BERLIN Montag, 19. März 10 Pf. Nr. 134 B 67 45. Jahrgang. Trsck eint täglich auger Sonntag«. Zugleich Abendausgabe des„Durwärts*. Bezugspreis für beide Ausgaben 70 Pf. pro Woche. 8 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr.s Anieigenprei«: Die einspaltige Nonpareillezcile 80 Pf., Reklamezeile b M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärls-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr.»7SS6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 2S7 Berlin feiert die Märzopfer! Das Reichsbanner im hustgarten. Die Mdrzf eier im Friedrichshain. Die völkischen Landfriedensbrecher Bericht über die Gerichtsverhandlung 2. Seite. Die roten Herzogsmäntel. Marx, Hindenburg und Weismann. Unsert Mitteilungen über die O r de n s a n n a h m e durch den Reichspräsidenten und den Reichskanzler hat Aufsehen gerade in der Presse erregt, die dem Bürgerblock-Kabinett geistig nahesteht, oder doch sich zu seiner Verteidigung berufen sühlt. Es ist von besonderem Reiz, sich die Abstufung dieser Aus- reden anzusehen. Hugeiibergs begabte Leute müssen so tun, als ob... Sie deuten nur an, daß„prominente Republikaner aus Preußen und Lerlin" der gleichen Sünde bloß feien,-wie der Herzog Marx von Afghanistan. Was Hugenberg noch zart verschleiert, wird in der„Täglichen Rundschau"— die immer noch Herrn Strese- mann und dem Auswärtigen Amt nahesteht— plump heraus- gesagt: Auch Ministerpräsident Vraun und Oberbürgermeister Vöß sollten danach den 5)«rzl>gsorden de- Emirs angenommen haben. Von anderer Seit« wird auch noch Kultusminister Becker als Empfänger des roten Mantels genannt. In diesen drei Fällen handelt es sich um einen plumpen Schwindel. Ministerpräsident Braun hat der„Täglichen Rundschau" bereits eine Berichtigung zugehen lassen, in der er sagt, daß ee das Angebot des afghanischen Ordens- unter Hinweis auf Art. 103 Abs. 6 der Reichsversassung abgelehnt habe. Mit gleicher Be- gründung hat auch Minister Becker dankend verzichtet. Dagegen hat, wie festzustehen scheint, der Staatssekretär Weis- mann vom preußischen Staatsministerium den Orden a n g e n o n>- wen. Er hat danach die gleiche Hcrzog-würde wie Hindenburg und Marx. E r mußte ebenso wissen, wie der Reichskanzler, der zur Wahrung der Verfassung in erster Linie berufen ist. daß die Annahme des Ordens einen glatten Verstoß gegen die Verfassungsbestimmungen darstellt, der deshalb nicht milder zu beurteilen ist. well keine Strafbestimmung hinter dem verbot in der Verfassung steht. Ein Beamter der Republik, der so gewollt die Verfassung mißachtet, gehört nicht in sein Amt. Es ist deshalb die Frage aufzuwerfen, ob Herr Weismann, der nach unseren Informationen sich zum Zentrum rechnet, weiter von der preußischen Regierung als Staatssekretär geduldet werden kann. Diese Frage gilt auch für Herrn Marx, dessen Tage als Kanzler de» Bürgerblocks allerdings ohnehin gezählt sind. Die„Germania" gibt heute offen z». daß die Ausrede von den „»uaeecvagvedcheir»ur gewählt ist, um einen Verfloß gegen lue Verfassung zu verschleiern. Sie nimmt sicher im Einverständnis mit Marx die Gelegenheit wahr, um die Aufhebung des Ordensverbots zu oerlangen. Der amerikanisch« Bot- schafter wird sich wundern, wenn er das liest. Er hat bisher noch keinen„blauen Diplomatenfrack" getragen, den Marx-Stresemann ohne viel Aufhebens wieder eingeführt haben. Er trägt auch keine Orden und Herzogsmöntel. Aber er ist trotzdem ein sehr g e- wichtiger Mann im diplomatischen Korps. Oder will das Aus- «artige Amt und die Reichskanzlei das beftreitsn? Die Sache hat zweifellos ihre humoristische Seite. Herrn Marx im roten Mantel sich vorzustellen. Ader sie hat noch viel ernstere Seiten. Denn wenn das Volk von den höchsten repu- blikanischen Beamten eine so gering« Achtung vor der V e r s a s s u n g und eine noch viel geringere republikanische Heber- zengung feststellen muß, so geht schließlich auch sein eigener Respekt vor der Republik davon. Und schließlich könnte es den neuen „Herzögen" wie früher den alten zurufen: Fürsten, gebt die großen Purpurmäntel her, das gibt rot« Fahnen für der Freiheit Heer.! Am Grabe Kreiligraihs. Märzkundgebung der Sozialdemokratie in Cannstatt. Stuttgart. 19. März.(Eigenbericht.) Der sozialdemokratische Bezirksparteitag für Württemberg und Hohenzollern fand mn Sonntagnachmittag einen eindrucksvollen Ab- schlich durch ein« feierliche Kundgebung am Grabe Ferdinand Freiligraths in Cannstatt Der Parteitag begab sich in geschlossenem Zuge vom Tagungslokal auf den Fried- Hof, wo Otto Wels als Vorsitzender der deutschen Sozialdemokratie vor dem dort errichteten Denkmal Freilizroths die Bedeutung des Dichters für die politischen Kämpfe der heutigen Zeit würdigt« und namens der Partei einen Lorbeerkranz mit schwarzrotgoldenen Farben am Grab« niederlegte. So endigte der Parteitag in einer Feier der Märzrevolution, des Bürgertages, deren Erbschaft die klassenbewußt« Arbeiterschaft angetreten hat. Otto Wels gelobte namens der Sozialdemokratie, daß sie die ihr abliegen de geschichtliche Mission erfüllen werde. Im Lustgarten. Unter dem Balkon der alten hohenzollern-Zwingburg. out dem vor 80 üahren Friedrich Wilhelm IV. bleich und verängstigt ge- standen hatte, um mit gezogenem 5)ute die Opfer der Slrahen- kämpfe zu grüßen, war gestern, umgeben von einem Meer schwarz- rotgoldener Fahnen, das Rednerpult, von dem aus ein voiksmann der deutschen Republik zu den Massen sprach. Es ist schwer zu schätzen, wieviel Menschen herbeigeeilt waren, und es ist ziemlich gleichgültig, ob es 40 000. 00 000 oder 80 000 waren. Die große und wohlgelungene Kundgebung war ein neues, deutliches und unwiderlegbare» Zeichen dafür, daß die Republikaner vetlins ihre Pflicht zu tun wissen und stets zur Stelle sind, wenn es heißt, für den Geist der Freiheit und Demokratie Zeugnis abzulegen. Der Reichsbannermarsch leitete die Kundgebung ein. Dann sprach Wolf Trutz vom Staatstheater Freiligraths zornerfülltes: „D i e T o t e n an d i e L e b e n d e n" mit weithin schallender Stimme und kündete die inzwischen Wahrheit gewordene Prophe- zeiung: Die Throne gehen in Flammen auf, die Fürsten fliehen zum Meere. Das Wort ergriff sodann der Vorsitzende des All- gemeinen Deutschen Sewertschaftsbimdes, Reichst« gsab geordneter Peter Graßmann zu einer wirkungsvollen Gedenkrede. Er führte aus:„3m Jahrs 1848 brannte es in allen Ländern. In Frankreich brach die Re- oolution zum dritten Male in fünfzig Iahren, siegreich durch. Di« Bewegung schlägt nach Osten, entfacht in Deutschland zunächst die literarischen Kreise und greift schließlich in den Märztagen aus das ganze Volk über. Wien revoltiert, ebenso Braunschweig und Kassel. München und die westlichen preußischen Provinzen folgen. Ursachen zur Unzufriedenheit sind genug vorhanden. Alle von den Fürsten während der Besreiuungstriege gegebenen Versprechen wurden ge- brochen. Friedrich Wilhelm III. beschwört feierlich am 22. Mai 181?. dem Volke eine Verfassung zu geben und eine Volksvertretung zu- zulassen. Sein Sohn Friedrich Wilhelm IV. verweigert auf dem Huldigungstag in Königsberg im September 1840 die Erfüllung dieses Versprechens. Kaiser Franz von Oesterreich bezeichnet im ungarischen Reichstag das Gerede von Frei- heit und Volksrechten als den„W ahnsinn des Zeitalters". Als die wüsten Demagogenverfolgungen einsetzen, rebellieren an den deutschen Hochschulen die Studenten. Am 18. Oktober 1817 ver- sammeln sich die Ewdentenobordnungen auf der Wartburg, um in einer großen Kundgebung gegen die Fürstendespotie für die Freiheit des Wortes einzutreten. 2m Jahre 1832 ziehen Tausend« zum Hambacher Schloß, um ein laut schallendes Bekenntnis zum deutsche» Einheits- und Volksstaat abzulegen. Mit Zeitungsverboten und Festungsstrafen für die Rebellen hofft die Reaktion den Freiheits- drang des Volkes ersticken zu können. Die literarischen Führer de» jungen Deutschland müssen in anderen Ländern Zuflucht vor den Verfolgungen der Polizei suchen. Zu der Rebellion der Geister trat die Auflehnung der Hungrigen. 1847 und 1848 brachen die ersten Hungerrevolten in Schlesien aus. DeputationeU Sechshundert gegen zwanzig. Die Lichierfelder Nationalsozialisten vor Gericht. Der schändlich feige und maßlos rohe Ueberfakl der Italloual. soziallsten auf dem Vahnhos Lichterfelde erlebt morgen seinen Jahrestag, heute begann aber vor dem Schöffengericht die auf 14 Tage berechnete Gerichtsverhandlung gegen sieben aus der Zahl der in die hunderte gehenden Srawallbande, die am 20. März vorigen Jahres auf dem Vahnhos Lichterselde über die Schalmeien. kapelle der Roten Frontkämpfer hergefallen ist. um hinterher mann- hast zu fliehen. Auf der Anklagebank sitzt als Rädelsführer der Bäcker Willi Schäfer, gemamt.Rübezahl'. Die anderen sechs, Poltzin. Frontkämpfer her. während zwei weitere hundert den Bahnhof von außen stürmten. Die Polizei war machtlos. Den Vorsitz in der heutigen Terichtsverhcmdliung führt der Land» gerichtsdirektor Simon. Die Verteidigung der sieben Angeklagten tiegt in den Händen des Rechtsanwalts Jungfer. Reben sieben Aommunisten, die seinerzeit schwer« Verletzungen davongetragen haben vertreten die Nebenklage die Rechtsanwälte Dr. Obuch und Dr/ Samter. Der Angeklagte Schäfer, von Beruf Bäckerlehrling, vor» übergehend Patient in einer Potsdamer Nervenheilanstalt, dann Mitglied eines roten Wanderbundes, später Angehöriger der Orga» nisation Ulrich von Hutten, und schließlich Mitglied der National- M- t-C f» ynifrKitnk' Die„Helden" auf der Anklagebank. Bergmann, Ninkwitz, Brun em a n n und die kauf« mänmschen Angestellten Krämer und Kern, befanden sich nur einen Monat in Haft. Die Anklage lautet auf Landfriedens- bruch, Gewalltätigkeit gegen Personen. Körperverletzung und Plünderung. Das Ergebnis der Schlacht auf dem Bahn- Hof Lichterfelde waren 21 Verletzte, zerstört« und geplünderte Musik- instrumente, demolierte Eisenbahnabteile. Mehr als 100 Schotter- stein«, drei ausgeschlagen« Zähne, wurden später in den Wagen ge» funden. Auch zwei Nationalsozialisten trugen Schußwunden davon. Di« Rotionalf ogialiftische Arbeiterpartei hatte in Trebbin ihre Jahresfeier. In dem Zug«, der die Nationalsozialisten nach Lichterselde bringen sollt«, befand sich di« Kapelle der Roten Front- kämpfer. Schon unterwegs kam es zu Reibereien, auf dem Bahnhof Lichterfeld« fielen daua 400 Ratioualsoziallsieu über dl« Roleu sozialistischen Arbeiterpartei, bestreitet natürlich, sich in irgend- «iner Weise strafbar gemacht zu haben. E« sei nicht wahr, daß er schon in Trebbin beim Besteigen des Zuges gerufen hob«:.Schlagt die Hunde tot", mit einem Revolver in der Hand in den Wagen gedrungen fei und m Lichterfelde die Kommunisten mit Steinen bombardiert Hab«. Er habe höchstens aus Notwehr die Steinschmisie der Kommunisten erwidert. Geschossen sei nur von Kommunisten worden. Er habe sich allein feiner angeschossenen Kameraden ange» nommen. Nach den Ereignissen in Lichterseide hat Schäfer Verlin oerlaflen und sich länger« Zeit bei seinen Freunden auswärt, auf» geHallen. Die übrigen Angeklagten schildern das Ereignis auf dem Bahnhof Lichterselde ähnlich wie Schäfer. Dir Kommunisten seien die An- greiser gewesen. bestürmen den König, dem Volke eine Verfastung zu geben. Unter den Zellen in Berlin werden tagtäglich Versammlungen abgehallen. Es kommt zu den ersten Zusammenstößen mll der Polizei. Noch immer verweigert der König jedes Mitbestimmungsrecht des Volks an den Regierungsgeschäften. Am 