an. BERLIN Sonnabend, 12. Marz 10 Pf. Jlr. 132 B 66 45. Jahrgang. An»eta»«»rei«: Die etttfta ltige Nonvareillqeile 80 Pf., Reklameieile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Pefticheckkonro: Vorwärts-Verlag G. m. d. H., Berlin Nr. 37536. Fernsrrecher: Dönhoff 292 btl 297 Die Orden Amanullahs. „Erinnerungszeichen� für Hindenburg und Marx. Oer deutschen Republik ist großes Heil widersohrenr Reichs- Präsident Hindendurg und Reichstanzier Marx haben im Austrag» Amanullahs, des Emirs von Afghanifta den höchsten as- ghonischen Orden Almer-e-Lla sowie den dazugehörigen roten Herzogsmantel überreicht erhalten und diese beiden Dinze, wie eine gefällige Presse berichtet,„in ihrer Eigenschaft als Privatpersonen aus Gründen der internationalen Höflichkeit" an- genommen. Bismarck wurde nach feiner Entlassung von Wilhelm II. zum Herzog von Lauenburg ernannt. Wilhelm Marx läßt sich kurz vor dem Ende seiner Kanzlerschaft zum„Herzog von Afghanistan" machen, freilich nicht als Kanzler, sondern nur„in seiner Eigenschaft als Privatperson". Denn i h m wenigstens ist sehr genau der Artikel 109 der Reichsoerfassung bekannt, der ausdrück- lich vorschreibt:„Kein Deutscher darf von einer ausländischen Regierung Titel oder Orden annehmen!" Also auch nicht„als Privatperson". Die Annohme des Ordens und des Herzogmantels als„Erinnerungszeichen" ist des- halb ein glatter Verstoß gegen die Verfassung, über den keine juristischen Sophismen hinwegtäuschen können. Di«„intet- nationale Höflichkeit",' auf'die' man sich jetzl zur- Beschönigung �pr Mißachtung der Be rfassung. beruft, hätte erfordert, daß man vorher auf diplomatischem Wege dem Emir hätte begreif- lich machen lassen, daß kein Deutscher derartige„Erinnerungs- zeichen" annehmen dürfe. Aber es scheint, als wenn die„inter- nationale Höflichkeit" nur dazu dienen soll, um die Höflichkeit gegen die beschworene Verfassung der Republik hintanzusetzen. Hinzugefügt sei noch, daß, auch dein Reichstagspräsidenten L S b e der Orden und der Herzogstitel angeboten war. Löbe aber. an dessen republikanische Gesinnung nieinand zu zweifeln wagt, hat in seiner bekannten liebenswürdigen Art dem Gesandten des Emirs begreiflich gemacht, daß er aus seiner politischen Gesiimung heraus nichts mit Orden und Herzogsmänteln anzufangen wisse. Ihm ge- nügt die rot« U e b e rz eu g u n g, für die er im königlichen Preußen seinerzeit hinter Gefängnisgittern leiden mußte. Er braucht dazu weder Stern, noch roten Herzozsmantel! Amanullah wird an den roten Reichstagspräsidenlen deshalb mit größerem Vergnügen denken, als die den Herzog Marx hätschelnde deutsch« Rechtspresse, die dem verfassungstreuen Reichs- tagspräsidenten seine proletarische Herkunft und Ge» sinnung bös ankreidet. Löbe würde sich aber wahrscheinlich gar nicht wohl fühlen, wenn er eines Tages von dieser Presse gelobt würde! Balken bieger Tirpitz mag nicht mehr Bericht auf der 2. Seite. 30 Millionen für Wohnungsbau. Das Bauprogramm der Siadt Berlin für �928. Der Magistrat hat den Stadtverordneten soeben eine Vorlage zugehen lasten, die zur Errichtung von woh- nungen für Minder- und Unbemittelte Im Vanjahr 1028 die Gewährung von Zusatzhypo- Iheken in höhe von ZS Millionen Mark vorsieht. In der Begründung wird der voraussichtliche Wohnunge- fehlbedors Berlins nach dem Stand vom i. April 1938 auf rund 1SS0W Wohnungen geschätzt, wobei die im Mai vorigen Iuhre» festgestellte Zahl der Wohnungsuchenden und der sonstige durch Zuzug und Eheschließungen entstehende Wohnungsbedars be- rücksichtigt sind. Mit einem Rückgang dieses Fehlbedarfs wird nicht gerechnet, weil die bisherige Neubautätigkeit nicht einmal soviel Wohnungen ergeben hat, wie zur Deckung des laufenden Zuzuges von außerhalb nötig wäre. Danach glaubt der Magistrat das Wohnungsbauprogramm für 1928 so gestalten zu müssen, daß es mindestens ebensoviel Wohnungen wie 1928(über 26 VOO Wohnungen) bringt und eine möglichst weitgehende Auswertung der wahrscheinlich auch dies- mal aus dem Hauszinssteueraufkoinmen wieder nur zur Verfügung stehenden 126 Millionen Mark gewährleistet. Das Finanzierungssystem von 1927, die Verkürzung der Hauszinssteuerhypotheken und die Uebernahm« der Bürgschaft für zweite Hypotheken durch die Stadt, scheint dem Magisträt nicht mehr«mpfehlenswer. Er hält für richtig, die Sätze der Haus- zinisteuerhypotheten Im neuen Berichtsjahr über den Stand von 1927 hinaus wieder zu erhöhen. Doch will er damit nicht soweit gehen, daß eine Einschränkung de» Vauprogramm» aus noch weniger als die Wohnungszahl von 1927 nötig würde. Die Hypotheken sollen um durchschnittlich nur 1000 M. erhöht werden, und zur Ergänzung der Finanzierung sollen dann b e« sondere städtische Mittel bereitgestellt werden, die als Zusatzhypotheten gegeben würden. Am stärksten ist der Bedarf an Wohnungen mit Stube, Kammer, Küche, Bad und an Wohnungen mit zwei.Stuben, Küche, Bad oder mit Stube, zwei Kammern, Küche, Bad. Die Zusatzhypotheken sollen betragen für die l�-Zimmerwohnung 1500 M., für die 2'Zimm«rwohnung 1700 M., für die 2>�-Zimmerwohnling 1900 M., für die 3-Zimmer wohnung 2100 M. Der Gesamtbedarf an Zusatzhypotheken- Mitteln wird bei dieser Verwendung auf 3 0 Millionen Mark geschätzt. Sie müßten im Kredit« oder Anleihe- weg« beschafft werden. Da die Hypotheken mit 2 Proz. verzinst und mit jährlich 2 Proz. getilgt werden sollen, so entsteht für die Stadt ein Zinsaussall, der aus laufenden Haushaltsmitteln zu decken wäre. Die Magistratsvorlage steht bereits für die nächste Stadt- verordnetenfitzung.auf der Tagesordnung. In derselben Sitzung soll auch über den aus dem Ausschuß zurückkommenden sozialdemokratischen Antrag beschlossen werden, der die Verwirklichung eines zusätzlichen Wohnungsbauprogramms für 1928 betrifft und sich gegen die städteschädigende Verweigerung von Ausländsanleihen für den Wohnungsbau wendet. Reichsianf der Buchbinder gefcheiieri. Ergebnitstofe Verhandlungen. Die Perhandlungen über den R e i ch s l o h n t a r i f für dos deutsche Duchbindergewerbe und verwandte Berufe, die dieser Tage in Berlin gepflogen wurden, sind ergebnislos verlaufen. Die Ar- beiter hatten eine Lohnerhöhung von 20 Proz. gefordert. Die Unternehmer lehnten diese Forderung rundweg ab und ver- langten, daß der gegenwärtige Lohntarif unverändert ein weiteres Jahr in Geltung bleib«. Die Parteien kamen schließlich dahin über- ein, das Reichsarbeitsmini st erium zur Schlichtung anzurufen. Das Reichsarbeitsministerlum hat Verhandlungen vor dem Schlichter Wistell zum 22. März angesetzt. l■- Erscheint täglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe des„Vorwirr«". Bejugsorci« für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche. 3 M.»rv Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, kindcnstr.Z Albert Thomas, Direktor des Internationalen Arbeitsamts, der in der Hochschule für Politik vielbeachtete Vortrage über Deutschland hält. Das Ende des Tiergartenriesen. Im Tiergarten wird ein etwa 500 Jahre aller Baumriese gefällt, um den jungen Pflanzen Platz zu machen. Tirpih nimmt Abschied. Oeutschnaiionaler Zerfalt. Einbrecher im Asyl. Iagd nach Kleidern und Ausweispapiere«. Di« A«rmsten der Armen, die Lusgestoßenen der Gesellschaft, sind sich oft untereinander am meisten feind. Sie bilden eine höchst unsichere Gemeinschaft. Daß auch das Asyl für Obdachlos« Ein- brechcr anlocken könnte, mag verwunderlich erscheinen, denn die Armen die dort nächtigen, pflegen außer dem, was sie aus dem Leibe tragen, kaum etwas zu besitzen, und auch das ist in der Regel nicht viel wert. Es erklärt sich aber aus einer besonderen Ein- richtung Für Männer, die ständig« Arbeit, aber kein Ob- dach haben, ist im Asyl ein eigener S ch l a f s a a l eingerichtet. Sie erhalten abends ein Nachthemd und Pantoffeln, während ihr« Klei- dungsslücks aus sanitären Gründen für die Nachtzeit in einer an- stoßenden Kammer aufgehängt werden. Jeder dieser Asylisten er- hält abends eine Marke, gegen die er morgens seine Sachen aus- gehändigt bekommt. Die Kleiderkammer liegt im Erdgeschoß und hat nach der Straße zu Luftklappen, die mit Ksttchen auf. und zugemacht werden können. Durch diese Klappen sind nun in der ver- gangenen Nacht Einbrecher eingestiegen, die in dem Asyl gut Bescheid gewußt haben müssen und wahrscheinlich auch unter Asylisten gesucht werden müssen. Sie haben, während alles ruhig war, die aufgehängten Meidungsstücke nach Geld und Geldeswert und namentlich nach Ausweispapieren durchsucht und die Taschen geleert. Auch einige bessere Kleidungsstücke haben sie mitgenommen. Die Nacht zum Sonnabend haben sie augenscheinlich deshalb gewählt, weil sie nach der gestrigen Lohnzahlung mehr Geld als sonst in den Taschen vermuten konnten. Die Kriminalpolizei, der heute morgen Anzeige gemacht wurde, ist mit der Untersuchung und der Feststellung der Höhe des Schadens noch beschäftigt. Der wildgewordene Giudeni. Wegen Beschimpfung des Gerichts abgeführt. Am Vormittag des Werwolftages war eine Gruppe Nationalsozialisten nach Potsdam gekommen. Auf dem Bahnhof schickten sie sich an, eine Fahne zu entfalten, deren Mitführen ver- boten ist. Es kam zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Polizei und der Gruppe. Später wurden mehrere Nationalsozialisten vom Potsdamer Schwurgericht wegen Wider st andes gegen die StaatsgewaU zu Geldstrafen verurteilt, u. a. auch der Student Ulrich Wilhelm Heilbronn aus Berlin. Gegen das Urteil, das nur auf 20 Mark Geld- strafe wegen Widerstandes lautete, hatte sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingeigt. In der neuen Verhandlung vor der Großen Potsdamer Strafkammer unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. H e l l w i g nahm das Gericht nicht nur Widerstand, sondern Beteiligung am Aufruhr an. Die Kaminer erhöhte die Strafe auf g Monat« Gefängnis und 300 Mark Buße. Dem Angeklagten wurde für die Ge- fängiüsitrafe eine Bewährungsfrist zugebilligt. In dem Augenblick, als der Vo�zend» das Urtell verkündet hatte, sprang der Angeklagte auf und»Ich muß es sagen, daß e» auch meine Meinung ist. daß das Gericht zur Viru« der Politik herab- gesunken ist." Der Vorsitzende verbat sich dles« unerhörte Be» l e i d i g u n g und zog sich sofort nochmals zur Beratung zurück. Jetzt wurde die Bewährungsfrist widerrufen. Ferner wurde der Angeklagte wegen Ungebühr vor Gericht in eine sofortig« Haft strafe von drei Tagen genommen. Da sieht Frau Justitia, was sie von ihrer dauernden Mild« und oft so mitfühlenden Nachsichtigkeit gegenüber wild gewordenen Nationalsozialisten hat. Erst werden die' Burschen mit Samthand- schuhen angefaßt, dann werden sie noch srechl Unfälle im oberschlesischea Sohlenrevier. Am Freitag er- eigneten sich im oberschlesischen Kohlenrevier zwei schwere Unfälle. denen vier Bergleute zum Opfer fielen. Durch herab, fallend« Kohlenmassen kamen auf dem„Georgenfchocht* in Zaborz» Zwei Häuser und aus der„Ludwig-Glück-Zeche" bei Hindenburg ein Oberhiruer und«in Häuer ums Leben. Drei amerikanisch« Pulverfabriken explodier«. In Valley Falls im Staate New Park zerstörten drei Explosionen, die meilenweit vernehmbar waren, drei Fabriken der Hercules-Puloer- Gesellschaft. Vier Personen sind ums Leben gekommen. Sowjet-Bureaukraten. „Mit?fccht sind die deutschen Ingenieure eingesperrt. Was »Nischen sie sich in unsere Angelegenheiten, die Sabotage der Industrie ist doch unsere Aufgabe.'" Mit großem Theaterdonner begleitet die politische Rechtspresse i ein Ereignis, das sonst wirklich nicht allzuviel Aushebens wert wäre. durch die Zeitumstände jedoch in ein besonderes Licht rückt: Groß- admiral a. D. von Tirpitz hat dem Vorsitzenden der Deutsch- nationalen Partei mitgeteilt, daß er nicht mehr für den Reichstag kandidieren wird. In einem langen Abschieds- schreiben— polnisches TestameM nennen es manche— ermahnt er (eine politischen Freunde zur nationalen Einheit, einem Kampfziel, das die Deulschnationale Partei„nicht immer mit der erforderlichen Klarheit"' habe feschalten und herausstellen können, zur Stärkung der Reichsgewalt und zum Kampf gegen die Republikaner. Die hochtönenden Worte, die Tirpitz gebraucht, können darüber nicht hinwegtäuschen, daß seine Schrift als neuer Beweis des Zerfall» der veulschnallonalen Partei angesehen werden wird. Gleich Hindenburg, den er zur Annahme der Präsidentschaftskandidatur bewog, galt Tirpitz als ein Re- Präsentant des alten Systems, als Repräsentant des alten Konfer- vatismus. Niemals haben die Westarp und Keudell es auf- gegeben, die Dorrechte des Junkertums und des Militärs in den neuen Staat hinüberzuretten. Gerade in einer Zelt, in der die größte Rechtspartei sich zu den entwürdigend st enHandels- g es ch ästen entschließen mußte, um sich in den Besitz einiger Ministersessel zu setzen, gerade in einer solchen Zeit brauchte man die Traditionstompagnie der alten Generale und Ad Mirale, um nach außen hin einen gewissen Glanz vorzu- täuschen. Jetzt verschwindet wieder einer von ihnen von