BERLIN Dienstag, 6. Marz 10 Pf. Nr. 112 B 56 45. Jahrgang. Erscb eint t S g l i ch anf Zugleich AbeudaoSgabe de«..Vorwirt« für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche, Redaktion und Expedition: Berlin SW68 mamammmam er Sonntag«. C' mm t m m W ti t � Änieigenptei«: vi« wirt«*. Bezugsprei«\m" J» AVnSWss.killdellSr.s jj g WV%**¥ T\9©eriin Vr. 37536. gernfp Die einspaltige Ronpareillqeile !. Ermäßigungen nach Tarif. VorwSrtS-Derlag G. m. b. H., Fernsprecher: Dönhoff 292 bi< 2i>7 Schieb er konzern bei der Manne Verkrachte Gründungen.— Was war ihr Zweck? Panzerkreuzer o der Kin derspeisung? . Die Deutsche Wirtschaftsgeschichte ist seit vorige Woche um eine Tatsache reicher. Zm Bereiche der Reichsmarine gab und gibt c» einen ganzen Wirtschaftskonzern, von dem die Oefsentlichkeit vorher nicht die geringste Ahnung Halle. Da? Gründungenetz der See. transportabteilung oder der L o h m a n n- K o n z e r n. ist den er- staunten Augen der Mitwell enthüllt worden. Es ist Zell, eine Bilanz zu machen, und den Ueberbiick nicht zu verlieren: so verwirrend ist die Fülle der Schlag auf Schlag zu Tage getretenen Tatsachenmomente. Jeder Tag bringt neue Offen- barungen und noch wissen wir nicht, ob das schon alles ist. Die Seetransportabteilung(STA.), dieses Mutterschiff des Konzerns findet sich auf der Einnahmeseite de» Marinectats. Dort lebt die STA. als eine der zur„Selbst. bewirtschastung" abgezweigten Einrichtungen seit Jahr und Tag ihr Sonderdasein. Einnahmen und Ausgaben fein säuberlich oufgezähll und gegenseitig abgewogen fmehr als I Million), alles im Gleichgewicht/ piksauber aufgescheuert, wie sich da» für ein solche» Beiboot der Reichsmarine eben gehört. Bei der Parade vor den Volksvertretern muh alles glänzen! chinter diese Bilanz zu dringen, war bisher fast vergeblich. Die Fachleute hatten schon lange Zweifel, ob die Dienstgeschäste der Seetransportabteilung eine solche Sondereinrichtung rechttertigten. In der Hauptsache bestand ihre Aufgabe in der Besorgung der B r e n n st o f f m i t t e l für die Marine. Aber neben dem Kohlen- ankauf und Transport hatte sie sich auch mit der Bewirtschaftung der Seekriegsbeute oller Art besaht: sie verramschte Minen und Prisen und betreute auch die menschlichen Kriegsgesangenen. aus deren Rücktransport sie nicht geringen Erlös zog..Kurzum die STA. war so eine Art weltkriegsnachlahtrödelladen. Daß bei ihr aber etwas„nicht stimmte", war bald sonnenklar. Das erste größere Objekt, mll dem sie sich und ihren Tätigkeitsdrang her- ausstellte, war das Rotorschiss„Barbara". Warum es ein Rotorschiss ist, ist schwer einzusehen— angesichts der Tatsache, doh die Flettner- schiffe die Kindexkrankhellen ja noch nicht überwunden haben. Immerhin— bei einer Paradefahrl nach Italien wurde es durch den persönlichen Besuch Mussolinis enorni ausgezeichnet: vielleicht ist das für die Herren unserer Marine schon Lohn genug! Man sieht, da» Leben und Treiben an Bord der STA. war bunt und anregend. Es wuchs aber mit der Inflation und wurde phantastisch mit der Stabilisierung der Mark. Die STA. wurde geradezu von einem Gründungsfieber gcschütteltt Sie gründete, was ihr in die Nähe kam. Sieht man heute chr Register durch, so geht alles wie Kraut und Rüben durcheinander: Sie gründete e i n e B a n k, machte in F i l m, handelte mit Speck, baut« Flugzeuge und Rotorschiffe, taufte Häuser und betrieb schließlich auch Waffengeschäfte(Kiel). Wanim handelte sie eigentlich nicht mll marinierten Heringens Das wäre doch das Nächstliegende gewesen!— Im einzelnen umsaht die Liste der Unternehmungen des Lohmann-Konzerns bis jetzt folgende Nummern: 1. Berliner Bankverein(Mehrheit der Aktien), Z. phoebu» Mm A.-G.. Berlin. Z. Berliner Bacoo Compagnie A.-G.. Berlin-Lichtenberg, 4 Iravewünder Zachthafen A.-G.. Berlin. Lützowufer 3, 3. Deutscher Hochseesportverband. Hansa E. B.. Berlin. Lützow- u f er 3, 6 Ravl, G. m. b. h.. Berlin. Lützowufer 3. 7. Tebeg. Technische Beratung und Beschäftigung. S. m. b. H.. Berlin. Lützowufer � 8. Seeslugoersicherungsanstalt„Severa. S. m. b. H.. Berlin. Blumes Hof 17. 9. Caspar-Flugzeugwerke. Lübeck-Iraoemünde, 10. Otwi©. m. b. H., Brcmen-Delmenhorst, Handelsabteilung Berlin, G. m. b. H. Das ist wie gesagt nur eine vorläufige Liste: auf Vollständigkeit kann sie keinen Anspruch erheben. (Fortsetzung auf der zweiten Selle.) Bericht 2. Seite. Der Lolunann-Konzern i ■-- 1 TizCltrt, � Ä- %iftviu*Jvu Mauereinsturz bei Lindström A.G. Zwei Arbeiter schwer verlebt. Auf dem Gelände der Firma LiudflrSm W-G. in der Schlesischen Straße 26a ereignete sich heute mitlag kurz vor 1 Uhr ein schwerer INaueretosturz. Aus dem Grundstück werden zurzeit umfangreiche bau- liche Veränderungen vorgenommen. Ein Teil der alten Gebäude wird niedergelegt, um Neubauten plah zu machen. heute mittag versuchte man eine alte Mauer niederzureißen. die aber allen Bemühungen zunächst noch standhielt. Es wurde beschlossen, eine Sprengpatrone in eine für diesen Zweck geschlagene Oesfnung einzuführen und die Mauer auf diese weise oiederzulegen. Zn der Nähe der Sprcagstellc hielten sich der Schlosser Ernst Steffen» aus der wilsnacker Straße 39. und der 34jährige Arbeiter Paul würbet aus der Liegniher Straße S auf. Ganz unerwartet erfolgte die Detonation und beide Männer wurden unter den einstürzenden Maoerteilen begraben. Die Berunglücklen wurden von ihren Belriebskollegen au» ihrer qualvollen Lage befreit und durch wagen des zu Hilfe gerufenen Retlungsamtes in schwerverletztem Zustande in das Urban-Krankenhaus gebracht. Die Schuldfragc ist noch ganz ungeklärt. Schwere Kolgen des Hausklatsches Ein Totschlagsprozeh.- Schwurgericht D unter neuem Vorsitzenden. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts II begann heute ein umfangreicher Totschlagsprozeh. Den Vorsitz führte dies- mal an Stell« von LaiGgerichtsdirektor D u st, dem ordentlichen Vorsitzenden, desien Stellvertreter Landgerichtsrat Sie- mens. Diese Neubesetzung ist jedoch, wie amtlich versichert wird, keine Folge tte K�antz-Prozesses. sondern die Stellvertretung war schon vorher vorgesehen. Landgerichtsrat Siemens hatte auch schon einige Zell vor dem Krontz-Prozeh Landgerichtsdirektar Dust in einer anderen Schwurgerichtsverhandlung vertreten. Der Totschlagsprozeh gegen den Kaufmann Alfred König ist die Felge des durch die Wohnungsnot bedingten engen Zu- sammenwohnen, von vielen Parteien. Seit Jahren bestand in dem 4 Stock des Hinterhause» der Alvenslebenstrahe lü unter den vier Mietpartcien, die auf einem Korridor wohnten, Zank und Streit. Der Hausklatsch wucherte emsig empor. König wohnt« seit seiner Verheiratung im Jahre 1923 dort ln einer Koch- stub«, während seine Frau, eine Schneiderin, schon drei Jahre länger Mieterin dieses Hauses gewesen war. Da» Ehepaar lag mit den anderen Mietern dauernd in Streit. Am 21. Juli kam es an der gemeinsamen Wasserleitung zu einem tragischen Zusammenstoß des Ehepaares König mit anderen Flurbewohnern König zog einen Revolver nnd feuerte mehrere Schüsse ab. Zwei Kugeln durch- bohlten der Köchln Klara Mustale Lange und Herzbeutel. Die Verletzt« starb am nächsten Tage im Krankenhaus. Der Angeklagte Ist ein kleiner schmächtiger Mann, schwer reiz- bar und nach den Gutachten stark psizchopathisch. Er behauptet, daß er in Notwehr gehandelt Hab«, da er glaubte, daß die Getötete ihn und seine Frau überfallen wollt«. Schuld an allem sei dos Wohnungsamt. Als er vor viereinhalb Jahren heiratete, habe er eins eigene Wohming beantragt. Noch zwei Jahren stellte sich heraus, daß die Akten beim Wohnungsamt verschwunden waren. Er habe einen Dringlichkeitsantrog erneuert und wartete seitdem immer noch auf eine Wohnung. Jetzt, wo er aus der Kochftubc herausmußte, sei er ohne jede Unterkunfi und müsse mit seiner Frau ein möbliertes Zimmer bewohnen. Schuld an allem feien die böfeu Rachbarn. Zu der Verhandlung sind fast die gesamten Mieter des Hauses geladen worden, so daß das Urteil vorousfichlllch erst morgen gefällt werden wird. Der Marinekonzern. (Fortsetzung von der 1. Seite.) In der Tat sind bekanntlich die Mehrzahl der Gründungen über den„Berliner Bankverein" erfolgt: teilweise wiederum unter sehr ausfälliger Zuhilfenahme von weiteren Strohmännern. Welche Bewandtnis es im einzelnen mit den Uotcrnebmungen hat, darüber wäre es verfrüht, jetzt schon zu sprechen(Wie sie mit- einander oerschachtelt waren, zeigt in großen Zügen dos oben wiedergegebene Schaubild). Der Gesomlverlnst belätisl sich bis jetzt aus schätzungsweise 25 bis 30 Millionen. Auch das gibt einen Begriff von dem Ilmfang des ganzen Unternehmens. Zunächst wird man abwarten müssen, ob die S ä m i s ch- Denkschrift vollen Ausschluß geben wird. Ueber die Quelle der Mittel bestehen jedenfalls nach wie vor Zweifel. Auch ein„A b- wicklungsfonds" oder gar«in„Ruhrfonds" wäre nur eiit Papiermarkfonds. woher flammen die Festmarkbestände, die hier verschlungen wurden? Zum Teil sind die Verluste erst noch fällig. Sicherlich Hot aber die STA. manchen Geschäftszweig nur unter dem Gesichtspunkt«ruf- genommen, wie beschaffen wir uns Mittel, um die anderen Unternehmungen zu subventionieren? Insofern dürfte Grveners Erklärung:„Das Interesse am Film be- stand in der Abwehr der' Ueberjrcmdung," doch die Tatsache etwas stark oerkennen! Was Navis, Travemünder Iachlhafen A.-G., Se- vera, Olwi usf.! im einzelnen produzierten, entzieht sich vorläufig unserer Kenntnis. Die Iachtschule Neustadt in Schleswig cholftein mit ihren schönen Motorbooten kostete jedenfalls eine Menge Geld und was die Caspari-Flugzeugwerke in Lübeck an- geht, so haben sie eben mit einem Verlust von rund einer Drei- v i e r t e l m i l l i o n zu Lasten der Reichsmarine ihren Bankrott angemeldet. Bekommt deshalb in diesem Zusammenhang ein „Geschäft" wie die Kieler Munitionsschiebung, in der ja Namen von Angehörigen der STA. die Hauptrolle spielen, nicht seinen be- sonderen Sinn?.— Wie dem aber auch sei, der letzte Zweck des Lohmann-Konzerns ist auch dann noch nicht enthüll», wenn über seine Ausdehnung restlos Ausklärung ge- schaffen sein sollte. Lag er talsächlich im Geschäftlichen? Dann schlimm genug— oder lag er anderswo? Waren die Gesellschaften nur Deckmantel für Tätigkeit gailz anderer Art und dann welcher? Dann erhebt sich so- fort die Frage: Wer ist verantwortlich? Abrücken von Herrn Loh- mann dürfte dann nicht genügen. Herr Keßler wußte, warum er fluchtartig das Feld räumte, o's das Stichwort„Seetransportabteilung" fiel. Herr G r o« n e r hingegen hat sich in die Herkulospose gcworsen:„Ich bin ent- schloßen, mit allen derartigen illegalen Untcrnehmun- gen(!) gründlich aufzuräumen." Die Stroh- und Lohmänner stehen wie die betrübten Lohgerber da. denen dix Felle wegzuschwimmen drohen. Wir aber, sind der Ansicht, daß es noch schwere Kämpfe tosten wird, bis dieses Nest ausgeräumt ist. Die M a ch t p» s i t i o n, die sich unsere Militaristen im Lohmann-Konzern geschaffen haben, ist ihnen viel zu wichtig, als daß sie sie gut- und freiwillig aufgeben würden! C. Mieren doeff. Gehemmte Staatsanwälte. Mle wir erfahren, hatte alsbald nach Bekanntwerden der Phoebus-Angelegenhett die Staat«an waltjchast ein E-r in i t t l u n g s- verfahren eingeleitet. Diese» Versahren droht aber im Sande zu verlausen, weil die Reichsregierung genau wie dem Parlament auch der Staatsanwaltschaft das einschlägige Material, namentlich den Bericht de» Sparkommissars Saemisch vorenthält. Die Reichsregierung will offenlmr die strafrechtliche Seite des Falles mit der Versicherung abtun, daß Kapitän Lohmann aus feinen für das Reich so verlustreichen Geschäften persönliche Vorteile nicht gezogen habe. Ein Jurist von den Qualitäten des Reichskanzlers Marx muß aber wissen, daß selbst, wenn man dies ols wahr unterstellt, die Tatbestä?ide des Be t r u g e s und der Untreue keineswegs ausgeschlossen werden. Untreue setzt über- Haupt keinen Vermögensvorteil— weder dessen, der sie begeht, noch eines dritten— voraus: zum Tatbestand des Betrugs» ist zum mindesten nicht erforderlich, daß die Person, die durch Täuschung das Vermögen eines anderen beschädigt, selber den Vorteil dieser Manipulation genießt. Auch wenn ein dritter, zum Beispiel im vor-. liegenden Falle eine der von Lohmann subventionierten Gesell- schasien, einen rechtswidrigen Bermögensvortell aus der Beschädi- gung des Reichsverniögens unter Irreführung verantwortlicher Stellen erlangt hat, ist Betrug vorliegend. Eine Rcichsrcgierung, die dos Borgehen der Stoaisanwali- schoft hemmt, darf sich nicht wundern, wenn die Oeffentlichkeit hier- aus Schlüsse zieht. TLl. vor dem Arbeitsgericht. Der fristlos entlassene Shefredaktevr. Die»Teiegraphenunion" hat den Chefredakteur ihrer Nachrichtenabteilung, Dr. Belian, fristlos entlassen. Sie wurde deshalb von ihm beim Arbeitsgericht verklagt. Als Enilassungsgrund gab die Bsklagte an. sie habe erst kürzlich erfahren, daß Dr. Belian vor 214 Jahren, als eine Nachrichtenagentur der TU. in Südamerika eingerichtet werden sollte, zu anderen gesagt habe, die Gelder, welche der Aufsichtsrot hierfür bewilligte, habe die Direktion für andere Zwecke ausgegeben und um das zu verdecken, bade sie salschc Buchungen, Urkundenfälschungen und Schiebungen begangen. Da er, Dr. Belian.