18. März ziehen tausende Berliner zum Schloß und werden dort von der Polizei auseinandergetrieben. Ihre friedliche Kundgebung wird auseinandergesprengt. Als die Soldaten sogar in die Demonstranten schießen, sammelt sich da» Volk, erstürmt Waffe ngeschäste. verteidigt sich gegen die Soldateska und siegt. Der König muß nachgeben. Peter Graßmann 2. PoniUender des Allgemeinen DeuUchen Gewer kscha /tsbundes. Unter einer schwarzrotgoldenen Fahne, geschmückt mit einer schwarzrotgoldenen Schärpe, reitet der König durch Berlin und oerspricht ein konstitutionelles, geeintes Deutschland. Die Freiheitsbewegung bricht wieder zusammen, als die Führer der Bewegung dem Preußenkönig die Kaiserkrone anbieten und dieser die Krone„mll ihrem Ludergeruch" ablehnt. Noch gärt es in einzelnen Ländern wieder auf. Entschlosiene Männer versuchen gegen die wieder- erstarkten Fürsten anzukämpfen. Vergebens, der deutsche Spieß- bürger Hot sich wieder mit seinem Schicksal abgefunden. Die hohen- zollerndynastie hatte noch einmal den Freiheitskampf des Volke» aufhallen können. Mit brutalen Verfolgungen ver- suchten hohenzollern alle Freiheitsregungen de» Volkes im Keime zu ersticken. Von den unter Führung von Lassalle und Marx mächtig wachsenden Sozialdemokraten sagte der letzte Kaiser 1903:„eine Rotte von Menschen, nicht wert, den Namen Deutsche zu führen". Das deutsche Volt mußte sich erst in den Weltkrieg Hetzen lassen, um die Kräfte zu sammeln, das Kaiser- reich zu stürzen. Aus dem Wellkrieg hat das deutsche Volk gelernt: Nie wieder Monarchie! Es hat sich w der Weimarer Verfassung die demokratische Republlk geschaffen. Der demokratische Volksstaat kann aber nur dann sein« Aufgaben erfüllen, wenn alle Bürger dem Staate Hand und Hirn weihen, wenn alle an seiner Festigung und Auegestaltung mll- wirken. Noch immer erhoffen und erstreben weite Kreis« Rückkehr zur Monarchie, zu vormärzlichen Zeiten. Dieser Staat bedeutet für uns auch nicht Erfüllung. Wir wollen ihn ausbauen zum wirk- lichen sozialen Volksstaat. Die Wahlen stehen vor der Tür. wir rüsten znr wahlschlachl. Zum Kampf gegen politisch« und soziale Reaktion. Da» sind wir schuldig den gefallenen Brüder im welkkrieg, den Freiheil». kämpsern des 18. März." Nun sprach Albert F l o r a t h vom Staatstheater das Gedicht Georg herweghs„Achtzehnhundert vierzig und acht", in dem er die Taten des Volkes in der Märzrevolution feiert. Als am Schluß der Rezitationen ein Gelöbnis zu Schwarzrotgold erklang, schwang Florath als Symbol eine mächtige Fahne in den Farben der Republik. Der gemeinsame Gesang des Reichs- bannerliede» schloß die Kundgebung. Im Kriedrichshdin. Der Veranstaltung des Reichsbanners im Lustgarten schloß sich am Nachmittag die Kundgebung der Sozia listischen Ar- beiterjugendundderSozialdemokratischenPartei. ausgehend vom S. Kreis(Mitte) im Friedrichshain an. Durch Massenbeteiligung wurde sie zu einer De- monstration von überwälligendem. der allen Beteiligten un- oerlierbar im Gedächtnis haften wird. Gegen 14 Uhr rückten auf der W e b e r w i« s e die ersten Züge der A r b e i t e r j ug« n d und der Kind er freunde an. während auf dem»üstriner Platz, am Ostbahnhof, di« Parteiabteilungen Aufstellung nahmen. Ungeheure Menschenmassen, über öl« ein Wald von rolen und schwarzrotgoldenen Fahnen und Bannern ragte. An vielen Fahnenspitzen schwarzer Trauerflor. Männer und Frauen mit roten Nelken geschmückt. Immer neue Abteilungen rücken heran. Immer wieder dröhnen die Paukenschläge der Kapellen und erschallt der Trommelwirbel der Tambourkorp» durch die Straßen. Di« Arbeiterjugend formiert sich und marschiert zum Küstrtner Platz. Tausende begleiten den Zug— Tausend« erwarten ihn. An ver Spitze flattert das rote Seidentuch einer a l t e.n 1848«? Kampffahne. Dahinter marschiert eine Kapelle des Reichsbanners. Und dann folgen die K r o n z t r ä g e r der ein- zelnen Abteilungen. Blutrot die Blumen und Schleifen auf dem dunkelgrünen Laub möchtiger Kränze. Leuchtend das Gold der In. schriften und Widmungen. Hinter den Kranzträgern Jungen und Mädchen von den K i n d e r f r e u n d e n. In ihren Armen tragen sie große Sträuße roter Tulpen. Und dann der endlose Zug der Arbeiterjugend, in dem unzählige rote Fahnen, Wimpel und Transparente mitgeführt werden. Ihnen schließt sich der lange Zug der K i n d e r f r e u n d e an. Und hinter den Kindern der r i e s i g e Z u g d e r P a r t e i und des R e i ch s- banne rs mit zahlreichen Bannern und vielen Kapellen. Lange.> lange dauert es. bis die Letzten des Zuges auf dem Platz angelangt sind und Ausstellung genommen haben. Fanfarenstöße ertönen. Von erhöhten Plätzen sprechen drei Redner zu den Massen. Iugendgenosse Schwarz legt in zündender Rede da» Treubekenntnis für die Arbeiterjugend ab. Landtags- abgeordneter Otto Meier und Bürgermeister Mielitz richten kurze Ansprachen an die Dersammellen. Warme Worte des Gedenkens der Opfer von 1848 und 1S18 und eindringliche Mahnung, das Vermächtnis der Toten zu erfüllne. Unter den Klängen der Marseillaise marschieren die Züge zum Friedhof. Die Kranz- träger gehen zu den Gräbern, die mit prächtigen Kränzen schon reich geschmückt sind. Vor dem Friedhofstor steht die Ehrenwache des Reichsbanners. Mit gedämpften Spiet, gesenkten Fahnen und entblößten Häuptern marschieren die Züge am Friedhos vorüber. Schon in den frühen Vormittagsstunden kamen die ersten Kranz. delegationen zum Friedhof. Die Arbeller der einzelnen Betrieb« sandten Blumen, und Kranzspenden. Die Parteiabteilungen, die Gewerkschaften und sozialistischen Kulturorganisationen hatten der Märzkämpfer gedacht. Die Kranzspende der Arbeller und Ange- stellten des„Vorwärts" Druckerei trug folgenden Sinnspruch: Ruft auf den Plan auch un» die Zeit, Wie euch vor achtzig Jahren. Zum Kampf, zum Sieg steh'n wir bereit, Nicht achtend der Gefahren. Eh' nicht der Märzsturm braust durchs Tal, Wie soll es lenzlich klingen? Die Freiheit leuchtet als Fanal Dem, der um sie wird ringen. Die Arbeiterjugend legte am Grabe des jungen H a b e r s a t h, der 1918 beim Sturm auf eine Kaserne fiel,«inen Kranz nieder. Auch die Gräber der 1918 in Berliner Straßenkämpfen gefallenen Matrosen und Sicherheitssoldaten waren reich mit Blumen geschmückt. Märzfeier der AfA- Gewerkschaften. Ein« würdige, stimmungsvolle Erinnerungsfeler für die März- gefallenen hatte» das AfA-Orrskartell und die Berliner AfA- Gewerkschaften veranstaltet. Eine dichtgedrängt« Menge füllte den großen Fesssaal des Berliner Stadthauses. In ihrer Ansprache zeigte Hedwig Wachenheim, weshalb die Märzkämpfer unterliegen mußten, we-halb ihr Streben eist so viel« Jahrzehnte nach ihrem Tode Erfüllung finden konnte. Die Achttrndvierziger waren Vorpostenkämpfer, hinter denen da- mal» oder noch nicht die große Armee der Masse stand. Das preu- ßische Dreiklassenwahlrecht war die ganze„Freiheit", die dem Voll zuteil wurde. Und dos„einige" Deutschland, das 1871 gegründet wurde, war eine Reichseinheit gegen das Volt,«in Bund der Fürsten, nicht zusammengehalten vom Geist der März- kämpfer. sondern vom Grift des Militarismus. Erst die Revolution von 1918 öffnete dem deutschen Volk den Weg in die Freiheit. Dieselben Volkskreise, die 1848 gegen sie austraten, sind auch heut« noch am Werk. Gegen diese reaktionäre Minderheit müssen wir unsere Freiheit schützen. Rezitationen von Gertrud Eysoldt und Theo Maret, musikalisch« Vorträge des Cellotrios Armin Liebermann, Fritz Hoppe. Karl Lenzewski und des Gemischten Chor» Groß- Berlin unter seinem Chorführer Harry Stenz el sorgten für eine würdig« Umrahmung der Feierstunde. Geschlossen zogen die Ver- sammelten nach der Veranstaltung zum Friedhos der Märzgesallenen. Märzfeler des Verkehrsbundes. Auch der Vertehrsbnnd veranstallete für feine Mitglieder gestern vormittag im„Gcrmaniapalast" eine Märzfeier. Hunderte von Mllgliedern konnten keinen Einlaß mehr in dem überfüllten Saal finden. Eingeleitet wurde die Feier durch das Ebert-Manz- Quartett und durch Rezitationen von Alfred B e i e r l e. Ein Orchester des Deutschen Musikerverbandes brachte dann die Egmont-Ouoertüre zu Gehör. Abschließend zeigte man den Film „P o t« m k i N", der genau wie die übrigen vorzüglichen Darbietun- gen stünnischen Beifall fand. Es formiert« sich dann ein Demo»- strationszug, der nach Tausenden zahlle. Stahlhelm überfällt Reichsbanner. Gchvpobsamte von Faschisten bedroht. Drei Potsdamer Reichsbannerleute befanden sich am gestrige» Sonntag mit ihren Rädern auf dem Wege von Langerwiesch nach Hause. Zwischen 7 und s48 Uhr abends mußten sie in der Leipziger Straß« zu Potsdam einen Trupp von etwa 120 Stahl- h e l m l e u t e n passieren, den zwei Schupobeamte begleiteten. Al» sie schon in halber Höhe des Zuges waren, wurden sie von einem der Beamten angerufen, weil ihre Röder kein Licht hatten. Sie sprangen von ihren Rädern. Im gleichen Augenblick stürzte ein Stahlhelmmarm aus der marschierenden Kolonne heraus und schlug dem Reichsbannerkameraden Wilhelm Fischer aus Potsdam mit der Faust ins Gesicht. Di« Reichsbannerleut« riefen die Schupobeamten zu Hilfe. Der Reichsbannermann Volke erkannte nun den Angreifer in der dritten Gruppe des Zuges. Als die Beamten diesen herausholen und feststellen wollten, hielten ihn seine schwarzweißroten Brüder fest und nahmen«ine drohend« Haltung gegen die Schupobeamten an, die von allen Seiten einge- schlosien wurden. Dabei erhielt Bölkc von einem Stahlhelmer«inen Schlag mit einem harten Gegenstände gegen den Kopf. Das Ueber- fallkommando wurde herbeigerufen und begleitet« den Zug bis zum Bahnhof. Hier gelang es der Schutzpolizei sestzustellen. daß der Schlosser Otto Sauer aus Berlin der Angreifer gewesen war. Der Rowdy wurde mit den Tatzeugen zum Polizeipräsidium ge« schafft, von wo er nach Fessstellung seiner Personalien und des Tat- bestandes entlassen wurde. Es scheint, al» wenn mit dem beginnenden Frühling sich auch wieder die Rauflust bei dem Faschistengesindel regt. Oos ltnglückSboot ,S 4' gehoben. New JJorf, 19. März. Da, vor einiger Zell gesunkene amerikanische V-Voot „8 4" konnte nach langen Bemühungen gehoben werden. E» wird nach Boston gebracht, wo dle Oeffnung des Wracks und die Ber- guog der letzleo darin enthaltenen Leichen vorgenommen werden soll. « Aeue KSrperMung Von Martin Gleisner, Leiter der! Die Ortsgruppe Berlin de» Touristenperein»„Die Naturfreunde� veranstaltet Mittwoch, 2L Mörz, einen Sertragsaienh:„Reue aiirper. bildung NN Bewegungochvr' lReferent Senpste Kleisneri mit an« schließender praktischer Vorführung von BewegungschSrcn in der Aula des Eophienlmeums, Weinmeisterstr. lS/17. Beginn 20 Uhr. Unkosten. beitrug 20 Pf. Man braucht hier nicht zu schildern, wie wichtig im Bewußtsein unserer Zeit das wiedererwachte Körpergefühl geworden ist und wie es zu einer Wiedergeburt der Tanzkunst geführt hat. Eine Kunst, die jahrhundertelang nur den Amüsierbodürf nissen enger Herrenjchichtsn diente und infolgedessen immer mehr zu bloß tech- nischen Spielereien herabgesunken war, erobert sich auf einmal neue Würde, neu« Zlusdrucksgebiet«, geht alle an. An dieser Entwicklung wirkte entscheidend mit Rudolf von Laban, der Erzieher der neuen Tänzergensation, der die geistigen und technischen Grundlagen des Tanzes einem bewegunzsfremden Zeitalter wieder erobert hat, in- dem er ihn von der sklavischen Verkettung an die Musik befreit«, seine eigenen Gefetzmäßigkeiten fand, das Tanzschristproblem neu aufwarf und seiner Lösung so weit