der parla- mentarischen Bildfläche. Daß Tirpitz bei seinem Abschied den großen Ruf zur„nationalen Einheit" ausstößt, da» wirkt geradezu belustigend in einem Augenblick, wo die Deutschnationalen nicht« inmalmehrihre eigenen Leute zusammenzuhalten vermögen. Die Hetze zur Bauernrevolution zeigt doch deutlich, wie wenig die Junker imstande sind, eine Brücke zwischen den Interessen von Stadt und Land zu schlagen. Die Abspaltung der christlich- nationalen Bauernpartei von der offiziellen Führung der politischen Parteiorganisation des Junkertums geschieht zwar nur zu wähl- taktischen Zwecken, sie ist jedoch bezeichnend genug: die Hüter der nationalen Einheit brauchen nicht weniger als drei verschie- dene Kandidatenlisten, um überhaupt vor ihren Wählern wieder auftreten zu können. Der Wählerbetrug, wie er mit dem Wortbruch an den Sparern, mit dem Zollwucher am Verbrauch und mft der Preisgabe der monarchistischen Ueberzeugung während der jetzt ablaufenden Reichstagsperiode eingeleitet wurde, dieser Wähler- betrug wird jetzt zum politischen System erhoben. Dabei erkennt man im deutschnationalen Lager die Gefahren der Absplilterung von den Deutschnationalen für diese Partei selbst. Die„Politische Wochenschrift", ein konser- oatives Organ, schrieb in ihrer Nr. S zu den Abspaltungen wörtlich: Run ist es aber in hohem Maße für die deutsche Bauernschaft gefährlich und zugleich beschämend, was jetzt einzu- treten droht: nämlich, daß in einer Art Panikstimmung die deutsche Bauernschaft, insbesondere in Westdeutschland und Mitteldeutsch- land, ihren bisherigen Parteijührern und insbesondere der DNLP. die Gefolgschaft aufsagen und so etwas wie.Land- listen" oder„B a u e r n l i st e n" machen will. Die Gefahr ist, daß sie damit das große Wertzeug zer- schlagen, mit welchem allein in Deutschland Agrar- Politik im großen Stile gemacht werden kann: die große Deutsch- nationale Dolkspartei. Es kann nicht ausbleiben, daß sich der flädlifcherr kreise eine Art Enttäuschung oder Verärgerung be- mächllgl, wenn sie als Lohn für ihre ograrfreundliche Einstellung diese Zahnenfsuchl der Bauernschaft und die Zerschlagung der großen welkcmfchaulichen Partei erleben, die allein imstande wäre, große Nationalpolitik zu machen. Wenn Stadt und Land einmal in zwei Lager auseinandergetrieben sind, so wird es n i ch t m ö g- lich fein, die oolkskonfervativen Kräfte beider Lager wieder zusammenzubringen. Deutlicher kann es eigentlich ulchl gesagt«erden, daß die deutschnasiouale Politik anstakt der..nationalen Einheit" zu dienen. durch die rücksichtslose Aufwiegelung der Bauern und die Hetze gegen die Stadl sogar die eigene Partei zerfetzt. Als Ehrenvorsitzender der Deutschnationalen Partei wird der Vorkämpfer des alldeutschen Flottenimperialismus darüber nach- denken können, wie er die den anderen gepredigte Einheit erst einmal in seinen eigenen Reihen herstellt. Es wird ihm nicht allzuviel helftnl Die Zeit, wo»in Tirpitz mit seiner Fähigkeit. Balten zu biegen, zur Berühmtheit werden konnte, ist längst vorüber. Er hat darin bei seinen Parteifreunden viel zu viel— und nicht einmal die besten!— Racheiserer gefunden. Die Zwecklüge ist zum politi- schen Prinzip der Deutschnationalen geworden. Das hat schließlich auch der Blindeste gemerkt. Daher diese Zersallserscheinungen. Seit 1924, also seit die Deutschnationalen ihre große Stellung im Reiche haben,„sind wir politisch nicht vorwärts gekommen"— ruft Tirpitz seiner Partei zu! Dieses Wort wird man sich gerade außer- halb der Deutschnationalen Partei merken müssen. Es ist die Be- stätigung aus berufendstem Munde dafür, daß eine politisch« Führung des deutschen Volkes überall, nur nicht bei den Deutsch- nationalen zu suchen ist. Der Wahlkampf in Berlin. Reden Severings und Scheidemanns. verwahlkampfhat angefangen, und über mangelnde Sampffreudlgkeit kann mau sich namentlich bei der Sozial- demokratie nicht beklogea. Das zeigte der glänzende Verlans der überfüllten Werbeversammlung im große« Saale der Schloßbrauerei Schöneberg, in der gestern der frühere preußisch« Znnenminlsler Carl Seoering— schon bei seinem Erscheinen mit stürmischem Beifall begrüßt — sprach. „Aufstieg oder Niedergang?"— da» war da» Thema. Dar acht Jahren, am 16. März 1S2I1, so führte Seoering aus, konnten sich die friedlichen Bürger nicht versammeln. Berlin stand noch Ulster dem. Zeichen der K a p p und L ü t t w i tz, die nach Ihrem Aufruf„ein neues Deutschland der Zucht und Ordnung, der Arbeit und Sparsamkest" errichten wollten. Wie sah dies neue Deutschland aus? Der moralische und politische Kredit in der Welt sank, der Bürgerkrieg tobt«, die Produktion ging zurück, ein starker Nieder- gang zeigte sich. Wie war der Putsch zu erklären? Im No- oember 1918, als dl« Zeit erfüllt und der Niedcrbruch da war, regte sich niemand. Aber die Anhänger des Alten waren nur betäubt, nicht bekehrt. Als sie die Großherzigkest der Demokratie spürten, regten sie sich wieder und quakten wie der Frosch. der acht Tage krank war, landauf, landab über die Unfähigkeit der Republikaner und namentlich der Sozialdemokraten. 1920 bei den Wahlen fielen zahlreiche Frauen auf den demagogischen Schwindel,„daß es doch 1914 unter Wilhelm besser war," herein. Jetzt sollten wir von roten Ketten frei werden, alles sollte sich zum Bessern werden. Aber die rein bürgerliche Regitrung Fehrenbach mußte in Spaa zur Heeresverminderung, zum Umbau der Polizei, zu den schweren Kohlenlieferungen, zu allem Ja sagen. 1921, als die Karre verfahren war, sprangen die Sozialdemokraten wieder in die Bresche, und die bequem echetz« der Reaktion konnte wieder beginnen. Ebenso wie im ersten Bürgerblock des Jahres 1926, als die Zölle erhöht und die Lebensmittel verteuert wurden, haben die Deutschnationalen auch im jetzigen Kabinett Marx versagt. Hundertprozentig« Aufwertung war versprochen, aber der zuständige Iustlzminister Hergt handelte anders, als der Abgeordnete Hergt gesprochen hatte. Bei der Besoldungsord- n u n g sind nach dem Spruch, daß beim Regen zuerst die Spitzen naß werden, nur die hohen Beamten beglückt worden. Für oie niedrig Besoldeten ist so gut wie nichts getan worden. Ist den Gewerbetreibenden die versprochen« Zinrermäßlgung zuteil geworden? Nein. Aber die Lebensmittelpreise sind durch die Wirtschaftspolitik des Bürgerblocks weiter gestiegen, und da- durch Ist die Kaufkraft der breiten Massen ge f ch ä d i g t worden. DI« wirtschaftliche und politisch« Verständigung mit dem Ausland wird durch Redensarten sogar des Vizekanzlers sabotiert. Wir haben deshalb die Verpflichtung, die deutsche Außenpolitik von dieser Nachbarschaft zu befreien. Demi den Schaden bei außen- politischen Schwierigkelten hat nicht"die Wählerschaft der Deutsch- nationalen, sondern die breit« Masse. Unter Wilhelm waren Wahlen nur ein Stimmungsbarometer. Heute aber liegt das Volk vier Jahre so, wie es sich gebettet hat. Deshalb am kommenden Maientage für wirklichen Frieden, gegen Völker- frieden: für soziale Demokratie, gegen deutschnationale Reaktion! Seoering schloß, nachdem er einige kommunistisch« Zwischenrufer kurz, aber treffend abgefertigt hatte, mit der heiteren Wendung, daß am Wahltag das Schöncberger Lied:„Das war in Schöneberg im Monat Mal..." eine ganz besondere Bedeutung bekommen muß. Das wird der Fall fein, wenn jeder feine Pflicht tut für die Sozialdemokrattc. Scheidemann vor dem Reichsbanner. Mit einem gut gelungenen„Republikanischen Abend" trat am Frellagabend die Kameradschaft„Stuttgart" des Ortsoereins Chor- lollendurg des Reichsbanners an die Oefsenllichkeit. Für die Idee des republikanischen Voltsstaates zu werben, war Ausgabe dieser Veranstaltung. In großer Zahl waren die Republikaner Ehar- lottenburgs dem Rufe des Reichsbanners gefolgt. Mit dem Einzug der Ortsoereinsfahnen und mit Musikoorträgen begann die Feier- stunde. Kamerad Rolf sprach dann Verse von Heine und Freiligrath. Reichstagsabgeordneter Philipp Scheidemann hatte den Dortrag„18 48— 1928" übernommen. Stürmisch begrüßt, begann der Abgeordnete seinen Dortrag mit einer Schilderung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in den vormärztagen. Ueberall In Europa erhob sich das Volk gegen die Dynastien. In den Befreiungskämpfen glaubten die deutschen Land- wehrmänner Deutschland nicht nur vom äußeren Feind« zu säubern. sondern auch die schwarze Reaktion in Deutschland zu beseitigen. Sie mußten aber erleben, daß die deutschen Fürsten ihr Wort brachen und alle Reformen ablehnten. Immer stürmischer verlangte das Volk die Freiheit der Rede, der Presse und ein Parlament, das vom Volke gewählt wird. In den Märztagen des Jahres 1848 kam der Wille des Voltes am stärksten zum Aus- druck. Die Fürsten glaubten zunächst mit Militärgewoll den Frei- heitsdrang des Volkes brechen zu können. Da» Volk siegte über die Soldaten, gab aber selbst seinen Sieg auf, als es einen Reichs- verweser einsetzte und später sogar den preußischen König als Bundeskanzler ernennen wollt«. Auch in den Jahren 1918 bis IS�Z ist die Reaktion nur durch den Streit der republitaniscben Volks- schichten groß geworden. Auch heute steht an der Spitze der Repu- blik ein ehemals kaiserlicher General und in der Regierung sitzen Vertreter von Partelen, die offen gegen die Republik arbeiten. In den Maitagen wird das Volt an die Wahlurnen gerufen, um die Vertretung des Volkes neu zu wählen. Wir wollen das Volk aufrufen gegen die Reaktion für sozialen Ausbau der Republik. Mit außerordentlich starkem Beifall wurde der Appell des Rclchstogsabgeordneten Schcidemonn auf- genommen. Nach einer kurzen Aussprache des Ortsvereinsvorsitzen» den Holze wurde das Bundeslied gesungen. „Iveun ihr wollt.. Das amüsant« Festbuch der Wablrev „Wenn ihr wollt" von Max Hochdorf und Erich Kut n e r, Musik � von Claus C l a u b e r g, ist in künstlerilcher Au stattung erschienen und durch die Buchhandlung des D i e tz v e l a g e s zu bezlebcn. Die Ilraufführung durch die„W a n d e rotten" findet Montag um 20.00 Uhr im Lehreroerein Haus statt. Oer entlarvte Von Har Da qibt es in München den Dr. von Schrenck-Notzing, einen Fach- mann für Dtkuliismus und Materialifationsphänome. Das klingt oerdöchüg und man denkt an alt« Weiber, die zur Mitternachtsstunde das Licht verlöschen und zähneklappernd sich im Tischrücken üben und aus die Erscheinung ihres dahingeschiedenen Schoßhündchens warten. Damit darf Echrenck-Notzing nun nicht ohne weiteres ver- glichen werden. Seine dicken Bücher haben so etwas wie wissen- schastlichcn Anstrich, und an Geisterschwindel glaubt er auch nicht recht. Er steht nur aus dem Standpunkt, daß gewisse, besonders sensitiv« Menschen psychische, ungefähr mit der Elektrizität vergleich» bare Kräfte ausschleudern können, die körperlich zu wirken vermögen. Schrenck-Notzing ist ein gebildeter und kluger Mann, der mit Miß- trauen und mit Argwohn zu den Spuksitzungen zu gehen gewöhnt ist, und in seinen Schriften ist nachzulesen, was alles er immer anstellt, um Betrügereien der Medien auszuschalten. Selbstverständlich. daß diese Medien innner erst eingehend kontrolliert werden, daß da» Sitzungszimmer daraufhin untersucht wird, ick nicht etwa komplizierte Apparate in ihm untergebracht sind, ob es nicht elektrischen Fern- Wirkungen ausgesetzt ist oder ob nicht sonstige Wunder moderner Technik in ihm wirksam sind. Bor Jahren, als ein gewisser Rudi Schneider als Medium auftauchte, waren Schrenck-Notzing und andere sachverständig« und peinlich-bemüht« Experimentatoren sogar aus den rassinierten Einsall gekommen, dem Medium Leuchtringe um die Beine zu legen, die deren Lage auch im Finster» anzeigen sollten. Alles sehr wissenschaftlich und exakt. Auf vieles war die Prüfungs- kommission gekommen. Bloh darauf nicht, daß Rudi Schneider, unter strenger Dermeidung aller komplizierten Apparate, aller elek- irischen Fernwirkungen und oller Wunder mcderner Technik, den Leuchtring des einen Beines abstreifen, am Leuchtring de» anderen Beines befestigen und die„ßevitatkmen" mit dem freigewordenen Bein« ausführen konnte. Der Scharfsinn Schrenck-Notzings war auf die Tricks eines Caglicstro und nicht auf die Schliche«iues Schau- budenartisten eingestellt gewesen. Aber das hatte ja eben das Ge- heiinni» Schneiders ausgemacht: Er hotte den geistigen Männern nicht mit geistvollen Waffen zu begegnen versucht: auf diesem Schlachtfeld hätten sie ihn vermutlich besiegt. Cr hatte mit denkbar primitiven Waffen gekämpft, und da hotte er überhaupt keinen Widerstand zu überwinden gebraucht. Okkultismus. s Bauer. In diesen Tagen ist ein neuer Tragpfeiler Schvenck-N�tzmgscher Beweisführung geborsten. Em junger Auchhandiungsgehilse namens Kraus, der unter anderem dreißigmal telekinetifch« Experimente vor dem Münchener Okkultistenführer ausgeführt hatte: durch angeblich seellsche Ausstrahlungen also verschiedene Gegenstände, ohne sie zu berühren, in Bewegung gesetzt hatte, hat sich selbst vor zwei anderen Experimentatoren: vor Mar Kemmerich und der Gräfin