«uf Grund seiner Kemitnis dieser Angelegenheit der Direktion das Genick brechen tänne, sei seine Stellimg bei der TU. gesichert. Wegen diejer„2er. leumdung" der Direktion sei der Kläger jnftlas entlassen. Dr. Belian bestritt in der Heuligen Verhandlung vor dem Arbeitsgericht ganz emichieden, sich jemals in der angegebenen Weise geäußert zu haben. Es handele sich hier um durchaus unwahre An- gaben eines ebenfalls bei der TU. beichäftigten Redakteurs M e l z e r, der dadurch«inen auf persönliche Feindschaft zurückzuführenden Racheakt gegen ihn ausüben wolle. Er, Dr. Belian. habe der Direktion schriftlich und mündlich mitgeteilt, daß an dem ganzen Gerede kein wahres Wort sei und habe sich erboten, durch eine Be- ieidlgungskloge gegeii Melzer die Umvahrheit von dessen Angabe» Für hungernde Kinder kein Geld? Statt Kinöerspeisung Vau von Panzerkreuzern. Angaben wdisen daraus hin, daß in einigen Bezirken dadurch, daß die Schulkinderspeisungen in ver- mindeNem Maße als in dem vorjährigen durchgeführt wurden, ein leichter Rückgang im Ernährungszustand der Kinder eingetreten war. Diese Notstände mahnen dringend zur Fortsetzung der Speisung der Schulkinder in weniger günstig gestellten Bezirken, denen namenllich dort, wo Erwerbslosigkeit in starkem Umfang herrscht, auch eine planmäßige Speisung von Erwachsenen in Volksküchen usw. an die Seite treten sollte. Die vorstehenden Worte, die trotz aller Zurückhaltung in der Schilderung der Zustände die Not der Kinder in den Jndustriebe'zirken in ihrer ganzen Furchtbarkeit ahnen lassen, finden sich in der Denkschrift d e s N e i ch s- gesundheitsamtes über die gesundheitlichen Verhält- nisse des deutschen Volkes im Jahre 1926, die der Reichs- minister des Innern, Herr von Keudell, am 24. Januar 1928 dem Reichstag überreichte. Die Denkschrift des Reichsgesundheitsamtes hat bei den „christlichen" Parteien, die die gegenwärtige Regierung bilden, eine Wirkung ausgeübt, die für ihr Christentum be- zeichnend ist: In der Sitzung des Reichstages vom 2. März 1928 wurde ein Antrag der Sozialdemokraten und Kom- munisten, den Betrag von 5 Millionen Mark für Kinderspeisungen in den Etat einzustellen von den bürgerlichen Regierungsparteien mit 193 gegen 169 Stimmen abgelehnt. Vor der Abstimmung hatle der Staatssekretär des Reichsernährungsministeriums. Hoffmann, namens der Regierung die Erklärung abgegeben, daß diese dem Antrag auf Einsetzung von Mitteln für die Kinder- speisung ihre Zustimmung nicht geben könne. Gestern bewilligten die Regierungsparteien ohne Zögern die erheblich höhere Summe von 9,3 Millionen Mark als erste Rate für den Bau eines Panzerschiffes, das 70 bis 80 Millionen kosten wird. Da insgesamt vier solcher Schiffe im Laufe der nächsten Jahre hergestellt wer- den sollen, werden dein Volksvermögen ungefähr 320 M i l- l i o n e n für diesen unproduktiven und gefährlichen Zweck entzogen werden. Mit der gleichen Unbekümmerthest werden den„notleidenden" Großagrariern, die unverhüllt mit Re- vollen, Gewall. Steuerstreik und dergleichen drohen, Milli- onen geschenkt. Für diese Leute setzt sich das Reichs- ernährungsministerium mit Feuereifer ein, für die Er- nährung der Proletarierkinder findet es keine Geldausgaben notwendig. Für die Bewirtung eines asiatischen Despoten werden aus den Steuergeldern des Volkes Tausende und aber Tausend- Mark aus dem Fenster geworfen. Für die Kinder des eigenen Volkes hat man aber kein Geld. An demselben Tage, an dem Millionen für ein Kriegs- schiff bewilligt und eine verhällnismäßig niedrige Summe für Kindcrspeisungen abgelehnt wurden, versuchte ein verzweifelter Kolonialdeutscher, der im Krieg sein Hab und Gut verloren hatte und trotz seiner Not- läge eine Befriedigung seiner gesetzlich festgelegten Ersatz- ansprüche nicht erlangen tonnte, ein Attentat auf den Präsidenten des Reichsentschädigungsamtes, dos glücklicher- weise fehlschlug. So entschieden solche individuelle Terror- akte auch verurteilt werden müssen, so geben sie doch eine Vorstellung von der Verzweiflung brester Volksschichten, für deren Not die„christlichen" Regierungsparteien nur ein Achselzucken haben. Wenn Geld in Hülle und Fülle für Panzerkreuzer, Groß- agrarier,' afghanische Könige und andere Zwecke vorhanden ist, so müssen wenigstens für hungernde Kinder ebenfalls Gelder aufgebracht werden. Von den schönen Worten der Denkschrift des Reichsgesundheitsamtes, die mit der Unterschrift des deutfchnationalen Innenministers ver- sehen ist, werden die Kinder nicht satt. Es ist ein altes Lied: Wo es auf Taten ankommt, nämlich auf den Griff in den. Geldbeutel hört das Christentum und die R ä ch st e n l i e b e des Bürgertums auf. Lasset die Kindlein zu mir kommen!— Wer lacht da nicht? Dr. M. zu erweisen. Trotzdem habe die Direktion dic fristlose Entlastung in geradezu ehrverletzender Form durchgeführt. Das Gericht kam zu dem Urteil: Di: angebliche beleidigende Aeußerung des Klägers könne, selbst wenn sie getan sein sollte, jetzt n i ch t in e h r a l s G r u n d zur fristlosen Entlassung geltend gemacht werden, denn sie liege länger als zwei Jahre zurück und in der ganzen Zeit seien auch für die Beklagte keine nachteiligen Folgen der angeblichen Aeußerung des Klägers eingetreten. Die TU. wurde verurteilt, dein Kläger das vorläufig für drei Monate einge- klagte Gehalt zu zahlen. Da der Anstellungsvertrag bis Ende Juni 1929 laust, wird der Kläger später auch für djese Zeit noch sein Gehalt— monatlich 2400 Mark— fordern und erhalten müssen, falls die Verufungsinftanz das Urteil nicht aufheben sollte. Beratungen im DBMZ. Anwandlungen zur Einsicht. Von den Beratungen der Vertrauenskommission des Verband Berliner Metallindustriellcr, die sich gestern bis in die späten Abendstunden hinzogen, erfahren wir, daß die Vertreter des LDMJ. übereinkainen, weitere Still- l e g u n g e n vor den morgigen Schlichtungsverhandlungcn zu vermeiden. Den Hauptgegenstand der Be- ratungen bildete natürlich die Stellungnahme zu der Forde- rung des Deutschen Metallarbeiterverbandes auf Abschluß eines Tarifvertrages für die Werkzeugmacher. Hier standen sich zwei Meinungen gegenüber. Man hat aber schließlich begriffen, daß«die Ablehnung des Vorschlages des Vorsitzenden des Schlichtungsaus'chusies ein schwerer Fehler war und die Unternehmer in eine Sackgasse geführt hat. Somit scheint man den morgigen Schlichtungsverhand- lungen mit etwas geringerem Pessimismus entgegensehen zu können. Ob es aber morgen wirklich zu einer Ver- Zum Metallarbetterkampf. ständigung kommt, wird davon abhängen, ob die Unter- nehmer nicht nur bereit sind, einen Lohn- und Akkordtarif für die Werkzeugmacher abzuschließen, sondern ob die Unter- nehmer auch bereit sind, die Lohnsätze, dic der DMV. vorschlägt, als Grundlage des Tarifabkommens anzunehmen. Denn es handelt sich nicht nur um eine hoch- qualifizierte Arbeiterschaft, sondern um eine gewerkschaftlich fast restlos organisierte Arbcitergruppe, die, unbekümmert um dic Einschüchterungsversuche der Unternehmer und die organisationsfeindliche Agitation der Kommunisten, fest in der Hand der Organisation ist. Die KPD. macht große Anstrengungen, sich in die Streik- führung hineinzuklemmen. Sie fällt damit aber bei den streitenden Werkzeugmachern glatt ab. Der Kampf wird von der Organisation mit Organisierten geführt. Außenstehende haben dabei nichts zu suchen. Die Parolen der KPD. beweisen am besten die Bedeutungslosigkeit von Leuten, die sich gern als die Wortführer der Arbeiter- schast aufspielen möchten. Lohnbewegung der Verkehrsbein'ebe. 65000 Gemeinde- und Vertehrsarbeiter in Bewegung. Auf Beschluß der Funktionäre der Berliner: Straßenbahn, Hochbahn und Aboag haben die zuständigen Tariforganisationcn die Lohntarife für die Arbeiter dieser drei Bertchrsbetriebe zum 31. März gekündigt. Die Funktionäre haben die Lrganisatiouep beauftragt, eine Erhöhung der am 1. Oktober v. festgelegten Löhne um ISPs. proLtuudezu fordern. Mit der Direktion der Hoch- und Untergrundbahn finden am Freitag dieser Woche die ersten Berhand- lungen statt. Am Montag nächster Woche soll mit der Direktion der Aboag verhandelt werden. Die Direktion der Straßenbahn hat bis jetzt noch keinen Bcrhandlungs- termin angesetzt. An dieser Bewegung sind beteiligt: bei der Straßen- bah« etwa 13 000 Beschäftigte, bei der Hoch- und Unter- grundbahn rund 0000 und bei der Aboag etwa 2000. insgesamt also etwa 21 000 Arbeiter und Arbeiterinnen. Zusammen mit de« ebenfalls vor Tarifverhaudluugen stehenden Berliner tScmeindcarbeitern, den Reichs- und Staatsarbeitern und dem Personal der Berkehrsbetriebc laufen am 31. März für rund 03 000 Arbeiter der offen:- lichen Betriebe Berlins die Lohntarife ab. Oas angeblich gestürmte Warenhaus. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" berichtete letzt- hin, daß die Pariser Filiale des Hanfes W e r t h c i ni von einer Menschenmenge angegriffen worden sei. Die Pariser Agen- t u r H a o a s stellt diese Nachricht in Abrede und sagt, die Meldung entbehre jeder Grundlage. Die deutschen Häuser genössen volle Sicherheit, und das Publikum mache keinen Unterschied zwischen ihnen und den französischen Firmen. Das Berliner Blatt sei dos Opfer einer M>, st i f i k a t i o n gew-fen. Die Agentur Havas hat recht. Die Mystifikation geht sogar noch weiter! Wie wir von der Wert he im G. m. b. H- erfahren, besitzt dic Gesellschoft— gar keine Filiale in Pari?. Täte die„DAZ." nicht gut, in Zukunft gerade solche ver- dächtigen Meldungen etwas genauer nachzuprül-n? Ihrem Parteifreund Dr. Stresemann leistet sie durch eine derartige Leichtfertigkeit gewiß keinen Dienst. Sie gewohnie Gituation? Die Freigabe des beschlagnahmten reiche- deutschen Eigentums in Nordamerika ist vorn Schatz- fekretär Mellon in der Gefetzesfassung beider Kammern gutgeheißen worden. Ein neuer Verkehrsunfall. Fünf Verletzte in einem Straßenbahnwagen. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einer Straßen- bahn der Linie 25 und einem mit Kohlen beloidenen Lasten- z u g ereignete sich heut« früh in der Friedrichstodt. 4 Fahrgäste und der Schaffner der Straßenbahn erlitten Verletzungen. Beide Fahr- zeuge wurden schwer beschädigt. Die Unfallstelle liegt an der Ecke Friedrich- und I ohan ni s st ra ß e. Die Straßenbahn durchfuhr im Normaltempo die Friedrichstraße, als der Führer des Laste rzuzes plötzlich nach links einbog und auf die Gleise der Straßenbahn geriet. Der Führer der Linie 25, der sofort die Bremsen in Tätig- keit setzte, konnte seinen Wagen nicht mehr zum Halten bringen und fuhr mit großer Heftigkeit aus den Lastenzug aus. Durch die Wucht des Zusammenpralles wurde der Vorderperron völlig eingedrückt. Sämtliche Fensterscheiben wurden zersplittert. Der ganze Fahrdamm war mit Glasscherben dicht übersät. Vier Fahrgäste und der Schaffner wurden durch GlassplUIer verletzt. Die Verunglückten: Frau Anna Bojar aus der Ruheplatzstraße 22, Margarete Turna u aus der Ehousseestroße 22, Charlotte I a n i tz aus der Buddestraße 10, Franz 31 Im er aus Reinickendorf-West, Der große Bilderdiebstahl, Dos Sdihß CotJolzhurg bei Fürth, aus dessen Kapelle die �lllatbilder von Berliner Einbrechern gestohlen wurden. Zwei der gestohlenen und wieder herbei geschajften Rüder, die auf Altar f lüg ein gemalt sind und von den mittelalterlichen Meistern Cranaeh oder Grünewald stammen sollen. Straße Nr. 20, und der Schaffner Reinhold Stodach aus der Landhnusstraße 1 mußten zur naheliegenden UniversitätsNinik in der Ziegelstraße gebrocht werden. Die zu Hilfe gerufene Feuerwehr nahm die Aufräumungs- arbeiten an der Unfallstelle vor. Der schwerbeschädigt« Straßen- bahnwagen mußt« aus den Lercehr gezogen werden. Der Führer des Lastenzugcs. der bei dem Zusammenstoß vom Sitz geschleudert wurde, kam glücklicherweise unverletzt davon. Die Schuldfrage ist noch nicht einwandfrei geklärt. Durch den Dorfall trat«ine längere Verkehrsstörung ein.