lich zweimal. Sonntags und Montaas einmal, die Abendausgaben für Beritn a?.d im fwrnbel mit dem Titel„tJu Abend Illustrierte Beilagen.Volt und Zeit� und �inderlreund- Ferner „Unterhaltung und Wissen-.„Frauen- jt'mme-..Technik- Blick in die Bücherwelt- und.Sugend-vorwörrs- IT* ZZerlincr VottSblait Sonnabend I. Mdrj 1925 Groß-Äertin 10 Pt- Auswärts 15 pi Wt»miy«nifhyn» *0 Plexniz ReNom»,»!. 6-»eich». «ort.Riem» Aazeig«»'»«»(«rtst* ftrutfii«ort 2& U»ni>I„ unlölhg jw»I hnofbrutflf W«n»> i»6»* mutm Wort 12 Pl»iin>« S>oupi«»l(t)«i Cinb»» krofrtl oo.» ,»w» UH Jenivalorgan der SozialdemoSvattschen Partei Deutschlands Redatlion und Cerlog: Berlin SW 68, Lindenstroße 3 Qeinlt'Kibfi: Tbnboll 293—291 loifgtamm.SH: Eozialdkmokra» Berlt» Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Vvfticheiikonioi P»l»S7LSK— va»kkm«si Bank bei Srde»«. Sngesiell«» und Beamien SaOftx. 66 Dltkon«»-SeI»ll!choN. Itpofiltitfoft» Lindenf» 8 ———— Die Aussperrung beginnt! Verhandlungen in der Metallindustrie gescheitert/ Arbeiter steht zur Organisation! Räch zehnstündige« Verhandlungen vor de« Ber- liner Schlichtungsausschuh ist der letzte«iuigungsversuch vor der Stillegung der Metallindustrie al8 geschei» tert erklärt worden. Nachdem bereits am Tonnerstag abend etwa 100 Mann der Belegschaft des Werner- Werks von Siemens entlassen wurden, wird es heute in den bestreikten Betrieben zu Entlassungen in grohem Umfange kommen, die, je nach der tech- «ischen Lage der Betriebe, am Montag fortgesetzt werden. * Der Ausgang der Verhandlungen vor dem Schlichtung»- ausschuß war vorauszusehen. Der verband Berliner Metall- industrieller l e h n r grundsätzlich die Festlegung von Tarif- löhnen für die Facharbeiter ab. In der Berliner Metall- industrie ist die Akkordarbeit die Regel. Bei der fortschrei- tenden technischen Entwicklung ist e» den Unternehmern daher möglich, wenn keine festen Akkordsätze vereinbart sind, die Akkordlöhne fortgesetzt zu drücken, so daß trotz guter Konjunktur und steigernder Arbeitsintensität der Ber- dienst des Arbeiters entweder gar nicht oder nur ganz lang- fam ansteigt, hinter der Produktivität und der Arbeits- leistung zurückbleibt, und bei einem Nachlassen der Konjunktur sofort gedrückt werden kann. Der VBMI. will unbedingt freie Hand haben. dieLöhnezudrücken. Di« Gruppe der Werkzeugmacher ist im Verhältnis zur Gesamtzahl der Belegschaft nur klein; sie beträgt kaum s Prvz. der Gesamtbelegschaft. Aber auch hier wollen die maßgebenden Herren im VBMI. von ihren Grundsätzen nicht abgehen, obwohl es sich hier nicht nur um eine kleine und hoch qualifizierte Arbeitergruppe handelt, sondern auch die Akkordarbeit bei der äußersten Präzision der Arbeit fast unmöglich durchzuführen ist. Die maßgebenden Herren im VBMI. ziehen es vor. lieber d'e Betriebe ftillzu- legen, als von ihren Grundsätzen abzugehen. Die Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß ge- stalteten sich unter den obwaltenden Umständen äußerst schwierig. Zunächst versuchten die Unternehmervertreter, die Verhandlungen auf die S i e m e n»- B e t r I e b e zu be- schränken. Da aber die Arbeitervertreter erklärten, daß für sie solche Verhandlungen gegenstandslos wären, da sie nur Auftrag hätten, für die Gesamtheit der Werkzeug- macher zu verhandeln, bequemte man sich dazu, die verhand- lungen auf die Gesamtheit der Werkzeugmacher zu erweitern. Da die Unternehmer die Beseitigung der Akkordarbeit der Wertzeugmacher ablehnten, kamen die Verhandlung»- vertrete? der Werkzeugmacher den Unternehmern entgegen und schlugen vor, für die Arbeiten der Werkzeugmacher, so- weit sie im Akkord ausgeführt werden. Akkordbasen, das sind feste Atkordberechnungen. festzusetzen, wie e» in dem Lohntarif der Facharbeiter der Fall war, der bis vor vier Jahren in Kraft gewesen ist. Hier scheiterten die Verhandlungen. Die Unternehmer wollten unter keinen Umständen feste Atkordberechnungen vereinbaren, weil sie eben grundsätzlich Gegner eines Lohn- tarifs für die Facharbeiter sind. Der Vorsitzende des Schlich- tungsausschusses, der sich schon bei den letzten Verhandlungen außerstande erklärt hatte, einen Schiedsspruch zu fällen, weil die Unternehmer sich auf keinen Tarifvertrag ein- lassen wollen, beobachtete auch diesmal wieder dieselbe Haltung. So mußten die Verhandlungen scheitern. Was nun kommen wird, ist noch nicht abzusehen. Die Wertzeugmacher haben ein Recht darauf, ihre Löhne, wie as in allen Industrien üblich ist, tariflich zu verein- baren. Der verband Berliner Metalllndustrieller aber fühlt sich unter der Führung rückständiger Scharfmacher verpflichtet, gegen die Tarifverträge Krieg zu führen. Die B-rNner Metallindustrie ist äußerst gut beschäftigt. Sie hat Aufträge in Hülle iknd Fülle. Die Metallindustriellen machen Riesengewinne. Sie ziehen es aber vor. lieber die Betriebe stillzulegen und eine wirtschaftliche Kata» st r o p h e heraufzubeschwören, als dem Arbeiter zu geben. was ihm zusteht: einen Lohn, von dem er notdürftig loben kann und der ihm auch in Zeiten wirtschaftlicher Depression I sichergestellt ist. Die Situation ist ganz klar: die Feinde der Wirtschaft stehen im Unternehmerlager. Ltrich vor den Junkiionären. Oie Meia larbefter stehen zu ihrer Organ ifation. Di« zu gestern abend nach dem großen Saal dar Schultheltz» Potzenhoser-vrauerei In der Hasenheit« einberufen« Konferenz ber gesamten Funktionär« der Bctiieb« de» LDMI. wie,»inen außer- »rdenllich starten Besuch aus. Der Bevollmächtigte der Metall- arbeiter, Eemsse U r i ch, erinnerte zunächst noch einmal an di« vergeblichen Bemühungen um den Abschluß eines Lohn- larise» für die g«f a m t e n Fachardeiter der Berliner Metallindustrie und schilderte dann eingehend die einzelnen Phase» der Werkzeuginacherbewegung, von den ergebnislosen Berhandlun- gen vor dem Schlichtungsausschuß an bi» zu dem Ausbruch des Strsfts. Die vrtsverwaltung des DMB. Hab« von Deginn des Streiks an die gesamte Oeffenllichkeit nicht im unklaren darüber gelassen, daß das Ziel des Kampfe« die Beseitigung de» unhaltbsren Btkordsystems und di« ' Schaffung von MkndestkShnen für die Werkzeugmacher sei. Die Ortsverwaltung könne begreifen, daß es viele Metall- arbeiter nicht»erstehen können, warum nur einzelne De- triebe in die Bewegung einbezogen worden sind. Warum die Organisation dies« Taktik anwende, könne nicht vor aller Oestent- iichkeit erörtert werden. Darüber wird die Ortsverwalwng nach Beendigung des Kampses den Berliner Metallarbeitern Rechen- schast ableqen. Die Arbeiterschaft fei überhaupt im Rachteil, gegen- über den Unternehmern, die ihre Beschlüsse hinter verschlosf«. nen Türen fassen können. Die Organisation könne e» ab« nicht dulden, daß nebe« ihr außenstehend« unverantwortliche Kreise die Taktik de« Orgonisalion zu bestimmen versuchen. Darüber wird nach de» Kampf noch ein ernste« Wort zu reden sein. Die Organisation sei der Einladung de» Eewerberats Kirner gefulgt. weil sie immer ihre Berel twilligkeit zur friedliche« Beilegung des Konflikts betont Hab«, und schließllch auch jeder Kamps am verhandlungitssche bei- gelegt werden müsse. Urich ging dann näher auf die Berhandlungen vor dem Schlich» lung»aucschuß ein. T ewerberat Körner macht« zunächst de» De» such, zu einer BerstSniiguna bei der Firma Siemen» zu kom- men. Das wurde von der Dethandkungskonnmssian der Werkzeug» macher abgelehnt und von Ihr ganz eindeutig erklärt, daß andE« als zentrale Verhandlungen keinen Zweck hätten. Urich ließ k«n Zweifel darüber, daß, wenn die Verhandlungen noch in letzter Stunde scheitern fvWen. die Organisatte» wissen werde, wie sie den Kampf weiterzuführen habe. Mit Genugtuung Hai die'Ortsverwalwng festgestellt, daß sowohl die streikenden Werkzeugmacher von Siemens als auch die Fun-« ttarare der gesamten Streikende» sich mit der Taktik htx Lrtsverwaltung»inverstanden erklärt haben. Ms der von de? KPD. beauftragte Diskussionsredner W« ihm in die ssand gedrückte Entschließung aus den Tisch der Der« sommlungeleitung niedergelegt hatte, lehnte die Versammlung mkt erdrückender Mehrheit di« Annahme diefe» Phrosendoku» mentes ab und bekundete damst ihr Ber treue« zur Oraa« «.< f a t t» n. Attentat im Entschädigungsamt. Mit Höllenmaschine und Revolver. Gestern nachmittag feuerte im ReichsentschildigungS- amt der frühere Farmer Laugkoop auf de« stellvertretenden Präsidenten Dr. Bach mehrere Re- volverschiisse ab und versuchte vergeblich, eine Höllenmaschine zur Explosion zu bringen. Der Attentäter wurde überwältigt und der Polizei übergebe«. 9 Ueber das gestern nachmittag in Friedenau«ms den Vize- Präsidenten des Reichsentschädigungsamtes. Geh. Rat JB ach»er- übte Attentat berichten wir im lokalen Teil de» Blattes. In- dessen darf die politische Seite dieser Affäre nicht außer Betracht gelassen werden. Die Rcvolverschüsse von Friedenau werden einen starken Widerhall unter Hunderttausenden von ehemaligen Aus- lands» und Kolonialdeulschen erwecken, i�e in dem Gefühl der selbst erlebten Tragödie instinktiv ausrufen werden:„Da» Ist kein Wunder— so mußte e» einmal kommen!" Mag sein, daß der Attentäter Langkoop, ehemaliger Fanner au» Deutsch-Ostafrika, ein Derrückler ist. er gehört wohl zu den vielen Liquidationsgesckädigten, die durch die Behandlung ihrer Ansprüche zunächst zur B« rz w« i s l u n g, sodann zum Irrsinn getrieben wurden. Die Ausland»- und Kolonialdeutschen haben da» Gefühl, daß an ihnen ein Unrecht begangen wird. Diese» Unrecht ist zwar nicht größer al« da», unter dem die gewöhnlichen Infiationsopser zu leiden haben, doch ist die R e ch t» l a g e insosern ander», als da» Deutsche Reich durch den versa iller Bertrag die ausdrückliche verpflichwng übernommen hat. sie zu entschädigen. Daß«ine solche Wiedergutmachung ihrer Bermögensverluste bi» zur vollen Höhe des Bortriegswerte» nicht möglich ist, sehen wohl die allermeisten Geschädigten ein. Ihre Erbitterung rührt aber daher, daß sie an Hund-rten von Beispielen erleben mußten, wie die Schadenansprüch» der Großen viel großzügiger und vor allem viel schneller behandelt wurden al» die Forderungen der Kleinen. Während man den Angaben der großen Firmen und Gesellschusten geradezu unbesehen Glauben schenkte und Ihnen„im Interesse de» Wieder- aufhaue» der deutschen Wirtschaft" beträchtliche Vorschüsse bewilligt«. hat man jede Aufstellung der einzelnen kUlnrnn Geschädigten unter die Lupe genommen und ihnen in zahllosen Fällen die Mittel zum provisorischen Wiederaufbau ihrer Existenz ast in nur lächerliche« Ausmaße zur Verfügung gestellt. Zu diesen Sünden der Dureoukratte kam der politische Betrug durch di« Rechtsparteien hinzu. Die fchwarzweißrvte Gesinnung vieler Auslands- und Kolanialdeutschen ist bekannt. Deutschnationale, Bolkspartetler, Völkische wetteiferten nun in demagogischer Ausnutzung der Notlag« dieser Geschädigten. Aehnlich wie bei den Jnflatlonsopfern machten sie«inerfest, die Repu- b l i k für die Not und die Enttäuschungen der Liquidationsgeschä- digten verantwortlich, andererseits versprachen sie ihnen golden« Berge. Aber die Bevorzugung der großen Frrmen und Gesell« schaften ging unter der Herrschast des Bürgerblock» rücksichtsloser denn je vor sich, während man die Kleinen aus da» Schluhgesetz vertröstete. In Wirklichkeit hoben die Bürgerblvckparteien da» Schlußgesetz immer wieder hinausgezögert, weil sie Angst v»r der unvermeidlichen Enttäuschung ihrer betrogenen Anhänger haben. Ave versuche der Sozialdemokratie im Retchstog»«m»> schuß, die Vorlegung der Akten und chre Nachprüsmig durch da» sondere pprlamentarische Instanzen herbeizuführen, sind am Wider- stand der Regierungsparteien und der Behörden gescheitert. Rur in ganz wenigen Fällen konnte daher der Rachwei» unberech- tigter Forderungen und bevorzugter Genehmigungen erbracht war» den. Einer dies« Ausnahmefälle betraf— den retchfte« Mann Deutschland», nämlich den»ormaligen Kaiser: Da» ist der politische Hintergrund de» Dramas von Friedenalk, das glücklicherweise glimpflich ausgegangen ist. E« braucht nicht betont zu werden, daß wir das Lorgehen des Herr« Langkoop, der übrigen» von recht»rodkkal«r Seite fanatisiert zu sein scheint, ver» a b s ch e u e n. Don unterrichteter Seite wird un» übrigen» ver- sichert, daß der Vizepräsident Bach persönlich»in charaktervoller Mann ist, der sich bereit» vor dem Kriege al» Richter in W i n d h u k größter Beliebtheit wegen seiner Odsektiostät und Unabhängbgftst erfreute. Doch ist andererfeit» nicht zu bestreite«, daß da» RNchs- «ntschädigungsamt al» Behörde gründlich versagt hat. Das vergewaltigte Georgien. « al» Borsitzender des Deutschen Gewerkschastsoerbandes im Bezirk Essen das alles über- sehen, erfüllt mich mit tief« Trau« und schm«zstcher Besorgnis um das posttisch« Leben in Deutschland. Da« parlamentarisch. posttisch« System