Wassilko des Betrugs bezichtigt-- und weit davon enifernt. seine Manipula- tionen etwa mit knirschender Reue einzugestehen, hat«r sich ihrer noch gerühmt. Sogar daran denkt er, die Details feiner kleinen Schäkereien demnächst in Buchform erscheinen zu lassen. Er hat auch jetzt schon durchblicken lassen, daß er sich nicht etwa besonders listiger und tnifflicher, sondern grober Mittel bedient hat, um sein« Effekt« zu erreichen. Was will man von dem jungen Duchhandlungsgehllfen Krau»! Er wird feststellen, daß er nnt seinen zwei fleischlichen Händen und seinen zwei fleischlichen Beinen Tischen und Stühlen Stöße und Püffe erteilt hat. Daraufhin haben sich diese Mobillarion bewegt, und dos ist ja nun Zwar kein Wunder, aber gelehrte und mit vielen Geisteswaffen moderner Wisicnschoft ausgerüstete Professoren haben es einig« dveißigmal für ein okkultes Phänomen ge- halten: und demnach hat der junge Buchhändler also doch etwas sehr Wunderbares bewerkstelligt, denn der Reinfall kluger Männer auf die Mätzchen eines dahergelaufenen Jünglings ist tatsächlich kaum wenizer staunenswert, als der Ausfall in die Geisterwelt es gewesen wäre. Was Schrenck-Notzing anbelangt, so scheint er geneigt, dem Ein- geständnis seines Mediums das widerfahren zu lasten, was er besten okkulten Taten widerfahren zu lasten vergaß: er jchenkt ihm keinen Glauben, und dem Medium, dem es«in Leichtes war, den Profestor von feinen telepathischen Qualitäten zu überzeugen, dürste es ein Schwereres werden, ihn nun auch an das Betrügerische seiner Telepathie glauben zu machen. Erfreulichermeise hoben die Okkultisten ihren Gegnern auch nach den neuesten trüben Erfahrungen noch den Einwand voraus, daß taufend Schwindelmanöver nichts gegen ein einziges wirkliches Phänomen beweisen. Damst dürfte sich ihre Lehre immerhin noch «ine geraume Zeit halten lassen. Durch Draht und Funk. In seinen Verhandlungen mit Amerika hal Frankreich den Ans- weg gefunden, daß zwar alle Mächte einen Antlkriegspakt unterzeichnen sollen, seine Gültigkeit aber beendet sein solle, wenn eine Verlragsmacht ihn bricht. Dann sollen die anderen Mächte srel fein, um einem aogegrissenen vundesgeuossen zu Hilfe zu eilen. »- Die englische Admiralität machte sich gestern vor dem Unter- Haus mit der Auskunft lächerlich, daß sie über die Offiziersmeuterei in Malta noch keine ausreichenden Informationen erhalten habe. Die beiden Marineoffiziere, die vom Dienst enthoben wurden, sind in London eingetroffen. Ueber die Ursachen des Konfliktes mst dem Admiral ist noch immer nichts Sicheres bekannt. » Die ägyptische National-(Wefd-)ParteI hat das neue Kabinett gebildet. Ministerpräsident ist ihr Führer Mahrs Pascha; G h e l i Pascha wird als Außenminister versuchen, England zu einem besseren Abkommen zu bringen. » Weil die chinesische Regierung die Befugnisse des o u s l ä n d i- s ch e n Generaldirektors einschränkte, erhob das diplomatische Korps der Mächte in Peking Protest. Neunfacher Lebensretter, Der 31 jähr ige Postschaffner JVilh PViLk hat nicht weniger als neun Menschen vom Tode des Ertrinkens gerettet, zumeist unter eigener Lebensgefahr. Ihm wurde jetzt die Rettungsmedaille und eine Ehrenurkunde feierlich überreicht. Theater der Woche. Vom'IS. bis 26. März. Volksbühne. Theater am Lülowplaß: 18., 19., 21. bis SS. Die Entkleidung de, Antonio Carossa. 20. Peer Gynt. 26. Hinkemann. Thealer am Schistbauerdamm: Der Zigarettenkasten. Thalia-Iheoler: Das Kamel geht durch dos Nadelöhr. Skaalskhealer. Oper am Platz der Republik: 18. Boris Godunow. 19., 26. Der Arzt wider Willen. 20. Tristan und Isolde. 21. Der ferne Klang. 22. Cavalleria Rusticana und Bajazzi. 23. Fünftes Sinfoniekonzert. 24. Lobenonn. 25. Boheme. Slädllsche Oper: 18. Ariadne aus Naxos. 19., 26. Maskenball. 20. ffidelio. 21., 25. Die Hochzeit des Figaro. 22. Der Troubadour. 23. Turandot. 24. Geschlosiene Vorstellung. Staatliches Schauspielhaus: 18., 19. Der Kaufmann von Venedig. 20., 21., 28., 24. Prinz Louis Ferdinand. 22.. 25., 26. Die Weber. Schiller-Thealer: 18., 20.. 21., 23., 24. Duell am Lido.> 19.. 22., 26. Amphytrion. 25. Die Journalisten. Theater mit festem Spielplan. Deutsches Theater: Zwölftausend.— ttammersplele: Finden Sie, daß Eonstanc« sich richtig verhält?— Die Komödie: Marcel Frade- lin.— Theater am Rollen dorfplah: Die Abenteuer des braven Sol- baten Schwejk.— Theater In der Königgrätzer Straße: Flucht.— Komödienhaus: Broadway.— Große» Schauspielhaus: Pompadour Massary.— Theater des Westens: Zigeunerbaron.— Kom'sche Over: Zieh' dich aus!— Deutsches Künstler-Theater: Die Gold'ne Meisterin,— tustspielhaus: Unter Geschäitsousticht.— Lessing. Theater: Hoppla, wir leben!— Theater am Kurfü'steadamm: Revue der Hollaender-Revuen.— Residenz-Iheater: Sckule der Liebe.— Metropol-Theater: Der Graf von Luxemburg.— Die Tribüne: Spiel im Scbloß.— kleines Theater: Gretchen.— Renaissance-Tbeater: Coeur-Bube.— Walhalla-Theater: Das Absteigeouartier.— Casino- Thealer: Doktor Klaus.— Thealer in der Lützowstraße: Bennet contra Aschenbrödel.— Theater Im Admlralspolast: Bis 25. Wann und Wol— Wintergarten: Variete.— Scala: Internationales Variet«.— Reiitelialle». Theater: Stettiner Sänger.— Theater am koilbuster Tor: Elite-Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Berliner Theater: 18. College Crampton. 19. geschlnsien. Ab 20. Die Bolle Sisters.— Theater in der Klosterstraße: 18. Ehar- leys Tante. 19., 20., 22., 26. Die Wildente. 21. Gesvenlter. 23. Rssmersholm. 24., 25. Nora.— Schloßpart-Ihealer Steglitz: Bis 21. Die geschiedene Frau. Ab 22. Die Dollarprinzessin. Nachmittagsvorstellungen. Volksbühne. Theater am Bülowplah: 18., 25. Peer Gnnt. Theater am Schiffbanerdamm: 18. George Dandin. 25. Schieber des Ruhms. Thalia-Theater: 18.. 25. Das Kamel geht durch das Nadelöhr.— Staatliche« Schansplelhau«: 25. Die Weber,— Schiller- Theater: 18 Weh dem, der lügt,— Deutsches Theater: 13. Zinsen. — Große« Schauspielhaus: 18.. 25. Pompadour Maiiary.— R'-'si- denz-Theater: 18., 25. Schule der Liebe.— Metrepol.Thealer: 18., Z5 Gräfin Moriza.— Berliner Theater: 18., 25. Müllers.— kleine, Theater: 18. Lisiy, die KotoU».— walhalla-Theater: 18. Der Statten- fänaer von Hameln.— Theater in der klosterstaße: 18. Hänsel und G-ef«! 24., 25. Nora.— Schloßpark-Theater Steglitz: 18. Das süße Mädel— Thealer In der tützowstraße: 18.. 25. Das lustige Oster. vrin, eichen— Theater im Admiralspalast: 18., 25. Wann und Wo! — Scala- 18.. 24., 25. Internationales Bariett.— Reichshallen- Theater: 18.. 25. Stettiner Sänger.— Theater am Sotlbujser Tor: 18.. 25. Elite-Sänger. Erstaufführungen der Woche. Dienstag: Berliner Theater: Die Boll« Sisters. Theaterin der Klo st er st roße: Die Wildente.— Mittwoch: Städtische Oper: Die Hochzeit des Figaro.— Freitag: Neues Theater am Zoo: Zu Befehl— schöne Frau!— Sonnabend: Zivtral. Theater: Das Bahnwärtechaus. Neuköllns neues Großkino. Albertini im primus-palast Hermannploh. In der U r b a n st r a ß e Eck« Hermannplatz ist«in neues Großkino entstanden, das gleichzeitig Variete, Restaurants und Tanzsäle mit dem Kinobetrieb vereinigt. Der Bau ist nach den Plänen des Architekturbureaus Krewe entstanden. Wir sind gewöhnt, daß moderne Bauten sowohl in der Innen- wie auch in der Außen» artitektur ruhige Linien und klare, große Formen entwickeln. Dieses Prinzip ist hier durchbrochen worden. Ueber dem ganzen Bau liegt«ine farbige Unruhe. Di« Außenfasiad« wird durch hohe Säulen aus poliertem Granit durchschnitten. Dieses würde an sich monumental wirken, wenn der Bau höher wäre, jetzt erscheint er dadurch gedrückt. Durchaus krttijch muß man sich aber der Gestaltung des Theaterraumes gegenüberstellen. Hier herrscht eine oerwirrend« Stiloermischung. Es ist nicht einzusehen, worum an den beiden Seiten des Zuschauerraums sich romanische Bogen auf vergoldeten Säulchen hinziehen. Dies« Architektur findet keinen Uebergang zu der Bühne, die ein großes Quadrat bildet, nur die obere Leiste ist mit einem romanischen Rundbogengang verziert. Zur Eröffnung gab man nach allerlei Jubelfanfaren, Fest- ouvertüren und Prologen den Aasa-Film.Der größte Gauner des Jahrhunderts" mit Luciano Albertini. Dieser vor- zügliche Artist und Darsteller, dieser lächelnde Ueberwinder jeder Albertini. Schwierigkeit, spielt wie immer, einen hoffnungsvollen, jungen Mann, der über genug Zeit und Geld verfügt, um sich den Sport des Abenteurertums leisten zu können. Selbstverständlich ist er wieder sehr edel, rettet einen Bankier mit der dazugehörigen Nichte aus den Händen eines Betrügers und Mädchenhöndlers und kommt dabei in den Derdacht, selbst der Verbrecher zu sein. Es erfolgen wilde Jagden, Albertini wird eingesperrt, entflieht aus einem Turm, der auf einem 100 Meter hohen Felsen untergebracht ist, tleUert, schwimmt und springt mit wundervoller Virtuosität, entlarvt schließ- lich den Verbrecher und endet als glückiicher Ehemann. Man darf an diese Fi'm« nicht den Maßstab der Wirklichkeit legen, sie sind moderne Märchen, in denen Unwirkliches wirklich, und in denen der Kitsch selbst durch sein« graziösen Formen«rträq- lich wird. Immer wieder freut man sich über die Liebenswürdigkeit und über die Leichtigkeit, mit denen dies« Dinge gemacht sind. Kein Weltgeschehen, keine ernste Sache, aber eine nette Unter- Haltung. F. S. Sechs Mädchen suchen ein Nachtquartier Narmorhaus. Man nehme das Bühnenstück„Gretchen" und den Film„Moral" (frei nach Ludwig Thoma), multipliziere das Mädchen mit 6, schültio und man erhält diesen angeblich neuen Film. Der jung«, lebens- lustige Fürst, die kleine Residenz und die sechs plötzlich brotlos gewordenen Tanzgirls— das sind die unvermeidlichen Bestandteil« der Mixtur. Die sechs Mädel finden Unterkunft in einem Magda- lenenheim, das die Fllrstin-Tante— die unvergleichliche Sandrock— inspizieren kommt. Der Fürst— wer könnt es anders fein als der fesche Georg Alexander— verliebt sich in die hübscheste der sechs— die wirklich reizende Jenny I u g o. Kinder, was wollt ihr noch mehr? Muß ich wirklich berichten, was weiter kommt? Wi« die Spießer in Scharen in das Heim strömen, wie Seine Durch- taucht eingreifen muß, um die von den Ehefrauen denunzierten Mädel vor der Polizei zu schützen und wie nun wirklich aus dem Heim eins Bor wird und die als Ehrenjungfrauen gekleideten Hono- ratiorenfrauen sie eröffnen helfen? Nein, mit nichten. Denn filmisch ist die Chose nicht übel— Hans Behrendt zeichnet als Regisseur—- und die Begleitmusik Schmidt-Gentners hat große Reiz«, r. Neue Kuliurß'lme. Da» gute Beiprogramm hat von jeher mehr Kopfzerbrechen ge- macht als der erfolgreich« Schlager. Daher löst man in manchen Filmtheatern die Frage jetzt einfach derart, daß man zwei Schlager gibt. Da» bedeutet natürlich für alle am Beiprogramm Inter« essierten eine Zurücksetzung vieler Pläne. Daher mutz man es hoch anrechnen, wenn sich ncch immer Unentwegte finden, die kleine Kulturfilme drehen. Die Ufa' machte mit sechs neuen Filmen be- könnt, die allesamt, trotz ihres belehrenden Inhalt», die interessante Note nicht entbehren. Ein wahres Wunderwerk ist der Film .Lebenswunder im Pflanzenreich". Bei der Her» stellung wurde der Zeitraffer zu Hilfe genommen, und um das Er- blühen einer Kastanie bildlich fcstzuhaUen, wurde z. B. diese Auf- nahm« vierzehn Tage hindurch Tag und Nacht gedreht, all« zwei Minuten ein Bild. Ebenso begrüßenswert wie diese Pflanzenfilme sind die Tierfilme, die für den Großstadtmenschen eine direkt» Not» wendigkeit sind, weil er wieder die Verbindung mit der Natur ge- Winnen muß und sein eigenes Leben reicher wird, wenn er die richtige Betrachtung des Lebens um sich lernt. So ist die„Reinlich- keit im Tierleben" geeignet, dem Tierhalter allerlei zu lehren, während der„Kampf mit den geflügelten Plage- geistern" die erfolgreich« und durchaus notwendige Mückenver« nichtung zeigt.— Die neue Holländer-Revue. Erprobte Thcaterkenner behaupten, das Publikum liebe nur Sachen, die ihm irgendwie vertraut sind, es wolle immer wieder das bewährte Alte sehen. Nach diesem Rezept verfährt das „Theater a m Kurfürstendam m", indem es aus seinen letzten drei Revuen eine neue zusammenstellt, die aus sechzehn be- währten alten Nummern besteht. Wer die kennt, freut sich, sie aufs neue in einem etwas anderen Rahmen zu sehen, und wer sie nicht kennt, hat das Vergnügen, die Ouiniesienz dreier Revuen auf einmal zu sehen. Immer neu in ihrer Schlagkraft und rhythmischen Verve ist die kleine Jazzkapelle, immer neu im schnellen Kontakt mit den Zuschauern das große Orchester der Darsteller. ch Da» lb-aler am Scbltfbauerda'�m bleibt«ntqeaen anderen Nackrichten bis zum Beginn der»öchue» Tvietzeit, also bis 1. September 1328, der Direttion der Votttbübne nnterilellt Sin Vprrnabend der Vhilbarnontter Nach einer sali jährigen Baus« geben die Berlner Pbilbarmonikei gonntag in der Pbitba'monie unter Leitung Prot. Julius Pi ilmer, rmcn Lpelnadend. TolMtn: E> d a Lau Die vtscalerdvtm« bleibt lm Tdemer am Nollendoi tpt'k LIe bat einen mebrjävrigen Pachiveitrag vom!. September lSS8 ob mit den Eigentümern de» faules abgeichioffen Alfred Lich rar, in wird anläßlich leine« KlStenkonzerteS am tg. Mär,. 