nahe brachte, als ein einzelner vermag. In vielen Tänzen und Tanzgruppen lebt heute der neue Tanz, versucht sich vielfältig, findet Zuschauer, weil überall Tanz- freude lebt, die auch vielen jungen arbeitenden Menschen in allen Gliedern steckt und hinaus will, aber meist nicht die rechte Form der Betätigung findet. Denn mancher, der— vielleicht vielfach unbewußt— in seiner Freizeit tanzen möchte, findet nur Wege ge- wiesen und gangbar, zu turnen, Sport oder Gymnastik und ist da nicht recht befriedigt. Ich meine nicht den Menschen, der sich eitel und gekünstelt produzieren will, sondern den. der in den Bewegun- gen seines ganzen Körpers etwas spürt, das aussprechen will, was mit Wort und Ton nicht zu sagen ist. Ich glaube, daß das so lange verachtete Wort„Tanzen" immer mehr«inen so umfassenden Sinn bekommen wird, wie„Singen" und„Sprechen" ihn heute haben. Der Tanz ist eben die Sprache unseres ganzen beseelten Leibes, die dritte Ausdruckswelt des Menschen. Die alles— Hohes und Niedriges, Leichtes und Schweres, Altes und Neues— ebenso ausdrücken kann wie Dichtung und Musik mit ihren Mitteln. Diese Künste blühen so stark und wirken so weit, well jeder sie versteht, ihre Ele- mente gelernt hat und vor allem viele Laien liner Kartell und im Reichskartell des Mistelstandes zufammenge- fchlofimen Verbände gegen die ungerechte Steuerverteilung. die„das ganz« Risiko der Reparationen auf die Schultern des Millelstandes abwälze", gegen dle Verschleppung der Derwal- tungsreform und gegen Berlins Steuerpolitik. Direktor Mentz verstieg sich in seiner ganz auf Hetze gestimmten Rede zu der Be- hauptung, in Berlin tobe sich ein unsinniges Sozialist«- rungssystem aus, das dazu geführt habe, daß die Stadt Berlin der größte Konkurrent der privaken Wirtschaft geworden sei. Der Groß-Berliner Mittelstand werde mit allem Nachdruck diejenigen politischen Parteien bekämpfen, die noch länger Schindluder mit seinen Lebensinterefien trieben. Vertreter der Rechtsblockparteien, die für die in der Resolution kritisierte Steuer- und Berwaltungspolitik des Reiches verantwortlich find, versicherten die aufgeregten Mittel- ständler ihrer vollen Sympathie! Diese gingen dann zur Wohnung de» Stadtkämmerers Dr. Lange und schickte» zu ihm eine Abordnung— ganz nach dem Muster des Landbunde», nur daß keine Fensterscheiben eingeworfen wurden. Ms ob man die Beamten der Stadt für die wirklichen oder angeb- lichen Notstände verantwortlich machen könnte, die sich au» der Steuerpolitik des Reich» ergeben. Im übrigen sollte der Mittelstand sich über die Wirkung solcher Demonstrationen nicht täuschen. Wenn er die blödeste Hetze gegen eine linksgerichtet« Gemeindeverwaltung inszeniert, so wird er damit sich dos Wohlwollen und da» Berständ- nis der Linksparteien selbst für gerechte Forderungen des Mittel- stände» verscherzen. Morg im Herzogsmantel. „Weder Republikaner noch Monarchist— nur Herzog von Afghanistan! Sin ich nicht wie geschaffen zum Mantelträger?" Eröffnung der Reichs-Teifen-Meffe. In den Gesamträumen der„Reuen Welt". Hasenheide, wurde gestern die Reichs-Seifen. Messe eröffnet. Als Fachmesse. die in jeder Beziehung diesen Nomen verdient, soll sie dem Groß- und Kleinhandel G-logenheit geben, den Erwerb von Neuheiten neben bewährten alten Erzeugnissen der weitverzweigten Seifen- industrie zu vermitteln. Deranstaltet fit sie van den vier großen Seifenhandelsverbänden Deutschlands. Die feierliche Eröfinung fand in Aravesenheit zahlreicher Vertreter der Behörden, der Wissenschaft und der Press« statt. Als erster Vorsitzender de« Zentralverbandes nahm Friedrich Seegert das Wort zu einer Begrüßung-- anspräche. Nach weiteren Reden fand ein Rundgang statt. Man konnte erfreulicherweise fesfitellen, daß die Messe fertig war es gab kein störendes Hämmern und Klopfen. Di« Messestände sind an Hand eines Führer« übersichtlich geordnet, man findet ohne Müh- all« Bedarfsartikel für Küche und Haus. Die Ausstellung fit nur bi« Dienstag, den 20. TOörj„ von 15 bis 22 Uhr. geöffnet, sie kann den Interessenten zum Besuch empfohlen werden. Der Setzerkobold erkannt! Der— nein, einer der Setzerkobolde hat sich so verraten, daß wir ihn erkannt haben. Wenn er in dem Bericht über Hermann Mendels Märzvortrag(gestrige Sonntagnummmer de»„Vorwärts") den planlosen Weberousstand von Langenbielau„schamlos" ge- nannt hat, so kann das nur der Geist des Fabritanten Dreißiger sein, gegen den der Aufstand sich richtete und gegen „die Diener, seine Schergen". Das Weberlied hat es ihm ange- kündigt:„Ihr freht der Armen Hab und Gut und Fluch wird euch zum Lohn!" Ja Fluch, wiederHoll der alle Baumert und stehe da, Dreißigers Geist ist verflucht, in den Setzmaschinen des„Vorwärts" zu spuken, wo er unsere schönsten Texte, schlaffich gesprochen,„ver- fumfell". Fluch ihm!_ Di« Landtagswahlen in Vorarlberg brachten nur geringe Veränderungen. Die Sozialdemokraten behielten sechs, die Ehristlich-Soziolen 21 Mandate: die Großdeufiche Volksportei ver- lor«in Mandat. Dle pariser Polizei will festgestellt haben, daß der Faschist Savorelli von dem Anttfoschisteu p-ren„Hingerichte!" worden sei auf Grund eine, formelle« Urteilsspruches eine» revolutionäre« Emigranten.Femegerichts. � In Spanien wurde auf Verlangen btt Kirche jede öffemllche Diskusston geschlechtlicher Fragen verböte». Ei« Wohltäter der Blinden. Zum 20. Geburtstag von Paul Silex. Wenn auch Prof. Dr. Sllex als Augenarzt einen Weltruf hat, so wird es doch weniger bekannt sein, was dieser große Mann für die deutsche Blindenwell getan hat. Schon vom Jahre 1886 an Hot er ehrenamtlich die ihm von der Stadt zugeschickten Patienten behandell. Mehrer« Jahrzehnte wirkte er in der Blindendeputotion der Stadt Berlin als ärztlicher Berater. Sein größtes phllantropische» Werk aber war die zu Anfang des Krieges begründete Schule für die Kriegsblinden. In dem Verelnslazarett St. Waria-Diktoria in der Karlstroh« lagen bereits im November 1914 fünf Kriegsblinde, und Silex. mit seinem großen menschlichen Verständnis, sah sofort, daß hier nicht nur ärztliche Behandlung, sondern auch«ine entsprechende Wieder- aufrichtung des seelischen Zustandes und der Arbeitsfähigkeit der Blinden am Platze war. Es wäre nun ein leichtes gewesen, die Aus« bildung und Umbildung der Kriegsblinden einer der bestehenden Blindenanstalten zu überlassen. Cilex sah jedoch ein, daß diesen Männer» wenig damit geholfen gewesen wäre und daß hier eine ganz besondere und individuelle Behandlung nötig war. Er ghnte damals wohl kaum, daß er durch diese Arbeit der ganzen deutschen Blindenwell ein neues Gepräg« geben würde, wie es tatsächlich in der Nachkriegszeit geschehen ist. Silex hicll stch bei dieser Arbeit nicht an Traditionen und allher- gebrachte Einrichtungen, sondern überließ es den Blinden und ihren zum größten Teil auch blinden Lehrern selbst, diejenigen Berus« zu finden, die den Fähigkeiten und Wünschen ein�s jeden am besten entsprachen Dadurch wurden Arbeiten und Berufe für Blind» ein- geführt, die den Zivilblinden bisher verschlossen geblieben waren. Vor allem war es Ihm darum zu tun. die Männer wieder zu ihren alten Berufen oder zu diesen möglichst ähnlichen zurückzu- bringen. Wo das nicht möglich war, wurden Arbeiten gewählt, bei denen es den Männern, die noch vor kurzer Zeit mitten im Leben gestanden hatten, wieder möglich war, unter sehenden Menschen zu arbeiten und dadurch dem Schicksal der meisten erwachsenen Zivil- blinden zu entgehen, nämlich ihr Leben in Heimen und Asylen ver- bringen zu müssen. Die Verschiedenheit der Bildungs-, Gesellschafts. und Berufszugehörigteit der mehr als 690 Kriegsblinden, die mit der Zell durch die Silexschule gegangen sind, mochte ein solches Vor- gehen natürlich sehr schwierig. Wenn auch früher schon einig« wenige Blinde in freien Berufen tätig waren, so wurden diese Berufe durch Cilex' Anregung doch erweitert oder zum größten Teil überhaupt erst geschaffen. So ist es keine Neuerscheinung mehr, wenn man heute blinde Beamte in Ministerien, Verwaltungsbehörden und Schulen findet, die ihre Stelle voll ausfüllen. Ebenso sind blinde Stenotypisten in behördlichen und privaten Betrieben eine alltägliche Erscheinung. E» gibt wohl kaum einen größeren Fabrikbetrieb, in dem man nicht einen oder mehrere Blind« neben den sehenden Arbeitern findet. Der groß« Segen, der durch diese Neueinrichtungen geschaffen worden fit, liegt nicht nur in den materiellen Vorteilen für die Blinden, die im Gegensatz zu den Dorkriegsverhältnissen nun sich selber ernähren können, sondern mehr noch In dem großen ethischen Aufschwung, den die deutsche Blindemvelt dadurch erfahren hat. ver geistige Gesichtskreis dieser selbständigen Blinden Hot stch bedeutend erweitert, und sie können desHall» von ihren sehenden Mitmenschen nicht mehr als Halde und untergeordnet« Wesen, sonder» müssen als vollwertige und nützliche Mitglieder der Allgemeinheit betrachtet werden. Den Dank, der dem Jubilar in so vollem Maße gebührt, möge er in den Resultaten seiner hochherzigen Bemühungen finden, die von Jahr zu Jahr immer mehr Blinden zum Segen gereichen! Möge er, der morgen seinen 70. Geburtstag begeht, sich noch viele Jahre hindurch in voller Gesundheit und Kraft dieser Erfolge freuen dürfen! Bett� Hirsch. Ausdrucksformen der Kunst. Im Hörsaal der Kunstgewerbeschulie Prinz-Mbrecht-Straße ver- anstaltet« die Doltsbühn« einen Lichtbildervortroz Ferdinand Ärvgmanns mit dem Thema:„Die seelfich« und künstlerische Ausdruckssorm im Kunstschaffen der Gegenwart." Zuerst gab der Vortragende einige prinzipielle Betrachtungen. Im Gegensatz zu den vergangenen Zeiten hat heute die künstlerische Persönlichkeit keine Mass« hinter sich, sie ringt mn den persönlichen Ausdruck. nicht um die Gestaltung von Empfindungen und Anschauungen, die In der Mass« lebendig sind. Da es sich also um persönliche Be- kenntnisse handelt, da die Kunst allein aus der Persönlichkeit erwächst, ist es für den Laien sehr schwer, zu dieser Kunst ein Verhältnis zu gewinnen, in ihre Formensprach« einzudringen. Jeder wird sich den Künstler suchen müssen, der ihm wenigstens etwas zu geben vermag, sei es in inhaltlicher oder in rein formaler Bezichirng. Diese Differenzierung geht immer weiter und als Folg« davon wendet sich das große Publikum immer mehr von der Kunst ab. Es ist darum notwendig, dam Laien für das Bleibende, Große in der Kunst die Augen zu offnen, in ihm ein Qualitätsgefühl zu er- wecken, ihm die Formensprache zu erklären. Dann führte Krogmann eine Reihe von Lichtbildern vor. Er versuchte die entgegengesetztesten Kunstwerke nebeneinanderzustellen, etwa die unübersichllicben, lvm- positorisch saljchen Historienbilder eines Bieibtreu oder Piloty zu dem Werk Feuerbachs und eines Haus von Maräes und damit die Unterschiede, die Qualität!: werte scharf herauszumeißeln. Di« Bild- anolysen, die gleichzeitig sormal« und inhaltlich« Moment« berücksichtigten, waren klar und anschaulich nich»ermittelten tafiiichlich dem Laien ein Gefühl sür das. was als groß« Kunst ge wertet werden kann.