scheint w Deutschlaich gerade jetzt diskreditiert zu sein, wo die„Segnungen" der Rechtskoalition dem ganzen Dolke offenbar werden, llnd mein« Herren von den christlich» nationalen Gewerkschaften. an dieser Regierung, die ein Zahr lang befleht, find Sie mit beteiligt. nicht als gew«kschostllche vrganstatton, sondern durch ihre Mit- glieder, di« sie im Parlament haben. Im Zentrum, bei der Deutschen Boltspartei. bei d« Bayerischen Volkspartei und bei den Deutsch- nationalen sitzen christliche Gawerkschastl«. Ledigstch die Feststellung d« Totsach« ist hier von Bedeutung. Diese Regi«ung hat dos Vertrauen des Reichstags bekommen und sie mar damit dl« v«fastungs- mäßig« Regierung. Di« Linke de» Reichstages und auch ich standen zu ihr in ausgesprochener Opposition. Wie die Gewerkschastl« Min wohl selbst misten, entstand dies« Regierung allmählich au» ihren eigenen gewerkschaftlichen Kreisen heraus die stärkste außerparlamentarische Opposition. Daß diese Opposition al» außerparlamentarisch« Opposition bezeichnet werden muß, ist unser politisch«? Verhängnis Darin seh« ich da» Unpolitisch« der Handlungsweise der christlichen Gewerkschaften und mancher ihr« Führ«, daß sie, ausgehend oon der Beamten- befoldung, di« Recktsreglerung bekämpften, daß st« einzeln« Minist« und den Kanzl« schonungslos. Ja brutal angriff»,», daß sie aber dies« Opposition parlamentorisch Überhaupt nicht zum Ausdruck brachten. Di« Regierung blieb, obwohl die christlichen G-werkschastsführer ihr von oyßen her den Krieg ansagten. Mtt dem Betreten der Schwell« des Reichstage« verstummt« ihre gewerkschafilich« Opposition. Das ist— parlamen- tarisch gesehen«in Widerspruch In sich und auf diesen Widerspruch machte ich wiederHoll Gewerkschastl« schon vor d« BerüsseittUchurtg meines Artikel» aufmerksam. So kommt man in Deutschland politisch nicht weit«. Man kann«in» Regierung nicht von außen au» sozialen Erwögungen h«ous oder aus sozlalogischen Schitztungsinteresten heraus kritisieren und verneinen, ohne poli». tisch die Folgerungen daraus zu»iehen. Wir brauchen nicht erst auszufübren. daß die Wider- spräche tn der christlichen G-wertschaftspolitit, auf die Dr. Wirth hinweist, auch nach unserer Auffasiuno tatsSchNch be- stehen. Hier werden st» der Tat tiefste Probleme ange- rührt. Die christlichen Arbeiter sind, wenn sie einer sehr zähen und sehr energifchsn H-rrenschtcht gegenüber ihre Snteresten verteidigen wollen, auf die Zusammenarbeit mit den s a z t a l- demokratischen Arbeiter« angewiesen. Da« giü für da» Gewerkschaftliche und Soziale ebenso wie für da» Po- litische. Werden aber aus dieser unerschütterlichen Tatsache di« logischen Schlußfolgerungen gezogen, so fürchten viele christliche Gowerkschaftesührer davon eine Gefahr für da« Eigenleben der von ihnen geleiteten Organisationen. Da- he? auch die Neigung, die wir in der letzten Zeit so oft im Berliner Organ der christlichen Gewerkschaften, im „Deutschen" beobachten konnten, die Trennung im WeltanschaultHen so scharf wie möglich herauszu- stellen und aus den ältesten Jahrgängen unserer Parteivresse Beweise für die„Religionsfeindlichkeit" der Sozialdemokratie herauszudestillieren. Wirth hat vollkommen recht, wenn er demgegenüber auf das Einigende hinweist, das, wie er richtig ausführt. nicht nur im Sozialen, sondern auch tm Politischen Hegt. Denn an btf Erhaltung der Republik und de« System- der parlamentarischen Demokratie sind alle Arbeiter interessiert. Steht man von den ch?oretischen Hirnverbrannthelten der Kommunisten ab. die sich übrigens im Lauf der Zeit stark gemildert haben, so findet man. daß der Angriff aus die demokratischen Einrichtungen unseres Staatswesens eben nur von den Klassengegnern des Proletariat» aus- aeht. Und gerieten diese Einrichtungen in unmittelbare Ge- fahr, so würde sich bald herausstellen, daß sich die Arbeiter- klaffe über alle weltanschaulichen Gegensätze und theoretischen Spitzfindigkeiten hinweg zu ihrer Verteidigung zusammen- findet. Wenn man den Kommunisten den Vorwurf machen muß, daß sie durch ihr Treiben Fortschritte gefährden, dt« wir als proletarische Errungenschaften erkennen, sp gilt den christlichen Gewerkschaftsführern gegenüber der Vorwurf, den Wirtb gegen sie erhebt: der Vorwurf, durch ihr praktisch- politisches Verhalten die Gefahren für den Bestand der par- lamentarHchen Demokratie gesteigert zu haben. E? ist zu erwqrten— und zu hoffen—. daß Wirth mit seinen neuerlichen klaren Bekenntnissen einen viel stärkeren Eindruck auf die christlichen Arbeiter machen wird als mtt feinen ersten etwa« mißverständlichen und manche Angriff»- punkte bietende» Darlegung««. WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt.) Kfinigstr. 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Schulmeister Jlt. iOT* 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend- 5. Mörz 4923 Schreckenstat eines Verzweifelten. Attentatsversuch mit Höllenmaschine und Revolver. Efa»merhSrkes Vorkommnis spielte sich gestern nachmittag in den Räumen des Reichsevtschädiguogsamts in der Rheinstrabe 45/46 In Friede aou ab. Der 51 jährige Kausmann und frühere Farmer Heinrich Langkoop aus Lauensteiu In hannoner. der das Reichseotschädlguagsomt aufgesucht halte, um Ansprüche ans Entschädigung für seinen im Kriege verlorengegangenen Aus- landsbesih geltend zu machen, feuerte nach einer Auseinander- fehung mit dem ftellvertreteodeu Präsidenten des Reichsamls, den Geheimen Zustizral Dr. Vach, mehrere Schüsse aus diesen ob. die zum Glück alle ihr Ziel verfehlten. Kurz zuvor hatte Long- koop versucht, eine selbstversertigle Höllenmaschine, die 45 Pfund Spreugpulver enthielt, zur Entzündung zu bringe«. Durch einen Zufall vorsagte der Mechanismus, so dah furchtbares Unheil vermieden wurde. L. konnte von Beamten des Reich? enlschädigungsamts überwältigt und der Polizei übergeben werden. Roch im Laufe des Rochmittags wurde er einem ein- gehenden Verhör unterzogen, bei dem sich folgendes ergab: Langkoop, der im 5L Lebensjahr« steht, hat früher bessere Tage gesehen. 2 2 Jahre lang war er Besitzer einer großen Farm in Ostafrika. Der unselige Krieg vertrieb ihn von seiner Scholl« und ziemlich mittellos kehrte der Mann mit seiner Fannlie nach Deutschland zurück. L. fand in Lauenstein in Hannover als Kaufmann in der Privatinduftrie Stellung und bezog nur ein bescheidenes Gehalt. Seit acht Jahren war er un- ausgesetzt bemüht, durch das stkeichsentschädigungsamt für seinen in Oftafrika enteigneten Grundbesitz mit einer größeren Summe als der ihm zugestandenen entschüdigt bzw. abgefunden zu werden. Wiederholt hatte L. deswegen in Berlin Unterhandlungen, doch immer ohne Erfolg. Am Freitag vormittag kam er abermals aus Lauenstein noch Berlin, um, wie er bei seiner Bernehmimg aussagt«, noch einen letzten Versuch zu nwchen, Geld zu erhalten. Er«schien kurz nach 12 Uhr und sagte zum Pförtner, daß er ipzm Zlmnetdezimm-r wolle, begab sich aber in Wirklichkeit direkt in da» Zimmer Dr. Bachs» der über den Unangemeldeten Besuch aufs äußerste überrascht war. ZBs er thn zur Red« stellt«, was er wolle, erklärte de? Ein- bringling: „Ich bin der ehemalige Farmer Heinrich Langkoop. Zch gehe nicht eher an» dem Zimmer, bis Sie mir eine Entschädigung von 112000 Mark für mein« verlorengegangene Farm in Deutsch- oflasrika ansgezahll haben, weigern Sie sich, dann fetze ich «eine Höllenmaschine in Bewegung und Sie fliegen mit mir in die Cnft Zch bin jetzt so weil, dah mir alles egal ist. Außerdem habe ich auch noch einen Revoloe» bei mir!* 3« seinem Entsetzen sah Gehcimrat Bach, daß Langkoop in' der rechte» Hand ein« Schnur hielt, die in den Koffer, den er auf die Erde gesetzt hatte, führte, während fem« linke Hand tatsächlich aus der Manteltasche einen Revolver hervorzog, den er zunächst drohend auf Bach richtet«, um ihn dann wieder einzustecken. Der Geheimrat glaubt« im ersten Augenblick einen Geisteskranken vor sich zu haben und griff zum Telephon, um seine Beamten zu alarmieren. Sofort sprang aber Langkoop, ein Mami von 31 Jahren, aus und rief in drohendem Tone:„Sowie Isie einen Beamten Halen oder um Hilfe rufen, ziehe ich an der Schnur und wir fliegen beide in die Luft." Angesichts dieser stirchtbaren Drohung legte der Geheimrat den Hörer wieder auf und oersuchte nun, nachdem er seine Erregung über die für ihn so gefährliche Situation gemeistert hatte, Langkoop zu beruhigen, indem er gütlich aus ihn einsprach und so tat, als ab er auf seine Forderung eingehen wollt«. Dabei ergab sich zunächst, daߣL in Wirklichkeit früher Farmer in Deutsch» st asrika war, daß also der Beamte nicht etwa einen beliebigen Verbrecher vor sich hatte, der sich auf diese Weise Geld verschaffen wollte. Der Schaden des Farmers, der sein gesamtes Besitztum in der früheren deutschen Kolonie durch den unglücklichen Ausgang des Krieges verloren hatte, war omtlicherseits entsprechend den hierfür bestehenden Quoten auf 41 000 Mark beziffert worden und 21 Proz. dies« Summe waren an ihn k>«eiks zur Auszahlung gelangt. Die Summe von 112000 Mark, die Langkoop über das bereits Erhaltene hinaus verlangte, war augenscheinlich von ihm auf Grund einer eigenen Schadens- berechnung aufgestellt. Orei qualvolle Stunden. In dem Zimmer entspann sich nun zwischen dem Beamten und dem immer sprungbereit dasitzenden unheimlichen Gast«ine wahr- Haft dramatisch« Auseinandersetzung, die ober unter der Maske eines scheinbar alltäglichen geschäftlichen Gesprächs geführt wurde, denn alle Versuche des Geheimrats, die Aufmerksamkeit der in den Nebenzimmern sitzenden übrigen Leiter dieser Behörde zu wecken, scheiterten an der drohenden Haltung des Farmers, der die Hand nicht von der Schnur zur Höllenmaschine und vvm Revolver ließ. So kam es, daß andere Beamte und Ministerialgehilken mit Akten usw. das Zimmer des Gehcimrats Bach betraten, ohne zu ahnen, was dessen Besucher im Schilde führte. Buchstäblich drei Stunden hindurch dauerte der stille Kampf. Aus der einen Seite der Geheünrat, der verzweifelt auf ein Mittel sann, das Attentat zu ver- eiteln, auf der anderen Seite der mit kalter Entschlossenheit dasitzende .Kolonialdeutschs, der unter allen Umständen die von ihm berechnete Summe hqben wollt« und der. wie sich später zeigt«, fest entschlossen war. seine Drohung wahrzumachen. Schließlich verfiel Bach, der glücklicherweise seine Nerven behielt, auf folgenden Ausweg: Er ging zum Schein aus die Forderung Longkoops ein und erklärte, er werd« die Kasse benachricbtigen, daß sie diese Summe sofort auszu- zahlen habe. Der ehemalige Farmer glaubte diesen Worten auch und erklärte sich damit einverstanden, daß Geheimrot Bach telephonisch die Kasse verständigte, daß an Langkoop ein Scheck um» 100 000 Mark. sowie 12 000 Mark In bar auszuzahlen seien, eine im Geschäftsgang des Reichsentschädigungsomtes immerhin ungewöhnliche Maßnohme. Bach hoffi«, daß die Koste Verdacht schöpfen und sich den AbHeber des Geldes näh« ansehen werde. Der Beamte rechnete dabei auch mit der Annahme, daß der Erpresser allein zur Kasse gehen und daß es m der Zwischen.zeit gelingen werd«, ihn auf dem Korridor zu über wältigen. Es kam aber anders! Langkoop. der offenbär feine Tat von läng« Hand vorbereitet und sich alle Einzelheiten seines Pläne» zurechtgelegt hatte,«klärte nun dem Geheimrat, daß dieser ihn zur Kasse begleiten und dafür Sorge tragen müsse, daß das Geld richtig ausgezahlt werde, widrigenfalls er auch dann noch seine Drohung wahrmachen werde. Mittler- weile war es nahem 2 Ahr nachmittags geworden. Gedeimrat Bach sah ein, dah ein Zögern iu diesem Augenblick seinen Tod bedeuten könnte. Deshalb ging er auch auf diese Forderung ein und geleitete Langloop auf den Korridor, um scheinbar mit ihm die Kassenräum« aufzusuchen. Kaum halte ober der Fanner den Gang betreten, als Bach die Tür des ganz in der Nähe befindlichen Amtszimmers des Oberregieiimpsrats Ehrhardt aufriß, hineinschrie:„Weg. weg, ein Erpresser!", und dann den Gang hinunter die Flucht ergriff. Langkoop, der min erkannte, daß man ihn nur hingehalten hatte, wandte sich nun keineswegs seinerseits Zl:r Flucht, sonder» setzte dem flüchtenden Beamten nach und schoß fünfmal an» dem Revolver hinter ihm her, glücklicherweise ohne sein Opfer zu treffen. Offenbar hatte er keine weitere Kugel im Revolver, und nun griff« In der nächsten Sekunde, als er sah. daß sein An- schlag mißglückt war. zum letzten verzweiselkea Mittel: Er riß an der in den Koffer mit der Höllenmaschine führenden Schnur. in der Annahme, daß er nun mit der von ihm gehaßten Behörde in die Lust gehen werde. Aber während schon von allen Seiten auf die Schüsse und die Hilferuf« des Gehcimrats Beamte herbeistürzten, ertönte aus dem Innern des Handkoffer» nur eine schwache Detonation/ ohne daß die von dem Erpresser erwartete