BERLIN Montag, 12. Marz 1 1 I J 1© PS. Nr. 122 B 61 45. Jahrgang. E r scb e i n l t ü g l i ch außer Sonntag«. Zugleich Abendautgabe des.Vorwärts". Bezugspreis für beide Ausgaben 7N Pf. pro Woche.» M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68. kindenSr.S Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen»ach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. d. H., Berlin Nr. 37 53«. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Auch otsdam wird Oer Lohmann-Bericht ist endlich erschienen A« Sonntag hat Potsdam seine Stadtverordneten- Versammlung neugewählt. Diese Stadt altpreuhi- sehen Pensionärtums war bisher beherrscht von einer absoluten Mehrheit der Teutfchnationalen, die von 3« Das Rathaus in Potsdam mit der Reichsßagge. Stadtverordneten allein 19 für sich buchten. Die Ge- meindepolitit entsprach völlig der Alleinherrschaft der Westarp-Leutc. Tie Befehle des Dberbürgermeisters Rauscher an die Straßenbahner und sonstige städtische Angestellte, ihn militärisch zu grüßen, waren nur einzelne Momentbilder aus der großen Reihe deutsch- nationaler„Taten". Sie fanden ihre Krönung in dem offenen Wider st and der Stadtverwaltung und der Stadtverordneten gegen die Reichsfarben, zu deren Hissung am Verfassungstage die Stadt erst durch Preußische Notverordnung gezwungen werden mußte. Bei den gestrigen Neuwahlen ist nun die deutsch- nationale Mehrheit gebrochen worden. Ihre Mandatszahl ging von 19 auf 19 zurück, während die Sozialdemokratie»eun Mandate gewann und jetzt 14 statt» zählt! Die Sozialdemokratie ist über- Haupt die einzige Partei, die an Stimmen wie an Man- daten gewonnen hat. Alle anderen Parteien haben an Wählern eingebüßt. So bedeutet die Sonntagswahl von Potsdam nicht nur einen starken Linksruck, sonder« ein besonders unterstrichenes Vertrauensvotum für die Sozialdemokratie! Das Wahlergebnis: Es wurden bei der gestrigen Sladtoerordnetenwahl in Potsdam gezählt jür Stimmen So'Ia' emokrokcu. KPD...... Deutschnationale. Volkspartei..- Demokraten... Deutschsoz.(Kunze) Zentruni.... Bodenreformer.. Wrrtschostzpartei. Mandate >4(5> 2(3) 16(19) 3(3) Außerdem erhielten noch kleine Splitterparteien einige hundert Stimmen, die kein Mandat für ihre Kandidaten dnrchbrachten und deshalb an dem Gesamtbild des Wahlergebnisses nichts ändern. Die Alleinherrschaft der Deutschnationalen ist gebrochen. Selbst in der Hauptstadt des„Geistes von Potsdam" dringt der G e i st von Weimar siegreich vor. Die Flagge der Republik, die bisher nur auf Befehl gezeigt wurde, wird sich in Zukunft auch auf dem Potsdamer Rathaus ihren Ehrenplatz erobern. Die Potsdamer Stadtverordnetenwahl ist ein neues Vorzeichen für die Wahlen im Reiche, die die Abrechnung mit der deutschnational geführten Politik des Bürgerblocks, der Politik der Zweideutigkeit und der Dolksfeindlichkeit vollenden werden! Potsdam grüßt... (2) ?! ;o) (6) Herr Rauscher, der— stramm achTvarzmeißrot— Potsdam regiert ah Stadtdespot, Im Innern sich empörte: Es grüßt das Personal der Tram Ihn nicht so militärisch stramm, Als wie sich das gehörte. Wo bleibt die heil'ge Disziplin, Wenn die Proleten nicht für IHN Scharf an die Mütze fassen? Weshab er den Erlaß verfügt: Wer seiner Grußpflicht nicht genügt, Wird auf der Stell entlassen! Das Publikum begriff den Dreh, Und alle legten stantepeh Herrn Rauscher sich zu Füßen, Im Herzen ganz das Grußgebot: Zehntausend wählten gestern rot— Und lassen Rauscher'n grüßen! Jonathan (Weitere Berichte 2. Seite.) Russisdie Spionageaffäre (Siehe 2. Seife) Lohmanns Llnternehmuntzm. Der Bericht über Art. Umfang und Abwicklung der so- genannten L o h m a n n- U n t e r n e h in u n g e n ist im Reichstag soeben zur Verteilung gelangt. Selbst eine nur flüchtige Einsicht zeigt, daß der Bericht ungenügend ist, weil er nicht einmal alle die Daten gibt, die in der Oeffent- lichkeit schon bekanntgeworden sind, und die ganze Schuld ausschließlich dem Kapitän Lohmann zuschiebt. Die genaue Erörterung des Inhalts, die in der morgigen Sitzung be- ginnen soll, wird noch einen breiten Raum einnehmen. Heute seien nur einige?'kante Stellen aus dein Bericht wieder- gegeben. Der Gesamtkomplex der Transaktionen, die Kapitän Lohmann außerhalb des geschäftsmäßigen Bereichs der von ihm geleiteten Sectransportabteilung vorgenommen ist, läßt sich in drei Gruppen zergliedern. Der ersten Gruppe gehören diejenigen Maßnahmen an, die Kapitän Lohinann auf Grund und iin Rahmen der ihni bei Zu- Weisung der R u h r g e l d e r von dem damaligen Chef der Marine- leitung erteilten Gencralermächtigung zur zweckentsprechenden Be- wirtschastung und Verausgabung dieser Sondermittel getroffen hat. Die zweite Gruppe bezieht sich auf die P H oebus-Ange- l e g e n h e i t, bei der Kapitän Lohmann teilweise im Einverständnis mit seinen Vorgesetzten, teilweise ohne deren Wissen und Willen gehandelt hat. Die dritte Gruppe umfaßt diejenigen Geschäfte, die Kapitän Lohnrann ganz aus eigene Verantwortung getätigt hat.— Bei der ersten Gruppe handelt es sich in der Hauptsache zunächst um die Beschaffung und Fortentwicklung von Motorbooten. i Die Gründung der N a v i s G. m. b. H. als der Verwaltungsstelle dieser Boote sowie die Beteilgung an der Traoemünder Jachthasen A.°G.(Trayag) als dem Liegeort und der Repa- raturwerft finden ihre natürliche Erklärung. Im Hinblick auf den teilweise lautgewordenen bei dem bis- herigen Halbdunkel um diese Betriebe nicht ohne iveiteres von der Hand zu weisenden verdacht.korruptiver Begleiterscheinungen und sonstiger Mißwirtschaft hat das Reichswehrministerium schon im Herbst vorigen Jahres die Vorstände der Navis, Trayag, Caspar- werke, Hanseatischen. Jachtschuld, des Hochfeesportoerbandes Hansa gebeten, sich wegen ihres gesamten Geschäftsgebarens einer R e- oision durch die Deutsche Revision- und Trcuhand-A.-G. zu unter- ziehen, deren sich das Reich bei Prüfung von Unternehmen mit Reichsbeteiligung grundsätzlich bedient.— Die zweite Kategorie der Lohmann-Gefchäfte bildet die Phoestus-Filmnngelegenheit. Kapitän Lohmann hat in der Zeit vom Jahre 1924 bis zum 10. August 1927 der Phoebus-Film-A.°G. zu Lasten der Sonder- mittel mehrere, zwischendurch teilweise wieder abgedeckte Dar- l e H e n zur Verfügung gestellt, von denen am 10. Augüst 1927 noch 1 057 770 Mark ungedeckt waren. Außerdem hat Kapitän Lohmann nominal 1620 000 Mark Aktien übernommen und dafür ins- gesamt 1 750 000 Mark in bor entrichtet. Danach arbeiteten in dem Phoebus am 10. August 1927 2 807 770 Mark Lohmann-Mittel. Don der Aktienübernahme des Kapitäns Lohmann hatte bis zum 10. August 1927 keinr feinr Vorgesetzten Kenntnis. Auch von dem erwähnten Darlehensbettag hatte er ihnen nichts gesagt Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Beteilidung an der- artigen Unternehmungen ohne volle Unterrichtung und ohne Sc- nehmignng der Vorgesetzten pflichtwidrig war. Auch dem Reichsfinanzminister a. D. Rein hold gegenüber hat sich Kapitän Lohmann eine schwere Pflichtwidrigkeit zuschulden kommen lassen. Ohne ihn auf die bereits bestehenden Geldanlagen hinzuweisen, hat er Reinholds Einverständnis zur Bürgschaft des Reichs für den Dreimillianen-Kredit der Deutschen Girozentrale an den Phoc- bus erwirkt. Des weiteren haben sowohl der Reichsfinanzminister a. D. R e i n h o l d wie auch Reichswehrminister a. D. G« ß l e r und der Admiral Zenker nichts davon gewußt, daß es sich bei der ihnen von Kapitän Lohinann mitgeteilten selbstschuldnerischen M i i- garanti e der Lignose nur um eine Formalie zur Verschleierung der Reichsgaranlie gehandelt habe. Kapitän Lohmann hoffte, im Notfall den Kredit der Deutschen Girozentrale aus den Sonermitteln abdecken zu können. Bereits Ansang lö27 erwies sich jedoch die Beschaffung neuer Geldmittel als notwendig. Kapitän Lohmann übernahm wie» derum die Vermittlung von Bankkrediten, und zwar in Höhe von 3,3 Millionen Mark und 920 000 M.; auf feine Bitte fand sich die an der Nohfilmlieferung interessierte L i g n o s e wiederum bereit, für das Reichswehrministerium nach außen hin in die Erscheinung zu treten. Kapitän Lohmann unterzeichnete die diese beiden neuen Kredite betreffenden Verpflichtungsscheine diesmal, ohne seine Vor. gesetzten in Kenntnis zu setzen, geschweige denn deren Einwilligung vorher einzuholen. Diese Verpflichtung, wie auch die dem Kredit der Girozentrale vorerwähnten Geldinvestierungen von 2 807 770 Mark kamen vielmehr erst im Anschluß an die im August vorigen Jahres erfolgten Pressever- öffentlichungen an den Tag. Da Kapitän Lohmann bei Abgabegarantien für die zweiten und drillen Bankkredite sein-e Vollmacht überschritten hat, fragt es sich, ob das Reich überhaupt verpflichtet Ist, dies« ErNärun- gen einzulösen. Der Bericht erklärt hierzu, daß die gerichtliche Aus- tragung dieser Frage nicht angebracht erscheint. Hurra- ein bürgerlicher Wahlsieg! Ohe— schwamm Friedrich Wilhelm Knulpes Rentiersantlitz heute früh in Wonne, als er dem gewohnten Zeltungsstand zu- steuerte. Wie sich's in Friedenau gehört, streckte ihm der Ver° käufer ganz unaufgefordert das Hugenberg-Montagsblall entgegen und da las es Knulps auf den ersten Blick: Bürgerlicher Wahlsieg in Potsdam!— Ganz fett gedruckt, quer über die ganze erste Seite! Und noch ein breiter roter Balken unter die Schrift gelegt.— Das mußte ja ein ganz kolossaler Wahlsieg sein. Da hatte die rote Bande ihr Fett gekriegt! Na ja, der Geist von Potsdam! Da gedeiht kein rotes Unkraut, hurra! So dachte Knulpe und begann zu lesen. Und siehe da: das Lächeln auf seinem Gesicht erfror, und daran waren nicht nur die V Grad Kälte schuld. Die fast kreisförmige Rundung seiner Wangen begann sogar mehr und mehr ein ovales Aussehen anzunehmen. Ein bürgerlicher Wahlsieg war errungen, das stand natürlich fest. Denn wenn es im„Montag" quer über die Seite gedruckt steht, so muß es doch wahr sein. Oder wäre chugcnbsrg etwa eines Schwindels fähig? Freilich, dieser Wahlsieg wies bedeutende Schönheitsfehler auf. Die Deutschnationale Partei hatte an 600 Stimmen und leider 3 Mandate verloren. Noch viel schlimmer war es den beiden völkischen Gruppen ergangen, denen Knulpe mit besonderer Liebe zugetan war. Von ihren bisherigen mehr als 3000 Stimmen waren ganze 700, und von ihren 4 Stadtverordnetenmandaten nicht ein einziges geblieben. Selbst der rechtsstehende chaus- und Grundbesitzerverein hatte Haars, Stimmen und ein Mandat lassen müssen.„Minus drei— minus vier— minus eins ergibt minus acht", rechnete Knulpe trübsinnig. Und leise däm- mertc in ihm etwas, was direkt wie Opposition gegen Hugenberg aussah. Wieso eigenllich„Wahlsieg"? Aber dann stieß Knulpe auf eine Zeile, bei der ihn fast der Schlag gerührt hätte. Fast verzagend hatte er bisher wenigstens mit noch größeren Verlusten der Roten gerechnet. Zum mindesten hatte er gehofft, daß wenigstens die Kommunisten den Sozialdemo- traten eine gehörige Portion Stimmen abgejagt hätten. Damit wäre ja ein Teil des Unglücks ausgeglichen gewesen. Aber nun— er traute seinen Augen nicht— mußte er sich schwarz auf weiß über- zeugen: Rückgang der Kommunisten um ein Drittel, dagegen�Ver- dreifach ung der sozialdemokratischen Stimmen von 3300 auf 9900 und Steigerung ihrer Mandate von 5 auf 14. Wütend wollte Knulpe den„Montag" zusammenknüllen. Ja, er war nahe daran, den Hugenberg-Montag für ein ausgemachtes Schwindelblatt zu Erklären. Da fiel sein Blick auf einen trostreichen fettgedruckten Satz. Der lautete: „Bei der lchlen Skadlverordnelcnwahl 1924 hatte sich die Mehrheit der Sozialdemokralen der Stimme enthalten." „Aha,— das also ist's!" Knulpes Antlitz begann sich aufzu- hellen.„Natürlich, wenn diese hinterlistige Bande einfach zu Hause bleibt, um ihre wahre Stärke zu verheimlichen, dann nügt gegen solche Ränke alle deutsche Treue nichts." Aber die Befriedigung hielt nicht lange an, denn Knulpe siel ein, daß ja im Mai die Reichstagswahlen stattfinden.