___ Eine„humane" Firma. Oer Bureaulehrling als Lastträger. Das war eine Firma, die in ihrem Bureau einen Lehrling für kaufmännische Arbeiten angestellt hatte. Da dieser junge Mann ziemlich hoch und breit gewachsen war, glaubte man ihn auch mit anderen als rein kaufmännischen Arbeiten beschäftigen zu können. Slbgesehen von Botengängen, die jeder Stift während seiner Lehrzelt aueführt, wurde er auch zum Aus- und Einladen größerer Kisten herangezogen. Cr tat es auch jederzeit ohne Murren in dem Glauben, daß gehöre zu seiner Arbeit. So ging lange Zeit alles schön und gut, und der Chef sparte einen Packer und Austräger. Aber eines Tages bat der junge Mann. ihn heute von der Trägerarbeit zu befreien, weil er zwischen den Schulterblättern«inen Furunkel habe. Worauf der Ches grob erwiderte, darauf könne er sich nicht einlassen, die Arbeit müsse getan werden. Der Lehrling soßle trotz seiner Schmerzen wieder mit an. woraus sich sein Furunkel jedoch der ni aßen oer- schl im werte, daß er am nächsten Tage den Arzt aufsuchen mußte. Nach einigem Stunden wieder in, Geschäft angelangt, ent- schuldigte er seine körperliche Arbeitsunfähigkeit mit diesen stich- haltig«» Gründen. Rur für den humanen Chef der Firma waren sie bcionzlos und er entließ den jungen Mann fristlos. Diesen„Grund" führte er auch vor dem Arbeitsgericht an. vor das'ihn der Lehrling wegen Einhaltung des Lehrvertrages zitiert hatte. Dannt hatte der humane Chef jedoch bei dem Richter, d.-r gerechter dachte, kein Glück. Das Arbeitsgericht o e r u r t e i l t e den Chef restlos.__________ Zvetkerberlcht der ösfevllicheo Detterdienststelle Berlin und llmzegcnd: Zunehmende Bewölkung ohne Niederschläge, Tages- temperaturen etwas niedriger. Für Deutschland: 3n West- und Mitteldeutschland zunehmende Bewölkung mit etwas Abkühlung. vn, Nordosten Trübung und Neigung zu Ntederschlägen. Für jeden etwas! Ein Wort der Berftändigung ist nötig. Es handelt sich fürs erst« darum, einen summarischen Ueberblick über die wichtigsten Gebiet« der Produktion zu geben. Nach dein Bild etwa, das die bisherige Produktion des Jahres 1928 bietet. Einen Ueberblick— kein« vtlll- ständige Aufzählung also auch nur d»ssen, was in diesen ersten zwei Monaten an neuen Platten auf den Markt gekommen ist. Der Jnter» «ssent, so dürfen wir annehmen, weiß schon ein wenig Bescheid: seiner genaueren Orientierung dienen obendrein die(in jedem Spezialgeschäft ausliegenden) Kataloge der einzelnen Firmen, die ihn fortlaufend über alle neuen Erzeugnisse unterrichten, und die monatlich erscheinenden Fachblätter, wie.Die Stimme seines Herrn", die von der Deutschen Grommophon-A.-G. herausgegeben wird (nebenbei bemerkt: der Name.Grammophon" ist ihr gesetzlich ge- schütztes Eigentum), und die.Box-Nachrichten". Auch die— für den Käufer freilich entscheidend wichtige— Frage der Plattenpreise soll darum heute nicht diskutiert werden. Es wird aber weiterhin möglich sein und sich als notwendig erweisen, wie dieser, so auch mancher anderen praktischen Detailsrage kritische Ausmerk- samteit zu widmen. Noch gilt es ja, Erfahrungen zu sammeln und aus Erfahrungen zu lernen— auf beiden Seiten: in der Industrie und im konsumierenden Publikum: die werktätige Bevölkerung er» wirbt, je weiter die Schallplatte in ihre Kreise dringt, um so stärkeren Slnspruch, noch ihrem Bedürfnis auf alle künftige Entwicklung der Dinge mit einzuwirken. Ehöre. Dem Bedürfnis des Arbeiterpublikums kommt in erfreulicher Weife die Erzeugung von Bolkschorplatten entgegen. Unsere prole- tarischen Chorverein« sollten, soweit sie dazu in der Loge sind, bei- Zeiten beginnen, diese Platten in Archiven zu sammeln; das würde mit den Jahren zur Belebung. Vertiefung, Verdichtung der großen Gemeinschaft, die im Deutschen Arbeiter-Eängerbund organisa- torischen Ausdruck findet, ein dauernder, unschätzbarer Beitrag werden. Interessant und instruktiv, zu vergleichen, wie dieselben Lieder von verschiedenen Chören gesungen werden. Der Meinekesche Männerchor ist auf D.-G.-Platten�) mit einer Reche ausgeglichener Leistungen vertreten: besonders wirkungsvoll: Mozorts.Weihe des Gesanges",.Empor zum Licht"..Brüder zur Sonne". Dieselben Gesänge sind in guter Ausführung auf Ho.-Platten zu hören: die ersten zwei vom Arbeiter-Sängerchor des 6. Bezirks Berlin, der letzte vom Berliner Schubertchor, der sehr Schönes auch mit dem norwegischen.Tord Foleson" gibt. Durch angenehmen Stimmenklang zeichnet sich die Freie Chorver- e i n i g u n g Köln aus: ihre Lieder freilich sind für unseren Ge- ichmack gar zu wein- und rheinselig. Außerordentliches bietet der tschechische MSmrerchor P e v e c k, s b o r T y p o g r o f i a: der Auf- nähme— Fernausnahme— haben wir vor ein paar Monaten als Gäste im Bachsaak beigewohnt. Und der Berliner V o l k s ch o r bringt mit den, Sinforneorchester zwei Stück« aus Haydns.Jahres- Zeiten" in sehr eindrucksvoller Wiedergabe. Bai, neuem bestätigt auch die Berliner Liedertafel chren anerkannten Ruf im Allnieder- ländischen Dankgebet und im Piloerchor aus.Tannhäuser".(All dies auf Ho.-Platien.) Endlich muß noch aus die durchaus vorbild- lich« Darbietung des Chores der„T e m p l« C h u r ch"(London) in Mendelssohns SS. Pfalm hingewiesen werden, die in einer El.-Platt« sehr glücklich festgehalten ist. Orchester. Auf D.-G.-Platten spielt ein aus Mitgliedern der Berliner Staatsopernkapelle gebildetes Orchester unter Klemperer die Egmont-Ouvertüre, unter Schillings das Meisterstnger-Vor» spiel, unter Kleiber Hekwr Berlioz' Ouvertüre.Carnaval Romain", unter Oskar Fried die Ouvertüre zu Suppes„Dichter Deutsche Kunst in Paris. Erfolg der ausstellende« Künstler. Das Prinzip der Gegenseitigkeit, das setzt auf beiden Seiten verlangt wird, wenn Herriot eiste Monei-Ausstellung in Berlin zum Ausgleich einer Liebermann-Ausstellung In Paris fordert oder wenn wir heute eine Leibi- oder Maröes-Ausstellung als Gegen- gäbe gegen die jetzigen Jmpressionisten-Auestellungen oerlangen, ist vor dem Kriege nicht durchgeführt worden. Daran erinnert jetzt Otto G r a u t o f f in der von ihm herausgegebenen neuen.Deutsch- Französischen Rundschau". Uebrigens hat 1909 im Pariser Herbst- solo,, eine Maröes-Ausstellung stattgefunden, und 1910 gab es dort einen Ueberblick über das Münchener Kunstgewerbe. Jetzt sind mehrfach George Groß und Paul Klee in Paris gezeigt worden und haben dort nachhaltige Wirkung ausgeübt. Der Kunst- falon Billiet hat sich für mehrere jüngere deutsche Maler eingesetzt. Einige dieser Künstler waren stuch in, Salon von Bordeaux ver- treten. Der Ausstellung der Berliner Sezession im vorjährigen Herbstsalon ist ein« Sonderausstellung von Rente Sinteni« in der Galerie Barbazanges gefolgt, die auch einen guten Verkaufs- erfolgt zu verzeichnen hat. Und ein besonders starkes Echo findet in Frankreich die neue deutsche Architektur, z.B. die Arbeit de» Bauhauses in Desiau. Man findet schon wieder Slussätzc deutscher Kunstschriftsteller in kranzösischen Zeitschriften und Uebersetzungen deutscher kunstgeschichtlicher Werke ins Französisch«. Dagegen hat die deutsche Acsthetik in Frankreich immer noch kein Echo, man nennt sie.Kunstphilosophie"— sie widerspricht allerdings mit ihrem Tiefgang wesentlich der leichten essayistischen Art französischer Kunst- schriftstellerei. Erwähnt sei in diesem Zusammenhange, daß der neue Generaldirektor der Mtionolmuseen, Henri Verne, auch Galeriesührungen in deutscher Sprache durch ein« österreichische Kunfthistorikerin eingerichtet hat.*. Vitamin£. Es soll die Zfortpflanzuagsfähigteit steigern. Dr. S. G- Willimott von,„Doiston Literory Institute" machte kürzlich Mitteilungen über ein als Vitamin.£" bezeichnetes neues Vitannn, das von einem kalifornischen Gelehrten in bestimmten Oelen lind in der Lattichpflanze entdeckt wurde und aus die Fruchibarkest von Tieren besonderen Einfluß ausüben soll.„Das rechtferligt natürlich noch nicht den Schluß," erklärte Dr. Willimott,„daß dieses Vitamin auch aus den Menschen ähnliche Wirtungen äußert, Indessen besteht die Möglichkeit einer solchen Einwirkung. Es ist auch mög- lich, daß es verschiedene Vitamine für männlich« und andere für weist- liche Lebewesen gibt." Eine Autorität auf diesem Gebiet, die von dem Berichterstatter eines Londoner Blatte» über die Entdeckung gefragt wurde, gab ohne weiteres zu, daß es sich hier um«ine über- / Sdiallplattenschau von Klaus Pringsheim. und Bauer". Die Ausführung bedarf da keiner Empfehlung. Auch Beethoven und Wagner nicht. Wer auf die orchestral glänzende Berlioz-Ouoertüre muß der Musikoerftändige heute besonders hinge- wiesen werden. Auf El.-Platten gibt es Wagners Huldigungsmarsch vom Londoner Sinfonieorchester unter Siegfried Wagners Leitung zu hören, die Ballettmusik aus Gounods„Faust" vock den vereinigten Militärkapell en von A l d e r s h v t, von, San-Fronciscv-Sinfonieorchester unter seinem bekannten Dirigenten Alfred Hertz Stücke aus Delibes'„Toppelia", und— nicht zuletzt— das Vorspiel zu„Tavalleria rusticana" unter Leo Blech von, Orchester der Staotsoper, mit dem besonders glücklich disponierten Tenor Jaro Dworfky, der das Ständchen singt. Gesungene Oper. Höchste gesangliche Dollkonimenhett zeigt Dusolina Giannint in zwei.Aida"-Arien und im Gebet aus„Tosca". Zwei Tenor- Lieblinge des Opernpublikums, Tino P a t t i e r a und Fritz K r a u ß, sind in ihren besten Partien zu hören: Pattiera am besten in der „Troubadour"-Stretta, Krauß als Faust und Lionel(„Martha"). Es sind, mit einem Wort, die-abgesungensten Nummern, die immer wieder reproduziert werden. Aber Barbara K e m p singt den Monolog der Marschallin, zu dem die letzte Szene des ersten Aktes „Rasenkavalier" ein bißchen willkürlich zusammengezogen ist, so schön, wie man es je im Theater von ihr gehört. Hier ist auch der Zu- sammenklang mit dem Orchester(das Leo Blech leitet) sehr fein abgestimmt. Weniger glücklich im Fliedern, onofog aus dem zweiten Akt.Meistersinger", in dem Friedrichs S ch o r r s oft bewährter Bariton wenig zur Gellung kommt. Aber außerordentlich gelungen ist die groß« Mannenfzene aus dein zweiten Alt„Götterdämmerung" mit dem stimmlich prachtvollen, eindringlich deklamierten Hagen Ivar Andrefens.(Diese alle auf El.-Platten.) Der Bassist Emanuel L i st gibt sehr Gutes als König Heinrich in„Lohengri»"- Fragmenten(B.). Und mit wohllautendem, wenn auch nicht eben italienischem Bariion, sehr ausdrucksvoll im Vortrag, bringt Willy Domgraf. Faßba ender die große.Rigoletto"-Arie(D. G). Don der Gitarre bis zur Orgei. Unter den Instrumentalsolisten eine Spezialität in wunderbarer Vollendung— die Reproduktion(El.) ist unübertrefflich—: das Gitarrespiel des Spaniers Andres S e g o o i a. Sein Landsmann, der Meistercellist Pablo C a f a l s, spielt zwei kleine Stücke(El.), daß wir uns freuen, ihn in kurzem, nach langer Zeit wieder, auf dem Podium zu hören. Auch zwei Geiger. Franz v. P e c f e y(B.) und Henry Halst(Tr.), beide mit hervorragenden Leistungen, bestätigen, daß der Ton des Streichinstruments bei der Uebermilllung durch die Platte von seinem Charakter, ja, von seinem individuelle» Reiz bei- nahe nichts einbüßt. Das kommt auch der Leistung des Guar- neri-Quartetts zugute, das im Bariationensag aus Schuberts V-Moll-Streichquortett(„Der Tod und das Mädchen") alle Vorzüge seiner kammermusikalischen Kullur bewährt(V.). Doch auch in der Wiedergabe des Klaviertones find in letzter Zell erhebliche Fort- schrille zu bemerken: auegezeichnet nun Liszts(wie oft schon repro- duzierte!) Zweite Ungarisch« Rhapsodie, van Wilhelm Backhaus pianistisch virtuos gebrocht(El.). Und ein« technisch mustergüllige Plalle(D. G.): Alexander Sienkiewiez spielt den Fauftwakzer von Lifzt. Verblüffend endlich, wie der Tonreichtwn der Orgel aus dem Grammophon wiederklingt: man glaubt, in Bachs E-Moll- Präludium Alfred Sittard, den bekannten Hamburger Organisten, am Instrument zu hören(D. G.). •) Abkürzungen: D.