Explosion erfolgte. Dach selbst, der auf der Flucht ausglitt und sich dabei einige Hautabschürfungen an der Hand zuzog, stürzt« sich nun als einer der ersten auf Langkoop, den gleichzeitig die übrigen Beamten packten. Wie«in Verzweifelter wehrte sich der Mann, war aber im nächsten Augenblick überwältiai und mit schnell herbeigeschafften Stricken gefesselt. Inzwischen hatte Oberregierungsrat Ehrhardt das Ueberfallkommando verständigt, dos auch alsbald am Tatort erschien. Schon vorher konnte aber Lang- koop einem auf der Straße diensttuenden Beamten übergeben und zum 175. Polizeirevier geschassl werden, wohin auch van der Polizei unter Beobachtung der notwendigen Borsichtsmaßnahmen der Hand- kof'er mit der Höllenmaschine transportiert wurde. Die Höllenmaschine. Soweit sich bisher festsiellen ließ, hat Langkoop die Höllen- Maschine in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag in einem kleine» Berliner Hotel angefertigt, wo sr abgestiegen war. Sie war van Langkoop, der zurzeit seiner Formertätigteit m Deutsä' Ostafrika viel mit Sprengstoffen gearbeitet hatte, äußerst sinnreich konstruiert. In einem Bulkannberkofier mit Blecheinlag-?, der gut abgedichtet mar, befanden sich l5-Pfund-Pokele grobkörnige» Svrengpulver. In der einen Ecke war«ine Parabellumpistole. Modell 0S, eivgebaut. Ein« Schnur führie vom Abzug der Pistole durch den Deckel der Kiste. Unter größter Vorsicht wurde die Höllenmaschine von Sochversiändigen auseinandergenommen. Im Lau» befand sich«ine obgefchofsene Patron«. Nach dem Beivnd zu schließen, Hot Langkoop bei dem auf dem Flur«nistondenen Handgemenge die Schnur abgezogen, doch blieb die erwartete Wir- kung aus. Die Patrone wurde wobl zur Entladung gebracht, ober die herausschlagend« Flamm« bracht« das etwa« feuchte Spreng- pulver nichi zur Entzündung. Diesem Umstand ist es zu verdanken, daß. nicht«in« Anzahl Menschen�dio unsinnig« Tat. Langkoop» mit dem Leben gebüßt hohen. Die-Höllenmaschine ist von der Polizei vorlSüfig siehergestellt vwrdeiü Es ist ferner als ein Wunder zu betrachten, daß Langkoop nicht schon auf dem Wege zum Amt Unheil angerichtet Hot. Der im Innern des Koffers angebrachte Revolver war von dem Farmer sorgfällig geölt, und die leiseste Berührung an der Zugschnur genügte, um den Abschuß zu er- zeugen. Wäre die Höllenmaschine bereits in der Strahenbahn erplodiert, die der Farmer benutzt hat, hätte ein unabsehbares Unglück die Folge sein können. Die Puloermenge hätte nach den Feststellungen Sachverständiger genügt, das ganze hau» in die Luft zu sprengen.' In den späten Nachmittagsstunden wurde Langkoop in das itharitcjf i'ifcrf fft*(rsvon ntr» flElilirtc'lT Menschen, Göttern gleich... 84 j Roman von Herbert George Wells. Die Badewanne war viel flacher als eine gewöhnliche irdische Wanne; offenbar legten die Utopen keinen großen Wert darauf, sich hineinzulegen und sich dämpfen zu lassen Alle Formen waren anders, einfacher und gefälliger. Auf Erden, überlegte er, war die Kunst weit raffinierter. Der Künstler hatte eine genau begrenzte Auswahl zwischen widerspenstigen Materialien und gewissen Notwendigkeiten, so daß sein Werk einen klugen Ausgleich zwischen der Wider- spenstigkeit des Materials und dem Bedürfnis und zwischen der Eigenartigkeit des Stoffes und den ästhetischen An- sorüchen der Menschen darstellte. Wie köstlich war es zum Beispiel, wenn der irdische Tischler geschickt die Faser und den Charakter dieses oder jenes Holzes benützte. Aber hier beherrschte der Künstler das Material unbegrenzt und jenes ' Element der raffinierten Anpassung war aus seinen Werten verschwunden. Für ihn waren der Körper und die Seele des Menschen das Gegebene. Alles in diesem kleinen Raum war unscheinbar, aber vollkommen zweckmäßig— und es war schwer, es falsch zu gebrauchen. Wenn man zuviel planschte, wurde der Wasserschwall durch einen sinnvoll ton- ftruierten äußeren Rand aufgefangen. In einem Behälter neben den, Bad befand sich ein sehr großer feiner Schwamm. So tauchten also die Utopen ent- weder noch nach Schwämmen, oder sie züchteten sie und bildeten sie dazu aus(wer konnte es wissen?), freiwillig an die Oberfläche zu kommen. Als er seine Toiletteaegenstände auspackte, fiel ein Wasserglas von einem gläsernen Sims hinunter auf den Boden und zerbrach nicht. Mr. Darnstaple warf es in Erperimentier-Llmne nochmals hin und es zerbrach noch immer nicht. Ei konnte zuerst keine Wasserhähne finden, obwohl ein großes Waschbecken, ebenso wie eine Badewanne vorhanden waren. Dann entdeckte er eine Anzahl Knöpfe an den Wänden mit schwarzen Zeichen, die utovische Blichstaben sein mochten. Cr probierte. Und fand, daß sich zuerst sehr heißes und dann lehr kaltes Wasser in die Wanne ergoß, ferner eine Brause mit anscheinend seifigem warmen Wasser und andere Flüssigkeiten— eine mit Tannennadelgeruch und eine mit einem schwachen Geruch mm Chlor. Die utopischen Schrift- zeichen auf diesen Knöpfen machten ihn eine Zeit lang nach- denklich; es war die erste Schrift, die er hier sähe, es schienen Wortzeichen zu sein, aber ob sie Silben darstellten oder ob sie sehr vereinfachte Hieroglyphen waren, konnte er nicht er- raten. Dann wurde seine Aufmerksamkeit in eine andere Richtung gelenkt, denn das einzige Metall, das man in diesem Ankleideraum sehen konnte, war Gold Er bemerkte, daß eine außerordentliche Menge Gold im Zimmer war. Es war ganz in Gold gefaßt und mit Gold ausgelegt. Die sanften gelben Linien glänzten und glitzerten. Gold war offenbar billig in Utopien. Vielleicht konnten die Utopen es künstlich herstellen. Er raffte sich auf, um seine Toilette zu vollenden. Es gab keinen Spiegel im Zimmor. Aber als er etwas, was er für den Handgriff einer Schranktür hielt, ausprobierte, öffnete er einen dreiteiligen mannshohen Spiegel. Später entdeckte er, daß es in Utopien keine offenen Spiegel gab; er erfuhr, daß die Utopen es für ungehörig hielten, auf diese Weise an sich selbst erinnert zu werden. Ihre Methode war, ihr Aeußeres zu prüfen, festzustellen, daß es ganz in Ord- nuna sei, und sich dann für den Rest des Tages zu vergessen. Er stand nun da und betrachtete seinen Pyjama und sein un- rasiertes Ich mit äußerstem Mißfallen. Weshalb bevorzugten ehrbare Bürger so häßliche rvtaestreifte Pyjamas? Als er feine Nagelbürste, Zahnbürste, Rasierpinsel und Wasäihand- schuhe auspackte, schien es Ihm. als ob sie die Derbheit einer volkstümlichen Posse an sich hätten. Seine Zahnbürste war ein gan,; besonders unedles Instrument. Er wünschte jetzt, er hätte in der Drogerie bei Victoria Station eine neue ge- kauft. Und was für grausliche, verrückte Dinger seine Kleider waren. Er hatte die phantastische Jde«, die utovische Mode an» zunehmen. Aber ein Augenblick der Ueberlegung vor dem Spiegel hielt thn davor zurück. Dann erinnerte er sich, daß er ein seidenes Tennishemd und Flanellhosen eingepackt hatte. Wie wäre ez. wenn er die anzöge, ohne Kragenknopf und Schleife— und barfuß g'nge? Er musterte sei-e Füße. Als diese Füße noch auf Erden wandelten, waren sie nicht häßlich. Aber auf Erden waren sie eben verdorben worden. S. Ein besonders sauberer und strahlender Mr. Barnstaple erschien nun. weiß gekleidet, mit bloßem Hals und bloßen Füßen in der utopischen Morgenröte. Er lächelte, streckte die Anne aus und holte in der linden Luft tief Atem. Plötzlich nahm sein Gesicht einen harten und ent- schlossenen Ausdruck an. Aus einem anderen kleinen Schlafhans, keine zweihundert Pards entfernt, tauchte Pater Amerton auf. Ge- fühlsmäßig erriet Mr. Barnstaple, daß Pater Amerton be- absichtige, den gestrigen Streit zu verzeihen oder deswegen Verzeihung zu erhalten. Es wurde vom Zufall abhängen. ob er die Rolle des Angreifers oder des Opfers wählen werde; eines war sicher, daß er ein trübes Gewäsch von rührende? Seelenverwandtjchaft über die kristallene Klarheit und iielligkeit der Landschaft ausgießen werde. Em w-mi re�ts von Mr. Barnstaple und vor ihm führten breite Stufen zum See hinunter. Drei Schritte, und er sprang diese Stufen ym- unter, zwei auf einmal. Es mag eine krankhafte Einbildung gewesen sein, aber er glaubte, die Stimme Pater Amertons zu hören, der fortgesetzt„Mr. Barn— staple" rief. Mr. Barnstaple lief und lief und überquerte ein Lawinenbett auf einer Brücke, deren Bogen und eine Seite aus riesigen Quadern bestanden, und die gegen den See zu auf köstlichen Pfeilern aus prismiertcm Glos ruhte. Das von diesen Pfei- lern aufgefangene Sonnenlicht versprühte in rote, blaue und goldene Liciltstrahlen. Auf einem Rasenfleck, der mit blauem Enzian gesprenkelt war, entging er dann knapp einem Zu- sammenstoß mit Mr. Rupert Eatskill. Mr Eatsfill trug den gleichen Anzug, den er tags zuvor getragen hatte, ohne den grauen Zylinder. Er ging die Hände auf dem Rücken ver- schränkt dahin. Hallo!" sagt er,„wohin so eilig? Es scheint, daß wir als erste auf sind." „Ich sah Pater Amerton" „Das erUärt die Eile. Sie fürchten zu einem Gottes- dienst eingefangen zu werden, zu einem Matinal. einer Früh- messe, oder wie er es sonst nennt. Sehr gescheit, davon- zure-nen. Er soll für unsere Seelen beten, für mich auch." Er wartete keine Bestätigung von Mr. Barnstaple ab. sondern fuhr fort zu reden. „Sjaben Sie gut geschlafen? Wie denken Sie über die Antwort des alten Knaben auf mein« Rede. Heh? Aus- weichende Phrasen. Wenn du nicht aus noch ein weißt. beschimpfe den tlägerischen Anwalt. Wir sind nicht mit ihtn zufrieden weil wir eine schlechte Gesinnung haben." „Welchen alten Knaben meinen Sie?" „Den ehrenwerten Herrn, der nach mir gesprochen hat." (Fortjetzung folgt.) t abend btm Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Die Unter- fuchung gegen ihn wird wegen versuchten Mordes. Ber- gehen gegen das S p r e n g st o f s g« s e tz und Erpressung geführt werden. Die Sprengladung wird am heutigen Sonnabend von Sachverständigen untersucht werden. Die Persönlichkeit des Täters. Ueber die Persönlichkeit des Täters wird uns aus Lauenstein in Hannover solgendes gemeldet: Langkoop ist mit seiner Frau und mit seiner vterzehnjährizen Tochter im Sommer lölg. als er von den englischen Be- Hörden mit zahllosen Leidensgenossen von Haus und Hof vertrieben worden war, in seine alt« Heimat zurückgekehrt und wohnte in Lauenstein in einem sehr hübsche» Häuschen, das dem Arbeiter Wilkering gehört. Langkoops Erscheinung ist die eines typischen alten „Afrikaners� von mittelgroster sehniger Gestalt, hat weißes Kopfhaar und Spißbort. Sein« Gesichtszüge tragen deutlich die Spure» überflondencr Iropenkrankheilea und Strapazen. Cr er- zählt, daß er als. junger Kaufmann nach Afrika auswanderte und auf feiten der Buren im Jahre 1900 kämpft«. Seine Entschädigungsansprüche waren setzt aus 439 09 M. fixiert worden, die er icdoch nicht aus einmal ausgezahlt erhielt. Die Natenzahlungen, die ihm zugingen, im ganzen bisher etwa 9999 fielen lellwelse der Zoflalian zum Opfer. Langkoop schlug sich zeitweise als Reisender, dann wkder als Holzfäller und Gelegenheitsarbeiter durch. Auf Grund der Mit« teilungcn eines Freundes glaubt« er jetzt eine Möglichkeit zu sehen, sich mit Hilfe der enatllchen Regierung in Ab e s si n I e n anzu- siedeln. Um diesen Plan ausführen zu können, brauchte er De- wegungsgelder. Er erklärt nun, daß er Infolge des langen Wartens nervös überreizt und ergrimmt gewesen sei. Sein« vorgeschrittenen Hahr« mochten es chm zur Pflicht, so bald als möglich mit der Reu« ansiedlung anzufangen, da er später dem tropischen Klima nicht mehr genügend Widerstand leisten könne. An ein Forlkommen in Deutschland s?i für ihn nicht zu denken. Es«st nicht daran zu zweifeln, daß der langjährige Aufenthalt in den Tropen die geistigen Kräfte de» setzt 52 Jahre alten Mannes angegriffen und zeitweilig verwirrt haben. Rur so ist es zu erklären, daß er den Gedanken hegen tonnte, durch Gewalttat zu seinem Recht zu kommen. SVz Jahre Zuchihaus für den Mädchenfchauhsr Wegen Totschlagversuchs. Dl« Deweisaufnohm« in der Sä/wurgerichtsverhandlung gegen den Schänder der Mädchenehre, den Maler Fritz Peip«, zog sich bis in die späten Abendstunden hin. Für den Angeklagten ergab sich ein günstiges Moment daraus, daß er bei den Schüssen unter dem Bett hervor niemand hätte töten können, da die Kugeln höchsten« ein« Verletzung bis zum Knie verursachen konnten. Oberstaatsan- wall Tetzlaff lieh daher auch die Anklage wegen versuchten Tot- schlags fallen. Da« Schwurgericht verurteilte den Angeklagten Peipe wegen versuchten qualifizierten Tot. schlag», qualifizierten Hausfriedensbruchs, Nötigung und Notzucht zu Z Zahren 9 DIonatcn Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. Das Mitangeklagte Hausmädchen Berta O. wurde wrgen Beihilfe zum qualifizierten Hausfriedensbruch zu 4 Monaten Gefängnis verurteilr. JUichsiagsabgeordneie