„Donnerwetter, wenn da auch all die auftauchen, die 1924 zu Hause geblieben sind!" Und Knulpe berech- nete ängstlich, wie alsdann die sozialdemokratische Wahlzisser steigen würde. Und zitternd begann er zu beten:.Lieber Göll, laß es doch nicht solchen bürgerlichen Wah'lsieg wie in Potsdam werden!" Die rote«.Residenz". Wahltag in Potsdam. Ein eisiger Wind fährt durch die wie ausgestorben liegenden Straßen der„Residenz", von „W a h l f i e b e r" ist in den Vormittagsstunden bestimmt nichts zu merken. Vor und in den Wahllokalen ist es öde und leer, die Plakatträger stehen frierend herum, keine Umzüge, kein Flugblatt» regen— das hat sich bis zum Sonnabendabend ausgetobt—> nun aber kommt die Kleinstadt wieder zu ihrem Recht. Nur in den Arbeiterbezirken entwickelt sich schon am Vormittag einige» Leben. Die Proleten sind es nicht gewohnt, bis zum Mittag in den Federn zu liegen. Kommt man in eins der Wahllokale, so fleht man die charakteristischen Altjungferngcstalten der kaiserlichen Zeit, die heute aus jeden modernen Menschen nur noch als Karikatur wirken: festgeschlossen bis zum Hals, hochmütig-schiefes Lächeln um den welken Mund, betonte„Artstokraten"manieren mit einem Stich ins Komische und ein schwarzweihrotes Schleifchen an der Bluse. Das sind die Reste aus Wilhelms Mufterkoffer, garan- tiert vorgestrig« Saison. Natürlich erlebt man auch nette potsdämliche Dinge— beim Streifen durch die Wahllokale läßt sich mehr sehen, als je als Karj- katur gezeichnet worden ist. So jener Mann, typischer Offizier a. D., mit einem Ordensragout auf der Brust, der überlaut im Wahllokal sagt:„Aeh.natürlichhabeichalsanständigerMensch deutschnational gewählt!" Am Abend platzte die große herrlicheUeberraschung, die sich im Lauf« des Tages in den Urnen angesammelt Halle. Gegen 10 Uhr wußte es jeder Mensch. Auf den dunklen Straßen, in den Kneipen und Cafes ging es von Mund zu Mund: glückstrahlend, wutbebcnd, ängstlich, je� nach Gesinnung und Temperament: Gewaltiger Sieg der Sozialdemokratie! von 3000 auf 9000 Stimmen emporgeschnellt! Lärm auf den Straßen. Irgendwo singen exaltierte Werwolfknaben das Ehrhardt-Lied. Aber aus dem Mod«r der deutjchnationalen Cliquenmißwirtschaft steigt, Grabgeläute für die letzte Oase der Monarchisten, das rote Banner der Sozialdemokrasie! th, 300 Tote unter dem Montserrat. Die Bergrutschkaiastrophe in Brasilien. R i o d e Z o u e! r o. 12. März. lieber den große« Bergrutsch wird au» Sautos weiter gemeldet: Der Abhang des Zltontserratberges sehte sich vorgestern früh gegen 5X Ahr plötzlich in Bewegung. Obgleich die Bevölkerung auf die Möglichkeit eines Bergrutsches hingewiesen worden war, war doch kein Anzeichen dafür vor- Händen, daß eine solche Gefahr unmittelbar drohe. Angeheure Erdmassen und herabrollende Steine drangen bis in die Straßen' von Santos und nötigte« die Bewohner zur Alucht. viele wurden zweifellos im Schlafe in ihren Betten von der Katastrophe überrascht. Nach den bisherigen Schätzungen wurden über 300 Menschen getötet und 10 Häuser der- schüttet. Anter den fast gänzlich zerstörten Gebäuden soll sich auch das Krankenhaus in Santa Rosa befinden, und man vermutet. daß viele Kranke getötet worden sind. 3n Rio de Janeiro hat die Nachricht von dem Anglück ungeheure Bestürzung hervorgerufen. Santo?(Brasilien). 12. März. Der vorgestern erfolgte Bergrutsch ist durch vor kurzem nieder- gegangene Wolkenbrüche hervorgerufen worden, die eine Seile de» TNoatsmal unterwaschen hatten. Die einzige Warnung für die Be- völkerung war das herabrollen eines riesigen Felsblocks, der über den Vergabhang In das Hospital von Santa Rosa stürzte. Im nächsten Augenblick folgte eine Vergmafle von etwa vier Millionen Kubikmeter, die das Spital und eine Anzahl anderer Gebäude in einer Ausdehnung von 100 Metern und in einer Tiefe von 12 Meiern begrub. Das Rettungswerk wird von mehreren tausend Personen fieberhaft fortgesetzt, obwohl die nachrutschenden Erdmasien die Ar- beiten äußerst erschweren. Die bisher aufgefundenen 150 Leichen sind meist gräßlich verstümmelt. Man befürchtet, daß noch eine weitere Katastrophe erfolgen wird, wodurch zahlreiche Wohngebäude und größere Geschäftshäuser bedroht sind. Gin neuer Grdruffch in EantoS. Di« Behörden hoben gestern abend mitgeteilt, daß es noch immer unmöglich ist, die genaue Zahl der bei dem großen Erdrutsch vom Sonnabend getöteten Personen festzustellen. Viele Personen werden noch vermißt, und es wird befürchtet, daß einige Leichen überhaupt nicht gefunden werden können, da di« auf dem betroffenen Stadtteil lagernden Erdmassen zu groß sind. Die Polizei hat Weisung erlassen, daß alle neben dem Berge, um den sich die Stadt an drei Seiten herumlegt, wohnenden Personen ihre Häuser zu verlassen haben. Dies erwies sich als glückliche Borsichtsmaßregel, da gestern ein Zweiter Erdrutsch an der entgegengesetzten Seite de» Berge» erfolgte: diesmal kam indessen niemand zu Schaden. An den Ausgrabungs» arbeiten betelligen sich mehr als 1500 Polizisten. Soldaten und Frei- willige. Das Hospital von Santa Rosa, da» eine der Hauptsehens. Würdigkeiten der Stadt war, ist schwer beschädigt worden, aber die meisten Patienten tonnten unverletzt nach anderen Stadtellen in Sicherheit gebracht werden Die Opser de» Unglücks sollen auf öffent» liche Kosten bestattet werden. Hochflut von Spionageaffären. Die Verhastung der AEG.-Zngem'eure in Nußland. Unmittelbar nachdem der AEG. telegraphisch mitgeteilt war, daß drei ihrer technischen Angestellten wegen angeblicher gegen- revolutionärer Verschwörungen verhaftet worden sind, hat die Direktion der AEG. den Leiter ihrer Oslabteilung, B l e i m a n n. nach Moskau entsandt. Bleimann hat sich nach Fühlungnahme mit der deutschen Volschast In Moekau mit den Behörden in Verbindung geseht, um sich über die tatsächlichen Vorgänge zu informieren. verhaftet worden sind: Obcringenieur Gold stein. Ingenieur Otto, Monteur Meyer. Der erstere ist erst seit drei Wochen in Rußland, während Otto seit drei Monaten und Meyer seit etwa einem Jahr in Montage arbeitet. Sie hoben zuletzt im Donezgebict den Ein- bau einer Turbineyanlage� zu einem Elektrizitätswerk überwacht. Die drei'Angehörigen der AEG. werden nun beschuldigt, einer gegenrevolutionäoen Organisation Hinweise und Pläne für S a b o- tageakte an dem neuen Werk übergeben zu haben. Die AEG. hält das nicht nur deshalb für unwahrscheinlich, weil alle ihre nach Rußland entsandten Mitarbeiter strenge Weisung haben, sich v o n der Politik fernzuhalten, sondern weil diese Leute auch ihrem Charakter nach unter diesem Gesichtspunkt ausgesucht werden. » Außer den sechs Reichsdeutschen sollen zwölf Russen ver- haftet sein. Gegen diese wird die Anklage aus Grund des§ 58 der Sowjeistrafgcsetze erhoben werden, der sich gegen Sabotage und Zerstörung im Auftrage aueländischer Kapitalistengruppen und ehemaliger Besitzer richtet und die T o d e s st r a f e vorsieht. Die verhafteten Deutschen werden dagegen nur der Beihilfe angeklagt, wofür als Strafe Verbannung aus der Sowjet- union und Konfiskation des in Rußland befind- lichen Eigentums vorgesehen ist. Der Prozeß, bei dem der Untersuchungsrichter für besonders wichtige Angelegenheiten beim Obersten Gerichtshof die Untersuchung führt, soll Ende April stattfinden. Rttfoff erklärt. Vor den Moskauer Sowjets machte R y k o f f über die dunkle Angelegenheit Mitteilungen, die sich nicht sonderlich durch Klarheit auszeichen. Er tadelte die mangelnde Wachsamkeit der Wirtschafts- organe und anderer Stellen im Donezbecken, unter deren Augen eine Gruppe von zwölf gegenrevolutionären Fach- männern die Kohlenindustri« dieses Bezirks planmäßig desorganisiert hätte. Ein Ingenieur, der zu den Leitern dieser Gruppe gehörte, habe in der Untersuchung erklärt, daß die Gruppe ihren politischen Ueberzeugungen nach ein Konglymerat von Monarchisten, Mitgliedern der Kadettenpartei und anderer gegen- revolutionärer Parteien darstellte, und sich den Sturz der Sowjetmacht und die Wiedecherstellung der kapitalistischen Ordnung zum Ziel setzte. In die Angelegenheit seien auch aus» ländische Staatsbürger verwickelt. Rykoff erklärt« weiter: Ich will nicht den Gedanken zulassen, daß deutsche oder eng- tische Firmen als Firmen, die mit uns arbeiten sich selbst mit solchen Dingen befaßten; es ist jedoch festgestellt, daß unter den Angestellten und Agenten einiger Auslandsfirmen sich direkte Teilnehmer an dieser gegenrevolutionären Verschwörung be- finden. Eimge dieser ausländischen Fachmänner sind verhaftet worden und werden dem Gericht übergeben werden. Zum Schluß betont« Rykoff. daß die weitaus größte Zahl der Fachleute sich gegenüber der Sowjetmacht loyal verhalte. Die sowjetrussischen Ingenieure erklären, obwohl das Gericht noch gar nicht die Sache untersucht hat, ihre vorschrists- mäßige Entrüstung und verlangen strenge Bestrafung. Eine Verhastung in Vernburg. Bernburg(Anhalt), 12 März.(Eigenbericht.) Hier wurde ein Arbeiter verhaftet, der beschuldigt wird. Handel»spionagi zugunsten der Sowjetrepublik getrieben zu haben. Bei den Deutschen S o l v e y- W e r k e n A.- G., deren Bernburger Werk, da« sich hauptsächlich mit der Soda- und Am- moniatchemie beschäftigt, war seit 25 Iahren der Arbeiter Meyer tätig, der zum 1. Avril gekündigt hatte, um eine Stellung in Ruh- land anzunehmen. Cr steht unter dem Verdacht, eine Reih« wichtiger Fabrikationsgeheimnisse ermittelt und an die Sowjetregierung ver- kauft zu haben. Gpionageaffäre auch in Frankreich. Paris. 12. März. Die Pariser Polizei hat«in« Spionageaffäre zugunsten Sowjetruß'ands aufgedeckt. Ein Angestellter der lufttechnischen Schule von Versailles hatte Mitteilungen und Dokumente ent- wendet und an einen Mann namens Rougeras ausgehändigt, der sie nach dem Ausland« gebracht haben soll. Es sind mehrere Ver- Haftungen vorgenommen worden. Todesurteile in Litauen. Aus Kowno wird gemeldet, daß das Kriegsgericht zwei Polen namens Sadowfki und Orloff wegen Spionage für Polen zum Tode verurteilt hat. Die Buchdrucker lehnen ab. Lohnerhöhung ungenügend. wie wir erfahren, habin die Gaulellerkonferenzen der drei Tarifgewerkfchaften des Luchdruckgewerbes den Schiedsspruch de» Zenkallarifomle». der die Löhne der Buchdrucker in der Spitze um 3.50 Mark erHöhle, gülkig vom 1. April 1925 bis 1. April 1929, abgelehnt. Die vorstände der drei Gewerkschaften sind diesem Beschluß beigetreten. Die Ablehnung erfolgte hauplsächlich deshalb, weil die Lohnerhöhung als nicht für ausreichend angesehen wurde und weil die Laufzeit des Vertrages, besonders Im Hinblick auf die ungenügende Erhöhung als z u l a n g erachtet wird. Die Unternehmer haben ihr« Stellungnahme zu dem Schiedsspruch noch nicht bekanntgegeben. Meiallkonfliki vor der Entscheidung. Oie Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium. Der Reichsarbcitsminlfler hatte die Vertreter des Metallarbeiteroerbandes und des Verbandes Bertiner Metallindustrieller zv heute nachmittag 1214 Uhr zu Rachverhandlungen über den Schiedsspruch geladen, der am Sonnabend vom Schlichter für Groß-Verlin im Konflikt der VerNner Werkzeugmacher gefällt worden war. Die Verhandlungen werde« unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Dr. Heuer geführt. Als Unterhändler waren vom Mclallarbellerverband die Berliner Leoollmächttglen, Z i s k a und U r i ch, und das Haupt- vorstandrm'lglied Tost erschienen, vom VBMZ. nur die beiden Syndici Oppenheimer und Kanlorowicz. Der Vorsitzende fragte zunächst die Parteien danach, warum sie den am Sonnabend gefällten Schiedsspruch abgelehnt hätten. Zioka erklärte daraus, daß dies hauptsächlich deshalb erfolgt fei, weit der Atkordberechnungefah von 1 M. viel zu aledrlg fei und durch den Schiedsspruch auch keine Garantie gegeben sei. daß überhaupt eine Erhöhung der Verdienste der Werkzeugmacher erfolge. Dieser ganze Absatz des Schiedsspruches fei sowohl für die Werkzeugmacher als auch iür die Organisation unannehmbar. Des wetteren stehe aber auch die Bestimmung des Schiedsspruches, daß die Akkordberechnung auf der Grundlage von 60 Mi- nuten erfolgen solle, Im Widerspruch zu den geltenden Vestim- mungen des Manteltarifvertrages. Recht�-nwall Oppenheimer dagegen erklärte, daß der Verband Berliner Metallinduftrieller den Schiedsfp'.mch deshalb abgelehnt habe, weil in ihm überhaupt be stimmte Ver- dienst e für die Werkzeugmacher zahlenmäßig festgelegt feien. Der Wiener Märzrevolution von 1848 und ihren Toten Im städtischen Ehrengrab war am gestrigen Sonntag der Aufmarsch der Arbeiterjugend, der sozialistischen Studenten und der Abordnungen aller Organisationen gewidmet. Die Universität hatte erbärmlichcrweise eine Feier in ihren Räumen verboten. Am Abend waren in allen Bezirken Wiens künstlerisch« Märzfeste. Einigung in der Schuhindustrie Vereinbarung über die Ohne. Gestern wurden die Verhandlungen über� den Neuabschluß des Reichstarifs für die Schuhindustrie fortgesetzt. Noch zur Verhandlung stand im wesentlichen nur die L o h n f r a g e. Es gelang schließlich, auch hierüber zu einer Einigung zu kommen. Hiernach werden die Löhne ab 1. April um vier Pfennig pro Stunde in der Spitze erhöht. Diese Lohnerhöhung gilt bis 30. September 1923. Auch für die Eingruppierung der Jugendlichen sind einige Verbesserungen erreicht worden. Der Mantel- t a r i f, der als wesentliche Verbesserung die Urlaubs- Zahlung für Heimarbeiter enthält, ist für zwei Lahre, d. h. bis 1. April 1930, abgeschlossen worden. Iniemaiionales Kohlenkartell? Verständigung Irankreich-Oeuffchland— Belgien. Im„Ceubrc" erklärt D e l a t r e, Sekretär der Berg- ardeiter-Jntcrnationale, daß die Verhandlungen über die Bildung eines belgisch-frauzöfisch-deutschen tlohlenkartells bereits begonnen hätten und viel Erfolg versprächen. Man sei sich sowohl auf feiten der Arbeiter wie auch der Unternehmer klar, daß die Zlohlenkrise» die aus dem Mißverhältnis zwischen Produktion und Verbrauch herrühre, nur durch internationale Kartellierung überwunden werden könne. England halte sich vorläufig von dem Kartellabschluß noch abseits. Die Maschine als Mensch, Der Ingenieur IVenxley hat einen„Maschinenmenschen" erfunden, der auf mündlichen Befehl ein Reihe komplizierter Tätigkeiten fehlerlos ausführt. Unser Bild zeigt den amerikanischen Erfinder mit seiner Et findung. Zwei Prokuristen geflüchtet. Sie werden in Berlin gesucht. Noch Unterschlagurg von mindenstens 400 000 M. flüchtig geworben find aus 5i o r n a p bei Essen der 29 Jahre alte, aus Essen gebürtige Walter G r a m m e r und sein Kollege, der 32 Jahr« alte Siegfried G u ß m a n n, der aus Berlin stammt. Beide waren im Glaswerk eines großen rheinischen Industriekonzern» als Protu, risten tätig und genossen volles Vertrauen. Die Prüfung chrer Bucher hat bieher Veruntreuungen in höhe von ungesähr 4C0 000 211. ergeben: es ist aber möglich, daß sie noch mehr Geld beiseitegcbrqcht haben. Beide D-fraudanteu werden setzt auch in Berlin gesucht, um so mehr als Gußmann hier Verwandte hat. Grammer ist 1,78 Meter groß und kräftig gebaut, hat hellblondes, schon etwas gelichtetes Haar, ein bartloses Gesicht, und spricht etwas englisch und französisch. Gußmann ist etwas Neiner und schlanker, hat dunkelblondes haar und ebensolchen gestutzten Schnurrbart. Er war während des Krieges F l! e g er o f f i z i e r. Die Kleidung der beiden dürste inzwischen gewechselt worden sein. Mitteilungen über das Auftauchen der Gesuchten nimmt in Berlin die Fahndungs» infpektion ll. im Polizeipräsidium entgegen. Flugzeugabsturz über dem Kanal. Passagiere gerettet, zwei Piloten ertrunken. Calais, l?. März. Ein Flugzeug der Linie Paris— London ist gestern mittag kurz nach verlassen der Küste Ins Meer gestürzt. Schlepper find von Calais und voulogne abgegangen. Das Flugzeug war gestern in- folge des schlechten Ivetters bei Calais niedergegangen. Die Passagiere halten zur Iveiterreise nach London das Schiff benutzt. voston. 