8 Ubr. im Herrendauie u. a. Werte von I. B. Loeillet. Anderten, Bei Hey, Ebarle» Stawer und Liadoff zu MebSr brinaen Ebarlotte Boerner und Harry Waiden Wirten mit. Eintritt und Programmheft jret. Der Fall des Belgiers Lapcrre Spitzelprozef) vor einem Pariser Gericht, Ein Gericht in Paris hat den Belgier Laperre als Spion der deutschen Okkupationsbehörden zu lebenslänglichem B a g n o verurteilt. Der Prozeß rührte schmerzliche Erinnerungen an die traurigen Ereignisse der Jahre 1914 bis 1918 auf. Belgien war unter die blutigen Mühlsteine des Krieges geraten. Die jungen Belgier versuchten mit allen Mitteln über die Grenze zu kommen, um mit der belgischen Arme« für die Befreiung ihres Baterlandes zu kämpfen. Die deutschen Okkupationsbehörden wollten das ver- hindern. Als sie das Land wieder geräumt hatten, fanden die belgischen Behörden Geheimlisten mit Spitzeln und Vertrauens- Männern, deren sich die Deutschen bedient hatten. Da war eine Frau G a u f f o t als„Kriminalagentin, Jules Laperre als Vertrauensmann und als dessen Gehilse Nuart, Frau Gaufsots Mann, vermerkt. Alle drei wurden vom Gericht in Brabant in Ab- Wesenheit zum Tode verurteilt. Laperre war nach Holland ge- flohen: von hier begab er sich noch Paris. Als er sich in eine Be- trugsaffäre verwickelt sah, suchte er Zuflucht in Berlin. Später kehrte er nach Paris zurück und wurde dort verhastet. Da er laut fanzösischen Gesetzen nicht nach Belgien ausgeliefert werden konnte, erschien er vor Pariser Richtern. Laperre bestritt anfangs, Verrat an seinen Landsleuten geübt zu haben. Ihm wurde zur Last gelegt, 8M Belgier und Franzosen den Deutschen ausgeliefert zu haben. Die Opfer, darunter 11 Frauen, sollen teils oerbannt und in Kerker gesperrt, teils hingerichtet worden sein. Während des Prozesses mußte Laperre unter der Wucht der Veweisaufnahmen seine Tätigkeit zu einem gewissen Teile zugeben. Er erklärt«, daß er keinen anderen Ausweg gehobt habe, denn die Deutschen hätten ihn gezwungen. Es ist schwer zu sagen, ob qlle Anschuldigungen gegen Laperre der Wahrheit entsprechen. Von einem Zwange zum Verrat wird ober schwerlich die Rede sein können. Laperre war Mitglied der: Organisation von Marquis, deren Aufgabe es war, junge Belgier nach Holland zu schaffen. Am 17. Mai 191S wurde Marquis ver- hastet: bald darauf ereilte dasselbe Schicksal seine sämtlichen Mit- � arbeiter, darunter auch Laperre, der in das Konzentrationslager Holzminden kam. Er wurde als einziger aus dem Lager entlassen und durfte nach Brüssel zurückkehren. Ein wenig später emkam auch Marquis nach Brüssel. Laperre nahm seine früheren Be Ziehungen auf. Jetzt begann auch seine Spitzeltätigkeit. Cr versah Leute, die über die Grenze gehen wollten, mit falschen Papieren und ließ sie hinterher oerhaften. Er gab ihnen unsichtbare Tinte, die dann von den Behörden entdeckt wurde. In einem Fall« wollten der Gendarmeriekapitän und die Polizeiunteroffiziere von D o u a l über die holländische Grenze. Laperre übernahm die Führung. Er be- stellte sie in ein Cafe. Sie wurden alle verhaftet. Solcher Zeugen, die den Angeklagten belasteten, gab es mehr. Der Staatsanwalt P h o l i e n. Leiter der belgischen Gegenspionage während der Okkupationszeit, auf dessen Kopf eine Belohnung von 25 009 M. ausgesetzt worden war, glaubte Laperre auch den Tod der Caoell und Gabriele Petit zur Last legen zu müssen. Phallen war es gelungen, 26909 junge Belgier über die Grenze zu schaffen. Immer wieder wurde der Name der Frau Gaufsot genannt. Er- schütternd war der Augenblick, als die Frau des Angeklagten im Gerichtssaal erschien. Ehe sie noch ein Wort hervorgebracht hatte, fiel sie in Ohnmacht. Da verlor der Angeklagte zum erstenmal die Fassung: er weinte. Macht es nach! Drei fieitSige Leser des„Abend"', die um recht viele Kameraden bitten. Es war eine Zeit, an die man nur mit Grauen zurückdenkt. Verrat und Gemeinheit waren in gleichem Maße erlaubte Mittel wie Mord und Totschlag. Jede Seite profitierte von Verrätern und jede Seite büßte den Verrat mit dem Tode. Daß man jedoch unter- lassen konnte, Listen von Menschen zu vernichten, deren Dienste man zu Informattonszwecken benutzt hatte, erscheint unbegreiflich. Kaust Sonnabends das Fleisch zum Sonntag! Die Fleischenneister gegen die Sonntagsruhe. Den Zünftlern ist jede Neuerung, zumal auf sozialem Gebiete, in tiefster Seele verhaßt. Kein Wunder, daß die Sonntagsruhe- Verordnung des Berliner Polizeipräsidenten bei einem Teil der Fleischermeister große Verwirrung hervorrief. Diese Herren haben «ine Unterschriftensammlung zu flammendem Protest gegen die Sonntagsruhe im Fleischergewerbe eingeleitet und finden schließlich auch etliche gleichgesinnte Konsumenten zu diesem edlen Werke. Da jedoch die Verordnung nun einmal besteht und die Aus« sichten auf ihre Beseitigung wenig erfolgversprechend sind, sucht man die Sonntagsruhe zu umgehen. Die Fleischerinnung wünscht dafür einen Freibrief, indem sie von dem Polizeipräsidenten das Zu« geständnis fordert, daß das für den Sonntag„bestellte Fleisch" am Sonntag im Laden oder hinten herum abgeholt werden kann. Es würde also des Sonntags kein Fleisch mehr verkauft, sondern nur „bestelltes" Fleisch„abgeholt" werden. Die Fleischermeister schätzen die DeHörden geistig nicht hoch ein, sonst würden sie sich hüten, sie mit solcher Schlauheit zu behelligen. Meister Breskott in Reinickendorf b«, zeichnet die Sonntagsruhe als«ine weitere Förderung der„kalten" Sozialisierung. Andere fordern eine Verlängerung der Verkaufszeit des Sonnabends auf 12 Stunden. Nun, die ganze künstliche Aufregung wird sich bald legen, wenn dl« F r a u e n der Arbeiter, Angestellten und Beamten am Sonn- abend taufen, was sie am Sonntag gebrauchen, so daß die Fleischermeister nicht mit Sonderwünschen behelligt werden. Wer sich selber der Sonntagsruhe erfreut, muß sie auch den Gesellen und den Verkäuferinnen im Fleischergewerbe zugestehen. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle verlin und vnDegend.(Nachdruck verboten.) Fortdauernd heiter und trocken, nechts wieder Frost, am Tage etwas wärmer als bisher.— Für Daplfchland: Fortdauer des heiteren und trockenen Wetters mit zoMreichen Nachtfrösten. Kofi- und Logiszwang in Kranlenhäufern? Im städtischen Krankenhause Moabit war seit Jahr mrd Tag ein Stationsmädchen beschäftigt. Das ist eine Arbeiterin, d»e ledig- lich Reintgungsarbeiten zu verrichten hat. Di« Arbelterrn hatte sich schriftlich verpflichtet, im K.r° ss k e n h a u se Wohnung zu nehmen, sobald ein Rouni dafür frei war. Als dieser Fall eintrat, wurde von der Arbeiterin oerlangt, daß ste im Krankenhaus« wohnen sollte. Mit Rucksicht auf ihre eigenen häuslichen Verhältnisse weigerte sich die Arbeiterin, dies Verlangen zu erfüllen. Deshalb wurde sie gekündigt. Der A r bei t e r° rat bezeichnete die Kündigung als unbillig« Harte, klagte beim Zlrbeitsgericht und berief sich auf den Tarif ver- trag, der bestimmt, daß die S t a t i o n s m ä d ch e n nicht Hausangestellte, sondern Arbeiterinnen sind, denen nur Barlohn zu gewähren ist, die ober nicht verpflichtet werden dürfen, KostundLogisim Krankenhause zu nehme n. Durch das Verlangen der Krankenhausoerwalwng würde ein Teil der verflossenen Eesindeordnung wieder eingeführt werden, was ganz entschieden abgelehnt werden müsse. Der Vertteter des beklagten Magistrats berief sich auf die Unterschrift der Gekündigten und betonte, das Wohnen im Krankenhause sei im Interesse des Betriebes notwendig: Arbeitnehmer, die diesem Interesse zuwiderhandeln, könnten nicht beschäfttgt werden. Das Gericht kam zu dem Urteil, daß Bestimmungen des Tarifoertrages durch Sondervereinborungen der Parteien nicht aufgehoben werden können und deshalb die Klägerin weiterzubeschästigen oder mit 200 M. zu entschädigen sei. Der grundsätzlichen Bedeutung wegen wurde das Urteil als b e- r u f u n g s f ä h i g erklärt.__ „Porste Alex." Aushebung einer Spielhölle in der Linienstraße. „Partie Alex" hieß in Spielertreifen«in wilder Klub, hinter dem das Sonderdezernat der Kriminalpolizei schon lange her war, ohne ihn fassen zu können. Festgestellt wurde, daß diese „Partie", die jede Nacht das Lokal wechselte, durch Spanner in einein Lokal in der Nähe des Alexanderplatzes ihre Tips ausgeben ließ. Gestern gelang es einem Beamten, den Tip zu bekommen, daß in der kommenden Nacht in der L i n i e n st r a ß e gespielt werde, in einem Lokal, das namentlich von Straßenmädchen und ihren Freunden besucht wird. Die Beamten des Dezernats schlichen sich von allen Seiten heran, hatten gegen 4 Uhr den Kreis geschlossen, fanden aber keiiv Gelegenheit, in das Lokal, dessen Fenster abgedichtet waren, hinein- zukommen. Sie legten sich auf die Lauer. Endlich, kurz nach 7 Uhr morgens, kam noch sin Mann, der. wie sich später ergab, sich von einem Bauernfängerlokal aus telephonisch noch angemeldet hall«. Bevor der Wirt ihm öffnen konnte, nahmen chn die Beamten in Gewahrsam, und einer von ihnen spielt« jetzt seine Rolle. Der Wirt, der den Angemeldeten persönlich nicht kannte, ließ sich täuschen. Di« übrigen Beamten drangen sofort nach, fanden aber in dem Vor- räum nur noch einige Mädchen und ihre Beschützer. Sonst schien es leer zu sein. Bei einer genauen Durchsuchung entdeckte man schließlich«ine Tapetentür, und dahinter stieß man in einein Berliner Zimmer, das zum Spieksaal eingerichtet war, auf 19 Personen, die bei„Meine lanie— deine Tonte" sahen. Di« Ueberraschung gelang so gut, daß es dem Bankhalter, einem wiederholt bestraften Fasschspieler, nicht mehr gelang, 500 M. Spielgelder, die auf dem Tisch lagen, verschwinden zu lassen. Dieser Betrog wurde beschlagnahmt, ebenso die Karten und Würfel, die umherlagen. Vermutlich sind in diesem Raum noch andere Glücks- spiele betrieben worden. Die Karten werden noch darauf unter- sucht, ob sie„gezinkt" worden sind. Alle Spieler, Kellner und Ge- schäfisleut«, wurden zur Feststellung nach dem Polizeipräsidium ge- bracht. Außer den 19 wurde noch einer in einer Wohnung im dritten Stock entdeck!. Ihm war es gelungen, durch einen Nebenraum zu entschlüpfen. Eine Frau im dritten Stock hatte ihm geöffnet und ihm auf seinen Wunsch ein Frühstück bereitet. Ein anderer war durch das Dachfenster entwichen und wurde nicht mehr gefunden. BkrantworMch wr die Redaktion:«ugen Praaer. Berlin: Anzeigen: Th.»loSe, Berlin. Berlag: Borwilrts Brrlag G. m. b. H.. Berlin. Bruck: Borwärts Bück- druckerei uNd Berlagoanllalt Paul Singer je Co., Berlin TW 68, Lindenstrahe 3 Sierzu 1 Beilage SerliDii Theater Direktion Kuhnert. «>. Uhr Utiti 2 Mmitnjnl College Cramplon mit Max Adalbert Mon ij geschlossen Dienstag, 20 Märi 7", Uhr Bremlere JeBaili toten" Ein Berliner Volks- stück von FrlutBisi-kiW» ck,«u UJtax;, ua liidl. uri lau Piaeatoitühna Theater am Nollendorfplatz Kurfürsi 2091/93 Anl.8, Ende geg. 11 Die Abeolener des braven Soldaten Schsrefk mit Mu Pilltnbett ose. Irwin Pisator Gastspiel im Lessing-Theater Norden 12793 Täglich s Uhr . wir leSienl von Ernst Toller in-a. Erwin PUcator Sesidenz-Theatet ragt»>, uhr Kein Politelverbot Oskar Ebelibacher SöioSe der Liebe fim- Sdieaet m J»tt;«, Für Jugendl.verb. für finkfiesBle lulbe Press Sonntag 31/, Uhr halb« Preise Schale der Liebe Lustspielhaus SV, Uhr (iuldo Thielscher „Difer Gestblltsasisiclir Itaatkr des Westens Täglich SS Uhr Kiurlnaa. CLifieoiT tuhis Lichtenstein, Hofbauer, Fleischer Serl. suitts».; Wieser. BradsKy, Brandt Siltaibirg-lUoii Ott. K amtier-Th 8 Uhr Die �oldne Meisterin Kleines Töeater Täglich«'. Uhr ErUsaeiassncr in Grelchen FDr Jugendliche nicht geeignet Sonntag 4 Uhr kleine Preise Llssy, die Kokette Waiballa-Th. Weinbetgsiveg 19,20 Täglich 1, Uhr El Schwank in j Akten cttriiidi'. irsa.17:11 Voneiger dieses zahlen Tür Parkett auch Sonntags statt V— Mk nur OD Pl. Sonntag, nehm.« L'br Der Katteaiäager ▼on Hameln Parkett*.3# pt an. Tdeatkfi.d.lOtzawstr. Tel. Kurf. 9209-10. Täglich 8V, Ul* Bennet comra AstfienbrOdel Sonntagnachm.4U Da* lästige Ost mrlnrehtheo Ostermärchen mit Gesang u. Ballett Rose-Theater Gr Frankt. Str. 132. ♦ Uhr Max u. Moritz «'/. ühi Der Flieder Mctropol-Th. Zentrum 12824 8 Uhr: Der Graf von Laxembar� Hrttir, lilzifr. ffeljh Irls: flelnrh. Ketfim Hiifra, Wl. Hcffnaru Sonntag' ,4 Uhr kleine Preise Gräfin MarUza Plansrani an Zoo i«nta,.«tdrnstlniei Sink Noll. 1578 IM/j, 18, 19V2. 21 Uhi Sternb mmcl und Kalender Eimrit: I M. : In«si. ii Jrrsi',.5' Ii. im Ddmiralspalas Leisler Mona: Tägt.äV, Uhi flMlEff RFVDF Jaimnniiwir 2 Sonntag Vorstell r. 3 Uhr u. 4'., Uhr Iii«. 4« lann lor- ttjnuaiiaiiilbJVi emuss der apier sei! 25. März Thalla-Theaier i Dresdner Str. 72-73 8 1: On Kamel geht doith das Hadelihr 7,/?ühr: Nme Circo«- Attr&ki onen! 9 Uhr; tor-Ä: Die Hosen de> Herrn v Bredow SWlaiUEPr OiltrlmVis unkElif. u. Bilder aus D e Ut.SwN des Herrn*Oi Bredow u.