bei der KGN. Die Konsumgeaossenschaff als Jreundin der Landwirschast. Um den Mitgliedern de» Volkswirtschaftlichen Au». fchusse» de, Reichstag» Gelegenheit zu geben, Aufbau und Wirkung der Konsumgenossenschaften au« eigener Anschauung kennenzulernen, hat der Versitzende des Aus- fchusfes, Gencss« SImon-Franken, dl« Mitglieder zu einer Besichtigung der Konsumgenossenschaften Berlin und Umgegend geladen, die unter der fachkundigen Führung de» Mitglieds des Vorstandes Richard Schneider am Donnerstag stattgefunden hat. Deutschnaticnale, Wirischaftsparteiler, Zentrmns- vertreter und Deutsche Dolkspart« staunten doch, als sie den Riesen- bau in Lichtenberg in seiner vorbildlichen Organisation für Produk- twn wie Absatz sahen. Di« modernen großen und hellen Arbeits- räum«, in denen alles für den Eigenverbrauch des Konsumoereins hergestellt wird, Bäckerei, Schlächterei. Kaffeerösterei, die Reparatur- werlstätten, die Bade- und Umkleideräume, alles war den Herren neu und machte einen starken Eindruck. Ihre Fragen bewiesen, wie wenig st« bisher eine Vorstellung von der wahren Bedeutung der .Konsumgenossenschaft innerhalb der Wirtschaft hatten. Bei dem kurzen, einfachen Frühstück, das der Konsum seinen Gästen bot, be- tont« da» in der Arbeit für den Konsum ergraute Vorstandsmitglied Hille, wie sehr sich die Sonsumgmosienschaflen bemühten, in eng- fler Verbindung ml« den landwirlschofllichen Genossenschaften zu arbeiten, wie sie darin eine Annäherung von Stadt und Land>äh«t, zum Besten d«r Produzenten wie der Konsumenten und de» Aus- stiege der Wirtschaft im allgemeinen. Und auch Genosse Simon wies darauf hin, daß die Sensumgcnossenschasten nicht Feinde, sondern Freunde der Landwi. tschaft scien, und daß in Zusammenarbeit der industriellen und der ländlichen Bevölkerung die beste Gewähr für gegenseitiges Verstchenlernen gegeben sei. Abgeordneter Blum vom Zentrum sprach seine Anerkennung oussür da», was die Konsuingenossenschaften leisteten, und schloß mit dem Wunsch«, daß mit der Zeit auch die landwirtschaftlichen Genosienschasten die gleiche Entwicklung erreichten und die Verbindung zwischen diesen und der Konsumgenosienschaft«ine immer innigere werde. Selbstmord eineS Sechzehnjährigen. 5n der Küche der elterlichen Wohnung im Haus« Oder- bergor Straße 42 macht« gestern nachmittag während der Abwesenheit der Eltern der ISjZhrige Ardeitsbursche Heinrich N. seinem Leben durch Einatmen von Leuchtgas ein Ende. Als kurz vor 17 Uhr Familienangehörige h.'imkehrten. fanden sie In dem völlig mit Gas angefüllten Raum den Jungen be- wußtloe auf dem Boden liegend auf. Wiederbelebungs- versuche waren vergeblich. Di« nächst« Rettungsstelle stellte den Tod fest. Was den Eechzehnfährigsn dazu bestimmt hat. den Frei- tob zu suchen, ist noch ungellärt. Leitfaden fiir Arboikerbftchereien. Der Reichsausschuß für sozialistisch« Bil- dungsarbeit hat gemeinsam mit dem Beirat für da» Arbeiterbücherciwesen einen Leitsaden für Ar- beiterbüchereien herausgegeben, der eine grundlegend« Ueberstcht über den Zweck, Aufbau und die innere Einrichtung einer Arbeiterbücheret enthält. Alle Fragen des Arbeiterbüiyereiwesen» werden nach praktischen Gesichtspunkten behandelt. Der Leitfaden gibt ollen Arbelterbtbliothekaren wertvolle Anregungen und Anhaltspunkte. Die Verhältnisse In kleinen und mittleren Orten sind dabei besonder» berücksichtigt worden. Dl« 56 Seilen starte Schrift enthält u. a. als Anhang einen„Grund- stock für eine Arbeiterbücherei', der in systematischer Anordnung etwa 299 der wichtigsten Bücher verzeichnet, die in die sozialistische Bücherei hineingeh'. en. Der Leitfaden kostet im Buch- Handel l M., Organisationen erhalten bei Sammelbestellungen ent- sprehenden Rabatt. Bestellungen sind an die Parteibuchhandlungen oder an den Reichsauzschuß für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin SW 68, Lindenstraße 3. zu richten. Frauen- und Kinderschänder. Schwere Strafen für zwei Sittlichkeitsverbrecher. Der seltene Fall, daß ein Sittlichkeitsverbrecher drei Tage nach Begehung der Tal abgeurteilt wird, ist vor dem Schöffen- gericht Luckenwalde eingetreten. Seit Jahren wurden in Luckenwald« Frauen und Kinder von einem Kerl überfallen und vergowalligl. Dreimal lenkte sich der Verdacht auf den Handwerker Robert Parpart aus Luckenwalde und nach Gegenüberstellung mit den vergewaltigten Frauen, die den P. als Täter genau wiedererkennen wollten, wurde P. schon dreimal wegen Slllllchkeltsverbrechen» zu schweren Zucht- hausflrafeu verurteilt. Aeußerst grobe Prüfungen in bezug auf das Wicdererkennensoermögen der Zeugen stellte dann aber im Berufunisverfahrcn die Potsdamer Strafkammer an und JJ. wurde jedesmal wegen Mangel» an Beweise» freigesprochen. Jetzt hat man ihn aber dingfest gemacht. In der vorigen Woche wurde wieder ein Siltlicht.itsverbrcchen an einer Frau begangen. Parpart wurde an demselben Tage verhaftet, der Frau gegenüber- gest.llt. von Ihr erkannt und im beschleunigten Derfahren. ohne daß ihm eine schriftliche Anklage zugestellt wurde, nach drei Togen zu ach» Jahren Zuchthaus verurteilt. Ein zweiter Wüstling, der 2ejährige Dacharbeiter Paul M i e t h i n g au» Äürerboq wurde wegen Sltllichkeltsverbrecheus an einem neunsährlgen Schulmädchen in Luckenwald« von der Po'sdamer Str-stkammer von der Berufungsinstanz zu 19 Jahre« 4 Monaten Zuusthau» und 19 Jahren Ehrverlust oerurteilt. Der Angeklagte hatte da» Kind in geradezu bestialischer Weis« zugerichtet und«» obendrein noch mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt. Zuchthausstrafe für Spritschieber Kopp. Nach mehrwöchiger Verhandlung wurde gestern Nachmittag da» Urteil in dem Berusungsprozeß über die Spritschiebungen de» Chemikers F r a n z K o p p vor der Großen Strafkammer de» Land- gericht» ll unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Peltason gefällt Da» Schöffengericht Tempelhos hatte Kopp freigesprochen, da bisher sämtlich« Gericht« die Beurkundungen über die Vergällung», maßnahmen als interne DienstvorgäNg« und nicht als öffentliche Urkunden betrachtet haben. Inzwischen hat da» Reich»- gericht aber in mehreren neueren Entscheidungen«in für die Spritschteber und ihr« Opfer unter der Beamtenschaft unangenehm« gegenteilige Feststellung getroffen. Das gegen Kopp er- gangen« sreisprer'-end« Urteil wurde jetzt von der Strafkammer auf- gehoben. Franz Kopp wurde wegen Anstiftung zur öffent- lichen Falschbeurtundung in gewinnsüchtiger Absicht ge- maß ßZ 348 und 349 StGB, zu einer Strafe von drei Iahren Zuchthau» und 199999 Reichsmark Geldstrafe ver- urteilt Zugleich wurde gegen ihn«in Haftbefehl erlösten. Ferner wurde der Oberzollinfpektor Quehl wegen fortgesetzter Falschbeurkundung in gewinnsüchtiger Absicht, fortg» fetzten Betruges in Verbindung mit' Monopvlhehlerei und wegen aktiver Bestechung zu 1 Jahr S M o n a k« n Zuchthaus, 3 Millionen Mark Geldstrafe oder weiteren 3 Monaten Zuchthaus, 9S9 999 M. Werirrfatzstrofe oder einem weiteren Monat Zuchthaus verurteilt. Das Gericht hat jedoch einstimmig beschlosten, Quehl zu empfehlen, die Umwandlung der Zuchtbausstrofe in Gefängnis zu beantragen, und wird diesen Antrag befürworten. Ueberfüllte städtische Boniewerkschnle. Der Unterricht des Sommerhalbjahre» in der städtischen Baugewerkschule, Kursürstenstr. 141, beginnt am 2. A-"'i' dieses Jahres. Anmeldunoen für das Sommerhalbjahr 1928 sowie für Winter 1928/29 können nicht mehr ongenom« m e n irerden. Anmeldungen für später« Zeit sind u m- gehend zv bewirken. Der Baugewerklchule sind Wablk"rse mit Abendunterhaltung angegliedert, die den Awrck haben, auf die Bau- gewertsch''le vorzubereiten und jungen Bauhandwerkern Gelegen- heit zur Weiterbildung zu geben. Der Unterricht beginnt gleichfalls am 2. April dieses Jahres. Die Aufnahme zu diesen Kursen findet statt am 23., 76. und 27. März, ab 17 Uhr, im Schulhaus« Kur- fürstenstraße 141.__ .Schnleeld. Schu steoer und volkierziehong'.«egen da« Schulgeld. für die EchuKleuer! Zu dletern Thema fvrechen in öffentlicher veriammluug de«'.Sunde» EnI'chicseiier Schiilreiormer' am DienSIaa, 6. März. tS.SN Uhr. in der Aula de« Aerner-LI'menS-Real- gymnasiiim», L>obensta»ienllr.«7/48«Untergrundbihn Viltoita-Luile-Matzi. tzladlverardneler Dr. Liich Witte. Sludienrat Lyd'a Slicker und Proiestor Paul O e N r« t ch. Freie Aussprache I Jedermann eingeladen l Albrecht vürer-Gedächl, Ufrer. Am Alonlag. dem 5. Mörz, findet im Anschluß an den Dürer-Zvkl»« eine besondere festliche Beran- st a l t u n o statt, in d«r der Overniönger Mgtlbold Diller die Anlprnche de« Han- Sachs au» den Meistersingern»oilragen wird. Beg»n: 29(8) Uhr, RLckeit chule. Raelherstrah«(nahe Ltadlpart). Sintrstt iiO Pf. Au» Leonhard Frank» Roman»Das Ochsenfurther Männerquartett' las Wa ter F r a n ck zwei Abschnitte in edler Sprache und warmherziaem Miterleben. Leo L a n I a schickte dem Dortrog einig« einleitend« Worte voraus. Er kennzeichnete Leonhard Frank als den Erben deutscher Romantunft, wie sie vor Ihm von Jean Paul. Raab« und Keller gepflegt wurde. Die sehr schöne Deranstallung wurde geschmackvoll ergänzt durch Kammer- musikdorbictlmgcn. Das Aniar-Quartett svielt« Werte von Hinbemith und Dartok»Die Berliner im 19. Jahrhundert' zeichnet« Margaret« Weinberg in einem Vortrag, der hauptsächlich das geistig« und sozial« Leben Berlins zur Biedermeierzeit beleuchtets. Di« Salon? der geistvollen Jüdinnen Rohel Darnhaaen, Henriette Herz und Dorothea Deidt waren Sammelpunkte der Intellektuellen, aber auch oll derer, die irgendwie aus dem Kreise der engen bürger- lichen We t herausdrängten. Die bedeutendsten Schauspielerinnen Berlins und eine Anzahl schriftstellernder Frauen waren hier zu finden. HuN» Mendt gab in klarer Form einen Ueberblick über die Entstehung eines Reichsgefetzes. Außerordentlich wertvoll waren die Ausfühimgen Vrof. Oskar Waffenschmitts, der über den »Aufbau de- Ojper Mozarts' sprach. Der Dortragende wußte außer- ordentlich veiständlich an einer S'enenfolge aus»Figaro, Hochzeit' zu zeigen, wie Mozort mit einer Tonort eine Situation einzufangen verstand Seine Darlegungen mit ihrem Ineinandergleiten von sprachlicher und mustkaliicher Erläuterung konnten als Musterbeispiel für Borträg» ähnlicher Art dienen. Tos. !Keichsarbeitsminister zum Dergunglück Beileidstelegramm an die Vetriebsvertretuag. Reichsarbeitsminister Dr. Braun« hat an die Betrieb-« Vertretung der Zeche Ewald-Fortsetzung in Erkenschwick bei Recklinghausen telegrophierl: „Mil tiefer Erschütterung erhalle ich Kenntnis von dem schweren Unglück, das zahlreich« Ihker Kameraden dahingerafft hat. Ich spreche der gesamten Belegschaft im Nomen des Herrn Neichsprösiden- ten, der Reichsregierung und in meinem eigenen Namen das herz- lichste Delleid aus.' Der preußische Ministerpräsidenl vraun hat im Nomen der Slaatsregierung an die Zechenverwaltung und an den B et r i e b s r o t der Zeche Ewald ein in warmen Worten ge- hciltcnr» Beileidstelegramm gesandt Französisches Beileid. Der französische Minister für öffentliche Arbeiten Ta rdi eu hat aus Anlaß des Grubenunglücks in Erkenschwick an den Reichs- arbeitsminister f-igendes Deileldstelegromm gerichtet:.�ich bitte Sie, die Derstcherunz meines aufrichtigen Beileids zu dem schweren Unglück entgegenzunehmen. Die französischen Grubenbesitzer und Bergarbeiter schließen sich dieser Kundgebung an.' » Am Freitag tagte auf Zeche Ewald-Fortsetzung unter Vorsitz des MinifteiialratsHatzseid-Beilin und unM Tennahme eines Vertreters der Staatsanwal'schait in Bochum die Gruben i'n- fallkomm ission zur Feststellung der Ursach« der Seil- sahrtkatastroph». Di« Untersuchung hat ergeben, daß es�stch bei der Födermaschine zwar um eine alte Masch in« handelt, die aber noch jeder Richtung hin in Ordnung gewesen ist und den bestehenden bergpolizeilichen Dorschriften durchaus ent- sprachen hat. Die Umersuchurg zeigte ferner einwandfrei, daß weder den Fördermoschinisten noch die Zechenverwaltung oder eine der Aufsichi»-»ersonen wie auch dte Bergbehörde irgendein« Schuld an dem Ur...lück trifft. Da- Unglück ist darauf zurückzuführen daß sich b« dam fraglichen Seilfahrtszug, die A v tr i« b» s ch n e cke des Teufenzeiger» festgefressen hat, wodurch der Zeiger gegenüber dem Stande der Förderkörb« zurückgeblieben ist-nd dem Fördermaschimsten den Stand der Körbe falsch atizeigte Der Maschinist erhielt eist Kenntnis von dem geschehenen Unglück durch den furchtbaren Schlag, de» der unt« die Fangstützen geschnellte Förder* orb veruisachte.. Di« Staatsanwaltschaft hat inzwischen die Leichen zur Bestattung freigegeben. Die Beerdigung soll am«onntag «folgen. Parteinachrichten fürGroß-Verlin KWIndnnA«» lür»tele RudrU sind\*\ irAf/l stet* a»»«* flezuttitimarut verli» s«(& Cinötaitrabi 1 zjbrjgT:. H«». 2 r«»«cht», u, eicht«». 