12. März. Die P'assagier« des an der amerikanischen Ostküste gestran- deten Dampfers Robert E. Lee sind sämtltchgerettet wor» den. Ein R e t t u n g s b o o t, da» zur Küste zurückkehrte, schlug in dem hohen Seegang um. ZweiMat'rosesisindertrunken, während die übrigen, sieben sich am Boot.sesthalten konnten und ge- rettet wurden. Passagiere des gestrandeten Dampfers waren nicht an Bord des gekenterten Bootes. Fridericus als Schutzengel. Bruno Frank verbessert die Geschichte. Es gibt ja wohl so etwas wie„p o e t i s ch e F r e i h e i t�. Wer die darf nicht so weit führen, daß der Dichter historische Tatsachen auf den Kopf stellt. Dieses Verfahren ist doppelt gefährlich, wenn es Anlaß zu monarchistischen Kundgebungen bietet. Wir haben dergleichen gerade wieder in den letzten Monaten in Gestalt von Fritz- und Luischen-Filmen so oft über uns ergehen lasten müssen, daß wir uns schönstens dafür bedanken, wenn man uns solche— milde ausgedrückt— Geschichtskorrekturen auf der Bühne vorsetzt. Wir denken dabei an Bruno Franks Schauspiel.Lwölf» tausend", das augenblicklich im Deutschen Theater gespielt wird. Selbst durch sein Studium der Lebensgeschichte des Unglück- lichen Trenck ist dieser merkwürdige Enthusiast nicht von seiner Fridericusanbetung geheilt worden. Vielmehr läßt er seinen Heros in neuem Glänze erstrahlen: als Retter von zwöbstousend Landes- kindern, die ein nichtsnutziger deutscher Duodezfürst an die Eng- länder für den amerikanischen Kriegsschauplatz verschachert. Der „Philosoph von Sanssouci" verbietet den gepreßten Soldaten den Durchzug durch sein Land und rettet außerdem noch den Geheim- schreiber vom Rade, der die Intrige gegen seinen Herrn angezettelt hat. Was von dem bei der Uraufführung anwesenden schwarzweiß- roten Publikum mit Beifallssaloen und von der Rechtspresse mit behaglichem Schmunzeln quittiert wurde. Hehl vor den Dahlen ist eine solche Stimmungsmache unbezahlbar... Wie hat sich die Sache in Wirklichkeit zugetragen? Frank schickt seinem Stück als Prolog eine Briefstelle Friedrichs an Voltaire vom 18. Juni 1776 voraus:„Wäre dieser Fürst aus meiner Schule her- vorgegangen, so würde er nicht den Engländern seine Untertanen verkauft haben, wie man Vieh verkauft, um es auf die Schlachtbank zu schleppenl" Schöne Worte zweifellos. Aber man muh ein un- gewöhnlich harmloser Mensch sein, um Friedrichs Aussprüche für bare Münze zu nehmen. Einmal bekennt er demütig, er sei„der erste Diener seines Staates", ein andermal entfährt ihm, als ihm sein Bruder 5)einrich ins Gesicht schleudert:„Majestöt, Sie sind ein Despot!", das Geständnis „Ich will ein Despot sein!" Der„aufgeklärte" Monarch, der verordnet:„Gazetten sollen nicht genieret sein", läßt in fremden Staaten mißliebige Journalisten— das ist in Köln und Erlangen vorgekommen— durch Soldaten ver- prügeln. Hatte dieser Despot auch nur einen Schimmer von Berechtigung, sich über den Menschenhandel, der im 18. Jahrhundert nicht allein in Waldeck, sondern auch in Württemberg— besten Herzog Karl Eugen pikanterweise„aus seiner Schule hervorgegangen" war,— in Braunschweig, in Hessen-Kastel, in Ansbach-Bayreuth üblich war, zu entrüsten? Trieb er es etwa bester? Der einzige Unterschied bestand darin, daß er das umgekehrte Verfahren anwendete: er war nicht Händler, wohl aber Säufer von Menfchenfieisch. Seine Agenten hielten sich im Ausland auf— d. h. in den außer- preußischen Staaten— und warben junge Leute an als Bediente oder Landarbeiter, schleppten sie über die Grenze und steckten sie dort ins Heer des glorreichen Friedrich. Ulrich Bröker, der„arme Mann im Tockenburg", hat das sehr anschaulich geschildert. Auf diese Art bekam er neben 150 000 Londeskindern 30 000 Ausländer unter Waffen. Die gefangenen Sachsen, die Schlesier. die auf die Kaiserin Maria Theresia vereidigt waren, steckte er ohne Federlesen w die preußische Montur. War das etwas anderes als„Schlacht- vieh"? Wenige Monate nach seiner Thronbesteigung, am 7. August 1740, schreibt er von Rheinsberg an seine Schwester, die Mark- gräfin Wilhelmine von Bayreuth: ,TZarf ich Dich fragen, ob der Markgraf mir, ohne daß es ihm zur Last fällt, die Freude machen würde, mir ein par hun- d e r t M a n n zur Lerstärkung meiner Truppen auszuheben? Ich würde ihm dafür zehn Taler pro Kopf und die laufende Löhnung vom Tage der Anwerbung zahlen. Schreibe mir bitte offen, ob die Sache sich machen läßt oder nicht, denn es fällt mir ziemlich schwer, soviel Leute zusammenzubringen, wie ich brauche." Selbstverständlich„ließ es sich machen":«Der Markgraf beehrt sich, auf Deine huldvollen Vorschläge zu antworten: Wir erwarten beide Deine Befehle", so schreibt die Schwester zurück. Der INenschheitsbeglücker von Potsdam ärgerte sich, daß die Engländer für die Ware, die er so billig zu beziehen pflegte — zehn Taler für den Kopf— den fünffachen Preis boten. Das war unlauterer Wettbewerb. Dagegen mußte etwa» geschehen. Es ist also nichts mit der S ch u tz e n g e l r o l l e des Alten Fritzen. Herr Frank hätte Mehrings Lessinglegende lesen sollen oder den Hegemannschen„Fridericus", bevor er sein ergreifendes Theater- stück verbrach. Oder sich jener Anektdote erinnern, die ihn bei einer Truppenbesichtigung den alten Dessauer fragen läßt:„Was ist Euer Liebden bei Unserer Armee am meisten wunderbar?" Und ihm auf die Antwort des Gefragten:„Natürlich die schönen Regimenter, welche hier in Reih und Glied stehen", entgegnen läßt:„Nein, das Wunderbarste ist, daß die Kerle so entnervt sind, daß sie uns nicht alle beide umbringen, die wir die Quellen ihrer Leiden find." Da», lieber Bruno Frank, ist doch eigentlich nicht so ganz Schutz- engelmäßig gesprochen! Hermann hieber. „Die goldne Meisterin." Deutsches Künstlertheater. »Die goldne Meisterin", reiche Goldschmiedswitwe, die durch einen kümmerlichen Trottel von gräflichem Freier von Ihrer Adels- fehnsucht kuriert und durch ihren Gesellen zur Liebe in ihren Kreisen bekehrt wird: dies» Operette sieht und hört sich an, als wäre sie vor SS Jahren geschrieben. Aber die Musik wäre wohl jugendlicher und vielleicht ein wenig mitreißender geworden, hätte der freundliche alte Herr, der sich Sonnabend auf der Bühne des Deutschen Künstler- theaters, für den lauten Beifall dankend, glücklich verneigte, sie domoks geschrieben, als er, Edmund E y s l e r, mit seinem„Bruder Strau- binger" den Gipfel seiner Operettenberühmtheit erreicht hatte. Das war. Fochkenner erinnern sich, in einer Zeit des Tiefstandes der .Wiener-Dalzer" miliemnitgliedern gesungen werden können. Neben echten Bolls- liedern kamen besonders Vertonungen von Weber und Mozart zur Geltung. Der Iägrrchor aus der Oper„Euryanthe" wurde vom Männerchor ausgezeichnet gesungen, während der Frauenchor aus der.Laube rflöte" den Gesang der KNaben„Bald prangt den Morgen zu verkünden" stimmungsvoll, mit feinem musikalischen Empfinden brachte. Auch durch einige Darbietungen des gemischten Ehors wur- den die Hörer erfreut, die mit Beifall nicht kargten und mehrer» Wiederholungen erbaten. S— Z. Neu« Chodowleckl werke i» Serbuer Mä-klsche» Museum. Einige hervorragende 91, jcilen de« Berliner R elfter» Ehodowteckl find in letzter Zeit vom MZrkilchen Muieum erworben worden. Darunter'befinden fich zwei Gemälde, eine.stam liniunterbaltung- und eine Darstellung der .Zelte- im Tiergarten: außerdem drei schin» EHenbeinmintoturen. ein Dosenilück mit einer Gucktastenszen« und sech« bunte Täselchen mit Passtons- doislellluigeu. „Der junge Chor" in der Singakademie. Der prächtige jung« Chor(fast alle männlichen und weiblichen Mitglieder im Aller von 17 bis 20 Iahren), den sich Heinz Thießen zusammengestellt hat. gab am Sonnabend von seiner Leistungsfähigkell und energischen Arbeit erneut treffliche Proben. C» ist eine Freude, dies« jungen Leute in ihrer Songesorbeit zu oerfolgen. Namentlich den männlichen Teil Seine Einsätze, Be< tonungen und Farbenwechsel in der Tongebung zeugen von großer Intelligenz und Lenkbarkeit. Die Sopranistinnen, die mit einiger Anstrengung arbeiten, sind in der Höhe öfter noch etwas hart und steigen gern. Im ganzen steht der Chor an der Spitze und kann sich an die gefährlichsten Aufgaben heranwagen. Diese Volkslieder nämlich sind durch ihre polyphonen Bearbeitungen schwerer ge- worden als frühere„Standardwerke", und Thießen selbst geht da mit einer unheimlichen Gediegenheit voran, die manchmal etwas übers Ziel hinausschießt, so in der altklassischen, herhen Manier des sonst so leicht beschwingten„Wenn Ich«in Vögloin war" und im schwergepanzerten„Lied der Vltallaner".„Ach. wie ist's möglich dann",„Lindenbaum".„Sonnenwendgesang" und da» bekonnte „Brüder zur Sonne" sind dagegen restlos gelungen. Für das letztere wird allerdings Scherchens Meisterbearbcitung wohl immer die populärere bleiben. Ihnen schließen sich Lemlins„Gutzgouch", „Beim Tanz" von Siegfried Ochs mit seiner köstlichen Schwarz- wälder Schnoddrigkeit und Maldens„Wolaalied" trefflich an. Wenn man, wie selbstverständilch, diesen Musterchor mit dem höchsten Maßstab mißt, so war„Wenn ich ein Vöglein war" stn Ausdruck matt,.Sonnenwendgesang" etwas schwerfällig und„Brüder zur Sonne" von einer verblüffenden Langsamkeit, lieberhaupt ist eine gewisse streng«, norddeutsche Herbheit ollen Darbietungen Thießens als Stempel aufgedrückt, süße Schwelgerei scheint ihm verhaßt. Er liebt im allaemeinen die breiten Tempi und das spannungerweckende Zurückhalten, schafft aber da bei bedeutenderen Llede-m eine so wuchtige rhykbmische Basis, daß die Steigerungen und Wirkungen ungeheuer werden. Als kammermustkalische Abwechslung brachten Gertrud Bam- berger, Therese Petzko-Schubert und Raul Rembt mit tiefstem Ausdruck Brahmfens unverwelkliches„Waldhorntrio" zum Bortrog. ____ � M. Prof. Sauerbruch über die Tuberkulosebekämpfung. Im Rahmen einer zugunsten des Vereins zur Bekämpfung der Tuberkulose abgehaltenen großen Veranstaltung hielt Pros. Sauer- bruch einen Vortrag über die Aufgaben, Ziele und Wege der modernen Tubertulolebekämpfung, wobei er seststellt«. daß noch heute jährlich über hunderttausend Menschen in Deutschland an der Tuberkulose sterben, und daß ein jährlicher Verlust an Volksvermöqen von etwa 3 Milliarden Mark durch diese Krankheit entstehe. Nach Auszählung der Möqlichkeiien der Bekämpfung, Heilung und Ver- mcidung dieser gefährlichen Volkskrankheit rief der hervorragende ärztliche Fachmann dazu auf, die Tuberkulosebekämpfung nicht nur eine Aufgab« der Acrzte, der staatlichen und gemeindlichen Fürsorg« sein zu lassen, sondern sie zur Sache des ganzen Volte» zu machen. Vyrds Südpol-Expedition. Byrd beabsichtigt im August oder September feine Südpol- Expedition anzutreten. Er will auf dem hölzernen Eisschiff„Sam- fon" mit drei Flugzeugen, 75 Hunden und einer Besatzung von 55 Mann, in deren Reihen sich mehrere Piloten und Wissenschaftler befinden, von Neuseeland aus nach der Roß Jcc Barriere abreisen und will sich 15 Monate im Polargebict aufhasten. Er hofft während der ganzen Zeit mit der Außenwell aus radiotelegraphi- schem Wege in Verbindung bleiben zu können und gedenkt über den Berlaus der Expedition fortgesetzt Nachrichten zn oerössentlichen. Oer Kommunist als Kaiserdichter. Neuestes vom Suhler Froschmäusekneg. Das thüringische Städtchen Suhl ist eine Welt für sich. Neulich >aren dort Wahlen der Metallarbeiter: Di« Stalinisten siegten mit beträchtlicher Mehrheit, dahinter kam die Opposition und ganz zum Schluß die Sozialdemokratie. Die Stalinisten triumphierten, der oppositionell«„Volkewille� aber tobte, die„Reformisten"— so nennt man in Suhl die offiziellen Kommunisten— hätten Wahlschwindel getrieben. Nun gibt es in demselben Städtchen Konsumvereinswahlen. An der Spitze der„reformistischen", d. h. also offsziell-kommunistischen Liste steht ein gewisser Albert S i e b e l i st, der auch sonst als Kom- munistenführer in Suhl eine große Rolle spielt. Gegen diesen Siebelist trumpft nun der„Volkswille" mit einer Enthüllung auf. Er stellt fest, daß