®.— Deutsche Grammophon: El.— Elek- trolo: Ho.— Homocord: Tr.— Triergon; B.— Box. aus wichtige Entdeckung handele.„Die bisher gefundenen Vitamine," fügte er erläuternd hinzu,„haben alle ihre wichtigen Eigenschaften hinstchllich des Metabolismus des Körpers, das heißt der Metamor- phofen, die sie in Verbindung mit anderen Lebensmilleln im Körper hervorbringen. Sie sind deshalb wichtig« Faktoren in bezug auf den Schutz des Körpers gegen eindringende Krankheiten und des ganzen Ernährungszustandes. Aber man hat bisher noch nicht gehört, daß sie auch auf die Fortpflanzungsfähigkeit irgendwelche Wirkung aus- üben. Di« Entdeckung ist deshalb außerordenllich bemerkenswert, und wenn sich herausstellen sollt«, daß die in Amerika gemachten Feststellungen auch für den Menschen Geltung haben, so wird man die Bedeutung der Entdeckung angesichts der überall zu bemerkenden Abnahme der Geburtenziffern für das Bevölkerungsproblem nicht hoch genug einschätzen können." Kinostaiistik. In der verhältnismäßig kurzen Zeit, seitdem wir das Kino als Dolksbvdungs- und Volksunterhaltungsmlltel kennen, ist es zu einer wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung gelangt, die beinahe ver- bluffend wirken könnt«. Die Fllmfektion des Handelsdepartementa in Washington hat sich der Mühe unterzogen, die Bedeutung des Kinos in der Welt durch Zahlen zu beweisen, und es hat eine Sta- tistit darüber angelegt, wieviel Kino« und wo in der Welt es gibt. Am 81. Dezember o. J.> so berichtet diese Statistik, zählte man ins- gesamt 51 103 Kinos in der Welt. Von diesen Kinos kommen auf die Rechnung Europas allein 21642, dann auf die Vereinigten Staaten 20 500, dann folgen der Reih« nach der fern« Osten mit etwa 4000, Latein-Amerita ebenfalls mll etwa 4000, dann in weiterem Abstände Kanada, Afrika, Kleinasien. Don den europäischen Staaten mar- schiert Deutschland an erster Stelle. Hier In Deutschland zählt man nämlich nicht weniger als 4293 Kinos. Es folgen dann der Reihe nach England, Frankreich, Italien, Spanien, Tschechoslowakei. Unter 1000 Kinos werden in Belgien, Oesterreich, Rußland. Polen, Nieder- lande. Schweiz und Bulgarien gezählt. Unter 100 Kinos hat man in Eslland. Lllauen und w Danzig festgestellt. Allerdings stellt sich bei einer anteilsmäßigen Berechnung auf den Kopf der Bevölkerung das Verhältnis etwas anders dar, dann steht nicht Deutschland an der Spitze Europas, sondern England, während die Vereinigten Staaten die absolute Vormachtstellung habeir Li»«arck vud Weimar.;\m iHoömen d-« ArilHjabr»Lehrsan«!S aer ?kut!chen Bereiniaung für ftaotSwissenfchostlich« Aorlpildung findet am Mittwoch, dem 7. Mär, ISA». A>>/. Ubr. ein Vortrag über Bismarck und Weimar durch Pro eisor Dr. Hrrmann Oncken, München, im Hör- iaal 4 drS UnioersitZtSgebäude«, Dorolbervitrahe S, statt Eintrittskarten pin Vttlst von 2 M. in der GeschSsiSstelle. Äerlin. DorotheeniNahe k. er- Emil Bernbard Nest aui Einladung der VolkShübne am Mittwoch. dem 7. MSrz. abends 8 Uhr im Bürgeriaal de» A-tlwaifeS Nngang �nig- ftratze, au» ft-tven S«rke»i. Einlaß iarten»um Preise von SO PIz. echi-llich. Der Tunnel am Anhalter Bahnhof. Im vergangenen Jahre wurde zwischen der Stadt Berlin und de> Direktion des Excelsior-fjotcls ei» Vertrag zum Bau eines Tun n e l s als unterirdische B e r b i n- dung zwischen Anhalter Bahnhof und Excelsior- Hotel in der Königgrätzer Straße abgeschlossen. Die Stadt Berlin halle die Genehmigung zum Bau nur unter der Bedingung erteill daß nicht nur den Hote'gästen, son- dern auch dem Publikum die Benutzung des Tunnels gestattet ist. Mit der Ausführung des Baues auf Kosten des Excelsior-Hotcl wurde alsbald begonnen. Nach mehrmonatiger Bauzeit geht der Tunnel jetzt der Vollendung entgegen. Der Bauzaun ist schon zum Teil entfernt worden, so daß die Ein- gänge sichtbar sind. Im Innern des Tunnels, der ohne jede Unter- brechrmg des Straßenverkehrs ge- baut wurde, sind noch Hand-. werker mit Fliesenlegen. Malerarbeiten, Installation usw. beschäf- tigt. Zlber alle diese Arbeiten w«? den nur noch kurze Zeit in An- spruch nehmen. Ein Gang durch den Tunnel läßt die Zweckmäßigkeit und gute Raumver- t e i l u n g des Baues erkennen. Auf dem Kopfbahnsteig des An- haller Bahnhofs am Ausgang nach der Möckernstraße sind in prak» tische- Anordnung Fahrstühle eingebaut, die die Hotelgäste in den Tunnel und wieder zu den Bahnsteigen heraus befördern. Der geräumige Tunnel mündet in gerader Richtung unter dem Eingang zum Hotel. Für das Publikum befindet sich ein Treppenein- gang in der Möckern st raße, außerhalb der Bahnhofshalle. Ein kurzer Gang führt schräg zu dem eigentlichen Tunnel, der dann £ G g.tr 3? � ?.°s gji? *U 8 Isis MAS BUSSE"TSS* BEBL1N N(an der Invalldenstrafte) Fachmännisch geleitetes Spezialgeschäft lür Uhren aller Art, Juwelen, Gold- und Silberwaren «WW- Iii UM! Wonäervolle Neulteiien m Sdimutftsachen Qrof?csUgerin§ianfl-u.WanduHrcn Guter Gebrauchswecker 2.75 Mk. als einzelner Durchgang bis zum Hotel weiterläuft. Der Ausgang für das Publikum ist neben dem Eingang zum Hotel, u n m i t t e l» bar an der Königgrätzer Straß«. Die Eingänge werden durch eiserne Geländer wie bei der Untergrundbahn geschützt. In dem spitzen Winkel, der zwischen dem Eingang für das Publikum und dem Hauptgang an der Bahnhofsseite entstanden ist, sind vier Läden errichtet worden, die nach der demnächst erfolgenden Er- öffnung des Tunnels die verschiedenartigsten Waren seilbieten werden. um Lothringer Str. J7 Die spanische Fliege. Ab 7. März: Doktor Klan«. - Gutschein r Faut. 1.10, Sess. 1.60 iW Theater am Kottbusser Tor Kottbusser StraBe o. Tel. Mpl. I60'7 TäellCh S Uhr Sonntag, nacnmlttags 3 Uhr Elifie- Sänger im März-Spielplan d gr. Schlager Dienstag. 6. 3 er 'taafs-öper \m PI d.RepuD 8 Uh- WO .taati. Sdiaosiilelh. n Jindarmenmari �Uhr min Dienstag. 6. 3. �ädtisdie Oppi Bismarcksti i•-Tin. 1 Iiis Staatl. Sdiillertti. Charlottenburg »■«Jift n' Volks büh ne lkaiai am �Ilowoiati Ts. un SdiittbiuerOamiii 8 Uhr r.S Uhr Schieber des Rahms lleiMeNlMi!! Norden 12 310 AhonnementshOro Norden 10338—30. 8>, U.. Ende nach 10 Zwfiffiausend Kamtnerspiele .Orden 123'0 ■,l. Um Ende nach 10 Zum 50. Male findep Sa, da» rPPttai!ce sidi ridilip verhält? Die Komödie dismärck 2414. 7616 ■f-, U»'Etide-|(l>r, t Marcci Fradelin iDer EurmcJi; SerliDei Thealer Direktion Kuhnert luriottimtr.SB 91.0Jih.17t St. Uhr Max Adalbert als De» Herr tot. irnovsti-.slice: rn. Konip T.ltr, M Bergm.:ilOL S1', JJhr Flucht rn Mb Cilswoitbf lislf Virtn äimwrtt Komödtcnhau» Norden 6304 <13—10.40 Uhr Maspokas von Curt Götz Rose- Theater Gr Frankt.-Str. 132. '.Uhr Oer Flieger Piscatorbühne Theater am Nollendorfplatz Kurlflrsi 2001/0? Anf.8. Ende geg. n Morgen: Mittu'och, d T.März 50. Auffuhrung Die Abenteuer des braven Soldaten Schwrfk mit Mai Pallestera ■sc. Erwla Piscator Gastspiel im Lessing-Theater Norden 12708 Täglich« Uhr „Singende Galgenvögel von Union Sinclair Residenz-TtieatBr Täql. a<, Uhr SdiDle der Liebe Schwank in 3 Akten. Für fugendi verh für Funkfreunde halbe Preise l.ustspielhaus ■ d1-. Uhr. •uldo tfalelschet Jnter fiesthäftsanfsitlir Thalia-Theater Dresdnerstr. 72 73 8 U.; Pas tfamel ueht dpidi das Hadelibr Volksstfick in 1 Akt. Femer- Schor.ch Ruselil. der Meister der Komik in„FrumiBjtianöer" Theater i.d.Lotznvstr. Tel. Kurf. 9200-10. Eröflnnngs- Torstellnng Freitag. 9. März. IfV« Bennef cott» Asdienbrödcl 12 Bilder mit Jazzmusik Oieatei des Westens riglich 8'/, Uhr UicbliFQie'S leim Liebe Liitlndiiai.6. hin. Iliffuni. jilli Kleines Toeater Täglich 8', Uhr Erika Gl&hner in Gretchen Für Jugendliche nicht geeignet Walbaila-Th Weinbeigsweg 19/20 räglich 8-,, Uhr Das Absteigeprtier Schwank In 3 Akten ligtnaiidic kvata umtt Vorzeiger dieses zahlen Tür Parkett auch Sonntags statt 4,— Mk nur 64 PI. Planetannm am Zoo /frlli;. joadunstlulir Straft« Noll. 1578 16, 18, 19'/,, 21 Uh» Sternb mmel und Kalender Eintritt 1 M. ÜiBder um. IS JahitD 0.50 in. iitnran'ÖHnnti '«. Künstler• « Uhr „Eveiyne" I Nollendorf 7360 Enr.co Rastelli und we tere internationale Varietä-Attraklio" en. Melropol-Th. Zentrum f2S24 «V4 Uhr Oer Graf von Luxemburg Sipbi, Htdiv, tudnd. *itnir. RilpB Wttr SuBärh. Hill.- Pnlil. Philharmonie Uhf IINIIlWAI des Philharm. Orch. Oirii Prof. J Prüwer Podme für Viol- Chausson. gr. Fccnuurnier Vother: C rCBS- Seosatfoneat tnlerieren brlnrt ERFOLG t KariOiheken Gebr. Scherk p r »«imtmiti 1481 BetlfetfernAdoitPohl Dresdener Strafte IS Fat ri.gebäudel yWEUlöWllT? �n. oiu jC'-oiz-lal-n«o. i in den bayr. Alpen und PrCmiieraiä der wkAnaicn (Damen) Beindten von OcrUn. 3 Geldpreise 75, SO, 25 RM. Außerdem grobe Schveinebraterei auf dem Rlesenluknllus Isdiias •niil' iknd. tr ffi" idwm FDIt Btsttlip mKo. ■ Blil. CrtU! »ö Bii». intl.(«Motelll. » Ii Tun ilni OintislBjR Bekrtilit «thigiii»»f Bthtmei. ärztl. empfohlen. millieiBtriB» I' 6.".IJ, 1-4.'w-it,- 10-12. r Auch bis zu IS Monatsraten Jtaddats,&€9 derlm. Leipziger Str. 122-t2i Renaissance- Theater Steinplatz 901 8.10 uhr Coeur Bube. Di. in Idmiraisiulast rägl.S'4Uhi KALLER REVUE Letzter Monat .cbiuss der Spielzeit 25. März Kraftwagen, zirka 1 To., als Lohnfuhrwerk gesucht. Angebote unter F. 7 an die HauptexpedlMoi» de»„Vorwärts zu richten. ElQQÖJ Potsdamer Straße 38 Du sollst nicht s chien 6 lustige Akte mit Llllan Harvey Dazu; Natur und Liebe, 5 Akte Rheinstraße 14 Am Rfideshclmer Schloß steht eine L'ndc Dazu; D e Pan- erpost Odeon, Potsdamer Str. 75 Fat und Palacoon in Pellkanlen St. eng vertraulich, 6 lustige Akte Für Jugendliche Turmstraße 12 Die HAlle der Jungfraaen. 7 Akte m. Dagny Servaes, Werner Krautt Dazu: Oer brave Soldat Schwejk an der Front Alexanderstraße 39-40 (Passage) Fürst oder Clown, 6 Akte mit Marcella Alban! Dazu; Der brave Soldat Scbwejk an der Front Th. am Morit�platz Beginn W 5,30, 7."9.15. S. ab 5,00 Heimweh mit Mady Christians Großes Beiprogramm LuisenrTheater Reichenberger StraBe 34 Die Frau im Hermelin(GriftUh) An der Grenze des Todes Bühnenschau Film-Palast Kammersäle Teltower StraBe 1—4 Mein Prennd Harry mit Harry Lledtke Gustav Mond, Du cehs« so stille I KolibrisLichtspiele Belle-Alliance-Platz 2 Liebe seht seltsame Weje Der Rebell von Valencia Passag:e>Licht8piele Neukölln. Bergstraße 151—52 Orr Qaucho Femer; Königin Harlekin Bühnenschau Outen 1 VlktorlaaLichtblld>Th. Frankfurter Allee 48 Im Luxuszug Ferner Du sollst nicht stehlen , Bühnenschau ConcordiasPalast Andreasstraße 64 Pst und Palacboo In Pellkanlen Der rote Ritter der Luit Bühnenschnn Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Laura La Plante In Ptän/eln Laura- Seine Witwe Auf der Bühne: Die Ausstattungsrevue: Pl.Pa.Po! Kammerlichtspiele Friedrichsfelde, Berliner Straße 18 Wenn Menschen reit znr Liebe werden Der große Unbekannte Pharus* Lichtspiele Müllerstr 142 Im siebenten Himmel Dazu; iiaa große Be programm Alhambra Müllerstr. Dr. Monnier and seine Frauen Beiprogramm und Buhnenschau Mila 3 Lichtspielpalast Schönhauser Allee 130 Die Kirschen In Nachbars Garten Maly Delschafl Der sc waize Satan Dazu: Die grobe BGhnenschan LSP Lichtspiele am Senefelderplatz Henny Porten in Vlolaatha und Die Gi oßstadt lockt Metro-Palast Chausseestraße 30 Schinderhannes Bt Ipi ogrsmm u.gr.Varietäschaa Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee;0. Carlo Aldlnl. Oer Mann ohne Kopf Osrl auf Abwegen. Ossi Osvtlda Welt-Kino Ait-Moabit 99. W. 5,15, Stg. 3 Uhr Das Geheimnis von Gent und Tom, der Rächer(Tom Tyier) „Alhambra" Bads-raße 58 S tonische» Blut uühnenschau KristalUPalast Prinzenallee i— 0 Ein Prack, ein Klack, ein Mädel Nur zur Probe) Raimond Grlflithl Humboldt�Theater Badstraße 19 Die letzten Nächte der Mrs. Dreba, d und Ein Mädel von Klasse Ballschmieder-Lichtsp. Badstraße 16 Mein Freund Harry |Harry Liedtkeft Heimweh(Mady Christians) Bfihnenschau Marienbad-Palast Badstraße 35—36 Die Spielerin(Harry Lledtke) Oer Herzensd eb|Lya de Pultl) PrinzemPaiast Prinzenallee 42—43 Die letzten Nächte der Mrs. Orchard Ben Aklba hat gelogen mit B. Keaton R Rflnfckciidorf-Oata Bürgergarten. Lichtsp. Haupts tr. 51 und Lindauer Straße Henny Portern Die große Panae Schünzel: Ueo» Immer Treu und Redlichkeit Pank " w 1 Palast-Theater Breite StraBe 21 a Der alte Fritz. N. Teil(Ansklanö Jugendliche haben Zutritt Tivoli-Lichtspiel-Th. Berliner Straße 27 DasLadenmädeKMary Picklord» Komponist B nödsholer dirigiert selbst„Gasparone" Schlüter-Theater Uhr Schlüters tr 17 Anfang 7. 