2. Brei» T-em-rteu. Montag. 5. Mär,, um 18 Uhr. i-i Trllmper. Mme- burgcr Str. Z,£ifcuno dcr>?ischSttsIeilung.— Achtung! Um 30 Uhr ebti dort Spang ber«eschästsl» ning int ben 1.«bUiIuNflJIeöww L«KU Pr.r, lauer Berg. Sonntag, 4. Mär,.» Uhr. brt Reep, canntit- kmrgei, ecke ffanbüfttoftt, tr-isen Nch all« Senossen und Fr-nnd« ber weit. üchen Echulbenxgnng zur Haneagitatuin. Pünktliches Erscheinen tst usr- 4. nrb'sf fittU Preuckauer vera.grledrichehai». fccote. fffinnoScnb, J ffiari, 10 Uhr, in Orr Spcbit on Petersburger Plap 4, Sipuna ber Btlbungs- «.*«!« Äln-etAtef. All««enosfinncn und«rnoffrn werdrn anfgeforb-rt. -(ich möglich» Mhtr-lch an OeM Arat.rlep»e» Sieschobannrie«ckm-rsbqn am Sonntag. 4. Mär,, um IS Uhr im P.Itorlagarten. Wtlhelmoaue. fu 12. p'i- j �rglib.Lanlir'H.LicktrrtrNir. Montag.«. März. lSli Uhr,«rrU. vorftanbssitzung an hrlanntee Etrlle. I 57.«ref» SIcktenberg. S-nntaa, 4. 9Sixi, 1» Ubr, Im 8rt«I. Pi«ckorert, etrala-,«otcf'lUahe,«ichthildrrooetrag!.2«ä Lord»», bei � 3 Mau» und I-i» Wert- vortragenber«lirrd««'erle.»mckl ehcnb»c. 7� '4 lelllge,«eiU-nmersein.«arte»- SN PI. sieb»och-- der«bendlastc. 3 ju, haben, wir bitten um rege«eteil gnag. heule. Sonnabend, den 3. März: *. AM.„Unfcr weg* ist»rschi-n-a. Abzuholen oom Scnossea»aeoea. Wil». iS. 51 St»Unser wr-ck fonn vom lsrnoffui«rrsstn, Putllpstr. iS», abgeholt mrrbin. Die Matin-ekartea sllr bin Sportverein mülsen umgehrich beim Grnossrn Salobi. Strphanstr. 24. abgkrkchnrt ivrebkn. 2». Abt. Die«ezfrleillhrrr mctbtn ersucht umgeh-nb.Unser weg' adzuholc» ron Wa'trr, Mrprr Str. fl. 29. AM.»Unser Weg" ist umgehenb abzuholen von Bing. Prenzlauer Allee 188. 47. Abt.»Unser Weg" ist umgehenb rom Srnosten?a-o!>I abzuholen. i«. Abt.«anlebors. Banter Abend am tO'h Übe Im Lotes 9r*t- rlsch. Torssirnhe, stcke Alt-BanUbors. Alle Eenosstnaea anb«eaoffcn soiric ssreurbe und Bciannte,.Dorwäri»-. Leser gab herzlichst ei». geladen. Morgen, Sonntag, den 4. März: M. Abt. Schrelhgewanbi»«enossen treffen stch l« Uhr pstnkMch bei«ach». tzrieden., Ecke«oopenstraße..., 44. Abt. n>4 Uhr tressen stch die ivenolsen zur tzllmoufnahm» In Alltag«. kle düng vor dem Gewerfsibastzhau». 4». Abt II Uhr llresspiinkt Abalbertbriicke UI eine« besonderen Beeanftaltuiig. Samillenm tglieber, tzreunbe»nb Bclannte bitte«itbringcn. Eialacher nzug. Dir b'tten, m rege Beteiligung. 4«. Ade. Tresspunlt niintllich II>4 Uhr vor dem«ewerksckastohau« zur lZ'lm. ausnahmc. D!e Grvolcn, d'e stch an der Matinee oo» Abolk Bot!) am 25 Mär- beteiUgen moll-n, melden stch schnellste»» beim Abtellungslelfer. »7. dl» 73. AM. ffl:refTrbsr1-6ch''BrB»nbott. Achtung, stehe Breisnachr'cht nl 74. Abt.'?«hlerborf. Die olsinnen und fbeuosten beteiligen stch an der Branzn'ederlegung des Reichsbanner». Trefspunkt l4'4 Uhr beim Sen»7ru Schnorre. >gt nub 102. Abt. Zre»to»'.?nnmschnlen>rea. 10 Uhr Im Lokal Bieler, Sicr- Häuschen. Sipung der Borstände und Bilbungsausschstst». Besprechung ber Seoering-Bunbgcbung, Maifeier usw. Niemand darf sehlen. 'h,»m Sonntag. 4. Mir,.»N-ntllche I»mma->-l» pol'tlsch« Ber'ami-laug Taqesorbnang:.Bommaualp-Iitischer Berl<»t Aber Stadt, nrd Bezlrlaveroed-eten-erlammlaag."«tserenten!«tabtaer-rd-e'ee Dern-ann Arnberg. Stadtrat«uro->orb'. Frei« Anelprach«. Lotali Bing, Dorsstr. 7. vir biitea NM mg« Jeteiligaug. Zrauenverstallungen: ZS. Abt.«chtvngl Barten ,vw.Wanberr-tt-n.Aberst' am II. Mär, stich»n haben b«! Suse, L�ppcbner Str. 7, und Megelin. Schiinlanker Str 17. Neal-Ia. t4. Abt. Bievstag, t März, siithrung durch das Gesundheitshan» B.muzkmg. Trefspuntt IZ>-i Uhr vor dem Eingang Urdanstr. 10-11. f*6* Beteiligung w rd erwünscht.— 0S. Abt Achtung, che' asstnnrnl W'r be- teiligen un» an ber srsthrnvq bnrch da» che'nnbheltshan« Bren-berg»m Dienstag, 0 März, fteffpunlt 130t Uhr vor dem Eingang Urdanstr. 1fr— U. Alle Genossinnen sind dazu»ingc laden. Ainderfreunde Groß-verNn: Brei» Breazbaea, Srnnp« Sild-st, So-ntag. 4. Mär,, K-Het nach den Eosener Bergen. Wir tresfrn, n»> m TA Uhr Eörl-Hrr Bahntos.»0 Pf und Esten mitbringen.—«rupp- ellb-vest- Sonntag. 4. März, s-hri der stung. s-Uen nach vrani-nburg. st rcsspuntt 714 Uhr Porck-, Ecke Bell-.AV anc-�StraOe. Bm'» S-'frebcrg.f t fberon: tzllmabrrb. Barstihrnng de» s im« vom §eIt!«0K In Seelomv. dazu Mi'stk und Ansprach«. vstnNli« 1014 Uhr in brr nla der Sobrn»llern.Schul«. 7,1,'ger, Eck» Eiseracker Straft»,«ivtr.«'str Btich-e IS Df.. für Erwachsrn? 43 Bs B-rte'g-rosten, Arbeiterlua-vb. Jung. soz'al stcn und«atursreunbe sind heezlichst eingeladen. Mr erwarten legen Besuch. gegen Schnupfen CrJVUWJtt Wirkung frappant! Die Gegenseite antwortet. Keudell bestätigt das Rentenbankgeschäst.— Schiele preist seine Verdienste. Au Beffinn d«r gestrigen Reichstagesitzung gab Reichsinnenminister v. Leudell sine Erklärung ab: Der Abg. Schmidt- Berlin hat gestern die ßJeschästspraxis der Noggenrentenbank kritisiert uich die Frage aufgeworfen, wer denn die Herren gewesen seien, die eine solche Geschäftspraxis geübt hätten. Dabei hat er neben zwei anderen meiner Parteifreunde auch den Reichsinnenminister v. Keudell als Aussichtsratsmitglieder genannt. Seine weiteren Ausführungen über hohe Tantiemen an vier Bor- ftandsmitglieder, die der Deutschnationalen Bolls- parte! angehören, sind vielfach so verstanden worden, als ob die drei genannten Ausstchtsratsmttgiiedxr mit den vier Dorslaiü.smit, gliedern, die im Jahre 1324 200 000 M. Tantieme bekommen haben, rdentisch wären. Demgegenüber stelle ich sest: In den Aussichtsrot der Zdo-'genrentenbank bin ich auf Wunsch meines srüheren Freun- des, des Regierungspräsidenten v. Schwerin in Frankfurt a. d. Oder, eingetreten, um die innere Kolonisation, deren Förderung satzung-gemäß der Roggenrentenbank oblag, zu unterstützen. Die jährliche AusstchtsratstantieMe hat, wie ich im Ein- vcrf ändnis mit den anderen genannten Aufsichtsratzmitgliedern mitteilen möchte, etwa Z000 Tl. jährlich betragen, wovon ein Jahr in die Inflationszeit fiel. Einen Tag noch meiner E r- nennung zum Reichs mini st er bin ich aus dem Aufsichts- rat ausgeschieden. Auch die beiden anderen Herren sind im Frühjahr 1927 ausgeschieden. Obwohl es die Oefsentlichkeit an sich nicht interessieren dürste, aber weil die Erwähnung der Aufsichts- ratctantteme ein einsettizes Bild meiner Beziehungen zur Roggen- rentenbank gibt, stelle ich serner fest, daß ich geglaubt habe, im Intereste der inneren Kolonisation einen größeren Posten Roggenrentenbriefe übernehmen zu sollen. Der mir dadurch persönlich erwachsene Schaden durch dauernde Belastung meines Besitzes übersteigt in Goldmark weit das Hundertfache der jährl'chen Aufsichtsratstantiem«.(Hört! hört! rechts, Unruhe ttnks.) Präsident Cöbc: Ein« Besprechung eine? außerhalb der Tages- ordn'Mg abgegebenen Erklärung ist nicht möglich. Eine Erwiderung muß also im Laufe der Debatte oder in einer persönlichen Be- merkung geschehen. Da» Hau« setzt dann die zweite Beratung des Haushalts de» Ministerium« für Ernährung und Landwirtschost fort. Nach längeren Ausführungen der Adgg. Cogemtua(Dnat) und Penne. mann(Z.), erklärt Reichsernährungsminister Schiele: Nicht durch Krcdiirestriklioncn und nicht durch anders Hem- «ungen darf der Wille der Landwirischaft zur Intensivierung ge- mindert werden. Die Zwlscheokredile sollen daher möglichst schnell «nd nicht durch umständlich« Verteilungsversahren au diejenigen Landwirte herangeführt werden, bei denen eine rationelle Fort. sühruag der lvirtschasl gewährleistet ist. Da mehrfach die Frage an mich gerichtet worden ist, wie ich die drei Notsonde verwenden will, werde ich zunächst etwas Grundsätzliches darüber sagen. Auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Organisation Uegen die großen Sorgen, die wir in der nach- sten Zeit zu bannen haben, denn es handelt sich hier um das Ein» bruchsgebiet der ausländischen War« in die deutschen Märkte. Heb er die besonderen Aufgaben der einzelnen Fonds will ich mich jetzt nicht äußern. Nach der preußischen Anregung können wir aber nicht verfahren. Mit einem einfachen Repartitionsgeschäft kommen wir nicht an den Urgrund der Notstände. Unser land- wirtschaftliches Genossenschastewesen ist über. organisiert. Wir besitzen oierzigtaujend Genossenschaften mit rv no dreieinhalb Millionen Mitgliedern, die in nicht weniger als 56 Genossenschastsverbänden zusammengeschlossen sind. Der kleinste Verband umfaßt fünf, der größte dreitausenbdreihundert Genossen- fchasten. Hier tu« Einhei, not.(Sehr richtigl rechts.) Die dringendsten Notstände können nur gelindert werden, wenu der vreißigmillionensonds in zweckmäßiger weise, und zwar möglichst zentral angewendet wird. Eine einfache schlüssel- mäßige Verteilung an die Länder und Provinzen» lonäs peräu würde per Saldo sür die Landwlrlschast nichts bedeuten, da sie ja in den letzten Jahren einen Verlust erlitten hat, der in die Milliarde« gehl. Deshalb dürfen wir die Mittel nicht verzetteln, sondern müssen in erster Linie die Selbsthllseorgani- jallonea voler stützen. Eine der größten Nöte liegt zurzeit auf dem Gebiete des Ab- fatze». Es kommt alle» daraus an. die Marktverhältnisse besser aus- zugestallen. Aus der anderen Seite haben wir eine Ueber- Produktion an Fleisch, Aber es gibt keine Organisation, durch die die Produktion in die richtigen Wege geleitet w'rd. Der Laniwirt hat weniger Interesse an einer cllgemeinen Preiser. höhung als an einer Stabilisierung des Preiscs und einer Aus- geglichenheit de» Preises, Diesen Dingen kann man nur beitommen durch O rg a n i so t i o n s m« t h od« n. & Der Abg. Schmidt(Soz.) fragte mich gestern, wo denn die Erfolge des Ministers seien und was er getan habe. Auf eine Apologisterung meiner Tätigkett kann ich um so mehr oerzichten. als die srüheren Jahre jedenfalls nicht dazu angetan waren, davon sprechen, daß früher mehr für die Landwirtschast getan wurde. .ch will nicht sprechen von den bescheidenen Errungenschaften aus dem Gebiete der Handelspolitik und der Wirtschaftspolittk, von der Wendung in der wirtschaftlichen Ausfassung, nicht davon, daß eine Kreditpolitik Maßnahmen getroffen habe, die wenigsiens einen ernsten Anfang bereuten, auch nicht von den Maßnahmen, die eine wichtige Selbsthilfe eingelettct haben, ober ich möchte die Frage zurückgeben: glaubt dir wozialdemo- k r o t i e mit ihrer Auffosiung gegenüber dem Gesriersieisch oaer der Zollpolitik dem deutschen Landwirt zu helfen dadurch, daß er zollfrei Gefrier sle'ttch in unbegrenzter Menge hereinlassen soll zu einem Preise von 33 bis 37 Pf. pro Pfund, während die Pro- duklisnrkosten im Lande etwa dreifach so hoch sind? oder glaubt man, durch unbegrenzte Einfuhr von Schweinen aus dem Osten der Landwirtschaft beispringen zu können? Glaubt man gegenüber den Milliardenocrlusten, die die Landwirtschaft bei der Biehzucht in den letzten Iahren erlttten hat, mit der Beschränkung der Veterinär- polizeilichen Maßnahmen das Hell für die Landwirts� st herbei- zuführen? Glaubt man helfen zu können, wenn man sich gegen Kartoffel, und Mehlzoll wehrt? Die Antwort daraus wi-d die Lont Wirtschaft bei der bevorstehenden politischen Entscheidung geben. Der Abg. Dietrich- Boden meinte, daß das Kreditproblem das Entscheidende sei und alles andere zurückstehen könne. Ich widerspreche dieser Ausfassung. Bei den Milliardenverlusten fft das Kreditproblem nur ein kleiner Ausschnitt. In der gesamten wirtschasl muh der Hebel herumaeworsen werden. dam'k der Laadwirt wieder rentable Wirtschasl führen kann. Die Sreditnotz die Preisnol. die Arbeiteraot und all da» ist dasielbe. was«vir als Wirlschajtspolillk bezeichnen. Unsere Maßnahmen können nur Erfolg haben, wann wir glelchzeikig an eine grund. legende Aeuderuvg unser« Wirtschaft denken.(Ledhafter Beifall recht?.) Ausführungen der Abgg. Hoernle(Komm.). Meyer�anirover (Wirtsch. Bgg. D.