sich der Weltrevolutionär Siebelist während des Krieges als patriotischer Dichter produziert hat— und wie! Di« Kostproben, die der„Volkswille" liefert, sind derart, daß sicher kein Suhler Konsumvcreinsmitglied Lust haben wird. Würste zu essen, die nach derselben Methode hergestellt sind. Man höre: Mächtig, wie des Meeres Wellen, Sich«in Volk von Brüdern schart Jetzt um seinen Fürst und Kaiser Zum Treuschwur nach deutscher Art. Denn man hat mit Neid und Grollen Längst auf unser Volk geschaut, Das mit seinem Friedenskaiser Friedlich seine Häuser baut. Nur vom Freiheitsdrang beseelet, Fest wie deutscher Eichenwald, Stch'n am Feinde deutsebe Krieger, Der'n Gebet zu Gott erschallt. An der Einigkeit d e r Ä l a s s« n, An des Heeres Tapferkeit, An dem starken Gottoertrauen Bricht der Feind zu jeder Zeit. Da„bricht" allerdings nicht nur der Feind! Oer Neichsbannertag in Lichienberg. Stärkste Beteiligung, imposanter Verlauf. Der Ortsverein Lichtenberg des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold veranstaltete am Sonntag ein« r e p u b l i» konische Kundgebung. Di« Kameraden versammelten sich am Augustaplatz in Lichtenberg. Der größte Teil der Berliner Orts- vereine hatte starke Abordnungen mit Fahnen und Musikkapellen zur Kundgebung entsandt. Besonders zahlreich beteiligte sich die Partei. Alle Abteilungen waren mit ihren Bannern zur Stelle. Um 2 Uhr marschierte der Zug vom Augustaplatz ab. Als die ersten Gruppen längst hinter dem Bahnhof Lichtenberg-Friedrichsfelde auf dem Marsch zum Boxhagener Platz waren, standen die letzten Ab- teilungen noch immer aus dem Abmarschplatz. Gegen 15 Uhr war der Ummarsch durch das festlich geschmückte Lichtenberg beendet, und die Teilnehmer der Kundgebung waren aui dem Boxha-'ener Braß aufmarschiert. Dort begrüßt« als erster Sprecher der sozialdemo- kretische Bürgermeister Dr. S rg g e l rm Namen des Bezirksamtes Lichtenberg die Teilnehmern Er freue sich, daß aroße Mallen des Volkes im Reichsbanner vereint sind, um am Aufbau eines dem o» kratischen Volks st aates mitzuarbeiten. Don den republi« konischen Parteien sprachen Rektor Kellermann für das Zentrum und Senotspräsident Großmann für die Demokratische Partei. Im Auftrage der Sozialdemokratischen Partei und als Gauvorsitzender sprach Johannes Stelling. Er wies in seiner kurzen Ansprache darauf hin, daß der Landbund rüste, um die Wahlschlacht mit Terror zu gewinnen. Dos Reichsbanner steht auf der Wacht, jeden Augenblick bereit, diesen Terror zu brechen Im Anschluß an seine Ausführungen weihte der Gauvorsitzende ein Kameradschaftsbanner. Die Kundgebung wies eine außerordentlich starke Beteiligung auf. * Die Wintersportabteilung des Reichsbanners v«r- einte am Sonntag Freunde und Anhänger zu einem Winterfest im U lap. Auch diese Veranstaltung zeigte, daß die Arbeit des Reichs- banners, die republikanischen Wintersportler in einer Sonderabteilung des Reichsbanners zu sammeln, einen guten Erfolg hatte. Das Pro- gramm der Veranstaltung war sehr geschickt zusammengestellt Das Mitglied der Wintersportabteilung I a c o b i überzeugte in einem Zwiegespräch«inen Zweifler und bekehrt« ihn zur Idee des Reichs- banners. Im weiteren Programm zeigte Lotte W i r t h in ihren Tänzen Beachtliches. Großen Beifall fand der Typenkomiker R o s e l l und der Clown Hinz. Bis in die Mitternachtsstunde blieben die Teilnehmer beisammen. Anw in Baugrube gestürzt. Llnfälle des Sonntages.- Drei Tote. In der Sonnkagnachl ereignete sich im Osten Berlins ein schweres Aulounglück, das ein Todesopfer forderte. Bor dem Haufe Große Frankfurter Straße 13 an der Ecke Soppenstraße fuhr«in mit zwei Personen besetztes Droschkenauto in einen Schacht der im Bau befindlichen ll-Baha st recke Schwierige Situation. ,/-3ch lasse dich nicht!" Alexanderplah— elchtenberz. Das Aul« wurde zer» kümmert und der Führer des Wagens, der Zkjährige Bruua kauer aus der wehnerstraße 22, so schwer verletzt, daß er auf dem Wege ins Krankenhaus am Friedrichshain an den Folgen eines doppelten Schädelbruches starb. Die beiden Fahrgäste, zwei junge Leute von 21 Zähren, kamen wie durch ein Wunder mit leichten Der- lehungen davon. Kauer hatte am Bahnhof Frankfurter Allee gegen Z�3 Uhr die Fuhre übernommen und befand sich mit seinem Wagen in schneller Fahrt durch die Frankfurter Allee. Infolge des Schnee- gestöbers übersah er vermutlich die rote Warnungslampe, die an dem Zaun eines Bauschachtes der bl-Bahn angebracht war und fuhr mit voller Wucht gegen das Geländer, das dem Anprall nicht standhielt. Das Auto fiel, sich überschlagend, in den etwa fünf Meter tiefen Schacht hinab, vorübergehende wurden durch den Krach und die kurz darauf ertöneirden Hilferufe alamiert. Die Feuerwehr wurde zu Hilfe gerufen, die sich sosor: an die Bergung der Verunglückten machte. Kauer sowie die beiden Insassen, der 21jährige Fleischer Gustav B. aus der Kniprodestraße 7 und die 21jährige Martha G. aus der Barnimstraße 45, wurden durch einen Rettungswagen in das Krankenhaus am Friedrichshain ge- bracht. Während Kauer. der einen doppelten Schädelbruch erlitten hatte, bereits auf dem Wege dorthin starb, konnten die beiden In- fassen nach Anlegung von Notverbänden in ihr« Wohnungen gebracht werden.-> -* Ferner ereigneten sich zwei schwere Unfälle mit tödlichem Aus- gang durch Ueberfahren. Auf dem Güterbahnhof Tempelhof wurde in den frühen Morgenstunden des Sonntags der 4Zjähnge Hilfsweichensteller Fritz Herbst aus der Gotenstrahe 20 beim Schmieren und Ausbessern einer Weiche von einer Rangiermaschine erfaßt und drei Meter mitgeschleift. Dem Unglücklichen wurde ein Bein abgefahren: außerdem hatte er so schwer« innere Verletzungen erlitten, daß er auf dem Wege zur nächsten Rettungsstelle starb. H. hinterläßt Frau und zwei Kinder im Akt« von 15 und 17 Jahren. — Vor dem Hause Greifswalder Straße 12 wurde am Sonntagabend, kurz nach 18 Uhr, der 44jährige Baupolizeiassistent Wilhelm Dobrzinski aus der Koskaftroße in Hohenschönhausen vor den Augen seiner Frau von einem Auto überfahren und schwer verletzt. Als die Feuerwehr an der Unjallftelle eintraf, war D. feinen Verletzungen bereits erlegen. Zahrsünslseler der freien Gewer kfchaflsjugend Berlin am Sonntag, dem 25. März 1928. oormätags 11 Uhr, im Mercedes-Palast, Neukölln, Hermannstraß«(Nähe In-Bohnhof Boddinstraße). Fohrverbindungen: Untergrundbahn bis Bahnhof Boddinstraße. Straßenbahnen 21, 27, 28, 29, 36, 63, 128. Aus dem Programm: Ansprache: Fritz Tornow, Vorsitzender des Deutschen Holzarbeiteroerbandes. Ausführung des Sprechchorwerkes „Der gespaltene Mensch" von B. Schönlank vom Sprech- und Bc- wegungschor der Berliner Volksbühne und der Tanzgruppe Skoro- nel-Trümpy. Eintrittskarten sind bei allen freigewerkschastlichc» Iugendfunktionären, in den Zahlstellen und OrtsverwaUungen der Verbände, in den durch Aushang kenntlich gemachten Zahlstellen der Volksbühne, in den Iugendgruppen und in der Freigewerkschastlichc» Jugendzentral«, Enoelufer 24/25, 1 Tr., Zimmer 7 A, zu haben. Unkostenbeitrag 56 Pfennig. Wetterbericht der össenklichen Wetterdienststelle Berlin und Ilmgegend.(Nachdruck verboten.) Bewölkt bis trübe mit lebhajte» östlichen Winden, weiterhin ziemlich kalt und einzeln« leichte Schnee- fäll«.— Für Deutschland: Im Süden und Südosten vielfach Schnee- fälle, überall ziemlich kalt und windig. Verantwortlich für die Redaktion:«-gen Präger, Berlin: Anzeigen: Tl>.«locke. Verlin. Verlag: Vorwärt» Verlag®. m. l>. K.. Berlin. Druck: Vorwärt» Buchdruckerei und Berlagranstalt Paul Tinger& Co., Berlin TD M, Lintrnftroße Z. Pier,» 1 Beilage. Ad?* In ihrer Heilwirkung gegen Katarrhe, Asthma, Husten, Heiserkeit, Verschieimung, Grippe und Grppetolgen, MagentSure(Sodbrennen), Zucker u. harnsaure Diathese sind die natürlicuen Vorbeugungs- u. Heilmittel(aus den Staatl. Betrieben) Schutzmorka Uf»e**S Emser Wasser(Kränchen)/ Pastillen' Quellsalz EmsolUb: das beste Mundptiegemittei; verhindert Zahnstelnbildnng. In Apotheken, Drogerien, Mineralwasscrbandlungen n. einschl. Geschalten. Aber man ach»«lern auf die Schulzmarke„EMS" und weise lecke» ErsatxprSparal zurück. SUaUlehe Bad»-». Bmanendlrebtlon. Hauptniederlage für Emser Kränchen für Berlin und Brandenburg: Brunnenvertrlebsaktiengesellschafl, Berlin SW, Yorkstr. 59, Telephon; Bergmann 3536—38. Warum mehr bezahlen? iu68.-». Kost. Jsut ela loebmod.»Is- ;sncea, itaj-- zes u. dsosr- _ nsltes Sltm- Bsuiauvhsrad, Mo i. ö. i. Hochwertig. Au,- sUttuiiit mit mod.. rassigem Kshmriibsa mitlJth.es tirantle a. Original Torpedo- Iraiiaut pr. Hereitung(rut oder giau). Nickelfedersattel gelbe Felgen mit rost- eioberes Speichen, kompl. Werkzeug, Pompe, Glucke usw. Versand Überallhin. — Zablangearlelehtening.— Katalog Uber Fahrräder, Gummi, ZabehSrtaiie gratis and Iraoko. Emst MäCflHOW, Beut», Welamiliterelr.l« mm flrdStes rehmtea-ife B-ut-eMeede mmt Der Kenner trinkt, das vorzüglich nach gebraute Eniieltarill- Soezial Hell Auch in Flaschen überall erhältlich Eine. � gesundei» Schlaf und damit aine VCriflifun* da» ganten Narvan- systems anielan Sia nur durch dan cchtan ,Baldravin' Pat-ntainU.geema".Metall. mintel. 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Bringen Sie uns schon jetzt Ihre Kleider und Anzüge. üptübmi Montag,- 12. März 1928 Die fimcbtuag als 5ii)aufpipl ßolififd)? /Bünde" für? die(Bfaltmg der? Xodesfaofe. Von Friedrich Wendel Wieso die Todesstrafe verrohend wirkt? Jeder wird erlebt haben, daß in solchen gesellschaftlichen Zirkeln, deren geistige Höhe zu wünschen übrig läßt, bei bevorstehenden oder vollzogenen Hinrichtungen das Blutgeschäft in einer wider- lichen, sensationslüsternen Art und Weife besprochen wird. Tierische, beftalische Instinkte werden wach. Welche Wirkung das zumal auf Kinder und Jugendliche hat, kann man sich leicht ausmalen. Die verrohende Wirkuno der nichtöffent- lich.n Hinrichtung ist um keinen Grad geringer als die der öffentlichen. Was die öffentliche Hinrichtung betrifft, so liegen bändeweise Belege dafür vor, daß sie nicht abschreckend wirkt. Wir greifen aus einer im Jahre 1840 in Genf erschienenen Schrift:„Ueber die Abschaffung der Todesstrafe" von I. G. H o ch d ö r f e r, einem sympathischen Pfarrer, folgen- des interessante Beispiel heraus: „In Liestal im Kanton Basel wurde 1838 ein Mann wegen vorsätzlicher Tötung hingerichtet. Zu dieser Hinrichtung versammelte sich das Volk aus allen Teilen des Kantons, darunter auch einige Bauernburschen aus einem Dorf in der Nähe des Tatortes Als die Hinrichtung vorbei war, kehrten sie in einer Schenk« ein, in die etwas später«in anderer Bursche kam, den sie wegen einer Mädchen- geschichte alsbald dermaßen mißhandelten, daß er unter ihren Händen fast den Geist aufgab. Später kehrten die Rohlinge noch einmal zurück, um den Mißhandelten vollends„hinzumachen"! Und diese Menschen waren eben von der Hinrichtung eines Mörders gekommen: sie waren noch nicht einmal zu Haufe gewesen ja, sie waren sogar an diesem Tag« wegen einer früheren Schlägerei vor das Gericht zu Liestol geladen worden! So schreckt die Todes- strafe ab!" Fast alle ernsten Berichte früherer Zeiten über öffent- liche Hinrichtungen melden übereinstimmend, daß der A l- toholkonsum der zusammengeströmten Menge ins Un- gemessene stieg, und daß darauffolgende Schlägereien mit tödlichem Ausgang Sachbeschädigungen schwerer Art und vor allen Dingen Sittlichkeitsverbrechen an der Tagesordnung waren! In England, wo noch bis etwa 1833 fast alle Hinrichtungen öffentlich vollzogen worden sind, wurden solche Delinquenten, das Haus der Lords eine Studienkommission über die Wir- *) Siehe auch Nr. 100 und 104. Die Abschreckungstheorie. kung der Todesstrafe ein: in dem Bericht der Kommission die ein herausforderndes Wesen bei der Hinrichtung an den Tag legren, sozusagen belobt, ihr Verhalten wurde in allen Schenken gepriesen. Andere, die Todesfurcht zeigten, wurden mit wüstesten Schmähungen bedacht. Im Jahre 1856 setzte hieß es u. a., daß. die abschreckende Wirkung der Todesstrafe „gleich Null" sei,„die Leute gehen zu den Hinrichtungen wie zu einem Hahnentampf oder einem Schauspiel: rohe Aus- drücke gehen von Mund zu Mund, es wird gelacht und ge- witzelt. Trunkenheit, Händel und Liederlichkeit folgen jeder Hinrichtung auf dem Fuße. Eine besonders widerwärtige Begleiterscheinung der öffentlichen Hinrichtungen ist die Belebung des wüstesten Aberglaubens. Dem Blut des Hingerichteten wurde Hell- kraft zugeschrieben, es soll auch gute Dienste beim„Schatz- heben" und bei der Bereitung von„Zaubertränken" leisten. Oft stürmte die versammelte Menge das Schaffot und füllte das Blut des Gerichteten in mitgebrachte Gefäße, oder ver- suchte, es sonstwie zu erhaschen. So äußerte sich die„ab- schreckende" Wirkung der Todesstrafe! Aber schließlich: die Hinrichtungen werden ja jetzt unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vollzogen. Ist damit ihre ver- wüstende Wirkung auf die öffentliche Moral unterbunden? Keineswegs. Ihre demoralisierenden Auswirkungen äußern sich nur in um so raffinierteren Formen! In einer Zeit, in der sich die Politisierung fast aller kulturellen Fragen unaufhaltsam vollzieht, wird aber auch die Todesstrafe zu einer politisch m Frage gemacht. Bist du Anhänger der Todesstrafe, so gehörst du zur sogenannten guten Gesellschaft, hast das Wesen der kapitalistischen Ord- nung begriffen, und kannst dich in die Deutschnationale Partei aufnehmen lassen. Bist du Gegner der Todesstrafe, so bist du schlappschwänziger„Pazifist", bedrohst die mensch- liche Gesellschaft mit Auslösung und Verderb, und wenn du in Rußland lebst, wird dir gesagt, daß du keine Ahnung vom Wesen des Klassenkampfs hast und als konterrevolutionärer Schweinehund der Bourgeoisie auf die Beine hilfst! Und so ergibt sich das Bild daß man an der Aufrecht- erhaltung der Todesstrafe interessiert ist nicht aus allgemein moralischen Erwägungen heraus, sondern weil man sie nicht preisgeben kann, ohne einen kostbaren Stein aus dem Gebäude seines reaktionären Parteiprogramms zu brechen! Welche Hintergründe das hat, möge im nächsten Artikel beleuchtet werden. Für heute wollen wir die Betrachtu-q nicht schließen, ohne auf den Kulturskandal der politischen Todesstrafe aufmerk- fam zu machen. Ihr klassischer Boden ist zurzeit Rußland, obwohl sie selbstredend auch in anderen Ländern im Schwange ist. Liest man die Gründe, die in der Sowjetliteratur für die „Notwendigkeit" der politischen Todesstrafe angeführt werden. so ist man überrascht, wie baar- genau sie sich mit den Grün- den für die Todesstrafe im all- gemeinen decken. Sie soll zu- nächst den Verbrecher, hier also den politischen Schädling, un- schädlich machen, sie soll ferner abschrecken, sie soll erzieherische Wirkung auslösen und fchließ- lich den staatlichen Autorität?