— t. Staats»»«« am platz de« LepabNl. Der Beginn der Perflektung„Der Arzt wtder Willen' lVolkSbübnenvorttellung) am heutige» Abend ist au« techntjchen Gründen von 20 Uhr auf tS'/, Uhr abgeändert werden. ' Wilhelm v. Schah ans de« Marione« enbühne. DaS Marwnettentheater- Berlin Ipielt am lS. und 24. Mörz nni 2V Uhr tm Harmaniumsaal, LteoUtzer Str. 85, unter Leitung ven Harro Siegel zwei Stücke van Wilb. v. Scholz,«in MiraMspiet:.Da» Herz wunder',«yd ehre Groteske:„Der Doppeltops'. «a yenrtt ZbsenS t00. Geburtstag(Dienstag, de« 20.) geht tvst, Uhr in der Volksbühne, Theater am Bülowplah, die 50. Äui- sührung von„Beer Ghnt'(Mufit von Edward Griegl, w der ieenierung von Fritz Holl tu Szene. In den Hanptrollen: Agnes Straub, Adolf Man,, Lnelotte Venera. Kränze Rotoff. Sybil Smolowa, Soft Almas. Sigmund Nunberg, Peter Jhl«. Der Männerchor Flchie-Seorxiaia gibt am SS.. 20 Ubr. im E a a I b a« FrtedrtchShain ein Konzen unter dem Titel: Eilerne Welt. Mit- wtrlende find der KammeriSnger Srnlt Alfon« und ta» Berliner Sinf-mle- Orcheller. U. a. kommen auch mehrere Werle de« Tbarleiter« Wilhelm Knlchel zur�Urauffüdnrng. Karten zu 1.50 M. oeujchlietzlich Prozrammheft an der „Dichter und Regisscvr' ist da» Thema de« zweiten öffentlichen Di«- kussionSabendK der Volksbühne, der am LS, 20 Uhr, im Lürgersoal de« Berliner Rathauses stattfindet. Nnlatztart« zu« Preise von Oer Häuserverfall greift um sich. Gin Haus muß wieder geräumi werden. Seit einig«? Zeit hat sich der Bewohner des Hauses Luisen« st r a ß e 2 2 und der Umgebung lebhafte Unruhe und Besorgnis bemächtigt, da man glaubt Grund zu der Annahme zu haben, daß das Haus vom Einsturz bedroht sei. Das Haus steht seit etwa 1 ll g I a h r e n, es ist das zweite von der Stadtbahn aus der west- lichen Seite der Luisenstraste. Außer 6 Wohnparteien beher« bergt es die großen„L u i s e n g a r a g e n". Infolge des an Grund- wasscr reichen Bodens machten sich schon vor etwa 30— 40 Iahren Senkungen an dem Hause bemerkbar, doch nicht in dem Umfange, daß sie zu Besorgnissen hätten Anlaß geben können. Das Nachbargebäude Nr. 22�, das baufällig war, wurde vor einiger Zeit abgebrochen. Eine Einsturzgefahr für das Grundstück 22 liegt bisher nicht vor. Um aber ollen An- forderungen gerecht zu werden, hat die Baupolizei seit Sonnabend einen Schupopostcn nach der Luisenstraß« entsandt. Die Beamten werden darauf achten, daß die schweren La st kraftwage n« z ü g e. die zum Lehrter Bahnhof fahren,«in gemäßigtes Tempo anschlagen. Voraussichtlich wird das Haus Nr. 22 dem- nächst geräumt und dann abgebrochen werden. « Die städtische Baupolizei, Bezirk Pankow, schreibt uns: „Bei der Baupolizei Pankow ging am 1Z. Januar d. I. eine Anzeige ein. die besagte, daß durch das im Keller eingedrungen« Grundwasser die ganze Decke derartig schadhaft geworden sei, daß an einigen Stellen die Kcllerdecke eingestürzt sei. Alle Anregungen von feiten der Mieter und der Mietsvcrtretung an den Verwalter oder den Hauswirt seien erfolglos geblieben und es werde um Ab- hilte gebeten. Die hierauf erfolgte Besichtigung hatte folgendes Er- gebnis: Das Hausgrundstück Kaiser- Friedrich- Straße SZ ist mit einem Vorderhaus, einem Seitenflügel und einem Quer- gebäude besetzt. Durch das seit Jahren im Keller stehende Grund- wasser hat sich Schwamm gebildet.— Der Rohrputz und die Scho- lung der Kcllerdecke, die ohne Stakung hergestellt worden ist. sind infolgedessen an einigen Stellen durchgebrochen. Wie der De- schwerdeführer angab, besteht dieser Zustand schon seit einigen Monaten. In der Wohnung einer Mieterin hat sich der Fußboden, da die Balkenköpf« vom Schwamm angegriffen sind, an einer Seite um ungefähr 10 Zentimeter gesenkt. Die genau« Untersuchung er- gab. daß unmittelbare Einsturzgefahr nicht bestand, und es wurde der Bewohnerin, einer alleinstehenden Frau, die des Tags über auf Arbeit ist, abgeraten, die in Frage kommende Stelle mit schweren Möbeln oder sonst schwer zu belasten, bevor der Fußboden abge- steift war. Das Grundstück, in dem die Mieten gepfändet sind, steht unter Zwangsoerwaltung. Der Zwongsoerwalter wurde auf- gefordert, binnen 8 Tagen die Decke der vorerwähnten Wohnung abzusteifen. Nach Ablauf dieser Frist fand eine erneute Besichtigung statt, wobei festgestellt wurde, daß noch nichts unternommen war. Di« Absteifung ist jetzt vorschußweis« aus städtischen Mitteln vor- genommen worden, so daß die Gefahr beseitigt ist. Für die end- Sültige Beseitigung der Mängel wird Sorge getragen werden. Eine lefahr für die übrigen Wohnungen bestand und besteht nicht." In der Ounkelheii im Moor erimnken. Kein Mord bei Königswusterhausen. Wie in der Sonntagsnummer bereits mitgeteilt, war am Sonn« abend nachmittag in einem Moorgraben in der Nähe der Ziege« lei Neu-Wilken bei Königswu st erHausen die Leiche eines zunächst noch unbekannten Mannes gefunden worden. Krimi- nalkommissar Bünger mit seinen Beamten gelang es jedoch noch im Lauf der Nacht zum Sonntag die Person des Toten festzustellen. Es handelt sich um den 52 Jahre alten Dreher Georg Dohr- mann aus Berlin-Rosenchal, Lindenalle« 8, der seit dem 10. Februar d. I. oermißt wurde. Dohrmann war 17 Jahr« lang ununterbrochen in der Fabrik von Siemens-Schuckert tätig, zeigte aber gegen End« vorigen Jahres Anzeichen von Geistesgestörtheit. Er wurde deshalb krank geschrieben und am 8. Februar einem Sana- t o r i u m in Schlachtensee zugeführt. Schon zwei Tage später, am 10. Februar, entfernte er sich heimlich aus der Anstalt, weil ihn die Sehnsucht nach seinen Angehörigen packte. Er war dann noch einmal in der Gegend von Großbeeren gesehen worden, seitdem aber spurlos verschwunden. Da der bedauerns- werte Mann nicht«inen Pfennig Geld mitgenommen hatte, so mußte man damit rechnen, daß er planlos umherirrte. Sonnabend fand man ihn nun als Leiche wieder. Ohne Zweifel ist er auf seinen Wanderungen nach Königswusterhausen gekommen und hat sich a u f dem Moorgeländ« verirrt. Da das Gutshauz nicht allzu- weit entfernt liegt, so hat er vielleicht zur Abend- oder Nachtzeit auf das dort brennende Licht zuwandern wollen, ist dabei in den tiefen Graben gestürzt und ertrunken. Frau Dohrmann, die benach- richtigt wurde, erkannte in der b«i dem Toten gefundenen Uhr das Eigentum ihres vermißten Ehemannes wieder. Schweres Autounglück bei Werder. Ein Toter, mehrere Derlehte. Vor den Toren Berlins, auf der nach Berlin führenden Chaussee zwischen Lehnin und Werder, ereignete sich in den späten Nach- miltagzstunden des Sonntags ein folgenschweres Autounglück, bei dem eine Person getötet und drei weitere verletzt wurden. Die Unglücksstätte liegt kurz hinter der Ortschaft Göhlsdorf. Ein mit vier Personen besetztes Prioatauto, das dem Direktor Denecke einer Versicherungsgesellschaft aus Lichterfeld« gehört und auch von ihm gesteuert wind«, geriet beim Ueberholen auf den Sommerweg, fuhr gegen einen Chausseebaum und über- schlug sich mehrmals infolge des großen Tempos. Während Denecka und zwei weibliche Veglelterinnen mit leichten Verletzungen davon- kamen, hatte die vierte Insassin,«in Fräulein Grob aus Lichterfslde, so schwere Verletzungen erlitten, daß sie wenige Minuten nach dem Unfall starb.— Der zertrümmerte Kraftwagen mußte abgeschleppt werden. Zu dem Unfall wird uns aus Touristenkreisen mit- geieitt: Di« Chaussee Potsdam— Geltow— Werder— Lehnin bzw. Brandenburg gehört an Sonntagen zu den meistbefahrenen Ehaujseen in der Umgebung von Berlin. Auto um Auto rollt hier über die Straß«. Di« Reihe reißt gar nicht ab. Für Radfahrer und Fußgänger ist kaum noch Platz, da die Automobilisten ost Neigung zeigen, auf die Fußgängersteig« zu fahren und die Fußgänger zu gefährden. Ein Landjäger- p o st e n, der für Ordnung sorgt, ist aber weit und breit nicht zu sehen. Unverständlich ist und bleibt nur, daß man bei diesen Thausfeen immer noch die sogenannten Sommerwege behält, die schon so ost, und auch diesmal, txn Automobilisten zum Ber- derben geworden sind. Oer perverse Pfarrer. In geschlechtlicher Selbstquälerei zu Tode verunglückt. Graz. 18. März. Unter eigenartigen Umständen wurde hier vor einigen Tagen der Pfarrer Fang tot aufgefunden. Gr wurde in Frauenkleidern, mit schwere«, durch Handschlösser der- schlossencn Ketten gefesselt, erhängt aufgefunden. Zuerst glaubt« man an Mord. Die Obduktion ergab jedoch mit Sicherheit, daß es sich um keinen Mord, wahrscheinlich auch um keinen Selbstmord, sondern um eine Aerunglückung bei einer per- oersen Selbstkasteiung handelte. Die Gcrichtsärzte stellten fest, daß der Pfarrer durch Er- drosseln den Tod gefunden hat. Er hatte sich mit Ketten um den Hals an einen Mauerhaken gehängt, und zwar gegenüber einem Spiegel, so daß er seine Qualen beobachten tonnte. In der Ekstase dürft« der Mann etwas zu weit gegangen fein, das Bewußt- fein verloren haben, niedergesunken sein und sich dabei erdrosselt haben. Interessant ist, was alles die Hausdurchsuchung bei ihm zutage förderte. Er war im Besitz einer geradezu grotesken Garde- robe. So wurden neben Meßgewändern sieben Garni- turen moderner Mädchentleider gesunden. Neben der Stola hingen Damenhöschen und Kombinations, seidene Strümpfe, sein« Damenschuhe, Busenholter und auch ein R e i t t h o f e r- Gummibusen. Außerdem wurden Photographien ge- funden, die den Pfarrer in verschiedenen Damenkleidern darstellten. Der Pfarrer hat allerhand Anordnungen getroffen, die beweisen. daß er gewiß nicht lebensmüde war und an keinen Selbst mord dacht«._ Christliches Schultheater. Di« Deutschnationale Volkspartei versucht« gestern den Zirkus Busch zu füllen, indem sie sehr theatralisch zu einer Kundgebung für„Elternrecht und christliche Schule" aufrief. Nachdem der verfammlungsleiter viel von Moral, Ehrifilichkeit und Sittlich- teit gesprochen hatte, zeigte sich der wahre Geist dieser 5iüt«r deutscher und christlicher Beisngc bei der Rede ein:s Mitgliedes vom Elternbeirat der streikenden Schul« in der Sonnenburger Straße. Diese Dame, ein« Frau Sobotta, gefiel sich dann, alte Anwürfe und Beschuldigungen gegen den Bezirksbürgermeister vom Prenzlauer Berg, Dr. Ostrowski, erneut vorzubringen, Vorwürfe, die durch ständige Wiederholung nicht an Gewicht gewinnen. Auch andere längst widerlegten Geschichten brachte sie vor, so erzählte sie, daß nur drei Schüler für die weltliche Schule gewesen seien, während es fest- steht, daß sich nahezu 1000 Ettern eingezeichnet halten, lieber die von christlicher Salbung triefenden Reden der Reichetagsabgeordneten Schulze, Spahn, Frau Scheidet, Mumm und Graf Westarp ist nicht- zu berichten._ Drei Zivilflieger tödlich abgestürzt. Drei Zioilflieger wurden, wie aus New o r k gemeldet wird, bei einem Absturz getötet. Das Unglück ereignete sich infolge Bruchs der einen Trag- fläche des Flugzeugs. Weilerbericht der öffentlichen wetlerdienststelle Berlin und Umgegend.(Nachdr. oerb.) Noch trocken und harter, nacht- leichter Frost, am Tage rasche Erwärmung. Für veuschland: Im Westen Bewölkung, weiter östlich heiter mit Nachtfrösten, am Tage überall rasch ansteigend« Temperaturen. Verantwortlich für die Redaktion: Euqe» Prager, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. d. H., Berlin. truckcrei und Verlagsan stall Paul Kinger& Co., Berlin 638 68, Lindrust-ostr 8. Sler,u 1 Dell«,«. Berlin: Aageiarn: TV ffiletfe, Druck: Vorwärts Vuch- D'liüiWeliüZMel-Wziit Dianstag, da» 20. Ntckc). abend» 2 Zthr. imZugeadhaim dcoverdand». Haas«», Liaiaaftr.»3,85 Branchenversammlung oller werr,«nan,och-r.e«hrUaga Srob-vertia». Tagesordnung: J. Vortrag de» Ziollegen Heinrich Hellwig Vom Handwerl zum modernen In- duitriearbeitor." & Branchenangelrgenkeite». Iugendkollegen I Alle in unserer Branche tätigen Lehrlinge m listen unbedingt ju dieser Versammlung erscheinen Agitier: in der Werkstatt und in der Schule sllr jgtzlreichen Brluch. Di« Iugendlsaienisston. Wn-l BfiDßnfWn! Um vt»»»ta 2 llhr. |. d«a 20. Nlckrz. abend« rn N«rvaad»hoa», Cinicn- ficasjc«S SS Branchenversammlung der Bauauschläger. Tageoordnung: I. B-rbands- u. Branchenangelegenhellnr & Stslusston. 