-Hann.) und Frau Dr. Luder»(Dem.) beschließen die Aussprache. In der Einzelberatung toinmt Abg. Schmidt-Berlin(Soz.) auf die Erklärung des Ministers o. Keudell zurück und stellt sest, daß er Angaben über die Tantieme des Ministers nicht gemacht habe, Er habe lediglich behauptet, daß der Vorstand der Roggenreulenbank Tanlicmeu im Umfang von 300 000 M. erhalte» habe. Da» sei da» Eulscheideude. Oie Abstimmungen. Damit schließt die Aussprache. Bor den Abstimmungen gibt� Staatssekretär Hoffmaun zu den Ansehung«""~. WW Erklärung ab. daß die Regierung diesen Anträgen nicht zustimmen Antrögen auf El von Misteln sür die kinderspeisung die Sieuerabstimmungen im Landtag. Grundvermögenssteuergesetz und Verlängerung der.HauS- zinssteuerverordnung angenommen. In der Freitagsttzung des Landtages oersuchten in der zweiten und dritten Beratung des Gesetzes über die Verlängerung des Grundvermügeassteuergesetzes bis zum 30. September 1Ö28 die Rechtsparteien den Beweis zu führen, daß das Gesetz für die iwtleidend« Londwirtschost unerträglich sei. In seiner Antwort stellte Finanzminister Dr. H ö p k e r- A f ch o s s fest, daß die Abänderungsanträge der Rechtsparteien zu. gunsten der Landwirtschaft einen Aussall von 60 bis 70 Millionen Mark verursachen würden. Dabei nahm der Minister die Gelegen- heil wahr, den Bertretern der landwirtschaftlichen Interessen eine Rechnung auszumachen über die Summen, die von Staats wegen für die Landwirtschaft ausgegeben worden sind. So betrug der Zuschuß für den Landwirtschafts- etat 1327 76 Millionen und für 1328 sind im Loranschlag dafür sogar 88 Millionen eingesetzt worden. Bon 1323 bis 1327 sind aus Anleihen für die Domänenoerwallung 20 Millionen und für die Landwirtschostsverivaltung 65 Millionen Mark gegeben und 1328 werden es noch 22 Millionen sein. Nicht mitgerechnet sind dabei die Beträge, die von der Preußenkass« zur Berfügung gestellt wurden: 40 Millionen, und eine noch in diesem Jahr« vorzunehmend« Kapitaler höhung von i 30 Millionen, die abenfalls der Landwirtschost zugute kommt. Kurz, der Minister führte den Deweis, daß kein anderer Berufsstand in Deutschland von Staats wegen so bedacht worden ist wie die Landwirtschast. Das Gesetz wurde mtl den Stimmen der Regierungsparteien gegen Rechtsparteien und Kommunisten angenommen, ebenso das Gesetz über die Berlangerungder Hauszins st euer- Verordnung. In der zwischendurch vorgenommenen Abstimmung über die zum Innenetat gestellten Anträge wurden ein« ganze Reihe sozialdemokratischer Anträge angenommen. So soll künftig die Bit- dung von Beamtenausschüssen bei der Polizei ein- heitlich vorgenommen werden und die Löschung von Disziplinar- strafen ist so zu handhaben, daß kein« Dienststell« mefzr die gelöschten Strafen feststellen kann. Angenommen wurde auch der Antrag, den Ach ist unden- Schichtwechsel bei derPolizei im Einzeldienst einzuführen. In namentlicher Abstimmung wurde dagegen der sozialdemokratisch« Antrag, daß die Polizeibeomten von den Vorgesetzten mit jzerr' anzureden sind und auf Abschaffung des„Ack,tung"-Rufen in den Unterkünften abgelehnt. In der dann noch vorgenommeneu zweiten Lesung des Justizetat» kam außer den Berichterstattern nur noch der oolkspartelliche Abgeordnet« Stendel zum Wort. könne. Der kommunistisch« M i ßt r a u e n s a nt r a g gegen den Reichsernährungsminister wird gegen Kommunisten und Sozial- deniökraten abgelehnt. Die von den bisherigen Regierungsparteien eingebracht« Ent- schllcßung. die die Reichsregierung ermächtigt, die den Winzern unmittelbar oder mittelbar gewährten Kredite je nach der Lage des Einzelfalles ganz oder teilweise niederzuschlagen, wird angenommen. Angenommen wird auch der Antrag Blum(Z.) aus Sien er- Herabsetzung für die nichtbuchsührenden Landwirte. In namentlicher Abstimmung wird mit 209 gegen 157 Stimmen die sozialdemokratisch« Entschließung abgelehnt, die die Aus- Hebung der Futter mittelzölle fordert. Angenommen werden die Zlusschußentschließungen, die im Sinne des Notprogramms eine Umschuldung und weitere Hilss- maßnahmen für die Landwirtschaft und für die Heringsfischerei fordern. In namevMcher Abstimmung wird mik 133 gegen 163 Stimmen bei 4 Enthaltungen der kommunistische und sozialdemokraklsche Aukrag abgelehnt, der ö Mlllionea sür die kinderspeisung in den Etat einstallen will. Dafür haben die Komwuuisteu, Sozialdemo- (raten und Ralionolsozlalisteu gestimmt. Ein Antrag der Bayerischen Bolkspartei fordert die Einstellung von 100000 M. in den Etat sür die technische und wisienschaftllchc Förderung des Braugewerbe». Im Hammelsprung wird dieser Antrag mit ISS gegen 117 Stimmen bei 3 Enthaltungen abgelehnt. Die auf Gefrierfleisch und Fleischelnfuhr bezüglichen Anträge werden zurückgestellt, bis die von der Regierung angekündigten Gesetzentwürfe vorliegen. Das Haus vertagt sich nach Erledigung der zweiten Beratung des Ernährungsetats um 13� Uhr auf Sonnabend. 13 Uhr. Aus der Tagesordnung steht der Etat des Reichswirtschafts. Ministerium». Vorträge, Vereine uuv Versammlungen. /yy» Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold". MMW»efchS't»«»,!»: x«rl>n s l«. Scbavianlw 37-38. So* S S*. TJTV» So»»abend, Z. Mär». adarloUe-barg: aillSsch-rung bca flarncto- _,* d.'n Paul»ehre ndi. Trrsfpuntt aller dlensrfreic» linancmi,» mit ffahnen anb«pielleute» Uhr«rcmatotiurn öilintrrdoif. Slein.dcntum. Sßefl.- 18 Uhr la Hartmanne Brauerei Arbeitsdienst; 20 Uhr M-sk-ndali. N�ncrad-a der umllea-nd-i, 0rtsv-reiiie stob eiagelabrn.— Sonata�*. MSr». Der Mr 8 Uhr angesetzte«usmarsch findet nicht statt. Sienllll». «ritz: S Uhr Laden/all-rnplatz antrete» aller radfahr'ndrn Navnrad.-n zur Pro. yjszellm: m, Trcp. I'den 2. Sonntag. Tie Omrtabtird» bleid-n gcmcinfam. Berdinderte«lamrra. den können sich auch an anderen eonntag-n beteilig:». Diese Totii ertche'nt nur einmal.— M-at-g.». Müs». Vitt», ssim-ndzug: Zugendh-Im Tieckstr. 13. Heiterer Abend, Gesang, Lieder zur� Lai t«,?«zitat�onen.� Nrruzbera: Ä Uhr "Ur-Stttzt s«str. 78. Wichtige»esprcchung für d e«or'osabrt am U. Marz,«dlershof! 1» Uhr Zusammentnnst im Zugcndheim»aonstraße. «rbetter�SIadiobaab Deutschland,,«., vrt,gr»»p« N-Ubnfl-r tot Cerni- abend, 8. März, Lokal Wollschlägcr, Adalbertstr. 21, 4. Etistungekest: n. a. Lichtbildervortrag:„Z und sunt und �Irtcttttsthofr, die lusfiae Lumpenmalcret usw., gemlttliches Belsammenscin und TUn.,. Arbeit, r�siuvhsunkharer. kommt zu unsl" greieeligtls« Gemelrd«. Tonntag U Uhr Vavpe'allee IS Bor trog S. AN?:« „Mein Slaudensbekenntnii." Harmonium:.Du bist«i««in« Blume"(Schu- mann). Gäste w'lllommen. Republitoulsch« Zlldververeislgvng. Montag, ist Uhr, Bortragsversamm- lnng Im„Alten-Aslan'et", Bndaltstr. 11. Gäste rollkommen. ....»Ms___________„..„tzWU..____.___________...._______ Ug, 6. A ao'.i Uhr, im»ereinszimmcr des Zlollendorf-tlastnos. W.«2, Uleiststr. 41dlrei,.Zu«endknrl»«! Beginn des 4. Kursusabslbnittes im Jugendheim Porckstr. 11:»Gewerkschaftliche Jugendarbeit— Gewerkschaftliche Zugenddewegung.- Beranlwortlich wr Politik: Dr.«art«eye«! Birttchakt:». ZUiRgelb-«": Gewerklchaflsbcwegung: I. Gteiner: iseuigeton: K. L. Gilchar; Lolalca und Sonftia«: Fritz Rarslödt: Antzeioen: Tb- Glocke: lei irllich in Berlin- B erlag: Borwörts-Verlag G m b H.. Berlin Driicki Borwärts-Buckdruaerel und Berlagsanlwlt Paul Eiliger u Co. Perlin 6® 68. Linbenftrage i>, vier,»? 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I. einen Bericht über die Plenarsitzung des Zlrbeiterrat» in Leningrads wo tausend Delegierte versammelt waren, die sich über die Schlamperei der Arbeiterkonsumgenossenschaften beklagten. Wir bringen folgenden wörtlichen Auszug aus diesem beochteu»werten Bericht: „Sie Konsumgenosfenschasten in Leningrad deiken nur 62 Proz. des Bedarfs der Arbeiterbevölkerimg. sie versorgen die Arbeiterschaft hauptsächlich mit Lebensmitteln. Der Bedars an Industriewaren wird nur zur Hälft« von ihnen gedeckt. Das ist ein rech. unbefriedigendes Bild, wenn man bedenkt, dotz die Konsumgenossen- schasten in bezug aus die Dersorzung mit Industriewaren fast ein« Monopolstellung geniehen. Hören wir aber die Derbrauchrr selbst, die Alcheiter an, die im Leningrader Arbeiterrat die Mißstände in den Konsumgenossen- schasten schilderten: In dem zentralen Warenhaus der Lenin- grader Konsumverein«, das da» größte und best« Warenhaue in ganz Rußland darstellt, fehlen in den Wintermonaten, trotz d:r envrmen Nachfrage, Wollsweaters. Trst jetzt, wo man an die An- schaffung der Sommerkleidung denken muß, bekommt das Lenin- grader Warenhaus die Wollwaren hevein.... Nicht besser freilich hat ein anderer Konsumverein in Leningrad, nämlich im B:zirt Naroa, gehandelt, indem er Wollsweater verkauste, die nach ein paar Tagen total entzwei gingen. Handschuhe werden in den Läden der Konsumvereine angeboten in so schlechter Qualität und ganz ungewöhnlichen Größen, daß sie unbrauchbar sind. Da« gegen bekommt der Berbraucher beim Privachändler Handschuhe besserer Qualität und preiswerter. Mit einem Wort: in den Herbst. und Wintermonaten, wo Wolltrikotagen benötigt werden, nehmen die Privachändler in der Versorgung der Leningrader Arbeiter die �rste Stell««in. Ein anderer großer Mißstand in den Konsumvereinen, auf den im Leningrader Arbeitervat besonders hingewiesen wurde, besteht in d-r völligen Mihachwag der Bedürfnisse der Verdremcher. Der chronische Mangel derjenigen Warenarten und derjenigen Größen, nach denen die meist« Nachfrag« besteht, ist zur 02�0 g< lichen Erscheinimg in der Geschäftspraxis der Konsumverein« ge- worden. Die» stößt dl« Käufer von den Konsum- läden förmlich ab. Kein« Initiative und kein Strien ist zu merken, um die Mängel der Warensortiments unserer Fabriken zu beseitigm. Man bietet uns jetzt in den Konsinnläden Konfektionsware an — bericksteten die Ardeiter. Das wäre zu begrüßen, wenn die Er- Zeugnisse entsprechender Art wären. Nun gcht man selbst hm, schickt die Frau— aber die Kleidungsstück«, die die Arbeiterfamilie braucht, sucht man vergebens. Was wird uns denn in den Kon« sumläden angeboten? Entweder Kleider mit.Dekollete-(tiefer Ausschnitt. Q. Red.) oder mit Spitze« und Bändern! Unsere Frauen brauchen aber einfache ArbeiterNeider.... Da spuckt man au» und geh« aus den Zllark«. Dort weiß der Privachändler merkwürdigerweise. was der Arbeiter braucht. Das ist«in typischer Fall für den genossenschaftlichen Handel mit Konfektionsware» überhaupt. Diel Unsinn und viele Mißstände, die zum Himmel schreien. kann man auch im Lebensmittelhandel der Konsum- läden entdecken. Infolge der nachlässigen Aufbewahrung von Gemüse verdarben in den Wintermonaten massenhaft Kohl und Kartoffeln. Teilweise werden diese Vorräte weggeschmissen, teRweis« werden sie in den genossenschaftlichen Speise hallen den Derbrauchern in verdorbenem Zustande verabreicht. Der Appa- rat der Konsumvereine kümmert sich dabei am allerwenigsten um die Interessen der Der- b r a u ch e r. In der Sitzung des Aubeiterrats wurde ferner festgestellt, daß der Zentrolrat der Leningrader Konsumverein« sich weigerte, das verdorbene Gemüse, das er an die Vezirksgenossen schasten versandie, zurückzunehmen, wodurch er die Konsumvereine z»r Ungewissen. haften Versorgung der Derbraucher direkt verleitete. Die Arbeiter beklagten sich auch über die schlechte Quals'- tat des Fleisches, das in den Konfumläden verkauft wird. Die Qualität der Waren, hieß es, verschlechtert sich zusehends auf ollen Gebieten. Dies erzeugt zusammen mit dem chronischen Warenmangel schwere Mißstände auf den Märkten und gefährdet die Versorgung der Derbraucher in einem Maße, das durch die ob- jektive Marktlage nicht gerechtfertigt erscheint.' Soweit der offizielle Bericht der„Et. Schisn' über die Geschöftspraxis„der mustergültigen' Leningrader Konsumvereine. Von dieser wenig erhebenden Wirt- lichkeit erholt man sich nur, wenn man anstatt der Sowjetpress« die malerischen Berichte in den Stalintreuen deutschen kommunistischen Zeitungen über die Wohltaten, die die Konsumvereine den russishen Arbeitern gewähren, liest. So hat z. B. die kommumstische.Volks- wacktf' in Stettin in der Nummer vom 23. Dezember ihren Lesern oerkündet, daß durch den billigen genossenschaftlichen Einkauf die Lebenshaltungskosten der russischen Arbeiter auf einen Bruchteil ihrer früheren Höhe herabgedrückt wurden. Gegenüber dieser un< wahren Behauptung ist nur dos eine wahr, daß nämlich die rufst- schen Konsumvereine durch ihre eigenartige Geschöftspraxis die Lebenshaltung der russischen Arbeiter herab- drücken. Sie sind aber auch keine freien, unabhängigen, derno- kratischen Genossenschaften, die den Berbraucher» verantwortlich sind, sondern ein bureaukratisches Anhängsel der Diktatur. Man braucht sich daher nicht zu wundern, daß„ine Konsumläden die Arbeitert äuser förmlich abstoßen', wie es in dem oben zitierten De- richt aus Leningrad so schön heißt. Wohnungsbau für kleine Leute. Zum Abschluß der preußischen Landespfandbriefansialt. Um den deutschen Wohnungsbau wäre es schlecht bestellt, be- sonders wo es sich um Kleinwohnungen handelt, wenn deren Finanzierung von den privaten Hypothekenbanken abhängen würde. An den kleinen Wohnungsbauhypotheten wird zu wenig oer- dient» die Zahl der Hypothetensucher ist zu groß, die Risiken sind dem privaten Aanktopital nicht willkommen. So trögt die dem Privattapital jeder Art verhaßt« öffentliche Hand in Deutschland die Hauptlast für die Finanzierung des Kleinwohnungs- baues, ohne daß jemals vom Privattapital dieser wirklich pro- duktionsfördernden Tätigkeit des Staates entsprechend gedacht oder gedankt würde. Zu diesen öffentlichen Banken gehört auch die erst im Jahre 1922 durch ein preußisches Gesetz geschaffene Preußische Landes- pfandbriefanstalt, deren Anteilseigner neben dem preußischen Staat Wohnungsfürsorgegesellschaften und Baugenossenschaften im ganzen Reiche sind. Daß in der Tat von diesem Institut insbesondere für den Bedarf der kleinen Leute gearbeitet wird, zeigt die statistische Feststellung für das Jahr 1927, wonach im Durchschnitt oller in diesem Jahre beliehenen Wohnungen allein 46,2 Proz. aus Lohn- und landwirtschaftliche Arbeiter kommen, 37,9 Proz. auf Beamte und Angestellte. 