- begriff stützen. Und so häuft man denn die Zghl der Hin- richtungen zu araussger Höhe. Log'k: Tötet alle Gegner des Kommunismus, und der Kom- munismus ist in dem Augen- blick verwirklicht, in dem der letzte Gegner unter der Kugel verröchelt. Welches Raffinment die Henker der Tscheka Hinsicht- lich des Abschreckungscharatters der Todesstrafe zu entwickeln wissen, ist durch zahlreiche ein- wandfreie Belege erwiesen. Und so wird denn lustig erschossen und gehängt Wie einst im Namen Christi gerädert und verbrannt wurde wie später im Namen des Königs gekgvft wurde, so wird heute in Ruß- land im Namen des Kommu- nismus Blut in Strömen ver- gössen. Dabei ist längst nach- gewiesen, und man kann das auch bei den großen Lehr- meistern des Sozialismus nach- lesen, daß die Verwirklickiung der sozialistischen Gesells�afts- ordnung nicht von der körver- lichen Vernichtung ihrer Geg- ner. sondern von ganz anderen Umständen abhängig ist! vor wenigen Iahren erlebt. Wir haben die Feme- morde erlebt, wir haben die Dittaturstatuten der Rechts- Putschisten mit ihrem eintönigen..... wird erschossen" am Ende jedes Paragraphen gelesen. Aber wir haben doch auch erlebt, daß die überwiegende Masse der Be- völkerung sich von solchem Wahnsinn abwandte, und haben die Ueberzeugung gewonnen, daß die Arbeit für den Sieg der Vernunft und der Menschlichkeit nicht vergeblich ist. »Ja*, Herr, jtner Bettler dort hai die Frechheit gehnht. einem ehrenwerten Bürger A��s p°Wsches da* TaeckenUteh n* tUhle*?- Deutschland schaudernd noch Kennt ihr sie? Aussterbende Berliner Redensarten. Eine neu« Generation wächst heran, die vieles von dm alten Berliner Redensarten und Wortspielen nicht mehr kennt. Vielleicht in den Gebieten des Berliner Ostens und Nordens ist die Dialekt- sprach« noch dieselbe wie vor 50 Iahren, aber es war doch gut, daß bekannte Berliner Forscher wie Dr. Hans Aren dick« u. a. im letzten Jahrzehnt versucht haben, den Wortschatz des Berliners in Büchern festzulegen, die ein wichtiges kulturhistorisches Denkmal für heutig« und künftige Geschichte bedeuten. Obwohl die heutigen Berliner auch„nich von Pappe" sind, wollen wir ihnen eine kleine Kollektion von Worten präsentieren, die nahezu am Verschwinden sind. Vielleicht nimmt das eine oder andere seinen Lauf wieder ins Ohr des Lesers und besruchtet den so ewig blühenden und sich immer neu ergänzenden Baum der Volkssprache. „Duhn duhn wolln se nischt, aber nischt duhn, det wolln s« duhn!" verleugnet sein« Herkunft aus den Gründerjahren durchaus nicht, aber man hört es nicht mehr. Bei Betrachtung des Abendhimmels konnte man von dem be- geisterten Berliner Naturfreund den entzückenden Ausrus vernehmen: „Is'n scheener Abend, heute Mörsen, die Nacht möcht ick mal bei Dag« sehn!" Im Vollbesitz seiner körperlichen und geistigen Kräfte sagte ein echter Berliner seinem auswärtigen Freunde:„Kommen S« i n meineIahre.dennwackelnSemit'nKopp, viel wenijer mit de Beene." Das„Abgemacht— S e« f e!" an Stelle„Sela" ist einer der biuschitosen Ausspüche gewesen, wenn er einen Punkt hinter einen Satz machen wollte, ebenso„Ick denk«, mir soll der Asse sri- sieren!" wenn er sich entrüstet«. Mit dem Affen hatte er es be- sonders,„Da fällt'n Affe aus dem Nest!" hört man noch heute, wenn ein plötzliches Geräusch entsteht. „Ick lach mir'n Ast(un setz mir druff!)" ist noch jetzt eine ständige Budikenredensart. Der gut eingeführt« Gast dort kann unter Umständen auch niit dem freundlichen Spitznamen„Aujust mit de Klamottenbeene!" empfangen werden. „W a t nachkommt, i s Bärme!" ist ein« Redensart, die besagen will, daß das, was jetzt noch kommt, nichts rechtes mehr ist. Mit Bärme ist Bierhefe gemeint, die beim Einschenken von Weiß- bier vom Wirt in den Flaschen zurückgehallen wird.„Immer wegoon deBilder! Du koofft'n ollen Fritzen noch nich!" war eine Redensart, die von früheren Straßenhändlern geprägt wurde, die Bilder aktueller Natur mit erklärenden Texten feilboten. Be- fonders stark waren sie von den Kindern umdrängt, die sie mit diesem Ausspruch abwehrten. Di« schöne Redensart„Da kennen Se Buchholzen schlecht!" wird auf folgende alt« Anekdote zurückgeführt: Ein Geistlicher tröstet einen Sterbenden, daß wir uns alle im Himmel- einst wiedersehen. Der Sterbende fragt ängstlich:„Herr Geistlicher, Buchholzen ooch?"—„Ja, gewiß, wenn Buchhoiz als Christ gestor- den ist."— Der Sterbende:„Ach je, denn jeht des Luderleben da ooch wieder an!"—„O, mein Freund, dort nähren- wir uns von himmlischer Speise, auch Buchholz wird da ein himmlisches Leben führen!"—„Ach n e e, H e rr Poster, d a k e n n« n S e Buchholzen schlecht!"— Von den Bürstenbindern, die ihre Waren von Haus- zu Haus ausboten, rührt die Redensart her:„Cr rennt wie'n Bürfchtenbinder."— Der Ausruf„Jott soll mir'n Dahler schenken!" ist als Ausdruck des Erstaunens vielleicht noch bei Berliner Marktfrauen zu hören.„Wat ick mir davor koofe!" ist beinahe auch nur in den Niederungen zu hören.„Ick wer'.n Deibel duhn!" ließ sich in der Abwehrstellung gut vernehmen, ebenfalls„Det kann ick vor'n Dod nich leiden!" Wir wollen am Schluß dieser kleinen Blutenlese Nicht in die alte Redewendung verfallen:„Da is ooch'n Dreck dran gelegen!", sondern vielmehr im Hinblick auf die Stärkung und Erhaltung des Berliner Wortwitzes ruhig mit dem schönen Wort schließen:„Da riskiert aber«ener'ne Lippe!"- F. N., Ein Telephonbuch im Taschenformat. Das Telephonbuch der Stadt New Fork mit seinen jetzt rund 900 000 Eintragungen war in den letzten Iahren schon zu einem Umfang angewachsen, daß es sich mit dem besten Willen nicht noch mehr vergrößern lieh. Aber das neue Telephonregister für 1928 läßt sich bequem in der Tasche tragen. Es ist auf allerdünnstem Papier mit Hilfe des photographischen Verfahrens so klein gedruckt, daß man es mit dem bloßen Auge nicht lesen kann. Es wird daher ein besonders zu diesem Zweck angefertigtes Vergrößeriingsglas mit dem Buch geliefert, das ein bequemes Lesen ermöglicht. Der Verkehrsrekord in New York Die Personenbeförderung auf den New Porter Verkehrslinien überstieg im letzten Jahre zum erstemnal die Ziffer von drei Mil- liarden. Frauen.„Nein, dieses Kleid ist mir auch viel zu eng! So etwas kann ich wirklich nicht tragen!" Verkäuferin:„Verzeihung, gnädig« Frau— ich habe Ihnen alle unsere. Kleider gezeigt. Da» ist Ihr eigene» Kleid, da» Sie mtlviben___• VON B.TRAVEN H ATZ DER SIERRlAÜMlA J___ rwR Nachdruck verboten• Copyright 1928 by Büdiergilde Gutenberg, Berlin Dobbs und CurMn begeben»!d> unter FOhrung des alten Goldgräbers Howard in die Vildnts des mexikanischen Hochlandes der Sierra Madre. Sie haben das Leben in der Stadt satt, das ihnen immer nur vorübergehende, meist schlecht bezahlte Arbeit gebracht hat, abwechselnd mit langer Erwerbslosigkeit. Nach langem Suchen stoßen die Drei endlich aut goldhaltige Erde. Das Goldwaschen ist eine harte Arbeit. Die Drei schütten wie blöd gewordene Strällinge. Ihr Arbeitsfeld lag hoch im Gebirge, kein geordneter Weg führte dahin. Um die nächste Eisenbahnstation zu erreichen, wer ein Eselsritt von zehn oder zwölf Tagen erforderlich. Die drei Leute, die sich nur aus reinen Nützlichkeitsgründen zusammengefunden hatten, kamen bald in Streitigkeiten. Man muß voreinander und vor Banditen, die ihnen das gefundene Gold abnehmen können, immer auf der Hut sein. Solange man nichts hat, Ist man der Sklave seines hungrlgens Magens und der natürliche Sklave derer, die einen hungrigen Magen füllen können. Wenn man aber etwas hat, ist man der Sklave seines Besitzes. 12. Fortsetzung. Die gemeinsamen Mühen, die gemeinsamen Sorgen, die gemein- samen Hofsnungen, die gemeinsamen Enttäuschungen, die jene drei Männer in den Monaten, die sie nun schon beieinander waren, durchgemacht hatten, mußten nach allen Weisheiten der Soziologie zur Freundschaft führen. Sie waren doch Kriegskameraden, bessere Kriegskameraden, als je ein Krieg hervorbringen konnte. Da war mehr als ein Fall vorgekommen, daß Howard dem Dobbs, Curtin dem Howard, Dobbs dem Curtin das Leben gerettet halle; dann wieder, daß Dobbs den Howard, ein andermal den Curtin vor dem Verlust des letzten Atems bewahrt hatte. Alle möglichen Kombi- Nationen waren vorgekommen. Jeder war immer sofort bereit gewesen, dem anderen zu helfen und seine eigenen Knochen oder gar das eigene Leben daran zu wagen, den Abgestürzten in Sicherheit zu bringen. Was war da alles schon vorgekommen. Da brach ein angefällter Baum zu früh, und Dobbs fing ihn mit der Schulter auf und gab ihm dadurch eine andere Richtung, sonst hätte der Baum Curtin zerschmettert. Wie die Schulter nachher aussah! „Fein war das, Dobbs," sagte Curtin. Und das war alles. Was sollte er mehr sagen. Zwei Wochen später brach ein Erdstollen durch, als Dobbs drin war, und Curtin wühlte ihn heraus, obgleich eine dicke schwere Schwarte kieseliger Erde über ihm hing und jeden Augenblick her- unterbrechen konnte, um Curtin so sicher zu vergraben, daß Howard, der an der anderen Seite den Stollen durchzustechen oersuchte, auf alle Fälle zu spät gekommen wäre, um auch nur zu ahnen, wo die beiden hingekommen seien. Als Dobbs dann herausgezerrt war, fein Bewußtsein wieder hatte und zu atmen anfing, sagte er:„Wenn ihr dinmal mehr in die Hände gespuckt hättet, dann hätte ich aus diesen Sandhausen nicht mehr spucken können." Dabei spie er«in Maul voll Erde aus. Da wurden nie viel Worte gewechselt in solchen Fällen. Es war ganz nüchterner Dienst, den einer dem anderen erwies. Aber diese Dienste, diese Hilfeleistungen brachten sie nicht näher zueinander. Sie wurden nicht Freunde. Sie würden nicht Freunde geworden sein, auch wenn sie noch zehn Jahre lang sich gegenseitig das Leben gerettet hätten. Sie selbst konnten sich nicht beobachten, sie waren beteiligte Partei. Wer sie aber zuweilen hätte vor dem Feuer sitzen sehen, kurz vor dem Schlafengehen, der würde den Eindruck gewonnen haben, daß jeder von ihnen auf eine gute Gelegenheit warte, um den beiden anderen an den Hals zu springen.' Dennoch war es nicht Mord, was in ihren Augen glimmerte. Vielleicht war es Neid? Doch wenn seder einzelne von ihnen gefragt worden wäre, was er gegenüber den anderen empfinde, er würde nicht gesagt haben,„Neid" oder„Habgier". Das war es ganz bestimmt nicht. Jeder besaß gleich viel, jeder wußte, daß der andere so ziemlich alles Vermögen in das gemeinsame Unternehmen gesteckt hatte, daß jeder hart gearbeitet, jeder bitter gedarbt, jeder unmöglich Erscheinendes erduldet hatte, um zu etwas zu kommen. Wie konnte man da Neid empfinden? Oder Habgier? So widernatürlich fühlt ein gesunder Mensch nicht. Jeden Abend, noch bei hellem Tageslicht, wurde der Ertrag des Tages sorgfältig abgeschätzt, dann in drei Teile geteilt, und lever nahm seinen Teil an sich. Das hatte sich gleich von Anfang an wie von selbst gegeben. „Am besten, wir teilen jeden Abend, und jeder nimmt seinen An- teil an sich." Diesen Vorschlag mochte Curtin am zweiten Abend der Woche, in der die Arbeit anfing, die ersten Gewinne abzuwerfen. „Dann brauche ich wenigstens nicht euer Schatzhüter zu fein," sagte Howard. Sofort sahen die beiden anderen auf:„Wir hatten nichts davon gesagt, daß du das Gut in Verwahrung haben solltest. Das wäre erst noch sehr die Frage gewesen, ob wir dir das alles anvertraut hätten." „Schaut Ihr aus dem Fenster heraus?" lachte Howard. Er fühlte sich nicht beleidigt. Er hatte solche Wandlungen zu oft erlebt, als daß er sich deswegen aufgeregt hätte. Gutmütig sagte er:„Ich habe nur gedacht, daß ich der Vertrauenswürdigste hier bin." „Du?" rief Dobbs.„Wir wohl nicht? Wir sind wohl entlaufene Sträflinge?" Und Curtin sagte:„Was wisien wir denn, wo du alt ge» worden bist." Howard ließ sich nicht aus der guten'Laune bringen.