-t Ctcu� ros KeUh»na«.en«ihea«, » Chr. Sonnig, nachrn Uh, Das wundervolle Progr. der Stettiner Sängei nachm. ermaß. Preise. uönltoff.Brat.'it Oläniendn Viridt-Piogrwin I Tml iitmi 8 Ol». lzL 5' Grosses Schauspielhaus Kulanz End« iEQ I tNs" IHAßELC OMPAOOUH AKAW 1 Sernttg ein 2 Uhr halbe Preise Komische »>,«? Oper i1/, okri {lames Klein's) gewaltiges neues Revue.Stück: Zieh' dKh aus! Renaissance» Theater Sfeinplatz 901 i 8.to uhr Coeur Bube. Nollendor« 7360 Knr co Rastelli uno weitere internationale Varlate.Attraktionan. Sonnabends u. Sonntags |c 3 varnciiBBsea: u. I Uhr- I« IS«rtn aeitlen Preieee des fisn Pregrssus. CASINO-THEATER» uhr Lothringer Str. 37 Doktor Klaus. koesdineidcii Outschein I— 4 Pers. Fauteuü nur t.tOM.. Sessel 1.60 54 2oa rcifwiinenite. W? Theater am Kottbnsser Tor Sonntag 2 Vorslellun en nachmittags I'. Uhr bedeut. ermäB. Preise vorverka.i ab Iii oh' ununterh-ochcn voltbusaer StrnOe». Tel. Mpl. 1607', Täglich« Uhr Sonntag, naenmittags 3 Uhr Elite-Sänger l,.m März-Spielplan a gr. 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März zum erstenmal in der preußischen Residenzstadt Berlin Barrikaden errichtet wurd«, in schweren und blutigen Straßenkämpfen das Volk gegen Militär um einfachste Freiheiten und Rechte rang, die in anderen Ländern zur SelbstoerstäMichkeit geworden waren. In den Jahrzehnten, die diesem 18. März folgten, war die Ueberlieferung im Bürgertum allerdings immer mehr verblaßt. Märe nicht die auf ganz anderer gcscllschastlichcr Grundlage erwachsene urid viel weiter gesteckten Zielen zustrebende sozial- demokratische Arbeiterbewegung aufgestanden, die jene Ueberlieferung als eine ehrenvolle pflegte, so wäre im Rausch der.nationalen" Entwicklung auch die letzte Spur der Erinnerung an die Freil�itskämpfer vom 18. März versunken. Dank der sozial- demokraichchen Treue aber blieb in immer breiteren Bolksschichten der Ge'panke lebendig, daß nicht bei Königgrätz oder Sedan, sondern auf diM Straßcnpflaster Berlins die e r st e n und entscheiden- den Kämpfe um Deutschlands Freiheit und Ein- h e i t ausgesochten wurden, die Erinnerung an Schwarz-Rot-Gold, die nationalen Farben des Bürgertums, die, von der Re- aktion verfemt und geächtet, in der Republik von Weimar endlich wieder aus Kümmernis und Dunkelheit befreit werden konnten. Acht Jahrzehnte nach jenem blutigen Märztoge ficht die Welt völlig verändert aus. Wir haben inzwischen Kämpfe erlebt, hinter denen die Schatten des Revolutionstages von 1848 völlig zu ver- blassen scheinen. Millionen von Mitmenschen stnd im Weltkrieg ge- fallen und nach der Novemberumwälzung haben Straßenkämpfe in den deutschen Städten das Mehrfache an Opfern gefordert, als das Jahr 1848. Angesichts des Ungeheuren, das wir handelnd oder duldend miterlebten, fchlt der rechte Maßstab für die Gescheh. nisse von damals. Aber heute wc'ß jedermann oder sollte es doch wissen, daß ohne 1848 kein November 1918, keine äußere Einigung, vor allem aber kein« innere Be- f r e i u n g des deutschen Volkes möglich gewesen wäre. Die Märzgefallenen aus dem„tollen Jahre" stnd Wegweiser in eine ferne Zukunft geworden. Vorboten. Es brodelte lange in den deutschen und den preußischen Landen, bevor die Pariser Februarrevv» lution endlich auch in Deutschland die Flammen mächtig auslohen ließ. Iah?« der Lerelendung waren vorangegangen. Die industriell« Entwicklung setzte alle bisherigen sozialen Ver- Hältnisse außer Kraft. Selbständige Handwerksmeister wurden zu Tausenden in unselbständige Fabrikarbeiter verwandelt. Die Bauern waren in einer Weise verarmt, gedrückt und geschunden, daß sie das heute auf Geheiß der Großagrarier gegen die Republik demonstrierende„Landvolk" wahrscheinlich als zur Klaffe der Nabobs gehörig angesehen hätten. Das städtische Arbeits- volk lebte in Höhlen, statt Wohnungen, ohne Beschäftigung, ohne Unterstützung, ohne Organisation, die ihm eine Stütze hätte sein können. Im Lande war der Hungertyphus als ständiger G a st. Massensterben der Kinder im zartesten Alter. Und daneben eine engstirnige, nur auf eigenen Vorteil und auf Weiter- führung ihrer Herrschaft bedachte Junkerklasse. An ihrer Spitze der preußische König, im Vergleich zu dessen Geschwätzigkeit sein Nach- fahr Wilhelm II. fast als ein Berg des Schweigens erschienen wäre. Neben den sozialen Mßständen, die zum Himmel schrien, wirkten die politischen auspeitschend. Eine verzopfte Zensur unterband jede freie Meinungsäußerung in der Presse, ein Ver- sammlungsrecht gab es nicht, Wahlen, die als Venttl des Volts- zorns hätten wirken können, schon gar nicht. Die Temperatur wurde überhitzt, um so mehr, als auch die Ereignisse in Frankreich und Belgien den preußischen Hochmut nicht zu brechen imstande waren, ja, nicht einmal die RevoUe in Bayern, die die Buhlerin des Königs und diesen selbst davonjagte, im Schlosse zu Berlin irgend- einen Eindruck zu machen schien. Der gekrönte Schönredner beharrte auf seiner Phrase:„Zwischen mich und unseren Herrgott im Himmel soll sich kein Stück Papier, Verfassung genannt, drängen." Oer König will.... Schon am 16. März gab es Zusammenstöße: 20 Tote lagen auf dem Straßenpflaster, 80 Verwundete in den Hospitälern. Selbst die aus dem Bürgertum organisierten Schutzwachen entschlossen sich, am 18. März vor das Schloß zu ziehen und dort ihre Forde- rungcn als Petition zu überreichen. Der König, dieser echte Hohen- zoller, bekam es jetzt mit der Furcht Er ließ zitternd an der Seite des Bürgermeisters Naunyn erklären, was e r wolle: Der König will, daß Preßfreiheit herrsche: der König will, daß der L a n d t a g sofort berufen werde: der König will, daß eine Konstitution aus der freisinnigsten Grundlage alle deutschen Länder umfasse: der König will, daß Preußen sich an die Spitze der Bewegung stelle: der König will, daß eine deutsche Nationalflagge wehe.... In den Jubel des Volkes über diese Zugeständnisse sielen plötz- lich die wohlbekannten Schüsse, von denen man später behauptete, man wisie nicht, von wem sie abgegeben wurden. Was min geschah, darüber lese man den Bericht eines Augenzeugen in A. Wolffs „Berliner Reoolutionschronik": „... Soeben noch Jubel und Hurra und wenige Minuten darauf Wutgeheul und Rachegcschrei. In einer Stunde war der Anblick der Stadt durchaus ein anderer, ihre Physiognomie ganz umgewandelt.„Auf die Türme!" rief es,„an die Sturm- glockenl" Und man erbrach mit Gewalt die Kirchentüren... Wie durch Zauberschlag stiegen die Barrikaden empor. An jeder Straßenecke sammelle sich Jung und Alt, Vornehm und Gering zum Bau der Barrikaden. Die Buden, die Wogen, die Omnibuste, die Droschken, große Last-, Post- und Brauerwagen, Baugerüste wurden in allen Stadtteilen von Tausenden von Händen zusammengetragen... Die Frauen kochten Kaffee, zer- schnitten Brote und reichten Lebensmittel noch der Straße hinaus, für die Arbeiter, für die Kämpfer. In den Straßen goß man Kugeln, schmiedete Lanzcnspitzen: viele aus Werkställen herbei- getragene Zinkstangen, Blei und dergleichen wurden in kleine Stücke geschnitten und damit die Büchsenläufe gefüllt." Ein anderer Augenzeuge:„Zwölf Barrikaden erheben sich im Nu in der Königstraß«, au, Dreschken, aus Omnibuswage», aus Dollsäcken. aus Balten, aus umgestürzten Lrunnengehäusen.,.> Haus an Haus werden die Dächer abgedeckt. Oben, am schwindeln, den Rande, stehen die Menschen mit Ziegeln in der Hand die Soldaten erwartend... Alles ist bewaffnet, mit Schwertern, mit Lanzen, mit Pistolen, mit Planken. Die Knaben dringen in die Häuser, um große Körbe mit Steinen auf die Dächer zu tragen... Die Fahnen, meistens rote, werden auf die Barrikaden gepflanzt... Zwischen 4 und 2 Uhr prastelt die erste Kar- tätsche von der Kurfürstenbrücke aus die Königstraße entlang: sie vermag die Barrikade nicht zu zerstören Kanonendonner folgt Schlag auf Schlag. Die Barrikade ist erschüttert, zerrissene Leichen liegen an den Straßenecken. Zwischen 5 und 6 Uhr kommen Jnfanteriepiketts. Man schießt auf sie aus den Fenstern, man schleudert Steine auf. sie von den Dächern. Ein furchtbares Ge- metzel beginnt. Die Soldaten nehmen die Häuser, aus denen geschossen und geworfen wird, einzeln ein, viele Opfer fallen, von den Soldaten nur wenige... Gegen 7 Uhr ist die Königstraße eingenommen unter großem Blutvergießen... In ähnlicher Weise tobten die Kämpfe in der Burgstraße, der Jäger, und Friedrichstraße, am Köllnischen Rathause und auf dem Alexanderplatz." Trotz dieser„Siege" seiner Soldateska mußte der schwätzende Zoller nachgeben und den Befehl zum Abrücken des Militärs geben. Er selbst— Schauspieler von der Zehe bis zum Scheitel— wurde gezwungen, vor den Gefallenen, die man ins Schloß trug, den Hut zu ziehen. Drei Tage später ritt er In Berlin umher, die s ch w a r z r o t- goldene Binde am Arm, die schwarzrotgoldencFahne „als sein Panier" vorangctragcn. Lehmann aus Nerlin. Sern Bruder ober, der spätere„Heldcnkaiser", eilte mit gefälschten Papieren als„Herr Lehmann aus Berlin" bei Nacht und Nebel davon, um in London andere Reaktionäre brüderlich zu begrüßen. Als ihm das gutmütige Volk noch im selben Jahre die Heimkehr gestattete,, zahlle er als„Kartätschenprinz" doppelt wieder. In Baden, in Sachsen, vor allein in den Kasematten von Rastatt oerbluteten die Freiheitskämpfer unter den Kugeln, die der„Kar- tätschenprinz" aus Preußen ihnen sandte. Trotz allem, trotz Wortlmuch und trotz Unverstand sind die Toten vom März lebend geblieben. Was sie mit ihrem Blut» säten, ging langsam, aber unaufhaltsam auf. Die Zensur blieb abgeschafft, die Presse durste— freilich mit dem Galgen daneben— die Erziehung des Volkes beginnen, aus dem Pseudo-Parlament, das als Drei- klastenlandtag in Erscheinung trat, erwuchs schließlich dos Parlament des allgemeinen Wahlrechts. Heute— achtzig Jahre nach den Märzkämpfen von 1848, fast zehn Jahre nach Errichtung der Republik, bereitet sich das deutsche Volk vor, im neuen Wahlgang zu vollenden, was schon erfolgreich begonnen: Unter der Flagge von 1848 der deutschen Re- publik eine Regierungsmehrheit zu schaffen, die all« G e s p e n st e r des Vormärz endgültig zum Teufel jagt! Lied der Republik. Diese* Gedicht wurde von Karl Schnei! er, dem früheren General des Österreichischen liundctheei anläßlich der achlzlxjährisen Feier der MürzreoUaiion des Jahre* 1&4S ver fttßi und von Professor Julia» ft'oc h mann vertont, r.s ist bei der Mä/zfemr des Pepabli- kanischen Schutzbundes in Wien zum erstemna! vorgetragen. Schlie/it die Reihen fest zimammen, Die ein gleiches Schicksal schuf! Augen blitzen, Herzen flammen, Mächtig tönt der Freiheit Ruf. Folgt dem. R ife! Folgt der Fahne! Bietet treu dem Feinde T rutz! Daß ihr Sieg den Weg euch bahne. Seid der Freiheit Schirm und Schutz! Schutz und Schirm erkämpftem Rechte Auf dem Weg zur neuen Welt; Trutz dem Bund der dunklen Mächte, Deren Haß uns rings umstellt! Trutz in Taten, Trutz im Liede: Vorwärts, Freunde, nie zurück! Freiheit ist der Völker Friede, Freiheit ist der Menschen Glück. Herzen ßammen, Augen blitzen- Freiheit ist die Republik, ünsre T reue soll sie schützen, Unser Weg ist ihr Geschick. Mann für Mann, wir sind entschlossen; Ihre Fahne flammt uns vor: Freund«, Brüder und Genossen! Führt m stolz zum Sieg empor! VON B. TRAVEN D MAD Naehdmdc verbeten•CopyrighMftS by BOdiergllde Gutenberg, Berlin Das Goldgraben Im mexikanlsefaen Busch ist keine leichte Arbeft. Das mQssen auch die drei Arbeiter Dobbs, Gurtin und Howard erfahren. Nachdem sie aber ein Jahr lang schwer geschuftet haben, können sie doch feststellen, dafe sie sich ein kleines Vermögen erworben haben. Sie rüsten sich wieder zur Rückkehr nach der Stadl. Da erscheint plötzlich ein Fremder auf der Blldfl&he. Das ist ihnen sehr peinlich, denn sie haben keine Lizenz zum Goldgraben, sie müssen Ihre SdiSlze auch verbergen, damit sie ihnen nicht durch Banditen geraubt werden können. Vergeblich suchen die drei den Fremden von ihrem Lagerplatz fernzuhalten. Er bleibt trotz aller Drohungen und Tfitllchkeiten da, aber schließlich hören sie interessiert auf, als der Fremde berichtet, in dieser Gegend befinde sich eine außerordentlich reiche Ader, deren Ausbeutung sie alle zu Millionären machen würde. 17. Fortsetzung. Dobbs sagte:„So oder so. Wir sind ja so gut wie durch und fertig. Mir verlieren nichts, wenn wir ein paar Tage zugeben." „Das denke ich auch, wir verlieren nichts. Wenn da wirtlich etwas dran ist, warum soll man es nicht versuchen, da wir doch schon Hier sind," meinte Curtin, „Ich mache nicht mit," sagte der Alte.