11 Proz. aus selbständige Handwerker und Kausleute und 4.9 Proz. auf freie Berus« und de- rufc-lvse Personen. Es ist so begreiflich, daß die Entwicklung diese, Institut» seit 1924 und besonders auch in dem guten Baujahr 1927, in dem das Reich bekanntlich einen Neuzugang an Wohnungen von 280 000 oufzuweisen hatte,»ine stürmische war. Die Zahl der gewährten Hypotheken ist in den vier Iahren von 1165 auf 8378(1926 erst 5705), die für den Wohnungsbau gewährte Darlehnssumm« von 7,1 aus 64,1 Millionen Mark(32,9 Millionen Mark) gestiegen. Di« End« 1927 lausende» langfristigen vom Reich und Preußen zur Verfügung gestellten Zwischenkredite betragen 45.8,«in- schließlich der Zwlschcntredite für Beamiensiedlung 49,2 Millionen Mark. Die Bilanzsumme hat sich gegenüber 1926 von 60,1 auf 127 Millionen erhöht, also mehr als verdoppelt. Wenn man die Zwischenkredite hinzurechnet— mit 27 876 Wohnungen— sind birher insgesamt finanziert worden 58 600 Kleinwohnungen. wobei es sich mir in seltenen Fällen um Mittelwohnungen, aber üderhoupt nicht um Grohwohnungen handelt. Obwohl e» für die preußische Landespfanddriesanstoll selbstver- ständlich ist, daß sie mit möglichst niedrigen Berwcltungskostenbei- trägen und Gewinnspannen auskommt, war auch durch die ftnanzielle Entwicklung seit 1924, trotz der durch das versagen der Reichsbank auf dem Kapitalmarkt«Ingetretenen Rückschläge, im vergangenen Jahr« recht günstig. Di« Derwaltungekosten haben sich seit 1924 bei einer fast verachtsachten Bilanzsumme nur etwa verdreifacht. Di« Reingewinn« sind von 0.16 Millionen im Jahre 1924 auf IM Millionen im Jahre 1927 erhöht(1926 0,68 Millionen), woraus mit Einschluß der diesjährigen Reservenstärtung um 275 000 M. eine ordentliche Reserve von 1.S7 Millionen gebildet und die auf 17,80 Millionen erhöhten Stammeinlagen mit de» gesetzlichen 5 Prvz. verzinst worden fint».. Es ist nur natürlich, daß dieses den Kleinwohnungsbau tat- kräftig fördernde Institut auch das Vertrauen der breiten Sparermassen genießt. Die Verwaltung konnte mitteilen, daß noch der endlich in diesem Jahre wieder eingetretenen Belebung des Kapitalmarktes sich unter den Käufern der von der Anstalt ausgegebenen Pfandbrief« besonders zahlreiche Einzelzeichnungen befunden haben. Zweckmäßig wäre es nur, wenn die rückhaltlose Publizität, mit der sich die Anstalt der Oessentlichkeit zur Verfügung stellt, auch breiteren Kreisen erreichbar würde, damit die unter Woh- nungsnot leidenden Massen erkennen, daß wirklich die ö s s e n t l i ch e Hand es ist, nicht aber das privat« Bankkapital, die um die Be- schaffung der Gelder zum Wohnungsbau ernsthaft bemüht bleibt. Ucber das Jahr 1928 tonnte auch die Preußische Landespfand- briefanstalt nur in der Richtung etwas Erfreuliche» mitteilen, als es durch den verkauf von Pfandbriefen im Inland und durch die Beteiligung— mit 12 Millionen— an der 100.Millionen.Mark. Auslandsanleihe gelungen ist, die noch nicht fundierten Wohnungs- bauten au» dem Jahr« 1927 zu finanzieren. Um so dringender bleibt für 1923 die Erschließung neuer Geldquellen, der ober leider immer noch der Wille der Reichsbank und die Un- tätigkeit der Beratungsstelle im Wege stehen. Scharfe Preissenkung für Metalle. Wachsende Bedeutung der Kartelle. Das Metallgeschäst hat sich in den letzten Wocheck wesentlich ver- schlechtert und die Umsätze sind bei allen Hauptmetallen sowohl im Verkehr zwischen Erzeuger und Handel als auch mit dem Ber- braucher zurückgegangen. Besonder» ist es die amerikanische Industrie, die wesentlich weniger Kupfer, Blei, Zink und Zinn ausnimmt als in den letzten Monaten des vergangenen Jahres. Die Konjunktur hat sich in den Bereinigten' Staaten innerhalb der letzten Zeit grundlegend verändert und von dem Geschäftsumschwung ist auch in erheblichem Maße die Metallindustrie betroffen worden. Auch in Deutschland wurde weniger gekauft und der Ar- beitskonslikt in der Metallindustrie hat sich sowohl im Metallbörsen- geschäft als auch im verkehr zwischen Erzeuger und Verbraucher aus- gewirkt. Die nachstehend ausgeführte Tabelle zeigt den Preisrück. gang während der letzten Wochen. tooftilohiwen am SO.®C5.27 W.?an'} Ai Jen?8 84. Eletkrolytkupfer 135,— 135,25 135,25 135,— TO. Blei.... 45,50 44,5» 44,50 40.—„ Zink,»»» 53,50 52,75 53,— 50,—«„ Zinn.... 584,— 506,— 517,— 470,—. Die geringste Preisveränderung ist bei Kupfer zu sehen. Ob- wohl sich das Lkupfergefchäst in den letzten Wochen sehr stark ver- schlechtert hat und auch der amerikanische Kupferprei» herunter- gesetzt worden Ist, hat das internationale K u p f e r k a r- t» l l den für Europa gültigen Preis überhaupt nicht verändert und ihn bei seinem hohen Stande belassen. Die Weltkupser- gewinnung ist im vergangenen Jahre erheblich gegenüber dem Jahre 1926 gestiegen, während der Verbrauch kaum«ine nennen»- werte Veränderung ersahreck hat. Das Kupferkartell aber hat es verstanden, ohne Rücksicht aus die Geschäftslage bei Kupfer einen sehr hohen Kur» zu hallen. Bei den Blei- und Zinkpreisen aber kommen trotz der Preissenkung die amerikanischen Erzeuger sehr gut zurecht, wormis zu ersehen ist, daß in den letzten Jahren die Preise durchweg über- teuert waren. Auf die Ueberspannung der Z i n n p r e i s e ist ja mehrfach an dieser Stelle hingewiesen worden. Der Preis von 470 M. für 100 Kilo, der am 24. Februar notiert wurde, gibt den Zinngesell- schasten noch genügend Gewinnmöglichkeiten, da sie höchstens 350 M. Kosten haben. Die Weltcrzeugung für das Jahr 1926 hat etwa 144 00V betragen. Sie wird auf 156 000 Metertonnen für das vergangene Jahr geschätzt und wird um etwa 10 000 Tonnen über dem verbrauch liegen. Es tauchten in den letzten Tagen in London wieder neu« Zusammenschlußpläne in der Zinnerzeugung auf, die sogar jetzt von' der englischen, sonst„antikartellistisch' eingestellten Regierung unterstützt werden. Der Kartellgedanke ist überhaupt in der gesamten intcrnatio- nalen Metallerzcugung in den letzten Monaten sehr gefördert war- den. Aus Angst vor Prositminderungen will man sich schnell zu- sammenschließen, um den Verbraucher unter das Prcisdiltat zu zwingen. Auch Amerika plant aus diesem Grunde eine Lockerung seiner Antitrustgesetzgebung. Ketn Konjunkturrückgang im Februar. Me preußischen Industrie- und Handelskammern zur Wirt- fchostslage. Wie das Preußische Handelsmini st erium auf Grund der Berichte der preußischen Industrie- und Handelskammern mitteill, hat sich die Wirtschaftslage im Monat Februar nur unwesent- lich verändert. Zwar hat die günstige Entwicklung des Kohlengeschäfts nachgelassen, doch ist dies bei dem Ende der kalten Jahreszeit«ine stets wiederkehrende Erscheinung. Die Zechen fanden jedoch einen Ersatz in der unvermindert starken Nachfrage nach Hvchofenkoks. Die günstig« Lage der Großeisenindustri«, über die wir bereits gestern berichteten, wird auch in den Industrie- und Handelskannner- berichten bestätigt. Die geringen Rückgänge, die hier und da im Inlaudsgeschäft zu verzeichnen sind, werden durch die zunehmende Bewegung des Exportes vollauf ausgeglichen. Co haben sich die Eisenverbände auf das Drängen der Werke hin gezwungen gesehen, die Allslandsquoten durchweg zu erhöhen. Aus der Maschiuenindustrie lauten die Meldungen ungleich, jedoch ist die Lage auch hier noch größtenteils zufriedenstellend Der Beschäftigungsgrad in der elektrotechnischen In- duftrie kann allgemein noch als gut bezeichnet werden. Dagegen hat der Konkurrenzkampf in der Automobilindustri« stärkere Form?» angenommen, und während einige Bezirke«ine starke Belebung der Verkaufstötigkeit melden, lauten die Berichte aus anderen Gegenden unbefriedigend. Im Baugewerbe und dement- sprechend auch auf dem Rundholzniarkte hat ine durch die kalte Jahreszeit oerursachte Geschäftsstille auch im Februar noch ange- hallen; doch ist im nächsten Monat mit dem Beginn der Dausaison eine Neubelebung zu erwarten. Sehr verschiedenartig wird die Lage in der Textil- industrie beurteilt. Während die Tuchindustrie, die ifchvn mit der Herstellung von Sommerware beschäftigt ist, durchweg voll zu tun hat, glauben die B a u m wo l l i n d u st ri e und der Baumwollgroßhandel bereits ein Sinken der Kaufkraft in weiten Kreisen der Bevölkerung feststellen zu können. Die Schuh- fabriken, die bereits feit Dezember mit Betriebsemfchrün- kungen eingesetzt hatten, haben auch im Februar weiterhin ziemlich bedeutend« Entlassungen von Arbeitskräften vorgenommen. Befon- ders wird in den mittel- und süddeutschen Schuhzentren ein erheb- liches Anwachsen der Arbeitslosigkeit in der Schuhindustrie gemeldet. Preußens bewegliche konjunkiurpolilik. Wie der Amtlich« Preußisch« Pressedienst mitteilt, hat das Preußisch« Staats- Ministerium beschlossen, einen Teil der kaufenden und außer- ordentlichen Baumittel für das Rechnungsjahr 1928 zur sofortigen Verfüg u ng flüssig zu machen. So ist es möglich, schon vor der Verabschiedung des Haushalts staatlich« Bauaufträge zu erteilen, wodurch der noch stilliegende Baumarkt eine starke B-- l e b u n g«rfahren-wird.— Für die Bauunterhaltung der staatlichen Hochbauden find für 1928 rund 29 Millionen Mark angesetzt und für Neubauten rund 49 Millionen Mark. Hierzu konimen noch 10 Millionen Mark zur Behebung von Bauschäden aus der Kriegs- zeit, so daß insgesamt 88 Millionen Mark in Ansatz gebracht worden sind. Buderusdioidende ans Skaatssuboenlionen. Die B u d e r» s- sch« Eisenwerte A.-G. in Wetzlcrr, eines d«r führenden Unter- nehmen im Siegerländer Erzbergbau und in der Sieger- länder Eisenoerarbeitung, nimmt nach vierjähriger Unterbrechung die Dividendenzahlung mit 5 Proz. wieder auf. Da das Aktien- kapital der Gesellschaft 26,3 Millionen Mark beträgt, wird also der Reingewinn mindestens IX Millionen betragen. Heber die Höhe der Abschreibungen und Rückstellungen ist noch nichts bekannt. Die Subventionen aus der Reichstasche, die der Siegerländer Erzbergbau jahrelang erhalten hat, sind ihm also, wie das Beispiel Buderus zeigt, gut bekommen. Der schwedisch« Zündholztrust In Estland. Zwischen der estnischen Regierung und dem schwedischen Zündholztrust ist jetzt das Abkommen unterzeichnet, nach dem die schwedische Gesellschaft das Monopol für die Dauer von 28 Jahren in Estland erhält. Es hat dafür an die estnische Regierung jährlich 7 Millionen Kronen zu zahlen. Sozialistische Arbeiterjlhgead Groß-Berlin Siaswdunam fie diese Jtatrif mir«n bat Iogendlekeeiaesai. ?ei1w(S3D68, tintoiftrale S Alsrcd Beierle spricht über»Zack London"(mit Lichtbildern) am Gonnta«, XI. Marz, im großen Lißnngssaal des Bezirksamtes«reuzberg in der Dorck- stroß« II um IS Uhr. Eintrittskarten» ZV Pf. im Zugendfekrrtariat zu haben. Heule. Sonnabend: der Schule iselzi Werbe be, Irl' rechlstr. 47. Werbe de, irl Osten»nd Lichtenberg: ! Bprortbah Wanderleiterfahrt Oderberg— Ehorin. prortbahnhof. Treffpunkt 18)4 Uhr Stettwer Morgen. Sonnlag: Sie-IAl» vi: Fahrt in» Blau«. Treffpunkt 7 Uhr«aif-r.Friedrich.Bahn � Treffpunkt f*r» flahti T tifft am Bahnhof.»» i alkplatz' II: Treffpunkt zur Fahrt nach Etrausbera 7� Uhr Bahnhof' Tchdn. auser Allee.— Tempelhof: Besuch des Aoo. Treflpunkt 8)4 Uhr Torf., Eck» Berliiur Straße. 18 Uhr Funlt'onärsihung im Heim. IS Uhr Bunter Abend.—< Zranksnrter Viertelt Treffpunkt zur Fahrt nach Itöntgswusterhauscu K Uhr Baltenplatz. Werbedezirl Osten: MSrzfeier in Her Echulaula Frankfurt er AlleTzX. Je, ginn 20 Uhr. Serdebezilk Tiergarten: Jugendheim Lehrter Str. 19. Heimabend. Werbebezirk«enkalln: Zugendheim Sanner Straß«. Sätr-Zlallwitz-Abend. Morgen veranstaltet der Ortsausschuß für Zuaendpflea« tm Saalbau Bergstraße «inen Zack-London-Abend mit Lichtbildern. Begin« laVH Uhr. Eintritt 20 Ä. Theater Lldiirpieic MW. DboIiöik Ttitaiei Norden 12310 AbonnementsbOro Norden 10338-39, Vj U« Ende nach H ZwStfXaasead Kararacrspie'.e Norden 123i0 8'< U.t Ende nach IC fllli« Sit, StZ tsaüsgce sidi riditig firtill? Die Romödie Bismarck 2414?t>It 8". u, Ende lOb, u. Marcel Fradeiln (Der Eunuch) fiejüner Mer Direktion Kuhnett. Ctuiettrulr.SI it.Düii.lli g1'. Uhr Max Adalbert als Der Herr ron... Piscatorbühna Thaatar am Nollendarfplatz Kurfürst 2091/93 Anf. 8, Ende geg. 11 Die Abealeacr des braTcn Soldaicn Sthwefk ■it Max PalltabfT) Itsc. Erna Piscattr Gastspiel Im Lssslng- Theater N'ordjCn 12799 Taelich 9 Uhr „Jlnöcnde Cniaenvöfld" von Upion Sinclair .