„Freilich wißt ihr das nicht. Aber ich denke, hier draußen und zwischen uns, da zählt das alles nicht. Ich habe keinen von euch gefragt, wo er herkommt und wo er seine Jahre der Unschuld verbracht hat. Das wäre auch sehr unhöflich gewesen. Man soll niemand zum Lügen verführen. Hier draußen, wo kein Hahn kräht, da rettet kein Schwindel. Ob wir uns hier gegenseitig was vorlügen, oder ob wir uns einander die blutige Wahrheit erzählen, das ist keinen Nickel wert. Aber ich bin unter uns dreien der einzige, der hier draußen vertrauenswürdig ist." Die beiden anderen grienten. Aber ehe sie Zeit fanden, eine saftige Antwort zu geben, fuhr Howard fort:„Braucht nicht aufzu» fahren. Es ist richtig, was ich sage. Hier gilt nur die nackte Tatsache. Wir könnten ja dir", dabei nickte er zu Dobbs hinüber,„das Gut zur Aufbewahrung anvertrauen. Aber wenn ich im Busch sitze und Stützen zimmere und Curtin in den Laden hinuntergeritten ist, packst du auf und ziehst ob." „Das ist eine Gemeinheit, so etwas zu sagen," brauste Dobbs auf. „Mag sein," erwiderte Howard ruhig,„daß es eine Gemeinheit Ist, es auszusprechen. Aber es ist dieselbe Gemeinheit, so etwas zu denken. Und du wärst der erste Mensch, dem ich se begegnet bin, der so etwas nicht denken würde. Mit dem G'ste der anderen durchzu- brennen, ist, da will ich euch gleich mein« Meinung sagen, keine Ge- meinheit, sondern hier draußen ist das nur eine ganz natürliche Sache. Ein Dummkopf, der es nicht tut. Ihr seid nur zu schäbig, es einzugestehen. Aber laßt uns mal zwanzig Kilo Fein im Schatze haben, dann will ich einmal sehen, was ihr denkt. Ihr seid nicht bester und nicht schlechter als irgendwelche andere Burschen. Ihr seid ganz natürliche Menschen. Und wenn ihr mich hier eines Tages an einen Baum bindet, alles auspackt und dann abzieht und mich hier verrecken laßt, um mein Gut zu haben, so tut ihr nur das, was jeder tun würde, wenn er nicht im rechten Augenblick den Gedanken bekäme, daß es sich letzten Endes vielleicht nicht voll bezahlen ließe. Ich kann mit eurem Gut nicht abkneifen. Ich bin nicht mehr flink genug auf den Beinen. Mich hättet ihr innerhalb zwölf Stunden am Kragen und hängt mich ohne Gewissensbisse am nächsten Baum auf. Ich kann nicht ausrücken, ich bin auf euch angewiesen. Darum dachte ich, daß ich hier der einzige Vertrauensmann bin." „Wenn man das so überdenkt," sagte Curtin,..dann hast du recht. Aber auf alle Fälle ist es bester, wir machen jeden Abend Teil, und jeder bewacht sein Gut allein. Dann kann jeder gehen, wann er will." „Nichts dagegen," sagte Howard.„Ist gar nicht so schlecht. Dann ist jeder besorgst daß der andere sein Versteck belauschen könnte." „Was für einen bösen Charakter mußt du haben, Howard," meinte Dobbs,„daß du immer nur an Niederträchtigkeiten denkstl" „Kannst mich nicht beleidigen, Junge," gab Howard zur Antwort. „Ich kenne meine Leute und weiß, welch lieblicher Taten und Ge- danken sie fähig sind, wenn Gold in Frage kommt. Im Grunde ge- nommen sind die Leute alle gleich, wenn das Gold mitspielt. Alle gleich niederträchtig. Da, wo sie gepackt werden können, sind sie nur vorsichtiger, verlogener, oerheuchelter. Hier draußen brauchen sie nicht zu heucheln, hier ist das Geschäft immer klar und durchsichtig. Einfach und schlicht. Drinnen in den Städten, da sind tausend ver« schiedene Widerstände und Hemmungen. Hier ist nur ein Widerstand, das Leben des anderen. Und hier ist immer nur eine Frage." „Welche?" fragte Dobbs. „Die möchte ich misten?" fragte Curtin zur gleichen Zeit. �Hier ist nur die eine Frage, ob einem nicht eines Tages die Erinnerung wird zu schwer zu schaffen machen. Taten belasten nicht. Es sind immer nur die Erinnerungen, die an der Seele frestsn. Kommen wir schon zum Schluß. Es wird also jeden Abend geteilt, und jeder sucht sich ein gutes Versteck. Wenn es erst einmal fünf Kilo sind, dann können wir das Gut sowieso nicht mehr den ganzen Tag in einem baumelnden Beutelchen auf der Brust hängen haben." S. Viel Mühe und alle ihre Erfindungsgabe hatten die Männer darauf verwandt, um ihren Arbeitsplatz gut zu verbergen. Das Camp, wo sie schliefen und kochten, verlegten sie, so daß es einen halben Kilometer von der Mine entfernt war. Der Platz, wo die Mine lag, wurde so vortrefflich mit Buschwerk und großen Steinen von der einzigen Stelle, wo der Zugang möglich war, abgekleidet. daß niemand, der sich in der Nachbarschaft herumtrieb, auf den Lynchjustiz. Am Abend nach dem internationalen Kongreß saßen der Fran- zose, der Spanier, der Deutsche, der Argentinier, der Engländer und der Amerikaner im Hotel beieinander und sprachen über nationale Eigentümlichkeiten. „Stellen Sie sich vor," sagte der Amerikaner,„baß ein Lustmord an einem Kinde in einer Stadt Ihres Landes unternommen worden ist. Der Täter wird gefaßt, und die Volkswut schreitet dazu, ihn zu lynchen. Rasch wird bei einem Seiler ein Strick be- schafft und der Mordbube an einem Baum aufgeknüpfst Plötzlich reißt aber der Strick. Was würde ihre Landsleute nun tun?" „Sehr einfach," sagte der Engländer.„Sie würden sich einen zweiten, dauerhafteren Strick beschaffen und die Bestie noch einmal hängen." „Bei uns," sagte der Franzose,„würde sich bis zu dem Augen- blick, da der Strick reißt, die erste besinnungslose Wut so weit ab- gekühlt haben, daß wir den Täter nunmehr der Polizei übergeben würden." „Ein Strick, der reiht?" meldete sich der Argentinier zum Warst „Was ist das für ein merkwürdiger Strickl Wir würden vor das Geschäft des betrügerischen Seilers ziehen und würden an ihm selber ausprobieren, ob er nicht auch Stricke hat, die eine bessere Qualität aufweisen." Der Spanier schüttelte mit dem Kopf:„Meine Landkleule würden ein Gottesurteil in dem Vorgang erblicken und den Mörder laufen lasten." Es fehlte die Antwort des Deutschen.„Nun, Herr Deutscher?" fragte der Amerikaner.„Hm," bekam er zur Antwort,„um Ihnen meine Ansicht sagen zu können, müßte ich Sie vorher noch um eine ergänzende Auskunft bitten: Ist der Lustmörder, den Sie für Ihr Beispiel gewählt haben, etwa außerdem Jude und Pazifist?" Han» Bauer. Das Radinmädel. In der„Darmstädter Zeitung" verkündet ein freudig bewegtes Elternpaar die Geburt eines Mädels folgendermaßen: „Die glückliche Geburt eines Mädels unter den Klängen des Posauenenchores der Morgenandacht durch das Radio am 3. März 1328 zeigen hocherfreut an: Martha und Friedrich Hornberger. Mitwirkung: Hebamme Frau Helm." Per Radio unter„Mitwirkung" einer Hebamme... Die Sache kann gut werden... Stresemann schlagt Bismarck. Ein geschäftstüchtiger Zigarrensabrikant läßt zwei Zigarren- marken unter der Firmierung„Bismarck" und„Stresemann" verkaufen.„B i s m a r ck" k o st e t 1 ö P f.. Stresemann 30 Pf.! Gustav, wie wird dir? England druckt neues Pariergeld. Die englischß Schatzmeisterei arbeitet mit Volldampf, um neues Papiergeld herauszubringen, besten Entwurf noch nicht bekannt ist, da diese» Geheimnis ängstlich gehütet wird. Täglich werden etwa Arbeitsplatz stoßen konnte. Nach einer Woche schon waren das Busch- werk, die Hügel, die Löcher, die Steinblöcke so oerwachsen, daß selbst Eingeborene, die auf die Jagd gingen, nichts Auffälliges dort gesehen hätten, das sie zu dem Arbeitsplatz hätte führen können. Das Camp zu verstecken, lag nicht in der Absicht der Männer. Das Lager hielten sie ganz offen. Um ihren Aufenthalt dort, zu recht- fertigen, spannten sie rohe Felle und Vogelbälge auf ausgestellten Rahmen aus.- Das ließ sie ohne weiteres als Felljäger und als Sammler seltener Vögel erscheinen. Da wurde nicht der geringste Verdacht rege, denn Hunderte von Leuten betreiben das als eintrög- liches Geschäft. Von dem Lager führte ein verschwiegener Pfad zur Mine. Um auf den Pfad zu kommen, mußten sie die ersten zehn Meter auf dem Bauche rutschen. Wenn sie durch waren, wurde der Pfad mit grünem Dornengestrüpp verstellt. Kamen sie zurück zum Lager, wurde erst sorgfältig das Lager beobachtet, ob jemand in der Nähe sei. Wäre das der Fall gewesen, dann hätten sie einen weiten Umweg gemacht und wären aus einer ganz entgegengesetzten Richtung in das Lager gekommen, so als ob sie eben von der Jagd heimkämen. In all der Zeit, die sie hier nun schon lebten, hatte sich nicht ein einziges Mal jemand sehen losten, weder ein Weißer noch ein Ein- geborener. Es war auch durchaus unwahrscheinlich, daß sich jemand in diese wilde Gegend je verlaufen würde. Aber die Männer waren zu klug und zu vorsichtig, als daß sie sich darauf eingelassen hätten, Opfer eines Zufalls zu werden. Nicht einmal ein flüchtiges Wild, das von einem Jäger verfolgt wurde, hätte auf dem Arbeitsplatz nach Sicherheit suchen können. Der Geruch der hier arbeitenden Menschen trieb es in eine andere Richtung. Und Hunde sind im Busch zu furchtsam, sie bleiben immer bei ihrem Herrn und schnüffeln nicht herum. Aber das Leben, das die drei Leute hier führten, war erbar- mungswürdiger als das eines litauischen Fabrikarbeiters in Detroit. Es war das jammervollste Leben, das sich nur vorstellen läßt. Dobbs meinte eines Abends, daß er sich in dem verschlammtesten Schützen- graben Frankreichs menschlicher gefühlt habe als hier während der letzten Wochen. Curtin und Howard konnten das nicht beurteilen, weil sie nicht die Ehre hatten, in Frankreich gewesen zu sein, um die zarten unschuldigen Säuglinge an der Brust amerikanischer Mütter vor den Bajonetten der Hunnen zu schützen. Und mit jedem weiteren Tag, den sie hier zubrachten, wurde das Leben unerträglicher. Das ewig gleichförmige Essen, hastig zubereitet von übermüdeten Händen, ekelte sie an. Aber sie mußten es hinunte''würgen. Die öde Einmütig- keit ihrer Tätigkeit machte die Arbeit noch schwerer, als sie an sich schon war. Graben, Sieben, Schwenken, Ausklauben, Wasser- schleppen. Abstützen. Eine Stunde wie die andere, ein Tag wie der andere. Woche für Woche. Und so ging das nun schon Monate. Die Arbeit hätte sich vielleicht ertrarm lasten. Hunderttausende von Menschen verrichten ihr ganzes Leben lang keine anders Arbeit und fühlen sich dennoch verhältnismäßig wohl dabei. Hier aber wirkten andere Mächte gegen sie.(Fortsetzung folgt.) für 1 Million Pfund Sterling Noten gedruckt, da die im Umlauf befindlichen 28S Millionen Pfund Sterling ersetzt werden sollen. Der Zeitpunkt, zu dem die neuen Noten auegegeben werden sollen, ist noch nicht bestimmt. Di« Ausgabe erfolgt durch die fünf größten Banken Englands. Der Meister der Jongleure, Ras l e Iii, der V lelgewandle, sei gl in der ücala wieder seine Künste. Er balanciert die vielbewunderten Gummi' halle nicht nur auf der Bühne, sonder n auch auf dem Auto. Was am Alkohol verdient wird. In Modesto(Nordamerika) wurde eine Geheimbrennerei aus- gehoben, die einen Monat in Betrieb war. Bei Prüfung der ge- fundenen Unterlagen konnte festgestellt werden, daß die Brenner in einem Monat 51 000 Dollar verdient hattenl WAS DER TAG BRINGT. Auch die späteren Nachtstunden vom Sonnabend zum Sonntag brachten dem 20. Berliner Sechstagerennen nicht den Massenbesuch, der sonst üblich war. Immerhin waren Ränge, Por- kett und Jnnenraum gut besetzt. Sonnabend abend um 10 Uhr, am End« des ersten Tages, hatte das Feld 6 41,48 0 Kilometer bedeckt. Das Publikum bekam gewaltige Dinge nicht zu sehen, da die Fahrer zu ausgepumpt waren. Wohl gab es vor Beginn der Iv-Uhr-Äbendwertung eine Jagd, die Brünier entfesselte und in deren Verlauf die Mannschaften Louet-Brunier, Tonani-Dinale, Linari-Lorenz, Dempsey-Frankenstein, Rausch-chürtgen, Miethe- Buschenhagen und Carpus-Maczynski einmal, Goris-Duray und Dewolf-Goebel zweimal überrundet wurden. Louet-Brunier konnten gleich darauf eine Bahnlänge gutmachen. Nach dieser Wer- tung ergab sich der im Sonntag-„Dorwärts* mitgeteilte Stand des Rennens. Spätere Vorstöße bringen Rundenverluste für die schwächeren Paare, die jedoch im Platzklassemcnt nicht verändernd wirken. Nach 12 Uhr verschwindet der Stettiner Carpus aus dem Rennen. Der Neunzehnjährige muh infolge einer Knieverletzung aufgeben. Walter Behrendt erhält nun den Partner Carpus', Maczynfkl, zugeteilt. Die neue Mannschaft Behrendt-Mac-ynski nimmt dann das Rennen mit sechs Verlustrunden und 1Z Punkten auf. Als einmal Rausch-Hürtgen losziehen, führt van Kempen, wohl der stärkste Fahrer im Rennen, das Feld wieder zusammen. Tietz-Rieger, die immer besser werden und nun im Vergleich zum ersten Tage angenehm enttäuschen, holen zwei Runden auf. Sie liegen nun mit van Kempen-Richli eine Runde hinter dem Spitzen- paar Ehmer-Kroschsl. Auch Rausch-Hürtgen, Dempsey-Frankenstein. Behrendt-Maczynski und Linari-Lorenz profitierten davon, und da- mit war der große Segen der Nacht auch schon erschöpft. Die Z-Uhr-Rachlwerkung brachte in den Spurts folgende Ergebnisse: I. Gori-, van Kempen, Behrendt, Mieth«: 2. Richli, Linari, Dewolf, Tietzi 3. Rausch, Behrendt, Wambst, Goris; 4 Maczynfki, Duray, Tietz, Richli: 3. van Kempen, Dinale, Rieger, Dewolf: 6. Maczynski, Tietz- Richli, Kroschel: 7. Linari, Ehmer, Dewost, van Kempen: 8. Tonani, Tietz. Duray, Miethe; 9. von Kempen, Linari. Duray, Mieth«: 10. Duray. Lacquehoy, Maczynski, Richli.