9,15. Sonntag ab 4 Die Leibelgenen mit Helnrkh(ieoig Der LandarzKRud Schlldkroutl Faun-Lichtspiele Krumme St-aße 37 Wenn de, Vater mit dem Söhnt» Dazu: Revellle(Eine Soldatentragödie) Hmelka-Palast Kurfürstendamra 68 Uraufführung: Der Fremde nleglonar Wenn die Schwalben heimwärts zleb*n s». I«• K 1 1 f* S Titania-Palast Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuths&tr. Uraufführung: Rechtlose Franca Bühne: Ural-Kosacken.Chor {Beilage Dienstag, 5. März 1928 .Mscht tos. Det mit'n K r a n tz. P r vz e h. del war'n schäst. Da hom wa»ich jenug Zeitung«, haben können D«n» war'n dl« Leute janz vorrückt mit dem Zl m o n u l l a h. Abo dct wächst ihn' nu schon wioda zum Hals heraus...* Da oerlangt ein Passant eine Zeitung, und jeder widmet sich wieder dem Geschäft. Es ist heut« noch kälter als gestern. Ich verkaufe in% Stunde gar nichts und sehlieh« um 19 Uhr meinen Laden. In einem. Neincn Cafe wärme ich mich aus und beginne um 29 Uhr eine Tour durch die Lokale hinterm Alexanderplatz. vle gesteigerten Anforderungen, die der moderne Pro- dukkionsprozeh au den Arbeiter stellt, nehmen vielen lausen- den von älteren Vrolelacieru, wenn sie einmal arbeitslos geworden find, alle Hoffnung, je wieder eingestellt zu werden. Ist man über S0 Jahre, so ist mau zv jung, um Invalidenrente zu beziehen, aber doch schon zu all. um noch Arbeit zu bekommen. Uad so kommt mancher dieser zur Dauerarbeitslosigkeit verurteilten auf der Svche nach einem Erwerb zum Hausierhandel. Ein Neiner Vorrat Schnürsenkel, Knöpfe. Zwirne und ähnliches wird eingekauft. Damit gehl der Hausierer von Tür zu Tür. halb Händler, halb schon ein Veitler. Zwei Abende als Hausierer durch Berlin. Ich war mir vor, daß der wirklich« Hausierer manches anders empfindet, als ich, der Amateur. Er zieht mit iemem �wandelnden Warenhaus" tos in dem Bewußtfein, daß er verkaufen und ver- dienen muß, weil er sich sonst nicht satt essen kann. Das lastet auf ihm, und wenn er nach zehn Stunden noch nicht genügend ver- Niemand kauft. dient hat, wird et trotz Müdigkeit und Kälte noch bis in die späte Rächt hinein in Eas-Häufern und Wirtschaften hausieren, bis er das allernötigft« erworben hat. lind oft genug wird er schlechte Tage haben, besonders wenn er sich beschränkt, Privatwohnun- gen zu besuchen. Wie wenig ertragreich ein solcher Gang von Tür zu Tür sein kann, erfuhr ich auf dem Kurfürstendamm. Um 19 Uhr begann ich mein« Tour. Fast an jedem der protzi» gen Portole lese ich aus einer Tafel di« Lustchrist:„Aufgang nur für Herrschaften", und am Nebeneingang„für Dienstboten und Lieferanten"«st ein anderes ab- weisendes Schild befestigt: »Betteln und Hausieren streng verboten!" Man will nicht belästigt werden. Trotz aller Schilder und Verbote klingle ,ch am nächsten Portal. Meine Waren habe ich in einem geschlossenen Kasten. D« elektrisch« Türöffner knackt Ich trete ein. Eine breite Marmortreppe, mit weichem Teppich belegt. führt nach oben zu den„herrschaftlichen Wohnungen". Kaum bin ich drei Schritte gegangen, werde ich schon vom Por- tier angehalten, der aus seinem Fensterchen heraus meine ärm- l;che Kleidung mit mißtrauischen Micken mißt und sofort fragt: „Zu wem wollen Sie?" „Ich möch:« hier etwas verkaufen." Dabei öffne ich meinen Koftem Jy\«x dürfen Sc nich rauf! Jahn Se man um de Eck« in n Nebenuffjang." Dabei zeigt er mit seinem decken Daumen ü j«r di« Schulter weg. Ich trolle mich w cder und geh« um die Eck«. An das Schild „Vetteln und Hausieren verboten" kehr« ich mich nicht und steig« die dunkle Wendeltrepp« hinaus. Eng und dunkel sind fast all« Hintertreppen im„vornehmen West« n". Was am H.uptauigang verschwendet wurde, hat man hier gespart! Bier Treppen stcize ich hoch. Ganz oben will ich anfangen. Eh« ich ober den Klingelknopf drücke, habe ich ein. beengendes Gefüh, Aber schließlich gebe ich mir einen Ruck und klingle. Meinen Kasten halt« ich jetzt offen vor mir. Die Türe geht auf, aber gerade nur so weil, daß die Frau, die dahinter steht, noch Heraussehen kann. Ich sa'ze mein Sprüchlein herunter:„Brauchen Sie Schnürsenkel, Sichcrheltsnadeln. Zwirn. Krozenknöxschen..." Weiter komme ich nicht. Di« Türe wird mir wortlos vo,� der Nase zugeschlagen. Ein wenig ermunternder Ansang! Ich mache Kehrt und klingle gegenüber. Dort wird nur der Schieber hinter dem kleinen Guckloch beiseite geschoben. � Ein lpwnierendes Auge stellt fest, daß nur ein Hausierer draußen steht, uich die Türe wirb gar nicht erst geöffnet. Im dritten und zweiten Stockwerk Hab« ich auch kein Glück Im ersten Stock sagt mir das Zimmermädchen: „Wenn Sie früher geiommen waren, gern«. Adel jetzt, so kurz vor dem Ersten kann ich Ihnen nichts abkaufen" „vielleicht braucht die Frau Prosesior etwas?" JDi« Herrschaft erlaubt nicht, daß ich für sie tauf«. v«l einem Hausierer schon gar nicht. Und ich selbst kann nichts taufen... Ich habe ja weniger als Sie." Mit einem bedauernden Achselzucken schließt das Mädchen di« Türe. Ich gehe wieder auf die Straße. In acht Wohnungen hatte ich keinen roten Heller verdient. Von der Türe gejagt. Das nächst« Haust Trotz meiner Erfahrung von vorhin klingle ich wieder am Hauptportal. Diesmal wird nicht geöffnet. Die Portierloge hat hier ein Fenster zur Straße Ein schnauz- bärtiges Gesicht fährt mit scharfem Ruck durch die Fensteröffnung. Ich sage, warum ich ins Haus will. Da komme ich aber schön an. Im Feldwebelton werde ich angefaucht: „Sie sin woll nich recht jescheit? Wat fällt Ihn' denn ein, hier zu klingeln? Wann Se sich nich gleich dünn« machen, denn werd ick Ihn' wat zeigen, Sie unvoschämta Kerl Sie..." Drohend gereckte Fäuste unterstreichen diese Worte. Ich ver- dufte, so schnell ich tonn. Der Hauszerberus hatte so laut ge- brüllt, daß die Passanten schon aufmerksam wurden. Ich gehe zum nächsten Eingang. Beim Hauptaufgang versuche ich es schon nicht mchr. Ich bin bescheidener geworden. Treppensteigen, Klingeln, Abweisungen, Treppensteigen, Ab- Weisungen und wieder Abweisungen! Niemand will kaufen. End- lich im vierten Haus habe ich Glück, nachdem ich ganz dringend ge- beim habe:„Bitte, kaufen Sie doch etwas. Ich habe heut« noch nicht» verkauft." „ijaben Sie was für einen Groschen?" „Ein Brief Nähnadeln vielleicht?" Da» Geschäft kommt zustand«, und ich stecke meinen ersten Groschen m die Tasche. Zwei Stunden steige ich Treppen, gehe von Tür zu Tür am Kurfürstendanrw und in seinen Neben- straßen. Die Ersahrungen, die ich mach«, sind überall die gleichen: Unwillige Gesichter hinter einem schmalen Türspalt, vorgelegte Sicherheitsketten und ärgerlich« Bemerkungen über die Störung, da und dort ein bedauerndes Wort, daß man nichts brauche. Wo ein Guckloch in der Tür ist, wird meist gar nicht geöffnet. Einmal hat mir ein Mann polternde Vorwürfe gemacht:„Schämen Sie sich! So ein junger Mann und hausieren! Arbeiten Sie. Sie Faullenzerl" Und krach— flog die Tür mit lautem Knall zu, eh« Ich noch etwas erwidern konnte. Verkauft hatte ich nur vor fünf Türen, dabei dreimal an Hausangestellte. Man nahm leweils Zehn- und Fünfzehn. psennigartlkel, insgesamt für 69 Pfennig. Davon war die Hälfte Verdien st. Ich hatte also in zwei Stunden 39 Pfennig verdient. Meine Spesen für Straßenbahn waren aber noch nicht abgerechnet. Später habe ich mir sagen lassen, das Haustevgeschäst sei nirgends so schlecht, wie gerade in den Häusern mit einem besonderen„Aufgang für Herrschaften". Am Nollendoffplatz. Um 18 Uhr fahr« ich zum Nollendorfplatz. Ich stelle mich am Eingang zur Untergrundbahn auf und halte meinen ge- öffneten„Bauchladen" hin. Der Platz glüht und strahlt im Glanz der Lichtreklame. Di« Untergrundbahn speit Menfchenmasien aus. Man schaut absichtlich nach der entgegengesetzten Seit«! Einmal drückt mir jemand 5 Pfennig in die Hand und geht schnell weiter. Zwei Frauen in Pelzmänteln taufen mir zwei Paar Schnürsenkel ab, geben 59 Pfennig und lasten sich nicht« zurückgeben. Es ist kalt Mich friert. Ich habe keinen Mantel an. Die Finger werden mir steif. Aber ich kann di« Hönde nicht in die Taschen stecken, weit ich meinen Kasten hatten muß Ein« volle Stund« stehe ich so am Nollendorfplatz. Der Zeiger auf dem beleuchteten Zifferblatt einer Reklamesäule zeigt l9 Uhr. Länger ist der Straßenhandel nicht gestattet. Ich packe meinen Kram zusammen und fahre nach Hause Im Berliner Osten. Am anderen Abend oersuche ich's am Alexanderplatz. Ich stehe an einer Eck« neben einer Zeitungsoerkäuserin. die, ebenso wie ich ein« Weile nichts oerkauft. Sie kommt auf mich zu und klagt:„Det Iefchäft is heute wieda mal mießl" „Na. Zeitungen gehen doch bester wie mein Kram?" mWeßn Se sJi.b nicü gl. ich düuae machen. In Kaffees und Wirtschaften. Ich besuch« kleine Cafes und Wirtschaften. Ein kurzer Gruß zum Schanktisch hinüber. Der Wirt nickt mtt dem Kopf. Das nehme ich als Erlaubnis, daß ich hier verkaufen darf. Nur selten werde ich darauf aufmerksam gemacht, daß nach 19 Uhr der Hausierhandel verboten ist. Dann interveniert aber meistens ein Gast gutmütig beim Wirt:„Na, laß' ihn schon: der handelt doch nich zum V a g n i« g e n." Ich kann ungestört von Tisch zu Tisch mein« Waren anbieten. Di« Gäste sind meist Arbeiter und kleine An- gestellte. Do und dort kauft man etwas, sorgfältig aus- wählend, was wohl am besten zu brauchen ist. Am meisten werden Patenthosentnöpfe verlangt. Di« sind bald aus- verkauft. Aber auch Sicherheitsnadeln� Zwirn und Schnürsenkel gehen gut ab. Wo eine Gesellschaft beim Karten- fpiel sitzt, werde ich unwirsch abgewiesen. Sonst aber ist man freundlich zu mir. Einer entschuldigt sich dafür, daß er mir nichts abtauft, er fei arbeitslos, und gleich zeigt er mir zur Legiti- mation feine S t« m p« l k a r t«. Fast in jedem Le-kal verkaufe ich eine Kleinigkeit. Langsam mehren sich die Groschen in meiner Tasche. Ich komme in dunkle Gasten. Aus den Gehsteigen wandern billige Straßenmädchen auf und ob. In den Lokalen, die ich hier aufsuche sitzen Zuhälter und Mädchen, die sich aufwärmen. Musik und Tanz und lustig« Stimmung finde ich da und dort. Das Geld fitzt locker in der Tasche. Ich verkaufe leicht. Zuweilen eine freundschaftliche Flachferei, aber nirgends Grobheiten, wie im Westen. Dann komm« ich wieder in ll rb» i t« rl o t al«. Don 29 bis 22 Uhr bin ich von Wirtschaft zu Wirtschaft ge- gangen und hatte insgesamt 1.79 Mark Reinoerdienst. Zwei Umstände hatten das Geschäft begünstigt. Es war Freitag, also Lohntag: da sind viel« Gäste in den Lokalen des Oftens und haben ein paar Mark in der Tasche. Dann aber ist am Abend nach 19 Uhr— di« Zeit, in der di« Lokale am stärksten besucht, sind— der Handel verboten, so daß ich wenig Konturrenz hatte. Der Hausierer, der sich an die Polizeioorschriften hält und am Tage seinem Gewerbe im Osten nachgeht, wird also weitaus schlechtere Geschäft« machen, besonders von Montag bis Donnerstag. Und gleichviel, ob er seinen Erwerb im Osten oder im Westen sucht, ein mühseliges Pfenniggeschäit der Hausierhandel immer. Eines aber muß festgestellt werden: Die Behandlung. d,e als Hausierer in Arbeiterlokalen erfahren habe, stich, an- genehm ab von dem Benehmen, das die„vornehmen Herr I ch o f t« n" des Westens zeigten, als ich meine Waren anbot. Felix Fechenbac' Humor Im Isergebirge. Die Glasschleifer im nordböhmischen Isergebirge waren schon immer ein witziges Völlchen. Franz Grundniann hat viel von ihnen aufgezeichnet: auch das, wie sie dem Eisenosen wenigstens mit Farbe„ritte Wängelen b'mal'n". Bon ihnen stammt der doppe. sinnige Spruch:„Nifl.t mach ich lieber wie Arbelten"— es kommt eben auf die Betonung an! Das Schlittschuhlaufen heißt man drüben auch Schleifen. Da ober im Isergebirge auch Glasperlen erzeugt werden, konnte folgendes winterliche Ballgespräch Zustandekommen:„Fräulein. schleifen Sie?"