8. Persch:rdenes. Ohus Mitgliedobuch leinen Zutritt Da wlchiige Kragen aus der Soges- vrdnung stehen, werden dir ttollrgen er- sucht, rrfilo» die Versammlung j:t desnchen Sic Octsocmraltnag. Deattdier HetaUlter-VeriiaDii Tode«• AJizcfoe. Den Mitgliedern»ui Nachricht, daß uniec Äolle'gt, der MechanUer Karl Wilke am lt. März gestordon ist. Ehre seinem Andenke«! Die Einä cherung findet Dienstag. de» 20. März, 10 Uhr. im Krematorium »erichtstraße statt. Aegr Vetriltgung erwerlet vi« 0r:»»«r»»altnn>. Her limer trinkt das vorzüglich nach Pilsner Art gebraute En�eüiarill- Spezial Hell Auch In Flaschen überall erhältlich Arconaßäder 17. Barttaar S-Tage-Rennen Arconaßad,»«». Bta VfitagWaraaufl tmn WUef nf Arcona• Rad Die Meiitencbatt nn Deaiuftlaai fiewum WUUd anl Arcona- Rad He MeUtenifeatt tob Pieotea ievau SaMoff anl Arcena- Rad Ein Bowel« der Zarerllesigkeit a. heehwertif.QnaliUt de» Areoa«. Rade«! Verlangen Sie Ratelog grstis N. franko auch aber FabrradiobehSrteUa von Ernst Machnow, Bertin. 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März 1928 ZkrAbmid SjutJauAfaßa Jtk >&.&****&** rUtfU aAtoteHa jajßi Jfai jcom" Das Land der„unbegrenzten Möglichkeiten" bietet auch dem Kurpfuscher unbegrenzt« Möglichkeiten, trotzdem in Amerika nicht wi« bei uns Kurierfrecheit für jedermann besteht. Die Kurpfuscherei, die drüben sehr einträglich sein soll, wird dort eben von den Aerzten selbst ausgeübt. Nach Ansicht Dr. F i s h b e i n s, eines populär- medizinischen Schriftstellers, der die Geschichte des amerikanischen Kurpfuschertums geschrieben hat, wird das amerikanische Publikum am meisten von ollen Völkern der Erde mit kurpfuscherischen Methoden zu angeblicher Krankheitsheilung überhäuft. In den Be- richten der„American Medical Association" wird eine Liste über die kurpfuscherischen Verfahren geführt; diese Liste enthält mehr als 125 000 Karten, die die verschiedenen Arten von Quack- salberei behandeln, durch die die amerikanische Gutgläubigkeit irre- geführt wird. Die Behandlungsarien von Krebs und Tuberkulose, sowie vieler anderer gefährlicher Krankheiten sind Legion, insbesondere gibt es zuinindeft 37 verschiedene Arten religiöser Heilungssystcmc, in denen daz immerhin noch zugkräftig« Wort„Wissenschaft" in irgendeiner Form enthalten ist und so die Opfer dieser religiöser Wahnideen irreführt. Auf den Glauben und Aberglauben der Amerikaner, auf ihr« Wundersucht haben die Kurpfuscher dort zu allen Zeiten gebaut. Als z. B. am Ende des 18. Jahrhunderts die Elektrizität noch als geheimnisvolle Kraft galt, von der nur wenig Genaues ins Publikum gedrungen war, von der aber nichtsdestoweniger jedermann sprach, da wußte der Arzt Elisha Perkins aus Norwich die Situation geschickt für sich auszunutzen. Er konstruierte auf Grund der Elek- trizitätstheori« zwei kleine Metallstäbe, den einen aus Kupfer, Zink und Gold, den anderen aus Eisen, Silber und Platin. So jedenfalls gab er an; wahrscheinlich bestanden die Stäbe einfach aus Messing und Eisen. Mit Hilf« dieser Stäbe wollte ihr Erfinder jede Krankheit aus dem Körper austreiben Die Herstellungskosten der kleinen Stäbe betrug rund 1 Schilling, die Dummheit derer, die nicht olle werden wollen, bezahlte dafür indessen gern den lOOsachen Preis! Die Stäbchen.„Traktoren" genannt, eroberten mit Windeseile dos Land, sowie heutzutage etwa der Eoueismus oder die Der- jüngungslehren. Der oberste Justizbeamte der Dereinigten Staaten und andere hohe Beamte gaben günstige Zeugnisse über das Per- fahren ab; George Washington kaufte einen Satz Traktoren für sich und seine Familie. Von dem Sohn des Erfinders wurde das Der- fahren nach England gebrocht und trat dort den gleichen Siegeszug an, bis zwei englische Aerzte ein Paar der Traktoren aus Holz herstellten und Ihnen das gleiche Aussehen gaben wie den Original- stöben. Sie erzielten nichtsdestoweniger die gleichen Erfolge; bald wurde die Sache indessen ruchbar und der„Zraktonsmus" verschwand von der Bildfläche. Den vor«inigen Jahren in San Franziska gestorbenen Albert A b r a m s bezeichnet Fishbein als den größten Quacksalber aller SchSdel-Meßftms! SooormZM. Zeiten; er war ebenfalls ausgebildeter Arzt. Er mochte sich eine eigentümliche Theorie, die am Ende des vorigen Jahrhunderts sich großer Beliebtheit in den Dereinigten Staaten erfreute, zu eigen. Dies« besagt«: Krankheit jeder Art wird von einem etwas verlagerten Knochen der Wirbelsäule hervorgerufen, der auf einen aus dem Rückenmark austretenden Nerven drückt und auf dies« Weise Entartungserschcinungen hervarrust. Es soll gar nicht bestritten werden; daß derartige Erkrankungen wohl hier und da einmal vor- kommen mögen; das völlig Unsinnige an dieser Theorie ist nur die Uebertreibung und Verallgemeinerung. Abrams baute seine Methode, die im wesentlichen darin bestand, daß mit einem Gummihammer auf die Wirbelsäule geschlagen wurde. zum System aus: es gelang ihm, eine, eigene medizinische Gesell- schast mit Zeitschrift und einen besonderen Studiengang für seine Be- Handlungsweise einzuführen. Er baute einen Apparat, mit dessen Hilfe er angeblich aus einem Tropfen Blut sämtliche Eigenschaften, sogar die Religionszugehörigkeit des Kranken ermitteln wollte. Ja, aus der Handschrift eines längst Gestorbenen wollte er mit seinem Apparat die Krankheit erkennen können, der er zum Opfer gefallen war.. Auffallend war, daß bei allen, die zu ihm kamen, gerat« die gefürchtetsten Krankheiten„festgestellt" wurden: Tuberkulose. Krebs, Syphilis. Wenn die Patienten, denen in Wahrheit oft vielleicht gar nichts fehlte, sich von sc furchtbaren Krankheiten geheilt sahen, war es natürlich, daß sie den Ruf des„Wunderdoktors" laut verkündeten. Sich selbst hat Dr. Abrams jedenfalls gesund gemacht: er hinterließ bei seinem Tode im Jahre 1924 ein Vermögen von mehr als einer Million Dollar, die er in wenigen Jahren erworben hatte! Immer wieder entstehen in Amerika neue Heilversahren und Quacksalbermethoden, die oft in irgendeiner Art mit Elektrizität arbeiten: namentlich elektrische oder galvanische Gürtel und Kragen spielen in verschiedenster Aufmachung eine Roll«. Die amerikanischen Behörden strengen Prozesie wegen Betruges an, trotzdem gibt es immer neue Methoden und neue Opfer. Es ist drüben nicht anders als bei uns: ein Mittel mag noch so unsinnig sein, meist ist es leicht, von namhaften Persönlichkeiten begeisterte Gutachten dafür zu erhalten. Dabei ist das gewöhnliche Zeugnis, sagt Fishbein,„noch nicht das Papier wert, auf dem es.geschrieben steht"! Dr. L i l y H e r z b« r g. Keine Zeit, krank zu sein! Der ungesunde hauswirtschaftliche Beruh In dem Januarheft der Zeilschrift„Soziale Medizin" gibt Dr. Walter Pryll eine Statistik der Berliner Ortskronkenkasse über die Krankheiten der H a u s g e h il s e n. Die Mitgliedschaft der Hausgehilfen gilb oielfach als günstig für die Krankenkasse, da die Hausangestellte seltener als andere Mitglieder krank werden. Das Rechnungsjahr 1926 der Ortstranken- kass« ergibt in der Tat die Richtigkeit dieser Annahme. Während durchscknittlich 50 Proz. der Mitglieder die Krankenkasse in An- spruch nehmen, ist dies bei den Hausgehilfen nur zu 27,7 Proz. der Fall. Dr. Pryll führt jedoch seine Untersuchungen weiter, mit dem überraschenden Ergebnis, daß trotz dieses günstigen Prozentsätze) die Belastung der Krankenkasse durch die hausanzestelllen weil größer ist als durch die übrigen versichcrungsmitgkleder. Denn die Hausangestellten werden zwar verhältnismäßig selten, dann aber häufig recht schwer trank. Diese erstaunlich« Tat- fache kann man sich mrr erklären, wenn man weiß, welche Stellung die Hausgehilfi» in vielen Familien einnimmt. Sie hak keine Zeil, krank zv sein. Muß sie häutiger den Arzt aussuchen, vielleicht auch noch Bäder oder andere Kurmittel gebrauchen, der«, Anwendung Zeft erfordert, so läuft sie Gefahr, entlassen zu werden. Der Hausangestellten geht es wie der A r b e l t e r h a u s f r a u: sie wirb immer gebraucht. Doch was im Arbeiterhaushalt oft zwingende Notwendigkeit ist. ließe sich in einem Haushalt, der Angestellte beschäftigt, bei gutem Willen und mebr Verständnis leicht ändern. Der freie Nachmittag in der Woche und der frei« Sanntagiyichviij- tag. der der Hausgehilfin alle vierzehn Tage zur Verfüg, mg steht, «fliiirfich fQr irgot&ffldche ärztlich« Behandlung nicht au». Der hauswirtschaftllche Benif, der von bestimmten Kressen als der einzig gesunde für die Fron empfohlen wirb, zeigt sich aber hier durchaus von anderer Seite. 'Erschreckend ist in diesem Beruf der prozentsah der an Lungen. spihenkolarrh Erkrankten. Cr unterscheidet sich nur wenig, etwa um ein Zehntel Prozent, von Krankheitsfällen dieser Art in den übrigen Berufen. Heimarbeiter. Industriearbeiter, die oft Beschäf- tigungen haben, die durch feinen, scharfen Staubabfall Lungen- erkrankungen besonders begünstigen, und Angestellte werden also im Durchschnitt nicht häufiger davon befallen als die Hausgehilfin. nen Dabei muß man berücksichtigen, daß nach Berlin gerade In die hauswirtschasklichen Berufe zahlreiche Mädchen vom Lande kommen, also gesundheitlich besonders widerstandsfähige Menschen. Trotzdem diese außerordentlich ungünstige Erkrankungsziffer! Besonders zahlreich find auch die Fälle von Syphilis. Snphililische Erkrankungen sind bei den hau-augestelllcn zweiei«- halbmal so häusig wie bei den übrige» versicherten. Es ist anzu- nehmen, daß die Hauptursache dafür darin zu suchen sst, daß die meisten Hausangestellten ohne Angehörige in Berlin sind und da- her besonders häusiz ihre Freizeit aus zweifelhaften Tanzböden und an ähnlichen Vergnügungsstätten verbringen. Denn dl« Haus- angestellte ist durch die Verhältnisse oft direkt dazu gezwungen, ihre Freizeit außerhalb des Hauses zu verleben, wenn sie überhaupt Freizeit haben will. Häufig ha« sie«lcht eiamal eln eigenes heizbares Zlmtner und muß sich tagsüber in der Küche aufhallen. Außerdem gibt es wenig Familien, die sich mit Ruitsicht auf die Freizeit der Hausgehilfi« ihr» Arbeit allein»ach«. wenn die Hausangestellte in der Wohnung bleibt.