„Das sind Räuber- geschichten, und ich Hab genug von der Wilderei. Ich möchte wieder einmal ein richtiges Bett unterm chintern Haben. Mir langt es. Aber natürlich, wenn ihr hier mitmacht, mutz ich auch mitmachen. Allein kann ich nicht gut die zwei Wochen durch den Busch und durch die Wüste zappeln." J)ore, alter Bursche," sagte Curtin,„viel Lust, lange Ueber- stunden zu machen, habe ich nicht. Ich habe da jemand auf mich warten. Wir wollen eine Woche draufgeben. Kommen wir in dieser Woche auf die Geschichte, die uns das Dögelchen da erzählt hat. dann ist es gut, und dann können wir ja sehen, ob es sich lohnt. Kommen wir innerhalb einer Woche nicht zu einem Ergebnis, dann gehe ich mit dir los, Mter. Alle damit einverstanden?" Sie sagten„Ja", und der Fremde hatte das Wort, um feine Pläne klarzulegen. „Wie heißt du denn überhaupt, Mensch?" fragte Howard. „Laeaud," sagte der,„Robert Laeaud, aus Arizona." „Verwandt mit dey Laeauds in Los Angeles. Möbeln?" fragte Howard. „Hallo!* rief er laut au». „Ja, von Großvaters Seite her. Aber ich habe nichts mit denen zu schaffen. Wir sind geschieden aus Tod und Verdammnis, und wenn wir Überzeugt sein seilten, daß die in den Himmel gehen, dann äschern wir ein halbes Dutzend Kirchen ein, um in die Hölle zu kommen und nur nicht mit denen zusammenzusttzen. Aber nur kein« Sorge, die kommen nicht in den Himmel, diese Erbschleicher." „Dann mutzt du dich aber verflucht dranhalten, daß man dich in den Himmel aufnimmt," lachte Dobbs,„so wie du jetzt beschossen bist, wirft du wohl deinem Famllienzweig nicht aus dem Wege gehen können." „Vielleicht doch,-" sagte Curtin.„Wenn ich richtig informiert bin, hat man da verschiedene Siedeabteilungen, und er kann ja rechtzeitig den Antrag stellen, datz er nicht gerade in denjelden Kesiel eingetaucht wird, in dem die anderen ehrenwerten Mitglieder seiner erlauchten Familie schmoren. So etwas läßt sich doch Immer einrichten, denn Beelzebub hat doch ein Herz, wie könnte er denn sonst soviel Spatz haben und immer so lustig und guter Ding« sein." Howard war ausgestanden, um nach den Eseln zu sehen, damit sie nicht zu weit abstreiften. Dabei war er auf einen höher gelegenen Borsprung des Berges geklettert, um einen besseren Ueberblick zu haben. „Hallo!" rief er laut aus. „Was ist?" riefen Dobbs und Curtin gleichzeitig.„Sind die Esel fort?" „Kommt rasch her. Ader verteufelt rasch." Die beiden sprangen auf und liefen hinüber. Auch Lacaud folgte eilig nach.„Was ist das. da drüben, was da auf unseren Berg zu- kommt?" rief der Alte..Dielleicht könnt ihr das bester erkennen." „Das sind Soldaten oder berittene Landpolizei," sagte Dobbs. Und gleich fügte er hinzu:„Ei. du Schuft, du infamer!" Er wendete sich Lacaud zu.„Also das bist du. Die Entdeckung ging ja schnell." Mit einem Ruck hatte er den Revolver heraus und hob ihn gegen Lacaud. Aber Howard, der hinter ihm stand, drückte seinen Arm nieder. „Du bist im Unrecht," sagte Lacaud, der bei der raschen Bewe- gung des Dobbs bleich geworden war.„Ich habe nichts mit den Soldaten oder mit der Polizei zu tun." „Höre, Kindchen," sagte Howard zu Lacaud.„Mach' uns hier keine dicke Suppe. Wenn sie hinter dir her sind, dann los, aber sofort. Latz dich von ihnen sehen, aber wir wollen hier keine Polizei herauf haben. Marsch, runter hier und auf ihren Weg, sonst jagen wir dich ihnen direkt in den Rachen. Wir können die hier oben nicht gebrauchen." Curtin war ein wenig höher geklettert und hatte lange und sorg- fäktig binuntergcsehen. „Mal Geduld. Iungens," sagte er.„Ich glaube, das sind keine Soldaten. Das ist auch keine Polizei. Sind unregelmäßig ange- zogen, haben auch verschiedene Gewehre. Wenn ich recht sehe, hat der eine einen mord-mätzig langen Schiestprügel, der feine hundert Jahre alt ist. Ich weist jetzt, wa» die sind. Das sind Banditen." „Verflucht." rief Howard,„da kommen wir au, dem Regen in das Sumpflock Banditen tonnen wir nrch zehnmal weniger gebrauchen als die berittene Staatspolizei. Das geht ans Leben. Die Polizei setzt uns fest, und da wir ja nicht» verbrochen haben, nur gerade die Taxe geschunden, können wir uns einigen. Aber bei den Banditen, da heißt es beißen." Als ob ihm plötzlich etwas einfiele, wandte er sich nun an Lacaud:„Na, Sohn, nun komme uns mal klar. Also du hast uns die Banditen hier heraufgewichsL Also Banditenspwn, Dachte ich doch eine Zeitlang ganz richtig." „Ich habe auch nichts mit den Banditen zu tun," sagte Lacaud. „Laß mich einmal selbst sehen." Er kletterte hinauf zu Curtin, sah eine Welle angestrengt hin- unter und sagte dann:„Das sind Banditen. Ich weiß jetzt auch, was für Banditen. Habe ich auf der Hazienda des Senjor Gomez gehört. Der hatte eine Zeitung mit der Beschreibung. Ich sehe da einen mit. einem goidbronzierten Strohhut, der in der Beschreibung erwähnt wurde. Der hat Courage, datz er den Hut nicht umgetauscht hat. Wird sicher nicht wissen, datz der Hut in der Beschreibung ist. Die sehen ja kein« Zeitung und können auch keine lesen. Das wären die allerletzten Banditen, mit denen ich etwas zu tun haben wollte." Und. während nun alle vier die Bewegungen der Bandllen von der Höhe aus beobacht«t°n und darauf warteten, ob die Reiter in den Pfad einbiegen würden, der sie mit grotzer Wahrscheinlichkeit hier auf den Berg führen würde, erzählte Lacaud, was er in der Zeitung über jene Banditen gelesen habe, und was die Leute auf der Hazienda darüber alles zu berichten gewußt hatten. Denn wenn auch die Mehrzahl der Indianer und der indianischen Arbeller in den Haziendas keine Zellung lesen können, so verbreiten sich dennoch die Berichte über solche Ereignisse durch das weite offene Land mit der Schnelligkeit rennenden Prärierfeuers. 12. Auf einer kleinen Bahnstation, wo der Nachtzug für zwei Minuten hielt, um die Post zu erledigen, zwei oder drei Fahrgäste aufzunehmen oder abzusetzen, kamen etwa zwanzig bis fünfund» zwanzig Männer in den Zug gestiegen. Es war zwischen sieben und acht Uhr und bereits stockdunkle NachL Es kam nie vor, daß auf dieser kleinen Station so viele Leute einstiegen, aber weder der Stationsmeister noch das Zugpersonal dachten darüber noch. Es tonnten ja Männer sein, die irgendwo zu Markte fahren wollten, oder die in den Minen gearbeitet hatten und streikten, oder die in anderen Minendistritten Arbeit suchen wollten. Sie waren alle Mestizen, hatten olle ihre großen Strohhüte auf, Hosen und Hemd an. Sandalen oder Stiefel an den Fützen. Alle waren in ihre Decken gehüllt, da die Nacht kühl war. Da nach Ein- bruch der Dunkelheil auf kleinen Stationen keine Fahrkarten ver- kaust werden, kamen sie ohne Fahrkarten, die sie im Zuge lösen konMen. Die Station war stockfinster, nur der Stotionsmeister hatte seine Laterne und die Zugbeamten, die eilfertig am Zuge entlang- liefen. So hatte niemand die Gesichter der Männer gesehen, die sie auch noch— was nicht auffällt, da«s Üblich ist-i- bis zur Rase mit ihren Decken verhüllt hatten. Alle stiegen in den ersten Wagen der zweiten Klasse, der gleich hinter dem Gepäckwagen folgt. In diesem Wagen zweiter Klasic satzen wie üblich die zwölf Soldaten mit ihrem Offizier, alle mit scharf geladenen Gewehren, um den Zug gegen Banditenüberfälle zu schützen. Di« Mehrzahl der Männer blieb in dem ersten Wagen zweiter Klasse, aber einige gingen von diesen Wagen, nachdem der Zug sich in Bewegung gesetzt hatte, über die Plattform m den zweiten Wagen zweiter Klasse, um wahrscheinlich bessere Plätze zu finden. Die beiden Wagen zweiter Klasse waren gut besetzt mit Landleuten, kleinen Ge- schäftsleuten und Indianern, die ihre Waren zur nächsten Stadt bringen wollten. Hinter den beiden Wagen zweiter Klasse folgte der „Das sind Banditen.*' Wagen erster Klasse, der gleichfalls gut besetzt war, und hinter dem, als letzter Wagen, folgte der Pullman- Schlafwagen. Der Zug kam schnell In gute Fahrt. Bis zur nächsten Station waren zwanzig Minuten oder einige mehr. Als der Zug nun in voller rasender Fahrt war und die Beamten damit beschästigt waren, an die neueingestiegenen Reisenden die Fahrkarten zu verkaufen, de- setzten die Männer die Türen der Wagen, in deren Nähe sie von Begimt an gestanden hatten, als ob sie sich viel Zeit nehmen wollten, nach guten Plätzen zu suchen «lleichzeitig, ohne ein Wort zu sagen, ohne eine Warnung zu rufen, zogen sie unter ihren Decken Gewehre und Revolver hervor und begannen Schnellfeuer zu erössnen. Insbesondere richtete sich da» Neuer auf die Soldaten, die ihre Gewehre zwischen ihren Knien stehen oder seitlich gegen die Wand gestellt hatten, oder die in Fibeln lasen, um lesen und schreiben zu lernen, oder die an ihrem?lbend- brot kauten, oder die eingenickt waren. sFonsetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend". Kreuzworträtsel. FT Wagerecht: 1. Fisch, 5. Fisch, 6. Stadt in Rußland, g. Flääienmaß, 9. Verhältniswort. 10. Nebenfluß der Donau, 12. Antilopenart, 11. Vorfahre, 1(5. Liebesgöttin der Phönizier. 29. Fürstentitel In Tunis, 22. Reformator� 23. Europäische HaupL stadt, 25. Tierwohnung, 28. Raubt'er, 29. Fluß m phet, 34. Frauengestalt 37. Nahrungsmittel, 89. Faultier,' 41. Bund, 43. Flächenmaß. 44. wie Nr. 30 senkrecht, 46. G-tränk, 47. Sinnestäuschung. Senkrecht: 1. Fluß in Asien, 2. Frauengestalt der griechi- schen Sage, 3. Zelle, 4. Weiblicher Vorname. 6. Ostseeinsel, 7. Ge- bräuchliche Abkürzung für«ine Gesellschaftsform, 19. Verhältnis- wort, 11. Englischer Admiral-s 13. Fürwort, 15. Kopsbedeckung, 17. Behälter, 18. Verbrechen, 19. Nebenfluß der Drau, 21. Griechi- sches Heldengedicht, 22. Stadt in Westfalen, 24. Stadt in West- preußen, 26. Rest, 39. Stadt am Brenner, 32. Baum, 33. Gedanke, 35. Babylonischer Gott, 38. Zahl. 40. Nebenfluß des Rheins, 42. Fisch, 43. Stimmlage, 45. Wehlaut, 46. Fluß in Lettland. Zwei Führer. Die Wörter Buer, Ried, Elbe, Tüll und Erbe sind so zu ordnen, daß die ersten und dritten Buchstaben zwei ver- storbene Führer der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung nennen. Silbenrätsel. Aus den Silben: a a a ad an der bir bob bu cha chus dou e e«n er est furt got gen genz he heim is ka ka tau ke kre lei ma ma mal me me mif na na nau ne ne ne nou on ra räch ri sa sa sar sche sching sie sis so sus tal tan te te tri ton ur wa ze zl»- sind 25 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten und Endbuchstaben von unten nach oben gelesen ein Zitat au»„Schillers" Jungfrau von Orleans ergeben, welches auch auf den sterbenden Reichetag angewandt werden kann.(Der letzte Buchstabe ist übrig, ch— 1 Buchstabe.) Die Wörter bedeuten: 1. Stadt in USA., 2. Griech. Lyriker, 3. Komponist, 4. Griechische Göttin, 5. Person der griechischen Sagenwelt, 6. Deutscher Dichter, 7. Chemischer Grundstoff. 8. Ost- Indische Ochsenart, 9. Bez. für Mahnung, 19. Buch der Bibel, 11. Blume, 12. Männername, 13. Körperliches Organ, 14. Daum, 15. Näscherei, 16. Asiatisches Gebirge, 17. Person der griechischen Sage, 18. Arabischer Titel. 19. Deutsches Bad, 29. Stadt in Indien, 21. Deutsche Stadt, 22. Französischer Schriftsteller, 23. Stadt in Talien, 24. Alpenblume, 25. Griechische Göttin. Magisches Quadrat. Aus diesen Buchstaben bilde man fünf Wörter, die von oben nach unten und von links nach rechts gelesen folgende Bedeutung haben: 1. Nebenfluß der Dona». 2. Fluß in Westpreußen. 3. Wichtiges Unterrichtsfach. 4. Deutscher Staatsmann. 5. Geld- ertrag._ Auflösungen der Rätsel aus voriger Nummer. S< s e l: i. Wapiti, 2. Lionel. 3. Cstomihi, 4 Natt«. 5. Rossini, 6. Nachod. 7. Eckener, 8. Woglinde, 9. Lauchstaeüt, 10. Wasa. 11. Seume, 12. Rienzi, 13. Altenburg. 14. Essen, 15. Man- tua. 16. Gorgone. 17. Ramses. 18. Judenitfch, 19. Rousseau, 29. Erich, 21. Roxan«. 22. Nassau. 23. Nimrod. 24. Madeira. 25. Grifeldis. 26. Jülich, 27. Pantoffel, 28. Adelsberg, 29. Enzian.— Will einer in der Welt was erjagen, mag er sich rühren und mag sich plagen. Kreuzworträtsel: Wagerecht: 3. Missouri, 8. Lob. 19. Lid, 11. Mus. 12. Emil. 14. Mehl, 15. Salbe. 17. Ala, 18. Stab, 29. Sli. 22. Sem, 23. Arena. 27. Malta. 28. Ais, 39. Ur. 32. Leonardo, 34. Nif. 35. Tag. 36. Arm. 37. Ruhm. 38. Narkose, 39. See. Senkrecht: 1. Fleiß, 2. Rom. 4. Silber, 5. Umea, 6. Ruhla. 7. Island. 9. Bisam. 13. Lad, 16. Elefant. 