— Und dann wird es ruhig. Das Haus darf bis zur Räumung ein Nickerchen machen... Um 6 Uhr früh, nach 32 Stunden, find 906,76 0 Kilometer zurückgelegt. Louet scheidet aus. Am Sonalognachmillag weist die Halle wieder guten Besuch auf. Es hat sich schon herumgesprochen, daß ein Sonntagnachmittag oder besser gesagt überhaupt der Nachmittag im Sportpalast immer große Ding« kommen läßt. Das hat der Sonnabendnachmittag mit seinen Felderschütterungen bewiesen. Doch vorerst bleibt es ruhig. Die ersten fünf Spurts: 1. van Kempen, Goris, Maczynski, Brünier: 2. Dempsey, Richli, Tietz. Tonani: 3. Brünier, Dinale, Frankenstein, van Kempen: 4. Duroy, Dewolf, Rausch, Kroschel: S. van Kempen, Dinale, Rieger. Brünier. Gegen 4 Uhr nach- mittags wird für die Mannschaft couet-vronler da» Rennen neu- l.'alislert. Der schon krank ins Renpen gegangene Louet muß gegen 5 Uhr das Rennen vollständig ausgeben. Brünier bleibt Ersatzmann. Van Kempcn-Ricfali in Fuhrung! In der zweiten Hälft« der Sonntagnachmittags- Wertung gibt es zunächst folgende Resultat«: 6. Behrendt, De- wolf, van Kempen. Rieger: 7. Dempsey. Goebel, Rausch, Linari: 8. Dewolf, Dinale, Lacquehay, van Kempen. Dann halten van Kempen-Richli ihren Moment für gekommen, als Linari zum Vorstoß ansetzt. Dan Kempen-Richli holt zum großen Schlage aus, sie nehmen die Verfolgung Linaris auf. Bei der Ab- lösung versucht Lorenz weiterzujagcn. doch.Piet' ist auf dem Posten. Rast weiter und läßt alles hinter sich. Ehmer-Kroschel treten und treten, während die deutsch-italienische Verbindung Lorenz Linari Platz hergeben mutz. Wamdst-Lacguehay sind die nächsten hinter Ehmer-Kroschel. Währenddem hetzt Richli grotz weiter, und bald ist es ums ganze Feld geschehen: van Kempen-Richli habeu ihre vrlustniude gutgemacht, liegen also nunmchr mit Ehiner-Kroschel nicht nur auf gleicher Höhe, sondern haben sogar die Führung nach Punkten an sich gerillen. Di« restlichen zwei Spurts 9. Duray. Kroschel, Dempsey, Rausch: 10 Richli. Ehmer. Lorenz. Wambst. Nach 43 Stunden(1107,320 Kilometer) ergab sich folgender Stand: van Kempen-Richli 99 P.: Ehmer-Kroschel 45 P.: eine Runde zurück: Tietz-Rieger 70 P.: zwei Runden zurück: Wombst-Lacquehay 16 P.: drei Runden zurück: Tonani-Di- nal« 76. Dempsey-Frankenstein 48. Behrendt-Maczynski 37. Rausch« Hürtgen 18 P.; vier Runden zurück: Linari-Lorenz 50 P.; fünf Runden zurück' MietheB'-schenhaoen 18 P.: acht Runden zurück: Goris-Duray 69. Dewolf-Goebel 62 P. Ein Dorsto'z d«r Mannschaft Behrendt-Maczynski bringt für sie einen Rundengcwinn ein. vie dritte Nacht. Vor nicht übermäßig gefülltem Hause spielte sich die dritte Nacht der Berliner Jub'läumsfahrt ab. Die Akteure des langen Rennens zeigten nicht allzuviel Lust zu großen Taten, sie sind an- scheinend durch die großen Jagden während der ersten 24 Stunden etwa» mitgenommen. Der als Ersatzmann fahrende B r u n I e r fand gegen 9 Uhr abend In Dewolf einen neuen Partner, da der Dortmunder Goebel infolg« eines Grivpsanfalles aufgab. Allzu schlimm kann jedoch der Grippeonfall Goebcls nicht fein, denn einige Stunden später geht er b«r«its im Jnnenraum spazieren. Brünier wird nun mit Maurice Dewolf— und da» ist wohl der Zweck de»„Grippeanfalls-— mit sechs Derlustrunden und 51 Punkten zusammengebracht. Ruhig umkreist da« Feld da» Holz. oval. Die„Bemberg-Strümpf«- der Mannschaft Ehw«r-Kroschel- finden witzelnde Bemerkungen Notabene: Es waren keine Strümps«, sondern«in neue»(rotes!) Massagemittek..> Spaß muß s,in.— Am End« de» zweit«« Tag«», um 10 Uhr abend». sind insgesamt 1247,640 Kilometer bewältigt. Im Der» lauf der 7. Wertung sorgen besonders Dewolf-Brunier. Tietz-Rieger und van Kempen- Richli dafür, daß das Feld nicht zur Ruhe kommt. Di« schon weit im Hintertreffen liegende Mannschaft Behrend-Maczynsti büßt dabei eine weitere Bahnlänge ein. Die Spurts: 1. Behrendt, Tonani, Dewolf, Miethe: 2. Dinale, Brünier, Rausch, van Kempen: 3. Tietz, Behrendt, Lorenz, Duray: 4. Miethe, Dewols, Richli, Rieger: 5. De- wolf, Richli, Hürtgen, Dempsey: 6. Dewolf, Lacquehay, Linari, van Kempen: 7. Tietz. Dewolf, Laquehay, Maczynski: 8. Richli, Kroschel. Rieger, Brünier: 9. Dinale, van Kempen, Linari, Ehmer; 10. Buschenhagen, Brünier. Lorenz. Wambst. Nach Beendigung der Wertung gibt es wieder eine Anzahl Dorstöße, die aber auch für die schwächeren Paar« keine Deränderungen bringen. Nach 49 Stunden, 11 Uhr abends, sind 1284,320 Kilometer gefahren. Oer große Jäger van Kempen»tLht mit Richli zur Spitzengruppe vor. Ohne sonderliche Zwischenfälle verging die Zeit bi» zur Nacht wertung, bei der das Haus noch einmal in Aufregung geriet. Eine kleine Jagd noch dem dritten Spurt brachte RUethe-Duschen- Hagen eine Strafrunde ein, die übrigen Mannschaften konnten all mählich wieder ausschließen. Wesentlich kritischer wurde die St iuation, als Linari nach dem neunten Spurt davon ging, das Feld war schnell in die Länge gezogen, doch arbeiteten sich die starken Mannfchasten nach und nach heran. Die Opfer dieser Jagd waren Goris-Duray, TouonI-VInake. Dempsey-Frankenstein und Behrendt- Maczynski. die ein« Runde verloren hatten. Die 8. Wertung: 1. Dinale, Dempsey. Tietz, Lacquehay: 2. Dewols, Dinole, Tietz, Dempsey: 3. Brünier, Lacquehay, Richli, Ehmer; 4. Wambst, Kroschel. van Kempen, Tietz: 5. Tonani, Linari, Dewols, Dempsey: 6. Dinole. von Kempen. Lacquehay, Rausch: 7. Tonani, Brünier, Dempsey- Maczynski: 8. Goris, Dinale. Lacquehay, Dewokf: 9. Fron kenstein, Dinale. Rausch, Miethe: 10. Lorenz, van Kempen. Wambst Tietz. Damit waren die Ereignisse der dritten Nacht erschöpft. Nur einmal noch flammte das Tempo auf, als es im 30-Rundcn«Spurt ein« Z0v-Mark. Prämie zu gewinnen gab. die sich W a m b st Lacquehay überlegen holten. Schon vor 4 Uhr morgens lagen Tribünen und Ränge verlassen da, nur im Innenraum herrschte noch einiges Treiben, bis ssch auch die ganz Unentwegten entschlossen, den Heimweg anzutreten. Die Fahrer zogen indes in ruhigem Tempo ihr« Kreis« und begrüßten mit Freuden den Eintritt der Neu- tralisatlon um 6 Uhr. Bis dahin(56 Stunden) waren 1508,680 Kilometer durchfahren. Der Stand de» Rennens: Spitzengruppe: van Kcmven- Richli..... 124 Punkte Ehmer-Kroschel....... 53, 1 Runde zurück: Tietz- Rieoer........ 89 2„„ Wambst-Lacquehay..... 37, 3., Rausch-Hürtgen...... 25„ 4„„ Tonani- Dinole...... 115, Linari■ Lorenz....... 69„ Dempsey- Fronkenstein.... 66 5„„ Behrendt- Maczinsky.... 52„ 6,„ Dewolf-Brunier...... 92. Miethe- Buschenhagen.... 20„ 9,„ Goris- Duray....... 73„ Sebmeiing punktet Moore aus. Gestern hat in Dortmund Schmeling den Engländer Ted Moore verdient nach Punkten geschlagen. D:r Engländer brachte 77,3. der Deutsche 81.3 Kilogramm Ringgewicht. T-.-d Moore erwies sich als ein Mann mit großer Ringerfahrung; er griff in geduckter Position an und versuchte besonders in den Nahknmpf zu kommen, wo er kurze Haken auf Körper und Gesicht Schmelings schlug. Der Europameister war in den beiden ersten Runden vor- sichtig und beschränkt« sich meist auf Konterjchläge. In der dritten Runde nahm Schmeling den Angriff auf und traf den Engländer mit einer langen Rechten wirkungsvoll am Kinn. Ted Moore kam jedoch durch geschicktes Ducken und Aus- weichen über die brenzlich« Situation und' hatte wenig später schon wieder klare Vorteile. Die 5. Runde war Schmelings größte. Er traf mit einem linken Haken Moore schwer am Kinn, nur unter Aufbietung aller Energie konnte der Engländer die Situation über- stehen. In der 6. und 7. Runde hotte der Deutsche, den Kampf ebenfalls ganz In der Hand. Inzwischen hatte sich Ted Moore aber wieder erholt und griff nun seinerseits den Europameister unent- wegt an. Trabrennen in Mariendort. V«i»»»» Oich«i>. l. Diana Magawan(?. Schulz). Z. Murz-nsonn«. 3. March« choBe. Solo: M: 10. Platz: 22, 18, 26: 10. ffetnet liefen; Lach. muetrl, dlftnlBniatn, Modrrn. Ingrlind«, SRinj. OottftUb.Sfnnrn. 1. Hallore lHcckert), 2. Abendstern, 3. Valencia I. Toto: 20:10. Pia«: 12, 19, 12:10. Ferner liefen: Fahrenheit, Irrwisch, Nelln Arnold, Friesin, Moralprediger. tlatztaih.»ie»»eu. 1. Dennewitz fKaupper ir.), 2. Inarid Sall�, 3. Friedrich Res. Toto: 63: 10. Platz: 17, 17, 13:10. Ferner liefen: Lombardei, Mira- bei,» I, O'Captain Lcerberg, Arnfried. Prel«»o« SolSnber. 1. Invasion(8. Weist), 2. Katharina, 3. Cuba. Toto: 49:10. Platz: 19, 34, 15:10. Ferner liefen: Flamingo, Copal, Herostrat. Alpenqeirr. Zenelt-.Zlenneu. 1. Morgentau kW. Echulze). 2. Corona MeKinnep, 3. S!o- tula. Toto: 305: 10. Platz: 47, 37, 27: 10. Ferner liefen: Dichtung. Pots- dam, Terraria, Sohlenkönigin. Hcidepriu» I, Casanova<3. dijou., 80 Pro,, der Platzw. zur.), Weinbrand, Barometer, Angriff, Marie Luise, fUeterpellani. S»Iratc»-Zlen»e». 1. Doscnsrau(Kozal), 2. Harfcnm-idc-ien, 3. Haider. Toto: 28:10. Platz: 13, 87, 32:10. Ferner-liefen: Frida Edelstein, Haga Burton, Clementine, Kroschel, Nohoferin. Prei» von Hoppegart«». 1. Crassuo tLemzer), 2. Kuraast, 3. Marcel. Tolo: 33: 10. Platz: 13, 20, 1»: 10. Ferner liefen: Parmaid, Franker, stein, Altmark, Xnit Faz, S torttut. Pr«>» MB Weimar. I. Lindenwirtin I fstaust ir.), 2. Freibeuter, 3. Abdullab Silver. Toto: 25:10. Platz: 15, 17, 18:10. Ferner licfcn: Weinsiock, Soudster, Gloria, Lchnadohtlpsel, Turiddu, Casanova. Fel».Z!en»e». 1. Meister B.(F. Bahr), 2. Ilona W.. 8. Dolcrit. Toto: 137: 10. Platz: 27, 25, 22: 10. Ferner tiefen: Quitte SB., Peralta, Dcnimllnze, Flamingo. Im Mercedespalast. Arbeitcrsportlcr auf der Bühne. Vor nahezu 3000 Zufchmiern, die aus allen Teilen Branden- bürg», ja, sogar aus Sachsen herbeigeeilt waren, wickelt« sich im Mercedespalost Neukölln das Programm eines Borführungs- Wettstreites ab, da» außer von den Vereinen Groß-Beriins vor allem auch von den Vereinen Brandenburg und Lucken- wald« bestritten wurde. Die einzelnen Vorführungen bewegten sich durchweg auf gut sportlicher Stuf«: es ist anzuerkennen, daß die Vorort- und Provinzvereine in bezug auf Aufbau. Aus- führung und Originalität die Berliner nicht nur erreicht, sondern teilweise überholt haben. Di« Leiter der Abteilungen hatten sich mit dem Ausbau und der Bearbeitung der einzelnen Gruppen große Müh« gegeben, die, er- gänzt durch ausgezeichnet« Wiedergalt« und unterstützt durch sinn- volle musikaissche Begleitung das Publikum wiederhast zu stürmi- fchem Beifall veranlaßt«. Ob moderne Gymnastik in mannigfaltig- ster Form, ob Bewegungsbilder in v«rschi:dene:i Variationen gezeigt wurden, immer kam klar zum Ausdruck, daß Turnen und Sport nicht mehr bloße Zerstreuung oder Zeitvertreib sind. In dieser Form betrieben, ist Arbelter-Turnen und- Sport wirk- l i ch Entspannung. Die Aufführungen wurden von den Kampsrichtern gewertet 1. nach dem körperbildenden Wert bis 20 Punkte: 2. nach der S ch w i e r i g k e i t bis 20 Punkte: 3. nach d?r Ausführung bis 20 Punkte, so daß eine Höchstpunktzahl von 60 erreicht werden konnte. Die Resultate erzeben folgende interessante Punktzahlen zum Vergleich: -t �» Fnd- 1 � 0 fiMll la Gymnastisches Allerlei— Neukölln..... 55 41 40 47'/, Gymnastik— Fichte, 9. Gruppe...... 45 32 40 39 Dies u. Das. turnerisches Allerlei— Brandenburg 53 48 51 50'/» Einfach— Schöneberg.......... 50 37 47 41'/, Sprungseil-Gymnastik— Fichte, 2. Gruppe.. 50 51 41 47'/. Ausdrucksgymnaitik— Brandenburg.... 32 37 49 39'/, Mondnacht, Ansdrucksgymnaftik und Vewegungschor— Fichte 23....... 35 33 48 38'/, Volkstänze— Fichte,.Wandersports..... 26 28 44 32°/, Gymnastik— Pankow.......... 42 82 44 39'i, Aus der. Matte— Schönebcrg....... 45 50 47 47'/, Bewegungsbilder— Freie Turnerschaft Groß-Berlin............ 46 42 47 45 So machen wir's!— Luckenwalds..... 50 43 50 44'/, 6 Minuten gemeinsam mit meinem Partner— Neukölln......... 50 47 47 48 So machen wir»— und ihr?— Fichte, 2. Gruppe 51 48 44 47'/, Sportpalast— westsalenbolle? vi« von einer Korrespondenz verbreitet« Nachricht, daß die Dortmunder W« st salinball« «>» Bertrogsverhältni» mit ber Berliner Sportpalast A.»G. eingegangen sei. ist unrichtig. Vermutlich liegen dieser Nachricht die bekannten Zusammenschlußbestrebungen zugrunde. . Adler 08 sdilägt Danzig. Auswärtiger Erfolg des KrcismelsleT s. Adler 08, der Krelsmeistcr des 1. Kretses, weilte gestern in Danzig, um gegen die Frei« Turnerschaft S ch> d l l tz ein Spiel um die Weiterbcteiligung an der Bundes- Meisterschaft auszutragen. Mit 9: 0 gewann Adler und steht so- mit am l. April in Berlin dem Sieger aus dem Spiel des Wiener Ballspielklubs gegen Süden-Forft im Engfpiel um die ostdeutsche Verbandsmeisterschoft gegenüber. Adler 08 tonnte in Danzig infolge der gezeigten guten tech- nischen Leistungen allgemein gefallen. Die Schidiitzcr waren durch- au» nicht so schlecht, wie es da» Resultat vermuten läßt, doch wurden sie von der Adlermannschaft gezwungen, auf ihr Spiel- system einzugehen, so daß der eigene Zusammenhang innerhalb der Mannschaft verloren ging. Schon in den ersten Mumien war die Berliner Mannschaft äußerst aggressiv, doch verfehlten viele gut« Schüsse knapp das Ziel. Nachdem in der 8. Minute der gute Tor» wart der Danziger mit großer Mühe einen Erfolg vereiteln konnte, wurde zwei Minuten später durch den Halbrechten der Führung»- treffer für Berlin erzielt. Erst nach geraumer Zeit konnte Adler durch einen Sologang de» Mittelstürmers den zweiten und kurz darauf den dritten Treffer erzielen, so daß es zur H a l b z e i t 3: 0 lautete. Später wurde Adler« Mannschaft immer mehr über- legen, so daß die Danziger sich nur noch auf die Verteidigung be- schränken mußten. Einzelne Durchbrüch« der Danziger Mannschaft wurden von der äußerst sicheren Verteidigung Adlers vernichtet. Bemerkenswert ist, daß in dem ganzen Spiel nur zwei Strafftöße vorkamen. Die Sympathien der sehr großen Zuschauer.zahl galten der guten Berliner Mannschaft.