— Die überraschend hohe Zahl von Fehlgeburten, Unterleibserkrankun- gen, akuten Bauchfellentzündungen dürft« den gleichen Umständen zur Last fallen. Die außerordentliche Gefährdung durch den hauswirtschaftlichen Berus, denn von einer solchen kann man aus Grund der angesühr- ten Tatsachen wohl sprechen, verdient die Aufmerksamkeit weitester Kreise. Bor allem wirft sich die Frage auf, ob nicht gesetzlich weitgehende Sicherheftsmaßnahmen— besonders In bezug auf Freizeit, Schlaf- und Aufenthaltsräume von Hausangestellten— vorgeschrieben werden könnten, um dem Beruf der Hausgehilfin etwas von seiner Gesundheitsschädlichkeit zu nehmen. Trude E. Schulz. Die Heiligen von heute. Religion als Gesellschaftsspiel. In England und Nordamerika ist die Religion vielfach mehr ein« gesellschaftliche als weltanschauliche Angelegenheit: man geht in die Kirche nicht, weil man das Bedürfnis dazu hat, sondern weil die anderen auch hingehen und man nicht gern über die Achsel angesehen werden möchte. Gesellschaftliche Verpflichtungen sind eine sehr ernste Sache für Angehörige der bürgerlichen Klasse, die Wert darauf legen, die Tuchfühlung und dos Wohlwollen der maßgeben- den Persönlichkeiten in der Genuiind« nicht zu verlieren. Es gibt Leute, die ein« feine Nase für Konjunkturgeschäft« haben, und zu diesen Männern, die das Gras wachsen hören, gehört auch der Amerikaner Dr Vuchman, der vor Jahresfrist in der eng- tischen Universitätsstadt Oxford austauchte und dort eine neue Reli- iA. 3, Siehe nebermtelienden ArtiLeL gion„startete". Er gründete ein« Sekte, die erst einmal in Privat- Häusern und Hotels ihr« Sitzungen abhielt und in aller Stille „Bekehrungen" vornahm— wörtlich in aller Still«, denn bei diesen Buchmaniten, wie sie sich nach ihrem Gründer nennen, gilt Schweigen als ein« besondere Tugend. Die Buchmaniten verfügen bereits über mehr als hundert neue Gläubige. Auch in den Vereinigten Staaten haben die guten Christen ihr« Sorgen. In einer sehr pompösen Kirchenversammlung machte der Bischof von Harrisburg seinen Amtsbrüdern und Seclenschäslein Mitteilung von seiner Aufsehen erregenden Entdeckung richtiger lebendiger Heiliger, die so freundlich sind, in diesem Tal der Tränen „im Fleische zu wandeln". Der tüchtige Bischof Darlington ver- kündete wörtlich:„Wir haben heute noch zahlreiche Heilige unter uns, und darunter sind eine ganz« Menge junger Mädchen— trotz ihrer kurzen Röckchen. Man darf nie noch der äußeren Erscheinung urteilen." Das eröffnet erfreuliche Aussichten, und die religiös« Kunst der Zukunft wird die Heiligen Magdalenen nun nicht mehr mit dem Totenschädcl, sondern vermutlich mit Puderbüchse und Lippenstift abmalen. Auch Wilson, Lincoln und Roosevelt sind nach Darlingtons Anficht richtiggel>ende Heilige gewesen, weil sie direkt mit dem Lieben Gott in Verkehr gestanden hätten. Unter diesen Umständen ist es natürlich kein Wunder, daß es den oberen Zehn- tausend in den Vereinigten Staaten so gut geht; der Herr der Heerscharen hat olle Ursache, sich mit diesen Kreisen gut zu stellen. und als sichtbaren Ausdruck seines Wohlwollens hat er sie mit einem Bankkonto ausgezeichnet, das den' Neid aller Gottlosen er- regen muß. Die Qans, Ztitf)mng von A. O. Bvfjmtnn, .,H'arum haben Sie denn keine Gart.i nutgebracht, wie ich Ihnen aufgetragen habe'r4—„Es war keine einzige auf dem\iarkt, gnädige Frau':"'—„So: Kurl, dun nächste Mal werde ich mitgehen, da wird schon eine da, sein.'" (äm äm f**-) Das Goldgraben im mexikanischen Busch ist keine leidiie Arbeit. Das müssen auch die drei Arbeiter Dobbs, Gurtin und Howard erfahren. Nachdem sie aber ein Jahr long schwer geschuftet haben, können sie doch feststellen, dah sie sich ein kleines Vermögen erworben haben. Sie rüsten sich wieder zur Rückkehr nach der Stadt. Da erscheint plötzlich ein Fremder auf der Bildflüche. Vergeblich suchen ihn die drei ron ihrem Lagerplatz fernzuhalten. Er bleibt trotz aller Drohungen und Tätlichkeiten da, aber schlieb- lich hören sie interessiert auf, als der Fremde berichtet, in dieser Gegend befinde sich eine aufierordenllich reiche Ader, deren Ausbeutung sie alle zu MillionSren machen würde. Aber Jetzt kommt eine neue Ueberraschung; im Tale taucht eine Schar berittener Banditen auf. Der Fremde beginnt die Schilderung eines Lieber- falls auf einen Eisenbahnzug. 18. Fortsetzung. Die Schießerei dauerte nur etwa zehn Sekunden: dann wälzten sich alle Soldaten in ihrem Blute, die Mehrzahl war tot, die übrigen röchelten und waren am Sterben. Die Zugbeamten lagen erschossen, tot oder zu Tode verwundet auf dem Boden oder auf den Bänken. Zwanzig Fahrgäste waren getroffen, eine Anzahl tot, andere ver- bluteten an fürchterlichen Wunden. Säugling« an der Brust der Mutter, Frauen und Kinder blutend und sterbend in einem wirren Knäuel. Männer und Frauen lagen auf den Knien und flehten um Gnade, Mütter hielten ihre wimmernden Kinder hod), um Mitleid bei den Banditen zu erwecken, andere boten ihre armseligen chabselig- keiten als Preis für ihr Leben an. Aber die Banditen schaffen und schössen, bis die Kammern leer waren. Dann begannen sie auszurauben, und sie nahmen alles, was ihnen nur irgendwelchen Wert bedeutete. Ein Teil der Banditen war in die erste Klasse gegangen und plünderte hier, ohne zu schießen. Uhren und Geldbörsen, Fingerringe und Ohrringe, Halsketten und Armbänder. Wenn die Beute nicht reich genug erschien, halb ein Stoß in den Magen mit dem Revolver oder dem Gewehr, daß sich der Betroffene rasch erinnene, noch ein paar Goldstücke in der linken Hosentasche und einen Brillantring im Koffer zu haben. Hierauf wurde der Pullmanwagen abgeleuchtet, die Fahrgäste aus den Betten gejagt und ihnen alle bewegliche Habe abgenommen. Der Zug raste während der ganzen Zeit feines Weges. Vielleicht hatte der Lokomotivführer das Schießen nicht gehört, oder er hatte es gehört und hoffte, die nächste Station zu erreichen in so schneller Fahrt, daß die Banditen nicht abspringen konnten. Aber die Banditen zogen nun wieder nach vorn, durch die beiden Wagen zweiter Klasse, wo die Panik der Fohrgäste, als die Banditen zurückkamen, unbeschreibliche Formen annahm. Die Räuber kümmerten sich um nichts und kehrten sich an nichts. Sie gingen über die Plattform zu dem Gepäckwagen, brachen die Koffer auf oder warfen sie hinaus, um sie nachttäglich aufzulesen. Sie ermordeten den Gepäckbeamten und kletterten an dem fahrenden Zug entlang in den Postwagen, wo sie die beiden Postbeamten niederschossen und die Postsäcke durchwühlten. Inzwischen hatte der Lokomotivführer gehört, daß etwas nicht in Ordnung fei, oder aber er sah einige Banditen aus dem Postwagen schon in den Tender klettern. Die Station war noch weit, und er tonnte sie nicht mehr erreichen. Er warf den Hebel herum, und der Zug schien zu zerkrachen, so rasch hielt er an. Der Heizer sprang sofort ab und suchte das Dickicht am Fuße des Bahndamms zu erreichen. Aber von einem halben Dutzend Kugeln getroffen brach er zusammen und rollte den Damm hinunter. Ehe der Lokomotivführer Zeit gewann, abzuspringen, hatten vier Mann die Lokomotive erklommen und hielten den Lokomotivführer fest, ohne ihn zu erschießen. Im Cxpreßwagen hatten die Banditen zahlreiche Kannen mit Petroleum und Gasolin entdeckt, die als Expreßgut für «ine Tienda gingen. Mit diesen Flüssigkeiten Übergossen sie die Wagen, schütteten durch die zerschlagenen Fenster das Gasolin hinein. und dann warfen sie brennende Zündhölzer w die Wagen. Explosionsartig schlugen die Flammen hinauf in den schwarzen Nacht» Himmel. Schreiend und heulend und wimmernd, wie vom Wahnsinn ge» trieben, versuchten die in den Wagen eingeschlossenen Reisenden durch die Fenster ins Freie zu kommen. Sie stauten sich an den Fenstern. und wenn sie durchkamen, so fielen sie von der Höhe hinunter auf den Damm, versengt, angebrannt und sich nun die Glieder brechend oder verrenkend. Wer zu schwer verwundet war und in der Panik keine Hand fand, die ihn nach sich zog, mußte qualvoll verbrennen. Vorn auf der Lokomotive standen zwei Banditen, die ihre Revolver auf den Lokomotivführer gepreßt hielten und ihm befahlen, die Lokomotive abzukoppeln und inst den Banditen, die sich alle auf den Tender gepackt hotten, loszufahren, bis sie anordnen würden. zu halten. Die Lokomotive fuhr ab und ließ den brennenden Zug und die Menschen zurück, die von den wilden Flammen grauenhast beleuchtet wurden und in dieser grauenhaften Beleuchtung, wahnsinnig vor Schrecken, Schmerzen und Trauer, durcheinanderjagten, gestikulierten, schrien, heulten und beteten und Zurückgebliebene aus dem Flammen- meer zu retten versuchten. Alles und alles hatte keine sieben Minuten gedauett, und die Station, der die Lokomotive entgegenrast«, war noch immer weit. Und plötzlich befahl einer der Männer dem Loko- motivsührer, anzuhalten. Die Lokomotive hielt an, und die Männer sprangen ab. Der letzte schoß den Lokomotivführer nieder und stieß ihn mit den Füßen den Damm hinunter. Dann folgt« er seinen Genossen. Nach einiger Zeit wachte der Lokomotivführer aus seiner Be- wußtlosigteit auf. Mit dem Rest seiner Lebenskraft kroch er den Damm hinauf und zog sich aus seine Lokomotive. Trotz seiner Schmerzen, trotzdem er jeden Augenblick fürchtete, zusammenbrechen zu müssen, brachte er es zuwege, die Lokomotive lausen zu lassen. Sie erreichte mit ihm die Station. Der Stattonsmeister, verwundert über die einsame Lokomotive und verwundert über das Ausbleiben des Zuges, der von der vorigen Station lange angemeldet war, kam sofort zur Lokomotive und fand den blutenden Lokomotivführer. Mit Hilfe der Fahrgäste, die hier auf den Nachtzug warteten, ttug er den Mann in die Stationshütte, und hier konnte der sterbende Beamte gerade noch das Notwendigste von dem grauenhdsten Ueberfall er» zählen, ehe es mit ihm zu Ende ging. Der Stationsmeister telegraphierte elligst nach beiden Seiten. Er bekam die Stationen, und man sagte sofort einen Hilfszug zu. Hier auf der Station stand ein Güterzug, der den Paffagierzug durch- zulassen hatte. Es wurden zwei leere Güterwagen aus dem Zuge rangiert, an die Güterzuglokomotioe angehängt, und der erste Hilfs- zug war fettig. Aber wer sollte ihn fahren und wer begleiten? Die Banditen waren sicher noch auf der Strecke, tun alles, was sie aus dem Zuge geworfen hotten, einzusammeln, Sie würden den Hllsszug sofort angreifen, schon um die ganze Beute zu sicher, i. Wahrscheinlich hatten sie auch Schienen aufgerissen oder die Gleise blockiert. Der Stationsmeister sagte:„Es ist besser, wir warten den großen Hilsszug ab, der sicher Militär mitbringen wird." Aber der Lokomottvsübrer des Güterzuges fiel ihm gleich in» Wort:„Ich fahre. Da liegen Frauen und Kinder im Blute, und da liegen meine Kameraden, von denen wir einigen vielleicht noch helfen können. Ich fahre den Zug. Heizer, was machst du?" lltun sind die Eisenbahner in Mexiko ohne Ausnahme alle organi- siett in einer ganz vortrefflichen Gewerkschaft. Sehr radikal und immer streiklustig. Aber sie halten zusammen, zäh wie Pech. Und in chrer Organisation und durch den Geist, der dott herrscht, und der sie zu aufrechten Männern macht, die immer bildungshungrig sind, die sich ihres Wettes für die Entwicklung ihres Landes bewußt sind, werden sie dies« höflichen, hilfsbereiten, immer lachenden und scherzen- den Eisenbahnleute, die so unähnlich den brummenden und schnauzen» den Unteroffizieren sind, die als Eisenbahnbeamte in Mitteleuropa den Menschen das Reisen so oft verbittern. Sie sind keine Unter- gebenen stolzer und hochmütiger Vorgesetzter, sondern sie sind alle Kameraden, alle Genossen ihrer stolzen Organisation. Der Heizer ist nicht setten Präsident und Wortführer in jener Ortsgruppe, wo der Linienchef bescheiden mit den Rangierern, Weichenstellern und Schmierern auf derselben Bank sitzt, um ruhig und aufmerksam zuzu- hören, was der Präsident Heizer für Dorschläge im Interesse der Lebenslage der Eisenbahnangestellten zu machen hat. Und wenn gestreikt wird, dann organisiett der Linienchef, der zehnmal mehr Gehalt bekommt als die Schmierer und Rangierer, keine Technisch« Nothilfe, sondern er arbeitet die Plakate und Anschläge au«, f die die Oeffentlichkeit über die Ursachen und Notwendigketten des Eisen» bahnerstreiks unterrichten sollen, well er ja schriftgewandter ist al» der Heizer, der Vorsitzender und Sprecher ist. Und well das s» ist. Die Todesanzeige der Monarchie. Selbst der unentwegteste Monarchist ahnt im Grund« seine» sehnsuchtsvollen Herzens, daß es mit der gekrönten Herrtichrett für ewig zu Ende ist. Fast s y m b ol i sch muß da ein Inserat scheinen, da» jüngst ein etwas schrullenhafter ätterer Herr kurz vor seinem Ab» leben in einer bayerischen Provinzzeitung erscheinen ließ. E» heißt da: „Freunden, Verwandten und Bekannten die Mrttelluna, daß ich heute gestorben bin. Mein letzter Dank gill dem hochverehrten Sanitätsrat R. und meiner getreuen Pflegerin B., die sich für mich aufgeopfett hat, dann meinen Mitarbeitern in allen oater. ländischen Belangen— meine letzte Sorge den Kriegsopfern— mein letzter Wunsch gilt der Wiedererstarkung unseres Bayern- landes, vor allem der Wiedereinsetzung unseres angestammten Königshauses in seine von feig-frecher Hand geraubten Rechte. Mein letzter Gruß: Hoch König Rupprecht und das Hau» Wtttelsbach� Fritz Oettel, Königlich Bayerischer Oberstleutnant a. D." Das liest sich über den Herrn Oertel hinaus wie eine offiziell« Todesanzeige der ganzen resignierenden Monarchie. Ein etwas ver- spätster Ukas bald S Jahre nach Einführung der Republitl Und das alle Pathos dröhnt auch beim Hinscheiden noch genau so unecht schneidig, wie in jenen seligen Togen, als Ta— tü— ta— ta letzter Schrei der politischen Mode war.