—„Nej, ich mache Parin." DER S VON B.TRAVEN E R SIERRA MAP I Hadidrudc vefboten« Copyright by Büdiergilde Gutenbcrg, Berlin� lange Zeit befindet sich Dobbs auf Arbeitsuche in den mexikanischen Oelrevieren. Endlich gladt es ihm. bei der Aufbereitung eines Lampe Beschäftigung zu finden. Das war eine ganz verteufelte Arbeil Zentnerschwere Dohlen mufile er auf den Schultern herbeischleppen, während die Sonne erbarmungslos herunlerglühle. Nach drei Tagen waren seine Schultern wie rohes Fleisch. Die Haut hing in Fetzen und Streifen auf»einem Halse herum, zur Hälfte abgebrannt, zur Hälfte abgeschürft. Der Bohrturm war fertig, dann kam das Maschinenhaus an die Reihe. die Werkzeug- und Lagerschuppen schlössen sich an. Als Dobbs seinen sauer verdienten Lohn haben will, fertigt ihn der Unternehmer mit 30 Proz. ab. Drei Wochen lang war dann der Unternehmer verschwunden. Schliefilich treffen Ihn Dobbs und ein Arbeitskollege auf der Strebe. Sie drängen energisch auf die Auszahlung des Restlohns. 7 Fortsetzung. „Seien Sie doch ruhig," sagte Pol holblaut und zog sie mit sich >>1 eine Bor, wo er sofort drei große Mas chobanero bestellte.„Wir können doch das in aller Ruhe erledigen. Sehen Sie mal, ich Habs da in nächster Woche wieder einen neuen schönen Kontrakt, und gleich daraus noch einen, den einen in Amatlon, den andern in Coreooado. Da nehme ich Sie beide wieder mit. Sie sind tüchtige Arbeiter, mit denen ich gern zusammen arbeite. Aeiundheit!" Er Hab sein Glas und stieß mit den beiden an. Sie tranken. Dann sagte Curtin:„Das ist ganz gut, daß Si« uns wieder mit in Ihre neuen Kontrakte nehmen wollen. Aber ohne Geld arbeiten wir nicht. Wo ist unser Geld?" s „Ich habe das Geld noch nicht bekommen. Der Scheck ist noch nicht überwiesen." Dann wandte er sich gleichzeitig zu dem Bartendcr und koinmcndierte:„Noch drei große chabanero»." „Sie, Mann," sagte nun Curtin ungeduldig,„glauben Sie nicht,' daß S e uns jcgt entwischen und uns hier mit dem Schnaps einseisen j können" „Einseifen?" Pat tat erstaunt.„Ich Sie einseisen mit Schnaps? Da ft nicht gerade sehr—" »Was es ist, das ist ganz gleichgültig," sagte Dobbs.„Wir wollen � »nser Geld, für das wir schwer genug gearbeitet haben Ob Sie uns! wieder mit in neu« Kontrakte nehme.n oder nicht, hat doch keinen W�rt■vienn Sic nicht zahlen." ,'und versluchter, wo ist unser Geld?" Curtin schrie es ganz, Plön-ich heraus, als ob er mit einem Maie seine Sinne verloren habe.! vielleicht hatte der Schnaps auf ihn eine andere Wirkung, als Pat � errncrH hatte. „Aber ich kann such doch nur wiederholen, id) habe das Geld selbst noch nicht ausgezahlt bekommen" Da packte ihn Curtin vorn an der Kehle, schüttelte ihn und sagte: „Das Geld ictzl her. du Räuber, oder ich zerHämmer« deinen Schädel hier auf der Tischplatte." „Ruhig, Gentlemen, ruhig." mischte sich nun der Bartender ein. Er nahm oder im übrigen keine Notiz weiter von dem Vorgang. Er putzte die Barplatte ob, wo die Gläser ihre Ränder zurückgelassen hatten, und zündete sich dann eine Zigarette an. Pat war sin krästiger Bursche, und er wehrte stch. Aber Curtin besaß die größer« Wut. Dobbs kam näher, als ob er auch gleich auf Pat mit loespringen wolle. Nun drehte sich Pat aus der Kehlschlinge heraus, ging einen halben Schritt zurück und sagte hämisch: �Ihr seid sa in der Tat die richtigen Banditen. Das hätte ich nur wissen solle» Aber lieber schneide ich mir sonst was ob, als daß Ich euch beide Schufte noch einmal mit einen meiner Kontrakte nehme. Da habt Ihr euer Geld, und nun laßt euch ja nicht mehr sehen." „Da werden wir Sie nicht um Erlaubnis fragen," sagte Curtin. Pat griff in die Hosentasche und holte eine Handvoll Dollar- scheine hervor, die er ganz zerknüllt in der Tasche trug. „Da ist ihr Geld," sagte er zu Dobbs. Er hatte im Augenblick die richtige Summe abgezählt. Er wußte im Kopfe auf den Cent genau, wieviel er jedem schuldete. Er schob das Geld Dobbs hin. und dann zählte«r mit derselben Hand, mit der er die Scheine hielt, das Geld für Curtin ob und warf es ihm rüber. „So." sagte er nun in dem Tone, wie man lästige Gläubiger ab. fertigt,„nun belästigen Sie mich gefälligst nicht mehr. Sie haben jetzt Ihr Geld, und ich werde mich wohl hüten, noch einmal solche Handlanger, die nichts verstehen, in meinen Kontrakt zu nehmen." Cr warf drei Pejos auf die Bar für die Schnäpse. Dann schob er den Hut in den Nacken und verlieh das Lokal, die beiden Leute stehen lastend, als hätten sie ihm»ine unerhörte Beleidigung zugefügt. „Warum wohnen Sie denn im Cleoeland, Mensch?" fragte Dobbs den Turtln, als sie auf dt» Straße traten und am Soulhern Hotel vorüberschlenderten.„Da zahlen Sie doch wenigstens drei Pesos für die Rocht." „Vier," gab Curtin zur Antwort. „Kommen Sie doch mit in den Oso Negro, fünfzig Centavos," riet Dobbs. „Ist mir zu dreckig da und nichts als Veachcombers und solche Strolche." sagt« Curtin. „Wie Sic wollen. Wenn dos Geld alle ist, landen Sie auch im Oso Negro wie wir alle. Ich hätte es ja selbst nicht nötig. Aber ich will die paar Böckchen zusammenhallen. Wer weih, wann wieder etwas aufblüht. Ich gehe auch zum Chint esien für fünfzig, genau wie vorher." Sie waren zur Ecke der Plaza gekommen, wo das große Iuwelengefchäft La Perla war. Sie blieben dort stehen und sahen sich die Herrlichkeiten an. Das funkelte von Gold und Diamanten. Ein Diadem lag da für achtzehntaufend Pesos. Sie sagten nichts, betrachteten nur die aufgespeicherten Schätze, dachten an den Werk, der hier lag und dachten an das viele Geld, das manche Leute hier in der Stadt besitzen müssen, um solche Dinge kausen zu können. Vielleicht war es das, was sie hier aufgehäuft sahen, das ihre Gedanken einmal vom Oel ablenkte. Denn wer hier lebte, dachte nur an Oel, dachte nur in Oel und dachte nur an Lebensmöglichkeiten, die mit Oel irgendwie verknüpft waren. Ob man arbeitete oder spekulierte, immer war es Oel. Sie lehnten mit dem Rücken gegen die großen Glasscheiben und sahen gelangweill über die Plaza, hinter der die Schisssmasten sichtbar waren. Das erinnerte sie beide an Reisen und auch daran, daß es noch andere Länder gäbe und andere Ekwerbsquellen als die, die hier in dieser Stadt in Frage kamen. „Was haben Sie nun eigentlich vor, Curtin?" fragte Dobbs nach einer Weile.„Immer hier herumstehen und herumwarten, bis man rein zufällig etwas bekommt, das wird man endlich leid. Es ist immer nur Warten und Warten. Das Geld wird immer weniger, bis mau eines Tages gar nichts mehr Hot. Dann geht die alle Flöte wieder los. die anbetteln, die aus den Camps für einen Tag oder für eine Nacht hereinkommen. Ich habe ganz ernsthaft im Sinn, nun einmal etwas anderes zu tun. Gerade jetzt ist Zeil, solange man noch Geld hat. Ilt es erst wieder fort, dann steht man da und kann sich nicht rühren." „Dieselbe Frage beschäftigt mich nun zum dritten Male," er- widerte- Curtin.„Ich weiß, wie das ist und wie das geht. Aber ich habe keine einzige Idee. Goldgroben- das ist das einzige." „Da haben Sie es gesagt," fiel Dobbs ein.„Daran dachte ich auch gerade. Es ist schließlich keine gewagtere Spekulation, als auf Arbeit in den Oelseldern zu warten. Es gibt ja kaum noch ein Land, wo soviel Geld und soviel Silber darauf wartet, daß man es aus- bubbelt. wie dieses Land hier." „Lassen Sie uns da hinübergehen und auf die Bant setzen," sagte Curtin.„Ich will Ihnen sagen, ich bin hier runter gekommen nicht wegen Oel, sondern wegen Gold," erzählte nun Curtin nachdem sie sich niedergesetzt hallen.„Ich habe hier in den Oeldistrikten nur einige Zeit arbeiten wallen, bis ich genügend Geld in den Fingern haben würde, um auf die Goldsuche loszugehen. Es kostet ein« gut« Summe. Da ist die Reise, da sind die Schaufeln, Hacken. Pfannen und sonstigen Werkzeuge. Dann muß man auch vier bis acht Monate leben können, ehe man was verdient. Kommt«s endlich zum Rech- nunalegen, kann es sein, daß man alles verloren hat. Geld und Mühe, weil man nichts gefunden hat." Dobbs wartete darauf, daß Curtin noch weitersprcchen sollte, aber Curtin schwieg, er schien nichts mehr zu sagen zu haben. Da sagte nun Dobbs:„Das Risiko ist nicht so groß. Hier herum- zulungern und auf Arbeit zu warten, ist ein ebensolches Risiko. Hot man Glück, kann man monatlich dreihundert Dollars verdienen, vielleicht noch mehr, sechs, zehn, achtzehn Monate lang. Hot man kein Glück, findet man keine Arbeit, hat man genau so gut alles verloren. So glatt liegt das Gold ja nicht auf dem Hausen, daß man es nur abzuschaben und einzusacken braucht. Das weiß ich auch. Aber ist es nicht Gold, dann ist es vielleicht Silber, und ist es kein Silber, so ist es vielleicht Kupfer oder Blei oder gute Steine Wenn man das auch nicht selbst ausbeuten kann, so findet man immer eine Kompanie, die einem die Mutung abkauft oder die einen mit guten Anteilen als Teilhaber ausnimmt. Jedenfalls werde ich mir das einmal gut über- legen." Sie sprachen nun von etwas anderem. So schwer gewichtig werden solche Gespräche über Goldsuchen hier nie genommen. Jeder sagt es,>eder plant es. und von zehntausend geht dann einer los und tut es, well das eben nicht so schlicht zugeht, als ob man auf Kaninchcnjogd zu gehen beabsichtigt. Es lebt nicht ein Mann hier. der nicht einmal wenigstens daran gedacht hat, auf die Goldsudie zu gehen. Die vielen Hunderte von Minen für andere Metalle, die hier im Lande sind, wurden alle gefunden und gegründet van Leuten, die auf Gold suchten und dann das nahmen, was sie fanden. Manch« Mine, die weder Silber noch Gold hervorbringt, trägt chren Besitzer» größere Reichtümer zu, als zahlreiche Goldmiven es können. Je mehr die elektrische Industrie sich ousbrellet. desto wertvoller wird Kupfer. Es kann die Zeit kommen, daß'man Gold für durchaus ent- dehrlich ansieht: von Kupfer, Blei und vielen anderen Metallen kann man das nicht so leicht sagen. Kein Mensch hat einen Gedanken ganz für sich allein, und es hat noch nie jemand ganz für sich ollein eine originelle Idee gehabt. Jede neue Idee ist das Kristallisationsprodutt tausend verschiedener Ideen. die andere Menschen haben. Einer findet dann plötzlich dos rechts Wort und den richtigen Ausdruck für die neue Idee. Und sobald das Wort da ist, erinnern sich Hunderte von Menschen, daß sie diese Idee schon lange vorher gehabt haben. Wenn in einem Menschen ein Plan auftaucht, der Gedanke, etwas Bestimmtes zu unternehmen, heranreist, darf man sicher sein, daß zahlreiche Menschen in seiner Nähe den gleichen oder eine» ähnlichen Plan haben. Darum verbreiten sich Massenstimmungen sa rasch wie ein fegender Feuerbrand. Etwas Aehnliches geschah hier. Curtin wollte noch eine Nacht im Cleoeland bleiben und erst am folgenden Tage umziehen zum Oso Negro. Als Dobbs heimkam, waren außer ihm nur noch drei Amerikaner in dem Raum. Di« übrigen Betten schienen heute nicht besetzt zu sein. Einer der Neu- angekommenen war ein allerer Mann, dessen Haar weiß zu werden begann. Als Dobbs den Raum betrat, unterbrachen die drei ihr Gespräch. Aber nach einer Well« nahmen sie es wieder auf Der Alle lag im Bett, der eine der beiden andern lag angekleidet auf dem Bett, und der dritte saß auf dem Bell Dobbs begann sich auszukleiden. Zuerst verstand er nicht, wovon die Rede war Dann aber wußte er mit einemmal. daß der Alle seine Erfahrungen als Gold- fucher den Jüngeren milleille. Die beiden Jüngeren waren hierher gekommen, um auf Gold zu suchen: denn man hall« ihnen in den Staaten unerhörte Dinge von dem Goidreichtum des Landes erzählt. „Gold ist eine verteufelle Sache." sogt« Howard der Alle.„Es ändert den Charakter. Man kann noch soviel haben, noch soviel sinden, soviel aufzupacken haben, daß man es allein gar nicht weg- schleppen kann, immer denkt man daran, noch etwas hinzuzube- kommen. lind um noch etwas hinzuzubekommen, hört man auf. zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden. Wenn man rausgeht, nimmt man sich vor. mit dreißigtaufend Dollars zufrieden zu fein. Wenn man nichts findet, setzt man sein« Erwartungen herab auf zwanzigtausend, dann aus zehntausend, und man erllärt, daß man sich mit fünftausend völlig begnügen würde, wenn man sie nur finden möchte, auch wenn man hart darum arbeiten muß Findet man dann aber etwas, dann ist man mit den ursprünglich erhofften dreißjgtausend nicht fall zu kriegen, dann geht man immer höher und höher, möchte fünfzig-, hundert-, zweihunderttausend Dollars haben. Dann kommen die Verwicklungen, die einen hin und her schmeißen und nicht mehr zur Ruhe kommen lasten."