> Der neue Hans Sachs. S'ur hin und wi der ßndet sich heule ein würdiger Nochjolger des klassischen Schuhmachers Hans Sachs. In Berlin gibt es einen Meister dieses Gewerbes, der durch eine drollige Reimerei an der Fassade seines Ladens Kunden wirbt. Besuch beim Seelenarzt. Die Heilfaktoren in der Psychoanalyse. Die von Siegfried Freud in Wien begründete Methode zur Teilung seelischer Erkrankungen, die Psychoanalyse, ist auch heule noch, nach drei Jahrzehnten, eine heiß umstrittene Theorie. Gegen die Freudsche Methode wird der Vorwurf erhoben, daß sie alle Dinge zwischen Himmel und Erde auf Sexualität zurückführe, wo? mindestens doch eine lächerliche Uebertreibung sei. Auf der alleren Seile wiederum, für die Anhänger Freuds, ist jedes Wort des Meisters Evangelium, an dem sie nicht zu rütteln und zu deuteln wagen. Der vorurteilsfreie Kritiker wird die Uebcrtreibungen abweisen, ohne die Bedeutung der Sache zu verkleinern. Dies jedenfalls war der Standpunkt Dr. A. H e r z b e r g s in seinem kürzlich in der Medizinischen Gesellschaft in Berlin gehaltenen Vor- trag über die Heilfaktoren in der Psychoanalyse. Niemand, der als Arzt und Psychologe mit der analytischen Methode einmal ernsthaft gearbeitet hat, werde verkennen, daß diese eine ganze Reihe be- deutsamer Faktoren für die Heilung des erkrankten Seelenlebens enthält, viel mehr als di« Analytiker selber sich oftmals träumen lassen. Diese halten gewöhnlich das Bewußtmachen ver- drängter Komplexe für den einzigen wirksames Faktor ihrer, Methode, während die Erfahrung zeigt, daß letztere zweisels- ohne auch auf solche Menschen günstig einwirkt, die gar keine Komplexe zu verdrängen haben. Es müssen also noch andere Faktoren am Werke sein, die den Heilerfolg der Analyse verbürgen. So ist diese in erster Linie eine Art Beschäftigungstherapie; auch der bettlägerige Kranke, der ick sich versunken die Tage verdöst, wird durch den regelmäßigen Besuch des Arztes wenigstens für eine Weile in die Wirklichkeit zu- rückgerufen. Fühlt er sich genötigt, sich rasieren zu lassen, sich an- zuziehen und aufzustehen, so bedeutet das eine weitere Befestigung der gelockerten Beziehungen zur Außenwelt; und diese Wirkung wird noch stärker, wenn er selber den Arzt aufsucht, dabei pünktlich sein und sich überlegen muß, was er diesem alles zu sagen hat. Ein anderer sehr wichtiger Heilfaktor liegt schon in dem bloßen ausführlichen Sprechen über die Krankheit, wodurch eine Abfuhr der ge st auten Triebe erzielt wird. Der Patient, dessen seelisches Leiden oft dadurch entstanden ist, daß er sich un- beachtet, zurückgesetzt, von Minderwertigkeitsgefühlen bedrückt fühlt, empfängt den Eindruck, daß der Arzt, der so liebevoll aus alle Ein- zelheiten seiner Erkrankung eingeht, volles Verständnis für ihn besitzt: seine Hoffnung belebt sich, eine gefühlsmäßige Bindung an den Arzt tritt auf, dessen Persönlichkeit auf. den Kranken stark suggestiv wirkt, was wiederum die Heilwirkung günstig beeinflußt. I Der weitaus wichtigste Heilfaktor der Analyse liegt in der Aktivierung des Meckschen: unter dem Einfluß einer geord- neten Tätigkeit verlieren sich oft rasch die Krankheitssymptome, die nach Beendigung der Behandlung manchmal noch fortbestehen. Die erwähnten und noch eine ganze Reihe anderer Faktoren erweisen sich als wirksam in der psychoanalytischen Behandlung. Je nach Veranlagung und Art der Erkrankung wirkt auf den einen Patienten das Aussprechen selbst am stärksten, die Möglichkeit, sich alle Bedrückungen von der Seele zu reden. Für einen zweiten wird vielleicht die beruhigende, suggestive Wirkung, die von der Persön- lichkeit des Arztes ausgeht, ausschlaggebend sein. Für einen dritten wiederum genügt schon die bloße Aufklärung, die Erklärung der Krantheitssymptome und die Versicherung des Arztes, daß es sich um keinerlei schweres körperliches Leiden, etwa im Anschluß an eine geschlechtliche Ansteckung handelt, sondern lediglich um leichte nervöse Störungen, die durch die Analyse schnell oerschwinden würden. Es dürfte sich daher, sobald der Arzt erkannt hat, welcher der angefllhrteck Faktoren in dem jeweiligen Fall gerade der wirk- samste ist, die kunstgerecht« Analyse häuf ig e r s p a r eir- lassen. Der geschickte und erfahrene Eeelenarzt wird oft schon nach ganz wenigen psychoanalytischen Sitzungen heraus haben, ob in einem bestimmten Fall Aufklärung oder Suggestion, oder vielleicht eine Milleuoeränderung, eine Bcrussänverung oder anderes, am schnell- sten zum Ziele führt. Nur eine derartig verkürzte Behandlungsmethode kommt ja für weitere Kreise praktisch überhaupt in Betrocht, während die eigent- liche, streng durchgeführte Analyse, die sich über eine mehrmonatliche, ja mehrjährige tägliche Behandlung erstreckt, ohnehin nur eine Methode der„oberen Zehntausend" ist, die es sich leisten können, so lange krank zu sein! Dr. L. B. Wohin fähri der Autobus? Angabe von Richtung, Fahrtzeit, erste und letzte Wagen. Bisher hat man es schwer vermißt, daß an den Aboag-Halte- stellen keine Fahrtzeitcn und keine Fahrtabstände angegeben waren. während die Retlamesäulen der Straßenbahn, auf denen auch noch die Fahrtrichtung der einzelnen Wagen verzeichnet ist, sich größter Beliebsheit erfreuen. Für die möglichst schnelle Abwicklung des Ver- kehrs ist es auch von Wert, daß das Publikum sich schon vor Ein- treffen des Wagens an der Haltestelle orientiert, welche Linie es benutzen kann, denn lange Anfragen beim Schaffner hemmen die Abwicklung des Ein- und Aussteigeoerkehr», zumal die Angab« an den Außenseiten unserer Verkehrsmittel sich immer mehr nur auf die wichtigsten Punkte beschränken. Wie wir erfahren, hat die Aboag sich entschlossen, auch an ihren Haltestellen die Fahrtzeiten und die Richtungen der einzelnen Wagen bekanntzugeben, ebenso die ersten und letzten verkehrenden Wagen. Sie hat einige Firmen beauftragt, praktische Muster für diesen Spezialzweck herzu- stellen. Sobald diese- fertiggestellt sind, wird man in Zusammen- arbeit mit der Berliner Verkehrspolizei die ersten Versuch« unter- nehmen. Es handelt sich hierbei voraussichtlich nicht um neu« Säulen— ähnlich wie die Straßenbahn sie besitzt—, sondern man beabsichtigt, an den Haltestellen T a s e l n anzubringen, die nachts beleuchtet werden können. Gegen„Einbrecher". Das Hausmädchen durch Schuß schwer verletzt. Der Geheime Ministerialrat v. B. hörte eines Nachts«in G e- räusch an der von der Küche nach der Hintertreppe sührenden Tür. Da kurze Zeit vorher ein Einbruchsversuch im Hause gemacht worden war, glaubte der Geheimrat, jetzt werde seine Wohnung von Einbrechern heimgesucht. Er ergriff eine Pistole, ging nach der Küche, sah, daß sich in dem dunklen Raum eine Gestalt bewegte die seinen Anruf nicht beantwortet«. Der Geheimrat bekam es nun mit der Angst, er wich zurück, stolperte, und dabei ging ein Schuß aus seiner Pistole los. Ein Schrei ertönte. Er war jemand getroffen, aber kein Einbrecher, sondern das Haus- mädchen des Geheimrats, das am Abend heimlich ausgegangen und in der Nackst zurückgekehrt war. Jahr und Tag sind seit diesem Vorfall vergangen, und noch immer leidet das Mädchen an den Folgen des Schusses, der zwar nur die Schulter gestreift, dabei aber eine Sehne durchschlagen hat, wodurch der linke Ann trotz dauernder ärztlicher Behandlung bis jetzt noch zu keiner Arbeit gebraucht werden kann. Seit der unheiGollen Scbießaffäre ist das Mädcben erwerbslos, hatte aber im Haushalt ihres Onkels ein n'üdü'-stifles Auskommen.� Doch der Onkel will nicht länger für das Mädchen sorgen. Es ist völlig mittellos, und sein« Notlage hat es auf den Gedanken gebracht. den GeKeimmt beim A'üeitsgericht wegen Schadenersatz zu ver- klagen. Der Gebeimrat versichert, er wolle, obale'ch er keine Schuld an dem unglückseliren Voifall bebe, für das Mädchen tun. was er könne. Aber seine wirtschostliihe Lage sei unoünstig. Infolge des ungh'chlichen Schusses habe seine Frau einen schweren Nerven- Zusammenbruch erlitten, an dem sie heute noch leide. Die Beband- luna der Frau vern-sach« große Ausgaben. Um dies« zu bestreiten, müsi« er durch wisienschastlich« Arbeiten zu seinem Gehalt etwas hinzuverdienen. Da di« Kläoerin notwetchia Geld braucht, und es zweifelhait ist. ob sie mit ihrer Schadenersatzforderung durchdringen kann, fand sie sich bereit zu einem Vergleich, wonach jhr der Beklaate sofort ZOO M. und nach einem halben Jahr nochmals 300 M. zahlt. Kaiastrophen der Arbeit. Vier Arbeiter in Ausübung des Berufs getötet. In einem Steinbruch der R h« i n- M a i n- D o n a u A.-G. bei Bürgstadt in Unterfranken wurden drei dort tätiqe Arbeit?? von herabstürzenden Gesteinsmässen erschlagen. Das Unglück Ist daraus.zurückzuführen daß sich durch die anhalten- den Regengüsse der letzten Monate die Bergmassen gelockert hatten. Bei Sprengungen in einem Steinbruch der Rheinisch- Westfälischen Kalkwerke in Dornap bei Wülstach er- eignete sich ein schwerer Unglücksfall. Da ein Sprenqschuß mcht rechtzeitig losging, wollt« ein Arbeiter nach der Ursache forschen. In diesem Augenblick entzündet« sich die Sprengladung, und der Arbeiter wurde in Stück« gerissen; ein anderer Arbeiter wurde verletzt. Freie Sozialistische Hochschule. Der nächst« Vortrag der „Freien Sozialistischen Hochschule" findet am kommenden Sonn- abend, dem 17. März. Igl� Uhr(7H), im eheinaligen Herrenhaus, Leipziger Sstaße 3. statt. Genosse Hermann Wendel, Frankfurt o. M., spricht über das Thema:„Die Märzrevo- lution". Karten zu diesem Vortrag sind an folgenden Stellen zum PreisevonSOPf zu haben: Bureau des Bezirtsbildungs- ausschusies, Lindensst. 3. 2. Hof, II Tr., Zimmer 8.— Buchhandlung I. H. W. Dietz Nachf., Lindenstr. 2.— Verband der graphischen Hilfsarbeiter, Ritterstr.(Ecke Luisenufer).— Zigarrengeschäst Horfch. Engeluser 24/25.— Tabakoertrieb, Inselstr. 6.— Verlag des Bildungsverbandes der Deutschen Buchdrucker Dreibundstr. S.— „Werksteud«"-Bücherstuben, Potsdamer Straße 104.— Verlags- gefellschast des ADGB., Abteilung Soriiment, Inselstr. 6. Mers oft nochqaohmf■ rti««rfaichH Montag. 12.3 28 Staats-Op» Am Pl.d.Republ. VI, Uhr itiat!. Zöiimiield. tm ümliiBuiiirli 8 Uhr Montag. 12.3.28 Städtistbe Opn Bismarckstr «.-Tun. L U. 7 MM Staatl. Sdiiüerth. Chariottenburg 8 Uhr Oeottüiesimi Norden 12310 Abonnementsbaro: Norden 10338—39. "A U- Ende nach 1» ZwCUtaiuend Die Komödie Bismarck 2414-751' SW, U- Ende 10«/, U Marcel Fradelin Der Eunuch Kanimerspiele Norden 12 3jO 8l 4 U., Ende nach N Finden Sie. dafi Constance sich richtig »erhält? Volks büh ne T«.«in lAifftnimsinv k Uhr Schieber tumm ib sningiift 8 Uhr DleDHklÄs des fiuhms Berliner IDeater Direktion Kuhnen. Airimnutr.90Al.0nii.l7> ->, Uhr Kax Adalbert Aib .)c»««rr voo Kleines IDeater Täglich 8'-< Uhr Erika G'ftßner in Gretchen Für Jugendliche nicht geeignet 'heater des Westens Täglich«h, Uhr MM'W-l letzte lieüe UddautiAi.C.Wir. riaftmanii. lillt Metropol-Th. Zentrum 128 24 h'r, Uhr Der Grat von Luxemburg ■if Ii», netfl. Ulm r. hlot Inur Sällatr, Hofen, M ftose-Tkeater Qr Frankr. Str. 132. «'r, Uhr DerFUetfcr 8'., Uhr üuKo Thlatacoci JfltB Gesriiäftsantsidit" aniaw«y-auü9t Hi. Königi?r/itz. Bergm. 2111 8»/, Uhr Fluch» nn Mt CiUfotffrt lenif tirtlr'jnnm»' KomOdlcnhau, Norden A304 Tägl. Uhr Broaflwn? Theater i.d.Latzovstr. Tel. Kurf. 9209-10. Täglich 8', 4 ühr: Bennet con ra Aschenbrödel 12 Bilder mit Jara- musik Residem-Theater rjgi 8*, Uhr Oskw.Ebelsbaehtr. Sdmie der Liebe fini uni-t-« J btn. POrJugtndi vrb für funkfreuode nalbe Preise Soiteoliiirg-Biltuun Bis. Künsiler-Th 8 Uhr: Die Gold'ne Meisterin Thaila-Thealer Dresdner Str. 72'73 räglicn■ ühr nas Kamel geht doidi das Ifadelühr Walballa-Tb. Weinbeigsweg 19/20 Täglich V/, Uhr Das Anstelseprtier Schwank in 3 Akten laondiidi) it an iointt Vorjeiger dieses zahlen Tür Parken auch Sonntags statt Mk- nur 17? P. �lanetarnm am /so titiu,. jMdt.ailliw iinl Noll IST» 18. IS, 19>/» 21 Uht SienmtBiinel Grosses Sc"«usplsihau« Ahlsnii 1 8 Uhr EG IE: HARELC tsds IlUkr mm/v/: Sonnt»- um 3 Uhr halb» Prtlo« Nollendott 7360 Enr.co Rastelli und w»ter»-nicrnationaie VarlatA'Attraktio an. Sonnabends u. Sonntags I« 3 vameuaaMa: i»». I Übt- 1" tu onsHiitsn Prolton du galt- Proonaus. Komische jasoür Oper r/.ohrl llames Klein'sl gewaltiges neues II a v u e• S t U c k: Zieh' M aus! 200 HllwiiKeDde. Vorverkaui ab 10 uht ununterbrochen Renaissance- Theater Steinplatz 901 sio Uhr Coeur Bube. CASINO-THEATER, Uhr Lothringer Str. i7 Doktor Klaus. AonacfaseldeD Gutschein i— 4 Pers. Fauteuil nur 1.1» M Sessel 1.60 M Keichshatien.lhea et 8 Uht, Sonntg.nachm Uh>. Stettiner Sänger „mnernadu m der 6« mOld e-fiale r.e", nachm. crnifaQ. �re-se �ontaotr-Breit'l: Das gute Märzpro�ramm mit TANZ._ Theater am Kottbusser Tor \o(tbu*ser ätraue o. Tel. Mpl. 16077 Tifilich Üh» �on tae. ne miMa� Uh � Elite-Sänger " IN März-Spielplan a gr. Schlag«! Volksatflck in> Akt Femer Scboracb Rtuclll, der Meistsr der Komik>„.-------~