— rbv— Ein Rezept für schöne Beine. In ihrer Äeilage:„Das Reich der Frau" bringen die„Bautzner Nachrichten", dos Organ der gutbürgerlichen Kreis« Bautzen» und der landwirtschaftlichen Umgebung ein Rezept für schöne Beine, das so aussieht: „Die Schauspielerin Mistinguette, die sich kürzlich ihre Beine mit 1 Million Dollar oersichern ließ, gibt Ratschläge zur Er- hallung und Erlangung der vielbegehrten Schönheit der Bein«. Vor allem empfiehlt sie eine strenge Diät, die jede» Dickwerden verhütet. Sehr gefährlich soll da» Radfahren und da» Tragen allzu enger Strumpfbänder sein. Ein besonderes Schönheitsmittel aber sei das tägliche Begießen und Massieren der Beine mit kaller Ziegenmilch." Wenn sich erst alle deutschen Bürgersfrauen schöne Bein« nach diesem Rezept angeschafft haben, dann ist an Deutschlands Wieder» aufstieg nicht zu zweifeln. Inzwischen aber gibt es viele Tausend« von Arbeitersrauen,, denen es schwer fällt, das Geld für die Milch, die als Nahrung für ihre Kinder bestimmt ist, auszu» bringen. Der hungernde Bauer und die— Rheinreise. Das Organ„Landbund Tellow und Bettin" vom IS. März ver» öffentlicht den„Nottuf der Teltower Bauern". Es heißt da: Wir haben nichts mehr! Wir zahlen nichts mehr! Wir sind erwerbslos, aber trotzdem arbeiten wir weiter. Wir verrichten Notstandsarbeiten an dem Acker usw." Und zum Schluß:„Wir stehen bereit zum Marsch nach Berlin und erwatten den Ruf der Führerl" Sehr nett und durchaus passend zu diesem schaurigen Elendsruf ist die auf derselben Seite im Terminkalender gegebene Auf- Zählung der bevorstehenden Vergnügungen, die von den hungernden Teltower Bauern veraustattet werden. Da steht vor allem verzeichnet: 10,— IL Mai. Rheiureije de» graues» weil der Linienchef und der Rangierer ja aus derselben Schüssel essen, sozusagen, weil infolge der Organssation dem Linienchef der dreckige Schmierer nähersteht als der Staat und als die Interessen des Handels und der Industrie und des Volkswohls, die für ihn alle erst nach den notwendigen Lebensbedürfnissen seines Genossen Weichen- stellers kommen, so braucht der Lokomotivführer eigentlich nicht erst lange zu fragen: �Heizer, was machst du?" Er weiß die Aniwott schon lange vorher. Und er weiß, was olle übrigen Eisenbahner, die hier herumstehen und auf die Absettigung des Güterzuges warten, antworten werden. Da sind erst einmal die eigenen Kameraden von der Gewerkschaft. Und wenn die auch alle gesund wären, da würden sie dennoch gehen. Denn da sind ja auch die Fohrgäste, die in Not sind. Denn wenn auch die Gewerkschastsgenossen an erster Stelle kommen, an zweiter kommen dann aber gleich die Fahrgäste, für deren Wohl der Eisen- bahner sich mehr verantwortlich fühlt als für das seiner eigenen Fomlli«. Denn das lehrt ihn seine Gewerkschaft. Und seine G-werk- schaft Hot immer recht, was auch oll« anderen, der Erzbischof einge. schloffen, sagen mögen. So sagt der Heizer:„Ich fahre die Personenzuglokomotive voraus als Sicherheit. Du folgst auf fünfhundert Meter und hast dann ge- nügend Zeit, deinen Zug zu halten, wenn ich mit der Vorlokomotive abrutsche, weil die Gleise raus sind" Die Lokomotive wird in Gang gebracht, ein Schmierer springt al« Heizer mit rauf, und dann fähtt die Lokomotive rückwärts hinaus. Der klein« Hilfszug ist inzwischen fahttberelt. und alle Güterzug- beamten. obgleich sie alle Frauen und Kinder haben, springen rauf. Es springen auch noch einige der herumstehenden Leute nach, und der Zug schießt los in die Nacht hinaus. Die Sicherheitslokomotive fand die Schienen In Ordnung. Es war nichts blockiert. Aber als sie näher zur Unfallstelle kam, wurde Schnellfeuer auf sie eröffnet. Die Banditen hatten in der Nähe jener Stelle, wo sie den Lokomotivführer zum Halten zwangen, ihre Pferde verborgen ge- habt. Sie waren noch mit dem Auflesen der Beute beschäftigt. Und die, die hier bei den Pferden standen, schössen sofort auf die Lokomo- ttve, um sie am Weiterfahren zu hindern, damit sie die übrigen Banditen nicht am Einsammeln stören sollte. Der Heizer erhielt einen Schuß ins Bein, fein Hilfsmann einen Stteifschuß am Ohr. Aber sie rasten voran, nachdem sie dem folgen- den Zuge mit der Laterne das Signal gegeben hatten daß die Strecke leibst in Ordnung fei. Der Hilfszug wurde auch mit Schüllen begrüßt. Aber einige der Beamten hatten Revolver und antworteten. Die Banditen konnten in der Dunkelheit nicht erkennen, ob in den unbeleuchttten Wagen vielleicht gar schon ein Trupp Soldaten sei. Sie schienen es anzunehmen. Denn sie ellten zu den Pferden und ließen alles liegen, was sie bis jetzt noch nicht hatten auspacken können. Sie saßen auf und ritten davon, hinein in den dichten Dschungel, die Richtung auf dos Gebirge hallend.(Forts, folgt.) I Landbundes Teltow— was doch wohl ketne so ganz billig« Sache ist. Die Mehrzahl der Nichtlandbündler dürfte sich diesen Luxus wohl nicht gestatten. Ferner sind oerzeichnet: 20. Mai, 8. Juni, 16. Juni, 24. Juni usw. R e I t« r f e st e in Teltower Ort- schaffen. Der Landbund versteht die Regie doch noch nicht besonders: wenn er diese Vergnügungen abgesagt hätte, wäre der Eindruck seines Notrufes wohl stärker gewesen. Das tödliche Gähnen. In Horse Eave(Nordamettka) gähnte der 82 Jahre alt» Mac Farland so herzhast, daß sich beide Kiefer ausrenkten. Die zu Rate gezogenen Aerzte renkten zwar die Kiefer wieder ein, doch Farland erholle sich von dem dabei ausgestandenen Schreck nicht mehr und starb. Berlins älteste Pumpe, Berlins dfieste„Pumpe" wird m den nächsten Tagen abge* nuten, Sie ÜU 100 Jahre alt und unrdmchi mehr beirieber� WAS DER TAG BRINGT. Kreismeisfer im Fu�balL Vor der Arbciicr-Fuijball-Mcisiersdioft. Die Norkämpfe um die V e r b a n d s- und B u n d e c> m e i st e r- schuften im Ar b e iterfuß b all sind in vollem Gange. Der vorjährige Vundesmeister, Dresdener Sportverein 1910. ist schon bei den Spielen der Bezirksmeister ausgeschieden— wer wird sein Nachfolger? Vielleicht kommen die Berliner einmal an die Reihe, die sich im Vorjahre nicht beteiligten, teils aus finanziellen Gründen, in der Hauptsache aber, weil ihnen die Meisterschaftsspiel« zu.bürgerlich" erschienen. In diesem Jahre sind sie mit dabei. Die Kämpfe um die K r e i s Meisterschaften hatten folgendes Ergebnis: Im 1. Kreis siegte Adler 08 im Schlußspiel gegen Ltankwis; mit 10: 0 und ist somit Kreismeister. Adler 08 hat auch gegen Danzig-Schidlitz mit 9:0(3: 0) gesiegt. Der Entscheidungs- kämpf um die Ostdeutsche VerbandsTneisterschaft findet am 1. April gegen Forst-Süden oder Stettin in Berlin statt. Siegt Adler hier ebenfalls, so kann er als ernsthafter Anwärter für die Bundes- Meisterschaft gelten. Im 2. K r« i s eroberten die Sportfreunde Dessau mit 5:1(1:1) gegen Freie Turnerschast Aschersleben den Kreismeister. Der 3. Kreis sieht den B a l l s p i e l k l u b Vorwärts-Lübeck an der Spitze als Meister, der über chansa. Kiel mit 2: 1 den Sieg errang. Im 4. K r e i s hat nach der Nieder- läge des vorjährigen Lundesmeisters Dresdener Sportverein nun Dresden-Löbtau den Meister gemacht. Der 5. Kreis brachte im Schlußspiel VfL. 88-Naumburg an die Spitze, der mit 6: 2 die Gochaer schlagen konnte. Naumburg war auch im Vorjahre bereits Kreismeister. Die zweitgrößte Fußballzentrale, 6. Kreis, sieht Preußen-Altenessen als Sieger. Im 7. K r e i s wurde zum erstenmal Nürnberg ausgeschaltet, die mit 4:3 von Weiden geschlagen wurden. Im 8. Kreis hat Böckingen den Kreis- meister gemacht, während die Stuttgarter ganz abfielen. Der 9. Kreis präsentiert Fr a n k f u r t- W e st e n d, das in der Kreis- klasse alle Spiele mit Ausnahme eines unentschiedenen gewonnen hat. Im 10. Kreis siegte Vorwärts-Neuhofen gegen Lörrach mit 4:2. Beim 11. Kreis fiel der bisherige Kreismeister Weser- Bremen ab, an seine Stelle trat Buntentor- Bremen mit einem Sieg von 2: 0 gegen Alfeld. Die Königsberger mußten im 12. Kreis eine Niederlage durch den Danziger Bezirksmetster S ch i d l i tz(5:1) einstecken. Vom 13. Kreis liegt dos Resultat nicht vor. Breslau-Süd hat im 14. Kreis Ring-Sandberg mit 3:1 geschlagen und damit den Kreismeister gewonnen. Im 15. Kreis gewann Ballfpielklub 1919�tettin. Der 16. Kreis hatte harte Kämpf«, aus denen Forst-Süden schließlich als Sieger hervorging. Im 19. Kreis fiel der vorjährige Kreis» meister ebenfalls durch, an desien Stelle München-Gern, Fuß- bollabteilung der FT. München, mit 4:3 gegen München-Süd siegte.— Die Verbandsmeister im Fußball sollen bis zum 22. März bereits gemeldet sein. Es wird daher bald zu übersehen sein, wer als Anwärter auf die diesjährige Bundesmeisterschaft in Frage kommt. Vootsfcmfc bei der FTGB. Riemenvierer„Jean Jauris". Zahlreiche RubersreSnde waren am Sonntag bei der Freien Turnerlcholt Groß-Berlin m Rie�er'chönemeide ver- sammelt. Der Ruderer-Gesangschor eröffnete die Feier. Dann hielt der Vorsitzende Noack die Weiherede: Wir haben das Bot auf den Namen Jean Iaures getonst, jenem großen Friedens» freund des internationalen Proletariats, der bei Kriegsausbruch sein Leben lassen mußte, weil er für. die Bölkerversöhnung eintrat. Sein Andenken soll geehrt werden, wenn wir im friedlichen Wettkampf desien eingedenk sind, daß nur der sozialistisch« Gedanke zur allge- meinen Bolkswohlfahrt führt. Der Vereinsoorsitzende begrüßte die Ruderer zu dem neuen Erfolg, der den Sport zu Wasser und zu Sande weiter fördern möge. Delegationen der Rudervereine„Bor» wärts' und„Stralau" überbrachten Grüße. Em dreifaches Frei Hell schloß die Feier. Der neue Ruderbezirk(früher Derein, Müder- freunde") rüstet bereits eifrig zur sportlichen Arbeit. Interessenten des Rudersports können sich beim Borsitzenden Oskar Noack, Neukölln, Nogatstr. 46, melden. Die ersten Ltrahenrennen. 100 km im BDR. Mt«inem 100» Kilometer. Rennen für Anfänger auf er Spandauer Rundstrecke eröstnet« der Bund Deutscher ladfahrer die Berliner Radrennsaison. Der Nennungsschluß bcrtrof alles bisher Dagewesene, 400 Fahrer hatten nicht nur nterschrieben, sondern stellten sich bis auf wenige Außenseiter dem itarter. Die Neulinge wurden in vier Gruppen entlassen, weil man wischenfällen vorbeugen wollt«. Trotzdem konnten Stürze und ein cheblicher Maschinenschaden nicht verhindert werden, doch gab es >ine ernstlichen Unfälle. Am schnellsten fuhr die zweite > r u p p e, in der die„Arminen" das Tempo angaben. In der irrten Gruppe fiel besonders Thomm auf, in dem ein großes älent zu stecken scheint. Die gefahrenen Zeiten sind als ganz her- orragend zu bezeichnen. Nachstehend das Ergebnis: 1. S). Wach- olz lArminius) 3:06:37,4: 2. Rüdiger(Einzels.) 