(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. nniHinmmnimnniinnMnmiiiniiinniniiniiinnmimiumiiffiiimimnnmiHiiMiiiiiiiiiiiininiinniiiiiiiniiimiiiiiiiimmiiniiraiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiininnuiimiiitiimniiinmiimHmiiiiii Ein Dreizehnjähriger verklagt den Vater. Das Strasdezirksgericht I zu Wien erlebte vor einigen Tagen einen Prozeß, der einzig in der Welt dastehen dürfte. Ein dreizehn- jähriger Gymnasiast verklagte seinen Voter wegen Beleidigung, da dieser behauptet hatte, deiß sein Sohn im Gymnasium einen Bücherdiebstahl begangen hätte. E» kam in diesem sellkawen Prozeß zu eigenartigen Offenbarungen über das Verhältnis zwischen Vater und Sohn, zumal der Angeklagte bei Beginn des Prozesses erklärte, den Wahrheitsbeweis anzutrelen. Der Gerichtsoorsitzende fragte den kleineu'Kläger, ob er ernstlich die Klage gegen seinen Dater aufrechterhallen wolle. Er erhielt die Antwort, daß der Gymnasiast nur den Wunsch hege, von dem elterlidzen Vorwurf dos Dieb- stohls befreit zu werden, da dieser völlig unwahr und unberechtigt sei. Es konnte zu dieser Klag« nur dadurch kommen, daß die Ehe der Ellern geschieden ist und das Kind der Mutter zugesprochen worden war. Der Vater zeigte sich zunächst unzugänglich, obwohl ihn der Vorsitzende darauf auimerlsam machte, daß die Führung eines Wahrheitsbeweise« sür sein Kind von größte» Folgen se-.n könnte, wenn der Vorwurf den Tatsachen entspricht. Aber mich für den Beklagten könne e« unangenehm werden, wenn es sich um eine nachweislich falsche Anschuldigung handele. Schließlich besiegte das liebevolle und zärtliche Verhalten des kleinen Klügers das Herz des Baters. denn er bat den Richter, den Papa doch nicht'zu bestrafen, sondern nur zu bewirken, daß er die Beleidigung zurücknehme. Einen Augenblick starrte der Angeklagt« nachdenklich vor sich hin, dann ging er auf sein Kind zu, umarmte und küßte es und sagte zu ihm:„Ich will dich nicht kränken, ich nehine also die Beleidigung zurück und erkläre, daß du nicht gestohlen hast." Beide weinten vor Rührung, und der Bater erklärte sich bereit, diese Ehrenerklärung auch schriftlich abzugeben. Vor ftcridst wurde festgestellt, daß keinerlei Ursache sür den Vorwurf des Diebstahls vorhanden war, und der kleine Kläger und der Angeklagte verließen versöhnt das Gerichtsgebäude. Kanada will Alaska kaufen. Die kanadische Rezierung hat beschlossen, mit den Vereinigten Staaten in Unterhandlungen über den Erwerb von Zllaska zu treten. Damit wird dieses Land im Nordwesten der Neuen Welt wieder einmal zum Handelsobjekt. Es ist anzunehmen, daß die Vereinigten Staaten einen recht beteächtlid)« Kaufpreis fordern werden, sofern sie sid) überhaupt zur Veräußerung der Insel entschließen sollten. Jedenfalls dürfte der Erwerb von Alaska, den die Vereinigten Staaten im Jahre 1867 vornahmen, eines der besten Geschäfte der Welt- geschichte gewesen sein, denn Amerika zahlte damals nur ungefähr 7 Millionen Dollar. Allerdings erwarben die Vereinigten Staaten Alaska aus Priootbesitz, und die Russisch-Amerikanische Haiidelskom-- pagnie, die das Territorium für diesen Preis hergab, glaubte damals ein gutes Geschäft gemacht zu hoben. Inzwischen hat sich aber der Wert des Landes unier der amerikanischen Verwaltung bedeutend gehoben, so daß die Vereinigten Staaten sür alle Neueinrichtungen. die sie im Lauf« der Jahre dorr geschaffen haben,«nc mehr als reichliche Entschädigung erholten dürften. Die DRU. im Sporipalasi. Evcri-Urban Dreistunden sicgcrl Gestern hatte die Deutsche Radfahrer-llnion ihren Tag im Sportpalast. Der Erfolg war sportlich und finanziell gut: eine stark vertretene Sportgemeinde hielt das Haus dicht besetzt. Im Mittelpunkt des Programms stand das Drei stunden- Mannschaftsrennen. 13 Mannschaften stellten sich dem Starter. Stärkste Leute im Rennen waren Eoert-Urban (SB. R. C. Albcno-Diamant 07). die im Dcrlauf der ersten Stunde einen großen Vorstoß anlegten. Ihre harte Arbeit war mit Erfolg gekrönt: Everl- Urban überrundeten das ganze Aeld. Einmal allein Spitzenpaar, gaben sie die Führung nicht mehr ab! Dos schnelle Tempo— in der ersten Stunde wurden über 40 Kilometer bedeckt— brachte auch zahlreiche Stürze, die zunächst glimpflich verliefen. Im Dreistunden-Rennen selbst gingen Evert-Urban mit 9 Punkten und 117,600 Kilometer als Sieger hervor. Den zweiten Platz belegt« eine Runde zurück die Mannschaft S«eronfli(Alberto)-Risch (Dürrkopp« Friedenau) mit 24 Punkten vor Klos-Zeiser(Opel) 21 Punkte und Preußer-Matern(Einzelfahrer) 3 Punkte. Die rest» lichen fünf Mannschaften— vier Mannschaften schieden im Verlaus des Rennens aus— lagen drei und mehr Runden zurück. Im Malfahren siegte Schimming. dessen stärkster Rivale Kirchner durch Sturz kampfunfähig wurde. Bfandendurger Boxmeisterschaften. Durch den VC. Heros kam im Kriegervereinshause die dritte Zwischenrunde zur Ermittlung der Meister des Skrandenburgischen Voxverbandes zur Durchführung. Es gab ausgezeichneten Sport zu sehen. Im Bantamgewicht gab Tmtbenk«(Heros) in der 2. Rund« gegen Friedländer H(Maccabi) auf. Urban(VE. 13) wurde in der 3. Rui»de zugunsten des Federgewichtlers Iahnke(Eisenbahn) disqualifiziert, durch Abbruch endete der Mit- telgewichtstampf zwischen Käs«(Wriezeu). und Kinski (Landsberg a. d. W.) in der 2. Runde zugunsten des«stwen. Europameister Dalchow(Hermes) schlug im'Leichtgewicht den Teutonen Kräker in der 3. Runde schwer ko. Kampskos kam Pi. stulla(Heros) in die nächste Runde. Die übrigen Kämpfe wtwden durch Punktwertung entschieden. 16, Hallemporttest. Morgen abend im Sportpalast Das morgen, Mittwoch, 20 Uhr, im Sportpalast stattfindende Hollensporttest des Verbandes Brandenburgischer Athletikvereine Ist mit einer Ehiung der Gründer der Deutschen Eportbehörde für Leichtathletik, die auf ein ZOjährige- Bestehen zurückblicken kann, verbunden. Anschließend wechseln Vorführungen und Wettkämpfe in bunter Folge. Im Sprinter-Dreikampf. der im Mittelpunkt des Programms steht, starten Körnig. Turnermeister Lammers. Becker(Stendal), Scheibe!. S ch l ö s k e(SEE.) und A s f« y« r. Einen schweren Stand hat auch der Mittelstreckenläufer Turnermeister W i ch m a n n(Karls- Horst) im Lauf über 1000 Meter. Er trifft auf Schoemonn(Bres- lau). Boitze(Hamburg) Sowahn(Stettin) und die beste Berliner Klasse mit Dr. Merkel und Fredy Müller an der Spitze. Als vor- aussichtliche Sieger des tzOOO-Meter-LaufenssstSohnan- zusehen. Der Charlottenburger Schmidt sowie Boltze und Kapp (Stettin) werden den» Teutonen aber zweifellos hart zusetze»». Höhe- punkte des Festes sind auch die vielen Staffeln, die alle ein« erst- klassig« Besetzung hoben. Die im Programm vorgesehenen Vor- führungen und ZVettkäinpse anderer Sportarten versprechen eben- falls guten Sport. Es werden Laufoorführungen und Gnmnastik- Übungen, ein Leichtgewi chts-Ringkampf, Iiu-Iitsw und Rhönrad- Vorführungen gezeigt, die Radfahrer bestreiten ein SO-Runden- Rennen._ Berlin siegt im Vierst&dtcfediten. Im Berliner LandwShrkafino traten sich die Mannfchaiten von Berlin. Leipzig. Hannover und Hamburg zum fünften Male im Fechter-Slädtekamps gegenüber. Gekämpft wurde diesmal mit dem Säbel. Di« Berliner konnten ihren im Borjahre M Leipzig errungenen Sieg auf Florett wiederholen, sie gewaunen mit 30 Einzelsiegen vor Leipzig mit 29. Hannooer mit 21 und Mamburg mü 16 Einzelsiegen. Der Endsieg fiel schließlich mit einem Punkt Vorfprung an Berlin. Von den Naturfreunden. Brandenburger Bezirkskonferenz. Auch in Brandenburg nimmt jetzt die Raturfreunde» bewegung nach Ueberwindung einer Periode de» Stillstands einen weiteren Aufstieg. Davon komite am Sonntag eine Bezirk»- konferenz de» Bezirts Ost-Brandenburg in K o t t b u s Zeugnis ablegen. Nicht nur die größeren Ortsgruppen»vi« Kottbus. Forst und Sarau berichteten von lebendiger Wirksamkeit. Auch die ganzen Gruppen des Eenftenberger Kohlenreviers, die im Eüdzipfel des Gaues liegende neugegründete Ortsgruppe Bockvntz und die isoliert im fernen Osten besintllichen Gruppen Frankfurt au der Oder und L a n d s b e r g an der Worth«»Verden wieder mobil.. SU Kottbusser hatten vor allem mit dem Ausbau de» ersten Naturfreundeheims im Spreewald bei Naun- darf zu tun. Vorbildlich« Bildungsarbeit leistete man vor ollem in Forst und in Sarau. In den anderen Ortsgruppen herrscht das Gesellige vor, getragen von Musik- und Dolkstanzgemeinschaften. Diel« Schwierigkeiten entwickeln sich besonders in der Oberlousttz und auch im Osten in der Zusammenarbeit mit den Behörden. Lebhafte Entwicklung verspricht man sich im Bezirk für die Photoarbcit. Die Gründung einer P h o t o s e t t i o n ist in mehreren Orten in Bar- bereitung. Das Heim im Krahnsdorier Grund wird gleichfalls»inen Ausbau erfahren. Del der Stellungnahme zur Reichs- und Haupt- öcrstmmüung»wird dringend die Schaffung eine» Reichsorgan- her oeutjcheu Naturfreunde»ejordert. Eb-ujalls uou Berlin als Provinzsiadt. Betrachtungen eines Arbeiiersporilers. Seit Jahrzehnten ist Berlin dar Zentralpunkt de» politischen und wirtschaftlichen Leben». Die Regierungen und Parlament« des Reichs»md von Preußen haben hier ihren Sitz. Kunst und Wissenschaft, zentral« Verband« der Unternehmer und Arbeiter, polnische Parteien usw. tonzentrieren sich in steigendem Maß« in der Reich»- Hauptstadt.. Die gleiche Entwicklung zeigt sich auch aus dem Gebiete tv» bürgerlichen Sports! In Berlin ist vor langen Jahren das groß« Stadion gebaut worden, jetzt errichtet die Deutsche Turnerschaft«in Sportforum»md ein �lnnaheim� im Grunewald. Der bürgerliche Sport schafft sich also in Berlin große Zentralpunkt«,»m» feinen Einfluß in der Reichshauptstadt zu sichern. Im Gegensatz zu dieser Zentrolisastonstendenz steht— beinahe als einzige Lusnahn«— der Arbeitersport. Hier gilt Berlin als der große Wasserkopf, vor dem die Berbände flüchten. Nur der Freie Seglerverband hat seinen Sitz in Bertin, ferner seit einigen Jahren die �entralkommission für Sport und Körperpflege'(die Spitzenorganisatim» aller Verbände). Alle anderen Verbände sind ofsenbar der Meinung, daß man den Wasserkopf. Bertin am besten sich selber überläßt. Und erklärlich wird dieser Standpunkt, da Berlin schon w der Borkriogszeit ständig die Zentral« der Opposition war, in praktischer Arbeit aber hinter den meisten anderen Großstädten zurück st au d. Die Folg« ist mm, daß sich in Berlin eigen« Zentralen bildeten, die naturgemäß gegen- über den bürgerlichen wirtlichen Zentralen nicht konkurrieren können. Es entstand der Turnverein«Fichte" als größter Verein des Bunde», der Schwimmverein Vorwärts und der Ruderverein Bonoärts, neuerdings die„Freie Turnerschaft Groß-Berlin", alle» groß« Zentratoereine, die aber auch in Zukunft kaum über örtliche Bedeutung hinauskommen werden. Bon der Kartell» bewegung hört man nur etwas, wenn Resolutionen an- genommen sind. Run soll das Kartell«inen große» Sportplatz erhalten, aber wer hat Hoffnung, daß daraus etwa» Großzügiges wird, dos dem bürgerlichen Sport Konkurrenz bieten kann? Di« so notwendige Kreisschule zur Ausbildung von Funktionären hat tüchtig« technische Leiter, aber es fehlt der große Zug, der st« zu einer gleich bedeutungsvollen Institution wie die Lehrgänge des bürgerlichen Reichsausschusses machen könnt«. Während der bürger- liche Sport Dutzende von angestellten Sportlehrern mit offiziellen Zentralen hat, fußt der Berliner Arbeitersport aus ehrename» licher Nebenarbeit von Funktionären der Bereine, so daß alles Flickwerk bleibt. Dem Zuge der Zeit wird sich auch der Arbeitersport aus die Dauer nicht entziehen können. Alle aus dem Deutschen Reich hier zusammenströmenden Kreise«erden aus dem Versagen des Arbeiletv sports in Berlin Rückschlüsse auf die Gesanrtbewegung ziehen. Die in der Reichs hauplstadt versammelten Porlainentarier entscheiden über die Gelder. Sie sehen die großen Anlogen des bürgerlichen, aber so wenig vom Arbeitersport. Dav.Gesai»»tinteresse erfordert ein« Aenderung dieses Zustande«. Das ist aber m»r möglich, wenn die Berbäirde energisch zufassen! .And» ein„Sportblatt" I Aus Arbeitersport kr eisen wirb uns geschrieben: Die Kommunisten wollen offenbar m der Arbeitersportbewegung den offenen Konflikt. Gleich dem rein kommunistisch eingestellten �lrbeiier-Fußball" be° ginnt nun auch„Sport und Spiel", das Wochenblatt der Leichtathletik- und Echülersparte im 1. Kreis, mit der kommumstischen Propaganda, die natürlich mit Beschimpfung und Verächtlichmachung der Soziaidemokratischen Partei verbunden ist. Verantwortlich zeichnet ein« sehr jugendlich« Sportlerin aus dem Sportverein Moabit, die den Arbeitersport und die Arbeiter- bewegung nur aus der kommunistischen Presse kennt und alles dort Veröffentlichte zur„ideologischen Aufklärung" in Spiel und Sport zum Abdruck bringt. In jeder Nummer wild eingehend registriert, was in der sagen haften Raren Sportinternationalr lo» ist. Ueber den eigenen Verband, den Arbeiter-Tnrn» und Sportbund, wird nur wenig und dann ablehnend kritisch berichtet. Beim Abdruck der 5kPD.