19. Tee. 21. Inn. 23. AI- legro, 24. Tal, 25. Cid, 26. Turin, 28. Argus, 29. Sommc, 31. Riga, 33. Aar. Magische Ecke: Papagei, Ananas, Paris, Anis,(tfas, es, i, Nr. 132 9 SoEnabend 45. Jahrgang Bj Wk r � 17. März 1928 Der gefunkte Steckbrief. Die Bildtelegraphk«, Ne von vielen Forschern ois Etappe auf dem Wege zum Fernsehen betrachtet wird, ist oiei Slter, als im allgemeinen angenommen wird. 1844 wurde der e r st e M o r s e- t e l e g r a p h zwischen Baltimore und Washington praktisch in Betrieb genommen. Aber bereits 1843 hatte der Engländer Bain Vorschläge zur elektrischen Uebertragung von Schwarzweißbildern gemacht� Cr hatte das Bild in zahlreiche Einzek» teile zerlegt und durch Telegraphic- zeichen übermittelt. Dabei entsprach ein Punkt einem hellen und ein Strich einem dunklen Teile des Bildes. Die größte Schwierigkeit bestand darin, zwischen Sender und Empfänger voll- kommenen Gleichlauf zu erzielen. Diese Art der Bildübertragung, die im Grunde genial genug war, konnte sich natürlich nicht praktisch durchsetzen. Sie besaß nur den Wert einer Laboratoriumsarbeit. Heute ist nun die Bildtelegraphie aus dem Bereich des Derfuchs heraus« gekommen. Bereits am 1. Dezember 1927 hat die deutsche Reichspost den Bildtelegraphiebetrieb zwischen B e r- l i n und Wien aufgenommen. Hier arbeiten Geräte nach dem System Karolus-Schröter, das von der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie (Telefunken) oerwertet wird. In aller Still« aber wurde auf Deran- lassung des preußischen Jnnenminifte- riums das System des Professors o r n, eines alten Pioniers auf dem Gebiet« der Bildtelegraphie, so durch- gebildet, daß es für die Zwecke der Polizeioerwalwng vor allen anderen geeignet wurde. Professor Korn ar- bettet seit etwa 29 Jahren an der Durchführung der Bildtelegraphie. Sein» Konstruktionen Haben sich langsam gewandelt. Das jetzt voll- endete Gerät ähnelt sehr der Ausführung von Telefunten. Der wesentliche Unterschied aber liegt in der Verwendung eines öaitengaloanometers an Stelle der Karoluszelle zur Steuerung der Lichtschwankungen auf der Empfänger- seit«. Die Polizei hatte an das für ihren Betrieb zu verwendend« Bildgerät folgende Anforderungen gestellt: Derwendung in Verbin- dung mit dem Polizeisunknetz, Möglichkeit der einwandfreien Ueber» von einer Lichtquelle abgetastet. Aus der Sendeschaltung Ist bks«? Vorgang klar zu erkennen. Die Lampe sendet ihre Strahlen durch eine Lins«. Das Bild wird nun Punkt um Punkt diesen Lichtstrahl beeinflussen, so daß er die Helligkeitsschwankungen des Bildes auf eine optische Zell« übertragen kann. Diese Zelle ist einem elektrischen Auge vergleichbar. Dieses Auge besteht aus einer Kaliumzell« Ai i 1� Bildsender. tragung von Bildern, Fingerabdrücken, Schrift, möglichst unmlttel. bare Uebertragung der Original«(also Vermeidung von Negativen, Metallfolien), größte Einfachheit der Konstruktion, geringste lieber» trogungszeit. Die beigefügten Abbildungen geben einen Einblick in dm Auf» bau des Senders und des Empfängers, die der Erfinder in Ver- bindung mit der Lorentz A.-G. fertigstellte. Auf beiden Seiten sehm wir die Bildwalz«, die unter Vermittlung von Zahnrädern von einem Motor angetrieben wird. Der Gleichlaus, oie„Synchro- nisierun g*, wird durch einen besonderm Wechselstrom, die „S y n ch r o n f r e q u e n z", erreicht. Auf dem Senderbild erkennt man, wie vom Motor zwei Leitungen zum Verstärker gehen. Sie übertragen die Synchronfrequenz.. Erzeugt werden dies« Schwingungen durch einen Unterbrecher auf der Achse des Sendemotors. Aus der Empfangsseite werden diese Schwin- «jungen wieder ausgesiebt und über einen Verstärker dem Cmpsangsmotor zugeführt. Die Kontrolle des Gleichlaufes aber wird durch eine Vorrichtung ermöglicht, die im Empfangsschema durch die rechts vom Motor gekennzeichnete Glimm- l a m p e symbolisch dargestellt ist. Auf de- Motorachse des Empfangsmotors lauft nämlich eine durchsichtige runde Scheibe, auf der in ganz bestimmten Abständen durch den Mittelpunkt laufende schwarze Strich« angebracht sind. Diese Scheibe ist in einem mit einem Fenster versehenen Gehäuse untergebracht. Durch das Fenster empfängt sie das Licht der Glimmlampe. Gewinnt der Beobachter den Eindruck, daß das Bild der Scheibe feststehe, so lausen die Motoren des Senders und Empfängers vollkommen gleich. Die Bildwalze macht nun drei Umdrehungen in der Sekunde. Gleichzeitig wird sie durch ein« Schraubenfpinoel bei jeder Um- drehung um ein Viertel Millimeter se,twärt» oerschoben. Di«| größte Bildgröße eine» zu übermittelnden Schwarzweißbildes| Cctnn 13 mal 18 Zentimeter betragen. Die Uebertragungszeit| beträgt 2lA Minuten. Die Originalbilder werden auf die Sende-? dübmnlze gelegt und während der Umdrehung der Bildwalze MM Kriminalpolizei Berlixi Berlin, dea Januar 1?26., Festnahme •wegen Slordes Karl T räulioiter, Mechaniker, 17.?. 76 Bcr- I±n geh»., 1,65 gross,"braujae SchussYerletzuage» am lluken Dfaterarja. Grenasübertritt YenKstet. 1» Erfolgfali© nachr icB t au Kripo Berlin, Krim,-Ina fei c i on a zu 1765 Xf, V 16. C mit Edelgasfüllung. Das von ihr ausgenommen« Licht ruft Stromschwankungen hervor, die der Seudeschwingung überlagert werden, nachdem sie ebenso wie die Gleichlaufschwingungen ver- stärkt wurden. Auf der Empfangsseite wird ein Empfangsgerät mit drei Stufen Hochfrequenz oerwandt, hinter das ein Gleichrichter (Audionröhre) geschallet ist. Durch besondere Spulen wird die Gleichlauffrequenz aus dem übertragenen Gemisch oon Schwin- gungen herausgcsiebt und über einen Berstärker dem Motor zuge- führt. Die elektrischen Schwankungen der optischen Zelle, die ja den Helligteits- unterschieden des Bildes entsprechen, werden dem Sailengalvanometer zuge- führt. Dieses Instrument besteht im wesentlichen aus zwei Elektromagneten. zwischen denen ein zarter Silberfaden so gespannt ist, daß er in einem winzigen Lichtspalt unter dem Einfluß schwacher elektrischer Ströme gerade hin- und her- schwingen kann. Auf die Bildwalze ist photographisch empfindliches Papier ge- spannt. Dos Empfangsschema zeigt, wie nun das Licht einer Lampe durch den Fadenspalt des Saiiengalvanometers hin- durch unter Vermittlung geeigneter Linsen : auf die Vildwalze fällt. Der Silberfaden - schwingt im Rhythmus der eintreffenden| 1 elektrischen Zeichen. Dadurch überdeckt ß l er einen Spalt vor der Bildwalz« oder\ f gibt ihn frei. So bilden stch die Schwarz- ß _______ i weißpunkte des Originalbildes auf der- Sendeseite auch auf der Empfangsseite ab. Das Bild muß dann noch entwickelt werden, und der Uebertragung«. oorgang ist dann vollendet. Zum Schutz gegen Außenlicht sind die Bildwalzen mit einer Kappe überdeckt. Das gesamte Polizeifunknetz soll mit diesen einfachen Geräten ausgerüstet werden. Es wird dann möglich s«in innerhalb weniger Minuten z. B. einen Steckbrief an die Grenzen zu funken. Aber auch Nachrichten wird man schneller al, bisher mit Maschinen- telegraph oder gar Morsezeichen übermitteln. Aus 10i1 Quadrat- Millimeter Bildfläche, die in einer Minute übertragen werden, lassen sich etwa 800 Schreibmaschmcnbuchstaben unterbringen. Sie können mit Bildiclegraphi«, System Korn, im zehnten Teile der Zeit, die ein Morsetelegramm erfordert, weitergegeben werden. W.M. Erfolgreicher Fermchversudi? Nach Zeitungsmeldungen soll der erst« Fernsehoersuch zwischen England und Amerika gelungen sein. Bei diesem Versuch Handell es sich nicht um die Uebertragung von feststehenden Bildern, sondern um die Uebermittlung bewegter Vorgänge, also um kinoortige Darbietungen. Die Gerät«, mit denen dieser Erfolg angeblich erreicht wurde, stammen von dem englischen Konstruk- teur B o i r d. Der Sender wurde von Baird in London bedient, der Empfän- ger war im Laboratorium des New- Porter Ingenieurs H u t s ch i n s o n aufgestellt. Leider liegen über die hier verwendeten Geräte keine näheren An- gaben vor. Nur ganz allgemein wird mitgeteilt, daß durch einen Bildzerleger die mit Hilfe einer photographischen Linse ausgenommenen Vorgänge in etwa 1lX> VlX) Einzelpunkte zerlegt werden. Diese Einzelpunkte, deren Helligkeit selbstverständlich große Diffe- renzen aufweist, werden wie bei der Bildtelegraphie in Stromschwankungen umgewandelt. Dann werden sie den Sender überlagert und im Empfänger wiederum in Helligkeitsschwankungen zurückverwandelt.— Nach anderen Meldungen sollen dem bekannten ame- rikairtfchen Funkpionier Dr. Alexanderson zwischen Washington und New Port Fernsehversuche teilweise gelungen sein. Die übertragenen Kinobilder werden noch als reichlich undeutlich bezeichnet. An der Verwirklichung des Fern- sehproblems wird von vielen Forschern gearbeitet. Das Ziel wird erreicht werden! Trotz aller Meldungen über das Gelingen solcher Versuche dürfte der Weg bis zu einem wirklich brauchbaren Fernsehen noch sehr weit sein. Man wird daher gut tun, alle bisherigen Nachrichten, die van gelungenen Versuchen auf diesem Gebiete zu berichten rvissen mit Vorsicht aufzunehmen. Es Handell sich ja schließlich nicht nur um die Vollendung von Laborotoriumsoersuchen und auch nicht darum, daß es bei einigem guten Willen den Zuschauern gelingt, aus de» übertragenen Lichtschwankungen die Vorgänge auf der Sendeseitc zu deuten. Der vollendete Fernsehapparat muß klar«, saubere Bilder - Bitdempfänger. naMMiiiniiutmimi« SlrvöosicixsdieSdm.it Ansicht des Empfangsgerätes. liefern, wie sie im Kino zu sehen sind. Erst ein solches Gerät wird stch in der Praxis als brauchbar und damit auch als wirtschaftlich erweisen. Die Heizung der Radioröhren. Ueberall in der Technik findet man, daß stch der Zwang und der Wille zur Zentralisation aller Kräfte immer mehr durchsetzt. In vergangenen Tagen geschah z. B. dl« Versorgung der Stadt- und Landbezirke mit elektrischer Energie aus kleineren Elektrizitätswerken und Ueberlandzentralen mit eigenem Maschinenpark. Jetzt sind diese Betriebe fast überall durch Großkraftwerke abgc- löst worden. Dies« Zentralisation birgt sowohl praktische wie wirtschaftliche Borteil« in sich. Aber nicht nur aus dem Gebiete der Kraft- und Lichtv eis orgung ist diese Kräftevereinigung von höchster Bedeutung, sondern auch in der elektrischen Haus- und Kleinwirtschaft kann sie umwälzend und verbilligend wirken. Ein« einfache Klingelleitung aus einem Element zu fpeifen. ist gänzlich veraltet. Man bezieht den notwendigen Strom über einen Klingeltransformator aus der Lichtleitung. Was für derartige Einrichtungen zutrifft, gilt auch für das Rundfunkgerät, um sich auf gleichem Wege vom lästigen und auch teuren Aktumulatoren-Anodenbetrieb zu befreien. Während die Entnahme der Anodenspannung aus dem Licht- netz bei Derwendung eines Neganschlußgerätes technisch keinerlei Schwierigkeiten bereitete, lag bis vor kurzem für die Entnahm« der erforderlichen Herzspannungen und Ström« aus der gleichen Quelle keine befriedigende Lösung vor. Erst die Konstruktion der indirekt geheizten Wechselstrom- röhre. REN 1104, macht den Betrieb einer Rundfunk- empfangsmilage oon den Batterien völlig unabhängig Aehn- lich wie beim Netzanschtußgerät für Anodenspannungen wird bei' dieser Röhre auch der Strom aus der Licht- � leitung über einen geeigneten Transformator entnommen. 1 Die Bedienung des Empfangsgerätes wird immer einfacher. Sport mit Schiebung! Intimes vom Sechstagerennen. Azh beim soeb«n beendeten Gechstagerennen im Der- liner Sportpalast nicht olles mit rechten Dingen zuging, haben wir bereits im gestern erschienenen„A b e n D" berichtet. Jetzt ist ein Derliner Miltagsblatt in der Lage, sehr detaillierte Angaben machen zu können. Danach wäre der Leiter des Rennens Walter R ü t t am letzten Tage dahinter gekommen, daß zwischen den drei Spitzenpaaren und dem dahinter liegenden sronzösischen Paare Abmachungen gelrofsen worden seien, die da» End« des Rennens schon Im voraus zugunsten von Plet van Kempen und Richli festlegten. Die schriftlich getroffenen Abmachungen sind von Rütt bei einer Leibesvisitation gefunden worden: es war kein geringerer als der O'oermanager von Kempen- Richli, B l e k e m o l e». der sie In der Tasck� hatte. Auch bei dem Pfleger von Rieger-Iietz, einem Italiener namens V i l l a r d, wurden die gleichen Abmachungen gefunden, so daß also dokumenta- risch feststand, daß der Sieg im 20. Berliner Sechstagerennen nicht durch Kampf erfochten werden konnte. Das Blatt schildert dann weiter, wie Walter Rütt sich auch den jungen E h m e r — einen der Sieger des Rennens— ins Gebet genommen hat. Unter reichlichem Tränenoerguß hätte Ehwer Verabredungen zu» gestanden. Der Erfolg des Rüttschen Vorgehens war jedenfalls der, daß die Kombination zerplatzte, und daß sich Ehmer-Kroschel ihren Sieg tatlächlich durch einen Rundengewinn erkämpfen mußten. Wie es dabei herging, haben wir�estern bereits geschildert. Es hat also demnach den Anschein, als Mnn die vorher schriftlich fest- gelegten Abmachungen trotz des Eingreifens von Rütt im st i l l e n weiterbestanden haben dergestalt, daß die anderer Fahrer Ehmer-Kroschel den Rundengewinn sehr leicht machten. Es ist selbstverständlich, daß sich der Sportausschuh des Bundes Deutscher Radfahrer mit diesen lieblichen Schiebungen befassen muß. Ähre Ursache liegt allerdings tiefer: Die Fabrikengagements, die die Fahrer auf eine bestiminte Fahrradmarke gegen Entgelt verpflichten, führen eben dazu, daß die Fahrer derselben Marke unter sich aus- machen, wer zu begünstigen ist. Solange dieses System nicht ob- geschafft ist, solange sollte man Berufsradrennen nicht als Sport bezeichnen, sondern unter der Firmierung„Artistik" laufen lasten! tf H Deutscher Wassersportverband Unter schwarzrotgoldener Flagge! Di« republikanischen Wassersportler haben dieser Tage die Gründung«Ines Wassersport-Berbandes be- schlösse», der den Namen„Deutscher Wassersport-Berband" führt, dem sich alle die R e i ch s f a r b e n führenden Wassersportverein? angeschlossen haben. Der bestehende Zustand in den Sportvereinen und-oerbänden wurde für die sporttreibenden Republikaner unerträglich, da die meisten Vereine ihren Mitgliedern oerbieten, neben dem Vereinswimpel die Reichsfarden zu führen. Angeblich will man„unpolitisch" sein. In den Hauptversammlungen der Dereine hat die Flaggenfrags zu lebhaften Auseinandersetzungen geführt, bei denen die vorgeblich Neutralen, die nur die Farben der Republik nicht sehen können, meist Sieger geblieben sind. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die Wastersportabteilung des Reichsbanners Ihre Mitgliedschaft fast verdoppelt hat. Eine Anzahl Dereine, die nur überzeugte Republikaner zu ihren Mitgliedern zu zählen, wollen sich den» Diktat der Berbäitds Nicht mehr fügen, und haben— wie die Auto besitz«—, eine reinliche Scheidung zwischen sich und den sogenannten Neutralen vorgenommen. Die Gründung des„Deutschen Wastersportverbon- des", dem Ruderer, Segel, Kanu und Motorbootvereinigungen an- gehören, war somit eine Notwendigkeit. All« Vereine in:„Deut- scheu Wassersportverband" müssen die republikanische Sfaofsform anerkennen und neben ihrer Dereinsflazg« den schwarzrotgoldenen verbandswimpel führen. Man wird daher im kommenden Sommer mehr als bisher auf den märtischen Gewässern die Farben der Re- publik sehen. Der Sitz des Verbandes ist Berlin. Vorläufige Ge- schäftsstelle bei Erich E h r i st o p h, Berlin W. LZ, Burg- g r a f e n st r. 3. Line internationale Rennwoche in Berlin. Der Berliner Rennverein und der Union-Klub beabsichtigen, in der Zeit vom 8. bis 15. Juli d. I. eine Int er- nationale Rennwoche in Verlin abzuhalten. Es find vier Renntage vorgesehen, und zwar Sonntag, den 8 Juli, Mittwoch, den 11., Freitag, den 13, und Sonnabend, den 13. Juli. Die Galopp- rennen, die an diesen Togen gelaufen werden, vereinigen das beste in- und ausländische Material auf den Berliner Rennbahnen. Die technischen Kommissionen der gesamten verein« haben zur Unter'- stützung ihres Borhabens, von dem sie sich neben der rennsportlichen Förderung der Vollblutzüchtung eine starke Belebung des Berliner Fremdenverkehrs versprechen, an den Magistrat der Stadt Berlin den Antrag gestellt, durch Ueberwcisunq von 13 000 Mark die inter- nationale Rennwoche zu subventionieren. 307 Kilometer: 8. und 9 April Ruhetage: 10. April Wien— Prag, 240 Kilometer: 11. April Prag— Dresden, 160 Kilometer. In Salzburg und Wien sind ofsizielle Empfänge vor- gesehen. In Leipzig wird ein Aufenthalt von einer Stunde zur Bc- grüßung der dortigen Ortsgruppe gemacht. Es ist Vorsorge getroffen, daß den Teilnehmern alle erforderlichen Erleichterungen während der Fahrt und äußerste Ermäßigungen bezüglich der Unterkunft und Verpflegung gewährt werden. Die Anmeldungen sind unter Angabe der mitfahrenden Personen zu richten an das Sekretariat des Klubs: Kronprinzenufer 19. Die Teilnehmer der Fahrt erhalten eine von Künstlerhand angefertigte Erinnerungsplakette. Ostertahrt des D AC. nach Wien. Dreii&ndcrtonr vom 5.— 1 1. April. Die vom neu gegründeten„Deutschen Auto-Elub" im Rahmen seines Sport- und Tourenprogramms vorgesehene O st e r s a h r t nach Wien findet bereits heute außerordentlich starkes Interesse. Etwa 30 Anmeldungen liegen bereits vor, und es ist zu er- warten, daß sich die Zahl der Teilnehmer noch wesentlich vergrößert, so daß die Fahrt sehr eindrucksvoll verlaufen wird. Der Nennung»- schluß ist aus den 26. März, mittags 12 Uhr, festgesetzt: bis zu diesem Termin können sich Mitglieder oder durch Mitglieder eingeführte Gäste zur Fahrt anmelden. Die Fahrt beginnt in Berlin und endet auf der Rückfahrt in Dresden. Die einzelnen Tagesetappen sind folgende: 3. Aprst Berlin— Bayreuth, 369 Kilometer: 6. April Bayreuth— Salzburg, 360 Kilometer: 7. April Salzburg— Wien, Preuipscher Sportfonds 1928. Von 700 000 Mark aut 1 Million Mark erhöht. Der Preußische Landtag hat den im vorigen Jahr mit 700 000 M. angesetzten l>aushaltungsposten für Leibesübungen um 300 000 M. auf eine Million erhöht. Die deutschen Turn- und Sport- verbände hatten bekanntlich eine Erhöhung auf drei Millionen Mark beantragt. Dieser Antrag wurde zunächst auch vom Landtag an- genommen, der sogenannte„Köpfungsausschuß" hat jedoch die Summe auf eine Million zurückgeführt, und hierzu hat dann der Hauptausschuß des Landtags seine Zustimmung erteilt. Der Haupt- ausschuß hat ferner folgenden Beschlußantrag zum Volkswohlfahrts- etat 1928 angenommen:„Das Staatsministerium wird ersucht, Won- derlehrgäng« für Leibesübungen auf dem flachen Lande unter Heranziehung der Sportverbände einzurichten. Breiiensträtcr zwingt Shaw zur Aufgabe. Breitensträter hat in seiner Heimatstadt Magdeburg einen eindrucksvollen Erfolg davongetragen: es gelang ihm, die englisch« Hoffnung Bill Shaw in der fünften Runde zur Ausgabe z» zwingen. Brätenftröter begann sehr nervös, in der zweiten Runde boxte er aber schon ruhiger. Shaw mußte im weiteren Verlauf des Kampfes viel einstecken. In der fünften Runde gab er dann de» für ihn aussichtslosen �lampf auf. Zwei Millionen Motorräder im Weltverkehr. Die Automobilsektion des Handelsministeriums der Bereinigten Staaten von Nordamerika gibt eine sorgfältig ausgearbeitete Statistik heraus, nach der sich die Zahl aller Motorfahrzeuge in der Welt bei Ablauf des Jahres 1927 auf rund 27 650 300 stellie. In dieser Zahl sind rund 1 726 300 Motorräder einbe- griffen. An Krafträdern verkehren in Groß-Britannien 630 000, Deutschland 267 000, Frankreich 133 000, Vereinigte Staaten 133 000, Italien 63 000, Niederlande 43 300, Neuseeland 32 000, Belgien 30 000, Schweden 28 000, Südafrikanische Union 27 500, Oesterreich 21300, Schweiz 21000, Dänemark 20000, Tschechoslowakei 18 000, Japan 16 100, Spanien 9000, Kanada 8000, Freistaat Irland 8000, Rußland 7700, Britisch-Ost- und Westafrika 7000, Finnland 4300, Aegypten 3500, Polen 3300, Argentinien 3000, Ungarn 3000, Jugoslawien 2700, Portugal 1500. hleue Bücher. Verufsführer für Turnen. Sport, Gymnastik, Tanz. Bon Dr. H. S> p p e l, Dozent für Psychologie, und Pädagogik an der deutschen Hochschule für Leibesübungen: Preis 3,80 M. C. Dünn- Haupt Verlags Dessau 1928.— Ein wertvolles Buch für alle die- jenigen. d:e Neigung und Können zum Berufssportler treibt. Dabei oll das Wort Berusssportler im weitesten Sinne gemeint sein: er schreibt den Ausbildungs-, Trainings- und Entwicklungsgang des oder der Gymnastiklehrenden, ebenso wie den der Kunsttänzerin. IS plinen mit dem praktischen Blick des erfahrenen Sportlehrers zu prüfen und herauszustellen. Dr. Sippel beleuchtet die Aussichten und die Verdienstwöglichkeiten der Turn- und Sportlehrer, de« Radrenn- und Traberfahrer, der Rennjockeys, der Boxer, Mctor- rad- und Automobilrennsahrer und bietet in seinem Buch gute Gelegenheit, sich über die Berussaussichten erschöpfend zu orientieren. Hockey. Von Dr. A. H i r n. 66 Seiten. 17 Tafeln. 2.60 M., Leinenband 3,40 M. Verlag Quelle und Meyer, Leipzig— Nach einer interessanten Uebersicht über die geschichlliche EntwicAung des Hockeyspieles werden die Spielmittel, Training und Durchfuhrung des Spieles behandelt. Auch der erfahrene Spieler wird noch Der- haliungsregeln und Anregungen aus dem Buche schöpfen können, um so mehr, als der Verfasser als langjähriger Aorsitzender eines großen deutscken Hockeyverbondes aus einer großen praktischen Er- fahrung schöpfen kann. Skizzen und Abbildungen machen dem Anfänger die einzelnen Vorgänge leicht verständlich und bewahren ihn vor der Einübung falscher Schläge. Voraussagen für Vlariendorf. 1. Rehoferin— Pirus; 2. Rata» tor—.Fahrt I Mills: 3. Rotula— Capri I: 4. Marie Luise— Quitt« B: 3 Euba— Olley B.: 6. Britton— Abendstern: 7. Heroftrat— Kluck: 8. Harsenmädchen— Rosensrau: 9. Divisionar— Fahrt Iauß jr. „Auch ein Sportblatt." Im„21 b e n b" vom 6. März beschäftigten wir uns mft dem Organ der Leichtathleten und Spieler im Berlin-Brandenburger Kreise des Arbeiter-Turn- und Sportbundes„Spiel und Sport". Wir konnten dabei feststellen, daß in dieser Zeitung in bczug auf die Angaben über die Bcrtellung staatlicher und städtischer Mittel an die Sportverbände ganz ungeheuerlich geschwindelt wird. Jetzt meldet sich das Blatt wieder. Mit keiner Zeile wird versucht, unsere Richtigstellungen irgendwie zu widerlegen, wohl aber druckt die von uns gekennzeichnete sehr jugendliche Redakteuse des Blaites eine niedliche Liste von Forderungen ab, die die Sozialdemokratische Partei im Berliner Rathause vertreten soll. Angeblich seien es„die Forderungen" der Arbeitersportier! Abgesehen davon, daß diese uns seit längerem aus kommu- nistischen Zeitungen bekonnten„Forderungen" in einer von der kommunistischen Stadtoerordnetensraktion einberufenen kom- munistischen Sportlerversammlung aufgestellt wurden und deehalt» als Forderungen der Kommunistischen Partei an- zusehen sind, auf die niemand verpflichtet werden kann, haben wir bereits iy>„A b e n d" vom 21. Februar die Behauptungen des kommunistische� Stadtrats Gäbet richtiggestellt, daß aus den Mitteln des Stadtamtes für Leibesübungen 140 000 Mark den bür» geritten Dereinen zuflössen, während d« 2lrbeitersport uns 20000 Mark erhält. Die aus rein agitatorischen Gründen auf- gestellten falschen Behauptungen des Herrn Gäbel machen nunmehr die Rund« durcsi alle kommunistisch redigierten Spartenblätter im Arbeitersport. Dabei kommt es den einzelnen Blättern auf eine Lüg« mehr oder weniger nicht an, die Hauptsache ist, daß die Sozial- demokraten ihr Teil dabei abbekommen. Sollten die Redakteure dieser Auckisportblätter wirklich so be» griffsstutzig sein, daß sie nicht die Wahrheit von der Lüge unter- scheiden können oder sollte bei ihnen das parteipolitische Agitation?- moment vorherrschend sein? Heber die kreismelsterschaflen des vierien Kreil«» des Arbeiter- Whletenbnnd"» im B«en und Rinnen zwischen Lurich 02— Nord- Ost 06 und Berollna-Neukölln— Alt-Wedding, die aestern abend in den Pharus-Sälen abgewickelt wurden, können wir nicht berichten, da unserem Berichterstatter«in Blatz angewiesen wurde, von dem eine genaue Beobacktuna der Kämme unmörlich war. Im übrigen batte sieb auf der Empore eine Kapelle der Roten Frontkämpfer breitgemacht, deren ominöse Schalmeienmusik in den Pausen zur Unterhaltung der zahlreich erschienenen Sport- gemeinde beizutragen versuchte. Großkampftag des SC. Lurich. Heute. Sonnabend, 20 Uhr, veranstaltet der Sportklub Lurich einen größeren Kampfabend im Ringen und Jiu-Jitsu. Im Ringen stehen stck, der mehrmalige Kreismeister Sportvereinigung Nordwest und Sportklub Lurich gegenüber. Ini Städte- IIu-Jitsu-Ringka m p f tressen sich Säron-Brandenburg und Luricki. Die Kämpfe finden in Nttschkes Festsälen in Treptow, Am Treptower Park 23, statt. Veresnrirsiencker. «rb«Iter.ZIadfahr-rbu»d.T-l d-ritSt". l. Sejirf: sich olle Iugendgenoss.n an btz MSrzgcdsnkfcier im Zug, Strafje 24.— 1. 9«nt IS. März. Aä tunr>. Zügen dgenoffen! Lounahend, 17. März, 19 Uhr, beteiligrir • Zugendhe'm gehdinicker irtort 13 Uhr Bllfow- I W W W._____ I_: Uhr Eummt. Start Dieksrnhochstr. 36.— 3. Abt.: 13 Uhr Zriedrichsfelde. Start Lausitzer Platz.— 4. Abt.: 7 Uhr Freienwo'de. 13 Uhr Ahrensfelb«. Start Weoerroiese.— 3. Abt.: MSr'.gebenkfeier Ifichc Presse). Start Landsberger Platz.— 6. Abt.: Märzgrbtnkfeier(siehe Presse). Start Schönhauser Allee 164.— 7. Abt.: 13 Uhr S'our am Start Ko'omcstr. 147.— 8. Abt.: 17. März, 20 Uhr, Maskenball(WIelrfstr. 24) 18. März, 14 Uhr, Zungfcrnhe de. Start Waldenserstr. I». —». Abt.: Ii und 13 Uhr Lour am Siart Schulstr. 114.— 1». Abt.: März. «ed'nkfe'rr(siehe Presse). Start ssomeniusplatz.— II. Abt.: 10 Uhr Pilders» darf. Start Biochglatz.— Reunlohrer-Abt.: 8 Uhr Srainingstour Nauen. Start Arminn'iplotz.— Motorfehrer(Norden): 13 Uhr Wandlitz. Ctart Prunn-rstr. 101 Arbelter.Winterfport.Znteressengrmelnschakt. und Lockenspielrr gssstwiisen gcge'ort. Nnderrcrein„Scllegia". IS. März Pflichtardcitsdlenss im Tootshau«. sills Sonntag Treffen Sisläufer die Anfänger Urbnnasbelrieb. ~: BfrpetkrUrriteis Brenzberg. Sonntag, 18. März, Brclsfahrt nach Srefsrunlt 601 Ubr Eörlttzer Pahnbof, Singong Wiener Stratzc. Freier Bkrverkul Motzen. SrekspunktWW...IWI......__„____._ M. WM Montag, 19. März, Isilinnortraq:„Die neue Droßmacht", im Bezirksamt Brenz» berg, Poretsir. 11. Unloftenbeitrag 80 Pf. Erhalte Dich gesund «furch Steinmetz-Brot SS: m.% i\.-• Dieses Brot schfltrt Deinen KBrper vor Verdauungsstörungen und befreit Dich von Magen-, Darm- und Zuckerkrankheit, weil durch das einzigartige„Steinmetz-Vcrtahren" auf natür- tichem Wege die nährlose Holzfaser durch Waschen und Enthülsen entfernt wird.— Dann •rst wird das wertvolle Korn restlos vermählen. — Darum der würzige Geschmack und das feine Aroma, das dieses Brot vor a.len anderen auszeichnet Aach in PÄckchen(Scheiben) eifaSlUich in«mcq 4760 Vcrkaafss teilen von Wittlers Brojlahrihcn, Berlin«05 Maxt.raSa u-B. Karlotheken Horiediarlen ta* botifr. Karte* •r.l'fe.«*«r- II"/•«J* •r. Ul M*.«I n 1 1•>!« Örlotordner r6m»*«e* a«o*»'/m' K,»*e Gedr. Selverk «zpikk. S*. tili " o 4 Seil«» . ut-eoi. fz-aymMr Sa mm el- Nr P 7 funtrali M81 De. gute liapjiäR- Kaulabah,'S!Ä- C. Röcker« Berlin i uchtenherger Straße?2. Kegr. tößi Zu beziehen ck M. 2.38 pro'�-Llterfl. durch die Apotheken. 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