3:06:38: 3. W. Herr mnn(Arminius) 3:06:42: 4. E. Thamm(Postsportvero.) 3:10:21: R Krüger(Ketzin) 3:10:25: 6. B. Mahr(Union-Ob.) 3:10:35: Busse'(Einzels. 3:10:40; 8. H. Krüger(Sperber) 3:11:22; . H. Dasch(Diamant) 3:14:04; 10. Bartolomäus(Defekt 02) 3:14:06. Noch kein Berliner Fußballmeister. Im zweiten Entscheidungsspiel um die B e r l i n e r F u ß b a l l» leisterschaft gewann gestern im Stadion Tennis. Borussia gegen den bisherigen Titelinhaber Hertha-BSC. mit :1. Dem Spiel wohnten ungesähr 35 000 Personen bei. Di« end- ältige Entscheidung über die Meisterschaft fällt am 15. April in einem ritten und ausschlaggebenden Gang. ■ Ufydrfia�. trosic 17/20, Montags und Donnerstag, 20—22 Uhr. Frauen über 25 Jahre: klurnholle Kaiser-Friedrich-Str. 4(Hcrmannplatz, Neukölln), Montags 20-22 Ihr: Lurnhall« Dieffendachstt. 01, Mittwochs 20—22 Uhr.— Be, rl Südosten: llurnhalle Slogauer Straße, Montags und Donnerstags 20—22 Uhr.— Bezirk Beste»: Turnhalle ElßHolz. Ecke Pallasstrahe. Donnerstags 20—22 Uhr.— Sezirl Osten: Turnhalle Straßmannstr. 0, Montags und Donnerstags 20—22 !lhr. Frauen über 25 Jahre: Ziigaer Etr. 8, Mosttags 20-22 Uhr.— Bezirk tzorde» 1: Turnhalle Eraunstt. 12, Montags und Donnerstags 20—22 Uhr.— Bezirk Nordring: Turichall« Sonnenburger Str. 2, Montags und Donnerstags »—21 Uhr. Sportabteiinng: Turnhalle Dreifenhagener Straße, Montags v— 22 Uhr.— vestrk Norde» NI: Turnhalle Piltbnsser Str. 22, Montags und Donnerstags 20—22 Uhr.— Bezirk JBeWing: Turnhalle Lessing-Gyninasium, Bankstraße, Montags und Donnerstags 20—22 Uhr. Sportabteiluna: Turn» Xllle Lessing. Gymnasium, Pankstraße 18, Dienstags 20—22 Uhr, krauen über 28 Jahre: Ruheplatzstraße, Dienstags und Freitags 211-22 Uhr, - Bezirk geatrnm: Turnhalle Ähbenicker Ettatze, Dienstags und Freitags N— 22 Uhr.— Bezirk Rofentbnl: Turnhalle Kastanienallcc, Dienstags und kreitags 2»-« Uhr.— Bezirk Karow: Lokai„gmn Pankgrafcn", die,,»tag« 20—22 Uhr.— Bezirk BiickholZi Städtische Turnhalle, Montags ind Dounerotag, 20—22 Uhr.— Bezirk Friedenau- Turnhalle Sosiierstraße, dienstags nnd Freitags 20—2» Uhr.— Bezirk Licktenberg: Turnhalle Markt- traße 2/3, Dienotago NN» Freitag» 20—22 Uhr.—»ezirk«arlshorst: Turnhalle dyzelim Röm»N»g, Mittwoch« 20-22 Uhr.- Kanu-Bezirk- Anfragen an U. Rind, 6, Mittenwalder Str. 80,— Bczlrk Nuderfreunde: Booihaus Nieder. Schöneweide, Berliner Stt. 97/88.— Bezirk Tennis-Rot: Aufragen an *, Kohl»,£>, Wcitenweg 63, Die Arbeit der Steinarbeiter ist gefahrvoll und außerordentlich hart. Sie vollzieht sich in Wind und Wetter und bringt einen starken Verschleiß an Kleidung und Fußzeug mit sich. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren waren Straßenbau und Hochbau lahmgelegt. Erbarmungslos wurden die Löhne herabgedrückt und die schlesischen Steinarbeiter mußten hungern und konnten sich nicht dagegen wehren. Im Jahre 1925 setzte eine Hochkonjunktur ein, die den Unternehmern außergewöhnlich gute Gewinne brachte. Auch die Jahre 1926 und 1927 waren gute Geschäftsjahre, aber die Löhne blieben unten. Obwohl die Verkaufspreise der schle- fischen Unternehmer durchweg denen der übrigen Pslastersteinbezirke in Deutschland angepaßt, in einigen Fällenjogar höher sind, blieben die Löhne der Steinarbeiter in Schlesien weit, weit unter den Löhnen der Steinarbeiter in den Nachbar- und Konkurrenz- bezirken zurück. Die Zeit- und Akkordlöhne in Schlesien blieben bis zu 60 Proz. hinter den Löhnen der übrigen Steinarbeiter. Nach dem letzten Lohntarif, der am 29. Fe- bniar abgelaufen ist, betrug der Spihenlohn der Facharbeiter 59.8 Pfennige, die Löhne der Hilfsarbeiter schwankeitjiwischen 43,6 und 48,8 Pf. in der Stunde. Auf diese Schandlöhne oauten sich auf Grund eines Reichstarisoertrags die Akkordlöhne auf. Seit Jahren ver- suchten der StSinarbeiterverbond, tarifliche und staatliche Schlich- tungsinstanzen die Unternehmer zu bewegen, die Hungerlöhne auf- zubessern. Alles vergebens. Bei Ablauf des Tarifvertrags am 29. Februar forderte der Verband, daß die Löhne für die Facharbeiter auf 75 bis 80 Pf., die der Hilfsarbeiter auf 58 bis 62 Pf. erhöht und die Akkordsätze darauf eingestellt werden sollten. Was sagten die brutalen Unternehmer dazu? Sie erklärten sich„bereit", die bisher geltenden Hungerlöhne ohne einen Pfen- nig Erhöhung auf weitere zwei Jahre zu„verein- baren". Zu dieser beispiellosen Verhöhnung der Arbeiter gesellten sich noch obendrein Schikanen und Eigenmächtigkeiten einzelner Betriebs- leitungen. Außerdem: Vertreter kommunaler Baubehörden erschienen in einzelnen Betrieben von Striegau und beanstandeten die Qualität der Produktion. Daß der s ch l e s i s ch e Steinarbeiter einen laufenden Meter Bord st ein z. B. um 1)4 M. nicht so sorgfältig herstellen kann, wie der Stein- arbeiter im Nachbarbezirk, der für dieselbe Arbeit 3 M. 4 0 P f. unter sonst gleichen Voraussetzungen bekommt, liegt auf der Hand. Den Steinarbeitern blieb kein Weg mehr als der Streik. Zunächst legten 1700 Steinarbeiter in Striegau die Arbeit nieder, bald darauf folgten ihnen weitere 2900 Mann. Der Rest von 2400 Mann verhält sich auf Weisung der Organisation noch abwartend. Der Schlichter für Niederschlesien beraumte Verhandlungen an. Nach 14stündigen Verhandlungen erklärten die Unternehmer als äußerstes Angebot, den Facharbeitern 6 4)4 Pf., den Hilfs- arbeitern 52 bis 55 Pf. zu zahlen. Das lehnten die Arbeiter ab. Die Unternehmer forderten Vertagung. Der Kampf geht weiter. Die kommunalen Baubehörden wissen aus den Preisoergleichen mit anderen Steinarbeiterbezirken, wo bis zu 60 Proz. höhere Löhne gezahlt werben, am besten, daß die Forderungen der 7000 Steinarbeiter in Schlesien berechtigt sind. Sie dürften ihre Aufträge nicht einem derart profitgierigen Unter- nehmertum zuwenden, das durch seine Hungerlöhne gute Arbeit unmöglich macht. Solange die Unternehmer von den Baubehörden trotzdem gute Preise bezahlt be- kommen, solange zahlen sie keine anständigen Löhne. Solange aber müssen die kommunalen Wohlfahrts- ä m t e r den Steinarbeitern Zuschüsse zu den Löhnen zah- l e n, um die Familien der Arbeiter nicht oerhungern zu lassen. Neunzehn Jahre lang haben die Steinarbeiter sich nicht gerührt, sich mit ihrem Los abgefunden. Jetzt aber find sie fest ent« s ch l o s s e n, mit aller Zähigkeit zu kämpfen, umendlichLöhne zu bekam men, die sie mit ihren Familien vor dem Hunger schützen. Die Sympathien aller anständigen und gerecht denkenden Menschen sind aus ihrer Seite. Sache der kommunalen Baubehörden aber müßte es sein, im Interesse einer ordent- lichen Ausführung ihrer Aufträge hier ein Wort mitzureden. Die niedergebrannten Mehlspeicher. Da»©rvßfiH« auf hm Gelände des Lehrter Güterbahnhofe-, über das wir bereits am Sonntag ausführlich berichteten, konnte erst in den Vormittagsstunden des Sonntags völlig niedergekämpft werden. Der grofce Hamburger Mehlspeicher ist bis auf die Um- sassungsmauern niedergebrannt. 8000 Zentner Zucker, mehrere hundert Tonnen Mehl und Getreide wurden restlos ein Raub der Flammen. Der Gesamtschaden dürfte nach vorsichtiger Schätzung eine Million Mark noch übersteigen, ist jedoch zum größten Teil durch Versicherung gedeckt. Das Unglück stellt eine der größten Drandkatastrophen dar, von ./8.t,lU./74/UUflJI.UlU__________ I 1«.«» ist. Insgesamt mußten 16 Löschzüge mitsamt den Spezialfahrzeugen, Rettung?- und Rüstwagen aufgeboten werden. Das Feucrlösch- bool II, das im Nordhafen stationiert ist, war gleichfalls an die Brandstätte beordert worden und bcteisigte sich von der Wasserseite an der Löschaktion. Die Mannschaften haben fast Uebermenschliches geleistet. Bis in die Mittagsstunden des Sonntages hinein waren noch drei Löschzüge on der Brandstelle mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Es mußten noch mehrere Schlauchleitungen in Tätig- keit gesetzt werden, da sich bei den ArbciteP immer wieder kleinere Brandherde zeigten.- Die Brandstätte bietet den Anblick trostlosester Verwüstung. Meterhohe Trümmer» Haufen liegen innerhalb der rauchgeschwärzten Umfassungsmauern. verbogene schwere Eisenträger geben ein Bild davon, mit welcher Wut das Feuer gerast hat. Zwischen den Trümmern die großen Warenvorräte, die, soweit sie nicht vom Feuer vernichtet wurden. durch das Wasser für den menschlichen Genuß unbrauchbar gemacht worden sind. Auch die anschließenden Speicher zeigen Spuren des Feuers, doch konnten sie durch dos tatkräftige und umsichtige Eingreifen der Wehren restlos geschützt werden. Die Enistehungsursache, die bisher noch nicht ermittelt werden konnte, war in den heutigen Vormittagsstunden der Gegenstand eingehender trimi- nalpolizeilich«r Ermittlungen. Da an der Brand- stätte ein Brandherd nicht mehr festgestellt werden konnte, ist die Polizei bemüht, durch Vernehmungen der dort be- schäftigten Arbeiter Klarheit zu schaffen. Di« von verschiedenen Seiten geäußerte Vermutung, daß Brand st iftung vorliegl, scheint nach Anficht der Feuerwehr und der Polizei nicht zuzutreffen. Am Sonnabend verließen um 1 Uhr die letzten Arbeiter den Speicher. der daraufhin abgeschlossen wurde. Erst gegen 22 Uhr kam das Feuer zum Ausbruch. \ Monte». 19.3.2». Staati-Op« 1 AmPl.d.Repnbl. VI, Uhr [Der Ärzt wider Willen ! itaatt. Sduospiiltz. in GnJermnrti 8 Uhr Montag, 19.3.28. Bismarc It Str. U.-Tui IL taf. TVa 1 Staatl. Sdiitlertfi. I Charlottenburg 8 Uhr Velks büh ne TImiR» HUviWi 3 Uhr ßieüiUeift&g UioGisQirona Ti. M MtfAmmiiB 8 Uhr Der Zigarettes- kaste* Renaissance- Theater Steinpiatr 901 «i3 ukr Coeur Bube. DeutrdiesTtieates Norden 12 310 AbonnememsbU ro: Norden 10338—39, Uhr, Ende 10 U Zw61flaa/, U„ Ende 10",, U. Marcel Fradelia (Der Eunuch l Klsines löeaier' Tielich 8',, Uhr ErUta&fcSRcr ih Grcfchm Pttr Jugendliche nicht geeignet SiltHtarz-ffliin vis. Künstler-Th 8 Uhr Dl« gofdne Mefsteria Piscatorhühne Theater am Nollandorfplatz Kurfürst 2091/93 Anl.8, Ende geg. ti Die Abentener de» braven Soldalcn Sdnrefk mit Mm PzlliDbirtz igte. Eiwig Fliatv Gastspiel im Lessing-Theator Norden 12798 Täglich 8 Uhr Sopplft. wir leben 1 von Ems« Toller Insc. Erwin Piscator Lustspielnaus 81/. Uhr Onld« Thielscher Jirtn C-KtfeSstnülsicht" Ttotn du Veltens Täglich Uhr Zwnin Kiurinaa. G.(Wiera lutug Lichtenstein, Hoibauor, Plei--eher Bert, tutaj. Wi««. •radsky. Brnnät Th. iffl Ädmirahpi'�t Letzter Mona Tägt.SV. 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Mpl. 16077 Täglich 8 Uhr Ssnntag, nachmittags 3 Uhr- Elite- Sänger im März-Spielplan d. gr. Schlage, Volksstück in I Akt. Ferne, t Schorsch Ruselll. der Meiste, der Komik in„FrOlUMUSiailiier'* Reichshallen�Theater 8 Uhr. Sonntg. nachm 3 Uhr. Das wundervolle Progr. der Stettinor Sänger achm. er IN 40. Preise. uönnoH'Bran'ii x«i miutndH KaritlS-Pio�anini T Tuul hlana 8 Hin. Ig,. Z>. - unr E,oUu'Inx«i' Str. 37 Doktor Klaus. Anudmeiden: Gutschein 1—4 Pers. Fauteuil nur 1,10 M� Sessel IckO M Nollendort 7360 Enrico Rastelli unc3 weiter® international e 1 Varielö.Attraktionen. LJUERGENS ALEXANDER PLATZ Wir garantieren für passende Gläser Wilhelm Zapletal, Optiker und rahlen den Betraf binnen 4 Wochen rurück, falls Sie nicht voHstandig zufrieden sein sollten, Ausenantersa ch ung kostenlos.— Reparaturen sofort— Lieferant für Krankenkassen, I. Frankfurter Allee IL Badsfra�e 14 ID. Bergstraße 33 zw. Mauuar u. Fn#diicb-iüui*5te. zm Blii, Qczuadbrunnea zw. Steuuneu- u.Tboiiu�uc,