-Korr«spondenz wird auch den dümmsten Unwahrheiten Platz gegeben. So heißt es in Nr. 8/1928, daß Preußen im Etatsjahr 1927/28 683000 Mark für den bürger- lichen Sport, aber nur IS 000 Mark für den Arbeitersport bewilligt Hobe, 1928/29 seien nur 25 000 Mark für den Arbeiker-Turn- und Sportbund vorgesehen.„Für dies«.Gleichberechtigung' bewilligt auch die SPD. den Etat." In Wirtlichkeit werden die staatlichen Gelder den Regierungspräsidenten, in der Provinz Brandenburg dem Oberpräsidenten überwiesen und an die Dereine beider Richtungen verteilt.— In Nr. 9/1928 werden die Sportforderungen einer kommunistischen Versammlung an die Stadt Berlin propagiert und dann heißt ee: hoffentlich wirb die SPD. die Forderungen der Arbeitersportler, die sie bisher nicht ver- treten hat. diesmal durchkämpfen." Gegen eine solche Rcdakrionsführung ist man natürlich machtlos. Denn sich die Leser de,„Sport und Spiel" da» gefallen lassen— w t r stellen aichchn, nur werden die Bejaher de» Arbeiter-Turn- und Sportbundes in Zukunft das Abonnement den Koinm»misten allein überlassen. wendig ist die Errichtung eines großen Ferien hetme» im Riesengebirge. Im Bezirk sollen die Gruppen enger in der Arbeit durch wisseisschaTtUche Bezirkswanderungen zusammengefaßt weiden, sie denen der wissenschaftlichen Führerbildungsärbeit. Die Bezirkssonnenwendfeier bei Kottbus am 30. Juni und 1. Juli wie auch ein großes Bezirkstreffen im Raundvrfer Heim Ansang Sep- ternder dienen gleichfalls der Gemeinschaftsarbeit. Nach der srucht- bringenden Aussprache konnte der Bezirkslefter Lau- Berlin einen allgemeinen Fortschritt in der Bezirksarbest seststellrn, der auch in der Mitglicderzu nähme praktischen Ausdruck findet. Morgenfeier des SY. Moabit. Der Sportvereitk Moabit hatte am Sonntag zu einer Morgetifeier nach dem Filmpaloft Hansa eingeladen. Unter Mitwirkung de»„Jungen Chors" und der„Freien Turnerschaft Neukölln" wurde«in Programm vorgeführt, das meisterlich zu- sammengestellt war und die Vielseitigkeit der Arbcitersportbewegung deutlich zum Ausdruck brachte. Mit einigen Musikoorträgen begann das Programm. Dann stand der Junge Chor aus der Bühne und brachte einige Volts- und Kampflieder zum Vortrag. Reicher Beifall dankte für die guten Leistungen. Die eigentlichen Sport- Vorführungen eröffnete das Jungvolk, die Kindergruppe. In lustiger Zusammenstellung zeigten die Kleinen nicht nur, daß sie ihren Körper schon von früh an geschmeidig erhalten wollen, sonderi», daß sie die besten Werber für die Arbeiterberoegung sind. In einer Szene, auch von Kindern gestellt, wurde ein« Mutter überredet, chre Kinder zur Ardeitersportbewegun'g' zu schicken. Im weiteren Programm wechselten Gymnastik und Geräteturnen ab. Die Frauen zeigte»», wo? sie am Barren leisten und die Versinsriege erntete großen Beifall mit ihren Reckübungen. Die Veranstaltung war wohlgelungen, das Lichtspieltheater war überfüllt. Ciassenkegelii im FKBD. Bei dem im Keglerheim Viktoriagarten in Wilmersdorf stottgefundenen Gassenkegeln der beiden Gauriegen siegte die Riege II mit einem Vorsprung von 2 72 Holz. Es waren von jedem Teilnehmer auf vier Bahnen 200 Kugeln zu schieben. Nach- stehend die näheren Resultate: Riege II: Zahlmann 1467 Holz. Kleemeier 1464 Holz, Hübner 1452 Holz, Kr et schiner 1451 Hol.z. Herzog 1447 Hol.z, Hoff mann 1433 Holz, Br'ose 1431 Holz, Schneider 1428 Holz. I. Wieland 1424 Holz, O. Wieland 1401 Holz: Ersatz- leute: Schefiler 1403 Holz, Dudat 1391 Holz: Insgesamt 14 398 Holz. Riege I: Haase(Bundesmeister) 1465 Hotz, Benicke 1438 Holz, Langhans 1452 Holz, Rischkowski 1431 Holz. H. Köhler 1428 Holz. Fischer 1419 Holz, Wollrabe 1402 Holz. Findeisen 1388 Holz, Dosen- deck 1369 Holz, Hoffmann 1314 Holz:'Ersatzleute: Kallath 1449 Holz, Benthin 1448 Holz: insgesamr 14 126 Holz. Verchukalendcr. „ tMitflwilMwU.»i» ItatatftnBbt'. NM. Fried.-.,- D«n,l.g. 6. MSn. JJI lUr, Üfafbaäjtt«t�etiijt.ibe-gj�ltnstefl, 6. MSr,. 20 Iftr, er « 3'- ISär, dt, Arb,it»r.Atdr».z-nge nr,fr-.«in neuer Itu-tzitsu-Nursu, fttr»tifimzer be. gtnnt Donnerstag, 8. Mttrz, 20 Uhr, Turnhalle Reichcnberger Str. C7. «tdlnn«Ubeiter�chachkl»». Dienetog.«. Mll«. 90 Uhr:»bt.«eihe-tee- «ehderltr. I2L.«dt.«estra- Iegt Naiser-ssriebri«�----'' «M. Katt-M»; SBllhoImehuoener Str. M. >: Wilhelmehovener Str. M.«dt. ab-tlotttnlnini bisinanr. ftraft, 5».«dt. Hi«b»ldthat»: Poltastr. 1».«dt.«orten.- Tegeler Seie Sorengelltraß«.— Mlltwo». 7. März, 20 Uhr:«dt.«lt.beelia:»a.kerslr. 41. «tt. S-rtenpl-d: Ptzugstr. S.— Dunnerslag." «WlBfe. 10. mt«eiaickt-dorf-Sefi! T Müllerstr. 1«.«dt.«-.bit--essi-cker«:r.... ttroh» 147.«tt. Segr»»: Saphi�Shartatte�tr. «rtachadteila-g fh, Jfumn und Rädch«». Heute.«. Uhr. finbcr. Oer Exkronprinz verkaust... ... aber nur Teile seines Oelser Besitzes. Ein Montagsblatt und gleich darauf eine Abendzeitung, die ihre Lefer mit wahllos und unkonrolliert, aber dafür aufgebauscht wich- gedruckten Sensationen abzusutiern pslegten. brachten gestern Nach- richten über den bevorstehenden Verlauf des Gu t e s O e l s, das dem E x k r o n p r i nz e n bei der chohenzollcrnobfindunz zu- gesprochen worden war Wir haben uns sofort drahtlich in Schlesien erkundigt, zumal das schars'e Dementi der Oelser Gutsverwaltung auch nicht vollinhaltlich befriedigen konnte. Dieses Dementi betonte, es seien von dem SS 000 Morgen umfassenden Oelser Besitz bisher nur 1300 Morgen verlaust worden und zwar an eine gemeinnützige Siedlungsgesellschaft. Weiter seien 4000 Morgen Land in den letzten Lahre» an Bauern, Bürger und Kleinsicdler verlaust oder an- geboten worden, so daß es unrichtig sei, wenn behauptet wurde, man habe Kausangebote aus diesen Kreisen zum Scheitern gebracht. Außerdem schweben Berhandlungen über den Berkauf eines Gutes von 1600 Morgen an den bisherigen Pächter. Ein Staotskredit, von dem die Rede war, sei nicht beabsichtigt. Soweit das Dementi. Unser Breslauer Korrespondent meldet uns. hierzu: Wie wir hierzu zuverlässig erfahren, liegen die Ding« so, daß tatsächlich das die Dörfer Klein- und Groh-Ellguth um- fassende Gut von 1300 Morgen an die Schlesisch« Land- g e s e l l s ch a f t abgegeben wurde. Außerdem plant man aber auch den Verlauf des Gutes V i e l g u t h sowie anderer größerer Be- sitzungen. So sollen nach unseren durchaus einwandfreien Infor- mationen Kaufvertragsverhandlungen mit dem bisherigen Pächter der Güter Carlsburg und Döberle. Rittmeister Renner, schweben, die höchstwahrscheinlich schon bald zu einem Abschluß führen dürsten. Weiterhin ist auch beabsichtigt, dt« sogenannt« Administration Dernstadt. die«inen weitverzweigten Komplex von Gütern•(Sogelsang, Vorstadt-Bernstadt und Neudorf) und Waldbezirken(Weißensee, Bertkerei und Patschley) umsaßt, zu ver- kaufen oder zu verpachten. Die Beranlasiung sür die Verkäufe ist unseres Wiflens im wesentlichen in der mangelnden Zuver- lässigleit der Einzeloer'waltungen begründet, auf die die Verwaltung der Kronlehen sogar schon vor längerer Zeit von sozialdemokratischer Seite aufmerksam gemacht wurde. Demnach handelt es sich um die A b st o ß u n g größerer Besitzungen, die an sich gar nichts besonderes bedeuten, da ja neuerdings in der stark überschuldeten ostelbischen Großlandwirtschaft ein starker B e s i tz w e ch s e l im Gange ist. Warum gerade Oels davon eine Ausnahme machen sollte, ist nicht recht einzusehen. Ein anderes Gestcht gewinnen dies« Vorgänge jedoch, wenn man sich an die Groteske erinnert, die die Rechtsparteien bei der Hohen- zollernabfindung aufgeführt haben. Damals wandt« sie sich mit Entrüstung gegen den Gedanken einer entschädigungslos«» Euteigung, die dem Staate Mustergüter und Siedlungsland gebracht und so der Landwirtschaft genutzt hätten. Jetzt muß Wilhelm bei- nahe von Gottes Gnaden handeln gehen und die Landlieferungs- verband« muffen dos Land bezahlen, das damals umsonst zu haben war: die monarchistisch. agrarische Tradition ober, die mit so rührseliger Begeisterung an dem Grundbesitz der Fürsten hing, wandelt sich in schäbig« Geldgeschäft«, die den Rittern von Ar und Halm wenig Freude machen werden. Zwei Aegerplakaie. Es hängen an den Litfasfäulen Plakat«, die auf O n l« l Toms Hütte, den neuen Amerikafilm aufmerksam machen. Ein Schwarzer steht mit gefesielten Händen da und blickt mit«ehmüttz- traurigen Augen in die Höh« hinauf: Der Neger vor 100 Jahren, das ausgebeutet«, mißachtete, zertretene Objekt brutaler Farmer- willkür, der geschundene und zermarterte Sklave unmenschlicher Herren. Sehnsüchte gehen durch den Schwarzen, es ist aus seinen Augen zu lesen: Sehnsucht nach einem bißchen Lcdensglück, einem bißchen Menschenwürde. Wohin blickt der Reger? Nach dem Willen des Zeichners ja wohl zu seinem Gott..., nach dem Willen der Litfas- säulcnpraxis aber auf das nächste höhere Plakat-- und darauf preist, nach des Zufalls unerforschlichem Ratschluß, ein Kaffeehaus sein« Kapelle an:»Leon Abbeys Band". Man steht sie im Bild, die Mitglieder dieser Band: Schwarze Herren mil aufgeworfenen Lippen, die einen Smoking tragen und Saxophon, Trommel und Schlagzeug handhaben. Beide Bilder nacheinander betrachtet, scheinen Sehnsucht und Ersüllung darzustellen. Ach, es ist sa erfreulich, daß es den Negern besser gehl als vor 100 Iahren, daß sie nicht verfrachtetes Dieh mehr sind, daß die Stund« ihrer Emanzipation lange geschlagen hat und daß die Zeiten der weißen Schmach für sie vorüber sind. Warum sollten sie nunmehr nicht auch, wie eiirize ihre? weißen Arbeitskameraden, in Tanzbars zur Musik aufspielen? Und dennoch: das hat sich der arme, gesesfelte Neger aus Onkel Toms Zeiten, dieser liebe schwarze Mann mit seinem bittenden Himmelsblick wohl auch nicht träumen losten, daß seine Nachfohren ihre ewigen Menschenrecht« einmal aus» gerechnet vor Shimmygirls und Sektkavalieren würden zur Geltung zu bringen haben. Hans Bauer. Berantwortlich für die Redaktion: engen Präger, Berlin: Anzeigen: Th. SloSe, Berlin. Verlag: Vorwärts Bcrlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vorwärts Buw. druckerei und Beriogsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SB KS, Lindenstraße Z. Hier,» 1 Beilage. �(fafchäfits'Jtnsrigzr föeslrß füden-lVefien. MAURER& DIMMICK. BUCHDRUCKEREI BERLIN SO 18, KOPENICKER STRASSE 36/38 >■ Arbettersportlerl le....."" Lelstangsfaiiige Bootswerft Rcnn-,Ruder-,PaddclliooCrjJ— 3 Sie VMWlW SM-SW-WM S0 33. Euorystrahe t Mpl. 3616. 6962 wäscht gut und billig ErblNHeb In Jodam beeeeren Lebansmittatsesohgft Berthold Krapke Lacke- Farben- Ptnsei Neukölln aF80 Bflrknerstratze 27 TeL Neukölln 18 jübriger Lieferant der MalerhOtte fee*� Milch- � Schokolade Anerkannt oorzügUcfic Qnalilät Vauha-Senf ofsii Saueril Speise- und Einmache-Essig (B®«. gesch.) Sora, daß dein Aus® klar/ jeden Tafl Im Jahr _ Max Trusch " �... StaaGfoh geprüfter Optiker-Meister * Bartifi, Drasdenar Straße Nr. 131 (Kottbusser Tor) lefi ganmtlere für vOHige Zufriedenheit Bin Lieferant für alle Krankenkassen. Bauhütte 0 v, BerlinS:»: yf J QaselUchaH iUr Bau. � � ausfOhrungen aller Art Berlin SW 48, Wilhelmstr.lOG Farnsprachen Zentrum 3205, 3203, 3207[z. Ignr> rn[G.F.Ti Zigaretten and Tabake Zahlstelle der Volksbflhne und Z.d.A. 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