«MMrUI-.HH«: rn.Kdnlv-rati. Si. Bergm.iMIOL R1', Ubr Flucht m Mn SP,»-, Id, fitto irr-vstr .CornftdleahAos Norden MOt 9.15—>0.40 Uhr Joknspokns von Clin Göu Verlangen Sia fOr Ihren Haushalt onaar varzOglichea Urgold HfH sehr bekommlichSB Vleberall zu haben, eventh. weisen wir Bezugsquellen nach. Anzufragen: Amt Alexander 2975 LÖWENBRAUEREI- BÖHMISCHES BRAUHAUS AKTIEN GE&ELUSCHAFT II Hl Allein• Vartrotungen Sonnab.. 3. 3 28 Sftati-Üpti Am Pl.d.Republ. 7 Uht Rosen- kavaner Juli. 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Bctrlnaanzflst 6 Äldüt SO. 1?lebdllch.iöüdd«»i1.4,8 ki 4U.H4 WJ 0/41)2 1(1:4807 333798 3)16678 16»»n.iee. tu JOUU ffl. fl/a/l 15/213 2ÜÖ84H*266070 27062 1 206334 33»'.hm 366946 20»ettäne* 10C10 9N 28i)4fl 49867 1054118 143907 146224>51447 ,62 77U 215919 24.4lii4 214821 254930 315571 3360 47.366.464 70•eio.T.nf iu 860 Jh. 4748 34747 35398 806.42 51961 66025 07867 6891 iH 91967 96642 125614 1 32 71 16 141743 142203 196086 199210 V»M<62 22 i 962 247962 274094 279661 2611822 263110 264218 266.327 3 1 3' 4)3 322222 327732 336227 356424 366597 370076 371372 372531 1065 1785 2424 1249 8626 ............ 4666 7 84067 26631 79441 30/67 8.4641 7163 8684 10240 5 /164 89500 374609 222•«Jinue«u 3>/0 OT 17187 I 7796 2601kl 26261 .................. 63676 93737 948/8 94676 99429 Im Hl I 103303 115317 115986 121224 121349 122702> 24782 >27162 1 30826 137830 136546 139920 141677 14 4710 145327 146014 146622 152856 16.8592 169067 170664 174600 178191 167108 16766« 166428 190129 19.4238 193724 198781 196783 201016 212917 218189 218865 222086 224891 234954 236072 237842 242862 24835» 268120 260752 261073 264132 26663, 274538 275242 275.820 278663 288167 267969 289963 291902 294113'294733 300331 307884 310706 311,71 316904 322431 322927 329432 332636 331804 446965 34,1584 4.1,191 341 152 342282 343806 346635 347608 368874 369127 360183 37047 370986 373793 2t.Sicbunastdfl ön der Pormttiagszirdung wurden(lkwinne 4»»nauee ,» 10OOO 9« 2/0695 273,135 über 2. Mörz istR ISO M gezogen 184518 217069 23557» 4»«»>ee« tu 6000 Jh. 98921 144654 4 tu 3000-fli 1818 5441 14«esnoa« is 2000«. 62310 127981 314)11 321609 32•»»«>«« i« 1000« 17309 J77l2 25675 28168 4646« 116664 182578 183926 244416 260064 272764 285969 310973 314523 314710 321447 rA dewnnr|e CklO des Menschen zusammensetzt, ist der Träger der Titelrolle. Und doch entsteht kein Bruch. Die Einheit des Ensembles erscheint unter diesem Regisseur gesichert. Es folgen die Neueinstudierungen von.Richard III." und von Wedekinds.Marquis von Krith". Wieder steht Kortner im Mit- tripunkt des Interesses, und sein Regisseur Leopold Ietzner be» kündet durch diese Aufführung feinen entscheidenden Willen zur Stilbühne. Er geht sogar so torit, daß er Richmond und sein« Mannen aus Steckenpferd« erscheinen lätzt, daß er Richard in der Schlachtszene den Rhythmus der Beste„Ein Pferd, ein Pserd, ein Königreich für«in Pserd" mit den Füßen stampsen läßt. Wie kannte man.Richard III." in dem atten Königlichen Schauspielhaus? Buckmgham, Lady Anna und Richard legten ihre Szenen hin mit einem Stimmenaufwand, die jedem Wagner-Interpreten Ehre machen könnt«, mit verbissenem Intrigantenlacheln oder mit der Rührungsträne beleidigter keuscher Jungfrauentugend. Jetzt steht Richard in seinem großen Anfangsmonolog auf dam Soufleurkasten. ein schwarzer Sarntvorhang schließt die Szene hinter ihm ad. Di« Worte werden mit wilder Energie herausgeschleudert. Run. .Richard III." ist ein Drama, da» jede Stilisierung verträgt. Wie steht es aber mit' dem Marquis von Krith". diese auch im Realist!» scheu verwurzelle Geschichte eines Hochstaplers? Ietzner hilft sich mit der Teilung der Bühne. Hinten spielen Körner und Lothar Müthri entschieden Sttl, vorn verläuft das reolisttsche Geschehen. Di« geschlossene Einheit von.Wilhelm Tell" und.Richard III." ist hier durchbrochen, der große künstlerisch« Gstamtrindruck ist in dieser Inszenierung bereits in Frage gestellt. Die Zeit ändert sich. An der«xpressionistischen Stilbühne, an dem extatischen Schrei findet man kein Gefallen mehr. Man strebt wieder zu einer neuen sachlichen Realistik hin, das Theater soll wieder in der Erde, im Leben verwurzelt sein. Und Ietzner Ist nicht de? Man», der sich auf einen Kunststil definitiv festlegt, der In«insin einmal gewählten Schema verkalkt. Er geht mit der Zeit mit Er löst den straffen Rhythmus seiner Inszenierung, und mit ihm wandeln sich die Schauspieler. Lahre später spielt' Kortner den Herodes unter Ietzners Regie, und auch er ist zu einem gemäßigten Realismus zurückgekehrt. Sein wilder, gepeitschter Richard scheint bei diese» Mäßigung vergessen zu sein. Es folgt eine Reihe von Inszenierungen, die teils vollendet, teils problematisch sind. �Hamlet" wird als politische Komödie aufge» zogen, zum Aerger derjenigen, die sich noch immer nicht von dem Idealbild eines Mattkowsky oder Rudolf Christians lösen können. Man tobt gegen Ietzner, gegen den Künstler, aber dos ist nicht das entscheidende. Jeder grotz« Künstler kann einmal irren, jeder geniale Theaterleiter kann einmpl in seinen Inszenierungen fehle«. kann einmal ungeeignete Drütte in'das Repertoire seiner Theater-'> einsetzen. Man qrelft nicht. Mehner, den Künstler, sondern Ietzner.» den Republikaner, den Sozialdemokraten an, und macht sich dabei restlos lächerlich, denn Inszenierungen, wie die der .Weber", beweisen immer wieder von neuem, daß hier«ine große künstlerische und menschlich« Kraft lebt, die noch lange dem Berliner Kunstleben erhalten bleiben möge. Felix Scherret. Kein Sitzenbleiben- kein Examen. Tteue Versuche der Schulreform. v-richßgnap Das Denkmal für Beethoven, über das Rod. »reuer hier gestern referierte, würde in der Ausführung nicht Figuren von neun, sondern fünf Meter Höh« ergeben. Der Fall Krantz hat die pädagogischen Problem« unserer Zeit wieder in aller Schärfe aufgezeigt und eine allseitige Diskussion über unsere Schule und ihre Methoden ausgelöst. Wenn wir dem traurigen Kapitel der„Sitzengebliebenen" hier einige Bemerkungen widitten, so geschieht es in der Erkenntnis, daß dieses gezwungene Repetieren des Klossenpensums für den nichtoersetzten Schüler un- gefähr ebensowenig leistungs- und kenntnisbessernd wirkt, wie die Zuchthausstrafe den Verbrecher bessert. In den ersten Wochen glanHen die„Sitzengebliebenen" vor den„Reuen" durch Wissen. All- mählich, ganz allmählich aber, werden sie von den jüngeren Kräften unrettbar überhott und stehen bald wieder an ihrem ollen Platz im Schallen ihrer Kenntntslosigkell. Amerika hat seit Iahren Ver- suche unternommen, durch sogenannte klassenlose Schulen. Dieser Zeit» und Krostoerschwendung für den nicht normalen(keineswegs aber immer unbegabten) Schüler zu steuern, indem jeder Schüler nicht eicker besonderen Klasse angehörte, sondern nach dem Stande seines Wissens weitergefördert wurde. War z. B. ein Kind in die Ge- schichte hervorragend begabt, so wurde es immer wieder einem fort- geschrittenen Kursus eingereiht und hatte die Möglichkeit, während der Schulzeit in srineck Spezialgebieten so viel zu lernen, wie es nur irgend lernen konnte, während in den Fächern, für die es schwache Begabung aufwies, seine Fortschritte natürNch geringer waren u»d es dem Stand« seines Wissens nach über die Anfangs- turse nicht hinauskam. Diese Schulen haben sich besonders insofern hervorragend bewährt, als Initiative und selbständige Arbeitsfähigkeit in den Schülern in ganz besonderem Motze entwickelt wurden. Die Barriere der Klasse hindert große Bc- gabungen(vor allem auch die einseitig Begabten) nicht mehr, wetter- zukommen. Das amerikanische Beispiel ermuntert einige Stock- holmer Pädagogen zum Herbst auch in Stockholm eine solche klassenlose Schule einzurichten, deren Leiter der Dolksschul- lehrer Per Sudberg wird. Die Schüler sollen in Gruppen ein» geteilt werden, die ihrer Individuellen Art, ihren Anlagen und ihrer Arbeitsintensivllät entsprechen. In dem Prospekt wird betont, daß auf diese Weise ein begabter Schüler sich in kürzerer al» in der normalen Zeit das Pensum eines Kurses aneignen und dann wellerlernen könne, ungehemmt durch die langsam arbeitenden Mitschüler, während es diesen wiederum ermöglicht wird, die für sie erforderliche Zell anzuwenden, um sich den- Lehrstoff in dem ihnen gemätzen Tempo voll anzueignen. Durch diese Orgackisatton wird das Sitzenbleiben vermieden, bei dem der langsamer fassende Schüler zwar das Klassenpensum wiederholt, aber nicht die Mögllchkell hat, gerade die ihm schwer fallende Dinge durch langsames Durchnehmen zu erarbeiten. Das Prinzip der Entwicklung der individuellen Anlagen, heißt es weiter, führt dazu, dah die Schüler, die in kleinen Gruppen arbeiten, sich ver» schiedenen Aufgaben und Zielen zuwenden. Für die Schüler, die das Abiturienienexamen entbehren zu können glauben, wird eine exomenlose theoretisch-praktisch« Abteilung cingertch» tet, in der die Schüler, nach Beratung mll den Eltern und Lehrern und im engen Zusammenhang mit den künftigen Lebensausgaben solche Themen und Arbeitsausgabcn wählen, die für ihre Anlagen und Ziele geeignet sind. Auf brise Weise gewinnen die Schüler die Berechtigung zum Eintritt in Fortbildungsschulen oder erwerben sich die Möglichkeit, sich frei weiter auszubilden Da die verschiedenen Formen praktischer Tätigkeit, wie Handwerk, Zeichnen, Gärtnerei usw. einen hervorragenden Platz im Lehrplan dieser Abteilung ein- nehmen, ist die Möglichkeit gegeben, eine Gruppe zur Ausbildung zu handwerklicher und tunsthondwerklicher Tätigkeit zu bilden. Dle Schule beginnt im Herbst mll einer Abteilung von Neulingen und soll dann Jahr für Jahr erweitert werden. Man beabsichtigt in einiger Zell ein eigenes Schulgebäude zu errichten, und zwar in unmittelbarer Nähe von Stockholm, um auf großem Gelände Ge- legenheit zu Sport und Wanderungen zu haben. Ein eigener Schul» omnibus wird die Schüler nach der Anstalt bringen. Es ist zu hassen, daß dieser interessanri Versuch sich als lebens» sähig erweisen wird, wie er es in Amerika getan hat. Dielleicht werden unsere Pädagogen, sobald in Schweden das Unternehmen in Gang gekommen ist,«ine Studienreise dorthin unternehmen, um an Ort und Stelle diese wichtige Frage zu studieren, die einer zweckmäßigen Verwendung der longa usgedehnten Schulzeit zugute kommen kann. Systematische Polarforschvag. Die Internationale Studiengesell» schast zur Erforschung der Arktis mll dem Luftschiss. die unier der Leitung Fridtjof Nansens steht, bcabsilbfipt einen weiteren Ansbcu ihrer Organisation, im besonderen die Bildung von Fachansschüs'en für die einzelnen wissenschaftlichen Gebiete. Zunächst soll etne List» schifsexpcditlon die Bedingungen für die ständige wissenschaftlich« Iriberwachung der Arktis studieren: orrisesri wie auch auf dem Treibeis des inneren Polardeckens auszusetzende und traneportabl« funkcntelegraphische B'obochtunossirtione« sollen aimelcgt und er- probt werden. Die Gesellschaft will weller eine neue Wandkarte de» arktischen Gebiets in mehrsprachiger Ausgabe herstellen, dir die Unrichlrokellen der bisher im Gebrauch brirndlichen vermeidet: eine Zeitschrist„Arktis", von Nansen unter Mitwirkung eines inter. nationalen Gelehrtenliabes herausgegeben, erscheint seit diesem Jahr. Die Errichtung einer Internationalen Union für Polorsorschung beim Böllerbund soll angestrebt werden. In Paketen Kaffee Hag, der feinste Bohnenkaffee ist stets anregend, aber nie aufregend-->»,. RH 1.90 und zu eine Konfokfönt DAMEN"HEMSEN u.KINDER. ANZAHLUNG MONATSRATEN Brunnen- Str. 197 Frankfurter Allee 350 Kottbuser Damm 103 Chlbg., Wilmersdorfer Str. 165 [MARK ttalltnnns-.Vitatt- o.Reklamemarken 'egen Nachati munc ffesttxi esCi ♦ert(gise't48 Jahr, als Spaslalltit Conrad»ODer '.etoric-ScMtcaCn hohen Sie sich mit allen»i! lutmifiltchtn Ali! lein gegen Ideen Halten abgta.agt da Tie onset noch nicht kannte n. Jetzt lotm Zdnen da» nichi mehr pas. steten S»e holen Ii» ein ach w det nach. den Apolhete ein« Zlasche Saxn»». Vortalig m Aoo- thelen. HerfteBee: 811« Stomp i LG vCftraniti. Etwas PeRSJL um'Misser und der zarteste Jtrumpj, Canlfagang. ffllt die otnen»eweis« hetzlicher Anteilnahme anläßlich de» Hin- icheiden» meine« ltedenchatten.iw'ete» guten Batet«, sptechen wit hietmi allen Freu II Ken. Bekannken und Bat. leigenosien unseren hetzlichsten Dan! au». Stan Hugafta» nebst Ämbetn Pank»». Selliaftt 2. MM Lcsdaa'a Jiorbmöbel „llexlete Ftmi Aparte Muster Mißige Preise ffntflittni.Vrkait: Neukölln tiintukiili ZU nl Hermannstr. 10 rrel.Neuk.1759) «i. MW. crMtzteite i'iKiti intti Ksblankc'. Pumpenfabrik Berlin N 66, RitiUniiiflir Str. 95 Beieio bei Bernnet BnSbniilei v. SMolefiet GiMlscher BtlfsfldietUi'Brtbanb Montag, den S. März. 17 Uhr. Im««werffchaftahau». Eng» laset 26, Saal 5. 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